Abendausgabe Nr. 221 44. Jahrgang 1 Ausgabe B Nr. 104 BtsuasBeblitsuniKn unt Tinttienvnlh lind in btt Morgenausgabe angegeben Reaadlon: STD. 68. Cia»etifira(tc 8 Fernsprecher: VSnhoft 292- 292 XeL-Sateffc: Sajialöcmoftal Setiin Derlinev Volksbl�kk (lO Pfennig) Mittwoch 71. Mai? 927 Verlag und Änzelgenabtellun« Geschäftszeit bt, 5 Uhr Verleger: vorwärts. Verlag GmbH. verlin STD. 68, cindenstrah» 8 Zernlprecher i OSnhosf 292- 292 �entralorgan der Sozialdemokratifcben parte» Deutfchlands Deutfthnationale gegen Wilhelm. Sie wollen der Verlängerung des Verbots der Rückkehr Wilhelms zustimmen. Im Reichstag verlautete heute vormittag, dah sich die v e u t I ch- natioualen im Interfraktionellen Ausschuß mit der Ausrecht- erhaltung des Paragraphen ZZ des Republikschuhgesetzes(S a i s e r- Paragraphen) einverstanden erklärt hätten, und daß der Streit unter den Soalitionsparteien nur noch um die Reibe- Haltung des Staatsgerichtshofs gehe. Ein Beschluß der deutschnationalen Rcichslagsfraktion liegt jedoch noch nicht vor. Mahnung an Sie Richtlinien. Die Verlängerung des Republikschutzgesetzes wird ein Prüfstein für die Richtlinienrepublikaner werden. Der Be- schluß des Zentrums, für die Verlängerung des Schutz- gesctzes um zwei Jahre einzutreten, hat den Versuch von Deutschnationalen und Dolkspartei durchkreuzt, die Frage der Verlängerung auf das Gebiet der taktischen Fragen" zu schieben. Die„Germania" mahnt die Deutschnaiionalen ausdrücklich an die Richtlinien: „Die Frage der Verlängerung des Republikschutzgesetzes ist eine politische, keine rein juristische Angelegenheit. Sie muß deshalb auch unter politischen Gesichtspunkten behandelt werden. Die Deutschnationalcn haben sich bei Bildung der jetzigen Reichs- regierung feierlich zum Schutze der bestehenden Staatsform verpflichtet. Die Verlängerung dieses Ge- sotzes, das der Republik den nötigen Schutz gewährt, liegt aber ohne Zweifel Im Sinne der damaligen Vereinbarungen. Die einfache Verlängerung, des jetzt noch geltenden Gesetzes auf zwei Jahre ist daher die beste Lösung." Die deutschnationale Presse nimmt den Beschluß des Zentrums mit großer Zurückhaltung auf, läßt aber erkennen, daß die Deutschnationalen nur einer Verlängerung einzelner Bestimmungen zustimmen will. Ueber die Frage des Krisen- Paragraphen geht sie stillschweigend hinweg. Die„Deutsche Zeitung" tobt: „Der Beschluß des Zentrums, durch den also eine Borent- scheidung über die Frage des Republikschutzgesetzes geschaffen wird. stellt ein« starke Illoyalität gegenüber den anderen Koali- lionsparteien und eine außerordentlich schwere Be- l a st u n g der Koalition als solcher dar. Auch das Zentrum dürfte sich darüber klar sein» daß die Verlängerung des Re- Publikschutzgesetzes für die Deutschnationalen, wenn sie auch bisher noch keine klare Stellung eingenommen haben, selbstverständlich ganz untragbar sein muß. Man wird des- halb mit einiger Spannung beobachten müssen, wie sich diese Dinge weiter entwickeln." Die„Tägliche Rundschau" jedoch beschwichtigt: „Es herrschte vollständige Ruhe, und es berechtigt nichts zu der Annahme, daß in den nächsten Wochen irgendeine krisenhafte Spannung eintreten wird." Das ist sehr schön gesagt angesichts des Streits um das Republikschutzgesetz! Serufsausbilöung und Sozia?poljtik. Tas Reich versagt— Sozialdemokratische Forverungne im Landtag. Im Preußischen Landtag gab heute Abg. Jacob(Soz.) zunächst eine Erklärung außerhalb der Tagesordnung ab: In einer Sitzung des Landtages habe ich darauf hingewiesen, daß Bergrat ch ö ch st r a t h e bei einer Grubenbesahrung den Standpunkt vertreten habe, streikende Bergarbeiter gehörten ins Zuchthaus, chochstrathe hat das abgestritten und mich als Lügner bezeichnet. Aus dem jetzt auf meinen Strafantrag stattgesundenen Sühnetermin wurde die Richtigkeit meiner Angaben festgestellt.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Einige kleinere Dorlagen werden hieraus dem Westausschuß überwiesen. In der fortgesetzten Beratung des Etats für Handel und Ge- werbe erhält zum Kapitel Gewerbliches Unterrichtswesen das Wort Abg. Thiele(Soz.): Seit einem Jahre ist der Abbau des Berussschulwcsens erireulicherweise aufgehalten worden. Der Antrag des-Aus- schusies. den Staotszuschuß pro Kopf des Berufsschülers von 8 auf 20 M. zu erhöhen, wird den Gemeinden die Möglichkeit geben, das Berufsschulwesen weiter auszubauen. Um so mehr bedauern wir den Einspruch des Staatsrates, der den Gewerbeschullehrern die Aufstiegsmöglichkeiten wieder nehmen will und hoffen, daß der Landtag an'seinem Standpunkt festhält. Leider hol die Rcichsregierung sich ihrer Pflicht zur alleinigen Aufrechtcrhaltung des Berufsfchulwefens bisher entzogen. Die von ihr dafür aufgewendeten Mittel sind sehr gering. Nichts ist für die Zukunst der deutschen Wirtschaft so wichtig als die Heran- ziehung eines durchgebildeten Nachwuchses.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir vermissen insbesondere noch immer die o b l i g a- tbrische Durchführung der Berufsschulen. Solange allerdings die Regierungsparteien im Reiche nicht fiach dieser Richtung wirken, wird die obligatorische Berufsschule für Preußen nur ein"frommer Wunsch bleiben. Dabei kann in einer Zeit der technischen Umwälzung, der spezialisierten Arbeitsmethoden, die beste Aus- bildung der Jugend nur im Jnteresie der deutschen Wirtschast liegen. Dazu ist vor allem notwendig, bessere Existenzbedingungen und höhere Löhne für die Arbeiterschaft und Jugend zu schassen. Wir verfolgen mit besonderer Sorge, wie Hunderttausende von Jugendlichen beiderlei Geschlechts arbeitslos aus der Straße liegen. Wie diese Erwerbs- losigkeii auf die Seelen dieser zum Teil erst Schulentlassenen wirkt, ist nicht auszudenken. Der Staat hat d'.e Verpflichtung, diese junge« Leute vor der moralischen. Verlotterung zu schützen. indem er sie zusammenfaßt und in dazu errichteten Werkstätten nach Neigung und Veranlagung beschäftigt. Hier sind verschiedene Gemeinden bereits mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir ver- langen, daß die gesamte erwerbslose Jugend den Berufs- schulen zugeführt wird, um sie wenigstens einige Stunden in der Woche für das Leben vorzubilden. Die Einrichtung von Lehr- Werkstätten ist anzustreben. Die weibliche Iugeni� besucht leider nur in ganz ge- ringem Maße die Berussschulen. Die Ausrede, daß das Weib andere Aufgaben hat. ist in dieser Zeit der.Anspannung auch der weiblichen Arbeitskräfte nicht aufrecht zu erhalten.— Mit aller Entschiedenheit werden wir die Einführung des Religionsunler- richtes als Ordentliches Lehrsach b e k ä m p s e n, da die Zahl der Pflichtstunden in den Berufsschulen bereits außerordentlich knapp ist. Der Redner schließt unter dem Beifall der Sazialdemokraten mit einem Dank an die D e r u f s s ch u l l e h r e r s cha f t. die in ihrem Lestreben, die Jugend zu tüchtigen Staatsbürgern heranzubilden, außerordentliches geleistet haben. s. Die Debatte dauert noch an. Die Weltwirtschafistagung. Pugh dritter Vizepräsident der Jndvstriekommissioi». Genf, 11. Mai.(Eigener Drahtbcricht.) Die Jndustwekom- Mission der Wirtschaftskonserenz begann ihre heutige Arbeit mit der Wahl des englischen Arbeitervertrcters Pu g h zum dritten Vizepräsidenten. Damit wurde nachträglich einem Wunsche der Arbeitnehmergruppe Rechnung getragen, welche bei der Wahl des Vizepräsidenten und Berichterstatters bei der Kommission über- gangen worden war. Zugleich erklärte der Präsident den Vorschlag der Arbeitergruppe für Einsetzung von drei Unterausschüssen für die Rationalisierung, für die I n d u st r ie st a t i st i k und für die i n t e r n a t i o n o l e n K a r t e l l e entsprechen zu wollen. Diese Verständigung mit der Arbeitnehmergruppe macht die aus heute nachmittag in Aussicht genommene und gemeldete Plenar- sitzung der Konferenz zur Wahl eines erweiterten Ausgleichsaus- schusies unnötig, in welchen auch ein faschistischer Arbeitervertreter hineinkommen sollte. Genosse Mertens bedauerte, daß infolge dieser Widerstände der betreffenden Arbeitgeberkreise, besondere Unterausschüsse für die wichtigen Industrien Kohle, Eisen, Stahl usw. nicht gebildet werden können. Hierauf hielt der Präsident der Internationalen Vereinigung für wissenschaftliche Arbeitsmethoden ein Referat über die Ratio- nalisierungsbewegung, in welchem er u. a. daraus hin- wies, daß die Rationalisierung auch in Sowjetrußland zahl- reiche überzeugte Anhänger zähle. Der zweit« Unteraus- schütz der Handelsklmimission hat die allgemeine Diskussion geschlosien und eine zwölfgliedrige Redaktionskommission eingesetzt. Dreimal bei SrianÜ. Pariser Mutmastungen über die deutschen Schritte wegen des Rheinlandcs. Paris, 11. Mai. Migcner Drahtbericht.) Der„ZNokin" äußert zu dem gestrigen Besuch des deutschen Geschäftsträgers Dr. Rieth bei Briand, daß der Zweck dieser, in einer Woche dreimal wiederholtenDemarche ohne Zweifel aus die Absicht Strese- manns hinauslaufe, die neue Reichslagsfefsion mit einem diplomati- scheu Erfolg eröffnen und den Rationalisten, die ihn in seiner Minislerstellung bedrängten, eine herabsehung der Esfektivbeslände der alliierten Truppe« im Rheinland ankundigen zu können. Im Lause der Unterredung soll Briand, dem Blatte zufolge, daraus hin- gewiesen haben, daß Frankreich allein diese Frage nicht entscheiden, sondern London und Brüssel mitzusprechen hätten und daß gerade London in diesem Punkte mit„sehr viel Vorsicht und Opporlunitäl" vorzugehen beabsichtige. Dem„Pellt parisien" zu- folge soll Briand darüber hinaus betont haben, daß die Reichs- regierung gut täte, die Frage der Ostfestungen und Ihre Zer- störung endgültig zu erledigen, um das Kapitel der Ent- wafsnung nunmehr zu schließen; dann erst könnte nühlicherweife an die Frage der herabsehung der Truppenstärke im Rheinland herangetreten werde«. Seipel verbreitert seine Safts. Wien, 11. Mai..'(Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen der Regierung mit dem Landbund haben dessen Bereitwilligkeit zum Eintritt indasKabinett ergeben. Als Kaufpreis erhall der Landbund nicht das von ihm geforderte Landwirtschastsministerium, sondern den Staatssekretär in diesem Amt. Außerdem soll er noch einen Minister ohne Ressort stellen und an den verschiedenen Länderregierungen beteiligt werden., der Teplitzer Parteitag. Auf dem Wege zur Internationale in der Tschechoslowakei aus ._..,_____________, die Parteiexekutive beauftragt, zu gegebener Ziet mit der d e u t- ! ch e n sozialdemokratischen Partei in der Tschechoslowakei in Verhandlungen über die Vereinheitlichung der Politik beider Parteien zu treten. Wenige Wochen später, am 7. und 8. Mai, hat der Tep- litzer Parteitag der deutschen Sozialdemokraten in der Tschechoslowakei aufs neue und besonders nachdrücklich die nie erloschene Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den tschechischen Genossen bekundet. Die Rede des Partei- Vorsitzenden Dr. C z e ch über die politische Situation, die in einem flamenden Aufruf zur Schaffung der sozialdemokrati- scheu Internationale in der Tschechoslowakei ausklang, die herzlichen, die gleiche Bereitschaft zur Zusammenarbeit be- kündenden Begrüßungsworte des tschechischen Genossen Dr. S o u k u p, alle der gleichen Sehnsucht Wort verleihenden Debattereden wurden mit begeisterter Zustimmung aufge- nommen. Die Entschließung, die der Parteitag annahm, sagt, daß der Weg zur Zusammenfassung der proletarischen Kräfte nicht über die lediglich agitatorischen und parteimäßigen Zwecken dienende„Einheitsfront" der Kommunisten führt, sondern zurück in die Reihen der Sozialdemokratischen Partei. Diese Bekundung des Willens zur Verständigung mit der tschechischen Sozialdemokratie war das wichtigste Ergebnis des Parteitages. Er hat freilich auch sonst gute Slrbeit geleistet: er hat sich sehr eingehend mit der Frage der Gewinnung und Erhaltung des proletarischen Nach- wuchses beschäftigt und für die Zusammenfassung aller er- zieherischen Arbeiten in einem Erziehungsbeirat gesorgt, der aus Vertretern der Partei, der Jugendorganisation, der Kinderfreunde und der Arbeiterturner besteht. Er hat das Organisationsstatut der Partei revidiert und durch Erhöhung des Parteibeitrages die Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Parteiapparates und zu intensiverer Agitation geschaffen— aber das alles tritt zurück hinter der einen großen Frage, die die Lebensfrage des Sozialismus in der Tschechoslowakei ist, der Frage des Zusammengehens der deutschen und tschechischen Sozialdemokraten. Ginge es nach dem Willen der Parteimitgliedschaft, könnte Begeisterung allein das große Werk vollbringen— es wäre sofort getan. Aber Begeisterung allein, so wichtig, so notwendig sie ist, so sehr sie das Gelingen beschleunigen wird, genügt nicht. Es muß auch viel Mühe und Arbeit und G e d u l d sich dazu gesellen, mancherlei ernste Schwierigkeiten zu überwinden. Aber man darf nach den beiden Parteitagen, man darf nach der zustimmenden Beurteilung unserer Partei- tagsverhandlungen durch die tschechische sozialdemokratische Presse— das„Pravo Lidu" bezeichnete den Parteitag als einen Markstein der Arbeiterbewegung in der tschechoslowaki- schen Republik—, man darf nach dieser Bildung einer im ganzen deutschen und tschechischen Proletariat lebendigen Stimmung der Sehnszicht, ja der drängenden Ungeduld nach der Vereinheitlichung aller sozialdemokratischen Kräfte wohl als gewiß annehmen, daß auf beiden Seiten mit größtem Ernst, mit bestem Willen an die Ueberwindung aller Hemm- nisse geschritten werden wird. Nach dem tschechischen und dem deutschen Parteitag ist, wie Genosse Dr. Soukup sagte, die Zeit gekommen, zu Taten überzugehen. Seit fünfzehn Jahren schon gehen deutsche und tschechische schen Volke und in der sudetendeutschen Bevölkerung haben Verschiedenheit der politischen Anschauungen in beiden sozialdemokratischen Lagern erzeugt. Die tschechische Sozialdemo- kratie, die den neuen Staat mit gebaut hat, stand anders zu ihm als die deutsche Arbeiterschaft. Jahrelange Teilnahme der tschechischen Genossen an der Regierung, wäh- rend die deutschen Sozialdemokraten in der Opposition standen, mußte eine starke Entfremdung zwischen deutschen und tschechi- schen Sozialdemokraten zur Folge hoben. Aber die deutschen Sozialdemokraten haben gewußt, daß die geschichtliche Ent- Wicklung deutsche und tschechische Proletarier wieder zu- sammenführen wird, sie haben an dieser Ueberzeugung selbst in den schlimmsten Tagen festgehalten, sie haben sich zu ihr bekannt auf allen Parteitagen, in allen Kundgebungen der Partei. Die Entwicklung hat die Erwartungen der deutschen Sozialdemokraten bestätigt. Das wachsende Selbstbewußtsein und die Gewinngier der jungen tschechischen Bour- g e o i s i e, das Erstarken des Bürgertums aller Nationen, das Begehren des deutschen Bürgertums, mit teilzunehmen an der Ausplünderung der Volksgenossen-Arbeiter haben zur Sprengung der nationalen Fronten und zur Aufrichtung einer brutalen Herrschaft des Bürgerblocks geführt. Dieser Bürgerbiock hat nicht nur den Arbeitern das Leben verteuert — er greift auch zerstörend nach ihren sozialpolitischen Er- ' ht zurück vor Anschlägen wider Verletzung der Verfassung. Da- ningenschasten, er schreckt nicht zurück vor Ans die Demokratie selbst unter Verletzung der Ver mit ist es für die sozialdemokratischen Parteien zum dringend- sten Gebot geworden, sich zusammenzuschließen zur gemein- samen Abwehr, aber darüber hinaus auch zur Vereinheit- lichung des Kampfes um neuen Machtgewinn. Schon die Vorahnung dieses Zusammenschlusses, des Sich- wiedersindens deutscher und tschechischer Sozialdemokraten gab dem Parteitaa Schwung und Begeisterung, freudige Kampfstimmung. Die Delegierten waren aus erfolgreichem, die Massen des deutschen Proletariats aufrüttelndem Kampfe gegen die deutschen Regierungsparteien gekommen— sie freuten sich der neuen Kämpfe, die sie bereits iiv Gemeinschaft mit den tschechischen Genossen führen zu können hoffen. Die Sozialdemokratische Partei ist die st ä r k st e deutsche Partei in der Tschechoslowakei, trotz der Wahlniederlage von 1925. Ihre Reihen sind, seit der Volksgemeinschaftsschwindel der Deutschbürgerlichen durch ihre„aktivistische" Bürgerblock- Politik enthüllt ist, wesentlich gestärkt worden. Sie würden rasch, sehr rasch anwachsen, wenn die Verständigung mit den tschechischen Sozialdemokraten gelänge— und beide sozialdemokratische Parteien würden bald eine unüberwindliche Macht werden. Das wäre,mie Dr. Czech auf dem Parteitage sagte, das köstlichste Geschenk, das die Arbeiter der Tschecho-. skowakei der Internationale bringen können. Der Koalitionswirrwar. Eine erbauliche Predigt. Die„Nationalliberale Korrespondenz", der„Pressedienst der Deutschen Volkspartei" setzt sich heute wieder mit den Deutschnationalen auseinander wegen der schönen Extratouren, die sich die neuen Koaliticnsbrüder in ihren Reden und ihrer Presse leisten. Natürlich ist das Gerede von den linksstehenden Zeitungen über einen Koalitionswirrwarr nicht begründet. Trotzdem muß die erwähnte Korrespondenz zugeben, daß die Deutschnatlonalen alles Mögliche tun, um die deutsche Außenpolitik und ihren Leiter Stresemann von den bisher beschrittenen und in den„Richtlinien" des Rechts- blocks durch für die Zukunft festgelegten Wegen abzudrängen. Besonders ärgerlich ist der Volkspartei die persönliche Hetze gewisser Rechtskreise gegen Stresemann. Die Predigt kommt zu den, Schluß, daß man durch Koalition? a r b e i t das Gerede von dem Wirrwarr zum Schweigen bringen müßte und sagt wörtlich:, Das Einschwenken in die Bahnen der Regierungspolitit ist den deutschnativnalen Organisationen im Lande zweifellos nicht leicht geworden. Wir haben durchaus Verständnis dafür, daß ihnen eine Uebergangszeit für diese Anpassung an die neuen Verhältnisse gelassen werden mußte. Diese Zeit dürfte aber nun vorüber sein. Für eine deutschnationale Pro- paganda, die die Dinge so hinstellt, als ob alles Gute, was die Koalition im Reiche zu Wege bringt, einziges Verdienst d�r De ut schn a ti o n a l en sei, während alles, was nicht erreicht oder durchgesetzt werden kann, auf das Schuldkonto der anderen Par- tcien zu buchen sei, in außenpolitischer Hinsicht, z B. auf das Konto Stresemann, für eine solche Propaganda ist die Zeit e n d- gültig vorüber, wenn nicht die Deutschnationale Volkspartei das Gerede der Linken vom„Koalitionswirrwcrrr" fördern will. Wir nehmen an, daß dies nicht der Fall ist, daß im Gegenteil der Reichs- tagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei die Fortsetzung einer gedeihlichen Koalitionsarbeit wichtiger ist. Darauf muß sich dann aber auch die deutschnationale Propaganda nach außen einstellen. Das klingt mehr deullick) als schön. Wir fürchten nur, daß die Deutschnationalen sich durch derlei Predigten nicht von der großen Aufgabe abbringen lassen werden, um deren willen sie in die Regierung gegangen sind: von der Er- r i n g u n g der politischen Macht für die äußerste Reaktion. Da sie diese nicht aus Kosten der Arbeiterparteien, sondern nur der ihrer bürgerlichen Nachbar- Parteien erwarten können, werden wohl die Klagen der Volksparteiler, die sich dabei auf die Füße getreten fühlen, nicht allzu schnell oerstummen. Aber die Voltspartei hat es ja nicht besser gewollt und darf sich nun nicht darüber wundern, wenn links von ihr über den Krach im Koalitionslager die reinste Freude herrscht. �inüenburg unü Stahlhelm. Warum war er nicht in Berlin? Der Reichspräsident v. H i n d e n b u r g hat zwar die Führer des Stahlhelms einige Tage vor ihrer Demonstration empfangend am Tage der Kundgebung selbst aber ebenso wie die deutschnationalen Minister Berlin den Rücken gekehrt. Damit hat er es, wie zu erwarten war, keinem recht gemacht. Während man auf der Linken über den Empfang einer Ge- sellschaft, deren Verfassungsfeindlichkeit kaum bestritten wer- den kann, unruhig wurde, hat die Entfernung von Berlin am Demonstrationstage in den Reihen des Stahlhelms ein hörbares Knarren zur Folge gehabt. In der deutschnationalen Presse, die schon aus Gründen der„Futterkrippe" auf ein gutes Verhältnis zum Reichspräsidenten den größten Wert legt, ist allerdings nichts davon zu merken. Die gekränkte Stahlhelmführerschaft muß daher ihre Zuflucht zur völkischen Presse nehmen. Dork veröffentlicht der Oberst a. D. Graf B e r n st o r f f einen offenen Brief an den Reichspräsidenten, in dem es heißt: War es unbedingt notwendig, gerade an diesem Tage von Berlin fern zu sein, zog Sie, Herr Feldmarschall, nicht Ihr treues Soldatenherz zu Ihren alten Kameraden? Waren Sie nicht verpflichtet, die Machenschaften Ihrer Umgebung, die gerade an diesem Tage den Besuch in Oldenburg veranlaßte, mit einem Federstrich zu beseitigen und zu sagen, ich w i l l als einstiger- Führer meine alten Kameroden wiedersehen und ihnen sagen, daß ich mit dem Herzen bei ihnen bin. wenn mich auch meine jetzige Pflicht abhält, in ihren Reihen zu stehen? Diese Frage wird, wie es in dem Brief heißt,„in aller Ehrfurcht und Ergebenheit" aufgeworfen. Aber wie hinter den Kulissen geschimpft wird, kann man sich danach ungefähr vorstellen._ �Reinopp". Wie es in der KPT. Wasserkante aussieht. Im Bezirk Wasserkante der KPD. gärt es gewaltig. Eine Reihe von bekannten Kommunisten sind ausgeschlossen worden, ohne daß der Bezirk zur Ruhe gekommen wäre. Uns geht das folgende Schreiben zu, das tief blicken läßt: KPD. Wasserkante Reinopp. Hamburg, den 3. Mai 1927. An sämtliche Stadtteile, Ortsgruppen, Zellen und Gcwerkschaflsfunktionäre! Genossen! Ein Notschrei geht durch die Reihen unserer Partei, und keiner kann sich des Eindrucks erwehren, daß wir durch Verrat aufgerieben und vor aller Welt blamiert werden. Was ist aus unserer Partei geworden, seitdem die Thälmann, Brandler, S t ö ck e r und Maddalena usw. die Führung in Händen haben? Die Partei zerfällt, kein Mensch nimmt uns mehr ernst, und stinken tut es an allen Ecken und Enden. Man kann keinem Funktionär mehr trauen, weil man nicht weih, ob er nicht ein bezahlter Spitzel ist. Thälmann gilt heute allgemein als einer, dem man nich: mehr über den Weg trauen kann. Er hält sich die letzte Zeit viel in Hamburg auf, vielleicht ist er schon geschaßt. Wir haben uns jetzt in der Partei zu einer Reinigungs- Opposition(Reinopp) zusammengeschlossen und wollen alle und alles beseitigen, was unserer Partei schadet. Darum schicken wir Dir noch das beiliegende Flugblatt, damit Du sieW. wie es in Wirklichkeit bei uns ist. Verteile es in Deinem Betrieb, damit die Genossen ausgeklärt werden. Mit komm. Gruß! Reinigungsopposition in der KPD. Wasserkante. Das in diesem Schreiben erwähnte Flugblatt spricht von einem Korruptionsskandal in der Bezirksleitung Wasserkante und der Verlagsgenossenschaft„Graphische In- dustrie" Hamburg, bei dem die Kommunistische Partei und Genossenschaft um mehr als 100 000 Mk. beftohlen worden fein sollen, es behauptet, daß Thälmann aber von der fertig brachte, am Tag einmal nicht so viel daran zu denken, dann träumte ich des Nachts davon, dann war ich am Morgen müder als am Abend. Vierzehn Pfund Gewicht habe ich abgenommen in zehn Tagen, da schlug ich in den Sack und hätte um alles in der Well nicht mehr auf dem Bau gearbeitet. Meinst du, der Herr auf dem Bureau hätte das verstanden, bei dem ich mich wieder arbeitslos meldete? Iawoll! Böswilliges Verlassen der angewiesenen Arbeit! Ich bin nicht zärtlich veranlagt, jetzt liege ich vier Stunden am Tag auf der Bahn, aber lieber will ich zu Fuß traben und meine Ruhe haben, al» mich immer mit einem abgeschnittenen Kopf zu fühlen und in Duisburg bei meinem Weib zu wohnen." kammerspiele:„Das Land der Treue" von Siegsried Trebilsch. Eine Plauderei— damit der Etil richtig charakterisiert wird: ein Geschmuse über zwei verheiratete Leute, die die Ehe nicht vertragen. Darum versucht sich Gregor bei Vera, der dritten Dame, der Dritten im Bunde, die gerade von Agathe, der Legitimen, porträtiert wird. Agathe läßt in der Karnevalsnacht ihre sinnlich-zitterndc Hand solange in der Hand des Faschingsfiguranten�daß Gregor schon das Allerschlimmste glaubt. Kurz nachdem AgM)e von ihrem jetzt er- folgenden Nervenfieber geheilt ist, und nachdem Gregor den Re- volver, den er schon aus dem Schreibtisch gezogen hatte, trotz eines verzweifelten Monologes nicht abgeknallt hat. Es ist alles so durch- sichtig, so dumm, so oerschmockte Literatur, daß man gar nicht zu diskutieren braucht, weder theatralisch noch psychologisch. Es spielten etwas sommerlich, aber auch von dem geistreichen Dichter gelähmt, Paul Otto, Maria Fein. Julius Falkenstein, Cäcili« Lvosky und Theodor Loos. M. H. .All-Verlia" im Theater in der Slosterstrah«. Müssen sich die Vorgänge, die Herr Heinrich Lee schildert, notwendig in Berlin vollziehen? Eine große Weiß«, Andeutung von Dialektbildung und Erwähnung bekannter Berliner Oertlichkeiten um den Spltielmarkt herum schaffen eine Ahnung von Milieuschilderung: doch die Menschen könnten ebenso gut in Bacherach oder in Elbing ein harmloses Da- sein führen. Ist denn dos alte Berlin unbedingt notwendig, um dem Zuschauer verständlich zu machen, daß sich eine wohlbegüterte Kon- ditorwitwe in einen abgesungenen Tenor verliebt, ihn Heirat« und ihn dazu noch durch alle Fährlichkeiten der Großstadl hingebend bis zur Bahre betreuen wird? Und außerdem ist dieser sogenannte ' Schwank so arm an Witzen, an Situationskomik, dem Verfasser fällt beim besten Willen nichts mehr ein, daß man über vier Akte hinweg darüber nachdenkt, warum Herr Lee ausgerechnet den Beruf eines Bühnenautors wählte. Regie und Darstellung tun ihr Bestes, um den Zuschauer definitiv im unklaren darüber zu lassen, welche Zeit hier eigentlich Gestalt gewinnen soll. Neben Krinolinen werden Telephon und elektrisch« Straßenbahn erwähnt. Sämtliche Finger machen Ueberstunden, um das alles auseinander zu halten. Kurt Keller. N e b r i spielt den verkrachten Tenor, er weiß mit der Rolle nicht viel anzufangen, aber dann singt er ein Lied, das mit Hildachschem Oel gesalbt ist. mll einer erstaunlich parodistischen Begabung. Ein echter Knödeltenor steht auf den Breitern, ein Ehanfonnier. der mit wütender Hingabe in Blaublümchenkitsch macht. Marie B o r cha r d t Parteimitgliedschaft in Schiffbek München-Gladbach, Düsse?» dorf, Hagen, Reuß, Hannover, Frankfurt, Berlin- Lichtenberg. Dortmund, Rostock, Hamburg-Bannbek, Altona und noch vielen anderen Orten als Parteifchädling gebrandmarkt worden fei. Bei dieser inneren Einigkeit predigen die Kommunisten die Parole Einheitsfront!_ � Kommunistische Immunität aufgehoben. Starke Mehrheit in der französischen Kammer trotz sozialistischen Protestes. Paris, 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In der Kammer hat gestern der Justizminister B a r t h o u bis Aufhebung der parla- inentarischen Immunität der kommunistischen Abgeordneten Doriot, Duclos, Marty und C l a m a m u s beantragt. Ein ähnlicher Antrag gegen C a ch i n liegt bereits vor. In einer längeren Intervention protestiert der sozialistische Abgeordnete Uhry gegen diese Forderung mit dem Hinweis, daß es absolut unzulässig sei, die parlamentarische Immunität eines Abge- ordneten aufzuheben, der nicht in der Kammer anwesend, wie dies im Falle Doriot fei, der in China weilt. Im Namen der sozialisti- fchen Partei forderte Uhry sämtliche Republikaner der Kammer auf, gegen diesen Regierungsantrag zu. stimmen. Trotzdem wurde dieser sozialistische Antrag mit 3S4 gegen 151 Stimmen abgelehnt und der Antrag des Iustizministers der zuständigen Kommission überwiesen, die ohne Zweifel sich für die Aushebung der Immuni- tät aussprechen wird. Die kommunistischen Abgeordneten werden wegen Aufreizung der Soldaten zum Ungehorsam und anki-französischer Propaganda,, besonders in den Kolonien, verfolgt werden.(Die Immunitätsaushebung, Strafver- folgung und eventuelle Verurteilung von Abgeordneten hat in Frankreich nur pl a t o n i s ch e n Charakter, solang« der Abgeord- nete sein Mandat ausübt. Sie erhält erst dann praktische Bedeutung. wenn der Abgeordnete nicht wiedergewählt wird. Red. d.„V.") öraunschweigs Rechtskurs. Aushebung des Verbots einer rcpublikfcindlichen Organisation. Vraunschwelg. 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die braun- schweigische Stahlhelmregierung hat das Verbot der reaktionären völkischen Organisation„Der brave Heyderich" aufgehoben. Das Verbot wurde im Juli 1922 von der Linksregierung ausge- sprachen.� Während in Preußen Dicking und Olympia verboten werden, gibt die braunschweigische Rechtsblockregierung den verbissensten Feinden der Republik aufs neu« Gelegen- heit, ihve Wühlarbeit zu verrichten. Geheimer Zustizrak Maximilian Sempner, einer der bekannte- sten Vertreter i«r deutschen Industrie, ist heute morgen im Alter von 74 Iahren einem Herzschlag erlegen. Seine große Kenntnis des Aktienrechts und seine weitgehenden persönlichen Beziehungen mochten ihn zu einem der gesuchtesten A u s s t ch t s r ä t e. Er war auch Mitglied des Reichswirtschastsrats und Vorsitzender des Reichskalirats. Politisch neigte er den Demokraten zu. In der großen Politik hatte er allerdings nur eine kurze Gastrolle ge- acben: er wurtc nämlich bei der R« i ch s t a g s n a ch w a h l im Jahr« 1 9 1 S in Berlin als Kandidat der Fortschrittspartei gewählt, bald darauf ging jedoch der Reichstag infolge des Umsturzes ausein- ander. Um so intensiver mar seine Tätigkeit in der Industrie, siir die er auch als Sachverständiger bei deutschen und internationalen Wirtschastsverhandlungen auftrat. Das role Alknang-puchhelm. In dem bekannten Eisenbahn- tnotenpunkt, wo die Salzkammergutbahn von der Hauptstrecke Salz- bürg— Linz abzweigt, haben unser« Genossen die Gemeinderats- Mehrheit erobert und gegenüber dem Si«gestag des 24. April noch erheblich Stimmen gewonnen. Bei der bevorstehenden Präsidentenwahl für Masaryt zu stim- men, haben die Fraktionen der tschechischen Sozialdemokratie be- schlössen. ist«ine derbe und vollsaftige Wirtin, die den Heldenkampf um den Berliner Dialekt siegreich besteht! Die anderen Darsteller bemühen sich redlich, um kerniges, handfestes Theater. F. S. Oesfnet die Museen am Abend. Der künftige Generaldirektor der staatlichen Museen sollte in sein Programm auch die Forderung aufnehmen, die Sammlungen am Abend osfenzuholten. Das Bei- spiel Amerikas, wo alle großen Museen abends bei künstlichem Licht geöffnet sind und dann den stärksten Besuch haben, hat gezeigt, daß die Anlage von Lichtleitungen ohne jede Gefahr für die Sicherheit der Sammlungen ist. Bisher haben in Berlin nur die beiden Bibliotheken der Museen di« Möglichkeit, auch bei elektrischem Licht benützt zu werden. Erst kürzlich hat die Berliner Handwerkskammer beschlossen, sich an die Kunstoerwaltung zu wenden, damit die Museen auch an den Abenden der Wochentage geöffnet werden und die kunstgewerblichen Sammlungen ihre erzieherifchc Wirkung auf die Ausbildung des Nachwuchses üben können. Erst die Oeffnung der Museen am Abend würde der arbeitenden Bevölkerung den Besuch ermöglichen. Der Sonntag, an dem man früher die Museen zu be- suchen pslcgte, wird immer mehr Ausflugs- und Sporttag und kommt für einen Weg in die Stadt hinein zu den Museen immer weniger in Betracht. Der Reuban eines mathemalischen Instituts In Göl'.inzsn. Der seit zwei Jahrzehnten bcstebende Plan, in Göttingen einen Neubau sür das Mathematische Institut zu«rrichtsn, ließ sich bisher nicht. durchführen. Schon vor dem Kriege hat Herr Krupp-v. Bohlen für den Neubau eines Mathematischen Instituts ein Grund- stück geschenkt. Nunmehr hat sich der International Educalion Board (Rockefeller-Stiftung) bereit erklärt, zum Bau eines Mathematischen Instituts 350 000 Dollar zur Verfügung zu stellen, um so die Durch- sührung der alten Pläne, die auf den berühmten Forscher Felix Klein zurückgehen, zu ermöglichen. Die preußische Staatsregierun? ßat diese Stiftung mit Dank angenommen. Die Festspiele in Delphi. Am zweiten Tage der Delphischen Festspiele wurde eine Ausstellung ländlicher griechischer Kunst be- sucht. Die Stände der verschiedenen griechischen Landesteile fanden die Bewunderung der Besucher. Am Nachmittag wurden Kampf- spiele im antiken Stadion von Delphi in getreuer Nachahmung des antiken Dorbildes veranstaltet. Die Wettkämpfer brachten nackt oder in antiker Ausrüstung den antiken Fünfkampf und andere alte Kampfspicle zur Ausführung und tanzten den alten Kriegstanz. vi« voltszädwng in Sxnada ergab naS ilellliellung bei amilichen statiilischen Vurcau» eine Vcvölkeinna. von y:i89 ZOO Personen. Gegen 19-21 iil eine Zunahme von frOncO zn verzeichnen. Mary wigmon» Aede Ismelhide. Com tag. vormittag» 11'/, IIb- wirb Marv Wigman unler Pelriligung ibrel Gruppe in einer Matinee derBolltbütm« /im Theater am Bülowplatzt zeigen, wie sie unleriichtet und von den«rilen Uebungen zn vollendelen Tanzgeiia'Iiin cn loilslbr itet. Karlen zu M. I ZO an den Tietzschen Thealerkassen 95 chim tgiiedcr zablc» im TbcalerdOPia»ach. Zin Ih-aler de» wesicr» beginnt am 20. Mai die To» me>lp>elzcil Zur kluisühruna geigAgt da» 5inglp e!»Heinrich He ne» erste Liege" von 2»el« mit der Mulik van SBilfceim Lindemann. ünduug einer lltvflliachlchale. Am 1. Oktober wird in Eisen eine städtische /tachschule sür Musik, Sewegung und Sprache eröffnet werden, deren küiistlertsche Leitung in dm Händen von Max Fiedler und Rudolf Echulz-Domburg liegen wird.' Die Schrottschere. — Von Heinrich L e r s ch. „Ich bin sicher nicht zärtlich veranlogt!" sagte der Hilfsarbeiter in dem Schrottlager, für das wir gelegentlich Kessel und Maschinen abmontierten.„Ich war vier Jahre lang Soldat. Zuletzt war ich ein Jahr lang arbeitslos in Duisburg. Da kriegte ich«inen Posten in der Eisenhütte an der Schrottschere. Jung«, dat war ein Bi«st: die dicksten Profile von Stahlschi«nen knappte sie mit ihrem Maul, als wenn ich einen Priem Kautaback abbeiße. Das knallte wie Kanonenschüsse, wenn wir ihr Träger N. P. 30 ins Maul steckten. Da steh' ich schon acht Tage dran, die Arbeit gefällt mir zwar nicht, ober ich war froh, daß ich aus der Hungerleideroi heraus war, ich und meine vier Kinder. Ich oerdien' auch ganz schön dabei, und doch hat so ein Rotzjung es fertig gebracht, mich da hinaus zu ekeln. trotzdem ich nicht zärtlich oeranlagt bin. D«nk dir, da erzählt mir der Bursch, wi« ich an der Schere steh und mein Wert tu: „Der Mann, der vor dir daran gestanden hat, der machte sich nicht so vtel Arbeit mit dem Scheren, wi« du, der machte das alles ganz mechanisch, so gewohnt war er das. Mit geschlossenen Augen griff der so gewohnt die Hebel aus wi« du mit den offenen Augen; der machte sich nicht müd. Der konnte etn� ganze Nacht gesofffen haben, dann schlief er bei der Arbeit aus. Mechanisch machte er das, ganz mechanisch!" „Und warum macht er das heute nicht mehr mechanisch, ganz mechanisch?" frug ich Esel da dm Burschen. „Ja, da duselte er wieder mal so herum, da war er ober ganz nüchtern, und läßt ohne abzustellen lausen, wie immer; da meint er, eine Haltschraub« wäre abgebrochen. Ganz mechanisch steckt er den Kopf unter die Messer, er weiß ja, wieviel Sekunden das oben bleibt, da bleibt er mit dem Rockkragen in einem Span hängen. Er ruckt und reißt und kommt nicht los und das Messer senkt sich langsam und schneidet ihm den Kops ab. Wie der Kopf ihm nun nicht mehr hindert, da steht er wi«der aus der Rückenbeug« auf, ganz langsam richtet er sich hoch, wie er es gewohnt war von so langen Iahren her, stellt zuerst den Schalthebel ab, dann den Motorhebel und schaltet auch noch da» Licht aus, gerade als wenn er Feierabend hätte. Erst dann fiel er um. Siehst du. so mechanisch kann man Arbeit machen lernen!" � Daß ich dem Burschen eine Ohrfeige gab, daß er in die Klamotten rollt«, da» war nicht schlimm, aber daß ich es nicht fertig brachte,- auf demselben Fleck läng«r stehen zu bleiben, dieselben Hebel zu be- rühren, dieselben Bewegungen zu machen wie der Mann mit dem abgeschnittenen Kopf, das hätte ich nicht gedacht. Ich melde mich ein paar Tage später krank, ich gehe wi«der hin und versuche wieder zu arbeiten, aber immer fühle ich mich al» der Kamerad, der all die Jahre vor mir hier gestanden hat. Und ich sehe immer meinen ballen Kopf den Weg aller Schrotistück« fallen. Und wenn ich es Ein politischer Abenteurer. Krvll nicht vor Gericht erschiene». Gegen den angeblichen Leutnant a. D. Ernst Krull sollte heute vor dem Schöffengericht Schöneberg wegen Betruges ver- handelt werden. Es handelt stch dabei um ein« nichtbezahlte Zech- schuld. Wie bereits gemeldet, war Krull auf dem Gefangenentrans- pcrt aus der Strafanstalt Tegel, in der er gegenwärtig eine ihm ebenfalls vom Schöffengericht Schöneberg auferlegte neunmonatige Gefängnisstrafe verbüßt, unterwegs entwichen. Das von Krull seinem Verteidiger gegebene Versprechen, sich selbst zu stellen, hat er nicht erfüllt. Er war zum heutigen Termin nicht erschienen, und die Verhandlung mußte daher vertagt werden. Ein neuer Haftbefehl wurde vom Gericht nicht erlösten. Krull ist übrigens ein politischer Abenteurer, der in zahlreichen Affären mit politischem Hintergründe seine Hand im Spiele hat. Zum ersten Male wurde sein Name genannt, als man in seinem Besitze die silberne Uhr der ermordeten Rosa Luxemburg vorfand, und er wurde auch wegen Diebstahl des- wegen zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Später schwebte gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Beteiligung an der Ermordung von Frau Rosa Luxemburg. Dieses Verfahren wurde ob«r ein- gestellt, da sich nicht klar erweisen ließ, ob nicht die dunklen An- deutungen, die Krull nach dieser Richtung hin gemacht hatte, lediglich eine seiner vielen Renommistereien gewesen war. Auch mit der Ermordung Erzbergers kam er in Verbindung. Er hatte sich dem Reichskommissar für die öffentliche Sicherheit angeboten, zur Ergreifung der Täter, mit denen er Verbindung haben wollte, behilflich zu sein. Die ihm zur Verfügung gestellten Mittel benutzte Krull zu einer abenteuerlichen Reis« nach Portugal, Frankreich und Holland. Dabei trieb«r ein doppeltes Spiel und unterrichtete die andere Seite von den gegen sie getroffenen Maßnahmen. Nachdem ein Steckbrief gegen ihn erlassen worden war, wurde er in Holland festgenommen und ausgeliefert. Diese Vorgänge waren ebenfalls Gegenständ von Strafprozessen gegen Krull, so daß er bereits sehr häusig unfreiwilliger Gast in Moabit gewesen ist. Seine letzt« Der- urteilung hatte nur insofern«inen politischen Beigeschmack, als er verschieden« strafbare Handlungen mit einem Ausweispapier auf den Namen eines Regierung s- rates Dr. Koßmann verübt hatte. Krull behauptete, daß er von einer maßgebenden Persönlichkeit im Polizeipräsidium den Aus- weis erhalten habe. Ob das auf Wahrheit beruht, konnte damals vom Gericht nicht festgestellt werden. Es wurde aber erwiesen, daß Krull«ine Reihe gon Formularen aus der Politischen Abteilung des Polizeipräsidiums im Besitz gehabt hat, die er für seine Geschäft- lichen" Manipulationen benutzt hat. Die anderen lachen dazu. Ein Leser schreibt uns: Dienstag abend am D e l l e- A l l i- a n c e- P l a g. Ein Menschenauflauf, lärmende Stimmen. In der Mitte ein Mann, der sich mit dem Taschentuch eine blutende Stell« im Gesicht zuhält. Er schreit, er droht, er reckt seine Faust gegen einen unsichtbaren Feind. Und ander« mit ihm. Junge Ar- beiter, ältere Arbeiter, mit rauhen Händen und rauhen Stimmen. „Ihr seid die wirklichen Faschisten, Ihr seid bezahltes Pack, Ihr seid die schlimmsten Bonzen!" So rufen sie. Ich hört«: Kurz' zuvor hat sich an dieser Stelle eine Prügelei zwischen Roten Frontkämpfern und„linken" Kam- mu nisten zugetragen. Zuletzt wurde mit schlagenden Gründen aearpeitet, die Frontkämpfer räumten eilends das Schlachtfeld, der Führer der anderen Gruppe blieb mit blutendem Gesicht zurück. Am Rande der Ansammlung stehen gutgekleidete Bürgerliche, Herren und Damen. Sie lachen, sie freuen sich über dieses Schau- spiel. Warum auch nicht? Solange Arbeiter,„revalutionare' Ar- beiter noch dazu sich gegenseitig mit Fauftschlägen bearbeiten, so lang« droht ihrer guten Kleidung keine Gefahr. Ich aber mache mir meine eigenen Gedanken über dieses Musterbeispiel kommunistischer„Einheitsfront". Das amerikanische Bauprojekt. Die Verhandlungen über das amerikanische Bauproseki für das Schönsberger Südgeländ« werden im Laufe des heutigen Tages unter Leitung von Stadtrat W u tz k y und Stadtrot Kotz mit den Vertretern der Firma Chapman u. Co. fortgesetzt, nachdem es bekanntlich im Magistrot wegen dieser Angelegenheit zu Disserenzen gekommen ist, die den Rücktritt des Stadtbaurats Dr. Wagner von der Verhandlungsleitung zur Folge hatten. Die Amerikaner, die ihr Angebot bis zum heutigen Mittwoch be- stiftet hatten, haben ihr Angebot auch über diesen Termin ausrecht erhalten. Wie wir aus Kreisen des amerikanischen Konsortiums hören, ist man dort der Ansicht, daß die Verhandlungen sich trotz allem günstig gestalten werden, und daß es in den nächsten Tagen zu einer Verständigung kamen wird. Mittel aus der Haus- zinssteucr werden nun wohl nicht zur Verbilligung der klelncren Wohnungen, deren Herstellungekosten naturgemäß teurer find als bei größeren, verwandt werden. Es ist aber möglich, daß der Magistrat auf ander« Mittel und Wege sinnt, um mit Rücksicht auf die weniger zahlungsfähige Bevölkerung, der hauptsächlich das Bau- vorhaben zugute kommen soll, die Mieten für die Kleinwohnungen zu ermäßigen. Abschiedskonzert der Schupo. In der staatlichen Hochschule für Musik gab das Sin- fonie-Orchester der Schupo sein diesjähriges Abschiedskonzert. Das Programm war sorgfältig zusammengestellt. Figaros Hochzeit er- öffnet« den Reigen der musikalischen Darbietungen und man kommt dabei immer wieder zur Erkenntnis, daß es vor und nach Mozart wohl keinem gelungen ist, mit einfachen Mitteln der Musik einen solch entzückend bufsanen Charakter zu geben. Das Orchester spielte die Ouvertüre sehr fein und exakt, während die Jnterpretin der wundervollen Arien:„Ihr, die ihr Triebe" und„Reue Freuden, neu« Schmerzen". Frau Iuergens- Kuhlenkamps, ihrer Aufgabe nicht recht gewachsen war. Man hört« dann Mendelssohns ..Sommernachtstraum', diese entzückende Musik gewordene Ro- mantik, ohne die man sich Shakespeares Werk überhaupt nicht denken kann. Leider ging die ungemein zarte Waldesstimmung durch das zu rasch genommene Tempo etwas verloren. Eine junge Debütantin, Annerose C r a m e r, spielt« mit verblüffender Technik und praktvollem Anschlag ein Konzertstück von Weber. Das zahl- reich«rscbienene Publikum, unter dem man Reichskanzler Dr. Marx, Polizeipräsident Zörgiebel, Polizeivizepräsident Dr. Weiß und andere bemerkte, spendete den Künstlern Beifall. „Ingenieur Schirk." Arbeitslos«, die Beschäftigung suchen, seien vor einem Schwindler gewarnt, der sich„Ingenieur Schirl" nennt. Ein Mann von etwa vierzig Iahren bestellt die Leute nach einem Lokal in der T r e s k o w- alle« in Karlshorst, vielleicht auch onderswohin und spiegelt ihnen vor, daß er in der Türrschmiotstr.< zu Rummelsburg eme Werkstatt betreibe, für die er geeignete Leute suche. Nach den Verhandlungen bittet er die Bewerber um ihr« Papiere, Steuer. karten und devgleichen. Er begründet das damit, daß er am nckchfken Tage, wenn die Angenommenen ihr« Arbeit antreten sollen, vielleicht nicht selbst in der Werkstott sein werde. Er wolle deshalb die Pa- piere vorher seinem Polier übergeben, damit dieser Bescheid wisse. Zu ih.cr größten Enttäuschung finden aber die Arbeiter, wenn sie morgens erscheinen, in der Türrschmidtstraße 4 weder eine Werkstatt noch einen Polier Der Schwindler hat es ohne Zweifel nur daraus abgesehen, sich zu unlauteren Zwecken Ausweispapiere zu verschaffen. Er mag wohl Irgendwo ein« sogenannte„Flebben. fabrik" betreiben. Nach der übereinstimmenden Beschreibung ist er etwa 1,62 Meter groß und dunkelblond. Er trug bisher einen braun- grauen Iackettanzug und eine Brille. Das Dluttonto öes Zigeuners. Ein vielfacher Raubmörder endlich ergriffen. Wegen einer ganzen Reihe von Mordtaten wurde ein jetzt 38 Jahre alter Zigeuner Hermann Herzberg gesucht, über dessen Verbrechen wir auch wiederholt berichtet haben. Nach mehr als acht Zahre langer Verfolgung ist es jehk endlich der Landjäger- abteilung pillkallen gelungen, den gefährlichen Menschen nach einem Fcuergefechl unschädlich zu machen. Seit Jahren wurden in allen Gegenden Deutschlands, bald im Osten, bald im äußersten Westen, Mordtaten und Raubüber- fälle an Landjägern, Förstern und Zigeunern ver- übt, ohne daß es jemals gelang, den Haupttäter zu ermitteln. Es war zwar wiederholt ein verdächtiger Mann vom Zigeunerlyp ge- sehen worden, und die Personalbeschreibung stimmte überein. die Zeugen gaben aber jedesmal einen anderen Namen an. Zu Ende des Jahres 1925 unternahm es die Mordinspektion A der Berliner Kriminalpolizei, die bei den verschiedensten Strafbehörden angelegten Akten über diese geheimnisvollen Morde zu sammeln und eine ein- hcitlicke Verfolgung in die Wege zu leiten. Durch Nachforschungen und Vernehmungen bei durchziehenden Zigeunerstämmen erfuhren die Beamten von einem Manne, über den feine Volksgenossen eine auffallende Zurückhaltung zeigten. Sie schienen ihn zu fürchten und wollten über seinen Aufenthalt nie mit der Sprach« heraus. Man erfuhr nur feine Spitznamen„T o m m e r l n" und„B e f s o", d. h. „Dickerchen", womit zweifellos auf seinen Körperumfang angespielt werden sollte. Endlich gelang es aber doch, seine wahre Persönlich- keit zu enthüllen. Cs handelte sich um den am 9. Januar 1888 zu Neuenkorf im Kreise Karthaus geborenen Zigeuner Hermann H e r z b e r g, der sich hauptsächlich dem Pferdehandel widmete. Mit 22 Jahren wurde Herzberg wegen Mordes an einem Landjäger in der Nähe von Stettin zu einer Zuchthausstrafe von 8 Jahren und 2 Monaten oerurteill, die er in Sonnenburq verbüßt«. Dort wurde er am 29. August 1918 entlassen. Mit diesen sicheren An- hastspunkten ausgerüstet und an Hand eines aufgefundenen Bildes des Verbrechers setzten die Beamten ihre Nachforschungen fort. So gewann man die Gewißheit, daß„Tommerly" und„Besso" tatsächlich der gesuchte Herzberg waren. Nach diesen Vorarbeiten gelang es, aus den Andeutungen der vernommenen Zigeuner und dem Aktenmaterial so viele Beweise zusammenzustellen, daß man den gesuchten Herzberg mit Sicherheit dreier Morde überführen konnte. Er hat ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Strafanstalt in Gülzow in Pommern seinen Onkel, den Zigeuner Heinrich Rosenbach, nach einem voran- gegangenen Streit über«inen Pferdekaus kurzerhand erschossen. Im Frühjahr 1929 tauchte Herzberg unter dem Namen Adler mit seinem Wagen in der Dortmunder Gegend auf. Eines Nachts wurde das Gefährt auf der Chaussee von zwei Polizeibeamten an- gehalten. Herzberg eröffnete sofort das Feuer auf die Beamten und traf den«inen viermal. Wie durch«in Wunder blieb der Mann unverletzt. Sämtliche Kugeln hatten sich in dem dicken Stoff seines Umhanges verfangen und seinen Körper gar nicht berührt. Aus dem davonjagenden Wagen siel die Leiche einer Frau heraus, in der man späler die vluller hcrzbergs erkannte. Auch auf sie waren drei Schüsse abgegeben worden, die sie in den Hals getroffen hatten. Der Mörder entkam auch diesmal. Wieder ein Jahr später— am 8. Juni 1921— hielt sich Herzberg unter dem Namen„L i e b r u h n" in Saalmllnde in Hessen auf. Er hatte die Absicht, die Tochter eines. Zigeuners namens Roscnberg zu heiraten, fand aber Widerstand bei dem Vater. Im Zorn darüber und wegen einer alten Familienblutrache erschoß er Rosenberg und slüchteke wieder. Seine Braut schloß sich ihm an. Außer diesen bestimmt nachgewiesenen Morden sollen aus das Konto des Schwerverbrechers noch drei weitere Bluttaten kommen, die noch der Aufklärung bedürfen. So wird ihm der Word an einem Förster in Pommern zur Last gelegt. Ferner soll er in Neuwied einen Zigeuner im Streit erstächen und einen anderen im Hannoverschen erschossen haben, weil er fürchtete, verraten zu werden. Von der Berliner Zentralstelle aus wurden immer wieder Fohndungsschrciben hinter dem gefährlichen Menschen ertasten und genau« Kontrollen, der Zigeunerlager empfohlen. Durch ihre Beob- achtungen hatten nun die Landjäger in P i l l k a l l e n in Erfahrung gebracht, daß Herzberg Unterschlupf gefunden hatte bei einem ge- wissen Dombrowski. der in der Ortschaft Drangupönen ein einsam gelegenes Haus bewohnt. Die Beamten umstellten das Gehöft und suchten all« Räume ab, ohne den Zigeuner zu finden. Plötzlich sahen sie ein«n Mann eilig über die Wiese lausen und sich in einen Wastergraben werfen. Sie setzten ihm nach, wurden aber sofort mit Schnellfeuer empfangen. Sie schössen nun auch und machten ihn durch einen Schuß, der das Nasenbein durch- schlug, kampfunfähig. ver verhastete, ln dessen Besitz zwei moderne Schnellfeuer- Pistolen gefunden wurden, war tatsächlich der so lange gesuchte vielfache Wörder. Er wurde in das Amtsgerichtsgefängnis Gum- binnen eingeliefert. Ohne Zweifel ist das Schuldkonto Herzbergs mit den bisher bekannten Morden noch lange nickt erschöpft. Bei seinen Stammesgenossen war er wegen seiner Gewalttätigkeit so sehr gefürchtet, daß niemand wagte,«ine abfällige Bemerkung in seiner Gegenwart zu machen. Sie wußten alle, zum Teil aus schinerzlicher eigener Erfahrung, daß er bei der geringsten Ver- anlasiung zwei Pistolen zog und rücksichtelos um sich schoß. Jetzt, da der Gefürchtet« hinter Schloß und Riegel sitzt, darf man hoffen, daß die Wahrheit über seine Schandtaten ans Licht kommen wird, ohne daß er sich rächen kann. Unter Hinweis auf die ausgesetzten erheblichen Belohnungen werden alle, die über fein Treiben Aus- kunft geben können, gebeten, sich bei Kriminalrat Gennat, In- spektion A, im Zimmer 194 des Berliner Polizeipräsidium» zu melden. Wochenende und Reichsbahn. Einige Wünsche des reisenden Pnblikums. Der kaufmännisch« Sinn, den die Reichsbahn sich zu eigen ge- macht haben soll, muß es ihr nahelegen, die ernsthafte Wochen- endbewegung energisch zu unterstützen. Die bisher an Sonn- übenden und Sonntagen gefahrenen Sonderzüge vierter Klaffe haben gezeigt, daß billige Fahrten ihr Publikum finden. Immerhin werden aber solche Ausgaben nur von wenigen besttltten werden können. Nur die bisher gellenden Sonntagsrückfahrkarten werden für das Gros der Wochenendleute in Frag« kommen. Sie zu ver- mehren, muß die Hauptausgabe der Reichsbahn bei ihrer Unter- ftützung der neuen Idee sein. Es fehlen noch sehr viele Orte der Mark, die sehr gut Anfangs- und Endstation einer eintägigen Wanderung sein können. Ein so einladendes Gebiet'wie die N e u m a r k ist überhaupt nicht berück- sichtigt: Orte wie P renzlau, Crossen a. d. O. sind nickst ver- treten. Auch sollte die Bahn nicht pedantisch Hin- und Rückfahrt auf der gleichen Strecke verlangen, sondern inöglichst überoll Parallel, und Ersatzlinien zur Auswahl geben, ohne nach- trägliche Zuzahlungcn zu fordern, falls der zweite Weg um ein paar Kilometer länger sein sollte als der auf der Hinfahrt gewählte. Ueberhaupl eine liberale Behandlung der ganzen Frage, die nicht allein nach dem Gefickstspunkt: wird auch dem Reifenden nicht zuviel geschenkt? behandelt werden darf. Dazu gehört auch, daß der Fahr. preis der gleiche fein sollte, ob man nun die Fahrt von dem be- treffenden Hauptbahnhof oder von einer Station des Vorortverkehrs, und zwar in feinen, ganzen Umfange genommen, antritt. Die Mehr- zahl der den Vorortverkehr Benutzenden hat Abonnement in irgendeiner Form, und für die wenigen Richtabonniertcn tonnte die Bahn sich liberal oder vielleicht auch generös er- weisen. Allerdings müßt« der Dertrieb der Sonn- tagrückfahrkarten ganz anders als bis jetzt organisiert werden. Jetzt sieht man die dies- bezüglichen Plakate auf keinem Dorortbahnhof und man muß sie erst auf dem Fernbahnhof aufsuchen. Ein Zopf, der schleunigst abge- schnitten werden sollte. Den Plakaten muß die weiteste Derbreitung gegeben werden, und die Fahrkarten müssen aus jedem Groß- Berliner Bahnhof(resp. im ganzen Vorortverkehrsrayon) ohne Preisaufschlag verkauft werden. Ausdehnung der Zahl der Endstationen, wahlweise Rückfahrtsmöglich- keit. Einheitsfahrpreis für alle Antrittspunkte der Fahrt, umfassende P l a k a t i e r u n g— das sind die Wünsche, die eine Millionenschar lufthungriger Großstädter zu äußer» berechtigt ist. Wenn dann der Ansturm die Bahnleitung zwiirgt, neue Züge laufen zu lassen, so wäre als letzter und darum wichtigster Grund zu. äußern, daß der Provinzverkehr sich in einem schnelleren Tempo abwickeln niögo. Wenn man ein piar Stunden gebraucht, um an Ort und Stelle zu gelangen, geht die Hälfte der Erholungszeit schon verloren. Auch für Einstellung moderner Wagen wird die Menge sich dankbar zeigen,»nd ob in diesem Wochencndverkehr überhaupt eine Einteilung nach Klassen (also nach dem Geldbeutel) notwendig sein wird, ist eine Frage, die, nachdem die Berliner Untergrundbahn nur noch eine Klasse kennt, eines Tages auch wohl im Sinn« der Dernunft gelöst werden muß Die Atlantikflieger verloren? SllleS Suchen erfolglos. Paris, 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Es ist hier immer noch keinerlei Nachricht von den beiden französischen Fliegern Nungesscr und Coli eingelrossen. Es scheint jetzt als sicher, daß sie England und Irland überflogen haben, denn eine Mitteilung der englischen Admiralität, die durch das französische Generalkonsulat in London nach Paris übermittelt wurde, gibt an, daß da» Flugzeug am Sonnlag vormllkag über Carrlg Island in Irland gesichket worden ist; seither ist aber jede Spur verlorengegangen. Paris, 11. Mai.(TU.) Nach den heute früh hier vorliegenden Nachrichten sind alle Palrouillensahrlen im Aermelkanal und an der amerikani'chea Küste zur Auffindung der französischen Ozeanflieger ergebnislos geblieben. Neben zahlreichen Einheiten der omerika- nischen Kriegsilotte beteiligten sich auch der Küstenschutz und der Zoll- und Prohibitionsdienst an den Erkundungsfahrton. Die Nach- sorschungen sollen heute in verstärktem Umfange fortgesetzt werden. Verschiebung de« amerikanischen Transozeanfluges. New Po,k. 11. Mai.(WTB.) Die amerikanischen Flieger haben ihren geplanten Flug naK Parts verschoben, angeblich wegen des schlechten Wetters, wahrscheinlich jedoch wegen der Nach- richten über die erbittert« amerikafeindllche Stimm"ng tn Paris, die hier als unsportmäßig bezeichnet wird. Die Bor- würfe, Amerika habe angeblich falsch« Welterberichte veröffentlicht, werden hier mit Entrüstung zurückgewiesen. Tanzend in den Tod. In der nordböhmischen Grenzstadt A s ch haben sich in den letzten Tag�n zwei aufsehenerregende Selbstmorde«reignet. Ein 25jöhriges Mädchen unternahm in scheinbar rosigster Laune vor den Augen ihrer Schwestern, ihrer Mutter und anderen Leuten einen Todessprung aus dem Fenster. Die sünszehn Jahr« alte, im Nachbarhaus« wohnhafte Else Günther schwärmte seit dieser Zeit sür die„mutige Tat" ihrer Freundin und faßte den Entschluß, eben- falls einen solchen Heldentod zu sterben. Sie forderte auch eine ander« Freundin auf mit ihr zu sterben und erhielt bereits eine Zusage. Auf einen Zettel schrieben die Mädchen lächerliche Gründe ihres Selbstmordes, an dem der Vater und der Geliebte schuld sein sollten. Dann suchten sie einen Teich. Als ein« dritte Freundin da- zukam, wollte diese die Lebensmüden umstimmen. Elfe Günther aber blieb fest. Die Mädchen tanzten dann auf der Wies« vor dem Teiche«inen lustigen Reigen und sangen dazu. Da warf die Günther den Mantel ab und stürzte sich in die tiefen Fluten. Di« Leiche wurde erst am nächsten Morgen gefunden. i i Schweres Ungliiek auf einer Zeche. Cssen'Ruhr, 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Auf der Zeche Saelzer- Neueck ereignete sich ein schwerer Unglücksfall am Gerüst. Durch das Lockern eines Winkelhakens stürzten drei Mann vom Gerüst. Zwei Zlrbeiter wurden getötet der dritte liegt lebensgefährlich danieder. Die Wississippiflulen und die Baumwollspekulanlen. Die Mississippikatastrophe hat sofort die Baumwollspekulation i la Hausse in Bewegung gesetzt. Wie dem„Konfektionär" aus New Park ge- kobell wird, schätzt dos Washingtoner Ackerbauamt die in den drei Staaten Louisiana. Arkansas und Mississippi überschwemmten Boumwollgebiete auf 1 423 999 Acres, was ungefähr eine Fläche von 5799 Quadratkilometer oder«in knap- ves Neuntel des Deutschen Reiches ausmacht. Wenn vis Mitte Juni das Wasser abziehen kann, rechnet man noch mit einer teilweise» Aussaat. Di- Spekulanten werden sich also mit dem lieben Gott und den USA.-Jngenieuren in Verbindung setzen müssen, dornst die Flut lang genug anhält. Spre� ffdor lüc Proletarische Fei erstunden Donnerstag den 13. Mai, abend» 71/, Uhr. im Gelangtsaal der Sophienichule. veinmeisterstr. 1« 17. JahreSoeriammIung. Berichte und Reuwahl. Alle Mitglieder mlissen bestimmt erscheine». Die Sklaverei kn üer eanöwirißbast. Der„Arbeitsvertrag" eines DomanenbetriebeS. Die in einem Teil der landwirtschaftlichen Betriebe heute a-ieder iilichen Schandoerträge kann der Verbandsoorftand des Deutschen �andarbciterverbandes mit einem Vertrag kennzeichnen, der ihm aus dem Betriebe der Domäne Winzenburg bei Freden an der Lein« zugegangen ist. In dem Vertrag, sind folgende Bestimmungen enthalten: �„Die Familie verpflichtet sich, mit sämtlichen Arbeits- k r ä f t e n bis zu einer eventuellen Kündigung zur Arbeit zu kom- men. Das unentschuldigte Fernbleiben eines Familienmitgliedes von der Arbeit berechtigt zur Kündigung der ganzen Familie, in diesem Falle mutz die Wohnung geräumt werden. Di« Kündigungsfrist beträgt beiderfÄts 14 Tage. Die Entlohnung erfolgt nach den Sätzen des Tarifs, es wird jedoch ausdrücklich bemerkt, daß der Tarif von beiden Seiten nicht anerkannt wrd, fondern lediglich als Richtlinie für die zu zahlenden Löhne und Deputat gilt. Getreide wird in natur» geliefert, bei einer eventuellen Kündigung jedoch das rückständige Getreide mit 7»Z0 M. pro Zentner, Kartoffeln mit 1,M M., Stroh mit 1.10 M. bezahlt. Kartoffeln werden bis zum Herbst geliefert, im Frühjahr 19?7 wird das Kartoffelland zum Auspflanzen zur Verfügung ge- stellt. Es werden also vom Mörz 1327 ob Kartoffeln geliefert. Der Arbeiter verpflichtet sich, mit seiner Familie keiner G e- werkschast anzugehören. Das, Angehören einer Gewerk- fchoft ist Kündigungeg�und.> Der Umzug(Bahnfracht) wird von mir ausgelegt und in kleinen Raten bei den wöchentlichen� Lohntagen abgezogen Nach zwei- jäh-iger guter Führung werden die Kosten des Umzugs vergütet. Die Vergütung ist jedoch so zu verstch.'n, dah nach dieser Zeit mit einer weiteren mehrjährigen Dienstle'stung zu rechnen ist." Diese Bestimmungen sind in einem„Vertrag" entholten, der den Ardestern in einem Domänenbetriebe, d. h. in einem vom Staat oerpachteten landwirtschaftlichen Be. triebe, vorgelegt wird. Besonderen Anlaß, sich mit dieser Tat» fache zu beschäftigen, hat das preußische Landwirtschaftsministerium. Das Ministerium hat sich zu entschließen, mit noch viel größerer Entsst iedenheit als augenblicklich auf die fortschrittliche Gestaltung der Arbeitsveihältnisie zu düngen. Soweit die Bestimmung in dem Arbeitsvertrag über die Nicht- Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft in Frag« kommt, liegt sogar ein Verstoß gegen die Rcichsverfassung vor. Hier muß durchge- griffen werden. Konflikt km LeSerhanSei. Wie wir bereits am»Donnerstag voriger Woche berichteten, halten die Handelsarbcitcr der Lederbronche ein« Erhöhung ihrer Löhne um 10 Proz. gefordert, was aber von den Unternehmern glatt abgelehnt worden war. Der darauf angerufen« Schlichtungs- ousschuß hatte sodann einen Schiedsspruch gefällt, der eine Lohn- erhöhung von 7 bis 9 Proz. vorsah. Di« Unternehmer lehnten aber auch diesen Schiedsspruch ab, worauf vom Berkehrsbund die Ber- bindlichkeitserklärung beantragt wurde, die der Schlichter jedoch nicht aussprach. Er war aber ernsthaft bemüht, die Unter- nehm« zu einem annehmbaren Zugeständnis zu bewegen. Sie «'klärten sich ober nur bereit, höchsten eine Mark Zulage pro Wo�'e z» gewähren Zu dieser Situation nahmen gestern abend die Handelsorbeiter des Lede-.-großhqndels in den Rcsidenzfestsölen Stellung. Der Branchenlciter, Genosse S ch ach t, gab noch einmal«inen ausfüh'r» lichen Bericht üb« die Entwicklung der Lohnbewegung und be- tont«, daß der Gewerberat Körner als Borsitzender des Schlich- tiingsausjchusses mitgeteilt habe, daß er nochmals die Parteien zu einer Verhandlung laden werde. Bon einzelnen Diskussionsrednern wurde betont, daß sich die Unternehmer bereit erklärt hätten, sttis Forderung der Arbeiter zu bewilligen. Es habe aber anscheinend wegen der drohenden Konventionalstrafe keiner den Mut, den An- sang zu machen. Nach eingehender Aussprache beschloß die Bersammlung, an die Unternehmer ein Ultimatum zu stellen, in dem spätestens bis Freitag dieser Woche nochmals Verhandlungen oerlangt werden, zu deren Ergebnis die Handelsarbeiter dann endgültig Stellung nehmen werden, Die Stimmung der Versammlung ließ klar er- kennen, daß der Streik unvermeidlich ist, wenn nicht die Unternehmer ihren bisherigen ablehnenden Standpunkt ausgeben und ihren Arbeitern weitgehender als bisher entgegenkommen. Jedenfalls haben die Unternehmer jetzt das letzte Wort. Stukkateure und Reichstarif. In der zu Montag abend von der Fachgrupve Stuck- und Gips- bau des Baugowerksbundes nach dem Gewerkschastshaus einberufenen Mitgliederversammlung berichtete K ö p p e n über die Reichs- t a r l f v e r h a n d l u n g e n, die vor kurzem in L« i o z i g waren. Das überraschendste bei den Berhandlungen war, daß der Stuck- gewertsbund, der noch bis vor kurzem erklärte, mit dem Arbeitgeberbund des Baugewerbes nichts zu tun haben zu wollen, den Organisationsvertretern eröffnete, daß er sich nunmehr dem Arbeitgeberbund als Unterverband angeschlossen habe und die Leitung der Tarisverhandlungen dem Vertreter des Arbeitgeberbundes übergebe. Es wurde nun die Frag« aufgeworfen, ob unter Zugrundelegung des Reichstarifvertrages für das Bau« g e w e r b e oder des bei den Berhandlungen im Borjahre zusammen- gestellten Tarifentwurfes verhandelt werden soll«. Die Unternehmer wollten als Grundlage den neuen Reichstanfvertrag für das Baugewerbe nehmen und diesem Vertrag nur die Sonderbestimmungen für Stukkateur«, Putzer usw. anfügen. Bon der Verhandlungskommission wurde darauf erklärt, daß man sich bei der Schaffung eines selbständigen Tarif- Vertrages für das Stuckgewerbe wohl an die Be- stimmungen des Reichstarifvertrages anlehnen, nicht aber dessen Be- ftimmungen wörtlich übernehmen könne. So müsse z. B. ganz ent- schieden abgelehnt werden, daß die dehnbar« Bestimmung über die Arbeitszeit übernommen werde, es muß vielmehr an der reinen 48.S:unden°Woch« festgehalten werden, die für das Stuckgewerbe schon in der Borkriegszeit in allen Großstädten bestand. Ebenso müßte«s zulässig sein, daß bezirkliche oder örtlich« Lohn- u-nd Arbeitsverträge abgeschlossen werden, die den l bezirMche* und S Etlichen Verhältnissen Rechnung tragen. Die Löhne müßten völlig- u n abh ä n g i g vom-Maurerlohn geregelt werden. Als die Unternehmer darauf forderten, daß erst«ine Lohn- bewegvng der Stukkateure in Karlsruhe durch das Eingreifen des Baugewerksbundes beigelegt und dann über die Schaffung des Reichstarifvertrages weiter oerhandelt werden solle, wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen, da diese Forderung von der Derhandlungskommission abgelehnt wurde. Die versammelten ließen in der dem Bericht folgenden Dis- kussion klar erkennen, daß sie über diesen Ausgang der VerHand- lungen nicht sonderlich betrübt seien. In einigen«instimmig ange- nommenen Anträgen und Entschließungen brachten sie zum Ausdruck, daß sie einen Reichsiarif wünschen, der gegen die jetzigen Regelungen einen Fortschritt bedeutet, daß sie es aber a b- lehnen, ihr« Lohn- und Arbeitsbedingungen durch einen Reichs- tarif verschlechtern zu lassen. K ö p p e n ging dann noch näher auf einige Mißstände auf den Bauten ein. Trotzdem noch etwa 800 erwerbslose Be- rufsangehörige auf dem Arbeitsnachweis eingetragen sind, stellen einige Firmen ohne Vermittlung des Nachweises nicht nur einzelne Arbeiter, sondern ganze Kolonnen ein. Die Fachgruppen- leitung ist in allen Fällen, in denen sie von diesem tarifwidrigen verhalten Kenntnis erhielt, dagegen eingeschritten und hat es überall durchgesetzt, daß an Stelle dieser Arbeiter auf dem Arbeits- nochweisEingetrageneeinge stellt wurden. Er ersuchte die versammelten, in solchen Fällen stets sofort der Fachgruppen- leitung Mitteilung zu machen, damit diesen Ilebelstanden im Interesse der oft schon lange Zeit Erwerbslosen ein Ende gemacht werden kann. Die Unverantwortlichen. Nach dem„Streik" der Notstandsarbeiter. Di« KPD. hat seit Wochen von der Sazialdemokrati« und den Gewerkschaften verlangt, sie sollen einen General st reik zum Stahlhelmtag inszenieren. Die KPD. Hot das verlangt, weil sie genau weiß, daß sie selbst unfähig ist, die Abbeitermassen zu mobilisieren. S'e vermag in Berlin außer ihren eingeschriebenen Mitgliedern bei Demonstrationen im brsten Fall« noch 20 000 Mit- läufer auf die Beine zu bringen. Mit solchen„Massen" kann man in einer Biermillionenstadt keinen Generalstreik versuchen. Außerdem fehlt es den Oberbonzen der KPD. an der nötigen Zivilcourage, um selbst die Verantwortung für ein immerhin nicht risikolofes Uniernehmen zu tragen. Da die KPD. aber doch so tun mußte, als wäre si« imstande, Mehr zu tun, als die Roten Frontkämpfer mit roten Föhnchen aus- zustoffiercn, ließ sie von ihren Strohpuppen einen sogenannten Streik der Notstandsarbeiter ausrufen, den die übrigen Arbeitslosen„mit aller Macht" unterstützen sollten. Nun ist es eine Gewissenlosigkeit sondergleichen von den Bonzen der KPD., die Notstandsarbeiter zu«iner zum mindesten wirkungslosen Aktion aufzurufen, da diese Bonzen selbstverständlich genau wissen, daß nach den ministeriellen Bestimmungen diesen Arbeitern auf vier Wochen die Unter st ützung ent- zogen wird. Im Interesse der Notstandsarbeiter wurde daher vom Landesarbeitsomt auf die Folgen einer eventuellen Arbeits- niederlegunq aufmerksam gemacht. Die„Rote Fahne", di« in ihrer Sonntagsnummer nicht den Mut aufbrachte, den völligen Zusammenbruch des famosen Streiks der Notstandsarbeiter einzugestehen, brinat in ihrer Dienstagnumm«r eine angeblich« Zuschrift eines„sozioldemokraiisihen" Nclstands- arbeiters, in der gegen den„vorwärts" und das Landesarbeitsamt die unsinnigsten Vorwürfe erhoben werden. Wir stellen fest, daß das Landesarbeitsamt wie der Magistrat der Stadt Berlin sich genau so, wie es kommunistische Stadträte tun müßten, an die Borschriften über die Bewilligung der Erwerbslosenunterstützung halten müssen. Wir stellen nxiter fest, daß dies den Bonzen in der KPD. b e- k a n n t war, daß sie aber trotzdem gewissenlos genug gewesen sind, die Notstandsarbeiter in einen zwecklosen Streik hineinzu- Hetzen._ Kaufmännische Lehr- und Anfängerstellen. Durch di« Stellenvermittlung der Ortsgruppe Groß-Berlin des Z d A. sind einige Lehr, und Anfängerstellen für schulentlassene Iu»g«n und Mädchen, di« einen kaufmännischen Beruf ausüben wollen, zu besetzen. Geeignete Bewerber werden gebeten, mit ihrem Schulentlassungszeugnis sowie mit Schulheften und Zeich- nungen in der Stellenvermittlung des ZdA„ Belle- Alliance-Str. 7— 10 III vorzusprechen. Sprechstunden jeden Tag von 10 bis 1 Uhr, außerdem Montags und Freitags von 5 bis 7 Uhr nachmittags._ vom englisch-russiflhen Einheitskomitee. Wer sind die Gekauften? (RSD.) Das„Mitteilungsblatt" der deutschen linken Kommu- nisten(Richtung Urbahns) oerösfentlicht in seiner neuesten Nummer die Rede S i n o w j e w s, die dieser in der Sitzung des Polit- bureaus der KPdSU, im Sommer vorigen Jahres gehalten hat. Da hat sich Sinowjew über die englischen Gewerkschafts- führer, di« dem englisch-russischen„Einheitskomitee" angehören, wie folgt geäußert: „Einen Teil von ihnen haben wir gekauft, in den Dienst ge- nommen. Ich war nicht dagegen.(T o m s k i: Im Gegenteil, du sagtest, daß ich dies schlecht mache.) Nicht doch, das hast du gut ge- macht. Ich bin nicht dagegen, daß wir, als proletarischer Staat, den„Temps" kaufen, daß wir in dem oder anderem Maße in einzelnen Fällen einen sogenannten„Arbeiter"-Führ«r aus den Trade-Unions abkaufen, wenn es der Aroeiterklasse nützlich ist." ' Di« englischen Gewerkschaft» führer in>„Einheits- tomitee" werden zu dieser Behauptung ihrer Moskauer Freunde wohl oder übel Stellung nehmen müssen. Die Moskauer hatten keinen ersichtlichen Grund in diesem Punkte die Unwahrheit zu sagen. Und baß sie kausen, was sie für ihre Zwecke kaufen können, ist nicht zu bezweifeln. Ihr„proletarischer" Moralbegrisf deckt alles. Ist aber auchnureinerin diesem„Einheitskomitee" g-e k a» f t, dann dürste die Roll« dieses Komitees ausgespielt sein. WirtslHolst Die Rentabilität öer Lanüwirtfthost. Neue Beweise gegen irreführende Behauptungen. In der„Georgine", dem Organ der Landwirtschafts- kämm er Ostpreußens, wurde in diesen Tagen ein Aufsatz von Dr. B a g e l e r über die„Wirtschastsergebnisse von 30 Beispiel- wirtschaften aus der Provinz Ostpreußen" abgedruckt. Der Aufsag bestätigt die schon bei vielen anderen Gelegenheiten gemachte Fest- stellung, daß gutgeleitete auch rentable landwirtschaftliche Betriebe sein werden. Wir geben zunächst die Zahlen wieder, die über die durchschnitt- lichen Hektarerträge in den 3 0 Be i s p i e l w i r t s ch a f t e n genannt werden. Daneden fügen wir zu Vergleichszwecken die amt- liche Schätzung hinzu. Erträge je Hektar in Doppelzentner: Durchschnitt von 30 Bcispielwirtschaften: Weizen Roggen Gerste Haser Kartoffeln 28.1 23,7 24,9 19,2 180.4 Amtliche Schätzungen 1928: Weizen Roggen Gerste Hafer Kartoffeln 18,3 18,9 13.7 12 3 128,5 Nach diesem Bild sind die in den 30 Beispielwirtschaften fest- gestellten durchschnittlichen Hektarerträge der amtlichen Schätzung gegenüber höher: um 3,8 Doppelzentner bei Weizen, um 7,8 Doppelzentner bei Roggen, um 8,2 Doppelzentner bei Gerste, um 3,3 Doppelzentner bei Haser und um 29,9 Doppel- zentncr bei Kartoffeln. Nach den weiteren Angaben Dr. Bagelers hatten die Beispieloirtschasten eine durchschnittliche Einnahme von 232,80 M. Ihr steht eine Durchschnittsaus- gäbe von 178,80 M. gegenüber. Dr. Vageler berechnet den Rein- gewinn unter Berücksichtigung der Abschreibungen für Wertver- Minderung der Gebäude und de Der Streit bei der Firma Lorchers u. Jürgens ist beendet. der Entnahme aus der Wirtschaft zu Privatzwecken des Besitzers auf 38,20 M. pro Hektar oder 17,08 M. je Morgen. Aehnliche Feststellungen konnten bekanntlich vor einiger Zeit auch bei den ostpreußischen Staatsdomänen und den von der Pro- vinzialoerwaltung Ostpreußens selbst bewirtschafteten Betrieben ge- macht werden. Der Bericht über die Staatsdomänen besagt: Der Reinertrag beläuft sich auf 78 400 M. Ihm steht ein Reinoerlust von 22113 M. gegenüber, so daß sich ein Reinertrag von 53 281 M. oder rund 15 M. pro Hektar ergibt. Wenn man demgegen- über hören mutz, daß die Landwirtschaftskammer Ostpreußens kürzlich für die oftpreußische Landwirtschaft ein Defizit von über 200 Millionen Mark festgestellt hat. kann man sich des Eindrucks nicht Erwehren, als wenn hier fürchterlich übertrieben und bewußt die Unwahrheit gesagt wurde. Lach Verlusten gute Dividenden. Die elektrotechnischen Wer?« der Dr. P a u l M e y e r A.-G. zu B e r l i n, die das Geschäftsjahr 1325 mit über 2 Millionen Mark B e r l u st und einer Schulden- l a st von 4,4 Millionen abschlössen, waren zu Beginn des Vorjahres zu einschneidenden Sanierungsmaßnahmen ge- zwungen, um das Unternehmen zu halten. Das Aktienkapital wurde von 3,0 auf 0$ Millionen Mark zusammengelegt und zur Beschaffung neuer Geldmittel. wieder aus 3,5 Millionen erhöht. Neben dieser der Abdeckung zinsenfressender Bank- und Wechsel- schulden dienenden Kapitalbeschaffung erfolgte eine scharse Umstellung der Betriebe und Produktionsmethoden, deren Ergebnis sich in den um fast 80 Proz. gesenkten Handlungsunkosten plastisch ausdrückt. In der Gewinn- und Verlustrechnung wird gegenüber den 2,2 Millionen Mark Borjahrsverlusten ein Rohgewinn von 1,74 Millionen Mark ausgewiesen, von dein nach Abzug der Generalkosten und Abschreibungen ein Reinge- w i n n von 0,25 Millionen Mark verbleibt. Hiervon gelangen 3 Proz. Dividende zur Auszahlung. Die Belegschaften, die durch die Abbau- und Umstellungsmatznahmen sehr hart betroffen wurden, haben allerdings ihren alten Stand lange noch nicht erreicht. Wenn auch im Laufe des Jahres etwa 200 Neueinstellungen erfolgten, so beträgt die Gesamtzahl der Arbeiter- und Angestelltenschaft doch erst wieder 1200 gegen 1500 Mann vor der Umstellung des Unter- nehmen?. Um ein Drittel erhöhter Absah bei der NAG. Nach Mitteilungen der Verwaltung ist die Nationale Au'omobilgesell- scha st, Berlin(AEG.-Siemens) gut beschäftigt. Der Absatz konnie gegenüber dem Borjahr um 30 Proz. gesteigert werden, und es war möglich, die B e l e g s ch a f t z u o« r st ä r k e n. Die Gesell- schaft wird zusammen mit den P r o t o s- W e r k e n einen neuen Lastwagen zum Preise von 11 700 M. herausbringen. Bezeichnend für die Geheimniskrämerei auch b«i diesem Unternehmen ist die Verweigerung der Auskunft auf die Frage über die Pro- duktionstätigteit und die Anzahl der produzierten Wagen. Umsatz- Ziffern wurden nicht gegeben, und zwar wurde dies damit motiviert, daß man wegen der amerikanischen Konkurrenz keine Ziffern nenne. Unsere Unternehmer haben in dieser Beziehung immer noch nicht gelernt, daß der B e g r i f s„Geschäfts- geheimnis" aus dem Wirtschaftslexikon rationell arbeitender Uniernehmen verschwinden müßte. Auch Orenstein v. Koppel verteilt Dividende. Nachdem die Oren- stein u. Koppcl-A.-G., Berlin, bisher auf ihr 33 Millionen be- tragendes Kapital seit drei Iahren ahne Dividend« ge- blieben war, werden für 1923 auf 1,32 Millionen Mark Reinge- winn(einschließlich Dortrag) jetzt 4 Proz. Dividende verteilt. Der heseblock des Schultheiß-Konzerns. Di« Wulf A.-G. zu Werl in Westfalen Hot zur Verschmelzung mit über einem Dutzend Hesesabriken jetzt ihr Aktienkapital von 3,3 auf 13,3 Mil- lionen endgültig erhöht und wird unter der neuen Firma „Norddeutsche H e s« i n d u st r i« A.-G. ihren Sitz nach Berlin verlegen. Di« Wulf-A.-G. ist bekanntlich dem Schult- heiß-Ostwerke-Konzern angegliedert. Berantwartlich für Politik: Bictor Schill: Wirtschaft: S. KlinzrlhSser: Srwkrtschaftsbrweauna: grirdr.«zkor»: lteinlleton: A. A. Silch«: Lokale« und Sonstiges: Fritz Starstödt: An,riaen: Th. Glocke: liimtlich in Berlin Lerlag: Porwärts-Verlag G. in. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buckdruckerei und Berlagsanstalt Paul Einger u Co., Berlin CW 68, Lindenstrake 3, WORSTCHEN»BOCKWURST« Etwas ganz Besonderes! Auf Teilzahlung Herren-, Damen-Garderobe AnzGga, Gummi-Hinte), Kleider MÖBEL bis 18 Monatsraten Schief-, Speie»-, Harrenilmme) KUshan, EinzalmSbel, Federbetten Stlfr»! Gr. Frankfurter Str. 34 CTlil�i(Streif bTger Plate), Berliner II Ik-TrlO N-Ufcälln. W Ubntf.TMU wddi. Teilzahlung Eieg. Herren- u. Damenmoden farllg und nach Mal zu(Blcrftveiialieh Ulllren Preis«« Ci arentle f.(Uten Sfti B-tmeTerarkcItonp Julius Fabian MaBachaal�e ral, Or«»« PraBklurtM' StruBo<7 KcinLadanl NurlMtaga) » I r k e a m ftnl Wie RlElllEN>,, ANZEIGEN le der GeMmUu