flbenöausgabe Nr. 229 4> 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 113 BeiuasbfMit(tuiT9«B und ItitjttBtniJMif« find in der Morgenau-zzade angisteben ü-SokNon: Sw. öS. Cln&enftrafje 3 Fernsprecher: vönhoss 292- 292 XeL-Mbccfsc: SojioUemattaf Seclln Devlinev Volksvlakk (lO PfennSs) Montag Ib. Mai �27 Setlas und«nzeisenabietlnnD: ®eIiJ)Sftsjett SVi dt» 6 Uhr Verleger: vorwärts-Verlag GmbH. verlin Sw. öS, cindenslrasze 3 Zernsprecher: VSnhoff 292— 292 Zcntralorgan der Sozialdemokratifcben parte! Deutfchlands Republikjchutzgefetz im Reichstag. Heute nachmittag Sitzung.— Konservativer Protest gegen die Deutschnationalen. Heute nachmittag wird im Reichstag die Verlängerung des Republikschutzgesetzes beschlossen werden. Zu dem Antrag der Regierungsparteien wird für die Sozial- demokratie Genosse Otto Landsberg sprechen, während der Rechtsblock seine Parteivertreter nur zu kurzen Erklärun- gen vorschicken will. Gespannt kann man darauf sein, wie die Deutschnationalen ihren Umfall begründen werden. Diese haben es schwer, sich des P r o t e ft st u rm s zu erwehren, der aus den Reihen ihrer Mitglieder der Partei- zentrale entgegenwogt. Hat doch in letzter Stunde der Partei- Vorsitzende der Deutschkonservativen Partei, Graf Seidlitz- Sandreczki folgende Kundgeburg erlassen: Die Regierungsparteien stehen im Begriff, mit dem Gesetz zum Schutze der Republik ein ausdrücklich gegen die Rechte gerichtetes Ausnahmegesetz zu verlängern, einschließlich der würdelosen Bestimmung, die bei deutschen Fürsten die persön- liche Freiheit im gegenwärtigen Freistaat beschränkt. Uns Kon- servatioen zeigt dies, wie notwendig unser jetzt überall lebhaft begonnener Zusammenschluß ist. Die Freunde im Lande fordere ich auf, in voller Erkenntnis vom Ernst der Stunde auf dem so aussichtsreich begonnenen Wege mit verdoppeltem Eifer weiterzuschreiten.— D. Graf Seidlitz--Sandreczri. teilt die den Alt-Konsenvativen nahestehende infolge ihrer Agitation bereits eine große Ortsgruppen ihrer Partei gegründet Gleichzeitig Presse mit, da| Zahl von worden ist. Die Formel, mit der die Deutschaationalen ihren Um- fall beginnen wollen, hat der Professor Martin Spahn in einer Rede in Saarbrücken angedeutet. Er sagte nach TU.: Eben erst sei eine Spannung wegen des Republikschutzgesetzes überwunden worden. Die Deutschnationalen hätten dieses Gesetz seinerzeit als ausdrücklich gegen ihre Partei gerichtet empfunden. Es habe einer starken Selbstzucht bedurft, in diesem Augenblick zu der Verlängerung der Geltungsdauer des Gesetzes ja zu sagen, weil die neue Mehr- heit er st noch einexerziert werden müsse. Es scheint zum festen Bestandteil des deutschnationalen Vürgerblock-Exerzierreglements zu gehören, daß die R e a k- t i o n für Zollkorruption, Beamtenvetternwirtschaft und Ministersessel alle die„Ideale" preisgeben muß, mit denen sie ihre Wähler eingefangen hat. Sie pariert dochr Kom- mando des Zentrums— um selbst den Ton anzu- geben, wenn die sozialreaktionäre Steuer-, Zoll- und Finanzpolitik durchgeführt werden soll. Wahlsieg in üer Staöt Sranüenburg. Die Sozialdemokratie gewinnt die Hälfte der Stadtverordnetenmandate. Brandenburg a. d. h.. Ib. Mai.(Eigener Drahtberichl.) In Brandenburg a. d. h. wurden am Sonntag die Wahlen zum Sladlparlament vorgenommen. Als sich seinerzeit anläßlich der Oberbürgsrmeislerwahl ein Kommunist von der bürgerlichen Partei ködern ließ und damit die anfängliche Linksmehrhelt von 22 gegen 21 Stimmen der bürgerlichen Fraktion verloren ging, legten sowohl die Sozialdemokraten und später auch die Kommunisten geschlossen ihre Mandate nieder. Die Folge war. daß die Stadtverordneten- Versammlung arbeitsunfähig wurde und aufgelöst werden mußte. Die am Sonntag erfolgten Wahlen brachten der SPD. einen vollen Erfolg, von den 21 Sitzen der Linken besaß die SPD. bisher IK während die Kommunisten nur 5 Mandate hatten. Am Sonnlag steigerte die brandenburgische Sozialdemokratie ihren Besitzstand aus 22 Mandate und brachte dem Bürgerblock so eine schwere Niederlage bei. von seinen 21 Sitzen blieben ihm nur 14. Die Kommunisten biellen ihren Besitzstand: aus die Liste der Mitte(Demokraten) ent- sielen 2 Sitze. Es ist also der erfreuliche Tatbestand festzustellen, daß die Sozial- demokratie in Brandenburg jetzt ollein die Hälfte der Stadtverordnetenmandate(22 von 44) besitzt und sowohl mit den Kommunisten wie mit den Demokraten jederzeit eine Mehrheit bilden kann. 6rianü in London. Toumergue beim englischen König.— Teutschland soll lieber nichts von den Besprechungen erwarten. London 16. Mai.(Eigener Drahtberichl.) Der französische Staatspräsident trifft heute nachmittag Z Ahr in Begleitung des Außenminister« B r I a nd in London zum Besuch des englischen Königs und der englischen Regierung ein. Zm Verlauf diese» Besuches werden eine Reihe Besprechungen über das fron- zösifch-englische Verhältnis stattfinden.„Observer" weiß dazu zu melden, daß ein hauplgegenstand der Besprechungen die Position seln werde, in die Stresemann anläßlich der weiteren S e- sehung der Rheinlande gelangt sei. Die einzige Antwort. die er erhalten habe und erhalten werde, sei, weiterhin Geduld zu bewahren. wiüer den Anschluß deutsch-Gesierreichs. � Beschluß der Kleinen Entente. Prag. 16. Mai.(Eigener Drahtberichl.) Die Konferenz der Kleinen Entente in Zoachimsthal ist nach dreitägiger Verhandlung»- dauer am Sonnlog mittag beendet worden. Die Ergebnisse der Konferenz werden von zuständiger Stelle in 6 Punkten zu- sammengefaß!, die folgendes besagen: 1. Rumänien übernimmt als halbständiges Mitglied des Völker- bundsrates die Pflicht, die Znteresten der Kleinen Entente für den Fall des Anschlusses Oesterreichs an Deutsch- l a n d wahrzunehmen, wirtschaftliche Vertröge könnten die Lage Oesterreichs bessern, das aber„prinzipiell lebensfähig- sei. 2. Die Kleine Entente ist bei Prüfung der Lage, sosern keine vorbehalte bestehen, geneig», in die Aushebung der interalliierten Militärkonlrolle in Bulgarien einzuwilligen. 3. Zugoslawien bemüht sich, uin die Sprengung der Kleinen Enlenle zu verhindern, eine baldige Beilegung des Konflikts mit Italien anzubahnen.(Dieser Punkt wurde durch den jugo- slawischen Außenminister Marinkowilsch persönlich bestätigt.) 4. Zn der Anerkennung der Sowjetunion haben • olle Staaten freie Hand, zumal es sich um eine Frage der„Oppor- tunitäl des Augenblicks" Handell. 6. Ungarn habe nicht immer den willen zur Beachtung der griednwvettrögc gezeigt, so daß erst Beweise einer endgültigen Sinnesänderung abgewartet werden müßten, ehe die Idee eines Locarno an der Donau verwirklicht werden könnte. 6. Die Kleine Entente wüste diewirtfchastlicheAnnähe- r u n g erst unter sich durchführen und sollte die Wirtschaftsbeziehungen zu den Rachbarn erst später regeln. Noch immer Dokumentensuche. Tie Polizei im Londoner Sowjethans. London, 16. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Besetzung und Durchsuchung des Londoner Sowjethauses ist auch am Sonntag fortgesetzt worden. Der Innenminister dürfte über das bis- herige Ergebnis der Untersuchung heute im Unterhaus eine Er- klärung abgeben. Im Namen des Generalrates der Gewerkschaften hat der Ge- neralsekretär des britischen Gewcrkschastskongresses an den englischen Ministerpräsidenten einen Brief gerichtet, in dem gegen die Polizeiübersälle auf das Sowjethaus protestiert und festgestellt wird, es sei schwer, sich vorzustellen, daß die Vertreter irgendeines anderen großen Staates in der gleichen Art und Weise behandelt werden könnten, wie die Russen. Tie Sowjetunion droht mit wirtschaftlichem Boykott. Riga, 16. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In den größeren russischen Städten wurden am Sonnabend und Sonntag gegen die Aktion der englischen Regierung Protestkundgebungen ver- anstaltet. Es wurde überall eine in Moskau formulierte Ent- schliehung angenommen, in der es heißt, daß die Sowjetregierung volle Genugtuung fordern müsse. Falle England dem nicht Rechnung tragen sollte, bleibe der Sowjetregierung nichts anderes übrig, als ihre bisher in England gemachten Handelsgeschäfte in andere Länder zu verlegen, die für eine normale Ent- Wicklung der internationalen Handelsbeziehungen die notwendige Gewähr bieten. Neuer reaktionärer Anschlag! Der Bäckereiarbeiterschutz soll fallen!««»ständige Arbeitszeit und Aufhebung dctz Sonntagsruhe. Die Regierungsparteien haben im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Abänderung der Verordnung über die Ar- beitszeit in den Bäckereien und Konditoreien eingebracht. Danach darf die regelmäßige Arbeitszeit der Gesellen. Gehilsen und Lehrlinge, ausschließlich der Pausen, acht Stunden nicht überschreiten. Zedoch kann der an einzelnen wecktagen eintretende Aussall vo» Arbeitsstunden durch Mehrarbeit an anderen Tagen ausgeglichen werden. In Betrieben, in denen zum erheblichen Teil „Arbeitsbereitschaft" vorliegt, kann eine abweichend« Rege- lung gelrossen werden: jedoch darf die Arbeitszeit, einschließlich der Arbeilsbereitschast, 60 Stunden wöchentlich nicht über. schreiten. An Sonn.undFesttagenist.nur" während zwei Stunden die Herstellung leicht verderblicher Konditor- waren erlaubt. Ferner dürfen nach 6 Uhr abends wäh- rend einer Stunde Arbeiten vorgenommen werden, die zur wiederaufuahme de» regelmäßigen Betriebes am folgenden Werk- lag notwendig sind. * Allein schon die Tatsache, daß die Bürgerblockparteien es wagen an die Verschlechterung der Bäckereiverord- n u n g heranzugehen, zeigt deutlicher als alles andere die Linie, auf der sich ihre Art Sozialpolitik bewegen soll. Der Arbeiterschuß soll abgebaut u n d s e l b st die Sonntagsruhe wieder beseitigt werden, Vas /igrarprogramm. Seine Programmatische, Politische und ökonomische. Bedeutung. Von h. Krüger- Lüneburg. Das Agrarprogramm, das auf dem diesjährigen Parteitag zur Beratung steht, soll nicht nur den Parteige- nassen Richtlinien geben. Es soll vielmehr zugleich der Landbevölkerung, soweit sie der Sozialdemokratie nicht angehört, zeigen, wie die Partei über die Landwirtschast denkt und was sie zugunsten der arbeitenden Schichten auf dem Lande tun will. Auch dies ist sehr wichtig angesichts der L ü g e n m ä rch e n, die unsere Gegner auf"dem Lande über die Absichten der Partei noch heute verbreiten. Von den Abschnitten des Programms haben die rein w i r t s ch a f t s p o l i t i s ch e n, die sich mit der Hebung der deutschen Nahrungsmittelerzeugung und der Verbesserung des Verkehrs vom Erzeuger zum Verbraucher beschäftigen, keine ernsthafte Kritik gesunden. Anders steht es dagegen mit dem Abschnitt I(Bodenreform), der vom sozialistischen Standpunkt aus besonders wichtig ist, da er die U e b e r- Windung des privaten B o d e n m o n o p v l s be- handelt. Der Entwurf geht hierbei von der nach den deut- schen Verhältnissen einzig möglichen Annahme aus, daß Großbetriebe und bäuerliche Betriebe nebeneinander bestehen werden. Er will daher sowohl für die L a n d a r b e i t e r auf den großen Gütern wie für die kleinen und mittleren Bauern sorgen. Er sagt dem Latifundienbesitz den schärfsten Kampf an, will die klein- und mittelbäuerlichen Bc- triebe schützen und stärken, der Landnot durch eine energische Siedlungspolitik abhelfen und den bestehenden bäuerlichen Betrieben ihr Eigentum sichern. Wenn der Entwurf so auch mit der Aufteilung von einem Teil der großen Güter rechnet, so denkt er doch nicht daran— das fei nochmals ausdrücklich festgestellt—, alle Großbetriebe zu beseitigen. Ein großer Teil wird erhalten bleiben. Für sie ist vor allem der Abschnitt VI wichtig. Sie sollen eine Arbeitsverfassung erhalten, die den Arbeiter dem Arbeitgeber gleichberechtigt ge«nüberstellt. Wie nach der bisherigen Behandlung der Agrarfragen in der Partei nicht anders zu erwarten war, ist dieser Stand- punkt des Entwurfs inzwischen stark angegriffen, und zwar besonders aus Sachsen. Verschiedene Artikel in der Partei- presse haben ausgeführt, daß der Entwurf hier das sozio- listische Prinzip verlasse, das die Aufhebung des Privateigen- tums an Grund und Boden fordere, daß er ferner eine technisch rückschrittliche Betriebsform begünstige und daß er die Verbreitung höherer Kultur auf dem Lande hindere, da die kleinen und mittleren Betriebe sich nur halten könnten durch übermäßige Arbeit des Bauern und seiner Familie. Diese Kritik, die aus rein industriell orientierten Bezirken kommt, droht den alten Streit um Groß- oder Kleinbetrieb, der nach einmütiger Auffassung aller Sachkenner, z. B. von Hilferding und Baabe, völlig nebensächlich geworden ist, wieder heraufzubeschwören. Sie verkennt die b e s o n d e r e n Gesetze der Landwirtschaft, deren Bestehen der Breslauer Parteitag 1894 in seiner bekannten Resolution ausdrücklich anerkannt hat. Hätte sie Erfolg, so würde das Programm wertlos sein, da es einen großen Teil der Land- bevölkerung, an die wir uns wenden müssen und wollen, von vornherein abstoßen müßte. Das Agrarprogramm darf sich gewiß nicht von den Grundsätzen des wissenschaftlichen Sozialismus entfernen, die Marx und Engels entwickelt haben. Diese Grundsätze be- sagen aber— richtig verstanden— keineswegs, daß der Kleinbetrieb überall dem Großbetrieb Platz zu machen habe, und daß jede Art von Eigentum an den- Produktionsmitteln zu einem Hemmnis der gesellschaftlichen Entwicklung werden muß. Diese Sätze gelten zwar für einen großen Teil der Industrie. Sie können aber nicht unbesehen auf die Land- Wirtschaft übertragen werden. Ein derartiger D o g m a t i s- mus wäre das gerade G e g e n t e il von dem wissen- s ch a f t l i ch e n Sozialismus, als dessen Hüter die Kritiker des Entwurfes sich zu fühlen scheinen. Wer mit solcher Einstellung an die landwirtschaftlichen Fragen heran- tritt, ist auf dem besten Wege, den Sozialismus von der Wissenschaft zur Utopie zurückzuführen. Denn die wissenschaftlichen Feststellungen der letzten Jahrzehnte zeigen, daß in der Landwirtschaft die Großbetriebe die Kleinbetriebe keineswegs durch Konkurrenz zum Erliegen bringen und sie dann aufsaugen wie in der Industrie. Viel- mehr erhalten sich die klein- und mittelbäuerlichen Betriebe durchaus neben den Großbetrieben. Das gilt nicht nur für Deutschland, obwohl hier Gesetzgebung und Verwaltung Jahrhunderte lang einseitig die Interessen des Großgrund- eigentums wahrgenommen haben. Es gilt auch für das Ausland, insbesondere für Gebiete mit hoher landwirtschaft- licher Kultur wie z. B. Flandern und Dänemark. Diese grundlegenden Tatsachen muß das Agrarprogramm der Sozialdemokratie anerkennen und daraus feine Folgerungen ziehen. Hilferding hat kürzlich in der„Gesellschaft" mit Recht gesagt:„Gerade die Anwendung der Marxschen Me- thode zeigt, daß das Konzentrationsgesctz für die Landwirt- schaft keine Geltung hat." Daß die Klein- und Mittelbetriebe sich so behaupten, ist kein Wunder. Denn die landwirtschaftliche Wissenschaft, vor allem Sering und Aereboe, hat klar nachgewiesen, daß die privatwirtschaftlichcn Lei st un gen der Klein- pnd Mittelbetriebe hinter, denen der Großbetriebe nicht zurückzustehen brauchen. Der Großbetrieb bietet besonders Gelegenheit zur Arbeitsteilung, zur Ver- Wendung landwirtschaftlicher Maschinen, kann auch besser gebildete Betriebsleiter beschäftigen. Aber durch die vom Entwurf verlangte Förderung des Genossenschaftswesens, durch die bessere Ausbildung der kleineren Landwirte und ihrer Angehörigen, endlich durch eine bessere Kreditorgani- sation kann es auch den Mittel- und Kleinbetrieben ermög- licht werden, rationell zu wirtschaften. Sie haben anderer- seits vor den Großbetrieben eine Arbeitsoerfassung voraus, die alle Arbeitenden im Ertrage ihrer Arbeit so stark interessiert, wie das die Löhnungsmethoden bei ihren'Arbeitern nicht erreichen können. Wenn daher heute die Großbetriebe bei uns im allgemeinen im Getreidebau mehr leisten als die Klein- und Mittelbetriebe, letztere da- gegen den Großbetrieben in der Viehzucht, im Garten- und Obstbau, im Weinbau und im Gemüsebau nicht selten über- lege» sind, so dürfte in Zukunft eher zu erwarten sein, daß die Leistungen der Klein- und Mittelbetriebe sich weiter st e i g e r n"l a s s e n als die der Großbetriebe. Es kommt aber nicht allein auf die privatwirtschaftlichen Erfolge der einzelnen Betriebsformen an, sondern auch auf ihre volkswirtschaftliche Bedeutung, d. h. darauf, was sie durch Erzeugung und Verbrauch für die gesamte Volkswirt- schaft bedeuten. Und da kann niemand bestreiten, daß die kleineren und mittleren Betriebe, infolge ihres Verhältnis- mäßig hohen lebenden und toten Inventars und ihrer größeren Menge an Menschen, die sie beschäftigen, auf den Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche erheblich mehr in- duftrielle Produkte verbrauchen als die Großbetriebe mit ihrer verhältnismäßig geringen Arbeiterzahl, zumal, wenn sie viel ausländische Wanderarbeiter beschäftigen. Soll der inländische Markt aufnahmefähiger für unsere Jndu st rieerzeug nisse werden, so ist dazu die Stärkungund Förderung der klein- und mittelbäuerlichen Betriebe eines der b e st e n Mitte l. Gerade dieser Zusammenhang ist für die Industriearbeiter besonders wichtig. Es ist daher durchaus unrichtig, wenn gelegentlich behauptet worden ist, daß die Durchführung des Agrarprogramms die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft hemmen würde. Endlich sind die kleinen und mittleren Betriebe der Ent- faltung kulturellen Lebens auf dem Lande keineswegs hindcr- lich. Niemand wird behaupten wollen, daß in Hinterpommern, lvo der Großgrundbesitz mit fremden Wanderarbeitern ar- beitet, das kulturelle Leben auf dem Lande stärker entwickelt sei als z. B. in Westfalen oder Hannover, wo sich eine streb- same und intelligente klein- und mittelbäuerliche Bevölkerung mit Erfolg bemüht, die allgemeine und berufliche Bildung zu bessern und die Frau in der Landwirtschaft zu entlasten. Ein Blick über Deutschlands Grenzen zeigt uns außerdem, daß in kaum einem Lande der allgemeine Kulturzustand der länd- lichen Bevölkerung so hoch ist wie in D ä n e m a r k mit seinen vorwiegend herrschenden Mittel- und Kleinbetrieben. Die klein- und mittelbäuerliche Betriebsform und das bäuerliche Eigentum sind daher kein Hemmnis des Wirtschaft- lichen und kulturellen Fortschritts. Sie sind vielmehr in weiten Teilen Deutschlands heute die notwendige Grund- läge für eine gedeihliche Weiterentwicklung. Außerdem hat das bäuerliche Eigentum einen ganz anderen Ehgrakter als das Großgrundcigentum. Dieses sichert seinem Eigentümer eine wirtschaftliche, soziale und politische Vor- zugsstellung auf Kosten der Landarbeiter und Bauern. Das Eigentum des Klein- und Mittelbauern sichert dem Bauern lediglich den Ertrag seiner Arbeit, ohne daß er andere aus- beutet. Das Arbeitseigentum des Bauern auf Kosten des Herreneigentums der Latifundienbesitzer zu fördern, ist da- her kein Verstoß gegen die Grundsätze des Sozialismus, dessen Kampf seit dem Kommunistischen Manifest— auch zur Zeit des Erfurter Programms— nur dem kapitalistischen Eigen- tum gegolten hat und noch heute gilt. polnischer 6esuch in Serlin. Eine«nniihe Polemik gegen eine nützliche Idee. Ein Teil der Warschauer Presse fühlt sich bemüßigt, gegen einen seit längerer Zeit geplanten Besuch polnischer Sejmabgeord- neter in Berlin zu polemisieren. Der„linksdemokratische„Kurjer Poranny" hält den gegenwärtigen Zeitpunkt,„gute Beziehungen zwischen dem Reichstag und den„arbeitslosen" Abgeordneten des Sejm herzustellen", nicht für geeignet. Die„nationaldemokratische" „cSazeta Warszawska" wendet sich entschieden gegen olle,„die eine Kompromittierung des Sejm durch einen solchen Ausslug erstreben; die öffentliche Meinung Polens werde wachen, um unzeitgemäße Entgleisungen zu verhindern". Wie ein Zusatz des WTB. zu diesen Warschauer Unfreundlich- leiten erkennen läßt, gibt es auch in Berlin planmäßige Bcstrebun- gen, die eine polnisch-dcutsche Annäherung durch Parlamentarier- befuche vereiteln möchten. Soweit diese Bestrebungen� a m t l i che n E.,arakter haben, ist zu bemerken, daß es sich eben um den Besuch von Parlamentariern handelt; diese werden, ebenso wie die Interparlamentarische Union das tut, gut daran tun, ihre stetige V.,,töndigungsarbeit durch wechselnde Regierungskoalitionen nicht stören zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß der, unseres Wissens in Polen mindestens ebenso früh wie in Deutschland entstandene Gedanke eines Parlamentarierbesuches in Deutschland, bald zur Ausführung kommt. Wie die Zwischenfälle der jüngsten Zeit gezeigt haben, ist es sehr nötig, den in Locarno mit Polen abgeschlossenen Schiedsvertrag über die friedliche Beilegung oller Konslittc tiefer in das Bewußtsein der beiden Nachbarvölker eindringen zu lassen; persönliche Fühlungnahme von Politikern'beider Länder ist der richtige Weg dazu._• Der Zoll Golümann- Dietz. Schwere Anklagen gegen den Untersuchungsrichter HofiuS.— Im Bunde mit dem Alldeutschen Elast? Im vorigen Frühjahr hat die preußische Regierung durch um- fassende Haussuchungen die Hochocrratspläne des Alldeutschen Dr. C l a ß und die verfassungsfcindlichen Treibereien gewisser Wehrverbändc wie Wiking und Olympia aufgedeckt. Die bloßgestellten Verschwörer haben von ihren Verbrechen durch eine wüste Hetze gegen den Assessor Dr. D i e tz in Elberfeld abzulenken gesucht von dem sie vermuteten, daß er der Informator der preußi- schen Polizei gewesen wäre. Der Reichsanwalt lieh Dr. D i e tz und seinen Freund Dr. G o l d m a n n wegen Landesverrats in Untersuchungshaft setzen, und erst vor wenigen Tagen sind die beiden wieder in Freiheit gesetzt worden. Di« Anklage ist zu- s a m in c n g c b r o ch« n, der Versuch, die gefährlichen Zeugen un- schädlich z� machen, ist mißglückt. Einer der beiden unschuldig Verhafteten, Studienassessor Dr. G o l d m a n n hat über seine Erfahrungen während der Unter- suchungshost eine Beschwerdeschrist an den preußischen Iustizminister gerichtet. Am 2. September 1926 wurde Dr. G o ld m a n n in Warten- bürg in Ostpreußen aus der Straße verhaftet, ins Gerichts- gefängnis eingeliefert und nach Elberfeld transportiert, ohne daß man ihm erlaubte, von seinen Familienangehörigen auch nur mit einem Wort Abschied zu nehmen. Vom 2. September bis 17. Oktober saß er in Elberfeld in Untersuchungshaft, ohne überhaupt ver- nommcn zu werden. Infolge der unerhörten Behandlung in der Unter- suchungshaft erkrankte Dr. Goldmann an Venenentzündung und lag vom 25. November bis 30. Dezember 19Ü6 hiltlös in der Verbrecherzelle. Der Antrag auf Ueberführuna ins Lazarett oder Krankenhaus wurde abgelehnt. Auch als sich im Februar �1927 eine Gallenblasencntzündung einstellte, blieb es dabei: der Untersuctzungs- richter erklärte ihm, daß nur bei unmittelbarer Lebensgefahr«ine Ueberfllhrung ins Krankenhaus in Frage käme. Dr. Goldmann ver- sichert glaubhaft, daß er schwere innere Kämpfe hat durchmachen müssen, um den trotz seiner Unschuld immer wieder andrängenden Gedanken an Selbstmord zu überwinden. Er glaubt aber zu wissen, daß In einer Anzahl anderer Fälle in Elberfeld weniger charakter- feste Untersuchuno-gi-sangsne diesen letzten Verzweiflungsschritk getan haben. Die Schuld an dieser unerhörten Mißhandlung schreibt Dr. Gold- mann ausschließlich dem Untersuchungs-richter, Land- g e r i ch t s r a t H o f i u s, zu. Er behauptet, daß dieser f a n a- tisch völkisch eingestellt sei und führt für seine Einstellung eine Reihe charakteristischer Aeußcrungen an: So soll Hofius bei wieder- holten Gelegenheiten erklärt haben, Marx und W i r t h hätten zehn- bis zwölfmal täglich die Entcntevertreter betrogen. Auch soll Hofius keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß er im Grunde genommen die BestrebungenvonClaßdurch- aus nicht mißbilligt, aber jede Maßnahme gegen seine Hoch- verratspläne als ein Verbrechen ansehe. Er soll sich ganz in die Aufgabe verbissen haben, zum Schutze von Claß Dr. Dietz und Dr. Goldmann um jeden Preis hereinzulegen. Aus dieser Ge- sinnnung heraus schreibt er in einem Bericht an den Oberreichs- anmalt:„Leider hat die Vernehmung in B. nichts Belastendes ergeben; ich hoffe aber von der Vernehmung in W. Erfolg." Erst sehr spät scheint der Untersuchungsrichter eingesehen zu haben, daß man einen Landesverrat nicht feststellen kann, wo keine Spur eines solchen ist. Er hat dann nach den Angaben des Dr. Goldmann bei diesem um gut Wetter gebeten und ihm wiederholt die Frage vorgelegt, ob er nach einer etwaigen Entlassung aus der Untersuchungshaft schweigen würde. Als Goldmonn das ablehnte, hat sich der Untersuchungsrichter, Landgericht-rat Hofius, nach dessen Angaben mit den Worten getröstet:„Na, was kann mir denn pas ieren! Ich bin als Richter unabsctz- bar, es kann also nur ein kleines Disziplinarvcr- fahren geben." Dieses Disziplinverfahren wird nun, wie das preußische Justiz- minsterium in den letzten Tagen erklärt, in Gang kommen. Sie schweigen. Was die Kommunisten nicht erfahren dürfe«. Die„Rote Fahne" hat über die Rüpelei zwischen dem Links- kommunisten Schlagewerth und dem Zentralekommunisten Pfeiffer im Reichstag nicht ein einziges Wort veröffentlicht. Die„Rote Fahne am Montag" schweigt sich über den Bries des Kommunisten Liese, des ehemaligen verantwortlichen Redakteurs der„Roten Fahne" nach ollen Tonarten aus. Die Leser der„Roten Fahne" dürfen nicht erfahren, wie ein Arbeiter von der kommunistischen Zentrale als Werkzeug gebraucht und dann wie eine ausgequetschte Zitrone weggeworfen wurde. * Herr Wilhelm Liese bittet uns um Veröffentlichung folgender Zuschrift:„In der Nummer 228, AI. Jahrgang vom 15. Mai 1927, verwenden Sie unter der Ueberschrift„Ein Opfer der kommunistischen Zentrale", einen Brief vom 8. Mai. zu dem ich Sie dringend ersuche, folgende Feststellungen zu treffen: 1. Dieser Bries ist absolut nicht für die Oesfentlichkeit bestimmt gewesen und betraf nur meine eigenen Angelegenheiten, soweit sie den Empfänger des Briefes angingen. 2. Weder ich noch irgendeiner meiner Freunde haben das geringste unter- nommen, um die Veröffentlichung des Schreibens im „Vorwärts" zu e r m ö g l i ch e n. 3. Ich selber und meine Freunde, die von dem Inhalt des Briefes Kenntnis haben, mißbilligen die Veröffentlichung des Briefes im„Vorwärts" auf das Allerentschiedenste." Die Dorfe nach üem Sturm. Dos Geschäft an der Börse war am heutigen Wochenanfang begreiflicherweise still, die Tendenz aber w«it«r beruhigt und freundlicher. Sowohl das Depositenkossenpublikum wie auch die Provinz und erst recht die Spekulation zeigen größte Zurückhaltung. Vor allem will man die heutig« Sitzung der Groß- bankvertreter abwarten, die sich noch einmal mit den Gründen und den bekannten Widersprüchen hinsichtlich des Prolongations- geldbcschlusses befassen werden. Die Kurse liegen, besonders in den Spezialitäten, fast sämtlich über den besten Kursen des Sonnabends. MussorgskpsrufsischesLieöerspiel Von K u rt Singer. Unter den phantastischen Novellen Gogols findet sich auch die kleinrussische Bouerngeschichte vom„Jahrmarkt i n.S o r o t- s ch i n tz i", eine Plauderei, lustig und derb, kurzweilige Erzählung am'Abend„auf dem Weiler bei Dikanka". Da geht die Legende vom„roten Kittel", der dem Teufel gestohlen wurde. An dem Ort dieses fest verbürgten Teufelsspuks kann kein Geschäft zustande- kommen: so predigen es Bauern und Zigeuner. Und ab und zu meldet sich der Höllensohn in der gespenstischen Form von Schweins- rüssel». Das Dorf zittert in dem Gedanken an solche Szenen. In jedem Stuhlknarren hören sie das Grunzen der Schweine, in jedem Lufthauch spüre» sie das Nahen des Teufels in diesem Jahr, da wieder Markt ist in Sorotschingi. Ein überschlauer, gewitzter Zigeuner nutzt die Situation aus und bereitet den Dörflern in ihrer Betrunkenheit das Schauspiel der durch das Fenster schauenden Schweine, entdeckt einem Säuser und Ehetrotlel, wie seine Frau ihn mit einem Blödian betrügt, macht ein Geschäft dabei, befreit das Volk von der Sorge um den„roten Kittel" und führt zwei Liebende zusammen. Ein Bierulk, eine Burleske, eine kleine Volks- komödie. Sehr derb in der Sprache und sehr naiv im Thema. Auf der Bühne klingt alles um lOtl Praz. gröber, dicker, ordinärer. Man ichlägt sich da in die liebliche Fresse, man tituliert den Ehepartner mit Mistvieh, Hündin, man bewirst sich mit Dreck, man säust und saulenzt. Eine leicht anrüchige Atmosphäre, deren ivesentlichster Weist Spiritus heißt. Kaum, daß einer einmal gerade auf den Beinen steht. Die eine Parle! des Volkes ist in dieser Derbheit einseitig gefärbt, die andere nicht weniger einseitig in Mondscheinlyrik g» taucht, und der Rest klatscht in die Hände und tanzt. Je mehr sich die Leute torkelnd oder tanzend bewegen, um so stiller steht das Stück. Es hat in dieser Bllhnentranskription durch M u s s o r g s k y eigentlich nur einen Mittellaut. Nähme man vom ersten bloß die kleine Episode des Liebespaares, kürzte den 2. Akt und ließe sofort daran den Volkstanz anschließen, so hätte man einen Einakter von einer Stunde Dauer fest und sicher und im Augenblickswitz wirksam. So aber redet jeder Akt eine andere Sprache, und keine ist von zwangloser Natürlichkeit. Dieser Mangel an Uebersicht, der den Literaten Modest Mussorgsky naiv die"Prosa der Novelle unver- arbeitet auf die Bühne zerren läßt, schadet auch dem Komponisten Muss.-ngsky. Wie viel stanimt von ihm, wie viel von seinem Vollender und Instrumentator Tjcherepuim? Wir hören in seiner, stiller, durch kecke Witze persönlich werden- der.Orchestersprache Musik der Lustigkeit und Beschaulichkeit, des nationalen Tanzes und des lyrischen Verweilen?, Töne der schwer- blüttgen russischen Seele und einer melancholisch weiten Landschaft. wir hören zu zweifelhaften Texten Volkslied und immer wieder Voltslied. Das ist die musikalische Basis, unwandelbar und schön und tonangebend. Mit bescheidenen, einfachen Strichen ist das Ge- riist der Duette, der Monologe, der balladesken Elemente hinge- zeichnet. Die Motioik ist gesund, einfach, ehrlich, ohne Prätension, aber sie läßt in ihrer fertigen Struktur keine �Entwicklung zu. So kommt ein Potpourri zustande, ein komisches Sing- und Liederspiel, kein« komische Oper. Allein die Szene zwischen dem hajenbangen Liebhaber und der resoluten Frau Hot bei aller gesährlichcn Zuspitzung zur Operelte einen saftigen, lustigen, in der Komik originalen Grund'ton. lind mehr als hier noch ist im orchestralen Vorspiel zum 3. Akt eine Gekonntheit, ein Schwelgen und Aufbauen in Melodie, eine Trunkenheit und ein Feuer kontrastreicher Rhythmik, daß über den Eindruck dieses urechten Musikantenstücks seine Unvereinbarkeit mit Vorher»nd Nachher vergessen wird. Das ist Rußland, das ist russische Musik ohne Gelehrsamkeit, ohne Grammatik, ohne atodemi- schen Formalismus, schön und ausschwingend und fesselnd. Man nehme dieses Stück(das sicher aus einer anderen Oper stammt) als Ouvertüre und kürze dos Wert in der angegebenen Art. So rettet man ein« Oper, die in der Langotmigkeit holbkomischer Szenen viel an Schlagtraft einbüßt, vor dem Halberfolg: so befreit man den Nichtdramatiker Mussorgsky von dem berechtigten Vorwurf, daß er auch primitiv Volkstümliches zu schwerblütig und wichtig nahm, Liedartiges zu scharf Ins Bühnenlicht rückte.— D e n o i s hatte prächtige Bilder entworfen, Dobrowen unterstützt« die Groteske bis zur bequemen Ausnützung allzu deutlichen Poffeneffekte, Zweig dirigierte mst Schwung. Aeußerft witzig, breit und lachend Eduard K a n d l in vielseitiger Verwendung seiner originellen Komik, spitzig und zuckrig der Popensohn Harry E t e i e r s, derb, handgreiflich echt die mäßig singende Schnlz-Dornburg, famos durchgearbeitet der auch stimmlich gut« Gevatter P e ch n e r s, der schwelgende Lieb- habcr V ö t e l, der charakteristische Z a d v r. Frau Maltin» glänzend disponiert m den Proben, sagte wegen Krankheit ab. Frl. M i r r o w konnte sie, an den großen Raum nicht gewöhnt, niit halber Stimme nur halb ersetzen. ,Cin Sommernachtstraum.' Der„S o m m e r n a ch i s t r a u m", Shakespeares zaries Zauberspiel, weckt immer freundliche Thealererinncrungen. Unver- gessen bleibt Max Reinhardts Inszenierung im Theater am Schiff- bauerdamm, das damals Neues Theater hieß. Das ehemalige Neue Theater gehört nunmehr der Volksbühne und ihr Direktor, F r! tz Holl, schenkt seinen Gästen im großen Theater am B ü l o w- platz einen gewisienhaft und sorgsam vorbereireten Märchenabend. Es ist gewiß kein Mangel, wenn sich Holl, bewußt oder unbewußt an Reinhardts Regiekünste anlehnt. Auch er versucht die Poesie der Landschaft auf die Bühne zu verpflanzen und benutzt die Drehbühne. Sein Bühnenbild ist düsterer, versponnener, gespenstischer als bei Reinhardt,«ine Auffassung, die sich für den sommerlichen Waldes- zauber wohl vertreten läßt. Holl hat manche lustige Regieeinfälle. Die biederen Handwerker, die ihr„kurz-langweiliges" Spiel von Pyramus und Thisbe im Walde probieren, torkeln unbeholfen auf die Bühne, ersteigen eine groteske Felsenanhöhe und flitzen auf einer spaßigen Rutschbahn in den Bordergrund. Bei der Hochzeit des Theseus kommen die Hornisten aus dem Zuschauerraum und lassen ihre Klänge als Trabanten des Herzcgspaares von der Bühne her ertönen. Die beiden Liebhaberpaare, denen Schicksal und Faun- Übermut einen Streich spielt, deren Zuneigung verwechselt wird, tragen gleichfarbige Kostüm«. Es handelt sich nur um Paare und doch ist die Verwirrung die konfuseste, die man sich denken kann, bis endlich Lyfander feine Hermia und Demetrius feine Helena bekommt.___ Fritz Holl bringt im ganzen nicht die sprudelnde Theaterlust auf, die den„Sommernachstraum" zu erlesenem Genuß werden läßt. Holl ist zu gewisienhaft, sein Rausch ist ohne Trunkenheit. Am feinsten treffen den Ton der traumhaften Sommernacht die beiden Liebespaare Ernst Karchow, Hans Rehmann, Paula Baß er und Ilse Bärwold. Die Zartheit der Ilse Bärwald würde gewinnen, wenn sie sich besser schminken lernte. Di« Elfen- tönigin Titania der S y b i l P e a ch hat zwar das Elfenfigürchen und Elsenstimmchen, aber nicht den Märchcnausdruck, den man von der Figur erwartet. Sie leiert ihre Rolle wie ein Gedicht herunter. Antonie Straßmann und Paul Lange spielen das Herzogspaar in schönem deklamatorischen Pathos. Wie immer haben den größten Heiterkeitserfolg die Rüpelfzenen der fchauspielendcn Handwerker. Prächtig, wie Leonhard Stecke! hilflos die Worte herunterleiert, wie er finnlose, von Verlegenheit diktierte ziehende Handbewegung macht, erschütternd komisch der Worte ver- drehende Paul Linde als Weber Zettel. Für die verunglückle Agnes Straub sprang in letzter Stunde Peter I h l e ein. der den Oberon sicher und mit Anstand verkörperte. Alexander G r a n a ch ist ein draufgängerischer und zu allen losen Streichen aufgelegter Puck, dem man seinen Uebermut aufs Wort glaubt. Bewunderungswürdig ist die Leistung des Kapellmeisters Wolfgang Zeller, dein der Hauptanteil am Erfolg dieses Märchenabends gebührt. Er dirigierte die unsterbliche Mendels- sohnsche Musik mit Umsicht und Grazie. Der Beifall des Publikums hätte herzlicher fein können. � Dgr. Tanzsommer in den Londoner Parks. Die Verwaltuno der städtischen Parks in London hat soeben ihr Programm für diesen Sommer vorgelegt. Neben einer beträchtlichen Ausdehnung der öffentlichen Spiel- und Sportplätze ist zum ersten Male eine starke Verücksichligung des modernen Tanzes vorgesehen. Eine Reihe von Jazzkapellen ist oerpflichtet worden, in den Londoner Parks regel- mäßig zu spielen, und man beabsichtigt, neben den bestehenden Lo- kalen' noch Tanzböden unter freiem Himmel zu errichten. »Turandol- mit.l-tzreilen. Für die Sommerinoimle wird die Oper .Tuilindot' in der Städtischen Oper mit den biMaen �-Preisen gegeben. Die nsl» Vorstellung mit H-Preifcn findet am!g. Mai statt. vi««vastellvng van Silbern de» Holsiäller» Kbolf Victrlch in der Galerie Reumann-Nierendorf, Lützowslr. 22, wird um 8 Tage verlängert Die russische Ardeitsschul-Vusstellung wird!m Zentrallnstitut für Er- ziebung und Unterricht vom 24. Mai bi« td. Juni gezeigt werden. Zum Katalog hat LunatscharSkt eine cinleilende Dartlevung der Entwicklung de» je(>!gcn Stande» und der fflnrligen Ziele beigesteuert. Für die geplanten Führungen stehen russische Lehrlrästc zur Verfügung. Di« Große Engiisch« Photo-Auislellung. In der Zeit vom 12. Juli bi» zum 8. Oktober findet in London die 72.?iujstellung der..Roval Obotagraxbio Society of Great Britnin"(Britische Photograpbische Gc- sellschast) sialt. Die Beteiligung an der Ausstellung ist für alle Länder offen. (bin jüdische» konv«rsatIoi'».Lnfiko« gelangt jetzt nach achtjähriger vor- bereitender Arbeit im Jüdischen Veriap. Berlin, in denischcr Sprache zur O Ausgabe. Sie besteht aus vier starken Bänden in Lexikonjormat und wird von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno K i r j ch n e r(Berlin) heraus- gegeben. heilpaöagogische Woche in Oerlin. Die Arbeit in Sonderschulen. Zm Unterrichts- und Erziehungswesen � Berlins hat in den legten dreißig Jahren immer mehr der Gedanke sich durchgesetzt, daß die besonderen Einrichtungen für die vom Durchschnitt ab- wcick?enden Kinder sorgsältigste Ausgestaltung erfordern. Die Zahl der Kinder, die in Hilfsschulen für Schwachbefähigt«, in Vorklassen, in Echulkindergärten, in Sprachheilschulen, in Schulen für Schwer- hörige und Sehschwache untergebracht sind, hat im engeren Berlin früheren Umfanges, in den jetzigen Verwaltungsbezirken I bis VI, sich bis zum Winterhalbjahr lS?6/27 auf annähernd 5000 gesteigert. Demgegenüber steht für Herbst 1808, wo das Berliner Sonderschul- wesen sich zu entwickeln begann, die Zahl von nur 300 Kindern der Nebenklassen. Was die Stadt Berlin im Sonderschulwesen geschaffen hat und wie die Sonderschulen arbeiten, will«ine Tagung zeigen, die von der städtischen Schulverwaltung als„H e i l p ä d a g o- zische Woche" in der Zeit vom 15. bis 22. Mai veranstaltet wird. Unter sehr starker Beteiligung von llehrern und Lehrerinnen, von Männern und Frauen, die in Jugendpflege und Jugendfürsorge tätig sind, auch von Aerzten, Juristen und Derwaltungsbeamten, wurde die..Heilpädagogische Woche" am Sonntag im Hause des Wohlfahrtsministeriums durch den Berliner Stadtschulrot Nydahl eröffnet. Die Tagung ist aus allen Teilen Deutschlands besucht — über 1000 Teilnehmer sind gemeldet—, und auch Staats- und Gemeindebehörden haben Vertreter entsandt. In der Eröffnungsansprache hob Stadtschulrat Nydahl hervor, daß die Arbeit an den gehemmten Kindern von höchster Wichtigkeit für das volksganze ist. Dos Sonderschulwesen Berlins sei in dreißigjähriger Entwick- lung doch schon zu einer reichen Gliederung gelangt. Die Zukunft werde uns vielleicht eine gesetzlich« Regelung des ge- samten Sonderschulwesens bringen. In einem einleitenden und grundlegenden Dortrag sprach der Berliner Universitätsprofessor Dr. Spranger über„Die Hei l- Pädagogik im Rahmen der N o r m a l sch u l p ä dagogik". Erziehen und Heilen stehen in Zusammenhang miteinander, aber zwischen Erziehung überhaupt und Heilpädogogik ist schars zu unter- scheiden. Schwer ist es, die Grenze zwischen Normalem und Krank- haftem festzustellen.„Normal" nennen wir, was weder nach unten noch nach oben sehr vom Durchschnitt abweicht. Aber was uns „abnorm" scheint, braucht nicht„krankhaft" zu sein, sondern nur aus Mangel an Anpassungsfähigkeit zu h�uyen. Die Fähigkeit der Anpassung an das Schulleben fehlt manchmal Kindern gerade bei hoher Begabung. Schwererzieh- b a r k e i t kann aus besonderer Kraft heraus entstehen. Es wäre ein Bankerott der Pädagogik, wenn sie die Schwererziehbaren sofort als„psychopothisch" abschieben wollte. Aber eine besondere Aufgabe wird der Schule durch diese Kinder gestellt. Die Schule muß sich ja an«inen Durchschnitt wenden. Für Kinder, bei denen wirtliche Krankheit vorliegt und ein Verbleiben in der all- gemeinen Schule unmöglich ist, sind die Sonderschulen nötig. In Betracht kommen hier Kinder mit Sinnesmängeln, mit Jntelli- genzmängeln, mit Gefühls- und Willensmängeln, mit Sprach- störungen, auch mit Tuberkulose. Die Feststellung der Mängel ist nicht immer leicht. Bisher ist die medizinische Wissenschaft noch nicht zu einer scharfen und klaren Abgrenzung der psychopathischen Er- krankungen gelangt. Auch die Intelligenzprüsung ist manchmal fragwürdig: denn neben der Schulintelligenz gibt es noch eine Lebens- intelligenz- Für die Einreihung in die heilpädagogischen Zwischen- stufen muß die Bildsamkeit entscheidend sein. Diese zu ermitteln, ist der Lehrer geeigneter als der Arzt. Aus die Gewiß- heit, daß aus einem Kinde noch Kräfte herauszuholen find, stützt sich die Arbeit der Sonderschule. Sie muß sich nach der besonderen Schwäche des Kindes richten. Aber sie muß auch an eine besondere Stärke anknüpfen, an das, was dieses Kind zur Tätigkeit anregt und seine Bildsamkeit ausmacht. Zu den Er- ziehungsgrundfätzen der Sonderschule gehört der Schutz vor weiterer Schädigung, auch vor Schädigung des Gemütes durch Zurücksetzung, die Deckung des Gefühls eigener Kraft und eige- nen Wertes, zum Ausgleich für Minderwertigkeitsgefühle. De- Ziehungen zum Elternhaus sind zu pflegen, und die Eltern selber müssen sozusagen dazu erzogen werden, nicht durch falsche BeHand- lung des Kindes die Arbeit der Schule wieder zu vernichten. Das Ziel der Sonderschule ist natürlich geringer als das der Normal- schule. Aber auch sie. kann ihre Schützlinge noch zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft entwickeln, so daß sie auch in dem ihnen vom Schicksal zugewiesenen engeren Kreis sich glücklich fühlen. Die Arbeit des Lehrers der Sonderschule mag, schloß Prof. Spranger, entsagungsvoll und manchmal niederdrückend sein. Aber erhebend ist für ihn das Bewußtsein des sozialen D i e n st e s, den er leistet. Auch gegenüber dem schwächsten Kinde kommt über ihn eine Empfindung, die man Ehrfurcht vor der Seele nennen möchte. Die Heiligkeit des Lebens fühlt jeder, der in der Heil- Pädagogik das Amt des Erziehers hat. Die Eisheiligen sinü überwunden. Es wird wieder wärmer. Am gestrigen Sonntag setzte plötzlich ausgiebiger Regen und Aufkommen wärmerer Temperaturen ein. Die kalten Maitage, die am 10. begannen, sind damit vorüber. So begrüßenswert an sich diese Tatsache ist, so sshr werden das natürlich die Erholung suchenden Berliner bedauert haben, die am Ende der Woche und am Sonntag Erholung in Feld und Wald suchen wollten. Der Regen und die Erwärmung sind zurückzuführen auf«inen energischen Einbruch warmer feuchter Luft, der die kalte Polarlust zurückgedrängt hat. Ein Rest der kalten Bodenluft ist noch in Ost- preußen und in der Weichselniederung vorhanden. Bei allen der- artigen Witteningsumschlägen pflegt reichlicher Regen niederzugehen, weil die warme Lust beim Eindringen in die kalt« Bodenlust Kon- densationserscheinungen hervorruft. Wir hoben heute seit dem 10. Mai wiederum den wärmsten Tag miteiner Mittags- temperatur von 15 Grad. Auch in den nächsten Tagen wird es noch wolkig und regnerisch bleiben, bis der restlose Ausgleich zwischen warmer und kalter Luft erfolgt ist. Das regelmäßige Auf- treten der„Eisheiligen" ist eine vom Volk seit langem mit großer Sicherheit beobachtete Erscheinung. Sie hat ihren Grund darin, daß die zunehmende Wärmestrahlung der Sonne sich den Land- Massen schneller mitteilt, als den riesigen Wassermassen der Ozeane. Dadurch entsteht nach einem ganz bestimmten Zcitablauf zwischen den Temperaturen der Land- und Wassergebiete ein erheblicher Unterschied. Die Erwärmung über dem Lande bringt eine Auf- lockeruna der Luftschichten mit sich: hier entsteht eine Druckverminde- rung. Der Ausgleich wird durch den Zufluß kalter Luft aus den ozeanischen Gebieten geschassen. Der Motor all dieser Erscheinun- gen, die Sonne, geht mit absoluter Regelmäßigkeit ihren Lauf und aus dieser Regelmäßigkeit werden die drei Eisheiliigen, die in Norddeutschland im ollgemeinen vom 11. bis 13., in Süddeutschland vom 12. bis 14. Mai herrschen, geboren. Die drei Eisheiligen sind über- wunden. Die Zukunft wird uns wieder warme Maientage bescheren. wie man öie Gefallenen nicht ehrt. Vom Potsdamer Geist. Gestern hat man in Potsdam den Land- und Wassersport- platz Luftschiffhasen als„Ehrenmal der Gefallene n", einge- weiht. In echt Potsdamer Weis«! In den Ehrenlogen saßen, wie einst zu Worms im Koisersaol, viele deutsche Fürsten, August Wilhelm, Eitel Friedrich, Hubertus und Oskar mit Kind und Kegel, dazu viele vor- und noch- kriegszeitlich Uniformierte, die teils an der Front, teils in der Etappe gekämpft hotten, regenschirmtragende Kriegcrvereinler und im Hintergrunde den Magistrat von Potsdam. Wie lich das für schwarz- weißrote monarchistische Kundgebungen geziemt, fehlte natürlich auch eine Ehrcnkompagnie unserer republikanischen Reichswehr keines- wegs. Und der Generalsuperintendent v. D i b e l i u s hielt eine ergreifende Ansprache! Potsdams Mission sei es,„Herrscher und Volk in heiliger Arbeit zu einen". Will sagen: Das Boll arbeitet, und die Fürsten kassieren! Es sei sinnlos,„das Volk das vergessen zu lassen, was der Gott der Geschichte das Volk durchleben ließ".(!) Nein, Herr Generalsuperintendent, das Volk wird die viereinhalb- jährige Greuel des Weltkrieges nicht vergessen und es wird seine Toten ehren, indem es jede Wiederholung des Dölkermordens un- möglich macht! Der Oberpräsident der ProvinzBrandenburg, der Regierungspräsident und der P o l i z ei p r ä s i d e n t von Potsdam nahmen verftändigerweise an dieser monarchistischen Nichtehrung der Gefallenen nicht teil. Schweres Explofionsunglück. Heute vormittag gegen 1�11 Uhr ereignete sich in den Zöllner- werken in der Köllnischcn Allee 42—43 ein« folgenschwere Ex- plosion, bei der zwei Arbeiter erheblich« Verletzun- r« n davon trugen. In einem Fabritraum, in dem mehrere Arbeiter beschästigr waren, explodierte plötzlich aus bisher noch unge- klärter Ursache unter heftiger Detonation ein mit 3000 Kilo Lack gefüllter Kessel. Gewaltige Stichflammen schössen hervor. Zwei Arbefter, der ööjährige Lackierer Gustav Rätz aus der Adalbert st r. 71 und der 37 Jahre alte Josef Bincck, Ringbahn st r. 16 wohnhaft, konnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurden durch Brand- wunden schwer verletzt. Durch die alarmierte Feuerwehr wurden beide in das Buckower Krankenhaus geschafft. Der Zustand der Verletzten ist zwar ernst, doch scheint keine Lebens- gesahr zu bestehen. Die Feuerwehr war mit den Ablösch- und Auf- räumungsarbeiten ziemlich eine Stunde an der Unglücksstätte tätig. Weitere Dammbrüche am MPMppi. New Jork. 16. Mai.(TU.) Der Staudamm bei Bayou de« Glaises ist plötzlich in einer Vreike von SS engl. Meilen zusammengebrochen. Die Fluten de» Mississippi ergießen sich unter donnerartigem Geräusch in die Niederung. Ein Viertel Louisiana» steht jetzt völlig unter Wasser. Ein Zeitungsgeböuüe nieöergebrannt. Pari», 16. Moi.(Eigener Drahtbericht.) Eine ungeheure Feuersbrunft Hot am Sonntag«ine der größten Provinzzeitungen, den tinksstehcndeu„Reveil du Nord" in Lille zerstört. Der Schaden belauft sich auf 10 Millionen Francs. 23 000 Dollar für die Aussiudung Nuugesser». Rodmanwana- maker, der den geplanten Flug de» Kapitäns B y r d von New Bork nach Paris finanziert, hat eine Belohnung von 2 5 000 Dollar für die Auffindung der französischen Flieger Nungesser und Coli oder ihrer Leichen ausgesetzt. Der neue Flugplatz In Düsiridors wurde gestern feierlich ein- geweiht. Eine vorbildliche Handlungsweise. Mit dem Motto„Nicht Worte sondern Toten beweisen" erließ das Reichsbanner Schwarz- R o t- G o l d, Ortsgruppe L y ch e n, einen Ausruf an die Bürger- schast, erholungsbedürftige und notleidende Berliner Kinder zum Wochenende aufzunehmen. Gern ist die Lychener Bürgerschaft diesem Aufruf gefolgt. Selbst die reaktionären Kreise konnten dies- mal dem Reichsbanner ihre Zustimmung nicht versagen, und dem Berliner Mogistrat liegt bereits der Antrag vor, 25 notleidende Kinder zu nennen. Man glaubt, daß Lychen bald in der Loge ist, noch für weitere Kinder Aufnahmemöglichkeiten zu schassen. Die Kinder sollen am Sonabend in Lychen eintreffen, In Familien unter- gebracht, und über Sonntag dort frei verpflegt werden. Hoffentlich folgen andere Ortschaften bald diesem mustergültigen Beispiel Lychens, wodurch einer großen Anzahl armer Großstadtkinder Erholung und Abwechslung geboten werden würde. Sport. Internationale Schwimmen im Lunapark. Die neue große Schwimmholl« im Lunopark wurde am Sonnabend mit einer großen internationalen schwimmsportlichen Veran- staltung der Oefsentlichkeit übergeben. Die Teilnahm« von Rade- macher, Arne Borg(Stockholm), L u b e r hatte«in« große Schar von Sportbegeisterten angelockt. Unter den zahlreichen Ehrein gästen sah man den preußischen Innenminister Genossen G r z e s i n s k i, Oberbürgermeister B ö ß u. a. Am Sonntag nahm die Veranstaltung vor vollbesetztem Hause ihren Fortgang. Es gab auf allen Gebieten recht interessante Kämpfe zu sehen. ztisullale(Sonnabend).»Ilkiftaffel SXAY, m. Sie»»«: SellM-Maz- dedura 1:51.— ZlruMchwimmen Ivo m 1. Zl-b«m acher t-S?«'«: S. Van Paray«' «?nt Z:0I.— Vamcn.Laaensiaftei SXioonl. 1. Otter«:«>! 2.«»andau— Frei- Itiisaiwimmen Zoo m 1. Arne«ara»:W: Z feeinrid) J;26.—. fflro&e Veriiner BeliNNastel 10X100 rn. I. bella»! 8 13. S G; 3.«oseibon-Pertln.— Wasserdatl. fviel Snalond-öchweden. Ei-qer S»°>» den 3:0(4:0) Retuttat«(Sonntao): 100 rn Freiitiel: I. Arne V orj-Schioeden 1:01,3: 8. Seriier-Masdebura 1:04 —«0 rn ffreiftlel: 1. Arne Horn 3: 13: 3 betnrl-Y.Lelpilz 5:20,2.— 100 rn Brust! 1. Radema»,r-SeII-, 1:20: 2. HOgel-Berlin 1:22,1; S. Tallan-Parl» 1:22,5.— 100 m Rücken: 1. Echumburzk-Hella« 1:14,3; 2. VIo»witi-Bert>n ll20.8.— 100 m Domenfreisil: 1. Lotte Ledmann, Dre.den 1:10; 2. iZrt. Seybold-Beriin 1:2125.— Freistllstaffel 10X00-/, m: 1. Hillas-Mag dedur, 7:01,3: 2. verli» 30 7:00,0. Rennen zu hoppegarlen am Sonnkag, dem 14. Mai. 1. Nenne n. 1. I. Becker» Burgsink(Barga): 2. Llmanowa: 8. Diocle. lian. Toto: 58: 10. Platz: 17, l5, 20:10. Ferner liest»: Segeberzer(4). Ojlerblngen. Burnivari, Hclleipont. S. Renn« n. 1. D. Blume« Salabin(HaqneS): L. Jllnd«: 3. Ancilla. Tot«: 29:10. Platz: 18.81.45:10. Ferner liefen: Arndt(4), Panne, Florida, Vineta. Blitzlicht. Franc. 8. Renne n. 1. L. u. W. S klaret« Willinger((8. Janek); 2. Pam- Jifju«; 3. Cfarnda«, Tato: 27:10. Platz: 13,20,17:10. gerner li-sen: Heidjex(4). Double, Hind, Storm, Sloud. Panna. 4. Rennen. 1. O. Blumenicld und R. Samson« Torero(Hayn««); 2. Mab Jong; 3, Au«bund. Toto: 47:10. Platz: 12, 10:10. Ferner Uesen: Lichtstrahl II, Serapi«. 5. Rennen. 1. A. u. C. v. Weinbergs Lampo«(D. Schmidt); 2. Rheinwein: 3. Indigo. Toto: 33:10. Platz: 10, 11:10. Ferner liefen: Stolzensel», Oran. Frohsinn. 8. Rennen. 1. Frbr. G. A. von Oppenheim« Oleander(Varga); 2. Mitra: 3. Bundschuh. Toto: 11:10. Platz: 10. 11: 10. F-rn-r lies: Herzog Christoph. 7. R c n ii e n. 1. Abteilung: 1. Fürst Lhnar« Ziae in China, mit dem einzigen Unterschied, daß im ersten Falle englische und französische Kapita- listen die Ausbeuter sind, während in Jugoslawien deutsche und tschechische Unternehmer diese Rolle spielen. In den Spinnwebereien sind meistens Frauen beschäftigt, die sich auf Grund der Arbefterschutzgesetze besonderer Fürsorge er- freuen sollten. Die Arbeitszeit beträgt jedoch oft bis zu 11 Stunden und ist in den letzten Monaten in einigen Fällen aufdurchschnittlichlSStunde ii erhöht worden. In bestimmten Betrieben kommt es vor, daß Frauen bis zu 32 Stunden durcharbeiten. 4 Dinar(= 30 Pf.) ist der höchste Stundenlohn. Die Tagelöhne stellen sich demnach im besten Falle auf 44 Dinar oder rund 3,30 M. lieber stunden werden natürlich nicht bezahlt. Wie es unter solchen Umständen mit der Gesundheit und den W o h n v e r h ä l t n i s s e n der Arbeiterinnen bestellt ist, läßt sich leicht denken. In den dunklen, feuchten Wohnungen, wo Arbeiter- familien zusammengepfercht wohnen, herrschen Tuberkulose und andere proletarische Seuchen.„3 m nahen O st e n", so führt das Blatt zum Schluß aus,„sind die Arbeitsverhältnisse die gleichen wie im fernen Osten. Ein Unterschied besteht allerdings in- sofern, als die chinesische Arbeiterklasse bereits in Hellem Aufruhr gegen ihre Ausbeuter steht und dabei von den Herrschenden und dem Militär unterstützt wird, während im nahen Osten, wo der kapita- listischen Ausbeutung keine Grenzen gesetzt sind, jede kapitalisten- feindliche Regung der Arbeiter mit allen, für die Ausrechterhaltung der„Ruhe und O r d n u n g" zu Gebote stehenden Mitteln nieder- geschlagen wird. Der international« Kapitalismus hat bei uns unter dem Regime der bürgerlichen und feudalen Parteien feine Dorherr- fchaft errichtet."_ Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Deamken A.-G„ Berlin. Wallsir. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Verantwortlich kür Politik: Victor Schikk; Eenxrlschafto Wirtschaft:«.«lingclhölcr: Verlag.___,-----------------------------. r, und Verlagsanstalt Paul Sing« u Co., Berlin SW K8> Linden straß« 3. Ä fiil&a, Taaftcnsfr. 48 49 16. 5. u. 18. 5. abends 7 u. 9 Uhr 21. 5., 29. 6. u. 31. 5. abends 7 Uhr 23. 5., 25. 5. u. 27. 5. abends 5 Uhr 24.5., 26.5., 28.5., 30.5. abds. 9 Uhr Der packende Grofjfilm vom Bau und Betrieb des Riesondampfers CoSumbus de* Norddeutschen Lloyd Bremen Aus dem Intialt: Der schwimmende Palast und seine Geheimnisse. Ohne Steuermann über den Ozean. Windstärke 10. Mit 30000 Pferdekräften nach dem Wunderlands der Wolkenkratzer. Der bekannte Vortragsredner Kapitän K. Speckmann-Berlin wird zu diesem Film werk hochinteressante und humorvolle Begleitworte sprechen. Von der deutschen Presse mit Stolz und Genugtuung begrüßt, hat dies. Filmseinen Siegeszag d. d. ganze Vaterland angetreten. Dieses hohe Lied deutschen Geistes und deutscher Arbeit wird unsere frlscne Jugend begeistern u. deutsche Frauen u. Männer aller Stände bis zum Ende in seinen Bann ziehen. Film der Döring-Film-Werke Hannover. Vorverkauf: Urania-Kasse, Theaterkasse Wertheim, Invalidendank, Näheres siehe auch Plakate. StäflSdl!«M Charlottenbars 7>-, Uhr: Oer Ja&rmarkt von Sorotsöiintii Abonn.-Turnus H Volks büh ne Ihealei am BSIowplati 8 Uhr: Ein SommemacliistraiiRi. Morgen 8 Uhr: Ein SonernadilstTainn. Tb. an ZMNbmlöaiim 8 Uhr: Jan der Wanderbare CASINO-THEATER» uiu: Pimpelhuber der Millionen-Erbe 28. Mai: M MM M �30. Gutschein: Faut 1 MIc, Sessel 1,50 Mk Verkäufe r Uckleiduntjssiückr, Wasche usw Wenig getragen« Frackanziige, Emo- tingaiiruge. Gchrockanzüge, Iackettan. zllge, Gabardinemantel, Gummimäntel, Cutawan-Anzllae. Taillcnmäntel, für jede Figur passend. Spezialität: Bauch. anzUge. spottbillig. �Holpern. Rosen. thalerftrahe 4, erst« Etage._* Wenig getragene hochelegante Herren. garderobe, spottbilliger Vcrkauk. Ge. legcnbeitskäuf« in elegant« neu« Gar» derob« und Pelzwarcn. Nein« Lom- baedware. Leihhaus, Friedrichstraße 2, am Halleschen Tor.__• verleih von lchafisanzllgen. 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