Nr. ttO ♦ 44« �ahrg. Ausgabe A Nr. 112 Bezugspreis: WSchniMch TD Psenatg. monatlich 8,— Dteichsmact voraus jahlbar. Unter Aceujbani für Deutschland, Donjifl, Saar» und SKemeiatbut, Oesterreich, Litauen, Luxemburg iM Zieichamart, für das Übrige Susland 530 Reichsmark pro Monat. ®«.LormSrts' mit der Austrier- ten Sonntagsbeilage.Boll und Aeit" sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",»Aus der Filmwelt", »Frauenstimme",»Der«inber» freund",.Zugend-Vorwärts",»Bliek in die Bllcherweit" und»Kultur, arbeit" erscheint wochentäglich zwei. nd Montags einmal. mal, Sonntags und Z relegramm-Adresse: »Sejloldemeftol BecUn Morgenansgabe � f Verltnrt? Volksblskt Zentralorgan der Sozialdemokratifchen parte» Deutfdrlande 10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonxarrillo- »eile 80 Pfennig.' Rcllamezeilc d�— Reichsmark,»«leine An, eigen" da» fettgedruckte Wort 25 Pfennig tiulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. 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Juni abläuft, als Ganzes zu verlängern ist oder ob es genügt, einzelne seiner Paragraphen aufrecht zu erhalten. Die Fraktion beschloß einstimmig, eine Verlängerung der Geltungsdauer des ganzen Gesetzes auf zwei Jahre zu verlangen. Die Zentrumsmmister wurden beauftragt, ihren Einfluß im Reichskabinett im Sinne dieses Beschlusses geltend zu machen. Bei den Deutschnationalen herrscht zurzeit noch keine Neigung dieser Forderung des Zentrums nachzukommen, was nach den bekannten Bekennmissen Westarps, Eoerlings u. a. zur Monarchie nicht Wunder nehmen kann. Bei den übrigen Regierungsparteien aber rechnet man damit, daß die Deutschnationalen schließlich nachgeben werden, wenn man ihnen auf anderen Gebieten entgegenkomm«. Danach werden sie sich auch mit der weiteren Geltung des vielbesprochenen § 23 abfinden, der eine Rückkehr Wilhelms II. nach Deutsch- land ohne besondere Erlaubnis der Reichsregierung nicht gestattet. Das Gesetz über die Verlängerung der Geltungdauer bedarf zu seiner Verabschiedung der Zweidrittelmehr- heil, über die die Regierungsparteien für sich allein nicht verfügen. Wenn die Regierung das Gesetz ganz oder teilweise verlängern will— die Einbringung eines Gesetzes hat der Reichsinnenminister v, K e u d e l l im Aeltestenrat schon an- gekündigt, allerdings ohne über seinen Inhalt etwas zu ver» raten— werden auch Verhandlungen mit den De- mokraten und den Sozialdemokraten notwendig werden. Der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien wird sich am Mttwoch unter dem Vorsitz des Reichs- k a n z l e r s und in Gegenwart des deutschnationalen Reichs- Innenministers mit der Verlängerung des Republikschutz- gesetzes befassen. Von den Regierungsparteien nehmen an den Verhandlungen teil die Abgeordneten Graf Westarp, v. Guerard, Leicht und Dr. Scholz. Vas neue Zensurgesetz im Neichstag. Die Kulturreaktion hat es sehr eilig, ihre Ernte in die Scheuern zu bringen. Das Gesetz zur angeblichen B e- kämpfung von Schund und Schmutz ist schon vor einiger Zeit mit Eilzugstempo durch die Reichstagsberatungen durchgejagt worden. Jetzt hat der Aeltestenausschuß de- schlössen, das üble Gesetz zum angeblichen Schutz der Jugend bei Lu st barkeiten ebenfalls bald verab- schieden zu lassen und es deshalb auf die Tagesordnung der Vollsitzung des Reichstages am Mittwoch zu setzen. Den Vätern und Freunden des Gesetzes kommt zustatten, daß der Reichstag zurzeit keinen Ueberflutz an berawngsreifen Gegen- ständen hat. Man scheint mit der Absicht umzugehen, das Gesetz in Schnellzugstempo binnen einer Woche zu verab- schieden. Der Gesetzentwurf hat, ganz ähnlich wie das Külzsche Schmutz- und Schundgesetz sein Gesicht im Laufe seiner Ent- stehung ganz wesentlich verändert. An sich überhaupt nicht notwendig, sollte er in seiner anfänglichen Form lediglich einen Schutz der Jugend auf Rummelplätzen und bei ähnlichen Ver- anstaltungen schaffen. Der Rechtsmehrheit im Reichstags- ausschuß stieg aber der Appetit beim Essen. Immer mehr und immer bedenklichere Bestimmungen wurden eingefügt, so daß das Gesetz in der Form, in der es aus dem Ausschuß vor das Plenum gelangt ist, eine schwere Gefährdung aller Veranstaltungen kultureller Art de- deutet. Weitgehende Befugnisse können unter Umständen in ganz unberufene und untergeordnete Exekutivorgane gelegt werden. Es muß unter allen Umständen der Versuch gemacht werden, dem Entwurf, gegen den bis in die Kreis« der Volkspartei, ja selbst der Deutschnationalen hinein lebhafte Bedenken geltend gemacht werden, mindestens noch die schlimmsten Eiftzähne auszubrechen. Je weniger von ihm übrig bleibt, desto besserl Nieöerlanöifthe Kolonialgreuel. 12 Tote, 2S Verwundete auf Java. ' Amsterdam, ld. Mai.(Eigener Bericht.) Zn Indonesien tritt in der javanischen Bewegung auch die Kuomintang bewegung immer mehr auf. Dos ist erklärlich, da im niederländischen Teile de« Archipels fast eine Million Chinesen wohnen. Die holländische Regierung steht dem Kuomintang mit großem Mißtrauen gegenüber, das sich aus ihrer blinden Kommunistensurcht erklärt. Sie ließ daher durch polizelorgane eine Haussuchung bei in Samarlnda wohnhaften Chinesen vornehmen und ging zu verhasluagen über. Als die Arrestanten zum Polizeibureau gebracht werden sollten, hatten sich hunderte von Chinesen angesammelt, die die Polizei nach den hier vorliegenden Berichten derartig bedroht haben sollen, daß diese von ihren Revolvern Gebranch machte.»Z Chinesen tötete und 25 verwundete. « Di« Behandlung der Eingeborenen in Niederländisch-Jndien ge> hört zu den a b s ch e u l i ch st e n Kapiteln der kolonialen Unter- drückungspolitik der Neuzeit. Die als»kommunistisch� bezeichneten Aufstände, die kürzlich auf Java und Sumatra ausgebrochen sind und erst nach langen Kämpfen unterdrückt wurden, waren säst ausschließlich die Folg« einer unmenschlichen Ausbeutung und Behandlung der Eingeborenen durch die holländischen Behörden und Kolonisten. Sie waren eine elementare Frei- heitsbewegung mit weit mehr wirtschaftlichem als politischem Hintergrunde. Sie wurden von der holländischen Negierung nur deshalb als kommunistisch vezeichnet, weil man ihre wahren Ursachen verdecken wollte. Die holländische Kolonialpolizei, die jetzt auch gegen die chinesischen Kulis in so brutaler Weise vorgegangen ist, steht unter Führung weißer Offiziere, die durch das tropisch« Kolontalleben ver- roht sind, und besteht hauptsächlich aus solchen Farbigen, deren rossen- mähige und religiöse Vorurteile gegen die anderen Beoölkerungsteile geschickt ausgenutzt werden. Es ist ein großer Mangel des gegenwärtigen Bölkerbundes, daß er nur für die Kontrolle der Zustände in den ausdrücklichen Mandats- gebieten zuständig Ist und nicht für die übrigen Koloniin. ver zweite Dorsttzend« der ständigen Mandalstommisston In Genf ist ein ehe- maliger holländischer Kolonialbeamter, van Nee», dessen Odsektioi- tät gerühmt wird und der ssch tatsächlich schon mehrfach in sschtbarer Wels» bemüht hat—«ich gegen de» Widerstand der führenden Mandatsmächte—, die Nechte der Mcmdatsvölker in Schutz zu nehmen. Offenbar weiß er aus eigener Erfahrung, wie sehr die Koloniawölker schutzbedürstig sind. Die Zustände in Niederländisch- Indien sind ein typisches Beispiel für die Notwendigkeit einer Ausdehnung der Dölkerbundskontroll« auch auf solche Kolonien, deren Status bereits vor den Friedensverträgen von 1919 feststand. Verhält sich die Welt hingegen weiter passiv gegenüber diesen blutigen Unterdrückungsmethoden, dann macht sie sich nicht nur einer beispiellosen Heuchelei schuldig, sondern sie läuft auch Gefahr, dah die revolutionäre Bewegung in diesen fernen astatischen und afrikanischen Ländern in«in allgemeine» blutiges Ehoos ausartet. Nur die ver- spätete Erkenntnis dieser Entwicklung hat dl« Ereignisse in China eine so ungeheure und für all« Beteiligten so gefährliche Aus- dehnung annehmen lassen. Das Gleiche gill aber auch für alle Kolonien, in denen eine kleine weiße Minderheit über Millionen von Farbigen mit Gewalt zu herrschen versucht, um sie mit den gleichen barbarischen Methoden wie in früheren Jahrhunderten weiter ausbeuten zn können. Die Folgen dieser unmenschlichen und kurzsichtigen Politik werden aber als erste die kleineren Kolonial- mächte, wie Holland, tragen müssen, deren Machtmittel am schwächsten sind. Das sollte die Regierung im Haag endlich be- greifen und mit dem Beispiel eines kolonialpolitischen Kurswechsels vorangehen, ehe es zu spät wird. Neue Unterreöung Dr. Rieths mit Srianü. Pari». 19. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der deutsch« Ge- schäftsträger Dr. Rieth hat am Dienstag einen neuen Besuch bei B r i o n d abgestattet. Dem amtlichen Kommunique zufolge wurden„laufend« Angelegenheiten' besprochen. Es dürste jedoch auch bei dieser Gelegenheit wieder die Frag« der Herabsetzung der Truppenbe stände im Rheinland erörtert worden sein. Die Aussichten auf Erzielung einer derartigen Herabsetzung werden hier nach wie vor nicht sehr günstig beurteilt! selbst ivenn Briand. an dessen gutem Willen nicht zu zweifeln ist, bereit wäre, den deutschen Wünschen entgegenzukommen, ist man über- zeugt, daß er auf schärfsten Widerstand im Kabinett stoßen würde. Erlebnisse in öulgarien. Das Regime Ljaptscheff. Bon Kurt Rosenfeld. Die furchtbaren Urteile bulgarischer Gerichte gegen Kom- munisten haben schon lange in allen Kulturstaaten die leb- haftesten Proteste ausgelöst. Die Sozialdemokratische Arbeiterinternationale und der I n t e r n a t i o- nale Gewer kschaftsbund besonders haben gegen diese Justiz energisch Widerspruch erhoben und Genosse V a n d e r- v e l d e hat sogar auf der letzten Tagung des Völkerbundsrats einen scharfen Vorstoß zugunsten der Opfer des weißen Schreckens in Bulgarien unternommen. Eine am 3. Mai beginnende neue Serie von Kom munistenprozessen oeranlaßte bulgarische Freunde der An- geklagten, den Genossen Oswald Richter, Wien und mich aufzufordern, nach Bulgarien zu fahren, um als Rechts- anwälte den Prozeßverhandlungen beizuwohnen. So fuhren wir, mit Einreiseerlaubnis des zuständigen bul- garischen Konsulats versehen nach Sofia. Wir erbaten und erhielten dort durch Vermittlung eines bulgarischen Verteidi- gers auch die Erlaubnis des'Gerichtsvorsitzenden, an den übrigens öffentlich stattfindenden Sitzungen des Kreis- gerichts teilzunehmen, und wir hörten zwei Stunden hindurch den Verhandlungen zu. Auf Grund dieses mit vorstehenden Worten e r- schöpfend dargestellten Tatbestandes schritt die Polizei von Sofia gegen uns ein. Wir wurden in unserem Hotel fe st genommen, voneinander und von der Außenwelt völlig abgesperrt und einer geradezu schimpf- lichen Behandlung ausgesetzt. Zunächst wurden wir von einem Polizeibeamten festgehalten, der uns verbot, mit irgendeinem Menschen in Verbindung zu treten und uns vom Platz zu rühren. Mein Verlangen, den deutschen Ge- sandten anrufen zu dürfen, der mich gerade erwartete, wurde brüsk abgeschlagen. Auch als ich einen bestimmten Ort aufsuchen mußte, folgte mir der Beamte, sorg- fältig jede meiner Bewegungen beobachtend. Dann erschien ein Polizeiaufgebot, an der Spitze der Chef der politischen Polizei, zehn Mann hoch, die sich auf uns stürzten wie auf lange gesuchte Verbrecher. Schon das Aussehen dieser „Beamten" war recht sonderbar, fast durchweg„Passer- mannsche Gestalten". Alles, was wir bei uns trugen und was sich in unserem Gepäck befand, wurde auf das Sorgfältigste durchsucht. Unsere Kleider wurden befühlt, ob auch nicht Bomben oder Schriften in das Futter eingenäht feien, unsere Schuhe wurden untersucht, ob etwa zwischen den Doppelsohlen etwas verborgen sei, Klosettpapier wurde gegen das Licht gehalten, ob es nicht mit unsichtbarer Tinte beschrieben war, ein Blatt Papier mit den Namen der Angeklagten und früher bereits Verurteilter, um deren Schick- 'al wir uns kümmern wollten, wurde als höchst verdächtig bc- chlagnahmt, und schließlich konfiszierte man auch noch� mein Notizbuch, um es zu entziffern. Ein Vortragsprogram'm des österreichischen Monistenbundes wirkte auf die Polizeibeamten wie ein kommunistisches Manifest. Unser Reisegeld wurde nachgezählt und die festgestellte Summe als zu hoch befunden. Daß sozialdemokratische Anwälte sich wegen kommunistischer Angeklagter nach Sofia bemühen, war den wahrlich nicht sehr intelligenten Herren von der politischen Polizei Sofias nicht klarzumachen. Man drohte mir letzten Endes auch noch, mich ins Gefängnis zu überführen und vor Gericht zu stellen oder mich p e r S ch u b über die Grenze zu befördern. Vier Stunden währte unsere Behandlung, bis als Retter ein Vertreter des deutschen Gesandten erschien und dem ganzen Spuk ein Ende machte. Man begnügte sich dann damit, uns zu eröffnen, daß wir mit dem nächsten Zuge Sofia und Bulgarien zu verlassen hätten und während unseres Verweilens im Lande mit keinem Kommunisten sprechen dürften. Vergeblich führten wir beim Ministerpräsidenten Ljaptscheff Beschwerde. Der Führer der Sozialdemo- kratischen Partei Bulgariens, der greise Genosse S a k a s o f f, tnig diese Beschwerde an höchster bulgarischer Stelle vor. Vergeblich. Es blieb bei den gegen uns angeordneten Maßnahmen. Warum alles das? Lediglich weil die bulgarische Regierung Angst hatte, daß durch uns die Wahrheit über die Zustände in Bulgarien nach Europa gemeldet werden könnte. Wie schlimm muß es um die bulgarische Justiz bestellt sein, wenn die Regierung wahrheitsgemäße Berichte über „öffentlich" geführte Prozesse so sehr fürchtet, daß sie zu solchen gänzlich unbegründeten Maßnahmen gegen uns ihre Zuflucht nahml hinterher allerdings schienen der bulgarischen Regie- rung doch Bedenken gekommen zu sein, ob sie selbst von ihrem Standpunkt gut daran tat, uns so zu behandeln, uns der Freiheit zu berauben und des Landes zu verweisen. Denn sind die Schwindelnachrichten, die sie uns über die sonst Gm renz« nachsandte, überhaupt nicht zu erklären. Um un» durch die Geldsumme zu diskreditieren, die man bei un» fand, wurde frei erfunden, daß Ich gestanden hätte, da» Geld zur Verteilung unter die bulgarischen Kam- iramiftcn mitgenommen zn Haben: wurde behauptet. natürNch ohne jeden Anhaltspunkt, daß wir— wir Sozialdemotratenl --..kommunistische Emissäre" seien und die„Hugenberg• Presse hatte nichts Eiligeres zu tun. als diesen plumpen Schwindel weiterzugeben und noch durch eigene Zutaten zu vergrößern.. � Um zu demonstrieren, daß wir in unserer Bewegungs» freiheit nicht im geringsten beschränkt worden seien, wurde e r l o a e n, daß ich z. B. mit einem Kommunisten Stefanoff in Sofia eine Besprechung gehabt hätte, während dieser sich überhaupt nicht in Bulgarien aushält. Um unsere angemessene Behandlung zu erweisen, wurde erfunden, daß ich eine Unterredung mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Ljaptscheff gehabt hätte, den ich in Wahr- heit nicht einmal zu Gesicht bekommen habe. Um meine loyale Vernehmung zu demonstrieren, wurde behauptet, daß meine Vernehmung in Anwesenheit eines Beamten der Deutschen Gesandtschaft stattgefunden habe, ob- gleich dieser in Wahrheit erst nach Beendigung meiner Vernehmung erschien und auch nur infolge eines Zufalls. durch den der deutsche Gesandte von dem polizeilichen Vor- gehen gegen uns Kenntnis bekommen hatte und obgleich mir die Benachrichtigung der Deutschen Gesandtschaft ausdrücklich verweigert worden war. Gewiß sind unsere Erlebnisse in Bulgarien an sich nicht welterschütternd. Gewiß find die gegen uns getroffenen Maßnahmen mit den Taten des bulgarischen Schreckens- regiments gegen bulgarische Sozialisten und Kommunisten nicht vergleichbar. Man kann sich aber ein Bild von der jetzt in Bulgarien herrschenden Regierung machen, wenn man sich vor Augen hält, wie unter diesem Regime ausländische Rechts- onwälte behandelt wurden, die nicht im entferntesten gegen ein bulgarisches Gesetz verstoßen und lediglich an einer öffent- lichen Gerichtssitzung als Zuschauer teilgenommen hatten. Zugleich erweisen die Schwindelnachrichten der bulgarischen Regierung, wie sie lügen kann. Offenbar diktierte die blasie Angst vor kommunistischen Umsturzversuchen der bulgarischen Regierung die Aktionen gegen uns wie die Terrorakte überhaupt, die in Bulgarien täglich gegen sozial! st ische und kommunistische Arbeiter verübt werden. Daß in diesem Prozeß, an dem wir teil- genommen hatten, von drei Angeklagten zwei freigesprochen worden sind, ein für bulgarische Verhältnisse sehr günstiges Urteil, kann natürlich an der Beurteilung der bulgarischen Verhältnisse nichts ändern. Zugleich spielte dieFurchtoordenunmittelbar bevor st eyendenWahlen eine große Rolle. Angesichts der überall im Lande hervortretenden oppositionellen Stim- mung, insbesondere der Bauernschaft, hat sich der Re- gierung und der Polizei eine nervöse Unruhe bemäch- tigt. Wir möchten deshalb wünschen, daß es dem Wirtschaft- lich und politisch schwer bedrückten bulgarischen Volk trotz allen Terrors der jetzt amtierenden Regierung gelingt, bei den Wahlen die Ketten zu zerbrechen, unter denen es schmachtet. Wahlterror gegen öle Oppositionsparteien. Sofia, 10. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die bevorstehenden Neuwahlen zur Sobranje dürften unter einem allgemeinen Chaos vor sich gehen. Die Oppositionsparteien haben den eigent- lichen Wahlkampf noch nicht erössnen können, da ihre weiteren und engeren Koalitionsverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Mit dem Beginn ihrer eigentlichen Agitation ist kaum vor dem 12. Mai zu rechnen, so daß also gerade zwei Wochen für die Wahl- Propaganda verbleiben. Die Sondierungen der Oppositionsführer haben bisher nur zu dem Block der Demokraten mit Liberalen um Koertscheff, Bauernpartei um Tomoff und einem Flügel der Radikalen geführt und schließlich noch den Block der Sozialiften mit Bauern um Markoff und Kleinhand- wer kern hervorgerufen. Die Regierungspartei hat es durch die schnelle und unerwartete Festlegung des Wahltermins verstanden, sich einen weiteren Vorteil zu sichern. Für sie ist die Lage eine sehr Platz gemacht. ' Von Fritz Müller. Partenkirche». ' Im Südfriedhof haben sie eine Frau begraben. Ich war dabei. Der Geistliche sprach das übliche, ein Verwandter sprach da» üblich«. die Vorsitzende vom Hausfrauenverband sprach das übliche. Als der Gatte schon die erste Schaufel Erde hob und sie, einen Augenblick lang zögernd, überm offenen Grabe hielt, reckte sich«in Fremder, tat zwei lange spinnenbeinige Schritte den Erdhügel hin» auf, sah ruhig in hundert erstaunte Trauergeflchter und sagte ganz unfeierlich, wie nebenbei:„Was da über st« gesprochen wurde, ist nicht wichtig. Wesentlicher ist: Sie macht« Platz—" Hier klatscht« ihm die platte Neugier von hundert Trauergästen so auf den Mund, daß er ihn rasch schloß, den Kopf senkt«, mit den gleichen zwei langen Schritten den Erdhügel wieder herabstotterte und sich bescheiden nochmal» in die Reihe stellte. Der Gatte aber hielt die Schaufel Erde immer noch iu Schwebe überm Sarge drunten. Es war peinlich. Der Geistliche gab sich«inen Ruck. Er gab sich nicht oft einen Ruck. Bei durchschnittlich drei Leichenbegängnissen im Tag bleibt kein Platz dafür. Er saßte den Fremden mit der einen Hand am Aermel, mit der anderen wie» er in die Tiefe:„Glauben Sie. die Tot« da empfände Freude über einen angefangenen Satz am Ende ihres Lebens— vollenden Sie, was ihm zugrunde liegt." Und er zog den Fremden wieder hügelaufwärts, indes die erste Scholle Erde immer noch in Schwebe blieb. „Zugrunde liegt?" wiederholt« der Fremde langsam,„zugrunde liegt ein Nachtgebet. Ich war damals Gast bei ihren Ellern. Ich kam abends an. Sie lag schon im Kinderbettchen. Ei« sprach folg- som einen eingelernten alten Spruch: Abends, wenn ich schlafen geh', Vierzehn Engel um mich stehn, Zwei zur Rechten, zwei zur Linken, Zwei zu Häupten, zwei zu Füßen. Zwei die mich decken, Zwei die mich wecken, Zwei die mich weisen Zu den himmlischen Paradeisen. Hier zeigte der Fremde wieder Neigung, abzubrechen. Aber da statt Neugier ein erinnernd Nicken in der Richtung nach der eigenen Kinderzeit und ihren lieben frommen Sprüchen bei den Trauergästen sich zu spiegeln schien, Hub er wieder an: „Am anderen Tage, arg früh, ging ich wieder fort. Auf der Schwelle blieb ich stehn:„Ich möchte sie noch einmal sehn." Sie klinkten leise mir die Türe aus. Da lag sie schlafend. Auf dem äußersten Kisseneckchen. Die ganze andere Fläche glatt und frei. Sie mußte so die ganze Nacht gelegen haben. Ich wollte gehe«. günstige, da sie den Wahlapparat unbeschränkt in Händen und ihren.Kampf" bereits mit Gewalttätigkeiten und Terror eröffnet hat. Wie der sozialdemokratische„N a r o d" meldet, haben zahlreiche Kreisoorsteher die Bezirks- und Gemeinde- Verwalter angewiesen, die Aigtation der Oppositionsparteien mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu v e r h i n d e r n. In ver- schiedenen Städten wurden linksgerichtete Wahlredner bereits ver- haftet und ausgewiesen. Was sich aber in den Dörfern abspielen wird, wo die Polizei und die„unverantwortlichen Faktoren" un- beschränkte Alleinherrscher sind, wird in vielen Fällen gar nicht zu Ohren der Oeffentlichkeit kommen.„Narod" verlangt daher von dem Ministerpräsidenten den unverzüglichen öffentlichen Befehl an alle administrativen Behörden, vollste Wahlfreiheit zu garantieren und jeden Verstoß gerichtlicher Verfolgung zu übergeben. Liaptscheff hat sich bis heute über diese Forderung ausgeschwiogen. Er glaubt also, daß ein blutiger Wahlkampf seine Re- gierung sichern und garantieren wird. Stieftinü und Stiefvater. Das benachteiligte Ostpreußen.— Die Politik des Herrn v. Gayl. Immer zahlreicher werden die Proteste«ms Ost- preußen gegen die Berkürzung der Mittel für die bedrängte Ostmark, wie sie eine falsche Finanzpolitik gewollt hat. So hat die„Arbeitsgemeinschaft der wirtschaftlichen Verbände von'M a r i e n w e rde r und Umgetnmg" an den preußischen Ministerpräsidenten folgendes Telegramm gesandt: „Die dem Vernehmen nach im Grenzprogramm 1927 für Ost- preußen vorgesehene Summ« von 2% Millionen ist bei weitem unzureichend und erregt lebhafte Erbitterung. Wirt- schaftliche Widerstandstrast wird erlahmen, wenn nicht im Ver- gleich zu Bayern gerechte Erhöhung des Bettages erfolgt. Der- lust unseres gesamten südlichen und westlichen Absatzgebietes bei 5 Kilometer entfernter Weichselgrenze sowie des Weichselhafens Kurzebrack kennzeichnen die weiter« schwierige Wirtschaftslage Ost- Preußens gegenüber Landesteilen mit unveränderter Grenze. Aus- reichende Nothilfe wird dringend gefordert." Ferner hat der Hauptvorsteher des.Landwirt- schaftlichen Zentralvereins in Änsterburg" an den preußischen Ministerpräsidenten folgendes Schreiben gerichtet: „Die letzten Zeitungsnachrichten, nach denen aus den Mitteln des Grenzprogramms 1927/28 der Provinz Ostpreußen nur ein verschwindend geringer Betrag zur Verfügung gestellt werden soll, haben unter den Landwirten des Regierungsbezttks Gum- binnen die größte Empörung hervorgerufen. Gegen dies« Absicht erhebe ich im Namen der Landwirtschast des Negierungsbezirk» Gumbinnen ganz entschieden Einspruch. Mit der Verwirklichung dieses Vorhabens würden sämtliche Zusicherungen der ver- schiedensten Reichs- und preußischen Staatsminister, welch« die de- sondere Lage Ostpreußens in ihren Reden stets betont haben, ge- brachen werden. In der ostpreußischen Bevölkerung würde sich dann ttotz aller Worte das Bewußtsein einwurzeln,„daß Ostpreußen als Stiefkind des Reiches" betrachtet wird. Wir erwarten, daß die Reichsregierung die seinerzeit gemachten Versicherungen nun auch trotz aller Widersprüche einlöst." Die berechtigte Erregung, die aus diesen Protesten spricht, hätte vermieden werden können, wenn Ostpreußens Der- treter im Reichsrat den Bedenken des Ministerpräsidenten Genossen Otto Braun entsprochen und gegen die Willkür- liche Bevorzugung der süddeutschen Staate« auf Kosten anderer Landesteile Einipruch erhoben hätte. Das war nicht der Fall. Freiherr o. G a y l, ein auf dem rechten Flügel der Deutschnationalen stehender, bei Putschplänen wiederholt als Ministerkandidat genannter Politiker hat, wie sich jetzt mit aller Deutlichkeit herausstellte, die Interessen des von ihm vertretenen Landesteils den parteipolitischen Inte r- essen der Freunde des Rechtsblocks geopfert. Alle Proteste, die jetzt aus Ostpreußen gegen die Benachteili- Da hatte sie die großen Augen aufgeschlagen. Sie schaute auf die unberührte Kissenfläche:„Host du auch darauf gelegen mit den— mit den vierzehn?" „Mit welchen vierzehn?" „Mit den vierzehn Engeln." „Ach so, die von deinem Nachtgebet— wie hat's doch angefangen?" „Abends wenn ich schlafen geh', vierzehn Engel um mich stehn— ich kann sie doch nicht die ganze Nacht stehen lassen, weiß du, da Hab' ich ihnen Platz gemacht." Der Fremde schwieg. Dann wiederhotte er nochmals, wie ver- loren:„Platz gemacht— auch später— immer Platz gemacht." Und ging. Die erste Scholle Erde des Gatten hing aber immer noch in der Luft. Und die Trauerversammlung stand«ine ganze Weile wie erstarrt. Nicht aus Schrecken. Sondern, weil sich auf einmal hinter den letzten Worten da, ganze Leben einer Frau mit einer furcht- baren und umfassenden Klarheit an da» offene Grab herangeschoben hatte. Einer Frau, die ein Leben lang Platz gemacht hatte, Platz den vierzehn Engeln und den— ich überflog zerknirschte Mienen in die Rund«— ja. den vierzehn Engeln und den vierzehnmal vierzehn Teufeln. Jetzt schlug die Sattenscholle dumpfig auf den Sarg. Nie mehr wieder kann ich eine Leichenfeier sehen, ohne fragend die Gesichter in der Runde und von da den Sarg zu fragen:„Platz gemacht,.. Platz gemacht?" Internationale Vuchkunstausflellnng Leipzig 1927. Auf einem Presseempfang im Hotel Esplanade berichtet« Prof. Hugo Steiner-Prag, der Präsident der Internationalen B u ch k u n st a u s st e il u n g, die in Leipig am 88. Mai er- öffnet werden soll, von den Absichten und Zielen, die dieser Aus- stellung zugrunde liegen. Sie soll keineswegs eine Fachausstellung sein, die sich nur an die interessierten Berufskreise wendet, sondern ein Unternehmen von wesetttlichem kulturellen Wert darstellen, dos alle Kulturmenschen und-staaten angeht. Das Buch wird hier als Vertreter des Kunstgefühls seiner Zeit und seines Volkes gezeigt werden. Neunzehn Staaten haben Kollektionen entsandt, die durch besondere Kommissionen in jedem Lande ausgewählt wurden. Von den deutschen Künstlern sind«ine Reih« persönttch eingeladen. Die freien Einsendungen unterlagen der Jury de, Vereins„Deutsche D u ch k ü n st l e r". Man wird aus dieser Zusammenstellung inter- essante Einblicke in die Kunstauffassung der einzelnen Völker ge- Winnen können. Denn heut« macht sich überall wieder das Be- streben geltend, Inhalt und Gestaltung des Buches, auch des für Massenverbreitung hergestellten, miteinander in Einklang zubringen. Geschmackvoll« Einbände, guten Druck, klare schöne Schrift, selbst graphische Buchausgestaltung auch den wohlseilen Bänden mitzu- geben. Wie diese Ziele in den einzelnen Ländern erreicht werden, dürfte eine der interessantesten kulturellen Darlegungen dieser Aus- stellung sein. Gleichzeitig wird man dabei auch einen wertvollen Ueberblick über den jugendlichen Künstlernachwuchs besonders auf dem Gebiet der Graphit gewinnen. Daneben sollen natürlich hig gung dieses Landes laut werden, sind also zugleich eine ver- nichtcud« Kritik an der Tätigkeit dieses Mannes, der sich sonst gern als„Retter Deutschlands" aufspielt und nicht einmal imstande ist, die berechtigten Wünsche seiner Provinz im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten wahrzunehmen.> Simultane volkssthullehrerbildung. Die vierte Pädagogische Akademie eröffnet.— Die Sabotage der Kirche. In Preußen ist die Sozialdemokratie mit der Forderung der Universttätsausbildung für die Ausbildung der Aolksschullehrsr nicht durchgedrungen. Statt dessen sind„Pädagogische Akademien" be- schlössen worden. Die Sozialdemokratie verlangte, daß jeder künftige Volksschullehrer ohne Rücksicht auf seine Religion oder Weitanschau- ung zu ihnen Zugang habe. Auch die Hievauf zielenden Anttägo wurden von der Landtagsmehrheit abgelehnt. Gegen die Sozial- demokratie wurden drei konfessionelle Akademien eingerichtet, ein katholische in Bonn und zwei evangelische in Kiel und E l b i n g. Diese sind im Mai vorigen Jahres eröffnet worden. Jetzt, ein Jahr später, folgte die Eröffnung einer s i m u l- tonen Akademie in Frankfurt a. M. Diese ist mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten, Demokraten und Volks- parteiler beschlossen worden. Ihre Eröffnung hat sich so verzögert. weil das Zentrum die Verfassungsmähigkeit dieser-Simullanakademie bezweifelt« und diese erst vom Reichsgericht bestätigt werden mußt«. Die katholische Kirche sabotiert sedoch die Simultanakademie mit ihrer gemeinschaftlichen, interkonfessionellen Lehrerausbildung nach wie vor. Obschon sie in Baden und Hessen sich mit der herkömm- lichen simultanen Lehrerausbildung abfindet, hält sie es in Preußen für«ine unertrögliche Belastung der Gewissen, wenn auch nur ein Teil zukünftiger katholischer Volksschullehrer in christlichem, statt in katholischem Geiste ausgebildet wird. Der Kamps des Episkopats gegen die verfassungsmäßige Simultanakademie geht noch bnmer weiter. Die Bischöfe von Fulda und Limburg haben in ihren Sprengel» unter anderem einen Hirtenbrief verlesen lassen, in dem die Sätze vorkommen: Krin Priester wird zur Uebernahme des Lebramts in der katholischen Religion die erforderliche Sendung erhatten. Es wird deshalb nicht möalich sein, an der Frankfurter simultanen Akademie stch die Befähigung zur Erteilung des katholischen Rest- gionsunterrichls zu erwerben. Ein Lehrer aber, der diese Lehr- befähigung nicht besitzt, kann nach unseren Grundsätzen für die Ausübung des Lehramtes an katholischen Kindern nicht in Frag« kommen. Auch die kirchlichen Blätter werden dazu benutzt, um junge, lehr- eifrige Katholiken von der Ansteckung an andersgläubige Christen fernzuhalten. Die systematische Aushungerung der Akademie durch die katholisch« Kirch« Hot denn auch den Erfolg gehabt, daß sich bisher nur zehn Katholiken zur Aufnahm« gemeldet haben. Die gestrige Eröffnung der Akademie stand so unter dem Zeichen der Defensive des Staate» gegen die Kirche. Es war nur eine Selbstverständlichkeit, daß der Minister Prof. Becker erklärte: „Die katholischen Akademieschuler werden vom Staat genau so behandelt wie die evangelischen." Das schließt das Versprechen an die katholischen, sich gegen den bischöflichen Gewissenszwang auf- lehnenden Akademieschüler«in, daß sie ohne Rücksicht auf kirchlich« An- und Einsprüche in den Staatsdienst aufgenommen werden. „Auch in Zukunft werden alle Schuttypen unter Aufsicht des Staates stehen. Eine Wiederkehr der allen Kirchenschule ist unter allen Umständen ausgeschlossen." Mit unendstcher Zähigkeit, vor Gericht, durch das Parlament und von der Kanzel herab, verficht die katholische Kirche ihr Ziel, die Lehrerbildung zu konfeffionalisieren und zu beherrschen. Dem- gegenüber bleibt die sozialistische Forderung bestehen: Lehrerbildung nicht mit Rücksicht auf Konsession oder Weltanschauung, sondern nach pädagogischen weltlichen Grundsätzen. Richteuropäer gegen Paneuropa. In Budapest haben schon zum zweitenmal rechisexireme Studenten Versammlungen der Paneuro- päischen Union gewaltsam auseinandergetrieben. Altmeister der Buchkunst nicht zurückgestellt werden. Man wird Corinth, Orlik. Slevogt und viele andere deutsche und ausländisch« klassisch« Künstler des Buches hier vertreten finden. An dem dichterischen Gesamtwerk Gerhart Hauptmanns, das von den schlichten Erstausgaben bis zu seinen letzten großen Dichtungen auf der Ausstellung gezeigt werden soll, wird man die Entwicklung der Buchkunst in Deutschland oerfolgen können. Be- sonders interessant aber wird»in Saal mit Kinderbüchern werden. Auch hier soll nur das Schönst« gezeigt werden, was von Künstlern aller Nationen geschaffen wurde. Man darf sich dieser internationalen Bücherschau von Herzen freuen, die einen fried- lichen Wettkamps der Nationen darstellen wird und darüber hinaus Anregung geben zu weiterer Vervollkommnung der Leistungen aus diesem Gebiet. Ein Friedhof von Kiesenechsen in Afrika. Die oom britischen Museum entsandte naturwissenschaftliche Expedition, die im Tangan- jikagebiet in Ostafrika Ausgrabungen veranstaltet, ist auf Ueberreste von Dinosauriern gestoßen, die so dicht übereinander geschichtet waren, daß es schwer war. sich einen Weg durch den Friedhof zu bahnen. Es wurden nicht weniger als 30 Riesenechsen verschiedener Art ausgegraben. Ein besonder» gewalliges Skelett erforderte die Arbeit von 80 Trägern, um es zum Hajen zu schaffen.„Man braucht nur durch da» Land zu wandern, in der Nähe von Tendaguru. wenn in der heißen Jahreszeit das Gras abgebrannt ist," schreibt ein Mitglied der Expedition in der englischen Fachzeitschrist„Natural History Mago- zine",„um einen Begriff davon zu bekommen, wie ausgedehnt dieser Dinosauriersriedhos ist. Stürme und Regen haben im Laufe der Jahre die Eteinschicht abgeschwemmt, die sich über den Resten der Echsen aufgetürmt hatte, so daß diese heute an der Oberfläche liegen. Man gewinnt den Eindruck, als wenn sich hier ehedem in dem Bett «ine» Flusses, der während des größten Teils des Jahres wasserlos war, ein Teich gebildet habe. In der heißen Zeit, in der alles Gras verbrannte und die Flußläufe ausgetrocknet waren, mögen sich die hungrigen und durstigen Lebewesen an den Teich geflüchtet baben. um in der dort spärlich wachsenden Vegetation den Hunger zu stillen und den Durst zu löschen. Hier sind sie dann, als das Wasser vollends austrocknete, zugrunde gegangen. Der Sand bedeckte sie, und der in der Regenzeit einsetzende Wasserlauf tat ein übriges, um ihre Reste vollends zu begraben. Vevst»« Schavfpleter nach ZRoefan. Wie ew Moskauer Mirndblatt meldet, bat der Dberregisscur des MoSl-ner Kleinen Theaters, LanSkoi, iu Berlin Berdandlungen mit verschiedenen prominenten Bühnenkünsileru über Mösl spiele in MoSka» gcslibrt. Nie LanSkoi erklärt, hofit er für d-e nächste Spielzeit neben Elilabeth Bergner und Käie D ort ch d>e Schauspieler Krauh.Wegener und Bajsermaun nach MoSlau ja bringen. aruudlShllch»» verbot kommonlNtlchee Filme tu Holland.„NIeitive Rotterdamfche Caurantt zufolge stnd die Bürgermeister der Städte Amster» dam. Roiierdam, Haag und Utrecht übereingekommen, ein grundsätzliche» Verbot für alle Filme, die kommuniftifch-bolschewistifche Tendenz aufweifen, zu»rlafsen. Karl Sieber, Profefsor an der Technischen Hochschule zu Nachen, ist g e st» r b« v. Er bat sich als ilrchitelt einen Namen geuuuht und stch besonder» um die Städtebauluast Verdienste erioorbeu. Wer ist öer Menöl'eb? Verfahren gegen„Unbekannt". Die gestohlenen Akten, die von der deutschnationalen Partei- leitung nicht nur angekauft, sondern auch weidlich gegen die Sozialdemokratie ausgeschrotet wurden, schienen ins Meer des Dergesiens versunken zu sein. Aber im Stresemann- Prozeß zu Plauen tauchten sie wieder auf. Die jetzigen Koali- tionsgenossen der Stresemann-Partei haben sich nachweisen lassen müssen, daß sie den A k t« n d i e b st a h l begünstigt und gegen Zahlung von mindestens SlXW Mark sich die Stinkbomben ver- schafft haben, die sie, wie früher gegen bekannte Sozialdemokraten, so jetzt gegen Stresemann warfen. Der Staatsanwaltschaft in Berlin sind die Männer hinreichend bekannt, die diese Aktenberge als angebliches.Altpapier" feilboten und kauften. Es ist nichts gegen sie unternommen worden, es sei denn, daß der Assessor Kußmann sie.sicherstellte" in dem Raum, in den sie durch seine deutschnationalen Freunde um Knoll verbracht waren. Nun bekommt aber, wenn der„Iungdeutsche" recht unter- richtet ist, der gestohlene Aktenberg neues Leben. Stresemanns Per- treter im Plauener Prozeß, Rechtsanwalt Dr. Kuntz, hat nämlich bei der Staatsanwaltschaft ein Versahren gegen Unbe- kannt wegen Hehlerei von gestohlenen oder durch Amtsvergehen erworbenen Akten beantragt und dem Justizminister davon Kenntnis gegeben. Als vermutlich bei diesen Dingen beteiligt oder jedenfalls unterrichtet hat der Rechtsanwalt den deutschnationalen Haupt- geschäftsfllhrer Dr. Weiß, den Oberregierungsrat Goebel, den Kapitänleutnant a. D. K a u t t e r von der Deutschnationalen Partei, den Verleger Bacmeifier von der.Bergisch-Märkischen Zei- tung", den Major a. D. S t e i n(Rumpelstilzchm) aus der Zeiwngs- zentrale des Hugenberg-Konzerns, sowie die Herren Kranz und Knoll benannt. Ferner ist beantragt worden, auch die Frage zu klären, woher die 5000 M. und die übrigen Gelder gekommen sind, mit denen die Akten bezahlt wurden. Die Staatsanwaltschaft sollte den früheren Staatsanwalt, jetzigen Landgerichtsrat P e l tz e r, sowie die Assessoren K u ß m a n n und T a s p a r y fragen. Sie sollte sich auch den sauberen Wolf» gang Breithaupt vornehmen, der ihr vielleicht einiges ver- raten könnte. Sie sollte... Aber sie wird kein sonderliches Interesse daran haben, festzustellen, daß ein gut Teil der Hetze, die gegen hervor- ragende Männer des öffentlichen Lebens betrieben ward, aus dem Attenberg gespeist wurde, dessen Hehler der Staatsanwaltschaft seit Jahren bekannt war, ohne daß sie freiwillig nach dem Stehler gesucht hätte. Wenn nicht der Justizminister den Herrschaften dienstlichen Auftrag erteilt, die Nachforschungen sehr gründlich vorzunehmen, wird die Aktion des Rechtsanwalts Kuntz im Sande verlaufen, wie so vieles andere.. Nummer 12. Schkechi aus der KPD. ausgeschlossen. Die Liste der„linken Kommunisten" im Reichstag hat abermals eine Bereicherung erfahren. Sie enthüll nun auch ein Feld für den Abgeordneten Schlecht, der von der KPD.-Zentrale aufgefordert worden war, sein Mandat niederzulegen, dieser Aufforderung aber nicht nachgekommen war. Von den ursprünglich gewählten 45 gehören jetzt nur noch 33 der kommunistischen Reichstagsfraktion an. Es ist nicht zu erwarten, daß dieser Bestand bis zum Ende der Legislaturperiode erhalten bleiben wird. Der aus der kommunistischen Retchstagsfraktion freiwillig aus- geschiedene Abg. Dr. R o s e n b e r g hat sich n i ch t auf der Liste der„linken Kommunisten", sondern aus einer anderen eingetragen, die den Vermerk trägt„Bei keiner Fraktion". Auf Ihr steht er nun neben Lange-Hsgerrnaim. Ludendorff und Sefffert als vierter. Der Kampf gegen üie Arbeitslosigkeit. Beschäftigung bei Notstandsarbeiten in Preuße«. In Preußen sind im ersten Vierteljahr(Januar bis März) dos Kalenderjahres 1S27 täglich im Durchschnitt 78 000 Rot- standsarbeiter beschäftigt worden, und zwar bei Notstands- arbeiten, die nur mit einer Grundförderung aus den Mitteln der unterstützenden Erwerbslosenfürsorge gefördert wurden. 20 000 Er- werbslose, und bei Nosslairdsarbetten, die neben der Grundfärderung auch«ine verstärkte Förderung aus dem Fonds der produktiven Erwcrbslosensürsorge erhalten, rund 38 000 Erwerbslos«. Bon diesen Notstandsarbeitern wurden im Berichtsmerteljahr insgesamt 3123143 Erwerbslosentagewerke geleistct. Hiervon«nt- fallen auf: Meliorationen........... rund 10D Proz. Straßenbauten........... rund 42,2, Anlage von Sport» und Spielplötzen... rund 1t, 8» sonstige Tiefbauten......... rund 81,3 Baustoffherste llung, Vorbereitung von Sied- lungSgelände usw.......... rund 4,7, Der Rückgang der Beschäftigungsziffer bei Meliorationen gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 1026(16 Proz.) ist ausschließlich auf die ungünstig« Witterung der Wintermonate zurückzuführen. Kommunisten als tzelfer üer Unternehmer. Lammers und Letse in Genf gegen Gewerkschosts» forderungcn. Genf. 10. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In der Räch- mittagssitzung der Industriekommission der Weltwirsschoste- konferenz, über deren Vormittagssitzung wir bereits im größten Teil der Abendausgabe berichtet haben, sprachen die Genossen Jouhaux, Pugh und Mertens. Zouhaux wandte sich in sehr»irksamer Weise gegen die wteder- Hollen Angrisse der Sowjetvertreter. Er führte dabei den Nachweis, daß die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale stets für die jetzigen Forderungen der Sowjetdelegierten eingetreten sei. Die V«r> treter Sowjetrußlands aber könnten kaum behaupten, daß in Ruß- land die gewerkschaftliche Freiheit gewahrleistet sei. Pugh(England) und Mertens(Belgien) setzten in geschickter Weise die Gründe auseinander, welche die Arbeiterschaft veranlassen, die Wirtschaftsrationalisierung zu unterstützen, trotzdem sie in oer- schiedcnen Ländern damit keine guten Ersahrungen gemacht haben. In der Handelskommission sprach Genosse Eggert über das D u m p i n g.«kr schloß sich mit allem Nachdruck der von dem schwedischen Vorsitzenden Zydbeck gegebenen Begriffsbestimmung des Dumping an, wonach vom Dumping nur gesprochen werden kann, wenn eine bestimmte Ware auf den ausländischen Märkten billiger oerkauft werde als auf dem inländischen Ma r k t des Erzeugerlandes. Das Valutadumping könne heute als überwunden gellen. Schlimmer als jede andere Art von Irgenöwo in Sibirien... Schicksale oppositioneller Kommunisten in Nnsiland. In Kreisen der Kommunisten zirkuliert das folgende Dokument, j für das der ehemals offiziell kommunistische, jetzt linkskommuniftische Reichstagsabgeordnete Schlagewerth verantwortlich zeichnet. (dstener örief an die Arbeiter-Delegationen, die von Amerika und Europa nach Sowjetrußland jähren. Lebt Mjasnikow und seine Genossen noch? Werte Genossen! Da Ihr eventuell nach Sibirien fahren werdet, verlangen wir von Euch, daß Ihr die dort in Gefängmssen schmachtenden linken Arbeiter-Kommunisten(Arbeiter- gruppe) und vor allen den Genossen Gabriel Mjasnikow (Tomjk), Nikolai Kusnezow(Barnaul) und Genossen P o r e st a- t o w(Semipalatinsk) aufsucht, nüt ihnen persönliche, ausführliche Aussprache haltet und uns Eure Meinung und Eindruck über ihren Zustand und den ihrer Familie sofort berichtet. Ferner bitten wir Euch, folgendes in Rußland zu kontrollieren: 1. Am 27. Dezember 1S24 wurde ein Teil der verhafteten Arbester- kommunisten von Moskau nachts um 3 Uhr in einem Sonderzug unter verstärkter Bewachung der GPU. in die nordischen Wälder Rußlands(Tscherdinsk-Bezirk) verbannt. Was ist mit diesen Genossen weiter geschehen? Verlangt von der GPU. ein genaues namentliches Verzeichnis und die Gründe zu dieser brutalen Maßnahme. 2. Ein illegales Flugblatt der Moskauer„K o m m u n i st i s ch e n Arbeitergruppe" vom 8. Dezember 1924 benachrichtigte davon, daß die 11 verhasteten Mitglieder der Permer(Ural) Arbeiter- gruppe einen Hungerstreik begonnen hätten mit der Forde- rung eines Gerichtsverfahrens in der O e f f e n t l i ch t e i t. Fordert die Motivierung ihrer Verhastung und forscht nach ihrem Schicksal, denn feit dieser Notiz herrscht volles Schweigen über st«. 3. Weiter bitten wir Euch, bei der Zentral« der GPU. in Moskau unbedingt nachzufragen, was mtt all den anderen ver- folgten Mitgliedern der Arbeitergmppe geschehen ist. Aus den vielen heben wir hervor: Alexander Medwedjew(Moskauer Elektrotrust), K o t s chn o w, Tiunow, Jl i n, Ssorwin, Moissejew, Michailow, Versina, Demidow, Po- l o so w, M a t r o s o w, B a r a n o w. Die Genossen Demidow und Derssna sind, trotzdem st« Mitglieder des Sowjets (Moskau) waren, ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis geworfen, und auch Medwedjew, gegen den man kein authentisches Anklage- Material finden konnte, wurde trotz schwerer Tuberkulose und siebentägigem Hungerstreik in Hast gehalten. 4. Nikolai Kusnezow sitzt seit Januar 1924 in Sibirien(Barnaul) im Gefängnis. Während dieser Zeit hat er, soweit die Nachrichten zu uns gelangten,� drei große Hungerstreiks gemacht, wovon der eine 13, ein anderer 1» Tage gedauert hat. Wenn Genosse Kusnezow zu dieser schaurigen Hungerwasse greift, so müssen wir daraus schließen, daß er im Kerker aufs grausamste unterdrückt wird und durch den Hungerstreik einen glühenden Protest in die Welt hinausschreit. Was ist jetzt mit diesem ehrlichen long- jährigen Kommunisten geworden? 5. In Uljanowsk(Simbirst) sind 17 Mitglieder der Arbeiter- opposition verhastet und verurteill worden: B a r i n o w und K o l z o w zu Gefängnishast in Tobolsk(Sibirien), die anderen in verschiedene entlegene Ortschajten zur Verbannung. Der Arbeiter- kommunist K a p u st i n, der während der Arbeiterunruhen im Don-Bezirk im Jahre 1924 nach Tscheljabinsk(Ural) zur Verfügung der Partei— angeblich— versetzt wurde, ist jetzt dort als Mitglied der linken Opposition verhastet worden. Tichelsadinsk ist überhaupt der Konzentratianspunkt aller Verhasteten und fast oller verurtcllten Oppositionellen Kommunisten. Besucht sie doch! 6. In der ausländischen Presse war veröffentlicht, daß in Riko» laijew am Schwarzen Meer der Vorsitzende der ukrainischen Räte. P e t r o w s k y, von 46 verhafteten Mitgliedern der Arbeiterkomnm- nisten 26 befreien ließ. Stimmt diese Meldung? Was geschah mit den übrigen 20 verhafteten Kämpfern? 7. Weller verlautbart die ausländische Presse, daß vier Genossen der Arbeilergrnppe im Uralgebiet und vier Genossen in Baku erschossen wurden, weil sie sich, als sie mißhandelt wurden, handgreiflich ver- teidigt haben. Grund ihrer Berhaftung war: man unterschob chnen die Inszenierung von großen Arbeiterunruhen und Streiks. 8. In einer am 17. Februar dieses Jahres von der Opposition der kommunistischen Arbeiter illegal in Iekaterinoslaw heraus- gegebenen Broschüre wird unter anderem die tierische Roh- heit der Ickaterinoslawschen(Swerdlowlk) GPU. beschrieben, die man gegen den Vertreter der dortigen Arbeitcraruppe Nilow an- wandte, welcher unter dem Verdacht stand, sich aktlv in dem illegalen verfolgten Aktionskomitee betätigt zu haben, welches mehrere Streiks in dem Bezirk durchgeführt hat. Nach der Auslieferung an die GPU. verlangte man von Nilow, der sich zurzeit in Einzel- hast im Gefänanishosoital befindet, das Einverständnis der gegen ihn erhobenen Änschuloigung. Auf Nilows entschiedene Weigerung, die ihm gestellten Fragen zu beantworten, ordnete der Untersuchungs- lichter an, ihn nackt anszuziehen und ihm 20 Peitschenhiebe zn geben.! Diese bestialische Handlung ließ man von baschkirischen Rotarmisten ausführen(Mongolen). Nach dieser schrecklichen Mißhandlung führte man den schwerverletzten Nilow, der unter den Armen ge- halten werden mußte, wieder vor den Untersuchungsrichter. Auch diese Peinigung hatte Nilows Schweigen nicht gebrochen. Wut- entbrannt über die Aussageverweigerung stieß der Untersuchungs- lichter ihm mit seinem Gewehrlaus ein Auge aus, und blutüberströmi brachte man Nilow in seine Einzelzelle zurück, wo ihm erst nach zwei Tagen etwas Hilfe gebracht wurde. Die Flugschrift oerlangt die un- verzügliche Verhaftung dieses Untersuchungsrichters der GPU. sowie die Auslieferung des gesamten GPU.-Vorstand«s von Swertlowft an das Gericht. 9. Ueber den Genossen G. Mjasnikow geht unter den aus- ländischen Arbeitern und in der ausländischen Presse das Gerücht umher, daß er von der GPU. Tomsk erwürgk ist, was unter den westeuropäischen Arbeitern große Empörung gegen die Terror!- sterung der linken Proletarier Rußlands hervorruft. Werte Genossenl Wir bitten Euch, gerade aus diesem Grunde unsere Anfragen, die wir ganz brüderlich an Euch richten, nicht mit der üblichen Demagogie und Spitzfindigkeit abzutun, sondern ehrlich als Brüder der gleichen Klasse mit diesen ausgebeuteten russischen Arbeiterkommunisten die Dinge ehrlich zu prüfen, die Tatsachen der Ungerechtigkeit zuzugeben und Euch als Proletarier und Kämpfer für die Befreiung der schmachtenden Genossen einzusetzen und gegen alle anderen wiloeren Repressalien gegen die linken Kam- munisten ebenfalls Front zu machen. Dadurch, werte Genossen, werdet Ihr wirklich mehr Vertrauen und Sympathie bei der Welt- arbeiterschaft gewinnen und tatsächlich einen Schrttt zur Sache der revolutionären Einheitsfront gegangen sein. Internationale linkskommunistische Föderation. Für Deutschland: Lauterbach. E. G nillisch. Für Frankreich: F. D u p o n t. Für England und Schottland: Guy Aldred. Für Rußland: Iwan Karpelansky, Ehruschenko. Für die Tschechoslowakei: Anton Johann S w e t l i k. - Für den Orient: Ali A k b a r(Indien. N a m a d a(Iapan). Für Polen: W. M u s z y n s ki. Dumping sek das soziale Dumping, durch das Länder mit niedrigem Lebensstandard die in Ländern mit höherem Lebensstandard er- zeugten Waren auf Kosten der Arbeitsbedingungen und Lebens- hallung dieser Länder unterbieten. Aber auch das Dumping, so wie es vom Vorsitzenden definiert worden sei. sei schädlich und wirke Handels störend. Man werde sich aber überlepen müssen, ob eine Antidum- pinggesetzgebung«irklich das Ucbel an der Wurzel treffe. da sich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch wiederholt erkennen liehe, daß die Antidumpinggesetzgebung häufig zum Pro- tektionismus führe, während in Wirklichkeit ein Land, das eine Antidumpinggesetzgebung erlasse, doch auch die moralssch« Ber- pflichtunz habe, das Dumping im eigenen Lande zu bekämpfen. Auch fei eine Antidumpinggesetzgebung nicht mit dem Begriff der Meistbegünstigung vereinbar. Schließlich erinnerte Eggert an das Dumping, das aus gewissen politischen Bedingungen heraus einem Lande ausgezwungen werden kann, wodurch gewisse Staaten genötigt find, auch unbedingt mit ihren Waren auf den Weltmarkt zu komme«. Der Vertretar des Reichsverbandes der deutschen In» dustrie, Dr. L a m m e r s, hat sich mit seinen Ausführungen in Genf ähnlich wie früher Herr von Siemens zum Sprecher jener Unternehmerkreise gemacht, die mit ihrer Ablehnung einer Kaufkrasterhöhung und einer Wirtschasts- demokratie sich in st ä r k st e n G e g e n s a tz zu den berechtigte« Federungen der Arbeiterschaft stellen. Die Be- hauptung, daß eine Mitwirkung der Arbeiter bei der Kon- trolle der Kartelle preiserhöhend wirken könne, ist geradezu absurd. Wenn hohe Löhne die Konkurrenztraft der Exportindustrie einschränken, so ist es unverständlich, warum die deutschen Unternehmer gerade die Konkurrenz A m e- rikas, des Landes der höchsten Löhne fürchten. Lammers setzte sich in Widerspruch mit seinen eigenen An- schauungen, wenn er die Mitwirkung der Arbeiterschaft für die Kartellpolitik als bedenklich ablehnte und gleichzeitig an- erkennend hervorhob, daß die Arbeiterschaft bei der R a- tionalisierung in Deutschland mit großen Opfern mit- gewirkt habe. Den Unternehmern kommt es offenbar darauf an, auch die Tribüne der Weltwirtschaftskonferenz dazu aus- zunutzen, um ihre«irtschaftspolitischen und sozial reaktionären Auffassungen auf breitester Basis zu»er- treten, anstatt unter Hintansetzung der Gegensätze zunächst einmal die Stimmung der Welt in»inem für Deutschland günstigen Sinne zu beeinflussen. Ihre Taktik dabei wird nur übertroffen von dem Kommuni st e n L e t s e, der nicht nur in russischer Sprache, son- dern auch mit russischen Verhandlungsmethoden operierte. Nachdem sich noch am Montag der Russe Sokolnikow in heißem Liebeswerben um die Gunst der kapitalistischen Re- gierungen anderer Länder bemüht hat, sah sich Letse gestern veranlaßt, eine kommunistische Radaurede zu halten, die die Sache Rußlands vor der Weltwirtschaft höchstens lächerlich machen kann. Anders ist es nicht zu verstehen, wenn Letse ausgerechnet das von den Kapitalisten der Welt stark besuchte Genfer Forum dazu benutzte, um gegen die Gewerkschaften zu polemisteren und den Sozialdemokraten Sympathien mit dem Bürgertum vorwarf, dem sich vorgestern Sokolnikow an den Hals geworfen hat. Aber es kam den Kommunisten nur darauf an, die Sache der Arbeiterschaft schlecht zu machen, und deswegen wirkte seine Rede als eine Unterstützung der Lammers, Siemens und Genossen, die sicherlich dem Sowjetvertreter dafür dankbar � sein werden. Die organisierte Arbeiterschaft außerhalb Sowjetrußlands jedoch wird sich mit Entrüstung gegen das bolschewistische Clownspiel wenden, das in Genf aufgeführt wird, und sie wird daraus lernen, wie wenig Förderung sie von derartigen Kom- munistenhelden zu erwarten hat. Vas Schicksal öer flmerlkaflieger. Ernste Besorgnisse in Paris. Pari». 10. Mai.(MTV.) Ueber da» Schicksal der beide» französischen Flieger Rungejser und Coli ist noch nicht» bekannt. Da» französische Marineministerium hat den Marinebehörden in Brest und Cherbourg Anweisung gegeben. Schisse und Flugzeuge zu entsenden, die Nachforschungen nach dem Verbleib der Flieger an- stellen und Nachrichten übermitteln sollen. Ein Aviso, ein Torpedoboot, zwei Unterseeboole sind bereit» von Eherbourg in See gegangen. ferner sind drei Wasserflugzeuge aufgestiegen. Pari», 10. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Bis �12 Uhr nachts lag hier überhaupt teineneue Nachricht vor. Am Nachmittag war eine Meldung aus London eingetroffen, wonach der Kapitän eines amerikanischen Dampfers„Republic", der sich unterwegs nach Bremen befand, einen Funkspruch aufgegeben hätte des Inhalts, daß er das Flugzöug Nungessers und Collis am Sonntag mittag 320 Kilometer westlich der irischen Küste gesichtet hätte. Das fron- zvsische Lustfahrtministerium setzte sich sofort mit diesem Dampfer funkentelegraphisch in Verbindung und erhielt von dem Kapitän die kategorische Antwort, daß er n i e ein derartiges Funkentele- gramm aufgegeben und das vermißte Flugzeug überhaupt nicht gesehen hätte. Die einzige amtliche Mitteilung, die das Luftfahrt- Ministerium am heutigen Tag« herausgegeben hat, besagt lediglich, daß Nungesser am Sonntagvormittag Z�ll Uhr ander irischen Küste gesichtet worden sei. Ueber das Schicksal der beiden Vermißten herrscht jetzt in Paris ausgesprochener Pessiimsmus, zumal, wie jetzt hervorgehoben wird, ihr Flugzeug eigentlich gor kein Wasserflugzeug war, sondern lediglich mit einer Notvorrich. wng zum Schwimmen oersehen war. Ein Niedergehen auf hoher See müßte daher auch unter normalen Umständen für die Flieger sehr schwierig gewesen sein, um so schwieriger bei dem in den letzten Tagen herrschenden schlechten Wetter. Auch von dem Flugzeug Saint Romane» und seiner zwei Begleiter, das den Atlantischen Ozean von Afrika nach Brasilien erfolgreich überquert, aber sogleich die Rückreise angetreten hatte und seitdem vermißt wird, liegt keinerlei Nachricht vor. Wäh- rend im Falle Nungessers noch nicht alle Hoffnung aufgegeben ist. gelten Saint Romanes und sein« Begleiter schon jetzt als ver- loren, da ihr Flugzeug trotz der eindringkicheii Warnung des Marineministeriums überhaupt keine Schwimmvorrichtung besaß. Dem Sergbau geht es gut. Die Arbeiterentlaffungeu find unberechtigt. Vom«teiger Halbfell, Buer i. W., wird uns geschrieben: Die noch Abschluß des englischen Bergarbeiterkampfes zu erwarten- den Veränderungen im deutschen Kohlenbergbau sind pünktlich einge- treten, wenn sie auch anders aussehen, als man ollgemein erwartete. Gewiß ist der Absaß zurückgegangen. Einmal ist das auf die Jahreszeit zurückzuführen und zum anderen darauf, daß im bestrittenen Gebiet auch die englische Kohle wieder einen Teil des Absatzes deckt. Daß gewisse Mengen Kohlen gelagert werden, ist an sich nicht außergewöhnlich. Der Bergbau und besonders der Braun- kohlenbergbau können ohne Schaden gewisse Mengen lagern. Ja, der Braunkohlenbergbau hätte in manchem Winter den Bedarf an Briketts nicht decken können, wenn er nicht die Lagermengen aus den Sommermonaten zur Verfügung gehabt hätte. Wesentlich für die a n d e r e Art der jetzigen Absatznot des Berg- baues ist der Kohlenpreis. Im Frühjahr 1926 waren die Preise im bestrittenen Gebiet unter Einfluß der subventionierten eng- tischen Konkurrenz, die jeden Preis unterbot, so schlecht, daß die Selbstkosten der Gruben aus diesen Preisen nicht gedeckt werden konnten. Heute sind die Preise auch in diesen Gebieten erträglich: in England haben sich die Bcrhältnisie nämlich wesentlich anders entwickelt, als die englischen Unter- nehmer hofften und als man dem deutschen Publikum, besonders durch die Unternehmerpresie, vormachen will. Eine Erhöhung des Förderanteils je Mann und Schicht und damit eine Derbilliguna Lohnkosten ist, wie wir im voraus behauptet haben, nicht«Ii treten. der nge- Die Engländer mit ihren wesentlich höheren Selbstkosten tonnen sich daher, wenn sie nicht große Zubußen machen wollen, Unterbietungen nicht leisten. Die Kampfkraft der Bergwerke und des Kohlenhandels dürfte außerdem infolge des langen Streiks auch nicht sehr stark sein. Dabei geht die Zusammenfassung der englischen Bergwerke nicht v?m Fleck. Die Rationalisierung, von der man sich viel versprach, kann sich nicht in den, Maße auswirken wie in Deutschland. Denn einmal fehlt, um die alten Gruben zu modernisieren, das notwendige Geld. Zum anderen können klein« Maßnahmen, die im deutschen Bergbau möglich waren, z. B. vermehrte Einführung von Schrämmaschinen, in England nicht angewandt werden, da auf diesem Gebiete früher schon fast alles geschehen war. Die Kämpfe gehen im englischen Bergbau auch weiter, so daß es gegen die Oppo- fition der Arbeiter wahrscheinlich auch nicht möglich sein wird, in der nächsten Zeit eine nennenswerte Verbilligung der Selbst- kosten zu erreichen. Die englische Presse berichtet z. B., daß die Berg- arbeiter die Stunde der längeren Arbeitszeit, die in einigen Bezirken eingeführt wurde. Boldwin- Stunde nennen, und daß bei Be- ginn dieser Stunde ein gewisier passiver Widerstand einsetzt. So fehlt die preisdrückende Konkurrenz mehr oder weniger. Der deutsche Bergbau erfreut sich deshalb erträglicher Preise. Weil dem aber so ist, muß man sich auss schärfste gegen die zahl- reichen Arbeiterentlassungen wenden, die in den letzten Tagen, wie die Press« meldet, vorgenommen wurden. Gut fundierte Gesell- schaften, z. B. die Zeche Ewald, entlassen Arbeiter, trotz. dem sie finanziell glänzend stehen und zweifellos sehr gut für einige Monate die Arbeiter mit fruchtbringenden Arbeiten(Vor- richtungsarbellen) beschäftigen könnten. Die Werke, die damit rech- neu, daß sie bei auswärtsgehender Konjunktur immer noch Vorrichtungsarbeiten machen können, sind volkswirtschaftlich falsch einge- stellt und schädigen das Volkswohl. Daran, daß der Ruhr. bergbau in der Zeit der Absatznot im vorigen Jahr statt Dorrich- tungsarbeiten zu machen, die Arbeiter entließ, lag es, daß in der Zeit der hohen Anforderungen der deutsche Steinkohlenbergbau nicht gerüstet war. Die Reichsregierung, die in ihren Reden ja von Volkswirtschaft- lichem Berständnis und Arbeiterfreundlichkeit trieft, sollte einmal aus diesen Werten nächprüfen lasten, ob sie auch ihrer vaterländischen Pflicht nachgekommen sind und alles getan haben, um ihren arbeits- willigen deutschen Arbeitern Arbeit zu geben. Wie wäre es mit einer solchen nationalen Tat? Di« Lohnerhöhungen der letzten Zeit belasten zwar den Bergbau. Das will jedoch nicht viel sagen, denn nach wie vor liegen die Löhne der deutschen Bergarbeiter beachtlich niedriger als die der englischen, trotzdem der Förderanteil im englischen Bergbau gegen Ruhrgebiet und Oberschlesien geringer und gegen die kleineren Revier« nicht beängstigend höher ist. Vergleicht man das Ruhrgebiet, dos in Deutschland die höchsten Löhne aufweist, mit England, so ergeben sich L o h n k o st e n j e T o n n e, die im R u h r- gebiet um etwa 70 Proz. tiefer liegen als in Eng- land. Diese Kluft wird auch durch andere Belastungen, die der Ruhrbergbau hat, nicht ausgefüllt. Anderen Bergbaubezirken geht es ähnlich. Aus diesen Gründen kann der B e r a b a u für die nächste Zeit optimistisch sein und aus diesen Gründen muß der Abbau von Bergarbeitern verhindert werden. Setriebsrätewahlen bei üer Reichsbahn. Am 12. und 13. Mai erfolgen bei der Reichsbahn die Neu mahlen der örtlichen Vetriebsvertretungen, der Bezirksbetriebsräte bei den Reichsbahndirektionen und des Hauptbetricbsrats bei der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in einem Wahlgange. Die Betriebsrätewahlen gewinnen diesmal eine besondere und erhöhte Bedeutung für das gesamte Personal. Ist doch gerade die Lohnbewegung vorüber, die ein nachhaltiges Echo in allen Arbeiter- und Beamtenkreisen fand. Die besondere Rote bei dieser Wahl wird in der A n t w o r t der Cisenbahnerschast a u f das Verholten der R«ichsbahnverwaltung b«i den wochenlangcn Lohnoerhandlungen liegen. Die Reichsbahn- Gesellschaft hat es verstanden, aus Kosten des Personals, unter intensivster Anspannung der Arbeitskraft des gesamten Personals, di« sich in der Verlängerung der Arbeitszeit, Berklausulierung der Dienstdauervorschriften usw. auswirkte, den Jahresabschluß gunstig zu gestalten. Sie hat sich jedoch hartnäckig geweigert, den berechtigten Wünschen und Forderungen da» Personals Rechnung zu tragen. Das Verhallen der Reichs bahnoerwaltung war die Krönung de» unsozialen Ge- barens in dem verflossenen Jahre. Die Antwort der Eisenbahners choft wird ausklingen müsten in einer nachdrücklichen und ernsten Warnung an die reaktio- ren Kräfte, die in der Reichsbahn-Gesellschaft schalten und wallen. Die Eisenbahner, die sich mit großer Mehrhell um dos Banner des Einheilsverbandes der Eisenbahner Deutschland» scharen, wissen, daß die brutale Rücksichtslosigkeit der Reichsbahn- verwallung sich viel unheilvoller ausgewirkt hätte, wenn d«r„Ein- feitsoerband" dem Vorgehen der Reichsbahnverwaltung nickst ent- chlossenen Wider st and geleistet hätte. Das Ergebnis der letzten Lohnbewegung ist nur«ine Etappe in dem Kampfe für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen des gesamten Per- sonals. Die Eisenbahner wisien auch, daß nnt der einmütigen St i m m en a b g a b« für den Einheitsverband schärfster Protest gegen die Zersplitterung der Kräfte und Quertreibereien erhoben wird, die von den kleinen Organi- sotionen, von den christlichen Gewerkschaften bis zu den Kommu- nisten in den vergangenen Iahren getrieben worden sind. D i e Führer der christlichen Gewerkschaften sind in der Frage der Arbeitszeitoerkürzung mit de m Besitzdürger- block durch dick und dünn gegangen; sie sind deshalb in erster Linie für die Beibehaltung des Zehn- stundentages verantwortlich. Unter dem Banner der Einmütigkeit Und Geschlossenhell heißt für olle Eisenbahner der Kampfruf: Alle Stimmen dem Einheilsverbandei Reichstonferenz der Krastwerkarbeiter. Gasfernversorgung und Glektrizitätswirtschaft. vorkmund, 10. Mai(Eigener Drahtbericht.) Die 2. Reichs- konferenz der Gas-, Wasier- und Elektrizitätsarbeiter in Dortmund nahm u. a. auch eingehend zu den� Fragen der Gasfern- und Elektrizötsverforgung Stellung. Für die Durchführung kommunaler Gasversorgung forderte die Konferenz nach einem Re- ferot des Stadtbaurots Oe v e r b e r g- Mainz: Belieferung der Bevölkerung mit Gas durch die öffentliche Hand, in erster Linie durch di« Gemeinden, Ablehnung jeder Beteiligung privaten Kapitals, Befreiung aller Kohlenlieferungen an die öffent- lichen Gasanstalten von der Kohlensyndikotsabgobe, Er- richtung von kommunalen Gemeinschaftswerken zur Verbesierung und Verbilligung der Gaserzeugung und Verteilung, planmäßige Belieferung des gesamten Dersorgungs- gebietes, um so den weniger erttagsfähigen, dünnbesiedellen Ge- bieten den Gasbezug zu ermöglichen. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten ergeben, daß die öffentlichen Betriebe in technischer, kaufmännischer und sozialer Beziehung den privat kapi- t a l i st i s ch e n Werten nicht nur vollkommen gleichwertig, sondern in der Regel weit überlegen sind. Ein Grund zur Umwandlung von Regiebettieben in eine andere Rechtsform bestehe also nicht. Die Reichstonferenz spricht daher die Erwartung aus, daß in allen Parlamenten von der Arbeiterschaft der Kampf gegen die versuche der Schwerindustrie, das gesamt« Reichsgebiet mit Kokerei- gas zu oersorgen und dadurch di« kommunalen Gasanstalten stillzulegen, durchgeführt wird In bezug auf die Elektrizitätsversorgung forderte die Konferenz, daß di« Versorgung der prioattapitali- stischen Ausbeutung entzogen und ausschließlich durch öffentlich rechtliche Körperschaften bettieben wird. Die moderne Entwicklung in der Elekttizitätsoersorgung habe die wirtschaftlich« und technische Ueberlegenheit einer kombinierten Erzeugung durch Kohle, Braunkohle und Wasierkraft erwiesen. Deswegen habe die Versorgung auch möglichst über große Wirt- schastsgebiete hin einheitlich zu erfolgen. Di« Konserenz verlangt bei der ständig steigenden Bedeutung der Elekttizitätswirtschaft dringend den baldigen Erlaß eines besonderen Reichsgeletzes über die Sozialisierung der Elektrizitätswerke. Träger dieser Betriebe müßten Reich, Staat. Provinzen. Kreis« und Gemeinden sein._ Streik üer Steinmetzen üer Werkstein gruppe. Die Steinmetzen der Werksteingrupp« hatten bei Ablauf des gülligen Lohntarises entsprechend der Teuerung ein« Erhöhung der Löhn« gefordert, di« jedoch von den Unternehmern o b g e- lehnt wurde. Die Steinmetzen hatten«ine Erhöhung des Lohnes von 1,45 HR. auf 1,70 M. die Stunde gefordert. Nach dem Scheitern der Verhankstungen wurde der Schflchtnng»- ausschuß angerufen, der einen völlig unzureichenden Schiedsspruch fällte, wonach die Löhn« ab 1. Mai um S Pf. und ob 1. Oktober um weitere 4 Pf. erhöht werden sollten. Die Versammlung der Steinmetzen der Werksteingrupp«, die Montag abend zu dem Schiedsspruch Stellung nahm, beschloß mll erdrückender Mehrhell die Ablehnung des Schiedsspruchs und di« Niederlegung der Arbeit für Dienstag früh. Gleichzeitig wurde die Lohn- forderung dahin festgesetzt, daß ab 1. Mai der Lohn 1,60 M. be- tragen soll. Die Arbell ist gestern geschlossen niedergelegt worden. Eine Anzahl von Betrieben, die mehr als ein Viertel der Arbeiter der Werksteingruppe beschäftigen, hat die Forderung bereits bewilligt. so daß dort die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Die Bau- arbeiter werden darauf aufmerksam gemacht, daß nur solche Stein- metzen der Werksteingruppe zur Arbeit zugelassen sind, die sich im Besitz der Arbeitsberechtigungskarte befinden. Die Streikenden erwarten die vollste Solidarität aller Kollegen vom Bau._ was man üer»Noten Jahne" schreibt. In der Schuttablagerungsstelle der„Roten Fahne" vom Diens- tag wird eine Zuschrift veröffentlicht, in der behauptet wird, daß der Redakteur Steiner vom„Vorwärts" und der ZdA.-Angestellte Schmolinski im Bureau des Direktors der Zentralexpedition der Blaubandwerke hinter verschlossenen Türen Abbitte wegen eines Artikels, der im„Vorwärts" erschienen war, gelesstet und die ange- botene Unterstützung des Arbeiterrats abgelehnt hätten. In Wirk- lichkeit haben sich die Dinge umgekehrt zugetragen. Der Vor- sitzende des Arbeiterrats wurde im Bureau des Direktors von dem oben Genannten über die Vorgänge eingehend befragt. Außer diesem wurde auch noch ein« Reihe anderer Angestellter gehört. Der Vor- sitzende des Arbeiterrats Hot selbst erklärt, daß ein Grund zur Ent- lassung des betreffenden Angestellten vorlag. Dieser Angestellte wurde damals in einer gleichwertigen Stellung bei den Blauband- Margarinewerken untergebracht. Eine Differenz bestand also nicht mehr._ Aussperrung in der Saarländischen 5?ertigindustrie. Saarbrücken. 10. Mai.(Mtb.) Der Arbeitgeberverband der Soarindustti« hat sämtliche Arbeiter seiner Mitglieds- firmen aus der Fertigindusttie am 7. Mai ausgesperrt. Vor etwa acht Tagen waren 4000 Arbeiter in den Ausstand getteten, da sie den vom Arbeitgeberverband beabsichtigten lOprozentigen Lohnabbau nicht annehmen wollten. Don der Aussperrung werden etwa 7000 Arbeiter betroffen. Die Arbetterschast der Dillinger Maschinenfabrik, die etwa 1400 Mann beschäftigt, ist gestern zum Protest gegen den Lohn- a b b a u geschlossen in den Streik getreten. In den einzelnen Werten wird stark vermindert gearbettet. Lei Alix u. Genesk. vauabteilung, Dülowstr. 66, sind die M o n> teure und Helfer am Dienstag früh wegen Lohndifferenzen in den Streik«ingetreten. Die Streikenden ersuchen olle Kollegen, darauf zu achten und Solidarttät zu üben. ßonditorent Die Sperre über die„A n g st- K o n d i t o r e i", Inh. Patzek, Berlin SW., Lindenstraße 108, ist aufgehoben, da die bestandenen Differenzen beigelegt find. Räch wie vor bleiben gesperrt: Konditorei Geppler, Oranienstraße 13(am Heinrichsplatz), Konditorei und Cafe Kol- berg, Berlin, Prinzen-Allce ZS,26, sowie Versand-Konditorei K n o b e u. C o., Berlin N., Müllerftraße 40a. Die Konditoreiangestellten kämpfen hier wetter um ihre tariflichen Rechte. Nchtuua, elES.-«on»cr,! Donnerstag abend T Uhr Im Zirttaurant.- V JJur lchlesilchrn Hrimat�, Neue Friedrichstr, 1, tzraltiansorrsammlung ja W des«CEffi.-flon.ietnä. Tagesordnung: ,Aufstrllung dcr List« zur Grfanrt._ e betriebsratswahl. Ohne PartriauswolS Irin Autritt. I Der Fraktionsvorstand. Znaendgruppe de, AdA. Stuit, Mittwoch, 7Vi Uhr, tagen folgende Sc- heim der Schule Litaurrstr. 18. Dichter de» Humors. Verband der Maler, Lackierer. Anstreicher»fw. Trohe Funltionärlonkcrcnz aller im Beruf Tätigen morgen, Donnerstag, 7zb Uhr, im Gewerlschaftsftous. Engelufcr 24—25. Die Auswirkung des lestten Lohnabkommens. Arbeits- konlrolle. Jeder Setrieb muß vertreten fei». Der Vorstand. Tapezierer. Mitgliederversammlung morgen, Donnerstag. 7 Uhr, Saal t, Sewerischaftshaus. Vortrag:„Das Arbeitsgerichtsgeseh.' Verschiedenes. Erscheinen ist Pflicht. Mitgliedsausweis legitimiert. Freie Tewerkschaftsjvgead. Heut« abend 7tb Uhr tagen die Gruppen: Sie»- kölln I: Truppenheim Jugendheim Sergstr. 29, Hof. Vortrag:„Entstehung und Entwicklung der deutschen Gewerkschaften/— Südwesten: Gruppenheim Bezirlsjugendheim Städt. Schwimmhalle Säewaldstr. 64. Vortrag:„Das Schlichtungswesen/— Eharlotteoburg: Truppenheim Jugendheim Deutsches stranienkassenhaus, Berliner Str. 187. Vortrag:„Die wirtschaftlichen Ursachen der kämpfe in China."— Nordring: Truppenheim Jugendheim Eberswalder Straße 10. Vortrag:„Lehrlingsrecht und.pflichten,"— Vanmschnlenweg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. 16. Srettfpielabend.— Wrißensre: Jugendheim Parkstr. 36. Vortrag:„Bub und Mädel."— gevtrvm: Zugend- heim Aehdenicker Str. 24— 25. Vortrag:„Was will die FTI.7"— Franlfurter Allee und Laudsbergcr Allee: Spielabend auf dem Spielplatz Elbinger Straße, Wiese Nr, 8. Einlaß nur mit Heimausweis.— NiederschSarweide: Zm Zugend- heim Nieberschäneweide, Berliner Straße, Ausammenkunst.— Wanderleiter- kursu«: Der nächste Abend„Kartenkunde" findet am Montag. 80. Mai, im Jugendheim des Deutschen Metallarbeiteroerbandez, Linienstraße, statt. Verantwortlich kllr Politik: Vietar Schill; Wirtschaft:«9. klingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: Frlrdr. Etzkorn: Feuisteton: K. H. Discher: Lokale, und Sonstiges: Fritz Karstödt: Anzeigen: Th. Stocke; sämtlich in Verlin Verlag: Vorwärts-Verlag S m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Pertagsanstalt Paul Singer u Eo.. Verlin EW 68. Lindcnstrage 8. Sirrin 2 Beilage» und„Unterbaltnna und Willen". GOLD-SABA jmtkatbm /nu�Sabakji x/M�/nzujßbte/ri SmtcJrMch/manlp� &rnt&, Aterwyru/j�/iiHjz Jz&i/n/z, ßrtlheA� leichte, bekömmliche G�ualitÄt' blumigem Aroma -rmd glathan, weissen. Brand GARBATY N-.«o. 1. Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 11. Mal 1H27 Vom Wasser begraben! Um Warthe und Netze sind 30000 Morgen Land überschwemmt. Mi vrandinlmrglschi Londwirtslhaft-kammer hatte Vertreter von Berliner Rettungen zur Besichtigung der Ucdeifchwenummgs» gebiete an der Warthe und an der Rehe«ingeladen. Warthebruch und Netzebruch werden alljährlich im Frühlina von Ueberjchwemmunaen heimgesucht. In diesem Jahr sind die Niederungen um Warth« und Netze in so weitem Umsange unter Wasser gesetzt, daß für die Bevölkerung schlimmster Schaden zu erwarten ist. Die auhergewöhnlich großen Ueberschwemmungen haben hier seit der zweiten Halste des Krieges sich ziemlich in jedem Jahr wiederholt, so daß schwere Wassersnöte fast schon zur Regel geworden sind. Eine Fortdauer dieser Schädigungen wäre für Ackerbau und Viehzucht, die in den meistbetrossenen®e. genden schon merklich heruntergekommen sind, nicht mehr zu er- tragen. Immer dringender fordern daher die in ihrer Arbeit und ihrem Erwerb bedrohten Bruchbewohner durchgreifende Abhilfe- maßnahmen. Wasser, so weit öas �uge reicht! Wenn man, mit der Eisenbahn von Berlin kommend, bei Küstrin die Oder überschreitet und in das Gebiet ihres Nebenflusses Warthe eintrstt, zeigen sich bald die Bilder der Ueberschwemmung. Sie mehre» sich aus der Weiterfahrt nach Landsberg a. d. W. und lassen den Schaden ahnen, den diese ausgedehnten Ueberflutungen dem Landstrich bringen. Schwer leidet der Kreis Landsberg a. d. TD. und der ostwärts anschließende Kreis Friedeberg i. d. N* zu denen Marthebruch und Netzebnich gehören. Dort sind S0 000 Mor- gen Land samt vielen wegen so überschwemmt, daß manche Einzel- gehösle von jedem verkehr abgeschnitten sind. In tiefer gelegenen Stellen steht da» Wasser bis eineinhalb Meter hoch aus Wiesen und Steckern, und nicht obzuseben ist, wann diese Flut sich verlaufen haben wird. Mit oufsteiaendem Grundwasser, das den Boden durch. näßt und die Bewirtschaftung erschwert, haben die Bruchbewohner stets, aber in neueier Zeit immer mehr, zu kämpfen gehabt. Selbst in den Sommermonaten sieht man Gehöfte, die vom Wasser be- drängt bleiben. In den Frühsahrsmonaten kommt dazu das Hoch- wasier der Flüsie, das die Wasserschäden aufs äußerste steigert. Ein besonders gefährdete! Punkt ist immer die Einmündung der Netze in die Warthe, weil hier die sich stauenden Wasser der Warth« in die Netze hineingedrängt werden und diesen sonst ziemlich harmlosen Nebenfluß au« seinen Ufern drängen. Von der Jakobsbrücke, auf der man die Netze an ihrer Einmündung überschreitet, schweift der Gif. Das Weib, das den Mord beging. Roman von 5 ritz Reck-Malleczewen. Die kleine Sif ist so perplex, daß sie gar nichts verstanden hat. So verwirrt von dem Erscheinen der Witwe Grandjean ist die klein« Sis, daß sie im Augenblick gar nicht darauf kommt, das fortgeworfene Perlenkollier genau zu beschreiben und auf diese Weis« ihre Täterschaft nachzuweisen. Die kleine Sif ist nicht einmal imstande, sich ein wenig zu freuen über die Tatsache, daß sie nun doch keine Mörderin ist. Im Hirn der kleinen Sif erhält sich im Augenblick mit aller Hart- näckigkeit nur ein einziger Gedanke: daß sie eigentlich es ja doch getan hat, daß die Witwe Grandjean ja nur durch einen Zufall am Leben geblieben ist, und daß man trog allem büßen muß, wenn man zurück will zu seinem Frieden. Da steht sie denn da mit hilflos am Leibe herabhängenden Armen. „Ich habe es trotzdem getan/ sagt schließlich ganz leise die kleine Sif. Da aber geschieht es, daß der Hohepriester fein Gewand zerreißt, und daß im Tempel der Vorlchng klafft, und daß der„kleine Wütende" ohne Anwendung seiner Westinghouse- Bremsen sie anfährt: daß sie eine schlimme, eine verlogene hysterische Person sei, daß sie sich wichtig machen, daß sie sich mit ihren Schwindeleien eine kostenlose Ueberfahrt nach Europa habe verschaffen wollen... Und da, als sie zu Ende ist, diese väterliche Ermahnung, die Wort für Wort noch zwei Etagen tiefer im Keller gehört wird, da ist es eine schreckliche Klarheit, die sich aufbaut vor der kleinen Sif: daß alles Leid und alle Qual umsonst gewesen ist, daß sie beschmutzt ist von einer häßlichen Alberei des Lebens, daß sie beschmutzt und lächerlich weitergehen soll samt ihrer Schuld. Und nun ist es an ihr, aufzuschreien in ihrer Not, und nun ist es die große Empörung, die über sie ge- kommen ist... ach, was wissen sie denn, diese schmissebe- deckten Klötze und Stöcke ringsum von dieser Wut, die ge» boren ist aus dem guten, dem anständigen Bedürfnis nach Sauberkeit und aus dem sinnlosen Leiden der Kreatur:„Und trotzdem habe ich es getan! Und wenn es nicht so geworden ist. so ist das mein Verdienst nicht. Und weil es nicht mein Verdienst ist, so ist es meine Schuld. Und weil es meine Schuld ist, so muß ich mein Recht haben. Mein Recht... ja. sagt doch, was ihr wollt!" Dagestanden mit blitzenden Augen und geballten Fäusten Und einem heiligen Zorn, der schließlich erstickt in krampf- hastem. wütenden Schluchzen. Blick über die weite Wasserfläche, unter der das Land begraben liegt. Die Trostlosigkeit dieses Bildes kann auch durch die helle Frühlingssonne, die lachend das alles bejcheint, nicht gemildert werden. Der Schaöen für öle Lanöwirtschaft. Acht Wochen schon steht so das Wasser auf Wiesen und Aeckernl Die A ck e r b e st e l l u n g wird verzögert, und niemand weiß, ob er in diesem Jahr noch eine Ernte haben wird. Wenn die Wasser- Massen sich noch im Mai oder im Juni verlaufen, muß immer noch drei bis vier Wochen gewartet werden, ehe auf dem überschwemmt gewesenen Land«in Gespann gehen kann. Gibt es inzwischen ein paar starke Gewitterregen, so steigt das Wasser von neuem— und alle Hoffnung auf diesjährigen Ertrag aus dem Ackerbau ist ver- nichtet. Nicht weniger wird durch die Ueberschwemmungen die „Hinaus!" schreit der„kleine Wütende" und springt auf und oerhakt sich mit seiner Robe an der Tischecke, daß es einen Ruck gibt und einen wirklichen Riß in der schwarzen Toga vom Saum bis zu den Hüften. Da müssen die an- deren, der Zeuge Kerschlach und der Doktor Vonneilich, der Referendar Thörpolt und Gerichtsdiener Krause II... da haben sie allesamt plötzlich gerade mal was unter dem Tisch zu suchen und fangen merkwürdig zu zittern an mit ihren Rücken und haben rote Köpfe, als sie nach einer Weile wieder auftauchen. Da wird, geschüttelt von einem Weinkrampf, die kleine Sif aus dem Saale geführt.— Da liegt sie auf ihrer Pritsche und sieht den roten Sonnenfleck nicht, den der grimmig kalte Tag hineinschickt in die Zelle Nr. 376. Das Schluchzen ober dauert volle zwei Stunden an... oh, so entsetzlich ist dieses Schluchzen, daß es die Wärterin selbst erbarmt, und daß dieses alte Weib an dem Lager der kleinen Sif fitzt und tut, was sie noch nie getan hat, und das blonde Haar mit der dicken weißen Strähne streicht. Menschcnweib zu Menschcnweib, und Schwester zu Schwester. Die kleine Sif aber merkt es nicht. Sondern ist einge- schlafen in tiefer Erschöpfung. Schläft und sieht nun ein merkwürdiges Bild: sieht einen Vfahl und daran einen schönen nackten Knaben hängen, und Pfeile haben den Iünglingskörper durchbohrt... in der Hüfte lange gefiederte Pfeile, kurze dicke Pfeile in der mage- ren Brust. Und Tiere ziehen heran, ein langer, langer Zug: Oechslein mit zerstriemtem Fell und alte blinde müde Pferde mit tiefen eiternden Wunden im Rücken und hinkende fromme Esel mit gebrochenem Rückgrat. Und neigen sich in die Knie vor dem Marterpfahl, ein jedes eine kleine Welle, und ziehen weiter. Und verhüllte Menschenkinder kommen... ratlose Mütter mit toten Kindern im Arm, und alte Dirnen mit stumpfem Blick, und die verlorenen Söhne aus der weihnachtlichen Vorstadtkirche Santa Semana in Varracas el Norte und beschmutzte kleine Sifs— ein langer, langer Zug von Menschenleid. Und neigen sich alle eine kleine Weile stumm vor dem Pfahl und ziehen weiter. Und liegen bleibt auf den Knien nur ein verhülltes Weib, das hebt die gefalteten Hände empor zu dem Gefesselten in unfaßbarem Schmerz. Da zerfallen plötzlich die Schleier, und da sieht sie, daß sie es selbst ist, die da liegt. Und dann zerfallen auch die Stricke des Gefesselten, und da ist der magere schöne Knabe vornüber ge- funken in ihre Arme. Und sie hält ibn auf ihren Knien, wie ein anderes schmerzliches Weib den Sohn. Da wacht sie auf und liegt im Untersuchungsgefängnis Moabit in der Zelle Nr. 376, die nun schon bitter last ist. i Viehzucht geschädigt. Die Wiesen werden verschlammt, so daß sie ein Futter liefern, das dem Vieh Verdauungsstörungen und Krankheiten bringt. Den ärgsten Schaden hat die Viehzucht von der gefürchteten Leberegelseuche, deren Verbreitung unter dem Vieh durch Futter von Ueberschwemmungsland begünstigt wird. Bis vor dem Kriege gehörte das Netzebruch zu den besten Viehzucht- gebieten, aber die großen Ueberschwemmungen und unaufhörlichen Wassersnöte des letzten Jahrzehnts haben hier die Viehzucht her- untergebracht. Das kranke Vieh siecht In den Ställen hin, und oft fehlen die Mittel, aus nicht überschwemmten Gebieten gutes Futter zu kaufen. Selbst Besitzer, die man früher zu den Wohlhabenden zählen konnte, sind in Schwierigkelten geraten. Schon mancher hat, weil der geschmälert« Ertrag seiner Arbeit nicht mehr die Kosten des Lebensunterhaltes deckte, seinen Hof aufgeben müssen. Wie soll geholfen weröen l Gegen diese Not rufen die Bruchbewohner nach Hilfe. Die Zu- nähme der Wasserschäden wird aus reichlichen Niederschlägen, aus starken Abholzungen in den Zuflußgebieten und aus Bersandung der Warthe und Oder erklärt. Die preußische Regierung weiß, wie es da draußen aussieht. Sie beabsichtigt auch, dem Landtag ein Gesetz zum Schutz des Warthe- und Netzebruches vorzulegen. Durch» greifende Maßnahmen werden geplant und die Vorentwürfe sind fertig. Für die Netzeniederung von Driesen bis Zantoch und für das Warthebruch von Schwerin bis Küstrin soll eine geordnete Wasserwirtschost geschaffen werden. Gedacht wird an Herstellung eines großen Randkanals für die Netzeniedcmng, Ausbau der Dor- flutkanäle und Houptgräben, Verbesserung der Eindeichung, um Hochwasser abzuhalten, Anlegung von Schöpfwerken, um das hinter den Deichen sich sammelnde Wasser hinauszuschaffen. Aber mit den Beteiligten und den zu Beteiligenden verhandelt man noch, und in einigen Bezirken fehlt es auch noch an Deichverbänden. So lang« diese Träger des Unternehmens nicht da sind, gibt der Staat kein Geld. Die Gesamttosten sind auf 8 Millionen veranschlagt. * Zu hoffen ist, daß olle Schwierigkeiten bald überwunden wer» den. Eine Wassersnot, wie sie in diesem Jahr wieder über Warthe» bruch und Netzebruch gekommen ist, darf sich nicht nochmals wieder» holen. Nicht nur die Niederungen um Warthe und Netze, die un- mittelbar betrosfen werden, leiden schwersten Schaden. Auch das Wohl des Volksganzen fordert es, daß in diesem frucht- baren Landstrich nicht immer wieder der Ertrag von Ackerbau und Viehzucht geschmälert oder vernichtet wird. �Uich eine Folge ües Finanzausgleichs. Keine Berufs- und Fachschulausbildung. Wenig erbaulich ist die Auskunft, die von der Verwaltung der Berufs- und Fachschule über die üble Auswirkung des Finanzaus- gleichs erteilt wurde. Die bestehende außerordentliche Raumnot wird mit den beschränkten Mitteln der Stadt noch immer nicht behoben werden können. Die Folge liegt klar auf der Hand. Die Haustöchter und weiblichen Hausangestellten können nicht beschult werden. Der Hauswirtschaftsunterricht kann nicht in dem nötigen llmjange erweitert werden. Die durch Ortsgesetz vorge« sehen« Stunde für Leibesübungen kann nur in be» jchränktcm Umfange stattsinden und von der seitens der Landwirt« fchaftskammer und der städtischen Gütcrverwaltung gewünschten Landwirtschaftsschule kann überhaupt keine Rede sein. Die höheren Fachschulen können nicht so mit Lehrmitteln versehen werden, wie es der Stand der Technik und des Kunst» gewerbes erfordert. Die Laboratorien veralten immer mehr. Die Werkstätten zur Ausbildung der Qualität»» a r b e i t e r sind einfach ungenügend. Die früher vorbildlichen Fach- und Berussschulen von Berlin werden von auswärtigen Schulen überflügelt werden. Handel, Gewerbe und Industrie werden diefe Not des Berliner Haushalts in naher Frist zu spüren bekommen und unser Nachwuchs wird für den Lebenskampf ungenügend gerüstet sein. Es ist nur dringend zu hassen, daß auch hier die Stadt bald in der Lag« ist, ihre zwangsläufig ausgeschobenen Absichten aufzu- greifen und durchzuführen. Leb, weiß nicht wie lang, Sterb, weiß nicht wann, Fahr, weiß nicht wohin, Weiß nicht, was ich so fröhlich bin. Altes Lied. Die Enliasjungsformalitäten aber für frei geworden« Untersuchungsgefangene find kurz. Sie wickeln sich um f» rascher ab, je mehr die Staatskasse zu befürchten hat, nutzlos einen Untersuchungsgefangenen zu füttern.— i Da wird sie also auf irgendeiner Hintertreppe in ein Bureau geführt, in dem hinter einer Holzgalerie und vor einem offenen Kassenschrank ein gelbsstchtiger Mensch feines Amtes waltet und den zur Entlassung Kommenden ihre Hab- seligkeiten und ein Merkblatt des Vereins zur Versorgung entlassener Gefangener aushändigt. Habseligkeiten hat die kleine Sif nicht mitgebracht in dieses Haus, o nein. Und das Merkblatt jenes in seiner Wirk- samkeit durchaus nicht zu unterschätzenden Vereins hat sie dann sogar noch in der Hand, als sie eine halbe Stunde später das Haus verläßt. Und als ihr, die für diesen Bureau» menschen da offenbar geistig außerstande ist, den Entlassungs- beschluß in seiner Tragweite zu begreifen... als ihr dann eröffnet wird, daß von der Familie ihres Mannes hier die gleich auszuhändigende Geldsumme deponiert sei, daß sie über soundso viel Zehntausende zu quittieren habe, daß sie aber im übrigen gehen könne, wohin sie wolle: ssiche, da hört dieser von außergewöhnlichen Schicksalen doch wohl unberührt ge». bliebene alt« Rechnungsrat von ihr nur immer wieder ine halblaut gemurmelten Worte, daß sie es trotzdem getan habe, daß sie es eigentlich habe tun wollen und daß sie ihr Recht verlange... Worauf er kopfschüttelnd die Quittung der kleinen Sif heftet und in seinem Journal den einschlägigen Vermerk macht und ihr bedeutet, daß sie nunmehr fortgehen solle. Und die kleine Sif geht. Da ist ein langer Korridor mit römischen, nach der Wilsnacker Straße sich öffnenden Rund- bogenfenstern, da erhebt sich von einer der hier für den Parteienverkehr stehenden rohrgeflochtenen Bänke in Pelz und Gummigaloschen ein Mann... ja und plötzlich steht die kleine Sif dem Schwager Lex gegenüber. Der Schwager Lex, lebenstüchtig im Gegensatz zu seinem Bruder Robby und gewohnt» den Lebensnotwendigkeiten ohne Umschweife zu begegnen, eröffnet ihr, daß sie nach dem Vorgefallenen selbstverständlich die Familie eine Scheidungs- klage habe einreichen müssen: daß sie sich fortan nicht mehr dem Haufe Bruckner zuzählen dürfe, daß er aber, in Anbe- tracht der besonderen Umstände, sich oerpflichtet fühle... (Fortsetzung folgt.) Herlin und öer Stäötetag. Der Konflikt zwischen Reichshauptstadt und Städtcorganisationcn. In Koblenz trat am Montag der Vorstand des Deutschen und des Preußischen Städtetages zu'einer Sitzung zu- sammen, die sich vorwiegend mit den Fragen des Finanzausgleichs befaßte und bis gestern andauerte. Die schwere Benachteiligung, die Berlin beim letzten Finanzausgleich erfuhr, hat den Oberbürger- meister B ö ß zu einem Schreiben veranlaßt, in dem dieser gegen die Haltung des Städtetages protestierte und auf Grund einer Reso- lution der Stadtverordnetenfraktion den bevorstehenden Austritt Berlins aus dem Städteverband ankündigte. Mit dieser Begründung hatte er auch die Teilnahme an der Tagung abgelehnt. Die Vorstandssitzung der beiden Städtetage hat nun in einer Resolution die Beschwerden Berlins zurückge- wiesen und sich ziemlich schroff dagegen gewandt, daß Meinungs- Verschiedenheiten zwischen den Städteverbänden und seinen Vorsitzen- den in aller Oessentlichkeit ausgetragen werden, und das in einer Weise, die die Gesamtinteresien aller Städte schädigen müsse. Die Entschließung bedauert die Abwesenhest des Oberbürgermeisters Böß von dieser Sitzung, bei der man wahrscheinlich ein« V e r st ä n d i- g u n g gefunden hätte, und appelliert an die Solidarität der deutschen Städte. Wie wir dazu hören, hätte es dieses Appells des Städtetages an Berlin nicht bedurft. Trotz der herrschen- den Mißstimmung gegen die Haltung des Preußischen Städtetages beim letzten Finanzausgleich, die in der eingangs erwähnten Stadt- verordnetenversammlung ihren Ausdruck gefunden hat, bestand im Magistrat und bei den Fraktionen des Rathauses Uebereinstimmung darüber, daß man vorläufig die Mitgliedschaft zum Städtetag nicht kündigen will. Zweck der Entschließung war es ja gerade, die Spitzenorganifationen der Städte darauf hinzuweisen, daß Berlin sich in seinen berechtigten Interessen benachteiligt fühlt und infolgedessen eine Revision der Haltung des Städtetages verlangen muß. Daß man den Konflikt nicht so schwer angesehen hat, geht ja auch daraus hervor, daß die persönlichen Borstandsmit- glieder des Städtetages aus Berlin an der Sitzung in Koblenz teil- genommen haben. Auch ohne die Entschließung, die dort gefaßt wurde, hätte man also versucht, eine Einigung über die strittigen Fragen herbeizuführen. Es besteht die Absicht, nach dieser Richtung dem Vorstand des Städtetages Borschläge zu unterbreiten, die eine Berstündigung zwischen ihm und der Reichshauptstadt ermöglichen und so den Konflikt aus der Welt schaffen— was im Interesse der Zusammenarbeit aller Städte auch das richtigst« ist. Daß dabei die berechtigten Ansprüche der Stadt Berlin gewahrt werden müssen, ist selbstverständlich. Die Eröffnung Ses Müggelfpreetunnels. Die Arbeiten im Müggelspreetunnel, wie Fliesenlegung, Lichtanlage und die Schaffung von Entlüftungsanlagen, gehen nunmehr ihrer Vollendung entgegen. Das Eingangsgebäude an der Friedrichs- Hagener Seite ist nahezu fertig, nur das an der Müggelseeseite ist noch etwas weiter zurück. Schon jetzt macht aber das Unvollendete einen hübschen, ansprechenden Eindruck, da es sich ganz dem Ge- lände anpaßt. Bon der Eingangshalle führen 48 Stufen, die durch drei Podeste untertragen werden, zur Sohle des Tunnels, der ins- gesamt 120 Meter lang ist. Davon liegen etwa 80 Meter unter Wasser. Der Tunnel ist 5 Meter breit und 2.50 Meter hoch. Der Tunnel soll nunmehr am Himmelfahrtstag eröffnet werden. Damit hat Berlin ein Werk geschaffen, das, abgesehen von seiner architek- tonischen Wirkung, Hunderttausenden die Bedeutung der Schaffung von Groß-Berlin einhämmern wird und gerade an dieser Stelle das sichtbarste Denkmal für den Unsinn der �Zos-von-Berlin�-Bewegung bedeutet. Neue Berliner Autobuslinie. Wie schon vor einiger Zeit angekündigt, hat die„Hboag* nunmehr gestern eine neue Autobuslinie in Betrieb genommen, die den Vororten Steglitz, Südende und Lankwitz die seit langem gewünschte bessere Querverbindung zwischen den einzelnen Ortsteilen, namentlich auch zwischen Steglitzer und Lankwitzer Rat- haus bringt. Die Autobusse fahren vom Bahnhof Steglitz au» durch die Mbrechtstraße, Siemensstraße, Bittoriastraße, Bahnhof Lankwitz (Rathaus), Lutherstraße nach der Marienfelder Straß«(Gemeinde- park). Eine Nummernbezeichnung führt die neue Autobuslinie nicht, auch schließt der Fahrpreis von 20 Pf. keine Umsteigeberechtigung «in. Die Fahrzeit beträgt zwischen den beiden Endpunkten zirka 16 Minuten. Die Wagen verkehren vom Bahnhos Lankwitz ab in der Zeit von 6 Uhr früh bis 9 Uhr vormittags alle 20 Minuten, von V30 bis 12 Uhr alle 30 Minuten, von 12,20 bis 20,00 alle 20 Minuten und von 20,30 Uhr bis 22 Uhr alle 30 Minuten; in der umge- Kehrten Richtung verkehren die Autobusse vom Bahnhof Steglitz wahrend der Zeit von 6,20 Uhr bis 9 Uhr vormittags alle HU Minuten, von 9,30 bis 12 Uhr alle 30 Minuten, von 12,20 bis 20 Uhr alle 20 Minuten und von 20,30 Ulm bis 22,30 Uhr alle 90 Minuten. Er liebt das Leben... Für den 21jShrig«n Kaufmann Walter Schumann, der vom Schwurgericht des Landgericht» II wegen des Raub- mordes an dem Tabakhändler Wurzel in Neukölln zum Tod« verurteilt war, haben die Rechtsanwälte Dr. Mendel und Dr. A r o n, nachdem das Todesurteil durch Berwerfung der Re- vifion beim Reichsgericht rechtskräftig geworden ist, ein Gnaden- gefuch beim preußischen Staatsministerium eingereicht, das sich namentlich auf die Jugend des zum Tod« Berurteilten stützt. Sckumann hat selbst auch ein schriftliches Gnadengesuch gemacht, in dem er gegen die Vollstreckung der Todesstrafe den Einwand erhebt: »Ich liebe das Leben". Zehnfahrtenkarten nnb Unfallversich ernng. Die in einigen Oberpostdirektionsbazirken probeweise eingeführten sogenannten Zehnfahrtenkarten haben sich be- währt. Das Reichspostminifterium hat daher die Beibehaltung dieser Einrichtung unter einheitlichen Bedingungen genehinigl. Die Karten berechtigen zu zehn Fahrten innerhalb von zwei Monaten und sind übertragbar. Die daraufhin eingeräumte Fahr- Preisermäßigung von 20 v. H. wird in weiten Kreisen der Bevölkerung, die aus häusigere Benutzung von Krostposttinien angewiesen ist, mit Genugtuung begrüßt webden.— Roch ein« andere Neuerung im Krastpostreiseverkohr wird amtliä; bekanntgegeben. Das Reichspostministerium hat zugunsten aller Reisenden, die die Krastposten benutzen, eine Unsalloersiche- r u n g abgeschlossen, die für den Reisenden den Borteil hat, daß die Geltendmachung von Ansprüchen nicht von dem im Prozeß oft schwer» erbringenden Nachweis de, Berschickden» atchöngig ist und sür Unsalksolgen der Höh« nach als zeitgemäß anzusprechend« Ent- schädigungen vorgesehen sind. Diese Neuerung stellt«inen Fort- schritt gegenüber der bürgerlichrechtlichen und postgesetzlichen Regelung dar. Die Reisenden, die bei Benutzung eines fremden Kraftwagens vielfach gar nicht wissen, welche ungünstig« Stellung sie bei Unfällen gegenüber dem Kraftfahrzeughalter haben, werden es besonders begrüßen, daß sie in den Genuß des ihnen von der Deutschen Reichspost gewährten Rechtsschutzes zu sehr günstigen Bedingungen treten._ Immer wieöer der§ 21$. Gefängnis für eine„weise Fran". Eine Elektromonteurssrau aus Oberschöneweide war seit Iahren dafür bekannt, daß sie Mädchen und Frauen in gewissen uner- wünschten Röten beistehe. Ihre Wohnung wurde förmlich über- laufen. Alles ging gut, bis eines Tages ein anonymer Brief die Kriminalpolizei auf diese Vorgänge aufmerksam mochte. Sie nahm bei der Frau eine Haussuchung vor, in deren Folge sie sofort ver- hastet wurde. Unter dem ersten Eindruck der Freiheitsberaubung gab die Frau zu, in etwa zehn bis zwölf Fällen die Abtreibung vorgenommen zu haben und dafür 3 bis 15 Mark Entgelt erhalten zu haben: die Mädchen feien in ihrer Rot zu ihr gekommen und sie habe etwas für ihren Haushalt hinzuverdienen wollen. Nur w zwei Fällen wußte sie die Namen der Mädchen. Gestern stand nun die Sljährige, geistig ein wenig beschränkte oerschüchterte Frau S. vor dem Landgericht II. Sie oersuchte anfangs ihre Geständnisse bei der Polizei zurückzunehmen, gab aber schließlich alles zu. Ihre Hausnachbarn waren auf sie nicht gut zu sprechen: sie habe ihr« Dienste den Mädchen in manchen Fällen direkt aufge- drängt: es sei stets Hochbetrieb in ihrer Wohnung gewesen. Der Staatsanwalt sprach von der Gefahr der weisen Frauen im allgemeinen und von der Gewinnsucht der Frau S. im besonderen. Er forderte drei Jahre Gesängni» und fünf Jahre Ehrverlust. Der Verteidiger Dr. Ehrlich machte für seine Klientin dos Bolksbewußtsein geltend, dos den Z 218 verneine: er schob die Derantwortung für die Existenz der weisen Frauen eben diesem Paragraphen zu und widersprach dem hohen Strafantrag unter Bezugnahme auf den Apotheker Heiser, der für seine 400 Abtreibungsfälle nur drei Jahre Zucht- haus erhalten habe. Das Gericht verurteilte die äljährige Frau zu zwei Iahren Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft und zu fünf Iahren Ehrverlust: es verfügte auch die sofortige Berhaftung der Frau S. Die Strafe habe nicht zu niedrig ausfallen können, da sie in ähnlichen Fällen eine abschreckende Wirkung ausüben solle. Zwei Jahre seien eine angemessene Sühne. Die AngeNagte. die das Urteil nicht verstanden zu haben schien, brach in lautes Weinen aus, als der Verteidiger ihr es erklärte. Mit ihr schluchzten ihre Tochter und«ine Anzahl anwesender Frauen. In diesem Augenblick schien auch dos Gericht ein wenig nachdenklich zu werden. Es mag dahingestellt bleiben, ob nicht auch eine ge- ringere Strafe in diesem Falle eine ausreichende Sühne gewesen wäre. Kein Zweifel kann aber darüber bestehen, daß die Aber- kennung der bürgerlichen Ehrenrechte nicht gerechtfertigt erscheint. Die Verhaftung au» dem Gerichtssoal heraus mußt« von der Frau, bei der ein Fluchwerdacht nicht bestehen konnte, wie auch von ihren Angehörigen als allzu grausam empfunden werden. Hoffentlich er- hält die Verurteilte auf einen Teil der Strafe Bewährungsfrist. Die Gefahr, die die weisen Frauen bedeuten, wird durch hohe Strafen keineswegs gebannt werden, solange der§ 218 in dieser Fassung existiert. Man sorge für seine Abschaffung und für die Aufklärung der breiten Massen der Bevölkerung über empfängnisverhütende Mittel. Im übrigen will es doch fast den Anschein haben, als bedeute der Z 218 in der neuen Fassung, der die gewerbsmäßige Ab- treibung an die„Schwurgerichte" verweist, trotz seiner Milderung in Wirklichkeit eine Berschäysung: es gibt eben hier kein« Berufung. DaS Sportfest im Viktoriagarten fällt ans. Der Vorstand des Arbeiter-Sport-Kartell» Wilmersdorf hat beschlossen, das zum 15. Mai vorbereitete Saalsportfest im BIktoriagarten, Wilmersdorf, nicht stattfinden zu wssen. Im Biktoriagarten wurden am 8. Mai Stahlhelmleute ver- pflegt und dadurch mitten m Wilmersdorf ein Heerlager des Stahlhelms ermöglicht. Da das Lokal für die Deranstaltung einer linksgerichteten Drganisation oerweigert wurde, mag sich der Inhaber des Viktoriagartens mit der Kundschaft der 80 Stahlhelm-Mitglieder in Wilmersdorf begnügen. Die zum Saalsporlsest ausgegebenen Karten sind von den Bereinen an den Kassierer des Kartells zurück- zugeben. Die bereits verkauften Karten haben Gültigkeit zum Ein- tritt bei dem am 29. Mai stattfindenden Kartellsportsest auf dem Hubertusplatz. Die 1-Mart-Karten gelten dort für zwei Personen. Romain Rolland» drelaMge» Revolut!on,drama ,Ble EJdlse". Mittwoch. 11. Mai, KriegervereinShaus, Chausscestr. 34, Donnerstag. 12. Mai, Andreas- sestsäle, AndreaSstrahe 21, Freitag, 13. Mai, Prachlsäle Treptow, Am Treptower Park, jeweils abends 8 Uhr, zum Einheitspreis von 80 Pf., im Rahmen der RotstandSvorstellungen der Bühnengenossenschast. Der Abend brachte Ludwig Thoma» Einakter �vi« Medaille". Die kleine Komödie, die ganz stark auf Dialogwirkungen gestellt ist, zeigte sich als außerordentlich funkgeeignet. Man hatte sein« helle Freud« an dieser humorvollen Choratteristik des Beamten- und Bauernstandes, die auch von Schaujpielern und Regie mit Lust und Lieb« herausgearbeitet wurde. Di« Funkkapell« leitete den Abend verständnisvoll mit der Wildschütz-Ouverture ein, schloß ihn dann aber etwa» befremdlich mit einem den üblichen Nachmittags- konzerten entliehenen Programm. Zu dem Thoma-Einakter gab Dr. Monty J-kobs Einführung, in der er das schriststellerische Schaffen dieses bayerischen Humoristen gründlich und liebevoll dar- legte. Prosessor Dr. Alfrad Manes schloß seinen Vortragszyklus „Perfonenoerstchening" mit Ausführungen über die„Krankenver- sicherung". Er behandelte im wesentlichen die privaten Kranken- Versicherungen und die sozialen Probleme, die sie aufdecken. Erst seit der Inflationszeit sind diese Versicherungen, zu ungeahnter Blüte gekommen. Das beweist, daß weite Kreise heute gezwungen sind, auf diesem Wege Mittel für den Fall von Erkrankung sicherzustellen. Das beweist aber weiter, und diese letzte'Konsequenz zog Dr. Manes nicht, daß die Proletarisierung mit ungeheurer Schnelligkeit um sich greift— wenn auch der Dünkel einzelner Klassen von der Be- Zeichnung Proletarier noch immer abrückt— und daß es nicht allzu lang« dauern wird, bis die Frage einer einheitlichen Krankenverssche- rung der gesamten werktätigen Bevölkerung mindestens zu einem wichtigen Problem werden wird. T. S. die flktenaffLren. Das Uriell gege« Rechtsanwalt Dr. Lukiwlg Meyer rechtskräftig. In der Aktenafsäre der Iustizbeamten Rossel und Pahlke war auch der Rechtsanwatt Dr. Ludwig Meyer zu einem Jahr Ge- fängnis wegen Beihilfe und Bestechung oerurteitt worden. Er so» wohl wie der Iustizbeamte Rossel hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Die Berufungsverhandlung fand gestern statt. Nach Be- endigung der Vernehmung des Mitangeklagten Rossel erbat Rechtsanwalt Dr. Alsberg«ine Pause. Es folgte darauf eine Rücksprache der Beteiligten, und nach Wiederaufnahme der Ber- Handlung gab Dr. Alsberg für den von ihm verteidigten Dr. Meyer die Erklärung ab. daß dieser seine Berufung zurückziehe. Oberstaatsanwalt Binder ersuchte daraufhin auch die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung, soweit sie Dr. Meyer be- treffe, zu oerwerfen. Durch einen diesem Antrag entsprechenden Gerichtsbeschluß wurde die gegen Dr. Ludwig Meyer ergangene Strafe damit rechtskräftig. Mehr Glück hatte Justizoder- sekretär Rossel, der zu 1% Iahren Zuchthaus verurteilt worden war. Nechtsanwall Dr. Heinrich Wcrthauer legte dem Gericht dar. daß Rossel sich nur der einfachen Artenbeseitigung schuldig gemacht habe. Da die Akten nicht zu seinem zuständigen Dienstbereich gehörten, lieg« nicht ein erschwertes Amtsverbrechen vor. Die Strafkammer schloß sich diesen Rechtsaussührungen an und setzte die Strafe auf 1% Jahre Gefängnis fest. Die plötzliche beiderseitige Zurücknahme der Berufung im Prozeß gegen Dr. Ludwig Meyer kam ganz unerwartet. So wie die Dinae sich aber in der Gerichtsverhandlung zu gestatten drohten, war diese Zurücknahme allerdings das einzig Ratsame. Der Angeklagte Rossel hatte im Gegensatz zu seiner Aussage in der ersten Instanz diesmal bekundet, daß er mit der Bernichtung der Akten durch Rechts- onwall Dr. Meyer gerechnet habe. Der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Marschner, hatte den Angeklagten Rechtsanwalt Meyer auf die Möglichkeit der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aus- merksani gemacht. So entschloß sich sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Alsberg, nach Rücksprache mit dem Oberstaatsanwalt Bin- der und seinen Klienten zur Zurücknahme der Berufung. In dem Augenblick, als das geschah, brach Meyer mit einem lauten Aufschrei zusammen. Er wird wohl noch bis zum legten Augenblick gehofft haben, seine juristische Unschuld nachzuweiscn. Die Aenderung der Aussage des Angeklagten Rossel schnitt ihm jedoch jeden Ausweg ab. Die Affäre Meyer fft dadurch endgültig abgeschlossen. Er hat als Rechtsanwalt gegen seinen Stand und gegen die Rechtspflege sch-wer gefehlt, ist dafür auch schwer gestrait worden. Schade um den Menschen. Ein jeder, der seine bescheidene und unaufdringliche Art kannte, konnte ihm seine Sympathie nicht versagen. Hoffentlich gelingt es ihm noch einmal, in das bürger- lich« Leben zurückzukehren. Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aber hätte ihm diese Rückkehr außerordenttich erschwert. * Der durch seine vielen Kriminalassären bekanntgewordene Leutnant a. D. Krull sollte gestern aus der Etrasanstalt Tegel, in der er gegenwärtig eine Strafe oerbüßt, nach Moabit übergeführt werden, da er sich gestern vor dem Schöffengericht Schönebcrg wegen einer weiteren Anklage zu oerantworten hatte. Der Gefangenen transport ging über das Amtsgericht Weißensee. Dort ist es Krull gelungen, aus dem Polizeiwogen zu entweichen. Er hotte so- gor die Dreisttgkeit, sofort noch Moabit zu fahren, obwohl er dort von seinen vielen Prozessen her hinreichend bekannt ist. Als Grund für seine Entweichung gibt Krull an. daß ihm bei seinem letzten Prozeß vor dem Schöffengericht Schönebera Unrecht geschehen sei, und daß er zunächst abwarten wolle, welchen Ausgang die von Rechtsanwalt Dr. R e i w a l d in seinem Auftroge beim Justiz- minister vorgenommenen Vorstellungen haben werden. Dos Be- streben Krulls geht dahin, bis zur Erledigung seiner Beschwerden Strafaufschub zu erlangen. Er will sich dann wieder freiwillig in Tegel stellen. Uebrigens schwebt gegen Knill auch ein Ermittlungs- verfahren in der Aktenbeseitigungsaffär« des Bankiers K u n e r t. Es soll sich dabei um Steuerakten Kunerts handeln. das paraüies üer kleinen Sünüer. In Ahrensfelde brauchte niemand Strafe zahlen. In der Gemeinde Ah r e n s f e l d e bei Berlin müssen im vor- letzten Jahr« golden« Zelten für kleine Gesetzesübertreter ge- herrscht haben. Zahlreiche Leute, insbesondere Radfahrer, die über Sträucher gefahren waren, wurden zwar dort vom Landjäger wegen Ueberttetung der Polizeivorschristen ausgeschrieben, erhielten aber keine Strafmandate, obwohl diese von dem Amts- Vorsteher fertig ausgeschrieben und dem damaligen Bureaugehilfen und späteren Amtssekretär Sch. zur Aufgabe bei der Post übergeben worden waren. Schließlich wunderte sich der Amtsvorsteher, das; keine Strafgelder«ingingen, und er fragte deshalb bei dem Sch. an. Auf dessen Versicherung, daß alles richtig erledigt worden wäre, ordnete er nun Erinnerungsschreiben an. jedoch es lies wieder kein Geld ein. Als jetzt auch die Landjäger sich zu wundern anfingen, und der Sache gründlich nachgegangen wurde. war bald des Rätsels Lösung gefunden. Hinter Akten oersteckt wur- den im Amtsbureau nicht weniger als 124 Strafmandate gefunden, die von Sch. gar nicht abgeschickt worden waren. Bei 74 war inzwischen soviel Zeit oerstrichen, daß die Uebertretung verjährt war. da» Strafmandat also nicht mehr erneuert werden konnte. Jetzt fanden auch Mahnungen des Landrat, sowie andere Klagen über Zahlungen von Gemeindegeldern ihre Ausklärnng. Sch. hatte verschiedentlich für andere Behörden eingezogene Gelder sowie sonstige Beträge nicht ordnungsmäßig abgeschickt und die Erinne- rungsschretben nicht vorgelegt, so daß der Amtsoorsteher keine Ahnung von der Richterledigung hatte. Erst aus energisches Be- fragen hatte Sch. dann Postquittungen über die eingezahlten Vetröge, die ein viel spätere» Datum auswiesen, vorgelegt. Aus allen diesen Umständen wurde angenommen, daß Sch. zunächst die Gelder unter- schlagen hatte. Er wurde daraufhin vom Schöffengericht nur zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist oerurteilt, weil er zurzeit noch kein festangestellter Beamter gewesen war. also nur einfache Unterschlagung in Frage kam. Hiergegen hatte er Berufung ein- gelegt. Vor der Strafkammer des Landgerichts III suchte er iick mit Arbeitsüberlastung herauszureden. Jedoch zog er es dann vor, die Berufung zurückzunehmen, weil ihm der Verlust der Bewährunqs- frist drohte. Der Kampf mit dem Drachen. Groß« Furcht vor unbekannten Luftschiffen hat in Nordböhmen der Scherz eines jungen Mannes verursacht, der in einer der letzten Nacht««inen Drachen, den er beleuchtet hatte, aussteige,, ließ Die Erscheinung wurde als Himmelserscheinung aufgefaßt und erschien auch so in den Blättern. Tschechische Blätter nahmen die Nachricht auf und machten sofort mobil, da es sich nur um„Lutt- schiffe" handeln tonnte. Das unerklärliche kometartige Fallen der Himmelserfchemung wurde gar bald ausgeklärt, als der Drachen- zieher erzählte, der Drache fei eben einmal„geschossen". Besehten Sie bitte die Kochanweisung i die jedem Würfel von HAGGI3 Suppen aufgedruckt ist. Sie ist zwar sehr einfach, aber natürlich nicht für jede der vielen Sorten die gleiche. Verfahren Sie nicht nach Gutdünken. Nach Vorschrift gekocht, schmecken MAGGI* Suppen delikat. � y �'> V..y-» f■"' l''.'.'.......„<■». Die Jeriensonöerzugkonferenz. Keine 2. Klasse mehr! Nach den Beschlüssen der diesjährigen Feriensonderzug- konferenz, die dieser Tage in Baden-Baden stattfand, werden auch in diesem Sommer wieder Feriensonderzüge in großer Zahl gefahren werden. Verteilt aus die Monate Juni, Juli und August, je nach dem Bedürfnis aus Anlaß der Gerichts- und Schul- jerien und auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre, wird die Zahl der diesjährigen Ferierrfonderzüge die des letzten Sommers zum mindesten erreichen. Alle deutschen Erholungsgebiete. See sowohl wie Gebirge, wer- den aus allen deutschen Gauen mit Sonderzügen beschickt werden. Der Z u g z a h l nach steht an der Spitze der Reiseziele wieder der Süden Deutschlands: die bayerischen Alpen, das Allgäu und der Schwarz wa ld. In der Gegenrichtung, zu den Bädern der Ost. und Nordsee, werden w«U über 100 Züge die Er- bolungsbedürstigen führen. Die deutschen Mittelgebirge und der Rhein sind gleichfalls reich mit Zügen bedacht worden. Berlin. der Sammel- und Ausgangspunkt vieler Reisen, ebenso Ost» preußen und Obcrschlcsien erhalten eine große Zahl Sonder- züge von und nach allen Richtungen. Die Zugzahl ist danach recht reichlich bemessen worden, obwohl die Konferenz zu der Ansicht neigte, daß die Zahl, ähnlich wie in den Vorkriegsjahren, wieder mehr den Erfordernissen des Betriebs anzupassen sei, da die Zug- Verbindungen der Dorkriegsjahre an planmäßigen Zügen wieder nahezu erreicht und da außerdem noch die früher nicht gekannten beschleunigten Personenzugverbindungen billige Reisen auf weite Entfernungen gestatten. Die Fahrpreisermäßigung von 03s4 P ro z. für Hin- und Rückfahrt bleibt die gleiche wie bisher. Die Rückfahrt, die innerhalb zweier Monate mit allen Zügen des öffentlichen Verkehrs erfolgen kann— bei Schnellzügen unter Zahlung de? Schnellzuschlags—, kann künftig beliebig oft unterbrochen werden, was von den Reifenden sicherlich sehr begrüßt werden wird. In den Zügen wird nur noch die dritte W a g e n k l a f s e geführt werden. Der Wegfall der zweiten Wagen. klasse ist damit begründet, daß nach den gemachten Erfahrungen ein betriebliches Bedürfnis zur Führung dieser Klasse nicht besteht, da in den planmäßigen Zügen Plätze für Fahrgäste zweiter Klasse ge- lügend vorhanden sind. Außerdem liegt ein soziales Bedürfnis nicht vor und endlich wurden durch das Mitführen der Wagen zweiter Klasse die Wogen dritter Klasse vermindert, so daß die Gesamt- nlatzzahl nicht unwesentlich eingeschränkt war. Bestellungen auf Fahrkarten sind wie im vorigen Jahre schriftlich zu machen. Für Gesellschaften von sieben Personen können auf Antrag Abteile re- serviert werden. Alle Einzelheiten über die Berkehrstage und-Zeiten werden in den nächsten Tagen durch die Zeitungen, durch Anschlag und besondere cheftchen bekanntgegeben werden. Posträuber. Der Trick des Bureauboten. Einbrecher suchten, wie wir seinerzeit mitteUten, in der Nacht zum 30. April d. I. das Postamt Sperenberg heim. Sie erbeuteten 17 000 Mark, zum kleinsten Teil in barem Gelde, zum größten Teil in Brief- und Versichernngsmarken aller Art. Kurz daraus erhielt auch das Postamt Groß-Wufterwitz unerwarteten nächt- lichen Besuch. Die Einbrecher, die auch hier vom Hofe aus ein- gedrungen waren, versuchten einen Geldschrank aufzuknabbern, ent- flohen aber, als Hunde anschlugen und der Postbeamte herunterkam, ohne Beute und ließen ihr Werkzeug zurück. Die Spur der Speren- berger Kolonne führte nach Berlin- Lichtenberg. Sie fuhr mit einem Auto dorthin zurück und warf unterwegs eine Tasche mit Postanweisungen, die für sie wertlos waren, weg. Die Sonder- dienststelle L 6 der Kriminalpolizei ist diesen Verbrechern aus der Spur. Auf ihre Ergreifung hat die Oberpostdirettion ein« B e- lohnung von 1000 Mark für zweckdienliche Mitteilungen aus dem Publikum ausgesetzt, außerdem 10 Proz. des Wertes des wieder herbeigeschafften gestohlenen Gutes an Geld und Wertzeichen. Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar B ü n g e r im Polizeipräsidium entgegen. Ein raffinierter D i e b st a h l, der die Postbehörden beschäftigte, ist jetzt aufgeklärt. Ein« größere Firma im Zentrum Berlins ließ ihre Postsachen regelmäßig von einem 18jährigen Bureauboten nach dem Amt besorgen, so kürzlich auch einen Wert- b r i e f mit 37 5 Mark, der nach Düsseldorf bestimmt war. Der Empfänger dort wunderte sich nicht wenig, als er in dem Umschlag, an dem nichts Verdächtiges zu sehen war, statt der 37S Mark nur 25 Mark fand. Er schickte die Sendung nach Berlin zurück und setzte zugleich die Postbehörde in Kenntnis. Auch in Berlin entdeckte man zunächst nichts an dem Briese. Erst als man bei genauester Untersuchung auch die Marke ablöste, fand man, was geschehen war. Ein Dieb hatte schon vorher die Marke abgelöst gehabt, an der Stelle, wo ste aufgeklebt gewesen war, einen haar- seinen Schnitt gemacht und durch diese Oeffnung die Geldscheine herausgeholl. Dann hatte er die Marke wieder aufgeklebt. Jetzt wußte man aber immer noch nicht, wer er war. Die Ermittlungen lenkten endlich den Verdacht auf den Bureauboten. Der hatte bisher zwar immer alles pünktlich und redlich besorgt. Jetzt wurde aber festgestellt, daß er gern den„großen Mann" spielte und es namentlich liebte, durch feine Kleidung Eindruck auf junge Möd- chen zu machen. Zur Rede gestellt,' räumte er dann auch den Dieb- stahl ein. Mit einem Rasiermesser hatte er den Einschnitt gemacht und da» Geld mit einer Pinzette aus dem Umschlag herausgeholt. Wie er sogt, hatte er sich auf diesem Weg« die Mittel für neue Kleidung verschafft._ Haoswirtliche Drohungen. Es ist kaum anzunehmen, daß Schiller» schmerzlicher Ausruf: „Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt"', auf unerquickliche Wohnverhältnisse zurück- zuführen ist. Tatsache aber ist, daß wohl kaum eines der geflügellen Dtchterworte soviel Gegenwartswert besitzt, wie gerade dieses. Wann war eigentlich die Zeit, da Zllate häuslichen Wohlbehagens wie „Mein Heim ist meine Welt" oder„Eigener Herd ist Goldes wert" in die Welt gesetzt wurden und in Form von brandgemalten Wand- trophöen und handgesticktcn Küchendeck chen die Wohnungen über- schwemmten? Ist es jeinals so gewesen oder war es bloß eine wohlgelnngene Attacke auf kleinbürgerliche Sentiments zum Zwecke gefchästlichcr Hochkonjunktur? Wie dem auch sei, das Wort vom glücklichen Heim ist längst aus dem Sprachschatz unserer Zeit ver- jchwunden. Gegen Schicksalstücke ist natürlich kein Mensch gesell, aber wenn ihm seine lieben Mitmenschen fortwährend Stackenschläge versetzen, muß er da auch stillhalten? Seit die Hauswirte auf das Ende der Wohnungszwangswirtschaft warten, sind manche von ihnen außer Rand und Band geraten. Am liebsten säuberten sie ihr Haus auf der Stelle von all den„lästigen Insassen", denen sie ihrer Mei- nung nach. die ganze Zell über ihre Räume für ein Butterbrot über- lassen hatten, um empfangsbereit die Schar der.Lahlungskräf- tigeren" willkommen zu heißen. In offenen und versteckten Drohungen sagen sie ihren Mietern, daß ihre Tage im Hause gezählt seien, ganz Vorsichtige erneuern ablaufende Mietkontrakte gar nicht mehr usw. Diese feindlichen Ausströmungen zwischen De- sitzenden und wirtschaftlich Schwachen sind von äußerst verderblicher Kraft. Sie zermürben und vergällen die Menschen in kleinlichem Alltagshader und der mehr als trogische Kampf ums Dach über dem Kopfe raubt ihnen das letzte bißchen Zuversicht. My hörne is my castle(mein Heim ist meine Well) sagt der Engländer. In Deusschland kann davon keine Red« sein. meMSantinsamU der lünflerfreunfle Gr.-Berlfn Sonntag, 15. Mai 1927; ECrnderfreimde-Naitag auf der großen Spielwiese im BolkSpark Neukölln, Tempelhofer Feld. Beginn um 11 Uhr vormittags.— Gesang, Spiel und Tanz. Ansprache: Kurt Löwenstein. Gemeinlame« Mittagesien(Bon« für 20 Psg. erhältlich bei den Helfern). Tresspunlte der Kreise werden noch bekanntgegeben. fin üie falsche �löressel Zirkus Busch will den Polizeipräsidenten verklagen. Der Zirkus Busch hat gegen den Berliner Polizeipräsidenten eine Schadenersatzklage angestrengt, well ihm durch die am Stahlhelmsonntag vorgenommenen Absperrungen des Gebiete» um den Lustgarten herum, in dessen unmittelbarer Nähe der Zirkus liegt, ein Schaden erwachsen sei, der sich auf etwa lOOOOMark belaufe. In einem längeren Schreiben, das im Laufe des gestrigen Tages dem Polizeipräsidenten zugestellt worden ist, legt der Syndikus des Zirkus Busch, Dr. W e i ß k a m, die Gründe dar, die seinen Man- danten zur Erhebung der Schadenersatzklage bewogen haben. Die Direktion hatte in Anbetracht des Stahlhelmaufmarsches den Beginn der Nachmittagsvorstellung von 3 auf 5 Uhr verlegt. Durch die Abfperningsmaßnahmen der Polizei, die nach der Ansicht der Direktton des Zirkus Busch well über dos erforderliche Maß hin- ausgegangen lein sollen, ist es dem Publikum unmöglich gemacht worden, den Zirkus zu besuchen. Sogar solche Besucher, die bereits gelöste Eintrittskarten in Händen hatten, konnten nur auf Umwegen den Zirkus erreichen. Vielen wurde der Besuch überhaupt unmöglich gemacht. Die Direktton stützt sich darauf, daß nur bekanntgegeben wurde, daß der Lustgarten als solcher abgesperrt werden sollte, nicht aber, daß im großen Umkreise des Zirkus die Besucher, trotzdem sie ihre Absicht den Polizeibeamten erklärten, am Weitergehen ver- hindert wurden. Der Kossenausfall wird mit etwa 10 000 M. an- gegeben. Den Durchschnittseinnahmen von 6000 M. am Nachmittag stand eine Einnahme von 865 M. gegenüber. Die Kasseneinnahme für die Abendvorstellung betrug etwa 1200 M. gegenüber einer Durchschnittseinnahme von etwa 8000 bis 9000 M. Für diesen Aus- fall soll der Polizeipräsident von der Zirkusdirektlon verantwortlich gemacht werden. Soweit der Tatbestand. Sollte der Direktion des Zirkus indessen unbekannt sein, daß der völlig überflüssige Stahlhelmrummel durch eine verfehlte Organi- sation weit über die Zeit der getroffenen Vereinbarungen— es sollten unseres Wissens zwischen 4 und 5 Uhr die letzten Stahlhelmer den Lustgarten verlassen— ausgedehnt wurde? Richtiger wäre es wohl gewesen, die Schadenersatzansprüche nicht beim Berliner Polizei- Präsidenten, sondern von dem Stahlhelm zu erheben. Aus den Aus- gang dieses Rechtstreites darf man wohl mit Recht gespannt sein. Dke Tagung öes ofterrelchisch-üeutfthen volksbunües. Der Bundestag des Oesterreichisch-Deutschen Volks- b u n d e s findet in diesem Jahr« unter Vorsitz des Reichstags- Präsidenten L ö b e in Berlin am 12. und 13. d. M. statt. Als Auftakt zu den Veranstaltungen wird Donnerstag, den 12. d. M„ abens 8 Uhr, im Haufe des Reichswirtschaftsrats, Bellevueftraße 15, ein F e st a b e n d veranstaltet, bei dem Reichstagspräsident L ö b«, Oberbürgermeister B ö ß, Walter von Molo und der stellver- tretende Vorsitzende des Oesterreichisch. Deutschen Voltsbundes Wien, Prof. Wilh. Bauer, sprechen werden. Der Gefangvevein öfter- reichischer Eisenbahnbeamten wird bei diesem Abend u. a. eine Anschlußhymne zum erstenmal in Berlin zum Vortrag bringen. Die Delegierten zum Bundestag, die aus dem Rheinland, Schlesien, Frankfurt a. M. usw. angemeldet sind, halten Freitag, den 13. d. M., vormittags, eine Delegiertensitzung ab. Der Freitagnoch- mittag ist den Fragen der Vorbereitung des Anschlusses auf den Gebieten der Schule, der Wirtschaft und de» Rechts gewidmet. Sin Achtzigjähriger. Genosse August Mathe«, Diedenhofener Straße S, begebt beute seinen 80. Geburtstag, von veruf Maurer, bat er 38 Jahre der Partei die Treue gehalten. Trotz seine« arbeil«reichen Leben» hat er in seinem Alter oft mit materiellen Torgen zu lämpten. Wir wünschen dem alten Genossen, daß e« ihm vergönnt sein möge, noch viele Jahre in uiiicrcm Kreise zu verleben. Sinsoaiekonzert im Lunapark. Heute. Mittwoch, findet da« erste Sinsonie- konzert. auSgesührt vom Berliner Sinsonic-Orchester lBIüthner-Orchester), Dirigent: CIcmcn« Schmalnich. statt. Da« Programm enthäll u. a. da« Meislersinger-Voripiel, die.Ärlösionns-Lriitez von Bizet, die 5. Sinfonie von Tichäilowski, Ouvertüre zu Euryanthe. Beginn de« Konzertes 7 Uhr. Der Park ist in»ollem Betrieb. Auch an diei em Tage ist die bereit« beliebt gewordene Neueinrichtung, daß von«—7 Uhr nachmittag« Kasse« und Kuchen im Eintrittsgeld-tngeichloss-u ist, in Kraft Die Virbelsiurmkataftrophe in Amerika. Heber 150 Tote. New Port, 10. Mai.(MTB.) Die durch die Wirbelsturmkata- strophe im mittleren Westen und Südwesten der Vereinigten Staaten verursachten Verluste an Menschenleben und Material drohen durch ihre Schrecklichkeit die ernst« Lage am unteren Mississippi noch in den Schatten zu stellen. Nach den einlaufenden Berichten erholst sich die Zahl der Toten, die bisher über 150, und die der Verletzten, die bisher über 1000 betrug, fortgesetzt. Der Wirbel- stürm war völlig unerwartet gekommen. Große Gebäude wurden wie Papier zerknittert und Bäume entwurzelt und in die Luft geschleudert. Furchtbare Szenen ereigneten sich in P o p l a r Bluff. Die Verletzten und Obdachlosen krochen durch die Trümmer unter Sturmfluten von Regen. Eine Schule stürzte ein und begrub eine Anzahl von Kindern, von denen einige getötet und andere furchtbar verletzt wurden. Das Rote Kreuz trifft Vorkehrungen, um den Obdachlosen Nahrung und Wohnung zu bieten. ver Küstensegelflug-Wettbewerb. Rossitten, im Mai.(Eigener Bericht.) Zum vierten Male ist Rossitten der Schauplatz eines Segelflugwettbewerbes. Sowohl der Segelflieger- als auch der Jungsliegerwettbewerb weisen eine gute Beteiligung auf. Unser« nomhaftesten Segelflieger sind hierher ge- kommen. Die getrennt« Bewertung der Leistungen der alten Segel- slieger und der Jungslieger hat sich schon früher gut bewährt und dürfte auch vorläufig weiterhin beibehalten werden. Bisher war es schon immer eine Gepflogenheit, daß die ersten Tage der Wertbe- werbe nichts Wesentliches erbrachten. Diesmal hat aber Rossitten gleich mit Weltrekordleistungen begonnen. Zweifellos ein gutes Zeichen für den fliegerischen Geist, der hier herrscht. Der Volksschul- I ehrer Ferdinand Schulz hat, wie wir bereits mitteilten, aus dem Hochdecker„Westpreußen" mir einem ununterbrochenen motorlosen Flug von 14 Stunden 8 Minuten einen neuen Weltrekord auf- gestellt. Ein bißchen Schokolade und ein paar Stullen war sein Proviant für diesen langen Flug, der ihm meisterhaft geglückt ist Der Darnistädter N e h r i n g konnte mit seinem Eindecker„Mar- garste" ebenfalls eine neue Welthöchstrekordleistung aufstellen, indem er mtt Fluggast 5 Stunden 50 Minuten flog. Infolge schwachen Windes und Niederschlägen wird leider die Flugtätigkeit sehr beein- ttächttgt, doch wie es einigermaßen geeignet erscheint, entwickelt sich am Startplatz ein reger Betrieb. Neben Schulz und N eh ring haben bereits Breitenbach, Espenlaub, Dilmar, Lau- b e n t h a l und Kegel eine Reihe schöner Flüge ausgeführt. Die Mehrzahl der Flugzeuge sind von früher her bekannt. Aus einzelne von ihnen werden wir noch später zurückkommen. Recht interessant war ein Schwingenslieger von Benerewitz-Ponarth, der aber leider bei seinem ersten Flugversuch völlig zu Bruch ging, wobei sein Führer Ausländer jedoch unverletzt blieb. Vorläufig keine Brücke nach Rügen. Auf dem Bahnhof Strassund-Hafen und auf dem Bahnhof Altefähr ist eine Fährfchiffanlag« in Betrieb genommen worden. deren Hubvorrichtung zum Unterschied gegen den früheren Hand- betrieb elektrisch betrieben wird. Die aste Anlage wies auch die Mängel auf, daß die Hauptträger des Föhrportals ins Wasser tauchten und dadurch den zerstörenden Einflüssen des Seewossers ausgesetzt waren. 5)äufige Verbiegungen und Brüche bedingfea laufend hohe Jiistandhaltungskosten, die jährlich über 20 000 M. betragen haben. Die neue Anlage ist so gestaltet, daß die Hauptträger aus dem Wasser herauskommen. In Verbindung mit dem Neubau der Anlage tauchte auch wieder das Projekt der Ueberbrückung des Stralafundes auf, die von der Stadt stark propagiert wurde. Die Reichsbahn hat den Plan jedoch wieder wegen der außerordentlich hohen Kosten zurückstellen müssen. Sport. Rennen zv hoppegarten am Dienstag, dem 10. IRal 1. Rennen. 1. Marianne tBöhlke), 2. Rom(A Torke), 3. Konradin (K. Schul, i. Toto: b3: 10. Platz 20, 16, 31: 10. Ferner liefen: Flämin, Kamtlchatta, Fechter, Dtocietton, Florida, Siastma, Houlgate, Vidouze. 2. Rennen. 1. Slahieck(W. Torra«),»2. Waidprtnzessin lvoraa), 3. Prapedi«(Ludwig). Toto: 97: 10. Platz: 22, 12, 24: 10. Ferner liefen: Schwölbchen, Burgsink, Süd-Cav, Elea, Brünne, Pagode, Nordland, Friemershetm, Hellejpont 3 Rennen, t. Hartlchier(Sajdik), 2. Rolanera(O. Schmidt), 3. Hoch- stapler(Huguenin). Toto: 49: 10. Plfld: 19,27, 15: 10. Ferner liefen: Williger, Saturn, Tauaenicht«, Lindwurm, Engadin, Casanova, Gerber, Victoria. 4. R e n n e n. I. Torero lHahneS), 2. Dada(Varga), 3. Serapis(Grabich). Toto: 14: 10, Platz: It 18: 10, Ferner liefen: Theoderich, Allenberg, Silbertatze. 5. R e n n e n. 1. Fadda(Böblte), 2. Perlensticher rot. Die Br- ISei en. Scliaueptelliaae « Uhr: Florian Oever Schiller- Theater 8 Uhr: Mnclh. Miie Opu CharlouenburK Tl, Uhr; Der arme Heinrich Abonn.-Turnus I leolsdies Itieatei Norden 10334—37 R U. Ende 11 U Der Arzt am Sdieideweö Kararaerspißle Norden 10334-37 8V, u. Ende 10';, U. Das Land der Irene Die Komödie Biimero 2414. 7Sir N/,Uhr. Ende 10 U- Lockvögel Nachtvorstellung Tägl. 11 Um Endel U. Rem: Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Tbeit. LHollendoifpI. Kurfürst 2091 8 Uhr ünda gegsn 1 1 Drei arme kleine Rädels » Walter Kelle Täglich 8 Uhr Die. Weife Lustspiel von Carl Sloboda Walhalla• Tteai. Täglich RV, Uhr: Die von der Liebe leben I juaendliOc keim litritt Vorzeiger zahlt nur halbe Kassenpr. aTDiweir-jöhner rii.KOnlz.'räu, St. Hasenheide 2110 4 Uhl; Die Sdiule v.Dznadi Hotnodlenhant Norden 6304 8 Uhr Theo madil alles l almiut-KiMN Ots. KQnstlcr-Th 8 Uhr: Adieu Mlmi Lcssing-Theaicr 8 U.: Der Patriot RoTtner. Ritmann Nollendori 7360 8 Uhr Charlie RivclTrio und weitere Varltie- Sensationen! Ibuttf an Ofilovpliti 8 Uhr Tranmspiei Morgen 8 Uhr: Judith Wallner-Theater S1/« Uhr; Der Lustspielerfolg Auf der Sonnenseile . ERIK CHART LL BRINGT:• Volksbühne Tb. an Sduffbautnlamni 8 Uhr Jan der Wunderbare Komische Oper 1 8', Nor noch S Tage 8' 1 Sünden der Weltl Die erfolgreiche Revue | Sonnabend« den 14. Mal 1927 j r Premiere-w I der neuen James- Klein-Revuol Streng verboten!!! Ol« mb ima Iii S im ul Ulmsdiitin I Ucbrr 200 Mliw,/ 34 Bilder,! Vorverkauf ablOUhra.d.Theatcrk.1 CASINO-THEATER" uhr Pimpelhuber der Nlllionen-Erbe Gutschein; Faul. I Mk.. Sessel 1.50 Mk Reichshallan�Theatar AllabdLSU Sonntags nachm. 3 U. Stettiner Sänger Zm sthisi:„Deutsdier Frobiing" Nachmittags; Bade Preise,»öU«i Programm Dönhoff- Brett'I: BaambiaiCr VarleK, Konten u. Tanz. Mittwoch, den 11. Mai nachm. 3 Uhr ilfref Braun, Lucie Hannheim a. G. Bcndov, Westarmeler, Kupier u. a. Grones Schauspielhaus MOKKA EXPRESS STUBEN EUROPAHAUS KÖN106B*TZEB-STRASSE 116/719. 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Di* Beerdigung findet am Donnerstag, dem 12. Mal, nachmittags 3% Uhr, auf dem Zentral-Friedhof in Friedrichsfelde statt unserer Urg; wir einen allseitij Arbeitskraft dem gesamten Arbeite.... r. hervorragenden Charaktoreigensohaften und Zuverlässigkeit bat er sich die Wertschätzung und Freondsohsit SPD. 44. Abteilung. A» 7. Mal verstarb unser alles Mitglied, der Buchbinder Max Ramlau Oranlenstr. 19. Ein ehrendes Andenke» dletdl Im gewiß. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 11. Mat nachmillaas 2 Uhr, auf dem Thomas-Kirchhas. Reukiilln. Her- mannftr. statt Um rege Beteiligung hlu-t Der Abt.-Vorsfand Am 7. Mal verschied nach kurzem Leiden unser Iloder Vater. Schwieger- und Großvater, der frühere Maurer Wilhelm Roll Im 82, Ledensjahre. Um stMe» Belleid bittend zeig! die» an TDIUh ReD, Sohn, vedst Frau, «vorg Frohtvein. Em»>u Zrvfiweiu, ged. Roll. Zugedorg Frohiveiu, Enkelin, Dil Einäscherung findet am Milt, mach, dem 11. Wal, mittag» 12><, Uhr. im iirematvr. Paumschulenweg statt VIermlI die traurige Mitteilung. daß mein lieber guter Mann, unser liebevoller Vater und Großvater, Bruder, Schwager und vnfel, Hennsim Rathmann »ach schwerer Gallensteinoperation sankt entschlaken ist Mit tiefer Trauer Anns Rathmann Nebst Rindern. Sie Beerdigung findet am Donners- lag. d.>2. Mal, nachm.>-,4 Uhr auk demstädt.FrledhosFrledrlchsfelde statt. GeiültoMzWrttai! Mimi mm Mtucgi Frellou, den 13. atot, nachm. 1 1, Uhr. im„RollbafTet Arup, Rotthusfer SlraFe 19, owr Persammlung-«■ aller erwerb»!o!en Gürller, Monleure, Sronenschlosseru Kroaenklempner. Sroazeure. vronziererntneu und ZNonlierermnen Tagesordnung:! Votltag Über: Da» Arbeits., eit-Notgeseß 2. Auslprache. 3 BranchenangeiegenHeiteu und Ver- schlrdrne». BerdandSbuch n Stempelkarte legitimieren. Dollzahiige» Erscheinen ist Pflicht Um! NoljlMeiler*äH! Die AnRzahiung der StretkunIeistUßung stndet Zraitag, den 13. Mal, nöchm. oon 4—7 Uhr. tm Parterreiaai, Schaller t bt» i, statt_ Achlung! Mechaniker. Uhrmacher, Opffker, Eicher und Eichecinneu! vonnerslag, den 22. Mal, nachm. 3 Uhr, im verbandshause, Cinian- fltab« t3 85 Portal I. Zimmer 2s. Erverbslosen Versammlung Mitgliedsbuch mit einem der obigen Be. rufe verschen und Stempelfan« legittmiert Die Befriebsräte-geiffchrfff Sir. 9 ist »rfchienen und tan» gegen Boneigung der Lgitlmationskarle de, Belrlebsrats. oomanne» in unserem Bureau, Zimmer 5. oder»ach 4 Uhr im Zimmer 4 cnlgegen» genommen werden. DIvOrlvoenoallnnB. Reelle, ieiilungasahige Bert Hnlir Piaßhoizhandiung iibernimml nUlA" liefernnßen aller Art Industrie. Ptivalc Vermittlung wird gut honoriert Zuschritten»rbelen unter 3. M. 9085 an Rudolf Mosse, Berlin SW lt. fit. 220»44. Jahrgang 2. Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 11. Mai 1927 Ruhrbergbau im Unternehmerspiegel. Das Jahr mit den goldenen Lettern.— Aber der soziale Drnck beginnt schon wieder. D«r Verein für die bergbaulichen Interessen im rheinisch-west- fälischen Industriegebiet hat seinen Geschäftsbericht für 192k er- stattet. Der Geist dieser Unternehmerorganifation ist im allgemeinen bekannt. Schon Namen bekunden ihn. W i n k h a u s und ch u g e n- b e r g sind Vorsitzende. Winkhaus,«in erfahrener Bergmann, un- bestritten, aber in sozialer Hinsicht personifizierter Geist des seligen Herrn Krabler, seines Llmtsvorgängers beim Köln-Neuessener Bergwerksoerein. Hilgenberg, Verkünder der Wahrheit: wer daran zweifelt, nehme die Scherl-Prefse zur Hand. Herr von T i r p i tz ist Ehrenmitglied des Vereins neben Herrn Kirdorf. Welche Ver- dienste hat Herr von Tirpitz nun um den Bergbau? Aber Hugen- berg und von Tirpitz. Apostel der Wahrheit, sie gehören zusammen. Elückausl... Leistungssteigerung anerkannt.— Aber Kampf um jede« Pfennig Lohn. Im Jahre 1S2V betrug die Steinkohlenförderung de« Ruhr» bergbaus 112108 009 Tonnen oder 9 342 000 Tonnen im Monats. durchschnitt. In den letzten Monaten von 1926 wurde die arbeits- tägliche Gewinnung von 1913(379 840 Tonnen) weit über- t r o s s e n. Im November war sie angestiegen aus 430 557 Tonnen. Diese hohe arbeitstägliche Produktionsziffer wurde noch in keiner Z e i t e r r e i ch t. Die niedrigste Förderung wurde im April, dem Monat vor Ausbruch des englischen Streiks, mit 7 7S8 000 Tonnen und die höchste im Dezember mit 10 676 000 Tonnen erreicht. Zu dieser stürmischen Aufwärtsbewegung wird im Bericht ausgeführt: „Während die Förderung im Schlußmonat des Jahres bei 10,68 Millionen Tonnen um 2,29 Millionen Tonnen oder 27,33 Proz. größer war als im Januar, hat die Belegschafts. zahl einen Zuwachs von 22 000 Mann und damit eine Steigerung von nur 5,7 6 Proz. erfahren. Dieses Verhältnis läßt die beträchtliche Steigerung der Leistung erkennen. Sehr richtig! Der Förderanteil auf ein bergmännisches Belegschaftsmitglied ist von 943 Kilogramm in 1913 bei einer Arbeitszeit von 8>j Stunden auf 1140 Kilogramm im Dezember 1926 bei einer Arbeitszeit von 8Stunden gestiegen.— lieber 1925 sagt der Bericht, daß 4 063 586 Schichten infolge Ab- satzmangels gefeiert werden mußten. Dadurch wurde die Pro- duktion um 4 023 897 Tonnen oermindert. Auch im ersten Halbjahr 1926 wurden noch 2 586 575 Feierschichten eingelegt. Der dadurch erwirkte Produktionsausfall betrug 2 943 538 Tonnen. Di« Ver- Minderung der beschäftigten Arbeiter und die vielen Feierschichten bis zum Beginn des englischen.Streiks lassen keinen Zweifel dar- über, daß sich der Nuhrbergbau in einer kritischen Absatzkrise be- sunden hatte. Im zweiten Halbjahr 1926 wurde die Krise überwunden, die Belegschaft vermehrt und sehr viel Ueber- schichten zur Erhöhung der Förderung verfahren. Das Geschäft wurde sehr günstig, aber jede materielle Verbesserung der Arbeiter mußte erkämpft werden. Der Sohleupreis.— Die grast sind die Erlöse? Als Leitpreis ist der Preis für Fettförderkohle zu betrachten. Von ihm aus werden die Preise sür die übrigen Sorten errechnet. Gr betrug im Jahre 1913 rund 12 M. und beträgt gegenwärtig 14,87 M., steht also 23,92 Proz. über den Preis des legten vollen Borkriegsjahres. Ohne öffeMliche Bewirtschaftung der Kohle würde der Preis höher sein und besonders während des englischen Streiks einen starken Ausstieg genommen haben. Der Bericht bemerkt, daß die Lebenshaltungskosten nach dem Jahresdurchschnitt des Reichs. index 41,2 Proz. über denen der Vorkriegszeit liegen und so stelle sich nach der verringerten Kaufkraft der heutige Kohlenpreis auf nur 87,75. Proz. des Vorkriegspreises. Das ist rechnerich richtig, ober es sehst'der Einblick in die tatsächlichen Erlöse. Hierzu ist erforderlich, den Durchschnittserlös aller Sorten je Absatztonne zu wissen. Dieser wird verschwiegen. Daß der Leitpreis nicht mehr gestiegen ist, ist wieder neben der gesetzlichen Kontroll« dem gesteigerten Förderanteil je Arbeiter zu danken. Lohnerhöhungen durch Mehrleistungen überlroffea. Der Förderonteil je Arbeiter und Schicht betrug 1114 Kilo- gramm. Davon kamen 8,47 Proz. auf den Zechenselbstverbrauch. Der Arbeitslohn hat einschließlich Urlaubsoergütung 7,79 M. befragen. Nach Abzug de« Zechenselbstverbrauchs ergibt sich, daß eine Tonne Nutzförderung mtt 7,64 M. Lohnkosten belastet ist. Es wird dann weiter berichtet, daß für Sozialversicherung 1,04 M. und für Beamtengehälter 0,92 M. pro Tonne Nutzförderung verausgabt wurden. Die Arbeitskosten stellen sich sonach auf 7,64+ 1,04+ 0,92= 9,60 M. Dieser Betrag ist hoch und der Bericht erlaubt keine Nachprüfung. Die sonstigen Kosten, Material- und Generalkosten, Abschreibungen! und Steuern kann man bei dem gegenwärtigen Stand aus 5 M. veranschlagen. Die Gesamtkosten würden sich sodann auf 9,60-±5= 14,60 M. stellen. Der Fettförderkohlenpreis, sogenannter Leitpreis, steht auf 14.87 M. Der Durchschnittserlös liegt aber über diesem Preis, nur wird er im Bericht verschwiegen. Es ist aber nicht übertrieben, wenn man annimmt, daß der Durch- schnittserlös für alle Kohlens orten 10 Proz. über dem Fettförderkohlenpreis liegt und daher 16,35 M. beträgt. Es würde sich sonach ein Reingewinn von 1,75 M. pro Tonne Nutzförderung ergeben. Seine Höhe bestreiten zu wollen ist nur möglich mit konkreten Zahlen, aber nicht mit Worten. Zu den A r b e i t s k o st e n, die sich trotz«ingetretener Lohn- erhöhungen von 10,40 M. aus 9,60 M. je Tonne gesenkt haben, wird im Bericht wörtlich ausgeführt:„Die Steigerung des Schacht- förderanteils war so groß, daß dadurch die im Lause des Jahres eingetretenen Lohnerhöhungen mehr als ausgeglichen wurden." Bei jeder Lohnaufbesserung aber haben die Unternehmer geklagt, daß sie untragbar sei und nun wird in dem Unternehmerbericht offen zugestanden, daß die Arbeitsintensität so groß war,„daß da- durch die im Lause des Jahres eingetretenen Lohnerhöhungen mehr als ausgeglichen wurden". Da» wird festzuhalten sein sür immer. Mehr abgesehl als gefördert. Die Gesamt förderung des Ruhrbergbaus betrug 112 108 000 Tonnen. Di« dem Syndikat angeschlossenen Zechen hatten eine Förderung von 111 171 345 Tonnen. Der Cesamtabsatz des Syndikats einschließlich Betriebsfeuerung betrug aber 115,51 Millionen Tonnen. Es wurden also 4,34 Millionen Tonnen mehr abgesetzt als gesördert. Diese Mengen würden den Beständen aus dem Vorjahr entnommen. Der auf die Ver- kaufsbeteiligung in Anrechnung kommende Absatz be- trug 86 785 383 Tonnen, der Verbrauch in den angeschlossenen Werken(Verbrauchsbeteiligung nach dem Syndstatsvertrag) 20 784 307 Tonnen und der Zechenselbstverbrauch 7 949 110 Tonnen. Unter Zurückrechnung von Koks und Preßkohle auf Steinkohle entwickelte sich folgendermaßen der Auslandsabsatz nach Erdteilen: 1925 1926 Europa einschl. Reparationskohle. 26 939 7l9 t 48 082 779 t Afrika.......... 835 744, 1071 223, Asien........... 48 355. 123 869, Oceonien......... 17 176, 25 246, Amerika(Nord- und Süd«)... 484 284._ 1 044 357, Summa 27 820 278 t 46 347 474 t Der Auslandsabsatz ist also im letzten Jahr 17,52 Millionen Tonnen höher als 1925. Im Jahre 1913 wurden von allen deutschen Bergwcrksbezirken des alten Staatsgebietes 45,47 Millionen Tonnen Steinkohle(Koks und Preßkohle zurück- gerechnet) ausgeführt. Dies war die höchste je erreichte Aus- s u hrziffer, auch bis 1926. Dann aber ist sie im letzten Jahre vom Rheinisch. West fälischen Kohlensyndikat allein erreicht worden. Mit diesen Feststellungen, die dem Bericht des bergbaulichen Vereins entnommen werden tonnten, ist die Kohlenkonjunktur Deutschlands in 1926 als außerordentlich gut charakterisiert. Daß die Gewinne ebenfalls gewaltig gewachsen sind, ist notorisch Was aber aufgehott und gewonnen wurde, ist den L e l e g j ch a s- t e n zu danken. Die Zechenherren scheinen den Kohlenbergbau aber auf alle Zeiten aus diesem einen Jahr mit den goldenen Lettern sanieren und die einmaligen Gewinne zu dauernden machen zu wollen. Sie spielen schon jetzt mit Preiserhöhungen und neuem Lohndruck und setzen Arbeiter aus die Straße. Im Interesse der Gesamtwirtschaft, die billig« Kohlen und kaufkräftige Arbeiter braucht, muß die O e s f« n t l i ch k e i t wachsam sein: die Opfer und die Mehrleistungen der Belegschaften dürfen durch die kurzsichtig« Politik der Zechenherren nicht wieder verschleudert werden. Trotzdem Kohleapreiserhöhung! Troß der glänzenden finanziellen Lage de» Ruhrkohlenbergbaues beschloß gestern das Rheinisch-IOestsälische Kohlensyndikal eine Erhöhung seiner Preise um 7X Proz. ab L 3uni sür sämtliche Steinkohlensorten, mit Ausnahme von Koks und Briketts. Begründet wird dieser Beschluß mit den durch Lohnerhöhungen und die neuen Arbeitszellbeslimmungen eingetretenen neuen Belastungen. Der Beschluß des Kohlensyndikals. der dem Absaß der Bergwerke nachteilig ist. erfolgt In einer Zeit, in der die Zechen bereit» ihre Betriebe einschränken müssen, weil die Rachsrage zu gering Ist! Die Begründung, die der Preiserhöhung gegeben wird, ist haltlos. Daher ist zu fordern, daß die übergeordneten Organe. der Relchskohlenral und das Reichswirlschaflsministerium. der Preis- seftsehung ihre Zustimmung verweigern. Die Wiener firbeiterbank. Große Erfolge. Wir haben kürzlich ausführlich über die günstige Entwicklung der deutschen„Bank für Arbeiter, Angestellte und Beamte A.-G.", Berlin, berichtet. Jetzt meldet die gleichartige österreichische Bant, die Arbeiterbank A.-G. in Wien, daß sie, obwohl Oesterreich in den vergangenen Jahren die furchtbarsten Finanzskandale erlebt hat, mit bestem Erfolge auch das vierte Jahr ihres Bestehens ab- schließen konnte. Staatskanzler a. D. Genosse Dr. Karl Renner schickt über die Stellung der Wiener Arbeiterbant in diesen schweren Jahren dem Bericht folgende Wort« voraus, denen ein wertvolles Re- ferat über di� Gcmeinwirtschast im Kreditwesen folgt:„An die sieben Dutzend zählen die Kreditinstitute, di« in den letzten Jahren zusammengebrochen sind! Sieben Dutzend Unter- nehmungen, die ihrer Natur noch auf dem höchsten wirtschaftlichen Vertrauen beruhen, die di« Ersparnisse eine, ganzen Voltes mit getreuen Händen zu verwalten übernommen und dieses Der- trauen getäuscht haben! Von der kleinen lokalen Gewerbe- treditkass« bis zu einer Großbank(Depositenbank), vom kleinen Sparverein bis zur Postsparkasse des Staates, vom jüngst gegrün- beten Tiroler Voltskonjum bis zum ersten Wiener Konsumverein (beide bürgerlich— d. Red.), der gewaltige Vermögenschaften durch 70 Jahre sein«« Bestandes gesammest hat, sind unter den Einrichtun- gen, die von der Erschütterung betroffen worden sind, alle Größen und alle Typen vertreten— mit einer einzigen Ausnahme: vi« von der Arbeiterschaft oerwalteten Senossenschasten und ihre zentrale Kreditanstalt, die Arbeiterbank. sind von dem Sturm« unberührt geblieben." Ueber die Worte des Genossen Renner hinaus zeigen die Zahlen de« Geschäftsberichtes, daß die Entwicklung der Arbeiterbank, obwohl schwerste Arbeitslosigkeit über Oesterreich lastet, weiter aufwärts geführt hat. Die Einlagen auf laufen- des Konto sind von 21,23 aus 24,94 Millionen Schilling(1 Schilling — 60 Pf.) gestiegen. Die Spareinlagen wurden von 1,04 aus 1,71 Millionen erhöht, obwohl das Spareinlagengeschäft noch in den ersten Anfängen steckt. Der Bestand an Wechseln ist gegenüber Ende 1925 von 1,1 auf 1,9 Millionen erhöht worden. Die Gewinn- und Derlustrechnung zeigt nur günstige Ziffern. Da auch in Oester- reich im vergangenen Jahre die Zinssätze ganz bedeutend herabgesetzt wurden, ist auch die geringe Zinseinnahmensteigerung nur der er- heblichen Vergrößerung der Umsätze zu danken. Diese Umsatzsteigerung muß umso größer sein, als die Zinspolitit darauf gerichtet war, im Gegensatz zu den übrigen Banken, di« Zins- spanne zu verringern. Trotzdem konnte der R e i n g e- w i n n von 1926 gegen das Vorjahr um rund 10 Proz. auf 209 000 Schilling erhöht werden, und nur zur Stärkung der inneren Reserven wird daraus verzichtet, wie im Vorjahr, 15 Proz. Dividende zu verteilen. Die Gewinnausschüttung an die Kon- sumentenorganisationen und Arbeiteroerbände, die das Aktienkapital von 1 Million Mark in Händen haben, beträgt für 1926 zehn Prozent. Rund 68 000 Schilling gehen in den Reservefonds, für Dildungs- und Fürsorgezwecke aber werden 3S 000 Schilling ausgeworfen, die wiederum nur der Arbeiterschaft zpgute kommen. Die Arbeiterbank A.-G., Wien, ist an der Slafa- Warenhaus A.-G., dem Stafa-Kreditinstitut für öfsentliche Ange- stellte(Gewährung von Krediten an Festbesoldete), der Garantie- gesellschoft für öffentlich« Angestellte(Gemährung von Waren. krebsten), der Aktiengesellschaft für Textilindustrie und den Per- einigten Leder- und Schuhfabriken, lauter ilnternehmungen der organisierten Arbeiterschaft, beteiligt. Von allen Unternehmun- gen wird eine günstige Entwicklung berichtet. Besonders nach- drücklich wurde von der Arbeiterbank di« Finanzierung des öfter- reichischen Exportes nach Rußland betrieben und es wird festgestellt, daß Rußland seinen Zahlungsoerpslichtungen restlos auf das pünklichfte nachgekommen ist. Der Bericht des österreichischen Bankinstituts schließt mit folgenden Worten:„Die Arbeiterbank hat in diesen vier Jahren bewiesen, daß sie ein nützliches und notwendiges Glied der Arbeiterbewegung ist Sie hat sowohl im Interesse der Genossenschasts- wie auch der allgemeinen Kulturbestrcbungen der Arbeiterklasse, wie im Interesse der Gewerkschaftsbewegung er» folgreich operiert. Die Ausgabe, die wir noch vor uns haben. ist die restlose Zusammenfassung der von Arbeiterinstitutionen ver- walteten Gelder und mit Hilse dieser Mittel di« Ausgestaltung des großen Genossenschaftswesens in Oesterreich. Die Arbeiterbank wird ihre bisherige Aufwärtsbewegung fortsetzen und sich durch ihre Tätigkeil immer mehr als ein nützliches Glied in die Gesamt- bewegung unserer Klasse einreihen." Die deutsche Ar- beiterschaft darf über diesen Gruß aus Oesterreich tiefe Genugtuung empfinden. Sie wird im Kampfe um die finanzielle Emanzipation der Arbeiterklasse nicht zurückstehen. Inventur im tzanüelsgewerbe. Nach de« Ergebnissen der Bctricbszälzlung von ISSS. Da» Statistische Reichsamt legt jetzt in seiner Zeitschrift.Wirt- schast und Statistik" die ersten Zählungsergebnisse auch für das deutsche Handelsgewerbe vor. Für Groß-, Einzel-, Hausier- und Straßenhandel, Geld- und Bankwesen, Verlags- und Verwaltungs- betriebe, Versicherungswesen und mehrer« ander« Einzelzweige wurden im Jahre 1925 insgesamt 1148000 Betriebe(die Be- triebe, nicht di« Unternehmungen sind gezählt) festgestellt, in denen 3212000 Personen beschäftigt waren. Davon waren 1 033 922 Einzelgeschäste mit 2 331 501 Beschäftigten(90,1 bzw. 72,6 Proz. der Gesamtzahl), 28 649 Hauptniederlassungen(Mutter- firmen) mit 465 504 Beschäftigten(2,5 bzw. 14,5 Proz.) und 85 510 Zweigniederlassungen mit 415 305 Beschäftigten(7,4 bzw. 12,9 Proz.). Im Vergleich mit dem gewerblichen Produktions- a p p a r a t macht die Letriebszahl desHandels-undOrgani- j a t i o n» apparates etwa zwei Drittel und die Personenzahl über ein Viertel von Industrie und Handwerk aus. Aus den Einzel- Handel entsällt weit mehr als die Hälfte aller Betrieb« und fast die Hälfte aller im Handel beschästigten Personen(673 322 Betriebe mit 1 532 942 Personen). Der Großhandel dagegen macht nur etwa ein Siebentel oller Betriebe aus und beschästiat etwas mehr als den vierten Teil des gesamten Personals(174 242 Betriebe mit 831784 Personen). Bemerkenswert stark ist der Hausier- und Straßenhandel, auf den 95 296 Betriebe mit 114 462 Personen ent- fallen. Von besonderem Interesse ist naturgemäß der Vergleich der Ergebnisse von 1 925 mit den Ziffern der letzten Berusszählung von 190 7. Di« Ziffern von 1907 auf das jetzige Reichsgebiet zurückgeführt, ergibt im einzelnen folgende Ent- Wicklung: 1907 1925 1925 (heutige, Reichsgebiet ohne Saar) Detriebe Perloneu Betriebe B-rfoneu Betriebe P-rsa». Groh- Einzelhanbel u. VerlagSgeweibe 532068 lS42c>g7 85110? 2397799+ 46,2+ 46,0 Geld- u. Banlwesen einichl. 10053 66804 43280 227394+330,8+240,4 VermiI>l.-,Verwolt., Verleih- usw. Gew. 65631 201602 134496 314253+104,9+ 55,9 Hausier- u. Elratzen- handel....... 39035 45181 95296 1141 62+144,1+153F Versicherungswesen. 22466 66161'.0246 96702— 9,9+ 46.2 Zusammem 719258 2021845 1144425 3160615+ 5'J,1+ 65,8 Diese Statistik bestätigt die große Ausdehnung, die über das Handelsgewerbe bisher schon bekannt war. In sämtlichen Zweigen ohne Ausnahme liegt eine starke Vermehrung der Betrieb« vor, die noch erheblich größer ist als die Vermehrung der in den Betrieben beschäftigten Personen. Die prozentual größte Ausdehnung hat das Geld- und Bankwesen erfahren. dessen Betriebszohl gegenüber 1907 um 330,3 Proz. und dessen Personal um 240,4 Proz. gewachsen ist. Die Entwicklung der privaten Depositenkassen nicht nur, sondern auch die Neugrllndung von Banken während der Inflation, die bisher kaum einen Abbau erfahren hat, kommen darin zum Ausdruck. Das Anwachsen der Personen im Hausier- und Straßenhandel aus mehr als dos Zweieinhalbfache läßt erkennen, wie(wohl nach der Jnslations- zeit) immer mehr Existenzen aus dieses Mühseligsie aller Gewerbe abgedrängt worden sind. Großhandel, Einzelhandel und Verlags- gewerbe zeigen im Verhältnis noch eine geringe prozentuale Ver- mehrung(rund 4 6 P r o z.), wenn sie absolut genommen auch enorm ist. Nur das Versicherungswesen zeigt einen Rückgang der Betriebszahlen um 9,9 Proz. bei einer Steigerung des Personals um fast die Hälfte. Natürlich ist dieser statistische Vergleich noch absolut unzu- reichend. Das Wichtigste, die Vergleichsmöglichkeit für di« viele« Dutzende einzelner Sparten wird noch nicht mitgeteilt. Darüber hinaus hat sich seit 1925, dem Zeltpunkt der Zählung, schon viel ver- ändert. Die große Krise liegt dazwischen, die im Groß- und Einzelhandel ziemlich stark aufgeräumt hat. Man wird also die weiteren Verösfentlichungen des Statistischen Reichsamts abwarten müssen, um über die Entwicklung des Handelsgewerbes mehr erkennen zu können. Die unzureichende Gewerbeaufsicht. Tie Sozialdemokratie verlangt mehr Schutz der Arbeitskraft.— Sozialpolitische Forderungen im Landtag. die zweite Lesung eoerwaltung Der prenßische Landtag setzte am Diensto de» Haushalts der Handels- und Gewer fart. Wg> Dr. Jalf(Dem-): Die Ansicht, daß Europa ein einheit- liches Wirtschaftsgebiet ist, bricht sich auch in anderen Ländern Bahn. Mehr und mehr müssen auch die Eiegcrstaaten erkennen, daß die deuische Wirtschaft sich noch immer in besonders schwerer Bedrängnis befindet infolge der wirtschaftlichen Bestimmungen des Bersailler Vertrags und des Dawes-Vertrags. Deutschlands Aufgabe ist wie nor dem Kriege der Export von Qualitätswaren. Dazu bedarf es der' Förderung der Qualitätsarbeit und damit auch un- ausgesetzter Förderung der Sozialpolitik.— Der lltedner billigt die Elekropolitik des preußischen Staates und warnt vor der �Zwangswirtschast" der Syndikote und vor Eingriffen der Industrie in die Selbstverwaltung der Gemeinden. Abg. Mohrbokker(Wp.) klagt über die antinationale und mittel« standsfemdliche Polstik der Kartelle, besonders des Zementsyndikats. Abg. lviegershous(Bölk.): Der internationale Wirtschaftswahn kann die deutschen Interessen nur schädigen. Wir brauchen zur Ge« : l s st a a t. sundung den nationalen geschlossenen Hände Das deutsche Volk muß sich auf einer Plattform finden, die uns Luden« dorff zeigte.(Minutenlange stürmische Heiterkeit, in der die weiteren Ausführungen des Redners völlig untergehen.) Die Debatte wird ausgesetzt: es folgen die Abstimmungen über die zum Bergetat gestellten Anträge. Auge- nommen wurden u. o. die Anträge der Sozialdemokraten, die Zahl der Grubenkontrolleure von 6 auf 12 zu erhöhen, serner eine Studientommission einzusetzen, die die Ursachen der gesteigerten Unsallgefahren im Bergbau erforschen soll und in dem Bergarbeits- gesetz die s i e b e n st ü n d i g e Arbeitszeit für unter Tags, die achtstündig« Arbeitszeit für über Tage gesetzlich festzulegen. Ferner wurde«in sozialdemokratischer Antrag angenommen, der die Zahlung von Revierprämien an die Abteilungssteiger verbietet, desgleichen ein sozialdemokratischer Urantrog, bei Errichtung der Ar. beitegerichte keine besonderen Fachkammern für den Bergbau einzu- richten. Die namentlich« Abstimmung über den Antrag des Geschäfts- ordnungsausschufses, dis Jmmunitätdes Abg. Grube(Kam- munist) wegen Hindenburg-Beleidiguiili aufzu. heben, ergibt die Annahme des Antrags mit 203 Stimmen samt- licher bürgerlichen Parteien gegen 126 Stimmen der Sozialdemo- traten und Kommunisten. Hierauf wird die Debatte über den Handels- und Gewerbeetat fortgesetzt. Abg. Frau hauna(Soz.): Die vom ReichsarbeitsminUterium geplante Aufhebung der Krisen fürsorge würde durch die Entziehung der Unterstützung gerade an die B e d ü r f t s g st e n der Erwerbslosen eine K a t a st r o p h e bedeuten, weil besonders davon die langfristig Arbeitslosen betroffen würden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Noch am 13. April betrug die Zahl der Erwerbslosen, die länger als 39 Wochen beschäf« tigungslos sind, 1 6 9 0 0 0.(Hört! hört') Es ist kein Wunder, wenn die beabsich:igteu Maßnahmen des Rcichsarbeitsministers, insbesondere die Herabsetzung der Unterstützungsdauer auf dreizehn Wochen eine große Unruhe und zum Teil Empörung in der Ar- beiterfchaft auslösen. Ganz abgesehen von dem unerhörten Elend, das dadurch geschaffen wird, würden solch« Maßnahmen nur zur Vermehrung der Schwarzarbeit durch fliegende Händler, Hausierer usw. führen, also durchaus nicht im Interesse unserer Volkswirtschaft liegen. Trotz des- erfreulichen Rückganges der Arbeitslosenziffer ist, wie ich schon ausführte. die Zahl der Erwerbslosen noch immer hoch genug. Eins der Mittel zur Verminderung der Arbeitslosigkeit ist Zweifel- los ein gut funktionierender Arbeitsnachweis. (Sehr wahr! bei den Soz.) Die reibungslose Abwicklung des Nach- weise» wird aber durch die Maßnahme,! des preußischen Wohlfahrts- Ministeriums außerordentlich erschwert. So sollen die Nachweis- angestellten die staatliche Anerkennung erhalten. Das würde nichts andere- heißen, als daß in Zukunft nur noch Leute mit Lyzealbil« dung oder Obersekundareif« zugelassen werden, also die völlige Ausschaltung der aus der Arbeiterschaft stammen- den, mit besten persönlichen Erfahrungen ausgestatteten Kräfte. (Sehr wahr! bei den Soz.) Es ist ein Verdienst der freien Gewerk- schaften, daß st« zuerst aus die Gefährlichkeit eines solchen Erlasses aufmerksam machten und sich energisch dagegen wehrten, daß Ar- beitsnochweisangestellt« und Gewerbeaufsichtsbeamt« als Wohlfahrts- Pfleger behandelt werden sollen. Ein inzwischen herausgekommener Erlaß des Wohlfahrteministers beweist, daß die Befürchtungen der Gewertfchaficn berechtigt waren. Weil wir wissen, welch« Gefahren dadurch für einen geordneten Arbeitsnachweis entstehen, werden meine Freund« namentliche Abstimmung über unseren diesbezüglichen Antrag stellen. Im Ausschuß haben leider sämtlicb« bürgerlicbe Parteien, mit Ausnahme der Demokraten, gegen uns gestimmt.(Hört! hört! bei den Soz.) Das Ministerium möge auch seine nachgeordneten Behörden, insbesondere die Landrats- ömter anweisen, daß sie nicht durch kleinliche, schikanöse Anord- nungcn und Verbote die Tätigkeit der Arbeitsnachweise erschweren. — Ein besonderes Kapitel ist der Arbeilersthuh. Seit Iahren sind sich die Vertreter aller Parteien einig, daß der Ar- beiterschutz ausgebaut werden müsse. Dies« einheitliche Auffassung hat die Regierung bisher ignoriert. Man sagt, daß die nötigen Mittel dazu fehlen. Ich stelle fest, daß nur der fünfte Teil der Betriebe von der Gewerbeaufsicht kontrolliert wird, dabei sind nicht einmal die Betriebe der Heimarbeit mit be- rücksichtigt. In anderer Beziehung ist die Regierung nicht so spar. sam wie beim Arbeiterschutz.(Sehr wahrt bei den Soz.) Da hat man Millionen sür den Opernhausumbau, für Pferdezucht und Pferderennen übrig: ober man streicht die angesorderten 100 000 M. sür vermehrte Gsroerbeaussicht!(Hört! hört! bei den Soz.) Es ist einfach unerträglich, die Arbeiter in den Betrieben weiter den Gesahren ausgesetzt zu sehen, in denen sie sich mangels ausreichender Gewerbeaufsicht und notwendigen Arbeiterschutzes befinden. Kein Land hat für diese Zwecke so wenig Milte! übrig wie Deutschland. Das zeigt sich auch in der miserablen Bezahlung der meist aus Arbeiterkreisen hervorgegangenen Gewerbeaussichtsbeamten. Hier ist der Einfluß des reaktionären Unternehmertums besonders stark zu spüren. Ich habe zur Unterstützung unserer Auffassung vom notwendigen Ausbau des Arbeiterschugcs eine Reihe von Bil- dern auf den Tisch des Hauses niedergelegt, die die grauen. vollen Verletzungen und G e f u n d h e i t s s ch äd i g u n- gen uns an Arbeitern zeigen, die im Holzarbeiter, und Fabrik- arbeiterverband organisiert sind. Das mir zur Verfügung stehende Bildcrmaterial konnte ich dabei wegen Raumbefchrönkung nur zum Teil verwerten. Ich hebe besonders hervor, daß der größte Teil der so furchtbar verstümmelten nicht einmal llnsallrente bezieht, weil Zerstörung der Haut durch Pikrinsäure, Hautschädigungen durch Chrom, Karbidauslchlog, Geschwüre durch Gelatine usw. nicht als Berufskrankheiten anerkannt sind. Die so arbeitsunfähig Gemachten fallen also der öffentlichen Wohlfahrtspflege zur Last. (Hört! hört! bei den Soz.) Obwohl der gewerbehygienische Ar- beiterschutz dem Wohlfahrtsminister untersteht, möchte ich die Auf- merksamkeit auch des Handelsministers auf diese Dinge lenken. Wir erwarten, daß unsere Anträge nicht nur angenommen, sondern auch durchgeführt werden.— Mit der vom Zentrumsredner geforderten Arbeitsgemeinschaft haben die Gewerkschaften böse Erfahungen ge- macht. Die Opfer, die in ibr der Arbeiterschaft auferlegt wurden, haben in dieser nicht die Sehnsucht erweckt, ein solches Bündnis wieder aufleben zu lasten.(Sehr wahr! bei den Soz.) Nach unserer Auffassung soll das Ziel der Wirtschaft de, Mensch sein. Wir wissen, daß das in der kapitalistischen Wirt- schaft nicht durch, usetzen ist. Deshalb wird es vorläufig unser Be- streben sein, den Arbeiter zu einem Faktor der Wirtschaft zu inachen, der nwiisckicnwürdig und unter besseren Daseinsbedingungen leben kann.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Zarobshagen(Dnatl.) glaubt, daß die deutsche Wirt- schaft nicht ohne Ausland-kredite auskommen kann. Die Vernünde- rung der Arbeitszeit fei kein Allheilmittel zur Gesundung, unserer Wirtschaft. Abg. Astrgoer(Z.): Die dem Staat vom Mittelstand zur Ver- fügung gestellten kurzfristigen Kredite sind keine ausreichende Hilfe. Es muß den Sparkassen möglich fein, langfristige Kredite zu geben. Die Stärkung einer Mittelschicht liegt im Interesse der Nation. Mg. Bayer. Waldenburg(D. Vp.) tritt für die Erhaltung des Handwerkerstandes ein. Abg. Soboltka(Komm.): Wer die Weltwirtschafiskonferenz in Genf unterstützt, unterstützt den I m p e r i a l i s m u s. Die sozial- demokratische Gewerkschastsbureaukratie steht mitten in der imperia. listifcben Front.(Lachen bei den Soz. Zurufet Und Sowjet- r u ß l a n d?) Sowfetrußland zeigt auch in Genf den Kapitalisten nur die Faust.(Lautes Lachen bei den Soz.) Abg. kniest(Dem.): Die Kommunisten dürfen nicht jede For- deruna des dsusschen Expons einfach Imperialismus nennen. Für den Mittslftaud ist die Lebcnsfmge die Aufbesserung der Löhne der Arbeiter und der Gehälter der Angestellten. All« anderen Mittel täuscben den Mittelstand lediglich.(Sebr gut! links.) Damit ist die allgemeine Debatte über den Handelsetat beendet. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch mittag 12 Uhr: Kewerb- liches Schulwesen, Rest des Handelsetats, erste Lesung des Polizei- beamtengefetzes._ Reichstagsbeginn. Löbe präsidiert wieder.— Kleine Vorlagen. Die gestrige Reichstagssitzung, die erste nach der großen Ver- handlungspause, wurde um 3 Uhr vom Präsidenten Löbe eröffnet, der nach seiner Genesung wieder den Vorsitz übernommen hat und von den Abgeordneten durch Händeklatschen begrüßt wird. Bize- Präsident Dr. R i e ß e r gibt im Namen des Reichstags mit herz- lichen Worten seiner Freude Ausdruck, daß Präsident Löbe wieder in alter Frische und Elastizität in sein Amt zurückgekehrt sei. Er spricht die Hoffnung aus, daß der Präsident mit der gleichen Frische und mit der Unparteilichkeit und dem guten Humor, der ihn aus- zeichne, seine Tätigkeit«recht lang« ausüben möge.(Lebhafter Beifall.) Reichstagspräsident Löbe dankt für die herzliche Begrüßung und für die vielen guten Wünsche zur Genesung, die während seiner Krankheit an ihn gelangt sind. Besonderen Dank richtet er den Vizepräsidenten dafür aus, daß sie die große Arbeitslast auf sich genommen hätten, um den Beratungsstoff des Reichstags vor Ostern zu erledigen. Der Präsident spricht die Hoffnung au-, daß die bevorstehenden großen Aufgaben des Reichstag- ohne Ueberftunden, ohne Nachtschichten und ohne Beschränkung der sommerlichen Frei- heit erledigt werden können.(Lebhafter Beifall.) Ein Antrag des Oberstaatsanwalts in Stendal auf Genleb- migung zur Strasversolaung des Abgeordneten Fürst v. Bismarck(Dnat.) wegen Uebertreiung der Verordnung� für Kraftfahrzeuge sowie ein Antrag aus Genehmigung zur Strafver- solgung des Mgeordneten Lange- Hegermann(bei keiner Partei) wegen Uebertretung der Polizeistunde wird unter großer Heiterkeit dem Geschäftsordnungsousschuß überwiesen. Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Frick (Nationalsoz.), die Novelle zum Reichsvcreinsgesetz auf die beutige Tagesordnung zu setzen, damit bei dieser Gelegenheit die Maßnahmen des preußischen Innenministers und der preußischen Polizei gegen die Nationalsozialisten besprochen werden könnten. Da dagegen Widerspruch erhoben wird, wird dies« Angelegenheit nicht behandelt. Ohne Aussprache werden in allen drei Lesungen erledigt das Luftverkehrsabkommen mit der Tschechoslowakei, die Abänderung der Internationalen Meterkonven- t i o n(Einbeziehung der elektrischen Maßeinheiten), und das Ab- kommen mit Belgien, Frankreich und Italien über die gegenseitige Anerkennung der Belchußzeichen sür Handfeuerwaffen. Eine Entschließung des Handelspolitischen Ausschusses über dos Verbot der Verwendung von Gefrierfleisch zur Wurstsabrikation wird nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Schlack(Z.) und Frau Wurm(Soz.) zur erneuten Beratung dem Volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Gegen 3� llhr vertagte sich das Haus auf Mittwoch nach- mittag 3 Uhr. Auf der Tagesordnung steht neben einigen kleineren Borlagen und den Haushaltsrechnungen von 1924 und 192S die zweite Beratung des Gesetzentwurfs zum Schutze der Jugend bei Lustbarkeiten. Ein kommunistischer Antrag, die ange- kündigte Erhöhung der Portotarifc auf die Tagesordnung der mckr- gigen Sitzung zu setzen, wird gegen Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten abgelehnt. Sozialististbe Frbeiterjugenö Groß-öerlkn. «cht-na, Heut«, SHttooifi. von 5�7 UT(t«brechnuai und Ausgabe de, Mm-�Iugend voran" und der„Arbeiter-Jugend". Achtvag, Abt«iluag»leit«r, gebt die Monatsprogramme sitr den Monat Juni ab! Die BScherstnbe ist heute, Mittwoch, ab 3 llhr gedffnet. U Achtung, Landeelciterl Am Donnerstag, 12. Mai, nehmen wir II teil am Vortrag des Genossen Hcnselina, Bellevuestr. 8, über„Sternen all- j P und Sonnen.Sternhauscn". Treffpunkt H8 Uhr dort. Eintritt frei. »t! E-yme Gtpsstr. 23«. enimer Avenv.— vumavnpiag: tt. 10, Limmer II.„Zugendschutz und Zugendrecht."— »im Grone ffrantsurter Str. Ik, Zimmer 3. Iv-Mimiien» ch! Heim Tilsiter Str. 4—3(Saal).„Ziele der l>ZI."— heule. ZNillwoch, 11. Mai, 7% Uhr: «vsenthaler Borstadt! Schule Gipsstr. 2Z». Bunter Abend.— Humavvplatz: Schule Eberswalder Str.]' Avdeeasplatz: Zugendheim Baitenplag! PWMWWWMWWWWWWWWWWMWWW��M Reichenberaer Viertel: Heim ReiGrnberger Str.««.„Faschismus und Sozialis. mus."— Westen II: Heim Btilowstr. 88.„Sozialismus, Sleligion und Kirche." — Spandau: Heim Lindcnufcr 1. Vortrag.— Fallcnderg und Frledrichshagca: „Mllggelberge und MUggelsco in Sage und Dichtung." Treftpunkt der Abt. Fallenberg 7 Uhr Keim, Friedrithshagen Vootsstand.— Frledrtilisseld«: Leim Berliner. Eike EGIosistraße.„Co»sales Wandern."— flaulsdotf: Schule Adalf» straße.„Vesormlleidung."— Lichtenberg. Mitte: Heim Dosscstr. 22.„Das Wesen der politisrhen Parteien."— Reu-Lichtenberg: Heim Prinz.AIbert.Strahe. „Biographic von August Bebel."— Lichtenberg.Sest: Heim Scharnweberstr. 29. „Der M-n Ich und ferne Religion." ZScrbebezirk Obcrsprce: WcrbebczirkamitgNederversammlung im Hilm Der» lincr Str. ZI.___ Vorträge, vereine und Versammlungen, Reichsbanner» S chwar, Rok-Gold". G«schZM»st-lI«: Berlin S 14, Lebostianstr. 37/88, Hot 2 Tr. Gauvrrstand. Der Gauvorstand spricht allen Kameraden fllr die am Tage de, Ltahlhelmaufmarschcs bewiesene Disziplin, und Pflicht- Turnleitcr.— Prenzlauer Berg: Da., d. 12., Lustgarten fällt au». Kamerad. schaft Wörth« Platz: Fr.< d. 18., 8 Uhr, Bersaminlung bei Treuer, Kastanien. aller 23. Referent Kam. gachert, M. d. L. Kameradschaft Balkan: 8 Uhr Ver. sommlung im Altersheim Danziger Etr. 82 am Do., d. 12. Kameradschaft Falke: Do., d. 12., 8 Uhr, Versammlung bei Zeuge. Milastr. Z.— KSpeuiS(Krel»>: Der Sportgbend findet nicht am Mittwoch statt, sondern leben Freitag von 7— 10 llhr aus dem Srortplatz 2, Marienstrahe. Am Fr., d. 1Z„ Anturnen und Einteilen der Mannschaft lnr Frankfurt a. d. O.— Wcddiug: So., d. 14.. FrUhlingsfest des Tambourkorp» und SUasorchestcrs im BUrgcrpark Pankow, Gnteo Programm, Konzert, Theater und Ball. Ansang 3 llhr, Kaltenijsfnung 4 llhr. Eintritt 40 Pf. Billetts bei den Blockleitern und Kam. Mllller, Ufer- strafte 12._ Berliner Arbriter-Schachllub., Bit. Ehaelottenburg. Spiclabcnd jeden Dienstag 8—12 llhr bei Gottschalk. Kasser-Frledrich-Str. 37. Ecke Bismarck- strafte. Doste willkommen. Unterricht wird erteilt.— Am Mittwoch, 11. Mai, »m Uhr, findet bei Blum, Siemensstr. 12, die Grllndung einer Abteilung dr, Arbeiter.Tchack'klub, statt. Außerdem Blind- und Cimnltanvorstellung. Auf Eivladurg der»eseNschast für ph»v«tische Kritik svricht Mittwoch, 11. Mai, S Uhr, in der Deutschen Gesellschaft, Schadowstr. 7, Dr. Wenzel Dold- bäum über das Thema„Rundfunk und internationales Urheberrecht". Arbeiterverein fiir Biochemie und Lcbensreform i.®. B.. Bezirk Moabit. Mittwoch, 11. Mai.»18 llhr. Lokal Krüger, Putlitzstr. 10, Lichtbildervortrag: „Gefchlrchtskraniheitcn. Gaste willkommen, Berel u der Stralluvde«. Donnerstag, 12. Mai,„Zur Sonnenuhr", Am Oderbanm. Vortrag Dr. Schutte:„Wallenstein» Tod". Deutsch« graphologische Studiengesellschast. Donnerstag, 12. Mai, 8 Uhr, «m Lyzeum Wellmann, Eharlottenburg. Grolmanftr. 38, vorn 1 Tr., Sitzung. Beurteilung einzelner Handschriften. Di« Graphologie Im Gerichtssaal. Kon- trollversnch eine» objektiven Schrifterveriment». Gäste willkommen. Eintritt frei. Filehuc« Landsmannschaft zu Bcelin. Donncrslog. 12. Mai, 8 llhr. in Zocks Vereinshau«, Oranienstr. 38, Generalversammlung. Gäste willkommen. Aebeitee-Abftinentenbvnb. Zum verbilligten Besuch der Wochencndau». stcllung treffen sich die Mitglieder am Donnerstag, 12. Mai, 5Vj Uhr, vor der Reuen AutoHalle. Wingslenistmh! willige Preise Sind da! tfaswaht riesengroß! 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Der riesige Diermastdampfer zog schläfrig durch den abendlichen Sniantif. Das Bugwasser rauschte und verebbte leise im Rhythmus der wohlig dünenden See. Ich hatte meinen Ausgucktörn angetreten, war die schmale Eisenleiter am Fockmaste hinaufgestiegen, und machte es mir jetzt im Mastkorb bequem. An Sommerabenden war es hier recht beschaulich. Auszupasien gab es nicht viel: die uns entgegenkommenden Schiffe fuhren weit südlicher, nur selten kamen Feuer in Sicht. Aber dafür konnte ich von meiner Höhe das ganze Schiff übersehen, da gab's viel zu beobachten. Achteraus wiegte sich die gewaltige Masse der Decks und Auf- bauten, umblinzelten die Bullaugen der Salons und Kabinen den butzigen Schornstein, pendelten hoch in den Sternen die Mastspitzen im Gleichklang leise knarrenden Tauwerks, während die rote und die grüne Positionslaterne treu und unentwegt vorausblickten. Ab und zu, wenn eine Tür geöffnet wurde, fluteten einige Takte Streich» mustk voraus. Interessant war es auch auf dem Deck. Beim Großmost drängten sich die Zwischendecker. Eine Hand» Harmonika klagte astmathisch vom verlorenen Glück— zwischen einzelnen Sätzen Hollen die Bälge röchelnd und quietschend Luft. Dann gab's einen Tanz in wahnsinnigem Tempo, deutlich hör« ich die lqngschäftigen Stiefel der Pqlackmädels stampfen und sehe ihre hellen Kopftücher heraufschimmern. Krakowiak—„Polenta", sagte Karl Kornehl immer, wenn er mit seiner Katinka tanzen wollte, das schien ihm einfacher und bezeichnender. „Bim. bim, bim!" drei Glas, hell klingt das kleine Glöckchen vom Ruderhaus. Drei Schläge Antwort wuchtet meine große Glocke. Ein Blick rundum— Positionslampen brennen, kein Feuer in Sicht— alles in Ordnung! „21... lies wohl!" singe ich mit meiner schönsten Stimme. Der Ruf schwebt langsam über das aufhorcyende Schiff, über Brücke und Bootsdeck bis dort hinten zum Heck, wo er wie ein langer Wimpel eine Weile von den segelnden Möwen umspiell wird und dann langsam im Kielwasser versinkt— oerklingt. „Ay, Ay!" näselt die Brücke. Unten wird's stiller. Vorn auf der Back hocken noch einzelne Pärchen. Wenn der Mond ein bißchen günstig ist, kann ich sie von hier oben fein belauschen. Sie fühlen sich vor dem Ankerspill wohl geborgen, an„den Herrn da oben" denken sie nicht. Wenn dann eine Pellkartoffel an Deck quatscht, fahren sie erschrocken auseinander. Ich habe zu diesem Zweck immer Munition in der Tasche. Neid? — nein! Aber ich kann Sittenlosigkeit bei anderen nun mal nicht leiden, und mit zwanzig Iahren sitzt man selber gern an der Krippe. Ein leichter Stoß geht durch den stählernen Mast. Was ist denn nun los? Am Zittern des Korbes spüre ich, daß jemand die Leiter heraufkommt. Ablösung? Nein, es war doch eben erst drei Glas. Ob ich ein Feuer übersehen habe? Suche den Horizont ab. Nichts! �Hallo." Eine helle Stimme,, ein Kopf lugt über den Rand. ein schmaler Körper kommt höher. .�Hclp me!" Eine kleine Hand streckt sich mir entgegen. Dunnerlüchting, das ist ja ein Mädel! Diese Pankeeweiber sind doch zu allem kapabel, na, wenn das man gut geht! Wenn sie das von der Brücke gesehen haben, gibt's einen rein- gebaumest— 77 Faden lang. Helfen Sie mir!" piepst es jetzt ängstlich, ein schlankes Bein hebt sich über den Rand, eine Lackspitze funkell, was Weißes schimmert und raschelt. Herrgott, wenn das Kröt bloß nicht runterfällt, zuckt es mir glühend durchs Hirn, ich springe zu. Ein schmächtiger Körper schmiegt sich zutraulich an mich, seidiges Haar kitzcll wie ein Spinn- weben, ein feiner Duft berauscht mich einen Moment, daß der Kahn mit allen Lichtern und Hühn und Pardllhn sich plötzlich dreht wie ein Karussell.„Thank you!" seufzt sie jetzt erleichtert, auf schmalem Raum neben mir stehend: die Kletterpartie war doch wohl ein bißchen schwierig gewesen. Pflichteifrig spähe ich voraus, markiere Ausguck, daneben plier« ich ein bißchen seitwärts. Sicher eine ganz Feine aus der Kajüte! „Ouh! Sie haben hier sehr nett," sagt sie in dem drolligen Deutsch der Amerikanerinnen, das„r" rollt sie ganz oben am Gaumen. Ich grunze, mustere heimlich meinen Gast. Diel läßt die Dunkelheit ja nicht erkennen, schmales Gesicht, große Augen. Kurze Kleider trägt sie, aber das sagt nichts, in Boston und New Port takeln sich die ältesten Schrauben wie ein Backfisch. Sie fragt tausenderlei und plappert unaufhallsam von Po und der Miß und schließlich von Baby— ihrer Puppe. Und dann wußte ich's— sie war zwölf Jahre all und hieß Eiste: mich nannte sie schlankweg beim Bornamen, nachdem sie ihn erfahren. Meine leise Enttäuschung über dies etwas harmlose Abenteuer verflog schnell: der reizende kleine Kerl mit dem drolligen Ernst und altklugen Erzählen machte mir viel Spaß. Dann kam mit vier Glasen die Ablösung. Machte ein dämliches Gesicht, wie er zwei im Nest fand. Das Heruntersteigen war schwieriger, aber da machte ich nicht lange Unistände und trug sie aus der Schuller an Deck. Eine kleine feste Hand preßte die meine:„Gute Nacht! Wir sehen uns morgen." Sie hüpfte nach achtern. Ich kroch in die Koje. Meine Liebste— hinter Cuxhaven oder Sandy Hook hatte jeder Janmaot seine feste Braut für die Reise— blieb heute abend allein. Wundervolle Zelt kam nun für mich. Di« See war in diesen Sommertagen tiefblauer Friede. Schneeweiß schwelgten Möwen um Masten und Heck. Behäbig schob unser dicker Dampfer durch die sanft wogende Dünung. Bon allen Seiten geloppierten die Tümmler und Schweinsfische heran, als hätten sie auf uns gewartet. setzten wie aus Kommando in schön ausgerichteter Kolonne zu zehn und zwölf über-ine Well«, daß ihre nasi« Geschmeidigkeit sekundenlang in der Sonne blitzte, jagten eine Zell mit tollen Sprüngen und Kapriolen mit uns um die Wette und gaben es dann auf. Rings unendliche Ferne, an der Kimmung geheimnisvoll« Rauchfähnchen, zart hingehaucht wie Pastell. Die Abend« festlich mit Tanz und Flirt, mit Tuscheln und Kichern und süßem Bertlingen in Nacht und Stille. In meiner Freiwache hockte ich mit Elsie auf der Luke und wir «rzähllen uns. Sie war ein allerliebster kleiner Fratz. Mal ganz kindlich und einfach, dann wieder derb und bieder wie ein alter Maat, oder auch ganz Dame, ilmeritanerw: da« könnt« sie am besten. Baby weltwirtsthaststonferenA. vubois sEchwelz):»Meine Herren, das Haus brennt sthon!� die andern:»Stören Sie uns nicht! Vir arbeiten gerade eine neue vekleidungs- ordnung für die diplomatische Feuerwehr aus." leistete uns immer Gesellschaft. Meine Reisebraut mußte ich kalt- stellen, Elsie nahm unseren Flirt höllisch ernst und war eifersüchtig wie ein Foxterrier auf die Katze. Ich hatte sie erst ganz als Kind behandelt und tanzte abends ganz vergnügt auf dem Bordeck mit allen Mädels. Da kam die Klein«, schaute eine Weile zu und verschwand. Am nächsten Tag machte sie mir eine richtige Szene. Nachdem sie Baby ganz grundlos verprügett und heftig in eine Ecke gestaucht hatte, kam ich dran. „Harry, wenn du mit andere Mädchens gehst, siehst du mich niemals wieder!" Schrumm! Da halt' ich's. Was war zu tun? Das kleine Luder hatte sich so fanatisch in ihre Borstellung hineingelebt, daß sie mich mit in ihren Gedankenkreis zwang. Ich ließ es mir gern gefallen. Dabei was sie unschuldig wie eine Blume, harmlos, wie Kinder selten sind. Aesfte sie anfänglich nur nach, was sie bei den Erwachsenen beobachtet hatte, so war ihr kleines einsames Herz, das zwischen Pa und der Miß darben mußte, doch bald ganz von dem Freund erfüllt. Ihre Mutter war lange tot, und heute weiß ich. daß auch sie nicht voll ausreifen durfte, ihr durchsichtiges, schmales Gesicht mit den unmöglich großen braunen Augen sagt es mir heute: in ihr brannte unbewußt der Lebenshunger einer Schwindsüchtigen. Damals war ich ein tapsiger junger Hund, ahnungslos von der- gleichen. Wir bauten Pläne: wenn ich erst Chiefmate war. konnten wir heiraten, Baby sollte auch mit auf der Hochzcft sein und ein wundervolles Kleid bekommen. Und einmal gab sie mir einen Kuß. Das war am Abend, ehe wir New Park erreichten. Sie wollte mir nach Hamburg eine sichere Adresse senden, wohin ich ihr schreiben sollte, denn Pa wollte von der Geschichte mtt dem Matrosen nichts wissen. Wir gelobten uns Treue zum Abschied, sie blieb tapfer ohne zu heulen, während meine rauhe Männlichkeit bedeutlich ins Schwim- men kam. Und zulcht der Kuß. Kühl und fein wie ein fallendes Blütenblatt. So küßt nur ein Kind, wem: auch mit zuckenden Lippen. Die Erinnerung daran hat mich vor dem Bersinten bewahrt, wenn ich später oft durch Sumpf und Tiefen mußte. Und dann kam Land in Sicht. Das tiefe Blau des Meeres wurde heller und spielte ins Grünliche, am Horizonte erschien ein schmaler Streif mit daraus- stehenden Schachfiguren— die Wolkenkratzer. Das Wasser wurde gelblichgrün, wir ließen Feuerschiffe, Bojen und Tonnen hinter uns, Schiffe begegneten uns. Trillerpfeifen, Flaggengruß— weg war er schon. Zu beiden Seiten kam das Land heran— der Hudson. Die Passagiere wimmellen in wahnsinniger Aufregung an Deck umher. stürzten von einer Seite zur anderen, überall gab's was zu sehen. Der Dampf wurde zischend und knallend in die Decksröhren gelasien, vorn probierte der Zimmermann seine rumpelnde Anker- Maschine, mtt Ahoi und Ohe holten die Matrosen armdicke Trossen längs Deck und freuten sich, wenn eines der aufgeputzten Polen- mädels darüber purzelle. New Bork stkeg wie eine Fata Morgana aus dem Dunst. Brooklyn-Bridge schwingt sich herüber zu den Wolkenkratzern, die zu Häuf stehen wie groteske Gräbermale. Unwahrscheinlich wie Ausstellungsbauten, die aus Holz und Gips zusammcngefchwindelt sind, so wirken sie.— New Dork, Dunstkreis von stinkendem Gelde, Zuchthausarbeit und Jahrmarkterummel. Stars and stripes(Kattun- begeisterung). garantierte Freiheit, die mit dem Hicorytnüppel vom Policeman vermöbelt wird. Betrieb, Betrieb, Betrieb! Immer hurry Hop now! Um jede Straßenecke, Tfchingbumdara ein deutscher Kegelklub, ein Leichenzug oder die Heilsarmee. Die Passagiere in höchster Aufregung fragen, fragen, fragen, bis das Schiff endlich am Pier festliegt und wieder mtt Musik die ganze Gesellschaft an Land geht. Begrüßungen, Medersehen. Abschiednehmen. Ja. Abschied, der ist mir in meinem Leben nicht so nahe gegangen wie damals, als Klein-Elfie am Arm von Pa die Gangway hinuyterschritt und mir noch einmal mit verheulten Augen zuwinkte. Ich habe nie wieder etwa» von ihr gehört._ ?m öerliner Ghetto. Bon Salamon Dembitzer. Das Herz des sogenannten Ghettos ist die Grenadierstraße, trotzdem in der ganzen Umgegend, besonders in der Dragoner, und Kaifer-Wilhelm-Straße, ebenfalls Juden wohnen, fromme, verwelkt« Oltjuden, die sich in sich ducken und nicht wagen, den Kopf zum Himmel zu erheben. Aber in der Grenadierstrah« befinden sich ein«'�roß« Menge .Stieblech"(Geb«tstübch«n), Buchhandlungen, in deren Vchäusenstern fast stets dieselben Buchtitel neben Gebetsriemen und anderen Kult- gegenständen zu sehen sind, und vielleicht dreißig koschere Nestau- rant», in die man geht, um zu essen, zu beten, zu schwatzen und jemand zu suchen. Hier fühlt man sich zu Hause, und e« steht fest, daß in keiner Straße der großen Wellstadt soviel gebetet, geweint, geträumt und gelitten wird wie in dieser. Arm sind die Bewohner, sie haben die Armut mitgebracht und erwarten ein Wunder von Gott, daß er sie von ihr erlöse. « Im Verlauf der letzten ld Jahr« hat sich diese Straße sehr v«r- ändert. Sie ist noch jüdischer und frömmer geworden. Ihre srühc- ren Bewohner sind zum Teil nach Polen zurückgekehrt oder noch dem Westen gezogen, sie handeln jetzt mit Metall oder Brillanten, und ihre einzige Sorge ist, man konnte ihnen nachsagen, si« hätten einst in der Grenadierstraßc ein Restaurant oder eine Geslüge!» Handlung betrieben. Denn längst sind diese Leute ihrem srühcren Heim untreu geworden, Renegaten wie einst die deutscheu Jud«n, die in christlich-national« und adlige Familien hineinheirateten und jeden Sonntag in der Gcdächtniskirchc schwer wegen ihrer Nasen zu leiden hatten. Die.Stieblech" In der Grenadierstraße sind der tiefste und stärkst« Ausdruck der festen Zusammengehörigkeit der Berliner Ostjuden, der einzige Ort. wo man sich wirklich zu Hause fühlt und nahe bei Gott, der schließlich immer in der höchsten Not zu helfen bereit ist. Dreimal täqlich trifft man sich hier zum Beten und Er- zählen, und obwohl die Politik bei diesen Gesprächen keine klein« Rolle fpielt, wissen doch die meisten nicht einmal, daß eine deuisch- völkische Partei vorhanden ist, die ihnen feindlich gesinnt ist und sie ausrotten möchte. Erzählt man einem davon, dann schaut er un- gläubig drei», läch«lt und fragt:„Ja, wenn es nun wahr wäre— warum?" �Weil Sie Jud« sind!"„Das wissen wir ja. Aber warum?" Schlichlich weiß man sich nicht anders zu helfen, als indem man ihm Barmat und Kutisker nennt. Da wundert er sich noch mehr, weil er nicht einmal dies« Namen kennt... Ja, schrecklich unwissend ist er:«r weiß nicht einmal, daß seine Feinde zum Glück den beschränktesten Teil des deutschen SSolkcs ausmachen. ♦ Es wohnen auch hier irgendwo, im drttten oder vierten Stock, Wunderrabbis, in kleinen, schmutzigen, verwahrlosten Slübchen. Weil die Treppen zu ihnen baufällig und gebrochen waren, bin ich mitten aus dem Wege umgekehrt und habe lieber de» Abend in einer Gcbetstube zugebracht, tvo man zur Abendmahlzeit(Schat- haschudes) fang, während man Barches mit Hering aß und Bier trank, alles in einer Siockfinsternis, in der die Lieder inniger uns herzlicher und wärmer klangen, als hörte niemand außer Gott zm Ich erinnerte mich daran, daß ich 1914 mit dem deutschen„Gm' Konrad Hönisch einer solchen Mahlzeit beiwohnte: er hatte zuerft Angst vor der undurchdringlichen Finsternis, dem merkwürdige» Gebaren und den eigenartigen Liedern, fragte aber nachher mtt der Straße:„Gibt es wirklich heutzutage noch soviel Romantik? Diesmal landete ich schließlich in einer koscheren Wirtschast. Ich aß gehackte Leber mit Zwiebeln und sah junge Leute Domino und Karten spielen. Schließlich sonderten sich einige an einen besonders langen Tisch ab, es waren die jüngsten, bleichen Reuangekommenen, die noch tief im Herzen die Sehnsucht tragen und den Auscnthalr in Berlin als xine Episode betrachten. Sie saßen still und ver- träumt: ollmählich fingen sie an. erst zu träumen, dann zu singen, bi» laut von ihren Lippen das Lied klang: Di« Mamme is gefahren In Mark arein noch Koilui, Hot sie mir gebracht A Iüngale von Pollen. Df, is dos a Iüngale, A fcheens un a feine, Mit feine schwarze Heralech, Kätzale, du meine. Die Mamme is gegangen In Mark arein noch Kreit. Hot sie mir gebracht. Sl Iüngale vun Boid. Oj. is dos a Iüngale. A fcheens und a fein», Mit feine weiß« Zähndalech. Kätzale, du msins. Chob gegessen Mandelen. Eh hob getrunken Wein, Ch lieb asoi dos Iüngale, Eh ken ahn ihm nit fein. Oj, is dos o Iüngale, A fcheens und a feins, Mit feine schwarze Olgelech. Kätzale, du meins. « Kurze Z«t später ging ich In der Münzstraße im hellen Licht« der Straßenlampen und Schaufenster. Zwei betrunkene Teutonen kamen mir entgegen, johlten:„August, wo sind denn deine Haare" und rempellen jeden Borbeigehenden an. Ich dachte: Zwei Wele ten— die sich nie verstehen werden. Welche die wertvollere ist, bin ich nicht objektio genug zu entscheiden. Me dl« Spargelblüle Znseklen aalockl. Eine interessante An- passungserscheinung an die Bestäubung durch Insekten zeigen un, die Blüten der Spargelpflanze. Sie besitzt nämlich Blüten von zweierlei Größe. Di« eine Art. und zwar die den Pollcnstaub tragende, ist größer, zeigt ein« auffallende orange-gelbe Farbe—' also eine charakteristische Farbe zur Anlockung von Insekten— und hat ein« weit« Eingangsössnung. Die andere, die Narbe tragende Art. ist kleiner, unscheinbar hellarün und besitzt einen engeren Ein. gang. Natürlich sucht das Insekt, dos die Spargelpskanze bestiegt, nun immer zuerst di« gefärbte Blüte auf und gelangt erst, wenn es die gelben Blüten besucht hat, aber jetzt mit Blütenstaub beladen, zur kleineren grünen Blüte. In der die Narbe sitzt, dl« nunmehr auf dlef« Weise sicher befruchtet wird. Groß-Serlmer parteknachrichten. |. Jttci« Wedding. Arbeiterwohlfahrt! Di« Besichtigung de» Mädchen. eriiehunasheimcs Cicchar tan» am Donnerstag. 12. Mai. nicht stattfinoen, da die Mädchen eine Wanderung»lachen. Die Besichtigung findet statt am Dienstag. 17. Mai. nachmittags 5 Uhr. Trefspunkt See», Elte Afrika» nifche Straße 4V, Uhr. bzw. vor dem Leim in Piöhensee 4M Uhr. Die Akten sind am Donnerstag, 12. Mai. wie immer bei der Genossin«aasch. Afrikanische Str. 140, abzuholen. 4. ttrei» Prenzlauer Berg. Zusammenkunft aller varteigenSssischen Sportler und Sportlerinnen am Freitag. 12. Mai, 1 Uhr, bei Klug, Danziger Straße 71. Partcimitglicdsbuch legitimiert. Die Abteilung», und Zahl» abendleiter werden gebeten, auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. st reis Sharlottenburg. Die Genossinnen treffen sich am Donnerstag, 12. Mai, vormittags 11 M Uhr, zur Besichtigung der Ausstellung llder Bevölkerungspolitik Potsdamer Str. 120. Eintritt 20 strei, Tempelhof.«rbcitcrwohlsahrt: Freitag, 13. �............... Niendorf, Äaricndorf, Ehausseestr. IS, Vortrag de» Genossen Stadtrat ~"------—"'~""-"■-'rtspflegerinnen werden oe» 13. strei» Tempelhof. Arbcitcrwohlsahrt: Freitag, 13. Mai, 7M Uhr, bei Mariei''' 7. 7 beten, zahlreich KU erscheinen.— Achtung! Freitag, 13. Mai, 8 U�r, Oskar Ewald. All« Helferinnen und Sitzung der Fraktion mit den Vllrgerdeputierten in Tempelhof, Dorfstr. 42 1. Referent Viktor Noack. heute, Mittwoch. 11. Mai: 24. Abt. 1. Gruppe: 7M Uhr Zahlabend bei Rösner, ImmanueMrchftr. 2i. W ���IpfsW�WWWWWWM..______ trag:.Probleme der Weltpolitik." Referent Hann, stamm. Borkvwski, Schrcinerstr. 32. Vortrag:»Die Kranken Versicherung." Referent Dr. Friede. berger. Schule, Samariterstr. 20. Vortrag:»Ehina in der Weltpolitik." Referent Adolf Viertel. Abt. 7M Uhr in Glieflng, Festsälen, Wassertorstr. 03, Mitgliederver» sammlung. Vortrag:.Der Kieler Parteitag und die Taktik der Partei." Referent Karl Litke. 33. Abt.«harlottendurg. 1. und 3. Gruppe: TM Uhr Iah labend bei Liersch, Kantstr. 02. 72. Abt.«Umeribors.» Uhr Yahiaben»»et Schäfer, Auguftaftrl 3 Uhr im Helmholh-Samnafl: Siiederoerfamu ihung tschang. 83. Abt. Schöneberg. gliederversammlung. Helmholb-Samnasium, Rudensstraß«, Mit» Bortrag:»Ehmeflsche Wirren." Resereat Grnosse 83. Abt. Lichterselde-wefi. 8 Uhr im Lokal Reinh. Schmidt, Hindenburg. dämm. Ecke Roonstraße. 84. Abt. Lankwitz. 8 Uhr bei Lehman«,«-ifer.WIIHelm.Str. Ltz-N, Rlt. aliederversammlung. Vortrag:.Aktuelle Frage« der Sozialpollttk. Ne» ferent Dr. Alexander Echönberg. Mcuköv».»2. Abt. Zahlabende halten ab pünktlich 8 11 bei Ganter, Harzer Str. 88. Vortrag. Bezirke 27. Elbe», Ecke Weserstraße. Vortrog des Genossen Dr. Echeinemann über :r: Bezirke 14,?S, 30 32/33 bei Ewald, .Da» neue Arbeitsgerichtsgefetz." Bezirke 31/44, 4S/SZ bei Wolff, Kaiser. Friedrich-Str. 173. Vortrag des Ssissossen Stndienrat� Dr. Zwetz über.D>« Erziehung unserer proletarischen Kinder." Vezirke 40, 47, 30 bei Kanserfki, Richardstr. 108. Vortrag. Bezirke 72/73 de: Schneider, Rosen. Außerdem auf ollen Zahlabenden wichtige Tage». straße 7. Bortrag. ardnungspunkte, weshalb Erscheinen aller Genossinnen und Genossen un» bedingte Pflicht.— 93. Abt. 7V4 Uhr bei Wolfs,«irchhofstr. 41. Mitglieder. Versammlung. Lichtbildervortrag:„Bau und Entstehung unserer C-"'* Referent Kurt Gärtner. Abteilungsangelegenheiten. Berschiedcnes. H. Abt. Britz-Buckow. Die Abtei lungsverfammlung findet nicht Im Linden. park, sondern im Lokal Buschkrug, Rudower Etr. 48, statt. Bortrag: Di« Bedeutung der österreichischen Wahlen." Referent Wilhelm Landa. 182. Abt. Baumschnlenweg. 7M Uhr MitglKderverlammlung bei Borgmann, Baumschulen., Ecke Kiefholzstraße. Vortrag:»Di«»u lösenden Aufgaden im 13. Berwaltungsbezirk." IIS. Abt. Lichtenderg. Eäcilien-Lnzeum, Rathausllr. 8 Da, Bortragsthema de« Relerenten Viclor Schiff ist geändert und lautet:.Der Mterrrchische Wohltampf und seine Lehren". Ferner: Bericht vom Bezirksparteilag; Verschiedenes, 128. 133. Abt. Pankow. IV, Uhr Zahlabend: 1. Bezirk bei Noack, Kaiser- Frikdrich-Str. 33. Bortrag:.Aufgaben ber Republik." Referent Reinhold Drescher, M. d. L. 137. Abt. Rcinickendors.Wrsl. IVt Uhr gemeinsamer Zahlabend fvr all« Be- zirke im Volkshaus, Echarnweberstr. 114. Borlrag:.Kommunalpolitrsche Streifzllge." Referent Karl Leid, M. b. L. ML Abt. Eck« im Spiegel HewnWTl.| Ahr AWItTWberMlfaNMnt«»« M OTwwt, Bahnhof. Berliner Strotze. Bortrag: ,Dl««uiiuraulgade» de» Proletarmt» iptegel unserer modern-» Zeit." Resereut Arlur Roch»«. Arauenveranslallungea. 133. Abt. Neinickend« rs-Ost. Donnersiaa. 12. M-i. 7 Uhr. Fraurnabend i» der Baracke Lindower Straße. Gäste willkommen. A «rb«!t»semel»sch»st der stinderfreund« Srotz-Berli». Arwgabe der Pw- gramme heute, 11. Mar. von MS bis M? Uhr in der Zentrale. Bergrßt nicht die Vorbereitungen zum«indcrmaitag!— Die Kreisleitcr werden gebeten, umgehend die körperschaftlichen Mitgliedskarten faetb« Karte ohne Lrchtbrld) der deutschen Jugendherbergen in der Zentrale abzugeben. Zungsozialisten. Gruppe Eharlotteubura: Tonnerstag, 12. Mai, 3 Uhr, t» Zngrndheim Rosincnstr. 4, Vortrag:.Der internationale Sozialismus. Sterbetafel öer Groß-Serliner partei-Grganifation 13.«dt. Unser alter Genosse, der Gastwirt Hermann Filter, Gericht. straße 02, ist am Sonnabend, 7. Mai, plötzlich verstorben. Einäscherung am Mittwoch, 11. Mai, SM Uhr, im Krematorrum Eerichtstraße. Zahlreich- Be- t-iligung erwartet der Vorstand.. 44. Abt. Unser Genosse Mar R a m l a u, Oranienstr. 1», ist orrstorb-n. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Beerdigung Mittwoch, 11. Mai, 2 Uhr, auf dem Shomasklrchhos, Reukölln, Herrnannsiroße. 47. Abt. Am 8. Mai verstarb plötzlich und unrrwartet unser alter Genosse Hermann R- t h n> a n n. Zahrzehnielang Hai er in der Partei gewirti und werden wir sein Andenken stets in Ehren halten. Beerdigung am Donners- tag, 12. Mai, 3� Uhr, in Friedrichsfeldc, g-ntralsriedhof. Um reg- Be- teiligung wird gebeten. 3«. Abt. Renkelln. Unser Genosse, der Handschuhmacher Georg Spork«, Donaustr. 114, ist im Alter von 71 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donnerslag. 12. Mai, 7 Uhr, im Krematorium Baumschulenwcg. Um rege Beteiligung wird gebeten. Herren WrklllHberbtmdm 4 50 HhkkhkstltzSst I. Popelin, mit Boldaegluz 7� SerrtstNmbitzemtzen slss; � 4 50 mit eleganter YenelmSrang.. 8 EMbinder��to... a90!75!25 ßerrenNMte»«. wu�h« 7 90 590 AmwStrohhüte mod«™ 290 Herren-- Schuhwaren Braun BoxcalMtoilKciiutie iA5o vorzügliche yuaiitüt............................... I4* Braun BoKcalf-Halbscliutie wÄÄI 650 Braun Hnferlschahe ÄÄÄlilS50 �iiiiniiiiiiiiiitiiiiiiniiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiifiiiiinHriiiiitimiiinimuiiiiifniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiuii: I S-e-enTaschentüchev ■f weiss, mitfarb. Kante oder i bt. kariert a. Hohl- jßQK | säum, gar. wasch-| = u.kochccht,63tck.| weiss, m.iarb. Kante, Hob j-= säum\l farbig be i� stickt. Bncbatab.. tt Stück i. Karton i 2ÜJ iiiiMiitnMMfnn �miiiniiiiriiiiiituiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiniiiniii iiiiiiiiiiiiinuiiiuiiiiiimimnniuiui Herren- Socken Pa.Schweisssockenfarl:"' 65pt Pa.JacquardsockenÄ7.e85pk. Pa. Makosocken Herren-Socken l95 14B Sportartikel M'lltMMMl! BmoÄT3 18m«S Ruterhojen l SVVpelvlldöelN 650 LaxuoaneflUmBC 7" mm anpallert... 5°° patterb....... 9' Ruderklwyen �A70 NooWHUhe weiss, mit Gammisohlen...... 3" Toiiette-Artihet Dnrlfipnniinrnf bes'e Prli"B9 Herstellung, mit ndllcrupturui 3Klinpen. in Lederei t-E i ui 2,50,-» 50 in brüniertem Metalleini 2,75, in Kickeletui...... 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