flt.SOS ♦ 44.?«chrs. Busgabe K Nr. Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, Bwnailich 3,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Areuzband fllr Deutfchlanb. Danzig, Saar, und Memelgebiet. Oesterreich. Litauen, Luxemburg * SO Reichsmark, für da» übrige nöusland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts" mit der illustrier. Len Sonntagsbeilage.Soll und Zeit" fowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",„Aus der Filmwelt". »Frauenstimme",„Der Ainder. freund",„Iugend.Vorwärts",„Bliek >n die Bücherwelt" und„«ulwr» arbeit" erscheint wochentaglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „Sozioldemokrol Berliu" Morgenausgabe r/*> f Derliner VolKsvlakt (�10 Pfennig} Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. zeile SO Pscnnig. Rcklamczeilc S,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das scttgedruikte Wort 25 Pfennig (■zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. stabcn zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. Familicnanzeigen für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen bis VA Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW OS, Linden. straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von S!» Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemohratircben Partei Deutfcblands Redoftion und Verlag: SerUn Ew. öS, Lindenflroße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Mittwoch, den 4. Mai 1SÄ7 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. HS, Lindenstr.Z Poftfcheckloitt-: Perlt» 17 53t— P-ukl-nts: Bank der Arbeiter. Anaestelte» »nd Beamte». W-Iftr. 05: Diskonto-Gefelfchaft, Dt»»fitenkasse Lindcnstr. I. J\n öas republitanifthe Serlin! Latzt Euch nicht provozieren! Die riesenhafte Kundgebung am 1. Mai hat aufs »eue gezeigt, daß die erdrückende Mehrheit der Berliner Bevötte- Tunn entschlossen ist. die Republik, den sozialen Fort- schritt und den B ö l k« r f r i e d e n gegen die Reaktion zu vor. teidigen. Bei den letzten Parlomentswahlen im Dezember 1924. bei der Reicheprösidentenwahl und beim Bolksentscheid gegen die Fürsten hat sich die werktätige Bevölkerung der Diernlillionenstadt Berlin eis dos stärkste Bollwerk der sozialen Demokratie in Deutschland erwiesen. Die neueste Lustgarten- Demonstration, die größte seit dem Rathenau-Mord. Hot den Beweis erbracht, daß die Kräfte der Ber- liner Arbeiterschaft sich trotz der andauernden Wirtschaftskrise auf einer unaufhaltsam aufsteigenden Linie befinden, lyährend die Kräfte der Reaktion seit der Ueberwindung der In- fiationszeit ständig abnehmen. So hat unsere Berliner Erste-Moi-Feier den besonderen Zweck glänzend erfüllt, den ihr die Sozialdemokratie und die Gcwerk- schosten vorgezeichnet hatten: Sie war die wuchtigste Antwort, die die Arbeiterschaft aus den für den S. Istai organisierten Stahlhelmtag im voraus erteile« konnte: sie war zugleich die entschlossene Warnung an die füh- rend« Organisation der Schworzweißroten. daß chre Mitglieder in Berlin nur unerbctene und widerwillig geduldete ä st e sind, denen die erdrückend- Mehrheit der Bevölkerung feind- ljch gegenübersteht. Run betreiben seit Wochen die kommunistischen O r- ganisationen eine rege Agitation mit dem Ziele, den Stahl- helmtag entweder auf behördlichem Wege zu verhindern oder durch direkte Akn'onen der Arbeiterschaft zu stören. Sie hofften, daß ihre Drohungen mit Zusammen st äßen genügen würden, um ein Verbot zu erwirken. Nachdem aber diese Hoffnung un- erfüllt blieb, fahren sie in ihr« Propaganda für aktive Gegenmaß- nahmen der Arbeiterschaft fort, unbekümmert um die verhäng- nisvollen Folgen, die derartige Provokationen für ihre eigenen Anhänger und Mitläufer zur Folge haben können. Dir Sozialdemokraten lasten keinen Zweifel daran, daß wir die Abhaltung des Stahlhelmtages in Berlin, besonders nach den irrsinnigen und herausfordernden Prahlereien, mit denen der erste Bundesführer des Stahlhelms diese Peranstal- jung zunächst angekündigt hat, als eine aoberordenlliche Belastungsprobe für die Geduld und die Salt- blüligkeit der verstner Arbeiterschaft betrachten. Dennoch lehnt die Sozialdemokratie es ob. ein verbot de» Stahlhelmtages zu fordern. Im alten Deutschland war die Sozialdemokratie die schärfste Gegnerin gegen behördliche Maßnahmen, die sich zum Ziele setzten, das politische Leben zu unterdrücken. Im neuen Deutschland dürfen die alten preußischen Unter- drückungsmethoden keine Anwendung finden. Wir haben früher nicht gegm schikanöse Polizeimaßnahmen gekämpft, um sie unter anderen politischen Verhällnisten durch sozialdemokratische Minister und Polizeipräsidenten abermals aufleben zu lasten. Die republikanische Verfassung von Weimar sieht in ihrem Artikel 123 das frei« Versammlungsrecht ausdrücklich vor. von diesem Recht haben die Kommunisten aus Ihrem BerNner pfingsttresfen im Juni 1326 Gebrauch gemacht. Würden die Behörden vor den kommunistischen Drohungen gegen den Stohlhelmtag zurückweichen, so wäre dadurch ein für die Hand- habung der Verfassung gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, der keineswegs im Intereste der Arbeiterschaft liegen würde. Zu gleicher Zeit fordern wir aber von der Polizei, daß sie am 8. Mai ihres Amtes nicht nur streng objektiv walte, sondern dar- über hinaus angesichts der erwähnten Stahlhclm-Provokatlonen und zahlloser Erfahrungen aus der Vergangenheit mit allen geeig- neten Mitteln verhindere, daß die Teilnehmer des Stahl- helmtoges bewaffnet in Berlin erscheinen. Die Kommunistische Partei Deutschlands trägt seit geraumer Zeit all« Merkmale des zunehmenden inneren Zerfalls. Ihre groß- tuerischs und gewalltätige Sprache steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrer deutlichen Kräfteabnahme. Unter diesen Umständen muß die Frage aufgeworfen werden: Was bezwecken die Kommunisten mit ihren Drohungen und Provokationen? Räch den vielen trüben Erfahrungen aus der Vergangenheit zwingt sich der verdacht auf, daß hier wieder einmal ein frevel- hafte» Spiel mit Arbellerblut zur vorübergehenden Wiederbelebung der dahinsiechenden Kommunistischen Partei getrieben wird. wir Sozialdemokralen rücken von solchem unverantwortlichen Treiben ick. Der Kamps gegen den reaktionären Faschismus wird um so erfolgreicher geführt werden, je schneller die Kommunistisch« Partei von der Bildfläche verschwindet, wie das besonders schon in Oesterreich geschehen ist. Der glänzende Wahlsieg unserer österreichischen Kampfgenosten lehrt uns eindringlich, daß nur eine in der Sozialdemokratie vereinigte Arbeiterschaft vorwärtsschreiten kann, well sie sich im Kampf gegen die Reaktion nicht um den kommunistischen Feind in ihrem Rücken zu kümmern braucht. Aus ollen diesen Gründen richtet die Sozialdemokratie an die Berliner Arbeiterschaft den Appell, allen veranstallnugen des Stahlhelms fernzubleiben. Wer auch nur als Zuschauer der Stahlhelmkundgebung bei- wohnt, besorgt damit unfreiwillig die Geschäft« der schworzweißroten Reaktion. Arbeiter, haltet Disziplin! Saht Euch von keiner Seite provozieren! der Sezirksvorstanö der Sozialdemokratischen Partei Franz Künstler. Carl Liike. Gustav Sabalh. Auftakt zur Veltwirtschaststagung. Borberatung der Arbeitcrvcrtreter. Genf. Z. Mai. sEigener vrahlbericht.) Die Weltwirt- schasiskonferenz. die am Mittwoch um 11 Uhr vormittags mit einer Ansprache ihre» Vorsitzenden, de» Belgiers Thennis. er- Sssnet wird, nimmt mit annähernd 2 Delegierten ans 43 Ländern und ebenso vielen Sachverständigen den llmsang einer Völkerbund»- Versammlung an. Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings darin, daß die Außenminister und Diplomaten völlig zurücktreten gegenüber den führenden voltswlrtschaftlern aus Theorie und Praxi» sowie den Vertretern von Industrie, Handel und Landwirt- schast, serner der Arbeitnehmer- und der Konsumorganisationen. vi« Arbeiter- und Konsumentenvertreter, soweit sie bereits in Genf eiagetrosen find, hielten am Montag und Dienstag Besprechungen mit Vertretern der Sozialistischen Arbeiter-Znier- nationale und de» Internationalen Gewerkschaftsbundes über die auf der Konserenz einzunehmende Haltung ab. An dieser Zusammen- kauft, bei der Genosie Mertens- Belgien den Vorsitz führte. nahmen teil: Friedrich Adler(Internationale). Dr. hilfer- ding. Rober« Schmidt. Eggert und Raphtali(Deustch- land). Emmy Freondlich. Wien. Oudegeest(ZGB.), wi- haut(Holland), Pugh(England). Iouhaor. Buisson. R e n a u d« l und Lombard(Frankreich). Das Ergebnis der Ansprache wurde in einer längeren programmatischen Erklärung zusammengefaßt, in der es u. a. heißt: Die Arbeitnehwervertreter begrüßen die Einberufung der Well« ins chastskonierenz als Anerkennung der Entwicklung der Weltwirtschaft rn der Richtung einer kollektiven Zusomenarbpit der Aölker. Die wirls chaslliche Genesung hängt in allen Ländern ab van tarn besser« der Sütervattiluvg, von Lahn» erhöhungen, dem Ausbau der sozialen Einrichtungen sowie der Hebung der Existenzbedingungen der Mosten in Industrie und Land- Wirtschaft, weil nur dadurch auch die Sauskraft der Völker gehoben werden kann. Die Arbeitcrvertreter haben zwar starke Bedenken, daß die Privatinteressen in allen Ländern einer Zusammenarbeit der Völker allerlei Hinderniste in den Weg stellen werden, und be. dauern, daß die Vertretung der Arbeiterorganisationen auf der Konferenz keine ihrer Bedeutung entsprechend starke ist. Sic wollen aber trotzdem den Konserenzarbeitcn in folgenden Hauptpunkten ihrr volle Unterstützung zuteil werden lasten: 1. Be- seitigung der Hinderniste im internationalen Handel: 2. Verbesserung und Ausgleich der sozialen Lage und der Arbeitsbedingungen in allen Ländern:. Kontrolle der internationalen Kartelle und Mono- pole im Interesse der Arbeiter und der Konsumenten; 4. Ver- mehrung der landwirtschaftlichen Produktion und bessere Organisation ihres Absatzes." Diese vier Punkte werden in der Erklärung im einzelnen ein- gehend begründet. Abschließend führt die Erklärung aus, daß von der Konferenz nur dann ein namhafter Erfolg erwartet werden kann, wenn sie zu einer bleibenden Einrichtung gemacht wird durch Schaffung eines inlernationalen Wirtschaftsamles. das aus Vertretern der Staaten sowie von Handel, Industrie und Landwirtschaft(in paritätischer Zusammensetzung von Unternehmern und Arbeitern) und der Konsumenten zusammengesetzt sein und mit dem internationalen Arbeitsamt zusammenarbeiten müßte. Die russische Delegation wird für Mittwachabend erwartet. Sie wohnt mit starkem polizeilichen Schutz im Hotel Anglfttem. Zur Weltwirtschastskonferenz. Aufgaben und Möglichkeiten. Von W l. W o y t i n s k y. Die Weltwirtschaftskonferenz, deren Eröffnung heute in Genf stattfindet, unterscheidet sich von allen bisherigen inter- nationalen Konferenzen dieser Art durch ihre Sorgfalt, mit der die wirtschaftlichen Verbände und die Fachpresse aller Länder die Generaldebatten vorbereitet haben. Eigentlich bilden bei internationalen Tagungen, die etwas anderes als allgemeine Kundgebungen darstellen, die Vorbereitungs- arbeiten den wichtigsten Teil: hier werden neue Fragen gestellt und deren Lösungen gesucht, hier wird die Möglichkeit gemeinsamer Beschlüsse geprüft und ihre Grundlagen ausgearbestet. Mit der Eröffnung der ersten Plenarsitzung der Konferenz ist die Periode der sachlichen Vorarbeiten ab- geschlossen. Für die Weltwirtschaftskonferenz ist diese Periode recht fruchtbar gewesen. Sie hat eine Menge von Forschungen, Uebersichten und Denkschriften hervorgerufen, die ohne sie kaum entstanden wären und unter denen manche eine wirk- liche Bereicherung der wissenschaftlichen Literatur darstellen (vor allem gilt es für die Denkschriften, die der Konferenz vom Völkerbünde vorgelegt werden). Drei Besonderheiten der Vorbereitungsarbeiten zur Kon- ferenz verdienen vor allem hervorgehoben zu werden. 1. Noch niemals wurden die Fragen der Weltwirtschaft vom praktischen Gesichtspunkt aus so ernst und ein- gehend durchgearbeitet. Noch niemals wurde von maß- gebenden Kreisen so eindeutig die Tatsache anerkannt, daß die Bekämpfung der wirtschaftlichen Nöte eine inter- nationale Angelegenheit ist. 2. Im Laufe der Vorarbeiten zur Konferenz haben sich auf ihre Tagesordnung gestellte Fragen der Welt Wirtschaft in Fragen der europäischen Wirtschaft umgewandelt. Heute, bei der Eröffnung der Konferenz, ist es jedermann klar, daß es sich vor allem um die Zusammenarbeit der europäischen Völker zwecks Ueberwindung der wirt- schaftlichen Depression in Europa handelt. 3. Die Vorbereitung der Konferenz ist allerdings vorwiegend in den Händen der mächtigen Unternehmer- verbände geblieben. Die dürftige Vertretung der Ar- b e i t e r f ch a f t, die in die Vorbereitungsausschüsse geladen wurde, war nicht imstande, die Richtung ihrer Arbeit? zu be- einflussen und die Aufmerksamkeit der breiten Schichten der Werktätigen auf die kommende Weltwirtschaftskonferenz zu lenken. Uebrigens ist es auch nicht erstaunlich, daß das Unter- nehmertum bei der Bearbeitung der praktischen Wirtschafts- fragen größeren Eifer und auch größere Kenntnisse als die Arbeiterschaft aufgewiesen hat. Auch ein nicht überwundenes Mißtrauen der Arbeitermassen dem Völkerbünde gegenüber hat dazu beigetragen, daß ihr Interesse für die Genfer Konferenz nicht allzu groß war. Und dennoch stehen der Arbeiterklasse die in Genf :u behandelnden Fragen am nahesten, und s i e ist d i e Kraft, ie berufen ist, diesen Fragen die richtige Lösung zu sichern. Das wichtigste Merkmal der gegenwärtigen Lage Eu- ropas ist das krasse Mißverhältnis zwischen den vorhandenen produktiven Kräften und der tatsäch- lichen Produktion: die mächtigen Produktionsanlagen können nicht in vollem Maße verwertet werden, weil die notwendigen Absatzmöglichkeiten fehlen. Daher stammt die noch nie dagewesene dauernde Arbeitslosigkeit in Europa sowie der langsame Wiederaufbau seiner Wirtschaft, der in auffallendem Widerspruch mit der stürmischen Entwicklung der Technik und der Besserung der Betriebsorganisation steht. Die Ursachen dieser Uebel sind vor allem'in den inne-� r e n Eigentümlichkeiten der europäischen Wirtschaft zu suchen: in ihrer Zersplitterung, in dem Wettbewerb der europäischen Staaten miteinander, der auf den inter- nationalen Warenaustausch hemmend wirkt, eine ver- nünftige Arbeitsteilung unter den Nationen' unmöglich macht, die Löhne herabdrückt, die Kaufkraft der Volks- mästen verringert und zur allgemeinen Stockung des Absatzes führt. Die Ueberlegenheit der Vereinigten Staaten über die Alte Welt hängt in hohem Grade davon ab, daß ihre Wirtschaft von diesem Wettbewerb frei ist, daß sie sich auf eine zweckmäßige Arbeitsteilung, auf die Erschließung des Binnenmarktes, auf das Wachstum des Wohlstandes der Volksmassen stützt. Die amerikanischen Verhältnisse sind zwar keinesfalls ideal, jedoch müssen sie im Vergleich mit der An- archie, die in der europäischen Wirtschaft herrscht, als vorbild- lich gelten. Die Aufgabe, vor der die Völker Europas stehen, ist die Ueberwindung der Zersplitterung, die gemeinsame Regelung der Produktion, die sich nur auf einer breiten Basis erfolgreich entwickeln kann. Die Voraussetzung dazu ist die Vereinigung des wirtschaftlichen GebietesEuropas. Nur die Vereinigung der europäischen Völker kann für sie ein Ausweg aus der Sackgasse werden und die Gefahr neuer Kriege, in welchen der oerzweifelte Wettbewerb mündet, abwehren. Das hat die deutsche Sozialdemo fratie erkannt, als sie auf den» Heidelberger Parteitag den Punkt über die Vereinigten Staaten von Europa in ihr Pro- gramm aufgenommen hat. Die Erkenntnis der Notwendig- teit der Vereinigung Europas bildet auch die Grundlage der paneuropäischen Bewegung sowie der Bestrebungen zur Schaffung der europäischen Zollunion. Die Vorbereitungs- arbeiten zur Weltwirtschaftskonferenz haben nicht unbetröcht- lich zur Verbreitung dieser Erkenntnis beigetragen. Von Erkenntnis einer geschichtlichen Notwendigkeit bis zur Erfühlung führt aber ein langer und dorniger Weg. Die Hindernisse und Widerstände, die auf dem Wege der Verein!» gung Europas liegen, sind gewaltig. Die Völker Europas rreten hierbei an eine Aufgabe Hera», die große Anstrengung, viel Mut und Geduld erfordert und zahlreiche Enttäuschungen bringen wird, bevor das große Ziel erreicht sein wird. Vielleicht wird auch die Weltwirtschaftskonferenz manche Enttäuschungen bringen: nicht alle Fragen werden hier mit genügender Entschiedenheit gestellt, manche Beschlüsse werden recht bescheiden und zaghaft erscheinen, vielleicht wird manchmal das Schwergewicht von den grundsätzlichen Pro- blemen auf kleine technische Fragen übertragen werden... Man muß sich also daran erinnern, daß es sich hier um einen Schritt vorwärts auf einem langen Wege handelt, um ein Glied einer Kette, die nicht auf ein- mal geschmiedet werden kann. Hoffentlich wird es den Vertmern der Arbeiterschaft auf der Weltwinschastskonferenz gelingen, die Forderungen des Proletariats laut zum Ausdruck zu bringen und dadurch die Bolksmassen mit den Arbeiten der Konferenz und der Aus- schüsse, die die Konferenz hinterlassen wird, enger zu ver- binden. Diese Forderungen sind: 1. Abbau der Zollmauern, Vereinigung des Wirtschaftsgebietes Europas zwecks besserer Organisation seines wirtschaftlichen Lebens, vernünftiger Arbeitsteilung, voller Verwertung der vorhandenen produktiven Kräfte und ihres weiteren Ausbaues. 2. Verzicht auf den unlauteren Wettbewerb. d. h. Einstellung der-Dumpings aller Art und Ko- ordinierung der auswärtigen Handelspolitt der einzelnen Länder einerseits, Internationalisier ung und Ver- einheitlichung der sozialen Gesetzgebung— vor allem Ratifizierung des Washingtoner Abkommens— andererseits. 3. Sicherung des Absatzes für die Erzeugnisse der sich fortwährend entwickelnden und auf die Befriedigung des Massenverbrauchs eingestellten Industrie durch Er- schließung des inneren Marktes, d. h. durch Steigerung derKaufkraft der Arbeitnehmer sowie der Bauern und energische Arbeitsbeschatfiing für die Erwerbslosen. 4. Schaffung eines ständigen Amtes für die weitere Bearbeitung der auf der Konferenz aufgerollten Fragen, das auch die Vertreter der Arbieter und der in Ge- .nossenschaften organisierten Verbraucher einschließen soll. Schiele treibt üie Getreiöepreise hoch! „Erfolge" der Wucherzollpolitik. In industriellen Kreisen hat man kürzlich auf den deutsch- nationalen Reichsminister Schiele, der amtlich Minister für Ernährung und Landwirtschaft heißt, die schöne Bezeich- nung„Minister für Ernährung der Landwirtschaft" geprägt. vicbenfalls hat er sich alle Mühe gegeben, durch seine W u ch e r o l l p o l i t i k die Begünstigung der Großland- Wirtschaft auf Kosten der arbeitenden Bevölkerungsmasten durchzusetzen. Mit welchem Erfolg, das zeigen die stürmischen Bewegungen des deutschen Getreidemarttes in der letzten Woche. Roggen und Weizen sind innerhalb der letzten acht Tage um annähernd Iv Proz. ihres Preisstandes in die Höhe gegangen und zeigen weiter steigende Preistendenz. Die Rekordpreije, die jetzt erzielt werden, kommen dabei nur zum allergeringsten Teil der deutschen Landwirtschaft zugute. Diese hat nämlich den überwiegenden Teil ihrer Bestände schon in den vorangegangenen Monaten verkauft. Nutz- n i e ß e r dieser ganzen Bewegung sind die Spekulation und die Mühlen, die noch vor einer Woche den Roggen mit 257 M., den Weizen mit etwa 280 M.— immer märkische Ware— je Tonne einkaufen konnten und jetzt Preise von 267,50 M. für Roggen und 303,50 M. für Weizen erzielen oder ihrer Mehlproduklion zugrunde legen. Selbstverständlich kann es nicht ausbleiben, daß die erhöhten Getreidepreise sich in einem erhöhten B r v t p r e i s auswirken. Das bedeutet eine Verschärfung der Notlage für das arbei- t e n d e Volk und für die Erwerbslosen: es bedeutet zugleich riesige Spekulationsgewinne für Handel und Ver- arbeiter, und es bewirkt schließlich eine Verschärfung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land, da natürlich die große Masse der Verbraucher die Zusammenhänge nicht durch» schauen kann. Das Tollste dabei ist. daß nach den neuesten Markt- berichten die Getreidehausse durch große Käufe Polens ge- fördert ist. Während Deutschland mit Polen im Zollkrieg steht, während deutschnationale Minister ganz unverhüllt auf die Handelsfeindschaft zwischen diesen beiden Ländern hin- arbeiten, kauft Polen das infolge seiner Mißernte ihm noch billig erscheinende deutsche Getreide auf und ent- zieht es den deutschen Verbrauchern. Der famose deutschnatio- nale Reichsernährungsminister sieht dieser Entwicklung un- tätig zu. Anstatt nun, nachdem die Weltmarktpreise wieder in die Höhe gehen, die Zölle abzubauen, plant er sogar eine weitereErhöhungder Zollsätze, gegen die sich bekannt- lich auch die Industrie und führende Vertreter des Zentrums und der Deutschen Dolkspartei ausgesprochen haben. Das Ganze nennt sich d e u t s ch n a t i o n a l e E r n ä h- rungspolitik, deren Opfer die breiten Massen des deutschen Volkes sind. Es wird höchste Zeit, daß der Reichs- t a g gegen diese Getreidepolitik Stellung nimmt, die nur kleinen Gruppen von Spekulanten zugute kommt und den Verbrauchern schadet._ Rechtsblock und Gstmarkenpolitik. Proteststurm in den Qstprovinzen. Die oerfehlte Finanzpolitik des Rechtsblocks hat bekannt- lich zur Folge gehabt, daß der preußische Etat zugmisten von Sonderzuwendungen an die süddeutschen Staaten ver- kürzt wurde. Damit wurden nicht nur die Mittel vermin- dert, die Preußen von sich aus für die Grenzgebiete freistellen kann. Vielmehr geht das Streben der Reichsregierung auch dahin, den vom Reichstag beschlossenen Grenzfonds von 25 Millionen Mark noch um 10 Millionen zu be- schneiden, um anderen Staaten, nämlich Bayern, Baden und Sachsen, diesen Betrag zur Verfügung zu stellen. Die Ankündigung dieses neuen Planes hat in den preußischen Erenzprooinzen einen wahren Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die ostpreußische Landwirtschaft, die Handels- und Handwerkskammern, der A l l g e- meine Deutsche Gewerkschaftsbund und die De- mokratische Partei Ostpreußens hoben Kundgebungen an die preußische Regierung gerichtet, die sich mit heller Empörung gegen die Benachteiligung der Grenzgebiete richten. Der amt- liche preußische Pressedienst bemerkt dazu: Zu diesen Protesten ist erneut festzustellen, daß der preußische Ministerpräsident D r a u n bei jeder sich bietenden Gelegenheit, so in den Reichstagssitzungen vom 1. und 2. April d. I. gelegentlich der Beratung über Erhöhung der Biersteueranteile, die eine dauernde Belastung des Reiches mit 40 Millionen bedeutet, mit allein Nach- druck darauf hingewiesen hat, daß, wenn drei süddeutsche Länder entgegen den klaren Bestimmungen des betreffenden Gesetzes derartige dauernde Sonderzuweifungen zu Lasten des Rcichserats erhielten, sich als notwendige Folge ergeben müsse, daß für die preußischen bedrängten Grenzgebiete, die durch Gebietsverluste, Kriegsschäden und neue Grenzziehungen weit mehr als die süddeutschen Staaten gelitten haben, nicht genügend Gelder übrig bleiben würden. Gegen dieses Versahren müsse er sich von vornherein aus das ichärsste wenden. Aehnliche Erklärungen hatten schon vorher für die preußisch« Staatsregierung der Finanzminister Dr. Höpker-Aschoif im chauptausschuß des Landtags, der Ministerialdirektor im Staatsministerium Dr. Rabis im Steuerausschuß des Reichstags abgegeben. Bei der entscheidenden Abstimmung im Reichsrat jedoch(am 7. April) unterlag Preußen mit seinem Antrag, gegen die vom Reichstag be- schlossene, die Interessen der preußischen Grenzgebiet« schädigende Abänderung des Biersteuergesetzes Einspruch zu erheben, lediglich deshalb, weil die Mehrheit der preußischen Prooin- ziolvertreter im Reichsrat, unter ihnen, ausgenommen den Vertreter der Grenzmark Westpreußen-Posen, sämtliche Vertreter der Grenzprovinzen, also auch O st- preuhens. gegen den preußischen Antrag gestimmt haben! Inzwischen reisen deutschnationale Mini st r r in der Ostmark herum und halten große Reden über„natio- nale Grenzmarkpolitik", die sie bei der Festsetzung des Reichs- Haushaltes selbst durchkreuzt haben. Die Haltung der ostpreußischen Vertreter im Reichsrat, die jetzt gegen die Kon- fequenzen ihrer eigenen Politik protestieren, reiht sich würdig an die Stellungnahme der deutschnationalen Minister an, die mit Worren Osimarkenpolitik treiben und mit ihren Taten die Ostmark preisgeben. Vergeudung im Sergbau. Aber kein Geld für Bergarbeiter! In der gestrigen Sitzung des Preußischen Landtags erhob sich der deutschnationale Abg. v. W a l d t h a u s e n, um die scharse, aber berechtigte Kritik unseres Genossen Abg. Franz zurückzuweisen, die die Unfähigkeit der deutschen Bergunternehmer geißelte. Dieser Borwurs war dem Belgherrn ganz besonders schwer auf die Seele gefallen. Am Tage vorher aber hatte ein Verwandter dieses selben Herrn v. Waldthausen in der Generalversammlung der Gewerkschaik Ewald Mitteilungen gemacht, die die Mißwirtschaft im Kohlenbergbau aus das schärfste beleuchtete. Dieser andere Waidt- Haujen wies daraus hin, daß die Hüttenzechne ihre Kokereianlagen erweiterten, um recht hohe Beteiligungen am Kohlcnabsatz beim Syndikat erwirken zu können. Deshalb würde die Zeche Ewald ihre Kokerelanlagen ebenfalls erweitern, obwohl damit z» rechnen sei, daß ein großer Teil der neu zu schassenden Anlagen in nächster Zeit bereits wieder stilliegen würde. Die Bergherren schwimmen also derart im Geld, daß sie es v« r- pulvern mit dem Bau kostspieliger neuer Produttionsanlagen, um sich gegenseitig den Absatz strettig machen zu können. M i l- lionen von Mark werden so buchstäblich zum Fenster hinausgeworfen, da man ja von vornherein damit rechne«, daß diese neuen Werke gar keinen Ertrag bringen sollen. Wenn die Bergarbeiter aber Lohnerhöhungen oder er- höhten Schutz gegen die Zunahme d�r Berussunsälle und Krankheiten iordorn, dann ist„d i e Produktion bedroht". Für den irr- sinniaen Konkurrenzkampf aber ist Geld in Hülle und Fülle vor- Hemden. Und das alles bei derselben Familie Waldthausen, deren ein Vertreter die Kapitaloergeudung befürwortet, während der andere von einer UnfähigkeitderUnternehmer nichts wissen will. Da wir eine Gemeinwirtschaft im.Kohlenbergbau haben, hallen wir es übrigens für notwendig, daß sich auch der Reichskohlcn- rat mit der Frage befassen sollte, ob diese unglaubliche Vergeudung der nur durch das Monopol des Syndikats erzielten Gewinne volks- wirtschaftlich zu rechtfertigen ist. Als gemeinwirtschastlichs Einrichtung müßte er jedenfalls diese Frage verneinen. Zwei Monarchen küssen sich... i, Bon Peter Polte r. Es gibt eine Sorte ovn historischem Kitsch, an deren Herstellung und Verbreitung man in Deutschland wieder einmal stark interessiert zu sein scheint. Das sind die Momentaufnahmen küssen- der Monarchen in den großen illustrierten Zeitschriften und den Bilderbeilagen in der bürgerlichen Tagespresse. Da macht gerade jetzt eine erschütternde Photographie die Runde. Konig Gustav von Schweden knutscht seinen gekrönten Kollegen Alfons von Spanien jo herzinnig ab, als wollte er ihn auffressen vor Liebe. Beide Monarchen stehen aus diesem Bilde Backe an Backe, und rundherum steht ein« wohlgefällig feixende Generalität und anderes Lokaienoolk und konstatiert die unverbrüchlich« Freundschaft Mischen den beiden Königreichen Spanien und Schweden, symboli- siert durch einen schallenden Monarchenschmatz! Nun ist es aber eine eigene Sache um die Brudertüjse regie- render Häupterl Rein blldmähig wirken sie zwar aus unpolilische, seniimental« Seelen so rührend wie die Gebet« einer Jungfrau oder die Treucschwüre, die ein deutschnationaler Minister der RepubNk leistet. In Wirklichkeit haben sie sich hinterher in den meisten Fällen als eine besonders unangenehme Art von Judasküssen erwiesen. Erinnern wir uns nur einmal, wie gern unser eigener ver- ilossener Gottesgnadenpächter Willy von Hohenzollern um sich hcr- nimküßte, wenn ihm der Partner ebenbürtig und die Situation an- qeinessen erschien(d. h. daß die Momentphotographen aufnahmebereit in der Nähe standen). Zollern-Willy tat es bei seinen zahllose» ..Begegnungen" ebenfalls nicht unter einem halben Dutzend brennen- den Freundschastsküssen. Aber dos hinderte weder ihn noch den anderen daran, sich gleichzeitig nach allen Regeln diplomatischer Kunst übers Ohr zu hauen. Oder wenigstens es zu versuche». Was war das zum Beispiel für«ine Küsscrei in Bjö r kö 1905. wo Willy von Hohenzollern seinen Detter Nicky von Rußland, den, die verlorene Seeschlacht von Tsuschima noch in den Knochen steckte. beinahe schluchzend vor Mitgefühl um den Hals siel und ihm unter zahllosen Küssen einen einseitigen Schutzoertrag abzugaunern suchte. Der bedepperte Nicky unterschrieb, obwohl er bereit- mit England und Frankreich auf Gedeih und Verderb gegen Deutschland engagiert war, und Willy rieb sich schmunzelnd über den scheinbar gelungenen Spitzbubenstreich die Hände. Acht Tage später endete allerdings die Verbrüderungskomödie mit einem energischen Zurückzieher Rußlands und. weil Willy wieder einmal nicht hatte den Mund hallen können, mit einer peinlichen Blamage Deutschlands. Oder 1908 in Schloß Friedxichshof! Da bemüht- sich England noch einmal um«ine gütliche Regelung der vertrackten Flottenfrage. Onkel Cduard besuchte seinen Resten und brachte sogar seinen Mi- nister Harding mit, um unter allen Umständen eine Verständigung -herbeizuführen. Wieder regnete es Küsse der beiden Monarchen. Als ober- Harding von dein Zweck des Besuches zu reden anfing, setzte Willy, in der Meinung, Tirpitzens schwindelhastes Flottcnbau- programni unbedingt verteidigen zu müssen, seine hochnäsige Miene auf und lehnte jede Unterhaltung über diese Lebenssrag« seines Reiches ab.„Nein keinerlei Verständigung! Eher werden wir kämpfen!"— Resultat: Eisige Abkühlung! Ein Schritt näher zum Weltkrieg! Trotzdem aber wieder schallende Küsse beim Abschied. Heuchelei! Heuchelei! Damals wußte der deutsch« Untertan noch nicht so genau, was es mit den Freundschastsküssen seines Souveräns auf sich hatte. Erst später durchschaute er den foulen Zauber, den ihm sein Kaiser und die mit ihm verbündeten Spezialberichterstatter der bürgerlichen Presse jahrzehntelang in Wort und Bild vorgemacht hatten. Da verging selbst dem tönigstreuen Bürger für einige Zeit der Geschmack an den ranzigen Darstellungen sich abküssender Monarchen. Und seine Presse, die bekanntlich eine überaus fein« Witterung für Zeitstimmungen be- sitzt, verschonte ihn fürs Erste mit derartigen Bildergreueln. Inzwischen aber hat sich der bürgerliche Geschmack auch in dieser Hinsicht zur guten alten Zeit zurückgefunden, und die Konjunktur für küssend« Monarchen ist merklich gestiegen. Und prompt tauchen die kitschigen Bilderchen wieder aus, wie die oben erwähnte Kuß- idylle zwischen Gustav und Alfons in der„Berliner Illustrierten" beweist. Wehmütige Erinnerungen bewegen das treudeutsche Herz beim Betrachten dieser photographierten Operettenszene. So hat auch Willy Lehmann einst geküßt, ol, er noch in seinen herrlichen Zeiten als Prapogandaressendcr seines Gottesgnadentums in der Welt herumkutschierte und sich(und uns) überall nach Kräften zu blamieren bestrebt war! nach Pecsien. Für das Leben des normalen Mitteleuropaers scheint das Flugzeug keine besondere Bedeutung zu hoben. Er bewundert seine Sportleistungen und muß es im übrigen den Leuten überlassen, für die wirklich Zeit Geld ist. Aber für ein Land ohne Eisenbohnen und Automobilverbindungen ist das Flug- zeug das ideale Verkehrsmittel. Persien ist in dieser Lage. Der nächste Weg nach seiner Hauptstadt Teheran führt von Europa über Rußland, Baku, Kaspisches Meer und ist im Winter oft monatelang nicht gangbar. Der Seeweg durch den Persischen Golf ist noch weit umständlicher, da sich eine monotelangc Karawancnreise daran schließt. Und nun kommt ein Flugzeug und vermittelt in einigen Stunden den Verkehr sowohl mi: Baku, wie init dem Hafen Buschir! Die Junkers werke haben ein Monopol für die Luftfahrt in Persien bekommen, und so war es für die„U r a n i a" eine gut« Gelegenheit, im Film den Flug vorzuführen, den Waller Mittel. holzer mit einem Iunkersflugzeug im Dezember 1S2S von Zürich nach Teheran unternahm. 0000 Kilometer in 41 Flugstunden, die durch Zwischenlandungen und Unfälle natürlich bedeutend überschritten wurden! Vom Flugzeug aus wurde die Resse aufgenommen: Herr- lichcn Alpenbildern schließen sich intime Gcnreszenen aus Alevps, Smyrna, Teheran und den anderen versischen Städten an. Das Volksleben steht überall im Vordergründe, nicht die obligate Sehens. Würdigkeit. Prachtvolle Einblicke in die onentollsche Bauart bekommt man durch die Aufnabmen aus der Lust(Ispahan). Da- zwischen Karawanenzüge durch die Wüste, Ucberfliegimg des 5700 Meter hohen Demawends und vertrauliche Bekannrichatt mit dem zweibeinigen Lasttier, dem Menschen, der dort schwere Lasten schleppen muß und doch ein freundliches Lächeln für das seltsame Gefährt aus der Lust übrig hat. Möge es auch ihm einst das Leben erleichtern Helsen.<{, Die Sünsllerhllse der Stadt Verlin. Wie der Reichswirtschofts- verband bildender Künstler Deutschlands mitteilt, hat die Statt Berlin die nach dem Haushaltsplan für 192S zur Verfügung stehenden 300 000 Mk. für Zwecke der bildenden Künste wie folgt verwandt: Für Ankäufe von Kunstwerken sowie Aufträge an bildende Künstler wurden 192 316 Mk., für andere Kunstzwecke 33 698 Mk. ausgegeben, weitere 42 600 Mk. sind für Ankäufe und Aufträge in Aussicht genommen. Es entfallen auf Ankäufe von Gemälden rund 70 000 Mk.. von Plastik rund 126 000 Mk.. von graphischen Kunstwerken rund 22 000 Ml.: außerdem erforderte die Restaurierung von Gemälden und anderen Kunstwerken 7000 Mk. Rund 40 000 M« bleiben, für das nächste Finanzjahr in Reserve. Durch besonderen' Beschluß der stadtischen Korperscha'ten wurden ferner 200 000 Mk für ein« Kunstlerhilse zur Verfügung gestellt: hiervon sind 138 001 Mark>n der Hauptsache für bildende Künstler ausgeworfen worden, 30 000 Mk. wurden dem Wirtschaftlichen Verband bildender Künstler Berlins als zinsloses Darlehen zur Verfügung gestellt, um ihn in die Lage zu versetzen. s-'n-r,-its Darlehen an bildende Künstler zu ver- geben. Auch aus dieser Bewilligung sind also noch 32000 Mk. für das neue Flnanzfahr ubrfg._ Nusflsthe Satire. t. E» sei schon seht sicher, daß die Kleine Entente eine Revision des Friedens von Trianon nicht gestatten teerde. Ein Restaurationsversuch der Habsburger in Budapest würde auf den gleichen widerstand stoßen, den seinerzeit der Putsch Karl» gefunden hat. Siirgerblock gegen Arbeitslose. �ie Verhandlungen i«t Sozialpolitischen Ausschuß. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags be- Handelle am Dienstag in der Weiterberatung der Sfrbeitslosenver- sicherung zunächst die K r i s e n s ü r s o r g e. Frau Abg. Schroeder(Soz.) wandte sich dagegen, daß dein Reichsarbeitsminister überlassen wird. Einschränkungen tür be- stimmte Berus« oder Bezirte, ebenso über die höhe und die Dauer zu verfügen. Abg. Andre(Z.) begnügte sich mit einem bescheide- iien Derbcsserungsantrog der Regierungsparteien, wonach der Reichsarbeitsminister in Zeiten ungünstiger Arbeitsmarkilage die Krisensürsorge erlasien muß. während bisher nur eine Kann- bestimmung vorgesehen war. Der Vertreter des Reichsarbeits- Ministeriums trat mit den bekannten Gründen für die Beibehaltung der Bedürftigkeitsprüfung ein. In der Abstimmung werden alle venderungsanträg« init Ausnahme des Antrages Andre abgelehnt. Der Ausschuß befaßte sich dann mit den Bestimmungen über Beiträge und Leistungen. Abg. Rädel(KPD.) vertrat einen Antrag, wonach die Arbeitslosenunterstützung in keinerlei Zusammenhang mit dem Arbeitsentgelt gebracht werden soll. Abg. A u f h ä u s« r(Soz.) er- klärte, in der Erwerbslosen f ü r s o r ge sei eine Rivcllierung der Leistungen gerechtfertigt, in einer Arbeitslosenversicherung werde dagegen die Schaffung von Lohnklassen notwendig. Eni- scheidend'sit. daß auch bei Lohnklasien stir alle versicherten ein � ausreichendes Existenzminimum gewährleistet wird und die besser Entlohnten für dir untersten Schichten entsprechend eintreten. Der sozialdemokratische Antrag sieht die Erfassung der Angestellten hinsichtlich der Beitröge und der Leistungen im Rahmen der heutigen Angestelltenversicherung vor. Räch diesem Antrag erhalten die ver- sicherten der unteren Klaffen die höchsten Prozentsätze vom Einheits- lohn. Dos Mitglied des Deutschnationalen Handlungs- gehilsenverbandes. der v o l t s P a r t e i l i ch e Abg. Thiel wendet stch gegen die in dem sozialdemokratischen Antrag vorgesehenen Kohe» Leistungent Der Bergetat vi In der gestrigen Sitzung des preußischen Landtags behandelt im Anschluß an die bereits gemeldete Red« des Genossen D st e r r o t h der Abg. Pieck(Komm.) die Entlassung des Abg. Abel(Komm.) aus der Preußischen Bergwerks- und Hütten- A.-G., dii nach Ansicht der Kommunilten erfolgte, weil Abel sich in öffentlicher Sitzung des Landtages gegenüber dem Abg. Ofterroth(Soz.) zu Tätlichkeiten hinreißen ließ. Nach den Feststellungen des Verfassung saus- s ch u s s e s ist die Entlassung deshalb erfolgt, weil Abg. Abel, der Bergmann ist. seit 1924 nicht mehr in feiner Arbeits- stelle erschienen ist. In der allgemeinen Debatte erhält zunächst das Wort Abg. Franz(Soz.): Der diesjährige Bengetai beweist uns in seiner übersichtlichen Aufstellung, daß die wirtschasilichen Schwierigkeilen, von denen die Bcrgwerksbesiher reden, weit übertrieben sind. Man will damit systematisch die Besserstellung der Bergarbeiter ver- hindern. Der Geschäftsabschluß der Preußischen Bergwerks- und Hütten-A.-G. ist trotz der riesigen Vorbelastungen dieses Unter- nehmen» nicht ungünstig gewesen. Um so mehr sind wir zu der Feststellung berechligt, daß das Jahr 1926 ein Jahr der hoch- konjunktur für die Unternehmer gewesen»st.(Sehr v>ahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein klarer Ucberblick über die Wirtschosilichkeit ist allerdings nur zu gewinnen durch Einblick in«m« S e l b st k o st e n st a t i st i k. Leider hat man den Arbcitnehmervertretern den Einblick in dieselbe verweigert und mit billigen Witzen abzutun versucht. Genau so wie die Verg»v«rkzb«sitzer sind schließlich auch die Bergarbeiter ein Teil der deutschen Wirtschast und berechtigt, die Rentabili- tätsberechnungen einzusehen. Aber man hat diese wichtigen Zahlen sowohl den Bergarbeitern als auch der Oeffentlichkeit aus durch- sichtigen Gründen vorenthalten,(hört, hört! links.) Der Lciftungsrückgang in der Förderuna ist nicht, wie es völlig falsch und auch in amllichen Berichten darge?lellt ist, auf die verkürzte Arbeitszeit zurückzuführen, sondern auf die verschlechkernng des Absahmarktes. Die Bergarbeiter müssen sich ganz entschieden dagegen verwahren, daß man auch in amtlichen Berichte,» mit unwahren Angaben operiert.(Sehr wahr! bei de» Sozialdemokraten.) Die Statistik des Reichskohlcnrates beweist im Gegenteil, daß von 1914 die Ge- samtförderunz von 149 Millionen Tonnen auf 146 Millionen Tonnen im Jahre 1926, also im jetzt verkleinerten Deutschland, gestiegen ist. An dieser nicht unbeträchtlichen Steigerung hat selbstverständlich die technisch« Umstellung, die Rationalisierung, einigen Anteil, vor allem aber ist sie der erhöhten Leistung der Arbeiterschast danken.(Zuruf bei de« Sozialdemokraten: Der Antreiberei!) will nicht das ganze Elend der Massenentlassungen hier aufrollen. Gewiß sind die Löhn« nominell gestiegen, aber lm Perhältnts zu der gesteigerten Lebenshaltung sind sie weit hinter den Friedens- löhnen zurückgeblieben.(Sehr wahr!) Tatsächlich sind die Berg» arbeitor in vielen Revieren nickst in der Lage, ihre Familien zu er- nähren. Das Elend und als Folg« davon die Tuberkuloseerkrankun- gen haben eine gewaltige Steigerung erfahren. Da reden die Herren, die sich als Wirtschaflssührsr bezeichnen, noch von ausreichenden Lähnenl Angesichts dieser Tatsache sollten sie wenigstens ehrlich das versagen der kapilolistischen Mrfschastsordnung feststellen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Konkurrenz- kämpf der einzelnen Nationen auf dem Gebiet« der Kohlenproduktion wird auf dem Rücken der Bergarbeiter ausgefochten. hofsemlich Pic MstWcischairskopferenz in Genf auch mit diesem Problem. Die Einfuhr ausländischer Kohlen sollte unter allen Umständen verhindert»»erden, nicht durch Zölle oder Ab- spemmgen, sondern durch eine vernünftige Regelung der Verkehrs- Politik. Leider Hot die deutsche Reichsbahn noch dieser Richtung hin völlig oersagt. Traurige Zustande herrschen In dem besonders gefährdeten niedcrschlesischen Kohlenrevier. wo die Wohnungsnot, die Säuglings- und die Tuberkulose- sterblichkeit eine erschreckende Ausdehnung erreicht haben. Diese Er- scheinungen sind dort nicht etroa erst neueren Datums, es sind die Methoden krassesten Ausbeutsrtums unter dem kaiserlichen Regime. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Statt dieses soziale Elend durch bessere Entlohnung zu bekämpfen, verpulvern die Unternehmer zwecklos Geld zur Gründung gelber Werkvereine und Unterstützung der S t a h l h elm o r g a n i- sationen.(hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber trotz ausgesprochener Tariffeindlichkeit des Unternehmertums steigt die Macht der freien Gewerkschaften, wie die Bctriebsratsrvahlen be- weisen, von Tag zu Tag.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Es wird schließlich ein Antrag der Regierungsparteien ange- nommcn, der sich von der Gcsetzesvorloge nur unwesentlich unterscheidet. Entrechtung üer Sparer. Tie Sfushjcrtuttfl im Rcchtsausschuß. Der Rechteausschuß des Reichstags nahm am Dienstag seine Verhandlungen über die zur Aufwertungsfrage gestellten A n t rä g e wieder auf. Die Regierungsparteien stimm- ten die Anträge nie de r. während die So z i a l d e m o k r o- t! e ihnen fast durchweg zustimmte. vor einer sehr ernsten Frage wurden die Regierungsparteien gestellt mit dem sozialdemokratischen Antrag, der 1. bei der Dar- lehnshypothek eine über 2? Proz. hinausgehende Aufwertung lediglich der persönlichen Forderung, also nicht des dinglichen Rechts oerlangt, wenn dies zur Abwendung einer groben Unbilligkeit unab- weisbar erscheint: 2. die Beschränkungen streichm nstll, denen die Aufwertung der persönlichen Forderung bei der Restkaushypothek unterworfen ist. Bei Begründung dieses Antrages wies Wg. Keil (Soz.) nachdrücklich darauf hin, daß ihm weder juristisch«, noch ver- woltungstechnische. noch ollgemeinwirtschaftlich« Schwierigkeiten im Wege ständen, daß er aber geeignet sei, wenigstens«inen Teil des Unrechtes gut zu machen, das durch das Aus- wertungsgesetz angerichtet worden sei. Abg. Wunderlich(D. Dp.) erkannt« an. daß der Antrag er- wägcnswert sei. will aber seine hallung vom Urteil der Wirtschaft- lichen Ministerten abhängig machen. Der Ausschuh beschloß, diese Ministerien zur nächsten Sitzung einzuladen. Hausangestellte unö Mutterschutz. Unzulängliche Stellungnahme des NeichSwirtschaftsrats. Bereits am Z. Februar 19ZS forderte die sozialdemokratische Reichstogsfroktion in einer dem Reichstag unterbreiteten Enischlie- ßung die Ratifizierung des Washingtoner Uebereinkommens be- tresfcnd die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft. Nach langwierigen Verhandlungen wurde zunächst ein Ausbau der Mutterfchaftsfürsorge im Rahmen der Reichsversicherungsordnung durchgesetzt: die Reiihsregierung Ott» rr r dem Landtag. Wir ersuchen das Ministerium, ein besonders wachsames Auge auf die Grubensicherheilsämter»ind die Bergpollze« zu haben. Es »st eine Tatsache, daß die Beamten dieser Behörden vielfach mit den Grubenbesitzern versippt und verschwägert sind. Die Einstellung von Grubenkontrolleurcn aus Arbeiterkreisen muß im Interesse der Grubensicherheit in noch größerem Umfange erfolgen. Wir erwarten deshalb vom Hause die Annahme unser dahingehenden Anträge. (Sehr gut! bei den Sozdem.). Abschließend möchte ich noch die Bestrebungen. die auf eine Geineinwirtschaft des Bergbaues abzielen, wie der Ankauf von Kohlenfcldern durch die kommunalen Behörden von Frankfurt und Köln, wärm- stens begrüßen. Bis zur Erreichung dieses Zieles ober werden »vir den Kampf führen, um der Bergarbeiterschast in der deutschen Wirtschaft die Stellung zu verschaffen, die ihr auf Grund ihrer Be- deutung und Leistung gebührt.(Lebhafter Beifall bei den Sozdem.). Abg. von Waldihausen(Dnat.): Das Mißtrauen des Vorredners gegen die Arbeitgeber im Bergbau ist völlig unberechtigt. Der Absatz ist in diesem Jahre sehr plötzlich zurückgegangen. Die Lohnerhöhungen im Ruhrrevier sino in diesem Augenblick t a l s ch, da sie den Preis der Kohle um 45 Pfennig pro Tonne erhöhen und damit die Konkurrenzsähigkell der Ruhr- kohle in Frage stellen würden. Aag. harsch(Z.) polemisiert gegen die scharfmacherischen Metho- den der Bergbauunternehmer und bemängelt, daß die Berichte der Bergrevierbeamten nicht objektiv sind. Abg. Dr. Pinkernell(D. vp.) bedauert den Kauf der Kohlenfelder durch die Städte Frankfurt und Köln. Di« Kohleneinfuhr aus Po l e n müsse selbst auf die Gefahr eines Handelskrieges unter- Kunden werden. Die Unternehmer seien im übrigen bereit, an- gemessene Löhn« zu zahlen, wenn sie dazu in der Lage wären. Handelsminister Dr. Schreiber: Das Ministerium prüft im Augenblick die Frage, ob die Steige- rung der Grubenunfälle in der Zwesten Hälfte des letzten Jahres auf die Vermehrung der Belegschaften siirückzuführen ist oder ob nicht etwa mangelnde technische Einrichtungen und die Länge der Arbeitszeit mit dem Hinaufschnellen der Unfall- Ziffer i» Zusammenhang stehen. Der Anregung, ein Reichsberggesetz zu schaffen, kann ich mich nicht anschließen. Sie war verständlich zur Zeit des preußischen Dreiklossenwahlrcchtes, um durch den Reichs tag einen Ausgleich zu schaffen. Der bereits gefaßte Beschlutz aus Verbot der Revierprämien konnte nicht durchgeführt werden, weil ihm die reichsgesetzlich« Grundlage fchll. Dasselbe gill für das Verbot der Ueberschichten. Wir müssen deshalb die Berablchie- düng des Reichsarbeitsgesetzes abwarten, eye wir unsere Maßnahmen treffen können. Die Vermehrung der Gruben- kontrolleure wird»m? Gelegenheit geben, die gemachten, günstigen Erfahrungen zu erweitern. Besondere Fachkommern für den Berg- bau bei den Arbeitsgerichten werden wir da einrichten, wo schon früher Berggewerbegerichle bestanden haben. Gegenüber der hoch- konjnnktur des Kohlenbergbaues durch den englischen Bergarbeiter- streik ist«in gewisser Rückschlag eingetreten. Aber da» ist kein K r i s e n z e i ch e n. Das Ruhrrevier' fördert gegenwärtig monatlich 899 999 Tonnen mehr als im Jahre 1913, und die Arbeilsleisiung pro Kopf-st um 20 Proz. und darüber gestiegen. Dem besonderen Kohlenhandelsbevollmächtigten für die staatseigencn Bergwerke haben wir wieder abgeschafft, nachdem uns das Syndikat eine genügende bevorrechtigte Beteiligung eingeräumt hat. Den Erwerb von Kohlenseldern durch Gemeinden halte ich für ein gejährliches Risikounternehmen. Sehr bedauerlich sind die französischen Ucb ergriffe auf saarlandifche Kohlen, die rechtswidrig von der anderen Seite der lothringischen Grenze her abgebaut werden. Leider hat die saarländische Regie rungskomnnsston dieser illoyalen Methode zugestimmt Anscheinend will man auf diese Weise künstliche wirtschaftliche Zusammenhänge zwischen Lothringen und dem Saärrevier schaffen. Wer der beut- schcn Treue der Bewohner des Saargebietcs bleiben»vir trotzdem sicher.(Lebh. Bestall!) Abg. Sobotlka(Komm.) kritisiert die hohen Gewinne der Berg- werksunternehmer und die schlechte Lage, insbesondere die lange Ar- beitszeit der Bergarbeiter. Schuld daran seien die soziowemo- kratstchen Gewerkschaftsführer.(Lachen bei den Soziold.) Abg. harlmann(Dem.): Das Kohlensyndikat benachteiligt will- kürlich den Emdener chafen und verteuert den deutschen Fischdampsern die Kohle. Einen dauernden gesicherten Kohlenabsatz kann uns nur eine internationale Verständigung uns der Abschluß günstiger Handelsverträg« schaffen. Den Arbeiiern gegenüber lassen die Kohlenherren noch immer viel soziales Verständnis vermissen. Der Redner regt dann die Schaffung von Lernwerkställen für jugendliche Bergarbeiter an. Hierauf wird die Weiterberotung auf Mittwoch. 12 Uhr vertagt. sprach ferner, beim Wiederzusammentritt des Reichstages im Herbst vorigen Jahres eine B o r l a g e über die Abänderung der Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung und damit über die Rati- sizierung des Washingtoner Uebereinkommens vorzulegen. Vor einigen Wochen ist nun endlich dl« Vorlage dem Reichs- w i r t s ch a f t s r o t zur Begutachtung unterbreitet worden, der sie durch seinen sozialpolitischen Ausschuß Ende April verabschiedete. Während die Mutterjchaftsfürsorge der Reichsversichenings- ordnung sich auf alle versicherungspflichtigen iveiblichen Arbeit- nehmer, also auch auf die in der Land- und Hauswirtschast Beschäftig ten, erstreckt, sollen diese beiden Gruppen nach dem vorliegenden Entwurf von dem Schutz im Arbeitsverhältnis ausgeschlossen roerden. Der Reichswirtschaftsrat hat sich für die Einbeziehung der in der Landwirtschaft tätigen weiblichen Arbeitnehmer und der Personen, die im Houshall des Arbeitgebers persönliche Dienste leisten, ausgesprochen Die Hausgehilfinnen hat man jedoch draußen gelassen: sie roerden auch als wer- dend« Müller anders bewertet. Man begnügte sich mit der An- nahm« folgender Entschließung: „Der Arbeitsausschuß zur Beratung des Eillmurfs eines Arbeitsschutzgesetze» hat bei der Begutachtung des Gesetzentwurfs über die Beschäftigung vor und nach der Niederkunft von der Unterstellung der Hauswirtschaft unter der Voraussetzung Ab» stand genommen, daß die Reichsregierung den vom Reichswirt- fchaftsrat im Jahre 1923 begutachteten Entwurf eines H a u s- gehilf innengesetzes dem Reichstag unverzüglich vorlegt und darin Bestimmungen vorsieht, durch die den in der Haus- Wirtschaft tätigen Arbeitnehmerinncn ein ebenfalls ausreichender Mutterschutz gewährleistet wird." Woher sollen die Hausgehilsiimen das Vertrauen nehmen, daß nun wirklich auf schnellstem Wege dieser Musterschutz ihn«»» gewährleistet wird? Die Regierung Hot nicht dazu beigetragen, dieses Vertrauen zu erwecken, und darum sind die in der Haus- Wirtschaft Tätigen vor wie nach der Meinung, daß sie vom Gesetzgeber als Menschen zweiter Klasse behandelt lverden. Gerade bei dieser Gcsetzesvorlage hätte die Regierung beweisen können, daß sie keinen Unterschied bei der werdenden Muller kennt, daß alle gleichen Schutz gebrauchen. Es wird Aufgabe des Reichstags sein, die Einbeziehung der Hausgehilfinnen vorzunehmen. Die Sozialdemokratie und die Ge' verkschasten werden es an der nötigen Anregung nicht fehlen lasse«. Die einstweilige Verfügung gegen Streik. Wiederbelebungsversuch einer überlebten Methode. Dem schlechten Beispiel des Landgerichts Hamburg folgend, hat jetzt auch die 4. Zivilkammer des Landgerichts Leipzig eine ähnliche einstweilige Berfiigung getroffen, die der Filiale des Deuifchen Textilarbciteroerbandes und ihrem Geschäfts- führer verbietet, den gewerkschaftlich sanktionierten Streik bei der Sächsischen Wollgarnfabrik vorm. Titel u. Krüger in irgendeiner Weise zu unterstützen. Nachdem der Wollspinnereikwizern in Hamburg, die ge- wünschte Verfügung zugunsten der Stcrn-Wollspinncrei in Altona- Bahrenseld, sür die Wollkämmerei in Wilhelmsburg und die Firma Bischofs u. Rodatz in Hamburg erzielt hat, hat sie mit dem gleichen Erfolg auch das Leipziger Landgericht gegen den Streik bei Titel u. Krüger in Leipzig in Bewegung gesetzt. Man kann diesem Textilunternchmerkonzern bei bestem Willen keine Schlapphest gegen die Gewerkschaften vorwerfen. Er hat offenbar einen forschen Syndikus, der aufs Ganze geht. Warum soll sich die Unternehmerorganisation fernerhin noch der Mühe unter- ziehen, auf irgendwelche Forderungen der Arbeller einzugehen oder gar mit ihren Dertretcrn darüber verhandeln? Zeitvergeudung! Man treibt die Arbeiter zum Streik, beantragt dann beim Gericht ein« ein st weil ig« Verfügung gegen den Streik und glaubt — klotz dann die Streikenden zu Kreuze kriechen. Zwei Filialen des Deutschen Textilarbeiteroerbandes samt ihren Geschäftsführern ist jetzt untersagt, den Streik In irgendeiner weise zu unterstützen. sei es durch Anweisungen an die Streikleitung oder durch Unter- stützung von Streikpostenstehcn oder Gewährung von Streikunter- stützung an die streikenden Mitglieder. Zuwiderhandlung ist mit Geld- oder Haft strafe bedroht, deren Ausmaß den erkennen- den Gerichten vorbehasten ist. Den Herrschaften im Wölls pinnereikonzern schwebt wohl die amerikanische Praxis zur sinanziellen Ruinierung der Ge- «erkschaften vor, die unter Mitwirkung der sogenannten Recht- sprechung in verschiedenen Fällen mit ziemlichem Erfolg geübt wurde. Obwohl durch einstweilige Verfügungen kein Streit gebrochen werden kann, weit eher die Gegensätze verschärft werden und die Streikdauer verlängert wird, soll nicht behauptet werden, daß den Gewerkschaften derartige Verfügungen be- sonders angenehm sind. Man wird sich auch nicht auf die rechtliche Nachprüfung der Berechtigung derartiger Verfügun- gen verlassen dürfen, da sie erfahrungsgemäß, gewissermaßen natur- gemäß, längst nicht so rasch durchgeführt ist wie eine einstweilige Verfügung beschlossen ist. Es muß daher schon einmal der Methode des Zustandekommens solcher Vorfügungen und der Abweisung der gegen sie erhobenen Beschwerden nachgegangen wer- den. Es gilt auch hier, den Anfängen zu wehren, die ja eigentlich nur ein Wiederaufleben der Art von Gewcrtschaftsbekämp- fung bilden, wie sie im vormaligen monorchiftisch-militaristischen Obrigkeitsstaat beliebt wurde. Die Gewerkschaften sind mit dem Ausnahmegesetz und all den aus ihm überkommenen polizeilichen und gerichtlichen Schi- kanen fertig geworden und sie sind heute stark genug, um sich gegen eine etwaige Wiederaufnahme dieses Verfahrens erfolgreich zu wehren._ Streik öer drahtarbeiter in Groß-öerlin. � Die Arbeiterschaft der Groß-B«rliner Drahtinduftrie befindet sich wegen Lohnforderungen im Streik. Im vorigen Jahre wurden die Löhne und Akkordpreise gekürzt. Eine Einigung vor dem Schlichtungsausschuß könnt« nicht erreicht werden. Einige Betriebe haben bereits die Forderung anerkannt. Die in diesen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer befinden sich im Besitze einer Arbeitsberechtigungskarte, die vom Deutschen Metallarbeiter- verband ausgestellt ist. Lohnerhöhung in öer mittelSeutfthen Lanüwirtfchast Der am 16. April gefällte Schiedsspruch für die Mitteldeutsch« Landwirtschaft, der eine Erhöhung der Spitzenbarlöhn« für Männer und Frauen um je IX Pfennig pro Swnde und ein« Erntezulage wie im Vorjahre vorsieht, ist am 3. Mai vom Rcichsarbestsministerium für verbindlich erklärt worden. Damit ist der monatelange Tarif- streit in der Provinz Sachsen, der Freistaaten Sachsen, Anhalt, Braunschweig, Thüringen sowie in Kurhessen und Südhannovcr be- endet. der Textilarbeiterstreik in Gstsachsen beendet. Die im Reichsarbeitsministerium am 2. Mai. nachts 12 Uhr. abgebrochenen und am 3. Mai vormittags fortgesetzten Derhandlungen im Mantellarifftrest für die Textilindustrie Ostsachsens führten zu einer Einigung der Parteien. Der entschlossene Kampf der Tertil- arbeiter hat zu einem vollen Erfolg geführt. Der Streik gilt als beendet. heute Ueberstunöen, morgen Kurzarbeit! Arbeikszeik ganz nach Belieben der Unternehmer. Köln, 3. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Firma G e- brüder Stollwerck Akt.-Gef., Köln, hat jetzt, obwohl die Arbeiterschaft gegenüber dem Vorjahre um rund 1200 Mann verringert wurde, ihren Betrieb noch weiter dadurch ein- geschränkt, daß ab 2. Mai nur noch fünf Tage in der Woche gearbeitet wird. Der starke Rückgang der Produktion wird auf die geschwächte Kaufkraft der Konsumenten sowie auf die ge- waltige Preissteigerung auf dem Roh-Kakao- und Zuckermarkt zu- rückgeführt. Das ohnehin geringe Einkommen d«r Arbeiterschaft wird durch die 4ü-Stunden- Woche weiter geschmälert. Di« Firma hofft, in etwa 2 Monaten mit den Weihnachtsaus- trägen beginnen zu können. Sie dürfte dann versuchen, durch Ueberstundentreiberei den Profir und damit auch den entgangenen Verdienst für sich wieder herauszuholen.. Wie lange noch soll die Festsetzung der Arbsrtszeit als Konkurrenz- und Spekulationsobjekt des Unternehmertums dienen und die Existenz der Arbeiter als Spielball der Prositinteressen? Ter Rhcinschiffahrtsstrcit geht weiter. Duisburg. 3. Mai.(Eigener Drahtberichl.) Im Lohn- und Tarifftreit der Rheinschiffahrt ist die V e r b i n d l i ch k« i t S- erklärung des Schiedsspruchs vom 6. April vom ReichsarbeNs- minsstsrium abgelehnt worden. Der Schiedsspruch vom 9. April ist ebenfalls hinfallig. Er war von allen Parteien abgelehnt worden. Die Rheinschiffahrt scheint demnach nicht als ein lebenswichtiges Gewerbe zu gelten._ Gummiarbcitcrstrcik in Hanrbnrg. Hamburg. 3. Mai.(MTB.) Roch Mitteilung der Firma Heinrich Traun u.«öhne sind die Belegsckhrften der beiden in Harnburg und Harburg gelegenen Gummibe�'iebe dieser Finna wegen Tarifdifferenzen am Dienstag morgen in �Ausstand getreten. Achtung, Bauarbeiter! Auf der Baustelle d« Firma P o- lensky u. Zöllner, Lüneburger Stoatz«. S> a dt b ahn- bögen, hat die Firma sämtliche Maurer und Battli>lfsarbelter entlassen, weil die Belegschaft sich weigerte, auf Anordnung der Firma länger als acht Stunden zu arbeiten. Wir Ersuchen unsere Kollegen, auf dieser Baustelle keine Arbeit anzunehrmV Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berftch.� im$sial Srilcict soliirisch- Fragen. rrwarikt Refrrcni Genoisr Bctnorrck. Vollzähligen Besuch i- Drr Zraltüi»»»»rst»»d.= Zugendgrunpc de» gdtl. k-eute. Mittwoch, V6 Uhr,{inben Beranstolwugen in solgenden Bezirken statt: vsten: Jugendheim der Schule Litauer Str. IS. Gruvrenbesvrcchung.— ScutSDn: Jugendheim Zlogatstr. 53. Auzspracheabenh. — Schöneberg: Iuaendheim Hauptsrr. 15(Frankenlandzimmer). Gruupen- belvrcchuna.—«lharlottenburq: Augendheim Rosinenstr. 4. Srupven. befprechung.— Sedding-Sesuubbrunuen: Jugendheim Schönstedistr. 1 iL«. digenheim 5 It.). Gruppendcsprechung..._ Freie Gewerkichastsjugend. Heute, Mitirnoch,"i- Uhr. tagen die Sruvpen: Zieulölla I: Gruvprnheim Jugendheim Bergstr. 2g, Hai. Hermbesprechung.— Charlotteuburg: Gruppen heim Jugendheim Deutsche» ktrankenkassenhau». Bcr liner Str. 137. Scimbcsprechung. lBerbandsbuchkantrolle.)— RordriaAr Gruppcnheim Augendheim Eberswalder Str. 10. Heimbeiprechimg.— Roabii: Jugendheim Lehrter Str. 18,1». Hcimbeiprechung. Vortrag:„Das Schmuh und Schundgcseh."— Baumschul» nweg: Jugendheim Bauinichulenweg, Srnii- strahe 10. Vortrag:„Augendschuh und Zugendrecht."— Weihe»!«: Äugend heim Parkstr. 36. Heimbesprechuna.— Zentrum: Jugendheim Zehdcnicker Strohe 24,25. Hcirnbesprechung.— Frankfurter AI« und Landsberger Pleh: Spiclabend auf dem Spielplatz Eibinger Strohe. Einlaß nur mit Heim- ausweis.— Echöneweide: Anoeiidhcim Niederichänemeide, Berliner Straße. Zusammenkunft.— Ztuttnrabieilung be, DMV.: 7 Uhr. Programm: 1. Bun der de» Zlordcn». 2. Edelstahl. Z. Fix und Fox im Strandhotel. Derantworiiich für Politik: Pietor Schiff: Wirtschaft: G. tllingelhöferz Gewerlschaftebeweauna: Friede, strlorn: Feuilleton: st. H. Döicher: Lokales und Sonstiges: Fritz starftödt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin Verlag: Vormaris-Verlag G. rn, b. H.. 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Die ganze Gegend, soweit es sich um die Baulichkeiten bandelt, die sie bedecken, ist noch gar nicht alt. Das vom Unioersitäts- garten bis zum Kupfergraben reichende Stück der Dorocheenstraße �um Beispiel, dem ebenfalls der Garaus gemacht werden soll, zählt leine fünfzig Jahre. Dieses Stück der Dorocheenstraße war vordem gar keine Straße, sondern ein Gewässer: das letzte Ende des f?estungsgrabens, der hier, matt und müde, in den Kupfergroben i aundete. Der Festungsgroben zog sich von der Jägerstraße her durch das Grundstück des früheren Haupttelegraphenamtes über die Französische Straße hinweg und führte dann am Opernhause und an der Singakademie �vorüber, um schließlich scharf nach Osten ab- ,-ubrechcn. An der Singakademie befand sich eine Brücke. Sie bildete, bis der Festungsgraben zugeschüttet und in Straßenland verwandelt wurde, das östliche Ende der Dorotheenstraße. Die einzige Erinnerung an diesen Graben besteht heutzutage in der Be- Zeichnung„Am Festungsgraben" für den Stroßenteil, der sich gegen- über dem Opernhause und hinter dem Prinzessinnenpalais hinzieht. Die Häuser an diesem Ende der Dorotheenstraße sind neu, weit <'ter sind die Häuser am Kupfergraben und in der Bauhofstraße. tlber auch diese Straßen sind erst im letzten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts bebaut worden. Der Name Kupfergroben stammt daher, daß auf diesem Arm der Spree die Metalle und besonders auch das Kupfer für das Gießhaus, das hinter dem Zeughause lag, l erangefahren wurden. Eine Zeitlang hieß der Kupfergraben auch t'udwigsgraben, weil der Geheime Staatsrat Ludwig hier das erste Haus, es war die Nummer 6, baute. Der" Kaufpreis, den er für Gniird und Boden entrichten mußte, war höchst eigenartig: er be- f and in zweihunderttauscnd Flintensteine. Eine Sehenswürdigkeit war eine Zeitlang die Brücke, die über den Kupfergraben hinüber nach dem Packhof, der jetzt d»n Museumsbautcn dient, führte. Diese Brücke, in Oberschlesicn gegossen, war die erste eiserne Brücke in Berlin und hieß darum auch die Eiserne oder Kupsergrabenbrücke. Später wurde diese eiserne Brücke in eine steinerne verwandelt. Dicht an dieser Brücke erhob sich das große Mehlmagazin der ver- einigten Bäckerinnung. Da vom Packhof nach diesem Magazin . häufig große.Lasten befördert wurden, hatte man die Brücke recht dauerhaft und widerstandsfähig gestallet. Vor etwa hundert Jahren mußte das Mehlhous, weil der.Kupfergraben verbreitert wurde, abgetragen werden. Die Bäckerinnung ließ sich daraus ein neues Mehlhous am Weidendamm, dort, wo der Kupfergraben in den Hauptarm der Spree sich ergießt, errichten. Nach diesem Mehl- haus hieß die Brücke, die bei ihm über die Spree führte, die Mehl- hausbrücke. Das Mehlhaus ist nicht mehr und die Mehshausbrücke ist ebenfalls verschwunden. Geblieben waren in dieser Gegend vor dem Kriege, und das ist bezeichnend für Berlin, die Hauptstadt des ehemaligen Militär- staates Preußen, die Kasernen. Die ersten derartigen Baulichkeiten am Kupfergraben wurden 1773 geschaffen. Artillerie hauste in ihnen und unweit davon wurden ein Montierungsmagazin und eine Büchsenmacherei errichtet. Als es sich darum handelte, einen Bau- platz für dos Reichstagsgebäude in Berlin zu suchen, war dieses Ge- lände das erste, das der vom Reichstag mit der Platzsuche betraute Ausschuß ins Auge faßte. Die Verkehrsverhällnisie waren damals in Berlin noch so wenig entwickelt, daß es den Abgeordneten vor allem darauf ankam, einen Tagungsort im Innern der Stadt zu erhallen. Das Kriegsministerium erklärte aber sofort und mit einer jede weitere Nachfrage ausschließenden Entschiedenheit, daß die Kaserne an dieser Stelle unbedingt„zum Schutze für das nahe- gelegene Schloß" erhalten bleiben müßte. Es waren wohl Erinne- rungen an 1848, die zu diesem Entschluß führten. Auch in der Bauhosstraße, die ihre Bezeichnung von dem Schiffsbauplatze hat, der sich ursprünglich hier ausdehnte und bis zum Wasser erstreckte, befanden sich früher militärische Gebäude. Hier erhob sich ein Lazarett. Daneben wurde später die königliche Entbindungsanstalt eingerichtet. Die vielen öffentlichen Gebäude ringsum machen diese Gegend abends zu einer sehr einsamen. Die unmittelbare Nähe des Flusses erhöht die Reize zu dieser Einsamkeit. Jedenfalls wird die rege Bautätigkeit, die schon seit einer Reihe von Jahren auf der Museums- insel entfaltet wird, bald auch aus diesen Stadtteil übergreisen. Gefälschte Stempel üer Reichsbehö'rüeti. Ein großer Betrug vereitelt.— Der Täter verhaftet. Ein gefährlicher Betrüger, der das Reichswehrministerium um die Summe von 75 000 Mark erleichtern wollte, ist dieser Tage bei einem neuerlichen, an«inen Berliner Industriellen unternommenen Betrugsversuch in der Person des Kaufmanns Max Lefkowsty aus der Boeckhstraße 21 von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Der Verhaftete hat bereits wegen Urkundenfälschungen mehrere Jahre im Zuchthaus verbracht. � Vor einiger Zeit erschien Lefkowsky, der sich„von S ch e n k" nannte, im Reichswehrministerium und bat um eine �Unterredung mit einem bestiminten Offizier. Als Ausweis zeigte er ein Empfehlungsschreiben einer ausländischen deutschen Gesandtschast vor. Das Schreiben besagte, daß„v. Schenk" im Besitze wichNger Dokumente sei: es wäre sehr empfehlenswert/diese für einen hohen Betrag zu kaufen. Gleichzeitig befand sich auf dem Briefbogen eine Anweisung des Reichspräsidenten v. hindenburg,„v. Schenk" für die Dokumente, die sich bereits in Händen des Reichspräsidenten befinden sollten, die Summe von 75 000 Mark zu zahlen. Die An- Weisung trug die Unterschrift des Reichspräsidenten und den Stempel des Bureaus des Reichspräsidenten,„v. Schenk", der sich fast am Ziel seiner Hoffnung glaubte, das Wehrministerium um 75 000 Mark zu prellen, wurde zu seiner Enttäuschung für den nächsten Tag in ein Cafä bestellt, wo ihm das Geld durch einen Offizier ausgehändigt werden sollte: Dazu kam es aber nicht mehr. Das Wehrministerium hatte durch Rückfrage erfahren, daß es sich um ein geschickt angelegtes Vetrugsmanöver handelte. Die Kriminalpolizei wurde sofort ver- ständigt. Lefkowsky muß aber inzwischen Wind von der Sache be- kommen haben, denn er erschien an der verabredeten Stelle, wo er gleich in sicheres Gewahrsam genommen werden sollte, nicht. Bei einem anderen, von dem soeben geschilderten unabhängigen Betrugsversuch konnte er jedoch verhaftet werden. Dieser Vor- fall hat sich wie folgt abgespielt: Die Gattin eines bekannten Berliner Bankiers erhielt, wie die „Dossischc Zeitung" mitteilt, vor einigen Tagen von dem ihr be- kannten Aufsichtsratsvorsitzcnden eines großen Berliner Unternehmens folgenden Brief: �/ „Sehr geehrte, gnädige Frau, ich würde mich sehr freuen, Ihnen gefällig sein zu können und werde mich bemühen, Herrn L. in einem unserer Betriebe unterzubringen. Hochachtungsvoll gez. Kommerzienrat T." Die Dame wußte nicht, was der Brief bedeuten sollte, vergaß ober, ihrem Manne von dem mysteriösen Brief Mitteiluna zu machen. Als sie einige Tage später zuiällig in der Bank ihres Gatten war, ließ sie nachforschen, ob das Sekretariat ei/ien derartigen Brief an Kommerzienrat T. geschrieben habe. Das Ergebnis war, daß man einen solchen Brief weder geschrieben noch abgeschickt habe Man rief Kommerzienrat X. an und bat ihn, das Schreiben, aus dos er sich in seinem Brief bezog, umgehend der Gattin des Bankiers zuzn- stellen. Dieser Brief wurde sofort als eine Fälschung erkannt. Der Briefbogen trug Namen und Adresse des Bankiers und lautete etwa folgendermaßen: „Sehr geehrter Herr Kommerzienrat! Ich wäre Ihnen zu äußerstem Dank verpflichtet, wenn Sie Herrn Lefkowsky, den ich als vertrauenswert und Ihrer Unterftlltzuna für würdigen ssften- schen halte, in einem Ihrer Betriebe unterbringen könnten. Ich schreibe diesen Bries ohne Wissen meines Mannes und werde Ihnen bei Gelegenheit die näheren Zusammenhänge erklären. Mit bestem Gruße Ihre...... Nunmehr wurde man argwöhnisch. Lefkowsky wnrde in das Bureau des Industriellen bestellt und von Kriminalbeaiiücn, die sich im Nebenzimmer bereithielten, verhaftet. Eine Haussuchung in seiner in der Boeckhstraße gelegenen Wohnung förderte eine ganze Sammlung gefälschter Stempel aller möglichen Reichs-. bchörden zutage. Auf diese Weise kam man'auch»nverinittelt auf die Spur„v. Schenks',„des Mannes mit den wichtigen Doku- menten", der mit Lefkowsky identisch war. Lefkowsky soll auch per- sucht haben, durch gefälschte Postanweisungen Betrügereien zu ver- üben, die aber an der Wachsamkeit einiger Beamten scheiterten. L. wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Sif. Das Weib, das den Mord beging. Roman von Fritz Reck-Rlalleczewen. Und wie sonst werden in dem Polizeigebäude der Calle da Rioadavia Taschendiebe und Lustmörder und Zuhälter ab- geliefert und fneo und en profil Photographien und gemessen nach dem System Berlillon und einregistriert in der großen Liste des internationalen Verbrechertums. Und da steht denn in später Nachtstunde vor der Barriere jener Polizei» wache der Laienbruder Franziskus aus Pfullingen in Wärt- fl-mberg und die Kunstmalerfrau Sif Bruckner, die ein wich- tiges Geständnis hat. Der Schmallippige ist nicht da... er ist wirklich im Klub, wo er zur Stunde eine puritanische Predigt und seinen Weihnachtspudding verdaut: er muß erst gerufen werden, und es ist unumgänglich, derweil hier auf und ab zu wandern in dem übelduftenden Wachtlokal mit nach wie vor trotzig verbissenem Gesicht. Es geschieht in dieser durchaus qualvollen Pause, daß der Mönch der kleinen Sif etwas zusteckt: oh, nur ein kleines, höchst abgegriffenes Testa- ment.-- eine Konterbande eigentlich für sein Ordenskleid, ein gut gemeintes Geschenk trotzdem. Da verschwindet, als ste es nimmt, der Hohn durchaus nicht von ihrem Gesicht, sie dankt nicht einmal. Aber sie behält es doch. Und in diesem Augenblicke tritt der Schmallippige ein. Da steht er also in Smoking und einer durchaus formi- dablen Hemdenfront. Ein Dolmetscher ist zur Stelle, der stch bei dem nun folgenden Verhör unentwegt in der Nase bohrt: und Freudenschusse zu Ehren Ehnsti werden auf der Calle da Nivadctvia abgefeuert und wie sonst studieren unentwegt während der ganzen nun fo'genden Szene hinter dem Mönch und der Mörderin die beiden diensthabenden Konstabler die Abendausgabe- des„Mercurio. „Sie wünschen? fragt de«- Schmallippige. „Ich bin mit falschem Passe hierher gekommen. Ich heiße Sif Bruckner." �. Der andere kramt gleichmütig in em paar Papieren, zieht ihren unglückicligen Paß heraus:„Das ist mir bekannt. S-e werden von Berlin gesucht." „Ich habe in Berlin die Althandlerin Grandjean erwürgt." Da ist er denn doch vom Stuhle aufgefahren, der Schmal- lippiae, sieht entgeistert das unscheinbare, zarte Geschöpf an. saßt sich gleich darauf wieder, sieht gleichmütig und korrekt auf seinem Stuhl. „Davon ist in Berlin..." Er bricht plötzlich ab und hat selbst keine Ahnung, daß er mit diesem Abbrechen den Dingen, wie ja leider noch zu er- zählen sein wird, erne ganz andere, eine vielleicht selbst im Sinnd der Polizei unerwünschte Wendung gibt. „Ich weiß nichts davon," verbesserte sich kühl bis ans Herz hinan der Schmallippige. „Ich h a b e es getan, ich habe es trotzdem getan... ja, ich habe es getan," schreit grimmig die kleine Sif und ist ihr Geheimnis los. Der Schmallippige zuckt kühl die Achseln der Schmallippige winkt dem Protokollanten, der Finger des Protokollanten verläßt des Protokollanten Nase: die Maschinerie, in die die kleine Sif soeben trotzig ihr« Hand gesteckt hat, setzt sich in Bewegung.— Die Gefängnisse der südamerikanischen Staaten aber sind elende Kotier, Löcher mit unbeschreiblich verschmutzten Böden und Zeichnungen an den Wänden, auf deren Obszönität ein europäisches Hirn so leicht nicht kommt. Es ist nicht so leicht, in diesen stinkenden Löchern zwei lange Wochen zu warten, bis ein Telegramm hinübergeflogen ist von Buenos Aires nach Berlin, bis die Antwort da ist. bis das Auslieferungstelegramm zurück ist, bis ein paar heimatliche Kriminalbeamte da sind, um sie den gleichen Weg zurückzuholen, den sie mit der„Manchouria" gefahren ist als Sekretärin eines fragwürdigen Obersten. Und derweil geschieht es an diesem ersten, am Weih- nachtsabend m diesem kotbesudelten Loch, daß die kleine Sif aufs Geratewohl jenes abgegriffene Buch ihres Begleiters auf- schlägt im Scheine eines kläglichen Talglichtes. Aufs Geratewohl, wie gesagt. Geschrieben steht auf der Stelle, auf die ihr Auge fällt:„Wer überwindet, dech will ich geben mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen. Wie auch ich überwunden habe und bin gesessen auf meinem Stuhl." Da wirft sie wütend und trotzig das Buch beiseite. Aber es geschieht doch hier in diesem Kotier, wo niemand es sieht, daß in dieser Siunde die kleine Sif auf diesem Boden liegt, auf dem ganze Generationen von Häftlingen Spuren ihres Erdenwandels hinterlassen haben... daß sie daliegt und siu bitterliches Weinen weint, das trotz des Hupenlärms und der Freudcnschüsse draußen weit zu hören ist auf den Gängen der Polizeiwache in der Calle da Rivadavia. Wohlgemerkt, nur in der Stille des Gefängnisses ist es so. Für die Außenwelt ist da nur ein trotziges, erbittertes und höchst bösartiges Geschöpf zu sehen. Diese ganzen zwanzig Tage, hie bis zur vollkommenen Abwickelung der Formalitäten bis zum Eintreffen der deut- schen Beamten verstreichen, sitzt sie da mit dem Gesicht gegen die Wand, antwortet auf keine Frage, starrt auf diese mit Fliegenkot und Jahrzehnte alten Ausdünstungen überzogenen Wände, nimmt kaum Nahrung zu sich, verfällt, bekommt härte Falten zwischen Nasenflügel und Mund und eine dicke, weiße Strähne ins blonde Haar, denkt, während sie von den Beamten mit Fug und Recht einem höchst renitenten und bös- artigen Gefangenentyp zugerechnet wird, im wesentlichen doch nur ein einziges Wort, das„Robby" heißt. Ja' nun muß Robby doch längst wissen, wo das ihm an- getraute Weib geblieben ist, und da doch Robby gelobt hat, „bei ihr zu bleiben, bis daß der Tod sie scheide"... da Robby doch der einzige ist, der alles verstehen und verzeihen wird, so muß Rckbby doch schon längst unterwegs sein zu ihr, wird wie in alten Tagen durrl, die Tür treten. Ja, mag dann kommen, was kommen will: alles, alles wird noch gut enden, wenn Robby nur noch einziges Mal wie in alten Tagen „kleines Sifmädchen" gesagt haben wird.... Tatsächlich sind am Morgen des siebenundzwanzigsten Januar vor ihrer Zelle deutsche Worte zu hören, tatsächlich führt sie, die sich seit zwei Tagen nicht gerührt hat, von ihrer Holzpritsche mit einem Schrei auf, der wie ein Jauchzen klingt. Da sind es aber doch nur die deutschen Kriminalwachtmeister Possekel und Hänsgen, die mit dem Dünnlippigen die Zelle hetreten, während von Robby keine Spur zu entdecken ist. Da wird ihr denn also zuerst in diesem korrupten Kolomal- spanisch feierlich etwas vorgelesen, was sie im Augenblick ebenso interessiert, wie die Bedeutung der Schiaparellischen Marskanäle: und dann ist es die deutsche Staatsmacht, die ihr eröffnet, daß sie nunmehr ausgeliefert sein und am nächsten Tage auf der„Mongolia" die Reise nach Deutschland antreten werde. lind wirklich wird sie unter lebhasten Teilnahmebezeugün- gen des Straßenpublikums im allgemeinen und den Stein- würfen der auf dem Kai herumlungernden Jugend im befon- deren in einem jener in romanischen Ländern„Salatkutsche" genannten Transportwagen verstaut und nach dem Kai gebracht. Und da ist nun die alte, ehrliche„Mongolia", in deren dritter, mit erbssuppengelber Oelfarbe ausgestatteter Klasse sie Buenos Aires verläßt: über sich eine Ladung von Generalkonsuln und Beeftrustmagnaten, unter sich Weizen, Ouillajarinde und halbierte Gefrierochsen... dem deutschen Strafgesetzbuch entgegen, wonach auf Grund von Paragraph zweihvndertundelf mit dem Tode bestraft wird, wer einen Menschen vorsätzlich und mit Ueberlegung tötet. (Fortsetzung folgt.) X Eine falsche Enthastungsanorünung. Entlassung eines Vcrhasteten infolge Attenfälschung. Zu den Aktenschiebungen, die seit einiger Zeit Gericht und Kriminalpolizei beschäftigen und in der Oesfentlichkeit so großes Aufsehen erregten, ist jetzt eine raffinierte Fälschung hinzu- gekommen, die einem ähnlichen Zwecke diente. Ein 33 Jahre alter„Kaufmann* ch el m u th Günther, der aus Krefeld stammt und mit seiner Frau in Charlottenburg wohnte. wurde vor einigen Monaten aus Grund eines Haftbefehls eines rheinischen Gerichtes in einem Vorort Berlins festgenommen und saß dort einstweilen in Untersuchungshaft. Nach Erledigung der Ermittlungen hier sollte er nach dem Rheinland abgeführt werden. Die Untersuchung war ziemlich abgeschlossen. Da lief bei dem Amtsgericht des Vorortes aus dem Rheinland ein Schreiben ein. Es enthielt die richterliche Anordnung des rheinischen Gerichtes, daß Günther sofort aus der Haft zu entlassen sei. Das geschah denn auch unverzüglich, und die Anordnung wurde mit dem entsprechenden Vermerk nach dem Rhein zurückgesandt. Dort aber wußte man beim Gericht von der Anordnung nichts. Es ergab sich, daß das ganze Schreiben gefälscht war, und zwar so gefchickt, daß man hier nichts hatte merken können. Von einem echten Stempel war ein Abzug auf die Anordnung gebracht worden. Andere Stempel waren ebenfalls gefälscht und die Rückseite des Briefes war mit dem Amtssiegel des rheinischen Gerichtes versehen worden. Nur ein einziger Fehler zeigte sich bei genauester Untersuchung. Di« Briefmarke, die den Poststempel des rheinischen Ortes und das gleiche Datum wie die richterliche An- ordnung selbst trug, war an den rechten Rand des Schreibens geklebt worden. Von dem Stempel der Post fehlte aber«in Stückchen auf dem Briefrand. Da es nun eine echte Dienst» marke war, so muß jemand sie, nachdem sie schon gestempell war, von einem Schreiben abgelöst und auf das Schreiben an das Gericht des hiesigen Vorortes geklebt haben. Günther hat die Freiheit sofort benutzt, um mit seiner Frau aus seiner Wohnung und wahr» fcheinlich auch aus Berlin zu verschwinden. Er ist ein Mann, dem eine Urkundenfälschung nichts neues ist. In diesem Falle aber kann er nicht felbst der Täter sein, weil er ja im Gefängnis sah. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung nimmt Kriminalkommissar Kanthack, Dienststelle? 3 im Polizeidienstgebäude in der Georgen- kirchstratze 30a entgegen._ Um die Wohnungsbaupläne der Amerikaner Minister Hirtfiefer will Schwierigkeiten mache«. Zu den Plänen amerikanischer Unternehmer, auf dem Schöne« berger Südgelände 14000 Wohnungen zu bauen, die nach 28 Iahren in den Besitz der Stadt Berlin übergehen sollen, hat der Berliner Magistrat noch keinen Beschluß gefaßt. Gestern wurde die Ange- legenheit in der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion er- örtert und es kam dabei zur Sprache, daß der Wohlfahrts- minister Hirtfiefer sich ablehnend verhalten will. Er hat Bedenken dagegen, den Amerikanern die Ausführung ihrer Baupläne durch Ueberweifung von Hauszinssteuer zu erleichtern. Auch zeigt er keine Neigung, ihnen den bei dem Schöneberger Süd« gelände erforderlichen Dispens zur Errichtung höherer Bauten zu gewähren. Wie wir erfahren, wird die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion eine Anfrage an den Magistrat richten, so daß die Angelegenhest baldigst auch in der Stadtverordnetenversammlung erörtert werben wird. Das Urteil im Dahlemer Hanöerolenprozeß. Spangs Flncht»och nicht aufgeklärt. Die Verhandlung in dem Dahlemer Banderolen-Diebstahlsprozeß wurde vom Schöffengericht Charlottenburg auch gegen Spang, trotz seiner Flucht, weitergeführt, so daß«r sich seinem Urteil nicht ent- ziehen konnte. Da Spang berests verantwortlich vernommen war, konnte seine Aburteilung auch in seiner Abwesenheit erfolgen. Ueber die Flucht von Spang waren amtliche Erklärungen der . Gefängnisverwgltung nicht zu erlangen. Wie aber verlautet, soll Spang bereits seit einiger Zeit imBesitzvonSchlüsselnzu sämtlichen Türen des Untersuchungsgefängnisses gewesen sein D i e Fl u ch k von Spang ist bereits am Montag unmittelbar nach seiner Zurückfllhrung aus der Verhandlung am ersten Verhandlungs. tage erfolgt. Als der Aufseher nach der Rückführung der Gefan- genen ins Gefängnis mit einem der Mitangeklagten sprach, soll sich Spang heimlich entfernt haben, mit den in seinem Besitz befindlichen Schlüsseln die Türen geöffnet und sich auf diese Weise selbst ausge- schlössen haben. Diese Flucht bleibt ober immer noch rätselhaft, sechst wenn Spang einen Schlüsiel gehabt hat, da jeder Eingang des Gefängnisses von einem Beamten überwacht wird. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht konnte schneller de- endet werden, als ursprünglich angenommen worden war. Der Staatsanwalt beantragte gegen Spang 4 Jahre Zuchthaus, gegen die beiden anderen Einbrecher Müller und Marschall je 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und gegen den Anstifter und Haupt- Hehler Enders ebenfalls 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus. Das Schöffengericht ging zum Teil über den Antrag des Staatsanwalts hinaus: Spang wurde zu 5 Jahren Zuchthau» verurteilt. Müller und Marschall erhielten je 3 Jahre 6 Monat« Gefängnis. Gegen E n d e r s erkannte das Gericht auf 3 Jahre 6 Monat« Gefängnis, egen Kurt Herrmann 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, gegen ie Ehefrau Erna Enders auf 0 Wochen Gefängnis. Zwei weitere Angeklagte erhielten je 6 Monate, Messenger 3 Monate Gefängnis. die anderen wurden freigesprochen. Gegen Spang, Müller und Marschall wurde außerdem auf je fünf Jahre Ehr vertust erkannt. Der Magen als Diebesversteck. Ein ungeeignetes Versteck für seine Beute wählte ein junger Ladendieb, der gestern in der Berliner Straße in Wilmersdorf auf frischer Tat ertappt und festgenommen tpurde. Gegen 2% Uhr nachmittags erschien in einem Uhrengeschäft im Hause Nr. 14 ein junger Mann, der sich verschiedene Uhren vorlegen ließ. Einen günstigen Augenblick benutzt« der junge Mann, um mit schnellem Griff zwei Uhren an sich zu nehmen und damit aus dem Laden zu verschwinden. Die Geschäftsinhaberin, die das gesehen hatte, rannte dem Räuber nach: er konnte bald gestellt und der Polizei über- geben werden. Auf der Wache des 1S5. Reviers wurde er festgestellt als ein 24 Jahre alter Kaufmann Kurt R. aus der Eisenacher Straße. Er bestritt, den Diebstahl verübt zu haben. Bis zur Einlieferung in das Polizeipräsidium wurde er in einer Zelle untergebracht. Als bald darauf die Revierbeamten nach ihm sahen, hatte er sich a n seinemHosenträgererhängt. Es gelang aber, ihn abzu- schneiden und ins Leben zurückzurufen. � Der Gerettete klagte über st a r k e L e i b s ch m e r z e n und gestand ein. daß er die gestohlenen Uhren rasch verschluckt habe. Er wurde sofort als Polizei- gefangener dem Staatskrankenhaus eingeliefert. Moden des IS. Jahrhunderts. In der staatlichen Kunstbibliothek findet bis zum 4. Juni eine Ausstellung französischer Modelithographien der ersten Hülste des 19. Jahrhunderts, zuiammengeftellt aus den Beständen der Lipperheideschew Kostümbibliothek, ergänzt durch Neuerwerbungen der Peter-Jesien-Gedächtnis-Stiftung. statt. Mit der unendlich seinen und geistooll-kapriziösen Art damaliger Zeichner und Karikaturisten wie Daumier, Gawarin, Fourmer, Pigal u. a. m. sind all die Modephasen, vor allem aber die Auswüchse und Modetorheiten, gewürzt mit treffenden Bonmots, im Bilde festgehalten. Die schlanke Frauenlinic zur Zeit des Kaiserreichs, die unförmige ballonartige Krinoline um die Mitte des Jahr- Hunderts und die Rückkehr zur Schlankhett der Urgroßmutter am Ende des Jahrhunderts, dies alles ist, tellweife modisch gesehen, in der Hauptsache aber mit köstlichem Humor ins Groteske verzerrt, in künstlerischer Form wiedergegeben. Männlein und Weiblein sind natürlich zu gleichen Tellen unter die satirisch« Lupe genommen. Die bunten Männerröcke, die hohen spitzen Hüte, das gelockte oder toupierte Haar lieferten ebenfalls viel Stoff zu lustiger Verhöhnung modischer Aufgeblasenheit und pfauenhaften GeHabens. So bietet die Ausstellung in modisch-histonscher, wie auch in künstlerischer Be- Ziehung auch für den Laien allerhand Sehenswertes. M Sozialistisdie Msdmle. Sonnabend, den 7. Mai, 7 V, Uhr abend« im Sitzungssaal des ehemalisen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Gen. Dr. Rudolf BreUtdteid, M. d. R. „Sozialistische Außenpolitik'' Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen; Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. Z 2. Hof. n. Zimmer«.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, Lindenstrale 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraBe Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25. Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben. Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 24-25(Qewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts-Speditionen. 24 Stunöen in der Irrenanstalt. Eine Aeußerung der Anstaltsleiter. Wir berichteten gestern über die seltsame Affäre des Molkereibesitzers von G u n t e n, der auf Veranlosiimg seiner von ihm getrennt lobenden Frau in einem Sanatorium als Geisteskranker festgehalten wurde. Eigentümlich blieb es, daß die Aussage der dem Mann feindlich gesinnten Frau schon genügt«, um von Gunten in der Anstalt zwangsweise festzuhalten. Der leitende Arzt der Kur- anstalten Westend. Dr. S ch l o m e r, teilt jetzt folgendes mit: „Am 29. April abends kam Frau von Gunten mit ihrem 3 4jöhrigen Sohne auf Veranlasiung des Kreisarztes zu mir. Sie hatte sich an den Kreisarzt zwecks Internierung ihres Ehe- mannes, der feit einiger Zeit Zeichen einer geistigen Störung zeige, gewandt. Der Kreisarzt hatte sie zu mir geschickt, damit sie mit mir über die Angelegenheit Rücksprache nehme. Frau von Gunten hatte also den offiziellen Weg für die Einweisung ihres Mannes in eine Anstalt gewählt, was schon dafür spricht, da» sie fürsorglich handelte. Da ich als Anstaltsleiter die Einweisung eines Kranken nicht vornehmen kann, veranlaßt« ich Frau von Gunten. sich an einen mir bekannten praktizierenden Nervenarzt zu wenden. Dieser Arzt und nicht ein bei mir angestellter Arzt bestellte den Kranken durch einen Brief in meiner Abwesenheit in die Kuranstalt, untersuchte ihn dort und veronloßte spät abends feine Inter- n i e r u n g, da er der Ansicht war, daß Guntengeisteskrank fei und zu seinem Schutze der Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt dringend hedürfe. Ich selbst untersuchte den Kranken am nächsten Morgen um 9 Uhr und stellte ebenfalls fest, daß bei Gunten Zeichen einer geistigen Störung vorhanden feien. Da die krankhaften Veränderungen jedoch nicht grob sinnfälliger Natur waren und ich nicht in die zu erwartenden Zwifügteiten zwischen der Familie und der Freundin Guntens. von denen ich annehmen mußt«, daß zum mindesten ein« der Parteien ein materielle» Jnteresie an der Ent- lasiung Guntens au» der Anstatt habe, oerwickett werden wollte, verfügte ich seine Entlastung.' Es erscheint notwendig, daß auch die Aufsichtsbehörde zu der Angelegenhest Stellung nimmt Die Ursache des Fahrstuhlunglücks. Zu dem schweren Fahrstuhlunglück in der Apparatefabrik der AEG, in der Hoffmannstr. 19/23 zu Treptow, bei dem 8 A r b e i- ter oerletzt wurden, erfahren wir noch folgendes: Der Fahr- stuhl, der in etwa sechs bis sieben Meter Höhe über dem Erdboden hing, sollte zwecks Prüfung der Fangvorrichtung aus- probiert werden: er war durch eine starke Kette an einem Flaschen. zua befestigt. Vermutlich durch Ueberbelastung riß die Kette und die Kabine sauste mehrere Meter in die Tiefe. Sie wurde dann von der Fangvorrichtung, die selbsttätig einsetzte, auf- gehalten. Zu allem Unglück stürzt« in demselben Augenblick der viele Zentner schwere Flaschenzug herab und begrub die außerhalb des Fahrstuhles stehenden Arbeiter unter den(Eisen-, teilen.— Im Laufe des gestrigen Nachmittags erschienen an der Unfallstelle Gewerbeaufsichtsbcaml« und ein Vertreter der Bau- polizei, die gemeinsam ein« genaue Untersuchung vornahmen, deren Ergebnis im Laufe des heutigen Tages zu erwarten ist. Der Fahrstuhl ist bis zur restlosen Klärung des bedauerlichen Unglücksfalles polizeilich gesperrt. Das Befinden der verletztet Ar. briter, die zum Teil in der Universitätsklinik und in das Kranken. haus Bethanien übergeführt wurden, gibt bei einigen nach wie vor zu Besorgnissen Anlaß. Ein feiner Beamter. Unter der Anklage des Vergehens gegen da» Repu- blikfchutzgesetz hatte sich gestern der Sekretär Liehrmann vor dem Erweiterten Schöffengericht Mitte unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Arndt zu verantworten. L. war zum Sekretär einer dem preußischen Innenministerium unterstellten Organisation ernannt und durch Handschlag als mittelbarer Staatsbeamter verpflichtet worden. Aus Freude über die er- folgte Ernennung veranftattete er in einer größeren Kon- ditorei eine kleine Frier, die sich von mittags bis spät abends aus- ' Der Rundfunk entfallet Sehnsucht nach Kostümoperetten. Sämt- lich« Operettensendungen der letzten Zell befaßten sich allein mit Kostümlichem. Ganz überflüssig ist es aber. Robert Winterbergs recht schwächlich«„Anneliese von Dessau" zu übertragen. Verglichen etwa mit dem„Günstling der Zarin" kann man hier eine gewiste Müdigkeit und Einsallslosigkest der Musik konstatieren. Man weiß, daß heute alles Attpreußische und damit Verwandte eine Hochkonjunktur erlebt, aber der Rundfunk sollte sich endlich einmal davon freizumachen versuchen. Gesungen wird unter des Kompo- nisten Leitung sehr ordentlich. Marcella Röfeler, zum erstenmal vor dem Berliner Mikrophon, und Bernhard Böte! bieten gesang- lich ausgezeichnete Leistungen. Wenn das Abendprogramm keinen Höhepunkt gibt, dann sollte wenigstens der Nachmittag künstlerisch ausgestattet werden. Das ist leider nicht der Fall. Zu erwähnen ist allein der Vortrag Saudecks:„Die neuesten Forschungen in der wisienschaftlichen Graphologie". Dieser Vortrag Hütt nicht die Versprechungen, die der Titel gibt. Denn es handelt sich hier nicht um die neuesten Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet, sondern nur um allgemein bekannte Tatsachen, wie beispielsweise da» leicht« Erkennen einer Schrifwerstellung. Saudeck betont nicht genügend, daß ein Mensch überhaupt nicht imstande ist, auf die Dauer seine Schrift zu oerstellen. Daß demnach der schriftliche Ausdruck absolut notwendig aus der Gesamtkonstitution des Charakters schließt. In dieser Form bietet der Vortrag für den Laien wenig, da die un° bedingt notwendigen Schriftproben immer noch aus die Bildüber- tragung warten müssen. F. S. dehnt«. In vorgerückter Stunde und animierter Stimmung rief er plötzlich in das stark besetzte Lokal hinein:„Ebert und Rathenau find Schw____" Das Schöffengericht verurteilte L. zu vier Mona- ten Gefängnis, gewährte ihm aber bedingte Begnadigung unter Auferlegung einer Buße von 400 M. Gefährlicher Wohnuugsbrand. Gestern abend kurz vor 5 Uhr wurde die Feuerwehr noch de? Nasiauischen Straße 21 zu Wilmersdorf gerufen, wo in einer im dritten Stockwerk des Gartenhauses gelegenen Wohnung Feuer aus- gebrochen war. Beim Eintresfen der Wehren brannte die Wohnung in ganzer Ausdehnung. Das Feuer fand an Möbeln ufw. reiche Nahrung und drohte auf die darüberliegende Wohnung überzugreifen. Die Flammen züngelten nach oben und setzten die Fenftetkreuze und die Holzbekleidung eines Balkons in Brand. Durch starkes Wasiergeben gelang es, eine noch größere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Die Entstehunosurfache ist auf unvorsichtiges Hantieren der Wohnungsinhaberin, der 77jährigcn Kommerzwnrätin Margaret« S.. zurückzuführen. Frau S. entfiel eine brennende Petroleumlampe, die sofort die Möbel in Brand setzte Der alten Dame gelang es noch, laut um Hilfe rufend. den Korridor zu gewinnen, wo sie ohnmächtig zusammenbrach. Bc- herzte Hausbripohner brachten sie in Sicherheit und bewahrten sie so vor dem Flammentod. Für R8O0V0 Mark Uteuerbanderolcn erbeutet. Eine R'.esenbeute machten Einbrecher, allem Anscheine nach Berliner, in der vergangenen Nacht in Gründer x. in Schle- s i e n. Sie drangen dori, ohne daß jemand etwas wahrnahm,:n das Zollamt ein und stahlen nach den bisherigen Feststellungen für 180 000 M. Steuerbanderoten verschiedener Art. Der Einbruch wurde erst gestern früh entdeckt. Die Ermittlungen im Ort ergaben. daß zwei junge Männer von etwa 25— 30 Jahren beobachtet wordcn sind, wie sie nach dem Bahnhof zu gingen und mit dem Frühzug in der Richtung nach Berlin abfuhren. Sie sind höchstwahrscheinlich die Einbrecher. Skandalöse Zustände auf der Linie 75. Man schreibt irns: „Am 12. April wurde mit einem bekränzten Wagenzuge der Linie 7 ö die über die H e e r st r a ß e hinaus bis Spandau verlängerte neue Strecke in Betrieb genommen. Sie entspricht einem Bedürfnis. Man versteht die Kurzsichtigkeit der Straßenbahndireltion nicht, die Verlängerung nicht schon längst durchgeführt zu haben. Aber geradezu skandalös sind die Zustände, die sich bei Durchführung eines vollständig verfehlten Fahrplanes ergeben haben. Während früher den Berufsverkehr vom Bahnhof aus zwei Linien bewältigten im 7fi-Minnten-Derkchr, die leer dort einsetzten, fährt jetzt nur die 75 im Viertel st undenverkehr. Sie kommt mit übersülltem Trieb, und Beiwogen aus Spandau- Pichelsdorf. Wie Massengut wagt die Straßenbahn ihre Fahrgäste zu befördern, unbekümmert darum, daß an den Haltestellen der Kolonie Heerstraße und Neu-Westend weitere Scharen auf Weiter- beförderung warten, die in den letzten Togen, als der Schulbetricb einsetzte, verurteill wurden, ihr Glück eine Viertelstunde später mir der nächsten, ebenso vollbesetzten Bahn zu versuchen. Wozu steht die polizeilich festgesetzte Bcsörderungsziffer in den Wagen ange- schlagen, wenn 100 Proz. mehr hineingezwängt werden. Auf der hinteren Plattform wurden über 30 Personen gezählt! Daß man bei erhöhtem Fahrgeld keinen Anspruch mehr auf einen Sitzplatz hat. daran scheint man sich in Berlin gewöhnen zu müssen. Früher sdsimpste man auf die Profitgier kapitalistischer Unternehmungen. Und heute? Sofortig« Abhilfe ist das Gebot der Stunde." Rofe-Theater: Vetter aus Dingsda. Der„Detter aus Dingsda" ist auf seiner Rundfahrt vom „Nollendorf-Theoter" über das„Theater in der Kommandanten- straße" jetzt in der Frankfurter Allee gelandet. Wer die Premiere gesehen hat, merkt natürlich, daß solche Reife allerhand Strapazen im Gefolge hat. die sich in verschiedenen Veränderungen äußert. Künneckes Musik ist unbedingt Musik für„bessere Leute" und leidet in ihrer fein-kapriziöfen Art schwer am unzulänglichen Orchester und der unausbleiblichen„Vereinfachung" des Notengefüges. Die luftige, überaus lebendige Handlung, die in ihrer lebensstarken Gestalt allen Klippen energisch Widerstand bietet, verhalf der Aufführung trotzdem zu gutem Erfolg. Willi Rose, der Vetter aus Dingsda, der in lustiger Verwechselung das geliebte Mädchen Julia erobert, blieb seiner Partie in tenoraler Hinsicht allerhand schuldig, war aber darstellerisch recht gut. Traute Rose sang recht hübsch und Erna Boewe verlieh dem flotten Hanncheu zu gutem Erfolg. Auch alle übrigen Darsteller gaben ihr Bestes? die rüstigen Ensembleszenen schlugen natürlich fcrnnbenmäßig ein und es gab wirtlich Dakapos. Vielleicht wäre es aber möglich, die Zwischenaktmusik, die ja kein Verlegenhettsmoment bedeutet, sondern all die hübschen Melodien der Operette dem Publikum vermitteln will, hier bei verdunkeltem Saal vor sich gehen zu lasten, da durch die lebhafte Konversation im Publikum der ganze Eindruck der Aufführung zerristen wird. Verlängerung der Slraßenbahnlinlen 28 und 128. Vom 2. Mai dieses Jahres ab wurden die Straßenbahnlinien 28 und 128 von der Knesebeckstraße in Neukölln im Zuge der Hermannstraße und Chausteestraße bis zur Germaniapromenade in Britz verlängert. 74 Stunöen im motorlosen Flugzeug. Er««errer Segelflug-Weltrekord 1« Rossitten. Rossillen. 3. Mai.(MTB.) Einen neuen Welttekord im Segel- dauerflug stellte anläßlich des vierten deutschen Küsten- segelflug-Wettbewerbes bei Rossitten auf der Kurischen Nehrung der ostpreußische Lehrer FerdinandEchulzmit einem motorlosen Flug von 14 Stunden 8 Minuten Dauer auf. Schulz war um 4 Uhr 51 Minuten- morgens mit dem Segelflugzeug„West- preußen" des westpreußischen Verein» für Luftfahrt gestartet. Um 3 Uhr 10 Minuten nachmittags hatte Schulz den bisher von dem Franzosen Mostau gehaltenen international anerkannten Segelflug- Welttekord von 10 Stunden 19 Minuten erreicht, und landete schließ- Ildj um 6 Uhr 59 Minuten abends nach einer Flugdauer von 14 Stunden 8 Minuten wohlbehalten unweit der Startstelle, wo ihm«in begeisterter Empfang bereitet wurde. Die Ueberschwemmungen im Mississippital. Jtem Orleans, 3. Mai.(MTB.) Die letzten Nachrichten über die .ihochwasierkatastrophe besagen, daß ein großer Teil des Kirchspieles Concordio im Norden des Staates Louisiana unter Wasser steht, und daß die Bewohner zweier benachbarte» Kirchspiele unter Lebens- gefahr flüchten mußten. Die meisten Flüchtlinge werden in Kon- zentrationslagern in der Nähe von Boton Rouge untergebracht. Große Mengen von Lebensmitteln sind bestellt worden: Dampfer und Eisenbahngesellschosten haben Anweisung erhalten, vor allen anderen Waren diese Lebensmitteltransporte zu befördern. New Jork. 3. Mai.(WTB.) Zwöls weitere Wasserflugzeuge werden von Pensacolo in Florida zur chilseleistung in das Ueber- schwemmungsgebiet entsandt werden. Zwischen Natschez und Baton- rouge sind wieder zwei Deiche gebrochen, so daß schleunigst ein Wasserflugzeug in diesen Bezirk entsandt werden mußte.(Früher eingetroffene Nachrichten im lokalen Teil.)' Der ivandernde Königsstuhl. Der..Königsstuhl zu Rhens", der aus wirtschaftlichen Gründen von seiner jetzigen»stell« entfernt weiden muß. hat in der Nähe von Waldesch einen neuen Standort erhalten. Der Königsstuhl erhält damit bereits seinen dritten Standort.__ So�ialistiscke firbeiterjugenü Groß-Serlm. Ke»t«, Rlttvoch,«usgabe der Mai...Iugend voran!' und der Ma>.„?!r.. »citcr-Iuarnd', sowir Abrechnung brr Beitragsniartcn. Die Bücherstube ist heute, Mittivoch, von 5—7 Uhr geöffnet. gellscheiu-uwcldungen sind umgehend vorzunehmen. Ableiluugsmitgliederversammlungen heute. 4. Mai. 7'A Uhr: Relchenberger..._____ ---' m Neichenbergrr Str.«5.—«efteu II, Keim BUIowftr. 68._ Epen da»: n-eim Lindenufer I.— Temvelhof-Mariendorl: Lyzeum(bermaniastr. 4/6.— Wanufee- Schule Charlvttti.stratze.— Fallenberg: Keim Am Falkenberg 117. — Friebrichohagen: Keim Scharnmeberstr. iKh.— Friedrfchosclb«: Keim Schloh. .. 2.3 1.2 1.9 1.3 2.5 1,8 1926... 3.2 2,2 2,8 1,8 2.8 2.0 Im Jahr« 1926 gab es für die Gesamtheit der 600 untersuchten Betriebe im Verhältnis zur Belegschaft der Werke doppelt so viele leitend« Angestellte als 1913. Gewiß ist in vielen Fällen von 1925 zu 1926 auch ein Abbau von leitenden Angestellten erfolgt. Aber in oll diesen Fällen sind unverhältnismäßig viel mehr Arbeiter und sonstige Angestellte entlassen'worden. Dabei ist nicht nur die Zahl der Direktoren(Aufsichtsräte im besonderen nicht zu vergessen!) und Prokuristen immer größer geworden, sondern in den meisten Werten gibt e« heute auch mehr Oberingenieure, Obermeister, Ausichtsbeamte und Syndizi als vor dem Kriege.. Daß wiederum in der elektrotechnischen Industrie die Zahl der leitenden Angestellten rückgängig war(nicht aber in der Schuhindustrie). daß als Gegenpol die Werftbetriebe ihre leitenden Angestellten fast verdreifacht haben, das sind ganz besonders pikante Hin- weise auf Entwicklungen, die in den letzten Jahren auch im „Vorwärts" vielfach diskutiert werden mußten. Hat der AfA-Bund auch nur 600 Betriebe untersucht, die Er- gebnisse sind wertvoll und oersprechen viel für die-noch kommenden Veröffentlichungen. Das Beste daran ist allerdings die frische Initiative zu selbständiger Forschungsarbeit, die jetzt schon mehrere unserer großen Verbände bewiesen haben und von der zu hosten ist, daß sie bald allen Verbänden zur Selb st Verständlichkeit werden möge. vom optischen Trust. Reservenbildung statt Dividendenzahlung. Die Z e i ß- I k o n A.-G., Dresden, in der sich bekanntlich vier der wichtigsten Unternehmen der optischen und Kameraindustrie, die C. P. Goerz-A.-G., die Contessa Nettel, Ernemann und Ica- Werke, zu einer Fabrikationseinheit zusammen- geschlossen haben, hat der Oeffentlichkeit ihren Jahresabschluß für das am 30. September 1926 beendete Geschäftsjahr vorgelegt. Ein? kritische Beurteilung der Entwicklung des Trusts, die durch Vereinheitlichung des Arbeitsprozesses, Normierung und Typisierung der vielseitigen SpezialProdukte, sowie systematisch durchgeführte Arbeitsteilung eine radikale Senkung der Herstellungskosten erzielen und damit die bestehenden Produktiv»?- und Absatzschwierigkeiten der optischen Industrie beseitigen will, läßt sich auf Gruiid der vorliegenden Bilanz noch nicht anstellen, da die Fusion der vier Gesellschaften erst gegen End« des Berichtsjahres vollzogen wurde. Dagegen gibt die Bilanz ein anschauliches Bild über die Geschäfts- Politik der neuen Gesellschaft, die durch äußer st e Vorsicht ge- kennzeichnet ist. Diese trat schon während der Fusion bei der Tief- haltuna der Dividendenansprüche durch Zusammenlegung des Aktienkapitals von 20,1 auf 12,6 Millionen zutage und wird in dem vorliegenden Jahresabschluß weiterhin durch die efsensichtliche Tendenz gekennzeichnet, durch Rückstellungen auf Kosten des Betriebsüberschusses hohe Reserven zu bilden. Auf der Passivseite erscheinen neben der gesetzlichen Rück« läge in Höhe von 10 Proz. des Aktienkapitals zwei Sonder- r ü ck l a g e n von je einer Million. Außerdem werden noch 0.3 Millionen als llebcrgangsrechnung ausgewiesen. Unter den Aktiven sind die 7,5 Millionen betragenden G r u n d st ii ck e- und Gebäudekonten nach dem Geschäftsbericht mit 0,75 Millionen gegenüber den Buchwerten der früheren Gesellschaften unter- bewertet, während sämtliche Maschine», Fabri- kationsanlagen, Mobilien und Wertpapiere, die in den früheren Bilanzen mit 2,1 Millionen Mark erschienen, auf 1 M. abgeschrieben sind. Sehr günstig stehen die laufenden Be- triebskonten. Während die nach der Erklärung der Verwaltung sehr niedrig bewerteten Guthaben sich von 6,72 auf 7,85 Millionen mit allein 2,0 Millionen Bankguthaben erhöhen konnten, sind die Schulden von 5,16 Millionen um volle zwei Drittel auf 1,7 Millionen abgezahlt worden. Außerdem werden noch Vor- r ä t e mit 8,15 Millionen ausgewiesen, deren Buchwert offensichtlich unter ihrem tatsächlichen Wert liegt. Bei einem erzielten R o h g e w i n n von 5,49 Millionen oerbleibt nach Abzug der mit 5,35 Millionen um s a st 15 Proz. gesenkten H a n d l u n g s- Unkosten ein durch die Reservenbildung bewußt niedrig ge- haltener Reingewinn von 142 000 Mark, der auf neue Rechnung vorgetragen wird. Inwieweit die Zusammenfassung und Vereinfachung der Pro- duktion bei dem optischen Trust sich als Stärkung der In- d u st r i e und dainit auch für die Belegschaften günstig aus- wirken 4ann, muß sich im laufenden Wirtschaftsjahr noch erweisen müssen. Der Anfang scheint eben recht günstig. Siemens- Schuckert erwirbt die Zjaria-Zähler werte. Wie uns mitgeteilt wird, hat die Siemens-Schuckert G. m. b. H., Berlin, eine neue Ausdehnung ihrer Konzerninteressen vorgenommen. Sie hat von der Brown, Boverie u. Co. in Mannheim-Käfertal die Majori- tät der Isaria-Zählerwerke A.-G. in München gekaust, die mit einem Aktienkapital von 2,2 Millionen arbeitet und zuletzt nur einen Gewinn von 19 700 M. ausgewiesen hat. Der Brown-Boveric- Konzern, der wesentlich aus«lektrischen Großmaschinenbau eingestellt ist, hat auf die nicht zu seinen Spezialitäten gehörende und auch nicht sonderlich rentable Beteiligung offenbar aus betrieblichen Gründen verzichtet. Ilm so mehr paßt die neue Beteiligung in das Produktionsprogramm des Siemens-Konzerns. ver Segen bei Bergmann— aber nicht für die Velegschast. Eine Nichtbeachtung der Arbeitnehmcrintervssen, wie sie in der General- Versammlung der Bergmann-ElektrizitätSwerkc A.-G. erfolgte, ist zwar typisch für die Unternehmer, aber nichts destoweniger ist die krasse Form, in der sie in dieser General Versammlung geschah, eine Seltenheit. Ein Aktionär beschwerte sich darüber, daß trotz des günstigen Ergebnisses des abgelaufenen Ge- schäftsjahres kein Wort über den Anteil der Arbeit n e h m e r an diesem Ertragsergebnis in dem Geschäfts bericht zu finden sei. Gleichsam, als ob diese Worte nicht gesprochen wären, ging der Vorsitzende des Aussichtsrates, Herr von Stauß, zur Tagesordnung über. Dabei mutzte die Verwaltung, als sie über die Aussichten sprach, die Leistungssteigerung der Be legschaften hervorheben. Sie tat dies allerdings sehr ver steckt. Die Verwaltung führte nämlich aus, daß die Löhne, ob wohl sie erhöht wären, den Ertrag nicht geschmälert hätten: der Unkostenonteil der Löhne an den Produktionskosten sei nicht gestiegen. Die Verwaltung führt dies aber auf die oerbesserten Fabrikationsmethoden zurück. Wir sind der Ansicht. daß die Leistungssteigerung der Arbeiter daran ihr reichliches Teil hat und die Verwaltung sich darum nicht drücken darf. Nach den Mitteilungen der Verwaltueng ist in den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres der Umsatz um mehr als 30 Prozent, die Aufträge um mehr als 75 Prozent. der Auftragsbestand um mehr als 40 Prozent ge- stiegen. Die Gesellschaft hat beschlossen, ihr Kapftal um 11 Mil- lionen zu erhöhen: in erster Linie, um gleich den anderen großen Elektrizitätsgesellschaften der Industriekundschaft durch längere Ziel- gewährung die Erteilung von Aufträgen zu erleichtern. Gute Dividenden in der Saliindustrie. Auch die Abschlüsse des Salzdetfurth-Konzerns beweisen, wie zünftig dos Geschäftsjahr 1926 der Kaliinduftri« war. Obwohl der Absatz unter dem des Jahres 1925 lag, haben sich die Reingewinne ge- st e i g e r t, so bei Aschersleben von 4,16 Millionen auf 5,76 Millio- neu Mark, bei Wcsteregeln von 4,33 Millionen auf 4,99 Millionen Mark und bei Salzdetfurth von 3.96 Millionen auf 4,96 Millionen Mark. Dabei sind größer« Mittel für die Abschreibungen als im Vorjahre oerwendet worden, so bei Aschersleben 1,15 Millionen Mark gegen 986 000 M., bei Westeregeln 1,1 Millionen Mark gegen 1,06 Millionen Mark und bei Salzdetfurth 745 000 M. gegen 448 000 M. Die Bilanz hat sich durchaus gebessert. Aschers- leben und Westeregeln werden wie im Vorjahre 10 Pro- zent und Salzdetfurth 12 Prozent Dividende aus- schütten. Zunächst keine Gefährdung des amerikanischen Kaligeschäsls. Das amerikanische Iustizdepartement gib, be- kannt, daß die Regierung der Bereinigten Staaten keine Maß- zahmen ergreifen werde, um während der Dauer des Prozesses gegen das französisch-deutsche Kalisyndikat den Import und Verkauf van Kali in den Vereinigten Staaten zu verhindern. Damit wird ein Telegramm bestätigt,. das der ebenfalls angeklagt« Geheimral Kempner vom Kalisyndikat der Generaloersammlung des Deutschen Gumpelkonzerns zukommen ließ. Danach sei in Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung eine vorläufige Einigung er- zielt worden. Die amerikanische Regierung verzichte auf einen Widerspruch gegen den Kalioerkauf in den amerikanischen Staaten durch eine europäische Gesellschaft mit deutscher und französischer Beteiligung, welche Kali von Deutschland und Frankreich erwirbt und es selbständig durch eigene Filialen in den Vereinigten Staaten verkauft. Unsere mehrfach ausgesprochene Ver- mutung, daß der deutsch-französische Kaliocrkauf in den Vereinioten Staaten während der Dauer des Prozesses nicht gehindert werde, bestätigt sich also. Der Prozeß wird natürlich fortgeführt. BWs Woche!! Eletfanlf MjMz-Mjgl prima reinwollenem j Ripa, aparte Formen, mit 1 reichem Plissee-, Falten-, I Biesen- u. Knopf- Schmuck, | alle mod. Farben, ganz auf 1 eleg. Flitter« In bekannt | gut. Vcrarbeitnns nur . Weitere spoltbillise Exuebote! Konigstr. Si2r26 I.StocK Sommer-fforgenrSdtei | in entzückenden vielfarbigen Mustern ans gutem j Kiepp, in riesiger Auswahl. Klir' Entzückende Klnderltleider in hochapsrten karierten und gestreiften Stoffen vorzüglicher Qualität mit langen und kurzen Aermeln, in fescher Ausführung und riesiger Auswahl ersikUislgsie Vcrarbciiung Jede weitere Grüße mehr. in Qröße 55 ,,Br Elegante Morgenrocke aus wundervollem � aus vorzüglichem Damass6 m.Tresse � fci Waschsamt mit' ICJ« I gepaspelt, hoch- | apart OtU* Aermel- u. 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Die Brücke hob sich und hob sich, Männer hingen und schwebten in den Konstruktionsteilen, einen spitzen Stahlpinn in der Rechten, mit der Linken sich klammernd an Gerüste und Seile. Schon klangen jauchzend die Rufe der einzelnen, die den Stahlpinn in das Nietloch glücklich einführen konnten, denen es gelang, selbst die Schrauben ins Loch zu stecken, schon sah eine Seite der Brücke sest, da erhob sich über' dem Strom der Wind. Die Monteure preßten sich fester an die Eisenteile, sahen auch wohl für eine Sekunde zwischen die Trüger durch aus die Kräne, wo das Wasser wohl in Wellen zu schlagen begann, aber sie dursten keinen Augenblick das Loch aus den Augen lassen: oben auf der höchsten Spitze saß der Monteur, alles horchte auf die Signalpfeife. die immer, regelrecht, fortschreitender Arbeit Signal gab. Aller hundert Brückenbauer Seelen bebten im Wind mit um das Schicksal der Brücke: nur noch kurze Zeit, dann preßten die Schrauben die Träger zusammen und hiellen sie aneinander fest. Do glühten die Gedanken in brennender Stichflamme von einem zum anderen: Noch zehn Minuten, noch, noch, noch!! Hundert Hirne fieberten hier an der Brücke, fieberten in den Bauhütten, fieberten daheim in den Konstruktionsbureaus, in den Direktorzimmern, in der Montage- halle, fieberten durch die ganze, große Fabrik: Heute! Heute! Heute wird das Zwischenstück eingebaut! Eingebaut das Stück, das vor acht Tagen hier herausging, berechnet, gebaut, geprüft: die Männer. die es hier gebohrt, montiert, genietet hatten, sie sandten ihre Gedanken hinter ihrem Werk hin: Wird es passen! Wir haben doch alle unsere Pflicht getan! Niemand hat gemurkst, niemand etwas versaut! Die Frauen, die ihre Männer auf die Montage gehen ließen, sie standen heute eine Stunde eher auf und gingen in die Kirche, beteten zu allen Heiligen, daß„es" gelingen solle. Gewiß fühlten die Brückenbauer die Ströme der Sympathie und Kameradschaft von der Fabrik in der Heimat bis hierher über den Wassern auf den Strom sich verbreiten, die Gebete der Frauen. Es wird! klopft« ihnen ün Blut. Und nun kam der Wind auf! Der unsichtbare Wind! Der Wind! als i— i— i— i fuhr er durch das Trägerwerk, in seinem Ansturm kämpften die Ströme der Sympathie, die Gebete der Frauen, der Wille der Ingenieure, das Bewußtsein der Techniker. Noch fünf Minuten, noch vier Minuten! Wer weih, was Minuten sind! Nichts wären fix, wenn der Wind nicht gekommen! Jeder verfluchte, verwünschte, verstöhnte, je nach Temperament, den Wind. Nur der Monteur, der oben saß, der durste ihn nicht fühlen. Er. der General in der Arbeitsschlacht, er gab die Kom- mandos, er übersah das ganze Werk, er. schon saß er nicht mehr aus den Trägern, nein, er schwebte, fühlte sich getragen von Verant- wortung! Gehoben von den Strömen der Kraft: er stand aus dem Rücken'eines Erzengels, und geistergleich schwebte er über den Wassern. Magnetisch gehoben, mit hundert und aber hundert Augen begabt, sah er alles, was zu sehen notwendig war. Als flögen die Verbüldungen, gelöst aus Stahl und Eisen, für eine Weile zu ihm hinauf und fragten ihn: Meister, bin ich so gut! Und er streichelte das Eisenstück mit seinen Kennerblicken und liebkoste es wie einen Menschen und sagte:„Ja, du gutes Stück, geh an deinen Ort!' Halt! Da schwankt die linke Seite, halt! da schwankt das Ge- rüst! Wollte er schreien? Aber, wozu? Das sahen die anderen auch. Einsturz! Ungeheures Schwanken.— Sah es niemand? Da schwankte vor ihm die Versteisung. Kam auf ihn zu. Er gab das Notsignal, das hieß: Haltetaue schlingen! Er sah die Taue fliegen, ober dann lag ihm die Versteisung ans dem Oberschenkel. So. nun sank sie. er sah hindurch: Ha! es gelingt ihnen. Haltet aus! Ha! es gelingt, die Brücke stürzt nicht in den Strom, sie steht! — Wenn auch acht Tage Nacharbeit ist— sie hält! Da sühlle er den Schmerz in seinem Bein brennen. Nicht hinsehen, nein, Kom- mandos! Prahme sah er wegtreiben, sah die Kolonnen ohne Ende Trossen schlingen, Träger schieben— ja, jetzt konnte er einmal nach seinem Bein sehen. Die Versteifung lag glatt auf dem Träger. Sein Bein mußte an den Sehnen in der� Luft hängen.„Warum schmerzt das nicht inehr? Es ist doch ab.' Sagt er sich, und fühlt nichts dabei. Er stirbt hier oben, das weiß er. Niemand kann hinauf. Der Schuh läuft voll Blut. Er müßte längst voll sein. Fünf Minuten ist das doch' her? Was sind Minuten? Unsinn! Er ist schon ge- starben, er schwebt nur noch als Geist über der Brücke, weil er die Brücke und die Kameraden auch im Tode nicht lassen kann! Wer kann, Monteur, von seiner Brücke lasten? Er wartet auf d/e Schmerzen. Ja. er muß noch leben, denn der Fuß ist ihm wie eingeschlafen. Soll er Alarm pfeifen? Nein, die Kollegen müssen schuften, wühlen, der Wind ist schuld! Seinetwegen sollen sie sich nicht aus der Fastung bringen lasten. Sie vertrauten ihm ja, dem Monteur! Dies Vertrauen spürte er körperlich. Es ist wie das Klingen. das Vibrieren des Eisens. Alle, die hundert Mann an der Brücke. sie denken nicht an ihn. sie denken an die Brücke! Und da- klingt durch die Drücke. Sie klingt selbst, die Brücke! Klang! Nie hat �er den Klang vernommen. Vielleicht sind es schon„Sphärenklänge'. Das Wort hat er einmal gehört. Unsinn! Seine Sphäre ist die Brücke. Ist das Eisen! Er sieht es: alle Eisenmänner in Deutschland halten ihre Hand aus das Eisen, den großen Schwur zur Treue und Kameradschaft! Alle Eisemnänner in Deutschland schwenken ihre Kappen! ZlUe Eisenmänner stehen und schauen zu ihm auf: Treue um Treu«! Die Brücke steht! Und tatsächlich sieht er Leitern in die Höhe steigen. Er sieht Kameraden in blauen Jacken kommen. Sie holen ihn. Er kann sich nicht bücken, er muß immer ins Weite schauen. Cr hört ihre Stimmen. Einer sagt:„Das Bein hing gerad noch in der Sehne, ich pflückte es, wie einen reifen Apfel. Kaum rührte ich es an, da fiel es mir in die Hand." Und wieder hört er:„Wenn wir ihn losmachen, dann ver- blutet er uns ja. Die Träger haben die Adern zugequetscht. Wir müssen einen Arzt hinausbringen! Abbinden!' Der Monteur horcht in das Klingen hinaus. Gehen ihn die Worte an? Er weiß es nicht. Es ist ihm auch gleichgüllig. Er fühlt sich fromm.„Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet, die ibn lieben!" Da» hat er als Kiich gelernt, und nun fällt es ihm wieder ein. Da spürt er rasenden Schmerz. Haut um sich. Eine Mütze hat « in der Hand, vom Koxs des Kollegen gerissen, Da sieht er. wie sie ihm einen Riemen um sein Bein schlingen. Mit einem Stahlpinn drehen sie die Schlinge zu! Er brüllt vor Schmerzen. Zwei Mann reißen ihn erbarmungslos herunter. Schlingen ein Seil um seine Brust.„Ich bin doch kein T-Träger!" schreit er, dann schlägt ihm Feuer aus den Augen, er hängt im Seil und sinkt dreißig Meter, bis auf den Nachen. Eine Stunde später erwachte er aus der Ohnmacht des Mor- phiums. „Schnaps, ihr Trottel, sind wir alle besoffen? Gebt mir einen Schnaps!' schreit er. � „Was paßt ihr nicht auf! Nicht«inen kleinen Finger ist die Brücke wert! Viel weniger einen Beinbruch! Ihr Trottel! Jetzt Hab' ich's fort!" So fluchte er sich ins Krankenhaus hinein. )1bbau öer Krisenfürsorge. FSd Brauns:„Eine Hose aus der Krisenfürsorge verlangen Sie? Wo denken Sie hin! Iür Sie kommt nur diese Bade- Hose ans der Wohlfahrtspflege in Betracht!" Nanking unö seine Umgebung. Durch die Sorgäng« in Rankiug werde» unsere Leser sicher gerne etwas Authentisches Uber diese Stadt erfahren wollen. Wir entnehme» deshalb mit Genehmigung der Berlagsbuchhandlung Strecker und Schröder in Stuttgart die nachfolgenden, stark gekürzten Ausführungen aus dem reich bebilderten Buch des Heidelberger Professors Heinrich Schmitthenner.Chinesische Landschaften und Städte". Zeit ISlZ ist die Bahn von Schanghai über Sutschau bis nach Nanking verlängert. Bei Wuhsi treten die Berggruppen östlich des großen Sees noch einmal nahe an die Bahn heran. Dann verschwin- den sie allmählich in dem ebenen Lande. Weit und breit dehnen sich Reisfelder und Maulbeerpslanzungen in stetem Einerlei. Es geht den Kaiserkanal entlang, und immer wieder quert man einmündende oder abzweigende Seüenkaväle. Es wimmelt von Leben. Kulis ziehen im Taktgeschr« schwere Boote, und blaue, weiße und gelbe Segel gleiten"durch die Landschaft, schweben einzeln aus Zweig- kanälen durchs Flachland und drängen sich zu einer Prozession auf dem Kaiserkanal. Allmählich tauchen niedere, rundliche Berce auf, denen die Eisenbahn zustrebt. Kanal und Bahn treten in die niederen Höhen ein. Dann wird der Kanal gequerl, und zwischen flachen Höhen hindurch erreicht man die große Stadt Tschöngkiang am Iangtse. Von hier geht die Bahn weiter bis Nanking dem Stron, entlang. Z�er Fluß zur Rechten ist nur selten auf Augenblicke zu sehen: aber große Segel, vom Wind gebläht, Rauchwolken und Schornsteine der Dampfer verraten seine Nähe. Nanking hat eine ganz andere,' weit vornehmere Vergangenheit als seine Nochbarstadt. Die Stadt liegt dort, wo der Landverkehr am Unterlauf des Janats« den letzten sicheren Uebereang hat. Schon che der Kaiserkanal bestand, hat diese Loge eine Rolle gespielt. Die Lage am südlichen Ufer des Stromes, der von hier an abwärts den Norden vom Süden trennt, macht Nanking zu einer südchinesi. schen Stadt. Nankings Bedeutung wurzelt nicht in der Fruchtbar- keit und in dem Berkehr des kanalreichen Deltalandes, sondern in der Möglichkeit, von hier aus die Straßen nach Norden und Süden und den Verkehr am mittleren und unteren Iangtse zu beherrschen. Bis 19ll war Nanking der Sitz des Dizekönigs von Liangkiang, dem die Provinzen Kiangsi, Kiangsu und Nganwei unterstanden. Die Möglichkeit, von hier aus Gebiete des ursprünglichen Chinesen- turns im Norden des Stromes und wette Strecken des südlichen Koloniallandes zusammenzufasten, hat Nanking seine große historische Rolle zugeteilt und oft zum Sitz lokaler Mächte gemacht. Für den Ausgleich zwischen Norden und Süden ist Nanking stets, wichtig gewesen. Wir haben uns in Europa daran gewöhnt, in Nanking die zweite, die Südhauplstadt des Reiches zu sehen. Diese Meinung ist insofern falsch, als Nanking schon seit vielen Jahrhunderten nichr mehr Hauptstadt ist. Der Name, den die Stadl bei uns in Europa trägt, ist ein historischer Name. Die Glanzzeiren Nankings sind vorüber. Die alte Pracht, die die aussteigende Mingdynastie hier hervorzaubert«, ist durch die furchtbaren Kämpfe in der Taipingrevolutron vernichtet worden, und auch die Kämpfe der letzten Jahrzehme um Staatssorm und Macht haben in Nanking furchtbare Spuren hinterlassen. Selbst der Ausbau der östlichen Nordsudbahn Chinas, die hier der alten Straße folgend am Pukauer Ufer auf den Iangtse auftrifft und sich an seinem Süduser in der Bahn nach Schanghai, Hangtschau und Ningpo fortsetzt, hat nichr besonders viel zu neuem Aufschwung beigetragen. Die militärische Bedeutung hat zu schwer aus der Ent- Wicklung der Stadt gelastet. Und doch möchte man ihr eine bessere Zukunft voraussagen. Die Lage an der Eisenbahn und an dem schiffbaren Strom 450 Kilometer landeinwärts, die Möglichkeit, die Stadt mit großen Ozeandampfern leicht zu erreichen, und die wich- tigen Wege, die von Süden und Norden am Strome auftreifen, werden dem Hafen von Nanking selbst dem nahen Schouchai gegen- über selbständige Bedeutung geben. Es liegt an den unruhigen Zeiten, daß der Hafen, der 1833 dem Frcmdenhmidel geöffnet wurde. nicht«ine größere Bedeutung erlangte. Einst war die Stadt ein große» pirtschaftliche» Zeytrum. Ihre Seidenweberei«» find noch berühmt, trotz der furchtbaren Unglücksschläge, die Nanking aufe des letzten halben Jahrhunderts trafen. heute im Laus Als Sitz des' Vizekönigs war das Beamten, und Literatentum in Nanking stark vertreten. Fußend auf ihrer alten Tradition als Stadt der Staatsprüfungen, die seit 1311 abgeschafft sind, ist Nan- kmci ein literarisches Zentrum und ein bedeutender Vcrlagsort. Die Universität, die die amerikanische Mission in Nanking errichtet hat, hat sich während des Krieges sehr entwickelt. Um dem ameri- konischen Einfluß entgegenzuarbeiten, sah sich die Regierung veran- laßt, daneben eine staatliche Universität zu gründen. Die ganze Art, Bauweise und Grundriß der Stadt, wird jeden Beschauer aussjjöchste überraschen. Die hochgespannten Erwartun- gen, die eine Stadt von Weltruf erweckt, werden aufs grausamste enttäuscht, denn Nanking ist nichts anderes als eine riesige Ruine. 131? wurde dieser Eindruck noch dadurch verstärkt, daß kurz vorher die Truppen Tschang Hsüns die Stadt nach langer Belagerung und Beschießung, eingenommen hotten. Aber auch ohne abgedeckte und ausgebrannte Häuser, ohne die zerschossenen Tore und die Granat- trichter ist die Stadt nichts anderes als ein Schatten einstiger Größe. Am Iangtsehafen ist Hsiakuan entstanden, eine Vorstadt, ja eine Stadt für sich. Die Häuser hinter den Landungsbrücken der verschiedenen Dampfschifsahrtsgesellschaften mit Lagerhäusern, Geschäftsgebäuden und Fabriken haben ganz europäischen Stil. Hier liegen die Seiden- spinnereien und Webereien, die wieder Bedeutung erlangt haben. Auch die Rüben, die in der Umgebung der Stadt in moßem Maße angebaut werden, gehen von hier aus in gesalzenem Zustand«, wie unser Sauerkraut, in den innerchinesischen Handel. Im Handel des Hafens sind vor allem der Transit roher Häute, die aus Norden und Osten kommen, und die Baumwolle aus Hupe von Bedeutung. Drunten in der Stadt muh sich in ruhigen Zeiten«in buntes Leben drängen. Die Wirren hatten aber 1313 die friedlichen Bürger vertrieben. Die guten Geschäfte waren geschlossen. Die Soldaten. zerlumpte, sckMUtzige Gesellen mit der alten Zopstracht oder halb- lang herabflatterndem Haar, biwakierten auf den Straßen. Vor dem Jamen des Vizekönigs stand die Wache im Gewehr, und das fünfstreifige neue Reichsbanner flatterte im Winde. Noch waren auf dem Platze davor die Spuren der Hinrichtungen nicht völlig ver- schwunden, durch die der Verteidiger der Stadt die Bevölkerung gefügig machen wollte. Gronattrichter, zerschossene Häuser, frische Soldatengräber, in denen Straßenhunde wühlten, boten das häßliche Bild halb vollendeter Verwüstung, in der nur hier und dort das schwach« Ansetzen beginnender Ordnung zu bemerken war. Im Osten der heute bewohnten Stadt liegen die allen Trümmer- felder, die Mauern der Mandschustadt und die Fundamente und Mauern der alten Kaiserstadt. die in den Kämpfen mit den Taiping- rebellen 1864 vollkommen zerstört worden sind. Das heutige Nan- king ist eigentlich eine neue Gründung in dem alten Mauerring auf dem Terrain der alten Kaiserstadt. Noch vagen die Mauern empor. die einst die verbotene Stadt umschlossen, noch überspannen Marmor- brücken die Kanäle, aber die Paläst« sind bis auf die Grundmauern vernichtet, zerstört in bewundernswürdiger Vollkommenheit. In dem alten Palast der Mingkaifer hatte der Führer der Taiping seine Residenz errichtet, um hier an historischer Stätte eine neue Herr- schaft zu eründen. In den furchtbaren Kämpfen zu Beginn der fünfziger Äahre des letzten Jahrhunderts wurden die Blüte und der Glanz der alten Stadt geknickt und die Bevölkerung größtenteils niedergemacht. Bei dem dramatischen Untergang der Rebellen wurde alles, was sich noch erhalten hatte, so gut wie vollkommen vernichtet. Mit der alten Siadt sank auch ihr Wahrzeichen, der weltberühmte Porzellanturm, in' Trümmer. Ein Haufen glasierter Tonscherben bezeichnet seine Stätte und das alte Bronzedach liegt irgendwo umgestülpt im Gelände. �..... Verwüstung und Trümmer sind das Leitmotiv m der Land- schaft von Nanking. Die Vernichtung scheint hier ihr Hauptquartier aufgeschlagen zu haben. Aber die Schlachten, die hier tobten, und die Kämpfe, die sich immer wieder hierher zu ziehen scheinen, sind «in Zeichen des Lebens und. des Wachsens von neuen Formen des bürgerlichen und politischen Wesens. Wenn die Gunst der Lage Nmitino zum Tummelplatz militärischer Gewitter gemacht hat, wird sie der Stadt in friedlichen Zeiten wieder zu neuem Glänze verhelfen. Durch Mäusetrebs erzeugte Pslatizengeschwülsle. Die Krebskrankheit gehört noch immer zu den schrecklichsten Geißeln der Menschheit, weil man ihre Ursache nicht kennt und man ihr darum schwer bei, zukommen vermag. Man weiß noch nicht einmal,'ob der Krebs eine Infektionskrankheit ist oder ob er vererbt wird.— Wir haben überall eigene Institute für Krebsforschung, und es sind große Summen ausgesetzt für Forscher, denen es glückt, die Ursachen der schrecklichen Krankheit festzustellen. Wie es aber gelungen ist, die Erreger des Typhus, der Cholera, der Syphilis, der Tuberkulose der Malaria usw. aufzufinden, so dars man hoffen, daß es dem tjleiß unserer Forscher gelingen wird, auch noch einmal hinter das Ge- heimnis der Krebskrankheit zu kommen. Da die lebend« Substanz, das Protoplasma, bei allen Orga- nismen prinzipiell die gleiche ist. die Bakterien, die meistens die Krankheitserreger sind, zudem zu den Pflanzen gehören, so liegt der Dedanke nahe, auch den Pslanzenkrebs— der Gartenbauer und Gärtner kennt solche Pslanzenkrebs« z. B. an Obstbaumen— in den Bereich der allgemeinen Krebsforschung zu ziehen und die Beziehungen zwischen dem Krebs der Tiere und Pflanzen aufzudecken. Bei Pflanzen hat man schon seit längerer Zeit vermocht. Krebsgeschwülste durch Jrnp- sung mit einem Bakterium, dem öaeterium mmefacicns. künstlich zu erzeugen. Bei geeigneter Konstitution der Pslanze kann also die Geschwulst durch eine Bakterieninfektion entstehen, wodurch dos Rätselvolle der Krebsbildung, bei den Pflanzen wenigstens, ver- schwunden ist. Fritz Kaussmann ist nun einen Schritt weiter- gegangen als die früheren Forscher. Wie er in der.Zeitschrift für Krebsforschung' mitteilt, hat er aus Mäusekarzinomen(Mäuse- krebs) Bakterien gezüchtet, die ganz ähnlich dem Sacterium turaefaciens find. Er impfte nun Sonnenblumenkeimpflanzen mit Reinkulturen dieser Mäusebrebsbakterien, und im Laufe einiger Wochen enlstauhen an«er Hälfte der geimpften Pflanzen starke Tumoren(Geschwülste), die ganz ähnlich den durch Impfung mit dem Sacterium rumekaciens entstandenen waren.— Leider ist es dem Forscher noch nicht gelungen, aus den künstlich erzeugten Krebs- geschwulsten die Batterien wieder zu gewinnen, mit denen man dann die Mäuse hätte impfen können, um auf diese Weise gewissermaßen die Probe zu machen. Immerhin bedeuten derartige Untersuchungen, wie sie Kaufs- mann verösfentlicht, einen Fortschritt in der Krebsforschung, wenn wir uns auch nicht verhehlen dürfen, daß noch ein weiter Weg ist bis zur Lösung des Krebsgeheimnisses. Die ällesle preußische Eisenbahnbrücke. Die Brücke der ältesten preußischen Eisenbahn, der Strecke Berlin— Potsdam, übersetzte bei Kohlhaasenbrück die alte Bäkeniederung. Es war eine massive Back- stcinbrücke von einfacher, aber höchst anständiger Form. Das Back- stcinmauerwert vertrug die Belastung durch die»eucn schweren Lokomotiven nicht mehr, und eine inoderne Eijcnbahnbrücke ist im letzten Jahre an ihre Stelle getreten. Im Unterbau der neuen Brücke erinnert eine steinerne Inschristtasel mit der Jahreszahl 1838 nun daran, daß hier zum ersten Male ein Ingenieurbau sich in den Dienst der preußischen Eisenbahn stellte. Während die Brücke bei Neu- babelsberg den technischen Notwendigkeiten zum Opfer fiel, w>rd m Schlesien die überhaupt älteste Cisenbrücke Deutschlands als geschicht- liches Denkmal erhalten bleiben. Es ist die gußeiserne Brücke über das Striegauer Wasser bei Laasan. Die 1736 erbavic Brücke, da» Vorbild der Berlins« Eisenbrücken der damaligen Zeit, mußte neuer- dings dem Verkehr cntzogeu werden und bleibt nun wenigstens als Monument stehen, X flus der Partei. Eine pariser Zeier des deuischösierreichlschen Wahlsiegs wird dort im Genossenschaftshaus am 5- Mai anlählich des Illö. Jahres- tages der Geburt Karl Marx' unter dem Ehrenoorfitz des Genossen Otto Bauer- Wien veranstaltet: u. a. werden auch Blum und T u r a t i sprechen. Parteinachrichten Ilntendung«(Sc diese Rubrik sind Berti» SA SS Lindenitraße 3. für Groß-öerlin stet» u» da»«e,trl»serr«tartat L Kos, 3 Treu recht», ,u richte» Das Mitgliedsbuch des Genossen Karl Rehder, Berlin- Lichterselde-Ost, Berliner Straße 77, ist gestohlen worden. Sollte oersucht werden, irgendwelchen Gebrauch davon zu machen, dann ist es anzuhalten und der jetzige Inhaber festzustellen. I. A.: 2l l e x P a g e l s. irgarten. Donnerstag, 5. Mai, wichtige Sitzung des engeren andes bei Krilger. Putlitzstr. 10. Beginn 8 Uhr. Anwesend in: die Deschästsleitung, die ersten Abteilungsleiter, der Ber- 2,«reis Tiergarten. Nreisvorstandcs müssen sein: die Geschästsleitung trcter der Bezirksverordneten und eine Bertraucnsperson der SAtz.— Achtung! Sonnabend, 7. Mai, 7 Uhr, Sitzung der Bildungskommission bei Trümper, Flcnsburger Str. Z.— Achtung, Abteilungsleiter! Wegen der wichtigen Freidenkerverfammlunk am Dienstag, 10. Mai, im Moa- bitcr Deseilschafishaus, Wiclesstratze, bllrsen teinerler Sitzungen an diesem Tage stattfinden. 1. Rai» Mitte. Heute, Mittwoch, 4. Mai, 7>.4 Uhr, im Tewerk- schaftshaus, Engelufer Z4/2ö,«reisdelegiertenversammlung. Erscheinen ist Pflicht. a 3. Rai» Wcdding. Arbeiterwohlfahrt: Donnerstag, 5. Mai, 7� Uhr, Rreis- ausfchutzsitzung Schönstedtstr. 1, 1 Tr., Zimmer 122/123. Die Abteilung-. leiterinne n werden gebeten, wegen des Aktenaustausches recht pünktlich 4.!tai»� Prenzlauer Berg. Bildungsanischutz: Mittwoch, 4. Rai, 8 Ilhr, Sitzung bei Rlug, Danziger Straße. i. Rai» Rrcnzberg. Donnerstag, 5. Mai, TV, Uhr, bei Riep», Planufer 75/76, Ecke Am Urban, erweiterte Rreisvorstandssttzung.— Arbeiterwohlfahrt' Donnerstag. 5. Mai. 6 Uhr, Besichtigung des Ncntnerheims Rreuzberg, Kleine Parkst:. 8. Alle Interessierten sind willkommen. 13. Rai» Tempclhos, Marieadorf, Marienselde, Lichtenrade. Di- Sitzung der Zeitungskammission mutz zum zweiten Male wegen Kundgebung des Reichs- banners und der Partei verschoben werden. Sie findet eiidgültig am Montag, 3. Mai, 7H Uhr, bei Primus, Werder. Ecke Friebrich-Karl- Stratze, statt. Besondere Einladung erfolgt nicht. 14. Kai» Reukölln. Donnerstag, 5. Mai, 7 Vi Uhr, erweiterte Kreisvorstands- sttzung an bekannter Stelle. 16. Kreis Köpenick. Mittwoch, 4. Mai, 7Vi Uhr, bei Reich, Köpenick, Bahnhof- » stratze 13, Kreisvorstandssitzuna. Wegen der wichtigen Tagesordnung wird um vollzähliges Erscheinen gebeten. 18. Rai« Weitzensee. Freitag, 6. Mai, 8 Uhr, Kreisfunktionärversammlung bei Gallas. Da autzcrordentlich wichtige Tagesordnung, darf niemand fehlen. Die Abrechnung der Maifeftkarten ist an dem Tage ebenfalls notwendig. heule, Mittwoch. 4. Mai: 82. Ab«. Steglitz. Pünktlich 8 Uhr im Lokal Thiel, Awr-chtstr-tz-, wichtige Funktionärsitzung. 85. Abt. Tempelhof. Die Bezirksführer werden gebeten, die Handzettel für die Freitagsvcrsammlung umgehend von Harsdorf, Spedition, abzuholen. 136. Abt. Relnicke-dorf.Sft. Die Funktionärfitzung mutz«lf«wen anderen Tag verlegt werden. Nähere Mitteilung erfolgt noch.. 146». Abt. Wittenau. 8 Uhr bei Boges, H-ilig-nth-lstr. 13, wichtige Borstands. sitzung. Niemand darf fehlen. 144. Abt. Reichsbinckerci. Rachmittags 3 Vi Uhr im Graphischen B-r-in-hau-, Al-xandrincnstr. 44, Versammlung. Morgen. Donnerslag. S. Mai: 33. Abt. TV» Uhr bei W-rtalla, H-h-nlohestr. 3, wichtige Funktionärsitzung. Niemand darf fehlen. �,_J_ 78. Abt. Gchöueberg. 8 Uhr bei Könm, Feurigstr. 51, FunttmnSrsitzung. Sämtliche Funktionäre müssen zur Stelle fein. 85. Abt. Tempelhof. Achtung! Freitag, 8. Mai, 7� Uhr, vffent- liche Versammlung in der Aula des Gnmnasiums Tempelhof, Kaiserin» Auausta.Straße. Vortrag:„Die innen» und außenpoUhsche Lage. Referent Dr. Julius Moses, M. d. R. Die Genossinnen und Genossen müssen für einen guten Besuch der Versammlung Sorge tragen. Arauenveranstaltungen. 123. Abt. R-nl-dors. Donn-r-tag. 5. Mai, 7 Vi Uhr, bei Hllbner, Wilhelm- Ecke Bahnhosstratze, Unterhaltungsabcud. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Stralauer»iertel: Heute. Mittwoch. 4. Mai, 8 Uhr. im Jugendheim Eotzlerstr. 6l, Lichtbildervortrag:»Schneelandschaften im Erzgebirge. Eltern ""''"»---jchst eingeladen. "I und Parteigenossen stnd herzlichst eingeladen. > Sterbetafel üer Groß-öerliner partei-Grga�ffation 28. Abt. Unsere Genossin Emma Dulitz, Schwedenstr. U, ist am 1. Mai verstorben. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren Be» erdigung am Donnerstag, 5. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf dem Neuen Pauls» friedhof, Seestraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Btei'IuouMsstell«»»: Köpenicker Straße 75. Steglitz, Bismarck- Straße 64a. Lankwitz, Bruchwitzstraße 6. Berlin N, Mülleistr 153a Neukölln, Kottbusser Damm 103 Neu eröffnet: Alte Schönhauser Straße 46 Staats-Theater Opernhaus ».Platz d.Rep tibi. 71/,; Der ferne Klans Schauspielhaus SU.; Bin besserer Herr Schlller-Theater 8: Prinz Friedrich t. Homburg Micke Opn Cbarlottenburg VI, Uhr: Don Juan Deutsdie Tänze 1 le(ieschöpfe des Prometheus Abonn.-Turnus IV Deotsdies Idealer Norden 10334—37 8 U. Ende 11 U. Der Arzt am Sdieldeweo Karamorspiele Norden 10334—37 8'/, U. Ende 10 Uhr Stägiges Gastspiel Die Komödie Bismarcs 3414. 75R S1/, Uhr, Ende 10 U. Lockvögel Nachtrorstellung TägUlU,EndeIU. Rem: WasSie vollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Theat. a.NolleDiloifp!. Kurfürst 2091 8 Uhr Eadegttntl Drei arme kleine Mädels 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht üetroDoi- rneai Täglich 8 Uhr: Zirkusorinzessin laltmtarg- Ots. KQnstler-Th. 8 Uhr: Adieu Mlmi Lessing-Theater 8 U.: Der Patriot i- srspielhaut 8". Uhr: Sobby's letzte Radit Vesparmann, RÜndsr, Junbermann Hose-Theater 8>/. Uhr: Der Vetter aus Dingsda r- Uh�, dar Monat Mai' Ben Kur 1 ligeEInlagti 1'm i ICIrcus-Vkll Kein Film! .4 Nollendorf 7360 s Uhr Charlie RivclTrio und weitere Tarir te. Sensationell! DA> WOCHENENMI A US STELLUNG AM KA/SERDAMM Märkische Heimat Verkehrspanorama/ Kunstausstellung/ Die Landschaft In der Photographie/ Ivo Wochenend- hausmodcilc/Schülervcttbcwcrb Der Bedarf des Wochenendlers Wochenendhaus-Kolonie TioL 9 Uhr tm. bis 10 Uhr abdt. Einlaß bis 0 Uhr Eintritt 1.&0 M./ Schüler TS Pf. Alte Autohalles , BERLINER SCKNtEPALAST TagLyon 9 Uhr vm. bis 8 Uhr abd». I Ab 8,30 Uhr: Croß.Schneesport-Abend- i Prooramm/ Sdineeballett/ 1 Grober Sil- und Kodelbetrlcb. BelriH 1.51 i, II, tauWhinjdnatieA«- Volksbühne Th. an SAiffkutdiniii 8 Uhr: thulu an Ulraalah 8 Uhr lyslsfrala Morgen 8 Uhr: Tranmspiei Jan der Wunderbare iKomische Operl Allabendlich Uhr: f Sünden der Welt 1 Die weltslHtöd» James-Kleln-Reruc| 1250 Mitwirkende/ Theaterk. I ab 10 Uhr ununterbr. geöffnet I CASINO-THEATER» uhr Pimpelhuber der Millionen-Erbe Gutschein: Faut 1 Mfc, Sessel 1.SO Mk. > ERIK CHARELL DRINGT:, Alfred Braan, Lneie Mannheim a. fi. Bendow, Westenneier,' kupier u. a. Grones Scfaaatplelhaas Wallner-Theater SV, Uhr: Der LastspIelerfolR Aal der Sonnenseile Reichshallen•Theater Allabdl.SU Sonntags nachm. 3 U. Stettiner Sänger Zinn sdiM:„Deotsdier Frilhling" Nachmittags: H 8 i Ii e Preise. VOllCf Programm Dönhoff.Breti'li Baumblüte, Varleld, Konzert u. Tan». MOKKA EXPRESS-STUBEN EUROPAHAUS königgrätzer-strasse tia/na KAFFEE AUS ORIOINAL- EXPRESSO- MAS CHI N EN KUCHEN oder TORTE 25-5 VOREUGLEIS mit SAHNE .46� EISCREME-SODATONTAINE nfl iin fln flil fln im nn{in flfl fir DO fif) Täem-Jßeßttjukyen QtoßMe/Magm (TraaPähigkeiE des Chassis M mum mit Aüfbaofen von ADAM LSHEIM AM MAIN Woiliaua- Ttieai. Täglich 8V. Uhr; Die von der Liebe leben! Ig�edlidw tilea 2» tritt Vorzeiger zahlt nur halbe Kassenpr. Pentral- Theater Heute 8 Uhr: Premiere Die Welle Lustspiel von Carl Sloboda Surllzpunifien mW» zum Re- M k,ame- r v.7M. an im Sillnt- nfilelln, Flitinnpr. fdiUods verkauft KrtWer«t LamaE Pmimtibiik. Ssrüo 0. V. Alexanderstr. 14 13t. r.Euoh.liiuritrlirüdt Theater am Kottb. Tor »ottb. Sir 6 Tägl.8 Uhr: Stg.nachm.3 Grolles � UeherrasdiBngs Programm I imnntT-Jllinir rh.königxrätz St. Hasenheide 2110 S Uht: OieSdiDlev.Dzeadi MoraOiUeDhaua Norden 6304 8 Uhr Theo roadil alles! Stelieaaflgetiote| linden In Tnmirts I besteBßäÜililöO• ?reis Mal- u. Zeichen- Bedarf L-Juergens Alexanderplatz Arbeiter, Angestellte. Beamte besucht die Veranstaltungen der „No-Va-Co" Karlshorst, D utsches Haus Treskowallee(amBahnh.) Jed. Dienstag Pankow, Konzerthaus Breitestralle 34 Jeden Mittwoch Cöpenlck. Stadttheater Friedrlchstr.6 Jeden Freitag u. Sonntag Tegel, Vereinshaus(Hamuseck Hauptstraße 6 Jeden Sonntag Notstands.Variete-Kommission der Intern. Artlsten-Logc B. V. OiDtckerMetallailiejtei-lltM Donnerstag, den 5. Mai. ndenbs Z Ahr, Im atcbeilsaasgahecaam, Mulockitr 9, w Versammlung der Schmiede ausden Znnungs- betrieben. Zahlreicktes Enchetnen wird erwartet Milgl edsduch legitimiert. Dt« Ortsoermnttnng verdattb m©�nielnöe- uob staatsaroeiier Orlsoetmaltung Berlin. Freitag, ben 6. Mai 1927. abend» 6 Uhr. im Saal 4 be» Gewerttchaflihouse», Berlin, ikugeluser 24/25 Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom I Quartal 1327 al Seschästsdericht b) Raftendericht c) Bericht der Revisoren 2. Bestätigung von Angestellten. 3. Bcrbands-Angelegenheiten. Vollzähliges und pünktliche» Erscheinen Ist Psticht! Zutritt nur Stgen Vorzeigung des Mitgliedsbuches und der DeiegierienIarte vte Qrtsverneoltung. Verkäufe Rchfeld, Badstratze nur 34(Laden), komplette Herrenzimmer nur 28z.—. 375,—, 490,—, Ankleideschränke, futniert, dreiteilig, 79,—, 98,—, 140,—, Waschkommode mit Spiegel 69,—, 85,—, 110,—, Nachttische 14,50, 19,50, 24,—. 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