k??. 222 ♦ 44. �aheg. Ausgabe& Nr. 113 Bezugspreis: SSSch« irllich 70 Pfennig, monatlich B,— Reichsmarl cotauä zahlbar. linier Sreuzband für Seutfojianc, IDanzig, Laar, und Memelgebiei. Oesterreich, Litauen, Luxemburg SLU Reichsmarl, für das übrige Llusland ästiv Reichsmark proMonai. Der„VorwSris" mit der Illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",„Aus de- Filmwelt", „Frauenstimme",„Der Kinder. freund",„Iugend-Dorwärts",„Blick in die Bllcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wachegrtäglich zwei. Mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm.Adresse: „SozialttemoCcaf Berlin" Morgenansgabe Derliner Volksvlerkt Tentrslorgan der Bozialdemohratirchen partet Dcutfchlande (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille» «eile 80 Pfennig. Reklamezeile Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pfennig (zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt geile 00 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis iVt Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Linden» straße 5, abgegeben werden. Geöffnet von 8?h Uhr früh bis S Uhr nachm. Reüaktion unö Verlag: öerlin SW. H8, Änöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297, Brüssel. IL Mal. s Eigener Drahkberichi.) Me wir zuverlässig erfahren, hat Briand sich in London erkundigt, welche Haltung t»le englische Regierung zu einer herabsehung der Truppen im Rhein- land einzunehmen gedenkt. Ja Brüssel wird die Aussassung vertreten, dah diese Jragc nur Paris betrifft, da die belgischen und englischen Truppen bereits auf das Mindestmoh herabgesetzt seien. Es ist jedenfalls mit aller Bestimmtheit anzunehmen, daß einem Entgegenkommen der französischen Regierung gegenüber Deutschland von Brüssel aus nicht die geringste Schwierigkeit in den weg gelegt wird. Tic Feststellung der Erfüllung. Die Reichsregierung verhandelt mit Paris— wie der„Soz. Pressedienst� erfährt— schon seit längerer Zeit über die Frage, in welcher Form Deutschland den Nachweis erbringen soll, daß es seine Zusagen auf Sprengung der Ostfestungen erfüllt hat. Eine Besichtigung durch die noch zurückgebliebenen Mitglieder der ehe» maligen Kontrollkommission hat Deutschland bereits entschieden ab- Donnerstag, den 12. Mai 1937 gelehnt. Von deutscher Seite sind authentische photographisch« Aufnahmen, evtl. die Feststellungen einer Reichstags kommisfion als Beweis dafür angeboten worden, daß die Sprengungen verein- barungsgemäß ausgeführt wurden. Diese Beweismittel hat das Ver- sailler Militärkomitee unter Vorsitz des Marschalls Fachs als unzureichend abgelehnt. Es scheint nun, daß ein Dermittlungs- Vorschlag von beiden Seiten in Erwägung gezogen wird, der dahin lautet, neutrale Festungsartillerieoffiziere mit der Aufgabe zu betrauen, die notwendigen Feststellungen vorzunehmen. Von einer Seite ist angeregt worden, das Gutachten durch einen schweizerischen und einen schwedischen Offizier erstatten zu lassen. Eine endgültige Stellungnahme der Regierungen zu diesen Vorschlägen ist bisher noch nicht erfolgt. Der ganzen Angelegenheit kommt Insofern besondere Bedeutung zu, als Briand gegenüber dem deutschen Botschaftsrat Dr. Rieth betont hat, daß die gewünschte Truppenreduzierung im besetzten Gebiete in der französischen Oeffentlichkeit nicht zu vertreten sein würde, solange das Versailler Militärkomitee von der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen nicht restlos überzeugt ist. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Linöenstr.Z Posttchecklont»! Berlin 37 53«- Bankkonto! Bank der Arbeiter,«oaestelten nnd«eomien.«allftr. 05: Diokooto-Selelfchaft. Deposttenkaste«tndenftr. 8. Die Arbeit See Partei. Ei« Jahrbuch der deutsche« Sozialdemokratie. Auf zweierlei Art wurde m früheren Zeiten über die Arbeit der Partei berichtet: Einmal im jährlichen Bericht des Borstandes an den Parteitag, zum anderen in dem aus- führlichen Rechenschaftsbericht der Reichstagsfraktion. Beide Berichte pflegten dem Protokoll des Parteitages eingefügt zu werden, an den sie erstattet wurden. Jetzt ist. zum ersten Male seit Bestehen der Partei, die Jahresarbeit der Partei in einem„Jahrbuch der deut- scheu Sozialdemokratie 192 6" der Oeffentlichkeit unterbreitet worden. Das Buch umfaßt nicht weniger als 52» Seiten, zeigt also auch schon in seinem äußeren Umfange, wie gewaltig sich die Tätigkeitsgebiete der Partei gemehrt haben. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis bestätigt und ver- stärkt diesen Eindruck. Alleinder Bericht des Partei- Vorstandes gibt außer einem allgemeinen politischen Uebcrblick eine umfassende Darstellung der großen agitatori- scheu Feldzüge, die im abgelaufenen Jahre die Partei zu führen hatte, hierher gehört vor allem die große und auf- rüttelnde Arbeit für den PolksentscheidfürFürsten- e n t e i g n u n g, die zwar ohne positives Ergebnis blieb, aber doch eine Volksbewegung von bisher unbekanntem Ausmaße hervorrief. Das verfassungsmäßige neue Recht der direkten Gesetzgebung durch das Boll wurde hier zum ersten Male erprobt. Und unsere Genossen haben im ganzen Reiche diese Feuerprobe aufs beste bestanden. Für spätere Anwendung des Volksentscheides hat diese Arbeit der Sozialdemokratie grundlegende Beispiele geschaffen. Der Vorstandsbericht zeigt aber in seiner Gliederung wich, wie stark sich die eigentliche Parteiarbeit— von Wahlkämpfen abgesehen— verästelt hat. Immer neue Zweige werden au gefügt oder wachsen aus der einheitlichen Tätigkeit heraus. Die Frauenbewegung erfordert heute ein noch stärkeres Maß an Aufnrertsamkeit als früher. Dazu kommt die Ar- beiterjugend, die zwar in einem selbständigen Ver- bände organisiert ist, aber mit der Sozialdemokratie doch aufs engste verbunden bleibt. Immer neue Aufgaben stellt die Arbeiterwohlfahrt den Genossen und Genossinnen, die in ihr eine unmittelbare praktische Sozialarbeit zu leisten vermögen. Ein Gebiet, das erst nach dem Kriege ernsthaft und gründlich in Bearbeitung genommen wurde und das in seiner Buntheit immer neue Eindrücke vermittelt, immer neue Pflichtenkreise öffnet. In nicht weniger als 1911 Ortsaus- schüsseu der Arbeiterwohtfahrt, die über das Reich in 34 Bc- zirken zusammengesaßt sind, wird diese praktische soziale hilfs- arbeit heute planmäßig betrieben, die früher den bürger- lichen und religiösen Wohlfahrtstätigkeitsvereinen allein überlassen blieb. Das hineinarbeiten in diese neuen Be- tätigungsgebiete' erfordert unendlichen Fleiß, großen, nie er- müdenden Opfermut und neben organisatorischer Sachkenntnis vor allem ein menschliches Mitempfinden mit den Röten derer, die der Wohlfahrtsavbeit besonders bedürfen. Reben dieser Sozialarbeit der Arbeiterwohlfahrt fordern das kulturpolitische Glied der Partei, der„Sozialistische Kulturbund" und das Wirken des„Reichsaus- schusses für sozialistische Bildungsarbeit" das Interesse aller heraus, die inneren Anteil an dem Werden und Wachsen der deutschen Sozialdemokratie nehmen. Die kommunolpolitische Zentralstelle, die der Parteileitung angegliedert ist, bietet ebenso wie das Partei- a r ch i v wertvolle Materialien sür die immer stärker werdenden Reihen unserer Mitarbeiter im Lande. Die Vertretung der Partei in öffentlichen Köperschasten hat einen sehr erheblichen Umfang angenominen. Im Berichtsjahr zählte sie: im Reichstage 131 Abgeordnete, davon 16 Frauen, in den Länderparlamenten 468 Abgeordnete, davon 49 Frauen, im preußischen Staatsrat 24 Abgeordnete, in den Provinziallandtagen 482 Abgeordnete, davon 20 Frauen, in den Kreistagen 3146 Abgeordnete, davon 47 Frauen, in den Stadtparlamenten 6773 Stadtverordnete, davon 29L Frauen, in den Gemeindevertretungen 20 090 Vertreter, davon 4ß2 Frauen. 708 Parteigenossen sind als Bürgermeister. 637 als Gemeindevorsteher und 340 als besoldete Stadträte tätig. Die Mitgliederbewegung der Parteiorganisa- Hon litt auch im letzten Jahr« noch unter den Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise und der daraus sich ergebenden Ar- beitslosigkeit. die alle bisher bekannten Maße weit überstieg. Unter dem Druck der Arbeitslosigkeit hatten die Parteiorgani- sationen im Jahr« 1928 einen Verlust von 88 227 Mitgliedern buchen müssen. 1926 wurden insgesamt 17 282 Mitglieder mchr gezählt, doch ist damit der vorjährige Verlust noch nicht ganz wieder ausgeglichen. Die Gesamtmigliederzahl der Part« betrug am 1. Januar 192S: 806 268. darunter Rückgang der Erwerbslosigkeit. Besserung auch in der zweiten Aprilhälfte. Die Zahl der Haupwulerfkützungsempsänger in der Erwerbs- losensürsorge zeigt, so wird amtlich gemeldet, auch in der zweiten Aprilhälfle einen erfreulichen Rückgang, und zwar um rund IlZooo, das sind ll.4 proz. Die Zahl der männlichen Haupt- unlerslühungscmpsänger ist in der genannten Zell von Sl7 000 aus 717 000 zurückgegangen, die der weiblichen von 167 090 aus 154 900, die Gesamtzahl von 954 000 aus 871000. ' Die Zahl der Zuschlagsempsänger Hai sich im gleichen Zeitraum von 1 120 000 aus 959 000 vermindert. Der Gesamtrückgang in �her Zahl der homptunter- stühungsem psänger im IKonal April beträgt rund 250000. das sind 22 proz.(1 121 000 hauptunterstühungsempsänger am 1. April gegenüber 871 000 am 1. Mai 1927.) lieber die Krisenfürsorge liegt eine neuere Zahl nicht vor. Dieser Umstand erschwert die Beurteilung. der tatsächlichen Entwicklung des Arbeit-marktes, zumal in den großen Industrie- reoieren, wo die meisten langfristig Erwerbslosen sind, während der zweiten Aprilhälfte die Besserung sich nicht mehr in gleichem Tempo fortgesetzt hat wie vorher. Wenn auch die bereits jetzt veröffent- lichten Zahlen keinen Zweifel darüber lassen, daß zunächst noch der Arbeitsmarkt aufnahmefähig geblieben ist, so wird ein Urteil über den Umfang der Besserung doch erst dann möglich sein, wenn die Zahlen der Krisenfürsorgeempfänger bekannt werden, deren Veröffentlichung in der Regel nur um MvnatsmiUe erfolgt. �ibbau See Krisenfürsorge l Die Reaktion unternimmt neue Versuche, den vom Reichsrat hinausgeschobenen Abbau der Krisenfürsorge zu beschleu- nigen. In einem Leitartikel verlangt die„Deutsche Tages- zeitung" mit den bekannten Argumenten den baldigen fystema- tischen Abbau der Fürsorge für die langfristigen Erwerbslosen, mit dem besonderen Hinweis darauf, daß diese jetzt gänzlich überflüssig sei, weil jeder Arbeitsfähige und Arbeitswillige jetzt auch Beschäftigung finden könne. Sie versteigt sich dabei, ent- gegen dem vom Reich-finanzminister Dr. Köhler amtlich prokla- mierten Wirtschaftspessimismus zu der Behauptung, daß der Ar- beitsmarkt auch in Zukunft neue Kräfte ausnehmen könne! Wie man sieht, funktioniert die Prophetengabe der Re- gierungsfreunde recht verschieden, je nachdem, was man damit be- zweckt: der Wirtschaft geht es schlecht, wenn Lohnsorde- r u n g« n gestellt werden oder wenn Besitz steuern abge- baut werden sollen, es geht ihr aber glänzend, wenn man damit den Abbau der Krisenfürsorge begründen will! Aber abgesehen von dieser eigenartigen Inkonsequenz ist auch sonst die Logik der sozialen Reaktionäre nicht frei von Wider- sprüchen. Die„Deutsche Tageszeitung" selbst muß zugeben, daß die Besserung am Arbeitsmarkt in erster Linie denjenigen Er- werbslosen zugute kommt, die noch die Hauptunterstützung erhakten. Das sind diejenigen Erwerbslosen, die erst kurze Zeit der Leschäftrgung-möglichkeit beraubt sind, also Arbeitskräfte, die noch jung und besonders leistungsfähig sind und lediglich vorüber- gehend freigesetzt waren. Wenn es nun richtig ist. daß die der Krisenfürsorge unterliegenden Erwerbslosen schwerer Arbeit finden, so liegt das eben daran, daß die durch Krieg und Inflation schwer geschädigten breiten Volksmassen heute mehr auf Arbeit angewiesen sind als jemals stüher. Las ist ja auch vom Statistischen Reichsamt einwandfrei festgestellt. Es handelt sich asso um eine unmittelbare Folge des Krieges und der Inflation, die einen nachhaltigen Druck auf den Arbeitsmarkt in der Richtung ausübt, daß trotz besserer Konjunktur immer noch große Reserven von Arbeitsuchenden vor- Händen sind. Diese— hauptsächlich Opfer der verfehlten Unter- nehmerpolitik in und nach dem Kriege— bedürfen mindestens ebenso sehr der öffentlichen Hilfe wie andere Kreise, deren sich die Großagrarier so gerne annehmen, und die aus der Verarmung des Volkes noch große Gewinne gezogen haben. Wenn man nun darauf verweist, daß diese Arbeitsuchenden eben minder arbeitsfähig feien und infolgedessen der a l l g«- meinen Wohlfahrtspflege anheimfallen müßten, so ist das ungefähr der Höhepunkt der Verlogenheit, mit der man im Unternehmerlag« argumentiert. Die ganze Frage wäre nämlich dann gegenstandslos, wenn Länder und Gemeinden aus- reichend Mittel hätten, um den schuldlosen Opfern der Ratio- nalisierung helfen zu können. Dann brauchte man die Krisenfür- sorge nicht und könnte in großem Stile darangehen, die minder leistungsfähigen Arbeitsuchenden aus der Zahl der übrigen heraus» zusondern und ihnen die notwendige Hilfe zu leisten ohne Rücksicht darauf, daß sie jahraus jahrein vergeblich Beschäftigung suchen. Was aber ist. die Wirklichkeit? Die Finanzpolitik des Rechtsblocks beschneidet die Mittel der Länder. Gegenüber den Gemeinden wird unter dem Vorwand des Zwanges zur Spar- samkeit eine bewußte„Verknappungspolitik" getrieben, die dazu führt, daß für die ollgemeine Fürsorge immer weniger anstatt mehr Mittel zur Verfügung stehen. Und diese Einschränkung des Wohlfahrtsetats ist ein wesentlicher Bestandteil der Politik jener Unternehmer, die es jetzt fertigbckommen, die schuldlosen Opfer ihrer verfehlten Wirtschaftspolitik als Faulenzer und Renten- schnorrer hinzustellen! Nein, das Ziel des Abbaus der Krisenfürsorge ist ein anderes. Nachdem der Arbeitsmarkt wieder bessere Tendenz zeigt, will man künstlich das Heer der Erwerbslosen und Hunger. leider erhöhen, die ihre Arbeit um jeden Preis und ohne Innehaltung der Tarife anbieten müssen. Damit hofft man, im Kampf gegen die L o h n a n s p r ü ch e der Arbeiterschaft eine neue Waffe zu schassen. Gerade darum ist es notwendig, den wahren Eharakter dieser Treibereien zu kennzeichnen, die den stärksten W i d e r st a n d der organisierten Arbeiterschaft finden müssen.'' Keine Nachricht von Nungesser. Paris, 11. RTal.(Eigener Drahlberichi.) von dem ver» bleib der beiden Ozeansiieger, seitdem sie über Irland gesichtet war» den sind, ist auch bis Mittwoch abend in Paris keine Nachricht eingetroffen. Gegen 30 Kriegsschisse und über ein halbes Hunderl Flugzeuge sind von der amerikanischen, englischen und sranzösischen Küste aus unterwegs, um nach den vermißten im Ozean zu forschen. Einige Sachverständige geben der Meinung Auedruck, daß die beiden Flieger, alz sie die amerikanisch« Küste erreich: hallen und Infolge des Nebels nicht landen konn'en, vielleicht statt nach New Port ihren Flug in nördlicher Richtung nach Kanada und Labrador sortgeseht haben. Die Pariser Kriminalpolizei sst vom Innenminister beauslragl wor. den. eine Untersuchung darüber anzustellen, wer die Falsch», Meldung über die Antuost der Flieger in New Port verbreitet Hat. 1 Belgien für Sesatzungsvermmöerung Eine Ermunterung für Frankreich. 151 811 gfrmi«r; mti Schlüsse des Jahres bezifferte sie sich cms 823 520, wovon 165 492 Frauen. Die Zunahme an weib- lichen Mitgliedern ist verhliltnismäßig größer und rcgel- mäßiger als die an männlichen. Nur sieben Bezirke(Branden- bürg, östliches Westfalen, Oberrhein, Franken, Dresden, Chemnitz, Zwickau) haben eine Abnahme an weiblichen Mit- gliedern zu beUaQin. Die Zahl der sozialdemokratischen Ortsvereine stieg im letzten Jahre von 7967 auf 8230. An Mitgliederbei» trä'gen wurden insgesamt 4542800,84 M.(darunter von Frauen 593 672,94 M.) vereinnahmt, daneben wurden für die Internationale noch 199 051,30 M. an regelmäßigen Beiträgen geleistet. Besondere Beachtung verdient im Vorstandsbericht der Versuch, die Berusszugehörigkeit und das Alter der Mitglieder zu errechnen. Unterlagen dazu boten statistische Ausnahmen in Bremen, Hamburg und Hannover, die teils im Jahre 1925, teils 1926 vorgenommen wurden. Bei diesen Zählungen stellte sich die Berufszugehörigkeit(ohne Frauen) in Prozentsätzen der Mitgliederzahl folgendermaßen dar: Bremen Hamburg Hannover Handarbeiter...... 71,84 71,43 83,66 Proz. Kopfarbeiter...... 11,66 13,01 8,86, Selbst. Gewerbe.... 4,9t 4,50 4,39. Freie Berufe...... 4,08 0,33 1,25. Ohne Angabe..... 7,53 10,73 1,85, Zieht man aus diesen Ausstellungen den Durchschnitt und übertrögt man ihn auf das Reichsgebiet, so würede sich ergebm, daß 73,14 vom Hundert, also 481 282 Handarbeiter, 11,03 Prozent(72 580) Kopfarbeiter, 4,62 Prozent(30 401) selbständige Gewerbetreibende, 2,04 Prozent(13424) Angehörige freier Berufe und 9,17 Prozent(60 341) männliche Mit- gjliedcr ohne nähere Berufsangabe der Partei angehören. Nach den gleichen Unterlagen ist auch die Berechnung des Lebensalters der Mitglieder erfolgt. Es ergibt sich daraus, daß sich die Mitglieder auf folgende Altersstufen ver- teilen: Durchlchnltt Errechn.MItgllederz. Bis 20 Jahre...... 1,71 Proz. 14 082 21—23....... 6,01, 49 494 29—80....... 9,58, 78 890 31—85,...... 10,83*, 89 187 36—40,...... 14,47. 110163 41-45,...... 15,83. 126 246 46-50....... 15,10. 124 852 61—55....... 12,95. 106 640 66—60....... 7,23. 69 540 «1—66....... 4,03. 33106 Üb. 66....... 2,77„ 22 812 Selbstvin-ständlich gibt diese Aufstellung nicht die wirkliche Mitgliederzcchl an, sondern eine nach den prozentualen Aus» stellungen von Hannover und Bremen errechnete, der die tatsächliche Mitgliederzahl im Reiche(823 520) zugrunde gelegt ist. Schon diese Stichproben werden die Mannigifattigkeit des Stoffes zeigen, den der Vorftandsbericht in« Jahrbuch dar» bietet. Daneben aber gibt der sehr ausführliche Bericht der Reichstagsfraktion ein Spiegelbild von der umfassenden, die nielgesUiltigsten Gebiete des össenUichen Lebens berührende Arbeit unserer parlamentarischen Vertreter. Und zur Ergänzung dessen ist zum ersten Male eine Sammlung der Berichte sämtlicher Landtagsfraktioncn beigefügt, die auch dem Fernstehenden einen Einblick in die sozialistische Parlamentsarbeit der einzelnen Länder gewähren. Fügen wir hinzu, daß das Jahrbuch in besonderen Ka« piteln die Wirtschaftsentwicklung und den K r i s e n- verlaus, die Gewerkschaftsarbeit, die Konsumvereine, die Volksfürsorge und die Arbeiter- sportbewegung behandell, daß eine Reihe von parte!- geschichtlich interessierenden Bildern aus der Gegenwartsarbeit Zrühlingsstimmen. ZUusik-Amschau von Hurt Singer. Nicht alle Singvögel, dl« im Frühsommer ihre Kärtchen bei uns abwerfen, find Zugvögel. Helligkeit und Wärme, di« wir von guten Stimmen fordern, stören die Stimmung des Saales. Und der blaue, wolkenlose Himmel wandelt sich io rasch in blauen Dunst, werm die Grenzen der Musizierzeit zugleich mit den Grenzen der Selbst» bescheidung überschriten werden. Was soll man von Helene M i k u. la sche k Gutes sagen? Nur eine Geigerin, von einiger technischer Könncrschast, mit dmi Wunsch zur Eindringlichkeit spröder Töne, mit starrer Booenführung, unpersönlich, halbserng. Mit der L-Dur- Sonate von Guillaume L e k e n wurde sie aber gar nicht fertig, weil sie zu lang geraten ist und einen jungen, begabten Musiker ganz im Bonne süßer Romantik redselig werden läßt. Solchen langsamen Säßen gegenüber wirkt noch die Tosellische Serenade wie ein Schluck klaren, reinen Wassers. Für den Schwung der Eck-Themata aber sei dem Toten noch ein Jmmortellenkränzlein aus» Grab gelegt. Josef S ch e l b war der musikalische, sattelfeste Mitspieler am Kla- vier. Marcella R o e s e l e r hat ihrer substanzlosen, unausgiebigen Etimnnttellage eine geschmeidige, hell«, schöne Sopranhöhe entgegen- zustellen. Di« spielerische Braoour und das Temperament der Brahmsfchen Zigeunerlieder wollen nicht so echt aus der Kehle herausspringen wie die sanft streichelnde, süße Kantilene In den Lie- dern ihres Begleiters Julius Bürger. Diese reichlich naive, epi- gonenhast-bürgerliche Musik schien dem Publikum zu gesallen; doch gewiß nicht so stark, daß äa capo, als erzwungen gelten konnten. Echter, einfacher, in jedem Schritt und Trist gekonnt, zwei Lieder von Joses Marx. Mit der Güte de» Wertes wuchs die Güte der Leistung, die im ganzen noch nicht letzte Reife und Leichtigkeit, hoffentlich jedoch noch keine Ueberreife zeigt. Das Urteil trübt sich im Nachklang B a t t i st i n i s ch e r Größe. Er sang im vorigen Jahre zum letzten Male und er wird bis an fein Lebensende immer wieder zum vorletzten Male singen. Und er braucht keine Klosterreklam« und keinen Agentenklatsch, um groß, blendend, einzig dazustehen als Sänger, Bildner, Gestalter. Wie wäre es aber, wenn er einmal die Zugaben aufs Programm setzte und die Programmnummern zu- gäbe? Abwechslung muß sein. Und wie wäre es, wenn man Ihm zuliebe einmal eine unbekannte italienische Oper einstudierte? Mit .Tosca" und„Rigoletto" kommt man doch auch im bescheidenen Berlin nicht mehr aus. Er soll 80 Rollen im Repertoire haben, zu denen auch der„Onegin�, der.Don Juan* gehören. Wobei uns einfällt, daß auch ein Werk wie der„Mephifofele* von Boilo und die „Gioconda" von Ponchiclli ihrer Erstausführung in Berlin harren. Frau Salvatini, die Freundin des Maestro, würde gewiß gern ein- mal im Monat statt der Turandot eine andere italienische Glanz- parti« übernehmen. B a t t i st i n i hörten wir auch im Rundfunk in der Ueber« tragung von Stuttgart her. Das gute Geschäft verbietet«» leider, daß solche Uebermiitlungcn gleich vom Philhannoniesaal aus er- folgen. Und ganz das gleiche ist es ja nicht, ob wir den Meister singen, otnie», Ton spinnen sehen oder ob wir von seiner Perjon weg nur den Klang einer rnusterhasi ausgewählten Stimme hören. Oester als es bisher geschaht, müßten Sonntags und in den Abend- stunden der Woche Prominente ihre Kunst bis in die letzte Lauben- eingestreut sind, Mb daß schließlich ein sehr eingehendes Sach- register das Nachschlagen erleichtert, so ergibt sich, daß dieses erste„Jahrbuch der deutschen Sozialdemokratie" für jeden Parteigenossen eine Fülle von Anregungen zum Nachdenken bietet und gleichzeitig allen politisch Interessierten, gleichviel welchen Lagers, ein lebhaftes Bild von der großen Volksarbeit der Sozialdemokratie liefert. Oer öürgerblock blamiert sich. Er will die Jugend schützen— aber er ist nicht da! Für die derzeitige Regierungsmehrheit war die gestrige Sitzung des Reichstags eine einzige große Blamage. Die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über den„Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten" gedieh nur bis zu einer großen Anklagereds des Genossen Seydewitz gegen den kulturreaktionären Kurs— dann wurde auf Antrag der Opposition die Ab- setzung der Vorlage von der Tagesordnung beschlossen, weil die Mehrheit, die bei den ersten Kampf- abstimmungen noch mit wenigein Stimmen gesiegt hatte, es nicht für nötig smid, an den weiteren Veratungen teilzu- nehmen. Die Sitzung wurde für drei Viertelstunden unterbrochen, um den Beschluß des Aeltestenrats einzuholen, der natürlich dahin ging, den Entwurf auch wieder auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung zu setzen. Die Regierungsparteien hatten inzwischen die Kraft gefunden, diesen Beschluß auch im Plenum durchzubringen. Trotzdem ist der moralische Erfolg, den die Opposition gestern errang, nicht zu unterschätzen. Sie bekämpft den Eni- wurf, der für die Freiheit künstlerischen Schaffens eine nicht geringe Gefahr bedeutet, mit Leidenschaft und mit ausgezeich- neten Argumenten. Die Regierungsmehrheit hat dem nichts entgegenzustellen als ihre zahlenmäßige Ueberlegenheit. Wenn auch diese gelegentlich dahinschwindet, weil das Interesse an den Gegenstand bei ihr gering ist, so zeigt sich der breitesten Oeffentlichkeit auf diese Weise deutlich, auf welcher Seite das Recht ist. Der Entwurf selbst hat bei seinem Werdegang solche Ver- änderungen erfahren, daß selbst im Regierungslager ernste Bedenken gegen ihn bestehen. Ein erstes Zeichen dafür hat sich schon gestern gezeigt, da die Wirtschaftspartei nicht mehr mitmachte. Nur verbohrter Eigensinn kann unter solchen Um» ständen leugnen, daß der zu Beginn der zweiten Lesung ge- tellte soziaideinokrotische Antrag, die Vorlog« an den Aus» chuß zurückzuverweisen, das Richtige getrosten hat. Der Kaiserparagraph. Die Dcutschnationalcn schützen die Republik. Einst war es paradox, aber jetzt bestätigt es die Zeit. Wer den Deutschuationalen vor einigen Jahren prophezeit hätte, sie würden der Verlängerung einer gesetzlichen Bestim- mung zustimmen, die es in die Hand der Regierung der Re- publik legt, ob der ehemalige Kaiser nach Deutschland zurückkehren darf oder nicht, würde von ihnen für verrückt erklärt worden sein. Noch gestern abend erklärte die„Kreuz- zeitung" einen solchen Gedanken für indiskutabel. Zugleich aber könnte der„Vorwärts" schon melden, daß sich die deutschnationale Führung mit diesem Gedanken bereits be- freundet habe, und inzwischen haben später eingelaufene Meldungen diese Angabe bestätigt. Im Regierungslager rechnet man jetzt allgemein mit dem Zustandekommen eiiies Kompromisses auf der Grundlage, daß zwar der Staats- gerichtshof aufgehoben und durch eine andere Institution ersetzt wird, im übrigen aber die Geltungsdauer des ganzen Gesetzes einschließlich des Kaiserparagraphen um zwei Jahre verlängert wird. So hätte denn Herr B a z i l l e mit seinem donnernden Bekenntnis bei der dritten Lesung jenes Gesetzes am 18. Juli 1922, die Deutschuationalen würden bleiben, was sie waren» doch nicht ganz recht gehabt? Wir meinen dennoch, er hatte recht. Die Deutschnatio- nalen waren schon damals so. Schon damals war die nationalistische und monarchistische Phrase für sie nur ein Köder, um Wähler zu fangen, und die Vertretung der materiellen Interessen der besitzenden Klassen war schon da- mals der eigentliche Inhalt ihrer Politik. Es war doch nur zwei Jahre später, als die Deutsch» nationalen bei ihrer Abstimmung über die Dawes-Gc» setze eine für alle anderen Parteien unerreichbare Wand- lungsfähigkeit an den Tag legten. Sie ermöglichten ihre Annahme, indem sie für den entscheidenden Teil mitstimmten — und schimpften über diese Gesesie dann so munter wester, wie sie schon vorher über sie geschimpft hatten. Graf Westarp hat erst vor wenigen Tagen ein Bekennt» nis zur Monarchie abgelegt. Das wird ihn nicht hindern, nächstens für das Gesetz zum Schutz der Republik zu stimmen und Übernächstens wieder ein Ergebenheitstelcgramin nach Doorn zu schicken. Wenn man deutschnational ist, kann man das. Die Republik kann man zu ihren neuesten Beschützern gratulieren. Aber sie soll sich vor ihnen in Acht nehmenl «- Die interfraktionellen Verhandlungen der Regierungsparteien über die Verlängerung des Republitschutzgcseßes sind am Mittwoch noch zu keinem endgültigen Abschluß geführt worden. Es steht jedoch fest, daß die Deutschnationalen erhebliche Schwierigkeiten nicht mehr machen und dem Kaiser- Paragraphen bereits ihre Zustimmung gegeben haben. Das ist gleichbedeutend mit einer Verlängerung des Verbotes einer Rückkehr Wilhelms nach Deutschland. Streitig ist noch, ob der Staatsgerichtshos in seiner gegenwärtigen Form weiter bestehen bleibt oder— wie es die Deutschnationalen fordern— aufgehoben werden soll. Die R« i ch s r e g i e r u n g hat am Mittwoch zwar eine Kabi- nettssitzung abgehalten, sich jedoch mit der Frage einer Verlängerung des Republikschutzgcseges nicht befaßt. An sich bildet« diese Ange- legenheit einen Punkt auf der Tagesordnung. Der offizielle Bericht meldet jedoch lediglich, daß die angeblichen mit der Revision des D a w e s- P l a n s im Zusammenhang stehen- den Pläne des amerikanischen Finanziers O. H. Kahn zur Sprache gebracht und festgestellt wurde, daß derartige Pläne jeder Grund- läge entbehren._ Nachspiel zur Rede ffergts. Stresemann sagt Polen, über Hergt regt euch nicht auf. Der polnische Gesandte O l s z o w s k i war am gestrigen Mitt- woch beim Außenminister Stresemann um Rücksprache wegen der Aeußerungen des Vizekanzlers Hergt über die deutsch-polnische Grenze zu halten. Wie wir erfahren, verwies Stresemann auf seine Erklärungen in Bad Oeynhausen, worin er betont hatte, daß durch den deutsch-polnischen Locarnooertrog jede Schwierigkeit, die aus dieser Frage entstehen könnte, aus den Weg des S ch i« d s- gerichte» verwiesen ist: Stresemann habe auch hinzugefügt, daß Polen keinen Anlaß zu einer Beunruhigung über. die Red« Hergts haben dürfte. Dcntsch-polnischcr Flugzwischcnfall. Regierungsrat Dahlmann von der Lustsahrabteilung des Relchsverkehrsministeriums ist auf einem Flug von Berlin nach Ostpreußen zu einer Notlandung im polnischen Kor« ridor gezwungen worden. Er wird, wie wir erfahren, von den polnischen Behörden f e st g« h a l t e n, wie das vor einiger Zeit ebenso geschehen ist, als ein polnisches Flugzeug zu einer Not- landung auf deutschem Gebiet gezwungen war. Als Strafe für die Maifeier will das tschechische Eisenbahn» ministerimu die Reichenberger Straßenbahn unter Staatsaufsicht stellen,„bis die notwendige Ordnung in dem unzuverlässigen Betrieb wiederhergestellt ist". kolonie hinein zu den Arbeitenden sprechen lassen. Gewiß ist die Aufstellung von Programmen für Millionen Hörer schwer. Aber die Gerechtigkeit verlangt es genau so wie der Will«, eine Kultur- leistung auszuschöpfen, daß den Arbeitern, die 80 Proz. aller Hörer in Berlin dorstciien, in den wenigen Stunden ihrer Ruhe da» Beste in bester Form gereicht wird. Zwischen Tanz, Lust. Unter- Haltung und ernster, schwerer, anstrengender Kost wird leicht der abwechslungsreiche Mittelweg gefunden werden können. Der Bur- ger kann es sich leisten, einen halben Tag lang auf dem Ohr zu liegen, den Radiohörer fest angeschnallt. Dem Arbeiter gehör« der Radiosonntag und die Zeit von 8— 11 Uhr des Abends. Gern möchte man ihm raten, sein Wissen und seilte Bildung auch aus dem Wege des Plnttensplels(nicht: des platten Spiels) zu festigen. Welch große Errungenschaft für Lernende, Genießende, für einzelne wie für Schulen, daß Beethoven» Violinkonzert, meisterlich gespiett von Kreisler, jetzt von den Elcktrolawerken hergestellt ist: ebenso die Eroica von der ersten bis zur letzten Note und(bei den Odeonwerkcn) ein im Klang höchst eindrucksvolles, sauberes, wirklichkeitsnahes Plattenkonsorttum des Mozartschen Requiems. Wenn erst ein findiger Kopf das Umdrehen der Platten pausenlos bewerkstelligt, dann ist mich hier eine Uebertragungsmöglichkeit durch Radio ge- geben, bester als durch leibhaftige Chöre(weil eben in der Gramms- phonindustrie setzt nur das lang Ausprobierte, glänzendst Gelungene auf den Markt kommt und alle Unebenheiten einer Aufführung be- jeitigt sind). So ergänzt Neues das Alte, ohne es zu oerdrängen. Die Frag« lautet nicht: Konzert oder Radio, sondern Konzert und Radio. Man achte auf die Mentalität der Verbraucher, sonst flexi das Ge- werbe in dem Augenblick brach, wo man sich überlegt, ob nicht die Wirtschaftlichkeit des Unternehmen« durch di« primäre Einstellung auf Kultursragen bestimmt wird. Man kann allerdings auch um- gekehrt vorgehen. Die steinalte Singakademie hat in dem Augenblick, als sie ihre Sänger nach der Philharmonie entließ, etwas von ihrem tradüionellen, ans Haus gebundenen kulttirellen Ruf auf- gegeben. Aber das Publikum wurde größer, das Geschäft verlangte Ausdehnung. Weinen wir der Hundertjährigen keine Träne nach. Das Glück de» musikalischen Dienstes ist auf Sand, nicht auf Stein gebaut.__ Was ist unzüchtig? Heinrich Zille war bekanntlich wegen einer im„Simplicistimus" veröffentlichten, von einem Gericht de» keuschen Echwabenlandcs als„unzüchng" erachteten Zeichnung ver- urteilt worden. Jetzt hat das Reichsgericht chn freigesprochen und in der Begründung de» Urteils den Begriff ber„unzüchtigen Darstellung" solgendermahen festgelegt:„Eine unzüchtig« Dar- siellung kann nur dann vorliegen, wenn ein« Bezugnahme auf ge- schlechtliche Vorgänge dann enthalten ist. Die bloße Abbildung eines weiblichen oder männlichen Körpers ist an stch nicht unsittlich: ste wird es nur dann, wenn die Deschlechtstoile derart prononci«rt her- oorgehoben werden, daß eine Beziehung zum Geschlechtsakt darin sichtbar ist." Niditllnien der sowsekrusflschen IheakerpoNNk. Die Mostauer Zeitschrist„Die kommunistische Revolution"(Nr. S) nimmt Stellung zu dem setzt in der Sowjetunion vielbesprochenen Thema einer Im revolutionären Sinn strafferen Theaterpolitik und entwirft bestimmte Richtlinien, die im wesentlichen wohl bald die Sanktion der oerant- wortlichen Behörden finden werden. Die Aufmerksamkeit der KP. — so wird gefordert— dürfsk.sich keineswegs nur auf die Probleme des Berufstheaters beschränken, dessen Revolutionierung nun- mehr durchgreifend betrieben werden müsse. Auch di« Avbeiterklub- Bühnen, die Dorftheater und die Soldatentheater der Roten Armee seien als letztes und volkstümlichstes Glied des gewaltigen Thcaterkomplexes insofern besonders wichtig, als sie die' unmittel- bar« Beeinflussung der breiten werktätigen Massen in der Hand haben. Die jetzt al» notwendig erkannte Gesamtkontrol!« de» Bühnenrepertoires müsse sich folgerichtig und metho- disch auf diese Liebhaberbühnen erstrecken. Die Theaterrezensenten der großen Sowjetblätter hätten zwar ein redliches Stück Arbeit geleistet: das reine Aesthetentum stehe unwiderruflich aus dem Aus- sterbcetat. Dennoch kämen auch heute noch öfters Fäll« vor, wo die theaterkritisch« Einstellung gegenüber grundsätzlichen Kernfragen sich in ein und demselben Blatt von Nummer zu Nummer ändere. Die kommunistischen Theaterkritik« müßten ihre Erfahrungen und Beobachtungen jeweils austauschen und ein Kriterium für ein programmatisch-einheilliches Vorgehen festlegen. Die Forderung nach politischer Desinteressiertheit des Registeurs wie des Darstellers, nach ihrer Losgelöstheit von jeder sozialen Schichtung sei al« ein veraltetes Borurteil abzulehnen. Auch fei es höchst« Zeit, für die zeitgemäße Schulung und Auffüllung eines zuverlässigen Noch- wüchse» zu sorgen, an den die alleinige Führung in nächster Zeit übergehen müsse. Eine Nalionalkastc für geistige Arbeit in Frankreich. Eine von Herriot, dem sranzösischen Unternchtsminister, einaesetzie Kommission hat sich unter seinem Borsttz mit dein Studium zahlreicher Dorschläge für die Aerbesterung der' Einkommensteuer beschäftigt, soweit sie geistig« Arbeiter auf dem Gebiet der Literatur, Kunst und Wissen- schaft trifft. Das Ergebnis der Kommijsionsarbeit ist ein Aorfchlag zur Schaffung einer Nationalkaste für die geistige Arbeit auf den genannten Gebieten. Die Kaste soll au» einem Teil der betreffen- den Steuereingänge alimentiert werden und toll ihrerseits unter der Verwaltung der zuständigen Spitzenverbänoe für die Behebung materieller Not unter den geistigen Arbeitern und für die Ermög- lichung kostspieliger Produktionen sorgen. Neuerung im Londoner Aulobusverkehr. Es ist eine alle Klage der Mädchen, die in London in Bureau» und Geschäften arbeiten. daß sie nach Gcschäftsschluh nur unter schwerem Kampk einen Platz im Vorortautobus erobern können. Da alle Versuche der Autobus- gesellschasten und der Verkehrspolizei, das männlicbe Publikum zu größerer Rücksicht zu erziehen, erfolglos geblieben sind, beabsichtigt man jetzt, besondere Autobuslinien einzurichten, bei denen di« Wagen an Hauptpunkten des Gefchästslebens in der City ausgestellt werden und für arbeitende Frauen und Mädchen reserviert bleiben. Diese Wagen sollen dann, ohne unterwegs zu hatten, in die äußeren Wohn- viertel und Lororte hinausführen. Zu der Volksbühne findet Sonnabend die Neueiniludierunz Shakespearct „Hommernachtstraum" mit der Mufik von Felir Mendelilohn- «artdoldtz ftrrtl— Die Regie führt Fritz Holl.— Vtufikalhch« Leitung: Wolsgang geller. Major Suchrucker gegen Reichswehrmmifterlum. Meineidsanzeige gegen Oberst v. Bock,— Bericht vor dem Femeausschuh des Landtags. Dcr F e m e a u s s ch u ß des Landtags nahm am Mittwoch den Bericht des Abg. kullner(Soz.) über die Aussage des Majors B u ch r n ck e r, die dieser in nichtöffentlicher Sitzung gemachl hat, entgegen. Buchrucker hat in seiner Aussag« angegeben, er habe niemals mit Jahnke oder einem anderen über Feme ge- sprachen. Er wige auch nichts von Fememorden, wenn ihm auch bekannt sei, dah innerhalb der Arbeitstommandos Totschläge vorgekommen seien. Der Oberleutnant Schul; habe ihn vor seiner Selbststellunq auf der Festung Gollnow besucht. Er Hab« Schulz geraten, sich selbst zu stellen, weil er überzeugt ge> wesen sei, daß Schulz mit den sogenannten Fememorden nichts zu tun hatte. Schulz habe ihn öfter i» Gollnow besucht, aber über irgendeinen Fluchlplan habe er nicht mit ihm gesprochen. Er habe auch nicht gewustt, dast Schulz wegen Anstiftung zum Morde gesucht werde. Eine Führerbcsprcchung der Schwarzen Reichswehr habe es niemals gegeben, also auch kein«, an der Jahnk« teilge- nommen hat. E i n Z b V.'- Kommando Hab« in der Schwarzen Reichswehr nicht existiert. Buchnicker bekundet weiter, der Zeuge Schmidt-chalbschuh habe da» Gespräch mit ihm auf dcr Festung Gollnow ganz falsch geschildert. Er, Buchrucker. habe Schmidt-chalbschuh keineswegs Dinge erzählt, die streng vertraulich bleiben mußten. Er Hab« auch nie behauptet, dah v. Gräfe oder Jahnke sein Vertrauen getäuscht hätten. Schließlich gab der Zeuge Buchrucker eine Erklärung ab, in der er ausführt, durch das Schweigegebot des Kottbusser Schwurgerichts sei es ihm unmöglich gemacht, über die Vorgänge vom Jahre 1S23 weiteres zu sagen.' Er habe sich au» diesem Grunde auch nicht wehren können gegen die ehrenrührigen Vorwürfe, die au» dem Reichswehr Ministerium gegen ihn gericVet worden feien. Er habe aber schon verschiedene Beleidigungsklagen anzeftrengk und gegen den Oberst v. Bock Anzeige crsloltel wegen Meineids und wissentlich falscher dienstlicher Meldung. Buchrucker empfahl dem Ausschuß, die kommenden Prozesse zu per. folgen und dafür zu sorgen, daß sie öffentlich verhandelt werden. Er sei nicht gewillt, sich die Ehre abschneiden zu lassen. Dann wird die in der gleichen nichtöffentlichen Sitzung vom Zeugen Schmidt- Halbschuh bei der Gegenüberstellung mit Buchrucker gemachte Aussage verlesen.«chmidt-Halbschuh erklärt, der von ihm selbst geschriebene Brief sei gegen seinen Willen ver- wandt worden, gebe aber sinngemäß die Aeuherungen Buchnickers bei der Unterredung in Gollnow wieder. Die Abgabe einer falschen eidesstattliche» Versicherung habe er Buchrucker nicht vorwerfen wollen. Bestimmend für den Zeitpunkt des Buchrucker- Putsche» sei die Mitteilung I a h.« t e s gewesen, daß der Abbruch des passiven Widerstandes bevorstehe. Zum vchluh erklärt Schmidt-Halbschuh, sein Kampf verfolge das Ziel, das Reichswehr. Ministerium zur Uebernahme �er Verantwortung zu ziehen für die Dinge, die es zu oerantworten habe. Die nächste öffentliche Sitzung des Ausschusses am IS. Juni wird den Bericht über die Akten gegen Major Ahlemann entgegen- nehmen. Zentrum unö deutschnationale. Neue Verschiebungen iur Rcichsinnenmiuisterium? Von verschiedenen Seiten wurde am Mittwoch gemeldet, daß der Reichsinnemnimster beabsichtige, den Freiburger katholischen Xheologieprofessor Dr. Engelbert Krebs vorübergehend als Referenten in das Reichsinneummistenum zu berufen. Krebs soll angeblich das Reichsschulgesetz in seiner endgültigen Fassung vor- bereiten. Die Zentrumssraktion des Reichstages weist darauf hin. daß ihr von derartigen Plänen des Reichsinncnminifters nichts bekannt ist. Keudcll selbst scheint mit einer Berufung des Theologieprofesfors Dr. Krebs bestimmten Plänen des Zentrums zuvorkommen zu wollen. Auch das zeugt von der— nach Hergt bestehenden—„großartigen Harmonie' in der Bürgerblockregierung. Es fragt sich nur, wer bei dieser Har- monic auf die Dauer über das Ohr gehauen wird. Kußmann vom slmt suspendiert. Verfahren auch wegen dcr Aktenaffärc. Eine Gcrichtskorrespondenz meldet: Aerichlsassessor Dr. Kußmann, gegen den bekanntlich zu» sammen mit Assessor Dr. Easpary und Landgcrichtsrat Dr. Peltzer ein Disziplinarverfahren schwebt, ist jetzt vom Amte suspen- d i e r t worden. Während eines schwebenden Disziplinarverfahrens kann auch ohne mündliche Verhandlung das Gericht die Suspendierung vom Amte beschließen, wenn diese mit Rücksicht auf die Schwere des Amtsvergehens angemessen erscheint. Diese Suspension vom Amte hat zur Folge, daß dcr suspendierte Richter die Hülste seines Dienst- einkommens während der Dauer des Disziplinarverfahrens behält. Der Disziplinarprozeß vor dem Disziplinarsenat am Kammergericht für richterliche Beamte sollte schon in dieser Woche, am 11. beginnend, zur Verhandlung gelangen. Er wurde aber in letzter Stunde gegen alle drei Angeschuldigten vertagt, weil ein Antrag gestellt worden war, das Disziplinarverfahren gegen Dr. Kuß- mann auch auf seine Rolle in dcr Plauener Aktenasfäre de» Stresemann-Prozesses auszudehnen. Stahlhelm schießt. Eine Stahlhelmbluttat bei Stettin. Stettin. 11. Mai.(WTB.) Der Förster Duhnie wurde auf der Heimfahrt von Neuwedell nach seinem Wohnsitz Fürstenau zu Rad« auf der Landstraße von vier Männern wegen seiner Stahlhelmkleidung belästigt. Der Förster holt« sich aus Neuwedell ein Jagdgewehr. Als er wieder auf die Gegner stieß, und neuer Streit entstand, schoß er und verletzte den Schacht. meister Ladewig aus Callies so schwer, daß er gleich nach seiner Ein- lieferung ins Krankenhaus Arnswalde verstarb. Seratung üer Reichsüienftstraforünung. Zentrum und Kommunisten als Gegner von Rcpublikschuhbcstimmnngcn. Der K. Reichstagsausschub hat die dritte Beratung der Reichsdienststrnsordnuiig seit einigen Tagen wieder aus- genommen. Der Rcchtsblock zeigt auch hierbei meist von Abgeord- neten der Wirtschaftlichen Vereinigung unterstützt, sein reaktionäres Gesicht. Nicht nur, daß diese Mehrheit es nach wie vor ablehnt. Verletzungen dcr Reichsverfassung durch Beamte im Dienst als Dienstvergehen anzusehen, hat sie auch die von der Sozialdemokratie in der ersten Lesung erkämpfte Bestimmung beseitigt, nach der Beamte wegen Handlungen und Unterlassungen in Ausübung der allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte dienstlich nicht bestrast werden dürfen. Ferner hat dieselbe Mehrheit in trauter Gemeinschaft mit den Kommunisten den Antrag des Gc, nassen Steinkopf abgelehnt, jene durch die Gesetze zum Schutz der Republik geschaffene Bestimmung in die Reichsdicnststras- ordnung zu übernehmen, die solche Beamten mit D i e n st e n t- l a s s u n g bestraft, welche sich im Rückfall gegen die Pflicht der Beamten zum Schutz der Republik vergehen. Nach dem Willen dieser Parteien und der Rschtsregierung soll diese Bestimmung mit dem Inkrafttreten der Reichsdienststrafordnung überhaupt fallen. Bon den Kommunisten ist man ja nichts andere» gewöhnt, als daß sie den Feinden der Republik überall tatkräftigen Beistand leisten. Wie sich diese Hallung der Zentrumsabgeordncten im 14. Reichs- tagsausschuß aber mit der Stellungnahme der Zen- rrumssroktion zur Verlängerung der Republikschutzgesetze ver- trägt, bleibt unerklärlich. Daß der von der Sozialdemokratie geforderte Schutz des P r i v a t I c b e n s der Beamten vor unberechtigten Kontrollen durch Dienstvorgesetzte abgelehnt wurde, versteht sich von selbst. Ja, man könnt» sich nicht einmal entschließen, einer sozialdemokratischen Eni- schließung zuzustiinmen. die mit dem Unfug des Einforderns der Ehescheidungsakten von Reichsbeamte» durch die Dienstbehörden ein Ende machen wollte. Dieses Nachschnüssekn gc- schicht ausschließlich zu dem Zweck, um»inen Anhalt zur Tinlcituiig eines Disziplinarversahrens gegen den chegeschiedcnen Beamten zu finden. Nach dein sozialdemokratischen Vorschlag soll«Ine BescheinI- guna des erkennende» Gerichts der Dienstbehörde gegenüber als Nochweis für die tatsächlich erfolgte Ehescheidung genügen. Auch die Forderung dcr Sozialdemokratie auf Aufrcchtahalhrng der einmal erworbenen Pensionsansprüche des stroseutlassenen Beamten für den Fall seiner Invalidität wurde abgelehnt. Man will es der Gnade der Behörden überlassen, ob sie dem Entlassenen eine Unterstützung zuzuwenden gedenkt, wenn er erwerbsunfälstg wird. Auf dies» Unterstützung sollte dann sogar nach einem vom Zentrum unterschriebenen Antrag eine etwa inzwischen erworbene Invaliden- oder Altersrente angerechnet werden. Diese Ungeheuer- lichkcit wurde jedoch durch einen Vorstoß der Sozialdemokratie aus- geräumt. Es gelang ihr, auch diesem Erfolg einen zweiten dadurch hinzu. zufügen, dah es ihr glückte, die von der gesamten Beamtenschaft und den namhaftesten Juristen bekämpfte sklavisch« Bindung der Dienststrafgcrichte an st rasgerichtliche Urteil« zu Fall zu bringen. Zwar tonnte eine völlige Freiheit der Dienststras- gerichte nicht erreicht werden, jedoch wurde auf Antrag des Ge- nofsen Steinkopf mit 14 Stimmen der Opposition gegen 13 Stim- men der Regierungsparteien beschlossen, kein« Bindung der Dienst- strasgerichte eintreten zu lassen, wenn diese» einstimmig Zweifel an der Richtigkeit der tatsächlichen Feststellungen des strafgerichtlichen Urteils Hai. Genosse Johannes Skclllng begebt heute seinen 50. Geburtstag. Er ist am 12. Mai 1877 in Hamvurg geboren. Als 24iähriger Handlungsgehilse trat er Im Jahre 1001 in die Redaktion des „Lübecker Voltsboten' ein, der er 18 Jahre lang angehörte. Durch das Gefängnis, das ihn wiederholt zu feinen Gästen zählte, ging fein Weg in die Lübecker Bürgerschaft und in die Nationalversamm- lung. Die Mecklenburger Genossen holten ihn 1919 als Innen- minister in ihre Regierung, wo er sich so bewährte, daß er 1921 als Ministerpräsident dahin zurückkehrte und bis 1924 dort verblieb. Mittlerwell» war er in den Parteivorstand gewählt worden, der sich freute, ihn nach seiner Demission wieder In seine Reihen aufnehmen zu können. Im Reichstag vertritt er jetzt den Wahlkreis Oppeln. Ein unermüdlicher Arbeiter, dessen ruhige Klugheit sich in schwierigsten Situationen bewährte, ein begeisterter Porteigenosie und ein liebenswürdiger Mensch, hat sich Genosse Stelling!n den weitesten Kreisen der Partei hohes Ansehen und allgemein« Be- kiebtheit erworben. DI« Partei beglückwünscht heute ihn— und sich jelbst, daß sie solche Männer besitzt. deutschnationale Ehrabschneider. Verleumdungen gegen den Ministerpräsidenten Braun Vor der Berufungskammer des Landgerichts II hatten sich gestern, Mittwoch, wieder einmal der Herausgeber der deutfchnatio- nalen Zeitungskorrespondenz„Deutsche Beiträge' Eugen Siebert und der Schriftleiter der„TilsUer Zeitung" Fritz W i r t h zu verant- warten. Beide waren in der ersten Instanz vom Schöffengericht Berlln-Lichterfelde wegen Beleidigung de» Ministerpräsidenten Braun zu Geldstrafen verurteilt worden, der erster« zu 200 M-, der letztere statt eine» verwirkten Gesängnisstrafe zu 3000 M. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Angeklagten hatten gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Die gestrig« Berufungsverhandlung unter dem Vorsitz des Lcmdgerlck�sdirettors Hartman» endet« gleich der ersten rpit einer Verurteilung der„nationalen' Ehrabschneider. Die Interessen des MintsterprSsidcnten Genosse» Broun wurden durch den Rechtsanwalt Dr. Landsberg vertreten. Der Anklage liegt folgender Sachverhalt zugrunde: In der Landtagssitzung vom 10. Dezember 192? hatte Genosse Braun u. a. ausgeführt:„Wir müssen aber versuchen, mehr Werte zu schas» f e» und den furchtbaren Verlust im Kriege einzubringen, mehr arbeiten, und �war alle." Aus einen Zuruf:„Sie ver, leidigen doch aber den Adststundentag!" fuhr Genosse Braun sott: „Ich kann mir nicht helfen, ich höre die Forderung„mehr arbeiten" meist in d e n Kreisen am lautesten, wo man am allerwenigsten arbeitet.' Der dcutschnationa!« Zlbgeordnet« Gauger glaubte darauf in dcr nächsten Landtagssitzung in Verdrehung der Wort« des Genossen Braun behaupten zu können, er habe den Bauern „Faulenzerei' vorgeworfen. Die deutschnationale Korrespondenz, herausgegeben von Sie- bert. schickte aber in den..Deutschen Beiträgen' diese verleumderische Verdrehuna in die Welt hinaus. Sie wurde auch in der Rr. 29? der Tilsiter Zeitung' vom 13. Dezember 1923 in einem Artikel mit der Uebcrjchrift„K o a lit i o n s g e ist' übernommen. Der pr«u. hische Ministerpräsident Braun wurde da al»„Neureicher' be- zeichnet, der der Baucrnsclzaft.Faulenzerei' vorgeworfen habe. In der gleichen Nummer der„Tilnter Zeitung', die die Ueberschrist „Braun, die Villa und die Bauern' trug und die gletchsall- den„Deut. schen Beiträgen' entnommen war. hieß es u. a., daß der Minister- Präsident Braun sich von einer Jnslationrfirma eine Villa bauen lasse, deren Kosten 100 000 M. übersteigen. Herr Braun, hieß es weiter, gehöre also zu den Leuten, dl« die soziale Frag« s u r sich gelöst haben. Es sei festgestellt, daß er jetzt Allüren und Wohnart der bestsituierten Berliner Bankleut« nachahme. Eine vom Ministerpräsideiiien Braun auf Grund des§ 11 des Pressegefetzes eingesandte Berichtigung wurde, mit hömischen Glossen verziert, abgedruckt: auch hier war von einer„luxuriösen Villa die Rede. Als dann der Staatsanwalt den Strosantrag in Tilsit gegen Wirth zurückzog, da dos Verfahren gegen ihn und Siebert gemein- sam in Berlin durchgeführt werden sollte, brachte die„Tilsiter Zel- tung" einen neuen Artikel, in dem all die alten Verleumdungen auf- gefrischt wurden. In der gestrigen Gerichtsverhandlung erklärt« der Angeklagte W i r t b, daß or seine Berufung nur aus das Strafmaß beschränk« und die chrcnkräntenden Beleidigungen gegen den Ministerpräsidenten Braun zurücknehme. Der Angeklagte S i e b e r t hüllt« sich in Schweigen. Der bautechnische Sochirerstäntige stellte fest, daß von einer luxuriösen Villa überhaupt keineRedeseinkann. C, handle sich bei dem Bau in Zehlendorf. West um ein bescheidene» Landhaus. Der Staatsanwalt beantragte in seinem Plädoyer«in« Gefängnisstrafe von 5 Monaten für Siebert und von acht Monaten für den bereits dreimal einschlägig vorbestraften Wirth: diese Straf« sei im Interesse des inneren Frieden« und zur Woh- rung der Autorität der Regierung erforderlich. Rechtsanwalt Ge- nosse Dr. Landsberg erklärte, daß in diesem Fall nicht nur der Wahr- heitsbcweis mthlungen, sondern der Umvahrhettsbeweis direkt ge- sührt sei. Nach vierstündiger Beratung verkündete da« Gericht folgende» Urteil: Die Geldstrafe für den Angeklagten S i e b e r t wird von 200 auf 300 M. erhöht: in bczug aus den Angeklagten Wirth bleibt es bei der Strafe der ersten Instanz von 3000 M. In der Urteilsbegründung sührt» der Vorsitzend« u. a. au», daß von einer Anwendung des§ 193. der die Wahrnehmung berechtigter In- teresien vorsieht, in diesem Falle keine Rede sein kann: der Ange- klagt« Siebert habe bei der Abfasiung des Artikel,„Der Koalition». geist' fahrlässig gehandelt: bei der Verschickung de, zwei- ten Attikels„Braun, die Villa und dl« Bauern' dagegen vor- s ä tz l> ch._ Gstoberschleßsche Selbstverwaltung. Der Wojewode kann sie beseitige». «attowiß. 11. Mai.(WTB.s Der Sejm hat dos Gesetz betref- send Auflösung der Gemelndevertretungen in dritter Lesung ange- nommen. Durch dieses Gesetz wird der Wojewodo ermächtigt, ohne Angabe von Gründen die Stadt porlamente bzw. Gemeinde vertrcivngen auszulösen und kommissarische Derwaltun, gen einzusetzen. Die Deutschen sind besorgt um da» Schicksal der. jenigen Stadtparlamente und Gemeindevertretungen in Ostober- schkesten. die«ine deutsch« Mehrheit haben., Nach erreichter Wählereinschüchterung haben die polnisch-ober- schlesischen Behörden die verhafteten deutschen Semcindmtskaiidi- baten wieder freigelassen._ �rbeiterschast und Nationalisterung. Forderungen internationaler Arbcitervertretrr ans der WeltwirtschaftStagung. Genf. 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Während die Han- d e l s k o in m i s s t o n der Wirtschaftskonferenz am Mttwoch nach- mittag in ihrem Redaktionskomitee hinter verschlossenen Türen arbeitete, setzte die I n d U st r i e k o m m i s s i o n ihre Beratungen über die Rationalisierung fort. Ein Japaner, ein Pol« und ein Vertreter Indiens sprachen sich ziemlich entschieden dafür au», während der Engländer B a l f o u r sich skeptisch äußerte. Frau Reichstagsabgeordnete Lüders verlangte, daß in Zukunft aus internationalen Wirtschastskonscrenzen neben den drei Gruppen Industrie, Handel und Landwirtschaft auch die Gruppe der Haus- Wirtschaft vertreten sei. Dann begründete sie eine Entschlietzung. daß in allen Ländern Ausschüsse von Frauen und In- dustriellen«ingesetzt werden sollen zur Vorbereitung und Durchführung dcr Standardisierung und Typisierung dcr Hauswirt- schaftlichen Gegenstände. Hierauf folgte eine längere Rede des Amerikaners R o b i n- s o n, der die verschiedenen, ün Lause der Aussprach« a» Amerika gerichteten Fragen beantwortete. Mit eingehenden statistischen Zahlen, deren Zuverlässigkeit jedoä) nicht unbestritten«rscheiiit, ver- suchte er den Nachweis zu führen, daß Zlnierika in den letzten Jcchren auch aus den europäischen Ländern mehr gekaust habe als vor dem Kriege: allerdings sei die Vermehrung der Einkäufe Amerikas aus anderen Weltteilen noch bedeutend größer. Die amerikanische Einfuhr aus Ostasien stamme jedoch zum großen Teil von europäischen Produktions- und Handelsgesellschaften. Recht trocken meint« Robinson:„England hat die längst« Zeit«in« aktive Handelsbilanz und Einnahmen aus seinen ausländischen Kapitalanlagen gehabt— warum sollten bei gleicher Intelligenz und Arbeitshingab« die Amerikaner das jetzt nicht auch haben dürfen?' Noch Robinson sprachen der Schweizer Dr. Weber und der Tscheche T a y e r I e als Arbeitncftmorvertreter und der russisch« Delegat! onsches. Die ersten beiden unterstrichen noch einmal d>« Ansprüche der Arbeiterschaft aus der Rationalisierung: höhere Löhne, angepaßte Arbeitszeit, auskömmlich« Ar, beitslasenunterstützung, Verbilligung d fr Produktionspreise sowie eine Kontrolle der Durchführung der Rationalisierung durch die Gewerkschaften. Der Sowjetdelegierte bezeichnete diese Forderungen kurzerhaiid als selbstverständlich: ein prinzipieller Widerspruch bestehe darin, daß Rationalisierung in der kapitalistischen und in der sozialistischen Wirtschaft zwei ganz ver- schieden« Dinge seien. Noch einmal hob Ossinskj hervor, daß in keiner rusjischen Industrie mehr als acht Stunden gearbeitet werde. Damit war die Aussprache über die Rationalisierung beendet. Dos Redaktionekomiteo der Kommission wird am Donnerstag ein« Eni- schließung abfassen, während sich die Kommission selbst der Beratung der internationalen KarleUobkainmen zu wenden wird- Der Rcdaktionsaueschuß der Handelskommission, dein auch Gen. E g gc r t angehört, hat seine Entschließung über Dumping fertiggestellt. Sie lautet im wesentlichen: linter Dumping ist z» verstehen der Verkauf von Waren zu niedrigeren Preisen, alz sie im Herstellungslande selber berechnet werden. Zur Beseitigung des Dumping wird die Schaffung stabiler Verhältnisse in Handel und Produktion und ei»« wesentliche Herab- sehung der Zolltarife empfohlen. In besonderen Fällen werden auch bestimmte Antidumptngmaßnahmen als gerechtfertigt erklärt. Die Kathedrale von Reims. Feierliche Wiedereröffnung. pari». 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Kathedrale von Reims ist am Mittwoch unter großer Feierlichkeit dem Kultus wieder übergeben worden. Unterrichtsminister H e r r i o t hielt ein« Rede, wobei er in einem historischen Rückblick in scharfen Worten die kriegerischen Ereignisse geißelte, die zur Zerstörung der Käthe- drale geführt haben, und den Nationen dankte, di«, wie Dänemark. Norwegen und Amerika, durch freiwillig« Spenden den Wiederaus- bau möglich gemacht haben. Er schloß seine?lusführungen mit der Betonung des Friedenswillens Frankreichs, das bereit sei, all« Be- mühungen um den Weltfrieden zu unterstlitzen, die«benso ehrlich gemeint seien wie die französtschen. Die Ueberschwemmung am MWßippi. Vor einer neuen Katastrophe? Baionrouge(Conlssano). 1 1. Mai.(MTB.) Der groß« Deich am Bayou des Gloises. wo der Fluh ein« groß« Liegung macht, droht jeden Augenblick zu brechen, wodurch welker« 1000 Hektar srvchlbaren Lande», da» hauptsächlich der Baumwoll- und Zuckerrohrkultur dient, überschwemmt werden würden. Weitere 100 000 Personen würden damit obdachlo» werde«. Hewertsthaftskampf gegen die Krise. Eine Ursache der Konjunkturbesserung. Der Konjuntturaufschwung der letzten Wochen und Monate ist unverkennbar und geht weit über den Charakter der Saisonbesserung der Arbeitsmarktlage hinaus. Wenn auch die Zahl der Arbeitslosen noch eine anormal hohe ist, so sind wir doch schon ein gutes Stück über jenen katastrophalen Ties st and der Wirtschaft von 2� Millionen Arbeitslosen hinausgekommen. Die Ursachen dieser Konjunkturbesserung sind vielfacher Art. Es erscheint uns aber wichtig, auf eine dieser Ursachen hinzuweisen, die bisher in den Betrachtungen über die Konjunkturbesserung nicht berücksichtigt worden ist. Es ist dies der erfolgreiche Kampf der Gewerkschaften während der letzten neun Monate, um die Löhne in die Höhe zu treiben und den Achtstundentag wiederherzustellen. Die bestimmende Ursache der deutschen Wirtschaftskrise liegt in dem fehlenden Gleichgewicht zwischen Produk» tioität und Kaufkraft. Im Vorjahre haben die deutschen Unternehmer, zum guten Teil angesDrnt von der Kritik der Gc- werkjchaften, die Rationalisierung der Betriebe vorgenommen, d. h. die Anpassung der Produktionsmethoden an die modernsten ameri- konischen Methoden. Die deutschen Unternehmer haben das ameri- kanifche Beispiel aber nur nach der Produktionsseite nach- geahmt. Sie haben die andere Seite» die preis- und Lohnseite, vollständig unberücksichtigt gelassen. Der ungeheure Reichtum Nordamerikas liegt nicht in erster Linie in dem Reichtum an Rohstoffquellen. Es gibt auch andere Länder, die über noch unerschlosiene außerordentlich reiche Rohstoffquellen verfügen. Der außerordentliche Aufschwung Nordamerikas, der erst l�it 1920 einsetzte, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die amenkanischen Unternehmer sich bemühten, sowohl m ö g l i ch st billig zu produzieren, wie auch die Löhne ihrer Arbeiter und Angestellten möglich st hoch zu halten. Die amerikanischen Unter- nehmer haben»ihr Absatzgebiet vor allem im I n l a n d e gesucht und infolge ihrer Methoden auch gefunden. Bei der politisch verbohrten reaktionären und wirtschafllich krämerhasten Einstellung der deutschen Unternehmer konnte und kann man soviel gesunde Vernunft nicht erwarten. Die deutschen Unternehmer müsien zur Vernunft erst gezwungen werden. Das Jahr 1926 war nicht nur das Jahr der R a t i o n o l i- s i e r u n g, sondern auch das Jahr einer katastrophalen Arbeitslosigkeit, verbunden mit dem Abbau d?r Löhne und GeHölter und der Berlängcrung der Arbeits- zeit. Diese Ursachen haben zusammengewirkt, um die Arbeits- losigkeit in Deutschland im Herbst des Vorjahres zu einer furchtbaren und, wie es schien, hoffnungslosen Katastrophe an- wachsen zu lassen. Bei der Betrachtung des Konjunkhiraufschwungs der letzten Monate spricht man viel von der Ankurbelung der deutschen Wirtschast durch den englischen Streik. Man übersieht dabei, daß die vorübergehende Konjunkturbesserung im Kohlenbergbau im Herbst des Vorjahres wieder zu Ende war, ohne jene Ankurbelung gebracht zu haben, von der man peute spricht Als die Gewerkschaften im Spätsommer 1926 ihre großzügige Kampagne gegen llebcrstunden und für Lohnaufbesserung begannen, waren die Kampfbedingungen für die Arbeiterschaft poli- tisch wie wirtschaftlich die denkbar u n g ü n st i g st e n. Die nie- drigen, im Laufe des Jahres noch mehr reduzierten Löhne, die Furcht. die Arbeitsstelle zu verlleren, zwangen viele Arbeiter und Ange- stellten zur Leistung von Ueberswnden, um ihr Lohneinkommen zu erhöhen. Wenn e» im allgemeinen richtig ist daß man Arbeitskämpfe nur führen soll, wenn die Wirtschaftskonjunktur der Arbeiterschaft g ü n st i g ist, so war damals die Lage der Arbeiterschaft eine so verzweifelt«, daß es hoffnungslos erschien, die notwendigen Kämpfe zu vertagen, bis eine Konjunkturbesserung eingetreten sein würde. Diese Konjunkturbesserung schien damals in unabsehbarer Ferne zu liegen. Je länger mit diesen unabweisbar notwendigen Kämpfen gewartet wurde, desto mehr mußte sich die Lage der Arbeiterschaft verschlimmern. Deshalb gingen die Gewerkschaften in einem Augen- blick zum Angriff über, als die Erfolgsaussichten gleich Null schienen. Das Ergebnis dieser Kämpfe, die jetzt zu einem gewissen Ab- schluß gekommen sind, zeigt mit unwiderleglicher Deutlichkeit auf, daß dieser scheinbar hoffnungslose Uebergang zur Offensive tu Wirklichkeit die Rettung war. Politisch sind die Erfolge, die errungen wurden, gewiß nicht sehr bedeutend. Das Arbeitszeitnotgesetz hat seine Bedeutung ausschließlich in der agitatorischen Wirkung. Immerhin unterscheidet es grundsätzlich zwischen dem Achtstundentag und der Arbeitszeit, die darüber hinaus geleistet wird, indem es für diese Arbeitszeit einen Zuschlag vorschreibt. Wichtiger und be- deutender sind die Erfolge in der Erwerbslosenfürsorge. sowohl was die Erhöhung der Unterstützungssätze wie die Schaffung der Krisenfürsorge betrifft. Auf wirtschaftlichem Gebiete lasten sich, soweit Löhue und Arbeitszeit in Frage kommen, die Ergebniste noch nicht zahlenmäßig aufzeigen. Erst in einem Jahre, wenn die Berichte der Gewerkschaften über die Arbeitskämpfe im Jahre 1927 vorliegen werden, wird sich das Er- gebnis dieser Kämpfe zahlenmäßig feststellen lasten. Man dürfte das Ergebnis dieser Kämpfe kaum zu optimistisch einschätzen, wenn man annimmt, daß das Lohneinkommen der Arbeiter und Ange- stellten im Durchschnitt um etwa 19 Proz. gesteigert wurde. Gleichzeitig sind unverkennbar Erfolge auf dem Gebiete der Arbeitszeit errungen worden. Auch hier wird man die nächste statistische Er- Hebung des ADGB. abwarten müsten, einen Ueberblick über die Erfolge zu haben. Jedenfalls kann festgestellt werden, daß in den Tarifverträgen, die im letzten Halbjahr abgeschlossen wurden, der Achtstundentag viel schärfer herausgearbeitet worden ist und— was das wichtigste ist— daß die Arbeiterschaft überall der Leistung von Ueberswnden einen e�rgischcn Widerstand ent- gegensetzt. f Diese Erfolge waren nur möglich, weil es den Gewerkschaften über die furchtbaren Krisenjahre der Nachkriegszeit hinaus gelungen ist, sich stark zu erhallen. Die freien Gewerkschaften haben nicht nur ihren höchsten Vorkriegsstand gehalten, sondern nahezu ver- doppelt Gestützt auf die große Sozialdemokratische Partei, un- beirrt von der unwahrhaften Demagogie der Kommunisten, haben die Gewerkschaften mit Zähigkeit und Erfolg die Jnter- esten der Arbetterschaft wahrgenommen. Diesem Kampfe ist es wesentlich zu danken, wenn heute die katastrophale Depression von 1926 einem neuen Aufstieg Platz gemacht hat Reichskonferettz der Krastwerkarbeiter. Dortmund, 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Unfall- ziffer der Gas-, Wasser- und Elektrizitätsarbeiter ist in den letzten Jahren erschreckend in die Höhe gegangen, wie aus deren soeben be- endeten zweiten Reichskonserenz in Dortmund fest- gestellt wurde. Im Jahre 1923 verunglückten in den Betrieben der GEW.-Werke 47S9 Personen, die Zahl stieg im Jahre 1925 auf 6568. Im Jahre 1925 wurden 978 Betriebe revidiert: davon waren nur 360 in Ordnung. Ganze 72 Reichspsennige wurden im Jahre 1925 pro Betrieb für Betriebsüberwachung ausgegeben. In bezug auf die Verbesserung der Unsallbekämpsung forderte die Reichskonferenz nach einem Vortrag von Becker-.Berlin kräftigere Mitwirk u�rg der Bietriebsräte, die dahin ergänzt werden müsse, daß bei Verletzung der Vorschriften die Betriebsräte selbst eingreifen und bestehende Mängel abstellen können. Im Anschluß daran fordert die Konserenz Ausdehnung des E n t l a s s u n g s- ch u tz e s für Arbeitnehmer oertretungsloser oder Obmann- Betriebe, erner die Bestimmung, daß unter Stillegung im Sinne des 8 96 Ziffer 2 des BRG. nur eine gänzliche oder dauernde S t i l l e g u ng zu verstehen ist. Die Konferenz protestierte farner gegen den Entwurf zum Arbeitsschutzgesetz, vor allem da- gegen, daß unter Ausschaltung des Tarifrechts die Arbeitszeit- bestimmungen für die Beamten durch Verordnung der Behörden auf die Arbeiter der öffentlichen Betriebe übertragen werden können und die Gewerbeaufsicht durch die Aussicht der vor- gesetzten Behörde ersetzt werden soll. Von den Beamten und Angestellten forderte die Kon- ferenz im Anschluß an ein Referat von O r l o p- Berlin über„Die gewerkschaftliche Organisation der Arbellnehmer in den GEW.- Werken" den Beitritt zum Gemeinde- und Staatsarbeiterverband, da nur durch eine organisatorische Zusammenfassung der Angestellten und Arbeiter eine wirksame Interessenvertretung geschaffen werden könne. Für den Fall eines Streiks erklärt sich die Konferenz nach scharfem Protest gegen die Erhaltung der Technischen Nothilfe durch Gelder der Reichsregierung bereit, die N o t st a n d s- arbeiten durch freie Vereinbarung auf Grund der Ver- bandstage und Gewerkschaftskongresse zu regeln. Am Schluß der Konserenz wurde noch die Gründung einer eigenen Sektion der GTW.-Arbeiter im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter beschlossen. der Kampf im Norddeutschen Wollkonzern. Freitag Verhandlungen im Reichsarbeitsministerinm. Dom Reichsarbeitsminister sind zur Beilegung des Lohn- konflikts in der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarn- spinnerei auf d«n nächsten Frellag Verhandlungen an- beraumt worden. Das Ministerium hat bereits einen besonderen Schlichter bestellt. Im Lohnkonflitt ist die Situation für die Arbeiterschaft(es werden etwa 12 090 Arbeiter betroffen) günstig, während der Woll- konzern zugeben muß, daß seine Lage sich von Tag zu Tag ver- schlechtert Eine ganze Reihe von Aufträgen mußte bereits zurück- gezogen werden und auch andere Textilbetriebe sind in Schwierig. leiten geraten, weil die Garnlieferungen stocken. Drohender Streit der Gemeindearbeiter. In der Provinz Brandenburg. In den Gemcindebetrieben der Provinz Brandenburg droht ein Streik der Gemeinde- und Staatsarbeiter auszu- brechen. Die größeren und mittleren Städte in der Provinz Brandenburg gehören dem Bezirksarbeitgeber oerband märkischer Gemeinden an, der mit dem Wirtschaftsbezirk Brandenburg des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter im Tarifverhältms steht. Der zwischen den beiden Organisationen ab-, gcschlosiene Lohntarif wurde von den Gemeindearbeitern zum' 1. April 1927 gekündigt. In den Verhandlungen bot der Arbeit- geberverband eine Stundenlohn„erhöhuiig* von 2 Pf. an. Der Schiedsspruch der Bezirksschiedsstelle sah eine Erhöhung von 4 Pf. vor: er wurde von den Gemeinden und den Arbeitern abgelehnt. Die Entscheidung des Zentralausschusies brachte noch einen Pfennig weniger als der Schiedsspruch, nämlich eine„Er- höhung" von 3 Pf. ab 1. April und von einem weiteren Pfennig ab 1. Oktober. Der Schiedsspruch des Zentralausschusses wurde überall von den Arbeitern ein st immig abgelehnt. Wenn die einzelnen Stadtverwallungen den Arbeitgeberverband nicht zwingen, aus- kömmllche Löhne für die Gemeindearbeiter zu zahlen, ist ein Streik in den Gemeindebetrieben der Provinz Brandenburg unver- weidlich. Streik im �ltmetallgroßhanüel. Um die Löhne. Für die Arbeiter im Altmetallgroßhandel besteht seil zirka anderthalb Iahren eine tarifliche Lohnvereinbarung, die eine Ver- änderung in dieser Zeit nicht erfahren hat. Am 31. März wurde der Tarif gekündigt. Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband des Großhandels führten zu keinem Ergebnis, da die Zugeftändni se derartig niedrig waren, daß eine Verständigung nicht erzici, werden konnte. Der Schlichtungsausschuß, der angerufen wurde. fällte einen Schiedsspruch, der die Löhne bis zum September um 2 M. und darüber hinaus bis zum März nächsten Jahres um abermals 3 M. erhöhte. Die Arbeiter lehnten den Schiedsspruch ab. Alle Bs- mühungen des Deutschen Verkehrsbundes, in dieser Fachgruppe die Differenzen zu beseitigen, scheiterten, da der Arbeitgeberverband erklärte, daß der größte Teil der Firma kein Interesse an eine. Lohnregelung hätte. In einer äußerst stark besuchten Versammlung nahmen die Arbeiter gestern abend den Bericht über die Verhandlungen cm- gegen und beschlossen darauf, heute, Donnerstag, früh in den Streit zu treten. Wir bitten die Arbeitsnachweise, davon Kennt- nis zu nehmen und Arbeitswillige nicht zu vermittelm Ueber den weiteren Gang der Bewegung werden die Kollegen durch die Prcsie unterrichtet werden._ Deutscher Verkehrsbund. Schiedsspruch sür die Leipziger Straßcuvahncr. Im Lohnkampf der Leipziger Straßenbahner wurde bei den Dresdener Schlichtungsverhandlungen folgender Schiedsspruch gefälll: Dem Fahrp-rsonal wird eine Erhöhung des Stunden lohnes um 4 Pfennig, ab 1. Oktober eine solche um w-!tere 2 Pfennig zugestanden. Auch die Funktionszulagen für Fubrer und Schaffner werden noch um 2 Pfennig pro Stunde erhöht, W daß außer dem Tariflohn die Straßenbahnführer jetzt 10 Pfcnn-g und die Schaffner 6 Pfennig Funktionszulage erhalten. Auch für die streikenden W e r kst ä t t e n a r b e r t« r ist cm Schiedsspruch gefällt worden; danach wird für das technische Per" sonal, außer der unverändert gebliebenen Stundenlohnerhöhung von 1 Pfennig, die Leistungs- und Schmutzzulage� auf 3 P™1- des Grundlohnes erhöht Die Neuregelung der Bezüge soll rückwirkend ab 1.Mai erfolgen.. Kein Eisenberkinerstreik in Saarbrücke«. Saarbrücken. 11. Mai.(TU.) In der weiterverarbeitenden Eisenindustrie des Saargebietes hoben sich von einer Gesamibelcg- schaft von 8759 Arbeiter» 3451, darunter 1090 Lehrlinge, in» einer Lohnreduktion von 10 Proz. einverstanden erklärt und dem gemäß heute morgen die Zlrbell wieder aufgenommen. Die heute vormittag erfolgte Urabstimmung über den E i s e n b a h n e i streik ergab keine Zweidrittelmehrheit, so daß der Streik abgelehnt ist. Nach einer Statistik' bedeuten die dies- jährigen sechs Feierschichten im Saarbergbau für die Arbeiterschaft einen Lohnverlust von 15 Millionen Franken. Tie Lrganisierung der Arbcitsgerichtct Bcaunfchweig. 11. Mai.(Eigener Drähtbericht.) Im Lailde Braunschweig, das aus 23 Amtsgerichtsbezirken besteht, ist nach Verständigung mit dem ADGB. die Errichtung von acht Arbeits- gerichten beschlossen worden. Man glaubt mit dieser Zahl aus- kommen zu können, da bisher nur verhältnismäßig wenig Arbeit streitigkeiten gerichtlich ausgetragen wurden. Für die Angestellten soll nur eine Angestelltenkammer in der Stadt Braunschwe-g errichtet werden. Die endgültige Entscheidung des Iiistizminifters über die Zahl der Arbeitsgericht« steht noch aus. Achtung, Vau Handwerker! Seit dem 4. Mai d. I. befindet sich die Branche der Parkettleger im Streik. Parkettleger. arbeiten dürfen jetzt nur von solchen Parkettlegern ausge-ühri werden, die mit einer Arboitsberechtigungskarte des Deutschen Holz arbeiterverbandes sich ausweisen können. Deutscher Holzarbeiterverband, Verwallungsstellc Berlin. Freie Ee>»erksL. Gewerkschaft deutscher Volislehrrr, Berlin. Generalversammlung am 13. Mai, 7� Uhr, im Berliner Bachaus, Zimmer 55. Tagesordnung: I, Domes. gefetze. Londoner Abkommen, Finanzausgleich der Länder und ihre Bück- Wirkungen auf die Bildlingsarbeit(Etolt. M. d. L). 2. Bericht vom Ver- bandstage. 3. Lehrerkammermahl. 4. Neumahl des Vorstandes. Berantmortlich für Politik: Biet»» Schiff: Wirtschaft:®. Klingelhöier: Eemerkichaktsbemcauna: Friede,«»körn: Feuilleton: it. K. DZfcher: Lokales und Sonstiges: Feig Garstedt: Anzeigen: Th. Glocke; familich in Perl,» Brriag: Vorrnärts-Deriag S m. b. H.. Berlin. Druck: Vormärts.Buchdrnckerei und Perlogsanstalt Paul Eina-r» Eo. Verlin SW 63. Lind-nstrahe 3. 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Iahresschau Deutscher Arbeit in Dresden veran- staltet wird, wurden neben der modernen Papierfabrikation durch große Papiermaschinen auch die alten Formen der Papierherstellung praktisch vorgeführt. Das älteste Papier. Die Kunst des Papiermachens und die Erfindung des Papiers verdankt man bekanntlich den Chinesen und die abendländische Papiermacherei glich jahrhundertelang in ihrem Wesen der chine- fischen fast vollständig. Statt des bei den Chinesen gebräuchlichen Bastes des Papiermaulbeerbaumes benutzte der abendländische Papiermocher als Rohstoff in erster Linie Leinen- und Baum- mollhadern, die zunächst nach ihrer Art und Farbe sortiert und dann zur Erleichterung der Reinigung zerkleinert, in Gewölben aufgc- schichtet, angefeuchter und dadurch einer faulen Gärung ousgesehl wurden. Diese zersetzte die Fett- und Farbstoffe und machte die chadern gleichmäßig geschmeidig. Hierauf wurden sie in Bütten durch Stampfer unter fortwährendem Zufluß von frischem Wasser ge- waschen und zerfasert. An die Stelle dieser als„deutsches Geschirr" bezeichneten Einrichtung trat später das„holländische Geschirr" oder kurz der„Holländer", in dem dt« Fasern statt durch den Stampfer durch eine mit stumpfen Messern besetzte Walze, die sich in der Bütte gegen andere feststehende stumpfe Messer dreht«, zerkleinert wurden. Die dünnbreuge Hadernfasermasie kam. sobald die not- wendige Feinheit erreicht war, als zur uxiteren Verarbeitung fertiger Papierstoffe in die mit einem Rührwerk oersehen„Stofsbütte". Zur Herstellung der Papierblätter aus dieser„Stosfmilch" wurde die „Schöpssoim" verwendet, ein boqengroßes, in einen rechtwinkligen viereckigen Rahmen gefaßtes Sieb, das von einem zweiten offenen Rahmen mit erhöhten Rändern, dem Deckel, eingefaßt ist, so daß das Sieb den Boden eines flachen Gefässes bildet. Rtil dieser Form schöpft der„Schäpsgcselle" die zu einem Papierblall notwendige Menge Slofsmilch aus der Bütte. Durch scharfes mehrmaliges Schütteln sorgte er, solange das Wasier von der Schöpsform noch nicht ganz abgelaufen und«in« innige Vermischung der Fäserchen noch möglich war, für ihre genügende Bersilzung und gleichmäßige Verteilung über die ganze Fläche. Nach dem Abheben des Deckels wandert die Form mit dem nassen Papierblatt in die Hand des a u t s ch e r s". Dieser drückte das Papierblatt durch Umkehren der Form auf eine Filztafel und hob die Form wieder ab. Das Blatt wurde mit einer anderen Filzlafel bedeckt, auf die dann«in weiteres vom Schöpfer fertiggestelltes und dem Gautscher überge» benes Papierblatt gedrückt wurde, das dieser ebenfalls mit einem Filz bedeckte. So wurden immer neue Papierblätter und Filze übereinander geschichtet, bis ein etwa 200 Bogen umfassender Stoß fertiggestellt war. Er kam in die Presie, in der das Wasser durch starken Druck aus den Papier- und Filzlagen gequetscht wurde. Dann wurden die Blätter zwischen den Filzlagen abgehoben und aufeinander geschichtet. Diese Art der Papiermacherei wird heule nur noch in geringem Umfange angewendet, da die auf diesem umständlichen Wege durch Handarbeit hergestellten Papiere sehr kost- spielig sind. Aber das handgeschöpfte Büttenpapier zeichnet sich dafür durch hervorragende Festigkeit und Güte aus. Daher wird es auch heute noch zu wertvollen Druckarbeiten, Liebhaberausgaben usw. gern benutzt. Moüerne Lumpenwäsche. Die maschinelle Papiererzeugung beruht im wesentlichen auf denselben Grundlagen, wie die handwerksmäßige Papier- Herstellung, nur daß die Maschine den größten Teil der menschlichen Arbeit übernimmt. Diese Ablösung des Menschen durch die Maschine setzt bereits bei der Bearbeitung des Rohmaterials ein. Bei dem steigenden Papierbedarf genügten die früher ausschließlich verwendeten Lumpen bald bei weitem nicht mehr und man mußte auf die Erschließung anderer Rohstoffquellen bedacht sein. Da sich animalische Stoffe wegen ihrer Struktur nicht zerfasern und verfilzen lassen, war man auf die Deckung des Bedarfs durch Vegetabilien beschränkt. Daher kam man aus den Gedanken, neben Leinen- und Vaumwollhadern, alten hänfenen Stricken und Tauen auch holz und Stroh zu verarbeiten. Die Verwendung von Hadern beschränkte man auf die Herstellung der besten und halt- barsten Papiersorten. Bei der maschinellen Papiererzeugung beginnt die Reinigung der Hadern in den„ü o d e r n d r e s ch e r n", in denen sie durch Klopfvorrichtungen vom gröbsten Staube befreit werden. Dann werden sie sorgfältig sortiert, wobei alle harten Gegenstände wie Knöpfe, Haken usw. entfernt werden. In Hack- und Schneide- Maschinen, den„Hadernschneidern", werden sie hierauf grob zer- kleinert. Nun kommen sie in den Lumpenstäuber oder, wenn eine gründlichere Reinigung erforderlich ist, in den ständig rotierenden „D r e h k u g e l k o ch e r", der eine durch Dampf kochend erhaltene Lösung von Aetznatron enthält. Zu dieser heißen Lauge werden die hadern fortwährend durcheinander gerührt und gründlich gewaschen. Dieser Kochprozeß ersetzt gleichzeitig das bei der früheren Hand- papierbereitung gebräuchliche Faulenlasien der Hadern. Die weitere Zerkleinerung und völlige Zerfascrung der Hadern erfolgt im „Holländer", einem ovalen Troge mit einer den Längsseiten parallelen freistehenden Mittelwand, durch die in dem Troge ein in sich geschlossener Graben gebildet wird. In diesem kreist nun der Hadernfaserbrei und er wird zwischen der an einer der beiden Längs- seilen rotierenden Holländerwalze und dem Grabenboden solmrge hindurchgetrieben, bis die Hadern durch die andere Walze und aus dem Boden angebrachten und gegeneinander arbeilenden stumpfen Messer vollständig zerfasert find. Fortwährend flieht reines Wasier zu; das schmutzige läuft durch ein« Siebtrommel ab. Sandkörner und ähnliche Unreinheiten werden durch rostartige Siebe abgefangen und aus dem Brei entfernt. Nach dieser völligen Reinigung und Zerfaserung wird die Masse in einem anderen Holländer aus Zement mit Chlorkalk gebleicht. Nach der durch Fixiernatron oder ander« geeignete Chemikalien erfolgten Entchlorung und Entwässerung, ist dann das sogenannte„Halbzeug" aus Lumpen fertiggestellt. Holzpapier. Das Halbzeug aus Holz ist zweierlei Art. Die eine wird als „Holzschliff" bezeichnet. Der Holzschliff wird hauptsächlich aus Radelhölzern gewonnen. Die entrindeten und von den Aesten befreiten Klötze werden in Schleifmaschinen gegen schnell rotierende, vom Wasser bespülte Mahlsteine gepreßt und dadurch die winzigen Teilchen zerschliffen. Nach der in besonderen mit Splittersängern und Schüttelsieben ausgestatteten Sortieropparaten erfolgten Raf- finierung bildet die g'ewonnene Masse ein zwar nicht sehr haltbares, dafür aber im Gegensatz zu den Hadern sehr billige» Rohmaterial. das zur Herstellung der gewöhnlichsten Papicrsorlen verwendet wird; z. B für Zeitungspapier. Die andere Art des Halbzeuges aus Holz ist der ,F>olzzellstoff, die„Zellulose", die nicht wie der Holz- schliff auf mechanischem, sondern aus chemischem Wege gewonnen wird. Für erstklassige Papiersorten ivird hadernhalbzeug und Holzzellstosf, für Zeitungspapier Holzschliff mit einem mehr oder minder großen Zusatz von Zellulose vermengt und zu Ganzzeug ver- arbeitet. Der Ganzzeugholländer ist viel größer als der Halbzeug- Holländer, weil der gesamte, zur Herstellung einer Papiersorte nötige Stoff in ihm Platz finden und verarbeitet werden muß. Sonst lassen sich Abweichungen in Mischung und Farbe nicht oermeiden. » Die Leimung des Papierstoffes hat bei der heutigen Masim» erzeugung die früher gebräuchliche umständliche Oberflächenleimung abgelöst. Die Stoffleimung erfolgt im Gegensatz zur Bogenleimung nicht mit animalischem, sondern mit vegetabilischem Leim, der in Form einer Harzseisenlösung dem Stoff zugesetzt wird. Diese haftet an den Stoffäserchen und ermöglicht je nach der zu- gesetzten Menge die Erzeugung eines mehr oder weniger leimfesten Papiers. Durch Zusätze von Porzellanerde sucht man dieses eben und geschmeidig, durch Stärkezusatz fest zu machen. Auch die notwendigen Farbstoffe werden der Papiermasse im Ganzzeugholländer bei« gemengt. Gif. Das Weib, das den Mord beging. Roman von Arih Reck-Malleczewen. Es ist eine imitiert schlangenlederne Brieftasche, die der Schwager Lex in diesem Augenblick gezückt hat. Es sind aus einem mager gewordenen und darum eigentlich noch viel schöneren Gesicht ein Paar große, große Augen, die den Schwager Lex ansehen. Und da der Schwager Lex ja von jeher ein gewisses Penchant gehabt hat für diese Äugen, und da der Schwager Lex. wie schon sein in Ehren ergrauter Vorgesetzter ganz richtig konstatiert hat, nicht un?mpfänglich ist für die Ver- suchungen der Großstadt, so läßt der Schwager Lex noch ein- mal alle seine Reize und seine persönlichen Vorzüge spielen und eröffnet seiner kleinen stummen Schwägerin, daß zwar das Haus Bruckner zwischen sich und sie einen scharfen Strich ziehen müsse, daß e r aber ausgeklärt und vorurteilsfrei sei: daß er zwar durch die Schuld seiner Schwägerin nun eine Strafversetzung in die Provinz zu gegenwärtigen habe, daß er aber als Junggeselle auf die Unterstützung durch eine Haus- dame... Da Ist ohne Entgegnung die kleine Sif schon verschwun- den in dem Gange und nicht mehr zu erreichen für den Schwager Lex.— Sie steigt die Treppe hinab ins Erdgeschoß. Und da es wohl so bestimmt ist vom Schicksal, daß sie alle über sie kommen müssen in dieser Stunde, die Gestalten dieser ent- setz'.ichen drei Monate, so tritt da jemand hervor aus der dunklen Korridorecke, m der er ihr aufgelauert hat, und da steht vor ihr in Lederhaube und Automobilmantel der Oberst Miramon Und Gott mag wissen, in welcher Maske der Kokainhändler Agostinp Gomez sich dieses Mal über die Grenze hierher gestohlen haben mag, und sicherlich macht er gute Geschäfte in dem fiebergeschüttelten Lande: und bei der ersten Kunde von ihrem Mißgeschick ist er hierher geeilt, Ma- dame, und alles, was sie vertrieben hat aus seinem Hause, ist eine einzige Kette von Mißverständnissen gewesen, und draußen wanet sein Wagen, und wenn sie geneigt wäre... Aber da muß sie wirklich lachen über diesen Gentleman- Hochstapler, der ihr mm wirklich nichts mehr anhaben kann. Und es ist ein freundliches Lächeln, mit dem sie ihm still die Hand reicht. Und dann läßt sie ihn stehen und geht weiter. Und nun wäre da noch der Korridor des Erdgeschosses zu passieren, wo die Männer seit Stunden nun warten auf ein kleines, für den Tag berühmt gewordenes Frauenzimmer, das aus rätselhaften Gründen partout als Raubmörderin ins Zuchthaus gesperrt werden wollte. Da ist zunächst ein Mensch, der wie ein amerikanischer Reverend aussieht und ein Notizbuch bereit hält und wissen will, wie sie über die Ge- fahren des internationalen Mädchenhandels, über Alkohol- Prohibition und Doktor Carters Leberpastillen denke. Und immer neue Gestalten lösen sich aus den Nischen... Gestalten mit Hornbrillen, Gestalten mit korrektem und gebrochenem Deutsch, mit Zahnbürstenbärten und Kameras, deren Linsen sie anglotzen wie maßlos vergrößerte Insektenaugen. Da ist endlich ein langer, hagerer Mensch, der sie kurzerhand nach ihren Bedingungen für eine Vortragstournee über ihre Abenteuer fragt. Der Mann zeigt ein solides angelsächsisches Pfcrdegebiß mit einer imposanten Front von Goldplomben, der Mann hat Eile und wartet auf Antwort. Die Antwort bleibt aus, der Mann zuckt die Achseln. Die kleine Sif geht.— Da ist nun diese letzte, zum Hauptportal führende Granit- treppe, da ist die schwere, mit dem automatischen Schließer „Meteor" versehene Tür, die man nur mit Mühe aufbringt. Da schlägt ihr der grimmige Frost des Februarabends ent- gegen, da hat man die Aussicht aus den Zollbahnhof einerseits und die Fassade der Meierei Bolle andererseits, und kann nun gehen, wohin man will. Und als sie dann vor der Gruppe des mit der Schlange kämpfenden Löwen steht, da ist es mit hochgeschlagenem Ueberzieherkragen ein seltsam bekanntes Menschenkind, das ihr den Weg vertritt und doch nicht recht wagt, ihr in die Augen zu sehen. „Robby," schreit die kleine Eis, und noch einmal... ein letztes Mal ist es, als ob da etwas jubele, was nur dem ersten Frühlingsschrei der steigenden Lerche zu vergleichen ist. „Robby... lieber, lieber Robby..." Da senkt der liebe Robby seinen Blick und hat da unten offenbar etwas ganz Wichtiges verloren auf dem gefrorenen Schnee und geht stumm eine Weile neben seinem wiedergc- fundenen Weibe. Dann kann man sehen, wie er herumwürgt an den Worten, die ihm fehlen. Und dann endlich kann man hören, daß sie ihn betrogen daß sie eine hochachtbare Familie kompromittiert habe, daß sie es einsehen müsse, wenn ihre Wege sich nun unweigerlich zu trennen hätten... Da steht sie vor ihm und hebt die magere, die erbar- mungswürdige Hand und streicht ihm über das Haar.„Armer Robby. du." sagt die kleine Sif,„armer, armer Robby.. Ich weiß, daß die physikalischen Voraussetzungen für das Zu» standekommcn des Heiligenscheines geleugnet werden von der modernen Naturwissenschaft. Ja, lieben Menschen, und dennoch gibt es einen Heiligenschein, der unsichtbar triumphiert über alle Errungenschaften der modernen Be» leuchtungstechnik.— Und da man nun keinen Paragraphen zweihundertundelf und kein Schafott mehr zu fürchten hat, so marschiert man los in den grimmigen, klirrenden Frost. Ja, ein schwarzer Himmel steht nun über Berlin mit großen bösen Sternen, und bis auf die Knochen bläst der eisige Wind, und man hat heute noch nichts gegessen und hat nichts als dieses Sommerkleidchen, das man schon in Buenos Aires getragen hat. Und trotzdem ist es eigentlich fröhlich und leicht im Herzen, seitdem man sich nun auch von Robby verabschiedet hat, und man denkt weder an das Bündel Banknoten, noch an das Merkblatt des Vereins für entlassene Gefangene und marschiert unbekümmert hinaus in die Winternacht. Und Schritt für Schritt laufen in dünnen, dünnen Sohlen kleine Siffüße durch den Schnee, durch das große abendliche Berlin... laufen, ohne zu wissen, wohin. Sie geht vorbei an dem Spreearm, vorbei an kleinen quiekenden Schlepp- dampfern und großen eingefrorenen Kähnen, den Flammen» fanalen der Siemenswerke entgegen. Und Lastwagen stehen da mit großen Kaltblütern, die auf ihre kneipenden Kutscher warten.. alte Kameraden, die nun so lange schon neben- einander gegangen sind und die Hälse übereinander gelegt haben.„Liebe Pferdchen," sagt die kleine Sif und klopft mit der frostblauen Hand den Hals der Tiere, wie sie es einst als ganz kleines Mädchen getan haben mag... damals in ganz fernen Zeiten, als alles noch rein und einfach und gut war. Und dort am Kanal, wo es hinübergeht in den Nordzipfel von Charlottenburg und gespenstische Gasometer In den Nacht- Himmel ragen, da ist einem der Packer der Knöchel abgedrückt von so einem blanken, kalten Eisenbahnrad, und da stehen, während der Verunglückte in den Unfallwagen geschoben wird, gaffende Menschen herum. Da steht man eine lÄeile und denkt, daß das alles doch sehr traurig ist und daß Gott den armen Kranken helfen möge... Und möchte ein bißchen weinen und verzieht auch das Gesicht und kann es doch wieder nicht: ach, nein, man ist ja nun ganz hinausgewachsen über das Menschenleid.... �(Schlutz folgt.) Serlin und der Städtetag. Verhandlungen zum Ausgleich der Differenzen. Den Magistrat beschäftigte in seiner gestrigen Sitzung der Sonslikt mit dem preußischen Städlelag wegen des Finanzaus- gleichs. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung niar der bekannt« Antrag der Demokraten, des Zentrums und der Sozialdemokraten zur Annahme gelangt, in dem gesagt wurde, daß auch die Haltung des Städtetages zur Benachteiligung der Stadt Berlin bezüglich des Finanzausgleichs beigetragen habe, und daß Berlin sich mit den preußischen und deutschen Gemeinden in Not- gcmeinschaft verbunden fühle, aber in einer Vereinigung nichi ferner mitarbeiten könne, die ihr kein Verständnis und kein« Ge- rechtigkeit zuteil werden lasse. Der Magistrat hat sich gestern dieser von der Stadtverordnetenversammlung ausgesprochenen Rrnktritts- nndrohung nicht angeschlossen, sondern auf Grund des Tagungs- berichtes des Preußischen und Deutschen Städtetnges in Koblenz beschlossen, auf dem Verhandlungswege einen Ausgleich der zutage getretenen Differenzen herbeizuführen. Wer diese Veehand- lungen führen wird, steht zurzeit noch nicht fest, ebensowenig der Termin dieser Besprechungen. In Kreisen der städtischen Körper- schaften steht man auf dem Standpunkt, daß sich eine Emigung auf dem Berhandlungswege und durch gegenseitige Aussprache her- beiführen lassen wird, und daß man aus diese Art und Weise die Interessen der Reichshauptstadt bezüglich des Finanzausgleichs besser vertreten könne alz durch die schroffe Form des Austritis. Auf die Möglichkeit dieser Lösung wurde im„Vorwäriz'' bereits gestern hingewiesen. Die Freibäder öffnen. Müggelsee und Wnnnsee bereits am 12. Mai. Am 1Z. Mai findet die Eröffnung des vollständig renovierten Freibades Müggelsee statt. Von, Bahnhos Rahnsdorf bis zu dem dem Freibnd vorgelagerten Hochwald ist ein neuer P r o m e- nadenweg gebaut. Ein zweiter Promenadenweg mit Radfahrer- weg mit einer Breite von 8 Metern beginnt in Friedrichshagen am Wasserwerk, wo die Straßenbahnlinie 84 ihren Endpunkt hat und erstreckt sich bis zur Rahnsdorfer Wassermühle. Das Freibad selber hat einen V o l k s p a r k und einen A u t o p a r k erhalten. Das neueingcrichtete Freibad Müggelsee verspricht eine besondere Sehenswürdigkeit für Berlin zu werden und wird auch feine An- giehungskraft auf den Ausflugsverkehr ausüben.— Gleichfalls am 15. Mai wird das Freibad Wannsee, das man wohl als das Volksbad der Berliner bezeichnen darf, eröffnet. Auch hier sind eine Reihe baulicher Veränderungen, sehr zum Vorteil der Anlage, vor- genommen worden. So hat man auch hier einen Promenaden- weg neu angelegt. Gleichzeitig ist ein Autoweg gebaut, der aller- dings noch nicht ganz vollendet ist. In Anbetracht der Volkstllm- lichkeit des Freibades Wannsee hat man hier besondere Eingänge für Kinderwagen eingerichtet. Die Umkleidekabinen sind erweitert. Es ist ein neues Kcrbinenfeld gebaut, und auch besondere Stände für Fahrräder sind eingerichtet. Ssrlmer Ortsnamen. Es ist jedenfalls eine verdienstliche Sache, wie Hermann Patzig in seiner Einteilung zu seinem Buch„Alte Ortsnamen im Westen Groß-Berlins"(Verlag von Karl Curtius, Berlin) ausführt, wenn er es unternimmt, kurz vor dem Auslöschen des alten historischen Berlin noch einmal einen Blick zu tun auf die alten Ortsnamen der großen Stadt. Diese Namen, deren viele unsere Väter noch gekannt haben, sind die letzten Reste einer Vergangenheit, aus der zu guter Letzt doch das Denken und Fühlen der Gegenwart gewachsen ist. Einige Zitate aus dem kleinen handlichen Büchlein, das jedem zu emp- fehlen ist, der sich für Berlins Geschichte interessiert, mögen den Fleiß aufzeigen, den der Herausgeber beim Sammeln der alten Ortsnamen aufgewendet hat. Vor allem der Name Berlin selbst, der sich aus der slawischen Bezeichnung„das Wehr" herleitet. So viele Deutungen der Name schon erfahren hat, fo scheint diese doch die richtigste zu sein: ein Wehr, das das rechte zum Barnim gehörende Spreeufer mit dem linken in Teltow gelegenen verbindet. Kölln, die alte Bezeichnung der Schwesterftodt, aus der der neue Name„Neukölln" abgeleitet worden ist, wird von H. Patzig /dahin erklärt, daß sie sich von dem lateinischen Wort Colonia herleitet. Für die Entstehung des Namens Eolonia gewinnt man eine auf breiterer Grundlage ruhende Er- klärung, wenn man die anderen Köln genannten Orte vergleicht. Der Name Colonia bedeutet im Mittelalter Eolonenhaus, Wohnort der Coloni, wie die Halb- oder Eanzfreien hießen. Es ist dabei inter- «siant, zu beachten, daß also ursprünglich das alte Fischerdorf Kölln «in Bestandteil Verlins mar, erst durch die Markgrasen Johann I. und Otto III. bald nach I2ZY zur Stadt gemacht, und heute wieder mit dem Mutterort zusammengeschmolzen. Wir erwähnen einige noch bekannte und gebräuchliche Vezeich- nungen, die sich aus grauer Vorzeit erhalten haben. Die Tempelhofer „Blanke Hölle" ist der entstellte Name für„B l a n k e He l l e r". „D a m m" hieß bereits im 16. Jahrhundert der jetzige Kur- fürst endo mm.„Grunewald" nannte Joachim II. fein neu zu erbauendes Jagdhaus 1342, um seine Umgebung von der Kiefernheide zu unterscheiden, nach dem damals wohl mehr als jetzt den See umschließenden Laubwald.„H e e r st r a ß e", 1591 Herr- straße genannt, ist die alte W e g l i n i e, welche die Verbindung des Westens der Mark mit dem neu zu besetzenden oder den schon besetzten Gebieten des Ostens bildete. Es war der Weg, der nach Potsdam führte, die jetzige Berliner-Potsdamer Straße und Pots- damer Chaussee in Zehlendorf.„Steglitz", die Endung ist slawisch, der er'te Bestandteil des Wortes stegel aber deutsch. Beim Entwurf des Steglitzer Wappens im Jahre 1887 ging das Heroldsamt von steg aus; genauer entspricht mnd. stegel, hochdeutsch stigila(wonach auch ein Ort Stieglitz heißt), eine Vorrichtung zum Uebersteigen einer Hecke oder eines Zaunes, auch eine auf- bzw. abwärtsfllhrende Treppe. Im Munde der umwohnenden Slawen erhielten deutsche Gründungen, deren zweiter Namensbestandteil dorp war, statt dieses Wortes oft die Endung itz. Diese kleine Auslese möge genügen, um das Buch allen Berlinern würmstens zu empfehlen. Eine neue Polizeibexusssrliule. Die neuen Räume in der Polizeiberufsschule„Mitte" in der Hannoverschen Straße 28/36 wurden gestern durch einen kleinen Festakt, an dem zahlreiche höhere Palizeibcamte teilnahmen, feierlich eingeweiht. Polizeipräsident Genosse Z ö r g i e b e l skizzierte in einer kurzen Ansprache die Bedeutung der neuen Schule der größten Polizeigruppe Berlin, die ihre bisher auf die ver- schiedenen Bezirke verteilten 66 Schulklassen nunmehr endlich habe zusammenlegen können. Er dankte allen, die zur Erreichung dieses Zieles beigetragen haben und schilderte weiterhin Aufgaben und Ziele der neuen Schule, die im Dienste der Ausbildung der Polizei stehe und denen helfen will, die erst Polizeibeamte werden mollen. Der Unterricht solle auf den praktischen Poli:eidienst gestellt sein und die Männer, die an ihm teilnehmen, sollen in erzieherischer Arbeit zu wahrhaften Staatsbürgern herangebildet werden. Der heutige Polizeibeamte müsse ein rechter wahrer Volks- Polizist sein. Auch die Lehrer müssen die Republik bc- sahen, sich jedoch von jeder Parteipolitik fernhalten. Mehr noch als bisher müssen die wirtschaftlichen Dinge in ihrer Bielgestaltigkeit berücksichtigt werden. Mit dem Wunsche, daß die Schule den Be- amtcn eine willkommene Rüstung für ihren schweren Beruf werde und zum Wohle der Bevölkerung und des Vaterlandes dienen möge, übergab der Polizeipräsident die Räume dem Schulleiter, Polizei- schulrckt Kämmerer. Dieser versicherte, daß er alle Kräfte daran setzen werde, das zu erhalten, was mit der neuen Schule geschahen wurde. Das Haus solle eine Stätte wahrer ernster Berufsschularbeit werden. Staatsbürgerliche Bildung, soziale Gesinnung sollen die s leitenden Ideen sein. Staat und Wirtschaft, die grundlegenden l Faktoren alles gesellschaftlichen Lebens, sollen beim Unterricht die ] hervorragendsten Fächer werden. Der Polizeibeamte stehe im Mittel- j punkt des wirktschaftlichen Lebens und müsse deshalb all den viel- gestaltigen Erscheinungen des öffentlichen Lebens mit dem richtigen Verständnis gegenübertreten können. Den von Chorgesängen um- rahmten Ansprachen schloß sich ein Rundgang durch die Räume an. Amusü&MetaZSzsH flsr Känasrfreanfle Gr.-Bcrtfii Sonntag, 15. Mai 1927: auf der großen Spielwiese im Volk-park Neukölln, Tempelhoter Feld. Beginn um 11 Uhr vormittags.— Gesaug, Spiel und Tanz. Zlniprache: Kurt Löwenfteln. Gemeinsames Mittageffen(Bon? für 26 Pfg- erhältlich bei den Helscrn). Treffpunkte der Kreise werden noch bekanntgegeben- Ertrunken oöer ertränkt? Zwei Jahre Gefängnis für eine Nindestötung. Als der 18jährigcn Frieda K. nach einer trostlosen Jugend nun endlich Lebensfreude winkte, geschah das Unglück; sie wurde Mutter und tötete ihr Kind. Ihre eigene Mutter hatte sie, kaum zwei Jahre alt, verloren. Bei der Tante, bei der sie mit ihrem Bater lebte, hatte sie keine frohe Kindheit. Als sie, die Vierzehnjährige, in Stellung zu gehen gezwungen war— bei der bloßen Erinnening daran fließen ihr noch jetzt die Tränen, so einsam und traurig sühlle sie sich damals—, da kümmerte sich ihr Vater überhaupt nicht um sie; die Tante besuchte sie zwar, ihr Vertrauen besaß sie jedoch nicht. Dann lernte sie im Juli v. I. in Treptow den St. kennen: er stand vor der Scheidung mit seiner Frau. An der 18jShrigen Frieda fand er Gefallen: er führte sie bei seinen Eltern ein, nahm sie aus ihrer Stellung, mietete ihr ein Zimmer in der Nähe seiner 2lrbeits- stelle: sie kochte ihm das Esten, er versprach ihr die Heirat. Als dann seine Frau von ihm zog, führte Frieda ihm die Wirtschaft: ganz intim wurde das Verhältnis jedoch erst im Dezember. Frieda hatte aber vor ihrem Freund ein Geheimnis, das sie sorgsam hütete: ihre Schwangerschaft. Sie stirchtetc, daß er ihr seine Liebe entziehen könne: sie wäre dann wieder ohne Heim, herumgestoßen unter fremden Leuten. Am 28. März desselben Jahres soll ihr der Bruder ihrer Schulfreundin Gewalt angetan haben. Bald wußte sie, daß sie Mutter sein würde. Sie hatte niemand, dem sie sich an- vertrauen konnte. So verbarg sie ihr Geheimnis vor der ganzen Welt: sie versuchte, an das Kommende nicht zu denken. Am 22. De- zember kam das Kind. Ohne Hilfe und Rat stand sie da. Das Kind blieb nicht am Leben. Hatto sie es getötet? Sie bestritt es anfangs: das Kind sei im Bode ertrunken, als sie von einer Ohnmacht bc- fallen worden sei. Dann war sie geständig, ez ertränkt zu haben. Gestern vor dem Landgericht II, wo sie sich zu oerant- warten hatte, glaubte sie mit Bestimmtheit nicht sagen zu können, ob sie das Kind ertränkt hätte, oder ob es ertrunken ist. Zwei Wochen noch der Niederkunft hatte sie aber den Arzt, der sie wegen der Folaen der Geburt aufgesucht hatte, aus den Körb gewiesen, in dem die Leiche des Kindes versteckt war. Di« erst Achtzehnjährige— wäre das Unglück ein halbes Jahr früher passiert, so bütte sie sich vor dem Jugendgericht zu verantworten gehabt—. saß da mit großen fragenden Augen und weinte unaufhörlich. 27 Tage hat sie in Untersuchungshaft verbracht. Jetzt wohnt sie bereits als Verlobte bei ihrem Freund, der nun von seiner Frau geschieden ist. Er hätte sie auch mit dein Kinde lieb behalten, behauptet er. Ja. wenn sie das hätte ahnen können! Das Gericht verurteilte die Angeklagte zur gesetzlich zulässigen Mindeststrafe von zwei Jahren© e. s ä n g n i- unter Anrechnung der 27 Tage Untersuchungshaft. Nach Verbüßung eines Jahres soll ihr für den Rest der Strafe Bot- Währungsfrist zugebilligt werden. Der„Großschulmeister". Auf eine beträchtliche Leichtgläubigkeit spekulierte ein Schwindler, der es auf die Groß-Berliner Schulwarte abgesehen hatte. Er ver- rechnete sich auch nicht, bis er nach zwei Monaten endlich an den Unrechten kam. Die Schulwarte von Gemeinde- und auch höheren Schulen erhielten Besuch von einem Manne, der angeblich im Be- griffe stand, in Ostpreußen ihr Kollegs zu werden. Bisher war er, wie er erzählte,„G roßschul m ei st er des Herzogs von Hessen" gewesen. Das klang zwar etwas ungewöhnlich, aber man hegte doch kein Mißtrauen und glaubte den, Manne auch, daß es ihm nach dem Abbau jetzt mit vieler Mühe gelungen sei, in Ostpreußen als Schulwart wieder anzukommen. Die„Kollegen" fanden es auch durchaus begreiflich, daß der Besucher in den Jabren nach den, Abbau seine geringe» Ersparnisse, die ihm die Inflation noch übrig- gelassen hatte, nach und nach aufgezehrt habe, mit dem Rest nur noch bis Berlin gekommen sei und hier jetzt Hilfe in Anspruch nehmen müsse, um sein Ziel erreichen zu können. Der frühere„Großschul- meister" sond überall milde Herzen und offene Hände. Unter 2 bis 3 M. erhielt er nirgends. In den Doppelschulen besuchte er gleich beide Schulwartc. Im Verlaufe von zwei Monaten hatte er so schon einen großen Teil von Groß-Berlin abgegrast, aber doch noch nicht das ganze Stadtgebiet. Da geriet er endlich an einen Schul- wart, den der absonderliche Titel doch stutzig machte. Der Vor- sichtige holte einen Schupowachtmeister, um den Erzählungen etwas mehr auf den Grund zu kommen. Als der„Großschulmeister" das merkte, versuchte er zu entschlüpfen. Er wurde jedoch ergriffen und von der Kriminalpolizei als ein 42 Jahre alter Seemann Walter I o h a n n s e n aus Hamburg festgestellt. Der hatte Lust bekommen, sich einmal etwas länger das Land anzusehen. Sich die Mittel dazu durch Arbeit zu verschaffen, erschien ihm nach den, langen Aufent- halt auf See etwas zu besckMerlich. Deshalb schlug er den be- quemeren Weg ein, der außerdem auch mehr einbrachte. Es mochte ihm Freude, daß es ihm gelungen war, die„Landratten hochzu- nehmen". lunkwinkel, Geheimer Justizrat Prof. Dr. H- i l f r o n erörterte in den „Rechtsfragen des Tages" nochirnils Einzelfragen des Nachbarrechts, Zlufwertungsproblemc und einiges andere Aktuelle aus verwandten Gebieten.— Dr. Hellmuth F ä l k e n f e l d sprach in dem Zyklus „Sokrates und feine Bedeutung für die Gegenwart" über„Sokrates, den Denker". Er zeigte in klarer Darlegung der fotratifchen Lebens- Philosophie ihren Zusammenhang mit der kantischen wie der messia- nrschen Ideenwelt.— Pros. Dr. S e l i g m a n n kündigte den Sommerfeldzug der Stadt Verlin gegen die Mücken an und gab einen lieberblick über die für diesen Kampf zur Verfügung stehenden Hilfsmittel. Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn er dabei nochmals eindringlich hervorgehoben hätte," daß das Uebcrhand- nehmen der Mückenplage nicht nur eine Unannehmlichkeit, sondern eine schwere gesundheitliche Gefahr bedeute, gegen die nicht energisch genug eingeschritten werden kann.— Aus„Gesundheitsstörungen infolge mangelhafter Zahnpflege" wies Dr. med. Fritz Solomon hin. Er betonte die Notwendigkeit der Zahnpflege von frühester äugend an, da schlechte Zähne die unmittelbare und mittelbare Quelle schwerster Krankheiten sein könne.— Im Rahmen der Unterhaltungsstundo der Jugendbllhne las Grete Nebelung- Fisch recht durchschnittlich zwei schöne Grimm-Märchen.— Das Orchesterkonzert am Abend zeigte die Funkkapelle unter dem Diri- genten der Berliner Staatsoper. Selma Meyrowitz, wieder von der besten Seite. Hedwig Francillo-Kaufmann war der Deranstalttcng eine Würde Tottstiiv- Tos. Der Unfug der Melneidsverfahren. Ein begrüstinswertcr Freispruch. Die Eheleute S. lebten seit 1926 getrennt: der Ehemann oer, kehrte mit einer Witwe E. Der Ehefrau gelang es zwar, durch ein Detcktivbureau, das einen Siebzehnjährigen mit der Beobachtung des Herrn B. betraute, dessen Besuche bei der Witwe festzustellen: die Ehescheidungsklage und Widerklage der Eheleute wurde jedoch abgewiesen, da eiqe Versöhnung stattgefunden hatte. Der eheliche Friede währte aber nur wenige Tage: Herr S. fand den Weg in die Wohnung der Witwe zurück: Frau D. bemühte sich um neue Beweise für das ehebrecherische Verhallen ihres Gatten. Auf 2ln- raten ihres Anwaltes beschloß sie, die Nachbarn der Frau E. aus- zuforschen. Und wirklich, eines Tages klopfte es bei den Eheleuten S., die unter der Witwe wohnten. Sie bestätigten der Frau B. gegen- über, daß sie ihren Mann von den Besuchen bei Frau E. her kennen. Fron S. versprach auch, fernerhin aufzupassen. An, Kar- sreitag>-5 Uhr morgens hörte sie plötzlich„Krachen" in der oberen Wohnung: bald darauf wurde die Wohntür auf- und zu- geschlossen und aus der Haustür sah sie einen Herrn kommen, in dem sie nach Gang, Figur und Gesicht Herrn B. zu erkennen glaubte. Bon ihrer Wahrnehmung teilte sie sofort ihrem Mann mit, der Frau B. am selben Tage telephonisch anrief. Am Abend desselben Tages glaubte Frau E. wieder Herrn B. über den Hof gehen zu sehen. Frau B. hatte unterdes eine neue Ehescheidung?- klage angestrengt, die jedochtzin der ersten Instanz abschlägig be- schieden worden war. Fiir die Berusungsverhandlnng war Herr S. von Herrn B. als Zeuge dafür genannt worden, daß er die Witwe E. schon seit langem nicht mehr besuche. S. hatte aber zur Verhandlung seine Frau mitgenommen. Aus seine Veranlassung wurde auch sie vernommen und sie bezeugte unter Eid ihre Wahrnehmungen am Karfreitag. Da? Gericht sprach die Ehescheidung aus und erklärte den Ehemann B. für den schuldigen Teil. In der Begründung hieß es, daß die Eni- scheidung selbst unter Ausschaltung der Aussage der Frau s. nicht anders ausgefallen wäre. Der Ehemann B. erstattete tro:;- dem gegen Frau S. Strafanzeige wegen Meineids. Die Staats- anwaltschast erhob Anklage wegen fahrlässigen Falschetds. Das Schössengericht erklärte sich jedoch für nicht zuständig und gab die Sache aii das„Schwurgericht" weiter; es war der Ansicht, daß ein Meineid vorliege: die Gerichtsverhandlung hatte nämlich ergeben, daß Herr B. an dem fraglichen Morgen und Abend unmöglich in der Wohnung der Witwe gewesen sein konnte. So stand Frau S. nun vor dem Landgericht II unter der Anklage des Meineides. Sie machte den Eindruck einer Frau, die mit bestem Wissen und Gewissen ihre Aussage im Ehescheidungs- prozeß gemacht hatte. Allerdings Niußte sie sich geirrt haben, etwa so, wie sich auch jeder andere Mensch hätte irren können. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt ein Jahr Zucht l, aus. Das Gericht sprach die Aegeklagte frei.— Wenn irgendein Fall, so ist gerade dieser geeignet, den Unfug der Meineids- verfahren schlaglichtartig zu beleuchten. Eine Zeugin erfüllt ihre Bürgerpflicht, bekundet, was sie gesehen zu haben glaubt. Es liegen gar keine Gründe vor, anzunehmen, daß sie etwa bewußt oder fahrlässig die Unwahrheit gesagt habe: trotzdem wird gegen sie die Anklage wegen fahrlässigen Falscheides, ja wegen Mein- «des erhoben. Diese Erfahrungen werden es gewissenhaften Leuten unmöglich machen, irgend welche Aussagen zu beschwören. Irren ist menschlich, selbst Richter sind dem Irrtum unterworfen. Aus dieser Erkenntnis heraus sollte man mit Meineidverfahren etwas sparsamer sein.________, Der Zigeuner Herzberg. Die Ermittlungen, die die Mordinspektion A. zur Aufklärung des ganzen Treibens des endlich perhasteten Zigeuners Herzbergz immer noch fortsetzt, erstrecken sich auf viele Gegenden. Anfangs bandelte es sich immer nur um Gerede, das unter den Zigeun�tii, selbst über die Verbrechen Herzbergs umging. Erst nach und nach kristallisierten sich bei den Nachforschungen die Tatsachen heraus. Jetzt wird auch allen anderen Andeutungen sorgfältig nachgegangen, so z. B. den Schießereien mit Gendarmen und Förstern n, Pommern, bei denen ein Zigeuner stets entkam. Im Hannoversche!, soll Herzberg, der ein großer Mann von zwei Zentnern Gewicht ist. einen anderen Zigeuner, der ihn nur aus Erzählungen kannte, aui einem Pserdemarkt ohne weiteres erschossen haben, als er ihn mit „Tommcrly" anredete und ihn fragte, woher er den Mut habe, hier in die Stadt hineinzugehen. Herzberg selbst trägt am Körper oer- schieden« Schußnarben, ebenso seine Frau, die öfter Seite an Seile mit ihm im Fenerkampf gestanden hat. Ob er seine Mutter bei der, Zusammenstoß mit Polizeibeamte!, auf der Chaussee bei Dortmund absichtlich«rschosien hat, weil er sich von ihr verraten glaubte, oder ob er sie beim Feuern auf die Beamten versehenttich in den Hals getroffen hat, ist noch nicht festgestellt. Die Beamten kamen damals nicht mehr zum Schuß. Herzberg jaate sofort davon, und dabei sie!, wie wir schon mitteilten, die Leiche seiner Mutter aus dem Wagen. Während seines achtjährigen Aufenthaltes in, Zuchthaus hat der Schwerverbrecher in Wutanfällen wiederholt nicht nur Mitgesangen-. sondern auch Ausseher tätlich angegriffen. Aus diesem Grunde saß er während der meisten Zeit in Einzelhaft. Der Mann der Peruanerin. Einen recht romantischen Hintergrund hatte die �erste Che de? 37 Jahre alten Selterwasserfabrikanten Wilhelm Sch., der sich vor dem Schössengericht Lichtenberg wegen Bigamie zu verani- warten hatte. Der Angeklagte war im Jahre 1919 auf einen, Dampfer Matrose und kam so nach Südamerika, wo er in Lima, der Hauptstadt Perus, an Land ging und hier in einem Bordell die etwas Lttliche Rosa Merzedas Marsch cllo kennen und lieben lernte. Schon nach ganz kurzer Zeit verheiratete er sich mit der Daiyc, es fand eine prächtige Hochzeit mit kirchlicher Trauung statt; aber. der kühle Deutsche hielt es an der Seite der leideirschaftiichen Peruanerin nicht lange aus, und ui»!er dem Vorwand, in feiner Heimat eine Erbschaft antreten zu müssen, fuhr er nach Deutschland, um nicht mehr wiederzukommen. Hier ging er, ohne von der ersten Frau geschieden zu sein, eine neue Ehe ein. Sch., der geständig war, wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Doch wurde ihm bei Zahlung einer Buße von 566 Mark eine dre>ijährige Bewährungsfrist erteilt. „Volksgemeinschaft" aus dem Lande. Man schreibt uns: In Wilkendorf bei Strausberg ereignete sich vor einiger Zeit ein Fall, der so recht ein Schlaglicht auf die Verhältnisse auf dem Lande wirft. Ein dort wohnender G u t s m e i e r wurde von der dortigen Gutsoerwaltung aus kleinlichen Anlässen heraus entlassen. Er mußte auch die Gutswohnung räumen. Angeboten wurde ihm mit seiner Familie dafür ein Raum, der 2 mal 4 Quadratmeter groß ist, trotzdem damals in Wilkendorf zwei Wohnungen leer standen. Mehrere Eingaben beim zuständigen Landratsamt führten leider zu keine», Ergebnis. D e r 6 4 I a h r e a l l c M a n„'.nid nun glücklicherweise in dem Wilkcndorfer Forftbciricb, der einem anderen Be- sitzer gehört, neue Beschäftigung.'Ansang März erlitt er einen Herzschlag. Die Leiche wurde auf einen Wagen geladen und nach Hause gebrächt. In der kleinen Kammer konnte der Verstorbene nicht untergebracht werden. Man wandte sich deshalb an den Guts- Pächter, der zugleich Gutsoorstand ist, mit der Bitte um einen Unter- kunftsraum für die Leiche. Es wurde die Antwort erteilt:„Es ginge ihm nichts an, die Familie soll« den Verstorbenen unterbringen" Der Tote mußte nun den ganzen Nachmittag über auf dem Wogen vor seiner elenden Behausung bleiben, bis sich ein jüngerer Gutsarbeiter aufraffte und bci dem Amtsoorsteher die Herausgabe des Spritzenhausschlüssels, der bis- her verweigert wurde, durchsetzte. Nun konnte man endlich die Leiche im Spritzenhaus aufbahren, was man sonst nur mit unbekannten und heimatlosen Toten macht. So geschehen im Jahre 1927 tu« vor den Toren Verlins. Seftraster§rieöensstister. In Königswustcrhauscn empört man sich. Vor dem erweiterten Schöffengericht Neukölln fand eine Verhandlung statt, die wegen der Haltung des Gerichts gegen einen der Zeugen Interesse beansprucht. Angeklagt war der kommunistische Krcistagsabgeordnete Rühle und die Anklage laurete bedrohlich genug aus öffentliche Auf- sorderung zu strafbaren Handlungen, Körperver- letzung, Beleidigung und Landfriedensbruch.— Die Vorgänge, aus die sich die Klage stutzt, liegen nun schon fast ein Jahr zurück. Am L7. Juni vorigen Jahre- hatte der„W c r w o l s" in Königs- tunft erHaufen eine Werbeoersammlung veranstaltet! ursprünglich statten darauf auch das Reichsbonner und der Rote Frontkämpfer- bund für den gleichen Tag Versammlungen angesagt, jedoch war e- dem Amtsvorstchcr Krause gelungen, von den Verbänden eine Verschiebung ihrer Versammlungen zu erreichen; da er befürchtete, diese Maßregel möchte zur Vermeidung von Zu- sammenstößen noch nicht genügen, so untersagte er aus dem gleichen Grunde auch alle Demonstrationszüge. Trogdem sammelte sich auf dem Platz vor dem Hotel schließlich eine erhebliche Menschen- menge, die den Werwolsleutcn schließlich so unheimlich erschien, daß sie um polizeilichen Schutz baten— nachdem sie vorher aus den Saalfenstern heraus die Draußenstehcnden mit Waffen bedroht hatten und nachdem eine Durchsuchung und Entwasfnungsaktion eine scharf geladene Pistole und mehrere Stahlruten bei ihnen zutage gefördert hatte!— Der Amtsvorsteher Krause unternahm es, den Werwolfjünglingen von den versammelten Rote-Front-Leuten „freien Abzug" zu erwirken, und, veranlaßt durch ihn, erreichte der Angeklagte Röhle auch, daß den Werwolsleuten die Straße freigemacht wurde; freilich kam es dann doch zu einem kurzen Hand- gsmenge, aber es läßt sich nicht mehr feststellen, von welcher Seite es angefangen wurde. Der Zwischenfall war auch in zwei Minuten beigelegt, und die Werwolsleutc konnten im übrigen unbelästigt abfahren.— Dem Amt-vorsteher, der der SPD. chngehört, wurde seine ruhige Jnterventianspolitik aber von dem gesamten rechts- gerichteten Bürgertum Königswustcrhauscns schwer übelgenommen, und vom Hau?- und Grundbesitzerverein bis zum Ruderklub be- schwerte man sich über den„schlappen" Amtsvorsteher, der den un- schuldigen Werwölsen die Schmach angetan hatte, durch die empörte Menge„Spießruten laufen zu müssen". In gedruckter Denkschrift legte man seine Empörung sür kommende Geschlechter nieder, man zeigte sogar den Amtsoorfteher beim Landratsamt an und erreichte es auch, daß ihm eine Rüge erteilt wurde, weil er die Wer- wolfslämmer nicht genügend geschützt und mit dem angeklagten.Hetzer" sich friedlich verständigt hatte. Die Gerichts- Verhandlung ergab nun ireilich, daß der Angeklagte keinesfalls„ge- hetzt", sondern nur zur Ruhe und Ordnung gemahnt und den Per- sommelien nur geraten hatte, die Werwölse mit dreifachem„Pfui Deibel" zu grüßen— damit die Menge ihre Erregung doch irgend- wie abreagieren konnte. Trogdem hielt aber auch der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Braun, es für richtig, in der Urteilsbegründung die milde G e l d st r a f e von SO M. für das dreifache„Pfui Deibel" damit zu motivieren, daß Hauptschuld an den Vorgängen ja der Amtsvorsteher trage, der die Polizei nicht scharf genug gegen die Menge eingesetzt habe. Ein merkwürdiges Urteil, in dem der Angeklagte b e- straft und der Zeuge verurteilt wird!— Schließlich ist es nicht das A und O aller Regierungsweishcit, überall mit Gewalt vorzugehen— und ob dem Herrn Vorsitzenden ein gewaltsames Vor- gehen der Polizei bei der Waffendurchfuchung der Werwölsc ebenso sympathisch gewesen wäre?_ Zur Neuregelung der Lehrergehalter. Der Berliner Lehrerverein hat in einer von über 1200 Lehrern und. Lehrerinnen besuchten Versammlung die Pehrerbesoldung in Preußen erörtert. Einstimmig wurden zwei Entschließungen angenommen, die schärfsten Einspruch erheben gegen die Art, in der seit Iahren die Frage der Lchrerbesoldung von der preußischen Staatsregierung und vom preußischen Unterrichtsministerium behandelt worden ist. Fast immer seien es, sagt die eine Entschließung, Vertreter des Unterrichts- m i n i st e r i u m s gewesen, die sich der Angleich ung der Lehrerbesoldung an die Besoldung der vergleich- baren Staatsbeamten am entschieden st en wider- setzten. 2lls geradezu empörend bezeichnet sie die Tatsache, daß das Unterrichtsministerium fast 4000 Lehrer, denen nach den klaren und eindeutigen Vorschristen des Gesetzes schon am 1. Zlpril 1925 eine Aufrückungsstelle hätte gegeben werden müssen, widerrechtlich in der Besoldungsgruppe 7 zurückgehalten und dadurch aufs empfind- lichste gesckädigk hebe. Die andere Entschließung klagt über an- dauernde Perschlepp ung einer Neuregelung der Ve< amten- und Lchrerbesoldung und stellt fest, daß die wirt- schaftliche Notlage einen Tiesstand bis zur Verelendung erreicht habe. Sie fordert, daß die gesetzgebenden Körperschasten das wieder- holt gegebene Versprechen der Regierungen aus Erhöhung der Gehälter noch in der gegenwärtigen Tagung einlösen._ Für den Ankauf des Rillergutes Selchow durch die Stadt Berlin, der zur Erweiterung der Rieselfelder Waßmannsdorf und Klein- Ziethen erfolgen soll, haben sich nunmehr auch die Tiefbau- d e p u t a t i o'n und der Gründer werbsausschuß entschieden, die am Montag zusammen mit Vertretern der Stadt- oüter G. m. b. H. das Gut in Augenschein nahmen. Für den Kauf sollen die in der vom Magistrat eingebrachten Dringlichkeitsvorlage enthaltenen Kaufbcdingungen maßgebend sein. Nachdem der Plan die einmütige Billigung der Ausschüsse erhalten hat, kommt er heute Dannerstag in der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung, die ihn endgültig annehmen dürfte. Wiener Sängerbcsuch im Raihaus. Der Magistrat und die Stadtverordneten empfingen gestern eine Anzahl der gestern in Berlin eingetroffenen Sänger des Gesangvereins öfter- r e i ch i s ch e r Eisenbahn beamten, die sich anläßlich der Bundestagung des Oesterreichisch-deutschen Voltsbundes in Berlin eingesunden haben. Unter den Wiener Gästen befand sich der Ehrenpräsident des Vereins, Regierungsrat Botschen, sowie der Ehrenchormeister Karl Führich. Neben dem Magistrat mit Ober- bürgermeister Böß an der Spitze hatten sich eine Reihe prominenter Persönlichkeiten zur Begrüßung der österreichischen Stammesbrüder einoefunden. so der Polizeipräsident Zörgiebel, der Reichstags- Präsident Lobe, der österreichische Gesandte Dr. Frank sowie der österreichische Konsul Höllwieder. Der Magistrat gab zu Ehren der Gäste ein Frühstück, bei dem herzliche Worte der Begrüßung ge- wechselt wurden. vom Aulobu? kolg�fahren. Am Alexanderplaß ereignete sich gestern abend 10 Uhr ein schwerer Straßenunfall mit töd- l i ch e m Ausgang. Der Angestellte Franz K. aus der Pappelallee 24 wurde beim Ueberschreiten des Fahrdamms von einem 2l u t o b v s der Linie 30 erfaßt. Das linke B o r d e r- r a d ging über den Berunglückten hinweg. K. wurde zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo der Arzt mir noch den Tod infolge innerer Verletzungen feststelle» konnte. kchich der 1!Zochenen''-Au»slevung. Die Arbeiljgemcinichcist für Forst- schnd und Naturkunde E.V. veianslallet am Sonnlag. dem 15. Mai. einen Besuch der Wochenend-AnSstcllung am Kailerdamm. Tresspunlt vormittag-? 9 Ubr Vabnbos Witzlebcn. Ausgang Obprenhciibrücke. Ermäjzigter Ein- trittSpreis 1 M. Karlen haben den ganzen Tag Gültigkeit. Hebunq cincS rsesunkenen rnssiscbon Kriegsschiffes. Es ist btsckld'en worden, da? Panzerschiff„Rostsslaw" zu heben, welches der allen russischen Marine angehörte und während des Bürgerkrieges von den Truppen des Generals Wrangel beim Rückzug aus der Krim in der Meerenge von Kertsch versenkt wurde. Der„Rostislaw" hatte eine Wasserverdrängung von 10 000 Tonnen. Di« Hebungsacheüen sollen bis zum Herbst d. I. durchgeführt werden, worauf dos Schiff nach Sewastopol gebracht werbm wirb. Eine Wiederverwendung in der Flotte ist nicht in Aussicht ge- nommen, sondern nur crne Verwermng der Metallteile. Schneesall in Königsberg. In den Morgenstunden des 11. Mai herrschte in Königsberg i. Pr starkes Schneegestöber. Auch in der Nacht ist Schnee gefallen. partelnachcichten FM für Groß-öerlin kialenduagen sür diese Nubril sind P» Qt* JnP ktet» an da» Beztrtasekretaekat. verlin SW«». Lindenstrahe Z.- Trev. recht», zu richten 6. sireis sireuzterg. Bildnagsausschuß: Sonnabend, lt. Mai, 7l4 Uhr, wich. tigc Sitzung bei sirepp, Planufrr 7Z, am Urban. lt. Kreis Schöneberg-Frirdenau. Sitzung der Arbsiterwohlfahrt am Freitag, 13. Mai, 8 Uhr, im Schiweberger Rathaus, Zimmer ltZ. Kommissions» Vorsteher, Bczirkspflcgc» und-Pflegerinnen werden hierzu besonders ein» geladen Vortrag:„Der Aufbau der Wohlfahrtspflege im neuen Staat." Sieferentin Frau Wronfkii.— Parteigenossen, die sich am Kinderfreunde. maicntag in Neukölln am lö. Mar beteiligen wollen, treffen sich am Eonn. tag um S Uhr pünktlich am Kaiser.Wilhelm.Platz mit den Kinderfrcunden Schönebergs. 14. Kreis Renkölln. Freitag, 18. Mai, 7 Uhr, im Rathau» Neukölln, g. IZ7, Fraktionssitzung. SO. Kreis Reinickendorf. Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, im Rathaus, Reinicken. dorf-Ost. Sauptftrasic, Zimmer 17, Agitation, Arbeitcrwohlfahrt, Kinder- schütz. Vortrag:„Mutter- und siindcrschutz im neuen Arbeitszeitgesctz» entwurs." Rcferenti» Gertrud Hanna, M. d. L. Sämtliche Funktio- närinnen des Kreises sind eingeladen. Morgen. Freiing. 13. Mai: 38. Abt. 8 Uhr pünktlich Mitgliederversammlung an Stelle der ausgefallenen Zahlabenbe bei Schmidt, Fruditstr. 36a. Emfilbrungsvortrag:„Wie die Wasserwerke ihre Arbeit vollbringen." Referent Genosse Wieloch. Dieser Bortrag dient zur Vorbereitung der- Besichtigung der Wasserwerke Fried. richshagen am IS. Mai. 7». Abt. SchSuebcrg. 8 Uhr bei Zettlitz, Ecbanstr. 60, enge« Vorstands- sstzung, wozu auch sämtliche Dezirksfllhrcr erscheinen müssen. Abt. 124a Mahlsbors-LLd. 8 Uhr bei Dietz, Uhlandstr. 18, wichtige Funkt ionör. sstz-mg. sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. FrauenveransiLlwngen: 3. K«i» Wcbbing. Freitag, 13. Mai, 8 Uhr, bei Kräpel, Panksiratz« 42, Kreisfunktionärinnenkonferenz. Vortrag:„Die Frau in der Organisation." Referentin Minna Dodenhagen. 76. Abt. Rilmersdsrs. Donnerstag, 12. Mai, nachmittags 3 Uhr, Treffpunkt am Bhf. Stahnsdorf zum Wawfriedhof Wilmersdors. Besuch des Grabes der Genossin Neubert. Arbeiisgemeinschaft der Kindcrfreunde. K«!» Tempclhos: Achtung! Alle Kinder treffen sich heut«, Donnerstag, 12. Mai, nachmittags S Uhr, am Denkmal Dorf-, Ecke Berliner Stratze, um nach dem Volkspark zu gehen. Um 8 Uhr sind wir wieder zu Haufe. Schönebcrg: Wir treffen uns am Sonntag, IS. Mai, zum Maientag um 6 Uhr früh am Kaiser.Wilhelm.Platz. Rate Fahnen mitbringen. Jungsozialisten. Heule. Donnerstag. 12. Mai: Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr im Zugendheim Danzigcr Str. 62, Baracken, Aussprache:„Politik auf dem Balkan" Interessierte sind herzlichst willkommen. — Gruppe Pankow: 8 Uhr im Jugendheim Eörschftr. 14 Vortrag:„Tanz und Proletariat. Referent Martin Gleisner. Gaste willkommen.— Gruppe Reu- kölla I und II: 8 Uhr in der Volksbücherei, Ganghofcrftratze, Arbcitsgcmein. fchaft:„Dos Verhältnis zwischen Reich und Länder. Leiter Studienrat Erwin Marquardt. Gäste willkommen. JungsozlaNstev. Morgen, Freitag. 13. Mai: Gruppe Wcddivg. Gesundbrunnen: 8 Uhr pünktlich im Jugendheim des Ledigenheims Am Zrunnenplatz, Eingang Orthstr. 1V, Laden.„Agrarpro-'ilemr." Leiter der Arbeitsgemeinschaft Map Pottlitzcr. Die Genossen der»bereit Gruppen sind freundlichst eingeladen. Sport. Rennen zu Ruhleben am Milkwoch, dem 11. Mai. 1. Renne n. 1. Eilclsticd(&. Lautenberger), 2. Dancing! ffl. Freiwdl). 3. Einsicht(S. l'cmzerl. Toto: 29:10. Platz: 13, 18, 17: 10. Ferner liefen: Tic Letzie. Sir Caid, Modedame, Zarin, Wintermärchen, Erich s.. Dilemma. 2. Renne n. 1. Vetruschka fCb. Millsl. 2. Kinostcrn(Treuberz), 3. Katzbach II. Mills). Toto: 19:10. Platz: 10, 10, 10:10. Ferner Uesen: Mentor 1, Bessio, Terrazzo, Erasmus, Hellina. 3. R c n n c n. 1. Benedict(F. Knopnadel jr.), 2. Francisco IM. Huth), Z. Höbenioime fLemzer). Toto: 70:10. Platz: 14, 13, 11:10. Ferner liefen: Ludwig, Malmö, Coriolanus, Heidemann, Good Boy. 4. 31 c n n c n. 1. Trotteur fTh. Reiter), 2. Progreg(M. Hutb), 3. Fenelon (J. Mills). Toto: 7-2:10. Platz: 20, gl. 20:10. Ferner liefen: Kapell- meister, Lebenskünfiler, Florian, Feis. Interpellant. S. Rennen, l. Die Puppe fEh. Mills), 2 Beate IE. Treuhcrz). 3. Quintessenz«n hast du die internationale Hochfinanz, Industrieinagnaten. Schlotbarone, Großbourgeoisie oder dos, was man heute so den guten Mittelstand nennt, also Leute mit etwa l000 M. Monatseinkommen Minimum, dann allerlei Aerzie mit Namen, auch einige Gelehrte von Ruf. Kurzum:..man" traf sich osfenbar über Ostern in Baden. Autoverkehr beinahe wie in Berlin. Toiletten wie in Paris. Knickerbocks wie in London. Tanz wie in Europa. Geld wie in Amerika. Es jazzt unter allen Bäumen. Die Sonne strahlt. Die Frühjahrstoiletten sprießen aus der bunten Wiese holder Luxusweiblich- keit wie Anemonen, Wiesenschaumkraut und Veilchen, die nicht im Verborgenen blühen. Vormittags gehen die Männer in Pumphosen, gravitätisch wie Eunnuchen(die sie nicht sind): nachinittags im Sakko, Bügelsalten, Hut 1927, abends trifft sich Europens über- tünchte Höflichkeit im Smoking. Das Monokel ziert wieder das blitzende Auge, das männliche und, siehst« wobi, auch das roeibliche Auge. Es lebe die GleichheiiI Alle Bein« schlenkern wie toll ge- wordene Marionetten: und das heißt man dann Eharlcston und ein Saxophon macht die Frühlingsgeräusche dazu. Tanz ist eine Sache der notwendigen gesellschaftlichen Unter- Haltung geworden. Irgendeine Arbeit muß der Mensch schließlich haben. Und diese hat allerlei Borzüge: einmal braucht man nicht den(teilweise vorhandenen) Geist zu einer Unterhaltung anzu- strengen, zweitens bleibt man ichlank, dritten« haben die anderen etwas zu sehen. Im übrigen ist es Frühling, und die Lämmlein hüpsen da immer auf der bunten Wiese. In den Gärten des Kasinos Stephanie, des Atlantik, auf dem Dachgarten des Kurhauses klopft, zupft, dudelt, schreit, balaleikat und trompetet der Badener Frühling im Viervierteltakt. Ostern, das Fest der Auferstehung der Friihsahrsmode, ist also gewesen. Unsere deutsche Kultur, die. wie Herr Reichskanzler Marx ebenso hübsch wie richtig sagte, aus der Grundlage christlicher Welt- anschauung aufgebaut ist, kann sich wieder rhythmisch und sozusagen melodisch äußern. Die tanzleeren Tage der Kaxwoche sind vorbei: und alle bunten Blumen sind vergnügt. In Baden-Baden. Außerdem gibt«s in Baden-Baden jetzt 700 Erwerbslos«. Ar-, beitslose aber bedeutend mehr. Aber dies« gehen nickt stempeln. Im übrigen äußerst sich der Frühling in Baden-Baden durch gewaltige bauliche Anstrengungen. Man hat einen großen Teil der Oos über- brückt und eine br«i!c Einfahrt zur Stadt geschafsen. Aber man hat aach den Hamiltonpark in eine kapitalistisch« Angelegenheit ver wandelt. Tüchtige Leute haben— weil es nämlich In Baden noch kein« Geschäfte gibt— eine ganze Reihe neuer Loden erstehen lassen. Oder bauen noch dran. Wenn es so weiter geht, Ist Baden-Baden bald nur noch�Beton und Backstein mit etwas eingestrouier Natur. Aber sie haben halt einen neuen Kurdirvktor. Bon Adel natürlich. Weil so etwas in der Republik mit. der freiesten Verfassung der Welt besonder» wertvoll ist. Und da nun jeder Mensch seinen Befähigungsnachweis erbringen muß, so modernisiert er jetzt die alt« Römerstadt. Heil! Ich widme ihm deshalb in sein journalistische» Gästebuch zum Abschied diese(nur teilweise von mir stammenden) Berse: Das Aste stürzt,«s ändert sich die Zeit. Und neue Läden blüh» aus den Ruinen! Das Henkerslied. Während man sonst den zum Tod« B«r> urteilten noch eine Henkersmahlzeit gestattet, hat sich ein lettischer Schwerverbrecher als letzte Gunst vor dem Tode ausbedungen, noch ein schwermütiges Volkslied singen zu dürfen. Dieser sentimentale Mörder war Johannes Kaupen, ein Mann der zwei Jahre lang die Umgegend von Mitau in furchtbarsten Schrecken versetzte. 200 Rän- h�xeien ausführte, zweimal allein den Schnellzug von Mitau nach Riaa plünderte und nicht weniger als 22 Menschen auf seinem Ge- wissen hat. Nach langer vergeblicher Jagd gelang es der Polizei, den Banditen zu sangen, der ein sehr heiße? Herz hatte und viele Liebschaften unterhielt. Dies« Liebschaften wurden ihm zum Ber- hängnis, indem sie ihn schließlich in die Arm« der Gerechtigkeit führten. Soziallstische firbekterjugenü Groß-Serlin. Heute. Donnerstag. 12. Mai, 7'� Uhr: Rord«»: Schule Putbuffe« Str. S. TWKbtenner.Abcnd.— I «Werzwalder Etr. UI, Zimmer 11.„Unsere Reichswehr."— Ä» Schule Wrangelstr. 128. Liternturabcnd.— L-ulwiN? rtiem.i ßeofie.~ nfül m., ch>.,�D pViirir'vr"'"�' 8«ntJ»tg: Ecmeindeschule_ Zalkplatz! Schule Nöpenickcr Viertel: Warum bin ich � Ubr beim«.. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarr-Rot-Gotd". Geschaiis stelle: Berlin S 14, Ecbastianstr. 37/38,£ Uhr>. Nachzügler pünktlich 1%(nicht 8(4 Uhr) Bhs. Hermannstraste i Kleinbahn). Radfahrer treffen sich um 8 Uhr morgens«ottbuncr Tor. Pfingfifahrcr nach Stettin und Swinemündc melden sich umgehend bei ihren Abteilungsführern. Fahrgeld sllr die Dampferfahrt Stettin-Swinemüiid- in Sohe von 3 M. bis 15. Mai entrichten.— Tempelhos(Kameradschaft): Die für Fr., d. 13.. angesetzte Mitgliederversammlung fällt aus. Co.. v. 14.. 7>4 Uhr, Antreten am Bhf. Mariendorf»ur Fahrt nach Lichtenrade.— Rc«. käSa-Britz: Der Kameradschaftsabend der 3. Kameradschaft findet am Sonntag. d. 15., im Eiablisscmcnt Bergschlosihehe, Karlsgartcnstr. 4. statt. Käste und Kameraden anderer Kreisvereine willkommen. Für den 7. Mai zeläste Kin. trittskart« oehalten tdiltiAeit._ L Tr »iueommcn. Besichtigung des Krematoriums Keriäitstraße 6 Uhr bei Rostin, Mcmeler Str. 71-75. 7. Sektion: 7 Uhr daselbst. Schöneberg.Fricdenau: Kameradschaft Friedenau: Monatsversammlung im Restaurant von Stegcman». Sornftr. 5, Elke Büsingstrasic. R-s-r-nt Kam. Scnatspräiident Krohmann. stSichrige Tagesordnung.— Treptow: Eo.. d. 14.. Oha Uhr, Pfllchtvcransialtung Vhf. Treptow. Bietzsahrcr müssen am 13. abends bezahlen bei Kam.. Ristau «»de- Mecklenburg.— kreuzbcrg: Sonntag, d. 15., Pflich"' htfahrt per Bahn nach trag Gustav Bogt:„Grfolgreiche und berühmte Leidensgefährten schwerhörige und gvthörendc Gäste ftei. Dir Abteilung Westend dt, Arbeitcr-Schachklub» nimmt Kintritt für noch einige Mit. glicder auf. Epielwg jeden Donnerstag 8 Uhr in Charlottcndurg, Sophie Charlottenstr. 88(Ecke Potsdamer Straße). Belehrende Porträge, Simultan. spiele sowie Mannschaftsturniere. Gäste sind jederzeit willkommen. Vrtsverei- Berlin de» Verbandes Volksgesundheit. Donnerstag, 12. Mai. 'lg Uhr. Ifflandstr. S— 11. Vortrag:„Frauenleiden und Schwangerschaft".— Iugcndgruppc Osten: Freitag. IS. Mai,(48 Uhr, im Heim Gofjlcrstr 61, Mit. gliedervcrsammlung.— Iugendgruppe Süd: sJetUag. 13. Mar� 7 Uhr. Dis- kussionsabcnd im Heim Neukölln. Schicrkestr. 44. Thema: und Proletariat." Gäste willkommen. lleligions fragen Deutsche Laudrmannschaft der Veoninz P-fe», Droß-DerNn. MonatssitzunO Donnerstag, 12. Mai. 8>4 Uhr, Kindl-Brauerei. Neukölln, Hermgnnstr. 214- 219. Internationale: Verein für Zudividualpsncholegic. Ortsgeupre Pcrliu. Wilhclmstr. 48. Sozialwissenschaftlicher Klub. Freitag, 13. Mar. spricht FrrA Künkcl über„Die Affekte". Rettet Saeco und Vanzetti! Unter diesem Titel veranstaltet dle.Deutsch« Liga für Menschenrechte" Freitag, 13. Mai. 8 Uhr, im ehemaligen Herrenhaus. Leipziger Etr. 3, eine öffentiiche Kundgebung, in der Karin Michaelis, Bar0tl4D von Kardorff(Katharina von Ohcimb), Dr. Leo Klaubcr u. a. sprechen werden? Zionistisch« Vereinigung. Montag. 23. Mai. spricht im Plenarsaal de» Reichswirtlchaftsrats, Bellevuestr. 15. Kurt Vlumcnfeld, der Vorsitziinde den Zionistischen Bereinigung für Deutsckzland, der soeben von einem längere« Palästinaaufenthalt zurückgekehrt ist, über seine Eindrücke, die er vou dcnv Aufbauwerk in Palästina empfangen hat. e_ b llealer, litfifspiele sisw. Staals- Theater Opernhaus 4. Platz d.Republ. 7LT.: Tristan u Isolde Schausplcltinu» 8 L'br: Florinn Geyer Schiller* Theatei 8 Uhr: Musik. SlaälSlpei Ch*'lottcnburg 7»;, Uhr: Rolfaianns Erzahloßoeü Abonn.-Turnus I teötesl.» Korden 10.734—37 S L'- Ende II U. Der lirzi am SdieSüeweil Üararaerspiele Korden 10334—37 S1)« U. Ende IOVjU. Bas Lanil defiraie Zentral- �Yheaker Täglich 8 Uhr ML WcflC Lustspiel ;Vt,P Sloboda ...» Volksbühne fiiei'er am BaiowplatijTii. am Sdiifteerdanun 8 Uhr Judith 8 Uhr Morgen 8 Uhr: Traomsplel Jan der Wanderbare WaSSner-Theater 81', Uhr; Der Luslsplclcrlolg Ml äcr§oi99i€S!§eSle SComiseheOperl 3". Lhir:> Sonnabend, den 14. Mai 1�2 7 1 fficr Prensi�re j die gr. neue Jaines-KIein-Revuel SfreHstveriioienüj ] rmrr�mvrw i mt----" vi? Rgrpp rifTT Die Komödie üismarcK 2114. 75 is Pf, Uhr. Ende 10 U- Lockvögel Nacht Vorstellung: Tägl.ll LT.f Ende 1 U. Revos: WasSiewoilen Preise 2. 3. 4 u. 5 M. Tliaat. a.Ho!l!Dijorfpl. Kurfürst 2001 3 Uhr Emiegtsen 11 firei amte kleine Rädels Op-reltt im Waitir Kollo Tauentzienpalast. Die Spielwoche vom 12. bis 13. Mai wird im Zeiche» eines lustigen Programmes stehen. Die vier besten Grotesken, die William Fox produziert hat.„Müde Beine" mit Eid Smith,„Alles auf Abzahlung" mit Kephrnn Perry und Allen Forrcst.„Ionny lernt küssen" mit Richard LZallimg.„Panlchcn macht sein Ellle� mit Jerry Maden werden das Pro» gramm außerordentlich lustig gestalten. Zwischen den vier Grotesken werden vier sehr interessante Filme aus aller Welt gezeigt, nämlich„Heilige Felsen". „Im Lande des Kinderspiclzeugs",„Quer durch Äritisch-Tolumbien",„Rio da Ianairo", die Perle des Südens. Die Veranstaltungen des Taucntzienpalafte» beginnen im Degensatz zu allen anderen Berliner Kinos um 0, 8 und 10 Uhr. Anfangszeiten, die es auch sehr beschäftigten Berlinern ermögliche!», die Epät- vorstcllungcn rechtzeitig zu erreichen. C�SINO-'me�.TKRs Uhr: Pim�elhuber der Millionen-Erbe Outschein: Faut l Mk_ Sessel 1.50 Mk.| Donnerstag, den 12. Mai nachmittags 3 Uhr ERIK CHAREIX DRINGT:. .<> Reichshailen-Theater Allabendlich 8 Uhr: Siettiner Sänger (Meysel, Brltlon, Sleidl usw.) , Das winiilerijare Mai-Ptogr.l Oönhoff-Brett'l: Varietd, Konzert, Tanz Zeugen gesucht! Durch die Ablrcrruugd»,»«nehmen der Hali-ei am »tahlhelm-Sonnlag»st c» dem Publikum unmöglich /gemacht worden, den Girou» Büsch zu besuchen. öogar solchen Benichern. die bereit» gelöste Gin- rrittskaiien in Händen batien, gelang cS zum Teil nicht, zum Teil nur mit äußerster Energie und aul llmwcaen den GircuS zu erreichen. GS ist nur bekanntgegeben»vorben. daß der Lust. garten als ivlche» adgelpcirl weiden sollte, nicht aber, daß m großem llmtreue de» Ctrcuse« unsere Besucher. »roy�em sie lhre Absicht der Polizei erklärlen. am Westergehen verhindert würden. Zwecks-teuung von Schadenerlatzansprüchen bitten wir dleienigen Perionen, die in dieler Sache al» Zeugen dienen lünne», nm Ireundliche schrislliche Aul- dlollendork 7300 8 Uhr Charlie 'RivelTrio! und weitere Vorlete- Sensailaaen! Titaua-Tneoter 8 Uhr: Wean der junge Weia blüht RetropöT- Theai Täglich 8 Uhr: tojjteiin anwwsicyjhinn Th.Könljr'rätx. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Dia Sdiule v.Dznadi jlDomOdienkifias Norden 6304 8 Uhr Theo madtt alles! laileiibiirg-Bifcacn Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Adieu Mimi Airred Braun, Lncle Mannheim a. G. Bendow, Wcslermeler, Kupfer u. a. Grones Scfaaaspfethaas | RcHfrld, Dadstrasie nur 34(Loben), komplette Herrenzimmer nur 285.—, 375,—, 490,—, Ankleidrschränkc, surniert. dreiteilig, 70,—, 98,—. 140,—. 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Sitzung Rehkcld, Badstraße nur 34(Laden), DipIomat.Sdsreibtische, echt Eiche. 50,—, Schreiblessel, Rindledersstz 29,—. Siand- uhren 95.—, Klubscssri 85,—, sslurgarde. roden, moderne Anrichie-Küchen 119,— 133,—. 185.— Hausnummer achten.• Rehfrld. Badstraße nur 34 lLaden),' Speisezimmer: Büfett, Vitrinenanfiatz, volle Tüten sinnen Mabagoni), schwer» Dildhauerarbrit, englische Züge. Kredenz, Ausziehtisch mit abgerundete» Ecken, echte Lederstühle. 895,—. 450.—, 550,—. Hausnummer achten.- Rehfcld, Vadstraße nur 34(Laden), Schlafzimmer, eckst Elche, vollständig kom- hav TNittko--»«N-o" ,, idlett mit großem Ankleideschrank. 385.—. oer ckltlttieren Orlsvcrwallung�oo,-, 590.- usw. Hausnummer achten.- via Ortsvarwallung Si-ii°iisVas8lvajIiaat d!Ulx und zut rnserslr. 4«. Sditinbaiiser Allee 33 wattiaiia- Tneat. Täglich 8V. Uhr; Die von der Liebe leben! lasmdlid» leinen Zutritt! Vorzeiger zahlt j nur halbe Kassenpr. lustspielhaus 8", Uhr: [Sobby's letzte Kaditj VesjKrmann, Rlmder. Janlemunii Hose-Theater j 8'/. Uhr: Der Vetter ausDingsda MJENT2IEN PALAJT LUDWIG MLOPftR GERHART HAUPTMANN REGIE: FRIEDRICH ZELNIK MANUSKRIPT: F. CARLSEN UND WILLY HAAS STIL UND MASKEN: GEORGE GROSZ MIT SERVAES DIETERLE/ URAUFFÜHRUNG c ' WEGENER LOOS/ PICHA SONNABEND 7'5, 9'° c fBerlin-Hambg..Bahn). Erfolgreichstes Bad gegen Gicht. Rheuma, Ischias und Frauenleiden. Erfolg tausendfach de stStigt. Eröffnung 1. Mal 1927. Kurzeit ganzjährig. Prospekte durch die Bade- Verwaltung und diverser Reisebureaus Verkäufe Photo. Aurina, Potsdamerstraße 45. Stadtbekannt, erstklassig, billig.• Höterwagen durch Plattenauj�aü auj meine großen prima Leiter» und Kasten. 1 wagen selbst leicht herstellbar. Georg Wagner, köpcnickcrftraße 71, Hos.»ein Laden, dafür billigere Preise.> Linlpianas, überaus preiswert. Pianofabrik Link. Brunneiiftraß» 35_* Mietpiano, 10,— Mark an,»auf- gelegenhcit. König, Bochumcrstr. 27 III. Ohne Anzahlung. 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Die Kolleginnen und Kollegen im Hauptbüro des Deu Ischen Verkehrsbundes Die Beerdigung findet arn Donnerstag. dam 12 Mai, nachmittags 3','4 Uhr. auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. 27,501 Bettwäsche!> -teppdrckenl Tülldecken I Inletts I Alles � : spottbillig! Keine Lombardware! Leih.! >haus. Brunnen straße 47«. Kavaliergarderahe, teil, aiif�Seidl � Iackettanzllge 23.—,«abardinemäntel dstj—. Prima Msßerfatzgarderobe eeorw billig. Ferner Pelzmäntel 150,—, Pelz.'- ,.. lack.-n 30.—, Krenzfllchfe, Kiegen i,,_. inungsschem ver»let»t Leihhaus Moritzplotz 35z. Keine Lom- �rage 44. Hardware. Vermistunse AHvet-Aimmer-Wohnung ohne Woh» !r»irt«t Vogt, �öprnicker» »«ov«, I Leere» Zimmer, Küche, vermietet Bogt, ,t Sweiu-dfitnfzig Anrichteküchen. Besen. 1 schränke, Abwaschtisä)«. Herabgesetzte .Preise. Zahlung-erleichterung. Kamer. ling. Kastanienallce 55.» . Moebcl.Boebcl. Moritzplatz. Verkauf im h Fabrikgebäude. Niedrigste Preise. E sochiafzimmer 435. Speisezimmer, ! Preise. 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