Ur. 226. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- lährlich 3.30 Marl, monailich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei ln's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags-Nnnimer mit illustr. Sonntags- Beilage„Neue Welt">0 Pfg. Post-Abonnement: s.soMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland oMl.pr.Monat. Eingetr. >» der Post- geituugs- Preisliste für 1333 unter Nr.?12S. 12. Jahrg. Jnferllons-Aebühr beträgt für die sünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 10 Pfg., für Vereins- und Versammlnngs- Anzeigen so Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeduiou ist an Wochen- tage» bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr Vor- mittags geöffnet. Lern sprechet: Amt 1, Ur. 1508. Nrlegranti»- Adresse: «Sosialdeiitolirat Kerli»!' Verllner NolKsblalt. Zentralorgan der s ozlaldemokratischen Partei Deutschlands. Aedtlktion: Lv.is. Aeuth-Straße 2. Freitag, den AT'. September 1893. I ßTpedition: 8V.!9, Neutß-Straßc z. Abommtilts-Einladling. Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Quartal und eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „Vor»vNrks" mit der illlistrirten Sonntags-Beilage „Die Neue Welt". Die Weltlage ist so bewegt, daß sie mehr und mehr das Interesse jedes denkenden Menschen in Anspruch nehmen muß. Die Umsturzvorlage ist zwar gefallen, allein der U m st u r z von oben wird eifrigst fortgesetzt Namentlich richten die Anstrengungen der reaktionären Parteien sich gegen das allgemeine Wahlrecht und das gleiche Recht der proletarischen und besitzenden Staatsbürger. Das deutsche Volk, die deutsche Arbeiterklasse soll politisch entrechtet werden. Und der Kampf um das allgemeine Wahlrecht, um die Rechte des Volkes muß vor allem in der Presse geführt werden. Die Presse ist die mächtigste Waffe des Volkes— und diese Waffe zu stärken, ist Pflicht des Volkes. Wir fordern die Genossen ans, nach Kräften für die Verbreitung des„Vorwärts" thätig zu sein. Nach Beendigung unseres gegenwärtigen Feuilletons: der„Skizzen aus dem südamerikanischen H i n t e r l a n d e", die ebenso spannend als belehrend sind, werden wir eine kurze, mit packender Realistik geschriebene Skizze aus dem letzten Türkenkrieg bringen und dann mit dem Abdrucke des in der Gegenwart spielenden, hochinteressanten Romans:„Der Verrückte" beginnen, welcher die Vernichtung eines hoffnungsvollen Menschenlebens durch kirchlichen Fanatismus dar- stellt und ähnliche Zustände beleuchtet, wie sie jüngst durch einen sensationellen Prozeß aufgedeckt worden sind. Für Berlin nehmen sänimtliche Zeitungsspediteure, so- wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen ent- gegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- ments zum Preise von 3,30 M. für die Monate Oktober, November und Dezember entgegen.(Eingetragen in die Post-Zeitungsliste für 1895 unter Nummer 7128.) Redaktion und Expedition des„Vorwärts". fNachdrull perboten. Slnzzstt KU-s dem pudstmevikÄNiMeu Hinteelkmde. so I» Buenos Aires arbeitete unterdessen Herr Winter- feld in seinem Zimmer und auch unter ihm waren noch die Komtoiristen thätig, obwohl die Stunde schon längst geschlagen hatte, in der sie sonst ihre Federn niederzulegen pflegten. Es gab viele Beschäftigung heute. Es gingen Telegramme ab und kamen deren an, man addirte, sub- trahirte, man blätterte in einer Menge von Büchern allerlei Formates und machte Zusammenstellungen. „Das Schiff schwankt im Winde," sagte einer der ober» Beamten zu seinen Nachbareu. „Es gilt einen Orkan auszuhalten, mein Lieber.... Das sind erst Vorboten... aber unser Schiff ist stark gc- baut und wird noch fahren, wenn andere schon lange auf dem Grunde des Meeres liege»..." „Aber wir haben eine Menge Verbindlichkeiten in Gold...»ach der Zurückkunft des Chefs ans Paraguay schrieb er über zwei Millionen Pfund Wechsel, die nach einigen Monaten präseutirt werden... wenn die bezahlt werden sollen und das Gold ist auf 200.. „Aus 400' wollen Sie wohl sagen..." „Sie glauben, daß es so hoch steigen wird...* „Wenn nicht höher..." „Und trotzdem glauben Sie, daß die Wechsel gezahlt werden..." „Sicherlich... unser Chef ist in der letzten Zeit vor- sichtiger geworden, als er früher war... er arbeitet viel mehr in Metall... Deckung in Metall... Zahlung in Metall... Sie hätten nur dabei sein sollen, als er vor fünf oder zehn Jahren anfing... daß einem manchmal MstionAle Srfpnerzen. Das Herzogthum B r a u n s ch w e i g ist im Augenblick bekanntlich ein herrenloses Land. Ter letzte Herzog ist ohne Kinder gestorben und die legitimen Erben— die Welsen von Hannover— waren durch die dynastische Umstnrzpolitik des Fürsten Bisniarck jahrzehntelang von dem Thron und der Thronfolge ausgeschlossen. Leider hat sich seitdem die Hoffnung nicht erfüllt, daß sich Brannschweig freiwillig Preußen„angliedern" würde. Da inzwischen die Zeiten sich geändert haben und die Thronfähigkcit der Linie des aus Hannover vertriebenen Weifen nicht mehr bestritten wird, so zählen tausende von loyalen Braunschweigern in Ungeduld die Tage, bis es ihnen vergönnt sein wird, wieder einen legitimen Herzog auf dem Throne zu haben. Ter legitime Erbe wird in einigen Wochen 15 Jahre alt; er ist in England erzogen worden, soll nun aber ans 3 Jahre nach Teutschland kommen— natürlich als Offizier dienen—; und dann mit 18 Jahren ist er majorenn, und ein Welse kann wieder in Deutschland regieren. Diese Möglichkeit lastet nun wie ein Alp auf unseren Patrioten und sogar die Tante Voß hat nationale Be- klemmnngen. Kann ein„Reichsfeind" auf einem deutschen Thron sitzen? Ist der Herzog von Cumberland nicht eigentlich ein Ausländer? so lautet die bange Frage. Und neben der unheintlichen Gestalt des 15jährigen Welsen taucht dräuend der legitime Thronfolger von Oldenburg ans, der ein russischer Prinz ist. Wunderliche Komödie der Irrungen, der Gesinnnngs- losigkcit und der Heuchelei! Reichsfcinde und Ausländer auf deutschen Thronen— ist denn das etwas so seltenes? Sind nicht Jahrhunderte hindurch auch deutsche Fürsten Reichsfeinde gewesen, Reichsfeinde im eigentlichsten Sinne des Wortes, Reichsfeinde, die erpicht darauf waren, das „heilige römische Reich deutscher Nation" zu zertrümmern? Sind die Wettiner von Sachsen in ihren früheren Generationen nicht durch Reichsfeindschaft ausgezeichnet gewesen und groß geworden, und gilt das gleiche nicht von anderen vielgenannten deutschen Fürstenhäusern? Haben doch die beiden Fürstengeschlechter der Hohenzollern und der Wettiner die Reformation benutzt, um sich„von Kaiser und Reich" loszureißen? Jetzt freilich ist es Mode geworden, deutsche Fürsten- geschlcchter als Träger des nationalen Gedankens hin- zustellen. Auf jeder Seite unserer Geschichte steht in Frakturschrist die Widerlegung dieser Tendenzlttge. Wohl kaum ein einziges unserer Fürsteugcschlechter, das sich nicht in frühere» Zeiten mit dem Ausland— England, Rußland, Schweden und n a in e n t l i ch F r a n k r e i ch— g e g e n das alte Reich verbündet hätte. Und wenn die„Vossische Zeitung" heute in sittlicher Entrüstung von der„Vaterlandslosigkeit der Welsen" spricht, so scheint sie vergessen zu haben, daß ein braun- schweizer Welse gegen Frankreich kämpfte, als die preußische Regierung, nachdem sie durch den Basler Vertrag die Haare zu Berge standen... Sie wissen, daß ich von Anfang an in seinem Geschäft thätig bin.... hni, wie damals mitunter die Barke schwankte.... erarbeitete unverschämt leichtsinnig... hat aber imnier ein- geschlagen..." „Und seine Braut ist reich... der alte Ramirez wird Geld haben..." „Hm..." sagte der Nachbar,„wie nian es nehmen will... Baarcs Geld glaube ich nicht viel... ungeheure Ländereieu und viel Vieh das allerdings... aber das Landgeschäft wird ans den Hund kommen... die beste Zeit ist jedenfalls vorüber... und dann, anbeißen kann man die Kämpe nicht..." „Es ist eine böse Zeit... hören Sie die Stimmen draußen, den Lärni..." „Noch gar nichts... Die haben noch immer zu essen... wenn das einnial nicht mehr da sein wird... dann können Sie sehen und hören..." Sie arbeiteten weiter an ihren Zahlen. Der Chef schrieb ebenfalls. Er war nicht ganz so ruhig wie sonst; das konnte man ihm anmerken, wenn er mit einem nervösen Stoß seine Feder in das Tintenfaß that, und wenn er ab und zu von seiner Schreiberei ans- blickte, ohne daß er einen bestimmten Zweck damit verband. Er horchte dann und wann auf den Lärm auf der Straße, der aus und abschwoll wie das bewegte Heulen eines furcht- baren Windes. Er konnte nicht weiter arbeiten. Er spritzte die Feder aus, warf sie vor sich hin und begann im Zimmer auf und abzuschreiten. Nach einer Weile ging er zum Fenster und öffnete es. Draußen brannten die Gaslaternen. Das unbestimmte Brausen verdichtete sich hin und wieder zu einem abgerissenen Worte, das zu seinen Ohren hinauf- drang. 200... Gold... Börse. Die ganze(Masse der Vorübereilenden führte nnr eine Unterhaltung... überall von 1795 den Franzosen das ganze linke Rheinufer in den Schooß geworfen hatte, dem„korsischen Eroberer" noch Heer- folge leistete. Und Ausländer! Sitzt nicht ein„englischer Prinz" auf dem Thron des Herzogthums Coburg-Gotha? Kann man überhaupt bei unseren Fürsten von Nationalität in bczug auf A b st a m m u n g reden? Sind alle Fürstengeschlechter der Welt nicht miteinander verschwägert, so daß sich die Nationalität keines einzigen aus- geprägt zur Geltung bringen läßt? Was Geburt anbelangt, sind die Fürsten echt international. Unsere deutschen Fürsten insbesondere sind das von plus ultra der Jnternationalität. Sie haben russisches, englisches, italienisches, spanisches und der Himmel weiß, was sonst noch für Blut in den Adern. Wir gehen sogar so weit zu sagen, daß in England, dessen Monarchen seit zwei Jahrhunderten nur mit Prinzessinnen deutschen Stanimes sich verheirathet haben, die ursprüng- lich deutsche welfische Fürstensamilie der Nationalität nach deutscher ist, als irgend ein deutsches Fürstenhaus. Soll am englischen Hofe doch nach bürgerlichen Preßstimmen mindestens eben so viel deutsch gesprochen werden, als an irgend einem deutschen Hofe! Nach dieser Richtung hin braucht also die Tante Voß sich keine Kopfschmerzen zu machen; der Cumberland, dessen Thronbesteigung sie fürchtet, ist mindestens so deutsch, als der preußische Prinz, den sie gern auf dem brauuschiveigischen Throne sähe. Man braucht sich wirklich nicht darüber aufzuregen, ivelcher Sproß der großen internationalen Fürstenfamilie Europa'» einen vakanten Thron einnimmt. Die Völker sind unter Umständen sogar ganz gut gefahren, selbst wenn ein wirklicher Ausländer ans den Thron gerieth. Der tüchtigste König, den die Schweden je gehabt haben, war ein Ausländer— der französische Advokatenschreiber Bernadotte, alias Karl Johann XIV. Auch der tüchtigste König der Engländer war ein Ausländer— Wilhelm von Oranien. Und war Joseph II., der I d e a l f ü r st der modernen Zeit, nicht ein Aus- länder— der erste Sproß des französischen Hauses Lothringen auf österreichischem Thron? Ein Joseph II. wäre der Tante Voß doch gewiß nicht unangenehm. Sie war ja mit weniger zufrieden. politische MebevMzk. Berlin, 26. September. Tie plötzliche Verhaftung unseres Genossen, Re- daktenrs Dierl(Roland) ist, wie wir erfahren, Folge eines Kammergerichlsbeschlusses. Die Staatsanwaltschaft hatte Verfolgung des für den Artikel über die Kameel-Jnschrist verantwortlichen Genossen Roland wegen Majestätsbelei- d i g u n g, sowie seine Verhaftung beantragt. Das Amts- g c r i ch t hatte beide Anträge abgelehnt. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Landgericht ein. Das Landgericht meinte, allerdings könne vielleicht in einem im Artikel gebrauchten, in Berlin bis dahin üblichen Art dasselbe Thema und beinahe dieselben Worte. Man sprach leise und laut, je nach dem Charakter und Temperament und je nachdem es einen jeden mehr oder weniger anging, mehr oder weniger kreischend; und drängend und drückend und gestikulirend schob man sich das Trottoir entlang. Die Trambahnwagen glichen großen Brummtöpfen, während sie die Schienen entlang liefen... alles sprach darin ohne Aufhören, sodaß der Wagen in seinem Innern einen eigenthümlich tiefen To» erzeugte, der nur durch das Lärmen der mißgestimmten Trompete des Kutschers an den Straßenecken übertönt wurde. All überall, immer dasselbe, das große Ereigniß des Tages. Gestern stand Gold auf 160, heute auf200. Schwindel... Gold... National- bank... Proviuzialbank... Bank von Mendoza... Bank von Santaö. Fe... Zwangskurs... Börsenmanöver... Baisse... Hausse... Kulisse... Wechsel... Giro... in einem fort; als wenn ein Riese, der zufällig katholisch ist, seinen Rosenkranz dreht, laut dabei betend ohne Ab- wechselung immer dasselbe... die großen Perlen daS Wort „Gold... 200..." Alles betete aus diese Art. Selbst der kleine Junge, der in Europa noch an Kinderspiele denkt, begreift in diesem Lande ohne Illusionen und Märchen, um was es sich handelt. Er weiß, noch ehe er das Alphabet kennt, was Äankzettel sind und was Metall ist. Sein kleiner Zettel, breit wie eine Messerklinge und lang wie die Hoffnung eines Vernrtheilten, der seinen Hals auf dem Block liegen hat, einen Medio an Werth, den er seit einem Tage in seiner Tasche nmherträgt, schreit heraus zu seinem Besitzer:„Gold auf 200..." Auch ein Junge in Deutschland würde das am Ende begreifen mit Papier in der Tasche statt mit Kupfer. Wenn er in einem Papierladen für einen Bogen Reiter oder Jnfanteriesoldaten zwei Medios zahlen soll statt einen. Um wie viel mehr hier, Sgclilchutg der Kirche eine Majcsiciiöbclcidigung gc- sunden werden, es sei deshalb auch die Beschlagnahme der betreffenden Zeitnngsnnmmer gerechtfertigt. Die eventuell dcn Tkätcr zu erwartende Strafe werde indeh wohl nicht so hoch ausfallen, daß die Erwartung auf solche Strafe einen Flucht- vcrdachr gegen Genossen Roland rechtfertigen könne. Es lehnte deshalb gleichfalls den Antrag ans Berhaf- tnng ab. Nunmehr legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde auch gegen diesen Beschluß ein. Ter Strafsenat des Kammer- gcrichts hat daraufhin die Verhaftung unseres Genossen angeordnet, weil die zu erwartende Höhe der Strafe den Fluchtverdacht rechtfertige! Welche Uinslcinde diesen Verdacht rege gemache haben, ist dem Genossen Roland nicht bekannt gemacht. Selbstverständlich liegt nicht die geringste T hatsa che vor, welche zu der Annahme des Fleichtverdachts berechtigte. llebrigens zeigt der Gang, den die Auklagcsache bis zum Haflbcschlnß genommen hatte, inwieweit die Ansicht be- gründet ist, daß Gerichte Gefahr laufen, unwillkürlich zu ausführenden Organen der Staatsanwaltschaft zu werden, wenn dieser ein Beschwerderecht gegen gerichtliche Beschlüsse zusteht. Vor 30 Jahren warnte deshalb der General- Staatsanwalt Dr. von Schwarze selbst lebhaft davor, der Staatsanwaltschaft ein Beschwerderecht IM crtheilcn. Heute steht ihr solches im reichsten Maße zu und über ihre Beschwerde entscheidet in letzter Instanz ein Strafsenat, dessen Mehrzahl in der Regel ans früheren Staatsanwälten besteht. Läge bei solcher Lage der Dinge es nicht im Sparsanikeits-Jutercsse, die„Gerichte" in Strafsachen überhaupt zu beseitigen und statt ihrer lediglich Staatsanwälte über Verhastungen, Schuld nnd Unschuld entscheiden zu lassen?— Cm wunderliches Demeuti richtet heute die„Kreuz- Zeitung" nominell„an die Adresse des„Vorwärts", in Wirklichkeit an sich selbst. Wir sollen ihren in der Riittwvchsnnmmer von uns abgedruckten nnd besprochenen Artikel durch Weglassnng eines Anführungszeichens entstellt, v.nd ihre„politisch-patriotische Gesinnung" freventlich ver- kannt oder gar verdächtigt haben. Die„Krenz-Zeitung" irrt sich:»vir haben ihre„politisch-patriotische Gesinnung" ausdrücklich anerkannt und unsere Befriedigung ans- gesprochen. Was das weggelassene Anführungszeichen betrifft, so hat die„Krenz-Zeitung" allerdings recht: das mikroskopische corpus delicti ist am Schluß des ersten Absatzes durch ein Versehen des Setzers in der That weggeblieben, allein wer den Artikel durchliest, kann überhaupt nicht im Zweifel darüber sein, was Zitat ist nnd was nicht. Wir appcllircn an alle Leser des„Vorwärts" nnd ivir fügen noch hinzu, daß wir den in Frage kommenden Thcil des Artikels der„Krenz-Zeitung" wirklich nnd voll- ständig— bis auf das unglückliche Anführungszeichen— zum Abdrrick gebracht und auch die Absätze genau nach dem Original wiedergegeben haben. Weiter kann man die Loyalität wahrhastig nicht treiben. Daß die„Kreuz- Zeitung" mit den Betrachtungen des Franzosen Lavisse im wesentlichen sich einverstanden erklärt hat, wird sie nicht leugnen können, denn sie sagt wörtlich:„In den vier Jahren, welche hingegangen sind, seit Lavisse jene Betrachtungen niederschrieb, hat sich das Problem nicht abgestumpft, sondern vielmehr zu- gespitzt". Also die Russengcfahr, ist drohender geworden. Es thut uns leid, die Logik nnd Konsequenz der „Krenz-Zeitung" überschätzt zu haben. Freilich, in anbetracht der Redaktions-Katastrophe Hammcrstein wollen wir dem vielgeprüften Blatt gern„mildernde Umstände" zubilligen.— Ei» Prediger in der Wüste. Ein Kongreß für innere Mission tagt gegenwärtig in Pose n. Selbst diese Versammlung hat sich nicht über ihre eigent- lichen Angelegenheiten aussprechen können, ohne daß die allesbeherrschende soziale Frage ihren Schatten darauf warf. Nicht nur die Reichskanzler, auch die Missionsprediger nnd deren Tempelgenosfen prüfen alles darauf, wie es auf die Sozialdemokratie wirkt. Und da ringt sich bei vielen dieser Männer allmälig die Ueberzeugnng durch, daß es mit der bisherigen Kampfmethode gegen uns nicht geht, daß die polizeiliche Unterdrückung jeder Art eine geistige Bewegung niemals schädigen kann. Auf deni Kongreß für innere Mission ist sogar der Professor S o h m aus Leipzig einen erheblichen Schritt weiter gegangen. Er spricht es offen aus, daß er nicht au die Möglichkeit glaubt, mit dem Christenthum etwas aus sozialpolitischen! Gebiete ausrichten zu können. Zunächst macht er dem sozialdemokratischen Gedankengang ein Zngeständniß mit den Worten: wo die Jugend nicht spielt, nicht einmal mit Papier- soldaten; höchstens mit langen Messern nnd jenen Schieß- instrumcnten, die nian bequem in die Hofentasche stecken und mit denen man sechs Menschen still machen kann in zivei Sekunden, wenn man das dazu»öthige Glück hat, und wo der kleinste Bursche, der kaum gerade auf seinen Beinen stehen gelernt hat, schon dressirt wird auf die Jagd nach dem Mammon. wie der Hund auf das Wild. Gold auf 200. Mein Junge, das bedeutet, daß Deine Brotbissen von heute an 40 pCt. kleiner werden oder gar 80 pCt.; denn der Bäcker rechnet jeden Aufschlag doppelt, wie ein vorsichtiger Finanzmann,' und daß du also deinen Bauch um 40 oder 80pCt. zusammen- schnüren � mußt, und daß du bei deinem Vater Schneider oder Schuster morgen ein gut Theil blassere Backen sehen wirst, als du schon zu sehen gewöhnt bist. Die jungen Damen in den Equipagen haben zwar heute noch eben so zierlich gemalte Gesichter wie gestern, sie lachen auch noch ganz so ausgelassen wie man es bei ihnen gewöhnt ist zu hören; aber das Lachen scheint doch nicht ganz so silbern und metallisch zu klingen. Sie haben heute ihre Liebhaber sehen wollen nach der Börse, wo diese ihnen Roben und Diamantringe und echte Spitzen zusammen- spekuliren wie unübertreffliche Zauberkünstler, die ans nichts alles machen; aber heute ist einer nnd der andere an ihnen vorbeigeschossen, ohne sich um- zusehen. Die Spekulation in Diamanten ist flau gewesen, matt, nachgebend, weichend... oberflau und oberfaul. Der gute Junge, der sonst so aufmerksam ist, wenn es sich um Juauita oder Anita handelt, kann heute keinen Dianianten bringen. Man hat ihm zum Ueberfluß noch seinen eigenen prächtigen Diamantring abgezogen auf der Börse oder nicht abgezogen... er ist ihin abgesprungen nnd zersplittert, als das Fundament des goldenen Tempels heute begann zu zittern und zu krachen in seinen Fugen. Die kleinen Burschen fallen.... alle fallen zuerst schon beim kleinsten Schwanken, die keine an- „?ie Welt des Siaaies ist das Recht. Aber dieses Recht ist zum gröhteu Theile ungerecht, das vom Staate vcrlheidigte Recht ruht auf'Thnisnchen der Vergangenheit, darum ist es das positive Recht, das Recht der Vergangenheit, das Recht von gestern. Aber darum ist es niemals das Recht von heute, der Gegenwart, niemals das Recht, das ivir jetzt begehren. Tas Recht trägt gewisser- maßen zwei Seelen in seiner Brust, die der Vergangenheit, auf ivelcher seine Geltung ruht, und die der Gegenwart, die mit der Vergangenheit im Kampfe steht. Und darnin kann das Recht niemals fertig sein. Tas vorhandene Recht kämpft mit dem gewesenen Recht, nnd darum ist das öffentliche Leben ein Kampf um das giecht. Alle Rechtsordnung beruht a u f der Herrsch ast der Macht, der einen Gesell- s ch a f l s k l a s s e über die andere." Mit diesen Aussührnngcn verträgt es sich allerdings nicht, wenn er iveiter erklärt, das K ö n i g t h u m stehe als Schiedsrichter ü der den Gesellschäftsklassen. Weiterhin macht er dann aber die bcmerkenswerthcn Ausführungen: „Die Mittel für des Christen Wirksamkeit in der Welt sind die Liebe nnd das Wort. Das Wort Gottes aber erzeugt die That, die Liebesthnt an dem einzelnen. Dieser Gottesdienst mit Wort und That soll durch die innere Mission gesördert werden. Tie innere Mission dient dem öffentlichen Leben nur mittelbar, indem sie an den einzelnen arbeitet, ihnen Hilst. Tie innere Mission, das Christenthum, kann die im öffentlichen Leben bestehende soziale Frage nicht lösen, ist auch gar nicht dazu berufen, sie zu lösen. Denn alle öffentlichen Fragen sind Rechlssragen»nd nicht Fragen der Liebe. Im öffentliche» Leben handelt es sich um die gesellschasilichen Klassen, nnd diese verlangen nicht Liebe, sie verlangen das Siecht, ihr Recht, das uüt ihnen geboren ist, das ivollen sie von den Sternen herunterholen. Das Christenthnm kann ihnen dieses Siecht nicht geben, es kann nur das Thor öffnen für die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit ist keine Frage des Christenlhnms, sie ist eine nationale Frage, und ebenso wenig es eine christliche Nalurwissenschaft geben kann, ebenso wenig kann es ein christliches Siecht gebe». Die Reformatio» der Kirche nahm damit ihren Ansang, daß sie das kanonische Recht, das christliche Recht in Wittenberg verbrannte. Dieses Recht bis auf den letzten Buchstaben zu verlilgen, das ist das Urtheil der Nesormation gewesen. Und auch der sich auf das christliche Recht stützende Staat, der ch r i st l i ch e S t a a l verdiente k e i n e n B e st a n d. Einen solchen christlichen Staat hatte das Mittelaller erzeugt, aber das war der christliche Staat, welcher die Sachsentause er- zivang nnd die Scheiterhaufen anzündete. Dieser christliche Staat ist l ä» g st verschwunden, nnd hinweg mit ihm! In unseren Tagen hat man den Versuch gemacht, den christlichen Staat in mäßiger, abgeschwächter Form, aber doch die Idee des christlichen Staales zu erneuern. Sogar eine Partei trat aus, die ihr Programm mit dem christlichen Recht ideutifizirte. Aber über dieses Staalschristenlhnm ist längst der Stab gebrochen. Die Folge aber dieses christlichen Staates der 40er und besonders der SOer Jahre ist die Sozialdemokratie, der Haß der Massen gegen das Christenthum. Und dieser Haß macht die Ohren taub. Darum weg mit dem christlichen Rechte, mit dem christlichen Staate! Wir begrüße» die Männer, welche alle ihre Kräfte der Lösung der sozialen Fragen im Sinne der Christlich- Sozialen widmen, aber niit ihnen gehen können wir nicht. Es ist eine weit verbreitete Zlusicht, daß die innere Mission den Kern der sozialen Frage treffe. Das ist aber ein Jrrlhum, daß das Christenthum ini stände wäre, auch nur den Kern der sozialen Frage zu lösen. Hierzu ist es nicht im stände, auch wenn alle Menschen wahre Christen wären; denn die Gesellschaftszustände einspringen der natürlichen Rechts- ordrning; die soziale Frage ist eine Frage der Gerechtigkeit, aber nicht eine Frage der Liebe." Die nebenbei von Herrn Sohtn ausgesprochene Auf- fassuug, daß die Sozialdemokratie ihr Entstehen und Wachs- thum der polizei-christlicheu Staatsretterei der europäischen Reaktionsepoche nach 1848 zu danken habe, harmonirt nicht mit den sonstigen Beweisen von Weitblick, die er gegeben. Abgesehenvon dieser nebensächlichen Bemerkung, halten wirseiue Kritik des„christlichen Staats" iudeß für vollkommen zu- treffend. Aber was sagen dazu die Herren Naumann und G ö h r e, die mit solchem Feuereifer und wirklicher Ueberzengung— Herrn Stöcker lassen wir aus Rücksicht auf jene"Ehrenmänner hierbei aus dem Spiel— die Sache des christlichen Sozialismus verfechten? Wir glaubten, Herr Sohm wird zunächst ein Prediger in der Wüste bleiben.— Glänzendes Esend. Die Nachricht, daß dem bayerischen Lieutenant K r a f f t vom Ehrengericht das Recht, den Osfizierstitel zu führen, aberkannt sei, war nicht genau. Das Ehrengericht erkannte ihm blos das Recht ad, die Uniform zu tragen. Durch den Prinzregeuten wurde dieser Beschluß aber nicht bestätigt und die Aberkennung des O f s i z i e r s t i t e l s verfügt.— Ein doppelter Neiufall. Als vor einiger Zeit ein „Ausschuß" der„britischen Eisenindustrie-Assoziatiou(Britisb deres Ziel haben, als ein wenig auf und abzuwiegen, das dem einen zum Leben verhilft von heute auf morgen, dem anderen zum Sterben. Und wer gerade an das Leben kommt, der hat an dem Tage Weiber in schönen Equipagen. Heute hat es gar ein wenig bedenklich geschwankt über die allbekannte und respektirte Grenze des Wippens, und dabei sind all' diese kleinen Wipper hinausgeflogen, ans der Börse hinaus; und es ist schwer wieder hineinzufliegen, wenn man einmal draußen ist. Wer hätte das geglaubt, daß ein olcher Stoß so plötzlich kommen würde; aber es ist wirklich d nnd es stand mit großen Ziffern angeschrieben an der Üafel in dem Börsensaal, daß das Gold auf 200 steht, und nach dieser.Tafel pflegt sich alle Welt zu richten. Die Abendzeitilnqeu bringen es gedruckt. Und auf den trans- atlantischeii Kabeln dnrchzittcrt dieselbe magische Ziffer diese Nerven unseres Jahrhunderts, auslaufend in immer feinere und dünnere Aeste bis in die kleinsten Lebenszeutren des europäischen Kontinents hinein. In großen Zeitungen liest man es auch da schon heute und in kleinen zwölf Stunden später und so wird es allmälig auch den europäi- che» Besitzern argentinischer Rententitel aufdämmern, was es eigentlich heißt, daß in Buenos Aires das Gold auf 200 steht. Und wer allzu dumm ist, es einzusehen auf diese Weise, dem wird es klargemacht werden bei dem nächsten älligen Kupon seiner Rente. Und man sagt, daß viele„kleine Kapitalisten" in Ueckermünde und Jnsterburg ihre Spargroschen in diesen exotischen Fonds angelegt haben. Herr Winterseld ertappte sich in diesen! Augenblick bei dem Gedanken, ob seine Mutter, die alte Pastorsivittwe, am Ende die paar Thaler, die ihr Sceliaer ihr gelassen, auch in argentinischen äußeren oder inneren Anleihen angelegt haben kannte. Selbst die protestantische Geistlichkeit in der sandigen Mark oder in Württemberg hört bei Geldsachen weniger auf Gottes Wort nnd auf Lnther's Predigten, als auf den Rath eincs„ jüdischen Maklers, der in Reuten macht. (Fortsetzung folgt.) Iren Macke �sseeiatien) die deutschen Jndnstriebczirke— namentlich Rheinland nnd Westfalen— bereisten, angeblich um sozialwissenschaftliche Studien zu machen, da schrieben wir sofort, es handle sich hier nur um eine A u s s p ä h u n g nnd die wissenschaftliche Reise sei eine einfache Spione)!- reise. Die Geschäftskoukurrenz braucht ihren Spionen- dienst ebensogut wie der militärische Krieg. Unsere Herren Industriellen blieben jedoch köhlergläubig_— sie sühlteii sich außerordentlich geschmeichelt durch den Besuch der englischen Herren Kollegen, nnd als diese dann ihnen Elogen machten und ihre Großmuth lobten, daß sie den Arbeitern höhe reLöhne bezahlten, als in England ge- zahlt w u r d e n,— da waren unsere nationalstolzen Herren Industriellen ganz hingerissen— sie verschluckten die faustdicke Lüge, posaunten es in alle Welt hinaus, daß sie höhere Löhne zahlten, als in England und klagten die bösen Sozialdemo- traten an, die das nicht anerkennen wollten. Allein der schöneTraiiin dauerte nicht lange. Kaum waren die Herren Engländer mit ihrem Sekretär Jeanes nach Eng- land zurückgekehrt, so stellte es sich heraus, daß sie ihre deutschen Gastfrennde nach Noten übers Ohr gehauen hatten. Es kam zu Beschwerden — die Herren Engländer suchten sich zu rechtfertigen, aber an der Praxis der Konkurrenz merken � die deutschen Herren Eisenindnstriellen, daß ihre Geschäftsgeheimniffe keine Geheimnisse mehr sind. Das ist ihnen nun wohl der geringste Kummer, denn mit den Geschäftsgeheimnissen ver- hält es sich ebenso, wie mit den militärischen Geheimnissen — sie existiren nur in der Einbildung. Einem goldenen Schlüssel widersteht kein Geheimniß. Was unsere Herren Industriellen jedoch tief in die Seele betrübt, ist, daß sie das liebliche Märchen von den deutschen Löhnen, die höher sind als die englischen, nicht mehr ausrecht erhalten und ans dasselbe nicht eine neu e L o h n- r e d u k t i o n gründen können. Wenn sie die Löhne „ihrer" Arbeiter herabsetzen wollen, müssen sie es nun ans eigene Faust thnn. Genug— iniscre profitgierigcu Eiscn- indnstriellen siiid von den englischen Kollegen nach Noten übers Ohr gehauen nnd genasführt worden.— Kannegiesicrei. Tie Anwesenheit des russischen Diplomaten L o b a n o w in Paris hat den Politikastern natürlich Anlaß zu tiefsinnigen Kombinationen gegeben; nnd die Gelehrten des Wolff'schen Telegraphen-Bnrcans halten es für nöthig, folgendes Telegramm in die Welt zu schicken: London, 26. September. Die„Times" melden aus Wien, nach glaubwürdigen aus Petersburg eingegangenen Berichten werde die unmittelbare Folge der Unterredung des Fürsten Lobnnoiv mit dem französischen Minister des Aeußeren Honotaux die sein, daß in Zukunft der Kaiser von Rußland einen kontrollirenden Einfluß bei der französisch- r u s s i s ch e n E n t e n t e ausüben werde. Es werde an» genommen, der Beweggrund zu der Intervention des Fürsten Lobanow sei die Befürchtung gewesen, daß Frankreich wnnschen könnte, von seiner Freundschaft mit Rußland einen voreiligen, indiskreten Gebrauch z» wachen für Zwecke, die mit den uumittel- baren Zielen der russischen Politik ganz und gar nichts zu thnn haben. Also die Folge soll gewesen sein,„daß in Zukunft der Kaiser von Rußland einen kontrollirenden Einfluß bei der französisch-russischen Entente ausüben werde." Welches Blech! Hat etwa der russische Kaiser bisher keinen kontrollirenden Einfluß ausgeübt? Wir hatten gedacht, der Zar sei absoluter Herrscher und k o n t r o l l i r e nicht blos, sondern leite— wenigstens offiziell— die russische Politik; daß aber ein Bundesglied, oder der Theiluchmcr an einer„Enteute" auf den Bund oder die „Entente" eisten„kontrollirenden Einfluß" ausübt, ist doch etwas so selbstverständliches, daß es gar nicht besonders gesagt zu werden braucht. Der Ver- fasser des Telegramms sagt daher eigentlich nur, daß er über die Anwesenheit Lobanow's nichts zu sagen weiß, als was Jedermann sich selbst sagen kann. Uebrigens sind wir dem Gedanken, Rußland suche die Entente zu„kontrolliren", d. h. die französische Regierung an die Leine zu nehmen, schon wiederholt begegnet, z. B. auch in dem vorgestern von uns zitirteu, jetzt schnöde von ihr verleugneten Artikel der„Krenz-Zeitung". Hier ist aber offenbar der Wunsch Vater des Gedankens. Man will es in bequemer Vogcl-Stranßpolitik so hinstellen, als zügle Rußland den französischen„Verbündeten", während that- sächlich die Franzosen von der russischen Regierung systematisch gegen Deutschland gehetzt werden.— In Frankreich scheint ein M i n i st e r w e ch s e l bevorstehend. Die Regierung wird dem Sturm, den die Madagaskar- Expedition heraufbeschworen hat, nicht Trotz zu bieten vermöge». Wer aber soll der Nachfolger Nibot's werden? Von einigen Seiten wird C a v a i g n a c genannt, der sich neuerdings sehr in den Vordergrund stellt; von anderer Seite Consta« s. Constans ist der Minister der„festen Faust"; er war lange Zeit unmöglich, ist aber in neuerer Zeit mehr und mehr wieder ans Licht der Oeffentlichkeit getreten. Die Reaktionäre hoffen� ans ihn. Der„Ganlois" spricht offen ans, daß er von Constans die A u f l ö s u n g der Kammer und die Wieder- Herstellung des L i st e n s k r u t i n i n m s erwartet, das in den Händen einer„starken" Regierung— inid Constans war namentlich auch bei Wahlen sehr„stark" — die vollkommene M u n d t o d t m a ch u n g der Mino- ritäten bedeutet. Für Cavaignac spricht, daß er eine Reform nnd Milderung des Militarismus erstrebt, gegen den sich jetzt in Frankreich die Volksstimninng richtet. Dagegen hat Constans für sich die Angst der französischen Bourgeoisie vor der Sozialdemokratie.— Eavalotti über das italienische September- fest. In einem von dem„Sccolo" veröffentlichten Brief an Silvio Recchia, den Redakteur der Zeitung„Italien am La Plata", sagt der kühne Ankläger Crispi's: „Ich würde das Fest des 20. September begriffen haben, wenn 25 Jahre nach dem denkwürdigen Tage Italien sich der Welt so zeigte, wie seine Bahnbrecher und Blutzeugen es träumten— eine große freie Nation, glücklich und ge- achtet, ein Lenchtthnrm der Kultur, ein Beispiel für die anderen Völker und seinen Söhnen die Seguuugen der Freiheit spendend. Aber stelle Dir vor, was würden unsere Todten sagen, wenn sie aus ihren vergessenen Gräbern sich erheben könnten und sähen, wozu ihr Blut gedient hat? Was würde G a- r i b a l d i sagen, wenn er nach einem Vierteljahrhundcrt das Ideal seiner Träume: Rom sähe— wenn er es sähe als Hauptstadt eines Königreichs, das ein großes Gefängniß ist und in dem, wie vor dem CO. Scptcmber, der Gedanke b e st r a f t wird— als Hauptstadt eines St aatcs, aus dem die Einwohner s ch a a r e n w e i s e entfliehen, weggetrieben von den Steuer n und vom Hunger, und wo die Ehrlich- k e i t ein Anrecht ist ans d i e G a l e e r e n und der Diebstahl ein Anrecht auf Minister- Portefeuilles und Würden und Ehren. - In diesen Festen des 20. September welcher Hohn für ein italienisches Herz, für das Herz eines freien Mannes!" So Cavalotti. Der Freund, an den er dies schreibt, ist ein geächteter Republikaner, der in Südamerika mit vielen tansenden seiner Landslente ein Asyl ge- sundcn hat.— Eine irische Konveutiou, welche die Losreißnng Eilands von England erstrebt, wurde am 24. September in C h i rag o eröffnet. John F i n e r t y führte den Vorsitz. Die Zahl der Abgesandten war grop. Diese Konvention ist der Riidschlag der irischen Bewegung gegen die Verschleppung der Homerulc-Frage durch die englischen Unionisten. Ter Wahlsieg Salisbnry's und Balfour's .kann England noch theuer zn stehen kommen.— Ten Silberspckulaute», schönfärberisch Bimctallisten genannt, geht es gar nicht nach Wunsch, selbst nicht in ihren Hochburgen, den Vereinigten Staaten von Amerika. In dem neuen Kongreß, der im Dezember in Washington zusammentritt, giebt es im Repräsentantcnhause 216 Ab- geordnete, die gegen freie Silberprägung sind, 88, die dafür find, nnd 52, die ihre Ansichten für sich behalten wollen. Somit besteht sicherlich eine Mehrheit von 76 gegen freies Silber. Von den 80 Senatoren sind 43 gegen freies Silber, 39 dafür und 6 wünschen sich zur Zeit nicht über die Frage auszusprechen. Der Triumph der Silbcrlcnte wird demnach in den Vereinigten Staaten einstweilen auf sich warten lassen. Da müssen jedenfalls Herr v. Kardorff und Herr Dr. Arendt ihre beiden bemerkenswerthen Nasen zusammen- stecken, um auszuschnüffeln, ob sich nicht wenigstens in Teutschland der heiligen Silbersache ein neuer Ausschwung verleihen läßt.— Entweder Chiuesenthnm oder Sozialismus— unter diesem Titel schreibt unser Brnderorgan, die„New- Aorker Volkszcitung"; -- Auf die Rüstungen Ostastens für den Kampf um den Welt- markt haben wir vor einigen Tagen hingeiviesen. Mit welcher Energie sich der Kapitalismus auf die Ausnutzung der ihm gebotenen Gelegenheit wirft, dafür in nachsolgendein einige Bei- spiele, die wir gleichzeitig in verschiedenen Blättern finden. Londoner Zeitungen berichten, daß sich nicht weniger als f e ch s Kompagnien von englischen Kapitalisten gebildet haben mit dem Zwecke, in China ausgedehnte B a u m w o l l e n s p i n n e r e i e n zu errichten, und es wird hervorgehoben, daß damit der englischen Baumwollenindustrie ein Todesstoß versetzt werde. Man spricht sogar schon aus, daß die Eröffnung von China den Verlust einer ganzen Anzahl von Industrien für England bedeute. In einem Organ der amerikanischen Textilfabrikanten, dem „Textile Necord", finden wir gleichzeitig folgende Notiz: „Wir berichten in unseren Neuigkeitsspalte» über die Ver> schiffung von gewissen außerordentlich verbesserte» Textil- Maschinerie» von Philadelphia nach Japan. Es ist dieses nur ein kleiner Theil einer großen Masse derartiger Ma- schinen, die sowohl von den Vereinigten Staaten als auch von England abgeschickt wurden. Japan entivickelt sich rasch zu eurem Industrieland ersten Ranges. Nicht nur sorgt es schon für seinen eigenen Bedarf, sondern auch sein Export wächst von Tag zu Tag. Vor zehn � Jahren wurde der Export jenes Landes aus 31 Millionen Dollars geschätzt. 1830 hatte sich derselbe auf öK Millionen gestoben. Im vergangenen Jahre war derselbe bereits aus 113 Millionen angewachsen. Japan überschwemmt unseren Markt bereits mit Teppichen und Seidenwaaren. Bald werden die Baumwolleuwaaren, die Uhren und ver- schiedene Webeivaareu sich über unser Land ergießen, um mit den Erzeugnissen unserer Fabriken zu konkurrire». Welcher Art Konkurrenz wird das sein zwischen den Japanesen mit einem Tagelohn von 20 Cents und dem amerikanischen Ar- beiter, der diese Summe in einer Stunde verdient!" Soweit das Fabrikanleuorgan, dessen Klagelied über die hohen Löhne der hiesigen Arbeiter natürlich dahin auslönt, daß die- selben auf das Niveau der Japaner hinab gebracht werden müssen. Hatten wir recht oder nicht, als wir beim chinesisch- spanischen Friedensschluß bemerkten, daß die Vorgänge in Ostasien die Arbeiter mehr angehen, als ste sich trämnen lassen? Die Kapitalisirung jenes Theiles der Welt läßt der Arbeiterklasse Europas und Amerikas nur die Wahl zwischen zwei Dingen: Entweder sich auf das Niveau der Chinesen herabdrücken zu lasse» oder— im Sozialismus ihr Heil zu suchen. Ein Drittes giebt es nicht. So die„New-Iorker Volkszeitnng". Gleich nach dem Friedensschluß von Schimonoseki wiesen wir auf diese Folgen der Revolution in Ostasien hin. Und seitdem sind die Wirkungen derselben noch deutlicher zu tage getreten nnd haben sich geltend zu machen begonnen. Das Chinesen- "thnm und die chinesisch-japanische Konkurrenz werden sich bald nur zu bemerkbar machen.— • �• Dentsches Reich. Kein Sozialistengesetz wird, wie die„National- Zeitung" behauptet, von der» a t i o n a l l i b e r a l e» Partei im Reichstage beantragt werden. Vielleicht nennt iudeß die „Schlesische Zeitung" jetzt ihre Quelle.— — Wieder freigegeben wurde gestern durch richter- liche» Beschluß die Nr. 37 der Zeitschrift„Ethische Kultur", welche vor einigen Tagen wegen des Leitartikels„Der Kaiser und die Sozialdemokratie" beschlagnahmt worden war.— — D i e„S o n n t a g s- Z e i t u n g" in H a l b e r st a d t, deren postalische Schwierigkeiten wir in Nr. 225 des„Vorwärts" erwähnten, wird, wie uns mitgetbeilt wird, nicht von dem Ge- »offen David redigirt, der nichts damit zu thun hat. Verant- wörtlicher Redakteur ist der Genosse H u r l e m a n n. Die An« gclcgenheit selbst hat sich so abgespielt:' Nachdem Nr. 37 konsiszirt worden, war die Post angewiesen, bis zu einer gewissen Zeit alle Packele der„Sonutags-Zeitung" anzudalte» und dem Amtsgericht zur Untersuchung, ob nicht Nr. 37 darin fei, abzugeben. Die Beförderung verzögerte sich dadurch bedeutend. Als wir das auf der Post erfuhren, ver- sandte» wir Nr. 37a, die Ersatznummer, auf anderem Wege.— — Die Lehrfreiheit der Freireligiösen. Gegen das vom Provinzial-Schulkollegium an die hiesige frei- religiöse Gemeinde ergangene Verbot der Frühvorträge an Sonn« tagen hat, wie uns mitgelheilt wird, der Geineindevorstnnd die richterliche Entscheidung beim Ober-Verwaltuugegericht beantragt.— — Um eines Hundes willen. Der Mediziner Dr. Otto Engeler, der am 12. Febr. den Reservelieutenanl Funk in Ketten- Horst bei B onn im Duell nicht unerheblich verwundet hatte, wurde von der Strafkammer in Bonn zu 4 Monaten Festungshaft ver- urtheilt. Den Anlaß zum Zweikampfe halte der Hund des Dr. E. gegeben. Der Reservelieutenant hatte den an ihm empor- springenden Köter von sich abgewehrt. Die Folge davon war: Wortwechsel, Lteilerei, Forderung, Kugelwechsel, Blutvergießen. — Die Ehre des Hundes wird hoffentlich nun wieder her- gestellt sein. — Die S ch u l v e r h ä l t n i s s e in Mecklenburg werden grell beleuchtet durch eine Mitlheilung, die der„Tägl. Rundschan" aus Lübeck zugeht. Ju dem mecklenburgische» Städtchen R e h n a befaßte sich am vergangenen Sonnabend das Sedankomitce mit der Frage, wie ein bei dem Fest erzielter Ileberschuß von 1S0 Mark verwendet werden, sollte. Bei der lebhaften Erörterung dieser Angelegenheit wurde auch der Antrag gestellt, 30 Mark zum Ankauf einer neuen Landkarte von Deutschland für die Rehnaer Stadlschule zu verwenden, denn— man lese und staune!— die Schule habe nur ganz alte aus den Jahren vor 1870 stammende Karten und es sei doch wünschenewerth, daß in deutschen Schulen Karten gebraucht werden, die Teutschlands Grenzen wenigstens richtig angeben. Und was war das Schick- sal des Antrages?— er wurde abgelehnt. Mannhein», 24. September. Auch unserem hiesigen Parteiorgan, der„Volksstimme", ist von dem bekannten„günstigen Wind" ein interessantes Schriftstück auf das Pult geweht ivorden: Ratio»alliberale Partei. Abtheilung III. Berein jugendlicher Mitglieder. Sehr geehrter Herr! Es ist der Wunsch der Parteileitung und wohl auch derjenige vieler Mitglieder unseres Jugendvereins, daß von feiten der letzteren sich möglichst viele zur Betheiligung an der Wahlagitation etiva in der Weise bereit finden, datz sie während des Wahlaktes in den verschiedenen Wahllokale» die Namen der Wähler, ivelche ihre Stimmen abgeben, ausschreibe», damit an der Hand dieser Ausschreibungen etwa säumige Wähler noch zur. Wahl heran- gezogen werden können. Die Partei gewährt solchen Herren, die das Ehrenamt eines Aufschreibers zu übernehmen gewillt sind, einen E h r e n s o l d von 5 Mark. Anfangs nächster Woche wird Ihnen eine Liste unterbreitet werden, in»velche sie sich einzuzeichnen belieben, falls Sie, wie wir hoffen, an der Agitation sich belheiligen»vollen. Hochachtend Der Vorstand. Mannheim, 21. September 1895. Die Nationalliberalen Badens bleiben ganz im be»vährtesten Patriotenstil, wenn sie Ehrensolde als Köder auswerfen. Die ehrenbesoldeten Jünglinge werden sich»nit dem Heros des Jahr- Hunderts eins fühlen. Stuttgart, 25. September.(Eig. Bericht.) Eine Reichs- tags-Nachiv ahl soll,>vie verlautet, in» 12.»vürttembergischen Reichstags- Wahlkreis(Crailsheim, Gernbronn, Kunzelsau, Mergenlheim) bevorstehen, da der seitherige demokratische Ab- geordnete P f l ü g e r wegen Krankheit sein Amt niederlegen»vill. Die Schule will man atich in Württenrberg zum Kamps gegen die Sozialdemokratie aufrufen. Bei der Bezirks- S ch u l v e r s a in m l u n g in Degerloch kam die Abänderung des Volksschul- Lesebuches zur Sprache und sollen in das Lesebuch auch Stücke aus der neuesten vaterländischen Geschichte auf- genommen werden, da die Erfüllung dieser Forderung die e i n f a ch st e Lösung der Frage, was die Schule zur Bekämpfung der Sozialdemokratie thun könne, darstelle.„Durch edle B e- g e i st e r u n g unserer Jugend für Deutschlands große Zeit und große Männer würde nach Ansicht der Schulpädagogen allen vaterlandslosen Bestrebungen am wirksamsten das Wasser abgegraben werden."— Oesterreich. — Z u m Niedergänge des österreichischen Liberalismus gehört es auch, daß die Egerer Handels- kammer den früheren Finanzminister Dr. v. Plener jun. ein- stimmig zum Rcichsralhs-Abgeordneten gewählt hat. Ter Mann, der einer wohldotirten Sinecure zu Liebe auf die Führerschaft der Partei zur Zeit ihrer Auflösung verzichtet hat, behält das Vertrauen der liberalen Wählerschaft. Der österreichische Libera- lismus versteht nicht einmal in Ehren zu sterben.— — Die Landtagsw ahlen für die galizischen Landgemeinden, die nach der Methode der serbischen und bulgarischen Wahlen ohne jede Scheu vor Gewaltthätig- keilen amtlich beeinflußt werden, haben natürlich wie immer der polnischen Adelspartei eine große Majorität verschafft. Die Ruthenen, die fast die Hälfte der Be- völkerung Galiziens bilden, wurden wie üblich an die Wand gedrückt und bleiben ohne die ihnen gebührende Ver lretung. Bios Jungruthenen, die im Frieden mit ihren ökonomischen, politischen und nationalen Todfeinden, den Polen, leben wollen, wurden gewählt. Die eigentlichen Führer des rutheuischcn Volksstammes blieben in der Minorität. Dem Siege der polnischen Adelspartei über die Ruthenen steht eine merkwürdige Erscheinung gegenüber, die Wahl einer Anzahl polnischer Bauern, die gegen polnische Adelige zu kandidiren gewagt hatten, 11 polnische Bauern wurden gewählt, von diesen sieben gegen polnische Adelige. Durchgefallen ist der frivolste Gegner der österreichischen Wahlrechts-Beweguug. der Graf Sladnicki.— �railkreich. -—Ueber die Madagaskar-Expedition giebt der französische Kriegsminister folgende Depesche bekannt: „ M a j u n g a, 24. September. Nach aus dem Inneren eingetroffenen Nachrichten wird der Vormarsch energisch fort- gesetzt; der moralische Zustand der Truppen ist ausgezeichnet. General Duchesne telegraphirt über Andriba vom 23. d. M., die erste und zweite Abtheilung der fliegenden Kolonne gewannen vom 19. d. M. die Passage über die Berge von Ambohinienä. General Metzinger fand den Weg durch sämmtliche Streitkräfte der Hova's ini» 30 Kanonen besetzt, aber das Erscheinen der Truppen des Generals Voycon, welchem es gelungen war, seinen vor Tagesanbruch begonnenen Anmarsch zu ver- schleiern, genügte, um die vollständige Auflösung des Feindes herbeizuführen; unsere Truppen hatten keine Verluste. Die Vorposten stehen vor Anlovy. Die Frische der Truppen ist bemerkenswerlh; trotz der großen Anstrengungen haben wir wenig Marode." So die Depesche. Ob sie nun in Madagaskar oder in Frankreich verfaßt ist— der Wahrheit entspricht sie in keinem Fall, und bei einiger Ausmerksainkeit ist die Absicht der Täuschung nicht zu verkennen. Der„moralische Zustand der Truppen ist ausgezeichnet"— aber wie steht es um den physischen Zustand? Daß von ihm geschwiegen wird, kann den ungünstigen Gerüchten nur zur Bestätigung dienen; und»venu am Schlüsse von der„Frische der Truppen" und„den wenigen Maroden" die Rede ist, so ist zu bedenken, daß dies nur von der vorgeschobenen Kolonne gilt, die dem Hauptkorps vorauseilt. Und ferner ist zu bedenken, daß Fieber- kranke nicht„Marode" sind. Durch solch' plumpe Manöver läßt die öffentliche Meinung sich nicht mehr beschwichtigen und lauter und lauter ertönen die Anklagen gegen die Regierung. Wie immer in solchen Fällen üicht von den Regierungsleuten einer die Schuld auf den anderen zu wälzen. Am schwersten belastet ist der frühere Kriegsminister Mercier. Nnd dieser ist in seiner Verlegenheit auf das sinn- reiche Auskunftsmiltel verfallen, in einem Artikel des„Figaro" die Verantwortlichkeit dem ehemaligen Marine minister Felix Fäure aufzuhalsen, welcher gleichbedeutend ist mit dem jetzigen— Präsidenten der Republik. Armer Präsident! j — Mit der geplanten K ol o n i a-l a r m e e beschäftigt sich noch immer die Budget-Kommisswu. Es wird darüber telegraphirt: „Die Budget-Kommission der Deputirtenkammer setzte heute die Berathung des Militärbudgets fort. Cavaignac legte den Plan für die Reorganisation der Trnppeninacht in Algerien dar. Hiernach soll der größere Theil der algerischen und tunesischen Truppen, zwei Infanterie- und eine Kavallerie-Brigade, nach Frankreich verlegt werden. Unter Hinzunahme dieser Truppen könnte ein neues kontinentales Armeekorps gebildet werden, welches möglichst nahe der Ostgrenze aufzustellen wäre. Die in Algier und Tunesien verbleibenden Truppen sollen mit den Cadres der gegenwärtig vorhandenen Kolonialtruppen verschmolzen werden und den Stamm einer neuen Kolonialarmee bilden. Diese Armee würde dem Kriegsministerium unterstehen und in Frankreich, Algerien und den Kolonien durch Werbungen sowie Wiedereinstellung ans- gedienter Soldaten rekrutirt iverden; den Truppen sollen Dienst- Prämien gezahlt werden.— — Von Fremde»hetzen hören wir wieder aus Süd« Frankreich. Diesmal sind es nicht Italiener, gegen welche die blinde Wulh der Volksmassen sich gerichtet hat, sondern Spanier. Man telegraphirt: „In'Toulouse fanden gestern Unruhen statt. Die Häuser der spanischen Zigeuner wurden g e- plündert, ihre Habe verbrannt und in die Garonne geworfen. Die Polizei war ohnmächtig; Gendarmerie schritt ein und nahm zwanzig Verhaftungen vor. Der Bürgermeister erließ eine Kundgebung an die Bevölkerung, um sie zu beruhigen. Die meisten Spanier sind nach anderen Städten oder nach ihrer H e i in a l h ausgewandert." Weiteres wissen wir vorläufig nicht. Sonderbar, daß in solchen Fällen die Polizei stets„ohn« mächlig" ist, während sie, wo es sich um die Unterdrückung politischer Freiheit handelt, allmächtig ist.— Serbien. — Der König— d. h. der junge— kommt am I. Ok- tober zurück, so daß dann die Königslosigkeit aushört. Seine Mutter Natalie wird Anfang November zurückkehren— der dicke Milan bleibt in Paris. Gleich nach der Rückkunft des Königs soll die„ V e r f a s s u n g s r e v i s i o n" beginnen und ein„neues Lloalitionsininisteriuni" gebildet werden. Als Haupt- punkte der Verfassnngsrevision iverden genannt: Abschaffung des Staatsraths. Beschränkung der Kompetenz der Kreis- ausschüsse und Vereinfachung des Wahlrechts. Die Punkte sind nicht recht klar, aber da de» demokrati- scheu Kreisausschussen und dem demokratischen Wahlrecht zu Leib gegangen werden soll, so scheint die Verfassungsrevision blos ein anderer Name für Staatsstreich zu fein. Der junge König ist nur eine Puppe in den Händen seiner Mutter, und diese ist notorisch eine Agentin der russischen Diplomatie. Ser- bien ist bekanntlich ein Kampsfeld für russische und österreichische Herrschaftsgelüste. Für den Augenblick scheinen die Ruffeu wieder einmal obenauf zu sein.— Rumiiuie». — Die große Donaubrücke bei Cemavoda, die die Dobrudscha mit dem Hauptflusse verbindet, wurde am 26. Sept. eröffnet.— Rustlaud. — Die B e a m t e n w i r t h s ch a f t ist in Rußland zu einer besonders hohen Blüthe der Vollkommenheit entwickelt. Es kommt wenig an die Oeffentlichkeit, da in Rußland ein drei- sacher Panzer die Beamten gegen schnöde Enthüllungen schützt. Jetzt hat iudeß ein der täglichen Zensur unterstehendes Blatt einen derartigen charakteristischen Vorfall erzählt; da dieser Bericht mit Genehmigung der Preßbehörde veröffentlicht wird, so kann man annehmen, daß er auf Thatsachen beruht. Der„Tschernom. Westn." berichtet aus Abchasien (einer Landschaft im Kaukasus): Vor einer längeren Reihe von Jahren wurden einem Beamten 400 Deffjatinen Buchsbaum- walduiig zugetheilt, wobei er sich natürlich den prachtvollsten Holzbestand aussuchte. Der Beamte ließ den Wald abholzen und machte ihn-zu Geld. Hierauf petitionirte er um den Um- tausch seiner- Parzelle, der ihm auch gewährt wurde. Dieses Geschäft wurde derart dreimal ausgeführt, wobei 1200 Dessjatinen des schönsten Buchsbaumbestandes in Form von Kreditscheinen in die Tasche des schlauen Beamten wanderten. Beim Durch- stöbern der Archive fielen die bezüglichen Aktenstücke in die Hände des revidirenden Beamten und dieser machte von der Geschichte an zuständiger Stelle Anzeige." Petersburg, 25. September. Den„Nowosti" zufolge wurde ein Regulativ für den Bergwerkbetrieb durch Ausländer im sibirischen A m n r g e b i e t durch den Antrag des General- gouverneurs veranlaßt, einem französisch-holländischen Konsortium die Anlage und den Betrieb von Stein kohlen-Gruben an der Küste der Amnr-Meerenge zu gestatten, nachdem die Hinzuziehung russischer Kapitalisten zu dem erwähnten Unter« nehmen gescheitert ist. Brasilien. Rio de Janeiro, 24. September. Die') Deputirtenkammer hat die erste Lesung der A n» n e st i e v o r l a g e mit 118 gegen 58 Stimmen abgelehnt. In der Stadt herrscht große Aufregung und die Ruhe ist mehrfach gestört worden. Also es braut wieder Unheil in dein südamerikanischen Wetterwinkel.— Parteipresse. Mit dem ersten Oktober bereitet sich in der Arbeiterpresse der badisch-bayerischen Pfalz ein wichtiger Schritt vor, indem von diesem Tage an die„Bolksstiinme", das bisherige Organ der Arbeiterpartei der badisch-bayerischen Psalz in zwei Zeitungen gelrenut wird, die„Volksstimme" für das werk- lhätige Volk Badens und die„Psälzische Post" für das werk» thätige Volk der Psalz. Todteuliste der Partei. In Oderberg i. M. wurde am Sonnlag die Frau des Genossen Baum unter großer Theil» nähme der Parteigenossen bestattet. Sie hat stets»nit dein größten Eiser für die Ziele unserer Partei gewirkt. Polizeiliches, Gerichtliches rc. — Zur Degradation und einer Freiheitsstrafe wurde ein Avanzirter eines Thorner Regiments verurtheilt, weil er sich wahrend seines Urlaubs in Berlin in Uniform an einer sozialdemokratischen Protestkundgebung gegen die Sedanfeier be- theiligt batte. — Genosse H. Oehme hat sich in seiner Eigenschaft als verantwortlicher lliedakreur der„Fränkischen Tagespost" am Dienstag, de» I.Oktober, vormittags 8Vs Uhr, vor dem Nürn- berger Schwurgericht wegen angeblicher Majestätsbeleidigung z» verantworlen, welche er in dem ersten Rundschau- Artikel der Nr. 206 der„Tagespost" begangen haben soll. — Beleidigung nach tz 166. Aus Nürnberg wird dem„Berliner Tageblatt" telegraphirt: Das Schöffengericht verurtheilte den Redakteur des hiesigen sozialdemokratische» Blattes wegen groben Unfugs zu 50 M., weil er bei Besprechung eines Sittlichkeitsverbrechens, das in der Irrenanstalt zu Hildes- heim vorgekommen sein sollte, über den Heiligen Geist gewitzelt hatte. — Tanzniusik und sozialdemokratische Ver» sammlungen vertragen sich nach hochweiser polizeilicher Auffassutig im gleichen Lokale nicht. Es wird uns hierzu a» s Zwickau unter, n 25. d. Bits, geschrieben: Der Wirth des.G»st- Hof zur Zeche" in Hoheusiein hatte bekanntlich dieses Frühjahr von der Slmtshaupunannschnft Glauchau eine Verfüg», ig erhallen, nach welcher er in seinem neu erbauten geräumigen Saal ein Jahr lang keine Tanzmusik abhalten sollte. Der sofort an die Kreishauptmannschast Zwickau ergriffene Rekurs hatte aus- schiebende Kraft; heute wurde ihm endlich in der Kreishaupt- Mannschaft eröffnet, daß man seinem Rekurs insoweit stattgegeben. daß die Tanzbeschränkung aus ein halbes Jahr reduzirt worden sei. In der„Zeche" finden viel sozialdemokratische Versanim- lungen statt. Das kann aber natürlich kein Grund für die Maß regelung sein. — D a s s ä ch s i s ch e„I u w e l" i m A u s l a n d e. Nachdem die Organisation des 15. Reichstags-Wahlkreises(Burgstädt, Lim dach k.) von den sächsischen Behörden als„Verein" betrachtet und deshalb„aufgelöst" wurde, wollten diese aufgelösten Sozial demokraten im benachbarten Rußdorf im Altenburgischen eine Versammlung abhalten, um über das Agrarprogramm zu sprechen und einen Delegirten für den Breslauer Parteitag zu wählen. Diese Versammlung wird aber vom herzoglich altenburgischen Landrathsamt verboten, weil„seitens der zuständigen königlich sächsischen Behörde» die Partei- Organisationen als den Vereinsgesetzen unterfallend angesehen werden" k. Das betreffende, dem Einberufer jener Versammlung, dem Lager Halter Genossen Ficker in Rußdorf zugegangene Schriftstück lautet: Da seitens der zuständigen königl. sächsischen Behörden die Partei-Organisationcn als den Vereinsgesetzen unterfallend an- gesehen werden, so sind derartige Organisationen, soweit sie dem Königreich Sachsen angehören, auch diesseits als Vereine zu be- handeln. Es kann daher die nach§ 1 der Höchsten Verordnung. die Verhütung des Mißbrauchs des Versammlungsrechts betreffend, vom 28. Januar 1883 erforderliche Bescheini- gung über Anmeldung einer Versammlung solange nicht ausgestellt werden. als nicht der Nachweis gesührt worden ist, daß die betreffende Organisation unter Beobachtung der im Königreich Sachsen geltenden Bestimmungen sich als Verein konstituirt hat, und eine gehörige Legitimation des An- zeigenden als Bevollmächtigter dieses Vereins vorliegt. Da diese Unterlagen von Ihnen nicht erbracht sind, wird die durch Ihre Eingabe vom 13. d. M. erbetene Bescheinigung somit verweigert Altenburg, den 20. September 1835. Herzogliches Landrathsamt. (Name unlesbar.) Die„Leipziger Volkszeitung" bemerkt hierzu: Das altenburgische Landrathsamt verlangt also den Nach- weis, daß die betreffende Organisation sich als Verein konstituirt hat, obwohl die sächsischen Behörden diesen Verein eben auf- gelöst haben, der verlangte Nachweis also gar nicht zu erbringen ist. Nach der Forderung des Landralhsamts müßten alle sächsischen Sozialdemokraten, die im Altenburgischen eine Ver- sammlung besuchen wollen, sich vorher unter Beobachtung des sächsischen Vereinsgesctzes als Verein konstiluiren! Den sächsischen Behörden wird diese Unterstützung des Landrathsamts in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokratie natürlich sehr angenehm sein, aber bei unbefangen denkenden Menschen wird die altenburgische Regierungsweisheit nur allgemeines Kopfschütteln erregen. Soziale Mebeeiiilzk. Bergarbeiterlöhne in Preuße». Nach den vierteljährlich für den preußischen Bergbau angestellten Erhebungen über Arbeitslöhne und Arbeitsleistungen war die mittlere Zahl der vorhandenen Arbeiter(ausschließlich Beamten und dauernd zur Aufsicht verwendeten Personen) im Jahre 1894 folgende: 180 564 unterirdisch beschäftigte Bergarbeiter, 61 772 unterirdisch beschäftigte Arbeiter, 71 733 über Tage beschäftigte Arbeiter, ausschließlich der jugendlichen und weiblichen, 9 033 jugendliche männliche Arbeiter unter 16 Jahren, 5 633 weibliche Arbeiter, zusammen 328 740 Bergarbeiter, deren reines Jahreseinkommen 275 563 683 M. betrug. Von dieser Arbeiterzahl entfallen auf den Arbeiter Steinkohlenbergbau in Oberschlesien.... �. 52 300 Steinkohlenbergbau in Niederschlesien....... 17 282 Braunkohlenbergbau 1 Kupferschieferbergbau> des Ober-Bergamtsbezirks Halle Steinsalzbergbau) staatlichen Erzbergbau am Oberharz....... 3 366 Steinkohlenbergbau des Ober-Bergamtsbezirks Dortmund 143 280 staatlichen Steinkohlenbergbau in Saarbrücken.,.. 30 070 Steinkohlenbergbau bei Aachen......... 0 137 Siegen-nassauischen Erzbergbau 19397 sonstigen rechtsrheinischen Erzbergbau....... 5 657 linksrheinischen Erzbergbau........... 3 893 Auf den Steinkohlenbergbau'überhaupt also 256 119, auf den Braunkohlenbergbau 23 043, auf den Erzbergbau 32 913, auf den Kupferschieferbergbau 12 690 und auf den Steinsalzbergbau 3975 Arbeiter. Die Dauer der von einem unterirdisch beschäftigten Berg- arbeiter verfahrenen Schichten, deren Zahl zwischen 262(beim oberschlesischen Steinkohlenbergbau) und 303(beim Braunkohlen- bcrgbau des Ober-Bergamlsbezirks Halle) im Jahre schwankt, übersteigt beim Steinkohlenbergbau für die Mehrheit der Beleg- schaft, einschließlich Ein- und Aussahrl und einschließlich der Ruhepausen, 10 Stunden nicht; nur in Oberschlesien-hat noch beinahe die Hälfte der Belegschaften Zwölf-Stnnden- Schichten. Im allgemeinen währt die Schicht 8, bei beschwer- lichen Arbeiten aber nur 6 Stunden o h n e E i»- u n d A u s- fahrt(zusammen meist rund I Stunde). Beim Erzbergbau schwankt dieSchichldauerzwischen8,1und1I,7Stund en. Beim Braunkohlenbergbau beträgt die S ch i ch t d a u e r durchschnittlich 11,4 Stunden. Dies erklärt sich, freilich blos nach der ossiziellen Darstellung, aus der geringen Tiefe der Gruben, welche gestattet, daß die Bergleute zu de» Frühstücks- und Mittags- pausen ausfahren. Die wirkliche Arbeitszeit beträgt iin all- gemeinen noch nicht zehn Stunden.— Im ganzen hat sich die Schichtdauer im Jahre 1834 gegen 1893 nicht verändert. Nur beim Steinkohlenbergbau in Oberschlesien hat sich der Prozent- fatz der auf 8 Stunden beschäftigten jugendlichen m ä n n- lichen Arbeiter wieder von 2l,2 auf 35,4 gehoben und der aus 12 Stunden beschäftigten entsprechend vermindert; jedoch ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der daselbst überhaupt be- schäftigtcn jugendlichen männlichen Arbeiter um 13,9 pCt. zurück- gegangen ist. Die Jahres-Arbeiterleistung hat in sämmtlichen Bezirken des Steinkohlen-Bergbaues wiederum eine Zunahme, und zwar von 1—2 pCt., erfahren, die Arbeitsleistung auf 1 Schicht indessen nur in Ober- und Nicderschleflen, während sie in Dortmund auf der Höhe des Vorjahres blieb und in Saarbrücken eine Abnahme aufwies. Im Vergleich mit den früheren Jahren stellt sich die Jahres-Arbeiterleistung: Oberschlesien Niederschlesien To. To. 354 223 365 225 349 202 331 203 305 197 323 209 329 213 Saarbrücken To. 256 237 226 221 210 214 219 Der Jahresverdienst der Bergarbeiter hat gegen das Vorjahr keine wesentliche Veränderung erfahren. Nur in Mansfeld, wo der Rückgang der Kupfer- und Silberprcise zu einer Verminderung der Selbstkosten nötbigte, blieb der Jahres- lohn um4pCt. gegen 1893 zurück. Beim Steinkohlen- bergbau in Oberschlesien, Dortmund und Aachen, sowie beim 1888 1889 1390 1831 1892 1393 1894 Dortmund To. 325 302 236 273 267 271 274 gesammten Erzbergbau(außer Mansfeld) fand eine 1/2—2 pCt. betragende Aufbesserung, beim Steinkohlenbergbau in Nieder- schlesien und Saarbrücken, sowie beim Halleschen Braunkohlen- und Salzbergbau eine gleich hohe Herabsetzung statt, iiluch der Lohn für eine Schicht zeigte, abgesehen von Saarbrücken und Mansfeld, wo er um etwa 4 pCt. fiel, keine erhebliche Aende- ruug. Der höchste Lohn wurde, wie in den Vorjahren, beim Steinsalzbergbau in Halle gezahlt, wo der durchschnittliche Nettolohn aller beschäftigte» Arbeiter 1013 Mark betrug. Auf mehr als 1000 Mark— allerdings nur für die unterirdisch beschäftigten eigentlichen Bergarbeiter— be- lief sich der Reinverdienst noch in den Staats- Berg- werken bei Saarbrücken(1020 Mark) und beim Dort- munder Steinkohlenbergbau(1102 M.). Die eigentlichen Kohlen- und Gesteinshauer verdienten 1894 durchschnittlich auf für das �M''iß 1 Schicht Jahr Belegschaft M. M. pCt. in Oberschlesien,. 3,50 332 28 in Niederschlesien.. 2,33 374 32 Diese Löhne veistehen sich, wie im„Staats- Anzeiger" bei Mittheilung dieser Daten bemerkt wird, nach Abzug aller Neben- kosten(wie Beiträge für die soziale Versicherung, Kosten für Ar- beits-Gezäh, Sprengmittel und Geleuchte); andererseits ist darin der Werth der den Arbeiter» durch die Werke zu theil ge- wordenen wirthschaftlichen Beihilfen, welche vornehmlich in Ackerland, Wohnung und verschiedenen Deputaten gewährt werden, nicht enthalten. Nrbciteriuneiischntz-Geset; in» Kanton Tolothurr. Ter Gesetzentwurf betr. den Schutz von Arbeiterinnen, sieht folgende Hauptbestimmungcn vor. Das Handels- und Jndustriedepartemeut führt über alle diesem Gesetze unterstellten Geiverbe. mit Aus- »ahme der Wirthschaflen und Ladengeschäste, ein Verzeichniß; ebenso führen die Oberaintmänner ein gleiches Verzeichniß über ihre Amteien. Die Geschäftsinhaber sind verpflichtet, Kenntniß von» Bestehen ihrer Geschäfte dem Oberamte zu geben, ivelches hin»viederum dem Handels- und Industrie-Departemente Miitheilnng»nacht. Mädchen u»ter 14 Jahren dürfen weder als Arbeiterinnen, noch als Lehrmädchen angestellt»verde». Die Arbeit an den glsetzlichen Sonn- und Feierlagen ist untersagt. Die tägliche Arbeitszeit darf nicht mehr als 11, an de» Vor- abendei» vor Sonn- und Feiertagen nicht mehr als 10 SUuidc» betragen(in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends); zur Mittagszeit sind»venigstens anderthalb Stunden frei zu geben. Ueber die gesetzliche Arbeits- zeit hinaus dars den Arbeiterinnen keine weitere Arbeit nach Hanse mitgegeben»verde»». Obligatorische Unlerrichtsstuiiden für Mädchen zählen bei Berechnung der zulässigen Arbeitszeit mit. Ausnahnisiveise und ans erheblichen Gründen darf die gesetzliche Arbeitszeit verlängert»Verden, jedoch nicht über zivei Stunden täglich. Arbeiterinnen dürfen zur lleberzeitarbeit nur mit ihrer Zustimmung und solche unter achtzehn Jahren oder Schlvangcre gar nickt beigezogcn»verde»». Alle Ueberzeitarbeit muß um ein Viertel höher als der geivöhnliche Lohn entschädigt werden. Arbeitszeitverlängernngen für höchstens sechs Tage kann der Oberamtiiinnn bewilligen, über längere Dauer entscheidet der Regieruugsrath. Jede Ueberzeilbeivilligung ist schriftlich zu er- theile». Die folgenden Paragraphen enthalte» die Bestimmungen über die Arbeitsräume, Kündigungsfriste», Lehrvcrträge(schrift- lich mit Bestimmungen über das Lehrfach, Lehrgeld, Probe- und Lehrzeit und den Bedingungen, unter denen der Vertrag einseilig aufgehoben»verden kann.) Die Arbeitsordnungen be- dürfen der Genehmigung des Rcgierungsrathes, sind an sichtbarer Stelle in, Aibeitsraum anzuschlage» und sollen entkalten: die Arbeitszeit, die Art und Zeit der Lohnzahlung, allfällige Bußenbestimmungc» und die Bedingungen des Ein- und Ans- tritles. Der Regieruugsrath ist besugt, die Ausstellung einer Arbeitsordnung vorzuschreiben, wenn der Umfang oder die Natur eines Geschäftes den Erlaß einer solchen recht- serligt. Bußen dürfen nur verhängt»verde»»,»nenn sie in einer genehmigten Arbeitsordnung angedroht sind, sie dürfen ein Viertel des Taglohnes der Gebüßten nicht übersteigen und sind im Interesse der Arbeiterinnen zu vmvende». Der Lohn ist, sofern nicht Monats- oder Jahresanstellung schriftlich vereinbart ist, mindesteiis alle 14 Tage in gesetzlichen Münzsorlen und zivar an einem Werktage baar auszuzahlen. Lohnabzüge für Micthe, Reinigung, Heizung oder Beleuchtung des Lokals, soivie für Miethe und Abnutzung der Werkzeuge sind untersagt. Lohn- abzüge für verdorbene Arbeit können gemacht»verde»,»venn der Schaden aus Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit entstanden ist. Lohn darf nur bei vorausgegangener gegenseitiger Vereinbarung und höchstens bis auf die Hälfte des durchschnittlichen Wochen- lohnes zurückbehalten»verde»(Tecompte). Ebenso ist das Zurück- behalten von Lohn zu Versicherungszivecken nur mit gcgcnseitigein Einvcrständuiß gestattet. Die Angestellte» in Ladengeschäften können zur Bedienung der Kunden in der offenen Geschäftszeit ohne Beschränkung ver- »vendet»verde», unter der Bedingung jedoch, daß ihnen eine»»»»- unterbrochene Nachtruhe von 10 Stunden gestattet»vird. Kellnerinnen dürfe», soiveit es zur Bedienung von Gästen nöthig ist, abends bis zur Polizeistunde und bei Freinüchlen über dieselbe hinaus beschäftigt»verde», doch ist ihnen in allen Fällen eine ununterbrochene Nachtruhe von mindestens acht Stunden zu gestatten. Mädchen unter 18 Jahren, die nicht zur Familie des Wirthes gehören, dürfe» zur ständigen Bedienung nicht verivendet»verde». Angestellten in Ladeugeschäften und Kellnerinnen, denen der Sonntag nicht freigegeben werden kann, ist»vährend der Woche ein halber Tag sreizngeben. Dies gilt jedoch nicht für Kuranstalten»vährend der Sommermonate. Zu- »viderhandlungen gegen die Bestimmiingeii dieses Gesetzes werden mit Geldbußen bis 200 Fr. bestrast. GewevKfilzafklLches. CSiniMllch« MUIHeUungcn von Organisationen, vor allein solche über Ausstände oder Aussperrungen, niüfsen stets den Stempel der betreffenden Organisation tragen. Acht»«a, Lohgerber, Lederzurichter und Berufs- genossen! Der Streik i» der Steinlciii'jchen Lederfabrik(In- Haber Mcinke) dauert fort. Tie Situation ist unverändert und obirohl der Streik bereits die dritte Woche dauert, hat sich nicht ein einziger Streikbrecher gesunden. Auch der Geist unter de» Streikenden ist ein durchaus guter; sie denken nicht daran, die Arbeit früher aufzunehmen, bis ihre Forderungen bervilligt sind. Da die Geschäftskonjnnktur eine überaus gute ist, Bestellungen massenhaft vorliegen, so ist das Verhalten bes Herrn Meiuke den bescheidenen Forderungen derArbciter gegenüber geradezu linversländ- lich,»im so»»ehr, als die Löhne, die die Arbeiter der Steinlein'schen Lederfabrik fordern, in jeder anderen Fabrik resp. Werkstatt chon längst gezahlt, Verden. Offenbar glaubt Herr Meiuke, daß es bald an Unterstützung für die Streikenden mangeln wird und daß die Arbeiter»vohl bald selber kommen»verde». Darum, Kollegen und Arbeiter, appelliren»vir an Euch, um Herrn Mein'ke zu zeigen, daß er seine Rechnung ohne die gesaininte Arbeiterschaft gemacht hat. Unterstützt die Sireikenden mit allen Euch zu Gebote stehenden Mitteln. Es sind iin ganzen 102 Ar- beiter mit zusammen 180 Kinder» zu unterstützen. Darum, Arbeiter Berlins, thut auch den Lohgerbern» gegenüber Eure Pflicht. Gelder sind abzuliefern an die Lohnkommission der Loh- gerber, Lederzurichter und Berufsgenoffen Berlins zu Händen des Kollegen Fritz Lerche im Restaurant Vogel, Elbingerstr. 9. Ter Vertrauensmann G. Busse. Achtung, Vergolder! Um etivaigen falschen Gerüchten vorzubeugen, erklärt die uuterzeichnele Kommission, daß die über die Goldleistenfabrik von B. Groß, Leipzig- Reudnitz, Eilen« burgerstraße, von der öffentlichen Vergolderversammlung ver» bängte„Sperre" fortbesteht. Von einer Aushebung derselben kann keine Rede sein, da die Ursache des Streiks und der jetzigen Sperre»och nicht beseitigt ist. Die Preisreduzirungen, die Herr Groß vor Ausbruch des Streiks im Schilde führte, sind zur Thatsache geivorden. Um 20 und theilweise noch»nehr Prozent sind die Akkordpreise reduzirt. Dies»vird hoffentlich allen Kollegen, die durck Annoncen, Versprechungen»c. seitens der Fabrikleitung verlockt»verde» sollten, uns in unserem gerechten Kampfe in den Rücken zu fallen, eine Warnung sein. Verineidet den Zuzug nach Leipzig! Die S t r e i k k 0 m in i s s i 0 n. I. A.: E. S t r u ß, Vertrauensmann der Leipziger Vergolder. Schönefeld bei Leipzig, Dimpfelstr. 16, 1 Tr. Achtung, Vergolder! Der Generalstreik dauert fort, Zuzug ist streng fernzuhalten. Das Streikbureau befindet sich Annen- straße 16; i» Ripdorf bei K u m m e r, Berlinerstraße; in Weißensee bei F r e n tz, Königs- Chaussee und Lehderstraßen- Ecke; im Norden bei G l e i n e r t, M ü l l e r st r. 7 a, geöffnet von 9—12 und von 2—5 Uhr. haben sich mit den und ain Dienstag die unbedingt streng sern- Achtung! Walzer. Die Walzer streikende» Vergoldern solidarisch erklärt Arbeit niedergelegt. Zuzug derselben ist zuhalten. Au die Kisteninacher Berlins! Kollegen! Der Streik ist nun endgiltig beendet. Alle Kollegen bis auf den letzten Mann sind in Arbeit. Nun ist es Eure heilige Pflicht, daß Er- rungene festzuhalten. Mehrfach ist es schon vorgekommen, daß die Herren Fabrikanten sich gelüsten ließen, die Löhne wieder zu rcduziren. Theiliveise ist dies ihnen auch gelungen. Aber>vo die Kollegen einigermaßen zusammenhalten, wo nicht solche darunter sind, bei denen Selbstsucht vorherrscht, da sind auch die Versuche, die Löhne herabzudrücken, gescheitert. Auch bezüglich der Arbeitszeil lassen manche Werkstellen viel zu»vünschen übrig. Wenn»nan des Sonnabends sieht, wie die Frauen dieser Kollegen vor der Thüre stehen, und des Abends noch um >/29 Uhr erivartungsvoll zusehen, wie ihre Männer arbeiten und auf ihren Lohn»varten müssen und dennoch versichert»vird, daß es an diesem Sonnabend noch sehr früh sei, muß man einsehen, daß noch viel zn thun übrig bleibt. Kollegen, »ven» solche Zustände Platz greifen, da kann man doch nur an- nehmen, daß es an Einigkeit fehlt, denn ein Interesse an solcher maßlosen Ausbeutung kann doch»vohl kein Arbeiter haben. Kollegen, vor allen Dingen ist es Eure Pflicht, die Arbeitszeit nicht zu überschreiten, und dazu gehört auch, daß Ihr Mann für Mann einig seid und treu zur Organisation haltet. Denn nur dadurch sind wir in der Lage, das Errungene festzuhalte»». Die Sammlung in den Werkstellen ist eingestellt, aber Ihr dürft nicht denken, daß Ihr nun schon Eure Schuldigkeit gelhan habt, denn Ihr wißt, daß jeder Kampf auch Opfer kostet, so auch der uuserige. Nun ist es Pflicht eines jeden Kollege», zu diesem Opfer beizutragen, damit das Defizit gedeckt»verde»» kann. Kollegen, betheiligt Euch fleißig an der Sammlung durch die Bons, denn 5 oder 10 Pf. kann jeder abstoßen, und es kann dainit hervor« ragendes geleistet»ve» den. Darum vorivärts treu zur Organisation und stets einig! Das muß unsere Parole sein! I. A.: F. M ä r t e n.. Bauarbeiter. Von Flensburg ist der Zuzug femzu» halten. Tie Maurer- und Zimmergeselle» in Zivickau be» schloffen in einer Versammlung, bei den Meistern, die die geringsten Löhne zahle», in den Streik einzutreten. Der Streik der Handschuhmacher in Stuttgart, L u d»v i g s b n r g und Eßlingen ist am Sonnabend beendet»vorden; die Arbeiter haben die Genugthuung, ihre Ausdauer voll belohnt zu sehen, indem die von ihnen bei Beginn des Kampfes aufgestellten Forderungen von der„Ver- eintgung der Handschuh- Fabrikanten Württembergs" beivilligt »vurden. Belgischer Bergarbeiterstreik. Aus Gent wird mit- getheilt, daß der Gouverneur den ausständigen Bergarbeiter»; eine Audienz ertheilt habe, in der er denselben ein« Lohnerhöhung versprach und sie aufforderte, die Arbeit wieder aufzunehmen. Man glaubt, daß nunmehr der Ausstand beendet sein»verde. Depesrhen und lehke Aschrichken« Wie», 26. September.(Privatdepesche des„Vonvärts".) Die für den nächsten Sonntag seitens der sozialdemokratischen Partei mit der Tagesordnung: lieber die Verkürzung des Rechts, nach Hanse zu gehen" einberufene Protestversammlung gegen das gesetzlvidrige Vorgehen der„Sicherheitsorgane" nach der letzten großen Wahlrechtsdenionstrauon im Wiener Prater wurde auf grund des tz 6 des Versammlungsgesetzes untersagt. Rekurs »vurde sofort eingebracht. Bremen, 26. September.(W.T.B.) Der der Dampfschiff- fahrts-Gesellfchast„Neptun" gehörige Danipfer„Ceres" ist wieder flott geivorden; derselbe»vird in den Hafen von Nieu»vediep eingeschleppt. Wie»», 26. Septeinber.(W. T. B.) Die Gcmeinderalhs- »vahl im ersten Wahlkörper,»velche auf das Ruhigste verlausen ist, ergab 32 Liberale, 13 Zlntiliberale und eine Stichwahl, nämlich in Neubau,»vo der liberale Kandidat Frauen- berger und der antiliberale Kandidat Lehofer in die engere Wahl kommen. Die Antiliberalen geiviunen 7 Mandate. Im ganzen sind jetzt 91 Antiliberale und 46 Liberale geivählt.(«äe verfügen somit fast über eine Ziveidrittel-Majorität, so daß die Liberalen nicht einmal durch Abstinenzpolitik den Antiseiniten Schivierigkeilen bereiten können.) Abrudbanya(Ungar»), 26. September.(W.T.B.) Im Haupt- schachte der sogenannten„Ungargrube" erfolgte ein Felseinsturz. Zivei Bergleute»vurden todt ailfgefunden. Paris, 26. September.(W.T.B.) Der Anarchist B onteilhe. »velcher an» 5. ds. die Bombe im Bankhause. Rothschild nieder- »varf, erschien heute vor dem Zuchtpolizeigerichle. Bonteilhe er- klärte, daß die Bombe nicht gefährlich geivescn sei, er hätte nur erschrecken und in nachdrücklicher Weise gegen Rothschild prolestiren wollen. Bouteilhe bestritt, die Absicht zu tödte» gehabt zu haben. Hierauf folgte das Zengcnverhör. Ter Zuchlpolizeigerichtshos verurtheille Bouteilhe zu drei Jahre» Gefängnip und 100 Franks Geldstrafe. Madrid, 26. September.(W. T. B.) Die Marinebehörden zu Havana eröffneten das Verjähren»vegen Fahrlässigkeil gegen den Jtapitä» Del Morlera»vege» des Unterganges des Kreuzers „Barcaiztegui". Madrid, 26. Septeinber.(W. T. B.) Nach Meldungen aus Melilla griffen Mauren das Fort Sidi Guariach bei Melilla an, welches die Veranlassung zu den» letzte» Streitfall mit Marokko gab. Ein spanischer Soldar»vurde verivundet, die Mauren er- griffen schließlich die Flucht. Konstautinopel, 26. September.(W. T. B.) Bezüglich der Entschädigung für die bei dem Attentate in Djeddah verwundeten Koiisulatsbeamten ist Aussicht auf baldige Einigung n»it der Pforte vorhanden. Für den englischen Konsul sollen 10 000 Pfd. Sterl., für den russische», Konsul 200 000 Frks., für den fran- zösischen ikonsulatssekrelär 100 000 Frks. gezahlt»verde,,. Baku, 26. September.(W. T. B.) Heute schlug der Blitz in eine Naftafontäne und entzündete dieselbe. Das Fe»»er ergriff»och weitere fünf Fontänen. Zivei Arbeiter sind ver- bräunt, drei erhielten Brandwunde», ein Arbeiter wird vermißt. Der Brand scheint lokalisirt zu sein. Verantivortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil veranlwvrtlich: Th. Elocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu S Brilagrn. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 22$. Freitag, beu 27. September 1895. 12. Jahrg. KommunÄles. StadtvcrordnetewVcrsammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, 26. Sept., nachmittags 5 Uhr. Zum Vorsitzende» des Wahlprnfungs- Ausschusses ist, nach dem Ausscheiden des Stadtv. Dr. Alexander Meyer der Stadtv. H o r w i tz gewählt worden. Dem heute gewählten Ausschuß zur Vorbernlhuug der Vorlage wegen Herstellung eines Arkaden- ganges von der Gertraudtenbrücke zur Wallstraße gehört u. a. auch der Stadtv. Singer an. In den Vorstand wählt die Versammlung sür den aus- geschiedenen Stadtv. Bulle als dritten Beisitzer durch Akklamation den Stadtv. H e l l r i e g e l. Herr Bulle gehörte außerdem noch dem Wahlprüfungs-Ansschuß, der Deputation sür Gesundheils- pflege, der Deputation sür die Kraukenanstallen und dem Kura- torium des Nikolaus-Bürgcrhospitals an. Da für die Vakanzen zum theil sehr zahlreiche Meldungen vorliegen, so werden diese Wahlen auf die nächste Sitzung verschoben, desgleichen die Wahl eines Bürgerdeputirten für die Gewerbedepulation, wofür der Bnchdruckereibesitzer Otto Dreycr, Briiderstr. 4, der Fabrikbesitzer Weigert, Anklamerstr. 33, und der Buchdrnckereibesitzer Max Babing, Beuthstr. 2, vorgeschlagen sind. Tie Stadlvv. Sachs II, Jacobi, Deker, Riemer und Jordan haben den Antrag eingebracht, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, wie weit die Verhandlungen mit de» Organen der Marienkirche behufs einheitlicher Ausschmückung des Platzes um die Marienkirche mit gärtnerische» Anlagen gediehen sind. Sie ziehen dabei ausdrücke lich das Dalum des bezüglicheil Versammlungsbeschlusses, den 12. Oktober 1893, an, sind also offenbar nicht sehr damit zu- frieden, daß in dem Zeitraum von fast zwei Jahren über den Forlgang der Sache nichts verlautet hat. Stadtv. Sachs II macht zur Begründung des Antrages geltend, daß seine Urheber wohl nicht dem Vorwurf der Ungeduld verfalle» würden, wenn sie nach ganzen zwei Jahre» sich endlich eine bescheidene Auskunst über den Stand der Sache erbäten. An dem gedachten Tage sei das erste magistratliche Arkaden- Projekt von der Versammlung zu Falle gebracht und statt dessen die Ausschmückung des Marieukirch-Platzes mit gärtnerischen An- lagen beschlossen worden; nur im Interesse der gleich- zeiligen Regelung der Besitzverhältnisse und der Rechte der Grundstücksbesitzer der an die Kirche angrenzende» Bauten habe man in jene Verhandlungen gewilligt. Ein längeres völliges Schweigen sei aber angesichts der in der Um- gebung der Kirche herrschenden Zustände und bei der totalen Verwahrlosung des Platzes nicht zu verantworten. Stadtbaurath B l a n ck e n st e i n: Die hier in betracht kommende Sachlage ist außerordentlich komplizirt, da städtischer, kirchlicher und privater Besitz, außerdem die schon berührten Besitzrechte und Besitzverhältnisse hier mit einander kollidiren. Der Magistrat mußte lebhast wünschen, daß in letzterer Be- .Ziehung ein Ausgleich mit der kirchlichen Behörde dahin zu stände kam, daß letztere von ihrem Siechte, das Ausbrechen von Fenstern nach der Kirche hin zu untersagen, keinen Gebrauch machte. Außerdem stehen die Anlagen im Zusammenhang mit dem neuen Markt, wo jetzt auch das Komitee für das Lutherdenkmal bezüg- lich der Ausschmückung der Umgebung desselben in Frage kommt. Der Plan für die gärtnerische Ausschmückung des Platzes um die Kirche ist übrigens a-sgestellt und gewissermaßen auch schon ausgeführt, indem die Wege so eingerichtet sind, wie das Projekt isie vorzeichnet. Das Abkommen mit der Kircheubehörde ist noch michl perfekt geworden, das wird aber wohl bald geschehen, so- ibald der Dezernent von seinem Urlaube zurückgekehrt ist. Ich ihoffe. daß Ihnen in einigen wenigen Wochen die Vorlage wohl zugehen wird. Stadtv. S a ch s H: Diese Auskunft beruhigt mich nicht. Auch heute erhalten wir keine bestimmte Antwort, sondern es wird lediglich von Wünschen und Hoffnungen gesprochen. Beide Gegengründe, die der Sradtbaurath anführt, sind unzutreffend. Die Regelung der Besitzverhältnisse und der Art der Bebauung des Terrains hat mit der gärtnerischen Ausschmückung des Platzes ebenso wenig etwas zu thun, wie das Lutherdenkmal, das längst vollendet dasteht. Nach meiner Auffassung hätte unsere erste Vorlage nach den Ferien gerade diesen Gegenstand betreffen müssen. Wir können uns nicht länger so hinziehen lassen. So kann es kommen, daß vor lauter Hoffnungen und Wünschen ein Platz mitten im Zentrum der Stadt Jahre lang liegen bleibt! (Zustimmung.) Auf eine so wichtige Sache sollten doch Wünsche und Hoffnungen und gar der Urlaub des Dezernenten nicht so starken Einfluß ausüben. Sladtbaurath B l a n ck e n st e i n bleibt dabei, daß die Regelung jener Verhältnisse bei dieser Gelegenheit sehr wünschens- Techniftsze NundfchÄ«. (Ein neues Quecksilber- Thermometer. Carborundum für Glüh- lampen. Seemotoren.) Die Messung der Temperatur geschieht meist dadurch, daß man die Ausdehnung einer Quecksilbermenge bei zunehmender Wärme mißt; im allgemeinen wird bei der Füllung des Ther- momelers das Quecksilber bis zum Sieden erhitzt, wodurch man erreichen will, daß alle Luft aus dem Rohre herausgetrieben ivird. Ist dies geschehen und das evacuirte Rohr zugeschmolzen, so wird der Apparat einmal in schmelzendes Eis gestellt und dann mit Dämpfen siedenden Wassers umgeben, wodurch man die sogenannten Fixpunkte, d. h. den Stand des Quecksilbers bei der Schmelztemperatur des Eises und bei der Siede- temperatur des Wassers erhält. Der Zwischenraum zwischen den beiden bei diesen Temperaturen auf dem Rohre angebrachten Marken wird bei der in Deutschland am meisten verbreiteten Röaumur'schen Skala in 69 gleiche Theile getheilt, so daß der Bolumausdehnung des Quecksilbers um einen solchen Theil eine Temperaturerhöhung um 1 Gr. entspricht. In Frankreich ist die hunderttheilige Skala im Gebrauch, indem die Differenz zwischen dem Eis- und Siedepunkt nach dem Vorschlag von Celsius in 160 gleiche Theile getheilt ist. Somit sind 4 Gr. R. entsprechend 5 Gr. C.; man geht daher von einer Roaumur'schen Temperaturangabe auf die Cclsius'sche über, in- dem man die erstere durch 4 lheilt und dann mit 5 multiplizirt: diese Umrechnung ist vielfach nothivendig, weil in allen wissenschaftlichen Angaben die hunderttheilige Temperaturskala benutzt wird. Indem man die Theilung über die beiden feste» Punkte hinaus fortsetzt, komnit man zn Temperaturangaben unterhalb des Eispunktes, wobei man von Kältegraden spricht, und zu solchen oberhalb des Siedepunktes, also über 199 Gr. Doch kann man das so hergestellte Thermometer nur bei denjenigen Temperaturen benutzen, bei welchen das Quecksilber in flüssigem Zustande ist; erstarrt dasselbe, was bei— 38 Gr.(38 Gr. Kälte) eintritt, oder siedet es, was bei 3S9 Gr. geschieht, so ist es sür Temperalurmessungen nicht mehr verwendbar. Man hat daher zur Messung besonders tiefer und besonders hoher Tempe- raturcn andere Methoden ersinnen niüssen, welche jedoch nicht die Bequemlichkeit der geschilderten Temperatur- Messung darbieten. Vor kurzem sind nun Quecksilber- werth sei. Das Lutherdenkmal sei erstkim Juni eingeweiht und gärtnerische Anlagen daselbst noch nicht hergestellt. Er könne den Dezernenten durch Angabe eines bestimmten Termins nicht binden. Vor nächstem Frühjahre könne damit noch nichts werden. Damit ist der Gegenstand erledigt. Den Raths kelle r will der Magistrat an den jetzige» Pächter Falkenberg sür fernere sechs Jahre, von Oktober 1896 bis Ende September 1992, unter Ausschluß des öffentlichen Pachtausschreibens weiter verpachten, und zwar für 43 999 M. jährlich(seit dem 1. Oktober 1899 be- trug die Pacht 46 999 M., wurde aber vom l. April 1892 ab auf 49 999 M. ermäßigt) unter den bisherigen Bedingungen und mit der Verpflichtung des Pächters, bei weiteren Erwäßiguugen des Tarifs der Berliner Elektrizitätswerke für elektrische Be- leuchlungskosten die Pachtsumme entsprechend zu erhöhen und event. wieder wie früher 46 999 M. zu zahlen. Ohne Debatte genehmigt die Versammlung diesen Magistrats- Vorschlag. Schluß 6-/4 Uhr. AfoKslles. Au die Parteigeuoffe» in Rixdorf! Bekanntlich sollte dem Parteibeschluß gemäß die Spedition der Parteipresse vom 1. Oktober ab in Parteiregie übergehen. Bislang haben sich jedoch noch nicht genügend Abonnenten eingezeichnet, als daß der Verlrieb einem besoldeten Spediteur übergeben werde» konnte. Es ist daher vom Vertrauensmann eine dreigliedrige Kominission ernannt worden, welche die Geschäfte vorläufig besorgen wird. Die Kommission ist gebildet aus den Parteigenössen Kull, Prinz Handjerystr. 46: Merseburger, Jägcrstr. 52, und Jonas, Kirchhof straße 45. Diejenigen Abonnenre», ivelche sich bis zuni Sonntag eingezeichnet habe», erhalten die Zeitung vom I. Oktober an. Richtpünklliche Zustellung wolle man sofort den Kommissions Mitgliedern oder dem Unterzeichnete» melden. Parteigenossen, a g i t i r t unausgesetzt sür die Parteispedition und sorgt dafür, daß sich jeder in unsere Listen einzeichne. Abonnementslisten liegen an folgenden Stellen aus: Hi l p e r t, Hermannstraße, Ecke Karlsgartenstraße, H e i ck h a u s, Hermann- straße 52, Karrias, Hermaniistraße 119, Krüger, Prinz Handjerystraße 58, Her in an», Kirchhofstraße 1, Thomas, Bergstraße 162, S ch e n k, Hobrechtstrnße 9, Barth el. Hermannplatz 7, Schmidt, Kottbnserdamm 191. Tie Vertrauensperson A u g. D oh rm a n», Ziethenslraße 39. Die Garde«. Erst i» diesen Tagen theilten wir de» wesentlichen Inhalt einer Flugschrist mit» welche an die- jenigen gerichtet war, die unter Umständen einen„Kamps führen" solle»,„der uns befreit von solchen Elementen". Heute wird uns abermals ein Beitrag zugestellt, der nach dieser Richtung hin bezeichnend ist. Hier in Berlin er- scheint im Verlage von Karl Sigismund, Mauerstr. 68, ein illustrirtes Blättchen„D e u t s ch e r S o l d a t e n h o r t". Dasselbe wird verantwortlich redigirt von einem Generallientenant z. D. H. von B e l o w. Dieser Herr richtet in der soeben er- schienenen Nr. 36 dieses Jahrgangs eine Art Appell an die zur Entlassung kommenden R e s e r v i st e n, in dem folgende Worte vorkommen: „Leider steht in diesen Festestage» der Erinnerung an die Thaten der braven Männer, welche vor 25 Jahren Blut und Leben einsetzten, um den heimischen Herd gegen räuberischen(!) Einbruch zu schützen, ein kleines Häufchen(!) Vaterlands- loser Menschen feindlich gegenüber. Auf sie weisen wir unsere Reservisten, die in wenigen Tagen wieder ihrer Heimath zueilen, besonders hin und rufen ihnen zu: H ü t e l E u ch vor den Sozialdemokraten, die in so v e r ä ch t- l i ch e r Weise von den Thaten Eurer Kameraden, Eurer Brüder und Väter sprechen und schreibe». Oft genug haben wir i» unserem Blatt darauf hingewiesen, daß der Treueid des Soldaten für seine ganze Lebens- zeit gilt. Schmach und Schande aber auf die, welche ein braves deutsches Soldatenherz zum Meineid zu verleiten trachten." Wir haben neulich schon erklärt, daß w i r mit derartigen Hinweisen auf die Sozialdemokratie schon zufrieden sein können „Wieder eine sozialdrmokrutische Lüge." Mit diesen Worten leitet die„Germania", das Organ des katholischen Pharisäerthums, die Wiedergabe der von uns gestern»ach Gebühr abgefertigten„Berichtigung" der„Berliner Korrespondenz" über die„Sedanfeier in der Justiz" ein. Vielleicht hat das Zentral« organ der Geschorenen die Güte, uns einmal einige„sozialdemo- kratische Lügen" auf dem Präsentirteller zu serviren. Die Arbeit dürfte der„Germania" ziemlich sauer sollen und das thermomeler in den Handel gebracht worden, ivelche eine bequeme Temperalurmessung weit über die Siede- temperatur des Quecksilbers hinaus gestalten. Die Siedetemperatur ist nämlich keine ganz unveränderliche, sondern hängt in sehr wesentlicher Weise vom Drucke ab, unter dem die siedende Flüssig- keit steht. Nimmt der Druck ab, so fällt auch der Siedepunkt; so kocht beispielsweise Wasser auf dem Mont-Blanc, also in einer Höhe von 4899 Meter über dem Meeresspiegel, wo der Luftdruck wenig mehr als die Hülste des normalen beträgt(der Barometerstand ist daselbst nur 417 Millimeter statt 769 Millimeter im Meeresniveau), schon bei einer Temperatur von 84 Gr., also 16 Gr. unter der normalen Siedetemperatur. Umgekehrt rückt der Siedepunkt hinauf, wenn der Druck zunimmt. Diese Eigen- schafl hat man bei den genannten Thermometern benutzt; man füllt den über dem Quecksilber befindlichen Raum der Röhre mit komprimirter Lust oder Stickstoff, welche beim Ansteigen des Quecksilbers noch mehr zusammengepreßt wird, wodurch. ihr Druck beträchtlich steigt, so daß der Siedepunkt des Quecksilbers um mehr als 299 Gr. nach oben rückt. In der physikalisch- technische» Reichsaustalt werden derartig konstruirte Thermometer geprüft, welche eine bequeme Temperaturmessung bis zu 559 Gr. zulassen.— Für elektrische Glühlampen hat der durch seine Versuche über Wechselströme und das sogenannte Licht der Zukunft bekannte Elektrotechniker Nikola Tesla vorgeschlagen, statt der Kohlen- bügel solche c.us Carborundum, das ist eine Verbindung aus Silicium und Kohlenstoff, welche erst vor wenigen Jahren dar- gestellt wurde, zu benutzen. Bei seinen Versuchen nlit hochgespannten Wechselströmen von sehr großer Anzahl des Wechsels mußte er sich besondere Kohlenbügel verfertigen, da die gebräuchliche» sehr schnell abgenutzt werden. Von allen Körpern, die Tesla auf ihre Widerstandssähigkeit für seine Zwecke unter- suchte, zeigten sich Diamant und Carborundum am brauchbarsten. Da man vom Diamant des Preises wegen absehen muß. so benutzte er ein Carboruudumpulver, welches er mit Theer mischte, und mit dieser Mischung überzog er seine Kohlen- bügel; indem er den Theer verdampfen ließ, blieb das Carboruudumpulver fest an den Kohlenbügeln haften, welche sich nun als sehr widerstandsfähig und brauch- bar erwieken. Tesla ist der Meinung, daß man aus Carborundum auch dünne Fäden sür Glühlampen wird herstellen Resultat würde sein, daß sie schließlich gleich einem geohr- feigte» Schulbuben mit leeren Händen vor uns stände. Es kennzeichnet übrigens den sittlichen Tiefstand dieses Organs für„Wahrheit, Freiheit und Recht", daß es ziemlich unbesehen alle Lügen aufnimmt, welche die klägliche Phantasie des Ex-Anarchisten Sparr geflissentlich über Sozialdemokratie und sozialdemokratische Führer fabrizirt. Soweit wir wahrgenommen haben, sind selbst die„Post" des Herrn Stumm und der pfäffische„Reichsbote", die es im Kampfe sür Ordnung, Religion und Sitte doch wahrlich nöthig haben, nicht so fleißige Abnehmer der Korrespondenzen dieses Herrn als die„Germania". Einem solchen Blatte steht es aller- dings besonders gut an, ins Blaue hinein von„sozialdemokratischen Lügen" zu schwindeln. Der Kampf gegen das bischeu Sonutagsrnhe, das den Handelsangestellten gewährt ist, wird von der Unternehmerschaft mit Eifer fortgeführt. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft genehmigten den ihnen nach Vernehmung betheiligter Geschäftskreise vorgelegten Entwurf eines Gutachtens über empfehlenswerthe Abänderungen der Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgeiverbe, worum sie vom Polizeipräsidenten ersucht worden waren. Das Gut- achten empfiehlt, den B a u m a t e r i a l- H ä n d l er n(!) die Stunden von 5 bis 19 Uhr früh freizugeben(wie sie schon den Brennmaterial- Händlern eingeräumt sind), ferner den T a b a k- u n d Z i g a r r e n- Händlern die Zeit von 7—19 und 12—4 Uhr, dem Bahn- hofsbuchhandel den ganzen Tag. den Bankgeschäften am Neujahrs- tage die Stunden von 7 bis 2 Uhr ohne Unterbrechung behufs Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Inventur- und Bilanz- Arbeiten; endlich wird sür die drei letzten Sonntage im Jahre Freigabe der Stunden von 8 bis 19 Uhr vormittags und 12 bis 8 Uhr nachmittags für alle offene» Ladengeschäften, ausgenommen die Bank-, Wechsel- und Lotteriekomptoire, angerathe». Zugleich wird der früher schon gestellte Antrag wiederholt, die Polizeivorschristen über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtage dahin abzuändern, daß die Schaufenster der Läden während der dem Geschäftsbetriebe sreigegebeuen Stunden nicht verhängt zu sein brauchen. Das Gutachten wird demnächst in der„Korrespondenz" der Aeltesten veröffentlicht werden. Wann wird die Regierung sich endlich erweichen lassen? Tie Ueppigkeit»userer ehrsame» Handwerksmeister artet zum theil schon mehr ins Polizeiwidrige aus. Der Maurer- meister Otto Lindner, Kaiserstraße 36s., ließ eine Arbeit, die ihm in der Norddeutschen Brauerei. Chausseestraße, übertragen war, nach dem im königlichen Schloß und in der Gnadenkirche gegebenen Beispiel an einem Sonntag, nämlich am 15. September, von 12 seiner Arbeiter ausführe». Meister Lindner vergaß nur, sich die polizeiliche Erlaubniß zu dieser Sonntagsarbeit einzuholen und das Unglück ivollte es just, daß der Wachtmeister des be- treffenden Polizeireviers zufällig an der Brauerei vorbeiging, als die Maurer im Arbeitsanzuge aus dem Thore herauskamen. Meister Lindner wurde natürlich von dem Wachtmeister pflichtgemäß zur Strafanzeige gebracht. Darob großes Entsetzen; der brave Vertreter eines ehrsamen Handwerks legte sich alsbald die Frage vor, wer von seinen Arbeitern wohl den Denunzianten gespielt haben niochte. Denn daß die Entdeckung der Sabbathschäudung nicht von ungefähr kommen konnte, das schien ihm von vorn- herein klar. Flugs wurde auch ein Arbeiter, der so unschuldig an der Geschichte war, wie nur irgend einer, als Thäter aus- erkoren und entlassen. Doch sollte dem Gemaßregelten ein Ausweg zur Rechtfertigung offen gelassen werden. Als der Polier nämlich dem vermeintlichen Denunzianten am letzten Sonnabend Karte und Geld überreichte, machte der Ver- treter des Unternehmers ihm gleichzeitig die Meldung, daß er am Montag wieder anfangen könne, wenn er vom Polizei- r e v i e r eine» schriftliche» Ausweis darüber beibringen werde, daß er die Sonntagsarbeit nicht zur Anzeige gebracht habe. Auf dem Polizeirevier wurde dem Arbeiter die Aus- stelluug eines solchen Schrifstücks, wie vorauszusehen war, ver- weigert und so blieb die Entlassung vollkräftig zu recht bestehen. Wann werden die Bauhandwerker und Bauarbeiter aus der- artigen Meisterthaten den Schluß ziehen, daß sie mit den inneren Krakehlcreien nm die Organisationsform ec. endlich Schluß machen und sich den Unternehmern gegenüber Mann für Mann zusammenschließen müssen? In den Arme» liegen sich, beide: der Magistrat und die reaktionärste Innung, die Bücker Berlins. Insbesondere nm jene» Vampyren, die in ähnlicher Weise ivie die berüchtigten Landhaifische(die Heuerbaasen) bei den Seeleuten, sür Vermitte- lung einer Stellung den armen Bäckergesellen das Fell über die Ohren ziehen, entgegenzutreten, war der Fachverein der Bäcker Berlins und Umgegend an die hiesigen Bäckerinnungen und an den Magistrat mit dem Antrag auf Errichtung eines städtischen können, welche denselben eine größere Lebensdauer, als die jetzt übliche verspricht. Man muß abwarten, ob diese Anregung des erfolgreiche» Technikers zu praktischen Resultaten führt.— Die Ausnutzung der Wasserkräste durch Umwandlung der Energie(d. i. der Fähigkeit zur Leistung mechanischer Arbeit) des bewegte» Wassers in elektrische Energie ist diejenige Form der Arbeitserzeugung, welche bis jetzt noch in den An- sängen steckt, aber gleichwohl berufen erscheint, in der Zukunft eine hervorragende Rolle zu spielen und die Anwendung der Kohle, deren Verbrennungswärme heute die hauptsächlichste Energie- quelle ist, wesentlich zu beschränken. Dabei hat man nicht nur an die Energie der schnell fließenden Ströme in den Gebirgsgegenden zu denken, sondern auch in der Ebene sind unerschöpfliche Vorrathsquellen von Arbeit in den Bewegungen des Meeres vorhanden. Eine der gewaltigsten Wasserbewegungen, die Ebbe und Fluth, wird in Frankreich an den Küsten der Bretagne schon seil einiger Zeit benutzt, um die Triebkraft für große Getreidemühlen zu liesern. Man sperrt. wo es die Küstenbildung gestattet, einen Theil der Meeres- oberfläche durch einen Deich vollständig ab; der abgesperrte Theil steht nun durch einen oder mehrerer Kanäle mit dein offene» Meer in Verbindung, und in diesen Kanälen können Wasserräder oder Turbinen angebracht werden, welche bei der steigenden Fluth in der einen, beim Zurückiveichen des Wassers, also während der Ebbe, in der anderen Richtung in Bewegung gesetzt werden. Diese Turbinen könne» nun eine oder mehrere Dynamomaschinen in Betrieb fetzen, so daß durch diese See motoren ein Theil der Meeresenergie nutzbar wird. Auch die Bewegung der Meereswellen kann zur Arbeits- leistung verwendet werden. So ist an einer Stelle der Küste im Staate New-Aork ein durch die Wellen getriebener Seemotor in Betrieb, welcher seinerseits eine Pumpe antreibt. Er besteht aus einem im Meer aufgestellten festen Holzgerüst, das aus zwei feste» Pfeilern mit darüber befindlichem beweglichem Querholm erbaut ist; an dem letzleren ist mittels dreier Holz- stangen unten ein offener Holzlrog befestigt, welcher von den Wellen hin- und hergestoßen wird. Die mittelste Tragstange ist mit einer laugen Horizonlalstange verbunden, durch welche die Pumpe angetrieben'wird. Dieser Motor soll nur ungefähr den dritten Theil soviel kosten, als eine Windniühle, dabei aber eine größere und regelmäßigere Arbeit leisten.— Li. Slrbeitsnachiveists ficrnuoelvctcii. Und iras ist das Siesuliat? Die Vorstände dcr Innungen, selbst die Väckerinunng Germania erkannten unumwunden an, daß das blühende Gewerbe der Stellenvcrmiltlcr im Bäekergewerbe die allergröbsten Nach- theile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer"zeitige, daß insbesondere letztere die blutsangerische Wirkung" privater Ctellenvermittler recht lebhast empfinden müßten. Giebt es doch für das Väckereigewerbe in Berlin infolge deS mühelosen Gewinns, den solche„iilrbeitsvermittelung" abwirft, etwa t>0 private Ctellenvermittler. Den Vorschlag der Arbeiter, vier Arbeitsbureaus mit gleichen Rechten und Pflichten einzurichten, lehnten die Herren in den Innungen jedoch ab; sie wählten den Agenten Bolle zum Sprechmeister der Bäcker und verlegten das Nachiveisbureail in die Räume des Vereins der christlichen jungen Männer. Herr Bolte soll kein sesteS Gehalt, sondern eine Nach« weisegebühr erhalten, die für Ofenarbeiter 1 M., für Kneter 75, Pf. und für Dritlenstellen 50 Pf. beträgt. Gegen diese hoch- ivohlweise„Reform" wendeten sich eine große Anzahl Bückergesellen an den Magistrat mit dem Ersuchen, ein städtisches Arbeits- burean zu errichten. Die Gewerbcdepnlation hat diesen Antrag jetzt unter Hinsweis darauf abgelehnt, daß„die Bäckerinnuug Germania zur Abstellung im Arbcitsvermiltelnngswcseu im Bäckcreigewcrbe herrschender Mißstände vom l. Oktober 1395 an einen zweite» Sprechmeister anstellen will und eine wesentliche Abändemng der Sprechmeister-Ordnung plant". Die Gewerbe- dcpntation tröstet endlich die Antragsteller über die Ablehnung ihres Gesuchs durch die Behauptung, daß die Innung„fortgesetzt um Abstellung der beklagten Mängel bemüht" sein werde. Ein netter Trost. Zum diesjährige» Tcdautage sollten, wie ihnen durch Aushang bekannt gegeben war, die' im Fahrdienst beschäftigten Angestellten der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn-Gesellschast doppeltes Tagesgehalt erhalten, die Veteranen aber 15 Mark. Das ist im allgemeinen auch geschehen, in einzelnen Fälle» aber hat die Direktion eine Ausnahme machen zu müssen geglaubt. Vom Bahnhos IX in der Manteuffelstraße sind die Veteranen Bnrcauschaffner Ritter, Krankenwärter Stecger und Bahnwärter Voigt, die alle drei schon sehr lange der Gesellschaft dienen, mit der Ehrengabe nicht bedacht worden. Die Bahnwärter Habedank und Hönke haben ans das doppelte Gehalt verzichten müssen, ob- wohl sie am Sedantage im Fahrdienste thälig waren. Die Be- ftiinmnng der Direktion galt nicht blos für die eigentlichen Schaffner, sondern auch für die Ersatzschaffner. Habedank und Hönke waren aber nicht blos am Sedantage, sondern auch bei anderen Gelegenheiten schon als Rescrveschasfner thätig. Sie stehen bereits 10 und 17 Jahre im Dienste der Gesellschaft. Auch an» Ig. August mußten sie fahren, obwohl ihnen für diesen Tag bereits der nachgesuchte Urlaub zugesagt worden war, damit sie als Mitglieder von Kriegervcreincn an der großen Krieger- schau auf dem Tempelhofer Felde theilnehmen könnten. � Merkwürdige Lottcriepraktiken werden durch eine Post- karte zu tage gefördert, welche einem jungen Mann Hierselbst gestern aus Königsberg i. Pr. zugestellt ist. Ter betreffende spielte ein Loos der Nord- Ostdeutschen Gewerbe- Älusstellung in Königsberg und hatte das Glück, einen Gegenstand zu gewinnen, dessen Werth auf 200 M. angegeben ivar. Ter Gewinner richtete an den Amtsvorsteher Reibensahin in Mittelhnfen bei Königsberg, der auf den Gewinnlisten als diejenige Person an- gegeben ist, welche die gewonnenen Werthgegenslände aushändigt, ein Schreiben, in dem er bat, ihm den Gewinn zuzusenden oder ihm eveiit mitzulheilen, wie hoch etwa der Geldbetrag sei, der an Stelle des Werthgegcnstandes gezahlt werde. Es kam auch sofort Antwort zurück; mcrkivürdigerivcise jedoch nicht vom Anilsvorsteher, sondern von einem Herr» Hermann Schalkau in Königsberg. Dieser Herr schrieb dem Geivinncr eine Postkarte folgenden Inhalts: In Erfahrung gebracht, daß Sie die von der Gewerbe- Ausstellung gewonnene Porzcllanvase verkaufen wollen, offerire ich Ihnen für dieselbe SS M. und wollen Sie in diesem Falle das Loos an Herrn Amtsvorsteher Reibensahm, Mittelhufen, ein- senden, woran, Ihnen der Betrag sofort zugeht. An dieser Lotteriegeschichte möge man die Beziehungen, die der Amtsvorsteher zu dem Aufkäufer hegen muß, noch hingehen lassen, obgleich sie beachtenswerlh genug sind. Wohl über ver- dient die Unverfrorenheit konstatirt zu werden, die darin liegt, für einen Gegenstand, dessen Werth vom Ausstcllungskomitee offiziell mit 200 M. bezeichnet ist, gerade den achten Theil dieses Betrages zu bieten. Alle Achtung! Städtisches Obdach, kl. Nächtlich Obdachlose. Tie Abtheilung für nächtlich Obdachlose nahm 1894/95(in Klammern für 1893/94) aus: 306 796(430 788) Männer, 15 742 ■(13 787) Weiber, 67(78) Knaben. 82(113) Mädchen, zusammen 822 687(444 766) Personen. DaS ist ein gewaltiger Rückgang von 1893/94 zu 1894. 95. Die Ursachen sind oft von uns erörtert worden. Aus dem Magistratsbericht über 1894/95 trete» sie noch einmal mit überraschender Deutlichkeit hervor, obwohl in dem Abschnitt über diese Abtheilung des Obdachs mit keiner Silbe darauf hingewiesen wird. Handelte es sich um eine Verminderung des Bedürfnisses, das Obdach zu benutzen, so wäre der Rückgang überaus erfreulich. Aber so liegen die Dinge leider nicht. Der Verminderung der Gesammt- aufnahmen von 444 766 auf 322 687, also UNI 122 079— 271/2 Prozent, steht gegenüber eine Vermehrung der Vorführungen zu oft gekommener Obdachloser vor den Amtsanwalt(zur Bestrafung wegen„Nichtbeschnffung eines Unterkommens") von 5363 ans 6384, also um 1021— 19 pCt. Von je 1000 Aufgenommenen wurden 1393/94 12, dagegen 1394/95 20 aus diesem Grunde der Polizei und dem Gericht überwiese». Die Vermehrung der Ueberweisungen bei gleichzeitiger Verminderung der Ge- sammtaufnahmen könnte auf den ersten Blick seit- sam erscheinen; aber sie ist eben Ursache der Ver- Minderung der Gesaiumtansiiahmen. Zunahme der Ucber- Weisungen verleidet den Obdachlosen das Obdach. Dcr Ueberweisung— die mit einem Kunstausdruck„Verschiebung" genannt wird— geht die„Verwarnung" voraus.„Verwarnt" wird jeder Besucher, d. h. er wird am anderen Morgen darauf hingewiesen, daß er beim sechsten Besuch„verschoben" wird. Wiederholt„verwarnt" wurden 1893/94: 18 251, 1394/95: 23 511, also von je 1000 Aufgenommenen 1893/94: 41, 1894/95: 73. Auch diese Zunahme steht völlig im Einklang mit der gleichzeitigen Verminderung der Gesammtanfnahmcn, die durch sie mit verursacht ist. Die Zunahme der„Verwarnungen" und„Verschiebungen" ist nicht etwa darauf zurückzu» führen, daß die Zahl der wiederholten Slnfnahnien zu- genommen hätte. Diese hat vielmehr bedeutend ab- genommen; sie war 1893/94: 482 944, dagegen 1894/95: 311088. Die Zunahme der„Verwarnungen" und„Ver- schiebungen" ist eben nur eine Folge der schärferen Tonart, die die Obdach-Verwaltung plötzlich angeschlagen hat. Es war etwas Wahres daran, wenn das(der Obdachverwallung im übrigen freundlich gesinnte)„Volkswohl" schrieb:„Im Winter, wenn Ge- jangnisse überfüllt sind und Arbeitshäuser keine ausreichende Be- schäfligung haben, wird in der„Palme" die Praxis des Ver- warnens und Verschiebens sehr milde gehandhabt. Da siikd Leute wochenlang in der„Palme", ehe sie verivarnt werden, und monatelang, ehe sie verschoben werden." Diesmal ist es freilich der Verwaltung gerade zu Beginn des Winters eingefallen, eine strengere Praxis einzuführen. Bis Oktober waren keine großen Unterschiede zwischen 1393 und 1894 bemerkbar. Im November änderte sich mit einem Male das Bild.„Verwarnungen" und„Verschiebungen" nahmen zu, die Zahl der wiederholt Anwesenden dagegen ab. Am größten wurden die Unterschiede im Dezember und Januar. Im Dezember 1894(in Klammern für 1693) wurden wiederholt „verwarnt": 3020(1041),„verschoben": 813(260) und waren niederholt anwesend: 30 612(60 631); im Januar 1895(in Klammer» für 1894) wurden wiederholt„verwarnt": 2378(8l2),„verschoben": 700(179) lind waren wieder- holt anwesend: 44 453(86 594). Durch die Verminderung der wiederholteu Aufnohmen, die der Vermehrung der „Veiwarnnugen" und„Verschiebinigen" parallel geht, ist auch die Verminderung der Gesammlausliahmeu zu stände ge- kommen; denn die wiederholt Anfgenoniineneu bilde» die Haupt- masse aller Aufgenommenen. Erstmalig aufgenoiiimen wurden 1893/94: 11 322, 1894/95: 11 604. Das ist ein ganz NN- bedeutender Rückgang, dcr sehr wohl daraus erklärt werde» kann, daß das Obdach durch die größere Sirenge überhaupt in Verruf gekontinen war. Wenn eine Verminderung des Bedürfnisses, das Obdach zu beiilitze», vorläge, so müßte man hier eine ähnliche Abnahme wie bei den wiederholt Anwesenden erwarte». Auf- fällig ist auch, daß die misgenommeiieii„Handwerker"(d. h. meist Gehilfen) von 123 798 ans 102 311, also um 17>/s pCt., dagegen die „Arbeiter" von 306 900 auf 204 485, also NM 33l/s pCt. herab- gegangen sind.„Arbeiter", d. h. Arbeiter ohne nähere Slngabe, meist sogenannte„Ungelernte", dürften unter den wiederholt Ob- dachsuchenden besonders stark vertreten sein. Ans den Maßregeln gegen wiederholt Obdachsuchcnde würde sich dann auch die starke Verminderling dcr„Arbeiter" unter den Anfgenoinmenen erklären. Interessant ist, daß auch hier die Verininderniig in erheblichem Maße erst uüt dnn November einsetzt nnd im Dezember nnd Januar am stärksten ist, während bei den Handwerkern die Unterschiede zwischen 1893/94 nnd 1894/95 für diese Monate geringer sind. Vermindern,, g des Zuzugs von„Arbeitern" kann das nicht erklären. Für das Wintersemester 1894/95 wurden als zugezogen nur 247„Arbeiter ohne nähere Angabe" weniger gemeldet als für das Wintersemester 1393/94; die famose Warmiltg des Magistrats vor„planlosem Zuzug" und die Weigerung des„Zentralvereins", neu Zugezogene unterzubringe», haben in dieser Hinsicht wenig genützt. Bei der Verminderung der Obdachsrnznenz handelt es sich lhatsächlich nnr um ein Ver- waltnngskunslslück. Das Motiv zu diesem Verfahren, von dem niemand wird behaupten wollen, daß es human sei, ist jene be- kannte Sparsamkeit, die die städtischen Behörden stets zeigen, wenn ei» Interesse des Proletariats in Frage steht, und stets verleugnen, wenn es gilt,„patriotische" Feste zn feiern. Ter Direktor der flädlischen Fleischschau, Dr. Hugo Hertwig, ist Dienstag früh gestorben. Zweierlei Nadfahrer- Recht herrscht, wie die„National- Zeiluug" konstatirt, ans den Slraßen Berlins. Dem Zweirad bleiben bekanntlich von Polizei wegen einige Hatiplstraßen ans Verkehrsrncksichten verschlossen. So schreibt das Blatt: Nachdem »nn aber seit längerer Zeit Soldaten in voller Uniform die dem Zweirad sonst gesperrte» Straßen ans demselben durch- fahren nnd neuerdings auch die Feuerwehr und die Schutzmannschaft selbst zum Zweirad als Verkehrsmittel gegriffen haben, kann der Tag nicht fern sein, wo auch für die im Erwerbsleben stehenden Berliner die jetzt noch Heinmenden Schranken fallen. Denn es bedarf erst keiner Beiveissnhrnng dafür, daß es für die Bestiiinnilngen über die freigegebenen Straßen ganz gleich- giltig ist, ob der Fahrer eine Uniform trägt oder in Zivil ist. — Die„National-Ztg." scheint den Polizeibureaukratismns wenig zu kennen. Wer will sich eitlen Kuppelpelz verdieuc»? Die Heiligkeit der bürgerlichen Che wird wieder einmal durch ein „ H c i r a t h s g e s n ch" vortrefflich illustrirt, welches im„Lokal- Anzeiger" Ausnahme gesunden hat: H e i r a t h. 5 0 0 Mark zahle ich»ach standesamtlicher Trauung, der mich mit einem hübschen, junge» Mädchen mit 10 000 Mark Vermögen z u s a m m e n s ü h r t. Bin Kausman» mit Ver- mögen." Adresse F. 496 Haupteäped. d. Bl. st 13773 O, diese Schnuilosigkeit, niil der die heiligste», idealsten Güter in der— sozialdemokratlschell Presse verunglimpsl werden! Tie HauSliste» für das Berliner Adreßbuch werden, wie uns die Firma W. u. S. Löiventhal inittheill, in den ersten Tagen des Oktober abgeholt. Aus die rechtzeitige und richtige Aussüllung dieser Liste», welche im eigene» Jutereffe der Ein- wohner liegt, sei hiermit hingewiesen. Rechtzeitig kiiudige»! In wessen Miethsvertrag steht, der Vertrag verlängere sich, falls nicht drei Monate und drei Tage vor Ablauf des 1. Jannar gekündigt ist, der muß spätestens so klindtgen, daß die Kündigung a m 27. September in den Händen des Vermiethers sich befindet. Hieraus mache» wir auf- nlerksan,, weil die entgegengesetzte irrige Anschauung, es genüge, daß der Brief am 27. September abgesendet ist, immer noch weil verbreitet ist. Tie Eastwirthe- Jniiniig deS Kreiseö Teltow hat in ihrer letzten Sitzung den Wortlaut einer Petition festgesetzt, i» der die Regierung um Aufhebung der veralteten und den Ver- Hältnissen in den Vororten gar nicht mehr anzupassenden Ver- fligllng vom Jahre 1838, den Aufenthalt von Gästen während der Kirchzeit betreffend, ersucht werden soll. Damit werden die Wirlhe bei dcr heutigen Regierung wohl schön ankommen. Eiu größeres Unglück hätte leicht durch einen gefähtlichen Absturz herbeigeführt werden körnien, der auf dem Post- neubau in der Leipzigerstraße am Tonnerstag Mittag passirte. Kurz vor 12 Uhr fiel vom zweiten Stock des Baues ein etwa acht Meter lauger Balken aus die Straße herab. Das Schutz- dach, das längs des Neubaues errichtet ist, wurde natürlich zer- schmettert und es muß als ein wahrer Zufall bezeichnet werden, daß an der belebten Stelle niemand aus dem Publikum durch den mit voller Wucht herabstürzenden Balken zu Schaden ge- konitneii ist. Sehr kurios war das Verhalten eines der Van- leiter, bei dem ein herbeigeholter Schutzmann wegen des Vor- falles recherchiren wollte. Der betreffende Herr lachte in aller Gemüthlichkeit, als dcr Schutzmann ihm das Geschehene mit- Iheilte. Ter Bcamte entscrnte sich binnen kurzem. Hoffentlich wird wegen des Vorfalles eine Untersuchung cingeleilcl. Atlch riue Höllenmaschine. Ein Unbekannter gab kürzlich in Berlin bei der Post eine Pappschachtel nach Leipzig auf, die das dortige Personal in nicht geringe Aufregung versetzte. Die Pappschachtel war solgendermnßen adressirt:„Musler ohne Werth! An die Akrobaten- Trupps„Allison", zur Zeit im Etablissement„Battenberg" in Leipzig." Dem die ülbsertigung deij Pappschachtel besorgenden Beamten machte sich hierbei ein verdächtiges Geräusch bemerkbar. Er theille diese Beobachtung seinem Kollegen mit. Dieser horchte und prallte entsetzt zurück. „Wieder eine Höllennlaschine," sagte er,„wir müssen höheren Orts Anzeige erstatten." So geschah es. Die Sache wurde ruchbar und in kurzer Zeit umstand eine Anzahl Postbeamter in respektvoller Entfernung das Tenselswerk. Der höhere Vorgesetzte erschien nnd untersuchte unter athemloser Spannung der Umstehende» die unscheinbare Pappschachtel. Das Resultat seiner Untersuchung war die Anordnung der Oeffnung dieser verdächtigen Schachtel von sachkundiger Hand. Mit der größten Vorsicht wurde hierbei zu Werke gegangen; doch plötzlich stürzten alle Anivesenden aus- einander— das Äläthsel war gelöst. Anderen Tages erhielt die Akrobaten-Truppe die an sie adressirt« Pappschachtel, auf deren Rückseite folgender Vermerk stand: Von der Post geöffnet. In- halt waren drei lebende Mäuse; dieselben sind bei der Oeffnung entsprungen! Auf furchtbare Weise ist am Mittwoch Abend um 7 Uhr die 24jährige Arbeiterin Johanna Dykiert verunglückt, die mit einer großen Anzahl anderer Mädchen im Monopolhotel, Georgenstraße, besckästigt war. Sie war ans dem Wäscheboden. wo eine Waschmaschine mit einer Rolle durch eine Transmissions- ivelle in Verbindung steht. Tie Maschine war im Gange und die Dykiert ist mit ihrem Haarzopf aufweine noch nicht ermittelte Art und Weise dcr Welle zu nahe gekoiliuieil. Die Welle liegt nicht viel höher als der Kopf eines ausrecht stehenden Menschen. Vielleicht hat nun das Mädchen de» Zopf hochgeschlagen, so daß er die in der Drehung begriffene Welle berührte und um diese herumgetvickelt wurde. Ans diese Weise an die Welle fest- gebunden, wurde das Mädchen mehrere Male mit ihr hernin- geschleudert, so daß schließlich mit dem Zopf die Kopfhaut ab- geriffen wurde, bevor man den Unfall merkte und die Maschine zum Stehen bringen konnte. Die Verunglückte ist jämmerlich zu- gerichtet worden und wurde bewußtlos in ein Krankenhaus ge- bracht. Ihr Zustand ist sehr'bedenklich. Sie ist eine Tochter der Tischler Tykieri'schen Eheleute, die in Kostrztzczyna im Kreise Schildberg wohnen. Außer ihr wohnen noch zwei Schwestern der Verunglückten in Berlin. Durch die Tampfstraßeubah» ist am Mittwoch Abend 7 Uhr abermals ein Menschenleben vernichtet worden. An der Nassauer- und Berlinerstraßen-Ecke in Teulsch-Wilmersdorf siebt feit einigen Tagen ein Zirkus, der selbstverständlich auf die Kinderwelt eine mächtige Aliziehliiigskraft ausübt. Auch die achtjährige Tochter des am Ort wohnenden Arbeiters G. Behrendt hielt sich in der Nähe auf dem Slraßendamut auf, als sie oou dem plötzlich dahersaiisendeu Dampfbahnwagen erfaßt und sofort zermalmt wurde. Es erscheint der Bevölkerung vo» Deutsch- Wilmersdorf unfaßbar, warum au einer so belebten Stelle nicht für Ueberwachnng des Verkehrs gesorgt wurde. Bemerkt sei noch, daß ein Bahubeamter den Namen eines Zimmermanns feststellen ließ, als dieser, bei dem Zusammenlesen der Kvrperlheile des verunglücklen Kindes beschäftigt, de» Schlenenstraiig auf seine Auf» sorderung nicht sofort verlassen wollte. Eine junge Wittwe, die 23jährige Pauli, le Pürschel, hat am Mittwoch Nachmittag um 2 Uhr ihrem Leben ein gewalt- sames Ende bereitet. Man saud sie in ihrer Wohnniig. Lichten- bergerstraße 5, in den letzte» Zügen liegend vor, so daß ein hin- zugerufener Arzt keine Hilfe niehr bringen konnte. Die Fiau soll sich aus unbekannten Ursache» mit Zuckers?"i ver- giftet habe». Gesperrt ist für Fuhrwerke und Reiter die Ueberführung des Verlorenen Weges über die Ringbahn vom 30. d. M. ab auf die Dauer von 10 Tagen. A»S Nixdorf wird im Anschluß an frühere Idylle das folgende berichtet: Der dnrch Säbelhiebe schwer verletzte Zimmermann Töpfer aus Nixdors ist als vollständig geheilt ans dem Krankenhallse entlassen, doch dürfte seine ebenfalls verletzte linke Hand vorderhand nicht gebrauchsfähig sein. Jnzwischeu bat der Vollziehluigsbeamte und Gemeindediener Schmidt zu Rixdorf, der ihm diese Verletzungen bei einen, nächtlichen Ren- kontre beibrachte, seine Stellung freiwillig aufgegeben, ohne von dem ihm zustehenden gtechte der vierteljährlichen Kündigung Ge- brauch zu machen. Uebrigens war Schmidt, wie wir bereits früher gemeldet haben, vom Anilsvorsteher Boddiu die Stellung schon gekündigt worden; die Untersuchung gegen den schneidigen Amlsdiener nimmt ihren Fortgang. In der Trunkenheit ist der 61 jährige Tischler Hermann Scholz, der sich wohnuugslos in Berlin aushielt, am Miltwoch Abend um 7 Uhr an der Ecke der Rosenthaler- und Neucn Schöuhanserstraße in einen in der Fahrt befindlichen Rollivageu hineingelaufeil. Er kam dabei so nngläcklich zn Falle, daß ein Rad ihm über den Kopf ging und so schwere Verletzungen zn- fügte, daß er durch einen Schutzmann des 13. Reviers mit einer Droschke in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Seiu Zr.» stand ist sehr schlimm. Ein verbrechen liegt anschciuend bei dem Verschwinden eines 51nabell vor, welches der hiesigen Kriminalpolizei aus Weißens« gemeldet wurde. Ter fünfzehnjährige Knabe Heinrich Wels, Weißeiisee, Kronprinzenstr. 10 wohnhaft, hat steh am Montag Nachmittag im?luslrage seiner Eltern nach Berlin be- geben,»m in einem Geschäft in der Landwehrslraße Einkäufe zn machen. Tort ist der junge Mensch auch gewesen und hat die geforderten Maaren gegen sofortige Zahlung erhalten. Um 1/49 Uhr abends entferule er sich von dort, nachdem er die ge- kauften Gegenstände, Bürstenwaaren, i» einen Sack gepackt und ist seit dieser Zeit spurlos verschwunden. Heinrich Wels war bekleidet mit einein blauen Jackel und englischlederuen Hosen und trug eine blaue Mütze. Mittheilungen über den Verbleib des Knaben sind z» richte» an dessen Eltern und an das hiesige Polizeipräsidium. Polizeibericht. Am 25. d. M. morgeils wurde in der Spree bei der Lessingbrncke die bereits stark verweste Leiche eines Mannes angeschwemmt.— In der Alexanderstraße lief vor- mittags eiu Handelsmann in dcr Trunkenheit gegen eine vorüber» fahrende Droschke, fiel dabei hin und zog sich eine bedeutende Verletzung am Kopfe zu.— In der Sleglitzerstrnße gcricth ein Arbeiter unter die Räder eines Arbeilswagens und erlitt eine erbebliche Verletzimg an der Hand.— Mittags wurde in der Vrücken-Allee ein Mann durch eine Kutsche überfahren und am Kopfe, an der Hand, sowie anscheinend auch innerlich bedeutend verletzt.— Nachmittags vergiftete sich eine Frau in ihrer Woh- »llng in der Lichlenbergerstraße.— Im Laufe des Tages fanden zwei unbedeutende Brände statt. Witternug Siibersicht vom LE. September 189S. Wetter-Prognose für Freitag, den 27. Sept. ItjvS. Trockenes, vorwiegend heiteres, etwas wärmeres Weller mit schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Als ein recht bösartiger Akt charakteristrte sich nach An« sichls des Gerichlshoses die wissentlich falsche An» s ch u l d i g u n g, die den Bürstenmacher Johannes Jerschek und den Maler Franz August in gestern vor die IV. Straf» kammer des Langerichts I führte. Ein Maler Werkzat war dem ersten Angeklagten Geld für gelieferte Pinsel schuldig, vermochte aber nicht zu bezahlen und die gegen ihn angestrengte Klage war fruchtlos. Eines Tages ging nun bei dcr Staatsanwaltschaft eine von Augnstin geschriebene, von Jerschek unterschriebene Strafanzeige ei», in welcher Werkzat des Meineides beschuldigt wurde. Zum Beweise war die Abschrist eines gerichtlichen Protokolls über einen von Werkzat angeblich im Jabre 1894 geleisteten Offeiibarungseid beigefügt, bei welchem einige Vermögensstücke verschwiegen sein sollen. Nun bat aber Werkzat nn Jahre 1894 gar keinen Offeiibarungseid geleistet und dnrch das Gutachten des Gerichtscheinikers Dr. Jeserich konnte sestgestellt werden, baß sie die Jahreszahl eines ihnen zu Händen reiinmiinini Protokolls wi likörlich itnb in böser Nbsickt von 1890 in 1894 nmgcwandell hallen. Der Gerichtshof hielt diese HandlungZiveise für eine so niederträchtige, daß er— den Antrag des Staatsanwalts überschreitend— gegen den ersten An- geklagien auf 3 Monate, gegen den zweite» ans 6 Monate Ge- sängniß erkannte. DaS Verhalten der Polizeibehörde in einer Streitsache Nut dem Schlächtermeister Hillinann erfuhr gestern vor der 131. Abtheilnng des Schöffengerichts eingehende Beleuchtung. Hillmann hatte sich wegen Widerstandes gegen die Staats- gcwalt, wegen Beleidigung und einer Uebertretung geringfügiger Art, sein Geschästssührer Zielke wegen des erstgenannten Ver- gehcns zu verantworten. Auf dem Grundstücke des Angeklagten Hillinann in der Rheiusbergerstrnße wird die Wurstsabrikation im großen betriebe». Tie häufigen polizeilichen Revisionen wurden ihm lästig, er erkundigle sich bei dem Redakteur der „Deutschen Fleischer-Zeitung", ob er den Polizeibeamtcn jederzeit den Zutritt zu seinen Fabrikräumen gestatten müsse und erhielt die allerdings unrichtige Auskunft, daß ein Fabrikant nur in dem Falle dazu verpflichtet sei, wenn er wegen Vergehens gegen das Nahrnngsmittel- Gesetz mit einer Freiheitsstrafe belegt worden sei. Dem betreffenden Redakteur war nicht bekannt, daß nach der Gewerbe- Ordnung der Polizei jederzeit Zutritt zu den Fabrikräumen gewährt werden muh. Als an einem Juni- tage wiederum ein Schutzmann bei Hillmann erschien, um zu revidirc», wies der Angeklagte ihn kurzer Hand vom Hofe. Der Not stand des Reviers, Polizeilieutenant Ebel II, fragte beim Polizei- Präsidium an, wie er sich in diesem Falle zu verhalten habe. Er erhielt die Weisung, die Revision zu erzwingen und falls nöthig, den Hillmann solange zur Wache zu sistiren. Am 19. Juni d. I.. vormittags nach 9 Uhr, stand Hillmann auf seinem Hofe. Er war im Begriff, nach dm Viehhofe zu fahren. Da erschien der Schuhmann Heise, um die Fabrik zu revidiren. Hillmann ver- weigerte de» Zutritt lind forderte den Beamten auf, den Hof zu verrussen.<£n Schutzmann ließ einen Pfiff ertönen, woraus sofort ei» zweiter Schutzmann erschien, welcher vor dem Thor- weg des Winks geharrt hatte. Die Beamten erklärten jetzt dem Angeklagten, daß sie ihn zur Wache sistiren müßten. Als Hill- niann einige Schritte zurücktrat, wurde er von den Schutzleuten an den Armen gepackt und festgehalten. Gleichzeitig erschienen noch zwei Kriminalbeamte und der Pvlizeilieutenant Ebel II, welche ebenfalls vor der Thür geivartet hatten. Hill- mann bat, von seiner Sistirung Abstand zu nehmen und ihn nicht wie einen schweren Verbrecher durch die Straßen zu trai sportireu. Das Erscheinen so vieler Beamten hatte vor dem Hillmann'schcn Hause schon einen Auslauf ver- ursacht. Der Polizeilieutenant stellte dem Angeklagten vor, er n Lge dann doch ruhig mit den beiden nichtuniformirten Kriminalbeamten gehen, damit unnölhigcs Aussehen ver- mieden werde. Als Hillmann sich auch hierzu nicht verstehen wollte, ergriffen ihn vier Beamte und schoben ihn mit Gewalt über den Hos durch den Thorweg auf die Straße hinaus. Sie ließen ihn hier los, da er erklärte gutwillig mitgehen zu ivollen. Er wurde auf der Wache etwa eine Stunde festgehalten und dann entlassen. Während des Austritts auf dem Hofe war». a. auch der Mitangeklagte Zielke erschienen, der ausrief:„Was? Sie wollen unseren Chef arreliren? Beil holen!" Mit diesen Worten war er nach der Schlacht- kainmer geeilt, er ist aber nicht wieder zum Vorschein gekommen. Am Nachmittage desselben Tages erhielt Hillmann eine Auf- sorderung, am folgenden Tage vor dem Lieutenant zu erscheinen. Hillmann erwiderte schriftlich, daß er nicht kommen würde, da er durch„den Ueberfall der Polizei" noch zu erregt sei. Er hatte de» Brief mit der Unterschrist:„Achtungsvoll G. Hillmann" versehen, das Wort„Achtungsvoll" aber wieder ausgestrichen. Als er dem Lieutenant am folgenden Tage ans der Straße begegnete, spie er in ostentativer Weise vor ihm aus. Während die Beamten versicherten, daß sie mit der größten Rücksicht vorgegangen seien. behaupteten ebenso viele andere Zeuge» das Gcgenthcil. Ter Staatsanwalt hielt beide An- geklagte für überführt, er beantragte gegen Hillmann 6 Wochen Gefängniß und 5 M. Geldstraf», gegen Zietke 2 Wochen Gesängniß. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Silberstein, plädirle mit Wärme für Freisprechung. Das Polizeipräsidium v Zzobe sich, in einem groben Rechtsirrlhum befunden, als es die Verhaftung des Hillmann anordnete. Das Nichtduldemvollen " der Revision berechtige noch keineswegs zu einer Verhaftung. Nur wer sich einer Amtshandlung widersetze oder sie störe, könne verhaftet, verde», keines von beiden habe Hillmann gethan. Der Angeklagte habe nur eine berechtigte Abwehr eines unberechtigten Eingriffs angewendet und sich jedenfalls in einem thatsächlichen Rechtsirrthum befunden. Der Gerichtshof trat diesen Ausführungen bei, sprach beide Angeklagten wegen des Widerstandes frei und verurtheilte den Angeschuldigten Hillmann nur wegen der Beleidigung zu 30 Mark und wegen der Uebertretung zu 5 Mark Geld- strafe. In der Begründung hieß es, daß die Polizei sich nicht in der rechtmäßigen Zl n s ü b u n g ihresBernfes befunden habe. Sie hätte Hillmann in seiner eigenen Wohnung zurückhalten können, wenn er die Be- sichtigung nicht gestatten, wollte und hätte er sich gesträubt, konnte die Sistirung vorgenommen werden. Eine direkte Sistirung war dagegen nicht gerechtfertigt. Der am vergangene» Montag von den Geschmoreneu wegen versuchten Mordes schuldig befundene und vom Gerichts- hose zu S Jahren Zuchthaus verurtheilte Bürstenmacher Weber hat sich bei dem Erkeuntniß nicht beruhigt, vielmehr seinen Ver- theidiger, de» Rechtsanwalt Sandberg, beauftragt, das Rechts- mittel der Revision einzulegen. In juristischen Kreisen wird der Ausgang dieser Verhandlung noch lebhaft besprochen, besonders nach der Richtung hin, ob hier überhaupt schon die Thatbestands- Merkmale des„Versuchs" und nicht blos die der„vorbereitenden Handlungen" vorlagen. Eine reizende Szene, die sich am 28. November vor. Js. abends in einem Ablheil 2. Klasse der Stadtbahn abspielte, hat Anlaß zu einer Anklage wegen Nöthignng und Beleidigung gc- gebrn, die gegen den Rentier Heymann B a e r und dessen Schwiegersohn, Kaufmann Julius Adam, heute vor der II. Slraskammer hiesigen Landgerichts I verhandelt wurde. An dem genannten Abend gegen 11 Uhr fuhr der I8jährige.Hand- luugs- Lehrling Rickardt in einem Ablheil zweiter Klasse von der Jannowitzbrücke nach dem Alexanderplatz zu. Er saß niit noch drei anderen Personen auf der einen Seile, sei» Nachbar war der Landgerichts-Direktor Renckhoff. Auf ter Station Jannowitzbrücke stiegen in das bis dahin von fünf Personen besetzte Abtheil fünf Personen ein, unter ihnen die beide» Angeklagte». Der Angeklagte Adam forderte den jungen Rickardt auf, zu rücken, da fünf Personen auf jeder Bank sitzen müßlen. Der junge Mann antwortete, daß er unmöglich rücke» könne, wenn er nicht gerade seinem Rachbar auf den Schooß wolle. Hierauf soll nun, wie Landgerichts- Direktor Renckhoff heute bekundete, Adam sich gewaltsam Platz gemacht haben, indem er den junge» Mann packte und zur Seite schob und ihm außerdem mit den Ellenbogen in die Seile stieß, so daß er sogar an seinen Nachbar heranflog und dieser sich eine derartige Belästigung verbitten mußte. Der Angeklagte Baer, der auf der gegenüber liegenden Bank saß, wurde über das Vorkommniß so erregt, daß er dem jungen Mann zu Leibe ging, ihn hin- und herschüttelte und mit einer Floth von Schimpfworten bedachte. Er soll dabei den jungen Mann mit„Lümmel",„Flegel" und dergl. apostrophirt, gesagt Halen, er gehöre in eine fünfte, aber nicht in eine zweite Klaff« und schließlich soll er bemerkt haben:„Wenn ich neben Ihnen gesessen hätte, würde ich Sie zum Wagen hinaus- geworfen haben." Direktor Renckhoff bekundete, daß. wenn sich nicht der junge Mann musterhaft ruhig verhalten hätte, es sicher zu einem Handgemenge gekommen wäre. Derselbe Zeuge versicherte auch, daß die"Beleidigungen, die der Angeklagte Baer ausge- stoßen, mit sehr lauter Summe gesprochen worden seien, trotzdem wollen die Begleiter der Angeklagten an jenem Abende nichts davon gehört haben. Die Augeklagten bestritten die Darstellung der beiden Belastungszeugen und behaupteten, daß der junge Mann sich ostentativ geweigert habe, de» fünften Platz frei zumachen.— Staatsanwalt Dr. Borchert gab zu, daß es eine böse Zumuthung seitens der Bahn- Verwaltung an das Publikum ist, sich zu 10 Personen in einen Ablheil zweiter(!) Klasse zusammenpferchen zu lassen, er meinte aber, daß sich die Fahrgäste zweiler Klasse in dieser Beziehung gewöhnlich entgegenkommen und ein Manu von der Größe und Breite des Angeklagten Adam gewöhnlich stehen bleibt, wenn er als fünfter auf dem einen Sitze Platz nehmen soll. Nach der Ansicht des Staatsanwalts war der Angeklagte Adam, selbst wenn er ein Recht auf eine» Sitzplatz hatte, keinesfalls berechtigt sich init Gewalt gegen dritte Personen diesen Platz zu zu erobern. Da auf der Stadlbahn bekanntlich eine Nothleine nicht vorhanden ist und das fahrende Publikum vor derartige» Rlipeleien geschützt werk eu müsse, beantrage er gegen Baer drei Wochen, gegen A d n m z w e i W o ch e n Gesängniß.— Der Verlhcidiger, Rechtsanwalt M a n k i e w i c z, bestritt das Vor- liegen einer Nöthignng. In dem Abtheil hätten zehn Personen Platz und der AiPeklagte Adam habe wohl ein Recht gehabt, denjenigen bei Seite zu schieben, der ihm böswillig nicht Platz habe mache» wollen. Wenn die Ansicht des Staats- anwalts richtig wäre, würde jedermann machtlos sein, der in ein Abtheil geräth, wo ein Fahrgast sich lang ausgestreckt oder die Beine auf den gegenüber liegenden Sitz gelegt hat und in dieser Stellung trotz aller Einsprache verharrt.— Der Gerichtshof sah den Thatbestand der Nöthignng und der Beleidigung für erwiesen an. Bei der Abmessung der Strafe erwog er, daß das Publikum vor derartigen Szenen zu schütze» sei, anderseits aber auch, daß die Angeklagten gereizt sein»lochten. Es ist deshalb gegen Baer auf Svv M. Geldstrafe event. 30 Tage Gefängniß, gegen Ada m auf 100 M. event. 10 Tage Gesängniß erkannt worden. SoziAlv AebevfiW. Der soziale Niedergang deS ärztlichen Berufes. In Nummer 29 vom 25. Sept. 1895 des„Medico" wird ein Assistenz- nrzt für die K i n d e r- H e i l a n st a l t zu Stettin gesucht bei freier Wohnung, Beköstigung und 250 M. Jahresgehalt. Diese 250 M. Jahresgehalt für einen approbirtcn Arzt sind die glänzendste Illustration für das Wort des„Kommunistischen Manifestes", daß die Bourgeoisie den Manu der Wissenschast zum Lohnarbeiter herunterdrückt. Aber 1847 konnte noch niemand ahnen, daß von öffentlichen Anstalten die Lebenshaltung der Aerzte aus das Niveau der weiblichen Dienstboten heruntergedrückt werde» würde. Obwohl obige Tiesschätzung der ärztlichen Thätigleil durchaus nicht vereinzelt ist, sind die Aerzte im allgemeinen sich der gesellschasllichcn Ursachen ihres sozialen Niederganges so wenig bewußt, daß sie diesen durch allerhand Jnnungstand, wie Stanbesvereine, erweiterte Disziplinarbefugnisse u. s. w. auf- halten zu können glauben. Im Zeitalter der Waarcn- Produktion wird auch die geistige Thätigkeit zur Waare degrndirt und richtet sich hiiisichtlich der Bezahlung nach Angebot und Nachfrage. Erst die sozialistische Gesellschastsorgauisation, die nicht auf Waarenprodukliou beruht, ist im stände, dieser stetig immer tiefer sinkenden Werthschätzung der geistigen Thätig- keit ein Ende zu bereiten. Wenn die meisten Aerzte das auch »och nicht begreifen wollen, so wird doch— dessen sind wir sicher— die weitere unaufhaltsame Eutwickelung auch dieser Seite des geistigen Lebens den Herren sozialistische Logik ein- pauken. Tie Arbeitszeit verkürzt von 11'/» auf 10 Stunden habe» die drei Uhrenfabriken in Schramberg(WürUcinberg), welche gegen 1500 Arbeiter beschäftigen. Veemifchkes. Am Nord-Qstsee>Kanal hat sich dieser Tage in der Nähe des Gutes Rosenkranz ein eigenartiger Unglücksfall zu- getragen. Es war eine Nulschung der Böschung nach an- gebrochener Dunkelheit eingetreten. Ein Pfahl, woran die elektrischen Lampen befestigt sind, war mit in das Wasser gestürzt, und der Draht mit dem vollen Strom lag auf der Erde. Zwei Arbeiter, die ihre Eltern in Königsförde besucht halten, berührten in der Dunkel- heit aus dem Heimwege den Draht. Der eine stürzte todt hin und blieb auf dem Draht liegen; der andere hatte nur mit der Schulter den hängenden Draht berührt und war besinnungslos zurückgeworfen worden. Es war den Arbeitern auf dem Bagger der Firma Holzmann nicht möglich, den Leichnam durch Stricke oder hölzerne Stangen vom elektrischen Draht zu entfernen, weil sie starke elektrische Schläge bekäme». Erst nachdem aus tele- graphisches Ansuchen von Holtenau aus der Strom abgestellt war, konnte man den Leichnam ohne Gefahr wegnehmen. Ein neuer„Fall Partisch" wird aus dem oldeubnrgischen Orte Löningen gemeldet. Ein gewiffer Westermüller hatte dort einige Zeit als Thierarzt praklizirt und genoß bei seinen! sicheren und gewandten Auftreten das Ansehen eines großen Mannes. Nu» ist dieser Herr plötzlich unter Zurücklafsung nicht un- bedeutender Schulden verschwunden und es hat sich heraus- gestellt, daß er eine Prüfung als Thierarzt gar nicht bestanden, sondern nur einige Zeit veterinür-wiffenschaftliche 51vllcgie» an einer Hocbschule gehört hat. Dabei soll Westermüller als Thier- arzt vereidigt worden sein. Tie Ortschaft Hodehda im Vilajet Jemen(Arabien) wurde von einem heftigen Wolkenbruch heimgesucht, welcher einen Berg- stürz zur Folge halte. Ein Bazar, in den sich eine große Menschen- menge geflüchtet hatte, wltrde verschüttet. Mehrere hundert Menschen sollen hierbei getödtet sein. Tie Nationalität des englische» DhroufolgerS. Aus London schreibt man: Die„WestminsterGazette"erthcist dem Prinzen von Wales, der bei der Einweihung des neue» Docks i» Southampton kürzlich von seinem berühmten Vorfahren. Eduard dem schwarzen Prinzen, gesprochen, eine historische Belehrung, die darauf hinaus- läuft, daß die Königsfamilie nicht englisch sei. Der einzige Tropfen britischen Blutes, der durch die Adern der jetzigen Dynastie rinne, komme von Margarethe Tudor, der ältesten Tochter Heinrichs VII. und Gemahlin Jacobs IV., Königs von Schottland. Ihr Enkel, Jacob VI., bestieg als Jacob I., den englischen Thron. Dessen Tochter Elisabeth Stuart heirathete einen deutschen Fürsten, dt« Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, und wurde nachmals durch die Vermählung ihrer Tochter Sophie mit dem Kurfürsten von Hannover die Großmutter Georgs I., des ersten Königs aus dem deutschen Hause der Weifen, der 1714 aus den englischen Thron gelangte. Die vier Georgs und die vier Willianis ehelichten deutsche Frauen, die deutsche Mutter und der Geniahl der Königin Viktoria waren beide Weltiner und so ist der Prinz von Wales— nach der Deduktion des Blattes— mehr deutsch als die Georgs. Nur durch die oben erwähnte älteste Schwester Hcinrichs Vlll.. Margaretha Tudor, deren Ge- mahl Jacob IV. 1513 bei Flodden Field den Heldentod starb, ist der lose Zusammenhang mit der nationalen Tynastie her« gestellt. Eingelaufene Drnlkschriften. Der Ssitatdemslirat, Zentral-Wochcnbtatt der sozlaldeiiiotralilche» Partei Teulschland« UixpediUon in Berlin LW., Beuthslraße 8). Tie Nr. 89 Hai folgenden Inhalt: Wochenscban.— Dr. Ed. David Im Kampfe für da« Agrarprogramm.— Der K>ivc:t,ij:aNskoi>grib in Troges.— Kalender und Anderes.— Land- eiaeiUhumSsormcn ,» Stblrten.— Bertammtungs- und ZeilungSilimmen zum Agrarprogramm.— Parlitnachrrchlen.— Todienlisie.— LiterarrlcheS. — Antrage»um BreSlauer Partettag.— Dle Umgestaltung der gra-nr- inspekiton. Ein Antrag zum Parlcrtag.— Aeivtnnbetheiligung. � Elne persönliche Angelegenheit.— Arbellerorganisaltonen. Arbeilerschntz.— Wie man uns behandelr.— Vermischtes. Von der„Neuen Deit"(Slultgarl, I. H. W. Dietz' Vertag) ist soeben das 02. Heft des 18. Jahrganges erschienen Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Arbeiterklasse und das Reich.— Noch eintge Vemerlungen zum Agrar- Programm. Von Karl KaulSly.— Was liest der deutsche Ardeiter. Von .Ailvoestus.— Die Vernichtung und Proletaristrnng des Kleinbauernthnms in Württemberg. Ein Beitrag zur Dislnsston über das Agrarprogramm. Wo» Narvno.— Liierarische Rundschau.— Notizen: Tie Entwieilung der Sehsphäre der Grobhirnrtnde.— Feuilleton: Lebensbilder aus England. Von Andreas Scheu. V. Glasgows„Muster"-Herbergen. tSchluß.) Bon der EUichhrit, Zeitschrift für die Interesse» der Arbeiterinnen(Stutt- gart, I. H. W.Di eh' Verlags ist UNS soeben die Nr. 19 des 5. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Papiernes Arbeiterinnen«�.— Friedrich Engels.(Schlufi.)— Kranken- haus-WohIlhcittgkett der Bourgeolste. Bo» Dr. Josef Schwarz-Budapell.— Ter Verband der englischen Frauen-Teiverlveretne.— Jwei Bilder llöedichl). Von Arno Holz.— Feuilleton: Ter Hafen. Bon Guy de Maupassant. Deutsch von Marie Ihmert.(Schluß.)— Arbeilerinucn-Aewegung.— Kleine Nachrichten. Tie„Gleichheit" erscheint alle li Tage einmal. Preis der Nummer lo Pf., durch die Post bezogen(eingeiragen in der Retchspost-geUungSliste für 1895 unter Nr. 2766) beträgt der Abonnementspreis vterteljahrlich ohne Bestell- geld 66 Pf.: unter Kreuzband«6 Pf. Jnseraleuprets die zweigespaltene PetUzeile 20 Pf. „v-iialr plrnrio, Zentralblait für Sozialpolitit", enthält in ihrer neuesten Nr..-L folgenden leitenden Aussag: Tie Landarbeiter-Frage und die evan- geltschen Geistlichen in Ostelbicn. Von Pastor H. Rauh.— Aus dem Rolizentheil heben wir hervor: Kongreßsludten und ihre Benoerthung. Mindestlöhne bei städtische» Submissionen in Leipzig.— Lohnlämpse»nd Gemeindeverwaltungen.— Herabsehung des Zinsfußes für Siadtobligationen in Preußen.— Thüringer Städtetag.— Soziales Gemeindeprogrami» der ilalienifchen Kaiholilen.— Kolnhäuser und Absahgenossenschaflen in Süd- deulschland.— Delegirtentag latholischer Arbeitervereine Süddeutschlands.— Der Elfstundenlag in der Texliltndustrie. Von vr. für. M. Quarck.— Beweis- aufnähme in Rentensachen. � Die Verbindung der Veranstaltungen für Annenpstege und Wohlthätigkeit. Von Dr. E. Alünfterberg.— Familten- stüchlige Ernährer.— Armenslatistir:n Ohligs.— Wiedereinführung des Eonntogsunlerricht an den Berliner Faschule».— Rhabillage-Klafse an der Uhruiacherschule i» Biel.— Uniersiühung von Familien durch Abnahiue von Kindern.— Part und Spielplatz an der Werft in Kiel. Do» der Wiener Wochenschrift„vir Zeit" ist soeben das Sl.Hest erschienen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Die Bauernbewegung in Eaiizien. Von Tr. Iwan Franko.— Dle Bergwertsinspetlivn in England und die Zustände im österreichischen Bergbaus. Von Dr. Benno KarpeleS. — Dle Kunstpause.(Finanzieller Brief au§ Deutschland.) Von S. v. H.— Die Frage der Toppelempfindungen. Von Dr. S. S. Epstein.— Aus dem Eoelhe-Archiv. Bon Professor Erich Schmidt.— Zur mustlalische» Er- ziehung. Von Tr. Heinrich Schenter.— Iwan Wasow. Von N. Galant.— Btllieri de l'Jsle-Adam. Von Hermann Bahr.— Dle Woche.— Bücher.— Revue der Revuen.— Die Tortur durch die Hoffnung. Bon A. de Billiers de l'JSle-Adam. Von der„Kelchichte de» Kosinlisnnis", erster Band:„Die Vorläufer des neueren SoztaltSmus", rcdlgirt von E. Bernstein und K. KaulSkh,(Verlag von I. H. W. Dieh in Stuttgarl) sind soeben Heft 28 bis 2S zur Ausgabe gelangt und ist damit der zweile Theil des ersten Bandes lomplet geworden. Ter zweite Theil:„Von Thomas Mo« bis zum Vorabend der fran- zöstschen Revolulion" hat folgende Abschnitte: Die beiden ersten großen Uioplsten. I. Thomas Mo«. Bon Karl KantSth. 2. Thomas Campanella. Bon P. Lafargue.— Kommunistische»nd deniokrat:sch-sozialistische Strömungen während der englischen Revolution des 17. Jahrhunderts, von E. Bernstetn.— Dle Niederlassungen der Jesuiten in Paraguay. Von P. Lafargue.— Der Sozialtsmus in Frnnlreich im 17. und 18. Jahrhundert. Von C. Hugo.— Anhang: Die religiösen tonununistischen Gemeinden in Nordamertla. Von E. Hugo. VIII und 460 Seite» groß Oktav. Preis broschirt 8,— M., gebunden in Halbsranz 6,60 M., in Leinwand 4,60 M. Auch in Lieferungen » 20 Pfennig. Probehefte sind durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu erhalten. Im Verlag vo» I. H. W. Dich in SUUtgart ist soeben erschienen und durch jede Buchhandlung und jeden Kolporteur für den Preis von 76 Pfennigen zu bezichen: Piiderdnch für große und Klei», Kinder. Ausgabe für 1896. Hllustrirr von I. Tolleschal, H. E. Jeuhsch, O. E Lau, F. Leite und A. Specht. Wir geben nachstehend ein lurzes JnhaltSverzetchntb: Im Herbst, Gedicht.— Widmung, Gedicht.— Der goldene Blick. Erzählung.— Ein Vogelnest. Gedicht.— Auf dem Jahrmarkt.— Ein dummer Junge. Elzählung.— Thor erschlägt dle Mtdgardschlanae.— Des VaterS Lieblings- blume. Gedicht.— Das Thal der Seligen. Erzählung.— Die Brauisahrt. Gedicht.— Die drei Brüder.— Füchstn mit Jungen.— Der Riese Goliath. Gedicht.— Die Sage vom Hirschgulden. Erzählung. Briefkasten der Redaktion. Wir blite» bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben unier der die Antwort crtheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—3 Uhr statt. Das Hamburger„Echo", sowie zahlreiche andere Partei- blätter liege» in de» beiden Schulräum«» der Arbsiter-Vildungs- schule, Müllerstr. 179» und Waldemarstr. 14, allabendlich aus. I. S. Nein.— W. F. Ihr Vater ist nach Ihrer Schil- derung gestorben, nachdem mindestens 235 Wochen Beitrags- marken für ihn geklebt waren. Zluch hatte er eine Rente nicht erhalte». Liegt die Sache so, so steht Ihrer Mutter ein Anspruch aus Erstattung der Hälfte der verwendeten Beiträge, also auf so vielmal 15 Pf. zu, als für ihren Vater 30 Pf.-Marken geklebt waren. Den Anspruch hat Ihre Mutter unter Ueberreichung der Quittungskarte und der Aufrechnungskarten sowie des Tobten- und Transcheins bei dem Vorstand derjenigen Versicherungsanstalt geltend zu mache», an welche zuletzt Beiträge entrichtet worden sind. — Erbschaft. Ohne mündliche Rücksprache der genaueren Dar- legung nicht zu beantworten: für die verschiedenen Theile Deutsch- lands giebt es Dutzende von verschiedenen Eheguts- und Erb- schastsbestimmungen.— Hundewetter. Der Wlederbringer eines entlnilfencn Hundes hat Anspruch auf Finderlohn.— Schönebeck I. Das hängt vom Inhalt des Kassenstatuts ab.— F. B. Gegen den Schutzmann köilnc» Sie nicht klagen. Wenden Sie sich an den Magistrat und an einen Arbeitervertreter der dortigen Stadlverwaltnng.— B. R. 13. Ja. 31. Föbg. Der September. — R. S. 7S. Falls Beweis für sofortige Zurdispvsitionsstelluug und dafür erbracht wird, daß ein anderer Stoff geliefert als vereinbart ist, ist die Klage nicht aussichtslos. Anzustrengen ist sie beim Amtsgericht.— Legiors. Der Ehemann soll dem Wirth schristlich erklären, daß er seine Zustimmung zu dem Bei- trage nicht giebt, weil er ohne sein Vorwissen ge- schlössen ist und weil die Wohnung infolge Ueber- flnß von Schwamm. und Mäusen unbrauchbar ist.— — Müller, W. F. Briefliche Antwort ertheilen wir nicht. Sie könne» den Antrag ans Bestrafung bei der Staatsanwaltschast schriftlich unter Darlegung des Sachverhalts stelle».— Pnsch. Nach ß 360 Nr. 10 wird nur d'er mit Geldstrafe bis 150 Mark oder mit Hast bis zu 6 Wochen bestrast,„der bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Nolh vo» der Polizeibehörde oder deren Stellvertreter zur Hilfe ausgefordert, keine Folge leistet. obgleich er der'Aufforderung ohne erhebliche eigene Gefahr ge- »ügen konnte." Eine Arretirung ist kein„Unglücksfall" in diesem Sinne, der Aufforderung, bei einer Arretirung behilflich zu sein, braucht der Aufgeforderte also nicht nachzukommen. — H. S. Die Streichung ist unzulässig. Sie können gegen die- selbe aus dem im Slatnt angegebenen Wege klagen. Zur Rück- zahlung sind Sie verpflichtet, wenn es sich um ei» uiio dieselbe Krankheit bandelt.— A. B. 3l. Die außerordentlich lange Zeit bis zur Bescheidung auf eine Stenerreklamation ist ebenso wenig etwas ausfallendes, als die Langsamkeit bei Zahlungen und die Schnelligkeit beim Geldholen seitens einiger Behörden. Eine Beschwerde an den Magistrat oder an die Sleuerdirektion hat bei der Unmenge dort vorliegender Sachen wenig Aussicht auf Erfolg.— R. S. 100. Die Frage ist unverständlich. Briefkasten der Expedition. Für die Familien der im Essener Meiueidsprozest Verurtheilte» gingen bei uns ferner ein: Ueberschuß vom Erntefest von Umschnitzersruh 13,20. Gesammelt bei der Kii'dtause Swinemüudcrstraße 46 von Vaterlandslosen 3,—. Gesammelt bei der Geburtstagsfeier bei Löwe 1,50. Spandau, ges. b. Radtke, Neumeisterstraß« S 19,73. Von der Gesellschaft, die nichts übel nimmt 5,—. Blnmeiivereinigung 3.40. Schneider aus der Hornstraße 3,60. Rothe Gold- und Silberarbeiter ges. bei Opatz 8,03. D. S. Lese- und Diskiitirkliib Vorwärts in London 20,—. Summa 72,48 M. Bereits quitlirt 9260,95 M.: in Summa 9333,43 M. M. K. 4.80. Für denJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantivortnng Theater. Freitag, den 27. September. Gpernhans.(Kroll's Theater.) Margarethe. Schanfpielhans. Halali. Die stille Wache. Berliner Tlieaker. Die Journalisten. Deutsches Tlieater. Romeo und Julia. Lesstng-Tiieater. Der Veilchenfresser. Frirdrich'Wilhelmflädt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Ueneo Theater. Frau Müller. Schiller-Theater. Diyab, der Narr. Krstdenz-Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Grnst- Theater. Parade- bummlcr. Ce«»tral-Theater. Eine tolle Nacht. Aleranderplah-Thcnter. Ein Kind der Liebe. Vorher: Wahn und Wahnsinn, oder: Sie ist wahnsinnig. Datioual- Theater. Die Königs- tochler als Bettlerin, oder: Die Schule des Lebens. Theater Unter de» Linde». Die Chansonnette. Burschenliebe. Amerika»- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millionenerbin von Rixdorf. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Reichohallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Theater. (Wallnep-Theater.) Freitag: Digab, der Uarr. Sonnabend: Diyab, der Uarr. zrikdrilh-Wilhelmstiiiit. Theater Chausseeltr. 25/26. Letzte 3 Wochen des Gastspiels der Liliputaner. Jeden Abend 7V2 Uhr: Die Reise naih t>e»l Mars. Sonnabend, den 23. und Sonntag, den 29. September, nachm. 3 Uhr: Hie Heise nach dem Mars. Kinder nachmittags halbe Preise. Central-Theater. Alte Iakobstr. 30. Emil Thomas a. G. Zum 23. Male: Eillt tolle Mt. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in S Bildern von Wllh. Uannstädt und Jnlins Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v.Dir Kivbard Lohulis. Anfang IV-t Uhr. Adolph Ernst-Theater. UMiltlmmmler. Gesangsposse in 4 Akten von Eduard Jacobson u. Leon Treptow. Kouplets von Ed. Jacobson und Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens. In Szene gesetzt von A d o l p h E r n st. Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst. Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Anfang 71/2 Uhr. AM- Kein Aufgeld.-WS aiNiuilikl'MK-rliestl!!' AIrranderstr. 40. Direktion: Max Samst, Um S'/a Uhr: Pikante Novität I Pikante Novität I Gin Kind der Kiede. Sittenbild in 4 Akten v. Max Halftern. Vorher: Wahn und Wahnsinn oder Sie ist wahnsinnig. Schauspiel in 2 Akten von Melesville. Bearbeitet von W. Lembert. Regie: Max Samst. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachmittags 3>/2 Uhr: Volksvorsteilung. Die Königstochter als Bettlerin, oder: Die Schule des Lebens. Ksusmsli«'! Varize Königstrasse, Kolonnaden. Heute Freitag: Vorbereitung halber geschlossen. Morgen Sonnabend: Der grotze tEipü Das Mannweib 1 idl M« 7 lünntr. ■ Ferner das neue Programm, mMmmmmmmmmmKamam Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhoi). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzottel. Victoria-Brauerei Lützowstrasse 111112 (nahe Potsdamer Brücke). Jeden Frritag und Montag: Stettiner (Meyeel, Pietro, Britton, Stcidl, Krone, Röhl und Schräder) Anfang präc. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(siehe Plakate). Großartiges Programm. Sonntags Kottbuserstr. 4a Sanssouci, (n. Kottbuserpl.) W. Noack's Konzert- und Gesellscliafts-Säle Brunnenstr. 16. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag: Große Extra- Theater- Norstelluttg. Schmeichelkätzchen. Lebensbild in 1 Akt von Kläger. Ues Löwen Erwachen. Komische Operette in 1 Akt v. Brand'l. Auftreten neuer Spezialitäten. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. � Alcazar*. Variete- n. Spezialitäten-Theater. 1 Dresdenerstr. 52/53, Annenstr. 42/43 1 (City-Passage). Vornehmster Familienanfenthalt! I Niesen� SpeziolltkÄken� Krogenntut. Eine Eartie 8eat. Posse von Adler. Musik von B.Thiele. Regie: E. Stempel. Ans. Wochen!. 3, Sonntags 6 Uhr. Entree„ 10 Pf.,„ 30 Pf. Morgen: Dieselbe Vorstellung. I Direktion: R. Winkler DtvrSnvl Ed- Wiersiu»'s lllXuüriRe8tfrant, Garten und Ball-Salon. Knesebeckstr. 77. Hermannstr. 37. Irden Sonntag im Garten: Gr. CpezilllitSttll-Vllrßellllllg. Im neu renovirten Saale von 4 Uhr ab: Großer öffentlicher Ball. 2 verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche stets geöffnet. 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Brüte-Kalender. — Sterbesälle tm Deutschen Reiche im Jahre 1802.— Deutsche Auswanderer 1888—94.— Niickblick.— Messen und Märkte.— Im Kreislaus des Jahres.— Cin Atärihrer. Erzählung von Robert Schwetchel iwit Jllustratione»).— Bauern und arme Leute zur Zeit der deutschen Reformation. Von Manfred Wtttich.— Ewigkeit. Gedicht von Ludwig Lesfen.— Ei» Bild aus dem Lau- doncr Jlüchtlingslcbc». Bon W Liebknecht. — Slm Meer. Gedicht von Jeiinv Colm.— Johanna's Erfnhruligen. Erzählung von Elise Langer smtl Jlluftrarioiien).— Allerlei Geschichtliches und Tozialwissenschafiliches über die Japaner. Bon Bruno Geiser.— Die Schlacht am Morgarteu. Gedicht von Rod. Schweichel(mit Illustration).— Das Licht der Zukunft. Bon Dr. H. Lux(mit Jllustraltoiien).— Die Gesundheitspflege »es Kindes. Von Dr. Swoboda.— Irdische Höhe»- u. Diefenverhältnisse. Von S. stalten. Horst(mit Illustration).— DaS neue Reichs- tagsgebändc. Von L. Schönhoss smit Jllnstra- tionen).— Ein Kapitel Kriegsgeschichte. Von M. Wittich.— Die gute, alle Zeit. Eine lullurhistortsche Slizze von A. Voller. — Saat und Ernte. Gedicht von Jenny Colm. — Aus der Geschichte der preußischen Volksschule. Von Bauermeifter.— Ein Sohlt des Volkes. Von W. Lieblnecht(mit Porträt).— Die drei Rosse. Russtsche Bolls- parabel, erzählt von W. Braunsdorf.— Wir find nicht freundlos. Gedicht von A. M.— Fliegende Blätter.— Räthsel ic. zc. Hlerzu vier Kupfer: Studientops.— Das Lled der Sklavin.— Japanische Mädchen bei der Thee- Ernte.— Renovtruilgsversuche. Sin farbiges Bild: Verlassen(mit Sedichl). Ein Wandkalender. Preis 46 Pfennig. Zu beziehen durch die Vucffhandlung des„vorwärts'! Deutscher 71/11 Holzarbeiter-Y erbaud (Zohlstelle Berlin). Heute, Frei tog Abend, bei Schöning. Stollfchreiberstr. 29: Silpg her MverMtW. Die Beitragsfammler weide» er- sucht, in dieser Sitzung zu erscheinen. Nolksversichcrnng. 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September, abends 3>'2 Uhr, bei Nieff, Weberstr. 17: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Glaube und V e r» u n f t". Referent Genosse Hoffmann. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes.— Gäste willkommen. Die Grtsverwaltnng. Eittfetzev(Tischler). Montag, SO. Sept., abends 8'/- lthr, bei Herrn Röllig, Zlene Friedrichstr. 44: vekfenfl. Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Berichlerstattmig des Delegirten zur Berliner Gewerkschaftskommission. Referent Kollege Benno«isch. 2'. Diskussion. 3. Neuwahl eines Delegirten zur Berliner Gewerkschaflskommission. 4. Verschiedenes. 347b Pflicht eines jeden Einsetzers ist es in dieser Versammlung zu erscheinen. Tellersammlung findet statt. Der Ginberufer. Wie Vkttimgnng der Dauanschläger Kerlin« und Umgegend. Sonntag, 29. Sept., bei Röllig, Nene Friedrichstr. 44: VST Versammlung."USBi Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vergnügnngskomitees. 2. Antrag Perlin. 3. Ver- schiedenes und Fragekasten. 33sS Bor Vor.t.nd. Verband der Sattler n. Tapezirer. Filiale Zentrum, Eonnabend, 28. September, abends 8�2 Uhr, bei Pasch, Alte Aakobstr. 83: ifiT Mitglieder- Dersammlung."MD Tagesordnung: 1. Der Stand unserer gegenwärtigen Lohnbewegung. 2. Wahl von 3 Mitgliedern zur Agitationskonniiissioii für Brandenburg. 3 Antrag betreffs Vergrößerung unserer Bibliothek. 4. Verschiedenes. 156,20 Der Dorstand. ! Böttcher. «onntag, 29. Sept., vorm. 10 Uhr, bei Herrn Gründet, Krnnnenstr. 188: Otffkntliche Utlsammlnitg. Tagesordnung: I. Zweck und Nutze» der Organifalion. Referent Genosse Klanrock. 2. Bericht des Gewerkschaflsdelegirlen. 3. Diskussion. 4. Wahl von Werkstatt-Verlrauensleuten. 47/S Der Urrtraurnsmann: Max Kask«. Pntzer. Sonntag, 29. September, vormittags 10 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstrahe 27: Große öffentliche Versammlung der JHitzev Berlins und Umgegend. �Tages-Ordnllng: 1. Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung und welche Lehre ziehen wir ans derselben. 2. Verschiedenes. 131/16 Ilm zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Die Kommisstan. I. A.: A. V 0 g e l, Weidenweg 35. ?aul TöbS, Scliueidermeister, wohnt jetzt wieder Bildersdcrfer 6 II. Anfertigung jeder Art Herren- garderobe. 324b Allen Freunden und Bekannten zur Nachridit, daß ich meine Destillation am 1. Oktober von der Skalitzerstr. 50 nach derManteuffelstr. 4S verlege. C. Knobely 349b Gastwirtb. Jeden Sonnabend Gänse-Ausspieleu bei V ö Iz, Breslauerstr. 9. 362b Betten, schöner Stand, 22 M., of. zu verk. gieichenbergeestr. 6, v. I l. Zur Mittheilnng, daß id) Beuffel- 'lraße 88 ein Zigarrengeschäft eröffnet habe und bitte um gütigen Zu- 'pruch. Paul Dunk er, Zigarrenw. Panstellen, Ostbahn, Vorort. Quadratritthe von 5 M. an, 15 Min. vom Bahnhof, erste Hand, verkauft Töpfer, Andreasstr. 77, Laden. Kauarien- Hohlroller verk. billig Kirchhain, Tauenzienstr. 4. 353b Passend für Genossen! Wegen Uebernahme eines Grundstücks verkaufe meine gut gehende Restauration sehr billig. 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Wafferihorstr. 16, 4 Tr. bei Becker. Der heutige» Auflage liegt ein Prospekt der Derlagsfirma Aau» Kaake, City-Passage, bei. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Verlin. Jimm! 1 m' 1? 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner VolMati. Uv. 2Z6. Freitag, den Z'T'. Septemdev 1893. 12. Jahrg. Die Iiebeikslosen-Devstazevung. Die bürgerliche Presse hat sich so lange als möglich ge- sträubt, das Vorhandensein nnverschnldeter Arbeitslosigkeit an- zuerkennen. Dieses Sträuben ist sehr leicht begreiflich, denn mit der Anerkennung dieses Nebels mar auch die Pflicht zu dessen Heilung und damit der Bankrott des heutigen Wirlhschaftssystems erklärt. Zwar suchen sich die Bourgeois- Oekonomen den An- schein zu geben, als ob sie an die Möglichkeit rationeller und gründlicher Heilung dieses Krebsübels glaubten. Allein ihre sieges- srohen und zuversichtlichen Worte stimmen schlecht zur Rath- und Thal- losigkeit, mit der man diesem Schreckensgespenst gegenübersteht. Selbst der treueste Helfer in diesen Nöthen, die„Versicherung", versagt, indem die Aibeitslosen-Verncherung so wenig leistet, dah es selbst ihren Väter» angst und bange wird. Zwar trösten sich dieselben damit, daß es den bisherigen Versuchen auf diesem Gebiete an den nöthigcn statistischen Grundlagen gefehlt habe. Wirklich ist hier ein großer Mangel zu konstatiren, welcher sehr leicht zu erklären ist, da sich niemand gerne selber das Leichenlied komponirt. Ohne die Versuche der sozialdemokratischen Gewerkschastcn und der Vereine und Verbände, welche die lUrbeitslosen- Versicherung haben, wäre man aus Angaben angewiesen, welche nur eine all- gemein symptomatische Bedeutung haben, wie z. B. die Kranken- lassen. Statistik, Bestrafungen der„Bettler und Vaganten", Statistik wandernder Handwerksgehilfen rc. Allein das Fehlen der statistischen Grundlagen ist ein schwacher Trost; den» die bürgerliche Gesellschaft produzirt immer neue Bedingungen der Arbeitslosigkeit, z. B. starkes Anwachsen der Bevölkerung in einem Industriestaat l ü erschwerter Exportmöglichkeit, plötzliches Vordringen des maschinellen Betriebes, plötzliches Aus- tauchen überseeischer Konkurrenz aus landwirthschastlichem Gebiet, wodurch sich die versicheruugstechnische» Grund- lagen im Gegensatz zu andern Versicherungen ver- schlechter». Zudem ist dieser Versicherungszweig sunt einer sehr großen Zahl von anderen Mißlichkeiten verbunden, welche selbst die beste Arbeitslosen-Statistik nicht zu vermindern vermöchte. Die Unterscheidung zwischen verschuldeter und unverschuldeter Arbeitslosigkeit wird stets in bedenkliche Situationen hinein- führe». Wendet man sie strenge an, so entsteht eine böchst miß- liche Untersuchung, während bei laxer Anwendung Mißbräuche und Ungerechtigkeiten einschleichen. Ebenso wird die Arbeits- vermitlelung keine erfreulichen Erscheinungen zeitigen, denn diese Institution wird einem polizeilichen, die Freiheit allzu sehr beschränkenden Charakter annehmen. Tie mit der Versicherung verknüpfte Kontrolle über de» Verlauf des ganzen Arbeitsjahres, sowie die allzugroße Ausdehnung des Solidaritätsprinzips wird hart empfunden werden. Letzteres muß um so mehr der Fall sein, als die Berücksichtigung des Risikos bei Ausstellung des Prämientarifs zu unlösbaren Schwierigkeiten führt, weil man es bei diesem Vcrsicherungsziveig mit einem schwer faßbare», fortwährenden Aendernngen unter- worfenen Faktor zu thun hat. Ohne einen nach Gefahrenklassen abgestuften Prämientarif kommt die ganze Arbeitslosen- Versicherung darauf hinaus, armen Leuten Geld wegzunehme», um es anderen armen Leuten zu geben. Bei dieser Sachlage ist es kein Wunder, daß das Ilößlein der sArbeitslosen-Versicherung bald zu Schanden geritten ist. Kaum hat man an etlichen Orten versucht, die Arbeitslosen- Versicherung, welche von einer Anzahl von Arbeitcrverbänden init mehr oder weniger Erfolg praktizirt wird, weiter auszudehnen und schon muß man die Unübersteiglichkeit einer Anzahl von Hindernissen eingestehen. Selbst in der Schweiz, wo die Frage der Arbeitslosen-Versicherung den stärksten Widerhall gefunden hat, ist Znan über das Stadium örtlicher Versuche nicht brngusgekomme». Die Stadt Bern hat seit zwei Jahren '-versicherungskasse gegen Arbeitslosigkeit, deren Statuten man im letzten Frühjahr bereits einen Flicklappen auflegen mußte. Trotzdem es sich bei dieser Institution blos um Arbeitslosen- Unterstützung verbunden mit Spar- zwang ohne feste versicherungstechnische Grundlagen handelt, hat die„glückliche" Durchführung dieses Projekts einen ziemlich große» Lärm in der Literatur verursacht. Nachahmung hat die- selbe in der Schweiz bis jetzt nicht gefunden. Im Gegentheil haben gerade die Ersahrungen, die man in Bern mit diesem Versicherungszweig machte, zu dem Grundsatze geführt, die Arbeits- losen-Versicherung auf Grundlage des Obligatoriums durchzuführen. Die Stadt St. Gallen hat eine solche Versicherung eingeführt und wird es sich diesen Winter zeigen, mit welchem Erfolge sie arbeitet. Der Kanton Baselstadt hat's glücklich zu einem Gesetzesentwurf über die Arbeitslosen-Versicherung gebracht. Ob dieser Entwurf je Gesetz werde, ist höchst zweifelhaft. I» der Stadt Zürich, bezw. im städtischen Parlament hat dieselbe Frage schon etliche Rede- schlachten veranlaßt. Zur Stunde brütel der städtische Statistiker über einem Entwurf, während die öffentliche Diskussion sich schon längst wieder mit brennenderen Tagesfragen abgiebt. In Lausanne und Genf ist dieser Gegenstand auch in der Schwebe, doch scheint die Frage über den Sommer dort etwas eingeschlafen zu sein. _ Da erscheint zur gute» Stunde ein neuer Klepper, der da? Rößlein der Arbeiislosen-Versichernng in seinem lahme» Gang ablösen soll. Individueller S p a r z w a» g ist sein Name. Der ihn an der Leine führt, heißt Georg Schanz"), welcher sich die Rettung von dem Gespenst der Arbeitslosigkeit für Deutschland ungefähr folgendermaße» vorstellt: Die gcsammte krankenversicherungspflichtige Bevölkerung wird behufs Unterhalls im Falle der Arbeitslosigkeit einen: Sparzwang unterwerfen. Zu diesen: Zwecke hat der'Arbeitgeber gleichzeitig mir den Krankenkassen-Beilrägen für zcde versicherungspflichtige Person pro Woche 30 Pf.— bei gewissen durch die Arbeitslosigkeit stärker gefährdeten Arbeiterklassen 10 pCt. des bedungenen Lohnes — zu enlrichten. Hiervon entfallen ans den Arbeiter 20 Pf. und auf den Arbeilgeber wöchentlich 10 Pf. bezw. 10 pCt., während Gemeinden und Staat die mit den: Sparzrvang verbundenen Kosten zu tragen haben. Die durch die Zwangs- beilräge entstandenen Einlagen werden von: Schluß des Ge- schästsjahres an mit 3 pCt. verzinst. Das Guthaben bleibt bis zun: Betrage von 100 M. gesperrt und kann über dasselbe erst im Falle der Arbeitslosigkeit verfügt werden, bei welcher der Arbeiter fünften Tage seine Sparkarte von der kkrnnken- lasse zugestellt erhält, un: bei der Sparkasse bis zur Erschöpfung seines Zwangsguthabens folgende wöchentliche Beträge zu bez:che:w b M., wenn bei Beginn des Anspruchs das gesperrte Guthaben weniger als 70 M.. 7 M., wenn es 70—100 M., 8 M., wenn es 100 oder mehr Mark beträgt. Dieser Vorschlag hat auf den ersten Blick sehr viel für sich. Eine große Anzahl der mit der obligatorischen Arbeitslosenversicherung verknüpften Mißlichkeilcn würde von vornherein wegfallen. Bei Streiks z. V. wäre kein Grund, dem Arbeiter die ihm gehörenden Gelder vorzuenthalten, während für die Arbeitslosen-Versicherung das Verhallen in diesem Falle stets ein wunder Punkt bleiben muß. Zudem könnte sich der wegen des Vertrauenemoments so empfindliche Arbeitsnachweis ganz ') Zur Frage der Arbeitslosen-Versicherung. Untersuchungen von Dr. Georg Schcnz, Professor der Nationalökonomie. Bau:- berg. C. C. Buchner Verlag, Rudolf Koch. 1895. entwickeln, während die Kontrolle auf ein Minimum beschränkt bliebe. Zu diesen Vorzügen gesellt sich schließlich noch die so- genannte„alternative Leistung" der Versicherung, welche den Arbeiter das Opfer, das ihm zugemuthet wird, weniger empfinden läßt, weil alles, was er aufbringt und was zugeschossen wird, ihm gehört. Leider ist auch dieses Projekt nicht ge- eignet, dem Krebsübel der Arbeitslosigkeit gründlich beizu- konnnen, wie bei näheren: Zusehen leicht ersichtlich sein dürfte, weshalb wir kaum glauben, daß dasselbe je über sein papierenes Dasein hinauskommen werde. Der Vorschlag krankt vor allem an einer riesigen Unter- fchätzung des Uulfangs und der ökonomischen Folgen der Arbeits- losigkeit; denn nur so läßt es sich erklären, daß von der Gering- fügigkeil der auf diesem Wege aufzubringenden Mittel irgend ein nachhaltiger Erfolg erwartet werden kann. Selbst wenn ein Arbeiter ein ganzes Jahr nicht arbeits- los geworden ist, stehen ihn: doch bei dem geringsten Beitrag blos 15,6 Mark zur Verfügung. Wie weit aber ein Arbeiter mit einer wöchentlichen Einnahme von 5 M. springen wird, dürfte sich jedermann ausmalen können. Gewiß wird nie- :na::d in: Ernste daran glauben, daß durch diese lächerlich kleine Summe die mit der Arbeitslosigkeit verknüpften Gefahren des materiellen und moralischen Ruins vermindert werden könnten. Ja selbst unter der Voraussetzung, daß nicht immer die nämlichen 'Arbeiter stellenlos werden und bei einer sehr großen Zahl größere Pansen eintreten, bis es wieder zur Arbeitslosigkeit kommt, zu- mal, wenn der Antrieb, Arbeit zu bekommen, wach erhalten wird, muß die Leistung dieses Sparzwangs sehr miniin erscheinen; denn auch 8 M. pro Woche sind für eine Haushaltung zu wenig, nn: zu leben, und zu viel, um zu sterben. Andererseits ist die Beitragspflicht der Arbeiter neben den übrigen für Vcrsicherungszwccke auszubringenden Mitteln doch eine ziemlich drückende, und geht es in sehr vielen Fällen kaum an. das Arbeiterbudget noch mehr zu belasten. Ist es der heulige» Gesellschaft wirklich ernst mit ihren Heilmitteln wider die Ar- beilslosigkeit, so wird sich dieselbe zu weitaus größeren Opfern entschließen müssen und sich nicht blos ans die Tragung der Verwaltungskosten durch Staat und Gemeinden be- schränken dürfen. In dieser Beziehung hätte sich Schanz die Verhältnisse in der Schweiz zum Vorbilde nehmen dürfen, wo z. B. das Gesetz im Kanton St. Gallen jähr- liche Zuschüsse der politischen Gemeinden voraussieht, welche jedoch in der Regel nicht mehr als 2 Franken jährlich für jedes Verbandsmitglied betragen sollen, die Verwaltungskvstcn, welche ohnehin von der Polizeikasse zu übernehmen sind, nicht mit- gerechnet, während der Zuschuß in Basel neben den Verwaltung?- kosten zirka 25 000 Franken betragen soll. In der vorliegenden Gestalt erscheint darum auch der Vor- schlag von Schanz blos als ein Versuch, dem Pudel den Pelz zu waschen, ohne ihn naß zu machen, ein Geschäft, das irniner mehr an Zugkraft verliert._ (B? viriif#-Brif mtjQ. Ein Familiendrama beschäftigte gestern die 1. Strafkammer am Landgericht II. In: Hause Rölkestr. 9 zu Neu-Weißensee wohnte der Steinsetzer Rothe mit seiner Ehefrau und seinen beiden erwachsenen Töchtern, von denen die jüngste noch nicht völlig das 18. Lebensjahr zurückgelegt bat. Der Ehemann Rothe war ein fleißiger und für seine Familie besorgter Mann, nur wenn er betrunken war, dann war er unverträglich und ging oftnials gegen seine Fiunilie thällich vor. Nebenbei litt er an Krampfanfällen. Bei solche» Versuchen, nämlich Frau und Kinder zu prügeln, wurde der Spieß gewöhnlich umgedreht. Mutter und Töchterprügelten gemeinschaftlich auf denlcichr zubewältigenden Mann in ganz gottesjämmerlicher Weise los. Ein solcher Akt spielte sich auch am 24. Mai ab. Die drei Frauensleute schlugen dermaßen auf den Gatten und Vater ein, daß die empörten Nachbaren die Polizei zu Hilfe riefen. Letztere entsandte einen Arzt, der aber den Mann nur noch als Leiche vorfand. Die Obduktion hat ergeben, daß der Tod durch einen Bluterguß in das Gehirn herbeigeführt worden ist; ob aber dieser Bluterguß aus einen Krampfanfall oder auf die erlittenen Mißhandlungen zurückzuführen fei, ließ sich nicht feststellen. Die Angeklagten kamen daher statt vor das Schwurgericht nur wegen schwerer Körperverletzung vor die Straskammer. Das Urthcil lautete für die Mutter und die ältere Tochter auf je sechs Monate. für die jüngere Tochter auf vier Monate Gefängniß. Hypothckengaunerei. Gegen zwei hiesige Hqpothckemnakler schwebt gegenwärtig beim Landgericht I. ein Zivilprozeß, der jedenfalls auch noch zu einem Strafverfahren führen wird. Die Streitsache liefert ein interessantes Bild von dem Treiben ge- wisscr Makler und zeigt, wie unter Umständen Bauunternehmer zu schwindelhastem Thun geradezu gedrängt werden können. Der Maurern. eisterW. besaß in der Tempelhofer Vorstadt ein Grund- stück und ließ darauf, um zur Vollendung anderweitiger Bauten Geld flüssig zu machen, eine pupillarisch sichere Hypothek von 65 000 M. eintragen. Er wandte sich mit den: Hypolhekendok»:nent an einen ihm empfohlenen Direktor einer Aktiengesellschaft namens G. und dieser lieh ihm darauf 56 500 M. unter der Bedingung, daß am I. Mai die volle Hypothekensumme von 65 000 M. an ihn zurückgezahlt werde. G. zahlte das Darlehn in vier Raten von: II. bis Ende Januar aus. W. verlor an der durchaus sicheren Hypothek von vornherein 8500 M. Als nun aber der I. Mai kam, konnte er nicht zahlen. Um eine Klage und die Snbhastation seines Grundstückes zu vermeiden, bestimmte er seinen Hypothckenglänbiger zu einer Prolongation bis zun: 1. Juni. Für diese Galgenfrist mußte er an G. eine Prolongationsgebühr von 1500 M. zahlen. Am I. Juni zahlte W. die 65 000 M. zurück; das Geschäft hatte ihm also gerade 10000 M. gekostet. Un: aber die Hypothek einlösen zu können, hatte er sich an einen andern Makler namens L. wenden müssen. Dieser führte ihm eine in: Halleschen Thorbezirk wohnende Wiltwe zu, die ein Kapital wie das ge- wünschte für ihre minderjährigen Kinder anszuleiken hatte. Nach den Angaben der Maklerfirma aber wollte die Wiktwe auf die Hypothek nicht mehr als 56 000 M. geben. In seiner Roth be- quemte sich W.. den: sehr daran gelegen war, endlich eine feste, in mehreren Jahren nicht kündbare Hypothek zu bekommen, auch noch zu dem Opfer von 9000 M., indem er sich den Res:, der ihn: nun zur Einlösung der Hypothek sehlle, anderweitig ver- schaffte. W. halte also 10 000+ 9000= 19 000 Mark auf 65 000 Mark eingebüßt, also ziemlich den dritten Theil des ganzen Kapitals in einem Zeitrann: von noch nicht ganz dreiviertel Jahren. Hinterher erfuhr nun W., daß weder seine neue Hypothekenglänbigerin Frau S. noch ein zur Verhandlung zugezogener Waisenrath sich je gesträubt hatten. für die Hypothek den vollen Betrag von 65 000 M. zu zahlen und daß sie auch wirklich gezahlt haben. Die Differenz von 9000 M. bat die Maklerfirma in ihre Tasche gesteckt. Trotz aller Opfer, die er gebracht halle, ist es aber W. doch nicht gelungen, sich zu halten." Sowohl da? Grundstück, auf dem die 65 000 M. standen, als auch noch andere Eigcnthumsobjekte sind ihn: nach und nach verloren gegangen. W. hat unter Beweis gestellt, daß die Makler seine Nothlage gekannt haben. Durch die Aus- bentung sind schließlich auch die Vauhandwerker geschädigt worden, die für den Meister Arbeite» übernommen hatten. GewevkMÄfMches. Der Stand des Streiks in der Kammgar»- Spinnerei Laederich u. Co. zu Miilhanse» i. E. ist unverändert. Zahl der Ausständigen 300, darunter 56 Verheirathete mit 212 Kindern. Die Unterstützungen flössen bisher langsam. Montag und Dienstag haben niit der Fabrikleitnng Unterhandlungen stattgefunden, welche an der Weigerung des Fabrikanten, einen Minimallohn zu fixiren, scheiterten. Der Geist unter den Streikenden ist sortdauernd gut, follte es jedoch:nit dem Eingehen von Unterstützungsgeldern nicht besser werden, so müßte niit der Möglichkeit eines plötzlichen Umschwungs gerechnet werden. Eine Niederlage der Arbeiter wäre bei dein Interesse und der Solidarität, welche das gesammte Fabrikantcnthum bekundet, für die Arbeiterfchast de? ganzen Ober- Elsaß von den schlimmsten Folgen. Unternehmer und Polizei gehen Hand in Hand; eine auf Mittwoch Abend angesetzte öffentliche T e x t i l a r b e i t e r- V e r s a n: m l u n g i st durch Verfügung des Bezirkspräsidenten des O b e r- E l s a ß auf u n b e st i m m t e Zeit„vertagt" worden. Dadurch soll die Einmülhigkeit der Arbeiterschaft gebrochen werden. Um so dringender ist Hilfe von auswärts nöthig!— Unterst ü Hungen nimmt entgegen: Der Ver- trauensmann des deutschen Textilarbeiter-Verbandes I. V. Blintz, Expedition des„Volkssreund",' Schulgasse 2, zu Mülhausen i. E. Deutsche Streikstatistik. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands veröffentlicht in der letzten Nummer ihres„Korrespondenzblattes" statistische Zusammenstellungen über die Streiks in Deutschland, sie beklagt bei dieser Gelegenheit, daß das ihr zur Verfügung stehende Material durch Schuld der Streikkommissioneu noch innner ein lückenhaftes sei. Wir thcilen heute aus der interessanten Publikation das folgende wit: Jahr 1890-91 1892 1893 1894 Zl n g r i f f st r e i k s «2 irs 5»» 147 20 37 38 ja a>~ w w 5 C J3- ä 33 397 1 135 4 962 3 035 242 42 529 In dem letzten Jahrfün kt � Zj |®l a>~ ja B-o 5 c — 03 c an *07 Sz S � Mark 843 97 151 188 1 825 300 84 649 44 991 77 864 Resultat •e © 54 6 18 12 -S" &? �3-— W L © 59 6 11 15 30 3 8 11 1 279 1 982 294 90 91 57 t sind 546 Kämpfe zu verzeichnen, an denen 58 242 Personen betheiligt waren und die der Arbeiter- sckaft eine Ausgabe von 2 705 858 M. verursachten. Soweit unsere Kenntniß reicht, lassen sich diese Zahlen noch ergänzen. Von den Ausständen der Formier, Glasarbeiter, Glacehandschuh- macher, Schuhmacher, Tabakarbeiter und Textilarbeiter haben wir für einzelne Jahre keine genauen Berichte, doch dürfte sich die Zahl der Streikenden, wenn wir diese Gewerbe hinzurechnen, um ca. 6000 und die Ausgabe um ca. 900 000 M. erhöhen, so daß die Ausgaben für Streiks in den letzten fünf Jahren auf ca. 3 600 000 M. zu veranschlagen sind. Gewiß ein erhebendes B:ld von Opfermuth und Solidaritätsgesühl der Arbeiterklasse. Vergleichen wir aber die Angaben über die Abwehrstreiks und Angriffstreiks mit einander, so finden wir, daß 1890—91 die Angriffstreiks überwiegen und auch der Erfolg oder theil- weise Erfolg größtentheils auf feiten der Arbeiter war. In den folgenden drei Jahren überwiegen die Abwehrstreiks und auch bei diesen sind die erfolglosen vorherrschend. Ucberhaupt zeigt sich, daß bei allen Abwehrstreiks weit geringere Erfolge zu ver- zeichnen sind, als bei den Angriffstreiks. Es ist dies dadurch er- klärlich, daß die Arbeiter oder'Arbeitgeber stets dann zu einem stampfe geneigt sein werden, wenn sie sich stark und mächtig fühlen. In den letzten beiden Jahren steigt wohl die Zahl der Angriffstreiks und auch deren Erfolg, aber auch die Zahl der Abwehrstreiks vermehrt sich und inehr noch die Zahl der Fälle, in denen diese erfolglos waren. Es ist das ein Zeichen dafür, daß die Gewerkschaften beginnen, eine größere Widerstandskraft zu erlangen, denn auch zu einem Abwehrstreik wird nur geschritten, wenn man glaubt, stark genug zu sei». Es müßten allerdings, um die Sache eingehend beurtheilen zu können, in jeden: einzelnen Falle die Ursachen der Niederlagen festgestellt werden, doch bietet auch die Zusammenstellung der cinfachen Zahlen eine Fülle des Stoffes zur Benrtheilung der Silnatio». Von Jahr zu Jahr wird diese Zusammenstellung größeres Interesse verdienen und den Mitgliedern der Gewerk- fchaften eine große Menge von Anregungen bieten. Dies allein sollte für die niit der Leitung der Verbände betrauten Personen ausreichend sein, sich zu befleißigen, die Streikstatistik so voll- konnnen wie möglich zu gestalten. Der sozialdcnrokrntischc Wahlvcrein für den 2. NeichS- tags-Wahlkreis hielt an: 24. September eine Versammlung im „5kö:iigshol" ab, für welche der Abg. Wurm ein Referat über „die wirlhschaftliche Rolle der Börse" zugesagt hatte. Da Wurm verhindert war zu konnnen und die zu späte Mittheilung dieses Ninstandes es den: Vorstand nicht ermöglichte, sür das genannte Thema einen anderen Referenten zu finden, so übeniahn: es der Vorsitzende, Genosse A n t r i ck, die„Währung?- finge mid ihre BcdkNtung für die Arbeiter* in einem vortrage zn behandeln. Dein wit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat folgte eine recht interessante Aus- rinandersetznng zwischen einem Vertreter des mehr demokratischen Freistuns, Herrn Dr. V e r n st e i n. und den Genossen Gabriel. H a nun a ch e r und A n t r i ck. B e r n st e i n bc- fürworteie u. a. ein gemeinschaftliches Vorgehen der Sozialdemo- kratie und der arbeitenden Bürgcrschast(soll heißen: der Liberalen) gegen die speziell durch das Junkerthuin vertretene Rcaklio». Er fand siir diesen Vorschlag keine Gegenliebe bei den übrigen Rednern; von allen, besonders von Autrick wurde nachgewiesen, daß der Vorschlag sowohl prinzipiell wie auch auS taltischen Rücksichten unannehmbar sei. . Der Wahlltereiu für den vierten Reichstags- Wahl- kreiö hielt am 24. Scplember zwei Versaiinnlntigen ab. Die Versannlilnng im Osten(sfiebig's Salon) war als öffenilickie an- gemeldet und hallen denizusolge auch Frauen Zutritt. Genosse Singer� sprach über„die� gegcnivariige politische Situation", bierbei besonders die Sozialistcn-Hatz und die sonstigen Ereignisse der letzten Tage in den Kreis seiner Bctrachtiiiigen ziehend. Dem Vortragenden wurde reicher Beifall gezollt und von einer Diekussion Abstand genommen. Ein Reporter für bürger- liche Zeitungen(Hirschfeld) stellte an den Referenten die naive Frage: ob er genau wisse(!?), daß Baurath Schw echten der Veranlasser der bekannten„Kamecl- Inschrift' sei? Singer beantwortete die Frage unter stürmischer Heiterkeit der Vcr- sauiinlung dahin, daß er dies auch nur in Zeitungen gelesen habe; der neugierige Reporter war abgeblitzt.— Ueber die Stellungnahme der sozialdemokratischen Partei zur„Jmpssrage" interpellirt. erklärte Genosse Singer, daß die Lösung dieser Frage nicht Sache der Partei sei, sondern der vernunftgemäßen Entscheidung der Eltern überlassen bleiben müsse, daher habe auch eine Anzahl sozialdemokratischer Abgeordneter im Reichstage einen Antrag auf Aushebung des Jinpsz w a n g e s gestellt.— Nach Aufforderung zur fleißigen Sammlung für die Opfer des Essener Prozesses erfolgte Schluß mit einem begeisterten Hoch aus die Sozialdemokratie. I in V e r ei n s h a u s„Süd-Ost", wo die Franc» auf Verlangen des Polizeilieutcnanls den Saal verlassen mußten, behandelte Genosse Wagner das Thema:„Die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die Volksschule*. Der Redner legte seinein sehr beifällig aufgenommenen Vortrage die„Erläuterungen des Schulraths S ch u l z in Aurich" zu dem zu diesem Zweck er- lasse»«,„Reskript des Kultusministers vom lö. Oktober 18S0" zu gründe und suchte nachzuweisen, daß selbst mit Hilfe der einseitigen Belehrung der Schulkinder der Sozialdemokratie dennoch nicht der Nährboden abgegraben werden könne, da die wirthschastlichcn Verhältnisse, in die nach Verlassen der Schule das Kind tritt, diesem sehr bald den einzuschlagenden Weg weisen.— In der Diskussion wurde von mehreren Rednern getadelt, daß die Kinder notorischer Sozialdemokraten zur Theilnahme an drii Sedanfest- lichkcileu. wie Spalierbildcn ec., von den Lehrern gezwungen worden sind.— Bei„Vereinsangelegenheilen" wurde von Böker angefragt, welche Stellung der Verein gegenüber den Gast- wirthen und Saalbesitzern einnimmt, welche am Sedaulage illuminirt haben?— Nach kurzer Debatte wurde die Angelegen- heit zwecks gründlicher Untersuchung der gemeldeten Fälle dem Vorstand übertragen. Der sozialdemokratische Wahlvcreiu für den 6. Berit,«er NeichstagS-WahlkreiS veranstaltete am 24. d. M. für Nioabit und für die Schönhauser Vorstadt je eine Abtheilungs- Versammlung. In Moabit hielt Genosse Dr. Pinn einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Ursachen und Folgen des Nationalitätenhasses. Im Lause seiner Ausführungen bemerkte Redner, daß Auer's Antwort auf das Geschrei der Gegner wegen des Nicht, nitmachens der Sedanseier ihn nicht befriedigt habe, da Auer nicht bestimmt erklärt habe, ob die Sozialdemokraten national oder nichtnational seien. Auer habe in seiner Rede durchblicken lassen, daß man beides sein könne. Auch hielt der Vortragende es nicht für richtig, zn sagen:„Wir hätten das Fest mitgefeiert, wenn es am Tage des Friedensschlusses begangen worden wäre"(Wer hat denn das gesagt? Red. des„Borw."), denn auch dieser Tag sei nur eine Folge des von uns verabscheuten Krieges. In der folgenden Diskussion vcr- theidigle H e r ni e r s ch m i d t die diesbezüglichen Auer'schen Aus- führungen und war der Meinung, daß der Referent dieselben in den besagten Pnuktcn jedeusalls falsch verstanden habe. Er(Redner) habe die Aner'sche Rede gelesen, aber darin nichts von Nationalitätsgefühl zu entdecken vermocht. Das Studium der betreffenden Broschüre wurde den Parteigenossen angelegentlichst empfohlen, um selber prüfen zu können, wie Auer seine Darlegungen verstanden wissen wolle. Klage geführt wurde noch über zu schwache Betheiliguug bei der letzten Flugblattver- theilnng, und mit einem Appell an alle Parteigenossen, jederzeit ihre Schuldigkeit zn thun, die Versammlung sodann geschlossen. In der Versammlung für die Schönhauser Vorstadt sprach Genosse Thierbach über unsere Gegner und unser Programm und nahm Gelegenheit, einige Punkte des zweiten Theiles desselben in kurzen Zügen zn erläutern. Dem Vortrage folgte eine animirte Diskussion, in welcher verschiedene Genossen, der gegebenen Anregung folgend. ihre Meinungen bekundeten und auch der Artikel des Pastor Rauh in der„Sozialen Praxis" Berücksichtigung und Würdigung fand. Dem Wunsche eines Genossen Rechnung tragend, brachte Kiesel auch zwei Artikel der„Staatsbürgcr-Zeitung", die sich mit dem Direktor Ahrend vom Münchener Brauhaus beschäftigen. zur Kenntniß der Versammlung. Dieselbe gelangte zu der Ueber- zeugung, daß diese Angelegenheit den Mahlverein als solchen nicht berühre, daß dieselbe vielmehr vor das Forum einer öffent- lichen Volksversammlung gehöre. Lebhafte Auseinandersetzungen vcranlaßte auch die Anfrage des Genossen G u t t m a n n nach dein Stande der Angelegenheit betreffs seines vor einem halben Jahre dem Vorstände überreichten Memorandums, welches Refornivorschläge für den Wahlvcreiu enthält. Kiesel versicherte, daß der Vorstand das Memorandum bereits in Berathung genommen habe, aber wegen Ueberbürdung mit Arbeit, namentlich aus der Schönhauser Vorstadt, noch nicht weit mit der Berathung gekommen sei. Es würde sich empfehlen, diese Sache einer besonderen Kommission zu überweisen. Gutt- niann erklärte sich hiermit einverstanden und wird diese Sache in der nächsten Generalversammlung geregelt werde». Auch hier wurde Klage geführt über zu schwache Betheiligung an der Flugblattvertheilung und die Versammlung mit einem enl- sprechenden Appell an die Parteigenossen geschlossen. Bei deu Gold-»ud Tilberarbeitern reserirte in der letzten Versammlung Genosse F a b e r über das Thema: Die augenblickliche Lage unseres Gewerks und ist dieselbe einer Be- weguug zur Verkürzung der Arbeitszeit und besseren Bezahlung der Ueberstunden günstig? Der Redner bejahte diese Frage und zwar mit Rücksicht aus die Thalsache, daß infolge der nächst- jährigen Gewerbe- Ausstellung jetzt schon vermehrte Arbeits- gelegenheit vorhanden und Arbeitslosigkeit fast nicht zn ver- zeichnen ist. Die Arbeitszeit schwankt zwischen ö und II Stunden und darüber. Allgemeines Erstaunen rief die Mittheiluug hervor. daß von einem ltollegen bei der Firma H i l s e in einem Monat 200 U e b e r st u n d e n(!) gemacht sind.— Die Dis- kussionsredner erkannten an, daß eine Beseitigung solcher Miß- stände dringend nölhig sei. Bis auf einen Redner, der sich für eine Bewegung im u ä ch st e n Jahre aussprach, waren alle einig, daß noch in diesem Herbst etwas gethan werden müsse. Man wählte eine Kommission von neun Personen, in der alle Branchen vertreten sind, welche bestimmte Vorschläge einer dem- nächst einzuberufenden Versammlung zu machen hat. Die An- weseuden wurden in einer Resolution verpflichtet, diese Kom- Mission nach jeder Richtung hin zu unterstützen. ZivilVernfSmnsiker. Ordentliche Mitgliederversammlung der Freien Vereinigung der Zivilbernssmusiker Berlins und Um- gegend am 16. September bei Genossen Neumann, Pascwalkerstr. 3. Aufgenommen wurden die Kollegen Nachtigall, Lindemann, Panten und Grundmann. Der Geschäftsvorsteher erstattete seinen Bericht über das letzte Quartal und wurde, nachdem ihm Tccharge ertheilt war, wiedergewählt. Ter Kollege Wollcnberg wurde als zweiter und Raabe als dritter Schriftführer ge- wählt.— Ter Kollege Franz Wolter, welcher sich zu wiederholten Malen gegen die Tendenzen unseres Vereins vergangen hat, wird, da er trotz Einladung zur heutigen Ver- sammlung unentschuldigt ausgeblieben, ohne weiteres ausgeschlossen. Zur Unterstützung des Streiks der Vergolder werden 20 Mark aus der Vereinskasse bewilligt. Außerdem wurden„lö Mark Darlehn* dem Kollegen Ncubert gewährt. Kollege Blauschessli) fordert die Kollegen auf, sich an den Probe» zn deu Abouncineuts- Konzerten recht zahlreich zu bethciligen. Außerdem wurde noch eine Matinee in Aussicht genommen, deren Reinertrag den Opfern des Essener Prozesses überwiesen werden soll. Maurer. Eine ordentliche Mitgliederversammlung der lokalorganisirten Maurer tagte am 18. September bei Wille, Audreasnr. 26. Tie Abrechnung ergab eine Einnahme von 327,10 M. und eine Ausgabe von 264,60 M. und einen Bestand von 50,70 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Im Gewerkschaftliche» ivurde» die von uns schon eingehend beleuchteien Verhältnisse beim Bau der Kaserne auf dem Tempelhofer Felde eingehend kritisirt, besonders schwer wurde getadelt, daß bei einem Staatsbau, der aus Stcuergeldern errichtet wird, derartige Zu- stände von maßgebender Seite nicht geändert werden. Ter Anlaß wurde wahrgenommen, alle Maurer zum Beitritte zur Organisation aufzufordern. Maurer. Eine Mitgliederversammlung des Zentral- Verbandes der Maurer Teutschlands, Zahlstelle II Berlin, tagte am Sonntag, den 22. September, bei Cohn, Beuthstr. 22. Kollege D ä h n e machte die Versammelten auf die letzte öffentliche Putzer- Versammlung und die dort gefaßte Resolution aufmerksam und forderte die Kollegen auf, sich mit den Putzern soli- darisch zn erklären, dort nicht weiter zu arbeiten, wo die Putzer aushörte». Auch ermahnte er alle liollegeii, die aus Bauten arbeiten, wo Putzer sind und die noch für die alten Bedingungen arbeiten, diesen erklärlich zu machen, daß ihre orgauiprlen Kollegen andere Forderungen aufgestellt hätten. Der Bevollmächtigte versprach im Namen der Versammlung, alles daran zn setzen, was in ihren Kräften steht, damit auch die Putzer zu einem Siege gelangen. Ferner wurden eine Reihe Mißslände auf den Bauten erörtert; so gab ein Kollege bekannt, daß die Kollegen in Friedrichsberg auf einem Bau die Arbeit wegen allzu niedrigen Lohn niedergelegt hatten, aber ein Kollege, der der Lokalorganisation angehört, habe sich nicht gescheut, die Arbeit dort unter den alten Bedingungen aufzunehmen. Ein anderer Kollege erzählte, daß ein Kollege vor dem Stralaner Thor auf einem Bau Ohrfeigen von dein zweiten Polier erhalten habe, weil derselbe geglaubt habe, er schläft bei der Arbeit. Ferner theilt ein Kollege mit, daß er in Steglitz auf einem Bau gearbeitet habe, wo Material verarbeitet werden sollte, wie er es in seinem Leben noch gar nicht gesehen hätte; die Steine seien gar nicht mehr Steine zu nennen und der Kalk sei der reine Lehmschutt. Stuf alles dieses erwiderte der Bevollmächtigte, daß das alles Zustände seien, wie sie hier in Berlin nicht anders sein könnten; denn solange der große Jndifferentismus und die Zerrissenheit und die Zerfleischung unter den Berliner Maurern existire» sei an bessere Ver- Hältnisse nicht zu»denken; er richtete daher die Mahnung an alle Kollegen, erst einmal fleißig für den Zentral- verband zu agitiren, damit sich alle Kollegen der Organi- sation anschließen; dann seien wir auch im stände, dem Unter- nehmcrlhnm einen Damm entgegenzusetzen. Ferner theilt der Kollege Karl Panzer der Versammlung noch mit, daß die Delcgirten der Gewerkschaftskounnission, die Vertreter von zentralisirten Gewerk- schasten sind, eine Snbkommission gegründet hätten; er stellte daher den Antrag, dieselbe auch durch einen Delegirten und einen Stellvertreter zn beschicken. Die Versammlung stimmte dem zu und wählte als Delegirten den Kollegen Henipel, der zugleich auch Vertreter in der Gewerkschnstskommission ist, und als dessen Stellvertreter den Kollegen Karl Panzer. Zum Schluß machte der Be- vollmächtigre die Versammlung darauf aufmerksam, sich fleißig au den öffentlichen Sammlungen zu belheiligcn. Listen seien bei dem Kassirer W. Baganz, Golzsir. 14, und bei allen Hilfskassirern zu haben. Zimmerer. In Cohn's Festsälen hielt am Sonntag, den 22. Sepiember der Verein der Zimmerer eine Mitglieder- Versammlung ab. Zunächst bewilligte die Versammlung einem schon längere Zeit erkrankten Kameraden 20 M. aus dem Ueberschnß vom Sliftungssest; auch der Ertrag der Tellersammlung, 13,25 M, wurde ihm überwiesen. Hierauf erörterte Kamerad Obst den Streik der Vcrgolder und fordert für dieselben eine Unterstützung. Die Versammlung bewilligt denselben 100 M. Nunmehr reserirte Genosse Heinrich Schulz über die häusliche Erziehung im heutige» Klafsenstaat. Durch seine interessante Vortragsweise wußte er das Interesse seiner Zuhörer rege zu erhalten und erntete daher am Schlüsse reiche» Beifall. Außer einigen Fragen, die der Referent in seinem Schlußwort er- ledigle, fand keine Diskussion statt. Im„Gewerkschaftlichen" fordert Kamerad Dummer die wohnungswcchselnden Mitglieder auf, ihre Adresse umgehend mitzutheilen, damit zur Generalversammlung jeder seine Abrechnung in Händen hat. Zum Schluß gicbt Kanicrad Hoff bekannt: Bei der Bilderverloosung auf dem Stiftungsfest hat das Loos 086 ein Bild gewonnen; dasselbe kann beim Verguügnngskoinitee gegen Vorzeigung des Looses abgeholt werden. Tie Kommission der Tabakarbeiter erstattete in der am 22. d. M. stattgehabten öffentlichen Versammlung der Tabak- arbeiter und-Arbeiterinnen bei Gründe! Bericht über ihre bis- hcrige Thätigkeit. Tic Kommission ist am 16. September v. I. gewühlt worden zu dem Zwecke, die Agitation gegen die Steuer- plänc der Ikegierimg zu betreiben. Wie B u t r y berichtete, hat die aus 15 Mitgliedern zusammengesetzte Kommission 26 Plenar- sitzungen und eine Reihe von Abtheilungssitznngen abgehalten. Die Kommission habe mit großen Schwierigkeilen zu kämpfen gehabt, insbesondere mit einem fühlbaren Iieferenteiimangel, mit einem bedauerlichen Geldmangel und einer gewissen Verständniß- losigkeit der Kollcgenschaft. Wenn trotzdem ein»»frieden- stellendes Resultat erzielt und die Steuervorlage der Regierung ablehnt worden sei, so spreche das für die Thätigkeit der Kommission, welche weite Volkskreise gegen die Steuerpläue der Regierung zu interessiren gewußt habe. Tie Versammlung erklärte sich mit der Thätigkeit der 5komi»ission einverstanden. Es erstatteten hierauf die Delegirten zu der am 8. Sept. d. I. in Erfurt staltgehabten Konsercnz der Tabakarbeiter Teutschlands, D c ch a n d und Börner, Bericht über diese. Nach den Dar- legungen der beiden Delegirten habe sich ergeben, daß die Provinzial-Kommissionen thcilweise ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Zur besseren Vorbereitung eines etwa wieder noth« wendig werdenden Kampfes gegen neue Steuerpläne der Re- gierung faßte die Erfurter Konsercnz geeignet erscheinende Be- schlüffe. So wurde beschlossen, Deutschland in 20 Bezirke ein- zutheilcn. Auch wurden folgende Anträge angenommen: 1. Jede Provinzial-Kommission ist verpflichtet, den von ihr zu überwachende» Rayon in Vcrsannnlungs- Bezirke einzutheilen und mit jedem dieser Versammlungsbezirke derart Verbindungen anzuknüpfen, daß jederzeit das AbHallen von öffentlichen Ver- sanimlungen ermöglicht wird; 2. die in Erfurt tagende Konserenz von Delegirten deutscher Tabakarbciler erachtet es als eine unabweisbare Pflicht aller Kollegen, die auf dieser Konferenz geschaffene Reorganisation zur Abwehr etwaiger neuer Steuerpläne der Regierung in aus- giebiger Weise niit Geldmitteln zu unterstützen. Insbesondere sind Wünsche und Anordnungen der betreffenden Provinzial- Kommissionen pflichtgemäß zu beachten, da dies zur korrekten Durchführung der gefaßten Beschlüsse unbedingt erforderlich ist. Die Rolhwcndigkeit des AbHaltens besagter Konserenz wurde mit dem Hinweise auf die schon wieder austauchenden Steuer- plane der Regierung dargethan. Die ersten beiden Steuer- vorlagen der Regierung zu Falle zu bringen, sei nur dadurch möglich gewesen, daß man breite Massen des Volkes gegen die- selben mobil gemacht habe. Man müsse gewärtig sein, daß die stiegierung dies in Zukunft nach Möglichkeit zu verhindern trachten werde. Mit dieser Möglichkeit müsse man rechnen und die zu wählende Berliner Kommisston, welcher wiederum die Zenlralleituug sowie die Provinzen Brandenburg, Preußen und Pommern übertragen seien, sei in jeder Beziehung lhalkrästigst zu unterstütze». Die Versammlung erklärte sich mit den gefaßten Beschlüssen der Konserenz einverstanden und verpflichtete sich zur strengsten Tui chfühniugderselben.sowiezurOrgamsaiion. Es wurden wiederum 15 Mitglieder in die Kommission mit dem Recht der Kooptation gewählt, und zwar: D ech a n d, Börner, Bntry, Sperber, H i n tz e, Seifert, R o s e n t h a l, Kiesel, Rethwisch. W. Schulz. Roske, Drescher. S ch w a r tz und K o tz e l. Tie Dekatenre(Filiale III Berlin) hielten am 22 d. MI?. eine Milgliedcrvcrsammlur.g ab. Ter Vorsitzende bedauerle sehr, daß die Versammlung nur mäßig besucht sei und machte jedes einzelne Mitglied ganz besonders darauf aufmerlsam, darnach hin- zustreben, daß das Interesse für den Verein mehr angespornt werde, denn wenn es so weiter gehe, könne es noch dazu kommen, daß das Errungene leicht wieder verloren gehen könnte. Ter Bericht der Kommission über die beiden Vergnügen wurde, nachdem eine längere Diskussion darüber stattfand, auf Antrag des Kollegen Michaelis bis zum 26. d. Mts., wo dieselbe bei einer Vorstandssttzung bei Lenz erledigt werden wird, vertagt. Ferner wurde beschlossen, daß am 23. November er. das diesjährige Slistmigsfest im„Englischen Garten" statlsinden soll; dazu wurde ein Bergnügungskomitee von 8 Mitgliedern gewählt und wurde demselben das Arrangement aiiheimgestellr. Schließlich wurde ans Antrag des Kollegen Becker das frühere Mitglied Karl Stock wieder in den Verein ausgenommen. Tor Zlrbeiter-Naucherbuud Berlins und der Um- gegend hielt seine letzte Sitzung in Gorn's Restaurant, Kleine Markusstr. 10, ab. Der Bund zählte bisnun 20 Klubs, ans- genommen wurden an diesem Abend noch zwei Klubs. Die Kasseneinnahme ergab mit Abrechnung der Ausgaben einen Be- stand von 60,05 M. Zum Delegirtenlokal wurde das Lokal bei Wilke, Audreasstr. 26, bestimmt. Der Schris s hrer wurde beauftragt. acht Tage vor der Sitzung eine Annonce im„Vor- wärls" einrücken zu lassen. Ein Schreiben des Herrn giosenhain war eingelaufen, worin er sich in bezug auf seine Rauchcrzeituug vertheidigte, auch bat derselbe um eine mündliche Rücksprache, dieselbe wurde jedoch abgelehnt. Betreffs der Essener Ver- urlheilten wurde eine Sammlung angeregt, doch wurde dieselbe noch für einige Wochen vertagt. Holzarbeiter. Der deutsche Holzarbeiter-Verband, Zahl- stelle Berlin, Bezirk Osten, hielt in Niefl's kleinem Saale am 22. d. M. eine Versammlung ab. Nach einem interessanten Vor- trage des Herrn Tr. I o 8 l über:„Der Kampf ums Dasein", wurde Kollege S ch a u m b e r g als Kammmacher in die Kontroll- kommission gewählt. Hierauf reserirte Kollege Loge über den Streik der Bürstenmacher. Er schloß mit der Aufforderung, für die Streikenden eifrig zu sammeln und sich von ihm hierzu Listen abzuholen. Auch Kollege Krüger trat warm für die Streikenden ein. Kollege Werner wunderte sich, daß die Listen sckion heute zur Ausgabe gelangen, da doch erst am Montag der Streik begann. Die Ortsverwaltung habe kein Recht, ohne Beschluß der Eeueralversammlung über die Köpfe der Kollegen eigenmächtig zu handeln. Gegen die Ausgabe der Listen wandten sich die Kollegen Klinger, Skierts, Siebert undLandske. Des weiteren wurde ans die am Mittwoch stattsindende Generalversammlung aufmerksam gemacht, welche in der llicssonrce in der Koinmandantenstraße stattfindet. Die Tagesordnung derselben gab Kollege Engmann bekannt. Kollege Sicbert erklärt sich gegen das Weiterbestehen des Ver- bandes in seiner jetzigen Form. Des weiteren verwari er t>:c Extrasteuer gänzlich. In demselben Sinne äußerten sich die Kollegen Klinger und Vogclgesang. Ueber diesen Punkt sprachen noch die Kollegen Kelch, Rosenhein und Nelebusch. Kollege Krüger hält das Weiterbestehen des Verbandes für notwendig, obgleich ihm vieles auch nicht gefalle. Nachdem die Kollegen Klinger und Siebert sich energisch gegen die Ansichten des Kollegen Krüger wandten, schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. Tie Klempner hielten am 22. September eine öffentliche Versammlung ab. Nachdem der bisherige Vertrauensmann Köhler über seine Thätigkeit berichtet hatte, wurde Illing zum Vertrauensmann gewählt. Darauf trat man in die Er- örtcrnng der Frage ein, od es möglich sei, im Klempnergewcrbe die neunstündige Arbeitszeit einzuführen. L i t f i n, welcher reserirte, war der Meinung, daß die Frage momentan zn ver- »einen sei. Die Gleichgilligkeit der Masse der Klempner, besonders der Organisalion gegenüber wäre zur Zeit viel zn groß. Die nächste Ausgabe der klassenbewußten und organisirten Bcrnfsgenoffen müsse sein, die infolge der Aiisstellimgsarbeüc« sich bereits bemerkbar machende Hebung der Geschäftslage zu gnnstcn der Organisation durch Agitation auszunützen, damit im geeigneten Moment die gewünschte Verbesserung der Arbeits- bedingnngen gefordert werden könne. Redner warnt davor, den Streit um die beste Orgauisationssorm wieder aufzuwärmen; die Hauptsache wäre, daß sich die Kollegen überhaupt organi- sirten. Dem Referat, das mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, folgte eine animirte Debatte. Es wurde die Abhaltung von Werkstiiben-Versammlungen angeregt, die sich mit dem neun- stündigen Arbeitstag befassen sollen. Ein Antrag, dein Ver- trauensinann eine Agitationskommission beizugeben, wurde unter Hinweis auf die vorhandenen Wcrkstuben- Vertrauensleute bc« kämpft; der Antragsteller zog ihn schließlich zurück. Im„Vcr- schiedenen" wurden die Arbeilsverhältmsse bei der Bausirina Tiltrich besprochen. Da ein Klempner derselben einige, über die traurigen Lohnverhältnisse gemachte Angaben bestrtit, beschloß die Versammlung, den Vertrauensmann zu bcanstragcn, die Kollegen der genannten Firma zn einer Wcristuben-Versammlnng zusammenzurufen. Tie Metallschleifer hielten am 23. d. M. eine öffentliche. von etwa 60 Personen besuchte Versammlung ab, tun gegen diejenigen Schleifermeister Stellung zu nehmen, welche für Firmen arbeiten, bei denen gestreikt wird. Die Diskussion hierüber wurde verknüpft mit der über den Vortrag des Herrn Wiese: „Konsum- und Produklivgenoffeuschasteu." Von einigen Rednern wurde die gänzliche Beseitigung des Zwischenmeistersystcms als das zunächst zu erstrebende Ziel hingestellt und zu diesem Zweck die Gründung einer„Genossenschafls-Schleiferei" befürwortet, auch zum Beitritt zur Konsum-Genossenschast„Befreiung", welche Kollbuserstr. 11 ihre erste Verkausshnlle eröffnet habe, wurde aufgefordert. Rüther und andere Redner bestritten, daß durch derartige Gründungen für die Arbeiter etwas Ersprießliches herauskomme. Beschlüsse wurden nicht gefaßt; die Diskussion dauerte bis nach Mitternacht.— Wieder ausgebrochene Differenzen bei der Firma G e h r s u. K o in p. zu regeln, überließ die Versammlung den dort Beschäftigten. Die AgitationSkouimisffon der Lackirer aller Branckten hatte am 23. d. M. eine öffentliche Versammlung veranstaltet, um sich über die Lohnsorderuiigen für das nächste Frühjahr klar zu werden. Au deu mit Beisall und Juteresse aufgenommenen Vortrag Paul Litfin's über die tvirthschafiliche Umwälzimg und die Entwickeluna der GewcrlschaftL-Vcwcgung knüpsle bauten Haus eine Schilderung der gegenwärtigen Situation im Laclirergewerbe. Aus demseldc» ging hervor, daß die Lage der Lackirer seit dein letzten Streik sich bedeutend verschlechtert tmbe. Die Löhne seien bei zehnstündiger Arbeitszeit bis aus 18 M.— wie von anderer Seite versichert wurde, sogar bis 15 M.— pro Woche heruntergegangen. Die Arbeitslosigkeit sei eine große. Schwindsucht und Bleikolik raffen die Arbeiter dahin, die Krankenkasse wäre überlastet. Eine Aufbesserung der Lage sei � unbedingt erforderlich und die koinincnde Gewerbe- Ausstellung sei der geeignete Zeitpunkt hierzu. Die versammelten waren durchaus derselben Meinung, nur gingen die Wünsche bezüglich der zu stellenden Forderungen auseiiiander. Schließlich einigte man sich auf folgende Haupt- forderungen: 1. Neunstündige Arbeitszeit. 2. Mindest-Wochen- lohn von 24 M. 3. Bezahlung der Ueberstnnde» mit 25 pCt. Lohnaufschlag. Die nächste öffentliche Versammlung wird sich noch eingehend mit dieser Frage beschäsiigen. Die Arbeiter mid Arbeiterinnen der Textilbranche waren vom Vertrauensmann für deu 23. d. M. zusammen- berufen, um den Beschluß der Konferenz, welche am 16. Juni in Berlin tagte, nämlich eine Agitationskoniimsfio» für den Regierungsbezirk Potsdam zu wählen, zur Ausführung zu dringe». Es war dies um so dringender, als Guben, welches ebenfalls beauftragt worden ist, eine Agitationskommission zu wählen und zwar sür den Bezirk Frankfurt a. O., wegen Maugel au Kräften bisher diesem Beschlüsse noch nicht nachkommen konnte und die Berliner Agitationskommission bis auf weiteres die ganze Agitation wird übernehmen müssen. Nach Beseitigung mancher aufgetauchter Bedenken wurden!totzke, Stahn und Leb mann in die Agitationskommission geivählt. Hierauf erstattete Vertrauensmann Lehmann Bericht über seine Thätigkeil, der besonders bemerkenswerlhes nicht bot. Die von ihm erzielten Einnahmen belieseu sich auf 52.16 M, denen 28 M. Ausgaben gegenüberstehen, so daß ein Bestand von 24,16 M. verblieb, zu welchem noch ein Antheilscheiu der„Mär- kischen Volksstimme" in Höhe von 16 M. hinzukommt. Gegenden Bericht wurden Einwendungen nicht erhoben. Die Neuwahl des Vertrauensmannes mußte vertagt werden, da sich niemand bereit finden ließ, dieses Amt z» übernehmen. Nachdem sodann Ii e i- mann den Bericht der Gewerkschafts- Kommission gegeben, wurde Emil Müller in dieselbe delegirl. Zum Schlüsse wurden einige gewerkschaftliche Angelegenheiten unter Punkt „Verschiedenes" erörtert. In der VersaniUtlung der Lederarbeiter(Porteseuiller), welche am 23. September im Rantenberg'schen Lokal stattfand, svrach Genosse Th. Mehner unter lebhaftem Beifall über die Nothwendigkeit der Organisation. Die folgende Debatte erhielt durch das Eingreifen des Fabrikanten Heineinann ein heiteres Gepräge. Der Herr hielt sich nämlich für berufen, den Harmonie- apostel zu spielen, was er mit großem Respekt vor sich selbst, aber sehr geringem Verständniß für das wirthschaftliche Leben unierer Zeit that. Unter anderem meinte er, kein „ordnungsmäßig und richtig denkender Arbeitgeber" werde etwas gegen die Organisation der Arbeiter haben, wenn sie— die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu pflegen sich bemühen. Dann stellte Hciuemann die Theorie auf, daß die Arbeit- geber durch die weniger leistungsfähigen Arbeitskräfte ausgenutzt würdein Ihm wurde von den übrigen Rednern und dem Referenten eine gründliche Abfertigung zu lheil, die sich auch auf verschiedene Ungezogenheiten erstreckte, welche sich das etwas exaltirte volkswirthschaftliche Genie zu schulden kommen ließ. Zuni Beispiel hatte er es gelegentlich einer Belehrung durch den Genossen Mehner nicht unterlasse» können, seinem bedrängten Herzen durch den Zwischenruf„Quatsch" Luft zu machen. Die Verhandlung des dritten Punktes der Tages- ordnung:„Die Zustände in dcr Heinemann'schen Fabrik", erbrachte den Beweis, daß es mit der gerade von ihm selbst, auch schon in früheren Versammlungen, so sehr gerühmten Arbeiter- freundlichkeit des Harmoniemenschen Heinemaun eigentlich Essig ist. Konnte er doch nicht bestreiten, za mußte er zum theil doch sogar zugeben, daß er einige seiner früheren Arbeiter mit groben Ausdrücken titnlirl habe. Als wahr wurde von einem Ohrenzengen verbürgt, daß er von den Arbeitern als Leuten gesprochen, die werth seien, schlechter wie Zuchthäusler behandelt zu werden. In seiner Vcrtheidigungsrede, einem Meisterstück der Demagogie, suchte Herr Heinemaun ans seinen Ankläger», de» Herren O e r t c l (ehemals Werksührcr bei ihm), K n o r r und P i e t s ch, Auge- klagte zu machen. Nicht er hat sie drangsalirt, schlecht behandelt, ausgenutzt, sondern sie ihn. Das war der Sinn seiner Aus- führnngcn. Die Antwort der betreffenden war eine bis ins kleinste dctaillirte Darlegung dcr Sachlage, und wurde so über- zeugend vorgetragen, daß sich der Versammlung eine namenlose Erregung gegen Heinemann bemächtigte, die den Vorsitzende» zuni Schließen der Versammlung zwang, als H. nochmals reden wollte. Eine öffentliche Schneider- nnd Näheriuneu-Versamm- kung fand am 24. September in den Rixdorser Viktoriasälen statt. Der Referent, Kollege Zander streifte kurz noch einmal die allen in dieser Branche genugsam bekannten Miß- und Uebel- stände, schlug als ersten Schritt zur Abhilfe solcher Zustände die Beseitigung der Jsolirtheit der Arbeiterinnen nnd Arbeiter vor, (dnrch Zusammenführen derselbe» in gemeinsame Arbeitsräume, in Betriebswerkstätten) nnd stellte im Anschluß hieran die am 6. Mai in allen Konfektionsorten Deutschlands angenommene Resolution zur Diskussion. In der recht regen Debatte, an der sich S l u b b e, Pfeiffer, Frau Jeetzel und noch einige Rixdorser Genoffen betheiligten, wurde die Annahme der Re- solulion befürwortet. Hierbei kamen recht bedenkliche Zwischen- ineistcrkniffe zur Sprache in bezug auf die Dnpirung der die Jnnehaltung der gesetzlichen Feierabendzeit kontrollirenden Polizei- bcamte»; ferner wurde von feiten der Frauen lebhast Klage geführt über die Bevormundung durch ihre Männer, die, obgleich sie sich sür aufgeklärt halten, ihnen hindernd in den Weg treten, sobald sie das Bedürsniß hegen, sich am öffentlichen Leben zu betbeiligen. Es wurden hiernach die Laufbahnen einiger Zwischenmeister aus der verhältniß- mäßig kurzen Strecke voni annseligen Bügler bis zum mehrere Wohnungen innehabenden Zwischenmeister nebst Amme für den Jungen, einer kräftigen Kritik unterzogen, wobei nian nicht ver- absäumte, der Lohnabstufung für die Arbeiter zu gedenken, die bei einem und demselben Meister von 2M., 1,75 M. in kurzer Frist auf 86 Pf. pro Mantel angelangt ist. Hierauf stellte sich die Versammlung mit einer Ausnahme aus den Boden der Re- solulion vom 6. Mai. Der praktische Erfolg der Versammlung war der Beitritt einer Reihe von Kolleginnen zum deutschen Schneider- und Schneiderinnen-Verband. Die Schraube»- und Fayoudreher hielten im Henke'schen Saale in der Naunynstraße am 24. d. M. eine stark besuchte Versammlung ab, die sich mit der mißlichen Lage der Arbeiter im Berufe und einer Aenderung derselben durch eine Lohn- bewegnng beschäftigte. Ter Zieserent Ii ä t h e r richtete die Auf- sorderiing an die Anwesenden, die günstige Konjunktur aus- zunützen und nach der Methode der Former, die in dem jüngst beendeten Lohnkampf siegreich waren, die schlechtesten Werkstätten zunächst vorzunehmen. Die Diskussion bewegte sich im ähnlichen Sinne; man beschloß die nachstehende SZesolutiou: In allen Werkstätten sind Vertrauensmänner zu ernennen, welche sich mit dem Vertrauensmann der Schraubendreher in Verbindung zu setze» haben. Die Kollegen haben die Pflicht, mit aller Energie der Verschlechterung ihrer Lebenslage entgegen zu arbeiten. Der Vertraueusmaun rvird beauftragt, Fragebogen zur Erforschung der thalsachlichen Verhältnisse auszugeben; das Resultat ist einer demnächstigen Versammlung zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Es wurde weiter bekannt gegeben, daß die Morgeusprache regelmäßig im Restaurant W. Schmidt, Wrangelstraße, ab- gehalten wird. Eine vornehmlich von Frauen gntbesuchte Volks- Versammlung, einberufen von der Genossin O. Gerndt, tagte am 25. September im Louisenstädtischen Konzerlhaus. Zunächst erstattete die Genossin Lutz namens der seinerzeit gewählten Re- visorinnen Bericht über die Einnahmen nnd Ausgaben für die Errichtung des, der so tragisch aus dem Leben geschiedenen Ge- nossin Wabnitz gewidnieten Denkmals. Erstere betrugen ins- gesammt 214,86 M., letztere wurden bei Anrechnung des Arbeits- lohnes 814,36 M. betragen haben. Da Genosse Mesch auf denselben verzichtete, bleibt ein Defizit von 1,56 M., das die Versammlung aus der Tellersannnlung zu decken beschloß. Nach einer kurzen, aber sehr lebhaften Aus- eiuaudersetznug über die Frage, ob nicht ein prunk- loseres Denkmal wie das errichtete mehr im Sinne der Genossin Wabnitz gewesen wäre, wurde in den 2. Punkt der Tages- ordnung eingetreten:„Der Breslaucr Parteitag nnd wie stellen sich die Frauen zur event. Wahl von Telegirtinnen?" Die Rcserentin, Genossin E. Ihrer, beklagt bitter, daß die Frauen diesmal gezwungen seien, sich in einer besonderen Versammlung mit dem Parteitag zu beschäftigen. Es scheine, meint sie, als wolle man seitens dcr männlichen Parteigenossen die Frauen praktisch> nicht mehr als gleichberechtigt anerkennen. In den Parteiversammlnngen vor acht Tagen, zn denen auffälliger Weise nur die Parteigenossen öffentlich eingeladen seien, habe es der Stamm dcr männlichen Sozialdcmolraten.nicht über sich ge- winne» können, auch nur eine Frau auf den Parteitag zu dele- giren. In keiner Versammlung seien die Anträge der Redaltion der„Gleichheit" und dcr Genossin Gerndt berührt worden. Ganz sonderbar wäre nun, daß im letzten Moment die Verhinderung einer Aussprache zwischen Genossen und Genossinneu hin- sichtlich der Delegation von Frauen niit einem Miß- verständniß entschuldigt werde, nachdem bereits sechs Woche» vor- her seitens der Frauen die Anregung dazu gegeben wurde. Es sei auch den Frauen der gute Rath gegeben worden, allein und unter sich zu arbeiten, es fehle nur noch der, eine eigene Partei zu gründen. Bei der praktischen Mitarbeit habe man die Gleich- bcrechtigung dcr Frauen noch immer anerkannt, da aber, wo es sich um eine Vertretung handele, meine man, sie sei verfehlt. Rednerin verweist auf Nrtheile im„Volksblatt" und auf solche Bebel's über die Betheiligung der Frauen an der proletarischen Bewegung nnd ihre Bedeutung sür den dereinstigen Sieg der- selben. Gerade die Vernichtung dcr Frauenorgnnisation und die Beeinträchtigung der Agitation durch die Auflösung der Agitationskommission hätte den Parteigenossen die Verpflichtung auferlegt, soviel wie möglich weibliche Delegirte auf den Parteitag zu senden. Sehr bedauerlich sei, daß dieselben dies nicht er- kannt hätten. Unter Bezugnahme auf die Tagesordnung des Parteitages legte Iieduerin dar, daß die Frauen ein ganz emi- nentes Interesse an den Verhandlungen desselben haben; sie be- sürwortete deshalb, von dem nun einmal durch das Statut gewährleisteten Siecht, in besondere» Frauen-Vcrsammlnugcn Telegirtinnen wählen zn dürfe», Gebrauch zn machen. Sie ging dann kurz auf die von Clara Zetkin und Ottilie Gerndt in der„Gleichheit" veröffentlichten und von den Parteiblätlcrn abgedruckten Anträge ein, deren spezielle Berück- sichtigung sie den zn wählende» Telegirtinnen empfahl. Ferner schlug sie vor. sich dem Antrage der Genossen des 2. Berliner Reichstags- Wahlkreises, belresfeud die Vermehrung dcr Partei- leituug dnrch zwei Beisitzer, anzuschließe» nnd im An- schluß daran den im 2. Kreis abgelehnten Antrag wieder auf- zunehmen, daß zwei Frauen in die Parteileitung hineingewählt werden. Auch sür die Resolution der Breslauer Genossinnen und Genossen trat Rednerin ein, welche möglichst vielfeitige Feststellungen über die unausgesetzte Zunahme der Frauenarbeit und über die für das kommende Geschlecht so verhäugnißvollc Lage dcr Arbeileruinen in den einzelnen Industriezweigen je. wünscht. Zwischen„vielseitige" und„Feftstellnngen" verlangt Rednerin jedoch das Wort„statistische" eingefügt und außerdem den Zusatz:„Das gesammelte Material ist der Redaktion der „Gleichheit" zu übermitteln."— Genosse Kokosky gicbt der Meinung Ausdruck, daß die Annahme eine irrthuuiliche sei, die Stellung der Parteigenossen habe bezüglich der Frauenfrage seit dem Zeitpunkt eine prinzipielle Aenderung erfahren, wo mehrere Frauen von ihnen zum Parteitag delegirt wurden. Die Frauen trügen selbst daran die Schuld, wenn die Berliner Ge- »offen davon Abstand nahmen, ihnen Mandate anzuvertrauen. Niemand wisse, wen er als Vertreterin der Frauen zu betrachten habe: Soviel Parteiungen— soviel leidenschaftliche Be- tämpfungen. Die Frauen müßten vorerst selbst dafür sorgen, daß sie unter sich ein geschlossenes, einiges Ganzes bilden. Ihre Gleichberechtigung mit de» Männern wäre nnbezweifelt. — Genosse Hermann Greife nberg macht den Vor- schlag, dadurch zu demoustriren, daß man überhaupt von der Wahl von Telegirtinnen Abstand nehme. Tie Beschickung des Parteitages durch Frauen erklärt er deshalb nicht für so dringend, weil Beschlüsse und Resolutionen, welche die Franenagitation betreffen, meistens doch keine Beachtung fänden. Redner hält im Gegensatz zn der Referentin den Antrag der Genossin Löwenherz für sehr angebracht, ans deni Parteitag 1886 einen Vortrag über die Frauenbewegung halten zu lassen; das Thema ließe sich eventuell in Francnagitation umwandeln.— Genossin Lutz wendet sich gegen des Vorredners Ausführungen, soweit sie die Wahl vonDelcgirtiimen betrafen. Im übrigen ist sie der Meinung, daßdiemännlichenParteigeuossen durchaus nichtgeringere Fehler haben wie die weiblichen. Wen» sie den Frauen im all- gemeinen den Rath gäben, sich zn organisiren, dann dächten sie immer an alle anderen, nur nicht an die eigenen Frauen.— Genosse T i in m: Den Frauen sei der Vorwurf zu mache», daß sie selbst ihre Rechte nicht genügend gewahrt hätten. Er halte es für gar nicht im Interesse der Frauen-Emanzipalion liegend, wenn dieselben immer etwas von den Männern haben wollten. Anregungen von den Parteigenossinnen höre man fast nur, wenn es sich um die Delegationen handele. Das sei eben ganz falsch. Bei jeder paffenden Gelegenheit müßten solche kommen. Wäre das immer geschehen, dann hätten die Genossinnen in allen Wahlkreisen Vertretungen zum Parteitag durchzusetzen vermocht. So aber sei von ihnen sogar unterlassen worden, in den Parteiversammlungen zahlreich zu erscheinen nnd vor allem alle die Frauen angehenden Anträge dcr Siedaktion der„Gleichheit" u. s. rv. in sachgemäßer Weife zur Sprache zn bringen. Das würde auf die Männer erzieherisch gewirkt haben. Dem Vorschlage, ans die Dclegirung von Frauen jetzt zu verzichten, trat Timm entgegen. Es wäre das ganz verkehrt.— Genossin F a h r c n w a l d tritt dagegen diesem Vorschlage bei. Sie macht der Genossin Gerndt zum Vorwurf, daß dieselbe auf ihr und einer andere» Genossin Ersuchen nicht vor den allgemeinen Partei- versanimlungc», eine Sonderversammlung der Frauen zur Be- sprechnng der Wahlen je. einberuscn habe. Genossin Baader schließt sich deni au, indem sie betont, daß durch die Versammlung ein moralischer Druck auf die Oeffentlichkeit ausgeübt worden wäre. Die Rednerin hielt es auch sür richtig, von der Be- schickung des Parteitages in diesem Jahre abzusehen. An der weiteren Debatte betheiligten, sich noch die Genossinnen Ihrer, Gerndt, Seemann und R o h r l a ck, letztere wesentlich im Sinne des Jhrer'schen Referats. Allerseits wurde das statutarische Recht der Parteigenossinnen, in eigenen Versammlungen Tele- girtinncn wählen zu können, als kein Recht, sondern eher als eine Waffe gegen die Frauen betrachtet, diese zu isoliren, den mann- lichen Genossen die ewig drängenden Mahnerinnen vom Halse zn halten. Frau Ihrer beruft sich gegenüber den Darlegungen Kokosky's darauf, daß man die Zwiftigkciten unter den thätioe» Frauen doch nicht als Veranlassung nehmen dürfe, von der Ent- sendnng von Frauen an den Parteitag abzusehen. Genossin Gerndt weist den ihr gciuachte» Vorwurf damit zurück, daß sie es für besser gehalten habe, abzuwarten, wie sich die Männer verhalten würden. Die Versammlung beschloß schließlich, zwei Telegirtinnen zu wählen. Die Frauen Lutz und R o h r l a ck wurden mit der Vertretung der Berliner Genossinnen beauftragt. Die Töpfer und Verufsgenosse« nahmen in ihrer am 2K. September stattgehabten öffentlichen Versammlung den Bericht des Vertrauensmannes M e l z e r sür das verflossene Vierteljahr, sowie den Gefammlbericht über seine jetzt zweieinhalbjährige Thäligkeit als Vertrauensmanu entgegen, da eine Neuwahl vor- genommen werden sollte. In der gedachten Zeit sind dem Be- richte zufolge insgefammt 7868,36 M. vereinnahmt und 7734 M. — davon für Streiks 3826 M.— verausgabt worden. An den freiwilligen �Sammlungen haben sich im Jahre 1883 821 Töpfer nnd 34 Berufsgenossen, 1334 885 Töpfer und 32 Verufsgenosse» und im Jahre 1885, soweit bis jetzt ersichtlich ist, 472 Töpfer nnd 5 Berufsgenossen betheiligt. Der Berichtdes Vertrauensmannes gab zu Einwendungen keine Veranlassung und wurde Melzer entlastet, welcher darauf sein Amt niederlegte. Einen Nachfolger zu finden bot große Schwierigkeiten. Schließlich wurde Barlo wski gewählt. Nachdem sprach D a n d e r t über die Frage:„Wie gestalten wir unser ferneres Vorgehen?" Derselbe erörterte zunächst die Ursachen, die seiner Meinung nach dazu beitragen, die Kollegen von der Organisation fern zn halten, und zog daraus die Schluß- folgerungen sür die Gestaltung des ferneren Vorgehens. Er rielh von jedweden Ncugründungen ab, befürwortete vielmehr, das Alte, Bestehende auszubauen, sich Mann für Mann in der Organisation zusammenzufinden und mitzuivirken an der Be- seiligung herrschender Mißstände in derselben, um dieselbe kraftvoll zu gestalten nnd dnrch sie eine Verbesserung der Lage zu erzielen. Die gegebenen Anregungen sielen auf einen frucht- baren Boden. Es fand eine gründliche und ungeschminkte Aus- spräche über die oben augeführte Frage statt. Besonders wurde auch dcr Ausbau des Bnu-Vertrauensmännersystems empfohlen. Die Versammlung gelangte zn dem Beschlüsse, mit vereinten Kräften die bestehende Organisation auszubauen und sich zu diesem Zrvecke des so ivichtigen Vertrancnsmännersystems zu be- dienen. Eine in kürzester Zeit stattfindende Versammlung wird sich weiter mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die Berichterstattung des Delegirten zur Gewcrkschasts- Kommission und Neuwahl desselben mußte wegen Erkrankung des Delegirten Hagen vertagt werden. Chirurgische Branche. Eine gntbesuchte öffentliche Ver- sammlung der Arbeiter dieser Branche, welche am 25. September in R ö l l i g's Lokal stattfand, nahm den Situationsbericht über den Streik bei Dewitt u. Herz entgegen. Wie Johl ans- führte, konnte in der letzten Versammlung(vor 14 Tagen) noch berichtet werden, daß die Aussichten auf einen Sieg der Streikenden die denkbar besten waren, weil sich keine Streik- brecher aus der eigenen Branche fanden. Dies sei indeß in letzter Zeit geschehen. Leute aus den eigenen Reihen sind den Streikenden in den Rücken gefallen, daher sei eine weitere Auf- rechlerhaltung des Streiks zwecklos und derselbe als verloren an- zusehen. Angesichts dieser Thatsache plädirte der Referent, wie auch eine Anzahl weiterer Redner, für Aufhebung des Streiks. Der Arbeiterschaft hat dieser Streik in seiner achtwöchentlichen Dauer zirka 5666 M. gekostet; der Fabrikant hat jedenfalls das drei- fache dieser Sumnie Schaden gehabt nnd werde er sich aus diesem Grunde, nach Meinung der Stcdner, in Zukunft wohl sehr hüten, in solch frivoler Weise wiederum einen Streik vom Zaune zu brechen. Der Antrag: den Streik aufzuheben, fand Annahme; von einer Verhängung der Sperre ü b e r d i e F i r m a rv u r d e A b st a n d genommen, weil die Versammelten der Meinung waren, daß es zweckniäßig fei, den organisirten Kollegen nicht die Gelegenheit zu nehmen, dort wieder Fuß zn fasse». Hierauf kam es noch zn ziemlich scharfen 'Auseinandersetzungen zwischen den Streikbrechern einerseits, nnd der Kommission bezw. den Streikenden andererseits. Natürlich wurde die Handlungsweise der ersteren entschieden verurtheilt. Lederbranche. In einer.öffentlichen, stark besuchten Ver- sammlung dcr Lohgerber, Lederzurichter, Weißgerber, Färber je., die am 25. September in Herrn H e» f e l' s Lokal, Invaliden- straße I. stattfand, erfolgte nach eineni sehr beifällig aus- genommcncn Vortrage des Genossen Millarg der Siluations- bericht über den Streik i» der S t e i n l e i n' scheu Lederfabrik. Die Situation ist noch vollständig unverändert; die 162 Streikenden beharren fest auf ihren Forde- rungen und Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. Jedenfalls veranlaßt dnrch die in den Versamm- lungen geschehenen Mittheilungen der Streikenden hat eine Be- sichtigung der Fabrik durch den Fabrikinspektor staltgefunden und wurde eine Beseitigung dcr gerügten Uebelstände in Aussicht gestellt. Gleichzeitig ist einer der vor der Fabrik patrouillirenden Ausständigen gefragt worden, ob sie sich eventuell einem Schiedespruch des Gciverbegerichts als Einigungsamt fügen würden. Derselbe hat die Frage an die Kommission verwiesen. Da die Firma derartig von den Auftrag- gebern bedrängt ist, daß sie gezwungen ist, sich entgegen- kommend zn zeige», machte Busse den Vorschlag: die Kommission zn beaustragen, unter Hinzuziehung der Vertrauensleute zu be- rathen, ob und inwieweit eine Verständigung mit dem Fabrikanten vor dem Gcwerbegericht möglich sein werde. Einige Redner erklärten sich für diesen Vorschlag, mit der Bedingung, daß die Forderungen voll aufrecht erhalten bleiben und wurde derselbe zum Beschluß erhoben.— Busse lenkte hierauf die Anfmerk- samkeit dcr Versammlung auf den Streik der Lederzurichter in Riidolstadt. Derselbe dauert bereits 6 Wochen, was darauf zurückzuführen ist, daß es den Rudolstädter Fabrikanten gelingt, ihre„Kipse" außerhalb fertig gestellt zn bekommen. Festgestellt ist, daß Scharf, Nannynstr. 52,„Kipse" für den Kommissionär Lipp schütz(Klosterstrnße) anfertigt, der mit Rudolstädter Fa- brikanten in Verbindung steht, weshalb auch dort zwei Leder- znrichter die Arbeit bereits niedergelegt haben. Busse ersuchte, streng darauf zn achten, daß nicht auch anderweitig„Streikselle" untergeschoben werden. Lnx»öpapier-B rauche. In einer öffentlichen Versamm- lnng der Luxus- und Spitzenpapier-Arbeiter und-Arbeiterinnen, die ani 25. Septeinber bei Cohn in der Veuthstraße tagte, übte Genosse S a i l e r wieder einmal gründliche Kritik an solchen Geschäftsinhabern, die sich einen juristisch ganz unzulässigen Ein- griff in die VermögenSverhällnisse der Arbeiter durch Nicht- beznhlnng der den Arbeitern aufgedrungenen Feiertage heraus- nehmen. Diese Kritik erstreckte sich nicht blos aus die Sedan- feier, sondern auch auf Entziehung des Arbeitsverdienstes seitens einiger Geschäftsinhaber während der jüdischen Feiertage. Nach ihm gewordenen Mittheilungen, erklärte Sailer, seien die Lohnverhältnisse hei Pauly u. Pinner ganz erbärmliche, die Herren Fabrikanten legten sich seit einiger Zeit auf die Fabri- kation von gepreßten Papiertellern, wofür sie einen Akkordsatz zahlten, wobei ein verheiratheter Arbeiter kaum im stände war. auf 16 M. pro Woche zu kommen. Neuerdings fand trotzdem eine Lohnherabsetzung statt, und zwar gab's nun für tausend Papierteller ganze 75 Pf. Bei angespanntester Anstrengung kann es ein tüchtiger Arbeiter auf 3>/L Tausend pro Tag bringen. Vom 1. Oktober ab lassen die Herren diesen Artikel in dem Korrektions- hause in Landsberg a. W. anfertigen. Entsprechend den an- geführten Löhnen der Arbeiter verhält sich's mit den Löhnen dcr Arbeiteriimen; diese bekommen 6, 7. 8 nnd 8 M. wöchentlich. Aehnlich verhält sichs mit den Lohnverhältnissen bei Brettschneider u. Gräser. Der Lohn der Arbeiterinnen beträgt 16, 8, 3 und 7 M. In einem Falle, wo 9 M. Wochenlohn gezahlt wurde, konnten auf Muster in Akkord nur 3,56 M. erzielt werden. An- gcsichls dieser erbärmlichen Löhne konnte dcr Redner sich nicht enthalten, sein Erstaunen darüber auszudrücke», daß Arbeiterinnen dieser Firma in der Werkstuben-Sitzung am vorigen Donnerstag sür die Herren Chefs noch Partei nahmen. In der Diskussion wurde ergänzend hinzugefügt, daß die Inhaber der seit ca� fn»f Zähren bestehenden Firma Pauly u. Pinner sich im Laufe der Jahre zum Druck auf die Löhne veranlaßt gesehen haben durch die stets gesteigerte Intensität der Arbeitskraft auf Kosten der eigenen Kräfte der Arbeiter, welche den Ausfall am Lohne wieder wett zu machen bestrebt waren, der ihnen durch die Preis- reduktionen entstanden war. Zu der Gepflogenheit, in Gefäng- nissen und Zuchthäusern arbeiten zu lassen, wurde niitgetheilt, daß die Firmeninhaber Heinitz u. Seckelsohn in der Strafaiistalt in rnm'*0» �ann beschäftigen sollen. Firma Vollmar beschäftigt 50 Mann in der Strafanstalt zu Sonnenburg. Firma Rosenberg lnpt in der Strafanstalt zu Strausberg arbeiten und die Firma Peterson in den Strafanstalten Moabit. Kottbus und Sonnen- bürg. Recht erbauliche Zustände wurden bei der Firma Prister u. Eick konstatirt. Bis vor kurzem mußten sich 98 Arbeiterinnen nilt einem einzigen Kloset begnüge». Kam es aber vor, daß leniand auf Benutzung desselben warten mußte, so hatte die be- treffende noch das Vergnügen, Strafe zu zahlen. Dieser Mißstand soll, nachdem eine Arbeiterin Anzeige gemacht hatte, auf Veranlassung der Polizei abgeschafft sei». Es wurde bekannt gegebe», daß die regelmäßigen Mitglieder- Versammlungen jeden Montag nach dem I. und 15. und die nächste am 7. Oktober staltfindet. Lohnbelvegung der Putzer. Die für Donnerstag Vor- nnttag einberufene Putzerversammlung brauchte nicht zu tagen, weil auf allen Bauten, wo die Kollegen mit ihren Forderungen an die Unternehmer herangetreten sind, es nur dieser einen ernste» Rücksprache bedurfte, um die gestellten Bedingungen erfüllt zu sehen. Im ungünstigen Falle fand ein Personenwechsel statt, da bekanntermaßen die Unternehmer den Forderungen stellenden Ar- beitern gern den Stuhl vor die Thür setzen, die Forderungen selbst aber sich genöthigt sehen zu erfüllen, wenn's auch dann den Neu- ansangenden gegenüber sein muß. Irgendwelche Vorkommiiiffe haben die Kollegen sofort dem Streikbnreau bei Röllig, Neue Friedrichstraße 44, zu melde». Beschlüsse über etwa»olhwendig werdende Schritte bei solchen Bauten, wo keine Regelung statt- finden kann, bleiben der am Sonntag Vormittag 19 Uhr im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstraße 37, stattfindenden öffentlichen Putzerversammlung überlassen. Vrauerei-Arbeiter. In Nr. 223 Ihrer wcrthe» Zeitung befindet sich ein Bericht über eine öffentliche Brauerei- Arbeiter- Versammlung, in der Herr Steinert sich wieder mal den Scherz gemacht hat. über meine Person herzufallen und dieselbe zu ver- dächtigen. Ich würde auch aus diesen Angriff des Steinert jetzt so-wenig Werth legen, wie auf die früheren, wenn die Steinert'schen Beschwerden nicht in der„Staatsbürger." und „Freisinnigen Zeitung" in anderer Weise breitgetreten wären zu dem Zwecke, das Geschäft der Münchener Brauhaus Akl.-Ges. zu schädigen. Der„Staatsbürger-Zeitung" sowie der„Freisinnigen Zeitung" habe ich keine Berichtigung zugehen lassen, da es mir gleich bleiben kann, was diese beide» Zeitungen über mich schreiben. Bei den Lesern des„Vorwärts" muß ich jedoch die Steinert'schen Unwahrheiten berichtigen und jedem Leser die Beurtheilung überlassen, ob Steinert mit seinen Beschwerden im Recht ist oder ob denselben gehässige Motive zu gründe liegen. Zur Sache selbst habe ich folgendes zu erwidern: Steinert war vor Jahren in der Münchener Brauhaus Akt.- Ges. als Brauer thätig, hat sich daselbst aber durch sein unverträgliches Wesen mit seinen Kollege» derartig überworfen, daß er die Arbeit niederlegen mußte; er ist darauf von Ver- sammlung zu Versammlung gezogen, hat seine Klagen auf meine Person zugespitzt und mich mit den gehässigsten �Unwahrheiten verfolgt. Als er später bei fast sämmtlichen Brauereien durch war, wo es ihm ebenso erging, wie in der Münchcner Brauhaus- Alt.-Ges., wandelte ihn die Lust an, wieder bei uns in Arbeit zu treten. Ich konnte selbstredend im Interesse unserer Arbeiter und mit Rücksicht auf die mir zugefügten Beleidigungen den Steinert nicht wieder anstellen und ist»»ein Vorgehen auch seinerzeit von der Gcmerkschasts-Koinmission voll »nid ganz gebilligt»vorbei». Ich berufe»»»ich hierüber auf das Zeugniß der Agitationskominission, so»vie auf das Zeugniß des Herrn Faber, der f. Zt. die Verhandlungen als Vorsitzender der Gcwerkschafts- Koinmission leitete. Im vorige» Jahr wurde Steinerl Vertreter(Bierreiscnder) für Hohen-Schön- hrnffen und hat in dieser Stellung— allerdings vergeblich— versucht, uns zu schädigen. Nachdem ich in unserem Betriebe den achtstündige» Arbeitstag bei einem Minimalloh» von 39 M. pro Woche eingeführt habe, hat der Steinert natürlichenveise nochmals versucht, bei uns in Arbeit zu kommen, was ich ent- schieden ablehnte, zumal ich den Steinert»un nicht mehr als einen Brauer, sondern als einen Konkurrenten betrachtete. Die SIgitations- komniission»vird niir bezeugen müssen, daß ich mit peinlicher Gewissenhaftigkeit die eingegangenen Verpflichtungen erfülle und jeden Arbeiter, der mir auf Verlangen von» Arbeitsnachiveis gesandt »vird, einstelle; es»vird mir aber niemand verargen können, daß ich einen Mann, der mich öffentlich beschimpst und das mir anvertraute Geschäft z» schädigen sucht, nicht in Arbeit nehme. Was den Fall Müller betrifft, so habe ich von demselben deshalb keine Fässer mehr gekauft,»veil er»nir im Winter Fässer aus nassen» Holze angefertigt hatte, durch die ich im Frühjahr großen AergSr bei der Kundschaft hatte. Müller entschuldigte sich danrit, er hätte kein trockenes Holz bekommen, eine Ausrede, die meine Kunden nicht gelten lassen»vollten. Da ich nun aber inehr Rücksicht auf meine Kllnden. als auf Herrn Müller zu nehnieu habe, so habe ich«nir Fässer besorgen muffen, die von trockenem Holz gearbeitet sind. Arendt, Direktor der Münchener Brauhaus Akt-Ges. Britz. Der sozialdemokratische Volks-Bildungsverein für Britz und Umgegend hielt an» 16. September seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Genosse Rohm hielt einen sehr auf- merksain verfolgten Vortrag über„den Klassenkampf der Ar- beiter". Hierauf»vurden Vereinsangelegenheiten erledigt. Naueit. Au» Donnerstag, den 19. d. M., tagte Hierselbst im Lokal von Hobusch eine öffentliche Volksversammlung, welche auch von Frauen besucht war. Genosse Hansen-Berlin referirte über die politischen und»virthschastlichen Zustände der Gegen- »vart. Redner schloß mit einem Appell an die Anivesenden, in den» uns aufgedrungenen Kampfe fest zusammenzustehen und »nuthig»veiter zu kämpfen für unsere Idee. An der Debatte be- thciligten sich noch einige Genosse». Hierauf erstattete Genosse Stahl Bericht über die Kreis- und Provinzialkonferenz. Als Vertrauensmann wurde Genosse Kieper geivählt. Mit der Auf- fordening, unausgesetzt für unsere Idee» zu»virken, schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. Alt-Glieuicke»nd ttmgegeud. Die hiesige Zahlstelle des Allgemeinen Arbeiter-»»»d Arbeiterinnenvereins Berlin uud Um- gegend hielt am 21. September eine Mitgliederversammlung in» Lokal des Herrn Harsdorf ab. Zunächst begründete Kollege Metze seinen Antrag:„Die Zahlstelle in eine Lokalorganisation zu verivandeln", mit der Mangelhaftigkeit der Bibliothek. Gegen de» Antrag sprachen die Kollegen Grünberg, Karge, Spouholz und Knüppel,»velch letzterer durch Hinivcis aus die Einnahmen und Ausgaben der Zahlstelle am Ort treffend nachivies, daß eine Lokalorganisation hier nicht lebensfähig»väre. Da keine nähere Begründung des Antrages erfolgte, auch keine»veiteren Redner für denselben sprachen,»vurde die Abstimmung bis zur nächste» Generalversanimlung vertagt. Hierauf hielt Genosse Hilde- brandt-Adlershof einen Vortrag über„Das Proletariat und seine Gegner". Die Diskussionsredner Lüderitz, Sponholz, Gerber und Reichert stimmten dem Referenten vollkommen bei und forderten die Anwesenden zum Kampf gegen unseren größten Feind, den Unverstand der Massen auf. Unter Verschiedenem wurde vom Kollegen Knüppel der Kassenbericht über das letzte Vierteljahr verlesen. Johannisthal. Die Parteigenosse» von Johannisthal und Nieder-Schönweide hatten sich am Sonnabend, den 21. Septbr., zu einer öffentlichen Versammlung in»„Kurhaus" in Johannis- thal zusaiuniengefunde», un» einen Vortrag des Genossen Georg Wagner anzuhören. Derselbe sprach in sehr fesselnder Weise über das Thema:„Volksbildung und Klassenbeivußtsein". An den Vortrag sollte sich ein geselliges Beisammensein anschließe». Doch soiveit sollte es nicht konune», denn noch hatte der Vortragende sein Referat nicht beendigt, als der Gendarm die gefährliche Rotte der vorgerückten Polizeistunde»vegen auflöste und jeden mit Strafe bedrohte, der nicht sofort den Saal verließe. Tie Ge- noffen beeilten sich nun, ihr Bier ailszutrinkcn, doch wurden etliche durch das Dazwischentreten des pflichteifrigen Beamten an diesem verbrecherischen Beginnen verhindert, und sicher hätten dieselbe» es büßen»nüssen,»venu nicht der Kellner hinzugekominen wäre,»velchcr dem Mann mit dem Notizbucke bedeutete, daß noch verschiedene ihr Bier zu bezahlen hätte». Nach diesem Vorfalle begaben sich die Genossen in das Lokal von Cchaller,»voselbst sie noch lange gesellig und in sröhlicher Stimmung beisainmen blieben. Friedrichshagen. In» Arbeiter-Bildungsverein sprach am Sonnabend, den 21. September, Schriftsteller Ledcbour über „Unser Programm, mit besonderer Berücksichtigung unserer Be- Ziehungen zur ländlichen Bevölkerung." Nachdem der Vortrag beifällig aufgenommen Ivorden Ivar, erstattete Genosse Wartlnann den Bericht über die Gcmeindevertreler- Sitzungen. Derselbe zeitigte eine ungemein lebhaste Debatte. Der Antrag des Vorstandes, dem Vertrauensmann 59 M. und 29 M. für die Opfer des Essener Meineidsprozeffes zu überiveisen,»vurde an- genommen. Das Mitglied Krause»vird aus den» Verein aus- geschlossen,»veil er bei der Firma Tevitt u. Herz in Berlin, »voselbst die Arbeiter streike»», in Arbeit getreten ist. Ein Antrag, zivei Mitglieder aus dein Verein altsznschließen,»veil sie sich am Sedanfest betheiligt haben,»vird dem Vorstand überiviesen. Charlottenburg. Eine öffentliche Versammlung d e r M a I e r u n d A n st r e i ch e r, die am 25. September auf Bismarckshöhe in der Wilmersdorferstraße 39 tagte, nah in Stellung zu der von den Malern Berlinsfürdas n ä ch st e Frühjahr in A»» s s i ch t g e n o m in e» e n Lohnbewegung anläßlich der 1896er Geiverbe-Ausstellung. Eingeleitet»vurde die Versamnilung mit einein Vortrage des Genossen Timm- Berlin über Klassenkämpfe der Vergangenheit und Gegenivart,»velchem rege Aufmerksamkeit»nd lebhafter Beifall zu theil wurde. Eine Diskussion folgte nicht. Ter ausgedehnten, recht sachlichen Debatte über den Haupt- verhandlungepnnkt lag folgende Resolntioi» zu gründe:„In Erwägung, daß alle seit Jahren gemachten Versuche, in Güte eine Verbesserung der tieftra»lrigen Lage im Malergeiverbe herbeizuführen, von scitcn der Unternehmer resp. der Innung in der schroffsten Weise abgelehnt ivorden sind, in»veiterer Erivägung, daß die jetzige»virthschaftliche Lage der Kollegen- schaff unbedingt der Verbesserung bedarf, beschließt die beulige Versammlung, die für das Frühjahr 1896 i» Aussicht stehende Lohnbelvegung der Berliner Kollegen z»vecks Erlangung günstigerer Arbeitsbedingungen thatkräflig zu unterstützen. Damit das Resultat dieser Bewegung ein envünschtes»verde, verpflichtet sich jeder Anwesende, sich unserer Geiverkschaftsorganisation an- zuschließen, soiveit dieses nicht bereits geschehen ist, ferner ver- pflichtet sich jeder, für die Stärkung des Kamps- fonds durch rege Inanspruchnahme der Streikmarken zu sorgen, soivie für lebhafte Agitation für die Lohn- beivegung in jeder Weise nach Kräften einzutreten." Von den 15 Rednern zu diesem Punkt ivaren es zivei, die ihr Bedenken dagegen geltend machten. Nachdein durch Darlegung der Meinungen genügend Klärung geschaffen ivar, schritt man zur Abstimmung über obige Resolution, die die überwiegende Majorität für sich hatte, nur drei Stimmen»varen dagegen. heute, Freitag, abends s Uhr, im sitzung mit Damen. Säfte will- ziergnügnngsverein„ekiniglieit". „Renaurant Thtessen", Zionslirchptatz l: lammen. Samariter- Kursus für Arbeiter»nd Ztrbeiteri»»»». Sonntag, den 29 September, abends«r Uhr, bei Cohn, Beulhftraße 20, Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. Chrifteller über:„Ansteckende Krankheiten". Krrlinrr Zentralverrin für St«»otachygrapl>ir(Bezirk„West"). Jeden Freiiag abends Uhr: Uebnng im Restaurant„Lemm", Sreininetz- stratze 7«. Gäste ivillkommen. Arb«itrr-Kild»»g»sch»le. Freitag, abends von 7V— s)s Uhr: Lektüre. 8�— 10� Uhr: Nord-Schule, Müllerstr.»79 a: Geschichte(gäsarismus im allen Rom: Entstehung des Christenthums: unchristlicher Kommunismns.) Südost- Schule, Waldenrarstr. 14: Deutsch(Literatur.) Bei allen Unter- richtSsächern werde» neue Theilnehmer, Damen und Herren, jederzeit auf- genommen. x«s»- und Distlutirklub..JUefieit". Jeden Freitag, abends ox Uhr, bei Herinann Werner, Bülowslr. 09. Arbeiter- Si>»y«rl»»id Serli»« und zlmgegeud. Vorsitzender Ad. Ncninann, Pasewalkerslraßs s.— Alls Aenderungen im Vereins- kalender sind zu richten an Fried,»ortum, Manteustslstr. 49, v. 2 Tr. Freitag. Ucbnngssiunde Abends 9—»1 Ubr. Ausnahme von Mitgliedern. Co llegia, Adalberlstr. Li bei Roll.— Kaiser'scher Männerchor, Schönhauser Allee 23, bei Kelle.— Arbeiter- Gesangverein Nord, Usedoinstr. sz bei Olböter— Buchbinder-Männerchor, Holzmarktür. 3 bei Deter.— Gesangver. Maig löckchen I.Lindoiverstr. 28 b. Sachs.— G emü I hlichkeit, Neue Friedrichstraße 44, bei Röllig.— Typoaraphta, Besangverein Berliner Buchdrucker und Tchristgießer, Cohn's Restaurant(großer Saal). Beuthstr. 20.— Gesangverein L or b e er zw eig, Swinemünderstraße 35 bei Hübner.— Gesangverein Rhetngold, Gollnowftr. 40 bei Miegel.— Gesangverein M e l o d i a, Rixdorf, Bergstr.»42 bei Schimkäse.— Jrt S- Naunnnstraße 88 bei Fritz Zubeil.— Brandenburger Männer- Gesangverein in Brandenburg a. H., Mengerts VolkSgarten, Bergstraße.— Gesangverein F r e y a ll(gemischter Chor), Rtrdorf, Hermannstr. 140, bei Daniel Böttcher.— Freie Liedertafel, Gr. Franlfurterstr. 74 bei Breuer.— Nordwacht, Chaufseestr 72 bei Meißner. FreieSänger, Schmargendorf, Warnemünderstraße bei M. Schulze.— Arbeiter- Gesangverein Sängcrlreis(Weißensee). Weißenburger- straße und Sedanstraßen-Cile bei Brennert.— Loreley, Grün- tbalerstraße 4 bei Hämmerling.— Lustige Sänger, Potsdam, Bran- benburger Kommunikation 18 bei Glaser.— Vieber'scher Männer- ch or, Rosenthaterslr. 57 bei Wernau.— Geselligkeit, Hennigsdorf, Böhmert's Eanhaus.— Oranke, Weißensee, Köntgschaufsee 4» bei Frense.— Gesangverein Vereinte Sangesbruder, Moabit, Perlebergersiraße 28 bei Hcrmerschmtdt.— Eängerverein Sorgenfrei, Admiralstraße 18 0, Märkischer Hof.— Eangessreund, Tragonerstr. 32 bei Kamlowskn.— Gesangverein W a ch l a u f l. Wörther- sirabe»9 bei Schmidt.— Gesangverein Slralauer Liedertafel, Rummelsburg, Prinz Albertftraße bei Seikai.— Gesangverein Treu und Einigkeit, Rixdorf, Prinz Handjerystraße Nr. 58 bei Reden.— Gesangverein Frohsinn, Rummelsdurg, Gölhestraße, Ecke Kantstraße, be» Mertens.— Gesangverein der Metallarbeiter(Oft), Blumenftr. 48, — Morgenroth 2, Cbarlottenburg. Bismarckstr. 74 bei Krause.— Roscnt Haler Vorstadt. Bernauerslr. 47.— Froh-Hoffnung l Verlin iv.), Erunewaidslraße»10 bei Keßner.— Brüderschaft, Alte Jakobsir. 87- 88 bei Lamprccht.— F r e i h e t t S g l o ck e n, Wörther- straß- bei Buchholz.— Rosalia, Blumenftr. 48 bei Tomalscheck Snrene, Rosenthalerftr. 67 bei Julius Wernau.— Eintracht III, Eberswalbe, Freienwalderstr. bei Weber.— Fortschritt, Melchiorstr.»5 bei Stehmann. Fund der gefellige» Arbeirruvereiue K,vli»» u»d Zlingegeud, Alle Zuschriften sind zu senden an P. Gent, Adalbertstr. 95. Freitag: Skalklub Kairo, Abends 8 Uhr bei Fr. Bothe, Restaurateur, RiNerftr. 32. — Musikverein Hoffnung, Große Franksurterstr.»33 bei Bold. oiesaiig-, ü»l»-»»d gekeltige hlereinr. Freitag. Quartettvereln W e d d i n g, Abcnds 8Z( Uhr. bei Schaser, Reue Hochstraße 49.— Gesang- verein H i l a r i a, abends Uhr, Sitzung Blumenftr. 48 bei Tomascheck. — K a r l h a u s' s ch e r Gesangverein. Uebungsftunde: abends 9 Uhr bci Wiedemann, Blumenftr. 38.— Zilherllub„Alpengruß"(Direktion A. Wolkeivitz), bei C. Gomoll, Waldcmarstr. 38, abend? 9 Uhr.— Privat- Zhcaierveretn Crescendo, 9 Uhr, bei Schulz, Puibuserstr. 35.— Ver- gnügungsverein ThuSnelda, abends 8)s Uhr, bei Zubeil, Lindenstr. 108. — Musilverein H o ffn ung(Ost), abends von 9— ll Uhr. U-bungSsiunde Große Franksurlersiraßc>33 bei Gold.— Tambourverctn Frei-weg, Uebungsstunde bci W. Raddatz, Eisasserstr. ll.— Zilherllub Waldrose, abcnds 9 Uhr, Wanleustelflr. 88, Parterre, Restaurant.— Verein Grüne Tanne, abends 9 Uhr, bei Kaiser, MarkuSstraße 8.— Vergnügungsverein Im Brand, Sitzung abends 9 Uhr bei Fetnd, Weinstr. i».— Gesang- verein der B a u a n s ch I ä g e r Berlins, abends 9 Uhr bei I. Wernau, Rosenthalersir. 57.— Zitherklub Frohsinn, abends Uhr bei Reich, Blumenftr. 32. Gäste willkommen. Arbeitrr-Kaucherbnnd Prrlin« und Zlmgegrnd. Freitag: Apf e l- blüthe, Hochslädierstr. 30 bei Graminsly.— Rauchklub Südost, Wienerstrabe 83, bei Felske. Turnverein Fichte. 2. Männerabtheilung turnt Dienstag und Freilag abends von 8—10 Uhr in der Turnhalle Skalttzetstraße 55- 58. 4. Männerabtheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 8 btS »0 Uhr in der Turnhalle, Etefanstraße 3. 5. Männerabtheilung turnt Dienstag und Freitag abcnds von 8—10 Uhr in der Turnhalle, Ackerstr. 8 bis 7.— l. Lehrlingsabtheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 8—10 Uhr, in der Turnhalle, Friebenftr. 37.- 3. Lehrlingsabtheilung turn» Dienstag und Freitag abends von 8—10 Uhr. in der Turnhalle, Boeckhstraße 27.— Tamen-Abtheilung turnt Dienstag und Freitag abends von 8— iv Uhr Mariannen-Ufer ia.— Turnverein Gesundbrunnen, die erste Ällänner-Ablbeilung turnt heute Abend von 8)(— io!( Uhr i» der Turn- balle des Lessing-Sninnasiums, Pankstr. 9—10.— Kraft- und Artisten- k l u b B e r o l i n a jeden Dienstag und Freitag Uebungsstunde bei Srüßner, Watdcmarstr. 42.— Krafl.Turnverein Hoffnung, abends von«— ll Uhr bei Nowak, Mantcuffelslraße 9. Skalklub Schntll, abends 9 Uhr. bei Trittelwttz. Falkensieinstr. 7. — Tanzlehrer-Veretn Solidarität, im Restaur. Brauer, Oranienftr. 12». Uebungsstunde und Sitzung. dlH-uklai» O.nr I ional CliiV> Slmlcospeare. Meeting every Friday at 9 p. m. at Beherns Restaurant, Künigslr. 62. Lecturer Mr. J. Blocli. Guests are welcome. <>»>» I'nrle Sara. 9 o'clock x. rn. Munzstr. 17. Washingtons dirth day celedration. Guests welcome. 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