Nr. 234 ♦ 44. �ahrg. Msgabe A Nr. 119 Bezugspreis: Wöchentlich 70 PPnnig, monatlich I.— Zieichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar, und Memelgebiet, vesterreich, Litauen, Luxemburg chöü Reichsmark� für das übrige Ausland 5,50 Rcikhsmark pro Mona». Der.Dorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage.Volk urrb Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt", .Frauenstimme",„Der Kinder- freund".„Iugend-Vorwärtz",„Blick in die Bücherwelt" und„Kultur- arbeit" erscheint wochentaglich zwei. Mal-Eonintags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „SozlaUlcmottaf Decna" Morgen ansgabe Verliner Volksblstt �10 pksnnig) Anzeigenpreise: Ne einspaltige Nonpareille- »eile SO Pscnnig. Reklamezeile Ss- Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das. erste Wor» 15 Pfennig, sedrs weitere Waat 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. stoben zählen für zwei World. Arbcitsmarkt Zeile' 00 Pscnnig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis iVi Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW OS, Linden- straße 5, abgegeben werden. SeSffnet von Slb Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: S erlin SW. HS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ-SS7. Donnerstag, den 19. Mai 19Ä7 vorwärts-verlag G.m.b.H.» Serlin SW. HS, LinSenftr.Z «»mchechkout»!«er«» 37 53«-«aakkouto! Bank der A'better.«»Kettelt»» »»» Beamte». Wallst».«5: Disko»w-Selellchasl. Deussttenkasl, Lindenstr. 3. Kohlenpreiserhöhung abgelehnt. Der Reichskohlenrat« macht nicht mit.' Der Keichskohlenrat hatte in seiner Sitzung vom 18. Mai sich mit den sZreiserhöhungsaaträgen des Ruhrkohlen-Syndikats und der mitteldeutschen und oslelbischen Lraunkohlen- Syndikate zu be- fassen. Diese Erörterungen hoben ergeben, dah die Lage des Ruhr- bergbaus sich nicht so günstig darstellt, wie es die Oefsentlichkeil bis- her anzunehmen pflegte. Trotzdem und mit Rücksicht ans die Gesaml- wirischaft haben sich die Organe der Sohlenwirtschoft nicht enl- schließen können, einer Preiserhöhung für die Ruhrkohlc zuzustimmen. Der Preisechöhungsaotrag des Ruhrkohlensyndikats wurde a b- gelehnt. Bezüglich der Anträge der Braunkohlen- Syndikate, die «tsschlletzlich aus eine Preiserhöhung des Hausbrandes gerichtet »vareu. wurden die zur Begründung beigebrachten Unterlagen nicht als ausreichend erachtet. Es wurden Zwei Ausschüsse eingesetzt, die zunächst in eine eingehende Prüfung darüber eintreten sollen, ob nnd inwieweit das von den beiden Braunkohlen- Syndikaten vor- gebrachte Material für ein« Preiserhöhung stichhaltig ist. X* Dieser Beschluß des Reichskohlenrats, der unter entschei- dender Mitwirkung der Arbeitnehmer und Verbraucher her- beigeführt worden ist, befreit die deutsche Wirtschaft von einer drückenden Sorge. Der„Vorwärts" hat die schwerwiegenden Argumente, die gegen eine Kohlenpreis- erhöhung sprechen, eingehend gewürdigt. Bleibt der Reichs- tohlenrai auch gegenüber den Forderungen der Braunkohlen- Herren fest, so leistet er damit dem Arbeitsmartl und den Verbrauchern aller Kreise den denkbar besten Dienst, der um so mehr anerkannt werden muß, als die Kohlen» Magnaten das schwerste Geschütz aufgefahren haben, um ihre Abnehmer sich gefügig zu machen. Kein öeutsch-kanaüischer tzanüelsvertrag! Erste Erfolge der agrarischen Hochschatzzollpolitik. wie wir hören, find die sei» längerem zwischen Deutschland nad Kanada schwebenden handelsveriragsverhandlnngen ergebnislos abgebrochen worden. Zwischen Deutschland und Kanada konnte es zu keiner Einigung kommen, weil die kanadische Regle- rung auf eine herabsehung der Mehlzölle drang, die bekanntlich von der Rechtsblockregierung in sinnloser Weise und gegen den widerstand der Sozialdemokratie erst in letzter Zeit noch einmal von 10 aus 12.50 M.. für Veriragsstaaten aus 11.50 M.«Höht worden sind. Deshalb blieben die Verhandlungen, die für den Export der deutschen Industrie von größter Wichtigkeit sind, ohne Erfolg. * Wir haben hier in ber Tat die ersten Resultate der neuen Hochschutzzollpolitik, wie sie' von dem Reichslandwirtschafts- minister Schiele mit aller Konsequenz betrieben wird. Die Hochschutzzölle, die teils beschlossen, teils noch geplant sind, stellen das Entgelt dafür dar, daß die Deutschnationalen den Lürgerolod unterstützen. Die Industrie, a r b« i t e r s ch a s t, die unter dem Absatzmangel der Ow dustrie zu leiden hat. trägt die Kosten dieser falschen Zow «litik, die sich unmittelbar gegen die Lebensinteressen der eutschen Industrie richtet. llanütagsöebqtte über den öörsen krach. Das überraschte Handclsministcrinm. Im gestrigen Landtag gab es ein Nachspiel zu dem großen Börsenkrach, der sich am vergangenen Freitag ereignet hat. Nachdem Genosse Dr. Waentig auf das ver- legene Schweigen bei den verantwortlichen Stellen hinge- wiesen hatte, erklärte Handelsminister Dr. Schreiber, daß grundsätzlich zwischen seinem Vertreter und der Reichsbant Uebereinstimmung bestanden hätte über die Notwendigkeit, einer übertriebenen Spekulation entgegenzutreten. Die Ein- schränkung der Spetulationskredite, die den starken Kursein- bruch verschuldet hat, sei jedoch ganz überraschend gekommen und der Handelsminister selbst ist der Meinung, daß das vom Reichsbankpräsidenten dabei erstrebte Ziel auch aus andere Weise und ohne so starke Erschütterung des Geldmarktes hätte eintreten können. Damit steht fest, daß die Großbanken zwar auf Veran- lassung des Reichsbankpräsidenten, aber ohne jede F ll h- lungnahme mit dem Börsenkommissar dex preußischen Regierung gehandelt haben. Das festzustellen ist wesentlich. Die ganze Aktion, die den deutschen Kapitalmarkt schwer ge- schädigt hat. ist also ganz überhastet getroffen«orden. Wir haben schon früher betont, daß die Spekulation die Verluste wohl verdient hat, die sie nach dem anhaltenden Haussefieber ereilt haben. Nicht so gleichgültig aber kann das Schicksal der Arbeiterschaft sein, die bei derartig künstlich herbeige- führten Störungen des Kapitalmarktes für ihre B e s ch ä f- t i g u n g fürchten muß, weil dann immer wieder die Gefahr besteht, daß zur Finanzierung der Produktion und des Ab- satzes nicht genügend Leihgeld der Wirtschaft zufließt. Es zeigt sich übrigens jetzt obendrein, daß diese über- hastete Aktion nicht einmal den Erfolg gezeitigt hat, den der Reichsbankpräsident von ihr erwartete. Die Börse hat sich sehr schnell beruhigt. Bei den niedrigen Kursen haben sich neue Käufer gefunden. Unter diesen Käufern befinden sich selbstverständlich wieder solche, die an den künftigen Kurs- gewinnen verdienen wollen. Der Börse sind also sicherlich wieder neue Gelder zugeflossen, und zwar nicht zum Zwecke vorübergehender Spekulation, die mit reinen Krediten finan- ziert wird, sondern zu längerer Anlage. Dabei läßt sich die Vermutung nicht von der Hand weisen, daß auch die Bau- t e n als Käufer aufgetreten sind. Wußte man doch von der Börse zu melden, daß einzelne Banken zum Zwecke der Stützung Aktien gekauft haben. Ist das aber der Fall, fo hat die unter Billigung des Reichsbankpräsidenten durchgeführte Aktion das genaue Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt war. Zweck der künstlich angerichteten Börsenpanik war die Frei- setzung von Geldern für die Industrie. Statt dessen sind offenbar große Geldbeträge jetzt im Aktienbesitz festgelegt worden und können ohne Schaden am Kurse nicht so leicht liquidiert werden. An die Stelle einer erwarteten Ent- Spannung des Geldmarktes ist also eine erhöhte Anlagetätig- keit getreten, die mit denselben Geldern finanziert wurde, welche man angeblich für die Produktion freimachen wollte. Und diese Festlegung von Geldmitteln erfolgte oben- drein zum Zwecke neuer Spekulationen. Nichts hat sich also geändert, außer daß jetzt die Liquidierung der festgelegten Mittel noch schwerer möglich ist als vorher. Dabei will sich niemand für diesen widerspruchsvollen Entschluß verantwortlich machen lassen. Reichsregierung>und Reichsbank habe Grund zu dieser Flucht vor der Derant- wortung. Denn der Schaden, der mit derartigen über- hasteten und unüberlegten Manövern für die ganze Wirt- schaft verbunden ist, muß früher oder später sichtbar werden. Schon jetzt erkennt man jedenfalls, daß der jetzige Zustand unhaltbar ist, wo ein von jeder parlamentarischen und politi- schen Verpflichtung freier Reichsbankpräsident willkürlich seine Maßnahmen trifft, während gleichzeitig die Anstrengungen zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise durch seine Fehlschläge gefährdet werden._ Der Surgerblock und die Seamten. Weitere Verschlechterung der Strafordnung. Wiederum hat die Mehrheit des 14. Reichstagsausschusses bei der Beratung der Reichsdienststrafordnung Verschlechterungen gegen- über dem bestehenden Zustand beschlossen. Zunächst wurde zum Z 24 ein Antrag des Genossen Stcinkopf abgelehnt, der den Be- cmtenspitzenorganisotionen ein Vorschlagsrecht für die Beisitzer zu den Dienststrafgerichten einräumen wollte, so wie dies für die Arbeiter- und Angestelltenorgonisationen hinsichtlich der Arbeitsgerichte geschehen ist. Dies Vorschlagsrecht soll nunmehr nicht den Organisationen, sondern�den Be n m t e n a u s s ch ü s s e n bei den Behörden übertragen werden. Weiterhin lehnte die Mehrheit einen sozialdemo- kratischen Antrag ab, der die Besetzung des Reichsdienststraf- Hofes ebenso wie bei den Reichsdienststrafkammern gestalten wollte. Bei den Kainmern ist auf sozialdemokratischen Antrag jedesmal die Mitwirkung je eines Beamtenbeisitzers des un- teren, mittleren und höheren Dienstes gewährleistet worden. Dies hat die Mehrheit des Ausschusses beim Reichsdienst- strafhof verweigert. Im Gegentest wird hier das bisher über- wiegend« Laienelement zugunsten des richterlichen Elements erheblich zurückgedrängt. Auch soll die Besetzung von jetzt sieben auf künftig fünf und für das Spruchoerfahren sogar auf drei Personen vermindert werden. Obgleich Genosse Dr. Rosenfeld darauf hinwies, daß man aus ein st immige Forderung des Rechtsausschusses im Begriff stehe, die durch die Emmingersche Iustizreform verschlechterte Be- setzung der Gerichte zu erhöhen und besonders die Senate beim Reichsgericht wieder mit sseben Personen zu besetzen, beharrte die Mehrheit des 14. Ausschusses bei der Vorlage. In Anbetracht der sich häufenden Verschlechterungen wird für die Beamtenschaft die Frage akut, ob sie an der Verabschiedung der Vorlage, bei der die Rachteste die Borteil« weit Ld«. Viesen, überhaupt noch«in Interesse hat. Die örotteuerung. WaS die Anfrechterhaltnng der Roggenzölle die Ber- brancher kostet und wie die Regierung dem Volk„hilft". Wenn vielleicht mancher Deutsche noch glaubt, ein Er- nährungsministerium sei dazu da, um für die Ernährung des Bolkes zu sorjjen, so werden ihn die Ereignisse der letzten Wochen von diesem Irrtum kurieren: die„Ernährungswirt- schaft" des Herrn Schiele hat einen neuen schlagenden Be- weis für die wahren Ziele der„nationalen Wirtschaftspolitik" erbracht; sie hat dem deutschen Bolk sein wichtigstes Rahrungs- mittel, das Brot, in einer derart verantwortungslosen Art verteuert, daß sich die Ernährungsschwierigkeiten der arbeiten- den Klasse und des Mittelstandes zu einer ausgesprochenen Notlage auszuwachsen drohen, und Herr Schiele befindet sich in einem großen Irrtum, wenn er glaubt, daß die Erregung des Volkes über diese Teuerung durch belanglose Regierung?- maßnahmen beschwichtigt wird. Auch hier zeigt sich wieder einmal, daß es nur Interessentenwünsche sind, die sich hinter dem Schlagwort„national" zu verbergen suchen. Der schlechte Ausfall der letzten Getreideernte machte es jedem Kenner der deutschen Ernährimgsverhältnisse schon ziemlich bald klar, daß nur durch erhebliche Getreideeinfuhr oie deutsche Brotoersorgung bis zur nächsten Ernte sicher- gestellt werden könne. In richtiger Erkenntnis dieser Lage hat die Sozialdemokratie im Februar d. I., als die Getreide- .Vorräte der deutschen Landwirtschaft in einem erschreckenden Tempo abnahmen und ihre völlige Erschöpfung in kurzer Zeit zu erwarten war, und als die Roggenpreise infolge mangeln- den Angebots dauernd stark anzogen, eine viermonatige Außerkraftsetzung der Roggenzölle beantragt. Die Folge dieses Antrags war ein sofortiger leichter Rückgang her Preise: das Angebot verstärkte sich etwas in der Unsicherheit, ob der sozialdemokratische Antrag angenommen würde oder nicht. Dieses verstärkte Angebot ist die beste Widerlegung dör von Interessentenseite vertretenen Ansicht, daß eine Zoll- suspension, die sich nur auf Roggen erstreckt, nicht dem deut- schen Verbraucher, sondern dem ausländischen Handel zugute kommen würde. Der deutsche Handel bestätigte damit die Wirksamkeit der von der Sozialdemokratie geforderten Maßnahmen. Die Großagrarier und ihre Helfer haben es, obwohl die deutsche Landwirtschaft so gut wie ausverkauft war und von einer Zollsuspension bis zur neuen Ernte in keiner Weise benachteiligt worden wäre, fertig gebracht, daß der sozial- demokratische Antrag am 22. März niedergestimmt wurde und zeigten damit eine Verständnislosigkeit gegenüber der deutschen Verbraucherschaft, wie man sie kaum für möglich halten sollte. Seit diesem Tage fühlt sich die Börse wieder sicher und die Getreidepreise zeigen eine fast ununterbrochene Aufwärtsbewegung: Es tosteie in Berlin eine Tonne Roggen: DurÄichniit 1009/13............ 16S,— SKI. im Wirnchaitsjahr 1925/26......... 170,—, September 1926............. 211,28, 81. Januar 1927............. 245,70. 2. Februar(Soz. Anlr.j.......... 254,60, 22. März(Ablehnung)........... 245,—„ 30. Mär,................ 252,50. 30. April................ 270,—, 9. Mai................. 275,—, In den letzten 3 Wochen wurde das Tempo dieser Hausse immer stürmischer, und jetzt stehen die Roggenpreise auf einem Rekordstand von über 270 M. 2luch die Weizenpreise wurden von dieser Bewegung mitgerissen und sind auf über 310 M. hinaufgeklettert. Sie lassen mit dieser gewaltigen Steigerung die Verteuerung fast aller anderen Waren weil hinter sich und bestätigen voll und ganz die von uns bereits im Februar bei Aufrechterhaltung der Zöste vorausgesehene Preisentwicklung. Auch die Getreidehandelsgesellschaft, die wir von Anfang an nicht für sähig gehalten haben, ihre Auf- gäbe des Preisausgleichs zu erfüllen, hat hier ein sölliges Fiasko erlitten. Diese Preisentwicklung bestätigt auch die Richtigkeit unserer Berechnung über die Erschöpfung der deutschen Roggenvorräte im April. Nach Angaben des Deut- schen Landwirtschaftsrats waren bereits am 15. April nur noch etwa 300 000 Tonnen Roggen zum Verkauf verfügbao- diese Vorräte dürften inzwischen bis auf ganz geringe Mengen im Osten zusammengeschmolzen sein. Allein die andauernde Verteuerung des Roggens gegen- über dem Vorjahre belastet den stadtischen Konsum mit Summen, die in diesem Monat etwa 30 bis 4 0 M i l l i o n e n Mark erreichen werden. Eine Zoll- suspension hätte diese Belastung um die Hälfte vermindern können. Es kommt die Berteue- rung des Weizens, der Kartoffeln und anderer Massenkonsum- guter dazu, die insgesamt den Großhandelsindex für Agrar- stoffe in den letzten 14 Tagen von 134, S auf 137,8, den der vflanzlichen Nahrungsmittel sogar von 157.4 auf 169,0 ge- steigert haben. Welches Elend sich in diesen Zahlen ausdrückt, daran denken weder die Herren Großagrarier noch die �peffffnnten Die„Deutsche Tageszeitung" erklärt die kolossale Steige- rung der Roggenpreise mit erhöhten Forderungen der amerikanischen Märkte. Wie falsch diese Erklärung ist, mit der die Landwirtschaft von jeder Schuld an der Teuerung reingewaschen werden soll, zeigen folgende wenige Zahlen: ES kostete eine Tonne Roggen in Mark l. März... 1. April... 20. April... 30. April... 9. Mai.... r Obige Zahlen zeigen deutlich, daß die polnischen Roggen- Notierungen seit 1. März um etwa 30 Proz., die Berliner Notierungen um etwa 12 Proz. gestiegen find, und daß die Chicagoer Preise nur mit einer Steigerung von etwa 4 Proz. gefolgt sind. Die Preissteigerung geht also nicht von Uebersee, sondern von Europa, und zwar beginnend in Polen, aus. Dieselbe Entwicklung zeigen die Weizen- preise: auch hier führt Europa, und Amerika folgt nur langsam. Die polnische Getreideernte, die in anderen Jahren eine stark« Ausfuhr ermöglichte, war in diesem Jahre schlecht. Trotzdem exportierte Polen, um seine Währung zu stützen, besonders im Herbst erhebliche Mengen von Getreide, die ihm jetzt zur Deckung seines eigenen Bedarfs fehlen. Polen muß daher zn außerordentlich stark gestiegenen Preisen wieder ein- führen, was es im Laufe dieses Wirtschaftsjahres zu viel exportiert hat. Infolgedessen haben die polnischen Roggen- preise, die normalerweise unter den deutschen um den Zoll verminderten Preisen liegen, im April einen so hohen Stand erreicht, daß ein Export deutschen Roggens nach Polen gewinnbringend wurde. Ganz besonders„be- währt" hat sich hier wieder einmal das deutsche Einsuhr- scheinsystem, das es den deutschen Getreidehändlern erlaubt. selbst dann zu exportieren, wenn der polnische Getreidepreis noch bis nahezu um die Höhe des Zolls unter den deutschen Preisen liegt, da ja dieselbe Getreidemenge im Westen zollfrei eingeführt werden kann. Der auch sonst sehr umstrittene Ein- fuhrschein wirkt sich hier also direkt als volkswirtschaftsfeind- lich aus: er ermöglichte eine Ausfuhr unserer letzten und für die deutsche Bedarfsdeckung dringend notwendigen Ge- treidebestände im Osten und erhöhte damit den Einfuhrbedarf im Westen, er steigerte die deutschen Preise auf«ine unerträg- liche Höhe und brachte einzelnen Spekulanten große Profite, die vom deutschen Arbeiter zu zahlen find! Die von Polen ausgehende außerordentliche Preissteigerung der letzten Wochen hätte vielleicht den deutschen Markt weniger berührt, wenn der Ausfuhr deutschen Getreides recht- f z e i t i g, das heißt sofort bei Beginn der polnischen Preis- , steigerung, durch ein Ausfuhrverbot oder eine praktisch ebenso wirkende Nichterteilung von Einfuhrscheinen ein Riegel vor- geschoben worden wäre. Die Regierung hat sich aber nicht gerührr. Wenn sie jetzt, nachdem der Getreidepreis«ine nie dagewesene Höhe erreicht hat. und nachdem große Posten deutschen Roggens nach Polen abgeflossen sind,«in Ge- setz im Reichstag durchgebracht hat, nach w«lchem bis zum 31. Juli keine Einfuhrschcine zur Ausfuhr von Getreide er- teilt werden sollen, so ist das nichts anderes als e i n e F a r c e. Die deutschen Getreideoorräte sind erschöpft, und Getreide- ausfuhr ist auch ohne dies Gesetz praktisch unmöglich. Die Not des Bolkes wenigstens etwas lindern hätte nur die von uns geforderte Suspension der Einfuhrzölle können. Was wurde uns statt dessen beschert? Erhöhung des Mehlzolls, Aussicht auf Erhöhung des Zucker- und Kartoffel- zolls und Aushebung der zollfreien Gefrierfleischemfuhr! Das Mäntelein des Volksfreundes, das sich Herr Schiele durch dieses verspätete Surrogat-Gesetz(dessen falsche Begründung übrigens fast wörtlich mit dem oben zitierten Artikel der „Deutschen Tageszeitung" übereinstimmt), umhängen wollte, ist zu durchsichtig, als daß man nicht erkennen könnt«, wer dahinter steht. Die polnische Regierung, der man bestimmt keine allzu- große Rücksicht auf die Verbraucherschaft nachsagen kann, hat in richtiger Voraussicht der kommenden Roggennot bereits im Januar des Jahres einen Ausfuhrzoll auf Roggen und Roggenmehl in Höhe von etwa 7 M. pro 100 Kilo eingeführt und dadurch die Ausfuhr abgebremst. Als trotzdem Ende März und im April die Roggenpreise in die Höhe schnellten und so starte Beunruhigung hervorriefen, daß sogar Rücktritt des Landwirtschastsministers gefordert wurde, wurde in den letzten Apriltaaen eine staatliche Organisation geschaffen, die ausländischen Roggen in großen Posten ankaufen und ihn dann, je nach Bedarf, an die verbrauchende Bevölkerung wieder verkaufen soll, um auf diese Art dem Getreidewucher entgegenzuarbeiten. Die polnische Regierung hat vor einigen Tagen die vom Landwirtschaftsminister geforderten Getreideeinfuhrzölle ab- gelehnt, bei uns werden die Getreidepreise um 50 M. pro Tonne verteuert, ohne daß die„zu schützende" Landwirtschaft davon Nutzen hätte. Die Polen haben im Januar Ausfuhr- zölle eingeführt. Sie zeigen also immerhin ein starkes Streben, den Verbrauch angesichts der ungünstigen Lage zu schützen. Bei uns aber merkt man nicht die geringste Anstrengung zum Schutze der breiten Massen der Bevölkerung. Aber es geht nicht nur um das Wohl der Verbraucher. Genossin Sender, die in der gestrigen Reichstagssitzung über die Ernährungswirtschaft des Bürgerblocks sprach, wies schon darauf hin, daß die notwendige Folge dieser Wirtschafts- Politik Steigerung des allgemeinen Preis- Niveaus, verringerte Konkurrenz auf den Aus- landsmärkten und Erschwerung neuer Handelsvertragsab- schlüsse sein müsse. Das ist also der Beitrag des Ministers für „Ernährung der Landwirtschaft"(ein übrigens im Unter- nehmerlager geprägter Ausdruck) zum Programm der Aus» fuhrsteigerung von Herrn Curtius! An dieser Stelle wurde vor einigen Tagen eine Zuschrift von Handelsseite veröffentlicht, in der die Verbraucherschast aufgefordert wird, ihre berechtigten Forderungen nach Ver- billiguüg des Getreides mit allen Mitteln zu erkämpfen. Verbraucher und Handel stehen hier in gemeinsamer Front. Der Kampf um die Lebenshaltung wird zu einem politischen Kampf, der unter Führung der Sozialdemokratie weite Kreise aufrütteln wird, die bisher den Parteien des Besitzbürger»- blocks gefolgt sind, ohne ihre volksfeindliche Wirtschafts- Politik zu billigen._ verletztes Völkerrecht. RetchstagSdebattc über die deutsche Weltkriegs- führung. Der Reichstag debattierte gestern mehrere Stunden über den Weltkrieg. Der ursprünglich von der Nationalversamm- lung eingesetzte Untersuchungsausschuß hatte in fünf dicken Bänden die Feststellungen seines 3. Unterausschusses über „Völkerrechtsverletzungen im Weltkrieg" dem Parlament vor- gelegt. Als Berichterstatter vertrat der Zernrumsabaeordnete 58 e II die Ergebnisse der fast siebenjährigen Arbeit. Je länger der Berichterstatter in professoralem Ton seine Ausführungen vorlas, um so mehr wuchs das Erstaunen auf der L i n k en. Aber auch in der Mitte und auf der Rechten des Hauses hatte man wohl nicht den Einbruch daß hier ein Meister- werk meisterhaft vorgetragen wurde; in Bells eigener Partei unterblieb jede Zustimmung. Das, was Bell vortrug, war keine Darstellung objektiver Untersuchungen, sondern es klang als ein Plädoyer zugunsten der deutschen Kriegsfühning. Bei den Fragen des Luftkrieges, des Gaskrieges, der De- portationen aus Belgien, stets stellte Bell fest, daß Deutsch- land sich im Rahmen des Völkerrechts gehalten habe oder zu Völkerrechtsverletzungen als Repressalien berechtigt gewesen sei. Die Tendenz dieser Rechtfertigungsversuche war um so deutlicher, als der Ausschuß nicht in der Lage war, Met bi4 belgische Neutralitätsverletzung zu berichten. Nichts regte sich im Hause, als der Berichterstatter ge- endet hatte. Lebendig wurde es aber sofort, als die Genossen Dr. L e v i und D i t t m a n n, auch der Kommunist S t o e ck e r Kritik übten. Gegen sie wandten sich der pazisistisch-demo- kratische Prof S ch ü ck i ng, noch einmal Bell, der Volks- parteiler Dr. Schneider und, in täppischer Ungeschicklich- keit, der Demokrat Külz. Diese entwickelten die Theorie, Schückina vorsichtig, die anderen nur allzu deutlich, daß der Ausschuß gegenüber den Angriffen der anderen Seite die deutsche Kriegsführung in Schutz zu nehmen habe. Dem- gegenüber versuchten unsere Genossen vergeblich, ihnen klar- zumachen» daß eine solche Auffassuna den Glauben an die Unparieilichkeit des Ausschusses zerstören und feine Fest- stellungen zur Makulatur entwerten müsse. Wer seinem Lande nützen wolle, müsse die Ausschreitungen gegen das Völkerrecht, die auf allen Seiten vorgekommen sind, zugeben. Die Regierung war zuerst durch den Reichskanzler, den Reichsaußenminister und den Vizekanzler vertreten. Aber als Bell feine unglücklichen Ausführungen gemacht hatte. schien ihr wohl nichts mehr zu retten; die drei Reichs- minister waren auf einmal verschwunden. Die ganze, durch den töricht einseitigen Bericht herauf- beschworene Debatte hat deutlich gezeigt, daß ein inter- nationales Thema wie die Völkerrechtsverletzungen des Weltkrieges nicht national einseitig, sondern nur international angepackt werden darf. In allen Län- dern erwarten die herrschenden Klassen aus einer angeblich unparteiischen Untersuchung ein Plädoyer für ihre eigene Politik. Ein annähernd wahrheitsgetreues Bild von"dem Völkerrecht, wie es vor dem Weltkrieg anerkannt war, und von seinen tausend und aber tausend Verletzungen während des-Meltkrieges durch die kriegführenden Mächte läßt sich—> da» hat die gestrige Debatte gezeigt— nur durch ein inter- nationales Untersuchungstribunal schaffen. Die Verteilung üer Grenzmarthilfe. Reichstagsausschüssc gegen Rcichsregiernng. Der Reichstagsausschuß für die besetzten Be» biete stimmte am Mittwoch einer Entschließung zu, den 25-Mil- lionenfonds für die Grenzgebiete paritätisch zu verteilen, unter entsprechender Berücksichtigung des Westens. Einstimmig ange- nommen wurde ferner«in Antrag, die bisherige Unterstützung der Saar- und Elsaßgänger ungekürzt fortzuführen und eine Aenderung nur im vorherigen Einvernehmen mit dem Ausschuß für die besetzten Gebiete herbeizuführen. Im Reichstagsausfchoß für Ost fragen wurde von ollen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, ein« Entschließung angenommen, daß der Ostausschuß einmütig seiner Ent« täuschung darüber Ausdruck gibt, daß fem Antrag. 25 Millionen für den unter den Folgen der Grenzziehung besonders schwer leiden- den Osten zu bewilligen, nicht Annahme gefunden hat. Gleichzeitig sprach der Ausschuß einmütig die feste Erwartung aus, daß der im Etat 1S27 ausgeworfene Betrag von 25 Millionen für wirtschaftlich und kulturell besonders bedrohte Grenzgebiete, nachdem 10 Millionen für die Länder Bayern, Baden und Sachsen abgezweigt worden sind, entsprechend der Entstehungsgeschichte des Fond» und in gerechter Würdigung der besonderen Nollag« des Ostens nur für die östlichen Grenzgebiete einschließlich Schleswig bestimmt wird. Außerdem brachte der Ausschuß fem« stühere Entschließung iu Erinnerung. in der die Reichsregierung ersucht wurde, noch vor der Bewilligung der im Haushalt 1927 ausgeworfenen Mittel im Benehmen mit der preußischen Regierung ein zusammenhängendes Pro- gramm dem Reichstag vorzulegen, aus dem ersichtlich ist, wie die wirtschaftlich« und kulturelle Sicherung und Stützung der gefährdeten Ostmark(Grenzprovinzen Ostpreußen, Pommern. Grenzmark, Nieder- fchlesien und Oberschlesien) in den kommenden Jahren beabsichtigt wird. Das Opernhaus in öer Schwebe. ) 1' Bon Kurt Singer. Man ist versucht, das große Konzert des Schimpfens, Polterns, Schreiens gegen den Umbau des Opernhauses Unter den Linden um eine Chorstimme zu vermehren. Zweifelhafter Ruhm, das Unerträg- liche einer Augenblickssituation immer wieder zu unterstreichen. Allzu bequemer Mut. die schwachen Stützen des neuen Projekts immep wieder dialektisch zu erschiittern. Die Millionen an Baukosten, an Ausfallen zweier Spielzeiten, an Gehaltszahlungen dahinschwinden zu sehen, ist«ine qualvolle Plage. Dem Schmerz nachzugehen ist Müh' ohne Zweck. Der Landtag wird zum Tribunal werden. Und dos Ministerium, weniger mit Prestigegründen als mit guter künst- lerischer Absicht, mit Willen zu Taten gepanzert, möge dem Anprall von Klage und Anklage widerstehen können. Was ober soll geschehen? Wie macht man die Frist des Wartens erträglicher? In welche Kanäle soll Arbeit, Vorbereitung, aus- gestautes Temperament, Bereitschaft geleitet werden? Denn das ist sicher i vor dem I. April 1928 ist das Haus nicht zum Spielen fertig, und bis zum 1. April kann nicht mit ernstem Spiel gewartet werden. Es wird bitter ernst am Tag« der Aprilscherze! Stellen wir die sachlichen Verhältnisse zunächst klar. Im Kroll- Haus werden Klemperer, Zemlinsky, Zweig die Wirte sein. Das Ensemble und das Orchester stehen vom Herbst ab bereit; man wird einerseits die geläufigen Repertoireopern für die Bolls- bühne pflegen, andererseits herrlich Zeit haben, neues zu studieren. Diese einfache Berechnung wäre richtig, wenn das Personal, das jetzt bei Krolk musiziert, auch dort bliebe. Hat ober Klemperer sein eigenes Orchester, seinen eigenen Chor, neue, Solistenmaterial, so wird er am Platz der lliepublit nur proben und wieder proben können, während das Ensemble des früheren Lindenhauses bei Kroll Aufführungen machi. Die Lindenwirte Körth, Kleiber, Blech, Szöll werden kaum da» Nachsehen haben wollen. So gerne der eine oder andere von ihnen vielleicht einen unbegrenzten Eaisonurlaub haben möchte, so ungern möchte doch jeder von ihnen monatelang in Berlin feiern. Der General Klemperer hat seine Rekruten wieder all« zusammen noch so gedrillt, daß sein« ide.U vorgestellten Opern schnell Wirklichkeit werden könnten. Ein paar Monate des künstlerischen Einstudierens im erhitzten Tempo Klem- pererscher Art würde das zuwege bringen, was wir in Berliner Opern nicht kennen, und was uns jede'kleine italienische Stagione musterhaft demonstriert: Ensemblekunst. Klemperer könnte in drei Monaten drei bis vier Opern so herausbringen, spielferiig machen, wie er es sich denkt. Wir hätten dann für diese Werke gm« Bayreuth ähnliche Atmosphäre des heiligen Uebens, de» vollendeten Studium», des einheitlichen Musizieren». Das sind unschätzbare Dorzüge, die wir aus dem augenblicklichen Zustand der Trastlosigkeit ziehen können: Neuaufbau einer Oper, von innen her, aus dem Geist des durch einen starken Willen ge- kitteten Ensembles, Neuauiba» einer Opernkultur, bevor noch ein äußerer Neubau Unter den Linden fertiggestellt ist. Das geht drei oder vier Monate lang und bringt Gewinn. Dann aber muß gespielt, muß gesungen, muß Oper gespiett werden. Das Seil könnte reiß«», wen»«an«ine Laidenschast, die doch im Opernbetrieb an die Oeffentlichkeit drängen will, allzu lange fesselt. Und natürlich muß für die Opern, die bei Kroll mit Rücksicht auf Akustik, Raum. Bühnenmaß des Hauses geprobt wurden, auch dieses Haus zur Verfügung stehen. Bom 1. Januar 1928 an also sollt« Klemperer mit seiner Schar bei Kroll Musterausführungen einiger fest studierter Opern bringen können. Dann liegt das Ensemble des Lindenhauses auf der Straße. Es bleibt die Möglichkeit, im Theater des Westens, für besondere iWerke von kommermusikolischem Spielcharakter im Staatlichen Schauspiel- haus, für Ausstattungsoper im Großen Schauspielhaus Oper zu spielen. Gewiß: es»aßt keine Dekoration für ein anderes Theater. Aber das Geld, das durch«inen einzigen Spielmonat eingeht, reicht für die Neubeschafsung der Ausstattung. Man versuch« es mit zwei oder drei zugkräftigen Opern, die serienweise gespielt werden. Man versuche, mit diesen Repertoirestücken in der guten deutschen Pro- vinz hungrige Musikmägen zu speisen, man organisiere eine Aus- landstourne«, man werbe um Schaljapin, B a t t i st i n i, Gigli, man rufe für einige Aufführungen die höchstwertigen Zug- kräfte der Welt, Toscanini. Strauß, Furtwängler. Man versuch« es ruhig mit der Sensation, die immer noch imstande ist, mit den Herzen zugleich die Portemonnaies zu össnen. Es geht ja bei den Millionen, die verloren gingen, nicht mehr um die Balan- rierung eines ganz und gar von seiner alten Stelle ver-rückten Cittz. sondern um das Seelenhell der Künstler, deren Leben nur unter den Sonnenstrahlen des öffentlichen Ruhms, des aktiven Arbeltens ge- deiht, es geht um die endgültig«, in diesen kritischen Tagen zehnfach notwendige Kontinuität und Stabilisierung des Opernbetriebes, es geht um die Vorherrschaft der Stadt Berlin in Fragen und Leistun- gen der jkunst. Handelt! Redet nicht mehr! Ergreisen Sie die Initiative, seien Sie ein starker Mann," Heinz T i« t j e n l Eine Eisenbahn über da» Meer. Ein kühne» Ingenieurwerk. der Sytter Damm, wird in wenigen Tagen eröffnet werden. Der Sylter Damm ist im Kampfe gegen die Meereswogen entstanden und muß allen Gefahren, die dem Damm mid der Eisenbohnlini« von dem Meere drohen können, trotzen. Es war darum ein schwieriges technische« Werk, da» hier vollendet wurde, denn der Damm hat«In« Läng« von ungefähr 12 Kilometer. Um ihn fest ins Meer zu legen, wurde der Grund des Dammes aus Basalt- blöcken geschossen, die vom Rhein nach der Nordsee gesührt worden sind und hier mit eisenhartem Zement ein« Zyklovenmauer bilden, an der das Zerstörungswerk der Wogen seine Kräfte vergebens versuchen wird. Di« notwendigen Ersahrungen wurden bereits vor Jahren bei den Befestigungsbauten der Insel Helgoland gemacht. Dies« Basaltblöcke bilden die Einfassung des Dammes, der auf seiner Krone in Stein gebettet die Eisenscbienen trägt. Der Damm ragt in der gewaltigen Höhe von neun Metern über dem Meer« empor, damit auch durch die Höhe des Bauwerke» jede Gefahr von den Fohrgästen ferngehalten wird. Die umfangreichsten Maßnahmen erforderte der unsichere Meeres- grund, auf dem der neue Eisenbahnweg errichtet worden ist. Der Eisenbahnunterbau hat nicht nur die große Last der V-Züge zu tragen, sondern er muß auch fähig sein, dies« Lost auszuhalten, wenn sie mit größter Geschwindigkeit über den Schienen dahinsaust. Die beschwingte Last ersvrdert noch«ine viel größere Festigkeit gl» «ine ruhende. Der V-Zug über da» Meer nach Sylj fährt so sicher, wie auf bestem flachen Lande. Diese V-Zug-Lime über das Meer ist nicht die erste, die bisher geschaffen worden ist. Ii, Amerika ist bereits vor mehreren Jahren ein« Eisenbahn von Florida nach Key West gebaut worden, die über die ungeheure Strecke von 45 Kilometer über das Meer führt, während die Strecke selbst viel größer ist. Der Rest wurde durch Brücken- bauten bewältigt, von denen ein Bau allein ungefähr 12 Kilometer Länge und 180 Bogen aufweist. Auch hier war die Gefahr de» Baues sehr groß. Sie wurde aber gleichfalls durch Beton und Felsenbauten bewälttqt. Die deutsche Eisenbahn über das Meer hat 25 Millionen Mark eriordert, die amerikanische dagegen Un- kosten von mehr als 60 Millionen Mark bereitet. Shaws literarische Piäne� Bernard Shaw Hai. wie New Parker Zeitungen melden, an das Theair« Guild, die berühmte moderne Bühne in New Bork, eine Postkarte gerichtet, in der er mitteilt. daß er jetzt sein Buch über den Sozialismus fertiggestellt habe und sich nunmehr wieder der heiteren Muse zuwenden wolle. Man wird sicher dem erwähnten Buch über den Sozialismus, an dem Shaw bereits seit zehn Jahren gearbeitet hat und dessen Vollendung schon unzählige Male verfrüht gemeldet wurde, mit größter Spannung entgegensehen dürfen. Nicht minder bedeutungsvoll ist jedoch auch die Nachricht, daß der Dichter sich nach dieser wissenschaftlichen Arbeit erneut der dramatischen Produktion zuwenden will. Es will uns sogar scheinen, als ob Shaw erst mit dem Eintritt in das Patriarchen- alter seine größte künstlerische und gedankliche Reife erlangt Hobe, und es ist zu hoffen, daß er auf dem neuen Wege weiierschreiieit wird, den er mit seiner„Heiligen Johanna" eingeschlagen hat. Daraus deutet auch die Mitteilung amerikanischer Blätter hin. daß im Mittelpunkt des nächsten dramatischen Werkes von Shaw die Figur des Franziskus von Assisi stehen werd«. Ford und die Arche Noah. Ein Geistticher kommt zu Ford und sagt ihm:„Hebe» Amerika hat sich die Sintflut«rgosien. Da» ist die gerechte Straf« für unsere Gewinnsucht. Was gedenken Sie da zu wn, wenn jetzt unser ganzes Land unter Wasser stehe» wird?"—„Dann werd« ich," erwiderte Ford in größter Seelen- ruhe,„billige Noah-Archen für zwei Personen in Seriensabritation konstruieren." Wahrscheinlich knüpft dieser Witz an ein wirkliches Dorkomm- ni» im Ueberschwemmungsgebiet an. Dort hatten sich sieben- hundert Neger in dem Glauben, daß ein« zweite Sintflut heran- nahe, noch dem Vorbild Noah? und seiner Familie ein« Arche ge- baut, in der sie ihre Angehöriqen imd ihr ganzes Vieh unterbrachten. Aber der alte Noah scheint erheblich mehr von der Konstruktion solcher Fahrzeuge verstanden zu haben: denn kaum hatten die Insasien in dem hölzernen Haus Platz genommen, als das Wasser durch die Planken einzudringen begann und die allzu ängstlich« Besatzung zwang, schleunigst aufs trockne Land zu flüchten. volkskäoze Im Film. Ein soeben serttpqesiellter Filmemttkier.Tänze au« aller Welt- schildert in Origlnalaufnabmen au« den Aequalor- zonen in ollen Erdteilen die rein aus Rhytbmu« aeilellien Tänze wilder Völkerschaiten und ihren Ziiiammenbang mit den modernen iSesellichaii«- ränzeu. Ein zweiter Einaiter„Nordische Volkstänze' zeiitt iu Origtnaiaufnahmen Tänze deutscher Wandervögel und de« schwedisch«» Iugendringe« �»lk»da»»gillet". Der wtüerfpenftigen Zähmung. Oder: die umgefallenen Deutschnationalen. Von den Deutschnationalen, die 1922 das Republikschutzgesetz abgelehnt hoben, sind heute noch 46 als Abgeordnete in der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion. 14 von ihnen haben diesmal gefehlt, die� anderen 32 haben ihr Rein von 1922 in ein lautes und vernehmliches Ja verwandelt. Die Namen verdienen als politisches Dokument für alle Zeiten festgehalten zu werden. stimmten: Dachmann.... Dr. Barth(Chemnitz) Dazille..... J�tau Behm... Behren».... Berndt..... Bruhn..... Budjubn.... Dietrich(Prenzlau). Döbrich..... Domich«Dresden). Dorsch(Hessen). (Beisler..... Graes-Thüringen Haag..... Hanse(Thüringen). Hartwig.... Hemeler.... Heniel(Ostpreutzen) Hergt..... Dr. Hilgenberg.. Jandrey.... Kemnitz.... 1922 nein krank nein fehlt nein 1027 ja fehlt ja fehlt 1« . enthalten, . fehlt fehlt nein ja nein fehlt fehlt ja SS stimmten: 1S22 Koch-Düsieldorf.. nein Körner...... 9 ambach..»,„ Laverrenz....» Leopold...... Lindl..... fehlt syrau Müller-Ostfried nein Mumm..... r NeuhouS- Düsieldorf, Dr. Oberfohren.. Dr. Philipp. Dr. Ouaatz. Dr. Reichert. Rieseberg.... Schiele....., Schmidt(Stettin). Schröter(Liegnitz). krank Schstltz lBromberg). Dr. Etrathmann. Tbomsen.... fehlt nein nein 1927 fehlt 1- fehlt ja fehlt ja fehlt ja l« fehlt ja Gral v. Westarp Dr. Wienbek. p Außerdem ist zu vermerken, daß nicht 36, sondern 38 Abgeord- nete sich von der Abstimmung gedrückt haben. Zu der Liste, die wir gestern morgen brachten, kommen noch hinzu Bazille und Bruhn. Di« anderen Monarcho-Republikaner, die außer den Oben» genannten ihrem Herrn von Doorn durch Zustimmung zu dem Repu- blitschutzgesetz die Tür vor der Rase zugeschlagen haben, sind: Bäcker- Berlin, Fürst Bismarck, Bossen, Brekelbaum, Dr. Ellenbeck, Graf zu Eulenburg, Fromm, Giese, Dr. Haedenkamp, Dr. Hanemann, Harmony, Hartmann. Dr. Hoetzsch, Dr. v. Keudell, Logemann-Hannover, Martin, Mentzel, Ohlar, Paeth, Nippel, Sauer-Westfalen, Dr. Schäfser- Breslau, grau Scheidel, Dr. Schneider-Thüringen, Frau Schott. Graf v. d. Schulenburg, Schulzs-Frankfurt, Siller-Württemberg, Dr. S p a h n. Frau o. Sperber. Dr. Spuler, Freiherr von Stauffen» berg, Dr. Steiniger, Treviranus, Bordemfeld«, Wege, Wolf-Oppeln. Wolf-Stettin, Wormit. Der verspätete Verkehr. Nur um ganze drei Minute»... Der deutschnationale Reichsverkehrsminister Koch, der bei der Abstimmung über das Antikaisergesetz unter den Fehlenden sich befand, läßt jetzt der Oeffentlichkeit erzählen, er habe wegen einer— wichtigen Sitzung die Abstimmung oersäumen müssen. Cr sei zwar noch in den Saal geeilt, aber leider um drei Minuten zu spät gekommen. Manche Sitzungen sind für kaisertreue Republikaner wirklich sehr wichtig, besonders wenn die Politik der eigenen Partei geeignet ist, einem berechtigtes Bauchgrimmen zu bereiten. Nehmen wir also Kocks Entsckuldiauna gebührend zur Kenntnis: Er hat für den Schuft der Republik und gegen den Kaiser stimmen wollen. Er konnte das nur nicht schnell genug bewerkstelligen.... Aber was würde der Reichsverkehrsminister mit einem Le- ainten anfangen, der einen wichtigen Auftrag nicht erledigen kann, weil er drei Minuten zu spät kommt...? Wilhelm unö Max von Saüea. ER weiß nicht, was ER tat! Wir erhalten diese Zuschrift: .Ln Nr. 233 des„Vorwärts* wird unter der Ueberschrift „Wilhelm ll. am 9. November* eine Darstellung von„sehr gut unterrichteter Seite*, also wahrscheinlich aus Doorn, be- jprochen, die in der„Äreuz-Zeitung* veröffentlicht und offensichtlich als Antwort auf das Buch des früheren Reichskanzler» Prinz Max von Baden gedacht ist. Nun heißt es in dieser Darstellung des deutschnational-republikanisch-monarchiftischen Blattes: „In der Diskussion über die Abdankung am 9. November 1918 in Spa erklärte General Gros von der Schulen« bürg etwa 11 Uhr vormittags, daß hier vom König von Preußen überhaupt nicht die Rede sein könne, da der Reichs- kanzler Prinz Max von Baden nicht preußischer Ministerpräsident sei und der König dies« Frage lediglich mit seinen preußischen Ministern und preußischen Kammern abzumachen habe.* Aus dieser Erklärung ersieht man einmal wieder, daß die Herren in Doorn und Umgegend an einem sehr starken Gedächtnis- schwund oder ober an einer horrenden Unkenntnis der preußisch- deutschen Geschichte leiden. Denn nur zweimal hat es unter dem hohenzollernschen Kaiserreich ke'ine Personalunion in den Acmtern des deutschen Reichskanzlers und des königlich preußischen Minister- Präsidenten und Ministers der auswärtigen Angelegenheiten gegeben: Don Neujahr bis November 1873 war der Kriegsminister Graf Roon in Vertretung des erkrankten Reichekanzlers von Bismarck preußischer Ministerpräsident, und im März 1892, unter der Kanzlerschaft Caprivis. hat Wilhelm der Letzt« da» einzige Mal wahrend seiner Regierung einen besonderen preußischen Minister- Präsidenten ernannt, den Grafen Botho Eulenburg, der sein Amt bis zum Oktober 1894 versah. Was aber den Prinzen Max von Baden betrifft, so können S. M. und die Seinen in jedem Geschichtskalender unter dem 3. Oktober 1918 nachschlagen, allwo geschrieben steht: „Der Kaiser und König erteilt dem Reichskanzler Dr. Grasen von H e r t l i n g die nachgesuchte Entlassung au» seinen Aemtern unter Verleihung des Ordens vom Schwarzen Adler und ernennt Sein« Großherzoglich« Hoheit' den Prinzen Maximilian von Baden zum deutschen Reichskanzler, vräsidenteu de» preußischen Staatsminlsterium» und preußischen Minister der auswärtigen Angelegeuheiten.* Und.wenn dies den Doornern nicht genügt, so brauchen sie nur den„V o r« ä r t»* vom Freitag, den 4. Oktober 1918, Nr. 273 nachschlagen! Demnach also hat am 9. November 1918 w Spa sehr wohl„vom König von Preußen die Rede sein können, da der Reichskanzler Prinz Max von Baden allerdings preußischer Ministerpräsident war und der König diese Frage ja lediglich mit seinen preußischen Ministern und Kammern abzumachen hatte*. Um die Offenbarung aus Doorn in korrigierter Form zu zitteren! Es war eben auch im Oktober und November 1918 nicht Die Vereinfachung ües Steuerrechts. Die Stellungnahme der Länder. Am Mittwoch fand in Berlin eine Konserenz des Reichs. finanzmini st ers mit den Finanzmini st«rn der Länder statt. Besprochen wurde der beretts kürzlich vom Reichs- finanzminister Dr. Köhler angekündigte Gesetzentwurf über die Vereinheitlichung des Steuerrechts. Dieses Gesetz ist ein MaMelgesetz. das aus vier Einzelgesetzen besteht, und zwar dem Grundsteuerrahmengesetz, dem Gewerbesteuerrahmengesetz, dem GebäudeeMschuldungssteuergesetz und einem Gesetz über die Verein- heitlichung des Verfahrens in Steuersachen und über die Anpassung der Reichssteuergesetze. Durch diese Gesetze sollen mehrere Zwecke erreicht werden. Bor allem will man der Verschiedenartigkeit der Gewerbesteuer, der Grundsteuer und der Gebäudeentschuldungssteuer in den einzelnen Ländern und Gemeinden entgegenwirken. Das soll dadurch erreicht werden, daß in weitem Umfang einheitliche Be st immun- gen durch Reichsgesetze erlassen werden, an die sich die Länder und Gemeinden zu halten haben. Die Vereinfachung ober soll sich auch auf das formale Steuerrecht und auf die Steuerverwaltung erstrecken. Während bisher für die Er- Hebung und Veranlagung dieser Steuern Länder und Gemeinde- behörden zuständig waren, soll künfttg alles von den Reichsfinonz- behörden erledigt werden. Neben diesen in der Tendenz durchaus zu billigenden Absichten, die zweifellos einen sehr wesentlichen Schritt zu dem von der Sozial- demokratie immer vertretenen Ziel des einheitlichen Steuerrechts für das ganze Reich darstellen, finden sich in dem Gesetzentwurf aber auch sehr bedenkliche Nebenabs ich ten. Man will bei dieser Gelegenheit eine allgemeine Senkung der Real- steuern erreichen. Das soll geschehen ohne Rücksicht auf die tat- sächliche Höhe der gegenwärttgen Realsteuerbelastung. E» sind drei Maßnahmen dafür in Aussicht genommen: 1. soll ein „Hauptsteuersatz* festgelegt werden, der um 29 Prozent niedriger ist als die jetzt übliche Bel astung. 2. Bei Ueberfchreitung dieses Hauptsteuersatzes soll die vorherige gut- achtliche Anhörung der amtlichen Berufsvertretung der Landwirtschaft, des Gewerbes, des Handels und des Handwerks bindend vorgeschrieben werden. Die dritte Maßnahme besteht in der Anordnung eines behördlichen Genehmigungsoer- fahrens, das, je höher der geforderte Steuersatz ist, mit desto stärkeren Kautelen ausgerüstet ist. Bei der Gebäudeentschuldungssteuer(Hauszins- steuer) stehen die Absichten der Reichsregieriwg noch nicht endgültig fest. Gewisse Pläne, die Hauszinssteuer bereits in absehbarer Zeit schrtttweise zugunsten des Hausbesitzes abzubauen, scheinen selbst innerhalb der Reichsregierung auf Widerstand zu stoßen. Welchen Standpunkt die Reichsregierung schließlich einnehmen wird, ist nicht vorauszusehen. Jedenfalls sollte sie bei dieser Entscheidung berück- sichtigen, daß unverdiente Geschenke an den Hausbesig großen Wider- stand hervorrufen würden und das Schicksal des ganzen Gesetzentwurfs in Frage stellen, zumal er infolge seines Eingriffes in die Rechte der Länder einer qualifizierten M e h rh e i t bedarf. AufderKonferenzderFinanzministerist gegen den Gesetzentwurf kein prinzipieller Widerspruch erhoben worden. Wenn man auch annehmen kann, daß Länder wie Bayern sich mit großer Zurückhaltung geäußert haben, so scheiM man doch ziemlich überall einzusehen, daß Bereinheittichung und Verein- sachung des deutschen Steuerwesens vor den Befugnissen der Länder nicht Halt machen darf. Die Stellungnahme der Sozial- demokratie zu dem neuen Gesetzentwurf wird aber bei aller Sympathie für seinen vernünftigen Grundgedanken doch davon ab- hängen, daß die Nebenabsichten in ihm nicht überwuchern und keine Bevorzugung der besitzenden Schichten zu erzielen oersucht wird, so- lange die Massenbelastung in der gegenwärttgen Höhe aufrecht- erhalten wird und nicht für ein« ausreichende Erfüllung der sozialen Ausgaben gesorgt ist. Zur Sauernpolitik und Republik. Das Programm der Deutschen Bauernschaft. Wie wir schon stüher berichteten, wurde kürzlich die Deutsche Bauernschaft als ein Reichsverband einer Reihe von bäuerlicher Organisationen geschaffen. Beteiligt an der Gründung sind der Reichsoerband landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe, der Deutsche und der Bayerische Bauernbund. Ueber das Programm dieser neuen Organisation machte gestern der Vorsitzende, Minister a. D. Fehr, grundlegende Lussiihrungen vor Vertretern der Pess«, in denen er betonte, es habe sich weder um eine neue Gründung noch um eine Parteiorganisation gehandelt, sondern darum, die bestehen- den Verbände zu einer einheitlichen Zentrale im Reich zusammenzufassen. Alle beteiligten Organisationen haben die gleiche Grundidee: einen deutschen Bauern st and zu schaffen. Diese Aufgabe sei von großer Bedeutung für die gesamte Ration. Li�Deutsche.Iauernlchqst pjlege daher in erster Linie den H e i m a t ge,danten und die Liebe zur Scholle� Eiye, gesunde Agrar- Politik sei nur möglich, wenn man Bauernpolittk treibe. Gegenüber den einzelnen Parteien will die Bauernschaft neu- t r a l sein, aber mit allen Parteien zusammenwirken, die sich in den Dienst des Bauerntums stellen. Politisch besaht die Deutsche Bauern- schaft alle Bestrebungen, die die Autorität des Staates stärken.„Wir sind so freimütig ztt bekennen, daß wir der in der Verfassung ver- ankerten Deutschen Republik unsere Anhängerschaft oerleihen.* Es gehört in Deutschland ein gewisser Mut dazu: in anderen Staaten sei es nicht üblich, die Anhänger der Republik als Bürger zwetter Klasse anzusehen. Wir haben den Wunsch, daß nach dieser Richtung ein Wandel eintritt. In der Wirtschaftspolitik lehnt« Fehr jede einseitige Agrarpolitik ob; auch die Landwirtschaft habe ein Interesse daran, daß unsere Industrie sich gut entwickelt und Fertigware exportieren kann. Das Wohlergehen derJndustrie und der Arbeiterschaft bringe dyrch die Schaffung der Kaufkraft auch für das Bauerntum bessere Existenzbedingungen. In der Handelspolitik müßte auf die Interessen der Industrie Rücksicht ge- nommen werden, aber man dürfe von der Landwirtschaft nicht allein Opfer verlangen. Zollpolitisch fordert die Deutsche Bauernschaft den Schutz der nationalen Arbeit, insbesondere den der landwirt- schaftlichen Arbett. Die Deutsche Bauernschast hat selbstverständlich das stärkste Interesse daran, daß auf die agrarische Beredelungs- Produktion Bedacht genommen wird. Die Deutsche Bauernschast sei sich der Pflicht bewußt, dem Staate zu geben, was des Staates ist: sie müßte fedoch eine Reform des Steuerwesens dahin verlangen, daß nicht der arbeitende Landwirt, insbesondere durch einen ungerechten Steuer- Vollzug, übermäßig schwer belastet wird. Die bisherigen Steuern stellten vielsach eine trockene Sozialisierung der Landwirtschaft dar, gegen die sich die Bauernschaft entschieden wendet. Fehr verlangte insbesondere den Schutz des landwirtschaftlichen Eigen- tums und betonte dazu die Notwendigkeit, die Ausnahme kleiner Hypotheken zu erleichtern. Durch Siedlung, an der die Bauernschast ein starkes Interesse hat, müsse man da» seßhafte Bauern- tum erweitern. Besonders der Osten müsse besiedelt werden. Weiter verlangte Fehr die Verlängerung des bisherigen Pacht- s ch u g e s und seinen Ausbau dabin, daß die Rechte der Verpächter ebenso gewahrt würden, wie die Pächter vor Ausbeysung zu schüften seien. Besonders dringlich sei der Ausbau des landwirtjchastlichen Bildungswesens. Die Bauernschaft fei bereit, mit anderen nürt- schaftlichen Berufsorganisationen zusammenzuwirken bei der Durch- setzung dieser Ziele. Abschließend bezeichnete Fehr die von dem Bauerndoktor Heim gegen ihn erhobenen persönlichen Vorwürfe in der Lrastsprache seines Gegners als„erstunken und erlogen* und ihn selbst als Verleumder. * Die sachlichen Ausführungen Fehrs zeigten, daß in den fach- lichen Arbeitszielen der Bauernorganisotion manch« Berührungspunkte mit den programmatischen Forderungen der Sozialdemokratischen Partei vorhanden sind. Die starke Be- tonung des Eigentumsgedankens, dessen Ueberspitzung jeder Bauernpolitik schädlich ist. ebenso wie die noch recht unklare Haltung in Handels- und zollpolitischen Fragen, ließen jedoch auch erkennen, wo die Wege auseinandergehen. Am erfreulichsten an den Ausführungen Fehrs war das starke Bekenntnis des Bauerntum» zur Republik. Mit diesen Ausführungen hat er deutlich die Trennung»- linie zwischen seiner und jenen Organisationen gezogen, die das berufsständige Interesse der Landwirtschaft lediglich zum B o r w a n d benutzen, um große Bauernmassen für die wirtschaftlichen und po- litijchen Geschäfte des reaktionären Großgrund- b e s i tz e S einzuspannen. s-r»» !> anders wie unter Wilhelms ganzer Regierungszeit: E- M. wußten nicht, was S. M. tat. Und.heute weiß ER natürlich auch nicht, was ER damals getan hat!*_ durch öritenbopkott zur Autonomie! Beschlust der Allindischcn Exekutive. Bombay, 18. Mai.(MTB.) Der Allindische Voll» zugsausschuß des Ilalionolkongresses, der seine Beratungen henke beendete, nahm«ine Entschließung an. in der der Boykott britischer waren al» wirksamste» Mittel zvr Erreichung der Selbstverwaltung gefordert wird. Weitere Schlappen poiacares. Wahlreform.— Handelsmarine.— Ziindholzmouopol. Kommunistenimmunität. pari», 18. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Linksparteien scheinen jetzt entjchlossen, die Wahlreform nicht länger ver- schleppen zu lassen. Die Wahlrechtskommission hat sich am Mittwoch endgülttg für die Rückkehr zur Kreiswahl mit zwei Wahlgängen ausgesprochen und ihren Berichterstatter beauftragt, den Bericht beschleunigt einzubringen, so daß er aller Boraussicht nach schon am 24. Mai der Kommission vorliegen dürste. Außerdem wurden der Regierung am Mittwoch noch weitere Schlappen zugefügt. Die Kommission für die Handels- marine lehnte einen Entwurf des Kriegsministers bezüglich der Handelsmarine mit der Begründung ab, daß dadurch im Anstände ein falscher Eindruck über den wirklichen Tonnagegehall der fron- zösischen Marine hervorgerufen und evtl. gegen Frankreich aus der Abrüstungskonferenz ausgespielt werden könnte. Bor der Finanz« k o m m i s s i o n der Kammer wiederum gab M a k v y von einem Brief Poincares Kenntnis, nach dem die Schwedengrupp«.' die das Zündholzmonopol erwerben will, neue Vorschläge gemacht hat. Die Kommission hat sich aber beretts vor einiger Zeit gegen jede Veräußerung des Monopols ausgesprochen und lehnte es am Mittwoch ob, ihren bisherigen Standpunkt zu ändern. Die Parlamentskommission endlich, die sich mit kker Aushebung der parlonrentarischen Immunität der wegen Spionage angeklagten Kommunisten zu befassen hat, wähtte am Mittwoch einen Soziali st en zum Präsidenten und «inen Kommunisten zum Vizepräsidenten. Das zeigt deutlich, daß sie von einer Strasoersolgung nichts wissen will. Aus alledem ergibt sich, daß die nächsten Wochen für dos Kabinett Pomcare schwere parlamentarisch« Kämpfe bringen dürsten. Kasseler Straßenbahn-Unglück. 11 Tote.— IS Schwerverletzte. wie wir im lokalen Teil ausführlich berichten, hat fich in S a s s e l ein schwere» Slraßeubahnnnglück zugetragen, indem ein vollbesetzter Straßenbahnwagen ohne Führer eine abschüssige Straße hiuuatersanste. Der wagen spruug au» den Schienen und kippte um. so daß die Räder nach oben standen. Er mnrde vollständig zertrümmert. DleZahlderToten beträgt, wie wir tu später Rochlstnnde erfahren, ll. die der Schwerverletzten 15. Mi« wetteren Todesfällen ist zu rechnen. Arbettersamariter waren bald nach dem Vorfall an der Unglnckssielle und bcleiligtro sich tatträsttg au der Bergung der verwundeten und Toten...-, Die Verhandlungen mit dem vSMI. gescheitert! Es geht„nur" noch um den Neunstundentag. Gestern wurde zum vierten Male der Versuch gemacht, in freier Verhandlung zwischen dem Verband Berliner Me- tallindustrieller und dem Metallkartell zu einem Neuabschluß des Tarifvertrages zu kommen. Trotz der voraufgegangenen Verhandlungen, die sich lediglich um die Mitwirkung der gesetzlichen Betriebsvertretung bei der Festsetzung von Ueberstunden drehten, kamen die gestrigen Verhandlungen über diesen Gegenstand nicht hinaus. Di« Umernehmer gingen zwar von ihrer bisher vertretenen Forde- rung ab, ohne Zustimmung des Betriebsrates unbefristet bis zu zwei Ueberstunden täglich anordnen zu können, waren aber nicht dazu zu bewegen, dem Betriebsrat grundsätzlich das Recht der Mitbestimmung einzuräumen bei joder über 8 Stunden hinausgehenden Arbeitszeit. Es genügte ihnen incht, nur in einigen genau präzisierten Fällen ohne Zustnnmung des Betriebsrates bis zu einer Ueber- st u n d e täglich anordnen zu können. Alle ihre Vorschläge, die sie gestern machten, liefen, so schön sie auch formuliert waren, praktisch darauf hinaus, unbegrenzt die neunstündige Arbeitszeit in den Betrieben anordnen zu können. Je länger sich di« Verband- lungen hinzogen, desto unverblümter wurden die Vorschläge der Me- tallindustriellen. Nach etwa achtstündigen Verhandlungen war klar pi'-erkennen, datz in freier Verhandlung keine Einigung zu er- zielen sei, und daß die Metallindustriellen eine solch« Pich anscheinend -»icht mehr erstrebten. Die Parteien kamen dann überein, d i« V e r- Handlungen abzubrechen und sie vor dem Schlich- tungsausschutz fortzusetzen, der ersucht werden soll, so schnell wie möglich die Verhandlungeu anzuberaumen. Nun, da die Berliner Metallindustriellen mit unverhüllter Deut- lichkeit bewiesen haben, daß sie noch immer in sozialen und wirb schaftlichen Fragen so stark reaktionär sind wie in der Vorkriegszeit, gilt es für die Berliner Metallarbeiter, mehr als bis- her daran zu arbeiten, ihre Organisation zu dem Machtinstrument zu machen, dos notwendig ist, um diese reaktionär« Einstellung zu brechen. Soviel dürfte wohl jedem Metallarbeiter klar sein, daß die Verhandlungen einmak nicht so lange gedauert uird vor allem zu einem ganz anderen Ergebnis geführt hätten, wenn ihr Organifationsverhältnis besser wäre als es nun eig- mal ist. Es gilt besonders sür die Funktionäre, die in den Betrieben in den letzten Monaten und Wochen ersreillicherweise zu verzeichnende Aktivität zu steigern und die Arbeiter, die erst langsam di- Notwendigkeit des organisatorischen Zusammenschlusses zu begreifen beginnen, aber innner noch schwanken, zur Organisation heranzuholen. Von den Erfolgen der Agitationstätigkeit in den kommenden Wochen wird es abhängen, ob die Arbeitszeit in der Ber- liner Metallindustrie endlich vernünftig geregell wenden soll gegen den Willen der Unternehmer oder ob es bei der jetzigen Wirtschast bleiben soll. Die organisierten Berliner Metallarbeiter müssen den Achtstundentag wieder erringen, darum ist es Pflicht der noch Un- organisierten, durch ihren Beitrllt zur Organisation die Front zu stärken. vier verbände zu einem. Zusonunenschluh im Tlahruugsmittelgewerbe.' Der Verbandsvorstand der Lebensmittel- und Ge- tränkearbeiter Deutschlands(Brauerei- und Mühlenarbeiter) »nacht in seiner„Verbands-Zeitling" bekannt, daß die Arbeitskom- Mission der vier für den Zusammenschluß in Frage kommenden Ber- bände nach zahlreichen und schwierigen Sitzungen ihre Beratungen über die Möglichkeit der Vereinigung beendet Hot. Es sind dies außer dem vorgenannten Verbände bekannllich die Verbände der Nahrungs- und Genußmittelorbeiter(Bäcker, Kon- ditoren und Süßwarenarbeiter), der Fleischer und Berufs- genossen sowie der Böllcher, Weinküser und Hilfsarbeiter. Der Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen wird in einem zusammenfassenden Bericht nebst dem neuen Satzungseuiwurs zunächst den Ortsvcrwaltungcn der beteiligten Organisationen über- millelt. Die Verbandstagungen werden die entsprechenden Beschlüsse für die Vereinigung zu fassen haben. die öackermeister gehen aufs Ganze! Sie möchten die Nachtarbeit wieder haben. Die Herrschaften werden zunächst bestreiten, daß sie neben der Verwandlung der Achtundvierzigstundenwochc in die Scchzig- stundcnwoch«, außer der Abschaffung der Sonntagsruhe auch die Zlbs.chofsung des Nachtbackverbots gefordert hätten. Sic können jedoch nicht best reiten, daß sie— wie der Gesetzentwurf des Bürgerblocks zeigt— auf dem besten Wege dazu sind. Noch auf der Leipziger Tagung des„Germonia"-Bäcker- innungsbundes wurde einstimmig beschlosien, an dem 6-Uhr> Arbeitsbeginn fest zuhalten. Auf dem folgenden Jnnungs- bundestag in Berlin wurde zwar dieser Beschluß nicht buchstäblich wieder aufgehoben, aber doch beseitigt durch die Formulierung, daß es den einzelnen Innungen freigestellt ist, je nach ihren Bedürfnissen mll ihren Wünschen aus früheren Arbeitsbeginn an die Landes- behörden heranzutreten. Der Erfolg war, daß der S> U h r- Arbeitsbeginn teilweise„vorübergehend" genehmigt wurde. Die Herrschasten sind aber damit keineswegs zufrieden. Die Agitation in den badischen, württembergischen und bayc tischen Innungen für den t-Uhr-Arbeitsbeginn ist berells aus rheinische Innungen übergegangen und oerdichtet sich zu bestimmten Anträgen, die der bevorstehenden Essener Tagung dieses Jnnungs- bundes unterbreitet werden. Möglich, daß diesmal noch einige Zurückhaltung geübt und die Karten noch nicht aufgedeckt werden. Zumal im Hinblick auf den vorliegenden Gesetz. « n t w u r s, der den Wünschen der Herren vom Backtrog zur stärkeren Ausnutzung der Lehrburschen und Gesellen so wellgehend entgegen- kommt, daß selbst das Zentrum diesem edlen Zweck die Sonn- tagsruhe opfern will und damit auch das christliche Gebot der Sonntagsheiligung., ' Der zünftlerischen Reaktion im Bäckergewerbe ist aber nach ihrem Erfolg, im Reichstagbürgerblock zumal, nicht über den Weg zu trauen. Deshalb ist es keineswegs verfrüht, fchonjetztzuzeigen, wohin di« Reife gehen soll. Den Herrschosten sei aber heut« schon verraten, daß sie bei ihren Anschlägen auf das Nachlbackverbot kein leichtes Spiel haben werden. Was das bedeutet, muß ihnen schon bei der Beratung des famosen G« f e tz e n t w ii r f e zur Einführung der Sechzigstundenwoche und der Aufhebung der Sonntagsruhe mit aller Deutlichkeit klar- gemacht werden. Sozialöemokratie und veamtenbesoiöung. Der Antrag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Be- soldungsfrage der Beamten, der für die Gruppen I bis VI! Vorauszahlungen vom l. April an ineHöhe von 2 0 M. pro Monat fordert, ist zusammen mit den Bcsoldungsanträgen der Demokraten und Kommunisten dem Haushaltsausschuß überwiesen worden. Zum Wohnungsgeld wird im Ok- tober ein neuer Zuschuß in Höhe von 10 Proz. des Wohimngs- geldes zu den 10 Proz. vom April hinzutreten. Für dieneueOrtsklasseneinteilung, die vom 1. April 1928 an in Kraft treten soll, ist.bisher noch keine Vorlage ausgearbeitet worden. Soll die neue Ortsklasseneinteilung zu dem genannten Termin eingeführt werden, dann müssen die Vororbellen schleunigst in Angriff genommen werden. Vielleicht bequemen sich die maßgebenden Stellen endlich, eine entsprechende Vorlage dem Reichstag zuzuleiten. die Setriebsrätewahlen bei der Reichsbahn. Da» vorläufige Gesamtergebnis. lieber die Betrieb»rätewahlen bei der Reichsbahn, die in sehr scharfem Kamps und unter starker Wahlbeteiligung vor sich gegangen sind, liegt jetzt folgendes vorläufiges Ergebnis vor. Es hoben er- hallen: Einheilsverbaad 224 292 Stimmen. Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner(ch r i st l i ch) 15 898, Allgemeiner Eisenbahnerverband (Hi rsch-Duncker) 21 922, Jndustrieverband(wild) 3650. Drei Bezirke fehlen noch.. Die stark« Wahlbeteiligung hat bewirkt, daß der Einheitsverband und die christliche Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner ihre Stimmen- zahl erhöhen konnten. So hat z. B. der Einheitsverband bis jetzt über 15 000 Stimmen gewonnen. Der Allge-� meine Eisenbahneroerband und der Industrieverband haben, obge- sehen von einigen örtlichen Teilersolgen, Stimmen verloren. Das starke Anwachsen des Einheitsoerbandes bei den dies- jährigen Betriebsrätewahlen ist die Quittung für das starre Ber- hallen der Reichsbahn bei der Arbeitszeit- und Lohnbewegung. wo bleiben die Saukontrolleure! An der Ecke Lothringer Straße(Schönhauser Tor) führt die„11 n i o n", Ballgesellschaft auf Aktien,'ein Geschäftshaus in Eifenkonstruktion aus. Die Eisenkonstruktion wird von der Firma Brecht u. Co. gestellt. Die Abdeckungen sind dort recht mangelhaft. An der Vorderfront steht oben im dritten Stockwerk«in großer eiserner Kran zum Hochziehen der schweren Eisenteile. An der Abdeckung, auf der die Montagearbeiter ihre Tätigkell verrichten, fehlt das Geländer. Ein Schutz- g e r ü st an der Vorderfront ist nicht vorhanden, so daß die unten Arbeitenden jeden Augenblick von herabfallenden Gegenständen getroffen und verletzt werden können. In der Reichenhaller. Auguste-Viktaria-, Kissinger, Forckenbeck- und Dovosstraß« wird ein großer Komplex von Wohnhäusern ausgeführt. Beteiligt sind die Firmen Grosser u. Klein, Berlinische Baugesellschaft und Hermann Schäler. Hier wird über die Hand gemauert, bei der Firma Schäler stehen zwar Schutzgerüst«, indes diese sind doch so mangel- hast, daß sie den Namen nicht verdienen. Auch die Ausleger- g e r ü st e bei den Bauten in der Auguste-Biktoria- und Kissinger Straße sind außerordentlich mangelhaft, Sie können den oben Arbeitenden einen Schutz nicht gewähren. Man muß sich fragen, wie ist es möglich, daß dort in dieser Weise gearbeitet werden kann? Ist denn für diesen Bezirk kein Baukontrol- l e u r vorhanden? Eine rühmliche Ausnahme hiervon macht die Firma Grosser u. Klein._ Eine Knochenmühle. Eine Knochenmühle— wie die Gesellen sagen— ist der Betrieb des Fleischermeisters und Hausbesitzers W o d z i n s k i, Brunnenstr. 161. Kontrollierend« Funktionäre des Zentraloerbandes der Fleischer stellten fest, daß die dort beschäftigten Gesellen eine Arbeitszeit von 90 Stunden in der Woche absolvieren mästen. Fleischergesellen, die von ihrem Koalitionsrecht Gebrauch machten und in einer Betriebsversammlung zu den Miß- ständen Stellung nahmen, wurden kurzerhand fristlos ent- lassen. Beschwerden der Hausbewohner über ruhestörenden Lärm, hervorgerufen durch die Nachtarbeit ihres Hauspaschas, haben bis jetzt beim zuständigen Polizeirevier nichts gefruchtet. Für die G e s u n d h e i t s p ö l iz e i dürfte dieser Betrieb ein sehr gutes Tätigkeitsfeld abgeben, da in den Arbeitsräumen die besonders für einen Fleischereibetrieb unappetitlichen Rallen Hausen sollen. Die Organisation der Flcischergesellen ist bemüht, solche Mißstände zu beseitigen, doch hofft sie dabei auf die Unterstützung der in Frage kommenden behördlichen Stellen. Fühlungnahme zwischen Moskau und' Amsterdam? Genf. 18. Mai.(Schweizer Depeschenagentur.) Zwischen den rustischen Arbeiterführern und den offiziellen Bertretern der Amster- damer Gewerkschafts-Jnternational« I o u h a u x und Oudegeest fand heute anläßlich eines gemeinsamen Frühstücks die erste direkte Fühlungnahme statt. Es wurden auch Fragen, die nicht direkt mit der Weltwlltschastskonferenz zusammenhängen, erörtert. * Es Handell sich hierbei offenbar um ein« Fühlungnahme in wirtschaftlichen Fragen, da gewerkschaftliche Dinge, doch nur mll den Bertretern der russischen Gewerkschaften erörtert werden könnten. Ein Versuch Albert Thomas', ein engeres Zusammengehen zwischen den sozialistischen und sowjetistischen Vertretern herbeizu- führen, ist nach einer anderen Meldung gescheitert. Der Streik der Flößer in Norwegen. Ein gefährlicher Flößerkonflikt ist in Ost- Norwegen im Gange. Die jzlößer des Flusses I u l a s s a, di« fast ausnahms- los gewerkschaftlich organisiert sind, wollen die gellenden Akkord- löhne durch Stundenlöhne ersetzen. Da die Unternehmer diesem Wunsche nicht nachkamen, traten die Flößer in den Streik. Die Unternehmer arbeiten mit Streikbrechern. Es kam zu bedroh- lichen Ansammlungen, bei denen die Streitenden Jagdgewehre trugen, woran aber nichts Auffallendes ist. da die Flößer jener Gegeitd zum großen Teil Jagdberechtigung haben. Ein« Anwen- dung der Gewehr« gegen die Streikbrecher fand nicht statt. Trotz- dem hat die norwegische Regierung mehr als 100 Mann der Osloer Polizei zum Schutz der Streikbrecher in die Dörfer am Iulastafluß entsandt und eine feldmarschmäßig und m i t Maschin« ngew«hr«n ausgerüstete Gardekom- p a g n i i veranstaltet— zur Beobachtung der Lage— eine„Feld- dienstübung" in der Nähe des Jukastafkustes. Die Sparkaste der Baak der Arbelker. Angestellken und Beamten 2l.-G„ Berlin, wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. «lchNrng,«ES. Treptow!«m Frritag. 20. Mai, nackimittags 8ZZ Uhr, findet im Snartrcflaurant von Storge«in« firattions- Versammlung sämtlicher SPD.-u ernster Schulungsarbeit zusammen.— Gesund. brunneu: Gruppenheim Rote Schule, Gotenburgcr Straß«. Dichterabend: „tzack London."—" Wcdding I: Jugendheim Turiner Ecke Seestraße. Vortrag»- reihe:„Die Erziehung zum Staatsgcdanken." Zug-ndgrupp« de»?»«. Heute, Donnerstag. 7>» Uhr, Bezirk Schlnebergt ?ug»ndhcim Kauptstr. 15(Thüringen. Zimmer). Heideabend. Deutscher Baugewerl, bund. Fachgruppe der Töpser. Morgen. Freitag, vor- mittags 10 Uhr, im großen Saal des Sewerkschaftshauses Streikverfammlung. Bericht von den Lohnverhandlungen. Vollzähliges Erscheincit erwartet Me Streikleitung. Verantwortlich kür Volitik: Victor Schiss; Wirtschast: S. Klingrlhäser; Gcwerkschaltsbewcaunq: Frledr. Ckloru; Feuilleton:». S. Bischer: Lokale» und Sonstiges: Friß Karstadt:«nzriacn: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts. Verlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts.Vuchdruckerei und Berlogsanstalt Paul Einger u Co.. Berlin EW 6«. Lindenstraße Z. Hierzu 2 Beilaae»»ud..Unterhaltuna und Wissen". FyF|W" nerren-SahKoanzUfie I- u. 3-r«ihi|. miUclfarbi|«r n. duakl»rCfc«Tio( 45.— Kerren-SahhoanzDä 1- and 2-reihi�, aus tfcstrcittea Gabardine. ▼orzä�ltcha Verarbeitung.................... 70.— tierren-Gabardlne-ramilel mit Abseite, Falten und Gurt............ O0.~ nerren-nantei gcmust Covercoat u. a. Stolla. eleganter Sitz flfS.— n er ren-Palelots CoT«reo,t uaä marenfo Cdariot............. 40 Aparter Damenmantei grau Popeline............................... 22.— fesdier Damenmantei gemusterte Kunstseide..............•�•�...29.— Gummimantel ▼orzäghcb gamaiart, ttr Damen 1450 ttr Herren too 10. SO an Leunter sommeranzua Palm Bcach.................____ 24.— Sportanzug a. Maachest. od. Loden, In ecrsch. Farben 34— SO.— 4 lelliger Sportonzuit ganz gefüttert mit Breeches und langer Hose Gr5B« 4, 48.................................. 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Sein« Sorge galt in erster Linie dem Haus, das er nach besten Kräften für seine und der Seinen Behaglichkeit zurichtet«. Und doch ist das nicht die Hauptsache. Er will ja schließlich das Woch«nende nicht zwischen vi«r Holzwänden verleben, sondern zwischen den offenen Girlanden der Natur. Er solle ein Dach über dem Kopfe haben und gegen un- günstige Witterung nach Möglichkeit geschützt sein. Das ist schließ- lich mit einfachsten Mitteln zu erreichen. Dos Wichtige ist aber, in welchem natürlichen Rahmen sich die Häuslichkeit und Heimlichkeit ab- spielt. Und dazu bietet der Garten, der sich um die kleine Wohn- statte zieht, den wesentlichen Uebergong. Nämlich den Uebergang in die weite offene Natur, die doch das eigentliche Ziel seines Strebens bedeutet. In die Fragen, die sich um dieses Wochenendgartenproblem fre'mdlich ranken, leuchtet ein kleine» Werk hinein, da» drei Fach- leute auf dem Gebiete der Gartentechnik. Karl Foerster, Camilla Schneider und Kurt Pöthig zu Verfassern hat und unter dem Titel „der Wochenendg arten" im„Verlag der Gartenschönheit" GmbH., Berlin-Westend, erschienen ist. Leitender Gedanke ist im wesentlichen, für den Wochenendgarten nur Pflanzen zu verwenden, die einer möglichst geringen Wartung bedürfen und sich jedenfalls bei ein- maliger Pflege in der Woche gut entwickeln können. Don den Ideen, die die Verfasier geleitet haben, sei zusammenfassend Folgendes wiedergegeben: Zwischen Garten unü Wilönis. Di« Fortschritte der letzten 25 Jahre im Gartenwesen sind zum großen Teil so recht wie geschaffen dafür, ein herzhaftes und groß- attiges Gartenleben auch im Wochenendgarten zu ermöglichen, der ja starke Anforderungen jeder Art an die Gartenpflanzen stellt. Seine meist geringe und oft unterbrochene Wartung und Ueberwachung, wie seine Einbettung in große Landschoftsbilder drängen ihn von Geranien und Betunien und Hochstammrosen und kleinen Begonien hinweg zur Anwendung breiter Aarbenmassen des modernen Strauch- und Staudenreiches, hinweg von der vergänglichen Vlütenpflanze zu den Pflanzen, die mit Garten und Umwelt auf alle Art verwachsen. Oder es tritt jenes neue gesteigerte Pflanzenreich in Kraft, mit dem man einen ganz als Naturwildnis gelasienen Garten in eine festliche Wildnis verwandelt. Eine Unzahl neuer Rofen, Ginster, Brom- beeren, Nadelhölzer, Rankgewächie und Bodenteppichpflanzen sind dem Wildnisfreunde zur Hand, um auf ganz neue Weise schöpferisch in die unberührt« Natur und Landschaft hineinzuwirken. Hier öffnet sich dem geistigen Menschen ein ganz neues Zwischenreich zwischen Garten und Wildnis, eine neue Synthese zwischen reicher Ferne und enger Nähe. Das paradiesische Zusammenspiel von Landschaft, Wetter und Beleuchtung mit der hineinversponnenen Gartenpracht stellt ein ganz neues Besihergreifeu der Landschaft, ein neues Hinein- ziehen ihrer Gewalten in Garten und Haus dar. Wer sehr lange Zeit mit seinem Wochenendheim nur in der naiven Wildnis lebt und denkt, daß er dadurch am nächsten an dies herankäme und sich am gründlichsten von der„Kultur" ausruhte, merkt allmählich, daß die Sache doch nicht so einfach ist und daß der Garten und sein Reich eigentlich Erfindung der raffinierten Wildnisgenießer ist. der Garten als Mittelpunkt. Für den Besitzer eines Wochenendgrundstückes ist nicht das Haus, sondern der Garten die Hauptsach«; denn er will die wenigen Stunden, die ihm zur Verfügung stehen, fast ausschließlich im Freien verbringen und nur ungünstige Witterung kann ihn ins Haus treiben. Hier ist der Garten nicht die erweiterte Wohnung wie beim Landhaus, sondern die Wohnung und der Aufentholtsraum im Freien überhaupt. Nur zum Schlasen und gegen die Unbill der Witterung, sowie für die Soch- gclcgeiiheit und die Aufbewahrung der notwendigsten Möbel und Gerät« braucht man ein schützendes Dach. Der Garten muh also hier m erhöhtem Maße das bieten, was man zu einem längeren Aufent- halt im Freien braucht; man muß sich wohl und behaglich in ihm fühlen können. Der Ausbau der Wochenendbewegung, die Orqani- sation der Landbeschaffung, ob diese auf genossenschaftlichem Wege oder durch die Landgemeinden oder durch Einzewerträge und Einzel- käufe erfolgt—, ferner die Kapitalisierung des Hausbaues und andere organisatorische Fragen sollen hier nicht erörtert werden. Auch die Wochenendgärten, deren Größe etwa 1 000 gm überschreitet, gehören nicht in den Bereich unserer Betrachtungen. Hier soll nur der kleine, etwa 200 bis 500 gm große Wochenendgarten behandelt werden, besten Kauf und Anlage auch weniger Bemittelten möglich Ist. Es sollen keine Laubengörten in dem Sinne werden wie wir sie kennen, die mit irgend welchen Pflanzen wahllos vollgepfropft sind. Es sollen vielmehr Gärten sein, die durch zweckmäßige Ge- staltung, gute Ünterhattung der Anlagen und Ausstattung mit allen erforderlichen technischen Hilfsmitteln erkennen lasten, daß ihre Be- sitzer Sinn für Schönheit und Zweckmäßigkeit haben. Wie es gemacht werüen soll. Wird eine größere Anzahl solcher Wochenendgärten zu Wochen- endkolonien zusammengeschlossen, so werden für die Ausgestaltung dieselben Gesichtspunkte maßgebend sein, wie für die Kleingarten- kolonien. Auch hier wird man durch gleichmäßige Behandlung der Garteneinfriedigungen und durch Zusammenziehen der Wochenend- Häuser zu Gebäudeblocks ein einheitliches Bild zu erreichen suchen. Ein wesentticher Faktor für den guten Gesamteindruck der Kolonie wird auch hier die Anordnung der großen Bäume nach räumlichen Prinzipien sein, denn gerade durch eine gut durchdachte, rhythmische Pflanzung der Bäume nach einem Gesamtplane kann der Eindruck der Geschlostenheit und Einheit der Kolonie wesentlich gesteigert werden. Die Ausgestaltung des einzelnen Wochenendgartens folgt aus seiner Eigenart. Der Besitzer sucht in diesem Garten Ruhe und Erholung. Er wird weniger Werl auf die wirtschaftliche Ausnutzung des Gartens durch Gemüse- und Obstbau, sondern mehr aus Schönheit und auf behagliche Wohnlichkeit des Gartens legen. Ganz abgesehen davon, daß Gemüsebau schon deshalb im Wochenendgarten unmöglich ist, weil es nicht gepflegt und ausreichend gewästert werden kann. Die Pflanzen, die hier Verwendung finden sollen, müssen geringe An- sorderungen an Pflege stellen, denn der Besitzer kann sich allwöchent- lich nur an einem Tag« um sie bekümmern. Die Einstellung des Besitzers zu seinem Garten und sein« Wünsche an ihn werden sehr verschieden sein. Der eine wird sich seinen Garten mit sehr vielen Blumen denken, der andere wünscht einen großen Rasenplatz zum Lagern und Tummeln. Der Obstliebhaber wird seinen Wochenendgarten mit Obstbäumen bepflanzen, die Hausfrau denkt an Rosen, Beerenobst und Mchenträuter und die Kinder träumen von einem Spielplatz mit Sandkasten, Schaukel und Turn- reck. Einige Gesichtspunkte dürften ober wohl allen diesen kleinen Wochenendgärten gemeinsam sein. Zeder wird sich seinen Garten so dicht abgeschlossen wünschen, daß er von den vorübergehenden und von seinen Nachbar» so wenig wie möglich gesehen werden kann. Es sollte in jedem dieser Gärten wenigstens ein Plätzchen geben, wo dieser Wunsch vollkommen erfüllt ist. Ferner sollten in keinem Wochenend- garten, auch wenn er etwa als Obstgarten ausgestaltet ist, die Blumen fehlen. Sie beanspruchen unter Umständen sehr wenig Platz und bringen vom Frühling bis zum späten Herbst Farbe und Freude in den Garten. Und wenn dann am Sonntagabend alt und jung blumenstraußbeladen mit frischen Gesichtern fröhlich heimzieht, dann «rinnern diese abgeschnittenen Blumen, im Zimmer ausgestellt, während der ganzen langen Woche an das kleine Gartenparadies da draußen vor dem Tore der Großstadt. » Ein wesentliches Schönheitsmoment des kleinen Wochenend- gartens, der bei seiner einfachen Gestaltung ja keine großartigen Szenerien bieten kann, ist Sauberkeit und Ordnung. Daher sollten alle Weg« und Beete eine Einfassung aus Buchsbaum, oder aus Klinkern oder anderem Gestein erhalten. Die Wegeflächen sind auf das notwendigste Maß zu beschränken und möglichst an die Nordseite der größeren Anpflanzungen zu verlegen, damit der Schatten aus den Weg fällt. Im übrigen soll der Garten soviel Grünflächen als möglich erhalten. Die Drücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 5s vou V. Trauen. Copyright 1927, by B. Traven, Tarnaulipas(Mexiko). Bei der Pumpe sah es jetzt ein wenig bunter aus als eine Stunde vorher. Der Pumpmeister hatte noch eine zweite Laterne aufgehängt. Die Musik war immer noch nicht ge- kommen und kam jetzt auf keinen Fall mehr. Dagegen waren inzwischen zahlreiche Männer, Frauen und Mädchen an- gekommen. Die Frauen und Mädchen in grünen, roten, blauen und gelben ganz dünnen Kleidchen aus den dettkbar billigsten Stoffen. Alle hatten sie Strümpfe an und Schuhe. Keine hatte einen Hut, aber manche hatten ein schwarzes Baumwolltuch. Die Männer waren gekleidet wie immer, denn sie hatten ja nur«in Hemd und eine Hose, für Festtag und Arbeitstag dasselbe Zeug. Viele waren barfuß, manche hatten Stiefel, die Mehrzahl aber Sandalen, selbstgemachte. Wer Kinder besaß, hotte sie mitgebracht. Sie waren nun einmal da und irgendetwas mußte ge- schehen. Garza war mit seiner Geige herübergekommen und fiedelte unermüdlich darauf herum. Aber niemand nahm sich den Mut, nach dieser Fiedelei zu tanzen. Alles wartete, daß irgendein graßer Musiker irgendwoher erscheinen würde, um in diese Zusammenkunft Sinn hineinzubringen. Denn bis jetzt waren die Menschen ganz zwecklos hier. Und wenn schon die bunten Gazefähnchen angezogen werden, wenn schon das Haar stundenlang durchgekämmt, eingeölt und dann sorgfältig auffrisiert worden ist, wenn man schon die schönsten Blumen zusammengesucht und die schwarzen Strähnen geflochten hat. wenn man schon die kleinen Bälger gebadet und wenn man endlich auf Eseln oder gar zu Fuß meilenweit durch den Dschimgel gewandert ist. dann soll doch auch nachher etwas zu erzählen sein. Aber nun so gar nichts, nur weil die Musik nicht gekommen ist. Die Frauen und Mädchen sitzen herum und schwatzen: die jüngeren stecken die Köpfe zusammen und kichern oder stehen plötzlich zu zweien oder dreien aus, laufen ein wenig herum, kommen zurück und setzen sich wieder. Ein paar Bänke sind da. sehr roh gearbeitete, und drei arme Stühle aus des PuMpmeisters Hütte. Die Mehrzahl der Damen sitzt auf Baumstämmen, Holzklötzen und� morschen Eisenbahn- schwellen, dem Feuerungsmaterial für die Pump«. Die Kinder balgen sich herum, wälzen sich auf der Erde. jagen sich, kreischen, schreien, heulen und quieken. Die größeren Burschen hocken gruppenweise zusammen auf dem Erdboden, prahlen sich gegenseitig etwas vor. hecken irgend- welche Streiche aus oder zeigen einander wichtige Kunst- stückchen, Talente und Fingerfertigkeiten, biegen sich Daumen um, renken sich die Knöchel aus, verrenken sich die Gliedmaßen, Genick und Augen' Alles raucht Zigaretten. In Maisblätter gerollter Tabak. Alles raucht: Männer, Frauen, Mädchen, Burschen und die kleinsten Kinder. Während die Mütter dje Säuglinge an der Brust haben, rauchen sie und blasen den kleinen Engerlingen den Rauch über das Gesicht. Auch schon der Moskitos wegen. Die Männer stehen auch in kleinen Gruppen zusammen und schwatzen und rauchen. Sie halten ihre Frauen unaus- gesetzt im Äuge, um ihnen, wenn nötig,«ine Mühe zu er- leichtern. Ich stehe mit Sleigh, dem Pumpmeister und einem Indianer, der bei den Oelbohrern arbeitet, halbwegs zwischen der Brücke und der Pumpe. Ich habe das Gesicht auf den Fluß zu gerichtet: aber ich kann natürlich weder d-i� Brücke noch den Fluß erkennen. Bei den Eseltreibern glimmt das Feuer und ich sehe, wie der Junge Kaffee in den Kesiel schüttet, während sich die Männer die Tortillas wärmen, Käse schaben und Zwiebeln schneiden. Durch das Gebüsch am gegenüberliegenden Ufer sehe ich zwei dünne Lichtchen, die aus den Hütten herüber- schimmern. Wenn sich das Gebüsch im leichten Winde bewegt, verschwinden die Fünkchen und tauchen wieder auf, gerade als ob jemand mit einer Laterne durch das Gebüsch hin und her huschte. Zuweilen täuscht es und man sieht nicht die kleinen Lämpchen, sondern sieht die großen Glühtäfer, die, wenn sie entfernt genug sind, auch nicht größer erscheinen als die Lampen. � Die Burschen, die auf der Brücke sitzen, singen noch immer. Sie singen längst andere Lieder, aber für den Uneingeweihten scheint es stets die gleiche Melodie zu sein. Nicht aber für die Burschen. Rund herum ist Schwatzen, Lachen, Kichern und Quieken. „Und ich sage Ihnen, die werden gleich wieder zemen- tieren," spricht Ignacio, der Oelarbeiter, mit Wichtigkeit. „Wie tief seid Ihr denn?" fragt Sleigh. „Elfhundert Fuß." .Da wird doch noch nicht zementiert," sagt der Pump- meister,„da gibt es doch Bohrungen, wo sie bis viertausend Fuß hinuntergehen." „Weiß ich doch am besten," sagt darauf Ignacio mit fach- männischer Sicherheit, obgleich er erst seit fünf Wochen im Oelfeld arbeitet.„Aber ich sage Ihnen, die zementier n Montag oder Dienstag." Garza fiedelt unermüdlich, aber niemand folgt seiner Lockung. Das Singen der Burschen ebbt ein wenig schwermütig ab und in das laute Schwatzen und Lachen der Leute bricht ein verhaltenes Gähnen ein. Rur ein paar der Kinder quieken. „Warum die zementieren sollen bei elfhundert Fuß, sehe ich nicht ein," sagte der Pumpmeister nocb einmal. In dem Augenblick tönt vom Flusse, der die ganze Zeit hindurch schlief und schwieg, ein Platsch herüber. Der Platsch ist kurz und wird von niemand empfunden. -Niemand achtet darauf. Und doch war es, als riefe der Fluß:„Vergeßt nicht mich, ich bin noch immer da und werde euch, alle überleben!" Ich sehe Sleigh an und er sieht mich an. Auch«r hat den Platsch gehört, schenkt ihm aber keine Bedeutung. Es war, alK ob von den Jungen, die da auf der Brücke saßen und sangen, einer aus Uebermut hineingefprung-n oder von den anderen hineingeschubst worden war. Aber so war es nicht. Ich hörte kein folgendes Plätschern, kein Juchzen oder lachendes Zurufen. Das Wasser gab keinen weiteren, auch noch so leisen Laut von sich. Die Jungen ließen den abgeebbten Gesang wieder anschwellen. � Sie waren von dem Platsch nicht beunruhigt worden. Es war also keiner von den Jungen hineingesprungen. Wahrscheinlich hatte jemand oincn Stein hineingeworfen: aber das war sicher ein dicker Stein gewesen. Doch wozu? Diese Mühe macht sich niemand? � Garza fiedelt und fiedelt. Ich denke, die Finger muffen ihm ganz lahm sein. Es kann aber auch«in großer Fisch gewesen sein, der plötzlich hochschnellte und wieder zurück fiel ins Wasser. Rein, das war es nicht. So hatte es nicht geklungen. „Warum die zementieren werden," antwortet Ignacio, „das werde ich Ihnen sagen. Die haben schon zwei zemen- tiert, weiter drin. Die bohren so lange, bis sie Oel spüren und dann zementieren sie sofort und sagen, sie haben nichts gefunden, di« Biester;" (Fortsetzung folgt.) Potsdam und die Reichsfarben. Unentwegt Schwarzweißrot. B«i d«r Einweihung des Potsdamer Stadions wehten über dem Platze nur Fahnen in den Potsdamer Stadtfarben. Ein Aus- schnitt aus dem erbitterten Kampf um die Reichssarben. den die deutfchnotionale Potsdamer Stadtverwaltung gegen den republita- Nischen Teil der Einwohnerschaft und gegen die preußische Regie- rung fuhrtt Infolge der Weigerung der Stadt, bei der Einweihung des Stadions auch die Reichsfarben zu zeigen, hatte die preußische Re- gierung den Spitzen der Potsdamer Staatsbehörden die o f s i- zielte Teilnahme an der Feier untersagt. Daß im Gegensatz dazu«ine Ehrcnkompagnie der Reichswehr erschienen war, sei nur nebenbei erwähnt. Immerhin hat das Fernbleiben der leitenden preußischen Beamten— nur der Polizeipräsident von Zitzewitz war unseres Wissens als Privatperson unter den Zu- schauern— im Magistrat eine erneute Aussprache darüber herbeigeführt, wie die Flaggenfrage bei der am nächsten Sonntag zu eröffnenden Allgenieinen Wasscrsportausstellung(AWA) gelöst werden solle. Dabei ist schließlich beschlossen worden, auch auf dieser aus dem ganzen Reich beschickten Ausstellung keine"Flagge in den Reichsfarben zu hissen. Potsdam kann wahrhastig • nicht deutlicher zeigen, daß es auf dieser Ausstellung keinen Besucher und keinen Aussteller wünscht, der in den schwarzrotgoldenen Farben das Hoheitszeichen des Deutschen Reiches verehrt. Potsdam zieht nur seine Stadtflagge. Es betont, daß man dort unter sich sein will. Hoffentlich versteht man auch außerhalb Potsdams diesen Wink und erfüllt den Ewiggestrigen in Potsdam ihren Wunsch. Zum Glück beginnt auch in Potsdam die Front der unentwegten Schwarzweißroten zu zerbröckeln, nicht zuletzt infolge der energischen Haltung der preußischen Regierung. Es war osfenbar bei Fest- lcgung des neuesten Flaggenbeschlusses den leitenden Potsdamer Magistratsbeamten noch nicht bekannt, daß eine ganze Reihe deutsch- nationaler höherer Staatsbeamter aus Potsdam ihrer Partei er- klärt haben bzw. erklären werden, daß sie die halsstarrige Pots- damer deutschnationalc Politik nicht mehr mitmachen könnten. Gerade die Flaggenfrage und der Kamps gegen die preußische Regirrung hoben bei diesem Entschluß der betreffenden Beamten entscheidend mitgewirkt. Der Sonntagsnachmittags-Einbrecher. Die Taten des keuschen Joscpß. Einer der gerissensten und gefährlichsten Einbrecher, die Berlin in den letzten Jahren heimgesucht haben, stand in dem 18ö8 in Przmysl in Galizien geborenen Dekorationsmaler Jo s e f Beer zur Aburteilung wegen eines Dutzend von Wohnungseinbrüchen vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlottenbur�. Beer ist in Deutschland bereits zweimal wegen gleicher Verbrechen bsstrast worden und ebenso in Polen. Die polnischen Gerichte haben auch jetzt wieder Sehnsucht nach ihm und deshalb sein« Auslieferung verlangt, die aber erst in einigen Jahren, nach Erledigung seines Strafkontos in Deutschland, erfolgen wird. Kaum aus dem Ge- fängnis entlassen, begann Beer seine alte Tätigkeit wieder. Die Besonderheit seiner Diebestätigkeit bestand darin, daß er fast alle Einbrüche auf die Nachmittogsjtunden der Sonn- und Feiertage verlegte. Die Berliner Kriminalpolizei wurde durch die Häufung der Fälle, in denen Ende 1g2S und Ansang 1326 Wohnungen in der Gegend des Kurfürstendamms, Olivaer Platzes und Koijerdamms ausgeplündert wurden, durch Bertrauensmänner darauf gelenkt, daß ein gewisser Josef, der den Spitznamen.der keusche Joses" in seinen Kreisen führte, zusammen mir seiner Freun- din Erna und seinem Freunde Erich sämtliche nach derselben Metbode ausgeführten Ernbrüche oerübt habe. In dem.keuschen Josef" wurde alsbald Beer ermittelt. Als Kriminalkommissar Geisel in dessen Wohnung in der Dragonerstraße und in denr Zimmer seiner Freundin, der schon wegen Begünstigung des Beer mitbestrasten Tänzerin Erna Klich, Haussuchungen vornehmen ließ, fand man ein ganzes Warenlager an Kleidungsstücken, Wäsche, Schmuck- und Silborgerät, Koffern, Lederwaren und aller- Hand Luxusgegenständen, sowie große Beträge in in- und aus- ländischem Gelte vor. Gemeldet war Beer aber in einem Lumpen- keller, in dem er eine Feldbettstelle gemietet hatte, ohne aber je. nials dorthin zu gehen. Unter dem Bett der Klich fand man oer- steckt einen Handkoffer, der angefüllt war mit ganz m o- deinem Einbrecher werkzeug. Diese Gerätschasten erreg- ten bei der Kriminalpolizei das größte Aussehen, da unter ihnen meisterhaft konstruierte, damals noch ganz unbekannte Bleistreifen mit Dornen sich befanden. Deshalb wurde dem Erfinder auch die Ehre zuteil, daß seine Einbrechergerätschaften auf der Polizeiaus- ftellung zur öffentlichen Schau gelangten. Obwohl die Bestohlenen unter den vorgefundenen„Warenbeständen" �hr Eigentum wiedererkannten, und obwohl Beer in Begleitung eines anderen Mannes am Tatort mehrfach gesehen und wiedererkannt wurde, bestritt er alle Schuld. Er behauptete, die Sachen von Landsleuten, die er nur unter dem Vornamen„Feibel",„Abraham" und„Kiwe" kennen wollte, teils getauft, teils zur Aufbewahrung erhalten zu haben. Ein Handelsgerichtsrat aus Eharlottenburg, dem seine ganze Woh- nung ausgeräunn worden war, und der Geld und Werte für über 20 000 M. eingebüßt hatte, fand die vermißten Geldschrankschlüssel / unter dem im Polizeipräsidium ausgestellten Diebesgut wieder. Trotzdem leugnete der Angeklagte auch diesen Fall ab. Im Ge- fängnis hatte Beer, der sich sogar eine Ehiffrierschrist hergestellt hatte, in raffinierter Weise es verstanden, sich verhandlungsunsähig zu machen, indem er durch Einspritzungen. Fiebererkrankungen her- vorrief. Nach der Angabe des Gesängnisarztes Dr. Hirsch wird vermutet, daß er sich die Mittel dazu durch Einschmuggeln ins Ge- fängnis verschafft hat. Es wurde nämlich einmal ein Koffer bei ihm beschlagnahmt, der einen doppelten Boden hatte und Werkzeuge und Medikamente enthielt. Man erzählt« auch, daß Beer bei seinen Diebesfahrten die Karten vorher zu Rate zog. Der Karokönig be- deutete für ihn Erfolg, kam der Piquejunge zuerst, dann verhieß das Unglück, und er nahm von dem geplanten Einbruch Abstand. Alles Leugnen nützte Beer und seiner Freundin nichts. Das Schössen- gericht verurteilte Josef Beer zu 6 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust, sowie wegen des Besitzes einer ge- ladenen Pistole zu 60 M. Geldstrafe; Erna Klich wegen Mittäter- schast zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. Beiden Angeklagten wur- den je 6 Monate auf die Untersuchungshaft in Anrechnung ge- bracht._ Prüfung künstlerisch begabter Schüler. Das Landesberufsamt, Berlin SW. IS, Nieder- wallstr. 12, veranstaltet am 1 4. und 15. Juni, vormittags 3 Uhr, in den Bereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, Berlin-Charlottenburg 2, Hardenberjjstr. 33, wiederum eine Prix- iung von künstlerisch begabten Schülern und Schülerinnen aller Schulgattungen Berlins, die zu Michaelis 1327 die Schule ver- lassen und darüber beraten sein wollen, ob ihre Begabung für einen künstlerischen oder kunstgewerblichen Beruf ausreicht. Nach Legut- nchtung der Prüfiingsleistungen durch Profesior Dannenberg findet für die Prüflinge eine Berufsberatung durch Berufsberater des Lander berufsamtes statt. Zur Aufnahme in die Kunstschulen selbst berechtigt diese Prüfung nicht. Schüler und Schülerinnen. die an der Prüfung teilzunehmen wünschen, haben selbstgefertigte Zlrbeiten(Zeichnungen, Malereien. Entwürfe, Basteleien, Hand-> arbeiten, plastische Arbeiten), aus denen allgemeine und besonder« Begabung, Formen- und Farbensinn und Phantasie sprechen, be- reits am Donnerstag, dem 2., und Freitag, dem 3. Juni 1327, in der Zeit von 10 bis 2 Uhr im Sekretariat der Kunstschulen, Char- lottenburg, Hardenbergstr. 33, abzullefern und gleichzeitig eine Prü. iungsgebühr von 3 Mk. zu entrichten. Anträge auf teilweisen oder gänzliiben Erlaß dieser Prüfungsgebühren sind unter eingehender Darlegung der Gründe und unter Bestätigung der Schulleitung bei der Anmeldung vorzulegen. Später«ingehende Anträge können nicht berücksichtigt werden. Zur Prüfung selbst sind Mal- und Zeichenmaterial und das erforderliche Papier mitzubingen. Schwere Straßenbahnkataftrophe in Kaffel. Neun Tote, elf Schwerverletzte. Kastel. 18. Mai.(MTB.) Eine furchtbare Straßenbahn- katostrophe ereignete sich heute abend gegen 7K Uhr auf der nach dem Drusellal führenden Linie 6 der Großen Kasseler Straßenbahn. Ein an der Endstation hallender Wagen dieser Linie, an den ein Anhänger angekoppell werden sollte stand voll beseht ohne Führer und Schaffner zur Abfahrt bereit, als ein Zunge die Bremse löste. worauf der Wagen führerlos oie steile Brabanter Straße hinunter- sauste. Der Wagen sprang an der Eck« der Fürstenbergstraße, wo sich-eine scharfe Kurve befindet, aus den Schienen und fuhr über die Landstraße gegen ein eisernes Gerüst, wodurch der obere Teil des Wagens abgeristen wurde. Der untere Teil des Wagens fuhr weiter in einen Graben hinein. Bisher wurden aus den Trümmern des Wagens neun Tote, darunter sechs Frauen, elf Schwerverletzte und eine ganze Reihe Leichtverletzter geborgen. * Ein schwerer Zusammenstoß zwstchen einer Groß- und Kleinkraftdroschke, bei der vier Insassen verletzt wurden, ereignete sich gestern nachmittag am Plag der Re- publik. Ecke R o o n st r a ß e. Die Fahrzeuge prallten mit so großer Wucht zusammen, daß die Kleindroschke gegen den Bürger- steig geschleudert und völlig zertrümmert wurde. Zwei Insassen, der 3 4 j ä h r I g e Karl S ch. aus der Wilhelm- Stolze. Straße und der 2 7jährige Hans M. aus der S e e st r. 68 zogen sicherheblicheKörperverletzungenzu. Kommunale Konferenz am Freitag, dem 20. ZNai, abends 7 Uhr, im Berliner Rathans, Stadtoerordnetensihuagssaal Tagesordnung:»VI« Vereinheitlichung de» gesamten Fürsorgewesen» inverlia" Refcren«in:Frau S lvron»ty. Leiterin de» Archiv» für irohlfahrtspstege.— Aussprache. Zur leUimbine werden gebeten die sozialdemokratischen Maglstrot»- und ve>!rtsam»imilglieder. Stadt- und Sezlrksverordnelen sowie olle übiigen in der wok'.iohrtspflege und-sSrsorge(ehrenamtlich und besolden tätigen Genossinnen und Genoflea. Parleimilgliedsbuch dient als Ausweis. Die Arbeiterwohlfahrt, Bezirksausschuß Berlin. Das kommunale Sekretariat de» Bezlrksoerbaudes Berlin der SPV. Glimpslicher kamen die beiden Fahrgäste der Großkraftdroschke, der ZöjährigeTischlerWalterK. aus der Wiesen st raße 6 und der 41 Jahre alte Zimmermann Richard R., der in der Stettrner Straße 23 wohnt, davon, die stch durch herum- sliegend« Glossplitter Verletzungen im Gesicht zuzogen. Alle vier wurden zur naheliegenden Charit ä gebracht, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde. Die Schuldfrage bedarf noch der Klärung. Die zertrümmerte Kraftdroschke mußte abgeschleppt werden. Auf der Treptower Chaussee wurde gestern nachmlltag der öOjährig« Motorradfahrer Bruno L. aus der Lychener Straß« 116 von einem Privatauto ersaßt und über- fahren. Der Verunglückte wurde durch das Städtische Rellunpsamt in das Urbon-Krankerchaus gebracht, wo schwere innere Ver- l e tz u n g« n festgestellt wurden. Sein Zustand ist sehr bedenk- Ii ch.— In der Romintener Straß« wurde gestern abend der 3 8 i ä h r i g« Glaser Franz S ch. aus der G at t s ch a l k- st raße 7 zu Pankow beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Lästkroftwagen überfahren. Das linke Vorder- r ad ging über den Unglücklichen hinweg. Sch. wurde zur nächsten Rettungsstelle und von dort in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er kurze Zeit nach der Einlieferung an den Folgen. schwerer innerer Verletzungen starb. Achtung, WohnungsuchenSe l Das Zentralwohnungsamt weist hiermit nochmals auf die neben der Reichswohnungszählung stattfindende Zählung der Ivohnungfuchenden hin. Die Wohnungsuchenden haben zu diesem Zweck zwei Meldebogen bei den aus der Bekanntmachung de» Magistrats an den Anschlagsäulen erslchtlicheu Slelleo abzuholeu und sie bis spätestens zum 23. dieses Monats bei dem Wohnungs- cpnt wieder einzureichen. Alles Nähere ist aus der Bekanntmachung an den Anschlagsäulen zu ersehen. Wohnungsuchende, die bereits in den Listen der Wohnungsämter eingetragen sind und die Ausfüllung der Meldebogen Unterlasten, werden in den Listen gestrichen. Dem Philosophen der Anekdote und kleinen Skizze, dem Dichter Peter Altenberg, gehört der erste Teil de» Abendprogramms. Der Wiener Literat Anton Kuh improvisiert das Porträt des Ver- storbenen und Martha Maria Mewes liest ein paar dieser dichte- risch und sprachlich herrlichen Skizzen und immer wieder ergreift das Menschliche, das sich hinter der meisterhaften Form oder hinter dem manchmal zu wienerischen Geplauder verbirgt, und selbst eine Anek- dote, die vielleicht von Roda Roda stammen könnte, erhält ihre Bedeutung durch den Titel, der sie weit über da» übliche Niveau hinaushebt. Nach Altenberg spielen Prof. Havemann, Georg Kniestädt, Mahlte. Steiner und S i l b e r st« i n das Schubertsch« G-Dur-Ouintett. Am Nachmittag liest Rene« Kürschner Grimmsche Märchen, ohne den naiven Märchenton zu treffen. Schon die merkwürdige Aussprache der Vokal« und die nasale Färbung der Stimme befremden. Sehr hübsch las einmal Renee Kürschner kleine Dinge bekannter Feutlletonisten. Aber die Natürlichkeit, die Naivität, die vor allem Grimmsche Märchen erfordern, liegen ihr nicht, lieber.Fachpsychologie" spricht Edmund Nebermonn. Er knüpft an die psychotechnischen Versuch« an, die das Psychologische Institut in Moskau mll den Teilnehmern an dem Internationalen Schachturnier 1326 vornahm. Die Experimente erstreckten sich auf Untersuchungen über Gedächt- ni», Aufmerksamkeit, Einbildungskraft und intellektuellen Charakter des Schachspielers. Merkwürdig berührt es, daß die Experimente keine besonders hervorragende Konzentration der Aufmerksamkeit feststellen konnten, und auch das allgemeine Gedächtnis ist beim Schachmeister nicht stärker ausgeprägt als beim Laien. Von den 16 psychischen Bedingungen für die Erwerbung der Schachmeister- schast seien als prägnant erwähnt: starke Nerven, dijziplinierter Wille, Selbstbeherrschung, Intellektualität, objektives Denken und Glaube an das eigene Können. Ilse v. Hülsen-Reick« untersucht die Gründe, die die moderne Frauenbewegung ins Leben rief. Die maschinelle Arbeit, die die Frauenarbeit im Haus teilweis« überflüstig machte und Kräfte brachlegte, einerseits und andererseits das Evangelium von der Gleichheit, das die Denker des 18. Jahr- Hunderts propagierten und das die französische Revolution zu ver- wirklichen sucht«, sind die beiden Komponenten, die diesen Kräfte- komplex schufen. Interessant ist, daß beretts der 1865 gegründete „Allgemeine Deutsche Frauenverein" Arbeit, freie Berufswahl und Bildung der Frau forderte. F. S. Zast 100 Millionen Fahrgäste. Der Einheitsfahrschein brachte 10 Millionen mehr als im Vorjahre. Nunmehr liegen die vorläufigen Derkehrsziffern der drei Berliner Verkehrsgesellschasten, die den Einhettsfahrschein ein- geführt haben, für den Monat April vor. Es sind im ganzen 33 800 000 Fahrgäste von allen drei Unternehmungen zusammen befördert worden, gegen 88,6 Millionen im Borjahre. In diesen Zahlen sind sämtliche Fahrten, die auf Grund von Monats- imd Schülerkarten sowie auf Schülerfahrscheinen gemacht worden sind, miteinbegriffen, ebenso sind mitgezählt alle zweiten Fahrten von Personen, die von den Wagew der einen Gesellschaft zu denen der anderen umgestiegen sind. Nicht mitgezählt sind die zweiten Fahrten, die puf den Wagen derselben Gesellschaft gemacht worden sind. Dabei stellt sich heraus, daß die Straßenbahn 66,6 Millionen Fahrgäste im April befördert hat. gegen 66,2 im Borjahre, die Hoch- und Untergrundbahn 18,7 Millionen gegen 13,1, die Aboag 13,5 Millionen gegen 3.3 Millionen. Die Zunahme ist also fast ausschließlich dein Konto der beiden letzten Gesellschaften hinzuzuschreiben, die diese Zunahme allerdings auch zum wesentlichen Teil der Erweiterung ihres Fahrnetzes verdanken. Will man die Wirkung des Einheitsfahrscheines feststellen, so kann man vorläufig einen Vergleich mit den Ergebnisien des Bor- monats anstellen, in dem bekanntlich nur vierzehn Tage der Ein- heitsfahrschein benutzt worden ist. Die Straßenbahn hat einen Verlust von zirka in Millionen Fahrgästen zu beklagen; die Hoch- und Untergrundbahn weist eine Zunahme von 600 000, die Omnibus- gesellschatt eine solch« von 500 000 Personen auf. also letztere pro- zenwal die größte Steigerung. Bei allen Gesellschasten sind aber die internen Umsteiger nicht berücksichtigt, sonst würde ein besseres Ergebnis für die Straßenbahn herauskommen, da der Prozentsatz der Fahrgäste, die von einem Straßenbahnwagen zum anderen um- steigen, auf zirka 42 Proz. geschätzt wird, bei der Aboag das Um- steigen von dem einen Omnibus auf den anderen auf zirka 15 Proz., während bei der Hoch- und Untergrundbahn erst die Betriebs- Zählung, die kürzlich stattgefunden hat, eine nähere Uebersicht geben kann._ die Schau der Säcker. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehen» des Märkischen Bäcker» Handwerkes haben die Berliner Bäcker am 17. und 18. Mai, wie beretts mitgeteill, ihre Schaufenster festtich in den angestammten blau-weißen Bäckerfarben dekoriert und mit ebenso viel Geschick wie Phantasie eine Sonderschau von ausschließlich Berliner Back- waren, deren es die stattliche Zahl von 33 verschiedenen Sorten gibt, veranstaltet. Man sah Wochenendhäuschen auf Salzstangen- Pfeilern richend, mit einem Schrippendach versehen, einen Funkturm, geformt aus Rosen- und Mohnbrötchen, Weißbrote. Kranzkuchen und Salzstangen, als Luftschiff die Luft durchziehend, oder als Grundstein eines darüber aufgeführten Baues dienend, Szenen aus der Beckstube und allerlei andere Einfälle.„Wochenendkuchen" und viele andere Neuschöpfungen schienen Gefallen beim kaufenden Publikum zu findett. An dem Wettbewerb haben stch über 1000 Bäckereibetrieb« beteiligt. Ein lustiger Einfall ist der„Bäcker- junge der Zukunft", der vom Luftschiff aus die morgendliche Ratton seiner Kundschaft übermittelt. Monarchistische Provokationen eines Bäckermeisters. Aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums der Bäckerinnung hat der Bäckermeister Gaede, Großbeeren st raße 3, sein Schaufenster in einer Weise ausgestattet, die eine dreiste Pro- v o k a t i o n der Republik und der Republikaner darstellt. Auf der einen Sette stellt er ansehnliche und oppetilliche Ware mit einem Täfelchen aus:„Gebäck in der guten, alten Zeit", und auf der anderen Seite mickrige Schrippen u. vgl. mit der Bezeich- nung:„Das Brobvon Freiheit und Frieden". Dieser ebenso.geistlose wie verlogene Versuch, die Republik für die Er- nährungsfolgen des verlorenen Hohenzollernkrieges verantwortlich zu machen, hat immerhin den Erfolg, daß ein ständiger Auflauf lebhaft debattierender Straßenpaffanten vor dem Laden entsteht. Natürlich äußert die große Mehrzahl der Vorübergehenden ihre Entrüstung über diese dummdreiste Provokation. Diesen Herrn „Hoflieferanten" in der Großbeerenstraße lassen anscheinend die Lorbeeren seines Gothaer Berufskollegen nicht ruhen, der bekanntlich die Hände de».Zkronprinzensohnes" Harry Domela voll Entzücken küssen durfte. Die republikanische Bevölkerung wird stch gegen diese Heraus- forderung schon zu wehren wissen, ohne daß sein Schaufenster in Trümmer zu gehen braucht. Es gibt ja andere Bäcker in der Gegend, die sehr zuftieten sein werden, wenn st« neue Kundschaft erhallen. Der Delikatessenbändler Felix Junker, der ganz in dieser Nähe, in der Königgrätzer Straße, früher seine Flaschen und Würste schwarz-weiß-rot dekorierte, hat diesen Sport Inzwischen aufgegeben, weil er am eigenen Leibe spüren mußte, daß man zwar in Potsdam, aber nicht in Berlin nur von deuilchnationoler Kundschaft leben kann. Aber selbst dieser klägliche Rückzug wird ihm nicht mehr Helsen. Hoffentlich wird Herr„Hoflieferant" Gaede sehr bald die gleichen Folgen seiner Haltung zu spüren bekommen. vermißt wird seit 2� Monaten die 26 Jahre alte Frau Gertrud Jakob aus der Heidestr. 1 zu Lichterfeld«. Der Mann ist schon seit dem 1. April vorigen Jahres arbeitslos. Dies« mißliche Lage trübte auch das Familienverhältnis. Frau Jakob machte ihrem Manne häufiger Vorhaltungen und verließ endlich am 28. Februar, als er nicht zu Hause war, abends zwischen 7 und 3 Uhr heimlich die Wohnuno. Das 6 Jahre alte Kind ließ sie zu- rück. Die Vermißte, die einen Koffer mit Kleidungsstücken mit» nah/n, hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen. Weil sie vor- her Selbstmordgedanken geäußert hatte, so hat st« stch vielleicht ein Leid angetan. Frau Jakob ist 1,60—1,66 Meter groß, hat dunkelbraunes, krauses Haar und ttug zuletzt einen schwarzen Filz. Hut, einen schwarzen Pelzmantel, ein blaues Cheviotkleid, graue Seidenflorstrümpfe und wahrscheinlich schwarze Lackschuhe. Mit. teilungen über ihren Derbleib an die Vermißtenzentrale im Polizei- Präsidium. Sprech-Ehor für Proleiansche Feierstunden. Die UebungSstunde linket am strellaa. abend«?>/, Uhr, im Sesangtsaal der Sophienjchule, Wein- meisterürahe 16-17 statt. Ich habe eine vorzügliche Verdauung! Wie wäre das schön, wenn Sie das immer behaupten könnten. Und Sie können es, wenn Sie einfach einen halben Kaffeelöffel Biferirte Magnesia in etwas Wasser einnehmen. Verdauungs- beschwerden treten niemals plötzlich auf, meistens sind sie die Folgen beständiger Vernachlässigung und wären niemals aufgetreten, wenn Sie die richtigen Vorsichtsmaßregeln ergriffen hätten. Wie viele Magenleiden sind nicht aus übermäßiger Sekretion von Säure Im Magen entstanden, die Magenschwere, Sodbrennen, Brechreiz und viele andere Störungen, ja selbst Magengeschwüre nach sich zieht. Biserirte Magnesia nentralistert den Säureüberschuß, mildert den Säuregehalt der Nahrimgsstvffe im Magen und verhindert die Ent- zündung der Magenwände. Biserirte Magnesia ist in allen Apo- theken erhältlich. Versuchen Sie sie noch heute. Biserirte Magnesia wird der Schutzengel Ihrer Berdauung sein. Zn jeder Avolhcke in Vulver. und Tabletteusonn zu VI. 1.50 und M. 3,00 die Flasche. der Zoll Kranert. In der Bezirksversammlung Kreuzberg. In einigen Sensationsblättern wurde in den letzten Tagen der Versuch gemacht, den sicher bedauernswerten Todessall eine.» Fräulein Martha K r a n e r t, die das Krankenhaus G i t s ch i n e r Straße im Dezember vorigen Jahres zur Heilung eines Herz- leidens aufsuchte, gegen die verantwortlichen Stellen im Bezirksamt Kreuzberg und im Krankenhaus Gitschiner Straße auszuschlachten. Die genaue Untersuchung des Fräulein Kranert ergab damals außer einem sogenannten kombinierten Herzklappenfehler die untrüg- lichen Zeichen von Syphilis. Darauf wurde mit vollem Einver- ftändnis und nach vorherigerBelehrungderPatientin eine Salvarsankur eingeleitet. Der Zustand des Fräulein Kranert besserte sich, und somit konnte sie schon nach vier Wochen das Bett verlassen. Am 32. Krankheitstage machte sich aber ein Aus- schlag bemerkbar, so daß der Facharzt die Salvarsankur einstellen ließ. Der schwere Krankheitszustand des Herzens, der schon gebessert schien, verschlechterte sich, wie das bei so schweren Herzklappenfehlern häufiger geschieht. Da die Haut durch den Ausschlag sehr gereizt war, kratzte sich die Kranke und bekam eine Gesichtsrose. Der schwere Krankheitszustand des Herzens und die durch die Kur noch nicht behobene Syphilis hat dann im Lause von weiteren drei Wochen ihre Kräfte derart erschöpft, daß sie im Krankenhause verstarb. Da dieser Fall durch einige Berliner Blätter in einer die Bevölkerung stark beunruhigenden Weise aufgebauscht wurde, beauftragte die Be- zirksversammlung als berufene Vertreterin der Bürgerschaft einen Untersuchungsausschuß aus ihrer Mitte mit der genauen Untersuchung des Falles. Nach eingehender Vernehmung aller in Frage kommenden Zeugen erklärte der Ausschuß in der gestrigen Bezirksversammlung durch den Berichterstatter Genossen S i e w e r t, daß die Behandlung des Fräulein Kranert im Krankenhaus Gitschiner Straße völlig einwandfrei gewesen sei. Der Ausschuß, in dem alle Fraktionen vertreten waren, anerkannte ein- st i m m i g, daß Aerzte und Schwestern gewissenhast und pfleglich für die Patientin gesorgt und ihre Pflicht nach jeder Rich- tungerfüllthaben. Es besteht mithin keinerlei Anlaß, wegen dieses einwandfrei geklärten Falles das in der Bevölkerung vor- handene Vertrauen zu den städtischen Krankenanstalten zu schmälern. Dies ist auch die einstimmige Auffassung der Bezirksversammlung Kreuzberg._ Parlamentarier in der Wochenendansstellung. Das Berliner Messeamt veranstaltete gestern auf der Wochenendausstellung«inen großen Empfang. Zahlreiche Vertreter des Reichstages, des Landtages und der Berliner Stadtverordneten- Versammlung, Vertreter der gesamten Presse versammelten sich gegen 17 Uhr im Festsaal der neuen AutoHalle. Man sah unter anderen den Reichskanzler Marx, den Ministerpräsidenten Braun. den Reichstagspräsidenten Löbe, Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius. Minister Hirtsief er. Reichsvertehrsminister Dr. Koch, Reichsjustizmimster Dr. H e r g t, Reichsminister Dr. S ch l e l e. den preußischen Innenminister Grzesinski. Im ganzen waren etwa Z00 Personen der Einladung gefolgt. Oberbürgermeister Boß hielt die Begrüßungsansprache, woraus der Direktor des Berliner Messe- amtes, Dr. Adolf Schick, in längeren Ausführungen über die Entstehung der Berliner Spezialmessen und Ausstellungen sprach. Die Notwendigkeit derartiger Veranstaltungen in Berlin hat sich wirt- schaftlich erwiesen. Die Zielsetzung des Messeamtes«eht über die Veranstaltungen solcher Fachmessen nicht' hinaus, Berlin tritt also nicht in Konkurrenz mit den Mustermessen anderer Städte. An neuen Ausstellungen wurden eine internationale Lustfahrtausstellung, eine internationale Reklameschau und evenwell eine große internatio- nale Bausachousstellung angekündigt. Zum Schluß bat der Redner um die Unterstützung des Parlaments und der Behörden, damit Berlin seinen Weg, die Reichshauptstadt zur Stätte großer inter- nationaler Ausstellungen zu machen, fortsetzen könne. Ter Tod auf dem Schießstand. Einen tragischen Tod fand gestern nachmittag gegen S Uhr der«Ssährige Eisenbahnassi st ent Peter Hahn aus Rahnsdorf sei Berlin. H. wollte nach einem be- endeten Schießen des Berliner Eisenbahnschutzes seine eigene S e l b st l a d e p i st o l e ausprobieren. Nach dem fünften Schuß versagte die Pistole. Als H einen neuen Pa. tronenrahmen einführen wollte, ging plötzlich der sechst« Schuß los. Die Kugel drang ihm in den Unterleib, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Ein sosrt hinzuge- rufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Cine Nachricht von Nungesser? Paris, 18. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Abend- blätter melden aus London, daß in Salmout eine Flaschen- post aufgefunden worden sei, in der sich ein Zettel folgen- den Inhalts befand:!,Wir befinden uns 75 Meilen von Irland, haben Schwierigkeiten mit dem Motor. Nungesser.� Di« Richtigkeit dieser Meldung ist vorläufig hier nicht nachzuprüfen. ZungsoziaNfteu. Heule, Donnerslag. 13. Mai: Srovve Panlow! 8 Uhr im städtischen Zugendheim TBrschftr. 14 Vortrag: .Die sittliche Idee des Klassenkampfes." Referent Felir Fechenbach.— Srnpp« "'-*"•«r-' Ii»- St ■nburg: de M. eharlott-nbnrg: 8 Uhr im Jugendheim Rostnenftr. 4 Arbeitsgemeinschaft Uber: Hendrik de Man."— Gruppe Prenzlauer Berg:» Uhr im Jugendheim Ba- rocken Danziaer Str. 62 Vortrag des Genossen Franz Lepinfki:„Eewaltlosig. keit und Klassenkampf." Sterbetafel üer Grosz-öerliner Partei-Grganifation 54. Abt. Sharlsttenbnrg. Am 15. Mai verstarb plötzlich unser Genosse Otto Stark. Bei der Kleinarbeit stets einer der ersten, wird er uns als Mensch und Genosse unvergetzlich bleiben. Einäscherung am Sonnabend. 2l. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um recht rege Beteiligung._ vortrage, vereine und Versammlungen. « Reichsbanner.SchwarzRot-Gold-. Geschäftsstelle: Berlin E 14. Cebastianftr. 87/88, Hof 2 ,Tr Donnerstag, IS. Rai: Prenzlauer Berg: Kameradschaft NotMap 8 Uhr Versammlung Schivelbeiner Strasse. Referat Landtags» abaeordnctcr flackert. Nepublitaner als Gäste sowie Frauen willkommen. Lichtenberg: 7 Uhr Pflichtantretrn samtlicher Kameraden mit SDiustl,. Tambour» iorps und Fahnen zum gemeinsamen Unimarsch. Gruppenführer laden ein. Abmarsch punktlich 714 Uhr von Kohnow, Frankfurter Allee 265. Weissensce: 8 Uhr Komeradschaktsversammlung„Grüner Baum".— Freitag, 2». Mai: Schöncberg-Friedenau: Kameradsckaft Insel 8 Uhr Kameradschaftsversammlung Tempelhas: 8 Uhr X>. Referat Käme» .._.__________,______ 7—10 Uhr Turnen auf dem Sportplatz in der Maricnstraßc.— Treptow. Krei, Wilmeredorf. Donnerstag, IS. Mai, 8 Uhr, bei Andreas, Pfalz- burger Str. 55. wichtige Funktionärinncnlonfercnz. Bortrag:„Die Frau t» der Osganisation." Referentin Elfe Echeibenhuber. Alle interessierten Genossinnen sind eingeladen. 2. Abt. Freitag, 20. Mai, 714 Uhr, Frauenabenb in Eornis Festfälen, Gartenstr.«. Vortrag:«Heimkulrur." Refcrcntin Hertha Gotthelf. Anfänger-, Fortgefä» Dchlossstr. 27 I. Auskunft....._____________________________.... heitskurzfchrift erteilt Otto Adam, l. Borsitzender des Verbandes für Einheit». kurzfchrift„Gross-Berlin", Eharlottenburg, Eophie-Eharlotte-Str. 78. Telephon: Westend 1550. Ortsverein Berlin im Berband Bollsgesundheit. Donnerstag. IS. Mai, 148 Uhr, Ifflandsir. 9,11 Vortrag mit Tisknssion:„Gymnastik und Reform. Iugendgruppe Osten Freitag, 20. Mai, 7 Ubr, Neukölln, Echierkestr. 44, Jugend- mitgliederocrfammlung. Unser ssrühlingsfest findet Sonntag, 22. Mai, 2 Uhr, im Müggelheim statt. Die am 2l. und 22. Mai geplante Wanderung fällt aus. Gaste zu allen Deranstaltunacn willkommen. Museum. Berliner Biochemischer Berel». Montag, 28. Mai, Hohenzollernsiile. Bändel- straße 85. Bortrag:„Die Rolle der Biochemie in den fortschrittlichen Heil- Methoden." Homäovathlscher Bolksgesnichheltsvereln Lahnemann, Berlin«2. v. Mittwoch, 25. Mai, 8 Uhr, im Restaurant Petersburger Hof, Petersburger\.« 'ilji'iüi Trrrrd r\ Nun schlägt's Uberall Verän clerun gen, wohin man nur schau f--- Das einzig im m er Gleichbleibende isi die gute oMoimfli«Juno B erlins m eis /ff er a uchte Cigaredie i l i I s:.'Ä"i M''Vo" �(Kun»t»«lde) ""-.'.«um =�1«.'Ä «"1-250 P V»7 i � P.= f Äi i r* 1 P i'heiKW� 1 Voll-Volle- �»" ka,h,. r I£ä -.SSSf-"t, rS75! | ÜH �S75| �| LJbs�—— � bigen Angebole stehen Ihnen ab Donners I 'fornehniö •»•cid aus B««lielde «II bedruck. »em WuA- •loff garniert S'IQOO VoUe-KJeW F � ">U xhSner F Bordüre ä r, weiif Elwati mif � e�?ek iP""n�| t650 s�A�so DIo obigen Angebole sieben Ihnen ab Donnerstag zur Verfugung!— Schrlftl. Besleflnngan können nicht berficksicbtigt werdetfl Staats-Theater Opernhaus ■• Platz d.Rcpnbl. TVjUhr: Die Macht des Schicksals Schauspielhaus «• Prlaz Friedrich t. Homburg Schiller» Theater 8 Uhr; Jugend WM Opei Charlottenburg 7»/. Uhr: Tnrandof Abonn.-Turnus II -TT Norden 10334—37 8 U. Ende N U. Der Arzt am SdieldeweD Kammerspiele Norden 10334—37 8 Uhr. Ende 10 U Dydieniotti Eiben Die Komödie Bi»marcK;34l4. 75 tr B'/iU-, Ende nach 10 Der Snob NochtTorslcllung �Tägl. II U., Endel U. fiene; luSieftilu Preise 2, 3, 4 u. S M. Tbul LltlliDdotf;!. KurfOrst 2001 8 Uhr Eode nads 11 Ohr Drei arme kleine Mädels dp.rette rm Welter Helle Nctrapoi- Tbeat. Täglich 8 Uhr: Zirkoiprinzessin iiwila-TheiUer 8 Uhr Venn der junge Wein blüht Volks büh ne TP. in Sdiiffbaiierdainni Ihaatir an BOlovpliti 8 Uhn Ein SomsernaditsiraoiL Morgen 8 Uhr: Ein SosinemaditstraDni. 8 Uhr: Jan der Wunderbare Salleeiorj-BWnen vis. künstler-Th 8>,. Uhr: Adieu Mlrni Lesslng-Theiter 8U.: Der Patriot Herbat. Dlnuti eioenktr-lSlnur rh.Kttnlg�rätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: OiaSdiDle i.Onadi HomOdleaiiaiK Norden 6304 8 Uhr Theo madii alles! Kose-7beater 8'/. Uhr: Der Vetter aus Dingsda Nollendorf 7360 8 Uhr Charlie RivclTrio und weitere Vaulete». Sensationen I Walhalla- Theater Welnbergswer 20 Täglich abends 8'ii Uhr bis mit Sonntag Werbevorstellungen Parkett. anstatt 4 M. nur 60 Pfennig I Die von der Diebe leben! Akt 1: Das Geständnis. 2: Wie ich zur Dirne ward. 3: Das Haus der Laster. 4: Vom Leben getötet Eintritt IDr Jugendliche»erboten! Wohl selten ist einer Frau ein Blick in d. Geheimnisse d. Bordeilebens gestattet In haumiD n nalslidiu. to i iitnuin� ilUt ■ nkn. Ulla Uta 4ian Blatt« antilt I Mark Iii Parkett nnr 60 ptennlOet Wallner-Theater »>,, Uhr. Der Lustspleleriolg AnldcrSonneiuelie Komische Oper Allabendlich S'� Uhr: die neue gr. James-Klein-Revue mit dem Titel SfrcnavcrbolciU! Dia Inga kr nrbolncn LudaDiduftig! Ueber 200 Mltw. s 8 Balletts. Vorverkauf a.4. Tkaahrk ab 1 0 II. gggataibr i ERIK CHARELL BRINGT:. Alfred Braun, Lneie laniiheim a. G. Bcndow, Westermeler, Kupier u. a. Grones Schauapiclhaat CASINO-THEATER« Uh>- Pimpelhuber der MHlionen-Erbe 28.m.i: Der Fe<ritt einer Frau Gutschein: Faut 1 Mit. Sessel 1.50 Mk. Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger (Meysel, Britton, Steidl usw.) Dönhoff- Brett'l: Varietd, Konzert, Tanz Donnerstag, den 19. Mai nachmittags 3 Uhr wOrstchen»Bockwurst e Etwas ganz Besonderes! DflsköstUchite Erfriscluinu-Mk! Eine erstkiauige Wiener Spezialität I FOr Reisende, Touristen, Sportsleute unentbehrlldi I Zur Selbstbereitung Zu bez eiten Huren et« Clto-ficsellsdiaif Berlin N 4,€lHHi§$eesfr.46 und durdi Otto verds& Sohn» Berlin-Schöneberg fucaicm■uim 45 tele aalt ok Stephan 2121 [><" gute Kapitön- HanlabaK'�zscSaET C. Böcker, Berlin Lichtenberger Straße 22. Kgst. 3861 Metallbetten Stahlmatratzen, Kinderbetten gSutigisPrhr <»!. 650ir. Eisenmöbelfabrik Suhii.Thür zur Miete WIO.Ansbacherstr.l > Wöspeisl inaii Dnt □.billig? Nur GroB- Berlin Alexanderplatz. iiniiiniiiinmiHiummiiniiimnimmnii ............... Tiedmsmn's lillige iiiditalie Homagne Spanischer Rotwein... Vi FL|,— Feinster Tafelrotwein.San- Antonie* V, FL 1.25 1928" Emilion......... 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Andreasstr. 4, Ecke Ereslauer Str Berlin SO, KöpenlckerStr 9, Eck. Hichaelkirchst Berlin O, Frankf. Allee 270. am Ringbahnhat Berlin SO. Gronauer Str. 6, a. GSrlitzer Bahnh. Berlin N, Brunnenstr. 106, Ecke Ramlerstrafie Berlin N, SwlnemUnder StraBe 85. Ecke LortzIngstraBe Berlin N, Kastanienallee49. EckeZfonsklrchstr. Neukölln, hermannstr. 95-96. Ecke Warthestr. Berlin W, BQlowstraBe 49, Ecke YortkstraBe mmiMimmmm fMÜ UiUUliUUJIUlllUllJIIii Theater des Westens Frtg.,20 Mal. 8 Uhr (ErsiauflQhrung) Belnrleh Heines erste Liebe luik: Vilh. Liidntiai, Ldttantiln. Mllti, Üito, BnA. Sommerpr. 1—8 M. Lustspielhaus 8>t, Uhr: Bobby's letzte Hadit VespErmaon, Klindir, Junbrnann Thealer an Kottb. Tor Kottb. Str. i Tägl. 8 Uhr: EHiiger GroBes Dtbenisduigs- Programm I fentral- Thealer Täglich 8', Uhr Die Wette Lustspiel von Carl Sloboda U«. B in der GcBoralauflöfe des.Vorwärl»* sind besonder« vlrksam und trotsdem sehr billig) Am Montag, bem 16. Mai. vrrichirb nach lurzrin aber schwerem Leiben mein wniggeliebter Mann, unser treusorzender Bater, Bruber.Schwager und Ontel, bei Ltthograph Krtdnr Kppeidsnrn im 53. Lebensjahre. Die» zeigen tielbetrllbt an ' Zrau Berta Rippelbaum nebst Töchtern. Die Einäscherung findet am Areitag. bem 20. Mai. abends 6 Uhr, im Stre» matnrlum Baumschuienwrg statt DeotidieiitallaMMiliaiiil Zceilaa, den 20. Plal. nachm. 5 Ahe, In Swulds Pereinshaua. srulltzer»fr. 126: Branchenversammlung aller In der Eisenmöbellnbust.le deich. Kollegen nnb kolleginneu Tagesordnung: 1. Bericht bon der Verhandlung vor dem Schlichiungsausschuh. 2. Stellung» nähme dazu. 8. Verschieben»». Da» Erscheinen aller Rollegen und Kolleginnen ist unbedingt ersorberiich. U�veMäWsmlkg'ledel! Zrellao. den 20. Plal, SaF" Sitzung der Mittleren Verwaltung Sonnadend. 21. Mal. abend» 7 Ahr, im Lotai von Such!« Liadomer Skr. 20 (weddlug), Branchenversammlung aller Kesselschmiede und der dazu gehörigen Berufe Tagesordnung 1. Bvrtrag über: Da, Arbeitszeit-Not» gesek. 2 Branchenangelegenheiten. 8.Ber- Ichiebenes kiahlreiches nnb pünktliche. Erscheine» wirb erwartet _ Die OtfBDCrniallnng. Berliner Illh-lriO Neukölln. W» Lataaftr. 74/76 1 oK das ««FSWkWD Nr. 234 ♦ 44. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts dosorrstag, 19. Ma! 1927 Mißbrauch öes Poftmonopols! Unzureichende Begründung.— Schlechte Finanzpolitik.— Was sagt der Reichsfinanzminister? In allen Ländern der Welt steht im Mittelpunkt der wirt- schaftspolitischen Diskussionen zurzeit die Frage, wie private Mono- pole wirksam kontrolliert werden können. Wenn ein privater Mono- polist seine Preise mit emem Schlag um SV Proz. und mehr erhöhen wollte, so würde mit Recht sogar der volksparteiliche Kollege des Reichspostministers im Reichswirtschoftsministerium mit der Anrufung des Kartellgerichts drohen: wenn aber die Reichspost das tut, so billigt Herr Curtius, so billigt das Reichskabinett, billigt der Bürgerblock diese Maßnahme. Die finanzielle Lage der Reichspost. Als wir seinerzeit behaupteten, daß es der Reichspost finanziell gut ginge, waren wir nicht darauf vorbereitet, daß die Post dieje Tatsache zu b« st reiten wagen würde. Sie hat es g e t a n. Wir können demgegenüber feststellen, daß die Reichspost seit Noornbei vorigen Jahres Rekordeinnahmen erzielt hat. Es betrugen die Ein- nahmen der Post 1824 1825 1326 in Millionen Mark ' November..... 185.4 137.3 142.4 Dezember..... 147,4 145,6 154,7 1825 1826 1827 Januar...... 148,8 148,2 158.7 Februar...... 127,2 122,7 134.6 Mär,....... 163,7 157,8 166,5 April....... 131,6 127,9 139,9 Mit was für Argumenten die Post arbeitet, um diesen Tat- bestand zu verschleiern, zeigt ihre Behauptung, das Einnahme irgeb- nis für April sei besonders ungünstig: denn es bleibe um 18 Millio- nen hinter dem im Voranschlag vorgesehenen monatlichen Einnihrne- durchschnitt zurück. Tatsäcb'ich war damit der April ein b e- sonders günstiger Monat für die Reichspost: denn es blieb in den Vorjahren der April hinter den monatsdurchschnittlichen Einnahmen um einen teilweise erheblich größeren Betrag zurück, und zwar im Geschäftsjahr 1924 um 10,3 Millionen Mark, im Ge- schäftsjahr 192S uin 11,4 Millionen Mark, und im Geschäftsjahr 1926 um 16,1 Millionen Mark. Das Einnahmeergebnis des April bestätigt also vollauf unsere Auffassung, daß der Voranschlag cer Reichspost die Einnahmen unterschätzt hat. Jetzt behauptet die Post, sie Hab« große Mehraufwendungen zu machen. Obenan stehen angebliche Mehraufwendungen sür d'e Beamten und Arbeiter in Höhe von 56 Millionen Mark. Diese Aufwendungen sind in ihren kalkulatorischen Unterlazrn nicht klar, zumal, wenn man bedenkt, daß die Reichs bahn bei mehr als dem doppelten Personalbestand« noch nicht einmal mit einem Betrage in gleicher Höhe zu rechnen scheint. Dieser Posten scheint ein Lockposten für die Angestelltenvertreter im Verwaltungsrat zu sein. Hat die Post wirklich Maßnabmen getroffen, die das durchschnittliche Einkommen pro Kopf des Beschäftigten um monatlich IS Morl steigern, wie sie mit ihrer Angab« einer Mehrausgabe von 56 Mil- lion«n Mark behauptet? Worin die Ausgaben für Betriebs- und Verkehrs- Verbesserungen bestehen sollen und wie der Riesenbetrag von 80 Millionen Mark zusammenkommt, bat die Post verschwiegen. Angekündigt hat sie nur, daß der Postscheckverkehr teurer, d. h. un- zweckmäßiger, und doß das bequeme„Päckchen" abgeschafft werden soll. Betriebsverschlechterungen kündigt die Post an, für die Be- Iriebsverbesserungen sind bisher nur„Ausgaben" vorgeseh'n, bei denen sich die Post jeder Kontrolls über die Durchführung der Ver- befferunaen entzieht, wenn man ibr die Mittel dazu bewilligt. Ein dritter Posten von 24 Millionen Mark ist für V e r z i n s u n g und Tilgung von Anleihen vorgesehen. Zunächst wäre es dan- ksnswert, zu wissen, wovon die Post bisher ibre Anleihen ver- zinst hat. Doß sie es getan bat, steht sest. Ihre Schulden betragen jetzt 150 Millionen Mark. Sie erfordern rund 10 Millionen Mark jährlich Zinsen, die schon bisher geleistet wurden. Für Tilgung von 150 Millionen Mark sieht die Post also 24 Millionen vor. Während der normale Tilgunqssotz für Anleiben also 1 Proz. beträgt, will die Post mit einem Tilgunassatz von 16 Proz. rechnen. Selbst wenn man annimmt, was«ine Beleidigung für die leitenden Postbeamten wäre, daß wirklich die 10 Millionen Anleihezinsen vergessen waren, bleibt immer noch ein Tilgungssatz von fast 10 Proz. be- stehen. Hier sind also große Abstriche möglich. Anlagen aus laufenden Einnahmen. Am ärgsten sieht es aber mit dem letzten Posten von 150 Mil- lion«n Mark zur Deckung von Anlageausgaben aus. Die Post hat einmal zugegeben, es sei gesunde Finanzpolitik, im allgemeinen An- lageausgaben aus A n l e ich e m i t t e l n zu decken: nur für die regelmäßig Jabr für Jahr notwendig werdenden?lusgaben für die Zlnlage neuer Telephonanschlüsse müßten die lausenden Einnnhm-n berangezogen werden. Da mit der Neuanlegung von jährlich rund 100 000 Telephonanschlüssen zu rechnen ist und die Post die Kostm des Anschlusses mit 800 Mark veranschlagt, so ergibt sich ein Be'rag von 80 Millionen Mark, den die Post laufenden Mitteln ihren eigenen Grundsätzen nach entnehmen sollte. 17 Millionen Mark sieht der Voranschlag bereits vor: es bleibt also ein Rest von 63 Millionen. also 87 Millionen weniger als sie anfordert. Di«se 63 Millionen Mark sind der einzige Ausgabeposten, der sich wirklich als Ausgabe ergibt, die mit den bisherigen Mitteln der Post bei dem jetzigen Gebübrensystem nicht aufgebracht werden kann. Die 80 Millionen Mark für Betriebsverbesierungen sollten nicht vor detaillierter Aufstellung bewilliot werden, und die übrigen Beträge können bei Einschränkung der Tilaung auf ein vernünftiges Maß mit Leicktigkeit aus den voraussichtlichen Mehreinnhmen ge- deckt werden, die der Voranschlag der Reichspost als stille Reserve unsichtbar zu macken versucht hat. Aber dieser Betrag rechlfer'igt keineswegs eine Gebührenerhöhung. Denn, das von der Post ver- tretene Prinziv der Bezahlung von Anlagen aus laufenden Mitteln, selbst wenn diese Ausgaben immer wiederkehren, ist ungesund. Genau so wenig, wie die Eisenindustrie ein Recht auf Preiserhöhung hat, um auf Kosten der übrigen Wirtschaft rentable Neuanlagen zu errichten oder rentable Erzgruben zu kaufen, genau so wenig soll die Post sich dureb Gebührenerhöhirig die Mittel zur Ausdehnung ihrer Anlagen schaffen. Die Dost und der Anleihemarkt. Dastir ist der Anleihewsg da. Di« Behauptung der Post von der Ungunst des Anleihemarktes zeigt nur, daß die Post in finon. zieller Hinsicht falsch geleitet wird. Erstens ist es sehr gut mög.ich. daß nach dem Abbau der unsinnigen Esfettenspekulation Mittel für festverzinslich« Anlage wieder in reicherem Maß« zur Der- fügung stehen als in den letzten Monaten. Zweitens stehen bei angemessenem Zinsgebot, da» heißt bei einer Verzinsung von 6K bis 7 Proz. der Post Mittel mit ziemlicher Sicherheit zur Ver» fügung. Drittens stehen Mittel zu einem Zinssatz von wenig über 6 Proz. auf den ausländischen Kapitalmärkten für die Reichspost bestimmt jederzeit zur Verfügung. Die Post kann Anleihen aufnehmen, und sie soll Anleihen aufnehmen. Wei.n die Post ihre Anlagen aus laufenden Mitteln bestreitet und dazu Gebllhrenerhöhungen vornimmt, so treibt sie T h e s a u r i c- r u n g sp o l i t i k. Die Post und die Arbeiksbeschaffung. Die Post behauptet, sie brauche die Gebührenerhöhung für ihr Beschaffungsprogramm. Ganz abgesehen davon, daß die Post ihr Beschoffungsprogramm aus der Anleihe decken kann, sollte sie ihre Beschaffungen in den Rahmen einer Gefamtpolitik aller Reichs stellen einfügen. Die Besserung der Wirtschaftslage und des Arbeitsmarktes hat zu einem Teil gerade die Industrie betroffen, die die Post mit Aufträgen versorgen könnte..Neue Aufträge der Post würden zu einer gor nicht wünschenswerten Ueberbeschäftigung dieser Industrien führen. Es ist daher besser, wenn die Post ihre Aufträge erst vergibt, wenn der Beschäftigungsgrad wieder ungünstiger geworden ist. Unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung ist es geradezu w ü n- s ch c n s w e r t, haß den Herren der Reichspost jetzt die Mittel für Anlaoeausgaben beschnitten werden. Denn, obendrein wiirdö die gut beschäftigte Industrie der Post jetzt sicher überhohe Preise in Rechnung stellen. Freilich, die beteiligten Industrien werden mit Nachdruck auf der Erteilung für sie günstigerer Austräge bestehen, um ungewöhnliche Gewinne einzuheimsen: denn sie denken nur an den nächsten Tag und nicht an die eventuell später drohende Zeit neue» Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Aber die A r b'e i t e r- f ch a f t muß an diese Zeit denken. Darum sollte der Verwaltungs- rat der Reichspost im Interesse rationeller Arbcitsmarktpolitik sich gegen die Gebührenerhöhung aussprechen. Und die Reichsfinanzpolikik! Die eigentlichen Motive der neuen Gebührenpolitik liegen auf dem Gebiete der Reichsfinanzen und auf dem Gebiete der Partei- Politik. Der Post stehen neue Lasten bevor, die sie im Jnter- esse partikularistischer Parteipolitik aus sich nehmen soll. Bayern, wo die Bayerische Volkspartei, Württemberg, wo der deutsch- nationale Herr Bazill« regieren, fordern eine Entschädigung für den Uebcrgang ihrer Post an das Reich vor fast zehn Iahren. Offenbar soll die Gebührenordnung auch dazu dienen, Mittel für diese Entschädigungen, die die Rcichsregierung ihren Koalitionsfreunden versprochen hat, bereitzustellen. Wir hoffm, daß die Vertreter, die die übrigen Länder im Verwaltungsrat der Reichspost hoben, daran denken. Außerdem sammelt Herr Köhler schon jetzt Mehreinnahmen für seinen Etat für 1928. Aus zahl- reichen Aeußerungen ist bekannt, daß er und seine Ratgeber fürchten, in diesem Etatsjahr mehr Mittel zu brauchen, als das hstitige Steuersystem hergibt, dessen Eroiebipkeiten von ihnen geslissenclich unterschätzt wird. Nicht nur für die Postentschädigungen an Bayern und Württemberg, auch für die Bedürfnisse des Reichshaus- Halts im nächsten Jahr dürfte die Gebührenerhöhung bestimmt kein, wenn auch noch viel Rätselraten über Einzelheiten dabei ist. Stille Reserven. Die Herren der Postverwaltung wissen, daß sie sobald nicht wieder Gelegenheit zu einem Fischzug haben werden, wie er ihnen jetzt durch den Bürgerblock und seiner Machthaber ermöglicht wird. Darum sind die Ansätze für den Ertrag der einzelnen Maßnahmen absichtlich niedrig gehalten. Während man bei frühere» Erhöhungen des Briefportos mit einem Verkehrsrückgang um 20 Prozent rechnete, stellt die Post diesmal einen Verkehrsrückgang um 25 Prozent in Rechnung(15 Prozent für Verkehreeückgang im Briefverkehr und 10 Prozent für Abwanderung vom Brief zur Postkarte). Während die Einnahmen aus dem Pojiveriehr sich bei dem jetzigen Derkehrsstandc und jetzigen Gebühretisystein auf rund 950 Millionen Mark im Jahre stellen dürften, soll eine fast durch- gehend 50prozentige Gebührenerhöhung nur 210 Millionen bringen. Hier liegt eine stille Reserve von wahrscheinlich fast 100 Millionen. Dt« Telegrammgebühren brachten rund 90 Millionen im letzten Jahr. Ihre 50prozentige Erhöhung soll nur«inen Mehrertrog von 10 Millionen bringen. Die Post kalkuliert also einen Ver- kehrsrückgang von fast 30 Prozent: auch hier liegt wohl eine er- hebliche stille Reserve. Di« Angabe einer voraussichtlichen Mehr- einnahm« von 20 Millionen für den Postscheckoerkehr erscheint ebenfalls außerordenUich niedrig. Da aber alle zahlenmäßigen Unterlagen fehlen, ist sie nur schwer zu beurteilen: man darf an- nehmen, daß auch sie noch Reseroeposten enthält. In Wahrheit soll also wohl die Gebührenerhöhung ausreichen, um in diesem Jahr die gesamten Anlageausgaben der Post zu bestreiten. Eine Kurz- sichtigkeit, die gerade für ein öffentliches Unternehmen mit Monopolcharakter gefährlich ist. *« Der Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat sich mit der beabsichtigten Erhöhung der Po st gebühren beschäftigt. Ihre Begründung hat ihn von der Notwendigkeit und Dringlichkeit der geplanten Maßnahmen nicht überzeugen können. Er glaubt aufs entschiedenste vor dieser er- heblichen Neubelastung der Wirtschaft warnen zu müssen. Er bittet den Verwaltungsrat der Deutschen Reichepost dringend, von einer Zustimmung zu der Vorlage abzusehen. . I- proSuktionssteigerung in Rußland. Aber Absatz- und Preissorgen. Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 1925/26 zeigen die osfi- ziellen Ziffern für die gesamte Sowjetfndiistrie eine P r o d u k- tions'steigerung von 22,9 Prozent. Natürlich hat nicht in allen Industriezweigen eine solche Steigerung stattgesunden. Wäh- rend die chemische, die Zement-, die Holzbeschaffungsindustrien die nach dem Produktionsprogramm erforderliche Menge nicht er- reichen konnten, haben andere Industriezweige, namentlich einige Zweige der schweren Industrie, das Produktionsprogramm über. schritten: Naphtha hat eine Steigerung um 14,2 Prozent. Kohle um 3,9. Roheisen um 4,4, Stahl um 2 Prozent usw. aufweisen können. Der Mangel an Rohmaterial oerhindert die Aussührung des Produktionsprogramms für die Pflanzenöl-, Fett-, Hans- und Flachs- industrien. Im abgelaufenen Wirtschaftshalbjahr ist wieder die Frage des Absatzmarktes ernst in den Vordergrund gerückt worden Im Gegensatz zum vorjährigen Warenmangel haben die ersten Monate des laufenden Jahres ein gewisses Zurückbleiben der N a ch f r a g« hinter der Produktionssteigerung aufgewiesen. Jedoch hat sich seil. End« Februar die Marktlag« einigermaßen geändert, und die Nach- frage, besonders für Verbrauchswaren, ist wieder etwas gestiegen. Der Grundgegensatz der russischen Wirtschaftskonjunttur im ersten Wirtschastshalbjahr 1926/27 bestand in dem Mißverhält- ni» der landwirtschaftlichen und industrielle« Preis«(die sogenannte„Preisschere"). Es ist noch sehr Zweifel- Haft, ob es wirklich gelingen wird, die geplant« Herabsetzung der Preis« für die Industrieerzeugnisse um 10 Prozent bis zum 1. Juni d. I. durchzuführen. Die statistischen Angaben für das erste Vierteljahr zeigen, daß in einer Reihe von Industriezweigen keine Herabsetzung, sondern vielmehr eine Steigerung der Herstellungskosten stattgefunden hat. Dabei handelt es sich nach offiziellen Angaben nicht um die Albeitslöhne, die den Grundfaktor der Selbstkosten bilden. Der nominelle Arbeitslohn stieg im ersten Wirtschastshalbjahr 1926/27 gege.n die gleiche Zeit des Vorjahres um 10 Prozent, und der Reallohn nur um 7,3 Pro- zent, wobei die Arbeitsleistung sich um 12,5 Prozent in Vorknegs- rubeln oder um 17,3 Prozent im gegenwärtigen Tscherwonetzrubel steigerte. Die Industrie ist durch überschüssige Arbeitskräfte belastet, da im vorigen Jahre, dank der zu optimistischen Berechnungen der russischen Wirtschaftsleiter, viele Tausende neue Arbeiter eingestellt wurden. Im Wirtschastshalbjahr.1926/27 ist deshalb angesichts der Leistungssteigerung die Zahl der Arbeiter nur um 5 Prozent ge- stiegen. Die Hauptfaktoren, die nach der Meinung der russi- lchen Wirtschaftler zur Steigerung der Herstellungskosten für Jndu- striewaren geführt haben, sind die Steigerung der Rohstoffpreise und zum Teil die Steigerung der Eisenbahntarise und der Zollsätze. Sie halten es für nötig, die Preisabbaukampagne weiter fortzusetzen. Sie verheimlichen nicht ihre Besorgnisse und be- fürchten, daß auch bei der nominellen Steigerung der Nachfrage mit einem akuten Warenhunger zu rechnen sei, und das um so mehr, als die Verbraucher sowohl in der Stadt, als auch auf dem flachen Lande sich weigern, schlechte Waren zu hohen Preisen zu taufen und von Tag zu Tag immer höhere Forde- rungen für die Qualität der Waren stellen. P. G. « Der Güterverkehr der Reichsbahn. In der Woche zum 7. Mai ist der Güterverkehr der Reichsbahn wieder etwas zurückgegangen. Die arbeitstägliche Güter- wagengestellung fiel von 148 800 auf 148 300. Tabellarische Uebersicht seit Februar.(In 1000 Stück) Woche wöchentlich MÄ Die Schwankungen im Güterverkehr dauern also noch fort, wenn auch im allgemeinen in den vier Wochen bis zum 7. Mai die auf- steigende Kurve unverkennbar ist, die unsere Tabelle zeigt. Der Arbeitsmarkt Mitte Mai. Di« Besjerunoserscheinuiigen auf dem Arbeitsmarkt setzten sich auch in der zweiten Maiwoche nach den Berichten der Landes- arbeitsämter fort. Es ist nicht zu verkennen, daß verschiedene Industriezweige und Berufsgruppen ohne Saisoncharakter einen erhöhten Beschäftigungsgrad' aufweisen. Beachtlich ist ferner die Eindämmung der Kurzarbeit und der sich immer mehr durchletzende Uebergang zur Vollarbeit. Als ein besonders günstiges Zeichen ist der vereinzelt austretende Mangel an tüchtigen Facharbeitern in der Metall- und Maschinen- industrie anzusehen. Von der Metall- und Maschinenindustrie und vogt Baugewerbe werden eine ganze Anzahl Erwerbslojzr der anderen Industriezweige ausgenommen. ver Ernährungsmlnister der Landwirtschaft und die Gcsrie?. fleischsrage. Wie mitgeteilt wird, hat Herr Schiele, der Reichs- ernährungsminister, für die deutsche Landwirtschasl persönlich keine Vorschläge zu der von den Interessenten beabsichtigten Aufhebung des Kontingents und Einführung eines Schutzzolls ge- macht. Er wartet die Vorschläge ab, die demnächst dem Reichstag von den Interessenten gemacht werden. Die Reichsbank nach dem schwarzen Freitag. Für die Beurtei- lung des Vorgehens.der Reichsbank gegenüber der Börsenspekulation hat ihr W o ch e n a u s w e i s vom 14. Mai eine gewisse Bedeutung. Es zeigt sich darin aber keineswegs irgendetwas besonders Auf- fälliges. Di« Kapitalanlage in Wechseln und Lombarddarlehen blieb zwar hoch, aber sie ist gegen die Vorwoche doch noch iinr 36,8 auf 2014,5 Millionen Mark zurück gegangen. Die Wechsel- bestände sanken um 25,9 auf 1905,4 Millionen Mark und die Lonr- barddarlehen um 10,9 aus 16,2 Millionen Mark. Auf der anderen Seite zeigen die Kundengelder auf Girokonto in dieser kritischen Woche noch eine Zunahme um 53,1 auf 625,1 Millionen Mark. Wenn auch die Inanspruchnahme der Reichsbarck danach sehr groß geblieben ist, sy ist der Rückgang dennoch nicht zu verkennen. Der aus London gemeldete ll ebergang von rund 10 Mil- lionen Mark Golddarren aus dem dortigen Reichsbank- depot an die Bank von England ist in den zuletzt ausgewieje- nen Goldbeständen der Reichsbank, die init 1849,1 Millionen Mark fast unverändert sind, noch nicht berücksichtigt. Dieser Verlaus Würste als deoisen-politischc Vorsorge anzusehen sein. Ein Zeichen, wie stark die Devisennachfrage noch ist, ist der weitere Rückgang des Bestandes an deckuugöfähigen Devisen um 20,8 auf 106,2 Millionen Mark. An Reichsbank- noten und Rentenbantscheinen flössen 172,3 Millionen Mark in die Reichsbant zurück. Der Umlauf an R e i ch s b�t n k n o t c n hat um 152,3 auf 3551,7 Millionen Mark und der an Rsntenbanklcheinen um 20/0 auf 1014,1 Millionen Mark a b genommen. Die Noten- d e ck u n g durch Gold erhöhte sich von 62,8 auf 55,2 Proz.. die durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen von 56,4 auf 58,3 Proz. Sohlensyndikot und Gaswerke. Das Rheinisch-westsälilche Kohlensyndikat oerössentlicht eine Erklärung, wonach es u n z u- treffend sei, daß das Kohlensyndikat seine Mitglieder vertraglich verpflichtet Hab« oder verpflichten wolle, Feinkohle für die Erweiterung von Gaswerken nicht zu liefern. Es fei vielmehr nach wie vor fein Bestreben, allen Wünschen der Gas- anstalten nachzukommen- Diese Erklärung ist sehr lobenswert. Wenn das Rheinifch-westfällfche Kohlensyndikat damit aber auch Mitteilungen des„D o r w S r ts" berichtigen will, so irrt es sich. Wir haben nämlich nie gesagt, daß das Kohlensyndikat der Veranlasser eines solchen Reverses ist. Wohl aber haben wit behauptet, daß die A.»G- für Kohleverwertung in Essen einen ähnlichen Revers hat unterzeichnen lassen. Die A.-G. für Kohleverwertung hat bisyer nicht dementiert. Darauf aber käme es an. Die Zechenleut« dürfen deshalb nicht hoffen, daß das Dementi de» Kohlensyndikats auch die Tatsache des Vor- gehens der A.-S. für K o h l e o e r w«"r t u n g aus der Welt schaffen kann, die den angeschlossenen Zechen die Verpflichtung wirklich auferlegt hat. Völterrechtsverlchungen im Weltkrieg. Die Feststellungen des Untersuchungsausschnsses vor dem Reichstag. Auf der Tagesordnung der gestrigen Reichstagssitzung stand der Bericht des Untersuchungsausschusses über die Ergebnisse der Untersuchung über die Völkerrechtsverletzungen im Weltkrieg. Abg. Dr. Bell(Z.) führt aus:. Die Nationalversammlung hatte dem Ausschuß die Frage vorgelegt,„ob in der militärischen und wirt- schastlichen Kriegführung Maßnahmen angeordnet oder geduldet worden sind, die Vorschriften des Völkerrechts oerletzt haben oder 'über die militärische und wirtschaftliche Notwendigkeit hinaus grausam und hart waren". Das ausländische Material dafür lag nur lückenhaft vor. Der Ausschuh hofft, daß die früher seind- lichen Regierungen durch seine Anregflng zur Weiterbearbeitung der aufgeworfenen Fragen veranlaßt werden. Die Verletzung der belgischenNeutralität durch den deutschen Einmarsch hat der Ausschuß noch nicht abschließend behandeln können. Im Laufe dieses Jahres soll die Frage erledigt werden. Die militärischen Handlungen der belgischen Bevölkerung gegen das deutsche Heer haben den Hanger Vorschriften über den Volkskrieg nicht ganz entsprochen. Ob die Deportation belgischer Arbeiter 191(3/1917 völkerrechtswidrig war oder nicht, läßt die Mehr- heit.dcs Ausschusses unentschieden, die Minderheit bejaht die Völker- rechtswidrigkeit. Mißstände in der Ausführung sind ein- stimmig s e st g e st c l l t. Der Unterseebootkrieg ist als Repressalie gegen die völkerrechtswidrige englische Blockade für zulässig, erklärt. Auch das Recht zu Angriffen aus der Luft auf alles, was als Kraft- quelle der feindlichen Kriegführung gelten kann, ist festgestellt.' Der deutsche Gaskrieg entsprach, abgesehen von Grün- und Gelb- kreuz-Granaten, dem Völkerrecht. Aber diese wurden erst oerwendet, nachdem das französische Heer mit völkerrechtswidrigen Gaskampf- Mitteln vorangegangen war. Die Gefangenenbehandlung eptsprach an der Front bei keinem Heer ganz den Forderungen des Völkerrechts. Im Wirtschaftskrieg standen sich kontinentale Auffassung, die das Privateigentum für unantastbar halt, lind englisches Common Law, das das Privateigentum vom militärischen Zugriff nicht ausnimmt, gegenüber. Der Ausschuß hält die allgemeine Durchsetzung der kontinentalen Auffassung für eine Aufgabe der Weiterbildung des Völkerrechts. In der Behandlung der H o s p i t a l s ch i s f e ist von beiden Seiten in einzelnen Fällen gegen das Völkerrecht verstoßen worden. Die Zerstörungen bei den deutschen Rückzügen 1917/1918 erfolgten aus rein militärischen Etwägungen. Ob die milstärische Notwendigkeit in jedem Einzelfalle tatsächlich vorlag, konnte nicht mehr geprüft werden./ Abg. Levi(Soz.) meist darallf hin, daß die Frage der Deportation belgischer Arbeiter nach Deutschland durch Veröffentlichung des Briefes Rathenaus an Ludendorff völlig aufgeklärt sei. Erst hat man die Maschinen, dann die Menschen aus Belgien ausgeführt. Diesen Arbeitern ist nicht einmal Gelegenheit gegeben worden, sich von ihren Angehörigen zu verabschieden, wie sie gingen und standen, wurden sie in ungeheizte Waggorw verladen. Dabei war nur ein Teil arbeits- fähig, viele Hunderte siiw zugrunde gegangen. Diese Deportation war keine militärisch«, soitdern eine industrielle Maßnahme, die i n> k e i n e r Weise zu rechtfertigen ist.(Sehr richtig! links.j Auch die völkerrechtswidrige Mischung der Nationen in den deutschen Gefangenenlagern läßt sich nicht»er- teihigen. Diese Mischung der Nationen beruht aus einen» Erlaß des Kriegsministers aus dem Jahr« 1914. Man wollte die unschuldigen Gefangenen dadurch für die Handlungen ihrer Regierungen büßen lassen. Es wurden Flecktyphus und anbete Krankheiten von einer Nation aüs die andere übertragen, hunderte und tausende von Ge- songeiicn sind dadurch zugrunde gegangen. An diesen beiden Bei- spielen zeigt sich, daß der Bericht des Ausschusses nicht e i N'w a n d s r e i ist. Zu den Sachverständigen des Ausschusses ge- borten Leut«, die für alle völkerrechtswidrige Entscheidungen im Welt- krieg verantwortlich sind. Wer die Aktenangaben miteinander ver- gsticht, der könne Rückschlüsse auf die Feststellungen des Ausschusses ziehen. Die Wirklichkeit liegt noch immer in den Akten, hier- aus ist sie noch zu ermitteln, der Unterausschuß hat es nicht getan. tBeifall b. d. Soz.) Abg. Stoecker(Komm.) bemängelt es, daß die Presse schon zu diesem Bericht Stellung nehmen konnte, während die Abgeordneten ihn noch nicht erhalten hätten. Abg. Dr. Schücking(Dem.) hält die Angriffe auf den' Untersuchungsausschuß für unberechtigt. Es habe sich nicht darum gehandelt, festzustellen, ob der Krieg mit humanen Mitteln geführt worden sei, sondern zu untersuchen, ob die von den Kriegsgegnern Deutschlands verbreiteten Behauptungen, die deutsche Kriegführung habe sich Verletzungen des Kriegsrechts zu» schulden komme» lassen, berechtigt seien.«Ein« neutrale Instanz zur Nachprüfung dieser Dinge sei leider nicht geschassen worden, infolge- besten habe unser Verfahren nur einseitig sein können. Die Sach- verständigen hätten ihre Gutachten nach bestem Wissen und Gewissen �abgegeben. Wenn es schon für den Ausschuß in sechsjähriger Arbeit schwierig gewesen sei, sich ein Urteil zu bilden, so sei es s ü r dieReichstagsabgeordnrten noch vielschwieriger, jetzt schon zu den Ergebnissen der Untersuchung Stellung zu nehmen. Di» Vermischung der Nationen sei außerordentlich zu bedauern, ob dos ober als Bölkerrechtsverl«tzung anzusehen sei, darüber könne man verschiedener Meinung sein. Heute sei nicht mehr festzustellen, welche Gesichtspunkte für* den Abtransport belgischer Arbeiter bestimmend gewesen seien. Diese Frage habe offen gelassen werden müssen, weil die für diese Maßnahme verantwortlichen Personen nicht mehr am Leben weilten. Unter die Bestimmungen für den Gaskrieg seien die Geschosse nicht gefallen.(Widerspruch links.) Der unbeschränkte U-Boot-Krieg könne nur unt«r dem Begriff der Repressalie Völker- rechtlich als gerechtfertigt anerkannt werden, es war«ine Abwehr der Hungerblockade.(Beifall in der Mitte und rechts.) Abg. Diktmaiin(Soz.) wendet auf den Abg. Schücking dos Wort an: Es tut mir in der Seel« weh, daß ich Dich in dieser Gesellschaft seh! Das Aktenwerk des Ausschusses gehe von der Tendenz aus, alles zu rechtfertigen, was von der deutsche» Kriegführung geschehen sei. Was von der Entente- feite aus geschehen sei, wurde stets verurteilt, das ist keine objektive Geschichtsforschung! Ganz besonders unzulässig war es. den Leiter der Völkerrechtsabteilung des Auswärtigen Amts im Kriege seht als Sachverständigen zu vernehmen. Im H o u s h a l t s a u s s ch u ß hat Anfang 1915 der damalige Kriegs mini st er Stein aus- geführt, daß jetzt Deutschland mit seinem Giftgas eine Waffe in der Hand habe, die ihm niemand nachmachen könne, jetzt aber will man behaupten, Frankreich habe mit dem Giftgaskrieg begonnen. Es ist einwandfrei festgestelll worden, daß Kriegsgefangene in Deutschland besonders von deutschen Offizieren miß- handelt wurden. Das ist während des Krieges im Haushalts- ausfchuß des Reichstags unter Vorlage des Materials erörtert worden. Man solle also setzt nicht den Eindruck zu erwecken suchen, als ob bei uns keine Verletzungen des Völkerrechts vorgekommen sind. Bei der Besichtigung deutscher Unternehmungen durch Reichstags- abgeordnete im Jahre 1918 ist ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Maschinen aus Belgien hierhertransportiert worden seien. Man habe die belgische Industrie aus lange Zeit hinaus kon- kurrenzunfähig machen wollen. Der fünfbändige Bericht des Unter- suchungsausfchustes wird im Ausland einen schlechten Eindruck machen und wer sich zum Ziele setzt, mit unseren früheren Kriegsgegnern in ein guhip'Verhältnis zu kommen, um die baldige Räumung des Rheinlandes zu erreichen, der muß von dem einseitigen abgefaßten Bericht abrücken.(Beifall b. d. Soz.)' Abg. Bell(Z.) erklärt, die Ausführungen der Redner der Sozial- dcmokraten machten nicht den Eindruck, als ob man sich in einem deutschen Parlament befinde.(Unruhe links). Der Ausschuh habe mit strenger Sachlichkeit gearbeitet und sowohl die Er- fahrungen der Gegner wie die eigenen Ersahrungen gewürdigt. Abg. Dittmann(Soz.) stellt fest, daß es sich hier darum handle, ob der Bericht eine objektive wissenschaftliche Arbeit sei und für die Ermittlung der Wahrheit gebe es keine besondere deutsche oder englische Wahrheit. Abg. Schneider-Dresden(D. Vp.) bezeichnet es als nicht objektiv, wenn man aus einer ungeheuren Fülle von Taffachen einige Einzel- heilen heraushebe. Es feien sicher viele Verbrechen und Vergehen während des Krieges vorgekommen, aber es schade Deutschland, wenn man nur wenige davon hier vortrage. Abg. Oevi(Soz.) vertritt den Standpunkt, daß man über die Lorkommnisj« im Auslande von hier aus nicht urteilen könne. Nur weil die Ber- schlungen bei uns abgeleugnet worden sind, war es notwendig, die Verhältnisse im allgemeinen zu untersuchen. Es mußte festgestellt werden, wie der Krieg von den Zentralinstanzen geführt worden ist. Das hat der Ausschuß nicht getan, und darum hat er auch trotz seiner langen und kostspieligen Arbeit versagt. Abg. Rädel(Konzin.) führt aus, fein« Partei werde dafür sorgen, daß die Wahrheit über die Vorgänge im Volke oerbreitet werde. Abg. Külz(Dem.) meint, daß die Geschichte garnicht ihr end- gültiges Urteil fällen werde. In keinem Parlament der Welt sei es möglich, daß»in io anerkannter Böikerrechtstrhrer und««nünftiger Pazifist kHciievkcii) wie Prof. Schücking so abfällig empfangen werde. Die sechsjämige'Arbeit des Unt«iäuchungsausschustes habe keines- wegs das Ziel gehabt, ein einseitiges Urteil zu fällen. Wer das be- Haupte, der diskreditiere den ganzen Parlamentarismus und schädige Deutschland im Auslände. Damit �st die Ausspkachc beendet, der Bericht des Ausschustes wird zur Kenntnis genommen. Kreüit für kleinwohnungsbao. Es folgt die 2. Beratung der Novelle zur Abänderung des Ge- sctzes über die Bereitstellung von Kredit zur Förderung des Klein- Wohnungsbaues. Den Bericht über die Ausschußverhandlungen gibt Abg. Silberschmidt(Soz.): Der Ausschuß empfiehlt die Zustimmung zu der Vorlage und be- antragt, dem§ 1 folgenden Absatz hinzuzufügen. Ein Betrag von 19 Millionen Reichsmark ist von dem Rcichsarbeitsministcr im Benehmen mit dem vom Reichsrat gemäß Ziffer IIb der Verordnung über die Verwendung des Kredits zur Förderung des Kleinwohnungsbaues vom 1. April 192(5 eingesetzten Ausschuß für Arbeilen und Versuche zur Verbilligungund Verbesserung des Wohnungsbaues zu verwenden. Für diefe Zwecke können die Mittel als Zuschüsse oder Darlehen bis zu 59 Iahren sowie für Verwaltungskosten verwendet werden; die näheren Bedingungen bestimmt der Reichsarbeitsminister. Der Gesetzentwurf wird ohne Aussprache in zweiter und dritter Lesung angenommen. die Anträge See krisenfürforge. Das Haus fetzt dann die Beratung der Anträge zur Krisen- s ü r s o r g e fort. Abg. Becker Hessen-Nassau(Soz.) stellt gegenüber den Kommunisten fest, daß die Sozialdemokraten die weitere Ausdehnung der Erwerbslofenfürforge verlangt hatten, erst als das nicht erreicht werden konnte, stimmten sie der Krisenfürsorge zu, wollte man nicht, daß die Ausgesteuerten der Wohlfahrtspflege ausliefern. Die Verordnung vom 2 2. April will nun für drei Berufe die Krisenfürsorge aufheben. Ist der Reichsarbeitsminister der Auffassung, daß dadurch auch nur eine einzige freie Arbeitsstelle geschaffen wird? Wenn Arbeiten da wären, so würden sie auch von den Leuten aus der Krisenfürsorge gern übernommen werden. Wie vcrlrägl sich dos vorgehen des Ministers mit den Bestimmungen der Verfassung, daß jeder Deuljche das Recht auf Arbeit hat, und daß die Allgemeinheit für ihn sorgen muß. wenn er keine Arbeil finden kann? Im Spinn st offgewerbe; das aus der Krisenfürsorge heraus» genommen werden soll, sind noch immer 25999 Arbeiter vorhanden, für die keine Beschäftigung gefunden werden kann. Ganze Branchen in diesem Berufe leiden unter Arbeitslosigkeit. In der Gärtnerei stehen nach den letzten Veröffentlichungen 7 4 8 8 Erwerbslosen nur 47 offene Stellen gegenüber« Der Reichsral hol die Verordnung abgelehnt, weil Länder und Kommunen sich fürchten, die Ausgaben auf die öffentliche Wohl- fahrt zu übernehmen. Dieser Streit zwischen Reich und Ländern fpielt sich auf dem Rücken der der Srifenfürsorge unterstehenden Arbeiter ab! Auch in den anderen Berufen, die durch die Verordnung aus der Krisenfürforge herausgenommen werden sollen, ist die Erwerbslosig- keit noch außerordentlich groß, fo besonders im Baugewerbe und bei den Hausange ft eilten. Rechnet man alle Berufe zu- fammen, die aus der Krisenfürforge herausgenommen werden sollten, jo kommt man auf sehr erheblich« Zahlen. Di« Zahl der Erwerbs- lösen mit 1 Million ist noch außerordentlich hoch, so daß man von einer Besserung der Wirtschaftslage, wie es das Arbeitsministerium tut» nicht reden kann.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Es behauptet weiter, daß sich uistcr den Krisenfürsorgern viele Erwerbsunfähige befänden. die eigentlich Rente beziehen müßten. Stellen aber solche Leute wirklich Anträge auf Invalidenrente, fo werden sie abgewiesen, weil sie angeblich noch arbeitsfähig feien. Das ist«in ganz unhalt- barer Zustand. Warum geschieht nichts Ernstliches gegen die Wehrarbeit? Trotz- dem doch z. B. im Ruhrgebiet lleberschichtea in großer Zalst verfahren werden, werden dort Entlassungen jwn Arbeitern vorgenommen.(Hört, hört bei den Soz.) Die Beseitigung des Ueberftundenunipesens wäre eine Maßnahme, die die Zahl der Erwerbslosen rr-esentlich einschränken würde. Die Aufhebung der Krisenfüfforge für einzelne Berufe oder bestimmte Bezirke muß zu den s ch l i m m st e n Härten führen. Diese Maß- nahm« sollte offenbar dazu führen, die öffentlichen Lasten herabzu- drücken und den sozialpolitischen Ausschuß bei der Bercktung der Arbeitslosenversicherung durch die Schaffung bestimmter �Taffachcn zu beeinflussen. Die Sozialdemokratie hält es für unerträglich, die krisenfürforge in einzelnen Teilen oder ganz zu beseitigen. Der Reichsarbeilsminisler muß feine Verordnung wieder aufheben. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Reichsarbeitsminister Dr. Drauns erklärt, seine Verordnung auf Einschränkung der Krisenfürforge fei bestimmt worden von der Rücksicht auf die Besserung des Arbeits- Marktes. An eine Aufhebung der Krisenfürforge habe kein Mensch gedacht. Die Beschränkung der Bezug sdauer der Ar- beitslofenunterftützung für einzelne Berufe auf 28 Wochen Hab« sich aus der Gejetzesbeitimmung-,, ergehen, daß ein« Ausdehnung auf 39 Wochen mir für Berufe mst besonders ungünstigen Ve t h ä l t n i ff e ii gegeben fei. Der Minister sucht aus der Ar- beitsnachweisstatistik nachzuweisen, daß die Verhältnisse in den drei von der Verordnung betroffenen Berufen sich günstig entwickelt hätten. Im Spinnstoffgewerbe herrschte geradezu Hochkonjunktur, es zeige sich hier bereits ein Mangel an Facharbeitern. Aehnlich liege es im Verviclsältigungsgewerbe und in der Gärtnerei. Eine besondere Ungunst des Arbeitsmarktes, die das Gesetz zur Voraus- sctzung der längeren Bczugsdouer mache, liege in den drei Berufen nicht vor, das Ministerium sei demnach zu seiner Maßnahme ver- pflichtet gewesen. Dem Wesen der Erwerbslosenfüfforge entspreche es, wenn entsprechend der Lage des Arbeitsmarktes die Bezugsdauer beweglich gestaltet werde. Wenn die Maßnahme für einzelne be- sonders lange Zeit erwerbslose Personen eine Härte bedeute, so lasse sich das bei keiner gesetzlichen Maßnahme vermeiden. Die Verordnung würde zu keiner nennenswerten Belastung der öffenl- lichen Fürsorge geführt hoben. Leider werde die Krisensürsorge viel- fach zu Zwecken benutzt, für die sie nicht bestimmt sei. Eist erheb- licher Teil der Krisenunterstützten beziehe noch Invaliden-, Unfall- oder sonstige Sozialreiste. Man tönne nicht dauernd in der Krisen- fürsorge Personen lassen, die für den Arbeitsmarkt gar nicht mehr in Betracht kämen. Es fei auch ein Wideffpruch in sich, die Krisen- fürsorge für Berufe bestehen zu lassen, in denen keine Krise mehr herrsche.. Nach weiteren Bemerkungen der Abgq. Ziegler(Dem.) und Becker-Herborn wird die Aussprache geschlossen. Di« von den Kommunisten zu dieser Frage gestellten Anträge werden gegen Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten abgelehnt. Gegen Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag mittag, 12 Uhr: Zweite und dritte Beratung des Zündholzgesetzes. Wetterbericht ber öfsenllichen wetterblenstttelle für Bettln und Ilmgegend. (Nachdr. veib.) Teil» deitcr, teils wolkiq bei wenig veränderten Tempera- turen. Mähige lüdwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und im äußersten Oiten zeilweist Neigung zu Niederschlägen. Sonit trocken und wolkig bis heiter. Im Süden ilblühluug. Sonst Temperaturen ziemlich unverändert. blühende GelundheU für die Jugend zu sichern und den Erwachsenen zu erhalten, ist die vornehmste Aufgabe umsichtiger Haustrauen. Es ist bekannt, daß richtige und zweckmäßige Ernährung dabei Grundbedingung ist Überall, wo eine gute Küche geführt wird, kommen Cetker-Puddings als Nachspeisen auf den Tisch," weil sie außerordentlich nahrhaft, wohlschmeckend und leicht verdaulich sind. Sie ersetzen durch einen Oetker-Pudding leicht ein anderes Gericht und haben demzufolge meist / keine Mehrkosten. Dr. Oetker's Puddingpulver werden jetzt in noch besserer Qualität hergestellt als bisher und zwar durch Verstärkung des Aromas und durch Zusatz von feinstem Reispuder. Auch enthalten Dr. Oetker's Puddingpulver die für den Körperaufbau und die Blutbildung notwendigen mineralischen Salze. Infolge großen Umsatzes sind Dr. Oetker's Puddingpulver stets überall in frischer Ware zu haben. 1 Stück 10 Pfg. 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Er wies auf allerhand in Scherben gegangene Schüsseln und Teller im Wandschrank und trug sie dem Reparateur zu, der sich auf einen Stein neben der fjaustiir setzte. Der Mann hatte einen Schlapphut auf, dessen herabgefallene Krempe einen guten Teil des von einem dichten Bart überwucherten Gesichts oerdeckte. Seine durch langes Tragen abgenutzte Kleidung hatte die Farbe der Landstraße. Der Vagabund pflegt redselig zu sein: dieser war still und schien vor sich hinzuträumen. „Sie sind zum erstenmal in dieser Gegend?" fragte der Wirt. „Ich bin früher— vor 15 Iahren— hier durchgekommen und kehrte damals wohl hier«in. Sie kenne ich nicht: die Leute haben gewiß gewechselt." „Die Besitzerin ist noch dieselbe, Frau Albin. Aber der Wirt..." „Ist der frühere tot?" „So gut wie tat: er hat eines Tages zum Wanderstecken ge- griffen und nie wieder von sich hören lassen... Nach einem Streit mit feiner Frau ist er Knall und Fall fort... Es ist mit ihr nicht gar so leicht auszukommen!" Er lachte verbittert auf._ Und sagte leise:„Sehen Sie, die meisten dieser Teller..." ..... hat sie Ihnen an den Kopf geworfen: ich verstehe." Wenige Augenblicke später stieß eine große, magere, jchwarz- haarig« Frau die Tür zu dem kleinen Hofe aus. Die Anwesenheit des Geschirrausdesserers schien ihr nicht zu behagen. „Wer hat dich denn geheißen, daß du den sollst eintreten lassen?" fuhr sie ihren Mann an. Der Mann machte Miene, wegzugehen. „Nein: bleiben Sie. da Sie nun mal da sind... jiast du mit ihm vorher ausgemacht, was er zu bekommen hat?" Dann fügte sie leiser hinzu:„Mit solchen cherumlungerern weiß man nie, wie man dran ist. Die wollen einen nur ausbeuten..." Der Landstreicher versprach, daß er sie nicht überteuern werde, was sie einigermaßen beruhigte. Und nun schleppte sie noch anderes schadhaft gewordenes Porzellan herbei. „Hier, dieser Lampenschirm! Der Tölpel hat ihn zerbrochen: vielleicht können Sie ihn wieder ganz machen..." Sie brachte auch eine eiirgerohmte Photographie,- auf der eine .. Staubschicht lagerte. Hinter der gebyrpcivn Scheihe. fqh.mon ein langes Ehepaar, das ziemlich blöde lächelte./ Der Mann betrachtete das Bild und verglich es mit der vor ihm stehenden Frau. -„Sind Sie das? Sie sind mal sehr hübsch gewesen!" Trotz der Ungeschicklichkeit des Kompliments geruhte sie zu lächeln und auf dem schon alten Gesicht tauchten unzählige kleine Fältchen auf. „O, ich war, was man ein hübsches Mädel nennt." „Und d!r neben Ihnen— das ist ohne Zweifel der Gatte?" fragte der Flicker. Sie lächelte spöttisch:„Nein, sehen Sie nur genau hin: dos war ein anderer Mensch— mein Erster... Ein Dickschädel, aber das Herz hatte er auf dem rechten Fleck..." Sie wandte sich dem zweiten Ehegespons zu:„Im kleinen Finger war er mehr wie du!" Der Gatte fiel ihr ins Wart:„Wenn' du glaubst, daß dein Ouatsch den Mann interessiert..." Den ganzen Nochmittag sah der Arbeiter ihrem Treiben.zu: er sah sie gehen, kommen, hörte ihr unermüdliches monotones Gekeif. Der Abend begann zu dammern. Er gab sich seinem Friede» hin. Der riesige Nußbaum, der das Haus überragte, ließ dos ein- �fchläfernde Rauschen der Blätter vernehmen, und der Wind trug seinen zarten Duft herein. Der Sonnenuntergang übergoß den Hügel wie einst mit dem Purpur seiner Lichtreflere. Die Dinge hattSki sich nicht geändert: nur die Menschen... Wie die Essenszeit herankam, sagte er: „Da Sie ein Wirtshaus haben, geben Sie mir zu essen. Sie ziehen das von der Bezahlung ab." Er saß neben ihnen. Eine trübselige Funsel erhellte das Zimmer. Die große Lampe mit der Glocke wurde für etwaige, sich ober nur spärlich einstellende Gäste reserviert. Der Krieg hatte Handel und Wandel der kleinen Leute vernichtet. Die Verbitterung der Frau machte sich während des Essens in unaufhörlichen Klagen -- Luft. Um Nichtigkeiten zeterte sie mit ihrem Mann, machte ihn ver- antwortlich für alle Uebel, die sie belästigten. Der Geschirrkitter hörte den Tonfall von einst, sah die gleichen Bewegungen wieder, diesen ganzen unerträglichen Zustand, der ihn zäh umklammert und seine junge Liebe zu Eis erstarrt hatte. Er ober, der Alternde, empfand dies alles nur noch schrecklicher... Soviel Tage und Nächte— während seines zigeunerhaften Um- herschweifsns— wenn der Regen auf ihn niedertroff— und er in Scheunen nächtigte, hatte er sich nach einem warmen und behaglichen Asyl gesehnt, nach trautem Zusammensein bei Lampenschimmer, nach dem Glück eines wiederyenossenen Kusses... So hatte es ihn aus weiter Ferne hierhergetrieben... Das Leben greift tückisch unsere häßlichsten Erinnerungen auf, klärt und reinigt sie, vermengt sie mit unseren Wünschen und Träumen, zeigt sie unseren Augen im Schimmer trügerischer Reflexe: das ist die Fata Morgana der Wüste! Die zerbrochenen Leben— sie lassen sich nicht wieder zusammenkitten wie deine Porzellan- scherben, Geschirrkittsr! Er stand auf, um fortzugehen. „Wir wollen abrechnen!" sagte er. Sie wunderte sich, daß er ihre Einladung, zu übernachten, ab- lehnte. In der Dachkammer das Bett kostete nur drei Franken. Und die Wanderer blieben sonst gern für das bescheidene Entgelt da. Sie schrie aus, wie er sagte, was er zu bekommen habe. Wollte er sie denn zugrunde richten? Nein, er mußte den Preis herab- setzen... Er lächelte— zugleich hochmütig und traurig. Und eigentlich freute er sich, daß sie sich so benahm: er empfand weniger Reue... „Gute Frau, ich Hobe Spaß gemacht. Ich kittete einige Ihrer Porzellansachen: aber Sie hatten die Freundlichkeit, mich an Ihrem Tisch mitesscn zu lassen: ich bin eigentlich in Ihrer Schuld.,. Nehmen Sie daher an, daß wir quitt sind!" Sic versuchte zu widersprechen: „Das sähe ja aus, als wenn Sie mir eine Wohltätigkeit erwiesen!" „O— die Wohltätigkeit eines Landstreichers— die hat nichts auf sich!" Er drückte die 5zand seines Nachfolgers mit brüderlichem Mitleid, zögerte einen Augenblick, ob er auch der Frau die Hand reichen solle: dann verabschiedete er sich bloß mit einer unge- zwungenen Verbeugung vor ihr: sie war davon überrascht. Leichten Herzens verschwand er— ohne es der Mühe für wert zu halten, sich ihr erkennen zu geben— in der milden Nacht. (Berechtigte Ueberfetzung von Ioh. Kunde.) vie Sekehrung. MK? keuoelu „Neige dein Haupl, stolzer Sigambrer. verbrenne, was du angebetet hast, bete an. was du verbrannt hast!" (Erzbsschvi Remigius von Reim» tg« bei der Taufe Ehlodwigs.) Zur Kulturgefthichte öer Spielkarten. Von Dr. E. H u b c r. Wer hat sich je einmal, wenn er eine Skatkarte in der Hand hielt, die Fraeg gestellt, seit wann der Kulturmensch in den färben- reichen Blättern dieses vielseitige Unterhaltungsmittel geschenkt ist? Es gibt kaum eine zweite Kulturerrungenschaft, die derartig Allge- meingut aller Völker»nd Menschen geworden ist wie die Spielkarte und von deren Entsteh»ng und Geschichte wir so wenig wissen wie von dem Ursprunq und der Heimat dieser geheimnisvollen Karten. 1379 kommen sie in Italien auf, gelangen durch die Landsknechte noch Deutschland, sind 1384 in Nürnberg bekannt, 1392 in Frankreich und zu Ansang des 16. Jahrhunderts in England. Sicher ist, daß sie in Italien zum erstenmal anftraten und daß sie hierher aus dem Orieut gekommen sind. Italien war ja damals der große Zwischen- Händler zwischen dem Orient und dem?lbendland. Die älteste italienische Karte, die sogenannte Trappolier-Karte, war wohl von den einzelnen, heute in den verschiedenen Ländern üblichen Karlen verschieden. Aber die wesentlichsten Grundzüge, die vier Farben- ünd die drei Figurenbilder, waren bereits in der Trappolier-Karte vorhanden und sind auch bei allen einzelnen natio- nalen Abarten der Kartenblätter enthalten geblieben. Die ältesten Farbbilder waren Eupi— Becher, Spadi= Degen, Denari= Geld, Basloni= Stab. Die Figurenbilder waren Re � König, Conte— Gras, Cavallo= Ritter. Aus diesen alten italienischen 72blätterigen Karte» ist die deutsche und die französische nationale Abart entstand«». Wann sich diese Eigenarten heraus- gebildet haben, läßt sich nicht mehr sagen. Die französische Karte ist jedenfalls 1422 unter Karl VII. bereits in der heutigen Form bekannt. In der französischen Karte waren die Farben einsprechend der italienischen Ordnung: Cosnr= Herz, Pique— Schippen, Carreau � Eckslein, Trefle--- Kreuz, die Figurcnbilder aber bilden König, Dame, Junge. Die deutsche Karte lehnt sich enger an das italienische Vorbild an.' Sie nennt die Farbenbilder Eichel(Eupi), Laub(Spadi), Schellen(Denari), Herz(Bastoni). Die Figurenbilder hat sie ganz von der italienischen Karte entnommen: König, Ober, Unter. Als das Kartenspiel in Bitcrbo austauchte, wurde es unter dem Namen Naibisspiel bekannt. Der Name klingt persisch, ohne daß es bis jetzt einem Orientalisten gelungen wäre, die persische Sprach- wurzel für diese Wortbezeichnung auszusinden. Aber der persische Anklang des Namens hat zu vielen geistreichen Kombinationen über den Urfprung und die Bedeutung des Kartenspiels geführt. So hat man eine Art«chachspiel in Bildern statt in Figuren oarin finden wollen, einen Schachspielersatz für Rcisezwccke. Aber der Entstehung des Kartenspiels selbst ist man durch diese Vermutung in nichts nähergekommen. Wir können heute die Geschichte der Spielkarten um»ieles weiter zurückoerfolgen. Wir wissen, daß die Chinesen und die Ja- paner schon mindestens 5 Jahrhunderte früher, ehe die Spielkarten nach Europa kamen, mit solchen gemalten Elfenbein- und Holz- täsclchen sich die Z-nt vertrieben, und in China wax das mit diesen Täfclchen gespielte Spiel in de>- Tal tine Art Schachspiel. In China selbst ist dieses Spiel allerdings nicht erfunden worden, die chinesischen Annalen lassen es aus dem„Westen" kommen. Zwischen Persien, Indien und China bestanden ja in der Zeit vom siebenten nachchrist- lichen Jahrhundert ab sehr lebhafte Beziehungen. Seit der Buddhis- mus in China eingeführt worden war, setzte im Lande der Mitte starke Sehnsucht ein. das heilige Land der Heimat Buddhas kennen- zulernen, die heiligen Stätten zu besuchen, die durch die Spuren seines Wandels geheiligt waren und hei-ige Reliquien und heilige Bücher aus den indischen Klöstern mit in die ferne Heimat zu bringen. Die Reisebcschreibungen chinesischer Jndienpilger bilden eine der interessantesten Abteilungen'der chinesischen Literatur. Der Weg nach Indien führte aber über Persien, und so sind mir diesen Pilgern neben vielen geistigen Eckfätzen noch viel mehr mclllichc Dinge, Errungenschaften der„westlichen" Kultur, nach dem fernen Osten gewandert und dort als westliche Merkwürdigkeiten schnell in Mode gekommen. Das chinesische Kartenspiel gehörte auch zu diesen westlichen Modeartikeln. Sein Ursprung ist also sicher im Westen Chinas zu suchen, in Indien oder in Persien. Wir besitzen heute in den Ausgrobungeu der deutschen Turfan- expeditionen reiches kulturgeschichtliches Materiol, das uns Aufschluß gibt über die Mannigfaltigkeit der kulturellen Beeinflussung Chinas durch den Westen, hauptsächlich durch Persien, das bedeutendste Kulturland an oer Nordwestgrenze des chinesischen Reiches. In der Tarimsbene,' in Chinesifch-Turkestan, hart an der nardchinefifchen Grenzprovinz Kan-Su, hatte sich zwischen dem vierten und siebenten nochchristlichen Jahrhundert unter Führung der indogermanischen Tocharen ein Staatengebilde aufgetan, das rein westlich orientierr rdar. Die Tocharen waren lange vorher Vasallen der persischen Könige gewesen und hatten sicher in ihrer sozialen Oberschicht die persische Kultur in sich ausgenommen. Di« Fürsten und Barone des Techorenreiches auf den Wandtafeln im Völkerkundemussilm stehen vor uns wie stolze persische Ritter, im Schuppenpanzer oder Waffen- rock, mit modischem Klappenkragen, die Helmbrüne auf dem Kopf, den Schwertgurt um den Leib, das lang« Schwert mit Äreuzgriff an der Seite, die Beine im Harnisch oder in langen Filzstieseln. Die Pferde sind gewappnet und mit Straußenfedern geschmückt, die Mähne geflochten. Die Ritter tragen den pfeilbeschwerten Köcher auf dem Rücken und die Lanze in der Hand, mit dem wehenden Fähnlein daran. Reben ihnen stehen ihre Damen in kostbaren Ge- wändern mit ausgeschnittenen, sch-llenbesetzten Miedern und langen, Schneppcnrock, Herren und Damen wie Bilder ans der europäischen Ritterzeit! Alle diese hohen Herren und Damen der Tocharen trogen zweifellos persische Modelle. Aber die feinen Gewänder dieser vor- nehmen Herrschaften sind reich verziert mit allerhand abwechslungs- reichen Mustern, unter denen wir ohne Mühe die Farbenbildcr unserer ältesten Spielkarten heroussinden: Eupi_ Becher, Spadi= Degen, Denari— Münzen, Bastoni � Stob. Es scheinen also die Gemandmusler bestimmter persischer Gesellschastsschichten die Vor- lagen für die Farbenbildcr des Naibisfpicls abgegeben zu haben, und die einzelnen Farben im Kartenspiel bedeuten naturgemäß nichts .anderes als einzelne Abteilungen, Kompagnien Soldaten, die im Kriegsspiel gegeneinander zu Felde ziehen, und ein Schachspiel in Bildtafeln. Iahrhunderlclang mag dieses Kartenspiel in Persien stillen Zechern die Zeit vertrieben haben, ehe es nach Europa kam und von hier aus in kurzer Zeit die Welt eroberte, lind während sich heute noch die ganze Welt oin Kartenspiel erfreut, ist es in Persien, seinem eigentlichen Heimotlande, vergessen. Venn öer NWPppi ein anderes öett sucht Ueberschwemmungskatastrophr am Mississippi hat noch hnntec nicht ihren Höhepunkt erreicht. Soeben werden l�ue, schreckliche Einfiel. heilen des furchtbaren Dramas gemeldet, aus denen hervorgeht,- dag ..... das Uslbeil. immer Dößcrcn Umfapg aqinmml.. Ein bekannter amerikanischer Ingenieur, Carroll� Riker ouz Washington, vertritt in amerikanische» Blättern die Ansicht,� daß sich der Mississippi insolge der gewaltigen Ueberschwemmungen de" letzten Zeit in Zukunft ein anderes Bett suchen werde. Riker ist der llcbcrzeugung, daß der Fluß in der Höhe von Baton Rouge, der Hauptstadt des Staates Louisiana feine Richtung ändern und sich in den mexikanischen Golf ergießen werde, ohne, wie bisher, New Orleans überhoupt z» berichren. Zwar begegnet man in -Amerika dieser-Ansicht mit cinioer Skepsis. Aber es wäre nichr das erste Mal in der Geschichte des..Baters der Ströme", daß sich der Mississippi ein« solche Eigenmächtigkeit erlaubte. Mark Twain, der unsterbliche amerikanische Jchimoris«, der seine Kinderjahre am Mississippi verlebt hat und als Lotse den gewaltigen Strom be- suhr, ha, in seinem heute wieder so aktuell gewordenen Buch„Aus dem Mississippi" oo» solchen Ereignissen berichtet.„Auch in folgender Beziehung," so schreibt Mark Twain(wir folgen hier der im Robert-Lutz-Berlag zu Stuttgart erschienene» deutschen lieber- setzungl,„ist der Mississippi bemerkenswert: nämlich durch seine Neigung, wunderbare Sprünge zu machen und schmale Landzungen zu durchscheidcn, um auf diese Weise seinen Laus gerade zu richien »nd zu verkürzen. Mehr als einmal hat er sich mit einem derartigen Sprung um dreißig englische Meilen verkürzt! Diese Richtwege haben seltsame Folgen gehabt: es sind dadurch verschiedene au, Fluß gelegene Städte mitten in ländliche Distrikte hineinversetzt und vor ihnen Sandbarven und Wälder ausgebaut worden. Die Stadt Delta hat sonst drei Meilen unterhalb Blcksburg gelegen: ein vor einiger Zeit von dem Fluß eingeschlagener Rich'tweg hat die Lage aber radikal geändert, denn Delta liegt jetzt zwei Meilen oberhalb Bicksburg. Beide genannten Städte sind durch jenen Durchbruch vom Fluß ins Land hineinversetzt worden. Ein solcher Richtweg des Flusses zerstört zuweilen sogar die Staatsgrenzen: beispielsweise kann ein Mann, der heute im Staat Mississippi lebt, infolge eines über Nacht erfolgten Durchbruchs sich und sein Land morgen auf der anderem Seite des Flusses wiedcrfnchen, wo er im Gebiet des Staates Louisiana ist und unter dessen Gesetzen steht. Geschah derartiges in den früheren Zeiten an, oberen Lauf des Flusses, so konnte es vorkommen, daß ein Sklave auf solche Weise von Missouri nach Illinois versetzt und zum freien Mann wurde. Der Mississippi verändert sein Bett aber nicht allein durch diese Durchbrüche, sondern auch noch in anderer Weise, und zwar da- durch, daß er sich seitwärts bewegt. Bei„Hard Times" im Staat Lousiana fließt der Fluß jetzt zwei englische Meilen von der Stelle, die er früher einnahm. Eine Folge davon ist, daß sich der ursprüng- liche Ort dieser Niederlassung jetzt nicht mehr im Staat Louisiana befindet, sondern am anderen User, im Staat Msssissippi lieg:. Fast die ganze 1300 englische Meilen lange Strecke des alten Mississippi, welche La Salle vor zweihundert Iahren mi, seinen Kanoes befuhr, ist jetzt, ein. guter, trockener, fester Boden. An einzelnen Stellen fließt der Mississippi jetzt rechts, an anderen links von seinem alten Bett. Wöhrend der Schlamm des Mississippi an der Mündung, wo die Wogen des Golfs ihn in Bewegung halten, nur lckvgsam Land ansetzt, geschiehi dies an besser geschützten Stellen weiter auswärts um so viel schneller: beispielsweise maß die Propheteninsel vor dreißig Iahren nur 1500 Slcres, die seitdem jedoch von dem Flusse unr 700 vermehrt worden sind. Nach den Berichten erfahrener Fachleute entleert der Mississippi alljährlich 406 Millionen Tonnen Schlamnt- in den Golf von Mexiko, ein Quantum, Aas zu einem sesten Körper vereinigt, einen Flächen- räum von einer englischen Quadrotmeile bedecken und eine Höhe von. 241 Fuß haben würde. Die Schlammablagerungen lassen das Land allmählich anwachsen, doch geschieht dies nur sehr langsam, da dasselbe in den zweihundert Jahren, welche verflossen sind, seit. dem der Fluß seinen Platz in der Geschichle eingenommen hat, nur um eine Drittelmeile vorgerückt ist. Die Gelehrten meinen, daß die Mündung des Flusses früher bei Baton Rouge, wo das hügelige Terrain aushört, gelegen habe, und daß die- zweihundert Meilen Land zwischen dem genannten Punkt und dem Golf vom Flusse angeschwemmt worden seien. Darmus würde sich ohne Mühe das Wer dteses Landes aus 120000 Jahr« berechnen lassen." Mißglückte Mohrenwajche öer �Reiniger". Im weiteren Verlauf seiner Sitzung beschäftigte sich gestern der Landtag mit dem Berg- und chüttenetat. Abg. hqrtleib(So?.) kritisiert das Verhalten einzelner Betriebs- leiter in staatlichen Betrieben, die das Betriebsrätegesetz outzer acht lassen und Verhandlungen mit den Betriebsräten und den Organisationen ablehnen. Abg. Otter(Soz.) hält die Einwirkung Preutzcns auf das Reich gegen die angetündiate Knhlenpreieerhöhung von TH P r o z. durch das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat für not- wendig. Bei der Besprechung des Etats für Handel und Gewerbe. nimmt Abg. Dr. waenlig(Soz.) auf die Vorgänge an der Berliner Börse bezug, die bis heute noch nicht geklärt seien. Gewiß konnte der Reichsbankpräsident mit Rücksicht aus die wäh- rungspolitisch« Lage mit der Entwicklung der Dinge an der Börse nicht einnerstanden sein. Es sei aber zweifelhaft, ob die getroffenen Maßnahmen die richtigen waren. Die Regierung müsse sich äußern, ob sie von den vorher getroffenen Abmachungen Zwischen dem Reichsbankpräsidenten und der Berliner Slcmpelvereinigung gewußt hat und wiesern sie diese Dinge zu beeinflussen suchte. Lzandeisminister Dr. Schreiber: Besprechungen zwischen deni Reichsbankpräsidenten und dem Börsenkommissar haben Ueberein- stimmung darüber ergeben, die übertriebenen Börsenspekulationen zu bekänipsen. Die getroffenen Mahnahmen sind im Einverständnis mit den Banken getroffen worden; ihre plötzliche Veröffentlichung ist allerdings unerwünscht gewesen und hat zu den Kursstürzen ge- führt. Zn Zukunft wird dafür gesorgt werden, daß durch recht- zeitige Fühlungnahme mit den betsiiigten Stellen ähnliche Vor- tommnisse verhindert werden. Ohne Besprechung werden hierauf die Etats der Porzellan- manusaktur, �deo Gesetzessammlungsomts und des „Reichs- und Staatsanzeiger s" verabschiedet. Deutschnationale»Reiniger"' am Pranger. In der Beratung des Etats des Justizministeriums nimmt das Wort Abg. Senkel(Dnat.): Seit ich als Publizist die Tätigkeit des Staatssekretärs Weismann unter die Lupe genommen habe, werden �egen mich Borwürse erhoben, die vom Abg. Kuttner inspiriert cheinen. In einem Verfahren gegen die„Königsbergcr Volkszeitung", die sich Kuttners Ausführungen zu eigen machte(Zuruf des Abg. Kuttnsr: Das ist nicht wahr!) und in dem ich als Neben- tläger auftrat, hat der beklagt« Redakteur die Vorwürfe mit den, Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen. Man hat mich beschul- digt, die Seele des Plausner Strefemann-Prozeffes gcwefen zu lein, obwohl ich mit den Aktenkäufen nicht das geringst« zu tun gehavt habe. Ich fall auch.als erster das Kesseltreiben gegen den Minister häfle eröffnet haben. Ich nehme für mich allerdings in Zlnspruch, zur Aufklärung der dunklen Barmat- Affäre einiges beigetragen zu haben. Das rechne ich mir als ein Verdienst an. Das mir van dem Zuchthäusler Zeunerzur Verfügung gestellte Material ist dokumentarisch.(Zuruf links: Sie hoben es gekauft!) (gewiß, wie andere Briefmarken und Kupferstiche sammeln, so sammle ich solche Dokumente zur Zeitgeschichte. Ich stehe nicht an. zu erklären, daß ich mit ganzer Seele zu den Herren Knoll. kußmann und Easpari stehe, die seit einer Reihe von Jahren durch boshafte Schlechtigkeit ver» leumdet worden sind und die sich nach Abschluß der schwebenden Diszivlinarvenohren noch zu rechtfertigen'wissen werden. Herr Kuttner hat offenbar versucht, mich durch seine ständigen Angriffe.zu veranlassen, mein Material vorzeitig preiszugeben. Das ist ihm nicht gelungen. Ich habe vermißt, daß in der zweiten Lesung der Justiz m in ist er die angegrissenen Iastizbeamten Kjißmann und Easpari in Schutz genommen hat. Justizminister Dr. Schmidt-Lichtenberg: Ich Hab« mich in der zweiten Lesung in meinen Ausführungen über die von Herrn Kenlel genannten Justizbeamten zurückgehalten, weil die Disziolinaroerfahreii nach fchivebien. Ich mache aber daraus ausmerkfam, daß Herr kußmann inzwischen vom Disziplinarsenak vom Aml dispensiert worden ist. Abg. üuttner(Soz.): Herr Kenkel hat nach längerem Schweigen auf meine Angrifse geantwortet, aber wie! Nach der Art schäbigster Winkeladvokaten hat er von hundert Dingen gesprochen, die ich niemals erwähnt Hobe, und hat sie mit großem Elser widerlegt. Soweit er aber ge- legentlich meine Behauptungen gestreijt hat, hat er sie restlos be- statigen müssen. Das werde ich jetzt nicht mit ollgemeinen mittel- europäischen Redensarten, sondern Tatsache für Tatsache beweisen. Im Prozeß Endrulat hatte Herr Kenkel wegen Behauptungen geklagt, die ich niemals ausgestellt habe. Ich bin lediglich in diesem Prozeß in Königsberg als Ä«uge vernommen worden und habe das, was ich früher gesagt hatte, unter Zeugeneid bekräftigt. Herr kenkel leugnet, als erster das Kesseltreiben gegen HSsle begonnen zu haben. Aber er Hot bereits vor dem Unter- fuchungsauoschuß zugeben müssen, daß der Artikel„Rächtllche Aktenlranspocte" in der„Deutschen Zeitung" von ihm flammt. Stäatsanwallschastsrat Dr. P el tz e r hat bekundet, daß auf diesen Artikel hin die erste Haussuchung bei höfle vorgenommen worden fei, und der Untersuchungsausschuß hat einstimmig festgestellt, daß dieser Artikel mit seinen sämtlichen Angaben vollständig erlogen war.(Große Bewegung und stür- misches hört, hört! links.) Zum Fall Zeuner beruft sich Herr Kenkel darauf, daß wir ja auch politische Gefangene unterstützten. Der Vergleich zwischen dem alten Zuchthäusler Zeuner und politischen Gefangenen beweist ein besonders geringes Maß von Unter- sche'dungsoermögen und ethischer Wertung.(Sehr wahr! links.) Aber Herr Kenkel hat recht: mancher sammelt Briefmarken, weil er Briefmarken liebt, mancher sammett Kupferstiche, weil er Kupferstiche liebt, und Herr Kenkel sammelt Schweinehunde, weil er Schweine- Hund« liebt, und jeder liebt, was ihm gemäß ist.(Stürmischer Bei- soll links.— Ordnungsruf.) Zu den Dokumenten, die Zucht» Häusler Zeuner Herrn Kenkel geliefert hat und die wir noch nicht kennen, gratulieren wir im ooraue; denn die Spezialität de? Zeuner in feiner Lerbrecherlaufbahn ist die A k t e n f ä l f chu n g. (Heiterkeit.) llebrigeas ist Zuchthäusler Zeuner nicht der einzige kriminelle. von dem Herr Senkel Material bezieht, wie steht es mit feiner Freundschaft mit dem— er würde sagen— ostjüdischea Schieber Michael holzmann? Herr Senkel hat ihn ja sogar lm Gefängnis fleißig Luxusstätten frequentiert, wenn er bcstrcht und mit ihm gerade in Freiheit' war.(Große Bewegung.) f)35, 170,! I 55, Bettstellen 38. Tische 18, Siohle 1. Rubebett 42, Umbausoso 135, Flur. gardcroben 83. Verkauf im Fabrikgebäude. Moebel-Boebel. Moritzplatz," ko?sKlviMrsrdeiZ ZllleinsteheaSe Frauen uud Mädchan noch der Jleamatt gesucktt Meldungen de! den Bezirl» rdeitsuach. we ien sowie im I.anäe»»i-t»el«»»mt Berlin, Nieder wolUtr.l 2, Zimmer II. TO A IT A SCHLESIEN stark:;Ä Mm 1)1 1 I jl Ii Mitten im. n''rv° ÄVprellS mJPl OlIIL� iLm/i VUL N Hochwald gelegen