Nr. 247 ♦ 44.�ohkg. Ausgabe A Nr. 126 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3,—• Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar» und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen. Luxemburg Reichsmark, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme".„Der Kinder» sreund".„Iugend-Borwärts",„Blick in die Bllchcrwelt" und �Kultur- arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: 1 „Sozialdemokrat verlia» Morgenausgabe Derlinev VoMsvlakt [10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille» »eile 80 Pfennig, Reklamezeile 5.— Reichsmark,„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pscnnig szulässig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 12 Pfennig. 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Zwei Stunden lang folgte der dichtgefüllte Saal den Ausführungen des Genossen H i l f e r d i n g zu dem 5. Punkt der Tagesordnung:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik." Es ist Himmelfahrtstag: ein arbeits- fifeier Tag und auf den Tribünen lauschen atemlos Kopf an Kopf viele Hundert von Kieler Arbeitern den Worten des Referenten und als Hilferding mit dem Kampfruf schließt: „Der große Sieg der Sozialdemokratie, der Arbeiterklasse, erscheint uns heute als nahe Möglich- k e i t; laßt uns arbeiten, Genossen, daß diese Möglich- keit des Sieges zur Wirklichkeit werde"— da erhebt sich ein minutenlanger Sturm der Zu- st i m m u n g, da gab es keinen unter den Hörern, der nicht das Gelöbnis ablegte: Wir wollen arbeiten, wir wollen siegen! Hilf o r d»«» g segann seinen Vortrag mit einer tief- schürsendcn Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung. Un- geheuer sind die produktionstcchnischen Aussichten, die sich uns besonders deutlich in der chemischen Industrie zeigen. Die großen Kartelle und Trusts beherrschen das Feld, zugleich treten Wirtschaft und Staat in immer stärkere Beziehungen zueinander. Man hat uns früher gesagt: Ihr wollt mit tem Sozialismus die Initiative des einzelnen töten. Eure Ideen vom gemeinschaftlichen Handeln werden sich gegen die menschlichen Sinne stemmen. Und was sehen wir heute? Immer schneller wird die freie Konkurrenz ausgeschaltet und die Privatinitiative verdrängt. An die Stelle des freien Spiels der Kräfte tritt die planmäßig geregelte Produktion, die aber noch nicht der Allgemeinheit zu- gute kommt, sondern vornehmlich die Produktionsmittel der besitzenden Klasse oerbessert. Diese unaufhaltsame Durchdringung von Wirtschaft und Politik erkennen wir auch», wenn die Getreidepreise, wenn die Kartellpreise in die Höhe gehen. Das ist nicht allein ein wirtschaftlicher, sondern vielmehr ein politischer Vorgang. Aber auf der anderen Seite: Wenn es gelingt, trotz zwei Millionen Arbeitsloser die Arbeitslöhne im großen und ganzen stabil zu erhalten, so ist das ein Beweis dafür, wie stark jetzt schon der Einfluß der Organisation der Arbeiter- klasse auf den Staat und die Wirtschaft ist. Und nun müssen wir den Arbeitern, müssen wir vor allem den Frauen sagen: Auch die Frage des höheren Woche nlohnes wird immer mehr zu einer politischen Frage, sür die ihr politisch kämpfen müßt. Die Arbeiterklasse muß einen ständig stärkeren Einfluß auf den Staat zu gewinnen suchen. Sie muß den Staat zur Umwandlung der wirtschaftlichen Verhältnisse gebrauchen, sie muß ihn mit sozialistischen Prinzipien durchsetzen. Seit 1918 besteht das Besitzprioileg in der Politik nicht mehr. Nun müssen wir auch das Besitzprivileg in der Wirtschaft beseitigen! Von diesem Standpunkt aus gelangte Hilferding dann zur Vctrachiung der einzelnen Probleme, die mit der Stellungnahme der Sozialdemokratie zum Staat zusammen- hängen- Eine wirkliche Demokratie herrscht aller- dings nur dori, wo hinter ihr starke, mit Klassenbewußtsein erfüllte Organisationen der Arbeiter stehen. Mussolini hat nur deshalb gesiegt, weil das italienische Proletariat nicht gewußt hat, was Demokratie bedeutet. Das gilt auch für den Osten und für uns war es ein Unglück, daß die bolschewistische Revolution gekommen ist bevor die Arbeiterklasse in Deutsch- land die Demokratie errungen hatte. Wenn das Bewußtsein bei uns schwinden sollte, daß die Demokratie und die Republik rerteidigt werden müssen, dann ebneten wir den Deutschnatio- nalen den Weg zuin Faschismus! Und damit ist für die Sozialdemokratie, so führte 5ii!ferding weiter aus, die Stellung zur Republik gegeben. Im Reich, in den Ländern, in den Gemeinden müssen wir daran arbeiten, um die Demokratie�u schützen und den Einfluß der arbeitenden Klasse zu steigern. Lebhafter Beifall wurde laut, als er im besonderen der Arbeit gedachte, die die Vertreter der Sozialdemokratie in der Regierung von Preußen geleistet haben. Dürfen wir nicht sagen, waZ Otto Braun und KarlSevering geschaffen haben, was diese Metallarbeiter aus Bielefeld für Deutschland, für Mittelcurona getan hat? Wir müssen der Legende entgegentreten, als ivenn das deutsche Proletariat keine Führer hätte! Wir dürfen uns nicht davon abhalten lassen, die Verdienste unserer im Staatsleben führenden Parteigenossen auszusprechen. Man kann den politischen Kampf nicht führen, wenn man sich selbst gegenseitig herunterreiht. Und wie eine Fanfare klang Hilferdings Referat aus: Wir müssen den Staat erobern, wir müssen den Sozialismus verwirklichen! Der formale Kram, mit dem wir uns immer wieder behängen, muß ver- schwinden. Wir müssen die noch nicht hinter uns stehenden Arbeiter von den bürgerlichen Parteien loslösen. Hat die Spaltung der Arbeiter in Sozialdemokraten und Nichtsozial- demokraten überhaupt noch einen Sinn? Gibt es denn eine Spaltung bei den Unternehmern? Wir kennen den Weg, wir kennen das Ziel und wir wollen es erreichen! Den ausgezeichneten, die Delegierten tief aufwühlenden Ausführungen Hilferdings folgte eine Aussprache, die sich bis zum Abenö hinzog. Gegen sechs Uhr marschierten mit Musik und Trommel- klang die Kinder des Kieler Proletariats, die „Roten Falken", die„Kinderfreunde", 4900 Iungmannschaftcn vor das Tagungslokal des Parteitages. Ein weiter Wald von roten Fahnen und roten Wimpeln breitete sich in der Legien-Straße aus. Aus den Augen der Kinder blitzte die Freude darüber, dabei sein zu dürfen, wo die Vertreter des Proletariats ihre Beratungenn abhielten. Die Delegierten treten vor das Haus. Ein Junge von' zwölf bis dreizchn Iahren spricht einige Vegrüßungsworte. Dann hielt Genosse L ö b e eine kurze Ansprüche an das Jungvolk. Trommel- wirbel, Hörnerklang und in geordnetem Zug marschiert das Heer der Jugend wieder ab. Die Delegierten begeben sich zur Arbeit zurück. Einmütig beschlieht man aber, der Jugend das letzte Wort zu lassen und die Diskussion zu schließen. Nach einem kurzen Schlußwort Hilferdings wurde die von ihm vorgelegte Resolution mit starker Mehrheit angenommen. Morgen wird der Parteitag seine Veratungen mit dem Bericht Crispiens über die Arbeiten der sozialistischen Internationale und den Wahlen zu den leitenden Körper- schaften beginnen. ** * kiel, 26. Mai.(Eigener Drahtbcricht.) Der Parteitag nahm heute das Referat des Genossen H i l f e r d i n g über die„Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik" entgegen. Genoffe �ilferüing: Es ist sicher nie so schwierig gewesen, über die zukünftige Eni- Wicklung der ökonomischen Verhältnisse ein Urteil abzugeben, wie in der Zeit noch dem Kriege. Die ökonomische Gesetzmäßigkeit war durch die Gewalt vollständig unterbroch auswärtigen Delegierten. Ein Präsident des Völkerbundes habe die Völkerbundsligen als Avantgarde des Völkerbundes bezeichnet.„Dieser Aufgabe müssen wir uns würdig zeigen. Wir sind als private Organisationen in keiner Weise an Instruktionen gebunden. Deshalb kommt es sehr oft vor, daß wir nicht nur den Völkerbund vorwärts zu treiben wünschen, sondern ihn auch zu kritisieren haben. Wir wissen, daß der Völkerbund heute noch an Kinderkrankheiten leidet, die überwunden werden müssen. Der Völkerbund ist zweier Zeiten Kampfgebiet: In ihm treten nebeneinander auf die Kräfte der neuen Ideale der Menschheit gegen die alten Ideen, daß man internationale Fragen durch die Berufunng auf die stärksten Bataillone entscheiden müsse. Gerade deshalb ist es notwendig, daß wir den Völkern sagen: Fordert von euren Regierungen, daß sie für die Abrüstung sorgen. Die Abrüstung ist sür den Laien die Kernsrage des ganzen Völkerbundes. Der Mann der Straße glaubt einfach nicht, daß ein Staat den Frieden will, wenn er bis an die Zähne gerüstet ist. Ich rufe den Weltvcrband der Völkerbundsgesellschaften dazu auf, sich im Sinne der Abrüstung zu betätigen." Lebhaft begrüßt ergriff dann der Reichskanzler Dr. Marx das Wort. Im Namen der Neichsregierung hieß er die Delegierten herzlich willkommen. Er erklärte:„Mit Genugtuung begrüße ich es, daß der Verband in diesem Jahre Deutschlands Hauptstadt als Tagungsort für seine Jahresversammlung erwählt hat. Ich erblicke hierin eiiz bedeutungs- volles Zeichen für den grundlegenden Wandel der sich in den Beziehungen Deutschlands mit anderen Nationen vollzogen hat. Wir werden uns mit anderen Nationen noch häufig über manch« ungeklärte Fragen auseinandersetzen müssen. Ich kann Ihnen aber versichern, daß die Neichsregierung fest entschlossen ist, die bisher verfolgte Linie weiter einzuhalten und daß insbesondere über- Mittel und Ziele unserer deutschen Außenpolitik zwischen dem Reichsaußenminisler Dr. Slresemann und mir in allen Zeiten unseres Zusammenorbcitens wie auch seht vollste Uebereinstimmung bestanden hat und besteht. Die heute beginnende Tagung des Weltverbandes wird, so hoffe ich zuversichtlich, einen neuen Antrieb und eine wert- volle Unterstützung für die Arbeit der deutschen Liga bilden und dazu beitragen, immer weitere Kreise des deutschen Volkes dem Gedanken des Völkerbundes zu gewinnen." Der Vor- sitzende des Weltverbandes und des Kongresses, der französische Professor Aulard, dankte für die Begrüßung. Wenn sich der Welt- verband diesmal einen Franzosen zum Vorsitzenden ge- geben habe, weil man es für richtig und nützlich gesunden habe, daß ein Franzose in Berlin den Vorsitz führe, um den Geist der Annäherung und Eintracht hervorzuheben.„Der Völker- bund kann nur leben, wenn man sein Bild den Seelen und den Herzen der jungen Generation und vor allem der Jugend näher bringt. Jeder Aufruf zum Haß und zum Egoismus muß aus den Hörsälen verschwinden, aus den Geschichtsbüchern gestrichen werden. Die Helden des Friedens sollen der Bewunderung der Kinder näher gebracht und neben die Helden des Krieges gestellt werden, und zwar so, daß die wissen- schaftlichen Forschungen die Meisterwerke der Arbeit in einem schöneren Lichte erglänzen als die Zlbschlachtungen der Menschen und die Beut« der Sieger. Reinigen wir den Geist der Völker vom Kriege, öffnen wir ihn für den Frieden, für die ge- meinsame Arbeit! Als Präsident des Weltverbandcs ist es mir eine Ehrenpflicht, in dieser Hauptstadt, die eine der Hauptstädte mehr des Friedens wird, das deutsche Volk zu begrüßen, dieses große arbeit- same Volk, das seinen Ruhm im Frieden sieht. Dieses Volk braucht nur seinen großen Dichtern und berühmten Gelehrten zu folgen, um sicheren Schrittes die Laufbahn des Friedens zu beschreiten unter dem Beifall der Welt. Es hat sich eine der- schönsten Verfassungen gegeben, die bestehen. Wir sehen es eine ruhmvolle Rolle des Friedens spielen. Im Geists der Eintracht, Freundschaft und des Arbeitseifers, dem Frieden zu dienen, eröffnen wir diese Tagung." Am Nachmittag begannen die Kommissionssitzungen. In der politischen Kommission gab die deutsche Delegation eine Erklärung ab, in der sie auf den Zusammenhang zwischen Völkerbundsarbeit, Völkerbundsgeift und Befreiung der besetzten Gebiete hinwies. wiesen. Nach dem Kriege wurde ewe solche Theorie hauptsZchNch durch die Bolschewisten oertretem, die meinten, daß wir jetzt vor dem unmittelbaren Zusammenbruch des kapitalistischen Systems ständen. Ein folchet Zusammenbruch ist nicht erfolgt. Wir haben keinen Grund, das zu bedauern. Wir sind von jeher der Meinung gewesen, daß der Sturz des kapilaliftischen System» nicht fatalistisch zu erwarten ist. auch nicht eintreten wird aus inneren Gesehen dieses Systems, son- dcrn daß er die bewußte Tat�es Willens der Arbeiterklasse sein muß.(Sehr richtig!)— Marxismus ist nie Fatalismus gewesen, sondern im Gegen- teil höchster Aktivismus.(Sehr richtig!) Das Wort:„Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein" hat doppelte Bedeutung: das Werk der Arbeiterklasse im Kampf gegen die Bourgeoisie, aber auch das Werk der bewußten Tot der Arbeiterklasie.— Im ersten Augenblick, wo die Anzeichen einer Besserung des kapitalistischen Systems zu verzeichnen waren, hat der unbelehrbarste Teil der bürgerlichen Wissenschaft wieder vom Ende des Marxismus gesprochen. Andere haben einen neuen Höhenflug des kapitalistischen Geistes vorausgesehen. S o m b a r t und auch Professor Geiler vertreten die Meinung, daß der Kapita- lismus in seine Spätperiode eingetreten ist. Wie liegt es in Wirk- lichkeit? Staat unü Wirtschaft. Das Entscheidende ist, daß wir im Augenblick in der Periode de« Kapitalismus angelangt sind, wo die Aera der freien Konkurrenz des Kapitalismus der rein durch das Walten blinder Marktzifsern be- herrscht wird, überwunden ist und wieder zu einer kapitalistischen Wirtschaft kommt, also von der Wirtschaft des freien Spiels der Kräfte zur organisierten Wirtschaft. Diese Wirtschast ist technisch da- durch ausgezeichnet, daß neben Dampf und Elektrizität immer mehr die synthetische Chemie in den Vordergrund tritt. Die An- wendung dieser Chemie bedeutet prinzipiell etwas Neues. Sie macht einmal die kapitalistische Wirtschost unabhängig von den einzelnen Rohstoffvorkommen, wenn sie wichtige Rohstoffe aus an- organischen Stoffen, die überall in Massen vorhanden sind, künstlich herstellt. So erzeugt sie O c l aus der überall in Masse vorhandenen Kohle, und wenn man gesagt hat, daß der neue Weltkrieg ein Kampf der Oelquellen werden wird, so gerät diese Theorie in tödliche Verlegenheit, wenn das Oel in Merseburg usw. aus Braunkohle mbriziert wird. Ferner ist die Technik dazu gekommen, Rohstoffe in solcher Form zur Verfügung zu stellen, daß sie für industrielle Zweck« bester verwertet werden, oder ihnen ganz neue Eigenschaft zu geben. Danach erzeugt man jetzt kostbare organische Stoffe aus billigen, anorganischen Stoffen. Ich erinnere an den kolossalen Aufschwung der Kunstseide, die an Stelle der Seide, die die Maulbcerwürmer ergeben müssen, ein chemisches Ver- fahren, dos Seide aus billigen, überall vorhandenen Rohstoffen herstellt. Durch diese Entwicklung der Technik wird die gesamte Grundlage unserer kapitalistischen Produktion mit einer kolossalen Explosiv- kraft umgewälzt. Charakteristisch ist, daß die kapitalistische Industrie in organisierter Weise die neuen Möglichkeiten ausnützt, daß neu entstehende In- dustrien sich gleich über die ganze Welt ausbreiten. Die Kunst- sctdenindustriez. B. stellt einen einzigen großen kapitalistischen internationalen Konzern dar, der mit anderen Trust- bildungen wie mit der Chemie eng verbunden ist und von da Ver- bindungen hat mit Textilkonzerncn usw. Wie die Konzern- bildung, so ist die Internationalisierung jetzt der Großindustrio er st es Wort. Wer in kapitalistischen Kreisen verkehrt, wie ich— und es ist nützlich, die Tatsachen des Gegners studieren zu können— staunt immer wieder, wie diese Kreise, die vor dem Krieg auf national abgeschlossene Wirtschaftsführung«in- gestellt waren, jetzt ununterbrochene Beziehungen zum 'Ausland suchen und pflegen und den Drang zur internatio- »alen Organisation betätigem Wie national zuerst die Organi- sation der Arbeiter entstand, dann die ersten organisierten Win- schastselemente im Reich der freien Konkurrenz, dann aber die Unter- nehmer in ihrer geringen Zahl und ihreni größeren Klassenbewußt- sein unsere Organisation eingeholt, ja vielleicht über- holt haben, so erleben wir es heute auf internationalem Gebiet. Damit gewinnt die Handelspolitik ein ganz neues Gesicht. Wir haben sie immer schon als Mittel zur Preiserhöhung der agrarischen Produkte angesehen. Aber das eigentlich Revolutionäre in der Handelspolitik der letzten Jahrzehnte waren die in du- st r i e l l e n Schutzzölle, der stärkste Antrieb für Organi- sation. Kartellierung und Vertrustung der In- d u st r i e. Man hätte annehmen können, daß mit der internatio- nalen Kartcllierung die Schutzzollbewcgnng abflauen würde. Aber im Gegenteil, sie hat neue Funktionen bekommen. Der Abschluß des deutschen Marktes durch hohe Eisenzölle bedeutet die Sicherung der Quote des inländischen Eisenverbrauchs bei inter- nationalen Kartellverhandlungen für die deutschen Produzenten. Je höher der Schutzzoll, desto größer die gesicherte Quote, desto sicherer dos nationale Monopol auf dem internationalen Markte. Es gehl nicht mehr um den sogenannten Schuh der Arbeit. sondern um den Kartellschuh, um die Erleichterung des Abschlusses internallonaler Karlellvertcäge. C- geht um den Schutz der französischen, belgischen, polnischen und tschechischen Eisenindustrie, die der Abschluß internationaler Kartelle viel sicherer stellt als die freie Konkurrenz mit der vorgeschrittenen deutschen Eisenindustrie. Auch die Handelspolitik hat also ein doppeltes Gesicht. Die reaktionäre Seite ist die Preiserhöhung, die Auswucherung der Konsumenten; die revolutionäre Seite die Förderung der Konzentrationstendenz in der kapitalistischen Wirt- schast. Privatbctrieblicke Wirtschaftsführung des einzelnen Unter- nehmen» hat aufgehört, seine Privatsache zu sein. Die Gesellschaft hat begriffen, daß es ihr Interesse ist, die Produktivität möglichst zu steigern. Darum bemühen sich eine ganze Anzahl von Jnstitu- lionen halb behördlicher Art, wie das Kuratorium für Wirtschaft- � lichkeit, um die Förderung der Rattonalisierungsbestrebungen. Das bedeutet nichts anderes, als daß die Gesellschaft erklärt: die Führung eines Unternehmen» Ist gesellschaftliche Ange- legcnheitt(Sehr wahr!) Bisher hatte der Kapitalismus gelehrt, daß nur der Zwang der freien Konkurrenz die Wirtschaft fördern kann. Der Vor- wurf gegen den Sozialismus lautete: Ihr schaltet die Privat- initiative aus und könnt an Stelle von Eigennutz und Ehrgeiz für den Fortschritt der Wirtschaft keine genügenden Antriebe setzen. Jetzt aber sucht die moderne Betriebswisfenschaft den Betrieb wissenschaftlich, planmäßig zu leiten. Der Konzern- leitcr braucht eine Methode, um in jedem Augenblick festzustellen, ob die einzelne Unternehmung des Konzerns den höchsten Nutzeffekt erzielt. Damit fällt der lehte psychologische Einwand, den der Sapi- talismu» gegen den Sozialismus erheben könnte.(Sehr wahr!) Organisierter Kapitalismus. Organisierter Kapitalismus heißt Ersatz des kapi- talistischen Prinzips, des freien Wettbewerbs durch das sozialistische Prinzip der Planmäßigkeit, durch gesellschaftliche Rege'ung. Die organisiert geleitete Wirtschaft gibt nun in viel höherem Maße die Möglichkeit bewußter Einwirkung durch die Wirt- schast auf den Staat. Es treten sich gegenüber auf der einen Seite die kapitalistisch organisierte Wirtschaft, auf der anderen Seite die Staatsorganisation. Da» Problem der Zeil ist. wie wir die gegenseitige Durchdringung gestalten. Unserer Generation ist die Aufgabe gestellt, mit Hilf« des Staates die Regelung der kapitalisti- schen Wirtschaft zu organisieren und die kapitalistisch organisierte und geleitete Wirtschaft umzuwandeln in die vom demokratischen Staat geleitete Wirtschaft. Das bedeutet nichts anderes, als daß unserer Generation das Problem des Sozialismus gestellt wird. Wenn wir anfangs um die politischen Rechte und die So- z i a l p o l i t i k gekämpft haben, so jetzt um den Sozialismus. Die Formel von L ö b e, daß jetzt Sozialismus und Kapitalismus sich in offenem Gegensatz gegenüberstehen, ist also richtig. Aber sie war schon richtig, als wir noch um die ersten sozialen Reformen kämpften. Denn auch in ihnen sahen wir nichts anderes als Weg- bereitung zum Sozialismus, und dies« Formel erschöpft nicht den Gehalt der Zeit. Wir müsien als Mafsenpartci möglichst einfache Formeln prägen, aber uns immer vor der Gefahr hüten, uns durch diese Formeln bestimmen zu lassen, sie unmittelbar an- zuwenden. Wegweiser für die Politik sind diese Formeln nicht. ver Einfluß des Staates auf die Wirtschaft war immer vor- handen. Ich erinnere an den Geldmarkt, wo wir jüngst das Schauspiel erlebt haben, daß eine kapitalistische Regierung künstlich eine Börsenpanik erzeugte.(Heiterkeit.) Ich erinnere an die Steuer- und Handelspolitik. Die Brot- und Getreidepreise sind nicht nur ein ökonomischer Preis, sondern auch ein politischer Preis, bestimmt durch die politischen Machtver- Hältnisse. Die Massen müssen die Aenderung der Verhältnisse felbst herbeiführen. Reu aber ist die Staatsregelung aus dem Gebiete des unmittelbar proletarischen Schicksals, die Regelung des Arbeits- markles, die Arbeitslosenversicherung, Tarifvertrag und Schieds- gerichte, staatliche Arbcitszeitregelung usw. Sie lassen das Schick- fal des Arbeiters als Lohnarbeiter völlig durch die Politik bestimmen. Wir hoben— in der kapitalistischen Wirtschaft— letzthin bei über zwei Millionen Arbeitslosen den Real- lohn im allgemeinen gehalten, lediglich weil der politische Einfluß der Arbeiterklasse groß genug war. Wir müssen In jedes Arbeiterhirn einhämmern, daß der Arbeitslohn ein politischer Lohn ist. der abhängt von der Stärke der Arbeiterklasse, von der Organisation und der sozialen Macht der Arbeiter innerhalb des parlamentarischen Staates. Die Arbeiterfrauen müssen endlich begreifen, daß sie. wenn sie zur Wahl gehen, die Lohnhöhe bestimmen, den Brotpreis und den Fleischpreis.(Sehr wahr!) Daraus ergibt sich unsere Stellung im Staat. Die Arbeiterschaft ist von Anfang an gegen den Liberalismus als Träger des Gedankens des Staatseimlusies auf die Wirtschaft gewesen. Jetzt fordert sie über die Sozialpolitik hinaus Wirtschafts- und Betriebs- führung durch die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat aber keine andere Organisation bewußten Handelns als die Staats- organisation. Wir müssen dabei von jeder Staatsphilosophie ab- sehen und den Fetischismus der gesellschaftlichen Erscheinungen durch die Analyse der Realitäten auslösen. Der Staat ist selbstoer- ständlich die Organisation der herrschend en Klasic zur Aufrechterhaltung ihrer Klassenherrschaft. Aber gerade im morxi- ltischen Sinne ist dos keine Staatstheorie, weil es auf alle Staats- formen zutrifft, und der Marxismus gerade den Unterschied der einzelnen Staatssormen zu ersajscn sucht. Die Engländer philosa- phieren gar nicht über den Staat, sondern über die Regierung. Uns Organifationspraktikcrn ist ohne weiteres klar, daß die Organi- sation besteht aus ihren Mitgliedern, ihrer Leitung und ihrem Der- waltungsapparat. So ist der Staat nichts anderes als Regierung, Verwaltungsmaschine und Staatsbürger. Ein wesentliches Moment des modernen Staates sind infolgedessen die Parteien, genau wie Regierung und Verwaltung. Der Parleikampf ist im kapitalistischen Staat nichts anderes als Klassenkampf. Der Kampf der Parleien gehl um den Staatsinyalk und den Einfluß auf die Führung des Slaales. Erst in diesem Zusammenhang erhellt die ganze Genialität der oft zitierten Sätze von Karl Marx, daß der Sieg des Zehn- stundentages in England ein Sieg der politischen Oekonomie der Arbeiterklasse über die politische Oekonomie der Bourgeoisie war. Zum ersten Male hat sich da im hellen.Tageslicht gegen die Bour- aeoisie durchgesetzt das politische Prinzip der Arbeiterklasse, den Staat als Mittel der Beherrschung und Leitung der Wirtschaft zu verwenden im Dienste des allgemeinen Interesses. Daß das nicht bloß eine theoretische Einsicht ist, zeigt gerade die Entwicklung der Gewerkschaften, die in ihrer Aufgabenstellung immer mehr politisiert werden. In der Gesellschaft der freien Konkurrenz konnten sie nur den unmittcl- baren Klassenkampf zwischen Unternehmern und Arbeitern um den Ertrag der Produktion, um die kürzere Arbeitszeit und Höhere Löhne führen. Jetzt stellen sich die Gewerkschaften immer mehr andere Auf- gaben. Jetzt gehen die herrschenden Ideen um die Betriebs- d e m o k r a t i e, um die Wirtschaftsdemokratie. Die Gewerkschaften müssen sich also im Zeilalter des organi- sierten Kapitalismus immer mehr unmittelbar sozialistische Aus- gaben stellen. Das ist nicht etwa nur das Ziel der freien Gewerk- schasten, sondern diese Tendenz dringt auch bei den christliche» Ge- werkschaften durch.(Sehr richtig!) Demokratie— üie Sache ües Proletariats. Diese reden zwar noch eine etwas andere Sprache als die Ar- heiter in den freien Gewerkschaften, aber diese Sprachverschiedenheit ist viel geringer als etwa die zwischen Bayern und Sachsen.(Heiter- keit.) Der Kampf um das politische Endziel der Arbeitersklasse dient zunächst um die Beseitigung des Erbrechts der Besitzprivilegien der Monarchie, der Arlstokratie und dann der Besitzprivilegien beim Wahlrecht. Rein politisch sind all diese Besitzprivilegien gebrochen, und jetzt steht jeder Arbeiter vor dem ossenkundsgcn Widerspruch, daß es trotzdem noch ökonomische Besitz- Privilegien gibt. Diese können nur beseitigt werden, wenn der Arbeiter Hand an die Hebel der entscheidenden Staatsgewalt legen kann. Deshalb ist die Demokratie der beste Kampf- b oden. Die beste Definition des sozialen Inhalts der Demokratie ist seinerzeit von den berühmten und besten Führern der Konserva- tioen, dem Freiherrn von Heydebrond gegeben worden, als er bei der Beratung der Erbschaftssteuer den Saal mit den Worten überraschte: .Wir konserva live» werden un» unter keine» Umständen dulden, daß das Portemonnaie der Besißendea dem Reichstag des gleichen Wahlrechts ausgeliefert wird." Der Mann hat verstanden, worauf es bei der Demokratie an- kommt, und wir haben keinen Grund, weniger Verständnis zu be. weisen als dieser unser schärfster und gleichzeitig auch klügster Klassengegner, historisch betrachtet ist die Demokratie stets die Sache des Proletariats. Wenn in einigen Anträgen steht, daß die Demo- kratie Sache der Bourgeoisie geworden sei, so heißt dos, die politische Geschichte der Bourgeoisie nicht zu kennen, es heißt, aus den Schrif- ten einiger Leute die wirtliche Geschichte herauslesen zu wollen. In WirNichkeit gibt es keinen schärferen politischen Kampf als den, den das Proletariat um die Demokratie gegen das Bürgertum ge- sührt hat.(Sehr richtig!) Dieser Kampf gehört gerade zu den Großtaten des Proletariats, und es ist historisch irresüh- rend, von bürgerlicher Demokratie zu reden. Ich erinnere daran, wieviel proletarisches Blut für die Crringung des gleichen Wahlrechts geflossen ist. Das Wort ist auch falsch' vom Standpunkt der sozialen Kritik und Analyse. Demokratie bedeutet doch eine ganz andere Kenntnis der Bildung des Staates. Früher war der Wille des Deutschen Reichstags eine Bagatelle, wenn sich ihm entgegenstellte der Wille des Militarismus, der hohen Bureau- kratie, des Monarchen. Jetzt ist tatsächlich die Bildung des Staats- willens nichts anderes als die Zusammenfassung, die Komponente aus dem Staatswillen der Einzelnen. Ießl müssen sich die herrschenden an den Staatsbürger wenden und müssen ihre Herrschaft im geistigen Ringen mit uns immer wieder neu von einer Majorität bestätigen lasten. Wenn nicht, so ist auf dem Boden der Demokratie ihre Herrschaft zu Ende Es ist ein großes Mißverständnis, daß das zweifelhaft wäre, weil die Herrschenden, wie man sagt, die Demokratie nicht respektieren. Das ist für uns kein Problem, sondern das ist eins selbstverständliche Auffassung jeden Republikaners, daß in dem Augenblick, wo man versuchte, die Grundlagen der Demokratie zu zerstören, alle Mittel angewandt werden müssen, um diese Grund- lege zu sichern.(Sehr wahr!) Das ist keine Frage der Anwendung von Gewalt. Nach den Erfahrungen, die wir in Deutschland 1918 gemacht haben, und die in Rußland gemacht worden sind. bedeutet Gewaltanwendung im Klassenkampfe— ich spreche jetzt von wirklicher Gewalt, von Hauen, Stechen und Schiehen— nicht etwa einen oorübevgehenden Putsch, sondern einen lang währenden, außerordentlich erbitterten und verlustreichen Bürgerkrieg,(«ehr richtig!) Ich sage: Wenn die Erundlage der Demokratie zerstört ist. dann sind wir in der Defensive» dann wenden wir unter limstäiidcn alle Mittel an, dann hoben wir keine Wahl.(Lebhafte Zustimmung) Es gibt kein schwereres Hemmnis der Verwirklichung des Sozialismus als deu Bürgerkrieg. Wir stehen in einer ungeheuer schwierigen Situation als Sozialisten, wenn erst ans einem Bürgerkrieg die proletarische Staatsmacht hervorgeht.(Sehr wahr!) Deshalb haben wir ein unbedingtes Interesse als Protc- tariot an der Erhaltung der Demokratie. Deshalb wollen wir sie verteidigen und wir danken dem Reichsbanner für seine Arbeit.(Stürmischer Beifall.) Wir hoffen, daß ihm kein Opfer zu groß sein wird, um im Interesse der ArbeiterNasse die Republik, die Demokratie zu erhalten. �Zuruft Und die Partei?) � Parteigenossen! Wenn Sie nicht verstanden haben, daß die Erhaltung der Demokratie und der Republik das wichtigste P a r t« i i n t e r e I? e ist. dann haben �Sie noch nicht das ABC der politischen Machtbildung begrifsen.(Stürmische Zu- stimmung.) Nicht nur historisch ist die Demokratie eine Sache des Proletariats, sondern auch soziologisch. Es ist eine lächerliche Intellektuellenvorstellling, daß es irgend eine Gemeinschaft gibt zwischen antiken und srühitalienischcn Demokratien und unserer»10- dernen Demokratie. Unsere moderne Demokratie existiert nur. wo ein starkes mit politischem Bewußtsein erfülltes Proletariat dahinter steht.(Sehr richtig!) Wo das nicht der Fall ist. geht die Demokratie zugrunde. Denken Sie an den südamerikanischen«tcrat: famose Verfassung, alles demokratisch in Ordnung, aber keine prolc- tarische Organisation. Eliguenwirtschast, militärische Wirtschast, kurz. eine völlig« Verlotteruna.(Zuruf: Und dasselbe ,m Osten!) Gewiß, darauf komme ich noch. Ebenso falsch ist das Wort von der f o r m a l e n D e m d- kratie; denn es verkennt den inneren Zusammenhang zwischen Politik und ihren sozialen Wirkungen. Eine andere politische Macht- Verteilung, eine ander« Bestimmung des Staatswillens bedeutet auch, daß dieser Staatswille sozial ganz anders geformt wird, also auch von diesem Standpunkt ist politische Demokratie absolut eine Sache des Proletariats. Es ist falsch, da von demokratischen Illusionen zu reden. Marx hat schon in seinen Iugendschriften darauf hingewiesen, daß die politische Emanzip a t i o n nicht ausreicht, daß dazu kommen müsse die menschliche E m a n z>- pation. Wir würden das lxute als soziale E m a n z i- p a t i o n bezeichnen. Ist es nicht wieder eine blasie Intellektuellen- Vorstellung, daß wir den Arbeiter, der täglich in der Fabrik am eigenen Leibe spürt, daß politische Emanzipation noch nicht g'ech- bedeutend ist mit sozialer Emanzipation, warnen müssen vor Illu- sionen über politische Demokratie. Das ist eine Kinderei, mit der wir uns nicht herumschlagen wollen. Die wirkliche Gefahr, die leider in proletarischen Schfthlm ganzer Länder zu verzeichnen gewesen ist, ist, daß die Wichtigkeil der Freiheil, die Wichtigkeit der Demokratie von den Arbeitern nicht erkannt wird.(Lebhafte Zustimmung.) Wir haben uns mit Recht immer über das Bürgertum entrüstet, das seine liberalen Prinzipien aufgegeben hat. Ich bin etwas bescheide-/_ ner und vorsichtiger in dieser Kritik geworden, weil ich uberleck habe, wie in Italien Mussolini zur Macht gelangt ist, weil das italienische Proleiarial nicht gewußt hat. welches Gul die Freiheit und die Demokratie ist.(Sehr wahr!) Dasselbe gilt n o ch v> c l mehr für den Osten. Die deprimierendsten Stunden in meinem Parteileben waren der Kampf, den ich in der Unabhängigen Sozial- demokratie gegen die Anhänger der 21 Punkte führen mußte. Gegen diese Genossen, die nicht verstanden, was sie preisgaben, was sie mit jenen diktatorischen Erwägungen aufgaben, nicht nur für das Staats- leben, sondern sogar sür die eigene Partei. Seitdem haben wir erfabren, was für ein Unglück der Bolschewismus gewesen ist. lieber die Frage, ob der Bolschewismus revolutionär oder reaktionär gewirkt hat, wird später einmal die Geschichte zu urteilen haben. Für uns in Milfeleuropa lfk es jedenfalls ein großes Unglück, daß der Sieg des Bolschewismus vor dem Sieg der demokratischen Revolution in Deutschland kam. wenn wir damals an der Demokratie festgehalten hätten, hätten wir sehr viel stärker für den Ausstieg der Arbeilertlasse kämpfen und hätten viel größere Erfolge erreichen können, als jetzt, wo ein Teil der Arbeilerklafse qeaen die eigen« Front gekämpft hat in vertennung der politischen Rechte.(Stürmische Zustimmung.) Die Illusionen, die heute zerstört werden müssen, sind die a n t i- demotratischenIllusionen. Republik oöer Monarchie? Nun zur Frag«: Monarchie oder Republik. In einigen Anträgen ist davon die Rede, die Bourgeoisie habe sich mit der Re- publik abgefunden. Das ist nichts als ein F r e i b r i e f f ü r die Monarch! st en in Deutschland.(Lebhafter Beifall.) Richtig ist: Die Monarchisten haben eine schwere Niederlage erlitten. Richtig ist, daß ihr Anhang in den Masten zurückgehen muh, daß mon- archische Treue keine Heringsware ist, die man auf zwei Jahr« ein- pökeln kann, daß man das monarchische Prinzip nicht behandeln tan» als Aktie, die man auf die Bank gibt, um sie noch zwei Jahren zurückzufordern.(Heiterkeit und Sehr gut!) Aber wenn der akuke Kamps gegen die Republik heute nicht mehr so gefährlich Ist. so folgt gerade daraus, daß, da diese Gegensätze um die Staatssorm im bürgerlichen Lager zurückgetreten sind. mit der viel arößeren Gefahr zu rechnen ist. daß die gesamte Reaktion in Deutschland sich vereiniot im Kampfe gegen die Demokratie sür den Faschismus.(Lebhafte Zustimmung.) Das ist«ine Gefahr nicht nur für die Republik, sondern sür den wirklichen Inhalt der Demokratie, ja der Umfang der Gefahr ist sogar dadurch um so größer geworden, daß die Deutsch- nationalen ihr monarchisches Prinzip aus zwei Jahre eingepökelt haben.(Sehr wahr!) Also der Kampf um Republik oder Mon- archie ist ersetzt worden durch den Kampf u ni den F a s ch i s- mus, und wir würden den schlimmsten Fehler begehen, wenn wir dem Proletariat sagen würden: Darum habt Ihr Euch weniger zu kümmern, jetzt kommen nur die materiellen Interessen in Betracht. Diese Entwicklung zeigt auch die Gefahr, die die neue Rechts- regierung bedeutet. Das Zentrum ist sehr stolz, daß die Deutsch- nationalen die Richtlinien angenommen und für das Republitschutz- gesetz gestimmt haben. Dom Standpunkt der Republikaner aus sind das gewisie politische Erfolge, aber dieser Sieg ist trügerisch, denn es geht den D eu ts ch n a ti o n o le N vielmehr um die Wieder- erlangung ihrer sozialen Herrschaft über das deutsche Bolk.(Sehr wahr!) Wir müssen gerade die Zentrums- a r b e i t e.r über diese Täuschung aufklären. Es bestchk die Gefahr, daß der schwarzblaue Block der vorkriegs- zeit sich unter Umständen für länger sestsehl und eine zeilweise Täuschung des Zentrums manifestiert wird, die Im sogenannten Kulturkampf liegt. Gewiß mag es eine große Zahl von Leuten geben, die aus reli» giöser Ueberzeugung den Staat benutzen, um ihre Religion der Jugend näher zu bringen. Den Schichten, die den Kulturkampf führen, die ihn politisch und wirtschaftlich unterstützten, denen geht es wirklich nicht um die Religion, sondern darum, daß das Zentrum an die Deutschnationalen und an die Deutsche Volkspartei gekettet bleibt, damit das Großkapital und der Grohgrund- besitz weiter herrschen kann.(Sehr wahr.) Der Kampf, den der Liberalismus gegen die Kirche geführt hat, war in den europäischen Ländern unvermeidlich, wo es eine starke einheitliche Kirchcnherrschaft gegeben hat, die sich mit dem absoluten Königtum verbunden hatte. In Ländern mit ver- schiedcnen Bekenntnissen liegt es anders und besonders in der heuti- gen Zeit, wo wir der Kirche nur entgegentreten können im freien Kampf der Geister. Dieser Kampf wird erst In einer späteren freieren Gesellschaft entschieden werden, aber mit unseren sozialen Forderungen und Bestrebungen haben diese religiösen Gegensätze nicht das Geringste zu tun. Daß religiöse Ueberzeugung kein Hindernis für die Teilnahme am Klassenkampf zu sein braucht, beweist die Tat- fache, daß in England viele Sonderprediger aus dem radikalsten Flügel der ILP. stehen. Unser S ch u l k a m p f ist ein Teil unseres sozialen Befreiungskampfes. Sollen die Arbeiter die Leitung der Wirtschaft durch ihre Vertrauensmänner übernehmen, so müssen wir die Arbeiterklasse mit einem ganz anderen Umfang des Wissens ausrüsten.(Sehr wahr.) Die Brechung des heutigen Bildungsprioilegiums ist nicht weniger wichtig, als es die Brechung der Besitzprwilegien war. In diesem Kamps werden wir die chr ist- lichen Arbeiter auf unserer Seite haben, wenn«s gilt, es jedem Menschen zu ermöglichen, nach seinen Fähigkeiten und nicht nach dem Geldbeutel des Papas aufzusteigen. Das ist der wahre Kulturkampf, der Kamps der Arbeiterklasse um höheren Anteil an der Kultur, und wir wollen nicht, daß er ver- fälscht wird zu sozialen reaktionären Zwecken, daß Arbeiter gegen Arbeiler verhetzt werden um privater Auffassungen willen, die unsere sozialen und polltischen Ziele gar nicht berühren. Aus alledem ergeben sich folgende Konsequenzen: Zunächst, daß wir den Einheitsstaat zu einem besseren politischen Instrument machen müssen, als er heute ist. Wir müssen mit größter Energie unseren Kampf um den Einheitsstaat führen. Vor dem Kriege herrschte, wie Preuß gesagt hat, eine Hegemonie des preußischen Siaatcs mit föderalistischer Bekleidung. Die neue Reichsverfassung hat sich einer Sünde gegen das Prinzip der Demokratie schuldig ge- macht. Durch die Entrechtung Preußens, das drei Fünftel des deutschen Voltes umfaßt, aber im Reichsrat nur vertreten ist theoretisch mit zwei Fünfteln der Stimmen und dessen Einfluß noch dadurch ver- mindert ist, daß man in Preußen die Provinzialvertretung eingeführt hat und Stimmen von Provinzialoertretcrn gegen Preußen abge- geben werden können. Tatsächlich heben sich die preußischen Stimmen in zahlreichen Fällen gegenseitig einfach auf. Unter den Pro- vinzialoertretern ist die Sozialdemokratie ent- rechtet. Bei der letzten Wahl hatten wir in Preußen 25 Proz. der Stimmen, aber im Reichsrat haben wir unter den preußischen Pro- vinzialoertretern nur 7� Pro;., das Zentrum hatte 17 � Proz. der Stimmen und hatte 38 Proz. der Vertreter.(Hört! Hört!) Dieser Zustand der Entrechtung der preußischen Bevölkerung widerspricht jedem Prinzip der Demokratie. Er bedeutet auch eine außer- ordentliche Verstärkung des Einflusses des poli- tisch rückständigen Landes Boyern. Der Zustand Deutschlands mit seinen SS Mnistern. 22 Senatoren und 2000 Abgeordneten wäre noch billig, wenn die Leute nichts taten. Aber die Kerle arbeiten!(Heiterkeit.) Dadurch entstehen in, zählige Ressortstreitigkeiten und Reibungen und eine ver- schwendung von Kraft, die Deutschland zu dem unrationellsten von allen großen Rationalstaalen der Erde macht. Die Gebiete sind nicht abgegrenzt nach Wirtschaftsbezirken, son- dcrn.je nach der Größe des Landesverrats, den die einzelnen Rhein- bundsürsten sür Napoleon getrieben haben.(Große Heiterkeit und Zustimmung.) Daher haben wir jetzt den Blödsinn der Län- d e r h e tz e greisbar vor Augen. Ist die Auseinandersetzung Preußens Preußens und Hamburgs nicht für jeden national und wirtschaftlich denkenden Menschen ein Trauerspiel?(Zustimmung.) Selbstverständ- lich ist Hamburg ein einheitliches Gebilde mit einheitlichen Hafen- gebieten. Aber wir können eine vernünftige Regelung nicht er- reichen, solange wir diese partikularen Einzelstaaten haben, wir be- lammen auch keine wirkliche Selbstverwaltung der Gemeinden, so- lange sie von 18 selbständigen Ländern kontrolliert werden. Eine Kontrolle der Selbstverwaltung ist nötig, aber sie muh nach großen Gesichtspunkten einheitlich vom Reiche aus ge- übt werden. Die Städte müssen wieder reichsunmittelbar werden. Jetzt ist die Reichspolitik beschränkt aus eine Reihe materieller Ausgaben, die gewiß ungeheuer wichtig sind, aber die e i g e n t- lichen Kulturaufgaben, die der Politik erst ihren Reiz oeben, sind auf 18 Länder zersplittert. Darum ist auch eine ein- tätliche politische Bewegung in 5lulturfragen kaum möglich. Wir müssen diese Kulturentleerung und-materialisierung der Reichs- Politik bekämpfen. Die Forderung des Einheitsstaates ist eine unserer wichtigsten Forderungen. Ich sage mit der Icefslichen Broschüre von Otto Broun, daß das Reich alle Möglichkeiten erschöpfen muh. um zum Einheitsstaat zu kommen. Ueber den schnellsten Weg wollen wir auf einem künftigen Parteitage besonders sprechen. Aber wird dieser Kampf um die Reichseinheit gedeckt durch die Formel: Sozialismus gegen Kapita- lismus? könnten wir den Eintritt in eine Koalition ablehnen, die Reichseinhcit schassen will, mit der Begründung des Kampfes gegen den Kapitalismus? Sie sehen, mit solchen Forineln ist in vielen politischen Situationen gar nichts anzusaugen. Als weitere Schlußfolgerung ergibt sich, daß in dem Maße, wie die Wirtschaft zunehmend dem Einfluß des Staates unterliegt, das Interesse der Arbeiterschaft an kommunalen und LSndervcrwaltungen Immer mehr zunimmt. Di« Länderverwaltungen sind kein« Staatshoheitsver- waltungen. Die Gründe, die man gegen die Koalition im Reiche anführt, treffen auf die Teilnahme an den Verwaltungen nicht zu. Das hat D i t t m a n n schon 1921 in der„Frechelt" ausgeführt. 3ch halte es deshalb auch für vollkommen verfehlt, bei der Bildung der tänderregierungen Bedingungen für die Reichs- Politik zu stellen. Wie wir in alle Magistrate hineingehen auch ohne Mehrheit, so müssen wir auch in die Länderregierungen von Thüringen und Sachsen hinein. Daß die sächsische Landesregierung etwas anderes wäre als der Magistrat von Groß- Berlin, das ist die Selbstüberschätzung der sächsischen Genossen. (Heiterkeit und Beifall.) Unsere österreichischen Genossen haben für die Länder- regierungen die Proporzoertretunzen überall verfassungsmäßig vor- geschrieben und sich dadurch gesetzlich zur Koalition ge- z w u n g e n. In den Ländern müssen die Arbeiter zur Teilnahme an der Staatsverwaltung erzogen werden und es ist für uns auch sehrwesentlich, wer imReichsrat sitzt. Nur Preußen wächst in seiner politischen Bedeutung über die Verwaltung?- bedeutung hinaus. Ich bewundere außerordentlich die Arbeit der österreichischen Sozialdemokratie. Aber ich muß doch sagen, was in Preußen geleistet worden ist, ist eine ganz andere Sache. Preußen ha« die Republik. Preußen hol die Demokralle gerettet. (Stürmischer Beifall) Mir danken es Otto Braun und namentlich Karl Severins, daß sie die Wellen des Bolschewismus und Faschismus gebrochen haben. Das war ein welthistorischer Sieg des deutschen, des internationalen Proletariats! (Stürmischer, langanhaliender Beifall.) Die Gcjchichie wird davon erzählen, was der kleine Metall- arbeiter aus Bielefeld sür Deutschland, sür ganz Mitteleuropa ge- leistet hat.(Erneuter, stürmischer Biefall.) Das mußte einmal auf dem Parteitag ausgesprochen werden, weil die Legende zerstört weiden muß, als hätte die Sozialdemokratie keine Männer, keine Führer. Rechtsstehende Männer klagen uns jeden Tag, daß ihre Partei keinen Braun, keinen Severing hätten. Und da kommt ein Delegierter auf den Parteitag und spricht wörtlich von unserer hündischen Liebedienerei. Das ist einfach nicht auszuhalten!(Leb- hafte allgemeine Zustimmung.) Wir müssen den Mut haben, die Wahrheit zu sagen und nicht immer in der Angst leben:„Wie sage ich meinem Funktionär?"(Große Heiterkeit und Beifall.) Wir wünschen den Preußen Glück dazu, daß sie für Severing einen Nachfolger gefunden haben, der seine Sache aus- gezeickinet macht. Man darf an den Parteitag den Antrag stellen, den Genossen Grzesinski zu infamieren? Wenn wir uns so gegenseitig herunterreißen, dann können wir die Massen nicht er- obern! reuhen ist eine starke Feste im Lager der Republik und unsere ufgabe muß es sein, diese Feste der Republik sür den Sozialismus zu erobern. Aber wie dürfen dann wirklich Parteigenossen so tun. als sei die wichtigste Aufgabe des proletarischen Klassenkampfes der Sturz der preußischen Regierung? Rein, Genossen, unsere Ausgabe ist der Sturz der Rechlsregierung im Reich. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Und nun zum Reich: Jeder Staat muß regiert werden. Wenn wir erklären, grundsätzlich nicht milzuregieren, erzwingen wir eine Regierung gegen die Sozialdemokratie. Dann entlasten wir das Zentrum von icder Verantwortung und machen die Deutschnationalen sür absehbare Zeit zu unentbehrlichen Teilhabern der Regierung. Wie können wir die Bürgerblockregierung im Lande noch bekämpfen, wenn wir hinzusetzen müssen, daß sie im Amte bleiben muß? Wir müssen von dem verhängnisvollen Formalkram endlich loskommen! (Lebhafter Beifall.) Früher, als wir noch keine politische Verantwortung und keinen Einfluß hatten, kam es auf die Partcltagsresolultonen nickt so genau an. heute müssen wir Politik machen, heute ist die Sozialdemokratie ein unentbehrlicher Bestand- teil des Staates: da dürfen wir nicht erklären, daß wir unter keinen Umständen die Verantwortung übernehme» und damit das Spiel unserer Gegner spielen, wir haben keinen prin- zipiellen Gegner der Koalition mehr in der Partei. Zst die Koali- lionsfrage aber eine Frage der Taktik, dann müssen auch alle die freiheitliche Beweglichkeit der Taktik respektleren.(Sehr wahr!) Nun ein Wort zur R e i ch s w e h r f r a g e: ich glaube, wir müssen heute GegnerdesMilizsystems sein, weil es bei der veränderten Technik im Militärwesen die stärkste Form der mili» taristischen Aufrüstung ist. Darum kann unsere Stellung �ur Reichs- wehr keine prinzipiell ablehnende sein. Also muh unser Kamps nicht gegen die Reichswehr,, sondern um die Reichswehr geführt werden mit dem Ziel, sie zu einem verläß- lichen Instrument der Republik zu machen. Ist das«ine Frage der Gesetzgebung? Säbe die preußische Schutzpolizei so aus, wie sie Severing geformt hat, wenn Geßler oder Brüninghaus sie ausgebaut hätten?(Sehr gut!) Di« Frage der Reichswehr ist eine Frage der Besetzung des Reichswehrmin i st.e r i u m s und hängt davon ob, ob man die Berwaltung wirklich in die Hand bekommt. Die radikalen Pazifisten fordern von uns Dienstpflichtver- Weigerung und Generalstreik im Kriegsfall. Nach den bitteren Er- fahrungen von 191« erscheint mir das als ein müßiges Spiel der Phantasie.(Lebhafte Zustimmung.) Ist der Krieg ausgebrochen, dann kann man weder mit der individuellen Tok, noch mit dem in oller Ruhe durch Zirkular des Parteivorstandes inszenierten Generalstreik etwas ausrichten.(Sehr wahr!) Wenn diese Pazifisten etwas Vernünftiges tun wollen, dann müssen sie unseren Kamps unterstützen, dann dürfen sie nicht warten wollen, bis der Krieg aus- bricht, sondern müssen eine Politik fördern, die Kriege unmöglich macht. Dann müssen sie mitarbeiten an Klbrüstung, Schiedsgericht und Eroberung des Völkerbundes durch die Arbeiter- klasse.(Sehr wahr!) Ich komme zum Ergebnis: oberste Aufgabe der Partei bleibt die Parole des Kommunistischen Manifestes, die Arbeiterklasse als politische Partei zu konstituieren. Wir müssen den Zustand über- winden, der nach dem Kriege noch schlimmer geworden ist, daß hunderttausende Proletarier nicht in unserem Lager sind. Die arbeiterfeindlichste Partei aller europäischen Großstaoten, die Deutschnationale Volkspartei, ist in zahlreichen Groß- städtcn die stärkste bürgerliche Partei, weil tausende Proletarier infolge der gen st igen Verwirrung des Krieges und der Inflation für sie gestimmt haben. Die entscheidende Stellung des Zentrums ist nur mög- lich als Folge der konfe sionellen Zerklüftung der Gewerkschaften. Dabei muß die soziale Gesinnung und das soziale Ziel aller Arbeiter das gleiche sein, und die e Spaltung ist heute völlig unbearündet, wenn sie je notwendig war. Warum gibt es keine konfessionelle Spaltung im Reichsverband der deutschen Industrie? Wo ist der Unterschied zwischen dem protestankischen Unternehmen und den Thyssen und Glöckner? Solange der christliche Solidarismus die Unternehmer nicht veranlaßt, den Arbeitern entgegenzukommen, braucht man diesen Arbeitern nicht zu predigen. Zum Kampf! Zum Sieg! Wir müssen die ganze Arbeiterklasse als politische Partei kon- stituieren.(Sehr gut!) Die ökonomische Entwicklung läuft immer mehr in der Richtung zum Sozialismus. Immer klarer wird das Problem vor die Arbeiterklasse gestellt, die Kreuzung von Staat und wielschas« zu vollziehen. Die Politik ist das unmittelbare Schicksal jeden einzelnen Arbeiters und seiner Familie geworden. Deshalb muß das Proletariat die Staatsmacht zur Dcrwirklichunz des Sozialismus erobern. Wir kennen den Weg, wir kennen dos Ziel! Unsere Aussichten sind gut. An den Kommunisten erfüllt sichderFluchvonHalle. Ich habe ihnen damals zugerusen: Sie werden untergehen: ent» weder werden Sie putschen, das Proletariat in sinnlose Abenteuer stürzen, unerhörte Mcnschenopser bringen und nur die Reak- iion stärken; oder Sie werden nicht putschen, sondern parla- mentarisch arbeiten, dann ist es ein Verbrechen, die Arbeltertlasse zu spalten, und Ihr werdet an der Spaltung zugrunde gehen! Sie haben geputscht, tausende Arbeiter sind nutzlos gefallen. Die R e- a k t t o n ist der Sieger. Sie Häven aufgehört, zu putschen, und sie gehen an der Spaltung zugrunde. Sie müssen auf die Dauer zu- gründe gehen, wenn auch noch verzweifeltere Opfer der Inflation und de? Krieges, wenn auch Arbeitslose aus dunklem Protest und blindem Instinkt heute noch den kommunistischen Stimmzettel ab- geben. Bedeutung für die Arbeiterbewegung hat die Kommuni st ische Partei nicht. Sie ist verloren. Sa leuchtet vor unseren Augen ein großer Sieg der Sozialdemokratie als Möglichkeit. Wir kennen den Weg, wir kennen das Ziel! Stehen wir treu zum sozialistischen Ideal, ober in oller«akkischen Beweglichkeit. so muß aus der Möglichkeil die Wirklichkeit werden.(Stiir- Mischer, langanhaltendcr, oft wiederholter Beifall.) Debatte zum Rej Die Aussprache wird erössnet. Toni Sender: Es wäre wünschenswert, das zweistündige Rescrat in Ruhe zu überlegen und ausführlich zu beantworten. Heute ist das nicht mög- lich. Aber es mag als Hinweis für künftige Parteitage dienen. Das Stadium des akuten Kampfes für die Republik hat jetzt einen gewissen Abschluß gesunden. Damit will niemand sagen, daß die Arbeiter nicht mehr für die Republik kämpfen sollen.(Lqbbaste Zustimmung.) Wir wollen auch in Zukunft alle zusammensichen in dem festen willen, uns nichl verdrängen zu lassen von diesem von uns selbst erstrittenen kampjboden. Aber die Bourgeoisie hat sich selbst mit der Republik abgefunden, weil auch in ihr die Kapitalisten ihre wirt- schaftlichc Macht befestigt haben, und die Deutschnationalen haben den großen Phrasenschwall ihrer Außenpolitik hinter die inner- politischen Absichten zurückgestellt. So ist die Republik gefestigt, und die politische Macht der Bourgeoisie erstarkt. Welche Lehre ziehen wir nun aus dieser Erstartung? Doch wohl die, daß eine aus» strebende Klasse beim Eingehen von Koalitionen stets die größeren Opfer bringen muß. Ich verneine die Möglich- keit von Erfolgen nicht. Aber leichter fallen sie den Ver- tretern der bestehenden Ordnung zu, weil die abgeschlossenen Koali- tionen auf der Basis des bestehenden Systems errichtet sind. Die andere Gelahr bei Koalitionen im Reich, nicht in den Bcrwaltungs- körpcrn, ist der verhängnisvolle Einfluß auf die Denkweise der Massen.(Sehr wahr!) Wir haben reich« Ersahrungen gesammelt, daß in der Koalition befriedigende Erfolge für die Arbeiterschaft nicht erreicht werden können, wenn sie nicht In Staat und Geselljchast eine einflußgebietende Macht darstellen. Wir haben gar keine Scheu, Verantwortung zu übernehmen für unsere Politik, aber wir scheuen die Verantwortung sür eine Politik, die von den- bürgerlichen Regierungsteilhabern stark beeinflußt wird. (Lebhafter Beifall.) Wir erstreben nicht eine bequeme Opposition. Die kommunistische Opposition ist freilich ebenso bequem wie wir- kungslos; aber wir wollen auch in der Opposition konstruktive Arbeit leisten und haben sie in den letzten Monaten geleistet. Ferl-Magdeburg: In der Frage der Koalitionspolitik ist die Resolution Aufhäuser, Toni Sender usio. sehr unklar. Ich glaube, daß das nicht ohne Ab- ficht geschehen ist. Die Massen müssen zu der Ansicht kommen, daß bei Annahme dieser Resolution die Partei nur noch Opposition treiben könne. Ein Antrag wünscht, daß die Partei keine Rücksicht auf die Koalition in Preußen nehmen soll. Hüten wir uns davor, dem Zentrum in Preußen einen Rechtstitel für die Sprengung der Koalition zu geben. Es ist nicht richtig, daß die Ar- beiter die Taktik der Partei nicht oerständen. In unserem Bezirk haben wir immer Wert darauf gelegt, bei aller Verschiedenheit der Meinungen über die Koalitionspolitik, daß die äußere Geschlossenheit des Bezirks gewahrt wird. Wenn es überall so gemacht würde, könnte die Partei noch ganz andere Belastungs- proben auf sich nehmen. Greisen wir die Parole des„Stahl- h e l m" auf:„heran an den Staat", dann werden die Intcr- essen der Arbeiterschaft richtig gewahrt werden.(Beifall.) Eckstein-Breslau: Wenn Taufend« von Proletariern heute bei den Deutschnatio- nalen und im Zentrum sind, so hängt das damit zusammen, daß sich unser« Politik nicht in einer für die Masse verständlichen Weile von der Politlk unserer Koalitionsfreunde unterschieden hat. Diese Koalitionspolitik droht zu einer Politik der Gesinnungs- Sem e i n s cha ft zu werden. Ich erinnere an den Voltsblock für ie Reichspräsidentschaft von Marx, der den Eindruck erwecken mußte, als einigten uns nationale Interessen mit diesen Parteien. Durch die Koalitionspolitik in Preußen wird uns der Kampf gegen das Zentrum unmöglich gemacht. Preußen hat im Reichsrat mitunter in den wichtigste» Fragen den Bürgerhlock unter- stützt: es Hot kür die Todesstrafe, für das Arbeitszeitgesetz, sür dos Gesetz zur Bekämpfung von Schmutz und Schund gestimmt. Durch eine solche Politik kommen wir in eine unmögliche Stellung erat hilseröings. vor den Massen.(Zuruf: Aber nur bei eurer Einstellung!) Unsere Politik muß in der nächsten Zeit notwendigerweise rein« Agitationspolitik sein. Jede Politik ist schädlich, die nicht agitatorisch wirksam ist. Sch«idemann: Nach dem ausgezeichneten Dortrag Hilferdings hätte man am besten von einer Diskussion überhaupt Abstand nehmen können. (Sehr richtig!) Wen.: wir nach außen wirken»nd Kraft sammeln wollen gegen den Bllrgerblock, hätte es keine wirksamere Kundgebung geben können. 5?ilferding hat mit Recht auf die märchenhaste Art der Entwicklung der Technik hingewiesen, der sich der Kapitalismus anpassen muß. Er hätte vielleicht noch die SZ-Stundenfahrt durch die Luft von New Dork nach Poris erwähnen können. In dieser Zeit, wo sich alles umstellt, sollen nur wir, die revolutionäre Partei, weiter nach alten Agi- tations Methoden arbeiten, die von ganz anderen Umständen bedingt waren? Die Rejaliition Toni Sender ist für die heutige Zeit ein absolut unverständliche» Doku- ment. Solange noch Zehntauscnde Gegner gegen die Republik aus- marschieren, kann man von einer Sicherung nicht reden. Diese Republik ist unser Werk. Sie zu erhalten, ist unsere höchste?liif- gäbe. Sie werden eine sozialistische Mehrheit unter normalen Um- ständen erst nach langer Zeil erreichen können, während all dieser Zeit lallten wir daraus verzichten, einen Teil der Reqiervngsmacht zu übernehmen? Wir find als Sozialdemokraten in erster Linie dazu berufen, an der Negierung in dar Republik, wenn wir sie allein nicht führen können, wenigstens teilzunehmen.(Sehr gut!) Unsere Aufgabe ist. die Massen, die hinter uns stehen, in organisierte Macht umzusetzen. Das können wir, indem wir die Re- gierunq wenigstens teilwiise in Besitz nehmen. Natiirlick liegt das nicht allein an uns, ob wir in die Negierung kommen. Wir müssen bei den Verhandlungen eine kluge Taktik obwalten lassen. Wenn wir das Stück politische Macht, das die Teilnahme an der Regierung bedeutet, ermchen wollen, so müssen wir daraus auch die Konfe- ciuenzen iin Interesse des Proletariats ziehen. Das nenne ich den Willen zur politischen Macht praktisch zur Ausübung bringen. Die weitere Beratung wird aus nachmittag vertagt. Nachmittagssitzung. In der Fortsetzung der Debatte erhält das Wort Lehnemann-Dorkmund: Durch die Erfahrungen vor dem Kriege sind wir gegen die Reichswehr negativ eingestellt. Man muß aber bedenken, daß der heutige Reichswehrsoldat Berufssoldat ist und wenn er als über- flüssig bezeichnet wird, so wird diese Kritik von den Offizieren gegen die Republik ausgenutzt. Wir sollten daher besser mit positiven Vorschlägen zur Reorganisation der Reichswehr kommen. Mit einer Reform der Reknfticrungsfrage allein ist das Problem nicht gelöst. Der Redner macht dann einzelne Vorschläge. Rölling-Frankfurk a. M.: Es herrscht in unseren Kreisen vielfach eine doppelte Blindheit dem Staat gegenüber. Jene Jugend, die in Hosgeismar das Deutsch- landlied sang, hatte die soziologische Blindheit, sie sah die Klassen- struktur des Staates nicht ein. Daneben gibt es die historisch« Blind. heit, die nicht den Bewegungsprozeß anerkennt, der sich im Staate vollzieht, die nicht anorkenift, daß der Staat aus einem Re- pressionsinstrument zu einem Cmanzipationsinsttument werden kann, die in dem Staat mir einfach da» Konto der Schwer- industrie sieht. Wenn wir in den Monaten und Jahren, wo wir aus den Opposstionsbänken sitzen, dies« innere B-'wegiNlgstendenz aus den Augen verlären, so wäre viel verloren. Wir Iftiben nicht eine so ungeistige Masse wie die Deutschnationalen.(Lebhaste Zustimmung.) Versprechungen, die nicht erfüllt werden, sind das fürchterlichste Dynamit für jede Bewegung. (Fortsetzung In der Beiloge.) Ätwinow gegen Oalöwin. Scharfe Zurückweisung der englischen Anklagen. Vor Vertretern der Sowjetpresse gab L i t w i n o w sehr ausführliche Erklärungen gegen die Rede Baldwins ab. Er führte u. a. r.us, der Beschluß Englands sei der logische Abschluß jener sowjetfeindlichen Poliiik, die die konservative Regierung seit dem Tage führe, als sie die Wählerschaft mit gefälschten Do tu- menten' betrogen Härte, um die Macht zu ergreifen. Die eng- tische Regierung hätte bisher-mit dem Bruch gezögert in der Hoss- nung, Bundesgenosseit für einen gemeinsamen Uebersall gegen die Sowjetumvn zu gewinnen. Als diese Hoffnung getrogen hätte, habe sich England zu einem selbständigen Vorgehen entschlossen und damit ein« Kriegsgefahr herausbeschworen, die im Einklang mit seiner gesamten Politik stehe, die Völker gegeneinander aufzu- wiegeln und die Stabilisierung des Friedens in der ganzen Welt zu verhindern. Der diplomatische Abbruch müsse als eine gewaltsame Kriegsvorbereitnng bezeichnet werden, denn sein Zweck könne ja unmöglich sein, die englische Industrie um Millionenbestellungen zu berauben und die Erwcrbslosenziffern in Großbritannien zu erhöhen. Eine Aus- rechterhaltung i?r Wirtschaftsbeziehungen sei unmöglich, weil keine Gewähr mehr gegen weitere Gewalttätigkeiten und sogar Waren- beschlagnahmen gegeben sei. Auf die einzelnen Anklagen Baldwins eingehend, bezeichnete er dessen Rede als � einen amerikanischen Film und seine Rechtfertigungsoersuche als lächerlich und hin- fällig. Das gesuchte Dokument sei in der Arcos nicht gefunden worden und die übrigen Dokumente belasteten keineswegs die Handelsdelegation, die auch für die angeblich festgestellten Hand- lungen einzelner Angestellten nicht verantwortlich gemacht wer- den könne. Das englische Auswärtige Amt hätte wissen müssen. daß Sowjetbolschast und Handelsdelegation in London und anders- wo überall von ihren Angestellten die schriftliche Verpflichtung ab- nehmen, die Gesehe des Landes, in dem sie sich befänden, strikt inne- zuhalten und sich bei Strafe der Entlassung jeglicher Propaganda zu enthalten.(?) Daher seien alle Anschuldigungen gegen die Haü- delsdelegation böswillige Verleumdungen. Derselbe Baldwin, der die Russen der Spionage bezichtige, habe gleichzeitig zugegeben, daß die englische Regierung durch einen Spionagedienst selber bestrebt sei, geheime Dokumente der Sowjetregierung zu ermitteln. Erst kürzlich sei eine englische Han- delsfirma in Frankreich der Spionage überführt worden. Litwinow wiederholte dann, daß B o r o d i n weder im Dienste der Sowjet- regierung steh« noch offizielle Beziehungen zu ihr unterhalte. Alle Behauptungen Baldwins könnten die Tatsache nicht verschleiern, daß es sich um die Vorbereitung eines neuen Krieges handle. Die Sowjetregierung werde alle Maßnahmen gegen eine lleberrumpelung treffen. Die anderen Länder, die England in seine Bahnen zu locken versuche, müßten erkennen, daß man sie in ein verbrecherisches Abenteuer hineinziehen wolle. Sowjet- rußland werde auf der Hut sein, um alle vorbereiteten Schläge abzu- wehren und die Sache des Friedens mit allen Mitteln zu verfechten. -i- Diese Erklärungen Litwinows stechen durch ihre Schärfe von der ursprünglichen Zurückhaltung ab, die bisher in Moskau an den Tag gelegt wurde. Selbst wenn man sich auf den Standpnutk stellt, daß Sowjetrußland sich nach einem völlig unverschuldeten Ueberfall in der Notwehr befinde, so ist nicht zu verkennen, daß solche mit Beschimpfun- > gen gespickten Erklärungen geeignet sind, die Lage bedeutund zu verschlimmern. Zur Sache selbst klingen die Ab- leugnungen Litwinows, die nur auf einen Teil der konkreten Angaben Baldwins eingehen, wenig überzeugend, wenn sie auch recht geschickte und zutreffende Retourkuischen enthalten. Die Kennzeichnung Englands als Störenfried mag, besonders gegenüber der konservativen Regierung, zutreffen, aber wem wird Sowjetrußland einreden wollen, daß es sich bisher in der Welt— insbesondere gegenüber dem Britischen Reiche — als ein Friedensstifter bestätigt habe, der über jeden Borwurf erhaben fei? Wenn je, so ist die Rede- wendung von„Rabbi und Mönch" hier angebracht. Rußlanüüebatte im Unterhaus. Clyncs fordert Untersuchung.— Chamberlain lehnt ab. London, 26. Mai.(Eig. Drahtbericht.) Das Parlament trat am Donnerstag zur Erörterung des Abbruchs der Beziehungen mit Rußland und formellen Beschlußfassung über die Entscheidung der Regierung zusammen. Als Grundlage für die Debatte diente die Resolution der Arbeiterpartei, welche die Einsetzung einer Untersuchungstommisfion fordert, von der Regierung jedoch geschäftsordnungsmäßig als ein Mißtrauensvotum angesehen wird. Dem Unterhaus lag ein vom Foreign Office zusammengestelltes Weißbuch vor, welches die in der Rede des Ministerpräsidenten erwähnten oder zitierten Doku- meirte, auf die die Regierung den Bruch mit Rußland gestützt hat, enthält. Im Druck und Wortlaut nimmt sich Baldwins Material noch dürftiger und armseliger aus als nach Baldwins Rede. Irgendwelche neue Aufklärungen gibt es nicht. Das Weißbuch enthält am Schlüsse jedoch zwei interessante, nach der Razzia im Sowjethaus vom russischen Geschäftsträger nach Moskau ent- fandte Chiffretelegramme. Im ersten Telegramm meldet der russische Geschäftsträger dem Koinmiffar für auswärtige An- gelegenheiten, daß sich keinerlei chiffriertes oder irgend- welches streng vertrauliches Material im Hause der Sowjethandels- delegation �befunden hätte; im zweiten Telegramm teilt der Ge- schäftsträger nach Moskau mit, daß sich nach seinen Informationen das von der britischen Regierung gesuchte Staatsdokument auf das Luftbombardement von....(Hankau?) beziehen soll. Die Debatte im Unterhaus wurde durch Elynes eröffnet, da Macdonald auf ärztlichen Rat feine parlamentarische Tätigkeit noch nicht aufnehmen kann. Elynes erklärte eingangs, daß bei der letzten Rußlanddebatte der Außenminister Chamber- l a i n mit beredten Worten auf die g e f ä h r l i ch e Situation hingewiesen habe, welche sich aus einem Bruch mit Rußland nicht nur für England, sondern auch für den Frieden der ganzen Well ergeben würde, daß er aber heute der Auffassung sei, daß Ruß- land der Angeklagte sei. Die Zlrbeilcrparlei stimme dem zu, sie oerlange aber, daß Rußland nicht ohne vor- herige Verhandlung verurteilt werden dürfe. Ein derartig schroffes Urtei.l wie es der Bruch mit Rußland dar- stelle, dürfe nicht ohne vorherige Unters u ch u n g gefällt werden. Beweise für die Schuld der russischen Regierung, fuhr Clynes fort, sind im Arcosgebäude nicht vorgefunden worden. Die kommunistische Propaganda in England und anderen Teilen der Welt sei keineswegs zu bezweifeln, und diejenige Partei, die unter dieser Propaganda am meisten zu leiden habe, sei die Arbeiterpartei. Sie wünsche Verfehlungen nicht zu entschuldigen, aber sie verlange, daß die britische Regierung ihrerseits mit der russischen Regierung eingegangene Verpflichtungen aus eine ehrenvollere Weise, als wie es das jetzige Vor- gehen darstellt, löst. Die Labour-Party habe ihre Resolution ein- gebracht, da sie ehrlich davon überzeugt ist, daß die Behauptungen der Regierung erst erwiesen werden müßten. Bis jegt sei aber auch noch nicht der Schein eines Beweises dafür erbracht. Wenn der Innenminister behauptet, daß ein gewisses Staats- doku m ent gestohlen worden ist, warum ist dann weder der Dieb noch der Spion verhaftet worden, fuhr Clynes fort, anstatt daß man den Uebersall auf das Sowjethaus vornahm. Die Art und Weise, wie die Regierung vorgegangen sei, stelle eine Nachahmung kommunistischer ZNelhoden dar. Die Politik der Regierung werde die kommunistische Propa- ganda nur noch verschärfen und neu« Wirkungen der kommunistischen Propaganda liefern. Clynes ging hierauf auf die schwere Gefahr für die britische Wirtschaft ein und gab Einzelheiten über die großzügigen Kredit- Verhandlungen zwischen der russischen Handelsdelegation und der englischen MiMrtandbank, welche unmittelbar vor ihrem Ab- schluß standen, aber jetzt nach dem Vorgehen der Regierung nach- träglich von der Middlandbank abgeleugnet werden. Clynes wandte sich darauf dem am Donnerstag von der Regierung veröffentlichten Weißbuch über die kommunistischen Verfehlungen' zu und be- zeichnete es als ein unterhaltsames Witzblatt. Die Labour-Party fordere eine Untersuchung, weil sie der Meinung ist, daß die Methode, welche die Regierung eingeschlagen hat, völlig sinnlos und den britischen Interessen schädlich ist. Nach Clynes ergriff Außenminister Chamberlain das Wort, indem er feststellte, daß die Labour-Party eine Untersuchung?- kommission fordere. Die Regierung ist nicht bereit, diesen Vorschlag der Opposstion, welcher ein Mißtrauens- votum darstellt, anzunehmen. Wir haben das Parlament aus- gefordert, eine Kundgebung des Vertrauens und der Zustimmung auszusprechen darüber, welche Schritte wir zu unternehmen haben. Chamberlain betonte, daß die Regierung noch eine große Masse weiteren Materials besitze. Sie glaube jedoch, daß die Veröffentlichung genüge und die Bekanntgabe weiteren Materials unnötig und unerwünscht sei. Keine Rustlandpässe für britische Angehörige mehr. London, 26. Mai.(Eig. Drahtbericht.) Die russische Botschaft hat am Donnerstag die Ausstellung von Pässen an britische Staatsangehörige eingestellt. lvels üekoriert. Mit einer Sowjet-Entc. Di« Leningrader„Wetschernaja Kraßnaja Gaseta" bringt in ihrer Nummer vom 13. Mai folgendes Telegramm ihres Berliner Korrespondenten: „Der Führer der sozialdemokratischen Partei Wels ist von der preußischen Regierung mll dem Bismarck-Orden belohn: werden." -Solche Enten glaubt die Sowjetpresse ihren Lesern bieten zu dürfen! Verantwortlich siir Politik: Victor Schilt: Wirtschaft: S. NliogelliSler: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton:«. A. Säfchcr; Lokales und Sonstiges: Frist Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts.Pcrlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Lcrlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SA 68, Lindenstrahc 3. S>er»u 1 Beilage. iiberqlbt man nur dem Nachweis de, Deul'chen Musikeroerbandes. Berlin, Kol». inandanlenstr. 63,61. Dönhoff 3277—78. Selchäftszrit 9—5, Sonntags 10— 2 Uhr. Auf Wunsch: Vertreterbcsuch. WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Obst, Gemüse, Fleisch und Fische werden nicht zugesandt Sßiw-SKo' Zitronen- Gärungsgetränk Verkauf: Drogcn-AMellung Ausschank; Erfrischungsraum Zigarren-Abteilung leipziger Sir./ Königsir. Moriizplafz Globus Nr. IS Spezial marke leidit, blumig, Si. IS* Globus-Zigarillos große Form, leidit u. engenehm, Stück Kisic SO Stuck 7.10 5 Pf. Kiste 200 Stüde 9.SO Selim-Zigareü. besonitza empfehlen, 3S Sick. 100 St 3.60, 1000 St 33. SO 95 Pf Frisches Fleisch Kalbskamm und Brust. p/und 84 n. Kalbsnierenbraten...... p/und 90 pt. Schweinebauch" Kackcn- mUB$%ed 80 Pf. Schweinekamm u. Blatt ptund 85 pt. Schmorfleisch m. Knochen.... Pfund 1 05 kaßler Speer u. Kamm.......... Pfund 1 18 Uesen w. 75p/. Gehacktes w- 75p/. Prima Gefrierfleisch Suppenfleisch........... ptund 48 pt. Rinder-Kamm u. Brust.ptund 35 pt. Schmorfleisch mUKnodien... P/und 60 Pf. Hammel dicke Rippe und Rücken.... P/und 74 Pf. Bratschollen. Fische . Pfund 8 Pf. 18 Pf. Kabeljau, Seelachs ÄÄ w. 14 Pt. Schelltische.............. Pfund 18 pt. Rotbar se u. Rotzungen p/und 24 pt. Fischfilet................. p/und 28pi. Lebende Aale billigst WiEd u. Geflügel Hirschblätter p/d. 95p/. Rehbläit. 125 Hühner pj""tfend. 120 Suppenhähne Zn 95 � Junge Gänse u. Enten p/d. von I20 Flundern ptund 30 p*- große, pm. 58 p?- Schellfische jen«»., pm. 34 Pf. FettbUcklinge42«wer 58 Pf. Seelachs ssräuüu Pfd,45Pt. Bäuchareaie,«ims fiffra Frischer Spargel prund vo» Zvp» Landieher Jung. Spinat... Pfund 5Pf. Zwiebein neue Aesypier l5Pf. Salat........ Kopf 5 Pf. 6rOne Gurken sick. v. 35 Pf- Rhabarber.... Pfunck 6 Pf. Kranzfeigen..Pfund 3ÖPf. Radieschan. 5 Bund ilZPf. Zitronen.... Duzend 43 Pf. Kartoffeln neue.. Pfund 15 Pf. Zananen..... Pfund so Pf. Dampfwurstm-lio Hildesheimer..Ptund 1.40 Leberwurst feine, Pfund 1.60 Mettwurst 1.40 Zervelat u. Salami pm. 1.65 FiletWUrSt.... Pfund Schinkenwurst.Pfund Schinkenspeck. Pfund Bierwurst..... Pfund 1.40 1.50 1.50 1.55 1.60 Nußschinken cs"2 pfrunnd(j 1.75 Kiinlästrasta, BouiOHtr Strohe. Nortlzplolz: Speckwurst.. Pfund 95 pr. Speck feit. Pld. 1.10 mager 1.20 . Konserven£ ,,�c Schnitt- u. Brech* c°.- Erdbeeren."rrrTV. 1.60 bohnen feine, lunge 65 Pf. Ananas 90 Pf. 1.55 Junge Erbsen.... 68" MiPabe||en....... 1.40 Junge Erbsen sehr fein 1.32 Qpnfnnrkpn ß1/« Pfund-_ Junger Spinat-... 43 Pf. dsntgurken � 3.30 a r Gulasch'/» Dose 7 3?f. 1.35 Pflaumen m» s.e.-.. 75 Pf. cZelsardinen ,cr>f Apfelmus.«..»» 7 9 f• Kiubdosc 50�» d, 75�?- Konfitüren, 2 Pfund-Eimer Ananas 1.65 Orangen, Johannisb. 1.15 Pflaumen 1.10 Erdbeeren, Himbeeren, Aprikosen, Kirschen 1.45 TangermQnder Orangen-Konfitüre-s Pfund-Eimer 3.50 Wein Preise für Vi Flasche ohne Glas, FrühJehrsUsfe auf Wunsch, Renetten-Apfelwein badischer.............. 55 Pt Weißer Johannisbeerwein fein zur Bowie...... im 1922 Edenkobener milder Tisdiwem........... 1.30 1925 Liebfraumilch liebliche Art, blaue Kapsel..... 1.60 1925 Niersteiner Domthal-i-hli?. ansprechend... 1.90 Sonderangebot naturreiner Orig.-Abfüllung c n mit KoiKbr, erster Weingüter der Mosel 1922 Neumagener Leyenburg San'kfmiff,D3ui�gnde 1-50 1922 Dhroner Hofberger Prtcsicr-Seminar, miid, von 1.70 1922 Neumagener Rosengärtchen �"�"piJa'i" 2.30 1922 Erdener Herzlay Berresir.E-ben, spritz., leine Art 2.90 1922 Ruppertsberger alllstzer?falzi»ela. VOM Pal?, Uter 1.50 Tarraaona Rot vom Pdi?.. l-ter 1.40 Lämburger Pkd. 40»»ssuer. Pfd. 45»' Edamer...... Pfund 70 Pf. Schweizer$t 1.35 K 93Pt Holländer...-Pwnd 70Pf. Margarine...Pfund 53?'. Steinbuscher vo wd! 98 Pt Tafelbutter Pfund 1.78 1.83 Tilsiter voiiicit. Pfund 1.10 an Dänische Butter Pfd. 1.90 Holl. Kakao Dessert-BrezelnViPid. 38 Pt Eisbonbon..'/« Pfund 13 Pf. Marke„Kamphnys" Blechdose c«. 1 Pfand les Messina-Drops v« Pfd. is Pt Keks u. Waffeln fAU' 65 Pf. Gebrannt. Kafffee 2 20 Haushalt-Misch. Pfund 2.60 Globus- Misch.. Piund 3.80 Sonder-Misch..Piund 3 m Residenz-Misch. Pfd. 4.20 Oiympia-Misch. Pfund 3.40 Elite-Mischung Pfund 4.6O Auszugmehl 5 piund-Beutei las Iso Auszugmehl 25, 28, 30 Pt Sultaninen 50, 68, 35 Pf Kartoffelmehl.piund 30Pf. Rosinen. Pfund 60 Pf 7 2 Pf. Maispuder...Pfund 26Pf. Korinthen Pfund 60Pf. 72?'- Waizenpuder.. Pfund 46Pf. Zitronat..... p.und 1.50 Mandeln sus...Pfand 2.20 Kokosnuß•...Pfund 6 4 Pf. Küchenwunder badti, braici a. dämief bei oßener Gaskodtztßamme Kochbuch dgzu, mU 2 Größen 030 780 iOQ Iteu&icn 30.Bk Seilage öes Schlußwort. dürfen das Wort Diktatur nicht im Sinne von Friedrich Engels gsdrauchen und können uns nicht Kommunisten nennen, weil Marx und Engels das kommunistisch« Manifest geschrieben haben. Soziale Demokratie ist nichts anderes als Sozialismus. Demokratie aber bleibt auch, wenn wir in den Sozialismus hinübergehen. Es ändert sich nur der gesellschastliche Inhalt. Die Demokratie für etwas Bürgerliches hinzustellen, heiszt, ihren Werl für das Proletariat in Fragen ziehen, und das ist die gröhte Gefahr für ganz Europa. Ich will schließen ohne Polemik. Ich danke im Namen des ganzen Parteitages den Kieler Genossen, daß sie uns ermöglicht haben, in die Kinderaugen zu schauen, die Zukunft der Arbeiter- bcwegung, die Zukunft des Sozialismus. Möglich st bald sollen überoll R�o lc Falken mit uns marschieren. (Lebhafter Beifall.) vie eröffnen der Jugend ein unermeßliches Reich der Zukunft und werben uns tüchtige Weggenosse». Auch wir haben in unserer Jugend viel über Sozialismus diskutiert, aber wir haben nie den großen Respekt vor der Bewegung verloren. Wenn' man die Jugend nur ihren Trieben überläßt und nicht vom Alter her Richtungen hineinträgt und die Jugend politisch ausnutzt, dann wird auch die jetzige Jugend den Respekt vor der Bewegung haben. Ich denke an die Schilderungen von Marx und Engels aus der Frühzeit des englischen Kapitalismus. Damals mußten die jungen Burschen und Mädels zehn, zwölf und vierzehn Stunden an der Maschine als Wärter stehen. Die Generationen der Arbeiterbewegung folgen einander, und der große Kampf der Ar- beiter hat es.möglich gemacht, daß wir heute die Roten Falken vor uns gesehen haben. Darum Respekt vor der Arbeiterbewegung. Sie ist die Verwirklichung der Sittlichkeit und Humanität, und wir brauchen keinen Schulmeister, der uns erst ethische Grundsätze bei- bringt.(Stürmischer Beifall.) Und ein letztes Wort an unsere Vertrauensmänner. Was haben unsere Funktionäre leisten müssen, als die Spaltung da war, als alles drunter und drüber ging, als um jede Arbeiterseele gerungen wurde. Was haben sie gelitten in der fürchterlichen Zeit der Inflation, wo jeder häusliche Herd ein Herd des Aufruhrs war. heule dürfen wir Ihnen sagen: Eure Arbeit ist leichter ge- worden, mit den Resten des Kommunismus wird euer Kraft- bewußtsein leicht ausräumen. Dann aber muß die Partei zu dem großen Kämpfen gerüstet sein in Preußen wie im Reiche. Sorgt für die Geschlossenheit der Parteil Die Parteitagsdebatte hat die Gegenfäße als viel kleiner erwiesen, als man vorher erwartet hatte. Äctzt schließt die Reihen, verteidigt jeden Schritt der Partei und rüstet zur Entscheidung. Jetzt gilt es nicht, Fehler zu suchen, jetzt gilt es für die Partei einzutreten. Wir sind stolz auf unsere Jugend, stolz auf unsere Vertrauensmänner, stolz darauf, daß wir das schwerste überwunden haben und schreiten einem Sieg entgegen, wie Ihr ihn erwartet und die Arbeiterklosse ihn braucht.(Stürmischer, langanhaltender, oft wiederholter Beifall.) (Die Redner, die vor dem Schlußwort Hilferding noch zu Wort kamen, tragen wir in der Abendausgabe nach.) die Abstimmung. Zur Abstimmung erklärt Dr. Kurt Rosenseld-Berlin, daß nach der Abstimmung über die Resolution Aufhäuser-Toni Sender seine Freunde sich der Stimme bei Annahme der Parteioorstands-Reso- lution enthalten würden.(L ö b e: Ich habe niemanden zu einer solchen Erklärung beaustragt!) Die Resolution Aufhäuser-Toni Sender wird mit LZ gegen 2b5 Stimmen abgelehnt. Ein sächsischer Delegierter bemerkt, daß für die Resolution neun Stimmen zu wenig gezählt seien.(Widerspruch.) 5reltag, 27. Mai 7927 Die Resolution des Parteivorslandes(hilser- ding) wird gegen wenige Stimme sächsischer Delegierter bei Stimm- enlhaltung zahlreicher Berliner Delegierter angenommen. Angenommen wird auch ein A n t r a g Hamburg aus Ein- setzung einer Kommission zur Prüfung der Wege zum Einheitsstaat. Die Anträge zum witiläretak und zu verschiedenen anderen Gesehgcbungsgcgensländen werden der Fraktion überwiesen. Zum Schluß wird ein Antrag Stuttgart, der der Reichstags- sraklion Dank und Vertrauen auespricht, einstimmig angenommen (Heiterkeit.) Hierauf vertagt sich der Parteitag nach neunstündiger Sitzungs- dauer auf Freitag vormittag g Uhr. wahlgesetzanöerung in Saüen. Vermehrung der Wahlkreise.— Maßnahmen gegen die«plittcrparteicn. Karlsruhe, 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die badische Re- gierung legte dieser Tage dem Landtag einen Entwurf eines Gc- setzss über eine Aenderung des badischcn Landtags- Wahlgesetzes vor. Nach dem Entwurfs soll das Land Baden in 22 Wahlkreise eingeteilt werden gegen bisher sieben: Wahl- kreisverbände sollen nicht mehr gebildet werden. Für jeden Wahl- kreis müssen von der einzelnen Partei oder Wählergruppe min- destens zwei Bewerber vorgeschlagen werden. Gewählt sind Bewerber, die in einem Wahlkreis 1l1 000 Stimmen erhalten haben. D!« hiernach in den Wahlkreisen unberücksichtigt gebliebenen Stimmen werden für jede Partei oder Wählergruppe für das ganze Land zusammengezählt. Diese Stimmen werden den nicht gewählten Bewerbern in der Reihenfolge der in einem Wahlkreis errichteten Höchststimmenzahl gutgeschrieben. Bewerber, die hierdurch die Stimmenzahl lOOOO oder einen Rest von 7S00 Stimmen erreichen, gelten gleichfalls als gewählt. Die Vorlage ist als eine Reaktion auf die letzten Landtagswahlen im Herbst 1925 zu betrachten. Die damalige schlechte Wahlbeteiligung von etwa 50 Proz. vcranlaßte Regierung und Parteien zu einer Untersuchung der Ursachen dieser Wahlflauhcit der badischen Wähler. Man glaubte nun, eine der Ursachen darin zu finden, daß durch den bisherigen Wahlmodus mit Wahlkreisen die Bindung zwischen Wähler und Abgeordnete zu lose sei, daß es deshalb nötig wäre, den Abgeordneten enger an die Wähler zu binden. Deshalb soll nun die Zahl der Wahlkreise von sieben auf zweiundzwanzig vermehrt werden. Auch durch den Wegfall der Landesliste soll dieser Zweck erreicht werden. Durch die neue Wahlrechtsoorlag« geht jedoch wie bei dem bisherigen System keine Stimme verloren. Ob freilich durch die Aenderung des Wahlgesetzes der beabsichtigte Zweck erreicht wird, muß dahin- gestellt bleiben, denn auch bei den Gemeindcwahlen im letzten Jahre, wo doch die Bindung zwischen Wählern und zu Wählenden die denkbar engste ist, betrug die Wahlbeteiligung kaum 50 Proz. Ein weiterer Zweck der Vorlage ist, die weitere Z e r s p l i t t c- rung in kleine und kleinste Gruppen zu verhin- d e r n: die Zahl der Wahlvorschläge bei den letzten Wahlen betrug zweiundzwanzig. Die Vorlage der Regierung enthält hierüber zwar noch keine bestimmten Vorschläge, sie überläßt dem Landtag zu bestimmen, welche Mindeststimmenzahl zur Erlangung eines Sitzes für eine Partei oder Gruppe nötig sein soll. Im großen und ganzen dürfte der Landtag der Vorlage zustimmen. Meinungsverschiedenheiten bestehen nur über die Einteilung und Festlegung der Wahlkreise. Das Zentrum hat hier in einem wohlgeometrischcn Vorschlage bereits einen Vorstoß unternommen, der aber fast einmütige Ablehnung bei den übrigen Parteien erfuhr; denn der Vorschlag war zu deutlich und durchsichtig auf die Parteiinteressen des Zentrums zugeschnitten. Der Verfasiungsausschuß des Landtags hat bereits mit der Beratung der Vorlage begonnen. Kr. 247 ♦ 44. Jahrgang hilferöings Noch Wiederaufnahme der Verhandlungen wird ein Schluß- an trag angenommen. Das Schlußwort erhielt hilferding: Es ist die groß« Kraft der Demokratie, daß sie dort, wo sie historische Tradition geworden ist und wo das Proletariat zu ihrem Schutz bereit ist, zu einer Selbstverständlichkeit wird. Der Faschismus hat nur dort siegen können, wo es vorher nicht wesentliche Ansätze zur Demokratie gegeben hat. Also es wird bei uns gar nicht so ein- fach lein, die Grundlage der Demokratie wegzunehmen, selbst, wenn die Bourgeoisie das wollte. Gewiß kann es auch im demokratischen System bei schweren sozialen Krisen vorübergehend eine Suspen- dierung demokratischer Reste geben. Aber z. B. in England und auch in Frankreich seit 1870 sind die Grundlagen der Demo- kratie niemals in Frage gestellt gewesen. So müssen wir a u ch i n Deutschland die Tradition schaffen, damit jeder Angriff auf die Demokratie als Hochverrat am Volke, der mit allen Mitteln abgewehrt werden muß, gilt und deshalb von vornherein den Herrschenden als Unmöglichkeit erscheinen muß.(Sehr gut.) Aufhäuscr hat meine Analyse anerkannt, aber nicht die Konsequenzen. Es gibt Partei- genossen, zu denen Aushäuser zu gehören viel zu klug ist, für die diese Konsequenzen vor der Analyse feststehen. Aber er begeht«inen anderen Fehler: für ihn ist der Uebergang von der theoretischen Be- nachtung zur Politik oft viel zu einfach. Aber der Weg von der Theorie zur Politik ist nicht so einfach. Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik ist genau so kompliziert, wie etwa das der theoretischen Physik zur Technik. Das Z e n t r u m ist z. B. ein A u s- schnitt aus der gesamten Gesellschaft. Natürlich müssen wir gegenüber einer solchen Partei anders sprechen als gegenüber der Deutschen Dolkspartei, der fast reinen Vertretung der großen Jndustrieinteressen. Aber deswegen gibt es noch lange keine Oppo> sirivn erster und zweiter Güte. Wir wollten keinen Ringkamps um die Probleme der Oppo- ssüon veranstalten. Auch ich habe mit Severing versprochen, die Opposition zu verstärken.(Große Heiterkeit.) Ich muß ja schon dabei sein, um die Meinungsverschiedenheiten zwischen Löbe und Severing auszuräumen.(Erneute Heiterkeit..) Aber die gesamte Fraktion will vollständig einmütig stärkste Opposition und noch nie hat jemand erklärt, daß er aus das Zentrum oder sonstwem besondere Rücksicht nehmen wolle. Wenn freilich Berlin, Sachsen und Stettin vom Parteitag besondere Parteiarbeit gegen dos Zentrum fordert, dann muß ich ihnen doch i'nfrsundlich sagen: Kämpft erst gegen Kommunisten und Deutschnationale, die paar Zent-rumsstimmen, die es da gibt, holt ihr noch später. Denn aus dem Rheinland und Westfalen sind solche Anträge nicht gekommen. Dort weiß man besser, wie man zur christlichen Arbeiterschaft sprechen muß. Der Antrag A.ifhäuser und Tony Sender ist in der Formulierung total oer- unglückt. Beide hätten lieber ihre heutige Rede als Antrag sormu- li-nen sollen.(Heiterkeit.) Auch die Gegensätze über die Koali- rimrpolitik sind auf diesem Parteitag gar nicht besonders groß. Ige? Koalition unter keinen Umständen will und wer sie unter eilen Umständen will, scheidet als unpolitisch aus. Die Frage des Eintritts in eine Regierung ist ein- der schwierigsten taktischen Fragen, die die Fraktionen überhaupt zu entscheiden haben. Kealitionspolitik ist auch keine Suspendierung des Klassenkampfes, ik.'n politischer Brugsriedcn. Es gibt kein« schwereren Kämpfe, als das täglich- Ringen in einer Koalitionsregierung zur Durchsetzung i-s sozialistischen Staudpunktee. Als wir in die Koalition mit Strsjemann gingen, stand Deutschlands Einheit und die Rettung aus der Inflation auf dem Spiel. Es war die letzte Minute, das po'itische und soziale Ehaos abzuwehren. Wir wußten, daß diese Politik schwere Opfer kosten würde. Aber ich glaube noch heute, wir mußten sie machen mit Rücksicht aus die Zukunft. Hoffentlich kehrt dieser Zwang zur Koalition nicht wieder, aber festlegen können wir uns nicht lassen.(Sehr wahr!) Den Umerschied zwischen Sozialdemokratie und bürgerlicher Demokratie will Aufhäuser von mir gelernt haben. Er stammt wohl von Karl Marx. Aber wir köpfe vom Parteitag. Don Max N i e r i ch(Kassel). Wenn Genosse Bracke, Paris spricht, glaubt man nicht, daß er Franzose— und auch nicht, daß er Wissenschaftler ist. Brake ist aber Franzose, und er ist Wissenschaftler! Sein Galliertum ist zwar nicht ganz„echt". Sein Name ist eigentlich D e s r o u s s e a u x. Der Bater war von französisch-flümischer Abstammung. Dessen lyrischen Gedichte(in Dialekt) sind in Frankreich gut bekannt. Die Vaterstadt Lille setzte dem Volksdichter ein Denkmal. Die Mutter hieß Brake. So nannte sich auch der Sohn, der studieren tonnte und Philologe wurde. Heute ist Genosse Brake Professor für griechische Philologie an der Sorbonne. Zugleich ist er ein bc- deutender Führer der französischen Bruderpartei, Delegierter zur Exekutive der Internationale und Mitglied des Internationalen Bureaus. Seit 43 Jahren steht Brake im Lager der Sozialisten. Jetzt ist er 65 Jahre. Und noch elastisch und noch nicht ganz weih. Ein kleiner, beweglicher Mann. Wenn er beim Reden in Leidenschaft kommt, springt aus dem flämisch-blauen Aug« Feuer. Dann ist Brake ganz Gallier in Betonung und Geste, in Wort und Bewegung. In der Eröffnungssitzung spricht er deutsch— mit falscher Betonung, doch mit echter Wärme. Und als er die deutsche und internationale Sozialdemokratie hoch leben läßt, ist das Feuer des Romanen aus der inneren Glut heraus mächtig entsacht. Trotz der 65 Jahre, trotz des Philologengeistes. * Der Italiener Modigliani spricht in der feierlichen Er- ösfnungssitzung sranzösisch. Er sieht aus wie ein bejahrter deutscher Arzt der Dortriegsjahrc. Jurist ist er. llnö einer der einstufe* reichsten Führer der italienischen Bruderpartei, die ja heut in alle Winde zerstoben ist. Als er vor dem Faschismus fliehen mußte. ging er nach Paris. 1872 in Livorno geboren. Nach der Studienzeit Sozialist. Advokat in der Baterstadt. 1898 zu 6 Monaten Gefängnis und 2 Jahren Verbannung verurteilt. Die Berbannungsstrafe wird nicht durchgeführt. Nach dem Kriege steht er neben Turati in der Partei im'Vordergrund. Der Faschismus siegte. Modigliani wird brutal verfolgt. Etwa dreizehnmal gemein oerprügelt. Im April 1926 plündern die Schwarzhcmden fem Bureau. Er muß weichen! Ein Kopf, der trotz unverkennbarer Züge der Gutmütigkeit die Kampsnatur verrät. Ein hoher, haarloser Vorderkopf. der sich wie eine Halbkugel über den Augen wölbt. Schmale, schwarze Äugen, blasse Gesichtsfarbe. Von den Augcnrändern ziehen sich Sorgen- falten herab, die vom Emigrantenschicksal berichten. Wenn er spricht, belebt sich das Gesicht. Dann glätten sich die Fallen. In klug abgewogener Rede, die zum Schluß temperamentvoll wird, gsißell er die Methoden des Faschismus. Ohne Demokratie kein Menschen- tum, ohne freies Menschentum kein freier Staat, ohne Demokratie kein Sozialismus! Es lebe unsere Solidarität! » Karl Renner ist Jurist und 57 Jahre oll. Ursprünglich war er Staatsbibliothekar. Seit 1907 Abgeordneter des Kreises Wiener Neustadt, zugleich Obmann des Verbandes österreichischer Konsum- vereine.!%>ch dem Umsturz in Oesterreich war er von 1918 bis 1920 Staatskanster. Er ist nicht nur österreichischer Parteiführer, sondern auch einer der Führer der Internationale, sitzt im Vorstand der Internationalen Genossenschastsallianz und ist Präsident der internationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt in Basel. Aeußerlich sieht man ihm kaum den Oesterrcicher an. Die großen Ohren, der Spitzbart, den ein Handwerksmeister von der Wasser- kante tragen könnte, sind gor nicht„weanerisch". Der Kops ist kahl. Eine Gelehrtenhornbrille aus der feinen Nase. Wenn aber Renner spricht, ist er ganz der„Eestreichcr". In breiter, jovialer, aber scharf durchdachter Rede weiß er seine Hörer zu bannen: „Ein hohes Gut ist uns in Oesterreich die Meinungsfreiheit, ein höheres aber die Einheit des Handelns!" Bald spürt man, daß dieser Mann ein sozialistischer Akademiker, aber auch ein klar- denkender Praktiker ist. * Otto Wels feiert mit seinem Kollegen Hermann Müller zusam- men diesmal sein sünfundzwanzigjähriges Parteitagsjubiläum. Im Schlußwort zum Vorstandsbcricht sagte er von sich, er sei einer der Sanftmütigsten im Parteivorstand. Darob große Heiterkeit. Wels lachte mit! Wels ist 54 Jahre all. Trotzdem ist das volle Haupthaar fast noch ganz schwarz. Er war Tapezierer, wanderte in Deutschland in jungen Iahren herum. Später ist er Angestellter seines Verbandes, dann Parteisekretär. Mit 39 Jahren kommt er in den Parteivor-" stand. 1918 steht er in vorderster Reihe. Er wird Kommandant von Berlin. Die Spartakisten verhosten ihn eines Tages und drohen mit Erschießung. Am Vorstandstisch ragt Wels nicht nur durch seine körperliche Größe heraus. Sein gesund-rotes Gesicht wird von liefen Furchen durchzogen— ist aber noch jung-bcweglich. Wenn der breite und männlich-kräftige Mund spricht, dann bekommt das Gesicht etwas Gespanntes. Er ist einer der weitblickendsten Organisatoren und wohl der volkstümlich durchschlagkräftigstc Redner der SPD. Wenn etwas totzuschlagen ist, dann führt der„Sanftmütige" Schlag auf Schlag. Wenn es auszubauen gilt, dann schafft emsig er mit Hand und Hirn. « Otto Braun. Preußischer Ministerpräsident. Vor Iahren trug er noch einen flotten Schnurr- und Spitzbart. Jetzt sind Kopf und Gesicht glattrasiert. Geboren 1872 in Königsberg. Als Angestellter, Redakteur und Parteisekretär hauptsächlich in landwirtschaftlichen Bezirken tätig. Ein Kenner des Landes, der Landarbeiter, der Agrarwirt- schaft. Ein Freund des Waldes, der Bäume und Tiere. Ein Mann, der obne ein Stück Natur nicht leben kann. Ein verschlossener Mensch, kantig und herb. Das Wort hat der Genosse Otto Braun. Das Plenum wird still, alles sieht auf die Tribüne. Braun spricht nicht laut. Er betont nicht viel, er liebt kein Pathos. Seine Stimme liegt hoch. Aber man hört ihn. Die Worte sind immer angrisfslustig. Der Hieb ist die beste Parade! Das ist seine Parole. So hat er es immer gehalten— so steht er noch jetzt als preußischer Ministerpräsident, als bestgehaßter Mann her Reaktion gegenüber, so spricht er derb und unnachsichtlg zu den Dcutschnatio- nalen. Wie eine Eiche steht er fest in Wetter und Sturm. Der Mund eng, die Lippen schmal, die Nase scharf gebogen. Tiefliegende, dunkle Augen mit starken Augenwulsten. Seine Diskussionsrede in Kiel ging gegen Rosenseld und die Sachsen. Trotz Schärfe in der Sache, blieb er sich in seiner politischen Linie treu: Es gilt, die gewonnenen Machtpositionen zu halten, neue zu erobern! Knut Hamsun als Lyriker. Zwischen der epischen und lyrischen Kunst bestehen so große Wesenounterschiede, daß wir die Vereinigung einer Meisterschaft in beiden Kunstgattungen nur ganz selten erleben und selbst in solchen Einzelfällen— etwa bei Goethe, Novalis, Höl- derlin— ein Ueberwiegcn des lyrischen Elements finden. In der epischen Dichtung tritt das gedankliche Moment, die Entwicklung und logische Begründung einer Handlung und die Charakterisierung von Personen in den Vordergrund. Die künstlerische Beherrschung dieser Schassensbedingungcn setzt natürlich eine ganz anders geartete Per- sönlichkeit voraus als die wesentlich auf Gefühlen, Stimmungen und Avgenblickseindrücken beruhende lyrische Dichtung. Es ist deshalb verständlich und beinahe selbstverständlich, daß alle große» Erzähler keine überragenden und besonders eigenartigen Leistungen als Lyriker vollbringen. Das gilt auch für Knut Hamsun, den bedeutendsten lebenden norwegischen Romandichter, dessen Werke internationale Geltung erlangt haben. Die verhältnismäßig kleine Auslese seines lyrischen Schaffens wird uns soeben in einer im ganzen sehr feinen lieber- tragung von Heinrich G o c b e I unter dem Titel„Der wilde Ehor" in einem kostbaren Bande(I. M. Spacth-Verlog, Berlin) vorgelegt. In einem als eine Art Schlußwort auszugsweise mitgeteilten Briese an den Uebersetzer erklärt der Dichter selbst es als„eine Unverschämt- heit gegen die Leser, Entwürfe und lose poetische Skizze» als fertige Gedichte herauszugeben", und fügt hinzu,„daß ich eine Menge Verse liegen habe, die nicht herausgegeben werden können, bevor die Form oerbessert ist". Ein Dichter, der solche Worte schreibt, verlangt für seine Verse den strengsten kritischen Maßstab. Als Ergänzung und Begrenzung des literarischen Gesamtbildes von Knut Hamsun ist uns auch sein Gedichtband„Der wilde Chor" willkommen. Aber die Ursprünglichkeit und Eigenart der Empfindung, den Rausch und die Innigkeit und die eigentliche.verskünstlerische Selbständigkeit des großen Lyrikers wird man in diesen Gedichten kaum finden. Sicher ist ihr Urheber eine poetische Persönlichkeit von kultiviertem Gc- schmack, ein Dichter, der eine klare Anschauung in sprachlich voll- endeter Form wiederzugeben weiß Man vermißt nur meistens das mitreisende, heiße innere Erleben und hat mehr den Eindruck einer unterhaltenden Spielerei mit Vorstellungen und zarten Seelcnregun- gen, die größeren Vorbildern abgelauscht sind. An einigen Stellen freilich-schwingen sich auch diese immer anmutigen und klangvollen Berse zu Bildern von erhabener Größe und stürmischer Elementar- gewalt auf, aus denen uns das Rauschen des weiten Nordlandcs entgegenströmt. Dann erkennen wir den Dichter, dessen starkes Künstlertum uns in seinem gesamten«chafsen so zwingend lebendig wird. Bz. > Die piscalor-Lühne bat tilr die näckbc Spielzeit das Tbcatcr am Nollendorsplatz gepachtet. Die Eröffnung erfolgt am 1. September. Himmelfahrt... Himmelfahrt...? Für manchen braven Ehemann war's wohl mehr eine alkoholische Höllenfahrt. Die Tradition wird heilig ge- halten!— Leider! Schon am Mittwoch abend sah man die„Herren- Partien", mit Bändern, Narrenkappen n. ä. festlich geschmückt, vor- zeitig angeheitert durch die Gegend schwanken. Trotz des schlechten Himmelfahrtwetters— die optimistischen meteorologischen Pro- gnosen hatten nicht gehalten, was sie versprachen— war der Ausflugsverkehr sehr stark, der Alkoholkonsum gewaltig und die Stim- mung zahlreicher„Herrenpanieler", die sich scheinbar im siebenten Himmel dünkten, recht ausgelassen. Die Vorort- und Ausflugsgast- statten machten wieder mal ein ausgezeichnetes Geschäft und mancher Arbeiter fühlte sich um sein sauer verdientes Geld erleichtert. Doch die starken Regenschauer, die in der fünften und sechsten Stunde niedergingen, zwangen viele zum frühzeitigen Aufbruch. Wie immer zogen die Teilnehmer der„Herrenpartien" mit allerlei möglichen und unmöglichen Instrumenten ihrer Wege. Violine, Gitarre und— Pause veranstalteten zum großen Vergnügen der schmunzelnden Wirte Freikonzerte, die zahlreiche Zuhörer anlockten. Leider war der Himmelfahrtstag für die Wasserfreunde, die ihn sonst alljährlich besonder» zahlreich zu kleineren und größeren Paddel- und Segel- bootfahrten ausnutzten, ein betrübliches Fiasko. Di« Ring- und Vorortbahnzüge waren in vorgerückter Abendstunde überfüllt, was aber der bierseligen Stimmung nicht den mindesten Abbruch tat. Am Grabe noch pflanzt er die Hoffnung auf! Denn als der unter- nehmungslustig« Gatte mit einem mächtigen Fliederstrauß in der Hand eine kleine halbe Stunde später gutgelaunt, aber ein wenig unsicher auf den Beinen, im„trauten Heim" anrückte, fand manche Illusion ein jähes, disharmonisches Ende.... Und dann erkennt mancher, daß Himmelfahrt und Alkohol ein betrübliches Kapitel ist. * Zu einer schweren Schlägerei kam es am gestrigen Himmelfahrtstag gegen 5 Uhr nachmittags auf der Chaussee bei Köpenick In der Nähe des Restaurants„Rübe- zahl" am Teufelss?« gerieten etwa 12 bis 15 Ausflügler wegen einer geringfügigen Ursache in Streit, der sich derart zu- spitzte, daß die Gegner mit Messern, Stöcken und Steinen auseinander losgingen. Bald lagen fünf Personen blutüberströmt am Boden Inzwischen war das alarmierte Ueberfallkommando aus Köpenick erschienen, das in kurzer Zeit die Ruhe wiederherstellte und zwei Rädelsführer ver» hastete. Die Verletzten wurden in das Kreiskrankenhaus ?ii Köpenick geschafft, wo drei von ihnen nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen gebracht werden konnten. Zwei Verletzte, der 3k>jährige Schlächter Franz Ku. bisch aus der Kleinen Markus st raße und der2l)jährige Tischler Willi Link aus der Eckertstraße, die tiefe Stiche in den L« i b davongetragen haben, verblieben im Kranken- hau». Ihr Zustand gibt zu Besorgnissen Anlaß. Eine Seele von Hauswirt. Wie die Notlage der Mieter ausgenutzt wird. Vor dem Schösfengericht Berlin-Wedding stand der Hausbesitzer Willy Rudolph wegen Wohnungswuchers unter Anilage. Rudolph hatte in seinem Hause, Berlin N.. Kolonie- straße 124, zwei über de? Toreinfahrt liegende Räume, deren lichte Höhe nur 1,72 Meter betrug, und die beide durch einen Rundbogen— sogenannt« Tür— miteinander verbunden waren, die an ihrer höchsten Stelle nur 1,24 Meter hock) war. als Wohnräume vermietet. Und zwar hatte R. in diese Räume einige alte Möbelstücke gestellt, die noch dazu zum größten Teil beschädigt und unbrauchbar waren Die V e r m i e- tung der Räume machte R. nun vom gleichzeitigen Kauf dieses alten Gerümpels abhängig. Es fand sich auch ein Wolpiungsuchender in der Person des Nebenklägers L., dessen Ehefrau kurz vor ihrer Entbindung stand, und der daher unbedingt eine Wohnung haben mußte. Trotzdem L. beim Wohnungsamt eingetragen war, wurde ihm keine Wohnung zugewiesen. Rudolph erklärte dem L„ daß diese„Wohnräume" nicht dem Wohnungsamt unterständen, L. aber die Möbel mit kaufen müsse. R. verlangte zuerst 1000 Mark und ging dann auf 500 Mark herunter. L. sah sich in seiner Not, um ein Obdach für sich und seine Frau zu hoben, gezwungen, dies« 500 Mark an R. zu zahlen. Miete verlangte R. monallich 20 Mark. Nach einiger Zeit kam die Baupolizei dahinter, und nach behördlicher Untersuchung der Räum«, untersagte die Baupolizei die Benutzung der Räum« als Wohnräume, laut ß 26 Ziffer 4 der Bauordnung vom 3. November 1S2S. Der Wirt weigerte sich nun, auch nur einen Pfennig von den 500 Mark an L. zurückzuzahlen. Der Sachverständige B., welcher diese Räume besichtigt hatte, stellte klar und einwandfrei das unerhörte Vorgehen des 5)ausbesitzers fest. Die Räume feien In völlig verwahrlostem Zustand gewesen, er habe derartige menschenunwürdige Räume in seiner praxi» noch nicht gesehen. Dos alt« Inventar, welches ganz verbraucht und zum größten Teil kaputt war, habe einen Trödel- wert von allerhöchstens 100 Mark gehabt. Der zweite S a ch o« r- st ä n d i g e L., legte sich dagegen noch tür den Hausbesitzer stark ins Zeug. Er erklärt«, daß derartige Räume in der heutigen Wohnungsnot sehr gut als Wohnräume geeignet seien. Vom Vor- sitzenden über die verkappte Abstandssumme von 500 Mark befragt, erklärte L., daß diese angemessen sei, ebenso die Miete von monatlich 20 Mark. Bei diesen Ausführungen entstand im dicht besetzten Zuhörerraum«in Entrü st ungs stürm, so daß der Vorsitzende mit Räumung drohte. Der Sachverständige L. verstieg sich zum Schluß seiner Ausführungen noch zu der Bc- hauptung, daß selb st hohe Offiziere,„Ritter des Ordens pour le merite", im Berliner Westen in ähnlichen, teils noch schlimmeren Zuständen lebten, daß also diese Wohnung noch viel zu gut für L. sei. Der Staatsanwalt bc- zeichnete das Gutachten des Sachverständigen L. als völlig unsachlich und unsozial. Ein derartig krasser Fall von Mietwucher, wie der vorliegende, sei ihm noch nicht vorgekommen. Er beantragte 5 Monate Gefängnis unter Ablehnung von Be- Währungsfrist, bei Erkennung von nur Geldstrafe, unter Ablehnung jeder Ratenzahlung. Das Gericht erkannte in außerordentlicher Milde auf 5 0 0 Mark Geldstrafe. Trotzdem erklärte der Hauswirt R., Berufung einlegen zu wollen) hoffentlich wird dies auch der Staatsanwalt tun. Voranzeige! Dienstag, den 31. Mai. abends 7s4 Uhr. findet im Lehrer- Vereinshaus. Alexandersir. 41. eine wichtige �unktionärversammlung statt. Der italienische Genosse Modigliani wird über„Die faschistisch« Gefahr" referieren.— Mir ersuchen die Kreise und Abteilungen, diesen Tag freizuhalten, damit alle Funktionäre an dieser wichtigen Versammlung teilnehmen können. Der Bezirksvorstand. Der Schuß im Grunewald. Sie wollten gemeinsam aus dem Leben gehen! Der rätselhafte Todesfall, der am späten Mittwoch nachmittag die Mordkommission in den Grunewald rief, konnte durch die wäh- rend der Nacht und des gestrigen Tages fortgesetzten Ermittlungen fast restlos aufgeklärt werden. Die Tote wurde als eine 25 Jahre alte frühere Kontoristin Hertha linze(nicht Unzeck) aus der Wilmersdorfer Str. 32 zu Charlottenburg festgestellt. Die Angaben des jungen Mannes, des Kaufmanns Willy Lange, der in verdächtiger Nähe der Er- schossenen angehalten wurde, wurden nachgeprüst und zum größten Teil als richtig befunden. Hertha Unze, die zurzeit ohne Beschäfti- gung war, hatte am Montag den jungen Lange in einem Lokal in der Wallstraße in Charlottenburg kennen gelernt. Sie fanden Gc- fallen aneinander Und kamen des' öfteren zusammen. Am Mittwoch besuchten sie mehrere Lokale, in denen besonders das Mädchen dem Altohol reichlich zusprach. Beide gerieten allmählich in eine w eil- schmerzliche Stimmung und die Unze schlug vor, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Sie gab Lange Geld, damit er seinen Revolver, den er in einer Wirtschast versetzt hatte, auslösen konnte. Dann schrieb dos Mädchen einen Abschiedsbrief an ihre Mutter und beide gemeinsam einen zweiten an die Kriminal- Polizei, in dem sie ihren Entschluß, Selbstmord zu oerüben, mit- teilten. Diesen zweiten Brief nahm Lange an sich. Als er später festgenommen wurde, dachte er in seiner Aufregung gar nicht mehr daran, daß er dies wichtige Schriftstück in der Tasche trug. Am Nach- mittag begab sich das Paar in den Grunewald und setzte sich in einer Schonung in der Nähe des Bullmannschen Restaurants nieder. Jetzt verlor aber Lange den Mut. Wie er behauptet, nahm die Unze nun selbst die Waffe in die Hand und tötete sich durch einen Kopfschuß. Diese Angabe scheint durch eine erneute Leichenbesichti- gung bestätigt zu werden Völlige Klarheit wird die für heute an- gesetzte Obduktion ergeben. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Mädchen selbst Hand an sich gelegt hat, wird dadurch erhöht, daß sie nach Aussage ihrer Mutter bereits früher Selbstinordabsichien geäußert hat. Da sie aber als etwas überspannt bekannt war. so schenkte man ihren Reden keine Beachtung. Lange wird bis zum endgültigen Abschluß der Untersuchung in Haft behalten. Die neue Rummer der„Arbeilerwohliahrt". Heft 10 vom 15. Mai, bringt aus Anlaß der sozialdemokratischen Frauenkonferenz, die sich mit Wohnungssragen befaßt, einen Leitartikel über die Frage:„W o h n u n g s p s l c g e als Aufgab« der Außen- f ü r s o r g e" von Dr. Käthe Radke-Köln. Genosse Stadtrat Binder setzt seinen Artikel.Kleinrentnerfürsorge— Kleinrentnerversorgung" fort und fordert ein allgemeines Altersversorgungsgesetz. Genosse Stadtrat Friedländer behandelt einen Erlaß des preußischen Wohl- sahrtsministers über„Die Beteiligung der freien Verbände an der Jugendfürsorge", eine Frage, in der noch in weiten Kreisen Rechts- Unklarheit herrscht und die für die gesamte Iuoendwohlfahrtspflege eine immer größere Bedeutung bekommt. Genossin Schrocdor, M. d. R., schildert die„Abänderung der Verordnung über die Ar- beitszeit vom 21. Dezember 1023" und die„Internationale Regelung sozialer Fragen" auf einer Konferenz, an der sie selbst teilgenommen hat. Ferner wird ein Problem der Ausbildung zur Gesundheitsfür- sorge behandelt. Genossin Buchrucker gibt einen Auszug aus dem demnächst erscheinenden Geschäftsbericht. Mitteilungen und ein Ucberblick über die wichtigsten Erscheinungen in der Fachpresse folgen. Die nächste Nummer wird aus Anlaß der Tagung der Ar- beiterwohlfo.hrt„Zeitfragen der Iugendwohlfahrt" am 30. Mai in Kiel als Jugendwohlfahrtsnummcr erscheinen und eine Bildbeilage mit den neuen Heimen der Arbeiterwohlfahrt bringen. Der Bund Deutscher Mielervereine e. V.. Sitz Dresden, dält seine Reichstagung, den 22. Deutschen Mietertag, in der Zeit vom 9. bis 13. Juni 1927 in Hamburg ab. An der öffentlichen Tagung am 10. Juni gibt der Bundesvorsitzende Herr mann, Dresden Bericht über die mieterpolitische Lage. Weiter sprechen Unwersitäts- profesior Dr. Jastrow, Berlin, über„llebergang in eine neue Wohnwirtfchaft". Universitätsprofefsor Dr. Deutschbein. Marburg an der Lahn, über„Volksbegehren und Voltsentscheid" und Bau» meister Seidler, Dresden, über„Was wird aus der Aufwcrtungs- stcuer?" Zahlreiche Anmeldungen aus deni Reiche und vom Aus» lande liegen bereits vor. Insel„Imchen" bei Cladow Rawrschuhgebiet. Die Insel Imchen bei Cladow ist als Naturschutzgebiet erklärt und dem öffentlichen Verkehr entzogen worden. Das Anlegen von Boote» sowie dos Betreten dieser Insel ist im Interesse ihrer eigenartigen Tier- und Pflanzenwelt verboten. Zuwiderhandlungen werden bestrast. Lindbergh verzichtet auf 150 000 Franken. Lindbergh hat die ihm von Frau Deutsch de Meurthe gespendeten 150 00Ö Franken an die Familien der beiden verschollenen französischen Flieger Nungesser und Coli abgetreten. Er wird am Sonnabend nachmittag noch Brüssel fliegen. Spätestens am Donners- tag will er in London sein. Lindbergh wird den Flug aus seinem eigenen Flugzeug aussühren. Schweres Eisenbahnunglück in Spanien. Auf der Station Pulpi (Provinz Almeria) in Spanien stieß ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. Elf Personen wurden dabei getötet und vierzehn verwundet. Ansängerkurse in Englisch, Franzöfisch, Spanisch und Russisch. Anfang Juni beginnen die neuen Ansängerkurie(Abendunlerricht) in den obigen Sprachen für Genossinnen und Genossen ohne jegliche Vorkenntnisse. Teil« nehmcr mit guten Vorkenntnisse» können jederzeit entsprechenden Mitlcl- bczw. Oberturien beitreten. Anmeldungen zu allen Sprachkursen bi» zum 31. Mai sschriitlich oder persönlich) beim Genossen S. Fuchs, W. 57, Zicten- itraße Oa. I. Etg.(nahe Nollendorjplatz) Sprachenschule der Arbeiter und Angestellten Groh-BerlinS. vortrage, vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwor, Rot-Gold". SeschSktestellez verlin S 14. Eebaliianstr. 37/Z8, Hos 2 Tr. Sonnabend, den 2«. Mai, Ztrenzbnß: Abend» 8 Uhr Sitzung der gunltionäre mit erweiteitem Vorstand bei Müller, Schönteinstroßc 6. Sngerer V rstand um 7 Uhr Petershagen-Fredersdorf! Versammlung im»Alten Dtssauer* Teltow: Abend» 8 Uhr Versammlung bei Linke— Sonntag, de» 2«. Mai, Steglitz: Sämtliche aktiv« Kameraden stehen um 8 Uhr vormittag» au der Wiese«» baute, Lichterieldr-Wei't Schiutz>0 Uhr. Vannerk eidung.— Montag, den 30. Mai, Ztrcuzberg: Abend» 8 Uhr Abrechnung bei«teepo. Vianuicr 75— chhirlottenbnrg: Abend, 7 Uhr Antreten de» Keerst«. töustao-Adoti-VIatz an der Kitnigin-Augusta- Allee Pflichtveranstaltuna. Nachzügler. Minerna-Sporiptatz bei Kamerad Brett- ichneider Kret» Treptow: Gruppen-. Zug» und Aameradschasioiüdrer sowie Kassierer und Kreiovorstünd« abend» 8 Uhr bei Banncrkleidung._ Iahnkc, Treptow, Kicsholzstc. 2l, Sport. Und wieder Regen bei Walker Rütt! Auch die gestrigen Rad« rennen der R ü t t- A r e n a sielen dem Regen zum Opfer. Trotz der ungünstigen Witterung hatten sich Besucher eingefunden, die geduldig ausharrten. Nach 5 Uhr wurde schlichlich doch der Start- schuh abgegeben. Aber nicht lange sollten sich die Fahrer aus der Bahn befinden. Nachdem Kühl das Vorgabefahren für Amateure, Hahn und Lorenz die beiden ersten Borläuse de»„Nationalen O m n i u m s" gegen Ehiner und Mühlbach gewonnen hatten und die Amateure sich anschickten, die„Deutsche Meile" auszufahren, ging das Begräbnis der Veranstaltung vor sich. Walter Rütt will nunmehr am Sonnabend, 754 Uhr abends, die Rennen fortsetzen..._ Rennen zu Ruhleben am Donaerslag, dem 26. ZNai. 1. Rennen. 1. Baron(A. Finn), 2. Petruichkn(iX Mill»), 3. Kino« sicrn(Treuherz). Toto: 20: 10. Pluh: 12, 12, IS: 10. Ferner liefen: Lumpe, Dollysu, ffiilento, Lebemann, Katharina, Freibeuter, Benedict, Lottia Allvll. 2. R e n n e n. 1. Deltvin(05. Fauh jun.), 2. Magowan jun.(Tb. MillZ), 3. Arnfrled(H, Przyrembeli. Toto: 20: 10. Platz: 13,12, IS: 10. Zerner liefen: Barmaid, Denkmünze, Mary Gnn. Dolerit. 3, Rennen, 1. Frettchen(ib. EliaS), 2. Ecisa(Besitzer). 3 Gousier jun. J> Jj Friedlich wie man«/ gesonnen, Inn! I man seinen ■verlängert �JjßhenL KAISER WILHELM I. 1f9r- 1066 KAISERIN EUOENIE 1626- 1920 LUDW. WINDMORST 1612- 1691 Kränchenbronncn als ein Kuraasl und PäSiänl. Hauptniederlage für Emser Kränchen für Berlin und Brandenburg Hi G 0 I t HataiTbe(Luftwege. Magen, Darm, Niere, Blase, Unterleib), ASittlttfl, Emphysem, CrlppelolOen, Rhdtsiande von Longen' n-Rippcnfcllenfzündang, Ben- and Gefaherkranttanden, Gicht und Rheumatismus. Naiürltöie kohlensaure Bsder/ Die beslelngeriditeten und vielseitigsten Inhalatorien/ Pneumalische Kammern/ Unterhaltungen und Sport aller Art ✓ VorzQglidie GeslsfStlen UjJ Auskunft; Kurverwaltung und Reisebureaus. Emser Vasser(Iriocben), Paslilien, Qiiellsalz, die namrliehen Hellmltlel.— Emsoüth für die Zähne.— Man beachte sleis die Schnlzmarke. Brunnenvenriebs-AUiiengesellschaft, Berlin SW., Yorcksfraße 59. Telephon: Hasenheide 3536—38. lilEINE ANZEIGE igBimuN. ! 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Male: Revue: Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Kammerspiele Norden 10334—37 S'/, Uhr. Ende 10 U. Morgen 8 Uhr: Zum 1. Male: Papiermühle Silttnbarg-Böhan Dts. KUnsiler-Th. 8'/, Uhr: Adieu Mimi Lcsging-Tbeater 8 U.: Der Patriot Kartnsr. Rianm« Volks büh ne Tb. am Sdiitfbaiieidainin 8 Uhr Ibeatar am BQIovplah 8 Uhn— Ein SonnenaditstraDni. Morgen 8 Uhr: Ein SaiumeroachtstTaDni. Jan der Wanderbare daroowsky-Bühnzn Th.Königtiratz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Die Sdiulev.Dznadi HomOdiennaac Norden 6304 8 Uhr Theo madü alles! Nollendorf 7360 8 Uhr: Charlie RivelTrio und weitere VnrletC' tenMUtonem Snaabnili i. Segatags 2 Vorstellungen S» und 8 Uhr, 3» zu ermäßigt Preisend. ganze Programm Hose-Theater SV, Uhr Der Veiter aus Dingsda netropoi- nteat. Täglich 8 Uhr ZirkQigrinzesiin Tbeater des Westens 8 Uhr: Heinrieb Heines ersie Liebe Sommerpr. 1—8 M. Ibaila-TDenier 8 Uhr Wenn der junge Wein blüht Neces Tbeater am Zoo 87, Uhr: Ein gaDzer Mann Pentral- Thealer Täglich 8>, Uhr: Die Wefle Lustspiel von Carl Sloboda Walhalla- Theat. Täglich 8V, Uhr: Die von der Liebe leben! Jignllidii ktinn Zitrittl Vorzeiger zahlt nurbalbe Kassenpr. Theat. a.Hollemlorfpl. Kurfürst 2091 8 U., Ende gegen 1 1 Ohr Drei arme kleine Jltädels Opprette von Walter Rollo Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger (Mcysel, Britton, Stcidl usw.) s Das wooderbare Mai-Piogr.l Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz CASINO-THEATERs Uhr Pimpelhuber der Millionen-Erbe 28.M.i: Der Febitritt einer Fran. Outschein; Faul. 1 Mk, Sessel 1,50 Mk. Wallner-Thealer S'/« Uhr: Der Lustspielerfols? Auf der Sonnenseile Berliner|jlk-Tf 10 Neukölln. vV Lahnstr. 74/751. ERIK CHARELL BRINGT HEUTE 8 UHR ABENDS ZUM BERNAUER SCHANZERS GROSSE POSSE llOO.NOI MUSIK VON WALTER KOLLO w_ Sunihlne Girls Alfred Braun DENOOW, WESTERMEIER, KUPFER u. a. 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