Ar.SiS ♦ 44.?ahrg. Ausgabe A Nr. 10$ Bezugspreis: WSchestlich 70 Pfennig monatlich 3,— Reichoniari voraus zahlbar. tlnter Sreuzbanb für Deutschland. Danzig. Saar, und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen. Luxemburg 4J0 Reichsmart. für das übrige Äusland Sb0 Reichsmark pro Monat. Der.BorwLrts� mit der illustrier- teu Sonntagsbeilage.Boll und Zeit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissens.Aus der Filmwelt". .Frauenstimme",.Der Kinder. freund".„Sugend-Lorwärts",.BliA in die Büchermelt" und �tultnr. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm. Adresse: .Sozlaldemotra« Serlia- Morgenausgabe Verliner Volksbl�kt �10 pksnnis) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareillezeile SO Pfennig. Reklamezetlc 5.— Reichsmari..Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2ö Pfennig lzulässig zwei fettgedruckte Worte», jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort lö Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber IS Buch» stabc» zählen fiir zwei Worte. Arbeitsmarlt Feile SO Pfennig. Faniilienonzeigen für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rnmmcr müssen bis 4ü Uhr nachmittags im töauptgeschäft, Berlin EW SS, Linde». straße S, abgegeben werden. Geöffnet von SM; Uhr srllh bis S Uhr nachm. Zentralorgan der SozCaldcmokratifcben parte» Dcutfchlands Neöoktion und Verlag: Serlin EW. öS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Freitag, den«. Mai 1927 Vonvärts-Verlog 0. m. b. S.. öertin EW. SS, LinüentIr.Z Voftfchecklonto: Berlin»7 SSI— BauNouto: Bank der Arbeiter. Angestellten and Beamten. Wallstr. SS; Diskonto-Gelelllchaft, Dcposttcniasse Lindcuftr. 3. �ustizkomööie in Bulgarien. Genosse Kurt Rosenseld ausgewiesen und zum Rücktritt gezwungen. S o f i a. 5. Mai.(&g. Drahkber.) Die parteigenössische» Rechtsanwälke Dr. Suri R o f e n f e l d. verlin. Mitglied des Deutschen Reichstags, und Dr. Oswald Richter- Wien sind in Sofia eingetroffen, um dem Prozeß gegen das Zen- »ralkomitee der kommunistischen illegalen Organisalioa beizuwohnen. Nach zweistündiger Anwesenheit im Gerichlssaal wurden beide Rechtsanwälte am Donnerstag von der Polizei verhaftet. Dann mußten sie eine eingehende Durch- fuchuug ihres Gepäcks über sich ergehen lassen und sich einem fillndenlangen verhör unterziehen. Erst durch Intervention der deutschen Gesaudschaft wurde die Freilassung erreicht, beide erhielten aber gleichzeitig die Aus- Weisung und mußten noch am Donnerstag abend die Rückreise antreten. » Bis jetzt hat die bulgarische Regierung immer die Be- richte der Arbeiterpresse des Auslandes über die Herrschaft des weißen Terrors in jenem Staate zu dementieren oersucht. Diese Ausweisung zweier deutscher Rechtsanwälte, von denen der eine sogar Mitglied des Deutschen Reichstages ist, b e- st ö t i g t alle diese Berichte und rechtfertigt vollauf den Der- dacht, daß in Sofia lediglich eine Justizkomödie aufgeführt wird gegen Arbeiter, die durch irgend einen Zufall noch nicht von den bekannten„Unverantwortlichen" der bulgarischen Regierung ermordet und so noch vors Gericht gekommen sind. Sozialistischer Klub in Sofia zertrümmert. Am Vorabend des 1. Mai tagte im Älub der Sozialistischen Partei zu Sofia eine Versammlung. Die Arbeiter hatten vor dem Gebäude drei Plakate mit folgenden Inschriften angebracht: „Nieder mit dem Blutmussolini!" „Nieder mit dem Gesetz zum Schutz des Staates!" ,�?er mit der Voll-Amnestie!" Diese Plakate sollten aus Verlangen der Polizei entfernt werden, und als das nicht geschah, drang die Polizei in das Gebäude ein, schlug die Arbeiter und zertrümmerte die Möbel. Außerdem wurden verschiedene Verhafwngen vorgenommen. Unter den Verhafteten ist auch der Sohn des Abg. P a st u ch o f f. Auf dem Wege zur Polizeiwache wurden die Verhafteten m i ß h a n d el t, wo- bei einer durch Kolbenschläge aus den Kopf derart verletzt wurde, daß er auf der Straße bewußtlos zusammenbrach. /lrbeitersthast und weltwirtsthast. Reden Gmmy Freundlichs und Jouhaux� in Genf. Genf, 8. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Auf der Weltwirt. schaflskonferenz sprach heute in Amvesenheir der russischen Delega- tion Zimmermann- Holland, der frühere Völkerbundskom- missar in Deutschösterreich: er segte sein« Erfahrungen in diesem Amt auseinander und zog die Schlußsolaeruna daraus, daß in erster Linie die Zentralstaaten wirtschaftlich saniert werden müßten, da sonst die europäisch« Wirtschaft nicht gesunden könne. Genossin Emmy Areundlich-Wien wies auf die Folgen der Krise und insbesondere auf die ungesunde Lebenshaltung der Arbeiterschaft in vielen Ländern hin, was den Völkerbund zwinge, noch wirtschaftlicher Zusammenarbeit oller Länder zu streben. Dabei müsse ein Weg gesucht werden. d. h. die genossenschaftliche Organisation der Konsumente» und Produzenten untereinander. Für die Privatwirtschaft, Kartelle und Trusts sei im Interesse der Arbeiterschaft und Kon- sumenten nationale wie internationale Kontrolle unerläßlich. Nach Siemens- Deutschland(dessen Rede schon in unserem gestrigen Abendblatt steht Red.) sprach Ministerialrat S ch i d a s ch i- Japan, dessen Vorschläge im wesentlichen mit denen der Jnternalio- nalen Handelskammer übereinstimmten. Ilm rascher vorwärts zu kommen, hat die Konferenzleitung ohne weiteres die mündliche Uebersetzung der Reden aus- fallen lasten, da gleichzeitig geschriebene Uebersegungen verleilt werden. In der Nachmittagssitzung kamen sechs Redner zu Worte. Professor U r z n a- Chile lobte den Völkerbund und die Gesetze der Wirtschaftswissenschaft, trat für die freie Einwanderung ein und befürwortete zum Schluste ein Einheitsgeld für die ganze Welt. M u s p r a t t- England erläuterte ausführlich die Lage der englischen Wirtschaft. Das starke Ueberwiegen der städtischen Be- oö'lkerung bedinge die englische Kolonialpolitik und den Frei- Handel, wenn auch in den letzten Jahren einige Breschen gc- schlagen worden seien. England habe das größte Interesse an einer stabilen Wirtschast der ganzen Welt und besonders Europas. Um sie zu erreichen, müsse die Kaufkraft allgemein gehoben werden. Bankpräsidetit Dubais- Schweiz sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Finanz- und Währungsfragen nicht in umfassender Weise zur Diskussion gestellt werden sollen. Dann betonte er die Rachteile der kurzfristigen Handelsverträge und der zu oft geänderten Zolltarife. An die projektierten inter- nationalen industriellen Abkommen(Kartelle und Trusts) knüpfe die schweizerische Delegation die Bedingung, daß sie die Preise nicht übermäßig erhöhen und«ine gerechte Rohstofflieferung ermöglichen. Anschließend kam als Sprecher der Arbeiter IouHaux- Frankreich an die Reihe. Er warf einen Rückblick auf die wieder- Hollen Versuche der Arbeiterorganisationen und ihrer Vertreter, schon während der Washingtoner Arbeitskonferenz und seither in mehreren Völkerbundsversammlungeu die wirtschnstliche Sanierung international anzustreben. Ohne persönlich« Polemik gegen Professor Castel aber in schärstter sachlicher Weise trat er dann desten Thesen entgegen und erbrachte den Nachweis, daß alle wirt- schastlichen Seiden der gegenwärtigen Zeit nur in einem Geiste «ohrer Solidarität durch internationale Abkommen zu be- fettigen seien Am Sckstuste legte Iouhaur die bereits bekanntgegebene programmatische Erklärung der Arbeitergruppe vor. besten letzter Teil über die Schaffung eines internationalen Wirt- lchaft samtes durch einen bestimmten Vorschlag ergänzt ist. wonach die Dirtschaftskonferen, alle drei Jahr« zu- sammentreten und«in mternattonaler Wirtschaftsrat eingesetzt werden soll, aus IL Mttgliedern, von denen 12 durch den Völkerbundsrat und 6 durch den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes(je Z Arbeiter- und llnternehmervertrcter) bestellt werden. Dieser Wirtschaftsrat soll befugt sein, je nach Bedors be- sonders Sachvcrständigenausschüsse einzusetzen und zur Behandlung einzelner Probleme internationale Konserenzeir«inzuberusen» Dem internationalen Wirtschaftsrat soll serner ein ständiges WirtLchafts- sekretariat mit einem Direktor beigegeben werden, das in enger Fühlung mit dem Sekretariat des Völkerbundes und des Inter- nationalen Arbeitsamtes arbeiten soll. Den Schluß der Sitzung bildeten Reden von C o l l i n- Holland und T r i b b a u t-Belgien, die beide die besonderen Vcrhältnissle ihrer Länder beleuchteten und im übrigen sich wesentlich auf den Boden der Borschläge der Internationalen Handelskammer stellten. Oer Kampf im Unterhaus. Qbstruktionsanträgc der Arbeiterpartei. Loadon, 5. Mai.(Eig. Drahtber.) Der Ministerpräsident hat am Donnerstag das Verlangen der Arbeiterpartei, die Debatte-über die zweite Lesung des Anti-Gewerkschastsgesetzes weiter auszu- dehnen, abgelehnt. Infolgedessen wurde die zweite Lesung om Donnerstag nachmittag beendet. Ebenso Hot Baldwin die Anregung der Arbeiterpartei, die nächste Lesung, das sogenannte„Komttee- Stadium", zu verschieben, abgewiesen. Der parlamentarische Kampf um das Gewerkschaftsgesetz wird also kommenden Mittwoch mit oer- schärfter Macht wieder aufgenommen werden. Für diese VerHand- lungsstadien ist eine große Anzahl Zusätze und Ver- besserungsanträge von allen Parteien eingebracht worden. Die Arbctterpartei hat am Donnerstag allein fast 200 Anträge ein- gebracht. Jeder Paragraph und jede Klausel des Gesetzes wird be- sonders behandelt. Die Arbeiterpartei wird im wichtigsten Stadium des Gesetz- entwurfes taktisch wie folgt vorgehen: Zunächst wird sie den An- trag einbringen, der es dem Präsidenten unmöglich machen soll, von sich aus über die Diskussion oder Nichtdiskussion der Zusatz- antrüge selbständig zu entscheiden. Der zweite einleitende Antrag zielt darauf ab, die Parteikassen der bürgerlichen Par- teien ebenso der öffentlichen Kontrolle zu unterstellen, wie dies nach dem Gesetz gegenüber der Arbeiterpartei der Fall sein soll. Für die Einzelberatung der Paragraphen hat die Arbeiterpartei, zw:! Serien von Anträgen eingebracht: Verbesserungsanträge und solche auf Verwerfung des Gesetzes. Unabhängig davon, ob die Regierung während der Verhandlungen zur Verbesserung einzelner Klauseln bereit ist oder nicht, wird die Arbeiterpartei noch für jede Gesetzes- tlausel den Antrag auf Verwerfung einbringen und i n j e d e m ein- zelnen Fall Abstimmung zu erzwingen versuchen. Am Donnerstag hiell Genosse S n o w d e n eine überaus far- kastische Rede, die, wie Lloyd George feststellte, eine der eindrucks- vollsten parlamentarischen Reden war, die er in seiner jahrzehnte- langen parlamentarischen Praxis gehört habe. Snowdens Rede klang in dem Argument aus, daß das Gesetz geeignet sei, den Klassenkampf zu verschärfen und e» ein Geschenk des Himmels für die Kommuni ften darstelle. Lloyd George, der nach Snowden sprach, griff das Gesetz, das er ein Hindernis für den Wiederaufbau der britischen Wirtschaft bezeichnete, im Gegensatz zu seinem liberalen Kollegen Vir John Simon mtt ungewöhnlicher Schärfe an. Pflichterfüllung im Reichstag. Wer fehlt bei namentlichen Abstimmungen? SS'i Hermann Müller. Dem Kieler Parteitag liegt ein halbes Dutzend Anträge vor, die oerlangen, daß gegen Abgeordnete, die im Reichstag und in den Landtagen bei wichtigen Abstimmungen unent- schuldigt schien, das verschärfte Mißtrauen ausgesprochen werden soll. Wer die Begründung der Anträge liest, wird mit den Antragstellern darin durchaus einverstanden sein, daß von den Abgeordneten genau wie von jedem Genossen in den Betrieben re st lose Pflichterfüllung zu verlangen ist. Das Mandat des Abgeordneten ist das höchste Ehrenamt, welches das Volk zu vergeben hat. Die Ausübung des Man- dats muß deshalb für jeden Mandatsträger wichtigste Pflicht sein. In dem Antrag„M ö ck e r n" ist ganz richtig hervorge- hoben, daß das Mißtrauen nur bei unentschuldigtem Fehlen am Platze ist. Der Antrag„M ü n ch e n" will als Entschuldigung nur Krankheit oder unaufschiebbare Partei- rtder Gewerkschaftsangelegenheiten gelten lassen, der Antrag „Nürnberg" nur unabänderliche persönliche Verhältnisse. Untersuchen wir als praktisches Beispiel nun einmal das Er- gebnis der namentlichen Schlußabstimmung über das A r- beitszeitnotgesetz vom 8. April 1927. Das Sekre- tariat der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat in Nr. 4 der Parlamentarischen Blätter im Mitteilungsblatt des Par- teivorstandes die Namen der 18 fehlenden sozialdemokratischen Abgeordneten veröffentlicht und in Klammern die Gründe angeführt, die die Abwesenheit entschuldigen sollen. Es ergab sich dabei, daß aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion fehlten: wegen Krankheit neun, wegen Vorbereitung eines Bezirksparteitages zwei und ferner je einer wegen Teilnahme an den Verhandlungen über die Regierungsbildung eines Landes, wegen einer großen öffentlichen Volksoersammlung, wegen der Führung der Geschäfte des Staatspräsidenten, wegen Verteidigung in einem politischen Prozeß, wegen Teil- nähme an Verhandlungen als Schlichter, wegen Tarifverhand- lungen einer Gewerkschaft und endlich eine Genossin wegen Abfahrt zu einer Amerikareise. Der hier untersuchte Fall dürfte typisch sein. Ich kann das als geschäftsführender Vorsitzender der Fraktion mit Recht behaupten, weil Parteigenossen, die unaufschiebbare Geschäfte wahrzunehmen haben, regelmäßig zu mir kommen und sich entschuldigen, sobald eine wichtige namentliche Abstimmung bevorsteht. Geht man den angegebenen Entschuldigungsgründen ein- mal im einzelnen nach, so muß festgestellt werden, daß sich die angezogenen Fälle selten vermeiden lassen. Von den Krankheitsfällen ist dabei ohne weiteres abzusehen. Liegt in den übrigen Fällen Ueberlastung mit Zlemtern vor, die es den betreffenden Parteigenossen nicht möglich macht, ihrePflicht zu erfüllen? In Wirklichkeit ist die Zahl der Dogpelmandate in der Reichstagsfraktion heute ganz gering. Wenn die Par- teigenosfen eines Landes Wert darauf legen, daß ein Abge- ordneter gleichzeitig im Reichstag und Landtag fitzt, so tun sie das, weil sie die Ueberzeugung haben, daß eine solche Aufrechterhaltung der Fühlung mit der Reichspalitik ihrer Landtagsfraktion nützlich ist. llebrigens machen die Partei- genossen einiger Länder von dieser Möglichkeit nicht einmal Gebrauch. Für die Reichstagsfraktion kann ich andererseits fesfftellen, daß es uns nicht nur stets angenehm, sondern auch nützlich gewesen ist, daß zwei führende Politiker wie Otto Braun und Karl S e v e r i n g gleichzeitig in der Fraktion des Reichstages und des Preußischen Landtages saßen und sich so laufend über die Stellungnahme der sozialdemokra- tischen Reichstagsfraktion zu allen Gesetzesvorlagen orien- tieren konnten. , Ebenso ist es für die Reichstagsfraktion von größtem Wert, daß führende Genossen aus den Gewerkschaften ständig in der Fraktion mitarbeiten. Wer den großen Pflichtenkreis kennt, in dem ein Gewerkschaftsführer zu arbeiten hat, wird verstehen, daß an manchem Tage, wenn wichtige Gewerkschaftsarbeiten auf dem Spiele stehen, die Pflicht des Gewerkschaftsführers der Pflicht des Abgeordneten vorausgehen muh. Einer der fleißigsten Rcichstagsabgeord- neten war sicher der so jäh verstorbene Robert D i.ß m a n n. Aber als Vorsitzender des Metallarbeiterverßandes war er oft gezwungen, an Verhandlunaen seiner Gewerkschaft im Reiche teilzunehmen, und mußte sich so der Teilnahme an der einen oder anderen Abstimmung entziehen. Besonders hervorgehoben sei jedoch, daß fortwährend zu mir als Franktionsvorsitzender Genossen kommen, die sagen, daß sie die Sitzung verlassen wollen, weil sie sich zu einem Referat in einer öffentlichen Versammlung oder auf einer Bezirks- oder Unterbezirkskonferenz ihres Wahlbezirkes oder eines anderen Wahlkreises verpflichtet hatten. In � vielen Fällen habe ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren können, den Genossen zu sagen, daß sie wegen einer wichtigen Abstimmung eine einberufene Parteiversammlung sitzen lassen sollen, denn nicht in allen Fällen ist noch rasch genug geeig- flcter Ersatz zu schassen. Wenn die Organisationen von ihren Wgeordncten verlangen, daß sie stets im Reichstage präsent sind, um restlos ihre Pflicht zu erfüllen, so müßten sie die Ab- geordneten während der Tagung des Reichstages von der Teilnahme an Versammlungen und Konferenzen entbinden. Ich brauche wohl nicht besonders zu vermerken, daß das durchaus kein wünschenswerter Zustand wäre. Ich selbst gehöre zu den Abgeordneten, die fast an sämtlichen Abstim- mungen teilnehmen, aber ich habe zum Beispiel im April auch einen Fehltag gehabt, weil ich zu einer Bezirkskonferenz reisen mußte, auf der zu referieren ich mich Wochen vorher verpflichtet hatte. Das Letztere spielt nämlich auch eine Rolle. Die Dispositionen des Reichstages sind nicht auf Tage, ge- schweige denn Wollten festzulegen. Wer auch nur acht Tage vorher sich zur Abhaltung einer Versammlung verpflichtet, kann niemals mit Sicherheit wissen, ob an jenem Tage eine wichtige Abstimmung stattfindet oder nicht. Wer so im einzelnen untersucht, welche Gründe gegebe- nenfalls die Abgeordneten veranlassen, im Reichstag zu fehlen, wird.zugeben müssen, daß eine Veröffentlichung der Namen und der Gründe des Fehlens— denn beides zusammen könnte nur in Betracht kommen— der Abgeordneten keinerlei wesentliche Besserung mit sich bringen und deshalb ihre Zwecke verfehlen würde. Endlich heißt es in dem Antrag„Hannover", daß das Fehlen der Abgeordneten von den Gegnern politisch agitato- risch ausgenützt würde und dies unmöglich gemacht werden müsse. Bei der angezogenen Schlußabstimmung über das Ar- beitszeitnotgesetz haben neun Kommunisten und außerdem sechs aus der kommunistischen Reichstagsfraktion hinausge- worfene linke Kommunisten gefehlt, im ganzen als 33 Gegner des Gesetzes. Von den Regierungsparteien und den Anhängern des Gesetzes haben aber 67 gefehlt. Das überrafrbt nicht, denn es ist bekannt, daß eine große Anzahl den industriellen Scharfmachern nahestehender deutschnationaler und deutsch- volksparteilicher Abgeordneter für das Zustandekommen ge- rade dieses Gesetzes keinerlei Interesse zeigten. In England, dem Mutterland der Varlamente. hat sich seit langem die Gewohnheit herausgebildet, daß ein Abge- ordneter, der aus triftigen Gründen dem Parlament fern- bleiben muß, sich erkundigt, ob ein gegnerischer Abgeordneter nicht auch Ursache zum Fehlen hat. Sie vereinbaren dann zu einem bestimmten Tage ihre gemeinsame Abwesenheit. Man nennt das„abpaaren". In Deutschland haben wir leider so viel Parteien, daß dieser Gewohnheitszustand sich nicht leicht auf unsere Verhältnisse übertragen läßt. Aber ich glaube auch nicht, daß es notwendig wäre, mit den Deutfchnationalen und der Deutschen Volkspartei Vereinbarungen über das Ab- paaren zu treffen, weil meiner festen Ueberzeugung nach ein nicht zu entschuldigendes Fehlen eines Mitgliedes der sozial- demokratischen Fraktion bei wichtigen Abstimmungen s o sehr Ausnahme ist, daß besondere parteigesetzliche Vor- schriften gegen Verletzung der Pflichten des Abgeordneten nicht erlassen zu werden brauchen. Sürgerblock�Gesimüheit. Es geht ihm stündlich bester und bester. Die„German! a" schwört auf die Gesundheit des Bürgerblocks. Am Morgen. Am Abend zeigt sie bedenkliche Symptome, die auf konstitutionelle Erkrankung schließen lassen. Sic polemisiert gegen die Deutschnationalen, gleich in zwei wichtigen Fragen: Ostpolitik und Republik- s ch u tz g e s e tz. Sie ist mit der Beuthener Rede des Vizekanzlers H e r g t nicht zufrieden: „Vizekanzler h e r g t hielt vor einigen Tagen auf einer Ost- rnarkentogung der Dcutschnationalen Volkspartei in Beuthen eine Rede, die gegenüber Polen einen für den Dizechef der Reichsregierung etwas ungewöhnlichen, reichlich unfreundlich Der Muftuf. Von Hans Bauer. Nächsten Sommer findet in Amsterdam eine Olympiade statt: eine Weltzusammcnkunft und ein internationaler Wettstreit der besten Sportleute aller Länder. Deutschland nimmt an dieser Olympiade teil, und dagegen ist nichts einzuwenden. Die vor- bereitenden Arbeiten für diese Teilnahme liegen in den Händen des »Deutschen Reichsausschusses sär Leibesübungen", zu dessen Auf- gabenherejch auch die Aufbringung von Geldmitteln gehört. Es hätte nahe g?legen, daß der Reichsausschuß, ohne viel Aushebens davon zu machen, irgend jemanden aus seiner Milte, der halbwegs schreibgewandt ist, mit der Absassunp eines handfesten, zur Spende- tätlgkeit aufsordernden Ausrujes beauftragte. Aber der Reichs- ausschuß wollte höher hinaus. Der Aufruf sollte nichts Alltägliches, sondern ganz was Exquisites werden, und da man sich fplbst so etwas nun doch nicht zutraute, erließ man ein Preisausschreiben. Das Resultat dieses Preisausschreibens liegt jetzt vor-- und es sst noch viel schlimmer ausgefallen, als man es bei einer Preis- richtertätigkeit von Leuten ohnehin vermuten mußte, die ganz im alte» Behördenstil aus der einfachen, natürlichen Sache eines rollrdig-würzigen Werbeaufsatzes eine komplizierte Preisausschreiben- begebenheit machten. Sieger ist ein Professor Dr. Eppensteiner nus Tübingen, und wo immer sein Ausruf plakatierb werden wird, dürfte ringsum das Land veröden und eine Massenflucht argloser Passanten vor der Zumutung der Lektüre solch geschraubten, stelz- füßigcn, aufgeblasenen Zeugs einsetzen. Was ist das bloß für ein unfrisches, philologenhast-doziereudes Lesebuchdeutsch, das hier ver- zapft wird! Wie asfig gespreizt, wie schönwerisch-kitschig klingt das alles!„Glaubet nicht." heißt es da zum Beispiel,.'daß unsere Streiter in den Augen der anderen nur Wettbewerber sein um die höchste Ehre, die dem leibestüchtigen Manne beschieden sein kann! Nein! In diesen jungen Kämpfern tritt ganz Deutschland vor die Schaubühne der Nationen. Das Deutschland Kants, Beethovens, Goethes, das De»tschland von Krupp, Bismarck und Hindenburg. Das Deutschland, das zweiundfünfzig Monate lang siegreich stand- hielt gegen die Welt...." Erstens mal: wie deplaciert, wie taktlos, in einem Aufruf, der für eine so internationale Angelegenheit wie die Olympiade wirbt, umstrittene politische Namen wie die Krupps, Bismarcks, Hinben- burgs in die Debatte zu werfen, wie unerhört ärgerlich, bei dieser Gelegenheit das Gedächtnis des Krieges heraufzubeschwören! Zweitens mal: Wie albern, angesichts junger Leute, die einige, vom sportlichen Standpunkt betrachtet zwar wichtige, aus größerer Perspektive gesehen aber doch herzlich belanglose Wettkümpse be> stehen sollen, die Namen Kants, Beethovens und Goethes zu de- mühen und gar zu behaupten, daß„ganz Deutschland" in den Olympiastreiteru verkörpert sei. klingenden Ton anschlug. Inhaltlich sagte Herr Hergt nichts, was im Widerspruch stünde mit der Politik, die auch die vorige Reichsregierung, in der bekanntlich kein« Deutfchnati analen saßen, gegenüber Polen befolgte. Wir oerhehlen allerdings nicht, daß wir unsere Außenpolitik als etwas zu Delikates und Wertvolles betrachten, als daßsiebedenkenlosparteipolitischenBedürfniffen geopfert werden dürfte. Das Echo, das Hcrgts Rebe überall sin Ausland gefunden hat, bestätigt, was wir sofort beim Lesen der Rede empfanden, daß sie i n d er F orm, in der sie in Deussch- land verbreitet worden ist, besser nicht gehalten worden wäre." Also der Vizekanzler opfert die Außenpolitik bedenkenlos parteipolitischen Bedürfnissen! Versteht' sich, nur in der Form: denn daß die Form bei der Rede eines Vizekanzlers zum außenpolitischen I n h al t wird, das darf die„Ger- mania" nicht sagen. Wo blieben sonst die Richtlinien? Die„Germania" polemisiert weiter gegen den deutsch- nationalen Abgeordneten von Freytagh-Loring- h o v e n, der sich gegen eine Verlängerung des Republikschutz- gesetzes und besonders des Kaiser-Paragraphen ausge- jprochen hat. Mehrfach beteuert sie, dieser Herr sei nicht die deutschnationale Reichstagsfraktion, und erzählt schließlich: „Die Z e n t r u m s f r a k t i o n hat sich mit der Frage noch nicht beschäftigt. Wenngleich also noch keine Beschlüsse der Fraktion vor- liegen, glauben wir doch, daß ihre Auffassung dahingeht, daß das R ep u b li kfch u tz gef etz in seiner jetzigen Fassung verlängert werden müsse. Eine einfache Derlängerung, etwa um zwei Jahre, wäre in der Tat die beste Lösung. Wir können nicht einsehen, daß sie für die Deutsch nationalen unannehmbar sein soll." Aber Herr Hergt, der Reichsjustizminister, hat gar keine Lust, eine Verlängerung des Republikschutzgesetzes zu betreiben, und so ist die Polemik gegen F r e y t a g h- Loringhooen die zweite Polemik der„Germania" gegen Hergt. So gesund soll der Bürgerblock bleiben, wie diese ver- schnupfte Polemik der„Germania" mit den Richtlinien- republikanern ein Zeichen der inneren Einigkeit des Bürger- blocks ist! Am Morgen hat die„Germania" den Bürgerblock ge- sund gebetet. Am Abend können wir ihr im Hinblick auf ihre Polemik mit den Deutschnationalen versichern: es geht ihm stündlich besser und besser.... f)ergt erschwert Wirtschastsverhanülungen. Korridorhindcrniffe für den Handelsvertrag. Warschau, S. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen zwischen dem deutschen Gesandten und dem Außenmimsterium worden am Freitag wieder aufgenommen. Inzwischen stellt die natio- nalistische polnische Presse die Bemühungen Rauschers von vornherein als vergeblich hin, wenn nicht ein offizieller Widerruf der Hergtfchen Erklärung erfolgt, nach der Deutschland ein« Revision der polnischen We st grenze anstrebe. Der Ton der polnischen Presse ist im übrigen anläßlich dieser Rede äußerst aggressiv: sie ergeht sich in Ausdrücken, wie„hiror teirtonicus* und „deutsche Provokation". Der isolierte Stresemann. Französisches Urteil über die außenpolitische Lage. Paris. S. Mai.(Eigener Drahtberichl.) Der„Temps" stellt am Donnerstag abend im Anschluß an den Besuch des deutschen Ge- schäststrägers Dr. Rieth bei Briand fest, daß Stresemanns Stellung hinsichtlich seiner Friedenspolitik im Kabinett außer- ordentlich schwierig werde, da die nationalistischen Minister seine Bemühungen auf allen Gebieten durchkreuzen. So kompliziere die antipolnische Politik den Abschluß von Handelsver- trägen und die antipolnische Kampagne erschwere die Verhandlungen Immer klobiger wird dann der Schwulst, in den der preis- gekrönte Autor versinkt, immer dicker werden die Töne, die er seiner Stahlfeder entquölt.„Die deutsche Wissenschaft und die deutsche Seelenhastigkeit" marschieren auf, die Schmachtfetzenromantik des „im immerwährenden Schmuck seiner Denkmäler von deutscher Größe, deutscher Ehre, deutsch«? Kraft und deutschem Stolz prangenden Rheins" wird herbeigczaubert, und schließlich wird gar an„die deutsche Sendung" appelliert, die in„Weltolympia ihre Stätte" fände„zur Bergeistigung menschlichen Tuns, zur Beseelung alles irdischen Wesens".„Glaube, Deutschland, an deine Sendung, ringe, Deutschland, um den olympischen Sieg" heißt es zum Schluß, und da läßt sich nur zu dex ganzen redseligen Angesäuertheit dieses Ge- fasels, das weder zu draufgängerischem Sportgeist, noch zu olym- pischem Weltgefühl, noch zum blutvollen deutschen Satz die mindesten Beziehungen unterhält, dieses ein«, einzige, herzhafte, volkstümliche Wort sagen: Quatsch mit Soße. Herr Professor Eppensteiner in Tübingen ist nebensächlich. Der Teufel soll jeden holen, der einem ehrenwerten Mann Stilübungen dieser Art verbietet. Aber es ist nicht ganz gleichgültig, daß ein« amtliche und dem sportlich interessierten Ausland gegenüber repräsen- sative Organisation wie der Reichsausschuß kritit- und geschmacklos genug ist, sich hinter einen öden, phrasenhaften, von nationalistischen Anspielungen wimmelnden und die tatsächliche Bedeutung des Sports sinnlos überschätzenden Seicht zu stellen und ihn gar mit einem Preise zu krönen. Die wirklichen deutschen Olympiakämpfer, jene wackere Jugend, die gegen die wohltrainierte Elite des Auslandes antreten muß, die wirds nicht leicht haben. Aber wenn auch ihr beim harten Kampf der Atem ausgehen sollte: die Herren Professoren und Organisationsleiter im Hinterland, die werden den ihren, wie damals bei jenem gewissen größeren Anlaß, für ihre Deklamationen und Ueberheblichkeiten auf alle Fülle bis zuletzt behalten. Professor Adolf Mielhe gestorben. Der Name des im 66. Lebens- jähre in Berlin an den Folgen eines Autounfalls Verstorbenen hatte in den letzten Iahren in der breiteren Oeffentlichkeit Klang gewonnen. Schien es ihm doch gelungen zu sein, das Alchimistenrätsel zu lösen: Gold aus anderen Stosfen zu gewinnen. Freilich, seine Annahme, daß sich Quecksilber in ganz winzigen Mengen in Gold verwandeln lasse, hat sich nicht bestätigt. Es finden sich immer Spuren von Gold im Quecksilber, und das von Miethe benutzte Quecksilber ist offenbar nicht chemisch rein gewesen. Die dauernd« Bedeutung Miethes liegt auf den Gebieten der Optik und Photographie. Seit 27 Iahren hatte er eine Professur an der Technischen Hochschule In Eharlottenvurg inne. Der zu Potsdam geborene Gelehrte widmete sich früh leinem besonderen Arbeitsgebiet. lk87 erfand er zusammen mit I. Gädicke das Magncsiumblitziicht. das er dann in den Dienst der Photographie einführte: er baute auch die ersten von ihm als„Anastigmate" be- zeichneten verbesserten photographischen Objekt«. Unter Miethe wurde das phototechnische Laboratorium der Technischen Hochschule außer- mit Warschau. Das Zentrum treibe immer mehr nach rechts, um seine konfessionelle Schule durchzusetzen, so daß Sttese- mann und seine Deutsche Doltspartei Gefahr lausen, direkt isoliert zu werden. Es fei also zu befürchten, daß eine ernste Krise in Deutschland zu erwarten ist und irgendwelche Zugestand- nisse nur den Rechtsparteien zugute kämen. Deshalb wäre Vorsicht geboten. Für den Augenblick könne man nur mit Befriedigung fessstellen, daß der deutsche Geschäftsträger am Mittwoch nochmals betont habe, Deutschland werde die Politik von Locarno nicht ausgeben. Roch den jüngsten Reden von Hergt und anderen Nationalisten sei aber eine solche Dcrsichcrung von deusschcr Seite nicht gerade überzeugend. prejseverfolgung im Nlemellanü. Ter drutsrhc Generalkonsul nach Berlin gereist. Memel, S. Mai.(XU.) Gestern und heute wurden in Memel eine Anzahl deutscher Zeitungen beschlagnahmt, die Nachrichten über die Brüskierung des deutschen Generalkonsuls Dr. Mudra durch den litauischen Gouverneur des Memel- gebietes veröffentlicht hatten. Dem gleichen Schicksal verfiel auch eine deutsche illustriert« Zeisschrift, die Bilder aus Memel veröffem- licht hatte. Der deutsche Generalkonsul Dr. Mudra ist heute nach Berlin abgerei st. Dürgerblock gegen Sparer. Ter Kampf um gerechte Aufwertung. In der Donnerstagsitzung des R e ch t s a u s s ch u f s e s des Reichstages erwiesen sich die Regierungsparteien wieder als die gehorsamen Untergebenen ihrer Minister. Die Parole, die von Hergt und Schacht, von Curtius und Schiele ausgegeben worden war, wurde getreulich befolgt: jede, auch die sachlich einleuchtendste Aenderung des Äufwertungsgefetzcs wurde abgelehnt. Die sozialdemokratischen Vertreter machten es den Regierungsparteien nicht leicht. In der Frage der Rückwirkung nahmen sie einen von der j u r i st i- schen Arbeitsgemeinschaft für Gesetzgebung?. fragen entworfenen und begründeten Antrag aus, der den Re- gierungsparteien schon deshalb einige Sorgen bereitete, weil der Ausschußvorsitzende, Geheimrat Kahl, zugleich auch Vorsitzender jener juristischen Arbeitsgemeinschaft ist. Der sozialdemokratische Antrag bestimmt, daß bei Hypotheken, die vor dem 15. Juni 1922 zurückbezahlt worden sind, nachträglich eine Auswertung der persönlichen Forderung bis zu 15 Prozent des Goldmarkbetrages anzuordnen ist, wenn der gezahlte Bettag 10 Prozent des Goldmarkwertes der Forde- rung nicht erreicht, wenn ferner der persönliche Schuldner beim Inkrafttreten des Auswertungsgesetzes noch Eigentümer des belasteten Grundstücks war und endlich die Versagung der Aufwertung für den Gläubiger mit Rücksicht aus seine wirtschaftliche Lage, ins- besondere auf erhebliche, auf dem Währungsoersall oder die Ber- drängung oder die Liquidationen des Vermögens zurückzuführende Vermögensverluste eine unbilligeHärte bedeuten würde. Nur bezüglich der Höhe der zu gewährenden Auswertung ging der sozial- demokratische Antrag weiter als die juristische Zlrbcitsgemeinschaft, die lediglich dann eine Zusatzmhlung verlangt, wenn die Rückzahlung der Schuld 5 Prozent des Goldmarkwertes nicht erreichte und die Aufwertung auf 10 Prozent beschränken wollte. Im Berlauf der Debatte nahmen Redner aller Fraktionen m i t Ausnahme der Deutschnationalen da» Wort. Die Ver- treter der Deutschen Bolkspartci und des Zentrums lehnten überein- stimmend mit dem Vertreter des Reichsfuftizministeriums den Antrag nach langem Wenn und Aber, einerseits und andererseits ab. Der Dertreier der demokratischen Fraktion und_ber Abg. Dr. Best stimm- tcn ihm zu mit der Begründung, daß der Stichtag des 15. Juni 1922 ,1, in der Tat eine krasse Ungeheuerlichkeit darstelle. Der Antrag wurde schließlich mit 16 gegen die 12 Stimmen der Linken abgelehnt. Ein« weitere Debatte rief ein Antrag B e st hervor, der vom 1. Januar 1928 ab den gegenwärtig 3 Prozent betragenden Zins für den Auswertungsbetrag nach den am freien Hypothekenmarkte gelten» den Sätzen bemessen will. Alle Beweisführung hals auch hier nichts. Die Reichsregierung„erwartet" die Ablehnung, hatte Minister Hergt Tags zuvor erklärt, und die Regierungsparteien entsprochen diesem Befehl. Der Antrag wurde ebenso abgelehnt wie zahlreiche andere vom Abg. Dr. B e st«ingebrachte und vertretene Anträge. ordentlich erweitert. Aus den Arbeittn auf dem Gebiete der Farben- Photographie ging die Entdeckung der sensibilisierenden Eigenschasten der Jsozyanine hervor, die Miethes Verfahren der Farbcnphoto- graphie neben das der Brüder Lumiere stellte. Seine rastlos tätige Natur regte viele neue Schöpfungen an. Im Jahre 1909 entstand so die photographische Sternworte der Technischen Hochschule: 1919 wurde Miethe Direktor der Prüf- und Verjuchsanstolt für Kino- technik. Der Luftschiffahrt gehörte Miethes besonderes Interesse: er pflegte besonders die Photographie aus der Luft. Wissenschaftliche Reisen, wie eine 1903 unternommene Expedition nach Oberägypten, die Zeppelinexpedition nach Spitzbergen im Jahre 1910 und die Sonnenfinsternisexpedition nach Nordnorwegen von 1914, die er leitete, gaben ihm besonders auch Gelegenheit, sich als packender Schriftsteller zu erweisen. Die Brettlkunst al» politisches Agilalionsmittel. In zahlreichen Volksspeisehäusern, Bierhallen, Kinos und Arbeitertlubs der größeren Sowjesstädte hat sich seit Iahren eine stattliche Zahl höchst primitiver Kleinkunstbühnen aufgetan,— ein Lockmittel für den Massenbesucher, auf den jede Art von Boriete seine Anziehungskraft ausübt,.zumal er für den Besuch der Theater gewichtigeren Formats oft nicht die. Mittel oder das Interesse besitzt. Sowohl das Repertoire dieser Bolkskabaretts als auch ihr künstlerisches Niveau bedürfen nach An- ficht der sowjetrussischen Bildungsinstanzen einer gründlichen Revision und Hebung. Es sei, so wird betont, außerordentlich schwer, ja fast unmöglich, den zungenfertigen Podiumkünstlern mit ihren politi- schen Tageswitzen immer und überall auf die Finger zu gucken und eine verkappt antisowjetistische Flaumacherei wirksam zu bekämpfen. Das beliebte Brettl sei ein politisches Kampfmittel erster Ordnung. Es wird angeregt, in Moskau ein Muster-Sowjetkabarett zu schaffen, um nunmehr auch dieses von der Theaterpolitik der Sowjetunion vernachlässigte Kunstgenre in«in bewußt revolutionäres Fahrwasser zu lenken und einen sowjettreuen Stab von Podiumkünstlern zur Versorgung der Prooinzbrettl heranzuziehen. Die beim 2. Moskauer Staats.zirkue bestehende„Music-Hall" könne dabei wohl in ihrer Tendenz, nicht ober in ihrer umfassenderen Zwecken dienenden Auf- machung als Vorbild gelten. Zur Förderung dieser Bestrebungen erläßt das„Moskauer Stadtkomitee der Estradenkunst" einen Weit- bewerb für Brettl-Spielpläne und Sketchs zur Oktoberfeier. Das Haus der Presse in Leningrad veranstaltet dieser Tag« ein« Aus- spräche zwischen Vertretern der Brettlkunst und der Schrifsstellerwelt. um ein Hand in Hand gehen bei Aufstellung eines zweckmäßigen Reper- toires zu erzielen. Der Wettbewerb für das Völkerbunds hau«. Keiner der eingereichten 377 Entwürfe ist zur Ausführung empfohlen worden. Die gesamte Preissumme von 165 000 Franken wurde in neun erste Preise von je 12 000 Franken und in neun zweit« und neun dritte Preise aufgeteilt. Unter den neun ersten Preisttögern bennden sich auch zwei deutsche Firmen: ferner fallen zwei zweite Preise an Deussche. ra« All« INusnim am Lustgarten bleibt am Sonntag, dcm S. Mai, für den Besuch geschlossen. l>r. Paul Legbond wurde zum Inteudaiite» de» Münchrn-tvladbacher Etadttheaiers gewählt. Leaband war«ine Zeitlang Regisseur an der Bolls. bühne m Berlw. Der Polizeipraflöent greift öurch! Die nationalsozialistischen Organisationen in Berlin verboten. Der Polizeipräsident teilt mit: „Auf Grund des Artikels 124 der Reichsverfafsung. de?§ Z des Reichsuereinsgesches und des 8 10 II 17. Allgemeines Landesrecht. habe ichdenGauBerlin-prandcaburgderllational. sozialistischen deutschen Arbeiterpartei mit ihren Unterorgauisalienen, Sporlableilung, Schuh st affel. Itationalsozialistischer Freiheitsbund. National- sozialistischer Deutscher Studentenbund. Ortsgruppe Berlin, und Deutsche Arbeiterjugend shitler-Zugendj aus gelöst, weil die Zwecke dieser Organisatiouen deo Straf. gesehen zuwiderlaufen. Diese Anordnung tritt sofort in straft. Dem- gemäß ist den Mitgliedern der ausgelösten Organisationen jede ver- cinsmäßige Betätigung, insbesondere die Abhaltung von Bersammlnogen und Zusammenkünften aller A r l in geschlossenen Räumen, sowohl als auch unter freiem Himmel und die Veranstaltung öffentlicher Aufzüge und Demonstrationen verboten." * Der Polizeipräsident hat gegenüber den Terrormethoden der Hakenkreuzler energisch durchgegriffen. Diese Burschen können nicht politisch, sondern nur kriminell gewertet werden. Die Strafoersolgung des Goebbels, des Anstifters bei den Bor- kommnissen im Kriegervereinshaus ist eingeleitet. Dieser Goebbels war der Anstifter des Ueberfalls der Hakenkreuzbanditen auf Rote Frontkämpfer auf dem Bahnhof Lichterfelde-Ost, unter seiner Führung fanden die Ueberfälle auf friedliche Passanten an der Gedächtniskirche statt. Es ist erstaunlich, daß gegen ihn wegen dieser Vorfälle noch nicht ein Verfahren eingeleitet worden ist. Der Rädelsführer G o e b b e ls hat die schweren Aus- fchreitungen seiner Anhänger systematisch organisiert. Er hat für die Führung von Massenversammlungen folgende ge- druckte Anweisungen herausgegeben: „Du eröffnest die Versammlung mit kurzen Begrüßungsworten. Jetzt folgt ein kritischer Moment: Der rote Bonze erhebt sich gewichtig und fordert das Wort zur Geschäftsordnung. Zuerst wirst du sagen, das kennen wir nicht. Auf fein unablässiges Drängen gibst du dann schließlich nach. Nun wirst du während des ganzen Vor- träges keine Ruhe bekommen. Jedermann weih ja, daß du ein Jämmerling bist und nicht daran denkst, konsequent durchzubeißen. Deshalb lautet dieser Dialog so und nicht anders: Der Bonze:„Zur Geschäftsordnung!" Du:„Da i st einer irrsinnig geworden! Herr Zeit- genösse, Sie scheinen nicht zu wissen, daß Sie sich in einer national- sozialistischen Versammlung befinden. Sollten Sie noch ein- mal wagen, den ruhigen und sachlichen Verlauf der Versammlung zu stören. so kann ich nicht dafür garantieren, ob Sie nicht durch eine zweck- entsprechende stopsmassage wieder zu einem brauchbaren Mit- glied der menschlichen Gesellschaft gemocht werden!" Kann er sich dann noch nicht beruhigen, dann verzeih es der SA., daß sie ihn von Hand zu Hand zur Treppe hinunterkomplimentiert. Du bist ein rechter Schäker, wenn du noch Verlauf dieser erfrischenden Prozedur die Versammlung fragst:„Wünscht noch jemand das Wort zur Geschäftsordnung?" Nach dieser Anweisung ist es ohne weiteres klar, �dafr die Antwort G o e b b e l s auf einen Zwischenruf des Pfarrers Stucke„Sie wollen wohl hinaus?" der Befehl an eine or- ganisierte Schlägerkolonne war, den Pfarrer zu mißhandeln. Hinterher reden sich die feigen Burschen auf„Proooka- teure" aus. hugenberg! Die gesamte Berliner Presse einschließlich der Rechtspresse ver- urteilt das Rowdytum der Hakenkreuzler aufs schärfste. Mit drei Ausnahmen: die„Deutsche Zeitung" nimmt Partei für Goebbels und seine Banden, und„L o k a l- A n z e i g e r" und „Tag" befleißigen sich schweigsamer Zurückhaltung. Das Haus Hilgenberg hat drei Meinungen. 1. Die Telsgraphen-Union verbreitet eine Darstellung der Rationalsozialisten, deren Verlogenheit aus dem Polizeibericht ohne weiteres hervorgeht. 2.„L o k a l- A n z e i g e r" und„T a g" enthalten sich einer Meinungsäußerung. 3. Der„N a ch t- T a g" verurteilt Goebbels auf das schärfste: „Er benutzte die gestrige Versammlung, um zu beweisen, daß die Berliner vtationalso.zialisten keine politische Partei, sondeni eure Gesellschaft von üblen Störenfrieden sind, mit denen sich künftig die Oessentljchkcit nicht mehr unter politischem Gesichtspunkt zu beschästigen braucht. Wer gegen Andersdenkende zur öffentlichen Gewalt auffordert, stellt sich außerhalb jeder staatlichen und politischen Gemeinschaft." Die Hugenbcrgsche Telegraphen- Union macht sich zum Sprachrohr von Leuten, die sich nach dem Hugenbergschcn„Nacht- T a g" außerhalb jeder staatlichen und politischen Gemeinschaft stellen. Man versteht die Haltung des„Nacht-Tag". Es war sein Leiter Dr. K r i e g k, der den Zorn von Goebbels erregt hatte und dem er deshalb einen Uebersall seiner Banden in der Wohnung angc- kündigt hatte. Die übrigen Hugenberg-Iournalisten hatten nicht einmal soviel Solidarität mit ihrem Kollegen, um gegen so unerhörte Terror- anorohungcn Stellung zu nehmen. Richtlinienrepublikaner. Aber hohcnzollcrntreu bis zum Byzantinismus. Das deutsche Volk hat Veranlassung, heute«inen Feiertag zu begehen: Wilhelms des Letzten äUestcr Sprößling hat nämlich G e- b u r t s t a g. Da dieses Ereignis aber den, deutschen Volt im höchsten Grade gleichgilltig ist, so nimmt wenigstens ein Organ der g r ö ß- ten Regierungspartei die Gelegenheit wahr, dem hohen Herrn Glückwunsch und Treuschwur zu Füßen zu legen. Die deutsch- nationale„Kreuzzeitung" schreibt nämlich: „Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Kronprinz Wil- Helm begeht morgen, den 6. Mai, seinen 4S. Geburtstag. Ihm, dem das Schicksal so Schweres auferlegte und der trotzdem den Glauben an die deutsch« Nation nicht verloren hat. bringen auch wir heute unsere Glückwünsch« dar, verbunden mit einer E r- Neuerung des Gelöbnisses der Treue, das uns mit dem Hohenzollernhause verbindet." Dieser sinnige Erguß ist selbstverständlich mit der sattsam be- kannten Verfassungstreue unserer deutschnationalen Biirgerblöckler durchaus vereinbar. Steht denn nicht ausdrücklich in den berühmten Richtlinien, daß auch die.Symbole der Vergangenheit. geachtet werden" sollen?. �_____________ 1 Preußen unö die �ustizkrife. Programmrede des Jnftizministers Schmidt-Lichtenberg. Im Landtag wurde am Donnerstag die zweite Lesung des Justizetats begonnen. Der neue Justizminister Dr. Schmidt- Lichtenberg leitete die Verhandlung mit einer geschickten und wirkungsvollen Programmrede ein. Er nagelte zunächst sehr witzig seinen Kollegen im Reiche, den Reichsjustizminister Dr. H e r g t, darauf fest, daß er das Be- stehen einer Vertrauenskrise der Justiz zugegeben hätte, ohne dagegen irgendwelche ernsthaften Abhilfemittel zu wissen. Schmidt-Lichtenberg selbst versprach mit der erforderlichen Energie und Zivilkourage gegen alle Richter durchzugreifen, die ihr Amt gegen die Republik mißbrauchen. Daß der neue preußische Justizminister Aktivität besitzt, bewies Schmidt-Lichtenberg durch die Aufzählung der Maß- nahmen, die er in den ersten zwei Monaten seiner Amts- führung getroffen hat. Bemerkenswert und noch nicht be- kannt waren unter seinen Mitteilungen die, daß ein Gesetz über die O e f f e n t l i ch k e i t der Verhandlungen in D i s z i- plinarprozessen gegen Richter in kürzester Zeit dem Landtage zugehen wird, und daß die Durchführung des Strafvollzuges in Stufen noch im Laufe dieses Jahres erfolgen soll. Der zurückgetretene Justizminister Dr. A m Z e h n h o f f, der acht Jahre an der Spitze der preußischen Justizverwaltung gestanden hat, hat den milita- ristisch forschen Geist der Epoche Wilhelm 17. wenigstens aus dem Justizministerium selbst vertrieben. Die Ankündigung des neuen Justizministers, daß er die Gnadenpraxis Dr. Am Zehnhoffs fortsetzen werde, begegnete selbst bei den übelsten Reaktionären kaum noch einen Widerspruch. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Genosse H e i l m a n n dem neuen Justizminister der Koalition das Vertrauen aus. Er rief dem Justizminister das Wort zu, das Karl Marx im rheinischen Provinziallandtag von 1849 gesprochen hat: Wie der Maler die Schönheit eines Weibes nur dann darstellen könne, wenn er diesen Typus Weib einmal im Leben wirklich geliebt habe, so könne Recht und Verfassung nur d«r wirklich verteidigen, der sie auf- richtig Nebe. «- Der Landtag beschäftigte sich gestern in zweiter Lesung mit dem Justizetat. Die Abgg. Dr. Grzimeck und Dr. Rofenseld(Soz.) erstatteten den Bericht. Ministerialrat Dr. Dankworl erklärte u. a., Preußen habe für die Beibehaltung der Todes st rase gestimmt, aber Todes- urteile würden nur bestätigt werden, wenn nicht der geringste Zweifel an der Täterschaft und an der Gemeingefährlichkeit des Mörders bestünde. Justizminister Dr. Schmidt-Lichtenberg hält darauf seine Programmrede: Heute, wo ich zum erstenmal als Ehes der Justizverwaltung vor dieses Haus trete, ist es mir inneres Herzcnsbedllrsnis, die Verdienste meines hochverehrten Amtsvor- Bestehen einer Vertrauenskrise der Justiz bejaht und zahlreiche richterliche Urteile als faljch und unverständlich preisgegeben. Zur Abwehr von Uebcrtrcibungen hat er die Propaganda der Wahrheit und die Erhaltung des unabhängigen Richiertums empfohlen. IRclnc ersten praktischen Erfahrungen haben mir bestätigt, daß das Zllißkauen gegen die Gerichte im beachtlichen Umfange fortbesteht(Hört, Hort! links) und daß es großer Anstrengungen bedürfen wird, das gesunkene und telliveise verschwundene ver- trauen zur Rechtspflege wieder herzustellen. Das Berufsrichtertum, das ich aus LSjähriger Kollegenschaft genau kenne, ist in seiner überwältigenden Mehrheit durchaus gesund, ver- fassungstreu und arbeitsam. Aber einzelnen unwürdigen und im- sähigen Beamten muß mit allen zulässigen RUkleln entgegengetreten werden. Die nötige Entschlußkraft und Zivilcourage sollen sie bei mir nicht vermissen.(Bre.vo! links und in der Mitte.) Das aus- gezeichnete Verhältnis zwischen dem Ministerium und dem Rechts- ausschuß des Hauses, insbesondere seinem verdienten Vorsitzenden Abg. Brückner, werde ich weiter pflegen. Für die Vertrauens- volle Mitarbeit der Rechtsanwaltschaft habe ich die Zusagen ihrer maßgebenden Führer. Im übrigen wollen wir über die Ver- trauenskrise nicht ohne zwingenden Grund weiter sprechen: denn beheben könne» sie nur entschlossene Taten.(Bravo! links und in der Mitte.) Die Mitwirkung der Tag es presse ist der Rechtspflege unentbehrlich. Ich biete mich als ehrlicher Makler zwischen Presse und Justiz an. Die neuen Justizpressestellcn sollen fede mögliche Auskunft geben und den Pressevertretern jede wünschenswerte Erleichterung ihrer Arbeit schaffen. Beim Entwurf des neuen R e i ch s st r a f g e s c tz b u ch e s hat das preußische Staatsministerium seine Anschauung besonders stark zur Geltung bringen können.. In einer allgemeinen Verfügung vom 7. April habe ich größte Höflichkeit gegenüber den Rechtsuchenden, in einer solchen vom 9. April Rücksicht auf das Publikum bei den Termins- anberaumungen angeordnet. Für die Geschworenen ist ein beson- deres Merkblatt herausgegeben worden. Die Organisation der Arbellsgerichke wird baldigst fertiggeflelll. Für die Vorsitzenden dieser Gerichte finden im Juni besondere Ausbildungskurse stall. Das Staatsministerium hat auf meine Zlnrcgung eine Novelle zum Richterdisziplinargesetz beschlossen, durch die die Ocffentlichkeit der Verhandlung vorgeschrieben wird. Die Drucklegung der bisherigen grundlegenden Entscheidungen ist vorbereitet. In Sachen des Oberlandesgerichts Beuthen sind wir durch feierlich- Versprechungen gebunden. Die Ausstciittma der Be- Hörden mit modernen Einrichtungen wird tokträftig gefördert wer- den. Die Rechts pf leg er müssen organisch zur Entlastung der Richter eingegliedert werden und ebensa das wertvolle Bureau- personal von der rein schematischen Arbeit befreit werden. Der Entwurf über die Herabsetzung der Gerichtsgebühren wird demnächst dem Hause zugehen. Für den Strasvollzug in Stufen werden in kürzester Zeit die endgültigen Richtlinien erlassen. Bauliche Verbesserungen in den Gefangenenanstalten und Der- mehrung des ärztlichen Personal., soller schleunigst durchgeführt werden. Im Enadenwesen werde ich der bewährten Praxis meines Amtsvorgängers treu bleiben.(Bravo! links und in der Mitte.) Denn das letzte Ziel der Justiz ist der innere Friede. Und wenn wir oft hart strafen müssen, wollen wir doch wenigstens gelegentlich auch durch Menschlichkeit Freude schaffen.(Beifall.) Abg. heilmann(Soz.): Es ist im Laute der Jahre in der preußischen Justiz manches besser geworden. Die Vertrauenskrise der Justiz ist damit freilich längst nicht aus der Welt geschafft. Die Rechtsparteien suchen diese Tatsache damit zu vertuschen, daß st« umgekehrt die Behauptung ausstellen, wir wollten die Justiz im Dienste des Klassenkampses zu Ungerechtigkeiten mißbrauchen. Im Ausschuß haben sich die Rechts- parteiler dafür ror allein auf die München er Rede des Reichsgericht sp räsidenten Dr. Simons bezogen. Aber dieser hat inzwischen seine Aeußerungen dahin berichtigt, daß er im Gegenteil ein- Vermehrung der sozialdemokra- tischen Richter für sehr notwendig hatte. Klassenkampf und Gerechtigkeit find zwei Begriff?, die sich nach unseren An- schanungen nicht ausschließen, sondern gegenseitig bedingen. Diese Anschauung ist so alt wie die Sozialdemokratie selbst. Vor 64 Jahren hat Ferdinand L a f s a l l e vor den Berliner Richtern ausgesprochen, daß der Sozialdemokrat schon um deswillen nicht unge- recht gegen die kapitalistische Wirtschastsordnung sein könne, weil er sie als unerläßliche wettgeschichtliche Vorbedingung und Durchgangs- stufe zum Sozialismus ansehe. Die Sozialdemokratie wolle nicht die Geschichte umkehren und die bisher herrschende Klasse zur unter- drückten machen, sondern ihre Sache sei gleichbedeutend mit der des ganzen Menschengeschlechts, ihre Freiheit die Freiheit aller. Der Schrei des Klassenkampfes sei ein Schrei der Versöhnung, ein Schrei nach Ueberwindung aller Klassengegensätze.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gerade die Liebe zum Recht läßt uns das Unrecht hassen, läßt uns ungerechte Richter, wie die Herren Beinert-Wernigerode. Springer-Polkwih und Kußmonn erbarmungslos bekämpfen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber der tiefste Grund der Vertrauenskrise sind nicht die Der- fehlungen einzelner, sondern die Tatsache, daß das Straf- r i ch t e r a m t mehr und mehr ein Privileg der Wirtschaft- lich besserge st eilten Schichten des deutschen Volkes geworden ist und deren Standesvorurteile widerspiegelt. So hat es wörtlich im Jahre 1906 der Vater der nioderneii Strasremtslehre FranzvonLiszt niedergeschrieben. Diesen Urgrund der Klassen- justiz kann auch der neue Justizminister beim besten Willen nicht aus der Welt schaffen. Er kann nur helfen, sie etwas zu mildern. Das Vismarcksche Preußen hat Mittel genug gefunden, die Richter politisch zu beeinflussen. Aber wir möchten dem Justizminister einen direkten Einfluß auf die Auswahl der Strafrichter geben, indem wir vorschlagen, daß der Reichstag das Gerichlsversassungsgesetz dahin ändert, daß die Bestellung der Vorsitzenden der Strasableilungen und Strafkammern au die Zustimmung des Ministeriums gebunden wird. Dann könnte der Minister dafür sorgen, daß wenigstens die Straf- justiz von republikanisch zuverlässigen Richtern geleitet wird.(Zu- rufe und Unruhe rechts.) Ich dachte, ich würde mit dieser Forderung einstimmigen Beifall ernten, nachdem sich die Deutschnationaien im Reiche für den Schutz der republikanischen Verfassung von Weimar so stark gemacht haben.(Große Heiterkeit links.) Ich möchte dem Herrn Justizminsster da ein schönes Wort von Karl Marx mit auf den Weg geben. Er hat im rheinischen Provinziallandtag von 1849 bemerkt, Goethe habe einmal gesagt, dem Maler glückten nur solche weiblichen Schönheiten, deren Typus er wenigstens in irgendeinem lebendigen Individuum geliebt habe; auch die Verfassung und das Recht seien Schönheiten, wenn auch gerade keine weiblichen, di« geliebt haben müsse, um sie wirklich zu verteidigen.(Sehr gut! und Heiterkeit links.) Wir brauchten vielleicht kein Volk mehr im Gericht, wenn erst die Richter wieder Volk geworden wären. Bis dahin können wir aber den Verlust des alten Schwurgerichts nicht oerschmerzen. Die Todesstrafe läßt sich weder vom Stand- punkt der Strostheorie aus verteidigen, noch ist sie zum Schutz der Gesellschaft notwendig. Mit besonderer Freude haben wir in der Prograinmrede des neuen Justizministers festgestellt, daß or die menschliche Gnadenpraxis seines hochverehrte» Vorgängers fortsetzen will. Wir begrüßen den neuen Justizminister mit Vertrauen und erhoffen von ihm die Tatkraft, die er versprochen hat.(Bravo! links.) Abg. Dr. Deerberg(Dnat.): Die Bcrufssreudigkeit des deutschen Richtertums wird durch die ständigen Angrisse gegen die Justiz untergraben. Das zeigen Fälle wie M a r s ch n e r und Jürgens. Der Prozeß Jürgens ist lediglich aus Angst vor der Straße durch- geführt worden. Unbegreiflich ist die Rolle des Ersten Staats- anwaltes Jordan aus Swrgard, der als alter Freund der Familie Jürgens die Anklage vertrat und 2!� Jahre Zuchthaus beantragte, ohne jeden Schuldbeweis. Die Bestrebungen auf llebergabe der Justizverwaltung an da» Reich lehnen wir ab. Das wäre ein Schrill zur Auslösung Preußens, und wir sind Preußen und wollen Preußen bleiben. (Lraoo! rechts.) Zlbg. Oppenhoff(Z.): Die Vertrauenskrise besteht. Wir müssen von den Richtern verlangen, daß sie rückhattlos zur Verfassung stehen. Aber wir lehnen die Verallgemeinerung von Einzelfällen ab. Im allgemeinen ist die Justiz besser geworden, und es ist falsch, die Richter ohne weiteres den besitzenden Klassen zuzu- zählen. Die Auswahl der Schöffen und Geschworenen muß viel forgfältiger werden. Die Senate der Oberlandesgerichte sind wieder mit S Richtern zu besetzen. Abg. Eichhofs(D. Vp.) bespricht in der Hauptsache technische Instizfragen� Das Amtsgerichtsgebäude in Frankfurt a. d. O. sei ein reiner Schweinestall. Fehler der Justiz werden von einer ge- wissen Presse maßlos übertrieben.' Abg. Dr. Grzimek(Dem.) fordert eine kräftige demokratische P-rsonnlpolitik. Preußen müsse der Stoßbock wenden, der dem Recht in Deutschland die Vahn bricht. Nach Ausführungen des Abg. Körner(oölk.) wird die Fort- setzung der Debatte auf Freitag mittag 12 Uhr vertagt. Ostpreußen beschwert sich. Neuer Schritt des preußischen Ministerpräsidenten« Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Der preußische Ministerpräsident Braun empfing am 5. Mai eine Deputation der Provinz Ostpreußen, die von dem Oberpräsi- deuten S i e h r geführt wurde und der die Herren Brandes, Präsident der Ostpreußischen Landwirtschaftskammer, Oberbürger- meister Lohmeyer aus Königberg für die Gemeinden und Ge- meindeverbände, Handelskammerpräsident L a a s e r- Tilsit für die ostpreußischen Industrie- und Handelskammern, der Präsident der Handwerkskammer aus Königsberg, Groß, der Präsident des Land- wirtschaftsoerbandes als Vertreter der landwirtschaftlichen Arbeitgeber und der Vorsitzende des Ortskartells Ostpreußen des Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbundes angehörten. Die Deputation trug dem Ministerpräsidenten die Beschwerden über unzureichende Berücksichtigung Ostpreußens bei der vom Reich geplanten Verteilung des 25-Millionen- Fonds vor und wies darauf hin, daß die außerordentlich schwierige wirtschaftliche und finanzielle Lage der Provinz, die aus der territo- rialen Abtrennung vom Mutterlande durch den polnischen Korridor begründet sei, mit der in keinem anderen Gebietsteil Deutschlands verglichen werden könne. Es gäbe kein Teilgebiet des öffentlichen Lebens der Provinz, auf dem sich nicht die insulare Lage Verhängnis- voll auswirke. Ministerpräsident Braun erwiderte darauf, daß die preußische Regierung das alles kenne und vollmrf würdige und forlgefehk mit allem Rachdruck die ostpreußischen Forderungen bei der Relchsregie- ruug vertrete. Er selbst habe schon bei seinem Kampf gegen die bevorzugte Behandlung der drei süddeutschen Länder bei der Aenderung des Biersteuergesetzes darauf hingewiesen, daß die preußischen Grenzbezirke die Leidtragenden sein würden. Er habe neuerdings, gestern, in einem ausführlichen Schreiben den« Herrn Reichskanzler die Stimmung In Ostpreußen eingehend geschildert und ihn ersucht, den Vcrleilungsplan erneut zu prüfen oder evenkuell neue Reichsmiliel für Ostpreußen und die übrigen Ostprovinze« zur Verfügung zu flelleu. Retlame für Sie Zafthiften. Die Schwindelmanöver der KPD. Do der Stahlhelmrmmnei wahrscheinlich unter der Weichgültig- keit der Berliner Bevölkerung wirkungssos verpuffen würde, macht die KPD. seit Wochen die verzweifeltsten Anstrengun- gen, die Reklametrommel für die Faschisten zu rühren. Dabei kommt «s der KPD. auf eine Handvoll Schwindelnochrichten mehr oder weniger nicht an. So teilt uns der Betriebsrat der Aktiengesellschaft für Bauausführungen mit. daß der angebliche Aufruf der Belegschaft der Firma, der in der Mittwoch-Nummer der„Roten Fahne' veröffentlicht worden ist und dieser vom Betriebsrat zuge- schickt worden sein soll, wedervom Betriebsrat kommt, noch von der Belegschaft dieser Firma. Berfaffer und Einsender de» Aufrufes ist der Hilfsarbeiter O., der dem Jnduftriever» band(Kaiser, Weyer) angehört. Die Belegschaft der Firma ist etwa 1200 Mann stark, während die Baustelle, auf der der Beschlutz angeblich gefaßt sein soll, nur etwa 60 Mann umfaßt. Wie uns der erste Borsitzende des Betriebsrats, Genoff« P a e g e, mitteilt, würde der Betriebsrot, wenn er Gelegenheit gehobt hätte, zu dem Aufruf Stellung zu nehmen, sich für den Standpunkt der freien Gewerkschaften enffchieden habe». Aehnlich versuchte die KPD. ein Manöver im Siemens» Konzern, dos aber vorbeigelungen ist. Borgestern tagte eine Versammlung des 25. Bezirks des Deutschen Metallarbeiter Verbandes, zu dem der Siemens-Konzern gehört. Am Ende der Bersammlung. als nur mehr etwa 50 Personen anwesend waren, brachte der von der Münzstrahe beauftragt« Vertreter die übliche Resolution zum *. und 8. Mai ein. Obwohl die Anhänger der KPD., die von dem Manöver natürlich informiert waren, ausgeharrt hatten, wurde der Antrag nicht angenommen, sondern ein von unseren Genoffen ein- gebrachter Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. Di« Stimmendifferenz war bei der geringen Anzahl der An- wesenden natürlich nur eine klein«. Einige Stimmen mehr hätten genügt, um dem Antrag zum Siege zu verhelfen. Dann würde die KPD. am anderen Morgen m grotzer Fettschrist verkündet haben, daß die Belegschaft des Siemens-Konzerns, also nahezu 50 000 Mann, für Generalstreik, Gegendemonstrationen und den sonstigen üblichen Rummel der Kommunisten eintrete, obwohl die Belegschaft gar nichts davon gewußt hätte. In üblicher Weise versuchte die kommunistische Fraktion in einer Belegschaftsversammlung der AEG., K 0 l 0 n i e st r a ß«, am 29. April einer Resolution zur Annahme zu verhelfen, die die be- kannten, in der Münzstratze vervielfältigten Forderungen enthielt. Auch hier fielen die Kommunisten glatt ob. Im anderen Falle würde man natürlich verkündet haben, daß die Belegschaft des AEG.- Konzerns für die kommunistischen Forderungen eintritt. Wie die Arbeiterschaft über den Stahlhelmtag denkt, das Hot sie am 1. Mai in ihrer überwältigenden Kundgebung gezeigt. Die Berliner Arbeiterschaft ist r 0 t und verachtet die gelben Stahlhelmer. Don den schwindelhasten Reklamemanövern der KPD. wendet sie sich ober mit Ekel ab. öetriebsratswahlen im verltner öankgewerbe. Der Allgemeine Verband an der Spitze! Den übrigen Großbanken folgten am gestrigen Tage Darm- städter und Nationalbank und Deutsche Bank mit ihren Betriebsratswahlen. Bei beiden Banken hielt wiederum der freigewerkschaftliche Allgemeine Derband der Deutschen Bankangestellten seine überragende Position insofern, als er bei der Deutschen Bank gegenüber den drei vereint gegen den freigewerkschaftlichen Verband kämpfenden bürgerlichen Verbänden 11 Sitze errang, während die übrigen Der- bände zusammen nur sieben Sitze erringen tonnten. Bei der Darmstädter und Nationolbant stellt sich das Verhältnis insofern noch günstiger, als der Allgemeine Derband von vierzehn zu oer- gebenden neun Mandate zu erringen wußte, während Deutscher Bankbeamtenvereiu und Oberbeamtenvereinigung zusammen nur fünf Mandate erhielten. Der noch im Vorjahre bei dieser Bant auf den Plan getretene Deutschnaklonale Handtungs gehilfenverdand hatte e» in diesem Jahr« vorgezogen, sich nicht mehr zu Wahl zu stellen._ Unfallfteigeruag ka öer Metallioöustrie. Eine Aolge der Rationalisierung. Das einzigste Gut der Arbeitertlaffe ist die Arbeitskraft. Jeder Arbeitnehmer ist gezwungen, sich seine Arbeitskraft möglichst lang« in voller Höhe zu erhalten. Leider zeigen die Berichte der Kranken- lassen ein weiteres Ansteigen der llnfallziffern. Wir entnehmen aus den Berichten einer Betriebstrankenkasse eines Großbetriebes folgende Zahlen: öS betrug in den Jahren ISlS 1S21 1S25 192S die Zahl der Unfälle....... 1 403 263 1 384 1 639 di-Zahl der KrankheitStage durch Unfälle 25 510 7 638 31 219 45 013 die durchschnittliche Mitgliederzahl..36 341 40 471 55 037 46 199 Don je 100 Mitgliedern sind verunglückt 8,85 0,64 2.52 3,59 Die durchschnittlichen Ktankheitstcjge pro Unfallverletzter stiegen vom Jahr« 1913 von 18,1 auf 27,4 Tag« im Jahre 1926. Wieviel Not und Elend aus diesen Zahlen sprechen, braucht nicht besonders betont zu werden. Bemerkenswert ist noch, daß mit dem Steigen der Unfallziffern auch die Zahl der schweren Unfälle zu- nimmt. Zurzeit finden Verhandlungen im VBMI. statt über den Ab- schluß eines neuen Rahmentorifs, der noch den Forderungen der Metallarbeiter die 4614 stündige Arbeitswoche vorsehen soll. Wie berechtigt diese Forderung ist, geht aus diesen Ziffern hervor. Besonders ist die Attordpreispolitik in den Betrieben der Ber- liner Metallindustrie zu verurteilen. Bei dem Arbeiter, der an der Maschin« oder am Schraubstock steht, wird mit Zehntelpfennigen und Zehntelminuten gerechnet, während die Dividenden der Unter- nehmer von Jahr zu Jahr gestiegen sind. Dennoch haben die Unter- nehmer generelle Lohnzulagen für die Facharbeiter abgelehnt. Die Arbeiter wollen sich aber auch die Ueberstundenwirtjchaft und die Mkordschinderei nicht länger gefallen lassen. Die Unter- nehmer werden es sich bei den heute beginnenden Verhandlungen mit dem Mctallkartell zu überlegen haben, ob sie es auf einen Kon- flikt ankommen lassen wollen oder nicht. der Töpferstreik geht weiter. Trotz der Extratour der Sgpdifalisten. In der am Donnerstagabend im Gewerkschaftshous-obgehal- tenen Versammlung der im Baugewerksbund organisierten Töpfer, die sehr stark besucht war. berichtete der Fachgruppenleiter John über die hinterhältige Handlungsweise des Vereins Berliner Töpfer, die wir im gestrigen Morgenblatt bereits geschildert haben. So oer- räterisch sei noch kaum eine Berufsgruppe einer anderen in den Rücken gefallen, wie die sich streng radikal gebärdende und sich als syndikalistisch bezeichnende Lokalvereinigung. Deren Verhalten zeige mit aller Deutlichkeit, daß ein weiteres Zusammengehen des Baugewerksbundes mit diesem Verein unangebracht ist. Den Mit- gliedern des Vereins, die aus Verärgerung dem Baugewerksbund den Rücken gekehrt haben, müsse dos jeder gewerkschaftlichen Tradition hohnsprechend« Verhalten der Vereinsleitung vor Augen geführt werden. Di« ehrlichen Elemente im Lokalverein, die sich trotz der Abmachungen ihrer Vereinsleitung nicht zu Streikbrecher- diensten hergeben, müssen sich endlich dem mit blanken Waffen kämpfenden Baugewerksbund wieder anschließen. Den Streik- brechern in dem Verein wurde der schärffte Kamps angesagt. Uebrigens werde der Beschluß des Lokaloereins, die Arbeit am Sonnabend wieder aufzunehmen, nicht ohne weiteres durchführbar fein, da die übrigen im Baugewerksbund organisierten Bauarbeiter es ablehnen, mit Streikbrechern zusammen zu arbeiten. Die Töpfer des Baugewerksbundes werden trotz der Infamie des Lokaloereins ihren Streik mit der gleichen Einmütigkeit wie bisher weiter führen und sich an die Abmachungen der„radikalen' Steigbügelhalter der Unternehmer nicht kehren. In der anschließen- den Diskussion, in der der Abscheu über dos Verhalten des Lokal- Vereins zu deutlichem Ausdruck kam, sprachen sich olle Redner für den Dorschlag der Streikleitung aus, den Streik sortzu- setzen und an der aufgestellten Forderung mit allem Nachdruck fefizuhalten. Eine Entschließung in diesem Sinn« wurde von den Versammelten einstimmig angenommen. der Erfolg öer Textklarbetter!n Gstsachsen. Die Arbeit wird heute wieder ausgenommen. Nachdem die Verhandlungen über den Abschluß eines Rahmen- tarifs gescheitert waren, gingen am 23. April mehrere Tausend Textilarbeiter dazu über, ihr Arbeitsverhältnis zu kündigen und traten in den Streik ein. Das Reichsarbeitsministerium griff in den Streik ein und oerhandelte unter Darsitz des Schlichters Kunze am 2. und 3. Mai in Verlin. Wie der„Vorwärts' am 4. Mai berichtete, führten die Der- Handlungen zu einer Einigung. In einer Konserenz von 116 Funk- tionären der Textilarbeiter am gleichen Tage in Reugersdors be- richtete W i n k l e r vom Deutschen Textilarbeiterverband über den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen. Er schilderte die großen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, da jede einzelne Verbesserung den Unternehmern im harten Kampfe abgerungen wer- den mußte. Selbstverständliche Dinge, wie das Aushängen der Akkordlohnlisten, die Wirksamkeit der 8Z 615 und 616 des BGB., den erhöhten Zuschlag bei Schichtwechsel in der Nachtzeit, wollten die Unternehmer nicht zugestehen. Hartnäckig hielten sie daran fest, daß die Betriebe, die nur 32 Stunden wöchentlich während sechs Monaten arbeiten, auch nur 32 Stunden Feriengeld zahlen sollten. Nur der energischen Führung der Gewerkschaften und der mustergültigen Haltung der im Kampfe stehenden Kollegen und Kolleginnen ist der Erfolg zu danken. In der Diskussion wurde das hartnäckige Verholten der Unter- nehmer gegeißelt, die mit allen Mitteln versuchten die Arbeiter untereinander uneinig zu machen. Allseitig gelobte man dafür zu sorgen, daß auch der letzte Textilarbeiter und die letzte Textil- arbeiterin der Organisation zugeführt wird. Dem kommunistischen .Kämpfer', der eine Notiz oerbreitete, die in verleumderischer Weis-� die Gewerkschaftsführer herabzusetzen versuchte, wurde das Miß- trauen ausgesprochen. Die Baugcsellschast Süd-Ost G. m. b. h.. Berlin, Jsingstr. 9, teilt uns mit, daß sie mit der Baustelle Neukölln, Kaiser-Friedrich- Straße 99/100, die durch eine Bekanntmachung des Zimmererver- bandes in Rr. 206 des.Vorwärts' als gesperrt erklärt wurde, nichts zu wn habe. Die Zimmererarbeiten auf den Baustellen in Treptow, Jsingstr. 9, würden von der Gesellschaft nicht direkt ausgeführt, weshalb ihre Firma mit dem Streit der Zimmerer in keinem Zusammen- hange stehe. Zimmerer! DieFa.Mcier, Treptow, AmTreptowerPark 38, führt in der Marienkirche, Berlin, Neuer Markt, Zimmerer- arbeilen aus. Für diese Arbeiten ist die Firma durch eine Entschci- dung der Tarifkommisston verpflichtet worden 20 Proz. Zuschlag zu zahlen. Da die Firma diesen Zuschlag zu zahlen abgelehnt hat, haben die Zimmerer am 4. Mai die Arbeit eingestellt. Kameraden, die Baustelle ist gesperrt! liebt Solidarität mit den Strci- kenden! Zentralverband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berkin. «rbeiUlose Mitglieder de, Deutlche» Leilcl>r«b>l»d«,! Montag, 9 Mai. nachmittags 1 Uhr, im Laal l des Gewerkschaftshauses. Engelufer Z4f2S. Är- beitslofenmitgliederverfammlung. Jedes arbeitslose Mitglied hat bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Jutritt wird nur gegen Vorweisung des Verbands- ausweises und der Arbeits lose»karte gestattet. Die Bezirk, oerwaltung. Freie Gcweikslbastijuacnd. Heute, Freitag. VA Uhr, tagen die Gruppe»: Hermanaplag lNcutölln 2): Gruppenheim Jugendheim Sanderstr. u. Ecke Ho- vrechtftraßc. Heimbesprechung.— Schöneweide: Gruppenheim Jugendheim Laufencr Str. 2 sRoter Saal). Heimbesprcchung. Verbandsbuchkontrollc.— Wedding I: Gruppenheim Etadtbad Wedding, Gerichtstr. 65169. Heimbesprechung und Literarischer Abend:„An meiner Werlbank."— Zlordring: Gruvpcnheim Jugendheim Ebcrswaldcr Str. lö, Zimmer 12. Fritz-Reuter-Abenb.— Zeppelin» plag(Wedding 3): Gruppenheim Städtisches Jugendheim Turiner Eck« Seestraße. Heimdesprechung. Wir haben alle das Wort. Zehn-Minuten-SIeserate Uber: „Unser Berus."— Weißens««: Sportplatz am Faulen See, Platz 3. Spiel und Frohstnn.— Baeaozeig«: Sonntag, S. Mai, Anbadcn auf dem Zugendgelänb: Brieselang. Jngendgruppe de« ZdA. Heute, Freitag. IM Uhr, Veranstaltungen In folgenden Bezirken: Südwest: Jugendheim Belle-Alliance-Str. 7/10. Gruppen. besprechunz.— Nordwest: Empfangsraum de» Butab, Werftstr. 7. Heimabend. — Spandau: Jugendheim Linden ufer 1. Heimabend. Deutscher Werkmeisterorrband, Bezirk»« rein NeuiZll» L Heute, Freitag. Generalversammlung. Bortrag de» Kollegen Kurt Heinig über.Wirrschafts- palitische Fragen." Verantwortlich fflr Politik: Victor Schiff; Wirtschaft:<8. Klinge'höfcr: Gewerkschaftsbewegung: Friede,«tzkorn: Feuilleton:». H. Dlsch«: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerci und Verlagsanstalt Vau! Singer» Eo., Berlin SW 6«. Lindenstraße 3. Hier«, 2 Beilaaeu und„Unterbaltuna und Willen". WERTHEIM Leipziger Str. Königetreße Rosenthaler Str. Moritzplatz Obst, Gemüse, Fleisch nnd Fische werden nicht zugesandt iinumuimiiiiniimimiuiimiiuuuBniniini W-SK» I RESTAURANT WERTHEIM GEÖFFNET 10-8 UHR Zitronen- Gärungsgetrdnk Verkauf: Drogen-AbtefluBg Auuchank: Irfritchunfiroum LEIPZIGER PLATZ FrühstUcksgedeck, Mittagstisch von 12 bis 3 Uhr. Kaltes Büffet Reichhaltiges Kuchenbuffet zum Nachmlttaga-Kaffee. Theatergedeck ab 6V, Uhr. üumtmimiiannimnmniimiMimunmimininiiiiiimiimiimiimiiHiHuuuiiiiiiiimiiuuuiaiiii Pökelfleisch Landleberwurst Pfand 1.10 Dampfwurst•..Pfand 1.10 Rotwurstpreßsack Pfd. 1.10 Hildesheimer.. Pfund 1.30 Mettwurst 1-45 Filetwurst , Pfund 1,50 L m<*«a..... Pfad 1 50 Zervelatn-Sdiliikaiupedt 1.65 Nußschinken ��nd 1,90 Speck fett. Pfd. 1,10 mager 1.25 Italtitrit*. fcniftalv ttnt«. KorlWab; Braunschweiger nett« 1.20 Leberwurst fein«. Pfund 1.40 Frisches Fleisch Kalbskamm, Brust...... p>w Kalbsnierenbraten und k�u. m. Hammelvorderfleisch Schweinebauch Schmorfleisch Kaßler Speer u. Kamm..........Pfund Uesen ptd. 70p>. Gehacktes ppl Pfund Rücken n. Blak, mit Beilage, Pfund u. Roastbeef, m. Knochen Pfund 78 pi 85 Pi 94p,. 80 Pf. Im lio 75pf. Prima Ochsenffleisch, gefroren Suppenfleisch............. 50 p,. Kamm u. Brust..jv™* 55p,. Schmorfleisch*>«<*«.... Ptund 60 n. Limburger p££ Holländer....Pfuad 68Pf. Edamer...... Pfund 68Pf. Quadratkäse.. Pfund 24 Pt Schweizer mi SSrf. U.' 1.45 42 w. 50»f. AlljfSuar Tilsiter voiil.i«Qu»l, pw. 1.15 Margarine--.Pfund 58 pi. Tafelbutter...Pfund 1.78 Dänische Butter Pfd. 1,84 Konserven Vi Do« lH Dose Schnitt-Nudeln......... 36pf- Burma-Reis-.. Pinnd 22 Pf Vteiße Bohnen. Pfund 14 Pf. Tafelreis poliert, Pfund 24 Pf. Linsen...... Pfund 24 Pf. Patna-Rels... Pfund 32». Viktoria-Erbsen pm- 27«. Amerik. Reis••«und 35« Erbsen geb. poliert, ptd. 32«. Gebrannt. Kaffee kc�T-ä:�. 220 Haushalt-Misch.«und 2.60 Giobus-Misch..«und 3.80 � Sonder-Misch..«»»-> 3 m Residenz-Misch. pm 4.20 Olympia-Misch.«und 3.40 Elite-Mischung p&iad 4.6O Frische Ananas..... Pfund 95 pt. Zitronen Dufend 40 Pf 50 Ph Salat.» 2 grolle Köpfe 35 Pf. Tafeläpfel kaurorn.. ptd. 48pi Blatt-Spinat..Pfund 20«. Bananen.....«und 68 Pf. Kartoffeln neue,«und is»?. Blutapfelsinen Dupend 75« GrQne Gurken»dt.». 45� Felgen..... Pfund 25Pt Zwiebeln»e« Aegypter 15 w. Rhabarber......... pfnd 15»», GemOse-Erbsen... 55 Pt J Pfelm"f....... Junge Erbsen.... 68«•?auP8 Kirschen.....25 Junge Erbsen f-w.. 1.25 Ananas«*. Quam«...1.55 . fr.!,.,.,,'em.. Kallforn. Aprikosen. 1.90 Jg. Erbsen mu K.roK.n 1.25 Preiselbeeren Körotton fC#din!tt«i•» 38 3-Pf.- o qc 10-Pf- c Junger Spinat.... 48«. E,n,5rn'„ Kohlrabi ganx. Köpfe... 1 m Lorned Beef 2P-d.eng.. 1.75 Pflaumen 0S"e Im � 75 Pt kLmo®" 48« Dom 72« Konnraren! 3 Pftind-Ilmcr Ananas 1.65 Orangen, Johannisb. 1.15 Pflaumen 1.10 Erdbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Kirsch 1.45 Orangen•Konntllrcn TangemiDnder S PM.-Elmer 3.50 Wein Preise für Vi Flasche ohne Qlas Frankfurter Apfelwein„Rackles Urquell.... 63« Feiner Fruchtwein Jokanniabeer-, 95«. Maitrank Proditwehi................... 90« 1920 KSnigsbacher Altenweg mnd und blumig.. 1.30 1922 Erdener plkanler Mosel............... 1.45 1924 Langenlonsheimer Sonnenborn"«x�ge� 1.60 1923 Serriger Hindenburglay wadisrnm Preu«iscbe Stoaisdomüne, rassiger Saarwcln 1.85 1925 Uebfraumilch(rote Kapsel) bestechende. sUBe Art 2.10 1921 Mettenhelmer Michelsberg« votv. 1 60 Deutscher Weinbrand A. Descleux._n aus Chareniewelu pctU Champagne 4.0U Tarragona Spezial rot ev». vom ra»....... uter 1.40 Borsdorfar Apfelwein» Bowk, vom roß.... uier 53 pt Fische Bratschollen........ ppmd 9 und 15 p,. Kabeljau°. Seelachs 14 Schellfische............. iw 25 p,. Fischfilet................ Ptund 28 pt. Frische Hechte.............. 98% Lebende Karpfen........ ptund los an Geflügel Brat- u. Suppenhühner£*;d lioan Suppenhahne trisdi genKladiM ,Phind Iis Junge Tauben........... shu, 85% Enten geatUatUu,.......... Pfund 1 SS an Flundern pom*... Pfund 32 pf* 45 p»- Schellfische.. Pfund 42Pf. Voll-BQcklinge Kieier55Pf. Fettbücklinge.Pfund 45Pf. Räucheraale..»und 55??. Seelachs.....«und 45« Spickaale starke, Pfund 2.80 Holl. Kakao Iso Borkenschokolade Kanon ea.7SQr. 35« ca-iwar 65«. Vollmilch-Reliefschokolade.......... Pfund 48 Pt Vollmilchschokolade mit gaosen HaselnUssan, TuM IDOOr 33 Pt Speiseschokolade........... tafei k» Qramm 27« Zwieback-Schokolade.»», Pfund 33««wd L30 Nr. 212 ♦ 44. Jahrgang 7. Seilage öes vorwärts Ireitag, H.Mai 1927 Serlms hafenwirtfthast. Der Vertrag mit der„Behala".— Die Stadt fordert mehr Eiuflttß. Wirts chaftsfragen beherrschten gestern die Stadtverord- netensitzung. Der Vertrag über die Verpachtung der Häfen, den man in der Inflationszeit unter dem Druck der Not als ein„gutes Geschäft"' angesehen hatte, r&urde nochmals in langer Debatte erörtert. Die Frage, ob der Vertrag mit der Ber- liner Hafen» und Lagerhausgesellschaft(Behala) aufgehoben werden kann, ist im Ausschuß nach erneuter Prüfung erneuert worden. Aber mehr Einfluß der Stadt aus die Hafenwirtschaft und mehr Wahrung ihres Vorteils ist allerdings zu wünschen, und das kam in dem Beschluß des Aus- schusfes zum Ausdruck. Die sozialdemokratische Partei trat entschieden für diese Forderung ein. Was dazu zu sagen war, wurde von un- serem Genossen B r o l a t vorgebracht. Dem Ausschußantrag wurde zugestimmt. • In der gestern abgehaltenen Stadtverordneteiwersammlung wurde zunächst ein von allen Parteien eingebrachter Antrag, der «ine Nachprüfung der Pensionssätze früherer Ar- beiter und Angestellter der Straßenbayn verlangt, ohne Debatte dem Ausschuß für die Arbeiter und Angestellten überwiesen. Ein« längere Debatte ergab sich bei der Behandlung einer Vorlage des Magistrats, die eine Neuregelung des öffentlichen Anschlag- und ReNamewesens' zum Gegenstand hat. Visher unterstaud da» Anfchiagwesen den einzelnen Bezirksämtern. Hierdurch ergaben sich Unzuträglich. keilen, da die Bezirke die Anschlag- und Retlameangelegenheiten sehr abweichend voneinander behandelten. Es soll nunmehr das öffentliche Anschlag- und Reklamewesen der zentralen Ties. baudeputation unter st ellt werden. Die Redner der bürgerlichen Fraktionen traten für die Belossung des bisherigen Zustandes ein, d. h. sie wollten den Privatunternehmern, die in einzelnen Bezirken das Anschlagwesen gepachtet haben, das Geschäft belassen. Besonders der teutschnational« Pastor Koch war gegen die Vorlage, und er sang ein Loblied auf die Ar- beits- und Lohnoerhältnisse in dem Betrieb eines Privatpächters. Unsere Genossen Lublih und Alatau traten den bürgerlichen Red- nern entgegen. Genosse F l a t a u sagte Herrn Koch, daß dieser sein Verantwortungsgefühl eigentlich auch auf die städtischen Einrichtungen ausdehnen und dann a u ch bei den kom- munalen Betrieben Gutes und Empfehlenswertes suchen und finden müßte. Schließlich wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten der Vorlage zugestimmt.— Die Verpachtung üer ftäütifthen Häfen an die Berliner Hafen- und Logerhausgesellschast gab der Der- sammlung noch einmal Veranlassung, über diese Angelegenheit zu debattieren. Schon vor Wochen war darüber ausführlich beroten und die Angelegenheit an den Ausschuß zurückverwiesen worden. Gestern forderte nun der Stadtv. Buchwih(Dnat.) wiederum die Aushebung des Pachtvertrages, um— wie er sagt«— allen Wirtschaftskreisen Gelegenheit zu geben, an der Ausgestal. tung der städnschen Hafenanlagen mitzuwirken. Don unserer Frak. tion sprach Genosse Vrolat. Er erinnerte daran, wie seinerzeit bei der Verpachtung der Hafenanlagen nicht etwa nur die jetzige Päch- terin herangezogen wurde, sondern«in« ganze Reihe von einschlägi- gen Gesellschaften und Speditionsfirmen. Aber alle erklär» ten, daß sie den von der„Behala" anerkannten Verpflichtungen nicht nachzukommen vermögen, so daß schließlich dieser der Zuschlag erteilt werden mußte. Um so merkwürdiger erscheint es nunmehr, wenn jetzt wiederum mit diesen Argumenten gegen den Pachtvertrog vorgegangen wird. Wie stellt sich denn Herr Buchwitz das Funktionieren eines Aussichtsrates der „Behala" vor, in dem„alle Wirtschaftskreis« vertreten sind?" fragte Genosse Brolat den deutschnationalen Vorredner. W i e sollen die wider st rebenden Interessen der ver» schiedenstsen Wirtschaftsorganisationen unter einen Hut gebracht werden, ohne daß darunter der Hafenbetrieb leidet? Der Redner betonte, daß der Vertrag in der Inflationszeit geschlossen wurde, und die Stadt kommt, ohne die bestehenden Gesetze zu verletzen, von ihm nicht los. Ein Gutachten des Stadtsyndikus sagt dos klar und eindeutig. Es geht schließlich auch nicht an, daß Berlin einseitig von einem gültigen Vertrage zurücktritt, well man dasselbe Recht jedem anderen Vertragspartner auch zugestehen müßte. Selbst- verständlich kann man versuchen, im Rahmen des pachlvertrage, größere vorteile für die Stadt herauszuholen-, dafür werden auch die Sozialdemokraten sein. Namens des Magi. strats sprach Stadtbaurat Hahn. Nach weiteren Ausführungen der Stadtv. Leh(Komm.), Pfundtner(Dnat.) und Birk(Z.) wurden zu> nächst die Anträge der Deutschnationalen und der Kommunisten ab» gelehnt. Während die Kommunisten sich mit einer Aufhebung des Pachtvertrages mit Hilfe der Gerichte begnügen wollten, ver» langten die Deutschnationalen, den Vertrag mit allen Mitteln zu kassieren. Zugestimmt wurde mit großer Mehrheit dem Ausschuß- beschluß, nach dem der Magistrat dahin wirken soll, daß der Ein- fluß der Stadt Berlin bei der„Behala" vergrößert werden soll, um die ollgemeinen Interessen besser zu wahren und ein größeres finanzielles Ergebnis für die Stadt zu erzielen. Ferner sollen nach dem Ausschußbeschluß Ver- treter der Stadtverordnetenversammlung in den Aufsichtsrat der„Behala" entsandt werden. Di« Verträge der „Behala" mit den Finnen Schenker und Co. und Busch sollen dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, damit etwaige, den Interessen der Stadt zuwiderlaufend« Bestimmungen aufgehoben werden können. Zur Frag« der öenachteiligung Berlins beim Jinanzausglelch nahm die Versammlung folgenden, von den Sozialdemokra- ten, den Demokraten und dem Zentrum eingebrachten Antrag an: Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat mit großem Bedauern von der Verabschiedung des preußi. schen F i na n za u s gl e i chs- Ges« tz es im Landtag Kenntnis genommen. Die Verschlechterung der Regie- rungsvorlage und besonders die Anträge der Deutschnatio- nalen Partei und der Deutschen Volkspartei auf Herabsetzung der Schlüsselziffer für die relative Garantie auf 20 Pf. beweisen, daß der Landtag auf die allgemeine Notlage und die hohen, bisher nicht annähernd gedeckten finanziellen Be. dürfnisse der Stadt Berlin keine Rückficht genommen hat. Die Anträge der genannten beiden Parteien bedeuten eine besonder« Schädigung der Ber- liner Wirtschaft. Auch die Haltung des S t ä d t e t a g e» hat zur Benachtelli- gung der Stadt Berlin beigetragen. Berlin fühlt sich mit den deutschen und preußischen Gemeinden in Notgemeinschaft ver- bunden, kann aber in einer Vereinigung nicht serner mit- arbeiten, die ihm kein Verständnis und keine Gerechtigkeit zuteil werden läßt. Im wetteren Verlauf der Sitzung debattiert« die Versammlung lange Zeit über einen Antrag der Wirtschoftspartei wegen der Auflösung der Schuhreparaturwertstätten für Erwerbslose. Der Wirtschaftsparteiler hake wandt« sich gegen den Ausschußbeschluß, der die Beibehaltung der Werkstatten empfahl. Seine Aus- führungen waren eine einzige Agitotionsrede für die Wirtfchafts- Partei. Nachdem auch der Deutschnationale klein sich für die Auf. Hebung ausgesprochen datte, trat G mosse ZNaderholz namens unserer Fraktion den Vorrednern entgegen. Maderholz meinte, daß e» an sich nicht verwunderlich wäre, wenn die Wirtschoftsparteiler und die Deutschnationalen für die Aufhebung dieser kommunalen Ein- richtung einträten. Sie wären durch ihr« Wa hlversprechen an eine solch« Stellungnahm« gebunden und mühten jetzt, ohne Rücksicht auf die Interessen der Erwerbslosen, daran festhalten. Man solleaber doch nicht glauben, daß mit solchen Anträgen dem Handwerk geholfen werden könne; es habe vielmehr den Anschein, als ob die Wirtschaftspartei die Schlappe, die sie mit ihrer Zustimmung zu der Aufhebung des Ladenmieterschutzes erlitten habe, wieder gutmachen und sich bei ihren Wählern wieder anbiedern will. Wir Sozial- demokraten gestehen den Bezirksämtern durchaus das Recht zur Unterhattung solcher Werkstätten zu. Da auch die Kommunisten für die Beibehaltung der Werkstätten eintraten, so war die An- nähme des Ausschußantrages gesichert.— Nach debatteloser Erledi- gung einer ganzen Reihe Vorlagen und Anträge trat dann Stadtv. hake in der Begründung eines von der Wirtschastspartei ein- gebrachten Antrages für die Aufhebung der Anfchaffungsgosellschast der Stadt Berlin ein. Die Argumente waren die gleichen, die der Redner vorher gegen die Schuhreparaturwerkstätten vorbrachte; er machte eben in Mittelstandsrettcrei. Zu der gleichen Angelegenheit nahm ein Antrag der Demokraten Stellung. Hierin wurde eine Beschränkung des städtischen Anschaffungsamtes und der von den städtischen Betrieben eingerichteten Verkaufsstellen auf das tatsächlich Notwendigste gefordert. Stadtv. Michaelis(Dem-) führte dazu aus, daß das Berliner Anschaffungsamt in seiner Funktion viA weiter gegangen sei, als es die Bedürfnisse der Stadt erfordern. Seine Praxis ließe sich mit den Erfordernissen des freien Handels nicht mehr vereinbaren und deshalb müsse der Geschäftskreis des Anschaffungsamtes auf seine ursprünglichen Aufgaben langsam zu- rückgeführt werden. Di« Entscheidung über die vorliegenden An- träge wurde wegen der zahlreich vorliegenden Wortmeldungen vertagt. der Schrecken üer Straße. 7 Monate Gefängnis für einen Chanffeur. In der Nacht zum 11. Dezember 1926 wurde der Obergärtner« Kaiser, ein Mann von 69 Jahren, in der Skalitzer Straße bei der Hochbahnübersührung von einem Auto erfaßt und förmlich zer- malmt. Kaiser hatte die Straße überschreiten wollen, um zu seinen auf der anderen Seite harrenden Angehörigen zu gelangen. Er hatte dabei nach rechts Ausschau gehalten, ob ihm nicht ein Wagen entgegenkomme und hatte noch nicht die rechte Hälfte der Straße überschritten, als von links eine Kraftdroschke mit großer Ge< schwindigkeit, ohne Signal zu geben, dahergerast kam.. Das Auto fuhr mitten auf der Straße und setzte nach dem Unglücksfall mit unverminderter Schnelligkeit die Fahrt fort, ohne sich um das Opfer zu kümmern. Wie die Augenzeugen bekundeten, hatte das Fahrzeug auch an der Straßen� kreuzung, die dicht vor der Unfallstelle log, keine Schnelligkeitsherab« setzung vorgenommen. Di« Söhne des Getöteten und andere Augen- zeugen des Unfalles glauben mit Bestimmtheit die Nummer des Autos erkannt zu haben und zwar den Brenn aborwagcn 1�.7686. Ein Sohn rief die Nummer laut aus. Ucberdies war der Schwiegersohn in ein nachfolgendes Auto gesprungen und hatte ge- meinsam mit dem Kraftfahrer ebenfalls diese Nummer festgestellt. Es war dem zweiten Auto aber nicht möglich gewesen, den anderen Wagen einzuholen, da dieser mit unglaublicher Schnellig- k e i t vom Tatort entfloh. Auf Grund all dieser Feststellungen wurde der Droschkenkraftfahrer Hentze als der Führer des fraglichen Autos festgestellt und es wurde gegen ihn Anklage vor dem Schöffengericht Mitte erhoben. Der Angeklagte bestritt aber, der Schuldige gewesen zu sein, er wollte einen Alibibewcis führen. Belastend für ihn war, daß sein Arbeitgeber am nächsten Tage ein« Verbeulung und Beschädigung des rechten Kotflügels fest- gestellt hatte. Hentze behauptete aber, daß er in derselben Nacht in Lichtenberg einen Hund, und zwar einen Dobermann, angefahren hat*. Der Sachverstäichige, Polizeiinspektor Balzer, hielt es aber iür höchst unwahrscheinlich, daß die Verbeulung des Kotflügels durch einen angefahrenen Hund entstanden fein könnte. Nach dev- aanzen Beweisaufnahme hatte das Gericht keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten und verurteilte ihn zu 7 Monaten Ge, fängnis. Amtsgerichtsrat Burkert stellte fest, daß den Heber, fahren«» selbst keine Schuld treffe. Der Angeklagte sei ein rück� s i ch t s lo s e r wilder Fohrer, der anscheinend zu der Klasse! jener Autofahrer gehöre, die meinen, daß sie allein Anspruch auf die Straße haben. Heute 3. volkslag der Wochenend-Aussiellung. Um weitere» Kreisen der Bevölkerung den Besuch der Großen Ausstellung Berlin 1S27„Das Wochenende" mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten möglich zu machen, hat die Ausstellungsleitung auch den heutigen Freitag zum Volkstag gemacht, d. h. der Einttittspreis beträgt für Erwachsene 1 M.(statt 1,50 M.), Jugendliche bis zu 18 Jahren zahlen 39 Pf. Die Ausstellungsbesucher haben bis abends 8 Uhr Gelegenheit, auch den„Berliner Schnecpalast" ohne besonderes Entree zu besichtigen. Gif. Das Weib, das den Mord beging. 371 Roman von Arih Reck-ZNalleczewen. Unter diesen Voraussetzungen, liebe Menschen, ist es dem Ansehen der kleinen Sif bei dieser wohlanständigen und an- gesehenen Familie durchaus nicht dienlich gewesen, als die Tageszeitungen als verspätete Weihnachtsüberraschung ein gewisses, in Buenos Aires aufgenommenes Protokoll gebracht und plötzlich das eigentlich schön etwas vergessene Verschwin- den der kleinen Sif in Verbindung gebracht haben mit einer in der Burgstraße geschehenen Tat, über die, wie schon er- wähnt, noch allerlei zu berichten sein wird, ja... Und siehe: am selben Abend, als auf der„Mongolia" der Matrose Christian Tams mit schöner, ruhiger Stimme die Worte..Füer verrut" gesungen hat, da hat bei Onkel Marzell in der Ansbacher Straße ein Familientag sämtlicher Bruckners stattoefunden. Und wenn auch seit Weihnachten der Schwager Lex«ine auffallende Nervosität an den Tag gelegt, und wenn er auch die Rede immer auf etwas anderes gebracht hat, sowie von seiner Schwägerin die Rede war; ja, da ist es besagter Schwa- ger gewesen, der zuerst das Wort Scheidung ausgesprochen hat. Und dann haben sie alle das Wort wiederholt, die ver- sammelten Bruckners, die Ministerialräte und die Hofapo- tbeker. die Steuersupernumerar« und Studienräte, und haben das Wort einem kleinen dummen Jungen in die Ohren ge- schrien, der wie«in Angeklagter vor ihnen gestanden hat... mit Tränen, die ihm über die Backe gelaufen sind.— Was denn freilich diesen kleinen dummen Jungen nicht gehindert hat. aus irgendeiner schäbigen, mit allerlei erotischen Reminiszenzen versetzten Neugier auf den Lehrter Bahnhof zu laufen und schnell wieder zu verschwinden, als sein an- getrautes Eheweib ihn entdeckte, ja... Und im Moabiter Untersuchungsgefängnis sitzt die kleine Sif, träumt, als sie es müde geworden ist, sinnlose Worte in die Wand zu ritzen, von ihrer Trauung und schreckhafter Orgelmusik und blutrünstigen Iahrmarktsbildern; wacht auf, besinnt sich langsam auf ihre neue Umgebung, reißt plötzlich w ganz sinnloser Wut aus der Bibel des Laien brudes Fran» ziskus sämtliche Blätter und wirst sie, wofür ihr am nächsten Morgen die Wärterin ihr lebhaftes Mißfallen ausspricht, zu- sammengeknllllt auf den Boden. Und in der höchst achtbaren Juristenwelt Berlins gibt es einen ältlichen, heute leider schon vor der göttlichen Appellationsinstanz stehenden Untersuchungsrichter, der bei seinen Kollegen den umständlichen aber bezeichnenden Bei- namen„die kleine wütende Blähung am Bindfaden" führt, was gemeinhin übrigens in„der kleine Wütende" abgeändert worden ist. Es ist neun Uhr morgens und angenehmes, mit Regen und Schnee vermischtes Wetter, als die kleine©if aus ihrer Zelle geholt und diesem Manne gegenübergestellt wird. Das geschieht in einer überheizten Kanzlei, deren wesentlicher Schmuck, wenn man obn Aktenregalen 1879 bis 1922 absieht, die große, braune Schmutzbahn an der Wand über der Zentralheizung ist. Ein Wachtmann ist dabei, der einmal den Chemin des Dames gestürmt hat und eben damit beschäftigt ist, an Hand der letzten Dollarkurse den Goldwert seines Gehalts zu berechnen: und daß drüben auf den Gütergleisen endlose Züge vorbeirollen mit offenen Kohlenwagen, auf denen langsam der Schnee taut, ist eigentlich alles, was zur optischen Abwechslung beiträgt.— Fünf Minuten später reißt ein ziemlich angeschwemmter ehemaliger Neofrankone und jetziger protokollierender Refe- rendar dienstbeflissen die Tür auf, der„kleine Wütende", auf- gepeitscht von sechs Prozent Zucker im Blut«, stürmt herein, pflanzt sich vor der kleinen Sif auf und schreit sie, den zahn- bürstenfarbenen Spitzbart gesträubt, zunächst einmal an, daß er ihr kein Wort glauben werde, nicht«in einziges Wort.... Item: Sif Bruckner, geborene Bengtson, Kunstmalerfrau, geboren zu Berlin 1901, verheiratet.... „Weshalb sst es hier so kalt?" schreit der„kleine Wütende", obwohl die Anwesenden sich doch jetzt schon jener Eelsiusgrade erfreuen, die sonst nur in römisch-irischen Schwitzbädern erzielt werden. Die Heizung wird weiter angedreht, beginnt asth- ma tisch zu röcheln... draußen jagt schön und ruhig der O-Zua Berlin-Hannooer vorüber. „Sie bezichtigen sich selbst des Raubmordes an der Alt- Händlerin Grandjean?" Die kleine Sif, sehr ruhig, noch immer etwas entstellt . durch den Stockhieb der Steppenstute, sieht finster vor sich hin. i»Ich habe es getan." Nichts weiter, i „Sie lügen," schreit der„kleine Wütende" und schreit, daß der Referendar Thörpolt auffährt von seinen Zeichnungen, in: denen er gerade sämtliche Zirkel der im blauen Kreise des! Kösener SC. vereinigten Korps verewigt., „Ich habe es getan. Ich habe es getan."! Der„kleine Wütende" zerreißt durchaus nicht seine Robe, er fällt auch nicht wie der Hohepriester Eli vom Stuhl; er! nimmt vielmehr das gestern bearbeitete Mtenbündel„Steiger und Genossen wegen Zusammenrottung", pfeffert es auf den Tisch, daß ihn, wie einst den gesetzgebenden Gott auf dem Sinai, eine Staubwolke verhüllt, schreit, daß es zu heiß sei im Lokal, und welcher Idiot unten die Dampfheizung bediene...- „Ein hysterisches Frauenzimmer sind Sie," beginnt von neuem der„kleine Wütende",„das verlogenste Weibsbild, das mir begegnet ist..." Ohne die Miene zu verziehen, sieht die kleine Sif ihn an und schweigt. Und da weder der Kösener SC. noch die sechs Prozent Zucker im Blut an der Haltung dieses verstockten kleinen Frauenzimmers da etwas ändern können, so nimmt dieses denkwürdige Verhör seinen Fortgang. Tag nach der Hochzeit... gehört nicht zur Sache. Uebernächster Tag, im Zuge belästigt... gehört noch weniger zur Sache.... Im Exzelsiorhotel soupiert mit dem Schwager Staats- anwalt Alexander Bruckner... Und hier geschieht es, daß Richter und Protokollant sie entgeistert anstarren:„Ihr Schwager?" Unbeirrt fortgefahren. Soupiert, stark unter Alkohol gesetzt von dem Schwager, Staatsanwalt Alexander Bruckner. „Gehört nicht zur Sache!" „Gehört zur Sache!" Das wird so ruhig gesagt, daß das Forum schweigt und nur das Blasen der Heizung zu hören ist. Und siehe, zum ersten Male in dieser Stunde, zum ersten Male nach diesen Monaten des Elends und der Wirrnis tauchen sie auf, die Bilder jenes schrecklichen Abends, die Bilder des Fuselrausches: das unsaubere Schlafzimmer mit roten Tapeten und Reformkorps Palaio-Borussin und blaurotem Madonnenbild, die Gerichtsdienerwitwe Meta Brack mit Schlafrock und sittlicher Entrüstung, der brieflich angedrohte» übrigens nie ausgeführte Besuch bei Robby.... '(Fortsetzung folgk� ij Kahn kann es keiner recht machen! Aus dem Lebenslauf eines Querulanten. Eine in psychiatrischer Hinsicht viel umstrittene Persönlichkeit ist der Kaufmann Hermann Kahn, mit dessen neuesten Straftaten sich das Erweiterte Schöffengericht Wedding wieder einmal zu be- schäftigen hatte. Der öSjährige Angeklagte war wegen Erpressung, Betruges im Rückfalle und schwerer Urkundenfälschung angeklagt. Kahn hat eine kriminell sehr bewegte Vergangenheit und ist nicht weniger als neunzehnmal vorbestraft. Wiederholt ist er auch inIrrenanstalten gewesen und von zahlreichenSachver- ständigen begutachtet worden. Mehrfach wurde er als ein geisteskranker Querulant angesprochen, in anderen Fällen jedoch wurde seine Zurechnungsfähigkeit bejaht. Seit langen Jahren macht Kahn den Gerichtsbehörden zu schaffen. Er führt neben den gegen ihn ständig schwebenden Strafverfahren eine Fülle von Zivil- Prozessen und hat eine anscheinend unbezähmbare. Sucht, die Be- Hörden mit Anträgen und Eingaben zu überschütten und den Behörden bis zu den Ministerien hinauf Rechtsbelehrungen zu er- teilen. Gegen alle ergangenen Urteile legte er Berufung ein und betreibt hinterher Wiederaufnahmeverfahren. Gegen die Richter führt er ständig Beschwerden wegen Rechts- beugung, gegen die Sachverständigen macht er Anzeige wegen falscher Begutachtung. An einem Tage hatte er die Bewilligung von 700 Armenattesten zur Führung von Zioilprozessen be- antragt. Gegenwärtig laufen von ihm noch 2S0 Klagen. Auch in den Gefängnissen setzte er seine Beschwerden gegen die Rechtsbrüche der Gerichte und wegen schlechter Behandlung gegen die Gefängnis- Verwaltung fort. Als er vor zwei Jahren wieder verhaftet wurde, beschwerte er sich immer von neuem wegen Freiheitsberaubung. In seiner Gefängniszelle hatte er eine Schreibmaschine und arbeitete während der zweijährigen Untersuchungshaft ununterbrochen vom frühen Morgen bis zum späten Abend an seinen Eingaben und Beschwerden Als Kahn mit 10 Mark in der Tasche aus dem Zuchthaus in Brandenburg entlassen worden war, wollte er sich eine neue Existenz gründen und errichtete ein« Bank für Kapital- und Hypothekenvermittlung. Die Tätigkeit dieser„Bank" be- stand darin, daß er allen Leuten, die in den Zeitungen Darlehen oder Hypotheken suchten, auf einer Postkarte seine Hilfe anbot. In vielen Fällen hatte er sich B o r s ch ü s s e geben lassen, ohne natürlich irgend- etwas tun zu können. Infolge der widersprechenden Bewertung des Geisteszustandes des Angeklagten hatte das Gericht ein Obergut- achten des gerichtsärztlichen Ausschusses eingeholt, das Med.-Rat Dr. Fränkel erstattete. Danach ist Kahn ein rücksichtsloser Betrüger, der so auffällig queruliert und mit den unwahrschein- lichsten Behauptungen und ungewöhnlichsten Ausdrücken um sich wirft, daß sich dem Arzt der Gedanke ausdrängen muß, daß er geisteskrank sei. Er wurde daher auch vielfach für größenwahnsinnig erklärt. Dieser Auffassung hat sich der gerichtsärztliche Ausschuß nicht anschließen können. Kahn ist zwar hochgradig minderwertig, aber der 8 51 kann auf ihn keine Anwendung finden. Das Schöffen- gericht oerurteilte daraufhin Hermann Kahn zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis, eine Strafe, die durch Untersuchungshaft für verbüßt er- klärt wurde. Kahn verließ aber erst am nächsten Morgen das Ge- fängnis, da fein„Umzug" mit den hohen Stößen von „A k t e n", die er in seiner Zelle angesammelt hatte, mit einigen Umständen verknüpft war._ Opfer der Arbeitslosigkeit. Zwei Selbstmorde im Teltowkanal. Am Mittwochabend gegen 10% Uhr sprang ein 10 Jahre alter Arbeiter Walter Sauer, der bei keinen Eltern in der Ger- maniapromenade zu Britz wohnte, in der Nähe der Borg- nmnnbrücke in den Kanal und ertrank. Seine Leiche ist noch nicht geborgen. Der junge Mann nahm sich aus Verzweiflung über seine lange Arbeitslosigkeit das Leben.— Am Nachmittag gegen 3 Uhr sah ein junges Mädchen, wie ein Mann zwischen der Ernst-Keller- und der Massantebrücke in Britz in den Kanal sprang, unterging und nicht wieder zum Vorschein kam. Erst später wurde er vom Reichswasserschutz aufgefunden, gelandet und nach der Leichenhalle in Rudow gebracht. Am Ufer fand man Papiere, die der Lebensmüde zurückgelassen hatte: sie lauten auf einen 57 Jahre alten Architekten Alfred R e s s/c l aus der Berliner Straße Nr. 100 zu Nieder schöneweide, dessen Frau in Dresden nwhnt. Seine Frau wurde von der Polizei benachrichtigt.. Zum Kapitel„Schulrekruteu*. Eine Mahnung. Letzthin veröffentlichten wir einen interessanten Auszug aus dem„Lokal- Anzeiger" über das Kapitel„Schulrekru- t e n Wir können zu unserer Freude feststellen, daß unsere kurze Betrachtung bei den Lesern des„Vorwärts" Beachtung gc- junden hat. So schreibt uns z. B. ein Leser, daß es mit der Freiheit der. Schule in Groß-Berlin, wie sie im Hugenbergblatt geschildert wurde, soweit es die Volksschule beträfe, nicht weit her sei. Er berichtet uns nämlich: „Meine beiden Enkelkinder, zwei Mädchen, besuchten bis Ok- tober 1926 die Volksschule in einem westlichen Vorott. Dort konnten sich die Kinder in den Pausen tummeln, so viel sie wollten, konnten sich jagen und haschen, die Schulleitung hat daran keinen Anstoß genommen. Als sie später aber dann nach Berlin-Mitte übersiedelten und hier eingeschult wurden, war es mit der köstlichen Freiheit vorbei. Nur paarweise war . der Bärentanz auf dem Schulhofe gestattet. Seit AprU 1927 ist nun das älteste meiner Enkelkinder in einem Lyzeum ein- . geschult worden, und hier findet das Mädel die alte Freiheit wieder, hier hält die Schulleitung darauf, daß sich die Kinder in den Pausen frei und ungehemmt bewegen. Auch bekommen sie in den großen Pausen warme Milch und Brötchen in unbe- schränttem Maße, ohne dafür zu zahlen. In der Volks- schule aber erhalten nur die Kinder, die täglich 10 Pf. zahlen, � kalte Milch, die durch den Strohhalm zu tttnken ist." Mit schweren Opfern mögen wohl manche Eltern ihr Kind in die höhere Schule schicken und gerade deshalb ist die unentgelt- liche Verabreichung von Milch und Brötchen sehr zu begrüßen. Aber warum wird noch immer mit zweierlei Maß gemessen? Warum herrscht gleiche Freiheit und gleiche Freigebigkeit nicht auch bei den Volksschulen? Beim Löwen-Zchneider. Wir leben im Zeitalter der Höchstzahlen, der Ueberbietungen, in dem schon seit Jahren der Dompteur Alfred Schneider de» eigenartigen Rekord hält, die größte dressierte Löwengruppe der Welt zu haben. In horter Arbeit hat dieser Dompteur Jahr für Jahr au seiner eigenen Vervollkommnung und der seiner Gruppe geschafft. Nunmehr ist es ihm geluugeu, eine Schau- und Dressur- nummer herauszuarbeiten, die ihresgleichen nicht hat. Da er auch eine Löwenzucht besitzt, verfügt er immer über vielversprechenden Löwennachwuchs, den er in einer regelrechten, natürlich wohl ver- gitterten Kinderstube dem Publikum vorführt. Die Löwensprößlinge werden Reisekörben entnommen, balgen sich untereinander, hauen dabei zu ihrem eigenen großen Schreck zwei Lustballone kaputt und werden dann unter sehr komisch wirkendem Widerstreben abermals in die Körbe gesteckt Die Vorführung der erwachsenen Tiere ist, was jeden Tierfreund erfreuen inuß, ein Triumph der zahme» Dressur. Der Lehrherr spricht andauernd mit seinen Tieren und es wirkt sehr drollig, wenn er beispielsweise zu einer Löwin sagt:„Du. da» vstd hiw ja lebensgefährlich.' Al» gute Arbeiterin erweist sich Die Rache öes Einarmigen. Der Schutz auf den Personalchef der Bewag. „Schon von meinem sechsten Jahre an werfen die Elektrizitäts- werke einen düsteren Schatten auf mein Leben. Damals verlor ich meinen Arm, der in den Strom der Transformatorensäule geriet, deren Tür offenstand. Die Wunde, die dieser Verlust in mein Gemüt gerissen hat, ist nie ganz geheilt." Mit diesen Worten begann vor dem Landgericht I der Vureaudiener Karl L e m m, der am 18. November vorigen Jahres den Personalchef der Bewag, N e ß l e r, erschossen hat, seine Erklärung. Und brachte in diesen wenigen Sätzen die ganze Tragödie seines Lebens zum Ausdruck: der Unfall, der ihm seinen Arm gekostet hat, wurde zur Quelle unerträglicher Minderwertigkeitsgefühle, eines übertriebenen Geltungsbedürfnisses, einer gehässigen Einstellung zu seiner Um- gebung, die schließlich zum verhängnisvollen Schuß geführt hat. Als er im Jahre 1018 die Schule beendet hatte, wurde er auf das Gesuch seines Vaters hin bei den Charlottenburger Elek- trizitätswerken,'die sich seinerzeit eine Entschädigungssumme zu zahlen geweigert hatten, als Laufbursche aufgenommen. Zwei Jahre später kam er in das juristische Bureau als Registrator. Er erwies sich hier als strebsamer und fleißiger Arbeiter. Wie er sagte, wollte er sich eine Stellung erringen. Er verstand es aber nicht, sich mit dem Bureauvorstehei W e i h b r o d zu stellen. Der Angeklagte behauptet, daß ihm dessen zynische Witze unerträglich gewesen seien. In Wirklichkeit soll er aber seine völkischen Ueberzeugungen in einer überheblichen und anmaßenden Weise seinen Kollegen gegenüber immer wieder zum Zlusdruck gebracht haben. Er ließe den ganzen Laden hochgehen, meinte er. Oder er sprach von Leichen und Wasser- köpfen und dergleichen mehr. Seine feindselige Einstellung gegen seinen Bureauvorsteher erhielt neue Nahrung, als auch ihn der Abbau treffen sollte: die Entlassung unterblieb jedoch wegen seiner schweren Krüppelhaftigkeit. Seine Erbitterung wuchs, als er trotz des Vorschlages der juristischen Abteilung nicht in die Gehalts- klasse Iis, 2, sondern in die Gruppe IIs,I eingruppiert wurde. Seine Ausfälle und Drohungen gegenüber seinem Bureauvorsteher führten schließlich zu einer Verwarnung und auch zu seiner Versetzung in die Abnehmerabteilung. Nun fühlte er sich benachteiligt und soll hier seine Arbeit vernachlässigt haben. Wegen der Eingruppierung in die niedrigere Gehaltsgruppe führte er aber Beschwerde bei seinem Angestelltenrat. Da seinen Forderungen nicht entsprochen werden konnte, gefiel er sich aufs- neu« in gehässigen Ausfällen, beschwerte sich beim Direktor Kunstmann und wurde schsießlich auf Veron- lassung des Angestelltenrats von einem Arzt auf seinen Nervenzu- stand untersucht. Darauf erhielt er von Direktor Kunstmann die Ver- Warnung, seine gehässigen Ausfälle zu lassen, da ihm sonst gekündigt werden mühte. Und wirklich, nach einem neuen Ausfall seinerseits erhielt er die Kündigung. Er will den Kopf verloren und einen Selb st Mordversuch beabsichtigt haben, bei dem ihn jedoch seine Mutter gestört haben soll. Da er von ihr mit dem Revolver in der Hand überrascht worden sei, habe er ihn in seiner Manteltasche versteckt. An demselben Tage schrieb er jedoch einen Brief an die Bewag, der adressiert war an den„Verbrecher- konzern Kunst mann, Neßler, Weißbro d". Als er am nächsten Tage auf seiner Arbeitsstelle das Entlajsungsschreibcn er- hielt, stürmte er in das Zimmer Kunstmanns hinein, und verlangte eine Unterredung. Direktor Kunstmann bat den Personalchef Neßler zu sich. Als nun der Angeklagte erklärte, seine Anrede„an den Ver- brechertonzern" aufrechtzuerhalten und Direktor Kunstmann ihn dar- auf aus dem Zimmer wies, soll er nach Aussage Kunstmanns den Re- volver auf ihn gerichtet haben. Als Neßler ihn von hinten von feinem Vorhaben abhalten wollte, soll er sich umgewendet und zwei Schüsse auf ihn abgefeuert haben. Der Angeklagte bestreitet diese Darstellung und behauptet, daß er den Revolver erst gezogen habe, als Neßler auf ihn zugestürzt sei. Dann will er sich plötzlich auf dem Schisfbauerdamm befunden haben mit dem Revolver in der Hand. Cr erinnerte sich nun, daß Neßler zusammengebrochen sei, und da sei ihm der Gedanke gekommen, daß er ihn erschossen haben müsse. Darauf habe er sich der Polizei gestellt. Der An- geklagte, der einen viel älteren Eindruck macht, weint immer wieder und scheint ein schwer psychopathischer Mensch zu sein, der alle Welt für seinen Unfall, den er in der Kindheit erlitt, verantwortlich zu machen geneigt ist. Da zwischen den Aussagen des Angeklagten und des einzigen Zeugen des Vorfalls, des Direktors, W i d er s p r ü ch e bestehen, letzterer sich jedoch nach einer eben erst überstandenen Operation im Krankenhause befindet und nicht vernehmungsfähig ist, mußte die Gerichtsoerhandlung o e r t a g t werden. Das Gericht verkündete den Beschluß, Direktor Kunstmann in Gegenwatt des Sachver- ständigen Dr. Bürger im Krankenhause kommissarisch zu vernehmen und den nächsten Termin in der zweiten Hälfte dieses Monats an- zuberaumen. die Löwin Europa, die vor Jahren bei der verunglückten Film- aufnähme„(Zuo vadis" einem Menschen das Leben nahm. Damals neigte man in Fachkreisen der Ansicht zu, der alte Statist hätte, als die Löwin auf ihn zusprang, einen Herzschlag bekommen, er sei bereits tot gewesen, als die Löwin ihn packte und schleppte. Ein sehr gewagtes Stück bleibt es immerhin, daß der Dompteur es unternimmt, die Tiere im Rundkäfig zu füttern, indem er Fleisch- stücke unter sie wirft. Selbstverständlich sind die hundett Löwen der Kernpunkt des Programms des Zirkus Schneider, der in sehr geschmackvoller, sauberer Aufmachung seine Zelte am L e h n i n e r Platz, Kursürstendamm, ausgeschlagen hat. Das Programm bietet zudem alles, was man nur wünschen kann, erstklassige Artisten- nummern und vorzügliche Pferde und Exotendressuren. Tagung öes Sranöenburgischen Stäütebunöes. Der Brandenburgische Städtebund tagt in diesem Jahre am 20. und 21. Mai in Crossen a. d. O. Dieser Städtebund ist ein Unterverband der Spitzenorganisation des Reichsstädtebundes, der neben dem Deutschen Städtetag— der Spitzenorganisation der Großstädte— die Zusammenfassung der kreisangehörigen Städte ist. Da es einen preußischen Landesverband der mittleren und kleineren Städte nicht gibt, haben die Provinz verbände be- sondere Bedeutung. Sie bilden durch ihre Vertreter den Gesamtvorstand und den Hauptausschuß des Reichsstädtebundes. Unsere Genossen in den städtischen Körperschaften müssen dafür Sorge tragen, daß wir auf der Crossener Tagung zahlreich vertteten sind. Das ist die erste Bedingung, um dott etwas zu erreichen. Auf dieser Tagung stehen wie alle drei Jahre auf der Tagesordnung: Wahl des Vorstandes des Brandenburgischen Städtebundes, Wahl zum Gesamtvorftande des Reichsstädtebundes, Wahl zum Hauptausschuß des Reichsstädte- bundes. Neben diesen Wahlen verdienen die größte Beachtung die Vorträge: Kommunal« Tagessragen: Neugestaltung des Haushaltsplanes: Brandenburgische Verwaltung s- schule: die Bedeutung der S t a t i st i k für die Verwaltung der kleinen und mittleren Städte. Alle parfeigenössischen Vertretungen dieser Tagung treffen sich am Donnerstag, dem 19. ZNai, abends 6 Uhr. in Crossen an der Oder im„Reichsadler" am RIarkt zu einer Vorbesprechung. Mitgliedsbuch legitimiert. Anfragen für diese Tagung sind an den Genossen Hinz. Lieberose(Niederlausitz) zu richten. Um Nachdruck dieser Mitteilung in der parteigenössischen Provinzpresse wird gebeten. Kommunalpolitische Bezirkszentrale. I. A.: Wilhelm Krüger. Dr. Gerhard Erdmann erklätt in seinem Vottrag ,�2 i e beut- sche Sozialversicherung", daß dies« in ihrer augenblick- lichen Form als überwunden gelten könnte, ohne allerdings in dem kurzen Referat Zeit zu finden, um klar herauszustellen, worin das Unzeitgemäße eigentlich liegt. Unter anderem erklärt er, die Sozial- Versicherung bedeutet einen Schutz des Arbeitnehmers vor sozialen und wirtschaftlichen Nachteilen, die aus seiner niedrigen Besoldung erwachsen. Er gibt dann eine kurze Aufzählung der einzelnen Ver- sicherungsarten und ihrer Hauptaufgaben.— Chefredakteur Georg Bernhard beginnt seinen Zyklus„Der Mensch in der Volks Wirtschaft" mit dem einleitenden Vottrag„Der Konsument als Wertfaktor". Konsum ist nach Bernhards�Meinung eine schwankende und unzuverlässige Größe.'Augenblicklich ist in Europa die große Konsumkrise auf ihrer Höhe. Die Sozialdemokraten haben als erste von der Uebcrproduktion als der eigentlichen Krisenursache gesprochen. Die Disharmonie zwischen Erzeugung und der II»- jähigkeit der Bevölkerung, diese Produktion aufzunehmen, hat ihre Ursache in dein ständigen Ueberaiigebot an Arbeitskräften, d. h. an der übergroßeii indlistriellen Reservearmee. Diese Krise wird noch dadurch verstärkt, daß die Landbevölkerung, die in ihrer Heimat keine Arbeit finden kann, in die Städte abwandert. Bernhard erkennt die eminente Wichtigkeit der Gewerkschaften an, indem er darauf hinweist, daß sich überall, wo G c w c r k s ch a s t e n bestehen, die L o h n v e r h ä l t n i s s c wesentlich gün- stiger aestaltel haben.— Am'Abend spielt Georg Szell Kompo- silioncn Wiener Musiker Arthur Fleischer und Angela Sax er- weisen sich als ausgezeichnete Interpreten dieser Kunst. Zu er- wähnen ist noch, daß Szell sowohl Suppö als auch Strauß sehr «Lgkt und temperamentvoll dirigiert.£, 5, Ein Hemütsathlet. Der ewige, unerbittliche Kampf zwischen Mietern und Haus- wirten, der in 99 von 100 Fällen mit dem Sieg des Hausgestlengen endet, fft zur ständigen Rubttk innerhalb des täglichen Geschehens geworden. Zu unserer am 12. Apttl unter dem Titel„W o h- n u n g im Schutthaufen" gebrachten Notiz erfahren wir von wohlunterttchteter Seite noch folgende Einzelheiten: Es handelte sich um die„idyllischen" Zustände im Hause Burg- straße 13, wo man dem Portier buchstäblich das Dach vom Kopie riß, ohne ihm irgendwelche Ersatzwohnung zu stellen. Genau so übel wie dem Portier wurde aber auch den bisherigen Päch- tern des Hauses mitgespielt. Die Leute hatten das Haus seit dem Jahre 1902 bewirtschaftet und hierfür eine so hochbeinessene Pacht zu entttchten gehabt, daß dem Generalbevollmächttgten der Hauseigentümer jeden Monat das hübsche runde Sümmchen von 1000 M. als Reinertrag in seine Tasche floß. Am 1. April dieses Jahres war der Vertrag abgelaufen, und es kam nicht zur Er- Neuerung, da der Bevollmächtigte an die Pächter das Ansinnen stellte, außer der hohen Pachtsumme auch noch die Verzinsung des recht erheblichen Baukostenkapitals zu übernehmen, das erforderlich ist, um das seit 1680 bestehende, überaus baufällige 5? aus neu herrichten zu lassen. Da diese Verhandlungen also zu keinem ersprießlichen Ende führten, reichte der menschenfreundliche Herr noch vor Ablauf des Vertrages die Räumungsklage ein. be- gann Anfang April sofort mit dem Umbau, so daß die Menschen. durch die seit Jahren ausgeübten Drangsalierungen mürbe gemacht, es vorzogen, sich in eine Wohnlaube zurückzuziehen. Das Haus- inventar wurde auf einer Auktion verschleudert, und am 1. April. genau am Tage des 25jShttgen Geschäftsjubiläums, lag das Ehe- paar, seiner Existenz beraubt, auf der Straße. Demonstrationen der Kleinen. Auch die zugkräftigste Parole nützt den Kommunisten nicht mehr. Di« Mehrzahl der Berliner Arbeiterschaft versagt den Kommunisten ihre Sympathien. Durch Demonstrationen, Platzkonzerle und schreierische Plakate haben die Kommunisten in den letzten Tagen versucht, die„schlappe" Stimmung der Berliner Arbeiterschaft zu heben. Alles Gezeter gegen den Stahlhelm, olles Hetzen gegen die Polizei hat nichts genützt. Die Berliner Arbeiterschaft kümmert sich um das Gebelle des Stahlhelms nicht, um dos der Kommunisten aber noch viel weniger. Das sollten doch auch die Kommunisten end- lich begreifen. Die gestrigen Kundgebungen der Kommunisten waren mehr als kläglich. Um sich nicht zu sehr zu blamieren, wurden die Kreise zusammengezogen. Es hätte auch zu lächerlich ausgesehen. mit 60 Mann zu demonstrieren. Aus dem Brunnenplatz waren 300 bis 400 und auf dem Helmholtzplatz etwa 500 bis 600 Mann ver- sammelt. Auf der Bülowpromenade waren bei Abmarsch des Zuges 200 Mann beisammen. Am kläglichsten war die Kundgebung auf dem Wintrrfeldplatz: dort sammelten sich brockenweise nach Inständigem Warten 100 Mann an, die voll Sehnsucht aus einen Unterstützungszug von Schöneberg warteten, um überhaupt«ine Kundgebung veranstalten zu können. Zu irgendwelchen Zwischen- fällen bei den Kundgebungen und Ummärschen ist es nicht gekommen. Jedoch wurden wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen sechs Verhaftungen vorgenommen. Es war eine Demon- stration der Kleinen, derer, die abgewirtschaftet haben. Familientragödie in Niederschöneweide. Bewohner des Hauses Brücken straße 30 zu Nieder- schöneweide nahmen gestern auf dem Treppenflur einen starken Gasgeruch wahr, der aus der Wohnung der 26jährigen Ehefrau Elfe H. drang. Man alarmierte die Polizei und Feuerwehr, die sich Einlaß in die Wohnung verschaffte. In dem mit Gas angefüllten Schlafzimmer wurde Frau H. und ihr zweijähriges Kind Frieda be- wußtlos aufgefunden. Wiederbelebungsversuche hatten nur bei Frau H. Erfolg, die in.das Elisabeth-Hospital ein» geliesert werden mußte. Das Kind konnte nicht mehr ins Leben .zurückgerufen werden. Die Untersuchung des Falles wird ergeben, ob Selbstmordversuch vorliegt. Jubiläen. Das Fest der goldenen Hochzeit feiert om 5. Mai der Rentner Frist Taegener mit seiner Edefra» Marie aeb. Rottke, Prinz-Euaen. Straße 10 I.— Das 40jährige Dicnstjubiläum feiert der Werkmeister Wend» l a n d bei der Firma Hermann Ckauberg. Spczialwcrkstätten fiir den giasthifchen Maschinenbau, Berkin SM 51, Gitschiner Str. 91. Die Arbeiten öes neuen Berlin. Das Pankower Gesundheitshaus. Der Bezirk, der von der Panks seinen Namen hat, ist 77,35 Quadratkilometer groß. Er hatte bei der Eingemeindung 94 690 Ein- wohner. Diese Ziffer ist in den letzten Iahren auf 106 000 gestiegen. Weite Strecken sind hier noch unbebaut. Die Wohnbautätigkeit hat in den letzten�Jahren sehr stark eingesetzt. Im Jahre 1923 wurden 329. 1926 1166 Wohnungen gebaut und für 1927 sind bereits 1200 Wohnungen im Bau. Die Eingemeindung hat auch hier in Pankow die kommunale Betätigung gesteigert. Vieles, was die Einzelge- ineinden nicht hätten schaffen können, ist durch die Unterstützung der Zentralstellen geschaffen. Das Gefundheikshaus und die Verwaltungsbaulen. Einer der größten Pläne des Bezirks ist die Schaffung eines Gesundheitshauses. Der Bezirk wird in diesem Bau eine sozial- hygienische Ausstellung mit Vortragssälen errichten, um für die Be- oölkerung gelegentlich Vortragsabende zu veranstalten. In dem Ge- sundheitshaus sollen auch die ärztliche sowie schulärztliche Verwaltung. die Zahnklinik und die Bureaus für diese Zweige Platz finden. Der Errichtung des Gesundheitshauses haben die Berliner Zentralstellen zugestimmt. Das Gebäude wird am vahuhos Pankow in der Grunow- si ratze errichtet. Das Verwaltungsgebäude in Niederschönhausen wird gegenwärtig zu einem Realgymnasium umgeballt. Um die Dienst- stellen, die bisher in. diesem Verwaltungsgebäude untergebracht waren, nach Pankow legen zu können, muß dem Pankower Verwal- tungsgebäude ein Erweiterungsbau angegliedert werden, wozu die «ndgültige Zustimmung durch die Zentralstellen noch aussteht. In Buchholz ist eine Turnhalle im Bau, die bald zur Benutzung für Schulen und Vereine geöffnet wird. Eine weitere Turnhalle wird in Pankow entstehen. Für den Bau eines geplanten Berufsschul- gebäudcs find die Mittel noch nicht bewilligt. Ein Erweiterungsbau des Krankenhauses ist dringend notwendig. Noch heute werden in Pankow Baracken, die während des Krieges errichtet worden und nur mit mangelhasten hygienischen Einrichtungen ausgestattet sind, zur ilnterbkingung von Kranken benutzt. Es ist dringend erforderlich, die notwendigen Vorarbeiten zur Errichtung des Erweiterungsbaues zu beschleunigen. Straßenbau und verkehrsneherweilerung. Durch Zusammenfassung der Gemeinden bei der Schaffung von Groß-Berlin wurde es ermöglicht, das Straßennetz des Bezirks bis zu einem�gewissen Grade einheitlich auszubauen. So konnte die Berliner Straße, deren Ausbau 1914 schon begonnen wurde, bis zur Schloßbrücke Pankow fertiggebaut werden. Der Bezirk will die Straße bis Blankenfelde weiterführen. Es schweben zwischen dem Bezirk und den Berliner Zentralstellen Berhandlungcn, ob die Straße durch die Schloßanlagen zwischen Schloß- und Wirtschaftsgebäude oder im Bogen um die ganzen Gebäude weitergeführt wird. Die Prenzlauer Allee soll mit einer Promenade versehen werden und als Ausfallstraße über Buchholz den Anschluß an die Chausseen nach Stettin herstellen. Die Verlängerung der Prenzlauer Allee, die Prenzlauer Promenade, macht am Bahnhof Pankow-cheinersdorf einen Knick. Dieser verkehrsgefährliche Knick und auch die Steigung dieser Stroh« soll durch Untertunnelung der Eisenbahn verschwin- den. Bei den Straßenerweiterungsbauten soll bei der Ausfallstraße in Blankenfelde eine Autofalle, eine schmale, für den Verkehr unllbcr- sichtliche Kurve, verschwinden. Als große Lerkehrsverbindung wünscht der Bezirk die Verlängerung der Untergrundbahn vom Nordring nach Weihensee. Der Ausbau der Untergrundbahn bis zur Mühlen- strotze wird in diesem Jahr begonnen. Der Bezirk wünscht aber den Weiterbau nicht als Hoch-, sondern als Untergrundbahn. Erholungs- und Sportanlagen. Die Arbeilersportoereine haben auf dem Gelände der Heimstätte am Bahnhof Hcinersdorf einen Sportplatz errichtet. Hoffentlich läßt der Bezirk diesen Park bestehen, wenn eines Tages das umliegende Gelände bebaut wird. Eine große Sportanlage ist mit dem Bollesportplatz an der Blankenfelder Chaussee entstanden. Dieser Sport- platz umfaßt drei Fußball, und Handballplätze und einen Platz für Hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen und dergleichen. In der Pseil- straße am kisstngenplah werden in eigener Regie durch Notstands- arbeiten eine Erholungs- und Sportanlage errichtet, die mit Baumalleen umssäumt werden soll. In der Schönholzer Heide müssen die Bodenverhältnisse verbessert werden. Dem Boden muß Humus zugeführt werden. Ferner soll der Volkspark gegenüber dem Bürgerpark erweitert werden. Neben einer Wiese zur Erholung soll auch ein Planschbecken geschaffen werden. Auch das ehemalige Schühengildegelände soll in eine Erholuogsanlage um- schweben noch. Der Bezirk will die Uebernahme erst vollziehen, wenn die Schwammbeseitigung erfolgt ist. Ein Schulgarten in Blankenfelde, der 130 Morgen groß ist, liefert für die Berliner Schulen An- schauungsmaterial für den Botanik- und Zeichenunterricht. Dringend notwendig für den Bezirk ist die Errichtung einer Badeanstalt. In Pankow haben zwei Drittel aller Wohnungen keine Badegelegenheit. Besonders die werktätige Bevölkerung wird von dem Mangel einer Badegelegenheit betroffen. Der Ausbau von Buch und Blankeuburg. Die Bucher Dorfstraße, die Buch vor der Eingemeindung ver- geblich versucht hat zu bauen, und auch die Dorfaue sind ausgebaut worden. Ein Wunsch der Bucher Bevölkerung, au das Kanalisation»- netz angeschlossen zu werden, konnte bisher nicht erfüllt werden, wird aber vom Bezirksamt eifrig unterstützt. Der Buch-Karower Zentralfriedhof konnte bisher nicht in Betrieb genommen wer- den, weil das Grundwasser in diesem Gebiet zu hoch steht. Dieser Friedhof mit seiner wundervollen Kapelle und herrlichen Garten- anlagen ist von der Polizei zu Beerdigungszweckcn nicht freigegeben und wird heute gärtnerisch bewirtschaftet. Der Bezirk will ver- suchen, aus dieser Anlage ein Krematorium zu machen. Blankenburg und Karow, die in den letzten Jahren durch eine sehenswerte Baum- blüt« bekannt geworden sind, haben Wasseranschlüsse und Anschluß an das Elektrizitätsnetz erhalten. Die Blankenburger Bevölkerung wünscht dringend, daß endlich einmal die Güter G. m. b. H. aufhört, ihre mitten in der Ortschaft liegendeu Gutsgärten zu berieseln. Sehr inangelhaft ist die Beleuchtung der Straßen im Bezirk. Die Berliner Schlüsselverteilung ist für die Außenbezirke sehr nachteilig. Tegeler Fließ und Pauke. Die Müllabfuhrgesellschaft, die am Tegeler Fließ auf ihrem Ge- ländc Müll anfährt, hat sich aus Einspruch des Bezirks zu VerHand- langen bereit erklärt, die wahrscheinlich dazu sühren werden, daß diese Anfuhr nicht die landschaftlich schöne Gegend am Tegeler Fließ verschandelt. Das Fließtal bei Schildow hat eine sellene Vegetation, die der Bezirk unter allen Umständen erhalten wissen will. Eine für den ganzen Bezirk wichtige Aufgabe ist die Regulierung der Panke. Aehnlich wie in Niederschönhäusen, wo durch ein Rohr von 1 Meter Durchmesser das Grundwasser zur Pank« abgeleitet wurde, sind auch andere Teile von dem hohen Grundwasser geschädigt. So wird es nach Ansicht des Bezirksamts notwendig, die Panke tiefer zu legen, um so die beabsichtigte Grundwassersenkung zu erreichen. » Durch die Zusammenfassung der Einzelgemeinden in dem Bezirk Pankow ist es in diesem Gebiet möglich geworden, in großzügiger Weise nicht nur für den Bezirk, sondern auch für das Hinterland des Bezirkes notwendige Verkehrswege zu schaffen. In den wenigen Iahren, die seit der Eingemeindung vergangen sind, wurden viele bisher angeblich undurchführbare Arbeiten ausgeführt. Für die Ent- Wicklung des ganzen Nordgebietes hat die Eingemeindung die not- wendige Sammlung der einzelnen Kräfte gebracht. Diese Sammlung wird einen Aufstieg zur Folge haben. von üer SanüschoUe zum Kommunalviertel. Wie erinnerlich sein wird, hatte vor dem Kriege di« damals noch selbständige Gemeinde W e i ß e n s« e den Ehrgeiz, sich ein eigenes Kommunalviertcl zu schaffen, in dem auf übersichtlichen Raum alle wichtigen kommunalen Institute vereinigt sind. Weißen- see gelang es auch, in diesem Viertel die Gemeindeturn- und Fest- halle, ein Verwaltungsgebäude, die Oberrealschule, das Realgymna-' sium und das Kanalifationswerk nach einheitlichen architektonischen und städtebaulichen Grundsätzen zusammenzufassen. Wenn dieses wirklich nachahmenswerte Beispiel von den jetzigen Groß-Berliner Bezirken auch nachgeahmt werden möchte, so fehlt es doch, von den finanziellen Mitteln ganz abgesehen, oft auch an dem Raum. Ein anderes unmittelbar vor den Toren Berlins gelegnes Gemeinwesen ist aber jetzt aus dem besten Wege, dieses für jeden modernen Kom- munalpolitiker erstrebenswerte Ziel zu verwirklichen. Und zwar ist das unsere jüngste Stadt N o w a w e s, zwischen Berlin und Potsdam gelegen. Nowawes mit seiner bekannten Textilindustrie ist von jeher auch ein Arbeiterwohnort gewesen. Demzufolge ist der Einschlag und auch der Einfluß der Sozialdemokratie ganz bedeutend. Unsere Partei- genossen sind im Magistrat wie in def�Stadtverordnetenversammlung maßgebend vertreten. Die Folge ist ein zielbewußtes Hin- arbeiten auf den Ausbau kommunal»«, der Allge- meinheit zugute kommender Einrichtungen. Die Gemeinde wird durch die Potsdamer Bahn in zwei Teile zerschnitten- In dem südlichen Teil der Gemeinde,— von Berlin aus gerechnet zur linken,— der von der Potsdamer Bahn, der Wetzlarer Bahn und der Großbeerenstraße begrenzt wird, liegt ein großes ö,des Ge- lände, Sandscholle genannt, welches im Jahr« 1920 auf Veranlassung der sozialistischen Mehrheit der Cemeindeoertretiiug vom Forstfiskus durch die Gemeinde käuflich erworben wurde. Hier wird das Kommunal viertel von Nowawes erstehen, dos heute bereits, wo das meiste noch in den Anfängen ist, die Aufmerk- samkeit des modernen Kommunalpolitikers beansprucht. Gegenüber dem imposanten, wenn auch unserem heutigen Empsin- den nicht mehr entsprechenden Bau des Realgymnasiums wird sich in Kürze der Neubau des Verwaltungsgebäudes der Ortskranken. lasse Nowawes erheben, der u. a. ein modernes Ambulatorium, eine Zahnklinik und medizinische Bäder enthalten wird. Unweit davon steht bereits, vom städtischen Baumeister Kunert in einem der kargen Zeit angemessenen anspruchslosen aber ungemein freundlichen und anheimelnden Stil erbaut, das Städlifche Arbeitsamt und die aufs beste und modernste eingerichtete Städtisch« Feuerwache mit Motorspritze und Krankenwagen. Dieser Bau wird auch die zukünftige Städtische Volksbücherei bergen. Unweit von diesen beiden Baukomplexcn aber wird sich ein hochbedeutsames kom- munales Gebäude erheben, das Städtische Gesundheitshaus, das die gesamte Prophylaxe, also di« vorbeugenden Maßnahmen zur Er- Haltung der Gesundheit und zur Abwendung drohenden Unheils um- fassen wird.' Hier wird' ärztlich-gefundheitliche Beratung statt- finden, Säuglings- und Schwangeren-, Krüppel- und Blindenfürsorge, Wohlfahrtspflege usw. Das Haus soll u. a. auch mit Höhensonne und Röntgenlabo- ratorium ausgestattet werden. Weiter nach Osten hin ist ein Sportplatz mit Kinderspielplatz und einem Licht- und Luftbad im Ent- stehen begriffen, und die tüchtigen unv vorausschauenden Kommunalpolitiker. wagen sogar an die Errichtung einer eigenen Sladthalle als dem Ausdruck modernen Gememfchaftswillens zu denken. Ganz erstaunlich umfangreich und vielseitig ist die Vau- und Siedluugs- täligkeil. In der Troßbeerenstroßc sind zwei große Züge stadteigener Wohnbauten mit insgesamt 180 Kleinwohnungen entstanden,— Monatsmiete für Zweizimmerwohnung 38 Mark—, tue dem modernsten Empfinden entsprechen. Diese dankenswerte Wohnungspolitik wird die Stadt weiter oerfolgen. Unweü des neuen Sportplatzes aber entsteht«in« neu« Siedlung die um dessentwillen bemerkenswert ist, weil sie von vo Äiestt Mrsntiedand GOLD'SÄiA 4a /yuvT'aicb SahoJ�c n. yd�/ruUACbtßri� frisch, nrnrnpulieri:, /mbt köstlichatti� Aroma, bekömmlicher wdißcrL Bratul-? garbAty Proletariern selbst aufgebaut wird. Ein Schild zeugt von dieser ge» meinnützigen Tätigkeit:„chier baut in eigener Regie Genossenschaft Selb st hilf e." In ihren kargen Frei- stunden bauen die Männer ihre chäuser. bekommen sie auf diese Weise nahezu um die Hälfte billiger. Während 20 Kilometer östlich die Riesenstadt keucht und stampft und dröhnt, baut sich hier eine Stadt mittlerer Größe im denkbar modernsten Sinne um und aus, stetig und zielbewußt, angefeuert in ihrer Arbeit von den Idealen der Gemeinnützigkeit, wie sie in den Köpfen und Herzen unserer Genossen lebendig sind. Was in Berlin vielfach notwendig nur Anfang ist und wohl gar nur Stückwerk bleibt, rundet sich in einer solchen Stadt viel schneller zur Vollendung. Nicht nur die Führer, sondern auch die Bürgerschaft sieht Erfolge. Erfolge verbreitern die Basis für die Arbeitenden. So geht es vor- wärts und aufwärts. Zur Aufforstung ües Llugplatzes SiesÜorf. Zu unserer Notiz über die Aufforstung des Flugplatzes Bies- darf sendet uns die„Gemeinnützige Siedlung Biesenhorst"' eine Dar- stellung, die wir auszugsweise widergeben. Die weitere Aus« einandersetzung über diese Angelegenheit muß zunächst dem Bezirks- omt und den beteiligten Siedlern überlassen bleiben. Die gemein- nützige Siedlung Biesenhorst schreibt uns u. a.: Zu den in Ihrem Artikel aufgestellten Behauptungen möchten wir folgendes mit- teilen: Bei den Siedlern handelt es sich um die von etwa 800 Ge- nassen gegründete gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft Biesenhorst. Es ist richtig, daß wir das Gelände bis zum Jahre 1929 zunächst nur in Pacht haben. Unrichtig ist aber, daß uns bei der Ber- Pachtung und ollen späteren Verhandlungen ausdrücklich erklärt worden ist, daß nach Ablauf des kurzfristigen Pachtvertrages eine weitere Verpachtung nicht mehr in Frage kommen werde. Richtig ist vielmehr, daß der zuständige Dezernent vom Bezirksamt Lichten- berg bei den Verhandlungen niemals darüber im Zweifel gekästen wurde, daß wir als Endziel die Besiedlung des Geländes erstreben. Aber auch bei anderen Verhandlungen anläßlich der Erörterung des Fluchtlinienplanes ist vom Bezirksamt zum Ausdruck gekommen, daß durch diese Austeilung den Kleingärtnern die Möglichkeit ge- geben ist, sich später ihre Kleingärten als Eigenheim auszubauen. Ein Schreiben vom 17. Juli 1926 des Bezirksamts an uns sagt ausdrücklich, daß das Grundstück im Prinzip für die Errichtung einer städtischen Wohnsiedlung in Aussicht genommen fei. Unser Antrag vom 19. Februar 1927 auf Uebereignung des Geländes im Heimstätten- recht wurde vom Bezirksamt wie folgt beantwortet:„Wir sind bereit, in eine Erörterung Ihres Antrages einzutreten. Da'edoch die endgültige Gestaltung des Fluchtlinienplanes für die Durch- führung des Vorhabens von ausschlaagebender Bedeutung ist, haben wir die weitere Behandlung Ihres Antrages zunächst.... zurück- stellen müssen." Dieses Schreiben trägt das Datum 22. März 1927. Es ist schier unbegreiflich, daß bei der heute herrschenden Wohnungsnot, die von 800 Siedlern angebotene Hilfe zur Linderung der Wohnungsndt ausgeschlagen wird. �tos üen öezirken. 5. Bezirk— Friedrichs Hain. Die letzte Bezirksverfammlung beschäftigte sich mit der Der- breiterung des Zugongswcges zu der Treptower Brücke, die nur seht langsam fortschreitet. Stadtrat Genoste Rosin erklärt«, daß da, Bezirksamt keinen Vorwurf treffe. Da hier zwei Bezirke beteiligt sind, werden die Arbeiten von der zentralen Tiefbaukommstsion durch- geführt. Die Treptower Seite tonnte früher in Angriff genommen werden, da das Gelände städtisches Eigentum ist, während sich die St.lauer Seite in Privatbesitz befindet. Der Besitzer fordert« Wucherpreise, deshalb schwebt jetzt«in Enteignung»- verfahren. Ein Antrag der Kommunisten fordert« die 4 5.Stunden-Woche in den städtischen Betrieben. Genoste Siegle verwies auf die Verhandlungen der Stadtverordnetenver- fammlung, bei deren Abschluß auch die kommunistisch« FraktionderlästündigenArbeitswochezustimmte. Er stellte deshalb einen Abänderungsantrag, wonach das Bezirksamt beim Magistrat auf die endgültige Durchführung der 48/„....... rt 3.10 ut« 3.99 Kostproben gratis Ausschank direkt vom FaB. Eduard SQsskind Hauptgeschäft: BrunnenslraBe 42*43 Slenlilx, SebloSctr. 121 Berlin. Petersburger Str. CO Neukölln. Berliner Str. 18 Berlin, Chaneeeeetr. 70 Moabit, WllsnacherStr. 25 Berlin, MOIIeretr. 144 Berlin, GrBnaner Str. 15 Berlin, Koppenatr. 89 CbnrloUenburg, Wllmeradorter StraBe 157 Llefeninsen ruh aojw&rta Ton Mark 10— an. Kfebllaacben, Kraken und F laichen Verden geliehen. -M-'M-- 1 £ 9 y /// MU* � IA!Kv\'--H' MxM- iw N x gibt eine Schussel voll wetteifern Lunte KJeidcKen mit JerFarLen� pracfit des FrüKlings. Laffet den Kindern ilir formloses Spiel; Mutti katja Lux Seifenflocken, die im Nu kefekmutzte Sacken frifck und fauker macken. Lux Seifenflocken lind das zuverläfli�ste �/afek mittel füralle cm�findlickenGeweke. Sie löfen fick in warmem V/affer rafck zu einem firackti�en Sckaum, der okne jedes Reiken vollkommen reinigt. Nur In Orlginal-P aketen zu 50 und QO Pl�- SEIFENFLOCKEN SUNUCHT MANNHEIM nr.il4*M.7ol)toim0 2« l�OrtöQrt0 Stcifoa, 4, tn«! 1927 Ein halbes?ahr Rohstahlgemeinfthast 25 Millionen deutsche Strafgelder.- Preiserhöhung als Ausweg. Der 1. April dieses Jahres war der erste Abrechnungstermin «n der Europäischen Rohstahlgemeinschaft. Man konnte deshalb diesem Datum, wo die Bilanz des ersten Halbjahres vorgelegt wurde, mit einiger Spannung entgegensehen. Dos finanzielle Ergebnis des ersten Vierteljahres(Ottober bis Dezember 1926) zeichnete sich bekanntlich durch nicht geringe Mehr- leistungen von Deutschland aus. Die deutsche Gruppe hatte i m ersten Vierteljahr 9,66 Millionen Mark an Straf- geldern zu leisten. Es hat seinerzeit Aufsehen erregt, daß die deutsche Schwerindustrie in der Lage ist, neben den regulären Bei- trägen solche gewaltigen Summen als Strafe zu zahlen. Man er- klärte es für unmöglich, einen solchen Zustand auch nur für einige Zeit aufrechtzuerhalten. Heber 15 Millionen Strafgelder im 2. Vierteljahr. Angesichts desien kommt es überraschend, daß im zweiten Vierteljahr(Januar bis Vjprz 1927) die früher gezahlte Strafsumme bei weitem überholt wurde. Mehr als 16 Millionen Mark sind im letzten Vierteljahr von der deutschen Schwerindustrie in die Ausgleichstasie gezahlt worden. Nach einer Mitteilung der ..Deutschen Dergwerks-Zeiwng' sieht das Ergebnis der Europäischen Rohstahlgemeinschaft im ersten Vierteljahr 1927(das zweite der Rohstahlgemeinschaft) und im ersten Halbjahr seit Bestehen der- selben solgendennahen aus:(lieber die Zeit vom Oktober bis Dezember 1926 siehe.Vorwärts' Nummer 88.) Das Produktionsergebnis. 2 Vierteliabr Tatsächliche Kartell- Mehr-(+) oder gr>"i, 100- Produltion quclc Minder-(—) pro- Januar-Marz 192,(in icoot)(in 1000 t) buttum(miooot) Deutschland.... 3958 3621+ 937 Frankreich...... 2005 2164— 149 Belgien....... 924 815+ 109 Luxemburg...... 583 577-ft 6 Saargebiet...... 471 402-j- 69 1. Halbjahr Oktober 26 bis März 37 Deutschland.... 7694 6183 4- 1611 Frankreich...... 4202 4437— 235 Belgien....... 1883 1661+ 222 Luxemburg..... 1181 1186— 4 Saargebiet...... 932 825+ 107 Die finanziellen Auswirkungen dieses Produktionsergebnisies ist«us nachstehenden Zahlen ersichtlich. Zur Erläuterung möchten wir bemerken, daß nach§ 6 des Vertrages von den die Produk- tionsquote überschreitenden Mitgliedern an die Ausgleichskasie eine Strafe von je 4 Doll«r pro T«nne Mehrerzeugung gezahlt werden muß. Die übrigen Länder haben nach§ 7 des Vertrages Anspruch auf eine Entschädigung von 2 Dollar je Tonne Mindererzeugung. Der reguläre Beitrag beträgt nach Artikel 1 pro Tonne Erzeugung 1 Dollar. Das finanzielle Ergebnis. ,-..o.-.-.. Allgemeiner Strafe Illc Beitroge Ruckoecgütung —.7 S 21"®»eilraa Mehrerjeug. insgesamt s. Mindererzeug. in Dollar in Dollar in Dollar Teutschland. Frankreich.. Belgien... Luxemburg. Saargebiet.. 932 000 428 000 Bekanntlich sieht der Z 8 des Vertrages eine Aufteilung des durch obige Leistungen erzielten K a s s e n b e st a n des vor. Die Aufteilung soll erfolgen gemäß der Quote, die jedem Lande zu- gebilligt wurde. Die deutsche Gruppe bekommt also von ihren Mehrleistungen einen Teil zurück. Dennoch ergibt sich für die mehrerzeugenden Gruppen, namentlich für die deutsche, eine nicht geringe Belastung, während die übrigen Länder entsprechend« Zu- schüsse erhalten. Der eventuell zur Aufteilung gelangende Betrag von der tatsächlichen Beitragsleistung in Abzug gebracht bzw. hin- zugezählt, ergibt folgendes Endergebnis für das 1. Halbjahr: Mehr zu zahlen hatten: Deutschland..... 3 906 440 Dollar=] 6 407 048 Mark Belgien...... 135 12 l Dollar--- 567 508 Mark Saargebiet..... 43 905 Dollar= 184 401 Mark Entschädigung erhielten: Frankreich..... 3 368 094 Dollar= 14 145 995 Mark Luxemburg..... 717 372 Dollar— 3 012 962 Mark in Dollar 7 694 000 4 202 000 1 883 000 1 181 000 932 000 6 044 000 885 000 13 738 OOO 4 202 000 2 768 000 1 181000 1 360 000 470 000 8000 Durch die Zahlungen, die Deutschland über die reguläre Beitragsleistung hinaus zu leisten hatte, ergab sich eine Mehr- belastung von 2,13 Mark pro Tonne Erzeugung im ersten Halbjahr des Kartells. Belgien hatte eine Mehrleistung von 30 Pf. und das Saargebiet eine solche von 20 Pf. je Tonne zu tragen. Auf der anderen Seite kann Frank eich eine Minderbelastung von 3,, 3 7 Mark und L:. cmburg eine solche von 2,56 M. verbuchen. Der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich beträgt pro Tonne Roh stahl 5,50 Mark. Die deutsche Schwerindustrie hat also für ihr« Mehrerzeugung nicht geringe Opfer bringen müsien. Der Ausweg: Erhöhung der Preise? Es ist deshalb nicht oerwunderlich, daß man noch einem Aus- weg sucht. Diesen steht man in der Bildung von inländischen Dertoufsverbänden, die durch strenge Zusommenfassung und kartellmäßig«n Vertrieb der einzelnen Produkte«in« E r- höhung der Weltmarktpreise herbeiführen sollen. Die .Bergwerks-Zeitung' schreibt deshalb ganz offen:.Die deutsche Industrie kann«ine derartige Belastung ihrer Rohstahlerzeugung nicht tragen, wenn es nicht gelingt, die Weltmarktpreise auf ein angemes. senes Niveau zu heben.' Erhöhung der Weltmarktpreise bedeutet natürlich eine stärkere Belastung der verarbeiten- den Industrien Europas und natürlich auch derjenigen Deutsch- londs. Für die deutsche Fertigmdustrie ergibt sich bekanntlich eine höhere Belastung, da ja infolge der bestehenden Schutzzoll« und der straffen Syndikate die Inlandspreise über den Weltmarkt- preisen liegen. Es ist notwendig, sich gegen diesen Anschlag mit aller Entschiedenheit zur Wehr zu setzen, da die Fertigindustrie höhere Materialpreise durch Lohndruck abzuwälzen sucht. Außerdem würde das gesamte deutsche Preisgebäudc sofort eine schwere Er- schütterung erfahren, wenn hie Pläne der Schwerindustrie zur Durchführung gelangen würden. Es ist gut, daß diese Ziffern und Pläne bekannt werden, während die Weltwirtschafts- konferenz in Genf tagt. Die dort vereinigten Kapitalisten aller Länder mögen darüber nachdenken, wie sie mit diesem praktischen Problem der internationalen Kartellierung fertig werden, ohne die von der W«ltarbeiterschast geforderte Kartellkontrolle durchzuführen. ___ P. 11. das Reich unü sie Erwerbslosen. Grundlose Sparsamkeit.— Aufhören der Neichs- zuschüssc. Der Reichsarbeitsminister sucht mit den kleinlichsten Mitteln an den Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge zu spa- r en. Indessen hat die günstige Entwicklung der Wirtschaftslage in den letzten Monäten zu einer so starken Abnahme der Er- werbslosenzohl geführt, daß wirklich nicht einzusehen sit, warum Herr Brauns mit aller Gewalt den Berjuch macht, einige tausend Opfer der Hetze der reaktionären Skandalpresse zu überliesern. die bei jeder Gelegenheit oersucht, die Erwerbslosen als faule Staatspen fionäre hinzustellen. Bei der Beratung des Reichshaushaltsplanes wurde vom Reichsfinanzminister stets bewnt, wie drückend die Last der Erwerbslosenfürsorge für das Reich in diesem Etatsjahre sein werde. Sein Staatssekretär schätzte den Aufwand für das Halbjahr April bis September 1927 auf 25 0 Millionen Mark, d. h. auf mehr als 40 Millionen Mark monatlich. Die Abnahme der Er- werbslosenzohl und das erhöhte Lohnaufkommen haben nun in den letzten Monaten eine ständige Steigerung der Einnahmen aus denBeiträgender Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur Erwerbs- lofenfürsorge mit sich gebracht, die man auch an amtlichen Stellen jetzt mit rund 60 Millionen Mark monatlich veranschlagt. Gleichzeitig hat der Rückgang der Erwerbslosigkeit den Gesamtaus- wand auf ungefähr die gleiche Summe reduziert. Während im März noch an 97 Millionen Mark für die Erwerbslosensürsorge be- nötigt wurden, werden im April wohl nur noch etwa 75 Millionen in Frage kommen und schon heute läßt sich voraussehen, daß im Mai die Unterstützungssumme nur noch wenig über 60 Millionen Mark betragen wird. Der Reichszuschuß wird also bei weitem nicht di« in Aussicht genommene Höhe erreichen, so daß alle Aussicht besteht. daß der Betrag von 250 Millionen Mark nicht nur für das erste halbe Jahr, sondern für das ganze Finanzjahr 1927/28 ausreichen wird. Dabei ist freilich vorausgesetzt, daß die günstige Entwicklung der Wirtschaftslage nicht von neuem einen Rückschlag erfährt. Wenn sie anhält, so besteht sogar die große Wahrscheinlichkeit, daß es im Laufe der nächsten Monate nicht nur möglich sein wird, aus dem Beitragsaufkommen die gesamten Lasten der Fürsorge zu bestreiten, sondern auch darüber hinaus noch eine Reserve für die Wintermonate mit ihrer saisonmähigen Verschlechterung des Arbeitsmarktes zu bilden. Bon der Notwendigkeit einer besonderen Sparsamkeit bei der Erwerbslosenfürsorge kann also keine Rede mehr sein, es sei denn, daß das Steueraufkommen im Voranschlag überschätzt wurde, um die über- flüssige Biersteuerzahlung an Bayern zu leisten, und daß es der Arbeitsminister zusammen mit dem Finanzminister für richtig hält, den Betrag, den er seinen bayerischen Freunden hat schenken lassen, aus der Not der Erwerbslosen wieder hcrauszu. holen. Oer Zuckerinüustrie geht es gut. Eln gcnnchklger Zeuge. Don den Intresienten des Zuckerzolls wird noch immer die der- zeitig günstige Lage der Zuckerindustrie mit aller Entschiedenheit b e st r i t t e n. Daß aber die gerade auch an' dieser Stelle aus- gestellten Behauptungen im ganzen durchaus zutreffend sind, wird jetzt von einer Seite bestätigt, die bestimmt ausgezeichnet und richtig informiert ist. Niemand muß die Konjunktur der Zuckerindustrie aufmerksamer verfolgen als der Teil des Maschinenbaues, der Maschinen für die Zuckerindustrie herstellt. Denn von der Konjunktur der Zucker- industrie hängt sein eigener Geschäftsgang entscheidend ab. In der Nummer des Essener.Anzeiger sür Berg-, Hütten- und Maschinenwesen' vom 26. April finden wir von selten der mitteldeutschen Maschineniudustrie die folgende Aaußerung hier- zu:„Das langandauernde Darniederliegen der deutschen Zucker- industrie hat sehr ungünstige Rückwirkungen auf die mitteldeutsche Zuckermaschinenindustri« und den mitteldeutschen Zlpparatebau ae- habt.... Es darf damit gerechnet werden, daß die heimische Zuckerindustrie wieder als größerer Abnehmer auftritt, nachdcr.i die letzte Kampagne besonders auch anp.ejichts Zu- frieden st ellender Preise ein recht günstiges Er- g e b n i s gebracht hm. Denn auch die Zuckerindustrie muß, um ihre Gestehungskosten zu mindern, ibr« Anlagen teilweise erheblich modernisieren.'— Die mitteldeutsche Maschinenindustrie bestätigt unsere Ausfassung also in doppelter Hinsicht. Erstens geht es der Zuckerindustrie zurzeit jo gut, daß mit einer erheblichen Steigerung ihrer Maschinenausträge zu rechnen ist. Zweitens sind ihre Gestehungskosten höher als notwendig, und können durch rationellere Gestaltung der Betriebe herabgesetzt werden. Hier handelt es sich um ein völlig neutrales Zeug- ni s. Die Industrie zur Herstellung von Zuckennaschinen liat ja an sich zweifellos ein Inieresie an der finanziellen Stärkung der Zuckerindustrie, wie sie eine Zollerhöhung in erheblichem Ausmaß mit sich bringen würde. Ihre Aussage wird man also als objektiv betrachten können. Die Aussagen gegen die geplante Zollerhöhung werden damit um eine gewichtige Stimme vermehrt. Freilich glauben wir nicht, daß die gegen- wäriige Koalition der Regierungsparteien sich von den immer stärker werdenden Argumenten gegen die Zollerhöhung irgend. wesentlich wird beeinflussen lasien. Günstige Finanzlage üer Reichspost. Sie kann auf Anleihen verzichten. Bekanntlich behauptet die Reichspost, ihre finanzielle Lage er. fordere ein« Erhöhung ihrer Einnahmen nicht nur mittels der so- eben in Kraft getretenen Reform der Fernsprechgebühren, sondern vor allem durch eine Erhöhung des Briefportos um 5 0 P r o z. In der Presse aller Richtungen ist auf die Unsinnigkeit einer Portoerhöhung im gegenwärtigen Augenblick hingewiesen worden, und wir haben ausführlich zahlenmäßig dareelegi, daß von der Notwendigkeit weiterer Einnahniefteigerung bei der üteichs post keine Rede fein könne. Wie gut es der Reichspost finanziell geht, zeigt eine offiziöse Mitteilung ihrer Finanzabteilung. Bekanntlich hatte die Reichspost fiir den Sommer eine Anleihe von mehreren hundert Millionen Mark(300 Mill.) angekündigt. Jetzt tetlr sie mit, daß eine Auflegung dieser Anleihe zunächst nicht in Frage komme, sondern daß man abwarten wolle, wie sich die eigenen Finanzen entwickeln würden. Man hofft also anscheinend, aus der günstigen Entwicklung der Postfinanzen infolge der Besserung! der Wirt- schaftslag«, aus der Reform der Fernsprechgebühren und aus der noch nicht beschlossenen Portoerhöhung einen so erheblichen Betrag für Investitionen erübrigen zu können, daß man auf die Auflegung einer großen Anleihe verzichten kann. In den Fußtapfen der Reichsbahn will also die Post„The- saurierungspolitik' auf Kosten der breiten Massen treiben, d. h. den Wert ihrer Anlagen aus laufenden Mitteln steigern, statt sich für diese Zwecke des Anleiheweges zu bedienen, wie das üblich und gesund ist. UnfavscßäfsQn(Sie nießt JJIodcrnß t)erron~ (Sakko-fönsiigo in den neuesten Farben und Formen M 4S.—, 52.-, 58.-, 05.- 74.-, 82—, 90.—, 105- 112.—, 125.— den Wert einer guten, zweckmäßigen Bekleidung. Ein guter ANZUG oder MANTEL ist Ihr unentbehrlicher Lebens- gef&hrie und Ihr ireaesier Reisebegleiter. Wählen Sie ihn also mit Sorgfalt und Bedacht. €sders Qßrron- (Sport- finsügß I mit Knidserbodier und Breeches zwei, drei- und vierteilig M. 43.-. 55-, 65.—, 75.- 85.-. S5.-, tOS.-. HO-— 12 O.—, 125- ßERLIN CI9 cMrff GEUlItairDTEhiSTIt.8-9 /t* dek VETuuOMcaz Zollpolitische Unwahrhaftigkeit. Die Gemüse- und Obstausfuhr. Staat und Städte stellen neuerdings erhebliche Mittel zur Förderung der deutschen Gcmüsekultur bereit. Wie wiesen schon früher darauf hin, daß diese Bestrebungen zu begrüßen sind, volkswirtschaftlich jedoch nicht gerechtfertigt werden können, wenn dadurch schwache Betriebe künstlich gestützt und später auf Schutzzölle angewiesen sind, die den Verbrauchern den Genuß des Frühgemüsos erschweren. Jetzt, wo die kommenden Kämpfe um den endgültigen Zolltarif bereits ihre Schatten voraus- werfen, bringt die Presse der Gärtnereioerbändc bereits Artikel, die zeigen, wie berechtigt diese Bedenken waren. So schrieb kürzlich der Vorsitzende des Reichsverbandes des deutschen Gartenbaus, Direktor G r o b b e n- Altlangsow, in der„Deutschen Tageszeitung" folgende Worte: „Außerdem wird die Loge noch durch die von Jahr zu Jahr st e i g c n d e Einfuhr von ausländischem O b st und Gemüse erschwert. Der von den Handelsverträgen erhoffte Schutz ist wirksam bisher nicht besonders in Erscheinung getreten. Im Gegenteil zeigt die Uebersicht über die Einfuhren eine er- heblichc Zunahme." Für den Kenner der Materie ist es schon auffallend, daß gleich dahinter die Einfuhrzahlen des Januar 1927 herangezogen werden. Diese eigentümli6?e Beweisführung findet aber ihre Cr- tlärung dadurch, daß nämlich in Wirklichkeit die Einfuhr an Ge- müse im Jahre 1926 einen ganz erheblichen Rückgang erfahren hat. Sie betrug 1925.. 4 690 968 Dz. im Werte von 184 195 999 M dagegen 1926... 4 988 873..... 90 340 090, also weniger 622 595 Dz. im Werte von 34 705 000 M. Der Rückgang macht bei seiner Menge 11,8 Proz. aus, seinem Werte nach sogar 25,9 Proz. Trotzdem bringt der dcutschnationale Stratege es fertig, in umfangreichen Artikeln und großen Tönen ein«„von Jahr zu Jahr steigende Einfuhr" zu behaupten und„nach- zuweisen", daß„der von den Handelsverträgen erhoffte Schutz wirk- fam bisher nicht besonders in Erscheinung getreten" sei. Die Einsuhr an frischem O b st hat im Jahre 1926 wohl der Menge nach eine Zunahme erfahren, aber ihr Wert ist er- heblich geringer geworden. Es beträgt die Obsteinfuhr 1925.. 8 823 942 Dz. im Werte von 122 648 999 M. 1926.. 8859 955.„„ 114 668 900„ «ehr 36 013 Dz. weniger 7 975 090 M. Die Einfuhr menge ist also um 1,1 Proz. größer als 1925, ihr Wert aber um 6,7 Proz. geringer. Diese eigentümliche Gestaltung findet dadurch ihre Erklärung. daß die hochwertigen Obstarten, Aepfel, Weintrauben und Beerenobst einen Rückgang erfahren haben(Aepsel um 56 399 Doppelzentner, Weintrauben um 239 044 Doppelzentner, Beerenobst um 172 786 Doppelzentner), wähnend die Einfuhr von Birnen um 344 372 Doppelzentner, Zwetschgen um 42 604 Doppelzentner und Kirschen um 9814 Doppelzentner zugenommen hat. Dieses jährliche Schwanken der Einstihinnengen der"einzelnen Obstarten ist nur ein- Beweis dafür, daß diese Einfuhr der Deckung unseres durch den Ausfall der heimischen Ernte bedingten wechselnden Bedarfs entspricht. Im übrigen sei auch einmal darauf hingewiesen, daß die Obst- einfuhr im Durchschnitt der Jahre 1911/13 4 582 589 Doppelzentner betrug, also ein Mindcreingang von 1 223 525 Doppelzenter gleich 26,7 Proz. zu verzeichnen" ist. Besonders stark ist der Rück- gang bei den Aepfeln, dem wichtigsten Einfuhrobst. Betrug deren Ein- fuhr 1911/13 noch 3147 399 Doppelzentner, so ging sie 1926 zurück aus 1 811 998 Doppelzentner, also um 1 335 392 Doppelzentner oder 42.4 Proz. Die Darstellung, als- ob die Einfuhr von Gemüse und Obst im Jahre 1926 eine weitere Steigerung eriahren Hab«, di» der Gärtnerei das Leben unerträglich erschwere, ist also eine unwahre. Trotz- dem wird mit entsprechend herausgesuchten Zahlen so lange jongliert. bis der gewünschte Eindruck erreicht ist. Und dieser Eindruck soll dahin gehen, daß die Schutzzölle aufrechterhalten oder sogar er» höht werden müßten. Daß aber die große Mass« der werltätigen Gärtner nur darunter leiden kann, wenn sie in einen Gegensatz zu den Verbrauchermossen gebracht wird, ist selbstverstönd- lich. Deshalb' müssen diese Propagandamcthodcn, die obendrein im Widerspruch zur Wahrheit stehen, niedriger gehängt werdend Kaliabsah Im April. Der Absatz des Deutschen Kalisyndikats G. m. b. H. im April 1927 betrug 599 5 49 Doppelzentner R e i n k a l i gegen 569 955 Doppelzentner Reinkali im gleichen Monat dos Vorjahres. Der Absatz im Düngejahr 1926/27(Mai 1926 bis April 1927) beträgt 12129 428 Doppelzentner Rein- kali gegen 11 234 542 Doppelzentner Reinkali im Dllngejahr 1925/26. Der Absatz in den ersten vier Monaten des laufenden Kalenderjahres beträgt 5 889 477 Doppelzentner Reinkali gegen 4767 779 Doppelzentner Reinkali in den ersten vier Monaten des Kalenderjahres 1926. S apikaler höhung bei der Preußenkasse. Das preußische Staats- Ministerium hat dem Staatsrat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine Erhöhung der eigenen Mittel der Preußischen Zentral- genossenschaftskass« Berlin auf 45 Millionen Mark vorschlägt. Die Preußische Zentralgenossenschastskasso ist bekanntlich eine staät- liche Pank, die speziell als Zentralbank der Genossenschaften geschaffen worden ist. Der preußische Staat erhöht seine Einlage um 1141 Millionen Mark. Ursprünglich war eine Erhöhung um 19 Millionen Mark vorgesehen: sie wird jedoch entsprechend vergrößert, um aus 45 Millionen Mark abzurunden. Die Kapitalerhöhung soll nicht durch eine Ueberweisung neuer preußischer Gelder erfolgen, sondern zum Betrage von 19 Millionen Mark durch die Umwandlung eines im Jahre 1925 aus Staatsmitteln der Preußenkasse zur Per- fügung gestellten Mittel st andskredits. Zollsreiheit für inkernalional kartellierte waren. Der D e l e- gierte Frankreichs auf der Genfer Weltwirtschaftskonfercnz, Serrays, Hot sich in bemerkenswerter Weise über internationale Kartelle und Zollpolitik geäußert. Er zieht aus der Vermehrung der irrt ernationalen Kartelle die Folgerung, daß die Ausstellung eines einheitlichen Zolltarifes notwendig sei. Viel wichtiger aber ist, daß er für die kartellierten Waren zwischen denjenigen Ländern, die an den Kartellen beteiligt sind, den freien Warenaustausch fordert. Der„Vorwärts" hat als erster nach der Errichtung der europäischen Rohstahlgemeinschaft die Aushebung der Eisenzölle gefordert. Talsächlich sind die Eisenzölle noch ein« besondere, vom Staate ge- währt« Prämie für die Hochhallung der Inlandspreise und die Aus- beutung der inländischen Verarbeiter, nachdem die Rohstcchlgemein- schost die Inlandsmärkte den einzelnen Industrien reserviert hat. Serruys spricht also eine Selbstverständlichkeit aus, die aller- dings für Deutschland noch eine große Kampffrage ist und die des- halb an Selbstverständlichkeit nichts eiiebüK, weil es der Franzose Serruys ist, der die Forderung erhebt. Serruys definiert die internationalen Kartellverträge dahin, daß sie erstens die„Ge- fahren" des rücksichtslosen Konkurrenzkampfes verringern und daß sie zweitens im allgemeinen die Verschiedenheit der Preise im In- und Auslande ausheben. Serruys hätte noch hinzufügen müssen, daß im Bereich der KarteGe das allgemeine Preis» Niveau im ganzen bewußt erhöht wird. , Die Sparkassen des Deutschen Reiches km Mörz. Nach der Sparksssenstatistik des Deutschen Reiches erhöhten sich die Spar- e i n l a g e n von 3572,30 zu Beginn des März auf 3718,89 Mill. Man'. Gegenüber dem Februar 1926 ergibt sich eine Steigerung der Spareinlogen von 1,93 auf 3,71 Milliarden Mark. Siuseaduag«» sSr diese Rubrik sind verli» SW 68, Lindeaktroh» 3, partemachcichten für Groß-Serlin ilrt»,4 Uhr bei Goldschmidt. Stolpisch« Str. S«, wichtige Funktionär. sitzung. Erscheinen dringend rrsorderltch. 52. Abt. Sdarlotteaburg. 7� Uhr bei Bade, Kaiserin-Augusta-Allee 52, Funk- tionärsitzunq. 85. Abt. Märienbars. 8 Uhr bei Niendorf, Eh-usseestr. 19, Funktionärsitzung. 11». Abt. Lichtenberg. 7>4 Uhr bei Meye, MMendors. Este Rtttergutstraße, Abtellungs-Funktionärsitzung. Bestimmtes und pünktliches Erscheinen ist Pflicht. Die Funktionäre laden zum Zahl abend ein mit der Tagesordnung: „Deutschland» Außenpolitik und China. Referent„Borwiirts". Redakteur Pikt-r Schiff. Iungkozialisken. hcuke. F rettag, S. Mai: «r»ppe Mitte: 8 Uhr in der Schule Gipsstr. 23.i Fortsetzung des Bortrages: „Etatfrogen." Referent Dr. Kurt Bloch. Parteigenossen al, Gäste willkommen. — Gruppe Weddiag-Gesundbrnna««: 8 Uhr pünktlich im Jugendheim des Lc- digenheims am Brunnenplatz, Einsang Drthstraße 19. Laden. Bortrag und Dis- kussion:„Wehrmacht und Sozialdemokratie." Referent Genosse Maiselsonn. Gäste sind eingeladen.— Gruppen Neukölln! und II: tzVi Uhr in der Polls. büchcrci Eanghoierstraße Fortsetzung de: Arbeitsgemeinschaft:„Das Verhältnis achen Reich. Staat und Ländern." Rcfcrrn: Etudicnrar Erwin Marquardt. e willkommen. Arbeilsgemeinschaft der kindcrfreund:: Eroß-Berli«: Die KreisleUec werd?n dringend gebeten, am Dienstagö 10. Mai, die Programme von der Geschäftsstelle ganz bestimmt abzuholen. Bezirk Krcuzbcrg: Die �elfersitzung findet heute. Freitag, S. Mai, 8 Uhr, im Jugendheim Äorckstr. 11 statt. Am-Sonntag, 1. Mar, haben sich rn der Bock. brauerei zwei. Fahnen angefunden. Abzuholen bei �nustmann,«ottbustec Ufer 37. Sterbetafel öer Groß-öerliner partei-Grganisation 7. Abt. Unser Genosse Seinrich San ff«, Chausseestr. 50. ist ver. starben. Wir verdim sein Andenken in Ehren halten. Beerdlaung am Frei. tag, tz. Mai, nachmittags 4 Uhr. auf dem Gnaden.Friedhof, Darfuhstratze. Wir bitten um recht zahlreiche Dcieiligung. Sozialististbe Arbeiterjugend Groß-Verlin. Abrechnung der Beiträge, Ausgabe der„Jugend voran" und der.Arbeiter. Jugend" heuie, Freitag, ron 5—7 Uhr. Zlbleilungsmitgliederversammlunger, heute. 7� Uhr; Moabit 1: Schuir Waldenferftr. 29.- Stralaucr viertel! Heim Soßler. weg: Seim Crnststr. 1«. Zohannt-thol: Rathaus.— R:rdkr:Sonroc>de: Schule Berliner Str. 81.— Tegel: Heim Bahnhosstr. 15.— Nlederschönhans«»: Schule Blankcnburger Str. 79. im Hauptstr. 15. Danziäcr Str. 23.»Jugend und Partei."— Schöuebrrg I:, „Politische Tagesereignisse."— Britz: Rathaus. Ehausseestr. 48.„Der 1.®at,' — Petersburger Viertel: Die Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Genouen f. Kraule wird heute wieder aufgenommen. Zusammenkunst beim Genossen . Krause, Kochhannstr. 12...... Wcrbcbezirk Kreuzberg: Heim Lindenflr. 3. Funktionärkursus. Jede Kruppe muß vertrete» sei»........... Wcrbcbezirk Rcnlclln: Heim Kanner Straße. Wer!coez>rksm:tzlicdtrvc:> sammlung. Die Mitgliedsbücher müssen mitgebracht werden. Räch der glänzenden Ausnahme, die das Beamtenlaufhaus der Deutsche» Beamtenwarenversorguna,„Debewn", in der Zimmerstr. 16 18 bei der acfamten Berliner Kundschaft gesunden dat, erössnetc die leistungsfähig« Anstalt de, Deutschen Bcaintenwirtschastsbundes in der Friedrich. Ecke Kochstraße»ine große Möbclabtcilung im Friedrichshof. Bekanntlich ist den„Deb«wa">Kaukhäuseril in Hamburg, Frgttkfurt a. M., Dresden ulw. feit laustem eine gleiche Ab. ieilung für Wohnungseinrichtungen, Einzel» und Klnnmiibel angegliedert. Unter Perwertung der dort gewonnenen Erfahrungen wird die Zwciganstalt Berlin ihre» Grundsatz, Bestes bei weitestgehender Zahlungscrleichtcrung zu bieten, Nl-ch im Mödelgeschäst zur Durchführung bringen. Wer keine Wirtschastssprgen habe» will, muß sich heutzutage entsprechend umstellen. Die Koste» für den Lebensunterhalt'sind enorm gestiegen, während die Einnahmen nicht immer Schritt gehalten Haien. Unter diesen Umständen ist es natürlich kür di« Haussrau schwer, stets eine gute Mahszeit 8» bereiten. Und doch hat sie es vollkommen in der Sand. Sie muß sich nur von alle» Borurieilen sreimackten. Bei dem großen Fcttbedarf rtncr FamNi« ist es eben Nicht mehr möglicki, die teure Butter, kci es in der Küche oder zum Brotaufstrich, zu verwenden. Die Feinlostmaroarine„Blauband frisch gekirnt" enthält d>« Nährwerte der Butter, ist von köstlichem Wohlaeschmack und ebenso bekömmlich. Der billige Preis von»ur 59 Pf. für das halb« Pfund Hilst vom Wirtschafis. geld ein nette» Sümmchen sparen, um andere notwendige Dinge zu beschaffen. 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In jedem Seemmtnsbuch wird von den Prüfungen erzählt, denen sich der Jungmatrose, der Schiffsjunge, unterwerfen muß, eh« er für würdig befunden wird, in die Gemeinschaft der Kameraden aufge» nommen zu werden. Da werden diese Bortommnisje, in denen die Mannschaften die Ueberlegenheit ihres durch«ine jahrelange Dienst- zeit erworbenen Ranges dem Neuling recht deutlich vor Augen führen wollen, mit einem romantischen Mäntelchen umkleidet, obwohl nicht selten dabei Motive maßgebend sind, die weniger aus dem Bestreben nach„Ertüchtigung" hervorgegangen sind, als aus dem Gefühl heraus, dem Nachfolger die gleich« Behandlung zu bieten, die man selbst erfahren hat. Weit weniger romantisch ist die Art, in der man in die große Gemeinschaft von Arbeitskollegen aufgenommen wird, wenn man in«inen nüchternen Massenbetrieb als Lernender eintritt, in eine Fabrik, in deren Räderwerk der Anfänger immer ein störendes Glied bedeutet. Noch störender, wenn man dem Geist der Arbeitskollegen ftemd, sich nicht anzupasien versteht oder, in jugendlichem Uebermut Ueberlegenheit zur Schau trägt. Die Arbeit ist schwer und das Eindringen in die Gefühlswelt der Arbeitskollegen ist nicht leicht für den. der aus bürgerlicher Umgebung jung in den Betrieb kommt. Bleibt er ein Spießer und Bürger, so nützen alle Prüfungen nichts, begreift er das Wefeen der immer hilfsbereiten Schicksalsgenossen, so haben sie, wenn auch mit derben Mitteln, gewirkt. Wie oft habe ich im l�iuf« meines durch viele körperlich« Arbeit unterbrochenen Skribentendaseins an den Beginn memer praktischen Tätigkeit denken müssen, an deren bitteren Stunden ich durchaus nicht unschuldig war. Bor— zig Iahren trat ich als Dolonteur in eine Lotomotivbude ein, überlegen im Dollgefühl meiner theoretischen Bildung, im Geiste schon sämlliche Stufen bis zum Werkleiter überspringend. Und herrlich war ich gewandet, blau« Bluse scharf auf Taille, Hosen mit Messer- scharfen Bügelfallen. Kragen, unter dem kokett der weiße Hemd- kragen hervorlugt«, paßrecht. Schuh« mit vernickelten Lackspitzen. kurz ein„hochfeiner Pinkel". Der Erfolg meiner sieghasten Jüng- lingserscheinung und meines imponierenden Auftretens war gewaltig, aber eigentlich etwas anders als ich erwartet hatte. Es kamen so sonderbare Sachen vor. Ich mußte damals zuerst den berühmten Würfel herstellen, und Ich hantierte geschäftig und andauernd mit allerlei Werkzeug, mll Stichmaß und Schublehre herum, wochenlang. Was ich oben fort- nahm, fehlte mir unten. Und wie kam es denn, daß manchmal morgens meine Schrubbfell«„zufällig" so dick mit Schmierseife ver- klebt war? Wie kam es, daß mein Würfel, der am Abend schon ganz annehmbare, quadratische Dimensionen hatte, am nächsten Morgen wie«in Zuckerhut aussah? Ich zerbrach mir vergeblich den wohlgeschettellen Kopf darüber. Räch geraumer— sehr geraumer— Zeit nahm der Würfel allmählich aber sicher die Bestall eines Tetraeders an, und ich glaube ihn nach Jahren als tubistische Plastik in einer expressionistischen Kunstausstellung wiedergesehen zu haben; da hieß er„Badende Nymphe". Dann lagen immer so merkwürdige Eisenstangen mitten im Wege. An sich ist das in einer solchen Werkstatt eine harmlose Sache. aber wenn ich auf dies« harmlosen Eisenstangen trat, dann zischten mein« Schuhsohlen dampfend auf, und es roch nicht gut nach ver- brannten» Leder. Wie kam denn das? Schließlich brauchen doch auch die besten Schuhe nicht der Temperatur von fast weißglühendem Eisen standzuhalten. Dar Sonderbarst« aber geschah mit den Rieten und das kam so: Auf der Platte lagen fünf rotglühende Kesselnieten. Der Vorarbeiter nimmt sa. gelegentlich den ersten Niet in die Hand, sekundenlang, und läßt ihn wieder auf die Platte fallen. Während dieser Prozedur hatte ihm die Hand immerhin etwa, gezuckt; bei rotglühendem Eisen erschien mir das natürlich. Aber ich wußte auch, daß man sich mit der Zeit daran gewöhnt, und war später selbst imstande, auf ziemlich hohe Hitzegrad« gebrachtes Eisen ohne Schmerzgefühl anzufasien. Das sollte ich also hier erst nachmachen. Warum nicht? Wenn es der Vorarbeiter vollbringt, werde ich doch wohl dasselbe schaffen. Ich greife also herzhast den zweiten Stift von der Platte, woraus mir blitzartig ein Fetzen Haut von der Hand absengte. Wie konnte ich auch damals wisien, daß nur der erste Niet— derjenige, mit dem mein Arbettstolleg« das Experiment vorgeführt hatte— kunstvoll mit Mennia« rot angepinsell war, während die anderen vier wirklich erhitzt waren? Es geschahen noch einige merkwürdige Zufälle. Die hörten aber dann allmähllch auf, im selben Grade, wie meine Hosen zur Knollen- bildung neigten, die Taille weniger scharf wurde und der Stehkragen verschwand. Nach und nach kam ich auch schließlich hinter diese Geheimnisse und hinter andere. Der Mensch nimmt an Weisheit zu. Zum Schluß lernte ich sogar, Bier kunstvoll ohne jeden Gluckser und ohne sichtbare Verletzung der Banderole aus der Flasche zu trinken und diese mit Wasier gefüllt wieder so herzurichten, daß der «erschlußmechanismus völlig intakt erschien. HeheimnUe der berlinischen Grammatik'' Mll der Erforschung der eigenen Muttersprache beginnt man oewöbrlich imnier zuletzt. Fragen Sie einmal einen echten Berliner, wieviel Fälle(Kasus) es im Berlinischen gibt. Ob Sie die richtige Antwort erhalten werden? Nun wir sind im Berlinischen schon erheblich aus dem Wege zur V-reiniacbuna der deutschen Grammatik vorgeschritten; denn wir haben nur noch zwei Fälle: den Subjektsfall und den Objektsfall. Direktes und indirektes Objekt(Akkusativ und Dativ) sind zusammen- ««fallen und zwar gewöhnlich in dem Akkusativ, bei Mirwörtern I-doch mellt m dem Dativ; der Genetiv wird durch den Objektsfall in Der�ndung mit„sein" beziehungsweise„ihr" ersetzt, z. B. Subjektsfall: dea Junge,-,. �» Obiokikstill- den Jungen(ea vahaut den Jungen, pp den Jungen det Brot den Jungen sein Lata is kraut). W-iblicke Wörter(de Katze, de Schwesta) haben praktisch nur noch einen Fall Eine Besonderheit bilden einige Berwandtschastsnamen. die oft obne �wdi-sem Fall« im Objektskasus, auch wenn sie weiblich sind, n anhängen. B-LM— V-ttan. Mutta- Muttan. ebenso bei Iroßoata, Srvßmutta. Onkel. auch bei Tante, serner bei den meisten Dornamen und einigen Per- loneimamen.� � Mehrzahlbildung find wohl genügend bekannt, ») Um das Berlinisch- lautrichtig zu schreiben, müßte man einig« Hilsszeichen«nwÄ. Der Einfachheit halber ist hier davon abgesehen, also z. B. das lang-«. wenn kein M.ßveistehen möglich ist, einfach- geschrieben. Das in berlm, scheu Wortern ge chr.ebene r ist natürlich immer das Zäpfchen-r: Ware ist im Berlinischen also sowohl Ware als auch Wage. ebenso die vier Endungen:— a(Ding— Dinga, Mann— Männa), — n(Banksej— Banksesn, Nese— Nesseln),— e Beer— Beene), — s(Meechen— Meechens), Junge— Jungs). Daneben gibt es aber auch bei einigen Wörtern noch eine eigentümlich« Veränderung der Endsilbe, die bisher keine Grammatik verzeichnet hat. Wie heißt die Mehrzahl von Jeere(Gör)? Sie lautet Ieean; ebenso von Rere (Röhre) Rean, Beere— Beean, und so bei allen anderen Wörtern, die in der Einzahl aus re auegehen. Das in der Einzahl gesprochene r wird also in der Mhrzahl in a verwandelt. Diese ganze unregel- mäßige Mehrzahlbildung erklärt sich jedoch lautlich ganz einfach: r bleibt erhallen, wenn nur noch ein Vokal darauf folgt(Jeere), es wWd aber vor en und n durch Lösung der Zäpfchenschreibung zu a, so wird Ohren zu Ooan, ebenso natürlich Gören zu Ieean. Ich habe einmal etwa zwanzig Berlinern die Aufgabe gestellt, eine Reihe von Wörtern(darunter Äug«, Ohr, Röhre— Röhren) lautgemäß berlinisch zu schreiben, nur wenige haben die Aufgabe annähernd ge- löst, und nur einer(eine junge Daine) richtig auch rere rean. Eigentlich ist die Wendung: als obste(oder wennste) schwebst, wo ob und wenn ganz so wie Zeitwortformen aussehen: kannst«, schwebste(kannst du, schwebst du), während es richtig eigentlich ob de, wenn de heißen müßte. Die Beeinslusiung durch die obengenannte Zeitform liegt auf der Hand. Das ist allerdings im Berlinischen der einzige Fall dieser Art. Einige Dialekte sind darin noch weiter gogangen. So berichtet G. von der Gadelentz„Die Sprachwissenschaft"(2. Auflage Seite 328), daß einige mitteldeillsche Dialekte die Konjunktion„ob" vollständig durch- konjugieren: ob ich gehe, ob du gehst, ob er geht, obben wir gehen. obt ihr geht, obbent sie gehen. Diese kurze Betrachtung wird gezeigt haben, daß es auch in dem oft so gering geschätzten Berlinischen allerlei Knifflichkeiten und Un- regelmaßigteiten gibt, die wenn sie etwa so im Altgriechischen vor- kämen, als eine denkwürdige Erscheinung des Sprachgeistes be- wundert würden._ Erich P a g e l. Mus öer Geschichte öes Portos. Eine Erhöhung der Postgebühren droht uns, und wenn sie wirtlich durchgeführt wird, werden wir wieder einer Segnung der Vorkriegszeit nachtrauern dürfen, die uns entschwunden ist.' Der Iv-Pfennig-Brief war ja der Stolz des großen Organisators der Deutschen Reichepost, Heinrich Stephan; er war die Krönung jener Bewegung zur Derbilligung des Portos, die mit dem englischen „Penny-Porto" eingesetzt hatte. Das stolze Gebäude des Weltpost- Vereins war hauptsächlich auf dieser Durchführung des Einheits- portos aufgebaut. Der Aufschwung des Briefverkehrs war damit aufs engste verbunden, und hinter uns lagen jene langen Jahr- hunderte, in denen die Aufgabe eines Brieses mit den größten Schwierigkeiten und Hemmungen verbunden war. War es doch vor 100 Iahren noch ein großes Ereignis, wenn man einen Brief bekam. Otto Bähr hat in seiner vortrefflichen Schilderung des deutschen Stadtlebens aus jener Zeit dafür ein bezeichnendes Beispiel gegeben: „Saß man abends, im häuslichen Kreise um das brennende Talglicht, so bildet« sich mitunter an dem Dochte desselben eine rotglühende Schnuppe, einem roten Siegel vergleichbar. Dann prophezeite man demjenigen, welchem dieses Phänomen zugewandt war:„Du be- kommst«inen Brief!" Daß ein Brjef damals«in so seltenes und wichtiges Geschehnis war, das hatte seinen guten Grund, denn die Beförderung war schlecht und das Porto teuer. Zwar waren die Zeiten längst vorbei, da die Briefbeförderung von den Metzgern so nebenher beim Vieheinkauf besorgt wurde, doch ihr Zeichen, das Blasen mit dem Horn, war von der Thurn- und Taxis'schen Post übernommen worden, die den Briefverkehr als erbliches Reichslehen feit dem 16. Jahrhundert betrieb. Das Briefporto wurde noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf Grund der Entfernung zwischen den einzelnen Orten berechnet, und für größere Strecken kamen Zuschläge dazu. Die Feststellung des„Postgeldes" war also eine höchst schwierige Angelegenhett, die großer Rechenkünste bedurfte. Mit dem Sinken des Geldwertes um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Porto immer wieder erhöht, in Preußen sogar verdoppell, worüber bewegliche Klagen laut wurden. Die einzelnen Staaten und freien Reichsstädte Deutschlands richteten ihre eigenen Post- anstalten«in, so daß es in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahr- Hunderts neben der Taxis'schen Reichspost 30 selbständige Postinstitute gab. Durch diese Zersplttterung wurde der Briefverkehr noch weiter verteuert und erschwert. Bei der Eifersucht der einzelnen Posten aufeinander suchte jede Anstatt die Briese möglichst weit in ihrem Bereich zu befördern und führte daher große Umweg« herbei. Der Absender wieder suchte durch Umleitung die teuren Strecken zu vermeiden und gab ein« bestimmte Route auf den Brief an, die nicht innegehalten wurde oder auch zum Verlust des Briefes führte. Da die Briefe aus Nordost- deutschland nach Süddeutschland über das preußische Postamt Duderstodt schneller als über Leipzig gingen, wurde der Taxis'sche Postmeister bestochen, die Briefe über Duderftadt zu führen. Auch sonst suchte man, sich den Briefverkehr möglichst zu verbilligen. Briefe wurden„durch Güte" befördert, indem man sie Fuhrleuten, Buch- Händlern und Reisenden mitgab, oder man schickte sie„durch Ein- schluß", indem sie in andere Briefe eingelegt wurden. Bei der un- übersehbaren Vielseitigkeit der Münz- und Gewichtssysteme in den deutschen Ländern, bei der unglaublichen Anzahl von Längen und Gewichtsstufen, waren die verwickeltsten Berechnungen bei der Taxierung des Briefes nötig, und der Empfänger mußte immer noch nachzahlen, weshalb man ineistens die Frankierung ihm überließ. Die Nichtfrankierung durch den Absender war auch sicherer, denn man konnte dann hoffen, daß der Brief wirklich befördert wurde, was sonst durchaus nicht immer der Fall war. Ein Brief von Frank- furt a. M. nach Danzig kostete 1840 1,50 Mark nach heutigem Gelde, einer von Königsberg nach Berlin 60 Pf., von Kastel nach Berlin 75 Pf. Die Briefe nach dem Ausland waren noch bedeutend teurer. Um das Porto zu sparen, fiel man aus die seltsamsten Auswege. Der Kaufmann schrieb z. B. viele geschäftliche Mitteilungen an Personen derselben Gegend auf ein Blatt, das dann der erste Empfänger zerschnitt und verteilte. Man verweigerte auch die Annahme des Briefes, nachdem man die Nachricht von einem vereinbarten Zeichen auf den Umschlag abgelesen hatte. Bon den damaligen Zuständen auf postalischem Gebiet hat Stephan, der ihnen ein Ende machte, gesagt:„Es faßte sie niemand— ein Trost für den menschlichen Geist: die Erhebung der Taxen war nur ein« Wahrscheinlichkeitsberechnung." Die deutsche Postkonferenz, die 1848 in Dresden tagte, mußte nach einer Arbeit von S'A Monaten zugeben,„daß man die Kenntnis aller in den deutschen Staaten bestehenden Postnormen nicht besitz« und daß ohne diese Kenntnis eine Reform nicht möglich sei". Den Anfang zum Besseren machte die Einführung des Penny-Portos am 10. Januar 1840 in England durch den Poftminister Rowland Hill. Dieses billige Einheitsporto von 1 Penny(8� Pf.) wurde das Bor- bild für alle anderen Staaten, dem auch der Norddeutsche Bund mit der Einführung des Groschen-Portos und das Deutsch« Reich mit dem 10-Pf«nnig-Tarif folgte.__ Wacholder. Die„nordische Zypresse" spielt im deutschen Leben, Glauben und Brauch ein« bedeutende Rolle, die zum großen Teil durch ihren deutschen Namen veranlaßt ist. In der heutigen Namens- form steckt nicht sowohl unser wach, als vielmehr das landschaftliche queck oder quick, d. i.� lebendig, das wir im Quecksilber haben; darauf weist nicht nur niederd. Queckalt«r, sondern auch die althochdeutsche Nebenform Quecholder zu Wechalter u. ä. Wachholder(mit dem Ton auf der ersten Silbe) schrieb man in Anlehnung an Holder— Holunder (von„Gebildeten" ebenfalls in der Mitte betont). Aber beide Wörter sind ebenso wie Maßholder(Ahornart, mhd. Mazoilter, ahd. Mazaltra« vom ahd. mazzal Ahorn) und Affolter(mhd. As>alter wie noch der erzgebirgische Ortsname, Ableitung von Apfel)— Apfelbaum mit dem alten Worte triu Baum(engl, tre«) zusammengesetzt, so daß also Wacholder Lebensbaum bedeutet, wie er denn auch als Baum der> Verjüngung in Sage und Märchen bedeutungsvoll geworden ist. Im Märchen erscheint auch die niederdeutsche Form Machandel(-boom), die sür Wacholder steht wie mundartlich mir für wir, Mitscherling für Wutschierling u. a. Abgesehen von dem Namen Kattich(Frau Kaddig). den Baum und Strauch in Preußen führen, ist noch der bayerische Kranewett oder Kranewitter zu erwähnen, der auch im Krammetsvogel steckt(mhd. Kranwitvogel). Schon im atthochdeutfchen heißt der Wachotdersttauch Kranwitu, d. i. Kranichholz, zusammen- gesetzt aus Krani(später Kranich) und witu, Holz. Mit dem Namen Kranewitt, Krammet hängt auch die schwäbisch- westfälische Be- nennung des Wacholder-(oder Kirsch-) Branntwein» und des Schnapses überhaupt zusammen: Krambambel; daraus ergab sich im 18. Jahrhundert in dem studentischen Preisliede Krambambuli. C. M. Zerstörung eines chinesischen Baudenkmal». Den politischen Wirren im Reiche der Mitte ist kürzlich«ins der schönsten altchine- fischen Kunstwerke zum Opfer gefallen: der als„Wellwunder" weit bekannt« Porzellanturm innerhalb des Buddhistenklosters von Anking. Das prächtige achteckige Bauwerk mit neun Stockwerten hatte«ine Höhe von etwa 90 Metern, und die Spitze tonnte auf einer herumlaufend«» Wendeltreppe erreicht werden. Jedes Stock- werk bestand aus einem einzigen Raum, der reich gemall und mit in Nischen aufgestellten vergoldeten Götterbildern geschmückt war. Der Turn, bestand aus Ziegelsteinen, die mit Porzellanplatten in vielen leuchtenden Farben verblendet waren. Jedes Stockwert wurde durch einen vorspringenden Rand aus grünen Ziegeln bezeichnet, an denen kleine goldene Glocken hingen. Das Dach bestand aus Kupfer und wurde überragt von einem zehn Meter hohen Mast, der wiederum ein« vergoldet« Kugel trug. Der Mast selber war in eine riesig« Eisentugel eingelasten, deren Oberfläche mit künstlerisch ausgesührten symbolischen Figuren bedeckt war. Diese Kugel diente als Tresor für die Schätze des Klosters, und Juwelen, Gold, Silber, Seidenstoffe, alte medizinische Bücher, seltene Heilmittel und Geld- schnüre wurden früher darin aufbewahrt. Nur mit den größten Schwierigkeiten mußte es möglich gewesen sein, diese sonderbare eiserne Schatzkammer von 24 Tonnen Gewicht und 12 Meter Um- sang so hoch über dem Erdboden anzubringen. Das Innere des Turmes wurde nachts von Hunderten von Lampen erleuchtet: die Außenseite schmückten etwa 150 Glocken, /lrbektersport. Hebt ficht auf öle Sportplätze. Sport- und Spielplätze wurden oftmals schon die Oasen der Großstadt genannt. Ganz mit Recht, denn hier beginnt für den Arbeitersportler ein völlig anderes Leben. In Fabrik, Werkstatt und Kontor zwing der technische Apparat die Menschen zur Hast, die Selbstbesinnung hört dort auf. Auf dem Sport- und Spielplatz aber besinnt sich der Mensch— falls er sich nicht vom Rekordfimmel des bürgerlichen Sportbetriebes einsangen läßt— wieder auf sich selbst. Es beginnt die Arbeit am eigenen Körper. Das ist wichtig, ganz besonders für den Arbeitersportler. Die Grundlage der hierzu nötigen Arbeit bilden in erster Linie die Sport- und Spiel- platze. In der Millionenstadt Berlin hat die Kommune viele solcher Plätze geschaffen. Man übersieht leider noch gar zu oft den Wert solcher kommunalen Tätigkeit, die ohne die fortschreitende Ein- flußnahme der Arbeitervertreter in den Kommunalvertretungen längst noch nicht so weit gediehen wäre. Und vor allem haben die Arbeitersportler die Pflicht zur Erhaltung der hier erwachsenen Wertobjekte. Wohl sind die Verhältnisse be- sonders im inneren Berlin noch nicht die besten, weil räumliche Be- drängnisse nicht immer eine frei« Ausdehnung zuließen. Dennoch darf man nicht verkemren, daß dem Arbeitersport gute Stützpunkte erwachsen sind im Laufe der letzten Jahre. Und doch wird auch auf diesem Gebiet oft noch die bürgerliche Sportbewegung als besonderer Machtfaktor der herrschenden Gesellschaft unterschätzt. Der aus- merksame Beobachter wird immer wieder feststellen müssen, daß jene das Bestreben in sich hegt— wie wir es praktisch und klar, so oft in Vortriegstagen sehen konnten—, olle Kräfte der sportlichen Arbeit für sich dienstbar zu machen. Wenngleich mancher bürgerlich« Verein sich aus eigenen Mitteln schon Plätze schassen konnte, so scheut er sich nicht, auch noch die kommunalen Plätze m Anspruch zu nehmen. So stellt sich für dies« automatisch eine Bevorrechtung«in, die manche Arbeitersportler bei ihrer Gleichmütigkeit gar nicht.be- merken. Städtische Sportplätze aber sollen in erster Linie den bedürftigen Vereinen freigestellt werden, denn auch hier haben wir das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit zu ver- treten. Soll uns nicht manches verloren gehen, auf das wir gleich- berechtigt ein Anrecht haben, so müssen wir uns am kommunalen Leben beteiligen. Rur ein wenig spart- und kommunalpolitisch denken und urteilen lernen, zeigt dem Arbeitersportler die Werte praktischer Mtarbeit und praktischer Einflußnahm«. Daran kann auch keine revolutionäre Phraseologie etwas ändern. So ergibt sich für uns die ganz einfache und klare Forderung an jeden Arbeitersportler, daß er sich um die städtischen Sportplätze, um seine Uebungsstätten, ihre Herkunst, ihre Unterhaltung und auch ihre Aus- Nutzung im Interesse eures gesunden Sportes kümmern muß, soll ihm nicht vieles verloren gehen und soll nicht auch hier wiederum eine Devorrechtung gewisser Gesellschaftsschichten einsetzm. Der Buudevmeistsr kommt nach Berlin. Adler OS, eine der technisch besten Mannschaften Groß-Berllns, ist es gelungen, den viermaligen Bundessußdallmeister, Dresdener Sportverein 1910, zum lammenden Montag nach Berlin zu verpflichten. Zum ersten Male wird es der Berliner Fußballgemeinde vergönnt sein, den Bundesmeister in voller Auf- slellunq zu sehen. Ueber das stSnnen der Dresdener besteht wohl im allgemeinen kein Zweifel. Biermal hintereinander die Bundesmeisterschaft zu erringen ist noch keiner Mannschaft gelungen. Aber auch die Paistower verfllgen Uber eine fUr Berliner Berhaltuisse spielstarke Elf. Im unaufhörlichen Siegeszug gingen sie durch die Serie. Äur in den MeisterschaftskLmpfen erlitten sie durch das eigenfinnige Spielen einiger Leute eine Niederlage, die ihnen schließlich noch die Meisterschaft kosten kann. Trotzdem verfllgen die Adler-Leute llber Material, das dem Bundesmeister den Sieg nicht leicht machen wird. Das Spiel find es ans dem Adler-Ill-Sportplatz in der Christianiastraße statt nnd beginnt nach- mittags 5 Uhr.— Sonst herrscht llber Groß-Berlin am Sonntag wegen des Etahlhelmtages Epielsperre. Auch den Provinzvereinen wird leine Spiel- erlaubnis erteilt./ Tosristevoerein jDie Raturftennde', Ortsgrnppe Berit» e. B., zentrale IBien. Ortsgruppe Belli«; Sonntag, 15. Mai, auf dem Gelände de» Landheinls Meißnershof bei Hennigsdorf Maienfest. Beginn Z Uhr. Unkostenbeitrag 20 Pf.— Abt. Eharlottenburg! Freitag, s. Mai, s Uhr, im Seim Spreeftr. 50: „Sexuelle Fragen."— Abt. Friedrichshage»: Freitag, 5. Mai, 5 Uhr,� bei Vortrag. Montag, S. Mai, Iugendabtrilung im >i. 66: Naturwissenschaftliche, Heim Wrangelstr. 128 Licht- krele Sozialistisdie Hodisdiule. Sonnabend, den 7. Mai, 7 V, Uhr abends im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Gen. Dr. Rudolf Sreitedieid, M. d. R. «Sozialistische Außenpolitik" Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sirtd zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3 2. Hof, II, Zimmer 8.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, LindenstraBe 2,— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsdh, Engelufer 24-25, Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Verbandes der deutschen Buchdrucker. Dreibundstr. 5.—„Werkfreude" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Oewerkschaftskommission, Engelufer 24-25(Gewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts Speditionen. bilbervoctrag:„Die Alpen."—»bt. Sfidwest: Freitag, 6. Mai, 8 Uhr, im Heim Porckstr. 11: Liederabend.— Gemischter Ehor: Freitag, 6. Mai, im Altersheim Danziger Str. 62, Baracke 5. Tenoe- und Sopranstimmen noch erwünscht.— Photogemeinschast: Montag, 9. Mai, ihg Uhr, im Heim Ebertpstr. 12:„Die Bildausmackiung."— RatnrwissenschastNche«bteilnaa; Montag, 9. Mai,« Uhr, im Heim Stralauer Str. 55: Geschäftliches.— AdL Schöuebcrg: Montag, 9. Mai, 8 Uhr, im Heim Hauptstr. 15.— Abt. Steglitz: Montag, 9. Mai, 8 Übe, im Heim Kniephof» Ecke Jever Straße.— Abt. Neukölln: Freitag, 6. Mai, 7 Uhr, im Heim stopfstr. 55: Maiseier.—«bt. Lichtenrade: Montag. 9. Mai, 8 Uhr, bei Lentz, Kaiser-Wilhesm-Str. 75.— AbL Mariendors: Freitag, 6. Mai, 8 Uhr, in der alten Schule, Dorfstraße. Wassersportverein Reeomania. Sitzung am Freitag, 6. Mai, 8lß Uhr, bei Hossmann, Wismarplaß 2. Ausnahme neuer Mitglieder. Ruderverein Eollegia. Sonnabend, 7. Mai, nachmittags, Arbritsdienst im Bootshaus. Sonntag, 8. Mai, Treffen sämtlicher Mitglieder 1(9 Uhr morgens im Bootshaus. Nachmittags 4 Uhr Taufe des neue» Doppelvierers. Arbeiter-Sport- und jtnlturlartell, 3. Bezirk Weddiuq. Laut einstimmigen Beschlusses der Delegierten haben sämtliche Mitglieder der einzelnen Bereine oder Abteilungen am 7. und 8. Mai geschlossen in ihecn Vereinslokalen oder ans ihren Sportplatzen zu bleiben, um ihre Materialien oder Sportgeräte zu schützen. Die Geschäftsstelle des 3. Bezirkes befindet sich an beide» Tagen in der Schwedenstr. 15b bei H. Schulz(Telephon: Moabit 784). Sollten irgendwo Zwischenfalle vorkommen, verlangen wir schnellstens Nachricht durch Telephon oder Boten. Allen Arbeiterorganisationen zur Rennrnls, daß wir zwei Sama- riterstationen für den 7. und 8. Mai eingerichtet haben: 1. bei S. Schulz, Schwedeilstr. läb; 2. bei Seeselb, Schnlstr..114. Telephonischer Anruf genügt. Die Vereinsseitungen haben dafür Sorge zu tragen, daß an den beiden Tagen restlos alles zur Stelle ist. Zeigt, daß wir als Kulturorganisationen und Ar. beitersportler an diesen Tagen den Alkohol meiden, da sonst Ausschluß erfolgt. — Montag, 9. Mai,'-.8 Uhr, Kartellsitzung im Ledigenheim am Brunnenplatz. 1 Treppe, Zimmer 122 und 123. Wichtige Tagesordnung. Alle Vereine oder Abteilungen müssen vertreten sein. Ringsportverein Alt. Wedding ist hiermit besonders eingeladen. Arbeiter-Athleten. Kurfnsabenb der Kampsrichtervereinignng Dienstag, 10. Mai. 8 Uhr, Turnhalle Pank. Ecke Wiesenstraße bei Sportklub Norden 93. Freie Nudereroereiaignng 1915 e. 8. Sonntag, 8. Mai, 3 Uhr, Bootsplatz Oberschöneweide, Spreestr. 4/5, Taufe eines Vierers. Achtung. Geher! Gelegentlich seines Anturnens mit der Freien Turner» lchaft Lichtenberg am l». Mai veranstaltet der SB. Sparta ein 7,5.Silometer- Bahngehen im Stadion Lichtenberg. Anfänger erhalten bis 5 Minuten Bor. gäbe. Interessenten richten ihre Meldungen bis 10. Mai an Erwin Ianetzkg, O 34, Gubener Str. 23. Sport. Rennen zv Hoppegarken am Donnerstag, dem 5. Mal.» 1. Rennen. 1. Leseis(Grahl), 2. Pistole(Narga), 3. Habicht(Jaekel). Toto: 13:10. Platz: 11, 13, 15:10. Ferner liefen: Tornado, Dellona, Etzel, Gollub, Dorette II. 2. Rennen. L Opar(Huguenin), 2. Milon(Parga), 8. Ealadin (v. Schmkdy. Toto:«:». Platz: 14. Ö, 11:18. F-nre- Sesen:«Der- katze, Edelweiß, Narrenzeit, Die ilfrikanerm, Jliad«. 8. Rennen. 1. Lucas(O, Müller). 2. Burgwart(L-dwia). S. Schwilbche« (Großkopf). Toto: 27: 10. Platz: 20, 43, SS: 10. Ferner liefen: Jagammth, Waldroda, Der Kohinoor, HellesponL 4. Rennen, 1. Torero(Hahnes), 2. TulluS HostilinS(Wolff), Z-Teutone (Grabschl. Toto: 21: 10, Platz: 13, 18, 23:10. Ferner Uesen: Munin, Leibkürasfier, Wanderer, Forno, Aeolus. 5. Rennern t. Double Hind(Blume), 2. Cardinal II(O. Schmidt). 3. Merkur II(Varga). Toto: 71:10. Platz: 12. 10. 12:10. Ferner liefen: Torrone, Storni Eioud, 6. CsampaZ, Miltiades, Seiles. 6. Rennen. 1. Araber(Varga), 2. Favorit(Wölfs), 3. Fredigunde (Komoly). Toto: 27:10. Platz: 12, 13. 13: 10. Ferner liefen: Ziitoruell, Süd-Cap, Fahnenwacht. Frühlingsbote. 7. Rennen. 1. Enkel(Varga), 2. Zia(R. Torke). 3. Finsteraahorn (Hahnes). Toto: 61:10, Platz: 21, 4S. 76:10. Ferner liefen: Obotrit. Jos, Florida. Zlojo, Schaumschläger, Orla, VoUsrache, Veleda, Halca, Frage, Gunthrada, Iberis._ Die Starkerlifte für da» Z-SInndev-Kennen auf der RStt-Arena. DaZ ZwSlferfeld für da» am Sonntag, nachmittag 4 Ahr. aus der R ü t t. Arena stattfindende internationale 3-Stunde»-Mannschastsrennen, das den Ramm-.Mac F a r I a n d— M o r a n- P r e i s' lübrt, ist jetzt bei- lammen. Zu den bereits gemeldeten Mannschaften Gebrüder Piet und Jan van Kempen, Buschenhagen— Frankenstein. Ehmer— Kroschel, Koch— Miethe, Behrendt— Songardt, Dewolf- Hellebaut. Mühlbach— Maczhnski. Otto Blant— Mar. Earli— Krollmann und Gebrüder Kneifel(Düssetdois) sind noch die ehrgeizigen Breslauer Pohl— Martin und das vielversprechende Berliner Paar Kurt Krüger— Petermann hinzu verpflichtet worden, wodurch die große Beietzung diese» Mannschaftsrennens noch eine wesentliche Be. reicherung ersahreu hat._ vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold''. SeschiUtsstelle: Berlin 6 14. Sebastianstr. 57/38, Hot 2 Tr. Freitag,«. Mai: Lichteadeeg nebst ll-teigrnppen: Sämtliche aktiven und passiven Kameraden beteiligen sich wegen der außerordentlichen Wickitiqkeit an den Zug. und Ortsgruppensitzungen um 8 Uhr. NeiNlckendorl: 8 Uhr'Kameradschastssitzung Scharnweberstr. 50, Bortrag Robert Bräuer, Er- scheinen Pslicht, Reuenhagen. Hoppegarten. Biekenstein: 8 Uhr Mrtglieder. Versammlung Lokal„Schweizerhäuslhen.— Ober.. Rledeeschöaeweide, Johannis- thal: So., d. 7„ Versammlung bei Schöps, Grünauer Straße. Alle aktiven und passiven Kameraden haben zu erschein»». Bietz-Fahrer melden.— Hennig,. darf: Sonntag, d. 8.. Pflichtoeranstaltung. Antreten früh 7 Uhr. Näheres durch dir Sruppensllhrer.— Firedrichshain: Die Einäscherung des verstorbenen Kameraden Gustav Jordan, Ebelingstr. 16, findet am Fr., d. 6., nachmittags 5>4 llhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung der Kameraden bittet der Borstand._ Bolksbnnd Ratneschntz e.«. Sonntag, 8. Mai. 6J0 Übe ab Bahnhos Fried- richstraße(Sonntagssahrkarte Frankfurt), umsteigen nach Lebus(Sonntagsiahr- karte von Frankfurt nach Lebus). Wanderung mit Zweigen Franksurt und Küstrin zusammen: Adonishänae. Fllhrer Rektor Weitzel. Eonnabend/Sonnlag, 14., 15. Mai: Golmer Luch, Morgenwanderung. Tressen abends Gasthof zum Ruifchberg in Golm. Anmeldung(Bett oder Stroh) erforderlich. Führer Dr. Klose. Wissenschaftliche Wanderungen. Gäste willkomme». Iaternationaler»rboiter-Ido-Bnad. Montag, 9. Mai, 8 Uhr.„Monats. Versammlung im Jugendheim Borckstr. 11(Bezirksamt). Erscheinen ist Pflicht. Verein für Einheit, tu rzlchnst z» Eharlottenburg. Freitag 7�—9� Uhr An- sänger-, Fortgeschrittenen.. Redeschrlst-Lehrgänge, Siemens- Oberrealschule, Schloßstraße 27 I. �. Berliner Biochemischer Berei». Am Dienstag, 10. Mat, 8 Uhr, rn den Mustker-Feftsälen, Kaifer-Wilhelm-Str, 31. Referent Dr. Stackfleth, Thema: „Harnsäure, Rheuma und Ernährung." 10 efterb«icht der öffentsichen Wetterdienststelle für Berlin nnd Umgegend (Nachdr. verb.) Zeitweise etwas wolkig, sonst hocken und ziemlich warm. Für ventschland: Im Westen und äußersten Osten Gewitterneigung. Im übrigen keine wesentliche Aenderung des Wetters. übergibt man mit dem Nachwet» bea Deutschen Musiterverbande«, Berlin. Kon» mandantenstr. 63,64, Dönhoss 3277—78- Geschäftszeit 9—5, Sonntag, 10—5 Uhr. Aus Wunsch: Berti eteriesuch. BaerSüm Chdl[$mlK£p/3 gPORTANZUG ajUAaemtäSirffrsit m.&usxcfaS'uAl)' J&rte OlZSä fPORTANZUQ kteifai. JiheerfueA xuid*_ulf "xC/.« XLZGANTEH,. SPORTANZUG SiaunfooAÄ&üb- nuTbjSjßcüUoK&LS'-, ■ßzsiftek. Sföo&e, OCX SAKKO ANZ. ouua ß&Lüüew, KcuuAnßaJvnj buk, o&eh, TlO i JcffeileJicg. OO— Whdjachsn vtoKi KJ.YOi ArO. BatiuM XInter&T.. fteitlnerBaJinhof JAKKOANZO? SAMOMZVG 5d iAXKOjm JtoJiunjaaJün.$ OMb.&of£ niU&JfyxiaVLz. SAKKOANZ; ■fiZKjfixMlkael QoJbWuksveT teJktäöMr; Weiferfesfö JCSirjTL Vorhangstoff c« Gardinen, Stores, Dckorafiomstoffc (gewebt Hill, Madraa, Volle, Damast) Landeshatcr Leinen- Oröfite» Sonderhaue and Oebildareberei für Leinen u. Wdadia Berlin W 8, Leipziger Str. 20 22 wttdi. Teilzahlung Eleg. Herren- u. 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