Nr. 246 ♦ 44. JafytQ. Musgabe A Nr. 125 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 2,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Äreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memclgebiel. Oesterreich, Litauen, Luxemburg erlin" (lO Pfennig} Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- geile?0 Pfennig. Rcklamozeile d,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig szulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, sedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» staden zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Derliner VolKsblakl �entralorgan der SozialcUmokratifcbcn parte» Dcutfcblands Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW KS, Linden- straße Z, abgegeben werden. Geöffnet von»Vh Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Reöaktion und Verlag: öerlin EW. SS, Linüenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 2S2— SS7. Labour foröert Untersuchung. Der Bruch mit Moskau ist überstürzt worden. C o n b o n, 25. Mol.(Eigener Drahtberlchl.) Die britische Note, welche die Zurückziehung der Sowjetbotschast und der Sow. jethandejsbelegation aus London fordert sowie die Zurücknahme der englischen diplomalischen Vertretung aus Moskau ankündigt, wird sofort n a ch der Urabstimmung am Donnerstag nach Moskau ab- gesandt werden. Die Mitglieder der Sowjetbotschast und der Sowjet. Handelsdelegation werden ausgesordert werden, innerhalb einer Woche oder zehn Tagen London zu verlassen. Es ist wahrscheinlich, dah der Geschäftsträger Rosenholz und seine nächsten Untergebenen sofort nach der Unterhausentscheidung am Don- verstag London verlassen werden. Das Unterhaus wird am Donnerstag den Beschluß der Regie- rnng billigen und die Arbeiterpartei wird in der Debaste folgende Entschließung einbringen: »Dos hohe Haus ist der Meinung, daß die Beendigung des Handelsabkommens und der Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen ernste internationale Konsequenzen hat und das Ende einer vielversprechenden Aussickit aus wiederher- stellung von Handel und Industrie bedeuten wird. Das vorgehen der Regierung stellt also ein« Politik dar, aus die das Land nicht festgelegt werden konnte, ohne dah eine Spezialkommis- s i o n auf Grund vollster Prüfung und Untersuchung des gesamten einschlägigen Materials einen Bericht erstattet hat." Der fowjctrussische Geschäftsträger R o f e n g o l z übergab am Mittwoch der Oesfentlichkelt eine Antwort aus vaidwins Regierungserklärung, in welcher er dem Ministerprästdenten entgegentritt. Er stellt fest, aus- der Rede Aaldwins gehe hervor. daß 1. die Haussuchung im Arcos-Gebäude keinen Beweis da- für erbrachte, daß das gesuchte Staatsdokument seinen Weg in das Sowjethaus gefunden hätte, 2. daß kein Angestellter der Sowjets Spionage getrieben hat. Bezüglich der Ausfossung Baldwins, daß die Aufschriften verschiedener Kuverts mit Adressen an überseeische Kommunistenorganisationen identisch seien, erklärt der Geschäftsträger, daß Baldwin irregeführt sein könnte, da es sich vermutlich um Kuverts mit chiffrierten(?) Adressen an die verschiedenen Branchen des Handelskommissariats in Moskau und die ausländischen Sowjethandelsdelegationcn handelt, hinsichtlich der Beschuldigung, daß er. der Geschäftsträger, Jnformationsmaterial über China für die englischen Arbeiterorganisationen aus Moskau eingefordert habe, erklärt Rosengolz kategorisch, daß weder er noch irgendein anderer jemals solche Telegramme gesandt oder erhalten hätten. Das von Baldwin angezogene Dokument, aus Peking fei eine glatte Fälschung. Der Beschluß der englischen Regierung, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen, sei ein töd- licher Schlag für den gesamten russischen Handel. Wie der Londoner Korrespondent des„Soz. Presse- dien st' erfährt, sind die Angestellten der Handelsdelegation«in- schließlich der englischen Angestellten derselben am Dienstag gefragt worden, ob sie eventuell bereit wären, nach Hamburg überzu- siedeln. Danach beabsichtigt die Sowjctregierung den gesamten nach Ilebersee bestimmten Teil der Londoner Handelsdelegation nach Deutschland zu verlegen. Man befürchtet in Sowjetkreisen allerdings, daß Deutschland mit Rücksicht auf England einem solchen Verlangen der Sowjetreigerung nicht wird Folge leisten. Die Fraktion der Labourpartei wird, wie sich aus dem Telegramm unseres Korrespondenten ergibt, in der parlamen» tarischen Abstimmung gegen den Abbruch der diplomati- scheu Beziehungen und gegen die Aufhebung des Handels- abkommens stimmen. Sie verurteilt das Verhalten des konservativen Kabinetts als übereilt: nur nach einer sorgfältigen, unparteiischen Untersuchung hätte ein so schwer- wiegender Schritt geschehen dürfen. Aber die Fraktion bringt kein Mißtrauensvotum gegen die Regierung ein. Sie verzichtet auf das schärffte parlamentarische Kampfmittel. Dieses Verhalten wird nur verständlich, wenn man die Einzel- heiten kennt, die Baldwin vorbrachte um den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu rechtfertigen. Wir tragen deshalb' Tatsachenangaben aus Baldwins Rede nach. Aus ihr erhellt, mit welchem frivolen Leichtsinn die Sowjetunion um ihrer Umsturzpropaganda willen ihre Beziehungen mit England aufs Spiel gesetzt und ihren erklärten imperialistischen Gegnern Blößen gegeben hat. Wäre sie etwas weniger ungeschickt und tölpelhaft gewesen, dann wäre es bei dem lebhaften Interesse englisclzer Wirtschaftskreise an Geschäften mit der Sowjetunion den Diehards kaum gelungen, im englischen Kabinett die Oberhand zu gewinnen. Erst vor einigen Monaten hat in China das agitatorische Bedürfnis der kommunistischen Parteipropaganda der russischen Staatspolitik schweren Schaden zugefügt. Die„vollkommene Kaltblütigkeit�, die Moskau zur Srliau trägt, kann nur Kommunisten darüber hinwegtäuschen, daß die Außenpolitik der Sowjetunion sich eine neue Niederlage geholt hat. Zugleich aber hat die Umsturzpropaganda, und Spionage- tätigkeit Moskaus die englische Arbeiterbewegung in«ine schwierige Lage gebracht. Sie hat ihren reaktionäre« Geg» nern Material für antikommunistische Wahl- parolen geliefert, die schon einmal ihre Wirkung aus breite englische Wählerschichten nicht verfehlten. Wieder einmal hat der weltrevolutionäre Propagandarummel die Gegner der Arbeiterschaft gestärkt und den Kampf der Arbeiterschaft um ihre Rechte im Staate geschädigt. Dabei wird es die Sowjet- union in Zukunft vor allem der Opposition der englischen Arbeiterschaft gegen den Bruch mit Moskau zu danken haben, wenn es den englischen Kriegstreibern nicht gelingt, den Kon- flikt mit der Sowjetunion weiterzutreiben. was wird Irankreich tun! Pari», 25- Mai.(Eigener Dtahtbericht.) Trotzdem die Links- b l ä t t e r ernstlich der französischen Regierung raten, sich nicht in das englische Schlepptau nehmen zu lassen und keine übereillen Schritte Sowjetrußland gegenüber zu unternehmen, hat man den Eindruck, daß eine großzügig« Propaganda, zum Teil vom Ausland her, in Frankreich im Gange ist, die französische Regierung ebenfalls zum Bruche mit den Sowjets zu veranlassen.-Sämtliche bürgerlichen Blätter, soweit sie nicht durchaus sinks stehen, der ,Liemps' an der Spitz«, billigen, zum Teil in e n t h u s i a st i» s ch e r Form, die Haltung der englischen Regierung gegenüber den Sowjets. Aehnliche Gedanken finden sich in der gesamten bürgerlichen Presse. Einige Blätter bedauern sogar, daß die französische Re- gierung nicht sofort das Beispiel Englands nachgeahmt Hobe. Der „IntrcmsigeanT ist überzeugt, daß dies aber nur eine Frage von Tagen oderWochen sein wird, denn es lieg« auf der Hand, daß T s ch i t s ch e r i n Briand am Mittwoch nur mit hohlen Dersprechun- gen abgespeist habe und nicht daran denke, die Schuldenfrage in ehr- lichem Sinne zu lösen oder die kommunistische Propaganda ein- zustellen. Diese Kampagne findet neue Nahrung in dem Bericht, den der Justizminister B a r t h o u am Donnerstag vor der parlamen- tarischen Kommission über die Tätigtest des kommunistischen Abge- ordneten Doriot in Ehina abgegeben hat. Es scheint daraus hcroorzugehcn, daß Doriot sowohl unter den französischen Truppen in E h i n a als auch unter den Eingeborenen in Jndo-China systematisch Ausruhr gepredigt hat. Die Frag« wird an die Kammer gestellt werden, meint der Justizminister, ob unter diesen Umständen die parlamentarische Immunität den kommunistischen Abgeordneten Doriot und einige seiner Kollegen weiterhin schützen dürfe. Diese Stimmung wird noch verschärft durch den Fall, der sich beim 1t>S. Artillerieregiment in Bourges ereignet und von dem die Presse nur wenige Einzelheiten erfahren hat. Es verlautet, daß ein paar Hundert Reservisten, die zum Teil angetrunken waren, vor einigen Tagen den Dienst verweigerten und die Internationale singend die Kaserne durchzogen. Der Kriegsminister hat sofort strenge Untersuchung- angeordnet und mit ihr den General Rollet beauftragt. Man erwartet am Freitag in der Kammerdiskussion über eine Interpellation des kommunistischen Abgeordneten C a ch i n über die antikommunistische Rede des Innenministers Sarrant eine lebhafte Aussprache. (Weitere Meldungen auf der dritten Seite.) Die Ausschreitungen in Gftoberschlefien. Tatsachen— trotz des polnischen Dementis. Aus Ostoberschlesien wird uns geschrieben: Ueber die Ausschreitungen, die bei den Wahlen in R y b n i k stattfanden, ist ein lebhafter Streit entstanden. Die polnisch-offiziellen Stellen versuchen, diese Aus- schreitungen überhaupt als n i ch t g e s ch e h e n zu behandeln. Uebertteibende Darstellungen, wie sie sich in manchen reichs- deutschen Blättern finden, bieten willkommene Gelegenheit, die von deutscher Seite gegebenen Berichte in Bausch und Bogen als falsch hinzustellen. Tatsache bleibt jedoch, daß gleich m den Morgen« stunden des Wahltages bei Deutschen die Fensterscheiben ein- geschlagech baß deutsche Stimmzettelverteiler mit Gewalt ver- trieben und deutsche Mitglieder der Wahlvorstände gewaltsam an ihrer Amtstäigkcit gehindert wurden. Schleunige Be- schwerden an den Wojewoden Graszinski blieben ohne jeden Erfolg. Im Gegenteil konnte festgestellt werden — und Herr Graszinski hat es gar nicht geleugnet—, daß er, der Wojewode, dem Verband der Aufständischen seinen besonderen Schutz zugesagt und ihn förmlich zu seinen Ausschreitungen ermutigt hatte.. Von den polnischen Zeitungen haben nur die sozialistischen der Wahrheit die Ehre gegeben und gegen den Terror protestiert. Amtlich ist gegen ihn aber nicht das Geringste geschehe». vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. bS, Linöenstr.Z PoMch«ck1«l>t»:«»rli»»7 55»—«aoNivt»!®a«l bei Arbeit»». Anerstellte» »nd Beamlen. Wallftr.«5: Wi»k,»t»-S«ie5lch»st,«»»»sttenknNe Lindrnstr. 5. Das Ergebnis von Genf. Ein Anfang auf dem Wege zur Wirtfchafts- Verständigung der Völker. Beim Abschluß der Genfer Weltwirtschastskonferenz ist über ihren Wert nicht viel anderes zu sagen, als das, was bereits bei ihrer Einberufung als positiver Fortschritt gebucht werden konnte. Die Weltwirtschaftskonferenz hat durch die Tatsache ihres Zusammentritts und durch ihren Verlauf das in den Bordergrund gerückt, was zum Schluß durch die An- nähme eines Antrages des englischen Gewerkschaftsführers Pugh noch einmal zusammengefaßt worden ist: die E r h a l- tung des Friedens ist wesentlich abhängig von den Grundsätzen und der Praxis der Wirtschaftspolitik der einzelnen Völker. Eine Friedenspolitik, die an der Tatsache der wirtschaftlichen Gegensätze und ihrer Ver- schärsung durch absperrende Wirtschaftspolitik vor- �beigehen wollte, würde eine Vogel-Strauß-Politik sein. Diese 'für Sozialisten selbstverständliche Erkenntnis in das Bewußt- sein der Welt eingehämmert zu haben, ist ein Verdienst der Debatten der Weltwirtschaftskonferenz. Von dieser allgemeinen Erkenntnis zum Finden prak- tischer Wege für die Gestaltung der Wirtschaftspolitik der einzelnen Staaten, um an das Ziel des gesicherten Friedens und der steigenden Wohlfahrt der Völker zu gelangen, ist naturgemäß ein weiter Abstand. Leider kann man nicht sagen, daß es der Weltwirtschaftskonferenz gelungen sei, auch nur einen erheblichen Teil dieses Abstandes zu über- winden. Die Weltwirtschastskonferenz bestand nicht aus Ver- tretern der Regierungen, sondern aus von den Regierungen ernannten sachkundigen Persönlichkeiten. Unter ihnen hatten die Vertreter der Industrie und der Bankwelt den ersten Platz. daneben traten Beamte der Wirtschaftsrcssorts der einzelnen Länder, einige Vertreter der Wissenschast und unter der Gesamtzahl von etwa 140 Delegierten 1? Vertreter der orga- nisierten Arbeiterschaft auf. Dieser Kreis von Sachversten- digen konnte naturgemäß nicht zu staatlichen Bindungen kommen, sondern er konnte nur in Entschließungen Emp- fehlungen an die Regierungen und an die Völker zum An-?- druck bringen. Wenn nun wenigstens die Resolutionen, die die Konferenz gefaßt hat, so klar und entschieden einige große Forderungen herausgearbeitet hätten, daß sie durch fort- reißende Propagandakraft geeignet wären, auf die praktische Politik der Länder einen Einfluß auszuüben, so wäre das Ergebnis befriedigender, als es jetzt geworden ist. Denn nun hat man mit großer Mühe eine Reihe von Entschließungen io zusammenredigiert. daß ihnen mit Ausnahme der Russen alle Delegierten zugestimmt haben. Diese Einstimmigkeit wurde natürlich erkauft mit einer Verschwommenheit in wesentlichen Punkten. Verhältnismäßig am besten ist noch der Inhalt der Resolution zur Frage der internationalen Handels- und Zollpolitik. Zwar war es auch hier natürlich nicht möglich, zu einheitlichen Formeln über den Abbau der Zoll- mauern zu kommen, aber bei allen Verklausulierungen, die im einzelnen angebracht worden sind, ist doch das Bekenntnis der Konferenz zu einer größeren Freiheit des intcr- nationalen Handelsverkehrs, zum Prinzip der Gleich- behandlung der Völker im internationalen Handel und zu dem Streben nach Wiedererlangung der Stabilität der handelspolitischen Beziehungen durch langfristige Ver- t r ä g e mit Klarheit zum Ausdruck gekommen. Die Handels- politische Entschließung wirkt als eine internationale Kund- gebung gegen die PolitikderAbfperrung, gegen die Einstellung auf Wirtschaftskrieg und gegen die fortdauernde Erhöhung der Zollmauern. Sie ist als solche Kundgebung empfunden worden am unmittelbarsten als Abwehr gegen den jetzt zur Beratung stehenden französischen Hochschutzzoll- tarifentwurf, und man wird diese Kundgebung der Welt- Meinung auch in anderen Ländern als eine Waffe benutzen können, sobald sich nach der Genfer Feiertagsstimmung in der Alltagsarbeit zu Hause wieder die protektionistischen Be- strebungen der einzelnen Jnteressentengruppen ans Licht wagen. Das wird auch für die bevorstehenden Zollkämpfe in Deutschland unsere Beachtung verdienen. Viel dürftiger und unbefriedigender ist die Entschließung der Jndustriekommission ausgefallen. Hatte man ursprünglich das Problem der internationalen Kartelle stark in den Vordergrund der Diskussion um die Weltwirtschafts- konferenz gerückt, so zeigten sich bald starke industrielle Be- strebungech einer bestimmten Stellungnahme auszuweichen, im besonderen aus Anlaß der von der Seite der Arbeiter und der Genossenschafter erhobenen Forderung auf internationale Kontrolle, die sich auf Kontrolleinrichtungen der Einzelstaaten aufbauen sollte. Was dann schließlich herauskam, waren ein paar belanglose Bemerkungen über günstige Wirkimgen und über Gefahren monopolistischer Organisationen. Man sprach auch den fromtnen Wunsch aus, daß solche Abkommen nicht zu künstlichen Preissteigerungen führen sollten, man lehnte internationale Kontrolle als unmöglich ab, stellte aber positiv fest, daß die Kontrolle der Kartelle eines Landes Sache 1 der einzelnen Negierungen sei, und man sprach schließlich für internationale Abkommen den Wunsch aus, daß sich die Vertragsparteien dem Urteil internationaler Schiedsgerichte unterwerfen mögen und man befür- wartete möglichste Publizität in bezug auf die industriellen Vereinbarungen. Das sind alles praktisch sehr belanglose Erklärungen, die den Kampf um die Kontrolle monopolistischer Organisationen ganz auf die einzelnen Staaten verweisen. Die Resolution der Landwirtschaftskommis» sion ist in der Frag« der Zollpolitik verschwommen, und sie erschöpft sich im übrigen in der starken Empfehlung technischer Verbesserungen, wissenschaftlicher Orga' nisation, Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten. Verbesserung der Absatz- und Kreditmethoden. Sie empfiehlt dafür Austausch der Erfahrungen. Ferner wird die Fö rde- rung der Ausbildung der Landwirte den Regierungen empfohlen, es wird die Notwendigkeit der Anwendung der Sozialgesetze auf die la n d w i rt s cha f t- lichen Arbeiter betont und die größtmöglichste F ö r- derung des Genossenschaftswesens empfohlen. Endsich wird die Vornahme einer internationalen Landwirt- schafteenquete angeregt. Im ganzen eine Zusammenfassung von vielen guten Wünschen, die nicht gerade allzu neu sind, rnch von denen wohl nur mäßige praktische Wirtungen aus- geHerr werden. Ueber die Frage, ob nun ein besonderes Organ in Gestalt eines Wirtschaftsamtes sich mit der praktischen Durchführung der von der Konserenz aufgestellten Grundsätze weiter be- fassen solle, wie es die Arbeitervertreter beantragt hatten, kam man auch zu keinem Entschluß, sondern man begnügte sich damit, die Entschließungen dem Dölterbundsrat z u überweisen und im übrigen die Arbeit des Völker- bundssekretariats anzuerknmen und ihm die Heranziehung von Vertretern der einzelnen Gruppen zu empfehlen in der Art, wie sie bei der Vorbereitung der Konferenz stattgefunden hatte. Das würde praktisch eine in ihrem Umfang sehr be- scheidene Heranziehung der Vertreter der Arbeiterschaft bedeuten. Auf dem Wege zur Besserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Völker war die Genfer Konferenz nur«in sehr schwächlicher und unzulänglicher Anfang. Aber immer- hin: es war ein Anfang, und es wird die Aufgabe derer sein, die es mit der internationalen Solidarität und dem Kampf gegen die Kriegsgefahren ernst meinen, vorwärts zu treiben, um von diesem Ausgangspunkt doch zur Verwirk- lichung eines Stückchens internationalen Lebens zu gelangen. Die Steuerpolitik öes �anübunöes. Ziffern aus dem Kreise Prenzlau. Die„Deutsche Bauernzeitimg" veröffentlicht folgende Mit- teilung: »Im Kreise Prenzlau, dem besten Kreise im Regie» rungsbezirt Potsdam, gehören den Großgrundbesitzern von den 4S2 EX) Morgen landwirtschaftlich genutzter Fläche über 66 Proz., der Bauernschaft tnapvZl) Proz. Trotz» dem bringt der Großgrundbesitz nur 2,S Proz. der londwirt- schaftlichen Einkommensteuer auf, während der Mittel- und Kleinbesift75 Proz. aufzubringen hat. 60 Proz. der Ritter» guter zahlen iiberhaupr keine Einkommensteuer, rund 30 Proz. wurden nach dem Verbrauch veranlagt, nur 10 Proz. nach den Richtsätzen. Der Anteil der Bauernschaft an dem gesamten Steuer- aufkommen würde noch viel höher sein, wenn in diesem Jahre gerade bei den Kleinbesitzern nicht verhältnismäßig viel Abzüge für Viehverluste infolge Biehseuche hätten gemacht werden müssend' Die Steuerpolitik des Reichslondbundes trägt, wie man sieht, reiche Früchte. Die Stichproben ergeben immer wieder, daß der Großgrundbesitz sich nach dem Rezept seiner Organisation vor der Steuerzahlung drückt. Dieser Zustand ist seit längerer Zeit un- erträglich. Von A b w e h rm a ß n a hm en hat man trotzdem noch nichts gehört. Mit dem Tode des Genossen Bruno Körner, der im Alter von 65 Jahren einer tückischen Krankheit erlag, verliert die sozialdemo» kratische Bewegung der Pfalz einen ihrer besten und bewährtesten Vorkämpfer. 1862 in Kayna(Thüringen) geboren, lernte er das Schreinerhandwert und trat als junger Mensch von 17 Jahren die Wanderschaft an, die ihn bald mit der Arbeiterbewegung in Berührung brachte. 1885 kam er dann nach Ludwigshasen, das zur Stätte seiner Lebensarbeit für Partei und Gewerkschaften werden sollte. Bon hier aus baute er mit Gesinnungsfreunden die Sozial- demokratie in der Pfalz auf, er wurde bald in den Gauvorstand, dann in den Stadtrat von Ludwigshafen, 1005 in den Landtag ge- wählt. Seit 1008 hatte er den Vorsitz im Gauoorstand der Partei. Rastlose Tätigkeit im Dienste der Organisation hinderte ihn. so auf seine Gesundheit zu achten, wie es zur Erhalwng feiner Arbeits- traft notwendig gewesen wäre. Die schweren Erschütterungen des Krieges und der Nachkriegszeit setzten ihm bereits schwer zu. und noch als betagter Mann mußte er die Schikanen der BefatzungszeiL am eigenen Leibe verspüren. Wurde er doch 1023 von den Fron- zosen verhaftet und längere Zeit im Gefängnis bei schlechter Be- Handlung festgehalten. Doch blieb er trotz seiner geschwächten Ge- sundheit später bis in die letzten Wochen hinein seiner Arbeit für die Partei treu, bis ihn die Krankheit niederwarf. So starb er in den Sielen— ein Vorbild für viele Mitkämpfer, betrauert von den Genossen, die in ihm einen unermüdlichen Führer und Förderer verehrten._ Stahlhelmkorb für Luüenöorff. Gin Tanktelegramm mit Antwort. Am 7. Mai hat der Stahlhelm, der sogenannte„Bund der Frontsoldaten", an Herrn Ludendorss«inen„Huldigimgsgruß" gerichtet, und der verflossene Generalquartiermeister schickte dieses Antworttelegramm: „Den hunderttausend Frqntsoldaten danke ich für den Gruß. Wir waren im Kriege Landsknecht« der überftaat- lichen Mächte, trotz aller unser Hingebung für Kaiser und Reich. Mögen die Frontsoldaten das endlich erkennen und den Kamps gegen jene Mächte aufnehmen. Unsere Befreiung wird dann leicht sein." D«m Stahlhelm hat die Antwort des„großen Feltcherrn" und Kriegsverlierers Kummer gemacht. Man will„hineinwachsen in den Staat" und hört jetzt solche Sachen! Deshalb versuchte man, Ludendorffs Telegramm zu unterschlagen, Exzellenz aber veröffentlichten ihr Gciflesprodukt in der„Deutschen Wochen- schau". Neue Verlegenheit bei der Leitung des Stahlhelm! Müh- fam arbeitete man«ine Antwort auf Ludendorffs Antwort aus. In der aber heißt es: „Die alten Frontsoldaten grüßten das Feldherrnpaar aus großer Zeit. Mit irgendwelcher politischen Tendenz hatte die Begrüßung nichts zu tun und sollte sie nichts zu tun haben. Aus Ew. Exzellenz telegraphischer Antwort sahen wir wider Erwarten ein Eingehen aufs politisch« Gebiet. Wohl wissend, daß in unserem Bunde die v e r s ch i e- densten politischen Unter st römungen vorhanden sind, lag und liegt uns Führern dauernd am Herzen, olles zu unterlassen, was geeignet ist. die Geschlossenheit des Bundes zu gefährden. Wenn wir hierbei Ew. Exzellenz Unterstützung gewiß waren, so durften wir das sein in dein Bewußtsein, daß wir hier- bei in der Erinnening an die einer ganzen Welt trotzende Einheit in Führung und Geschlossenheit des deutschen Kriegsheeres auch diejenigen Kameraden hinter uns hatten, die auf politischem Gebiet Ew. Exzellenz Führung nicht zu folgen vermögen. Ew. Exzellenz Eingehen aus dieses Gebiet ließen bei Beröffenllichung die Gefahr erstehen, daß eine Erörterung Solitischer Meinungsverschiedenheiten dadurch herbeigeführt werde. ils all« Frontsoldaten glaubten wir, es dem Andenken unserer stolzen einheitlichen Kriegsfrvnt schuldiq zu sein, das, was ihre Verteidiger einst«int«, immer und immer wieder zu betonen, das aber, was sie zu entzweien geeignet ist, soweit es an uns liegt, zum mindesten nicht in vi« Oeffentllchkeit zu bringen." Der Stahlhelm bestätigt also unsere Feststellung, daß bei ihm „die verschiedensten politischen Unterströmungen vorhanden" sind. Weiter aber sagt er klipp und klar, daß Luden- d o r f s einer der Störenfriede in den pp. vaterländischen Verbänden ist. Das ist eine wahrhaft„trotzende Einheit in Führung und Geschlossenheit"! Und trotzdem die Huldigung vor Ludendorff! Fassade! Fassade! Das Amüsanteste aber an dem Antwortschreiben ist die Reihenfolge der Unterschriften. Da weißt es:„Der Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten, gez. Duesterberg, 2. Bundes- führer. gez. Seldt«. 1. Bundesführer." Früher sagte man im Kasino: Die Herren setzen sich zwanglos— nach der Rangordnung! Diesmal ging es wirklich nach der Rangordnung. Erst Duesterberg dann Seldte! Schachts verteiüigungsreüe. Ueber Börscnkrarb und Währung— Eine Milliarde Devisen verloren. Stralsund, 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Anläßlich der heutigen Einweihung des neu erbauten Reichsbankgebäudes hielt Reich-bankpräsident Dr. Schacht auf einem Festessen der Industrie- und Handelskammer eine Verteidigungsrede gegen feine Angreifer. Er führte unter anderem aus: Ich fühl« mich in der Rolle des Geprügelten, der hier herkommt, um etwa Schutz und Trost zu suchen gegen die hageldichten Angriffe der großstädtischen Presse, die es bekanntlich immer besser weiß als alle anderen, und die mich auf das schwerste bei dem bekannten schwarzen Freitog angegriffen hat. Die B e- weggründe, die die Reichsbank veranlaßten, zu scharfen Maß- nahmen zu greifen, waren allerdings dazu angetan, ge- wisse Illusionen plötzlich zu zerstören. Jckt Jahre 1026 konnten wir durch das unerhörte Glück des englischen Kohlenarbeiterstreiks, der ein Unglück für England ge> wesen ist, einigermaßen unseren Verpflichtungen nachkommen. Ich habe den Eindruck, als ob es in Deutschland noch viel zu viele Leute gibt, die an der optimistischen Auffassung über die Wirtschaft verdienen möchten, nicht aber an ihrem Fortschrstt selbst. Durch die Spekulationen hat die Reichsbant in den letzten Monaten eine Milliarde Mark Devisen ver- loren. Dabei ist die Kursbewegung an der Börse ständig nach oben gegangen. Leider wurden die Käufe an der Börse nicht mit dem eigenen Portemonaie getätigt, sondern es hat sich gezeigt, daß Geld dazu aus dem Ausland hereingekommen ist, und zwar in einer Höhe, die für normale Wirtschaftsverhältnisse entschieden zu hoch ist. Jeder kann mit seinem Gelde machen, was er will: wir können es aber auf keinen Fall dulden, daß er Devisen an der Börse riskiert, die letzten Endes die Reichsbant be- zahlen muh. Wenn diese Gelder nicht als Daluten zurückgezahlt werden, sondern unsere Handelsbilanz belasten, ge- fährden sie unsere Währung aus das schwerste. So lange ich an der Spitze der Reichsbank stehe, werde ich es nicht zulassen, daß die Valuta irgendwie gefährdet wird. Es ist nicht so, wie die„Frankfurter Zeitung" und die gelehrten Börsen- jjournalisten schreiben, daß die Börsengewinne zurückfließen in die Volks Wirtschaft. Sie fließen vielmehr in die Gast Wirtschaft. Aus dem Auslande werden vielfach dafür Konsumwaren erstanden. Man ist der Ansicht gewesen, die Reichsbank hätte in das Kurs- Niveau eingreifen wollen, um den falschen Eindnick von dem a N- geblichen Wohlstand Deutschlands zu zerstören, der durch die Börsenkurse erzeugt wurde. Dazu liegt gar keine Veran- lassung vor. Diejenigen Männer, die über das Schicksal des Dawes-Planes zu entscheiden haben, wird niemand täuschen. Schon der Versuch allein wäre eine Dummheit. Ganz unabhängig davon, ob die Leistungen des Dawes-Planes von Deutschland auf- gebracht werden können, handelt es sich für die Reichsbank darum, dafür zu sorgen, daß dos Transferproblem im richtigen Lichte gr- sehen wird und daß die Verschuldung an das Ausland, und nament- lich die kurzfristige Verschuldung, nicht in einem Umfang« fort- schreitet, der die Währung gefährdet, die niemals auf geborgten Devisen aufgebaut werden kann. I Zlanörische Himmelfahrt. von Hermann Schühiager. 5 Wir liebten dieses Land wie kein anderes Stück Erde hinter > der brüllenden Front zwischen dem Meer und den Dogesen. Hier war man etliche Wochen wirklich zu Hause, wenn man nach vier Wochen.Großkampf", nach vier Wochen Trommelfeuer, Schlamm- bad und Konserveufraß in die Gegend zwischen Thourouth und Roeselacre in„Ruhe" kam. Zwischen träumerischen Wäldern, versonnenen Schlössern, rost- braunen Windmühlen und schlanken Kirchen, die ihre Türme mit spanisch-wallonischer Eleganz und flämischer Robustheit zum Himmel strecken, das heimelige„Ruhequartier", die slandrische Stadt. Die Kamillcnselder duften, die blühenden„Wibbelbohnen", die man demnächst zu Flachs verarbeiten wird, riechen wie faulende Säcke. In langen Reihen gehen die Flachsarbeiter den zum Trocknen aufge- stellten Flachspyramiden zu Leibe. Hunderte von barfüßigen Kin- dern tollen sich zwischen den schwitzenden Männern und füllen die Kornfelder mit ihrem singenden Geschrei. Die„Meisjen" fahren mit ihren kleinen Hundegespannen die Milch und das Frühstück zur Arbeitsstelle imd klappern frohgemut mit ihren Holzpantinen, zu jedem Scherzwort mit uns Soldaten bereit:„As' t'u belieft Mijnher!" Die alten Frauen aber latschen unter ihren weihen Spitzen- Hauben, breithststiq und schleppfüßig wie Brabanter Pferde unter ihrem mächtigen Kummet. lachen ihr lautes, dröhnendes Lachen und guittieren unser„Gut Morgen, Mutter' mit einem lärmenden Schwall. 1 Wir schauten in die Sonne, trockneten unsere Röcke und Hosen, komplettierten unser« im Grabenschlamm steckengebliebenen Aus- riistungsstücke, ließen Gott einen lieben, guten Mann sein—> da kommt das erste„Latrinengerücht":„Die Division bis übermorgen marschbereit. Einsatz zum Großtampf südlich von Bpern." Mit einem Schlag ist die Stimmung futsch. Wie gelähmt hocken wir auf den Steinmauern zwischen den Ouartieren. machen das„Sturmgepäck" fertig und warten auf den Alarmbefehl. Es ist, wie wenn uns irgendwer plötzlich auf den Magen getreten hätte, so daß uns allesamt speiübel wird. Selbst die„Meisjen" mit ihren hochgebundenen Röcken und ihren ,. Klampen" an den Füßen bessern die Sttnunung nicht mehr. „Den Himmelsahrtstag hätten sie uns— weih Gott— noch lassen können!" flucht der„Vize" vom ersten Zug. „Ra— für die Himmelfahrt sorgt doch gratis und franko die Division!" wirst ein Witzbold dazwischen. Das Wort folat uns wie«ine gespenstisch« Fahne bis in die „Sturmstellung" hinein. Ilm Mitternacht kommt der Alarmbefehl. „Ausstehn!" brüllt der„Iour-llnterofsizier" durch die Scheunen. In einer knappen Viertelstunde steht die Koinpagnie. Jeder hat einen dick geschwollenen Rucksack aus dem Buckel, den Brotbeutel voll Patronen am Koppel und das Gewehr am Bauch. Der dicke Feldwebel läßt sich die eisernen Rationen zeigen, der Vize flucht über die patschaassen Leuchtpatronen, und der Leutnant zieht die Rase hoch über die jüngsten Ersatzreservisten, die vor Angst und vor Kälte schlottern, und flüstert dem Hauptmann zu: „So einen Mist schickt man uns raus! Das kann fein werden— mit dem Material!" Die.Meissen" rollen angstvoll die Augen hinter den Gar- dinen, die Windmühlen drehen gespenstisch ihre Flügel, und dann verschluckt uns die Nacht. „Auf geht's! Zur Himmelfahrt!" grölt der Spielmann vom zweiten Zug. Wir stolpern, laufen, warten, fluchen. Armentieres— Estaires— Merville— Boi» Noif! Alleen, Dörfer, Aecker, zerstampfte Wälder! Wie's Tag wird, hocken wir mitten in der Schlacht. „Mitten in der Himmelfahrt!" grött irgendwer am Schwanz der Kompagnie. Der.Etatsmäßige" stoppt am Straßendamm die Feldküche und gibt uns, wie üblich, zum Abschied die Pfote. Und dann geht's los. Die„dicken Brocken" der Engländer sausen hageldicht über die Sturmkolvnnen. Maschinengewehre spritzen da- zwischen und peitschen die Straße vor uns, daß uns die Ohren knallen. Die ganze Hölle legt los und kotzt sich aus auf uns. Ein Schlachttag wie jeder andere— und doch einer mit ganz besonderer Nummer. Ein Stichwort steckt in uns:„Himmelfahrt!" und beschwingt uns mit seiner herrlichen Ironie. Die erste Granatenlage kracht zwischen uns, und der Vize höhnt: „Alles einsteigen! Wer will noch mit in den Himmel fahren?" Die zweit« platzt in der zweiten Linie und schmeißt den Tam- bour in weitem Bogen wie einen Sack Lumpen zum„Betonbunker" hinüber. „Gute Himmelfahrtt" grölt der Leutnant und greift nach dem Stock des Spielmanns, um leichter auf den Berg zu kommen. Am Abend läuten sie in Lille und Vethune die.Siegesglocken". Da halten wir uns am Kemmel den Bauch und wiehern:„So«In« Himmelfahrt mächt ich bald wieder erleben!" Und der Vize grölt wie ein flämisches Bauernweib. Drei Liebermann-Ausstellungen ta verlin. Außer der Aus- stellung, die die Akademie der Künste zum 80. Geburtstag von Mar Liebermann voraussichtlich am 20. Juni eröffnen wird, sollen in Berlin noch zwei weiter« Liebormann-Ausstellungen stattfinden. In den Räumen des Berlages Bruno Kasstrer wird«iwa eine Woche noch der Akademieausstcllung eine Ueberficht über die Pastelle des Altmeisters eröffnet werden, und um die gleiche Zeit wird die Kunsthandlung Paul Kassirer eine Ausstellung der Zeichnungen Liebermanns zeigen. Die Akademieausstellung wird die Oelbilder umfassen, so daß sich insgesamt ein Ueberblick über das ganze Schaffen de» Meisters ergibt. Es ist beabsichtigt, die Kataloge für alle drei Ausstellungen in gemeinsamer Redaktion und einheitlicher Ausstattung erscheinen zu lassen. Einen Sonderzug nach Magdeburg wird die Berliner Volksbühne am Sonnabend, dem 25. Juni, laufen lassen. Die Teilnehmer an dieser Fahrt nach Magdeburg werden Gelegenheit haben, die Theaterausstellung zu besichtigen und außerdem an einigen großen Veranstaltungen des 8. Deutschen Voltsbühnentages teihzu- nehmen, der vom 23. bis Juni in Magdeburg tagt. Die Tell- nehmer an der Sonderfahrt zahlen für die Hin- und Rückreise 6,80 M. Quartiere stehen bereits für 1 M. zur Verfügung. Auch fönst werden für die Besichtigung der Ausstellung usw. weitgehende Vergünstigungen gewährt. Nähere Auskunft erteilt das General- setretariat der Lolsbühn« E. V., Platz der Republik 7. Au» der französischen Zugendbewegung. Die französisch« Presse berichtet ausführlich über ein« Tagung der Pfadsinderinnen sin Seine-Gouoernement. die dieser Tage in Bry-sur-Marne stattfand. Mehrere hundert jung« Mädchen trafen schon am Abend vorher am Ort ein und übernachteten in ihren selbst geschaffenen Zelt- lagern. Den Höheminkt der Tagung bildete der Austrag ver- schieden«? Wettkämpfe in Gymnastik, Beobachtung, Hilfe bei Un- glücksfällen, Morse-Alphabet, Spurenlesen usw. Am stärksten war die Beteiligung bei einem Gruppenwettbewerb im Kochen: hier mußten in der Zeit von zwei Stunden das Holz gesammelt, das Feuer unabhängig von der Witterung in Gang gebracht, ein schmackhaftes Gericht zubereitet, die Kochtöpfe gereinigt und der Feuerplatz in Ordnung gebracht werden. Eidechsenfarmen— eine neue amerikanische Industrie. Seit Iahren schon wurde aus dem Unterhoutgewebe von Leguanen (Rieseneidechsen) in Amerika ein Geheimmittel gewonnen, das in Multimillionärstreisen zu fantastischen Preisen vertrieben wurde. Es hatte eine prattssch erprobte, aber theoretisch noch nicht erklärbare Verjüngungswirkung auf gealterte, runzlige und fallige Haut. Der Bedarf an diesen eigenartigen Berjüngungsfpendern, den Rieseneidechsen, wurde aus dem üblichen Wege der Jagd gedeckt. Sestdem dies Präparat ffeines Charakters als Geheimmittel entkleidet und in großem Maßstäbe hergestellt und vertrieben wurde, reichten die Iagdergebnisse der Eingeborenen in jenen südamerikanischen Wäldern nicht mehr aus. Infolgedessen haben nun findig« Köpfe Eidechsen- formen angelegt, in denen sie diese wertvollen Panzertiere in Massen züchten, genau wie längst Schildkrötenfarmen für die Schildpatt- gewinmmg und Aloska-Fuchs-Farmen für die Erlangung der wert- vollen Felle existieren. Der Erfolg soll ein recht erfreulicher sein, da bei dieser Zucht viel mehr der jungen Leguane am Leben bleiben als in der Freiheit, wo die meisten von ihnen den raub- gierigen Artgenossen zum Opfer fallen. Lertchtignag. In der gestrigen Besprechung des Dramas von Unamuno muh es heißen, daß alle Empfindungen usw. auf der chmalen Grenze des Grotesken gleiten, und nicht, wie zu lesen tand, des Protestes._ Da» Vo»la.v«cker.1Nod«rloha.6av, la Bremen soll am 2. Juni semer Bestimmun, übergeben werben. ES ist von Bernbard Hoctger erbaut und soll al» Ruseum und Ausstellungsraum für Werkkunst dienen. Alol* Zederle-Veavorlai, der Direktor de« Reichenberger Stadttheater», ift in Aussig gestorben. Ein Rlesevhal In AllNelmeer. Seit sechzig Jahre» hat man an den ttalie. nischcn Küsten und vermutlich im ganzen Miltelmeer leinen io arohen Hai- fiich rnedr gelängen wie jüngst in M c s s i n a. Unter grasten Antirengunaen zogen die Fischer ein Tier von zehn Meter itänge und 25 Zentner Gewicht ant Uler. Es handelt sich um eine beändere Haifisch-Eattung, die aus dem Au«>terbe«tat steht. DaS seltene Riesenexewplar wird eiuem oaturwisseu- schastlichea Museum überwiese» werde». Spionage/ Umsturzpropaganöa. Das Anklagematerial Baldwins. coadon, 25. Mai.(MTB.) Baldwin brachte in seiner Rede u. a. folgende Einzelheiten über die chaussuchung bei der Areas. Ansang dieses Jahres wurde ein in der Luftstreitmacht beschästigter britischer Untertan überführt, zwei militärisch wichtige Dokumente gestohlen zu haben. Die Dokumente wurden wiedererlangt und die Persönlich- keit verbüßt jetzt eine Gefängnisstrafe. Die Gcheimorgoni- sation, für die er die Dokumente erhallen hatte, und ihre Per- b i n d u n g mit einer ähnlichen russischen Organisation ist aus- gedeckt worden. Ein weiteres Dokument amtlichen und hochver- traulichen Charakters, das auch so bezeichnet war. wurde kürzlich als nicht mehr vorhanden festgestellt und durch Jnsormatio- nen, die gesichert und durch dokumentarisches Beweismateriol be- kräftigt wurden, wurde es klar, daß dieses Dokument zum Sowjethaus gebracht und dort mittels eines photographischen Apparates r e v x o d u- ziert worden ist. Auf Grund dieser Insonnotionen fand die Durchsuchung statt. Dabei wurde in einem verschlossenen Zimmer ein Mann ertappt, der eilix> Schriftstücke verbrannt. Es war ein gewisser E o o l i n g, der in einem Dokument näher bezeichnet war, das unter den geheimen Personalakten in, einem anderen Räume gefunden wurde. Dieses Dokument war in russischer Sprache, datiert vom 23. De- zember 1926 und unterzeichnet von I u l i n s k y, der bis zu seiner kürzlich erfolgten Rückkehr noch Rußland die Arbeit eines Chefs dex Rechnungsobteilung für das Personal mit der des ersten Spionage- und geheimen Propagandaagenten für Europa verband. Dieses Dokument bestand aus einer Empfehlung für Cooling und enthiell eine Schilderung seiner bisherigen Tätigkeit. Es besagt«, daß Cooling früher damit beschäftigt war, ungesetzlich« kommunistische Agitation als Mitglied der Roten Seemanns-Union zu betreiben und besagt serner, daß er be- teiligt war an der Uebermittlung geheimer Mitteilungen ins Ausland. Zu seinen Aufgaben gehört« es, die diplomatische Post zwischen der Sowjetbotschoft in London und dem Arcosgebäude zu befördern. Im Besitze Coolings wurde eine Anzahl gefchlosiener Briefumschläge gefunden, die die Adressen bekannter kommunistischer Personen und Organisationen in England und Amerika trug. Die Umschläge enchielten Instruktionen und Weisungen von der roten Internationale an die kommunistischen Organisationen in England und den Vereinigten Staaten. Ein Per- gleich dieser Briefe mit der Liste von noch näher zu erwähnenden Adressen zeigt, daß die Bureaus der Areas und der Handelsdelegation gewohnheitsmäßig als Clearinghaus für umstürzle- rische Korrespondenz dieser Art verwendet wurde. Weiteres interessantes Licht auf diese besondere Seite der Sowjellätigkeit wird geworfen durch einen Brief vom 23. November 1926 an Gilinski, in dem Vorkehrungen für die Ausbildung von kommunistischen Agitatoren auf Arcos- Schiffen gefordert wurden, die die Aufgabe erhielten, revolutionäre Propogandaschriften unter den Besatzungen bri- tischer Schisse zu verteilen." „Die Sowjetregierung kann sich der Verantwortung für die Betätigung der Handelsdelegation und des Mißbrauchs der ihr ge- währten Erleichterung nicht entziehen. Das ist aber nicht alles. Es war schwer, zu glauben, daß ein Organ der Sowjetregierung, die Handelsdelegation, in dieser Weise eine feierliche Verpslichung bricht und daß gleichzeitig das andere Organ dieler Regierung, die Sowjetbotschaft in London und die Sowjetregierung selbst an diesen Handlungen keinen Anteil hätten. Aber das Material gegen sie beruht nicht auf Schlußfolgerungen. Im Besitz der Regierung befindet sich aber ein Telegramm vom 12. November 1926, gesandt von dem Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten an den Sowjetoertreter in Peking. Der Wortlaut ist:„Ich teile hierdurch die Entscheidung des Departements mit, die Sie auszu- führen haben. 1. Solange eine Sowjetvertretung in Peking besteht, hat Kamerad Vorodin seine Befehle direkt au» Bioskau entgegenzunehmen. 2. Das Bureau für den Fernen Osten(offenbar im Moskauer Außen- Ministerium. D. Red.) ist zu verständigen, daß über all« seine Eni- scheidungen und Maßnahmen betreffend Fragen allgemeiner Politik des Kuomintang in China und militärischer und politischer Tätigkeit ein Einvernehmen mit Kamerad Borod in hergestellt werden muß. Falls sich in diesen Fragen Meinungsverschiedenheiten ergeben, müssen sie Moskau zur Prüfung unterbreitet werden. Bo- rodin und das Bureau für den Fernen Osten müssen die Vertreter Moskaus in Peking über alle ihre Entscheidungen und Schritte in diesen Fragen informiert halten." Die Ableugnung jeder Verantwortlichkeit für Borodins Betätigung, die der Sowjetgeschäftsträger in London und Litwinoff in Moskau vorgenommen hotten, war somit unwahr und lediglich in der Erwartung erfolgt, die britische Regierung und die britische Oeffem- l'chkeit zu täuschen, während unter ihrem Schutzmantel Borodin tat- sächlich eine auslandfeindliche und enalandfeindliche Tätigkeit als ermächtigter Agent der Sowjetregierung und auf ihre Befehl« hin betrieb. Diese gesetzwidrig« Tätigkeit beschränkte sich nicht auf China. In dem Besitz der britischen Regierung ist ein Telegramm des Sowjet- geschäftsträgers in England an das Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten in Moskau gelangt, datiert vom 1. April, d. h. etwa fünf Wochen nach der feierlichen Warnung in unserer Note vom 23. Februar. Es besagt:„Abschrift nach Berlin für Tomsky. Eines der Haupt- Hindernisse gegen die Führung einer Protesttampägne gegen britische Gewalllätigteiten in China ist die schwierige Beschaffung von Nachrichten und die Art und Weise, in der breite Arbesterkreise irregeführt werden. Es ist notwendig: 1. Telegraphisch die samt- liehen Berichte der nationalen Regierung über die Ereignisse in Nanking herzusenden, besonders Tatsachen, die die von Chamberlain am 39. März im Parlament gegebenen Informationen betrestend Nanking ableugnen. Kopien sind zu senden an die(englische) llnabhängige Arbeiterpartei und an den„Daily Herald". (Große Heiterkeit.) 2. Eine Botschaft der verschiedenen G e w e r t> schaffen von Schanghai an den Präsidenten des General- rats des Gewerkschaftskongresses, H i ck s, worin die Lage geschildert wird und besonders betont wird, daß infolge der britischen Be- schießung von Nanking eine große Anzahl Gewerkschafts- Mitglieder das Leben einbüßten. Wenn möglich, wäre es wünschenswert, eine Anzahl Beispiel« anzuführen und britische Unterdrückungsmaßnahmen gegen chinesische Gewerkschaften zu betonen." Das Haus wolle beachten, daß der Sowjetvertreter Jnfor- mationen zum Zwecke eines politischen Feldzuges in Eng- land und den Inhalt der Meldungen zu haben wünschte, die er als Neuigkeiten aus China übersandt zu sehen wünschte. Schließlich hat am Tll. April der Sowjetgeschäftsträger an das Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten in Moskau folgendes telegraphiert: „Ich zweifle s«hr an der Möglichkeit einer Razzia gegen unsere Gesellschaft. Ich würde es aber für eine sehr nütz- liche Vorsichtsmaßnahme hallen, für einige Zeit die Beförderung von Dokumenten von„Freunden und Nachbarn usw." per Post von London nach Moskau und umgekehrt einzustellen." Es ist unnötig, über das Wesen der Dokument« Mutmaßungen anzu- stellen, wegen deren solche Behutsamkeit gezeigt wurde. Angesichts dieser Verletzungen des Handelsabkommens und der internationalen Höflichkeit hat die Regierung«ine Geduld und eine Aus- d a u« r gezeigt, die wahrscheinlich in internationaler Beziehung ihresgleichen nicht hat. Diplomatische Beziehungen, wenn sie so in überlegter Weise und systematisch mißbraucht wurden, sind in sich selbst eine Gefahr für den Frieden und die britische Regierung hat daher beschlossen, daß sie, außer wenn das Unterhaus am Donnerstag sich nicht damit zufrieden erklärt, das Handelsabkommen beenden, die Zurückziehung der Handelsdelegation und der Sowjet- Mission aus London fordern und die hritische Mission aus Moskau abberufen wird. Der gesetzmäßige Gebrauch der Arcos wird durch diese Entscheidungen nicht berührt und die Regierung ist bereit, während sie den Vorrechten gemäß Artikel 4, S und 6 des Handels- abkommen? ein Ende macht, alle notwendigen Vorkehrungen für gewöhnliche Handelserleichterungen zwischen den beiden Ländern. zu treffen. Nicht erinnern... Ter Reichskanzler über die Politik des Rechtsblocks. Reichskanzler Dr. Marx hat anläßlich seiner Reise zur Beethoven-Feier in Bonn eine politische Rede vor seinen Bonner Parteifreunden gehalten. Die Art, wie er die Arbeit des Zentrums für den Rechtsblock rechtfertigte, ist nach�nehr als einer Richtung hin interessant. Marx behauptete, etz sei nicht Schuld des Zentrums, wenn die Sozialdemokratie heute außerhalb der Reichsregierung steht. Er sei ihr in den Fragen der Heeresreform weiter entgegengekommen, als sie es selbst erwartete. Uns ist nichts davon bekannt, daß der Reichs- kanzler Marx die notwendigen persönlichen Garan- t: e n für eine Republikanisicrung der Reichswehr je angeboten hat. Die Haltung des Zentrums bei der Der- obschiedung des Heeresetats läßt auch nicht das geringste Ent- gegenkommen an den sozialdemokratischen Standpunkt er- kennen. Der Reichskanzler scheint sich also seiner früheren Haltung zur Reichswehrreform nicht mehr mit jener Klarheit zu erinnern, die man von einem führenden Staatsmann ver- langen muß. Wenn Marx der Meinung ist, das Zentrum fei in der Rechtsblockregierung seinen alten Grundsätzen treu geblieben, so denken schon heute die Zentrums arbeite? anders. Die entscheidende Antwort wird er bei den nächsten Wahlen er- halten. Aber der Optimismus des Reichskanzlers geht noch weiter: sagte er doch: Ich habe die feste Ueberzeugung, daß wir mit der heutigen Regierungskoalition ein gutes Stück weiterkommen auf dem Wege unserer Politik. Die Verlängerung des Republik- s ch u tz g e s e tz e s ist der beste Beweis für die fortschreitende Ein- s i ch t aus feiten der Rechten in den großen Fragen des Volks- staates. Daß die Rcichspolitit so fortgesetzt wird, wie es bei der Regierungsbildung beabsichtigt war, dafür bürge ich mit meiner Person. An dem Tage, an dem im Kabinett etwas geschähe, was gegen den V o l k s st a a t oder die kuklturellen Grund- sätze des Zentrums gerichtet ist, erfolgt mein Gang zum Reichs- Präsidenten mit dem Gesuch meiner Entlassung aus dem Amte. Wir hoffen, den Reichskanzler später nicht an seine persönliche Bürgschaft für den Volksstaat«rinnern zu müssen. Freilich ist er kein Freund solcher Erinnerungen, wenn es sich um deutschnationale Praktiken handelt. Wir müssen Verständnis haben für die seelische Lage der Deutschnationalen. Sie finden nicht so schnell den Weg zum Staat von Weimar, wie manche Temperamentvolle unter uns wünschen. Es ist auch nicht zu billigen, wenn die Deutsch- nationalen heut« immer wieder an frühere Aussprüche ihrer Führer erinnert werden, die unter ganz anderen Verhältnissen und Umständen gesprochen wurden. Es muß genügen, wenn wir Tatsachen vor uns sehen, die der sozialdemokratische Redner bei der Verabschiedung des Republikschutzgesetzes mit den Worten kennzeichnete: Jetzt besteht der ganze Reichstag aus solchen Par- teien, die die republikanische Staatsform wünschen. Wie sehr die Deutschnationalen die republikanische Staatsform wünschen, hat Graf W« st a r p den Zweiflern schon gesagt. Sie wünschen sie überhaupt nicht, sie� benutzen sie nur als Mittel zur Erringung der Macht. Daß sie sich in diesem Sinne mit der Republik abgefunden haben, das hat unser Redner im Reichstag mit Recht gegeißelt. Und es wird für immer«in Beispiel politischer Doppelzüngigkeit bleiben, wie die Deutschnationalen im Lande monarchistische Propaganda treiben, während sie im Parlament dem Schutz der Republik vor dieser Propaganda zustimmen. Doch auch das gehört wohl zu den Dingen, an die die Regierungsparteien nicht gern erinnert fein wollen— ein Grund mehr, es ihnen überall mit aller Deutlichkeit zu sagen! Aber vielleicht ist trotz aller verständlichen Besorgnis des Bürgerblockkanzlers doch eine Erinnerung am Platze. Als die Deutschnotionalen vor noch nicht drei Jahren auf den großen Wählerfang ausgingen, erließen sie einen Auf- ruf, in dem es hieß: „Unsere Ziele bei der Regierungsbildung werden wir jetzt im weiteren verfechten: die Reinigung des politischen Lebens von dem Novembergeist, der damals Wort und Eide brach und bis heute nicht Wort zu hätten gelernt hat! Die Reinigung von dem E r fü ll u n g s g e i st, der sich im Ausland dem würdelosen Pazifismus unterwirft, aber den nationalen Kreisen mit Ausnahmegesetzen und organisierter Ge- wall entgegentritt. Unsere Partei bleibt wie sie war. Monarchisch und völkisch, christlich und sozial." Ein anderer deutschnationaler Aufruf aus der früheren Zeit erklärte: „Jetzt naht der Großkampftag, der über Schwarz- weißrot oder Schwarzrotgelb entscheidet. Wir kämpfen für schwarzweißrot!" Und das Ende des Großkampftages? Die Deutsch- nationalen sind in der Regierung. Sie haben den Eid auf Schwarzrotgold geleistet. Sie haben unter- schriftlich versichert, daß sie nicht mehr das Wort„Schwarz- rotgelb" gebrauchen wollen. " Man begreift bei dieser Erinnerung, daß sie ver- schiedenen Leuten peinlich ist. Man begreift, warum heute die deutschnatwnale Presse von der Gefahr der Ver- leugnung ihrer Partei redet, während Republikaner von Marx Zurechtweisungen erhalten, wenn sie das- selbe tun. Und man behält das Gefühl, daß die Deutsch- najionalen noch öfter das Gegenteil von dem tun werden, was sie ihren Wählern sagen. Aber daß die übrigen dazu schweigen sollen, das ist doch wohl keine sehr bedachte Zumutung. Erst üer Zoll, dann der Kaiser! Der käufliche Monarchismus. In der„P» m m e r schen Tag esp»st" wird die Zustimmung der Deutschnationalen zu Republikschutzgesetz und Koiserparagraph mit einem Argument verteidigt, das den Vorzug der Ehrlichkeit hat. Es wird die Frage gestellt: was dann, wenn wir abgelehnt hätten, und die Antwort erteilt: „Run, dann wären die notwendigen wirtschaftlichen Gesetze, eine Verbesserung des Zollsystems zum Besten der Landwirtschaft unmöglich geworden."- Jesus wurde für 39 Silberlinge vertaust, Wilhelm für ein paar Mark Getreidezoll! Die höchsten monarchistischen Ideal« komm«n ins Rutschen, wenn die Deutschnationalen den Silberblick der Zollstlber» Unge oo« weitem sehen.____ Neue Niederlage des Rechtsblocks. Der Reichsrat erhebt gegen das Jugendschutzgcsetz Einspruch. Der Rechtsblock hat eine neue Niederlage erlitten. Die Der- tretung der Landesregierungen, der Reichsrot, hat gestern mit starker Mehrheit das Gesetz„zum Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten" abgelehnt und beschlossen, von dem ihm zustehenden Recht de- Einspruchs gegen die Gesetze?verkündung Gebrauch zu machen. Das Gesetz muß also noch einmal dem Reichstag vorgelegt werden, der dann das Gesetz im Sinne der Reichsratsbeschlüsse abändern oder für seinen Standpunkt eine Zweidrittelmehrheit aufbringen muß. Andernfalls tritt das Gesetz nicht in Kraft, es sei denn, daß der Reichspräsident darüber einen Volksentscheid anordnet. Der Rechtsblock hat sich mit seiner überhasteten Kulturgesetzfabri- kation eine neue Niederlage zugezogen. Die ursprünglich noch von Külz verantwortete Vor- löge der Regierung hatte die Billigung des Reichsrats, wie das bei allen Gesetzen ist, die dem Reichstag vorgelegt werden. Nun hat aber der Rechtsblock zwei Aenderungen vorgenommen, die der Reichsrat nicht mitmachen will. Während die erste Fassung des Gesetzes im§ 1 es durch eine sogenannte Kann Vorschrift den Behörden freistellte. Minderjährige von bestimmten Lustbarkeiten, Schaustellungen u. dgl. auszuschließen und ihnen den Besuch zu untersagen, hat die Kutturreaktion an Stelle dieser Ermächtigung ein bindendes Verbot gesetzt. Aus praktischen und finan- ziellen Bedenken lehnt der Reichsrat die Fassung als nahezu undurch- fühlbar ab. Ebens» undurchführbar«mpfindet der Reichsrat die Vor- schrift, die den Jugendlichen bei der Herstellung von Filmausnahmen die Mitwirkung gestattet, bei ernsten Theaterstücken jedoch nicht. Darin sieht der Reichsrat eine Privilegierung des Film- gewerbes zum Nachteil anderer Darbietungen. Der Einspruch des Reichsrats erfolgt mit großer Mehrheit. Dem Rechtsblock ist also attestiert, daß er ein j u r i st i s ch u n- zulängliches Gesetz zustandegebracht hat Das ist eine schöne Zurechtweisung— aber sie ist ehrlich verdient, und sie sollte auch den Regierungsfreunden zu denken geben, daß mit reaktionärer„Tüchtigkeit" allein Gesetze nicht gewacht werden können. Kundgebung für den Parteitag. Die Kieler Genossen und das Reichsbanner grüßen die Delegierten. Siel, 23. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« Kieler Parteigenossen hatten den Parteitag für heute nachmittag zu einer Dampferfahrt nach Eckernförde eingeladen. Was die Delegierten bei dieser Veranstaltung erlebten, wird in ihnen sicher unauslöschbar im Gedächtnis hasten bleiben. Gegen �2 Uhr setzten sich drei, mit roten Fahnen und Wimpeln festlich geschmückte Dampfer in Bewegung. Bei trübem Wetter mit gelegentlichen Regenschauern fuhren sie die-Kieler Förde entlang, um nach etwa zweieinhalbstündiger Fahrt i n Eckernförde anzulangen. Hier wurden sie von den Eckernförder Parteigenossen festlich empfangen. Ein stattlicher Zug setzte sich durch die Stadt in Bewegung. Gegen 7 Uhr abends wurde wieder die Heimfahrt angetreten. Als dl« drei Dampfer in die Kieler Förde«inliefen, bot sich ihnen von beiden Seiten der User«in außerordentlich eindrucks- v olles Bild. Das Reichsbanner hatte die einzelnen Orts- gruppen aufgeboten. Zu vielen Hunderten bildeten sie beideneinzelnenOrtenmitderFackelSpolier. Es flammten bengalisch« Feuer auf, die weithin die Delegierten des Par- teitages begrüßten. Die Reichsbonnerkameraden von Mönckebcrg hatten eine besondere Ueberraschung vorbereitet, indem fi« eine große Pyramide mit Fackelträgern aufstellten, die weithin über dos Wasser zu sehen war. Als die Dampfer schließlich in der Röhe des Aus- flugsort«s Bellevue angelangt waren, erblickten sie am Ufer«inen langen Zug fackeltragender Reichsbannertamero- d e n, die sich nicht zuletzt deshalb tn großer Zahl eingefunden hatten, um den Bundesvorsitzenden H ö r s i n g, der an der Fahrt teilgenom- men hotte, zu begrüßen. Die Fackelträger bildeten dann ein Spalier, durch das die von ihrer kleinen Seefahrt zurückgekehrten Delegierten ihren Weg, von Musik begleitet, nehmen mußten. Ein geselliges Beisammensein schloß die Veranstaltung ab. Die Parteitagsdelegierten hatten, wie kaum auf einem anderen Parteitag, das Gefühl, daß ihnen die gastgebende Stadt keine Festlichkeit geben wollt«, um ihnen damit die Zeit zu oeitreibcn, sondern um damit der Bevölkerung zu zeigen, mit welcher treuen Anhänglichkeit, mit weichem starken Solidaritäts- gefühl die arbeitenden Volksschichten hinter der Sozialdemokratie stehen.. �,__.*' j Gewerkschaft und Schlichtungsinftanzen. Zlru» Schiedsspruch i« der Metallindustrie. Der Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie, den wir in unserem gestrigen Morgenblatt veröffentlicht haben, beweist aufs neue, daß keine Schlichtungsinstanz imstande ist, die Gewerkschaft z» ersetzen. Wenn es unter den Arbeitern und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie noch welche gegeben hat, die da glaubten, die Zugehörigkeit zur Gewerkschaftsorganisation sei überflüssig, well ja die Gesetze, die Behörden und die Schlichtungsinstanzen da seien, um die Arbeits- und Lohnoerhöltnisse zu regeln, so dürften diese Arbeiter und Arbeiterinnen nunmehr von ihrer falschen Meinung geheilt sein. Der Schlichtungsausschuß hatte in erster Linie zu entscheiden über die regelmäßige Arbeitszeit, in zweiter Linie über die Voraus- fetzungen, unter denen Ueberstunden gemacht werden dürfen. Die Unternehmer hatten oerlangt, daß die wöchentliche regel- mäßige Arbeitszeit 48 Stunden betragen soll, wie bisher, während das Metallkartell als Gefamtoertretung der Gewerkschaften als regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 46)4 Stunden forderte. Der Schlichtungsausschuß entschied im Sinne der Unternehmer. Die Unternehmer hatten verlangt, daß die Ueberstunden wie bisher geregelt werden sollen, d. h. daß sie wöchentlich sechs Ueberstunden anordnen können. Sie hatten nur die eine Konzession gemacht, daß für Ueberstunden ein Zuschlag von 10 Proz. gewährt werden soll. Das Metallkartell hatte beantragt, daß Ueberstunden nur mit Zustimmung des Betriebsrates geleistet werden sollen und daß auch die so geleisteten Ueberstunden b e- grenzt werden sollen. Als Zuschlag beantragte das Metallkartell den im Arbeitszeitnotgesetz als„angemesien� vorgesehenen Zuschlag von 25 Proz. Der Schlichtungsausschuß hat den Unternehmern zugebilligt, daß sie an fünf Tagen der Woche je eine Ueberstunde anordnen können. Der Schlichtungsausschuß hat aber die Einschränkung ge- macht, daß diese Ueberstunden, verteilt auf zwölf Wochen, im Durch- schnitt nicht mehr als drei Stunden wöchentlich betragen dürfen. Mit anderen Worten, der Schlichtungsausschuß hat die beiden Anträge halbiert und den Unternehmern zugestanden, durchschnittlich wächenllich drei Ueberstunden von sich aus anzuordnen. Ueber- stunden, die darüber hinausgehen, können nur mit Zustimmung des Betriebsrates angeordnet werden. Wenn diese Regelung gegenüber dem seitherigen Zustande ein Fortschritt ist. so ist diese Regelung nichtsdestoweniger durch- aus unbefriedigend. Sie gibt den Achtstundentag preis. Sie gibt den Unternehmern die Möglichkeit in die Hand, unter allerlei Ausflüchten die achteinhalbstündige Arbeitszeit einzuführen. Gewiß sagt der Schiedsspruch ausdrücklich, daß Ueberstunden nur dann angeordnet werden dürfen, wenn es die wirtschaftlichen Bedingungen des Betriebes erfordern. Aber diesem Kautschuk werden die Unter- nehmer. wenn sie es für vorteilhast halten, schon die nötige Fasson geben. Dieses Zugeständnis ist um so bedauerlicher, well der vom Schlichtungsausschuß festgesetzte Zuschlag für Ueberstunden ganz erheblich hinter dem gesetzlichen Zuschlag zurückbleibt und nur IS Proz. beträgt. Allerdings sollen auch die Arbeitergruppen in den Genuß des Ueberstundenzuschlags kommen, die nach dem Arbeitszeitnotgefetz davon ausgenommen wären. Andererseits bleibt dieser niedrige Ueberstundenzuschlag nicht nur für die ersten drei Ueberstunden, sondern auch für alle weiteren Ueber st un- den bestehen. Hier bleibt der Schiedsspruch ganz wesentlich zurück nicht nur hinter dem gesetzlichen, sondern auch hinter dem Zuschlag, der in einer großen Anzahl von Schiedssprüchen von der 52. Stunde an festgesetzt wurde. Ueber die Pausen bei Bandarbeit hat der Schiedsspruch den Parteien aufgegeben, durch eingehende Unter- suchungen nachzuprüfen, ob und inwieweit ein derartiges System notwendig und durchführbar ist. Zusammenfassend kann man nur wiederholen, daß dieser Schieds- spruch allen Arbeitern und Arbeiterinnen klar und deutlich vor Augen führt, wie notwendig eine st arte Gewerkschaft ist. Eine Gewerkschaft, die die Gesamtheit der Berufsangehörigen umfaßt, braucht keinen Schlichtungsausschuß. Wenn sie sich aber an den Schlichtungsausschuß wendet, dann wird dieser immer damit rechnen, daß es einer solchei�Bewerkschaft auch möglich ist, durch den Kampf sich ihr Rechr jzu holen. Internationle �rbeitskonferenz. Gens, 2ö. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« Eröffnung der 10. Internationalen A r b e i t s t o n f e r« nz ging am Dienstag mittag in der gewohnten Weis« vor sich. E» nahmen an ihr die Vertreter von 42 Ländern mit 139 Delegierten und 1S4 Sachver- ständigen teil. Der Präsident des Verwaltungsrates Fontaine eröffnete die Konferenz mit einer längeren Rede, in der er die drei Hauptgeschäste der Tagesordnung hervorhob, die Krankenver- sicherung, die gewerkschaftliche Freiheit und die Fest- setzung von M> n d e st l ö h n en für die am schlechtesten entlohnten und am schlechtesten organisierten Arbeiterschichten. Zur Behandlung der gewertschaftlichen Freiheit glaubt Fontaine, daß lebhaft« De- batten in Aussicht stehen dürften, welche jedoch allseitig von Leuten geführt werden, die ihrer Verantwortung bewußt seien. Den Schluß der Rede bildeten einige vergleichende Zahlen über die Abnahme der Kindersterblichkeit, die Hebung des durchschnittlichen Lebensalters und die Zunahme des Rieallohnes seil Mitte des letzten Jahrhunderts, woraus eine bedeutende»Hebung der allgemeinen Lebenshaltung der Völker hervorgehe. Diese Entwicklung nach Möglichkeit zu fördern, sei Aufgabe des Internationalen Arbellsamtes. Als Präsident wurde, nachdem kein geeigneter Südameri- toner gefunden werden konnte, der Turnus aber an einem außer- europäischen Lande znar, der indische Regierungsvertreter Chat- t e r i e e und Mitglied des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamts vorgeschlagen und nach kurzen Empfehlungen durch die drei Gruppenführer der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierungs- Vertreter, wobei darauf hingewiesen wurde, daß Indien bereit» die ArbeitszeitkonIention ratifiziert habe, einstimmig gewählt. Die Protesterklärung vom Genossen Oudegeest im Namen des Internationalen Gewerkschaftsbundes und des schweize- rischen Arbellerdelegierten Schuerch gegen den italienischen Arbeiterdelegierten Rossoni ist ziemlich kurz gehalten und wird in der Koirferenz mündlich ausführlicher begründet werden. Der italienische Regierungsvertreter hat angesichts des Kampfes, welcher bei Behandlung der Frage der gewerkschaftlichen Freiheit gegen die faschistische Arbeiterorganisation geführt werden wird, zwei Anträge eingebracht, wonach aus die Tagesordnung einer der näch- sten Arbeiterkonferenzen die Hauptgrundsätze des„Arbeitsvertrages� und die„Schlichtung von Kollsktw-Arbeitskonflikten" gesetzt werden sollen. Well«« Anträge sind schon eingereicht durch den irischen Re- gierungsvertreter über die berufliche Ausbildung der Arbeiter, durch den indischen Arbeitervertreter über die Zwangsarbeit, den Der- tragsbruch als kriminelles Verbrechen, die unbegründete Entlassung von Arbeitskräften und die Vertretung der eingeborenen Arbeiter in den Kolonien an der Arbeitskonferenz: ferner vom schweizerischen Arbeitervertreter Schuerch über die Arbeitszeit der Angestellten, die nicht unter die Washingtoner Arbeitszeit- konvention falle(Achtstundentag) und vom belgischen Genossen Mertens über die Wahrung von Pensionsansprüchen von Arbeitern, welch« von einem Land« in ein anderes Land gehen(besonders Ma- trafen und Bergarbeller)._ Der Norddeutsche Wollkonzern kann zahlen. Er erhöht seine Dividende von 6 ans 10 Proz. Der Kampf im Norddeutschen Wollkonzern erhäll eine inter- essante Beleuchtung durch die Mitteilung, daß der Aufsichtsrat des Norddeutschen Wollkonzerns beschlossen hat, der auf den 23. Juni «inzuberufenen Generalversammlung die Verteilung einer D i v i- dende von 10 Proz. vorzuschlagen. Im Vorjahre betrug die Dividende 6 Proz. Dabei sind die angehäuften stillen Reserven nicht berücksichtigt. Damit zeigt der Wollkonzern wie gut es chm geht trotz des Kampfes. Um so bedauerlicher ist es, wenn die gefällten Schieds- fprüche mehr die Interessen der Akftonär« als die der Arbeiter be- rücksichttgen. Die Schiedssprüche schonen ihn. Bei den Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium zur Bei- legung des Konflikts im Wollkonzern sind für vier Firmen vier Schiedssprüche gefällt worden, für Delmenhorst wird zurzeit noch verhandelt. In den Schiedssprüchen wurde ein Grundlohn von 52 und 53 Pf. festgefetzt. Die prozenwalen Ab- und Zuschläge sind vom Grundlohn zu errechnen. Die Facharbeiter erholten einen Zuschlag von 4 bis 7 Proz. Die Akkordlöhne werden auf der Basis des Grundlohnes e I n s ch l i e ß l i ch des Zuschlags in Vereinbarung mll den Arbeitervertretern festgesetzt, und zwar so, daß im Durchschnitt der Akkordlohn in der Spitze 10 bis 20 Proz. über dem Grundlohn (einschließlich des Facha rbeiterzuschlags) liegt. Neu eintretende Ar. beller erhalten, wie das fast bei allen Tarifen vorgesehen ist, in den ersten neun Wochen 10 Proz. weniger als der Grundlohn aus- macht Mit dem Inkrafttreten der Schiedssprüche werden die Kampf- maßnahmen«ingestellt: die Streikzeit gilt nicht als Arbeitsunter. brechung: Maßregelungen finden nicht statt. Di« ErNärungsfrist läuft bis zum 31. Mai. Die Stellungnahme der Arbeiter zu den Schiedssprüchen er- folgt erst, wenn auch der Spruch für Delmenhorst vorliegt. Di« Entscheidung der Arbeiterkonferenz, die aller Wahrscheinlichkeit noch in Leipzig tagen wird, dürfte voraussichtlich End« der Woche fallen. Dntigewerkschaftskurs in Norwegen. Der Kampf wird weitergeführt. Oslo. 25. Mai.(Eigener Drohtbericht.) Das Schied»- g e r i ch t für Arbellsftreitigkellen. das infolge des Widerstandes der Gewerkschaften in Abwesenheit des ernannten Ar- beitervertreters tagte, hat nunmehr für sämtliche Ar- beitergruppen des Großkonflikts neue Tarife aufgestellt: diese laufen alle auf eine Lohnoerminderung von 1» Proz. hinaus und setzen bei einigen Arbellerkategorien ein« V e r k ü r- zung der Sommerferien fest. Die neuen Löhne sollen zwei Jahre in Kraft bleiben. Wenn der Lebenshaltungsindex sich in den zwei Iahren wesentlich ändert, dann tonn eine Nachprüfung der Löhne erfolgen. In den nächsten Tagen geht das Schiedsgericht an die Behandlung des Arbellsstreites in den Sägewerken und Flößereien, der nicht zu dem Großkonflikt gehörte. Die Gewerkschaften haben sich zunächst dem Spruch, der ja nach dem neuen Gesetz rechtsverbindlich ist, beugen müssen. Zu dem Urteil des Schiedsgericht» veröffentlicht das Sekretariat des nor- wegischen Gewerkschaftsbundes folgend« Erklärung: .Es ist die Arbettgebervereinigung Norwegens, die zusammen mll der Regierung und den bürgerlichen Parteien die Schieds- gerichtsgesetzgebung veranlaßt hat. Der abgegebene Schiedsgerichts- spruch ist ein Alisdruck für diese Zusammenarbeit. Er ist ein Urteil gegen die Gewerkschaften und die gewerkschajt- sich organisierten Arbeiter, das das Sekretariat absolut ungerecht findet. Im Hinblick auf die vorliegende wirtschaftliche und politische Situatfon häll es das Sekretariat nicht für ratsam, zu einem Streik gegen das Schiedsgerichtsurteil zu schreiten. Ein solcher würde Kampf um die Staatsmacht selbst bedeuten, ein Kampf, der in, jetzigen Zeitpunkt zu keinem Resullat führen würde, das im Inter- esse der Arbeiterschaft läge. Die Arbeiterklasse wird mit ollen Kräften sowohl gewerkschaftlich wie politisch den Kampf gegen das S chi ed s g e ri cht s g es etz und die Zuchthausvor- lag«, gegen eine Gesetzgebung, die die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in ein« Ausnahmestellung bringt, fortsetzen und den Kampf für die gerechten Forderungen der Arbeiter weiter- führen." Abgelehnter SchieSsspruch. Für den sächsischen Sohlenbergbau. Der für den sächsischen Steinkohlenbergbau vor kurzem gefällte Schiedsspruch ist von den Arbeitern und Unternehmern a b g e- lehnt worden. Das Reichsarbeitsministerium hat daraufhin die beiden Parteien für Freitag, den 27. Mai, zu neuen Verhandlungen geladen._ Verbindliche Löhne für die oberschlefifchen Eisenhütten Gleiwih. 24. Mai.(MTB.) Der am 5. Mai gefällte Schieds- spruch für die oberschlesischen Eisenhütten, der von Arbeitgeberseile abgelehnt worden war, ist auf Antrag der Arbeitnehmer nunmehr aom Reichsarbeitsministerium unter dem 21. Mai für verbindlich erklärt worden. Er sieht u. a. eine Lohnerhöhung ab 1. Mai und eine weitere ab 1. Oktober vor. Einignngsverhandlnngen in der Geraer Metallindustrie. Gera. 25. Mai.(WTB.) Der Schlichtungsausschuß Gera hat am Dienstag eine Einigung zwischen den Unternehmern und Ar- beitern der Geraer Metallindustrie über die wichttgsten strittigen Punkte erzielt. Die Arbetter legen die Einigungsvereinbarungen den Streikenden zur Annahme vor. Die Wstimmung darüber findet im Laufe des heuttgen Tages statt. Die Unternehmer haben die Ausführung des Aussperrungsbeschlusses bis zur Bekanntgabe des� Er- gebnisses der heutigen Abstimmung zurückgestellt. Wenn die Strei- kenden die Einigungsveirinbarungen annehmen, ist mit einer Wie- deraufnahme der Arbell am Freitag zu rechnen. An die Genossen im Schnhmacherverbaadi Zu unserer Notiz in Nr. 240 des„Vorwärts" teilen wir ergänzend mit, daß der Kandidat der Amsterdamer Richtung noch rechtzeitig bekannt ge- geben werden wird. Die Stimmenthaltung bezog sich nur aus die kommunistische Kandidatur. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wie uns der Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Arigestellten mittellt, sind folgende Bc- triebe wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages und des öffent- lichen Arbellsnachweises gesperrt: Restaurant Müggelhort, Restaurant o�n Teufelssee, Gesellschastshaus Fried- richshagen, Inh. Witwe Schröder, Paradiesgarten, Rahnsdorfer Mühle, Bärenhöhle, Bahnhof Rahnsdorf. Braustübl Genosienschaftsbrauerei Friedrichs- Hagen. Restaurant Z w i e b u s ch. Inh. Heinrich Krüger.?l ssionn gehoben wird die Sperre über das Lokal Freibad Müggelsee. Inh. Nowack. karten für die Wochen endausslellung zum Preise von 1 W. sind in den Bureaus der Gewerkschaften sowie der Ortsausschüsse und im Zigarrengeschäst von Horsch zu haben. Die Sparkasse der Lank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G„ Berlin. Wallstr.(55. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöfsnet. SPD..H-chbahil«..ettüftetttatu*, tün Sonnabend,. 28. Mai, 1t Uhr, findet im Lokal von Ewald. Ska litzer Str. 12k,«ine IS flenleinsame Fraktionositzuna sämtlicher SPD.»Genossen dieser Betriebe D «att. Referent Genosse Amberz Uber„Bertehreprobleme". Pflich! eine» jeden dienstfreien Genosse» ist e«, an dieser Sitzung teiljunehmen. Der Bor «rftand. W«dd!»a I: Wir wandern mit de» Wolken.—»rnppe Baamschalenwei,: Wanderfahrt.— Freitag»bead Tri Uhr tagen die Gruppen: Hermannplatz (Reukill» 2): Gruppenheim Jugendheim Sanderstr. U, Ecke Hobrechtstraße. Dortrag:..Moderne Baukunst.— SchSneweid«: Gruppenheim Jugendheim Laufener Str. 2(Roter Saal). Volkstanz und Liederabend.— Seddin« I: Gruppenheim Stadtbad Weddina, Gerichtstr. KS— 69. Lyrisches zum Lauten, schlag.— ziordriag: Gruppenheim Jugendheim Gberswalder Str. 10, Z. 12. "'"" Gruppenheim Madclsarbeit 3. Spiel Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: S. ttlingelhöfcr: und Berlagsanstalt Paul Singer o Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Hier,» 2 Beilagen,„Unterhaltung und Willen' und„Frauenstimme-. KB .-.i' ■ SiesiMmMfcbiuiffm.ffcfdiiM, tn i KM wmnSk auf das Utyferzelcbenini Papier unfererW osltm-Cigarette achten. Mar eine gute Cigarette wird man zu ßytben verßuhen. Un- fere Qualität i& nicht tuuhzuahmm. tFordemSieunßre'Wosltm'/die meifigerauebtedeutfebe 5Pf.-Cigarette ClCARimUTABKIK PR BIRUN Nr. 246 ♦ 44. Jahrgang 1. Vellage öes vorwärts Donnerstag, 26. Ma! 1427 Per Wunsch nach Grünflächen ist dem Großstädter so geläufig wie die Lohn- und Gehaltssorderungen zum Ausgleich der Kletter- mieten. Tun die Berliner städtischen Körperschaften schon viel, so doch noch lange nicht genug, um alte Bausünden auszumerzen und den Lungen von Millionen frische Zufuhr zu gewähren. Vor allem ist in Hausbesitzerkreisen noch nicht genügendes Berftändnis erwacht für die soziale und hygienische Bedeutung von Grünflächen hinter dem Vorderhause, auf den Höfen. Die Stadtverwaltung hat auf diesem lebenswichtigen Gebiete bei bestem Willen nicht überall durchschlagenden Einfluß. Sie kann wohl Bauprogramme auf. stellen, cm Bauprojekten mitarbeiten, die Höhe der Wohnhäuser, ihre Lage zueinander und den Flächenraum der Höfe vorschreiben, aber die Anlage von Gärten kann sie nicht erzwingen. Erbauer und Besitzer müssen immer mehr aus sich selbst heraus die Notwendig- leit erkennen, den alten Kasernentyp gründlich in die Wolfsschlucht zu befördern. Mkettaserneahöfe. Kein anderer hat bester als Meister Zille die traurige Oeds der Höfe von Proletarierhäusern dem ferntn Auge und dem Herzen näher zu bringen gewußt. Was der Sprache nur unvollkommen ge- lingt, zeigt Zilles Kunst in jeder Linie mit greifbarer Deutlichkeit. Mögen auch seine Typen, die„Kinder der Straße", zum Teil stark karikiert sein und ein« gewisse, schließlich jedem Zeitbildner eigene Einseitigkeit nicht verleugnen, so weisen doch seine mit Borliebe ge- zeichneten Berliner Höfe unverfälscht Geschoutes. Schaurig dunkle. gemauerte Schächte, so lichtarm auch am Tage, daß eine Zillesche Kindertype fragt:„Ick soll die Jrete mit ihre englisch« Krankheit in de Sonne setzen, aba wo is denn de Sonne?" Längst ist von Fastaden und düster starrenden Giebelwänden der halbe Putz her- iintevgefallen. Windschiefe, regendurchlässige Dächer sitzen wie des Absturzes gewärtige Lawinen über halbblinden Fensterlöchern, aus denen flickenbesäte Wäsche- und Kleidungsstücke baumeln, um den schlimmsten Armeleutegeruch auszudünsten. Winklige, halbverfallen« Ställe und Remisen geben Scharen von Mäusen und Ratten er- wünschtes Quartier. In einer Ecke strömt die vorsintflutliche hölzerne R R-Bude mit dem herzförmigen Ausschnitt in der Tür noch wider- licheren Gestank aus als unweit davon ein Misthaufen. Und in dieser von Miasmen und Bazillen angefüllten Umgebung spielt unbeküm- mert zerlumpte Jugend, spielt mit dem Unrat im Müllkasten, schart sich staunend und kreischend um einen Schmetterling, der sich durch den Mauerschacht zu den drei Blumentöpfen an den Fenstern ver- irrt hat, oder grölt, unbewußt sich selber verspottend, zum Leier» «amKaoen nnicrslOfzf das Wodienende dnrdi redtizeiiigen Einham! kästen:„Det Leben is doch jar zu scheen, drum heeßt et ooch... uff Wiedersehen!" Man hört sagen: nur vereinzelt gibb es noch m Berlin solche schmiderhaften Höfe, denen die simpelste Hygiene ein« unbekannte Größe ist. Man braucht nicht viel zu suchen, um sie zu Hunderten zu finden, im alten Weichbilde und in den ehemaligen Vororten. Da ist nichts mehr zu retten. Erst die Spitzhacke müßte arbeiten, um Licht und Luft und vielleicht den leisen Ozonduft eines Hofgartens zu schaffen, wo wohl noch Jahrzehnte lang das Grauen hocken wird. Das ist der Fluch der kurzsichtigen großstädtischen Wohnungspolitik, die fo leicht nicht wieder los wird, was ohne weit- sichtige Bodenwirtschast auf geringem Räume einst mit Mauersteinen zugedeckt wurde. Var langen Jahren war das alte Berlin eine rich- tige Gartenstadt, wie man sie jetzt in den Ausläufern der Gemeinde auferstehen zu lassen bestrebt ist. Unbarmherzig hat wilde Bau- spekulation und industrielle Ausnutzung an viele Tausende von Bäumen die Axt gelegt. Rur noch kümmerliche Reste einstiger Idyllischer Gärten hinter den Häusern sind im innern verlin vor- Händen. Wohl findet man in den näheren Vororten, beispielsweise in Baumschulcnweg, Pankow, Reinickestdorf, Niederschönhausen, Tegel»sw. noch zahlreiche kleine hübsche Hofgärten, die aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stammen oder noch älter sind. Sie blieben aber in der Regel dem Hausbesitzer vorbehalten, wurden allenfalls irgendeinem zahlungskräftigen Mieter zeitweise ver- pachtet. Wie bald vielleicht wird auch nach ihnen die Hand des Riesen Berlin sich ausstrecken! Das Hartenhaas. Berliner Gastwirte in mehr oder weniger glücklichem Besitz eines bescheidenen Sommergärtleins vervollständigten früher das, was dem Garten an Bäumen fehlte, durch eine Art Potemkinsche Kulissen, durch eine Landschaft, die mit mehr greller Farbe als Kunst an einen angrenzenden Giebel oder einen Holzzaun gekleckst war. Solche Wandbllder im Freien, von der Witterung längst verblichen, findet man hier und da noch heute. Unsere Boreltern haben diese malerischen Monstra erfreut, die moderne Welt belächelt sie und hat dafür ungefähr den gleichen gutmütigen Spott, als wenn man den Gastwirt beim ersten Frühlingssonnenschein zum Hausdiener sagen läßt:„Aujust, drag' den Jarten raus!" Damit kann auch der vor einigen Jahrzehnten namentlich für die Häuser im Berliner Westen neugeschaffene Begriff„Gartenhaus" verglichen werden. Er ist oft weiter nichts als eine optische Täuschung, mit der man sich zu- frieden gibt, um das an Hroletarierwohnungen erinnernde Wort „Hinterhaus" nicht zu hören. Gewiß gibt es drei- und vierstöckige Gartenhäuser, die ihren Namen wirklich verdienen und von ihren Annehmlichkeiten auch die Bewohner des Borderhauses profitieren lassen. Gutgepslegte Rasenflächen und Blumenbeete, häufig mit Tuffsteingrotten oder einem kleinen Springbrunnen in der Mitte ver- schönen das hochragende Mauerviereck. Da wird von vielen Mietern das abseits des Straßenlärms gelegene ruhigere Gartenhaus dem nobleren Vorderhause vorgezogen. In anderen sogenannten Garten- Häusern sieht es fast so trostlos nüchtern als auf den Höfen der Ar- beiterviertel aus. Die Höfe sind wohl größer und sauberer, aber schon ein winziges Rasenrund mit ein paar Rhabarbarstauden oder der Ausblick auf einen entfernteren wirklichen Garten ist Grund fük den Hauswirt, sich die Hinterhauswohnungen teuer bezahlen zu lasten. Langsamer Jortschritt. Das machtvoll sich entwickelnde Siedlungswesen, allen reaktiv- nären Köpfen ein Dorn im Auge, hat den Bann gebrochen. Sied- lungen sind ohne Hofgärten nicht mehr denkbar. Leider haben noch nicht alle Baugenossenschaften Sinn und Zweck der Gartenfrage praktisch ersaßt. Selbstverständlich kann bei der Errichtung drei- und vierstöckiger Genossens-yastsbauten, was meistens schon der de- schränkte Raum verbietet, nicht zu jeder Wohnung wie in der Sied- lung ein Stückchen Gartenland gehören. Die Anlage eines Hos- garten» al» Augenweide für die Gesamtheit der Hausbewohner sollte von vornherein nirgends mehr vergessen werden. Das schönste Terrazzo- und Mosaikpflaster ersetzt nicht die Freude am gärtne- rischen Schmuck. In manchen Straßen, die vor zwei oder drei Jahr- zehnten angelegt und einheitlich bebaut wurden, stt schon damals das System gartenmäßiger Hofanlagen durchgeführt worden, wobei frei- lich zuweilen das Vorhandensein alter Baumbestände zustatten kam. Eins der schönsten Vorbilder dieser Art für Häuser, die ohne ausge- sprochenen Mtetkasernencharakter dem Arbeiter- und Mittelstands dienen, stt die Kracht- und Bahrfeldsttraße in Stralau mit durch- gehenden Hofgärten von rund viertausend Quadratmetern Fläche. Dem mitunter in der Oeffentlichkeit geäußerten Verlangen, solche Hofgärten der Kinderwelt zur Verfügung zu stellen, ist allerdings schwerlich zu entsprechen. Kinder bleiben immer Kinder und würden in kurzer Zeit den Garten zu einer Sandwüste machen. Wird aber der Garten nicht gepflegt, f» schadet das Kinderspiel ihm nichts. Ausländer, die in der Inflationszeit Tausende Groß-Berliner Häuser an sich rissen, haben in der überwiegenden Mehrzahl nur Jntereste für das Bargeld der Mieten, nicht für das Wohlbehagen der Mieter, also auch nicht für Hausverschönerung. Sie lassen vorhandene Hof- gärten verkommen, so daß die Mieter vielfach schon zur Selbsthllfs greisen und aus eigenen Mitteln und mit eigener Arbeitskraft die Hofgärten instandsetzen. Es gibt freilich auch deutsche Hausbesitzer, die dummdreist erklären:„Was habe ich vom Garten, wenn ich im Hause nicht wohne?" Sie vergessen nur, daß bei der Bemessung der Friedensmiete der Garten berücksichtigt worden ist und ohne Pflege des Gartens die Wohnung an Wert verliert. * Schützet, was ihr habt! Tragt wenigsten» nicht selbst dazu bei, die Hofgärten zu verunzieren! Es ist ein« greuliche Unsitte, Eier- schalen, Knochen, Papiersetzen, Scherben und allen mögllchen sonstigen Unrat, der tn den Abfalleimer gehött, gedankenlos aus den Fenstern in die gärtnerischen Anlagen zu werfen. Die Drücke im Dschungel. Litten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 11] Boa B. Traven. Copyright 1927, by B. Traven, Tarnaulipas(Mexiko). Die Garza hört dem allen zu, als ob über etwas ge- sprachen würde, das sie gar nicht berühre. Nun aber fühlt sie sich verpflichtet, ihren Jungen zu verteidigen:„Gewiß hätte er sich herausgearbeitet oder hätte er geschrien, aber er tonnte es ja nicht mehr. Er hatte doch die neuen Stiefelchen an. Er hat, als er so ausgelassen drauf lostrabte, mit den Stiefeln gegen den Balken gestoßen. Wäre er barfuß ge- wesen, hätte er sich halten können. Aber die Sohlen waren spiegelglatt. Ehe er wußte, was überhaupt geschah, da war er übergekippt und hatte mit dem Kopf auf den Balken ge- schlagen, und ehe er zur Besinnung kam. war er schon unter dem Wasser. Er hat gar keine Zeit gehabt, zu strampeln oder zu schreien." Mit dieser Rede schließt die Garza ihre Erzählung ab. Sie hat nichts mehr zu sagen und niemand kann sie über- zeugen, daß es anders wäre oder daß der Junge nicht im Flusse sei. 8. Die Leute freilich geben sich keineswegs zufrieden. Man erinnert sich der Jungen, die auf der Brücke saßen und sangen, Serade zu der Zeit, als das Unglück sich zugetragen haben solle. iber die Jungen haben nichts gehört und nichts gesehen. Sie saßen am Ende der Brücke mit dem Gesicht zum Wasser und dachten nur an ihr Singen. Dicht in ihrer Nähe ist der Junge nicht hineingefallen. Außerdem ist es so schwarze Nacht, daß sie es auch kaum bemerkt haben würden, wenn sie die Brücke im Auge gehabt hätten. Einen Platsch haben sie auch nicht gehört. Wenn sie ihn gehört haben, so haben sie ihn nicht aufgenommen, denn hochspringende große Fische platschen ebenfalls. Aber daß diese Burschen, die am nächsten waren, nichts bemerkt haben, veranlaßt die Leute, der Gärza einzu- reden, sie bilde sich Dinge ein, die gar nicht geschehen könnten. Die Garza sagt nichts darauf. Jeder der Anwesenden weiß einen neuen Gedanken auf- zubringen, um zu beweisen, daß es so, wie die Garza annimmt. nie gewesen sein könne, daß es überhaupt ganz und gar ausgeschlossen sei, daß der Junge in den Fluß gefallen sei,«ud vor allen Dingen, daß es undenkbar wäre, daß er so geräuschlos in den Fluß gestürzt sein könne. Niemand unter- stützt die Mutter in ihrer Meinung. Man glaubt den Jungen an den allerunmöglichsten Stellen, an denen ein Junge nur sein könne, selbst im Feuerloch des Dampfkestels der Pumpe, aber im Fluß glaubt ihn niemand. Schließlich wenden sich ein paar Männer an mich, weil ich gar nichts sage, und fragen mich geradezu, was ich von der ganzen Sache denke. Ich weiß, wo der Junge ist, und Sleigh weiß es auch. Sleigh blickt mir gerade ins Gesicht, während ich gefragt werde von den Männern, die mir am nächsten stehen in der Gruppe. Ich sehe, daß Sleigh die Achseln zuckt, als ob man die Frage an ihn gerichtet hätte. Und ich antworte:„Was kann ich da sagen? Ich kenn« ja nicht die Schlupfwinkel hier herum, in die sich der Junge verkriechen könnte." Ja. ob ich denn glaube oder es für möglich halte, daß der Junge in den Fluß gefallen sei? „Möglich," sage ich,„möglich ist alles und möglich ist durchaus, daß der Kleine ins Wasser gefallen ist. Wo Wasser ist kann immer jemand hineinfallen, ob er will oder nicht." ,Der Senjor hat recht," antwortet einer der Männer, „im vorigen Jahr ist doch hier in demselben Waller, nur weiter unten, der Aegypter ertrunken, der dort seine Hütte hatte und Gemüse pflanzte." „Das lag aber ganz anders," erwidert einer,„der Aegyp- ter badete und kam an eine tiefe Stelle, wo er versank und nicht wieder heraufkam." Ein alter Indianer kommt etwas näher und fragt mich: „Was denken Sie denn, Senjor, was wir tun könnten?" „Ich denke, wir suchen den Fluß ab: wenn der Junge im Fluß ist, müssen wir ihn ja finden, und dann wissen wir wenigstens, wo er ist. Wenn die Männer zurückkommen und haben ihn nicht gefunden, und wir finden ihn im Flusse auch nicht, dann müssen wir wohl den ganzen Dschpngel absuchen." Die Garza ist mit ihrer Laterne schweigend zur Brücke gegangen: sie hat die Brücke überquert und sie steht an der anderen Seite der Brücke, nicht weit vom Ufer. Nach einer Weile leuchtet sie über den Rand in das Wasser hinunter und dann stößt sie einen markerschütternden Schrei aus. Ein paar Jungen rennen hinüber und kommen zurück mit der Botschaft, daß die Frau durchaus nichts im Wasser ge- sehen hat. Es war kaum nötig, uns das zu sagen: denn jeder wußte, daß sie an jener Stelle nichts sehen konnte, selbst wenn der Junge dort versunken sein sollte,". Nun beginnt die Frau unausgesetzt gellend zu schreien. Wenn der eine Schrei verklungen ist, ertönt gleich darauf der folgende. Es ist das Wehklagen indianischer Frauen, die einen Toten beweinen. Es klingt nicht wie Weinen, es klingt vielmehr wie ein den Himmel anklagendes, langgezogenes Schreien. Viele große Säugetiere, denen der Gefährte oder das Junge erschossen, erschlagen oder geraubt wurde, schreien und klagen in genau der gleichen Weise. Hört man dieses wehklagende Schreien der Frauen zum ersten Male, glaubt man nicht, daß es ein Schreien des Trauerns wäre. Lebt man länger unter den Indianern, hört man den tiefen Schmerz aus dem Schreien so deutlich heraus wie aus dem stillen Weinen einer europäischen Frau.> Wäre der Tod des Jungen gewiß oder hätte man gar seinen kleinen Leichnam gefunden, so würden sofort alle! Frauen in dieses Schreien, das man kilometerweit hören kann, mit einstimmen. Einstimmen mit all dem Mitgefühl und der Mittrauer, die eine Mutter und eine Gattin der andern aus der Tiefe eines warmen und stark empfindenden! Herzens zeigen kann. Aber die Frauen, noch nicht überzeugt von dem Tod des Jungen, bleiben ruhig und tasten nur nach ihren Kindern und legen die Säuglinge sofort an die Brust als den sichersten Platz, den sie ihnen bieten können. Zwei Männer gehen hinüber zu der Frau und führen die unaufhörlich schreiende Frau zart und besorgt auf diese Seite des Flusses, um sie auf eine Bank zu setzen. Die Pumpmeisterin kommt sofort heran, gibt ihr Wasser zu trinken und streichelt sie mütterlich. Die Männer stehen eine Weile herum, nicht wisiend, was zu tun. Sie fühlen sich unbehaglich in Anwesenheit der Mutter, die ihr Kind verloren hat und die trotz der Zartheit, mit der sie behandelt wird, eigentlich ganz allein in der Welt ist. Es überkommt die Männer nach und nach ein Schuld- bewußtsein, daß sie mehr für die Mutter hätten tun können. Sie stehen umher, drücken sich herum und reden kaum. Sie zwingen sich, nicht nach der Mutter zu sehen, und wenn die Frau hin und wieder aufschreit, werden ihre Gesichter zer- quält. Das Unbehagen, das sie belästigt, wird endlich so stark, daß sie das einzige tun. was Männer auf der ganzen Erde tun, welche Hautfarbe sie auch immer haben mögen, sobald sie sich überflüssig zu fühlen beginnen. Sie fangen an, tätig zu werden, sich zu beschäftigen, nur um nicht in Gegenwart der Mutter schuldbewußt dazustehen. (Fortsetzung folgt.) Eröffnung oes maggeltunnels. mn einer schlichten Aeier wurde gestern nachmittag der neue Aujjgängertunnel in Friedrichshagen erössnet. Im Beisein vieler Vertreter städtischer und staallicher körperschasten und der Presse übergab Bezirksbürgermeisler Genosse kohl den Tunnel dem össenllichen Verkehr. Er betonte in seiner Ansprache, daß der neue Verbindungsweg zwischen Friedrichshagen und dem Miiggelufer ein Wahrzeichen des neuen, arbeitenden Berlin am„grünen Strand der Spree" sei. Mit einem Dank an den Magistrat, die Stadt- verordnetenversammlung und an die ausführenden Ingenieure, Beamten und Arbeiter schloß Genosse Kohl. Der kurzen Feierlichkeit schloß sich eine Besichtigung des Bauwerks an. Die Bauleitung ist bekanntlich bei der Errichtung des Tunnels für Berling ganz neue Wege gegangen. Sie hat auch die bisher übliche Bauweise verzichtet und hat die viel sichere gewählt, indem sie auf einem künstlich in die Spree geschütteten Damm die Tunnel- röhre in Eisenbeton ausführen ließ, um sie dann trocken zu oer- senken. Zu diesem Zweck schaufelten Arbeiter im Inneren der Tunnelröhre— wie in einer Taucherglocke arbeitend— den Damm heraus, so daß der Röhre gewissermaßen die Grundlage ent- zrgen wurde So senkte sich das Bauwerk bis zur gewünschten Tiefe unter das Spreebett herunter. Die Notwendigkeit, den Verkehr auf der Spree aufrechtzuerhalten, bedingte eine Ausführung der Ar- beiten in zwei Hälften, zwischen die zuletzt das Verbindungsstück eingesetzt wurde. Fünfzig Stufen führen auf jeder Seite in die Tiefe, der Tunnel selbst ist rund 120 Meter lang. Unnatürliche Eltern. Ein 3�jäl,riges Kind zu Tode geschlagen. Ein furchtbarer Fall von Kindesmißhandlung beschäftigt wieder die Kriminalpolizei. Unter der schweren Beschuldigung, ihren Z'A Jahre alten Sohn Günther unter Ueberschreitung des elterlichen Zllchtigungsrechtes so mißhandelt zu haben, daß er an den Folgen st a r b, wurde ein Chauffeur B u s ch aus der Rönne- bergstraße zu Friedenau und seine Frau oerhaftet und der Staatsaravalischaft vorgeführt. In der Gegend war schon lange bekannt, daß der kleine Günther übermäßig gezüchtigt wurde, während man von einem jüngeren Töchterchen des Ehepaares nichts hörte. Der Knabe war körperlich wchl etwas zurückgeblieben und mit kindlichen Unarten behaftet. Dafür wurde er dann geschlagen, unmenschlich, besonders von der Mutter. Im vergangenen Jahr« war das zuständige Jugendamt schon einmal auf diese Ding« aufmerksam gemacht worden. Nachbarn hatten wiederholt den Kleinen fürchterlich schreien hören, und das sprach sich auch weiter herum. Es erfolgte aber nichts Entscheidendes. Am 15. d. M. holten die Eltern einen Arzt, weil der Junge schwer erkrankt sei. Sie behaupteten, daß er gefallen sei. Der Arzt ließ das Kind nach dem Auguste-Vittoria-Krankenhaus bringen, wo es bald st a r b. Die Untersuchung ergab, daß es Schwielen und Beulen am ganzen Körper hatte. Es wurde Anzeige erstattet und die Leiche beschlagnahmt. Die Obduktion stellte fest, daß das Kind mit einem Stock oder einem stockartigen Gegenstand schwer miß- handelt worden war. Die Eltern wurden auf Veranlasiung der Staatsanwaltschaft fe st genommen und nach dem Amtsgericht Schöneberg gebracht. Das jüngere Töchterchen wurde einem Kinderheim in Pflege gegeben. Störenfrieüe vor üem Schnellrichter. Gefängnis für Hakenkreuzler und Kommunisten. 2lm 23. Mai wurden von 21 angeklagten Nationalsozialisten vor dem Schnellgericht im Polizeipräsidium 19 freigesprochen, da- von 17 sogar auf Antrag der Staatsanwaltschaft, und nur zwei wurden trotz der Ofsensichtlichkeit der Delikte zu lächerlich ge- ringen Geldstrafen verurteilt. Kann man sich wundern, daß die Nationalsozialisten aus Grund dieser gnadenreichen Milde der Herren Friedersdorf und Kaifer nichts Eiligeres zu tun hatten, als sich in die vom Deutschen Fro-uenorden zum Kriegerver- einshaus einberufene, aber durch die Polizei verboten« Ver» sä m m l u n g d er nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei zu begeben? Wer wird erstaunt sein, daß sie nach dem Urteil des Schnellrichters, Amtsgerichtsrat Kaiser, keinerlei Anstand nahmen, erneut zu randalieren und zu t o b« n? Die Polizei hat sich am Montag abend sehr lange zurückhaltend gezeigt, — was man ihr nach dem Prozeßergebnis wahrhaftig weiter nicht übelnehmen kann! Erst als es zu bunt wurde, schritt sie ein. 18 Per- sonen, darunter zwei Frauen, wurden verhaftet und der Abteilung la. des Polizeipräsidiums zugeführt. 15 von ihnen wurden am Dienstag nach ihrer Vernehmung wieder entlassen, ein weiterer Hakentreuzler wurde einen �iag später gleichfalls auf freien Fuß gefetzt. Zwei Personen aber, bezeichnenderweise ein Haken- k r e u z l e r und eine Kommunistin, mußten sich heute wegen Beleidigung des Vizepolizeipräsidenten Dr. Weiß vor dem Schnellgericht verantworten. Der Polizeioizepräsident war bei den Krawallen in der Chausseestraße zugegen gewesen, und als man ihn erkannte, brüllte man ihn mit„Nazi",„Isidor" und anderen wenig schmeichelhaften Zurufen an. Der Staatsanwalt beantragte nach verhältnismäßig kurzer Verhandlung bei dem nationalsozialistischen Kaufmann Bertmann zwei Wochen und bei dem kommunistischen Fräulein N e u m a n n «ine Woche Gefängnis. Das Schnellgericht verurteilte Bertmann zu sechsTagen und die Neumann zu drei Tagen Gefängnis. Dem Vizepolizeipräsidenten wurde das Recht erteilt, das Urteil im „Deutschen Tageblatt" und in der„Roten Fahne" auf Kosten der AngeNagten publizieren zu lasten. Ganz wie früher! Gestern sind die beiden jüngsten Söhne des früheren Krön- prinzen konfirmiert worden, und man darf wohl sagen, daß diese Angelegenheit für den allergrößten Teil des deutschen Volkes grenzenlos gleichgültig ist. Spaßhaft aber ist es, wie einzig der„Berliner Lokal-Anzeiger"— ganz wie früher— im breiten und weiten über diese Haupt- und Staatsaktion berichtet. Ein Hugenberg-Iünger erzählt ausführlich, wer alles an ferschtlichen Personen zur Stelle war, und er palavert mit Begeiste- rung von„altem Hohenzollern-Brauch" und so! Selbst wenn die Hohenzollern unwahrscheinlicherweise anfangen würden, ihre Fa- milienfeste in angemessener Zurückgezogenheit zu begehen—, der „Berliner Lokal-Anzeiger" würde es ihnen unmöglich machen! Die gesundheitsschädliche Panke. Di« neuesten b a k t e r i o l o- gischen Untersuchungen des Pankewasters haben ergeben, daß das Baden und Planschen in der Panke gelundheit»- gefährdend ist. Um die Gefahr gesundheitlicher Schädigung auszuschalten, hat das Bezirksamt Pankow durch Anpflanzungen am Pankestrande zwischen Schönholzer Straße und Bahnhofftraßen-Brücke jetzt das Planschen verhindert. Diese Anpflanzungen sind von besonderem Interesse insofern, als auf dem einen Teil Blütenstanden in großer Zahl angepflanzt wurden, die während des ganzen Sommers ein farbenprächtiges Bild bieten werden. Der andere Teil ist mit Blütensträuchern mannigfaltigster Art besetzt und schließt einen 100 Meter langen und 12 Meter Urteil gegen öie wohmmgsfihieber. Gefängnis nnd Geldstrafen. Nach mehrstündiger Beratung verurteilte das Erweiterte Schöffengericht Mitte im Prozeß gegen die Wohnungsschieber des Bezirksamts Kreuzberg Magistratsrat Dr. Hauptmann wegen Be- stechung zu 3 Monaten Gefängnis und erklärt« 180 Mark Be- stechungsgelder für verfallen. Polizeisekretär Kosch erhielt wegen einfacher Urkundenfälschung 6 Monate Gefängnis, der wohnungs- Vermittler Seeboldt wegen Bestechung und Anstiftung zur Urkunden- sälschung und Bergehen gegen das Mieterschuhgeseh S Monate Ge- fängnis und 1700 Mark Geldstrafe. Der Wohnungsoermittler Rindfleisch wurde wegen Mieterschutzvergehcns zu 3750 M. Geldstrafe verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden nur verurteilt wegen Vergehens gegen 5) 49 a des Mieterschutzgesetzes, und zwar erhielten Dr. S ch ö p s 600 M., Frau C u r t h 600 M., Frau Gerhardt 2000 M. Geldstrafe. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten Kosch wurde aufgehoben. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner hatte beantragt: Dr. Hauptmann wegen fortgesetzter Bestechung 1 Jahr Gefängnis und 5 Jahre Amtsverlust, gegen Polizeisekretär Kosch wegen fort- gesetzter Bestechung und Falschbeurkundunq in gewinnsüchtiger Ab- ficht 1 Jahr K Monate Zuchthaus und 5 Jahre Amtsverlust, gegen die Wohnungsvermittler Seeboldt und Rindfleisch wegen fortge- setzter Bestechung und Anstiftung zu Falschbeurkundung je 1 Jahr Gefängnis und 10 000 M. Geldstrafe, gegen Dr. Schöps und Frau Curth je 3000 M., sowie gegen Frau Gerhardt 6000 M. Geldstrafe. Bei sämtlichen Wohnungsvermittlern kam in den Strafanträgen auch Mietswucher in Frage. Bei der Untersuchung der Staatsanwaltschaft III gegen den S ta d t se t r e t ä r Haus vom Wohnungsamt des Be- zirks Wedding, dessen Wohnungsschiebungen größeren Um- fanges vor einiger Zeit entdeckt wurden und zu seiner Verhaftung führten, ist jetzt festgestellt worden, daß sich der ungetreue Beamte auch schon früher strafbarer Handlungen schuldig gemacht hat. Haus war früher als Kanzleibeamter in der Gerichts- schreiberei des Amtsgerichts Berlin Mitte beschäftigt und hat es auch dort schon, wie durch die Bekundungen eines früheren Mitarbeiters ans Tageslicht kam, verstanden, seine Bezüge unrechtmäßig zu erhöhen. Haus hat auch das Bezirksamt insofern hinters Licht ge- führt, als er dies gegen ihn seinerzeit schwebende Verfahren ver- schwiegen hat. Wäre der Behörde bekanntgewesen, daß das Vor- leben des Stadtsekretärs nicht völlig einwandfrei gewesen ist, so hätte man ihn naturgemäß nicht das verantwortungsvolle Amt eines Wohnungsamtsbeamten anvertraut. Vor dem Untersuchungsrichter hat Haus im übrigen dies Vergehen während seiner Tätigkeit beim Amtsgericht Berlin-Mitte zugegeben. Wie wir hören, hat dieser Tage die Deputation für das Wohnungswesen getagt, und von sämtlichen Parteien sind die von Haus genannten Fälle geprüft worden mit dem Er- gebnis, daß die Dezernenten und die übrigen Be- amten nicht der geringste Schatten eines Ver- d a ch t e s trifft. Die Anklage gegen Haus und seine Helfer wird im übrigen in Bälde fertiggestellt sein. v. Kähne jr. in der Berufungsinstanz. Am Sonnabend beginnt vor der Großen Potsdamer Straf- kammer der Prozeß gegen v. Kähne jr. wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Potsdamer Schöffengericht sprach v. Kähne seinerzeit von der Anklage der Körperverletzung frei und verurteilte ihn zu einer geringen Geldstrafe. Die Staats- anwaltschaft hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Den Vorsitz wird Landgerichtsdirektor Dr. Helwig führen. Voruntersuchung gegen Kutzbach eröffnet. Bekanntlich wurde in voriger Woche der 26jährige Arbeiter Walter Kutzbach aus Potsdam unter dem dringenden Verdacht, den Kafsenbotcn Bernhard Hammermeister am Ruinenberg in Potsdam ermordet und beraubt zu haben, verhaftet. Jetzt ist gegen Kutzbach die Voruntersuchung erössnet. K. ist heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. breiten Sandstrand ab, der nach wie vor den Kindern die Herr- lichfte Gelegenheit zum Buddeln im Sande liefert. In Verbindung mit der unmittelbar danebenlicgenden Spielwiese ist hier ein Eldorado für die Kinder geschaffen worden, das sowohl in seiner Mannigfaltigkeit als auch in seiner Größe allen Anforderungen der starken Inanspruchnahme durch die Bevölkerung gerecht wird. Die Mittel zur Schaffung des Planschbeckens hat das Bezirksamt Pankow beim Magistrat beantragt. Gleichsalls ist die Schaffung einer Bade- gelegenheit im Freien ins Auge gefaßt. Der Eingriff in üie Steuerhoheit. Um die Klassifizierung der Vergnügungssteuer. Der Steuerausschuß der Stadtverordneten- Versammlung beschäftigte sich mit der Vorlage des Magistrats, betreffend die Klassifizierung der künstlerisch hochstehenden Veran- staltungen bei der Vergnügungssteuer. In dieser Vorlage hatte der Magistrat beantragt, die Stadtverordnetenversammlung möchte die Maßgaben, an die der Oberpräsident seine Genehmigung und der Minister des Innern seine Zustimmung zu dem Nachtrag zur Ver- gnügungssteuerordnung geknüpft hatten, ablehnen, und zwar mit Rücksicht darauf, daß diese Maßnahmen einen Eingriff in die st ä d t i s ch e S.e l b st Verwaltung und Steuerhoheit darstellten. Der Ausschuß traf in der Sache selbst kein« Ent- s ch e i d u n g, sondern beschloß, die Angelegenheit zu vertagen und zunächst durch den Magistrat den Minister des Innern um eine persönlich« Unterredung zu bitten. In der Vertreter des Steueraus- schusies zusammen mit Vertretern des Magistrats mündNch ihre Auf- fossung in dieser Angelegenheit vortragen wollten. Der Magistrat wird zu diesem Beschluß des Steuerausschusies Stellung nehmen. Festnahme ües Sanöerolenüiebes Sprung. In der Trunkenheit sich selbst verraten. Wie erinnerlich entwich vor kuazem der berüchtigte Geldschrank- einbrecher Karl Sprung aus dem Untersuchungsgefängnis auf rätselhaft« Weise, ohne daß man feststellen konnte, wie er das be- werkstelligt hatte und wo er geblieben war. Sprung hat bekannllich mit Helfershelfern den großen Vanderolendiebstahl in Dahlem ausgeführt. Nun hat er sich durch seine eigene Dummheit, und zwar in der Trunkenheit, seinen Häschern ausgeliefert. In einem Lokal in der Brunnenstraße hielt sich am Dienstag ein Gast auf, der schließlich so betrunken war, daß ihn ein Schupobeamter zu seiner eigenen Sicherheitnachder Revierwache brachte, wo er sich ausnüchtern sollte. Er nannte sich l a t t" und gab auch genauere Personalien an. Als man ihn jedoch näher ansah, erkannte man in ihm den entwichenen Einbrecher und brachte ihn nach dem Polizeipräsidium. Nachdem er seinen Rausch einigermaßen ausgeschlafen hatte, ärgerte er sich sehr, daß er sich in den Händen der Kriminalpolizei sah. wußte aber nicht, wie das zugegangen war. Von Unruhe getrieben, befand er sich seit Freitag voriger Woche auf einer„Vierreise", die ihn durch viele Lokale führte. Wie er aus dem Untersuchungsgefängnis heraus- gekommen ist, behält er natürlich für sich. Er sagt nur, daß er durch die Tür gekommen sei. Der Name„Älatt", den er sich beigelegt hatte, ist der eines seiner Bekannten. Die begehrten Sonüerzüge. Die Sommer- und Feriensonderzüge erfreuen sich erfahrungs- gemäß einer starken Nachfrage, und zwar ist der Andrang so stark, daß gleich am ersten Tage der festgesetzten Antragstellung für die Benutzung eines Sonderzuyes ungefähr doppelt soviel Gesuche einlaufen, als der Zug ü b er h a u p t P l S tz e a u f w e i st. Aus der großen Zahl der Zurückgewiesenen gehen uns nun allerlei Beschwerden zu, doch läßt sich nach Rückfrage bei der Reichsbahnverwaltung an der an sich bedauerlichen Tatsache leider nichts ändern. Eine Kontrolle der Antragsteller in bezug auf ihre finanzielle Bedürftigkeit läßt sich natürlich in diesem Falle nicht durchführen und so ist es unvermeidlich, daß auch jene Per- sonen diese Vergünstigung in Anspruch nehmen, die ebensogut den vollen Fahrpreis bezahlen könnten und ihre bedürftigen Mitmenschen dadurch empfindlich schädigen. Mehr Sonderzllge einzustellen ist, wie uns mitgeteilt wird, zurzeit aus finanztechnischen Gründen nicht möglich, und so bleibt eben nichts weiter übrig, als bei Gelegenheit sein Glück von neuem zu versuchen. Die genaue Aufstellung sämtlicher Ferien- sonderzüge in diesem Sommer, haben wir bereits am ver- gangenen Sonntag veröffentlicht. Morü im Erunewalü! Gestern abend wurde die zwanzigjährige Herta Unze. die angeblich in der wllmersdorser Slrahe 32 in Charlottenburg wohnt, im Zagen 83 des Grunewalder Forstes erschossen ausgefunden. Als angeblicher Täler wurde der Begleiter der Unze, der sünsundzwanzigjährige Kaufmann Willi Lange, der zurzeit ohne Wohnung ist. von Zivilpersonen festgenommen und der Polizei übergeben. Lei Redaktionsschluß weilt die Ulordkommission noch am Tatort._. Die Dollarerbschast. Ein Spieler und sein Freund. Nasarofs hatte in Moskau Jura studiert: in einer kaukasi- scheu Stadl, bei seinein Vater, der Rechtsanwalt war, betätigte er sich als Gehilfe. Dann heiratete er reich in M o s k a u und lebte als Eheman seiner wohlhabenden Frau und als Schwiegersohn seiner begüterten Schwiegermutter von deren Rente und von eigenen Börsenkpekulationen. Die Oktoberrevolution trieb ihn von Moskau noch dem Kaukasus, von dort nach Paris; mit 2000 Fran- ken kam er im Jaguar 1920 nach B e r l i n. Es war I n f l a t> o n s- zeit: man lebte von Spekulationsgewinnen und Kommijsionsge- schäften. Mit neun Landsleuten gründete er einen Dergnugungs- klub, aus dem bald ein S p i e l k l u b wurde. Hier lernte er R. kennen: dieser belieferte den Spielklub mit Spielkarten und versorgte Nasaroff mit Geld zum Spiel. Hatte Nasaroff Gluck im Spiel, so teilte er mit seinem Freund den Gewinn: hatte er Pech, so buchte er den ganzen Verlust auf sein Konto. Nebenbei versuchte man auch auf ander« Weise zu Geld zu kommen. So erfuhr Nasaroff, daß>n der Handelsvertretung Zarenbrillanten und-Smaragden oertaust würden. Ei: interessierte zwei große deutsche Juweliersirmen für die Kostbarkeiten: sie stellten sich aber als einfache Uralsteine heraus.. Wäre das Geschäft zustande gekommen, so hätte R. die Halste des Kommissionsverdienstes erhalten, weil er Nasaroff unterstutzte. Die Unterstützung dauerte an, das Spiel der G. m. b. H. ging weiter, das Glück blieb aus. R. besorgte für Nasarofs Geld; in einem Monat wurde die weitere Schuld mit 100 Proz. Ausschlag beglichen. Und wieder fehlte Geld. Eines Tages eröfsnetz aber Nasaroff seinem Freund, er erwarte eine große Erbschaft aus Amerika: 38 000 Dollar. 800 Hektick Land, eine Damp, muhle habe ihm fein Vetter hinterlassen. Sein Freund besorgte ihm neues Geld mit 100 Proz. Auf die Erbschaft hin seien ihm von drei Russen laut Vertrag 30 000 M. versprochen, erklärte Nasarosf und zeigte dem Freund den Vertragsentwurf. Und wieder besorgte R. GeldmitiovProz. Di« Schuldenlast war auf 11 Ü00 M angestiegen. R. hatte seine goldene Uhr und Kette, auch den Brillant- ring und die goldene Uhr mit Kette seiner Frau versetzt. Das spiel aber war nach wie vor unglücklich. Die Gläubiger drang-len: sie wollten ihr Geld mit den 100 Proz. Aufschlag haben. Eines Tages führte Nasaroff seinen Freund in den Tiergarten und er- öffnete ihm, daß das mit der Erbschaft alles Lug und T r u g sei. So gelangte die Angelegenheit an den Staatsanwalt. Gestern standen sie alle vor dem S ch ö f se n g e r i ch t C h a r. lottenburg: Nasaroff als Angeklagter wegen Betrugs und Ur- kundenfälschung: R., der seinem Freunde Geld mit 100 Proz. be- sorgte und daran wohl hübsch verdient chatte, als Zeuge: desgleichen als Zeugen die Geldgeber, die die ungeheuerlichen Wucherprozente genommen hatten oder zu nehmen bereit waren. Verurteilt wurde allein Nasaroff, und zwar wegen Betrugs zu 6 Monaten De» Feiertages wegen erscheint die nächste Rummer des„Bor- wärls" eist am Freitag früh.. Furchtbares Exploftonsunglück. 2 Tote, 16 Schwer- und Leichtverletzte. Heringen a. d. Werra, 25. Blai.(WTB.) Ein surchibares Explosionsunglück ereignete sich heute nachmillog im kesselschmiedehau» der Gewerkschaft Winterhall. Einige Arbeiter waren mit dem Abfüllen eines großen Gasbehälters beschäftigt, als dieser aus bisher noch unbekannter Ursache explodierte. Ein Arbeiter wurde völlig zerrissen, sein Reben- mann ebenfalls getötet, ein dritter so schwer verletzt, daß an sewem Auskommen gezweifelt wird. Die fünfzehn in der Rähe be- schästigten Handwerker wurden teils schwer, teils leichter verletzt. Das Gebäude liegt völlig in Trümmern. Die Detonation war so stark, daß die Fensterscheiben der umliegenden tzäuser zersprangen. 445 Brücken in Berlin. Nach einer Zählung der städtischen Tiefbaudeputation weist Berlin— die zahlreichen Eisenbahnbrücken nicht gerech- n e t— 445 Brücken auf, von denen noch 12,6 P r o z. aus Holz find, während die anderen zu ungefähr gleichen Teilen aus Eisen oder Beton bzw. Stein bestehen. Di« wasserreichsten Bezirke haben auch die meisten Brücken: Köpenick steht mit 46 an der Spitze, dann folgen die Bezirke Mitte und Tiergarten mit 38 und 37 Brücken. lieber 36 wurden außerdem in den Bezirken Neukölln, Spandau, Charlottenburg und Pankow gezählt. W e i ß e n s e e ist der ein- zige Bezirk, der überhaupt keine Brücken aufweist. In Köpenick und in Spandau gibt es noch die'meisten Holzbrücken. Der erster? Bezirk hat davon 15, der andere 8. Oslpreuhenkonzert der Reichswehr. Das 2.(Preußische) In- fanterieregiment, das in ostpreußischen Städten in Garnison liegt, benutzte seinen Ausenthalt in Döberitz, um unter Leitung, des Armee- inusikinspizienten Professor Hackenberger im S p o r t p a l a st ein Wohltätigkeitskonzert zu geben. An diefem wirkten die vereinigten 4 Musilkorps und 3 Spielmannszüge des Regiments mit. Man sah vor allem Angehörige der Reichswehr mit Anhang und den älteren Jahrgang..Um die Zuhörer ganz in das sc atische Milieu zu ver- setzen", wie die Einladung lautete, brachten 1266 Mann alte Sol- daten- und Volkslieder zum Vortrag. Der Vers:.Daß sich unsere alte Kraft erprobt, wenn der Schlachtruf uns entgegentobt" löste naturgemäß hier den größten Beifall aus. Das Auditorium schwelgte "i Seligkeit: doch konnte man auch einige erblicken, die kalt blieben. Ein Krüppel, der für den Schlachtruf einen Arm und ein Bein ge- opfert hatte und jetzt Zigarren verkaufen muhte, verzog beim Klang ers Liedes sein Gesicht zu einer Grimasse. Zum Schluß wurde schamhafterweise nur die erste Strophe des Deutschland-Liedes gespielt. Bezirksblldungsaasschvß. Die Konferenz aller in der BildungZarbeit tälige» Genossen und Genossinnen findet am Monlaa, dem 30. Mai. abends 7'/. Uhr, im Fraktionssaal der SPD. im Slbgcoldnetenhaus, Prinz- Illbicriu-SIrohe, statt. Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit des Be< ziilsbUdungsausschusses, Bericht von der Konserenz der Beztiksbildungs- auöschüsse in Kiel, Aussprache. ES wird um zahlreichen Besuch gebeten.— Opcrnvor st eilung Sonnabend, den 4. Juni, in der Städtischen Oper, Bismarckstraße. Zur Aussührung kommt.Walküre", von Richard W euch er. Karten zum Preise von 1,86 M. find iu unserem Bureau zu haben. Die Plätze werden verlost. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Di« Anträge auf Fahrprrixrmäßigtma ,» Pfingsten für Fahrten am Donnerstag, Freitag und Sonnabend vor Pfingsten find spätestens Dienstag, 31. Mai, 13 Uhr, vorzunehmen. Für die Anträge kommen nur die Berliner Fcrnbahnhöfe: Anhalter, Potsdamer, Lehrter, Stettiner, Görlitzer und Wrieze» ner Bahnhof sowie die Etadtbahn-Fernbahnhöfe Schlefischer Bahnhof und für die von der Stadtbahn nach dem Osten und Charlottenburg für die Fahrten von der Stadtbahn nach dem Westen in Frage. Wandcrleiteriouserenz Mittwoch, 1. Juni, iu der Schule Kochstr. 13. heute. Donnerstag, den 2S. ZNai: Britz: Treffen zum stinderfreundetag s Uhr Rathaus. Eltern sind herz. lichst eingeladen.— Warschauer Biertel: Die Fahrt am 26. Mai fällt aus. Dafür rege Beteiligung am Mai 8 Uhr vor dem Jugendheim Litauer Wcrbebezirk Rculölln: der Kinderfreund«. Treffpunkt »Iugendtag er Straße. Besichtigung der Wochenendausstellung wird ver- beteiligen sich am Kinderfreunde-Maitag 11 Uhr schoben. Alle Genofien Bolkspark. W-rbcbezirk Kreuzberg: Beteiligung aller Gruppen am Maitag der Kinder. freunde. Treffpunkt für Reichenberger Biertel, Kottbusier Tor und Köpenicker Morgen, Freitag, den 27. ZNai, ISlä- Uhr: Moabit II: Heim Lehrter Str. 18—19.„Jack London."— Falkplatz: Funk. tionärsitzung beim Genossen Struzack, Gleimstr. 61.— Rorbosr I: Heim Reue Königstr. ZI. Bruiw-Bürgel-Bbend.— Nordost II: Helm Danziger Str. 62. „Was ist Sozialismus?"— Seu«selder»Diertcl: Heim Danziger Str. 23„Das alte Rom und fein Untergang."— Stralaucr Viertel: Heim Goßlcrstr. 61. „Warum freie Gewerkschaft."— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 1». „Unsere Stellung zum Reichsbanner."— Schönebcrg I: Heim Hauptstr. 16. Werbeabend— Halcnsce: Schule Ioachim.Friedrich.Str. 35—36.„Körper. kultur und Sexualfrage."— Neukölln IV: Heim Nogatstr. 53. Hosemann. Abend.— Baumschulenwcg! Heim Ernststr. 16.„Ist ein Völkerfriedcn mög- lich?"— Riede rschöncweid«: Schule Berliner Str. 31.„Allerlei über das gegnerischen_____... �______________ Instrumente sind mitzubringen.— Rofenthaler Vorstadt: Der Gruppenabend fällt aus.— Reukölln II: Funktionärsitzuna im Heim Vcrgstr. 2g.— Weißense«: Heim Porkstr. 36. Lichtbildervortrag:„Die Französische Revolution." Werbcbczirk Wcdding: Heim Schönstedtstr. 1. Spielleiterkonferenz. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz- Rot-Gold". Geschäktsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 87/38, Hof 2 Tr. Gauvorstand. Für das Gaufest in Frankfurt-. d. O.(25. und ,,-- 36. Juni) kommen folgende Züge in Betracht: am 25. Juni ad Charlottenburg 14.05, 16.07, 17.03, 18.35 Uhr; ab Schief. Bhf. 14.45, 16.48, Der Abend bpachte zwei musikalisch hübsche Einakter, beide von nicht wesentlichem Inhalt. Wolf-Ferraris Intermezzo„Susannes Geheimnis" und Offenbachs Operette„Dorothea". Außerordentlich amüsant und stimmlich sehr angenehm erfüllten Maria Husia-Greve und Wilhelm Guttmann ihre Rollen, in Offenbachs Miniaturoperette noch unterstützt von Max Kuttner. Selmar Meyrowitz betreute den Abend.— Der Nachmittag bot russischeKammermusik vom Barmas-Ouartett mit Hingabe ausgeführt. In der Veranstaltung der Iugendbühne bemühte sich Margarete Sladek ohne rechtes Märchenverständnis als Funkprinzessin. Dr. Kurt H u l d s ch t n s k y sprach über das Wesen der Rachitis und wies auf ihr« wirkungsvoll« Bekämpfung durch Höhensonne hin. Georg Bernhard begann seinen Vortrag„Die Seele des Arbeiters" in dem Zyklus„Der Mensch in der Volkswirtschaft" mit der eigenartigen Formulierung, daß die Auffassung, der Arbeiter unserer Zeit bedeute in der Fabrik kaum mehr als einen Teil der Maschine, verhängnisvoll aus der sozialistischen Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsordnung genährt worden sei. Dabei stellte der Vortragende fest, daß der Be- ginn der modernen Fabrikarbeit, besonders in England, zu einer ungeheuren Unterwertung des Menschen und zur mitleidslosen Aus- Nutzung von Frauen und Kindern führte. Auch vom rapide vor- wärtsfchreitenden Ford-System konstatierte Georg Bernhard, daß es nichts mit der Seele des Arbeiters, sondern mit einer bestimmten Gruppe seiner Muskeln zu tun hat. Und wenn er betonte, daß sich diese Arbeitsform aus den besonderen amerikanischen Ver- hältnissen ergebe, so vergaß er die deutliche Erwähnung der Tatsach«, daß europäische und keinesfalls in letzter Linie deutsche Fabriken den Fordismus mit größtem Eifer als Mittel zur Rationalisierung der Arbeit aufgegriffen haben, viel lebhafter als den vom Redner zitierten sinnvoll gehandhabten Taylorismus. Daß eine vernünftige Wirtschaftsführung zur richtigen Bewertung und Verwertung des Arbeitsmenschen kommen muß, ist selbstverständlich. Aber der sozialistische Hinweis auf die Unterwertung des Arbeiters als Menfchen kann doch nur eine Förderung dieses vernünftigen Prin- zips, nicht aber seine Hemmung bedeuten. T e s. 17.46 und 19.17 tlhr. Sonntag, 28. Sunt: ai Charlotte II bürg 6.29, 7.05, 9.43 Uhr; ab Schief. Bhf. 7.10, 7.45 und 10.20 Uhr. Preis der Sonntags- rücksahrkarte 4. kl., ab Charlottenburg 3,80 M., ab Echles. Bhf. 3,60 M. Mel- düngen unter gleichzeitiger Angabe, welcher Zug benutzt werden soll, hat un- verzüglich bei den einzelnen Vorständen zu erfolgen, damit bis spätestens 10. Juni endgültige Meldungen durch die Vorsitzenden abgegeben werden können.— Freitag, 27. Mai. Tempelhof: Abends 6>4 Uhr antreten am Bhf. Tempelhof, Pflichtveranstaltung. Köpenick: Abends 7 bis 9 Uhr turnen auf dem Sportplatz Marienstraße. 8 Uhr im Etadttheater Köpenick Kameradschaftsversammlung. Ausgabe der Karten nach Brandenburg. Reinickendorf: Abends 8 Uhr Versammlung im Echützenhaus Reinickendorf-Ost, Residenzstr. 1. Wich- tige Tagesordnung._____/ Ziidischer Arbeiter-Knltnrverein, Rosenthaler Str. 39. Sonnabend, 28. Mai, 8 Uhr, Prof. Alfons Goldschmidt:„Mexiko und der Imperialismus Nord- amerikas". Veeeinianna der Freunde von Religion und«ölkerfrieden. Genosse Pfarrer Bleier spricht Sonntag, 29. Mai, abends 6 Uhr(nicht vormittags 10 Uhr), in der Trinitatiskirche zu Charlottenburg, Karl-August-Platz, Uber das Thema „Die Sehnsucht nach Geist". Mrbetterfpsrt. Um die vezirksmeisterschafi im Osten. Der Osten hat es mit feinen Bezirksmeisterschaftsspielen sehr eilig. In N i e d ers ch ö newei d t, an der Gasanstalt, stehen sich Branden- dieses Resultat nicht die wahre Spielstarke der Mannschaften gezeigt Hobe». Das Spiel beginnt nachmittags 5 Uhr. Vorher spielen die Schüler von Sparta und Lichtenberg 1_ Sport.■ Rennen zu Sarlshorst am Mittwoch, dem 25. Mai. I.Rennen. 1. Moustafa Kenia!(Rosenkranz), 2. Cenlrisugal(Broda), 3. Killewit(Haffner). Toto: S1: 10. Platz: 22, 16, 22: 10. Ferner liefen: Felfenquelle, Ulster, Cäsar II, First Fruit, gef., Dau, ges., Venus IV, ges., Steinzeit, ges., Anika, ges.. St. Lucia, ges. 2. Rennen. 1. Mariza(Moritz), 2. Laufjunge(Ackermann). 3. Labrador (Kohoutek). Toto: 74: 10 Platz: 20, 21: 10. Ferner liefen: Sonnenkönig, Farmer. 3. R e n n e n. 1.?sr mala(Ackermann), 2. Wiwia(Schuller), 3. Hilarius(Kohl). Toto: 59: 10. Platz: 15, 17, 15: 10. Ferner liefen: Märchenzauberin, Harzreise, Miidroy, Volaca, Laokoon. 4. Rennen. 1. Fateider(Leutn. Viebig), 2. Rößling(v. Borcke), 3. Savovard(Leutn. v. Götz). Toto: 27: 10. Platz: 11, 11: 10. Ferner liefen: Tippel. 5. R e n n e n. 1. Mästoso(Mate), 2. Enzian(Kukulies), 3. Waisen. knabe(BiSmark). Toto: 23: 10. Platz: 11, 12, 11: 10. Ferner liefen: Ofando, Filanda, Viktoria, Streitfrage. 6. Rennen. 1. Final(Franzke), 2. Malepartus(Kohl). 3. Eulalia (Voltz). Tot-: 105: 10. Platz: 34, 18, 33: 10. Ferner liefen: Otavi, Zauberflöte, Traumliefe, Briganl, Grille. 7. Rennen. 1. Kardinal II(v. Borcke), 2. Irrlehre(Schnitzers 3. Falter(Leutn. Viebig). Toto: 15 t 10. Platz: 12, 13, 11; 10. Ferner liefen: Maikäfer, Miffa, Königsadler, Falkonier. Himmelsahrtsreunen auf der Riitt-Arena. Die am Sonntag verregneien und auf DienSiagabend verschobenen Rennen fielen wiederum dem schlechten Wetter zum Opfer und finden nunmehr am HimmelsahrlSIage nach. mittags 4 Uhr bei volksillmltchen Eintrittspreisen(M. 1.— bis M. 3.—) statt. Da ein« Anzahl Fahrer abreisen mußten, um anderweitige Startverpflich. tungen zu ersüllen, hat das Programm eine Aenderung ersabren, und zwar kommt neben den vorgesehenen Amateur-Wett beweiben mit der gleich guten Besetzung ein nationaler Fliegerkamps zwischen dem deutschen Meister Lorenz, Hahn, Mühlbach und dem jungen Lothar E h m e r in vier Dreierläufen, sowie ein Einzel-Punktcsahren über 10 deutsche Meilen (75 km— 300 Runden) zum AuStrag, bei dem nach jeder Meile d. h. alle 30 Runden, eine Wertung auSgesahren wird. Buichenhagen, Krolchel, Behrendt, Longardt. MaScjhnski. Petermann, A. Krüger, Blank, Jensen, Kalles usw. erscheinen ebenfalls am Start. I Originalpackung 45 Pf. Doppelpackung 75 Pf. auf unaere Frage: „Was macht IREN AN 7 IC üSSdhyMetvf „Was macht Treman?" 2500 Mark Preise 2000 Mark bar und 600 andere Preise „Was macht TREMAN?"—„Wenn Sie sich mit TREMAN gewaschen haben, wissen Sie es. Die Antwort finden Sie aber auch auf dem(blauen) Etikett der Originalpackung TREMAN, wenn Sie von den ersten 3 Worten des TREMAN-Etiketts die Hälfte der diese 3 Worte bildenden 22 Buchstaben wegstreichen. Die restliehen 11 Buchstaben(ae ist ii, gilt als zwei Buchstaben) ergeben durch Umstellung in zwei zweisilbigen Worten die Antwort Zwecks Beteiligung an dem Preisausschreiben senden Sie uns Ihre Lösung bis spätestens 15. Juni 1927 einsehlleBiioh ein. Jeder TREMAN-Originalpackung liegt kostenlos unsere TREMAN- Preisrätselkarte bei. Jeder TREMAN-Doppelpackung sind zwei Preisrätselkarten beigefügt. Die Prelsrätselkarten sind mit einem entsprechenden Vordruck versehen, so daB Sie nur Ihre Antwort und genaue Adresse einzutragen brauchen. Für die richtigen Lösungen setzen wir folgende Preise aus; 1. Preis 1000 Mark in bar 2. Preis... 200 Vtarit in bar 3. Preis... 100 Mark in bar 5 Preise zu je 20 Mark in bar 30 Preise zu je 10 Mark in bar 600 Preise js eine Ooppelpaestung TREMAN Dia Verteilung dar Preise geschieht bei Eingang mehrerer richtiger Lösungen durch das Loa in Beganwart eines Notars, worauf sofort die Bekanntmachung und Auszahlung dar Preise erfolgt. AuBerdem verteilen wir je einen 1. Sonderpreis 200 Mark in bar 2. Sonderpreis 100 Mark in bar 3. Sonderpreis 50 Mark in bar für die treffendste Schilderung der guten Eigenschaften von TREMAN in Vers oder Prosa, die ebenfalls auf dar Preisrätselkarte in möglichst kurz zu haltender Form einzusenden Ist. Oer Spruch des Preisgerichts, das aus den Herren Rechtsanwalt und Notar Dr. Pagenka m per, Bankier von Krause, Walther Rothe und zwei Harrender Direktion besteht, ist endgliltig und unanfechtbar. AIso�WasjnachtJIREMAN?!!�� r H JB A AI'n a"Bn einschlägigen Geschäften, OrogerieAParfOrnerien, Apotheken, Seifenhandlungen U U il/l n IU usw. erhältlich. Wenn nicht, wenden Sie sich direkt an uns oder an unsere Zweigstellen. I iLlTlrH« Wir senden Ihnen auch sofort auf Wunsch eine Packung gegen Nachnahme portofrei zu. J. A. D Z I N O& C O. G. m. b. H. DEUTSCHE TREMAN-WERKE � BERLIN SW 68, Hollmannstraße 32 KÖLN, FHesenstraße 75 Generalvertretung fDr Berlin: TREMAN-VERTRIEB, Französische Str. 24' Tel. Ztr. 9851 TRFM/lKr ln c,er wasserdichten inDlUHll Originalpackung mit der sparsamen Streuvorrichtung Ist Oberaus ergiebig y. daher billig. 1 Packung mit ca. 200 g Inhalt reicht monatelang. 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Hausbesitzerpolitik des Rechtsblocks.— Dafür Verewigung der Wohnungsnot. Heber den Gesetzentwurf zur Vereinheitlichung der Real- steuern, über den mit den Ländern bereits ausführlich oerhandelt worden ist, hat man der Oeffentlichkeit bisher noch keine Kenntnis gegeben. Wohl aber scheint das Reichsfinanzministerium es für richtig gehalten zu haben, den Organisationen der ch a u s- besitze? schon jetzt den Teil mitzuteilen, der sich mit der Verein- heitlichung und Neugestaltung der Hauszinssteuer beschäftigt. Wie üblich, haben die Interessenten nicht den Mund halten können, sondern eine Korrespondenz war in der Lage, die Grund- zöge dieses Entwurfes mitzuteilen. Milliardengeschenke für den hausbesih. So können wir schon heute feststellen, daß der Bürgerblock bereit ist, der Wirtschaftspartei, die die Hausbesitzer vertritt, einen außerordentlich hohen Preis für ihre politische Unterstützung zu zahlen. Der neue Gesetzentwurs sieht zunächst vor, daß die Höhe der Hauszinssteuer unabhängig von der Höhe der gesetzlichen Miete sein soll. Schon bei den letzten Mieterhöhungen ist ein wachsender Teil des erhöhten Mietertrages dem Hausbesitz ver- blieben, und ab I. Oktober wird sich das Einkommen des Haus- besitzes nach Abzug der Unkosten, Hypothekenzinsen und Hauszins- steuer ungefähr auf derselben Höhe bewegen, auf der es in der Vorkriegszeit nach Abzug der Unkosten und Hypothekenzinsen stand. Nach der N e u regelung ist damit zu rechnen, daß sich dies Ein- kommen durch weitere Mietsteigerungen noch beträchtlich erhöht, weil nach den vorliegenden Absichten jede Beziehung zwischen Steuerleistung und gesetzlicher Miete fallen soll. Ist es doch kein Geheimnis, daß man in Regierungskreisen eine gesetzliche Miete in den Allwohnungen von m i n d e st e n s 140 P r o z. für die nächsten Jahre plant. Damit würde dem Hausbesitz nach dem neuen Entwurf des Reichsfinanzministeriums allein durch die end- gültige Begrenzung der Steuerhöhe«in Betrag von 1 M i l- l j a r d e Mark jährlich zufallen. Das ist ein ungeheuerliches Geschenk. Der Hausbesitz könnte sich rühmen, daß ihm vom Rechts- block eine Jahresrente gewährt wird, deren Höhe sogar über alles das hinausgeht, was je die deutschen Großagrarier für sich heraus- zuholen oei�tanden. (£9 kommt noch besser. Dabei handell es sich aber nur um einen Bruchteil dessen, was dem Hausbesitz wirklich zugedacht ist. Denn außer dieser ersten grundsätzlichen Aenderung der Hauszinssteuer bringt der Entwurf noch Erleichterungen für den Hausbesitz. Die Haus- zinssteuer berücksichtigt heute nur innerhalb enger Grenzen die Höhe der Vorkriegsverschuldung eines Hauses. Daraus ergeben sich Härten, aber bei der gegenwärtigen Regelung ein höherer Steuer- ertrag, als bei einer genauen Berücksichtigung der Borkriegs- belastung und entsprechender Festsetzung der Steuerhöhe nach dem Maßstab erwartet werden könMe. der sich in den dem Hausbesitz aünstigsten Fällen ergibt. Genau das sch-int der Regierungsentwurf zu beabsichtigen. Wir nehmen an, daß dadurch der Gesamtertrag der Steuer, der jetzt etwa l'A Milliarden beträgt, wesentlich— wohl mindestens um ein Fünftel— gesenkt werden wird. Der Hausbesitz erhält also nach den Plänen des Entwurfs des Reichs- finanzminsteriums nicht nur demnächst 1 Milliarde aus der zu erwartenden Mieterhöhung, sondern vbendrein noch 300 Millionen aus der„Verfeinerung" der Steuerveranlagung und -erhebung. Auch dieser Betrag war aber scheinbar dem Reichsfinanz- Ministerium noch nicht groß genug, um sich die Unterstützung der Wirtschaftspartei für die jetzige Regierungskoalition durch Dick und Dünn zu sichern. Darum sieht der Entwurf vor, daß die Steuer von Jahr zu Jahr bis auf einen kleinen Re st betrag um jährlich 10 Proz. abgebaut werden soll. Alljährlich wird also dem Hausbesitz ein Geschenk von etwa 120 Millionen gemacht werden, bis seine„Steuerlast" auf ein paar Hundert Millionen zusammengeschmolzen ist. Nach wenigen Iahren wird sich die Einnahme der öffentlichen Hand aus der Hauszins- steuer auf% Milliarde senken und der Ertrag des Hausbefitzes aus dem Steuerabbau und der geplanten Mieterhöhung wird auf 2 Milliarden steigen. Wirlschaflsfeindliche Finanzpolitik. Von den, heutigen Ertrag der Hauszinssteuer von rund 1,3 Milliarden dienen etwa 800 Millionen dem Finanzbedarf von Ländern und Gemeinden. Die Finanzlage des Reichs und aller öffentlichen Körperschaften mit Ausnahme der kürzlich so reich beschenkten süddeutschen Länder ist gespannt. Der Reichs- smanzminister reist durch das Land und behauptet, wir müßten eventuell mit einer schweren außenpolitischen Krise rechnen, weil der Steuerertrag und die Steuerkraft der deutschen Wirtschast nicht ausreichen, um die erhöhten Reparationslasten der nächsten Jahre aufzubringen. In demselben Augenblick wird vor- geschlagen, dem deutschen Hausbesitz Geschenke zu machen, die größer als die kommende Mehrbelastung aus Reparationen sind und auf die der Hausbesttz keinen Anspruch hat. Diese Politik ist von Hand- (ireiflicher Gefährlichkeit. Ei« verdient darüber hinaus den schärf- ten Wider st and aller übrigen Wirtschaftskreise, die jetzt auf eine Senkung der Gewerbesteuer hoffen. Die Ar- b e i t e r s ch a f t aus der anderen Seite fordert mit Recht eine Ver- Minderung der überhohen Belastung der niederen Einkommen. Nichts von alledem aber ist möglich, wenn Ländern und Ge- meinden die Hauszinssteuer praktisch genommen wird. Der jähre- lang« Verlust von jährlich rund 60 Millionen Mark Steuerein- nahmen aus dieser Quelle, den der Vorschlag des Reichsfinanz- Ministeriums vorsieht, muß mit Hilfe der Gewerbesteuer ausgefüllt werden, und an eine Steuerentlastung der niederen Einkommen über das gestzlich festgelegte Maß hinaus ist überhaupt nicht zu denken. Die Hauszinssteuer belastet die produktive Wirtschaft von allen bestehenden Steuern am wenigsten. Wenn es eine vernünftige und gerechte Steuer gibt, ist sie es. Ihre Senkung muß in einem gesunden Steuerprogramm an letzter Stelle stehen. Stabilisierung de» Wohnungselends. Was aber wird aus dem Wohnungsbauprogramm? Der Reichsarbeitsminister hat wiederholt ein langfristiges Reichs- Wohnungsbauprogramm versprochen. Sein Versprechen ist bis zum heutigen Tage uneingelöst geblieben. Es war ein Lockruf, mit dem man Arbeiwehmer aller Richtungen für die lang- same Steigerung der Mieten zu gewinnen suchte: denn von ihr glaubten sie eine Steigerung des Wohnungsbaus, eine fühlbare Erleichterung der Wohnungsnot erwarten zu dürfen. Mietsteige- rungen sollten ja scheinbar mit erhöhten Hauszinssteuererträgen für den Wohnungsbau Hand in Hand gehen. Das Programm des Bürgerblocks lautet aber nicht:„Erhöhte Mieten und g«- steigerter Wohnungsbau": es lautet:„Erhöhte Mieten und Verringerung des Wohnungsbaus". In 6 Jahren kann nach dem, was die Hausbesitzer über den Entwurf des Reichsfinanz- Ministeriums zum Abbau der Hauszinssteuer veröffentlicht haben, höchstens noch eine knappe Viertelmilliarde für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen, d. h. nur ein Drittel der Summe, die heute für den Wohnungsbau da ist. Wir brauchen nicht besonders festzustellen, daß das die Verewigung der Wohnungsnot bedeutet. Wir hoffen nicht, daß es möglich ist, diesem unerhörten Entwurf die Zu- stimmung der Länder zu verschaffen. Wir halten es für dringend notwendig, daß die deutscheu Städte durch ihre berufenen Vertretungen schon jetzt mit aller Schärfe Protest gegen diese Steuerpläne erheben. Wir wissen, daß die Industrie gegen dies« Steuerpolitik protestieren müßte, wenn es ihr mit dem Steuerabbau ernst ist, und wir sind überzeugt, daß das arbeitend« Volk sich gegen eine Gesetzgebung empören wird, die darauf hinausläuft, die Wohnungsnot zu stabilisieren, statt sie durch den Wohnungsbau zu befeitigen. Inüustrie unü Rechtsblockregierung. Der Reichsverband der deutschen Industrie gegen sich selbst. Der Reichsverband der deutschen Industrie hat ein Schreiben an de» Reichswirtschaftsmini st er gerichtet. Darin wird dieser ersucht,.feinen ganzen Einfluß dafür einzusetzen, daß Maß- nahmen oerhindert werden, die neuerdings die deutsche Wirtschaft Experimenten aussetzen, die nur dazu führen können, die Renta- bilität der Betriebe dauernd ernstlich zu gefährden, die Lebens- Haltung der breiten Massen der Bevölkerung herabzusetzen und letzten Endes die Arbeitslosigkeit zu vergrößer n." In diesem Zusammenhange wird darauf hingewiesen, daß in- folge der Entwicklung in unserer Wirtschaft„Preiserhöhungen an fich jetzt schon unvermeidlich geworden sind". Man habe aber von ihnen abgefehen wegen der Wirkung auf die allgemeine Wirtschafts- läge und wolle versuchen,„zunächst ohne Preiserhöhungen auszu- kommen". Wenn es aber nicht gelingen sollte,„weitere Belastungen zu verhindern, dann könnte im Interesse der Existenz der Betrieb« eine Preiserhöhung nicht länger hinausgeschoben werden, die vor allen Dingen die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Ware aus dem Weltmarkt noch weiter verringern würde, als das heute schon der Fall sst". Merkwürdigerweise erblickt der Reichsverband der deutschen In- dustrie die Ursachen der von ihm selbst als unheilvoll bezeichneten Entwicklung durchweg in den Lohnforderungen der Ar- b e i t e r s ch a f t und„den mit Hilse des Schlichtungsverfahrens durchgesetzten Lohnerhöhungen". Diese gehen nach der Auffassung des Reichsverbandes über die Verteuerung durch die Mietpreis- erhöhungen hinaus. Der Reichsverband leugnet die Erfolge der Rationalisierung nicht, ist aber der Auffassung, daß die.Arbeit- nehmer„fich ihren Anteil an der Rationalisierung verschasfen wollen, ohne die finanzielle Konsolidierung der Betriebe und die VerbUli- gung der Produktion abzuwarten". Weiter sieht er in dem am 1. Mai in Kraft getretenen Arbeitszeitnotgesetz eine Tatsache,.die die rationell« Ausnützung der Betriebe über acht Stunden h i.n a u s erschwert". Auch die von der R e i ch s b a h n und der R e I ch s p o st geplanten Tarifsteigerungen, die für die Wirtschast als untragbar bezeichnet werden, führt der Reichsverband merk- würdigerweise auf Lohnforderungen bzw. Lohnerhöhungen zurück. In erster Linie muh sich die Arbeiterschaft gegen die Ausfassung des Reichsoerbandes über unbegründete Lohnforderungen bzw. Lohnerhöhungen wenden. Die vorgenommenen Lohnerhöhun- gen gleichen keineswegs die eingetretene Verteuerung der Lebens- Haltung aus. Angesichts dieser Entwicklung kann man auch wirklich nicht von einer Forderung der Arbeitnehmer nach einem Anteil an den Rationalisierungsersolgen sprechen. Hätte man durch eine ver- nünftige Wirtschaftsführung und Wirtschaftspolitik Preissteigerungen oerhindert und die Arbeiterschaft wirklich an den Rationalisie- rungserfolgen beteiligt, so hätte sich der Reichsverband heute nicht zu beklagen. Anstatt diesen einzig richtigen Weg zu gehen, machte man aber eine Politik, die ausschließlich auf die Erhöhung der Ge- Winne und die Begünstigung einzelner Interessentenschichten hin- auslies. Sie ist die wahre Ursache der neuen Teuerung?- welle. Wenn der Reichsverband der deutschen Industrie in seinem Schreiben also die Wirtschaftspolitik des Rechtsblocks anklagt, der noch heute seine kräftigste Stütze im Reichsverband hat. so klagt sich der Reichsverband selbst an. Die durch die Ratio- nalifierung erhöhte Rentabilität der Betriebe nicht zur Steigerung der Massenkaufkraft bzw. zur Preissenkung ausgenutzt zu haben, dieser Fehler richtet sich heute gegen die Industrie selbst. Die Absatz- steigerung hätte die Industrie steuerkräftiger und damit auch olle Lasten leichter tragbar gemacht, über die sie heute nicht genug klagen kann, Der Güterverkehr der Reichsbahn. In der Woche zum 16. Mai hat die Reichsbahn arbeitstäglich ihre Güterwagengestellung auf 150 Z00 gegen 148 300 in der Vor- woche wieder erhöhen können. Die Wagengestellung nahm feit An- sang März folgenden Verlauf: Tabellarische Uebersicht seit Februar. 27. 6. 18. 20. 27. 3. 10. 17. 24. 1. 8. Woche 2.— 5. 3.— 12. 3.— 19. 3.-26. 3.— 2. 4.— 9. 4.— 16. 4.-23. 4.-30. 5.— 7. 6.-14. wöchentlich 1927 835,0 867,1 868,7 874,7 873,0 858,3 726,6 722,0 892,6 890,0 901,8 1926 685,7 689,9 702,9 719,0 394,0 594,5 734,2 728,2 709,4 741,8 656,2 (In 1000 Stück) durchschnittlich dro Arbeitetaji 1927 139,2 144,5 144,3 145,8 145,5 143,0 145,1 144,4 148,8 148,3 150,3 1926 114.3 115,0 117,1 119,8 118,8 118,9 122,4 121,4 113,2 123,6 181,2 Zweierlei fällt in dieser Tabelle auf. Einmal die Verhältnis- mäßig sehr geringe Steigerung der täglichen Wagengestellung seit dem 12. März. Die Frühjahrsbelebung hat im Güterverkehr der Reichsbahn keinen deutlichen Ausdruck gefunden. Sodann im Vergleich mit dem Vorjahr das Ausbleiben der gewöhnlich im Mai eintretenden Steigerung des Güterverkehrs. Landwirtschaftsausstellung in Dortmund.. Am Dienstag wurde in Dortmund, wie uns unser dortiger. Mitarbeiter meldet, die Ausstellung der Deutschen Landwirtschast?-: gesellschaft eröffnet. Der Deutsche Landwirtschpftsrat selbst hat eine Sonderausstellung unter dem Titel„Bilder zur Loge der Landwin- schaft" veranstaltet, die seine bekannte Politik, zu höheren Getreide- und Vieh, zöllen zu kommen, sehr auffällig unterstreicht. Man kann sagen, daß der Schrei nach höheren Zöllen aus allen seinen Dar- stellungen in Dortmund tönt. Daß die deutsche Landwirtschaft heute eine beträchtliche Steuerlast aufzubringen hat, wird selbstverständlich so anschaulich wie möglich dargestellt. Verschwiegen wird dagegen, daß sie viel« Jahre lang steuerlich sehr bevorzugt war. Recht lehrreich und dankenswert ist die Sonderausstellung der preußischen Hauptlandwirtschaftskammer über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der Qualitätshebung und Standardisierung. Hier■ gibt es für den deutschen Landwirt in der Tot manchen guten Wink, der ihm in seiner schweren Arbeit vorwärts helfen kann. Beachtens- wert ist auch die sehr gut gegliederte Sonderausstellung der west- fälischen Landwirtfchastskammer in ihrem umfangreichen anfchau- lichen Lehrmittelapparat._ Erhöhung der Vromntwei»preise. Die Reichsmonopolverwaltung für Branntwein bat mit Zustimmung des Beirats mit Wirkung vom 1. Juni 1927 den regelmäßigen Verkaufspreis von 4,30 auf 5 Mark erhöht. Dieser Preiserhöhung je Liter Weingeist liegt keine Aenderung der Wrrtfchastsiage zugrunde: es ist vielmehr nur ein Ausgleich dafür geschaffen worden, daß infolge des Wegfalls der Gemeindegetränkesteuer die Gesamtbelastung des Branntweins geringer geworden war. Die durch die Er- höhung entstehende Mehreinnahme wird zum überwiegenden Teil in Gestall der Hektolitereirmahme an die R e i ch s k a s s e abgeführt. „ Jhnen n««- HERMANN TIETZ 1 Die Wcrpen- | Häuser der» 9lpma � nehmen unsere Kredit- II a llf— � scheine als Barzahlung FUi 9616 WfQsdl V.____________ Weitere Annahmestellen bei den Theater- hassen HERMANN TIETZ, Alexanderplatx, Frankfurter Allee, Belle-Alliance-Slrasse, Chausseestrasse und KurHirstendammZZ. � und zahlen beim Kauf 250/0 des Kaufbetrages bar an. KtHiafl�radli Berlin Wö* Markgrafensirasse 28. GM BH Kommunalpolitiscke Zoröerungen. Die Rcichskouferenz für Kommunalpolitik. Als Auftakt zum Kieler Parteitag fand am Sonntag vormittag die erste kommunalpolitische Reichstonferenz statt. Daß die kommunalpolitische Zentralstelle beim Parteivorstand damit einem langgehegten und oft ausgesprochenen Wunsch Rechnung ge- tragen hat. zeigte der überaus gute Besuch— weit über 300 Teilnehmer aus allen Gemeinden Deutschlands sowie eine große Anzahl der Parteitagsdelegierten waren anwesend. Außerdem konnte der Vorsitzende des Konimunalpolitischcn Beirats, der Genosse Stel- l i n g, als Parteivorstandsmitglied bei der Eröffnung eine Reih« Ehrengäste begrüßen, die auch ihrerseits herzliche Worte an die Konferenz richteten. Zlls Vertreter der Kieler Parteiorganisation be« grüßte, zugleich im Namen der Stadtverordnctenfraktion. Genosse Schweitzer die Delegierten. Für den Magistrat Kiel begrüßte Bürgernieistcr Genosse Dr. H e i m e r i ch, für den Reichsstädtebund Geschästssührer Dr. h a« ck e l. für den Deutschen Landkreistag Oberbürgermeister Dr. H e y m a n n. für den Deutschen Landgenieindetog Geschäftsführer Stadtrat Dr. S ch in o l l und für den Städtetag Vizepräsident Dr. Elsas die erste Rcichskonferenz der Sozialdemokratischen Partei. In seinen weiteren Worten betonte Genosse Stelling die Notwendigkeit der Förderung und des Ausbaues der Zusammen- arbeit durch ähnliche Tagungen und Konferen.zen, da gerade unsere Genossen in der kommunalen Arbeit allerorts nicht nur die Vor- wärtstreibenden, sondern, wie das bereits in einer großen Anzahl von Städten und Gemeinden durch die Tat geschieht, auch die Pioniere des Sozialismus sind. Gemeindefinanzpolitik. Referate und Aussprache gaben dann auch ein beredtes Zeugnis davon. Wenn auch in der letzten Zeit die Frage der Lastenoerleilung zwischen Gemeinden, Ländern und Reick) fast erschöpfend debattken wurde, so empfand man wohltuend, daß der Stadtrat Genosse Reuter es verstand, in seinem Referat„Der Finanzausgleich und die Gemeinden" diese Materie einmal� grundsätzlich zu b«> bandeln Ausgehend von der Erzbergerjchen Steuerreform stellt« er die Forderungen der Gemeinden bei der zu erstrebenden z e n- traten Regelung aller finanziellen Beziehungen der öffentlichen Körvcrschoften durch das Reich dar. Grundlegend muß gesordcrt werden, daß die Führung geordneter Gemeindesinanzen nicht durch Parlamentsbeschlüsse während des Etatsjahres gehindert wird, da den Gemeinden besonders die Befriedigung der sozialen, Wirtschaft- lichen und kulturpolitischen Bedürfnisse der Bevölkerung obliegt. Vom Standpunkt der sozialdemokratischen Gemeindevertreter ist unter Berücksichtigung niatcriellcr Selbstverwaltung die Erfüllung dieser Gemeindeaufgaben sicherzustellen. Bei der Neuregelung des Finanz- ausgleichs müssen deshalb die Gemeinden folgendes verlangen: s) Reichsrahmengesetzgebung auch für die G e- mein de steuern, insbesondere aber für Gewerbesteuer, Grund- steuer und Hauszinesteuer unter Ablehnung der Forderung nach einem sogenannten ssöchstbelastungsgesetz, b) reichsgesetzlsch: Regelung des V e r t e i l u n g s- s ch l ü s s e l s für die Steuerüberweisungen zwischen den Ländern und Gemeinde»! c) rcichcgesetzliche Regelung für den internationalen Lastenausgleich. Das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer sowie jede Tendenz zur ungerechtfertigten steuerlichen Bevorzugung agrarischer Teile ist grundsätzlich abzulehnen. Nur die engste Zusammenarbeit der in den zentralen Organisationen der Gemeinden tätigen Genossen mit der Reichstagssraktion durch die Vermittlung der Kommunalpolitischcn Zentralstelle beim Porteivorstand kann es ermöglichen, daß die großen kultur- und sozialpolitischen Ausgaben der Gemeinden bei der endgültigen Regelung des Finanzausgleichs gegenüber den Angriffen der Wirtschaft gestützt werden. Das beabsichtigte Referat„Kommunole Wohnungs- Wirtschaft" mußte leider wegen Erkrankung des Genossen W u tz k i durch Unfall abgesetzt werden. Tic Ferngasfragc. Genosse Dr. Marschack sprach zu den heute sehr im vorderarund der Debatte stehenden Problemen der Ferngasversorgung. Unser Ziel, möglichst billige und möglichst allgenieine Belieserung der Ber- brauchcr mit Kraft, Licht und Wärme in Form von Gas oder Elektri- zität ist nur schrittweise zu erreichen, da es als össentliche Monopolisierung, d. h. Sozialisierung durch össentliche Körperschaften, die. Hindernisse und Wider st ände des Privat monopol» überwinden muß. Eine Preiskontrolle durch Besserung der schiedsgerichtlichen Entscheidungen und Einfluß der Gemeinden und Verbraucher im Reichstohlenrat, dessen Funktionen erweitert werden können, vermögen die Gefahren des Privatmonopols zu mindern. In gernischtwirtichastlichen Betrieben ist die Sicherung eines möglichst großen Derwaltungs- und kapitalmäßigen Anteils der ösfentlichen Körperschaften unbedingte Notwendigkeit. Bei eingehender Be- trachtung der besonderen technischen und wirtschastlichen Verhältnisse der Ferngassrage mit den zahlreichen projektierten Plänen trat bei der Behandlung der Ferngaslicserungsverträge(Dauer, Kohlen- klausel, Nebenprodukte, Preiskontrolle) die Notwendigkeit e i n h e i t> lichen Vorgehen» der Kommunen und sonstigen öfsent- lichen Körperschasten bei Verhandlungen mit privaten Ferngasinter- «ssenten hervor. Bei der Elektrizität ist die Fcrnversorgungssrog« viel weiter vorgeschritten, da hier die Berhältnissc wesentlich anders liegen. Die Träger sind fast ausschließlich die deutschen Länder und das Reich sowie Kommunalverbände. Die Gefahr des Privatmono- pols ist geringer als beim Gas. Auch hier ist der Standpunkt der möglichsten Vereinfachung der Produktion und der möglichsten Unier- ordnung der fiskalischen Gesichtspunkte unter die Gesamtwirtschast zu vertreten. Das Bestreben der Privatinteressenten, das Wegerecht für sich zu erhalten, muß schärfstens bekämpst werden. Damit wendet sich die Sozialdemokratie nicht gegen ein Reichswegerecht. Zum letzten Tagesordnungspunkt sprach der Bürgermeister G«- nosse Hirsch. M. d. L. Er gab einen Ueberblick über die von den sozialdemokratischen Gemeindevertretern in den Städten und Ge» meinden geleistete Arbeit und.zeigte damit die Notwendigkeit der Schaffung eine» neuen Kommunalprogramms. Zrqar sind eine Reihe von Entschließungen und früheren Programmen vorhanden, die allgemein und speziell von dein Willen zur Förderung der Gemeinwirtichaft zeugen, doch wurde der Wunsch nach einem neuen und umsassenden Programm mehrfach geäußert. Stehen auch einem solchen durch die verschiedenartigen Städte- und Landgemeinde- ordnungen, durch oie verschiedene Konstellation der parlamentarischen und öfsenllichen Körperschaften in den einzelnen Ländern große Hindernisse entgegen und sind auch die Schwierigkeiten selbst in unseren Reihen(Finanzausgleich, Eingemcindungssragen usw.) sehr erschwerend, so kann man doch nicht umhin, durch große Richt- l i n i e n einen einheitlichen Willen und ein geschlossene« Vorgehen zu ermöglichen, ohne dabei eine schematisch« Bindung an Wort« zu fordern. Die Versammlung griff dann in der Debatte die Vorschläge und Anregungen des Referenten auf und nahm folgende Ent- s ch l l e ß u n gan. „Die Konferenz stimmt den Ausführungen des Referenten grundsätzlich zu und beauftragt den Lommunalpolitischen Beirat beim Parteivorstand mit der Ausarbeitung von Richtlinien sozialdemokratischer Kommunalpolitik und gegeb»» nenfalls eines sozialdemokratischen Kommunal Programm». Die Richtlinien bzw. das Programm sind einer späteren kommu- nalen Konferenz zur Genehmigung zu unterbreiten. Dem Kommu« nalpolitischen Beirat wird das Recht der Zuwahl erteilt." Danach konnte der Genosse Stelling die Tagung schließen, die für die Vorbereitung eines einheitlichen sozialdemokratischen Kommu» nalprogramms wichtige Vorarbeit geleistet hat. verein Arbeiterpresse. Vor dem Beginn de- Parteitage» hielt der Verein Arbeiter. presse, die Vereinigung der sozialdemokratischen Redakteure, Ge» schästsführer und Parteisekretäre sein« Generalveriannnlung im Kieler Gewerkschasishause ab. Die Genossen Robert Schmiot uno Margarete Philipp berichteten über den Stand der Vereinigung. die keine gewerkschastliche Organisation ist. sondern sich vorwiegend mit beruslichen Fragen besaßt. Parallel mit der sortsckueitenden Em- Wicklung der Parteiunternehmungen steigt auch die Zahl der Mit- glieder des Vereins Arbeiterpresse. Es wurde ein Antrag angenommen. der den Vorstand beaustragt, mit dem Partelvorstand und dem ADGMB. in Verbindung zu treten zur Schasfung eines ständigen Schiedsgerichtes, dos vorkommend« Diljerenzen zwischen den Angestellten und den Aufsichtsinstanzen schlichten soll. Genosse P r a g e r berichtete über die international« sozio» listisch« Preisekonkerenz, die am 20. November 1920 m Berlin stattfand, und in der ,vor allem der weiter« Ausbau des internationalen Nachrichtendienstes der Arbeiterpresse bebandelt wurde. Mit der wissenichaktlichen und technischen Fortbildung der Redakteure und Parteisekretäre belchäftigt« sich der Bericht des Genossen Stein über die vom Reichsbildung»au,Ichuß im vorigen Jahre veranstalteten Kurs«!n Wernigerode, sowie die Mitteilungen de, Genossen K e in p k e n s- Spandau über die Eriabrungeir. die mit Volontären in Redaktionen und Pamisekretariaten gemacht worden sind. Zuletzt hielt Genosse Pargmonn- Stettin einen Vortrag über die Werbearbeit sür die Parteipreise, der nußer- ordentlich wertvoll« hinweise sür dieses Gebiet unlerer Parteitätig. keit enthielt. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt: Vor- sitzender ist Robert Schmidt-Berlin. Kassiererin Margarete Philipp, Schristführer Eugen Drager, Beisitzer Franz Klühs, Johanne, Stelling und Richard Wcimann. CinZtatarngn, ffit diese IbtftrU find BtcUa•«(«. Sinteaftrate J. parteinachrichten für Groß-Serlin Ret». zwischen 16 und 10 Uhr abzurechnen. Die Monate Januar bi» AprtI mllssen kakstert werden....... 47.«dt. Die Bezirk««erden höslichit an die Maimarkenabrcchnung und d:« sLMgen Akontozahlungen crtnncrt.— Sari Zacobi. Morgen, Areilag. den 27. Mai: 3».»dt. l»H Uhr bei B-riusch. Friedenstr. S8, wichtige Snnkti-närlitzung- Um vllnkiliches und vollzähliges erscheinen wird ersucht. Interesfiert, der Sindersreundedewegung sind«ingekaden. Arauenvcranskallungcn am Freitag, dem 27. Mai: ,20.«dt. Friedrichsfelde. 20 Uhr bei Sotkc, Dagrivlallee, Cck« Prinzenstratz', Borirag.-„Die Frau in der Dichtung� Sief. Margaret««chcnialowstn. «dt. ,24.' Mahlsdorl-Sii». 20 Uhr bei Dietz, llhlandstr. 18, P-rtrag der Ge. nofsin Else Scheibcnhuder. Jungsozialisten. E>ru»»e Süden Untergrunddahnhof Lank«.— Gruppe bücherei. Ganghoieistratz«, Fortsetzung der Ardeitsgemeinschast„Do» Vcrhältni, zwischen«eich und Länder/' Leiter Studienrat Erwin Marquardt.— Gruxpe ri�chc: Abend. Jortrazender Hcnosse Pärthel. «ne Wohltat ist ein« laicht« Massage nach dem»ad- mit dem gutgkeit-nde« Scherl Gold Sreom. Der natürliche F-tUid-rzua der Haut, der durch die Seite zerstört wird, wird durch Schert Gold Cream ersetzt und macht gleichzeltig Ihre VCUt und teiu. Di« ständig zunehmend« Inanspruchnahme der Sauftredit G. w. b. H., Berlin«.8. Markqrakenstr. 28. hat die Grölknung einer weiteren«nnadm». Rrll« wr Sreditanlräg« zur Rotw-ndigkeit gemacht. Di« neue«nnahmestelle -findet sich bei der Sammelkasse de» Warenhause, Hermann Tietz. Belle. Di« Tremanwerke, Hersteller de« bekannten Handreinigungsmittels Trrman, veranstalten jetzt ein grotze, Preisausschreibsn mit erhebUchea Seldpreisen. welches wohk grötzte Beachtung verdient.— Tremau beseitigt schnell und sicher Beschmutzungen wie Farbe, vel. 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M V m (V- f'' c '// & >*<5' k« �ry-r'. ,44 mlnf-ftl K JM'/t f \\\ Ary rii •Ä JDen Herren gehört nach öl fem Brauch, der Himmel fahrls* tag- Heiterste Stimmung kennzeichnet ihn. Zu seinem guten Gelingen tragt nicht am wenigsten Jaet die köstliche- •losetti•Juno Berlins meistgerauchte 4$ Cigarette Donnerstag 2H.Mai 1927 -Unterhaltung unö AAssen Heilage öes vorwärts »Himmelfahrt/ Von Max Dortu. ' Der junge Goethe schritt mit Charlotte Bujs und deren Ber- lobten Christian Kestner durch das alte Steintor hinein in den Garten der Frau Reichskammergerichtsrat. Frau Rat war seit fünfzehn Jahren Wittib, ihr Gatte ruhte auf dem Friedhof unter einem steinernen Obelisken, darauf stand:„Er sprach alle Zeit gut Recht zur Mehrung des Ruhmes unseres Heiligen römischen Reiches deutscher Nation." Der Garten. Das Landhaus. Der Garten wuchs den Berg hinauf. Das Landhaus der Frau Rat zeigte in der Farbe ein sanftes Geld, ein Gelb ferner Jugendträume. Der Bronzebrunnen. auf dessen Rand saßen weiße Tauben, die mit ihren roten Schnäbeln silberne Perlen aus dem sollenden Strahle des Bergwassers auffingen. Im unteren Garten empfing Frau Rat ihre jungen, schönen Gäste. Frau Rat war«ine ehrwürdige Matrone, die ihre Silber- kröne des Allers wie«ine Fürstin trug. Charlotte umarmte Frau Rat. Goeche küßte der Frau Rat die linke Hand, und Christian Ä estner küßte ihr die rechte Hand. Dann saß man gemeinsam unter dem blühenden Kastanien- . bäum, auf zartgegliederten weißen Rokokosesseln. Im Kastanien- bäum sangen die Finken, und man hörte der Bienen und der Hummeln schwirrende Melodie und Daß, Hummeln und Bienen umschwärmten die Blüten des Kastanienbaume». Man trank Kaffee aus zierlichen Täßchen, Porzellan von Seores. Und ein blondes Bauernmädchen reichte den Gästen der Frau Rot Kuchen herum, Kuchen, der mit gezuckerten Stachel- beeren belegt war. den ersten Früchten des Gartens. Witzige Worte würzten den Genuß des Kaffees. Goeche» Geist funkelle wie die Hand der Sonne, die drüben am braunen Fels- stein ftillstnnend faß, Edelsteine am goldenen Ringe der schönen Hand. „Run, meine lieben Gäste," sagte Frau Rat,„nun ergeht euch in meinem Garten, laßt droben am Berge eure jungen Herzen zum Liede der Nachtigall lauter und höher schlagen, freut euch eurer Jugend, wie ich dereinst mich meiner Jugend erfreute." Und ein wehmütiges Lächeln huschte über das bleiche Antlitz der Frau Rat. Und Goethe und Charlotte und Kestner stiegen aus roten Sandsteintreppen hinauf zu dem oberen Berggarten. Das war droben ein blühendes und ein duftendes Paradies. Der alte Garten war ein Fliedergarten. Der Flieder blühte weiß, der Flieder blühte lila und der Flieder blühte violett. Die bunten Fliedertrauben hingen überreich an den hochstrebenden Büschen, deren Blätter jegliches die Form eines Herzens zeigte. Und um den blühenden Flieder her gaukelten und schaukelten die Faller. weiße Foller, gelbe und braunpunktiert«. Eine kleine Bergwiese. Da tat Charlotte«inen freudigen Schrei. Denn auf der grünen Bergwiese hüpften um die grasende Mutter herum zwei allerliebste kleine weiße Zicklein. Und Lotte kniete im Grase, ste hatte eine» der Zicklein eingefangen, hiell das mit den Armen um- schlungen— und sie küßte es auf das rosiglippige Schnöuzchen. Goethe dachte:„D. wäre ich jenes Zicklein." Auf der Stirne des jungen Goethe lagen hart nebeneinander zwei senkrechte Runen, Zornesfalten. Warum zürnte der junge Goethe? Wem zürnte der junge Goeche? Er hatte Zorn auf sich selber. Er fühlte das Unwürdige seines Verhältnisses zu Charlotten. ste, die Verlobte seines Freundes, sie riß mit ihren heißen Blute an seinem Herzen— ein schlechtes Bild, dachte Goethe, so ist es: Vor dem versprochenen Herzen der Lotte kniet mein eigenes Herz. und will nicht sehen das Herz des Freundes, das da in Schmerzen zuckt, ob meines eitlen Mühens um das Herz seiner Braut. Un- würdiges Berhaltenl Aber in den Fliederbüschen sangen und sangen die Nachtigallen, sangen ihre sinn- und gedankenbetäubenden Lieder. Lieder so schön, daß der Mensch die Lebenswelt um sich her vergaß und wie schwebend ward, schwebend als Sonnenstäubchen in der Harmonie des Alls. Nun war man zu Dreien ganz droben auf dem Berge, wo der Garten der Frau Rat einmündet in das Blau des Himmels, über den hin kleine Silberwölkchen gleich wandernden Schafen leise, leise Schritt bei Schritt zogen. Drunten sah man die Stadt. Die Stadt— über und über blaugeschiefert. Aus der Stadt heraus der Riese Dom, aus buntem Sandstein erbaut. Und der Fluß um die Stadt glitzerte in der Sonne wie blankes Perlmutter. Dann lagen Goethe und Charlotte und Kestner droben auf dem Berge im hohen Grase, zwischen den schirmigen Stauden des Schierlings, gebettet auf das Sternengold de» blühenden Löwenzahns. Lotte lag in der Mitte, links und rechts von ihr die beiden ,ungen Männer. Wundcrbarl Lotte hatte jetzt zwei Herzen in der Brust, das linke Herz schlug für Goethe, da» rechte Herz schlug für Kestner. Und am Himmel hatte Mädchen Sonne ein orangen- sarbenes Abendkleid angezogen, sie stand schon tief im Westen. Stand die Sonn«? Nein, die Sonne saß aus einem goldenen Wagen, der war bespannt mit vier weißen Schimmeln. Und das sonnige Schimmelgespann jagte daher, hin zu den drei ruhenden jungen Menschen im Berggrase. Die Sonne lud mit einem freund- lichen Lächeln die ruhenden Dreie zu sich in den goldenen Wagen. Sie sitzen schon, sie fahren schon— auswärts geht die Himmelfahrt, aufwärts, vorwärt», immer höher und höher hinauf. Dann war man am Sterne Benus. Und hier begab sich da« andere Wunder, der Charlotten gab es nur zweie. Aus eins war zwei geworden, aus dreie ward viere. Die beiden Herzen Charlottens hatten nun jedes ihren eigenen Körper. Aus dem Sonneuwagen heraus stiegen zwei strahlend schöne Pärchen. Goehte führt« seine Lotte, und auch der Kestner führte die seinige. Und die vier jungen schönen Menschen schritten durch die duftenden Gärten des Sternes Venus. Da blühten zartweiß und traubehängig die vielen runenrindigen alten Akazienbäums, das war«in reiches herrliches Duften. Das war wie in den Gärten Arkadiens! Und der Goldregen blühte. Und die veilchenblaue Blüte der Iris war umschwirrt von seidenbunten langgeschnäbellen kleinen Kolibris. Da waren Betten aus Farrentraut, nebenan trällerte ein silberzüngiger Bach, und im Farrenbette liebten sich die jungen Menschen mit dem Feuer ihres Blutes. So war der Stern der Venu«. Aber der Erdgeist riß den DenUsträumer Goethe zurück in die Wirklichkeit. Der junge Goethe lag einsam droben im Berggarten der alten Frau Rat. Heute nachmittag hatte er sich von Frau Rat verabschiedet, mit Wort und Hand— zu Charlotte wollte er nicht mehr gehen, er hatte der Frau Rat einen Briej für sie übergeben. der war sein letztes Wort an dl« Geliebte. Und eine goldene Der englisth-ruPsche Konflikt. Zefl an öie Leine nehmen, sonst beißen ste sich! Schatulle war bestimmt für den Freund Kestner: Bewahre du darinnen in Sorgfalt Charlottens Herz. Goethe sprang nun auf, er hatte einsam im Berggarten ge- träumt, er war im Grase eingeschlafen, er hatte mit der unter- gehenden Sone die Reise hin zu dem Sterne Venus getan, er hatte — sein«!— Lotte geliebt, geliebt, geliebt— wenn auch nur im Traume. E» war Abend geworden, mit dunkler Schwinge flog die Fledermaus um den blühenden Flieder, am Westhimmel strahlte hell der Stern des Abends, die rotblitzende Benus. Am anderen Morgen stieß von der Römerbrücke der Stadt ein« Passagierbarke ab, sie fuhr stromab gen Westen, der Schiffer sang «in Reiselied— aber der Passagier, der junge Goethe, der hatte auf den Knien sein schmerzzuckendes Herz, und wie es zuckte in Wehmut und Leid, so wuchs in der Seele des jungen Goethe der erste Ent- wurf zu seinem Buche, das«ine Welt erschüttern sollte:„Die Leiden des jungen Werther". Setrsgene Zrauen. Bon Dr. Else Loewecke-Möbus. Als in den letzten Julitagen des Jahres 1914 die Bölker Europos unter Einwirkung der furchtbarsten Kriegspsychose, die das Abendland jemals erlebt hatte, zu den Waffen griffen, da waren es auch Mil- lionen Frauen, die ihr« Männer und Brüder mit stolzer Freude hin- ausziehen ließen. Wurde doch von den Regierungen der beteiligten Völker alles oersucht, um das Gefühlsleben der Frauen ihren Zaxcken dienstbar zu machen! Als„Heldenmütter" wurden sie gepriesen, als würdige Nachkommen der Germaninnen, die ihr« Männer in die Schlacht begleitet halten! Und als Jahr um Jahr verging, als Phrasen und falsche Romantik vor der fürchterlichen Wirklitbkeit zu verblassen begannen, da erlosch auch langsam der Begriff des„Helden- hasten im Seelenleben der Frau. Ihr Blick fiel auf ihr« hungernden, vaterlosen Kinder, und mit Entsetzen sah sie der Zukunft entgegen. Aber die kriegführenden Regierungen gabm noch eine letzte wirkungs- volle Parole aus, das Wort vom„Dank des Vaterlandes". Und wenn auch Tausende imd Zehntausende ungläubig die Achsel zuckten, so klammerten sich doch auch jetzt noch unzählige verzweifelte Mütter an dieses Wort und hofften, daß die Regierung wenigstens ihren Kindern «ine ausreichende Unterstützung zukommen ließe. Aber auch in dieser letzten Hoffnung wurden sie getäuscht. Bis zum heutigen Tag ist die Versorgung der Kriegsopfer, der Frauen und Kinder, wie der Kriegsbeschädigten, eine so unzulängliche, daß diese Familien mit dauernder Not und Entbehrung zu kämpfen haben. Dos traurige Schicksal der betrogenen Frauen und Mütter steht in der Geschichte nicht vereinzelt da. In grauenvoller Wiederholung ist e« als Folge jedes Krieges zu verzeichnen, ob das betreffende Dolk al» Sieger oder als Besiegter hervorging, ob der Krieg Monate oder Jahr« dauerte. Nur zu bekannt ist das Schicksal der Kriegsbe- schädigten von 1870, die häufig genug als Drehorgelmänner durch Deutschland zogen, unvergessen sind Not und Entbehrungen der Witwen und Waisen. Aber selbst ein Krieg zwischen zwei relativ kleinen Staaten, wie er 1884 zwischen Preußen und Dänemark ge- führt wurde, zeigt in seinen Folgen mit furchtbarer Deutlichkeit das gleiche Verhalten der Regierung gegen die Hinterbliebenen der„auf dem Felde der Ehre" Gefallenen, wie es aus dem Weltkrieg bekannt ist. Die Akten, die über die Verhältnisse von Hinterbliebenen Familien aus dem Krieg gegen Dänemark berichten, geben einen erschütternden Einblick in Kinderelend und Frauennot: Da ist die Witwe eines Handwerkers in Berlin mit einem 5jährigen Töchterchen. Sie erhielt 4 bis 5 Taler monatlich von der Gemeinde und ebensoviel aus einer privaten Stiftung. Der Berichterstatter schreibt, die Frau habe an allgemeiner Schwäche gelitten, sich aber mit den 80 Mark Monatseinkommen weder stärkende Arznei noch entsprechende Nahrungsmittel kaufen können. Als er ste L Jahre nach dem Tod« ihre« Mannes besuchen wollte, war sie an Unterernährung gestorben. Ein« andere Witwe erhielt für sich und ihr 4jährige« Kind vom Kriegsministerium vier Monate lang eine Unterstützung von je 6 Talern, damit war der Staat seiner Verpflichtungen ledig. Sie verdient« durch Feldarbeit täglich etwa 60 Pfennig, im Winter da- gegen mußte sie sogar dieses kärgliche Einkommen entbehren. Trotzdem war die unglückliche Frau froh, daß man ihr wenigstens ihr Kind ließ, da die meisten Kinder der Hinterbliebenen Witwen in Waisenhäusern untergebracht wurden. Noch grauenhafter war das Lebensschicksal einer Kriegswitwe in Landsberg an der Warthe. Ihr Mann war schwindsüchtig au» dem Feldzug heimgekehrt und bald nach seiner Ruckkehr gestorben. Ihr erstes Kind, dos sie hatte verlassen müssen, um sich in Berlin einer Operation zu unterziehen, war in ihrer Abwesenheit aus Mangel an Pflege gestorben. Das zweite Kind starb«bensall» an der Proletarierkrankheit der Unter- ernährung. Das letzte, dessen Geburt mit der Heimkehr des Tod- tranken zusammenfiel, erbte im Krankenzimmer, dem einzigen Wohn-, Eß- und Schlafroum der Familie, die Krankheit des Vaters und wurde an dessen Todestag begraben. Die am Rande der Verzweiflung stehende Frau, die infolge der schweren Schicksalsschläge am Zu- sammenbrechen war,«rhiett keinerlei Unterstützung und mußte als Wäscherin ihr Brot verdienen.— Eine Kriegswitwe aus dem Kreise Guben begab sich mit ihren beiden kleinen Kindern zu ihrer Mutter, al, ihr Mann einberufen wurde. Aus diesem Grunde versagte ihr der Dorffchulze jede Unterstützung, und so war sie, sowohl als der Mann im Felde stand al« nach seinem Tode vollkommen mittellos. Endlich, nach langer Zeit, wurden für die kränklichen Kinder von dem Mllitärwaisenhaus zu Potsdam 4 Taler monatliche Unterstützung bewilligt. Nur«in Neiner Ausschnitt aus dem Riesenkapitel des Kriegs- witwsnelends konnte an dieser Stelle dargeboten werden, aber er genügt, um die Behauptung zu widerlegen, daß die unzulängliche Unterstützung der heutigen Kriegsopfer eine Folge des verlorenen Krieges, vor allem aber der Revolution sei. Die Witwen von 1870 darbten in einem siegreichen, cmporblühenden Deutschland, die Kriegs- waisen von 1884 hungerten im Siegerstaat Preußen, der nichts von Aufständen oder Revolutionswirren wußte. Die jetzige, gesetzlich ge- regelte und allen Frauen garantierte Unterstützung bedeutet, so unzulänglich sie im Einzelfalle auch ausfällt, vielmehr eine Errungenschaft der Revolution, einen Fortschritt auf dem Gebiet der sozialen Für- sorge. Er ist um so bemerkenswerter, da ihn die Sozialdemokratie in einem militärisch zusammengebrochenen, total verarmten, von inneren Wirren zerrissenen Deutschland im Kampf gegen die JBer- treter der bürgerlichen Parteien erringen mußte. himmelsahrlstag im allen Venedig. Im alten Venedig war das Himmelfahrtsfest nicht nur ein hoher kirchlicher Feiertag, es wai auch ei» hoher staatlicher Festtag. Seit in den achtziger Jahren des zwölften Jahrhunderts Papst Alexander III. der Republik Venedig einen goldenen Ring geschenkt hatte, der die Herrschaft Venedigs über die Adria sinnbildlich darstellen sollte, wurde in Venedig jedesmal am Himmelfohrtstage die Vermählung des Meeres mit Venedig gefeiert. Bei der Ueberreichung des Ringes hatte Alexander III. gesagt:„Empfanget ihn aus meiner Hand als ein Zeichen der Herrschaft über das Meer: vermählet ihr und eure Nachfolger euch alljährlich mit ihm, auf daß die Nachwelt wisse, daß das Meer euch gehört und eurer Republik unterworfen fein soll, gleichwie es die Gattin ihrem Gatten äst." Auf einer glänzend aue geschmückten Galeere fuhr der Doge mit einem großen Gefolge auf die Adria hinaus, und umgeben von den Gesandten der verschie- densten in Venedig vertretenen Staaten wurde dann stets von neuem die Zeremonie der Besitzergreifung des Meeres gefeiert. Während eine Nachahmung des päpstlichen Ringes ins Meer geworfen wurde, sprach der Doge die Worte:„Wir vermählen uns nnt dir, Meer, zum Zeichen der wahren und beständigen Herrschaft." Vor jetzt gerade 130 Jahren, im Jahre 1707, wurde diese Art Himmclfahns- feier in Venedig zum letzten Male abgehalten: Bonaparte rückte bald darauf in Venedig ein, und im Frieden zu Campo Formio kam Venedig an Oesterreich. Moderne Pflanzen d-er Braunkohlenzeil. Die Tertiärzeit, in der sich die Braunkohlen bildeten, liegt Jahrmillionen zurück. In der darauf folgenden Eiszeit wurde die Pflanzenwelt, die an der Ent- stehnng der Braunkohlen den hauptsächlichsten Anteil hatte, in Deutschland zerstört. In anderen europäischen Ländern, die von der Eiszeit weniger heimgesucht wurden, sind aus dieser Brarin- kohlenzeit noch viele Pflanzen in der heutigen Flora erhalten. Nu» ist eine ganze Anzahl dieser Pflanzen, die vor Jahrmillionen in Deutschland blühten, von Westen, Südosten und Osten her wieder zu uns zurückgekehrt. Nach den neueste» Forschungen über die fossile Flora, wie Rudolf Hundt in der Leipziger„Jllustrirten Zeitung" mitteilt, sind es hauptsächlich Ziersträucher, die jetzt wieder bei uns heimisch geworden sind. Dazu gehören in erster Linie die Sumpf- zyprelsengewächse, die in ber Braunkohlenzeit sehr verbreitet waren. Heute gibt es von ihnen nur noch zwei bis drei Gattungen, und zu ihnen gehören der eigentliche Wacholder und der Sadebaum. Von den Lebensbäumen, die in der Braunkohlenzeit sehr häufig waren, hat sich die Thuja auf unseren. Friedhöfen und in unseren Parks wieder eingebürgert. Von den Tannengewächsen, die vor Jahr- Millionen Deutschland bedeckten, sind mehrere Kiesernarten, eine Fichtenart und eine Tannenart übrig geblieben. Viele der einst ver- schwundenen Pflanzen findet man jetzt wieder bei uns als Zicrbäumc, so Schierlingstannen und Blaufichten, Weimutskiefer und Himalaja- kiefer, die Douglassichte, die Eibe und den Gingkobaum. Der geheizte Fluß. Der langgestreckte Wasserarm, der New Park von Long Island trennt, wird gewöhnlich„E a st Rio c r" genannt, ist aber kein eigentlicher Fluß: er enthält zwar bewegtes, aber kein fliehendes Wasser. Nach einer von der staatlichen Gas- und Elek- trizitätsoereinigung veröffentlichten Studie ist die Temperatur dieses Wasserbeckens um durchschnittlich 10 Grad höher als diejenige der benachbarten Gewässer, wie des Hudson usw., und zwar ist diese Erscheinung auf die Tätigkett einiger dort gelegener Kraftwerke zurückzuführen. Innerhalb von 12 Meilen finden sich an dieser Küste neun gewaltige Elektrizitätswerke, deren Kondensatoren das Fluß- wasser zum Kühlen benötigten. Diese Anlagen haben im Durchschnitt «ine Leistungsfähigkeit von 1 300 000 Kilowatt und verbrauchen stündlich 1000 Tonnen Kohle für die Dampferzeugung zum Antrieb der Turbinen. Für jede Tonne Kohle sind rund 400 Tonnen Kühl- wasser«rsorderltch, und die Wärme der zu diesem Zweck aus dem East River entnommenen Wassermengen erhöht sich um etwa 20 Grad, wenn sie durch die Kondensatorröhren strömen. Im Hinblick auf die besonderen Strömungsverhältnisse des East River, der fast stehendes Grundwasser hat, schätzen die Fachleute, daß das in den Moschinen erwärmt« Wasser sich um höchstens 10 Grad wieder abkühlt. Da bei den ständig notwendigen riesigen Wassermengen sozusagen der ganze Inhalt des Flußbeckens fortwährend durch die Kondensatorrohren strömt und erhitzt wird, ist die Tatsache der höheren Wassertempe- ratur durchaus erklärlich. Man nimmt an, daß der East River schließ- lich— wie sonst in besonders kalten Wintern— überhaupt nicht mehr zufrieren dürfte, falls sich noch weitere groß« Kraftwerke an diesem»Fluß mit Dampfheizung" ansiedeln sollten._. Zanuugskrankeukasse der Juweliere. Gold- und Silber- schmiede(Iwangsinnung) zu Lerlin. Bekanntmachung. Die vomAusschuß beschlossene!».Satzung«- Lnderung ist vom Oberversscherungoamtge- nehmigt worden und tritt mit dem IS. Mai 1927 In Kraft. Oer Vorstand. Mo; Rost, Vorsitzender. Hugo Hertz, Schriftführer, »MdirtMsWrtidWll Achtung! 3[p|)pl Achtung! Sonnabend, 28. Mai, abend» S Ahr, findet in unserer Suilurableilnng. Linienstraße 1g8, fllr dt« Branche ein sm~ Filmvortrag-ve statt.— Die Abrechnung der Billetts erfolgt am selben Abend beim Kollegen Kintscher. Nu] Benoflltuagsnütgüeöet! Die Sitzung der Mittlere» Ortsoer- waltung fällt Freitag, den 2?. Mai. aus. Die Liquidationen können an demselben Zage in der Zeit von 3— S'/, Uhr beim Kollegen T i r p i tz, Zimmer 2», in Empfang genommen werden. »zii-.IjMcliM'lliillWelMmer! Die neuen Lohnsätze können unsere Kollegen im Verbandshause, Linien- straße 83/85, in der Zeit von 9—4 Uhr im Zimmer 20,»ach 4 Uhr im Zimmer 4 erhalten. Mitgliedsbuch ist vorzulegen. Wahllörperverfammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahltörper l. Areilag, 27. Mai, oormiklags 11 Ahr, imSihuagssaal des verbaadshause», Lmicnstr. 83/VS: Hobler, Bohrer, Sloher, Fräser. Schnittarbeiter. Vrahtarbeiter. Autogenschweitzer. Wahlkörper Ii. Sonuabeud. 2S. Mai. ooru». 11 Ahr. imSihuugofaal desverbandohoases, Linienstr. SZ'Söi Eisen-, Metall- u. Revolverdreher, Karussell- und Bohrwerksdreher, Rundschleifer. Schraubendreher und Automateneinrichler. Die Ortoverwoltuug. ümez Itol am Zoo 8'/. Uhr: Theater an Xotth. Tor Kottb. Str.t Tägl.SUkir: Elite-SSoger Grolles Okberrasdimigs- Programm I Blaf. Uhr a&im IDcxhoncncL cuvsdi&rijßs�ZLeijci woriTL oirw SB MG E Rstcht-borolir- ZChiiastgohoridQ oSahltmgsQclsiMomngon� SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT Singoc JxkLorL HbocaLU Volks büh ne TD. an SdiidbaiierlfamiTi 8 Uhr Jan der Wunderbare rheater an BDIavpIati 8 Uhr— Ein Sonunernaditstraum. Morgen 8 Uhr: Ein SomnernathtstraDn. - ERIK CHARELL BRINGT Wallner-Theatar SV« Uhr; Der Lustspielerfolgt Auf der Sonnenseile WMMlRlM. SoococrK3or,ou-#TTortiooo»Mir«crici<*xxaBEatteo Zotnttl Vorzeiger zahlt nurbalhc Kassenpr. entral- Theater Täglich 8'. Uhr Die Weife von Carl Lustspiel Sloboda SCAIÄ Nollendorf 7360 8 Uhr Charlie RivclTrio und weitere Varlel«- fensoilonen! Himmellalirt 2 Verstellungen »«'und 8 Uhr, 3* zu ermäBigt Preisend, ganze Programm Berliner II Ik-TriO Nauktilln. BP Lahnttr.74/7tL Des großen Erfolges wegen weiter auf dem Spielplan Ernst Lubitsch's - Meisterwerk Madame D u b a r r y Drama in 7 Akten ▼on Norbert Falk und Hanns KrUy Begiei Ernst Lubitscli In den Haaptrollem 8 Pola Negri/ Emil Jannings Harry Liedtke/Rcinh.Sdiünzel heute Himmelfahrt (U B IE Ufa-Palast am Zoo VorTerkanf an der Theater« käme ab 12 Uhr nunncerbrochen <$>' (Berlin-Hambg.-Bahn). Erfolgreichstes " geg' Frauenfeiden. Bad stätlgt. SP Verwaltung und diverser Reisebureaus Donnerstag, den 26. Mai nachm. 3 Uhr NWWWWWW.«r en Gicht, Rheuma, Ischias und Erfolg tausendfach be- sgt. Eröffnung 1. Mai 1927. Kurzeit ganzjährig. Prospekte durch die Bade- Diötzlich unb uuerwartet verschied am Sonntag, dem 22. Mai, frtih 7 Uhr, in Bad Thal, wo ste Erholung suchte. unser« geitebte Mutter, Schwiegermutter und Trotzmutter, Ersu Verths Lührinx geh. Behrend im Aller von fast 69 Jahren. Die« zeige» tiesbetrübt an Karl Ssthriag nah Frau Anna, ged.Finke. Heinz. Kurt als Tutel. Berlin SW. 29, Friefenstr. 1. Die Beerdigung stndei am Freitag, dem 27. Mai, nachmittag» 4 Uhr, von der Halle des DreifaUigtetts- Friedhof», Bergmannstr., au» statt. Achtung! Melallttarlell� Di« für Donnerstag, den 26 Mai. angesetzte Versammlung aller Vertrauensleute und Betriebsrals-Dele- gierten aus deu Betrieben des Verbandes der Berliner Metalliadustriellen findet umständehalber Jreilag, den 27. Mai. abends 7 Ahr. im Saalbau Ariedrichshaio.Am Ariedrlchshaln 16-23 mit falgender Tagesordnung statt: Bericht von den Verhandlungen über den Rahmenvertrag. Zutritt nur gegen Vorzeigung der mit dem VBM?.- Siemvel versehenen Legilimationslarte und des Mit- gliedsbucheS einer dem Meialllariell angeschlossenen Organisationen. Komisch e Operl 1 8". Uhr: 8V. Uhr; I I die neue grolle James-Klein-Revuel 1 Slrcnü verholen!!!| die die» 4er nrkotnn Ltidimdiiftn! 1 Uebcr 200 Mitwirk./ 8 Ballett». I | Vorverkauf i. 4. TMstsrluue li 10 Uhr manUrtr I „Sarotti" Aktiengesellschaft» Berlin. Die Auszahlung der für 1926 auf 120/0 fest- :esetzten Dividende erfolgt abzüglich 100/0 Kapitalertrags teuer von heute ab bei; der Dresdner Bank, Berlin und Zweigniederlassungen, dem Bankhause von Goldschmldt-Rotlv schild& Co., Berlin, dem Bankhause Kanold A GrOneberg, Berlin und an der Gesellschaftskasse in Berlin- Tempelhof gegen Einlieferung des auf Reichsmark lautenden Dividendenscheins für 1926. Berlin, den 24. Mai 1927. Der Vorstand. wddi. Teilzahlung Eleg. Herren- u. Damenmoden fertig und nach MaB zu aullcrgewOhnlicb billigen Preisen Qarentle t. guten Sitz u. gute Verarbeitung Julius Fabian MaBschnaldarai, Große FranHarter Str. 37 Kein Laden! Nurll.Etagel Bitte �enau auf Straße und Hausnummer zu achten« veiilMe Oslsee an die zum Wodtcnendc und zu den Ferien Der„Führer durch alle Bäder 1927" ist da! Preis M. 1—, Porto 0.20, Nachnahme 0.40. Führer der Einzelbäder kostenfrei. Oc4c��KKr1�w"B€rUliNWI'DllIeröenLllM,cn53 Femsprecher: Zentrum 433S Denlsdier Metallarbeiter-Veriiaoil Verwaltungsstelle Berlin. Sm Mitgliedern ,ur Nachricht, daß! unser Kollege, der Former dokann Lange am 24. Mai gestorben ist Ehre seinem Audenken! Die Einäscherung findet am Montag,! dem 30. Mai, 20 Uhr, im Krematorium Serichistratze statt. Rege Beteiligung erwartet VI« Orisoerroaltuug. Am 24. Mai verschied mein lieber Mann und unser guier Batcr. der gigarettenmaschiueusührer Härder im 87. Lebensjahr. Di« trauernden HlnterbNebcnen Frau Härder nebst Kindern. Manteuffelstr. 121. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 2-, Mai. IS Uhr, im Kremalorium Baumschuleuweg Natt 1 »SsSZSsZs S s SCSEESSH» Unserem verehrten Genossen � »4sx Zckmi« einem ZSj herzlichs en Partellubtläum. lückwünsche. A VIe 18. AbtelIunE.«tz sZiAHZsZZÄ»» mmm Ohne Anzahlung I■■■ LandparzeBien Lindcobcrg bei Ahrensfelde □ Mtr. 80 PI., rnonatL 20 M. Abzahlung verkauft Bein, Bötzowstr. 38, d. Gerlach. 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