Nr. 204 ♦ 44. �ahry. Musgabe A Nr. 104 Bezugspreis. WStentlich TD Sftnma, monatlich S.- ätcidismarf voran» wölbe i, Unter RteuAbanb tllr Seutfduanb, D>t>v»o Saar- unC Siemtlatbiet. OtiKcieid) Litauen Luremdirr« 4.50 Zicutismait. kür 6a» llbri«, Ausland 5 j0 Reichsmart pro Stvnat. Der«Sormitt»' mit der iDutWer. len Sonnlag»beilag«.Roll und Seit* (omie den Scilagtn.Unterbaltuno UNO Eisten*.Au» oer Silmtvelt*. .Srauenitimme*.Der Kinder» freund*.Iuaend-Lormärts* und »Btick in die Büchermelt* erscheint wachenläalich tweimal� Lonntao» und Montaa» einmal. ielearauim-Adrelte: »Svztatoemolrul Verllee*' Sannkagsansgade ZZerttnev NolKsvlatt (�15 Pfennig� Anzeigenpreise: W«»inlvaitta« Ronvareill«- icilt 80 Pkennla. ReNameteil» S/— Reichsmarl. Ulleine Rn, eigen* da» iettaedruckt« Wort 25 Ptenni« fZuldtüa ,w«t tettaedrucklr Worte). led«» weitere Wort 12 Viennia. Gtellenaetuche das erst« Wort 15 Vtennia. tedes weitere Wort Ig Ptennia. Worte über 15 Buch- Itaben iSdlen für»wei Wort«. tlrbeitimarkt Seile 50 �Ztennia. ikamilienaniteiaen kür N*>onnenten Seile 40 Diennia. tlnueiaen kür die nüchste Rümmer müssen bi« 4V) Übt nachmittaa» im Kauvtaeschiitt. Berlin SW 55. Linden- strobeZ. adaeaebrn werden. DcSfsnet von 514 Ubr trüb bis 5 Ubr uachm Tentralorgan äer 8o2ial schassen, die sie ermöglicht, in kurzer Zeit die gesamte mann- l i ch e Bevölkerung in die Armee einzustellen. Wenn es zu einem neuen Weltkriege kommt, werden als Kanonenfutter nicht mehr Dutzende von Millionen, sondern über 100 Millionen Menschen verwendet werden. >« Der Weltkrieg hat durch die Zahl der blutigen Opfer olle vorigen Kriege weit übcrtroffen: 10 Millionen Menschen haben auf den Schlachtfeldern den Tod gefunden, etwa zwetnial so groß ist die Zahl der Verwundeten gewesen: Es wurden getötet verwundet Deutfcbland..... 1 885 000 1 248 200 Oesterreich-Ungarn.. 1 450 000 2000 000 Türkei....... 450 000 675 000 Bulgarien..... 70 000 100 000 Zusammen rund 4 000 000 rund 7 000 000 Rußland..... 2-2 500 000 4—5 000 000 Großbritannien.. 743 000 1 693 360 Britische Kolonien. 202 300 42�600 Frankreich.... 1 358900 2560000 FranzösischeKolonie» 67 000 140 000 Italien..... 497 000 919 600 „ Rumänien.... 159 000 170 000 Belgien und Serbien 800000 1000 000 Ber. Staat. v.Amerikn 56 600 246 000 Zusammen rund 6 0UOUÜO rd. 12— 13 000 000 Mit den Särgen der Gefallenen, der«ine neben den anderen gestellt, könnte ein Weg von 10000 Kilometern— etwa von Berlin bis Wladiwostok— gepflastert werden. Würden diese Särge in Eisenbahnwagen geladen werden— 50 Särge je Wagen—, so wären 10 000 Trauerzüge von je 20 Wagen erforderlich, um die Toten nach ihren Heimatstätten zu bringen. Seit dem Weltkriege hat aber die Technik der Bernlckstung weitere Fortschritte gemacht, und es ist anzunehmen, baß der zu- künftige Krieg, falls er kommen sollte, eine noch größere Zahl der Opfer mit sich bringen wurde « Der Weltkrieg hat den beteiligten Völkern etwa 7 0 0 M l l» liarden Gold mark gekostet. Es ist nicht leicht, sich die reale Bedeutung dieser Zahl vorzustellen. Es genügt aber, zu be- merken, daß dieser Betrag etwa den doppelten Wert des Eisenbahn- neßes der ganzen Welt, etwa den 2Sfachen Wert der Welthandels- flotte darstellt. Der Wert des Goldes, da« in der ganzen Welt seit dem Ende des 35. Jahrhunderts gewonnen wurde, macht nicht mehr als 10 bis 11 Prozent der Kosten des Weltkrieges aus. Die 700 Milliarden Goldmart, die für den Krieg verausgabt wurden, hätten genügt, um da» gesamt« Oedland Europa, in blühende Gärten umzuwandeln, um die gesamte Bevölkerung der europäischen Staaten mit gesunden und bequemen Wohnungen zu versorgen, um jedem Werktätigen eine ausreichende Altersrente zu sichern. Statt dessen stehen auf der aktiven Seite der Rechnung über die Berwenduirg dieser ungeheuren Mittel-- 10 Millionen Gräber und 20 Millionen Verwundete... -i- Neben den unmittelbaren Kriegskosten müssen noch die in-. direkten wirtschaftlichen Verluste infolge des Krieges berücksichtigt werden: zerstörte Städte, verbrannte Dörfer, versenkte Schisse, sowie der vom Kriege verursachte Ausfall der Produktion. Die Kriegszerstörungen können etwa auf 70—75 Milliarden Gold- mark(weit mehr als das jährliche Volkseinkommen Deutschlands« geschätzt werden. Um den Ausfall der Produttion der europäischen Staaten(ohne Rußland) in den letzten acht Jahren(1919— 19?6) zu ermessen, muß man ihre tatsächliche Produktion mit dem Stand vergleichen, den sie erreicht hätte, falls das wirtschaftliche Leben Europas In diesen Jahren sich mit derselben Geschwindigkeit wie vor dem Kriege entwickelt hätte. Ein solcher Vergleich zeigt uns, daß die Völker Europas in den Nachkriegsjahren an der Zerstörung ihrer Wirtschaft etwa 400 bis 500 Milliarden Mark mit der Kauf- lraft der Borkriegszeit(oder etwa 600 bis 750 Milliarden Gold- mark nach Gegemoartspreisen) verloren haben. Diese Wirtschaft- lichen Verluste sind also kaum geringer als die unmittelbaren Kriegs- losten. -» Der Weltkrieg hat den Siegern und den Besiegten nicht nur Gräber, Trümmer und Schulde«: hinterlassen, sondern auch eine ungeheure Meng« von Beschädigten und Hinter- bllebenen. Auch ihrer Zahl sollen wir uns am 1. Mai er- Innern. Ursprünglich betrug die Zahl der Kriegsbeschädigten in allen Ländern etwa 10 Millioium, sochher ist sie zurückgegangen. Im Jahre 1921 hat das Statistische Reichsamt folgende Zusammen» stellung veröffentlicht: Die Zahl der reu ten bezugsberechtigten Kriegsbeschädigten Rußland(1921,....... 775 000 Männer Deullchlaud(1923)...... 1 587000, Großbriiann eik(1623)..... 900 000 Frankreicb(1920)....... 1600 000, Italien(1921)........ 800 000 Polen(1921)........ 820 000 Rumänien(1922)....... 100000, Ti-beckioslotvalei(1922)..... 236 000, Jugoslaivieu(1921)...... 164 000, Belgien(192t)........ 50 000 Oesterreick(1921)....... 164 000 Finnland(1021)....... 10 000, Verein. Staaten von Amerika(1922) 157 000 Kanada(1922)........ 46 000 Auslralien(1922t....... 76 000, Neuseeland(1922)....... 20000 Zusammen 6 654 000 Männer Durch die Abfindung der Kriegsbeschädigten mit geringer Er- werbsbefchränkung(10 bis 20 Proz.) wurde diese Zahl etwas herabgesetzt. Im Oktober 1926 betrug die Zahl der rentenbezugsbercch- tigten Beschädigten in Deutschland 736 900 und zwar: Beschädigte mit einer ErwerbSbeschränkunz von 100 Proz.. 38 800 * w m 9 m 90 m» o 400 . 80.. 27 300 . 70.. 55 400 . 60,.66 300 .,, 50 ,. 180800 . 40.. 1>S800 ,,, 30,. 294 300 In der traurigen Liste der Kriegsbeschädigten waren(im Oktober 1924): Beschädigte durch Bltndbeit............ 2 903 .. Lungentuberkulose........ 41748 ,, GeisteSkranlbeit......,.. 6 427 Cetlust von 1 Bein........ 44 857 . 1 Arm........ 20 952 ,. 9,2 Beinen....... 1 269 ...,2 Armen....... 135 Die Zctfil der Kriegewaisen in Deutschland betrug im Oktober 1926: 917 890, die Zahl der Kriegswitwen: 370 981, die Zahl der Eiternrenlenempfättger: 225 279 Etwa zweimal so hoch sind die entsprechenden Zahlen für die Staaten der Entente. Im ganzen ist gegenwärtig in Europa das Heer der auf die öffentliche Fürsorge angewiesenen Kriegsbeschädigten und Krieger- hiitterbliebeneii weit größer als die für iteue Kriege bereiten stän- d-gen Heers. Die Ernte des Todes bei dem neuen Weltkrieg«, falls «r kommen sollte, würde noch größer sein. Am l. Mai müssen die Proletarier aller Länder sich noch ein- mal den feierlichen Eid geben, alles zu tun, damit dieser neue Krieg, zu dem die Welt sich rüstet, unmöglich werde und das Entsetzen, da» Verbrechen, der Wahnsinn der Jahre 1914— 1918 nie wieder- kehr«. Die Lehre von Stockholm. Von Hermann Müller- Franken. va? zehn Zah-en waren nicht nur die Äugen der Arbeitertlaffc. sondern die aller Friedensfreunde gespannt auf Stockholm gerichtet in der Erwartung, daß von dort aus der international« Sozialismus der Menschheit die frohe Botschaft des Friedens bringen würde. In allen Ländern hatten die Massen der Bevölkerung das sinnlose Morden längst satt. Nicht zuletzt die Kämpfer in den Schützengräben und die Millionen von Gefangenen, die im fremden Lande Fron- arbeit oerrichten mußten. Worauf stützten sich die Hoffnungen der Friedensfreunde aller Länder im Frühjahr 1317? In Rußland hatte das Volk den Zaren vom Thron gestürzt. Das war mitten im Weltkriege der Sieg einer revolutionären Bewegung. Heißen Herzens fragten sich die Friedens- ireunde aller Länder: Wird die russische Revolution auch den Krieg besiegen? Di« russischen Arbeiter» und Soldatenröte gaben noch dem Sturze des Zaren an alle Well die Parole aus:„Frieden ohne Annexionen und Kontributionen auf Grund der nationalen Selbstbestimmung.* In Deutschland fand dies« Parole den lebhaftesten Widerhall. Die beiden sozialistischen Parteien erklärten ihr volles Einverständnis. An der Sitzung des sozialdemokratischen Parteioorstandes und Partei» ausschusies. die am 19. April 1917 tagte, nahmen auch Vertreter der österreichischen und der ungarischen Sozialdemokratie teil. In dem Beschluß dieser Konferenz wurde der Sieg der russischen Rc- volution mit leidenschaftlicher Anteilnahme b e- grüßt und eindeutig das Einverständnis mit der Formel bekundet, die die russischen Arbeiter- und Soldateuräte zur Friedensgrundlagc gewählt hallen. Die deutschen Sozialdemokraten hatten feit Kriegsbeginn mit den Sozialisten der neutralen Länder Fühlung gehalten. In Be- sprechungen mit holländischen und skandinavischen Sozialisten war immer wieder die Frage erörtert worden, wie ein Ausweg aus diesem furchtbaren Morden zu finden sei. Sie waren deshalb sehr damit einverstanden, daß nach dem Sieg der russischen Revolution ein holländisch- skandinavisches sozialistisches Komitee eingesetzt wurde zu dem Zweck, die Einberufung einer allgemeinen sozialdemokratischen Friedenskonferenz zu bemerk- stelligen. Als Mitglieder dieses Komitee» bemühten sich vor allem Troelstra und Balborda aus Holland, Brantina, Möller und Engberg aus Schweden, Stauning, Bforgberg und Nina Bang aus Dänemark nun monatelang um das Zustandekommen einer inter- nationalen Sozlalistenkonferenz, die die Grundlag« für einen wirk- lichen Frieden aufzeigen sollte, der nicht den Keim zu neuen Kriegen in sich tragen würde. Ihnen zur Seit« stand Camille Huysmans, der sich als Sekretär der 2. International« in vielen Jahren vor dem Krieg als internationaler Milller unter den sozialistischen Parteien trefflich bewährt halle. Als Troelstra auf der Reise nach Stockholm in Berlin durch- reiste, fanden in Anwesenheit Viktor Adler» Besprechungen mll den deutschen Sozialisten statt. Bforgberg hotte nach Fühlungnahme mit den deutschen Sozialisten wiederum auf einer Reise nach Petersburg das Terrain de» neuen Rußland sondiert. Heber den festen Willen der deutschen Sozialdemokraten, zum baldigen Frieden zu kommen, hatten die Neutralen k«inen Zweifel. Die deutschen Sozialdemokraten lKllten längst die Ueberzeugung, daß der Krieg bestenfalls als un- entschiedene Partie ausgehen würde, auf keinen Fall aber ein „Siegfrieden* zu gewinnen war. was sich übrigens die Militärs nach der verlorenen Marneschlacht auch schon hätten sogen können. In Oesterreich wundert« man sich darüber, daß der Krieg überhaupt bis 1917 fortgesetzt werden konnte. Im Friedenzwillen war dort alles einig. Kaiser Karl eingeschlosien, der, wi« sich gezeigt hat, mit Recht den Sturz der Habsburger fürchtete. Bor allem aber war wichtig, daß die Sozialdemokraten darin einig waren, daß der kommende Frieden den allgemeinen Weltfrieden bringen müsse und nicht etwa einen Separat- frieden mit Rußland, nach dessen Abschluß das Morden verstärkt im Westen fongesetzt werden konnte. Ein Separatfrieden war übrigens damals gor nicht zu haben. Die in Rußland ans Ruder gekommene Negierung K e r e n f k i ließ bald erkennen, daß sie nicht l-eabsichtigte. sich von den Entente-Rcgierungen zu trennen. Zur Herbeiführung des allgemeinen Friedens forderte die Sozial- dcmokrati« von der deutschen Regierung die öffentliche Anerkennung der russischen Formel. Die kaiserliche Regierung kam dieser Forderung entgegen, weil sie die russische Formel für sehr auslegungsfähig hielt. Sie hall« ihre Vorbehalte. Selbst im Osten wollten sie auf Grenzberichtigungen nicht ganz verzichten. Da sie keine unzweideutige Erklärung abgab, war ihre Zweideutigtell der Herbeiführung des Friedens hinderlich. Die Erklärungen der kaiserlichen Regierung genossen im Auslande schon lange, bevor der Reichskanzler Michaelis im Reichstag« sein„Wie ich es auffasse* sprach, kein Vertrauen mehr. Man wußte, daß die Regierung Bethmann und ihre Nachfolger unter dem Druck der Ober st en Heeresleitung, die jede ehrliche, offene Fricdensgeste als ein Zeichen der Schwäche ansah, die Geschäfte führte. 1762 wurde nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth Friedrich II. von Preußen durch das„russische Wunder* gerellet und so Preußen als Großmacht erholten. Im Weltkriege hat das deutsch« Große Hauptquartier aus dem„russischen Wunder der Frühjahrsrevolution" keinen Nutzen gezogen. Ein damals gegen alle Welt ausgesprochener glaubhafter Verzicht auf alle Annexionen und Kontri- butionen zur Herbeiführung eines allgemeinen Friedens hätte sicherlich die Stimmung in allen Ententeländern auf das stärkste beeinflußt. Aber solche Politik duldete der Diktator Ludendorff nicht. Di« deutschen Militärs waren ohne jeden politischen Instinkt. Sie überschätzten die Kraft Deutschlands und seiner Verbündeten und unterschätzten die durch Amerikas Beitritt in den Krieg neu gestärkten Ententemächte. So fand die russisch« Friedensparole in den maß- gebenden deutschen Kreisen nicht das Echo, auf das fehnsüchtig die Friedliebenden der ganzen Welt waneten. Prüfstein für den deutschen Friedenswillen wäre eine klare Erklärung über die restlose politische, ökonomische und militärische Freigab« Belgien« gewesen. An der Abgabe einer solchen Erklärung hinderten die Militärs die Regierung. Hingegen half der preußische Generalstab dl« russisch« Revo» lution weiter zu treiben, indem er Lenin und sein« Freund« im plombierten Wagen durch Deutschland beförderte. Der preußische Militarismus als Geburtshelfer des Bolschewismus! Nach dem Zusammenbruch der von den Ententemilitärs geforderten galizischen Offensive führte der Bolschewismus prompt den Sturz der Regierune. Kerenfki herbei. Das Schlimmste war aber, daß die Politik der kaiserlichen Regierung so die Offensiokrast der Friedensanhänger in den anderen Ländern an der Entfaltung gehindert hat. Das holländifch-skandinavische Komitee nahm inzwischen mit Eifer feine Arbeiten aus. Es wurde sicherlich dabei so manche» Ueber- flüssige gemacht. Als z. B. die Delegierten der deutschen Mehrheits- fozialdemokratie, David, Eberl. Fischer, Molkenbuhr, Schtidemann und ich und Bauer, Lcgien und Saffenfcach von den Gewerkschaften nach Stockholm kamen, wurden wir auf Grund«ine» Fragebogens eingehend vernommen. Dabei wurde auch du Vergangenheit vom Kriegsausbruch ab erörtert. Troelstra ist vorher mit uns darin einig gewesen, daß die sogenannt« Kriegsschuldfrage zu erörtern zurzeit eigentlich zwecklos fei. Da andere Mitglieder des Komite«? anderer Auffassung waren, haben wir un» auch über diesen Punkt eingehend ausgelassen, wobei wir allerdings mll Schärf« betonten, daß es damals nicht an der Zell war, über etwaige Fehler d«r Vergangen- h«ll Untersuchungen anzustellen, sondern daß e« gelt«, den Weg zum Frieden zu finden. Bor allem aber konnten die Absichten de» hoilöndifch.skandinaoischen Konilloe» nicht zum Erfolg geführt werden, well aus den Ländern der Entente nur auf der Durchreife nach Rußland befindliche Sozialistenführer gelegentlich nach Stockholm kamen. Die Regierungen der Ententeländer betrachteten die beabsichtigt« Konferenz mit solchem Mißtrauen, daß sie den offiziellen Delegierten der französischen und englischen Sozialisten einfach d i e Pässe nach Stockholm verweigerten. So kam das Komitee über Besprechungen mit Sozialisten au, den Ländern der Mittel- mächte und über die Fühlungnahme mit russischen Sozialisten nicht hinaus. Zwischen mir und russischen Sozialisten fanden in Stockholm im Laufe der Monate eingehende Aussprachen statt. Die Russen gaben dabei die Absicht zu erkennen, daß sie selber zu einer Konferenz einladen wollten, was wiederum die Arbeit de» holländisch- skandinavischen Komittees hemmte. So wurde die Einberufung einer allgemeinen Sozialistenkonferenz immer wieder verschoben. Dabei wäre über die grundsätzliche Friedensfrage eine Einigung unter den sozialistischen«Parteien leicht zu erzielen gewesen, wenn es gelten sollte, da» Fundament für einen dauerhaften Frieden zu legen. Was zum Beispiel in dem am 12. Juni 1917 in Stockholm überreichten Memorandum der deutschen sozialdemokratischen Delegation über die Abrüstung, über das Weltfchicdsgerichtsverfahren, über die Kontrolle internationaler Verträge und die Abschaffung der Geheimdiplomatie, über die Sicherung des Welthandels und die Ab- fchaffung des Schutzzollsystems, über den internationalen Arbeiter- schütz und über die kulturelle Autonomie der Notionalllöten gesagt ist. wird heute bei allen Sozialisten Anerkennung finden. In allen diesen Punkten sind die Gewaltocrtröge von Versailles, St. Germain, Neuilly und Trianon den berechtigten Forderungen der Sozialisten nicht gerecht geworden, weshalb heute noch der wahre Bölkerfneden nachzuholen Ist. Die Friedensoertröge wurden eben ohne Einwirkung der Sozialiften aufgesetzt. Eine der Aufgaben der beabsichtigten all- gemeinen Stockholmer Konferenz sollte sein, den Einfluß der Sozialisten aus den Frieden durch Mitarbeit der sozialistischen Internationale während der Friedensverhandlungen zu sichern. Vor dem Frieden kam aber der Zusammenbruch, weil der größenwahn- sinnige preußische Militarismus einen Schcidemann-Frieden der Verständigung schroff ablehnte, hingegen 1918 noch noch Herzogs- hüten für deutsche Prinzen in Kurland und Litauen jagte und die „S i e g- F r i e d e n"- Agitation von Tirpitzcns Vaterlandspartei in jeder Weife begünstigte. Das gab wiederum den Entente-Ltaats- Männern die erwünschte Gelegenheit, unter Hinweis auf diese Agitation den Friedenswillen in den Ententeländern niederzuhauen, bis 1913 der militärische Zusammenbruch der Mittelmöchte dahin führte, daß die Sieger über den Inhall der Gewaltverträge frei von jeder sozialistischen Einflußnahme allein be- stimmten. Waren doch die Ententc-Staatsmänner sogar übereinge- kommen, den Papst von den Friedensverhandlungen auszuschalten, weil er durch seine Bolschaften für einen Versöhnungsfrleden ihnen während des Krieges mehrfach unbequem geworden war. Um der Wahrheit willen muß festgestellt werden, daß die Stock- holmer Verhandlungen nicht nur für den Frieden verloren waren, sondern auch für den internationalen Sozialiemu»»in» Niederlage bedeuteten. Auf hochgespannte Erwartung» ein« ungeheure Enttäuschung gefolgt, als die am 9. September ge- plante allgemeine sozialistische Friedenskonferenz zum dritten Male, und diesmal aus unbestimmte Zeit— in Wahrheit für immer— verschoben wurde. Die Militaristen aller Länder triumphierten über den Bankerott des internationalen Sozialismus. Sie hotten Grund zum Erstaunen. als es bald nach Beendigung des Dölkermordens gelang, die Internationale des demokratischen Sozialismus neu zu beleben, wobei die Sozialisten der neutralen Länder von der Berner Februar-Konferenz des Jahres 1919 ab nach besten Kräften Hilfe leisteten. Nach dem Kriege sahen die brellen Massen auch in den Sieger-Ländern bald«in, daß«in mit den modernsten Mitteln der Verwüstungstechnik geführter Krieg für Sieger und Besiegte gleich furchtbare Folgen zeitigen muß. Da» Fiasko von Stockholm lehrt un», daß es vor allem gilt, den Ausbruch der Kriege zu vorhindern. Dazu wurde der Völkerbund von den Siegermächten nach dem Kriegsende in« Leben gerufen. Aber der Völkerbund hat bisher noch kein Mittel gefunden, das gegen Friedensbrecher, besonders wenn st« Großmächte sind, rechtzeitig und präzise funktioniert. Da» zeigt fein« Derbesserungsbedürftigkell, auf die hinzuwirken vor allem Aufgq&e des internationalen Sozialismus ist. In jedem Land« müssen chie Sozialisten ihren Einfluß im Parlament und auf die Regierung geltend machen, damit der Völkerbund zu einer Institution wird, die diesen Namen wirklich verdient. Nach dein Weltkriege haben die friedliebenden Massen eines jeden Landes— und die Massen sind von Haus aus überall friedliebend— die Pflicht, mit ollen Mitteln für die Erhaltung de» Friedens zu arbeiten. Aber die Regierungen sind in einigen Ländern trotz demokratischer Verfassung so zusammengesetzt, daß sie nur schwer auf das hören, was die Sozialiften von ihnen fordern. Deshalb ist das Notwendigst«, daß in jedem Lande die Arbeiterklasse ein« einheitlich organisierte Macht dar- stellt, die im Interesse des Friedens stets bereit ist, ihren vollen Einfluß gellend zu machen, und daß die Arbeiter aller Länder gewillt sind, in gemeinsamer Aktion ihre Macht in die Wagschalt zu werfen. Für die stärkste Machtentfaltung der Sozialdemokratie zugunsten der dauernden Erhaltung des Welt- friedens demonstrieren wir am 1. Mai. Zeit und Kultur. Eine Maibetrachtung von Heinrich Schulz. Wer längere Zeit aus wirtsthastl'cher Not Hunger leidet, kann sich nicht vorstellen, daß er in Zukunft jemals einen Groschen Geldes für etwas anderes ausgeben wird als für Brot, für„Fressen und Saufen*, und wer längere Zeit durch Ueberarbeit bei Tag und Nacht müde und ausgeschöpft ist, kennt nur eine Sehnsucht: schlafen, schlafen und nie wieder aufwachen! Man denke nur einige Jahre zurück an die grauenhafte Ze t des Krieges. Sprachen selbst geistig hochstehende MenZchen damals über etwas andere» als über Brot- karten und Fleifchkarten und über erfolgversprechende Mittel, sich aus unerlaubte Weise einen kleinm Zuschuß zum rationierten Essen zu verschaffen? Und wer tage, und wochenlang im Schützengraben die nervenauspeitschende Aufregung und das furchtbare Getöse der unmittelbaren Kampffront durchmachen mußte, dachte, wenn er aus der Hölle überhaupt wieder rauskommen sollte, daß er nur noch liegen und schlafen wollte und sonst in der Welt nichts mehr. Aber folche engbegrenzten, materiellen Wünlche und Sehnfüchte halten erfreulicherweife nicht lange an. Der Hunger tritt durch die Selbstverständlichkeit regelmäßigen Essens bald in den Hintergrund des Bewußtseins und mit ihm die animalische Freßg'er, und wer erst richtig wieder ausgeschlafen hat. hält es über die normale Zeit hinaus im Bette nich: mehr aus. Der Mensch lebt eben nicht vom Brot ollein. Sobald er neben seiner täglichen Berufsarbeit Zeit gewinnt, dient sie ihm nicht zum Faulenzen, und das Geld, das nicht für die Befriedigung der unmittelbaren leiblichen Notwendigkeiten gebraucht wird, findet für ge stige Interessen Anwendung Sich satt zu essen, ist an sich noch keine kulturelle Betätigung, wohl aber eine erst« unerläßliche Borauefetzung dafür. Freie Zeit zu haben, be- deutet nicht immer, daß sie der Kultur nutzbar gemacht wird, aber um kulturell zu wirken, muß man Zeit haben. Zeit ist die unmittelbar notwendige Boraussetzung für Kulturarbeit. So zeigt es auch die Entwicklung der Menschheit. Erst als sich e.n« Klaijc von Menschen von der mühevollen körperlichen Arbeit von früh bis spät freimachen konnte, indem sie sie Unterjochten und Sklaven übertrug, erwuchsen bei ihr der Sinn und die Fähigkeit für kulturell« Arbeit, für Kunst, Wissenschaft. Körperpflege, össeitt- licheg Wirten. Wo immer eine bedrückte Klasse sich au, Wirtschaft- licher und politischer Gebundenheit befreite und damit Zeit gewann, erwachten bei ihr auch kulturelle Bedürfnis« und sie beeinflußte die überlieferte Kultur aus ihrem Geiste und ihren Idealen heraus. In diesem Slnne Ist die moderne Arbeiterbewegung d i e größte Kulturbewcguna aller Zeiten. Sie hat durch den gewerkschaftlichen Kampf den Arbeitern die beiden wichtigsten und elementarsten Voraussetzungen für die Kultur verschafft: durch höhere Löhne den allmählichen Sieg über die Diktatur des Magens, durch Kürzung der Arbeitszeit die freien Stunden für kulturelle Arbeit. Indem sie die Arbeiter zur Erkenntnis ihrer w'rt- schasllichen und sozialen Loge bracht« und ihnen den festen Willen einflößte, die vorhandenen unbefriedigenden Zustände im Sinne ihre, soz alistische» Ziele» umzugestalten, entwickelte sie zugleich in jedem Arbeiter mit dem Klassenbewußtsein und dem Klassenwillen das kulturell notwendige Persönlichkeitsbewußtsein und den Willen zu persönlicher Freiheit auf allen Gebieten, auf denen Verbunden- heit miteinander und soziale Abhängigkeit nicht notwendig sind. Diese gewaltige Erweckungs- und Erziehungsarbeit hat die moderne Arbeiterbewegung von den ersten Anfängen an theoretisch und praktisch für die ganze Welt, sür die„Proletarier aller Länder" geleistet, nicht zuletzt durch den Maigedanken, der am gleichen Tage Millionen von sozialistifchen Arbeitern auf dem gairzen Erdball in gemeinsamen Gedanken, Gefühlen und Willeneimpulsen vereinigt. Von Jahr zu Jahr wird dieses Millionenheer größer, die neuesten Arbeitcrkolonnen, norläulig noch etwas unsicher im Ziel und Mar- schieren, haben sich im chinesischen Riesenreich in Bewegung gesetzt. Darum ist die fozialiftifchc Bewegung an Intensität und an Aus- dehnung die gewaltigste Kulturbewcgung aller Zeiten, die ihr Wesen. ihre Ziele und Ideale von Tag zu Tag'mehr in der allgemeinen und überlieferten Kultur zur Gellung bringt. Der kurzsichtige Kapitalist und profliiagende Arbeitgeber widerfetzt sich dieser Kullurbewegung schon in ihren elementarsten Boraus- setzungen. indem er die Lohne herabzufetzen und die Arbeitszeit zu verlängern sucht. Es ist eines der traurigsten Zeugnisse für die reaktionäre Welle, die nach dem Abflauen der Nooemberreoolution mit immer stärkerem Schlag über Deutschland dahinflutet, daß sogar der Achtstundentag zum großen Teil wieder beseitigt und grund- sätzlich in Frage gestellt wird und man die Löhn« niedrig Hütt bzw. ihre Kaufkraft durch eine falsche Wirtschaftspolitik schwächt. Der einzeln« Arbeitgeber tröstet sich und seinesgleichen hierfür mit dem Argument, daß der Arbeiter höhere Löhne doch nur zum Fressen»nd kürzere Arbeitszeit doch nur zum Faulenzen verwenden würde. Die ganz« Klasse der Kapitalisten aber hofft durch folche Politik die Arbeiter als andrängende revolutionäre Klasse zu schwächen. Das ein« wie das andere ist falsch und unsinnig und außerdem erfreulicherweise erfolglos. Das ändert aber nichts an der Tatsache und mildert sie erst recht nicht, daß dieses Verhalten der herrschenden Klasse, vom Standpunkt der Kultur aus gesehen, die größte Sünde ist, die an der Kullur begangen werden kann. Wenn solche Ab- sichten gelängen, würden dadurch gerade die größten und stärksten Quellen sür die menschliche Kultur verschüttet werden. Der Kapitalist schließe einmal von sich auf andere: er hat«in große» Einkonunen und viel Zeit: dient es ihm nur zur Befriedigung animalischer G«- lüst«? Gew'ß bei vielen, ober doch nicht ol» Regel. Und wie steht es bei den Arbeitern? Ist die ganze Geschichte der Arbeiterbewegung nicht eine einzige Widerlegung des kapitalistischen Argumentes? Jede Stund« Zeit, die der denkende und wollend« Arbeiter erübrigt. verwendet er neben der Vervollkommnung des eigenen Ichs, womit er mittelbar schon dem allgemeinen Wahl dient, freiwillig und in verschwenderischem Maß« zur Mitarbeit im öffentlichen Leben, zu gewerkschaftlicher und politischer Tätigkeit, zu sozialer Hilfsarbeil, zu kultureller Betätigung. Das aber gerade braucht der Volksstaat. wenn er gedeihen soll. außer der selbstverständlichen beruslichen Tüchtgkeit, von seinen Lolksgenossen. Bei der Wahl seines Berufs und der späteren Au«. Übung kann der einzeln« zumeist nicht feinem freien Willen und feiner Neigung folgen, er leidet oft unter der Eintönigkett und Un- erfreulichkeit seiner Berufsarbeit. Um so mehr soll und wird er die freie Zeit, die ihm Berufsarbeil und Perfönlichkeitspflege lassen, freiwillig und nach feiner Neigung im öffentlichen Leben einsetzen. So führt der Achtstundentag, diese alte noch immer unerfüllte Maiforderung der Arbeiter, auch wenn sie in späteren Zeiten schon über den Achtstundentag hinaus zum Sieben- und Sechsstundentag geführt hat, nicht zur Faulheit und zur kulturellen Berlotterung, sondern immer mehr zum Wachstum der Kultur in die Tiefe und in die Breite und damit allmählich zur idealen sozialistischen Volksgemeinschaft. Cs geht dennoch vorwärts! Uns allen, vorab den von der Not der Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit Bedrängten, den bei niedrigsten Löhnen in längster Arbeitslosigkeit Schuftenden, den mit kärglichen Renten zu totaler Entbehrung verurteilten Arbeits, und Kriegsinvaliden wie den Altersrentnern, gleich den weniger aus unerträglich materieller als mehr aus ideellen Beweggründen mit der heutigen kapitalistischen Wirtschasts- und Gesellschaftsordnung Unzufriedenen, geht unsere Bewegung gar zu langsam vorwärts. Lassen wir die üblen Laute der Unken unbeachtet, die stets von Rückgang und Unter. gang künden, gleich den Stimmen der leider noch Allzuvielen, die nach dem Kriege„a uch e i n in a l o r g a n i s i e r t" waren und im Handumdrehen„eingesehen" haben wollen, daß„das alles ja d o ch keinen Zweck" habe, und die nun längst wieder genau so ver- ständnislos wie zuvor neben unserer Bewegung herlaufen und sie durch ihre verdammte Gleichgültigkeit auf Schritt und Tritt hemmen anstatt sie zu fördern, so bleiben immer noch die verschiedensten Formen in denen die Ungeduld unserer Partei-' nd Gewerkschaftsgenossen sich geltend macht. Es gibt jedoch nur eine einzige Ausdrucksform der Ungeduld, die unserer würdig und unserer Bewegung dienlich ist: die u n a b h ä n g i g e u n d u n- verdrossene Mitarbeit bei der Aufrüttelung, Belebung und Schulung der Indifferenten und ihrer Einreihung in unsere Bewegung. So wertvoll und unentbehrlich auch eine geschickte Führung und «ine kluge, erfahrene Taktik ist, so wenig ist die Macht entbehrlich. die nun einmal i n d e r Z a h l unserer Mitglieder liegt und in dem Grade ihrer geistigen sozialistischen Reise. Wir kommen nicht um die Mühen herum, den Unoerstand der Massen zu überwinden. Nach wie vor sind alle Kräfte einzusetzen um diese schwere Aufgabe all» mählich der Lösung näherzubringen. Hier liegt die Hemmung unserer Bewegung und hier ist Geduld erforderlich und Aus- dauer. Die eitle Theorie, die scheinbar in Rußland Bestätigung fand, daß es nur des revolutionären Drauflosgehens entschlossener Führer bedürfe, um die Masse gegebenen Falles mit fortzureißen, mag für Eintagserfolge gelten. Solche find von vornherein zu Rückschlägen verurteill, die zu schweren Enttäuschungen und Lähmungen führen. Dem A u s st i e g ist diese Theorie schädlich, da sie von vornherein zu Illusionen verleitet und die ganze mühevolle und notwendige agitatorische, organisatorische und erzieherische Kleinarbeit als überflüssig erscheinen läßt. Unsere Bewegung erheischt die hingebende Mitarbeit jedes ein- zelnen und bietet der trägen Schmarotzerfpekulotion keinen Raum, ernten zu können ohne gesät zu haben. D�n Zweiflern aber und ewig Verdrossenen im eigenen Lager halten wir vor Augen, was zwischen unserer ersten und unserer heutigen Maifeier liegt: ein gewalliges Stück Kullurarbcit und ein unermeßlicher Erfolg. Wie bescheiden nehmen sich heute manche unserer Forderungen aus, dke unser Parteiprogramm nach dem Fall des Sozialistengesetzes und nach d er er st en Maifeier 1890 enthiell, Forderungen, die„innerhalb der heutigen Gesellschaft" verfochten wenden sollten, wie z. B.:„Ein den Gesellschaftsbedürfnissen entsprechender Normalarbeitstag", oder„Volle Selbstver- wallung für alle Arbeiterhilfs- und Unterstützungskassen". Die Partei hatte wohl 1 427 909 Wähler st immen erhalten, allein die Zahl ihrer überzeugten Anhänger war doch sehr viel geringer. Einen Anhaltspunkt dafür mag die Uebersicht über die Partei- presse bieten, die damals 69 Zeitungen mit 254 999 A b o n n e n- t e n umfaßte. Dabei wurde der Parteileitung auf dem Parteitag in Halle der Vorwurf gemacht, daß sie zur ersten Maifeier nicht die Parole vollständiger Arbeitsruhe ausgegeben, sondern die Ein- schränkung gemacht hatte zu feiern, wo es ohne wirtschaftliche Schädigungen geschehen kann. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands hatte im März 1891 zur Ansammlung eines Maifonds aufgefordert, um die Opfer der Maifeier zu unierstützen. Bis Ende Februar 1892 waren 64 776 M. zusammengekommen. Der Halberstädter Gewerk- schaftskongreß 1892 musterte 393 519 vertretene Gewerk- schaftsmitglieder, während die Gesamtzahl der Organisierten schätzungsweise 699 999 betragen sollte. Der Kongreß beschloß, von einer Maiscnnmlung für gewerkschaftliche Zwecke Abstand zu nehmen, und es wurden Stimmen laut, die Maifeier sei eine politische Feier. Eine kurze Rückschau auf den seitdem zurückgelegten Weg zeigt jedem der sehen will, daß es vorwärts gegangen ist und daß es auch weiterhin vorangehen wird, wenn wir nicht stehen bleiben, sondern unbeirrt um das Gerede unserer Gegner von rechts wie von links, unseren Weg gehen, unseren Zielen entgegen. Das Tätigkeitsfeld der Gewerkschaften wie dos der Partei hat sich im Laufe der Zeit, zumal nach dem Kriege, gewaltig ausgedehnt. Alle Kräfte müssen eingesetzt werden. Unsere Bewegung fordert Erkenntnis und Willen; Vertrauen zur Sache, Dertrauthell mit der Sache und emsige Arbeit für d i e S a ch e. Die Begeisterung für die Ideen des Sozialismus befeuert unsere Tätigkell, führt uns aus der Enge des Alltags zu weitem Ausblick, zu internationalem Zusammenwirken. DieIugend.die heute ganz andere Möglichkellen und damit auch größere Verpflichtungen hat, sich emporzuheben, nicht nur ht körperlichem Sport, auch in geistiger Schulung, sie bringt den Elan in die Bewegung, gleicht die Abklärung der älteren Genossen aus, deren in langer Arbeit gewonnenen Erfahrungen das notwendige Gegengewicht bilden, gegen allzu großen Heber- schwang. Das gemeinsame Wirken bringt den rechten Ausgleich. An Wunder glauben wir nicht, wir wissen, das Leben ist Kamps. Zu diesem Kampf ist das beste Rü st zeug erforder- sich und stärk st eGeschlofjenheit. Die Malfeier muß in jedem den Entschluß festigen, mehr noch als bisher an seinem Teil mitzuwirken, damil es leidster und rascher vorwärts geht. Kein Streik bei See Hochbahn. Die erforderliche Mehrheit wurde nicht erreicht. Die gestrige Urabstimmung der Hochbahner drehte sich nach» der Ablehnung des Schiedsspruchs durch die Versammlung des Per� sonals um die Frage, ob die Beteiligten sich mit dem Spruch ab- finden oder aber in den Streik eintreten wollen, um günstigere Bedingungen zu erzielen. Die Abstimmung ergab wie zu erwarten eine starke Mehrheit gegen den Schieds- s p r u ch, die jedoch zum Streikbeschluß nicht ausreichte. Der Schiedsspruch gilt damit als angenommen. Das Ergebnis der in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag vorgenommenen Urabstimmung des Personals der Autoomnibus- gesellschaft(Aboag) kann erst am Montag bekanntgegeben werden. Aber auch hier wird es kaum zum Streik kommen. Der Verlauf der ganzen Bewegung bildet für die Oireksionen der Bersiner Verkehrsbetriebe und deren famosen Arbeiigeberver- band wahrlich kein Ruhmesblatt. Aber auch das Organisationsver- hältnis des Berkehrspersonals ist nicht mustergültig. Wollen die Arbeiter der Verkehrsbetriebe ihre Arbeitsbedingungen in wünschens- werter Weise verbessern, dann müssen sie in erster Linie die Lücken in den Reihen ihrer Organisatton ausfüllen. z»ge»dgr«?ve de« 8d?. Morgen, Montag, 7% Uhr, finden folgende 95«. anstaltunge» statt: Bezirk Südost. Treptow: Jugendheim Neichenberger Str. 66. Sruppenbesprrchunz.— Bezirk Te-Npelhos: Jugendheim der Schule Germania- strafje 4—6. Hcimbcsprechuiig.— Bezirk Norden: Jugendheim der Schule Dan- zig« Str. 23. Gruppenbefprcchung. Berantwortlich für Bolltif: Bieter Schiff; Wirtschaft: IS. stlingelhöfer; Gewerkfchgftsdeweauna: Fried, Srforn:!r-uiNeton:*. S. Dlfcher; Lokale» und Sonstiges: Frig jtarstüdt; Anzeigen: Th. Glocke; fiimtlich in Berlin Berlog: Borwärts-Beriag S m Iv Berlin. Bruck: Bormärts-Buchdruckeret und Berlagsanstal! Bau! Sing«„ Co.. Berlin SW 66. Lindenstrastr Z. 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O.e/'l DAMEAWASFME Taghera, i..,.�1.75 Ta�liemd Batist mit 43)» Memdhose farbig /• Batist und gestickt....... 0«aiS9 Schlafanzug farbig q Batist mit Bubikragen... TASCSI EXTlt'lIER Sbi'J. 2.05 i�achthemdm.Bubi- i kragen und Stickerei. TtOM DarneatQcherweiB Batist mit Ripskantc und /ä—,. Hohlsaum, 36 cm. Vt Dtz. Vf,| Weiß Makobatist mit/. Indanthren Kanten u. Hohl- 44 cm Herrentücher ipsk Vi Dtz. _______ H.- hr.-farb taum, 32 cm' iy4 Dtz. 4 Kanten u. Hohl». V, Dtz Weiß reinleinen, gesäumt, 1 /vpr 1 nfk gebrauch.l.. 35 cm, i /4 Dtz. l.IPO WelßRelnl., 46 em.Vi Dtz. Aaf U TISCH WÄ�€ II E halbgebleicht Reinleinen.lacqnard vollwelß Tischtuch 6.45\f0 5.45 Tischtuch 5.95 sA 4.93 m 8.95 äon 1 0.90 U 1 2.40 � 9.25 225 10. 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Sie sind er- ledigt. Für den Bürgerblock sind sie von der Liste der Er- werbslosen gestrichen. Ihre Zahl beunruhigt nicht mehr; denn sie existieren nicht mehr. Befürchtungen sind grundlos. Ja, gewiß, B e f ü r ch- t u n g e n sind für die Betroffenen grundlos, sie haben G e- wißhöit. Die Gewißheit, daß der Bürgerblock über ihr Geschick fühllos hinwegschreitet. Die Unterstützung wird ein» gestellt, sie mögen sehen, wo sie bleiben. Die Krisenunterstützten sind die bedauernswertesten der Erwerbslosen. An ihnen frißt die Arbeitslosigkeit am längsten, entmutigend, niederdrückend. Die Monate gehen dahin, und noch keine Arbeit! Und nun, Schluß mit der Unterstützung, die Armenunterstützung, dos Nichts. Warum gerade wir, warum müssen wir betteln gehen? Das ist die selbstverständ- liche Frag« der Betroffenen. Und die Regierung des Bürger- blocks antwortet:„Anpassung an die veränderten Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt." Die Konjunktur steigt. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt ab, und deshalb müssen Zehntausende von Arbeitslosen, die am schwersten leiden, dem Elend preis- gegeben werden? Die Betroffenen werden darin weder Logik noch Gerechtigkeit finden. Diese Maßregel der Bürgerblockregierung ist um so empörender, als sie willkürlich einen Teil der Erwerbs- losen trifft. Sie ist eine schrei an deUngerechtigkeit, sie enthüllt den Geist bureaukratischer Willkür, für den die Erwerbslosen nur Ziffern sind, nicht Menschen, die ein Recht zu leben haben. Ein erschütternder Mangel an sozialer Ge- sinnung, an Sinn für soziale Gerechtigkeit liegt in dieser Ab- baumethode. Dieser Geist ist des Bürgerblocks würdig. Es ist ein« Offenbarung der unsozialen Gesinnung, die das Arbeits- Ministerium erfüllt. Widerspruch gegen diesen Geist? Es meldet sich schüch- terne Kritik im„Deutschen": „So grundlos sind die Befürchtungen über einen über- stürzten Abbau der Krisenfürsorge nun doch nicht. Wir haben schon in früheren Artikeln darauf hingewiesen, daß dieser Ab- bau überstürzt vorgenommen werde, und daß infolgedessen die glatte Durchführung der Fürsorge gefährdet wird. Ebenso hat dieser Ab- bau ohne Zweifel Härten für die Erwerbslosen zur Folg«, die bei etwas weniger Elan beim Abbau der Fürsorge vermieden werden könnten. Die Einführung der Krisenfür- sorge ging nicht in diesem Eilzugstempo vor sich." Es kommt Stegerwald und den Seinen ein Grauen an bei der Politik des Arbeitsministeriums im Bürgerblpck. Aber sie haben es so gewollt! Sie tragen die Berantwortung dafür, daß Herr Brauns, der Arbeitsminister, sich zum Vollstrecker des reaktionären Willens des Bürgerblocks macht. Sie wissen, was diese Maßnahme bedeutet. Aber ihr Gewissen ist beruhigt. Sie haben die Stimme der Kritik erhoben und ihre Seele gerettet. Und die von der Krisenfürsorge Ausgesperrten können verzweifeln. Wird die Rot, die bittere Rot dieser Unglücklichen sie nicht endlich daran erinnern, daß ihre Duldsamkeit gegenüber dem Bürgerblock der sozialen Reaktion das Feld frei gibt? Werden sie nicht endlich dort Widerspruch erleben, wo er wirksam wird, im Plenum des Reichstags? Es sind Zehntausende, die diesmal die Geißel der sozialen Reaktion hart und unmittelbar trifft. Ueber den Millionen der deutschen Arbeiter aber hängt beständig die Wolke dieser reaktionären Regierung, drückend, Not und Unheil drohend — bis der Sturm in sie fährt und sie zerreißt. Der Bürgerblock erteilt der Arbeiterschaft grausamen An- schauungsunterricht: Lernt endlich die Waffe der Demokratie gebrauchen, um die Reaktion niederzuwerfen! Gewitter um hankau. Unheilverkündende Gerüchte.- Eine englische Demonstration vorbereitet. Mbau öes Kinderschuhes. Geplante Verschlechterungen im Arbeitsschutzgesetz. Nach der Begründung zu dem Entwurf eines Arbeits- schutzgesetzes soll der§ 23 des Entwurfs an die Stelle des § 133 Abf. 1 und 2 der Gewerbeordnung und des Gesetzes über Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben treten. Weiter soll dieser Paragraph im wesentlichen die bisherige Regelung des Kinderschutzes übernehmen, in einzelnen Punkten darüber hinausgehen. Es ist richtig, daß die Bestimmungen des§ 23 des Gesetz- entwurfs in einzelnen Punkten über die bisherige Regelung des Kinderschutzes— so z. B. durch die Gleichstellung der eigenen Kinder mit den fremden Kindern— hinausgehen. Es ist aber nicht zutreffend, daß der§ 23 im wesentlichen die bisherige Regelung übernimmt, er bringt vielmehr bedeutende Verschlechterungen gegenüber dem heutigen Stande der Gesetzgebung. Wir wollen dahingestellt sein lassen, ob diese Verschlechterungen bewußt oder unbewußt in den Entwurf gebracht worden sind. Im Hinblick auf die volkswirtschaftlich außerordentlich große Bedeutung des Kinderschutzes und im Hinblick darauf, daß der Arbeitnehmer- schütz in allen Ländern mit dem Kinderschutz begonnen hat, können wir uns aber nicht mit dem Eintausch eines Fort- schrittes gegen einen Rückschritt auf diesem Gebiete einver- standen erklären. Er erscheint daher notwendig, auf die Mängel im einzelnen einzugehen. Der Absatz 1 des 8 23 des Gesetzentwurfes verbietet— soweit sich aus den weiteren Absätzen des Paragraphen nicht etwas anderes ergibt— die Beschäftigung von Kindern, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Für das Beschäftigungsverbot ist nur das Lebensalter und nicht auch — wie in dem Kinderschutzgesetz und in der Gewerbeordnung — die Volksschulpflicht der Kinder maßgebend. Nach der Bestimmung des Entwurfs dürfen also über 14 Jahre alte, noch schulpflichtige Kinder unter denselben Bedin- gungen wie die Arbeitnehmer unter 16 Iahren in allen Betrieben beschäftigt werden. Dagegen gestatten die jetzigen gesetzlichen Bestimmungen eine solche Veschäfti- gung schulpflicbtiger Kinder nicht: der 8 der Gewerbe» ordnung, die Motor- und Konfektionswerkstättenverordnung und das Kindsrschulgesetz enthalten Beschäftigungsverbote für noch schulpflichtige Kinder. Nur die über 13 Jahre alten, nicht mehr volksschulpflichtigen Kinder können in den, unter die vorstehend genannten gesetzlichen Bestimmungen fallenden Betrieben— zum Teil nur mit beschränkter Arbeiterzeit(sechs Stunden)— beschäftigt werden. Der Absatz 2 des§ 23 des Entwurfs läßt die B e» fchäftigung über 12 Jahre alter Kinder in Familienbetrieben mit Arbeiten, die nicht ihre Gesundheit oder Sittlichkeit gefährden, zu. Nach der Defi- nition des Begriffes„Familienbetrieb" im 16 des Entwurfs zählen dazu noch solche Betriebe, in denen bis drei fremde Personen beschäftigt werden. Im Gegensatz hierzu gestatten die heute noch geltenden Motor- und Konfek- tionswerkstättenverordnungen, die auch Anwendung finden, wenn als Arbeitnehmer nur ein Kind beschäftigt werden soll, nur die Beschäftigung über 13 Jahre alter nicht mehr schulpflichtiger Kinder. Ob der Reichsarbeitsminister die Beschäftigung von Kindern in den zahlreichen, zu den Familienbetrieben zu zählenden kleinen Motor- and Konfek- tionswerkstätten als gesundheitsgefährdend gebstimmen wird, dürfte fraglich erscheinen. Es wäre deshalb notwendig, den jetzigen Rcchtszustand auch im Arbeitsschutzgesetz herzustellen, und zwar durch Äufncchme dieser und der weiteren bereits im Kinderschutzgesetz und in der Gewerbeordnung enthaltenen, sogar für Familienbetriebe, in denen nur Familienangehörige beschäftigt werden, geltenden Verbote(z. B. das Bedienen der Gäste durch Mädchen in Gast- und Schankwirtschaften). Schließlich ist zu bemerken, daß die jetzige Fassung des Satzes 1 im Absatz 2 des � 23 des Entwurfs die Beibringung eines Nachweises über die Gefährdung der Gesundheit oder Sittlichkeit von Kindern durch die Arbeit erforderlich macht. Im übrigen läßt Satz 2 des gleichen Absatzes vermuten, daß gesundheitliche oder sittliche Schädigungen beim Austragen von Waren oder anderen Botengängen für Betriebe aller Art mit vier Arbeitnehmern nicht befürchtet werden! Eine Verschlechterung gegenüber der heutigen Gesetzgebung enthält auch der letzte Satz des Absatzes 3 des 8 23' Danach können künftig Kinder unter 14 Iahren, die nicht mehr schulpflichtig sind, acht Stunden und mehr beschäftigt werden, während der 8 133 der Gewerbe- ordnung und die Konfektionswerkstättenverordnung(sowie auch die Motorwerkstättenvcrovdnung für einen Teil der Motorwcrkstätten) nur eine sechs st ündige Beschäf- t i g u n g der über 13 Jahre alten, schulentlassenen Kinder zulassen. Außerordentlich bedenklich ist der Absatz 4 des§ 23. Welche Veranstaltungen für die Zulassung der Kinderbeschäf- tigung bei Musikaufführungen usw.„für die Allgemeinheit" zu verstehen sind, ist überhaupt nicht zu erkennen. Sehr schlimm ist aber, daß die Beschäftigung von Kin- dcrn über drei Jahre bei Musikaufführungen, Theatervorstellungen und anderen Schaustellungen zu- gelassen werden kann, wenn„künstlerische oder wissen- schaflliche" Bedürfnisse es erfordern. Die 88 6 und 15 des Kinderfchutzgesetzes gestatten die Zulassung einer Ausnahme nur bei solchen Vorstellungen und Schaustellungen, bei denen „ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft" ob- waltet. Nach der Preußischen Ausführungsanweisung zum Kinderschutzgesetz fallen die sogenannten Spezialitäten-, Akro- baten- und Artistenvorstellungen, die Zirkusaufführungen und ähnliche Veranstaltungen nicht unter die Ausnahmebestim- mimg der 8§ 6 und 15 des Gesetzes. Das Arbeitsschutzgesetz gestaltet aber nach der jetzigen Fassung des Entwurfs die Zulassung der Beschäftigung von Kindern auch bei den vor- stehend genannten, nach der heutigen Gesetzgebung ausgenom- menen Unternehmungen. Ausnahmen zur Ausbildung von Kindern sind heute gesetzlich in keinem Falle zugelassen. Es bleibt auch dem Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes vor- behalten, der Beschäftigung von Artistenkindern, kleinen Tänzerinnen usw Tür und Tor zu öffnen, und damit d i e wühselige Arbeit vieler Jahre zu peraichtsu, Paris, 30. April.(WTB.) Der Sonderkorrespondent der„In- formation" berichtet aus Schanghai, m Hankau sei die Lage noch immer kritisch. Die Haltung Schanghais sei ungewiß. Zahlreiche Truppen schwankten zwischen der Regierung von Nanking und der von Hankau. Die Verzögerung der Uebermittlung der zweiten Mächtenote wegen der Ranking-Zwischenfälle und die zögernde Hal- tung der Vereinigten Staaten bewirkten Unruhe. Man erkläre, daß die Japaner die Absendungg von Truppen nach dem Norden vorbereiteten. Die Nordelemente rückten weiter auf Hankau vor. Die Engländer bereiteten eine Demonstration in Hankau vor. In Schanghai herrsche vollkommene Ruh«, aber man könne, ohne sich inGefahrzu begeben, d i e K o n z e s s i o n s z o n e n auf den Straßen nicht verlassen. Gerüchte seien weiter im Um- lauf, nach denen chinesische K a p i t a l i st e n auf dem flachen Lande des Kiangsi- und Hunangebietes niedergemetzelt worden seien. Tschiangkaifchek entwaffnet kommunistischediviflonen. London, 30. April.(TU.) Tschiangkaischek hat die Eisenbahn- linie südlich von Nanking an zwei Stellen unterbrochen, so daß drei Divisionen des kommunistischen Generals Tschengtschien von ihrer Basis abgeschnitten wurden. Die Divisionen wurden umzingelt und nach einem Gefecht, bei dem es nur 30 Tote gab, gefangen genommen. Andere Streitkräfte des Kommunistengenerals sollen bei Kiukiang und Wuhu entwaffnet worden sein. Tschiangkaischek bezeichnet diesen Erfolg als sehr bedeutsam, da General Tschangtschien für die Nankinger Zwischenfälle verant- wortlich sei. Russische Gewerkschastsdelegation verhastet. Riga. 30. April.(TU.) Nach einer Moskauer Meldung ist die russische Gewerkschastsdelegation in Schanghai verhaftet worden. Ein Protest der Sowjetregierung soll bisher nicht berücksichtigt worden fein. Japan vermittelt zwischen England und Nordamerika Schanghai, 30. April.(Reuter.) Eine aus Peking stammende, aus halboffizieller japanischer Quelle herrührende Schilderung der politischen Lage, daß angesichts der naheliegenden Möglichkeit eines gesonderten Vorgehens der Vere-inigten Staaten m Gestalt der Anknüpfung von Verhandlungen mit der nationalen Regierung England dafür zu sein scheine, der nationalen Regierung, ohne auf Amerika zu warten, möglichst bald eine zweite Note zu überreichen. Es seien Anzeichen dafür vorhanden, daß Großbritannien eine weitere praktische Zusammenarbeit mit Eine Notwendigkeit zur Verwendung von Kindern unter drei Jahren muß überhaupt bestritten werden, sie können durch ältere Kinder, Säuglinge durch Puppen ersetzt werden. Durch den Inhalt der Absätze 1 bis 4 dcs§ 23 ist das Vertrauen zu den nach Absatz' 3 von dem Reichsarbeits- minister zu erlassenden Bestimmungen sehr abgeschwächt worden. Es wäre im Interesse der Kinder wünschenswert und zu fordern, die gesetzlichen Bestimmungen mehr auszu- bauen und nur wenig der Regelung durch Bestimmungen des Reichsarbeitsministers zu überlassen. Ferner fehlen im Entwurf Bestimmungen, durch welche auch eine an sich zulässige Beschäftigung eines Kindes ein- geschränkt oder untersagt werden kann, wenn erhebliche Miß- Japan wünsche, da es ein derartiges Verfahren für den einzigen Weg halte, eine Regelung des Nanking-Zwischenfalles zu Wege zu bringen. Japan gebe sich die größte Mühe, eine g e m e i n s o m c Basis zu finden, auf der Großbritannien und die Vereinigten Staaten sich einigen könnten, damit ein geschlossenes Vorgehen der fünf Mächte möglich wird. /lnfangserfolg in Cnglanö. Der Gcwerkschaftsprotest erreicht die erste Milderung der Regierungsvorlage. London, 30. April.(WTB.) Die Regierung hal beschlossen. nächsten Montag einen Abänderungsanlrag zu dem Gesetzentwurf über die Gewerkschaften vorzulegen, nach welchem die A u s s p e r. rung ebenso ungesetzlich wie der Ausstand sein soll. Der Zweck des Abänderungsanlrages ist, zu beweisen, daß der Gesetzentwurs keine Partei begünstigt. Maifeierverbot auch in Litauen. Drohung mit Waffengebrauch! Riga, 30. April.(TU.) Aus Kowno wird gemeldet, daß die litauische Regierung jegliche Demonstration am ersten Mai auf das strengste untersagt habe, Zuwiderhandlungen sollen mit Waffengewalt unterdrückt werden.— Der zuerst bestrittene Rücktritt des christlich-demokratifchen Ministers für Kultus und Finanzen wird jetzt bestätigt. Norwegische Sozialreaktion. Der erste Mai dient dem Protest. Oslo, 30. April.(Eigener Drahtbericht.) Das norwegische Par- lament hat in der Nacht zum Sonnabend nach dreitägiger heftiger Debatte mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten ein Gesetz zur Errichtung von Gerichten, die in Arbeitsstreitigkeitcn rechtsoer- b i n d l i ch entscheiden können, beschlossen. Gleichzeitig begann das Parlament mit der Beratung von Aenderungen zum Gesetze über Arbeitsstreitigkeiten. die auf eine völlige Vernichtung des Streikrechts hinauslaufen. Die Arbeiterparteien erreichten durch Obstruktion, daß diese Vorlage zur Einhaltung der vor- geschriebenen Frist an den Rechtsausschuß zurückverwiesen wurde. Die heutigen Maidemonstrationen werden ein Masse»- probest gegen diese Knebelung des Streikrechts sein. stände zu Tage getreten sind. Derartige Bestimmungen sind in dem jetzt noch geltenden Kinderschutzgesetz(8 20) enthalten und es wäre bedauerlich, wenn künftig auf sich verzichtet werden müßte.' u>>, Auffallend ist auch, daß bei den Strafvorschriften im 8 26 Absatz 2 des Entwurfs eines Arbeitsschutzgesetzes nur eine Verschärfung der Strafe angedroht ist bei wiederholten Zu- widerHandlungen hinsichtlich der Beschäftigung weiblicher und jugendlicher Arbeitnehmer und nicht auch hinsichtlich der Beschäftigung von Kindern. Es muß Ausgabe des Arbeitsschutzgesetzes fein, eine um- fassende Regelung des Kinderschutzes unter Einbeziehung der Landwirtjchaft vorzuaehmeu. verschwunöenes LanÜ. Eine halbe Million Morgen Land der amtliche» Statistik entzogen. Der sozialdemokratische preußische Landtagsabgeordnete P a e tz e l, Frankfurt a. d. O., hat folgende Kleine Anfrage «ingebracht: „Nach einer Mitteilung der Zeitschrift„Bodenreform" sollen bei der vorjährigen Berufs- und Betriebszahlung große Land- flächen im Osten nicht angegeben worden sein. Insge- samt sollen 691 184 Morgen in Frage kommen/ darunter 2S4 428 Morgen Ackerland. Das Preußische Statistische Landesomt hat erst durch 182S Rückfragen an die in Leiracht kommenden Ge- meinden und Gutsbezirke das verschwundene Land als doch vor- Händen festgestellt. Ist da? Staatsministerium in der Lage anzugeben, an welche Gemeinden und Gutsbezirke die 1826 Rückfragen gerichtet werden mußten und welche Größenklassen von Besitzungen bei der Nichtangabe von Grundflächen in Frage kommen?" Die Beantwortung der Anfrage wird wertvoll für die künftige Beurteilung von Angaben aus den Kreisen des agra- rischen Großgrundbesitzes sein. Aus dem amtlichen Material über die Steuersabotage der Landbundmitglieder ging bereits hervor, daß man in diesen Kreisen nichts unversucht läßt, um die wahren Verhältnisse zu verschleiern. Der in der Anfrage erwähnte Fall läßt auf einen neuen Skandal schließen. tzugenberg kann lachen.-n Vortag« der Untersuchung ausgestellt resp. erneuert war? Aentrum � Saperische volkspartei. Vor Zusammentritt der Annahcrungskommission. München. 30. April.(Eigener Drahtbericht.) In der gm Sonn- abend in München abgehaltenen Landesausschußsitzung der Boye- rischen Volkspartei, die die alte Vorstandschaft mit dem Landessinanzamtspräsidenten Speck an der Spitze wiederwählte. wurde u. a. mitgeteilt, daß die vom Ze n t r u m und von der Boye- rischen Volkspartei ernannte Kommission zur Herstellung einer p a r- lamentarischen Arbeitsgemeinschaft beider Parteien demnächst zusammentreten werde. Schulze örü'ckt sich. Verlcgenheitsdcmcnti zur Flucht Ehrhardts. Dresden, 30. April.(WTB.) Di« Nachrichtenstelle ber Staats- kanzlei teitt mit: In Nr. 98 vom 28. d. M. hat die„Leipziger Volkszeitung" unter Mißbrauch amtlicher Aktenstücke, von denen einige nicht mehr im Origmal bei der Regierung auffindbar sind, gegen den Leiter der Staatskanzlei, Ministerialdirektor Dr. Schulz«, deit Vorwurf erhoben, er sei durch Nachlässig- leiten, die der frühere Ministerpräsident Zeigner festgestellt habe, mitschuldig daran, daß der gefährlichste Putschistenhäuptling Deutschlands niemals auf die Anklagebank kam. Gemeint ist die Flucht des früheren Kapitänleutnants Ehrhardt am 13. Juli 1923 aus dem Untersuchungsgefängnis in Leipzig. Schon am 18. Januar 1924 hatte die„Leipziger Volkszeitung" in einem gegen Dr. Schulze gerichteten Artikel behauptet, er sei als B e f ch ü tz e r Ehrhardts berüchtigt, hat aber, um einer Srrafoersoigung zu entgehen, am 21. Januar 1924 die in dem Artikel gegen Schulze enthaltenen Anschuldigungen öffentlich zurückgenommen. Di« Nachrichtenstelle der Stoatskanzlei stellt in einer längeren Darlegung hierzu die Vor- gänge im Jahre 1923 klar, die bei der Flucht Ehrhardts mitgespielt haben und kommt zu der Feststellung, daß es ein vergebliches Be- mühen fei, aus der bedauerlichen Flucht Ehrhardts Dr. Schulze einen Strick zu drehen. Wenn überhaupt ein Beamter daran schuld ist, daß die Flucht Ehrhardts trotz aller Vorkehrungen gelang, so ist dieser Beamte nicht in der Staatskanzlei oder im Ministerium des Innern, sondern nur im Ressort de» Iu st> z m in i st e- r i u m s zu suchen, für dos in der ganzen fraglichen Zeit nur linkssozialistische Mini st er verantwortlich gezeichnet haben. • Das Dementi trägt das Wesen des Ministerialdirektors Schulze. An Stelle einer sachlichen Auseinandersetzung eine unbewiesene, haltlose Behauptung mit Gehässigkeiten durchtränkt. Der Saboteur des Kabinetts Jeigner kann sich nicht verleugnen. Gegen ihn stehen die amtlichen Akten. Seine Unterlassung war mehr als Nachlässigkeit. Das„m i t» s ch u l d' g" wird durch das Dementi nicht entkräftet. Das Wochenenö-problem. Die Ausstellung„Das Wochenende" in der Funkhalle sollte iedermann besuchen. Insbesondere gibt es da auch allerhand, was uns nachdenklich zu stimmen geeignet ist, es befindet sich auf den Emporen der ersten Riesenhalle. Da gibt es Dinge, die so einen gewaltigen Jahrmarkt der höheren Bedürsnisie pikant machen. Eine Ausstellung von Bildern, vom Verein der Künstlerinnen angefangen, bis zu der Novembergruppe und den bösen„Ab- straktcn, bei denen man oft nicht weiß, was sie mit dem Wochenende zu tun haben sollen, es sei denn die löblich« Llbsicht, ihre Kunst- werke an dst Wochenende-Hüttenbesitzer zu verschleißen: nicht immer hiiden die Seemotive der Mark den vermittelnden Uebergang des Heimottünsllerijchen in ihren Bildern. Es gibt dort auch entzückende Photographien von Prominenten des Films und sonstiger lukrativer Gewerbe, die sich am Seeufer, in Segelbooten und auf Auto- fahrten ihres Daseins in der Natur programmatisch rechtschaffen treuen und uns geringer bewerteten Sterblichen den Abstand zu ihrem Höhendaiein ziemlich fühlbar empfinden lassen. Ganz besonders möchten mir aber die lehr reizende mrd instnik- öve Ausstellung des„Märkischen Museums" empfehlen. Es gibt da nich, nur eine herrliche Schau von Gemälden des größten Malers märkischer Schönheit, Walter Leistikows, eine sehr oerdienstvoue Sammlung setner kaum mehr gezeigten schönen Seen- bilder, vielfach aus privatem Bisitz hergeliehen durch Vermittlung des Museums, die kleine Kollektion greift auch weit über die Jahr- hunderte hinweg in die Vergangenheit und lehrt uns, die Um- gsbung Berlins mit den Augen von Künstlern aus längst ver» gangenen Tagen sehen. Bei den Tiergartenbildern C h o d o» « i e ck i k und H a ck e r t s fängt es an. Wir haben nicht unbedingten Grund, un» nach jenen nüchternen Zeiten zurückzusehnen. Aber schon bei T e m p e l t e y s Zeichnungen und weit stärker bei Karl Blechen und seinem Zeitgenossen H o s e m a n n werden wir an die Vergänglichkeit der Schönheit erinnert. Wie aber erst, wenn ein anonyme» Litho uns die wahrhaft schönen, in ihrer klassischen Einfachheit so unendlich noblen Vergnügung, lokale des !t e r l i n von 1845 schildert! Zu denken, daß alle diese vollkommenen dnd stimmungsvollen Stile und Gärten mit Stumpf und Stil ver- fachtet und an ihre Stelle die iden oder aufgedonnerten Geschmack- lvsigkeiten de» heutigen Amüsierbetrieb» getreten sind: welch schmerz- lich-imwiederbrinzlicher Verlust!«an entdeckt ein Bild von Karl Begas:„Snmmerabend an der Panke" von 1842,«in bezaubern- des Biedermeieridyll mit drei jungen Mädchen an einem romanttfchen Flüßchen, das man eher bei Weimar als bei Pankow vermuten sollte: und nun kommt der Clau, die„Ärahnlake"»vn«eyer- heim, 1870, und von L. Douzett««ine stille, klein«, schwer- müttge Heid»landschaft mit dem«an* erstaunlichen Titel„Der Kur- fürstendamm 1866". Die malerische Weidenbächlein-Ecke der Krahn- lake ist auch nicht» weiter als die«egend der«interfeldstraße vor 60 Iahren Grote»! aber ist die fechzigjährig« Berzangenheit des Kursürstendamm», den unftr-«roßettern tatfüchiieh«ach als Heid« erlebt haben. Es wäre aonz falsch einen sentimentalen Schluß daraus ziehen fv wallen. Vergangenes laßt sich nicht rückwärts drehe», die Schoneberger Sanböauern hsben nun einmal ihre Millionen für wertlose Parzellen eingesteckt. Aber ausrütteln können und sollen uns solch« Vergleiche dennoch Eine große Gefahr liegt in dem ge- iunden Gedanken der Wochenendbewegung-, daß sie die schön- ften Gegenden mit kapitalistischer Gewalt okku- Siert.daß u n s e r e S e e u f e r völlig in Privatbesitz bergehen und der Allgemeinheit entzogen wer. den. Was geschieht, wenn unsere Seen vom Scharmützel- und Werbest linse« bis Teupitz und Lehnin in Privatbesitz übergehen und für die Allgemeinheit gesperrt werden? Man stelle sich die Situation der Kolonie Grunewald oder der Werlseegemeinde in unendlicher Der- größenino vor: denke daran, daß man vom Stechlin- oder Eamen- jse durch Wochenend-Kolonien gänzlich abgesperrt werde und für den Wanderer nur der gleichförmige Wald, und nur der weniger schöne, übrig bleibe: fit das ein Ziel, aufs innigste zu wünschen? Dr. Paul F. Schmidt. Der Akuflkschriststeller Dr. Leopold Schmidt ist nach der Ope- ration eines Darmkrebses am Sonnabend gestorben. Leopold Schmidt hat 30 Jahr« lang feines kritischen Amte» in Rüstigkeit gewallet. Berliner von Geburt, brachte er nach Absolvierung der Hochschule für seinen späteren Beruf zugleich mit der fachlichen und wissenschofllichen Bildung des Akademikers ein« große praktische Er- fahrung mit. Ais Kapellmeister hat er sich in Heidelberg, Berlin und anderen Städten mtt der Kenntnis der Oper gleichzeitig auch jenes große Wissen angeeignet, das für den komplizierten Dpern- betrieb und für die Psychologie der musizierenden Welt so wertvoll ist. Sein« kritischen Uebersichten im„Berliner Tageblatt" wurden überall gelesen, und sein Einfluß war jahrelang fast größer als es das kritische Amt noch ertrug. Im geschäftigen Leben der Großstadt fand Leopold Schmidt Zeit, wertvolle Bücher zu schrcibert, die auch seine gesammelten Kiitiken überleben werden, so die Werte über die Märchenoper, über die Musiker des 19. Jahrhunderts, Meyer- beer, Haydn und Beethoven. Auch in der Herausgabe von Briefen und in der Brahmsbewegung ist er produktiv hervorgetreten. Di« letzten Krisenjahre der Musik fanden Ihn an dem Platz der Unmodernen. Er machte den gefährlichen, aber dock wohl no>w«n- digen Spuk der neuesten Musik nicht mit. Bei Beethoven, bei Brahm», bei Strauß war sein ganzes Herz. Seme Kenntnisse erstreckten sich auf Detail», die selbst Fachleuten nicht immer geläufig sind. So konnten seine Kritiken wirklich belehrend wirken und die elegante Form seine» sachlichen Stiles gewann ihm unzählige An- Hänger. Auch Feinde wuchsen ihm zu. Der Tod hat diese« Stachel gelöst. Unstimmigkeiten zerstaitern nun in ein Nicht». Wir sind um eine kluge Feder, um«inen vornehmen Kollegen ärmer, um einen Mann, der gern stützt«, lobte, förderte und der, nehmt alles nur in allem,«in bescheidener, gütiger Mensch war. S. S. Eine aktuelle Bühne im Rahmen der sächsischen Slaalsthealer. Die Leitung de» Dresdener staatlichen Schauspielhauses hat be- schlössen, in der kommenden Spielzeit«ine Reihe von Sonderauf- silhrunzen zu veranstalten, die aus dem übrigen künstlerischen Be- trieb herausgehoben und unter dem Namen„Aktuelle Bühne" zu einem Ganzen von besonderer Eigenart vereiirigt werden sollen. Di«„Aktuell« Bühne" wird ausschließlich dem Schaffen der Gegen- wart, insbesondere der jüngsten Dramatikergeneration, gewidmet sein. Deutsch-französisthe Entspannung. Fortgang der'TLirtschaftsvcrhandlungen. WTB. meldet: Der Bericht über die zwischen dem ftanzöstschen Handelsminister und der deutschen Botschaft stattgefundene Unter- hattung über die Möglichkeit eine erfolgversprechend« Fortsetzung der deutsch-französischen Hondelsoertragsver- Handlungen ist in Berlin zwischen den beteiligten Ministerien beraten worden. Wenn, wie zu hoffen steht, die deutsche Auslegung dieser Mitteilung, die sich aus das Protokoll vom 16. März 1927 gründet, von französischer Seite anerkannt wird, dürften die Hinder- nifse für die Fortsetzung der Verhandlungen beseitigt sein. Allerdings wird eine gewisse Verzögerung sich leider nicht vermeiden lassen, da die bereits am 4. Mai beginnend« Welt- wtrtfchaftskonferenz alle Kraft in Anspruch niinmt und der Gedanke einer gleichzeitigen Fortführung der Verhandlungen in Genf neben den Leratungen der Weltwirtschaftskonferenz aus- scheiden muß._ Der Geheimpatt von Uivorno. Von Paris enthüllt— von Paris verdunkelt. Paris, 30 April.(Eigener Drahtbericht.) Die Nachrichl von dem Bestehen schnftlicher Gehcimabmachungen zwischen Chamberloin und i Mussolini seit der Zusammenkunft von Lioorno hat in Paris(woher diese Nachricht gekommen tstl Red. d. V.) außerovdenUichcs Aufsehen hervorgerufen. Trotz der amtlichen Dementis Englands und Italiens hält besonders die Linkspresse daran fest, daß in der Tat Abmachu»-. gen größeren Stils gatrofsen worden find, wenn man auch nicht un- bedingt davon überzeugt ist, daß diese Abmachungen schriftliche Berträg« mit ausgesprochen amifranzösischer Spitze sind. Man ist außerdem in Paris seit Monaten viel zu sehr deunnrhigt wegen der ausgesprochen imperialistischen Balkan- und MittelmeerpolitikJtaltens, als daß man nicht alle diplo- matischen Schritte Mussolinis mit ausgesprochenem Mißtrauen betrachten würde. Der„Temps" suchte zwar nachzuweisen, daß diese Meldungen von Deutschland aus nur oerbreitet würden, um zwischen England und Frankreich Unfrieden zu stiften, durch den dann nach � u n ausgesprochener Ansicht der deutschen Blätter die deutsch-sran- zöstschen Beziehungen gewinnen könnten. Der„Temps" gibt aber gleichzeitig zu, daß der Konflikt zwischen Südslawien und Italien seit Wochen nicht vom Flecke gekommen ist und daß keinerlei Aus- ficht aus e-ne Regelung bestehe, so lange die italienische Regierung ihre eigensinnige Haltung nicht ändere. Im übrigen findet das Biatt auch keine Erklärung dafür, weshalb England nicht energischer in Rom vorstellig wird.(Das wird eben mit der englisch-italienilchen Orientbruderfchaft erklärt! Red. d. D.) ZaschiftentunSgebung gesprengt. Eine New 9)orkec Ttrnftenschlacht. Paris. 30. April.(Eigener Drahtbericht.) In New Pork wurde am Freitag anläßlich des Besuches des Italienischen Fliegers Ptnedo von Faschisten eine große ösfentliche Versammlung ab- gehatten. Im Laufe derselben drangen etwa eintausend Anti. f a s ch i st e n in den Saal«in. Es eMstand eine förmliche Schlackt. die sich bis auf die Straße hinauszog und an der sich etwa 2000 Per- sone» beteiligten: mehrere Hunderte wurden oer./� mundet Der Polizei gelang es erst nach mehrere» Stunden. die Ruhe wieder herzustellen. Russischer voykotl gegen die Schweiz ausgehoben. Das Volk-. kvmmissariat der Sowjetunion beschloß, den wirtschaftlichen Boykott gegen die Schweiz vom 14. April ob als aufgehoben zu betrachten, und überwies diesen Beschluß an den Vorstand des Zentralexekutio- komitce der USSR. zur Bestätigung. In Zlalienisch-Tirol als Spion nerhaftek wurde der D u i s- b u r g e r Stadtrat Dr. H e u ß l e r, der dort wunderte und Ad: esien empfehlenswerte Wirt« für d-m„Deutfchösterreichifchen Alpen- verein" fammeltc-, einer seiner Wirte hat ihn al« Spion angezeigt. und auch in bezug auf Darstellung, Regie und Bühnentechnik sich mit allen Problemen befassen, die aus der Forderung des Tages zwingend erwachsen. Es sollen also, ganz bewußt, Experimente gewagt und der Versuch unternommen werden, der Theatertunst Neu- land zu erobern. Für diese Aufführungen sind Sonderveranslaltun- gen in Aussicht genommen, und es wird an eine nur einmalige Auf. führung eines jeden Werkes gedacht. Für die„Aktuelle Bühne" wird em Sonderabonnement aufgelegt werden. Ein vergeflencs Iubilöum. In Frankreich, wo wie überoll auf der Welt, die meisten Menschen mit besonderem Vergnügen aus ihrer Handschrift eines Rebus machen, dessen Auflasung nicht immer ein Vergnügen ist. wurde im Jahre 1992 ein lehr nützlicher Verein mit dem etwas langen Namen gegründet:„Protestliga gegen alle un- leserlichen Handschriften, besonders der Beamten". Noch schöner als der Name war der Zweck dieses Vereins in Worte gekleidet: „Jeder, der den Nomen seines Vaters kennt und nicht verkrüppelt ist, ist verpflichtet, eine leserliche Umerschrift zu leisten". Dieser Bund wurde damals überall in der Well als sehr nützlich besprochen. Rührende Einstimmigkeit gab ihm gute Wiirvch« für sein Erstarken auf den Weg mit. Nunmehr sind 26 Jahre feit der Gründung ver- flössen! Ob der Verein noch besteht? Eine» darf der Chronist als gewiß notieren: die unlejetlichen Handschriften blühen munter wie stets und in rührender Internationalltät wie stets! Die Allersbelhllfe für bildende künstle». Von dem dem Reichs- innenminifterium zur Verfügung gestellten Gefamtsonds in Höhe von 200 000 Mark sind jetzt 40 000 Mark breitgestellt worden, die in bevorzugter Weise an bedürsttge alternde Bildyoucr und Maler zur Verteilung gelangen. Die Verteilung ist dem Reichswirtschastsver- band bildender Künstler Deutschlands übertragen worden Der Reichsverband ist damit befchästigt, eine Statistik über die von den Ländern und Gemeinden bewilligten Gelder für die notleidenden Künstler zusammenzutragen und bittet, alle diesbezüglichen Mit- teilungen ihm einzusenden._ Vortrag elzener Texte zu awerlt-mstchen Srammonbonplatten, unter Benupunc» einer.Eleclrola",— da« tjt die ncut'ie Si findung Han« Rei- mannS. Er wird fi« in seinem?ortran«ab.-nd sür die V o I l» b ü l> n e E. V., der im ganzen a?«„Sächfilche Orgie" gedacht ist. am Montag, dem 2. Mai. abends 8 Ilbr. im Bürger! aal de« Retbanle«, Sin- ang Königitrahe, zum Vortrag bringen. EinlatzlaNcn zum Preise von M in beschränlter Zahl noch om Saateingang. 5elx weingarkaer oerziitlet am An»,eichaung. Nach einer Meldung der„W euer All'emcinen Zel'ung* hat Felix Weingartner x-belen, von einer V-rlerhung des Strotze» Ehrenzeichens der Rchvbltt. daS ihm ebenso wie dem Direktor der Wiener Etaarkoper Schall au« Lnlatz der Beet- hoven-Feier zugedacht war. abzusehen. vle Sch«»erh«uer-D»Icllsll,att veranftaltet am 6. bis#. Juni in Dresden ichre ckieneraiveriammlang mil dem Tdenra»E u r o p» und Indien". Anmeldungen sind zu richien an den Schrütsüdrer der Schopenhauer- Gesellschaft: Dr. Franz Mockrauer. Dre»den-N. 6, Klaraftr. 6. vettng xesiallet Sven fjodin« Expedition Sven Hedin bat von der Pekwg« Regierung die Erlaubnis erhalten, seine chinefische Expedition fortzu'etzen. , lidis»e viusiklago. Im Rahmen de«»Sommer» der Muük' finden vom 26. bis 28. Juni 1327 aw der Internationalen Ausstellung„Muni im Leben der Völker" in Fr an Muri a M Veraiifiallungen statt, die der biftor-schen Entwickiruig d»S SchnogogeugefangeS und dem jüdischen BolkSlied gewidme: jmü. Unerwünschte Hafte. Schultheiß— Patzcnhofcr verzichtet auf de« Stahlhelm Genosse K ü ß n e r, Vorsitzender des Gesamtdetriebsrats der EchuIcheiß.Potzenhofer Brauerei teilt uns folgendes Schreiben der Direktion der Schultheiß-Patzenhofer Brauerei A.G. mit: Herrn Max Kühner, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Schultheiß- Patzenhofec Ärauerei.Aktiengefellschaft. Im Anschluß an unsere heutige Unterredung am Fernsprecher bestätigen wir Ihnen hierdurch, daß die in verschiedenen Tages- Zeitungen erschienenen Notizen unzutreffend sind. Weder in unseren Betrieben noch in den Betrieben der unserer eigenen Verwaltung unterstellten Ausschanklokale werden Angehörige des Stahlhelms verpflegt oder be- herbergt werden. Ebenso ist es unzutreffend, daß den Angehörigen des Siahlhelms zu unseren Ausschanklokalen gehörige Säle zur Abhaltung von Versammlungen zur Verfügung gestellt werden. Wir ermächtigen Sie, von dieser Erklärung denjenigen Ge- brauch zu machen, der Ihnen geeignet erscheint, die unzutreffenden Gerüchte, die infolge der eingangs erwähnten Zeitungsnotizen verbreitet worden sind, zu widerlegen. Hochachtungsvoll Schultheiß-Patzenhofer Brauerei-Aktiengefellschaft. (Unterschrift.) Das Ist die wirksamste Gegenaktion, die die Berliner Arbeiter- schaft führen kann. Diese Gegenaktion trifft die Stahlhelmer, ohne die Berliner Arbeiterschaft zu schädigen. So wie es der Gauvor- stand der Buchdrucker gemacht hat, der die Iohannisseier, die nach alter Tradition in der.Neuen Well" statlsiichen sollt«, wo anders abhält, so muß die Berliner Arbeiterschaft, die überwiegende Mehr. heit der Bevölkerung, überall klar zum Ausdruck bringen, daß sie ihre Groschen nicht denen bringt, die Freund« und Förderer der Hakenkreuzier sind. Der Stanö des Töpferstrekks. Die gesprengte Unkcrnehmerfronl. Bekanntlich stehen die Ofensetzer in Groh-Berlin seit 3 Wochen ini Streit. Da einzelne Firmen, vor allen Dingen der sozialisierte Verrieb, die Töpfer Hütte, die gestellten Bedingungen an- erkennen wollten, wurde am Sonnabend, dem 23. Äpril, bc- schlössen, bei diesen Firmen, nachdem sie unterschrieben hatten, d i e Arbeit auszunehmen. Die Töpserhütte erklärt« sich sofort bereit, von den vor dem Streik arbeitslos gewesenen Ofensetzern 3k> Mann neben den bisher dort beschäftigten 111 neu ei»zu- stellen. Auf Grund dieses Beschlusses stehen von den 700 im Vaugewerksbund Organisierten wieder 180 zu den neuen Bedingun- gen in Arbeit. Mehrere Versammlungen der Streikenden der ver- oangenen Woche bezeugten die große Einmütigkeit der im Kampf Bellenden. Die zu den neuen Bedingungen in Arbeit ge- treienen Kollegen verzichten insgesamt freiwillig auf die ihnen noch zustehende Streikunterstützung und verpflichrcn sich ebenfalls freiwillig, 25 Proz. von dem über den Satz der Streikunterstützung ver- dienten Lohn für die nicht unterstützungsberechtigten arbeitslosen Kol- legen während der Dauer des Streiks an die Streikleitung abzu- führen. So konnten diesen nicht Unterstützungsberechtigten aus den freiwilligen Beiträgen 15 bis 20 M. pro Srreikwoche gezahlt werden. Der Kampf hat jetzt nach Erklärung, des partiellen Streiks eins neue Wendung erhalten. In die Kampfiront der Unternehmer ist Bresche geschlagen worden,....Die Unsicherheit, in ihrem Lager wächst, sie trauen einander nicht mehr. Der Vorstand des Arberigeberoerbandes bat sich in seiner Not mit den Kachelofen- siäörikamen koaliert und hat die M at e r i a l f p e r r e über Groß- Berlin verhängt. Allerdings scheinen sie vorher schon aus der Schule geplaudert zu haben, sanft wäre es nicht zu verstehen, daß einzelne prominente Graßunternehmer der Ofcnsetzmeister in letzter Stunde nach Sachsen und Eüddeutschland suhren, dort A b- s ch l ü s s e vornahmen, um so der drohenden Kachelsperre auszu» weichen. Die streikenden Töpfer sind überzeugt, daß der Kampf für sie günstig auslausen wird. Die Kncl)elmerre schreckt nicht: sie ist ein Zeichen des Zusammenbruchs der Unternehmer. front. Auch sin Versuch der Umernchmcr, die im.Derein der Töpfer' Organisierten vor ihren Wagen zu jpanuen, kann als gescheitert betrachtet werden. Denn in einer am Freitag stattgesundenen Mit- (ilieberversammlimg des Vereins der Topser,"an der 400 im BGB. organisierte Töpfer als Gäste anwesend waren, wurde der Vorschlag der Arbeitgeber, zu niedrigeren Lohn- und Arbeitsbedingungen, w'.e sie vom BGB. gefordert sind, in Arbeit zu treten, abgelehnt und beschlossen, im Streik weiter zu verharren aus Grund kar Forderungen des BGB. In einer anschließend össentlichen Töpferversammlung konnte deshalb erfreulicherweise festgestellt wer- den, daß trotz zweierlei Organisationen die Ofensetzer in Groß-Berlin einig und geschlossen dem Unternehmeitum gegenüberstehell. Arbeiter und Angestellte werden ersucht, alle Ofensetzer, die bei der Arbeit betroffen werden, nach der von ihrer Organisation ausgestellten Arbeitsberechtigungskartc zu fragen. Der Streik in der Schuhfabrik Poleinski beendigt. Die Arbeiter der Schuhfabrik Poleinski, Paul-Singer-Str. 2, haben am Freitag die Arbeit wieder ausgenommen, nachdem die Firma ihr Verlangen auf Ferienverzicht zurückgezogen und sich be- reit erklärte, alle Arbeiter einschließlich der fünf entlassenen wieder einzustellen. Ein Arbeiter wurde, angeblich wegen Beleidigung des Firmeninhabers, nicht wieder eingestellt. Lohnbewegung in der Engroskonfcktion. Der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, der für die Handelsarbeiter eine sieben- bis zehnprozentige Erhöhung der taris- lichen Mindestsätze vorsieht, wurde sowohl vom Arbeitgeberverband Berliner Bekleidungsindustrieller wie von den im DVB. organisierten Handelsarbeitern angenommen. Damit ist die Lohnbewegung in der Engroskonsektion beendet. Die tariflichen Erhöhungen treten rückwirkend ab 18. April in Kraft. Tarifabzüge gegen Mitglieds- ousweis im Bureau des Deutschen Berkehrsbundes, Engelufer 24/23, Zimmer 31._ Zum Internationalen Gewerkschaftskongreß. Laut Beschluß des Vorstandes des IGB. werden zum Pariser Internationalen Gewerkschaftskongreß Einladungen an die Soziali- stische Arbeiterinternationale, die Iugendinternationale und an das Internationale Arbeitsamt ergehen. Ferner sollen auch die nicht dem IGB. angeschlossenen Gewerkschaftszentralen der Vereinigten Staaten, Mexikos, Chinas, Australiens, Neuseelands, Japans, Britifch-Indiens, Griechenlands, Norwegens, Finnlands und Eftlands eingeladen werden. Mit Rücksicht auf die finanzielle Lage wird dem Kongreß die Erhebung eines Extrabeitrages von drei Gulden per 1000 Mitglieder vorgeschlagen werden. Diese Frage wird durch einen besonderen Ausschuß bearbeitet werden, in dem die ange- schlössen«» Landeszentralen Vertreter haben. Der gleiche Airsschuß wird auch die Frag« der Zahl der Sekretäre prüfen und dein Kongreß die Ernennung eines ollgemeinen Sekretärs vorschlagen, dem ein vom Bureau anzustellender stellvertretender Sekretär zur Seite stehen soll. Der Ausschuß wird auch zu den einschlägigen Beratungen des Borstandes herangezogen werden. Die Frage der Verlegung des Sitzes des Internationalen Ge- werkschaftsbundes bleibt dem Pariser Kongreß zur Entscheidung überlassen._ §ür Sacco und vanzetti. Der Internationale Gewerkschoftsbund wird, wie auf seiner letzten Vorstandssitzung beschlossen wurde, wegen der Verurteilung der anarchistischen Gewerkschaftsführer Sacco und B a n z« t t i einen Protest an die amerikanische Negierung richten._ Streik in der Magdeburger Zuckerraffinerie. Magdeburg. 30. April.(MTB.) Da» Schlichwngsamt hat einen Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung der Arbeiter der Zucker- rafsinerie Magdeburg vorsah und der von der Arbeiterschaft angenommen, vom Untsrnebmen aber abgelehnt worden war, ebenfalls abgelehnt. Daraufhin haben sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen heute früh die Arbeit niedergelegt. Der gesamte Betrieb ruht.__ Aus der oberschlcsischen Eisenindustrie. hindenbur& 30. April.(ÄVTB.) Der obersckstesische Schlichter, Regierungsrat Spannagel-Oppeln, hat im Lohnstreit der ober-- ichlefischen Eisenhütten ein Eingreifen abgelehnt und die Metallarbeiterverbände an die Berliner Behörden verwiesen. Die vier oberschlesischen Metallarbeiterverbände haben sich daraufhin an das Reichsarbeitsministerium gewandt, um einen Verhandlungstermin in der Lohnstreitsrage zu erzielen. Arbeiter, nnd Angestelllcnbekriebsräte! Nächster arbestsrecht- licher Informationsabend für Betriebsräte am Dienstag, abends 7 Uhr, im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Cngeluser 24/25. Leiter des Abends ist Genosse Dr. Bröcker vom Vorstand des ADGB. Die Arbeiter- und An�estelltsnbetriebsräte werden gebeten, sich pünktlich zur Teilnahme einzufinden. Die folgenden Informationsabende finden am 17. und 31. Mai statt. Frei« Scwerlfchaft-jugcnd. Heute btteUigen wir uns an dcr Temonfiratwn der Sewcrkfchaftcn. Die Jugend marschiert an der Epitzc ihres Bcrufsver- bände». Ofttrei»! Nachmittaa» Treffen, Sportplaa an der Obcrspree, Daum» schnlenwea.— Mcrgen, Monntag: Südlrci,: Fllr die Mitglieder der 274. Abteilung Vollsdtihnenvorstelluna im Thalia-Theatcr. Dresdener Straße.— Slordriag: Ab S'H Uhr abend» spielen wir auf dem Platz an der einsamen Pappel. Der flrbeiterrat Hroß-Hamburg. Sein Bericht für das Jahr 1926. Der Arbeiterrat Groß-Hamdurj) ist eine in der Hamburgischen Berfassung seil 1920 vorgesehene Einrichtung, die neben dem Wirt- schastsrat solange in Tätigkeit bleibt, bis die im Abschnitt VlI der Reichsverfossung vorgesehene Regelung eintritt. Der Jahresbericht für 1926 umfaßt 100 Druckseiten. Er be- handelt einleitend die Entwicklung der Wirtschaft im Vorjahre unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen der Rationalisierung. Wenn auch vieles in dieser Abhandlung in Tageszeitungen, Wirt- schaftsberichten usw. bereits veröfsentlicht war und nur mehr chrono- logisch geordnet registriert worden ist, sind doch viele Dinge immer wieder erwähnenswert, weil sie den Widersinn der prioatkapitali- stischen �Wirtschaftsführung' immer weiteren Bevölkerungskreisen vor Augen führen. Nach"einer graphischen Darstellung der Eni- wicklung der allgemeinen Arbeitslage im Berichtsjahr wird die Lohn- und Preispolitik der Unternehmer kritisiert, die in der Rationalisierung nur ein Mittel zur Nerbesserung der Gülererzeugung und somit zur Erhöhung ihrer Prositrate, nicht aber zur Vermehrung des Güterverbrauches sehen. Die nur unter dem Gesichtswinkel des auf Gewmnsteigcrung bedachten Unternehmertums durchgeführte Rationalisierung hat beinahe überall Preissteigerungen, fast nirgends jedoch Lohn- oder Gehaltserhöhun- gen nach sich gezogen. Während nach den Veröffentlichungen des Statistischen Reichs- amts im Berichtsjahre die Großhandelspreis« um 10,9 Punkt« und die Lebenshaltungskosten um 4,5 Punkte stiegen, wurden die Tarif- löhne für Gelernte durchschnittlich nur um 0,9 Proz. und für Un- gelernt« um 1,1 Proz. erhöht. Interessant sind auch die Veröfsent- lichungcn über die Leistlingssteigerungen im Bergbau und in der Schwerindustrie. Die Zahl der im Betrieb befindlichen Hochöfen, von denen es 1913 noch 204 gab, ging von 96 im Jahre 1925 auf 84 zurück und die Zahl der bei der Roheisenerzeugung beschäftigten Arbeiter von rund 21 000 auf etwa 17 000. Trotzdem erhöhte sich die Gesamterzeugung um 16 Proz., die durchschnittliche Tagesleistung eines Arbeiters in einem Jahre von 1,17 Tonnen-Roheisen auf 1,67 Tonnen oder um 43 Proz. In der Rohstahlerzeuguna wurden im Berichtsjahre nur noch 25 000 Arbeiter gegen 28 000 im Jahre 1925 beschäftigt, während sich die Tagesleistung eines Arbeiters von 1,2 auf 1,6 Tonnen Rohstahl oder um 33 Proz. erhöhte. Im Berg- bau wurden 1925/26 infolge vermehrter Einführung von Kohlen- gewinnungsmaschinen 50 Proz. der Kohlen auf mechanischem Wege gefördert gegen 5 Proz. im letzten Vortrlegsjahr. Trotz der erheb- lichen Verringerung dcr Belegschaften wurden pro Schicht 6 Proz. mehr gesördett als 1913/14, während der Reallohn durchschnittlich um 1V Proz. geringer ist. Der Bericht verweist dann weiter auf die ungeheuren Ueberstundenleistuugen in allen Industrien und bezeichnet den Versuch des Reichsarbeits- Ministeriums, durch eine» Appell an die Unternehmer der Ueberarbeit zu steuern, als völlig verfehlt. Ebenfalls kritssch beleuchtet wird die volkswirtschaftlich säiädliche Preispolitik der Kartelle und ein unabhängiges Kontrollamt gefordert, in dem auch die Ar- beiterschaft«in Milbestimmungsrecht hat. Dem Bericht über die* Erwerbslosigkeit ist zu entnehmen, daß die Zahl der unter- stützten Erwerbslosen in Hamburg von Ende Januar bis Ende Dezember 1926 von 40 777 auf 31 545 oder um 22,6 Proz. zurückging, die Zahl der Ausgesteuerten oder vom Arbeits. amt nicht unterstützten Erwerbslosen im gleichen Zeitraum von 16 260 aus 19 701 oder um 17V Proz. gestiegen ist: ein Be- weis für die langanhaltends Erwerbslosigksst des einzelnen und die geringe Nachfrage nach Arbeitskräften. Die anhaltend starke Arbeitslosigkeit veranlaßte den Arbeiterrat Groß-Hamburg, wie in den Borjahren zusammen mit den örtlichen Spitzenorganisationen eine freiwillige Sammlung zugunsten einer Rotstandsaktion durchzufsshren, die einen sehr guten Ersolg hatte. Dadurch war es möglich, in den letzten Monaten des Berichtsjahres jeden Wochentag durchschnittlich a n 4000 E r wer b s- lose warmes Essen zu verteilen. Ferner wurden an Erwerbs- lose 44 950 Lebensmittelpaketc verteilt und für 2000 Kinder besonders bedürftiger Erwerbsloser eine Weihnachtsbe- scherung veranstaltet. Der Bericht hcbt u. a. weiter hervor, daß in Hamburg mit der auf Anregung des Arbeiterrats vom Senat schon im Mai 1925 erlassenen Verfügung zur Einschränkung des Lehrlings Haltens im Handelsgewsrbe sehr gute Erfahrungen gemacht wurden und daß bei einer reichsxesctzlichen Regelung die Hamburger Rege- lung sehr gut als Voibild dienen dürfte. Der Bericht behandcst dann noch ziemlich ausführlich die Lehrlingsverhäitniise in verschiedene» Gewerben und gibt die Stellungnahme des Ar- beiterrats bekannt zu Gesetzentwürfen und dergleichen, die ihm zur Be g u t a ch t u n g vorgelegt wurden. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Arbciterrat Groß-Hamburg bemüht war, nicht ollein im Interesse der Arbeiter und Angestellten, sondern auch im Interesse der Gesamtwirtschaft zu wirken. 13 Soflüm- q. Manlessofse (liile �uaMlii, mo». SN»,. er N zz .130 ein prell...-Nelu 3.74. i», Shellano SXÄÄ Z. Slrichlodev JS/ÄW l.80 SommermSmeftloffe« � 130 cm oreit..... Meter" LaleuWe.. L" Machester SSTÄS l.91 k!eiderstofse?rK°�0.ö5 schvnsl»-f 89 gmb. mn. 1. Helvetta-Zeide � Zarbell........ Nieter£. Satin wi.bS. � 0.85 Vaschsammele ßunstsew. Damentzemd- ||0|SD Welt Tarben..... I. � Kunst,. Lamensltümvse aNe iarde»..... Uaat U.iW sierrev'llvtertoseu maiosardig. ffiibfec s.. Knaben-SMthemden au« aeltretfiern 2 ebb» Dr. so!♦ kinder-öommellwealer.,� ileltiftc Drbse......... U.üU Serren-Uvteri os n« 73 au« oeficm■ vpcr-u.egel... 1» ... Öerten'Sodcn puw. v°°r 0 30 Herrenanzugstoffe 4 50 140 cm breis außergewö olich 1 dilti.. 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Soll die Weltarbeiterschaft ihre Aufgaben erkennen, jo muh sie den Wirtschaftswandel in der Welt, den der Weltkrieg gebracht hat, klar durchschauen. Die Macht der Arbeiterklasse auf die richtigen Angriffspunkte anzusetzen, hat dieses Begreifen zur Voraussetzung. Das verwirrende Spiel neuer Erscheinungen. Allerdings rvird es durch eine fast unendliche Vielfalt neuer Erscheinungen erschwert. Im Innern aller kapitalistischen Länder ist der Kampf der Klassen uln die Verteilung des Arbeitsertrages weitgehend durch Schlichtu??gsvorschriftsn und Verwaltungsmah- nahmen„organisiert" worden. Der ausgezwungen« Burgsrieden des Krieges, die ihm zur Vermeidung des Chaos folgende Arbeits- gemeinfchaft hat gewiss« Nochwirkungen hinterlassen, die im Kamps- Verhältnis der Klassen verwirrend gewirkt haben. Wo das Privat- kapital die Regierungen führt, ist die gesetzliche O r g a n i s a- tion des A r b e i t sDa m p fe s unter dem Druck des Privat- interesses weitgehend ausgehöhlt und gefährdet. Die arbeitenden Massen selbst sind unter den verwirrenden Eindrücken des Krieges gespalten und stellen dem Unternehmertuu? aus den eigenen Reihen in Verkennung ihrer Interessen Hilsstruppen. Die Fronten des inneren sozialen Krieges der Völker haben jene Reinheit noch nicht wieder gesunden, die vor dem Weltkrieg selbstverständlich schie??. Wohlmeinende, aber kleinbürgerliche Ideologen und klarsehende brutale Geschäftsleute haben je nach ihrem Standpunkt für die „Sicherung des Klafsenfriedens" ihr« Konsequenzen gezogen. Der Faschismus unter der Diktatur eines ehemaligen Sozialisten in der Form einer nationalen Arbeitsgemeinschaft, die die unüberbrück- baren Funktionsgegensätze der Klassen im kapitalistischen System übersieht. Der Bolschewismus in Rußland mit seinem in der Komintern verankerten Programm der Weltrevolution, der Sinn und Wert der Macht der Arbeiterklasse in ihrer o r g a n i s a t o» rischen Fähigkeit zu einer den? kapitalistischen System über- l e g« n e n Wirtschaftsführung nicht erkennt. Der Versuch, im Mutterland des britischen Imperiums die von den Wirtschastsgesetzen vorgeschriebene Politisierung der Gewerkschaften mit den Machtmitteln des Gesetzes zu unterdrücken, der, in manchesterlichen Illusionen besangen, die Staatssvhäre von der Auseinandersetzung der Klassen freihalten will. Die letztlich antidemokratischen Tendenzen des Rechtsblocks in Deutsch- l a n d, dessen durch die demokratische Republik und die stärker orga- nisierte Arbeiterschaft bedrohter monopolistischer Profit- und cherr» schaftswille mit faschistischen Experimenten liebäugelt, die von Ele- menten getragen werden können, die der Krieg aus kurzsichtige nationolistische Instinkte gedrillt hat. Endlich die Doppelerscheinung einer starken i m p« r i a l i st i» schen Konkurrenz alter und neuer Großmächte, deren Weltstellung iin Gefolge des Krieges von Grund auf um- gestülpt ist und die Tendenz zur Bildung mächtiger int er- nationaler Monopolorgonisationen, die in inter- nationalen Kartellen der Konkurrenz auf dem Weltmarkte weit- gehend ein Ende setzt und der Preisbildung für Güter und Arbeits- k'aft neue Gesetze aufzuzwingen scheint, die mit aller Erfahrung in Widerspruch stehen. Durch diesen Wald schier unübersehbarer neuer Erscheinungen muß sich die Arbeiterklasse der Welt hindurchs?ichen, um ihre Aufgaben beute, neun Jahre nach dem Weltkrieg und in einer vollständig�veränderten Situation, klar zu erken??en. Das Wesen der veränderien Lage. Dieses schwierige Suchen muß sich, wenn die Ardeiterklasse der Welt ihre Orientierung nicht verlieren soll, an die neuen ein- fachen Wirtschastetatsachen hosten, die der Krieg geschaffen hat. Geblieben ist das kapitalistische System. Es kann sich nicht darum handeln, daß die Funktionen der Arbeiter- klaffe in diesem System geändert worden sind, sondern nur darum. welche veränderten Forme-,? diese Funktionen in der ver- änderten Lage anzunehmen habe??. Geblieben sind im kapita- listischen System die Klassen und ihre entgegengesetzte Stellung. Geblieben ist notwendig der Klassenkamps, der eine Kategorie des kapitalistischen Systems in dem Sinne ist, daß Unternehmer- interesfe und Arbeilerinteresse nur die Form de, Klassenkampfes haben können. So ist das Entscheidende die verändert« Lage und die Konsequenz, die diese veränderte Lage für die Macht- anweirdung der Arbeiterklasse erfordert. Worin besteht die Ler- änderung? Es ist«in schwerer, aber oft begangener Fehler, daß nicht unter- schieden wird zwischen der Tatsache, daß der Westkrieg wohl b e- endet ist, und der anderen Tatsache, daß sei??« K o st e n noch nicht bezahlt sind. Der Weltzustand in den Jahrzehnten der Vorkriegszeit war dadurch charakterisiert, daß ein ständig wachsender Reichtum der europäischen Industriestaaten in der Form von Waren- oder Kapitalexporten seinen Weg in die nichtkapitali- stische Welt und in die Kauftraftquellen konkurrierender Länder so lange sucht«, bis der Kampf um diesen Export den inneren K l a s s e n k r i e g der Länder zum äußeren Kriege der Völker entzündele In den glücklichen Friedenszeiten ging der Kampf der Arbeiterklasie mit der Unternehmerklasse?!m die G c- winne, die die Weltkonkurrenz der Jndustrievölkcr den Monopol- Herren des Kapitals zuführte. Di« Arbeiterklasse kämpfte mit der Unternehmerklasie um den Anteil an diesen Gewinnen. Der Anteil der Arbeiterklasie blieb, da ihr die Macht fehlte, kleiner als jener Betrog, der zur zweckmäßigen Vervollkommnung der Technik und do,nit zur Senkunq des Arbeitsaufwandes er- forderlich gewesen wäre. So konnte der Weltkrieg nicht verhindert werden. Der Weltkrieg selbst aber hat nur Kosten verursacht. Er brachte den Beteiligten, und auf Dauer gesehen auch den Ver- einigten Staaten von Nordamerika, keinen Gewinn, sondern Ver- luste. Die Weltwirtschaftskrise, die dem Weltkriege ge- folgt ist, ist der Ausdruck der Tatsachs, daß die Weltkriegsr>erluste im kapitalistischen System von irqendwem getragen werden müssen. Da es im kapitalistischen System nur zwei Stellen gibt, die Verlust« tragen können, das Kapital ode.r die Arbeit, ist der ganze soziale Sinn der Weltwirtschaftskrise die Frage, ob die Arbeiterklasse oder die Unternehmerklasie diese Verluste zu über- nehmen' hat. Das ist die Situation und das o l l e i n W e s e n t- l i ch e der Situation, vor der die Weltarbeiterschaft nach dem Welt« krieg« und auch an diesem 1. Mai des Jahres 1327 steht. Gegen- über der unendlichen Vielfalt neuer und verwirrender Erscheinungen, wie wir sie aufgezeigt haben, stebt die Arbeiterklasie vor der Not- weirdigkeit, sich von den falschen Bildern, die vielfach mit diesen Er- scheinungen verknüpft sind, zu reinigen. Aus dieser Reinigung er- geben sich die Konsequenzen, die die Weltarbeiterschaft zu ziehen Hot, wenn sie am heutigen 1. Mai und in allen zuka?rftigen Maidemonstrationen ihre Macht mustert. Neue Fronten— neue verbündete. Wir wollen mit den internationalen Kartellen. der machtvollsten Demonstration wohlorganisierter Kapitalmächte, bs- ginnen. Sie entspringen der vielfav) verschärften Konkurrenz, die sich auf dem Weltmarkt um den verkleinerten Absatz und aus den vergrößerten Gewinnansprüchen ergibt. Den nationalen Industrien uxrdcn die inneren Märkte zur unbeschränkten e r r s ch o f t überlassen. Der Weltmarkt der preisregulieren- den Konkurrenz wird bewußt verkleinert, das Risiko, die Kriegsverluste und Kriegskcsten selbst zu trogen, wird auf die Ver- arbeiter und letzten Verbraucher der kartellierten Waren a b g c- wälzt. Damit wird der Kampf um die Löhne in den international nicht kartellierten Jnduftrieu verschärft, und an den Ein- kommen der breiten Massen, auch den Einnahrnen der Kommunen und der Staaten zehren sowohl die Monopolpreise der internationalen Kartell«, wie diese auch den Kampf um bessere Löhne bei den Vcrarbeitern der kartellierten Waren erschweren. Das internationale Kartellkapital wälzt so die Kriegskost«?? auf andere Schultern ab. In dieser Log« kann sich der Klasicnkainpf der organisierten Arbeiterschaft nicht auf Lohn- und Arbeitszeitkätnpfe beschränken. Er muß hinübergreifen in die Steuer- und Handels- Politik des Staates, in die neu sich bildenden Institutionen der internationalen Kontrolle des Kapitals, und er muß, je nach der Lage des Falles, für Steuerpolitik und ganz besonders für Zoll- und Handelspolitik feine Verbündeten auch bei den Verarbeitern der international kartellierten und monopolistisch bewirtlchcsteten Güter suchen. Er muß z. B. gegen die Erhöhung der Eisenpreis« kämpfen, obwohl aus Eisen kein Brot gebacken wird. Er muß die Eisenverarbeiter in ihrem Kampse gegen die Eisen- erzeuger vorwärt» treiben, auch dann, wenn die Eise??ver. arbeiter selbst in s o z i a.l p o l i t i s ch e n Fragen die Front der Internationalen Eisenmonopolisten stärken. Es muß ein Kampf mit vielen Fronten geführt werden, t>?it vielen Verbündeten, die u. U. auf anderen Gebieten noch scharfe Gegner sind. Dieser Kampf der Arbeiterklasse um die Zoll- und Handel?- Politik des eigenen Landes?n?iß dem Einfluß der international organisierten Arbeiterschaft bei der Bildung internationaler Kontrollorgane hinzugefügt werden. Der Kanipf gqgen den Rochtsblock in Deutschland, soweit in ihm die Kapitalmächte ihre Schlagkraft vereinigen, um die wirtschaftlichen und politischen Kriegskosten auf die Arbeiterschaft abzuwälzen, darf ebenfalls nicht allein uin Löhne??>?d Arbeitszeit geführt werden. Er muß die mit dgm Schwerkapital vereinigte Macht der Groß- agrarier auf allen Fronten fassen, und zwar außer in der Steuer-, Handels- und Zollpolitik auch auf dem Gebiete d-nr Selbstversorgung, fei es durch eigenen Handel, fei es durch eigene Produktion. Auch dabei braucht die Arbeiterklasse neue Verbündet«. Wie gegenüber den internationalen Eisenmonopolisten die Eisenoerarbeiter in die Kampffront der Arbeiterklasse einbezogen werden müssen, so hier die große Masse der Bauern und die gewaltige noch lange nicht ausgeschöpfte Macht der öffentlichen Betriebe. Die öffentlichen Unternehmungen des Reiches, der Länder und der Gemeinden, die Verbraucher sind und vielfach Verarbeiter zugleich,?nüssen in der inneren Wiräschost der Völker zu Außenseitern des mono- polistischen Schwerkapitals gemacht werden. Wie es in dem Kamvie um die Ferngasversorgung geschehen ist, wo zunächst die Abwehr zum vollen Erfolg geführt hat, so müssen die öffentlichen Betriebe in ihrer Rohstoffversorgung auf breitester Front ur?d in Konkurrenz mit dem Monopolkapital selbständig vorgehen uvd auf dem Markte ihre Herrschast ausrichten. Auf die Weltwirtschoftskonferenz gehörten?n i t den Delogierren der Ar- beiterklasse, Delegierte der öffentlichen Betriebe, u?n ebenfalls den Schutz der Verbraucher in internationalen Kontroll- organisationen sicher zu stellen. Es kann auch hier nicht genug sein, daß die Arbeiterklasse gegenüber den Bauern und den öffentlichen Betrieben um ihre sozial« Besserstellunq kämpft, sie muß sich mit ihnen vereinigen in wechselnden Fronten, um mit?h??en gemeinsam die Abwätzungspolilit des internationalen Schwertapitals zu durchkreuzen. Nicht nur in Deutschland, sondern in allen hoch- kopitalistischen Industrieländern. Klarhell im Kampf. Das sind die w i ch t i g st e n Konsequenzen, die die Arbeite»- klasse, rvenn man deutsche Verhältnisse zunächst betrachtet, in denen die Neuorgan?sation des Schwerkapitals am weitesten ge- diehen ist, heute zu ziehen hat. S?e sind auch der Ausgangspunkt für die Meisterung und das klare Durchschauen der verwirrenden Vielfalt vo>? Erscheinungen, die heute den Blick noch trüben. Der Faschismus ist zu bekämpfen, weil er die Arbeiterklasse für das Tragen der vom Schwerkapital abzuwälzenden Kriegskosten verpflichten will. Die K o m m u n i st i s 6) e Partei ist zu bekämpfen, well sie den Sinn wechselnder Fronten selbst mit kapi- listischen Vorarbeitern nicht erkennt und die Notwe??diß?eit von Zweckbündnissen zwischen der Arbeiterklasse, den Bauern und den öffentlichen Betrieben übersieht. Die Freiheit der gewerk- schastlichen Organisation und des Streiks ist inir Zahn und Kralle zu verteidigen, der demokratische Staat.n?uß die Bühne auch des politischen Kampfes der Gelverkschaften bleiben, auch da, rrw sich die Macht des Staates der Macht de» schweren Kapitals zur Unterdrückung der Gewerkschaften hinzu- gesellen will. Und der Kalnpf gegen den Rechtsblock in Deutschland darf sich nicht mit der Versicherung bcgi?ügen, daß die Rechtsparteien und die hinter ihnen stehenden Winschaftsmächte verfassungstreu sein wolle??, sondern er muß ins Auge fassen, daß auch die Republik de?n Schwerkapital ein Spru??gbrett sein kann, um durch die„b e r u s s st ä n d i s ch e" Organisation die in der parla???e??tarischen Demokratie nicht niederzukämpfenden Klassenkräfte der Arbeiterschaft lahmzulegen. So ergeben sich für die Führung des Klassenkampfes heute, im Gegensatz zur Vor- kriegszeit, nur andere Formen und Inhalte, nicht andere Ziele. Im Kampf um den Arbeitsertrag hat sich nichts geändert. Er?nuß heute nur ver- schärft geführt werden, weit das Kapital auch noch die Kriegstosten und Kriegsverluste auf die Arbeiterklasse ckbwälzen will. Aber die An- griffspunkte des Klassenkampfes find ver?n ehrt, die Fronten find erweitert, und die Strategie muß die neuen Tatsachen berücksichtigen. 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April hat(Broß-Berlin nur«ine C n t- lastung von �86 Erwerbslosen gebracht, in der Woche vorher waren es 836, in der vorvorigen Woche noch rund 2300. Während der letzten drei Wochen l?at das Groß. Berliner Wirt- schoftsgebiet im ganzen nur knapp 4 0 00 Erwerbslose aufnehmen können, nach durchschnittlich 8000 bis ll 000 in jeder der vier vorhergehenden Wochen. Es bleibt Ende April bei einer Erwerbslosigkeit für Berlin von fast einer Viertelmillion. Es bleibt dabei, daß der vielberedete Konjunkturauischwung seit dem 22. Januar dieses Jahres, dem Höhepunkt der Erwerbs- losigkcit(284 6l2 Personens,»och nicht 60 000 Arbeitende in die Wirtschaft zurückgebracht hat(genau 38 380 Personcns. lind es ergibt sich der ö u ß e r st wichtige Schluß, daß die Besserung des Arbeitsmarktes kaum über dos hinausgeht, was der vorige Herbst und Winter an Verschlechterung gebrocht hat, so daß nicht eine eigentliche sühlbare Konjunkiurbesscrung, son- dern im wesentlichen nur ein Saisonausgleich vorliegt. Es waren 226 032 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getrogen gegen 226 346 der Vorwoche. Darunter befanden sich 148 804(140 770) männliche und 77 228(76 767) weibliche Per- fönen. Erwerb slosenunterftützung bezogen 81 884 (83 390) männliche und 34 339(34 531) weibliche, insgesamt 116 223 (117 930) Personen. Außerdem wurden noch 35 087(33 733) Per- fönen durch die Erwerbslosen Hilfe der Stadtgemeinde Berlin und 34 397(33 306) Personen durch die K r i s e n f ü r s o r g c unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 6685(6646) Personen beschäftigt. Wenn der Bericht des Landesarbeitsamts betont, daß die Nachfrage der Metall- und Holzindustrie nach- gelassen habe und der Baumarkt nicht wesentlich gebessert sei, so grbt das Berlin die wesentliche Signatur. Der Baustosfwucher mag das seinige dazu beitragen. Die heute demonstrierende Arbeiterschaft demonstriert also für Forderun- gen, die an Bedeutung durch die Entwicklung des Arbeitsmarktes nichts verloren haben. Der Grohhondelslndeik. Die auf den Stichtag des 27. April berechnete Großhanivlsindexzisfer des Statistischen Reichsamts be- trägt 134,8 gegen 134,7 in der Vorwoche. Von den Hauptgmppen haben die Agrarstoffe sowie die Kolonialwaren gegenüber der Vorwoche um 0,2 Proz. n ach gegeben. Dagegen ist die Indexzisser der industriellen Rohstossc und Halbwaren um 0,2 Proz. gestiegen. Der Gesamtiudex war gegenüber der Vorwoche nahezu unverändert. Unter den in- dustriellen Fertigwaren hat die Indexziffer für Konsumgüter weiter leicht angezogen. Der tebenshaltungsindex im April. Die Reichsindexzisser für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung. Heizung, Be- leuchtung, Bekleidung und„sonstiger Bedarf") beläuft sich noch den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt d-«S Monats April aus 146,4 gegen 144,9 im Vormonat. Sic ist sonach u m 1,3 v. H. g c st i e g e n. Di« Ausgaben für die Ernährung haben sich infolge des besonders in der ersten Monatshälfte erfolgten Rückgangs der Preise für Fleisch und Fleischwaren, für Milch und Milcherzeugnisse sowie für Eier etwas vermindert. Die.Kosten für Heizstosf« sind durch den teil- weisen Uebergang zu den Sommerpreisen für Hausbrandkohlc.zurück- gegangen, auch die Bekleidungsausgaben haben leicht nachgegeben. Der Gesamtindex wurde jedoch durch die infolge der Heraus- setzung der' gesetzlichen Miete erfolgte Erhöhung der Wohn.ungsansgaben ausschlaggebend beeinflußt. Die Indexzifferu kür die einzelnen Gruppen betragen(1913/14— 100): für Ernährung 15.3,3, für Wohnung 115,1, für Heizung und Beleuchtung 143,1, für Bekleidung 155,9, für den„sonstigen Bedarf" einschließlich Ver- kehr 182,9. Dan der vergh klag» über die wachsende Konkurrenz. Die ?3an der Berghs Margarine Aktiengesellschaft ist die Dachgesellschaft der Van der Bergh-Gruppe in Deutschland, die neben der Jürgens- Gruppe der größte Konzern in der M a r g a r i n c i n du st r i e ist. Di« Gesellschaft besorgt den Einkauf und die �Finanzierung von Ocl- saoten und Oeliriichten sowie oon Rohölen. Sic läßt diese Rohstoffe in deutschen Oelmühlc» und Raffinerien befreundeter Firmen ver- arbeiten und vertreibt die hieraus anfallenden Nebenprodukte, ins- besondere Oelkuchen und Fettsäure. Das Unternehmen arbeitet mit einem Aktienkapital van 13 Millionen Mark. Für das Geschäfts- fahr 1926 wurde ein Ueberfchuß von 801 235 M. erzielt, aus dem eine sechsproz entige Dividende zur Verteilung gelangt. Ueber das laufende Geschäft wurde von der Verwaltung in der %®§iijni-jSOT Kasha,ShetlandlDoppelrips in allen Frühjahrsfarten � Gertraadtenstr: 20/21'«*� Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag. 1. Mai: Vorm. 9: Morzenfeier. 11—12.30: Der Mai tat teVommea. Nachm. 1.10: Die Stunde der Lebenden. 3: Die Verwendunj von Torfst/eu und Torfmull in LandwirWchaft tind Gartenban. 3-30: Märchen. 4.30-h»; Kapelle Gebröder Steiner. 7.30: Künstler and Auftraggeber im XTX. Jahrhundert, 7.S5 Strcif- zQgt durch den Balkan. 8.30:„Die erste Walpurgisnacht"; Ballade von Goethe. 9.20: Liebesbriefe, 10.30— 12.30: Tanzmusik, Montag, 3. Mai: N'achm. 3.30: Die Entwieklun* der SHeotlichen Woblfahrtsptleie 4: Tech- nische Wochenplanderci. 4.30: Novellen, i— 6: Konzert. 7.05: Fabriken und Industriebauten. 7.30; Vergessene Dichter. 8; Arien, und Liederabend: Mattla- Battisüni. Dienstag, 3. Mai: Nachm. 12.30: Die Viertclstnnde für den Lar.dTsirt. 4: Der Sternenhimmel im Monat Mai. 4.30: Konzortorchester Kermbach. 6.30: Stunde mit Büchern. 7.05: Die neuesten Forschungen in der vissenschaftlichcn Graphologie. 7-35: Unfallversicberung. 8.10: Sendespiclc:„Anneliese von Dessau"; Operette von Richard KeOler, Musik von Robert Winterberg. MUtwoctx, 4. Mai: Nachm. 1.30—2: Glockenspiel der Parochialkirche. 3.30: Die volkswirtschaftliche Bedeutung des deutschen Obst- und Gcmuscgroßhandels. 4: Funkdienst an Bord und an der Küste. 4.30: Jugtndbühne. 5—6: Kapelle Emil Rodsz. 6.20; Schädlinge in Haus und Speicher. 6.50: Das Rettungswesen in den Seebädern. 7.15; Sofcratcs und seine Bedeutung für die Gegenwart. 7,45: Das geistige und seelische B�nd der westeuropäischen Völker. 8.30; Orchestermusik: Händel— Viotti— Reger. 10.30—11.30: Nachtmusik. Donnerstag, 5. Mai: Nachm. 12.30; Die Viertelstunde för den Landwirt. 4: Spanisch. 4.30—6: Kapelle Gebröder Steiner. 7.05: Die neueren Schweiß verfahren und ihre Anwendung in der Industrie. 7.30: Die deutsche Sozia! versichern n g. 7.55: Der Konsument als Wertfaktor. 8.30: Wiener Luft. 10.30—-12.30: Tanzmusik, Dr. Kurt B o s ch w i tz zeigte in einem Vortrag über Hexen- Verbrennungen, wie Furcht, Torheit, Entartung»nd Machtgelüste Jahrhunderte hindurch furchtbare Triumphe seiern konnten, ohne daß der gesunde Menschenverstand, den einige Mutige laut vertraten, dagegen anzukämpfen vermochte.„Unbekanntes vom Hexen- mal) n", wie Dr. Baschwitz seine Ausführungen nannte, brachten sie eigentlich nicht in erheblichem Maße. Aber es war eiiz kluger, kurzer, Zusammenhänge aufdeckender Bericht.— Sehr gründlich, doch etwas zu gedehnt für einen Funkoortrag feierte Prof. Dr. Friedrich Schottky ,.Karl Friedrich Gauß— Zur 15 0. Wiederkehr seines Geburtstages".— Mit einer abwechslungsreichen Fülle von Darbietungen sorgte der Abend für einen„Lustigen W o ch e n s ch l u ß". Freitag. 6. Mai: Nachm. 3.30: Das Herz für die Not. 4: Schulkinder als Erwerbshelfcr, 4.30; Schmidt von Werneuchen. 5— 6; Dr. Becces Kammerorchester. 6.20: Der Stand der deutschen Fußballmeisterschaft. 6.45: Das künftige deutsche Strafgesetzbuch. 7.30: Uebcrtragung aus der Städtischen Oper, Charlottcnburg: „Freischütz", Oper von Carl Maria von Weber; danach Nachtmusik. Sonnabeud, 7. Mai: Nachm. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4: Wanderungen durch die Mark. 4.30— 6: Berliner Funkkapelle. 6.30: Medizinisch-hygienische Plauderei. 7.05: Die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterblicbencn, 7.30: Einführung in die Staatsbürgerkunde. 7.55: Deutsche Kultur in tercssca in Sowjet Rußland. 8.30: Lustiges Wochenende. 10.30—12.30: Tanzmusik. Kölligswusterhausen. Sonntag, 1. Mai: Ab vorm. 9: Uebertraeims m» Berlii. Montag, 2. Mai: Nachm. 4: Die Verkehrserziehung der Jugend. 4.30: Erziehungsberatung. 5: Schachfunk. 6: Wxsscru anderungen in Deutschland. 6.30; Englisch für Anfänger. 6.55; Neuere Buchhaltongsformen. 7.20: Krankheiten und Schädlinge der Futter- und Wicsenpflanzungcn und ihre Bekämpfung. Ab 8: Uebertragung aus Berlin(Stuttgart). Dienstag, 3. Mai: Nachm. 4: Die Richtlinien für den Aosbao des höhere» Schulwesens. S: Was ist an der Astrologie? 6: Völkerrechtliche Fragen. 6«30: Spanisch für Anfänger. 6.55: Hans Thoma als Schriftsteller. 7.20: Wilh. v. Humboldt. Ab 8.10; Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 4. Mai: Nachm. 4: Das Spiel, sein Wesen und seine Bedeutung. 4.30: Englisch für Fortgeschrittene. 5: Die französischen Impressionisten. 5.30; Vom Singspiel zur Operette. 6; Technischer Lehrgang för Facharbeiter. 6.30: Englisch für Anfänger. 6 55: Die Haftpflicht der Post. 7.20: Die Wiedergeburt der Antike, Ab 8.15: Uebertragung aus Leipzig. Donnerstag. 5. Mal: Nachm. 4; Weibliche landwirtschaftliche Berufe. 4.30: Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 5; Eupen-Malmedy. 5.30: August Strind- berg. 5: Ein neues technisches Mittel zur Analyse und Synthese rhythmisch- künstlerischen Geschehens. 6.30: Spanisch för Fortgeschrittene. 6.88: Das deutsche Kunstlied bis Schubert. 7.20: Kenntnis und sachgemäße Behandlung des Waidbodens für die Holzerzeugung. Ab 8.30: Uebertragung aus Berlin. Freitag. 6. Mai: Nachm. 4: Nutzen und Schaden des Badens im Freien. 4.30: Die Kunst des Sprechens. 5; Das Theater Im Mittelalter. 6: Riesen- und Großluftschiff.5 im Weltverkehr. 6.30: Englisch für fortgeschrittene. 6.55: Die Zerreißung des Verkehrs auf Grund des Versaillcr Vertrages. Ab 7.30; Uebertragung aus Berlin. Sonnabend. 7. Mai: Nachm. 4; Aus der Kunstabteilung des Zentralinstituts. 4.30: Europäische Lehrfilmkonferenz in Basel. 5: Die Wirtschaff der deutschen Rcfchsbahn-Gc- seUsch'aft. 5.30; Der bildende Künstler, sein Wesen und sein Charakter. 6: Technischer Lehrgang für Facharbeiter; Rechnerische und mathematisch« Grundlagen. 6.30; Die Bedeutung der Zahn- und Kieferregulicrungen für die Gesundheit. 6.55: Das Theater im Mittelalter. Ab 8.30; Uebertragung aus Berlin. Generalversammlung gesagt, daß der Umsatz bisher zufriedenstellend und das Ostergefchäft gut war. Stark beeinträchtigt werde der Mar. garineumsag durch die Buttereinfuhr und die niedrigen Preise von Schmalz: die kleine Konkurrenz verderbe die Preise. Wir sind der Ansicht, daß die rückläufigen Fettpreise nur zu be- grüßen sind. Allerdings find sie bisher nur so unbedeutend, daß eine sühlbare Entlastung der Masienhausholtungen bisher noch nicht festzustellen ist. Mmmt die Zlegellndustrie den Komps gegen die öfsenklichen Stellen auf? Die..Industrie- und Handelzzeitung" teilt mit. daß der Zusammenschluß des Reichsverbandes der deutschen Mauerstein-, Ziegel- und Tonindttstrie, dem die deutschen Ziegel Verkaufs- Vereinigungen bereits als Fachgruppe angehören, mit den Berbän- den der W e st s ü d gruppe dem Verband" der Ziegeleien Rhein- l a n d s sowie den beiden Verbünden der deutschen Dach ziegel- industrie nunmehr endgültig vollzogen worden ist. Damit ist der seit langem angestrebte Zusammenschluß der gesamten deutschen Ziegelindustrie erreicht. Auch der Klinkerbund soll dem- nächst seinen Anschluß an den Reichsziegelverband vollziehen. Die Oeffentlichkeit wird nach den in der letzten Zeit von sämtlichen Reichs-, Landes- und Kommunalstellen an die Baustossindustrie ge- richteten Warnungen gegen den Wucher /mit Bau- st o f f o n auch diesem Zusanm'ienschluß ihr Augenmerk zuzuwenden haben. Selbstverständlich erfolgen diese Zusammenschlüsse zur Stärkung.der privatkapitalistischen Positionen gegenüber den össent- lichen Abnehmern und gegenüber den Reichs» und Landesbehörden. Die Aufträge vergebenden Länder und Kommunen werden sich für den Augenblick, wo die zusammengeschlossenen Per- bäiüie der Oeffentlichkeit den Handschuh hinwerfen werden, zu rüsten haben. Reue Großgründung Glanzstofs-Elberseld in Amerika. Wie der „Konfektionär" mitteilt, ist in Dover(Delaware) eine neue groß« Niederlassung der Vereinigten Glanz st asswerke Elber feld zur Kunstseidenfabrikatian errichtet worden. Als Firma wurde in Dover die„American Glanzstoff-Corporation" ein- getragen, deren Kapital 7 Millionen Dollar oder über 29 Millionen Mark beträgt. Die Bereinigten Glanzstosiwerke Elberfeld, die be- kaimtlich mit der englischen Courtould-Gesellschast und der italienischen Snia Viscosa fast Dreiviertel des Weltkunstseidenmarktes beherrschen, verbreitern damit ihre eigene Produktionsbasts auch in den Per- einigten Staaten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Werks- gründung auf dem Gebiet der Bereinigten Staaten einem Einschreiten Amerikas gegen die Monopolisierung des Kunstseideabsatzes in Amerika vorbeugen soll, nachdem die International« Iwer- essengeweinschaft der großen Kunstseidenkonzerne auch eine k a r- tellmähige Regulierung der Preise vorgesehen hat. Die Laufirma Held u. Frank« A.-G.. Verlin. teilt in ihrem Geschäftsbericht mit, daß sie für das ganze lausende Jahr eine rege Beschäftigung erwarte:. Für das Jahr 1926 hat sich der Gewinn von 77 000 auf 125 000 M. erhöht. Es wird ober keine Dividende verteilt, sondern wie im Vorjahre der Gewinn auf neue Rechnung übertragen. Im vergangenen Jahre habe sich die Bautätigkeit erst in der�zwciten Jahresbälste erhöht. Die süd deutsche Tochtergesellschaft>n München habe keine Gewinne erzielen können, während die Zweigniederlassung in Dortmund zufrieden stellend gearbeitet habe. In der Bilanz sind die Bankschulden und die laufenden Verpflichtungen im Vergleich mit dem Vorjahr schneller gestiegen als die ausstehenden Forderungen. Eine Beratungsstelle für?ted!er. Um den Siedlungslustigen eine zuverlässige Beratung zu sichern, hat der preußisch« Landwirt- schastsminister die„Vermittlungsstelle im Preußischen L o n d w i r t s ch a s t s m i n i st e r i u m" zur Zentrale für Beratung der Siedlungslustigen gemacht. Tie Vermittlungsstelle prüft, welche Gegend und welche Sicdlungsorgonisation für die besonderen Ver- Hältnisse des Bewerbers in Frage kommt und stellt die Derbindung mit der Siedlungsorganisation her. In einfacheren Fällen soll er- reicht werden, daß die Beratung möglichst am Heimatsort des Siedlungsluftigen erfolgt, um Schwierigkeiten und Kosten zu sparen. Gll Gflll DEUTSCHE GARTENBAU U.SCH LESISCH Ej GEWERBE AUSSTELLUNG-JUN1-SEPT. LIEGNITZ '.usiij ' Bettfedern, ITf5 da - Stark- fädiger Wäsche. stoff, Jfetaff- BettsteCSe, r mit doppeltem SLJS jp s Spi/vltmiten, � braun ückiert.• 25 und gut entstäubt. per Pfd. von iRcttfedern-H�HJ�i LI Gustav Ml LUSTIG überfaken. guter Wäschestoff. mit ffohPsaum JBtP verziert. Sm*. 150 x SSO. CO Jdetaff-Bogen- bettstePPe, mit Zugfeder. malratze. weißuschmrzßm* 80x185. Kopfkissen. J*5 fertii grau-rot JnPett mit grauen Federn. Steppdecke. Satin doppelseitig. in diversen Farben, 350x200.» 75 .Bank- bettstePte. zusammeo- /iPappbar.mit starkem Halb- Oberbett, Uta, fraise JnPett. inUanthren-, farbig, vDamendecM. 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Etwaige Einwendungen gegen diese Anlage sind bei dem unterzeichneten Etabiausschuß binnen 14 Tagen, vom Tage nach der Berbssenilichung ab ge- rechnet, schriftlich in doppelter Äussert!, aung oder zu Protokoll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist kbnnen Ein. w.-ndungen nicht mehr erboben werben. Beschreibung und Seichnungen der ge- p lauten Anlag« liegen in unserem Bureau, Berlin E. 2, Waisenstroße 27. I Treppe, Zimmer Z9, an den Geschäfts. tagen in der Zeit von S bts 2 Uhr wahrend der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Zur mündlichen Erörterung der rechi- zeitig erhobenen Einwendungen wird vor unserem stommiffar. Siadtober- inspelior Senst, auf Mittwoch, den 18. Mai 1927, vormittags 9 Uhr, in unserem Bureau ein Termin anberaumt, zu dem die Unternehmerin sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, dah auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Ein» Wendungen vorgegangen wirb. Berlin, den 22. Avril 1927 Der«tnbtausschvh BeKin," Abt. 1. ____ S d) n e i b e c._ Herr Julius B o n a b t hat die»ach- trägliche Genehmigung zur Errichtung der auf dem Grundstücke Berlin. Am Friedrich.shnia ig— gz, bereit« in Betrieb befindlichen Dnrmsortieranstalt dcan» tragt. Etwaige Einwendungen gegen diese Anlage Nnd bei dem unterzeichneten Stabtansfcfn.ft binn-n 14 Tagen, vom Tage nach der Beröfs-ntlichung ab ge. rechnet, kchrifilich In dvnneiier Äussert,. gunq oder zu Bro'okoll anzubringen. Nack, Ablauf dieser Frist können Ei». w'nduna'n nicht mebr erhoben werben. Bekchreibuna und Zeichnungen der ge. Planten Anlage lieg'*, in unserem Bureau. BerPn E. 2, Wackenstrabe 27, 1 Treppe,? mmer S9, an b'N Geschälte. iag'n In bcr Pclt von 9 bi» 2 Uhr wäbrtnb der oben bezeichneten Frist zur eEinücht an«. Zur mll"d'ichen Erörteruna der recht. »e't'g ees'ob'nen Sinw-nbuna-n w*rb vo» i'nferrm Zomm'ssar Stabto'er. irfpef-ot Eenst. auf Mittwoch, den IS Ma! 1927, vornvttaa» 10 Ubr, in unserem Burean ein Termin anberaumt, zu dem der Unternehmer sowie die Wibersprechenb'N»nier b'r Eröfsnimg gelab'n werden, da6 auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Ein- M. nhungen voraeaangen w'rb. Berlin, d'n 25. Aur'k 1927. Der Stadl->n-!�n6 Berlin, Abi. I. Schneider. Der beutigen«tadtaiistage liegt ,,, Prospekt der Tirma»ermann Tlrlg betr...QroPe Bekleldancswoche'** bei. woraus wir mtsere Leser besonder» hinweisen. Nr. 204 ♦ 44. Jahrgang 3. Seilage öes vorwärts Sonntag» 1. Mai 1027 y W Erster Mal l Feiertag der Arbeiterschaft in allen Ländern,? Tag innerer Sammlung und entschlossener Willensbekundung. nie � zu erlahmen im Kampf für die großen Ziele des internationalen Proletariats, im Kampf für den endgültigen Sieg des Sozialismus, für die restlos« Durchführung des Achtstundentages und für die Ver- wirklichung des allgemeinen Dölkerfriedens! wie öer Maifeiertag entftanö. Im Juli des Jahres 188g war es, als sich zum hundertsten Male der Tag jährte, der von der Geschichte als die Geburtsstund» der großen französischen Nevoluilon bezeichnet wird: Die verhungerten, durch jahrzehntelange Mißwirtschaft bis zum Aeußerften gereizten Massen des Pariser Volkes stürmten die Bastille, die furchtbare Zwingburg des französischen Königtums, und die großen Worte: »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" erwachten zum" erstenmal zu lebendigem klang, um nachher nie mehr ,u verhallen. Und im gleichen Sommer 1889 tagte in Paris ein Kongreß der inter- nationalen sozialistischen Arbeiterschaft, der diesen bedeutsamen Beschluß faßte:»Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine groß« internationale Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderungen richten, den Arbeitstag auf acht Stunden seftzuseßen und die übrigen Beschlüsse des internationalen Kongresses von Paris zur Ausführung zu bringen. In Anbetracht der Tatsache, daß eine solche Kundgebung bereits von dein amerikanischen Arbeiterbund auf seinem im Dezember 1888 zu St. Louis abgehaltenen Kongreß für den 1. Mai 18gl> beschlossen worden ist, wird dieser Zeitpunkt als Tag der internationalen Kundgebung angenommen. Die Arbeiter der verschiedenen Nationen habe» die Kundgebung In der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Berhältnissc ihres Landes vorae- schrieben wird. Ins Werk zu setzen." Und noch präziser drückte sich zwei Jahre später, 1831, der internationale Kongreß van Brüssel aus.»Am dem 1. Mai," so heißt es,„seinen bestimmten ökonm mischen Charakter der Forderung des Achtstundentages und der Bekundung des Klassenkampfes zu wahren, beschließt der Kongreß: Der 1. Mai ist ein gemeinsamer Festlag der Arbeiter aller Länder. an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen. Dieser Festtag soll ein Ruhetag sein, soweit dies durch die Zustände in den einzelnen Ländern Nicht unmöglich gemacht wird." Und feil dem denkwürdigen pariser De- fchluh des Jahres ISSg bekundet Zahr für Zahr die internationale Arbeiterschaft in Demonstrationen, die immer wirkungs- und eindrucksvoller wurden, am Mai ihren festen Enlichiutz. nicht nach- zulassen im Kamps für die Befreiung ihrer Klasse. Aber iketlichr Vdk Zusatz des Pariser Kongresses,„wie ihnen dies durch drc Der- hältnisss ihre» Landes vorgeschrieben wird", und der Passus des Brüsseler Beschtusies,„soweit dies durch die Zustände in den ein- zelnen Ländern Nicht unmöglich gemacht wird", dürfen bei einer röckblickenden HIstarischen Betrachtung über Wachsen und Werde» unseres sozialistischen Maiseiertages nicht außer acht gelassen werden. Mst verbisiener Wut, mit fanatischem Haß und mit dem ganzen verbohrten Raffinement eines bestimmungs- und gesinnungs- tüchtigen Bureaukratismus sähen die Baurgcoisie aller Länder und in ihrem Dienste die beamteten Vertreter der bürgerlichen Regie- ningen auf die zunehmende Macht und die ständig sich mehrende Widerstandskraft des bisher verachteten, über die Schulter ange- fehenen vierten Standes. Und gerade die Polizeigewaltigen aus der Zeit des glorreichen Wilhelmintsmus babcn es sich auch nach dem kläglichen Zusammenbruch des Bismarckschen Schand- und Ausnahmegesetzes angelegen sein lassen, in der Unterdrückung des sozialistischen Proletariats„Preußen in Deutschland voran, Deutsch- land in der Welt voran" und kein Mittel kleinlicher Schikane UN- versucht sein zu lassen! �us altpreußischen MaifelerSokumenten. In der Tat, wenn man heute in den vergilbten Blättern vor- novemberlicher Schmach sich umsieht: man findet mancherlei Inter- esiontes! Im Jahre l9l» beispielsweise versagte die Polizeiverwaltung des altmärkischen Städtchens G e n t h i n die Genehmigung zu einem Maiumzuge mit dieser örginellen„Begründung": „Erst vor kurzem sind in einer Nachbarstadt bei den Wähl- rechtsdemonstrationsumzugen aus den Häusern Töpse, Teller, Schüsseln usw. auf die Demonstranten nach den Straßen geworfen worden, wodurch nicht nur die Demonstranten selbst, sondern auch sämtliche Fuß- und Fahrwegpassanten gefährdet wurden. Ein gleiches Berhalten der hiesigen loyalen Bürgerschaft steht eventuell zu erwarten, und dürste es in Ihrem eigenen Interesse liegen und um Ihrer eigenen Sicherheit willen angebracht er- scheinen, daß dieser Umzug nicht, gestatte, wird." Eine vortreffliche„loyale Bürgerschaft", die mit Töpfen, Tellern Und Schusseln schmeißt, und eine ganz famose Ordnungspolizei, die nicht Willens oder in der Lage ist, friedliche Demonstranten gegen derartig« Ausschreitungen eines bürgerlichen Mobs zu schützen! Und wenn sich ber„loyale" Teil der Bevölkerung in dieser Weise aufführte,— wa« mußte eine königlich preußische Polizeiverwaltung erst erwarten von„subversiven Elementen" und„vaterlandslosen Gesellen"? Sozialdemokratie und Gewerkschaften haben allerdings bei ihren Kundgebungen immer von sich aus für mustergültige Ordnung und Selbstdisziplin gesorgt.— was sich übrigen? die nach ihrer Ansicht einzia echten, wahren und erbberechtigten Eroßsiegel- bewahrer der sozialistischen Traditionen aus der Vorkriegszeit, unsere Kommunisten, gelegentlich hinters Ohr schreiben könnten.— Im Jahre 1010 ver sagte die Polizeiverwaltung von Altona der politisch und gewerrschastllch organisierten Arbeiterschaft die nach 8 7 des Bereinsqesetzes erforderliche Genehmigung zur Beronstal- tuna eines Maiselerumzuges mit der obne Zweifel sehr stichhaltigen Bearündunq. daß am gleichen Tage im benachbarten Bahrenseld ein— Pferderennen staltslnde und aus d'.cscm Grund Zusammen- stoße vollkommen unvermeidlich wären. Freilich mußt« selbst ein könialich preußisches Obcrverwaltungsgericht. wenn auch nach langwierigen Vorverhandlungen erst Anno zgi?,-wei Jahre später. entscheiden, daß dies«„Begründung, seder inneren Begründung ent- behre und die angeiochiene Verfügung deshalb aufzuheben sei. Der umstritten« 1 Mai 1910 war allerdings damals schon lange vorüberl Fast noch toller freilich muh ein Schreiben anmuten, das der„Vorwärts" am 8. Mai 1894 verösfentlichte. Da heißt es nämlich wortwörtlich:. U Ifc K % r# 'V' ■SJ Die Polizeiverwaltung. Schönlanke, 29. April 1894. Iouruai-Nr. i960. Die Sozialdemokraten, meist Ziaarrenarbeiter, wollen«in« Maifeier veranstalten und zu diesem Zwecke am 1. Mai«ine Bsr« sammlung veranstalten, an der auch Frauen teilnehmen sollen. Euer Wohlgeboren machen wir darauf aufmerksam, daß der Zweck der Bewegung der Arbeiter einfach der ist, einen höheren Lohn zu erzwingen und weniger zu arbeiten, d. h. zu faulenzen. Statt daß die Arbeiter von ihrem ziemlich hohen Lohn etwas sparen und dadurch für einen guten Lebenswandel sorgen, sollten, vergeu�p sie. ihren Lohn durch.Beiträge zu Ber sammtun- gen, von öeiie» deren Lest«? und Rainer«in flütes Lsböy führen. Alles das. was von den arbeitenden Sozialdemokralen ausgeht. Ist doch lediglich der Zweck, die Fabrlkherren und Arbeitgeber zu zwingen, einen höheren Lohn zu zahlen, so daß für die Arbelt- geber zuletzt nichts übrig bleibt. Es liegt aber im Interssie der Arbeitgeber, ihre Arbeiter von der Teilnahm« an sozlaldemokra- tischen Versammlungen fernzuhalten und dahin zu wirken, daß diejenigen Arbeiter, welche der Sozialdemokrattschen Partei angehören, au» der Arbeit entlassen und aus der Stadt entfernt werden. Alle diejenigen Arbeiter, welche ihren Bsrdicnst vergeuden, kommen, wie die Erfahrung lehrt, im Aller elendiglich um, weil sie darben müssen. Die Ar- beitgeber haben daher olle Ursache, ihre Werkstätten von diesen U n r uhestiftern rein zu halte». Die Polizeivenvaltung. M a tz k!. An den Zigarrenfabrikanten Herrn R. R. Hier. Welch klafslschev Deutsch und welche tiei« Einsicht einer hohen Polizeiverwaltung in die Ziele des Sozialismus! Welche soziale Sorge um die Arbeiter, die„darben müssen, weil sie ihr Geld ver- geubcn", welch inniges Mitgefühl mit den Unternehmern,»für die zuletzt nicht» übrig bleibt"!„Wie die Erfahrung lehrt I".. Den Veteranen unter unseren Kämpfern wird noch die unglaubliche Gc- schichte von den ,.K ü h N e m ä n n e r n" im Gedächtnis fein, die so recht das nieder lrächlige Splhelwessn des vorrevolutionären Preußens unter den putlkamer, Richthosen. ZNoltkc, Zagow offen. balle. Es war im Jahre 1890, als der Vorsitzende des Verbandes Berliner Metallindustrieller, Fritz Kübneinann, ein Schreiben ver- sandte, nach dem,„durch einstimmigen Beschluß unserer Generalver- sammlung veranlaßt, die Bertrauenskommission dem königlichen Polizeipräsidium hiersclbst 3000 Mark überwiesen hat mit der Biltö, diese Summe deusenigen Beamten zuzuführen, die aus Anlaß des l. Mai über Gebühr angestrengt werden mußten und deren tatkräftiger Unterstützung wir wesentliche Dien st e verdanke n". Und ein königliches Polizeipräsidium war schäm- los genug, seine Schande einzugestehen, indem es diese Spende— annahm!, Wie wir heute Sie Maifeier begehen. Bombastisch, hat einst der letzte Hohenzollernkaiser erklärt:„Die Sozialdemokratie nehme Ich aus mich!" Die Sozialdemokratie hat stch niemals ähnlicher hohler Phrasen bedient, aber— ste hat es mit Wilhelm ausgenommen. Die Monarchie siel— trotz aller Spitzelwirtschast, trotz oller Unterdrückung von oben, trotz aller Lügen und Berleumdungen von Reichsverbänden und Baterlands« Parteien. Heute haben wir«ine Republik, und selbst die einstigen Stützen von Thron und Altar, die früheren Konservativen, haben den Eid auf die demokratische Reichsvekfassung geschworen. Wohl ist noch viel zu tun, wohl ist der Weg noch weit! Aber mag auch ein kaiserlicher Fewmarschall Reichspräsident sein, mag auch eine Bürgerblockrcgierung Im Amte sitzen,— trotzdem oder gerade des- hall' marschiert unsere Idee. Kein Keudell vermag mehr durch Polizeigewalt zu hindern, daß am 1. Mai zu unseren Häuptern die roten Banner wehen. Und wir gehen unseren Weg weiter: Durch Kamps zum Sieg, durch Demokratie zum Soziatismus! Gewiß vergossen wir nicht, daß der l. Mai als internationaler Feiertag geschasfen wurde. Und wir wissen nur ZU genau, wie der Faschismus in Italien wütet und wie traurig die Verhältnisse in Ungarn, Rumänien und Bulgarien liegen. Sein« internationale Gesinnung hat das Berliner Proletariat n i« ver- leugnet. Aber gerade weil wir die feste Ueberzellgung von der welt- befreienden Sendung des Sozialismus haben, vertrauen wir fest darauf, daß auch jenseits der deutschen Grenzen die Tag« des Rück» schrttts bald gezählt fein werden! Erster Mail Feiertag der Arbeiterschaft im allen Ländern! „Was keine Macht der Erde j«mals vermochte, das hat da» Arbeitervolt vermocht,— es schuf einen internationalen Welt- s e i o r t a g", so schrieb der„Vorwärts 1890. Und wir gedenken des Wortes unseres Dichters: „Mann der Arbcii, aufgewacht Und erkenne deine Macht!" Damit, wenn dl« Stunde es heischt und Rot an Mann geht, der Sänger proletarischer Befreiung auch weiterhin recht behalt» mit dem Worte: Alle Räder flehen still. wenn dein starker Arm es niill!"� Das Sevöikerungsproblem. Ein Vortrag des Genossen Professor Grotjahn. Uebcr„Gehaltszahlung und Familien! ö hu« im Dienste der Eugenik" sprach Genosse Prof. Grotjahn im Rahmen der von der Ausstellung für Aerzrekund« und Eugenik ver- anstalteie Vortragsreihe. Er ging von der Tatsache au», daß schon seit longer Zelt stch die Pflanzen- und Tierzüchter mit der Vererbung beschäftigten, während man bis vor kurzem nicht daran dachte, dt» so gewonnenen Kenntnisse auch auf de» Menschen anzuwenden.- Heute aber, in der Zeit des Geburtenrückganges, ist man sich erst bewußt geworden, daß auch wir für die menschliche Fortpflanzung bestimmte Grundsätze aufstellen müssen. In Amerika und einigen anderen Staaten ist man aber auch schon so weit gekommen, daß man nachweisbar belosteis Individuen durch operative Eingriffe von der Fortpflanzung ausscheidet. Unsere heutige Ausgabe ist es, die Quantität der Bevölkerung zu erhalten. Denn eine Qualiiätsveränderung Ist nur im Laufs von Jahrhunderten möglich. Unser heutiges Vevölkerunrswachstum be< ruht aus einer Verminderung der Cierblichkeit, durch Verdssserung der sanitären Verhältnisse, denn in absehbarer Zeit kann die Steril» lichkeit nicht mehr weiter herabgedrückt werden, während die Gc- burtenziffer jährlich um 1 Promille sinkt Vor dem Kriege hatttck wir noch einen Geburtenüberschuß von 800 000 fttgenüber' 300 00»� Unser« Geburtenziffer Ist vem 28. je Taufe rid vor 1924 auf Mv-sdr Tausend gesunken Hierbei Ist. besonders zu berücksichtigen, daß nc y kein End« dieses Sinkens abzusehen ist, und daß Lüitlief'wie, kil«'. Schweiz, Dänemark, Norwegen und Schweden heute nur»och W je Tausend Ledendgebvrenc haben, während Frankreich, das all das typische Land des Geburtenrückganges gilt, schon fest etwa 16 Jahren seine Gebiirienziffer konstant auf 19 je Tausend erhält. Wenn wir annehmen, daß 20,6 je Tausend als Bestanderhaltungszister für ein« gleichbleibende Bevölkerung von etwa 8? Millionen zu de- tmchtcn ist, sö müssen wir untersuchen, ob diese Bvrausjetzullgetr überall In Deutschland gegeben sind. Daß dies Nicht Zutrifft, beweist die Tatsache, daß wir ständig 200 000 slawische Wanderarbeile?! haben, die aus Rußland und Polen, die eine Geburtenzifser vat» 48— 43 je Tausend haben, eingewandert sind. In Verlin übertrafen 1926 zum erstenmal die Todesfälle(13 je Tausend) die Ge- burten(11 je Tausend). Andererseits ist zu berücksichtigen, daß dl« heutigen geringen Sterblichteitszohlen paradox sind, denn die söge. nannte Altersklassenbesetzung wird in 20 Jahren von Grund auf verschieden sein und somit auch wieder die Sterblichkeitszifser höh»r. werden Es ist heute in das Belleben der Eltern gestellt, den Zeit- punkt der Geburt eines Kindes zu bestimmen, und wir kommen damit zu einer Rationalisierung der Fortpflanzuno. Solange ober ein übermäßiger Kindersegen nur zu einem Niedergang der Familie bei den minderbemittelten Schichten führt, kann dieser Flucht vor dein Kinde nur durch wirtschasiliche Be- günstigungen der Eitern begegnet werden. Frankreich hat schon 1913 k o m ni u n a l e R e i h i l s c n o n Eltern mit mehr als dr-t Kindern eingeführt und jetzt auch ein« nationale Beihilfe ohne Be- dürstigkeiisnachweiS gelchajsen. Dies« Beihilfen besiehe» in erh«„- lichen' Fahrpreiserwäßigunnen, Lohnstusc», Erleichterung bei der Wehrpflicht usw. Genosse Grotjahn hat schon vor zwanzig Jahren, wie er sagte, unter dem Gelächter der Zuhörer i» der Berliner Ge- sellschast für öffentliche Gesundbeiiopflexs diese Forderung nach wirtschaftlicher Unter st iitzung der Kinderreichen gestellt. Es gibt hier drei Möglichkeiten. Erstens: Gehcsttzohiung der Beamten und beamtenähnlichcr Kategorien nach der Kinderzahl. Zu berücksichtigen ist hier, daß die Heuligen Unterstützungssätze voll- kommen ungenügend sind. Zweitens Lohnzahlung nach dem Familienstand bei den Arbeitern(sogenannte Sozial- oder Familienlöhne). Genosse Grotjahn wendet sich aber mit vollem Recht gegen diese Art der Lohniestsetzimg, die ja auch von den Ge» werkschasten schärsstens bekämpft wird, da sie ja für die mittleren und kleineren Betriebe, die noch die Mehrzahl ausmachen,, den schärfsten Ansporn bieten würden, nur ledig« oderkinderla, verheiratete Arbeiter zu beschäftigen. Die weiter« Folge wäre noch, daß dann die kinderreichen Arbeiter gezwungen wären,»m nur existicren zu können, als-Lohndrücker ällfz». treten. Zluch die französischen Beispiele sind für deutsche Verhältnisse nicht anwendbar, denn diese Beibilsen werden aus den allgemeinen Steuern gezahlt und so indirekt wieder von den kinderreichen Familien ausgebracht. Er verlangt deshalb ein« sogenairntr Elternschaft- oder M u t t e r s ch a f t s b e r s i ch e r u n g, die leicht in den Rahmen unserer Versicherungsgesctzgebung eingefügt werden könnte. Zahler in diese Dersicherung müßten Lgdide, linder- lös Derheiraiete und Eltern mit weniger als drei Kindern sein. Denn erst bei einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,8 pro Familie kann eine Bevölkerung stationär bleiben. Das so weit verbreitete Z we i» klndersystem, daß nach den Meinungen vieler Eltern voll- kommen ausreichend sei, würde mnerbalb von 76 Jahren zu einer Verminderung der Bevölkerung um die Hälfte sübren.. Ale Bei- tragszobler kämen acht Millionen Menschen- in Betracht, denen IM Millionen Empfänger gegenüber stehen, d. h. Eltern mit mehr als vier Kindern. Die vereinnahmten Summen können als Bar- und Sachleistungen verwendet werden. Für den Rest de» aufgt- brachten Geldes schlug Genosse Grotjahn die Errichtung von EN t» btndungs-» n d Säuglingsheimen, sowie Ehebe- ratung«stellen vor, deren Hauptaufgabe e» ist, ungeeigttete Eltern von der Erzeugung bestimmt kranker Kinder abzuhalten. Der Vertrag wurde mit sroßem Beifall ausgenommen.. �Thoufanö� unö �taufenö�. Der angeführte Rechtsanwalt. Durch die Sorglosigkeit eines Berliner Notars wurde dem Kauf- mann Max B u y s«in großzügiges Betrugsmanöoer ermöglicht. Buys, d«r schon mehrfach mit dem Strafgesetz in Konflikt ge- raten ist hatte sich vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlotten- bürg wegen einer ganzen Reihe von sehr raffiniert ausgeführten Hochstapeleien zu verantworten. Der Hauptfall war der, bei dem er sich des Notars bedient hatte. Eines Tages erschien er in dem Anwaltsbureau mit einem Be- gleiter, den er als einen Amerikaner G e o Wells, den ..Generalbevollmächtigten von Ford" vorstellte, und den er im Hotel Adlon kennengelernt haben wollte. Er gab an, daß Wells den Aufttag habe, große Gelände zur Errich- tung von Fabriken und Arbsiteransicdlungen zu kaufen. Der Notar bescheinigte eine Vollmacht des Generalvertreters von Ford an Buys, daß dieser beauftragt sei, die Kaufverhandlungen für Ford zu führen. Einen Identitätsnachweis ließ er sich dabei nicht vorweisen. Gleichzeitig stellte der „Amerikaner" Wells zwei Schecks über insgesamt 500 MX) Dollar (2,5 Millionen M a r k) in Gegenwart des Notars aus und gab sie diesem als Treuhänder in Verwahrung. Auf Grund der so erlangten notariellen Vollmacht und der Bescheinigung des Millionendepots trat Buys mit dem österreichischen Legationsrat Kraker v. Schwarzenfeld, der große Ländereien bei Staaken hatte, in Kaufverhandlungen. Es wurde auch«in Kaufver- trag abgeschlossen, und der Verkäufer mußte von seinem Gelände eine Hypothek ablösen. Als dann aber in dem Anwaltsbureau der Kaufpreis in Gestalt der hinterlegten Schecks ausgezahlt werden sollte, erkannte der Legationsrat auf den ersten Blick die Fälschung, die dem Rechtsanwalt vollkommen entgaygcn war. Auf den Schecks, die im übrigen englischen Vordruck hatten, war in dem ausgefüllten Betrage nicht englisch„t h o u s a n d", sondern deutsch„tausend" geschrieben. Inzwischen hatte sich Buys von dem Legationsrat einen Vorschuß von 20 000 M. auf seine Ver- mittlungsprovision erschwindelt. Der Legationsrat hatte außerdem große Unkosten wegen der Hypothekenablösung und der Notariats- Verträge erlitten. Er hat den Notar für diesen Schaden in Anspruch genommen, und der Notar ist bereits in allen Instanzen bis zum Reichsgericht wegen grober Fahrlässigkeit, da er es unterlassen hotte. bei der Vollmachtsertcilung die Identität zu prüfen und nachher sich die Schecks genau anzusehen, zum vollen Schadenersatz verurteilt worden. Der erlittene Schaden beträgt annähernd 60 000 M. Der sorglose Notar mußte vor Gericht unter Zeugeneid zugeben, daß er sich von Buys einen Gewinnanteil von 50 000 M. an dem Geschäft hatte versprechen lassen. Der Angeklagte suchte sich als das Opfer eines Betrügers, nämlich dys vorgeblichen Wells, hinzustellen. In einer Reihe von anderen Fällen, in denen er die Leute mit seinen Gaunereien hineingelegt hatte, konnte er !ich aber nicht auf den„großen Unbekannten" berufen. Am emp- indlichsten war ein Komponist betroffen worden, der dem Ange- klagten für dessen angebliche Geschäfte nahezu 30 000 M. zur Ver- füaung gestellt hatte. Bei diesen Geschäften spielte eine Rolle ein versiegeltes„B r i l l a n t p a k e t". das von einem Grafen stammen sollte, und daß sich niemand angesehen hatte. Alle Beteiligten hatten es auf Treu und Glauben so wie es war von dem Schwindler angenommen. Der Komponist hat fein ganzes Geld verloren. Staatsanwaltschaftsrat Schwieger beantragte fünf Jahre Gefängnis und ebensoviel Ehroerlust. Das Schöffengericht ging wesentlich unter den Strafantrag des Staatsanwalts herab und er- kannte auf einIahrsechsMonate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Beschimpfung der Republik? - Wie erinnerlich, wurde» der Schauspieler und Schriftsteller Joseph Hans Gärtner und der Verlagsangestellio Max Wink. l e r am 25. Februar d. I. vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Beschimpfung der Republik, Vergehen gegen§ 6 des Republikschutz- gesetzes, ersterer an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu 300 M. Geldstrafe und letzterer zu 100 M. Geld- strafe verurteilt. Gärtner hatte im Hervenhause auf einer Kund- gebung links gerichteter Verleger gegen das Schund- und Schmutz- gesetz unter anderem zum Kampfe„gegen die erbärmliche deutscheReoublik" aufgefordert,„weil sie keine Revublik mehr sei, sondern eine republikanische Monarchie". Der Verlags- angestellte Winkler hatte zusammen mit den Reden der übrigen Teil- nehmcr dieser Kundgebung auch Gärtners Rede herausgegeben. Das Schöffengericht erblickte nun in dem oben zitierten Satz eine Beschimpfung der deutschen Republik. In der Urteilsbegründung Gif. Das Weib, das den Mord beging. ZIZ Roman von Jtifj Reck-ZNalleczewen. Weitergelaufen bis zu diesem nach üblen Abwässern, nach ranzigem Fett und Rinderdung duftenden Viertel der Schlacht- Häuser und Konservenfabriken. Nimm dich in acht, kleine Sif: es ist nicht gut, diese einsamen, fußtiefen Sandwege, die tags- über nach Geld und Beeftrustkurfen brüllen, zu einer Stunde zu passieren, wo das halbwüchsige, im Keim verfaulte Gesindel von La Bocca und Baraccas, wo die Bewohner des anliegen- den Ghinesenviertels, die Neger aus den Schweinemetzgereien die einzigen Korsobesucher sind. Oh, etwas Seltsames ist es um die Peripherie der großen Städte. Vor dem Kriege sah ich in Petersburg, dort, wo das Höllenbiest sich auflöst in den Urwald und Sumpf, aus dem es einst stieg: dort also sah ich menschliche Wohnungen, die nichts waren, als in Kehricht und Düngerhaufen gewühlte Höhlen. Es gibt in dem südöstlichen, der zivilisierten Welt ja eigentlich unbekannten London Straßen, wo von einem zwerghafien, verkrüppelten und durchaus atavistisch erscheinenden Geschlecht ein Englisch gesprochen wird, wie es vielleicht Richard III. gesprochen haberz mag. Und selbst da, wo bei Five Points die Ausläufer meines alten Lieblings New Port verschlungen werden von der Steppe: selbst dort, in der Siadt der Einheits- gesichter imd Einheitshirne, habe ich ein in halbeingestürzten Kellern, in den verlasienen Ankleidehäusern verschollener Sportklubs wohnendes Geschlecht von freundlichen, hilfs- bereiten Shakespeare-Mördern gesunden, die, wofern der Auf- traggeber ihnen einigermaßen sympathisch war, für Geld alles besorgten, was man seinem Gegner angetan wissen wollte: zwei Dollars für simples Verprügeln, ebensoviel für Abschneiden eines Rockzipfels, ebensoviel für Uebergießen mit einer unsympathischen Flüssigkeit. Zehn bis fünfzehn Dollars für leichtes Verstümmeln, fünfzig bis zweihundert Dollars für Beseitigen.... Es mag sein, daß in der Eity die Romantik stirbt: dort ober, wo die ungeheuren Moloche ihre letzten Fangarme hin- ausstrecken in das immer öder werdende Land: dort eben ist ein Boden bereitet, aus dem in gleicher Weise wie die der Lustmörder, die Geschlechter der Käuze, der Volkshelden, der Heiligen unserer Tage erwachsen... das Chaos, das einst Ist« Uebermechanisierung versthsingen wird.— Was geschehen soll, geschieht in der Calle Chascomus vor hieß et unter anderem-, daß Gärtner den Willen gehabt hatte, die xegenwärttge demokratische Stoatssorm als verwerslich zu bezeich» nen, gehe daraus hervor, daß er als Kommunist die freiesozia- listisch« Republik und die Freilassung aller prole. t o r i s ch e n Gefangenen anstrebe: das bedeute jedoch eine einseitige Maßnahme, die mit dem Geist der Weimarer Versassung unvereinbar sei. Diese eigenartige Begründung des Urteils veranlaßre Gärtner, der in der ersten Instanz erklärt hatte, nicht die Absicht ge- habt zu haben, die Republik zu beschimpfen, Berufung einzulegen. Der Staatsanivast und Winkler hatten ebenfalls Berufung ein- gelegt. Für Gärtner war das Urteil noch in anderer Beziehung von'Bedeutung. Wie erinnerlich, war er seinerzeit wegen der Rezi- tation eines Gedichts zu einer Gefängnisstrafe verurteist worden. 3)4 Monate der Strafe wurden ihm ledoch unter der Bedingung erlösten, daß er während einer bestimmten Zeit sich kein« höhere Strafe zuziehen würde als einen Monat Gefängnis. Das Urteil des Schöffengerichts hob somit den bedingten Straferlaß auf. Jetzt fand nun die Berufungsverhandlung statt. Gärtner erklärte auch diesmal, daß er auf dem Boden der Weiinarer Verfastung stehe und die Republik z» beleidigen nicht beabsichtigt habe. Der Staatsanwalt beantragte jedoch vier Monate Gefängnis für Gärt- ner und für Winkler an Stelle der verwirtten Gefängnisstrafe von zwei Monaten«ine Geldstrafe von 300 M. Die Verteidiger Rechts- anwälte Feiblowicz und Dr. Posener plädierten für Freisprechung. Das Wort„erbärmlich" bedeute nur soviel, als daß diese Republik zum Erbarmen sei. Das Gericht verwarf jedoch sowohl die Berufung der Angeklagten als auch die des Staatsanwalts. Somit wird das Reichsgericht als letzte Instanz über diesen Fall zu entscheiden haben. Eine unangenehme Mieterin. Bestrafte Vertrauensseligkeit. Durch eine Schwindlerin, die den gleichen Trick sicherlich auch noch anderswo versuchen wird, wurde eine Frau aus der Kulmstraße um ihre letzten Schmucksachen gebracht, die sie aus der Inflationszeit gerettet hatte., Die Frau hat früher bessere Tage gesehen und vermietet jetzt Zimmer. Bei ihr erschien eine„D a m e", die sich als„Frau Doktor Braun" vorstellte, mit einem Knaben an der Hand, der angeblich ihr 13jähriger Sohn war. Für sich und ihn wollte sie ein Ziinmer mieten. Nach der Besichtigung erklärte sie, daß ihr das Zimmer gefalle. Abends werde sie endgültig Bescheid sagen. Weil es nun gerode regnete, blieb sie noch«in Weilchen. Da kam man auch auf die I n f l a t i o n s z e i t zu sprechen, und die Zimmer- Vermieterin erzählte dabei, daß sie gezwungen gewesen sei, einen großen Teil ihres S chm u ck e s zu verkaufen. Die kluge„Frau Doktor Braun" aber sagte, ste sei schlauer gewesen und habe ihre Sachen zum Teil ihrem Vetter, einem Rechtsanwalt in der Kleiststraße, und zuin Teil dem holländischen Konsul, den sie gut kenne, in Verwahrung gegeben. Sie empfahl der Frau, auch ihre Sachen der Sicherheit wegen dem Konsul anzuver- trauen und durch dessen Vermittlung in die Trauringe noch einige B r i l l a n t en einsetzen zu lasten. Gegen Abend rief sie an. daß sie das Zimmer nehme. Bald darauf kam sie wieder und veronlaßte die Frau, mit ihr nach der Reichs dank zu gehen, wo sie den Konsul gleich treffen könne. Die arglose Frau ging darauf ein, auf der Reichsbank ober verschwand die Schwindlerin mit den ihr an- vertrauten Schmucksachen. Zu Haus« entdeckte die Betrogene dann noch, daß die„Mieterin" sie auch noch b« st o h l e n hatte. Mitteilungen werden erbeten an die Kriminalinspektion V und die Kriminalpolizei des 3l. Reviers. Vas Vohnbaatenprojekt öer Amerikaner. Den im„Vorwärts" bereits mehrfach erwähnten Plan einer amerikanischen UnterNehmergruppe, das Schöneber per Süd- g e l ä n d e mit 14 400 Wohnungen zu bebauen, wolste der M a g i- ft r o t heute in einer außerordentlichen Sitzung beraten. Nach mehr- stündigen Erörterungen wurde, wie wir hören, noch kein B c- > ch l u ß gefaßt und die Weiter Hera tung auf die nächste Magistrats- sitzung(Mittwoch) vertagt. Von anderer Seite wird dazu ergänzend gemeldet: Der Magi- strat ging auch gestern auf das deutsche Angebot ein, über das ebenfalls noch keine Entscheidung getroffen werden konnte. Es handelt sich hierbei um den Plan der Berlinischen Bauge- s e l l s ch a f t. die beabsichtigt, aus eigenen Mitteln 2S00 Woh- nungen auf dem Tempelhoser Feld in Fortsetzung der dort schon bestehenden städtischen Siedlung zu erbauen. einer der großen, der Fry-Bemos-Company angegliederten Gerbereien. Hier nun, wo in den Lohteichen Tausende von Rinderfellen wässern, wo die Luft voll ist von pestilenzia- lischem Gestank, von Mücken, derer! Stich tödlich ist, wie der Biß einer Klapperschlange: hier sieht sich die kleine, gedanken- los in die Pampa hinauslaufende Sif von einer Gestalt ver- folgt, die sie zuerst für eine Frau hält... klapp, klapp... Schritte hallen auf den Bretterstegen längs der Zäune, man kann den Verfolger nicht loswerden.... Es geschieht unter einer miserablen Petroleumlaterne, daß die kleine Sif sich umdreht und den Unbekannten erwartet. Da ist es ein knochiges, ein mittelalterliches Gesicht, in das sie blickt: ein Mensch mit Kutte und Strick... es ist wohl einer dieser verlotterten Straßenmönche, der sie in den letzten zehn Minuten verfolgt hat. Da auf dem Leidenswege der kleinen Sif ein« Reihe gewichtiger Instanzen— angefangen von dem Geistlichen in der Marienkirche bis zu Ismael P. Hobson— ausgiebig von Gott geredet hat, da mithin die Kutte dieses Menschen da in dem übermüdeten Hirn so etwas wie Verachtung und Tod- feindschaft weckt, so hat sie im Augenblick nur den einen Instinkt, daß dieser da hinunter muß in den Schmutz, in dem sie selbst nun untergeht: o ja, ich will euch lehren, von Gott zu reden.... Und wie sie mit dem frechsten Dirnenlachen, dessen sie fähig ist an diesem Tage, ihm den Weg vertritt, da ist es«ine magere Hand, die mitleidig wie den eines armen Hundes ihren Kopf streicht:„Nun was denn schon, armes Tier, hast du Hunger?" Sie steht noch immer mit demselben schmutzigen Lachen, das sich so schnell erlernt in des Leibes Not, so schnell, ach so sehr schnell. Da geschieht es, daß der andere sie in dem Laternenschein lange ansieht, mit traurigen, mit dunklen, mit wissenden Augen. „Komm!"'- Da geschieht es, daß er seinen Arm legt in den dieser kleinen Amateurdirne und sie ein wenig stützt und sie mit sich führt.— Oh. dies ist ein wunderlicher Gang, desien Wunder in den Akten der kleinen Sif nicht ver-eichnct sind! Ja, die Nacht ist es, in der einst während einer Stunde den Tieren gegeben ward, in der Menschensprache zu reden von dem Jammer und dem Sehnen der stummen Kreatur. Und in dem alten Europa, das nun begraben liegt unter Automobilstraßen und Schrebergärten und den Schutthalden der Braunkohlengruben, Stahlhelm km ßknanzamt. Was der Reichsfinanzminister wohl»ichk weih. Ein Leser unseres Blattes hatte in diesen Tagen geschäftlich im Zentralfinanzamt Berlin, Jüdenstraße.zn tun, und bei dieser Gelegenheit mußte er den Sitzungssaal dieser Amtsstelle betreten. Als er sich ein wenig in dem ihm bis dahin unbekannten Räume umsah, entdeckte er eine schwarze S ch u l- t a f e l, die aus einem Dreifuß stand und eine riesengroße Kt e i d e- Zeichnung auswies. Da war zu sehen ein kompletter Stahl- h« l m m a n n, geschmückt mit Orden und Ehrenzeichen, und jeden Besucher mahnte die Aufforderung„Auf zum Stahlhelmtag am 7. und 8. Mai in Berlin!" Unser Gesinnungsfreund wischte sofort die ganze Schmiererei ab, aber von Zeugen wurde ihm mitgeteilt, daß diese Malerei schon über acht Tage dort sichtbar gewesen sei, trotzdem täglich in diesem Saal Konferenzen der Bc- ämten und Angestellten der Finanzämter Groß-Berlins stattfänden. Zudem darf noch erwähnt sein, daß dieser Saal zugleich für einen Boxklub der Beamten und Angestellten der Groß-Berliner Finanz- ämter zu Trainingsstunden zur Verfügung gestellt ist. Darf man vielleicht den Herrn Reichsfinanzminister darauf aufmerksam machen, daß es schlechterdings nicht angängig erscheint, in ihm unterstehenden Anüsräumen Propaganda für nationalistisch» und letzten Endes staatsfeindliche Organisationen zu machen? Wer aber hat die Tafel im Sitzungssaal des Finanzamtes in der Iüdenstraße durch diese Zeichnung geschmückt? Wir hoffen nicht, daß es ein auf die republikanische Reichsoersassung vereidigter Beamter gewesen ist. sollte dies aber doch der Fall jein, io wird selbst ein Bürgerblocknünister. wenn er. wie Herr Dr. Köhler, Reichsbannermann ist, hier Abhilfe schassen. Auch sonst soll in diesem Finanzamt nicht olles zum besten aus- sehen. An Ocrtlichkeiten. die wir nicht näher bezeichnen wollen. wimmelt es von Beleidigungen gegen die Republik. Aber das sind ja Kleinigkeiten: Schmierfinken wollen doch auch bc- f ch ä f t i g t sein! Makmiete unverändert. Vom Städtischen Zentralamt für Wohnungswesen wird mit- geteilt: Die gesetzsiche Miete ist für den Monat Mai in gleicher höhe wie für den Monat April zu zahlen. Sie beträgt also 110 Proz. und, wenn der Mieter die Ausführung der Schönheitsreparaturen über- nommen hat. 106 Proz. der„reinen Friedensmiete". Ferner ist der Vermieter— wie im April— berechtigt, 100 Proz. Gemeinde, zu- schlag zur staatlichen Grundvermögenssteuer auf die Mieter nach dem Verhältnis der reinen Friedensmiete umzulegen. Grundsteinlegung zur Kiinstlerkolonie. Am Südwestkorso zwischen der Laubenheimer, Donner und Kreuznacher Straße wurde gestern der Grundstein zu der van der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger nnd dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ge- gründeten Berliner Künstlerkolonie gelegt. Nach Entwürfen und unter Leitung der Architekten Ernst und Dr. Günther Paulus werden auf den beiden Hauserkomplexen je 134 Wohnungen mit 1, 2. 3 und 4 Zimmern erstehen, außerdem wird die Kolonie eine große Planschwieie, Tennis- und Spielplätze und ein« große Liegewieje erhalten. Die Räume— in einem Durchschnittsausmaß von 40 Quadratmetern— werden hell, luftig und geräumig gestaltet, die Höfe der Häuser mit gärtnerischen Anlagen geschmückt. Als durchschnittlicher Mietpreis ist ein Betrag von 375 M. �pro Jahr und Zimmer vorgesehen. Im Beisein zahlreicher Vertreter der Gründerorganisationen, der Behörden und interessierten Kunstocr- bände hielt der Präsident der Bühnengenoisenschaft, Gustav Rickelt, die Eröffnungsrede. Er sprach den Wunsch aus, daß diese neue Siedlung, deren Bedeutung darin bestände, möglichst vielen schaffenden Künstlern die quälende Sorge der Wohnungsnot zu nehmen, auch voll und ganz ihren Zweck erfüllen und oll diesen Menschen im Bewußtsein des Heimbesitzes Lust und Freude zu ihrer Arbeit bringen möge. Im Namen des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller sprach Walter von Molo in warm empfundenen Worten von der schweren physischen und psychischen Bedrängnis seiner Berufskollegen im Kämpf mit dem Alltag und von der wirklichen Notwendigkeit, das geistige Schaffen durch geregelte Lebens- Verhältnisse unterstützend zu fördern. Präsident Karl W a l l o u e r verlas dann die Urkunde über die Gründungsgeschichte der Kolonie. die, zusammen mit einigen Tageszeitungen, sodann feierlich ein- gemauert wurde. In einem Jahre soll der Bau fertiggestellt sein. da zogen einst auf Ochsenwagen langbärtige Könige durch die Winternacht, und Domglocken dröhnten durch den Frost, und Herr und Knecht beugten ihr Knie vor der großen Himmelsfrau und dem Kinde und wußten, wozu es gut war, zu leben und zu sterben. Hier aber�-in den Außenbezirken des großen, schrecklichen Buenos Aires... hier zwischen einsam liegenden großen Schlachthäusern: hier ist es ein ganz anderer Weihnachtsgang! Domglocken läuten wohl von ferne... ja, aber es sind die Glocken der Innenstadt Florida, die Glocken der Kathedrale mit verlogenem Christusbild und verlogener Marmorpracht ... seht, die Glocken der Korrekten, der Korsobesucher sind es: es ist mit diesen Glocken nichts! Ein Mönch wird hier gesehen mit einem verwüsteten Weibe am Arm... und da ziehen sie denn vorbei, di eGespenster dieser Nachtt Neger, betraut, in den Schlachthallen kleinen frommen Schafen die Kehle zu schlitzen... Schnitt um Schnitt... vom Morgen bis zum Abend. Verbitterte Proletarierweiber dann, aus den Tingel- tangel ringsum die Preisboxer... halbwüchsige, mit vierzehn Jahren verfaulte Lümmel.... Und Scheltworte fliegen hinter dem Paare her... gif- i iige, abgründige Worte, die dem Priesterkleide und der ver. meintlichen Dirne gelten, und wie sonst dröhnen durch diese Nacht die Orgeln der Achterbahnen, die Saxophone der Jazz- banden, das Geschrei von Liebe und Geld auf den Rummelplätzen. in den Kneipen, den Bordellen ringsum. Bis es dann doch, weit hinter den Kehrichthalden und Sportplätzen und den großen Pferchen mit ihren aufs Messer wartenden Rinder- Herden eine kleine, armselige Glockenstimme ist, die durch die Nacht ruft. Es ist ein durchaus morsches, ein brüchiges, ein Unehren- Haftes Bauwerk, vor dem sie haltmachen: vor Jahrhunderten vielleicht für Mendozas Söldner gebaut, verwahrlost nun und verludert... vielleicht nicht einmal verzeichnet auf den Pharosplänen von Buenos Aires. Und hier, als sie merkt, daß der Gang mit dem Fremden da bei einem ganz anderen Ziele endet, als sie sich gedacht hat: hier geschieht es, daß sie sich losreißen will von ihm in frechem Trotz, daß sie vor der Seitenvforte dieser kleinen, ehrlosen Kircbe... hier, wo ver- liebte Katzen und illegitime Paare ihre Liebesorgien feiern in den heißen Nächten über den zertretenen Gräbern... ihn anschreit. „Ich will nfejt... ich spucke auf deinen Gott!" Da kommt wieder die harte, magere Hand, die sie ganz sanft beim Arme nimmt:.Last ja Hunger... komm." (Fortsetzung folgt.) Henft marediicren wir in geschlossener Front in den Lust' garten zur Maidemonstration! Die Zreiöenkerwahlen. Am Freitag fanden die Wahlen zum Zentralvorst and der Berlin er Freidenker statt. Wir geben zuvor die Ziffern des Wahlergebnisses in den einzelnen Bezirken Berlins wieder. Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Stimmziffcrn » des letzten Jahres. Das Ergebnis ist: l. Kreis Mitte: SPD. 263(126), KPD. 821(306): 2. Kreis Tiergarten: SPD.—(186). KPD. —(90), vertagt wegen Ueberfüllung: 3. Kreis Wedding: SPD. —(260), KPD.—(350), vertagt wegen Ueberfüllung; 4. Kreis Prenzlauer Berg: SPD. 679(320), KPD. 996(435): 5. Kreis Friedrichs Hain: SPD.—(190), KPD.—(310), vertagt wegen Ueberfüllung: 6. Kreis Kreuz bcrg: SPD. 788(463), KPD. 1052(420), hier wurde die Wahl für ungültig erklärt, weil Jädike zum Vorsitzenden gewählt. I. ist aus dem Bund ausge- schloffen. 7. Kreis Charlottenburg: SPD. 306(180), KPD. 451(110); 8. Kreis Spandau: SPD. 128(190), KPD. 96(70); 9. Kreis Wilmersdorf: SPD. 116(110), KPD. 122(160): 10 Kreis Zehlendorf: unbekannt: 11. Kreis Schöneberg: SPD. 273(180), KPD. 408(360): 12. Kreis Steglitz: unbekannt (im vorigen Jahr Einheitsliste): 13. Kreis Mariendorf: SPD. 203(180), KPD. 174(70): 14. Kreis Neukölln: SPD. 1195 (960), KPD. 1025(630): 15. Kreis Treptow: SPD. 220, KPD. 260(im vorigen Jahr Einheitsliste): 16. Kreis Köpenick: SPD. 36(20), KPD. 132(110): 17. Kreis Lichtenberg: genaues Resultat unbekannt, 200 Stimmen KPD. mehr(im vorigen Jahr SPD. 149, KPD. 70): 18. Kreis Weißensee: SPD. 140(131). KPD. 157(80): 19. Kreis Pankow: SPD. 262(270), KPD. 348 (160): 20. Kreis Reinickendorf: SPD. 368(210), KPD. 562(430). Insgesamt hat Berlin 250 000 Mitglieder des Freidenkerbundes. Der Zentralvorstand besteht aus 8 SPD., 2 KPD. und 1 Nelson- bund. Der Bezirksvorstand aus 9 SPD., 1 5lPD., 1 USP. Man darf offen zugeben, daß dieses Wahlergebnis nicht gerade erfreulich ist. Gewiß hat sich in vielen Bezirken die Sozialdemokratie gut behauptet. Trotzdem aber muß gesagt werden, daß die KPD., die sonst seit langem nur Niederlagen über Niederlagen verzeichnen kann, bei den Wahlen der Freidenker über Erwarten g u t abgeschnitten hat. Seien wir ehrlich: die Schuld liegt an der Säumigkeit vieler Freidenker, die sozialdemokratisch gesinnt sind. Und lernen wir aus der Schlappe, die wir dieses Mal erlitten haben. Es liegt ja doch in der Taktik der Kommunisten, in Organisationen, die an steh nicht politisch sind, Sprengstoff hineinzutragen und gerade dort Zersplitte- rung zu erzeugen. Pflicht unserer Genossen aber ist es, solchen Umtrieben mit aller Energie entgegenzutreten! Maifeier üer �ugenö. Die Arbeiterjugend hotte gestern gemeinsam mit den Jungsozialisten und der Freien T u r n c r s ch a s t zu einer Maikundgebung der Jugend nach dem Friedrichshain gerufen. In den einzelnen Kreisen sammelten sich die Teilnehmer und mit wehenden roten Fahnen und Transparenten wurde unter den Klängen vom Reichsbanner-Tambourkorps der Marsch zum Friedrichshain angetreten. Zug um Zug trafen die ganze Straßen überkreisenden Züge der Jugend auf der großen Spielwiese am Friedrichshain ein. Die Friedrichshainer Parteigenossen beteiligten sich zahlreich an der Kundgebung Kurz vor 8 Uhr, nachdem der letzte Zug eingetroffen war, konnte die Kundgebung mit einem ge- meinsamen Gesang eröffnet werden. Nach einem von einem Jugend- genossen gesprochenen Prolog„Acht Stunden Arbeit" begrüßte Ge- nosie D u ch m a n n, der Kreisleiter vom Friedrichshain, die Kund- gebung. Genosse Franz Künstler nahm das Wort. Seine Worte sind zunächst Rückblick aus das von der Sozialdemokratischen Partei geleistate Werk, und werden dann Mahnung, im ferneren Kampfe noch enger zusammenzustehen. Wer sich heute nicht für die Iugendschutzbestßitmungen einsetzt, versündigt sich am ganzen Bolke. Jugend und Partei sind eine Schicksalsgemeinschast. Die Jugend muß die Avantgarde der Partei werden. Zum 1. Mai protestieren wir auch gegen die Verhetzung der Jugend durch Kriegssanatiker. Die Sozialisten sind stolz auf ihre junge Garde, die sich gegen die Sriegshetzereien in wuchtigen Kundgebungen ausgesprochen Hot. Nach einem Gesangsvortrag und dem gemeinsamen Gesang„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" formierte sich die Jugend zu einem im- posanten Fackelzuge, der durch die Straßen des Bezirks zur Weberwiese marschierte. Allen, die an diesem Zuge teilge- nommen haben, wird unvergeßlich das Erlebnis sein, wie stark die Sympathie der Bevölkerung für diese unter dem roten Banner des Sozialismus kämpfende Jugend war. Das Urteil gegen den„Fürsten v. Eschnapur". Der vor dem Schöffengericht Charlottenburg angeklagte 21jährige Hellmuth B i r k e l hielt bis zum Schluß der Verhandlung sein Mär- chen aufrecht, ein indischer Maharadscha zu sein, obwohl der Ge- fängnisarzt Dr. Woker feststellen konnte, daß der Angeklagte in der Hausvogte' seine Phantastereien schließlich aufgegeben hatte. Nach dem Sachverständigen handelt es sich um einen Menschen, der alle Erlebnisse in einen Kolportage-Roman umwandelt. Er ist nichr geisteskrank, aber ein minderwertiger Phantast. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre 10 Monate Gefängnis und wegen falscher Na- mensführung einen Monat Haft. Das Schöffengericht berücksichtigte aber die Jugend des Angeklagten und erkannte wegen Betruges in vier Fällen, schwerer Urkundenfälschung und Führung eines falschen Namens auf 1 Jahr Gefängnis und 2 Wochen Haft. Die Haftstrafe und 2)4 Monate der Gefängnisstrafe wurden auf die Untersuchungshaft angerechnet. Die beamragte Haftentlassung wiirde abgelehnt. Das Konsum-Kinüerheim Sperenberg. Die Konsumgenossenschaft Berlin eröffnet am kommenden Mon- tag in Sperenberg bei Zossen ihr erstes Kindererholunosheim, das am Sonnabend einer Borbesichtiguna umerzogen werden konnte. Wie man das bei der Kcnsumgenossenschast berefts gewöhnt ist, war auch dieses neue Unternehmen einige Tage vor seiner Inanspruchnahme bis aufs letzte fertig und vollendet, so daß der Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft Berlin, Genosse M i r u s, den Gästen ein fertiges Wert zeigen konnte. In feiner Begrüßungsansprache er- läuterte Genosse Mirus den Zweck des neuen Kinderheims. Auch die KGB. hat sich auf die Dauer nicht der Notwendigkett verschließen können, den Kindern der bedürftigen und minderbemittelten Mit- glieder im Sinne der modernen sozialen Wohlfahrtspflege beizu- stehen.?Ucht mit der Betonung von Idealen, sondern mit wirklicher praktischer Hilfe wird man vorankommen. So ergriff die KGB. die Gelegenheit, ein märkisches Landgut, dem bekannten Kommissionsrat Richter gehörig, mft totem und lebendem Inventar einschließlich 3 00 Morgen Land zu erwerben. Und das ehe- inalige stattliche Herrenhaus durch den Genossenschaftsarchitekten Wettstein in Gemeinschaft mit der Berliner Malerhütte und deren künstlerischem Leiter, dem Maler Huth, zu einem in hellen, lustigen und bunten Farben erstrahlenden Kinderparadies auszugestalten, wie man es sich schöner kaum denken kann. 30 Kinder von Mitgliedernder KGB. werden hier jedesmal vierWochen lang zur Erholung zubringen können, fern von Berlin, der liebe- vollen� Obhut der Tochter des Borbesitzers, Frau Dr. Waterstraat, anvertraut und von Helfern und Pflegerinnen aufs beste betreut. Die Kinder erwerbsloser Mitglieder werden k o st c n l o s ausgenommen, die anderen zahlen pro Tag 50 Pf. Das neue Heim hat ein wunderschönes Spielzimmer mit allen erdenklichen Spielgeräten,«in gemütliches Lesezimmer mit prächtigen Jugend- und Volksbüchern, helle und luftige Schlafräume mit Blick aus See und Wald, fließendes Walser in allen Räumen, Turngerät« im Freien und Liegestühle. Aus guteigenen Pfaden kommt man ln fünf Minuten zur Seebadeanstalt, ein kundiger Ortsarzt ist in der Person des Herrn Dr. Pollack zur Stelle. Nach diesen mir lebhaften, Beifall aufgenommenen Worten, die bei einer Besichtigung des Hauses ihre volle Bestätigung fanden, sprach als Vertreter des Landrats Achenbach im Kreise Teltow Me- dizinalrat Dr. G u t w e i n die Anerkennung und Ermunterung der Kreisverwaltung aus. Aus weiteren Ansprachen ging die allgemeine Freude und Genugtuung über dies neue, scböne und beachtenswerte Werk der KGB., ein Werk der praktischen Selbsthilfe und Nächsten- liebe hervor. Am Montag den 2. Mai werden die ersten 30 jugendlichen Insassen das neu« Heim beziehen. Eine angekündigte Bombe. Gestern vormittag wurde in kurzer Zeit zum dritten Male eins Brand st iftung in, Potsdamer Landgericht versucht. Alle im Gebäude anwesenden Personen wurden polizeilich fest- gestellt. Nach den, Brande meldete sich bei einer Potsdamer Zeitung durch das Telephon eine Person mir einer gebildet klingenden Männerstinnne und fragtg:„Erinnern Sie sich noch der beiden Brände im Landgericht?" Als die Frage bejaht wurde, sagte der Unbekannte:.Fleute hat es zum dritten Male gebrannt, dreimal ist die Sache mißglückt, das nächstemal kommt eine Bombe 'ran!" Von dem Täler fehlt bisher jede Spur. Es erscheint auffallend, daß die Brände sich stets am Monatsersten, am Zahltage, ereignen. Ob es sich bei dem er. wähnten Telephonanruf um einen üblen Scherz gehandelt hat oder ob der Zlnrufer selbst der Brandstifter war, läßt sich noch nicht sagen. Nicht ausgeschlossen ist allerdings auch, daß der Anrufer sich unge- schickt ausgedrückt hat und so mißverstanden worden ist. In diesem Falle wird er geboten, sich bei der Potsdamer Kriminalpolizei zu melden. Auch alle anderen Personen, die irgendwelche verdächtigen Wahrnehmungen gemacht haben, die zur Ermittlung des Brand- stifters führen können, werden unter Hinweis auf die seinerzeit aus- gesetzte Belohnung dringend ersucht, Mitteilung zu machen, entweder persönlich oder durch Anruf beim Polizeipräsidium Potsdam, Apparat Nr. 33. Einlrittskarlen zum ermäßiglea Preise von 1 AI. für die wochenendausstellung beim Ortsausschuß des ADGB.. Engelufer 24/25, beim AfA-Ortskartell und in allen Bureaus der freien Gewerkschaften. Was bei keiner �ilfe fehlen üarf! Die Kirche will dabei sein, um die Seelen z« rette«. Die sogenannte freie Liebestätigkeit, die zur wirk- famen Linderung der Not breiter Massen der Bevölkerung längst nicht mehr fähig ist und gerade in ZKten schlimmer Notstände immer wieder in eigener Hilflosigkeit zusammenbrechen mußte, ist während des Krieges und danach in den Iahren der durch ihn verursachten Geldentwertung merklich weiter zurückgedrängt worden Mehr und mehr sind die Aufgaben, die man ihr viel zu lange überlassen hatte. von öffentlichen Körperschaften übernommen worden, die mit reichlicheren Mitteln einzugreifen vermögen und in plan- voller Arbeit unter voller Verantwortlichkeit an die Lösung der durch die Zeitumstände gestellten Aufgaben herangehen können. Führende Persönlichkeiten der freien Liebestätigkeit empfinden diese Entwicklung aus verschiedenen Gründen als beklagenswert, unter anderem auch deshalb, weil sie ihnen als eine Stärkung des sozialistischen Gedankens gilt, die ihnen unerwünscht ist. Dazu kommt, daß mit der Ausschaltung der freien Liebestätigkeit die Möglichkeit wegfällt, durch die soziale Hilfsarbeit gewisse Neben- Wirkungen zu erzielen, um die es manchem Spender milder Gabön am meisten zu tun ist. Konfessionelle Vereine z. B. denken bei ihren Versuchen, mit unzulänglichen Mitteln zur Linderung nirnttmatMOM W m v � � r:____ s.. o-< r? i ... u mühen sich die Vereine der freien Liebestätigkeit, das Gebiet zurück- Zugewinnen, das sie in der Zeit des Zusammenbruchs(der auch ihr Zusammenbruch war) verloren. Nachdem sie die bittere Erfahrung gemacht haben, daß sie in den-Jahren schwerster Not kläglich ver- sagen mußten, glauben sie die Zeit gekommen, die öffentlichen Körperschafren wieder mehr beiseite f ch i e b e n zu können.% Dieser Erfolg wurde wohl auch von einem Vortrag erwartet, mit dem im Berliner„Verein zur Besserung der Straf- gefangenen" der im Untersuchungsgefängnis Moabit wirkende Gefängnisgeistliche K l a t t die Entwicklung der G ö r i ch t s h i l f e in die ihm richtig scheinenden Bohnen zu lenken wünschte. Die Ge- richtshilfe, die sich des Rechtsbrechers annimmt(was anfänglich nur die Iugendgerichtshilfe zum Schutz der Jugendlichen tot) und zur Aufhellung der Eigenart des Täters beitragen will, liegt ja auf einem ganz anderen Gebiet als die berüchtigt«„Wohltätigkeit" der bürgerlichen Klasse, die mit Bettelpfennigen und Dsttelfuppen die Not der Massen lindern zu können vorgibt. Aber die Kreise, die in der Gerichtshilfesrage führend sind, haben mit bürgerlichen Wohl- tätigkeitsvereinen doch das gemein, daß sie möglichst„das Amtliche" ausschalten möchten. Pfarrer Klatt lehnte den Ge- danken ab. die Gerichtshilfe an die Wohlfahrtspflege der G e- m e i n d e n anzugliedern. Er scheute sich nicht, in seiner Begrün- dung dieser Ablehnung zu erklären, daß die Gerichtshilfe„der politischen Beeinflussung entrückt sein" müsse. Bei der Jahrhunderte alten freien Liebestätigkeit sei mehr Stetigkeit als bei der öffentlichen Wohlfahrtspflege, die„doch immer von den nächsten Stadtoerordnetenwahlen abhängig" fei. 2luch das sagte Pfarrer Klatt, daß er in der Fürsorge für den Rechts- brecher nicht Religion und Konfession missen möchte, und das ist ja bei einem Pfarrer ohne weiteres begreiflich. In der Debatte trat ihm unsere Genossin Todenhagen ent- gegen, die als Vertrckerin der Arbeiterwohlfahrt gekommen war, an der Berfammlung teilzunehmen. Sie fragte ihn, ob man etwa den Beamten der Gemeindeverwaltung und ihrer Wohlfahrts- pflege weniger soziales Verständnis und weniger treue Pflicht- erfüllung zutrauen wolle als den Mitarbeitern der freien Liebes- tätgikeit. Sie wies.Herrn Pfarrer Klatt darauf hin, daß seine Betonung der vermeintlichen Notwendigkeit konfessioneller Fürsorg« auf eine Bevorzugung konfessioneller Bereinc und Abdrängung nichtkofessioneller Vereine herausläuft. Demgegenüber bestritt er, daß er derartiges gesagt habe, und er klammerte sich an den„Wortlaut" seiner Ausführungen. Uns scheint, daß über findet jeder bei uns den feschen Modeschuh in un» übertroffen er Auswahl der aparte Modeschuh Turnschuhe braun und schwan Segeljach mit Chromsohlen, solange\ or- UK rat reicht 17,32 C7«J" BFaun und sdiwarz, echt rahmenaenäht extra stark. 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Mai 1027) und während vieler Jahrhunderte als frei« Reichsstadt Geltung und Ansehen besah. Mir Goslar, Quedlinburg, Wallhausen u. a. Städten zählt Nardhausen zu den ältesten Siedlungen am Harzrande. Seine Ent- stehung, als fränkischer Edelsitz, dürste ins 6. Jahrhundert fallen. Die erst« urkundlich sichere Erwähnung von Nordhausen findet sich dagegen erst im Jahre 027. Nordhausen taucht als Kaiserpfalz auf und steht in hohem Ansehen. Heinrich I. gründete hier ein« starke Burg, und Mathilde, Heinrichs Gemahlin, ließ nach seinem Tode ein Nonnenkloster vor der Burg erstehen. Um Burg und Kloster herum enistand die Stadt Nordhaus««, in deren Mauern während dreier Jahrhunderts dann nahezu alle deutschen König« und Kaiser wellten, bis di« Stadt im Jahre 1220 reichsunmittelbar wurde. Die Reichsfreiheit Nordhausens währte durch sieben Jahrhunderte bis zum Jahr« 1802, wo die Stadt an Preußen fiel. Heute ist die Stadt Nordhausen der größte und wichtigste Eisenbahnknotenpunkt und Hauptort des gesamten südlichen Harzes und Nordthüringens und zählt augenblicklich rund 37 000 Einwohner. Da man oon Nord- hausen bisher wenig Hörle, könnte die Ansicht herrschen, diese Stadt, die vor anderen Jndustrieerzeugnissen in der Hauptsache Kornbrannt- wein brennt(den„Nordhäuscr) und Kautabak(„Priem") herstellt, sei nüchtern und poesielos! Aus dem roten Häuserdächer- meer rage» gegen die dunkle Höhenkett« des nahen Harzes zahlreiche Kirchtürme, darunter der hohe, nadelspitze Petri- kirchturm, die gotischen Blasiikirchtürme und der blauschieserne, doppeltürmige Dom mit seinem weiten, gedrungenen Dach. Zu Alt- Nordhausen führen aus der neuer«n Unterstadt(Industrieviertel) ein rundes Dutzend steiler, oft höchst romantischer Treppen hinauf. Man hat der Stadt deshalb nicht ganz mit Unrecht die Bezeichnung „Stadt der Treppen" gegeben— denn tatsächlich sind sie ein ganz besonderes eigenartiges Merkmal der 1000jöhrigen Stadt. Rund um den Stadtkern Nordhausens schlingt sich mit nur ganz wenigen Unterbrechungen die gewaltige, durchgehend noch gut er- hallen« Stadtmauer mit ihren zahlreichen dicken, z. T. un- förmigen Türmen. Man kann die Mauer außerhalb, wie inn«rhalb der hochgelegenen Innenstadt verfolgen Und gelangt dabei zunächst über den Primariusaraben(Siadtmauerrundgang mit Marterturm usw. und herrlicher Fernsicht auf„Porta eiclisleldiea") unter Benutzung der Wichst romantischen, über 100 Stufen zählendeji Ruttel- treppe zum Dom. Der Dom stammt aus dem 11. Jahrhundert. Sein Inneres ist von erhabener Größe. Berühmt das Chorgestühl� das zu den besten Werken deutscher Holzschneidekunst zählt. Nahebel ragt die Finkenburg auf, eines der wertvollsten alten Wohnhäuser Mitteldeutschlands. Außerhalb der Stadtmauer, tief unter ihr hin, gelangt man, durch enges Gasssngswinkel, über eine lange steile Treppe, zum Gehege. Dos ist ein gepflegter, schöner alter Lust- wald, hoch über der alten Stadt, mit der sagenhaften SstOjährigen MerwigSIinde und den Eehcgcbuden, rund um den Gehegeplatz, auf dem regelmäßig große sommerliche Bolkskonzcrte ftaitfinden. Der Weiterweg rund um die Altstadt läßt uns die schmucke gärtnerisch« hlnlag«„Promenade" mit der Stadtmauer und Wallorabcn sindent an ihr das stattliche neue Stadttheater, dos sich des besten Rufes er- freut, das rclchhaltige, gutgeleiiete Städtische Museum und schließlich am Petersberg wieder Gassengewinktl, Treppen(Schlunztreppe und Nähmen mit den Judentürmen) und da« Ende des Rundganges uw das alte Nordhausen. Beim Wege ins S t a d t i n u s r e gelangen wir durch mannigfaches«Nges, reizvolles GasiengSwinkel. Aus ihm losen sich Markt, Kornmarkt und Lulherplatz. Ein schlicht-ernstes Rathaus mit melancholisch an der Ecke verharrendem Roland zeigt sich uns neben dem stattlichen Neuen Rathaus. Hinter den Rat- Häusern steht die turmlose Marktkirche mit dem schönen Justus- Jonas-Fenster und vor dem aus blutigen Bürgerkämpfen bekannten „Riesenhaus" das Lutherdenkmal. Den Kornmarkt ziert ein Jugend- werk Ric fchels, der„Neptun". Schwieriger aufzufinden, aus der unglaublich engen„Engelsbura" heraus, am Pferdemarkt, ragt die gotische St. Dlasiikirche aus. Sie verfügt über zwei wertvoll« Ge- mätde ßücos C r a n a ch s, di« zu besichtigen Niemand unter- lassen lallte.. Wie einst als freie Reichsstadt/ hat die 1000jährige Stadt ihr tatenfrohes Streben nicht verloren. Sie besitzt Straßenbahn, Stadion mit moderner Radrennbahn, einen Neu entstandenen„Rosengarten" und schließlich als Krone hoch über der Stadt ein entzückendes Villen- viertel mit baumbestandenen breiten asphaltierten Straßen, aus denen man einen herrlichen Fernblick über die fruchtbare„Goldene Aus" zum Kysfhäuser und zur H a i n l e i t e. sowie zum nahen grünen Harz genießt Der Harz, insbesondere der reizvolle Südhorz, ist von Nord- Hausen aus mit drei Eisenbahnlinien(Nordhausen-Bad— Sachsa— Nordheim, Nordhousen— Brocken— Wernigerode und Nardhausen— Alexisbad— Gernrode) sowie mit mehreren Autolinien rasch zu er- reichen. Zur Burgruin« H o h e n st e i n, der größten Ruin« des Harzes und der idyllisch in den ersten Südharzbergen liegenden Rordhäuser Talsperre sührt ein direkter, etwa acht Kilometer langer Fußweg über teilweise bewaldete, aussichtsreiche Borharzhöhen. So dürft« Nordhausen, die„Pforte in den Südharz", uns mehr bieten. als es uns scheinen wollte, als wir von seiner gahrtausendfeier vernahmen... Gegen den Monarchismus! ... sagt der„Berliner Lokal- Anzeiger". Die Republik findet zuweilen Bundesgenossen, an di« sie wirk- lich nicht ernstlich gedacht Holl Stand da zum Beispiel vor kurzem ausgerechnet im„Berliner L o k a l- A n ze ig« r" ein Artikel über„Berliner Porzellan", in dem sich etliche Zluslasiungen finden, die jedem Rcpublckaner für antimonarchistisch« Propaganda von den Herren Hugenberg, Harnisch, Hussong u. Co. aufs innigste empfohlen zu werden scheinen. Es heißt da nämlich: „Portugiesen und Holländer hatten es im 16. und 17. Jabr- lMndert von ihren Ostosienfahrten mitgebracht, ließen sich di« zerbrechlichen Zierlichkeiten aber so teuer bezahlen, daß sich nur die Fürstenhöse den Luxus des Sammeln» er» l a n b e n konnten. Um einer einzigen edellinigen Base willen schlössen Minister S ch a n d v e r t r ä g e ab, um eines der kühlen, gleißenden Figürchen willen verrieten Günstlinge ihre Herren. Und ist es nicht ein besonders markanter Beweis für die Zauberkraft dieser Leidenschast, daß ihr sogar ein Friedrich von Preußen nicht hat widerstehen können, nicht mit all seiner inzwischen sprichwörtlich gewordenen Sparsam- k e i t?— Zwar ging er ckicht so weit wie Zl u g u st der Starke von Sachsen, der im sogenannten Japanischen Palast in Dresden soviel der kostbaren Ware austürmte, daß nach dem Be- richt eines Zeitgenossen allein das vorhandene Küchengerät an Porzellan auf eine Million Taler geschätzt wurde. oder wie andere Fürsten, die das verhexte Gut gegen Men- schenware einhandelten und etwa einen Satz chinesischer Porzellanvasen gegen Soldaten austauschten." Ja, soweit ging Fridericus nicht: Er, der„sprichwörtlich Spar- same", erkannt« in geradezu„semitischer Geschäftstüchtigkeit" den Handelswert des Porzellans und kaufte— wir folgen dein Hugen- berg-Blatt!— dem«iNztzcn Berliner Inhaber einer Porzellanmanu- faktur, Herrn Gotzkowsti, in einem rigorosen Bertrnge seine Prl- vilegien ab. Und die Porzellanmanufaktur blieb nach dein„Lokal- Anzeiger" ein„L i e b l i n g s k i n d des großen Köyigs", weil sie nebenbei ja auch Geld brachte. Darum, Republikaner, steht, Schulter an Schulter mit dem „Lokal-AnZeiger", auf zum Kampf gegen den Monarchismus! Streitet gegen die Nachkommen jener F ü r st e», die Millionenwerte oon Staatsgeldern für Porzellan vergeudeten, die ihre Untertanen für Porzellan verkauften, die aus Porzellan königliche Manufakturgefchäfte machten! Denn ungefähr das will doch das Hugenberg-Blatt mit seiner berechtigten Kritik an den Gepflogenheiten der Monachen sagen. Nezlrksblldüngsausschuß Groß-Berlln. Nächste Theatervor. stellung am Sonntag, dem 8. Mal, nachmittags 3 Uhr, im Theater am Bülowplatz. Ausgeführt wird„Traumspiel", ein Mysterium oon Strindberg. Erste Besetzung, großes Orchester. Preis der Karts ernschließlich Kleiderablage und Theaterzettel 1,20 Mk. Karten sink» m allen bekannten Berkaufsstellen zu haben. Seine Slahlhelmer im Ulap. Die„Rote Fahne" veröffenllichts am Sonntag, dem 24. April, eine Berteilungsliste von Quartieren der Stahlhelmorganisationen für den 8. Mai in Berlin. Das Unioersumrestaurant(Ulap), Alt-Moabit, wurde auch unter diesen Lokalen mit angeführt. Der Kreisleitung des 2. Kreises der SPD., die mit den Pächtern des Ulap wegen dieser Zlngelcgenhett «ine Aussprache hatte, wurde von den Inhabern mitgeteilt, daß für ihr« Lokalitäten keinerlei Abmachungen mit dem Stahlhelm ge- troffen worden sind._ die MisWpp'-Katastrophe. Memphis, 30. April.(MTB.) Dos Hochwasser in Arkansas hat zu einem Vammbruch am Süduser des Arkansasstusses geführt. durch den fast der ganze Südosten des Staates unter Wasser geseht wurde. Seit mehreren Tagen war ein Heer von Menschen damit beschäftigt, den Damm zu verstärken, jedoch ersolgte der Bruch unvermutet einige hundert Meter vor der Stelle, die am meisten gefährdet erschien. Die lieser gelegenen candeetelle sollen bis zu zehn Meier unter Wasser stehen. Die Orlschasten, über die sich die ausströmenden Wassermassen ergossen, wurden rechtzeitig geräumt, da die Bevölkerung sofort nach dem Dammbruch durch Flug- zeuge von der drohenden Gefahr benachrichtigt wurde. Bremerhavens Hundertjahrfeier. Gestern hat Bremerhaven den Tay gefeiert, an dem vor 100 Johren der bremische Bürgermeister Emidt nach Lehe kam zur Dollziehung des letzten Aktes zweifähriger Bemühungen der freien und Hansestadt Bremen, einen eigenen See- Hafen zurückzugewinnen. Der Anteilnahme, die man an dieser Gedächtnisfeier nahm, entsprachen Zahl und Bedeutung der Gäste. Der Bremer Senatspräsident Bürgermeister Dr. D o n a n d t begrüßte die Anwesenden. Die Festrede hielt Senator Dr. A p e l t, der auf die wachsende Dedeutnna Bremerhavens im Welthandel hinwies. Anschließend an die Festrede hielten der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strefemann und der amerikanische Botschaster Schur mann Ansprachen Bremerhaven hatte zur Feier des Tages ein überaus reiches Festgewand angelegt. rc*clics StrifU- Kostüm walle mü 5>;Je duixch „uMArwel Tat&ientmd Rüdkmguii m�idDcnb i Nr. 204» 44. Jahrgang 4. Heilage öes vorwärts Sonntag, 1. Mal 1027 Partemachrichten SiwenBiingcji tär diel« Rubrik sind Betiia SA 68. Liadeuitraße 8, für Groß-öerlin !»»t» un da» Bezirktlekretartat i. Hol, 2 Step-, recht», zu richten Vezirksvorstanö. Dienstag, den Z. ZNai, abends K Uhr. sehr wichtige Sihung des «rweiterten Bezirksvorstandes im Konserenzzimmer der„Borwärts"» Redakllon, Lindenslrahe Z. Sämtliche Kreislciter müssen an- wescnd sein. »- S. Neri» Fricdrichshalu. Arbeiterwohlfahrt: Dienstag, Z. Mai, 7� Uhr, im Lokal lladincr Str. 10, ZZortrag:„�Zweck und Ziele der Arimterwohlfahrt/' Refcrentin Minna Todenhagen.-Zille in der Wohlfahrtspflege tätigen Ecnofsinnen und Geuojfcn, auch die amtlichen Fürsorger und KUrforge. rinnen, werden gebeten, zu crfchc.nen.— Mittwoch, 4. Mai, 7 Uhr, Vc. zirksverfaminlung im 9 aihaus, Etadtocrordnetensibungsfaal. Einlagkarten ad Uhr beim Genossen Fischer, Eingang Coandaucr Etrahe. 7. ltrei» Eharlottenburg. Montag, 2. Mai, 714 Uhr, Frakt.onssitzung mit allen Dllrgerdepulierten im Zimmer 1 des Siathauscs. >. ttrei» Wilmer-dorf. Dienstag, 3. Mai, 8 Uhr, Sitzung des engeren Nrets- Vorstandes mit den Abteilungsleitern bei Kroihs, Loisteinische Str. Sil. U. iirei» Do öneberg. Friedenau. Montag. 2. Mai, 7 Uhr, Fraktionssitzung mit dem Lreisvorstand und sämtlichen Abteilungsleitern im Neuen Rathaus, Zimmer t44. 13. Kreis Tempclhos. Sämtliche Genossinnen und Genossen demonstrieren mit ihren Gewerkschaften. Ein aeschlouener Rilckmarsch findet nicht statt. 14. Krei» Neukölln. Fraktionssitzung Montag 7 Uhr im Rathaus. 15. Krei, Treptow. Achtung, Genossinnen und Genossen! Infolge der von den Gewerkschaften in Berlin mittags veranstalteten Kund- gebung findet der nachmittags 3 Uhr in Oaerschiineweide, Marktplatz, angesetzte Dcmonstrationoumzug nicht stall. Die Genossinnen und Genossen treffen sich nachm. tiags 4 Uhr im Lokal Kpffhäufer, Rieder. schönewcide, Berliner Straße. 15» Kerl» Köpenick. Montag,?. Mai, 714 Uhr, Kreisvorstandssitzung im Lokal Reich, Köpenick, Bahnhofstr. 13. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. 17. Krci» Lichtenberg. Mittwoch, 4. Mai, 714 Uhr. bei Aidrecht, Reue Bahn. Hof-, Ecke Bozhagener Ctrahe, Kreisvorstandssitzung. Niemand darf fehlen. 1«. Kreis Weitzcnsre. Einlatzkarte» fiir die Strindberg.Auffithrung.Dranm. spicN am Sonntag, 8. Mai, in der BoiksbUhne am Blliowplätz, sind zu haben beim Genossen Heinl, Eäblcrstr. 7. heute. Sonntag, 1. ZNai: 14. Abt. Die Genossinnen und Genossen, welche sich nicht ihren Gewerkschaften onschlietzcn, treffen sich 11V, Uhr Ctralsundcr, Ecke Brunnenitrahe, zur Demonstration nach dem Lustgarten. Abmarsch 1114 Uhr. Alle Mitglieder müssen sich daran beteiligen. Die Billetts zur Maifeier müssen unbedingt am Sonntag abgerechnet werden. iL Abt. All- Genossinnen und Genossen, die sich nicht ihrer Gewerkschaft anschließen, treffen sich 1014 Uhr Lcopoldplatz. 87. Abt. Genossinnen und Genossen, die nicht zu den Sammelvlätzen der De- werkschoften gehen, treffen sich 1014 Uhr am Falkplatz zur Maikundgebung. 40. Abt. m Demonstrationsumzug treffe» sich die Genossinnen und Sc. nassen bei keufner, Hagclbergcr Str. 20». Abmarsch pünktlich 1114 Uhr. Nachm ftags erwarten wir vollständige» Erscheinen in der Bockbrauerci, Fidieinstr. 2—8. 43. Abt. Genossinnen und Genossen, welche mit dem Abteilungsbanner zum Lustgarten gehen, treffen sich 1014 Uhr bei Mendler, Dieffenbachstr. 54. 82. Abt.«Icglig. File alle Genossinnen und Genossen, die nicht am Aus. marsch der Gewerkschaften teilnehmen, ist Tresspunkt zur Demonstration Rathau» Steglitz vormittag» R* Uhr. Die von den Bezirken bestimmten Bannerträger sind dort evensall» zur Stelle. 81. Abt. R-ukölln. Di« Genosstuncn und Genossen marschieren mit ihren Gewerkschaften. iibergibl man nur dem Nackiwei, de« Demichen Mustkeeoeebande?. Berlin. Kam» mandaniensir 03 04 Dönhoff 3277-73 «elchäilszeil 9—5. Sonntag, 10-2 Uhr Aus Wunich Vertreterbesuch 102. Abt. Baumschulenweg. Die Maiseier findet nachmittags 4 Uhr im Epreeschlotz jenseits der Spree statt. 100. Abt. Friedrichshagcn. 7 Uhr in Schröders Gefellschaftshau». Mit. wirkende: Männergcsauaverein..Eintracht", Rezitatumen, Festrede: Max Hcndemann, M. d. L, Tanz. Eintritt 75 Ps. Die geplante Vormittags. Versammlung fällt aus. 120. Abt. Friedrichsfelde. Unsere Genossinnen und Genossen beteiligen ssch heute restlos an der Maifeier in Karlshorst, Lokal Deutsches Haus, Stolzcnfelsstrasie, am Bahnhof. Nach künstlerischen Darbietungen Tanz. Eintritt 50 Pf. Dienstag, Z. Zklal: 108. Abt. Köpenick 714 Uhr bei Etippekohl. Echönerlinder Str. 5, Funktionär» sitzung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen dringend erforderlich. Fraucnveransialtungen am ZNonlag. 2. Mal: 18. Abt. 714 Uhr bei Müller, Ufcrstr. 12. Vortrag:.Der proletarische Mensch" Referent Hans Willige. 84. Ab« Lankwitz. Der Frauenabcud fällt au». Dafür Kreisfrauenabend am 9. Mai. 90. Abt. Britz-Buckow. 714 Uhr im Jugendheim Ehauffeestrahe. Bortrag: .Da» Gesetz zur Bekämpfung der Deschlechtskrankheiten. Rcferentin Margarete Schcnkalowsky. Arcmenveranstaltungen am Dienstag, Z. ZNai: 10. Abt. 714 Uhr bei Krüger. Susstten-, Eck» Scheringstratze. Bortrag:.Mode und Politik." Referent Hann» Kamm. Anschliessend gemütliche. Bei» sammenscin Gäste sind herzlichst willkommen. Dl. Abt. 714 Uhr bei Kroll, Utrcchter Str. 21. Bortrug:„Der Gesetzentwurf zur Bekämofung der Deschlcchtskronkheiten." Referentin Margarete Schenkalowslp. 33. Abt. 7>4 Uhr In der Schule Hohen lohrstr. 10. Bor trag:.Da« Gesetz zur Bekämpfung her Geschlechtskrankheiten." Referentin Elara Böhm» Eckmch, M. d. R. 30. Abt. 714 Uhr bei Busch, Disstter Str. 27. Bortrag:„Das Gefetz zur Bekämpfung der Gefchlechlskrankheiten." Referent Stadtarzt Dr. Georg Löwcnstein. 131. Abt. Riederschöabausen. 714 Uhr in der Gemeinbeschuk» Bismarckstrasse. Bortrag:„Reue Menschen.' Rcserent»enoss« Faust. Gäste find herzlichst willkommen. Jungsozialisten. Gruppe Schöneubrrg: Heute, Sonntag, 1. Mal, treffen sich dir Genossinnen und Genossen, die sick, nicht ihren Gewerkschosten anschtiessen, Haupt», Ecke Eisenacher Strasse, pünktlich l» Uhr.— Gruppe Tiergarten: Dienstag, 3. Mai, 8 Uhr, bei Trümpcr, Flensdurger Str. 3. Diskutsionsabend. Wir bitten alle Genossinnen und Genossen, bestimmt und zahlreich zu erscheinen. ilrbeiksgemeinschast der kinderfrounde. Helferver'ammlnng am Mittwoch, 4. Mai, 8 Uhr. im Jugendheim Linden. strosse 3. Es muss lebe Gruppe und jeder Kreis vertreten fein. Kreis Mitte: Sonntag, l. Mai, vormittag» 11 Uhr, Treffen vor dem Mirki. scheu Musei-m. Kreis Wrdding: Dresfvunkt heute, Sonntag, 1. Mai, nachmittags 214 Uhr, zur Maifeier See., Ecke Müllerstrasse. 10. Kreis Bankow. Gemeinsamer Anmorsch zur Maife'er im Bllrgerpari. Abmarsch Gruvpe Buchholz 2 Uhr vom Kino! Gruppe Riedcrschönhousen Kg Uhr vom Friedcnsplatz: Gruppe Pankow 143 Uhr von der Kisstngenftrasse.—- Grnvp« Bankow: Mittwoch. 4. Mai, 0—8 Uhr, Aussprache im Jugendheim Kisstngenstrosse. Sonnabend, 7. Mai, 5— 714 Uhr Spielen in der Heide. Pflnkdrlicke, Alte Schönhauser Strasse.— Gruppe Riederschönhauten: Montag, 2. Mai, Aussprache über den l. Mai, Schule Bismarckstrassc Mittwoch, 4. Mai, Spielen auf dem Sportplatz Kaiserweg von 0— 8 Uhr. Donnerstag. 5. Mai. Basteln»nd Brettspiele von 0—8 Uhr Schule Bismarckstrasse. Sonnabend, 7. Mai, Musik.— Gruppe«nchholz: Dienstag Tanzen und Spielen von 5 bis 7 Uhr Schule. 82. Abt. Steglitz. Dienstag, 3. Mal, von 4—0 Uhr Spielen im Heim Albrechlstr. 47. I Sterbetafel üer Groß-öerltner Partei-Graanifation 114. Abt. Liibienbcrg. Der Genosse Max Rofenhurger ist ver. starben. Einäscherung Montag 214 Uhr Baumschulcnweg. Zahlreich« Beteili» gung erwünscht.__ Wetterbericht der öffentlichen weNerdlenststesse iüe vrrlin nnd Umgegend. 'Nachdr. verb.) Wcchlelnd bewölkt., ebne eibebliche Niederschläge. Bm Tage mäiiig warm.— Für Deutschland: Am Sßben und im Osten regnerisch, sonst odne wesentliche N ederichiäge: Temperaluren wenig verändert. Sozialistische firdeiterjugenü Groß-Serlin. heute. Sonnlag. 1. Mai: Alle»enosfiuue« und Genossen beteilige» sich an der Demonstratio» der vewerkschasteu. Moabit I: Beteiligung an der Maifeier der Partei.— Rosenthalee Vor» stadt: Beteiligung an der Maifeier der Partei im Gewerkschasishau».— Humannplatz: Beteiligung an der Demonstrat.on der Gewerkschasten Treff. Punkt 1411 Uhr am Hclmholtzplatz.— Kottdussee Tor: Beteiligung an der Parteiveranstaltung.— Reichen derge« Viertel: Trcfipunkt Itzll Uhr vor dem Heim, nachmittags 3 Uhr Kottbusscr Tor.— Friedenau: Maifeier mit der Partei und den Kindcrireunden bei Schilling in Dahlem.— Spandau: Mai. fcier.— Buchho'z: Maifeier mit der Partei im Bürgcrpark Panlow.— Reo» toll» VI: Treffpunkt nicht wie ursprünglich festgelegt, sondern»ochmittag» 3 Uhr Bhf. Hcrmonnstrassc.— Weisiensre: 0 Uhr abends Beteiligung an der Maiseier der Partei in der Etadthallc.— Pankow: Nachmittags 3 Uhr Treffpunkt Schönhauser Allee, Ecke Bornholmcr Strasse, zuni Umzug mit der Partei nach dem Bitrgerpark.— Saulsdors: Beteiligung an der Maifeier in Biesdorf. Treffpunkt 4 Uhr Bahnhof.— Schönhauser Vorstadt: Treffpunkt zur Maifeier 11 Uhr Arminplatz.— Reiaickendors-Ost: Beteiligung an der Maifeier im Echlltzciihaus. Treffpunkt 314 Uhr Seebad. Werbebezirk Krruzbera: Beteiligung an der Kundgebung der Dewerk. schasten Treffpunkt II Uhr Oianiciiplatz. Nachmittag» Beteiligung an der Parteiseier. Die Gruppen Kottvusser Tor, Köpcnicker und Reichenberger Viertel treffen sich um?4Z Uhr am kottbusser Tor. Gemeinsamer Abmarsch aller Gruppen �4 Uhr von dem Vorwärts-Haus. Tcltowlanal: Der Werbcbczirk schlicsst sich dem Mctallarbeiterzug an. Treff. Punkt 1411 Uhr am Kaiser-Wilhelm-Platz in Echönederg. Sämtliche Fahne» und Mustkinstrumente sind mitzubringen. Abends Beteiligung an der Partei» verai'staltung in der Festhalle Lankwitz, Dillgesstraße. Beginn 0 Uhr. Werbebezirk Neukölln: Wir beteiligen uns geschlossen an der Maifeier der Britzer Parteigenossen. Treffpunkt 3 Uhr Hermannstrassc. Keiner darf fehlen. Morgen, Montag. 2. Mai, abends 7% Uhr: Unser Jugendchor und sämtliche Iostrumentolisten üben Montag im Ingen». heim Sindcnstr. 3. Avsserdem findet um 714 Uhr eine Besprechung aller der. senigen Genossen statt, die ein Instrument spielen lernen oder sich weiter darin ansbildea wollen. Moabit l: Schule Waldenser Str. 21..Rationalisierung." Schule Etephanplatz. Reichenberger~ bachcr Str. 5.___________________________________„___ Jugendheim Sauptstr. 15. Miigliederversammlung. Westen T und II: Jugendheim Haiiptftr. 15. Gemeinsame Mitgliederversammlung.— Shaelottenburo. Nord: Echu le Wieöcsteasse. Ecke Reue» User. Mitgliederversammlung.— Lank. witz: Funktionärsitznng beim Genossen Wenzel.— Reukölln V: Funktionär» Versammlung im Jugendheim Rvgatstr. 53. Sämtliche Genossen, die Ab. teilungsmaterlal haben, müssen es mitbringen. Pfarrer Keurnanns Heilmittel siels auch vorrsitig in den Alleindepots: Zions Apotheke Berlin N 31, Anklamer Straße 39. Telephon: Amt Humboldt 9000 Adler- Apotheke Berlin- Friedenau. Rheinstrnße 16. Telephon: Kheingau 2029 Friedrich-Wilhc m- Apotheke Charlotten bürg 2, heibnizBtraße 106, Telephon: Wilhelm 121 Heegei-Apotheke Berlin O. Gubener Straße 33 Schweiz er-Apolheke Berlin W 8, Friedrichstraße 173 (tosen-Apotheke E!chwaIde-BerUn Qas Ptarrer Heuwnann-Buch (272 Seit., 150 Abbildung.) erhält ieder Leser, der seine Adresse einschickt, von der Firma Ludwig Heumann& Co. Nürnberg M. 45, gratis und franko zugesandt. Fostkarte eenü:t Moabit H: .................................................. i„soLiraii"i 1 das einzige Sehuhpulzmlttel gleidi-= 1 zeitig für alle Ledersorlen zu verwenden| Nmi!»MUUiMIl«U»NiiSM»iilMMi»!iMO»!MiIMMIlMtzMM>»MlM0ille innnmmnmioiiinnnmmuiiiiuuiiniminnnnniiniinnimiinminiiiiiiinniiimiiuiiiiiiTNiimimiim� Damen-Slrömpfe p,tm. z°>ä°°iiimiiiiiiiiiiiiniiiiiwwimniniiiiiiiiiiiiiiiiiiiwiiniiwtii"M|W""nA; Lehrgang für höhere öcrmaTfangs- und Zustizbeamle. Die Ter- «Migung iür staotowislenschaflliche Fortbildung zu � Berlin ver- anstaltet ihren diesjährigen Forlbildungskursus iür höher« Ber> maltu ngs- und Ju ltizb c a mte in der Zeit vom 29. Slugujt bis 17. September in Bad Homburg v. d. H. Sezlrksblldni-.gsaosjchuh Sroh-LerNa. Nächste Tbeatcrvorttellmic; am Sonntag, dem 8. Mai. nachm. i! llbr. im Theater am Bülowplab. Ansgc- Ehrt wild.. Traumspiel', Mpileliunl von SIrindbcrg.e Be- ietzung. gioheS Crcheiler, Preis einichliegli-d Garderobe und Programm ILO M. Karten in allen belmmten Verkaussstellen. Zeel« Sozialistische hvchschnl«. Ter nächste und letzte Portrag in d'csem Semeflcr findet am Sonnabend, dem 7. Mai. abends 7',', Ubr, im crouen Zaal des ebemaiigen Herrenhauses. Leipziger Straße S, ilatt. Genois e De. L r e t t I ch e i d, M. d. N., spricht über das Tbema:.Sozialistisch« Stußenpolitil".— Karten zum Prcstc von SO Pi. sind an solgenden Stellen zu badenr Bureau des BezirlSbildunaSauSschusteS, Lindenslrasze 3, L Hos. L Treppen, Zimmer 8.— Buchbandlung I. H. W. Dietz Nach!., Lindenstraßc lt.— Verband der gravhischen HilsSarbeilcr. Ritterstraßc. Ecke Luisenuser.— Zigarrengcichäil Hmsch. Engeluser ltt/ltö, GewerkschastShauS. - Tabatverlrieb, izntei'traße S.— Verlag des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstraße ö.—»Weilsreude- Bücherstube»', Potsdamer St-aile 104.— berliner GewerlschaflSkommilston. Engeluscr 24,'2S, Gcwert- schastShauS— sowie in allen„Vorwärts"-Speditionen. volkskurs« tn Englisch, Zraa'öshch. Spanisch. Anfang Mai �«ginnen in der S p r a ch s ch u! e s ü r Proletarier die slir das Sommer- balbjabr gepianlcn Nbendturlc in Englisch, ifranzölisib. Spaniich sowohl für ?t n s ä n g c r ohne Borkennlnisse als auch liir Tcimcbmer m 1 1 Vorlennt- nisten. Der Unleriichl soll wieder in verschiedeneu Siadlleilcn abgehalten werde». A n m c l d n n a e n sür alle Kurse: mündlich abcndS von S diS S Uhr in der Gemeindeschnle. GivSslr. r!3s, Zimmer IS(nahe Vabnhos Börse und Alexanderpiatz); schrisllich an die gleiche Adresse; tclephomsch: Steinplatz lOlOl.__ Vorträge, vereine und Versammlungen. # Reichsbanner.Schwor? Rot Gold". , Di-r.stogs und Freitags von»— S unii Sonnabends von 9—1 Uhr.— Dienstag. 3. 9R«i: Mitte. 1. und H.«ameradschail:»oineroo- sidafisveelnmmlun-i 8 Uhr'dartenftr. 8. Vortrag Dr. Moses. Friedrschshoin: 7'4 Uhr«reismitgliederverinmmlung in den Tomeniussälen. Memeler Straße. Ntferent Kam. Äichard vetnarek. Zhemai»Polizei, Publikum und Reichs- tanner.' Gäste willkommen. Ztr-uzbera: Abt. 2 8 Uhr Versammlung bei Vättger. Hagelberger Sit. 8, Varlrog des 9o;n. Sickerl:„Die Auigaben dcr RenubUkaner." viot. 8 ori FuhIbrUgge, Rostizftr. 28. Ab!. 7 b»i Sietnig, Alexandrinenstr. 8N. Rorirag. Hennigsdorf: Monaisverlammliing 8 Uhr bei Waller.— Aittwach, 4. Mai: Mitte, z. Kameradschat!: 8 Uhr Versammlung Stallschreiberstr. 29. Vortrog Dr. Zreitel. 4. Kameradichost: 8 Uhr Blanken. seld-straß«>0. Friedrichshai»! 1 Uhr Antreten mit Musit und Fahnen Ähs. Frantsurter Allee, Pfllchtveransiattung. Roch dem Ummarsch Sektionssißungen sämtlicher Sektionen in den betannte» Set! enslokalen. Kreuzberg: Persamm. langen 8 Uhr: Abt..? bei Praunsdork, Großbeerenftr. 28. Abt. ö bei Grllnd. ler, Zimmerstr. 80. Vortrco de- Kam Sickert Uber„Wohnungswesen". Abt. lt hei Krepp, Plonuftr 7Z. Vortrag des Kam. Keck Abt. 12 bei Siedentaps. Muskauer Sir. S5. Vortrag bes»am. Betnarcl. Abt. 18 bei Gichhvlz, Cuvry» Abt. 14 bei Wieneziers. Relchenbeeger bi« Srällaung ihrer, neuen V eriaKssstelle BeIe.?Ill:an:e.Str. 8. Ecke Straße, hat bi: Firma„Vertrieb von«rzeugnilse» jächsilchre Gar. di»ell.FabriUu Zohapn Pellst u. Da., die bereits in iasi allen Etadlteilen Durch Teltow er-s-eav-,-n-- viz> diuen'Fabeilen Zobaun PS Graß-Berlin» 10 eigene Berlauisitellen unterhält, die Gegend am Hallesmen Tor um eine erstklassige Einkauisstätte bereichert. Die Firma hat es sich zur Aufgab« gemacht, neiizeilig« Aensierdekorationen, Vorhänge, Bettdecken usw. in gediegenen guten Qualitäten und geschmackoollee Ausführung in unerrrichter iuswahl zum Verkauf zu bringen. Die oorgefchrittenc Technil der well- Auswahl zum Verkauf zu bringen. berühmten Hand. nehme vollen iammensteöung der Sartimente zeigt nicht nur den hohen Stand der deutfl�en Wohnunnaskuilft, iondern auch besonders die Lriimngsfähigleit der Firma Johann Pellot u. Ca.. so daß jedrm Wunsch und Geschmack vollauf Rechnung verschafst werden kann. slraße 28. Vortrag Vortrag des Kam. Dllwel. MW �—.................aeeoer steasie 104. Vaetraq des Kam. Paul?>e>:mann.— Reutolln-Briß: Alle Mit- gliedskarten ohne Lichtbild find bis spätestens 4. Mai mit solchem und a» den Zugführer zur Adstemprlung abzulielrrn. Et-mpel sind ungültig. zu versehen Karten ohne Bild und Aebeltmzemrtuschast entschiedener Republikaaee. Donnerstag, 8. Mai, 8 Uhr, in der Dänhofs-Konditarei, Kommaudantenstr. 84. öffentlicher Vartragsadend mit Aussprache. Thema:„Straseechtsreform." Entschiedenr Republilaner aller Parteien willkommen. Sozialistischer Schülerbnud. Schüler der höheren Lehranstalten: Maidemon- stration armeinsam mit dem Beamtenbund. Tretfpunkt Krausenstraßr, Ecke Dönhafsplaß. Raisestspiel« zu veranstalten, ermöglichen die neuesten„Clecirola"-Musik- platten, deren Erscheinen mit Recht als ein musikalisches Ereignis zu beirachien ist. Die Electrola-Selellschatl m. b. H.. Berlin 28. 8. Leipziger Str. 23, beweist durch zwangloses Vorspiel die musikalische Bedeutung dlcicr Neuerscheinungen, Das bekannte Kaufhaus Fr. Lahn am AIrzandrr,' W heutigen Inserat eine Auslese preiswerter Angebole. irplaß bringt in seinem . Der Grunbsaß dieser seit über Ivo Jahr» bestehenden Firma ist, nur wirklich reelle und gute Waren zu ganz außergewöhnlich billigen Preisen zu verkaufen. In der heutigen schweren Zeit ist eo für das foulende Publikum ein großer Porteil, wenn man —........... i—.--___ ganz aus Deren Zeil. WWMWWWWWWWWWMWWWM. fiic wenig Geld gut und orciswert einkaufen kann. Daher möchten wir unsere Leser aus den letzt eintretenden Psingstbedaes und ganz besonders aul d'« heutigen Angebote des altbewährten Kaufhauses Fr. Hahn am Alexandrrplotz ausmerkfam machen. Die Auswahl in den Abteilungen: Damen-, Herren, und Kinderbekleidung, Seiden-, Wall- und Dalchstoisen, Wäsche, Leinen, und Baum- wollwaren sowie Gardinen, Teppiche. Modelstosse. Damenputz. W'.rkwaren und Herrenartikel ist unerreicht. Die Firma ladet zu einer Besichtigung der reich- haltigen Läger, die zu keinem Kauf verpflichtet, ein Alle Zeirschrisien und Zeitungen aus der Arbeiierbewegung stich! zu kaufen Firma L. Wie mau dir Firma L. Franz u. Co., Leipzig C. I. Postfach 871, Hohe"Sir.'85 sich bettet, so schlost man.»nd wer möchte genehm und behaglich wie möglich? In einer kleinen, aber dafür mit be- achtenswertem Geschmack und viel Liebe geichasfenen Zulammenstellung von Betten verschiedenster Art und Ausführung sehe» wir, daß Wohnkultur keines- wegs nur eins reine Geldfrage ist. Man findet da eine Menge Anregungen und Vorschläge, die außer de», wirklich gediegenen Geschmack, den sie per. raten, noch den Vorzug haöen. wirklich erschwinglich zu sein. Daß chon neuer- dings dazu tibergeht, auch feine Bettwäsche farbig zu wählen, dürfte beim Lesen wohl zunächst ein kleines Erstaunen ausläsen, doch wird man üch beim Anblick des Gezeigten davon überzeugen, doß der Gedanke doch recht viel für sich hat. Einem dringenden Bedürfnis aber ist abgeholsen mit einer Neuerung. M�WWWWWIMWMMWWWMWWMMI____________ U( etwa 01 Piund, kann mithin recht beguem der Neiseausrüstung beigefügt werden. Ein Gang durch die obenerwähnte llein« Vettenausstellung bei Grün- seid kann als» nur wärmstens empfohlen werden. sayl öcr Bär PERSER- TEPPICHE DAUNENDECKEN DEUTSCHE TEPPICHE BRÜCKEN DIVAN- DECKEN BETTVORLEGER STEPPDECKEN GARDINEN TISCH- DECKEN MSrftjd Verkauf NUR BerIinC2, SPANOAUERSTR32 amen~He.manzüge Hcircn-Sporthcmdcn Pylamef orm, dreiteilig:(Beinkleid. 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Fahrgaag 5� DOttD(ltf0 So»mtag,1.Ma! 1�27 Aufmarschplan zur Mai-Kundgebung 192? im Lustgarten, mittags-1 Llhr. Zug 1: Baugewerksbund. Zog la: Sammelplatz: Landsberger Platz(hinter Wartehalle der Straßenbahn). Abmarsch: 12 Uhr. Zug lb: Sammelplatz: Gorlenplah. Abmarsch: 12 Uhr. Zug 1c: Sammelplatz: kleiner Tiergarten(Spitze Wilsnacker Straße). Abmarsch: 11 Uhr. Zug 16: Sammelplatz: Bülowpromenade(von Mansteinstraße bis Dennewitzstrahe). Abmarsch 11 X Uhr. Zog le: Sammelplatz: Reuterplatz. Reukölln. Abmarsch 11 X Uhr. Zug lk: Sammelplatz: Engeluser(von Adalbertstraß« bis Michael- kirchplatz). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 2: Bckleidungsarbciterverband, Hutarbeiter, Friseure. Sammelplatz: Dircksenslraße(Spitze Schicklerstraße). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 3: Lebensmittel- und Getränkearbeiter» Böttcher Sammelplatz: Prenzlauer Allee(Ecke Saarbrücker Straße). Ab- morsch: 12 Uhr. Zug 4: Buchdrucker, Buchbinder, Graphische Hilfs- arbeiter, Lithographen. Sammelplatz: Gendarmenmarkl. Abmarsch: 12 Uhr. Zug S: Dachdecker, Berufsfeuerwehrmänner, Schornsteinfeger. Sammelplatz: ZUonbijouplatz. Abmarsch 12 Uhr. Zug K: Einheitsverband der Eisenbahner. Sammelplatz: pethanienufer(Verbandshaus). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 7: Fabrikarbciterverband, Keramischer Bund. Sammelplatz: Landsberger Platz(Hainseiie). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 8: Filmgewcrkschaft. Sammelplatz: Alexandrinenskraße(Ecke Oranienstraße). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 9: Fleischer. Sammelplatz: Loekers Aestsäle. Weberstraße 17. Abmarsch:. 12 Uhr. Zug lv: Gärtner, Musiker. Sammelplatz: Oranienplatz(Ratswage). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 11: Gemeinde- und Staatsarbeiter. Zug IIa; Rorden inkl. Reinickendorf usw. Sammelstelle: Seller- s!raße(Ecke Chausseestraße) und Zohanuisslraße(Verbandshaus). Abmarsch: 12 Uhr. Zug IIb: Rordwefk, Charloltenburg. Sammelstelle a: Charlotten- bürg(Schulhof), Wallstraße(Ecke Spreestraße). Abmarsch: 11 Uhr.— Anschluß an Sammelstelle h: kleiner Tiergarten, (Denkmal). Zug 11« Südwest, Schöneberg. Wilmersdorf. Steglitz. Tempelhos. Sammelstelle a: Relziger Straße(Ecke Eisenacher Straße). Abmarsch: 11 Uhr.— Sammelstelle b: Relle-Alliance-Stroße(Ecke Teltower Straße). Abmarsch: 12 Uhr. Anschluß an vorstehen- den Zug. Zug lld: Südosten. Reukölln, Treptow. Sammelstelle a: Schön- sledter Straße. Abmarsch: 115!- Uhr.— Anschluß an Sammelstelle b: Lausitzer Platz." Zug 11«: Osten, Lichtenberg. Sammelstelle a: Ringbahn(frankfurter Allee. Slbmarsch 11)4 Uhr.— Anschluß an Sammelstelle d: Thaerslrahe(Ecke Frankfurter Allee). Zug lls; Rordosten, weißensce, Pankow. Sammelstelle: Donziger Straße(Ecke Ereifswalder Straße). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 12: Holzarbeiter. Zug 12a: hauptsommelploh: köllnischer park. Abmarsch: 12 Uhr. Zug 12b: Südwesten. Sammelplatz: Rlittenwalder Straße IK. Abmarsch: 10.51 Uhr. Zug 12c: Renkölln. Sammelplatz: Planuser(Ecke Kottbusier Damm). Abmarsch: 10% Uhr. Zug 126: Süden. Sammelplatz: Oranienplatz(Luisenufer Ecke Pnn- zessinnenstraße). Abmarsch: 11 Uhr. Zug 12«; Osten. Sammelplatz: Strausberger Platz und Frank- furler Allee(Ecke Warschauer Straße). Abmarsch: 10% Uhr. Zug 12k: Rorden: Sammelplatz: Seneselder Platz. Abmarsch: 10% Uhr. Zug 12g: Rordwesten. Sammelplatz: Ravenestraße 7. Abmarsch: 40% Uhr. Zug 12b: Südosten. Sammelplatz: Lausitzer Platz. Abmarsch: 10% Uhr. Zug 12,: Stellmacher. Sammelplatz: Sophienstraße S. Abmarsch: 10% Uhr. Zug 13: Hotel-, Restaurant- und Eaf6angcstellte. Sammelplatz: Elsasser Straße S6/8S(Spitze Ackerstraße). Ab- marsch: 12 Uhr. Anschluß an wetallarbeiter! Zug 14: Lederarbeiter. Sammelplatz: Vülowplatz. Abmarsch: 12 Uhr. Zug 15: Malerverband. Sammelplatz: welchiorstroße(Verbandshaus). Abmarsch: 12 Uhr. Zug 16: Maschinisten und Heizer. Sammelplatz Skaliher Straße(am Lausitzer Platz). Abmarsch: 9% Uhr. Zug 17: Metallarbeiter, Kupferschmiede. Zug 17a: 1. Bezirk. Sammelstelle 1: Weihensee, Antonplah. Ab- marsch: 11 Uhr.— Sammelstelle 2: Arnswalder Platz. Abmarsch: 11% Uhr. Zug 17b: 2. Bezirk. Sammelstelle: küstriner Platz. Abmarsch: 11?L Uhr. Zug 17c; 3. Bezirk. Sammelstelle 1: Bahnhof Frankfurter Allee. Abmarsch: 11 Uhr.— Sammelstelle 2: warschauer Platz. Bezirke 4, 21 und 22. Abmarsch: 11 Uhr. Zug 176: Bezirke 6 und 7. Sammelstelle 1: Maybachuser(Ecke Kottbusier Damm). Abmorsch: 11% Uhr.— Sammelstelle 2: Mariannen platz. Bezirke 5, 8 und 8a. Abmarsch: 11% Uhr. Zug 17«: Bezirke 11 und 12. Sammelstelle 1: Schöneberg, Kaiser- Wilhelm-Platz. Abmarsch: 10% Uhr.— Sammelstelle 2: Jerusalem er Kirche. Bezirk 10. Abmarsch 11% Uhr.— Sammelstelle 3: hausvoateiplatz. Bezirk 9. Abmarsch 12 Uhr. Zug 17k: Bezirk 13. Sammelstelle 1: Charloltenburg, wilhelmplah. Abmarsch 10% Uhr.— Sammelstelle 2: Kleiner Tiergarten. Bezirk 14. Abmarsch: 11% Uhr.— Sammelstelle 3: Lehrter Bahnhof. Bezirke 23 und 25. Abmarsch: 11% Uhr. Zug 17x: Bezirk 18 und verband der Kupferschmiede. Sammelstelle: Soppenplatz. Abmarsch 12 Uhr. Zug 17b: Sammelstelle 1: Leopoldplah. Bezick 15 und 16. Ab- marsch: 11% Uhr.— Sammelstelle 2: Liesenstraße. Bezirk 17. Abmarsch: 12 Uhr. Zog 17i: Bezirk 20. Sammelstelle: Schwedenstraße(Ecke Kolonie- straße). Abmarsch: 11 Uhr.— Sammelstelle 2: Gustav-Weyer- Allee(Ecke Brunnenstraße). Bezirk 24. Abmarsch 11% Uhr.— Sammelstelle 3: Stralsunder Straße(Ecke Brunnenstrahe). 19. Be- zirk. Abmarsch: 11% Uhr. Zug 18: Nahrungs- und Genusimittelarbeiter. Sammelplatz: Znselstraße(Bundeshaus). Abmarsch 12 Uhr. Zng 19: Sattler und Tapezierer. Sammelplatz: Grimmpark. Abmarsch 11% Uhr. Zug 29: Schuhmacher. Sammelplatz: Prenzlauer Allee(bis Saarbrücker Straße). Abmarsch 12 Uhr. Zug 21: Steinarbeiter. Sammelplatz: Gewerkschaftshaus(Großer Saal). Abmarsch 12 Uhr. Zug 22: Tabakarbeiter. Sammelplatz: Bülowplah(Ecke Bartelstraße). Abmarsch 12 Uhr. Zug 23: Textilarbeiter. Sammelplatz: Andreasp lah. Abmarsch 12 Uhr. Anschluß an Zug 2. Zug 24: Bcrkehrsbund. Zug 24a: haupsiammelplah: Engelufer(von Adalbert-Brücke bis Köpenicker Straß«, Sp'tze Köpenicker Brücke). Abmarsch 12 Uhr. Zug 24b: Sektion I und lugend. Sammelplatz: Schlesisches Tor (Ecke Skakitzer Straße). Abmarsch 11% Uhr. Anschluß an chauptzug. Zug 24c: Sekkion II. Sammelplatz: Promenade Friedenftraße (von Friehrichsb erger S:raße bis. Landsberger Platz). Abmarsch 11% Uhr- Amchlüß an Hauptzug. Zug 246: Sektion III. Saiwiielplah: wichoelkirchstraße(Ecke Wusterhausener Str.). Abmarsch 12 Uhr. Anschluß an Hauptzug. — Sektion IV. haupsiammelplah. Zug 24«: Sektion V, Sammelplatz: wichaelkirchflraße(am Michael- kirchplatz). Abmarsch 12 Uhr. Ansckzluß an Hauptzng. Zug 24k: Seksion VI. Sammelplatz: Friedenstrahe(Ecke Büsching- straße). Abmarsch 11% Uhr. Anschluß an Hauptzug. Zug 24g: Sektion VII. Sammelplatz: Wilhelmstraße(Ecke Belle- Älliance-Platz). Abmarsch 11 Uhr. Zug 25: Zimmerer. Sammelplatz: wichaelkirchplah(an der Schmidsitraße). 12 Uhr. Abmarsch Zug 26: AsA-Bund. Zentralverband der Angestellten, Butab, Deutscher Werkmeister- verband. Allgemeiner Berband der Deusichen Bankangestellten, Genossenschast deutscher Bühnenangehörigen, Berband der Zuschneider, Zuschneiderinnen und Direktricen, Polier-� Werk- und Schachtmeister- bund. Internationale- Artistenloge, Werkmeisteroerband der Schuh- industrie, Deusicher Chorsänger- und Ballettverband:. Sammelplatz: wiltelpromenabe porck- und Gneisenauskraße. Abmarsch 12 Uhr. Zug 27: Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. (Feuerwehrmänner, Kriminalbeamte usw.) Sammelplatz: Krausenslraße(Ecke Dönhosfplatz). Abmarsch 12 Uhr. Zug 28: Spandau. Sammelplatz: Lutherplah. Abmarsch 10 Uhr. Bei dieser Kundgebung dürfen Stöcke(auch Spazierstöcke) nicht mitgeführt werden. Bon der gesamten organisierten Arbeiterschaft wird verlangt, daß sie für die Maikundgebung regste Propaganda macht.» Allgmeilln fielet MgeMMM Mgnnelvei Seutffljet BeaaMntKi Memelm LeMei föeroeitliMDunö Oitskartell Berlin. Ortsausschuß Berlin. Ortsausschuh Berlin. parieiveranstaltungen heute am iJlai Ansprachen und künstlerische Veranstaltungen nachmittags und abendS: Witte: In den Gesamträumen des Gewerkschastshause», Engel» user 24/25. Tiergarten: In den Gesamträumen des Map, All-Moabit, Eingang Invalidenstraße. Wedding: Pharussäl«, Müllerstraße 142, Patzenhofer Ausschank, Chausseestraße 68. Prenzlauer Berg und Frledrlchshain: Saalbau Friedrichshain, Alle Taverne, Alt-Stralau. Arbeitslose Genossinnen und Genosien haben gegen Lorzeigung des Mitgliedsbuches und der Arbeits losen karte treten Eintritt. Kreuzberg: Bockbrauerei, Fidicinstraße 2/3. Charloltenburg: Spandauer Bock, Am Spandauer Berg. Spandau: Etablisiement Karlslust m Hakenfelde. Siemenssladt: Lokal Weidner, Eternseld. Staaken: Lokal Wolff, Spandauer Straße. Cladow a. d. Havel: Gasthaus Bäumann. Wilmersdorf: Viktoriagarten, Wilhelmsau« 113/114. Zehlendorf: Lokal Lindenpark. Dahlem: Lokal Backe, Verlängerte Königin-Lusien�traße, nebe« den Schützenschießständen. Schöneberg: Schloßbrauerei, Haupsitraß« 122/123. Steglitz. Lankwitz. Lichterselde: Gemeindehalle in Lankwitz. Tempelhos: Seebad Mariendorf, Burggrafenstraße 3. Reukölln: Neu« Well, Hasenheide. Brih-Buckow: 4 bis 6 Uhr Umzug durch die Straßen von Britz. Schlußkundgebung am Stubenrouchring. Treplow: Lokal Nisichke, Am Treptower Park 26. Baumschulenweg: Spreeschloß. Falkenberg b. Grünau. All-Gllenicke. Bohnsdorf: Gemeinschafts» Haus, Gut Falkenberg. Riederjchöneweide. Oberschöneweide, Adlershof: Lokal Kyffhäuser, NieSerichöneweide, Berliner Straße 91. Johannisthal: Lokal Bürgergarten, Parkstraße 26. Köpenick: Stadttheater, Wilhehnplatz. Friedrichshagen: Schröders Gefellschaftshous. Lichtenberg: Lokal Schcmert(Inhaber Ernst Rehnelt), Stralau, Kynaststraße. Sarlshorst: Deusiches Haus, Stolzenfelsstraße. wahlsdors: Lokal Anders, Bahnhofftraße 37. Biesdorf: Schillersäle, Königstraße 120. Kaulsdorf. Kaulsdorf-Süd, Mahlsdorf-Süd: Sanssouci, Kaulsdorf- Süd, Moltkestraße. Weißensee: Stadthalle, Pistoriusstraße 23. Falkenberg b. weißensee: Lokal Westphal, Dorfstraße 16. Hohenschönhausen: Lokal Korn, Berliner Straße 93. Pankow: Lokal Bürgerpark. Blankenburg: Klug, Dorfstraße 2. Buch: Lokal Göpfert, am Bahnhof. Reinickendorf-Ost: Lokal Schützenhaus, Residenzstraße 1. Reinikendors-wesl: Hartmanns Brauerei, Schorn websrstr. 104. hermsdors: Lokal Hundsdörfer, Bismarckstraße 70/71. Rosenlhol: Lokal Schneider, Haupsitroßc. Ansprachen hallen: Friedrick? Bartels, Clara Bohm-Schuch, Nobert Breuer, Karl Bublitz, Artur Crispjen, Albert Falkenberg, Postor Francke, Erich Fraenkel, Dr. Alfred Freund, Gertrud Hanna, Hermann Harnisch, Johannes Haß, Dr. Hertz,'Karl Hetzschold, Max Heydcmann, Adolph Hosfmann, Albert Horlitz, Hanns Kamm, Franz Künstler, Erich Kuttner. Karl Leid, Hermann Lempert, Heinrich Löfsier, Dr. Richard Lohmann, Dr. Kurt Löwensteiii, Paul-Mielitz, Dr. Carl Mierendorfs, Dr. Julius Moses, Dr. Ostrowski, Waldemar von Puttkamer, Ernst Rüben, Alexander Stein, Marlin Stein, Franz Stimmig, Hedwig Wachenheim, Eduard Zachcrt. \ Heinrich lPii?€SStIClli.Söhne g.Td Sport. Reaaea zu Sarlshorst, am Souuabead. dem 30. April. 1. Rennen, t ffiuftel(Kohoutey. 2. Balan(Wuist), 3. Treuhirz (©euer). Toto; 16:10. Platz: 11, 14. 23: 10. ferner Uesen: Mirabelle, Oberjäger, Karneval II. Tasso II, Berschwiegenhell, Lydia, Trutztn. 2. R e n n e n. 1. Flamberg(Echnitzer), 2. Weilerbexe lVicbig). Z. Laus (v. Loicke). Toto: 17:10. Platz: 10: 10. Ferner Uesen: Herzog. Peredur. ». Rennen. 1. Blumberg(Hauser), 2. Maestoso Matä Z. Enzian (Einfinger). Tolo: 12: 10. Platz: 13, 16: 10. Fenrer lies: Mohn. 4. Nenne«. 1. Raubritter(Ackermann), l SM(Moritz), 8. yarn atz (Durst). Tolo: 33: 10. Platz: 11, IS, 11: 10. Ferner Uesen: Sluumrer Teusel, Fried chen, Hllariu«, Leander. 6. Rennen 1. Rubel(Kränzlein), 2. Rücksicht(Durst), 3. Ondina (Einfinger). Toto: 74:10. Platz: 23, 17, 64: 10. Ferner Uesen: Teisi, Malcparw», AmarhlliS, PromelheuZ, Brigant, Alexander der Srotze. ».Rennen. 1. Pommer(Hoffmanns, 2. Reifende Frucht(Manchen), 3. Ouednau(Moritzs. Toto: 62: 10. Platz: 25, 21. 27: 10. Ferner Uesen: Grill«, Jllderim, Dau, Tuberose, Mandarine, Primadonna II, Thean». 7. R e n n e n. 1. Cardinal Fl(v. Borcke), 2. Mainberg(Zchnitzrr). 8. Tor U Quinta(««es). Tot»: S1: 10. Platz> 11, 12, 17: 10. Ferna liesen: Champagner, tzarzreije, Hexenmeister, Tursball, MSro», Misia. .Züas Trümpfe" ans der Olympia-Rodrenabahi». Am heutigen Sonntag, dem 1. Mai, wird daZ erste 100.Kilometer-Dauer- rennen über den Zement der Olympia-Bahn rollen. Dieses Rennen, belitelt.Fllns Trümpfe", wird in zwei Läusen über SO Kilometer auSge. fahren. Die Besetzung des Rennens ist ausgezeichnet. Am Start er- scheinen; Leddy. Holland, Lewanow, Sawall, Rosellen. F e j a. Auch die Fliegerrennen der ProsessionalS weisen eine gute internationale Besetzung aus. Die Amateure schicken 23 Berliner Fahrer. Rennbeginn 4 Uhr. 1 W »RZ.N Nach kuriem, schwerem Leiden ver- schied am 2S April im«7 Leden». jähre mein herzeneguter Man», der Buchbinder Nermann Krause Sorauer Straß, 13 Bit Trauerfeier findet am Ritt- wach nachm 5', Uhr, Im tlrema- lorimn Baumschule!. weg statt. Vir»« V. Ar»»»«. ng ellnahme bei der vaatsal Für die herzliche l Einäscherung meine» Schwiegervater», de, Daftwirie»«all filMNU. spreche ich allen Berwandten, Bekannten und Freunden, sowie dem Redner de» Berein» der Freldenter kür Feuerbe» fta'tung und den Genossen der 41. Abt. ». SPD. meinen herzlichsten Dank au». Am Namen der trauernden Hinter- dUedenen Frau Aua«»anbt. » e r 1 i n, den 30 Avrii 1S.>7. Unserem veräiqnten(Zenossen Max Barulh zur 25 JShrliJcn Parleimilglledtcbafl die | herzlichsten Glückwünsche. � SPD. 70. Abteilung «»»ssss r'' Zum 30 jähr. ParteijubUSnm unserem verdienten Genossen I'rttz prouü Vllmeri!izzK iv Klempner in Berlin. Aetan-etmachuno. Die Wtzr vom.____________._ I Aenderunz«rfoiate fUr die Paragraphen Satzung. A und 43 der Druckfiiick- der Aenderunz find ob S. Mai lüM Im Lasse» lokal erhältlich. Für hie näheren Auefllhrunasbestlm. münze« verweise» wir auf da» de, Herren Arbeitgebern zugesandt, Rund- schreiben. Der«»rstand der OrtÄrantenIaff« der glenlpnr« »» Berlin. Hermann ßlegler, Borfitzender. Aibert Häppner, Echristsührer. A0* bilis SnSLlaslei epptäie MM, ilieitlolle Eine Anzalil ICPpidlC Dlmn- and Zisüdeiken mit Fehlern Deoiides TeamflUaak Gr* m, b. Ha Seil 1832 nnr Beriin 1___ oranieiKlr. 158 Wir fiaöee keine Filialen! SMZjÄWkoslenioi Teppiche Tor der PrelieritOIinnä v. 2. Mal bis 1. 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Weltfeiertag. Ein Groszstadtmärchen von Bruno Schönlank. Frau Berlin reibt sich den Schlaf aus den Augen. Ratter, ralter— ging ein Marktfuhrwerk durch die Straßen. So. nun wird wohl gleich die Straßenbahn kommen. Ach, könnt' ich noch ein Stündchen schlafen! Doch die Pflicht, die Pflicht! Und sie gähnt und sie streckt sich: hallo, setzt wird es aber Zeit. Wo bleibt denn die Hochbahn, wo die Elektrische? Das ist ja einfach eine Bummelei. haha, hihi, kommt es aus den großen Bahnhöfen. Du hast wohl keinen Kalender? heute ist der 1. Mai. In den Parks Mitschern die Vögel, die Spatzen pfeifen: Feiertag, Weltfeiertag! Denn die mußten es ja wisten, weil die Kinder schon den Tag vorher von ihren roten Schleifen und Schärpen gesprochen hatten.— In den großen Fabriken und Werkstätten war es so still, als ob sie nicht muh sagen könnten und dabei lärmten sie doch sonst so, daß man sein eigenes Wort nicht oerstehen kann.—... Und die Wecker, die alle morgen rastel, raflel gingen, waren überhaupt nicht aufgezogen. Und die Sirenen, die hui hui, auf auf. hinein hinein pfiffen, konnten heute ihren Atem svaren.— Nein, heute war Feiertag, Feiertag auf der ganzen Erde.-- Frau Berlin lächelte in sich hinein, daß sie nicht gleich daran gedacht hat. Das wird eine Freude werden. Ihre Kinder, die lieben Kinder mit roten Schleichen auf Straßen und Plätzen, all die kleinen und großen Kinder feiern heut« den Tag der Arbeit mit ihren Eltern. Und Musik, Musik würde fein und das Lied der Völkerverbrüderung würde klingen! Ja, der 1. Mai! In den Häusern wird es lebendig, die Straßen werden belebt und immer belebter und Fahnen wehen im Wind und Züge bilden sich und immer mehr Züge und olle streben sie nach dem Schloßplatz. Frau Berlin freut sich und kann sich kaum fasten. Sie muß sich unterhalten,„hallo, hallo!" ruft sie,„guten Morgen, Schwester Wien!"„Servus, Servus, herrliches Wetter. Ach, Menschen sind hier auf den Straßen, sage ich dir, ich kann überhaupt das Pflaster nicht mehr sehen." Frau Berlin übertreibt gern:„Aber hier, schau her, sind soviel Massen, da kann keine Stecknadel mehr hinfallen, und gesungen wird, gelungen!"„Bon jonr. don janr", das heißt: Guten Tag, mischt sich Pari» ein.„Erster Mai. erster Mai" jubelt Lon- don. hell flattern rote Fahnen, hallo. Stockholm, Kopen- Hagen, Petersburg, Moskau.— Brrr, hier schneit es, aber die Menschen sind so froh, alle singen das Lied der Arbeit, das klingt in allen Sprachen zusammen. Buenos Aires, Rio de Janeiro— Gott, wird das eine Unterhaltung!„Schreckliche Hitze hier, aber rote Fahnen."— Gesang,'Gesang.„Wie sagtest du, Base Berlin?"„Etwas eingemachte Hitze nach Petersburg senden?"„Wende dich an New Port, die ver- sendet Hitzewellen."„Keine faulen Witze."„Nein, diese Frau Berlin!"„hallo, hier Leipzig, hier Bordeaux, nein, das ist ja eine wahre Geographiestunde, hier Buxtehude."„Na, du kleine Base?"„Was? Da kommt doch und sieht: die ganze Stadt auf den Beinen!"„hier Zella-Mehlis. Aber bei uns erst!" Langenbielau, ach, jetzt kommen auch die Dörfer. Alle strahlen, alle erzählen. Das ist eine Unterhaltung! Das schwirrt und klingt und jubelt: Weltfeiertag, Weltfeiertag! Tag der Schaffenden! Tag. der kämpfenden Arbeit! Und das dröhnt auf den Straßen und das singt in einem großen .Chor:„Erster Mai, erster Mai!" Das Jest öer Rebellen. von Felix Fechenbach. Aebellenl Ein Schauer läuft dem braven Bürger über den Rücken, hört et dies Wort. Rebellen sind ihm Störer feiner Ruh« und Bshag. lichkeit. Umstürzler, höchst unbequeme Gesellen. Wir aber sind Rebellenl Stolz und frei bekennen wir's. Rebellen gegen Alte» und Morsche». Rebellen gegen Ausbeutung und Unfreiheit! Rebellen gegen Willkür und Klassenherrschaft der Möchtigenl Ja, w'r sind Rebellenl Ungestüm rennen wir an gegen eine profitsüchtige, rastgierig« Welt du Arbeitssklaoerej und Unkultur. In helliger Empörung mW AWlmömtag WWM gegen entmenschte» Gestern und heute kämpfen wir mit leidenschaft- schaftlicher h.ngabe für ein freies, menschenwürdiges Morgen. Empörer sind wir!. Dreihundertvierundsechzig Tage im Jahr sind im Kalender der herrschenden eingeteilt in Arbeitstage und Feiertage, nach ihrem Willen. E i n Tag gehört uns, uns ganz allein, aus eigenem Recht: Der 1. Mail In jahrzehntelangem Ringen haben wir uns diesen Rebellen- feiertag ertrotzt. Kundgebung ist er uns von Anfang an für den Achtftundeiitag. für Arbeiterschutz und für den Bölkerfrteden. Bekenntnis zum Klassenkampf des Proletariats. Manifestation des festen Willens der Arbeiterklasse, durch soziale Umgestaltung die Klassenunterschiede zu beseitigen und so den ein» zigen Weg zu betreten, der zum Frieden innerhalb jedes Volkes wie zum internationalen Frieden führt. heiliges Gelöbnis ist uns dieser Tag zum Kampf für die solidarische Gesellschaft freier Menschen. Bekenntnis zu den Ideen des Sozialismus. » E i n Feiertag, e i n Festtag Im Jahr, der uns in einem Gedanken verbindet über alle Grenzpfähle hinweg mit den getretenen, mit den kämpfenden Arbeltern der ganzen Welt. „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!" An keinem andern Tag ist dieser Kampfruf de» Kommunistischen Manifestes so lebendig, wie am 1. Mai. Da» Bewußtsein von der internationalen Verbundenheit aller Schastenden ist nie mächtiger, als an diesem Tag. Festlich wollen wir den Rebellenfeiertag begehen, denn unser Tag ist's. Nicht auf Tanzböden und bei Volksbelustigungen. hinausheben wollen wir uns über die Vergnügungen der Gedanken- losen. Ein Vorerleben künftigen Werdens fei unser Fest. Freudig tragen wir unser rotes Banner der Sonn« entgegen. Dieses Banner verpflichtet! Taufende haben darum gelitten, Millionen dafür gekämpft. Und die es heute tragen, haben ein heiliges Erbe übernommen, eine hohe Aufgabe zu erfüllen. Vorwärts wollen wir unsere Rebellenfahne tragen. Vorwärts und aufwärts! Und kämpfend tragen wir sie, bis wir mit ihr durch die Tore der Freiheit einziehen! Rot ist unsere Fahne, blutig rot. Aber nicht Farbe brutaler Gewalt ist uns dies Rot. Rot ist uns Symbol des Lebens. Ein jubelndes Fanal des Lebens und der Freiheit fei uns die rote Fahne. Als Sinnbild sozialistischen Kampfzieles wehe sie über uns. » Uns gehört die Straße am 1. Mai. Millionen schaffender Männer und Frauen schreiten festlich ge- stimmt dem roten Banner nach. Wir zählen unsere Kraft, wir wissen, wie stark wir sind, wir fühlten die Millionen Herzen, die für unsere Ideen schlagen. Und neuer Kampfeswille durchglüht uns. Das Bewußtsein unserer Kraft richtet gebeugte Rücken auf, jagt das Blut stürmischer durch die Adern, läßt Stirnen stolzer und freier sich erheben. Und ist's nur an diesem einen Tag, am Rebellenfeiertag so? Wissen wir nicht immer, Tag für Tag um die Not unserer Brüder und Schwestern diesseits und jenseits der Grenzpfähle? Wissen wir nicht an Werkeltagen um die Kämpfe der Millionen Schaffender in allen Ländern? Doch wir wissen darum. Aber heute ist dies Wissen lebendiger, tlutvoller, feierlicher. Und dies Bewußtsein, diese Feierstiminung, wollen wir uns hinüberretten aus unserem Festtag ins Grau der Werkeltage und nicht ersticken lassen im Staub des Alltags. Das Bekenntnis zum Sozialismus ist kein Feiertagstleid, das man einmal im Jahr anlegt, um es am nächsten Tag wieder in den Schrank zu hängen. I n u ns muß der Sozialismus leben, in uns die heilige Flamme der Empörung glühen gegen die Welt der Ausbeutung und Unter- drückung. Und erneutes Bekenntnis zum Kampf gegen dies« Welt ist uns der Rebellenfeiertag. Reuen Siegesglauben und frische Kraft für die kommenden Kämpfe schöpfen wir aus dem Erlebnis dieses Tages. Ein Fest fei uns der 1. Mar. Kampfeswille für die Ziele des Sozialismus machen ihn zum proletarischen, zum revolutionären Fest.. Fest und Kampf zugleich, kampfdurchglühtes Fest, das ist unser Rebellenfeienag! Der I.Mai im Lichte öer SoZialhpgiene. Bon Dr. med. Alfred Korach. Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Muß« und acht Stunden Schlaf!— So lauten die altehrwürdigen For. derungen der Arbeiterschaft, die sie alljährlich zum ersten Mai immer wieder laut und vernehmlich der Welt verkündet. Die feste Verankerung des Achtstundentages ist nicht nur ein sozialistisches oder ein gewerkschaftliches Ziel. Gerade auch vom sozialhygienischen Standpunkt aus bedeutet eine strikte Durchführung der achrstündigen Arbeitszeit in den Betrieben un- endlich viel mehr als tausenderlei, was auf dem Gebiete der Gesund- heitsjürsorge und der Krankenversorgung geschieht. Ist doch der Achtstundentag ganz zweifellos eins der allernotwendigsten Vor- beugungsmittel gegen die übermäßige Inanspruchnahme der Körper. kräste, gegen Krankheiten, Siechtum und frühen Tod. So nimmt es denn nicht wunder, daß die Forderung des Acht» stundsntage» zuerst nicht etwa von gewerkschaftlicher oder Partei» sozialistischer Seite erhoben wurde, sondern von einem Arzt, dem ausgezeichneten BerNner Kliniker und hygicniker hu feland. Es entbehrt auch nicht des Interesses, daß dieser Mann, der sich so warm und vernehmlich für die Durchfühnmg des AchlstundStttages einsetzte, ein Buch geschrieben hat, in dem er über„Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern", auch heute noch sehr beachtliche Ratschläge erteilte und insbesondere aus die Bedeutung einer ge- regelten Arbeitszeit für die voraussichtliche durchschnittliche Lebens-� bau er der Arbeiterschaft hinwies. Ob auch heute huseland an seiner alten Forderung festhalten würde? Ganz gewiß. Aber er würde sicherlich— ebenso wie viele heute lebende hygienikcr, Sozialpolitiker, Gewerkschaftler und Volkswirte— über sie hinausgehend mancherlei mehr verlangen. R>-Ht nur die so dringend notwendige verkürzte Arbeitszeit für die S'Wverarbeiter, die unter Tage schaffen müssen. Nicht nur für diejenigen, die in besonder» gesundheitsgesührlichen Betrieben arbei- tcn, namentlich in verschiedenen Zweigen der chemischen Industrie, Nicht nur für Frauen und Jugendlich«, die im Arbeitsprozeß stehen. Hufeland wäre— nach seiner ganzen Einstellung— heut- zutage sicherlich einer der eifrigsten Befürworter der 4S-Stund«n- Arbeitswoche und eines Wochenendes, das die breiten Massen der Bevölkerung in die freie Natur führt. Di« industriell« Entwicklung, die Steigerung des Tempos im Arbeitsprozeß und im Verkehr, die ständig sich aus- breitende Körperkulturbewegung und die zwar noch lang. fam, aber dennoch merklich und unaushaltjam wachsende Wert- schätzung einer planmäßigen Gesundheitspflege— alle diese Erschei- nungen und Strömungen drängen zu einer weiteren Ergänzung der alten Matsordenigen. Ein freies Wochenende gilt es zu sichernl Der arbeitend« Städter muß zum Wvchenschluß hinaus aus seiner„Tret- mühle". Er muß zeitweilig hinweg aus seiner ihn umgebenden Umwelt, hinein in ein anderes Milieu, aus der Stadtluft in die Landluft, vom Grauen ins Grün«, vom Asphalt aus die Wiese, aus dem Lärm der Großstadt nach ruhigen, ländlichen Gesilden. Doch nicht nur seine Alltagsumwelt soll er auf anderthalb Tage meiden und sich draußen in der freien Natur, in Licht und Luft er- gehen. Die Neroenanspannung der Großstadtbevölkerung, die bei aft und juny heutzutage nur allzu leicht in eine übermäßige nerväfe Gereiztheit übergeht, ist bestimmt nicht allein au! Mängel der Woh- nung oder Ernährung oder aus Kummer und Sorge des einzelnen Mersschen zurückzufuhren. Der Rhythmus der Großstädte verlangt rebielerlsch«ine sich regelmäßig wiederholende, nicht zu kurze Pause. Um diese zu erhalten, um in regelmäßigen Abständen in den sausen. den Rhythmus des Eroßstadtlebens anderthalb Tage der Gemächlich- keit einzuschalten, ist das Wochenende wie gefchassen. E» ist auch wahrscheinlich kein Zufall, daß in Deutschland nicht in den rheinischen Industriegegenden, sondern in Berlin mit seinem besonders stark ausgeprägten, schüttelhasten Rhythmus die Wochenendbewegung mit einer geradezu hinreißenden Gewalt eingesetzt hat und mit einer windesartigen Geschwindigkeit sich sortbewegt. Achtstundentag, 45-Stunden»Woche und ein gesichertes Wochenende für alle Werktätigen— diese wahrhaft sozialhygienischen Forderungen, die der heutigen Ge- stalt der ökonomischen Entwicklung und sozialistischer Denkart Rech- nung tragen, möge man am 1. Mai festen Sinnes überall laut ver- künden! plötzlich geht einKinö mehr im Zuge... Von Trude E. Schulz. Wer weiß, was Sonne ist? Nur die armen Leute, die in engen, grauen, schmutzigen Straßen wohnen, und die den Sommer am sichersten daran kennen, daß sie in ungeheizten Stuben nicht mehr frieren. Der Reiche hat Wärme, wo und wann er sie begehrt. Er kann sich die Jahreszeit wünschen, in der er leben will. Der Winter in Aegypten, der Sommer in Spitzbergen oder auf den höchsten Mpengipfeln verschiebt leben Begriff, den man gemeinhin mit Sommer und Winter verbindet. Die Sonn«, die lächelnde, blanke chimmelsscheibe, glänzt über dem sommerlichen Schnee wie über der winterlichen Bllltenpracht als selbstverständlicher Reisekomfort, von dem man ebenso wenig besonders Notiz nimmt wie von dem fließenden kalten und warmen Wasser in den Hotelzimmern. Aber der Arme, der selten die lebenspendende Nähe dieses De- stirns spürt, jubelt ihm entgegen, macht ihm Komplimente, sagt „Siebe Sonne", wenn er sie begrüßt. Arme Leute, die an einem Sonntag, an einem seltenen Ferientag zu ihr gehen, tun es mit glänzenden, glückoollen Gesichtern, feiertäglich in Schritt und Hol- tung. Das seltene Wunder Sonne macht die armen, blutleeren Ar- beitsmaschinen zu frohen, erlebnisreichen Menschen. Am 1. Mai zieht so«ine große Schar festtäglich gestimmter durch die Stadt, hinaus ins Freie. Schon im Dillenvorort sagt man der Sonne„Guten Tag". Die Schritte klappen ht fröhlichem Rhythmus auf dem autoblanten Asphalt, Köpfe recken sich in die Höhe, Augen, ooin Arbeitsstaub und vom grellen Schein künstlichen Lichts ent- zündet, blicken wieder klar und hell. In einem Garten, der mit sorgfältig gepflegten Blumenbeeten und gelben Kieswegen selbstzufrieden daliegt, ist ein kleme« Mädchen beschäftigt, aus viereckigen, papierbeklebten Würfeln em Bild zu- sammenzusetzen. Es hat das Spiel von seiner englischen Kinder- Pflegerin bekommen, der frommen Tochter eines Sektenpredigers, die trotz ihrer weißen Tracht immer so einherschreitet, als umhülle sie die Nebel- und Regenatmosphäre ihrer Heimat. Das Kind liebt sie nicht, und es liebt auch das Spiel nicht, das von ihr stammt, und das in sechs verschiedenen Bildern einen Schutzengel bei seiner Tagesarbcit zeigt. Aber in diesen Bildern sind die Farbplatten beim Druck ungenau llbereinandergeschoben worden, und der Schutz- enget hat dadurch jedesmal ein seltsam verbissenes, grimmiges Ge- sicht bekommen. Die Kleine findet, daß er in seinem weißen Kleide eine erstaunliche Aehnlichkeit mit ihrer Miß hat, und bei dem lang- weiligen Zusammenstellen der Klötzchen erfüllt sie regelmäßig eine vergnügte Schadenfreude über so vollkommene Häßlichkeit. In ihre vertiefte Beschäftigung fällt Gesang, laut und froh. Man muß sehen, woher er kommt. Aber ehe das Kind am Gitter ist, flattert schon roter Widerschein über den grünen Rasen, und draußen zieht es vorbei, Männer, Frauen, ein singendes, von flam- mend roten Fahnen überkrontes Heer. Ganz zuletzt Kinder, Mäd- chchr mit roten, dünnen Papierkränzchen im Haar, Knaben, die kleine rote Fahnen schwingen. Und plötzlich geht em Kind mehr im Zuge, festlich weiß ge- kleidet. Warum war die Miß gerade im Hause? Warum suchte sie ihre Schutzbefohlene denn an allen möglichen Orten und kam doch nicht auf den Gedanken, daß ein großes, fröhliches Heer von Arbeiterkindern ein scheues, verwöhntes Herrschaftskind mit sich locken kann? Niemand hält den Zug aus. Niemand vermutet da» Kind hier. Di« Kleine marschiert tapfer mit, stimmt in den Gesang ein, besten Worte sie nicht oersteht und die sie daher durch willkürliche Silben ersetzt. Nur ein Wort, das oft wiederkehrt, fängt sie ein, und es wird ihr schließlich der Text zu allen Liedern. „Genosten," singt sie,„Genosten, Geno-hoh-ßen!" Sie weiß nicht, was man unter dem Worte versteht. Aber sie hat ihm schon einen Sinn gegeben. Dieses Marschieren in der Sonne, rechts und links die Hönde von ernsthaften Kinderfäusten gepackt, diese Fülle lachender Gesichter, das festliche Rot des Fahnen- meers in der Luft, alles das singt sie in das Wort„Genosten" hinein. Und damit hat die Kleine es doch eigentlich schon richtig begriffen. Es ist herrlich, als Kind unter Kindern zu sein, die alle fröh- lich sikld, von denen sich kein» in eigensinniger Wut auf die Erde wirft, oder weint, weil es eine Sache haben wifl, die ein andere» in den Händen hält, es ist herrlich, einfach dazusein, ohne immer durch die spitze, kalte Stimme der Miß daran erinnert zu werden. Die klein« Ordnerin, das sechzehnjährige Fabrikmädel, spricht so gut und sanft, als lebe sie immer in solchem heiteren Kinder- kreise und sähe nicht täglich acht Stunden im grellen elektrischen Licht am Fabriktisch, um Eisenecken nach Größe und Qualität zu sortieren. Sie ist lungenkrank und wird nicht sehr alt werden. Aber jetzt haben die Sonne und die ftohe Aufregung ein leichtes Rot aul ihr Gesicht gezaubert, und sie sieht gesund und schön aus. Die Kleine ohne Kranz im Haar ist ihr schon aufgefallen, und da sie glaubte, daß das Kind seinen Festschmuck verloren habe, brachte sie ihm einen anderen. Dafür liebt die Kleine sie, und sie hätte sie gewiß sogar umarmt, wenn man ihr nicht schon längst beigebracht hätte, daß solche Gefühlsäußerungen für ein wohlerzogenes Kind durchaus unstatthaft seien Man ist„draußen". Im Wald, zwischen den Kiesernstämmen Die Kinder packen aus, Brot, und hie und da auch einen Apfel. und fangen an zu esten Nein, die Kleine hat nichts mit. Die Ordnerin fragt, ob die Eltern im Zuge seien Nein sicher nicht. Sie heißt Ellen und wohnt dort hinten.— Das schafft ihr aber alles noch nichts zu esten. Ein Kind begrüßt sie und will mit ihr teilen. Doch da hat sie schon etwas von der Ordnerin bekommen: Margarinebrot mit Rotwurst und einen halben Apfel. In dem Küchenzettel, den der Hausarzt für sie aufgestellt hat, steht zwar nichts von Margarine und Rotwurst, und der Apfel ist wohl auch nicht von vorschrifts- mäßiger Qualität. Aber der lange Marsch hat Hunger gebracht und alles schmeckt wundervoll. Die kleine Bekannte ist die Tochter vom Gärtner, die eigentlich gar nicht da sein sollte. Denn für die Dillo wurde ein verheirateter, kinderloser Gärtner-Portier gesucht. Aber nach zwei Iahren war der verheiratete Gärtner-Portier nicht mehr kinderlos. Man gestand ihm schließlich, da er ein tüchtiger Arbeiter war, die eine Tochter zu, warnte ihn aber vor weiteren Uebertretungen, die unweigerlich seine Entlassung zur Folg« haben würden. Es blieb also bei der einen, die Grete hieß und für die„Herrschaft" nach Möglichkeit unsichtbar gehalten wurde. Grete stattete ihren Eltern, die m der Gruppe der Er- wachsenen saßen,«inen Besuch ab und berichtete die Neuigkeit: „Ellen ist auch da."„So." Die Mutter tonnt« der Mitteilung durchaus keine Wichtigkeit beimessen, da sie naiürlich keine Ahnung hatte, welche Ellen auch da war.„Dann spielt nur schön." Aber als sie erfuhr, daß Ellen kein Brot mitgehabt hatte, wollte sie das arme Kind sehen, um ibm doch etwas zu esten zu geben. Ellen lernte gerade von einem Jungen, wie man pfeifen kann, wenn man zwei Finger in den Mund steckt. Die Fünfjährige zeigie sich sehr gelehrig. Da hotte sie Grete:„Du kriegst«inen Bonbon von meiner Mutter." Das war auch sehr verlockend, und Ellen oerschob die Vervollkommnung ihrer Pfeiftechnik auf später und ging mit. Nein, dies« Ellen hatte Gretes Mutter nicht erwartet. Sie begriff nur langsam, wie sie in den festlichen Proletarierzug hinein- gekommen war. Dann beriet sie sich mit ihrem Mann. Er würde sich also gleich mit Ellen aufmachen und sie nach Hause bringen. Da gab es bittere Tränen.„Es ist hier so schön und alle sind so lieb." Das Kind wollte durchaus nicht fort. Man fand einen Ausweg. Der Mann telephonierte von einem nicht allzu fernen Gasthaus. Ellen fei mitgelaufen Mai feiern. Erst im Wold hätte man sie entdeckt. Das Auto solle man nicht schicken, hier sei man durckaus abseits von der Straße und der Weg sei nicht gut zu beschreiben. Laufen könne das Kind auch nicht, es sei müde. In einer halben Stunde kämen aber Kremser, die ganze Gesellschaft abzuholen. Da käme dann Ellen mit. Ellen mußte also notgedrungen noch bleiben und durfte schtteß- lich im festlich geschmückten Kremser heimfahren. An der Sammelstelle löste sich der Zug auf. Ellen war einge- schlafen. Der Gärtner nohm das Kind auf den Arm. „Genossen, Geno-hoß-ßen" sang sie im Traum und sah sehr glücklich aus. Der Gärtner lächelte seiner Frau zu, die die kleine Grete an der Hand führte: „Wer weiß, vielleicht wird siel Unser Fest vergißt sie sicher nicht. Kann sein, daß sie später einmal auch im Alltag zu uns kommt." ?m tzaupttelegraphenamt. Erinnerung aus den Revolutionstagen von Luise kauksky. Im Sybillenverlag in Dresden ist ein Buch erschienen, als dessen Verfasser ein Herr Bruno Manuel zeichnet.") Den Titel„Nackte Tatsachen" entnimmt er jenem launigen Ausspruch, den Adolph Hofsmann einmal getan, als er nach einer feurigen Rede der be- kannten Kommunistin Ruth Fischer(den Wienern noch bekannter unter dem Namen Elfriede Friedländer) zu Worte kommen sollte. Ruth Fischer hatte wie gewöhnlich nicht nur ihre Gesinnung, sondern auch einige ihrer Reize schonungslos enthüllt, denn in der Hitze des Gefechts war ihr die lose Zunge aus- und die lose Bluse weit über die Schulter herabgerustcht. Worauf sich Adolph Hoflmann unter dem verständnisvollen Beifall der Versammlung auf die trockene Erklärung beschränkte:„Diesen nackten Tatsachen habe ich nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen." Als Motto benützt der Versaster einen Ausspruch von Kerr: »Die Kunstform der Zukunft heißt: Anekdote(für die nächsten zwei Jahrtausende todsicher)." Und der Untertitel des Buches lautet: „Anekdoten aus einer jungen Republik. Kleine Geschichten von großen Männern." Da mich dieser Untertitel lockt«, so nahm ich nnt einiger Spannung das Buch zur Hand. Wie' erstaunte ich. als ich entdeckt«, daß der erste große Mann, den Herr Manuel beim Wickel hat. meine Wenigkeit ist. Wahrlich, in meinen kühnsten Träumen hätte ich nie gewagt, mich den großen Männern zuzuzählen! Die Anekdote, die er von mir zum besten gibt, lautet folgendermaßen: „Endlich kam die Revolution. Auf Filzpantoffeln... aber immerhin. Berlin sah Panzerautos, Matrosen, rote Fahnen und verlor sein Herz in Heidelberg... Beim ersten Schreckschuß wollt« ein ungarischer Journalist die Neuheit seinem Blatte melden. Er nahm den Hörer und oerlangte: Budapest! Das Fernamt, schon revo- lutionär gerötet, rief:„Auf Befehl des Arbctter, und Soldatenrates I lpie Verbindung wird nicht hergestellt!" Der' neue Ton peitschte den Ungarn auf das Haupttelegraphen- amt, Budapest kämpfend zu erobern. Wer war hier erblüht: Der Arbeiter- und Soldatenrat I Heißen Herzens oerlangte der Journalist den Obersten der Räte zu sprechen. Und wurde vorgelassen. Wem war dieses revolutionäre Amt übertragen? Kautskys bessererHälfte! *) Der„Vorwärts" hat schon vor einiger Zett im Feuületvnteil «tu« Anekdote daraus abgedruckt. Frau Kautsky stempette emsig Briefe. Und dieweil sie stempelt«, telephonierte sie, den Hörer zwischen Ohr und Schulter: „Also Martha— Martha! Sind Sie noch dort? Hörst Sie ma? Das Fleisch müssen Sie braten. Nicht kochen. Braten! Vastehn Sie? Weil es schneller geht... Martha! Is der Junge da?... Ja, soll'rankommcn... Bist du's? Hör ma. Junge... Nein, ich komm« nich... Entsetzlich viel... Na ja..." Sellen Hab' ich noch so gelacht, als beim Lesen dieser Zeilen, die von dem Rechte der Anekdote, wenn auch nicht ganz wahr, so doch mehr oder weniger gut erfunden zu sein ausgiebigsten und wie ich gleich zeigen werde, unverschämtesten Gebrauch machen. Denn erstens gab's im Haupttelegraphenamt immer nur Tele- gramme, niemals Briefe zu stempeln. Zweitens hat mich in den vielen Jahren meines Berliner Aufenthalts wohl keiner msiner zahlreichen Bekannten je ein Wort Berlinerisch sprechen hören, denn mein wienerischer Schnabel war für diese Laute nicht richtig gewachsen. Drittens hätte mich meine getreue Schwäbin, die auf den gut bayerischen Namen Zenzi hörte, wohl kaum verstanden, wenn ich sie norddeutsch mit Martha apostrophiert hätte. Und viertens endlich saß„der Junge", nach dem ich gefragt haben sollte, neben mir, so daß ich ihn nicht an das Telephon zu rufen brauchte. Man sieht also: soviel Zeilen, soviel anekdottsche„Irrtümer". Aber der Kern der Sache ist doch wahr und richtig, und da sich ein Stück Revolutionsgeschichte darin birgt, so werden sich vielleicht auch die Genossen dafür interessieren. Es war am 9. November 1918, als in den Wandelgängen des deutschen Reichstagsgebäudes, wo alle», was am politischen Leben iebernd Anteil nahm, versammelt war, eine erregt« Stimme nach prachkundigen Genossen rief. Nur allzu froh, mein« Kräfte zur Verfügung stellen zu dürfen, um in dieser heißen Zeit nicht tatenlos beiiette zu stehen, hiell ich sofort den Rufer an, der sich mir als ein Genosse Münster vor- stellte und mir in fliegender Eile mitteille, daß im Haupttelegraphen- amt zuverlässige Genossen unumgänglich nötig wären, die wenigstens französisch und englisch sprächen, sollte dieser eminent wichtige Posten nicht den Reaktionären in die Hände fallen. Es hätten sich schon viel« Genossen dort eingefunden, aber keiner von ihnen beherrschte die fremden Sprachen und das sei in diesem Falle unbedingt nötig, wo es gelte, alle aus dem Ausland kommen- den lind ins Ausland hinausgehenden Nachrichten zu überwachen. Freudig erbot ich mich zu dieser Arbeit, überglücklich, meine Sprach- kenntnisse verwerten zu können im Dienste der Revolution, und wurde auch sogleich mtt meinem ältesten Sohn auf ein Lastauto oerstaut, da» übervoll von wassenstarr enden Soldaten war, daß wir ' nnim tjuy TQnfH nmnren usd urepr w wßp jz�afcsnTn ffno hingen, als standen. Am Ziel angelangt, führte uns Genost« Münster in den Raum. in dem während des ganzen Krieges und bis zum Morgen des 9. November die allmächttge Zensurbehörd« gewaltet hatte und wo nun die etwa fünfzig Herren— fast lauter aktive Reserveoffiziere— tat- und ratlos herumstanden, ganz verdutzt und unwillig darüber, daß ihnen die Ereignisse den Zensorfttst so ohne viel Federlesens aus der Hand geschlagen hatten. Sie umdrängten mich und wollten durchaus ihres Amtes weiter walten. Aber eine große Anzahl von Genossen, die sich schon ganz häuslich dort niedergelassen hatte, bedeutete mir, mtt den Herren kurzen Prozeß zu machen, und mich in keine weiteren Erörterungen mit ihnen einzulassen. Der Kreis dieser Genossen bestand hauptsächlich aus USP.» Leuten(Unabhängigen) und Spartakusanhängern, aber auch einig« Mehrheitssozialdemokraten saßen einträchtig mit ihnen beisammen. Mein Führer, der Genosse Münster, den ich übrigens an diesent denkwürdigen Tage zum ersten, und zum letztenmal erblickte, zählte sich wohl zu den Spartakisten, bei denen er aus mancherlei schicksals- reichen Zickzockwegen gelandet war. Ich verlor ihn später ganz aus den Augen: meines Wissens ist er ovo der kommunistischen Flut weggeschwemmt worden. Alle anwesenden Genossen bildeten mm den Arbeiter- und Soldatenrat des Berliner Hauptel«graphenamte» und ich wurde mit Jubel von ihnen empfangen, als st« von meiner Absicht hörten, mit ihnen dort zu arbeiten, ja sie betrauten mich zu meiner Der- blüffung sogleich mtt der Leitung der Geschäfte. Do die Postler mit uns sympathisierten, so hatten sie die bisher dort beschäftigten und ihnen als Herren ausgezwungenen Offiziere im Nu und mtt Wonne ausgeschaltet. Mit einer mich in Erstaunen verfetzenden Selbstverständlichkeit lieferten mir die Beamten dos gesamte Material an einlaufenden und abzufertigenden Telegrammen ab. Fast sühtte ich mich beschämt durch so viel Vertrauen und bedrückt durch die mir so unversehens übertragene Verantwortung. Aber da gab es kein Besinnen und lein Zögern, da galt es mutig zuzufassen. Denn die Fülle der Arbeit war gewaltig. Hatte man mir doch auch vom ersten Augenblick an die Hörer der Ausloittetelephone übergeben, die von der Zensur dazu eingerichtet waren, daß ein Beamter jedes von den Berliner Korrespondenten der großen aus- ländischen Blätter geführte Gespräch mithören konnte. Emsig be- schäftigt, die Fülle der Depeschen zu sichten, deren Inhalt oft fabel- hast interessant war, wurde ich dabei jeden Augenblick durch die' angstvoll erregten Anrufe aus allen Teilen und Städten Deutsch- lands, besonders aus dem Rheinland gestört. Ueberallhin waren schon wilde Gerüchte von den Vorgängen in Berlin gedrungen, und jedermann— vor allem natürlich unsere Genossen— wollte Ge- wißheit darüber haben, was eigentlich geschehen sei. Diese schrillen Fernrufe trugen nicht wenig zur Erholung des Fiebers bei, unter dem sich die Arbeit jener Tage abwickelte. War es doch zuerst keine leichte Aufgabe für eine des Telephonierens Ungeübte, die Frager kurz zu informieren, und war mir doch anfangs die xmal wiederholte schwerfällige Formet:„Hier Arbeiter- und Soldatenrat, Haupttelegrophenamt Berlin" noch so neu und ungewohnt, daß sie mir nur mühsam und holprig über die Lippen ging. Aber das dauerte nur ein paar Stunden, und dann hatte nian sich durch die aufgezwungene automatische Wieder- holung des Berichtes bald daran gewöhnt, das, was einem selbst vor einigen Stunden unfaßbar und unglaubhaft erschienen war, den Anfragern als etwas Selbstverständliches mitzuteilen. Erleichtert wurde mir meine Tätigkeit nicht nur durch das Ent» gegenkommen aller mitarbettenden Genossen und aller dort be- schästigten Beamten und Beamtinnen, sondern auch durch die aus- nehmende Artigkeit der Berichterstatter der auswärtigen Blätter, die alle oder doch fast alle gekommen waren, um sich persönlich vor- zustellen und die sich ausnahmslos mtt Grazie und Humor in die veränderte Situation schickten. Einig« von ihnen kannte ich schon von früher, Ihre Namen sind mir allerdings entfallen bis auf einen, mit dem mich heut« npch ein freundschaftliches Band verknüpft. Es ist der Holländer W. van Blankenstein, der Korrespondent des„Nieuwen Rotterdam". sin Journalist von Weltruf, der uns in der Gesinnung sehr nahe- steht und den ich im Hause„Courant" holländischer Genossen wieder- holt getroffen hatte. Sie alle stellten sich, wie gesagt, ohne weiteres auf den Boden der Tatsachen und lieferten mir gutwillig zur Einsichtnahme ihr« Telegramme aus, die anständig und ohne Uebertreibung von den Ereignissen berichteten. Meines Erinnerns hatte ich in der ganzen Fülle nur eine einzige Tatarennachricht zu beanstanden, die be- sagte, daß in Berlin die revolutionären Arbeiter Unter den Linden mit Flammenwerfern und Tanks hantierten und schon ganze Straßenzuge in Trümmer gelegt hätten... Wie sich allerdings der phantasievoll« Budapester Reporter ver- hielt, der in der oben abgedruckten Anekdote«ine Rolle spielt, kann ich mich beim besten Willen nicht entsinnen. Mag� schon sein, daß er seinen Stolz darein setzte, der neuen Gewalt ein Schnippchen zu schlagen, was ich damals wohl kaum bemerkt haben dürfte und was wir heute nach allem, was wir in Ungarn erlebten und noch er- leben müssen, sehr begreiflich erschiene. Wie dem aber auch sei, selbst wenn er und sein witzig sein wollender Interpret, Herr Bruno Manuel, von der dichterischen Freiheit, sich nicht streng an die Wahrheit zu halten, einen etwas ausgiebigen Gebrauch gemacht hätten, so bin ich ihnen darob doch nicht im geringsten gram. Im Gegenteil. Haben wir doch ihre kleinen Bosheiten— oder sind es mehr Lausbübereien?— eine halbvergessene Episode aus meinem Leben wieder ins Gedächtnis zurückgerufen, die weder zu den un- interessanten gehött, noch deren ich mich irgendwie zu schämen brauche. Für mich liegt über diesem Erlebnis der ganze Schimmer einer Revolutionsromantik, die nur allzu rasch oerblassen sollte. Und träumten wir doch alle damals revolutionär« Blütenträume, ohne zu ahnen, wie bald wieder der Rauhreif der Reaktton ihnen ein Ende machen sollte. Zehn heiße Tage hat meine fieberhafte Tätigkeit im Berliner Haupttelegraphenamt gedauert und zehn schlaflose Rächte habe ich dort verbracht, denn Ausregung und Verantwortungsgefühl ließen mich auf dem Soldatenfeldbett, das freundlich« Genossen mir hingestellt, doch keine Ruhe finden. Nach zehn Tagen erfordette die geändert« politische Situation neue Maßnahmen, es mußte ein Stab von geschulten Beamten auf- geboten werden, die die nach dem Umsturz sofort einsetzende Geld- flucht zu überwachen und wennmöglich zu verhindern hatten, und meiner weiteren Hilfe bedurfte es nicht mehr. Ich schied aus dem Haupttelegraphenamt um so leichter, als ein« neue Aufgabe mir winkte. Denn mein Mann war inzwischen zum beigeordneten Staats- sekretär im Auswärtigen Amt bestimmt worden, und zum Schrecken vieler dort amtierender verstaubter Perücken zog ich mit ihm in die Wilhelmstraße als seine Sekretärin ein. Und auch dort gab es hochint eressawe und äußerst wichtige Arbett in Hülle und Fülle, be- sonders als die Archive ihre sorgfältig gehüteten, geheimen Schätze unseren profanen Augen preisgeben muhten, nachdem der Schlüssel der Revolution die dreifach gepanzerten Türen und die dreifach ver- sicherten Schlösser diese Heiligtümer der Diplomati« geöffnet hatte. Das Resultat dieser Arbeit, mit der die Volksbeauftragten meinen Mann betraut hatten, hat welthistorische Bedeutung erlangt: es ist die große Publikatton der diplomatischen Gehetmatten, aus denen die Welt erfuhr, welch« die treibenden Kräfte waren, die den Weltkrieg entfesselt hatten. Deutschland hat den Ruhm, das erste Land zu fein, wo durch Sozialisten dies Werk der Aufklärung unternommen und durch- E""rt wurde, und mein bescheidenes Teil dazu beigetragen zu >. wird allen kindi scheu Spöttern zu« Trotz immer meto lettt,__________ öekloge öes vorwärts Die Zilme öer Woche. �Ver Settelpoet." (Eapilol.) Das war ein merkwürdiger Gesell, der Fran<:o!s Dillon, der im lö. Jahrhundert die gute Stadt Paris mit seinen tollen Streichen -"'füllte. Er war der erste moderne Dichter Frankreichs, in deisen Seifen aus einem wirren, von Kämpfen erfüllten, wüsten Jahr. dundeit zum erstenmal individuelles Geillhl herausklingt. Aber l-hfer fahrende Sänger stahl, raubte und lieh auch einmal jemanden üb« die Klinge springen. Er hat das ganze Elend seiner Zeit am eigenen Leibe gespürt, er hat im Stock gelegen und Reue u>td Leid erwecken müssen Eines Tages ist er dann sang- und klanglos ver- schollen. Zu gleicher Zeit lebte noch ein merlwürdiger Mensch in Frankreich, es war der König Ludwig XI.,«ine der seltsamsten Figuren, die se aus einem Thron gesessen haben. Cr ist hinterlistig, grausam, feige und bis zum Exzeß abergläubisch. Aber er weiß im Kamps mit jeinen Dosallen das französische Königtum mächtig zu stärken. Aus diesen beiden Figuren Hai Paill B e r n für die United Artist? einen Film komponiert, dem Alan E r o s l a n d als Dc- gisseur Leben und Wärme verlieh. Leider hat die omeriranisch« Sucht, die Geschichte nach ihrem heutigen Geschmack umzumodeln, da» Charakter des Dillon in den Typ des süßlichen Liebhabers und charmanten Kavaliers arg umgebogen. Er ist zwar au 6) im Film der Freund der Armen und wird zum König der Bettler gewählt. er spielt auch dort gern seine Narrcnstreiche. Aber aus einem Kerl. der dos Leben packte, wo es sich ihn, bot, wird ein Schwärmer sür ein süßes amerikanisches Mädchen von heute, die als Prinzessin ver. : leibe,, durch den Film wandert. Er besteht ihr zuliebe die tollsten Abenteuer, bricht den Bann, den der König über ihn verhängt Hot. rnd kann sein Leben nur durch eine List retten, indem er dem aber. gläubigen Ludwig einredet, der König würde ihn nur um 24 Stun- i cn üocrlcben. Don nun an ist er(gegen alle Geschichte) der ver- liätschelte Liebling des Königs. Aber der wilde Dogel einwindet sich den goldenen Bänden, wird bei einem Versuch, die Prinzessin zu besreien. Überwältigt, von dein Herzog von Burgund, der schon seinen Dater braten ließ Idas ist die patriotische Note), gesoltert und in einem Käfig seiner Geliebten vor da- Feuftzr gehängt. Schon lall er den Todesstreich erleiden, da erscheint der König unerkannt •mer dem Bettservolk und gebietet Einholt. Jcyl wird der Herzog von Burgund in den Käfig gesetzt und Billon bekommt die Prinzessin. Die Dersüßlichunz der Handlung hat der Negisieur zum Teil iaettgemocht durch das farbige Kolorit, dos er den Szenen verleiht. Er gibt prächtige B'lder aus einer mit starker Einsuhlungskrost aus- gebaut«, mittelalterlichen Welt: dieser Scheiterhaufen mit de» Aas- vögeln, diese» Foschingssest mit der Krönung Villons, diele Bettler- anhäufimg in dem unterirdischen Paris, diese Beschießung des armen Do-kes mit nahrhaftem Proviant, der ihnen mittels der Mauer. ichleudar zugeführt wird, dieses ganze winklige, tiefoerschneite Paris, auf deisen Dächern Villon herumfonglien, vermittelt wirklich mittel- alterliches Leben. Um so mehr als John Barrymore den Billon mit all seinen exzellenten Gaben ausstotlet. Er ist in allen Sätteln gerecht, von einer Beweglichkeit und Spielfohigkeit, die bswunderns- cwrl ist(ein verfeinerter Fairbanks). Aber andererseits ist er natür- lich dem ganzen Charakter des Films zuliebe viel zu sehr verseinert und in der Maske zu süßlich. Das ziveite Erlebnis des Films, ilärker und einheitlicher als das erste, ist Conrad B e, d t, der hierin seine Antrittsrolle in Amerika gibt. Er hat den Amerikanern offen. bar allerhand zugemutet, wie er diesen König mit allem Raffinement semer Charakterisierung unheimlich gestaltet. Da» ist wirklich eine Studie, die einen schaudern machen kann. Seinetwillen und der guten MUieubilder wegen wird der Film auch in Deuts6)land De- deutung gewinnen. D. der Thronfolger. (Gloriapalast.) Wieder einmal ein Balkanländchsn mit Kronprätendente,y Revolutionären und Generälen, die ihre Diktotorgelüste nicht unterdrücken können. Amerika hat eben an diesen Dingen eine nie verlöschende Freude. Noch komplizierter wird die Sache dadurch gemacht, daß die Prinzessin ein« Zeitlang die Rolle ihres Bruders spielen muß: denn, damit die Geschichte losgehen kann, hat sich der junge Herr im entscheidenden Augenblick eine Muskelzerrung zugezogen. In einem Nebensatz sei noch bemerkt, daß sich die Prinzessin in ihren ?ldjutanten verliebt, ein Vorgang, den die Hochzeit beendet. Das Manuskript ist also olles andere eher als originell, und doch entsteht hier ein wundervoll leichter und witziger Film, der nicht einen Augenblick ermüdet und trotz der Abgedroschenheix des Themas bis zum End« spannend bleibt dank der vollendeten Regie und der überlegenen Darswllung. Dem Regisseur Sidncy Franklin ist keine Filmtradition heilig, er tastet sogar an die konventionellen Liebes- f,enen, läßt hier feine Helden wie Operntenöre deklamieren, läßt sie Mond und Nachtigallen mobil machen, dicke Tränen stehen in den treuen Augen. Courths-Mahler-Stimmung zieht sacht herauf, aber dann geschieht irgendeine Unvorsichtigkeit, der Ariensänger oerzappelt sich an seinem Säbel oder kippt mit dem Stuhl um, und die Leidenschaft erhält ein unvorhergesehenes, schnelles End«. Auch die gefühlvollste Situation schließt mit einer witzigen Pointe. Und doch ist in den Schauspielern keine Spur von lleberbetonung oder Grotesk«. Sie spielen mit toternstcn Mi-nen, ober das Schicksal ist nun einmal mr Ironie ausgelegt und nimmt diese Männlein beim besten Willen nicht ernst. Marion D a v i e s in der Titelrolle schillernd, kapriziös und dabei doch von einer nie betonten Kindlichkeit, Antonio M o- reno ein Held, der jeder Jambsntragödi« zur Zierde gereichen würde und Roy d' A r c y spielt mit mephistophelischen Allüren einen finsteren Minister._ F. 8. -Ver Herr See Nocht.* tRichard-Ostvald-cichtspicle.) «Bflul Rosenhain hat als Schriftsteller das Zeug da, zu. inter- ellant und lvannenb zu schreiben. Aber was ist von diesem Paul Nolenboin in diesem Film übrig geblieben? Eigentlich soviel wie nichts' Der Herr der Rocht M ein Besitzer von Vergnügungsstätten. dem der vermuckerte.Derein zum Schutze der Großstadtjugend* ich., miHvielen möchte, der aber trotz alledem die Tochter des Prä- sidenten eben diests Vereins als Gattin heimführt. Inzwischen brennt noch sein Haupllheater nieder, weil ein rachedurstiger Che- miker eine nicht brennbare Flüssigkeit mit einer explosiven Masse xertauschte. Damit jedoch dieser Herr der Rocht im Lichte des Tages bestehen konnte, hätte man etwas mehr Klarheit schaffen müssen, So ist kein Charakter straff umrissen gezeichnet, keine Figur auf große Wirksamkeit hin ausgearbeitet, alles bleibt schemenhaft. Carl Heinz Wolfis Regie fordert Erstaune» heraus. Wie kann ein Mensch so kroß unterschiedlich, so unausgeglichen arbeiten? Er Hot oft so gute Einfäll«, z. B. wenn„Wnldi", ein drolliger Dackel, für seine Herrin aus den Männersang ausgeht, oder wenn in Moabit, um die langsame Arbeü der Gesetzesinaschiueric zu zeigen, sich Akten aus Alten häufen. Ebenso versagen die schon so oft gesehenen yhotographischen Delikatessen, als da sind Lichtreklamen. Revue- szenen und Theaterbrand, auch diesmal nicht. Dennoch ist der Re- gisseur mitunter tätsächlich von allen guten Geistern verlassen. So spielt z. B. sehr oft Aud Egede Nissen nicht, sondern zappelt, und Theodor L o o s wird erst in den letzten Momenten seiner Rolle wirkungsvoll, als er den gequälten Äugenausdruck zeigen kann. Magdo Eigen spielte ohne Erleben, sie kopiert« Erika Gläßner, und dos sehr schlecht. Rudolf K l e i n- R o g g e ist ohne Zweifel ein recht guter Schauspieler, aber diesmal dürft« er weder ein teuflischer Dämon„och ein bestrickend liebenswürdiger Weltmann sein, der stets über den Dingen steht. Als Herr der Nacht brauchte er nur eine gute Figur abzugeben, und das ist schließlich enttäuschend wenig. Glcichzeitg kam der„C o w b a y- K a v a l i e r" zur Urauf- sührung. Die Unmöglichkeiten des Manuskripts stopfen die Film- szenen nicht mir voll Mord und Totichlog, sondern auch voll golop- vi erender" Pferde, und wenn die Zuschauer Tom Tylsr im Sattel sehen, dann jubeln sie Beifall._ e. b. »hütet Euch vsr üen grauen." (Älormorhaus.) Hütet euch vor den Filmtiteln! Denn worum man sich vor den Frauen hüten soll, lehrt dieser Film keineswegs, obwohl eine dick aufgetragene Tendenz diele Mahnung wirklich in ihn hineinlegen will. Ein unmögliches Milieu, eine unmöglich« Handlung voll Verlogenheit und Rührfcligkeit, dazu ein« wenig intercstantc Mache und unbedeutende Vssetzung. Russisches Fürstenlebcn im Pariser Milieu, gesehen mit den Augxn eines moralvredigenden Amerikaners! Schließlich muß bei einer Aixtoraserei der jüngere der beiden Brüder, der unverdorbene, ums Lebq, kommen und der schuldige älter« geht nun in sich, entsagt dem schwelgerischen Luderleben, dos sich die Amerikaner sehr merkwürdig vorstellen, nimmt ober als fürsorglichen Engel das Pariser Mädchen mit, das keß lind herzensgut es ihm angetan hat. Dieses Pariser Kind war auch in der Darstellung der Lichtpunkt: Paulin« G a r r o n hatte wirklich Temperament und geniehaftes Schelmentum. r. »Hotel Erzherzogin vikiorto.' (Schpuburg.) Di« Revolution in Wien die Erzherzöge müssen die Republik verlassen, die Erzherzogin Dtktoria hinterlegt ihren wcrtoollen Schmuck beim Obersthosmeister Mansperg, dessen jüngerer Sohn Otto ist ihr heimlich Geliebter. Die Jnilotion bricht herein, der ältere Sohn des Mansperg, Albrecht, verliert sein Vermögen, stiehll die Kassette der Erzherzogin und entdeckt dabei den Briefwechsel seines Bruders mit der Erzherzogin. Unter der Bedrohung mit diesen Briefen muß Otto Maysperg, der den Bruder beim Diebstahl über« raschle, schweigen und ten D«rd«ht des Diebstahls auf sich nehmen. Die weitere Entwicklung ist ein reiner Hintertreppenroman. Schließ- lich wird die Erzherzogin wieder mit ins Spiel gesetzt, und sie hat dabei dos Pech, als sie sich mit Otto Mansperg m dessen Hotel auseinandersetzen will, von der Sittenpolizei bei einer Razzia mit- verhaftet zu werden. Man denke sich eine Erzherzogin mitten unter den gefälligen Mädchen aus der Polizei! Da die Erzherzogin einen falschen Paß hat, wird die Situation brenzlich. Glücklicherweise ent- deckt der Manuskriptverfasstr rechtzeitig einen Dreh, um sie aus der heiklen Situation zu befreien, und inzwischen hat Otto Möns- perg durch einen anderen Kolportogetrick Gelegenheit gefunden. Be- weise sür seine Unschuld herbeizuschaffen. In den Armen liegen sich beide... Diese rührselige Geschichte, dargestellt nach den Akten einer Polizeidirektion. wie es im Nebentitel heißt, ist eine verfehlte Spekulation und kommt außerdem mit der Schilderung der In- slationszeit etwas pc>st kesium. Immerhin ist dem Regisseur Karl Leiter in den Nebensachen allerlei Nettes eingefallen, es gibt gutgesehenes Wiener Milieu. Elfriede Ha erlin hat ein sehr feines Gesicht und spielt die Erzherzogin zweifellos viel bester, als solche in Natura zu sein pflegen. Bruno Kastner ist der Otto Mansperg und gibt ein« feiner üblichen gut angezogenen Figuren. Ehick und Charme hat die kleine Tänzerin Anny Ondra, die in den Otto Mansperg wirklich oerliebt ist, ober für eine wirkliche Erzherzogin alles herzugeben bereit ist. Armes Oesterreich. r. „Der Harem von Buchara" Der erste original-orientalische Film der Goskino „IM Faltboot und Schlitten im Eismeer" Die erste deutsche Spitzbergen-Expedition Uraufführung: Dienstag, den S.Mai Richard-Oswaid-üchtspieie „die Straße ües Grauens." (Tstozarlsaal.) Merkwürdige Wege schlägt dieser Paramount-Film ein, um aus die Tränendrüsen der Amerikaner zu wirken. Er führt in dos Armen- und Bc.ttlerviertcl New Tarks, ollwo in einer Kg- schemms künstlich Blinde, Lahme und andere Spezialitäten der Berufsbcttlcr geschossen werden. Aber siehe da, auch unter diesen ?lusgestoßcnen findet sich ein menschliches Herz. Der„König dar Bettler", genannt der„fleißige Charly" lwcil er die höchsten Tages. einnahmen crziell), wird von einer sterbenden Prostituierten an- gefleht, für ihr unversorgtes Kind einzutreten. Er konzentriert nun leine ganze Liebe und Sorgsalt aus das kleine Mädchen. Zwanzig Jahre später ist es zu einein stattlichen Fräulein herangewachien und wird von Charly in einem wunderschönen New-Borker Land- baus betreut. Sie darf natürlich nicht wissen, welchen Berus ihr Pflegevater in Wirklichkeit ausübt. Als dieser aber merkt, daß sein Geheimnis durch einen neidischen Kollegen, der den Blinden mimt, bedroht ist, beschließt er, unter Zurücklajsung seines stattlichen Vermögens zu verschwinden, damit seine Pflegetochter in ihrem weitere» Lebensschicksal nicht durch Enchüllungen über ihn bedroht wird. Rase kann nun ihren Rechtsanwalt heiraten, sie wird eine brave Bürgerin werden: der Schöpfer ihres Glücks ist aus ihrem Leben verschwunden. Nur einmal sieht er sie noch, in seiner Bettler. montur am Tage ihrer Hochzeit, Er ist jetzt der Führer und Schützer des blinden Jim, den er wirklich blind geschlagen hat, alz jener eine Erpressung an Rose versuchen wollte. Man wird es dem Regisseur Herbert B r e n o n lasten müssen. daß er das ganze Zubehör aufgeboten hat, um diese künstliche West der Proscssionsbettler und Krüpvel aufzubauen, und daß seine Milieustudien gewiß an manche unserer Verkommenen-Filme heran, reichen. Aber die Mache und die Spekulation auf die Rührseligkeit schlägt alles Mitgefühl tot. Es wird wohl auch in Amerika Bettler und Krüppel genug geben, die uns wirklich hätten rühren können. Jede soziale und satirische Tendenz fehlt, und das Verhältnis zwischen Pflegevater und Kind ist dermaßen süßlich-albern und hourgeoi». mäßig, daß es direkt zum Spott herausfordert. In der Welt der Bettler waren gute Typen, besonders der blinde Jim war gut aui- gezogen, Percy M a r m o n t blieb der Doppelrolle de» mit allen Finessen herausgearbeiteten Krüppels und des eleganten braven Mannes Charly nichts schuldig. Marie Brian hatte nur ein nettes süßes Mädel zu sein. Voran ging ein etwas länglich geratener Kuttursilm au? der Walachei und ein« antiquierte amerikanische Groteske. t-». »Die Lorele�." (primuspalast.) Sogar mit einem Schlager„Ich Hab' heut' Nacht vom Nhein geträumt" kam, dieser Film aufwarten. Hin und wieder sieht man auch den Rhein und dazu noch schön«, blonde Frauen, Künstlerfeste und Ansichtspostkarten aus Köln. Das ist aber nur das Drum und Dran, sonst herrscht unentwegt tragische Stimmung, von Ansang an schwül und gewstierschwarz. Eine junge Opernsängerin aus vor- nehmen Haus ist verführ» worden und gebt deshalb entschieden in den Rhein, jeder andere Fluß würde denselben Zweck erfüllen. Ihre Schwester will sie grausam rächen, leider vollzieht sich dieser Prozeß an einem falschen Mann, der neben seinem Kopellmeisterberus nur noch edel ist. Aber am Schluß hat das Schicksal das Einsehen: Der Bösewicht wird bestraft und über glühenden Verlobungsküsten blendet man die Linse ab. Noch einmal taucht im Orchester ahnungs- schwer das sinnige Lied vom Nheintraum auf, dann sind die Qualen des Zuschauers definitiv beendet. Die Regie Wolfgang Nesss scheitert an der Unmöglichkeit des Manuskripts. Nur eine Szene hält N'ocau, die liegt ganz am Anfang. Die Verführte kehrt in dos Vaterhaus zurück. Mario P o u d l e r ist hier sehr stark im Au?- druck, dabei nuanciert und sehr temperamentvoll. Daim aber ver- sinkt alles unter einer Hochflut von Zuckerwaster. F. S. »Nomon Novarro, öer Seeoffizier." (Bebapalast.) Die deutschen Marinereklomefilme hoben wir nun wohl glücklich hinter uns: aber da uns nichts erspart bleibt, müssen wir setzt die amerikanischen über uns ergehen lasten. Dieser Seeoffizier ist mit Unterstützung der amerikanischen Marine entst-mden, in der. wenn man dem Filmmanuskr pt Glauben schenken darf, gar eigenartige Zustände herrschen. Geht man dort doch privatim mit einem reget- rechten Schlachtschiff in See, um die Pocht einzuholen, auf der ein nicht stubenreiner Genlleman Ramon Novqrros Angebetete entführt. Natürlich siegt die Kriegsmarine, trotzdem die Handelsmarine ob- scheuliche Hinterlist bekundete. Christy Cabanne gab sich als Regisseur bei diesem Militärschmarren redliche Mühe. Er mochte es so. wie es �mer Marinebehörde recht fein muß. Alle die kleinen Schikanen, die sogar bei der Ausbildung der zukünftigen Offiziere vorkommen, sind allerliebst neckisch dargestellt, und schließlich ist der Parademarsch die höchste Errungenschaft der Menschheit. Ramon Novarro, der hier schon bekannt wurde als Ben Hur, spielte die Hauptrolle. Er ist ein sehr sympathischer Darsteller, der mannig. faltigen Aufgaben gerecht wird, denn er ist tolpatschig, drollig, höflich und liebenswert. Und die Uniform trägt er!! Manche höhere Tochter wird jetzt statt sür Otto Gebühr für Ramon Novarro schwärmen._ c. b. »vie örei Niemanöskinöer." (Tauenhienpalaft.) Wer akielang mitfühlsamsten Herzens über Revolution, Jnflo- tion und Enteignung jaucln will, well es durch die mitgeteilten Vorkommniste dem österreichischen Kaiserhaus samt allen Anhängseln so schlecht ergeht, der kommt bei diesem Film auf seine Kosten. Und wessen Blick in Tränen noch nicht ganz erstickt ist, der hat zum Schluß dann noch die herzige Freud', daß die temperamentvolle Prinzessin einen steinreichen Mann heiratet und ihr Bruder einen Goldsstch angelt, der als Waise prompt einen reichen Bankier als Vater fand. Wer aber Ansprüche an ein Filmmanustript und an die Filmregie stellt, für den ist dieser Film undiskutabel. Man täte dem deutschen Film Unrecht, wenn man die drei Riemandskinder, die nach einem Roman von Karl Rößler verfilmt wurden, ernst nehmen wollte. Unerwähnt soll nicht bleiben, daß diesmal das Beiprogramm den Hauptfilm bei weitem überwog.— g- m* ■ m k 1 w BISMARCK 1M0 VORVERKAUF 12-3 GRJUTfCaBilNS MORGEN 5" I1S 9is MUSIK ILLUSTRATION! SCHMIDT. GENTNER dfa Jme TaH&m4& MANUSKRIPT: LEO BIRINSKI* REGIE: FRIEDRICH FEHER HAUPTROLLEN: MAGDA SONJA* FRITZ KOR IN ER* WOIFGANG ZILZER MATTHIAS WIEMANN» FRIEDRICH FEHER- FILM DER NATIONAL- FILM A-G. **** msm FVLUST AM ANHALTER BAHNHOF ZENTRUM 5621 VORVERKAUF 12-2 DBADfiUBmiNG MORGEN I" 915 MUSIK- ILLUSTRATION: SCHMIDT- GENTNER VoBksbühne Theater am Sühwplati S Uhr Traumsplel Morgen 8 Uhr: V o I p o n e Th. an SdiiffbaDerdann 3 Uhr: Der Geizige 8 Uhr; Traiöilie['er\}M\ jSComische Oper Allabendlich t'hr: Sünden der Wett |C'a walMdisü» James-Kleln-Revue ISO Miiwtrkende/ Theaterk. ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet. EintrUts-Kartm sind an den Kassen der VerkehrsanstaUm erh ältlich! ist der erste Tag des Monats, in dem alt und jung zum Marsdi in die sdiöne, befreiende Natur sidi rüsten. 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Angaben über Qehaitsansprüche sind gleichfalls erwünscht Absolvierung einer dreimonatigen Probezeit ist erforderlich. Verband für Freidenkertura und Feuerbestattung E. V.