Nr. 2SS ♦ 44. �ahrg. Ausgabe A Nr. 105 Bezugspreis. Wöchentlich 70'SfennUL monatlich 3,- äieichsmatl ootous«iiibat. linier Rreiubanb für Deutiducaa, Scmi« Saat, uni Semdarbut. Ceilctrcidi Litauen üutembui* •4�0 jScidismoil, für bas übttac Busland 5 jO Reichsmark uro Monat. »er.Sonnätls* mit bei UJufttiet. tan Sonntaflsbeilag«.Soll und Seit* tomte den Beilagen Jlntttbaltun« uno Kiffen*.«us aet StlmroeU*. Frauenstimme*.Der Rinder» sreund* Luqend-VorwSrts* und �liik in die Biicheriuelt* erscheint wochentöglich jmtimal. Sonntag« uni Montags einmal. Margen ansgalre Telegramm-Adreffe: »Soziatderuatrat vertln Derlinev VolksblÄtt �entralorgan cler 8o2iatäemokratifcl?en Partei Oeutfcklancis (�10 pksnnis) Anzeigenpreise: »ie einivaltia« Nonvareille. teile 80 SFennia. Reklame, eile 5,— Reichsmark..Meine«n, eigen* das fettgedruckte Wort 25 Bkennig (tulärTta ,wei fettgedruckte Worte). iebe« weitere Wort 12 Psen�g. ttcaenaetudie das erste Dort lö Viennia. jedes weitere Wort 10 Bfennia. Worte übet 15 Buch» Naben ,äblen fiit«wei Wort». «rbeitsmarlt Seile 60 Pfenniet. Samilicnan, eigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. «nieigen für die nächste Rümmer «ilffen bis 4>4> Ubr nachmittag, im Kauvtaeschäft. Berlin EW 68. Linden. firaste 0. abgegeben werben. Geöffnet oon 8'b Ubr frilb bis 5 Ubr nachm. Reüaktion unü Verlag: öerlin EW. öS, Linöenftraße 3 Z�erusp�cher: Dönhoff 292-297. Dienstag, den 3. Mai 1AÄ7 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Linüenstr.Z Postscheckkonto-«erlin 37 6»-«anNonto:»onf der Arbeiter,«ngesteltca nnd«fsmien«nllstr. 65:»iskonto-Selellschnst.»coRtcntaffe Lindenstt. 3 Der Kamps um üas Scharsmachergesetz stürmische Debatte im Untcrhans über das Anti-Gewerkschaftsgesetz. London, Z JRflL((Eigener Drahiberichl.) 3m llnkerhaus begann am Monia�-mit der zrnelien Lesung de-Zlnil- geioellkschaftstthesehev der eigentliche Kampf der Arbeiter. parlei gegen dies.« Angriff aus die Organisationen. Der koaservotlve Kronaawall Sit�ouglas hogg hielt eine längere Rede, in welcher er den GcseheMvurf erläulerle. Dabei kam es zu zahlreichen Unter- brechungen, Zfauptfächlich von der Arbeilerpartel. Diese Zwischenrufe sleigeelen M derart, dah der Sprecher während der ersten Verhand- lungsskun/e nicht weniger als vier Mitglieder der Arbeiterpartei verwaryte und den schottischen Arbeiterabg. 3oas zum Der- lasse.« des Sitzungssaales aufforderte. Sir Douglas chogg betonte unter lebhaslem Gelächter der Arbeiterpartei, datz die Regierung nur zu glücklich sein würde, ekwaige Doppeldeutigkeilen im Geseheeiexte auszumerzen. Er versuchte nachzuweisen, daß von der Regierung alles geschehen sei. um das Streikrechl der Arbeiter unangetastet zu lasse nt 2tls sich der Gewerkschaslssührcr E l y n e s als Vertreter der ArbeikerfraNIon erhob, um die Der» w e r f u n g des Gesetzes zu beantragen, wurde er von stürmischen velfallrkundgebnngen der Arbeiterpartei begrüßt, die sich»och mebr- mals während ssiner Rede wiederhotten. Elyncs nannte die Rede des Kronanwalls eine Parodie auf das Gesetz, das er als„einen wohlberechneleu und bewußten Akt bürgerlichen Klassen. Hasses gegen die Arbeiter schast" bezeichnete. Der flnwalt See Scharfmacher. London, 2. Mai.(MTB.).3m Unterhaus behandelte in seiner bereits hurz gemeldeten Begründung der Gewertschaftsporlage�der G'sneralstaatsanwalt Äoag die Auseinandersetzungen, die durch die geplante Rcgicrungsinahnahme hervorgerufen worden sind. Cr er. klärte u. a., die Regierung sei der Ansicht, daß die Vorlage g u t u u d brauchbar entworfen worden sei. S'e sei aber trotzdem bereit, solch« Wänderungsanträge. die zur Beseitigung von Unklar- Helten bestimmt seien, in Betratet zu ziehen und etwaige Fehler der Vorlage zu befsitizen. Sie sei aber entschlosien, bis zum äußersten asten solchen Zusahanlrägen Widerstand zu leisten, die beabsichtigen. die hauptsächlichsten Grundsätze der Vorlage zu schwächen, die von der Regierung als richtig, gerecht und notwendig betrachtet würden. Die Opposition nahm diese Erklärung mit ironischen Beifalls- rufen auf. Die Regierung habe, so fuhr Hogg fort, es als nutzlos betrachtet, das Verbot der ollgemeinen Aussperrung mit dem Derbot des Streiks zusammen in die Borlage aufzunehmen. Die Borlage beschäftige sich lediglich mit praktischen Tatsachen und es sei nicht denkbar, daß jemals ein« allgemeine Aussperrung erfolgen würde. Trotzdem habe die Regierung, wenn mvn wünsche, zur Vermeidung von Mißverständnisien und falschen Auffassungen, den Fall gesetzlich zu behandeln, nichts dagegen einzu- wenden, die Aussperrung ebenso wie den Streik m die Borlage miteinzubeziehen. Der Sympathie st reit werde auch nach der neuen Dorlagc durchaus zulässig sein, solange er sich gegen die Arbeitgeber und nicht gegen die Regierung oder die nationale Gemeinschaft wende. Ein Streik sei nur dann als unerlaubt anzusehen, wenn er nicht ausschließlich industrieller Art sei, sondern bestimmt sei, einen Zwang auf die Regierung auszuüben oder die Staatsgemeinschost einzuschüchtern. Chamberlain über Albanien. Allgemeine Redensarten im Unterhaus. 3m Unterhaus gab Chamberlain eine längere Erklärung über den italienisch-jugo slawischen Konflikt ab. Er betont«, daß er den Vertrag von Tirana erst am Tage seiner Veröffentlichung und Registrierung beim Völkerbund kennengelernt hätte. Die englische Regierung habe.mit seinem Beginn, seinem Abschluß und seinen Bedingungen nichts zu tun" gehabt. Cr sprach dann von seinen Bemühungen um eine Vermittlung zwischen Rom und Belgrad, um eine direkte Aussprache herbeizuführen. Solange diese Aussprach« nicht beendet sei, könne er ein« Anrufung des Bölkerbundsrates nicht empfehlen. England wünsche nur die Erhaltung des Friedens und werde in dem Meinungsstreit nicht Partei ergreifen. Weitere Erklärungen seinerseits könnten den Erfolg der Aussprache nur beeinträchtigen. was wirü aus der Krisenfürsorge? Sozialdemokratischer Einspruch im Sozialpolitischen Ansschutz gegen den Abbau. Der Sozialpolitisch« Ausschuß des Reichstages trat am Montag zur Beratung der Arbeitslosenversicherung zusammen. Bor Eintritt In die Tagesordnung erhob Abg. Graßmann(Soz.) namens der sozialdemokratischen Fraktion gegen die vom Reichs- arbeitsmin'ster verfügten Einschränkungen in der Krisenfürsorge Einspruch. Das Reichsarbeitsminilterium hat zunächst für das Spinnerei-, Bervielfältigungs- und Gärtnereigewerbe die tlnterstützungsdauer herabgesetzt und in einem Rundschreiben an die oberste Landesbehörde nahegelegt, in weiteren Gewerben gleiche Maßnahmen vorzunehmen. Großmann wies darauf hin, daß die bestere Beschäftigung einzelner Betriebe keineswegs die Unter- bringung aller Erwerbslosen ermöglich« und die erwähnten Maß- nahmen mit dem Begriff einer Krisenfürsorge nicht in Ein- klang gebracht werden könnten. Er verlangte vom Reichsarbeits- ministermm die Zusicherung ausreichender Unterstützung für die übrigen unverschuldet in der Arbeitslosigkeit verbleibenden Arbeitnehmer. � Reichsarbeitsministcr Dr. Brauns antwortete, daß es sich um zwei Vorgänge hondelt. Der Erlaß für die erwähnten drei Ge- werbezweige besagt, daß in diesen Berufen kein weiterer Zugang zur Krisenfürsorge stattfinden darf. Gleichzeitig aber ist dem R e i ch s r a t eme Vorlage zugeleitet worden, die eine Be- schränkung der Krisensürsorg« in beruflicher und lokaler Hinsicht bringen soll. Der Minister ist der Auffassung, daß in den genannten Berufen nicht nur ein Rückgang an Arbeitslosen. sondern , bereils Rlcmgel an Arbeitskräften zu verzeichnen ist und daher die Unterstützungsdauer verkürzt werden könne. Neben der besseren Lage des Arbeitsmnrktes fei die Maß- nabme des Ministeriums auf die Erfahrung zurückzuführen, daß die bestehende Krisenfürsorge ein« starke Ausnutzung und miß- bröuchltche 3nansvruchnahme erfahren habe. Brauns verttest zum Beweis hierfür einzelne Berichte aus Rheinland-West* folen. wonach eine große Anzahl der Krisenunterstützten überhaupt nicht mehr arbeitsfäh'q sei oder nur noch für leichte Arbeit in Frage käme. Sfole dies» Personen würden Invaliden» oder Uniallrente bezichen und kämen für de» Lrbeitimartt kaum noch in Betracht. Es sind Leute in die Krisenfürsorge hineingeraten, die in die Wohl- fahrtspflege gehören. Aus diesen Gründen müsse das Reichs- arbeitsministerium eingreifen. Abg. hoch(Soz.) beantragt die Besprechung der Regierung?- erklärung und führt alsdann zur Sache aus, daß es durchaus ver- ständlich ist, wenn die lcngfristig Erwerbslosen allmählich seelisch und körperlich zusammenbrechen, d. h. im Sinne der Gesetzgebung dann nicht mehr als arbeitsfähig anerkannt werden. Die vom Reichsarbeitsminifterium hier angewandten Mittel bedeuten aber, all diese unverschuldet ins Elend HIncingeralenen Arbeiter und Angestellten einfach ihrer Rot zu überliefern. Die Gemeinden sind nicht in der Lage, diesen aus der Krisen- fürforge herausgeworfenen Menschen ausreichend zu helfen, und die Renten- und Invalidenversicherung reichen bei weitem für den Lebensunterhall nicht aus. Aus den vom Arbeitsm'nister mitgetell- ten Zahlen aus der Altersstcaisttk der Krisenunterstützten muß die Folgerung gezogen werden, vor allem die Altersgrenze in der Invalidenversicherung herabzusetzen. Abg. koch(Soz.) be- dauert deshalb das Vorgehen der Reichsregierung, hält ouch die Ant- wort des Ministers für ungenügend und kündigt an. dah die Sozialdemokratie nicht darauf verzichl-n wird, diesen Vorgang auch im pienvm des Reichstages zur Sprache und zur Erledigung zu bringen. Graßmann weist darauf Hin, daß Arbeiter über 60 Jahre nicht mehr eingestellt werden und fragt, was nun mit diesen unglücklichen Menschen werden soll. Schließlich wird eine Entschließung, nach der die Der- Ordnung des Relchsarbeitsm'nisteriums aufgehoben werden soll, oegen die Stimmen der SPD. und KPD. a b g e l e h n l. Eine von Frau Teusctz(Z.) begründete Entschließung besagt, doß bei der bevorstehen- den Vorlage zur Kritenfürsorge sebe lokale Begrenzung unterbleiben soll. Diese Entschließung wird angenommen. Sobold das von dem Abg. choch verlangt« Materiol vorl'ezt, wird sich der Reichstag mit der Angelegenheit weiter beschäftigen. Die Weiterberatuug des Arbellslosinoersichcrungsgeietz«, wurde auf Dienstag vertagt. Moskau unö Sie Komintern. Tic Politik der Niederlagen. Don Heinrich Ströbel. Das ehemalige Mitglied der kommunistischen Reichs- tagsfrattion, Dr. Rosenberg, hat seinen Austritt aus der KPD. damit begründet, daß er die widerspruchsvolle, wirre, zu unaufhörlichen Niederlagen führende Politik des Kommu- nismus nicht länger mitveraniworten könne. Diese Wider- sprüche führt er auf den Gegensatz zwischen den Bedingungen der Moskauer Politik und den propagandistischen Bedürfnisten der Kommunistischen Internationale zurück. Das Intereste Moskaus gebiete im Grunde ein Zusammengehen mit den nationalen Freiheitsbewegungen und den gemäßigten sozialistischen Arbeiterschichten des Auslandes. Um aber die Sondereristenz ausländischer kommunistischer Parteien zu ermöglichen, müsse Moskau sich auf die radikal- sten antinationalsten Arbeiterschichten stützen und demzufolge die sozialrevolutionärsten Losungen ausgeben. Diese Gegen- sätze zwischen derjenigen Außenpolitik, die Moskaus cigcnt- liches Interesse gebiete, und der ertrem-revolutionären Poli- tik, von der die Komintern ihr Dasein friste, führten zu ewigen Schwankungen und Fehlern, die in der letzten Zeit beispiels- weise die Niederlagen der kommunistischen Politik in England und in China verschuldet hätten. Uns erscheint diese Erklärunr der miderspruchsvolls« und verworrenen Politik Moskaus auf Grund der vorliegen- den Tatsachen allzu einfach und allzu schematisch. Denn wenn sich Moskau wirklich klar wäre über die Außenpolitik, die seinen Interessen dieme, so besäße es auch durchaus die Möglichkeit die Haltung der Komintern mit dieser Politik in Einklang zu bringen. Denn der europäische Kommunismus ist nichts ohne die materielle Unterstützung und die Inspiration Moskaus. Es ist doch eine wunderliche Vorstellung, Moskau für eine Art Gefangenen des Gebildes zu halten, das es sich selbst geschaffen hat. Und das doch bis auf den Tag nur das nach gestammelt hat, was ihm von Moskau eingeblasen worden ist! Wenn Moskau in Deutschland, Frankreich und England eine kommunistische Bewegung für wünschenswert hielte, die der putschistischen und weltrevolutionärcn Phraseologie ent- sagte und sich auf eine Politik des Möglichen einstellte, so könnte es das haben, ohne daß darum alsbald ein lata- strophaler Zusammenbruch der Kommuniftisckien Partei ein- träte. Denn die politischen und sozialen Zustände in den genannten Ländern böten auch einer ausgesvrochen sozia- listisä>en Oppositionspartei die Eristenunöglichkeit. Wenn al'o Moskau trotzdem den jetzigen ertremen und„revolutionären" Charakter der kommimistischen Parteien nicht nur duldet, sondern durch ihr Instrument, die Komintern, mit Eifer konserviert, so muß das doch ihre Absicht sein! Die Dinge scheinen uns in Wirklichkeit so zu liegen, daß Moskau selbst keine eindeutige und klare Politik tre-bi. Nicht unter irgendeinem äußeren Zwange, sondern weil in seiner eigenen Seele zwei Geister leben: der Geist realvoli- tiicher Besonnenheit und der Geist des wsltrevolutionären Abenteurertums. Diese beiden Geister rinaen uoch unobläistg miteinander. Je nach der vermeintlichen Guns�ber Umstände trägt bald der eine, ba�d der andere den Sieg davon. Und es sind auch keineswegs scharf getrennte Personengruppen, die diesen oder den anderen Geist verkörpern, sondern auch die Stalin und Bucbarin sind noch manchmal den gleichen weit- revolutionären Anwandlungen unterworfen, wie die Radek oder Sinowjew. Die Beweise für unsere Auffassung scheinen uns zwingend zu sein. Man urteile selbst. Da erfahren wir jetzt, daß Bucharin sich in einer großen Polemik gegen Radek gewendet hat, der, nach der Darstellung des gemeinhin in russischen Dingen ansge-eitbnet versier'en Paul S ch e f f e r.„die rote Revolution in China näher sah als das offizielle Moskau, daß er jedenfalls die Mobi'isiernng der Massen zur Unterstützung Kantons für notwendig hielt und eben'o den sofortigen euer- gischen Beginn des sozialen Umbaus Chinas, insbesondere die Agrarverhältnisie mit der ungeheuren Verschuldung des Bauerntums an die Städte". Die Grundtendenz der Moskauer Regierung dagegen sei es gewesen, eme extreme revolu- tionäre Kan�vnbewegung zu verhindern. Zunächst eine kurze Einschaltung: es berührt seltsam, daß Bucharin sich gerade gegen Radek zu wenden für nötig hält. Denn als der englische Genosse Drailsiord sich im März in Moskau aufhielt, war es nach seiner Darstellung im„New Leader" neben Karachan gerade Radek, der ihm versicherte. daß die Russen durchaus nicht auf eine Verschärfung des chinc- sischen Bürgerkriegs ausgingen. Schon Tschiangkaischsks Untcrnchmen gegen Schanghai betrarbte man als sehr riskant. Man lehe mit großer Besorgnis dem Augenblick entgegen, wo di« Südarmee den britischen Trunven aenenüberstrhen werde. Man erwarte überhaupt keine frühe Entscheidung im Bürger- krieg, der eher eine Angelegenheit von Jahrzehnten als von Iabren sein werde. Und gegen diesen Radek, der Brailsford so Ha-mlost und vernünftige Ansichten vor— trug, muß sich nun Lucharm al» revolitwnären Utopisten wenden. Dann muß Radek oTs Leiker 5er SMiaisewUnlversitäl in Moskau seinen chinesischen Zöglingen doch wohl andere Lehren ein- geimpft haben! Aber war denn nun wenigstens Ducharin der berufene Mann, um Rädels extremer Revolutionsideologie für China entgegenzutreten? In der Sondernummer 52 der„Impre- kmr" vom 2. Dezember 1926 wird ein viele Seiten füllender schriftlicher Bericht Bucharms zum ersten Punkt der Tages- ordnung der 7. Tagung des Erweiterten Ekki abgedruckt, der auch die Perspektiven der chinesischen Entwicklung aufzeigt. Entweder, heißt es da, werde China den Weg einer Per- ständigung mit der ausländischen Bourgeoisie beschreiten, „oder China wird im Bunde mit der proletarischen Diktatur und dem westeuropäischen Proletariat marschieren, das seine Bourgeoisie verhindern wird, irgendeinen Druck auf die Revo- lution in China auszuüben"...... Nicht von der Hand gewiesen werden darf eine derart originelle Entwicklung der Dinge bei der der kleinbürgerliche, unter dem aus- fch l ag g e b e n d e n Einfluß der Arbeiterklasse stehende und mit dem Lande der proleta- rischen Diktatur verbundene Staat einige wichtige Staarsbetriebe und Fabriken, die Eisenbahnen und Bankinstitute zu seiner Verfügung hat, die Bauernschaft von der brutalen Steuerlast befreit und nach und nach den Wohl- stand des Landes fördert, so lange die Industrialisierung der Sowjetunion und die siegreichen westeuropäischen Revolutionen die gesamte Wirtschaft nicht zu befruchten und ihre Entwicklung in sozialer Beziehung vorwärts zu treiben vermögen." Und schließlich:„Es ist felbstver- st ä n d l i ch. daß die Linie der Kommtmistischsn Partei sich in der Richtung des Kampfes um diesen zweiten Entwicklungsgang bewegen muß." Extremer kann sich doch wohl auch Radek die Entwicklung der chinesischen Revolution nicht vorgestellt haben! Und er wird dabei so wenig als Bucharin die„kolossalen Schwierig- keiten" einer solchen Entwicklung verkannt haben. Und wie man Radek kennt, wird er auch den dann folgenden Saß Bvcharins von Herzen unterschrieben haben:.Die wichtigste und nächste Aufgabe ist der Sieg über den auslän- d i sch e n Imperialismu s." Einen Wesensunterschied zwischen den Auffassungen Radeks und Ducharins vermögen wir also nicht zu entdecken. Und auch nicht zwischen Bucharins Leitsäßen und jenen Thesen. die daraufhin von der Erweiterten Ekki selbst angenommen worden sind. Diese letzteren sind nur etwas deutlicher und massiver. In diesen Thesen—„Imprekorr" vom 5. Februar 1927 — heißt es in dem Absismitt über die Aufgaben der chinesischen Revolution ganz im Sinne des Bucharinfchen Anti-Imperia- lismus: „Die Kantoner Regierung ist revolutionär vor allem wegen ihres antiimperialistischen Charakters. Da die chinesische Revolution l-nd die durch sie geschaffene Regierung vor allem antiimperialistisch sind, müssen sie die imperialistische Herr- schaft in China an der Wurzel treffen. Die Auf- lösuna der Diktatverträge und die Abschaffung der Gebiets- konzessionen genügen nicht, die Position des Imperialis- mus zu schwächen. Der Schlag muß gegen die wirtschaftliche Grundlage der imperialistischen Macht geführt weiden. Das bedeutet, daß die revolutionäre Regierung schließlich die Eisenbahnen, die Konzessionen, die Fabriken, die Bergwerke, die Banken und die Unternehmungen, die dem ausländischen Kapital gehören, konfiszieren muß. Durch diesen Akt wird sie die engen Grenzen der bürgerlichen Demokratie sofort überschreiten und in das Stadium des Uebergangs zur r e o o- lutionären Diktatur eintreten." Die Erweiterte Ekki forderte also ganz unverblümt, daß die chinesische Revolution die repolutionäre Diktatur prokla- miere und alles ausländische Eigentum konfisziere. Wie in der Nummer vom 4. Februar der„Imprekorr" in einem Briefe aus London dargelegt wurde, berechnete man das eng- die Himmelsschreiber. Von Jodok. Inserate in den großen Berliner Blättern kündigen an. daß ..die Himmelsschreiber" kommen. Das klingt ein wenig mystisch und es könnte dieses Wort im aktiven Sinne einer Botschastsüber- mittlung aus jenseitigen Gcsilden zu verstehen sein. Aber schließ- lich ist der Okkultismus ein wenig aus der Mode gekommen, und kann war es auch nicht üblich, daß seine Anhänger eine benso groß- zügige wie moderne Reklame betrieben, die sich noch dazu eines so unspirituellen Blickfangs wie des durch die Lüste segenden Flug- , zeugs bedient. Nein, die Himmelsschreiber werden gar nicht das sein, als was sie sich bezeichnen, sondern, im Gegenteil. Himmels- beschrciber, und sie werden der Erde keine himmlischen Osten- barungen verkünden, sondern unigekehrt den Himmel in den Bereich irdischer Ofsenbarungen einbeziehen. Da wird dann am abendlichen Eroßsiadtsirmoinent die bunte Dämpfelpur knatternder Aeroplanc aufleuchten, und über die Breite des Horizonts dahin wird der Ruhm der Zahnpasten und Schuhcremes, der Wäschemittel und der Putz- pulocr flammen.„Kaust bei mir..."„Wascht nur mit..." wird es am Himmel brennen: sarbensatt und lichtfroh, und der bleiche Mond und gar die sunseligen Sternchen werden sich vor der hellstrahlenden kaufmännischen Propaganda nicht weniger verstecken müssen, als sie es, im räumlichen Sinne, hinter ihr werden tun müssen. Die feurigen Buchstaben werden glühen, und es wird sein, als habe erst von nun an der unendliche Sternendom dort droben die seinem wahren Wesen entsprechende Verwendung gefunden. In einigen Jahrzehnten wird die Wertschätzung der vom Himmel gebildeten Reklamefläche bedeutende Fortschritte gemacht hoben. Die Ware Firmament wird rege gefragt sein. Da wird e« dann nicht länger angehen, daß die Flugzeuge wahllos überall hin ihre Flammenzelchcn sprühen. Man wird regionisieren. Vielleicht wird dl? Milchstraße in den Dienst der Zigarrensinnen und der Große Bär In den der Banken gestellt sein. Interessenten für Margarinefabriken wieder würden den Blick etwa nach dem Stern- dild der Leier zu wenden haben, und über Modeneuheiten könnte man sich ausschließlich in der Gegend des Andromeda-Rebels orien- tteren. Das natürliche Bild des nächtlichen Stadihimmels wird in «ine gewisse Vergessenheit geraten, aber es wird sich schon auch hin und wieder ein kleines Rest finden, das nicht gewillt ist, die sich über ihm wölbend« Himmelsfläche für propagandistische Zwecke frei- zugeben. Das wird dann seinen Namen mit Flammen an die ver- schiedenen Großstadthimmel schreiben lassen und als besonderes Lockmittel für Raturschwärmer die Jungfräulichkeit seines eigenen Firmamentes anpreisen. Diese vorzügliche Reklame wird ihre Werbe- kraft nicht verfehlen und manch einen anziehen. Diese werden dann Gelegenheit nehmen, im matten Gesunkel der ewigen Sterne eine der irdischen Reklametechnik gegenüber zwar dürstige. aber doch zu Herzen gehende Propagierung kosmischer Gefühlswerte zu empfinden, lifchs Eigentum in China allein auf sechs Milliarden Gold- mark. Englands Imperialismus nicht nur, sondern die ganze wirtschaftliche Existenz Englands sollte durch die chinesische Konfiskation und die anderen revolutionären Akte„an der Wurzel getroffen" werden. Daß sich unter solchen Umständen die bedrohten Mächte, England voran, gegen die russischen Einflüsse in China mit aller Macht zur Wehr setzten, darf vernünftige Menschen nicht gerade überraschen. Die gegenrevolutionäre Entwicklung in China ist so nichts als der unausbleibliche Rückschlag gegen die kommunistische Abenteurerpolitik. Eine so unehrliche und provokatorische Politik, deren n ä ch st e Opfer die miß- brauchten chinesischen Dolksmaffen s e l b st sind, kann bei der wirklichen Verteilung der politischen Kräfte gar nicht anders enden, als mit einem blamablen Mißerfolg. Wenn aber dann die Moskauer Regierungskreise, statt ihre eigene Torheit und Frivolität anzuklagen, die Schuld an solchen außenpolitischen Fehlschlägen aus Leute wie Radek oder auf die Komintern abzuwälzen suchen, mit der die Sowjetregierung angeblich gar nichts zu tun habe, so können solch kindliche Maskeraden nur Achselzucken erregen Will Moskau nicht ähnliche oder schlimmere Ueberraschun- gen erleben, so verzichte es endlich auf feine weltrevolutionären Spekulationen und feine weltpolitischen Brandstiftungsversuche. So ringe es sich endlich zu der Einsicht durch, daß es sich selbst und der Sache des Sozialismus weit besser dient, wenn es — mit dem Völkerbund, statt gegen ihn, m i i den sozialj- stifchen Parteien, statt gegen sie— seine gan'e Kraft für die Erhaltung des Weltfriedens und für die Befreiung des Weltproletariats einsetzt!_ Der Aeutscbnati'onale verleumüertonzern. Die Volkspartei will nicht locker lassen. Die Parteikorrcspondenz der Deutschen Volkspartei gibt sich mit den faulen Erklärungen der Deutschnationalcn über ihren Anteil an dem Feldzug gegen Stresemann nicht zu- frieden. Sie rückt den Deutschnationalen noch einmal den Tatbestand vor, wie er nach dem Plauener Prozeß gerichts- notorisch ist: „1. Es hat ein förmlicher Aktenverschiebungs- k o n z e r n bestanden. Im Prozeß sind in Verbindung mit den Akten die Namen folgender Persönlichkeiten genannt worden: Kranz. Kapitänleutnant a. D. K a u t e r, scinerzeitiger Hilfsarbeiter bei der Deutschnationalen Volkspartei, Breithaupt. Dr. Weiß, Haupt- geschäftssührer der Deutschnationalen Volkspartei. Oberregierungs- rat G o e b e l, seinerzeit Hilfsarbeiter bei der Hauptgeschäftsstelle der Deutschnalionalen Volkspartei, Hauptmann a. D. K n o l l. Major Stein von der Hugenbcrg-Zentralc, Chefredakteur B a c m e i st e r. 2. Diese Akten sind durch strafbare Handlung den Be- rechtigten entzogen worden. Die Zeugen Kranz und Knoll haben die Auskunft über die Herkunft der Akten mit der Behauptung ver- weigert, daß sie sich sonst selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen müßten. 3. Diese durch strafbare Handlung erworbenen Akten sind von der Hauptgeschäftsstelle der Deutschnationalen D o l k s p a r t e i für mindestens 8000 M., angeblich als Altpapier, angekauft worden. Unter diesen Akten befanden sich nach eidlicher Aussage sowohl Originale wie Abschristen. 4. Im Gesamtkomplex dieser Akten hat sich auch das Mate- rial befunden, das im Plauener Prozeh gegen Stresemann verwendet worden ist. 5. Die Bezeichnung..Akten der Deutschen Werke" für den Gesamtkomplex der fraglichen Akten ist irreführend. Die Akten stammen auch nicht aus den Aktenschränken der Deutschen Werke. sondern waren amtliches Material. Die angebliche Echtheit wurde von dem Angeklagten und seinen Zeugen sogar ausdrücklich hervorgehoben. 0. Es steht fest, daß der Angeklagte Müller-Plauen Behaup- tungen aufgestellt hat, die er oder seine Gewährsmänner nur aus diesem Material entnommen haben konnten. Matthäus unü Markus. Matthäus und Markus sind zwei hochachtbare Bürger und Wirts chastrtrngcr in einem jener Staaten nördlich der Ostsee, die auf ihre gute Bürgerlichkeit so unendlich stolz sind. Das veranlaßte beide Männer, zum Kadi zu lausen, denn ein Postulat der so hochstehenden Bürgerlichkeit, die gesetzlich geschützte Warenmarke, war aesährdct. Markus behauptete, Matthäus hätte in seinem Schuhgeschäfte Platt- fußeinlogcn eigener Finna verkauft, trotzdem die Kunden Markussche Plattsußelnlagen oerlangt hätten. Matthäus dagegen bestritt das aufs entschiedenste und behauptete überdies, feine eigenen Plattfuß- einlagen feien mindestens ebenso gut wie die des Klägers, der nur durch feine riesenhafte Reklome von„Doktor Markus' Plattfuß- Heilung" den Leuten einrede, daß er wirklich gute Plattfußeinlagen habe. Im übrigen fei Markus Doktor der Literatur, während alle Leute nach den Annoncen glauben müßten, der Hersteller sei ein wirklicher Arzt. Auf den tüchtigen Rechtsanwalt von Dr. Markus machten natür- lich solche Einwendungen gar keinen Eindruck, sondern er ließ seine Zeugen aufmarschieren. Alle, alle waren sie durch die Markussche Plattfußeinlage glückliche Menschen geworden. Alle, alle hatten sie bei Matthäus Markussche Plattsuheinlagen verlangt, und allen hatten die Matthäusschen Verkäufer die schnöden Matthäusschen Plattfußeinlagen anzudrehen versucht. Nachdem zwei Tage lang festgestellt worden war, daß Markus «in Heilbringer der Menschheit, Matthäus dagegen ein Schwindler und unfairer Geschäftsmann fei, zogen die Zeugen für Matthäus auf und stellten fest, daß noch nie in ihrem Leben im Geschäft von Matthäus«ine Plattfußeinlage von Markus verlangt worden sei und daß nur die Plattsußeinlage von Matthäus imstande fei, einen Menschen, der gehumpelt habe, zum Eintritt in einen Sportklub zu bcgeistern. Räch vier Tagen sagte der Richter auch-in Wort und bestellte sich einen Sachverständigen. Der stellte fest, daß beide Plattfußein- lagen gewiß ihre Vorzüge hätten, daß sie aber eiaentlich beide als Rohstahl von einer Firma im Rheinlande stammten und daß die gleiche Vernicklungeansialt ihnen den herrlichen Silberglanz gäbe und bei Dr. Markus eine aufgehende Sonne, bei Matthäus hingegen eine» springenden Löwen in den Nickel hineindrücke. Darauf bat der Richter die Rechtsanwälte, sich doch zu vergleichen, und diese waren auch der Meinung, es fei an der Zeit, die Gerichtskosten von den beiden Klienten einzukassieren und die Frage, ob die ausgehende Sonne oder der springende Löwe besonders heilsame Wirkungen auf die Füße der Menschen ausübe, aufs neue durch die Annoncen- feiten entscheiden zu laßen. Puck. New Orleans, die gefährdete Stadt. New Orleans, die bedeu- tendste Stadt im Süden der Bereinigten Staaten, ist durch den rasenden Mississippi in höchster Gefahr. Der Mississippi umgibt die Stadt zur Hälfte wie ein ungeheurer Walserring, denn er hat hier eine Breite von l Kilometer und ein« Tiefe von 38 Meiern. Das Hochwasser des Mississippi bedeutet seit jeher eine Bedrohung der Stadt, ebenso wie der Fluß zu gewöhnlichen Zeiten die tlrjache ihres Reichtums ist. Um die Stadt gegen den Mississippi zu schützen, ist sie von dem jogenanuten„Leoce" eingesagt, einem ungeheuren 7. Es trifft dagegen leider nicht zu. daß die deutschnattonals Presse die Angriffe, die auf Grund dieses Akterunalerials gegen die Eoaporator A.-G. und gegen Dr. Stresemann erhoben wurden. nicht weitergetragen hätte." Das ist alles gerichtsnotorisch, und es kennzeichnet den deutschnationalen Verleumdungskonzern. Aber das hinderr nicht, daß die Deutschnationalen im Bewußtsein ihrer Macht im Bürgerblock Herrn Stresemann und die Bollspartei wie lästige Querulanten ablaufen lassen, wenn sie Erklärun- gen oder gar Genugtuung für solche Koalitionsliebesbeweise fordern._ was hat Malhan gesagt? Deutschnationale Aufregung über den Botschafter. Vor einigen Tagen hielt der deutsche Botschafter v. M a l tz a n bei einem Festessen in Chicago eine Rede, in der er gesagt haben sollte, der Dawez,Plan sei für Deutschland die Rettung gewesen und Amerika habe sich im Krieg ritterlich betragen. Darüber erhob sich in der deutschnationalen Presse ein gewaltiges Toben und stürmisch wurde gefordert daß der Botschafter zur Rechenschaft gezogen werden sollte. Nun verbreitet das Auswärtige Amt ein Dementi, in dem erklärt wird, der Botschafter habe über den Dawes- Plan nur gesagt, daß er den Weg bereite für ein Zusammenarbeiten der europäischen Mächte im Geiste gegenseitigen Vertrauens. Das Zeugnis der Ritterlichkeit im Weltkriege habe er gleichfalls nicht aus- gestellt, da er sich mit der Frage überhaupt nicht beschäftigt habe. er habe gelegentlich einer Schilderung seiner Reiseeindrücke nur bemerkt, daß es einen angenehmen Eindruck auf ihn gemacht habe, daß amerikanische Ossiziere in St. Antonio eine Parade unter den Klängen der„Wacht am Rhein" zu seinen Ehren gehallen hätten. Die deutschen Diplomaten im Ausland haben unter der Herr- schaft des Bürgerblocks nichts zu lachen: kaum sagen sie«in paar freundlich klingende Worte, und schon fällt die Presse der„größten Regierungspartei" über sie her. Das Auswärtige Amt beeilt ssch aber dann, gleich seine Entschuldigung zu stammeln., Es kann den Zorn der deutfchationalen Zeitungsschreiber nicht ertragen— lieber blamiert es sich vor Amerika! Sombe und Jürgens. Die schriftliche Urteilsbegründung noch nicht erfolgt. Der Rechtsausschuß des Landtags sollte sich in seiner Sitzung vom 2. Mai mit den Anträgen der KPD. beschäf- tigen, in denen verlangt wird, Landgerichtsdirekior Jürgens in der Strasrechtspflcge nicht mehr zu verwenden und alle politi- schen Gefangenen, die durch Mitwirkung Jürgens' verurteilt worden sind, sofort freizulassen. Trotzdem am 15. März d. I. das Urteil im Strasversahren Jürgens gefällt worden ist, konnte die Ange- legenheit im Ausschuß nicht erledigt werden, weil nach Mitteilung des Staatssekretärs Fritze bis heute die schriftliche Be- gründung des Urteils noch nicht erfolgt fei. Wie lange wird Landgerichtsdirektor Bombe noch bei der Begründung des freisprechenden Urteils schwitzen? Präsident Calles bei der Maifeier. Große Demonstration in Mexiko. Mexiko, 2. Mal.(WTB.) Präsident Calles ließ gestern einen Zug von 25 000 Männern und Frauen an sich vorübermarschieren, die aus Anlaß der Feier des 1. Mai an einer vom Prooinzial- arbeitcrverband organisierten Maifeier teilgenommen hatten. Hundert Seiten stark! Unser Parteiblatt in Bremerhaven, bis „Norddeutsche B o l k s st i m m e", ist am Sonnabend, dem 30. April, als Iubiläumsnummer für die Bremerhavener Jahr- Hundertfeier in einem Umfang van l 0 0 Seiten erschienen. Der Landtag nimmt heute, um 12 Uhr, seine Arbeiten wieder auf. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushalts der Bergoerwallung. Damm von ungefähr 200 Kilometer Länge und sehr beträchtlicher Höhe und Breite, die ungefähr 5 Meter beträgt. Der Damm ist in gewöhnlichen Zeiten ein �schöner Spaziergang mit gut angelegten Promenaden. Die Stadt selbst ist von seltener Regelmäßigkeit des Baues, der durch die eigenartig strahlen- förmig gehenden Straßen überrascht, die sich von der Mitta der Stadt aus wie ein Fächer gegen den riesigen Halbkreis des Mississippi ausbreiten. Die Querstraßen haben ihre eigenartige Form durch den Lauf des Mississippi erhalten, zu dem sie säst parallel gehen. Man hat Wert daraus gelegt, die Straßen reichlich mit Bäumen zu bepslanzen, um gesunde Luftverhältnisse zu schassen. Im nord- östlichen Teil der Stadt, dem sogenannten iranzösischen Viertel, wird noch heute viel französisch gesprochen im Gegensatz zu dem anderen Teil, wo die englische Sprach« vorherrscht. Bis an den Fluß zieht sich ein schmaler Park, der sogenannte Audubon-Park im Südwesten der Stadt. New Orleans ist ein bedeutender Hafen, der zu den größten Häfen der Dereinigten Staaten gehört. Der Hauptausfuhrartikel besteht in Baumwolle, Getreide, Mais und Fleisch. In den letzten Jahren ist New Orleans ganz bedeutend gewachsen, denn während es im Ansang dieses Jahrhunderts mir eine Viertel Million Ein- wohner hotte, ist ihre Zahl auf rd. 300 000 angewachsen. New Orleans besitzt mehrere Universitäten, darunter auch als besonders bemerkenswert eine Universität für Neger. Die Stadt ist in Amerika durch den Karneval berühmt, der hier alljährlich mit großem Prunk gefeiert wird und dessen gewaltige Umzüge in den letzten Iahren durch den Film in der ganzen Welt bekanm geworden sind. Schon oft hat sich New Orleans durch den Mississippi in großer Gefahr be- sunden, aber nur selten war es von den Wassermassen dieses Riesen- stromes so bedroht wie jetzt. Aaleier gesunden? Bekanntlich war die Iuaendgcschichle des Aales bis zum Beginn unseres Jahrhunderts ein vollkommenes biologisches Rätsel. Erst die Untersuchungen des dänischen Biologen Schmidt brachten eine Teillösung. Sie ergab, daß sowohl der euro- päische Aal s.'ZnxuilIz vulgaris) wie der nordamerikanische(�vgu. ilia rostrota) ihre Paarung in den tiefsten Tiefen des Atlantischen Ozeans, in der Nähe des Sargaffo-Meeres, vollziehen. Bis vor kurzem hatte man zwar Larven, aber noch keine Aaleier gefunden. Wie nun Marie P. Fish in der„Science" mitteilt, ist es ihrer Erpedition gelungen, aus der Höhe der Bermudas-Inseln beim Challenger-Riff aus einer Tiefe von etwa 800 Faden 4 Eier herauf. zuholen, die sich als solche des nordamerikanischen?lales erwiesen haben: es entwickelten sich daraus nach einer Woche durchsicht'ge Fischlarvcn, die alle Eigcnschasten derer des nordamerikanischen Aales aufwiesen. Bestätigt sich die Nachricht, ist abermals kin biologisches Geheimnis gelöst._ 3m cessingmaseom stricht am 5., 8 USr, Intendant Dr. Georg Alt- mann über.Die K ü n st I e r s a m l l i e D e v r i- n t-. hnmdotdl.hochjchi'le. Dr. HanS M. Zbinden stricht am 8.. abcnbz 8 Uhr. Dorotbeenstrajze 12. über das Thema:.Krifis keZ modernen iZewiflen-i. Holzapiels Panideat und der Wandet der LcbenSgestaUung". Karten 0,75 und 1,— M. Der größte Staudamm Amerika» ist der WUiondamm. der zurzeit für eine ZSasserkrastanlag« am Teimesse« gebaut wird. Di« Baukosten für diese Anlage, die für Amerika von beispielloser Stöße ist, betrage» 12 Million e» Dollar. Runöfunkpropaganüa ües �errn Schiele. Melwrationsanleihe von 200 Millionen. Gefährdung einer guten Sache. Während der Industrie vor dem Bündnis mit Herrn Schiele immer banger wird und die ganze Welt um eine stärkere inter- nationale Arbeitsteilung kämpft, treibt Herr Schiele feine Ab- ichließungspolitik zugunsten der Landwirtschaft weiter. Jetzt muß ihm auch schon der Rundfunk dazu dienen. Cr ließ gestern seinen Staatssekretär Dr. Hoffmann der deutschen Oeffentlichkeit kundtun, daß die Ernährung aus eigener Scholle die erst« Vor- aussetzung für den Wiederaufstieg unserer Wirtschaft sei und daß Deutschland hinter dem Bestreben der Völker, Brot und Arbeit zu, schaffen und sich vom Auslande unabhängig zu machen, nicht zu- i rückstehen dürfe, wenn es wieder ein.mächtiges und vom fremden Einfluß freies Staatswesen" werden wolle. Diese Töne sind nicht neu, aber es muß in der gegen- wältigen Situation aufs schärfste dagegen Verwahrung eingelegt werden, daß der Rundfunk zu ihrer Propagierung be- nutzt wird. Dieser Protest muß um so schärfer sein, als Herr Schiele dabei für feine Zwecke eine an sich wertvolle Sache mißbraucht und dadurch schädigt. Der Gegenstand des Rundfunkoortrages ist das Projekt, die Entwäfserung großer Acker- und Wiefengebiete durch verbilligt« Kredite aus einer AXZ-Millionen-Anleihe zu fördern, die von der Rentenbankkrcditanstalt in Deutschland aufgelegt und vcn der Deutschen Bodenkultur A.-G. an Walsergenossen- schaften, Bodenverbesserungsgenosfenschaften und Deichverbänden weitergeleitet werden soll. Es handelt sich um«in« schon lange von der Oeffentlichkeit gutgeheißene Maßnahme, die schon Vorläufer hat, zweifellos eine vernünftige und auch billige Form der Bodenver- besferung darstellt und sicher sehr viel sinnvoller ist als jeder Schutz- zoll für die Landwirtschaft, der nur in den seltensten Fällen einer wirklichen Ertragssteigerung dient. Daß der Reichsbantpräsi- dent d'« Aufbringung einer 200-Millioiien-Anleihe auf den inländischen Kapitalmarkt für möglich hält, daß das Projekt nur Dar- lehen ins Auge faßt, die in kürzester Zeit zu einer wirklichen Er- rragssteigerung führen, das läßt es für die praktische Durchführung reif erscheinen. Dabei muß man allerdings die Frage stellen, wes- halb es die Rentenbankkredita.rstalt fein soll, die die Anleihe ausgibt, nachdem die Rentenbankkreditanstalt eng um- schrieben« Ausgaben hat und jede neue Banktätigkeit nur dazu sührcn wird, die Existenz dieses an sich überflüssigen neuen Bank- instituts Ins Unbegrenzte zu verlängern. Die gute Sache der Beschaffung ausreichender Melioraiions- kredite kommt natürlich in ein schiefes Licht dadurch, daß Herr Schiele sie feiner wirtschaftsfeindlichen Autarkie- Propaganda dienstbar macht. Die Sonderinleresien der Schwerograrler, die auch politische Sondcrinteressen sind, haben mit der Melioration der deutschen Böden nichts zu tun. und Herr Schiele könnte höchstens für feine Großagrarierpolttik den Erfolg buchen, daß er auch Projekte gefährdet, die wirklich im Interesse der deutschen Landwirtschaft liegen können. /luch Köhler gegen Schiele. Gegen die handelspolitischen Quertreibereien der Teutschnationalen. Köhlers Finanzprogramm. poincars uns üer Zrieüe. Anspielungen auf den deutschen Rechtskurs. Paris. 2. Mai.(Eig. Drahtber.) Bei der Eröffnung der Sitzung der Generalräte des Departements der Maas hat P o i n- caxi am Montag eine große politische Rede gehalten, in 'bhr er einleitend an dys Finanzwerk seiner Regierung er- innerte, das man ein„Wunder ohnegleichen" genannt habe, wo es doch nur das logische Resultat„einer glücklichen Aenderung der parlamentarischen Arbeit" gewesen sei. Cr betont«, er Hab« nie an dem Vertrauen des französischen Volkes zu seiner Währung gezweifelt und damit habe er seine Finanzpolitik auf- gebaut. So scheine es ihm auch gelungen, die Versprechungen seiner Vorgänger über die Erhöhung der Beamtengehälter zu ersüllen. Die Beamten müßten sich aber deshalb und gegenwärtig mehr als je angesichts der kommunistischen Gefahr auf ihre Pflichten besinnen. Frankreich sei kein Land für bolschewistische Experimente, es stehe hoch über den Staatsformen, die man ihm als besiere vorschlage und die nur einen Rückschritt zu der primitiv st en Form der Menschheit darstellen. Die Re- gierung sei deshalb entschlosien, die Regierungsgewalt mit ollen Mitteln, die die Sicherheit des Staates bedingen, anzuwenden. Dann ging Poincare zur äußeren Politik über und gab bedeutsame Erklärungen ab. Er betonte, daß Frank- reich nur eine Politik verfolge, die der Erhaltung des Welt- f r i e d c n s diene. Es habe fein« Budgets für Heer und Marine vor allen anderen Nationen am meisten eingeschränkt und auch moralisch am meisten abgerüstet. Es oerstehe die Rolle einer siegreichen Nation so, nicht die Haßgefühle zu befriedigen, fondern sie zu mildern. Frankreich fei ober eine Land- und Seemacht und es müsse daher zu Wasier und zu Lande Mittel in der Hand behalten, um sich gegen eventuelle Angriff« zu verteidigen. Solange andere Nationen den mililaristischen Seist in der Zugend pflegten, ohne Hintergedanken zu hegen, solange sie zwar diplomatische Verträge anuähmeu und unterzeichnen und nicht so ehrlich wie Frankreich diese erfüllen, genüge e» Frankreich nicht,„sich nur als die edle Nation beliebt zu wissen". Diese müßten sich auch gegen ihre nationalistischen Elemente Respekt zu schaffen wissen und stark genug hierzu fühlen. Am Schluß betonte Poincarö die Anhänglichkeit der Kolonien an das Mutterland und erklärte hierzu, daß die Regie- rung allen Versuchen, diese vom Mutterland zu trennen, sei es von innen durch den Kommunismus, sei es von außen durch äußere Feinde, entschieden entgegentreten wird. « Das Erstarken des deutschen Nationalismus in der ersten Nachkriegszeit war in der Hauptsache eine Folge der Politik Pomcar�s. Daher ist der französische Ministerpräsident nicht berechtigt sich über den den deutschen Nationalismus zu be» klagen, den er selbst großgezogen hat. Er sollte die Be- kämpfung dieses Nationalismus lieber den Parteien in Deutschland überlassen, denen es trotz der Ruhrbesetzunq gc- lungen ist, stark zu bleiben, und die einen großen Teil ihres Einflusses erst zurückgewonnen haben, nachdem er im Mai 1924 von der Bildfläche zwei Jahre lang verschwunden ist. Jede derartige Rede Poincar6s erzeugt um so eher die gegen- teilige Wirkung, als der Beweis noch nicht erbracht ist, daß Poincar6 als der Führer der französischen Nationalisten von 1919 bis 1924 genügend umgelernt hat. Indessen ist wieder einmal bewiesen, wie schädlich für die deutschen außenpolitischen Interessen die Bildung der Rechtsregierung in Deutschland gewesen ist, denn sie hat PoineanS und den«einen den bequemen Dorwand ge- liefert, solche beunruhigenden Reden zu halten und sie er- schwert zugleich ihre Widerlegung._,______ Gestern. Montag abend, hielt der Reichsfinanzmtnister Dr. Köhler vor den, Verein Berliner Kaufleute und Industrieller eine Rede, in der er mit aller wünschenswerten Deutlichkeit von den handelspolitischen Tiraden des deutschnationalen Reichslandwirt- schaftsminister Schiele abrückte. Er sagte hierzu: „Es kann der Reichsregierung nicht in den Sinn kommen, durch eine einseilige Zollpolitik die Znlercsjen eines Teiles der Wirtschaft zu fördern. Sie muß vielmehr den Auegleich der widerstreitenden wirtschasksinteressen anstreben. Die wirlschafls- und Handelspolitik der nächsten Wochen und Monate muß zum Ausdruck bringen, daß nicht in einer Abschliehung des deutschen Volkes da» heil liegen kann, sondern in seiner engen Verslechlong mil der Weltwirtschaft und der Stärkung des deutschen Marktes." Diesen Worten des Zentrumsministers kommt«ine b e s o n- dere politis-chc Bedeutung zu angesichts der Tatsache, daß erst kürzlich auch der volksparteilichc Außenminister Dr. St r e s e» mann sich genötigt gesehen hat, gegen die Hochschutzzöllnerischen Sondcrwünfche der Großagrarier Stellung zu nehmen. Volksparlei und Zentrum sind sich also darin einig, daß die Zollwucherpolilik Schiele» nicht ausrechlerhalien werden kann. Wenn sie es wollen, so werden die Deutschnationalen mit ihren zollpolitischen Forderungen isoliert dastehen. Denn es gibt in dieser Frage keine Mehrheitsbildung im Parlament für die sozialreaktionäre und wirtschastsseindliche Hochschutzzollpolitit, wenn nur ein« der beiden Parteien sich den Forderungen der Sozialdemokratie anschließt und gesinnt ist, die ungeheure Belastung des Berbrauchs durch Hochschutzzölle zu mindern. Köhler kam auf diesen Gegenstand durch Bemerkungen des Generalfachoerständigen der deutschen Industrie, Direktor Hans Kraemer, der wohl namens der Spitzenovganifation der deutschen Industriellen gesprochen hat, wenn er crNärte, daß die hochschuhzöllnerische Rede des Ernährungsmlnlflers in der Industrie äußerstes Befremden hervorgerufen habe und daß es nicht Aufgabe der Reichsregierung fein dürfe, nur nach einer Seite der deutschen Wirtschast zu„schielen". Demnach ist auch die Industrie geschlossen gegen die einseitige Bevor- zugung der Großlandwirtschast. Im übrigen entwickelte der Reichsfananzminifter Köhler in dem erwähnten Referat ein Bild der deutschen Finanzlage, das sich nicht gerade durch rosigen Optimismus auszeichnete. Er schilderte eingangs die Entwicklung der deutschen Finanzen. Bei einem sörm- lichen Dank an den früheren Finanzminifter Dr. Luther erntete er von der Jndustriellenoersammlung eisiges Schweigen. Die gewallige Erhöhung der Eingänge aus Zollgebühren gebe —- so bemerkte Köhler— zu wenig Freude Anlaß. Man müsie die Ursachen, die zu dieser Entwicklung geführt haben, eingehend und gründlich prüfen. Die Herstellung des Gleichgewichts in dem letzten Haushalt fei nur unter größter Anstrengung und unter Heranziehung der letzten Reserven möglich gewesen. Sehr entschieden verwahrte sich der Minister gegen den Borwurf partikularistischer Finanz- xebarung. Das Reich würde den Ländern und Gemeinden das geben, wozu es gesetzlich verpflichtet sei. Mit Absicht seien daher die Anteile aus der Einkommen- und Umsatzsteuer von vornherein in voller Höh« eingesetzt worden, um Länder und Gemeinden zu zwingen, diese ihre Einnahmen sofort in ihren Haushalten zu berücksichtigen, um nicht später mit unerwarteten Mehreinnahmen eine unsolide Finanzwirtschaft treiben zu können. Um Länder und Gemeinden zu einer richtigen Etatsgebarung zu zwingen, habe er ihnen die Verpflichtung zum Abbau der Real st euer» auferlegt. Das fei eine Maßnahme, die in der Richtung der unitari- fchen Finanzpolitik liege. Die Schwierigkeit einer Balancierung des Etats habe sich daraus ergeben, daß nachträglich Ausgaben. besonders sozialer Art, eingesetzt werden mußten, die nicht voraus- zusehen waren, so insbesondere die Mittel für die Erwerbslosen- fürsorge. Weil diese Mehrausgaben sozialer Art gewesen seien, sei auch der Borwurs unberechtigt, daß dieser Etat unsozial wäre. Es sei jehk Pflicht des Staate», den Aermsten zu helfen. Daher würde die Regierung in nächster Zeil bereits eine Borloge zur Abfindung der Kriegs- und Liquidationsgeschä- d igten herausbringen, die für die kleinen Glaubiger«ine Bar. obfindung, für die größeren ein Rentenpapie? schaffe, das sie für ihre Ansprüche schadlos halle. Die große Anspannung des Reichsetats fei im Haushalts- jähr 1928 zu erwarten, wo gleichzellig die Ueberjchüsje und Rc- seroen fortfallen und die Reparationsausgaben steigen. Es fei nicht ohne weiteres möglich, die Ausgaben einzuschränken, doch müsse man dies versuchen durch Trennung der Kompetenzen und Vereinfachung der Verwaltung. Amtlich Proklamierter Wirtschastspessimismus. Die Steucrleistungen der Privatwirtschaft seien außerordentlich angespannt und würden auf die Dauer nicht getragen werden können. Köhler lehnte jeden Optimismus nach dieser Richtung hin ab und sagte sogar:„wem es gut gehl. oder wer es nötig hat. zu erklären, daß es ihm gut gehe, der möge doch wenigstens nicyk verallgemeinern, denn diese Verallgemeinerung schade dem Reich außerorocnllich." Man wird sich also darauf gesaßt machen müssen, daß dieser amtlich proklamierte Wirtschosts- Pessimismus in den Berichten halbamtlicher und privater Körper- schaften seüicn Niederschlag finden wird, auch dann, wenn er objektiv den Tatsachen nicht entspricht. Das ist für die Arbeiterschaft von besonderer Wichtigkeit bei der Beurtei« lung industrieller Berichte, deren Ergebnisse � ja auch bei Lohn- Verhandlungen eine Rolle spielen. Das Stcuersenkungsprogramm. Steucrcrhöhungcn stehen heute, so erklärte der Mi- nister. außerhalb der Erörterung. Steuersenkungen seien vielmehr erforderlich, und zwar aus beiden Wegen: auf dem der Steuersenkung im Reiche und dem der Verpflichtung der Länder und Gemeinden zun, Steucrabbau. Die Sätze der Vermögens- st e u e r müßte» nach dem bestehenden Gesetz derart erhöht wer- den, daß diese 49 Millionen Mark niehr einbringen. Die Regierung scheint diese Steucrerhöhung nicht zu planen. Die Vorlage über die Steuersenkung bei Zucker und die Erhöhung der ent- sprechenden Zölle liege zurzeit beim Reichsrat. Die hohen Ein- kvmmeisiteuersätze, die bis zu 49 Proz. gehen, will das Finanz- Ministerium abbauen, weil es sich davon eine bessere Steuermoral oerspricht. Außerdem erwägt das Reichsfir.anzministerium den verkauf der Vorzugsaktien der Reichsbahn-Gesevfchasl. um sich dadurch Mittel zu beschaffen. Die Steuersenkung müsie planmäßig erfolgen mit dem Ziel der Stärkung der Kauf- und Produktionskrast des Volkes. Von der Ermächtigung, Anleihen aufzunehmen, will der Minister in den nächsten Monaten keinen Gebrauch machen. Gegen die Beseitigung der Kapital- crtragssteuer, besonders bei Dividenden, trug er schwere Be- denken vor. Dem Ausbau des Steuersystems und der Sleuerverwaltung sollen mehrere Gesetzentwürfe dienen, die eine Fortsetzung der Erz- bergerfchen Finanzreforin bedeuten. Der Minister kündete dafür das Rohmengesetz für die Grundsteuer, die Gewerbe- steuer, für die Hauszinssteuer sowie ein Gesetz für die Vereinfachung des Verfahrens in Steuersachen an. Damit sollen die Grund- lagen für die Grund- und Gewerbesteuer im ganzen Reiche so vereinheitlicht werden, daß die Gemeinden nur die zu erhebeirden Prozentsätze zu bestimmen haben. Die Gebäude- cntschuldungssteuer(Hauszinssteuer) soll in die Reichsoorwaltung übernommen werden. Auf diese Weise wird erreicht, daß jeder einzelne Gewerbebetrieb nur mll einem Finanzamt und nur mit einem Steuerbescheid zu arbeiten hat. Gleichzeitig wird«ine Rationalisisrung der Finanzverwaltung durch Beschränkung der Finanzämter und durch Einführung von Maschinen erfolgen. Köhler warnte abschließend vor einer Ueberspitzung des unitarischen Gedankens und betonte, daß dl« Weimarer Verfassung der Ausgangspunkt für die stoal». politische Reform in Deutschland sein müsse. Die Zusammenfassung oller Kröste sei zur Ueberwindung der Kriegs- und Inslationsfalgen notwendig. Der soziale Gedanke müsse dabei nicht nur theoretisch, sondern in der Praxis verwirklicht werden. Nur durch sein« Realisierung werde das deutsche Volk dem Aufftieg entgegengeführt werden können. Chinakriegsrat in �onöon. Auswahl des Flugzeugtyps. London. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat trat am Montag nachmittag unter Hinzuziehung der Kommandeure dar Land-, Lust- und Seestreitkräfte Großbritanniens zur Be- sprechung der Lage in China zusammen. E» verlautet, daß der Plan, W a s s« r s lu g z e u g e für die in Erwägung gezogenen Aktionen am Jangts« zu verwenden, aufgegeben wurde: hingegen soll eine Reihe von Einheiten der Flugzeuge des Napier-Typs entsandt werden. Im Unterhaus teilte Außenminister Chamberlain mit, daß die Beratungen über die Antwortnote an den Außenminister Tschcn noch nicht abgeschlosien seien. Die militärisch« Lag« in China ist weiter u n d u r ch- sichtig. Eine in London eingetroffene Meldung teilt mit. daß eine Konzentration der S ü d t r u p p e n bei Tsinkiang(59 Meilen fluß- abwärts von Nanking) stattgefunden habe. Man hatte bisher ange- nommen, daß sich Tsinkiang in den Händen Tschiangkaischeks che- findet. Es heißt, daß Tschiangkaischek 7999 Soldaten der 6. Südarmee entwaffnet habe und mit 29 999 Mann seiner 3. Armee auf Nanking marschiere. Neuer englischer Protest i« Hanknu. London, 2. Mai.(WTB.) Einem hier In maßgebenden Kreisen eingetroffenen Telegramm zufolge hat der Vertreter des Pekinger großbritannifchcn Gesandten in H a n k a u bei der Hankaurogierung formell gegen die Besetzung des britischen Konsulats und anderen britischen Eigentums durch die Südtruppen in Tfchingkiang Einspruch erhoben. Sowset-prügel für NaSek. llloskow. 1. Mai.(Ost-Expreß.) Die„P r a w d a* veröffentlicht einen sehr ausführlichen Artikel, der scharf« Angriffe gegen R a d e i enthält. Die Opposition innerhalb der KP. hob« in letzter Zeit unter Rädels Leitung sich mit den Ereignissen in China besaßt und dabei gehässige Angrisse gegen. die China- politik der Sowjetregierung erhoben. Demgegenüber erklärt nun die„Prawda", daß das Auftreten Radeks als„flenner des Orients" h ö ch st lächerlich fei. Er habe von der wirklichen Lage in China und von den füx Moskau sich daraus ergebenden Folgerungen keine A b n u n g und verstehe nur, am Schreibtisch theoretisch« AbHand- lungen über angeblich notwendige Schritt« in China zu oerfafsen. die nur einen akademischen Wert hätten. Gegen Radeks Behauptungen, daß die Sowjetrepublik die chinesischen Ereignisse nicht richtig ein- geschätzt und ausgenutzt hätte, haben sich bereits Stalin und Bucharin in einer Reihe von Thesen geäußert. « Wir hoben bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß es vor ollem Radek war, der nach der Eroberung von Schanghai durch die Südtruppcn für einen Austritt der chinesischen Kommunisten aus dem Kuomintang und für ein selbständiges Vorgehen der chinesischen Kommunisten plädierte. Demgegenüber erklärten Stalin und Bucharin, daß China noch nicht reis für die Diktatur des Prole- tariats sei und daß daher die KP. Chinas weiter gemeinsam mit dem Kuomintang die Errichtung der Demokratie erstreben müsie. Die Zwiespältigkeit dieser Politik ist übrigens einer der Gründe gewesen, die Dr. Rosenberg zu seiner Austrittserklärung bewogen haben. Sicher ist, daß die Logik für Radeks These spricht und daß das Derbleiben der Kommunisten in der gleichen Partei. in der Tschiangkaischek nach wie vor eine anerkannte mtlltärifche Stellung einnimmt, zu den sonderbaren Dingen gehört, deren An« erkennung die Bolschcwiki ihren Anhängern bisher zugemutet haben. Wenn nun die„Prawda" Redeks Auftreten als Kenner des Orients„höchst lächerlich" findet, da er von der wirklichen Loge in Cbina„keine Ahnung" habe, so muß doch daran erinnert werden, daß Radek seit drei Jahren hauptamtlich Rektor der chinesischen Universität in Moskau ist und daß er, wie aus einer ein- gehenden Schilderung des französischen Journalisten Sauerwein hervorging, unter den chinesischen Hörer» dieser Universität großes Ansehen genießt. Wenn nun gerade er von den Chino-Dingcn „keine Ahnung" hat. dann ist wohl die Frage gestattet, wer denn sonst in Moskau über die Lage im fernen Osten Bescheid weiß. Zwangsausenthall! Dauerzuchthau»! Der Großmeister der italienischen Freimaurer, Domizio Torrigiani, der zu fünf Jahren Zwangsausenthall verurteilt wurde, Ist zur Berbüßung seiner Strafe nach denLiparischenInseln gebracht worden. Zani- b o n i soll feine 39 Jahre Zuchthaus in der Strafanstalt von Porto Ercole verbüßen. Der neue Innenminister Finnland». Genosie O. h. Puro. früherer Reichstagsabgeordneter, war bisher Geschäftsführer der Zentraleinkaufsgenossenschoft der Verbraucher, er ist 1883 geboren. Der gebilligte versosiungsbruch. Im Prager Abgeordnetenhaus wurde ein Mihtrauensanlrag der deutschen Sozialdemokraten wegen Dcrfassungsverletzung durch die Abschassung des Soldatenwahlrechtes mit 142 gegen 195 Stimmen abgelehnt. Der VDMI. will öen Zehnstunöentag! Metallarbeiter, rüstet zum Kampf! Gestern nachmittag wurden in den Räumen des Verbandes Berliner Metallindustrieller die am Montag voriger Woche vertagten Verhandlungen über den Neuobschluß des Rahmenoertrages für die Berliner Metallindustrie fortgesetzt. Die Verhandlungen führten aber wiederum zu keinem positiven Ergebnis. Der einzige Gegenstand der gestrigen Verhandlungen, über den man nicht hinauskam, war die Frage der Mitwirkung der gesetzlichen Betriebsoertretung bei der Festsetzung von Ueberstunden. Das Metallkartell hatte gefordert, daß grundsätzlich für j e d e zu leistende Ueberstunde die Z u st i m m u n g des Betriebs- rats von der Betriebsleitung einzuholen sei. Um aber für gewisse in der Eigenart der Metallbetriebe begründete Fälle der Betriebs- leitung eine gewisse Bewegungsfreiheit zu lassen, hatte sich die Ver- Handlungskommission bereit erklärt, die gelegentliche An- ordnung von Ueberstunden oder Sonn- und Feiertagsarbeit für einzelne Arbeiter des Betriebes zuzulassen, wenn sie zur Der- hütung der Unterbrechung eines Arbeitsprozesses oder zur Fertig- stellung eiliger Lieferungen oder eiliger Reparaturen notwendig werden. Jedoch sollten auch in diesen Fällen dem Betriebsrat die Gründe für die Notwendigkeit der Ueberstunden nachgewiesen werden und sollte auch nur eine Ueberstunde pro Tag auf die Dauer von höchstens einer Woche zulässig sein. Die Unterhändler des VBMJ. machten darauf die zwar sehr schöne Geste, den Betriebsräten das Recht der Zustimmung bei Ueberstunden einräumen zu wollen. Sie oerlangten aber in den auch vom Metallkartell bezeichneten Ausnahme sä llen, in denen Ueberstunden angeordnet werden können, daß sie für einzelne Per- sonen oder Gruppen bis zu zwei Stunden üher die taris- lich festgelegte achtstündige Arbeitszeit hinaus und unbeschränkt angeordnet werden können. Wenn auch die Vertreter des VBMJ. mit allem Nachdruck nachzuweisen versuchten, daß das ein ungeheures Entgegenkommen ihrerseits bedeute und daß kaum Aus- ficht bestünde, daß ihre Mandatgeber diesem Vorschlag beitreten würden, ist dieser Vorschlag in seinem Endeffekt nur eine leere Geste. Der Begriff„einzelne Personen oder Gruppen" ist so dehnbar, daß man praktisch für ganze Abteilungen Ueber- stunden anordn:n kann. Der Vorschlag bezweckt in Wirklichkeit noch eine Verschlechterung der bisherigen Regelung, nach der für jede Ueberstunde über neun Stunden täglich die Zustimmung des Betriebsrats notwendig war, während nach der vorgeschlagenen Regelung in den„Ausnahmefällen" eine zehnstündige Arbeitszeit einfach angeordnet werden könnte. Dieser Dreh der Unter- nehmer, der einer Brüskierung gleichkommt, kam �ziemlich über- roschend, so daß die Verhandlungen nach fünfstündigen Auseinander- setzungen auf Freitag vertagt werden mußten. Nachdem die Verhandlungen in ein so kritisches Stadium eingetreten sind und fast jede Hoffnung auf eine friedliche Ver- ständigung mit den Berliner Metallindustriellen geschwunden ist, müssen sich die Berliner Metallarbeiter darauf vorbereiten, den Kampf für ihre berechtigten Forderungen aufzunehmen. Der schon seit einigen Wochrtl anhaltende Zustrom zu den Gewerk- schaften muß noch stärker werden und jeder unorganisierte Metallarbeiter auf den Ernst der Situation aufmerksam ge- macht werden. Es gilt zu rüsten, denn das Barometer beginnt a u f Sturmzuzeigen. Die unfähige KPD. Sie will aber führen. In ihrer Mai-Nummer veröffentlicht die„Rote Fahne" auf einer ganzen Seite Betrachtungen des Zentralkomitees der KPD über die„Taktik und Erfahrungen in den Lohn- und Arbeitszeit- bedingungen". Zunächst wird in Grund und Boden hinein ver- dämmt, was der ADGB. und die Sozialdemokratie zur Wiederher. stellung des Achtstundentages und zur Erhöhung der Löhne und Ge- hälter unternommen und durchgesetzt haben. Es verlohnt sich nicht, den vielfach gewollten Unsinn zu widerlegen. Es verlohnt sich auch nicht weiter darauf einzugehen, wenn behauptet wird, daß das, was erreicht wurde, der Politik der KPD. zu danken sei. Wie die KPD und ihre Anhänger bei den Lohnbewegungen und bei dem Kampf' um die Wiederherstellung des Achtstundentages selbst praktisch mit- gearbeitet haben, das führt in einigen kritischen Bemerkungen der lange Redeschwulst des Zentralkomitees der KPD- selbst an. Es heißt da wörTich: „1. Im allgemeinen erkannten die Kommunisten nicht ge- nügend klar und rechtzeitig den Charakter und die Per- spettiven der wirtschafllichen Entwicklung und der Wirtschosts- kämpfe der letzten Zeit. 2. In vielen Orten standen die Parteileitungen den De- wegungcn passiv gegenüber, ohne auf sie überhaupt zu reagieren. 3. Die Initiative der kommunislischxn Gewerkschaftsmitglieder ist bei den Kündigungen der Lohn- und Arbeitszeittarife in ua- genügendem Maße hervorgetreten. i. In vielen Fällen wurden mehrer« Forderungen anläßlich der Kündigungen in zu allgemeiner Form festgelegt, oft ohne konkrete Bezugnahme auf die einzelnen Bestimmungen der Tarifvertrag«. Dabei hat sich oftmals gezeigt, daß unsere Genossen die geschlichen, tariflichen und statutarischen Bestimmungen nur ungenügend kennen." Das muß jetzt anders werden! Künftig müssen, heißt es dann. die Gewerkfchoftsfragen nicht mehr ressortmäßig durch die Gewerk- fchaftsabteilungen, sondern„unter Führung und in den Beratungen der Parteileitung als Aufgaben der Ge- samipartei vorgenommen" werden.„Die Kritik an den Maßnahmen der Gewerkschaftsvorstände" müsse künstig verbunden werden„mit einer grundsätzlichen Kritik der salschen und reformistischen Politik des ADGB.". Wenn dann weiter behauptet wird, daß die Gewertschaftsfragen der kommunistischen Presse„schlecht behandelt" worden U.tb, so haben wir selbst dem nichts hinzuzufügen Weiter kritisiert das Zentralkvmi ee, daß die Betriebsräte durch die kommunistischen Gewerkschaftsfunktionäre nicht systematisch beeinflußt worden seien. Die Gewerkschaftskämpfe müßten künftig„von der Partei als Ausgabe der Gesamtpartei weiter geführt lwerden". Dabei müsse man„die Einheitsfronttaktik anwenden". Wohlgemerkt, die„Taktik", nicht die Einheitsfront. Dos Zentralkomitee der KPD. gesteht also ein, daß weder die Leitung der KPD. noch ihre Abteilungen und Funktionäre bei dem Kampf um die Wiederherstellung des Achtstundentages und um die Erhöhung der Löhne ihren Mann gestanden haben. Das Zentral- komnee bescheinigt sich selbst und der gesamten KPD., daß sie selbst zur praktischen Arbeit unfähig war. Aus dieser endlich einmal selbst erkannten Untähigkeit leitet die Zentrale der KPD. das Recht ab, künftig die Führung zu übernehmen! Die Gewerkschaften werden gut tun, auch in der Zukunft sich die Einmischung in ihr« ureigensten Angelegenheiten ganz energisch zu verbitten, ganz besonders, wenn sie pon Leuten versucht wird, die eingestandenermaßen von diesen Dingen nichts verstehen. Die Lohnbewegung in öen Verkehrsbetrieben. Abschluß bei der Straßenbahn— bei der Aboag geht der Kampf weiter. Die Funktionäre der Straßenbahn nahmen gestern abend im Sewerkschaflshaus zu dem Ergebnis der letzten Lohnverhandlungen Stellung und beschlossen mit großer Mehrheit die Annahme des Velhandlungsergebnisses. Somit erhöhen sich die Löhne des Per- sonals ab 1. April um S Pf. pro Stunde und ab 1. Oktober bis Zl. März 1928 um weitere 3 Pf. Im gleichen prozentualen Der- hältnis erhöht sich auch die Atkordbasis für die Wertstattarbeiter. In ver Nacht zum 1. Mai haben die Bediensteten der Aboag die von den Unterhändlern vorgeschlagene Grundlage zu einer Eini- gung der Parteien als ungenügend abgelehnt. Die einfache Stimmenmehrheit brachte die Stimmung der Fahrer und Schaffner so deutlich zum Ausdruck, daß auch die Direktion nicht daran vor- übergehen sollte, wenn sie Störungen von ihrem Betriebe fernhallen will. An der zur Proklamierung des S t r e i k» nach den Satzungen des Derk-Hrsbundes erforderlichen Dreiviertelmehrheit fehllen nur verhältnismäßig wenige Stimmen. Die Funktionäre der Verkehrsbediensteten werden zu diesen? Ergebnis der Urabstimmung alsbald Stellung nehmen, worauf der Bundesvorstand des Deutschen Derkehrsbundes sich mit der beson- deren Sachlage befassen wird. Bis dahin bleibt die Angelegenheit in der Schwebe, falls nicht etwa die Aboag ollen Eventualitäten vorbeugt, indem sie von sich aus über das Verhandlungsergebnis hinaus die berechtigten Wünsche chres Personals erfüllt. Wir können ebensowenig ergründen wie die Omnibusschaffner, weshalb sie je Stunde um zwei Lohn- Pfennige schlechter gestellt sein sollen als ihre Kollegen bei der Straßenbahn. Doch nicht etwa deshalb, weil sie im Omnibusdienst kostenlos durchgerüttelt und-geschüttelt werden und die Stufen zum Verdeck hinauf, und hinabrennen müssen. Warum aber sonst? Das Dickicht öes �rbeitszeitg Metzes. Die Ausführitngsbestimmungcn erhellen es nicht. Das Arbeitszeitnotgesetz ist bei der ungeheuren Kompliziertheit der einzelnen Bestimmungen für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Kein Wunder, wenn die Oeffentlichkeit die neuen Aus- führungsbestrmmuügen zum Notgesetz, die nunmehr erschienen und zusammeit mit dem Gesetz am 1. Mai in Kraft ge- treten sind, mit großer Spannung erwartet hat. Wer von diesen Bestimmungen eine restlose Klärung der mannigfachen Unoer. ständlichkeiten und Streitfragen erwartet hat, wird enttäuscht sein. Trotz der Ausführungsbestimmungen bleiben noch viele der Bestimmungen des Arbeitszeitnotgesetzes dunkel und st r i t t i g. Die w i ch t i g st e n Partien der Aueführungsbestimmungen sind die zu§ 62, zu§ 9 und Z 19. Zu§ 6a sagt die amtliche Ausle- tzung:„In dem Verfahren zur Entscheidung von Streitigkeiten über die Vergütung für Ueberstunden nach Abs. 3 sind die Beteillgten stets zu hören. In geeigneten Fällen kann die Anhörung auch durch den Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses, den Gewerbeaussichts- beamten oder andere behördliche Stellen erfolgen. Bei der Anhörung ist zu versuchen, eine Vereinbarung unter den Parteien herbeizu- führen. Die Regelung durch den Schlichter schließt eine spätere 0 b- weichendeBereindorung der am Streit beteiligt gewesenen Parteien nicht aus. Auch der Schlichter selbst kann auf Antrag seine Entscheidung über die Vergütung ändern, wenn eine wesentliche Ver- änderung der maßgebenden Verhältnisse dies notwendig macht. Die Entscheidung des Schlichters nach Abs. 3 ist in einem Rechtsstreit der Beteiligten über die Vergütung auch für das Gericht(gegebenen- falls das Gewerbe- oder das Kaufmannsgericht, vom 1. Juli ab das Arbeitsgericht) bindend. Liegt eine Gesamtvereinbarung oder eine bindende Regelung durch den Schlichter.nicht vor und kommt eine Vereinbarung unter den Betelligten nicht zustande, so hat das Gericht in einem derartigen Rechtsstreit auch über die Form, die Höh« und die Art der Berechnung der Vergütung selbständig zu ent- scheiden. Die Anordnung des Reichsarbeitsministers nach Abs. S setzt voraus, daß der Ausgleich der Arbeitszeit durch bindende Vereinbarungen für die Dauer der Anordnung rechtlich gesichert ist. Tarifvereinbarungen oder sonstige Unterlagen, die dies dartun. und Nachweise über die Zahl der Beschäftigten in den verschiedenen Zeiten des Jahres sind dem Antrage beizufügen." Zu ß 9 wird gesagt:„Sobald die Arbeit über 19Stunden ausgedehnt werden soll, erfordert die Verlängerung, abgesehen von den Vorbereitungs- und Ergänzungsorbeiten, eine besondere Genehmigung."„Auch wenn die Mehrarbeit t a r i f 0 e r- t r ck g l i ch vereinbart ist, so sst eine Genehmigung zur Ueberschreitung der Zehnstundengrenze nur möglich, wenn die Einhaltung der Voraussetzungen des§ 9 feststeht. Der Tarifvertrag muß also die Fälle, in denen die Zehnstundengrenze überschritten werden kann, so umschreiben, daß ihre Ausnahmeeigen- s ch a f t und ihre Notwendigkeit aus dringenden Gründen des Gemeinwohls klar ersichtlich sind. In allen anderen Fällen kann die Ueberschreitung stets nur für b e- stimmte einzelne Arbeiten zugelassen werden oder die Ge- nehmigung muß die erforderlichen Einschränkungen ihrerseits fest- legen. Das Gesetz�schreibt die b e f r i st e t e Genehmigung vor. Die Frist ist nicht länger zu bemessen, als nach sicherer Voraussicht die gesetzlichen Voraussetzungen zur Mehrarbeit gegeben sein werden." SPD.-Gemeinde- und Staatsarbeiter heute, Dienstag, abends 7 Uhr. im Gewerkschaftshaus. Lugelnfer 24 25. Versammlung. Tagesordnung: Die außeupolilische Lage. Referent Studienrat Marquardt. In Notfällen gelten auf Grund des§ 19 wohl die Beschränkungen der Arbeitszeit ats aufgehoben, aber die S ch u tz v o r I ch r i s t ew sonstiger Gesetze, insbesondere die Vorschriften der Ge- Werbeordnung und des Kinderschutzgesetzes, über die Beschäftigung der Frauen, der Jugendlichen und der»> n- der bleiben unberührt. Der Arbeitgeber muß em Verzeich-- nis über diejenigen Arbeitnehmer führen, die regelmäßig an einzelnen Tagen über die gewöhnliche Arbeitszeit hinaus beschäftigt werden. Auf Betrieb« der Gemeinden und Gemeindeverbände iit der 8 13 nicht anwendbar. Dieser bestimmt bekanntlich:„Für Bc- triebe und Verwaltungen des Reichs(auch der Reichsbank) und der Länder sowie für Verwaltungen der Gemeinden und Gemeindever- bände steht die Ausübung der durch dieses Gesetz dem Reichsarbetts- minister oder anderen Behörden übertragenen Befugnisse� den diesen. Betrieben oder Verwaltungen vorgesetzten Dienstbehörden zu. Diese können die für Beamte gültigen Dienstvorschristen über die Arbeitszeit auf die übrigen A�eitnebmer der genannten Betriebe und Verwaltungen übertragen." Die Arbeiten der Elektrizität»-, Gas und Wasserwerke usw. sind aber nicht darunter zu verstehen. Die Arbeitszeitbestimmungen sind ein Dickicht,"l einzelne A�öeiter verloren ist, wenn ih�n nicht oer Schutz der Oraanisationen zur Ve�rümina stebt. Nur die Kraft der Orgam- sationen kann durch dieses Dickicht hindurch den Weg ins Freie, 0. Y. zum Achtstundentag, bahnen.__ Streik te' Nlssffe'-Schwartzkopff wilöov. Die Beleascbaft der Mafiel-Schwarzkopfs-Werke hatte eine Lohn- fordening aessesst. nachdem im letzten Winterbalbiahr ein Abzug von den Akkordlöbnen von zirka 15 bis 29 Bf. vorgenommen worden war. Nach mehrwöchigen Verhandlungen mit der Direktion bewiss-ate die Firma oonze 3 Pro*. Das bedeutet bet den weiblichen Akko'-darbeiterinnen 1.2 Pf. pro Stund«. Dieses An- gebot lebnte die Beleafcholt ab und trat am Montag, dem Avril. in den Streik, läeure findet eine Berbgndlung beim VBMJ. l�tt. Das R-f'-ltat dieser Berbandli'na w-rd morgen vormittag 11 Uhr im Lokal von Dubiuon bekanntgegeben. v�r Kampf in Norwegen. Getpn den Lohnabbau. Die Ursache des großen Arbeitskonfliktes in Norwegen lie-tt nach der Aussasiung des Vorsitzenden des Nor weaifchen Gewerkschoftsbundes H a l 0 a r d Olfen in der ver- schärften Zurücknihnma der norwegischen Kronenmünze auf ih�cn Varitäiswcrt. Die Wiederberstellnng der Valuta habe die osmebin schwache wirtschaftliche Position Norwegens onfs neue ernstlich er- schmiert, so daß aegenwä-tig 39 bis 49Proz. aller In- dustriearbeiter arbeitslos sind. Die Zentrole der. norwegischen A�beitaeberverbände wollte in einer Reihe von Jndi-ftrien neue Arbeitsbedingunoen diktieren. flieroon wurden zunächst die Eisen- und Metallindustrie, die Kuvfer- und Schwefelarnben. die Schuh- und Textilindustrie be- troffen, insgesamt 16 999 Arbeiter, für dl« die neuen Arbe-ts- bedinaungen 15 bis 23 Broz. Lohnberabfetzimg bedeuteten. Die Arbeiterverbände hätten beim besten Willen nicht mehr als 19Proz. Lvhnhorabsetzung zugestehen können, und so ist es am 14. Februar zu einer Aussperrung in den genannten Industrien gekommen. die bereits zwei Monate unverändert andauert. Dabei denkt die Arbe:taeber?entrale noch an eine wesentliche Ausdehnung des Konfliktes. So ist für die elektrochemische Industrie, die Karbid-, Aluminium, und Zinkindustrle die Aussperrung bereits a n ge k ü n d i g t. In der Sägerei- und Hobel- industrie wird augeblicklich über einen neuen Tarif- vertrag verhandelt. Kommt es auch in diesen In- dustrien zur Aussperrung. dann würden insgesamt 59 999 Arbeiter von der Aussperrung betroffen. Die norwegische Gewerkschaftsbeweoung will von der Errichtuna eines Schäeds- aerichts zur Wiede-cherstelluna des Arbeitsfriedenz nichts wissen. sondern lieber den Kampf durchfechten. Durch die enaen Verbindungen mit den anderen skandinaois*>en Ländern und mit dem IGB. ist die Widerstandsfähigkeit der Organisationen gesichert. Tariflilndiaung im oberschlefischen Bcrgb«ut. Glelwih, 2. Mai.(WTB.) Die Bergarbeiterverbände haben den Lohntarif für den oberschlesischen Steinkohlen- und Erzbergbau zum 31. Mai aekündigt und eine allgemeine Lohnerhöhung oerlangt. Die Höhe der Forderungen ist jedoch noch nicht be- kamttgegeben. Achkung, Zimmerer! Di« Laustelle Neukölln, Kaiser-Friednch. Straße 99—109, sowie all« anderen Baustellen der Baugesellschast Süd-Ost®. m. b. H.. Treptow. Isingstr. 9, sind gesperrt. Uebt Solidarität mit den Streikenden! Zentraloerband der Zimmerer Deutschlands, Zahsstelle Berlin u. 11mg. Die Lohndifferenzen mit der würstchenfabrik h. Fricke A.-G„ Wehrstedt bei Halberstadt, sind beigelegt. Die Forderungen wurden bewilligt. Die Zahl der Arbeitslose» in Oesterreich ist vom 1. März bis 15. Aprll von 244 999 aus 191 999 zurückgegangen. In den letzten 14 Tagen nimmt man einen weiteren Rückgano von 11 999' bis 12 999 an, so daß die Gesamtzahl der Unterstützten gegenwärtig auf 189 999 oeranschlagt wird. ««wcrlschast D-utkch-r D->N.lch«r. Sitzung am 4. Mai. 7� Mr. Zimmer 85 de- B-rlm-r 9 aHause,. Bericht vom Berband-taz. Lehrerkammcrmalil. Zr-I-«cweriicka, liegend. Seute. Uhr, tagen die«ruppm!«rankfuet.e Mle-- Gaipp.-nhe.m«ladtisches Jugendheim Litauer Etr. 1». g.nmier 2.«alt- «utirnan.iilbcnb.— LardsbctBct Platz: Gruppenhcim Piestelmeyerstr. S. Heim- besvrecliuna.— Licktenbera: lP.ri>nnpnk-.irn kk«:«. 1 er.. 1 � Z-.— irrt' ns- burger(rtrc©cntcr 6tta§c. Neitabend und D'.skussionsabend:.Was machen ssiur.' Zimmer 7. ÄÄfi. �ndh-im L-rtzingftr. IS, Eingang°°°. VerantworUich tür Politik:«ietor«chiss; Wirtschaft:«.«li-gelh-Ie-! Ecwcetich-isiobewcauna: friede«ßkoen: Feuilleton:• fl. DIscher: Lokale, Utzd Eonftigrs: Fritz Ztarstödt: Anzeigen: Th. Elocke: somtlich in Berlin Verlag: Porwarts.Brr!ag G m. b Berlin Druck- Porwärts.Buck'druckeret und Lcrlagsanstalt Paul Singer u So. Berlin EW 6S Lindcnstratze 3. _ vitun 2 Bcilaacn und.llnteibaltuna»ud«igen' heroorragen« dewohn bei: Nheuma, Sicht, Ischias, Snftut» a a. a. Erkältungskrankbelten. Lt.»ol-eielle,«elmiigimg sind«nun hold e Monoien med'-I. IS«! 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Die Zahl der Norweger, die in Berlin ihren Wohnsitz für immer oder für längere Zeit genommen haben, ist stets klein ge> wesen: der Krieg hat die Zahl noch mehr einschrumpfen lasten und so kann heute nur ein Bestand von etwa 250 Personen verzeichnet werden. Diese klein« Zahl erklärt es auch, daß ein engerer Zu- sommenschluß der Berliner Norweger in einem Verein nicht besteht. Wenn trotzdem Berlin für Norwegen eine gewisse Bedeutung gehabt hat und auch fernerhin haben wird, so beruht diese auf dem reichen Schatz an Ausbildungsmöglichkeiten, über den Berlin verfügt. Nicht nur, daß nordische Musiker und Sänger sich hier ausbilden, auch Techniker, Ingenieure, Zahnärzte und Kaufleute als Besucher der entsprechenden Hochschulen wissen dm Wert der hiesigen Bildungs- ousllen zu schätzen. Dann aber ist Berlin auch eine naturgemäße Station auf dem allen Nordländern so vertrauten Wege nach dem Süden. Sie finden einen Mittelpunkt in dem noch zu erwähnenden norwegischen Reisebureau, einer staatlichen Schöpfung. Daß die norwegische Regierung und die Bevölkerung Wert darauf legen, die geschäftlichen Bindungen beider Länder zu festigen, lehrt die vor zwei Jahren von der Generaldirektion der Staatsbahn onge- ordnete Einstellung von Kühlwagen für frische Seesische. Diese Wogen, die über Saßnitz fünf füge laufen, befördern namentlich Fische aus der Romsdalgegend: die Ware ist als„mörre fisk" in Berlin bekannt. Daß Norwegen in der Kriegszeit und auch nachher deutsche Kinder gütig ausgenommen hat, wird unvergesten bleiben, wie auch aufrichtigen Dank dem Manne gebührt, der die Seele dieser Hilfsaktion war: Elles R i n g n e s, österreichischer Generalkonsul in Oslo. Die diplomatische Vertretung Norwegens umfaßt die�Ge- jandtjchaft, die ihren Sitz in der Alsenstraße 2 neben dem Gebäude der dänischen Vertretung in der Alsenstraße 3/4 hat, und die hierzu gehörige Konsulatsabteilung unter Leitung von Konsul Smith. Ein eigenes Generalkonsulat besteht nicht. An der Spitze der diploma- tischen Vertretung steht außerordentlicher Gesandter und bevoll- mächtigter Minister Scheel, der seit 1921 diesen Posten inn« hat. Das Gebäude in der Alsenstraße, mit schönen, geräumigen und hellen Zimmern, ist norwegischer Staatsbesitz. Das norwegische»amtliche Neisebureau* hat die Aufgabe, Propaganda für das Reisen nach Norwegen und Auienchalt im Lande zu entfalten. Es besteht seit 1910, war selbst während des Krieges geöffnet und befindet sich Unter den Lindeu 32. Sein Leiter ist Herr Trygve F o s s u m. Der Empfangs- und Warte- räum ist mit einigen guten Landschaftsbildern und ausgezeichneten Photographien geschmückt: zahlreiches Propagandamaterial, sowie norwegische Zeitungen liegen aus. Noch ist in der Presse, wie in Literatur und Derkebr, das Riksmaal, die dem Dänischen sehr ver- wandte Sprache vorherrschend, die auch ein Deutscher bald zu lesen lernt, wenngleich das Landsmaal, die mit Dialekten aus dem ganzen Lande durchsetzte alte norwegische Sprache in den Schulen und Zeitungen Fortschritte gemacht hat— gibt es doch schon in Oslo ein Theater, in dem Stücke in Landsmaal aufgeführt werden. Diese Bestrebungen des Reisebureaus, Reiselustige nach Norwegen zu dirigieren, finden eine Ergänzung, aber auch eine Konkurrenz in den Fahnen, die die Touristendampfer der Hapag, des Nord- deutschen Lloyd und der Hambuvg-Südamenka-Linie in den norwegischen Gewässern unternehmen. Norwegische Dampfer fahren von Hamburg nach Oslo und nach Skavanger. Die Route Stettin— Kopenhagen— Oslo wird von einer dänischen Dampferlime befahren. Die bisherigen Preise sowohl für Beförderung wie für den Lebens- unterhalt sind als recht hoch zu bezeichnen. Man hofft jedoch, daß die für diese Saison zu erwartend« Preisherabsetzung den Verkehr günstig beeinflussen wird. Lobenswert ist die ausführliche Angabe aller in Frage kommenden Preise, so daß man den Geldbedarf genau berechnen kann. Das norwegische Genie. Ibsen, Björnson, Nansen, Lie, Hamsun, Kiel- land, Grieg,— noch lang« könnte man fortfahren, Namen aufzuzählen, die in Deutschland und speziell in Berlin heimotberechtigt geworden sind. Am meisten gilt dies von Ibsen, der der literarischen Produktion einer ganzen Generation seinen Stempel aufgedrückt Hot. Berlin hat ihn enthusiastisch gefeiert, hat ihn zum Führer gewählt, als die freie Bühne der Unnatur der Lindau-, Blumenthal-, Lubiiner- stücke den Garaus machte. Nach gewonnenem Sieg gab es in Berlin ein«„Gespenster"-Aufführung, wie man sie wohl nicht wieder ge- sehen hat. Die Darstellung war vollendet: Else Lehmann gab die Frau Alding, Bassermann den Oswald, Sauer den Pastor Manders, Steicher den Engstrend und Ida Wüst die Regina. Mit Björnson. dem machtvollen Vertreter des politische« Machtwillens seines Volkes. war Berlin durch eine tragische Angelegenheit verknüpft: Sein Vetter, der von ihm, wie von Grieg u. a. hochgeschätzte jugendliche Komponist des Nationolliedes„Ja, vi elsker dette Landet"(„Ja, wir lieben dieses Land") Rikard Noordvaek war 1866 im Alter von 24 Iahren hier gestorben und auf dem Ierusalemer Kirchhof beerdigt worden Am 27. September 1925 hat man die sterblichen Ueberrest« nach Oslo übergeführt, wo Noordvaek neben Björnson, Ibsen u. a. aus dem Ehrenplatze des Friedhofs sein« letzte Ruhestätte gefunden hat. In Nansen und Amundsen hat Berlin die kühnen Erforscher des Unbekannten gefeiert, und die freien Geister unseres Volkes wissen die große Bedeutung Nansens für das neue Norwegen zu würdigen. Neben den Männern des Geistes d'e der Wissenschaft und der Künste. Fürs«rstere sei des genialen norwegi- schen Mathematikers Abel gedacht, dessen Berufung auf den Lehr- stuhl der Berliner Universität durch seinen frühen Tod illusorisch gemchht wurde. Als in der damals noch Christiania genannten norwegischen Hauptstadt das Abel-Denkmal enthüllt wurde, sprach der Rektor der Universität, Professor Brögger. Berlin seinen be- sonderen Dank aus, als dem wissenschaftlichen Zentrum, das für die Entwicklung Abels von ollergrößter Bedeutung gewesen war. Der Vertreter Berlins, Professor Schwarz, nannte Abel in seiner Er- widerung einen glänzenden Edelstem, dessen Glanz über die ganze Welt leuchte. Bekannt ist die norwegische Erfindung der Herstellung von Sttckslosf aus der Luft durch Professor Birkland und Ingenieur Sam Eyde: Berliner Vertreter der Werke am Notodden und Rjukan -Al.5�7e.2 ist die Gesellschaft Norge-Salpeter. Von Malern sind Gab«. Normann. Dahl als Vertreter der älteren Generation in Berlin heimisch geworden; Gudas Tochter war mit dem Bildhauer Lessing oerheiratet und lebt noch in Berlin; auch die Witwe Bernt Groenvolds, des verdienstvollen Entdeckers des eigenartigen Malers Wasmann, hat ihren Wohnsitz in Berlin. Von der jüngeren Generation ist Münch wohl am engsten mit Berlin verbunden: Als dein jugendlichen Stürmer die Verbohrtheit der damaligen Künstlergilde das Gastrecht aussagte, brach auch in Berlin die Empörung gegen die Kunstpäpste aus und die Sezessionen lebten aus. Heute ist der damals Verlacht« ein« Berühmcheit. Das bei allen Skandinaviern hochentwickelte Musikgefühl hat so manchen Norweger nach Berlin geführt Augenblicklich können wir zwei Namen von Klang verzeichnen: Aagaer O e st v i g in der Städtischen und Björn Talen in der Staatsoper. Daß die norwegische Presse den Berliner Ereignissen Beachtung schenkt,.beweist die Anwesenheit eigener Vertreter am hiesigen Platz: Herr Thorstad vertritt „Aftenposten", Ludwig Wachtel„Tidens Tege", beide in Oslo. * War das Jahr 1905 durch die Trennung Norwegens von Schweden ausgezeichnet, so ist das Jahr 1924 in seiner Art ereignis» reich gewesen: nachdem die Hauptstadt des Landes von 1624 bis 1924 Ehristiania genannt worden war, hat sie sich vom 1. Januar 1925 an wieder den Namen Oslo zugelegt, den sie sechs Jahrhunderte hindurch, von 1047 bis 1624 getragen hatte. Ein weiterer historischer Tag ist der 17. Mai 1814 gewesen, an welchem Tage die norwegische Verfassung nach der Trennung des Landes von Dänemark ins Leben trat. Der 17. Mai ist dann auch der staatliche Festtag ge- worden, den ein freies Volk im Bewußtsein seiner Stärke freudig und fröhlich begeht. Billige Schollen. Von der Ostseeküste werden große Fänge in Schollen gemeldet, die im Mai besonders wohlschmeckend sind. Es kommen zum Verkauf: frische Maischollen, Pfd. 25 Pf., Kobfiau im ganzen Fisch, Pfd. 30 Pf., im Anschnitt entsprechend teurer, grün« Heringe, Pfd. 20—25 Pf., Mittelzander, gefroren, Pfd. 75 Pf. Di« Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. Gif. Das Weib, das den Mord beging. Alf Roman von Zrih Reck-Rlalleezewea. Da ist ein Ministrant, mit dem er paar Worte wechselt, da ist es eine unerhörte Luftspiegelung, die auftaucht vor den Augen der kleinen Sif: es sind ein paar Schnitten altes stein- hartes Brot, das der Mensch da in seinem schwarzen Rock mit sich geführt haben mag auf dem weiten Weg nach dieser Worstadtkirche... ein wenig Wein, der sonst wohl für andere Zwecke bestimmt sein mag. Da beginnt sie zu schlingen und bekommt blutunterlaufene Augen vor Gier und ißt und trinkt und wird nicht satt. Und schweigt in Trotz und Bitterkeit. Da schrillen nebenan im Kirchenschiffe die Meßglocken, da nimmt der Fremde in der Kutte sie bei der Hand, führt sie hinein..-- Oh. es ist eine seltsame Versammlung, die hier in den letzten Ausläufern der Millionenstadt Weihnachten feiert! Hier fehlen die goldgestickten Uniformen der Republik, es oibt hier keine Klubfähigen mit Abenddreß und Gott und den Kursen von Baltimore und Ohio im Herzen: es sind Zer- lumpte, es ist hierher aus Europa verspritzter Abschaum. Es find k-üne Bibliotheks-, keine Unioersttätsstifter dabei, und ich bin sicher, daß die Dom�weirer des Heiligen Vaters diesen Christen den Zugang zu Fußkuß und apostolischem Segen ver- wehren würden... ja. ich glaube sogar, daß kein gut ge-üch- teter Srotch-Terrier ein Stück Leberwurst aus ihrer Hand nebmm würde: Bankdeiraudanten und verkrachte Duellheroen mit einst berühmten Skandalaffären... Mediasierte, die wegen Fa'schmün-erei im Zuchthause saßen, und Weiber, die ibren Neugeborenen die Kehle hinterm Zaum zudrückten. Andere die einen lästigen Gatten mit Arsenik unter die Erde schafften.. Priester, die aus Abendmahlskelchen sich be- tranken abgetakelte Hetären, und Gardeoffiziere in zer- rissenen Bastschuhen und mit Ungeziefer im schmierigen Hemd. Und in der vordersten Reihe dieser Verlorenen von La Bocca und Barracas. höchst trotzig und oerbissen und durchaus nicht gewillt sich beikommen zu lasten, duckt sich das Weib, das den Mord beging. Da steht er auf der Kanzel mit dem zerbrochenen Geländer, der Mönch... ach. selbst die schim- mernde Stola fehlt in diesem Gottesdienst der Verlorenen! Und es ist vielleicht eine unheilige, eine für sein Ordenskleid vielleicht durchaus ungehörige Predigt, die da zu hören ist. „Äch will euch nicht von jenem Jesus sprechen, von dem man euch sprach, als ihr Kinder wart. Ich will euch nicht sprechen von ,chu sollst und du darfst nicht" und von Todsünde und Gericht. Brüchig sind der Menschen Gesetze geworden, und ihr alle, die ihr hier sitzt, seid vereint in Schuld und Jammer. Nicht das einmal verlange ich von euch, daß ihr glaubt, er habe gelebt. Ob er gelebt hat als Mensch wie ihr, oder nicht: dies ist gleichgültig. Ihr alle, die ihr tief gefallen seid, wißt, daß Roheit und Sünde ewig sind und unausrottbar. So aber wißt gerade ihr, daß ebsnso ewig und unausrottbar die Liebe ist und das Erbarmen. Und weil niemand so wie er die Liebe war und das Erbarmen: seht, so hat er denn doch gelebt und lebt ewig. Euch aber, die ihr morgen ja doch wieder sündigen werdet und tief im Staube liegt und aus eine Stunde nur gekommen seid, um zu sehen, wie hoch Gott ist: euch will ich von dem Christus sprechen, vor dem ihr euch nicht zu fürchten braucht." Und sieh, während man dasitzt und sich wehrt mit aller Kraft gegen das. was hier geschieht, und gerne ein freches Wort hineinschreien möchte, da ist es doch diese simple Ge» schichte von Todsünde und Vergebung, die ihr den Mund ver- schließt. Da sitzt gebückt und traurig der Herr und zeichnet Figuren in den Sand mit dem Stab und mag selbst wohl an die Roheit denken, die ewig ist wie jene Liebe, die er predigt. Und da ist die, die ihre Ehe brach oder ihr Kind oder am Ende auch so ein altes, gehässiges Weib mit geöltem, dünnem Haar erwürgte... ja, da steht sie mit ihrer Schuld allein vor dem Herrn und weih nichts zu sagen, hat die Hände voller Menschenschuld. Und siehe, da ist es doch nur diese eine Stimme des Großen, des Reinen:„Gehe und sündige hinfort nicht mehr." Es ist durchaus zu bemerken, daß die kleine Sif in dieser Stunde nicht aussieht wie eine reuige Sünderin. Da singt diese seltsame Gemeinde ein Lied zum Schluß, ein-Lied, das herllberklingt aus verwüsteten Gärten der eigenen Jugend, da sitzt das Weib und schickt die dummen Tränen zurück, die durch- aus kommen wollen, und versucht, die Melodie der ent" hineinzuschkcken in diesen Gesang. Und kann es doch nicht und bleibt sitzen auf seiner Armen- sünderbank, als langsam die Kirche sich leert. Da geschieht es, daß der andere, der Mönch plötzlich vor ihr steht, sie anschaut. Da will sie aufspringen, ihm ins Gesicht lachen und ihm sagen, er möge sich seinen Lohn für die Predigt holen hinter dem nächsten Zaun, hier vor dem Altar in Teufels Namen, schnell... schnell... Da ist es aber nur die traurige, sanfte Stimme des anderen, die Hand auf ihrer Stirn:„Und du, was hast du getan?" Da geschieht es, daß sie endlich das sagt, was sie lange sagen wollte, in allem Schmutz und Elend dieser Wochen:„Ich habe ein altes Weib erwürgt." Und es ist zu bemerken, daß sie es nicht sanft und leise tut wie die Insassen eines Beichtstuhls: o nein, sie schreit es, daß es widerhallt in diesen schimmeligen Gewölben, daß hinten der Ministrant, der die Lichter löscht, zusammenfährt bei diesem Bekenntnis. Und die Aasgeier mögen es gehört haben, die draußen um die Abwässerkanäle der Schlächtereien streichen und die Zuhälter und Preisboxer draußen auf der Straße, und vielleicht die ganze erbarmungslose Stadt mit ihrem Gebrüll nach Geld und Liebe. Der andere aber, der gewohnt sein mag, die mannigfachen Stimmen von Menschen- leid zu hören, der andere steht vor ihr und sieht sie an mit leichtem, mit traurigem Lächeln.„Und?" fragt der Mönch. ,L>u sollst mitkommen," sagt das Weib. Da gehen sie beide aus der dunkel gewordenen Kirche.— Es ist ein langer Weg von diesem letzten südlichsten Aus- läufer der Schlächtervorstadt Barracas el Norte bis hinauf zu der Calle da Rivadavia. Ich weiß von diesem langen, langen Wege nickt viel und glaube auch nicht, daß sich an dem großen Buenos Aires irgendetwas änderte, weil da ein trotziges Beichtkind ging mit seinem Beichtiger. Ich glaube, daß des- wegen in dieser Nacht nicht eine Gewalltat weniger geschah hinter diesen Zäunen, daß eine Zote weniger gebrüllt, ein Messer weniger gezückt, ein Maultier nicht zu Tode geprügelt wurde, daß oben in den eleganten Straßen von Florida irgend- ein Haciendaro sich um einen Bettler kümmerte, der gerade unter die Räder seines Cabs gekommen war.... Eine große, schreckhaft tönende Jahrmarktsorgel ist diese Welt, und blut- und kotbespritzt sind die Figürcken, die auf ihrer Platte tanzen, und keines Weibes, keines Menschenkindes große Stunde hemmt den Arm dessen, der diese Orgel dreht. (Fortsetzung folgt.) himmlische" Reklame. Eine neuartige Reklame, die allerdings in Amerika und England schon seit längerer Zeit in Gebrauch ist, wird nun auch in Verlin gezeigt. Es handelt sich um eine sogenannte Rauchschrift, die mit Hilfe von Flugzeugen in riesigen Buchstaben in großer Höhe ausgeführt wird und je nach den atmosphärischen Derhältnissen längere Zeit sichtbar bleibt. Für Deutschland ist diese Lizenz von dem Erfinder und alleinigen Inhaber der Weltpatente, dem englischen Major Saoage, an die„Deutsche Himmelschristgejellschaft" vergeben worden, die hierzu zwei englische Spezialflugzeuge vom Typ 5. E. 5, einsitzige Doppeldecker mit 200?8-Motoren, unter Führung eines deutschen und eines englischen Piloten verwendet. Die Maschinen, die zu diesem Zweck sehr große Höhen von mehreren tausend Metern aufsuchen, haben Aparat« mit Chemikalien an Bord, die einen weiß- lichen Rauch erzeugen, der durch entsprechende Einrichtungen abge- geblasen wird. Am gestrigen Nachmittag unternahmen die beiden Flugzeuge über der Berliner Innenstadt einen ersten Versuch, indem sie in einer Höhe von 33 Metern„Hallo. Berlin" und„Persil" an den Himmel mallen und nach Darstellung der Firma sollen die atmo- sphärischen Verhältnisse gestern nicht günstig gewesen sein. Jedenfalls muß abgewartet werden, ob sich dies« Art von Reklame praktisch verwirklichen läßt. Auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt bildeten sich große Ansammlungen von Neugierigen, die die Be- mühungen der Himmelschreiber verfolgten. «- Die Buchstaben der heute in Berlin und damit in Deutschland zum erstenmal gezeigten Himmelsschrist werden mit Rauch geschrieben. Dieser Rauch wird aus mitgeführten Chemikalien(deren Erzeugunasoerfahren gleich den für die Rauchentfaltung ange- wandten Methoden geheim sind) hergestellt, und zwar in einem un- gcfähren Maßstäbe von 2ö00l)l1Kubikfub in der Sekunde. Die Entwicklung des Rauches wird durch verschiedene Hebel ton- trolliert, und der Rauch am Ende der Maschine ausgestoßen. Die großen Buchstaben sind beinahe 15 0 0 Meter und die t leinen 1000 Meter hoch. Di« Himmelschrift wird in einer Mindesthöhe von 3000 Metern ausgeführt. Der Flieger muß dabei rückwärts schreiben, damit die Menschen auf der Erde die Schrift richtig lesen können. Die durchschnitlliche Geschwindigkeit einer HiMmelschrift-Maschine ist ca. 170 Kilometer in der Stunde, jedoch müssen die Aufstriche der Buchstaben und die Abstriche, je nach den Witterungsverhältnissen, in einer Geschwindigkeit von ca. 110 bzw. 230 Kilometer in der Stunde ausgeführt werden. Es ist außerordentlich sckwer für den Flieger, in einer geraden Linie zu schreiben. Ein Himmelschrist-Flugzeug wird durch eine 220 Maschine angetn'eben und wiegt etwas über 1200 lcx. Der Pilot der Maschine ist der einzige Insasse. Er führt die ganze Arbeit aus. Viele Monate ununterbrochenen Trainings sind erforderlich, um einen Himmelfchrift-Flieger auszubilden. Himmelschrift-Piloten werden zuerst auf besonders konstruierten Fahr- rädern trainiert, damit sie sich an das Gefühl, rückwärts zu schreibe� gewöhnen.— Sehr häufig zittert der Flieger vor Kälte in den Regionen, wo er die Himmelschrift ausführt, indes die Zuschauer unter ihm die Temperatur fast unerträglich heiß finden. Ideale Ver- hältnisie für die Himmelschrift sind: Blauer Himmel: jegliche« Fehlen von Wolken und Dunst, heller Sonnenschein und ein„bequemer" Wind von etwa 33 Kilometer. Jede Vorführung der Himmelschrift kann von allen Personen, die sich im Freien aufholten, innerhalb eines Umkreises von 100 Quadratmeilen gesehen werden. Die Himmelschrift-Flieger werden nicht nur in Berlin, sondern demnächst auch in fast allen deutschen Städten starten. Der Danüerolenüiebftahl in Dahlem. 18 Personen auf der Anttagebank. Der aussehenerregende Einbruch in das Dahlemer Finanzamt, bei dem am 5. Dezember o. I. Zigarettenbanderolen im Werte von über 400 000 Mk. gestohlen wurden, gelangte gestern vor dem Er- wetterten Schöffengericht Charlottenburg unter Vorsitz de» Land- gerichtsdirektors Dr. Tölke zur Verhandlung. Die Anklage richtet sich gegen nicht weniger als 1 8 P e r s o n« n, die sämtlich zur Stelle sind, da auch der letzte der Einbrecher, Karl Spang, vor einiger Zeit aus der Straße verhaftet werden konnte. Die Anklage gegen die 18 Personen, für die die Anklagebank nicht ausreichte, so daß sie auf den früheren Gcschworenenbänken Platz nehmen mußten, lautet auf schweren Diebstahl im Rückfalle, Anstiftung dazu, Begünstigung und Hehlerei Der A n st i f t e r und Unternehmer der g'an- z e n Sache von ihnen ist der mehrfach vorbestrafte„Kellner und Rennpferdbesitzer" Richard Enders. Er empfahl ihnen den Einbruch in dos Finanzamt, als eines Tages die mit ihm bekannten gleichfalls'oft vorbestraften Schlosser Fritz Marscholl und Vieh- Händler Otto Müller aus der Suche nach einem Derdienst bei ihm anfragten, ob er nicht ein Geschäft für sie hätte. Nachdem dann noch Spang hinzugeworben und die Gelegenhctt sehr sorg- faltig ausgekundschaftet worden war, ging der Einbruch, der eigent- lich schon am 28. blovembcr ausgeführt werden sollte, aber aus prak- tischen Gründen um eine Woche verschoben werden mußte, in der bekannten Weise vor sich. Außer Spang, der bestreitet, der dritte Einbrecher gewesen zu fein, sind die beiden anderen im wesentlichen geständig. In allerdings unbestimmten Angaben bezichtigen sie Spang trotz seines Streitens, am Einbrüche teilgenommen zu haben. Zu Beginn der Sitzung drohte die Vertagung, was jedoch dadurch verhindert wurde, daß der Antrag zweier Verteidiger, die Sache gegen Enders und Spang abzutrennen, vom Gericht abgelehnt wurde. Di« Verhandlung dürfte mehrere Tag« dauern. Der Liebe Leid. Jetzt Haffen sie einander: damals, im Jahre 1923, gehörten sie aber«inander. Jedesmal wenn s i e von ihm«in Kind erwartete, verlangte e r von ihr, daß sie zur weisen Frau geh«. Zweimal tat sie das: das erfteinal im dritten Monat der Schwangerschaft, das zweitemal im fünften Monat; das drittemal gehorchte sie ihm nicht. Die Schwester Halle ihr siesagt: Tu es nicht, es ist strafbar. Trage das Kind aus, gib es mir, ich werde es aufziehen. Und so tot st« auch, obgleich er sie zu erschießen drohte und sie schlug— da» behauptet sie wenigstens, er bestreitet es. Dann aber wurde die weis« Frau angezeigt und mit ihr auch die jungen Leute. Die weise Frau hatte das erstemal 3000 Papiermark bekommen, das zweitemal 27 000: da» Gericht erster Instanz verurteilte sie zu anderthalb Iahren Zuchthaus die jungen Leute zu je 10 Monaten Ge- fängnis. Nun standen sie vor den Berufungsrichtern. Di« Frau wollte von dcm Mann zur Abtreibung gezwungen worden sein; ihre Worte sprühten Haß: er trag« an allem die Schuld. E r dagegen wollte nur zur Abtreibung des ersten Kindes da» Geld gegeben haben. Die Verteidiger Dr. Goldschmidt und Dr. Bloß machten für beide Angeklagten den Umstand gellend, daß nach ihrer Verurtettung das mildere Abtreibungsgefctz in Kraft getreten s«i: die Mindeststrafe laute heute nicht niehr auf sechs Monats Eefäng- ni«. wie damals, sondern auf«inen Tag Gefängnis: dementsprechend muffe auch das Uneil milder ausfallen und den neuen Anschauungen gemäß dürste auch ein« Bewährungsfrist nicht oersagt werden. Das Gericht mindert auch wirkllch die Straf« auf je drei Monate herab und billigte beiden Angeklagten«ine Be- währungssrist zu. Ohne einander anzusehen, wie die schlimmsten Feind«, verließen die beiden Menschen, die einmal einander an- gehört haben, den Gerichtssaal. Die Schülertraaöüie von Zreienwalüe. Et« Lehrer unter Anklage der fahrlässigen Tötung. Auf tragische Weise hatten, wie erinnerlich, am 23. Februar dieses Jahres bei einem unter Aufsicht ihres Lehrers unternommenen Turnmarsch auf dem Eise drei Schüler ihren Tod gefunden. Dieser Vorfall hatte jetzt«in gerichtliches Nachspiel gegen den Lehrer David vor dem Amtsgericht Freien walde a. d. O. Schon nach dem Ereignis hatte sich der Bevölkerung eine u n- geheure Erregung gegen den verantwortlichen Lehrer bemächtigt, so daß er eine Zettlang in S ch u tz h a f t genommen werden mußte. Auch jetzt noch zitterte die Erregung nach, so daß zu dem Verhandlungstermin die Polizei aufgeboten worden war, um die Ruhe im Sitzungssaal zu sichern und den Angeklagten vor Gewalttaligkeiten zu schützen. Trotzdem an dem Ausflugstape sehr warme Witterung(plus 13 Grad) eingetteten war, botte der Lehrer einer Reihe von Schülern erlaubt, aus einer überschwemmten sumpfigen Wiese, einer sogenannten Echlenk«, Schlittschuh zu laufen. Dabei brach ein Schüler ein und versank in den Sumpf. Bei dem Rettungswert, an dem sich der Lehrer und dessen Ehefrau selbst eifrig beteiligten. sanken noch weitere zwei Schüler in den Sumpf und sanden ihren Tod. Zwei Lehrer, die seit 23 Jahren in Freien- walde ansässig sind, bezeugten auf Ladung durch Reckitsanwalt Müller-Stromeyer, daß die Schlenke bisher immer sür ablolut un- gefährlich gehalten worden sei und daß die Zeugen ihren Familien- angeböriaen dort da» Schlittschuhlaufen selbst bei Tauwetter noch gestattet hätten. Der Staatsanwalt hielt den Anaeklaaten für den Tod der drei Schüler verantwortlich: er Hab« feine Pflichten als Aufsichtsperson schwer verletzt, weshalb er gegen ihn ein Jahr Ge- fängnis beantragen muffe. Das Amtsgericht verurteilt« den An- geklagten D. zu 000 M. Geldstrafe. Zwar sei der Angeklagte nicht von jeder Schuld freizusprechen, der Grad seines Derschul- dens erscheine aber nur gering. Insbesondere habe sich nicht nachweisen laffen, daß David bei dem Rettungswerk seine Pflicht vernachlässigt habe._ Gepen ein Saugerüft yefobren. Zwei Arbeiter schwer, zwei leicht verletzt. Ein schwerer Unfall, bei dem vier Arbeiter ver- letzt wurden, ereignete sich gestern nachmittag gegen M2 Uhr am Untergrundbohnhof Hermonnplatz in Neukölln. Am Eingang des Untergrundbahnhofes soll,« gestern«in Trans- parenl angebracht werden, wozu ein leichtes Gerüst aufgestellt wer- den muhte, auf dem vier Arbeiter mit der Montage beschäfiigt waren. Vom Stadtinnern her naht« ein Autobus der Linie 24. der einem Fuhrwerk ausbiegen wollte und dabei mit großer Gewalt gegen das Gerüst fuhr, das durch den heftigen Anprall zusammenbrach. All« vier Arbeiter wurden mit in die Tief« geriffen. Der Schlosser Willi Sch. aus der Guineaftr. 6 trug einen schweren Schädel. b ruch davon und mußte durch einen Wagen de» Städtischen Rettungsamtes in bewußtlosem Zustande in da, Urban- Krankenhaus übergeführt werden, wo er sehr bedenklich da- niederliegt. Der 41jährig« Schwffer Hermann P., der in der Ocker. straße 3 zu Neukölln wohnt, erlitt schwer« Bein- Verletzungen: er fand im Neuköllner Kronkenhaus Aufnahme. Die beiden anderen Verunglückten, die über inner« Schmerzen klag- ten und Hautabschürfungen davongetragen hatten, konnten noch ärztlicher Behandlung im Urban-Krankenhau» wieder in ihre Woh- nungen entlaffen werden. Die Schuldfrage konnte noch nicht ein- wandfrei geklärt werden. Der Sonntag brachte viel Gutes. An Musik vor allem die von Mendelssohn-Bartholdy zu dem Text von Goethe komponierte Ballade„Die erste Walpurgisnacht", die der Funkchor gemeinsam mit den Solisten Georg Funk, Lili Dreyfu», Cornelius isronsgeest, Gottfried Hagedorn und dem Funkorchester schön zur Ausführung brachte. In der Stunde der Lebenden— der letzten dieses Winters — kamen Kurt Thomas mit einer Violiiisonate, Alfons Blümel mit Dafnis-Liedern noch Arno Holz und Rathaus mit zwei Klavier- stücken zur Aufführung. Am populärsten dürfte in diesem Trio Blümel mit seinen recht sangbaren Liedern gewirkt haben. Das musikalisch intercffanteste waren die Klaoierkomposittonen von Rat- haus, die ein Talent verrieten, das immerhin eigene Wege zu gehen weiß.— In der Mittagsstunde hatte sich der M ä n n e r ch o r Fichte-Georginia unter seinem Dirigenten Wilhelm Knöchel mtt dem Funkorchestcr unter Bruno Seidler-Winkler vereinigt, um in schöner Weise den Ein, Mg des Mais zu feiern.— Die Abend- Veranstaltung bracht« Liebesbriefe von Dichtern und an Dichter von Theodor Laos stil- und geschmackvoll gesprochen. Seine Partnerin, Erna Morena, dagegen las kaki und monoton.— Lieb, mit klingen- der sympathischer Stimme, sprach am Nachmittag Anna Höllering Selmo Lagcrlöfs rührende Erzählung„Das Gänfemädchen Afa und Klein-Mada".— Eine seltsame Störung des lv'chleben- Senders, die genau nur die Zeit andauerte, in der Siegsried Aushäuser, der Vorsitzende de» AsA-Lundes, seinen Vortrag„Die Bedchitung de» 1. Mai" hielt, verhinderte einen großen Teil der Hörer, diesen Aus- sührungen zu folgen. Das vorliegende Manuskript zeigt, wie be- dauerlich das war. Denn Aufhäufers klare Zusamniernaffung der Ziele und Gedanken, die dem Arbeiterwcltfeicrtag zugrunde liegen, hätten bei vielen Fernstehenden Verständnis dafür wecken können. Der Montag fand einen prächtigen Abschluß in der lieber- tragung des Arien- und Liederabends Battistinis aus Stuttaart. Der Berliner Empfang war außerordenllich klangreich und laut- stark. Battistini, dem anscheinend kein Alter etwas anhaben kann, war während des ganzen Abends glänzend disponiert. Der Ton lag ihm so frei und locker in der Kehl« wie nur je und seine voll Empfindungen gesungenen Darbietungen ließen die Berliner Funk- Hörer sicher mit ganzem Herzen in den von Stuttgart herllberklingen- den Beifall einstimmen. Der Nachmittag brachte ein ansprechendes Solistenkonzert. T e s. SpaltungöesIntern.SunöesöerKriegsopfer Protest gegen die kommunistischen Parolen. Im Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit" hat sich in den letzten Tagen eine Spaltung vollzogen, die einen nicht unei heblichen Verlust für die Kommunistische Partei bedeutet. Die genannte Organisation, die m Berlin, in Mitteldeutschland, und vor allen Dingen im Freistaat Sachsen große Ortsgruppen hatte, sollte angeblich partei- politisch neutral sein, war aber in Wirklichkeit eine Filiale der Kommunistischen Partei, von der sie in jeder Weise Unterstützung und ihre Parolen erhielt. Innerhalb der Mitgliedschaft machte sich in den letzten Monaten schon starker Widerstand gegen die kommunistische Leitung geltend, und aus dem Bundestag, der vor einigen Taxen stattfand, ist es nun— so meldet eine' Korrespondenz— zur offenen Rebellion ge- kommen. Die kommunistische Fraktion auf dem Bundestag, die, wie Reichstogsabgeordneter liebt als Führer der Oppofilion aus- führ:«, von der Zentrale der KPD. in Berlin genaue Instruktionen empsangen hatte, machte den Versuch, die Delegierten der parteipoli- tisch neutralen Gruppe und der sozialdemokratischen Mitglieder aus dem Bundestag herauszudrängen. Tiedt war von den Kommunisten in Bann getan worden, weil er sich..unproletarisch" benommen haben sollt«. Auf dem Bundestag kam es zu stürmischen Szenen, und daraufhin beschlossen die nicht bei der KPD. ein- geschriebenen Delegierten die Sezession. Die Oppo- sition hat sich von der jetzt rein kommunistischen Organisation ge- trennt und unier Leitung des Abgeordneten Tiedt einen n«uen Bund gegründet._ Erlaubter wucber! Geld ist heule recht knapp— und oft genug kann es vorkommen. daß selbst die fürsorglichste Hausfrau gezwungen ist, das für den „Gasmann" oder den„ElektrizitStsmann" zurückgelegte Geld anzu- greisen, besonders, wenn die beiden ihren Besuch erst am Monats- ende abstatten. Dann steht man mit leeren Händen vor dem Boten und bittet immer ein wenig schuldbewußt um die Rechnung, mit der festen Absicht, sie in spätestens drei Tagen zu begleichen. Der„Gas- mann" läßt auch zu diesem Zweck ein« vollkommen ausgefüllte Zahl- karte zurück, und wirklich findet man dann in den nächsten Tagen cuch Zell, das Geld abzuschicken— es wird ja so bequem gemacht. daß es scblicßlich auch ein Kind zur Post bringen kann.— Der „Elektrizitätsmann" aber läßt nur die unauittierte Rechnung zurück, und bestürzt liest man darauf, daß„die Zahlung unter Vorlegung der Rechnung während der Kaffenstunden in bar oder durch lieber- «eifung auf unser Postscheckkonto binnen drei Tagen" zu erfolgen Hot, widriaensalls die Stromlieferung eingestellt wird. Aber die Zeit ist manckmal fast so knapp wie das Geld, und so wird die Regulierung dieser Rechnung von Tag zu Tag oukgeschoben, bis plönlich w-e ein Racheengel wieder der„Clektri- zitätsmann" vor der Türe steht. Aber nun Hot sich die Rechnung erheblich erhöht! Die„Bewag" nimmt für jede nochmalige Vor- legnna einer Rechnung unter 10 Mark eine Gebühr von 3 0 Pfennigen(irüher ncbm sie sogar ein« Mark!), und ras Elektrizitätswerk Südwest setzt in j�e nochmals vorgeleote Rech- nunq 60 Pfennige„für den Gang u n f e r e s B o t e n ein, trotzdem die von dcm Elektrizitätswerk Südwest gelieferte Kilo- Wattstunde an und für sich mehr als doppelt so teuer ist als die von der„Bewag" gelieferte(35 Pf.— die„Bewag" nimmt 16!).— Nun. der Verbrauch an Elektrizität wird in den meisten Haushaltunoen etwa 4 M. nickt übersteigen; recknet man den Betrag von 50 Pf. nun wie es die„Bemaa" anfckeinend tut, als Verzugszinsen, so kommen mindestens 12� Pro,, für die ungefähr 14 Tage betragende Verzögerung heraus. Die„Südwest" aber wäre ,u frnaen, ob das „für den Gang unleres Boten" kaffierte Geld wirkstck an den V-tten gezrh» wird. Der Kaffierer bat oft in einem Haus allein 3— 4 Rech- minoen nackzukaffieren. und für seden.Gang' der nur non einer Wobnungstür zur anderen führt, werden 60 Pf. ln Rechnung ge- stellt!— Natürlich werden die Werke darauf Hinmeifen, daß ihre „Stromlieferungsbedingunaen" ron den Aufffcktsbcbörden aenehnnqt sind— aber das Beispi-k der GasbetriebsgefeNsckaft. die sckon stets ohne diesen Ertraprofit an Strcfgeldern existiert, sollte den Auf- sichtsbehörden eben zeigen, daß man auch in diesem Punkt die Kon- sumenten entlasten kann, ohne den Werken wehe zu tun. 24 Stunden zu Unrecht in der Irrenanstalt.. Der Molkereibesitzer Wilhelm v. G., der in der Akazienallee 23 zu Charlottenburg wohnt, lebt seit einiger Zeit von seiner Famiii« getrennt. Am Freitag früh erhielt G. von der Leitung der Nervenheilanstalt vormals Dr. W. in der Nußbaumallee einen Brief, in der ihm mitgeteilt wurde, daß man ihn zur M i l ch- lieferung der Anstalt heranziehen möchte. Es wurde für Freitag nachmittag eine Besprechung in der Anstalt verabredet. G der ahnungslos dort erschien, wurde in das Untersuchungs- zimmer geführt und jcvt wurde ihm mitgeteilt, daß er wegen feiner Geisteskrankheit untersucht und zur Beobachtung interniert werden müßte Alles Sträuben G's, der aus allen Welken gefallen war. half nichts: schließlich mußte sich G. in sein Schicksal fügen und die Nacht in der Anstatt verbringen. Erst am anderen Morgen, als eine eingehende Untersuchung durch den Ehe'arzt ergab, daß G. völlig gesund war und sich bei ihm auch nicht eine Spur von Geistesgestörtheit zeigte, wurde er ent- lassen, v. G., der nun nichts Gutes ahnend in seine Wohnung zurückkehrte, erfuhr von feinen Angestellten, daß in der Zwischenzeit seine Frau mit mehreren Familienangehörigen erschienen sei und alles, was irgendwie einen Wert besaß, mitgenommen habe. Scgar das Zimmer der Wirtschafterin blieb nicht verjchont. Nachdem alle Behältnisse durchsucht waren, fuhren alle in einem Anto davon. Wie von der Anstalt mitgeteilt wird, hat Frau v. G. dem An- stastsleiter völlig falsche Angaben gemacht. Man tonnte nicht damit rechnen, daß sie ihren Mann, nur um ungestört die Wobnung durchsuchen zu können, als geisteskrank internieren laffen würde. Herr v. G. hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Der Fall ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie schnell jemand aus den bloßen Verdacht hin von Verwandten in«ine Irrenanstalt kommen kann. BerufungSverhandlunq Kutisker. Vor dem Landaericht II begann gestern morgen unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schulz die Bsrufungsoerhand- lung m Sachen Kittisker und seines älteren Sohnes Alexander. Wie erinnerlich, wurde Kutisker zu fünf Jahren Zuchchaus und vier Millionen Mark Geldstrafe verurteill, sein Sohn Alexander zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Kutisker ist aus der Charste auf einer Tragbahre herbeigeschaift. Anwesend ist auch der ihn behandelnde Arzt Professor H> ß. Die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr.� Wert- Hauer, Dr Nu bell und Dr. Fuchs. Der Prozeß durste vier Wochen in Anspruch nehmen. Die Iragödle In Pichelsdorf, über die wir berichteten, ffi zn m Teil aufgeklärt. Ein Paar, das von der Freyabrücke in die Havel sprang und ertrank, lieh aus der Brücke ein Paar halbe Damenlackschuhe zurück. Es wurde festgestellt, daß diese einer 37 Jahre alten Frau Tz. gehörten, die von ihrer Familie getrennt lebte und mit einem 28 Jahre alten Artur I. zusammen in der Ruppinsr Straße in Untermiete wohnte. Frau Tz. wurde unter- dessen mit zusammengebundenen Händen in Gatow aus der Havel als Lerche gelandet. Der Mann, mit dem sie gemeinsam ins Wasser ging, ist ohne Zweifel I., der in die Wohnung auch nicht mehr zurückgekehrt ist. Seine Leiche ist noch nicht geborgen.. Was das Paar in den Tod getrieben hat, konnte noch nicht festgestellt werden. In unserem Berichs über die ZNalveranstaltungen in der gestrigen Abendausgabe des„Vorwärts* war u. a. die Rede von dem „Deutschen Beamtenbund*. Es muß selbstverständlich heißen: „Allgemeiner Deutscher Beamtenbund*. Ziele Sozlallflische kiochichnle. Ter nächste und letzte Vortrag in biesem Semester findet am Sonnabend, dem 7. Mai, abend« 7'/, Ubr, im orotzen Saal des ebemaligen Herrenhauses Leipziger Straße 3, statt. Genosse Dr. B r e i t s ch e i d, M. d. R., stricht über das Thema:„Sozialistische An ssenp oiit if.— Karlen zum Presse von f>0 Vi. find an folgenden Stellen zu haben: Vureau des Bezirlsbildunosauslchusses, Lindenftratze 3, 2 Hos. 2 Treppen, Zimmer 8.— Buchhandlung I. H. W. Dietz Nachs., Lindenstraße 2._ Die Katastrophe am MjWppi. Dammbauten, Dammbrüche und die Sprengungen. Die Indianer sagen von seher, daß der große Manitou ollen Strömen ihr Bett gegeben habe, durch das sie fließen müßten! einzig und allein beim Mississippi, dem Vater der Gewässer, habe er ver< zichien müssen, ihm seinen Lauf vorzuschreiben. So furchtbar aller. dings wie diesmal, hat der Strom seit Menschengedenken nicht gewütet. Die letzte Hochflut, die mit Dammbrüchen verbunden war, fand 1922 statt, wo aber nur etwa 4V Proz. des jetzt detrossenen Gebietes von den Folgen der Dammbrüche heimgesucht wurden. Eine vielleicht an den Umfang der gegenwärtig heranreichenden Katastrophe ereignete sich vor genau 49 Jahren, wurde aber als solche noch nicht in dem Maße empfunden, weil das ganze un- geheure Missijsippibecken damals noch kaum erschlossen war. Man begann allerdings schon im Jahre 1717 mit der stellenweisen Regu. lierunx. des Flußlaufes, doch wurde der systematische Ausbau eines Dammsystem erst im Jahre 1879 vom Staate in die Hand genommen. der bis heute für die Errichtung von ungefähr 3699 Kilometer Dämme mehr als 6 Milliarden Mark aufgewendet hat. Normalerweis« liegen die Dämme in einer Entfernung von anderthalb Kilometern von dem betreffenden User de» normalen Strombettes, woraus schon hervorgeht, auf welch ungeheueren Wassereinbruch das Regulierungssystem de» Mississippi von vorn- herein eingerichtet sein muß. Während der Strom bei normalem Hochwasser oft genug bi» auf 199 Kilometer Breite anwuchs, ohne daß sein Niveau in besonders gesährlicher Weise an- stieg, beträgt seit seiner Eindämmung die Differenz zwischen Hoch» und Niedrixwasser oft genug bis zu 7 Metern an der Mündung und über 19, ja, bis zu 16 Metern bei Eairo, am Zusammenfluß von Ohio, Missouri und Mississippi. So ist alle» in dem ungeheuren Flußsystem riesenhaft und beispiellos, so naturgemäß auch die Kata. strophe, die das Becken des Mississippi und die Hunderttausende, die sich in den letzten Jahrzehnten in ihm angesiedelt hatten, heim. gesucht hat. So ist aber auch die grauenhafte Notwendigkeit jener Damm» sprengungev verständlich, gegen die die unmittelbar betroffenen Farmer sich zunächst mit Maschinengewehren zur Wehr setzen woll- ten. Als bei dem letzten großen Hochwasser des Jahres 1922 die Dämme an drei Stellen brachen, strömte durch jede der bis zu 1999 Metern langen Bruchstellen eine Wassermenge, die ungefähr der ganzen Wassersührung des Rheins bei Hochwasser in der Gegend von Schaffhausen entsprach. Zugleich verringert« ober jeder dieser Dammbrüche den Wasserstand in New Orleans um zirka einen Meter, hätte man sich also jetzt nicht zu de» umstristenen Datnm- sprengungeu entschlossen, so Hölle den Flulen anstatt der vesitznngen von einigen tausend Farmern, die entsprechend entschädigt werden, leicht da» ganze hochentwlckelie und kaum ersetzbare Industriegebiet von New Orleans mit einer unabsehbaren Zahl von Istenschenlebca zum Opfer fallen können. » New Orleans. 2. Mai. IWTB.) In Luisiana begann sich heute die volle Gewalt des Mississippihochwasiers fühlbar zu machen. Das Gebiet von Concordia ist infolge des Bruches der Schustdämme nunmehr völlig überschwemmt. Der größte Teil des Bezirks Catahoula und Teile der Bezirke Avoyelles und Lasalle Rapides sind ebenfalls von dem Hochwasser bedroht. Das in Mitleidenschast gezogene Gebiet umfaßt ungefähr 3199 eng- tische Ouadratmeilen mit einer Bevölkerung von 7 9 9 99 Menschen und Besitztumvwerten in Höhe von 39 Millio- ii e n Dollar. Im Staate Mississippi hat der Pazoosluh den Damm bei Eden durchbrochen und 19 999 Acres überflutet. Schwerer MotorradnnfaN englischer Soldaten. Wiesbaden. 2. Mai.(MTB.) In der Nacht zum Rtontag ereig- nete sich hier ein schwerer Motorradunfall, bei dem eine Petson ge- tötet und zwei weitere Personen schwer verletzt wurden. Ein Motor- lad mit Beiwagen, das von drei englischen Soldaten besetzt war. überfuhr einen Arbeiter, der dem auf der abschüssigen Straße hermtterrofenden Motorrad nicht schnell genug ausweichen konnte. Der Arbeiter starb an den erhaltenen Der- letzungen. Das Motorrad wurde bei dem Zusammenstoß aus den Bürgersteig geschleudert und verletzte eine vorüber- gehende Lehrerin, die in bedenklichem Zustande nach ihrer Wohnung gebracht werden mußte. Der Lenker des Wagens erlitt einen Schädelbruch. Er ist in das englische Militärkranken- Haus eingeliefert worden. Die beiden anderen Soldaten blieben leichter oerletzt._ Verhängnisvoller Sprengschuh. Infolge Durchbrennens einer Zündschnur in einem Steinbruch der Odenwälder Hart st ein- werk« bei M o n s i n g e n ging ein Sprcngschuß vorzeitig los. Ein Lehrer, Dater von sieben kleinen Kindern, der sich auf dem Nachhauseweg befand, wurde durch die herumfliegenden Gesteinsmassen derart schwer getroffen, daß er sofort oerstarb. Zwei Arbeiter wurden schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. parteinachrkchten für Groß- Sedin Mnlenduaz«, fät diele Rudrtl find Verl!» SB e». Lmdenin--« 3, ilcts an da»$ejicf»Jcftetnrlat. 3. Hai, 2 Scti). rechts, zu richte«. Sezirksvorstanö. heule abend vünkMch 6 Ubr sehr wichtige Sitzung im Sonfe- renz zimmcr der„vorwärts"-Redaktion, Lindenstr. 3. keiner darf fehlen. t. greis Prenzlauer«erg. Mittwoch, s. Mai, 7 Uhr, Eitzunz des erweiterten »reisvorstaiide, dei itlua, Tanziger Str. 71. ». Neri»«renzbera. Tie Raücierkarten müsse« heut«, Drenstag. 3. Mal, deim Ibcnossen Urban, Dörlißer Str. 37, QuergebLude 1 Treppe, ab« rech. net werden— Pchtungl Bei der Maifeier ist«in Schirm gefunden worden. Abzuholen bei?obinlon, M°ri°nn,nvr-tz 23. 7. ÄtcU Sharlottenburg. Bildungeausschnh: Die>-'ßung lallt heute an». Eißunn am tzreitog, Uhr: «ef-ubbrn»»«»: Schul«(Sotenburger Str. 8.—«edding-N-rtz: Heim Sn» tinrt Ecke Seestraß«.— Nordost I: Heim Neu« Königstraß«.— Nordost II: Heim Dauziaer Str. 62.—«eurselder-Piertel: Schule Danziger Str. 23.— Hafenheid«: Badeanstalt Bärwaldstr. 64.— Schöneberg l: Heim Hauptstr. 15.— Stealitz lt Heim Albrechtstr 47.—«enköllu l: Heim Sander. Ecke Hobrecht. strotz«.— Reuiöll» III: Heim Eteinmetzstr. 114.— Rcukollu 17: Heim Nogat. straße 58.— Reutöll» V: Lyzeum Richardplatz.— Reulölln VI: Schule Hertz. dergplatz.— Witten»»! Heim Roscnthaler Straß».— Buchholz: Schule Berliner Straß«.— Pankow: Heim Sörschstr. 14. « Brunnenplatz: Schule Wiesen- Ecke Pankstraße.„Die geistige Bergistung der Zugend.*— Falkplatz: Schule Eberswalder Str. 16, Zimmer iL.„Die «ansumgenossenschasten.*— Halens««: Schule Zoachim.Fricdrich.Str. 85/36. „Eindrücke von der Ostrrfahrt.*— Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue.— Riede«. schöneweide: Schule Berliner Str. 3l.„Bub und Mädel", Fortsetzung.— Herm-dorf: Heimabend beim Genoffen Kord.—«iederfchöahausen: Schule Blankenburger Etr. 70.„Die Bedeutung de, l. Mai für die Arbeiterschaft.* Di« durchgehend« Arbeitozeit hält die Berufstätigen«eist bis zum Abend vou Haus» fern. Oft besteht die Tagesbeköstigung nur in belegten Broten. Deshalb sollte«» adend» etwa» Warme» geben. Al, Einleitung einer stärkrnden 8 Teller wohlschmeckender Suppe. Wetkerderichl der»ftrntvchen wetterdieusMele für verlw»vd Umgegend. /Rachdr.»erb.) Trocken und meist hetter. am Tage«ärmer. Tür vevtschlaud: Im Südwesten stellenweise Gewitter, sonst trocken und müd heiter, überall etwas wärmer. Sawall gewinnt öle fünf Trümpfe. Die Rennen anf der Olympiabahn. Das erste diesjährige 199-Kilometer-Dauerrennen, das die Olympia-Radrennbahn am Sonntag in zwei Läufen ausfahren ließ, erfreute sich eines regen Besuches der Rad- sportgemeinde. Am Start erschien neben Walter Sawall, Rosellen, Feja, Lewanow auch der Holländer L e d d y. Im ersten Lauf über S9 Kilometer zeigt« R o s e l l e n eine ganz hervorragende Fahrweise. Er wußte bei einem Motordefekt Lewanows geschickt die Spitze zu besetzen, nachdem Feja schon vorher, ebenfalls infoige Motordesekts, weit zurückgefallen war. Leddy, der im Verlaus des Rennens den zweiten Platz vor Sawall besetzen konnte, versuchte später den führenden Rosellen zu verdrängen. Umsonst. Nach dem Kampf nimmt Sawall den richtigen Moment wahr, um an Leddy vorbeizugehen, kann aber Rosellen nicht mehr ge- fährlich werden. Rosellen fuhr die 59 Kilometer in 43 Minuten 32 Sekunden. 59 Meter zurück folgte der Bahnmatador vor Leddy 399, Feja 739 und Lewanow 4459 Meter zurück. Erwähnt sei, daß in diesem Lauf probeweise die 89-Zentimeter- Rolle geführt wurde, die sich jedoch nicht bewährte, vielmehr die Kämpfe behinderte. Im zweiten Lauf gab es dann wieder die 69-Zentimeter- Rolle. Auch dieser Laus zeigte schöne Augenblicke des Kampfes. Lewanow fuhi* hier wieder einmal bravourös. Er erarbeitete sich aus den dritten Platz vor Feja und Leddy und hatte Sawall und Rosellen vor sich. Ein Angrisf Sawalls auf Rosellen verpuffte zunächst, wurde aber später mit Erfolg gekrönt. Leddy wurde hier- bei von Rosellen und Sawall überrundet. Bei einem zweiten An- griff Sawalls auf Rosellen mußte dieser die Führung fallen lassen. Sawall nahm die Spitze und verteidigte sie mit 129 Meter Vorsprung vor Lewanow. Feja folgte S-Ä), Rosellen 539 und Leddy 2159 Meter zurück(Defekt). Sawall erledigte den zweiten Lauf in 42 Minuten 23 Sekunden und ging im Gesamtklassement mit 99,559 Kilometer als Sieger hervor. 2. Rosellen 99,479, 3. Feja 98,959, 4. Leddy 97,499, 5. Lewanow 95,459 Kilometer gefahren. Im Mannschaftstreffen der Berufsfahrer Deutschland gegen Ausland siegte Deutschland mst 65 P. vor Ausland 49 P. Heyne(VRE. v. 89) gewann das Malfahren für Amateure über 1299 Meter. Rennen zu Rnhlebea am Montag, dem 2. Mal. 1. Rennen, t. Campanula lHeckrrt), 2. Meistersänger(Knöpnadel fr.) 3. Lux(Lernjer). Toto: 2l: 10. Platz: 13, 15, 18: 10. sierner liefen: Beate Etzel, Friedegard, Junger hn Grünen, Weilkamp, Mai ti Halle. S Rennen. 1. Gottfried fTh. MillS), 2. Frida Magowan(Twitzer), 8. Denkmünze fG. Laulenbcrgerj. Toto: 21:10. Platz: 22, 28, 60:10, Ferner liefen: Tudora. Mentor l, Ilona W., Katzdach, Doliria, Torrero, Manrico, Peter Harvest«. 3. Rennen. 1. Marie Süsse I». Kaupperj. 2. Purlla(Eh. Mills), 3. Eitelsried(G. Lautenberger). Toto: 30: 10. Pia«: 21, 28, 22: 10. Ferner liefen: Potsdam, Isegrim«, Niederländer, Lessing, Jram, Frank, Lebedame, Einsicht. Eirano. 4. Rennen, l. satyre(Eh. Mills), 2. Fiamelta fg. Mills). 3.«lt» mark kB. Heckert). Toto: 20; 10. Piatz: 18, 18, 21: 10. Ferner liesen: Frettchen, Buchdrucker. Copal, Trolleur,«xwotihy I., Interpellant, Frankenstein. 5. R r n n e n. 1. Theodora(tzl. Finn), 2. Ration(H. Schleusen er), 3. Erster Seehofer(F. Knöpnadel). Tolo: 24:10. Platz: 23, 24: 10. Ferner Uesen: Thorknabe, Quintessenz, Die Puppe. 6. R e n n e n 1. Mixer(Eh. Mill«), 2. Kavcllmesster lM. Ringlus), 8. Königsadleransch«. 9Z. Abtellunjc. � »«»»«««»«»»«»»»»»«4» Spreewälderm 2m Spreewald, jenem, von unzähligen Wasserarmen durchschnittenen Wald- gebiet, vor den Toren Berlins, hat sich die Freude an der schönen Volkstracht bis heute ungestört erhalten. Viel kostbares Linnen, wertvolle Stickereien, seltene Spitzen gehören zur schmucken Tracht der Spreewalderin. Schon längst hat sie erkannt, daß die Sunlicht- Seife ihren Wäscheschatz am besten pflegt. Sunlicht-Seife ist von höchste? Reinheit und Güte, ohne scharfe Bestandteile. Sie schont das Gewebe, macht die Wäsche blendend � rrjp y« � � weiß und frisch, ist sparsam im Gebrauch. Sunlicht-Seife Doppelstück 40 Pf. Großer Würfel 35 Pf. Unserem(Btnuffon � Koorad flöte m frao| i>zu ihrer heute stliitssndendeu Silber- W >hoÄieil die herzlichsten SiückwLnfche\S) Die Purtelucnossen der LZ. Abt SeitsdiefisclaliaMMeH Oonnrrclcrg. den S. Mai, abends *'/» Ahr, im Parier refaai de» vor- dandshanfe». Linienstr 82 85. Branchenversammlung der Aulogenjchweiüer Tagesordnung 1 Neuwahl der Branchenleiiung 2. Bn> bandsangeleiienhenen.. Lichidogeiischweißer haben Zutritt. Miigl ebsduch legitimiert. Teilnahmederebiigt find nur dieKollegen und Kolleginnen, weiche in ihrem Mit» oliedsduch die obige Peruisbezeichnung haben. Metall- und Revolverdreher« sowie Dreherinneu Karlen zur Fümvorssinrunft am 7. Mai fönnen nnr Miuwoch. dem 4. Mai, von 5—>/i7 Uhr. im Lokal von Aenoit, Adaldertstr. 4, adgehoit werden. _ vi« OrlBOgrrooltnnn- Bekanntinachung. Zu den Unfallverhütungsoorichristen de Brandenbnrgiichen iandwirrfchaii'tchenBe. ruisgenoffenschait ist durch Beschluß de« Senossenichosssversammiung vom 3 März 192« ein I. Nach rag eriosseu worden, der nach Genehmigung durch da» Reiche» vcrsscheruiigsai»! mit dem t. April 102? in Kraft gerreien iii. Ein vruckstück des Rachtrags wird den Unternehmern durch die Pi tt zugrffellt. Außerdem liegen die UniallverhUiungs- verschrssten mit dem Nachtrag in unserem Bureau zur Einsicht au», von dem auch weitere Eillcke bezogen werden ILnneii Dies wird gemiii, Ziffer 6 des VI. Teile» der Uusatlverhllluiiaevnrlchriiien vom 24 Ma' iüiK hiermit dclann: gemacht. Berlin(Waise»«« 27). 2». April iS27. Stadiausschuß Berlin, Abt. I al» Porssano der Eehian 39(BerUu) der Brandenburgischrn landwirtschafttich,« Deruisgenoffenichast_ Die Marüe fein- sduaechers ist ffapi- ifin-ttopenhaiiener- 20 pi' Vkf. Jedes OQmtlSIUU, Stck. wird einzeln nur In Papier verpackt geliefert. Verkaufsstellen durch C. Rocker,«er- linNO I8,Llclnenlierf:erSlr.22.Iel.ll?jl-356I r Irrwege im Sportbetrieb! Heber Sinn und Zweck des Sports, über seine ungeheure Bedeutung für den Einzelmenschen und für unser ganzes N o l k ist die breite Oeffentlichteit in den letzte» Jahren durch Wort und Schrift eingehend aufgeklärt worden. Daß ein richtig betriebener Sport eine innere Lebenserneuerung fein und den Menschen davor bewahren kann, im zersetzenden Getriebe der modernen Kultur vor der Zeit körperlich, geistig und seelisch verbraucht zu werden, das wird heut« kaum jemand ableugnen. Freilich scheint in der Art des sportlichen Betriebs so manches zu liegen, was auf Irrwege führt und den bedenklich beiseite Stehenden ein« Waffe in die Hand gibt. So bringt der Zusammen- schluß zu Sportvereinen von selbst eine rege Pflege der Geselligkeit mit sich. Letztere droht oft das Sportliche zu überwuchern, so daß di« Frag« entsteht: Sport- oder Geselligkeitsverein? Gewiß kann und soll ein derartiger Verein des geselligen Lebens nicht entbehren. Doch hat dieses nur sein« Berechtigung, solange es eine ernsthafte Pflege erfährt, sich dem Sport selbst unterordnet und die Aufgabe erfüllt, dem sportlichen Leben einen möglichst vielseitigen geistigen Inhalt zu geben. Im Sportbetrieb selbst ist es vor allem die Neigung zu Ueberanstrengung und Uebertreibung, aus der Gefahren erwachsen können. Namentlich für Jugendliche werden sie verhängnisvoll, und man wird immer wieder hören, daß die Bedenken, die Eltern und Erzieher gegen die sportliche Betätigung ihrer Kinder haben, gerade hierin wurzeln. Die Jugend neigt ja bei allem, was sie mit Eifer und aus sich heraus betreibt, zum Extrem, und will der Sport sich nicht selbst schaden, so muß jeder Verein es für seine vornehmste Pflicht halten, durch Beispiel und persönliche Einwirkung den noch in Entwicklung befindlichen Körper zum Maßhalten zu erziehen und das Verständnis für das Goethesche „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister" zu wecken. Daß der Mensch nicht dazu da ist, mit seinen Kräften Raubbau zu treiben, sondern daß er die Pflicht hat, Gesundheit des Leibes und Frische des Geistes auf seine Nachkommen zu übertrogen, dos muß heute, wo sich nicht nur die körperlich Kräftigen, sondern auch Schwächlichere durch den Sport heranbllden wollen, in der Praxis der Leibesbetätigung das Wichtigste sein! Ein Irrweg wäre es ferner, im Entwicklungsalter ein einzelnes Organ des Körpers besonders zu pflegen und zu fördern. Nein, gerade auf dieser Altersstufe ist der Sport so zu wählen, daß der ganze Organismus in gleichem Maße beansprucht wird. Einseitigkeit statt Kräftigung sämtlicher Organe bringt dem Körper nur Nachteile. Es wäre sehr zu wünschen, daß die dauernd« ärztliche Beratung von den Bereinen noch viel mehr als bisher in Anspruch genommen würde. Wo Einseitigkeit Platz greift, da macht sich meist auch Rekordsucht im Sinne eines übertriebenen Ehrgeizes breit. Gipfelleistungen sollen und müssen sein, doch sollen sie zum Ansporn dienen! Niemals darf Züchtung weniger Begabter Selbstzweck werden. Andernfalls geht die Kampfidee in ihrem ideellen Sinne zugrunde, und an die Stelle von Selbstzucht und Ritterlichkeit gegen- über dem Gegner treten Ueberhebung und engherziger Bereins- fanatismus. Der Rekordsucht benachbart ist die Gefahr, daß der Sport zur Schaustellung herabgewürdigt wird. Man ver- gegenwärtige sich Hellas und Rom. Diese gingen unter, als nicht mehr die breite Masie Sport trieb, sondern einzelne bezahlte Größen die Schaulust der Menge befriedigten. Möchten die Nationen des Altertums uns in dieser Hinsicht auch für die Zukunft ein warnendes Beispiel sein. Man hat neuerdings vielfach von einer jetzt aufgerichteten Herrschaft des„Bizeps" über den Geist gesprochen, und der Borwurf, daß der Sport an einer zunehmenden Entgeistigung unseres Volkes, die Schuld trage, ist seitdem nicht verstummt. Hier sei in Kürze nur auf folgendes hingewiesen: die Vertreter dieser An- schauung übersehen, daß der Sport für unsere Generation nicht äußerer Zeitvertreib ist, sondern ein triebhafter Drang noch Licht und Luft, nach natürlicher Entspannung des Organismus, nach einer Steigerung des Lebensgefühls, hervorgerufen durch die Freude an einem gesunden, gestählten Körper, gegenüber den zersetzenden Erscheinungen der modernen Ueberkultur. Dieser triebhafte Drang nach Leibeskultur ist heute nicht mehr aufzuhalten. Wie haben sich aber die Vertreter geistiger Bildungsideale, wie haben sich alle die zu diesem neuen Sein gestellt, die geistiges Kulturgut zu verwalten haben? Teils abwartend, teils feindlich, teils gleichgültig. Wie wenige haben versucht, ihrerseits die Brücke zu schlagen, wie wenige haben an der Stelle ihres geistigen Wirkens durch Wort oder Schrift versucht, das Triebhaft-Unlbewußte der Bewegung ins ethische Bewußtsein zu erheben und ethisch zu vertiefen, besonders di« jüngere Generation zu einer geistigen und seelischen Erfassung des Sports zu führen und ihn zu einem Stück Lebensanschauung werden zu lassen; wie wenige haben oersucht, Erzieher zu einem die Harmonie von Körper und Geist in sich schließenden Lebensideal zu werden. Wer dem Sport Entgeistigung vorwirft, spielt nur die Rolle des „Geistes, der stets verneint", anstatt für sein Volk positive Kultur- arbeit zu leisten.__ Dr. K. W e i tz e l. Lanöeskonferenz öer Grtskartelle. 3Z Vertreter von 33 Ortskartellen der Provinz Branden- bürg und der Niederlausitz hatten sich am Sonntag, dem 24 Slpril, in Berlin zu einer Tagung eingefunden. Oehlschlager konnte in seinem Bericht diese Beteiligung als ein gutes Zeichen gegenüber dem Vorjahr feststellen. Ein Teil der in der Provinz Brandenburg bestehenden Ortskartelle haben sich dem Provinzial- kartell noch nicht angeschlossen, deshalb ist es Aufgabe der Provinzial- leitung, auch diese zu erfassen. Eingehend behandelt Oehlschläger die staatliche Jugendpflege und die Wege zur Erlangung staat- licher Mittel für die Vereine. Besonders betonte er die Mitarbeit in den Iugendpflegeausschllssen, in denen die Vorsitzenden der Kar- telle vertreten sein müssen. Da die Frankfurter Unjallversicherungs- beitrage ganz bedeutend erhöht wurden, empfiehlt Oehlschläger, darauf hinzuwirken, daß diese Beiträge von den Orts- bzw. Kreis- jugendpflegeausfchüssen gezahlt werden. Jeder Unfall ist durch das Kartell einzureichen. Genosse E b e r t- Forst berichtet über die Kartellbewegung in der Niederlausitz und beschwert sich über die absolut ent st eilende Berichterstattung der „R o ten F a h n e" von der letzten B« z irkskartellkonferenz. In der sachlichen Diskussion wurde der Wunsch ausgesprochen. Richllinien über die Zusammensetzung der Kartelle aufzustellen und monatlich ein Rundschreiben herauszugeben. Beschlüsse der Orts- kartelle sollten bindend für die Vereine sein. Mehrere Anfragen und Beschwerden beantwortete Oehlschläger in seinem Schlußwort in zufriedenstellender Weise und verlangte, daß alle Beschwerden der Ortskartelle an die Prooinzialleitung zu richten sind, da sie von dort aus ihre Erledigung finden. Zu den prinzipiellen Fragen wird di« Reichskonferenz der Landeskartelleiter in Wernigerode Stellung nehmen. Genosie Buck von der Zentralkommission gab aus eine Anfrage hin bekannt, daß die Zentralkommission mehrere Führer- k u r s e veranstaltet und besprach kurz deren Programm. Referenten- kosten bei Kursen der Ortskartelle kann die Zentralkommission nicht tragen. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wieder- wähl des Vorstandes. Genosse Buck hielt hieraus ein instruk- tives Referat über„die Arbeitersportbewcgung und ihre Beziehungen zur Partei und den Gewerkschafte n", welches mit großer Aufmerksamkeit entgegengenommen wurde. Eine Dis- kufsion fand nicht statt, ein Zeichen, daß man mit seinen Aussüh- rungen einverstanden war. Nachdem die Delegationskosten in der Höhe von 12 M. außer Fahrgeld mit Nachtausenthalt, ohne Nacht- aufenthalt 7 M. festgesetzt waren, schloß Oehlschläger mit der Mahnung zur regen Mitarbeit mit einem dreifachen Frei Heil die Tagung._ 1. Mai See Wassersportler. Eine Maidemonstration auf dem Wasier veranstalteten die Ar- beiterwasiersportler der im Gebiet der Berliner Spree und Dahme gelegenen Vereine auf dem Langen See bei Grünau. In großer Zahl sah man u. a. die mit roten Wimpeln geschmückten Boot« des Ruderoereins„Vorwärts" sowie die prächtigen Segel- boote der„Freien Segler". Im„Birkenschlag" gegenüber von Karolinenhof fand am Vormittag eine kurz« Feier statt. Die Tegeler Wassersportler hatten sich zur Maiseier in Hassel- werder, der größte Teil der an der Unterhavel gelegenen Vereine am Trotzen Breiten Horn gegenüber dem Lindwerder versammelt. Alle Feiern verliefen in froher Stimmung und in voller Harmonie. Vor allem aber zeigten sie, daß auch der Arbeiterwassersport in ständigem Wachsen begriffen ist. Eine neue Note brachten die Arbeiterwassersportler der Havel- vereine in den Maiumzug, der sich um 11 Uhr ab Eharlottenburg, Bismarckstraße, zum Lustgarten in Bewegung setzte. Leider konnte der Zug nicht ganz bis zum Lustgarten kommen, da sich di« un- geheuren Massen in den Zugangsstraßen derart stauten, daß ein Weiterkommen unmöglich war. Ruderverein„Eollegia",„P. R. G.", „Freie Kanufohrer Charlottenburg", restlos traten sie an und be- wiesen, daß die Forderung gewerkschastlicher und politischer Organisation bei ihnen nicht nur auf dem Papier steht. In ihrem Sport- dreß, Skulls, Riemen und Vereinsflaggen mitführend, demonstrierten sie nicht nur für die Notwendigkeit des Achtstundentages, sondern be- wiesen auch die Möglichkeit, die Freiheit im Kreis« klaffen- und kämpf- bewußter Genossen zu verbringen. Die Zurufe und Begrüßungen der Umstehenden ließen erkennen, daß die Bestrebungen der Arbeiter- sporwerbände immer mehr Anerkennung finden. die öunüesfußballmeistersthast wieder In vresöen. Was man im allgemeinen erwartet hatte, traf ein: Der D r e s- d e n e r Sportverein wurde zum vierten Male Bundesfußball- meister. Nürnberg>We st zog, mit 4:1 geichlogen, den Kürze- ren. Genau wie im Vorrundenspiel vor zwei Jahren, lautete auch diesmal wieder bis zur Pause schon 3:1 für Dresden, nur spielte hier der Meister auf vertrautem Boden. Der DSV. beherrschte das Spiel von Beginn an. Gutes Verstehen im gesamten Mann- schaftsbild und schöne Einzelleistungen rissen die ungefähr 10 0l)0 Zu- schauer immer wieder zu begeisterten Ovationen hin. Aber auch die Nürnberger zeigten manchmal ein wirklich erstklassiges Spiel, doch fehlt hier das Verstehen der Spieler untereinander und das not- wendige Stehvermögen. Meisterleistungen wurden von ihnen aller- dings wenig gezeigt. Aus anfänglicher UmNammerung machen sich die Nürnberger dann auf einige Minuten frei. Hier /»eigt sich jedoch das fedlendc Verständnis in der Mannschaft: der Angriff wird durch Abseits unterbunden Ander» liegt die Sache bei den Dresdenern. Immer wieder wird der Vall von Mann zu Mann aefpielt, und es gelingt dem Mittelstürmer, bevor es sich der Nürnberger Tor» wort verlad, zum ersten Tor einzusenden. Nun liest der stampfesgeist der Nürnberger merllich nach. Einzig und allein der Torwart und die Verteidiger dielte» Stand Unter diesen Umstanden war dann auch bald das zweite Tor fällig. Wieder war es der Mittelstürmer, der d"n Voll über die Torlinie brachte. Da unternadm der linle Tlügel der Nürnberger plästlich einen Angriff. Dresdens Verteidigung wiegte sich in Sicherheit und verpastte den Ball. Schnell ist ein Nürnberger zur Stelle, und an dem zulässig angreifenden Tor» wart vorbei findet der Voll feinen Weg ins Nest. Klaubte man nun, dast in Nürnbergs Mannschaft der Angriffsgeist erwacht fei, so fad man sich sehr getauscht. Noch vor der Pause konnte Dresdens Mittelstürmer da, Nesultat auf 3: 1 stellen. Nach der Pause kommt Nürnberg überhaupt nicht mehr auf. Dresdens Mannschaft spielt mit den Nürnbergern im wahrsten Sinne des Wortes. An Torerzielen dachte vorläufig niemand mehr. Nur der Rechts» austrn krönte einen feiner schnellen Flanken liiufe mit dem viert-n Treffer. Dresdens Torwart stand in feiner Epielhälfte allein auf weiter Flur. Erst kurz vor Schluß nahmen die Nürnberger noch einmal allen Mut und Eifer zusammen, doch war es schon zu spät und ihr Schicksal besiegelt. Berliner Resultate: Neuköllner Ballspielklub gegen Rüstig-Vorwärt» 2:«. Viktoria-Tempelhof gegen Wilmersdorf Z: 3. Stern gegen Brandenburg«2 0:1. Hertha 22 gegen Neukölln»Brist 0: 2. Viktoria-Eberswalde gegen Stralau 2: 3. Freiheit-Iossen gegen Titania-Neukölln l: 3. Lichtenberg N gegen Britannia-Lichtenberg 2: 2. Nowawes gegen Adler 12 0:0. Teltow gegen Fichte 21 3:2.— Die Wiener Rennweg-Mannschaft konnte gegen den Bundes» meister Dresdener Sportverein ein l: 1- Resultat erzielen. Raffballspiele vom 30. April. Die Raffballspiele am 30. April fanden in Wcißensee statt. Im ersten Spiel standen sich Fichte 13 I und Weißensee II gegenüber. Bis zur Pause konnte sich Weißensee noch einigermaßen halten und nur 2 Tore durchlaffen. In der zweiten Halbzeit wurde Fichte aber vollständig überlegen und konnte das Resultat auf 0: 0 stellen. Fichte 13 II holte sich die Punkte kampflos, da 13 III nicht spiel- fähig angetreten war. Das H a u p t f p i e l war Weißensee I> gegen Fichte 22 I. In der ersten Halbzeit zeigten beide Mannschaften noch ein verteiltes Spiel. Fichte 22 gelingt es, nach 17 Minuten das erste Tor anzubringen. Rechtsaußen warf gegen den Pfosten. aber trotz guter Abwehr konnte er nicht mehr zuhalten. In der zweiten Halbzeit tonnte Fichte nach 12 Minuten kurz hintereinander 3 Tore anbringen, dem 10 Minuten später noch zwei weitere folgten. Die technisch bessere Mannschaft hat gewonnen, denn Fangtechnik und Stehvermögen waren bei Fichte 22 bester ausgebildet. Weißensee hatte einige gute Werfer mit langen Würfen, die ober so unplaciert angebracht wurden, daß sie nicht verwertet werden konnten. Die letzten Tore sind aber dem schlechten Aufbauen zuzuschreiben, denn Weißensees Torwächter konnte, durch die Abendsonne geblendet, nichts sehen. Auch wäre Weißensee zu empfehlen, das allzu laute Kritisieren untereinander und dem Schiedsrichter gegenüber etwas einzuschränken. Kreislurn» und Sportfest in Rerlin. Do» 13. flreistnrn. und Sortfest des I. Kreises des Arbeiter-Turn» und S Portbundes findet am 25. und 26. Juni in Berlin statt. Die Drganifat'on i des Festes wird schon vorbereitet. Der sportliche Teil der Veranstaltung und das große Festspiel werden am Eonnabend, 25., und Sonntag, 26. Juni, im i Poststadivn in der Lehrter Straße vor sich gehen. Annähernd 35 000 Sportler > und Sportlerinnen werden teilnehmen, davon etwa 20 000 aus der Provinz snd dem Reich. Letztsre werden größtenteils auch schon am Sonnabend ein- treffe», am an den vorkämpfeu teilzunehmen. E» gilt NU», für dtes« Tau sende Quartiere zu beschaffen. Der WohnnngmnlSschuß de« ftrersfestes wendet sich an die Berliner Arbeiterschaft mit der dringenden Bitte, für die auswärtigen Genossinnen und Genossen Quartiere bereitzustellen. Die Ber° liner Arbeiterschaft hat bei allen Beranstaltungen in der Provinz stets gc» nügeud und häufig auch noch Freiauartiere vorgefunden. Die Arbeiterfchait wird gebeten. Quartiere bei einer der nachstehend genannten Quartierstellen zu melden, mit dem Vermerk, wieviel aufgenommen werden können, und ob Sportler oder Sportlerinnen erwünscht sind. Mitte: Walter Lewald, Borsig- ftraße 15. Tiergarten: Heinrich Hanke, RW, Rathenower Str. 3ll. Wedding: Mar Ficdler. R 31, Ruppiner Str. 14. Gesundbrunnen: P. Fabisch, R, Anton- ftraße 34. Prenzlauer Berg: Hans Perkuhn, NO, Frirdenftr. 24. Zentralvieh- Hof: Hermann Ohst, O 34, Posener Str. 24. Echlesifcher Bahnhof: Paul Holz, O 34, Boxhagener Str. 0. Kreuzberg: Karl Welact, S 5S, Dieffenbachftr. 18. Eharlottenburg: Karl Ziethen, Eharlottenburg 1, Kaualstr. 6. Wilmersdorf: Artur Klaebr, Wilmersdorf. Rrgrnsdurgcr Str. lOo. Echöueberg.Friedenau: Georg Geist, Echänederg, Koburger Str. 12. Neukölln: Rudolf Schenk, Neil- kölln, Iägerstr. 65. Treptow: Erich Friedrich, SO 36, Gractzstr. 16. Lichtenberg- Etralou: Rudolf Wontjeck, O 112. Wüliichstr. 20/21. Weißensee: Wilhelm Kovve. Weißensee, Meßstr. 11. Reinickendorf: Heinrich Rosrnstock, Reinickendorf-Ost, Roschdoristr. 12. Weitere Au-Iünftc erteilt der Zentralwohnungsansschuß: Karl Kroitor, Berlin O 34, Heidenfeldstr. 17. Wir bitten unsere Leser, diese Zeilen in den Betrieben ansznhängen. Sunüesfest der firbeiterradfahrer. Die Arbeiterradsahrer, die in neuerer Zeit dazu übergegangen sind, radsportliche Wettbewerbe in größerem Maße als bisher zu veranstalten, hielten Ostern zum zweiten Male di« Bundes- Meisterschaften im S a a l s p o r t ab. Als Austragungsort war Hannover bestimmt, wo sich weit über IbOO auswärtige Radfahrer aus ganz Deutschland eingefunden hatten. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch die Dorkämpfe um die Bundesmeisterschaften, die in den überfüllten Festsälen aus- gefahren wurden. In 07 Wettbewerben im Schul- und Kunstreigen und Einzelfahren sowie im Radpolo- und Rodballspiel kämpften etwa 400 Wettkämpfer um die Bundesmeisterschaft. Von Berliner Vereinen nahmen an den Meisterschaften die Ab- teilung VI, Berlin und Reinickendorf, teil, die im Achtersarben» reigen mid Sechserkunstreigen als Sieger hervorgingen, während der Entscheidungskampf im Dreier-Radpolo B e r l i n- L e i p z i g mit 1:0 für Leipzig auslief. Am 1. Ostertag stand der aus über 1000 Radfahrern gebildete F e st z u g. der unter Vorantritt von 70 Bannern durch Hannover geführt wurde, im Mittelpunkt der Veranstaltungen. Bor dem Abmarsch des Festzuges wurden von rund ISO Saalfahrern auf dem Sammelplatz Massenreigen gezeigt, die bei den zahlreichen Zuschauern großen Beifall auzlösten. Die Abschlußveranstaltung vereinigte noch einmal die neuen Bundes- meister, die mit ihren Borführungen erneut ihr Können unter Beweis stellten. Der Ostermontag war Besichtigungen der Stadt gewidmet. Resultate: Achter. Schulrcigen, Jugend, Frankfurt.A. 61,5: Lierer-Schul- tetgen. Domen, Offenbach 59; Achter-Schulreigen, Damen, Nürnberg 67,19: Bierer-Schulreigen, Jugend, Fechenheim 59; Einer-Kunstfahren, Scharf(Zirndorf) 19,7; Sechser. Schulreigen, Jugend, Ließ 64; Eechser-Schulreigen, Damen. Nauheim 59; Achter-Farbeureigen, Reinickendorf 73,50: Vierer. Kunstreigen, Klasse B. Rüsselsheim 63,35: Zweier. Kunstfahren, Weinböhla 1969; Sechser» Kunstreigen, Klasse B, Ehemniß 69,05; Achter.Kunstreigen, Klasse B, Frankfurt.A. 68.66: Dreicr.Nadrolospiel lEntscheidungsspiel) Leipzig-Berlin 1: 0; Dreier. Radballspiel Schwaikheim-Gr.-Neschen 2:0: Bierer-Kunstreigen, Klasse.4. Kirchheim 91,30; Sechser. Kunstretgen. Klasse A, Reinickendorf 83,23: Vierer. Steuerrohrreigen, Wernigerode 73,63; Sechser-Steuerrohrreigen, Petse 71,45; Gruppen-Kunstiahren, Frankfurt-Bornheim 20,61; Achter.Kunstreigen. Klasse A, Luckenwalde 34 98; Aweter-Radpolospiel, Göggingen.Bergedorf 6; 2(Berlin war hier im Borkampf mit 5:2 von Bergedorf geschlagen); Zweier-Radballlpiel Halle-Eoswig 3: 4._____ ll>- Im faschistischen Paradies. Aus Mailand wird uns berichtet: Die sportlichen Der- anstoltungen in Italien, die sich fetzt samt und sonders unter faschistischer Aegide abspielen, sind eins der Mittel der Regierung, die Geister in Schranken zu halten und die Bevölkerung von den ernsteren Problemen des nationalen Lebens abzulenken. Dieser Tage fand ein Automobil-Wettrennen um den„Tausend- meilenpokal" statt, an dem«ine Reihe faschistischer Abgeordneter teil- nahm. Auf der Strecke zwischen S p o l e t o und F o l i g n o(Provinz Umbrien) wurde der sachistische Abgeordnete von Bologna, Carneade-Arpinoti, der seinen eigenen kräftigen Wagen steuerte, an einem Eisenbahnübergang Opfer eines Unfalls, bei dem er einen Arm brach. Er wurde sofort ins Hospital nach Spolet'o gebracht, wo ihm die Ortsbehörden ihre Beileidsbesuche machten. Nach der ärztlichen Untersuchung fragte Arpinati, der nach Bologna zurückkehren wollte, wann der erste Zug dorthin abginge. In zwei Stunden, wurde ihm geantwortet. Zwei Stunden? Solange soll Arpinati wie ein ganz gewöhnlicher Sterblicher auf seinen Zug warten? Nein, und sofort erging an den Unterpräfekten der Befehl, aus dem schnell st en Wege einen Sonder. zug für die Heimreise des fachiftischen Abgeord- neten bereitzustellen. Der Präfekt beeilt sich, Hals über Kopf, die befohlenen Dispositionen zu treffen, und nach einer Viertel st unde schon kann der Abgeordnete Earneade-Arpinati im Sonderzugc heim nach Bologna fahren.... Tovristenvereia„Die 9J«lntftenndc", Ortsgruppe Berlin e B., Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Alle Genossinnen und Genossen, die Ausbildung im Bewegungsehor unter Leitung von Martin Glrisner mitmachen wall n, finden steh morgen, Mittwoch, 4. Mai,>43 Uhr, in der Schule Tempelhofer Weg 62 in Schöneberg ein. Kellbt wird für die Sonnenwende. Kleidung: barfuß in Badehofe bzw. Kittel oder Trtlot.— Abt. Friedrichshaiu: Dienstag, 3. Mai, 8 Uhr, im Heim Ebertpstr 12: Geschäftliche».— Abt. Friedenau: Dienstag, 3. Mai, 3 Ubr, im Heim Oflenbaeherstr. 5s: Geschäftliches.— Abt. Norden: Dienstag, 3. Mai, im Heim Sonnenburger Str. 20:„Das musskaiifch Schöne in den Einqweilen des deutschen Volksliedes."— Abt. Wedding: Dirns- tag, 3. Mai, 8 Uhr. im Heim Luxemburger Str. 7:„Griechenland" lGenosse Höfmann).— Abt. Pankow: Dienstag, 3. Mai. 3 Uhr, im Heim Gärfckistr. 14: „Die Maifeierbewegung."— Abt. Treptow: Dienstag, 3. Mai, 8 Uhr, im Heim Elsenstr. 3: Gefangsgruppe.— Musikgemeiulibaft Norden: Mittwoch, 4. Mai, 8 Uhr, Schönhauser Aller 166s.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 5. Mai, 8 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62: Geschäftliches.— Abt. Reinickendorf! Donnerstag. 5. Mai, 3 Uhr, im Ii-gendhe'M Eeidelftraße: Geschäftliches.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 5. Mai, 8 Uhr, im He'm Pariaue 10: Geschäftliches.— Abt. Reukölln: Donnerstag. 5. Mai. 8 Uhr, im Heim Steinmeßstr. 114: Geschäftliches.— Faltboot-Abt.: Donnerstag, 5. Mai. Bootshaus. Sonntag, 8. Mai, Treffen sämtlicher Mitglieder>49 Uhr morgens im Bootshaus. Nachmittags 4 Uhr Taule des neuen Dopvelv'erers Arbeiter-Mandolinenklub Stern-Moabit eröffnet am M'ttwoch 7U Uhr eine Frauen- und Mädchenadteilung in der Schule Etemensstraße(am Union- platz). Frauen und Mädchen, die Lust und Liebe zum Mandolinen- und Sitarrefpiel haben, sind hierzu eingeladen. Wavder.Paddlcr Havel E. B. Sitzung Freitag, 6. Mai,» Uhr, Fuhrmann, Grannstr. 1. Arbeiter-Pbotograpbev. Ortsgruppe Berlin. Norden iedeu Dienstag 7x4 Uhr Lokal Nadler, Brunnen str. 101. Arbeiter-Athletenbund, 4. ikrei» Brandenburg. Sonnkaq, 15. Men, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Arbeiter-Svortkartells, Landsberger Str. 32, außerordentlicher Kre'stag. Delegiertenverlammlunq am Donnerstag fällt ans. Berliner»»drroerein Frefbeit e. B. Bootshaus: Berlin-Strala». Tunnel- straße 28 E9. Donnerstag, 5. Mai, 8 Uhr. Boolsha», Stralau. Belvrechung über Negattabcteiligung und Troiningsbeginn. Üebnnasbetricb fllc Anfänger finde« jeden Dienstag und Donnners'ag ad 6 Uhr statt. Arbeiter-Samariterbund«. B. Kolonne»eii-ickendork: Mittwoch, 4. Mai, 8 Uhr, in Teoel, Schöneberger Str. 3 lIugendhrim), Lichtbildervortrag: Erste Hilfe." Eintritt kostenlos. Do'>"erztag, 5. Mai, 7>4 Uhr, Mitgliedrrverlomm. lung im Seebad Neinickendort-Ost Sportverein Moabit. Leichtathletiktraining, da Sportpratz noch gesperrt, Mittwochs ab'47 Uhr und Sonntags ab>„10 Uhr Seestraße(Nestaurant Dorn. bnfch). Turnabe-edc: Mittwochs 3—10 Uhr OnitzowNr. 115 und Fre>tag° 8-10 Uhr No stocker Str. 32— Srbiportler! Nächstes gemeinsames Train'nq Mit«. woch ab 6 Uhr Schönhauser Allee; Donnerstag. 12. Wai, ab 6 Uhr Friedrichs- Hain. Nächste Gehsporttermine; 15 Mai- 7>2>.Ki'ometer.Babngeben Lichten. beiger Stadion /beim Anturnen Svortn-Lichtenberg). 22. Mai: 7'4.Kilometer. Straßengehe» Zöbigker-Leipzig(Eiche-Leipzig). 12. Juni: 7z4-KiIo-neter.Babn. gehen Sportplatz Friedrichohain lK'ubkämpse Sparta»lw.). 19. Juni: ö-Kifo- meter-Straßengehen ,Ouer durch Moabit"(SB. Moabit). Nähere Auskünste durch O. Domes, Ebelingstr. 5. Kaufe gut, aber billig! mu 1 1 H Daune.-Steppdecken mit federfreioD Gänaedaunen M ÄS», 42a«f 50a« MdllddlinCn• DdlinCfl kW5O . � � � � A— 4 Pfd. xnm starken Deckbeit M S— 4 Pfd. zum starken Deckbeit SOJabre jtute Bette nftl lung Im Siadtba&nöot ßörse überbetn f9.70 ODtertieli/j'-{7.80 BaeB-J U.40 ssslülg»- Deckbett n. 3 Pfd. Dumeii 50.» Bettfedern Mü US iM Daunen-Deckbett mit 3 Pfund tftAOO Mandarinen-Daunen JLw Mein Schlager Nahtlos l3m Steppdseken" Handarb., in all Farben "■jns?:"» Bettsteilen schwarz id. weil,«■ 7»|- tederratratze. starttMod. na«re**ze dretleilg, alt leilUls». dazu eissend..... 90|19ci w 14.- 160/200 32.- 30.- Nr.20S�44.7ahrgaag 2� �0(100�0 Dienstag, Z. Mai 1427 Erfolge öffentlicher Setriebssührung. Die Berliner Gas- und Wasserwerke berichten.— Borbildliche Wirtschaftlichkeit. Der moderne Großstädter ist von den Grundlagen des wirt- Ichostlichen Lebens so weit entfernt, daß er nicht einmal mehr die Arbeitsprozesse fleht und lennt, die der Befriedigung seiner elementar st en Lebensbedürfnisse dienen. Der Ber- liner Bürger geht an die Wasserleitung und öffnet das Ventil. Das Wasser strömt heraus. Das Wasser ist nicht nur da, es tommt auch immer frisch, klar und gesundheitlich einwandfrei aus der Leitung, und dies zu jeder Tages- und Nachtzeit. Der Stadtbewohner ist an die st ä n d i g e D i e n st b e r e i t s ch a f t der Wasserwerke, der Gas- werke, der Elektrizitätswerke, der Straßenbahn usw. wie an die selbstverständlichste Sache von der Welt gewöhnt. Das ununterbrochene Arbeiten der öffentlichen Betriebe beruht auf der Tätigkeit von Tausenden von Köpfen und Händen, es ist das Ergebnis eines unaufhörlichen Kampfes gegen immer neue Schwierigkeiten. Die großen kommunalen Unternehmungen, die der Masienver- forgung der Städte dienen, find wunder der Technik. Sie stehen durchaus nicht hinter den technischen Wundern zurück, die aus alleren Zeiten auf uns gekommen sind, wie z. B. die ägyptischen Pyramiden oder die Straßenbauten des alten römischen Reiches. Die Berliner Städtischen Gaswerke und auch die Wasser- werte veröffentlichen ihren Bericht über das abgelaufene Geschäfts- fahr 1926. Aeußerlich trockene Aneinanderreihungen von Zahlen und Tatsachen. Wer aber ihren inneren Sinn erfaßt, der er- kennt darin den Pulsschlag des wirtschaftlichen Lebens der Millionen- stadt. Die Gaswerte wie die Waflerwerke berichten von der auf- steigenden Linie ihrer Entwicklung. Ihre nutzbare Abgabe hat zugenommen, die innere Wirtschaftlichkeit der Betriebe ist weiter verbessert worden, die Löhne und Gehälter der Angestellten und Arbeiter wurden erhöht, die finanziellen Leistungen der Werke für die Stadt sind gestiegen. Im einzellren berichten die Gaswerke, daß ihre Abgabe von 39S Millionen Kubikmetern im Iahxe 192S auf 418 Millionen Kubikmeter im Jahre 1926 gestlegen ist. Damit haben die Werke zwar noch nicht ihre bisherige Höchstleistung wieder erreicht, die im Jahre 1918 mit 476 Millionen Kubikmetern verzeichnet wurde. Wenn man aber bedenkt, daß im Jahre 1923, dem Jahre der stärksten Inflation, die Gasabgabc auf 3 3S Millionen Kubikmeter zurückgegangen war. so ist der jetzige Aufstieg bis auf 418 Millionen Kubikmeter doch eine recht bemerkenswerte Leistung. Denn es darf nicht vergessen werden, daß im Jahre 1926 die Industrie und das Gewerbe stark darniederlagen und daß die Gaswerke außerdem der schweren und zum Teil übermächtigen Konkurrenzder Elek- t r i z i t ä t ausgesetzt sind. Der Zuwachs von 23 Millionen Kubik- meiern im Jahre 1926 entfällt zu 8 Millionen auf die öffent- liche Beleuchtung, der Rest stellt eine verstärkte Abgabe von Gas an gewerbliche Betriebe dar. Die Zahl der Gas- l a t e r n e n in den Strotzen, die Ende 1922 auf rund 9009 gesunken war, hat sich Ende 1926 auf rund 52 000 gehoben. Die Hauptzahl, aus der man die ständige Verbesserung der inneren Oekonowic der Werke erkennen kann, istdieAusbeuteanGasaufeine Tonne vergaster Kohle. Während diese Ausbeute im Jahre 1924 erst 381 Kubikmeter für eine Tonne vergaster Kohle betrug, ist sie im Jahre 1923 auf 4 23(!) Kubikmeter g e st i e g e n und hat sich im Jahre 1926 noch auf 4 4 7(!) Kubik- meter verbessert. Gleichzeitig ist die Zahl der bei den Gas- werken beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeiter von ins- gesamt 7800 Ende 1924 aus 7300 Ende 1923 und weites auf 7000 Ende 1926 gesunken. Die ständige Erhöhung der Ausbeute aus einer Tonne vergaster Kohle in Verbindung mit dem Rückgang des Personalbestandes zeigt, daß auch in der Gastechnik die Rationali- sierung der Produktion fortschreitet. vorbildliche Rationalisierung. Die Gesamtsumme der bei den Gaswerken gezahlten Gehälter und Löhne einschließlich der Pensionen und Hinterbliebenengelder ist, trotz der Verminderung der Belegschaft, von 20 Millionen Mark im Jahre 1924 auf 23 Millionen Mark in 1923 und aus 2 8 M i l l i o n e n Mark in 1926 gestiegen. Die Rationalisierung vermindert also zwar die Zahl der Belegschaft,»erbessert aber zugleich die materielle L a g e der in den Werken Beschäftigten. Das letztere ist allerdings nur der Fall, weil der kommunale Betrieb, im Gegen» fatz zu vielen privaten Unternehmungen, sich nicht dagegen sträubt, die Einkommcnsverhällnisse seiner Angehörigen im Rahmen des Mög- lichen zv verbessern. Die finanziellen Leistungen der Gaswerke an die Stadttasse, außer den Steuern, sind von 3,0 Millionen Mark in 1924 auf 3,2 Millionen Mark in 1923 und weiter auf 6,3(!) M i l- lionen Mark im Jahre 1926 gestiegen. Die städtischen Wasserwerke. Aehnliche Zahlen weist der Geschäftsbericht der Wasserwerke auf. Die verkaufte B�rssermenge stieg von 116 Millionen Kubik» meter im Iahxe 1923 auf 121 Millionen Kubikmeter im Jahre 1926. Das Ergebnis ist deshalb bemerkenswert, weil die Wasserabgabe nicht allein von der wirtschafllichen Konjunktur, son- dern wesentlich auch von den Witterungsverhältnissen abhängt. Bekanntlich hatte das- Jahr 1923 einen sehr heißen Sommer, was im Jahre 1926 nicht der Fall war. Die höchste Tagesförde- rung an Reinwasser betrug im Jahre 1925 am 22. Juli 374 000 Kubikmeter. Sie war im Jahre 1926 am 19. Juli nur 321 000 Kubikmeter. Die Zahl der Hausanschlüsse stieg von rund 6 7 0 0 0 Ende 1925 auf rund 7 10 0 0 Ende 1926. Der Zuwachs von rund 4000 Hausanschlüssen entfällt fast ausschließ- lich auf neue Siedlungsgebiete. Die Zahl der Angestellten und Arbeiter spielt im Wasserwerksbetriebe nicht dieselbe Rolle wie bei den Gaswerken. Sie hat sich im Jahre 1926 gegenüber 1923 vergrößert. Die Belegschaft umfaßte Ende 1923 insgesamt 13 4 7 Köpfe, sie hatte sich End« 1926 auf 1282Köpfe erhöht. Sehr stark ist die finanzielle Abgabe der Wasser- werke an die Kämmereiverwaltung ge st legen. Sie betrug im Jahre 1924 rund 0,9 Millionen Mark. Sie ist dann im Jahre 1923 mehr als verdoppeU worden, nämlich auf 1,9 Millionen Mark. Sie ist darauf im Jahre 1926 aber- mals mehr als verdoppelt worden, nämlich auf 4,7 Millionen Mark. Es ist klar, daß diese finanziellen Leistungen nicht weiter in dem bisherigen Tempo vergrößert werden können, wenn nicht der Wasserpreis erhöht werden soll. Der tarifmäßige Wasserpreis von 13 Pf. je Kubikmeter liegt— das ist eine sehr bemerkenswerte Angabe— 1,7 Pf. unter dem V o r» kricgspreise. Es sind alles in ollem sehr erfreuliche Dinge, die die städtischen Gaswerke und die Wasserwerke berichten.' Sie sind nicht nur erfreulich, sondern auch wichtig. Die Zahlen und Tatsachen dieser Geschäftsberichte, die gediegene Wittschaftsführung, die aus ihnen spricht, tragen wesentlich dazu bei, dasAnsehenBerlins als öffentlicher Unternehmer zu heben und seinen Kredit in, Inlands wie im Auslande zu oerbessern. Die Sozialdemo- k r a t i e darf zu einem sehr großen Teil für sich in Anspruch nehmen, die Entwicklung der städtischen Werke gestützt und gefördert zu hoben, denn sie stellt die große Mehrheit derjenigen Stadtoer ordneten, die bewußt und tatkräftig auf eine Förderung der kommunalen Wirtschaft im Interesse der Allge» m c i n h e i t hinarbeiten. Dr.-Jng. W. Majerczit. Besserung im Weltschiftbau. Deutschland an zweiter Stelle. Eine bis zum 31. März 1927 reichende, jetzt herausgegebene Statistik des Lloyd's Register of Shipping(Aufsichtsbehörde für den Schiffbau) gibt interessante Aufschlüsse über den Auftchwung, den der Schiffbau insbesondere in den europäischen Ländern im Ver- laufe des letzten Viertel» bzw. Halbjahres genommen hat. Nach dieser Statistik steht Deutschland, dos in der Nachkriegszeit nach und nach aus die fünfte Stell« hinter England, Holland, Frankreich und Italien zurückgefallen war, jetzt wieder an zweiter Stelle unter den schiffbautreibenden Nationen der Erde. Nach den vom Lloyd's Register herausgegebenen Ziffern ver- fügte Deutschland am Ende des 1. Quartals 1927 über einen Auf» tragsbestand von 330 933 BrRT.(einschließlich Danzig 387 073 BrRT.) gegenüber 211 026 BrRT. im 4. Ouattal 1926 und 127 021 BrRT. im 3. Ouattal 1926. Weit vor ihm rangiert, wie dies immer war, Großbritannien und Irlands deren Aufträge am 31. März 1927 nahezu das Doppelte des am Schlüsse des Jahres 1926 ausgewiesenen Bestandes, nämlich 1 216 932 BrRT. erreicht haben. Mächtig in den V o rdergrund getreten ist Italien. Dieses Land, das oor 1918 nur wenige, durchweg ziemlich unbedeutend« Werften besessen hat nimmt zurzeit mit 208 794 BrRT. die dritte Stelle ein vor den Bereiniate» Staaten am anderen Ende des Ozeans mit 179 323 BrRT. Frankreich mit 134 438 BrRT. und Holland mit 133 645 BrRT. Wellschiffbau im I. Luarkol 1927. Damvllchllle MowrMff« u'Vtl�tir 8usm»mn> Um»-..Zr-T.«nz. Br.-R.�.«nj Br.-R-T.«nz. 207 734 889 82 458 337 8 3 706 297 1 216932 Bauländer Troßdrltannl« u. Irrland Deut chland und Dnngg.... 5» Italien..... 7 ssrantreich... Satland.... 2" Beretniate Staaten 23 Schweden.... 5 Diineniart... 2 Japan..... ß Spanien.... 6 Uedrlae Länder. 85 Ins 176 003 41034 837 8 47 830 156 625 5050 3350 12700 34<"8 55 453 33 21 15 15 11 10 11 7 1 24 210809 1 164 840 3 60 230 1 85215 2 15 800 10 51020 1 46142— 27 169— 800— 1260 2 920 1500 600 6900 250 89 387 072 31 208 794 25 151478 37 153615 44 179: 25 /16 56 820 13 49 492 12 39 860 7 85 648 42 825 16 10 060 75 108 838 igeiaml 373 1370490 230 1 172178 42 27 196 645 2 569 864 Diele Statistik ist insofern unvollständig und irreführend, als die Zahlen nur diejenigen Schifte umlassen. mit deren Bau bereits begon.nen ist. Da Lloyd's Register seine Statistiken auf Grund von Angaben aufbaut, die chm auf vorgedruckte Fragebogen, die er selbst einsendet, seitens der Werften zugehen, durste es sich als prak- Asch erweisen, di-seu Fragebogen lünsttg eine Rubrik anzu» fügen, in die auch die G e s a m t» A u f t ra g s b est ä n de jeder Werft einzusetzen sind Wäre dieser Modus schon jetzt ge- dräuchlich gewesen, so hätte Lloyd's Register die Gesamtsumme der in Deutschland vergebenen Aufträge nicht mit 350 933 BrRT., sondern mit einer nahezu doppelt so hohen Ziffer angeben müssen: denn die im Lause des letzten Vierteljahres vergebenen Riesenaufträge des Norddeutschen Lloyd, der Hapag und die im gleichen Zeitraum erteillen Bestellungen der übrigen Reedereien sind in der Statistik entweder gar nicht oder doch nur ln ganz gerin- g e m Umiange enthalten. Die Statistik zeigt im einzelnen, daß Großbritannien und Irland weiterhin mit großem Vorsprung die Führung im Weltschiffbau be- hauptet. Nahezu die Hälfte der gesaniten Aufträge der Erde befinden sich dort im Vau. Rur ein Drittel davon beträgt der auf Deutsch- land entfallende Anteil. Ferner geht aus der Statistik hervor» in welch starkem Maße es dem Groh-Motor gelungen ist, sich als Schiffsantriebskraft durchzusetzen. Noch steht in der Heberficht einer Motortonnage �von 1 172178 BrRT. eine Dampfertonnage von 1 379 499 BrRT. gegenüber: aber man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß sich dieses Bild in aller Kürze weiter zugunsten des Motors verschieben wird, der drauf und dran ist, Dampfer und Segelschiff« so gut wie ganz von den Meeren zu verdrängen, und zwar in noch wesentlich schnellerem Tempo, als der Dampfer seinerzeit das Segelschiff überflügelt hat. Schließlich weist noch die Statistik einwandfrei nach, daß die jahrelang anhal tende Depression im Schiffbau jetzt besseren Zei- tengewichen ist. Mit einem Auftragsbestand von insgesamt 2 569 864 BrRT. ist eine ansehnliche Ziffer erreicht worden, die aus- reichen dürfte, die Schwierigkeiten, mit denen alle Werften während der letzten Jahre zu kämpfen hatten, für's erste zu beheben. Hinzu kommi der Umstand, daß die Reederelen auch jetzt noch nicht mit der Vergebung neuer Aufträge für die nächste Zeit abgeschlossen haben, so daß die Werften mit der baldigen Hereinnahme weiterer Bestellungen rechnen können. -yisr- Die GEG. im ersten Vierteljahr 1927. Wie wir aus Hamburg erfahren, hat sich im ersten Quartal dieses Jahres der Gesamtumsatz der Eroßeinkaufsgesellschaft des Zentralverbandes deutscher Konsum- vereine gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres von 62,98 auf 7 8,36 Millionen erhöht. Die Steigerung beträgt nicht weniger als 26,21 Proz. Auch der Umsatz eigener Er- zeugniss« ist fast im gleichen Ausmaß gestiegen: von 19,58 auf 13,08 Millionen Mark, was einer Steigerung von 23,62 Proz. entspricht. Die prozentuale Umsatzerhöhung ist in beiden Fällen außer- ordentlich groß. Sie zeigt, wie die Belebung der Wirtschaft gerade auch dem Geschäft der GEG. zugute gekommen ist, und wenn der Absatz eigener Erzeugnisse hinter der Gesamtumsatzsteigerung etwas zurückblieb, so offenbar nur deshalb, weil die Eigeneuzeugung der gewaltigen Absatzsteigerung nichtzufolgen vermochte. Die Diktatur auf üem Schrottmarkt. Herrschast der Schwerindustrie. Bereits im Dezember haben wir eingehend die Lage in der deutschen Schrottwittschaft geschildett und vor ollen Dingen auf die Monopolbestrebungen der Schwerindustrie hin- gewiesen. Die Einkaufsorganisationen der Schwerindustrie sind jetzt endgültig gebildet: einerseits durch das Abkommen zwischen der Deutschen Schrottvereinigungsgesellschaft m. b. H. in Berlin und der Rheinisch-Westfälischen Einkaufsgemeinschaft, und andrerseits durch den Eintritt der drei Außenseiterfirmen, nämlich der Hahn'jchen Werke, des Baroper Walzwerkes und der Rheinisch-Westfälischen Stahl- und Walzwerke A.-G. Di« Rheinisch-Westfälische Einkaufsgemeinschaft, die die Schrott- Versorgung für Sachsen, Rheinland und Westfalen zu regeln hat, hat ihre eigene Werkshandelszentrate in Dortmund, wahrend die Deutsche Schrottvereinigungs-Gesellschaft, die die Ber- sorgung für Mittel-, Ostdeutschland und Polnisch- Obers chlesien übernommen hat, ihren Sitz in Berlin hat. Die Einkau skonzentration muß durch die neuesten Vereinbarungen, die darauf hinzielen, einen festen Preis für alle Einkaufs stellen festzusetzen, als beendet angesehen werden, und der freie Handel spielt heute in der Schrottbranche nur noch die Rolle eines Agenten auf Provision. Infolge der glänzenden Konjunktur in der gesamten Eisenindustrie macht sich seit etwa 1V6 Monaten ein sehr großer Be- darf an Schrott bemerkbar, und da die verarbeitende Industtt« als Lieferant von Altmatettal unter Ausnutzung der günstigen Ge- schäftslag« höhere Preise fordett, als der Handel sich verpflichtet hatte, war die Versorgung mit Schrott für die Schwerindustrie durch die oben bezeichneten Einkaufeorganisationen vorübergehend stark gefährdet. Wenn wir seinerzeit darauf hinweisen konnten, daß in den Iahren 1925 und Anfang 1926 Kernschrott und Stahlschrott zeit- weise mit 49— 46 M. per Tonne nicht einmal verkauft werden konnte, so genügt heute der Hinweis, daß die Einkaufsorganisationen vorübergehend b i s zu 7öM. je Tonneanlegen mußten, um überhaupt Matettal zu bekommen. Der Vorkttegspreis für Stahl- und Kerns chrott belief sich auf ungefähr 58 M. je Tonne im Essener Bezirk. Mitte Januar 1927 beliefen sich die Notierungen auf ewa 64 M., Mitte Februar auf 59 M. und Mitte April 67—72 M. (frachtfrei Essen). Infolg« der zunehmenden Materialknappheit konnten die den Werkshandelsorganisationen angeschlossenen Firmen ihren Verpflichtungen auf Lieferung von Material nicht nachkommen, da die Einkaufszentralen nur in wenigen Fällen Aufschläge auf die Vertragspreise bewilligen wollten. Bezeichnend ist es, daß die Schwerindustrie vorübergehend im Auslande weit höhere Preise angelegt hat, als sie für die InlandsNeferungen bewilligen wollte. Da andrerseits aber Ausfuhr bewilligungen nur unter ganz bestimmten Voraus- fetzungen und in einem sehr beschränkten Umfang erteilt werden, ist die Schwerindustrie letzten Endes wieder der Nutznießer einer über- ragenden Monopolstellung. Die Lieferanten und Händler sind g e- z w u n g e n. um überhaupt Geschäfte zu machen, den Einkaufs- zentralen der Schwerindusttte ihr Matettal anzubieten. Dabei gibt die Regierung der Schwerindustrie Hilfsstellung. Infolge des Genfer Abkommens vom 15. Mai 1922 ist Deutschland ver- pflichtet, bis 13. Juni 1927 an Polen zu niedttgem Preis jährlich bis zu 235 999 Tonnen Schrott zu liefern. Dem Abkommen folgte offiziell ein praktisches Ausfuhrverbot für Schrott: dcnn die Ausfuhrerlaubnis wird nur je nach dem Umfang der Lager- bestände und des Bedarfs in Deutschland gegeben. Durch diese Handhabung haben natürlich die Einkaufsorganisationen der Schwer- industrie wieder einen erheblichen Vorzug vor dem freien Handel. Solange die Regierung die Politik der Schwerindustrie in der Schrottwirtschaft in einem solchen Maße begünstigt, wie sie es bisher durch NichtNachprüfung der Preisvereinbarungen und durch die Aus- fuhrsperr« getan hat, ist an eine Beseitigung der Mono- polstellung der Schwerindustrie nicht zu denken. Der freie Handel, der früher das ganze Geschäft ollein in der Hand hatte, vegetiett heute nur noch als kleiner Beamter des schwer- industttellen Schrotteinkaufs. Während die Schwerindusttte ihre eigenen Produktionspreise im Inland beliebig steigern lassen kann, erlaubt ihr das Schrotteintaufsmonopol zu künstlich niedrig- gehaltenen Preisen sich zu versorgen. R. B. Reue Aufwärlsbewegung der Akkienkutt«. Wie die Commerz- und Pttoatbant feststellt, haben die an der Berliner Börse notierten Aktien im Monat April wieder eine Erhöhung des allgemeinen Kursniveaus erfahren. Während Ende März nur 68,3 Proz. der in Berlin notierten Aktien mit 199 und mehr Prozent des Rominals bewettet wurden, waren es Ende April 72,6 Prozent. Dagegen hat sich die Zahl der Aktiengesellschaften, deren Bewertung unter dem nominellen Aktienkapital lag, von Ende März bis Ende April von 31,7 auf 27,4 Proz. oerringett. Die Roggenpfandbriefe werden nlchk auf Reichsmark umgestellt. Das Bestreben jener Landwitt«, die durch die Ausnahm« von Roggen- darlehen in Schwierigkeiten gekommen sind, eine Umwandlung der Roggenpfandbriefe in Reichsmorkpfandbriefe zu erreichen, ist bisher erfolglos geblieben. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit. daß das Preußisch« Landwirtschaftsministerium die Umwandlung im Wege der Gesetzgebung nicht befürworten könne, weil ein entsprechendes Gesetz die erworbenen Rechte der Pfandbriefinhaber schädigen und eventuell auch den landwirtschait- lichen Realkredit gefährden könne. Es könnten zur A b- l ö f u n g der Roggendarlehen staatliche Mittel auch nicht zur Ber- fügung gestellt werden, wenn die preußische Regierung auch bemüht sei, diese Ablösung nach Möglichkeit zu erleichtern.— Uns will allerdings scheinen, daß man zum mindesten hätte bemüht sein können, die Getreidepreise nicht kunstlich in die Höhe zu treiben, was ja allein die Ursache der Schwierigkeiten der Roggen- darlehensschuldner ist. Allerdings lag das nicht an Preußen. Ein Großabschluß aus der Kabellndustrie. Die F e l t e n- u n d Guilleaume Carlsweri A.-G. in Köln» Mülheim, die bei einem Aktienkapital von 69 Millionen Mark die größten und wichtigsten Kabelroerkstätten Deutschlands mit Kupferwerken, Drahtziehereien, Drahtwalzwerken, Bandstahl, und Berzinkereibettteben in Besitz hat, kann für 1926 auf sehr bemcrkens- wert« technische Leistungen zurückblicken. So wurde das 165 Kilo- meter lange Fernfprech. und Telegrapbenkabel zwischen Holland und England verlegt, und außerdem der sctinerzeit viel bemerkte Auftrag zur Herstellung imd Verlegung des Emden-Azoren-Kabels von der Nordenhamer Tochtergesellschaft im vergangenen Herbst be- endet. Die Krise des vorigen Jahres war nur wenig fühlbar. Der Umsatz im K a b e l g e f ch ä f t ist zwar gegenüber dem Vorjahr etwas zurückgeblieben, was abor nichts besagen will, da das Jahr 1925 ein Rekordjahr darstellt« und den Umsatz von 1924 um 7 5 P r o- zent übettroffen hatte. Bemerkenswert ist die durch Betriebs- Verbesserungen erzielte Unkostenersparnis. Bei einem von 16,1 auf 15,9 Mill. gesenkten Rohgewinn wird ein gegen das Vorjahr fast gleich hoher Reingewinn von 3,84 Mill. ausgewiesen. Die 19,6 Mill. Generalunkosten und Steuern von 1925 wurden um 12 Proz. auf 9,3 MiT Mark gesenkt. Für die günstige Finanzlage spricht die Tatsache, daß die Guthaben von 29.6 auf 25,5 Mill. erhöht und die Schulden von 28,5 auf 23,7 Mill. gesenkt werden konnten. Aus dem Rein- gewinn wird, wie in den beiden Vorjahren, eine Dividende von L Proz. verteilt. Die Maifeiern. Ueberall starke Beteiligung im Reich und im Ausland« Der Raummangel im gestrigen Abendblatt hat uns ge zrmmjzen, eine Anzahl Berichte- zurückzulassen; wir tragen sie hiermit nach: Sieges-Mai in Wien. Wien. L Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Beteiligung an der Maifeier übertraf olle Erwarwngen. Gegen 9$* Uhr vormittagz war der riesige Platz vor dem Rathaus von den geschloffen Heranmarschierenden längst überfüllt. Hier sprachen die Genosicn E e i tz und Otto Bauer. Ihre Reden wurden durch sieben Lautsprecher über die Ringstraße verbreitet, auf der Zwölf Riesen- Meetings nebeneinander tagten. Am Nachmittag fand ein Schau- turnen der Arbeitersportler auf dem Rathousplatz statt, das allerdings unter dem Wetter litt. Abends versammellen sich die Arbeiter in den einzelnen Bezirken bei künstlerischen Dar- bietungen. Bürgermeister Genosse Karl S e i tz sagte u. o.: Mit der Internationale wollen wir heute den großen Kampf gegen die Konter- revolution, gegen Terrorismus, gegen Faschismus und gegen den Materialismus ankündigen. Der Redner gedachte sodann des Befreiungskampfes der chinesischen Revolutionäre. Genosse Otto Bauer führte aus: Wir stehen Tausende und aber Tausende vor dem Wiener Rathaus. Wir fordern die Wiederherstellung des freien Bürgerrechts im B u n d e s h e e r. die Wiederherstellung der Freiheit des Soldaten. Wir fühlen uns heute eng verbunden mit der Welt, gemeinsam mit den« internationalen Proletariat. Südlich von uns rüstet der italienische Faschismus zu einem neuen Kriege. Schwere Kriegsspannung liegt über dem Süden Europas. Daher erhebt sich heut« dos Proletariat der ganzen Well zum Kampf gegen den Faschismus. Dieser Kampf ist verknüpft mit dem Kampf gegen die Kriegsgefahr. Imposante Zweier in der Tschechoslowakei. Prag, 2. Mai.(Eigener Dnchtbericht.) Die Maifeier in den vielen industriellen Gebieten der Tschechoslowakischen Republik hatte überall eine weit größere Beteiligung als im vorigen Jahre aufzuweisen. In den deutschen Industriezentren wie Karls- bad, Komotau, T«plitz, Aussig, Bodenbach. Rumberg, Reichenberg, Gablonz und in den Städten Mährens und Schlesiens, ebenso auch In den tschechischen Gebieten vereinigten sich überall Zehn- tausende zu gewaltigen Kundgebungen.. In Prag war die Maidemonstration von gewohnter Größe und Eindringlichkeit. Einige Zwischenfälle gab es in Prag am Nachmittag, als ein Teil des Straßeubahnbetriebes wiederaufgenommen wurde. Die Gewerk- schaften hatten trotz aller Eiirwirkungsversuche der Regierung an ihrem Beschluß festgehalten, daß die Straßenbahn am 1. Mai nicht zu fahren habe. Ein faschistischer Angestelltenve�band brachte jedoch im Bunde mit der städtischen Stroßenbahndirettion«ine Anzahl Wagen in den Berkehr, was große Entrüstung unter den Mai- demonstranten hervorrief. Die Polizei hat eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen. Belgien. Prusse� 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Brüsseler Arbeiter- schaft beging die Maifeier in traditioneller Weise bei herrlichstem Frühlingswetter. Hunderttausende drängten sich im Volks- park Josaphat, wo mehrere Redner, darunter Vandervelde und deBrouckere, von zahlreichen Tribünen über Kriegsgefahr und Faschismus sprachen. Erfolgreiche Demonstrationen waren auch in allen Provinzstädten und Jndustriegemcindcn. Holland. Amsterdam. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht,) Bei schönstem Frühlingswetter verlief die Maifeier ohne jede Störung. Für den Gewerkschaftsbund sprach S t e n h u i s vormittags im Rialtothcater. worauf mittags 2 Uhr ein von vielen Tausenden besuchtes Massen- Meeting mit anschließendem Festzug durch die Innenstadt mit acht Musikkapellen vor sich ging. Abendveranstaltungen im Konzerthaus und Bellevue beschlossen den Tag. Zwischenfall in Warschan.— Ei» Toter in Brcst-Litowsk. Warschau, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Maifeiern in Polen sind bei reger Anteilnahme der Bevölkerung überall würdig verlaufen. In Warschau kam es zu geringen Störungen durch die Kommunisten, als diese versuchten, sich dem Umzug der Sozialdcmo- traten anzuschließen. Die Polizei griff«in und stellte die Ruhe und Ordnung bald wieder her. In den Städten S o s n o w i c e und Kutno erklärten die sozialistischen Verwaltungen den 1. Mui zum offiziellen Feiertag, die städtischen Gebäude waren be- flaggt. In den östlichen Landesgebieten war den Angehörigen der Behörden verboten, an der Maifeier sich zu betelligen. In Brest-Litowsk wollte die Polizei einen kommunistischen Umzug verhindern und verhaftete am Friedhof, dem Sammelpunkt der Kommunisten, aus dem sich bildenden Zug einige Personen. Als sich hierauf, die Menge auf die Polizisten— so sogen diese— stürzte. um die Festgenommenen zu befreien, gaben die Schutzleute Feuer. Eine Person wurde getötet» drei Personen erlitten Der- letzungen. die Maifeier im Reiche. München. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Unter der einigen Parole der freien Gewerkschaften hiell die Münchener Arbeiter- schaft ihre Maidemonstration ab, die ohnejede Störung durch politische Geyner vor sich ging. Tausende von Demonstranten waren auf der Theresienwiese versammell, wo Plettl vom Kleiderarbeiter- verband die Ideale der internationalen Arbeiterbewegung erläuterte. Mit einem Freiheitschor der Arbeitersänger fand die Demonstration, an der sich trotz des Regenwetters rund 12 000 Menschen beteiligten, ihren Abschluß. Slullgarl, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In Württem- b erg kam es trotz des außerordentlich ungünstigen Wetters überall zu eindrucksvollen Kundgebungen. In Stuttgart bewegte sich am Vormittag ein Festzog mit 3500 Teilnehmern vom Marktplatz bis Cannstatt, wo sich am Neckar eine noch größere Zahl an der Kundgebung beteiligte. Ip U l m veranstalteten Partei und Gewerk- schasten eine äußerst hochstehende künstlerische Darbietung.. Die für den Nachmittag vorgesehenen öffentlichen Demonstrationen mußten infolge des schlechten Wetters ausfallen. Aus dem übrigen Lande wird ebenfalls eine äußerst starke Beteiligung an den Kund- gedungen gemeldet. Karlsruhe. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Maifeiern in Baden erfuhren eine starke Störung durch den wahrend des ganzen Tages niedergehenden Regen. Die beabsichtigten Bezrrksmaifeiern mußten infolge des Wetters sogar ausfallen, ebenso zum großen Teil die geplanten Umzüge. Die in den einzelnen Orten abgehaltenen Feiern waren jedoch durchweg sehr gut besucht. In einigen Städten veranstaltet? der Volkskirchenbund evange- lischer Sozialisten kirchliche Maifeiern, die ebenfalls einen sehr starken Besuch aufwiesen. So reichte z. B. die große Kirche in Karlsruhe nicht aus, um alle Besucher der Maifeier zu fassen. In vielen Orten fanden auch Feiern für die Kinder statt. Zwischenfälle waren nirgends zu verzeichnen.— Die Veranstaltungen der Kom- munisten traten infolge ihres geradezu kläglichen Besuches kaum in Erscheinung. Die Arbeiterschaft Mittelbadens und Karlsruhes feierte sogar ein ein doppeltes Fest. Neben dem Feiertag der Arbeiter brächte der Sonntag auch die Uebersiedlung des Karlsruher.Volks- freund" in sein nun fertiggestelltes neues Heim. Der stattliche Neubau wurde in der besten Lage der Stadt, inmitten des Geschäfts- viertel?, errichtet: ein nahezu 10 Meter langer dreistöckiger Bau mit Nebenbouten. Mit dem Neubau wurde auch die Inneneinrichtung zum großen Teil erneuert; so wurde die Mai- und Festnummer erstmals auf einer neuen 23seitigen Rotationsmaschine in einem Umfange von 32 Seiten und in einer Auflax« von 100 000 Exemplaren gedruckt. Mannheim, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Sozialdemo- kratische Partei und die Gewerkschaften veranstalteten ihre diesjährige Maifeier zum erstm Male nach dem Kriege ohne Beteiligung der Kommunisten. Die Beteiligung war im allgemeinen am Sonntag etwas s ch w ä ch e r als in den früheren Iahren. Braunschweig. 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In der Stadt Braunschweig wurde die Maifeier vom Ortsausschuh des ADGB veranstallet. Morgens um 7 Uhr traten die Gewerkschaften und Arbeiter vereint zum Aufmarsch durch die Stadt noch einem Waldgasthof an. Der Zug umfaßte etwa 10 000 Personen. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Hannover, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« Maffeier m Hannover verlief bei prächtigem Wetter überaus günstig. Die Be- teiligung war im Verhältnis zu früheren Jahren um 50 Proz. ge- stiegen. Der Vorbeimarsch des.Zuges dauerte über Stunden. Die Gesamtbeteiligung an der Maifeier auf dem Riesenfestplatze an der Stadthall« kann auf etwa 30 000 Menschen geschätzt werden, während der Festzug etwa zwei Drittel dieser Menschen- massen enchiett. Eine Sonderfeier der Kommunisten, die am Vormittag stattfand, wies eine Veteiligung von 900 bis 1000 Menschen auf. Breslau, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Maifeiern in Schlesien sind trotz ungünstiger Witterung überall unter besonders starker Beteiligung eindrucksvoll oerlaufen. In Breslau nahmen an dem gemeinsamen Maiumzug der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei mtt anschließender Demon- ftration unter freiem Himmel schätzungsweise 60000 Menschen teil. Die Festrede des örtlichen Gewerkschaftsvorsitzenden wurde durch Lautsprecher unter den Massen verständlich gemacht. Die Kommu- nisten konnten für eine Sonderoeranstaltung nur einen winzigen Bruchteil der Teilnehmer der großen Massenkundgebung unserer Partei und der Gewerkschaften vereinigen. Auch in kleineren schlesi- schen Industriestädten und in den Bergbaurevieren war die Beteili- gung an den Umzügen und Demonstrationen fast überall stärker als in den Vorjahren. Aus den kleinen Städten und Dörfern wird vielfach eine besonders ausfällige Teilnahme der Landarbeiterschast gemeldet. Abends verbreitete der Breslauer Rundfunksender einen histo- rischen Dortrag des Führers der schlesischen freien Gewerkschaften über den S i n n der Maikundgebungen. Königsberg, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In ganz Ost- preußen haben am 1. Mai Demonstrationen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie stattgefunden, die überall ruhig verliefen trotz der ungeheuren Beteiligung der Arbeiter. In Königs- berg dauerte der Vorbeimarsch des Gewerkschaftszuges 1$i«tun- den. In Insterburg beteiligten sich 3000 bis 4000, in G u m- binnen über 2000 Männer und Frauen an den Umzügen der Gewerkschaften. In E l b i n g umfaßte der Zug der Gewerkschaften zirka 5000 Personen. In Tilsit war die Betelligung wesenllich geringer. Besonders auffallend war an ollen Orten die starke Be- telligung der Frauen und der Jugendlichen. Weimar, 2. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In den großen Städten Thüringens wurden die Maifeiern durch besondere Demonstrationen der SPD. in Gemeinschaft mtt dem ADGB. in herkömmlicher Weise begangen. Nur in ganz wenigen, nebcnsäch- lichen Gemeinden war es den systematischen Anstrengungen der KPD. unter der bekanMen Maske der Einheitsfront gelungen, einige Sozialdemokraten zu gemeinsamen Veranstaltungen zu gewin- nen. Diese Genossen mußten dafür Plakate, die die Bolschewisierung Chinas verlangten in ihrem Zuge sehen. Die Beteiligung an den sozialdemokratischen Veranstaltungen war außerordentlich st a r k, da kühles Wetter ohne jede Regensälle die Feiern begünstigte. Zwischenfälle bemerkenswerter Art hat es nirgends in Thüringen gegeben. Vorträge, vereine und Versammlungen, Reichsbanner»S chwarz Rai-Gold". Sischättsgell-: Berlin S lt. S-bnftianstr. 87;38, Hot 2 It. Dienstag, 3. Mai: Nrenzbcrg: Abt. 4 um 8 Übt im Sleftourort „Sut Linde", Hnllclchrs Uftt 11. Charlottenburg: Wcftrnd 8 Uhr -.....—•—-- Sicmcnsstadt 8 Uhr « fttcnzbtrg: Abt. 10 um 8 Uhr Vrriammluna bei Wendler, Dieftenbachstr. öt. Reutöltn. Britz: 1. Äamrradschott 8 Uhr bei Wille. Reuttrstr. 47, Dirnstrintrilung Mr den 7. und 8. Mai. Erscheinen unbedingt Pflicht. Karten mitdringen. Donnerstag, s. Rai: Friedrichshain: Evortplatz striedrichshain, Platz 7, erster Exortabend. Eharlottenbarg: Zoo 8 Uhr bei Arndt, Aantstr. 81. Ttuttgart 8 Uhr bei Grimm, Kaifer-Friedrich-Str. 83. Epree 8 Uhr bei Clor!. Kaiserin- Augusta-Allee SO.— Wilmersdorf: Fr., d. 8., 8>� Uhr,«reisoolloerfammlung im Biktoriagarten kleiner Enal) Portrag des Nameraden Dr Mifchler.— Nen- löSn-Brig: Siadfahrerableilung Di., d. 3.. Uhr, Versammlung bei König, Bildenbruch» Elte Weserstratze. Erscheinen aller Radfahrer ist Pflicht. Arbeiter-Radiotlub Deutschland» t. B. Bezirksgrnpp« Berlin, Oranien. stratze 182. Am 19. Mai findet für die Bezirksgruppe eine Mitglieder. Versammlung mit sehr wichtiger Tagesordnung statt. Tagungsort und Tages- ordnung werden noch bekanntgegeben. Am 9. Mai findet eine sehr wichtige Technilerfitznng statt. Borher Lichtbildervortrag über Experimentier- Versuck irsuchsaerät. Reib'sbund jüdischer Frontsoldaten E. V., Ortsgruppe Berlin, Bezirk Süd. n-littwoch, 4. Mai, 8>S Uhr, bei Aschinger, Hasenheide SOSl(am Laifer rich-Platz), Portraqsabend mit Damen. asenheide üO'Sl(am Naiser-Fricd- eferent Rechtsanwalt Dr. Ler>:>. Thema:'.Die Idee des ewigen Friedens." tongte: lo» i.neusn vedlülng cino, pstlowstr. 104. Mittwoch, 8 Uhr abends, Mr. Fellner:„Garnes and tbeiyr Oritzin'*, Raasfelder Heimatveret» Berlin lGedirgs- und Seekrelsl. Schultheiß. Pcktzenhofer-Brauerei, Ehausseestr. 8t. 8 Uhr. Landsleute willkommen. Vollstanzleei» Prenzlauer Berg. Freitag, 8. Mai, 8 Uhr, neuer Anfänger- kursus für Volkstänze»n der Turnhalle Esmarchftr. 18, nahe der Hufeland. straße. Es werden noch Teilnehmer aufgenommen. Freie Hochschule. Mittwoch, 4. Mai. 8 Uhr, Dorotheenstr. 12. Dr. med. et jur. Rud. Bußmann. Thema:.Die Wirklichkeit der Ideale und die Natur. gesetze des Denkens." Gäste willkommen. aseisuekktontoang 1 fllj CrtlAAft rutr* Ii der neuesten Enfe 1 1| iiisch numipuliat »vtblumfgcmAama i Mtomnlkbeqttfi blwaigcnAtama •"JßkttemvvißeiiBninij ? Sie neue leichte Mischuruj-, nurausXdfoakaTL duv neues fen Ernte, frisch, manipuliert; gibt unserer' GOLD-SABA-4* köstliches Aroma, behömmliche Qualität und glatten weißen Brand . y/____« /O//_______. y.'/ GARBATY Vlenstag 5. Mai??27 Unterhaltung unö ÄUissen Sellage öes vorwärts Mitgift. Don M. Sostschenko. „Früher, Bürger/ sagte Grigori Iwanowitsch,„war es viel ein- sacher. Der Bräutigam hatte alles wie auf der flachen Hand. Hier war die Braut, ihre Mutter und dort die Mitgift. Und wenn sie eine Mitgift hatte, so wußte man auch, was für eine Mitgift das war: in barem Geld oder vielleicht ein Häuschen auf fester Basis. War es Bargeld, so nannte der edle Vater den Betrag. Und wenn es ein Häuschen auf fester Basis war, so wußte man auch, was für ein Häuschen es fei. Vielleicht aus Holz oder aus Stein. Man sah. alles, da gab es keinen Betrug. Nun und jetzt? Soll es irgend ein Bräutigam nur versuchen! Weil der heutige Vater so eine Gewohnheit hat, nicht mit Geld zu zahlen. Und wenn der Bräutigam mit anderem Hab und Gut der Braut rechnet, so ist es noch schlimmer. Sagen wir die Immobilien— ein Pelz aus dem Kleiderhaken. Er hängt und hängt einen Monat und auch zwei. Jeden Tag kann man ihn zum Beispiel sehen und mit Händen befühlen und wenn es zur Hochzeit kommt, so stellt es sich heraus, daß diesen Pelz der Unter- mieter hingehängt hat und er gar nicht der Braut gehört... Oder ein Federbett. Wenn man sich damit zudeckt, so sieht man. daß es init Watte gestopft ist. So schaut jetzt das Vermögen aus! So ein Vermögen wird viel böses Blut machen. Ach, was nicht alles auf der Well vorgeht, man kennt sich nicht mehr aus! Ich bin ein aller Revolutionär vom Jahre 1903, ich war in allen möglichen Parteien und doch kenne ich mich nicht aus. Nur das eine gill noch— Bräute, die in Stellung sind. Da gibt es keinen Betrug. Sie haben eine Stellung, Rangordnung, Kategorie... Doch kann man sich auch hier täuschen. Mir, zum Beispiel, gefiel eine. Wir machten einander süße Augen. Wurden bekannt. Wir sprachen von diesem und jenem, ich fragte sie, wo sie in Stellung ist, nach der Höhe ihres Einkommens. Fragte sie nach ihrer Rangordnung, nach der Summe ihrer Bezüge. „Ich diene/ sagte sie,„in einem Lagerhaus. Mein Gehalt ist so und so hoch/ „Nun/ sagte ich,„danke schön, es ist sehr gut. Sie gefallen mir/ sagte ich.„Ihre Rangordnung ist mir sympathisch und auch das Gehalt ist nicht übel. Wir wollen ernste Bekanntschaft machen." Ich begann mit ihr die Kinos zu besuchen. Ich zahlte. So taten wir die erste und auch die zweite Woche— dann stellte ich ihr ein Ultimatum:„Führen Sie mich in Ihr Haus ein/ sagte ich. Sie führte mich ein. Natürlich war in ihrem Hause ein alles Mütterchen. Der Vater— ein aller Revolutionär. Die Tochter, jetzt meine Braut und ich daneben als Bräutigam. Je wester, desto besser. Ich besuchte sie oft und paßte genau auf. Mit dem Mütterchen besprach ich philosophische Fragen: so zum Bei- spiel, wie sie leben, ob nicht zu power. Ob man nicht, Gott behüte, gezwungen sein würde, ihnen auszuhelfen? „Nein/ sagte sie,„was Hilfe anbelangt, so brauchen wir kein«. Und was die Mitgift anbelangt, so will ich es nicht leugnen— es ist keine da. Indes— etwas Wäsche und ein halbes Dutzend Löffel rönnen wir geben." „Ach," sagte ich, ,chu altes Weiblein, Gottesblümchen. Ein halbes oder ein ganzes Dutzend— das wird sich später finden. Es steht nicht dafür, jetzt schon davon zu sprechen. Mir, sagte ich. gefällt Ihre Tochter auch so— sie ist doch in der 15.' Rangklasse, sie bat viele Vergünstigungen, Remunerationen... Das bedeutet für mich dasselbe wie eine Mitgift." Nun, die Alte, das Gottcsblümchen, begann zu weinen. Auch der Vater, der Revolutionär, war zu Tränen gerührt.„Was sollen wir machen, mein Lieber," sagte er.„heirate also." Wir verlobten uns. Gespräche. Seufzer. Und die Alt«, das Gollesblümchen, machte mir Andeutungen wegen der Kirche.„Es wäre nicht schlecht," sagte sie,„wenn ihr euch in der Kirche trauen ließet/ Und ich sagte:„Wir werden auch so heiraten."„Ich bin," sagte ich,„ein aller Revolutionär. Ich habe nicht gewartet, bis man die Partei von allen schädlichen Elementen befreite, ich bin selbst gegangen. Ich kann nicht gegen mein Gewissen handeln. Bitte, zwingen Sic mich nicht dazu." Die Alle weinte. Auch der Dater. der alle Revolutionär, hatte Tränen in den Augen. Und doch waren sie einverstanden. So heirateten wir. Am Morgen ging die schöne junge Gattin in den Dienst, und um vier kam sie wieder. In den Händen trug sie ihre Aktentasche. Immer wiederholten sich dieselben zärtlichen Reden:„Stehe doch auf, Grischa, daß du dir nur nicht den Rücken wunddrückst!" Und immer wieder Tränen vor Glück und Flitterwochen. So dauerte dieses Hin und Hex zwei Monate, wie es jetzt üblich ist. Eines Tages kommt die junge schöne Gattin ohne Aktentasche heim und schluchzt.„Warum weinen Sie," sagte ich,„haben Sie am Ende, Gott behüte, die Tasche verloren?" „Ach nein," sagte sie,„was reden Sie da von Tasche? Man hat mich entlassen, weil man die Beamten abbaut!" „Was sagen Sie," sagte ich,„um Gotteswillen?" „Jawohl." sagte sie. „Mit Verlaub," sagte ich.„ich habe keine Mitgift von Ihnen verlangt, aber ich habe mit Ihrer Dienststellung gerechnet." Und die junge Gattin war untröstlich. „Jawohl," sagte sie,„man entließ mich, als Verheiratete." „Verzeihung," sagte ich.„ich werde selbst hingehen und alles aufklären. Das ist doch ausgeschlossen." Ich zog die Hose an und ging rasch hin. Ich kam hin. Der Verwaller war so ein aller Revolutionär mit einem Bärtchen. Ich erklärte ihm, dem Schuft, die ganze Sachlage und er sagte nur immer wieder hartnäckig:„Ich weiß nichts." Ich erzählle ihm von der Mitgift, und er sagte:„Mich interessieren keine Familienangelegenheiten. Ich sagte:„Ich bin auch ein alter Revolutionär vom Jahre 1909/ Er ober ersuchte mich, das Amt zu verlassen. Ich empfahl mich und ging nach Haufe. Ich kam, und meine Gattin sah da und weinte nicht. „Warum/ sagte ich,„haben Sie denn aufgehört zu weinen? Ich habe Sie geheiratet." sagte ich.„und jetzt baut man Sie ab!" Ich nahm sie an der Hand, und wir gingen zur Mutter.„Ich danke Ihnen." sagte ich.„für den guten Dienst. Sie glauben, weil Sie mir ein Dutzend Lössel gegeben haben, können Sie jetzt ruhig schlafen?" � Da begann die Alle, bas Gottesblümchen, zu weinen. Auch dem 1. Mai—$. Mai. »Mer, Herr GeaeralSirektor, warum so erschrocken! die Roten weröen sich doch nicht an uns vergreifen." , Gott— nein— ich Hab nur gerade berechnet» welch ein Riesengelü uns der gleiche Posten Stahlhelmer— Stück für Stück 50 Mark— für den S. Mai tosten würde!' Dater, dem alten Revolutionär,, kamen Tränen in die Augen.„Alles kommt," sagte er,„von Gott. Dielleicht/ sagte er,„werdet ihr auch so leben können." Ich wollte dem Dater dafür eine Ohrfeig« geben, aber ich hiell mich zurück. Er könnte mich, dachte ich, am Ende verklagen, der Halunke. So spuckte ich nur aus und ging. Jetzt bin ich geschieden und suche eine Braut. (Aus de« RuMcheu ostt®[ftt»rod.1 Zruhliag im zirn>chnee. Don Volkmar Irtt. Wenn in den wannen Aprilnächten die zuckenden Schlangen der Lichtreklame noch verwirrender gegen den Himmel schießen, die Parkanlagen hellgrün schimmern und die Kastanien im ersten Blüten- schnee stehen, dann beginnt in den Alpen das große Wunder, die selige Zeil des Bergfrühlings. In den Tälern leuchren auf fahlen Wiesen die gelben Flecke der Priemeln, neben duftendem Seidelbast blühen die ersten Anemonen, helle Weiden strecken ihr« Aests in schäumendes Schneewasser und über den Wäldern liegt ein bräunlich-oioletter Schimmer, der das Ende des Winters verkündet. Aber hoch oben über den ttefblauen Bergwäldern lockt noch das strahlend weihe Paradies und der Ausstieg ist wie ein schmerzlich süßer Abschied: Langsam bleibt der Frühling zurück, Amselflöten und Kuckuckruf verhallen, Anemonen und Priemeln ducken sich vor den ersten Schneeflocken in das herbstliche Laub, die jungen Lärchen tragen noch ihr braunes Kleid und auf aperen Hängen leuchten die weißen Sterne der Schneerosen. Dann schließen sich allmählich die weißen Fänge des Winters, in der Stille des Schnees ist nur noch das Zwitschern der Meisen. Von oben kommt das Flimmern der Almböden näher— eine ljalbc Stunde zwischen moosbärtigen Tannen über metertiefen Schnee— die strahlende Weite öffnet sich. Wie leuchtende Kulissen ragen die wildverwächteten Grate der Sonnblick- und Denedigergruppe, Spitze an Spitz« bis zu den fernen Riefen des Zillertales— die ganze gigantische Pracht der winter- lichen Alpen gleißt in der heißen Frühlingssonn« vor unseren ttun- kenen Augen.——— Aus dem Dachfirst einer tiesverschneiten Almhütte halten wir eine herrliche Mittagsrast. Der warme Atem des Frühlings weht vom Tale herauf un� duftet nach Auserstehung. Dörfer und GeHöste träumen tief unten im Silberdunst, dos Toben der Wildbäche, die wie glitzernde Schlangen durch die Täler ziehen, ist fern wie eine traumhafte Musik, fern ist alles Erdenleid angesichts des Ueber- maßcs an unendlicher Schönheit und Freiheit.--- Im Osten hebt sich die helle Scheibe des Vollmondes. Wir brechen auf und ziehen aiber den firnigen Kamm weiter. Ein ver- irrter Falter gaukelt vorbei, dichter senken sich die Dunstschleier des Nachmittags über die Tief«. Endlos bis zum Horizont ragt jetzt über dem Nebel das Meer der weißen Herrlichkeit, fern donnern Lawinen nieder, ein eisiger' Wind fegt plötzlich von den Gletschern herüber, jagende Nebelfetzen über den Graten verkünden Schneesturm, frostigen Kampf für den nächsten Tag und jubelnde Abfahrt bei Pulverschnee aus ewigem Winter in den Frühling. Das Gewicht der Eicheln und die Größe der Eichbäume. Die Größe der Samen steht im allgemeinen in keinem direkten Der- hältnis zur Größe der aus ihnen entstehenden Pflanzen. Man denke nur an die kleinen Bucheckern, die Sonnenblumenkerne und die winzigen Tabaksamen und vergleiche damit die Buchen, Sonnen- blumen und Tabakpslanzen. Andrerseits bringen verhältnismäßig große Samen kleine Pflanzen hervor, wie z. B. die Saubohnen, Linsen, Buschbohnen u. a.— Diese bekannten Tatsachen sind wohl der Grund dafür, daß man relativ wenig Untersuchungen darüber angestellt hat, ob bei ein und derselben Pflanzenart die Größe der Samen bei der Größe der Pflanzen eine Rolle spielt. Allerdings pflegt man bei der Züchtung van Kullurpflanzen immer die schönsten und kräftigsten Samen auszuwählen, aber gerade auf dem Gebiete der Saatzucht hat man des öfteren die Beobachtung gemacht, daß die Größe der Samen nicht die Bedeutung hat, die ihm vielleicht der Landwirt beimißt. Es sind daruni neu« Untersuchungen Citingers, die er im„Forst- wissenschaftlichen Zentralblatt" verössentlicht, von wissenschaftlichem und forstwissenschoftlichem Interesse. Dieser Forscher pflanzte Eicheln von etwa 2, 5 und 7 Gramm Schwere aus und untersuchte nach acht Jahren die jungen Eichbäume, die aus den Eicheln ent standen waren. Da ergab sich dann, daß aus den schwersten Eicheln die höchsten und aus deu leichtesten die kleinsten Bäume erwachsen waren; auch die Dicke der Stämme und das Gewicht der ober- irdischen Pflanzentelle erwiesen sich als abhängig von der Schwere des Saatgutes....„ � Auch wenn vielleicht später, nach Iahren ein Ausgleich statt- finden sollte, dürften die Beobachtungen Eitingers für die Praxis von Bedeutung sein» wo es sich um Erzielung kräftiger junger Pflanzen handelt, Woöeethoven,HrillparzerunüLenau lebten 'XIX. Wiener Gemeindebezirk: Das liest sich aufreizend trocken und Nichtssagend. Und ich ohne, daß du, geliebter Leser, der du nicht in Wien wohnst, keine blasse Ahnung davon hast, was sich hinter dieser amtlich-ttockenen Bezeichnung versteckt. Drum laß dir erzählen, was es mit diesem XIX. Wiener Gemeindebezirk für eine Bewandtnis hat. Der XIX.„fjieb"(ein echter Wiener ver- zichtet gerne auf das Wort Bezirk und macht einen„Hieb" daraus) heißt Döbling, und feine Unterbezirke sind Grinzing, Sivering, Nuß- dorf und Heiligenstadt. Vielleicht dämmert dir jetzt schon, Verehrtester, ein Licht auf! Noch nicht? Dann erinnere dich gefälligst daran, daß am 26. Mörz 1927, dem hundertsten Todestage Beethovens, wieder einmal viel die Rede war vom„Heiligenstädter Testament" des Unsterblichen, und daß Beethoven in Döbling die„Ero>ca" vollendet hat! Beethoven lebte nämlich manchen Sommer in Döbling draußen. Und nicht er allein, viele vor und nach ihm, deren Namen zu denen zählen, die man nie vergißt, lebten gleich ihm iit Döbling, schufen im Schatten seiner alten Bäume, seiner stillen Häuser, iun- fächelt von der weichen Luft des Wienerwakdes und der vielen lichten Weinberge Großes, das westerlebt, ewig jung und unoer- gänglich. Theodor Körner wohnte eine Zeitlang in Döbling und schuf dort manches seiner seine Zeitgenossen begeisternde Gedicht. Des unglück- lichen Nikolaus Len au Leben klang in Döbling draußen, freilich in der Nacht und Finsternis einer Irrenanstalt, aus. Hugo Wolf hob in Döbling gar manches seiner Lieder aus der Taufe, ünd wenn Ferdinand v. Saar mit seinem Spazierstock durch die Döb- linger Gassen klapperte, kannte ihn jedes Kind. Eduard v. Bauer Ii feld lebt« und wirtte in Döbling und starb auch dort, und in Grinzing. dem Weindorf, innerhalb der Gemarkungen der Weltstadt, verlebten im Jahre 1808 Beethoven und Grill- p a r z e r gemeinsam Tür an Tür einen Sommer, wobei es passierte, daß Beethoven manchmal nicht eben höflich mit der Mama Grillparzer umging.-- Viele andere kamen noch nach Döbling: Der alte Johann Strauß feierte hier glänzende Triumphe, Schubert wanderte mit seinen Freunden ost nach Döbling zum Wein hinaus, und Johann Strauß, der Walzeitönig. kam ebenfalls oft in die Gegend, die man den XIX. Wiener Gemeindebezirk nennt. Was die Großen, deren Namen Cwigkeitsstempel» trägt, hinaus nach Döbling zog? Döbling hatte und hat auch heute noch wenig von der jagenden Hast, vom tobenden Lärm und dem heißen Atem der Großstadt. Die Hauptstraßen des Bezirks zeigen das gemächliche Getriebe einer Land- oder Kleinstadt, und in den Neben- und Seitengassen, da ist's oft überhaupt dörflich-ländlich und es riecht manchmal stark nach Landwirtschaft. Kleine windschieie Häuschen säumen manche Gass«, und manchmal ist's durchaus keine Kunst, mit den Händen das Schindeldach zu greisen. Ringsum in den Gärten blüht und duftet es, und in den Gassen spielen die Kinder. Und wenn ein- nial ein Auto durch die Gäßchen tutet und stinkt, schaut man ihm aus dem Fenster interessiert nach. In prächtigen Gärten träumen vornehme Villen, und wer in Döbling draußen wohnt, der weiß schon, daß das eine feine Sache ist, denn Döbling ist kein Prole- tarier-, sondern ein„besserer" Bezirk, und kennt wenig oder gar keine Fabriken. Und nun kommt das Wunderbare: Dort, wo die Dichter wohnten und noch wohnen, wo die Hofräte, die Leute mit den Villen und Eigenhäuschen, brave Weinbauern und nicht minder wackere Milchlieferanten, die jeden Tag ihren zwei bis sechs Kühen die Milch abzapfen, um sie in die Stadt zu liefern, wo Tauseirde von Mittelständlern hausen, ein Bezirk also, der stark nach Bürger- tum, wenn nicht gar nach Philistertum riecht und wenig Proleten- Haftes an sich hat, er Hot bei den Natioiwlrats- und Gemeinderats- wählen am 24. April rot gewählt. Und zwar ganz gründlich rot. Von den 38 621 Wählerinnen und Wählern, die zur Urne gingen, legten nämlich 18119, also weit mehr als die Hälfte und fast 4000 mehr, als bei der letzten Nationalratswahl, einen sozialdemokra- ttschen Stimmzettel in die Urne. Wenn die Wiener Proletarier- Hochburgen Favorsten, Floridsdorf, Simmering, Ottakring, Meid- ling usw. rot wählen, so regt sich darüber in Wien auch der schwär- zeste Klerikale nicht mehr auf. Daß diese Bezirke rot sind, ist selbst- verständlich, ist sozusagen Naturgesetz. Wenn aber selbst Bezirke wie Döbling rote Mehrheiten triegem ins Loger Breitners ein- schwenken, dann wird's dem braven Spießer ungemütlich,� und er beginnt langsam und mit Schrecken zu erkennen, daß es ein eitles Beginnen wäre, jetzt noch zu hoffen, daß dos rote Wien einmal diejen seinen Namen wieder ablegen müßte. Und wenn Beethoven, der Zell seines Lebens ein aufrechter Republikaner war, wenn Johann Strauß, der den Achtundvierziger- Revolutionären einen„Revolutionsmorsch", die„Explosionspolka" und den„Freihestsklänge-Walzer" widmete, wenn Grillparzer, Bauernfcind, Saar und noch manch anderer berühmter Döblinger am 24. April zur Urne hätte gehen können, so hätten sie totsichcr auch einen roten Stimmzettel abgegeben. Oder glaubt ihr etwa gar, sie- hätte» den Seipel gewählt? Karl G v a t t e r. Was�rni _ Ttlonabratcn Jiaddcdz&f! 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Golle.» Berlin SW6I, Belle-Alllance-Str. 6, Leiter: Filiale Berlin.« Berlin SW 68, Alexandnnenstraße 15, Leiter: M. Thamme. ♦ Eln.-Schöneberg, Barbarossastraße 42, Leiter; F. Tybus. m Staats-Theater Opernhaus ••Platz d.Republ. 8: La Traviata Schauspielhaus 8: Der Barbier von Sevilla Schiller« Theator 8 Uhr: Candida SläUe Opei Cbarlottenburg 6'/, Uhr: Dia Meistersinger von Nürnberg Abonn.-Turnus IV Deutsdieillieater Norden 10334— 37 8 U. Ende II U. Der Anl am Sdieidewed Kammerspiele Norden 10334—37 8»/, U. Ende geg. 10 8tägiges Gastspiel Die Komödie SlsmarcK 2414. 75is SV, Uhr, Ende 10 U. Lockvögel Nachtvorstellung Tagl.llU,EndeiU. Zum 25. Male: Rem: WasSie wollen Preis« 2, 3, 4 u. SM. Tbeit. i.ND!ltDilorfpl. Kurfürst 2091 8 Uhr Endigtgaull Drei arme kleine JKädels Oaintti von Willn Rolls VolksbQh rheatv am Bölovplitz 8 Uhr Judith Morgen 8 Uhr: lystslrala ne Tb. am SAiffbaoerbamm 7>/, Uhr: Zum 1. 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