Ne. 224 ♦«4.?ah?g. Ausgabe JX Nr. 114 Bezugspreis: WSchentlich 70 Pfennig, monatlich K,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschlaub, Danzig, Eaar- und Memelgebict, Oesterreich, Litauen, Luxemburg Diese sonderbare Begleitmusik zu den gerade jetzt mit Briand eingeleiteten Verhandlungen der deutschen Bot- schaft in Paris hat selbstverständlich die Stellung Poincar6s im französischen Kabinett wesentlich g e- st ä r k t. i Marx und Stresemann lassen immer wieder hervorheben, daß sich an dem Wortlaut der„Richtlinien" nach wie vor nichts geändert Hab«: sie lassen es sich aber gefallen, daß mit dem Geist der„Richtlinien" von der Deutschnationalen Partei und ihrer Presse täglich Schindluder getrieben wird. Die Folgen dieser schwächlichen Politik werden nicht aus- bleiben. Das deutsche Volk wird denen, die dafür die Verant» Wartung tragen, die Quittung erteilen. wärtigen Regierung folgende Regierung beinahe berechtigt ist, die Mitglieder der gegenwärtigen konservativen Regierung wegen Pflichtvergessenheit vor den Staatsgerichtshof zu stellen." Neuer britisch-ru�scher Konflikt. Haussuchung im Londoner Haus der russischen > Genossenschaften. Loadon. 12. Mai.(Reuter.) Die Polizei hat in den im Ge> schästsviertel liegenden Bureouräumcn der A l l r u s s i s ch e n k o o- perativen Gesellschaften eine umfassende Haussuchung vorgenommen. Die Geschäftsräume der russischen Handelsdelc- g a t i o n. die unter dem Schutz der diplomatischen Exterritorialität stehen, blieben von der Haussuchung unberührt. Die Ergebnisse der Maßnahme sind bis jetzt nicht bekannt. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Eine dichte polizeiliche Absperrung vor den Türen der Geschäftsräume ließ niemanden während der Dauer der Haussuchung eintreten. Die polizeilichen Maßnahmen sind für die sowjetrussische Botschaft, die von dem Bevorstehen der Haussuchung gänzlich ununterrichtet war. völlig über- rasche nd gekommen. Ueber Gründe imd Charakter dieser polizeilichen Maßnahmen konnten bis jetzt keinerlei Auf- j ch l ü s s e erlangt werden. Die Durchsuchung dauert um Mitternacht noch an. Die Angc- stellten der Niederlassung werden im Gebäude polizeilich o« r h ö r t. T a u s e n d e stehen vor dem Gebäude. Ungeheures Aufsehen. Hungersnot im Karfl!anöe. Bauernsterben in der Herzegowina. Belgrad, 12. Mai.(WIL.) 3n vielen Bezirken der her- zegowina Ist infolge der Rolloge der Landwirtschaft Hungersnot aus- gebrochen. 3m Dorf Ruzlce sind drei Bauern Hungers gestorben. Auch in anderen Dörfern hat die Hungersaol solchen Umfang angenommen. daß viele Leute im Sterben liegen. Die Behörden haben die Regierung dringend um hilse gebeten. Die kleine Entente gefähröet. Mussolini hat Rumänien erkauft. Paris, 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« Presse beschäftigt sich eingehend'mit der am Freitag beginnenden Konferenz der Kleinen Entente in dem böhmischen Radiumbadeort Joachimsthal und weist auf die Bedeutung der Aussprache angesichts der zahl- reichen politischen Konflikte hin, die besonders im Balkan den europäischen Frieden bedrohen. Der„Soir" betont, daß der politische Zweck der Kleinen Entente sich seit ihrer Gründung völlig geändert habe. Damals sei sie als Gegengewicht gegen Deutsch- land, Ungarn und Bulgarien begründet worden. Heute habe sich durch Mussolinis Diktatur die Lage grundlegend ge- wandelt. Der italienische Diktator haben von Anfang an erstrebt, die Kleine Entente zu sprengen, um die italienische Vor- Herrschaft auf dem Balkan herzustellen: dazu habe er den Vertrag mit Rumänien abgeschlossen, um durch Anerkennung der Einoerleibung Bessarabiens in Rumänien diesen Staat zur Neutralität in einem südslawisch-italienischen Konflikt zu zwingen. Heute stehe die Existenz der Kleinen Entente auf dem Spiel. Menschenausfuhr aus Java. Holland-indifche Beruhigungsmethode. Amsterdam. 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Aus B a t a v i a wird gemeldet, daß dort wieder ein Schiff mit 36 internierten „Kommunisten" nach Makassar abging. Unter ihnen sollen sich zwei politisch bekannte javanische Persönlichkeiten befinden. Für weitere 256 Personen ist das Internierungsdekret angeblich bereits unterzeichnet. Der Gesamtzahl der auf der Internierungs- liste stehenden Personen beträgt 1000. In S a b a n g auf Sumatra wurden wieder 230 Personen verhaftet. Alle indonesischen G e- fäng nisse sind jetzt infolge der Verhaftungen aus Anlaß dj Proz. erhöht. Dieser Schiedsspruch ist von beiden Parteien angenommen worden. Das neue Gehaltsabkommen läuft bis zum 31. Dezember d. I. Schiedsspruch für das Schleppschiffpersonal. Dortmund. 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Für das Schiffs- personal der staatlichen Schleppämter wurde von dem Schlichter in Dortmund ein Lohnschiedsspruch gefällt, der eine Erhöhung der Wochenlöhne für Duisburg-Ruhrort um 2,89 M. und für das Schleppamt Hannooer um 3 M. mü Geltung vom 1. April rück- wirkend Vorsicht. Die neuen Lohnsätze werden am 31. Dezember 1927 erstmalig kündbar sein. Der Deutsche Verkehrsbund und der Zentralverband der Maschinisten und Heizer haben bereits Ver- sammlungen zwecks Abstimmung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs einberufen._ SPD.-Mctallarbeitcr! Montag, den.16. Mai, abends 7 Uhr. Fraktionsversammlung in den Musikersälen. Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Zutritt nur unter Vorzeigung des Partei- und Verbandsbuches gestattet. Der Fraktiönsoorstand._ Der verband der Gärtner und Särtnerelarbeiter. Verwaltung Groß-Berlin, verlegt sein« Geschäftsräume ab 18. Mai nach Berlin C. 2, An der Stralauer Brücke 6 III(Tel.: Königstadt 6995). Freie Gewerklckaftsluaevd. Heute abend 7'� Uhr taqen die Kruppen: Her. mannplan(Rculiili- 2>: Gruppenheim Jugendheim Sanderstr. U, Ecke Hobr.ch:. straße. Vortrag:„Wirtschoit?dcmokratie/'— Schöaeweid«: Erupptnhcim Jugendheim L-uf-ncr Etr. 2 aLotcr Saal). Fortsetzung des Sleihcnvortragcü: „Vom Zunftgesellen»um freicn�lrbeitcr."— Nedding I: Gruppenheim E.'adt- bad Wedding. Kerichtstr. W— K9. Vortrag:„Was will der Eozialismus?"- Rordrino: Drupvenheim Jugendheim Ederswalder Etr. lv, Zimmer 12. Tic Laienkünstler haben das Dort.— Zenpclinplatz tWedding Z): Krupp'nhkim Stödt. Jugendheim Turiner, Ecke Eeestraße. Vortrag:„Nulturclle Aukgabeir der Dewrrkschaften."— Weitzcnscc: Sportplatz am Faulcnsee, Platz Z. Spiel und Frohsinn. Baudclegierte und Betriebsräte des Banacwcrlsbnnde», Vaugewerkfchaft Bertin. Montag, IS Mai, nachmittags S Uhr, in den Residenz.Fcstfalen (großer Saal), wichtige Vaudelegiertenverfammlung des Hoch., Beton, und Ticfvaugewcrbes. Die Kollegen Vandelkgierten und Betriebsräte werden er. sucht, in diescr Versammlung ,u erscheinen, ferner ersuchen wir unsere Kollegen. daraus Wrrt zu legen, daß der Bnudelegierte auf seiner Baustelle am anderen Tage Bericht erstattet. Baugewerksbund, Baugcwerkschaft Berlin. Der Borstand. Zugeadgrupp« des stdA. Heut«. Freitag, IVi Uhr, Veranstaltungen in folgenden Bezirken: Südwest: Jugendheim Belle»Wliance»Str. 7—10. Wald» mann:„Internationale Scwerkschastsbrwegung."— Spandau: Jugendheim Lindenufer l. Fahrtcnbcrichtc.— Lichtenberg: Jugendheim Porkauc 10.- Nordwest: Empfangsraum des Butad, Wcrftstr. 7 II. Schumann:»Die Zukunft des jungen Sausmanns.� Verantwortlich titr Politik: Biets» SchisI; Wirtschaft:(9. stlingelhöfer; Bewerkschottebeweanna: Friedr. Spkorn: Feuilleton: st. H. DIfcher: Lokale» und Sonstiges: Fritz starstödt; Anzeigen: Th. Slockc! sämtlich in Berlin Verlag: Vorwäris-Veriag K m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-BuckidruScret und Berlagsanstalt Paul Einger u Eo., Verlin SW 08. Lindcnstraße 3. Cictja 2 Beilaac» and..Unterbaltuna und Willen-, WERTHEIM Sfow-Sfö# Zitroncn- Gfirungsgetr&nk Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Verkauf: Drogm Abtciiun« Ausschank: Obst, Gemüse, Fleisch und Fische werden nicht zugesandt Ertriichunjirauni Abteilung) frische Blumen/ Leipziger Straße s Königstraße/ Moriizplai» Balkonpflanzen Petunien..3st.60Pf.95Pf.1.50 KonfltOren, 3 Pfund-Eimer Ananas 1.65 Orangen, Johannisb. 1.15 Pflaumen 1.10 Erdbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Kirschen 1.45 Wein Preise /ür Vi Flasche ohne Gins Renetten-Apfelwein nalurreiner badlscher........ 58 Pt Maitrank n», pruchiwein................... 85 Pt Weißer Johannisbeerwein t-i» zur sowie...... im 1922 Edenkobener gehaltvoll, mild........... 1.25 1922 Zeltinger role Kapsel, Qoller MUtelmosei.»,»»» 1.35 1921 Berncasteler blumige Moseiarf.......... 1.85 1920 Forster Schnepfenflug w\*ön"Yfafzwdneln 2m 1922 Canzemer Unterberg ortginai-Abfuiiung mit Korkbrand Priesler-Semtnar, pikanter Saarwein 2.50 Fruchtschaumwein vorzUgUche Quaiuat, mit Plaacbe.. 1.30 1922 Ruppertsberger alllSger Pkalrwaln, vom PaS. Liier 1.50 Johannisbeerwein n».»uo. vom pob........ Liier 95 Pt Rugenwalder Rot-u. Landleberwurst 1.10 Speck KU. P'd. 1.10 mager 1.20 Jagdwurst....Phmd 1.45 Schinkenwurst.Pfund 1.45 Pökelfleisch«t 1.50 Leberwurst f-'ne. Pfund 1.60 Bierwurst..... Pfund 1.60 Teewurst I90 Schinkenspeck. Pfund 1.60 Zervelat u. Salami Pfd. 1.65 Nußschinken 1.85 nutitrafc. BssmftrJar ttnl«. KoUipilub Speckwurst.. Pfand 90 Pf. Dampfwurst...Pfand l.io Mettwurst welch«, Pfund 1.20 Camembert» Porkioo«. 65 Limburger Schweizer'3L 1.45 93Pt Allgäuer Pfd. 45 Pomm. 40 Pt. � üc:o~ Holländer____ Pfund 70pi Margarine...Pfand 58po Edamer...... Pfand 70Pt Kokosfett-»- Pfand 58 Pf. Steinbuscher'""m 98Pt Tafelbutter...Pfund 1.80 Tilsiter voiiieit. Pfund 1.10 an Dänische Butter Pfd. 1.34 Zunge Lnten JungeTaubensmckSSPl.« Hühner gefroren, Pfd.v. 1.10- ... Pfund von � 35 an Suppenhähne p'uuv! 1.15m, Suppenhühner pfd.�1 1.15 Auszugmehl-. Weizengrieß.. Pfund 26 Pt Haferflocken.Pfvnd 27 Pf. Bosn. Pflaumen Pfd. 28 Pf. Hartgrieß.... Pfund 32 ff. Backobst gemlachl, Pfund 42Pt . 5 Pfund-Beute! 1 25 Makkaroni(Eier.Bmch) 52 Pt Bosn.Pflaumen-.sui»« 52 Pf. Ringäpfel amerlk. Pld. 65Pt Kaliforn. Birnen Pfund 65 Pt Russ.AprikosenPfund 95 pf.' Holl. Kakao mrke««. i pfu»d Iso Borkenschokolada. Karton ca. 7S Or. 35 Pf ca. ISOQr. 65 Pt! Vollmilchschokolade mit ganzen tlaselnUaaen, Tafel>000«. 33Pt Dessertbrezeln-/-Pfd.35Pt Sandgebäck� 25 � 95 Pt Gebrannt. Kaffee eigene Rfisleref Konsuui-Misch., Pfd. Äa aW Haushait-Misch. Pfund 2.60 Giofaus-Misch..piaodS.eO Sonder-Misch..Pfund 3 m Residenz-Misch. pm. 4.20 Olympia-Misch. Pfund 3.40 Elite-Mischung PfwM 4.60 Nr. 224» 44.�ahrgang 1* Heilage ües vorwärts Ireitag, 13. Mail 427 Die hetze gegen kommunale Hetriebe. Noch kein Stadtverordnetenbefchluy über die Anschaffnngsgesellschaft. Die Stadtverordnetenversammlung kam gestern bei der weiteren Erörterung der mit der A n s ch a s s u n g s- gesellschaft gemachten Ersahrungen noch nicht zu einer Ent- scheidung. Mit den grundsätzlichen Gegnern kommunaler Betriebe setzte unser Genosse B u b l i tz sich auseinander. Datz die Leitung dieses Unternehmens oersagt hat, hob auch er hervor. Aber gegen die hetzerischen Versuche, das zuungunsten des ganzen Unternehmens auszunutzen, wandt« er sich sehr nachdrücklich. Als für den Magistrat der kommunistische Stadtrat Gabel er- llärte, man müsse olle Verwaltungen der Stadt zwingen, ihren Bedarf bei einer solchen Anschaffungszentrale zu decken, gab es bei den Bürgerlichen großes Hallo und heftigen Widerspruch. Die von der Wirtschaftspartei und den Demokraten eingebrachten Anträge gegen die Anschassungsgesellschast sollen in einem Ausschuß geprüft werden. * In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde zunächst die am letzten Donnerstag abgebrochene Aussprache über die von den Demokraten und der Wirtschaftspartei eingebrachten Anträge gegen öas stäStifche flnschaffungsamt fortgesetzt. Genosse Bublih sprach eingehend über die Prüfun- gen, die von den vorgesetzten Körperschaften beim Anschaffungsamt vorgenommen wurden. Es ergaben sich dabei Anstände, die dazu führten, daß mit dem Leiter des Amtes ein ernstes Wort geredet wurde. Schließlich wurde der Direktor seines Amtes enthoben, weil sich die Art seiner Geschäftspraxis nicht in allen Punkten mit der einwandfreien Geschäftsführung eines soliden Kaufmanns verein- baren ließ. Der Magistratsdezernent wurde benachrichtigt, der eben- falls die Feststellungen bestätigt fand. Zugegeben soll werden, daß das Expansionsbedürfnis des Anschaffnngsamtes sehr erheblich zu- genommen hat, und daß so der Geschästskrcis über den ursprünglich vorgesehenen Kreis weit hinausgegangen ist. Damit wurden aber auch gleichzeitig den Gegnern gemeinwirtschaftlicher städtischer Unter- nehmen genügend Gründe sür ihre Angrifse gegen das Anschasfungs- aint geliesert. Eine allgemeine Reorganisation des Amtes ist bereits in Angriff genommen; sie wird sich besonders darauf erstrecken, die Unkosten in ein gesundes Verhältnis zum Umsatz zu bringen und die Beobachtung gesunder kauf- männischer Grundsätze den Leitern zur Pflicht zu machen. Die Tatsachen, daß gelegentlich solche städtischen Unternehmen versagen, beweist noch nichts gegen die Unternehmen an sich, deshalb werden die Sozialdemokraten gegen beide Anträge stimmen. Als Vertreter des Magistrats wies Stadtrat Gaebel lKomm.) die Angrifse des Redners der Wirtschaftspartei auf das Anschasfungsamt zurück. Die Stadt wird nach der Reorganisation des Anfchaffungsamtes darauf dringen, daß all« ft ä d t I s ch e n Dien st stellen ihren Bedarf beim Anschaffungsamt decken. Stadtverordneter Meyer(Dem.) hielt eine große Rede gegen das Ansthaffungsamt. Er betonte zwar einleitend, daß er und feine Freunde nicht auf dem Standpunkt ständen, daß nur die Prioatindustrie ein Recht zum Betrieb von Gefchäftsunternehmen habe, sondern daß Monopolbetriebe, wie-Gas-, Wasser, und Elektrizitätswerke durchaus in die öffentliche Hand gehören. Es müsse dann aber auch eine Beschränkung aus das Monopol eintreten. Die Stadt sei nicht dazu da, in das Er- werbsleben der Bürger einzugreifen. In letzter Zeit sei aber die Konkurrenz der städtischen Erwerbsgesellschasten immer unerträg- licher geworden. Die Kriegseinrichtungen bei solchen Aemtern seien nicht nur beibehalten worden, sondern in ganz unzulässiger Weise ausgebaut worden und wüchsen sich nunmehr zu einer Gefahr für Handel und Gewerbe aus. Es sei nicht Sache der Stadt zu spetu- lieren. Meyer forderte weitestgehenden Abbau des Anschasfungs- amtes und eine Beschränkung der Geschäfte der Stadt auf die Monopolbetriebe. Für die Deutsch nationalen erklärte Stadt- verordneter koch die Zustimmung seiner Parteifreunde zu dem An» trag der Wirtschaftsparteiler, der«ine Auflösung des An- schaifungsamtes fordert; dasselbe erklärt« Stadtverordneter Tresserl namens der Z e n t r u m s f r a t t i o n. Als die Aussprache sich in Einzelheiten verlor und das Interesse des Hauses stark nachließ, stellte Stadtverordneter Schwarz (D. Vp.) einen Antrag auf Ueberweisung der ganzen Angelegenheit an einen Ausschuh. Nach einer Ge- schäftsordnungsdebatte ging schließlich die Aussprache wetter, in der u. a. noch die Stadtverordneten Letz(Komm.), Genosse Bublilz und hake(Wp.) sprachen. Schließlich wurden dann die Anträge zur' Behandlung an einen besonderen Ausschuß verwiesen. Bei der Erledigung einer ganzen Reihe von Grundstücksvor- lagen wurde auch eine Vorlage des Magistrats wegen des Ankaufe» des Ritlergute» Selchow zur Erweiterung der südlichen Rieselfelder angenommen. Nach der Begründung durch den Stadtverordneten Raddatz(Komm.) wurde ohne weitere Debatte mit den Stimmen der Linken ein Antrag der Kommunisten angenommen, der vom Magistrat Maßnahmen gegen die Steigerung der Mieten am 1. April und am 1. Oktober verlangt. Bei der Beratung eines volksparteilichen Antrages, der die Stärkung der Disziplinargewalt des Vorsteher» zum Gegenstand hat, kündigte der Kommunist Letz schärfst« Opposition seiner Fraktion gegen eine.Beschränkung der Redefreiheit an. Auf Antrag unserer Genossen wurde der Antrag dem Geschästsordnungsausschuß über- wiesen._ Krul! wieüer in Tegel. Wie die Flucht möglich wurde. Der auf dem Gefangenentransport am Montag aus dem Polizeiauto entwichene Leutnant a. D. Ernst K r u l l nt am gestrigen Donnerstag nachmittag durch Rechtsanwalt Walter Bahn wieder in die Strafanstakt Tegel zurückgebracht worden. Am Abend vorher hatte Krull Rechtsanwalt Bahn, der ihn in seinen früheren Prozessen verteidigt hatte, aufgesucht und ihn gebeten, ihm in seiner Gnadensache Beistand zu leisten. Er versicherte dabei, daß er nicht die Absicht habe, sich dauernd der Strafe zu entziehen, sondern daß seine Flucht aus dem Gefängnis lediglich eine.Flucht in die Oefsentlichkeit" sein sollte. Krull hat von der ihm auferlegten Strafe von 9 Monaten noch 6 Monate zu verbüßen. Er fühlt sich aber beschwert darüber, daß ihm die Zeit von SM Monaten Untersuchungshaft zwischen der Fällung des Urteils und der Revision am Reichsgericht nicht ange- rechnet worden ist, und das um so mehr, als er bereits in der Affäre Rosa Luxemburg unter Mordverdacht 19 Monate unschuldig in Untersuchungshaft gesessen habe. Wie sich jetzt herausstellt, war die Flucht Krulls aus dem Polizeiauto durch einen eigenartigen, etwas komisch anmutenden Zufall ermöglicht worden. In dem Polizciauto.. da» den Transport von Tegel nach den verschiedenen Amtsgerichten und Untersuchungsgefängnissen zu bewerkstelligen hatte, befand sich auch eine weibliche Person, die in der im Polizei- auto befindlichen Jnternierungszelle untergebracht wurde. Diese Frau war aber so dick, daß sie die enge Zelle derart ausfüllte, daß die Tür nicht verschlossen werden konnte. Die offene Zellentür ver- hinderte aber auch, daß die andere Tür geschlossen werden konnte. Als der begleitende Strofanstaltswachtmeister beim Amtsgericht Reinickendorf die Insassen des Wagens abzuliefern hatte, gelang es Krull, hinter dem Rücken des Kraftwagenführers, der pflichtgemäß während dieser Zeit den Ausgang des Wagens beaufsichtigen sollte, unbemerkt zu entwischen. Die beiden Beamten sind übrigens sofort vom Dienst abgelöst worden, und es wird gegen sie eine Unter- juchung eingeleitet werden, ob sie sich einer sahrlässigen Gefangenen- befreiung schuldig geniacht haben. Krull war auf Vorstellungen seines Anwalts gestern sofort bereit, ins Gefängnis zurückzukehlen, nachdem dieser im Justizministerium ein Gnadengesuch oui Anrech- nung der 3% Monate Untersuchungshast eingereicht hatte, und nach- dem Rechtsanwalt Bahn die Zusage erhalten hatte, daß die Akinr von der zuständigen Enadcnabtcilung geprüft werden sollen Er wollte ein neues Leben beginnen. Tic Richter hatten Einsehen! Vor den Richtern steht ein Mann, der sich wegen Führung falscher Papiere zu verantworten hat. Er ist sein eigener Verteidiger. ..Meine Herren Richter!— so führte er aus—. ich bin 35 Jahre. alt und fünfmal vorbestraft. Sie wissen, es waren schwere Ein- bruchsdiebstähle. für die ich hart gebüßt habe. Ich will hier nicht darüber sprechen, wie ich zu� meinen Taten und zu meinen Strafen gekommen bin. Glauben Sie mir, aus Uebermut ist es nicht ge- schehen. Und wie ich mit mir gekämpft habe, wie ich mir jedesmal von neuem vorgenommen Hab«, nie wieder ins Gefängnis zurückzukehren, davon will ich schweigen Sie wissen es wohl, wie schwer es für einen Vorbestraften ist, den Weg ins geordnete Leben zurück- zufinden; es ist wie ein Fluch, der an ihm hastet. Als ich aber das letztemal im Jahre 1923 das Gesängnis verlieh, da wußte ich: Du kehrst nicht mehr hierher zurück. Ich fuhr in meine Heimat an den Rhein, um hier neue Kräfte für ein neues Leben zu schöpsen. Zwei Jahre waren seither verflossen, da erfuhr ich plötzlich, daß in Altona wegen irgendeiner Tat aus früheren Iahren gegen mich ein neues Verfahren eröffnet sei. Ich war der Verzweiflung nahe, jeden Augenblick erwartete ich meine Verhaftung. Zllso mar alles imisonst! Nein, es darf nicht sein, sagte ich mir; ich bin ein neuer Mensch; haftet für die Behörden an meinem Namen mein srüheres Ich, so soll dieser Name ausgelöscht sein. Ich erhielt von meinem Freunde dessen Invalidenkarle, fuhr damit nach Berlin und nahm als Vor- arbeite? in einer Fabrik Arbeit an. Für meine Vergangenheit war ich tot, für meine Umwelt war ich mit meinein neuen Nomen ein neuer Mensch. Ich lernte eine Frau kennen und lieben, sie solllc ' meine Lebensgefährtin werden. Als ich arbeitslos wurde, meldete ich mich bei der Arbeitslosenfürsorge; ich hatte Anspruch darauf. Aus den gleichen Namen, aus den ich gearbeitet hatte, auf den ich meine Steuer bezahlt hatte, bezog ich nun Arbeitslosenunterstützung. Ich hätte meinen früheren Namen wieder aufnehmen können, denn das Verfahren gegen mich in Altona war eingestellt morden. Ich durste es aber nicht tun, da ich der Arbeitslosenunterstützung verlustig ge- gangen wäre. Dann kam man aber hinter meine falschen Papiere. Und nun stehe ich vor Ihnen unter der Anklage der schweren Urkundenfälschung. Der Staatsanwalt hat gegen mich sechs Monate Gefängnis beantragt; weoen meiner Vorstrasen verdiente ich ein« höhere Strafe, ineinte er. Meine Herren Richter, das verstehe ich nicht. Gerade wegen-meiner Vcrs.rascn hatte ich so schwer um ein« neue Existenz zu ringen: gerade»in dieser Lorstrafen willen habe ich meinen Rainen geändert. So müßten sie einen Milderung»- gnmd für mich sein, nich:«in Erschwcrungxgrund, wie dies der Staatsanwalt behauptet. Was habe ich denn verbrochen? Um mir ein Fortkommen zu verschaffen, habe ich mir aitdere Legitimations- papier« versthasst. Das kann kein Verbrechen sein, höchstens ein« Uebcrtrerung. Der Staatsanwalt will aber das, was ich mit ii> großer Mühe aufgebaut habe, vernichten, mein ganzes Lebcnsglück zerstören. Das kann nicht im Interesse des Staates liegen, desienj'! Anwalt er zu fein vorgibt. Ich bitte um eine Geldstrafe." Das Gericht sprach den Anaeklogten im Rainen des Volke»•> frei. Es hatte mehr Einsehen al» dieser Anwalt des Staates. Das köllnijchc Gymnasium in der Inselstraße, Bei-tin» ölleste höher« Schule, die jetzt als„Auf bau- und Begabten- schule" organisiert ist, hat einen neuen Direktor erhalten. An Stelle des bisherigen Direktors Goß, der zum Schulrat für den Anwaltsbezirk Köpenick gewählt wurde, ist der zuletzt an der Sophienschuls tätig gewesene Studicnrat Genosse Dr. K a>v e r o n zum Direktor de? Köllnischcn Gymnasiums gewählt worden. Kiv- werau ist auch Stadtverordneter von Berlin, gewählt im Kreis Charlottenburg. Gif. Das Weib, das den Mord beging. 431 Roman von Frih Reck-Malleczewen. (Schluß.) Und da wäre also dieses Anhängsel von Charlottenburg mit großen wohlgeheizten Bierlokalen hinter riesigen Spiegel» scheiden. Da steht man also und tut, was fönst nur kleine verhungerte Kinderchen zu tun pflegen: steht an den Scheiben, preßt die Stumpfnase heran, steht behäbig vollbusige Weiber und Bürger mit dem feisten Genick von Mastochsen Rumpsteaks begießen mit Worccstersauce und hält außer dem Merkblatt des Fürsorgevereins ja noch immer das Bant- notenpäckchen in der Hand... Aber man geht durchaus nicht hinein. Man geht weiter, und weiß nicht wohin und weiß nicht, warum es an diesem Abend so leicht und fröhlich ist im Herzen. Und da ist denn vor so einem Lokal eine Drehtür mit einem tressenbesetzten Portier und einem kriegsblinden Bettler davor. Bettler aber streckt die Hand aus, Bettler will etwas haben. Bettler fühlt plötzlich«in ansehnliches Paket in der 'Hand, Bettler tastet und fühlt eine ansehnliche Anzahl von Scheinen, wird plötzlich sehend, reibt sich, um sich zu über- zeugen, daß es sich um keine Luftspiegelung handelt, die Augen, sieht sich im Besitz einer vollkommen unwahr- schcinlichen Summe und sieht eine kleine Frauengestalt um die Ecke verschwinden.„Dummes Luder," sagt der Bettler und legt die Binde wieder um die Augen. Da ist inzwischen die kleine Sif schon weiter gegangen. Und weiter laufen die kleinen müden Füße... immer weiter... immer weiter... wohin nur, wohin? Und hier, in den noch erleuchteten Straßen kreuzt wohl hin und wieder «in Herr in Pelzmantel und Galoschen den Weg eines jungen Frauenzimmers, das auffällig genug aussieht bei fünfund- zwanzig Grad Frost in dem hellen Sommerfähnchen. Und der Herr gibt durch Räuspern und sonstige Zeichen zu ver- stehen, daß er ein Mann und sie eine Frau ist, wie man das eben so macht. Aber da sieht er im Laternenschein nur ein mageres Kindergesicht mit großen, ach. nun so unirdilch gewordenen Augen. Und unterläßt weiter? Zeichen und geht «in wenig beschämt weiter. Ja. wirklich hat es etwas auf sich mit dem unsichtbaren Heiligenschein... wirklich, wirklich... Und siehe, nun werden die großen bösen Sterne des schwarzen Nachthimmels verschlungen von einer schwärzeren Wolke, dl« longsam sich heranschiebt, und Wind schralt um die Häuserecken und peitscht die Haut mit feinen scharfen Kristallen. Da sie gar so auffällig ist in dem hellen Kleide und ihrer offensichtlichen Planlosigkeit, so fällt sie vor dem Bahnhofsgebäude dem Wachtmeister auf, der eben den Last- Wagenführer Willamowski wetzen mangelhafter Beleuchtung aufgeschrieben hat. Und da die ferneren Schicksale der klei- nen Sif ja noch einmal in den nächsten Tagen die Aufmerk- samkeit der Oeffentlichkeit auf sich lenken, so ist der Bericht des Mannes erhalten geblieben und figuriert als letztes Do- kument in chren schon mehrfach erwähnten Akten.„Fehlt Ihnen etwas, Fräulenn?" fragt freundlich der Mann. Da schüttelt sie freundlich den Kopf und geht weiter. Und nun liegt ja eigentlich das schrecklich grollende Berlin hinter ihr, und vor ihr dehnt sich mit unbebauten Straßen zuerst und mit den schwarzen Waldungen dahinter die Iungfernheide... ach ja, mit der Gelegenheit, geschlachtet zu werden zwischen Bretterzäunen und verlassenen Lauben- kolonien... Aber wenn man nichts mehr zu hoffen hat, so hat man ja wohl auch nichts mehr zu fürchten. Und so marschiert man ganz gleichmütig und beinahe fröhlich hinein ins Dunkle. Tiefe, tiefe Nacht ist es nun schon, als sie den verlasse- nen Sportplatz erreicht, der eingefroren und verschneit von Sommersonn« und den Spielen junger Menschen träumt. Müde ist sie nun... wird müder bei jedem Schritt: das läßt sich nicht leugnen. Aber eine unsägliche wohltuende Müdig- keit ist es, ein ganz himmlischer Friede; und inan könnte sich nun niederlegen zu einem Schlaf, wie er unerreichbar ist für Aufsichtsratsoorsitzende und Generaldirektoren und Milliar- däre selbst. Hier aber, wo sie mitten in der Nacht die über den Kanal führende Brücke passiert und schon den dichten, ganz einsamen Wald vor sich hat: hier geschieht es, daß der große schwarze Fenriswolf, der da aufgestiegen ist am West- Himmel, seine Pranken ausstreckt. Und plötzlich stöhnt der Wind noch einmal ganz eigentümlich auf, und plötzlich bringt er einen ganzen Sack dieser feinen harten Kristalle mit sich und ganze Wolken dann mit großen, schweren Flocken. Da steht man plötzlich in einem ungeheuren Chaos von Schnee und sieht nichts um sich alz unendliches Grau und weiß nicht vorwärts noch rückwärts. Da müßte man sich jetzt eigentlich zurücktasten zu dem Schleusenwärter am Kanal oder zu einem der kleinen Bier- lokale vielleicht. Und denkt doch gar nicht an Schleusen» wärter und klein« mulmige Stuben und marschiert tiefer hin- ein in Sturm und Schnee. Und denkt plötzlich an ein Lied- chen, das man in alten Kindertagen wohl schon gehört hat, als man auf dem Schöße einer Menschenmutter noch sich bergen konnte. Ein Liedchen, das eigentlich nur wenig zu tun hat mit Hohenzollernlanal und Iungfernheide: da geht Maria durch einey Dornwald und kann nicht wester. Aber da sie ein Kind in ihrem Schöße trägt, da tragen die Dar- nen plötzlich Posen. Da kann man ganz leicht sein Kindlein durch den Wald tragen... Da stürzt heulend sich eine gewaltige Schneegarbe vom Himmel. Und Schnee durchnäßt Haar und Rock, fährt durch das dünne, dünne Kleid, wird tiefer und tiefer mit jedem Schritt, reicht nun bis zu den Knöcheln/ bis zu den Knien' beinahe schon... � Wie sie, mit der sich am nächsten Tage die Rotalions- Maschinen der Berliner Presse ja noch einmal zu beschäftiget haben... wie sie bei diesem Wetter die ungeheure Strecke zurücklegt bis zu dem See. ist eines der vielen Rätsel dieser Rächt. Und da liegt denn... nach Millernacht schon... vor ihr der Waldsaum und der Sirand, der im Sommer nur so wimmelt vpn braungebrannten nackten Menschen. Ganz vergraben lieqt das Eis unter gewaltigen und immer höher werdenden Schneewällen, und wie jener gespenstische Reiter auf dem Bodensee merkt man eigentlich nicht, daß man Wasser unter seinen Füßen hat mit fortgeworfenen Sweatern des Sportklubs Germania aus dein Grunde und rostigen Konservenbüchien und allen Wundern der Tiefe. Sa geht man und gehl und weiß nichl, wohin. Und zur Linken keine Lichfer und keine zur Rechlen. und in den, unaeheuer? lichen weißen Chaos vor den Schleiern des Schneesturme» keine Spur von menschlichen Stedelungen. reine, anständige, weiße Oede. Noch arbeitet man sich ja, obwohl der Schnee nun bis zu den Hüften schon geht, eine gute halbe Stunde weiter: Schritt für Schritt. Wandererfüße versinken so tief im Schnee, müssen bei jedem Schritt sich heben, so hoch, so mühsam... Ja, sehh Müdigkeit ist nun da... selige, tiefe Müdigkeit, die' nichsg mehr weiß von dem Gezänk der Menschen: Friede, Friede... Da steht man noch einmal, wittert herum in der Luft, steht noch einmal um sich... steht nichts mehr. Streckt sich wohlig aus mit einem kindlichen Lächeln, ist eingemeht von dem weißen Bahrtuch in wenigen �Minuten. Schläft ein, und mag vielleicht in Tagen gestmden wer- den, wenn die Februarsenne ein leichtes Sonf.nerkleidchen hervorholt aus dem Schnee. Heute aber brausen sie noch, die großen Meißen Stürme, die heranfegen vom Pol und gar nichts wissen wollen von den Rauchwolken eurer Kamine und dcm Lärm eurer Menschensiedelungen. Schlaf, lieber, freundlicher Schlaf. Selig sind die Heimatlosen. Denn ich glaub«, sie werden nach Hause kommen. Keine neuen /wtoüroschken. Durchführung der Nituunernsperre im Droschken- gewerbe. Der Polizeipräsident teilt mit: Die bisherigen Maßnahmen, die zur Verhütung einer unwirt- schaftlichen Vermehrung des Kraftdrofchkenbestandes in Berlin durch- geführt worden sind, haben leider nicht ausgereicht, um die not- wendige Gesundung des Droschkengewerbes herbeizuführen und nicht verhindert, daß sich der Kraftdrofchtenbestand auch noch in den ersten vier Monaten dieses Jahres um etwa 700 auf S200 Fohrzeuge vermehrt hat. Der Polizeipräsident hat sich daher entschlossen, seine bisherigen Bedenken grundsätzlich zurückzustellen und dem Perlangen der�beteiligten Verbände nach DurchführungderNummern- sperre versuchsweise stattzugeben. Im Einverständnis mit den Verbänden sind daher folgend« Maßnahmen angeordnet worden: Pom 13. Mai ab werden weitere Kraftdroschken nicht mehr zum Droschkenbetrieb zugelassen, auch wenn ihre Zulassung bereits beantragt ist. Ausnahmen werden nur in ganz bestimmten Fällen bewilligt und kommen nur dann in Frage, wenn für die einzustellende Droschke ein Preis vereinbart ist, der den sogenannten Nummernwert nicht berücksichtigt: wenn serner mindestens ein Drittel des Erwerbspreises aus eigenen Mitteln des Droschkenunternehmers bezahtt ist und dieser sein« laufenden Verpslichtungen aus früheren Droschkentäufen erfüllt hat. Jeder Nummernhandel bleibt verboten und wird mit allen Mitteln bekämpft werden. Insbesondere wird einem Droschken- Unternehmer, der sich in irgendeiner Weife am Nummernhandel oder ahnlichen Schiebungen beteiligt, die Konzession wegen Unzuver- lässigkeit entzogen werden. Während der Dauer der Nummernsperr« kommt eine Tariferhöhung nicht ht Frage. Der Polizeipräsident hat sich vorbehalten, die Neuregelung jeder. zeit aufzuheben, fall» ihm die» au» besonderen Gründen angebracht erscheint. E» bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Maßnahmen bewähren werden. � „Pastvergeheu." Wegen Paßvergehen» hatte sich der Tapezierer T. zu verantworten. Der AngeNagte sst seit 190? in Verlin ansässig. Er betrieb ein eigenes Geschäft, bi» ihn die Wirtschaftskrise seiner Existenz beraubte. Er war Oesterreicher von Geburt und machte bei der österreichischen Armee den Weltkrieg mit. Nach Beendigung des Krieges kam T. wieder nach Berlin. Er erhielt«ine Auf- enthaltsbewilligung bis November 1925. In dieser Zeit fiel sein .fteimatdors an Rumänien. Als der Angeklagte seinen Paß ver- längern lassen wollte, mußte er unzählige Wege machen, um über- Haupt wieder«ine Staatszugehörigkeit, die des rumänischen Staates, zu erwerben. Da er noch der Einverleibung seines cheimatdorses in Rumänien noch nicht in den PerfonalNsten seine» Bezirkes geführt wurde, mußte sein Antrag dem Stoatsminlsterium vorgelegt werden. Inzwischen lies seine Ausenthaltsbewilligunq für Deutschland ab. Die Polizei gab sich zunächst mit den Versicherungen, daß er kein Mittel unversucht lassen würde, um die Beschaffung de? Passes zu beschleunigen, zufrieden. Als sich die Paßbesorgung jahrelang in die Länge zog, wurde T. wegen Paßvergehens unter Anklage gestellt. In der Verhandlung waren Richter und Staatsanwalt be- müht, den Angeklagten gerecht zu beurteilen und hielten eine Strafe von drei Mark für angemessen. Die Perhandlung zeigte so recht, einen wie schweren Kampf die Heimat- und Staatenlosen mit der Bureaukratie der Länder auszufechten haben. Einen Kampf, in dem sehr oft die Bureaukratie gesiegt hat. Nicht immer haben diese Verstoßenen Richter gefunden, die sie ver- stehen und gerecht beurteilen. Oelbrand iu den Elektrizitätswerken Charlottenburg In den Städtischen Elektrizitätswerken, Am Svreebord 5/7 zu Charlottenburg, geriet gestern abend gegtn 5 Uhr das etwa 199 Liter fassende Oelreserooir einer Turbo. Maschine in Brand. In wenigen Minuten war die etwa 120 Meter lang« und etwa 25 Meter hohe Riesenhalle derart mit stickigen Rauchgasen angefüllt, daß sie von sämtlichen Ar- beitern sofort verlassen werden mußte. Da der Umfang des Brandherdes zunächst überhaupt nicht zu übersehen war. mußt« dritter Alarm, d. h.„Grobfeuef", gegeben werden. Bier Löschzüge unter Leitung des Prankdirektors Hammer trafen kurz nacheinander an der Prandstätte ein. Di« Halle war inzwischen so verqualmt, daß die Feuerwehrbeamten kaum auf zwei schritte sehen konnten. Di« zahlreichen in der Halle angebrachten Ventilatoren vermochten die Rauchmassen nicht abzusaugen, und so mußte ein großer Teil des Glasdaches«ingeschlagen werden. Jetzt erst tonnten die mit R a u ch s ch u tz m a s t e n ver- sehenen Feuerwehrbeamten in das Innere dxr Halle vordringen. Der Brandherd war eine der großen Turbomaschinen, die unter einer ungewöhnlichen Qualmentwicklung lichterloh brannte. Durch An- Wendung von zahlreichen Trockenseuerlöschern gelang es, das Feuer bald zu ersticken. Ein Uebergreifen auf die übrigen Maschinenanlagen, das zweifelsohne eine Gefährdung der Elektrizitätsversorgung eines Teile» Berlins zur Folg« gehabt hätte, konnte zum Glück verhütet werden. Die Entstehungs- »rsache ist vermutlich Selbstentzündung. Nach ziemlich zweieinhalbstündiger Tätigkeit konnten die Wehren wieder abrücken. Weibliche Polizei i« Berlin. Die weibliche Polizei des Polizeipräsidium» Berlin ist nun- mehr in einer besonderen Inspektion der Kriminalabteilung unter weiblicher Leitung zusammengefaßt. Ihre Hauptaufgabe ist, im Rahmen der polizeilichen Zuständigkeit Kindern und weiblichen Jugendlichen, die durch eigenes strafbares oder gefährdendes Verhalten anderer Personen gefährdet sind, vorbeu- gende, die Tätigkeit der Jugendämter ergänzende Arbeit zu leisten. Diese neue Inspektion sst im Polizeipräsidium, Alexanderstraße 3— 6, Erdgeschoß, Zimmer 75, zu erreichen. Die Leiterin, Frau Kriminal- polizeirat N i ck i n g, die, ebenso wie die übrigen weiblichen Po- lizeibeamten, sozial vorgebildet ist, wird dort joden Donnerstag nachmittag von 5 bis 7 Uhr Sprechstunde für Personen abhalten, die sich wegen Gefährdung von Kindern und weiblichen Jugend- lichen Rat und Unterstützung der Polizei holen wollen. Es sollen also in dieser Sprechstunde hauptsächlich solche Fälle �ux Sprache gebracht werden, in denen zu befürchten ist, daß bei Alt-bleiben von polizeilichem Eingreisen von den betreffenden Personen oder an ihnen strafbare Handlungen verübt werden. Spielzeug auf dem Richtertisch. Die Derhandlungssäl« in Moabit werden in nächster Zeil bei den immer zahlreicher werdenden Strafprozessen aus Anlaß von Betriebsunfällen und Zusammenstößen von Kraftwagen«inen eigen- -rtigen Anblick gewähren. Der Richtertssch wird wie ein Weihnachts- t.'ch anmuten. Die nachträgliche Feststellung des Sachoerhalts, na> entlich bei Autounfällen und Straßenbahnzusammcnstößen, be- gegnZe b her blichen Schwierigkeiten, weil diese Tatzeugen nicht di«Fa7'eitplastischerDarstellung ihrer Wahr- nehmunie- n._Die Gerichte und die Polizei beyalfen sich bei der Erfo oes Sachverhalts bislang mit Skizzen, auf welchen die Stellu er Gefährte und Personen bei dem Zusammenstoß nergeichnei �ar. Diese Skizzen hatten aber den Nachteil, daß nur ein einziger Augenblick darauf festgehalten war und daß sich aus ihnen nicht genau genug die Entwicklung des Zusammenstoßes er- sehen ließ. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat das Landgericht II für feine Strafkammern«inen ganzen Park von winzig kleinen Massen angeschafft, der die meisten in Frage kam- Menden Typen enthält. Diese Wägelchen und anderen Gegenstände dienen als Modell« für die nachträgliche Fessstellung des Sachver- Halts in der Gerichtsverhandlung. Straßenbahnwagen, Kraft- omnibusse, Perfo-ien- und Lastkraftwagen mit und ohne Aichänger, «in- und zweifpännige Pferdefuhrwerke, sogar Dampfwalzen sind Panmttr, Auch(kme Qigwnt, die«amckche und«schliche Pas- sanken sowie Schutzleute darstellen, sind nicht vergessen. Auf dem Richterttsch aufgebaut, geben diese kleinen Modelle, die für geringes Geld in den Spielzeugläden zu kaufen sind, ein anschauliches Bild des zur Verhandlung stehenden Vorfalles und werden dem Gericht in überraschender und das Versahren abkürzender Weise die Fest- stellung des Sachverhalts erleichtern. Vielfach wird sich dadurch auch die kossspielige und zeitraubende Dornahm« eines Lokaltermins erübrigen. Voraussichtlich werden auch die anderen Gerichte Berlins bald dem Beispiel des Landgerichts II nachfolgen. die Aufzeichnungen eines Toten. Wer ist der Berliner freund? Um die Fessstellung eines unbekannten Mannes, der am 3. März d. I. in einem Gehölz bei Nordholz im Kreise Lehe erhängt aufgefunden wurde, bemühen sich jetzt die Ber- liner Kriminalpolizei und die Vermißtenzentrale des Polizeipräsi- diums, nachdem alle Ermittlungen bisher erfolglos geblieben sind. Es handelt sich um«inen Mann von etwa 25 bis 89 Jahren, der mittelgroß und bartlos war, nur spärliches Haar. hatte und gute Kleider trug, einen blauen Ueberzieher, einen blauen zweireihigen Iackettanzug und einen graugrünen Hut. Bei ihm fand man keinerlei Ausweispapiere, dagegen ein Reklamebüchelchen für„Continental-Ballonreisen" usw. mit Aufzeichnungen über seinen Aufenthalt in Berlin und ein« Photographie. Nach diesen Notizen kam der Mann am Sonnabend, dem 19. Fe- bruar d. I., mittags im„Fürstenhof" am Potsdamer Platz an und ging zu„K. L.". Abends war er im Zentrum und Unter den Lin- den, am nächsten Sonntag im»historischen Museum".»Montag früh", so lauten die Aufzeichnungen weiter,»9 Uhr, Abschied von L. Dank für die überaus freundliche Aufnahme. Wenn er ge- wüßt hätte, wie es um mich steht und in mir aussieht! Er hat eine hübsche und liebenswürdig« Frau und einen prächtigen Jungen! Wie sehr ich ihn um das Glück beneide! Er weiß gar nicht, wie glücklich er ist." Dann schildert der Mann in kurzen Strichen ein« Reichstagssitzung, erwähnt die Abgeordneten, auf die er sich berufen hat, um eine Karte zu bekommen und den Stoff der Verhandlung, der nach den Fessstellungen der Vermißtenzen- trale richtig angegeben ist, ebenso wie die Redner. Die Notiz vom LI. Februar lautet:»Auch aus dem.Vaterland" ein»Souvenir an meine Else", unter dem«in Totenkopf gezeichnet ist. Diese unbe- kannte.Else" vermutet man ebenfalls in Perlin. Am 22. Febniar hat der Unbekannte noch Potsdam und dort das Stadsschloh, den Lustgarten, den Marstall und die historische Mühle besichtigt. Hiermit schließen die Aufzeichnungen. Wer kennt nun den Mann? Wer ist insbesondere sein Berliner Freund K. L.? Mit- teilungen an die Vermißtenzentrale im Polizeipräsidium. Neuer Staat und akaöemifthe Jugend. Der Deutsche Pazifistische Studentenbund hatte in die Schulaula Dorotheenstraße einen öffentlichen Vortragsabend einberufen, auf dem Dr. Hans Weh b erg. Genosse Prof. Oeft- reich und die Reichstagsabgeordnet« Genossin Bohm-Schuch über dos Thema»Studenten und Politik" referierten. Den Vorsitz führte H. v. Gerlach. Dr. Wehberg gab eingangs ein chronologisches Bild des Pazifismus von der essten Haager Konserenz bis zum Genfer Völkerbund und charakterisierte die Entwicklung des Pazifismus von der abstrakten Theorie zur praktischen Genfer Arbeit trotz aller Mängel und egoistischen«inzelstaatlichen Hemmungen als ein ge- waltiges Stück vorwärts auf dem Wege zur Weltbefriedigung. In warmen, lebendig formulierten Ausführungen beleuchtete Genossin Bohm-Schuch die besondere Stellung der Frau im Friedens- kämpf. Sie skizzierte den heroischen Kampf der Frau im Zeitalter des Untertanengeistes um die elementarsten Rechte der Selbst- bestimmung und der Mitverantwortung: von dieser Epoche ab- solutester Rechtlosigkeit weiß unsere heutige junge weibliche Gene- ration kaum noch vom Hörensagen. Im unermüdlichen Streit für die Friedensarbeit ist höchste Aktivität am Platze. Ich für mein Teil, rief Rednerin unter demonstrativem Beifall der Versammelten, »bin der Ansicht, daß die Frauen gegebenenfalls bereit sein müssen, für die Sache des Friedens in den Straßen der Heimat ihr Leben zu lassen". Temperamentvoll ging Genosse Prof. Paul O e st r e i ch dem Biertopfakademikertum zu Leibe, das von Rauschdogmen ge- fesselt, letzten Endes kein anderes Ideal als das der gesicherten Pfründe habe. Aus blasser Konkurrenzangst und um die unteren, aufstrebenden Schichten des Volkes nicht in die»gute Stube" zu lassen, verbrüdern sich diese Schlägerschwinger mit den Mächten des Ungeistes und der Subalternität. Wo bleibt das Interesse dieser vergreisten Jugend an den brennenden Problemen der Zeit? Vor- nehmste Pflicht der akademischen Jugend ist es, sich h i n e i n z u- werfen in den Strom der Zeit, alle verlogenen Privi- legien mit Füßen zu treten-und zu wirken im Dienste an unseren ärmeren Brüdern.(Lebhafter Beifall.) Angenehme Nachbarschaft. Durch«ine Berufckngsverhandlung, bei der der Angeklagte Dr. Schubert von der Anklage wegen ruhestörenden Lärms und Uebertretung der Polizeistunde freigesprochen wurde, ist den Be- wohnern des Hauses Scharren st r. 11 in Charlottenburg wieder einmal die Möglichkeit genommen worden, vor der Oefsent- lichkeit die skandalösen Zustände feststellen zu können, die durch ein in diesem Hause befindliches Nachtcasä verursacht werden. Die Ver- Handlung vor dem Landgericht III war sehr merkwürdig. Der Angeklagte Dr. S. hatte zusammen mit einem anderen Stammgast die„Oberaufsicht" des Lokals für die Zeit, in der sich die Inhaberin von den Strapazen ihrer Tätigkeit erholte. Am 25. Juni des ver- gangenen Jahres waren die beiden„Oberaufseher" mit dem Schank- mädchen über die Polizeistunde hinaus im Lokal geblieben und hatten derartigen Lärm verursacht, daß die Hausbewohner zusammenliefen. Das Mädchen soll angeblich Schreikrämpfe gehabt haben, und die beiden Aufscher wollen sich nur„fürsorgerisch" betätigt haben und lediglich in dieser Eigenschaft im Lokal verblieben sein. In der gestrigen Verhandlung besttitt aber der Angeklagte, überhaupt Ver- treter der Inhaberin gewesen zu sein. Und nun kam das Merk- würdige. Obwohl er selbst angibt, er habe nie Polizeistunde geboten, das Mädchen aber erklärt, Dr. S. hahe Polizeistunde geboten, wäh- rend sie nur bedient habe, wurde Dr. S. freigesprochen! Es ist dem gesunden Menschenverstand unfaßbar, warum der ruhestörende Lärm und die Uebertretung der Polizeistunde dann straffrei bleibt, wenn man nicht Vertreter einer Lokalinhaberin ist. Nach den Aussagen der Inhaberin ist für das Restaurant länger als vier Wochen hin- durch keine Vertretung bestellt gewesen, obwohl die polizeilichen Vor- schritten dies verlangen. Wird die Inhaberin wegen dieses Der- gehen? jetzt unter Anklage gestellt? Die Bewohner des Hauses Scharrenstr. 11 interessiert es nicht, ob die Lokalinhaberin oder ein„Oberaufseher" verurteilt oder frei- gesprochen wird, sie wollen ihre Nachtruhe. Nacht für Nacht bis in die Morgenstunden hinein keinen Schlaf finden zu können, weil der in dem Lokal verübte Lärm es verhindert, ist unerträglich. Der Bezirksarzt, der schon mehrfach die Zustände geprüft hat. ist ofsenbar bisher immer getäuscht worden. Schalldämpfende Decken traten in Aktion, wenn der Arzt Proben veranstaltete. Es dürfte sich dringend empfehlen, einmal ohne vorherige Anmeldung zu kontrollieren. Die Ergebnisse würden dann zweifellos andere fein als bisher. Selbstmord eines Reichswehr-Unteroffiziers. In der Reichswehrkaserne in Eisenach schoß sich der Unter. o f f i z t e r Hermann I u d.ä mit seinem Dienstgewehr in selbst- mörderischer Absicht eine Platzpatrone in den Mund. Da die Verletzung nicht tödlich war, schnitt er sich mit einem Rasier- messer die Pulsadern und den Kehlkopf durch und starb noch kurzer Zot, At» Beveggrmtd verde« dienstliche Aerjehlunge» ongegeden. yakenkreuzlertumulte. Natürlich wieder am Kurfürstendamm. Gestern abend gegen 19 Uhr kam es in Charlottenburg wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Schutzpolizeibeamten und nationalsozialistischen Rowdys, in deren Verlauf zahlreiche Ver. Haftungen vorgenommen werden mußten. Einige völlig unbeteiligte StraßenpaffaMen wurden von den völkischen Strolchen schwer mißhandelt. Für gestern abend war von dem völkischen Abgeordneten Dietrich eine Versammlung nach den Hohenzollernfestsälen in der Berliner Straße einberufen worden, die gewissermaßen als Essatz für die von der Polizei verbotene Protsstoessammlung der Nationalsozialisten anzusehen ist. Als Redner war u. a. auch der völkische Landtags- abgeordnete Haake in Aussicht genommen. Auch bisse Versammlung war von der Polizei verboten worden. Vor den Hohenzollern- festsälen, wo ein starkes Polizeikommando hinbeordert worden war, kam es trotzdem zu Zusammenstößen, die mehrfach von der Polizei unter Anwendung des Polizeiknüppels zesstreut werden muhten. Zehn Nationalsozialisten wurden zwangsgestellt und der Abteilung lo im Polizeipräsidium zugeführt. Die Polizei hat hierbei gleich einen guten Fang gemacht. Es wurde«in gewisser Schäfer verhaftet, der als einer der Haupträdelsführer an den Lichterfelder Zusammen- stößen in Frage kommt, bisher aber vergeblich von der Polizei gesucht wurde. Während es der Polizei gelang, die Ruhe vor den Hohenzollernfestsälen durch energisches Durchgreifen bald wieder herzustellen, kam es in der Wilmersdorfer. Bleibtreu-, Uhlandftraße und in der Kaiferallee zu Schlägereien zwischen Hakenkreuzlern und Straßenpassanten. Die Nationalrowdys hatten sich in kleineren Trupps durch die Nebenstraßen zurückgezogen, an verabredeten Stellen wieder formiert und übten hier auf den Straßen einen beispiellosen Terror. Harmlose Passanten wurden überfallen und geschlagen. Am Zoo wurde ein etwa 159 Mann starker Zug von der Polizei aufgelöst und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Da sich die Zusammenrottungen am Kurfürstendamm bis zum Zoo hinunter wiederholten, trafen Polizeivesstärkungen ein, die die Gegend systematisch von den Rowdy» säuberten. Während der Nacht wurde ein verstärkter Sicherhetts- und Patrouillendienst ein- gerichtet. Mehrere Personen, sowi« zwei Polizeibeamte sollen Ber- letzungen davongetragen haben, doch war eine Bestätigung dieser Meldung bis zum Redaktionsschluß nicht zu erlangen. Oer Alorüfall Rosen. Entlassung nach monatelanger Untersuchungshaft. Breslau, 12. Mai.(MTB.) Auf den Antrag des Verteidigers hin sind am heutigen Nachmittag die Wirsschaft«rin N« u m a n n und der mitverhaftete Schlosser Strauß vom Landgericht aus der Untersuchungshost entlassen worden, weil gegen- wörttg dringende Verdachtsmomente nicht mehr vorliegen und auch kein Fluchtverdacht besteht. Vielleicht darf man sich die Frage essauben, weshalb denn das Landgericht diese Entlassung nicht schon lange vessügt hat, wenn keine dringenden Verdachtsmomente vorliegen. Die Untersuchungs- hast wird zu einer mittelalterlich«« Folt«r, wenn jede Verdächtigung genügt,«inen Menschen wiederholt auf Monate ins Gefängnis zu bringen, wie es bekanntlich der Wissfchofterin Neumann im Falle Rosen erging._ Keine Spur von üen Gzeanfliegern. Auch nicht an der kanadischen Küste. Parl». 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die letzten hier eingetroffenen Nachrichten besagen, daß alle Nochforschungen nach den beiden französischen Fliegern Nungesstr und Coli weiter erfolglos geblieben find. Der französische Konsul in Monreal hat mitgeteilt, daß auih an der kanadischen Küste keine Spur von den Fliegern festgestellt werden konnte. Alle Lencht. türme der Küste und die Funkstationen der kanadischen und amerlka- nischen Küste werden etwa eingehende Mitteilungen über den Der- bleib der Flieger sofort an die kanadische oder amesskanisch« Regierung übermitteln. Flug Amerika— Frankreich. New Bork. 12. Mai.(MTL.) Die beiden Flieger Ehamberlin und R e r t a u d werden heute nacht mit ihrem Bellanca-Flugzeug.Eolumbia" zu ihrem direkten Flug nach Paris aufsteigen. Sie haben am 4. April auf einer Rund strecke eine der Entfernung New Jork— Paris gleiche Strecke ohne Zwischenlandung durchflogen und damit seinerzeit einen neuen Dauerrekord aufgestellt. Die drei Eismänner mit ihren Stürmen sind vorbei— jetzt kann's glücken!_ Tschechische Maßnahme« gegen das Hochwasser. Reichenberg. 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« ungeheuren Ueberschwemmungsschäden. die in der Tschechoslowakei olljährlich zu verzeichnen sind, und die olljährlich in die Millionen gehen(im letzten Jahre verursachte eine Katastrophe gegen 29 Millionen Kronen Schaven) will man dadurch am ehesten besettigen, daß sämtliche großen Flüsse in möglichst raschem T«mpo reguliert werden sollen. Die Kosten würden sich auf mehr als eine Milliarde Kronen belaufen und das Kapital will der Staat durch innere Anleihen beschaffen. Man sieht ein« Bauzeit von zehn Iahren vor. Der Staat glaubt, alljährlich 199 Millionen Kronen mit Rücksicht auf die großen Bankenüberschüsse beschaffen zu können. Wieder eine explodierende Granate. Sankt Gallen, 12. Mai.(WTB.) In einer T o g g e n- b u r g e r Schmiede wollten drei junge Männ«r ein« von den Mo- növern herrührende Granat« ausbrechen und nahmen einen Schweißapparat zu Hilfe. Dabei explodiert« die Granate. Die drei jungen Männer wurden schrecklich verstümmelt i/nd waren sofort tot. Der Schmiederaum wurde durch die Ex- plosion völlig zesstört. Sie dürfe»»icht nachlasse» in der regelmäßigen Pflege Ihrer Saut mit Scherl Sold Cream. Eine unsagbar feine, sammctwcichc Haut ucrschasft er Ihnen._ Aletterbericht der äffen(lichen wetterdlenstsselle für Berlin»nb Umgegend. (Nachdr. nerb.) Weiterdin sehr kühl, stellenweise leichter Froit, slnchweise noch einzelne unerhebliche Ichauer, nordwestliche Winde.— Für Deutschland. Uebcrall weiterhin sehr kühl, Niederschläge im Süden und Osten de» Reiche». Wenn Ihr Magen Sie plagt, müssen Sie die Ursache Ihrer Beschwerden suchen. Sehr viele Ver- dauungsleiden sind die Folge eines Uebermaßes von Säure im Magensaft. Diese Säure ist es, welche saures Aufstoßen, Sod- brennen, Blähungen, Uebergeben und so viele andere Verdauungs- befchwerden hervorruft. Nehmen Sie nach dem Essen einen halben Kaffeelöffel Biferirte Magnesia in etwas Wasser ein, und Sie werden damtt sichere und schnell« Heilung erzielen. Biserirt« Magnesia neutralisiert die schädliche Wirkung von übermäßiger Säure und regelt die Funktionen des Verdauungsapparats. Sie übt eine be- ruhigende Wirkung auf die gereizten Magenwände aus und sichert normal« und schmerzlose Verdauung. Zn jeder Apotheke i» Pulver- und ladlettensorm zu 21. 1.50 uns HL 3MM Zlasche....._........., Wohnungsnot und wohnungsncubau. Eine Denkschrift des Berliner Magistrats. Der Preußisch« Lantagsausschuß für Wohnung«., Siedlung», und Kleingartenwesen nahm heute im Bllrgersaal de« Rathauses nach Be. grüßung durch Oberbürgermeister Böß einen Dortrag de« Stadtrat« Wutzly« über„Wohnungsnot und Wohnungsneubau mit dffentlichen Mittel» in Berlin seit dem Jahre 1324" entgegen. Dem Dortrag« wohnten der Volkswohlfahrt«. minister Hirtstefer und Staatssekretär Scheidt bei. Im Anschluß an den Bortrag unternahmen die Dcrsammelten eine Rundfahrt durch Berlin, um sich durch örtliche Besichtigung von der Wohnungsnot, dem Wohnungselend und den bisherigen Erfolgen zur Abhilfe zu über. zeugen. Einer Denkschrift des Magistrats, die aus diesem Anlaß heraus- gegeben wurde, entnehmen wir folgendes: Welchen ungeheuren Umfang die Wohnungsnot in der Stadt Berlin noch immer hat, soll nachstehend in Kürze dargelegt«erden. Hierbei ist zunächst zu bemerken, daß die bereits seit über zwei Jahren geplante Bereinigung der Berliner Wohnungslisten wiederhalt zurückgestellt wurde, da bestimmt damit gerechnet werden mußte, daß für das gesamte Reichsgebiet eine Zählung der Wohnungsuchen. den von Reichs wegen angeordnet werden würde, deren Ergebnisse im Sinne einer Bereinigung der Wohnungslisten hätten oerwendet werden können. Wenngleich nun infolge der bisher nicht durchgeführten Bcreini- gung der Wohnungslisten die in diesen enthaltenen Zahlen der Woh- nungsuchenden nur einen sehr bedingten Wert für die Beurteilung der Wohnungsnot darstellen, so dürfte es doch von Interesse sein, zu erfahren, wie die listenmäßige Eintragung der Wohnung. suchenden sich in den letzten Jahren gestaltet ha». Dabei soll— ebenso wie im Abschnitt II dieser Ausführungen, der den Wohnungs- neubau behandelt— nur bis auf das Jahr 1924 zurückgegriffen werden. Zu Beginn des Jahres 1924 waren in den Listen der 2l> Berliner Wohnungsämter rund 229 999 Wohnungsuchend« eingetragen. Hierzu kamen Neuanmeldungen 38 999. Die Zahl der Wohnung. suchenden betrug also 258 999. Im Jahre 1924 wurden an Wohnungen vergeben rund 26 999, demnach blieben unberücksichtigt 232 999. Aus den Listen schieden aus rund 7999, mithin betrug die Zahl der Wohnungsuchcnden am Jahresschluß 1924 rund 225 999. Für 1925 sind die entsprechenden Zahlen folgende: Zahl der aus dem Jahre 1924 übernommenen Wohnungsuchenden 225 999. Neu- anmeldungen 49 900, zusammen 265 090. Bergebene Wohnungen rund 24 999, demnach unberücksichtigt geblieben rund 249 999. Aus den Listen geschieden rund 19 999, mithin Zahl der Wohnungsuchen- den am Jahresschluß 1925 rund 239 999. Aür 1926 ergibt sich folgendes Resultat: Zahl der aus dem Jahre 1925 übernommenen Wohnungsuchenden 239 999. Neuanmel- 4 düngen 59 999. Zusammen 289 999. Vergebene Wohnungen rund ,.,39.999. demnach unberücksichtigt geblieben 259 999. Aus den Listen auegeschieedn rund 19 999, mithin die Zahl der Wohnungsuchenden am Jahresschluß 1926 rund 249 999. Wenn auch— wie schon bemerkt!— diese Zahlen für das Maß der Wohnungsnot in Berlin nicht bestimmend sein können, so ist doch aus ihnen schon zu entnehmen, daß der Wohnungsbedars nicht nur nicht gefallen, sondern fortgesetzt gestiegen ist. Diese erschütternde Tatsache erfährt auch keinerlei Einschränkung.dadurch, daß als Woh- nungsuchende natürlich nicht nur diejenigen in die Listen eingetragen werden, die ohne eigene Wohnung, also tatsächlich wohnungslos sind, 'andern auch solche Wohnungsuchende, die z. B- in überbelebten, ge- undheitsschädlichen, baufälligen Wohnungen zu Hausen gezwungen ind und daher aus sittlichen, gesundheitlichen oder sonstigen Gründen unbedingt anderweitig untergebracht werden müssen. Wie sich das Verhältnis dieser Wohnungsuchenden zahlenmäßig zu den wirklich Wohnungslosen stellt, ist klar aus der am 5. Mai 1925 vom Etatisti- schen Amt in Berlin durchgeführten Wohnungszählung hervor- gegangen. Bei dieser Zählung ergab sich nämlich, daß rund 75 090 Haushaltungen in Berlin ohne eigene Wohnung, also talsäckstich wohnungslos waren. Diese Zahl ist inzwischen naturgemäß durch Zunahme der Bevölkerung infolge Zuzugs, durch Neugründung von Haushaltungen und dergleichen wesentlich überholt. welche ungeheure Belastung der wohnungsmarkl durch die ohne Tausch nach Berlin Zuziehenden erfährt und wie der Zuzug von auswärts in den letzten Jahren zugenommen hat. ist aus der vom Zentralwohnungsamt erteilten Anzahl der Wohnberechtigungs- scheine ersichtlich: sie mußten auegegeben werden: im Jahre 1924 an rund 9999 Neuzüziehcnde, im Jahre 1925 an rund 16 999 Neuzu- ziehende, im Jahre 1926 an rund 21 999 Neuzu.ziehende. Das be- deutet ein« Steigerung im Jahre 1926 gegen 1925 um rund Z9 Proz., gegen 1924 um rund 1Z9 proz. Demgegenüber ist ein Vergleich mit der Zahl der von der Woh- nungsfürsorgegesellschafl genehmigten Bauprojekte bezeichnend(siehe Abschnitt II>. Danach sind vom August 1924 bis zum August 1926 insgesamt 19 357 hauszinssteuer-Neubauwohnungen beliehen war- den, im Durchschnitt aiso jährlich 9678; nach obiger Aufstellung wurden ober nur an von auswärts hier Zugezogene in den letzten beiden Jahren insgesamt 36 999 Wahnberechtigungsscheinc erteilt, also im Jahresdurchschnitt rund 18 999. Die Zahl der von auswärts hier Zugezogenen war also allein rund doppelt so groß wie die Zahl der in derselben Zeit bezuschuhten hauszinssteuer-Neubauwohnungen. wenn allen im Zenlralwohnungsamt auftretenden Antragstellern die Wohnberechtigung für Berlin gegeben werden müßte, dann würde die Wohnungsnot in Berlin aus absehbare Zeil kein Ende nehmen! Diese Beobachtungen waren denn auch die Veranlassung dazu, in dem Entwurf eines neuen Berliner W o h n u n g s n o t r c ch t s folgende Bestinzmung aufzunehmen:„Nach Berlin zuziehende Reichsdeutsche können nur dann als„wohnberechtigt" anerkannt werden, wenn sie mindestens ein Jahr in Berlin wohnen und polizei- lich gemeldet sind, in Berlin ihren Beruf ausüben und den Nach- weis führen, daß sie ihre auswärtige Wohnung trotz einjähriger ernsthafter Tauschvcrsuche nicht haben tauschen können oder daß sie außerhalb Berlins keine Wohnung besitzen." Der Entwurf liegt zurzeit dem preußischen Minister für Volkswohlfahrt vor, und es ist nut zu hofscn, daß der Minister in Anerkennung der schwierigen Lage der Reichshauptstcdt seine Ermächtigung zum Erlaß dieser Be- stimniung erteilt. Eine weitere außerordentlich starke Belastung des Berliner Wohnungsmarktes ist durch eine große Reihe von Anordnungen der Reichs- und Staatsbehörden herbeigeführt worden, in denen der Magistrat angewiesen wurde, gewisse Personengruppen vorzugs- weise in Wohnungen unterzubringen. Auf diese Weise mußten viele Tausende Fainilien in Berlin untergebracht werden, ohne daß seitens der anordnenden Behörden der Stadt Berlin irgendeine Hilfe, sei es aus dem preußischen Ausgleichsfonds, sei es sonstwie zuteil wurde. Berücksichtigt man, daß bei einer ordnungsmäßigen Wohnungs- Politik auch ein gewisser lleberschuß an Wohnungen, der mit etwa 19 999 zu veranschlagen ist, nicht fehlen darf, so ergab sich Ende 1926 für Berlin ein Fehlbedarf von 136 000 Wohnungen. wohnungsneubau mik öffentlichen Mitteln. Der ani 2. April 1924 gegründeten wohnungsfürsorge-Gesell- fchaft Berlin m. b. h. standen zur Durchführung ihrer Ausgaben zunächst nur die Mittel aus der h a u s z i n s st e u e r zur Ver- fügung. Dem Wesen dieser Steuer entsprechend, hätten deren Er- träge— wie ursprünglich beabsichtigt war— zum mindesten überwiegend zur Linderung der Wohnungsnot verwendet werden sollen. Das Steueraufkommen ist aber in immer mehr verstärktem Maße für allgemeine Finanzzwecke herangezogen und der Anteil für den Wohnungsneubau im Verhältnis immer mehr beschnitten worden. Nach dem Verteilungsschlüssel entfielen aus die Stadt Berlin für den Wohnungsneubau: im Jahre 1924 rund 76 Millionen Mark, im Jahre 1925 rund 115 Millionen Mark, im Jahre 1926 rund 159 Mil- lionen Mark. Obwohl auch damit dem furchtbaren Mangel an Wohn- räum, der sich— wie im Abschnitt I dargelegt— vo» Jahr zu Jahr trotz oller Gegenmaßnahmen durch immer zunehmenden Zustiom von auswärts steigerte, kaum beizukommen gewesen wäre, mußte verlin an den beim Preußischen wohlsahrtsmlnisterium gebildeten Ausgleichs- und wohnungssürsorgefonds gewaltige Beträge abtreten. und zwar im Jahre 1924 rund 17 Millionen Mark, im Jahre 1925 rund 49 Millionen Mark, im Jahre 1926 rund 46 Millionen Mark. Somit wurden Berlin nicht weniger als 32,78 vom hundert noch besonders von den Mitteln entzogen, die in der Stadt selbst für den Wohnungsneubau aufkommen. Ein solcher Aderlaß, der die geradezu katastrophale Wohnungsmisere in Berlin völlig außer acht läßt, muß als ungerechtfertigt bezeichnet werden, womit nichts gegen die Zweck- Mäßigkeit und Nützlichkeit eines angemessen zu speisenden Landes- fonds gesagt sein soll. Das Aufkommen der hauszinssteuer, dos der Stadt Berlin schließlich noch für den Wohnungsbau zur Ver- fügung stand, betrug im Jahre 1924 59 397 495 M., im Jahre 1925 66 425 719 M.. im Jahre 1926 192 945 124 M. Diese Mittel waren völlig unzureichend. Mit Hilfe der Hauszinssteuermittel und aller vorgenannten städtischen Zuschüsse konnten im ersten Geschäftsjahre der Wohnungs- sürsorge-Gesellschaft Berlin m. b. h. 10 059, im zweiten Geschäfts- jähre 9307 Wohnungen gebaut werden: in dem Geschäftsjahre 1926 wird sich die Zahl aus etwa 16 000 belausen. Die Bemühungen der Stadt um ausreichende Zuweisungen aus dem staatlichen wohnungssürsorgesonds waren bisher fast völlig vergeblich. Im Jahre 1925 wurde daraus lediglich ein Betrog von 1599 999 M., und zwar ausschließlich zur Verwendung für preußische Staatsbeamte überlassen. Für 1926 erhielt Berlin ganze 899 999 M.. die aber ebenfalls nur für die Gewährung von hauszinssteuer-hypo- theken an preußische Staatsbeamte oerwendet werden dursten. Gegenüber einer solchen ungerechtfertigten Benach teil i- gung— die angesichts der in> Abschnitt I dieser Ausführungen nachgewiesenen Talsachen ganz besonders kraß erscheint � muß die Stadt Berlin nachdrücklich und grundsätzlich an der schriftlich und mündlich immer wieder erhobenen Forderung festhalten, daß von den für die Neubautätigkeit bestimmten Hauszinssteuer-Mitteln, die an den Wohnungsfürsorgefonds des Staates abzuführen sind, ein ganz erheblicher Teil der Stadt Berlin überlassen werden muß. wenn der Magistrat mehr als bisher in die Lage versetzt werden soll, die ihm aus der katastrophalen Siwation des Berliner Woh- nungsmarktes zufallenden Pflichten einigermaßen zu erfüllen. So- weit das die eigenen Kräfte der Stadt Berlin zuließen, ist es bisher und soll es auch in Zukunft geschehen. Für das laufende Jahr ist bereits beschlossen, die auf Grund der jetzt gültigen Bestimmungen der Stadt verbleibenden Mittel so zu oerteilen, daß die im Vorjahre erreichte Zahl der woh- nungen, die mil hauszinssteuer-Darlehen finanziert werden, wenn möglich verdoppelt wird, indem die bis jetzt bewilligten Sähe dieser Darlehen etwa aus die hülste herabgesetzt werden. Der nicht gedeckte Teil der Baukosten soll durch zweit st ellige Hypotheken ausgebracht werden, für welche die Stadt Berlin die selbst- schuldnerischc Bürgschaft übernimmt. Eine ausreichende Deckung für die zu übernehmenden Bürgschaften wird durch Bildung eines Bürgschaftssicherungsfonds aus dem hauszinssteuerauflommen geschossen. Für erste und zweite Hypotheken ist mit den heran- gezogenen Kreditanstalten ein Durchschnittszinssatz von 6,4 Proz. vereinbar» worden. Der Umfang des Bauprogramms hängt davon ab, in welcher höhe hauszinssteuernnttel für Wohnungsneubauten zur Verfügung stehen. Das entsprechende Aufkommen im Jahre 1926 läßt erwarten, daß für 1927 mit 199 999 999 M. für hauszinssteuer-Darlehen ge- rechnet werden kann. Da die Wohnungsfürsovge-Gesellschaft Berlin m. b. h. zur Sickzerstellung der Bautätigkeit im Frühjahr 1927 bereits für rund 28 999 999 M. Darlehen noch nach den alten Dar- lehnssätzcn vergeben hat, bleiben, zur Durchführung der neuen Finan- zierung etwa 72 999 999 M. verfügbar. Der so für das haushaltiahr'1927 aufgestellte Plan wird vor- aussichtlich aus den nach den vorjährigen Bedingungen vergebenen 28 999 999 M. den Bau von rund 5999 Wohnungen, aus den nach den neuey Belcihungsgrundsätzen zu verteilenden 72 999 999 M. etwa 29 999 Wohnungen ergeben. Das ergäbe also ein Gesamtresultol von 25 000 Wohnungen im lausenden Jahre. Zusammenfassend und abschließend ergibt sich demnach trotz aller Bemühungen, jeden nicht voll begründeten Zudrong vom Woh- nungsmarkt fernzuhalten, und ungerchtet der größten Anstrengungen bei der Schaffung neuen Wohnraumes die Feststellung, daß einem Zahresneubedars von 46 000 Wohnungen im Haushaltjahr 1927 nur eine Neubauleistung von 25 000 Wohnungen gegenübergestellt werden kann. Diese Gegenüberstellung beleuchtet mit so niederdrückender Deutlichkeit die unhaltbare Situation auf dem Berliner Wohnungs» markt, daß sie selbst sprechen mag und daher von einer weiteren Ergänzung Abstand genommen werden soll. /lus öen Bezirken. steher wollten sie jedoch unter folgenden B.« dingungen stimmen: 1. der deutschnationale Stadtrat B e t h g e wird Mitglied der Per- sonalkommission des Bezirksamtes: 2. der deutschnationale Bezirks- verordnete, Bureouvorsteher v. Rekowski, wird von Gehalts- stufe 8 noch Gruppe 3 befördert: 3. der deutschnationale Bezirks- verordnete Schulze, der früher Badeinspektor war und abgebaut worden ist, wird wieder eingestellt. Di« SPD. lehnte diese„Be- dingungen" selbstverständlich ab, und auch die Kommunisten er- klärten, daß sie auf die Hilfe der Deutschnationalen verzichteten. So gab denn die Bürgerlich« Vereinigung bei der Wahl weiße Zettel ab. Die Bürgerliche Vereinigung hatte zu den bekannten Vorgängen im Bezirksamt Wedding einen Antrag eingebracht und versuchte, sich als Hüter von Recht und Sitte hinzustellen. Bei dieser Gelegenheit erhielt sie von unserem Genossen P a t t l o ch eine gründliche Abfuhr. Er wies darauf hin, daß sie die Verfehlung des Sekretärs Haus nur deshalb ausschsachtet, weil ihr die Woh- nungszwangswirtschast nicht passe. Wie sehr sie befugt sei, sich als Hüter von Recht und Sitte auszuführen, zeigten zur Genüge die Forderungen bei der Borsteherwahl. Der Demokrat Hausberg sragte entrüstet, ob die Deutschnationalen tatsächlich derartige Be- dingungen gestellt hätten. Sei das der Fall, so müßte er das als „Korruption und Schweinerei bezeichnen, die zum him- mel stinke". Der Magistratsschulrat Troll erklärte als deutsch-- nationaler Stadt- und Bezirksverordneter, daß die Forderungen „keine Schweinerei darstellten, sondern die drei Bedingungen seien gestellt worden, um die Schweinerei auszumisten". Diese Ausfüh- rungen riefen einen Sturm der Entrüstung hervor. Herr Troll ver- zichtete aber, dem Genossen Bürgermeister Leid Rede und Ant- wort zu stehen, als er von ihm gefragt wurde, ob sich seine Aus- sührungen auf die Personalpolitik des Bezirksamtes bezögen. Ge- nosse Ü r i ch kennzeichnete die Agitation der Deutschnationalen, die in Bezirksverordnetenversammlungen über die Wohnungsnot klagen, während sie im Labdtag an der Uebervorteilung Berlins beim Finanzausgleich hervorragend mitwirkten. Im Anschluß an diese Debatte wurde das Bezirksamt ersucht, beim Magistrat größere Mittel für die Instandsetzung der Schulhäuser zu erwirken. Es ist ein Uebelstand, daß das Älter der in Frage kommenden Gebäude bei der jetzigen Verteilung der Geldmittel nicht berücksichtigt wurde. 7. Bezirk— Charloktenburg. Auf der Tagesordnung für die Sitzung am 4. Mai standen vier Punkte— und der normale Mensch erwartete' Erledigung in einer bis eineinhalb Stunden. Man tagte von 6 bis 9% Uhr. Zunächst eine große Erwerbslosendebatte. Die KPD. hatte wieder einmal eine Flut von Anträgen gestellt, die teils sachlich, teils formal unbrauchbar waren. Trotzdem hatte sich ein Ausschuß ausführlich damit beschäftigt und hatte sich bemüht, etwas Brauch- bares daraus zu machen; so war ein«instimmiger Beschluß für die Erwerbslosen zustande gekommen. Damit war aber der Zweck der kommunistischen Anträge verfehlt: die agitatorische Wir- kung auf die, die nicht alle werden. Infolgedessen benutzte der Kommunist hasse seine Ausgabe als Berichterstatter zu Beginn und noch gründlicher im Schlußwort, um kommunistische Polemik zu treiben. Daß ein Berichterstatter«ine überparteiliche Aufgab« hat, ging nicht in sein Begriffsvermögen ein— und damit entschuldigte ihn auch der demokratische Vorsteher vor seiner eigenen Fraktion. Im Namen unserer Porte, gaben die Genossen Weidlich und A m h o f f die gehörige Antwort auf alle Anzapfungen der KPD. Es folgte eine große Auseinandersetzung über die Berliner Anschaffungsgesellschaft und über die KVG. Gebrüder Sklarek: ein Sturmangriff der gesamten bürgerlichen Parteien, der im Grunde gegen kommunale Wirtschaftsformen ging und die rein privatkapitalistische Bewirtschaftung wiederherstellen wollte. Daß Herr Perl sich zum Vorkämpfer dieser Bewegung machte, beleuchtete die eindeutige Jnteressentenpolitik der Mitte. Und daß Herr Perl gerade in diesem Augenblick der Stadt ein Haus abkaufen wollte— charakterisierte sein« mnd seiner Freunde wirtschaftliche Notlage. Mit großer Energie wies die Linke die grundsätzlichen Angriffe der bür- gerlichen Parteien ab: besonderen Eindruck machten die Äusführun- gen des Genossen C z a r l i n s k i, der ein Schreiben der Berliner Anschasfungsgesellschaft vom 2. Mai 1S27 an das Bezirksamt Ehar- lottenburg verlesen konnte, in dem es heißt:„Es ist völlig absurd, von einer Ueberteuerung der Textilwaren um 199 Proz. zu sprechen". Das Schreiben war unterzeichnet von Herrn Schalldach, dem jetzigen Leiter der BAG, Mitglied der Volkspartei— und die Herren Panschow und Becker machten Gesichter wie betrübte Loh- gerber. Der sozialistisch-kammunistische Flügel des Hauses verlangte Nachprüfung der bürgerlichen Beschuldigungen in ein«m Ausschuß— da zogen es die Bürgerlichen vor, den Äusschußantrag niederzu- stimmen, und so ging die Sache aus wie das Hornberger Schießen. hatte das Bezirksamt schon bei dieser Angelegenheit keine glück- liche Hand gehabt, so geriet Herr Bürgermeister Augustin in eine völlig schiefe Lage, als er auf eine Anfrage hin die'Agitation für einen bezirksamtlichen Sportverein mit dienstlichem Material und während der Dienststunden zu rechtfertigen sich bemühte. Eine un- politische Agitation während des Dienstes, sofern sie den Dienst nicht störe, sei gestattet, so argumentierte er in himmlischer Harmlosigkeit. hoffentlich werden sich die Arbeiterabstinenten, die Freidenker, die Naturheilvereine das merken. Als die Arbeitervertreter am Abend des 4. Mai nach einer weiteren nichtöfientlichen Sitzung das Ratbaus verließen, konnten sich die Bürgerlichen als zweite Sieger beglückwünschen. 3. Bezirk— Ivedding. In der letzten Bezirksoersammlung wurde an Stelle des Ge- nassen K a a s ch, der sein Amt als Bezirksverordnetenvorfteher niedergelegt hatte, unser Genosse F e n d e l mit 27 Stimmen der Sozialdemokraten und Demotraten zum Vorsteher gewählt. Dieser Wahl waren sehr interessante interfraktionelle Verhandlungen vor- ausgegangen. Die Deutschnationalen hatten erklärt, daß sie für den kommunistischen Kandidaten Wittkowski stimmen würden, weil sie hofften, daß er gegenübeer dem sozialdemokratischen Bezirksamt als Gegengewicht mirten würde. Für den sozialdemokratischen Bor- Andi sdiledtfe Sfraften sind gut, wenn Du Deinen Wagen mit einer Bereifung versiehst, die vermöge ihrer Ge» schmeidigkeit alle Unebenheiten des Bodens restlos in sich aufnimmt. Wahle den Reifen, der diese Bedingung in idealer Weise erfüllt: den elastischen, schnellen und haltbaren ffintinen Reifen Contlnental»Straßenkarten, Handbuch und Atlas, für jeden Kraftfahrer unentbehrlich. $ 16. Bezirk— SSpenick. In der Bezirtsverordnelenoersawmlunl, vom 4. Mal gab es eine interessante Aussprache anlählich einer Vorlage des Bezirksamtes, die die Ablehnung einer von den bürgerlichen Fraktionen gesorderten und von der Be�irksversammlung beschlossenen besonderen Deplita- tion sür Leibesübungen ilur Kenntnis der Versammlung brachte. Bei dieser Gelegenheit gingen die Kommunisten wieder einmal mit den bürgerlichen Parte ien Hand in Hand. Gemeinsam richteten sie Angriffe gegen unsere Partei und gegen das Bezirksamt. Unsere Genossen, Bürgermeister Kohl und Stadtrat H e r b st. gaben ihnen die notwendigen Antworten. Sie wiesen daraus hin, daß die grundsästliche Regelung dieser Frage für Berlin in Aussicht stehe und dost dann eine einheitliche Rege- lung für sämtliche Bezirke zu erwarten sei. 114 800 M. wurden sür den Ausbau des Sportplastes hn Köpenick bewilligt. Aus eine Anfrage unserer Genossen über die Errichtung eines Privatwochenmarktes an der Bahnhosslraste antwortete Genosse Bürgermeister Kohl, daß das Bezirksamt dem Privat- wochenmarkt ablehnend gegenüberstehe, daß es ober für die Schas- sung eines kommunalen Wochenmarktes im Interesse der Bevölkerung die notwendigen Maßnahmen zu ergreisen gedenke. Der Schiffsgüterverkehr öerlins. Berlin hat auf dem Wasserwege Berbindung durch die Oder und die Elbe mit den w i ch t i g st e n Hafenstädten der O st< und der Nordsee, Hamburg, Stettin usw. Des weiteren mit den Industriegebieten der Provinz und des Freistaates Sachsen, Oberschlesiens und der Tschechoslowakei. Mit Ausnahme des Finow- und des Landwehrkanals, die Kähne von nur 250 Tonnen Traggewicht aufnehmen können, gestatten alle übrigen Wasserstraßen Berlins den Berkehr mit 600-Tonnen. bzw. 1000-Tonnen-Schissen. Neben dem W e st h a f e n, der erst 1923 fertiggestellt worden ist, und dem um 10 Jahre älteren Osthofen dienen noch eine Reihe kleinerer Häfen und die ausgedehnten„Lcidestraßcn* — das sind die Ufer der Häfen und Kanäle— dem Verkehr der Güter. Sämtliche Ladestraßen und die ältesten Häsen: Nordhasen, Humboldthasen. Schöneberger Hafen sind seit den, 1. März 1923 von der Stadt an die„B e h a l a" verpachtet, während der West- Hafen, Osthafen, der Urbanhasen, der Spandauer Südhasen und die Häfen in Tegel und Neulölln der„Behala* erbbaurechtlich überlassen sind. Der gesamte Güterverkehr in allen Häfen und Ladestraßen belief sich 192 4 auf 810 576 Tonnen, stieg im Jahre 1925 auf 1209402 Tonnen und 19 2 6 aus 1 321 335 Tonnen. Der Gesamtverkehr aus den Berliner Wasserstraßen, der im Jahre 1924 sMärz bis Dezember) 5 350 000 Tonnen betrug, stieg im Jahre 1 9 2 5(Januar bis Dezember) auf 6 866 000 Tonnen. Daß der Anteil der städtischen Häfen am Gesamtverkehr nicht größer ist, erklärt sich daraus, daß von den Gütern 70 Proz. auf Kohlen und Steine ent- fallen, und gerade diese Güterarten werden zum überwiegenden Teil außerhalb der eigentlichen Hafenanlagen entladen. Dies gilt namentlich von den gebrannten Ziegelsteinen, die in großen Mengen auf Kähnen nach Berlin gebracht werden. In den Monaten No- vember und Dezember 1926 wurden beispielsweise in Berlin rund 69 000 Tonnen bzw. 83 000 Tonnen Ziegelsteine entladen. Bei dieser Sachlage ist es erklärlich, daß in Berlin der Empfang den Versand bei weitem überwiegt. Das gilt allgemein für den gesamten Wasser- verkehr(trifft auch sür den Eisenbahnverkehr zu), insbesondere auch für die Häsen. Es entfielen bei den städtischen Häfen vom Gesamt- verkehr aus Evipfang Prozent Versand Prozent 1924....... 88.1 11.9 1925....... 93,6 6.4 1920....... 91,3 8,7 Das Ganze zeigt, daß der Entwicklung der Berliner Häfen, des Güterverkehrs auf den Berliner Wasserstraßen überhaupt, noch ein weiter Spielraum gegeben Ist. Ein weiterer Aufschwung hängt natürlich zusammen mit der allgemeinen Verbesserung der Wirtschaft- lichen Lage, auf die wir alle hoffen. Das fehlenöe gute Such. Eine Klage aus dem Bezirk Friedrichshaia. Die geistige Notlage der Gegenwort ist gleich der materiellen überaus groß Nur zu häusig sind die süßlich-kitscht» gen Sachen der üblichen Romanreihen und solcher vom Schlage der ssourths-Mahler und Marie von Felseneck die geistige Nahrung der Proletarier. Das wissen am besten die Jugend- und Volks- dildungsämter, denen von kommunaler Seite die Bearbeitung dieser Dinge übertragen ist. Am s ch l i m m st e n von allen Berliner Bezirken steht der Bezirk F r i e d r I ch.s h a I n da. Wohl findet man dort überall in den Straßen Bücheranpreisungen. Aber es sind nur Schreibwaren- Handlungen, die dieses nebenher mit erledigen. Im Bezirk ist keine einzige Buchhandlung vorhanden. Was jedoch in den Schreibwarenhandlungen feilgeboten wird, mögen folgende Zahlen schildern: Don über hundert Läden führen etwa 60 Proz. die offenbaren Schundschriftcn, 20 bis 30 Proz. wirklichkeitsfremde, romamische Oberslächenliteratur. Wie sich hier das Gesicht des Bllcherhandels zeigt, so elend sieht es zumeist in den Kreisen breiter Volksschichten selbst aus. In der ersten Schulklasse einer guten Gcmcindeschule wurde z. D. festgestellt, daß von 48 Kindern 26 aus ihren Familien berichteten, es sei überhaupt kein Buch zu Haus« vorhanden. Aehnliche Ergebnisse liegen aus anderen Schulen vor. In vielen Familien wird dann noch wirklichkeits- fremdes verlogenes Zeug gelesen. Das liegt nicht etwa am schlechten Geschmack unserer A r b e i t e r b e v ö l t e- r u n g. Man konnte durchaus zufriedenstellende Beobachtungen machen, wenn ihr besseres zur Auswahl geboten wurde. Aber was in einem solchen Bezirk unter den geschilderten Verhältnissen zumeist an die Bevölkerung herangebracht wird, verhindert die gute Geschmacksbildung in literarischen Dingen. Eine besonders üble Rolle spielen hierbei noch die gerade auch wieder im Bezirk Friedrichshain äußerst zahlreich vorhandenen sogenannten„Leih- b i b l i o t h e k e�i", die manchen Schreibwarenhandlungen ange- schlössen sind und die fast nur aus jener Oberslächenliteratur bestehen. Und dabei wird hier verhältnismäßig viel gelesen. Die vier Volksbüchereien des Bezirks mit ihren Lesehallen wurden bisher in der zentralen Verwaltung stark zugunsten der Stadtbiblio- thek vernachlässigt. Jetzt endlich, nachdem die Verwaltung in den Händen des Bezirks ruht, ist man im Begriff, sie im besten Sinne auszubauen. Durch Bücheraus- stellungen des Jugendamtes wurde gleichfalls schon mehr. fach gutes Anschauungsmaterial geliefert. In diesem Sinne muß unbedingt fortgearbeitet werde». Wenn gegenwärtig sich auch dos Volksbildungsomt mit besonderer Energie dieser Dinge an- nimmt und der Bevölkerung durch Vermittlung billiger und guter Jugendschriften helfen will, so ist das sehr zu begrüßen. Wir wünschen nur, daß gerade auf diesem Gebiet nicht mit den Mitteln gespart wird, damit alle Arbeiten mit voller Energie durchgeführt werden können. Notstandsarbciten im Bezirk Köpenick. Bis Anfang April d. I. sind im Bezirk beim Straßenbau rund 45 000 und bei den Kanalisationsarbeiten rund 7100, zusammen rund 52100 Erwerbslosentagewerke geleistet worden. Die Kanali- sationsarbeiten find bereits im März fertiggestellt. Bei den Straßen- bauten wurden in letzter Zeit durchschnittlich täglich 329 Erwerbs- lose und 58 Stammorbeiter beschäfligt. Bis zur Fertigstellung der zurzeit in der Ausführung befindlichen Straßenbauten werden voraussichtlich noch an Tagewerken zu leisten sein: Verbreiterung der befestigten Fahrbahn der Fürstenwalder Chaussee 2500, Begradigung der L-Kurve an der Müggelheimer Chaussee 2500, Anlage einer Promenade am Müggelsee 500, Aus- bau der Straße 50 in Friedrichshagen 10 000, Ausbau der Straße 26 ln Köpenick 1000, zusammen rund 16 500 Erwerbslosen- togewerke. Die Fertigstellung der vorgenannten Bauvorhaben ist bis spätestens 15. Juni 1927 zu erwarten. Soziale Gerichtshllf». In der Arbeiterwohlfahrtskonferenz am V. Mai htest Genosse Stadtrat Zachow(Kreuzberg) einen Vortrag über„Soziale Gerichtshilfe und Gefangenenfürsorge". Vom Straf- zweck und seiner Wandlung im Lauf der Jahrhunderte ausgehend. schilderte er, welche Möglichkeiten das Iugendgerichtsgesetz von 1923 bietet, um bei 14- bis 18jährig«n Straffälligen statt der früheren Abschreckungsstrafen Erziehungsmaßnahmen durchzuführen. Dieser Fortschritt soll durch eine dringende nötige Reform unseres Strafrechtes auf die Erwachsenen ausgedehnt werden. Da wir als Sozialisten sehr häufig keine persönliche, sondern ein« soziale Schuld annehmen können, müssen wir alles tun, um die traurige Lag« des Strafgefangenen sowohl in der Anstall als nach seiner Entlassung möglichst zu erleichtern. Die soziale Gerichtshilfe soll zwar nicht die Tat. aber die Be- weggründ« zur Tat aufklären, z. B. durch Erforschung des Vorlebens und der Persönlichkeit des Täters. Anwesenheit des Helfers bei der Hauptocrhandlling, Sorge für die Familie während der Haft des Straffälligen, Gefängnisbesuche, Ausübung der Schutzaufsicht nach der Entlassung aus dem Gefängnis gehören vor allem zur soziale» Gerichtshilfe. Aus vielen Gründen ist die gemeindliche Für- sorge vorzuziehen. Die Berliner soziale Gerichts- Hilfe ist zurzeit dem Landesjugendamt unterstellt. Sie sucht vor allem die Achtzehn- bis Einundzwanzigjährigen erfassen, ferner die Psychopathen, sowie die aus Not und die erstmalig erheb- lich straffällig Gewordenen. Sie soll allmählich ausgebaut'werden. Die Bezirksämter könnten den Strafentlassenen in vieler Hinsicht behilflich sein. Es fehlt ihnen meist an allem, an Unterkunft, Arbeit, geeigneter Gesellschaft. Arbeitsbeschaffung ist stets das Beste, aber das Schwerste! Auch ärztliche Untersuchungen müssen vermittelt. Verbindung mit der Familie kann angebahnt werden. Zum Schluß forderte der Vortragende mit warmen Worten zur Mitarbeit als Helfer auf. Bevor die Ausspache über den Vortrag begann, wurden als Vertreter für die Tagung der Arbeiterwohlfahrt in Kiel die Genossinnen Dr. Frankenthal, Grumbach, Moll, und Schmidt sowie die Genossin K a a s ch al» Stelloertreterin gewählt. In der Aussvrache über das Referat des Genossen Zachow sprach Genossin Schröter- Friedrichshain von ihrer Tätigkeit im Beirat für Gefongenenfürsorge, Genosse G o l d st e i n berichtete über eine Sitzung der Gefangenensürsorge im Landgericht, Gruner- straße. Genossin Todenhagen warnte davor, daß die soziale Ge- richtshilfe den Staatsbehörden angegliedert werde, sie sei unbedingt eine Ausgabe der städtischen Bezirksämter. Genosse P r i e b e beklagte sich darüber, daß die Stadtverwaltimg keine Strafentlassenen ein- stell«. Genosse Grün betont die Notwendigkeit ausreichend vieler Helfer für die Schutzaufsicht bei Strafentlassenen. Genossin Henri- q u e s wünscht intensive Beschästigung mit den grundsätzlichen Fragen der Gefangenen, und.Strafentlassenenfürsorge. Genosse Rosen- feld befürwortet ebenfalls kommunale Fürsorge, besonders für die großen Städte._ Schützt den Wald! An alle Grunewaldbesucher wird die dringende Bitte gerichtet. zur Erhaltung des Waldbestandcs das Verbot des Rauchens im Walde zu beachten, sich dem Walde nicht mit unverwahrtem Feuer zu nähern oder ihn mit brennender Zigarre oder Zigarette zu betreten. Infolge der in der wärmeren Jahreszeit zunehmenden Trockenheit ist die Brandgefahr im Walde ganz bedeutend erhöht. Abgesehen von der Strafbarkeit im Zuwiderhandlungsfalle werden nicht nur oft Leben und Gesundheit von Menschen und Tieren durch Waldbrände gefährdet, sondern es gehen auch dadurch dem Volke ungeheure Werte verloren. Im allgemeinen Interesse wird ersucht, den Anweisungen der Aussichtsbeamten unbedingt Folge zu leisten. SfJ tfj-Mf a* S-� aa J-rf übfrfiibi man NU? bcrn Staebtnetfl bfs WUWUW? tflUfllUUllllgyi« 9-5, Sonntags 10-2 Uh?. Aus Wunsch: Vertr-Ieebifuch. 8t2Zt5'7kezter Opernlmu« a. Platz d.RepuM. 7"-/} Uhr: DleMacnt des Schicksals Schauspielhaus ?>/,! Fledermaus Schiller- rtiester 8: Prinz Friedrich r. Homburg Slüisdii! Opei Chsrlouenburg 79, Uhr: furandof Abonn.-Turnus I Jtatnmerspiele Norden 10334—37 8'/, U. Ende IOU. Dm lanil iltr Treue Die Komödie Blsmarc< 2414. 7.4ir Letite iiMdmiiW l 8'/- Uhr, Ende 10 U. Lockvögel Dienstag, den 17., Zum 1. Male: Der Snob Nachtvorstellung TÄ�l.li U., Endel U. Rsvue; Was Sie wollen Preise 2,3.4 u. SM. Rose-Theater 8V, Uhr: Der Vetler aus Dingsda •J OaitstoWti Norden 10334—37 4 U. Ende Ii U Der Arzi am Sdieldeweö Thest. a-KolieodBripl. Kurfürst 2091 8 Uhr kilk�inll Drei arme kleine Mädels Oirnttl m Waltir(gilt SCAtÄ Nollendorf 7360 8 Uhr Charlie RivelTrio und weitere Varäeie- Sen-atlonea! SoMilitsIi t. ioonlip 2 Vnrstelluni-en 3* und« Uhr. 3V zu ermäßigt, Preisend, ganze Programm Lusispielhaui «V« Uhr: Boliiiy's letite Hacbt Vispinninn. Küodir. Junkermann iBüliBiBBiiii •amcwi.u-lühnefi Th. KOnlgirätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhi: DieSdiulo v.üznath aomouieKnau« Norden 6304 8 Uhr Theo madti alles! Bieg. Herren- u. 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Vorzeiger zahlt nurbalbt Kassenpr. k antrat. Theater Täglich s Uhr Die Weile Lustspiel von Carl Sloboda Grau�eder tnJf geschweifremßbscdZ Norden: Chausseesir 22 Ecke Invalidsnstr. Osten: Franttinrter Mise 54 Ecke Kieultioerstr. Westen: Linkstraße 1 3 an d. Wannseeeahn Schöneberg: Hauptstr. 160 Ecks ätubanteuchsL niaiin-tneaier 8 Uhr: Wenn der junge Wein Metropoi• Theot. Täglich 8 Uhr: ZirkmpriDzeKiD Ttimter am Kotli Tor K„oub. strb Ä) Tägl.8 Uhr; Qjf* Stg. nachm. 3 feElile-Säoger I W Großes vllOekrtHdiungj- Programm I zur Niete W�O.Ansbaeherstr.t uHnborHItim Ots. klinstltr-Th ■ 8 Uhr: Adieu Mlmi Lesslnx-Theater SU.; Der Patriot RwtiM. üiienn oer gnie Kapildn- lSaulabaK,,ÄÄr C. Kttoker, Uerltn Lichtenberger Straße 22. Kgst. 3861 ViMeMSchiMeMeM! Sonntag, ben IS Blal oormillaga 9 Uhr. im Dnclccrctaal De» Der- banb*hauf«s. gimenftc 83,83. wr- Versammlung twi aller Schraubenaulomakea- und Handbant-Einrichter Zagcoocbnuna: t Wie habt» sich In unstrer Brauche blt»otlonalifittunpemagnaiimtn b Unter. nchmettumo auegewltki 7 2. Branchen» angeltgenheiten 3. Btrfchitbtnc». Um Ist Pflicht aller Sollegen. zu es» schtin». Ol« OtlaocritMiflang. Nr. 224 ❖ 44. Fahrgattg 2. Heilage öes vorwärts Ireltag, 13. Mai 1H27 /luslanöstapital für öen Wohnungsbau Auch ohne Beseitigung der Kapitalertragssteuer. Die Lage des innerdeutschen Kapitalmarktes macht den Absatz an Pfondbriesen immer schwieriger. Wenn auch an- zunehmen ist, daß ein gründlicher Zusammenbruch der Börsenspeku- lation wieder in größerem Umfange Geld zur Anlage auf den Pfand- briefmarkt lenken würde, so ist doch die Finanzierung der überall im Reich in Aussicht genommenen Wohnungebauten von ernsthaften Schwierigkeiten bedroht. Diese Gefahr Ist durch die Politik der Reichsregierung und der Länderparlamente zugunsten einer fort- schreitenden Begünstigung des Hausbesitzers verschärft worden. So liegt es nah«, von neuem daran zu denken, Auslandsgeld für den Wohnungsbau heranzuziehen. Man darf annehmen, daß der Reichsbankpräsident hier wie in vielen anderen Fragen sich der Schwenkung des Reichsoerbandes der deutschen Industrie ange- schloffen und-grundsätzlich nichts mehr gegen die Verwendung von Auslandskopital für den Wohnungsbau einzuwenden hat. Schwierig liegt aber dle Frage der Durchführung. Zu dem jetzt in Deutschland bestehenden Kursniveau würde das Ausland Pfandbriefe nicht aufnehmen, es sei denn, daß die Zinsen auf diese Pfandbriefe von der lüprozentigen Kapitalertrag- st e u e r befreit würden. Diese Steuer, die als Quellen besteue- rung der Kapitalrente das Gegen st ückzurLohn st euer bildet, bedeutet für den ausländischen Käufer deutscher Wert««in« Ver- Minderung seines Zinsertrages, da keine ausländische Regierung ihren Staatsbürgern den an die deutsche Regierung gezahlten Steuerbetrag auf ihre steuerlichen Verpflichtungen anrechnet. An- scheinend bestehen auch Bestrebungen, Pfandbriefe von der Kapital- ertragsteuer zu befreien. Diese Bestrebungen gehen von privaten Hypothekenbanken aus, die sich auf diese Weise im Auslande einen Markt für ihre Pfandbriefe zu erschließen hoffen. Selbstverständlich begründen sie ihre Borschläge mit einer angeblich von ihnen beabsichtigten Förde- rung des Wohnungsbaues durch Heranziehung von Auslands- kapitalien, wobei es'merkwürdig erscheint, wenn sie jetzt sich auf einmal auf diese ihre volkswirtschaftliche Ausgabe besinnen, wo es für ihre Zweck« nützlich zu sein scheint. In der Beseitigung der Kapitalertragsteuer liegen aber Gefahren des Mißbrauchs. Schon bei den ins Ausland gegebenen Auslandsanleihen industrieller Unternehmungen und staatlicher Körperschaften hat sich nämlich vielfach gezeigt, daß deutsche Kapitalisten später diese Anleihen erwarben und so ein Teil der in Deutschland aus deutschen Wertpapieren bezogenen Kapitalrenten der steuerlichen Erfassung entzogen wurde. Bei Pfandbriefen ist diele Gefahr noch erheb- lich größer, und es besteht alle Aussicht, daß ein sehr großer Teil der eventuell von der kapllalerlraqsteuer befreiten Pfandbriefe nach Deutschland zurückfließen nnd daß so das Prinzip d«r Ouellenbesteuerung bei der Kapitalrente in großein Umfange durchbrochen wertxn würde. Es besteht die Gefahr, daß Hypothekenbanken auf dem Wege über die Befreiung ihrer Auslandsemissionen von der Kapstalertragsteuer den versuch machen würden, abzugsfrei« Pfandbriefe indirektin Deutsch- l o n d s e l b st unterzubringen. Wenn auch theoretisch Be- sreiung der Pfandbriefe von der Kapitalertragsteuer unter Umständen eine l«ichte Senkung der inländischen Hypothekenzinsen ermöglichen könnte, so scheint es praktisch so zu s«in, daß sie nur den Gewinn der Hypothekenbanken steigern würde. Denn, da auf dem Markt für erste Hypotheken den Pfandbriefbonken ständig die Konkurrenz der Sparkassen, öffentlichen Versicherungs- anstalten usw. gegenübersteht, ist es unwahrscheinlich, daß die Zins- ständig die Konkurrenz der Sporks' anstalten usw. gegenübersteht, ist es verbilligung durch Auslandsgelder über die durch die Konkurrenz. Verhältnisse gebotenen Ausmäße hinaus durchgeführt würde. Zudem werden wohl die Hypothekenbanken nach wie vor sich als Beleihungs- objekte vorwiegend nicht die neuen Häuser, sondern die alten aus- suchen. Steuerabzugsreis Pfandbriefe sind aber gar nicht notwendig, wenn man Auslandsgeld für den Wohnungsbau ge- Winnen will. Glücklicherweise hat die Ostpreußlsche Landschaft kürzlich eiaen Weg gezeigt, auf dem es möglich ist, inländische Pfandbrief« im Ausland« unter- zubringen, o h n e sie formell von der Kapitalertragsteuer zu befreien. Sie hat einer holländischen Treuhandgesellschaft ihre nicht von der Kapitalertragsteuer befreiten Pfandbriefe übergeben, zahlt selbst regelmäßig die Kapitalertragsteuer, und die Treuhand- gesellschaft Hot gegen di« Sicherheit der Pfandbriefe unter gleich- zestiger Garanti« der Ostpreußischcn Landschaft eigene O b l t- g a t i o n e n auf den Markt gebracht. Dieser Weg, der den Pfand- briefinstituten die Zahlung der Kapitol«rtrogsteuer als zusätzliche und bei Ihren Gewinnen leicht tragbare Kosten auferlegt, scheint uns der gegebene Weg für die Heranziehung von Auslandsgeld für den Wohnungsbau zu sein. Unseres Erachtens wäre es zweckmäßig, wenigstens für die öffentlich-rechtlichen Pfandbriefin st itute die Mög- lichkeiten zur Beschreitung dieses Weges grundsätzlich auszubauen. Man sollte etwa im Anschluß an das deutsch« Treuhandinstitut der Retchskreditgesellschaft ein holländisches Unternehmen gründen mit der einzigen Aufgab«, solche Pfandbriefgelder zu ver- Mitteln. Hier könnte man dann auch gleichzeitig eine K o n t r o l l« einschalten, die die Verwendung d«r Auslandsgelder für den W o h- nungsbau sicherstellt. Di« privaten Kreditinstitute würden selbstverständlich das Recht haben, sich dieser Anstalt zu bedienen und sich den mit ihr verbundenen Kontrollmaßnahmen zu unterwerfen oder andere Wege zu gehen. Dies Verfahren erscheint uns richtiger und zweckmäßiger als das von anderer Seite vorgeschlagene der Be- freiung von der Kapitalertragsteuer. Denn bei ihm werden nicht einzelnen Hypothekenbanken durch staatliche Verordnung über- mäßige Gewinne zugeführt, während der Staat einen Steuerverlust erleidet. Die Privilegierung einzelner Hypothekenbanken für die Beschaffung von Auslandsgeldern für den Wohnungsbau zum Nach- teil der Gesamtheit tonn und muß vermieden werden. Kampf gegen sie Kohlenpreiserhöhung. Alle Verbraucher in eine Front. Das Kohlenfynditat hat eine Erhöhung der Kohlenpreise um Proz. für alle Kohlensorren verlangt. Der Reichskohlen« verband und d«r große Ausschuß des Reichskohlenrates sollen am 18. Mai über den Antrag entscheiden. Der Reichswirtschasts- minister wird sich zu überlegen haben, ob er von seinem Ein- sprucherecht gegenüber Hirsen Instanzen nötigenfalls Gebrauch macht. Wir haben uns also nicht getäuscht, als wir in der vorigen Woche die Rede des Generaldirektors Fahrenhorst von der Dereinigten Stahlwerke A.-G. dahin auslegten, daß die Schwer- industrie auf eine Erhöhung d«r Kohienpreise ausgeht. Die Eisenindustrie hat sich merkwürdigerweise beeilt, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß sie selbst der eventuellen Erhöhung der Kohlenpreise keine Erhöhung der Eisen- preise folgen lassen werde. Diese Generosität ist billig, denn ein- mal werden die Koks preise, die ja für die Hütten entscheidend sind, nicht mit erhöht und zum anderen sind die meisten Eisenerzeuger selbst Zechenbesitzer und werden in ihrem Kohlenverbrauch von der Preiserhöhung nicht betroffen. Da die Herren von der Eisen- industrie keine schlechten Politiker sind, wird man ihre G e n e r o s I- tät dahin auszulegen haben, daß sie für die Kohlenpreis- crhöhung, die ihnen als Zechenbesitzer für die nicht verbrauchten Fördermengen ia einen Ersatz für di« unterlaffcn« Eisenpreis- erhöhung geben wird, in der Oeffentlichkeit die Bahn frei machen will. Die Eisenoerarbeiter werden sich deshalb vorzusehen haben, daß ihnen nicht jetzt auf einen, anderen Wege dieselbe Materioloer- teuerung beschert wird, die ihnen durch den einheitlichen Widerstand der Oeffentlichkeit gegen die Verteuerungswünsche der Eisen- industrie erspart geblieben ist. Darüber hinaus wird aber alles darauf ankommen, daß die industriellen Kohlen Verbraucher nicht daran denken, wie sie die eventuelle Verteuerung der Kohlen wieder abwälzen können, Sondern daran, wie sie die Kohlenpreiserhöhung überhaupt ver- »Indern können. Ist es doch so, daß jede Abwälzung der Material- Verteuerung, die von den Schlüsselindustrien ausgeht, die Absatz- fähigkeit aller verarbeitenden Industrien drosseln muh, also auf sie wieder zurückfällt. Vom letzten Hausbrandverbrauchcr bis zu den öffentlichen Kraftwerken, vom letzten Warenproduzenten bis zum größten Verarbeiter muß deshalb gegen die Kohlenprciserhöhung eine Front gebildet werden. Wir werden in den nächsien Tagen noch mehrfach Gelegenheit haben, die p r i v a t w i r t f ch a f bl i ch c U e b e r f l ü f f i g k e i t und die volkswirtschaftliche Gefährlichkeit der Kohlenver- teuerung nachzuweisen. Für die Zechenherren und die Schwerindustrie handelt es sich in der Tat heute um nichts anderes, als daß sie aus Kosten der Jnlandsoerbraucher ihr« Wettbewerbsfähigkeit in den von der Auslandskonkurrenz bestritte- n e n Gebieten stärken wollen. Das geschieht nach einer beispiellosen Elut von Soudcrqewinncy, nach einer unerhörten Steigerung der eistung der Belegschaften und nach einer Maschinisierung der Förde- rung, die die Gestebungskosten noch weiter herabgedrückt hat. D i e inländische n Kohle- und Kraftverbraucher, die breiten Massen der letzten Konsumenten sind nicht dazu da. der S-chwerindustrie ihre Konturrenz- tosten auf dem Weltmarkt zu bezahlen. Sie sind noch viel weniger dazu da» um den Zechenherren Dauer gewinne tn einer Höhe zu sichern, wie sie während der englischen Sonderkon- junktur nur einmal möglich waren, bloß deshalb, weil den Zechen. Herren beim Essen der Appetit gekomnwn ist. Um die Kohlenpreiserhöhung abzuwehren, nicht erst abzu- warten, wie man sie abwälzt, wenn sie bereits eing«treten ist, 'darf die Oeffentlichkeit auch keine Sonderverabredungen dulden. In den nächsten Tagen soll die ADJ. mit den Eisenerzeugern verhandeln. Bei dieser Gelegenheit wird sich zeigen, ob die elsenver- arbeitende Industrie begriffen hat, daß sie in der Kohlenpreisfrage unversöhnlich bis zum äußer st en sein muß, auch wenn die Eisenindustrie noch so auf- richtig versichert, daß Stahl und Eisen sa nicht verteuert werden würden. Kohle und Eisen sind eine Front und ein Geschäft: mögen ihre Verbraucher begreifen, daß auch ihnen nur eine Front helfen kann, wenn sie ihre Interesien wahren wollen. Große Kursstürze an öer Sörse. Scharfe Einschränkung der BSrsenkredite. Unsere Besprechungen der Reichsbankausweis« der letzten Wochen machten e» zweifelsfrei, daß die Geldnachfrag« in Deutschland zu einer Anspannung auf dem Geldmarkt ge» führt hat, wie sie seit mehr al» anderthalb Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Die vier Ursachen liegen auf der Hand: Auslands« kapital kam nicht mehr herein, und die Rest» der alten Anleihen wurdm durch die aufsteigende Konjunktur und zur Durchführung der Rationalisierung verbraucht. Obwohl dl» englische Eonderkom junktur viel Geld ins Land gebracht hat, hat di« ihr folgende allgemein« Konjunkturbelebung die flüssigen Mittel der Wirtschaft In den Betrieben festgehalten und auch Bankgelder dorthin abgezogen. Di« Exporterlöse tonnten, weil die Berpflich- jungen aus der Einfuhr schneller stiegen als dl« Forderungen au» der Ausfuhr, zur Bezahlung des M« h r l m p o r t s nicht ausreichen: es mußten Inlandsgclder für den Import dem Geldmarkt entzogen werden. Endlich hat die trotz aller Warnungen himmelblau ae- blieben« Börsenspekulation dauernd sehr groß« Beträge festgelegt. Daß bei der Fortdauer der Konjunktur aus dieser Lage Schwierigkeiten entstehen mußten, war klar. Die Reichsbank spürt sie, die Wirtschast spürt sie, und da jetzt auch noch durch die NichtHerabsetzung des Wechseldiskonts In London die letzte Hoffnung für eine Entspannung des Geld- markte» geschwunden ist, da weiter die Reichsbank ihren Diskont im Augenblick nicht erhöht hat, und neu« Auslanvogelder deshalb zunächst nicht zu erwarten sind, hat setzt auch die Börse den ersten schweren Schlag empfangen. Es ist vielleicht übertrieben, gleich von einem schwarzen Tag der Börke zu reden. Immerhin ist auf der ganzen Linie ein starker Kurseinbruch zu verzeichnen. Auf der gestrigen Börse haben die Montanaktien zehn und mehr Prozent verloren, die Kolipapiere verloren 8 bis 10 Proz., auch die schweren Chemiepapier« gingen erheblich zurück, die bevorzugte» Werte der Elektroindustrie verloren 8 bis 18 Proz., Aktien großer Baugesellschaften 10 bis 12 Proz., und die Glanzpapiere der Kunst- seidenindustrie gingen bis zu 3 0 Proz. zurück. Natürlich be- ziehen sich diese Prozente auf die Kurse und nicht auf das Aktien- kapital. Da die genannten Werte in den letzten Wochen zwischen 200 und 630 Proz. notierten, ist es natürlich eine Uebcrtreibung, schon von schwarzen Tagen zu sprechen., Allerdings scheint der Zeitpunkt vielleicht ge- kommen zu sein, wo d«r immer nur kurze Zeit unterbrochenen fünfviertetjährigen Hausse einer Baiffcperiode folgt. Geschähe das, so wäre das nur im höchsten Maße erfreulich. Geht es der Börse schlecht, so hat die Wirtschaft Aussicht, daß sie mehr prosperiert. Biel unangenehmer als noch so schwere Kurs- einbräche wäre für die Wirtschaft eine Diskonterhöhung. Ob sie sich oermeiden lassen wird, steht noch dahin. Jedenfalls drückt die Reichsbank jetzt noch mit aller Kraft auf die Banken, um die bisher der Börse zur Verfügung gestellten Gelder der Wirt- schaft zugute kommen zu laffen. « Die Mitglieder der Vereinigung von Berliner Banken und Bankiers(Stempelvereinigung) sind heute untereinander überein- gekommen, die für Börsenzwecke gewährten Gelder allmählich aber erheblich herabzusetzen. Bis zum 13. Juni wird eine Einschränkung um 23 Proz. erfolgen. Für spätere Termine sollen die Einschrän- kungen noch verschärft werden. Günstige Entwicklung der Maschinenindustrie. Für den Monat April meldet der Verein Deutscher Maschinen- bauanstalten ein« w e itere Be lebung. Wenn auch dos Gesamt- bild ähnlich wie im März sei, so sei der Austragseingang zum Teil doch oerbessert. Die Bctriebsanlagen der Maschinenbaufirnien seien jetzt durchschnittlich zu zwei Dritteln ausgenutzt. Die Zahl der über schlechten Geschäftsgang klagenden Firmen habe sich von 35 Proz. im März auf etwa 23 Proz. im April verringert. Etwa 60 Proz. der Betriebe meldeten.genügende"' Beschäftigung, 15 Proz. meldeten gute Beschäftigung. Bemerkenswert ist, daß sich bei der erfolgten Reuelnstellung von Arbeitskrästen in einigen Fällen nicht sofort die gesuchten Leute finden ließen. Besonders die Textilmaschinen-, die Papiermaschinen-, die Druck- und Werkzeug- Maschinenindustrie verzeichneten größere Aufträge als iin März. Geringer als im März war der Auftragseingang In der Land- Maschinenindustrie. Die Lage wird unter Hinweis auf die scharfe Konkurrenz------------—-«■>-" �- behobene vor„Eti„ I__________ r______________ r nicht f ü r tunlich gehalten, ausdrücklich auf die sicher auch ihn» bei der Abfassung des Berichtes schon bekannte drohende Kohlen- Preiserhöhung hinzuweisen. Zum eigenen Nutzen wäre sicher eine weniger vorsichtige Taktik vorteilhafter gewesen. Eine Großfusion in der Porzellanlnduskrie. Die Porzellansabrlt Kahla baut ihren Konzern durch Fusion der von ihr beherrschte!» Unternehmungen zum Porzellantrust aus. Seit 1922 bereits war die über 3300 Angestellte und Ardeiter beschäftigende Porzellan- fabrik Kahla mit der H. S ch o m b u r g».Söhne A.-G. in Groß- dubrau durch engste Intelesscngemeinschaft verbunden. Fast das laiye Kapital war beim Kahla-Konzern. An den Porzellan- abriken Schönwald in Schönwald(Oberfrankcn) und E. u. A. Müller A.-G., ebenfalls in Schönwald, hatte der Kahla- Konzern entscheidende Beteiligungen. Diese vier Fabriken, die zu- sammen ein Aktienkapital von 13 Millionen Mark haben, werden Ktzt auch juristisch zu einer Firma oereinigt, nachdem sie bisher al» einheitlicher Betrieb anzusehen waren. In der Tat erfolgt die Fusion auchrückwirkend, und zwar zum 1. Januar bzw. 1. Juli 1926. Die Muttergescllschaft hat offenbar ein großes Interesse daran, für möglichst lange Zelt die Steuervorteil« zu genießen, die fusionierte Unternehmungen hab«n. Eine Kapitalerhöhung kommt für den Kahla-Trust nicht In Frage. Bei der Goldumstellung wurde das Kapital sehr hoch gehalten, weil die Beteiligungen an diesen Gesellschaften miteingerechnet wurden. Für die wenigen außenstehenden Aktien, die eingetauscht werden müssen, sind genügend eigene Aktien bei der Kahla A.-G. vorhanden. Insgesamt werden in den neu«n Trust nach den Mitteilungen der Berwaltung etwa 6000 Arbei« ........ Die zusammengeschlossenen Monate. Die Dahnbautcn der 3. B erger Tiefbau A.-G. Nach d«n Mit- teilungen, di« in der Generalversammlung d«r Julius Berger Tiefbau-Aktiengesellschaft aus Anlaß der Kapitalserhöhung von 3 um 2L Millionen auf 7,3 Millionen gemacht worden sind, sind die Auf- träge für Eisenbahnbauten in der Türkei und Rumänien im Werte von 160 Millionen Mark ter und An gestellte beschäftigt. Fabriken haben Aufträge für mehrere T Jahre.. Gesellschaft jür die angegebene Zeit mit Beschäftigung versehen ist. Pro Jahr ist für die Gesellschaft aus diesen Aufträgen allein mit einem Iahresbestand von 30 Millionen Mark zu rechnen. Die Verwaltung ist der Ansicht, daß auch für das erhöhte Kapital die bishek übliche Dividende von 13 Proz. wird herausgeholt werden können. Sie erzielte Im Jahre 1926 einen Reingewinn von 900 294 Mark, aus dem wie früher eine Dividende von 13 Proz. zur Verteilung kam. Leschäsligung bei Rvlstandsarbeilen. Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, sind von Januar bi» März 1927 täglich im Durchschnitt 78000 Notstandsarbeiter beschäftigt worden, von denen Im ganzen Bierteljahr 5 123 143 Erwerbslajcn- tag«werke geleistet wurden. Davon kamen auf Meliorationen 10 Proz., aus Straßenbauten 42,2 Proz., auf Anlage von Sport- und Spielplätzen 11,8 Proz., auf sonstig« Tiesbauten 31,3 Proz. und auf Borbereitungsarbeiten 4,7 Proz. Das �ugenöschlchgefetz. Die Beratung im Reichstage fortgesetzt. Die Sitzung wurde um 2 Uhr vmn Präsidenten L ö b e er- öffnet. Die zweite Lesung des Gesetzes zum Schuhe der Zugend bei Lustbarteilen wird fortgesetzt. Abg. Frau v. Sperber(Dnat.) wendet sich gegen die Angriffe der preußischen Dichtcrakademie aus die Mehrheit des Iugendaus- schusses des Reichstags. Das durch Krieg und Nachkriegszeit hervorgerufene Iugendeiend mache eine stärkere Jugendfürsorge notwendig als früher. Die mit großer Reklame angekündigten Nacktballetts und ahnliche Veranstaltungen feien geeignet jugendliche Besucher für ihr ganzes Leben zu verderben. Die Tatsache, daß die Durchführung des Gesetzes in die Hand der Jugendämter gelegt ist, bürge schon dafür, daß Uebergrifse und Schikanen nicht vorkommen würden. Abg. Dr. Runkel(D. Vp.) erkennt an, daß Verbote nach Art des vorliegenden Gesetzes niemals soviel erreichen können, wie positive Erziehungsmaßregeln. Aber das Reich fei doch verpflichtet, Schutzmaßregeln für die Jugend zu treffen. Die Mitwirkung der Jugendämter nehme der Vorlage den Charakter eines Polizei- und Strafgesetzes. Der sozialdemokratische Redner habe auf einen Popanz losgeschlagen. Keine Partei wolle einen Eingriff in Familienfeiern, Geburtstagsfeiern und Hochzeitsfeiern, das stehe auch nicht im Gesetz.(Abg. S e y d e w i tz(Soz.): Das Gesetz spricht doch von„nichtöffentlichen Lustbarkeitenl") Das wird wohl nachher der Minister erläutern.(Lachen links und Rufe: Aha, Sie wissen es also auch nichtl) Von einer Theateroorzensur könne gar keine Rede sein, ein etwaiges Verbot würde sich nur auf ein« ganz steine Zahl jugendlicher Besucher erstrecken. Abg. Frau Weber-Berlin(Z.) erklärt, daß auch das Zentrum für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Jugendlichen ein- trete. Gerade dieses Gesetz wolle das tlngeistige beseitigen, deshalb solle man es dock) nicht im Namen der Geistesfreiheit bekämpfen. Abg. Rosenbaum(Komm.) bezeichnet die Vorlage als ein Attentat auf die Kultur. Für wirvichen Jugendschutz hätten die Parteien der Rechten nie etwas übrig gehabt. Gegen 4 Uhr vertagt das Haus die weitere Beratung auf Freitag nachmittag 3 Uhr. rinlevduugen für diel« Rubrik sind Lerliu SW 68. Liudeaitrab- 3. parteinachrichten für Groß-Serlin stet» au da» Beztrt-lekretartat. 2. Hol. 2 Treu, recht», ,u richte» l.«Mi» Mitte. Montag, 15. Mai, Besichtigung de« Alter», und»inder- heims in Buch durch die Kommunale Kommission. Die Teilnehmer treffen sich oormittagz 10 Uhr am Bhf. Buch.. �. 4.«reis Prenzlauer Berg. Heute, Freitag, 1Z. Mai, 7 Uhr. gufammen- kunst aller parteigenössischen Eportsgcnossen und-genofsinnen bei«lug. Danziger Str. 71. Parteimitglicdsbuch legitimiert. 8.«reis«rcuzberg.«ommunale«ommisstau: Sonntag, 15. Mai, oormittag» 10 Uhr, Besichtigung der Städtischen Waslerwerke in Friedrichshagen. Treffpunkt in der Eenosienschaftsbrauerei. Fohrverbindung: Stadtbahn bis ssriedrichshagen: Straßenbahn Linie 87 bis Köpenick, Lindenstraß«. Umsteigen in Linie 81 bis Friedrichshagen sFöhre); Linie 187 ebenfalls bis zur Fähre. Kinder haben keinen Zutritt zum Werk. Nach der Besichtigung gemiitUchrs Beisammensein im Freibad oder im Müggelschlößchen. Reg« Beteiligung aller Genossinnen und Genossen wird erwartet. 1Z.«reis Tempethos. Die für heute, Freitag, vorgesehene Sitzung mit den Biirgerdeputicrtcn muß isifolge der Tagung der Arbeiterwohlfahrt aus- sollen. 117. Abt. Lichtenberg. Sonntag, 15. Mai, vormittags 9% Uhr, Besichtigung des Rummelsburgcr Kraftwerkes. Treffpunkt vor dem Kraftwerk. 1Z». Abt. Tegel Die Beisetzung der Asche unseres verstorbenen Genossen Gerhard Halses findet am Eonnabend, 11 Mai, naibmittago 1 Uhr, auf dem Tegeler Friedhos statt. Sammelpunkt der Genossinnen und Genossen im Jugendheim Bahnhosstr. 15. Jungsozialisten: Achtung! Die nächste Gesamtveranstaltuna findet am Montag, 16. Mai, statt. Thema:„Arbeitslosigkeit und Rationalisierung." Re» F i ferent Kurt Seinig, M. d. N. Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben. Kruppe Mitte: Heute, Freitag. 8 Uhr, im Jugendheim Ticckstr. 18, Aussprache:..Jungsozialistcn und Partei." Interessierte Parteigenossen sind gern gesehen. Gruppe Tempclhos.Maricndors. Sonnabend, 11. Mai, Fahrt nach der Märkischen Schweiz. Treffpunkt 6>b Uhr abends. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: «reis Friedrichshain: Treffpunkt zum Maientag VbS Uhr Weberwiese.— Gruppe Stralauer Viertel: W Uhr Hochbhs. Warschauer Brücke. Kreis Pankow: Wir beteiligen uns am Sonntag, 15. Mai, an dem Kinder- freunde- Maientag im Bolkspark Neukölln. Kosten für Kinder 10 Pf. Eßnapf »nd Lössel mitbringen, da Mittagessen verabfolgt wirb. Abmarsch: Gruppen Niederschönhausen und Buckcholz 9 Uhr ab Fricdensplatz, Gruppe Pankow 9 Uhr ob Bathaus. Gäste willkommen. 17.«rei» LiGtenberg: Treffpunkt zum 15. Mai um',,9 Uhr Bhf. Frankfurter Allee. Treffpunkt mit den Außenbezirken Kaulsdorf um IhlO Uhr Tempelhof. Bezirk«reuzberg: Gruppe Südost und Gruppe Naturfreunde: Tressen am 15. Mai, 9 Uhr. Jugendheim Rcichenberger Str. 68.— Gruppe Hallesche» Tor: Tressen 9\i Uhr Gitschiner, Ecke Brand-nburgstraß«. Gruppe Südwest: Tressen 10 Uhr Gneiscnau-, Ecke Zosscncr Straße. Sozialistische Mrbeiterjugenü Groß-öerlin. Achtung, Abtcilungskasfiererl Heute von 5—7 Uhr Abrechnung. Abtrilungsleitcr, gebt das Iuni-Monotsprogramm ab! Die Bücherstube ist heute von 5—7 Uhr geöffnet. Heute, Mittwoch, 7% Uhr: Moabit I: Schul« Waldenserstr. 20. Heimabend.— Moabit II: Heim Lehrter Etraß« 18—19.„Wofür kämpfen wir?— Gesundbrunnen: Führung durch da» Buchdruckerverbandshaus. Treffpunkt Z18 Uhr Dreibandstraße.— Nordost I: Heim Neue Königstraße.„Äissenfehaftlichcr und utopischer Sozialis- Mus."— Nordost II: Heim Danziger Str. 82.„Die Entstehung der Erde."— Sencseldcr Viertel: Schule Danziger Str. 2Z.„Arbeiterjugend, Republik und Reichsbanner."— Weißcnfee: Heim Parkstr. 88. Mitalicberverfammlung.— Warschauer Diertcl: Heim Lilaurr Str. 18.„Lohnarbeit und Kapital."— Schöueberg I: Heim Hauptstr. 15.„Erlebnisse aus AfrÜa."— Charlotte». bürg: Heim Rossncnstr. 1.„Die Zeitung im Dienste des Klassenkampfes."— falenfee: Schult Ioachim-Fricdrich-Str. 85—38. 10-Miiiuten,Rcferate.— Britz: eim Ehausseestr. 18. Abend im Dunkel.— Baumlchuleawcg: Heim Ernst- straße 18.„Zweck und Ziele der Gewerkschaften."— Niederschöneweid«: Schule Berliner Str. 81.„Wir und die Kirche."— Treptow: Heim Elsenstr. 8.„3Bas geht in China vor?"— Ricdcrschönhansen: Schule Blankenburger Str. 79. �Ziele und Bestrebungen der gegnerischen Iugendvcrbäude."— Pankow: Heim Görf-hstr. 11.„Unser Wandern." Werbebezirk Krcuzberg: Funktionärkurfus im Liudenhoim: ebcndort Werbe- bezirksvorstandssttzuna. Jede Gruppe muß vertreten sein. Werbebezirt Rcutelln: Engere Werbebezirksvorstandssttzung und Werbe. bezirksbildungsausschußsttzung im Heim Eteinmetzstr. III.— Alle Genossen unter stüheu die Kindcrfrcunde am Sonnabend, 11. Mai, bei der Unterbringung ihrer Gäste. Das Bureau befindet sich Ganghoscrstraße(Baracke) und ist ab 8 Uhr geöffnet. * Weißensee: Morgen, Sonnabend, Treffpunkt zur Werbebczirkstreffahrt Z�8 Uhr Antonp'atz. Fahnen und Mustkinstrumente stnd mitzubringen.— Frankfuricr Viertel: Jugendheim Rigaer Etr. 103. Diskussion:„Chinapolitik." Haat-Bleiehkrem kurzer Zeit rein weiß. Wirksam unschöne Hautfarbe, Sommersprossen� genauer Anweisung in M „Kloro" so- wie ltloro- seife bleichen Gesicht und Hände in erprobte unschädliche Mittel gegen Leberslecke, gelbe Mecke. Mit allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu baben. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner.Scbwarz-Rol-Gott»". Geschäftsstelle: Berlin S ll. Sebastianstr. 87/88. Hof! Tr. Tiergart«», Radfahrer-Abt.: ffr., d. 18., 8 Uhr, bei Trllmper, Flensburger Etr. 3.— Sonnabend, d. 11.: Mitte, 8. Kameradschaft: 7>,a Uhr Fahnennagelung in Gornis Festfälen, Gortenstr. 8. Eintritt 80 Pf. Kameraden, welche die Pfingstfadri nach Stettin mitmachen wollen, melden sich umgehend bei ihrem Kameradschaftsführer. Treptow: Pünktlich 7 Uhr in Riederschöneweide, Grünauer Straße, am Fenerwehrgebände, antreten. Um- marsch durch Johannisthal. Pflichtveranstaltung. Letzter Meldetcrmin und Abrechnung für Vietz. Meldung für Stettin. Weitere Bekanntmachungen 9 Uhr im„Kühlen Grunde", Obcrfchöneweide, Siemensstr. 1. Adlershof: OZl Uhr Abmarsch von Lehmgrübner zum Umzug in Johannisthal. Friedrich». felde: Ab 7 Uhr findet i» Friedrichsfelde, Tempels Festsäle, Prinzenallee 15, ein republikanisches ssrühlingsfest Natt. Bernau-Börnlcke: 7,4 Uhr Antreten bei Modisch. 78Ü Uhr Abmarsch vom Bahnhof mit den Kameraden aus Röntgentbai zum Fackelzug nach Ladeburg. Erscheinen Pflicht.— Sonntag, d. 15.: Mitte: 9!4 Antreten Stett. Borortbhf. Fahrt nach Ladeburg zur Fahnenweihe. Tier- garten: Pflichtfahrt nach Ladeburg, morgens 8 Uhr Kleiner Tiergarten und morgens 8 Uhr Bhf. Bülowstraße. Friedrichsbain: Antreten vorm. 8Z( Uhr mit Musik und Fahnen Küftriner Platz zur Autofahrt nach Mittenwalde. Fahr- preis 80 Bf. Steglitz, Iugendkameradschaft: Antreten Ifj Uhr Bhf. Marien. darf zur Beteiligung in Lichtenrade In Bnndeskleidung. Bflichtveranstaltung. Tempelhof: Rachm. IZJ Uhr Antreten Bhf. Mariendorf. Fahrt zur Fahnen. weihe in Lichtenrode. Bflichtveranstaltung. Weißense«: Ansmarsch mit Tam. bourkorps 8 Uhr früh„Grüner Baum", Berliner Allee. Reinickendorf: Morgens 7hi Uhr und 8sii von der Kfefnbahn Reinickendorf-Rosenthal Fahrt»ach Schsldow, Schlltzenhau». Radfahrer 8 Uhr Ksrchvlatz. Rosentbal I.«res, Niederbar»Im.Nord: Krefspflichsveranstaftuna in Ladeburg. Bollzählfges Er» scheinen sämtlicher Ortsgruppen bis 12.18 Uhr am Bhf. Bernau oder 1 Uhr in Ladeburg notwendig._ Deutscher Ssperanto-Bnnd, Ortsgruppe Beel!». Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, Konditorei Dobrin, Hockescher Markt, Uebungsabend. Berliner Gsveranto-Bereinignug. Dtensiaq. 17. Mai, 8 Uhr, im Restaurant „Zum alten Askanier", Anhaitstr. u. Portrag in Esperanto. Eintritt frei. Gäste derzfich willkommen. Freie Berelnianng von Sternfrennden Berlin. Bersammlnng Sonnab-nd, 11. Mai. 8 Uhr, hf'm Borlltzenden, Sihnidirektor Freund, Halensee, WestfS'ifch» Straß» 27«, o. 1 Tr. Vortrag: Bhnssker Fahrenheit iGedenkiagl. 2. Beob- achtungen am Teleskop. Gäste nach Anruf Uhland 8828 willkomme». Arbeitersport. Wien— Berlin so lautet am Sonntag die Parole aller Arbeiter-Fußballspieler. Aber nicht nur diese, sondern auch ein großer Teil der Anhänger der bllrgerlichen Per- »in« wird die Wondernnq nach dem Bdser-12-Evorsvlatz in der Christiania- straße antreten, um wieder einmai österreichssch» Fußballtvieier in Berlin zu sehen. Durch die Gründung einer Arbeiter-FaßhgNoroaniration in Oesterreich ist e» den Bürgerlichen nicht meßr mögsich. mit Wiener Mannschaiien aus den Rlnn treten»n können. Haben sich doch di» wenioen Beregne, die sich nicht zur Arbeiteriporthewegiing dekennen wollten, d-m ProieiOonalismus ergeben, und gegen Beeisssspieser aibt der Deulsche Fußball. Bund keine Spieleriaudnis. In svieltechnischer Hinsicht werden die Miener beweisen, daß sie. trotz d-r Kürze ihres Bestehen», imstande sind, Hervorronendes zn leisten. Was die Wi-ner z» leisten vermäaen, haben sie in den Svielen zu ONern in Dr»-d-n, Chemnitz nnd Luckenwalde bewlelen. Die Hachbnrg des deutschen Arbeitersußballa Gre». den, wurde algts aelchlagsin. Richi betler eraina es den andere». U eberall siratr die Technik, Ausdauer»nd Schnelliaketi der Wiener. Di» Wiener Mann, schalt bat aeae» die Ostersvtele ein» kleine A-nderung erlabren. In d"n Städtelvielen Wien» gegen Grgtz»nd W'ener-Neustadt wurden die beste» Leute herausgenommen. Die Mannschaften treten sich in folgender Aufstellung gegenüber: Wien Grebrn'ck (Straßenhab») Düringer Heilenwälde« '(Straßenbahn) Naumann Rowatüg Frktz f sStraßenbahn) sWieden) Brabee Fritz N Jerk Zawadll Meissmier (Brialtienan)(Wieden)(Feuerwehr)(Si. Briter Sporifr) Rassmann Sirobwia Trotschinsss Elleran Lindenau (Treptow)(Lichienba. IN)'(sämtlich Adler 08) Kuchenbecker Baruth Seelinoer (Adler 08)(Brandcnburq)(Alemannia) Rucket« Schramm (Treptow)(Wacker-Lankw.) Weber Bcrlln(Fichte-Ges) DI« Wiener stützen sich in der Hauvtsachc aus die Spieler des Straßenbadner- Sportvereins, der die gesamte Hintermannichait stellt. Rur der linke Läuser entstammt aus dem Wied-ner Sportklub. Der Sturm bat schon»inige Städte- sviel» hinter sich nnd verfügt über eine große Echußfrenbigkeit, die dem Ber- liner Torwort sehr gefährlich werden kann. Aber auch In der Berlinrr Ber- tretung sehen wir einige bekannte Gesichter und alt» Käm»«». Hier stützt sich der Etnrm auf die»ingespieiten Adscr-Leute. Auch der übrige Mannschalis- teil wird fein Bestes hergeben, um mitzuwirken an einem günstigen Ab- ichne-den der BcrI'ncr. Das Spiel beginnt—�mittag» 5 Uhr. Vorher werden die Kleinsten ihr Können unter Beweis stellen. Am Sonnabend spielt die Wiener Mannschaft gegen eine kombinierte Eis des Südwestbezirls in Brandenburg an der Havel. Touristenverein..Die Ztafurfreunbc", Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Die Mitgliederversammlung am 18. Mai in der Wein- meisterstraße fällt aus. Sonntag, 15. Mai, auf dem Gelände Meißnershof bei Hennigsdorf, Maienfest. Beginn 8 Uhr. llnkostenbeitrag 20 Pf.— Abt. Char- lottenburg: Freitag, 18. Mai, 8 Uhr. im Heim Spreestr. 80, Eezuell« Fragen.— Abt. Geiundbrnnuen: Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, im Heim Lortzingstr. 10, Literarischer Abend.— Abt. Südost: Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, ,m Heim Reichen. bergcr Etr. 88, Lichtbilderoortrag:„Korsika". Iugendabt.: Montag, Wrangel- straße 128, Bunter Abend.— Abt. Südwest: Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, im Seim Porckstr. 11,„Fritz Reuter" iGenosse Lau).— Abt. Mariendors: Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, Alte Schule, Torfstraße.— Abt. Treptow: Freitag, 13. Mai. 8 Uhr, Elsenstr. 3, Naturwissenschaftlich» Plauderei.— Abt. Neukölln: Freitag, 18. Mai, 7 Uhr, Iugendgruvve, Kopsstr. 55, Löns-Abend.— Gemischter Chor: Freitag, 18. Mai, 8 Uhr, Altersheim Danziger Str. 82, Baracke III.— Faltboat-Abt.: Sonntag, 15. Mai, Pflichtsahrt zum Maiensest. Abs. 8.50 Uhr Stett. Bhf. bis Oranienburg. Nachzügler 1 Uhr auf der Havel, 2 Kilometer südlich Pinnow.— Einen außerordentlich zweckmäßigen Vortrag hielt am Nach- mittag Dr. Oskar Steinroth:„Was man vom Berliner Aqua- rium gewöhnlich nicht weiß". Der Redner berichtete über eine Reihe naiver aber recht verbreiteter Publikumsansichten über die Anlage des Aquariums, wie über seinen Tierbestand, und stellt die Irrtümer richtig. Gewiß hat seine anregende Plauderei darüber hinaus dem reich ausgestatteten Berliner Aquarium auch neue Freunde gewonnen. In den Kursen der Hans-Brcdow-Schule sprach über„neuzettlichc Metallforschung", ein Thema, dos in unserem technischen Zeitalter nicht nur sür den Fachmann interessant ist, Diplomingenieur G r o e g: Chrefredakteur Georg Bernhard setzte seinen Zyklus„Der Mensch in der Volkswirtschaft" fort, mit einem Vortrag„Sparen und Verbrauchen", der den Einfluß der Lebensanschauung eines Volkes auf die Volkswirtschaft des Landes darlegte. Das Rachmittogskonzert der Kapelle Emil R o o s z hätte bei sorgsamer zusammengestelltem Programm reine Freude bereiten können.— Die abends übertragene Oper„Hossmanns Erzählungen" aus der Städtischen Oper Charlottenburg litt vielleicht unter Witterungsschwankun�en. Sie war nicht immer gleichwertig. Doch zeigte sich in den gunstigen Abschnitten das Klangbild auch von Orchester und Chor tonschön und ohne Verzerrung. tcs. * Der sür Freitag, den 13. Mai, nachmittags 6,50 Ubr, im Programm der Funk-Stunde in Berlin anqeksindigle Bortrag des Oberingenieurs N a i r z s.ä l l t aus. Dafür Ipricht Dr. Georg Z e h d e n über das Thema»Der Schmerz, unser Freund und Feind". «h»t»»«»«i,fchasti StosiM, 1«.»«l, I Uhr, stn Zugrndhest» Tklsttrr Str. 1. Dr. Deel spricht über Malerei und Photographie. Auistellung: vtärk-.sch« Seen, Flüsse und Bäche.— Naturwissenschaftlich« Abt.: Montag, 16. Mai, 8 Uhr, im Heim Stralauer Etr. 55, Arbeitsabend.— Abt. Lichtenrade: Man- tag, 18. Mai, 8 Uhr. bei L-ntz, Kailer-Wilhelm-Str. 78.— Abt. Steglitz! M-n. tag, 18. Mai, 8 Uhr, im Heim Kniephos-, Ecke Ieverstraße.— Bollstanzkursu» der Naturfreunde: In der Turnhalle der Ehamissoschule, am Bardarossapiatz zu Schöneberg, finden fcden Freitag oon 8—10 Uhr Volkstanzübungsabende statt, zu denen noch Teilnehmer zugelassen werden. Leichte Schuhe sind mitzubringen. llnkostenbeitrag 25 Ps. pro Abend._ Turnspiele am Sonnlag. Die Handballstädtcniannschaft fährt am Sonntag nach Leipzig, um gegen die dortige Städtemannschast zu spielen. Hossentlich reicht e» bei der Spiel- stärke der Leipziger zu einem Siege. Auf Grund des letzten Städtespicls sind einige neue Leute hineingekommen: die Aufstellung ist folgende: Nielien (Wedding) Schulz Klemmt (deide Fichte-Nord) Kllltsch Hossmann Rößner (Velten)(Weddmg)(Adlershof) Bergen» Roßdurg Butter Dall Bold (Schönow)(Adlershof)(Süden)(Nord)(Ftchle-ostdl Am Sonnabend, 14. Mai, finden folgende Spiele stqtt: In Neukölln, Tammweg, spielen um Mi6 Uhr 2. Frauenabt. gegen Fichte 1, um 6.10 Uhr 1. Vereinsmannschaft gegen Schmargendorf I und um 7.19 Uhr 2. Vereins- Mannschaft gegen Fichte 3 II. In Reinickendorf, Echarnwebersrraße, spielen Fichte. Nord 1. Frauen gegen Fichte 8 und 1. Männer gegen Ficht« 8 um 8 Uhr. In Mariendors, an der Rennvahn, spielen Fichtc-Sild 1. Jugend gegen Fichle ö I um--8 Uhr und 1. Männer gegen Reulölln 2 l um>i>7 Uhr. Riederschone. weide U spielt gegen Neukölln 8. Vereinsmannschaft um Vi? Uhr In Nieder- schäneweide, Berliner Straße(Gasanstalt) und Schw.mmvereiu Vorwärts 1 gegen Fichte 20.1 I um 7 Uhr in Baumschulenweg, Fichteplatz. Stralau 1. Männer fährt am Sonntag nach oehdeiuck und Fichte 22 1. Jugend fährt nach Eberswalde und Kupferhammer. Weiter finden folgende Spiele statt: Fichte 7 gegen Fichte 12 aus dem Fichteplatz Baumschulenweg. Dt« Jugend um 10 Uhr und die Männer um 11 Uhr. Männer: Fichte 19 l gegen Fichle-Nord II um 1 Uhr in Mariendors. an der Rennbahn. Lichte». derg 2 gegen Biesdorf um 5 Uhr in Fricdrichsfelde, Treskowallee. Kaulsdorf gegen Fichte 20 B um 1 Uhr in Kaulsdorf, Köpenicker Straße. Vellen II gegen Heiligenfee 1 um 2 Uhr>n Bellen, Germendorfer Straße. Riederschöneweide I gegen Fichte-Rord I um 1 Uhr in Riederschöneweide, Berliner Straß-(Eos- anstalt) und Köpenick 2. Jugend gegcn Fichte 7 II um 1 Uhr in Köpenick, Warienstraße.__.„ In der Raffballferi« spielen am 15. Mai Weißenfee I gegen Fichte 18 I um 8 Uhr in Weißensee, Rennbahn, und am 18. Ria, Ficht- 18 Hl gegen Beißen- fee I um Vi? Uhr in Baumschulenweg. Arbeiter-Radfahrer-Bnnd„Sollbaritäl". Zur Bezirkssternfahrt nach Teltow.— Ortsgruppe Nenlölla: Früh 8 Uhr Teltow. Start Bhf. Hermannstraßc.— Ortsgruppe Treptow-Baumschulenweg: Früh 9>i Uhr am Bahnhof nach Teltow.— Ortsgruppe»roß-Lichterfeldc: Mittags 12 Uhr nach Teltow.— Ortsgruppe Adlershof: Früh 9� Uhr Teltow. Start Bismarckstr. 29.— Ortsgruppe Wilmersdorf: Früh 19Vi Uhr Teltow. Start Aue.— Ortsgruppe Steglitz: Früh 8 Uhr Teltow. Start Birkbufchstr. 90.— Bez. 21. Ortsgruppe Stralau-Rummelsbura: mittags 12 Uhr Schöllholz. Start Türrschmidtstr. 10.— Ortsgruppe Reinickendorf: Bezirksf-alfportfest in de» Hubertiis-Sälen. Start 12V-» Uhr Ressdenzstraße, Ecke Pankower Allee.— Orrs- gruppe Seinersdorf: Werbeumzug. Start 11 Uhr Kirche.— Ortsgruppe Tegel: Bezsrtsfaalspvrtfest. Start 1 Uhr Echlieperstr. 84.— Ortsgruppe Ob-rfchone. weide: Bezirkssaalfportfest Start 12 Ubr Pereinslokal.— 1. Bezirk: Sonntag, 15. Mai, Be,!rksstcr,ifahrt nach dem Echwielowsee. Start aller Abtrilungeir 8 Uhr an den bekannten Stellen. Eammelstart 8 Uhr Wannsee(Reichsadler). Sonnabend,>1. Mai, 8 Uhr, bei Wolter, Rungestraße, Materialausgabe. Jede Abteilung schickt einen Radfahrer. Athletik. SC.„Beroliua" Neukölln, Leichtathletikabteiluug. Sonntag, 15. Mai, 2 Uhr, Anturnen auf dem Iubiläumsfrortplatz Reukölln, Grenzallee. Gehsportler heraus! Zum IVi-Kilomcter-Bahngehcu am 15. Mai im Lichten- berger Stadion, das anläßlich des Frühjahrs-Eportfestrs von Freie Turner. schalt Lichtenberg und SV. Sparta zur Föxderung des Gehsports unter d:i> Ardeiterfportlern ausgeschrieben ist. werden Meldungen noch bis ziim Start entgegengenommen. Um den Wettkanipf interessanter zu gestalten, wird das Gehen als Borgabekonkurrenz ausgetragen. Anfragen erledigt Otto Domes, 910,, Ebclingstr. 5. Bei den schweren Männer». Sonntag. 15. Mas, veranstaltet die Interessen» Vereinigung der Arbeiter-Athletenvereine des 5. Bezirks im Stadion Friedrichs- Hain ein Werbesportfest, verbunden mit loichtathletischen Kämpien, leicht, und schwerathlctische Vorführungen. Werbeumzug I Uhr. Deginn der Borführun- gen 2 Uhr. Eintritt 8» Pf. Erwerbslos« und Jugendliche 15 Pf. BFC. Rordi-ka 1918. Ettzuilg jeden Freitag im Lokal Brapdschädel, Ebers. walder Str. 85. 8—7 Uhr Schüler, 7-9 Uhr Jugend. Von 9 Uhr ab A't. Jugend und Männer. Fußballtraining Dienstags und Sonnabends von 8 Uhr ab Sporttraining Mittwochs und Freitag». Echwimmabend jed-n Freitag im Bolksbad Obrrbcrger Straße. Turnen Montags und Donnerstags. Anmel- düngen jederzeit. Das diesjährige Anturnen der Freien Tnenerfchoit Neukölln findet am 15. Mai auf dem Turnplatz am Dammweg statt. Beginn der Wettkämvie 2>i Uhr. Zur Austragung für Männer, Frauen und Jugend gelangen Illö-Meter-Lauf, Hochsprung und Kiigclstoßen. Achtung, Altersturner der FTSB. Unser Anturnen findet am 15. Mai auf den Sportplatz Echarnweberstraßc statt. Aktive Beteiligung aller ist Pi'�cht. Ausschreibung zum Gruppensportseft in Teltow am 12. Juni 1927. Fünf- kämpf für Männer und Jugend: 100 Meter, Kugelstoßen. Diskus, Weit, und Lochfprung. Dreikampf für Frauen und Kinder: 75.Meter-Lauf, Ballweitwerfen, Weitsprung. Etafetten und Einzelläufe: 10X100 Meter, iXlOO Meter, 1500- Meler-Einzellauf für Männer. 1000 Meter für Jugend: außerdem Turnioiele und Schwimmen. Das Sportfest ist offen für alle Mitglieder des 1. Bezirks. 80 Pf. Festbeitrag, kein Etartgeld. M-Iduntzen an den Gruppenleiter Ernst Krenich. Echmaraendors. Breite Str. 8. Arbeiter-Nadfahrervereia Groß-Berlia. Sonntag. 15. Mai, früh 5 Ubr, nach Eichhorst, Lokal am Berg: nachmittags 1 Uhr Röntgenlhal. Bärwolistraß:, Restaurant Waldhaus. Motorfahrer 1 Stb. später am Start. Start Waldemar- straße. Ecke Marianncnplatz. Gäste willkommen. Wasserspork. Nutzerer and KanusahMk, 1.«reis. Achtung! Fürstenwaltze-Teilnehmer: Sonntag, 22. Mai, Treffpunkt Schief. Bhf., Saupteing., 7Vi Uhr. Fahrkarten zu 1,10 M.(Ermäßigung 83Vi> Proz.) werden daselbst durch die Vcreinstcch.nker ausgegeben. Der Festzug in Fürstenwald« wird in Rudrrdrrß ausgeführt. Bercinsfahncn und rote Fahnen sowie Kappen sind mitzubringen. Technischer Ausschuß I. A.: Schneider. Wauder-Paddler Kanel, e. B. Bootshaus: Heiligensee, Dorsstr. 29. Mit- glicdcr oerden aufgenommen. Anfragen an Walter Schlokat, Bcrlin-Niedcr- fchönhausen, Lindenstr. 28». Die Freien Schwimmer Rcnkölln eröffnen am 18. Mai in Ihrem Vereins- iommerbad Siversufer, am Bwtzer Osthqfen, einen Nichischwimmerkurfu». Auskunft bei Fclir Schmidt, Neukölln, Bergstr. 57. Anmeldung Montags, M'tt. wachs»nd Freitags ab 5 Ubr im obengenannten Bade Zum Anbaden des 1. Bezirk« in Peter-Hagen trifft sich der Verein Sonntag, 15. Mai, l2>i Uhr, am Ringbhf. Neukölln. Abfahrt IV« Uhr. Fußball. Lichtenberg I, Platz Knnaftstraße, Bbf. Stralan-Rummelsbnrg. Am Montaa abend 8V, Uhr spielt Teutonia 09. 1. Mannichait, gegen Lichten. bcrg I, 1. Mannschast. Vorher 3. Man ischaften beider Vereine. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 12. Wai. 1. Nennen. I. Tentriiugnl(Oertel), 2. Tieglinde(Biebiq), 3. Obcr- jäger(Kiänzlein). Tolo: 43:10. Platz: 2l, 21, 20:10. Ferner liefen: Humor, Engpaß, Dau. Ulster. Nabel. 2. Nenne n. 1. Grille(v. Boecke), 2. Piksieben(Schnitzer). 3. Mandarine (t>. Götz). Toto: 25: 10. Platz: 10, 10, 11: 10. Ferner liefen: Baltd, Per- schwiegenheit, Galopd. 3. Rennen. 1. Taffv II(Weidner). 2. Majoran(Viebia), 3. Baladin (R. Derschug). Tolo: 295:10. Platz: 33, 28, 36: 10. Ferner liefen: Mirabelle, Moving, Blumbcrg, Raffke. Final. 4. R e n n e n. 1. Marai(Aiebig). 2. Borussia(Braune), 3. Zauber- flöie(Schnitzer). Toto: 45: 10. Platz: 23, 23: 10. Ferner liefen: Stummer Teulel, Rlleluja, Jmpresfario. 5. Renne n. 1. Dorn II lOertel), 2. Merkur II(BiSmark), 3. Main- berg(Koboulekl. Toto: 27:10. Platz: 18, 39, 27:10. Ferner liefen: Rück- grat, Eleazar, Lobrebner. PeriklcS, Laufjunge. 6 Rennen. 1. Palagon(v. Borcke). 2. Sommcrflor(v. Horn), 3. Flamberg(Schnitzer!. Toto: 62:10. Platz: 18. 19. 16:10. ferner liefen: Sunng Bird. Märchenzauberin, Lliciezia, Marge Pracht, Eoran. 7. R e n n e n. 1. Rose Marie lHaufcr), 2. Priuceß Frodfinn(Majemski), 3. Ouiion(Kobi). Toto: 28:10. Platz: 17, 24:10. Ferner liefen: Mohn, TulliuS, Trauncgg. Heilt Hatairhe(Luftwege, Magen, Darm. Niere, Blase, Unterleib), Aztllma, jdoA ßJL_r-»■ ii kmovyzem. Grippefoläen, Badtsiände von Lunken- n.RippenfellcntzQnannt), Herz- and GeläffcrhranKangen, Gicht und Rheumatismu». Nalflrlldie kohien- saure Bäder/ Die besteingerichteten und rfelseitlusten Inhalatorien/ Pneumatische 18Z6- 1920 Kammern/ Unterhaltungen und Sport aller Art /• VorrO gliche Gaststätten LUDW. WI�DHORST 1612- 7697� Auskunft: Kurverwaltung und Reisebureaus. tzhenbronnen<315 an nuraast und Hössanr. Emser Vasser(Irluchen), Pastillen, duellsalz, die nalörliehen Heilmittel.— Emsolitli für die ZShne.— Man beachte sleis die Schulzmarke. Hauptniederlaee für Emser Kränchen für Berlin und Brandenburg: Brunnenvertriebs-Aktiengesellsqhaft, Berlin SW., YorckvtraBe 59. Telephon: Hasenheide 3536—38. Freitag 13. Mai 1927 Unterhaltung unö �Wissen Vellage öes vorwärts die Nächte öes stillen Hauses. Von Heinz Liepmaun. Ein Knabe noch, kam er in der ersten warmen Nacht über Kartoffelfelder und eine regentrübe Landstroß«: blutende Füße und geschwollene Waden, müde Gedanken und leere Hände schleppte er in die große Stadt, die noch— obgleich bereits eine Sternennacht über allen Himmeln lag— ihre Sinfonie spielte aus tausend- farbigem Geräusch und Licht. Breite Straßen und krumme, schatten- werfende Gassen, flüsternde schwarze Paare, einsame Laternen, Häuser wie Silhouetten, dünne Schreie aus roten Vorhängen, und endlich geht es nicht weiter, weil die Knie zittern, weil das Blut in den Adern zu sausen beginnt. Da kriecht denn der Wandersmann in das nächste Tor und eben dieses gehört dem stillen Hause in der Sankt-Marien-Gasse, das Haus, in dem Maria Theriesia, die große Königin, geschlafen hat, einst, als sie verfallen mar mit Leib und Seele dem einäugigen Herzog von Wels, dem dies Haus gehörte. Damals hatte sie den Krieg gegen den großen Friedrich von Preußen verloren. Der Knabe kriecht breite Stufen hinauf, das Haus ist dunkel und ohne Laut, nur das Tor schlägt plötzlich zu.«in« alte Glocke jammert durch die Wölbung der Treppen, aber niemand kommt. des Knaben lautes Herzklopsen zu hören,— es bleibt finster und verlassen: so kriecht er die Stufen hinaus, fühlt noch eine Tür, und glaubt dann süße, silberklingende Stimmen der Engel zu hören. e Er schreibt einen Brief: „Liebe Mutterl Dein Sohn ist vor dir geflohen, liebe Mutter, und du weißt warum. So wisse auch, daß du mich nicht mehr sehen wirst, denn du bist es, welche die mütterlichen Leiden für mich er- litten, die du geduldet hast mit sanftem Lächeln um bleiche Lippen, als man mich dir reichte.— darum, tieb« Mutter, well ich nicht deine müden weichen Augen und deine Hände für mich sich mühen lassen will. Verzeihe mir, die du jetzt einsam bist in einem Dorse, wie ich in einem stillen Haus." * Die Chronik hat man dann erst viel später gefunden, und wenn nicht die neue Bahn durch di? Stadt gebaut worden wäre, mitten durch die Sankt-Marien-Gasie, und das Haus, erbaut siebenzehn- hundertvierunddreißig vom Herzog von Wels, das man nun hat niederreißen mästen, man hat ein anderes Altersheim gebaut— so hätte man niemals die Chronik gefunden und wohl auch nicht ibn—, aber man weiß ja den Namen des Knaben nicht. Seine Mutter, sie lebt sicherlich noch in dem kleinen Dorf und wartet, ein« alte, lächelnde Frau, auf die Schritte an der Trepp«: ihr sagt man vielleicht von dieser Chronik, und sie wird dann wissen, daß es ihr Sohn' ist, von dem ich erzähl«. So bitte ich euch alle: geht zu den attcn, lächelnden Frauen in euren Dörfern, die müde, gütige Augen haben und bringt ihnen diese Blätter. Vielleicht kann dann eine alte Frau bester schlafen des Nachts. « Niemand verwunderte es, daß des stillen Hauses in der Sankt- Marien-Goste Nächte wundersam erleuchtet warSn von einer kleinen Kerze am Giebel: und es wußte um den Knaben, der in der Kammer hauste, auch nur die Magd, die ihm heimlich Speise und Licht brachte— aber die Alte starb eines Tages ganz plötzlich, ihr treuer guter Blick erlosch wie eine Kerze am Nochmittag—, ihr Mund war still, und einen gab es, der sie beweinte, aber das alles war viel später. Er lebte nachts und tags träumte ihm im Schlaf. Wenn die alten Damen, in die Ruhe des letzten Seufzers versunken, ihr« ein- fanien Betten erfüllt hatten, wohl noch schlaflos vor allzuviel Er- innerung, in die Zeit hinabstarrten, die Dunkelheit— auf dem Rücken in den Betten liegend, um diese Stunde erwachte der Knabe lind dehnte sein« Kräfte. Uebrigens hätte er auch bei Lebzeiten berühmt werden können. Seine Sonaten und seine Lieder, die er ohne Instrument gc- schaffen— die er schuf in diesen einsamen Nächten—, sie sind nicht nur wertvoll, sondern auch wirkungssicher. Er war vielleicht Mitte der Zwanziger. Wenn es fahl wurde, und die zarten Geräusche der Nacht in den kühlen Morgenwinden verwehten, legte er sich zum Schlafe. Der Text eines Liedes von ihm ist:„Sa war ich, so bin ich, so werde ich sein: unendlich, unfaßbar und ewig allein".— und ein anderer Text ist:„Die Zeit vergeht an meinem Fenster, ich sehe ihr zu und sehe Gespenster: sie geht nicht, sie läuft nicht, sie steht auch nicht still: das kommt, weil ich niemals vcrgesten sie will." * Im Erdgeschoß brennt noch die Lampe. Dort wohnt der Pförtner Lohe, dessen Frau ihm nach vierjähriger Ehe durchge- brannt ist: der Pförtner sitzt zeitunglesend in der Ecke eines grünen Sofas Er ist zufrieden, daß er allein ist an solchen Abenden. Diese Rul)e! Und man kann sparen. Im ersten Stock, genau über dem Zimmer des Pförtners Lohe, sitzt das neunzigjährige Fräulein Simwer. Sie ist schon ins Bett gegangen. Ihre hageren Hände sind bleich und kühl: sie hat ein Gesicht, wie ein kluger Bogel und sie kann die ganze Nacht in ihrem kühlen Bett liegen, dem sie keine Wärme mehr zu geben vermag. bis zum Tag. Aber da wird sie noch nicht geschlafen haben, denn sie muß soviel nachdenken. Sie kann überhaupt nicht mehr schlafen, ober eines Tages wird sie es doch wohl, denkt sie. Und das wird sicher morgen sein: immer morgen.- Das Zimmer darüber ist Noch dunkler, denn der Mond kann nur bei Fräulein Simwer sein, um die sich sonst niemand kümmert. E» ist das Wohnzimmer des Ehepaares Muldin. Die beiden Alten schlafen nebenan. Ihr Atem ist zu hören. Hier ist nur ein« kleine Katze, die auch schon lange schläft. Sie liegt auf einem großen Album, welches voll ist von Photographien. Ach, die Kinder, wie sie klein waren. Jetzt schicken sie den Eltern jeden Monat einen Wechsel mit stets dem gleichen Brief aus fernen Städten. Darüber liegt und träumt nun eine kleine Katze.» Ueber diesem Zimmer wohnt der Fremd«. Bei ihm ist Olga, die blonde Frau des Pförtners Lohe. Sie sagt: „Als ich das erstemal zu dir kam, aus Neugier, weil ich nächtlich wie eine unbegreifliche Gestalt dich im Giebel verschwinden sah, hast du mit Worten wie Hände nach mir gegrissen, und ich bin bei dir geblieben, deine Geliebt«. Glühende Worte sprachst du——— „Ich habe sie vergessen," sagte er. „Willst du arbeiten?" fragt sie und richtet geschäftig nüt ihm wahlbekannter Geste und Bewegung seine Bequemlichkeit. Er kennt die letzten Fallen ihres Gesichtes und ihres Gehirnes. Sie hat ihm plles gegeben und nun findet er sie leer. „Nein," sagt er und blickt sie an,„nein, ich kann nicht arbeiten, du nimmst mir den Atem!" * In der ersten warmen Nacht, als das Eis krachend auf den Seen zersprang, und der Wind um das stille Haus jauchzte, starb Fräulein Simwer. Da fand der Pförtner Lohe, der es nicht aus» halten konnte in seinem Schlafgemach, vor seiner Tür ein tod- Mit Hott für Kaiser unö Republik! v. keudell:.Soweit Wilhelms Rückkehr verboteu bleibt, müssen wir wohl einer Verlängerung des Republik- schuhgesehes zustimmen, lieber hergt. da kommen wir nicht drumrunu" h e r g t:.hm. gewih... Aber könnte nicht zuvor der Vorstand der Deutschnationalen Partei eine Ergebeaheits- adresse nach Doorn absenden?" müdes Wcib. Er nahm sie mit, aber sie sagte kein Wort, wo sie gewesen war während der vielen Wochen, und er fragte sie dann auch nie mehr,--- sie aber war stiller geworden als je. Der da oben aber stand in seiner Kammer mit nackter Brust und ließ den Wind in seine Lungen tanzen. „Ich bin frei," jubelte er,„ich bin allein!" Er atmete tief und lächelte dankbar und glücklich zu den Sternen. * Der bekannte Musiker erhiett einen Brief. „Ich schicke Ihnen zwei Lieder, mit denen Sie machen können, was Sie wollen: Sie mögen der allen Magd dafür soviel Geld geben, wie sie Ihnen wert sind. Damit Sie sehen, daß ich Ihnen ungefährlich bin, sage ich Ihnen folgendes: Ich lebe sehr glücklich, in einer Kammer, und verlasse sie nie. Kein Mensch, außer der alten Magd, weiß um mich und meinen Ausenthalt, denn meine Kammer ist verschollen wie ich. Alles Geschehen läuft Parade an mir vorbei. Ich bin der einzige Pol unserer Zeit." Der Musiker hat den Brief verbrannt und, nachdem er sie ver- geblich auszusragen versucht hat, der Magd Geld gegeben.—— Durch die beiden Lieder wurde er dann auch berühmt. Ein großer Krieg ist gekommen. Die alten Frauen beten und stricken. Die Löhes mußten als Ausländer fliehen. In dem Bett, in welchem Fräulein Simwers gestorben war, schläft nun eine, die die Zeit überwältigt hat, eine junge Frau, ergraut und erblindet. In dieser Zeit schrieb der da oben:„Eure Tage sind meine Nächte: eure Nächte sind meine Tage, wer irrt sich nun?" » Nun geht es sehr schnell zum Ende. Als die alte Magd den zweiten Tag nicht kam, wurde der Mann besorgt und hungrig. Am dritten aber erkannte er die Nichtigkeit der Weisheit seines Lebens, denn durch das Fehlen der Magd empfand er schrecklich auch seine ewige Hörigkeit zum Alltag. Da ist er ausgelöscht, irgendwie, wohl sonst und bestimmt— nicht vor Hunger. lieber die letzten wachen Momente dieses Menschen wird sich von mir kleinem Schreiber nichts sagen lasten. Und, wie gesagt, als das Haus abgerissen wurde, weil ein« Bahn, und gerade mitte» durch die schöne alte Sankt-Marien- Gaste— da fand man alles. Aber, den alten Frauen— nicht wahr?— denen werdet ihr diese Blätter schicken?! So sind die Nächte des stillen Hauses in der Sankt-Marien- Gaste vergangen." wie ich Redakteur wuröe. Von Richard Fische r.*) Vor 50 Jahren war es, in Zürich war ich Sozialdemokrat ge- worden, dann war ich nach Lausanne gekommen, hatte dort in einer Druckerei, in der eine deutsche Freimaurerzeitung gedruckt wurde, eine sehr lohnende Stellung gesunden. Bisher wusden die Korrekturen an einen Profestor nach Gens gesandt, was ebenso zeitraubend wie kostspielig war. Der deutsche Mitinhaber der-Firnia fand bald heraus, daß ich das auch verstand, und so wurde mir dies Amt über- tragen, was meine» Verdienst wesentlich steigerte. Im Sozialdcmo- kratischen Arbeiterverein Lausanne bekam ich die ersten Lastalleschen Broschüren zu lesen, die ich wie einen Roman verschlang. Steins „Französische Revolution", Grüns„Geschichte der sozialen' Bewe- gung" und Weiilings.Harmonie" eröffneten mir eine neue Welt, kurz: ich geriet in ein ganz neues Leben— bisher war Tanz, ab und zu eine kleine Rauferei, ein bißchen Charmieren mit Mädels nrcin Lebensinhalt gewesen. Jetzt war ich mit Leib und Seele der Politik, der Arbeiterbewegung verfallen. Als Vorstandsmitglied des Vereins war ich im Laufe des Sonnners ein paarmal nach Genf gekommen, hatte dort den Ie>,n Philipp Becker kennen und verehren gelernt. Bei einer internationalen Verbrüderung hat er mich zu meiner ersten Rede animiert, in der ich auch glücklich stecken geblieben war, aber mit väterlicher Nachsicht oerwandelte der Alte das redne- rische Fiasko in einen Scheinerfolg. Sein Zweck war erreicht, ich hatte„Blut geleckt" und redete künstig öfters, ohne stecken zu bleiben. *) Aus dem literarischen Nachlaß des verstorbenen Genossen. Es ging mir in Lausanne zu gut: bald hatte ich ein paar Hundert Franken erspart, mit einem jungen Parteigenossen aus Schlesien, einem Schlosser, der aus einer Herrnhuter Familie stammte und ebenso wie ich die religiösen Eierschalen abstieß, hatte ich einen abcn- teuerlichen Reiseplan verabredet. Wir wollten nach Italien— über Spanien. In Lyon sollte— es war die Zeit des Carlistenaufstandes— ein carlistisches Werbebureau existieren. Die Adresse hatten wir. Dort wollten wir uns anwerben lasten. 500 Franken betrug an- geblich das Werbegeld. In Spanien gedachten wir zu desertiere» und mit Hilfe der deutschen Gesandtschaft über Frankreich nach Italien spediert zu werden. Mit unserem Ersparten und dem Werbe- geld mußten wir herrlich durch Italien kommen. So war's ab- gemacht. Wir zogen los, über Genf nach Neuchatel, von dort nach Lyon. In Neuchatel ergriff meinen Genossen die Reue, er trat in Arbeit, ich zog allein nach Lyon. Trotz des nach dein 71er Krieg in Frank- reich herrschenden Nationalhasses gegen alle Deutschen konnte ich das riskieren, denn mein französisches Buchdmckcrverbandsbuch enthielt als Geburtsort einfach„de Baviere"(aus Bayern), was ebenso un- deutlich geschrieben war, daß es als„de Bariere" gelesen werden mußte,«o rvandertc ich als Deutsch-Schweizer mit etwas stümper- hasten französischen Sprachkenntnissen. In Lyon fiel der bereits in Neuchatel halb ins Wasser gefallene Plan völlig ins Wasser, das carlistifche Werbebureau existierte nicht. Und nun folgte eine dreizehnwöchige Walze, im Anfang noch mtt'Eisenbahnfahrten, später nur noch als Tippelmarfch kreuz und qu«r zurück. Nirgends fand ich Arbeit. In Würzburg hatte ich den letzten Groschen Geld ausgegeben. So langsam war mir aller Reise- muZ vergangen. Ich versuchte bei der dort vorgenommenen' Main- regulierung als Tagelöhner Arbeit zu kriegen. Nach ein paar Stunden Karrenschieben brach ich zusammen und mit 1,50 Mark„Ver- dienst" wurde ich als„D. U." fortgeschickt. Ich kam dann nach Hos. Dort erschien bereits ein sozialdemo- kratisches Blatt. Natürlich suchte ich das Geschäftslokal auf. Die Genosten empfingen mich ganz kameradschaftlich und bewirteten mich abends in der Parteikneipe. Arbeit als Setzer konnten sie mir nicht verschaffen, aber der Redakteur mußte nächster Tage eine Gefängnis- strafe antreten, und so machten mir die Genosten allen Ernstes den Vorschlag, ich solle an seiner Stelle den Redakteurposten antreten. Achtzehn Jahre war ich alt: vor einem halben Jahre hatte ich zum ersten Male die Lastalleschen Broschüren zu Gesicht bekommene diese allerdings auch gleich gefressen. Außer der Greulichschen„Tag- wacht" in Zürich und dem Leipziger„Volksstaat" hatte ich noch keine sozialdemokratische Zeitung gelesen. Von einer im sozialdemokratischen Geiste gefestigten Lebensauffassung konnte daher gar keine Rede sein— und nun boten mir die Hofer Genossen nach ein paar Stun- den Unterhaltung die Redaktion ihres Blattes an. Ich war nun gerade kein schückstcrnes Bürschlein, aber das ging doch über mein Fassungsvermögen und über meine Courage hinaus. Ich lehnte also ab. Erst später habe ich erfahren, daß"die Hofer Genossen nickst allzuviel riskiert hatten: ihr Blatt pfifs auf dem letzten Loch.- Nun giirg's nach Sachsen. In Dresden auf der„Herberge zur Heimat" verkaufte ich mein letztes Hemd. In Chemnitz fand ich end-' lich Arbeit, erst als Adreßbuchsetzer, dann am„Tageblatt", später in der„Freien Presse". Ein Lohnkonflikt und ein daraus e»t- springender Streit führte mich von Cheninitz weg. Im Frühjahr 1875 kam ich nach Augsburg und fand in der „Neuen Augsburger" bzw.„Postzeitung" Kondition. Der Inhaber der Druckerei, Dr. Max Huttler, ein katholischer Priester, war ein höchst humaner und anständiger Arbeitgeber. Er fragte nicht nach der politischen Gesinnung seiner Arbeiter, aber natürlich eine»„sozial- demokratischen Agitator" konnte er bei den damaligen politischen Verhältnissen in Augsburg und bei der politischen Unanständrakeir des liberalen kulturkämpferischen Bürgermeisters Fischer nicht beschäf- tigen. Ich selber hatte damals nur einen Gedanken: bis Ostern so viel Geld zu ersparen, daß ich auf ein paar Tage in neuer Kluft nach Chemnitz reisen konnte, da dort jemand auf niich wartete. Ich lebte in strenger politischer Zurückgezogenheit und bald darauf war es mir möglich, nach Chemnitz.zu reisen, wo ich dann als etwas gereiftcrer Mann wie in Hof zum Redakteur des dortigen Partciblattes gewählt wurde Es war keine schöne Zeit, damals sozialdemokratischer Redakteur zu sein. Lange war meines Bleibens nicht, denn das S o ,z i al j st e n- g e s e tz mit seinen drakonischen Strafen sorgte sehr schnell dafür, daß ich.Luftveränderung" bekam. Heuschnupfen. Alljährlich, wenn das Gras zum ersten Male gemäht wird, treten bei vielen Menschen Krankh«ltserscheinungen auf, die allgemein als Heufieber oder Heuschnupfen bezeichnet werden. Wie groß die Ver- breitung dieser äußerst lästigen Erkrankung der Nasen-, Mund-, Rachen- und selbst der Augenschleimhäute ist, beweist gewiß schon die Tatsache, daß ein Verein für Heusieberkranke um die Erforschung dieses noch reichlich dunklen Gebietes energisch bemüht ist. Die Symptome bestehen in heftigsten Niesattacken, die den Erkrankten schon vom frühen Morgen an plagen. Die Nase ist verstopft, die Al- mung durch die Nase erschwert, der Mund und der Rachen ent- zündet: m vielen Fällen tritt noch Asthma hinzu. Bei all diesen Er- scheinungen hat man schon vor langer Zeit auf die Zusammenhänge mit der Jahreszeit hingewiesen. So wirkt nach Rose schon allein die Berührung mit Bllltenpollcn von Obstbäumen, Gräsern, Getreide auslösend. Dieselbe Wirkung zeigt auch Staub verschiedener Art. Typisch ist immer, daß bei Fortfall des Reizes auch die Krankheits- erscheinungen sofort zurückgehen. In diesen reizauslöjenden Fak- toren liegen auch die Schwierigkeiten, die sich der Behandlung �von Hcufieberkranken entgegenstellen. Das Univcrsalmittel, eine See- reise, oder ein Aufenthalt auf einer Insel, wie Helgoland, ist nur den Wenigsten zugängig. In den allermeisten Fällen wird man ver- suchen, das negative Nervensystem, dessen leichte Erregbarkeit Bor- bedingung der Krankheit ist, durch Zufuhr von hochprozentigen Chlorkalziumlösungen zu stärken. Nach Schliack hat man hierin ei» Borbeugungs- und Heilmittel gesunde», welches immer Linderung verschafft. Auch Prof. Hasebroek, Hamburg, empfiehlt eine ähnliche Behandlung. Dagegen hat der Schweizer Strebe! aus blühenden Gräsern aller erreichbaren Sorten ein Mittel herstellen lassen, das den Namen Pollysat trägt. Er benutzt dieses Mittel namentlich zur Immunität der Kranken und gibt an, in einigen Fällen geradezu verblüffende Erfolge erzielt zu haben. Alle die hier angegebenen Mittel wirken bei den einzelnen Patienten vollkommen verschieden, so daß sich ein Urteil über die Gnie der Präparate nicht fällen läßt. Heute wird man wohl der neueren Strömung in der Therapie folgen und die Gesamtkon- stttution, d. h. die individuellen Eigentümlichkeiten des Patienten de- achten und danach die Behandlungsart wählen. Der Füllfederhalter im alten Aegypten. Bei ägyptischen Aus- grabungen wurde kürzlich in einem etwa 4000-Jahre alten Grab ein merkwürdiger Gegenstand gefunden. Er bestand aus einem hohlen Rohr in der Länge und Dicke eines großen Bleistiftes, an dessen Ende ein in der Form einer modernen Stahlfeder geschnittenes Stück Kupfer befestigt war. Die englischen Archäologen, die den Fund untersucht haben, sind der Ueberzeugung, daß man es hier mit einer Art von Füllfederhalter zu tun hat, und es ist übrigens auch nicht einzusehen, warum die alten Argypter diese Erfindung nicht auch schon gemacht haben sollen. LEIPZfiGtB STRASSE| ALEXANDERPLATZ 1 FRANKFURTER ALLEE BHlf-AiLIANCE STRASSE KOTTBÜSER DAMM ANDREASSTRASSE niiniiiiiiiiiiiinBiiniiiiiiiuiiiimiimiiiiniiiiiniuitmmmiiiiBiuiitiBniiiijijjii�mmiiiiiiiuiiiiiminiiiiiiiinu« Mengenabgabo vc>�dsba>tsn>>uul>i»uiumim»u»»mimi!i»miiimiimimlliui>!inuwiimii«i» Verkauf TuiiiiiniiliMiiiiiminiiiiiiMmmilTluiuiiiiiinuluirauli Pa, Scbwolusschinken........ Ptnnd S4pl Pa. Scbveineschnltarblatt.... Fisod 80pl Pa. Scliffeiaebaocti.......... Pfand 78Pt. Pa.Sc!iwainokanjmu.SclinB o. b., ptund 1,04 Pa. Kassler-Kamm;-Speer,-Schult Ptnna 1.12 Pa. Liesen o. Btickoniett bntiertig, pm 74Pt Pa-Llsheinm. Spidbeln miid gep., ptd. Mpl Pa. 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