Abendausgabe Nr. 205 ♦ 44. Jahrgang flusgate B Nr. 101 BHUsskeblnsiinfln« und«meijunmit« Hnd m der glatfltnauäaefce onB.aebe« Xcttaftlon: SB». BC, cindenstr-h- 3 gnnlpttdtn> V6»H«N 292- 29t (•L'VBcdfc Sojlaiatmof tat BrtUa ZZerlinev VolksblAkt (l0 Pfennig) Montag 2. Mai 1927 Sttlag und fln|((geiiabttttaa(i «ffdläftsjelt 8� blt S Übt Bcclcgtt: vorwärts. Verlag lvmbh Vetlia Sw BS. Clnbenfttab* B trrntprrchee: VSahoN 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdemokrat»reben Partei Deutfchlands Das rote öerlin marfthiert! Gewaltige Beteiligung an der Maidemonstration.- Eindrucksvolle Kund- ' gedungen in der ganzen Welt. „Sonntag ist die Arbeiterschaft im Lustgarten!" Dieser Aufforderung sind gestern Hunderttausende gefolgt. Sieben- hunderttausend bis A ch t h u n d e r t t au s e n d lautet eine sehr vorsichtige Schätzung. Es war eine gewaltige, unvergeßliche Kundgebung, die wir gestern im Lustgarten er- lebt haben, und es schien, als wollte die Berliner Arbeiter» fchaft den Machthabern von heute sagen:„Jawohl, wir haben eine sozialreaktionäre Bürgerblockregierung, aber gerade ihr wollen wir zeigen, daß nach wie vor d a s Proletariat auf dem Posten ist! Und in einiger Entschlossenheit kämpfen wir für die großen und unvergänglichen Ziele des Sozialismus!" Gegenüber diesem unübersehbaren Masienaufmarsch der Berliner Arbeitnehmerschaften, der nur zu einem kleinen Teil den Lustgarten erreichte, zum größeren aber in den Anmarsch- straßen sich aufstaute, wird die Stahlhelmerei trotz aller Re- klame und trotz aller Geldmittel des Unternehmertums kläg- lich verblassen. fim Schloß. Um das eine Große und Bedeutende sogleich vorwegzunehmen. An der Zahl der Teilnehmer der gestrigen Maifeier gemessen war der Platz am Lustgarten ein bescheidenes Plätzchen. Denn das war ungefähr so, wie wenn der Inhalt eines Sprengwagens in einer Waschschüssel. Platz finden sollte. Es Hai sich gestern gezeigt, daß die Znnensladt verlin» keinen einzigen Plah hat. der auch nur entfernt groß genug wäre, um solche ungeheuren Massen auszunehmen. Der freie Sonntag und das ausgezeichnete Wetter hatten wohl die Letzten heroorgelockt. Bereits um 11 Uhr, also zwei Stunden vor offiziellem Beginn, begannen die Ansammlungen im Lustgarten. Zahlreiche mit roten Armbinden mit dem Aufdruck ADGB. versehene Ordner bezogen ihre Plätze. In dem ehemals die Schloßapotheke beherber- gcnden Schloßflügel Halle sich der Tagesdienst des A rb eit er- Samoriter-Bundes eingerichtet. Recht angenehm wurde es empfunden, daß Straßenhändler mit Obst und Erfrischungen zuge- lassen worden waren. Als eine der ersten Gewerkschaften marschierten mit prächtigem Banner die Textilarbeiter und- arbeite- rinnen an und nahmen vor dem Dom Ausstellung. Um'�12 Uhr waren berell» soviel Menschen auf dem Platz, daß eine völkische Der- sammlung davon einen«Riesenbesuch" Hölle machen können. Bald nach 11 Uhr ertönte Marschmusik und«in starker Zug Arbcitersportler inarschierte auf. Kam hier alles noch in Dierreihcn, so war das bald daraus nicht mehr möglich. Zwei, drei Züge nebeneinander, geführt von Musikkapellen, marschierten an. Alle Züge wurden über den Schloßplatz um das Schloß herum am Hauptportal vorbei zum Lust- garten dirigiert. Und waren die ersten Züge mit dem leichen Fliehen ciner Quelle zu vergleichen, so wurde man Zeuge, wie von Minute zu Minute das Bächlein anschwoll, wie es sa'lließlich zu einem starken mächtigen Strom wurde. Als dann die Uhren die zwölfte Mittags- stunde verkündeten, wird es klar, daß es unmöglich war, die erschiene- nen Massen auf dem Lustgarten unterzubringen, vis weil in die vreike Straße hinein, unabsehbar in die stönigstraße und die Iverder. strahe hinein schoben iich die Massen langsam heran. Hier war der Strom bereits zum Meer geworden, dessen Ufer man nicht sehen konnte. Ueberall ragten die roten Fahnen und Fähnchen heraus, überall die Enbleme und Inschrifttafcln. Scharfe Protest« gegen Ucberstunden und Hungerlöhne gab es da. Immer wieder wurde zur Einheitsfront gemahnt. Wie es aber mit der Ehrlichkeit dieser Forderung und Wirklichkeit bestellt sein muß, zeiote sich an einem übrigens unglaublich stümperhaft hingekitschten Bild, desien Auf- schriften allerdings so deutlich war, daß jeder Zweifel ausgeschlossen war. Das Plakat enthielt eine gemeine Beschimpfung unserer Partei und des«Vorwärts". Das erste Plakat mit der Verhöhnung d«r Partei und der Beschimpfung des«Vorwärts" wurde vom Fleischerverband getragen. Das wurde auf direkte Zlnfrage unumwunden.zugegeben. Kurz hinter diesem infamen Hctzplakat aber kam«ine Tafel mit der Aufschrift: Rur Einigkeit kann uns retten. Auch sonst wimmelte es auf den Tafeln der Kommunisten vsn versteckten kommunistischen Angriffen auf unsere Partei. Hin- gegen war von einer Verspottung der Kommunisten nirgends auch mir eine Andeutung zu sehen. Unseren Parteimitgliedern und den SPD.-Gewerkschastern war es in Wirklichkeit bitter ernst mit der Einigkeit. Sie marschierten mit größter Selbstverleugnung und rühmenswerter Disziplin unter den Kommunisten und liehen sich durch die Takt- und Geschmacklosigkeiten der Kommunisten nicht aus der Ruhe bringen. Ein>n der Schloßfreibest aufgestellter Lautsprecher war nur in nächster Nähe zu verstehen. Auf gröh-re Entfernuna konnte er sich ni-bt durchsetzen. Als es so weit war, stockte der M-ssenanmarsch. Radfahrer berickteten. daß die Züne bis zur Volksbühne am vülow- plaß. weit in die königst'aße hinein und bis zum Su'klstmarkk stünden. Man sah die prächtigen bunten Banner der Baugewerk- schost, die hübschen Werbetafeln der Kinderfreunde, die roten Fahnen der Sozialistischen Arbeiterjugend, rote Fahnen und Banner einzelner Abteilungen der SPD. Es wurde zur Unmögtichkest, die Einzelheiten festzuhalten, und es blieb der Eindruck haften, daß es sich hier in der Tat um eine Demonstration handelte, wie sie Verlin bisher kaum gesehen haben mag. Bis zum Schluß der Kundgebung hatten sichkeinerleiZwischenfälle ereignet und die zahlreich aufgebotene Schutzpolizei hatte Muße. Die tradi- tionelle Selbstdiszliplin der Berliner Arbeiterschaft hat wieder einmal die Probe auf das Glänzendste bestanden. alten Museum. Um 11 Uhr kamen die ersten. Don 12 Uhr ab strömten die Züge herbei, lluaushö.lich. bis weit über den Platz hinaus war jeder Alecken Erde beseht. Berlins Arbeiterschaft demonstrierte zum ersten Mai und wer hätte fehlen mögen? Mächtig brausten die allen Kampflieder des Proletariats und ein Meer roter Banner und Fahnen wogte.«Borwärts immer, rückwärts nimmer!".„Durch Kampf zum Sieg!" und«Vereinte Kraft vieles schafft!", so mahnten uns die aufrüttelnden Inschriften. Unzählige Schilder verkündeten die großen Ziele des Tages:„Kämpft für die restlose Durchführung des Achtstundemages!" und„Gegen den Kriegswahnsinn! Für einen wahren Bölkerfrieden!" Arbeiterturner und Arbeiterturnerinnen waren in ihrem leichten Sportdreß«schienen, kräftige, durchgebildete Gestalten alle. Keine laute, lärmend« Begeisterung herrschte, aber mächtig und eindringlich für jeden, der fehen will, kam der un- erschüllerlich« Wille zur Geltung, daß, wenn die Arbeiterschaft demon- striert, kein Schaffender fehlt und daß Berlin rot ist und rot bleiben wird. Die Arbeiterchöre sangen. Vorttefflich geschulte Stimmen, die klangvoll über den weiten Platz hin ertönten. Und wir hörten die Weise: «Hoch schimmert das Panier!" und wir sahen und fühlten, daß unsere Sänger recht hatten. Feier. liche Stille bei der Rede des Genossen Tornow. Rur wenn unter der Moisonn« und im Gedränge der Hunderttausende einer«schlapp machte"— um diesen Ausdruck aus dem Kommiß zu verwenden: ernstere Unglücksfälle stnd dank der mustergültigen Selbstdisziplin. nicht zu verzeichnen gewesen!— dann ging ein kurzer halblauter Ruf:«Sanitäterl" von Gruppe zu Gruppe. Unsere Arbeiter- s a m a r i t« r aber waren mit einer Schnelligkeit am Platze, die bei diesem Andrang kaum zu erwarten war. die 5estreöe Oes Sen. Tornow. Der 1. Mai, der Tag der klassenbewußten Arbeiterschaft in oller Well, hat euch aufgerufen zu einer Heerschau und zu einer Kundgebung für die sozialen und kulturellen Forderungen der Arbeiterklasse. An keinem anderen Tag« im. Jahre kommt uns die Internationalität der Arbeiter- bewegung so stark zum Bewußtsein wie an diesem. An keinem anderen Tage fühlen wir so wie heute das E r d b a l l u m f p a n° nende, Menschheitsumfaffende unseres Kampfes um die politische und ökonomische Freiheit des Proletariats. Unsere Idee ist nichts anderes als die vollkommene Solidarität des gSfamtcn Menschengeschlechts. So muß die internationale Arbeiterbewegung Träger des Ariedensgedankens sein, des Gedankens der Bölkerversöhnung, und unser Maientag soll Ausdruck dieses Willens sein. Solibatifäf mit den llnlerdrücklen! Die Sympathien der Arbeiterklasse sind bei ollen Unterdrückten, sei es politische, soziale, nationale oder Rassenunterdrückung. Wenn wir allen denen, die vergewaltigt und unterdrückt sind, heute im Geiste die Hand drücken, so denken wir nicht zuletzt an den fernen Osten, wo ein großes Volk mit alter Kultur um nationale Freihest und sozialen Fortschritt kämpft. Wir denken heut« auch an ein näher gelegenes Land, an Italien, wo ein offenbar Geistesgestörter, vom Zäsarenwahnsin» Befallener, gestützt auf die rohe Gewalt faschistischer Horden ein Die Maifeie Glänzender Verlauf. Essen, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die öffentlichen De- monstrotionen zum 1. Mai wiesen eine äußerst starke Be- teiligung auf und nahmen im ganzen Ruhrgebiet einen ruhigen Verlauf. Die Veranstaltungen standen sämtlich unter der Parole:„Für die Siebenswndenschicht im Bergbau und gegen die SozialreaktionI" * Köln, den 1. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Bei herrlichstem Frühlingswetter nahm die Maifeier-Deranstaltung der Kölner Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften einen erhebenden und imposanten Verlauf. Gegen Mittag zogen aus den mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen reichgeschmückten Arbeiter- vororten und Bezirken acht große Teilzüge demonstrierender Ar- beiter zu dem im Herzen Kölns gelegenen Neumarkt, wo von sechs Rednertribünen Ansprachen an die Massen gehalten wurden. Der große Platz war so überfüllt, daß die Polizei genötigt war, den ge- samten Vor- und Straßenbahnverkehr für mehrere Stunden umzu- leiten. Di« Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung wird auf rund 40 000 Personen geschätzt. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Auch aus den ländlichen Teilen des Kölner Bezirkes wird ge- meldet, daß die diesjährige Beteiligung an der Maifeier alle Er- Wartungen übertroffen Hab«. Di- Kommunistische Partei Kölns hatte ihre Anhänger für den Nachmittag zu einer Kundgebung aufgerufen. Während bei der Demonstration der Sozialdemokratie und der freien Gcwerk- schaften die Zahl der Teilnehmer bedeutend stärker als früher war, lieferte der kommunistisch« Aufmarsch den Beweis, daß in Köln die KPD. in den letzten Jahren sehr stark an Anhang v er- l o r c n Hot. * Darmssadk, den I. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In Hessen sind die Maifeiern unter großer Beteiligung glänzend und ohne Zwischenfälle verlausen. Namentlich auf dem flachen Lande war die Beteiligung sehr stark Auch die sonst dem Bürgertum zu- neigenden Kleinbauern und Handwerker nahmen an den Beran- stallungen in großer Zahl teil. In vielen Gegenden wurden mit der Maifeier auch Kinderfeste verbunden. In Darmstadt versuchten die Kommunisten während der sozial- demo?''atischen Kundgebung eine Gegendemonstration zu veranstalten. Durch Flugblätter und Handzettel forderten sie die Arbeiterschaft von Darmstadt und Umgebung auf, sich an der kom- munistischen Kundgebung zu beteiligen. Die kommunistisch« veran- stattung brach klägsich zusammen, kaum 2 bis 3 Dutzend hallen sich zusammengefunden, die, als die Massen ausblieben, beschämt von dann«, zogen. �__..._". y �. ' im Reiche. . Riesige Beteiligung. Der hessische Staatspräsident Ullrich sieh auch in diesem Jahre ebenso wie in den vergangenen Jahren anläßlich der Mai- feier trotz des Protestes der Rechtsparteien das Gebäude des Staatsmini st eriums mit den Reichs- und Lan- desfarben beflaggen. Machtvolle Kundgebungen in Sachsen. Leipzig, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Maifeier der Sozialdemokraten gestaltete sich zu einer mächtigen Kundgebung. Zehntausende marschierten in einem Festzug zu dem Borwärts- Sportplatz, der die endlosen Massen nicht zu fassen ver- mochte. Im Vergleich dazu fielen die kommunistischen Demon- strationen stark ab. Zusammenstöße waren nirgends zu verzeichnen. Dresden, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Maifeier der Dresdener Arbeiterschaft gestaltete sich durch die riesige Teilnahm« und die ausgezeichnete Disziplin der Demonstranten zu einer e t n- drucksoollen Kundgebung. Selten hat Dresden eine solche Demonstration gesehen, wie heute. Das ist auch ein Beweis dafür, daß die Bestrebungen der Altsozialisten endgültig als gescheitert betrachtet werden können. Als die Veranstaltung auf dem Theater- platz durch Massenchöre ihren Abschluß gefunden hatte, marschierten die Demonstranten durch die Stadt. Die Kommunisten, die selbständig Maifeiern veranstalteten, brachten im Vergleich zu der Kundgebung der Partei und der freien Gewerkschaften nur sehr wenig Leute auf die Beine. Hamburg, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Durch außerordent- lich gutes Wetter begünstigt, nahmen die Maifeiern im Städtegebiet Groß-Hamburg einen imposanten Verlauf. Die Beteiligung war erheblich größer als in den Vorjahren. In Hamburg selbst fand aus der w-it ausgedehnten Spielwiese und im Stadtpark«ine große Kundgebung statt. In 23 Zügen und mit der Hoch- und Straßenbahn strömten die Teilnehmer zusamemn. Bei ununter- brochenem Anmarsch aus sechs verschiedenen Richtung dauerte der Ausmarsch I Vr Stunden. Die Gesamtzahl der Teilnehmer wird ans rund 100 000 geschäht. Von zehn Tribünen herab wurden Ansprachen geholte». Ein großer Festakt am Abend in der Stadthalle beschloß die Feier. Die A l t o n a e r Sozialdemokratie veranstaltete eine gemeinsame Maifeier mit den vor der Eingemindung stehenden Vororten im großen Volkspar-Stadion. Hier waren etwa 23 000 bis 30 000 Per. sonen zusamemngekommen. Die Maikundgebungen in Wandsbek und in den übrigen preußischen Nachbarorten wiesen ebenfalls stark« Beteiligung auf. Die Ko m m u n i st e n veranstalteten für das gesamte Stadt- gebiet auf dem Heiligengeistfeld eine Feier. Die Zahl der kommu- nistlschen Teilnehmer betrug etwa 12 000 Personen. Deutfthnationale Frreöenta. Grotze Töne gegen Polen und die Tschechoslowakei. Die Finanzpolitik des Bürgerblocks hat die materiellen Interessen des deutschen Ostens schwer geschädigt. Um die Bayerische Volkspartei bei der Stange zu halten, hat sie den Ostmarkenfonds zugunsten Bayerns scharf reduziert, sie hat Preußen schwer benachteiligt und ihm die Erfüllung seiner Kulturaufgaben im Osten außerordentlich erschwert. Zum Ersatz dafür hat nun die deutschnationale Partei in Beuthen eine sogenannte Ostmarkentaaung abgehalten und die ge- schädigte Bevölkerung mit Redensarten gefüttert. Herr W a l l r a f schrie, daß das Schicksal dem Tapfern freie Bahn gebe und der Reichsjustizminister Hergt versicherte, daß Deutschland niemals einen Sicherheitspakt über seine Ost- grenzen abschließen werde. In einer Entschließung wurde den bestehenden Totsachen entgegen deklariert:„Ein Ost- Locarno gibt es nicht." Zur Erhöhung der Feststimmung hatte man sich auch noch den Senator Dr. B r u n a r von der deutschen Nationalpartei der Tschechoslowakei verschrieben, der den Anschluß der Sudetendeutschen an das Reich verlangte, weil es für sie unter dem Prager Regiment nicht auszuhalten sei. Dabei sitzen in der gegenwärtigen Prager Bürgerblockregierung zwei deutsche bürgerliche Minister! Die Beuthener Reden und Resolutionen werden natürlich in Prag und Warschau ihr Echo finden. Es wird der pol- nischen und der tschechischen Nationalistenpresse ein Leichtes sein, ihre Leser davon zu überzeugen, daß die größte Re- gierungspartei Deutschlands eine Politik betreibe, die auf die Zerreißung der polnischen und der tschechoslowakischen Republik gerichtet sei. Und bei den guten Beziebungen dieser Staaten zu Frankreich wird auch die Rückwirkung auf Paris nicht ausbleiben. So bedeutet das Beuthener Redeturnier zweifellos eine schwere Schädigung der deutschen Außen- Politik. Es wird der Anschein erweckt, als ob Deutschland eine kriegerische Politik betreiben wolle, die auf die gcwalt- same Losreißung polnischen und tschechoslowakischen Staats» aebiets abziele. Nun ist freilich dieser Anschein falsch, da in Deutschland weder die Absicht noch die Mittel zu einem neuen Krieg vorhanden sind und da ferner— eben wegen der b e- stehenden Locarnoverträge mit Polen und der Tschecho- slowakei— eine kriegerische Politik gegen diese beiden Nach- barstaaten ohne Vertragsbruch unmöglich wäre. Herrn Wallrafs bedeutender Ausspruch, daß das Schicksal dem Tapferen freie Bahn gebe, ist sicher von großer deklamatorischer Wirkung. Aber gerade aus dem Weltkrieg sollte man gelernt haben, daß Tapferkeit nicht genügt, wenn sie sich nicht auch mit einer gewissen Klugheit an führender Stelle verbindet. Nun glauben wir gar nicht, daß den maß- gebenden Herren der deutschnationalen Partei diese Kugheit fehlt: sie können nicht so dumm sein, nicht zu bemerken, daß die Beuthener Redereien im besten Fall herzlich überflüssig sind und daß sie im schlimmsten Fall geeignet sind, schweren Schaden anzurichten. Nur für die Partei verspricht man sich von solchen Spekulationen auf die Naivität des un- politischen Stammtischphilistertums einen gewissen Nutzen. Und so handelt es sich im Grunde um gar nichts anderes als um eine bewußte Schädigung der deutschen Außenpolitik im Interesse der deutschnationalen Partei. tzitlers Etiöe. Es gelingt nichts mehr, es zieht nichts mehr. Adolf Hitler sprach gestern in einer Mitgliederversammlung seiner„Partei" in Berlin. Ueber die Steigerung der deutschen Be- völkerungsziffer und die Vergrößerung der deutschen Bodenfläche. Di« Versammlung hörte ihn an, schwieg, spendete einigen anti- semitischen Kraftsprüchen einigen Beifall und ging wieder heim. Die Maßkrugstimmung fehlte. Es ist aus mit Hitler. Erstes Auftreten in Berlin unter gähnender Langeweile des Publikums: es gibt kein sichereres I.'ichen für sein polllisches Ende. Die Welt feiert öen 1. Mai. Der Tag der Arbeitersolidarität— eine machtvolle Kundgebung. Wenn wir über die Maifeier außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches berichten, so gedenken wir an erster Stelle der Arbeiter in jenen Ländern, wo Regierungen des rücksichts- losen Klassenkampfes gegen das Proletariat ihr„Überpartei- liches" Amt noch mißbrauchen können, um die Feier des Weltenmai brutal zu hindern. Zu dieser Erbärmlichkeit her- gegeben haben sich außer der in R o m regierenden Faschisten- bände die ihnen gleichwertigen Minister in Rumänien— aber auch die südslawische Regierung hat �ich auf das mussolinische Niveau begeben, obwohl sie sonst ihren demo- kratischen Charakter stets betont und die sozialdemokratischen Parteien des südslawischen Nationalitätenstaates legal sind, Zeitungen herausgeben und sogar Mandate in den Wahl- körperschaften besitzen! In Ungarn waren, wie schon be- richtet, nur Versammlungen in den Gewerkschaftslokalen erlaubt. Die bulgarische Arbeiterpolitit am Maientag bestand in Polizeiattacken. Wir lassen die Berichte folgen. Gewerkfchafiskampftag in Großbritannien. tondon. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Feiern des 1. Mai standen in Großbritannien völlig im Zeichen des Angriffs der Re- gierung auf die Gewerkschaftsbewegung. In sämtlichen Städten fanden, begünstigt durch ein herrliches Frühlingswetter, Demon- strotionen und Versammlungen unter freiem Himmel in bisher nicht gekanntem Umfange und Ausmaße statt. Im Mittelpunkt sämtlicher Reden stand das Antigewerkschaftsgesetz, das die englische Arbeiterschaft tief aufgewühlt hat. In einzelnen Städten des Bergbaureviers trugen die Demonstranten in Särgen, nach den Aufschriften, das Antigewerkschaftsgesetz zu Grabe. Frankreich. Penis. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In den Großstädten. den Industriezentren und Hafenstädten protestierten große Kund- gedungen der Gewerkschaften gegendenKrieginChina.di« beabsichtigte Lohnherabsetzung, die faschistischen Um- triebe und das Todesurteil gegen Sacco und Vanzetti. An den Denkmälern verstorbener Arbeiterführer wurden Kränze nieder» gelegt. In Marseille veranstalteten die Gewerkschaften in der Oper ein Arbellersest, bei dem I o u h a u x sprach. In Lille wurde nach feierlichem Umzug vom Bürgermeister und der sozialistischen Stadt- Verwaltung die neue große Arbeiterbörs» sejerlich»in- geweiht. Daran schloß sich ein große« Konzert, dem viele Tausende beiwohnten. Polizeitcrror in Bulgarien. Sosla. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag abend kam e» hier zu einem neuen Zwischenfall. Als nach der geschlossenen ge- werkschastlichen Protestkungebung eine Gruppe von Tellnehmern die Fahne nach dem Gewerkschastohaus zurückbringen wollt«, wurde sie dort verhaftet. Der dabei entstandene Menschenauflauf wurde von einem riesigen Polizeiaufgebot unter Anwendung der Waffe zerstreut. Die Panik und einzelne Schüsse der Polizei führten zu einer ganzen Reihe Verwundungen. Todesopfer sind nicht zu verzeichnen. Insgesamt wurden 50 unserer Parteigenossen verhaftet. Alle Maidemonstrationen unter freiem Himmel waren verboten. Beim Parteioorstand einlaufend« Telegramme melden, daß in vielen Prooinzstädten selbst geschlossene Dersamm- lungen untersagt wurden. In Sofia selbst umzingelte ein starkes Polizeiausgebot das Gewerkschaftshaus und verlangte die Entfernung der ausgehängten Aufrufe zum Maiprotest. Do- bei kam es zu«inigen Verhaftungen. Einer wurde sogar nieder. geschlagen und schwer mißhandelt, so daß er schwer- oer letzt daniederliegt. Die Arbeiterschaft ist in starker Erregung. Gegen die unsoziale Bauernregierung Tänemarks. Kopenhagen, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die dänische Sozialdemokratie feierte den 1. Mai wie üblich in einer ganzen Reihe von öffentlichen Demonstrationen. Infolge des unsozialen Kurses der gegenwärtigen Bauernregierung war die B e t e I l i- gung auffallend stark. Alle Redner sorderten die Massen aus zum Kamps gegen den augenblicklichen Regierungskurs. Zwischen- fälle ereigneten sich nicht. Arbeitersportparade in Riga. Riga. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Maikundgebung wurde traditionsgemäß mit einer Parade der Arbeiter. spo rtler unter starker Anteilnahme der Bevölkerung eingeleitet. Anschließend folgten zahlreiche Umzüge durch die innere Stadt. Künstlerische Darbietungen im Theater und anderen Lokalen beschloffen den Tag. Maifeier auch in ehina. In Peking hatte die Polizei jede Maifeierkundgebung ver. boten. Aus Schanghai gibt Reuter der von den kommunistischen Gewerkschaften außerhalb der Riederlaffungen veranstalteten Massenkundgebung nur eine Tcilnehmerzahl von 5000 gegen sonst durch- schnittlich iOOlX» an, was darauf schließen loffe, daß die Arbeiter von Schanghai nicht einmütig hinter Tschiangkoischek ständen! Der örtliche Kommissar für Auswärtig« Angelegenheiten K u o t a i t s ch i machte in einer Red« an die Versammlung die britischen Im p«ri allsten für die Anwesenheit der britischen Streitkräfte verantwortlich und drang darauf, daß an die britische Arbeiter. La r t e l deswegen ein Protest gesandt werde. Eine Resolution dieses Inhalts, ferner ein Protest gegen die Befestigungsanlagen in den Niederlassungen wurde angenommen. In H a n k a u ist der 1. Mai natürlich erst recht gefeiert worden. Maiverhaftungen in Tokio. Tokio. 2. Mai.(MTV.) Anläßlich der Malfeierkundgebun- gen wurden hier einige Verhaftungen vorgenommen: ander- wärt« verliefen die Feiern ruhig. In einer Versammlung wurde ein« Entschließung für den Achtstundentag und für Nicht ein- Mischung in China angenommen. Schreckensregimen! über das arbeitende Boll führt. Achtstundenkag! Das traditionelle Symbol des Maifeiertages ist der dreigeteilte Tag: 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Muhe . undLebensfreude,8StundenRuhe. Unter allen Gegen- wartsforderungen der Arbeiterklasse ist die nach Verkürzung der Arbeitszeit die heiligste, die Kullursorderung. Die Arbeit kann nicht Selbstzweck des menschlichen Daseins sein, nur Mittel zur Er- ichließung eines menschenwürdigen Kulturlebens. Der kulturelle Ausstieg der Arbeiterklasse ist nicht denkbar ohne die Verkürzung des Arbeitstages! Arbeiter und Rationalisierung. Wenn schon eine Verkürzung der Arbeitszeit auch unter acht Stunden nur den technischen Verhältnissen unserer Zell entspräche, so ist noch sicherer, doß die erbärmliche Lebenshaltung der breiten Massen noch weniger dem produktiven Können unserer Wirtschaft entspricht. Es sind wundervolle technische und wissenschaftliche Erfindungen und Entdeckungen gemacht worden, die es gestatten, mit geringerer Arbeitsmllhe die Erzeugung aller Lebensgüter so zu vermehren, daß alle Volksgenossen ausreichend oer sorgt wer- den könnten. Aber die fluchwürdige kapitalistische Wirtschaftsord- nung macht aus jedem technischen Fortschritt eine soziale Katastrophe. Wir sehen, daß die produktiven Kräfte gefesselt werden müssen, weil kein Absatz da ist. Wir sehen, daß nicht produziert werden kann, weil der Absatz sehll: und weil nicht produziert werden kann, müssen Millionen Arbeitsloser mit ihren Angehörigen darben und wiederum den Absatz vermindern. Gibt es einen schlimmeren Wahnsinn als diesen, daß Willionen hungern müssen, weil sie nicht arbeiten dürfen, und nicht arbeilen dürfen, weil sie hungern müssen? Die Kapitalisten machen eine Rationalisierung, deren Ergebnisse in den Stammrollen der Arbeitslose na rmee abgelesen werden können, wir fordern eine Rationalisierung, deren Ergeb- nisse in den Lohnkllten zu finden sind. Arbeiter, organisiert euch! Wir wären freilich Narren, wenn wir uns elnbllden wollten. daß es nur darauf ankommt, daß unsere Forderungen berechtigt und begründet sind. Was wir erreichen werden, hängt ab von der Kraft unserer Organisationen. Die Kraft unserer Organisationen hängt aber ab von der Anteilnahme der Arbeiterklasse. Wir verfügen über«ine Millionen- arme« organisierter und kämpfender Gewerk- s ch a f t s g e n o s s« n. Aber ihre Schlagkraft ist gelähmt durch die Millionen, die neben unseren Formationen in stumpfer Gleich- gültigkett durcheinandertaumeln. Immer«och ist der(feind, de« wir am meisten hassen müssen, der Unverstand der Waffen unserer eigenen klassengenossen. Immer noch müssen wir unseren Kampf führen: eine Front gegen das Kapital, die andere Front gegen den Indifferentismus in der eigenen Klasse. Es hat Zeiten gegeben, wo auchbie stürksten Arbeiter- bataillone an der Unzulänglichkeit der ökono- mischen Natur gescheitert wären. Jetzt ober ist die Zeil gekommen, wo die überquellende Frucht- barkeit des technisch-ökonomischen Bodens geradezu nach einer sozialen Ernte schreit. Die Frucht einer besseren Lebenshaltung ist reis, wir müssen sie uns nur pflücken. Im unerschütterlichen Vertrauen auf den Erfolg und den Sieg unserer Bewegung suhlen wir uns heute eins mit dem klassen» bewußten Proletariat der ganzen Welt. Lassen Sie uns dieses Der» trauen zum Ausdruck bringen und alle unsere Hofsnungen in dem «inen Ruf vereinige»: E» lebe die Solidariläl der Arbeiterklasse! Die Internationale Arbeiterbemegunq, sie lebe hoch! Die Rede des Genossen Tornow war zu Ende. Und wieder erklang es aus dem Munde Unserer Arbeilersänger. Ein Hinweis auf eine bessere Zukunft:„Die ganze well»in frei Geschlecht!" Zum Schluß aber erdröhnte das geweihte Kampflied der Proletarier aller Länder, entflammend und begessternd: „Völker, hört die Signal«! Auf zum letzten Gefecht! Die Internationole Erkämpft, das Menschenrechi!" Der Aufmarsch üer Züge. In mehr als 28 gewaltigen Zügen bewegte sich gestern das schaffende Volk Berlins zum Lustgarten, um die internationale Mai- fei« zu begehen. Leider ist es nicht möglich, alle Züge zu schildern. Aber das«Ine können wir feststellen: Bei allen Gruppen vollzogen sich Anmarsch und Abmarsch in der gleichen mustergültigen Ordnung. Und die Polizei hatte insofern einen angenehmen Dienst, als sie fast nirgends»inzugreifen brauchte. Di« Metallarbeiter und Kupferschmiede hatten sich an neunzehn über die Stadt verteilten Sammelpunkten getroffen, von denen sie nachher zu neun Zügen vereinigt dem gemeinsamen Ziel, dem Lust- garten, zustrebten. Diese Züge glichen einem wogenden Meer von roten Fahnen und Transparenten, die die Forderungen der organi- sierten Arbeiterschaft eindrucksvoll kundgaben. Viele Züge muhten sich vor der sestgesetzten Abmarschzeit in Bewegung setzen, um den Massen, die sich schon beängstigend an den Sammelplätzen stauten, Gelegenheit zur Formierung als Marschkolonne zu geben. Trotz des ungeheuren Andranges gelang es den Ordnern, die manchmal kritische Situation zu meistern. Die von dem Spiel der zahlreichen Musik- kapellen und dem Gesang der Kampflieder widerhallenden Straßen waren von Menschen dicht umsäumt, von denen sich Immer mehr in die Züge einreihten, die dadurch zu unabsehbären Schlangen von Menschen anwuchsen. Nur wenige der Züge kamen bis zum Lust» garten. Während bei einigen von Ihnen die Spitze schon am Lust- garten war, war das Ende vom Sammelplatz noch nicht fortgekommen. Keiner jedoch von denen, die Ihr Ziel nicht erreichten, war darüber mißmutig. Auf allen Gesichtern lag der Ausdruck der Freude, daß in der Berliner Arbeiterschaft trotz der politischen Gegen- sätze die Einmütigkeit auch öffentlich zum Ausdruck kommt, wenn die Gewerkschaften rufen. Die Holzarbeit« hotten ihren Hauptsammelplatz im Kölln!- sehen Park am Märkischen Museum. Geschlossen rückten die einzelnen Abteilungen schon an, so daß um 12 Uhr der Abmarsch beginnen konnte. Dem Aug« bot sich ein lebendiges, freudiges Bild: Flatternd« rote Fahnen, Plakate und Inschriften auf rotem und weißem Tuch, zwischen den begeisterten fröhlichen Menschen, alle beseelt van dem Wort, das so oft auf den Plakaten, im Zuruf wieder- kehrte: Berlin bleibt rot! Die Straße reichte nicht aus, den Zug zu fassen. In doppest und dreifacher Viererreihe wogte er weit bis in die Rungeftraße hinein. Hunderte von Zuschauern auf dem Bstrgersteig, kaum einer, der nicht eine rote Blume am Rock trug. Die Gruppe der Kinderfrcund« Berlin Mitte zwischen den Reihen. Musik an der Spitze setzt sich der Zug in Bewegung und müß schon nach kurzer Zeit halten, die Stralauer Straße hinunter zieht ein anderer Menschenstrom und will kein Ende nehmen. Rote Fahnen ohne Zahl. Endlich geht es weiter. Schutzpolizei und Ordner haben Mühe, die mitmarschierende Menschenmenge auf den Bürgerstelgen zu halten, daß der Verkehr keine größeren Unter- brechungen erleidet. Als schließlich der Zug in die Breite Straß« einbiegt, taucht alles Einzelne in dem Meer der roten Fahnen unter. Bon allen Seiten sieht man jetzt die Massen heroneilen. Di« Lust ist erfüllt von den Klängen der Musikkapellen und begeisterten Hcchrufen. Langsam, sehr langsam geht es weiter. und endlich steht die Spitze des Zuges eingekeilt vor dem Schloß- portal. Der Lustgarten ist schon gefüllt! Der Laut- sprecher, der hier aufgestellt war, übermittelte wenigstens einen Tell der Worte des Redners. Die Buchdrucker, Buchbind«, Lithographen und 5 lein druck« sowie die graphischen Hilfsarbeiter versammelten sich am Gen- darmenmarkt. Gegen Vil Uhr setzte sich der endlose Zug in Bewegung. Etwa IL 000 Proletarier marschierten in Reih und Glied, dem Lustgarten zu. Plakate appellierten an die Solidarität: „Vermeidet Ueberstunden, denkt an die Arbeitslosen." Diese Mahnung legte ein beredtes Zeugnis dafür ab, wie sehr die graphische Ar- beiterschoft die Maßnahmen ihr« Organisationen auf Innehallung de» Achtstundentage» zu schätzen weiß. Man weiß sehr wohl, daß es gerade durch weitestgehende Einschränkung der Ueberstunden in Berlin möglich gewesen ist, Hunderle von Arbeitslosen aller Gruppen wieder in den Produktionsprozeß einzureihen. Bei den Jugend- llchen sah man vor allem Tafeln mit der Aufschrift:„Drei Wochen Ferien für Jugendliche." Immer neue Teilnehmer kamen auf dem Wege zum Demonstrotionsplatz hinzu, andere hatten sich schon vorher nach dem Lustgarten begeben. Dadurch trat eine wesentliche Er- höhung der Teilnehmcrzahl ein. Der graphischen Arbeiterschaft ver- leiht ober in erster Linie das Bewußtsein, stark und mustergültig organisiert zu fein, eine innere Genugtuung. Nur langsam konnte sich der Zug bei der großen Zahl der anmarschierenden gewerkschnft- lichen und politischen Organisationen vorwärts bewegen. Ein Teil des Zuges erreichte in dem unüberseharen Menschenmeer den Lustgarten, während Tausende von Teilnehmern nur bis zur Schloßfreiheit kamen. Es fehlte diesmal die breite Zugangs- straße Unter den Linden, da die Schloßbrückc wegen Reparatur- arbeiten gesperrt ist. Die graphische Arbeiterschaft kann stolz sein, gestern wiederum durch zahlreiche Beteiligung und vorbildliche Selbst- disziplin zum Gelingen der imposanten Kundgebung an ihrem Teile beigetragen zu haben. Der Derkchrsbund sammelte seine Sektionen an der Köpentckcr Brücke. Schon um 11 Uhr ist der Zug unüber- sehbar, und als es bald nach 12 Uhr zum Abmarschieren kam, ist die Beteiligung des Berkehrsbundes so stark wie noch bei keiner Demonstration. Die Begeisterung über einen solchen Aufmarsch wächst in den Reihen der Gewerkschaftler, als sie ersahren, daß sich der größte Teil der Sektionen unterwegs an andere Züge anschließen mußte. Transparente und Plakate werben für die Gewerkschaften. Rur mühsam bewegt sich di« Riesenschlange vorwärts. Ueberall in den Straßen kleine Züge und Gruppen. Ueber die Schillingsbrücke durch die Holzmarkt-, Schickler- und Pcststraße geht es, dann wird Halt geboten. Um%2 Uhr stehen die Letzten des Zuges noch in der Michaelkirchstraße. Von den Gemeinde- und Slaatsorbcitern versammelte sich der größte Teil in der Pork- und Belle-Alliance- Straße. Bereits seit H12 Uhr gebrauchen die Straßenbahnen die ganze Kraft ihrer Läuteapparat«, um sich mühsam einen schmalen Weg zu bahnen. Pünktlich um die Mittagszeit setzt sich der Zug in Bewe- gung. Durch die Gneisenausiroße nimmt er seinen Weg. Ver- träumt liegt die Straß« da. Aus den Bänken in den Anlagen sitzen ein paar„Lokal-Anzeiger'-Leser und entdecken plötzlich eine günstige Gelegenheit, auf die Republik zu schimpfen. Da die Brücke am Halleschen Tor vor der Renovierung steht, ist man gezwungen, weite Umwege zu machen. In den Fenstern langweiliger Mietskasernen liegen hemdärmliche Gestalten. Bor einem Bierlokal in der Blücher- straße wagen etliche Stahlhelmgesichter nicht gerade zufällig m di« Erscheinung zu treten, sie trösten sich mit der Hoffnung auf kommende, bessere schwarzweißrote Zeiten. Die Bläser spielen die Marseillaise. Bor diesen aufreizenden Rhythmen verstummt jede Hoffnung auf die imperialistische Nationalhymne. Durch die Alte Jakob- und Neuenburger straße gelangt der Zug endlich in die L i n d« n- st r a ß e. Es ist schon spät. Was Beine hat, befindet sich bereits im Lustgarten, um seinen Treuschwur zur Republik zu erneuern. Am Dönhoffplatz stockt der Zug. Die Beamten erklären, die City sei überfüllt. Aus allen Straßen Hollen Reichsbonnermarsch und Internationale wieder. Endlich geht es weiter. Der Zug wird geteilt. Ein Teil marschiert durch die in ihrer sonntäglichen Einsam. keit frierenden Beschästsaussichtsstraßen am Hausvogteiplatz, der andere sucht durch Wallstraße, Mühlendamm und Poststraße zum Lustgarten zu gelangen. Bon einer Kirche in der Nähe schlägt es halb zwei. In der K ö n i g st r a h e herrscht katastrophales Ge- dränge, einige Züge kehren schon heim. Der AsA-Bund(Zentraloerband der Angestellten, Butab, Deut- scher Werkmeisteroerband, Allgemeiner Verband der Deutschen Bant- angestellten, Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, Verband der Zuschneider, Zuschneiderinnen und Direktrizen, Polier-, Werk- und Schachtmeisterbund, Internationale Artistenloge, Werkmeister- verband der Schuhindustrie und endlich der Deutsche Chorsänger- und Balletocrband) sammelten sich auf der Mittelpromenade der Jork- Und Gneisenaustraße. Die große Zahl der Dcrbände ließ hier bald ein buntbewegtes Bild erstehen: auf den Transparenten las man die Forderungen der werktätigen Massen, di« in der Erhallung des Achtstundentages gipfellcn!«Fort mit der Technischen Nothilfe" hieß es ein andermal oder„Hinein in die srsigewerkschaftliche Orga- nisation". Punkt 12 Uhr setzte sich der gewallige Zug. der mehrere Kapellen mit sich führte, in Bewegung. Besonders siel die überaus stark vertretene Jugend auf, die hier an der Seile ihrer älteren Arbeitsgenossen gemeinsam demonstrierte. Erst nach langen Um- lellungen war es möglich, die Massen ins Zentrum der Stadt zu bringen. Und hier stockte alles! Alle Straßenzüge, di« zum Lust- garten führten, waren dichtbesetzt, so daß der Zug zum Köllnischen Park abgeleitet werden mußte. Hier ging dann die Auslösung, nach der improvisierten Rede eines Genossen unter Hochrufen auf die International«, vor sich. Eine eindruckevoll« Kundgebung, die von der großen Stärke des AfA-Bundes ein beredte» Zeugnis ablegte! Der Deutsche Beamtenbund fammalle sich auf den Dönhosfplotz. Eine sehr stattlich« Zahl von Kommunalbeamten. Feuerwehrleuten, Kriminalbeamten usw. war dem Aufruf ihrer Organisation gefolgt: unaufhörlich strömten neue Scharen heran, bis sich der long- Zug mit seinen zahlreichen Transparente und Fahnen kurz nach 12 Uhr nach dem Lustgarten zu in Bewegung setzte. Wgeschen von kleinen Stockungen, di« sich aus dem gewaltigen Zusammenströmen endloser Zuge aus den verschiensten Stadtteilen ergaben, vollzog sich der An- marsch völlig reibungslos. Bereits gegen Mil Uhr war der Luftgarten von Versammlungsteilnehmern so angesüllt. daß es große Mühe be- rcitete, wenigstens noch einen Teil der Neueankommenden unterzu- bringen. Die BeNeidungsarbeiler bildeten mit den Hutmacher» und Friseuren den zweiten Zug. Die I u g e n d g r u p p e des Bcklci- dungsarbeiterverbandes marschierte dem Zug vorauf und machte mit ihrer eigenen Fahnen einen recht guten Eindruck. Die in der Schneidercigcnossenschaft«Hoffnung" beschästiglen Arbeiter und Angestellten bildeten auch diesmal ein« besondere Gruppe. Die Hut- macher waren vollzählig erschienen. Die Friseurgehilfen waren stärker vertreten als sonst. Eine kleine kommunistische Gruppe führte ein großes Plakat mit, dos besagte, der Verband habe seine besten Mitglieder ausgeschlosien. Die Sonderorganisation der Betleidungs- arbeiter, die Schumacher-Gruppe, pries ihren eigenen Laden an als„Industriearbetterverband" und suchte sich die Duldung der im B-kleidungsarbeiterverband organisierten KPD.-Leute durch eine ein- faltige Zuschrift gegen die Amsterdamer zu sichern. Was da alles im Namen der„Eewerkschastseinheit", von links an Beschimpfung der Gewcrtschasten geleistet wurde, geht auf keine Kuhhaut. Ein Zeichen für die Stärke der Gewerkschaften, die auch solche«Freundschaft" ertragen kann. Kommunisten und Schupo. Während die gewaltig« Veranstaltung dank der mustergülligen Disziplin der Massen ohne besonder«� Zwischenfälle verlief, kam es gegen 3 Uhr nachmittags in Neukölln zu einem Zusammenstoß zwischen zurückmarschierendcn kommunistischen Dersommlungs- teilnehmern und einem Polizetbeamten. An der Ecke Reuter- und Weser straße wollt« der Polizeioberwochtmeister f). vom 214. Polizeirevier zur Freimachung der Straßenkreuzung für den Durchqanosoerkehr einen Demonstrationszug teilen. Sechs bis sieben Personen, die auf dem Burgersteig gingen, griffen den Beamten ohne ersichtlichen Grund plötzlich an und versetzten ihm mehrere Schläge in das Gesicht und auf den Kopf. Durch da» Ein- greisen mehrerer Polizeibeamter konnte H. au» seiner bedrängten Loge besreit werden. Ein Arzt stellte«ine G e h i r n« r s ch ü t t«- r u n g und Bluterguß in der Nase fest. Zw«, der Angreiser wurden festaenommen und der Abtellunq l» im Polizeipräsidium zugeführt. Außerdem wurden sechs Versammlungsteilnehmer wegen Stock- tragen?. Nichtbesolgunq polizeilicher Anordnungen. Beleidigung des Reichspräsidenten und der Polizetbeamten verhastet. Polizeipräsident Genosse Zörrgiebel und Polizeivizepräsi- dent Dr. Weiß waren längere Zett im Lustgarten anwesend, um sich persönlich von den getroffenen polizeilichen Maßnahmen zu überzeugen. Es kann gesagt werden, daß sich die Polizeibeamten größter Zurückhaltung befleißigten. Die geselligen Veranstaltungen. Nachmittags und abends vereinigten sich wie üblich die Partei- genossen und Parteigenossinnen in ollen Kreisen zu geselligen Zusammenkünsten mit politischen Ansprachen� und künst- lerischen Darbietungen. Bekannte Parteimitglieder hatien die Fest- reden übernommen, und Künstler, die auf dem Boden unserer Welt- anschauung stehen, boten ihr Bestes. Ueberall herrschte die gleiche kampfesmutige und letzten Endes siegesgewisse Stimmung. Die SPD. Stegliß-Lichlerselde-Lankwitz kleidete ihre Maileicr in der Gemeinde-Fesikall« Lankwitz In ein rein künst- lerisches G?wand. Den Abend eröffnete das Or�ester des Deut- scheu Mulikerverbandes mit dem Einzugsmarsch aus ..Tannhäuter". hierauf las Rolf Gärtner mit schöner Emprndung Seidels„Eidschwur am 1 Mai". Die schönen Worte, von edler Begeisterung dunbglüht. fanden in den Herzen der Zuhörer begeistcr- ten Widerhall. Staatssekretär o. D. Genosie Heinrich Schulz pries in einer kurzen, eindrucksvollen Anlnrache die strahlend« Sonne des 1. Mai als gutes Omen für das Gelingen der gerechten Sache und rief in flammenden Worten zum Durchhalten des einmal be- fchrittenen Weges auf Den Abschluß der Borführunoen bildete Hauptmanns„Biberpelz", dargestellt von Mitgliedern der Biihnengenossenschaft. Die Komödie fand überaus herzlichen Beifall. Dann gings zum Tanz unterm festlich geschmückten Maibaum und so fand dieser Tag in der frohen Zuversicht treuen Zusammenhaltens in freudigen und ernsten Stunden einen schönen Ausklanz. Verdi s„Macht des Schicksals". Erstaufführung iu der Slaaksoper. Man ist versucht, sich di« Perlen dieses Kunstwerks aus einer falschen Fassung herauszuschälen, entdeckt dabei, daß in jedem Ab- schnitt der Kette ein Stück Echtheit und Schönheit enthalten, daß aber kein Zusammenhang, keine dichte Bindung, kein festes Schloß vor- Händen ist. Das Drama unheilvoller, gespenstischer, schicksalhaster, unmöglicher Romansiguren zerfällt in Bilder, die nebeneinander lagern, stost zu einer lebendigen, wahrhaften Einheit zu oerschmel- zen. Abenteuerliche Licbesgeschichte, die zwischen den Abkömmlingen feindlicher Häuser spielt, mit Piilolenschuß des Zufalls einsetzt, über Kloster, Krieg, Kapelle, Schlachtfeld Markt und Küche wirr hinweg- eitt, um schließlich den Bruder der liebenden Lconore als gcmor- deten Rächer der Ehre, den Liebhaber als Klosterbrutter. Leonore selbst in Verkleidung als büßenden Mönch wiederzusehen. Eine Jagd der unvollendeten Absichten, der zerstörten Aussprachen, der verhinderten Duelle. Eine ganze Familie schuldlos, durch Schicksals Macht, hin- geschlachtet, und dazu die Leiche eines in bequemen Effekten schwel- genden Dramas. Die Zeit dieser wahrsagerhaften Tragödien des un» wahrhaftigen Schicksalabloufs ist vorbei. Wollte W e r f e l diese Talmidichtung Piaves retten, so mußte er aus die fast gespreizt« Eitelkeit des pathetischen Nachdichten» verzichten, mußte statt der klangvollen, im Gesang unverständlichen Poetcreien den Mut des Kürzens, Zusammenfassens, Umstellens, Ausmerzen? aufbringen. Der Respekt vor Text und Szene war überflüssig. Die Hintertreppen. szene wird nie zum Tribunal menschltch-wertvoller Gelchehntsse. Und eine so bunt gemachte Bilderreihe kann auch den genialsten Musiker dazu verführen, das Aeuß«c allzu wichtig zu nehmen. Berdi hat diesen Stil des Berworrenen, Zusammenhanglosen aus aller Regionen von Oper, Operette, Requiem, Kirchenmusik Gc- mischten allzu gut getroffen. Rückerinnerungen an die melodisäh« Leichtfertigkeit des„Traubadour", Vorahnungen des Porlando-Stils der Spitzenworke,..Aida"-Trunkenheit und.,Maskenball"-Rhythmns melden sich herrlich an. Wir hören eine im Gegeneinander amouröser und pathetischer Motive höchst kunstvolle Ouvertüre, sehen die Miniawrousgabe des Pagen Oskar und der Wahrsagerszene aus dem„Maskenball", wechseln mit dem Komponisten gern die düstere Stimmung gegen die des sauslustif«» Fra Melitonc, ohne den Cha- rakrer des Vulgären zu loben, sehen im Trommellied der Preziosilla de« Ungeist einer Regimentstochter das Operottenhafte streifen, lassen uns einen Moment von dem bramarbasierenden Schlachtengetümmel reizen und finden in all dem eine Augenblicksunteihaltung schöner, unbedeutender Prägnanz. Aber die Liebesromanz« der Leonore, der fanatische Monolog des Dan Carlos, fein Duett mit Alvara (o Caruso— Scott!!), der leidenschaftliche Kamps der Stimmen, al» der Bruder den Feind zum Zweikampf reizt, das leise, groß impo- nierend- Chorstück in der Kirche, das olles sind Nummern von fchöpferischcr Potenz. Ein Strauß von glänzenden Musiksarben, Venen das Zuwachsen zu einer großen Form fehlt, ein Auseinander- fallen in Details und ein Mangel an Möglichkeit, bei dem Presto» tempo dieser Ereignisse des Stillstehens musikalische Motioentwick- lungen ins Hohe und Tiefe hineinzuspannen. Ein Suchen und ein Finden, zu guter Letzt aber mir noch ein formlas mattes Leuchten der Werke, die kommen sollten. Dieses Werk ist also an musikali- schen Schönheiten nicht arm, doch reicht das Ingenium der Einfäll« nicht aus. um ein schwaches Buch dramatisch zu versteifen. Di« innere Erregung bleibt aus. Um so lobenswerter die Aufführung, die von drei auserwöhlten Stimmen ereignishaft getragen wurde. V a t t i e r o? ungelenkes Spiel, ja seine Liebhaberei für rhythmische» Durcheinander sind vergessen im Klang der schmelzendsten aller lyrischen Tenorstimmen. S ch l u s n u» ist gezwungen, eine domo- nische Figur glaubhaft zu machen, die im Gesamtcharakter verzeichnet ist. Er hält sich an den Schöngesang und dient ihm in wunder- voller Ausrealichcnheit der Töne. Gertrud Bindernagel, die uns bald verläßt, schafft sich mit den beiden Szenen, die sie mit quellender, zarter, herzhafter Stimme füllt, einen sieghaften, von vielen betrauerten Abgang. Auf der Bühne siel der stimmunasooll«, die Tief« ausnutzende Kirchenrauin besonders aus. L i st mit dem vollen Ton seines Bastes kontrastiert« gut zu der spitzigen, gar zu grotesken Schrotmanier Schützendorfs. und Genia G u» z a. lewicz lebte sich in tändelnden, zuweilen etwas zu tief genom- menen Weisen aus. Blech, Meister der rhnthmischen Akkuratrss« und des innerlich erhitzten Orchesterklangs, dirigierte. Nach den Schlagern gab es italienisch« Beifallssalven. _ Dr. Kurt Singer. Nekorütaa am Kaiseröamm. ReichSbanner-Skilaufer in der WochenendauSsteNnng. Die Wintersportabteilung des Reichsbanner» zeigte am Sonnabend im Schneepalast ihr Können. Die größte Zahl der Kameraden hatte bisher nur durch Trockenkurse„Skiläufen" erlernt. Trotzdem wurden ausgezeichnete Hebungen geboten. Die einzelnen Vorführungen fanden reich-n'Beifall. In d«r„Schule d«s Skilaufs" wurden die einzelnen Vorübungen zur Erlernung des Skilaufs gezeigt. � An den..Bergabhängen" der künstlichen Schnee- nnlage wurden die verschiedenen Schrittarten zur Ersteigung eines steilen lchncebedeckten Gelände» gezeigt. Nach einer Reihe von Ge- fchicklichkeitsübungen schloß«in Wettanziehen die Vorführungen. In etwa vierzehn Tegen wird die Wintersportobteilung noch einmal Vorführungen zeigen. » Die Ausstellung„Das Wochenende" auf dem Ausstellung»- gelände am Kaiserdamm hatte am gestrigen Sonntag abermals einen ihrer großen Rekordlag« zu verzeicbnen. An der Besucherziffer ge- messen, ist dieser Tag trotz der Teilnahme von Hunderttausende» von Berlinern an die zahlreichen Maite'ern, der stärkste der bis- herigen der jetzigen Veranstaltung gewesen. Der heutige Montag ist abermals V o l k» t a g, an dem bekanntlich der Eintrittspreis generell nur 1 M. für Erwachsen« und 30 Ps. für Jugendliche bis zu IS Jahren beträgt. Dampfer und Motorboot. Zusammenstoh auf der Havel. Gestern nachmittag gegen 1 Uhr wurde das Motorboot „Hildegard" aus Spandau auf der Havel zwischen der Kirche Hermannswerder und dem Park Jugenheim von dent Dampter „Eintracht" gerammt, so daß das Motorboot umschlug und die sechs Insassen ins Wasser stürzten. Es gelang, fünf von ihM-n zu retten und in Sicherheit zu bringen, während der Besitzer des Motorbootes, ein Kaufmann Ernst Fischer aus der Adamstr. 7 in Spandau, ertrunken ist. Der sofort alarmierte Reichkwasserschutz konnte die Leiche bergen. Zu dem Unglück w«t>eu folgend« Einzelheiten bekannt. Fischer befand sich in seinem Motorboot„Hildegard". daß noch mit fünj Angehörigen besetzt war, aus dem Wege noch Werder. Gegen 1 Uhr m ttags hatte man fast den Templiner See erreicht. F. der wegen des starken Wassersportverkchrs— zahl- reiche Segel-, Motor- und Paddelboote usw. belebten bei dem schönen Wetter die Wasserfläche— nicht sonderlich schnell fuhr, setzte die Geschwindigkeit auf der Höhe von Hermannswerder noch weiter heruittsr. Hinter dem Motorboot fuhr in einiger Eni- f-rnung der Ausslugsdampfer„Eintracht", der mit Aus- slüglern dicht besetzt war. Aus irgend e'nem Anlaß, Zeugen, behaupten, weil F. einem Segelboot ausweichen wollt«, bog er plötz« lich so weit nach links aus, daß der Steuermann der„Emtracht" infolge der etgenen Geschwindigkeit nicht mehr die Möglichkeit hatte, auszuweichen. Das Motorboot wurde van der Sp'tze des Dampfers seitlich gerammt. Das Boot schlug um und alle sechs Insassen fielen ins Wasser. Auf die Hilferuf«, der mit den Wellen ver- zweifelt Kämpsenden, die zum größten Teil des Schwimmens un- kundig waren, eilten zahlreiche Boot« zu Hilfe. Während es ge- lang fünf Personen zu bergen, ging Fischer sofort unter und fand den Tod. Sein« Leiche konnte am Abend vom Reichswosscrschutz geborgen werden. Die Schuldfrage konnte noch nicht einwandfrei aeklort werden, da die zahlreichen ZeUAenaussogen sich sehr wider- sprachep. Es hat aber den Anschein, dag Fischer die Warnungs- j i g n o l e der„Eintracht" überhört oder nicht auf sich bezogen hat. Einer der Geretteten, der Dater des Ertrunkenen mußte in das Krankenhaus zu Hermannewerder gebracht werden. Lebensgefahr besteht jedoch nicht. • Ein folgenschweres Molorradunglück ereignete sich gestern nach- mittag aus der Chaussee zwischen Britz und Martendorf. In- folge zu hoher Geschwincigkeit verlor der Motorradfahrer Hein- r i ch H. aus der Bergstraße zu Neukölln aus dem schlechten P s l a st e r die Gewalt über die Lenkung, so daß die Maschine umschlug. H. und sein Begleiter, der aus dem Soziussitz sah. wurden herabgeschleud«rft Während der Begleiter mit leichten Berletzungcn davonkam, mußte H. in das Augustc- Viktoria-Krankenhaus übergeführt werden, wo er im Laufe d-r Sonntagnacht starb._ Die Katastrophe öes Mististlppi. Weitere Tammsprengungen. Nach den letzten Berichten au» New Orleans wurde die Bruch- stelle des Mississippidammes durch weitere Sprengungen um etwa 200 Meter erweitert. Durch die Bruchstelle strömen jetzt 2001X10 Kubiksuh Wasser in das untere Land Infolge der Erweite- rung der Bruchstelle ist der Wasserspiegel um fünf Zentimeter qe- fallen. Die Bruchstelle erweitert sich von Stund« zu Stunde. Die Ingenieure beabsichtigen, sie mit Metallblechen zu versteifen, sobald sie die Breite von etwa 630 Metern erreicht. Fünfzehn Quadrat- meilen weiteren Landes sind unter Wasser gesetzt worden. Hoovcr über die NeberschweuimungKkatnstrophe. Handeles,tr«tär Hoover, der nuj einer Besichtigungsreise durch da» Ueberschwcmnniiigsgebiet bcgriften ist, hielt gestern im Rund- funk eine Rede, die im ganzen Lande mit angehört wurde. Er beschrieb darin die Ueberschwcmmung al» di« schlimmste in der Ga- schichte des Landes. 200 000 Personen seien ruiniert, sechs Millionen Acres überschwemmt und ein Schaden von 200 Millionen Dollar angerichtet worden. Tausend« von Personen warteten noch in ihre» vorläufigen Zufluchtsorten auf Rettung. * Präsident C a o l i dg« beabsichtigt, In den nächsten Tagen da» Ueberschwemmungegebiet zn besticheir. Neuerdings plant man, den ganzen Südosten von Arkansas zu räumen, wodurch wiederum 60 000 Menschen obdachlos werden. Die Stadt Dato» Rouge hat in den letzten Tagen 2-Z 000 Flüchtlinge aus Louisiana, Mississippi und Arkansas aufgenommen._ Dergwerksung ück in Amerika. 01 Bergleute verschüttet.* Jalrmon« swest-virginlos. 1. Mai. MTB.) Infolge einer Explosion, die den Haupteingang zu einem Bergwerk in Evereltsvlll« zerstörte, sind 91 Bergleute verschüttet worden. Zwei auf d«n Halden beschäftigte Arbeiter wurden durch d«n Lustdruck getötet, fünfzehn wettere wurden verlegt. Di« Rettungemannschaften er. klären, die Derhältnisi« Im Innern des Bergwerks lägen so, daß niemand, der während der Katastrophe in der Grub« war, sich hob« retten können.__ Sport. Ruft! Wagener schlägt öreitensträter k. o. Vor ausvcrkauftcm Hause kam In der Westsolenhalle In Dort» mund der Titelkampf um die Deutsche Schwergewichts- Meisterschaft Zwlschr» Rud« W a g e N e r und Breiten- st r ä t e r zum Äustrag. Der aus 15 Runv«n angesetzte Kampf nahm bereits In der zweiten Runde«in Ende, in der Wagener feinen Gegner durch einen rechten Haken auf das Kinn für die Zeit zu Boden bracht». Der zweite Schwergewichtekamps zwischen H a y- mann und dem belgischen Schweraewichtsmeister Pierre Chart«? wurde un«ntschied«n gegeben. Hecser It. der an Stelle Rüßgens gegen Alonzo kämpfte, holte gegen den Franzosen«in Unentschieden heraus. Der deutsch« Leichtgewichtsmeifter Cnsel und Mohr-Düssel- dorf kämpften«benfalls unentschieden. Drehkops schlug Dertinqer nach Punkten. Rennen zu hoppegarlen am Sonniag. dem 1. Mai. „„ 1 �'"■ � �/"bboldcr(S>. Var-a,. 2. Saianova(Vavne«). 3. Ludwig Thoma lZachmeier). Toto- lt:lS. Platz: w. 13: 10. genter lief: HeldnaNetn. u 2. Kennen 1 Franconla fHayne«. 2. SaldmeiNer(iL Karga). 3. Ingannatft(ÄnTaerV Toto: 93: 10. Platz: 81, ,4. n; 10. genier liefen: Sud-Cop. StahleS. Stifte, Goldalma. Cetnoa, Rakete. . A't1- eiunte), 2, Schneewittchen 00 Schmidt) 3. SchneetSnlg(Hayiie»). Tote:««: 10. Platz: 15, 11: 10. gerner lief Tuifr. » i P!'.V'-,":, Cleanier(2. Paiga), 2. Rolenirange(v. Schmidt), Toto: 11:10. 2 llefcn. , J- R e nn» n 1. Grateritter M Udertl, 2. Patrizier(V. lludwiz). 3.(SIeosar lZachmeier). Toto: 647: 10. Plötz: 104, LS. 73: 10. gerner stettss,' �aiurn Stolzenfels. Copnoi, Prospers, Ompreisionifi, Palamede», Ricotin. Bonibourg. Maitebrt. 6. Nennen. 1. Madame Pompadour(V. Pargo), 2. geentönigln 'flrncenj) 3. Perlepbone(D. Schmidt). Tote: 43 1 10. Platz: Ii, 17, lo: 10. gern« liefen! Orgel, Lufitania, Phnntefie, Ad hoc, Hanna, Tin. tradjt. Hochachtungsvoll. 7. Nennen. 1. Rita(D. Schmidt). 2. Dftrt«(31. Torfe), 3. Hoch. ftepler(Srügerl, Tete:*2:10. Platz: 18. 2«, 3«: 10. gern« liefen: Boruista, Kasbek, Ebern, vranbb. Geldulf, Settel», Dalberg, Sturmnacht, Morgenstern, Besel, Kronprinz, Magyaritt. / Einstweilige Verfügung gegen Streit. Tie Hamburger Wollkämmerei in Nöten. Die Textilurtternehmer in Groß-�omburg lehnten dl« Forderung «ner Lohnerhöhung und die Verkürzung der S4stündigen Arbeits- rsoche auf 48 Stunden ab, weshalb etwa SlXXZ Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit niederlegten Die Stern- Wollspinn«» rei in Altona-Bohrenfeld kam nun aus die Idee, den Streik durch ein« einstweilige Verfügung zu brechen. Das Land- gericht in Hamburg lehnte es nicht etwa rundweg ab, durch «ine Verfügung m den Streik gegen zu lange Arbeitszeit und zu niedrige Löhne«inzugreifen, gab vielmehr dem Antrage der Unternehmer statt, und erlieh unterm 2S. April die folgende einstweilig« Verfügung: „Durch einstweilige Verfügung wird den Anlragsgegnern. dem Deutschen Textilarbeiterverband. Filiale Hamburg u. U m g.. o e r b o t e n, den bei den Firmen der Stern- Wollspinnerei Vahrenseid, Hamburger Wall- k ä m m e r e i G. m. b. h.. Ivilhelmsbura. Bisch off u. Rodah, Hamburg, eingeleiteten Streik in irgendeiner weise zu unterstützen. es sei durch Anweisungen an die Streikleitung oder durch Unterstützung von Streikposten st ehen oder durch Sewöhrung von Streikunterstützung an Mitglieder oder durch irgendwelche anderen ZUillel, und zwar bei einer vom Gericht für den einzelnen Fall der Zuwiderhandlungen festzusetzenden Geld- oder Haststrafe." Die ganze Bedeutung dieser einstweilig«» Verfügung liegt darin, daß sie überhaupt erlösten werden konnte, daß sich Gerichte finden, die sich in dieser Weise gegen die legale Tätigkeit der Ge- werkschaften wenden Im übrigen ändert diese Verfügung natürlich an der Sache selbst herzlich wenig. Die Streikenden werden ihren Kampf nun erst recht fortsetzen, nachdem die Firmen durch ihr Vorgehen verraten haben, wie schwach ihre Position ist, die moralisch von vornheröin unhaltbar war. Die Herrschaften, die immer noch der veralteten Auffaflung sind, es mit Arbeitssklaven zu tun zu haben und deren Arbeits- bedingungen willkürlich diktieren zu können, müssen sich wohl oder übel damit vertraut machen, daß die Arbeiter und Ar- beiierinnen in einer Angelegenheit, in der es sich für sie um die Existenz dreht, ein Wort mitzureden haben. Die Höhe des Profits ist für die Un«rnehmer zweifellos eine wichtige Ange- lezenheit, doch sür die Arbeiter ficht das Leben auf dem Spiel und das ist— für sie wenigstens— weit w i ch i g« r. Sie werden deshalb trotz dieser einstweiligen„Verfügung", einstweilig weiter streiken, bis die Unternehmer ihr« Verfügung ad acta legen und sich zu ernsthaften Verhandlungen bereit erklären. Anfechtung öer vetr-ebsratswahl. Dauerade Aushilfsarbeit. Die Firma Karl Richard Schmidt, Kaffee- und Kon- fitürengefchäft, focht durch Klage beim Gewerbegericht die Wahl des Betriebsrats an mit der Begründung, die Gewählten feien noch nicht sechs Manate im Betriebe tätig, also nach den Bc- stimmungen des Betriebsrätegetzes nicht wählbar. Sämtliche Betriebsratsmitglieder konnten sich darauf berufen, daß sie 13, 15, 17, 18. 2S M o n a t e bei der Firma beschäftigt sind. Dos konnte zwar nicht bestritten werden, aber die Firma stützt ihre Behauptung darauf, daß das Arbeitsvcr- hältnis öfter unterbrochen wurde, so daß eine un- unterbrochene Beschäftigung von sechs Monaten in leinem Falle erreicht fei. Wie die Verhandlung ergab, find in der Knnsttürrn- und Kakcsfabrik der Firma l>7 Personen beschüsttgt. Davon befindet sich nur der dritte Teil in einem testen Arbeitsverhältnis mit achttägiger Kündigung. Mit den übrigen Mehr als üll Atbeitnehnicrn hat die Finna schriftlich vereinbart, daß sie als A u s h i l f s a r b e i t e r mit eintägiger Kündigung während der Saison beschäftigt werden. Zu diesen ge- kören die Betriebsrotsmitglieder, deren Wahl angefochten wird. Sie sind, wie sesagt. s«tt Lahr und Tag km Setriebe tStig, wurden aber jedesmal am Schluß der Saison(Weihnach. ten, vsiern. Pfingsten) entlassen und nach wenigen Tagen wieder „neu" eingestellt. Auf dies« Weise hat sich die Firma einen Stamm von dauernden Aushilfsarbeitern geschaffen, die sich von den festen Arbeitern nur durch den Ausschluß der Kündigung unterscheiden. Im übrigen wurde auch festgestellt, daß die für Saisonbelrlebe geltenden Bestimmungen auf den Betrieb von Karl Richard Schmidt nicht zutreffen, weil die hier hergestellten Waren während des ganzen Jahres Absatz finden, der allerdings zu den Feftzciten anfteiat. Auf Grund dieser Sachlage wies das Gericht die An- fechtung der Detriebsratswahl zurück. Lehrstellenvermittlung in Serlln. Der Bericht des Londesarbeitsamtes verzeichnet für März 1327 einen verminderten Andrang lehrstellensuchender Jugendlicher, was als Folas einer gesteigerten Anforderung jugendlicher Arbeitskräfte bei den Arbeitsnachweisen erklärt wird Freie Lehrstellen wurden im März für 1S7S männliche und 1074 weibliche Lehrling« gemeldet (gegen 934 bzw. S49 im Februar). Im März 192S standen etwa 1000 Lehrstellen weniger zur Verfügung. Der Bericht bemerkt hierzu:„Allerdings hat an dieser Besierstellung die beinahe überspannt« Anforderung kaufmännischer Lehr- l i n g e erheblichen Anteil, was für die Beurteilung der Lage zu beachten bleib!." Di« Lehrftellenvermittlunasergebnisie im März können als durchaus günstig bezeichnet werden, es wurden 1053 männliche und 723 weibliche Ratsuchende in Lehrstellen unter- gebracht(gegen 634 männliche und SOI weibliche im Februar). Auch für die Vermittlung gilt das oben für die Lehrstellenmeldung Gesagte, die Ergebnisse sind ungefähr die gleichen wie im März 192S. Ein Vergleich der Vermittlungsergebnisse im ersten Viertel der letzten drei Jahre zeigt folgendes Bild: 1. Vierteljahr 1923 1. Vierteljahr 1926 männlich SS4S 1643 weiblich 1446 1679 1 Bierteljobr 1927 1997 1634 8680 ü7.;4 8651 zusammen Guten Erfolg brachten im März d. I. auch die Bemühungen, Berliner Jugendliche in Lehrstellen in der Prcvinz zu vermitteln. 66 derartige Stellen konnten besetzt werden(64 männliche, 2 weib- liche) gegen 28 im Februar(26 männlich«, 2 weibliche). In den ersten drei Monaten 1927 wurden III männliche und 4 weiblich« Berliner Jugendliche als Lehrlinge in di« Provinz untergebracht. Ter Streit der Cihauffeure in Tresdcn. Dresden, 1. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen am Sonnabend im sächsischen Arbeitsministerium zur Beilegung des Streikes der Krafidroschkenführer verlieien infolge der hart- nackigen Haltung der Unternehmer abermals ergebnis- los. Daraufhin wurde ein Schiedsspruch gefällt, der bis zum 31. Mai einen Wochenlohn von 42.60 M. und pon dieser Zeit bis zum 30. September einen solchen von 43, SO M. vm sieht. Ab 1. Oktober bis zum 31. Juli 1928 sollen Löhne van 48 M. wöchent- lich gezahlt werden. Die Dresdener Krasldroschkcnführcr nahmen noch am Sonnabend abend zu dem Schiedsspruch Stellung und lehnten ihn gegen nur wenige Stimmen ab. Zum Schiedsspruch in der Kaliiudustrie. WTB. gibt folgende Bc r i ch t i g u n g: In unserer Meldung „Schiedsspruch in der Kaliindustrie" muß es bezüglich der Herab- setzung der Arbeitszeit in durchgehenden Betrieben statt„vom I. Januar ab" richtig heißen:„vom 1. November ab". BtaS hat der Zcchcnvcrband vor? Essen, 1. Mai.(MTB.) Der Zechenverband hat, der„Rhei- nisch-Westfälifchen Zeitung" zufolge, den zurzeit gültigen Tarif- vertrag für die technischen Bergbauangestellten vom 24. Juni 1921, berichtigt am 18. Juli 1924, zu« 81. Juki gekündigt. Will der Zechenverband etwa aus freien Stücken di« Gehälter erhöhen und den Urlaub verlängern, oder«as bezweckt er sonst mit dieser Kündigung?_ Gehaltsbewegung bei der Nordwestlichen. Essen, 1. Mai.(WTB.) Die Angestelltenorganisationen haben, wie die„Rheinisch-Weftfälische Zeitizng" berichtet, die ab 1. Dezem- der 1926 geltende Einkommenregelung für die technischen An- gestellten der Eisen- und Stahlindustrie, nordwestliche Gruppe, zum 31 Mai dieses Iahies gekündigt. Verhandlungen finden vor- aussichtlich noch im Mai statt. öalkankonferenz öer Transportarbe'ter. In L a i b a ch findet vom S. bis 6. Juni die vierte Dalkankonfe- renz der Transportarbeiter-Internationale statt. Die Tagung wurde vom Genossen Nathans als beauftragten Sekretär durch eine Informationsreise vorbereitet. In einer Pressekonferenz teille er darüber mit, daß die meisten Balkanländer mehr oder weniger faschistisch regiert würden und es an organisatorischer Kraft fehle, um der Unterdrückung Widerstand zu leisten. In Rumänien sei dem Reichspersonal das Bereinsrecht«nt» zogen: nichtsdestoweniger wolle man jetzt den Kern eines allge- meinen Essenbahnerverbandes schaffen. In Bulgarien bestände zwar Organisationsfreiheit, aber die Eisenbahnarbeiter hätten kein S t r e i k r e ch t. In der T ü r k e i bestand zeitweilig«ine blühende Gewerkschaftsbewegung mit mehr als 250 000 Mitgliedern. Die jetzige„demokratische" Regierung habe aller Organisation ein Ende bereitet. In Griechenland habe er noch die günstigsten Zustände angetroffen, obwohl dort Eisenbahnpersonal weder dem Parlament angehören noch sich K4r Wahl stellen lassen dürfe. Di« Resultate dieser Untersuchung wütden zu einem Bericht oerarbettet werden, der der Genfer Arbeitskonferenz vorgelegt werden soll. Organisatorisch ist Nathans mit dem Ergebnis feiner Reise sehr zufrieden. Die mehr als 20 000 organisierten g r i e ch l- schen Seeleute hätten sich der Internationale angeschlossen, und die mehr als 20 000 organisierten Hafenarbeiter würden auf ihrem in drei Monaten stattfindenden Kongreß ebenfalls den Anschluß beschließen. Die Transportarbeiterverbänd« seien aus dem Balkan durchweg die besten Organisationen. In Rumänien seien die Hafenarbeiter und Wagenführer fast zu 100 Proz. organisiert. Die Organisation habe in B r a i l a den ganzen Hafenbetrieb in der Hand, habe die Kranen und die Kais gemietet und regele die Arbeit. Sie besitze dort ein großes Bolkshaus, eine Klinik, eine Bibliothek, eine Genossenschaft für Lebensmittel und Kleidung und einen Fonds für kulturelle Zwecke, woraus eine Sommerschule und ein« Bildungsschule erhalten würden. In Griechenland seien trotz zweier verlorener Streiks 6 0 Proz. des E i se n b a h n p e r s o n a ls organisiert, in Bul« garten 6000 von 1 3000 Eisenbahnern. Don Kriegsgeist war in diesen Ländern nichts zu merken, die Menschen seien t r i e g s- müde. Unter der Arbeiterschaft herrsche starkes internationales Empfinden. In Galotz habe er einen Kranz auf das Grab von zehn Transportarbeitern gelegt, die bei Kriegsausbruch anläßlich einer Demonstration der Transportarbeiter gegen den Krieg auf der Straße erschossen seien. Don den Kommunisten, die auch dort viel Unheil an- richteten, habe er nach seiner ersten Rede auf dem Balkan den Bei- namen„Sassenbach der Zweite" erhalten, wie Nathans zum Schlüsse seiner Ausführungen mit gutem Humor bemerktes"""" vereniworilich für Volilik: fürtot Siblss!«.»lI»<,tlbZskt: 9ea>tr!f(iiaft56nBfouT!a; RritSr. Cfcbtii; ffeuiritton:«. 9. Slliftt: Sofale» und LonstistS! Frid«atftsdt: Änzcigtn: Td.»lock«: sämtlich in»«elin Letlag: Porwätio-Pktlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Borwärt».Buchdruckrrrt und Brrlagsanltalt Baul Singer u Co.. Berlin SZS 68, Einbcnflrafe« 8. »isdie Dnei Charlortenburg 7 Uhr Propiief Abonn.-Turnus IV WM MW Korden 10384—37 8 U. Ende ll«U. Der ftrzl am Sdieldewed Kamtnerspiele Korden 10334—37 8U. Ende geg. 10 U Zum I. Mal Stigiges Gastspiel Um in(in Trlanon-Tüeatei Uhr. Revue Der Einakler Lustspielhaus Beut! lettti Vors'elliiBg! l'f, U.: Os'd« TWehdiei Mareen 7V- Uhr Premier«! Msz letzt! Hadit Vespermann Klinder Junkermann Die Komödie rtismarcK 24)4. 751« 8'., Uhr, Ende 10 U. Lockvögel Nacbtveralellang Tigl.II U.,EndeI U. Kern: Was Sie wollen Preis«: a, 3, 4 und s flu. waihauo-Tbeiu. Täglich SV- Uhr: Die von der Uebe leben! Iiimdtdn iiiHB Zi tritt' Voneiger zahlt nur halbe Kassenpr. Reichshallen-Theater Allabdl. 81} Sonntags naebtn. SU. Stettiner Sänger Zun sdiiuii:, Deatsdier Frabling" Nachmittags: Haibe Preise. VOUe» Programm UönhoH-Brett'l: BaamblQie* Tbnt. LliMorfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr Eidcwqiiill Drei arms kleine Rädels Opmtts wen Waltrr Kslla Fentral- Thealer > ERIK CHARELL BRINGT 1. Alfred Braun, ladt Hanntelm a. 0. Bendov, Westermeiar, Kupfer u. a. Grones Scfaauipiclbant O WOCHENENDE AUSSTELLUNG AM KAISEHDAMM Mfirkische Heimat Verkehrspanoram«/ Kunstausstellung/ Die Landschaft In der Photographie/ Z00 Wodicnend- hausmod eile/ Schülerwettbewerb Der Bedarf de« Wochenendlers Wochenendhaus-Kolonie TSgl. I Uhr vm. bis 10 Uhr abtfa. Einlaß bis t Uhr Eintritt 1,50 M./ Schüler TS Pf. Alfc Autohallet BERLINER SCKNEEPALAST TÄg l.ron Y Uhr vm. bis 8 Uhr abda� Ab 8,30 Uhr: Groß-Schnecsport- A bend- Programm/ Schnccballett/ Grober Ski- und Rodcibelrieb. Dutrilt UB Jf, für feifclhiagsbinO* 1 N. Verkäufe ßcltleiilunqssiuckf. Wasche us* ffienia ntttaprnc Steckanjflse. Smo- finpanjüpf, tSrhrorfansün«. Zsckrtlea. 4Üoe,(Sabatbinemänlel, t&ummtmijntel, CutawoN'Anzllgr ToiHenmontf I. fic (obt sstgur paffenb. epcjialitäl: Saud). aiizllzc. fpottbitlig Halp-rn. Zioscn. Etage. thalr»ftr»ß« 4._ ecrlcib von hocheleaanlrn Stfell- fchaftsaniiflorn. Ziosenthalerstraz« 4 Zlorhen 8303.' Mäbel Patentmatratze».Primisstma', Mr. tallbetten, Auflegematratzen, Chaise- languea Salter, Ctargarbersiraße acht. zehn, Epezialgeschäst.> MMsikinstramente Sinlptase«, überaus preiswert. Piano. fabrik Link. Brunncnstratze 33.» Ösipreußen. ForsUmlhirarbell ....__________ Aiia..»mK arnatMn*ftewhe 9rAit#n nnh CfnHhAeie« Mittwoch, 4. Mal 8 Uhr Premlere Die Welle Lustspiel von Carl Sloboda Volksbühne Ttztit« m eeii�nti 8 Uhr. Volponc Morgen 8 Uhr: Judith Tb. in SdtillbiiitTdinn 8 Uhr Tragödie der Liebe WaiEner- Theater 8, L'hr Oer Luslsptclcrlolg fi'tt der Sounfiiseile CASiNO-THEATER um Piinpelhuber dar Killionen-Erbe Ctrcscheln: P«ut 1 Mk, Sessel 1,80 Mk. 14-18 iShriae Burschen»um Hilten und Ml-tnstehende Frauen und Mädchen nach ->«. per Neumark gesucht. Meldungen bei ben Bettrtsardettenachweisen sowie im Lande». ardettsamt P-rlin. Niederwallstratze IS. Zimmer Sl. 1«— lö lantipc üU4.|a;c»» n»*«» v—" für leicht- lanbwirtschattliche Arbeiten ge- suchL Meldungen bei den Bezirksarbeits. nachweisen sowie im Londesa-brttsaint Berlin, Ri-benvallliratze lZ. Zimmer Zl Tahrrader Brei Morl Dochenraie. 18 Mark An> gabluna. tür«in«rsiklaNiaes Marken- rad. Fadrraddau» Zentrum Linien- ltratz« neun�dn.' Kaufgesuche Zatzngebiffe. Silberlachen. Zinn. Biel Queckülber. Soldtchmel« ckdrlülonat Zävenickerltratze 8» fAdalb.rtftratzeL' ilitre». fili». k£rMUtelle nttlirtiinlh. HoSlantl, Purnpenfabrik Berlin N 68, leliitkiiltnkf Str. SS zur Miete W£e, Ansbach erstr.l Mol- u. Zeichen- Bedarf LOuergens! AlfJUMUlRrjzlatj| Gebrauchte Kraftwagen verschiedener Stärken und Fabrikate, besonders für Vermietungszwecke geeignet, außerordentlich billig und zu günstigsten Zahlungsbedingungen abzugeben. Anfraaen unter Chiffre D. 34 an die Expedition des„Vorwärts", Berlin SW68, Lindenstraße 3. Sportsleute! Cin Jahr trennt uns noch von der Olympiade 1928. � Deutschland erwartet Großes von Euch. Die lan*- vorbeugende richtige Ernährung hei Sport und Training ist ausschlaggebend. Die Wichtigkeit mineralstoffhnitiger und vitaminreicher Nahrung ist eur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit von der Wissenschaft erkannt Noch ist es Zeit, den Körper durch vollwertige Ernährung iur Höchstleistung ru trimmen. Wer reichlich Vitamine in se.ner täglichen Nahrung genießt schafft das Fundament für Kreit und Ausdauer. Frisches Obst und frisches Ge- müse sind die stärksten Vitaminträger, also die geeignete Sportnahrung. l&ikchtQ f ftp VW» wr undJhrbleibtgesund! Täglicher Genuß Irischer Früchte ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit Frische Frfldita gibt es sa jeder Jahres teit Da« ideale Sporlgetr&nk l»t Zitronen- wasser, bereuet aus frischen Früchfcn.