Mbenöausgabe Nr. 213 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 105 Btjuasbelinauna«« und Anj«kginpr«If, knd in der Morgenousaab« angeaebe» «edattioa! Sw. S». cind-nslrohe 3 Zer-spr-cher> vönhofs 292- 292 r«l..«dress«: Sozialdemokrat verlio SW Zevliner PalfeMalf (lO Pfennig) Zreitag 6* ntai IW Verlag und Anzeigenabtellun», Delchäftezelt dt« S Uhr »erlagar: vorwarl». Verlag GmbH. Snlia STB. 68, clnvenstroh» 8 Zerusprecher, VSahofl 292— 292 Zentralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfcblands Antistreikgesetz wirb öurchgepeitstht! Das englische Unterhaus nimmt Baldwins Ausnahmegesetz in zweiter Lesung an! London, e. Mai.(Eigener Drohkberichi.) Am Donnerstag kurz vor Mitternacht wurde im Unterhaus die zweite Lesung über das Gewerkschastsgesetz beendet, indem ein Antrag aus Schluh der Debatte mit Z8S gegen IbS Stimmen angenommen wurde. Der Antrag der Arbeiterpartei, das Gesetz abzulehnen, wurde mit 386 gegen 171 Stimmen verworfen. Die Stimmen der Liberalen waren geteilt: sieben erklärten sich für und neunzehn gegen die Reglerungsvorlage. Am Ende der zweiten Lesung wurden außerordentlich zahlreiche Abänderungsanträge eingebracht. Es sind über 260 Abänderungs- antröge der Arbeiterpartei, ebenso werden auch von liberaler Seite viele erwartet, hierzu dürsten noch Anträge der Regierung und einzelner konservativer Mitglieder kommen. Thomas hatte als letzter Redner der Arbeiterpartei gegen die Gewerkschastsvorlage gesprochen. Er erklärte, das Gesetz lause den besten Interessen des Landes zuwider. Es würde die Ausgabe der Gewerkschostssührer. welche Streiks durch Verhandlungen abwendeten. schwieriger gestalten und die Handelsfreiheit der Arbeiter lähmen. Generalstaatsanwalt Z n s k i p erklärte, in dem Gesetz komme der Grundsatz zum Ausdruck, dah keine Gemeinschaft weiter bestehen könne, wenn sie eine stärkere Macht als sie selbst duldete. Das Gesetz sehe vor. dah Arbeiter, deren einziges Ziel es sei, die Arbeits- bediagungen in ihrer eigenen Industrie zu verbessern, die Freiheit haben sollten, zu streiken, selbst wenn dadurch etwa ein Druck aus die Regierung und die Volksgemeinschaft ausgeübt werde. Am Mittwoch beginnt die Einzelberatung. Erst Propaganda aufgeben, dann verhandeln. London, 6. Mai.(MTB.) Im Unterhaus fragte der Arbeiter- abgeordnete Wedgwood den Premierminister, ob er eine Mittei- lung erhalten habe, daß die Sowjetregierung es für wünschenswert und möglich«rächtet, durch Verhandlungen die augenblicklich gespannten englisch-russischen Beziehungen zu beseitigen, und ob die britische Regierung eine Erwiderung auf ein solches Angebot'gesandt habe oder zu machen beabsichtige. Locker Lampson erwiderte, die Antwort auf den ersten Teil der Anfrage laute verneinend: was den zweiten Teil betreffe, so sei keine Veränderung in dieser Hinsicht seit der Antwort auf eine ähnliche Frage am 8. Dezember letzten Jahres eingetreten. Wedgwood fragte, ob Locker Lampson die Rede Rykows über dieses Thema, in der er ein Augcbot gemacht habe, gesehen habe. Locker Lampson erwiderte.Ja, aber bevor die Sowjetregierung wirklich zeigt, daß sie bereit ist, die P r o p a g a n d a gegen England einzustellen, hat es meiner Ansicht nach keinen Wert, zu versuchen, in Verhandlungen einzutretend(Beifall auf der Regierungsseite.) Deutsthnationale gegen Republitsthutz. Hergt nnd KeudeN machen Schwierigkeiten.— Das Kabinett kann sich nicht einigen» Am Donnerstag sand in der Reichskanzlei zwischen dein Reichskanzler und dem zuständigen deulschnalionalen Ressortminister, d. h. dem Reichsjuslizminisler hergt und dem Reichs- innenminister v. S e u d e l l. eine Besprechung über die v e r- längerung des Republlkschuhgesehes statt. Es stellte sich hierbei heraus— wie wir von unterrichteter Seile erfahren—, dah die von den Deutschnationalen zu erwartenden und von ihren Ministern gegen eine Verlängerung des ganzen Gesetzes gemachten Schwierigkeiten doch gröher sind, als man in Regierungskreisen anfänglich angenommen hatte. Infolgedessen dürste er st nach dem Miederzusammentritt des Reichstags ein Bcschluh des Kabinetts herbeigeführt werden, obwohl die Mehrzahl der Minister für eine Verlängerung des ganzen Gesetzes um zwei Iohre eintritt. Unruhe im Zentrum. Tie Berliner Organisation gegen Beschwichtigungs- versuche. Das„Berliner Zentru m", das Mitteilungsblatt der Berliner Zentrumsorganisation, ist mit dem Bürgerblock ebensowenig zufrieden wie mit der Verteidigung des Bürger- blocks in der Zentrumspresse. Mit deutlicher Spitze gegen die „Germania" schreibt das Mitteilungsblatt unter der Ueberschrift: Ernste Dinge, klare Worte: „Es ist nicht einzusehen, warum man diese Dinge nur immer andeutungsweise und überaus vorsichtig behandelt. Die Zentrumswähler haben ein Anrecht daraus, den wirklichen Gang der politischen Ereignisse, ihren praktischen Einfluß auf Festigung und Ausbau des heutigen Staats- wesens, der Republik, kennen zu lernen. Der deutschnationale Innenminister hat den Demokraten Dr. Brecht kurzerhand durch den deutschnationalen, auf dem rechten Flügel stehenden Herrn v. Kameke ersetzt, der jetzo als Hüter der republikanischen Verfassung im Reichsinnenministerium sitzt. Soviel glauben wir auf Grund einiger Kenntnisse verantwor- tungsbcwußt sagen zu können, dah Herr v. Kameke weder republikanischer Gesinnung ist, noch sich je praktisch republikfrcundlich gezeigt hat. Es ist festzustellen, daß auf einem verantwortungsvollen Posten der Republik, in der Leitung der Versasiungsabtcilung des Reichsinnenministeriums heute kein Republikaner sitzt.• Die Ernennung des Richtrepublikaners v. Kaincke zum Ministerialdirektor der Verfassungsabtcilung im bewußt republikanisch lein sollenden Reichsinnenministerium, der Abbau des zuverlässigsten Versossungsmannes in derselben Abteilung, ist eine solche tolle A n g c l e g c n h e i t. die mancher Politiker— sosern er Republikaner im herzen ist— ebensowenig zu verstehen mag, wie der einfache republikanische Mann aus dem Volk. Der gesunde Menschenverstand hat das sehr schnell zusammen, die Dinge brauchen nicht künstlich kompliziert gemacht und vernebelt zu werden. Bei der Verabschiedung des Ministerialdirektors Dr. Brecht und feiner Ersetzung durch Herrn v. Kameke liegt der Kern aber so, daß ein zuverlässiger Vertrauensmann der Republik einem deutsch- nationalen Parteifreund des deutschnationalen Innenministers ». Seudell, daß der bewußte Wille zur Macht der republikanischen Staatsform innerlich notwendig bedingten republitfeindlichen Kräften durch Mit- verschulden republikanischer Staatsmänner weichenmußte." Eine scharfe und berechtigte Kritik der Personalpolitit des Bürgerblocks, die deutlicher zeigt, was ist, als die Versuche der „G e r m a n i a", den Bürgerblock gesundzubeten. Sie bulgarische Regierung üeckt öie Polizei. Ter Ministerpräsident für die Polizeimastnahmen. Sofia, 6. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die aus Bulgarien ausgewiesenen Rechtsanwälte Dr. R o s c n s e l d und Richter- Wien legten vor ihrer am Donnerstag abend erfolgten Abreise aus Sofia sowohl bei dem bulgarischen Mini st erpräsiden» t e n, wie bei dem deutschen Gesandten gegen ihre Aus- Weisung schriftliche Beschwerde ein. Der Ministerpräsident aber lehnte es trotz der anerkennenswerten Vermittlung des deutschen Gesandten ab, die Polizeimaßnahmen gegen die beiden ausge- wiesencn Rechtsanwälte aufzuheben. Es bestätigt.sich damit, daß die Polizei nicht ohne Anordnung der Regierung gehandelt hat. Das Urteil in dem Prozeß gegen das Zentralkomitee der kommunistischen illegalen Organisation wurde bereits am Donners- tag gefällt. Es lautete gegen den als Führer angeklagten Kommu- nisten K a w l o w auf 12Vj Jahre Zuchthaus und eine hohe Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. In elf Tagen beginnt ein neuer Prozeß gegen die sogenannten Jung- kommunisten. Moskau üroht Peking. Sofortige Freilassung der Verhafteten verlangt. Paris. 6. Mai.(Eigener vrahtbericht.) Die Sowjel-Regie- rung hat dem Gesandten der Regierung von Peking in Moskau eine Zlole übermittelt, in der sie die s o s o r t i g e Freilassung der in Peking in hast gehaltenen Russen verlangt. Anter ihnen befindet sich auch Frau Vorodtn. Falls der Forderung aus Haftentlassung nicht sofort entsprochen werden sollte, werde Moskau entsprechende strenge Gegenmaßnahmen ergreisen. London, Paris, Rom, Tokio und Washington drohen nicht mehr. London. 6. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Eine hiesige Agentur meldet aus Amerika, dah England. Frankreich. Italien und I a p a n sich dem amerikanischen Standpunkt angeschlossen hätten und nunmehr wegen der Vorgänge in Ranking ebenfalls keine Mahnahmen mehr gegen die Kanton-Regierung ergreifen wollen. Die Meldung klingt an sich wahrscheinlich: sie muh vorläufig jedoch mit Vorbehalt aufgenommen werden. Kuomintangleutc auf Holländisch-Bornco erschossen. Balaoia, 5. Mai.(WTB.) Einer tclegraphischen Meldung aus Bandicrnasin(Borneo) zufolge kam es im Bezirk von S a m a- r i n d a anläßlich polizeilicher Haussuchungen bei Chi- liefen, wobei Schriftstücke beschlagnahmt und verschiedene Chinesen v e r h a s t e t wurden, zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen der Polizei und Kuomintang-Anhängern, die die Verhasteten zu be- freien versuchten. Die Polizei und die militärische Eskorte machte von der Waffe Gebrauch. Zwölf Chinesen wurden getötet undetwa2Sverwundet. Zwei Kuomintairgführer wurden festgenommen. Europäer sollen bei dem Gefecht nicht zu Schaden gekommen fein. Tarifrecht und Klassenjustiz. Die Sabotage der Verfassung und des Tarifrechts. Bei der Beratung des Reichshaushaltsplans für 1927 lenkte der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Auf- Häuser die Aufmerksamkeit auf zwei bezeichnende Straf- rechtsoorgänge in Königsberg und Düsseldorf, die den Unternehmern neue ungeahnte Perspektiven in ihrem Kampf gegen den verhaßten Tarifvertrag eröffnen. Bisher führten die Unternehmer diesen Kampf im juristi- schen Gewände auf dem Gebiete des Zivilrechts. Eine Fülle juristischer Spitzfindigkeiten wurde aufgeboten, um dem Tarifvertrag den Garaus zu machen. Man erlebte die wun- derfamsten Dinge. Die Tarifvertragsverordnung der sozialdemokratischen Volksbeauftragten gehört zu den großen sozialpolitischen Er- rungenschaften auf dem Gebiete des kollektiven Arbeitsrechts. Ihre beiden wichtigsten Rechtswirkungen find die U n a b- dingbarkeit und die Allgemeinverbindlich- keitserklärung von Tarifverträgen. Durch die Unab- dingbarkeit sollte der Vorkriegszustand beseitigt werden, der es dem Unternehmer ermöglichte, unter Ausnutzung der Rot- läge des Arbeitnehmers mit diesem im einzelnen Arbeitsver- trag schlechtere Arbeitsbedingungen zu vereinbaren, als sie der Tarifvertrag vorsah. Das geltende Tarifrecht bestimmt deshalb, daß die Tarifbestimmungen automatisch in die ein- zelnen Arbeitsverträge übergehen. Abweichende Verein- barungen find nurzugunsten des Arbeitnehmers zulässig oder wenn der Tarifvertrag sie ausdrücklich zuläßt. Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung eines Tarifvertrages dehnt diese Rechtswirkungen auch auf die Außenseiter der Tarifbeteiligten aus, erhebt also den Tarifvertrag gleichsam zum Range eines Gesetzes. Es handelt sich hier um eine Teileinlösung des Artikels 157 der Reichsverfassung, der bestimmt, daß die Arbeitskraft unter dem befände- ren Schutze des Reiches steht. War es schon ein tolles Spiel mit Worten, wenn in der Zivilrechtsprechung der Fall eintrat, daß die unzulässige V-r- schlechterung der Tarifbestimmungen durch den Arbeitsvertrag als Vereinbarung zugunsten des Arbeitnehmers erklärt wurde, weil angeblich sonst Arbeitslosigkeit eingetreten wäre, so wird diese Weisheit durch die Staatsanwälte und Straf- richter in Königsberg und Düsseldorf weit in den Schotten gestellt. Der Tatbestand in den beiden vorliegenden Fällen ist sehr einfach. Es handelt sich um einen Reich starifver- trag der Internationalen Artistenloge, der für allgemein verbindlich erklärt worden ist. Die Unternehmer dürfen also nur Arbeitsverträge unter Einhal- tung der Tarifbestimmungen abschließen. Würde hier der all- gemeine Grundsatz gelten, daß Unkenntnis über ein Gesetz nicht vor Strafe schützt, so.hätten die beiden Staatsanwälte vielleicht Anlaß gehabt, gegen die Unternehmer wegen Miß- achtung eines Gesetzes, nämlich des allgemein verbindlich er- klärten Tarifvertrages, einzuschreiten. Das um so mehr, weil die Verfassung den besonderen Schutz der Arbeitskraft vor- schreibt. Die Staatsanwälte und Strafrichter hatten wichtigeres zu tun. Auf Antrag der Unternehmer sind sie— gegen die Arbeitnehmer eingeschritten, weil diese ihr gutes Recht forderten! Das Tarifschiedsgericht erklärte die Ansprüche der klagenden Arbeitnehmer für berechtigt. Und nun setzt etwas selbst im Lande der ausgeprägtesten Klassenjustiz bisher noch nicht Dagewesenes ein: nachdem die Unternehmer auf dem Zioilrechtswege ihr Unrecht attestiert bekommen haben, erfolgt auf Anzeige der Unter- nehmer die Einleitung eines Strafoer- fahrens gegen die Arbeitnehmer wegen Be- t r u g s! Dieser Betrug besteht nach Meinung des Amtsge- richts Königsberg darin, daß die Angeklagten bei Abschluß des Engagementsvertrages mit dem Arbeitgeber diesen in den Glauben versetzten und in ihm bis zum letzten Tage des Engagements beließen, daß sie Ansprüche auf Vergütungen für Sonderleistungen gemäß � 8 des Tarifvertrages bei zwei- bis dreimaligem Auftreten nicht erheben würden, dann aber doch mit Erfolg geltend machten. Weil also der Unternehmer in rechtswidriger Weise Ar- beitsbedingungen vereinbarte, die von den Arbeitnehmern mit Erfolg angefochten wurden, sind die Arbeitnehmer des Be- trugs überführt! Sie wurden durch Strafbefehl zu je 1S0M. Geldstrafe bzw. 30 Tagen G e f ä n g- n i s verurteilt. Die Anklage stützt sich auf§ 263 des Strafgesetzbuchs. Danach ist wegen Betrugs zu bestrafen, wenn sich jemand rechtswidrig Vcrmögensvorteile verschafft. Der gesunde Menschenverstand würde sagen: der Unter- nehmer hat unter Mißachtung des geltenden Tarifrechts, also in rechtswidriger Weise, schlechtere Arbeitsbedingungen ver- einbart und sich dadurch einen Nermögensvorteil verschafft. Das Amtsgericht Königsberg verurteilt dagegen die Arbeit- nehmer. Ein derartiges Urteil ist eine Schande für unsere Rechtsprechung, die schnellstens beseitigt werden muß. Das Amtsgericht Düsseldorf begründete seinen Eröffnungsbeschluß damit, daß der Angeklagte mit der Aus- stellungsleitung einen von dem Tarifeinheitsvertrag ab- weichenden Vertrag abschloß, obwohl ihm hierbei bekannt war, daß diese Abänderungen für die Gesolci-Leitung tarifwidrig waren und nicht bindend sein konnten. Hier ist allerdings in- zwischen Freisprechung erfolgt. Daß ein solches Ber- fahren überhaupt eingeleitet werden konnte, bleibt ein uner- härter Vorgang. Man fragt sich entsetzt, welche Vorstellung diese Staats- anwälte und Strafrichter üb-er die Funktion des Arbeitsrechts haben. In ihren Händen liegt die Arbeitsstrafrechtspflege. Da ist es kein Wunder, daß die strafrechtliche Sicherung des Arbeitnehmerschutzes so häufig versagt. Die Vorgänge in Königsberg und Düsseldorf beleuchten in den grellsten Farben wieder einmal die Mängel in der gegenwärtigen juristischen Zlusbildung, zeigen die Notwendigkeit der Beseitigung des be- stehenden Richtermonopols. Nach gesellschaftlicher Herkunft wie auf Grund ihrer juristischen Ausbildung leben diese Hüter des Rechts in einer dem Sirbettsleben feindlich gesinnten Welt. Sie begreifen gar nicht den Sinn jener Verfassung?- Vorschrift, die auch den Inhalt ites Arbeitsrechts bestimmt, daß die Arbeitskraft besonders zu schützen ist. Dieser hohen Mission hat auch die Arbeitsstnafrechtspflege zu dienen. Deshalb muß sie in engste Verbindung mit dem Arbeitsleben ge- bracht werden, damit die sozialen Nöte unserer Zeit den. richtigen Widerhall finden. Putsch-Romantik. Aus der Vorgeschichte der deutschen Putschorganisationen Vor dem Hamburger Amtsgericht läuft ein Beleidigungs- prozeß, der in die Vorgeschichte der deutschen Putschorgani- sqtionen hineinleuchtet. Es handelt sich um das Baltikum- abenteuer des Freiherrn von. der Goltz. Der Vor- fitzende der Hamburger deutschmexikanischen Vereinigung Carlos Schmidt, hat dem früheren lettischen Oberst- leutnant Zeltin-Goldfeld einen beleidigenden Brief ge- schrieben. Er hat ihm vorgeworfen, er sei damals zur lettischen Regierung ü b e r g e la u f e n, er habe den Verräter ge- macht und ehrlose Gesinnung gezeigt. Z e l t i n- Goldfeld hat Schmidt deswegen verklagt, er hat die Absicht, die Vorgänge im Baltikum imJahre 1919 vor Gericht offeitzulegen. Er gibt kurz zusammengefaßt die folgende Darstellung: „Der aus dem Kapp-Putschprozeß bekannte Major Bischofs habe mit anderen Gesinnungsgenossen seinerzeit im Baltikum versucht, die rechtmäßige lettische Regierung Ullmani» durch eine Rfilitär- revolte zu stürzen und ein Herzogtum Kurland mit einem TRit- glied de» ehemal» großherzoglich mecklenburgischen Fürstenhauses an der Spitze zu errichten und von da aus die deutsche Frage im Sinne der Monarchisten auszurollen. Es fand eine Führerbesprechung im Katzdangen unweit Cibau im Februar 1919 statt. Die baltische Landeswehr— eine vpn der lettischen Regierung kurz nach ihrer Konstituierung ausgestellte lettländische Truppe, das eigentliche lettländifche Militär also— sollte die lettische Regierung stürzen, die selbst noch im Norden und Osten von Bolschewisten bedrängt war. Es sollte an deren Stelle eine rechtseingestellte Regierung Needra gesetzt und gleichzeitig das Herzogtum Kurland ausgerufen werden. Der Privat- kläger, der damals als baltischer Rittmeister und Ab- teilungsführer in lettländischen D i e» st e n stand, wider- / setzte sich bereits mündlich in der Ossiziersversammlung einem solchen von ihm als hochverräterisch bezeichneten Unternehmen und ist dann auch mit seiner ganzen Abteilung der Regierung treu geblieben. Die Putschisten wurden in der Schlacht bei Wenden im Zuni 1919 endgültig geschlagen. Aus der Seite der Putschisten kämpfte der erwähnte Major Vischoss, der Freischarführer Roßbach und der preußische Major a. D. Flctchcr, damals Führer der baltischen Landeswehr. Fletcher hat, nach Deutschland zurückgekehrt, die Schuld an dem Mißlingen des Putsches u. a. dem Privatkläger zugeschoben und hat daher bereits in früheren Jahren Nachrichten durch die Presse verbreitet, wie sie jetzt in dem der Klage zugrunde liegenden Schreiben wiederkehren. Der Prioattläger war diesen Nachrichten bis zum vorigen Jahre nicht entgegengetreten, weil er als Zeitungs- Mehr Uniformen! Bon Henning D u d e r ft a d t. Nehmt alles nur in allem: Die Republik ist doch eine äußerst korrupte Erscheinung! Aber da sie nun einmal besteht, wird man sich mit ihr abfinden müssen. Daß freilich in diesem demokratisch verseuchten Neudeutschlnnb die allertollsten Geschichten passieren, darüber kann sich kein Verständiger wundern. Zum Beispiel diese! Steht da letzthin auf dem Zentral- und Rangicrbahnhos des Verkehrsmittelpunktes Kleinblümchenbroda an der Pleiße, beherrscht in der Haltung, wie es ein alter königlicher Feldwebel gelernt hat, der Herr Dienststellcnvorsteher in höchst eigener Person und erwartet die Ankunft eines der viennal täglich anrollenden Personenzüge. Die Eisenbahn iut ihin den Gefallen, wunschgemäß einzupassieren, und oinein der Wagen entsteigt in ficht- lichcr Erregung ei» liebliches Wesen weiblichen Geschlechts.' Sie hat allen Grund, erregt zu sein: hält sw doch in ihrer zarten Rechten nicht nur einen, sondern sogar zwei Schirme!(Den zweiten hatte sie nämlich gesunden.) Und ehrlich, wie sie ist, will sie ihn abliefern. Ihr ängstlich suchender Blick fallt auf den Herrn Dienstftellenvorsteher, und in ihr jubelt es: Da ist ja ein Beamter! Sie stürzt auf ihn zu, und— was tut die Törichte?— sie übergibt ihm mit aufklärenden Worte» den bejainmernswerten Regenschirm. Wenn ich Dienststellenvorsteher, ich bitte zu bemerken: Dienst- stellenvorsteher in der Besoldungsgruppe 7 bis 9 wäre, ich hätte mich, Kavalier hin und her, deherrichen müssen, diesem unbegreisbaren jungen Mädchen die besagte Mußspritze nicht um die Ohren zu schlagen. Gottlob hatte unser Dienststellenvorsteher seine Nerven in der Hand. Gewiß belehrte er die vor ihm stehende Person in dienst- lichem Ton über das Ungeheuerliche ihres Verhaltens und machte ihr klar, daß die Annahme von Fundsachen nicht Angelegenheit eines Dienststellenvorstehers in der Besoldungsgruppe 7 bis 9 wäre. Dafür seien untergeordnete Instanzen da. Dann wandte er der schamhaft Errötenden kurz den Rücken und beschloß, dafür zu sorgen, daß derartigen entehrenden Herabsetzungen seiner Stellung und seines Amtes in Zukunft Tor und Tür für immer verschlossen würden. Was war zu tun, damit dos Schild wieder rein und der Dienst- rock fleckenlos würde? Geschändet kam man sich vor! Aber es gab ein Mittel, das Rettung verheißt. Nämlich: eine neue Uniform! Um Verwechselungen nnt irgendeinem simplen Eisenbahner aus den Besoldungsgruppen 5 bis 7 vorzubeugen! Vorwärts! Ans Werk! Vorschläge ausgearbeitet! Statt der Reichskakarde einen Eichenlaub- kränz, statt dos roten einen goldenen Mützcnstreisen, statt der Litewka einen Jntcrimsrock, statt der Achselstücke Stobsossiziers- raupen und einen Galontcricdeaen dazu, dann wird man gelcgent- lich mal sogar mit einem leibhaftigen echten Major verwechselt! Rätselhafterweise bissen aber die vorgesetzten Stellen nicht an. Zum Teufel, es ging um Ansehen und Reputation! Was war zu tun? Nun, trotzdent Gewerkschaften und Verbände im allgemeinen anrüchige rate Erfindungen sind, von denen man tunlichst die Finger läßt: hier stand da» Letzte auf dem Spiel! Und so geschah ce: heut» besteht eine„Interessenvertretung der Dienststellen- Vorsteher der Deutschen Reichsbahn" mit dem einen großen erhabenen Kampfziel:„Gebtunseinencue Uniform! korrefpondent im Ausland weilte und später bereits die preßgesetzliche Verjährung der Beleidigung eingetreten war. Er will jetzt den Beteiligten beweisen, daß die Hintermänner des Beklagten ein frivoles Spiel mit den ihnen anvertrauten Interessen des Deutschtums im Baltikum und mit den ihnen unter- stellten Menschen getrieben hätten und daß die Tragödie im Baltikum, von der der spätere Führer v. d. Goltz spricht, von eben denselben Leuten verschuldet worden sei, die noch kein Jahr später im März 1979 den Kapp-Pulsch mit aus dem Gewissen Höllen." Die Borgänge im Baltikum im Jahre 1919 sind mit einem bisher undurchdringlichen Schleier bedeckt. Es wird jetzt also Licht in die historischen Vorgänge im Baltikum kommen, und zugleich der Untergrund der putschistischen Bestrebungen in Deutschland aufgerollt werden. �uch noch Einspruch! DieHakenkreuz-Banditen beschweren sich über das Perbot. Tie Untersuchung gegen Goebbels. Die gegen Dr. Goebbels wegen der unerhörten Ausjchrei- tungen im Kriegeroereinshaus eingeleitete Untersuchung wird, wie die L�.-Corrcspondenz mitteilt, von den zuständigen Stehen fort- geführt. Im Polizeipräsidium sind bereits eine Anzahl Zeugen vernommen worden, und es ist anzunehmen, daß in den nächsten Tagen bereits die T ä t e r, die Pfarrer Stucke und Redakteur Henning schwer mißhandelt haben, s e st g e st e l l t und damit zur Verantwortung gezogen werden können. Ob die Polizei Dr. Goeb- bcls selbst vernehmen wird, ist noch fraglich, da der bisherige Führer der Nationalsozialisten es bisher stets abgelehnt hat, zu polizeilichen Vernehmungen zu erscheinen oder dort Anstünste z» geben. In- folgedessen dürste Goebbels vom Untersuchungsrichter über diese und ähnliche Vorgänge gehört werden. Wie wir erfahren, hat die bisherige Leitung der Ngtionalsozia- listischen Partei Einspruch gegen das Verbot des Polizeipräsidenten beim Ministeriuin des Innern erhoben. Man beruft sich darauf, daß der Polizeipräsident zwar die Berliner Gauleiiung, nicht aber die brandenburgische Organisation verbieten könnte, da die Zweigstellen nicht inneihalb des Polizeibereiches Groß-Berlins lägen. Der Krach geht weiter. Polkspnrtei gegen die deutschnationalen Ehrabschneider. Dr. Weiß, der hauptgeschäftssührer der deutschnationalen Hauptgeschäftsstelle, dessen Skandalfabrik im Plauener Pro- z e ß enilarvt worden ist, verfolgt den Pressedienst der Deut- scheu Volkspartei mit Berichtigungen, weil sich die Volks- partci nicht das Recht nehmen lassen will, die Kag eine Kätz zu nennen. Der Pressedienst druckt diese Berichligungsn geduldig ab, stellt ihn«» aber immer wieder die'Akten des Prozesses gegenüber. Und so bleibt die Katz eine Katz. Mit einer Geste der Höflichkeit, die in ihrer heimlichen Ironie tödlich wirkt, wird den Ehrabschneider» in den führenden Siellen der Deutschnationalen Partei der Halswirbel umgedreht: „Herr Dr. Weiß wird nicht bestreiten können, daß die Er- gebniste und die Zeugenaussagen des Plauener Prozesses gegen ihn sprechen. Wir könnten ihm deshalb auch nur sür seine Person zubilligen, daß er persönlich von dem Inhalt der Akten- kisten und Aklenkosfer ebensowenig etwas gewußt hat wie sein Mitarbeiter Oberregieningsrat G ö e b e l, der zeugeneidlich erklärte. daß er buchstäblich nichts von nichts gewußt habe, sondern nur Im Auftrage des Herrn Dr. Weiß 5000 Äoldmark für angebliches Altpapier gezahlt habe. Trotzdem wollen wir annehmen. daß der hauplgeschäslssührer der Deutschnationolen volksportei. Herr Dr. Weiß, Ende 1924, als die Deutschnatlonalc Volksparlei einen hesligen Kamps gegen Slresemonn führte, sich mit Feuer und Schwert gegen den Erwerb von Akten gewehrt hätte, die an- geblich belastendes Material gegen Strefemann enthalten sollten. Mit dieser Erklärung berichtigen wir uns aber nicht selbst, weil wir das Gegenteil auch in Nr. 81 der„RLE." gar nicht behauptet haben. Daß wst aber dieses Entgegenkommen nicht auf die ganze Deuifch nationale Lalkspartei, nicht auf eine bestinnntc d e n t s ch n a t i o» a l e Pressekampagne, auch nicht aus den ganzen Kreis derjenigen ausdehnen können, die als Man wird dieses Streben ohne Zweifel begrüßen müssen. Uni- formen tun not! Möglichst verschiedene und möglichst bunte! Rur scheint»tan uns noch nicht weit genug zu gehen: Der Mißstände sind auch anderswo zahllose! Wie unterscheidet man zum Beispiel einen früheren Militäranwärter von jenen untergeordneten Individuen, die nieingls den Segen der Kaserne genassen haben, ja, möglicher- weise erst unter der Republik Beamte geworden sind? Da empfiehlt es sich sicher, den Militäranwärtern ein Paar Achselstücke mit gekreuzten Kommißstiesein z» verleihen! Und wie unterscheidet sich ein oberer Beamter der Reichskanzlei van einem mittleren Beamten des Reichsinnemniiiifteriums, wenn beide zufällig einen blauen Anzug trage»? Die Koniequenzcn sind unabsehbar, und dach ist die Lösung so einfach. Den Herren vom Reichsinnenministerinin gebe man Achselstücke init den Farbcntöncn obere Beamte schwarz, mittlere Beamte weiß, untere Beamte rot und Aerinelplatten mit einer naturgetreuen Wiedergabe der Keudellschen Brücke von Zaecke- rick. Beim Ressort Marx hingegen wird man es in Erinnerung an die Volksblockkandidatenzeit mit den Farbcntöncn schwarz, rot und gold versuchen und eine Armbinde wählen mit dem bekannten Kanzlerwort:„Treue um Treue." Und im Ressort Etpesemann sei der Grundtou bläulich, da sich ja unsere Diplomatie, den Herrn Reichsaußeinninister ausgcnominon, heute wieder ganz wie dünne- inals aus dem Adel rekrutiert. Vieles ist noch zu tun. Erhebt de,, Schrei nach Unifonnierung! Die Ausarbeitung weiterer Vorschläge überlassen wir den Dienst- stcllenvorstehcrn aus der Gehaltsgruppe 7 bis 9 in den einzelnen Ministerien.__ Das Stahlheimplakai. Der„Stahlhelm" leuchtet in diesen Tagen von allen Plakat- säulen jeder deutschen Stadt, wie sich's gehört: wuchtig und kantig, voll Pathos und Arroganz. Oben die schwarze Haube, darunter das schwarzweißrot zerkritzelte heldenprosil eine»„nationalen Mannes", der Hinweis auf den„Großen Zapsenstreich und das„Große Schlachtenfeuerwsrk" bei»,„Reichsfrontjoldatentgg". Zunächst wird man sich fragen, warum die„nationalen„Front- soldaten" sich ausgerechnet den Stahltopp als hcldenatrappe ihrer Zunft ausgewählt haben. Gewiß— auch früher nannten sich gewisse Herdenmenschen nach irgendeinem Symbol, nach einem Kleidungs- stück:„Der„Bundschuh" nach der primitiven Fußbekleidung des mittelalterlichen Bauern, die„Sanskulotten" der großen französischen Revoluiion nach ihrer proletarischen Hose. Aber das hatte dam, doch innner noch einen Sinn! Man bekannte sich mit vollem Bewußtsein zu einer revoltierende» Klasse, deren Kampfzeichen die Primitivität. der Bruch mit dem Alten, der Verzicht aus gewisse Reservate, das Bekenntnis zu einer neuen, aufbrandenden Masse war. Aber der Stahlhelm? Der Stahlhelm? Den haben wir ja alle im großen Krieg getragen, Bürger und Proleten, und all« waren wir überzeugt, daß es das unnützeste Stück unserer„Krjegsausrüstung" gewesen ist! Ich bekenne mich offen dazu: We-m wirklich dicke Lust war, die Granaten, die M.-A.-Garben und die Schrapnelle folgen, da habe ich ihn immer prompt weggeschmissen oder über den hintern ge- hangen. Denn erstens„verwarf" er mit feinen überflüssigen Krempen sogenannte Hilfsarbeiter der deutsch nationalen Hauptgeschäftsstelle bei dem Erwerb, der Verwertung und Weitcrverschicbung der Akten beteiligt waren, ausdehnen können, wird auch Herr Dr. Weiß bei ruhiger Ueberlegung verstehen müssen. Gerade über diesen kreis behalien wir uns weitere Schritte und verösfentlichungen vor, wenn nicht die Partei- leitung der Deutschnationalen Volkspartei ihrerseits für völlige Klarstellung sorgt. Zum Schluß haben wir nur noch ein Won an die„K r« u z- Z e i t u n g" zu richten. Die„Kreuz-Zeitung" beabsichtigt durch eine wüste Polemik gegen die„Nationalliberale Correspondenz" die Erinnerung an ihre trübste Vergangenheit wachzurufen, die Erinnerung an jene Zeit, wo kein Geringerer als Bismarck sie eins der größten S ch m ä h b l ä t t er Deutschlands nannte. Wir können der„Kreuz-Zettung" bestätigen, daß sie in dieser Kunst immer noch eine Meisterin in Deutschland ist." Die Katz bleibt eine Katz. Sie bleibt es selbst dann noch, wenn sie mit der Volksportei von einem Teller schleckt. Erfreulich, das von der amtlichen Stelle her Deutschen Volkspartei festgestellt zu sehen. Aber Einsicht ist nicht immer ein Zeichen der Liebe und man darf neugierig sein, wie sich dos freundnachbarliche Verhältnis zwischen Hund und Katze weiter entwickeln wird. hallo, Stahlhelm! Tie nationale Reinigung beginnt. Morgenausgabc der„Deutschen Zeitung vom?. Mai 1927, Nr. 104o: St a h l h« l m c r sucht Ouartier zum 7./S. Mai b. groß., geb.. vorn., schick., alleinst. Dame aus echter deutscher Familie. Offerten unter V. Z. 44 an die„Deutsche Zeitung, Berlin SW. 11, hedemannstr. 12. Der Stahlhelm ist im Anzug. Die nationale Reinigung beginnt. Und die„D e u t s ch e Z e i t u n g"— wie sollte das Blatt alldeutscher Wohlanständigkeit auch anders— ist ihr Quartiermacher. Nationaliftenkrach. Blutiger Zwischenfall auch in Magdeburg. Magdeburg, ß. Mai.(MTB.) In einer gestern abend hier abgehal- ieiien starkbesuchten nationalsoziali st ischen V e r s a m in- l u n g, in der auch der Reichstagsabgcordnete S t r a s s e r sprach, kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Rationaliozialisten, wobei der Abg. Strasser eine schwere Kopfverletzung erhielt. Das sofort herbeigerufene Uebersall- kommando trennte die Streitenden und verhaftete zahlreiche Kominu- nisten.____ Reichsrat und Schankftättengefeh. Tie Befugnisse des Reiches werden verkürzt. Der R c i ch s r a t nahm am Donnerstag nachmittag den E n t- wurf des Schankstättengesetzes an, nachdem er mehrere wichtige Aendcrungen vorgenommen hatte. Der Entwurf enthält keinen der einschneidenden Rcsormanträge der Alkoholgegner, vor allem fehlt das sogenannte Gcmeindebestimmungsrecht. An neuen Vorschriften bringt der Gesetzentwurf eine besondere Erlaub- n i s p f l i ch t für die Wirtschaftsführung durch Stellvertreter, eine vorübergehende Sperre sür weitere Erlaubniscrteilung als Maßnahme gegen übermäßige Vermehrung der Schankstätten und eine Grundlage für l a n d e s b e h ö r d l i ch e Verbote des Ausschanks von Branntwein und des Kleinhandels mit Branntwein an Sonn- und Feier- sowie an Lohn- und Gehaiistagen. Geregelt wird ferner der Ausschank selbsterzeugten Weines oder Apfelweines. Außerdem enthält der Entwurf ein Verbot der Reklame für Trinkbranntwein in oder an öffentlichen Verkehrsanstalten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Reichsrat lehnle es ab. der Reichsregierung die voll- macht zu geben, die voraussehungen zu bestimmen, unler denen ein Bedürfnis für die Erlaubniserleilung anzuerkennen fei: diese Befugnis wurde vielmehr den Landesregierungen überlragfn. Außer- deni wurde eine Bestimmung eingejügt, wonach den zum Ausschank geistiger Getränke befugten Wirtschaften die Ausgabe gemacht werden kann, nichtgeistige Getränke bereitzuhalten. Die im Strasgeletzbuch enthaltene'Bestimmung über Bestrafung von Zuwiderhandlungen gegen die Polizeistunde wurde in das Schankstättengesetz aufge- nommen. das Gehör, so daß man die Schußlichtung der uns zugedachten Liebesgabcntöppe und damit die Deckungsinöglichkeite» nicht erkennen konnte. Zweitens behinderte er die Sicht, würgte den Hals und meistens sprang in der Erregung der„Kinnriemen" auf, so daß man die Hand aus die Blechhaubc legen mußte, damit sie einem nicht vom Kops fortslog. Dxr„Schutz", den der„Stahlhelm" aber gegen „Splitterwirkung" gewährte, war geradezu minimal! Also Gesamturtcil: Gut sür Kinohelden, Parodeaufstellungen, Zapfenstreiche und Schlachtenseuerwcrke! Miserabel für den eigentlichen Muschkoten und Frontsoldaten! Wenn ihr wirklich wieder Ernst machen wollt, meine Herren von der blechernen Haube, dann ichaut euch bitte schleunigst um den französische» oder den englischen Stahltopp um! Der hat wenigstens einen gewissen Wert für das moderne Gejecht. Aber es ist ihnen ja gar nicht ernst damit! Darum wirkt es ja gerade so komisch, dieses Stahlhelmplakat! Frauen und Kinder stehen herum und betrachten sich den grimmigen, eisenzertöpperten Mann, dessen eherne Visage nach der Reichshanpistadt weist. Die Frauen lächeln milde und nachsichtig und denken sich ihr Teil dabei. Die Kinder bestaunen die riesige Eisenkappe, die wie ein Ballon aus der Plakatsäule strebt und doch nicht fliegen kann, und den wilden Mann, der seine roten Zähne .zeigt und die Augen sperrt und doch hübsch artig bleibt— nach menschlichem Ermessen— mit Rücksicht auf den Innenminister und die bäse Polizei. Ein Arbeitsloser aber schleicht um die niedliche Plakette, zieht einen Kohlenstift heraus und schreibt quer drüber: „Alles für s ü n f z i g M a r t!" Da geht ein frohes Leuchten über die Frühlingsgesichtec und der„Zapfenstreich" samt dem„Frontsoldatentag" verlischt in der Ferne wie ein Rüpelspiel aus einer zeitlos gewordenen Welt- Herrn an n Schützingcr. Die deutsch« kunslschuhlislc. Das deutsche Kunstschutzsesetz. das die Ausfuhr van Kunstwerken unter bestimmte Voraussetzungen stellt, laust mit dem Ende dieses Jahres ab. Um wenigstens die wichtigsten Kunstwerke des deutschen Besitzes zu beaufsichtigen und um ihre Ausfuhr, falls sie verkauft werden, von einer behördlichen Genehmigung abhängig«lochen zu können, ist ein„Verzeichnis der national wertnollsn Kunstwerke" im Reichs- Ministerium des Innern aufgestellt worden. Dieses Verzeichnis hat ein seltsames Schicksal gehabt. Das erste Verzeichnis, im Jahre 1920 gedruckt, war mit ja viel Eilfertigkeit und so wenig Sachkenntnis aufgestellt, daß«ine Reihe der wichtigsten Dinge fehlte. Ein Nach- trag im Dezember 1924 verbesserte die schlimmsten Fehler. Aber die Liste war auch in dieser Form noch nicht so präzis und wirksam, wie man wünschen mußte. Nun ist ein« neue Fassung des Verzeich- nisses hergestellt worhen. Innerlich und äußerlich in einer Form, die befriedigen kann. Auf einen wesentliche» Teil der alten Liste hat ingn hurch Vereinbarung der Kunstverwaltung der deutschen Länder von vornherein verzichtet: die Kunstwerke des 19. Jahrhunderls unterliegen nicht mebr dem Kunstschutz und sind daher aus der Liste gestrichen worden, Gegen ihre Festlegung war eingewandt morden, daß es für die Geltung unserer Kunst im Ausland nur von Vorteil Die verlorenen Polizei-Abfindungen. „Jnteresfeneiiilagen" oder Kautionen? Schwere Beschuldigungen werden gegen den früheren General- sekreiär des Reichsverbandes der Polizeibeamten Deutschlands Dr. Gotthard Atantfe von seinen Angestellten erhoben. Er soll, wie diese behaupten, über 80 000 M. Kautionen unterschlagen hqben. Dr. Frcincke, der in der Schweiz seinen Doktortitel erwarb, war bis Oktober 1923 Generalsekretär des Verbandes, schied dann bei der damals erfolgten Auflösung des Verbandes aus und gründete eine „Deutsche Handelsauskunstei" in der Potsdamer Straße 50. Sein Eeschäststeilhaber ist ein ehemaliger Schupobeamter Paul Müller aus Jnsterburg. Am 1. Januar d. I. wurde die Auskunftei in eine G. m. b. ch. und ani 11. Januar in eine offene Handelsgesellschaft mit einem Grundkapital von 1500 M. umgewandelt unter der Firma Dr. Gotthard Francke u. Cie. Dr. Francke schloß init ehemaligen Polizeibeamten Verträge ab, nach denen sie als Vertrauensmänner und Recher- cheure zunächst einen Monat auf Probe mit einem Monatsgehalt von 200 M. angestellt wurden. Die Angestellten leisteten aus den Absindungen, die sie beim vienstauslritt erhielten,„Znteressenein- lagen", zum Teil mit einer Verzinsung van 8 Proz. pro Jahr, zum Teil auch ohne feste Verzinsung. Die Angestellten behaupten nun. daß es sich nicht um Interesseneinlogen, sondern um Kautionen gehandelt habe und weiter, daß das Wort„Kaution" nachträglich durch das Wort„Interessen- einlage" erseht worden sei. Nach den Verträgen, die der Kriminalpolizei vorgelegen haben, kommt ober nur eine Jnteresseneinlage in Betracht. Eine Aenderung ist in diesen Vertrögen nicht vorgenommen worden. Als Sicherheit für die Einlagen hat die Firma zum Teil auch Wechsel gegeben. Die Auskunftei ging eine Weile, flaute dann aber ab. Im Februar d. I. Kaufte Dr. Francke die Kohlfchs Keksfabrik in der Gilfchiner Straße, hatte aber damit wohl auch keinen rechten Erfolg. Zwölf Angestellte, die bis zum April ihren Austritt er- klärten, verpflichteten sich durch Unterschrift, das von ihnen hinein- gegebene Geld bis zum 20. Mai zu stunden. Dr. Francke erklärte, er habe Geldmänncr gefunden, die bis dahin zahlen würden, so daß dann die Jnteresseneinlagen zurückgegeben werden könnten. Ein Wechsel ist am 6. Mai, also heute, säuig, und Dr. Francke erklärte bei seiner Vernehmung am 3. d. M., daß er ihn einlösen werde. Kriminalkommissar Dr. Wächter begab sich mit einem Beamten auch in das Bureau, um die Bücher einzusehen. Diese waren aber nicht da, wie versichert wurde, weil sie sich als Unterlage bei den Geld- gebern befinden. Nur das Kassenbuch init Einnahmen und Aus- gaben war zur Stelle. Die Interesseneinlagen belaufen sich auf 500 bis 2000 M. In keinem Falle sind es die gesamten Summen, die die Angestellten als Abfindung beim Ausscheiden aus denr Polizeidienst erhalten haben. Roch den bisherigen Feststellungen sind als Znteressenein- lagen insgesamt 30 000 IN. eingezahlt und davon 14 000 IN. zurück- gezahlt. Ein Betrug oder eine Unterschlagung ließ sich bisher nicht nachweisen. Ob es Dr. Francke gelingt, Geldgeber für feine Unternehmungen zu finden, bleibt abzuwarten. Er soll unterwegs fein, um mit verschiedenen Leuten zu oerhandeln. Die Bücher müssen, wenn sie wieder zur Stell� sind, von einem Sachverständigen noch geprüft werden. lebe üer Könlg Christus/ !Tie Schilderungen der amerikanischen, mexikofeind- lichen Presse. In unserem Artikel„Guadalajara"(Abendausgabe vom 27. April) haben wir vom furchtbaren Zugüberfall in Mexiko geschrieben, daß er„von Räubern", wie die bürgerlichen Telegraphenagenturen zu, nächst mitteilten, von„katholischen Extremisten", wie die mexikanische Regierung behauptet," verübt war, und„daß es sich hier nicht um einen Ueberfall von Räubern handelte, sondern um eine Tat, die mit der bestialischen Grausamkeit des wildesten p o l i t is ch- r e l i- giösen'Fanatis in us ausgesührt wurde".„Germanin" hat oni 1. Mai aus unseren Artikel heftig geantwortet. Das einzige Argument des katholischen Blattes war ober, daß die„Frankfurter Zeitung" die Behauptung der mexikanischen Regierung„irrsinnige Behauptung" genannt hat. Ihre Vermutung, daß unser Artikel aus der hiesigen mexikanischen Gesandtschaft stammte, war natürlich falsch. Jetzt liegen uns die amerikanischen Zeitungen vor, und wir müssen offen gestehen, daß unsere Schilderung nicht ganz korrekt war. Erstens haben nicht alle bürgerlichen Korrespondenten von „Räubern" gesprochen, zweitens war es nicht die mexikanische Re- gierung allein, die sofort den Ueberfall als die Tat der katholischen Extremisten bezeichnete. Die mexikanischen Korrespondenten der New Porker Presse geben die Erzählungen der Ucberlebenden wieder. Das Bild ist vollkommen klar. Sogar„New Park Herald Tri- b u n e", das republikanische Blatt, welches die Politik der amcrikani- schen Regierung unterstützt und der mexikanischen Regierung f e i n d- l i ch ist, kann nicht verschweigen, daß einige von den Ueberlcbenden behaupten, daß viele von den Angreisern schrien:„Viva CTiristo Key!",„Hoch lebe König Christus!". In einem anderen Blatt, welches keine Sympathien für die Eglles-Regierung hat, in„New Park Times", lesen wir:„Die Rebellen gebrauchten den Kampfruf„Hoch lebe König Christus!" und waren von einem Priester geführt, der vielen von den Passagieren bekannt war... Der Name des Priesters war, wie der Passagier(dessen Erzählung das Blatt wiedergibt) sagt, Pater Bega." Nach dem„World", dessen Berichterstattung über Mexiko durchaus unparteiisch ist, bestätigen „mehrere Augenzeugen, wie Ausländer so auch Mexikaner, die An- klage des Präsidenten, daß die Priester an dem Gemetzel(Massakre) beteiligt waren". Ein Amerikaner, der seit längerer Zeit in Mexiko lebt erzählte, von dem„blutrünstigen(„bloock curelling") Geschrei „Viva Christo Key" und davon, wie„die Rebellen in den Wagen stürzten, schreiend den Namen unseres Herrn Gottes(„the nams of our Lord")." Der andere Amerikaner erzählte, daß auf der Seite der Rebellen drei Priester waren. Das bestätigte ein Bericht- erstatter aus Guadalajara, der sagte, daß diese Priester die„Väter" Bega, Gonzales und Anglo waren. Einer der Rebellen sagte einem Passagier, daß er deshalb die Regierung bekämpft, weil Präsident Calles„Christus gefangen hält". Wir verstehen ganz gut, wenn der Gedanke, daß der religiöse Fanatismus noch in unserer Zeit solche Früchte zeitigen kann, vielen als„irrsinnig" erscheint. Leider sind die Tatsachen etwas noch viel Schlimmeres als ein Irrsinn. »Lanüesverrat/ Verfahren auch gegen„Königsberger Volkszeitung". Königsberg. 6. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Ebenso wie in Köln gegen die„Rheinische Zeitung" hat auch die Staatsanwaltschaft in Königsberg gegen den verantwortlichen politischen Redakteur unseres dortigen Parteiblattes, der„Königsberger Bolkszeitun g", ein Vorverfahren wegen Landesverrates aus Grund des Artikels von Paul Herz„Woher die Mittel für das illegale Wehr- system?" eingeleitet. Wo in dem Artikel, der die lange vor seiner Vcrössentlichung am 1. Januar im Auslande bekannten Verbindungen des Reichswchrministeriums mit Sowjetrußland behandelt, der Landesverrat stecken soll, wurde dem Angeklagten bisher nicht be- kanntgegeben. Zn Königshülle(Ostoberschlesien) erhielt bei der Wahl der un- lvesoldeten Stadträte die deutsche Liste einschließlich der deutschen Sozialisten von zehn Sitzen sieben und die Polen nur drei. sein könnte, wenn die noch im Privatbesitz befindlichen Bilder unserer neueren Meister in ausländische Museen oder Privatsammlungen kämen. Die deutschen Museen haben von den„klassisch gewordenen" Malern des 19. Jahrhunderts in den letzten Jahrzehnten gekauft, was irgend möglich war. Die Ausfuhr des Restes unterliegt nun also keinen behördlichen Hemmungen mehr. Das Verzeichnis ist im übrigen von Fehlern durchaus noch nicht frei. Z. B. sinti die beiden Ältarslügel des Perugino nicht bei Geheimrat Eduard Simon. wie man dort lesen kann, sondern sie hängen wohlbehalten im Schloß zu Meiningen als Eigentum des früheren Herzogs- Hauses. Bedauerlich bleibt, daß seit der letzten Fassung der Liste ein paar der bedeutendsten Werke mit Genehmigung des Mini- stcriums verkauft worden sind: voran das herrliche Frauenbildnis tes Roger van der Weyden, das im Stadlschloß in Dessau als Eigentum des früheren Herzogs von Anhalt hing. „Goethes Wissenschast vom Leben" war das Thema eines Licht- bildcrvortrages, den Dr. Julius Schuster im Rahmen der Ortsgruppe Berlin der G o e t h e- G e s e l l s ch a f t in den Räumen des H y g i« n i s ch e n Instituts hielt. Er legte dar, was Goethes Raturanschauung überhaupt bedeutet und welchen Sinn sie für unsere Gegenwart hat. In sehr gründlichen Ausführungen zeigte der Vortragende, wie Goethes Weltbild von der Natur sich ent- wickelte, und wie die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen für Goethe nicht als Einzelheit, sondern im großen Zu- sammenhange zn werten ist. Hier war der Punkt, an dem er in die Arbeit der Ratiir hineinsah und zu seiner Erkenntnis kam, daß die Natur keinem Teil etwas zulegen kann, ohne einem anderen etwas sortzunehmen. Stimmt auch in vielen Ergebnissen die heutige Wissenschast nicht mehr mit Goethe überein, so hat doch Goethes Weg in der Naturanschauung seine Bedeutung nicht verloren. Seine vergleichenden Betrachtungen sind der erste Versuch, die Natur, die bis dahin höchstens rem ichematisch geordnet wurde, lebendig zu begreifen, lind in diesem Punkt komnien wir Goethe heute wieder nahe. Wie wir uns zu seinen metaphysischen Auffassungen stellen wollen, ist Sache des einzelnen. Aus keinen Fall aber kann es heißen: Goethe oder Newton und �Humboldt: sondern Goethe und Newton und Humboldt sind die Faktoren, die uns ein Weltbild formen müssen.__ Die Vorführung der wigmon-Gruppe im Theater am Bulolvvlad am Sonntag, dem lö. Mai, vormittags 11 /, Uhr, m der die Dresdener Meilterin d°r Ocfscntltchkeit gewiss'rmajie»-ine Untcrrichtsilunde mit nnichliehenden Tänzen ihrer Schülerinnen zeigen will, kann nur einmal itattsinden und ivird nicht wiederholt werden. Karten iür die Vcranitaltuni sind in den Verkaufsstellen der Volksbühne(Tietzsche Th«alerkassen usw.) erhältlich. Preis 1.00 M. Nichtmilgliedcr der Volisbühnc zahlen im Thealer 50 Pf. nach. Der Kunstsalon hirzei Spanier. Schill, 1r. 5. stellt im Mai Kollektionen van Hans K a i l m e y e r, Königsberg und Franz T ü r ck e, Berlin, aus. Die Eröffnung der.Großen Berliner Suastausstellung 192r„ im Landes- ousitcllungsgebäude am L-hrler Babnhos. Hauvlringang All-Moabit 1—10, hiibct endgültig am 11., mittags 13 Uhr, statt. Wilhelm Auriivängler bat einen Siiilrag der Wiener Philharmonifer, ms Nachfolger S-ingaltnerS ihre Konzerle zu dirigieren, angenommen wird fich m die Leitung der Konzirte mll dem standigen Wiener Operndirettor Franz Schalk teilen. Getaufter Kaffee. Tpreclvasser als Kaffeezusatz. Raffinierteil Diebstöhlen aus Frachtkähnen ist die Kriminalpolizei in Verbindung mit dem Reichswasserschutz aus die Spur ge- kommen. Die Diebstähle, die an Frachtgütern in Berliner Häsen an Kolonialwaren aller Art, Kaffee, Zucker, Reis und Mehl verübt wurden, veranlaßten die Dienststelle C 8 und den Rcichswasserfchug zu besonderen Beobachtungen. Die Empfänger der Waren machten oft die unliebsame Entdeckung, daß der Inhalt der wasserdichten Säcke zum größten Teil verdorben war. Kaffee, Zucker, Mehl usw. waren in der Mitte der Säcke naß und schmierig. Nach der Trocknung wurde dann stets ein erhebliches Fehlgewicht festgestellt. Die Säcke mußten also bestohlen worden fem. Vor einigen Tagen untersuchten die Beamten nun frühmorgens sehr gründlich zwei Kähne, die mit Kaffceladungen von Hamburg gekommen waren. Ein Teil der Frachten war bereits ausgeladen.�der andere noch an Bord. Mehrere der bereits aus- geladenen Säcke wurden geöffnet und es wurde wieder erheblich« Nässe in dem Inhalt festgestellt. Die Nachforschung«» auf den Kähnen förderten einen ganzen Zentner losen Kaffee zutage. Die beiden Sdiiffseigncr behaupteten, daß der aus den geplatzten Säcken ausgelaufen und im Laufe der Zeit von ihnen zusammengefegt worden sei. Sie hätten sich nichts dabei gedacht, weil der Kafsee ia verunreinigt gewesen sei. Eine genauere Untersuchung aber klärte den wirkliche» Sachverhalt auf. Es wurde festgestellt, daß dieser angeblich„z u s a m m e n g e s eg t e Kafsee" genau derselbe war, wie der in den angeseuchteten Säcken. Ferner ergab die Nachprüfung, daß die Fcuchligkeit) die sich iin Inhalt der Säcke zeigte, nur von Spreewasscr, keinem anderen, herrühren kannte. Dig Schiiser haben die Säcke geöffnet und mit einem großen Trichter Wasser mitten in den Inhalt hineingeschüttet und so das Gewicht, das durch den Diebstahl au Kafsee verlorengegangen war, wieder hergestellt. Die beiden Schijsseigner sahen sich endlich überführt, gaben die Diebstähle zu und bekannten, daß sie sich aus diesem Wege bei jeder Fahrt eine Neb e�n einnähme von etwa 1 0 0 0 Mark verschafft hatten. Sie wurden vorläufig wieder aus freien Fuß gesetzt. Spang meldet sich! Der in die Banderolenaisäre verwickelte Einbrecher Spang, der aus ganz geheimnisvolle Weise aus dein Untersuchungsgefängnis verschwand, hat jetzt durch seinen Rechlsanwait mitgeteilt, daß er sich zu der wahrscheinlich im Juni stattsindenden Berusungsverhand- hing auf dem Gericht einfinden werde. Wo er sich augenblicklich aushält ist nach wie vor unbekannt,«pang will einen Alibi- beweis antrete», daß er sich zurzeit des Diebstahls in einem Restaurant in der Lindcnpassage aufgehalten habe, und macht vier Zeugen namhaft, die seine Angaben bestätigen und beschwören wollen. Es ist indeß kaum anzunehmen, daß Spang sein Versprechen halten wird, denn falls ihm sein Alibi glücken sollte und«in Frei- spruch erfolgen würde, müßt« er sogleich wegen Verbüßung seiner Restzuchlhausstrafe von zwei Iahren in Haft genommen werden. Zusammenstoff zwischen Polizei und Demonstranten. In der G r u n e w a l d st r g ß e und später auch in der Kaiserallee kam es gestern abend zu Zusammenstößen zwischen Polizeibeamten und Mitgliedern des Roten Frontkämpfer- b u n d e s. Die Kommunisten überfielen einen Lastkrastwagen der Schupo, weil ein Mitglied der KPD. in der Grunewaldstraße zwangsgestellt worden war: sie wollten den Gefangenen befreien. Die Demonstrante» wurden von den Polizeibeamten mit dem Gummiknüppel auseinandergetrieben. Die Kommunisten schlugen mit F a h n e n st a n g e n und anderen G e g« n st ä n d c n aus die Polizeibeamten ein, von denen drei leicht ver- letzt wurden. Fünf Kommunisten, die sich an der Schlägerei be- teiligt hatten, konnten zwangsgeslcllt und der Abteilung Ia zu.- geführt werden. Zwei Lehrlinge bei einer Explosion verletzt. Auf dem dritten Hof des Hauses Kranoldftr. 19/20 in Neukölln hat die Bauschlossersi von Willi Donner ihre Werkstätten. Gegen 3 Uhr nachmittags waren auf dem Hof zwei Lehrlinge mit S ch w e i ß a r b e i t e n an einer Blechtrommel beschäftigt, wozu ein Azetylcnapparat»erwendet wurde. Aus noch unbekannter Ursache explodierte der Schweißapparat unter lautem Knall. Durch den Luftdruck und herumfliegend« Eisenteile wurde der achtzehn- jährige Lehrling Gerhard Henke aus der Bergstraße 09 zu Neukölln und der gleichaltrige Lehrling Richard Winter, der in der Oberlandstr. 3 zu Neukölln wohnt, erheblich verletzt. Die Verunglückten wurden in das Buckower Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand ist ernst, doch besteht keine Lebensgefahr. Eine schwere Messerstecherei ereignet« sich gestern abend in einem Restaurant in der Gormannstraße. Mehrere Gäste, die eine Partie Billard spielten, gerieten in Streit, der schließlich in eine Schlägerei ausartete. Die Gegner gingen mit Messern aufeinander las. Der vierzigjährige Friseur Karl L. aus der Holzmarktstraße 9 wurde durch sechs Messerstiche in den Leib und den Rücken schwer verletzt. L., der das Bewußtsein verloren hatte, wurde durch das Städtische Rcttungsamt in das Krankenhaus am Friedrichshoin gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Das alarmierte Ueberfallkommando stellte den Täter fest. Arbeitersamarilerkolonnc Verlin<£. V. Zufolge der„Roten Fahne" vom S. Mai werden vom Sportkartell Wedding zwei Samariter st ationen eingerichtet. Wir bemerken hierzu, daß dies ohne Einverständnis der Kolon nenleitung geschieht. Zlüchtlingselenü. Um von der eigenen Tätigkeit zu berichten und gleichzeitig um tatkräftige Hilse zu bitten, hatte der Verband R u s s i sch e r Juden in Deutschland Pressevertreter in das Eden-Hvtel gebeten. Der Staatsrat Dr. Jakob Teitel, der Bor- sitzende des 1320 gegründeten Verbandes, führte u. a. aus, daß der Verband außerstande ist, aus eigenen Kräften die Flüchtlingsfrage zu lösen. Die Zahl der Notleidenden, die durch Krieg und Revolu- tion aus ihrer Heimat vertrieben sind, ist zu groß, als daß ihnen aus privaten Mitteln geholfen werden könnte. Ohne tatkräftige Hilfe der Regierungen, ohne rege Teilnahme der Oeffentlichkeit sind Hunderttausende von Flüchtlingen zum Aussterben verurteilt. Wegen seiner geographischen Lag« war Deutschland dazu bestimmt, die erste Etappc der Wanderung für viele Flüchtlinge aus dem Osten zu werden. Der Verband Russischer Juden ist eifrig bemüht, die weitere Ausreise der Flüchtlinge in die westlichen Länder und nach Amerika zu erleichtern. Wegen der bekannten Schwierigkeiten ist jedoch diese Ausreise nicht immer möglich. R.-A. Dr. A G o l d e n w e i s e r führte u. a. aus, daß die Flüchtlingshilse ein soziales Problem ist, das allein mit den Mitteln der Philantropie nicht zu läsen ist. Die Flüchtlinge haben kein festes Aufenthaltsrccht, sie haben kein Recht auf Arbeit, der Rechtsschutz ist ihnen erschwert und die staalich« Sozialfürsorge kommt für sie nur teilweise in Betracht. Die Gleich- stellung der Staatenlosen mit den Ausländern ist für sie, die nicht in ihre Heimat zurückkehren können, eine Ungerechtigkeit. Die Lösung der Flüchtlingsfrage kann in allen Ländern nur aus der Basis ihrer wirtschaftlichen Assimilation erfolgen. Ein Schaden für die deutsche Wirtschaft und insbesondere eine Vergrößerung der Arbeitslosigkeit ist davon bei der geringen Zahl der Staatenlosen in Deutschland nicht zu befürchten, dach können zwangsmäßig Arbeitslose zum Schaden werden. Der Verband Russischer Juden in Deutschland ist bemüht, nach Möglichkeit die Not der Flüchtlinge zu lindern. Er gibt ll n t e r st ü tz u n g e n und Darlehen, ferner hat er sich der Einrichtung von Lehrkursen gewidmet. In allen seinen Tätigkeits- zweigen befriedigt der Verband jedoch nur einen minimalen Teil der vorhandenen Bedürfnisse, da seine Mittel keine reichlichen sind. Der„Charitö-Arzt". Auf die Z i m in e r v e r m i e t c r i n n e n hat es wieder ein- mal ein Schwindler mit einem allen Trick abgesehen. Ein Mann van 38 bis 10 Jahren mietet bald hier, bald da ein möbliertes Z i in in c r und erzählt den Wirtinnen, daß er aus der Provinz komme, um als Oberarzt eine Stellung in der Charit« anzutreten. Cr nennt sich„D r. Hans S ch u m a n n". Wie es bei diesen Schwindicrn üblich ist, hat er sich verausgabt und bittet um ein kleines Darlehen, um sein Gepäck vom Bahnhof herbcischasscn zu können. Die Frauen tun dem neuen Mieter gern den Gefallen und sind stets ihr Geld los. Vermiclerinnen seien vor dem Gauner ge- warnt. Er ist 1,70 Meter groß, hat ein glatt rasiertes Gesicht bis auf eine„Fliege" auf der Oberlippe, graue Augen, eine fahle Ge- sichtejarbe, einen zahnlosen Oberkiefer und trägt einen dnnkelgrauen, auf Taille gearbestetou Paletot, einen dunklen Anzug, einen grauen weichen Hui und aus der linken Hand einen Trau- ring mit einem Stein. „Volt und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauslage bei. Gefährliche Häuserfronten. Bpn einem Eckbalkon im dritten Stockwerk dos Hauses Frankfurter Alce 20 lösten sich gestern abend größere Stuckteile aus Gips und stürzten in die Tiefe. Drei Personen, die gerade die Straßenecke passierten, wurden von den herabstürzenden Gesteinsmassen getroffen und leicht verletzt. Glück- licherweife waren die Verletzungen nicht schwer. Die alarmierte Feuerwehr beseitigte die übrigen Stuckteile, die gleichsalls abzustürzen drohten. Der Verfall der Berliner Häuser, dem nicht abgeholfen wird, nimmt bereits gemeingefährlich« Formen an. Das Freibad im Poslstadion in der Lehrter Straße 63a nahe dem Kriminalgericht ist am 1. Mai 1927 der Oessentlichkeit zur Benutzung übergeben worden. Das Bad, das von allen Stadt- gegenden leicht zu erreiche» ist, ist mit allen modernen Einrichtunzeii verschen. Es umfaßt ein 1000 Quadratmeter großes Schwimmer- decken, ein 100 Luadratmeter großes Nichtschwimmerbecken, ein allge- meines Luft- und Sonnenbad,«in besonderes Luft- und Sonnenbad für Damen und ein« Terrasse für Zuschauer. Eine in der Haupt- tribünc eingebaute Anlage pumpt das Wasser aus der Erde, ent- keimt und erwärmt es. Ferner sind vorhanden: Ein Sprungturm, mehrere Sprungbretter, viele warme und kalte Brausen, Umkleide- räume und-zellen, ein Erfrischungsraum, ein langer Planschgrabcn für Kinder, Turngeräte usw. Die Eintrittspreise sind volkstümlich gehalten: voriiiittags sind geschlossene Schiilklasscn zu besonders er- müssigten Preisen zugelassen. Das Bad ist täglich, auch Sonntags, van 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, Montags und Donnerstags jedoch nur bis 1 Uhr nachmittags, für die Oessentlichkeit geöffnet. Valkonwetlbewcrb 1927. Die Deutsche Gartenbaugcsellschoft veranstaltet auch in diesem Jahre wieder, unter Mitarbeit der Orts- gruppe Groß-Berlin des Verbandes Deutscher Blumengeschäfts- inhaber und des Reichsverbondes für den deutschen Gartenbau, einen Wettbewerb der schönsten Ballone Groß-Berlins. Die besten Ballone werden durch Diplome der Deutschen Gartenbaugesellschoft und wert- voll« Zimmerpflanzen ausgezeichnet. Anmeldungen von prämierungs- würdigen Baltonen werden nur von solchen erbeten, die von der Straße aus nicht sichtbar sind. Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle der Deutschen Gartenbaugesellschoft, Berlin R. 1. Lnvalidcnstraße 12. Zu der MuIIeischule von Dr. Ileomann« Kinderhaus findet Unterricht in Säuglings- und Kleinkinderpflege und Erziehung statt, wöchentlich ein- mal, mit praktischen Hebungen. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2—0 Uhr im Bureau des KinderhaujeZ, Blmncnstr. 97. Ein französischer— nun wohl, dann kann er gar nicht unbclesen genug sein Um so reiner wird sich sein Eigenstes offenbaren. Soll man einen solchen Vier Wochen Kinderrepublik— ist das Scherz oder Spielerei? Keins von beiden, ein sehr ernster erzieherischer Gedanke verbirgt sich hinter diesem ersten Versuch, den die Reichsarbeitsgemein- schaft der Kinderfreunde gemeinsam mit dem Haupt- ausschuß für Arbeiterwohlfahrt durchzuführen gedenkt. Vier Wochen lang sollen 2000 Kinder in der Zeit der großen Ferien in einem Zeltlager an der Ostsee, umve't von Kiel, zusammenleben und ein Gemeinwesen bilden, das ganz auf die Selbsterziehung der Kinder eingestellt ist. Diese vier Wochen sollen zeigen, ob es der Erziehungsarbeit der Kinderfreunde gelingt, die Kinder nicht nur in eine die egoistischen Triebs zurückdrängende Gemeinschaft einzureihen, sondern darüber hinaus gemeinschafts- bildende Kräfte zu entwickeln. Dafür genügt nicht nur die freiwillige Eingliederung und Unterwerfung unter die selbstgegebenen Gesetze des Lagerlebens, sondern es kommt vor allem an auf die freudige Mitarbeit am Ganzen, die innerliche Bereitschaft für das gemein- same Werk sowie auf ein Höchstmaß von positiver Leistung am Aufbau dieses Gemeinwesens. Das Gefühl für soziale Berantwort- lichkeit, für freudig« Hingabe aller Kräfte im Dienste der Gemein- schaft soll entwickelt werden. Die Arbeit der Kindersreundc bewegt sich selbstverständlich von jeher in dieser Richtung. Sie kennt kein anderes Ziel, als in den Kindern den Geist der S o l i d a- r i t ä t zu wecken und sie mit starkem sozialistischen Gemeinschafts- willen zu erfüllen. Was in dieser Hinsicht in den einzelnen Gruppen bisher im Kleinen geleistet wurde, das soll nun im Großen in der Form dieses Zeltlagers, das Kindergruppen aus allen deutschen Gauen zusammenführt, versucht werden. Es ist deshalb selbstver- ständlich, daß an diesem Logerleben nur geschlossene Kinder- g r u p p e n teilnehmen können, die sich schon bisher im Sinne der hier angedeuteten Erziehungsgrundsötzs betätigt haben. Kinder, die noch nie einer Kindergruppe angehört haben, sondern ohne diese Voraussetzungen in das Lager geschickt werden, würden auf den Geist dieses Unternehmens innerlich nicht vorbereitet sein und sich kaum in das Ganze einfügen können. Dank der unermüdlichen Tätigkeit der Kinderfreunde sind im Laufe der letzten Jahre genug Kindergruppen eMstanden, aus die die hier angegebenen Voraus- setzungen zutreffen und die sich infolgedessen an dem Zeltlager be- teisigen können, ja geradezu daraus brennen, dies zu tun. Seit Wochen wird überall aus die Reise nach Kiel hingearbeitet. Freude und Erwartungen der Kinder sind sehr groß. Dazu kommt, daß der Aufenthalt im Zeltlager für die Kinder ja zugleich eine Ferien- erholung ist. Abgesehen von der erzieherischen Bedeutung des Unter- nehmens ist auch sein gesundheitlicher Wert sehr hoch einzuschätzen. 2000 Proletarierkinder werden vier Wochen lang der Großstadt mit ihren engen Wohnräumen und ihrem lärmenden Treiben entzogen! Vier Wochen Aufenthalt in frischer Luft an der See, vier Wochen lang Erholung und Entspannung! Wer weiß, was das für unsere armen lufthungrigen Großstadtkinder bedeutet, der wird schon von diesem Standpunkt aus dem Unternehmen von ganzem Herzen Erfolg wünschen. Es steckt schließlich auch ein Stück Romansik in dem ganzen Unternehmen, das die Phantasie der Kinder aufs Höchste anspannt. Das Leben im Zelt und im Freien in seiner Vielfältigkeit und Ungebundenheit, die Freiheit der Be- wegung und Betätigung, die trotz aller notwendigen Disziplin möglich ist, die Gesellschaft so vieler Kinder au? allen Teilen des Reiches, und nicht zuletzt das aktive Mittun in allen Dingen des Lagerlebens, dos gibt den Kindern ein Stück von jener erträumten Welt, die in jungen Menschen, fast ein Naturkind, in Literatur eintauchen bis über die Ohren? Was wäre das Ergebnis? Im besten Fall ein Literat. Solchen Triumphes mag sich der Vildungseiser freuen: ich sehe keinen Gewinn darin, wenn man die Ueberührtheit, die aus ihre Art schöpferisch sein kann, mit dem bekannten Rüstzeug der Bildung ausstaffiert. Natürlich hat das hier Gesagte vor allem nur für den Bildungs- gang des Schöpferischen Geltung, der eine Ausnahme ist und sich in jedem Falle selbst seine Regel schafft. Er hat die Gabe, mit einem Minimum auszukommen, und je weniger er gelesen hat, um so mehr' muß er sich mit eigenem Denken be- helfen. Der schöpferisch« Kopf ohne zureichende Wissensgrund- lag« wird sich auf seine eigene Art durch die Denkergebnisse ver- gangener Perioden durcharbeiten: er wird originell sein, weil er ja von keinen Autoritäten und Denksystemen abhängt, ober auch unoriginell, weil er Resultate festhalten wird, von denen er nicht weiß, daß sie längst schon vorhanden sind. Er wird so das Glück genießen, daß die Welt durch sein Denken und Schaffen immer lichter wird, und es wird ihm- bittere Enttäuschung nicht erspart bleiben, wenn er erfährt, daß dieses Licht schon längst vor seinem Denken in der Welt war. Das ist nun einmal das Schicksal der Selbstdenker. Ist mein Freund, der junge Arbeiter, ein schöpferischer Mensch. wie es nach manchen Anzeichen zu hoffen ist, dann bedarf es kaum eines Bildungsplans. und wenn ihm genügend Zeit gelassen ist, sich ruhig zu entwickeln, ist alles getan. Denn der Begabte bildet sich, indem er sich entwickelt, und mag ihn auch jetzt das Bildungs- fieber noch so wild schütteln, mag er sich noch so tief in Bücher ver- graben— ein guter Instinkt wird ihn schon rechtzeitig vor der Ver- bildung bewahren. Arbetterkou�erte. Äonjert des Schndert-<�hors. I a scha H o r e n st e i« ist ja ein}Phr begabter Musiker und Dirigent, der sich auch als Orcheslcrleiter von Rang längst erwiesen hat. Aber ohne einer blöden Liedertoselci das Wort zu reden, möchre man ihm und seinem Schubert-Chor doch den Rat geben, in der Tiessinnigkeit seines Programms nicht bis an die äußerste Grenze zu gehen. Denn mit Ausnahme des„Rotgardisten, Marsches" und des„Gesangs der Hafenarbeiter"(bearbeitet von E r w i n L e n d v a i), die zu voller Mrkung gebracht wurden, den modernen Industriestädten mehr und mehr verloren geht, und die sie sonst fast nur noch aus Büchern und Erzählungen kennen. Die Organisation des Lagers. die in der Hauptsache von unserer Kieler Kinderfreunde- und Ar- beiterwohlfahrtsgruppe geleistet wird, erfordert eine Unsumme Mühe und Arbeit. Große wetterfest«Zelte, die Sturm und Regen Trotz bieten, hat sich die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinder- freunde in letzter Zeit beschafft, iind sie stehen bereits zur Der- fügung. Stroh und warme Decken für das Nachtlager müssen noch beschafft werden, damit die Kinder gut gebettet werden können. Der vorhandene Platz für das Lager muß für seinen Zweck vorbereitet und eingeteilt, die Unterbringung und Ordnung der Kinder muß vorbereitet werden,«in ausreichender Sanitäts-undGesund- heitsdienst muß zur Stelle sein, für Trinkwasser und Ka- nalisation, für Reinhaltung der Zelte und Straßen ist zu sorgen— kurzum auf tausend Dinge, und seien sie noch so nebensächlicher Natur, kommt es an, damit sich das Lagerleben äußerlich rcibungs- los vollzieht. Nicht zuletzt ist eine ausreichende und zweckmäßige Verpflegung der Kinder von größter Bedeutung. Die not» wendigen Kücheneinrichtungen und Eßgeräte müssen beschafft werden. Auch die Zusammenstellung der Gerichte wird nicht leicht sein, wen» man bedenkt, daß die Kinder aus ganz verschiedenen Gegenden kommen und infolgedessen an verschiedenartige Kost gewöhnt sind. Aber es wird alles getan werden, um es den Kindern an nichts fehlen zu lassen. Eine zweckmäßige Lagerordnung wird ge- wisse Grundsätze für das Leben im Lager aufstellen, auch die Zelt- einteilung vorschreiben, wobei neben den Mahlzeiten, Spie- len und Beschäftigungen auch genügend Ruhepausen vorgesehen sind. Die geistige Nahrung der Kinder wird ein« besondere Lagerbücherei liefern, außerdem sollen Film-, Lichtbild- und andere Veranstaltungen stattfinden. Verantwortliche erwachsene Leiter, Helfer und Helferinnen stehen selbstverständlich ausreichend zur Verfügung. Auf. je fünfzehn Kinder kommen ein bis zwei H e l s e r, die sich aber keineswegs als„Leiter" oder Aufsichtspersonen, sondern als Kamerad en der Kinder be- trachten. Denn das Lager soll eine Gemeinschaft der Kinder sein, sie sollen ihm Form, Inhalt und Leben geben. Nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung und Selbstverantwortung sollen die Kinder ihren eigenen Ordnungs- und Arbeitsdienst einrichten. Neben der Muße und dem Spiel werden ernste Pflichten und Aufgaben stehen. Von der erwachsenen Arbeiterschaft darf man erwarten, daß sie das Unternehmen in ideeller und auch finanzieller Hinsicht unterstützt. Von den Kindern wird, ein Tagessatz von 1 Mark erhoben, für den die volle Vcrpslegung gewährt wird. Aber auch dieser Betrag wird von manchen Eltern nicht aufgebracht werden können, zumal wenn es sich um Arbeitslose oder Kurzarbeiter handelt. Außerdem sind auch noch die Fahrgelder zu rechnen, die zwar ermäßigt sind, aber besonders für entfernter gelegene Gruppen erheblich ins Gewicht fallen. Die Arbeiterorganisationen sollten daher das Unternehmen durch Geldzuweisungen fördern, insbesondere in den einzelnen Orten, in denen Kindergruppen bestehen, durch Sammlungen und freiwillige Beiträge es vor allem den Kindern der Arbeitslosen ermöglichen, an dem Zeltlager teilzunehmen. Der Zweck dieses gemeinnützigen Un- ternehmens wird um so mehr erreicht werden, je mehr gerade die ärmsten und bedürftigsten Kinder daran teilnehmen können: denn wie hart trifft es die Kinderseele, wenn die Reise an die Ostsee mit Sehnsucht erträumt wird und dann unmöglich ist, weil die geringen Mittel hierfür nicht vorhanden sind. lastete fast eine bleierne Schwere über dem ersten Teil des Kon- zertes. Die pessimistischen Untertöne dieser russischen Volksgcsange waren restlos da: es fehlte aber das feine, geheimnisvolle, mystische Flimmern in den Gegenstimmen, das bei russischen Chören wie ein beginnendes Morgenrot die düstere Nacht durchbricht. Die Grund- stimmung, auch in der Tongebung, war zu trocken und unfrei, um die Hörerschaft so recht zu überzeugen. Und der zweite der von Erwin Lendvai überaus kunstvoll revidierten Chöre� der aller- dings sehr schwere„An der Mutter Wolga", war in der Tonrein- heit und der Sicherheit der polyphonen Linie keineswegs tadellos. Die deutschen, meist neckischen und humorvollen Lieder dagegen wurden mit überlegener Meisterschaft hingelegt und von den Zu- Hörern mit stürmischem Jubel bedacht. Zu denken gab die Tatsache, daß auch ein so hochstehender Chor nicht mehr die Philharmonie zu füllen vermag. Schuld daran tragen natürlich das maßlos über- schätzte Radio, dos Kino und die schlecht« wirtschaftliche Lage. Sollte aber nicht noch ein vierter Grund im Hintergrunde lauern? Einige Männerchöre haben es in der letzten Zeit mit der Angliederung eines Jugend- oder Frauenchors versucht, durchweg mtt großem Glück. Abgesehen von der dadurch bedeutend erweiterten Propa- ganda wäre auch die Reichhaltigkeit und Farbigkeit der Vortrags- folge ohne die etwas gefährliche Ueberstreckung der Kraft gewähr- leistet. Je mehr dieser Gedanke in unserer Männerchorwclt sich durchringt, desto mehr norden jene zum Teil recht lächerlichen Feinde in die bescheidene Ecke gedrückt werden, wohin sie gehören. Der Solist des Abends, der ausgezeichnete Kontrabassist Lebe- recht Gödccke von den Philharmonikern, erircute die Hörer mit einigen erstaunlichen Eello-Jmitationen ä k Kussewigki. H. M. „Die zeistige Versklavung durch das Konkordat." Ueber dieses Thema sprachen in einer öffentlichen Kundgebung auf Veranlassung der Vereinigung der Freunde von Religion und Dölkcrfrieden Bezirk Steglitz die Genossin Dr. W c g s ch c i d e r und der Genosse Pfarrer B l« i e r. Genossin Wegscheider behandelte mehr die politische Seite eines kommenden Konkordats. Sie führte u. o. aus, das ein Kon- kordot mit demokratischen Grundsätzen unvereinbar sei. Genosse Pfarrer Bleier unterstrich diese Ausführungen, indem er lebhaft bedauerte, daß so wenig der arbeitenden Bevölkerung der Ein- lodung zu dieser Kundgebung gefölgr sind. Die Teilnahmslosigkeit der Genossen, wenn sie auch Freidenker sind, wird sich bitter rächen. Es ist ein Trugschluß die Macht der Kirche zu unterschätzen: die Arbeiter bleiben uninteressiert, während die Gegner das Konkordat abschließen und somir die Schule der Kirche ausliefern. Der Leiter der Versammlung, Genosse Schönherr richtete ebenfalls einen Appell an die anwesenden Genossinen und Genossen den kulturellen Fragen mehr Beachtung zu schenken um dem Ansturm der Reaktion aus feistigem Gebiet abzuwehren. Oer kommunistische Generalstreik. Arbeitslose und Notstandsarbcitcr werden aufgerufen. Die Versuche der KPD-, zum 7. Mai einen Generalstreik zu inszenieren, sind kläglich gescheitert. Selbst ihre e i g-e n e n Funktionäre, soweit sie sich in verantwortlicher Stellung be- finden, haben es abgelehnt, diesen Unfug mitzumachen. Auch die von Kommunisten geleiteten Ortsverwaltungen haben sich, wie beliebige„reformistisch« Bonzen", als„Verräter an der Arbeiterklasse" bewährt und in klarer Einschätzung des Rummels, der da aufgezogen wurde, es für richtig befunden, die notwendige Disziplin in der Klassenfront der Arbeiterschaft zu halten. Denn, wenn die„Rote Fahne" alle Tage die„Weltreoolution" verkünden und einen Generalstreik fordern kann, so kostet das nur etwas Papier und Druckerschwärze. Die Arbeiterschaft zu einer wuchtigen Kundgebung auf die Beine zu bringen, von ihr das Opfer eines verlorenen Arbeitstages zu fordern, verlangt schon erheblich mehr Mühe. Die Arbeiterschaft kann nicht alle Tage und auch nicht olle acht Tage aus die Straße gehen. Es müssen schon lebenswichtige Interessen auf dem Spiele stehen, wenn eine Massenkundgebung der Arbeiterschaft organisiert werden soll. Ein« allzu häufige Wieder- holung würde nicht allein die Wirkung verpuffen lassen, sondern auch die„Massenkundgebung" zu einem Spaziergang von kleinen Trupps zusammenschrumpfen machen, wie es die KPD. ja eben erst selbst zu fühlen bekommen hat. Daß durch solche„Kundgebungen" das Gegen- teil der erhofften Wirkung erzielt wird, liegt auf der Hand. Deshalb ist es ohne weiteres begreiflich, daß auch die kommunistischen Gewerk, schaftler es abgelehnt haben, mehr zu tun, als von anderen In- stanzen und Berufsgruppen die Organisierung von Streiks zu verlangen. Die KPD. hat sich aber, um an die Massen heranzukommen, außer den Zellen und Iransparenten auch sogenannte Er- werbsloscnausschüsse zugelegt und einen Ausschuß der Notstandsorbeiter. Von diesen hat sie nun«inen„G e- neralstreik" verkünden lassen! Die angeblichen„Obleute der Notstandsarbeiter" verkünden also für morgen früh den„Protest- streik der Notstandsarbeiter" und der„Provinzialausschuß der Erwerbslosen" fordert zur Unterstützung des Streiks auf. Wie man sieht, fürchtet sich die KPD. auch nicht vor der Lächerlichkeit. Ein Generalstreik der Arbeitslosen, auf eine solche Idee können nur Leute kommen, denen jedes Augenmaß und jedes Gefühl für den Ernst und die Tragweite der Arbeiterbewegung fehlt. Im übrigen werden die Notstandsorbeiter und die Arbeits- losen in ihrer erdrückenden Mehrheit sich an den Beschlüssen der Gewerkschaften halten und sich nicht zu den lächerlichen Manövern der KPD. hergeben, die bemüht ist, dem Stahlhelm eine Bedeutung zu geben, die ihm nicht zukommt. Reichskonferenz See Arbeiter öer Kraftwerke. Eine bedeutungsvolle Tagung. In der Zeit vom 8. bis 11. Mai 1S27 findet in Dortmund eine Rcichskonfercnz für die Arbeiter der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke statt, einberufen vom Verband der Ge- mcinde- und Stoatsarbeiter. Rund 270 Teilnehmer vertreten etwa 55 000 Arbeiter dieser Betriebe. Erste Fachmänner, anerkannte Autoritäten sind als Referenten gewonnen und werden auf dieser Tagung die wichtigen Fragen der Gas-, Elektrizitäts- und Wasser- Wirtschaft behandeln. Dos stark umstrittene Gebiet der Ferngasversorgung nn'rd in einem Vortrag von, Stadtbaurat O e f v e r b e r g- Mainz behandelt. Er wird bei diesem Vortrag insbesondere die A.-G. für Kahleverwertung, Sig Essen, und»den Zechenankauf durch die Städte Köln und Frankfurt a. M. behandeln, lieber die Elektrizitäts- Wirtschaft spricht Direktor Lippken, Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen G. in. b. H., Dortmund. Ueber die geologischen Grund- lagen der Grundwasserversorgung spricht Geologe Hundt aus Gera. Im Mittelpunkt der Beratungen steht ein Referat über die wirtschaftliche Lage Deutschlands, das Professor L e d e r e r- Heidel- berg übernommen hat. Ueber Unfallgcfahren und Berufskrankheiten spricht Professor Dr. C h a j e s- Berlin, über die wirtschaftliche Ver- einigung Deutscher Gaswerke Direktor H e ck m a n n- Berlin. Neben diesen rein technischen Fragen, die den größten Raum der Tagung einnehmen, wird auch die Frage der sozialen Gesetzgebung, die Aufgaben der Betriebsräte, sowie eine «inheitliche Zusammenfassung aller Arbeiter der Gas-, Elektrizitäts- i'nd Wasserwerke ausgiebig behandelt werden. Als Referenten sprechen hier die Vertreter des Verbandes der Ecmeind«- und Staatsarbeiter Becker und O r l o p p- Berlin. Diese Konferenz, die weit über den Kreis der Beteiligten große Beachtung findet, wird außerdem zu den Fragen der Technischen Nothilfe Stellung nehmen und Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 10. November 1920(betr. die Stillegung von Betrieben, die die Bevölkerung mit Gas, Wasser und Elektrizität versorgen) verlangen. Wir werden über den Verlauf der Tagung berichten._ Die Wahl öer Lebensmittel- und Hetränkearbeiter. Die Liste Amsterdam gewählt und bestätigt. Bei der am 24. April vorgenommenen Urwahl der engeren Orts- Verwaltung erhielt bekanntlich die Liste Trautmann(Moskau) 1859 Stimmen, die Liste Hodapp(Amsterdam) 1853 Stimmen. Gegen diese Wahl gingen zwei Proteste ein, über die der Hauptvorstand zu befinden hatte. Wähler der Richtung Amsterdam legten schon beim Wahlvorstand im Wahlbezirk Wedding Protest ein, weil die Stimmzetteloer- teilung in diesem Wahllokal einseitig zugunsten der Moskauer Richtung erfolgte. Die Richtung Moskau erhob dagegen Protest, daß die Ortsverwaltung bei Feststellung des Wahlresultates elf mit der Post in geschlossenen Briefumschlägen aus Beelitz- Stadt und Alt- Landsberg eingegangene Stimmen, die sämtlich auf die Liste Hodapp (Amsterdam) lauteten, für gültig erklärte. Der Hauptvorstand hat beide Proteste für begründet erachtet und sowohl sämtliche im Bezirk Wedding abgegebenen Stimmen, nämlich 89 für Moskau und 66 für Amsterdam als auch die elf aus Beelitz-Stadt und Alt-Landsberg eingesandten Stimmen für ungültig erklärt. Dadurch verliert die Liste Trautmann(Moskau) 89 Stimmen, die Liste Hodapp(Amsterdam) 77 Stimmen. Es ent- fallen nach diesem Beschluß des Hauptvorstandes somit gültige Stimmen auf die Liste Hodapp(Amsterdam) 1776, auf die Liste Trautmann(Moskau) 1770 Stimmen. Der Hauptvorstand hat die List« Hodapp als rechtmäßig gewählt erklärt und bestätigt. Betriebsrat und$irma. Ein Fehlurteil. Den Arbeitern der Firma Karl Geyer G. m. b. H. wurde eines Tages durch die Betriebsleitung mitgeteilt, daß sich die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt Hab«. Die Arbeiter seien jetzt bei Karl Geyer A.-G. beschäftigt, im übrigen bleibe alles beim alten. Tatsächlich blieb denn auch alles beim alten: die Löhne, die Arbeitszeit, die sonstigen Arbeitsbedingungen, selbst die Arbeits- ordnung blieb unverändert bestehen. Auch der Betriebsrat funk- tionicrtc weiter und die neue Firma verhandelte gelegentlich mit ihm. Als es später aus geschäftlichen Gründen zu Entlassungen kam, wurden auch zwei Mitglieder des Betriebsrates ohne Befragung des letzteren entlassen. Unter Berufung auf§ 96 BRG. klagten sie beim Gcwerbegcricht auf Weiterzahlung des Lohnes. Die Kammer 19(Vorsitzender Magistrotsrat MebesKw i e s die Klage ab, mit der Begründung, die Kläger seien seinerzeit für den Betrieb eines anderen Arbeitgebers k kurze u. lange Hose 48 Sdnr AdUßkMH!) Freitag, den 6. bis Montag, den 9 Mai Maria Corda in ElneDubarry von Heule #.i).Eüti»e: Bruno Kisintr, Luise Pirsch i.f.Sün«; Dei Miitcrnachlsjast. SDorris l(ii(toriaLlöitliilÄt!i8at8rFÄ,Mer Freitag, den 6 bis Montag, den 9. Mai Die Mutter Frei nach dem Roman v. Maxrni Gorki Ferner: Böhneaschau. PajsagB-litlifspiEle.BerÄsTsz Freitag, den t. bis Montag, den 9 Mai Stolzenfels am Rhein Ferner; Die große Bühnenschnu. Badstraüe 19 Freilag. den 6. bis Montag, den 9. Mai Hotel Erzherzogin Viktoria Beiprogramm und Buhnenschau i Tapeten inoIeDin/ Farben /Lacke Boots- u. Yachtlacke. Grube, Charlottenbur& Ecke SplelhajgenstraBe. Küchen Ictzl bcflenfenü billiger m iniaillitrl ,.EriU"-Küdi«5..... 38 X. 10 M. tDridrte-llidn„Anna"... 10 M. 110 M. tiriddt-liiidig..Berta".. 05«I. 14511. Anriditg-ltidKi„Kitl".125«. 110«. Xleidtndiräiki, 9(1 im.. 38«. 48 M. luntellan; feiner Rheinisdiet Eüdien. 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