Kr. 24� ♦ 44.?ahrg. Masgabe A Nr. 127 Bezugspreis: «Schentlich 70 Pfennig, monatNÄ 3,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar, und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg «L0 Reichsmark, für das übrig« Ausland 5,50 Reichsmarl pro Monat. Der.VorwZrtS' mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit- sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",»Aus der Filmwelt", »Frauenstimme".»Der Kinder. freund",„Iugend-Borwärts",»Blick nt die Bucherwelt" und»Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sauntag» und Montag» einmal. L Telegramm. Adresse: ,4 >5e]iaU)cmotcaf Seena' Morgenausgabe Derlinev Volksblatt Pfennigs Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. »eil««0 Pfennig. Reklamezeil« S,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. stoben zählen für zwei Worte. Arbcitsmarkt steile eo Pfennig. Familienanzeigcn für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4ib Uhr nachmittag, im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. strahe Z, abgegeben werden. Gcösfnet von 8)0 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fd�en Partei Deutfchlands Reüaktioa und Verlag: Serlln SW. HS, Äaöeastraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. SS, Linöenstr.3 Poftscheckkoato:»erlio 87 55«— Bankkonto! Bank der Arbeiter, AagestellteU und Beamten. Sallstr.«> Diskoato-Selelllchaft Depolitenkass» iindeuftr. I. Erobert die Staatsmacht! Die Aufgabe» der Sozialdemokratie in der demokratische« Republik. Parole Kell Ei» Nachwort z»m Parteitag. F. St. Kiel. 27. Mai. Mit einem Gefühl tiefen Dankes oerlaffen wir Kiel. Keiner, der diese Tage erlebt hat. wird sie vergessen. Die Aufnahme, die unsere Kieler Genossen dem Parteitag bereiteten, war nicht nur erhebend, sondern auch lehrreich. Da ist eine Organisation, die wie ein Uhrwerk funktioniert. Sie umfaßt einen verhältnismäßig großen Teil der Bevölke- rung. Männer, Frauen und Jugendliche. Sie hat ihre Massen m Marsch gesetzt, um den Parteitag zu begrüßen und dabei eine Disziplin gezeigt, die auf nichts anderem beruht, als auf freiwilligem Zusammenschluß aus freier Ueberzeugung. Da sind Massen, die die stärkste revolutionäre Tradition haben, die die schwerste Krisennot über sich ergehen lassen mußten. Sie stehen geschlossen in begeisterter Hingabe zur Sozial» demokratischen Partei ohne Einschränkung und ohne Borbehalt. Tillen Befürchtungen zum Trotz, die am ersten Tage auf- tauchten, hat sich der Parteitag dieser Umgebung würoig ge- zeigt. Befürchtungen waren entstanden, nicht weil man über diese oder jene Frage verschiedener Meinung war, sondern weil sich die Debatte zum ersten Punkt der Tagesordnung ins Zu» fällige verlief und in ganz zwecklose Streitigkeiten über Neben» sächliches, längst Vergangene: ausartet«. Das wurde vom ganzen Parteitag, ohne Unterschied der„Richtung"— wenn man von solcher noch sprechen kann—, als eine Ab- irrung empfunden. Aehnliches wird sich auf künftigen Partei- tagen vermeiden lassen, wenn sich alle Delegierten die nötige Selbstdisziplin auferlegen— oder wenn man für persönliche Stimmungen, die auf dem Parteitag keine Resonanz finden, in vertraulichen Sitzungen ein Ventil schafft. Oesterreichs Borbild, das Renner uns vor Augen geführt hat, mag vor allem auch hier gelten.> Daß die Partei ernste öffentliche Auseinandersetzungen nicht zu scheuen brauchte, hat Hilferdings Referat imd die Debatte darüber gezeigt Das war ein Tag, auf den die Partei stolz fein kann. Er hat die weniger erfreulichen Eindrücke des Beginns vollständig verwischt. Er hat gezeigt, über wie viele ausgezeichnete Köpfe die Partei ver» fügt. Der geistige Hochstond der Auseinandersetzungen war ebenso bewundernswert wie die Kameradschaftlichkeit erfreu- lich war, mit der man sich über bestehende Meinungsverschie- denhciten unterhielt. Dabei stellte sich heraus, daß diese Meinungsverschiedenheiten lange nicht so groß sind, wie es nach manchen überhitzten Aeußerungen in einem Teil der Parteipresse den Anschein haben mochte. Um was ging der Streit? Nicht um Koalition oder Opposition als grundsätzliche Frage, sondern eigentlich nur darum, nach welchen Richtlinien der notwendige Wechsel taktischer Positionen zu erfolgen hat. Darüber, daß man in Ländern und Gemeinden der Zusammenarbeit mit bürger- lichen Parteien nicht aus dem Wege gehen kann, besteht nahezu allgemeine Uebereinstimmung. Etwas größer sind die Meinungsverschiedenheiten über die Reichzpolitik. Wenn man sagt, daß es Genossen gibt, die hier die Koalition als Regel, die Opposition als Ausnahme betrachten, und andere, für die die Opposition die Regel, die Koalition aber die Aus- nähme ist, so bezeichnet man damit schon die Extreme der einander gegenüberstehenden Meinungen. Aber zwischen diesen„Ertremen" gibt es auch wieder vermittelnde Auffas- sungen. So ist z. B. für den Genossen L ö b e die Opposition die Regel, nicht weil ihm die Opposition, wie manchen anderen, als der vorläufig wünschbare Zustand erscheint, son- dern weil nach seiner Meinung die objektive Entwicklung zu einem stärkeren Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien führt, aus dem sich dann die Opposition der Partei als not- wendige Folgerung ergibt. Die Abstimmung hat dann gezeigt, daß nahezu eine Drei- viertelmehrheit des Parteitags auch im Reich den Weg der positiven Mitarbeit zu gehen wünscht— selbst- verständlich vorausgesetzt, daß das Verhalten der bürgerlichen Mittelparteien eine solche positive Mitarbeit ermöglicht. Da- mit ist die Verantwortung für die weitere Entzvickliing der politischen Berhältnissen in Deutschland, wie es sich gebört, den bürgerlichen Parteien zugeschoben. Diese können sich nicht mit der billigen Ausrede helfen, daß sie zum Zusammenschluß gegen die Sozialdemokratie genötigt seien, weil die„zuneh- wende Raditalisierung der Partei""•« wie ein beliebt« Der Parteitag hat die folgende Resolutto» an» genommen: L Ilachdem die Versuche, die demokratische Republik gewaltsam zu beseitigen, an dem wachsenden widerstand der arbeitenden Massen gescheitert find, verfocht die polissche und soziale Reaktion unter Führung der deutschnalionalen Partei die alte Herrschaft von Großgrundbesitz und Großkapital durch Ausnühung der Regierung» macht wieder herzustellen. Die veutschnatioaalen verbergen vorübergehend ihre monarchistischen, republik, und demetraNefeindlichen Bestrebungen, um sich die Hilfe anderer bürger- licher Parteien zur Durchführung der materiellen, sozialreaktionäreu Ziele de» Großgrundbesitzes zu sichern. Zugleich wächst mik der forsschreltendeu Konzentration des Kapitals die Organisierung der Wirts chafl unter der Leitung und zum Nutzen der Kapilalistentlasse. Der Kamps um die Beseitigung de» Vesihprvllegs, um die wachsende Anteilnahme der Arbeiter und Angestellten an der Leitung und den Ergebnissen der Wirtschaft, um die fortschreitende Umwandlung der kapitalistisch- oligarchischen in die sozlalistisch-demokratische Wirtschaftsorganisation wird damit zur unmittelbaren Aufgabe der Arbeiterbewegung. Der Kampf um die Behauptung der Republik und die Ausgestaltung der Demokratie, die Abwehr der sozialen Reaktion und die Erringung der wirischaftsdemotratie erfordert die Vereinigung aller Arbeltenden in einer politischen Palei, in der Sozial- demokrolie. Al» politische Partei lehnt die Sozialdemokrake jede S p a l- tung der Arbeiterbewegung aus konfessionellen Gründen ab. Die politischen und sozialen Ziele der Arbeiterbewegung sind völlig unabhängig von der rellgiöfen Ueberzeugung und den weltanschaulichen Meinungen Ihrer einzelnen Glieder. Der Parteitag erhebt deshalb Pro lest gegen die Entfesselung eines sogenannten Kultur- kämpfe». Er erblickt darin nur den Versuch sozialreaktionärer Kreise, die Trennung zwischen den Arbeitern aufrechtzuerhalten und zu erweitern, um über die Getrennten die politisch« und soziale herrfchasi leichter ausüben zu können, eine Ablenkung der Arbeiter- bewegung von ihren wirklichen Ausgaben, ver Kamps um die Schule ist für die Sozialdemokratie ein Teil de» Befreiongstampse» der Arbeltertlasse. Sein Ziel ist die Beseitigung de» Bildung»- Privileg», die AufsKegsmögNchkeit für alle Befähigten ohne Unterschied de» Besitzes, die Hebung de» Bildungsniveaus and de» Kulturgrades der Massen. Die Ueberwindung des Bit- dungsprivtleg» ist aber eine gemeinsame Angelegenheit aller arbeitenden Schichten. Nicht Trennung durch die Religion, sondern gemeinsamer Kamps um Teilnahme an allen Errungenschaften der Kultur ist der wahre Kulturkampf. II. ver Kamps am die Eroberung der Staatsmacht macht die Er- riagung und Behauptung möglichst zahlreicher Macht- Positionen in Gemeinde, Staat und Reich notwendig. Allein durch die aktive Betätigung in der Verwaltung kann die notwendige Republikanisierung und Demokratisierung der Verwaltung erreicht werden. Schon daraus ergibt sich die hohe Bedeutung der Teilnahme der Sozialdemokratie an der Verwaltung der Gemeinden und Länder. Die Beteiligung der Sozialdemokratie an der Reichsregierung hängt ollein von der Prüfung der Frage ab. ob die Stärke der Sozialdemokratie im Volke und im Reichstag die Gewähr gibt, durch Teilnahme an der Regierung in einer gegebenen Situation bestimmie. im üntereffe der Arbeiterbewegung gelegene Ziele zu erreichen oder reaktionäre Gefahren abzuwehren. Die Entscheidung über die Teilnahme an der Regierung ist eine taktische Frage, deren Beantwortung nicht durch bestimmte Formeln ein- für allemal festgelegt werden kann. III. Die Losreißung der ihnen noch verbliebenen Arbeiterschichten ans der Gefolgschasl der bürgerllchen Parteien, die Sprengung der 'reaktionären Gefolgschaft der bürgerlichen Parteien, die Sprengung der reaktionären Koalition und der Sturz der Rechtsregierung sieht bei den kommenden Relchstagsmahlen zur Enischeidung. Der Zerfall der Kommunistischen Partei, die Selbstentlaroung der bürgerlichen Reaktion machen den Sieg möglich. Der Parteitag ruft alle Verirauensmänner der Partei auf. in stärkster Geschlossenheit die Borbereitung für den wahltampf zu betreiben. Es geht um die Stärkung der politischen und sozialen Machlstellung der Arbeilerktasse, um da» Ziel, in der demokratischen Republik die sozialistische Arbeiterbewegung zur ausschlag- gebenden politischen Macht zu erheben. Schlagwort lautet— die Zusammenarbeit mit der Sozial- demokratie verhindere. Der Parteitag hat der Reichstagsfraktion einstimmig das Vertrauen ausgesprochen, derselben Reichstagsfraktion, von der bekannt ist, daß sie noch im Winter dieses Jahres zur Bildung einer Großen Koalition im Reiche bereit, und die jetzt nur deshalb in Opposition st e h t, weil die sachlichen Ansprüche, die sie für ihre Teilnahme an der Regierungs- gewalt stellte, bei den bürgerlichen Mittelparteien kein ge- nügendes Verständnis fanden. Der Wert von Koalitionen wird verschieden beurteilt, aber sicherlich ist die Auffassung so gut wie allgemein, daß es bei Abschluß von Koalitionen auf Umstände und Bedingungen ankommt. Niemand sagt: „Koalition um jeden Preis!" Niemand sagt:„Opposition um jeden Preis!" Ebenso besteht volle Uebereinstimmung darüber, daß die Opposition, wo sie geführt wird, so wirksam wie nur mög- lich geführt werden muß.„Dämpfen" will da niemand. Ueber die Politik der preußischen Landtags» fraktion hat es keine Abstimmung gegeben. Aber aus dem Empfang, den der Parteitag den Genossen Otto B r a u n und S e v e r i n g bereitete, darf man schließen, daß die Politik der preußischen Landtagsfraktion bei einer Abstimmung die Billigung einer überwältigenden Mehrheit gefunden haben würde. Ganz in der Richtung der positiven Arbeit lag auch die Annahme des Agrärprogramms, die die zweite große Leistung des Parteitags darstellt. Der alte Streit über die Agrarpolitik der Partei ist abgeschlossen. Klare Richtlinien sind vorgezeichnet. Das alte Schlagwort der Gegner von der angeblichen„Bauernfeindlichkeit" der Sozialdemokratie ist zum Absterben verurteilt. Weder steht die Sozialdemokratie den Männern und Frauen, die mit eigener Hand ihr« Schote bebauen, feindlich gegenüber, noch haben diese Ursache, sich zur Sozialdemokratie und zur Masse des arbeitenden Volkes in den Städten feindlich zu stellen. Im Gegenteil ist in den glänzenden, geistiges Neuland schaffenden Referaten B a a» des und Krüger» gezeigt werden, daß die Masse des arbeitenden Landvolks, Bauern und Landarbeiter, durch soli- dorische Interessen mit der Masse des schaffenden Stadtvolkes verbunden ist. Die Parole, die jener das Heil der Zukunft ver- spricht, heißt nicht Reaktion und Kapitalismus, sondern Republik und Sozialismus. So wird sich auch der Aufftieg der Sozialdemokratie nicht vollziehen im Kampfe gegen das platte Land und ihr Sieg wird für keinen arbeitenden Menschen Unterdrückung bedeuten, sondern Freiheit und Wohlfahrt für alle. Dazu muß freilich auch der schwere Weg durch das Gestrüpp der auswärtigen Politik gegangen werden, für den C r i s p i e n s Referat über die Internationale wertvolle Weisungen gab. Trotz aller Verwirrungen des Augenblicks ist auch die Macht derInternationale im Aufstieg. Der Parteitag sah Vertreter des französischen und des pol- nifchen Proletariats mit den deutschen brüderlich vereint. Er hörte mit Genugtuung von der Verständigung zwischen deut- scheu und tschechischen Sozialdemokraten der Tschechoslowakei. Er begrüßte mit tiefster Bewegung die ausländischen Genossen aus dem Exil: Modigliani, den Italiener, A b r a m o- witsch, den Russen. Das Martyrium, das sie und ihre- unsere Genossen zu tragen haben, zeigt uus deutlicher, als es Worte vermögen, die große Wahrheit, daß die Saat des Sozialismus- nur in der Sonne demokratischer Freiheit gedeihen kann. So war der Parteitag von Kiel einer der großen Parteitage in der Geschichte der deutschen Sozialdemo- kratie. Er bot ein Bild wachsender Kraft und des Willens z u r M a ch t. Er zeigte, daß Männer da sind, die zu führen verstehen und Massen, die ihnen vertrauensvoll folgen. Er zeigte auch, daß über allen Stimmungen und Verstimmungen, über allen mannigfach nuancierten Meinun- gen über den Weg der nächsten Jahre doch die ganze Einigkeit da ist über das Ziel, und daß der Geist der Kameradschaftlichkeit da ist, ohne den große Dinge nicht vorwärts getrieben werden können. Mit stolzer Zu- verficht, ihres Sieges gewiß, geht die Partei von dieser Tagung kommenden Kämpfen entgegen. Schiele als Voltserzieher. Er will den Agrariern billige Landarbeiter besorgen Der Reichseniährungsminister des Rechtsblocks, der Fabrikant und Rittergutsbesitzer Martin Schiele, hat, wie sein letzter Vor» trag über das deutsche Ernährungsproblem(in der Weltwirtschaft- lichen Gesellschaft zu Berlin) zeigt, in der letzten Zeit etwas hinzu- gelernt. Die peinlichen Korrekturen, die feine letzten Reden und die Ostlandrede seines deutfchnationalen Ministerkollegen Hergt durch die übrigen Mitglieder des Kabinetts erfahren haben, ließen ihm eine etwas größere Zurückhaltung geboten erscheinen. Er betrachtet es daher nicht mehr als die ausschließliche Aufgabe der heimischen Landwirtschaft, die volle ernöhrungswirtschaftliche Selbständigkeit Deutschlands—»ohlbemerkt hinter entsprechenden Schutzzollmauern — sicherzustellen, sondern er will nur durch Mehrproduktion im Inneren und Absperrung der Lebensmittcleinfuhr die böse Passivität der Handelsbilanz beseitigen. Er will auch nicht, wie sein Kolleg«, direkt gen Ostland reiten, sondern er will nur Bauern nach Ostdeutschland verpflanzen. Sein Hauptziel sieht er aber darin, das deutsche Dalk neuen Idealen und neuer Lebenskraft entgegen. zuführen. Eine großzügige Umsiedelung— etwa 500 000 Städter aufs Land und auf die eigene Scholle— soll alle unsere wirt« schaftlichen Nöte heilen und den bekannten Jungbrunnen deutschen Geistes wieder einmal so recht sprudeln lassen. Da aber oller Anfang schwer ist, macht Herr Schielt zunächst einmal den konkreten Bor- schlag, junge Arbeitslose aus den Städten in Tnipps zusam- menzufassen und sie als Ersatz für die polnischen Schnitter in den lierstehenden Schnittertasernen der ostelbischen Güter unterzu- bringen l Der Anfang zur Volksgejundung geht also nach Schieles Absicht zunächst einmal derart vor sich, daß den Gütern des Ostens billige und fügsame Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden sollen. Auf diesem Wege will er dann zur Ge- fundung der deutschen Seele kommen, die, wie er selbst glaubt, in den letzten 50 Jahren, also in der gloreichen Zeit des Kaisertums, durch den allzu schnellen wirtschaftlichen Aufstieg materialisiert und entwurzelt worden sei. Um öas Reichsschulgefetz. Das Zentrum drangt— Volkspartei bremst. Auf dem preußischen Parteitag des Zentrums ist mitgeteilt worden, daß das Reichsschulgesetz in etwa drei Wochen fertiggestellt sein solle. Es ist bekannt, daß das Zentrum angesichts der gegenwärtigen Nehrheitsverhöltnisse auf«ine baldig« Ver- abschiedung des Reichsschulgesetzes drängt. Dieses Drängen find«! jedoch nicht bei allen Regierungsparteien Gegenliebe, und ins- besondere nicht— wie der.Demokratische Zeitungedienst* mitteilt— bei der Deutschen Volkspartei. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, ist mit einer schnellen Verabschiedung des Reichs- schulgesetzes nicht zu rechnen, schon deshalb nicht, weil die voraus- sichtlichen Verhandlungen de» Reichsinnenministeriums mit den Ländern sich sehr schwierig gestalten werden. Notruf aus öem Saargebiet. Eine Kundgebung der saarländischen Sozialdemokratie. Saarbrücken, 27. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Auf der Tagung des sozialdemokratischen Parteiausschusies für das Saargebiet wurde folgende Entschließung gefaßt: n.Parteivorstand, Parteiausschuß und Landesratsfraktion der So- zialdemokratischen Partei des Saargebiets lenken die Aufmerksamkeit der in Betracht kommenden Instanzen und der Oeffentllchkeit mit allem Nachdruck auf die zurzeit im Saargebiet bestehende soziale Krise, deren Umfang und Ausmaß beängstigend und deren Kon- sequenzen noch nicht abzusehen sind. Die Lebensmöglich- k e i t e n der von Lohnabbau, Feierschichten und Teuerung gleichmäßig betroffenen Familien sind auf das äußer st egefährdet. Allein die schon bis heute im Bergbau eingelegten Feierschichten be- deuten einen Lohnausfall von wenigstens 17 Millionen Franken. Der nach dem Urteil aller saarländischen pvlltischen Parteien u n- | nötige Lohnabbau und die zurzeit einsetzende steigende Teuerung erhöhen dasElend. Es ist in erster Linie, ab- gesehen von der moralischen Verpflichtung der Arbeitgeber, die Aus- gäbe der Regierungstommission de» Saargebiets, dieser Notlage eines großen Teiles der Saarbevölkerung zu steuern. Wir fordern daher von der Regierungskommission die Sicherung des Exi- st e n z m i n i m u m s für die ihr zu treuen Händen anvertrauten werktätigen Dolksschichten. Angesichts der wachsenden Verelendung der Werktätigen und Sozialrentenempfänger im Bergbau, in allen Industrien, der Staats- arbeiterschaft und aller übrigen Arbeiterkategorien des Saargebiets aber halten wir es für unsere Pflicht, auch den Völkerbund auf die Zustände in dem ihm anvertrauten Gebiet aufmerksam zu machen und die von ihm selbst bei der Schaffung des Saarzebiets statuierte Aufgabe der Erhaltung der Wohlfahrt der Bevölkerung einer ein- gehenden Prüfung zu empfehlen. Endlich wenden wir uns an das Reich und die Länder- regierungen unseres Vaterlandes. Wir erwarten vom Reich wie auch von Preußen und Bayern schnelle und durchgreifende Hilfe. Stahlhelm-/lmo?läufer. MildeS Urteil für einen rückfälligen Stahlhclmschützen. Düsieldorf, 27. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Ein« auffallend milde Sühne fand der versuchte Totschlag, den der Stahl- helmmann Christian Vobis beging, indem er ohne Grund einen Arbeiter durch den K o p f s ch o ß. Ehnstian Vobis war bereits wegen Teilnahme an der Schlägerei, in deren verlauf der Reichsbannennann Crdmonn erstochen wurde, zu zwei Iahren Ge- fängnis verurteilt worden. Jetzt hatte er sich wegen des neuen Tot- schlagversuches und wegen unbefugten Waffenbesitzes vor dem Schwurgericht in Düsieldorf zu verantworten. Die Anklage vertrat der wegen seiner hohen Strafanträge gegen Angeklagte der linksgerichteten Organisationen bekanntgeworden« Staatsanwalt- fchaftsrat Dr. Neugebauer. Die Stahlhelmer behaupteten in der Verhandlung, von Rotfrontleuten angerempelt und beschimpft worden zu sein. Vobis will von dem Installateur Schmitz einen Schlag erhalten und sich mit der Pistole schlagend gewehrt haben. Dabei soll ohne seinen Willen der Schuß losgegangen sein. Eine ganze Reihe Zeugen, darunter ein großer Teil solcher, die keiner politischen Organisation angehören, bekundet aber, daß von den Rot- frontleuten nur zwei auf der Straße waren, und zwar Schmitz, der einem auswärtigen Delegierten das Quartier zeigen wollte, und daß Rabis ohne jede Veranlassung geschossen hat. Trotzdem fand der Staatsanwalt für den Stahlhelmer noch ein- mal mildernde Umstände, und zwar darin, daß der junge Stahlhelmer durch seine Organisation maßlos»erhetzt sei, daß er sich gereizt fühlte, und zum Schluß betonte der Staatsanwalt, daß man ihm seine polltische Ueberzeugung zugute halten müsse. Er beantragte wegen»ersuchten Totschlags und unbefugten Waffenbesitzes, in der Absicht, mit den Waffon Gewalttätigkelten zu begehen, eine Gesamtgesängniestrafe von 2% Jahren an Stelle einer eigentlich verwirkten Zuchthausstrafe. Das Gericht ging im Urteil, obwohl auch es Vobis mildernde Umstände zubilligte, über den Strafantrag hinaus und verurteilte ihn zu einer Gefängnis st rafe von drei Iahren und drei Monaten unter gleichzeitiger Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Iahren. In der Urteilsbegrün- dung hob es hervor, daß asoziale Elemente wie Vobis, die be! jeder Gelegenheit blindlings um sich schießen, eigentlich überhaupt nicht In die Freiheit gehären. Zugute müsse ihm allerdings gehalten werden. daß er durch die pol itische Organisation des Stahlhelms, dem er angehöre, maßlos verhetzt worden sei, ferner daß er in der fraglichen Nacht durch Rotfrontkämpfer provoziert worden sei.(?) Die Familie des Vobis. Ein Bruder des so milde Verurteilten ist der früher der KPD. angehörend« und jetzt mit dem Stahlhelm sympathisierende Anstreicher Joseph Vobis, der ebenfalls kürzlich wegen der Vorgänge, in deren Verlauf der Reichsbannermann Erdmaun er- st o ch e n wurde, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Dieser kam setzten Sonntag abend gegen Vil2 Uhr in ein Verkehrslotal des Rotfrontkämpferbunde�>im Vorort Bilk. Mehrer« Rotfrontleme erkannten ihn und forderten ihn auf, das Lokal zu oerlassen. Als Vobis in die Hosentaschen faßte, griffen einige Gäste zu und zogen ihm die Hand mit einer mit sieben Schuß geladenen Armeepistole aus der Tasche. V. erhielt einige Ohrfeigen und wurde auf die Straße gesetzt. Er stellte sich gegenüber dem Lokal aus und feuerte kurz darauf aus einem zweiten Revolver, den er bei sich getragen hatte, mehrere Schüsse auf Passanten, die er an den Vorgängen in der Wirtschast für beteiligt hielt. Einer dieser Schüsse traf den erwerbslosen Arbeiter Hötterges, der an der Sache völlig unbeteiligt ist, in die Brust. Als Passanten den Re- volverhelden fassen wollten, ergriff er die Flucht und feuerte weiter auf sein« Verfolger. Durch einen dieser Schüsse wurde ein Arbeiter Relles am Oberschenkel schwer verletzt. Außer- dem erhielt Relles«inen Schuß in den Unterleib. Schließlich wurde V. ergriffen und, ziemlich übel zugerichtet, der Polizei übergeben, die ihn vor der erregten Menge schützen mußte. Vobis sowie seine beiden dem Stahlhelm angehörenden Brüder sind in Düsseldorf als gewalttätige Burschen bekannt. Seit der Zugehörigkeit zum Stahl- Helm waren die Vobis ständig im Besitz von Massen. Aufsälligerwelse hat die Polizei nie bei den Vobis Haus- suchung nach Waffen gehalten, obwohl ihr all diese Vorgänge bekannt waren. Obwohl den Gebrüdern Vobis«in Waffenschein verweigert worden ist, hat sie auch nie Recherchen angestellt, wie diese Burschen, die der Schrecken der Arbeiterviertel sind, in den Besitz der Waffen gekommen sind und immer wieder kommen. Hoffentlich faßt die Polizei diesmal zu. die öesserung am �rbeitsmarkt. Anhaltender Rückgang der Erwerbslosigkeit. Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich nach den letzten amtlichen Berichten weiter gebessert. Nicht nur die Zahl der vom Reiche unterstützten Erwerbslosen, sondern diesmal auch die von der Krisenfürsorge erfaßten Arbeitslosen zeigen einen beachtlichen Rückgang. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfängcr in der Erwerbs- losenfürsorge betrug am 15. Mai 1927 rund 7 4 6 0 0 0(männlich 606 000, weiblich 140 000) gegenüber rund 8 7 0 0 0 0(männlich 716 000, weiblich 154 000) am 1. Mai 1927 und 983 000(männlich 816 000, weiblich 167 000) am 15. April 1927. Der Rückgang in der Zeit vom 1. bis 15. Mai 1927 beträgt also rund 124 000 gleich 14,3 Proz. Die Zahl de? Zuschkagsempfänger(unterstützungs- berechtigte Familienangehörige) ist im gleichen Zeitraum von 987 000 auf 840 000 zurückgegangen. Auch die Zahl der Hauplunterstützungsempfänger in der K r i s e n f ü r s o r g e ist In der Zeit vom 15. April bis zum 15. Mai 1927 um rund 8000 zurückgegangen. Di« Gesamtzahl der Arbeitslosen zeigt einen Rückgang im letzten Monat um 245 000 gleich 20,1 Proz. Roch klarer wird die Besserung am Arbeitsmarkt erkennbar, wenn man die Zahlen der Unterstützungsempfänger zur Zeit des Höhepunktes der Krise und jetzt vergleicht. Am 15. Januar waren insgesamt 1 972 131 Personen entweder von der Arbeits- losenfürsorge des Reiches oder von der Krisenfürsorge der Gemeinden als voll erwerbslos erfaßt. Am 15. Mai ist die entsprechend« Zahl 972 000— immer noch ein gewaltiges Heer von unfreiwillig feiern- den Arbeitswilligen. Nachdem aber die amtlich kontrollierte Er- werbslosigkeit auf die Hälft« zusammengeschrumpft ist, hat die Industrie kein Recht mehr, über schlechten Geschäfts- gang zu klagen. Wenn sie es dennoch tut und neuerdings sogar wieder in Eingaben an Ministerien die Loge als kritisch hinstellt, so tut sie das lediglich aus dem durchsichtigen Grunde, um ihrer sozialreoktionären Absicht größeren Nachdruck zu oerleihen. ver Hausierer. Von Joseph Roth. Zn einer Serie»Berichte«u»»er Wirklichkeit�, den der Berliner Berlaa»Die Schmiede" dereuoeibt, erscheint soeben ein Bändchen „Juden aus«»nderschaft", dessen Bersasser Joseph Roth ist. In sprühend lebendigen, scharf und doch liebevoll gesehenen, mit dem unseren Lesern»ohlbekonnten trockenen Rothschen Humor gl. jeichneten Bildern bietet dos kleine Buch«in« reiche Füll« packender Schilderungen»em Leben ber Ostjuden in der Heimat und in der Fremde,»tit Lrlaudni» de» Berlage» gel»«» mix au» dem Sapitel .Wien" die nachstehende Skizze wieder. ' Man kann ein Hausierer oder«in Ratenhändler sein. Ein Hausierer trägt Seife, Hosenträger, Gummiartikel, Hosen- knöpfe, Vleististe in einem Korb, den er um den Rücken um- geschnallt hat. Mit diesem kleinen Laden besucht man verschiedene Cafäö und Gasthäuser. Aber es ist ratsam, sich vorher zu überlegen, ob man gut dar«n tut, hier und d»rt einzukehren. Auch zu einem einigermaßen erfolgreichen Hausieren gehört eine j«hrelcinge Erjahrung. Man geht am sichersten zu Piowati, um die Abendstunben, wenn die oermögenden Leute koschere Würste mit Kren essen. Schon der Inhaber ist es dem jüdischen Ruf seiner Firma schuldig, einen«rmen Hausierer mit einer Suppe zu be- Wirten. Das ist nun«uf jeben F«ll ein Verdienst. Was die Gäste lu-urim. io il»tz wenn bereit» gesättigt, sehr wohltätiger Stim- mung. Bei niemandem hängt die Güte so innig mit der körper- lichen Befriedigung zusammen, wie beim jüdischen Kaufmann. Wenn er gegessen hat und wenn er gut gegessen hat, ist er sogar imstande. Hosenträger zu kaufen, obwohl er sie selbst in seinem Laden führt. Meist wird er gar nichts kaufen und ein Almosen geben. Man darf natürlich nicht etwa als der sechste Hausierer zu Piowati kommen. Beim dritten hört die Güte auf. Ich kannte einen jüdischen Hausierer, der alle drei Stunden in denselben Piowati-Laden eintrat. Die Generationen der Esser wechseln alle drei Stunden. Saß n»ch ein Gast von der alten Generation, so mied der Hausierer dessen Tisch. Er wußte genau, wo das Herz aufhört und wo die Nerven beginnen. In einem ganz bastimmten Stadium der Trunkenheit sind auch die Christen gutherzig. Man kann also am Sonntag in die kleinen Schenken und in die Easts der Vororte eintreten, ohne Schlimmes zu besürchten. Man wird ein wenig gehänselt und beschimpft wer- den, aber so äußert sich eben die Gutmütigkeit. Besonders Witzige werden den Korb»egnehmen, oerstecken und den Hausierer ein wenig zur verzweiflunz bringen. Er lasse sich nicht erschrecken! Es sind lauter Aeußeningen des goldenen Wiener Herzens. Ein paar Ansichtskarten wird er schließlich verkaufen. All« seine Einnahmen reichen nicht aus, ihn selbst zu ernähren. Dennoch wird der Hausierer Frau, Töchter und Söhne zu erhalten wissen. Er wird seine Kinder in die Mittelschule schicken, wenn sie begabt ssnd, und Gott will, daß sie begabt sind. Der Sohn wird einmal ein berühmter Rechtsanwalt sein, aber der Vater, der so lange hausieren mußte, wird weiter hausleren wollen. Manchmal fügt es sich, daß die Urenkel des Hausierers christlich-soziale Anti- semiten sind. Es hat sich schon oft so gefügt. Serufe ohne Sonntag. Von Walter Anatole Persich. Religiöse Gesichtspunkte haben vor Zeiten die Woche in sechs Tage des Schaffens und einen der Feier geteilt. Aus praktischen Gründen lebt auch heut« noch der unreligiöse Mensch in diesem Rhythmus, tut vom Montag bis Sonnabend, was feines Amtes ist und läßt am Sonntag das Wert ruhen. Angesichts der Bestrebungen, ein frühzeitigeres Weekend einzuführen, sei einmal— unter bewußter Ausschaltung jeder Tendenz— all jener gedacht, die überhaupt keinen Wochenschluß im allgemeinen Sinne kennen und keine oder ungemein seltene Feiertage mit den anderen gemeinsam feiern können: all der Tausende, die am Sonntag auf dem Posten stehen, zu ihrem persönlichen Nutzen, selbstverständlich, aber nicht zuletzt zur Bequemlichkeit oder zur Ermöglichung des Vergnügens Feiernder. Wir sehen k»um noch diese Dinge, wie wir allmählich alles Gewohnte nicht mehr für bemerkenswert halten, wir betrachten es als selbstverständlich, wenn uns Alltags und Sonntags der gleich« Türschließer im Theater den Platz anweist, wenn am Alltag und «m Sonirtag der Portier des Kinos und de» Ballhauses, des Re- staurants und Hotels seinen Platz einnimmt, wenn der Musiker im Lichtspieltheater, der Straßenbahnschaffner und-führer, der Chauffeur und ber Kellner, die Toilettenfrau und der Zigarettenverköufer im Kaffeehaus, der Geschäftsführer eines s»lch«n Unternehmens und der Zeitungshändler auf der Straße, der Maschinenmeister im Elektrizi- tätswert und das gesamte Personal eines Ozeandampfers zu unserem Vergnügen, zu unserer Bequemlichkeit bereit sind, und vielleicht sind wir zuweilen in Mißachtung dieses Umftandeg allzu unfreundlich gerade an Festtagen gegenüber diesen Dienern einer sonntäglichen Welt! Gewiß, viele der genannten Berufe kennen den Wechsel der Arbeilschichten oder dos Aushilfsperfonol, so daß der, der uns am Sonntag bedient oder in anderem Sinne für uns arbeitet, manchen Alltag, wenn wir den Kreis der Woche durch unser Tun runden, sonntäglich gestalten kann.�■ Aber selbst dann muß man berück- sichtigen, mit welch zwiespältigen Gefühlen jener neben der Fest- sreude eines Sonntages als Tätiger stehen mag, daß die Welt für ihn immer irgendwie verkehrt eingeteilt bleiben muß— und zwar zu seinem Nachteil. Nur in den seltensten Fällen gleicht sich dieser durch ein nennenswertes Plus in der Berdienstquote aus. Alle abhängigen Berufe— und das muß einmal gesagt werden — verdienen nie viel Geld durch wenige oder gering anstrengende Arbelt. Mag dieser oder jener Stand mit größeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten z» kämpfen haben als ein anderer, mag hier oder dort ein höheres Maß an Kenntnissen und Fähigkeiten vorausgesetzt werden und doch der Verdienst niedriger als da sein, wo scheinbar nur geringe Anforderungen gestellt werden, so steht dem einen Vorteil ein Rachieil mit Sicherheit gegenüber, und sei es der eines gesteigerten Verbrauchs an Nerventrast. In diesem Zusammenhang erwähnt sei eine moderne Tanzkapelle. Die ganze Struktur einer solchen macht es fast unmöglich, je ein Mitglied der Truppe an einem anderen Tage der Woche durch eine Aushilfe zu ersetzen, denn nur das restlose Aufeinandergespieltsein hält das den modernen Schlagern eigene Tempo: die zumeist der Willkür des einzelnen En- sembles überlassenen Abwandlungen der Technik würden durch ein fremdes Instrument zerrissen. Tag für Tag hämmert der Schlag- zeugmeister von 9 bis 3 Uhr nachts auf seinem Instrument, bläst einer Saxophon, einer spielt Klavier usw., Sonntags und Alltags das ewig gleiche, flirrende, rauschende, neroenfressende Bild des von Tanzenden überflutenden Parketts vor sich. Wenn der Konsum an Intensität dieser Arbeit nicht durch gute Einnahmen balanciert wird, wie soll erstens diese Arbeit nur möglich sein, wie soll zweitens ein vorzeitiges Altern erträglich gemacht werden? Wir können auch an unseren Feiertagen telephonieren, fahren, Licht und Gas benutzen, in Fahrstühle steigen, Telegramme ver» senden, erhalten in der Früh« unsere Post, unsere Zeitung, können Wasserleitung und Kanalisation benutzen. Unser« Welt ist ein Gefüg« aus sichtbarer Arbeitsleistung oder den Resultaten der Arbeit aller, und wir können ihrem Sinn und Wesen erst dann näher kommen, wenn wir aus jeder Emzelerschei- nung den U eberblick suchen aus die sinnvolle Zusammenfügung olles kleinen Daseins, das, geeint, das ewige Sein verkörpert. Dieses Ziel ist das eigentliche, von welchem Blickpunkt immer man ausgehen mag: wer ihm näherrückt, rückt dem Menschen näher, versteht den Nebenmenschen durch sich selbst und findet zur Menschheit! Warum soll man sich zu diesem Zwecke nicht einmal vergegenwärtigen, welche Arbeit unsere Festtag« von unseren Mitmenschen fordern? Die Rückgabe der llyoner Ausstellungsgegenstände. Zu einer «an anderer Seite stammenden Meldung, wonach in verschiedenen deutschen Städten, so besonders in Nürnberg und in Frankfurt a. M.. bei der Nachprüfung der jetzt zurückgegebenen deutschen Aus- stellungsgegenstäno« aus der Lyoner Ausstellung erhebliche Mängel festgestellt worden seien, wird von gut informierter Seite niitgeteilr: Bekanntlich sind ein« Reih« von Ausstellungsgegenständen vor mehreren Iahreu anläßlich eines Brandes vernichtet worden, darunter auch eine Nachbildung des Schönen Brunnens in Nürnberg, deren Zerstörung für den Hersteller einen außerordentlichen ideellen und materiellen Verlust darstellt. Für dieses Stück hat die französische Regierung«in« Sondervergütung von 15 000 Franken gewährt. Klagen über neue Verluste bei Gelegenheit der Rückgabe sind an maßgebender Stelle bis jetzt nicht bekannt geworden. Die Be- hauptunq, daß die Gegenstände in fertig gepackten Kisten ohne die Möglichkeit einer Nachprüfung übernommen werden mußten, trifft nicht zu, da ein deutscher Vertreter bei der Verpackung und lieber- nähme in Lyon anwesend war. va» devffche Sastlpiel k pari», daZ der Direktor der Diener Kammer» spiele, Wenzler, mit j>ieir.i!chem Nachdruck aiiqelündigt Halle, findet nicht Natt. Die deutsche Seteitigung an Gemier« Welltheatec scheint tibei Haupt gescheitert zu sejn. 20 Zahr« nissische» Ballett Da» rnssischc Ballett unter Leitung von D t a g h U« tv setcrt diese» Jahr sein zlvanzigjährlge» Bestellen. E» wird au» diesem Anlaß in Pari» eine Reihe von großen Vorstellungen gebe«. Republikanertag in München verboten! Unter fadenscheinigen Vorwänden. München, 27. Mai.(Eigener Drahkberichi.) Der bayerische Innenminister hat nunmehr in lehkcr Stunde den südbaye» rischen Tag des Reichsbanners in München in allen seinen Veranstaltungen verboten, ills unmittelbare Ursache für dieses verbal dient der Polizeidirektion München die am Mittwoch abend erfolgte Schlägerei mit Rationalsozialisten, in deren Verlauf der Rationalsozialist Hirschmann so schwer verletzt wurde, daß er 24 Stunden später starb. Die hanpllreiber des Verbots stnd die Deutschnallo- nalen, deren leitende persünlichkeltcn am Freitag den Innen- minister aufsuchten und von ihm die schärsslcn Maßnahmen gegen das Reichsbanner forderten. Die deutschnationale Delegation bestand aus den beiden deulschnallonaien Landlagsabgeordneten. Mittelschul- Professoren Hilpert und Bauer, wovon der letztere der schon aus der Hitlerzelt berüchtigte Führer der vaterländischen Verbände ist, die Bayern seit Jahren terrorisieren. Um nach auszen hin die Parität zu wahren, hat die Polizei die ebenfalls für den Samstag abend angesetzten Versammlungen der Rationalsozialisteu und vaterländischen verbände verboten. Versammlungen, die erst vor wenigen Tagen deswegen angesetzt worden sind, um der Polizei eine handhabe für das Verbot des Reichsbannertages zu geben. Das ganze vorgehen des polizeiminlflers ist selbstverständlich ein Schlag ins Gesicht der republikanischen Bevölkerung und gleich- zeitig das Eingeständnis der eigenen Ohnmacht gegen die rechtsradikalen Verbindungen. Da die Rechtsparteien des Landtages im übrigen eine Interpellation zur gleichen Angelegenheit im Landtag eingebracht haben, wird am Montag Gelegenheit fein, mit der neuesten Heldental der bayerischen Reaktion und ihren Urhebern ab- zurechnen. » Die Münchener Polizeidirektion haf eine republikanische Kundgebung verboten. Den Vorwand für dieses Verbot muß der Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommu» nisten in München am Mittwoch abgeben. Donnerstag ist es an der gleichen Stelle zu einem zweiten Zusammenstoß ge- kommen. Diese Zusammenstöße erhalten ein besonderes Gesicht, wenn man erfährt, daß der berüchtigte nationalsozia- listische Bandenfllhrer G ö b be ls aus Berlin in München ein» getroffen ist. Der Verdacht liegt nahe, daß es sich um syste» matische nationalsozialistische Provokationen handelt mit der offenbaren Absicht, der bayerischen Polizei bequeme Vorwänd« zum Verbot republikanischer Kundgebungen zu liefern. Dieser Göbbels hat in der Zeit von dem Stahlhelm- t a g in Berlin durch seine Banden die Berliner Bevölkerung systematisch zu provozieren versucht. Er ist der Schuldige an der Bahnhofsschlacht von Lichterfelde-Ost. Die Berliner Polizei hat auf diese Provokationen, auf das Bandentreibsn der Nationsozialisten nicht mit einem Verbot des Stahlhelm» tage? geantwortet. Sie hat in musterhafter Weise dafür Sorge getragen, daß der Stahlhelmtag ohne Zwischenfälle verlaufen ist. Verbieten kann jeder. Erst in der Verhinde» rung von Zwischenfällen ohne das undemokratifche Mittel des Verbotes zeigt sich die Fähigkeit der Polizei. Ein zweiter Vergleich drängt sich ohne weiteres auf. Für den 1. M a i 1923 war den freien Gewerkschaften in München polizeiliche Genehmigung zu ihrem M a i f e st z u g zur Theresienwiese erteilt worden. Die Nationalsozialisten oerlangten das Verbot des Zuges. Sie drohten, den Maifest- zug mit Gewalt zu sprengen, wenn sich die Regierung ihrem Diktat nicht fügen werde. Die Regierung verbot damals den Maifestzug und gestattete lediglich eine Feier auf der There- sienwiese. Darauf alarmierten die Nationalsozialisten rund 10 000 Mann, die, schwer bewaffnet, am 1. Mai ein Heerlager auf dem Exerzierplatz Oberwiesenfeld vor München auf- schlugen. Unter dem Druck der bewaffneten Nationalsozialisten hat damals die bayerische Regierung den Maifestzug der freien Gewerkschaften verboten. Seitdem sind die Nationalsozialisten zu einem politisch bedeutungslosen Haufen politischer Rowdies zusammen- geschmolzen. Aber die bayerischen Behörden, die damals dem Druck von zehntausenden Bewaffneten nachgaben, folgen heute noch ihren Intentionen. Es genügt eine kleine, von den nationalsozialistischen Rowdies provozierte Prügelei, damit die bayerischen Behörden eine republikanische Kundgebung verbieten. Im Jahre 1923 konnte die bayerische Regierung mit einigem Recht behaupten, daß sie den Bürgerkrieg fürchtete und zugleich für ihre eigene Existenz. Heute offenbaren die bayerischen Behörden mit dem Verbot der republikanischen Kundgebung lediglich ihre antirepublikanische verfassungs- feindliche Gesinnung. Keine Reichsbannerlcute bei der Schlägerei beteiligt. München. 27. Mai.(WTA.Z Die„Münchener Post" ver» bffentlicht eine Ihr zugegangene Mitteilung, wonach Angehörige des Reichsbanners an der Schlägerei nicht beteiligt waren. Es habe lediglich ein Reichsbannermann zu dem Zeitpunkt, als die Schlägerei erfolgte, die Straße überquert. r Neue Zusammenstöße in München. München, 27. Mai.(MTB.) Wie der„Völkische Beobachter" meldet, kam es an der gleichen Stelle, wo am Mittwoch abend der Ueberfall auf nationalsozialistische Leute seinen Ausgang genommen hatte, auch am Donnerstag mittag zu Ueber» fällen auf Nationalsozialisten. Dem Blatte zufolge werden die parla- mentarischen Vertreter der Nationalsozialisten im Landtag von der Regierung verlangen, daß die Vorfälle einer genauen Untersuchung unterzogen werden. Sozialöemokratksthe Zrauenkonferenz. BcgrüßungSabeud. kiel, 27. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die sozialdemo» kratifche Frouenkonferenz ist heute abend mit einer Begrüßungs- feier stimmungsvoll eingeleitet worden. Im Gewertschaftshaus, wo bisher der Parleitag tagte, hat sich das Bild geändert. Die Männer, die den Hauptanteil unter den Delegierten des Parteitages bildeten, haben ihre Plätze den Vertreterinnen des weiblichen Proletariats «ingeräumt. Nach dem ausgezeichneten Vortrage eines Kampfliedes durch den Kieler Verein gcdcchie Genossin I u ch a c z in ihrer Er- öffnungsrede des so außerordentlich gut verlaufenen Parteitages. Wir können aus ihm weitere Kraft schöpfen für die Erfolge, die wir erkämpfen wollen. Wir begrüßen die Vertreter des Parteivorstandes, der weiblichen Mitglieder der Gewerkschaften, der Arbeiterjugend, der Arbeiterwohlfahrt. Die Frauen, die aus allen Gauen Deutsch- lands hierher geeilt sind, wollen vor sich selbst Rechenschaft ablegen über ihr« Arbeit innerhalb der Sozialdemokratischen Partei, darüber Über ihre Tätigkeit über die Politisierung der Frauen. Die Frauen dringen in immer stärkerem Maß« in das politische und wirtschaftliche Leben, ober auch in die Verwaltung ein. Langsam doch sicher vollzieht sich der Ausstieg der Frau zur voll- bcrcchtigleu Siaalsbücgerin. Die Frau ist mit Freuden bereit, sich der großen Bewegung anzuschließen, die für ihre Befreiung wirkt. Die Konferenz hat eine der wichtigsten Fragen für die Frauen, die Wohnungsfrage herausgegriffen. Genosse Hermann Müller begrüßte im Namen des Partei- Vorstandes die Konferenz. Er wünschte, daß die Schwünge in den Parteitagungen sich auch auf die Tagung der sozialdemokratischen Frauen übertragen mögen, hindenburg, für dessen Besuch jetzt in Kiel Vorbereitungen getroffen werden, hat schon während des Krieges versprochen, daß jeder Deutsche sein eigenes heim bekommen solle. Nichts ist daraus geworden, und gerade das Wohnungsgebiet ist in der Nachkriegszeit am meisten vernachlässigt worden. Der Parteivorstand legt den größten Wert auf die Mitarbeit der Frauen in der Partei. Wir sind der Ansicht, meinte er unter größter Heiterkeit der Zuhörer, daß die Frauen nur die Eier ausbrüten sollen, die die Männer gelegt haben. Jetzt kommt es vor allem darauf an, die große Arbeit vorzubereiten, die im Jahre 1928 gegen den Besitzbürgerblock geleistet werden muß, denn die volksfeindliche Tätigkeit der Regierung des Bürgerblocks, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet«, treffen doch in viel schärferem Maße die Frauen als die Männer. Während dieser Worte wird dem Redner«in Telegramm aus München überreicht, in dem gegen da» Verbot einer re- publikonifchen Veranstaltung in München pro- testiert wird. Genosse Müller zeigt an diesem Beispiel, wie sehr es die bayerische Regierung noch immer wagt, gegen das Bekenntnis der Republik aufzutreten, und er fügt hinzu:' Wir sind so stark wie mir sein wollen, aber in unserem Kampfe gegen die Reaktion, gegen den Besitzbllrgerblock brauchen wir nicht nur die Männer, wir brauchen auch die Jugend, wir brauchen vor allem die Frauen. (Lebhafter Beifall.) Genossin Kurfürst begrüßte dann im Namen der Kieler Frauen die Konferenz. Bemerkenswert war ihre Mitteilung, daß die Kieler Organifation durch die Veranstaltung des Parteitages wesentlich an Mitgliedern gewonnen, dadurch eine erfreuliche Stär- kung erfahren hat. Genossin Gertrud Hanna weist auf die Ziel« Hirt; die die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften ge- .meinsam verfolgen, um die Lebensbedingungen der arbeitenden Klassen zu verbessern. Zu diesem Kampfe brauchen wir die Frauen, und die Gewerkschaften begrüßen jeden Schritt, den die Sozialdemo- kratifche Partei dabei tut. Die Teilnahme aller Bcrtreterinnen der Gewerkschaften an dieser Tagung soll die äußer« Anerkennung für die Arbeit sein, die die Sozialdemokratie für die arbeitenden Frauen vollbringt. Mit einem frischen Frei heil überbrachte ein« jung« Kieler Genossin den Gruß der weiblichen Arbeiterjugend an die Konferenz. Genossin Tallnin sprach warmherzig« Wort« für die landarbeitenden Frauen. Eine Reihe telegraphischer Grüße ist aus dem Auslande eingegangen, fo aus Oesterreich, Tschechoslowakei, Polen, Belgien, England. Zu Borsitzeuden der Konferenz wurde Genossin Kursürst, Kiel, und Juchacz, Berlin, gewählt, zu Schriftführerinnen die Genossin üaute, Oberfchlesien: Schultz, Berlin: Bauer, Leipzig: Todenhagen, Berlin. Die Eröffnungsfeier wurde mit einem beifällig aufgenommenen Lichtbildervortrag des Berliner Stadtbaurat» Genossen Wogner über Wohnungsbau und Wohnungseinrichtungen abgeschlossen. Serllner dank an kiel. Die Berliner Delegation auf dem Kieler Parteitag hat vor ihrer Abreise an den Genossen Eggerstedt ein Schreiben ge- richtet, in dem sie der Kieler Parteiorganisation und dem Reichs- bannec Schwarz-Rot-Gold ihren Dank und ihre Bewunderung aus- spricht. Dem Idealismus, der Liebe zur Partei und der Disziplin der Kieler Genossen wird höchste Anerkennung ausgesprochen. Da» Schreiben trägt die Unterschriften sämtlicher Berliner Delegierten. Tagung öer sozialistischen Lehrer. Zitsthnuuitttt zu den Forderungen deS Parteitages. Siel. 27. Mai.(Eigener Drahtbcricht.) Im Anschluß an den Parteilag hielten die sozialistischen Lehrer eine zahlreich besuchte Tagung ab, in der Genosse Kurt Löwen st ein und Genossin Hilde- gard Wegscheidel über:„Der Erziehungsgedanke des Sozialis- mus im Kampfe gegen die Kulturreaktion" sprachen. Die Genossen Westphal und Heinrich Schulz stellten die Uebereinstimmung zwischen Sozialdemokratischer Partei und sozialistischen Lehrern in diesem Kampfe fest. In zwei Resolutionen wurden die Entschließungen des Parteitages zur Schulfrag« lebhaft begrüßt und die Zustimmung zu den Beschlüssen über die Kontordatsfrage ausgesprochen. Schweüentrust auch in Frankreich! Porncar6 für den schwedischen Trust. Pari». 27. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In der Kammer- sitzung am Freitag hat die Kammer die Diskussion der Regierungs- vorlog« über die Abtretung des Streichholzmonopol« an- geschnitten. Die Finanzkommission der Kammer hat sich, wie der Präsident Malvy bei Eröffnung der Diskussion erklärte, bereit» zu verschiedenen Malen gegen eine Veräußerung des Monopols aus- gesprochen, so daß während der Debatte der eigenartige Fall ein» treten wird, daß der Berichterstatter selbst die Kammer auffordern wird, den Gesetzentwurf abzulehnen. Als erster Redner sprach sich der sozialistische Abgeordnete M outet in demselben ab- lehnenden Sinne aus. Es handle sich um eine prinzipielle Frage, und zwar, ob die Kammer sich für das Staatsmonopol oder das kapitalistisch« Mo uo pol eutscheideu wolle. Der Redner wirft einen historischen Rückblick auf das französische Staatsmonopol und die schwedische T r u st g e s e l l s ch a f t. die das Monopol erwerben will und stellt fest, daß Frankreich durch eine Beräuße- rung des Monopol« der Schaffung kapitalistischer Riesentrusts nur Vorschub leisten würde. Der Sozialist E a n a v« l l i meint, daß, wenn die Finanztommission der Ansicht sei, die Der- äußerung des Monopols würde für den Staat eine schlechte Finanzoperation bedeuten, das Parlament nicht gut ein« gegenteilige Meinung vertreten könne. Redner möchte außerdem wissen, was Poincarö mit den 8V Millionen Dollar anfangen will, welche die Schwedengescllschaft als Kaution hinterlegt. P o i n- cor« antwortet, daß er diese Summe zwar nicht unbedingt brauche, daß er sie aber für«ine„sehr interessante Operation' ver- wenden möchte. C a n a v e l l i befürchtet aber, daß in diesem Falle Poincarö eine» Tages nicht mehr in der Lage sein könne, die Summe zurückzuzahlen. Der Ministerpräsident gibt zu, daß mehrer« seiner Minister- kollegen seine Ansicht über die Veräußerung de« Monopol» nicht teilen, er hoffe aber, daß, wenn der Vertrag erst in seinen Einzel- heilen näher bekannt geworden sei, sich dann die Auffassung der Kammer darüber ändern werde. Die Fortsetzung der Debatte wird hierauf auf Dienstag vertagt. Abbruch ist nicht Krieg. Baldwin für Fortsetzung deS Handels mit der Sowjetunio«». London. 27. INai.(Elzener Drahlberichl.) Alinlsierpräsidenk B a l d w i n. der am Freilag in einer van den konservativen Frauen Londons veranstallelcn öffentliche» Versammlung sprach, bclonke, daß der Entschluß, mit Ruhland die diplomatischen Beziehungen abzu- brechen, keineswegs das Resultat eine-, aus die Herbeiführung eines Staatenblockes gegen Rußland hinzielenden geheimnisvollen Planes fei. Großbritannien habe im Gegenteil aus Rücksicht auf feine Verbündeten und Freunde auf dem kontinent lange gezögert, diesen Schrill zu tun.„Ich möchte daher", schloß Baldwin seine Rede,„tale- gorisch erklären, daß unser diplomalischer Bruch mit Rußland keineswegs den Krieg mit Rußland bedeutet oder mit sich bringt. Er bedeulel höchsten», daß wir in Zukunft nicht dle Absicht haben, irgendwelche diplomatischen Verbindungen mit Moskau ausrechtzuerhallen." Die Bczichunge« sollen nur„einstweilen eingestellt" werden. London. 27. Mai(Eigener Drahtbericht-) Di« Rote der britischen Regierung, welche die Sowjetregierung auffordert, die diplomatisch« Vertretung und die Handelsdelegation z u r ü ck z u» ziehen und die Zurücknahm« der britischen diplomatischen Der- tretung aus Moskau ankündigt, ist am Freitag mittag in der Londoner Sowjetbotschaft überreicht worden. Ei« ist in Höf- lichen Formen gehalten. Die Rote wiederholt die von der Regierung im Unterhau, gegen die Sowjetrezierung erhobenen Vorwürfe und erklärt die englische Regierungsoerordbung, die diplomatischen Beziehungen zu Moskau zu suspendieren(zeitweilig einzu- stellen). Das Wort Abbruch der Beziehungen wird in diesem Zusammenhang oermieden. Das anglo-russische parlamentarische Komitee ver- anstaltete am Freitag mittag im Unterhaus ein Abschiedsessen sür die Mitglieder der Sowjetbotschaft und der Sowjothandels- delegation. Den Borsitz führte der derzeitige Präsident des britischen G-wcrkschaftsbundes. Georg h i ck s. Es nahmen eine große An- zahl vorwiegend dem linken Flügel der Arbeiterpartei angehöriger Abgeordneter daran teil. Diese Ehrung der Sowjets gerade im Augenblick des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zu Sowjet- rußland hat im Unterhaus und in der Oeffentlichkeit größtes Auf- sehen erregt. Staatskontrolle für Parteibeiträge. und 79 400 bei den jetzigen Gemeinde- wählen, im Haag von 44 900 bei den Gemeindewahlen 1923 auf 49 100 be! den Landtagswahlen im April d. I. und 52 900 bei den jetzigen Cemeindewahlen. Gerade in dieser Hof. und Beamtenstadt will dies« Steigerung viel besagen. In Utrecht wurden bei den Gemeindewahlen 1923 16 900, bei den Landtagswahlen im April d. I. nur 15 800, dagegen bei den jetzigen Gemeindewahlen 17 900 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Das Ergebnis der Gemeindcwahlen im Lande ist im allgemeinen sehr gut ge- wesen. Di« Partei tritt die neue Session der Gemeindearbeit mit einem neuen Programm an, das der Utrechter Osterparteitag «Instimmig gutgeheißen hat. Sie wird dadurch um so mehr Ge- legenheit haben, ihr« frisch« Initiative aufs neue in den Gemeinden zum Siege zu führen._ Sozialistischer Provinzgouverneur in Belgien. Nach längeren Berhandlungen mit den sozialistischen Führern bot die Regierung den Gouvcrneurposten der Provinz L ü t t i ch dem soziolistischen Senator Advokat P i r a r d aus Vervlers an. Pirord stimmte zu und wird somit erster sozialistischer Gouverneur in Belgien. Um Sie Arbeitszeit in üer Metallinöustrie. Ablehnung des Schiedsspruchs.- Urabstimmung in den Betrieben. In der zu gestern abend nach dem Saalbau Friedrichs- Hain einberufenen und sehr stark besuchten Versamm lung der Vertrauensleute und Betriebsräte der VBM&- Betriebe, die zu dem am Dienstag vom Schlichtungso-usschuß gefällten Schiedsspruch Stellung zu nehmen hatte, gab Genosse U r i ch im Auftrage des Metallkartells noch einmal einen ausfuhr. lichen Bericht über die freien Berhandlungen mit den Berliner Metallindustriellen und den folgenden Verhandlungen vor dem Schlichwngsausschuß. Er ging einleitend auf die vom„Vorwärts� wiederholt mitge- teilten Äbänderungsanträge ein, die das Metallkartell gestellt hatte. Er betonte, dost die Berliner Metallindustriellen die Forderung aus Wiedereinführung der 46�-Stunden-Woche von vornherein als völlig undiskutabel erklärt hatten. Für sie hat die Forderung nach der Einführung des Wochenendes, die nicht nur von der Arbeiterschaft propagiert wird, anscheinend gar keine Bedeutung. Sie erklärten weiter, daß sie das ihnen 1924 unter dem Druck der Verhältnisse zugestandene Recht der unbeschränkten Ueberstundenanordnung„gar nicht ausgenutzt hätten und daß sich die bisherige Regelung der Ueberarbeit so gut bewährt habe, daß kein Grund zur Abänderung vorläge". Sie behaupteten, daß ihnen kein Fall bekannt wäre, wo ein Unternehmer von dem Recht der Ueberstundenanordnung„in nicht loyaler Weise" Gebrauch gemacht habe. Wie loyal die Regelung durchgeführt wird, zeigte Genosse Urich an einigen krassen Beispielen aus der jüngsten Zeit. So Hot zum Beispiel die Snorrbremse monatelang bis zu 1900 lleberstundeu angeordnet die Firma B r e e st u. To. hat ebenfalls monatelang täglich neun Stunden arbeiten lassen und dann, als beim VBMI. darüber� Be- schwerde geführt wurde, die Arbeitszeit auf K>- Stunden täglich verkürzt und wegen angeblich zurückgezogener Aufträge 60 Ar. beiter entlassen. Bei Siemens und Schwartzkopf liegen die Verhällnisse nicht viel besser. Obwohl die Verhandlungskom- Mission bereit war, für dringend« Fälle den Unternehmern das Recht einer beschränkten Anordnung von Ueberstunden zuzugestehen. wurden alle Vorschläge auf eine vernünftige Regelung in den Wind geschlagen. Der Schlichtungsausschuß hat nach dem �Scheitern der freien Verhandlungen einen Schiedsspruch gefällt, der an dem bisherigen Zustand in der Frage der Ueberarbeit wenig ändert und den meisten anderen Forderungen der Metallarbeiter nicht Rechnung trägt. Gewiß bedeutet die Be- stimmung des Schiedsspruches, daß innerhalb von zwölf Wochen nicht mehr als durchschnittlich drei Ueberstunden pro Woche ohne Zustimmung des Betriebsrats angeordnete werden können, und daß für olle Ueberstunden ein ISprozentiger Zuschlag gezahlt werden soll, eine— aber auch die einzige Verbesserung. Ge- nasse Urich wandte sich dann noch gegen die unfaire Methode der „Roten Fahne", die die Behauptung aufgestellt hat, die Organi- sationen hätten ihren Funktionären untersagt, in den Betrieben Ver- sammlungen abzuhalten, um sich mit der Manteltarifkündigung zu beschäftigen. Seiner Aufforderung, daß derjenige Funktionär sich melden soll«, der eine solche Anweisung erhalten habe, kam keiner der Funktionäre nach: sie ist eben nur ein Hirngespinst der Münzstraße. Urich betonte zum Schluß seines Berichtes, daß sich das Metallkartell eingehend mit dem Schiedsspruch be- schäftigt und einen Beschluß gefaßt habe. Er wolle aber den Be- schluß des Metallkartells nicht vor der Diskussion bekanntgeben, um nicht den Vorwurf einer Beeinflussung der Funkttönäre einstecken zu müssen. Nach einer kurzen Diskussion, in der alle Redner gegen die Annahme des Schiedsspruches sich aussprachen, gab Genosse Urich bekannt, daß das Metall- kartell beschlossen habe, den Funktionären die A b l« h- nung des Schiedsspruches zu empfehlen. Die Der- fammlung nahm zum Schluß einstimmig folgenden Antrag an: Die Konferenz der funkttönäre der VRMJ.-Belriebe lehnl den Schiedsspruch vom 24. Mai ab. Die Forderung der Berliner Metallarbeiter ist: Der achtstündige Arbeitstag und die 46�stündige Arbeitswoche. Die Funktionäre bestehen aus Erfül- lung dieser Forderung. Um den Kampfwillen der Ar- beiter in den Betrieben festzustellen, beschließt die Konferenz die Durchführung einer Urabstimmung in den Betrieben und empsiehlt die Ablehnung des Schiedsspruchs— Die Urabstimmung wird, wie Genosse Z i s k a noch zum Schluß bekannt gab, amMontagund Dienstag durchgeführt werden, worüber noch nähere Einzelheiten in der Presse bekanntgegeben werden. Verschärfung im Töpferftreit. Drohende Ausdehnung auf die übrige« Bauberufe. In den letzten Tagen haben nochmals Verhandlungen zwischen der Streikleitung der Töpfer und der der Töpfermeister stattgesunden. Bei diesen Verhandlungen machten die Vertreter der Arbetter einen Vorschlag, der eine erhebliche Konzession darstellte. Der Sprecher der Unternehmer wollte sich zunächst auf nichts einlassen, erklärte sich aber schließlich bereit, den Vorschlag der Unternehmeroereinigung zu unterbreiten. Diese hat den Vorschlag nunmehr abgelehnt. Die Unternehmer hoffen, durch Stoßtrupps der syndikalistischen Streikbrecher die Arbeiter niederzuzwingen. Die Streikbrecher er- scheinen in größeren Trupps auf den Bauten, begleitet von der Polizei. Es ist unter diesen Umständen unvermeidlich, daß es bei derartigen Versuchen, die Bauarbeiter der anderen Berufe, die sich mit den streikenden Töpfern solidarisch erklärt haben, zu zwingen. unter polizellicher Aufsicht mit den Streikbrechern zusammen zu arbeiten, zu ernsten Reibereien kmnmt. Di« Bauarbeiter sind nicht gewillt, sich ein« derartige Nachbarschaft gefallen zu lassen. Unter diesen Umständen ist die Gefahr in unmittelbare Näh« gerückt, daß der Kampf der Töpfer sich auchaufdie anderen Fachgruppen des Baugewerbes ausdehnt. Es Handell sich hier um eine kleine Gruppe von Unternehmern, die etwa 100 organisierte Stteikbrecher benutzen und dadurch geradezu zu einer öffentlichen Gefahr werden. Wir wessen jetzt schon auf diese Gefahr hin und hosten, daß die verantwortlichen Stellen nichts unversucht lassen, um dem unverantwortlichen Treiben ein Ende zu machen. Die Lerien üer Mühlenarbeiter. Das Recht auf Urlaubsbezahluag eollassener Arbeiter. Die Geschäftsleitung der zur Betriebsgesellschaft Derlmer Mühlen gehörende Viktoriamühle glaubt in dem Tarifvertrage eine Hintertür entdeckt zu haben, die man benutzen könnte, um Arbeiter in gewissen Fällen um ihren U r l a u b zu bringen.— Der Tarif bestimmt, daß Arbeitern, die am 1. April mindestens«in halbe» Jahr im Betriebe tätig sind, in den Monaten Mai bis September Urlaub gewährt wird. Ferner sagt der Tarif, daß Arbeiter, die „während de, Urlaubszeitraumes aber vor Antritt des Urlaubs" ohne ihr Verschulden zur Entlassung kommen, Anspruch auf den Urlaub»- lohn haben. Die Geschäftsleitung der Viktoriamühle hat mm am 2Z. April neun Arbeiter entlassen, deren Necht auf Urlaub am 1. April ein- getreten war. Am 30. April wurden noch weitere 30 Arbeiter ent- lassen, die sich hinsichtlich des Urlaubs in derselben Lage befanden. Die Entlassenen beriefen sich aus die erwähnte Tarifbestimmung und forderten, da sie ja vor Antritt des Urlaubs ohne ihr Verschulden ent- lassen wurden, Bezahlung des Urlaubslohn». Das wurde glatt ab- gelehnt. Da vorauszusehen war, daß sich die um ihren Urlaub geprellten Arbeiter an das Gewerbegericht wenden würden, kam ihnen die Ge- schästsleitung zuvor, indem sie eine Feststellungsklage ein- reichte, wodurch festgestellt werden sollte, daß den Entlassenen kein Recht aus Bezahlung der nicht erhaltenen Urlaubstage zu- stände. Die Klage, die dieser Tage verhandelt wurde, betras zunächst die am 23. April enttassenen neun Arbeiter. Die Geschöftsleitung vertrat den Standpunkt, nach dem Tarif stände nur den während der Urlaubszeit, also Mai bis September Entlassenen, Anspruch auf Ensschädigung zu. Hier handele es sich aber um Entlassungen, die schon im April erfolgt sind Der Vertreter des Lebensmittel- und Getränke- arbeiterverbandes verwahrte sich gegen diese spitzfindige und sinn- widrige Auslegung des Tarifs und betont«, das Recht auf Urlaub sei mit dem 1. April erworben. Daß der Urlaub erst in den Monaten Mai bis September genommen werden solle, sei aus Zweckmäßigteits- gründen festgesetzt: diese Festsetzung ändere aber nichts an dem erworbenen Recht. Es würde ja jeder Billigkeit Hohn sprechen, wenn Arbeiter, nachdem sie sich ihren Urlaub verdient haben, ohne jede Ent- schädigung entlassen werden dürften. Diesem Standpunkt trat auch der vom Gericht vernommene Generaldirektor Jäger vom Böhmischen Brauhaus bei, der als Vorsitzender eines Schiedsgerichts an dem Beschluß des Tarifs be- teiligt war. Er bekundete, es sei der Wille der Tarifparteien gewesen, jedem Urlaub zu gewähren, der am 1. April die Voraussetzungen er- füllt hatte. Hierauf wurde die Klage der GeschSstsleitung abgewiesen. Das Gericht erkennt asso den Standpunft der Arbeiter als den richttgen an._ Eine öffentliche Gefahr. Unhygienische Schlachthäuser in Berli«. Unhaltbare Zustände spielen sich bei den Schlachtungen in den sogenannten Vorort-Schlachrhäusern ab. Derarttge Schlachthäuser befinden sich in Weißensee, Reinickendorf, Friedrichsfelde, Neukölln usw. und siitd in privaten Händen. Diese sogenannten„Winkel-Schlachthäuser" befinden sich ausschließlich in alten Häusern. Sie hatten vor Jahrzehnten eine Daseinsberechtigung. Zurzeit aber, da die Stadt Berlin im Osten Berlins einen großen Schlacht, und Viehhof besitzt, muß die Schließung dieser Schlachsstätten verlangt werden. Nicht nur weil die in diesen Schlachthäusern Beschästtgten in 79 bis 100-stündiger Arbeitswoche bei einem auherordent- lichen geringen Lohn beschäftigt werden, sondern weil die Viermillionenbevölkerung der Stadt Berlin als Konsument ein Recht hat. zu verlangen, daß das Fleisch, das sie konsumiert, in Arbeitsräumen zum Genuß vorbereitet wird, die den hygienischen Ansprüchen genügen. Das aber sst in den Vorortfchlachthäusern selten der Fall. Die sanitären Verhältnisse spotten jeder Beschreibung. Nicht selten befindet sich dicht am Schlachthause die D u n g g ru b e. Oft genug hat man lesen müssen, daß die gefährlichsten Bazillenträger die Ratten sind. Jedem denkenden Menschen wird einleuchten, daß es außerordentlich schwer ist diese Tiere aus allen Gebäuden zu vertreiben, wo mitunter noch nicht einmal Kanalisation vorhanden ist Nachtschlachtungen sind sehr häufig, ganz besonders im Borortschlachthof F r i e d ri ch s f e l de, Prinzenallee 45/46. Der Besitzer dieses Schlachthauses, der Engrosschlächtermeister Otto Etörmer, hat die Arbeitszeit so eingeteilt, daß regelrecht um 2 resp. 4 Uhr nachts angefangen wird zu schlachten und dann geht es durch bis 5 Uhr nachmittags; sogar der Sonntag wird mit zu Hilfe genommen. Die Divektton des stAittschen Schlacht- und Viehhofes führt schon fett langem einen bisher vergeblichen Kampf gegen diese unzeitgemäßen Schlachthäuser. Sie verlangt mit Recht die Zentralisation aller Schlachtungen in den hygienisch einwandfreien Schlachthäusern der Stadt Berlin. Die Berliner Bevölkerung hat also ein eichebliche« Interesse als Steuerzahler und Konsument daran, daß die privaten Borort-Schlachthäuser verschwinden. Der Zentralverband der Fleischer als Interessenvertretung der Arbeitnehmer und Konsumenten erwartet, daß die zuständigen Ge- werbeoufsichtsbehörden einmal für diese Dinge, soweit sie in ihrem Machtbereich liegen interessieren und daß zweitens der Berliner Magistrat endlich Beschlüsse faßt, durch die diese, einer modernen Großstadt unwürdigen Schlachtstätten verschwinden. ver Kampf km Norüeutschen Wollkonzern. Ein dritter Schiedsspruch. Am Mittwoch, dem 25. Mai, wurde in später Nachtstunde der dritte Schiedsspruch im Streit der Textilarbeiter im Norddeutschen Wollkonzern oerkündet. Die außerordentlich schwierigen Ver- Handlungen machten es notwendig, daß über den Gesamtstreit in drei Schiedssprüchen etappenweise entschieden werden mußte. Der letzte Schiedsspruch umfaßt den Streit für den in Delmenhorst liegenden Betrieb. Es ist für dort«in Mantel- sowie ein Lohntarif durch Schiedsspruch neu festgelegt worden, wonach die bisherigen Löhne um 7,2 Proz. erhöht werden sollen. Die Einspruchsfrist für alle drei Schiedssprüche ist einheitlich auf den 31. Mai festgesetzt worden. Di« Arbeiterschaft des norddeutschen Wollkonzers wird in einer Konferenz zu diesen Schiedssprüchen Stellung nehmen. Gegen üie Lehrlingszüchterei. Die Gvoyhandlcr versuche« sie zu beschönige«. Zu der Forderung des Reichsarbeitsminister, an den Reichs- wirtschaftsrat eine gutachtttche Aeußerung über die Festsetzung von Höch st zahlen für die Lehrlingshaltung zu geben, nimmt die Vereinigung der Arbeitgerverbände des Deutschen Großhandels Stellung. Di« Vereinigung hat in einer besonderen Eingabe die Auffassung des Großhandels zu dieser Frage dem Reichswirtschastsrat übermtttell. Darin wird zum Aus- druck gebracht, daß in den Großbetrieben ein Mangel an Lehr- lingen festgestellt werden müsse. Irgendeine Lehrlingszüchtem könne im Großhandel nicht festgestellt werden. Bei der schwierigen Lage des Großhandels fei ja der einzelne Betrieb ohnehin genötigt, bei der Lehrlingsauswahl vor ollem in, Hinblick auf die Vorbildung bedeutend vorsichtiger zu verfahren, woraus sich von selbst eine ge- sunde Beschränkung ergebe. Bei dtbser Sachlage könne eine Not- wendigkert zur Regelung der Lehrlingshöchstzahlen durch gesetz- geberische Maßnahmen für das Handelsgewerbe nicht anerkannt werden. Möglichketten, um Mißständen entgegenzuwirken, lägen- genügend in den einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung. Im übrigen sei durch besondere Vereinbarungen zwischen den Arbeitgeberverbänden des Großhandels und den Gewerkschaften wie in Homburg, Frankfurt a. M. und Dresden ein gewisser Schutz gegen Mißstände geschaffen. All diese Vorstellungen schaffen die Tatsache nicht aus der Welt, daß gerade in der letzten Jett in den Großhandelsbetrieben dos Be- streben, soviel wie möglich Lehrlinge einzustellen, zugenommen hat. Nicht um sonst werden manch« Betriebe, die sich im Abbau der älteren Angestellten hervortun und dafür um so mehr Lehrlinge einstellen, in Arbeitnehmerkreisen„Säuglingsheime" getauft. Die Gefahr der Lehrlingszüchterei ist heute größer denn je und gesetz- liche Sicherungen zur Regelung der Lehrlingshöchstzahl sind daher sehr wohl angebracht. Gerade die geschaffenen Vereinbarungen sind ein Beweis, daß Mißstände bestehen, denn sonst brauchte man keine solche Vereinbarungen zu treffen. Die internationale Arbeitstonfcrenz. Gens, 27. Mai.(WTB.) Heute vormittag haben die drei großen Ausschüsse für Krankenversicherung, gewerkschaftliche Freiheit und Festsetzung von Winde st löhnen im Rahmen der Internationalen Arbettskonferenz ihre Beratungen aufgenommen. Der Ausschuß für die Behandlung der Fragen der Krankenoersick» rung tagt unte dem Vorsitz des deutschen Regierungsvertreters, Ministerialdirektor G r i e s e r vom Reichsarbeitsministerium. Die Verhandlungen werden in diesem Ausschuß vorwiegend in deutscher Sprach« geführt. Sportplatz.— Achtung, Sprechchor! Dienstag, St. Mai, abends 7 Uhr, ir- Arbeitsloscnfaal, Verbandshaus der Deutschen Metallarbeiter, Nnienstr. iS-SS, Probe:»Das Lied der Arbeit." Die Tagung der Kriegsbeschädigten. Hamburg. 25. Mai.(Eigener Drahlbericht.) Die Verhandlungen am Mittwoch, dem dritten VerHand- lungstag, begonnen mit einem Vortrag des Bundesvorsigenden Maroke über die S el b st h i l f e« i n r i ch t u ng e n der Organi- sation. Speziell die Teilunterstützimg, die sich als so segensreich und nützlich erwiesen hat, gibt dieser Organisation Mittel fstx andere wichtige Aufgaben an die Hand, so besonders für die Sied- lungstätigkeit. Außerdem ist wertvolles statistisches Material über den Gesundheitszustand der Kriegsopfer gewonnen worden. Auf dem Gebiet der Erholungsfürsorge sind ebenfalls Erfolge erzielt: zwei Erholungsheime, ein Kindererholungsheim in Sachsen und ein Kriegsbeschädigtenheim im Allgäu sind eingerichtet. Durch schche Einrichtungen werde der Kampfcharakter des Bundes nur gestärkt. sozial sein, wenn sie der Erfüllung unserer Forderungen dienen soll. Hierzu soll sich der Bundestag in einer vom Bundesvorstand vor- gelegten Entschließung erklären.(Lebhafter Bestall.) Mit einer begestterten Aussprache unterstützte daraus der ftan- zöstsche Vertreter F o n t e n y- Paris die Ausführungen des Refe- reuten und schloß mit einem Hoch auf die deutsche, auf die franzö- sische und die Weltrepublik. Die Delegierten antworteten mit stürmischen Ovationen und nahmen dann ohne Aussprach« folgende Ent- schließung zur Staatsform einstimmig an: „Der vierte Bundestag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen in Hamburg erklärt, die ungeheuren Opfer an Blut, Gesundhett und Lebensglück, die der Wettkrieg von den Kriegsteilnehmern, Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen gefordert hat, würden keinen geschichtlichen Sinn haben, wenn sie nicht der Forderung hoher Staats- und weit- politischer Ideale gedient hätten. Diese Ideale sind: die Erhaltung der Reichseinheit, die Stärkung der Etaotsgesinnung durch politische Gleichberechttgung auf dem Boden einer demokratisch-republikanischen Verfassung und die Sicherung des Weltfriedens. Die im Reichsbund vereinigten Kriegsopfer geloben, diese Ideale al» ein Vermächtnis der toten Brüder zu achten und sie gegen jeden Angriff mit Ent- schlossenheit zu verteidigen. In der Ueberzeugung, daß ihre eigenen sozialen Forderungen«inen unlösbaren Bestandteil des Gesamt- bundes darstellen, fordern sie Kameraden und Kameradinnen in, ganzen Reiche auf, in staatsfreundlicher und oerantwortungsbe- wußter Mitarbeit der allgemeinen Wohlfahrt zu dienen, den Welt- frieden und diejenigen Kräfte im Volk zu unterstützen, die der Republik einen sozialen Inhalt geben wollen." Nach einer kurzen Aussprache erhiell dann der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnet« Roßmann-VerNn zu feinem großen politischen Referat über„Die Stellung des Reichsbundes zur Staatsform und zum Frieden" das Wort. In seinen mit Temperament und innerer Wärme oorge- tragenen Ausführungen ging der Redner auf die Entwicklung der Organisation und ihre wiederholte Stellungnahme zu staatspolitischen Problemen ein. Der Reichsbund hat sich von Anfang an für die Frei- heit des Volkes und die demokratischen Rechte eingesetzt. Er hat sich auf dem letzten Bundestag auf den Boden der Weimarer Verfassung gestellt, allerdings mit einer gewissen Zurückhaltung, indem er sich zwar für den Volksstaat erklärte, aber das Wort„Republik� vermied. Wir werden heute noch einen Schritt weiter gehen müssen, wenn wir der Entwicklung im Geiste sozialer Gerechtigkeit und im Geiste des Friedens dienen wollen, für den sich der Reichsbund immer mit seinen besten Kräften eingesetzt hat Di« Republik muß demokratisch und Verantwortlich wr Polittl: Vitt«, Schill: Wirtschaft:«.»liageltzSlrr; «. S. DSsch-r; Lokale» 'e: sämtlich in Berlin ... WWW____________[; Vorwiirts.Buchdrnckcrel und Lcrlagsanstalt Paul Singer u So.. Berlin EW 68. LindenNraße Z. sierzu 2 Beilaaen und..lluterbalwna»ad Willen-. •A Zigarett Nr. 249 ♦ 44.�ahrgang 1. Seilage ües vorwärts Sonnabenü, 28. Mai 1927 berliner Mietswucher im 17. Jahrhundert. Die Herausnahme der gewerblichen Räume aus dem Mieter- schutzgesetz läßt für Berliner Gewerbetreibende ähnliche unhaltbare Zustände befürchten, wie sie nach dem Siebenjährigen Kriege Mitte der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts in Berlin bestanden. Damals bestand noch der Rechtsgrundsatz: kauf bricht Miete. Das begünstigte eine geradezu wüste Häuserspekulation, durch welche die Häuscrpreise und damit die Mieten rasend schnell in die Höhe getrieben wurden. Die Mieter waren keinen Tag sicher, von dem neuen Hauebesitzer exmittiert zu werden. Kamen die Mieter den verlangten Mietssteigerungen nicht nach, so flogen sie ohne Gnade und Barmherzigkeit aus den gemieteten Räumen hinaus Natürlich verursachte das eine furchtbare Erregung unter den Mietern. Ein Mann namens Eori, so berichtete Melle Klinge- borg im 25. Band der Forschungen zur brandenburgi- schen und preußischen Geschichte, hatte im Hause des Sattlers Wenz eine Wohnung für 60 Taler gemietet. Mit Beginn der Spekulation, im Jahre 1763, wurde er auf 86 Taler gesteigert. Zwei Jahre später verkaufte Wenz sein Haus zum vierfachen Er- stehungspreis. und der neue Käufer steigerte dem Mieter Eori die Miete auf 266 Taler. Eori war bereit, 1S6 Taler zu geben, aber dos lehnte der neue Besitzer ab. Die Wut der Mieter über diesen ..scheußlichen Schacher" wurde immer größer. Von allen Seiten strömten die Spekulanten heran, darunter auch viele Junker vom Lande, die sich bei der Häuserspekulation von den Ver- lusten des Siebenjährigen Krieges sibnell und mühelos erholen wollten. Von einem Landrat wird berichtet, daß er in kurzer Zeit neun Häuser kaufte und davon sechs bald wieder verkaufte. Diesem unhaltbaren Zustande ging der Generalfiskal d'Anieres in sehr energischer Weise zu Leibe. Trotzdem hatte er ein ganzes Jahr zu kämpfen, ehe es ihm gelang, die Widerstände des Generaldirek- toriums, des Justizdepartements und der Kurmärkischen Kammer zu überwinden. In seiner ersten Eingabe an das Generaldirektorium vom 7. März 1764 trat er init ziemlich radikalen Forderungen auf. Es sollte nur Einwohnern der Stadt erlaubt sein, Häuser in Berlin zu besitzen. In der Regel sollte nie- mand mehr als das Haus besitzen, in dem er wohnte. Ausnahme war nur für den Fall des Baues eines neuen Kaufes gestattet. Bei Umgehung dieser Bestimmungen, insbesondere bei Kauf unter falschem Namen, war Konfiskation des Hauses und Bestrafung der Strohmänner mit Geld vorgesehen. Wer solche Verkaufsschiebungen denunzierte, sollte den sechsten Teil des Hauswertes und der Strafe erhalten. Die Kurmärkische Kammer lehnte diese Vorschläge ab, weil sie darin die Unterbindung des freien Häuferhandels erblickt«; in Wahrheit, weil sie auf feiten der Spekulanten stand. Aber d'Anieres ließ nicht locker. Am 27. November 1764 sandte er einen Bericht von 48 Folioseiten an das Generaldirektorium ab, in dem er die Häuserspekulation und den Mietwucher mit großer Gründlichkeit behandelte. Und hier machte er zum erstenmal den Vorschlag, den Rechtsgrundsatz: „Kauf gchek vor Mete" aufzuheben. Dem Generaldirektorium war dieser neue Vorstoß d'Anieres sehr unbequem. Es suchte ihm auszuweichen, indem es zurückschrieb, es werde sich mit dem Iustizdepartement beraten, inzwischen solle aber der Generalfiskal mitteilen, wie nach seiner Ansicht das Geld von der Häuserspekulation abgelenkt werden könne. Der General- fiskal hat nicht mehr darauf geantwortet, sondern den direkten Weg zum Kabinett bzw. zum König eingeschlagen. Am 6. Januar 1766 erschien eine Kabinettsorder an den Magistrat der Stadt Berlin, die auf die hohen Mieten verwies und verlangte, dafür zu sorgen, daß die billigen Mieten vor dem Kriege wieder zur Ein- sühnmg kommen und die Mielskontrakte gehalten würden. Ehe der Magistrat dazu gekommen war, zu der Kabinettsorder Stellung zu nehmen, wurde am 13. Januar 1766 in den Kirchen Berlins eine Publikation von den Kanzeln verlesen, die eine Kabinettsorder vom 8. Januar 1765 enthielt, in der angeordnet wurde, daß den Mietern beim Verkauf des Hauses die Bewohnung ihres Logis nicht nur für das laufende, sondern auch noch für das darauf folgende Quartal für vorher vereinbarte Miete zu lassen sei. Der damalige Iustizminister Fürst forderte nun vom Kammer- gericht und von anderen Stellen Gutachten ein, ob der Rechts- grundsatz:„Kauf bricht Miete" aufgehoben werden könne. Am 26. Januar 1765 ging das Gutachten des Kammergerichts ein. Es sprach sich für Aushebung aus. Auch der Generalsiskal sprach sich in seinem Gutachten für Aushebung aus. Das Generaldirektorium aber, dem diese Gutachten zugingen und das darüber entscheiden sollte, lehnt« eine Konferenz ab mit der Begründung, die Zeit sei zu kurz. Es trat aber dann doch in eingehende Beratungen ein, die aber nicht vom Fleck kamen. Inzwischen trieben die Mbstande ber Spekulation zu katastrophaler Wirkung. Der Generalfiskal ließ nun den bezopften Herren im General- direktorium etwas Dampf unter den Frack machen. Am 11. April 1765 erschien eine Kabinettsorder, die dem Generaldirektorium den Vorwurf machte, daß«s die am 7. Januar 1765 erlassene Kabinetts- order, wodurch die Regel:„Kauf gehet vor Miete" aufgehoben sei, nicht publiziert habe. Am 15. April kam dann eine neue Zurechtweisung aus dem Kabinett, und nun bemühten sich die Herren endlich, zu einem End« zu kommen. Am Sonntag, dem 28. April, wurde von den Kanzeln der Berliner Kirchen ein Publi- kandum des Iustizdepartements verlesen, in dem die Rechtsregel: »Kauf bricht Miete" fast gänzlich aufgehoben wurde. Dieses Mietsedikt brachte damals endlich den Zustand größerer Wohnsicherheit wieder zurück. Es ging später ins preußische Land- recht und dann ins Bürgerliche Gesetzbuch über. die Einheitsklasse öer yoch- unü U-öahn. Wann kommt die einheitliche Polsterung? Als in Berlin der Einheitstarif für Hoch- und Untergrundbahn. Straßenbahn unj> Autobus sich durchsetzte, erhiesten wir für die Hoch- und Untergrundbahn auch die Einheitsklasse. Die Scheidung in „zweite Klasse" und„dritte Klasse" hörte auf, und wir fuhren von nun an auch auf der Hoch- und Untergrndbahn ohne Klassennter- schied, wie es im Straßenbahnwagen und im Autobus schon immer üblich war. Angekündigt wurde, daß man die E i n h e i t s k l a s s e der Hoch» und Untergrundbahn nicht nach dem Muster der früheren dritten Klasse, sondern nach dem der früheren zweiten Klasse einrichten werde. In allen Wagen sollten nun die Sitze gepolstert werden, versprach man. Daß diese Arbeit nicht sofort ausgesühn werben konnte, verstand sich von selbst. Jetzt aber ist sie in Angriff genommen worden und man hofft, in einigen Wochen damit fertig zu werden. Ein paar Wagen der früheren dritten Klasse mit schon serttger Sitzpolsterung wurden am gestrigen Freitag als Probewagen in einen Zug eingestellt, der am Nachmittag um �4 Uhr den Unter- grundbahnhof Potsdamer Platz verließ und in Richtung Alexander- platz fuhr. Unter Führung von Stadtrat Reuter besichtigten Mit- elieder des Aufsichtsrats und Herren aus der Verwallung die Wagen und saßen in ihnen Probe. Die Polster sind mit dunkel- grünem Kunstleder überzogen. Man w-ird die so gepolsterten Wagen, deren Außenflächen gelben Anstrich haben künftig den Nichtrauchern zuweisen. Die Wagen- der früheren zweiten Klasse mit ihren roten Polstern und rotem An. strich der Außenflächen sollen dann den Rauchern vor» behalten bleiben. Der Zug mit den Probewagen wurde wie ein fahrplanmäßiger Zug behandelt, so daß auch andere Fahrgäste ihn benutzien. Von ihnen hat aber wohl keiner bemerkt, daß er eine Probefahrt mitmachte. Die neue Polsterung schien trotz ihrer un- gewöhnlichen Farbe kaum einem aufzufallen. In der Polsterarbeit ist kein Unterschied gegenüber der früheren zweiten Klasse zu spüren. Im ganzen müssen etwa 566 Wagen der früheren dritten Klaffe mit 17 666 Sitzplätzen gepolstert werden. In etwa vier Wochen kann d'e Arbeit beendet sein, und wir werben dann in den Wagen der Hoch- und Untergrundbahn nur noch weich sitzen. Das Vergnügen kostet 566 666 M., aber diese Ausgabe ist auf lange Zeit hinaus eine einmalige. Sie wird sich so bald nicht wiederholen, da den Polstern eine Lebensdauer von 12— 15 Jahren prophezett werden darf— wenn die Fahrgäste sie gut behandeln. Das Leiferöer Eisenbahnattentat. Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus. Das preußische Slaatsministerium hat. wie der Amtliche preu- ßische Pressedienst mitleilt, in seiner Sitzung vom 27. Mal enl- sprechend dem Vorschlag des Zustizministers Dr. Schmidt beschlossen. das auf Todesstrafe lautende Urteil des Schwurgerichts gegen die beiden Urheber des Eisenbahntatlenlats von Leiferde, S ch l e s i n- g e r und Weber, im Gnadenwege in lebenslängliches Zuchthans umzuwandeln. Maßgebend für den Vorschlag des Iustizministers und den Beschluß des Staatsministeriums war der Umstand, daß sich nahezu alle mit der Untersuchung der Slrastat, mit der Prozehführung und der Gnadenfrage befahlen Instanzen und Personen für die Begnadigung der verurteil- ten ausgesprochen hatten, so der Vorsitzende des Schwurgerichts und zwei Drittel der Mitglieder des Schwurgerichts, der General- staalsanwalt. der evangelische Gefängnisgeistliche und der Vorsteher de» Gefängnisses. Die Begnadigung der beiden Leiferde-Attentäter wird von der breiten demokratischen Oeffentlichkeit mit einem Gefühl der Ge- nugtuung aufgenommen werden. Der„Vorwärts" hat seinerzeit ihre grauenhafte Tat, die mehr als 26 Menschen, darunter auch unserem Eenoffen Mählich das Leben gekostet hat, mit dem Ausdruck des höchsten Entsetzens registriert. Er hat aber sofort, nachdem die Todesurteile gefällt waren, die Erwartung ausgesprochen, daß den beiden jungen Menschen, die im Grunde nicht wußten, was sie taten, das Leben geschenkt werden würde. Ihr Tod könnte niemanden nützen, ihr Leben, selbst hinter Kerkermauern, ihnen dagegen die Möglichkeit zur Buße gewähren. Das Staats- Ministerium hat sich durch seine Begnadigung nur zum Sprachrohr der Oeffentlichkeit gemacht. Auch das lebenslängliche Zuchthaus sperrt den jungen Leuten den Weg in die Freiheit nicht voll- kommen ab._ ... Und Pilze bliihen an den Wänden. Im Hause Neukölln, Thüringer Straße 36, hat ein Mann mit seiner Frau eine aus Stube und Küche bestehende Woh- nung inne. Da die altersschwache Dachrinne„das Wasser nicht mehr halten kann", sucht sich dieses min eigenmächtig sein Abslußgebiet, in diesem Falle die Zimmer- und Küchenwänd« dieser Wohnung. Fingerdick wächst der Schimmel, die Fenster müßten Tag und Nacht weit geöffnet sein, da man es sonst vor Modergestank nicht oushält und bei starkem Regen tropft es den Leuten buchstäblich auf den Kopf. Alle Vorstellungen bei der Hausverwaltung verliefen ergebnislos, die Wohnungs- kommifsion stellte den Schaden fest und hielt eine sofortige Reparatur für dringend notwendig, trotzdem geschah nichts und die Menschen Hausen bereits über ein Jahr in dieser Pilzkultur. Nach Angabe des Klempners ist die Dachluke nicht mehr reparaturfähig, sondern müßte durch eine neue ersetzt werden. Da Verkaufsver- Handlungen im Gange sind, hat natürlich der Hauseigentümer keinerlei Interesse für die Beseitigung von Schäden und man stellt den Beschwerdesühi enden mit dürr?« Worten anHeim, sich eine „bessere Wohnung" zu verschaffen. Wer hilft hier? Drei Arbeiter im Tiergarten verunglückt. Im Tiergarten ereignet« sich gestern mittag bei Garten- bauarbeiten ein folgenschwerer Unfall. Beim Fällen eines Baumes riß das Kettenglied eines Flaschenzuges, so daß die Kette in die Tiefe stürzte und auf drei Arbeiter niederfiel, der 53jährige Arbeiter August Strohschein aus der Reichenbcrger Str. 13 wurde so schwer verletzt, daß sich seine Ueberfllhrung in das Krankenhaus Moabit als notwendig erwies. Die beiden anderen Verunglückten, der 35jährige Arbeiter Otto Kühn aus der Hochstraße 19 und der 57jährig« Mathias Debowiak, der in Alt-Moabit 85 wohnt, konnten nach An- legung von Notverbänden im Moabitcr Krankenhaus in ihre Woh- nungen entlassen werden. Das Befinden des schwerverletzten St. ist zwar ernst, doch besteht zum Glück keine Lebensgesahr. Die Brücke im Dschungel. Litten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 12� Don B. Traveu. Copyright 1927, by B. Traven, Taniaulipas(Mexiko). Ohne viele Worte zu machen, ohne daß jemand die Füh- rung übernimmt, beginnen sie zu arbeiten wie ein Ameisen» volk. Sie schleppen Holz herbei und zünden auf beiden Ufern große Feuer an, auf jedem Ufer zwei Feuer, so angelegt, daß die Längsseiten der Brücke beleuchtet werden. Einer ent- kleidet sich und geht in den Fluß. Er beginnt entlang der Brücke zu tauchen. Das ist ein Wngnis und kann das Leben kosten. Das Wasser ist, besonders auf dem Grunde, mit Dornengestrllpp, das sich von den Ufern losgerissen hat, be- deckt und kann sich leicht um hie Füße oder Arme des Tauchen- den schlingen. Da sind große, grausig aussehende Krabben auf dem Grunde, Schlangen und was sonst alles ein Fluß im tropischen Dschungel nur beherbergen mag. Ein anderer und wieder ein anderer springt in den Fluß. Und bald sind sechs tiefbraune Männer im Fluß. Mädchen und Frauen stehen auf der Brücke oder an den Ufern und sehen den Bemühungen der nackten Männer zu. Nicht ein Mensch denkt an Empfindungen, wie sie die züchtige Keusch» heit jener bewunderten Länder hervorbringt, wo man lieber ein Boot voll Kinder ertrinken läßt, als daß ehrbare Jung- frauen es wagen würden, nackten Männern zu helfen, an Brückenpfeilern herauf» und hinunterzuklimmen. Hier aber sind die Männer nicht auf einen Rest von Kleidungsstücken verpflichtet, durch die sie an Nägeln und Schrauben der Brücke hängen bleiben oder von dem Gestrüpp festgehalten werden könnten, um die Zahl der Opfer zu er- höhen. Ihre sehnigen schlanken Körper, die alle so jünglings» Haft erscheinen, haben einen stumpfen metallischen Glanz. Das lanoe strähnige dichte 5iaar erscheint noch schwärzer und massiger, wenn die Köpfe aufiauchen und von Wasser triefen. Während sie sich an den Brückenpfeilern anklammern, um neuen Atem zu schöpfen, blicken sie zuweilen hinauf zu den Frauen und Männern, die auf der Brücke stehen, und wenn sie auch nichts sagen, so steht doch in ihren schwarzen traurigen Augen immer wieder die Nachricht:„Nadal Nodal Nichts! Nichts!" Ein uralter Indianer mit schneeweißem Haar ist unter den tauchenden Männern. Seine Brust ist nicht mehr so voll wie die der jüngeren Männer, und er kann nicht so lange tauchen wie die übrigen, aber wenn die andern aufgeben wollen, weil jetzt in der Nacht nicht viel zu erwarten sei, er- munter ter sie immer wieder zu neuer Tätigkeit. Der Pumpmeister kommt mit einem mächtigen Eisen- haken, den er an ein langes Tau gebunden hat, und schritt- weise geht er an der Brücke entlang, wirft den Haken weit hinaus in den Fluß und zieht ihn langsam heran. Aber immer wenn er glaubt, er hat den Körper gefunden, so ist es nur dickes modriges Dschungelgebüsch, das der Haken ge- packt hat. Bon den Ufern lodern die Feuer und auf der Brücke stehen Männer und Burschen, halten flammende Holzscheite hoch empor, um das Wasser zu erleuchten. Andere laufen mit brennenden Scheiten auf der Brücke entlang, andere an den Ufern, teils um ausgehende Leuchtscheite wieder anzuflammen, teils um dort das Wasser zu erleuchten, wo besonders gefähr- liche und unübersichtliche Stellen sind und von wo aus die tauchenden Männer nach Licht rtifen. Ich sehe Sleigh an der Pumpe stehen und gehe hinüber zu ihm.„Hätte man ein Boot," sage ich,„könnte man mehr tun. Es ist schade, daß der Pumpmeister keines hat." „Da ist«in Boot, weiter unter am Fluß/ sagt Sleigh, „der Holländer hat eins. Das ist aber einige Meilen runter. Da können wir vor Sonnenaufgang nicht hin." Er geht zu einer Gruppe von Männern, die über andere Dinge reden und augenblicklich keine Teilnahme an dem Er- eignis nehmen, weil man ja nicht immerfort dasselbe tun kann. S. Es ist ein Bild, unvergleichlich in seiner Großartigkeit. Da sind die lodernden Feuer. Dunkelrote und braune Burschen stehen herum, werfen neue Scheit« auf oder stirren das Feuer, um ihm mehr Leuchtkraft zu geben. Zluf der Brücke stehen Männer mit brennenden Aesten, die sie hoch emporhalten oder die sie, auf der Brücke kniend, zum Wasser richten, das die wechselnden Bilder widerspiegelt. Frauen und Mädchen, in ihren bunten Tan�kleidern und Blumen im Haar. Säuglinge im Arm oder Kinder an der Hand stehen auf der Brücke oder wandern umher, sprechend zu anderen Frauen, oder in das Wasser blickend oder schnell zu einem Punkte laufend, wo gerufen worden ist, als habe man etwas gefunden oder entdeckt. Die flackernden flammenden Sckeite werfen das Licht bald hier hin, batd dort hin, wie der leichte Wind es weht. Die«ine oder andere Gestalt, die man ins Auge fassen will, steht bald im vollsten Lichte da, bald im schwärzesten Schatten, bald im schwelenden Rauch halb ver- schleiert, bald in einer lächerlich grotesken Form, hervorge- bracht durch Streifen von Hellem Licht, tiefem Schatten und wehendem Rauch. Dann tauchen die braunen nackten Gestalten im Wasser auf oder unter, klammern sich an den Brückenpfeilern fest, um sich für eine Weile auszuruhen oder die Pflanzen, die sich ihnen um die Beine geschlungen haben, abzuzerren. Hin und wieder kriecht einer an das Ufer und geht zum Feuer, um die erstarrten Hände anzuwärmen. Breitbeinig steht er am Feuer, den Rücken dem Flusse zugekehrt und streckt die offe- nen Hände vorwärts zum Feuer, während ihm ein Bursche eine angezündete Zigarette in den Mund schiebt. Hier drüben sängt ein Kind, das«ingeschlafen war, zu weinen an und ein zweites wacht davon auf und schreit. Schnell kommen die Mütter herbei und geben ihnen zu trinken. Auch die anderen Kinder sind nun alle eingeschlafen und liegen zusammengekauert auf dem Erdboden. Manche sind eingewickelt in ein Tuch, manche in eine Decke, manche in eine Reitmatte, manche liegen auf einem leeren alten Sack, und wieder andere liegen auf dem nackten Erdboden. Die größeren Kinder, soweit sie nicht interessiert an dem Tauchen der Männer sind, wo sie sich in einemfort darüber streiten, ob Sanchez bis sechzig unter Waffer war oder ob Josö diesmal bis hundert unten bleiben würde, drücken sich herum und be- sprechen Streiche, die sie an anderen Jungen verüben wollen, oder probieren irgendeine neue Schleuder aus oder musizieren auf einer Mundharmonika. Die Esel des Packzuges grasen in der Nähe des Ufers, und wenn sie gerade nichts weiter wissen, trompeten sie in die Nacht. Sie fühlen sich außerordentlich wohl, in der Nähe so vieler lodernder Feuer und herumlaufender Menschen zu sein. Käme jetzt ein Jaguar vorüber, sie würden ihn dreist einladen, er möge ihnen doch ein wenig Gesellschaft leisten, denn sie haben gar keine Angst vor ihm. Die Pumpmeisterin steht in ihrer Küche und kocht Kaffee. Was sie Küche nennt und was die Mehrzahl der anwesenden Leute eine großartige Küche nennen würden, ist ein offener Raum. Nein, Raum kann man nicht sagen. Die Küche hat nur eine Wand und diese Wand ist gleichzeitig die Wand der Hütte. Das Grasdach der Hütte ist hier weit überhängend und bildet so die Küche. Damit das überhängende Dach in- folge der Schwere nicht herunterbrechcn kann, ist es an beiden Ecken sowie in der Mitte mit einem Stamm gestützt. Durch diese drei rohen Stämme wird die Küche abgegrenzt. (Fortsetzung folgt.) verbrechen am Seüüwsee? Ei« Leichen fund« Ein verdächtiger Leichenfund rief gester» die Mordkommission des Berliner Polizeipräsidiums nach Schmöckwitz. Ein Gastwirt fand dort morgens im Seddinsee etwa 200 Meter von einer Dampfer» brücke entfernt, am Uferweg die Leiche eine» unbekannte» Manne», die bi» auf ein Chemisett mit Kragen ganz unbekleidet war. Er benachrichtigte das 243. Revier in Schmöckwitz und die Beamten stellten fest, daß dem Manne der linke Arm und da» rechte Bein fehlen. Am Halswirbel hinten wies die Leiche ein« Stichver- letzung auf. Der Befund wurde vom Erkennungsdienst photoaraphifch fest- gelegt. Eine genauere Besichtigung der Leiche ergab, dotz sie außer dem erwähnten Stich in den Halswirbel noch verschieden« st i ch- artige Verletzungen und Hautabschürfungen am Kopfe zeigt. Alle Rippen sind gebrochen. Der linke Arm und das rechte Bein sind noch nicht gefunden. Von den Kleidungsstücken sind nur noch ein weißer Kragen, Halswelte 38 oder 39, Marke„Florida', und ein schwarzer Schlips mit weißen und bläulichvioletten Querstreisen vorhanden. Nach diesem ganzen Befund unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß die Leiche in Dampferschrauben geraten ist, die auch nach und nach die Kleider in Fetzen abgerissen haben. Der Mann ist etwg 28 bis3 5 Jahrealt, 1,78 Meter groß und von schlanker schmächtiger Gestalt. Er hat dunkelblondes Haar, das hinten kurz abgeschnitten, vorn länger und gescheitelt ist, einen gestutzten Schnurr- bart und ziemlich schmal« Hände mit sorgfältig geschnittenen Nägeln. Die Leiche wurde nach Berlin in das S ch a u h a u s gebracht. Wer zur Feststellung der Persönlichkeit beitragen kann, oder einen Ange- hörigen vermißt, wird»rsucht, sich beim Kriminalkommissar Brasch- witz im Zimmer 93 des Polizeipräsidiums zu melden. Neues Rekorüfieber. Eine neue Rekordwelle ist Im Anmarsch. Mn großer Könner gibt stets den Auftakt. Voriges Jahr war es der Nurmi-Rumwel, der das Korps der Dauerhungerer, Daucrmusikanten. und in weiterer Fortsetzung alles Bösen den Dauertänzer Fernando auf dem Gowisien hatte. Dann fegte der Alltag das ganze retordwütige Klein- zeug weg und Leistungen, nach Zeitquanten gemessen, verschwanden wieder dahin, wo sie hingehören, ins Meer der Vergessenheit. Heute — im Zeitpunkt des großen Ozeanfliegers— taucht auch a tempo wieder der Bruder vom„kleinen Format' auf und zwar ist e» wieder Fernando, der diesmal seinen eigenen tänzerischen Dauerrekord um 14 Stunden überbieten und sechs Tage, sechs Nächte— 144 Stunden ein en-suite-Tänzchen wagen will. Aber der Mai ist kühl und naß, und der Lunapark, allwo die Sache vor sich geht, gähnt in öder Leere. Die Ausrufer vor den Duden schreien sich die armen Hälse wund, die Teddy-Bären in den Schieß- buden glotzen nochmal so dämlich wie gewöhnlich. Auf den Karussells kreischen ein paar Mädchen, weil das zum Feiertagsausgang doch mal dazugehört. Im neuen Schwimmbad erledigt Arne Borg sein« iY00-Meter-Tour, dann begrüßt er Fernando, und läßt sich vom sprungbereiten Photographen gemeinsam mit ihm knipsen. Neben Fernando drehen sich vereinzelte Sonntagspärchen im Saal, an den Tischen sitzen eingeregnete und mißvergnügt« Herrenpartieteilnehmer. die Kellner überschlagen oerzweifelt die magere Kasse und draußen weht ein Mailüftel wie im November. Und Fernando tanzt... Unbeirrt, unentwegt, wechselt in kurzen Jnterwallen die Part- nerinney, die teils angeworben, teils freiwillig mittun. Eine Ab- ordnung der Tanzlehrerorganisation führt Kontrolle. Kein Mensch mißtraut ihm, aber wer will heute überhaupt viel davon wissen? was See moderne Zeichenunterricht leistet. Dir Köpenicker Realschule, die den Namen„Körner- �s�hule' trägt, veranstaltet eine Aussteblung von Zeichen- arbeiten ihrer S ch ü l e r. Sie will zeigen, wie durch einen nach kunstpädagogischen Grundsätzen aufgebauten Zeichenunterricht die schöpferische Kraft des Kindes gaweckt und entwickelt werden kann. Die Arbeiten von Schülern aus den Klassen Sexta bis Prima geben einen lehrreichen Einblick in die Unterrichtsweise und ihre Erfolge. Zwei Zeichenlehrer der Anstalt, Studienrat Ras muß und Oberschullehrer Lüdtke, wetteifern in der Läsung ihrer Ausgabe. Studienrat Rasmuh hat auch eigene Zeich. nungen ausgestellt, die erkennen lassen, welchem Ziel er seine Schüler zuführen will. Die im Schulhause der Körnerschule (Köpenick, Lindenstraß«) untergebrachte Ausstellung kann bis zum 31. Mai an Wochentagen 4 bis 6 Uhr und am Sonntag 11 bis 6 Uhr gegen 20 Pf. Eintrittsgeld besucht werden. Am Sonntag (29. Mai) werden um 11 Uhr Studienrat Rasiizuß und um 4 Uhr Oberfchullehrer Lüdtke in Vorträgen(im Ähulhaus) über ihre Arbeit sprechen. Den Besuch der Ausstellung und der Vorträge empfehlen wir den Eltern und allen, denen die Erziehung der Jugend zur Kunst am Herzen liegt. Der Stahlhelmtag im Film.- Der Stahlhelm, sogenannter„Bund der Frontsoldaten', hat sich ein Verdienst erworben. Er hat seinen misten Fromioldaten- tag, der in Berlin stattfand, verfilmen lassen, und allen Republi- kanern, sowie sedem, der es werden will, ist der Besuch dieses rechts- radikalen Propagandasilm« dringend xa empfehlen. Militärmuslk begleitet die Vorführung, und wir lesen Ueberschriften wie:„Die Augen der ganzen Welt schauen auf uns', aber von der Berliner Bevölkerung, geschweige denn von der ganzen Welt, sieht man bei einem kümmerlichen Vorbeispazieren etlicher Stahlhelmkolonnen nur äußerst wenig. �Ruhig und gelassen windet sich der grau« Heerwurm durch Berlin, lautet es weiter. Daß er sich, umrahmt von Schutz- pokizeibeamten, windet, haben wir auf der Leinewand deutlich erkennen können. Er hätte sich noch mehr gewunden, wenn nicht die Unvernunft der Kommunisten gegen die Parole de«.Boirwärt«', die nationalistische Kundgebung Herrn Seldtes zu Ignorieren, gearbeitet hätte. Bezeichnend war, daß man, als Berliner Blätter über die Leinwand flatterten, immer nur die hysterischen Ueber- schriften der„Roten Fahne', der„Welt am Abend' und ähnlicher Blätter zeigte, niemals aber mit dem wirklich„ruhig und ge- lassen gebliebenen„Vorwärts' aufzuwarten wagte! Ein« Viertel- stunde lang sah man den Parademarsch vor den Bundestührern, und zeitweise entdeckte man nur Beine, die in die Höhe geschwenkt wurden. Von Köpfen war ja auch nicht die Rede. Es gab einen Parademarsch, bei dem die wirklichen alten aktiven Friedenssoldaten, im„Zurück, marsch, marsch!' verschiedene Male über den Kasernen- hos gejagt worden wären. Aber von den jugendlichen Angehörigen dieses Frontsoldatenbundes, die, als wir im Graben lagen, noch kurze Hosen trugen, kann man wirklich nicht mehr verlangen. Und wiederum bemerkte man, daß fast mehrFohnenals„Front- s o l d a t e n' zur Stelle waren. Die Uraussührung in der„Schau- bürg' spielte sich vor zum Teil auffallend unbesetzten Hause ab. Di« vordersten Bänke beispielsweise gähnten vor Leere und Langeweile. Die Bebauung des Schöneberger Südgeländes erfüllt auch viele Gewerbetreibende mit Sovge. Auf dem Gelände sind nicht nur Tausende von Laubenkolonisten angesiedell, sondern Teile davon sind auch mit Gewerbebetrieben besetzt. Viele dieser Betriebe haben Wertstätten und Stallungen in massiven Ge» b ä u d« n, die bei Bebauung des Geländes beseitigt werden mußten. Ein« gutbesuchte Versammlung der gewerblichen Platzpächter war einstimmig der Ansicht, daß dies für die meisten eine Vernichtung ihrer Existenz bedeuten würde. Beschlossen wurde, sich an den Berliner Magistrat und an das preußische Wohlfahrtsministerium mit der Litte zu wenden, daß im Räumungsfall die Bauvorhabenden verpiftchtet warden solle», den Pächtern ein« angemessene Für Eröffnung öes Muggeltunnels. Der Eingang bei Friedrichshagen. Entschädigung zu zahlen, damit ihnen die Detterführung ihrer Betriebe ermöglicht wird. E» handelt sich um kleine Kohlen- und Fuhvgeschäste und Betriebe ähnlicher Art. Manch« davon sind seit 28 bi» 3V Jahren dort angesiedelt. Echt„JTational�. Gefängnis für gelbe Raufbolde. Wegen gefährlicher Körperverletzung sind zwei Brauereiarbeiter K. und B. angeklagt. Zwei„gut nationale', gewerkschaftlich nicht organisierte Männer. Als Nebenkläger ist im Gerichtssaal der von diesen beiden nationalen Rowdies schwerverletzt« B.; sie haben ihm da» Nasenbein eingeschlagen und die Schädeldecke zertrümmert. Sechs Wochen hatte er das Krankenhaus nicht verlassen dürfen und selbst heute noch ist er erwerb»unfäh«g und ist gezwungen, sich bei einer dreiköpfigen Familie mit der Unter- stützung in Höhe von 12,80 Mark zu begnügen. Den Anlaß zu diesem Exzeß gab der falsche verdacht der beiden, B. habe an die Direktion einen anonymen Brief geschrieben, iu dem er sie des Gerstediebstahls bezichtigt habe. In der gestrigen Ge- richtsverhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Wedding be- kündeten aber die Zeugen, daß solch ein Brief überhaupt nicht ein- gegangen sei: der Brauereimeister habe nur die beiden in Verdacht ?ehabt. Diese fielen aber in angetrunkenem Zustande über den B. er und richteten ihn in der unmenschlichsten Weise zu. Der wahre Grund für diesen Uebersall lag aber tiefer. K. und G. mochten als gut nationale Männer Ueberftunden: daß sie dadurch ihren arbeits- losen Kollegen das Brot vom Munde nahmen, kümmerte sie wenig. B. aber, der seit Jahren gewerkschaftlich organisiert ist, mochte au» seinem Herzen keine Mördergrube und gab ihnen zu verstehen, wie er darüber denke. Deshalb war er in ihren Augen ein„Äoinmuniste'. Und noch gestern in der Gerichtsoerhandlung gaben die beiden An- geklagten ihren Unwillen darüber kund, daß dieser.Kommunist«' sich über die Ueberftunden, die sie machten, aufgehalten habe. Der Staatsanwalt beantragte eine für diesen Fall ziemlich milde Straf« von drei' Monaten Gefängnis. Rechtsanwall S. Teblo- witsch meinte, als Vertteter de» Nebenklägers, daß ihm an einer harten Strafe für die gelben Rowdies nichts liege. Das Gericht ver- urteilte aber die beiden wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Gefängnis. Ausfall des Harz-Sonderzuges. Wie die Reichsbahndirektton Berlin mitteilt, muß der für Sonntag, den 29. Mai, geplant« Verwaltungssonderzug 4. Klasse nach Thal« im Harz de» schlechten Wetters wegen aus- fallen. Die bereits gelösten Fahrkarten werden von den Aus- oabestellen, bei denen sie gelöst wurden, gegen Rückerstattung des Fahrgeldes zurückgenommen. Bezirksbildungsansschuh Graß-Berlin. Di« Konferenz aller in der Bildunasarbeit tätigen Genossen findet am Montag, dem 30. Mai, abends 7/4 Uhr im Fraktionssaal der SPD. im Landtagsgebäude, Prinz-Albrecht-Straße, statt. Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit des Bezirksbildungsausschusses: Bericht über die Kon- ferenz der Bezirksbildungsausschüsse in Kiel: Aussprache. Es wird um zahlreichen Besuch gebeten. Ein Achtzigjähriger. Genosse Karl Friedrith», Ablershof, Feldherrnstraße 18, feiert heute seinen achtzigsten Ge- b u r t s t a g. Das Geburtstagkind, dem unsere besten Wünsch« gelten, ist noch so frisch, daß es den fest 40 Jahren ausgeübten Be- ruf eines Likörreisenden auch heute noch ausübt: er ist bei der Firma Eugen Oppenheimer, Andreasstraße 32, tätig. Die ftaglos wertvollste Darbietung de» Donnerstag war die Uebertragung des Kongresses des Weltver» bände» der Völkerbundsligen aus dem ehemaligen Herrenhaus, die eine außetoidenttich geeignete Propaganda für den Völkerbundsgedonken bedeutete.— Das Nachmittagskonzert der Ka- pelle Gebrüder Steiner stand diesmal in der Proarammzusam- mensetzung wie in der Ausführung auf gutem Durchschnitt.— Di« abendlich« Uebertragung von Cavalleria Rusticana und Bajazzo aus der Oper am Platz der Republik blieb in technischer Beziehung hinter anderen Uebertragungen au« demselben Haus« zurück. Stellenwelse verschwammen Sologesang und Orchester nahe. zu ins Strukturlose. We.ben eigentlich Generalproben der durch den Rundfunk verbreiteten Opern im Funthause abgehört? Da mancher Opernabend sehr gut herauskommt, müßte sich in weniger glücklichen Fällen Abhilf« schaffen lassen. Der' Freitag brachte eine freundlich belanglose Plauderet Gustav Hochstetters„Gedankenlose Redensarten'. Er zitierte zum großen Teil jene„Blütenlese aus dem Reichstag', aus der sämtliche Tageszeitungen schon vor Wochen nicht knapp bemessene Auszüge gebrachr haben.— Einen allgemeinverständlich gehaltenen Einblick In die Philosophie Platos gab Dr. Max A p e l.— Senats- Präsident Geheimer Regierungsrat Dr. Mar Kaehler wies In einem Vortrog„Die Ansiedlung der Kriegsbeschädigten' eingehend die Mittel und Weg«, die Kriegsbeschädigten dabei zur Verfügung stehen. Eine schreckliche Zahl prägte sich aus diesem Bortrag ins Gedächtnis: wir haben, staatlich anerkannt, heute rund 310 000 Schwerkriegsbeschädigte in Deutschland, d. h. ungefähr 5 Proz. der f>esamten Bevölkerung.— Am Nachmittag las Fritz Karstädt aus einen„Abenteuergeschichjen'. Karstädt bringt für diese knappen Geschichten einen außerordentlich klaren und lebendigen Stil mit, der ohne allen sprachlichen Auswand den Eindruck des Geschehens heraufbeschwört.— Der Abend brachte ein Sinfoniekonzert, bei dem Bruno Seidler- Winkler Werke von Strawinski, Toch und Graener dirigiert«. Emanuel Feuermann, Cellist von Gottesgnaden, sei für die Zugabe der Reger-Soll noch besonders gedankt. Te». Eine Tracht Prügel. Er versprach jede Stelle..« Ein Stellenvermittluagsschwindler trieb seit März d. I. wieder sei» Unwesen. Leute, die durch Inserate Stellun- ge» als Pförtner oder dergleichen suchten, erhielten den Besuch eine» Manne», der angeblich im Lustrage einer Kohlengroßhandlung vom Kaiserdamm kam. Er versprach jedem Bewerber jede Stelle, um dt« er sich bemüht« und erhiell von den Leuten, die froh waren wieder Beschäftigung gefunden zu haben, je nach ihren verhälmissen 10 bis 20 Mark. Entweder schickte er sie dann nach dem Kohlenplatz oder nach der Privatwohnung des Geschäftsinhabers, der so Tag für Tag überlaufen wurde. Die Kriminalpolizei dachte zunächst an «inen neuen„Runden', bis sie feststellte, daß ein(52 Jahre alter „Händler* Karl Kupfer, der früher ebenso gearbettet hatte, Anfang März au» dem Gefängnis entlassen worden war. Dieser alte Betrüger aber war nirgends zu finden. Da kam«m Be- trogen er auf den guten Gedanken, sich nach einem Hau» in der Goßlersttaße zu begeben, von dessen Bewohnern einer durch ein Inserat«ine Portierstell« suchte. Er oermutete, daß der Schwindler auch diesen Mann aussuchen werde und täuscht« sich darin nicht. Von seinem Posten aus sah er den alten Kupfer, der gerad« wieder 10 Mark«ingesteckt hatte, au» dem Hause herauskommen, erkannte ihn sofort als seinen„Vermittler' wieder, nahm ihn am Kragen und gab ihm«ine Tracht Prügel. Der Mann aus dem Hause hörte den Lärm, glaubte, daß man seinen Besucher, der ihm soeben eine Stelle verschafft hatte, überfallen habe, hielt sich aus Dankbarkeit für verpflichtet, ihm beizustehen, half dann aber, als er ausgeklärt wurde, ihn zu verprügeln. Bald kam ein Schupobeamter dazu, zerstteut« die Meng«, die sich ange- sammell hatte und brachte den Schwindler nach der Revierwach«. die ihn wieder der Kriminalpolizei übergab. Kupfer gibt alle bi« neuen Schwindeleien zu, weiß aber selbst nicht mehr, wen er alles betrogen hol. Nach der Kohienhandlung bestellte er die Leute, weil er dort früher einmal beschäftigt gewesen ist. Grausiger ffiinderscherz. Paris. 27. Mai.(TU.) In T res es warf ein etwa sieben- jähriges Kind«in brennendes Zündholz in die Bluse «inerblindenFrau. Im Nu brannten die Kleider der Frau lichterloh. Sie starb nach der Ueberliejerung in das Krankenhaus unter den gräßlichsten Qualen. Zreirellgiös« Gemeinde. Sonntaa dorm. 11 Nbr. Pappelall«, IS, vor. trag de« Henn A. Tomdeh: Der Menlch schul Bott nach seinem Bilde Harmonium:„Pilgerchor'(Wagner). Gäste willkommen. Zäitüchjcsltsn erfordern einen appetitlichen Mund und angenehm duftenden Atem. Der gelegendiche Gebrauch voq Wrigleys vorzüglichen und billigen P. K.- Kau- Bonbons entfernt jede Spur von Essen, Trinken und Rauchen und hinterlässt ein dauernd angenehmes Aroma. Ausserdem fördern P. K.- Kau- Bonbons die Verdauung, reinigen die Zähne und kräftigen das Zahufleisch. S.S.« Kommt Lwbdergh noch VerN«? In d«n letzten Tagen Ist von mehreren Seiten in deutschem Auf- trag« mit dem amerikanischen Ozeanslieger Lindbergh über einen Flug nach Berlin oerhandelt worden. Lindbergh hat zwar noch keine feste Zusage gegeben, jedoch es als sehr wahrscheinlich be- zeichnet, daß er auf einem größeren Rundflug auch Berlin berühren wird. Nach den bisherigen Verhandlungen ist geplant, daß Lindbergh von Paris aus zunächst nach London fliegen und dort einige Tage bleiben wird. Im Anschluß daran wird er dann, falls sich die Dispositionen nicht noch in letzter Stunde geändert haben, eine Rund- reise antreten, die ihn zunächst n a ch B e r l i n führen soll. In Berlin wird Lindbergh nach dem vorliegenden Programm Gast der großen Organisationen des Flugwesens fein. Für den Fall seiner Ankunft ist ein Empfang durch die maßgebenden Reichsstellen bereits oorge- sehen. Dagegen steht noch nicht fest, ob der Amerikaner von Deutsch- land aus zunächst nach Wien oder Italien fliegen wird. Die Rund- reis« dürfte vermutlich über Madrid in Paris wiederum beendet werden. Der Konstrukteur des Apparates Lindberghs hat sich, wie aus New Uork gemeldet wird, plötzlich nach Cherbourg eingeschifft. Er lehnte es ab, Auskunft über seinen Reisezweck zu geben. Man nimmt an, daß er die Absicht hat, Lindbergh in London oder Paris zu treffen. Alle bisherigen Engagementsantröge an Lindbergh hat der bekannte Filmregisseur Laemmle übertrofsen, der Lindbergh für einen einjährigen Bertrag 700000 Dollar anbietet. Lindbergh habe bisher noch auf keines der sensationellen Angebote geantwortet. Er sammelt alle Dorschläg« bei seinem Advokaten in St. Louis, der ihm während seiner Flugvorbereihmgen behilflich war. * Wie au» ch orta gemeldet wird, wurde der Aug de Pinedo» von der Trepassy-Bucht bis zu den Azoren durch starke Gegen- wind« behindett. Da sich der Flieger überzeugt Hatte, daß er die Azoren nicht erreicden tonnt«, beschloß er, auf» Meer nieder- u g e h e n und auf eine Lenderung de, Windes zu warten, um den lug wieder aufzunehmen. Er ging am Nachmittag des 23. Mal nieder. Die atmosphärische Lage wurde immer ungünstiger, eine zyklonartige Luftströmung nötigte schließlich da» Flugzeug, bei sehr hoher See hinter einem portugiesischen Schoner Schutz zu suchen. Da» Flugzeug erlitt dabei keinen Schaden. Zwei Tage lang setzte die»Santa Maria' allein den Kamps gegen den inimer bewegteren Ozean, wobei sie an einem Flügelteil leicht beschädigt wurde, fort. Gestern begegnet« das Flugzeug dem italienischen Dampfer „Superga', der»» nach chorta in Schlepptau nahm. Nachdem der erlitten« Schoden behoben sein wird, wird de Pinedo feinen Flug nach Rom fortsetzen. fit, dt-i«*»t,rtl si»d •«tu« S»•«. kuibt< s, Partemachrichten für Groß-S�rlin Net» a» da«•eztri»s«ttt»atwt. Z. Hat. t Trep. recht», t» richte». kommunale Konferenz am Zlontag. den 30. Wal. IVt Ahr abend», im vervner Rathause lSladioerordnetensitzungssaall. Tagesordnung: Der Berliner Haushaltsplan für 1327— die Stellung der Rathaus- Parteien ,u demselben. Referent: Genosse Dr. Lohmann. Anschließend Aussprache. Zutritt haben alle kommunalpolitifch tätigen Mitglieder der SPD. Mitgliedsbuch legitimiert. Da» Kommunale Sekretarial. (, ttrri, fttnijdrt». Arbeitrrwodlt-Hrt md Äommmtol« n-mmitfi»»! Sonn- tag, tt. Mai, U Uhr, Bcnchnguna der NritppelanftaU Ostar-Helene- Heim und de»«rürpeimuseumz in Dahlem. Haltestelle der Untergrund- - bahn Zbielxlotz. Alle Iuteregenten find herzlichst willlammen. t». itrei» SlenUIln. Wie Helfer, Förderer und Iungsazialisten sind herrlichst zum Vortragsabend der Sozialistischen Nrbeireriliaend heute, Sonnadend, 28. Mai, 2U Uhr, im Jugendheim Nanner Strade eingeladen. Thema: »Die JBirtschafi vor und nach dem Kriege." 18. Nrei» Weihenlee. Sonntag, A. Mai, 2 Uhr, Vesichtlgung her Lauben- kolouie am Oranlefe». Treffpunkt 9 Uhr Berliner Straße, Ecke Bnfchallee. Heule. Sonnabend. 28. Mai: 17. Abt. Bs« Beziriofllhrer, weicht noch kein« Akontozahlungen geleistet haben,«erden gebeten, dem nachzukommen,' auch wir« ersucht, die Mai- marken beim Kassierer Höhne abzurechnen. 47. Abt. Z0 Uhr bei Kuhnert, Muelauer Str. 12, wichtige Funkt ionlrsttzung. Vorher, um 19�4 Uhr, Sitzung de- Vorstand«» 48. Abt. 18sH Uhr Abrechnung sämtlicher Bezirlzfllhrer bei Keller, Fllrsten. Pratze 1. Morgen. Sonntag, 2g. Mai: 81. Abt. Frieden»». Familienau-flug nach Albrecht» Teerofen. Treffpunkt 9 Uhr Wannseebahnhof Friedenau. Nachzügler ad 12 Uhr Restaurant Kümmert. Iungsozialislm. Achtung, chrnppenlelterl Die nächste Sruppenleiterkonferenz stnl heute, Sonnabend, 28. Mai, 181b Uhr, im Jugendheim Lindenstr. statt. Wichtige Taizcsordnung. Wir crwartrn pünktliches und jal reiche» Gruppen. .. Sannaben».«.»al.» Ahr, CnftonB llle». Gemeinsamer«bendspaziergan».— Gruppe __. gemeinsamer Spaziergang zum Osdorfer Bach, Treffpunkt 14 Uhr pünktlich»u der Katholischen Kirche. Arbeilsgemeinschafi der Slnderfrennde. Krei» Renköln: Ankunft nnserer Kinder au» Cismar heute, Sonnabend, 28. Mai, 20H Uhr, Lehrter ffernbahnhof. Treffpunkt zur tzeltfahrt nach Birkenwerher um 18 Uhr Danahsferstraße vor der Baracke. Reinickenders-Ost: Heute, Eonnabend. 28. Mal, Feltfahrt für alle Kinder nach Birkenwerder. Treffpunkt 1714 Uhr Bhf, Schonholz. 40 Pf. Fahrgeld mitbringen. Sterbetafel der Groß-Serliaer partet-Grgaaifatton Arn 28. Mai»erstarb n»f»r lapassthri«,»euasie Emil na. Freienwacher Str. 1«, im 88. Ledenaiahr«. Ehr« feinem Nöscheruna heute, Sonnabend, 28. Mai, llld Uhr, Im Krema. stratze. Reg» Beteiligung wird erwartet. Unser Genost« B a n l Sprunk, Bilhelmstr. 89, ine» Andenken bewahren. Einäsche- 'chulenweg. IT Adt. Am tllmmerliu ndenken. Ein« torium vericht 118. Abt. Lichtenberg. ist verstorben. Wir werden ihm«in rung am Montag, 80. Mai, 1814 Wir litten um reg« Beteiligung. im Krematorium Aufforderung zur Emreichnug von Vorschlagslisten für die Beisitzer der Arbeitsgerichte und Landesarbeitsgmichte(§§ 20, 37 Arb.GG). Dezember 1926 tritt am 1. Znli 1957 in >en die Beistßer wr die Arbeitsgerichte und Da» Arbett-gericht-gefeh vom 28. Kraft. Gemäß tztz 20, 87 de, Gesetze- werden Lande«arbe!iogerichte von der höheren Be.waltunggbehörde, da« ist in Preußen der Regierung-orösident. für Berlin der Oberpräsidcnt. im Einvernehmen ml« dem Prä- sidenien de» Landgericht», bei dem das dem Arbeitegertckt übergeordnet« Landesar- beitsgericht errichtet ist, auf die Dauer von drei Jahren berufen Dt«?« sttzer sind In anaemesienem Bcrhältni» unter billiger Berücksichtlgimg der Mindcrhelten aus den Borfchlagslisien zu entnehmen, die von den im Gerichtsbezirt bestehenden Bereinigungen der Arbettgeder und Arbeitnehmer und von den öbentllch- rechtlichen Körverlchaften fReich, Ländern, Gemeinden, Gemeindeverdänben und anderen Körperfchasten des Sffentllchm Recht«) einaerelcht werden Die Borausletzungen lür da» Beisitzeramt sind in den?? 21— 28, 87 de, Gesetze» enthalten. Ich fordere hiermit die vorfchlng»be> .............-..-—..... ig»-- �- c) für sede der nachfolgenden rechtigten, wirtschaftlichen Vereinlgünaen und öffknilich-rechtlichen Körperschaften der nachfolgenden Gerichtsbezirke auf. mir bis zum 10. Zimt 1927 Borlchlagslisten»in- zureichen. Jede Vorschlagsliste muß mindestens die Kammern genannte tzahl von Beisitzern enthalten. E» werden benStigt: l. fttr da» Arbeitsoericht in Berlin,»efchlftsbevetch! Landgerichtodezirk» l, v, IN, Beriln, Amtaerlchisdezlrl Wendilch-Buchholz. a) Für 17 Kammer» für Arbeiter, nämlich: 1 fttr BeNeldunasindnstrie(außer Sck»nhwor>»f»bi4stilI»») Je 14 Ardeftgeber» und Arbeitnehmerbetsitzer. 1 für Leder» und Putz-Industri» I 4 fsir Metall-Zndusitte le 8« Abettgeder- und Arbettnehmerdeisitzer. 1 für Nahrungsmiltelgewerbe je 14 Arbeitgeber- und Ardettnehmerbeisttzer 2 für Beherbergung und Erquickung>« 28 Arbeitgeber- n. Ardeitnehmerbeisitzer. I für Handel und sonstige, vor leine der übrigen Fachkanmiern gehörend« Sachen se 14 Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisitzer. 1 für Berlehr se 14 Arbettgeder- und Arbeitnehmeebeifitzer. l für gravdische und verwandte Gewerbe je 14 Arbeitgeber- und Arbeit- nehmerbeisitzer. 1 für chemische und keramische Industrie und Verwandte» se 14 Arbettgeder- und Arbeilnehmerbeisitzer. 1 für Hausgebillen se 14 Arbettgeder- nnb Arbeitnehmer beisitz er. d) Fstr 18»amM-rN»str«''" Leder- und Putz-Industrt« je 14 Arbettgebev- und Arbettnehmerbetsttzer. Baugewerbe je 28 Arbeitgeber- und Ardeitnehmerbeisitzer. Holz- und Schnitzstoffe je 14 Arbettgeder- und Arbettnehmerdeisitzer. Fstr 18 Kammern sstr Anaestrllte, nämlich: 7 fsir HandlnngsaehllfenundHandlungsIehrllngennd ble Bureauangesiellten in Inbusirie, Handel und Gewerbe je 98 Arbeitgeber- nnb Arbeitn ebmerbeifitz er 1 Me technische Anaeftellt»(einschl. der Werkmeister) der Metallindu'' 14 Ardeitgeber und Arbettnehmerdelfitzer I für sonstige technisch» Anaesiellte(«wschlletzlich ber Werkmeister)>« 14 geber- und Ardeitnebmerbeisitzer. 1 fstr Angestellte lm Versicherung»- und Bankwesen je 14 Ardettgeb Arbettnehmerdeisitzer. In er. Ardettgeber- und Bühnen- und Filmbetrieben Industrie, Handel und Gewerb« tätigen Büreauängestellten) je 28 Ardeilgeber- und Ardeitnehmerbeisitzer c) Für 1 gemeinsam« Kammer für Arbeiter und Angestellte in Gärtnerei, Sand- und Forstwirtschaft je i4 Arbeitgeber- und Ardeitnehmerbeisitzer. ck) Fstr 8 Kammern sstr da» Handwerk, nämlich: 1 sstr Bekleidung>e>4 Arbettgeder- und Arbeitnebmerbetsttzer. l für Metall je>4 Arbeilgeber- und Arbeimehmerbeisttzer i istr Bau und Holz je>4 Arbeitgeber- und Ardeitnebmerbeisitzer. 1 für NahrungamUtel und Reinigung je 14 Arbeitgeber- und»rdettnehi beisttzer. 1 für Leder. Zellstoff, Graphik und Sonstige« se 14 Arbeitgeder. und Arbeit- nehmerbeisitzer. Die vo' behenden 24 Vorschläge sind auf getrennten Listen einzureichen U. fstr da» Lande» Arbeitsgericht i» Berlin\t 72 Arbeitgeber nnb Arbeitnehmer. beisttzer. Ich nebme im übrigen Bezug auf den den Organisalianen durch die Fach. presse brannten Erlaß de, Vreußiichen Handel-mlnister». de» Preußischen Justiz- minister» vom 30. April 1927(vi n 1248 M-f.H. u. G./1 1169 JM.). Für die Borschlagilisten«mpstehlt sich folgende Form: 8) Borschlag»Ilste sstr die Arbeitgeberbeisitzer der Arbeiterkammer de» Arbeit». geeicht» tn Berlin fstr Brtleldnng»indnstrle. vv. bi, 14. Bezirkosekreiariai X de» Allgemeinen Deutschen Gewerkschast?bunde« für dt« frei- gewerlschaiillcheu Arbettcrvcrbände des Arbeiisgetichtedezirf» (Ort. Dalum, Unterschrift.) Vorschlog»llste»str dl« Arbeitgeber betsttz-r da» siebe» Angestell Handlnngsgehilsen pp. de» Arbeit» geeicht» in«rrl (Entsprechend wie zu n) .°�kanun«.ft.. 1 bis 98. 4)1 fiir dt» K. veuischnatwnaler Handln: Fstr dt» im Gesamtverdand der i" geschlosienen Angestellt ehilsenorrdanb in........ ngewerkschaften Deutschland« znsammeu- :de de» Ardettogerichtsbezirk». (Ort, Datum, Unterschrift.) «) vorschlagoltste fstr die Ardettgeber betsttzer der Kammer de» Handwerkogericht» beim Arbettogerichr in Berlin fstr«chMtedehandwerk. Borname Kurl Name Ulrich Geburtstag Beruf 4. 8. 1L7b Schmied»- metstar «dreffe Ee-t wann im Gerichtsbezirk lättg? (Im Zweiielsiall« genau anaeben) 1900 bi, 14. Handwerkskammer H.......... namens ber Innungen und handwerMchen Arbettgeberverbänd« de» Arbeit»gericht»b«zirt». (Ort, Dawm, Unterschrift.) i) Borschlagallfte fstr die»rbeiter beisttzer dar Kammer da» Handwertsgericht» beim Arbeitsgericht in Berlin fstr Schmledehandwerk. bi» 14, Lezirkssekrttariat de» Allgemeinen Deutschen Gewerkschnftsbunde» iür die am Hand- werk beteiligten sreigewerkfchaftlichen Arbctteroerbönd« de» Arbeilsaer-chisbezir?» (Ort, Datum. Unters christ) g) Borschlag« liste sstr die Arbettgeberbetsttzer beim Landesardeitsgericht in Berlin ,(Entsprechend wie zu r) 1 bi» 72. ü) Vorschlagsliste sstr die Arbeitnehmerbeisitzer beim Landes arbettsgericht in Berlin bis 72. Für die im Allgemeinen Deutschen Scwerkschaftsbund. Allgemeinen freien Angestellten- dund, Deilifchen Gewerifchaftsbunb und Deutschen Gewerischaftsring jllsamulen- geschlossenen Gewertichaften de» Landesarbritsgerichtsbezir« (Ort, Datum, Unlerschrijt.) Verlin-Eharlottenburg, den 24. Mai 1927. Ter Qberprüsident gez. Dr. M a i e r. Rohttie�resri-öpari- ßlgQ stcnichub, Settendurdibr, am Abs. in grau mit gasdiw. Absair 8.00, Inrosenbolz, Hinterteil dunkel abgeselzl, araeriUanisdier Absatz... 0.80 a � 130 eigene Yerkanfssicllea* O-liG(ä, davon 30 tat Groß-Berlin C, Spittcloinrkt 18 C, Rasenthaler Str. 14 W, SchiUttr. 16 W. Potsdamer Str. SO �(an der KuridrttenstrJ Turmstr. 41 MW, Wilsnacker Str. 22 NW. Beusselstr. 29 N, Friedrichs tr. UD N, Mflllerstr. 3 N, Brunnensir. 27 N. Danxigar Str.i O, Andreasstr. SO O. Pranktnrter Allee 22 SO, Oramensm 2a SO, Wrangelstr. 49 SW, Prledriehstr. 246/41 MfUkMIn� Bergttr. dO/ti Potsdam, Brandenburger StraSe 84 Priadgnaa, Rbatnstr. tfl Charlottenburg, Wllnten- - Stratze i2tz» Die Internationale öer Kunstseide. Ein englisch-deutsch-italienisches Weltmonopol. .Tharakkristisch Ist, daß die lapitalistische Industrie in organi- fierter Weise die neuen(technische») Möglichkeiten dusnützt, daß neu entstehende Industrien sich gleich Uber die ganz« Welt aus- breiten. Die ltunstseidenindustri« z. S. stellt einen einzigen großen kapitalistischen internationalen Konzern dar.. Genosse Hilferding aus dem Kieler Parteitag. Vor einigen Wochen ging durch die Presse die Meldung von einer amerikanischen Neugründung des deutschen führenden Kunst- seidekonzerns, der Ver.-Glanzstofs-A.-G., Elberfeld. Erst letzthin eröffnete der Konzern bei Breslau eine Zwnstseidefabrik, nun soll aber in Wilmington(USA.) unter der Firma American Glanzstoff- Corporation ein Unternehmen größten Umsanges entstehen, das bei 7 Millionen Dollar Vorzugsaktien und 300 000 Stammaktien eine Produktionskapazität von etwa 5 Proz. der gesamten amerikanischen Produktion von 192S haben wird. Kunstseide ist eine Ware, die von allen Haushaltungen der Welt mehr und mehr gekauft und verbraucht wird. Es lohnt einen Blick, wie dieses junge und tünst- liche Produkt für Erzeugung und Absatz vom Privatkapital mehr und mehr in einen monopolistischen Apparat«ingesangen wird. Die Glanzstosfherrschaft in Deutschland. Die Vereinigten Glanzstofswerke-A.-G. Elberfeld(Akt.-Kap. 42,6 Mill. M.), die mit ihren Tochtergesellschaften etwa 75 Proz. der deutschen Kunstseideerzeugnisse herstellen, beherrschen zu- nächst im Jnlande durch M e h r h e i t s beteiligungen die folgenden Kunstseidewerke: Jordan u. Cie. A.-G. Sydowsaue b. Stettin mit 3,093 Mill. A.-K., Bayerische Gianzstoff-A.-G. Obernburg a. Main mit 2 Mill. AK., Der. Kunstseidefabriken Kelsterbach a. M. mit 3 Mill., Glanzfäden-A.-G. Berlin mit 2 Mill A.-K., die im Jahre 1926 mit einem Aktienkapital von 750 000 M. gegründete Deutsche Celta-A.-G.-Elberfeld und(mit dem holländischen Enka-Konzern) die von Giesches Erben stillgelegte Kunstseidesabrik in Cavallen, Breslau, die als Neue Glanzstoffwerke-A.-G. in Breslau mit einem Kapital von 12 Mill. ihren Betrieb unter der Leitung der Der. Gianzstoff wieder aufnimmt. Sie stehen weiter in einer Int er- essengemeinschaft(25 Proz. Beteiligung) mit der 85 bis 90 Proz. deutscher Kupferseide herstellenden I. P. Bemberg- A.-G., Barmen(A.-K. 16 Mill.), der führenden Firma des B e m- berg-Konzerns, der außer seinen Kunstseidewerken eine Färberei, eine Buntweberei und mehrere Maschinensabriken umfaßt. Elberfelder Glauzstoffkouzern— Remberg— Chemietrusl. Zusammen mit der I. P. B e m b e r g- A.- G. und mit Hilfe einiger Banken gründeten die Glanzstoffwerke im Juni 1925 die American Bemberg-Corporation in Johnfon City(Kapital 3,5 Mill. Dollar), die im Herbst 1926 die Produktion nach den Methoden von Älanzstosf und Bemberg aufnahm. Die I. P. Bem- berg-A.-G. ist noch ihrerseits mit 33Mi Proz. beteiligt an der Hölkenseide-G. m. b. H., Elberfeld(Kopital 600 000 M.), deren weitere Eigner die Agfa-Berlin und Bayer-Leverkusen sind, also der deutsche Chemietrust. An Auslandsbeteiligungen der I. P. Bemberg sind zu nennen: die Crupo Textile Sociött-Roanne (Kapital 10 Mill. Franken) und La Seta Bemberg hoc. Jtaliana in Gozzano(Kapital 12 Mill. Lire), an der letzteren ist die Glanz- stoff-A.-G. auch direkt beteiligt. Es bestehen auch noch Jnteresien- gemeinschaften zwischen Bemberg und den englischen(Courtaulds), holländischen(Enka) und italienischen(Sma Discosa) Kundseide- konzernen.» Die Glanzstoff-A.-G. hat dagegen weiter Ende 1925 mit der I. G. Farbenindustrie noch die Aceta-G. m. b. H.-Lichtenberg bei Berlin(Kapital 2 Mill.) gegründet, dt« im März 1927 chren Boll- betrieb ausgenommen hat. Diese I. G. stellt weiter eine Der- bindung her mit den Kunstseidewerken des Chemietrusts bzw. der Agfa in Wolfen-Bitterseld, zur genannten Hölkenseide-G. m. b. H. und zu der von der Köln.Rottweil-A.-G., die bekanntlich von der I. G.-Farbenindustrie fusioniert wurde, kontrollierten Bistra-FSden- Produktion(Bobingen, Rottweil und Premnitz). Mit vier weiteren deutschen selbständigen Kunstseideproduzenten, der Firma F. Küttner, Pirna, der Spinnstosfabrik Zehlendors, G. m. b. H., Berlin(Kapital 1 Mill.), der Herminghaus u. Cie, G. m. b. H., Elberfeld(Kopital 1.89 Mill.) und der Spinnfafer-A.-G., Elsterberg i. S.(A.-K. 3,97 Mill), hat die Glanzstofs-A.-G. Lizenz- Verträge abgeschlosien. Die Produktion der letzten 3 Finnen wird auch von der Glanzstoff-A.-G. kontingentiert. Der iuteraaliouale Mochtbau. An die Spitze der Beziehungen des Glanzstoff-Komern» zum Auslande ist die Jnteresiengemeinschast mit dem führenden englischen Kunstseidekonzern, der Courtaulds- Gesellschaft zu setzen. Diese Gesellschaft beherrscht bei einem Nominalkapital von 20 Mill. Pfd. Sterl.(400 Mill. M.) etwa 90 Proz. der englischen Produktion und mit ihren aus- ländischen Untergesellschasten als größter und kapitalkräftigster Konzern der Welt etwa 30 Proz. der Weltproduktion. Die Glanzstoff-A.-G. und Courtaulds haben nun gemeinsam die Glanzstoff-Courtaulds-G. m. b. H. mit einem Kapital von 2 Mil- lionen Mark ins Leben gerufen, die bei Köln a. Rh. eine Kunstseide- fabrik errichtete. Ueber die Courtaulds Ltd. ist zunächst zu berichten, daß diese etwa 70 Proz. der Aktien des größten Kunstseideunternehmens der Vereinigten Staaten, der American Viscotne-Company, besitzt, die 60 bis 70 Proz. der amerikanischen Produttion auf den Markt bringt. Courtaulds besitzt ferner in Frankreich eine Tochtergesellschaft, die Soie Artificielle de Calais(Kapital 10 Mill. Franken) und ist beteiligt an der Soiries de Strasbourg(Kapital 15 Mill. Franken). Diese Straßburger Firma hat durch den Besitz von Aktienpaketen wiederum einen Einfluß auf die amerikanische Shenandoah Rayon-Company. Courtaulds übt außerdem noch einen direkten Einfluß auf die Sociötö la Viscosa-Suifse-Emmen- brücke in der Schweiz aus, die eine vorzügliche Kunstseide und weit- aus den größten Teil der Schweizer Produktion herstellt. Eine weitere Interessengemeinschaft des Glanzstofftonzerns besteht mit der italienischen Snia Biscosa-Turin (Kapital 1000 Millionen Lire). Dieser Konzern stellt in 4 Fabriken 80 Proz der italienischen Produktion her, ist an der polnischen Kunstseidefabrik Tomaszow beteiligt und unterhält in Elberfeld eine Verkaufs-G. m. b. H. Die Snia hat unlängst serner die Majorität des drittgrößten italienischen Kunstseideproduzenten, der Seta Artificiale Varedo in Mailand erworben. Mit dieser wie auch mit der Soie de Chatillon in Mailand hat die Glanzstoff-A.-G. ihrerseits eine Vereinbarung für den deutschen Markt getroffen. In Oesterreich ist die Glanzstoff-A.-G. beteiligt an der Ersten österreichischen Glanzstoffabrik Pölten, dem einzigen dortigen Kunst- seideunternehmen. In der Tschechoslowakei beeinflußt der deutsche Konzern durch seine Beteiligung an der Böhmischen Glanz- stoff-A.-G. Lobositz etwa 70 Proz. der Landesproduktion. In Holland ist die Glanzstoff-A.-G. beteiligt an der Ersten Neder- landschen Kunstzijdesabriek in Arnheim, die als Spitzengesellschaft des Enka-Konzerns Tochtergesellschaften in Frankreich, Italien und England besitzt. Einfluß selbst in Japan. Der Glanz st offkonzern ist auch interessiert an der Schweizer Gociiti de la Viscofe in Emmenbrücke, an der japanischen Asahi Weaving-Company und an der führenden französischen Firma Comptoir des Textiles artificiels. Die Beziehungen des Glanzstosf- konzerns zum deutschen Farbentrust und damit zum interna- tionalen Dynamittrust ergeben weitere Möglichkeiten internationaler Verbindungen. Die D u p o n t Powder-Company sowie der englische Nobel-Trust, die dem Dynamittrust angehören, haben nämlich auch Einfluß auf die Kunstseideproduktion. Crstere besitzt 60 Proz des Kapitals der Dupont Rayon-Comp. in New Park 140 Mill. Dollar Kapital), und die englische Nobel-Gesellschaft beeinflußt die British Celanese-Gruppe in London(Kapital 5,4 Mill. Pfd. Sterl.), die in Amerika und in Kanada Werke besitzt. British Celanese hängt eng zusammen mit dem belgisch-amerikanischen Tubize-Konzern(Kapital 25 Mill. Franken), der in Belgien, Amerika, Frankreich, Polen und in der Tschechoslowakei produziert. Sein Sarkell— ein riesiger welkbetrieb. Man sieht, die Kombinotionen de» internationalen Kunstseide- kapital» sind kaum zu entwirren. Was an ihnen aber so bedeutsam ist, es handelt sich nicht um ein Kartell, sondern um da» Zusammenwirken wie in einem einheitliche» riesigen Welt- betrieb, für das alle finanziellen Beteiligungen und betrieblichen Interessengemeinschaften der Kitt sind. Das Zentrum ist die Interessengemeinschaft Courtaulds-Glanzstofs-Snia Viscosa. Don der Weltproduktion an Kunstseide, die für 1926 auf etwa 100 Mill. Kilo geschätzt wird, beherrscht sie gegen 60 Proz. und sie hat darüber hinaus auf weitere 10 Proz. der Produktion einen gewisien Einfluß. Es ist keine Uebertreibung, wenn man hier von einem int er- nationalen Monopol spricht: vor allem unter Berücksich- tigung der jüngst eingeleiteten Verhandlungen, welch« die vielen flnanziellen und vertraglichen Bindungen zur Beherrschung und Verteilung der Märkte verstärken fallen. Sie Sorgen üer Neichsbank. Wetter sehr angespannt. Die Woche zum 23. Mai hat der Reichsbant wieder nur eine sehr geringfügige Entlastung gebracht. Die in Wechseln, Schecks, Lombarddarlehen und Wertpapieren angelegten Reichsbankxelder gingen n u r u m 27,9 auf 1986,6 Millionen zurück. Die Bestände an Wechseln und Schecks sanken dabei um 31V aus 1873,6 Mil- lionen, während die Lombarddarlehen noch um 3,9 auf 20,1 Millionen zunahmen. Di« auf Girokonto angelegten Gelder der Kundschaft haben, was in kritischen Zeiten oft zu bemerken ist, wahr- scheinlich auch unter dem Druck der Reichsbank auf die Privatbanken, wieder eine Zunahme um 103V auf 728,6 Millionen erfahren. Im Zusammenhang mit diesen Veränderungen konnte der Geldumlauf der Reichsbank verringert werden. Der Notenumlauf ging um 159V auf 3191,9 Millionen zurück, derjenige an Rentenbankscheinen um 32 auf 932,1 Millionen. Dagegen sind die Bestände an Gold und deckungssähigen Devisen wieder erheblich gesunken: die Goldbestände um 32,7 auf 1816,5 Millionen, die an deckungsfähigen Devisen um 13,9 aus 92V Millionen. Die Reichsbank hm also nicht nur weiter Devisen abgegeben, sondern auch noch über die 10 Millionen Gold hinaus, die an die Bank von England abgegeben wurden, noch beträchtliche Goldverkäufe vorgenommen. Dies« Verluste an Dcckungsbeständen mußten die eingetretene Besierung der Notendeckung lief halten. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen zusam- men stieg trotz des erheblich gesenkten Notenumlaufs nur von 58,3 auf 59,8 Proz., die durch Gold allein von 55,2 auf 56,9 Proz. Ein Vergleich mit der Entwicklung frührer Monate zeigt, daß die Reichsbank zu Sorgen allerlei Anlaß hat. Gegenüber der gleichen Woche im Januar ist die Kapitalanlage der Reichs- dank(1986,6 gegen 1479 Millionen) um über 500 Millionen größer. Diese Zunahme im Laufe von vier Monaten entfällt fast restlos auf die Bestände an Wechseln und Schecks, die gegenüber der dritten Januarwoche von 1379,7 auf 1873,6 Millionen erhöht sind, wobei der Anteil der Jnlandswechsel zweifellos sehr viel größer ist als damals. Auf der anderen Seite haben sich die von der Kundschaft bei der Reichsbant gehaltenen flüssigen Gelder gegenüber der dritten Januarwoche um ein Drittel, von 1085 auf 728,6 Millionen, verringert. Und was noch bedeutsamer ist, die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen sind im Laufe von vier Monaten um fast 430 Millionen zurückgegangen, während der Notenumlauf am 23. Mai um rund 200 Millionen höher lag als im Januar. Auch das Tempo, in dem im Monat Mai die Entlastung ein- trat, ist Im Vergleich mit dem Januar viel langsamer und zeugt für die Hochspannung am Geldntarkt. Während dt« Kapitalanlage der Reichsbont in den ersten drei Januarwochen um 524. die Wechselb«stände um 449 Millionen zurückgingen, beläust sich die Eni. lastung im M a i gegenüber Ende April auf nur 240 bzw. 197 Mil- lionen. Di« beiden Vergleiche zeigen, daß der Alarmruf der Reichsbank nur allzu berechtigt war. Es muß aller- dings die Frage aufgeworfen werden, ob die Reichsbant nicht sehr viel frühzeitiger und sehr viel nachdrücklicher die Entwicklung hätte beeinflussen müssen, statt jetzt plötzlich mit Keulenschlägen die von ihr gefördert« Pumpkonjunktur zusammenzuhauen. Vierteljahresbilanz üer Konsumvereine. Weiterer Aufstieg.— Borfichtige Kapitalpolitit. Der Bericht des Zentraloerbandes deutscher Konsumvereine für das erst« Viertessahr 1927 läßt deutlich einen weiteren erfreulichen Aufstieg der in ihm zusammengeschlossenen Bereine und verbände erkennen. Im Vergleich mit den entsprechenden Vierteljahren der beiden Vorjahre ist der Gesamtumsatz der berichtenden Konsumgenossenschaften von 148,0 Millionen im ersten Vierteljahr 1925 auf 172,2 Millionen im Jahre 1926 und auf 206,2 Millionen tm ersten Bierteljahr 1927 gestiegen. Gegenüber dem letzten Vierteljahr des Vorjahres brachten die ersten drei Monate dieses Jahres den gewohnten Rückgang(Weihnachtsgeschäft). Dieser Rückgang beträgt für 1926/27 jedoch nur 29,0 gegenüber 30,4 Millionen 1925/26. Die Warenvermittlung der GEK. hat sich im ersten Vierteljahr 1927 auf 78,4 Millionen Mark erhöht, nachdem sie 1926 nur 62,1 und 1925 nur 44,7 Millionen Mark betragen hatte. Danach liegt in den ersten Quartalen der drei Jahre ein« Steigerung von 30.22 auf 36,05 bzw. auf 38,00 Proz. vor. Der Anteil der Eigenproduktion der GEG.-Betrieb« am Umsatz der Genossen- schaften ist gewachsen von 5,14 Proz. auf 6,15 bzw. 6V4 Proz. Die G« s ch ä f t s g u t h a b e n der Mitglieder sind von 34,1 auf 36,6 Millionen gestiegen oder je Mitglied von 10,91 auf 11,64 M. Der starke Zu ström der Spareinlagen hält an. Im ersten Vierteljahr 1927 erfolgte ein Zuwachs von 137V auf 159,9 Mil- lionen: mtt nicht weniger als 22,6 Millionen der größte Zu- wachs, der jemals in einem Vierteljahr zu ver- zeichnen war. Pro Mitglied erfolgt gegenüber dem letzten Vierteljahr 1926 eine Steigerung von 43,96 auf 50,83 M. Diese Entwicklung ist sehr erfreulich, aber nicht ganz ungefährlich. Der Zentralverband weist mit Nachdruck darauf hin, daß die Stei- gerung der Spareinlagen dazu führen könne, die Bildung eines ausreichenden eigenen genossenschaftlichen Kavital, durch Ee- schäftsguthaben und Reserven zu oernachläjslgen. Die Höhe der Spareinlagen und der gute Kassenbestand einer Genossenschaft dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, daß nur ein ausreichend großes eigenes Kapital«ine gesunde Finanzgrundlage der Genossenschaft abgeben könne. Eine zweite Gefahr liege darin, daß der hohe Stand der Spareinlagen unter Umständen zu B e- triebserweiterungen verleiten könne, die nicht aus eigenen Mitteln vorgenommen werden. Der alte Grundsatz sei hoch- zuhalten, daß keine Konsumgenossenschast ihren Geschäftsbetrieb über die eigene Kapitalkraft hinaus ausdehnen dürfe. Auf der anderen Seite sei es nicht die Aufgabe der Genossen- schastsoerwaltungen, die Spareinlagen selbständig auf de in G e l d m a r k t e unterzubringen, was zweckmäßigerweise nur durch die Bankabteilung der GEG. zu erfolgen habe. Bei dieser sei ein entsprechender Teil der Einlagen auf drei- bis sechsmonatliche Kün- digung anzulegen. Beachtlich ist auch die Weisung an die Konsum- genossenschaften, daß diese die Zinsvergütung auf 1 Proz. unter den bei der Vankabteilung der GEG. für längerfristige Einlagen er- zielten Zinsen beschränken sollen. Das könne um so mehr geschehen, als die Sparer der Konsumvereine mit dem von ihnen zurückgelegten Notfonds keine Spekulationen verknüpfen wollen. Für das Schicksal der Zigaretlenindustrie ist eine Verordnung wichtig, die das Rcichsfinanzministerium am 18. Mai erlassen hat. In der Zigarettenindustrie ist es üblich geworden, daß ein großer Teil des Konkurrenzkampfes zwischen den großen und tleinen Firmen, darüber hinaus ein erheblicher Teil der Kapitalbeschasfung aus den Banderolekrediten gespeist wird, die das Reich den Zigarettenfirmen gewährt. Bisher mußten rund eine Viertel Milliarde solcher Kredite gestundet werden. Für die weitere Stundung solcher Kredite hat das R e i ch s f i n a n z m i n i st e r i u m jetzt scharfe Bedingungen erlassen, die für die Zigaretten- industrie von einschneidender Bedeutung sind. Stundungen sollen nur mehr erfolgen, wenn die dem Handel gewährte Verdienstspanne nicht größer ist als 25 bis 27� Proz. Der Aufwand für Reklame wird nach dem Jahresumsatz in dem Sinne begrenzt, daß nur ein ganz bestimmter Prozentsatz des Umsatzes für Reklame oerwendet werden darf. Hinzu treten noch weitere Bestimmungen über Ra- batte und Zielgewährung. Wo diese Bedingungen nicht erfüllt werden, soll die Verlängerung der Steuerkredit« wegfallen. Es ist verwunderlich, daß eine derartig scharfe Maßnahme durch ein- fache Verordnung unter Umgehung des Reichstages ge- troffen werden kann. Sie trifft zweifellos die kleinen Fabriken sehr viel härter als die großen kapitalkräftigen Konzerne und fördert die Zusammenballung der gesamten Produktion in wenigen Werken außerordentlich. Im übrigen wird sich die Zweckmäßigkeit der Maßnahm« erst noch erweisen müssen, sowohl was die Verminderung der Stundungen anbelangt, als auch die Frage, ob sich nicht ganz unwillige Härten für die mittleren und kleineren Betriebe ergeben. Der Kampf der Rogaenfchuldner. Am 11. April d. I. haben sich die landwirtschaftlichen Hypothekenschuldner, die während und nach der Inflation Rogaenhypotheken aufgenommen haben und bei der Tilgung dieser Hypotheken durch die Steigerung der Roggen preise in größte Schwierigkeiten gekoinmen sind, zu einem Reichsverband der Roagen- und landwirtschaftlichen Pfandbriefschuldner zusammengeschlossen. Da das Vorgehen der Pfandbriesgläubiger, darunter insbesondere der ehemaligen Roggen- rentenbank(jetzt Landwirtschaftliche Pfandbriefbant), zunehmend nur deshalb zu Zwangsversteigerungen geführt hat, weil die Steigerung der Roggenpreise die Tilgung der Hypotheken aus dem Ertrag besonders der Klein- und Siedlungsgüter unmöglich gemacht hat, hat der Reichsverbond eine gesetzliche Regelung der Roggenschulden verlangt und bis zu deren Durchführung ein Mora- torium beantragt. Dieser Antrag hat in der Oeffentlichkeit zu schweren Meinungs- und Interessenkämpsen geführt, bei denen auch der Reichslandbund sich praktisch und nicht zuletzt aus Wssf tischen Konkurvenzgründen gegen das Interesse der Roggenschuluner betätigt. Der Reichsverband der Roggen- und landwirtschaftltchLn Pfandbriefschuldner stellt in einer Zuschrift an uns fest, daß es ihm nur darauf ankomme, die ungerechtfertigt hochgetriebenen Lasten der Roggenschuldner aus ein vernünftiges Maß herab zu- mindern, wobei begründete Rechte der Gläubiger nicht verletzt werden sollen. Diesen im Schatten der Helfferichschen Roggen- Währungspläne ensstandenen Forderungen wird die Oeffentlichkeit ihr« Unterstützung nicht versagen können, wobei es keineswegs notwendig ist, daß die ausnahmsweise Regelung der Roggenschulden den gesamten langfristigen Kapitalmarkt ge- sährden muß. Ein Derlusiabschluß ln der Texssssndustrie. Die Textilkrise des Vorjahres hat dem Konzern der Vereinigte Märkische Tuchfabriken A.-G. Berlin im Gegensatz zu der über- wiegenden Mehrheit der anderen Texsslunternehmungen geschadet. Auch die im Herbst scharf ansteigende Konjunktur reichte nicht aus, um bei Abschluß des Geschäftsjahres einen Verlust zu ver- hindern. Während das Geschäftsjahr 1924 eine Dividende von 8 Proz. und auch das Borjahr noch einen Gewinn von 25 000 Mark ließ, schließt da» Jahr 1926 bei einem Kapital von 4,6 Mill. mit einem Verlust von rund 203000 Mark ab. Di« Bilanz selbst ist nicht ungünstig. Dos Grundstücks- und Gebäudekonto hat sich durch Verkäufe um etwa ein« halbe Million Mark e r m ä ß i g t, die zur Abtragung der Schulden mitverwendet wurden. Die Schulden sind, aber in erheblich höherem Maße, nämlich von 2,53 auf 1,0 Millionen gesenkt worden, sodaß die 1V Millionen Forderungen, zu denen noch Warenvorräte im Betrage von 2,4 Millionen Mark kommen, ausreichende Deckung bieten. Bon den drei Fabriken der Gesellschaft.st das Werk Luckenwalde, das dauernde Zuschüsse erforderte, im Herbst stillgelegt worden und seine Produktion den Saganer Betrieben angegliedert worden Das laufende Jahr Ist erheblich günstiger geworden. Der Auftragsbestand gewährt für das nächste Vierteljahr volle Ausnutzung der arbeitenden Betriebe. Bei Zranz Seiffert u. Co. wieder 8 Proz. Dividende. Die Franz Seiffert u. Co. A.-G., Berlin, die alt« Apparate- und Arma» turenfabrik, war drei Jahre lang nicht in der Lage, auf ihr Kapital von 2,64 Millionen eine Dividende zu verteilen. Das Jahr 1925 hat mit einem Reingewinn von nur 6397 M. abgeschlossen. Im Jahre 1926 hat sich die Lage geändert. Der Reingewinn ist auf rund 235 000 M. gestiegen, aus dem die recht beträchlliche D.vi- dende von 8 Proz. gezahlt werden kann. Wie mitgeteilt wird, hat sich das Geschäft in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres sehr gut entwickelt und ist auch in diesem Jahre weiterhin gut geblieaen. Es liegt«in erheblicher Auftragsbestand vor. Zur Vcmstossverleuerung. Der Kamps gegen die Baustoff- teuerung, der auch von den Regierungen geführt wird, ist nach den letzten Preisoeröffentiichunoen von„Wirtschaft und Statistik" nur zu gerechtfertigt. Der Baustosfindex war von 155,3 im August 1925 auf 141,7 im Juni 1926 gefallen und hatte bereits im ver- gangenen März mit 155,1 seinen früheren Höchststand nahezu erreicht und ihn dann mit 160,2 am 11. Mai beträchtlich über- schritten. Die Preissteigerung ist am stärksten in Mauersteinen und Bauhölzern, am geringsten in Baueisen. Die Preise weichen wegen der verschieden hoben Transportkosten in den einzelnen Orten stark voneinander ab. Am höchsten ssind sie in Groß- Berlin. Neben der Indexziffer für B a u st o f f e wird ein Bau- kostenindex für eine Bierzimmerwohnunq von 110 Ouadror- meiern Nutzfläche in Berlin berechnet. Dieser Bmikosteninder ist von 176,7 im März 1625 bis auf 167,2 im Juni 1926 gefallt u. Seitdem steigt er ständig und hat im Mai»ieder 175,1 erreicht. Deutsche Winzer in Steiermark. Die bayerische S i e d l u n g s- und Landbank, München, eine vom Staat geförderte Bauern- dank, veranlaßt eine Studienreis« nach Steiermark. Beabsichtigt ist der Ankauf von Gelände, da» sich zur Besiedlung durch Winzer eignet. Nr. 249 ♦ 44. �ahrgaüg 2. Seilage öes Vorwärts Sonaabevö, 2S. Mal 1927 Der Schluß öes Parteitags. Das Agrarprogramm einstimmig angenommen.- Begeisternde Schlußrede von Otto Wels. Nachdem die Debatte über da, Referat über die Sozialistische Arbeiter-Internationale, über die wir im Abendblatt berichteten, be- endet war, erhielt das Schlußwort Crlspien: Niemand ist mit der Arbeit der Sozialistischen International« zu» frieden. Aber daran ist nur ihre mangelnde Stärke schuld. Don einer Ohnmacht der Internationale darf man freilich nicht sprechen. Wäre die Regelung der Reparationsfrage, die Räumung des Ruhrgebietes und die Räumung Kölns ohne den Einfluß der Internationale mög- lich gewesen?(Sehr wahr!) Die vollständige Abrüstung können wir nicht fordern. Wir müssen jede imperialistische Rüstung bekämpfen. Oder oerlangt Petrich etwa von unseren österreichischen Ge- Nossen, daß sie ihre Volkswehr beseitigen, damit die ungarischen Reaktionäre über sie herfallen können? Auch die russischen Genossen lehnen jede Koalition mit bürgerlichen Regie- rungen gegen Sowjetruhland ab.(Bravo I) Wir stehen gegen jede bürgerliche Regieruno, die zum kriegeri- schenk Konflikt treibt. Nicht wir, sondem Karl Marx hat schon ge- ien. Die beste llnlerstühung für die Völker und Arbeiter st der geschlossene Kampf des europäischen Proletariats gegen die Reaktion!(Lebhafter Beifall.) In der Abstimmung wird die Resolution Lreilscheld-Crispien einmütig angenommen. Damit sind die übrigen Anträge erledigt. Der Wunsch, das Problem der Verhinderung des Krieges auf die Tagesordnung des nächsten internotlonalen Kongresses zu setzen, wird dem Internationalen Bureau überwiesen. Es folgt der Bericht der Agrarkommifsion. Georg Schmidt: fi't Agrarkommifsion hat in mehrstündiger Sitzung mit dem Genossen Kretzen-Leipzig« i n st i m m i g den vorliegenden Entwurf genehmigt. Es ist nicht alles in den Entwurf aufgenommen worden, was Kretzen und seine Freunde gewünscht haben, z.B. nicht die M o n o p o l f r a g«. Aber auch unsere Wünsche sind nicht alle befriedigt, hinzugefügt ist, daß der Wald, der nicht im staatlichen Besitz ist, auch einer Staatsaufsicht zu unter- werfen ist. Das ist wichtig, weil wir auch in der F o r st w i r t- f ch a f t zu einer rationelleren Wirtschaft in den kleinen und großen Betrieben kommen müssen. Weiter ist vorgesehen, daß bei der S i e d l u n g die bisherige bäuerliche Wirtschaft in ihrem Bestand zu schützen ist. Sehr wichtig sind die Ausführungen, daß die auf enteignetem Boden beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten bei der Siedlung bevorzugt und berücksichtigt sind. Das wird der Bekämpfung der Landflucht dienen. Bemerkenswert ist eine Schrift des Landarbeiterverbandes:„Agrar- reform und Landarbeiterschutz in der Tschechoslowakei". Durch die nationalistische Einstellung bei der Siedlung ist dort ein Teil der Landarbeiter zur Flucht in die Städte veranlaßt worden. Eine geldliche Entschädigung der Landarbeiter in solchen Fällen nützt nicht viel. wir wollen, daß die Landarbeiter aus dem Lande bleiben. Weiter begrüßen wir die Einfügung: Enteignete Großbetriebe können auch in öffentliche Regie oder genossenschaft- liche Bewirtschaftung übernommen werden, wenn eine sachliche Bewirtschaftung gewährleistet ist. Fest- gelegt ist dann, daß bei der Verwertung des enieigneten Bodens und der sonstigen Siedlung nicht nur„nach �Röglichkeii" die Rechts- form der Erbpacht, des Erbbaurechts, des Rentenkotes und der Reichsheimstätten anzuwenden sind, um der Gesamtheit die Grund- renten zu sichern. Eine sehr wichtige Ergänzung ist bei den Forde- rungen für die Land- und Forstarbeiter erfolgt. Im Namen der Kommission will ich unterstreichen, daß die Land- und Forstarbeiter noch mehr als bisher die gleichen Wege in ihrem Befreiungskamps beschreiten müssen, wie die industriellen Arbeiter. Der vesreiungskampf des Landprolclarials wird um so mehr von Erfolg begleitet sein, wenn die politische wacht der Ar- beiterklasse stärker wird. Aber auch der gewerkschaftliche Kampf kann erheblich zur Verbesserung der Lage der Landarbeiter beitragen. Wenn die Osteroder Genossen in einer Resolution aussprechen, daß die im Ent- wurf für die Landarbeiter erhobenen Forderungen nicht ausreichen, so wissen wir das auch genau. Aber das Agrarprogramm beschränkt sich im wesentlichen auf Gegenwartsforderungen. Im übrigen unterscheiden sich unser« Forderungen grundsätzlich von der liberalen Einstellung, die glaubt, allein dadurch, daß man den Land- arbeitern Haus und Land gibt, sei die soziale Frage gelöst. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Land« und Forstarbeiter den Klassenkampf genau so führen müssen, wie die industriellen Ar- beiter. Wenn die Großgrundbesitzer sich einbilden, daß ihre Existenz auf der Grundlage niedriger Landarbeiter. löhne gesichert werden soll, so werden sie darin in uns schärftte Gegner finden. Das unterstreich« ich noch ganz besonders für den Deutschen Landarbeiterverband, der in erfreulicher Weise immer mit der Partei Hand in Hand gegangen ist, weil die Landarbeiter- forderungen zugleich wesentlich eine politische Frage sind. Die Landwirte müssen durch höhere Löhne und bessere Behand- lung der Landarbeiterschaft gezwungen werden, ihre Betriebe rationeller zu bewirtschaften. Können sie das nicht, dann müssen sie anderen Kräften Platz machen, die in die neue Zeit passen. Wenn dabei Siedlungsland frei wird, auf dem Landarbeiter und Kleinbauern angesiedelt werden, so be- grüßen wir das. Die Landarbeiter wollen vor allem in den W o h- nungsverhältnissen unabhängig werden, heraus- kommen aus den Werkwohnungsverhältnissen. Wir müssen den Ar- bsitern die Grundursachen ihrer schlechten Lage klar machen. Wir haben bereit- einen Stamm von Vertrauensleuten auf dem flachen Lande, die mit euch allen zusammenwirken werden bei den kom- Menden Wahlen und bei jeder Gelegenheit.(Bravo.) Vor allem müssen wir den Landarbeitern auch sagen, daß sie sich befreien müssen von der übermäßigen Arbeit, die sie selbst und ihr« Familienmitglieder leisten auf dem sogenannten Deputatplatz der sogenannten Eigenwirtschaft. Unser Ziel muß sein, Landarbeiter in Wohnungen, die nur mit Gartenland ausgestattet sind, unter- zubringen, wo sie nicht mehr abhängig sind. Für eine schematische Anwendung des Acht- st u n d e n t a g e s in der Landwirtschaft sind die Sozialdemokraten und die Gewerkschaften niemals eingetreten. Es sst eine dumme und einfältige Behauptung unserer Gegner, daß wir die eigentlichen Verhältnisse des landwirtschaftlichen Betriebes nicht be- achten, der abhängig ist vom Zklima, von den Witterungs- und Wegoerhältnifsen. Leute, die das behaupten, lügen bewußt. Landarbeitertarife gibt es erst, seitdem die Sozialdemo- kratie und der Landarbeiteroerband sich der wirtschaftlichen Be- freiung der Landarbeiter angenommen hatten.(Sehr wahr!) Unser Programm ist zweifellos unseren Gegnern sehr unbequem. Das hat der Landbund schon gefühlt.(Sehr richtig.) Unser Kampf geht in der Hauptsache um den Großbetrieb. Auch in der Landwirtschaft haben wir eine Rationalisierung zu verzeichnen. Die letzten Berufs- Ziffern weisen«inen Rückgang der Arbeiterträft e, auf Hektar gerechnet, nach, und wenn heute eine geringere Arbeiter- schaft die gleiche Fläche rationeller bewirtschaftet, so ist damit der angebliche Rückgang der Arbeitsleistung widerlegt. Alle Forsschritte in der Technik müssen dazu dienen, die Aus- beulung der menschlichen Arbeitskraft einzuschränken. Darum gilt es auch für den landwirtschaftlichen Betrieb, die Ar- beitszeit weitgehend zu verkürzen. Auch der kleine und mittlere Betrieb muß sich an fortschrittlichere Methoden im Interesse aller im Betrieb Arbeitenden gewöhnen.(Sehr gut.) Geht das nicht, dann wird der Mangel an Arbeitskräften für die bäuer- lichen Betriebe noch größer werden, als er heute schon ist. Unter streichen will ich noch unsere Forderung zugunsten der Frauen und Jugendlichen in der Landwirtschaft. Das sind Kultur. fragen, deren Durchsetzung ein gangbarer Weg für die agitatorische Betätigung auf dem Lande ist. hier können wir an herz und Mut der Landarbeiter- und Kleinbauernfamilien appellieren. Wenn sie sehen, daß wir ihnen helfen wollen, werden wir sie auch für unsere Ziele gewinnen. Für diese Arbeiten brauchen wir noch viele Mitarbeiterinnen. Die h o f g än ge rf rag e ist eine spezifisch ostelb i sch e Frage. Diese kulturunwürdigen Zustände, wo in einer Wohnung mit einem Zimmer und einer Küche 6, 7, 8 Menschen und dazu noch die fremden Arbeitskräfte wohnen, verdienen größte Beachtung.(Sehr wahr!) Die Steuerleistung der Großgrundbesitzer bringt dem Staate lange nicht das, was die Kleinbauern heute leisten.(Sehr richtig!) Viele große Güter zahlen noch nicht soviel Steuern, wie die bei ihnen beschäftigten paar Verwalter und Administratoren. Die Kommission hat den Wunsch, daß der Parteitag einstimmig das Agrarprogramm unter Verzicht aus jede Debatte annehmen möge. Dann hinaus auf das flache Land für den Sozialismus mit dem Agrarprogramm des Kieler Parteitages! Die Lorlage der Kommission wird einstimmig ange- nommen. Unter dem letzten Punkt der Tagesordnung werden die in sehr großer Zahl vorliegenden Anträge, die sich auf den Ort des nächsten Parteitages beziehen, dem Parteivorstand und-ausschuß zur Berücksichtigung bei seiner Beschlußfassung im kommenden Jahre überwiesen. Wels teilt mit, daß den Teilnehmern des Parteitages heute abend bei Beginn des Frauentages ein Film vorgeführt werden wird, der sämtliche Eindrücke vom Kieler Parteitag im Bilde vorführt und der auch von der Bildungszentrale für die Berichterstattung über den Parteitag entliehen werden kann. Damit find die Arbeitende» Parteitage» beendet. Vels dankt zunächst unter stürmischem, anhaltendem Beifall der Dele- ierten den Genossen von Kiel und vom Bezirk Schleswig-Holstein ür all das Schöne und herrliche, das sie für diesen Parteitag getan haben. Aus all diesen Veranstaltungen klang die tiefe Liebe zur Partei heraus, die innere Verbundenheit mit unserer Be- wegung. Bei dem Empfang am Bahnhof am Freitag der verflossenen Woche erlebten wir Eindrücke, die sich tief eingruben in unsere herzen und die sicher auch eine Lebenserinnerung sein werden für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die daran teilnahmen. Gestern war der Tag des Mysteriums der Himmelfahrt. Der Tag der immer- währenden Sehnsucht de» Lebens in ein Leben voll Glück und Freude, und gestern kam sie zu uns, die Jugend von Kiel. Wir alle fühlen. aus dieser Zugend wächst der Arbeiterbewegung Kraft. Sie haben alles, um ihr Ziel zu erreichen. Unvergessen wird uns allen auch der Ausflug nach Eckernförde bleiben und die freundlich« Aufnahme durch die dorttgen Parteigenossen. Auch ihnen den Dank des Parteitages und Dank auch für das große Schauspiel der Ufer- beleuchtung beim Empfang des Reichsbanners. Das war nicht das Werk eines Pyrotechnikers, da» war«ine Feuerfäul« der Lieb« und Begeisterung für die Partei. Jeder der Fackelträger war sich bewußt, nur ein Punkt zu sein in dem ganzen Bilde. Es war sich auch jeder bewußt, daß er nicht fehlen dürfe, und alle waren von dem Gefühl ihrer Unersetzbarkeit durchdrungen und nahmen nur die Strapazen auf sich. um dieses einzigartigen großen Verbundensein». Das war das Entscheidende des Heldentums der vielen Auge- nannten, die die große Partei geschassen haben und ihre Grund- tage bilden. Die zwei leuchtendsten Namen, die ich noch einmal nennen mutz, sind Molkenbuhr und Adolf Braun. Ihnen noch einmal zu danken, ist mir Herzensbedürfnis.(Bravo!) Es war ein Glück, die beiden zu kennen, ein höheres Glück, mit ihnen beiden zusammen- arbeiten zu dürfen, diesen Männern von hoher Selbstlosigkeit und blühendem Idealismus. Was Molkenbuhr für die deutsche Sozial- olitik, was Adolf Braun als Journalist und Schriftsteller für die rtei geleistet hat, wird uns unvergeßlich sein. Dafür rufe ich Ihnen im Namen des Parteitages, nein, im Namen der Massen noch einmal zu: habt Dank!(Lebhafter Beifall.) Die Kieler Woche war ein Erlebnis für die Partei, ein Erlebnis für jeden von uns. Das Lob der Schleswig-Holsteiner Partei- organisation und ihrer Jugend muß in tausend Versammlungen widerklingen, in denen Bericht vom Parteitag erstattet wird. Dieses Lob ist wohl verdient: Schleswig-Holstein kann uns als Vorbild dienen.(Beifall.) Der Parteitag hat bewegte Diskussionen gehabt. In jeder De- batte ist das starke, in der Partei pulsierende Leben zum Ausdruck gekommen, am stärksten aber gestern, dem großen Tag des Partei- tagss. Das Pfinafssest, das seine Strahlen aus den Parteitag voraus- wirft, ist das Fest der Ausgießung des Geistes, der die Jünger Christi beflügelt hat, hinauszugehen und in tausend Zungen zu predigen. Dieser Pfingstgeist lebt schon in der großen Rede des Genossen Hilferdina, in feinem gewaltigen Hymnus auf die sozialistische Weltanschauung. Niemand vermocht« sich der Wucht dieser Sprache und der Tiefe dieser Argumentation zu entziehen. Jeder war durchlebt von der leidenschqftlichen Liebe zur Sache des Proletariats, von der diese Rede Zeugnis ablegt«. Diese Rede und die Auesprache muß tausende von Arbeitern wecken und zu Klassenkämpfern erziehen.(Sehr wahr!) Wir sind stolz darauf, u. a. auch eine so einzigartige Kämpfernatur wse S e o e r i n g und eine so starke Persönlichkeit wie Otto Braun zu besitzen. Wir bekennen uns insbesondere mich zu dem gegenwärtigen Staat, weil wir ihn besitzen wollen. Wir bekennen uns zu diesem Staat, weil wir ihn gestalten wollen zu einem ga st lichen Haus für die kommende Gebe- r a t i o n. Wir haben auf dem Parteitag die kulturellen Fragen erörtert im Sinne unserer Tradition, im Geiste der Zerstörung des» Glaubens,, daß die Kraft des Kapitalismus ewig fei, der Zerstörung des Glaubens, wonach es immer Herren und Knecht« geben muß. Wir haben uns ein Agrarprogramm gegeben und damit 30jährige Debatten zu einem gewissen Abschluß gebracht. Zu einein Abschluß, der doch für uns nur ein neuer Anfang der Arbeit und des Kampfes sein muß.(Sehr gut!) Wir haben unser Waffen- arsenal ausgenutzt zu Nutz und Frommen der Landarbeiterschaft, wenn wir den Geist des Sozialismus zum ersten Male in dieser programmatischen Form näherbringen wollen. wir wollen werben um die Seele de« Landvolkes mik der un- widerstehlichen Kraft, die der inneren Logik unserer Welt- anschauung Innewohnt. Wir haben uns unser Agrarprogramm in dieser landwirtschaftlichen Provinz Schleswig-Holstein gegeben und sein Name wird zum Donk für die prächtig« Aufnahme mit dem Namen der Stadt Kiel immer verbunden sein.(Bravo!) Wir haben uns auf diesem Parteitag auch der Erziehung des Nachwuchses eingehend gewidmet. Niemand hat daran geglaubt, daß auf dem Sozialdemokratischen Parteitag ein Mensch ist, der Schulmeistere! und Zwangeerziehung für glückliche Werbemittel hält. Auch in dieser Hinsicht hat der Parteitag unsere Warum sparen Sie nicht/ wermSiefilr3Pfenni0eine Cigarettc bekommen, dieaUcnAnr spruefien eines verwöhnten Rauehers genügt? Wir bieten Ihnen: /."Einen rein orientaUfciienJakak, verbilligt durch direkten Grosseinkauf. z.EineJdkakmifchung, derenHerstelUmg von erdien Fachleuten überwacht wir(f. "5. Einen bilägen Preis, ermöglicht durdtmo. demen, rationellen Fabrikationsbetrieb. Fordern auch Sie unfere»Moslem v die meidtgeraudite deutfche 3 Pfr Ggarette => < U) ClCARETTENFABKIK Problem-Berlin Hoffnungen im reichsten Maße erfüllt. Er hat uns Belehrungen im ungeheuren Ausmaß gegeben und neue Kräfte für neue Arbeit. Wir werden, dessen sind wir überzeugt, die Einheitsfront des deutschen kämpfenden Proletariats� unter den siegenden Fahnen der deutschen Sozial- demokra'ti« erreichen.(Stürmischer Beifall.) Wir wissen, wie schwierig der Weg ist und wie hart der Kamps, aber dieses Bewußtsein stärkt nur unsere Kraft. Groß ist die Aufgabe, die leidende Menschheit aus der politischen Unterdrückung und der wirt- schaftlichen Sklaverei zu befreien. Mit dem willen zur Macht kämpfen wir für die politische De- mokralie. Mit dem willen zur Macht kämpfen wir um diesen Staat, mit dem Willen zur Macht durchdringen wir ihn mit sozialem Gehalt, mit dem willen zur Macht kämpfen wir für die Wirtschaftsdemokratie und den endgültigen Sieg.(Stürmischer Beifall.) 3n diesem Sinne rufe ich Ihnen zu: Es lebe der Kampf, es lebe der Sieg, es lebe die deutsche, es lebe die internationale völkerbefreiende Sozialdemokratie.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Die Delegierten haben sich erhoben und stimmen dreimal in den Hochruf ein. Mächtig braust der Gesang des Sozialistemnarsches durch den Saal. Dann, um 1,20 Uhr, erklärt Otto Wels den Parteitag für geschlossen. Nachtrag zur hilferüingöebatte. In dem Bericht über den Schluß der Debatte über das Referat Hilserdings, den wir gestern im Abendblatt verösfenllichten, sind zwei Diskussionsredner ausgebsieben, die wir im folgenden nach- tragen: Ulbrich-heilbronn: Die Ausführungen Hilferdings werden ein wertvolles Rüstzeug für die Parteifunktionäre fein. Die ersten Jahre der jungen deutschen Republik galten der mühsamen Erhaltung des Friedens und der Sicherung der Demokratie. Laß es gelang, verdanken wir in erster Linie der Tatkraft und Hingabe der sozialistischen Republikaner. Aber wir hätten es nicht allein geschafft, wenn wir nicht in kritischen Augenblicken sozial und republikanisch orientiert. Ver- Kündete gefunden hätten. Ich glaube nicht, daß wir in den aller- nächsten Jahren die Mehrheit erlangen werden. Wollen wir also nicht der politischen und sozialen Reaktion zum Schaden des Volkes die werlvolle Herrschaft überanlworlen, müssen wir zur Koalition bereit sein. Wir brauchen eine bewegliche Taktik, jede ein- seitige dogmatische Verbindung wäre verfehlt. Wir müssen zu den selbstgewählten Führern das Vertrauen haben, daß sie die taktischen Möglichkeiten klgg ausnugen. Schutz und Ausbau der Republik bleibt unsere wesentliche Ausgabe. Wir haben der Tatkraft des Reichsbanners und der Genossen in Preußen viel zu verdanken. Es wäre eine polizeiwidrige Dummheit, die Machtpositionen in Preußen auf dem Altar der Opposition zu opfern, wir in Württemberg sind im Iahre 1320 aus stimmungspolitischen Erwägungen heraus aus der Regierung herausgelaufen, und der Fehler hat sich bitter gerächt. Trotzdem wir in unserm Bezirk diese positive Einstellung zum Staat haben, haben wir bei der letzten Wahl mehr Stimmen'aufgebracht als vier Jahre vorher Sozialdemokraten, Un- abhängige und Kommunisten zusammen. Vertrauen zu den Führern, starker Glaube und Begeisterung werden uns vorwärts führen. (Beifall und Begeisterung.) Edel-Dresden: Einige Delegierte scheinen Sachsen gewissermaßen als Ausland zu betrachten.(Heiterkeit.) Demgegenüber stelle ich fest, daß die söchjischcn Organisationen den Kamps für die Erhaltung der Repu- blik und für die Einheit der Partei genau so führen wie jede andere Porteiorgonisation.(Sehr gut!) EMschliehungen, die Preußen- regierung zu beseitigen, sind von Sachsen aus nicht gefaßt worden. Das Format Severing hat mir allerdings besser gefallen als das Format unseres Müllers in Sachsen.(Heiterkeit.) Aber wir müssen doch das Recht behalten, offensichtliche Schwächen in der Preußen- Politik hervorzuheben. Bei den Problemen der Beteiligung an einer Regierung ist die Hauptjache der Bedingungen, unter denen eine solche Beteiligung erfolgen kann. Dazu Stellung zu nehmen, bat der Partcivorstand ein Recht. Das können wir nicht allein der Fraktion überlassen. Die Grenze der Konzessionen, die gemacht werden können, muß scharf gezogen werden. Einen parlamentari- Ichen Kretinismus müssen wir ablehnen. Das Vertrauen zur * V a r t« i ist neu gestärkt. Sorgen wir dafür, daß durch klare Herausstellung unserer sozialistischen Ziele gegenüber allen anderen Aufgaben der Partei die Sache der Arbeiterschaft unter dem Banner der Sozialdemokratie vereinigt wird.(Bravo!) Mrbetterspvrt. Slrahenlaus der Leichlalhlelen. Treptow bis zum Stadion im Friedrichsbain acht der große Straßen. lauf der Leichtathletitvereinigung am Sonntag, 2». Mai. Die Veranstaltung wird sich zu einer großen Propaganda für die Arbeitcrspvrtbewegung aus» Wirten. In der Nlasie>, 7140 Meter, gehen 15 Läufer an den Start, die sich beliebig abwechseln tiinnan. Es haben sich IS Mannschaften gemeldet. Vertreten sind Sparta, Wcdding, Fichte, Nordost, AST. Lichtenberg usw. Im Vorfahre konnte nach hartem Kampf mit Fichte-SUdost Schäneberg in 18:12,8 gewinnen. Di« B. und OKlasse vereinigt neun Mannschaften auf der gleichen Strecke mit der gleichen Läuferanzahl. Hier war es Iahn»Treptow, die im Borjahre mit ISilSL vor Spandau einliefen. Bon den B-Bereinen wird wohl Berolina mit Weißensee, Köpenick und Fichte-Nord einen harten Strauß aus» zufechtcn haben. Die Übrigen Vereine, die unter v, E und F starten, wollen mit zehn Läufern die kürzer» Strecke ab Warschauer Brücke durchlaufen. Die Jugend tritt auch in diesem Jahre wieder zahlreich an und wird die 2500 Meter mit 25 Mannschaften zu je zehn Läufern mit beliebigem Wechsel austragen. Heber 2000 Meter laufen 13 Frauenmannschaften, ebenfalls mit je zehn Läuferinncn und beliebigem Wechsel. Auch an die Kinder hat man gedacht. Schüler und Schülerinnen laufen eine 20Xl5.Meter. Stafette. Dazu find zwölf Mannschaften gemeldet. Der Start zu diescr Stafette, an der über 1000 Läufer beteiligt sind, findet um< Uhr am Rathaus in Treptow statt. Straßenrennen des ARB. �Solidarität". Am kommenden Sonntag findet auf der Streck« Staaken�Zlauen und zurück ein 30» bzw. bO-Kilometer»Straßenrennen statt, zu dem bereits ein« große Zahl von Meldungen vorliegen. Sammelstart ist im Lokal von Schmidt, Staaken, Königstr. 11. früh 0 Uhr. Gefahren wird bei jedem Wetter. Alle Rennfahrer und Wettfahrausschußmitglieder müssen pünktlich zur Stelle sein. Genossen, welche gewillt find, als Schiedsrichter, Samariter oder Ordner die Fahrer zu unterstüßen, werden ebenfalls gebeten, am Sammelstart zu erscheinen. Arbeiterradfahrerbund»Solidarität". l. Bezirk. Touren für Evnntag, 29. Mai. 1. Abt.: Rangsdorf. Start 8 und 1 Uhr Blllowstr. 55.— z. Abt.- Vötzfe«. Start 6 Uhr Lausiger Plag. — 4. Abt.: Rüdersdorf. Start 6 Uhr Weberwiese.— 5. Abt.: Ti-fense« 8 Uhr, Seefcld 12 Uhr. Start Landsberger Plag.— 8. Abt.: Hohenf'' Start 6 und 12 Uhr Echönhaufer Alle. 184.- 7. Abt.:' abends, Werbellinsee; 29. Mai, 5-——- Start Koloniestr. 14 Start Tomcniuoplag....__________,.________, se« 6 Uhr früh.— 12. Abt.! Dubrow. 8 Uhr Start Lausiger früh 8 Üb---- ,j.——--------——-— Dieffenbac......___ �tart Hrrrfurthstr. tytui,»«nr vamee. oion: i.>uoi. zzergoergpiag, 2. Abt. Bhf. Hermannftraß«.— Ortsgruppe Tharlottenburg: Früh 8 Uhr Falkenfee über«pandau. Sammelstart Tegeler Weg lSchloßbrllckei.— Ort». gruppe Stcglig: Früh 8 Uhr Teufelsse- bei Seddin. Start Rugeplag.— Ort». gruppe Treptow-Baumsch-lenweg: Liepnigsee-Schönwalder Forst. Start 8 m 1 1 T 0 tt in e rt l, f(T* S» M 4 � jrz.~~ _r. �<*ucc j.vt.— 4.«vi*; 4io. anai» 4 unc llinsee: 29. Mai, 5 Uhr früh, W-rbellinsc«: Schönwalde 1 Uhr str. 147.— 10. Abt.: Finkenkrug 8 Uhr, Slößcnfc« 12 Uhr. splag.— 11. Abt.: 28. Mai, 8 Uhr abend», Crosfinsee: Trossin. __ 1-■) arut» o 717.— /Tri__ ± Cj___ rzi____ rr\t: i r*iJr t — 2.«! Baumschulcnweg, 8-4 Bhf. Treptow.— Ortsgruppe 8 8 Uhr Nauen. Start Hindenburgdamm.— Ortsgruppe bei Bichel.- Ortsgruppe«dlershof: Drllnheid« am rlfee. Start 8 Uhr und mittags 12 Uhr Bismarckstr. 2g bei Siege— »gruppe Britz: Früh 8-4 Uhr Dabendorf. Start Thausseestraße lBrücke).— «gruppe Sckiöneberg: Früh 8 Uhr Staaken, l Uhr Pichelsberg«. Start rtin.Luthcr.Straße.— Bezirk 21, Ortsgruppe weiße-fe«: Früh 7 Uhr Start— Ortsgruppe Reinickendorf: Früh 7 Uhr Badetour Stol«n. ener See. Start Besidenzstraße,(Ecke Pankower Allee.— Ort». vrtsgruppc Sraß-Lichterfelde: Fri ----- ppe Wilmersdorf:«artel.. Werls.�«-iln�.id. am vrtsgruppc Brit Vrtsgruppc Tibi Martin.~ amMIWWWD____., Hagener See. Start'�esidenzstraßc, Scke" Pankower Allee. Ort». «e-pp«?'eal-u.Rummel-bnig: Früh 7 Uhr nach drm Müggelsee. Start Türrfchmidt., Ecke Lesfingstraßc.— Ortsgruppe Paulow! Früh 8 Uhr Hellsee. Start Jugendheim Kisstngenstraße.— Ortsgruppe Tegel: Früh 8 Uhr zu» Audaden nach Eutnmt. Start Schlieperstr. 64.— Ortsgruppe Oberfchsueweide: Mittag, U llhe Mittrnwalde, Star« Vereinslvkal. Ortsgruppe«iebc» Ichiuhausea: Früh 8 Uhr Tiefensee. Start Vornholm er Straße, Ecke Schön. hauser Allee.— Ortsgruppe Lichtenberg: Früh 7 Uhr Lehnißsee. Start Vereinslokal. wer wird Bezirksfußballmeifler? Am Sonntag sind wieder in allen Bezirken Spiele um die Bezirksmeister- schaftrn angesetzt. Im Norden und Osten fällt zu gleicher Zeit die Entscheidung. Pankow 08 und Adler 08, die beiden ausstchtsreichstcn Kandidaten für den Meisterschaft zu erringen, genügt bei Pankow 08 schon ein unentschiedenes Resultat. Trotzdem sollte Adler, dank seines besseren Sturmes, den Sieg und damit auch die Meisterschaft davontragen. Borher, um 314 Uhr, stehen sich auf demselben Platz Spandau 25 und Vorwärts-Hennigsdorf gegenüber. Di« Svandauer»ersagten bei den bisherigen Meisterschaftsspielen vollkommen. Auch gegen die Hennigsdorser dürsten sie wenig Aussicht auf Erfolg haben, zumal Dienskag. den 3l. Mai. 7'/, Uhr abends, im Lehrer- Vereinshaus. Alexanderstrahe 4t Allgemeine Zunktionär-Verfammlung Vortrag:»Die faschistische Gefahr". Referent: Genosse Modigliani-Italien. Mitgliedsbuch und Funklionärausweis für lSZS legitimieren. Der Rezirksvorstaud. Vorwärts alles daransetzen wird, seine Position zu verbessern. Auch Im Osten sollte es zur Entscheidung kommen. Hier stehen sich auf dem Sport. platz in der Knnaststraße Sparta 11 und Brandenburg 02 gegenüber. Branden. gemacht werden. Voraussetzung ist allerdings, daß die Brandenburger mit voller Mannschaft antreten. Beginn nachmittag» 5 Uhr. Borher spielen die Alt-Iugendmannschaften von Brandenburg 02 und Lichtenberg III.— Wenn auch im Südwesten keine Entscheidung zu erwarten ist, so dürften die Spiele doch zu einer Klärung in der Tabelle führen. In Teltow, August» straße, treffen sich Stern und Luckenwalde I. Wird den Marienfeldern auch hier das Glück zur Seite stehen? Allerdings verfügen die Luckenwalder nicht Straße sG-sanst-lt) spielen Frisch. Fr ei n gegen Lichtenberg � II m» 1Z Uhr und die I. Männermannschosten um 18 Uhr. Weiter« Spiele find: Männer: Groß-Berlin-Norden l I gegen Heili Kaulsdorf I gegen Fichte 20 z um Groß-Berlin-Rosenthal gegen Wittenau W>W»WM "----'*"—"" in Neukölln, latz. Am Sonntag. 29. Mai, veranstaltet die Freie Turnerichasl von Bohnsdorf auf dem Städtische» Sportplatz, Schulzcndvrfer Straße, einen Sandball-Werbe» spieltaa. Eingeleitet wird er um 14 Uhr durch ein Schülcrspicl Bohnsdorf gegen Fichte 19. Anschließend werden die Z. Männerschaften von Bohnsdorf und Ficht« 3 sich gegenüberstehen. Die Frauen treten um 18 Uhr zu einem Wcrbespiel an. Das Haupttreffen ist das um 17 Uhr der 1. Mäniiermanii» schaftcn von Bohnsdorf und Fichte 3. Athletik. Arbeiterathlete» in Schöneberg. Der Spori-Elub Liberias Hai in Schön». bcrg ein« Abteilung für Schwerathletik eröffnet. Uebungsabend jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 10 Uhr Volksschule Tempelhofer Weg, obere Turn» Halle, l Treppe. Auskunft erteilt die Geschäftsstelle: Walter Laube, Charlotten» bürg. Krumme Str. 85 II, oder der Abteilungsleiter Ferdinand Grändorf, Schöneberg, Gleditfchstr. 28. I!».I>tsu.«urse. Di« Sportliche Bereinigung Nordost beginnt mit neuen Anfängerkurscn im Ziu.Iiifu regelmäßig Montags und Donnerstags von 19.-22 Uhr Turnhalle Ehristburgcr Str. 7. Freie Turnerfchaft Wilmersdorf. Eonnabend, 28. Mai, 2014 Uhr, bei tkroihs außerordentliche Mitgliederversammlung. Sportverein Moabit. Propagandafahrt zum Straßenlauf Treptow— Fried. richshain. Treffpunkt Sonntag 121. Uhr bei Krüger, Putlitzstr. 10, und Turn. Halle Rostockcr Str. 32. Gehlportlerl Gemeinsames Training jeden Mittwoch abend Sportplatz Schönhauser Allee. Nächste Beranstaltung 19. Juni: 5000» Meter-Straßengehen„Outt durch Moabit". Sportfest de« Arbeiter-Sportkartell» Wilmersdorf. Sonntag, 29. Mai, auf dem Hubertus-Sportplatz, Grunewald, Reinerzstraße, ab 14 Uhr. Eröffnung durch Masssnfreiübungen. 30 Svortmaunfchaften spielen Fußball, Hocken. Handball, Faustball und Trommclball. Radrilgen, Geräteturnen und leicht» athletische Wettkämpfe. Speer- und Diskuswerfen, Kugelstoßen, Stabhoch- fpruna, Weitsprung, Wettläufe, Einzel- und Mannfchailskämpfe. Bor der sportlichen Beranstaltung findet eine Demonstration der Arbeitersportler durch Wilmersdorf und Halenfee statt. Abmarsch um 13 Uhr vom Kaiserplatz sTübinger Straßr)._ verschiedenes. Arbeiter-Lport» und Kultvrlartell Tharlottenburg. Montag, 80. Rai. 8 Uhr, Kartclldeleaiertensitzung im Lokal Grünstr. 9— 10. Arbriter-Spork-"» über eine derartig leichtsinnige Hintermannschaft, wie es bei Brandenburg am letzten Sonntag der Fall war. Schon aus diesem Grund« dürste ein Lieg Sterns sehr unwahrscheinlich sein. Im Neuköllner Stadion erhält Neukölln» Britz den Besuch der Brandenburger. Die Havelstädter haben am vergangenen Sonntag so glänzend versagt, daß ihnen auch jetzt keinerlei Siegesaussickicn eingeräumt werden können. Haben sie dock, in den Neuköllnern einen ungleich spielstärkercn Gegner als es Stern darstellte. Hinzu kommt noch der schnß. eitrige Sturm der Neuköllner, der der Sintermannschast das Leben sehr schwer machen wird. Beginn der Spiele im Südwesten nachmittags 5 Uhr.— Weiter« Spiele: Lichtenberg III spielt am Sonnabend 814 Uhr in der Knnaststraße, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg, gegen den Treptower Ballspiel-Tlub. Handballspiele der Woche. Sonnabend, 28. Mai. Männer: Lichtenberg 2 I gegen Echwlmmverein Borwäris I um 18 Uhr in Friebrichsfelde, Trcskowallee. Tegel I gegen Fichte 8 I um 18 Uhr in Tegel, Draf-Röbern-Korfo. Neukölln 2 II gegen Riederschön«. weide II um 1714 Uhr in Neukölln, Dammweg. In Baumschulenweg(vielen Fichte 3 I. Frauen gegen Neukölln-Bereinsmannschaft um 18 Uhr und die gleichen Iugendmannschaften um 19 Uhr.— Am Sonntag findet al» Abschluß des Straßenlaules ein Spiel Sparta I gegen Luckenwalde um 18 Uhr im Fricdrichshain statt. In Hermsdorf, Waldseeplatz, spielen die Frauen gegen Fichte 9 A um 11 Uhr. t. Jugend gegen Kupferhammer um 14 Uhr und die gleichen MLiinermannfckiofien um 15 Uhr. In Baumschulenweg spielen Ficht« 7 mW M' ichen Männermannschaften ----' Ficht- 1 »crliner vz.> V*/-.» fc«V»u-s>..1 T V.I'J I k V». I*.» JLV V" V- I V»/ U»b•- SS- s- S.». f:-» l. Jugend gegen Alt-Glienicko um 9 Uhr, die gleichen Männermannschaft« um 10 Uhr. die 2. Jugend gegen Lichtenberg 2 II um N Uhr und Fichte l. Frauen gegen Lichtenberg 2 I um 14 Uhr. In Niederschöneweide, Berlin« einmaligen Besuch der Stahlhelm«« am 7./8. Mai dem ständigen der Arbeiter- schalt vorgezogen: Lichterfeldc.Ost: Hennigs Festsäle: Lankwitz, Deutsche, Haus. Arbeiter-Sporttartell Wilmersdorf. Eonnabend, 28. Mai, 8 Uhr, Sitzung aller Teckmiler und der Festordner im Lokal Urban, Berliner Str. 48. Schafft Quartiere zum Internationale» Arbeiter-Teanisturnicrl Iu dem diesjährigen Arbeiter-Tennisturnier in der Zeit om 3. bis 10. Juli erscheine» die Tennisspieler der Arbeiter-Tennisvereinigung aus Rußland, Lettland, Oesterreich, Belgien und Frankreich. Um diese Genossen unterzubringcn, be- nötigen wir Quartiere. Alle Adressen der Ouartier« bitten wir schnellstens aufzugeben an Tarels, Neukölln, Werrastr. 37.— Arbeiter-Tennisvereiniguna. Arbeiter-Radfahrerverein»roß-Berlin. Sonntag, 29. Mai, früh 5 Uhr, EtreifzUa« durcki den Brieselang und Krämer: nachm. 1 Uhr Spandau, Stadt- park. Motorfahrer 1 Ltd. später am Start. Start Waldemarstraße, Eike Mariannenplatz. Gäste willkommen. Technischer Ausschuß de. Rudere,»nd Kannfahrrr. Sitzung Montag, 30. Mai, 20 Uhr, bei Wolter, Rungcstr. 17. Al» Helferin beim Großrelnemaih«» ist Wichsmädel-Bohnerwach« von der Hausfrau sehr geschätzt. Es trägt sich ja so leicht auf, man reicht damit so weit und freut sich dann so lange Über den dauerhaften, prächtigen Hoch. glänz! Berlangen Sie aber ausdrlliklich«ine Dose Wichsmädel und lassen St» sich nichts anderes als ebenso gut aufreden: ebenso gut ist nicht so gut! Wellerbericht der öffenlstchen Wetterdienststelle für Berlin vnd Umgegend. (Nachdr. verb.) Weiterhin lühl und veränderkich, bewölkt mit Neigung zu Schauern, irische westliche bis nordwestliche Winde.— Jör Vevsschland: Ueberau weiterhin kübl, nur im Süden und Südwesten trockenes, ziemlich heiteres Wetter, sonst verbreitete Niederschläge in Schauern. Lux Scifenrioclien für alles, was feudite BeKandlunjJ vertragt. S ehernere SeldenAtnlrnpJe aid Je zuoop... Ilirc zarten Strumpfe aus SelJe oder K-unstseidc sind mit Lux Seifendocken stet* woW�e�fle�L Staut und Ausdunstung sind der zarten Seidenfaser gcfätrlicK. Waschen Sie Seldenstrum�fe sofort nach jedem Tragen im Sctaumtad der Lux Seifenflocken; so erkalten sie Sick inFarke, Form und Glanz lange wie neu. Kunstseidene Strumpfe werden emfack Tm tauwarmen Lux Seifenflockensckaum kekutsam ausgedrückt, dann mehrmals in lauwarmen�, Wasser gespult und zum Trocknen In ein Tuch eingeschlagen. Nur in On�Inal-Pateten tu 50 und QO Pfennig crlialtlicL SEIFENFLOCKEN «SUNLICHr MANNHEIM.� Lm -Unterhaltung unö ZVissen > Settage öes vorwärts Zoll um Zoll. vle.Pommersche Tagespost' begründet die Zustimmung der veutschnationaleu zum Republitschuhgesetz mit der Aussicht auf erhöhte Zölle. bin jeöer Zoll ein Monarchist..*' ,unü für jeöen Zoll Republikaner Msthanti unö Suren. Von Else Aeldmann(Wien). Ach diese Tage der Jugend— sie wollten kein Ende nehmen. Wie lange dauert so ein einziger Tag. Man war in der Schule, zu Hause, wieder in der Schule und wieder zu Hause und da ist«s erst fünf: dann kommen alle Spiele, die es gibt, Geschichten lesen und sogar Handarbeiten. Und langes, langes Spazierengehen mit Ge> sprächen und endlich nach Hause, Schulaufgabe schreiben und wieder faulenzen und lange nachher zeigen sich erst einige Sterne am Himmel. Man ruft in das Abendrot meinen Namen. „Du, Alexander, jemand meinte, Pferde könnten so schnell laufen, weil sie keine Lungen haben. So ein Unsinn, als ob man ohne Lungen atmen könnte!" .-- Jetzt gibt es einen Krieg, weit, in einem Lande weit weg. Burenkrieg. Präsident Krüger habe ich lieber als alle anderen Menschen, die es gibt." „Du kannst nicht sagen, daß du ihn lieber hast, als Bater und Mutter." Alexander denkt nach. „Nein, das vielleicht nicht." „Dein Präsident Krüger, an den du immer denkst— und an mich nicht.. „Wozu an dich denken, du bist ohnehin immer da." Auf dem Wege treffen wir Wolf und nehmen ihn mit. Und gleich darauf treffen wir Klara. Klara hat eine neue schwarze Schulschllrze an mit einer brennroten Verzierung. „Du bist ja fein, Klara," sagte Alexander. „Meine Schwester hat eine ebensolche bekommen." „Bon allem mutz Adolf auch gleich haben." „Dummes Ding." Wolf bekommt einen Stoß, daß er an ein Haus stiegt. Alexander kriegt zwei Püffe von ihm. „Ich muß gehen," empfiehlt sich Klara,„wenn jemand mich bei einer Bubenrouferei sieht---.* „Dumme Gans, wer rauft?" wird sie von Alexander angebrüllt. Klara will meinen Arm nehmen:„Komm du mit mir und laß die Buben." „Sie bleibt hier.— Du kannst gehen.— Du weißt, wir wollen von Krüger sprechen." „Dann servus." Klara geht und dreht sich stolz, well sie die neu« Schürze an hat. „Schaut, wie sie stolz geht, die dumm« Gansk" „Ihr müßt nicht immer mein« Freundin beschimpfen." „Ist sie deine Freundin? Brauchst du eine Freundin?" „Host du nicht genug Freunde?" „Bei uns Männern ist das etwas anderes." „Du, Adolf, bist noch lange kein Mann." „In zehn, elf Iahren bin ich einer und oielleicht noch viel früher." „Vielleicht willst du sagen, daß du dann schon heiraten könntest. Ich könnte schon in acht Jahren heiraten und eigene Kinder haben." Und Alexander stimmt mir zu: „A, ja, das könnte sie." Adolf sah sein« Mutter mit einem Cinkaufskorb daherkommen und lief zu ihr. Alexander ärgert sich: „Wolf ist ein Tolpatsch, er versteht nichts von Krüger. Du aber willst außer von deinen Aschantis von niemand etwas wisien." „Wenn du nächstens mitkommst zu den Aschantis, will ich mit dir, solange ich lebe, von Krüger sprechen. Wir könnten schon am Sonntag vormittag zu ihnen gehen, und nachmittag, statt auf die Praterwiese, wieder." „Den ganzen Tag willst du bei ihnen bleiben? Das tu ich nicht." „Wenn du willst, kannst du dir einstweilen im Tiergarten die Tiere ansehen." „Die Tiere habe ich schon hundertmal gesehen. Während du bei den kleinen Aschantis warst, die gebadet worden sind, habe ich vor dem Käsig des Pumas, der Wildkatze und des Jaguars ge« standen: ich habe schon genug von ihnen." „Magst du die Aschanti nicht?" „Nein: sie schmieren sich mit einem stinkenden Schmalz ein und riechen so schlecht." „O, nein. Ein kleines Aschantimädchen heißt La-ll-to und ihr Bruder Lü-tü-li." „Woher weißt du es?" „Sie haben es mir gesagt." „Bist du so gut mit ihnen bekannt?" „Ja, und ich lerne mit ihnen deutsch. Sie können schon etwas, als ich ihnen letztesmal Pflaumenkuchen gebracht habe, hat Lü-tü-li die Pflaumen aus dem Kuchen genommen und weggeworfen und das andere gegesien und zur Aschantifrau im Zelt gesagt: Mama fein!" „War es seine Mutter?" „Ja." „Und er hat das von dir gelernt: Mama fein?" „Ja, von mir. Al»er sie haben ihre eigene Schule, wo sie Rechnen und Schreiben und Aschantisprache lernen. Der Lehrer ist achtzehn Jahre alt und heißt Gl»-pu, und ist vom zweiten Häuptling der Sohn." „Der zweite Häuptling ist nicht viel, und der erste."• „Meinst du, daß der erste Häuptling der Oberste vom ganzen Aschantidorf ist und der zweite nichts zu befehlen hat?" „Und wenn er selbst zu befehlen hat, so sind es nicht so viele. Was glaubst du, wie viele Buren es gibt und wie vielen Krüger zu befehlen hat?" „Das macht nichts. Lü-tü-li und La-li-to können wunderbar tanzen und sie haben außer einem kleinen Schürzchen nichts an. Und La-li-to hat einen kleinen Pfeil in ihrem Haar und sie schlagen auf eine Trommel und schreien li lo la— Ii lo la—.* „Was heißt das?" „Nichts. Sie freuen sich." „Weiht du schon alles von ihnen?" „Ja, aber neben ihrem Bambuszelt ist ein anderes Zelt und wie die Kindstaufe beim ersten Häuptling war und alle lustig ge- schrien und Musik gemacht haben, hat im Zelt ein« kleine Ajchanli- srau ganz verlosten auf der Erde gesessen— alle sind zum Fest ausgezogen und haben sie allein gelösten— man hat mir gesagt. daß p« krank war,— Und ich habe keine Angst gehabt und bin zu ihr in die Hütte gekommen und habe sie angeschaut und ihr« schwarze Hand gestreichelt--.* „Du hast keine Angst gehabt, sie hätte dich aufspießen können?" „O, nein, sie hat mich auch angeschaut und meine Hand mit ihrer schwarzen Hand gestreichelt:»nd war nicht mehr traurig und ich war auch kein bißchen traurig und habe kein bißchen Angst gehabt." „Und ich sage dir, gehe nicht mehr allein zu ihnen, sie könnten dich rauben und im Herbst, wenn sie wieder zurück nach Aschanti. darf in Afrika gehen, mitschleppen. Vergiß nicht, sie sind Wilde. Etwas anderes sind die Buren, mit Krüger an der Spitze." Es war finster geworden, als wir in unsere Gaste kamen. Mutter stand vor dem Haustor, hielt Umschau nach uns: „Da kommt ihr endlich. Acht Uhr vorbei. Man kann sich zu Tode ängstigen um euch. Und wie ihr ausschaut— dir hängen die Strümpfe hinunter und die Haare in die Augen und Alexander hat noch von Mittag sein schmutziges Gesicht. Wie im Traum kommt ihr alle zwei daher: was ist's? was hat es wieder gegeben?" „Aber nichts, sie deicht nur immer an ihre Aschantis." »Und er denkt nur mimer an feinen Krüger und an die Buren." Wer lebt länger— Mann oöer Jran? Von Stadtarzt Dr. Alfred Korach. Es heißt so schön, die Männer seien das stärkere, die Frauen das schwächere Geschlecht. In mancherlei Hinsicht muß man diese Meinung revidieren, jedenfalls bezüglich der Aussichten für die voraussichtliche Lebensdauer, kurz auch.Lebenserwartung" genannt. Es ist eine— manchem allerdings nicht bekannte— Tatsache, daß erheblich mehr Neugeborene männlichen Geschlechts als Kinder weiblichen Geschlechts das Licht der Welt erblicken. Auf 100 Mädchen kommen etwa 107 Knaben. Allgemein bekannt ist es dagegen, daß in fast allen Ländern beträchtliche„Frauenüberschüsse" in der B«- völkerung schon in früheren Zeiten bestanden und auch heute vor- handen sind. Abgesehen von einigen Staaten, in denen die Kindes- aussetzung und andere gewaltsame Maßnahmen der Kindesbeseitigung — die hauptsächlich das weibliche Geschlecht betrafen— eine wichtige Rolle spielten: ein Beispiel hierfür war einst Sparta, heute kann man noch in Afrika solche Gebräuche und ihre Folgen beobachten. In den am Weltkriege beteiligt gewesenen europäischen Staaten ist der Frauenüberschuß außerordentlich groß. Die Verhältniszahl 4: 5, die für die mittleren Jahrgänge in vielen Ländern Europas gilt, läßt aufhorchen! Es ist aber ein Trugschluß, zu glauben, daß etwa dem männermordenden Krieg an diesem großen Frauenüber- schuß allein die„Schuld" zuzuschreiben sei. Nein, auch ohne Weltkrieg würde es bei uns erheblich mehr Frauen als Männer geben. Warum? Es besteht eben eine„Ueber- sterblichkeit" der Männer, die sich, wie Prof. Dr. Silbergleit in der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege betonte, stati- stisch genau nachweisen läßt. Die Differenzierung der beiden Geschlechter bezüglich ihrer Sterblichkeit setzt sogar schon ein, bevor das Kind den Mutterleib verlassen hat. Die Wahrscheinlichkeit dafür, daß ein männliches Kind tot zur Welt kommt, ist nämlich um 16,7 Proz., also um ein Sechstel größer als bei den weiblichen Geburten! Ob dies etwa damit zu- sammenhängt, daß die männliche Frucht an Größe die gleichaltrige weibliche Frucht übertrifst, wird sehr schwer zu entscheiden sein. Vielleicht werden die Gesetze der Biologie hierauf einmal ein« Ant- wort geben können. Ueber dos„Absterben" der Generationen von einem„Alters- jähr" zum anderen geben die sogenannten Sterbetafeln ein« sichere Auskunft. Die Uebersterblichkeit des männlichen Geschlechts beträgt im ersten Lebensjahre 18,6 Proz. und im zweiten Lebensjahre 4,2 Proz. Sie sinkt dann weiter und verwandelt sich für das Alter von 10 bis 15 Jahren sogar in eine Untersterblichkeit des männlichen Geschlechts in Höhe von 7,1 Proz. Dann find wieder die Chancen des weiblichen Geschlechts bester, ober für das Alter zwischen 25 und 35 Jahren besteht wiederum eine Untersterblichkcit der Männer von etwa 7 Proz. Vom 40. Lebensjahre an bis zum Greisenalter hinauf stellt sich dann aber eine erhebliche Uebersterblichkeit des männlichen Ge- schlcchts ein. und zwar tritt diese im fünften, sechsten und siebenten Lebensjahrzehnt mit nicht weniger als 32,9 Proz., 37,7 Proz. und 18,5 Proz. hervor. Diese Erscheinung ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die Männerwelt durch Tuberkulose, Lungen- entzündung, verschiedene Erkrankungen der Atmungsorgan« und des Verdauungsopparots. der Kreislauforganc und der Harnwege, aber auch durch Alkoholismus und Unfälle stärker betroffen ist. Namentlich auch viele(''den. die als Beqiss- und Gewerbekrankheiten aufzufassen sind, tpielen in diesem Zusammenhang ein« wichtig« Rolle. Selbstmorde finden sich ebenfalls häufiger beim männlichen Geschlecht. Von besonderem Jnrereste und nicht ohne eine gewisse Pikan- terie sind die Feststellungen, zu denen Prof. Silbergleit gelangte, als er das verschiedenartige Verhalten der beiden Geschlechter gegen» über der Sterblichkeit in ihrer Gliederung nach dem Familienstande untersuchte. Hierbei wurden ganz außerordentlich weitgehende, geradezu überraschende Unterschiede aufgedeckt. Bei den Verheirateten stehen nämlich beide Geschlechter im vierten bis siebenten Zllters- jahrzehnt wesentlich besser da, als dies für die Ledigen, die Vcr- witweten und die Geschiedenen zutrifft! Besonders stark tritt dieser Vorzug bei den Männern hervor, bei denen der Unterschied zwischen der Lebenserwartung der Ehemänner und derjenigen der Jung- gesellen bis zu sechs Jahren beträgt. Ob die Männerwelt daraus allenthalben die entsprechenden Schlußfolgerungen ziehen wird?... Die geistlichen Hosenträger. Von H. O. H e n e l. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts herrschten in Boyern die katholischen Orden unbeschränkt. Die Jesuiten hatten den Hof und damit Politik und Regierung in ihrer Hand, und Kapuziner.'* Franziskaner und andere Mönch« bearbeiteten das niedere Volk. Der Aberglaube des finstersten Mittelalters war nicht etwa wie- anderwärts zum guten Teil schon verdrängt, sondern hielt dank der pfäfsischen Praktiken das Volk fester denn je umarmt. Das vom Kurfürsten Max Joseph 1746 erlassene Verbot„Gegen Aberglauben, Zauberei und Teufelskunst" nützte nichts, sondern gab den Pfaffen nur Gelegenheit, das Volk gegen den Fürsten aufzuhetzen. Dos Weissagen aus Sternen, Kristallen und Sieben blieb ein vielgeübter Brauch. An Kreuzwegen und unter Galgen versuchte man nächtlich Geister zu zitieren. Farrensamen, Alraunwurzeln und zu Puloer gebranntes Totengebein wurden als Zaubermittel benutzt. Gerissene Leute fanden Dumme für Schatzgräberei, bannten Gewitter, Ratten und Mäuse, oder trieben einen lohnendeen Handel mit wundertätigen Häuten, in denen angeblich Kinder zur Welt gekommen waren. Be- sonders begehrt war der Wundsegen, der hieb- und kugelfest machen sollte und von den Soldaten, besonders aber auch von den Wild- schützen des Gebirges viel in Anspruch genommen wurde. Eltern verweigerten die ärztliche Hilfe am Krankenbett ihrer Kinder, wenn das Segnen durch Priestert�ind nicht anschlug. Die zahlreichen Klöster erwarben sich Reichtümer über Reichtümer durch ihre ge- weihten Kräuter, Lukaszettel und Brustsäckchen. die gegen Teufel und Hexen Wunder tun sollten. Das Benediktinerkloster Scheyern allein verkaufte durchschnittlich jährlich 40 000 Stück, in Zwillich eingenäht an die Armen und in Seide an die Zahlungsfähigen. Besonderen Zulauf hatten die Kapuziner als Vermittler von Stellen, Stifter von Ehen und Erhalter des Hexenmärchsns. Sie hatten z. B. als bestes Mittel gegen Hexerei in der Ehe den Unsinn aufgebracht, daß der Bräutigam durch den Brautring urinierte und die Braut in des Bräutigams Schuhe das tat, wozu man sonst ein verschwiegenes Häuschen aufsucht. Nach dieser unappetitlichen Geschichte, so hatten die Mönche dem dummgläubigen Volke eingeredet, würde die Ehe im ungetrübten Glücke verlaufen. Nichts war so absurd, daß es nicht Gläubige gefunden hätte. Noch 1725 versprach ein Stadtrat dem- jenigen, der einen Kobold oder«ine Nixe lebendig einliefere, 5 Gulden Fanggeld. Am Himmelfahrtsfeste wurde die geistliche 5)ilfe Haupt- sächlich gegen den Hagelschlag aufgerufen. Da stürzte man vom Kirchcngewölbe eine brennende Lumpenpuppe herab, und das Volk balgte sich um die Fetzen, denn es glaubte fest daran, daß diese, in den Feldern vergraben, Hageln und Schlüssen abwenden würden. Diese Orgie eines blödsinnigen Aberglaubens, die man leicht um Hunderte von Beispielen vermehren könnte, war nicht zu verwundern. An den Schulen und Universitäten durfte kein Buch gelesen werden, das nicht die Zensur der Jesuiten passiert hatte, und nichtakademischem Volk« war jedes Hineinsehen in ein wissenschaftliches Buch bei allen möglichen Kirchenstrafen verboten. Von 1700 bis 1750 waren die einzigen Bücher, die Bauern und Handwerkern erlaubt und dank der Nachhilfe der Pfaffen ausschließlich bei ihnen anzutreffen waren. ganze drei Stück. Die„Teufclspeitsche" gab allerlei Hausmittel an, mit denen böse Geister bis zum Eintreffen eines Priesters in Schach zu halten waren, ein anderes,„Christliche Handpistelen", sollt« gegen Anfechtungen des Leibes und der Seele schützen, und„Die geisllichen, Leib und Seele zusammenhaltenden Hosenträger" waren die Strippe, an der der Ortspfaffe jeden Haushall lenkte. (Mit Erlaubnis des«-rlaqe»„Ter Fr-idrnk-r", Berlin EW. 2!>, beut Buche„Thron und Altar ohne Schminke' uon Hans Ott» Hcncl entnommen.) Amerikanische Reklame. Es gibt in Amerika 99 Firmen, die je für Zeitungs- und andere Reklame mehr als eine halbe Million Dollar(2 100 000 M.) jährlich ausgeben. Henry Ford steht dabei obenan. Seine Reklamerechnung beträgt jährlich 3 Millionen Dollar. Die 99 Firmen zusammen geben jährlich 56 Millionen Dollar aus für Zeilungsrcklam« und 46 bei Monats- oder Wochenzeitschriften, sogenannten„Magasins" Bei letzteren sind allein die Reklamerech- nungen für die 33 größeren Magasins aufgenommen. Diese erhalten also jede durchschnittlich ungefähr'1 400 000 Dollar jährlich von den 99 größten Firmen.___:...........___.... So?ikallstistbe flrbekterkugenö Groß-Serlkn. Wsiidcrlektcrlouserevz Mittwochs 1. Juni, pünktlich 19H Uhr. hx der Schule Äochstr. 13. Heute,. Sonnabend, 2S. Mai, 19� Uhr: Kottbusser Tor: Heim Rcichcnberger Str. KS. Heimabend.— Wilmeredorf: Keim Wilhelmsaue.„Laffalle. Werbebczirk Prenzlauer Berg! Heim Danztger Etr. S2. JS% Uhr. Bar- sthendenkonferenz. Um 20 Uhr findet die Aussprache über den Vortrag ..Staat und Gesellschaft" statt. Die Delegierten und Interessierte sind herzlich eingeladen. Wcrbebezirk RcuILlln: Heim Kanner Straße. Wochenendrortragsadend: »Die Wirtschaft vor und nach dem Kriege." Wcrbcbczirk Lichtenberg: Heim Lichtenberg. Echarnwebersir. 29. Werbe- bczirksvorstantssitzung. Morgen. Sonntag, 29. Ma:: FaNplaß: Besuch der Wochcnendausstellung. Treffpunkt 13 Ilhr Bhf. SchSn- Häuser Allee.— Rosenthalcr Vorstadt: Besichtigung des Westhafens. Treff. Punkt>43 Uhr Rofenthaler Plast(lllornialuhr).— Westen I: Fahrt. Treffpunkt Schmökerspiel:«Am Martcrpfahl der Sioui." Sport. Große Amatyirrennen ans der Rütt-Areaa. Fa he« am Ganntag bem 2g. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf der R ü t t- A r e n a stattstnden- den großen Amateurrennen ist jetzt die Meideliste für daS Zwei« Stunden-MannfchastSrennen abgeschloffen. Daß die Be- sctzung dieses Rennens eine ganz erstklassige ist, beweisen die Namen wie Einsiedel— Rudi Mayer(Dresdens, Voeltz— CarpuS(Stettin), W e tt e— Kü h l(Berlin), H e y n e— B- t n e r t(Berlins. Stesses— Engel(Köln) usw. Es steht also ein hochinteressantes Rennen bevor, die Eintrittspreise find niedrig gehalten. Zu dem Vorgabeiahren sind 32 Meldungen eingelaufen, so daß auch hier, da das Rennen. über 10 Runden führt, ein spannender Endkampf zu erwarten ist. va» TS-tMtnneker-Twzeksahreo auf der Rüst-Nreva am heukigea Sonn. abendabeud! Nachdem die Beranstaliung auf der R ü t t- A r e n a am vorigen Sonntag völlig verregnete und auch am Dienstag dem Unwetter zum Opser fiel, konnten am Himmelsahrlstage nur einige Vorwettbewerbe stattfinden, da ein Woiienbruch abermals den Abbruch der Rennen er< zwang. Die Veranstaltung kommt nun am heutigen Sonnabendabend um 7.30 Uhr zum Austrag. vortrage, Vereilte unö Versammlungeyn Reichsbanner �Schwars-Rok-Gold". GeschZft, stelle: Berlin S 14. Sebaftianftr. 3TZS. Hof 2 Tr. KöpeaiS(Kreis): Achtung, Branduiburg. Fahrer! Abf. Sonnabend 18.13 Uhr. Für Nachzi�ler 19.23 Uhr Potsd. Bhf. Treffpunkt �4 Etd. vor Abfahrt an der Sperre.— Weißenlee sKreis): So., d. 29., 20 Uhr, Funktionärkonferenz, Grüner Wald, Berliner Allee 204. G IlBfltlälBr WZ!!i!l!M'W!W!l Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Figarett-Maschinist 'VViüx tlaraer am 2t. Mai gestorben ist Ehre seinem Andenke«! Ginäscherunq ündei am Sonnabend, dem 2«. Mai. 19 Uhr, im Krematorium Baumschnlenweg Natt. Rege Leteiiigung erwartet Die Octsoermottang. Plötzlich und unerwariet verschied am 27. Mai unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Freunb .Ä.Iifl'ea Korth Die trauernden Hinterbliebenen Familie Hermann Korth Friedrich Metzger als Freund. Die GinSschernng findet am Mau» tag, dem 30 Mai. 19 Ilhr, im Kremaiorium Wilmersdorf stait ßWZWWVN LWSe öer Alssarbeiker! Sonnabend, den 2S. Mal, abend» 07, Ahr, in der Snlkurobteiluna rinienstr. Igt (gegenüber dem Lerdandshaufe): Kinovorftellung. Programm:»Iwan der Schreck, liche".— Erforschungen der M-ereslhefe Iulr>ttsberechtigt sind Mitglieder des DeulfchK: Meiallarbeiterverbandes, sowie in einer anderen freien Gewertschait organisterte H> iisordeiier d, Melallindustr!« und ihre erwachsenen Angehörigen. Karlen ara Abend der Vorstellung noch erhSIiiich._ ¥oB&sbühnel fiiGaler ta Biüovplsti Id. an Sdiif!baiicnlania 8 Uhr:— Ein loZMUlMtlZW. Morgen 8 Uhr: Ein ScicmeriiaditstraDsi. Staunenerrcgendi Fllnfzehnl Federb Gardinenlager! M' 8 Uhu �Ltl öer iVouöerdsre Wsiinsr-'rkvstsi' S'/tz E'k,': Der Lustspielerfolg; Ml der Sonnenseite r— ERIK CHAREU, BRINGT:— Montag, den 30. Mal, abend» 6V2 Ahr. in der Sntturabtellung, Liaienstr. 1S7 (gegenüber dem Berdandshaufe): Brauch enversamnllung der Elellromonteure und Helfer. Tagesordnung: I. Filmvortrag mu Fachsiim. 2. BranchenangelegenheUen 3 Verschiedenes. Ohne Milglicdsbuch kein Zutritt. Gäste dürfen eingeführt werden. gahireiche Beteiligung wird erwartet. Die Lrtsvernzaltung. 8tsst5-7KeTte? Opernhnn» «. platz d.Kepubl. V/t'- Der Freischütz Schauspielbau* 8 Uhr: Florian Geyer Schiller-Tfaeater 8 Uhr; Musik. StiltlA Spei Charlottenburg 8 Uhr: Tosca Abonn.-Tumus III ßsoisdiesllieater Norden 10334—37 Somxerpltliiit Emil Und 8 U. finde'/, II U. Der Heuer Kammerspiele Norden 10334—37 8 U. finde gegen 10 U. Zum I. Male: PapiermiihSe Kose-7heater 8'/. Uhr: Dar Vetter aus Dingsda Die Komödie Sismarcu 2414, 73 is 8>/,U, Ende 10 Uhr Der Snob Nachtvorstellung Tägl.li Endel U. üevus: Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Tbcat. a.Hoilen(iorfpl. Kurfürst 2091 8 U., Ende gegen 1 1 Ohr Drei arme kleine Rädels Op�rttie von Walter Kollo WM Nollendorl 7360 8 Uhr Charlie jRivcITrio und weitere Viu-leie- Sensalionen! Sonnabend: a. Sonntags 2 Vorstellungen 3" und 8 Uhr, 3 30 zu ermiBigt. Preisen d.ganze Programm Alfred Brasn, Lnele Haanhelm i. IL Bendow, Westermeier, Kupfer u. a. Grofiet Scfaaaspielhatu Komische Operl 8'/, Uhr: 8'/, Uhr: I I die neue große James-Klein-Revuei Slrean verftofegfül Die Rnno dz: vertnionon leidwsitäftaii I Ueber 200 Milwirk. x 8 Balletts. E Vor, erkauf o. d. Ttootorkatso ab 1 0 Ubr onuniorbr. f Ra Ichshailen-Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger (Meysel, Britton, Steidl usw.) . 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