Abendausgabe Nr. 215 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 104 v�uz-bedinzunzen und«niefgjnptetf« lind in d« Ml>rz«nausaabe onetoeien Redatfion: SIS. 68, Ctadenflrabe 8 Fernsprecher: VSnhoss 292- 29? lel.-vdrefse: Sozlaldemolrol verlw Verlinev Volkslilakk slv Pksnnig) Sonnabenö 7. Mai 1�27 «rrla« und«nzeigenabtrllon», ««slddst-zrtt»id dt»» Udr Verleger: Vorn>ar«o-Serlag GmbH. »erlln STD. 68. Cinbeaflcabc 8 Fernsprecher: Vinhoss 292— 297 �entralorgan 000 Rubel beträgt und im lausenden Rechnungsjahr 8 Milliarden übersteigen und bei voller Verwirklichung des vorgesehenen Wirtschastspro- gramms über 8 450 000 000 erreichen wird. Eine Kundgebung der christlichen Gewerkschaften. Gens, 6. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Zu den zahlreichen Druck- fachen, die bereits der Weltwirtschaftskonserenz vorliegen und durch die nur ein kleiner Teil der Sachverständigen sich überhaupt durch- findet, veröffentlicht jetzt der Internationale Bund der christlich- sozialen Gewerkschaften eine Stellungnahme über seine Auffassung von den Aufgaben und Zielen der Tagung. In den großen handelspolitischen und sozialpolitischen Fragen unterscheidet sich die Kundgebung nur wenig von der der freien Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen. Doch betonen die Ehristen an ein- zelnen Stellen ihre r«ligiös-konfessi»nelle Auffassung und fordern schließlich eine gesunde Entwicklung des gesamten Wirtschaftslebens auf der Grundlage des Zusammenwirkens der Arbeit- geber und Arbeitnehmer und empfiehlt in diesem Zu- sammenhang die internationale Durchführung der von den inter- nationalen Arbeitskonferenzen angenommenen Uebereinkommen. Das Necht auf üen Richterstanö. Der preustische Innenminister gegen antisemitische Personalpolitit. Der Preußisch« Landtag erledigte heute vormittag zunächst einige kleinere Vorlogen. In der weiteren Aussprache über den Iustizetat ist Abg. Meyer-Herford(D. Vp.) der Ansicht, daß über Herrn Assesior Kußmann die Akten geschlossen sind. Herr Strese- mann sei. lvte zu erwarten war, aus dem Plauener Prozeß rein hervorgegangen. Der Redner setzt sich in der Hauptsache für die Besserstellung der Iustizbeamten ein. Mit der Reform des Strafvollzuges müsse endlich Schluß gemalty werden. Zustizminister Dr. Schmidk-Oichlenberg: Abg. Kuttner hat gestern darauf hingewiesen, daß völkische Blätter jüdischen Richtern die Eignung zu ihrem Amt abgesprochen haben. Es wäre bedauerlich, wenn diese Ansichten Eingang in weitere Volkskreise finden würden.� Räch den Bestimmungen der Reichsverfassung, darf die Zugehörigkeit zu einer�Kon- f-ssion bei der Aemterbesetzung keine Roll« spielen. Ich werde «ich streng an die Verfassung halten.(Bravo links und in der Mitte.) Anderensalls würden sich die ungeheuerlichsten Konsequenzen ergeben, Der deutschnatwnale Abg.«veelmann hat Vorwurfe gegen den »om Kabinett ernannten Oberlandesgerichtspräsidenten in Königs- berg erhoben. Ueber die Eignung dieses Herrn kann gar kein Zweifel bestehen. Diese Tatsache bestätigt auch der Reichsjustiz- minister Dr. H e r g t in einem Briefe, der sich in meinem Besitz befindet.(Hört, hört!) Die Mängel des Strafvollzuges erkenn« ich an: es mein Bestreben sein, hier Besierung eintreten zu lassen.(Bravo links und in der Mitte.) Staatssekretär Fritz« bringt Bedenken praktischer Art gegen die Heraufsexung der AUerszrenze bei den Richtern zum Ausdruck. Abg. Dr. koerner(Deutschvölt Freiheitspartei): Die bescheidenen Wunsche der Völkischen sind vom Ministerium nicht berücksichtigt worden.(Heiterkeit.) Den neuen Minister halten wir für zu an- ständig, um ihn mit dem früheren Zentrumsminister Dr. Höfle in eine Linie zu stellen.(Pfuirufe links und in der Mitte.) Die Be- Zchuldigung gegen die Deutschvölkssche Freiheitspartei nach den Aus- sagen Grütte-Lehders sind zusammengebrochen. das Ministerium sich noch nicht entschuldigt. Aber bis jetzt hat Abg. Frau Helfers(Soz.): Ueber die Fürsorge für die Gefangenen während und nach der Strafzeit hat man sich bisher zu wenig gekümmert. Ich hoff«, daß dieser Hinweis genügt, um die Aufmerksamkeit des Ministeriums auf diese wichtige Ausgabe zu lenken. Das Urlaubs- wesen der Strafvollzugsbeamten bedarf der Verbesserung. Da sie für ihre Ferien Ersatz stellen müssen, können sie in vielen Fällen von dem ihnen zustehenden Urlaub nicht völlig Gebrauch machen. Viele von diesen Beamten sind infolge überanstrengenden Dienstes körperlich völlig heruntergekommen und nach ärztlichem Gutachten an ihrer Gesundheit schwer geschädigt. Die weiblichen Strafanstaltsbeamten müssen ebenso be- soldet werden wie die männlichen. Sie tiefer einzugruppieren ist ein Unrecht, denn ihr Dienst ist vielfach noch anstrengender als der ihrer männlichen Kollegen.(Sehr wahr b. d. Soz.) Die Rednerin trägt auf Grund eines umfangreichen Materials die Befoldungs- wünsche der unteren Iustizbeamten vor. fordert die bessere Bezahlung dieser vielfach überbeschäftigten Gruppen und schließt mit dem Hinweis, ohne die Arbeitsfreudigkeit dieser viel zu schlecht bezahlten und mit großer Verantwortung be- lasteten Beamten würde der komplizierte Apparat der Justiz nicht aufrechtzuerhalten sein.(Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Kaufmann(Dnat.) kritisiert ausführlich den neuen Strafgesetzentwurf. Bei Redaktionsschluß dauert die Beratung noch an. polen protestiert nicht. Keine Note wegen Hergt's Extratour. Warschau, 7. Mai.(WTB.) Wie dos polnische Außenministerium mitteilt, war die Nachricht des Pilsudski-Blattes,„Glos Pramdy", daß die polnische Regierung anläßlich der Beuthener Rede des Vize- kanzlers Hergt der Reichsregierung eine Protestnote über- reichen lassen werde, grundlos. Internationale öes Faschismus. Parole: Nimm, was du erwischen kannst! Von Dr. Bruno Altmann. Die vielfach aufgestellte Forderung:„Faschisten aller Länder vereinigt euch!" bedeutet eigentlich etwas Wider- sinniges. Internationale Verbindungen können Ge- sellschaftsklassen, Unternehmerverbände, Institutionen und Vereine abschließen, sofern sie gleichartige Interessen verfolgen. Die kacholische Kirche, die Proletarier, die Friedensförderer usw. können den internationalen Zusammen- schluß vollziehen, weil sie in allen Ländern so ungefähr das- selbe zu gewinnen oder zu verlieren haben. Bei den Faschisten aller Länder steht das aber ganz anders. Jmierpolitisch mögen manche gleichlaufende Bestrebungen vorhanden sein, außenpolitisch ist Feindschaft das natürliche Verhältnis zwischen ihnen. In jedem Lande hat der Faschismus das Programm der Eroberung auf feine Fahnen geschrieben. Die Schwarz- Hemden Mussolinis wollen beispielsweise sehr viel erobern: Nizza und Malta, Tirol bis Innsbruck, Albanien, Korsika, Algier, Marokko und die Verstiegensten äußern ganz unge- niert die Absicht, sogar aus Chile und Brasilien italienische Protektorate zu machen. Deutsche, französische, polnische, amerikanische Faschisten sind ebenfalls Imperialisten und schließlich kann der eine doch nur erobern, was der andere verlieren muß. Im Hauptpunkt ihres Programms kreuzen sich die gegenseitigen Interessen. Ihre Parole könnte vernünftigerweise nur lauten: Faschisten aller Länder fallt übereinander her und raubt, was ihr dem anderen rauben könnt! Dennoch besteht eine offen ausgesprochene Sympathie zwischen ihnen, und unlängst ist es zum viertenmal geschehen, daß der Versuch zur Herstellung einer internationalen Organisation des Faschismus unternommen wurde. Der erste ging von Adolf Hitler aus. Als Mussolini feine Herrschaft etabliert hatte, schickte der Führer der Nationalsozialisten Sendlings nach Rom. Auf völkischer Grundlage dachte sich Hitler das Bündnis zwischen deutschen und italienischen Faschisten. Praktisch steckte nichts anderes dahinter als die Absicht, eine Koalition zwischen den A n t i- s e m i t e n beider Länder zu schließen. Nun gibt es Anti- semitismus auch in Italien. Er ist aber nicht weit verbreitet, und er wird auch nicht fanatisch vertreten. Es gehört nicht einmal eine knappe Dosis von antisemitischer Gesinnung dazu, um in der italienischen„Gesellschaft" verkehren zu dürfen. Vor allem, wo Antisemitismus in Italien zu finden ist, tritt er wie bei uns vor etwa hundert Iahren als religiöse An- feindung auf. Hitler und die„Völkischen" aber wollten den R a s s e'antisemitismus. Diesen einem Volke einzuprägen, das selbst so starken orientalischen Einschlag hat, war natürlich ein hoffnungsloses Unternehmen. Der„Deutscheste der Deutschen" gestattete sich außerdem die Kleinigkeit zu über- sehen, daß viele italienische Juden überzeugte F a s ch i st e n waren und wichtige Positionen von Mussolini erhalten hatten. Der komische Versuch Hitlers endigte mit einer komischen Szene. Auf Weisung Mussolinis empfing der Innenminister Da F i n z i Hitlers Delegierte. Als diese aber nun gar so viel von arischer Hochwertigkeit und gar so viel von semitischer Minderwertigkeit redeten, unterbrach sie Da Finzi mit dem Einwand:„Entschuldigen Sie, meine Herren, daß ich selb st dieser minderwertigen Rasse angehöre. Ich kann darüber aber nicht so traurig sein, wie Sie es vielleicht wünschen, denn nach meiner Auf- fassung dürften der Arier und der Semit so ungefähr von dem gleichen Affen abstammen. Ein paar Monate später kam L6on Daudet nach Rom, um ein Bündnis zwischen französischen und italienischen Faschisten abzuschließen. Der Zeitpunkt war schlecht gewählt. Mussolini hatte für seine nach Tunis ausgewanderten Lands- leute so viel Bodenzuweisung beansprucht, wie sie ihrem Er- messen nach brauchten. Die französische Regierung hatte das Ansinnen abgelehnt. Die Verhandlungen gingen hin und her. Daudet erfuhr das erst in Rom. Angesichts solcher fundamentaler Differenzen erkannte er aber auch so recht die Widersinnigkeit, mit den italienischen Faschisten in ein Bünd- nis einzutreten, weil französische und italienische Nationalisten denselben innerpolitischen Gegner, die Freimaurerei, be- kämpften. Der„Duce" widerriet damals der Koalition zwischen den Nationalisten der verschiedenen Staaten. Der italienische Faschismus sei nicht nachahmbar und er könne sich auch nicht mit ähnlichen Bewegungen des Auslands vereinigen. Ungefähr ein Jahr später ergriff die italienische Regierung unter seinem Vorsitz selbst die Initiative für die Herstellung internationaler Organisationen des Faschismus. Was war geschehen? Mussolini, der ehemalige Freimaurer, hatte sich zum Kampf gegen die Freimaurerei verleiten lassen. Diese ließ ihn darauf die Kraft ihrer internationalen Autoritär fühlen. Zu Leginn des„heiligen Jahres" erlebte der Faschismus infolge des frivol behandelten Falles Matteotti seine Krisis. Nun verbreiteten englische, französische, amerikanische Blätter, die in engster Verbindung zu den Logen standen, die Nachricht, in Italien tobe der Bürgerkrieg, Mussolini sei verrückt geworden, kein Fremder sei seines Lebens sicher. Die Lire sank tief, in einem Augenblick, wo die ober- italienische Industrie mit ihren Roh- und Hilfsstoffen ziemlich Jmt Alande war. Außerdem seßte Lloyd George, der Groß- meister einer Londoner Loge, dem Duce in seiner Weltpresse mit der Frage zu:„Wann werden Sie, Herr Mussolini, an- statt soviel mit Ihren Erfolgen zu prahlen, uns und den Amerikanern mitteilen, wie und wann Sic die italienischen Kriegsschulden bezahlen wollen?" Der Kampf gegen die Freimaurerei mußte vorerst abge- stoppt werden. Der italienische Diktator zog aber die Kon- sequenz daraus: diesem international operierenden Gegner, der Freimaurerei, sind wir nur gewachsen, wenn wir Faschisten uns auch international aneinanderschließen. Frei- lich, es kam die zunehmende Spannung mit Frankreich, mit Jugoslawien, die vorübergehende mit Deutschland. Da wäre es gar töricht gewesen, zu oerlangen:„Faschisten aller Län- der vereinigt euch!" Mussolini hat aber nicht locker gelassen. Vor kurzem schickte er seinen Sekretär Marsini nach Deutschland, um eine Privataktion bei unseren Reaktionären und Reaktionärsten zu unternehmen. Dieses Mal geht der Derbrüderungsversuch unter dem Stichwort:„Los vom Parlamentarismus, los von der Demokratie." Das ist für Mussolini nur der Lockruf, von dem er sich etwas anderes bei unseren Hugenbergs und Re- ventlows verspricht, denn er hat ja die Emanzipation von der Demokratie in Italien gründlich vorgenommen, und es dürfte ihm ziemlich gleichgültig sein, ob bei uns Parlamentaris- mus und Demokratie bestehen oder nicht. Was also will der Diktator mit seiner letzten Paroleausgabe: Faschisten ver- einigt euch? Die Sache hat wirtschaftliche Hinter- gründe. Die oberitalienische Industrie fürchtet nichts so sehr wie den Geschäftsanschluß oder gar die Betriebszusammenlegung von französischen und deutschen Großunternehmungen. Ein deutsch-französisches Preissyndikat oder ein Absatzsyndikat von Kohle und Eisen könnte in jedem Moment die junge, teilweise nur durch Gewaltszölle am Leben erhaltene Industrie rui- uieren. Diesen Zusammenschluß haben die Italiener schon als Folge des Ruhreinfalls befürchtet und deshalb haben sie dagegen protestiert. Run hat sich im vergangenen Jahr dieser Zusammenschluß vorerst programmatisch vollzogen. Da möchte Mussolini doch noch abzustoppen versuchen. Er läßt seinen Sekretär sagen, eine Wirtschaftskoalition, wie ihr deutschen Großindustriellen da mit französischen Unter- nehmern abschließt, bedeutet letzten Endes eine Stärkung der Demokratie, wollt ihr dieses Unglück vermeiden, so haltet zurück, bevor es zu spät ist. Natürlich wird er tauben Ohren predigen. Der vierte Versuch der internationalen Faschistenverbrüderung wird wie seine Vorgänger scheitern. Der zwiespältige Selüte. Er umwirbt und beschimpft Berlin. Der Führer des„Stahlhelms", S e l d t e, hat gestern abend in der Philharmonie in der Bernburger Straße seinen mit großein Munde angekündigten Feldzugzur„Eroberung Berlins" begonnen. Man sah viel Uniformen und noch viel mehr Orden und bunte Vcreinsabzeichen. Wurde Beifall geklatscht, dann rasselte es neu so in den Schachtelhalmen. Daneben aber bemerkte man sehr viele Angehörig« j ü n g st e r allerjüngster Jahrgänge, und wenn Herr Seldte immer wieder vom„Fronterlebnis" sprach, aus dem heraus der Stahlhelm geboren fei, so konnte man sich der Erkenntnis nicht ver- schließen, daß ein beträchtlicher Teil der anwesenden deutschen Helden schon im zarten Alter von acht bis zehn Iahren den Schützengraben bevölkert haben muß. Auf einer ganzen Sitzreihe, die besetzt war mit braungebrannten, ungroß- städtisch wohlgenährten Bauernsöhnen, entdeckte man beispielsweise nicht einen einzigen„Frontkämpfer", der heute, neun Jahre nach .Kriegsschluß, über zwanzig Lenze zählt. Das„Frontleben" dieser Stahlhelmer besteht also nur in der nachträglichen Lektüre von Prachtstücken au, den gsfmmneven Werfen des Kriegsberichterstatters Schmermann und dem gelegentlichen Genuß Seldtc-Düster- berg-Stephanyscher Tiraden. Seldte warb„mit heißem Herzen" Um Berlin, das trotz allen Skeptizismus d i e Stadt sei, in der„in Deutschland am meisten gearbeitet werde". Und ausgerechnet diese schaffen- den Berliner umbuhlle der Stahlhelmsührer.„Es geht um die Herzen und Seelen aller derer hier in Berlin, die uns in unserem Kampf helfen können und die bewiesen haben, daß sie Schaffende sind," so hieß es wörtlich. Die„Deutsche Zeitung" aber verrät zum Hohn einen Passus aus der Rede, die Seldte in einer oertraulichen Zusammen- kunft seines Gefolgschaft gestern früh gehalten hat! In der„S ch u- l u n g s w o ch e" der Stahlhclmcr hat er nämlich noch der„Wiking- Zeitung" gesagt: „Wir wollen diesem Wasserkopf Berlin zeigen, daß der Stahlhelm wie früher so auch jetzt noch eine große vatcr- ländische Aufgabe hat. Deshalb pfeifen wir auf die Begrüßung von Rotznäsen in diesem Steinhaufen und auf die Reden der Asphaltpresse.(Stürmischer Beifall.)" Bestimmt werden sich die schaffenden Berliner„Rotznäsen" diese vertrauliche Stahlhelm-Auslassung merken. Seldte machte sich auch ans„Reichsbanner Schwarz- R o t- G o l d" heran:„Rur durch den Stahlhelm kann es dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold möglich werden, zur positiven Mitarbeit im Staat zu gelangen, wenn es sich durchringt zum nationalen Bekenntnis!"„Wir aber allein sind es," fuhr Herr Seldte fort,„die die Straße von der Pest der Rotfrontbe- w e g u n g befreien können." Und einige Sätze darauf vernahm man ganz allgemein:„Der rote Fleck muß mit scharfem Radier- mester aus den Blättern der deutschen Geschichte weggekratzt werden." Die bombastischen Worte von der„Pest der Rotfront- bewegung" hin und her— die Seuche des Rechtsradikalis- m u», von der wir durch die Hitlerjünger erst jetzt wieder etliche Proben geschmeckt haben, ist keineswegs erfreulicher. Wenn Seldte den roten Fleck der Sozialdemokratie aus Deutschland weg- kratzen will, so könnte er sich mit seinem„scharfen Radiermesser" bedenklich schneiden. Pleite in Hannover. Hannover, 7. Mai.(Eigener Drohtbericht.) Die Beschickung des Stahlhelmtages aus Hannover bedeutet für den Stahlhelm eins große Pleite. Während die Voranmeldung der Stahlhelm- leitung nach den renommistischen Behauptungen der deutschnationalen Presse mehrere Extrazüge mit insgesamt 2400 Personen betragen haben soll, sind am Freitag abend insgesamt nur 400 Männer aus Hannover einschließlich Umgegend in ziemlich gedrückter Stimmung nach Berlin verfrachtet worden. Bei den großen Reichsbannertagen in Magdeburg und Hamburg fuhren seinerzeit allein aus der Stadt Hannover je 1600 Mann in Extra- zügen ab, obgleich das Reichsbanner keinerlei Sondcrvergünstigung an die Teilnehmer wie die Hakenkreuzler gewähren konnte. Enttäuschung im Rheinland. Köln, 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag abend kam es in Köln bei der Abfahrt von Stahlhelmleuten nach Berlin zu leb- haften Zusammen st ößen mit Straßen Passanten. Ueberall, wo sich die Stahlhelmleute, die in kleinen Trupps aus dem ganzen Kölner Bezirk für einen nach Berlin gehenden Sondcrzug zusammengezogen wurden, blicken liehen, gab das Publikum seinem Mißfallen lebhaften Ausdruck. Die vom Stahlhelm erwartete Beteiligung aus dem links- rheinischen Gebiet brachte eine große Entäuschung. Bier Sonderzüge, die 6000 Personen befördern sollten, waren vorgesehen. Bon diesen fielen zwei Sonderzüge sofort aus und auch die beiden anderen, von denen der eine von Köln und der andere von München-Gladbach noch Berlin geführt wurden, waren sehr schlecht besetzt. Aus dem ganzen Kölner Bezirk waren kaum 500 Teilnehmer für den Sondcrzug zusammengebracht. Davon ent- fielen auf die Stadt Köln ganze 120 Mann. Bemerkenswert ist, daß im rheinischen Braunkohlenbezirk aus den Gruben des Herrn Silver- berg der Terror der km Stahlhelm tätigen Vorgefetzten so flarf est» setzte, die Arbeiter, die zwangsweise im Stahlhelm organisiert sind. zur Beteiligung an der Fahrt nach Berlin zu zwingen. Die Ar- beiter haben fast überall abgelehnt, teilzunehmen. Auch die Hin- weise auf die bekannte Sonderunterstützung konnte die Beteiligung aus dem rheinischen Braunkohlengebiet nicht nennenswert beein- flusseu. Die Kölner Polizei nahm bei den im Sonderzug nach Berlin fahrenden Stahlhelmleuten vor der Abfahrt eine Durchsuchung nach Waffen vor, wobei eine Anzahl Hieb-, Stich- und Schußwaffen gefunden wurden. Die unzulängliche Sparkassenaufwertung. Der Rcchtsblock lehnt Verbesserungen ab. Im Verlauf der Bercktungen des Rechtsausschusses des Reichstages über die Anträge zum Aufwertungsgesetz wurde am Freitag von den sozialdemokratischen Vertretern die Regelung der Spar- k a s s e n a u f w« r t u ng zum Gegenstand der Aussprache gemacht. Aus diesem Gebiet herrscht eine große Verschiedenheit in den einzelnen Teilen des Reiches. Der Grund dafür liegt darin, daß das Aufwer- tungsgesetz den Ländern der Durchführung der Sparkassenaufwertung einen breiten Spielraum läßt und sich dabei in Widersprüchen bc- wegt. Der M i n d e st b e t r a g der Aufwertung soll nach dem Gc- setz 12!� Proz. des Goldmarkbetrages erreichen. Die Sparkassen sollen jedoch nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit einen höheren Aufwertungssatz gewähren. Wie bei den Kommunalanleihen, so soll also auch bei den Sporkassen individuell aufgewertet werden. Die Sparkasse soll eine Teilungsmasse bilden, die aus dem auf- gewerteten Sparkassenvermögcn und Beiträgen aus dem sonstigen Vermögen der Kasse bzw. des Garantieverbandes gebildet wird. Reben dieser Individualaufwertung läßt aber das Gesetz gleichzeitig die Aufwertung zu einem Einheitssatz für ein ganzes Land zu. Von dieser Möglichkeit haben die größten Länder, Preußen, Bayern, Sachsen u. a. Gebrauch gemacht. Sie haben den Einheit?- satz auf 12 M Proz. festgesetzt mit der praktischen Folge, daß ein häherer Satz von keiner Kasse gewährt wird. Im Unterschied hierzu haben die württembergischen Sparkassen zum Teil eine Auf- wertung von 20 Proz. gewährt. Da es im ganzen Reich zahlreiche Sparkassen gibt, die einen höheren Satz als 12� Proz. gewähren können, wurde von den sozialdemokratischen Ausschußvertretern vorgeschlagen, den einheitlichen Aufwertungssatz aus dem Ge- setz zu streiche n. Obgleich die Vertreter der Regierungsparteien bisher stets die Individualaufwertung für die Kommunalanleihen ge- fordert hatten, woraus sich die Individualaufwertung der Sparkassen automatisch ergeben würde, waren sie für den sozialdemokratischen Vorschlag nicht zu haben. Sie lehnten ferner den sozialdemokratischen Antrag ob, wonach Rückzahlungen, die nach dem 15. Juni 1922 erfolgt sind, nicht nach ihrem Rennwert, sondern in Höhe des Goldmarkbetrages anzurechnen sind. Die Folge dieser Ab- lehnung ist, daß Svarkassengläubiger, die eine Friedenseinlage im Jahre 1923 abgehoben haben, keinen Pfennig Aufwertung bekom- men. Die Ablehnung des letzterwähnten Antrages steht zudem, wie der Abgeordnete Keil(Soz.) darlegte, im prinzipiellen Widerspruch mit den Bestimmungen über die Hypothekenauf- wertung, nach denen nur Zahlungen, die vor dem 15. Juni 1922 ohne Vorbehalt angenommen wurden, zum Nennbetrag, spätere Zahlungen dagegen zum Goldmarkbetrag anzurechnen sind. Erwäh- nenswert ist die Mitteilung eines Vertreters des preußischen Mi- nisleriums des Innern, daß neben den schon seither gewährten Aus- Zahlungen an ältere bedürftige Sparer ein Drittel aller aufgewerteten Sparguthaben 193 0 fällig wird. Weitere sozialdemokratische Anträge, die vom Abgeordneten Dr. Leber begründet wurden, zielen daraus ab, daß Einlagen bei Sparkassenobteiiungen von Banken oder bei privaten Sparkassen, die nicht unter Aufsicht stehen, daß serner Bankguthaben, die mit mindestens lechsmonatlichcr Kündigungsfrist angelegt waren, mit mindestens 12)4 Proz. aufgewertet werden. Da die Vertreter der Regierungsparteien sich zu diesen Anträgen wieder nicht schlüssig machen konnten, beschlossen sie, für die nächste Sitzung noch einmal den Rcichswirtschaftsminister und den Reichsbankpräsidenten«inzu- laden. Mit Bezug auf die Aufwertung der Hypothekenpfand- b r i e f e wurde beschlossen, einen Unterausschuß einzusetzen, der prüfen soll, ob der gesetzliche Verwaltungskostenbeitrag von 8 Proz. an die Hypothekenbanken für die Erledigung der Aufwertungs- geschäfte nicht z u h o ch ist. „Zlorian Geyers" Schicksale. Thealergeschichtliche Erinnerungen. LeopoldIeßners grandiose Inszenierung des„Florian Geyer" von G e r h a r t Hauptmann riß gestern im Staat- l i ch e n Schauspielhaus das Publikum zu begeisterten Kund- gedungen für den anwesenden Dichter hin. Als der Dorhany�nach dem ersten Akt gefallen war, entstand zunächst andächtige Stille. Dann setzte ungeheurer Jubel ein. Da gab es niemanden, den nicht die historische Tragödie des Bauernkrieges gepackt hätte, als hon- delte es sich um das eigene Schicksal. Wir fühlten, die Sache der Bauern, die um ihre Freiheit kämpfen, ist auch unsere Sache, der aufrechte Ritter Florian Geyer, der an der deutschen Zwietracht zugrunde geht, und die erwähnte Freiheit mit ins Grab niinmt, ist auch unser cheld. Stehend grüßte die ergriffene Zufchauerschar zur Loge des Dichters hinauf und dankte ihin für ein Drama, dessen Zeitlosigkeit sich eben erwiesen hatte. Wie mag Gerhart Hauptmann gestern.zumute gewesen sein? Als der„Florion Geyer" vor einem Menschenalter im Brahmschen Deutschen Theater seine Uraufführung erlebte, wurde er mit Miß- gunst verfolgt und begeifert. Obwohl man'sich mit dem Naturalis- mus im Drama fast at-gefunden hatte, las man damals in den Zei- tungen diese gehässigen Meinungen:„Die vollzählig versammelte Gemeinde des Dichters klatschte wütend Beifall, tobte jeden Versuch der Opposition mit brutaler Enengie nieder und brüllte ihren Meister mit bewundernswürdiger Lungerckrast vor den Vorhang. Schließ- lich änderte sich das Bild doch ein wenig. Durch den Uebermut der Beifallspendec gereizt, erstark:« der Widerspruch von Szene zu Szene und artete mitten im letzten Akt zu einem wüsten Skandal aus, der an die schlimmsten Tage der„Freien Bühne" erinnerte. Daß Herr Hauptmann trotzdem auch am Schluß unter grellem Zischen und wütendem Beifall wiederholt erschien, bedarf wohl seiner Selbst- erkenntnis und Bescheidenheit gegenüber kaum der Erwähnung... E i n Abend„Florian Geyer"' wiegt an Langweiligkeit niindestens drei der durchgefallensten Absndfüller aus... Hauptmann ist ein Mann von schrankenlosein Ehrgeiz. Er will in der Lite- ratur nicht nur herrschen, sondern allein herrschen» er will vor ollem dem Publikum beweisen, daß mit ihm -ine ganz neue Epoche der Dramatik beginnt... Sein ganzes Schaffen ist nicht das Werk eines unzähmbaren künstlerischen Re- volutivnstriebes, sondern einer kühlen, überlegenden Ehrsucht. Das vier Akte lang durch Raffeln und Brüllen mißhandelte Publikum machte sich in stürmischen Schlußrufcn Luft."„Gerhart Hauptmann lönnt« einer unserer besten Lustspieldichter sein, da er zum deutschen Shakespeare werden wollte, hat ihm die Kraft versagt." Was da dem Dichter für kleinliche Vorwürfe gemacht wurden! Indem er im„Florion Geyer" geschichtstreu den Götz von Bsrlichingen als einen kleinen, verschlagenen Gauner von Ritter zeichnete, setzte er den großen Goethe herab. Die brutale Szene des fünften Aktes, in der gefangene Dauern von einer betrunkenen Ritterschaft un- menschlich mißhandelt werden, überschreite die Grenzen natura- listischer Schilderung. Schon am ersten Tage nach der Uraufführung oersandte denn auch das Bureau des Deutschen Theaters folgende Notiz an die Presse:„Florian Geyer" ist bei seiner ersten Wieder- holung am Sonntag in wesentlich verkürzter Gestalt vor das Publi- kum getreten. Das Vorspiel wurde sortgelassen, die Nachtszene im letzten Aufzug, da das entfesselte Junkertum auf die gefangenen Bauern eindringt, wurde auch am Sonntag von einem starken Msinungskampf bei offener Szene begleitet." Aber auch diese Maß- nähme Brahms genügte nicht, und nach wenigen Ausführungen wurde der Florian Geyer vom' Spielplan abgesetzt. Brnhm hatte ein feineres.Kunstgefühl als feine Zeitgenossen. Er brockte den Mut auf. acht Jahre später im Lessingtheater Hauptmanns Bauern- tragödie„in gekürzter Form" noch einmal dem Berliner Publikum anzubieten. Was damals— vor mehr als 20 Iahren— die Presse berichtet, kann auch für den gestrigen Abend gelten:„Im Lessing- theoter hat Gerhart Hauptmanns Historiendichtung„Florinn Geyer" eine einmütig zustimmende jubelnd« Ausnahme gefunden. Schon nach dem ersten Att bereitet das Publikum dem Dichter eine herz. liche langanhaltende Huldigung und wiederholt mußte Hauptmann im Laufe des Abends sich vor der Gardine zeigen." Ein Kübel voll Gehässigkeit hat sich über Hauptmann und Jeßner schon vor der gestrigen Aufführung ergossen. Alle Anfein- düngen hat aber der gestrige Abend erstickt. Jeßner bringt auch an dieser Dichtung des Mitleids entschiedene Kürzungen an, aber er läßt sich nicht verleiten, mit dem wandelbaren Pubiikumsgeschmack Kam- promisse zu schließen. Das Wesentliche, die Atmosphäre einer fernen und doch so wirklichkeitsnahen Zeit, bleibt so, wie er das Werk auffaßt, erhalten. Der erste Akt ist von erschütternder Ein- dringlichteit und Wucht und der kvaftvvllste von allen. Hier tritt uns Walter Franck am unmittelbarsten als sieghafter Feldhauvt- mann und unbetümmert verheihungsfroher Befreier entgegen. Ich stelle mir zwar einen Florian Geyer hünenhafter und blonder vor, als es die düstere und verhaltene Innerlichkeit des Walter Franck gestattet. Und doch greift dieser Darsteller in der allmählich wachsen. den Verzweiflung ebenso ans Herz wie in der sorglosen Fröhlichkeit. In Ießners Inszenierung gibt es keine Szene, die nicht blutvolles Leben atmete, keinen Schauspieler, der nicht so, wie er spielt, Er- leben gestaltete. Erwin Faber als Löfselholz, Ferdinand Hart als Grumbach, Fritz Volk als Tellermann und die rührende Ruth Hellberg als Soldatenliebchen Morel runden die Aufführung zu dem schönsten Abend, den das historische Schau- spiel in den letzten Iahren geschenkt hat. Immer wieder muhten Hauptmann, Jeßner, Franck vor die Rampe treten. _ Ernst D e g n e r. Sommertemperatur auf üen Sühnen. Nach dem alten Theatergesetz, daß, wenn sommerliches Wetter die Körper erhitzt, der Geist der Theaterbesucher möglichst kühl zu halten ist, wurde in der Nachtvorstellung im Theater am Kurfür st endamm verfahren. Lhermanns„Junge Generation" spielte zwei Einakter. Zuerst Karl Schnogs und Hans Reimanns nette Parodie eines Dorkriegsfamilien- stückes„M inna Prießnitz" oder„W aldesglück und späte Sühne". Durch ausgiebige Kürzungen würde die kleine Szene, die allerdings besser in den Rahmen eines Kabaretts gepaßt hätte, noch erheblich gewonnen haben. Doch auch fo freute man sich angenehm temperiert— die allzu stürmischen Lacher und Beifalls- kla'tfcher gehörten wohl einem Freundeskreise an— des Wertchens und seiner lustigen Darstellung durch Heinrich Schnitzlcr, Hans Marland, Raoul Long.«, Erika Nymgau, A r t u r A u b e r l e. Im Anschluß daran sah man Strindbergs „Spiel mit dem Feuer" im gleichen Stil wie die erste Szene aufgemacht: S e n t a S ö n e l a n d als die hysterische Frau Kerstine, Bruno Kastner, der Schöne, unwiedertennlich als Wildling und Reurotiker Knut, Artur Auberle als entzückend dümmlicher Freund Axel, Paul Ceblin und Ina Rudolph als das echt Strindbergfche Elternpoar. Diese Parodie ohne Text- Veränderung hätte, ollein genommen, reckt lustig wirken können. Zwei Nachtstunden aber mit solchen unzugefpitzten Heiterkeiten dürsten für die meisten Theaterbesucher zu wenig ermunternd sein. Man kriegte das Gähnen ohne böfe Absicht. Das Refidcnztheater macht Sommer mit Rudolf Lothars„neubearbeitetem" Lustspiel„Die schöne Melusine". Bon einer wesentlichen Neubearbeitung merkt allerdings der Theaterbesucher nichts. Noch immer muß auf die Frage, aus welchem Grunde der Mann sich im zweiten Akt plötzlich von der geliebten Frau abwendet, die einzig mögliche Antwort stehen: wegen des dritten Aktes. Der dritte Akt bleibt also weiterhin überflüssig. Im übrigen präsentiert sich die„schöne Melusine", die einst im Kleinen Theater im Zustande einer Wassernixe von einem Wandschirm diskret aufgenommen wurde, diesmal auf einem mit der Lehne den Zu- schauern zugekehrten Sessel, der sie keusch wie ein Schwimmtrikot bekleidet. Maria W e st als Briesträgerstochter Anna Plüschke und reiche, verliebte Elsie Morbach zeigt sich in dieser Rolle sehr anmutig. Auch sonst wird flott gespielt. Hans Lüp schütz als Briefträger Plüschke, Martin Kettner als Kunstmäcen Marbach seien genannt. Nur Olaf S t o r m in der Hauptrolle als ehefeindlicher Bildhauer Peter Wolfs, der schließlich von der rafsmier- ten Elsi« Marbach geheiratet wird, ist ebenso unmöglich wie das Bühnenbild. Der dafür Verantwortliche— seinen Namen verschweigt der Theaterzettel— sollte sich doch einmal ein richtiges Bildhoueratelier ansehen. T e s. Trlanon-Thcater:„Dodo". Der Textdichter Oskar Felix und der Komponist Kurt Z o r l i g sind trotz des jungen Mais schon hochsommerlich ausgedörrt. Die Afrikageschichte, die sie für ihren musikalischen Schwant mit berlinischem Grips und vielfältig gepumpter Tanzmusik versehen, ist reichlich abgebraucht. Aber es spielen in dieser Operette ganz famose Künstler, die sich bewunderungs- würdig um das Rettungswert bemühen. Der Komiker Paul eblin, Alice Torning. Edith v. Aghy, Ehrhardt ardt, Gustav Willfahn, andere noch und ein Quartett von wilden und waschechten Negern, sind auf das Drolligste dressiert. Der Unsinn wird so erträglich, daß man beinahe vergißt, einem höchst mißlungenen Schwank- und Musikwerk zugehört zu haben. M. H. Die Deutsche Kunstgemcinschafl setzt ihre gemeinnützigen Aus- stellungen im Schloß sort. Die siebente Schau, die ungefähr das Schema für alle künftigen darstellen soll, enthüll: eine lande- mannschaftliche Sondergruppe(badische und hessische Künstler, unter denen man keine so interessanten und wichtigen Erscheinungen antrifft wie bei den Ostpreußen), den der Land- schastsmalerei gewidmeten Hauptteil und neben einer all- Der Sranöstister im Potsdamer Landgericht. Racheakt eines Heizers? Bekanntlich wurde die Stadt Potsdam in letzter Zeit durch drei eigenartige Fälle von Brandstiftungen im Landgericht in Aufregung versetzt. Legt glaubt man den Täter in der Person des Heizers Reinhold Martin, der im Landgericht beschäftigt ist und dort auch wohnte, gesoszt zu haben. Die letzt« Brandlegung ereignete sich am Sonnabend vor acht Tagen. Wieder wurde alles aufgeboten, um endlich eine Aufklärung herbeizusithren, nachdem die Nachforschungen in den beiden ersten Fällen erfolglos geblieben waren. Zweimal hatte es in einem langen K e l l e r g a n g e in der Nähe des Heizkellers gebrannt, dos letztemal in diesem selbst oder genauer in einem Nebenraum, der mit zum Heizraum gehört und nur durch eine Tür von diesem aus zugänglich ist. hier liegen ständig große Holzkloben und Kohlen. Am Brand- Herd fand nun Kriminalkommissar Braschwitz vom Berliner Polizei- Präsidium an dem der Tür entgegengesetzten Ende einen kleinen Wogen init zurechtgeschnittenem Kleinholz. Von dem Kleinholz war nur noch ein Rest vorhanden. In der Asch« be- fand sich verkohltes Seegras und neben dem Brandherd auch noch ein wenig nicht verbranntes Seegras. Jetzt wurde überall in den Wohnungen und in den Mülleimern nachgeforscht, und nur in der Wohnung des Heizers Martin fand man wieder S e e g r ä s. Es hat nach den Untersuchungen des Sachverständigen Pr»s. Dr. Brüning die gleich« Struktur wie das am Brandherd ge- fundenc. Jetzt wurde Martin zur Rede gestellt und verwickelte sich in Widersprüche. Die weiteren Ermittlungen ergaben, daß er den Auftrag gehobt hatte, an jenem Sonnabend die Feuerlöschhydrantcn auf dem Boden des Gebäudes nachzusehen. Zu diesem Zwecke hotte er den Heizkeller gegen Mittag verlassen und war fünf Mnuten abwesend gewesen. Gerode während dieser kurzen Zeit entstand das Feuer. Ein fremder Brandstifter kann hiernach kaum in Betracht kommen. Er hätte unmöglich in der kurzen Zeit aus der Wohnung des Heizers das Kleinholz, das Seegras und eine Spiritusslaiche, die Martin gehört und ebenfalls im Keller gefunden wurde, herbeiholen und das Feuer dann noch anlegen können, ohne von dem Heizer überPscht zu werden. Trotz dieser sehr schwerwiegenden Verdachts- Momente leugnet Martin. Das Rlolio kann, wie die weiteren Feststellungen ergaben, nur der haß des Heizers auf den Leiter der Kantine sein, die in den der Heizung gegenüberliegenden Kellerräumen betrieben wird. Mit diesem Kantinenwirt lebt Martin schon jahrelang in Feindschaft. Er hat ihn wiederholt fälschlich verschiedener Ungehörigkeiten be- schuldigt. So behauptet er, daß die Beamten des Gerichts an den Tagen der Gehaltszahlung jedesmal in der Kantine Zechereien veranstalteten und Unfug trieben. Dabei seien auch die Brände ent- standen. Alles das ist früher schon widerlegt worden. Trotz Moh- nung durch den Präsidenten hörte dieses Treiben nicht auf. Jetzt liefen ständig anonyme Anzeigen ein. Der haß des Mannes scheint geradezu krankhaft zu sein. Fingerabdrucke, die an der Spiritus- slasche gesunden wurden, sind ziemlich undeutlich. Sie werden heute dem Erkennungsdienst des Polizeipräsidiums zu genauer Unter- suchung übermittelt werden. Martin wird auf Grund eines Haft- befehls dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Nowüps vom Hakenkreuz. Tie gestrigen Slnsschreitungen am Kurfiirftendamm. Zu den Vorgängen am Kurfürstendamm, über die wir bereits iin Morgenblatt berichteten, wird noch folgendes mitgeteilt: Etwa lOO hakenkreuzlcr machten gestern Abend den Kurfürstendamm vor- nehmlich zwischen der Bl eibtreu- und Uhlandstraße un- sicher und pöbelten die Vorübergehenden in dem sattsam bekannten nationalistischen Rowdyton an. Als sich einige Straßenpassanten die Belästigungen verbaten, fielen die Rowdys über sie her. Schließlich entspann sich eine regelrechte Schlägerei. Zum Glück war die Polizei schon in kurzer Zeit zur Stelle, so daß größere Aus- schreitungen verhindert werden konnten. Insgesamt wurden 21 Personen, darunter eine Frau, verhaftet und der Abteilung la im Polizeipräsidium zugeführt. Bei den Festge- nommenen wurden mehrere Waffen und zahlreiche handgroße Steine vorgefunden. Die Verhafteten, die einem eingehenden Verhör unterzogen wurden, werden wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Tages aus der Haft entlassen. Während bei einem Teil der Eingelieferten ihre Zugehörigkeit zur National- sozialistischen Partei zweiselsfrei festgestellt werden konnte, behaupten einige, die mit in dem nationalistischen Haufen mar- schierten, parteilos zu fein.— Die Zusammenstöße am gestrigen Abend gaben der Polizei Veranlassung, am Kurfürstendamm und in den Nebenstraßen einen verstärkten Straßendienst einzurichten. Zahlreiche Kraft- und Radfahrerpatrouillcn durchstreiften während der ganzen Nacht die Gegend. * In der Nehringstraße ,zu Eharlottenburg wurde gestern nacht gegen IvZ Nhr ein Kommunist, der Plakate an die Häuser- fronten klebte, von einem Polizeibeamtcn festgenommen. Auf dem Wege zur Wache versetzte der Verhaftete, ein 23iöhriger Bureau- böte G. aus" der Nehringstraße, dem Beamten einen Stoß und suchte zu flüchten. Als G. auf die Halterufe des Beamten nicht stehen blieb, gab dieser einen Warnunysschuß ab. Der Beamte sah, wie G. beim Lausen plötzlich in seine Tasche griff und dadurch den An- schein erweckte, als ob er eine Pistole ziehen wollte. Der Beamte feuerte nun einen weiteren� Schuß auf den Flüchtenden ab. Die Kugel drang G. in das Gesäß. Der Verletzte flüchtete in ein Nestau- rant in der Scharrcnstraße, wo er von dem Polizeibeamtcn gestellt werden konnte. E. mußte in das Westend-Krankenhaus gebracht werden. Oer Aufmarsch See Stahlhelmer. hunderttausend Stahlhclmer sind uns angekündigt worden. Aber die prahlerischen Prophezeiungen sind nicht eingetroffen. Fast überall bemerkt man, daß die Sonderzüge aus der Provinz viel weniger„Gäste" bringen, als mau angemeldet hat. Hot vielleicht das Geld der Schwerindustrie und des Großgrundbesitzes doch nicht gelangt? heute morgen um 8 Uhr sollten zum Beispiel in Friedrichshagen 2600 Mann aus Schlesien einpajsiercn. Ganze 700 bis 800 Mann waren gekommen! Und der d,5g Uhr am Bahnhof Lichtenberg fällige Sonderzug, der 000 Mann aus der Grenzmark bringen sollte, ist aus unbekannten Gründen überhaupt nicht gefahren! Die Bevölkerung Groß-Berlms zeigt überall den Stahlhelmern die kalte Schulter. Auch der schwarzweißrote Flaggenschmuck ist sehr kümmerlich._ Nächtlicher Kampf mit einem Einbrecher. Große Aufregung gab es in der vergangenen Nacht in dem Hause Kastanienallce S7. hier hatten Einbrecher schon vier- mal die Möbelhandlung von N o s i n heimgesucht und Teppiche und dergleichen gestohlen. Als der Geschäftsmann in der vergangenen Nacht um 2� Uhr heimkehrte, ging er deshalb noch einmal durch den Laden. In der Dunkelheit nahm er nichts Verdächtiges wahr, bis er über Teppiche, die am Boden lagen, stolperte. Jetzt sah er genauer nach, stellte fest, daß mehrere Teppiche und Plüschdecken zusammengelegt worden waren und fand vor einem Sofa einen Mann lang ausgestreckt aus dem Fußboden liegen. Weil er leine Waffe bei sich hatte, so ging er nach hinten und holte sich eine Latte. Unterdessen hatte sich der Mann ausgerichtet und empfing ihn mit dem Rufe:..halt! oder ich schieße!" Rosin ließ sich aber nicht einschüchtern und drang auf den Fremden, der, wie sich ergab, auch keine Waffe, sondern nur einen Schlüssel in der Hand hatte,«in. Der Einbrecher versuchte jetzt, durch die Schaufensterscheibe hindurch gemeinen Abteilung(Aquarelle) die B i l d n i s a u s st e l l u n g. Man wird sich erinnern, daß im vorigen herbst eine Porträtschau veranstaltet war, mit dem bestimmten Zweck, für einen Ersatz der Photographie-durch das Künstlerbildnis in weitestcn Kreisen zu werben. Die jetzt ausgestellten Werke stellen die Frucht dieser Unternehmung dar: Oelgemälde wie graphisch« Porträts meist poli- tischer Führer, von guten Malern, auf Anregung vor allem von Staatssekretär Schulz bestellt. Reichskanzler Marx, von I ä ck e l lehr gut radiert, und ein anmutiges Bild van Mutter und Kind (Jma BreuslNg) bedeuten wohl künstlerisch das beste. Jnter- cssantcr sind die Bestellungen mehrerer Parteiführer, gleichzeitig in Oclbild wie in einer für große Auslagen berechneten graphischen Technik: L e i p a r t, von M i e h e, und M o l k e n b u h r, von honigberger gemalt. Die lebensgroßen Oelbildnisse, in Kniehöhe, sind für die Oesfentlichkeit bestimmt, die Lithos und Radie- rangen der Köpf« sollen in Hunderten von Exemplaren an die Parteibureaus und Gewerkschaften in der Provinz gehen und wiederum zu ähnlichen Unternehmungen von künstlerischem Eha- rakier anregen. Aus der Landschastcnschau kann nur weniges erwähnenswert genannt werden: Karl h o f er vor allem („Drücke") und„Neuruppiner See" von B a t o; Impressionismen von Licht, Andersen, Ulrich hübner, Kayser-Eich- b e r g. Die von vielen Ausstellungen des Som.mers bedrängten Künstler haben sich nicht sonderlich angestrengt.'— Das Erquicklichste ist wieder einmal ein Raum mit Aquarellen, einer Technik, in der auch Künstler von gerinqerein Format Ausgezeich- nctes leisten. Es sind auch hier Landschafter. Aber die kleineren Arbeiten der Meseck, honigberger, Sophie Wolfs, Dettmonn. Bredereck, Oskar Moll, Henne, Elisa- b« t h Korn übertreffen mit der schönen oder zarten Farbigkeit ihrer Aquarelle bei weitem die ausgestellten Oelgemälde. _ Dr. Paul F. Schmidt. ErstauffSbruagen der Dache. VIenetog. Kammerspiele:„DaS Land fcer Treue". TbeatcrinderKlosterltrab«:„Alt Berlin".— Sonnabend. DaitSbübne:>Em commtvnachtättaum*. Städtisch e Oper:.Der Jahrmarkt von Soratschintzi". Arania-vortrSge. Mont. bis Sannt(5):.TO n n n a, der Sahn d e r S 0 d s e e"— Mant. b!S Sonnt.(7, S)-.«alt, das Wunder. I a n d".— Mittw.(S):.Im Reiche de« Königs dir Könige". Der Denlsch« Derkbund läßt aus der Stuttgarter AuZsi-llung diese« Sommer«, die unter dem Titel.Die Wodnung" vom Juli bi« September staltiüidet. von 17 der besten modernen Baiikünstlcr Europa« vollständige Wobmmgen der Siedlung einrichten.� Einige Architeklen wäblten dafür die jetzt schon im Handel befindlichen scrienmöbel, andere fertigten Muster ür neue« Typenmobilar. Ein Znktttul sür physico-chemische Biologie. Bei der Parilcr Akademie der Wissenichasten wird jetzt ein neue« Institut errichtet, jür da« Edmond ie Rothichild 30 Millionen Franken gestiftet bat. Das neue pbhfico-chemilche Institut für Biologie bat die Aufgabe, die chemischen Er- tcheinungen bei den Lebensvorgängen zu untersuchen und botondei» eine bessere Kenntnis dieler Vorgänge im menschlichen Körper herbeizusühren. Die Slletle Zeitung der Delt eingegangen. Den.Rauvelle« Sitteralre«" zusolge mutzte die chinesische Zeitung.Tichmg Paw" ihr Ertcheinen einstellen, da sie infolge der unausbörlichen Unruhen im Reich der Mitte nicht mebr in der Sage ist, ihren Betrieb aujrcchtzuerhallen. Da« Blatt soll sechs- hundert. Jahre bestehen, dürfte somit die älteste Zütimg der Seit sein. zu entkommen. Der Geschäftsinhaber drängt« ihn aber ab nach hinten zu. Dabei kam es zu einen, schweren Ringkampf. Als Rosin die Hintertür öffnen wollte, um Hilfe herbeizurufen, entsprang d«r Einbrecher durch ein Hoffenster, und verschwand zunächst. Der Lärm weckte die Hausbewohner und viele kamen herbei, um mit dem tleberfallkommando alles abzusuchen. Unter diese Leute mischte sich auch der Einbrecher und half eifrig suchen. Nach dem Ueberfallkommondo kamen noch drei Beamte vom 17. Revier, die die Na-Hforschungen wieder aufnahmen, nachdem sich das Haus beruhigt hatte. Sie fanden den Einbrecher auf der Treppe. Er markierte jetzt d-n Betrunkenen und klingelte an einer Wohnung, um die Leute um Einlaß zu bitten. Di« Beamten nahmen ihn fest und brachten ihn nach der Wache. Er legte Papiere auf den Namen eines 22 Jahre alten Bäckergesellen Willy B o b s e r vor, der von verschiedenen Behörden steckbrieflich gesucht wird. Allem Anscheine nach ist der Ertavte aber ein Mann, dessen Personalien noch festgestellt werden müssen. Die verlorenen Kautionssummen. Der Zsall �rancke. Der Polizeipräsident teilt mit: „Bei Erörterung eines Falles, in dem frühere Polizcibeamte um abgelaufene Kautionssummen gebracht worden sind, ist in einem Teil der Presse die Angelegenheit in einer Weise behandelt worden, die den Anschein erwecken könnte, als ob das Polizeipräsidium den ausgeschiedenen Beamten die genannte Firma besonders empfohlen hätte. Das ist in Wirklichkeit nicht der Fall. Im übrigen ist zu der Angelegenheit folgendes zu sagen: Die Abteilung III des Polizei- Präsidiums kann Kapitalabfindungen an ausscheidende Polizeibeamte an Stelle lausender Gebührnisse nur dann bewilligen, wenn der Kapitalbetrag, der den Beamten die Gründling einer Existenz er- möglichen soll, einigerniaßen sichergestellt ist. So hat sie im ganzen in drei Fällen Beamten, die bei Francke eine Anstellung wünschten, die Kopitalabfindung bewilligt, unter der Bedingung, daß die Be- träge(in höhe von etwa lOtt) bis 3000 M.), die als Kaution dienen sollten, auf ein Bankkonto eingezahlt würden, über das Francke nur gemeinsam mit den Beamten verfügen konnte. Schied letzterer aus dem Unternehmen aus, so sollte das Geld an den Fiskus zurückfallen. Die Beamten mußten in allen Fällen nachweisen, daß sie die ge- nannten Bedingungen erfüllt hatten. Ein« besondere Bevorzugung oder Empfehlung Franckes, über den nichts Nachteiliges bei der Polizei bekannt rvar, ist vom Polizeipräsidium niemals erfolgt. Die Abteilung III des Polizeipräsidiums hat im Gegenteil selbst, als einer der Beamten den erwähnten Nachweis nicht erbringen konnte und dadurch der Verdacht des Betruges gegen Francke auftaucht«, sofort«ine Anzeige bei der Kriminalpolizei erstattet und so dos Strafverfahren in Gang gebracht. Die übrigen ge- schädigten Beamten sind entweder. Reichswehrongehörigc oder solche frühere Schutzpolizeibeomte, die'das eingezahlte Geld für einen anderen Zweck vom Polizeipräsidium erholten hatten, es dann aber entgegen ihren Versicherungen und den beigebracht?» Unterlagen an Francke gegeben hatten." Vom AllgemeinenPrcußisckenPolizeibeamten- verband wird uns zu der Angelegenheit geschrieben: „Der„Reichsoerband der Polizeibeamien Deutschlands" war ein mehr als verunglücktes Gebilde und hatte nur einig« Monat« in den Jahren 1922/23" bestanden. Der Dr. Francke, der vom Schräder- Verband ausgeschifft wurde, hotte es verstanden, hier den General- sekretärposten zu erhalten. Nach Auslösung des Reichsverbandes war Dr. Francke eine Zeitlang von der Bildfläche verschwunden, um später dann wieder mit der von ihm begründeten„Deutschen Handelsauskunftei" auf der Bildfläche zu erscheinen. Auch diese Gründung half ihm keineswegs über seine finanziellen Schwierigkeiten und er glaubte nun, sich auf die unwissenden ausscheidenden Polizei- beamten und Wehnnachtsangehörigen stürzen zu können. Unter der Firma„Dr. Gotthard Francke u. Eie." rief er die„Interessenver- tretung für Dersorgungsanwärter der Polizei und Wehrmacht" ins Leben und wies darauf hin. daß der Syndikus dieser Firma der Dr. G. Francke, ehemaliger Generalsekretär des Reichsverbandes tvr Polizeibeamten Deutschlands, ist. Um die in Frag« kommenden Beamten recht sicher zu machen, wurde von Ihm und mehreren seiner Mitarbeiter im Januar d. I. der„Wirtschaftsverband für ausscheidend« V« r s o r g u n a s a n»ä r t« r" gegründet. Besonders bemerkenswert ist es, daß in dem Programmentwurf u. a. gesagt wird,„der Zweck sei Bekämpfung von Schwindelfirmcn, die die Absicht verfolgen, durch unreelle Dernüttlung, die dem Wirt- schastsleben fremd gegenüberstehenden Versorgungsanwärter um ihr Geld, sei es durch Teilhaberschaften, Interesseneinlagen oder Kautionen, zu betrügeen." Unser« Organisation hat die Annäherungs- versuche des Dr. Francke stets energisch abgewiesen und uni über- Haupt die ausscheidenden Polizeibeamien vor unreellen Bermittlun- gen sowie vor Schädigungen, die sich aus diesem Gebiete ergeben könnten, zu bewahren, sebst eine Berufsberatung eingerichtet. Rur solche praktischen Einrichtungen werden die Beamtenschaft vor Schädigungen bewahren.__ Kraneinsturz im Elektrizitätswerk. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute vormittag in dem Städtischen Elektrizitätswerk in der Mauer st r. 80. Aus dem Erweiterungsbau stürzte aus bisher noch un- geklärter Ursache«in Schwenkkran zusammen. Während einige Arbeiter noch rechtzeitig zur Seite springen konnten, wurde der 29jährige Monteur Erwin Moese aus der Haupt- straße zu Reinickendorf unter den schweren Eisenteilen be- graben. Durch die alarmierte Feuerwehr wurde der Lerunglückte, der einen doppelten Schädelbruch und inner« Ler- l e tz u n g e n davongetragen hatte, in die Universitätsklinik in der Ziegclstraße gebracht. Sein Zustand ist hoffnungslos. Die Ermittlungen über die Ursache des Kcancinsturzes sind noch nicht abgeschlossen.., Eine Anfrage im Lonütag. Die weltliche Schule im Bezirk Prenzlauer Berg. Die Schwierigkeiten, die das preußische Ministerium sür Wissenschaft, Kunst und Volksbildung der Eröffnung der weltlichen Schule im Bezirk Prenzlauer Berg be- reitet hatte, haben den Landtagsabgeordnsten Genossen Z a ch e r t Vcranlasiung zu folgender Kleinen Anfrage gegeben: Im Bezirk Prenzlauer Berg ist nach Erfüllung aller Bedin- gungen eine Sammelschul« errichtet worden. Die Eltern der be- teiligtcn Kinder, die Scbuldeputation und das Prooinzialschulkollegium wollten hierfür das Schulgebäud« in der Senefelderstrahe haben und die genannten zuständigen Instanzen hatten so beschlossen. Kurz vor der Ein- und Umschulung hat aber das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung selbstherrlich das Schulgebäude in der D o n z i g« r Straße hierzu bestimmt. Das hat unter den beteiligten Eltern große Erregung hervorgerufen. Ich frage: 1. Billigt das Staatsministerium das eigenmächtige Verholten des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volts- bildung? 2. Wird das Ministerium Veranlassung nehmen, dem Willen der zuständigen Instanzen der Selb st Verwaltung mehr Beachtung zu geben? Zu den Verfehlungen zweier Vlagislralsräte teilt das B e- zirtsamt Kreuzberg mit: Es ist richtig, daß auf Veranlassung des Bezirksamtes ein Disziplinar- und Strafverfahren gegen zwei früher beim Wohnungsamt Kreuzberg beschäftigte Magi- stratsräte anhängig gemocht wurde Das Bersahren gegen den einen Magistratsrat, dos zu umfangreichen Ermittlungen Anlaß gegeben bat, ist aber bereits feit etwa zwei Iahren anhängig. Die zugrunde liegenden Vorgänge, die zum verfahren geführt haben, liegen bereits mebrere Jahre zurück. Das Verfahren gegen den zweiten Magistratsrat, das u. a. Unreget- Mäßigkeiten in der Verausgabung der weißen Ausweiskarten für Kraßwohnungen zum Gegem'tande Hot, ist gleichfalls bereits seit über einem halben Jahr in der Schwebe. Da es sich um anhängige Verfahren handelt, kann von der Verwaltung zu den erhobenen Beschuldigungen keine Stellung in der Oessentlichkcit oenommen werden. Die Klärung muß vielmehr den mit der endgültigen Ent- scheidunq befaßten Gerichten überlassen bleiben. In der zweiten Sache ist das Strafverfahren bereits bis zur Ansetzung der Haupt- Verhandlung gediehen, die noch i» diesem Monat vor dem Amts- gericht Berlin-Mitte stattfinden wird. Der Gesangverein österreichischer Eisenbohnbeamten, der Diens- tag, den 10. d. M., aus drei Tage zum Desuch des Berliner Sänger- Vereins und des Berliner Sängerbundes eintrifft, veranstaltet am Ankunftstage in der Philharmonie ein großes Konzert. Die Sänger- schar, aus höheren Beamten bestehend, steht unter der Stabführung ihres Ehonneisters Prof. Karl F ü h r i ch auf hoher künstlerischer Stufe und steht in Wien mit an führender Stelle. Die Sopranistin Luise helletsgruber von der Staatsoper Wien begleitet den Ehor. Die Wiener werden einen österreichischen Komvonistenabend veranstalten und Cböre von Bruckner, Jos. Reiter, Karl Führich, Weinzierl, hcrbeck, Strauß zu Gehör bringen.— Karten im Barverkauf zu ermäßigten Preisen 0,S0, 1H0, 2,—. 3,— Hl. bei Bote u. Vock, Leipziger Straße. An der Abendkasse erhöhte Preise. Dammbruch bei Natibor. Zugentgleisung infolge deS Hochwassers. Rakibor, 7. Mai.(WTB.) Die S u m m i n a, die infolg« starker Regengüsse kolossal« Wassermengen führte, durchbrach einen Damm. Di« plötzlich hereinbrechenden Fluten unterspülten die Schienen derEisenbahn st recke Rotibo r— K a n d r z i n, der Hauptstrecke Breslau— Wien. Zufolge der Unlerspülung ent- gleisten fünf wagen eines von Rakibor kommenden Personenzuges. Personen sind hierbei nicht zu Schaden gekommen. Der Sachschoden ist unerheblich. „Prinz" Domela»uter Mordverdacht? Der Mord an dem 16jährigen Willy Schnabel, der seiner Zeit von seinem Posten als Page im Cafe Daterland spurlos verschwand und als Leiche in der Havel wiedergefunden wurde, scheint seiner Aufklärung entgegen zu gehen. Bei ihren Ermitt- lungen kam die Kriminalpolizei auf einen Dekannten des jungen Schnabel, den er bei Lebzeiten mit„Baron K o r f f" bezeichnet hatte. Die Polizei hat weiter ermittelt, daß„Prinz" Domela, der sich, wie erinnerlich, als ein Abkömmling der hohenzollern- familie ausgab und umsangreiche Betrügereien beging, bei seinen Aufenthalt in Berlin sich des Namens eines Barons Korff bedient hatte. Die Polizei versucht nunmehr, die Identität des Domela und des Baron Korff festzustellen. Mit dem letzten Zündholz... Furchtbare Familienverhöttnisse entrollt« die erste Schwur- gerichtsverhandlung vor dem Leitmeritzer Schwurgericht gegen den bereits neunmal vorbestraften Franz Josef Richter aus Johns- darf bei herrnskretschen. Kurz vor Weihnachten war das hölzerne Haus des Richter gänzlich abgebrannt. Die Nachbarn tonnten kaum die schlafenden Bewohner, den alten Großvater, die kranke Großmutter, die jungen Eheleute und deren Kinder retten, da das ganze Haus mit Oualm erfüllt war. Dos Haus war vom Stief- söhne in Brand gesteckt worden aus Rache und Verzweiflung gegen die Stiefmutter. Richtex stellte sich selbst der Polizei. Er habe aus Verzweiflung gehandelt, da sich in seiner manatelangen Kronkbeit niemand um ihn gekümmert Hab«. Er sei elend gewesen und fast verhungert. Mit seinem letzten Zündholze habe«r den Strohsack angezündet und sei sortgczangen. Er er« hielt? Lahre schweren Kerker. Generalstreik öer Streikenden. Kommunistische Pleite. 5ic KPD. Hot sich ungeheuer angestrengt, um der Kundgebung oe° gelben Stohlhalms einen sensationellen Anstrich zu geben. Der» kehrsstreik am 7. und 8. Mai, General st reik am 7. Mai, Gegendemonstration, das waren die Mindest. sorderungcn, die die Handlanger der Münzstraße vorgedruckt aus- gehändigt bekommen und in ollen Gcwerkschasts- und Belcgschafis- Versammlungen vertreten sollten. Soweit verlangt wurde, daß andere streiken oder einen Streik organisieren sollen, gelang es hie und da, diesen in der Druckerei der„Roten Fahne" hergestellten Resolutionen zur An» nähme zu oerhelfen. Aber keine einzige Gewerkschaft hat sich bewegen lassen, für sich und ihr« Mitglieder den Streik zn beschließen, oder auch nur ihre Mitglieder zu einer Gegendemon- stration aufzufordern. Auch die von den Ko-mmunisten be» herrschten Ortsoerwoltungen der Berliner Gewerkschaften machten davon kein« Ausnahme. Es war in früheren Jahren vorgekommen, daß die kommunistischen Gewerkschaftsoorstände derartige Aufrufe er» ließen. Diesmal zeigten auch die kommunistischen Gewerkschaftsangc» stellten und verantwortlichen Ortsverwallungsmitgliedcr der KPD. die kalte Schulter. Aber etwas mußte doch geschehen! Die gelben Stahlhelmer konnten doch unmöglich allein gelassen werden und so vor aller Welt ihre Schwäche und Bedeutungslosigkeit zu Schau tragen. S e l b st einen Streik aufzurufen, dazu fehlt es den Draht- ziehern der KPD. an Mut. Schließlich sind sie auch einsichtig genug, um zu wissen, daß einem solchen Aufruf noch nicht einmal alle eingeschriebenen Mitglieder der KPD. folgen würden. Die KPD. verlangt immer von anderen, vom ADGB., von der Sozialdemokratie, daß sie für die Kommunisten die Kastanien«us dem Feuer holen sollen. Revoluticnär zu scheinen ist viel leichter, als revolutionär zu sein. So zog die KPD. also an der Strippe einer ihrer beliebten Marionetten, dem angeblichen Ausschuß der Obleute der R o t st a n d s a r b e i t e r. In ihrer gestrigen Stummer veröffent- lichte die„Rote Fahne"«inen Aufruf dieses Ausschusses, in dem die aufgelegte Schwindelnachricht verbreitet wurde, daß ein« geheime Urabstimmung unter den Notftandsarbeilern m i t »ehr als Dreiviertelmehrheit für heute den Protest- stveik beschlossen hob«. Gleichzeitig erließ ein« andere Attrappe der KPD., dcr„Prooinzialausschuß der Arbeitslosen", einen Aufruf, diesen Streit durch Strcikpostenstehen„mit aller Macht" zu un:«rstügen. Man kennt zur Genüge die Gewalttätigkeiten gewisser Stoßtrupps der KPD., um anzunehmen, daß angesichts dieser„Unterstützung" wenigstens die bei Notstandsarbeiten be- schäftigren Arbeitslosen der Arbeit fernbleiben würden. Die KPD. hätte also wenigstens hier so etwas wie einen Srreit zuwege ge- bracht, wenn es auch nur ein Streik der Arbeits- losen wäre. Aber selbst hier hat die KPD. einen völligen Zu- sammenbruch erlitten. Wir haben uns auf den verschiedenen Arbeitsplätzen dcr Notstandsarbeiter aus eigener Anschauung über- zeugt, daß überall normal gearbeitet wird. Beiden Planierungsarbeiten in den Rehbergen arbeitel alles. Bei den Arbeiten der Nord-Südbahn am Rosenthaler Platz ist die normale Arbeilerzahl angetreten. Das gleiche gilt von den Arbeiten bei der Schnellbahn Moritzplatz— Ritterstraße, Kottbusser Tor itbd Hermannplatz, vollzählig angetreten sind auch die Notstands- arbeiter im Neuköllner tmd Tempelhofer Boltspark, sowie an der Nord-Südftrecke am Tempelhofer Feld. Nur an einem der zwei Bauplätze am Alexanderplatz fehlten heute früh 30 Mann, während am anderen Bauplatz die Zahl der Arbeiter vollzählig war. Das ist der„Generalstreik" der KPD.! Der Generalstreik der Streikenden. Di« Berliner Arbeiterschaft hat es vorge- zogen, sich an den Weisungen der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften zu halten und die KPD., die von anderen verlangt, was sie selbst nicht tut, mit ihrem hysterischen Geschrei allein zu lassen. Die gelben Stahlhclmer werden zur Ausschmückung ihrer Kundgebung keinen Sukkurs von der Arbeiterschaft erhalten. Ihre Blamage wird fast so groß sein, wie die der KPD. Der Nachwuchs im Gaugewerbe. Mißbräuchliche Lehrlingszüchterei. In Hinsicht auf die zu erwartende starke Bautätigkeit, weiter in Hinsicht aus einen durch den Krieg verursachten Geburtenausfall und somit Ausfall an Arbeitskräften, hatten verschiedene Behörden und wirtschaftliche Bereinigungen des Baugewerbes gefolgert, daß im gesamten Baugewerbe ein empfindlicher Mangel an Fach- a r b e i t e r n eintreten werde. Bon Behörden wurden daher Erlasse und Berordnungen herausgegeben, die einem umfangreichen Eintritt Jugendlicher in das Baugewerbe den Weg bereiteten. Die Unter- nehmer versuchten, durch Einstellung von älteren, bereits in einem anderen Berufe vorgeschulten Lehrlingen, also durch Umschulung, die Zahl der Facharbeiter zu vermehren. Alle diese Bestrebungen haben dahin geführt, daß im Baugewerbe eine Ueberzahl von Lehrlingen vorhanden ist. Die Erhebungen des Deutschen Baugewerksbundes, des Zentral- verbände? der Zimmerer und des Zentralverbandes der Dachdecker ergaben, daß von den Unternehmern im Sommer, wenn die Bau- tötigkeit auflebt, Lehrling« in beliebiger Anzahl eingestellt werden. verringert sich die Bautätigkeit, so werden zunächst die Facharbeiter entlassen und ihnen folgen die Lehrling«. Oft sind aber die Lehr- lintje so zahlreich, daß sie schon bei normaler Bautätigkeit nicht alle gleichzeitig von den Gesellen unterwiesen werden können. Mit jeder weiteren Abnahme der Facharbeiter wird die Ausbildung der Lehr- linge noch vs r s ch l- ch t e r t. Obwohl Lehrherren auf Grund der Lehroerträge, resultierend aus den Bestimmungen der Gewerbeord- nung, verpflichtet sein sollten, die Lehrlinge auch drei Jahre zu be- schSfttgm Wie hoch und damit auszubilden, werden die Lehrling« entlassen. die Lehrlingsarbeitslostgkei: zeitweilig ist, konnte der Deutsche Baugewerksbund aus Grund einer Umfrage seststellen. Diese Umfrage ergab bei einer Berichterstattung aus 258 Orten (Ortsgruppen des Bundes), daß in 229 Orten insgesamt 5808, in 19 Orten alle am Orte vorhandenen Lehrlinge, in einem Ort s a it alle Lehrlinge und in einem weiteren Orte 59 Proz. der Lehrlinge arbeitslos waren. Das Bestreben der Unternehmer geht dahin, möglichst viele Lehrlinge einzustellen, um billige Arbeits- k r a s t e zu haben. 10 bis 20 Lehrlinge und keine oder nur wenige Gesellen sind kein« Seltenheit. Gesichert wird diese Art der Lehrlings- Haltung durch Aufnahme von Bestimmungen in den Lehrvertrag, die es dem Unternehmer ermöglichen, die Lehrlinge zu Handlanger- arbeiten heranzuziehen und sie im Winter bei„mangelnder" Arbeit zu entlassen. Alle diese Mißstände haben den Deutschen Baugewerksbund, den Zentralvsrband der Zimmerer und den Zentralverband der Dach- decker veranlaßt, eine Denkschrift an die Reichsregierung und die Regierungen der Länder zu richten, in der die Forderungen erhoben werden: 1. Di« Berordnungen, soweit sie sich mit der Lehrlings- Haltung im Baugewerbe beschästigen und einer erhöhten Einstellung von Lehrlingen im Baugewerbe das Wort reden, find aufzuheben. 2. Verhältniszahlen von Lehrling zu Gesellen sind für die einzelnen Berufe festzusetzen. Strengere Uebcrwachung der Handwerkskammern und Innungen durch die vorgesetzten Behörden, daß die in der Gewerbeordnung niedergelegten Bestimmungen und das festzulegende Verhältnis von Lehrling zu Gesellen nicht über- schritten wird. Es ist unerläßlich, um einen guten Nochwuchs im Bcku- gewerbe heranzubilden, daß die Forderungen der Bauarbeiterver- bände erfüllt werden.__ TarifwZörigkeiten bei öer Straßenbeleuchtung. Ueberbürdung der Arbeiterschaft. Vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird uns ge- schrieben: In der Abteilung„Oeffentliche Beleuchtung" der Berliner städtischen Gaswerke haben die neuesten technischen Errungenschastcn der letzten Jahre Verwendung gefunden. Die Gewerkschaften und Betriebsräte haben dies« technische Umstellung unterstützt allerdings unter der Boraussetzung, daß dabei mit der Arbeitskrast der Be- schäftigten kein Raubbau getrieben wird. Der Leiter der Ab- teilung, Oberingenieur Bruck, oertritt«inen vollständig e n t- gegengesetz'ten Standpunkt. Dafür einige Beispiele: Im Oktober 1926 wurde eine Einigung beider Parteien darüber erzielt, daß die von einem Wärter zu bedienende und instand zu haltende Zahl der Straßenlaternen aus 182 in, Durchschnitt fest- gesetzt wird. Dabei muß berücksichtigt werden, daß diese Arbeit an sieben Tagen verrichtet werden muß. Da aber nur sechs Tage be- zahlt werden, ergibt sich, daß das Revier an dem freien Tage des Arbeiters von einen, anderen Kollegen mit versorgt werden muß. Dadurch erhöht sich die Zahl der zu bedienenden Laternen auf 200 bis 210. Diese Arbeitsleistung innerhalb acht Stunden kann nur von einem geschickten und befähigten Arbeiter verrichtet werden. Im Winter, während der Grippeepidemi«, wo 39 von etwa 350 Slrbeitcrn wegen Krankheit feiern mußten, verlangte Herr Bruck, daß die übrig bleibenden Arbeiter die Reviere der 39 erkrankten Kollegen mit bedienen sollten. Als ober die Epidemie überwunden und die normale Krankenziffer wieder erreicht war, sollte das Pensum, das während der Erkranlnng der Arbeiter geleistet werden mußte, auch für die normale Zeit bestehen bleiben. Darüber hinaus sollten während dcr Urlaubszeit außerdem noch die Reviere der beurlaubten Arbeiter von den zurückbleibenden bedient werden. Das bedeutet also, daß die, die ihren tariflichen Urlaub genießen wollen, erst lange Zeit vorher das doppelte Arbeitspensum ver- richten müssen und daß das Pensum auf 300 Laternen und mehr bei achtstündiger Beschäftigung getrieben werden soll. Zu ollem Ueberfluß läuft der Oberingenieur bei den einzelnen Arbeitern noch herum, um ihnen Arbeit aufzuhalsen, die mit der Tätigkeit des Laternenarbeiters absolut nichts zu tun hat, wie z. B. das Auswechseln der Zünder. Es ist selbstverständlich, daß bei solcher Arbeit sämtliche Unfall- verhütungsvorschristen außer ach« gelassen werden müssen. Das Tollst« dabei ist, daß Herr Bruck diese Anordnungen bei Beschwerden nicht selbst verantwortet sondern einfach erklären läßt, daß die B c- triebsoertretung die Schuld dafür trage, wenn Aushilfs- kräfte nicht eingestellt werden. Hier ist wohl die Frage an die Direktion der Berliner städtischen Gaswerke A.-G. berechtigt, ob sie Herrn Oberingenieur Bruck zu solchem Borgehen veronlaßt hat oder ob sie diese Maßnahmen billigt. Die Arbeiterschaft wird durch solche sinnlosen Anordnungen gezwungen, sich zu wehren und zur Selbsthilfe zu schreiten. Reorganisation im IGö. Extrabeiträge für drei Jahre beantragt. (I(7B.) Die jüngste Dorstandssitzung des IGB. hat unter an- derem folgende Beschlüsse gefaßt: Dem vierten ordentlichen Ge- werkschastskongreß(1. bis 6. August in Paris) soll vom Vorstand vorgeschlagen werden, statt der jetzt drei gleichberechtigten Sekretäre einen einzigen Generalsekretär zu wählen. Die Frage, ob ein oder mehrer« Unter sekretäre angestellt werden und vom Kongreß gewählt oder vom Ausschuß angewiesen werden sollen, wird dem Kongreß zur freien Entscheidung überlassen. Da es bei der jetzigen schwierigen Lage der Gewerkschaften ver- schiedener Länder ausgeschlossen erscheint, eine an sich notwendige dauernd« Erhöhung der Beiträge durchzusetzen, soll dem Kongreß vorgeschlagen werden, fürdreiIahreeinenExtra- beitrag von 3 holländischen Gulden pr« 1000 Mit- g l i e d e r zu beschließen. Außer der Sozialistischen Arbeiter-, der Sozialistischen Jugend- Internationale und dem Internationalen Arbeitsamt sollen die Landeszentralen folgender dem IGB. nicht angeschlossener Länder, mit denen er in freundschaftlicher Beziehung sieht, als Gäste zum Gewerkschaftskongreß eingeladen werden: Vereinigte Staaten. Mexiko, Australien, Estland, Finnland, Norwegen, Griechenland, China, Japan, Indien und Neuseeland. Zur Borbereitung der Kongreßarbeiten soll eine Kommission für Finanz- und Ptrsonakfragen eingesetzt werden. Die Landeszentralen werden gebeten, ihren Vertreter sür dies« Kommission schon vor dem Kongreß zu bestimmen. Den Mitgliedern dieser Kom- Mission ist es anheimgestellt, am Sonnabend, dem 31. Juli, an dcr Sitzung des Ausschusses teilzunehmen. Im übrigen wird für jeden Punkt der Tagesordnung eine Komyiission eingesetzt, in die jede angeschlossene Landeszentrale einen Bcrtreter entsenden kann.— Die Tagesordnung der Internationalen Konferenz der Berufssekre- tariate wurde gutgeheißen. Mit dem Vorstand der Internationalen Föderation der V e- amten undLehrer fand eine Beratung über die zukünftige Zu- sammenarbeit dieser Organisation mit dem IGB. statt. Die Föde- ration soll eingeladen werden, an den Beratungen der Konferenz der internationalen Berufssekretariate und auch am Internationalen Gewerkschaftskongreß als Gast teilzunehmen. Die Lage der Gewerkschaften in Italien, China und Südafrika wurde eingehend besprochen. Der vom IGB. anerkannten italie- nischen Landeszentrale mit Sitz in Paris wurde fü? die Zeit bis zum Internationalen Gewerkschaftskongreß eine laufende finanzielle Unterstützung bewilligt. Arbeitsleistung bei Ruhepausen� Der Medizinische Forschungsrat von Großbritannien hat einen interessanten Bericht über den Einfluß der Ruhepausen auf die Arbeitslei st ung veröffentlicht. Auf Grund un- zähliger Versuche stellt dieser Bericht fest:„Obwohl die tatsächliche Leistungssteigerung nach Ruhepausen sich als verhältnismäßig gering erwiesen haben mag, so ist es doch wahrscheinlich, daß die gesteigerte Zufriedenheit der Arbeitenden schon allein ausreicht, um dieses System der Ruhepausen zu rechtfertigen. Aeußerst wenig Arbeiter könne* mit Interesse und Begeisterung einer ununterbrochenen Arbeitszeit von VA bis 5 Stunden entgegensehen. Das Bewußtsein. daß die Arbeitszeit durch eine Rast unterbrochen wird, läßt jedoch die Aufgabe weniger bedrückend erscheinen und schafft eine freundlichere Einstellung gegenüber der Arbeit." Eines der wichtigsten Kapitel des Berichtes behandelt die Wirkungen der verschiedenartig verbrachten Ruhepausen auf die der Unterbrechung folgende Arbeit. An drei Männern wurde die prozent- mäßige Vergrößerung der Arbeitsleistung als Wirkung der ver- schicdenen Arten von Ruhepausen festgestellt. Sie betrug bei völliger Ausspannung 9,3 Proz., bei nichttontrollierter Rast 8,3 Proz., bei Musik 3,9 Proz., bei Tee 3,4 Proz. und bei Spaziergängen IL Proz. Die Tatsache, daß eine Rast mit Bewegung die geringste Steigerung der Arbeitsleistung mit sich bringt, ist nach dem Bericht darauf zu- rückzuführen, daß die Arbeiter nach Beendigung dieser Ruhepause nicht imstande waren, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Für die Arbeitsleistung außergewöhnlich günstig soll sich folgende Mischung von Arbeit und Arbeitspausen, wie sie in einer Kamm- garnspinnerei«ingeführt ist, erwiesen haben: 7 bis 8,30 Uhr 1. Ar- beitszsit, 8,30 bis 9 Uhr Frühstückspause, 9 bis 10,45 Uhr 2. Arbeits- zeit. 10,45 bis 11 Uhr Pause, 11 bis 12.45 Uhr 3. Arbeitszeit. 12,45 bis 1L0 Uhr Mittagessenpause, 1,30 bis 3,15 Uhr 4. Arbeitszeit, 3,15 bis 3,30 Pause, 3,30 bis 5 Uhr 5. Arbeitszeit. Tarifkündigung im Braunkohlenbergbau. Köln. 6. Mai.(Mtb.) Die Bergarbeiterverbände haben die Lohntarife für dos rheinische Bratknkohlenrevier am 1. Mai zum 31. Mai gekündigt. Auch die Tarife im Mcchernicher und Benzberger Erzbergbau sind von den Bergarbeiterorganisationen gekündigt worden. Nach Mitteilung von den Verbänden dürsten in der zweiten Maihälste die Lohnverhandlungen aufgenommen werden. Aussperrung in Norwegen. Die norwegischen Sägewertsbesitzer haben— wie uns aus Oslo gemeldet wird— ihre Arbeiter ausgesperrt, nach- dem in den schwebenden Tarisverhandlungen keine Einigung erzielt werden konnte. Bon der Aussperrung werden 13 Betriebe mit rund 2000 Arbeitern betroffen. Theater See Woche. vom«. Mai bis 16. Mai 1SS7. Sollibiih»«: 8. kqftstrata. 10., 1Z. Judith. 11., IS. Traiimspi«!. 14., 15., 16. Ein Sommernachlstrauxi.— Op« am Plag der ZiepubUk: 8., 13. Slaot de» Schicksal». 9. Icnusa. 10. Der fliegende Hollander. 11. Versiegelt. Ballett. II. Tristan und Isolde. 14. Carmen. 15. Meistersinger. 16. Freischütz.— schauspiethau»: 3.. 9.. 11., 12., 14., 15. Florian Gener. 10., 13. Ein besserer Herr. 1«. Prinz Friedrich von Homburg.— Schiller-Theater: 3., 9., 11., 12., 14., 15., 16. Musik. 10., 13. Prinz Friedrich von Homdurg.— Theater am Schisfbnuerdamm: Jan der Wunderbare.— Thelia-Theater! Wenn der junge Wein blübt.— Deutsche» Theater: Der Arzt am Scheibeweg.—»ammerspiele: 8., 9. Gastspiel Revue zu Vieren. Ab 10. Da» Land der Treue.— Di« Tomädi«: Lockvögel. Nachtvorstellung, 11 Uhr: Wo» Sie wollen.— Theater am Rollen. dorfplatz: Drei arme kleine Mädel».— Theater in der Söaiggrätzer Straße: Die Schule von Uznach. 15., 12 Uhr, Matinee: Tim O'Mara.— Ramädieahau»: Theo macht alle».— Seaße, Schauspielhau«: Wie einst im Mal.— Theater de» Westen«: Wissen Sie schon...— Stadt. Oper Charlattenburg: 8. Ein Masken- ball. 9. Don Juan. Deuts»« Tänze. Die Geschöpf« de, Prometheus. 10., 13. Turandat. 11. Der arme Heinrich. 12. Hofsmanns Erzählungen. 14., 1«. Der Jahrmarkt von Sorotschintzi. 15. Der Troubadour.—«»mische Oper: Sünden der Welt.— Deutsche,«ünstler-Theatee: Adieu Mimi.— Luftspielhau,: Dobbns letzte Nacht.— Lesfing-Theater: Der Patriot.— Theater a««ur- sürstendamm: Di««leine auf Besuch.— Rcsidcnz-Theater: D:e schöne Melusine— geatral-Iheatee: Die Wette.— Theater in der«ammandantenstraße: Berlin, wie es we:nt und lacht.— Metropot-Theater: Die Zirkusprinzessin.— Perline« Theater: Komödie um Mittcenacht.— Die Tribüne: Spiel im Schloß. —«leine» Theater: Da»«uckucksei.— Wallnrr-Theater: Auf der Sonnenseite.— Renaissauee. Theater: Feiglinge.— Balhalla-Theater: Die von dcr Liebe leben.— Rose-Theater: Der Vetter au» Dingsda.—«asino-Theater: Pimpelhuber, der Millionen-Erbe.— Theater i» der«losterstraße: 8., 9., 11., 14., 16. Liebe. 10., 12., 13., 15.«It-Berlin.<«m grünen Weg.)— Theater ia der Lützow- straße: Die Frau ohne Mann. 12. Nhnthmjschc Gpmnastik.— Theater lm Admi«al»palast: Viv« I» temme.— Wintergarten: Internationale» Barict«.— Seala: Internationale» Bariet«.— Reich» Hallen-Theater: Stettiner Sänger.— Theater am«ottbusser Tor: Elite-Sänger. R»ch«itt-tz,»»,ftrll»»g«». Schauspielhan«: 8., 15. Napoleon. — Theater am Schtssbauerdamm: 8., 15. Tragödie dcr Liebe.— Thalia-Iheater: »., 15. Der Biberpelz.—«eoße»«chanspielha»»: 8., 15. Wie einst im Mai.— Theater>n der»ommandantrnstr-ßc: 8., 15. Berlin, wie es weint und lacht. — Theater in der»losterstraße: 8. Psarrhausiomödie. 15. Iphigenie.- Theater im«d«:ral»pal»st: Viv« I» komme.— Scala: 8., 14., 15. Interna«:»- nale»«artet».— Re:ch»h«llen. Theater: 8., 15. Stettincr Sänger.— Theater am«ottbuger Tor: 8., 15. Elite-Sänger. verantwortlich für Politik: Biet», Schiff; Wirtschaft: S.«ling'lhSse»: Grwerkschottsbeweauna:«riebt,«tzkorn: sseuillrton:«. S. DIscher: Lakalr» «enh Qarfieihf*• tu»n �rrlin WÜRSTCHEN* BOCKWURST| Etwas ganz Besonderes! �Sinen gefunden Schlaft und dam:!»ine«rättigung de» ganzen Rervensqftem» eezielen Sie durch den ecbten.Saldravin' Palenwvnl.«eich Unter Nr. 842881. Cr enthält sämtliche Eztraltipst-ff- der Baldrianwuriel in tralttr.vn Südwem gelöst Alle Nachahmungen. d:e als edensogm ongebotetr welven, we:se man entschieden zurück.— 8» haben in Apotheken und Dtegencn. Hersteller: Otto Stampf SL-®., Chemnitz. ddafz&€9 BerJin, Leioziacn Sfn 7-22- 223 1 �UtRCtNS Unxiiiderdlit- flFXBuB* |i';;t, 100 QaUtsncs-.Babstt- o-leklamemarken ?egen Nachahmung gesetzl. rescn. tertigt seit 45 Jahr. als Spozialltit Conrad MOUer Schktaditx• Leipzig, Auf Teilzahlung Herren-, Damen-Garderobe Anzüge, Qummi-Mäntel, Kleider HOBEL bis 18 Monatsratsn Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer Küchen, Einzelmöbel, Federbetten Atrial 6r.FrankfurterStr.34 nlllvl(Strauabargar Plate). J. H. W. 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