ZK. SSI ♦ 4».�ah?g. Ausgabe A Nr. 12S Bezugspreis: ZSSchentlich 70 Pfennig, monatlich V,— Reichsmarl voraus zahlbar. Anter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memetgeviet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg S.SU Reichsmarl, für das übrige Ausland SL0 Reichsmarl pro Monat. Der.Vorwärts� mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Poll und Zeit" sowie den BeUagcn„Unterhaltung und Wissen",„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme",„Der Kinder. freund",„Iugend-Vorwärts",„Blick in die BUcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- Mal, Sonntags und Montags einmal. * Telegramm-Adresse: j �llozialdemokro» Berflir" Sonntagsansgabe Derliner Volksvlakt pksnnig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille» geile 80 Pfennig. Rctlamezeile d.— Reichsmart.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 22 Pfennig tzulässig zwei fettgedruckte Wort«), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuchs das erste Woot l.2 Pfennig, jedes weitere Wo» 10 Pfennig Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei War?«. Arbeitsmartt Zeile 00 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnentsa Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden» straste S, abgegeben werden. Geöffnet von 8'h Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdcmohratsfchcn parte» Deutfchlands Neüaktion und Verlag: S erlin EW. öS, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Sonntag, den 29. Mai 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin Siv. öS, Ändenstr.3 PostlcheSloat»! Berlin n SU— Bankkonto! Baal der Arbeit«». Augeftelte» und Beamten. Wallftr.«5: Biolouto-Sefellschnft, Depoftteniast« Liudeaftr. 3. Rechtskurs unö /lußenpolitik. Besorgte Kommentare des„Temps".- Der Geist von Loearno muh erhalten bleiben. Paris, 28. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der„Temps" stellt am Tomiabendabend fest, daß die europäische Stituation wieder einmal zu ernsten Besorgnissen Anlaß gibt. Der Bruchzwischen EnglandundMoskou. die Rede Mussolinis und die von der deutschen Rechtspresse als eine direkt gegen Deutschland gerichtete Drohung hingestellte Konsolidierung der englisch-französtschen Entente hätten ein« Ver» st i m m u n g geschossen, deren Weiterentwicklung nicht ohne Be- sorgnis zu betrachten sei. Als wichtigstes Gebot der Stunde könne nur das gelten, den Eindruck zu zerstören, als ob in der Politik von Locarno ein Stillstand eingetreten sei, als ob das Wirten der Mächte zu vertrauensvoller Zusammenarbeit heute geringer sei als vor Wochen noch. Schuld daran seien in erster Linie aber die lärmenden Kundgebungen der deutschnaklonaleu Politiker und Blätter. \ die mit ihren Forderungen des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland, der Rückeroberung Südtirols und der Schaffung eines Grohdeutschland von Riga bis Trieft die internatio- nale Atmosphäre vergifteten und Stresemanns Friedenspolitik zum eigenen Schaden Deutschlands zu paralysieren drohten. Diese Kund- gedungen sowie die wisientlich falsche Behauptung, daß die englisch- stanzösische Annäherung gegen Deutschland gerichtet sei. seien es, die das Vertrauen in die Loyalität der deutschen Friedenspolitik er- schüttern und die Beziehungen zwischen Paris und Berlin trübten. Glücklicherweise aber seien alle diese tendenziösen Entstellungen durch B a l d w i n selbst bereits r i ch t i g g e st» I l t worden, der ausdrücklich festgestellt habe, daß die englisch-sranzösische Entente ousschließ- lich dem Frieden diene und nur die Erhaltung des Geistes von Locarno zum Ziel habe. Die Fortführung der Locarno- Politik hänge lediglich vom deutschen Dolke selbst ab. Die gegen» wärtigen deulschnalionalen Minister im Schöße des Reichskabinetts und ihre mehrfachen Kundgebungen seien allerdings nicht dazu an» getan, das vertrauen zu Deutschland zu stärken und Stresemanns Aufgabe zu erleichter«. Die Spannung, die neuerdings in den inter- nationalen Beziehungen eingetreten ist, werde um so eher verschwin- den können, als bis dos deutsche Volk in seiner Gesamtheit sich aus- raffe, sich dem Einfluß der Haß- und Revanche st immung zu entziehen, die in den Aeuherungen seiner rechtsstehenden Politiker und Presse unverhüllt zum Ausdruck kämen. * Diese Aeußerungen des„Temps" sind schon deshalb be- achtenswert, weil sie offenbar die Auffassung des französi- fchen Auswärtigen Amtes widerspiegeln. Einzelne Punkte können nicht unwidersprochen bleiben. Wir sind die letzten, die den schädlichen Einfluß der deutschnationalen Regie- rungsbeteiligung auf die außenpolitische Lage verneinen werden. Selbst wenn sich die Deutschnationalen noch so still verhalten hätten, selbst wenn es weder eine Beuthener Hergt- Rede, noch einen chugenbergschen Rummel aus Anlaß des Stahlhelmtaqes gegeben hätte, selbst wenn die deutsch- nationalen Minister und Abgeordneten den Eindruck absolu- ter- Ehrlichkeit erwecken würden, anstatt täglich den gegen- t e i l i g e n Eindruck zu erzeugen— auch dann würde die Tatsache ihrer Beteiligung an der Reichsregierung ge- nügen. um den Gegnern der Verständigung in Frankreich und England den gewünschten V o r w a n d gegen die Fort- setzung der Locarnopolitik zu liefern. Gerade aus dieser Er- kenntnis heraus haben wir von Anfang an die Bildung des Bürgerblocks für außenpolitisch verhängnisvoll er- klärt und die deutschnationalen Politiker und Blätter haben durch ihre Doppelzüngigkeit auf allen Gebieten der Politik entschieden dazu beigetragen, daß sich unsere Befürchtungen immer mehr als berechtigt erweisen. Um so offener können w i r aber dem„Temps" ant- Worten, daß der konkrete Beweis bisher nicht erbracht wurde, daß sich die Lage bedeutend bessern würde, wenn die Deutsch- nationalen aus der Reichsregierung verschwänden. Wenn morgen in Deutschland eine Linksregierung ans Ruder käme, so würde damit noch keineswegs der Flügel P o i n c a r ö- Marin aus der französischen Regierung verschwinden, der doch schließlich auch dazu beigetragen hat, die Politik von Locarno und Thoiry zum Stillstand zu bringen. Indem wir den schädlichen Einfluß der deutschen Nationalisten feststellen, stellen wir uns keineswegs blind gegenüber der Tatsache, daß auch in Frankreich der Nationale Block be- denklichen Einfluß zurückgewonnen hat. Und wenn morgen die Reichsregierung nur aus überzeugten Locarnisten be- stände— kann uns der„Temps" die Versicherung geben, daß dann die„Gesamtlösung" von Thoiry ohne starke Wider- stände auf französischer Seite in Fluß käme? Es ist sehr er- sreulich, daß sich der„Temps" mit solcher Entschiedenheit für die„Erhaltung des Geistes von Locarno" ausspricht, aber der wahre Geist von Locarno schließt die Bereitwilligkeit in sich, über die Räumung der Rheinlande und die Frei- gäbe des Saargebietes loyal zu verhandeln. Davon ist leider die französische Regierung— unter dem bequemen Vor- wand deutschnationaler Regierungsbeteiligung— viel weiter entfernt als im vergangenen Herbst. Was die Bewertung der beim Besuch Domnergues in London zutage getretenen Wiederbefestigung der englisch-französischen Entente betrifft, so sind es nicht nur die Deutsch- nationalen, die darin eine qegen Deutschland gerichtete Ten- denz erblickten. Auch die französischen Nationalisten, insbesondere das„Echo de Paris", haben aus Anlaß der Londoner Festlichkeiten den Wunsch ausgesprochen, daß Frankreich mit der Politik von Locarno Schluß mache und wieder die alte Bündnispolitik mit England aufnehme. Das sind Tatsachen, an denen auch die Sozialdemokraten nicht vorbeigehen können, doch wollen wir mit Genugtuung registrieren, daß selbst der„Temps" unter Berufung auf Baldwin diesen Gedanken zurückweist. Schließlich sei noch bemerkt, daß der„Temps" unrecht hat, wenn er die gesunde, demokratische Idee des An- s ch l u s s« s Oesterreichs an Deutschland in einen Topf wirft mit den dummen Redensarten alldeutscher Schreihälse über eine Rückeroberung Südtirols oder mit einer angeblich kuD wie er, um sich in neue kriegslüsterne Prophezeiungen zu ergehen, so sollte dies für aufrichtige Freunde des Friedens nur ein Grund mehr sein, die ins Stocken geratene deutsch- französische Verständigung energischer denn je zu betreiben. Ein Manifest öer Kuomintang. Gegen Kommunisten und Reaktionäre. Die„Ehinesischo Nachrichtenagentur" veröffentlicht ein sehr langes Manifest der Kuomintang-Regierung in Nanking, in dem vor allem historisch dargelegt wird, worum die Nationalregie. rung unter Führung von Tschiangkaischek nach der Einnahme von Schanghai rücksichtslos Stellung gegen die Kommuni st en genommen hat. Das Manifest bekennt sich zu dem Programm de- verstorbenen Gründers der Kuomintang Sunyatsen und stellt folgend« Forderungen auf: 1. Die Bildung einer Parteiarme«, die noch inniger mit dem Volk« verbunden ist, 2. die Bildung einer Regierung der allgemeinen Volks- Wohlfahrt. 3. tatkräftig« Unterstützung der entwicklungsbedürftigen chinesi- fchen Industrie, Wahrung der Interessen der Bauern und Arbei- ter und Hilf« bei der Entwicklung ihrer Organisationen. Sodann schildert das Manifest ausführlich die Minier- arbeit derchinesischenKommunisten im Laufe des ver- gangenen Jahres. Die Kommunisten hätten selbst in der Zeit der schwersten Kämpfe der Nationalarmee gegen den Norden Putschversuche gegen Tschiangkaischek unternommen, so am 20. März 192S. Sie hätten stets versucht, durch Zersetzungsarbeit in der Armee Vorteile für ihre Partei zu erzielen. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Was wir hier geschrieben haben ist ein tatsächlicher Bericht von dem. was die Kommunisten mit unserer Partei und Regierung ge- macht hoben. Deshalb möchten wir allen Genossen und den Volks- massen ganz klar sagen: Die Ausschließung der Kommunisten erfolgte, um das revolu» tionäre Gebiet endgültig von allen Reaktionären zu befreien. Von nun ab müssen wir mit noch größerer Kraft alles tun, um dieParteimncht zu konzentrieren und die D i s z i p l i n zu schär- fen sowie den Glauben an die Richtigkeit unserer Parteiziele zu einer Sache der Allgemeinheit zu machen. Wenn die Reaktionäre Gruppen bilden, müssen wir sie vernichten. Solch« Mitglieder, die keine feste Parteiansct-auung haben, müssen wir im Glauben an dif Richtigkeit der Parteiziele stärken, denn nur die drei Volksprinzipien entsprechen dem Wesen der chinesischen Revolution und nur das Prinzip der Kuomintang kann die Massen bewegen, die Re- volution mit ganzer Kraft durchzuführen. Unsere Aufgabe ist gestellt. Wir müssen sie durchführen, um die Militaristen und Imperialisten niederzu- schlagen, die nationale Revolution und durch sie die Welt- revoiution herbeizuführen." Zu Ehren de» in Berlin tagenden Kongresses der Völkerbund». ligen gab gestern mittag die Stadt Berlin ein großes Früh- stück und gestern nachmittag Außenminister Stresemann einen Tee, an dem viel« Hunderte Persönlichkeiten, darunter neben den Delegierten viele Diplomaten(z. B. Nuntius Pacelli, Botschafter de Marzerie, Lölkerbundssekretär Dufour-Föronce) teilnahmen. Die Eroberung öer Köpfe. Unser Weg»nr Macht. Der Kieler Parteitag hat unseren Gegnern teins Freude gemacht. Ihnen allen wäre es lieber gewesen, wenn der Versuch der Kommunisten, die Partei durcheinanderzu- bringen, Erfolg gehabt hätte. Sie hätten sjjh die Hände gerieben, wenn es zwischen den Vertretern verschiedener „Richtungen" zu schweren Auseinandersetzungen gekommen wäre und wenn sich die Hoffnung als begründet erwiesen hätte, daß sich die Partei in inneren Kämpfen aufreiben würde. Das Gegenteil davon ist geschehen. Die Partei hat die Kraft gezeigt, vorhandene sachliche Meinungsverschiedenheiten in öffentlicher Debatte aufzutragen. Sie hat dabei einen geistigen Hochstand bewiesen, der auch den Gegner zur Achtung nötigt. Zugleich hat sich aber auch gezeigt, daß diese Meinungsverschiedenheiten viel geringer sind, als man ge- glaubt hatte. Wer macht uns einen Parteitag wie den Kieler nach? Die Deutschnationalen können das— zumal noch der Abstimmung ihrer Reichstagsfraktion über das Republikschutzgesetz— ganz gewiß nicht. Das Zentrum hat wohl die größte Uebung in der Veranstaltung von Kundgelnmgen, die den Eindruck völliger Einigkeit erwecken— aber wir glauben sagen zu können, daß es auf einem Zentrumspartei- t a g, auf dem mit voller Offenheit und Gründlichkeit die Bürgerblockpolitik im Reich erörtert würde, zu viel stürmischeren Szenen käme als auf unserem Parteitag in Kiel. Gar nicht zu reden von den Kommunisten, deren Richtungen sich mit dem größten Auswand von Schimpfworten gegenseitig bekämpfen, wobei de gelegentlich selbst vor handgreiflichen Argumenten nicht zurückschrecken. Der glänzende Verlauf des Kieler Parteitags hat bc- wiesen, daß die Sozialdemokratie nicht nur die größte Partei Deutsckilands, sondern auch die innerlich g eschlos- s e n st e, die am besten disziplinierte ist. Am Donnerstag, an dem Tage der großen Debatte über die Taktik der Partei, brachte die„G e r m a n i a", das Ber- liner Zentrumsblatt, einen Aufsatz„aus Arbeiterkreisen" mit der alarmierenden Ucberschrift:„Der Weg zur sozialistischen Macht, Gewinnung der katholischen Arbeiter." An Zitaten aus Artikeln der sozialdemokratischen Presse, die dem Partei- tag vorangegangen waren, wurde dargelegt, daß die Sozial- demokratie ihre stärksten Hoffnungen auf die Gewinnung der Zentrums arbeite? setze. Angesichts dieser Tatsache glaubt die Zuschrift aus„Arbeiterkreisen" eine Warnimgstafe'l aufrichten zu müssen gegen die Kreise der eigenen Partei, die durch ihre republikanisch« und soziale Einstellung eine gewisse Annäherung an sozialdemokratische Gedankengänge verraten. Gegen sie wird ausgeführt: Soll man anführen, wo und wie durch Anhänger der Zen- trumspartei so gesündigt ist, daß in der Sozialdemokratie ernsthafte Hofsnungen auf die Eroberung der katholischen Arbeiterschaft aufkommen kannten? Man lese bitte nur die Zitate in der sozia- listischen Presse. Mehr noch als Aeußerungen aus der Arbeiterschaft selbst geben Verlautbarungen intellektueller Kreise in der Partei der sozialdemokratischen Presse Veranlassung, ihre Zitierkunst zu zeigen. Ist es dabei nicht oft so, daß der bei der Arbeiterschaft verständliche soziale Radikalismus über- boten wird durch Wort und Schrift Intellektueller! Sind es nicht Zentrumsangehörige der Bildungsschichten, die der Annäherung von Teilen der katholischen Arbeiterschaft an die Sozialdemokratie Vorschub leisten durch eine Liierung von angeblich„neutralen" Organisationen aller Art? Jede weltanschaulich„neutrale" Einheitsfront, sei sie zum„Schutze der Republik", sei sie zur„Wahrnehmung sozialer Interessen", wirkt sich nach allen Erfahrungen nicht zugunsten der Stärkung des Zen- trumsgedankens aus. Gegen wen das geht? Wirth, Ivos, die katholischen Mitglieder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, die Kreise der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" werden es genau wissen. Wer die Bedeutung des Artikels„aus Arbeiterkreisen" nicht selber klar genug kennt, der erhält von der„Deutschen Tageszeitung" die nötigen Fingerzeige. Das Organ des Reichslandbundes ist in den„Zentrumsarbeiter", der solche Erkenntnisse von sich gibt, geradezu oerliebt. Mit Leichtig- keit übersetzt es den Artikel aus der diplomatischen Sprache in die deutschnatiossal-agrarische. Zunächst stellt es fest: Was in dieser Darlegung eines Zentrumsarbeiters noch mit einer gewissen Vorsicht ausgesprochen wird, liegt ja klar vor allen Augen, die sehen wollen: in beträchtlichen Kreisen der Arbeiterschaft des Zentrums ist das Gefühl für den grnndsählichen Unter» schied zwischen christlichem und marxistischem Soziallsmus mehr oder weniger nerloren gegangen. Aber wer hat schuld daran? Nicht nur Dr. Wirth imb die Seinen mit ihrer Agitation, sondern die offizielle Zavtrumsleitung selbst, die solange im Reich Koali- tionspoktik mit den Sozialdemokraten getrieben hat und sie in Preußen noch immer treibt. Das Ägrarierblatt sagt es: Ohne diese lange politische Gemeinschaft des Zen- trums mit der Sozialdemokratie wäre«s gewiß auch nicht soweit gekommen, daß bei dem Volksentscheid über die Fürsten- abfindung rund die Hälfte der Zentrumswähler gegen Partei und Kirche an die Spitze der Sozialdemokraten und Kommunisten trat. Und solange diese politisch« Gemeinschaft auch nur in Preußen besteht, wird diese Gefahr im Zentrum, und nicht nur in seiner Arbeiterschaft, weiter wirken und weiter wachsen. Denn gerade die sittlichen Grundlagen einer Partei vertragen es am wenigsten, daß sie dauernd mit den ausgesprochensten Gegnern ihrer Weltanschauung in politischem Bündnis bleibt. Eine klügere Taktik der Sozialdemokratie aber, die den Unterschied der Welt- anschauung möglichst verschleiert, muß die Gefahr natürlich noch außerordentlich vergrößeni. Der„Deutschen Tageszeitung" ist natürlich lieber, wenn die Industriellen und Großagrarier des Zentrums von ihren Klassengenossen bei der Deutschnationalen Partei Scharfmacher lernen,'als wenn die Arbeiter des Zentrums von den Sozial- demokraten lernen, wie man am besten Arbeiterinteressen vertritt. Im Ernst konnte das Zentrum niemals darüber im Zweifel sein, daß die Sozialdemokratie auch die katholischen Arbeiter für sich zu gewinnen wünscht. Andere Parteien mögen sich und müssen sich damit begnügen, daß sie zu den par- lamentarischen Körperschaften auf die Dauer nur Minderheiten entsenden törmen, die sich mit anderen Parteien in die Regie- rungsmacht oder in die Aufgaben der Opposition teilen. Die Sozialdemokratie aber kann, ohne sich selber aufzugeben, nicht auf den Gedanken verzichten, daß sie eines Tages für sich allein die Mehrheit bilden wird. Sie kann also nicht anerkennen, daß es Wählerinnen und Wähler aus dem fchaf- senden Volke gibt, auf deren Gewinnung sie von vornherein verzichten könnte. Sie ist davon überzeugt, daß ihr nicht nur die Arbeiter wieder zuströmen werden, die vorübergehend der kommunistischen Irreführung unterlegen sind, sondern daß es ihr auch gelingen wird, die gewalstgen Mafien arbeitender Menschen, die heute noch den Anhang bürgerlicher Parteien bilden, zu sich herüberzuziehen. Nun mag schon etwas Richtiges daran sein, daß keine bürgerliche Partei mit der Sozialdemokratie ein taktisches Bündnis schließen kann, ohne chaß sich dabei zwischen den Arbeitern jenseits und diesseits der Parteigrenzen eine gewisse Gesinnungsgemeinschaft herausbildet. Die Frage ist nur. ob die bürgerlichen Parteien befier für die Erhaltung ihres Anhanges sorgen, wenn sie sich gegen die große deutsche Arbeiterpartei, die Sozialdemokratie, vereinigen und damit aus eigenem Willen zwei Klassenfronten bilden, zwischen denen dann der Mann und die Frau aus dem arbeitenden Volke zu entscheiden haben. Alle Erfahrung zeigt, daß die Politik der Sammlung gegen die Sozialdemokratie zu schweren Mißerfolgen der Bürgerlichen bei den Wahlen und zu immer größeren Siegen der Sozialdemokratie ge- führt hat. Koalition mit der Sozialdemokratie oder Sammlung gegen die Sozialdemokratie? Diese Frage wird im bürger- lichen Lager noch oft aufgeworfen werden, man wird aber 'auf sie niemals eine andere Antwort finden als das seufzende Bekenntnis:„Wie man's macht, ist's verkehrt!" ■a-» In anderen Formen hat dieses Problem für die bürger- lichen Parteien auch schon vor dem Kriege bestanden. Da stritt man darüber, ob die„Erfüllung berechtigter Fovde- rungen" der Sozialdemokratie oder„Zusammenschluß gegen den Umsturz" das beste Mittel fei, den Aufftieg der soziali- stischen Arbeiterbewegung aufzuhalten. Aber keines von beiden erwies sich als probat. Beiide zeigten sich als unbrauchbar, weil es eben in der Natur der Sache üegt, von Löwen zerfleischt. . Von Erna vüsing. Bor einigen Tagen ist in einem Zirkus«in Dompteur von Löwen angefallen und lebensgefährlich verletzt worden. Es ist be- merkenswert, daß die Uebeltäter gerade der Löwengruppe angehören, die sich vor zwei Monaten. Zeitungsberichten zur Folg«, von einem Storch angeblich hat in die Flucht schlagen lassen. Raubtierbifie, auch die Schläge mit der Pranke sind, selbst wenn keine schweren Verletzungen vorliegen, immer sehr gefährlich, weil sie im weitaus größten Fall« Blutvergiftungen nach sich ziehen. Karl Hagenbeck, der die Dressurhalle und die Dompteurschule in Stellingen schuf, Wilhelm Hagenbeck, der den Rundkäfig erfand, und Richard Sawade als Mann der Tat haben die Tierdressur auf eine neue Stufe gestellt. Vordem ging der Tierbändiger mit allen mög- lichen Abwehrmitteln versehen in den Menageriewagen, drückte die Tiere in«ine Ecke, ließ sie über eine Barriere und durch Feuerreifen springen— und beendigt war die Vorstellung. Der Dompteur von Anno dazumal war die verkörperte Gewalt, vielleicht sogar die reine Brutalität. Dann kamen die großen Tierfreunde und predigten, durch Liebe und Verstehen kommt man weiter, der Mensch muß vom Tier lernen, um Tierlehrer werden zu können. Neber den Tierpfleger geht der Weg zum Tierbändiger. Und diese neuen Ideen durchliefen den Weg alles Neuen: von der Lächerlichkeit zur Sensation, von der Sensation zur Gewohnheit. Die Menageriearbeit ist abgetane Sache. inan läßt sie nur noch als Kuriosität gelten. Es erwuchs eine völlig andere Dompteur-Autorität. Jetzt gibt es kein Raubtier mehr, zu dem der Mensch nicht in ein freundschaftliches Verhältnis kam. Hier- von ist nicht einmal der schwarz« Panther ausgeschlossen, der doch durch die Abenteurerliteratur in solch bösen Ruf geriet. Wenn man kleinere Raubtiere selten sieht, so kommt es daher, daß sie sich infolge ihrer Schmächtigkeit für den Rundkäfig nicht eignen, in dem das Publikum große Tiere sehen will. Oft wird erzählt, die Domp- teure trügen ledergcpolslerte Anzüge. Das ist nicht der Fall, der moderne Dompteur trägt Gesellschasts- oder Straßenanzug, Uniform oder Cowboytracht, und Togare geht sogar mit entblößtem Ober- körper unter Löwen und Tiger, ohne sich zu verwittern. Man weiß jetzt das Gewohnheitstier zu schätzen und hält von der Aneinander- gewöhnung unendlich viel. So läßt der ö�jährige Schilling Eisbären, graue Bären, Kragenbären, Tigerdoggen usw. miteinander spielen, um sie dem Publikum in ihrer natürlichen Drolligkeit zu zeigen, und Berta Haupt führt gemeinsam Pferd, Löwe und Hund vor. die miteinander grohgeworden sind. Der Hund war die Amme des Löwen. Doch muß hier«ingeschaltet werden, daß die mit Hunde- milch genährten, in der Gefangenschaft geborenen Löwen niemals etwas von ihrer Wildheit einbüßen. Man hält den wildeingefangenen Löwen für besser. Sein Instinkt flößt ihm vor dem Menschen einen gewissen Respekt ein. Der in der Gefangenschaft geborene Löwe ist von frühester Jugend an Schauobjekt, ihm iinponieren Menschen nicht, und selbst der gewiegteste Dompteur läßt sich ihm gegenüber leicht«ine ungeschickre Vertraulichkeit zuschulden kommen. Der Löwe ist tolpatschig im Vergleich zum Tiger, im Angriff aber ist der Löwe furchtbar. Zur Zeit der Brunft ist so gut wie gar nicht mit ihm zu arbeiten. Ueberhaupt ist der Löwe, wenn die"Mähne schön voll wallt und er so recht in seiner männlichen Schönheit hinein- daß die Sozialdemokratie die proletarischen und halbproleta- rischen Elemente aus anderen Parteien mehr und mehr auf- saugt. Dieser Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen. Er hat zuerst mit elementarer Macht die Jndustriearbeiterschaft erfaßt, er hat später die Angestellten und die Beamten er- griffen, und er hat sich zum Schreck des Reichslandbundes schließlich auch auf das arbeitende Landvolk, Landarbeiter und Bauern, ausgedehnt. Abgeschlossen ist er noch auf keinem dieser Gebiete. Wäre er es, dann hätte ja die Sozialdemokratie schon längst im Reichstag die Mehrheit. Aufzuhalten ist er jedoch nach unserer Ueberzeugung auch nicht. Die bürgerlichen Parteien werden sich— nach dem Kieler Parteitag erst recht — mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß die Sozial- demokratie noch immer eine wachsende Macht ist. Von ihrer Klugheit und von ihrem Gewissen werden sie sich die Antwort auf die Frage holen müssen, wie sie sich zu dieser wachsenden Nacht stellen wollen. Sie haben das Recht, die Dinge anders zu sehen als wir. Sie haben aber auch die Pflicht, daran zu denken, daß es in der Polittk zuletzt nicht um die Parteien geht, sondern um das Wohl des Volkes und die Zukunft der Mensch- h e i t. Auch der Sozialdemokratie geht es nicht nur um Sitze im Parlament, sondern um Ziele von höchster materieller und sittlicher Bedeutung für die Allgemeinheit. Im Hinblick auf diese Ziele werden die Parteien den Weg zu wählen haben, den ihnen der Kieler Parteitag frei gehalten hat. Nationalsozialisten und Republik. Der Staatsgerichtshof bestätigt das Verbot des „Westdeutschen Beobachters". Am 26. März wurd« die in Köln«rscheinende Zeitung„W e st- deutscher Beobachter", Kampsblatt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, auf die Dauer von drei Monaten durch den Oberprästdenten der Rheinprooinz verboten, weil die Nr. 12 vom 26. März in einem Artikel �Demokratische Freiheit" eine grobe Beschimpfung der verfafiungsmäßig festgestellten republikanischen Staatsform enthielt. Di« Beschimpfung wurde ins- besonder« in folgendem Satz erblickt: .Wir hosten die Zuhälter des Novemberstaates, aber be- dauern die Beamtenschaft, die dazu verurteilt ist, diesen auf Meineid und Hochverrat aufgebauten Staat gegen die Interesten des Gesamtvolkes vertreten zu müsten." Gegen das Verbot hatte das Blatt Beschwerde beim Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik eingelegt, über die am 4. Mai d. I. verhandelt worden ist. Wie der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitteilt, wurd« die Beschwerde als unbe- gründet verworfen. In der Begründung der Entscheidung wurd« ausgeführt, daß die Zeitung.Westdeutscher Beobachter" ein- mal wöchentlich erscheine und deshalb bis auf sechs Monate ver- boten werden könne. Bei der groben Beschimpfung der ver- fassungsmäßigen Staatsform mußte die Dauer des Verbots auf drei Monate als angemessen bezeichnet werden: der Staatsgerichtshof hatte zu einer Abkürzung des Verbots keinen Anlaß. Zlucht aus üer üeutfchnationalen Partei. Quittung für die Umfallpolitik. Köln, 28. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Innerhalb der deutsch- nationalen Partei des Kölner Bezirks macht sich nunmehr auch die Opposition gegen die Berliner Parteileitung wegen ihrer Stellungnahme zum Republlkschutzgefetz immer stärker bemerkbar. Wie die„Rlieinische Tageszeitung", das offizielle Partei- organ der Deutschnationalen, mitteilt, fit in einer besonderen Ver- sammlung der konservativ Gesinnten innerhalb der deutschnationalen Partei schwer über die berechtigte Enttäuschung geklagt worden, die die Annahm« de» R e pu blitsch u tzg es etz es besonders bei den Wählern gefunden hat, die in unerschütterlichem Glauben an gewachsen ist, ein höchst gefährllcher Bursche. Das ist er ebenfalls in der Freiheit, denn nur ein alter Löwe ist ein„Menschenfresser". Er ist nicht mehr schnell genug, um die Gazelle einzuholen, er ist nicht mehr kräftig genug, um ein Hausrind über die Umzäunung hinwegzuschleppen, folglich geht er in die armseligen Eingeborenen- dörser und holt sich einen Menschen, den er womöglich im Schlafe überrascht. Bei Ueberfällen auf den Dompteur komnit mitunter ein Tier aus der Gruppe dem Dompteur zu Hilfe. Diese Lebensrettung durch den Löwen hat aber einen etwas bitteren Beigeschmack. Sie ist weiter nichts als die erwachte Rauflust des Raubtieres. Augenblicklich wirbt man in erhöhtem Maße für die zahme Dressur. Doch muß erst einmal das Publikum für die zahme Dressur erzogen werden. Heute ist es leider vielfach so, daß der große Tier- freund kaum Anerkennung findet, während man dem Menschen zu- jubelt, der den wilden Mann spielt und seine Tiere halboemickt macht. Wie mancher Dompteur, der auf Befehl des Herrn Direktors Wildwestmanieren herauskehren muß, klagt:„Meine Tiere sehen mich während der Vorstellung immer vorwurfsvoll an, sie können es einfach nicht begreifen, warum ich mich so unsinnig gebärde." Eine Gefahrenübersteigerung bringt auch das Benehmen der Direk- toren, die nicht den tüchtigsten und erfahrensten, sondern den b i l- l i g st c n Mann in den Roubtiertäfig stellen. Skrupellos nutzen sie wirtschaftliche Not, Mut und Unverständnis aus. Hinzukommt das auf Sensation eingestellte liebe Publikum, das zu leichtsinnigen Hand- lungen verleitet. Und wenn in einem solchen Falle die Sache schief geht, dann kommt den Tierfreund die Wut an, weil man menschliche Schuld den Bestien zuschiebt. Nie man im Urwalü einkaust. Der Eingeboren«, der aus dem Urwald kommt, um bei dem Händler, der in irgendeiner europäischen Siedlung seinen Laden ausgeschlagen hat oder auch mit seinem Packen herumzieht, zu er- stehen, was sein Herz begehrt, muß natürlich ganz anders behandelt werden als der gebildete Mitteleuropäer, der in einem Warenhaus seine Einkäufe erledigt. Da heißt es für den Verkäufer viel Geduld zu haben und sich in die Sinnesart seines dunkelfarbigen Kunden zu versetzen. Von seinen langjährigen Händlcrerfahrungen in Nordaustralien und der Südsee plaudert der Reiseschriftsteller Jack Mc. Laren in einem Londoner Blatt.„Die schwierigste Ausgabe für den Händler ist es," schreibt er,„das im Urwald noch allgemein übliche Tauschgeschäft ourch die Verwendung von Geld zu ersetzen. Aber auch wenn der Wilde sich an die Münze gewöhnt hat und ihren Wert erkennt. bleibt seine Unfähigkeit im Rechnen hinderlich. Ein Eingeborener z. B., der ein englisches Pfund ausgeben will, wird es sich zunächst beim Händler in einzelne Schillinge umwechseln: dann hebt er«inen Schilling empor und sagt:„Kaliko". Hat er das bekommen, dann hebt er einen anderen Schilling hoch und sagt:„Tabak", und so geht es weiter: er bezahlt für jeden Gegenstand, den er ersteht, mit einer besondere» Mlln,e und weiß so immer ganz genau, wieviel er noch übrig behält. Für den Händler ist das aber eine recht langwierige und schwierige Art des Geschäftes. Er muß stets eine große Menge einzelner Schillinge mit sich führen, da die Eingeborenen die glänzen- den Geldstück« sich häufig aufheben. Als ich einen Laden am Golf den monarchischen Gedanken bei den letzten Wahlen ihre Stimme dem deutschnationalen Kandidaten gegeben hätten. Die deutsch- nationalen Minister, die für den berüchtigten§ 23 des Gesetzes ge- stimmt haben, hätten sich dadurch in eine unwürdige Abhängigkeit begeben. Wie Dr. Marx pfeife, so müßten heute die deutschnationalen Minister tanzen. Das zeige auch das Dawes-Giltachten, Locarno, die Zurückstellung der Kriegsschuld- frage, der Stahlhelmtag und nicht zuletzt der Kaiserparagraph. Die Folgen einer derartigen Politik seien bittere Enttäuschung in der Wählerschaft und eine Fluchtaus der Partei. Man könne vorläufig wenigstens in der deutschnationalen Pattei bleiben, aber müsse dort in Zukunft den konservativen Einfluß ernergischer geltend machen. Zum Parteitag. Die abgelehnte Resolution Aushäuser. Die vom Parteitag mit 255 gegen 83 Stimmen abgelehnte Resolution Aus Häuser lautet: „Die Bildung der Bürgerblockregierung im Reiche offenbart die Verschärfung der Klassengegensätze in der Deutschen Republik. Die bisherigen Versuche, im Reiche durch Koalitionen mit bürgerlichen Parteien die Interessen der Arbeiterklasse in der Republik zu ver- treten, haben zu keinem Erfolg geführt. D i e Aufgabe der Sozialdemokratie in der Deutschen Republik ist die Vertretung der proletarischen Klasseninteressen gegenüber der Klassenherrschaft des Kapitalismus, der Kampf für soziale Forde. rungen und für den Sozialismus. Gegenüber dieser Aufgabe tritt der Kampf für die Erhaltung der Republik, mit der sich die Bourgeoisie abgefunden hat, an Bedeutung zurück. Die Kampsfront in der deutschen Republik bildet sich nicht mehr unter der Parole: hie republikanisch— hie monarchistisch, sondern hie soziali st isch— hie kapitalistisch. Angesichts dieser Konstellation muß die Taktik der Sozialdemo« krati« sein: Opposition statt Koalition. Der Parteitag beschließt diese Opposition ohne Rücksicht auf bürgerliche Parteien im Geiste des proletarischen Klassenkampses mit allen geeigneten parlamentarischen und außerparlamentarischen Mitteln zu führen. Aufhäuser, Tony Sender, Gz. Dietrich, Rosenfeld, Seydewitz." Kundgebungen in Schlestvig-Holstei«. Hamburg, den 28. Mai(Eigener Drahtbericht). In ganz Schleswig-Holstein fanden aus Anlaß der Beendigung des Partei- tages große Kundgebungen der Sozialdemo. kratifchen Partei statt, die überall einen starken Besuch auf- wiesen und einen prächtigen Verlauf nahmen. Eine Riesenoer- sammlung wurde in der großen Ausstellungshalle in Altona ver- anstaltet, in der Parteivorsitzender Wels, Karl Renner-Wicn und Adele Schreiber sprachen. Wels gab seiner großen Freude und Genugtuung Ausdruck über den Verlauf des Parteitages, der der stärkste und eindrucksvoll st e gewesen sei, den er je erlebt habe. Die Delegierten hätten diesen Parteitag verlassen mit der Gewißheit, Sieger zu sein über die Vertrauenskrise, die jahrelang über der Pattei gelegen habe. Karl Renner bezeichnet- den Kieler Patteitag als einen Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und rief die deutschen Genossen auf, alle Kraft zusammenzufassen, um die Hebel und das Steuer des Staates in die Hand der Arbestettlasse zu bringen. An- knüpfend an die große Bewunderung, die man den Leistungen der Wiener Genossen zoll«, erklätte Renner, daß die deufiche Sozial- demokratie zehnmal so viel Breitner, Glöckel und Deufich, zehninal. soviel tüchtig« Männer habe, als die österreichische. Aber die deutsche Arbeiterklasse habe bisher nicht den Willen gelabt, das zu erkennen. Das müsse anders werden. Die deufiche Sozialdeniokratie leidet darunter, das sie sich nicht selbst dazu bekenne: Ja. wir hoben ganz tüchtig« Kerle. Was in Preußen von Braun und Sevenng geschaffen, sei ein viel größeres Werk, als man es in Oeste» reich aufzuweisen habe, sei eine Großtat, nicht nur für Deutsch. land, sondern für ganz Europa. von Papua aufgeschlagen hatte, waren mir einmal die Schilling« ausgegangen und da blieb inir nichts anderes übrig, als mir selbst Münzen herzustellen: ich verfertigte also aus alten Zinnbüchsen kreis- runde Scheiben und versah sie mit einem Handstempel mit ein X. Dieser Ausweg bewährt« sich, zumal die Eingeborenen für diese Scheiben nur in meinem Laden etwas kaufen konnten. Aber zuletzt mußte ich doch mit dem Geldmachen aufhören, denn mir fiel auf, daß ich mehr Scheiben zurückbekam, als ich herausgegeben hatte, und mußte entdecken, daß mir jemand den Stempel gestohlen hatte und seinerseits Münzen mochte. Sehr lästig ist sodann die Ange- wohnheit der Eingeborenen, bei einem Gegenstand, für den sie nicht genug Geld haben, den Händler immer wieder nach dem Preis zu fragen, wohl ein dutzendmol am Tage. Der Wilde hofft im Stillen, daß der Händler den genannten Preis vergessen und billiger werden wird. Da er vom Schreiben nichts versteht, fo besagt die am Laden angebracht« Preistafel für ihn auch nicht das geringste, und er denkt. daß es bei dem Verkäufer eben so ist. Ich machte mir bisweilen den Scherz, mit den Preisen bei allzu vielem Nachfragen immer höher hinaufzugehen, erregte aber damit so viel Wut, daß ich es dann wieder sein ließ. Die größte Sehnsucht der Südsee-Insulaner geht nach einem Grammophon, aber Platten von Liedern und Streich- orchester werden nicht verlangt. Auch Platten mit Jazz wollen die Wilden nicht haben. Die Jazzmusik klingt ihnen zu verwandt und ist für sie nichts Neues: aber Platten, die Musikstücke von Blas- orchestern mit vielen Trommeln enthalten, erregen ihr Entzücken. und je lauter sie klingen, desto besser. Der Eingeborene kauft ge- wöhnlich nur ein« einzig« Platt« mit dem Grammophon. Diese läßt er dann immer wieder spielen, Tag und Nacht, bis sie schließ- lich keinen Laut mehr von sich gibt. Dann kaust er sich eine andere Platte und spielt diese wieder vollkommen ab. Sammerspiele.(Georg Kaiser.,2>i« Papiermühl«'.) Georg Kaiser hat auf einen Kritiker«inen besoiideren Zorn. Er wird schon wissen, warum. Deshalb stellt er diesen Herrn als einen märchenhaften Narren hin. Herr Otto Wallburg, der diesen närrischen Kritiker spielt, trumpft nun noch emsiger und freudiger auf, um das mißraten« Menscheneremplar mit allerhand Komik und Karikatur auszustatten. So entsteht denn diese Journaille, die ein Genie sein möchte. Sie entsteht mit Aufgeblasenheit, mtt Ehemanns- hörnern und gibt kein Titelchen von ihrer Blödhett auf. Georg Kaiser läßt den ganzen Schwank in Frankreich spielen. Die Frau- zosen haben auch bei ihm Pate gestanden. Die Schauspieler schleppen die Komödie, die manchmal wirklich etwas schleppt, athletisch durch die drei Akte. Es ist nicht mehr die Rede, daß Georg Kaiser revolu- tioniett, er endet sogar, rosig und kitschig, alle Verwicklungen mit einer Umarmung, bei der Männlein und Weiblein Motte sprechen, die der holden sechzigjährigen Lieblinpsfrau des deutschen Bürgers. der unsterblichen Coutts-Mahler. alle Ehre gemacht hätten. Obwohl es sogenannt« Sommersaison ist, wird unter Leitung von B e r- thold Viertel pompös und aufgepulvert gespielt. Neben dem Komiker Wollburg, der durch sein Embonpoint wirkt und infolge der notwendigen Entfettungskur beim Kabarett der Komiker knntrakt- brüchig geworden sein soll, wirkt der jugendliche Komiker Heinz R ü h m a n n, ein«ntzückendes Originaltalent für Schnöselei. Und mau lacht. M. ch Mßenpolitisthe Sabotage. Immer wieder nationalistische Gefährdnng der austenpolitischen Interessen. Die Reaktionäre aller Schattierungen zeichnen sich ouich gänzlichen Mangel an außenpolitischer Disziplin aus. Es hält schwer zu glauben, daß ihre Disziplinlosigkeiten nicht bewußtem Sabotagewillen entspringt. Die Rede des Reichs- justizministers ch e r g t in Reuthen hat seinerzeit sofort einen Zwischenfall heraufbeschworen. 5?err Stresemann hat ihn mit Mühe und Not wieder eingerenkt. Das Verbot des republikanischen Tages in München durch die Polizeidirektion München ist nicht minder geeignet, die außenpolitischen Interessen des Reiches zu schädigen. Welche Schlüsse muß das Ausland aus der Tatsache ziehen, wenn nach dem Stahlhelmtag in Berlin eine republikanische Kundgebung in München ver- boten wird. Welche Schlüsse daraus, daß das bayerische Verbot die Situation im Jahre 1923 in Bayern reproduziert? Die bayerische Regierung hat der Außenpolitik des Reiches mehr als einmal Schwierigkeiten gemacht. Wird das Auswärtige Amt der bayerischen Regierung wissen lassen, daß dies Verbot mit den außenpolitischen Interessen des Reiches nicht vereinbar ist? Ein zweiter krasser Fall. Der Beleidigungsprozeß M a h r a u n- S o d e n st e r n ist in erster Instanz erledigt. Er war hervorgegangen aus der politischen Divergenz zwischen dem sungdeutschen Orden und den Leuten um Nicolai, Soden- stern und Compagnie über die außenpolitische Orientierung. Die Urteilsbegründung in diesem Prozeß, gegeben durch den Einzelrichter, lautet: „Das Gericht ist der U e 6 e r z e u g u n g, daß nach dem Artikel in der„Vossischen Zeitung" und im.Lungdeutschen" von dem Privatkläger ein Bündnis zur Sicherung Frank- reichs und zugunsten Frankreichs befürwortet werden sollte. Selbst wenn man annimmt, daß die Beklagten zuerst gegen den Kläger vorgegangen sind, müßte ihnen doch der Schutz des§ 193 im weitesten Umfange gewährt werden. Es ist bekannt, daß der Nationaloerband Deutscher Offiziere die Tradition des alten Heeres fortsetzt und daß die dort zusammengeschlossenen Offiziere auch für die Leute eintraten, die früher ihre Untergebenen gewesen find, denn der Offizier des alten Heeres hat stets in dem Mann den Kameraden gesehen. Der Vorschlag des Prwatklägers, ein Sicherungsbündnis zugunsten Frankreichs abzuschließen, ging dem Nationalverband Deutscher Offiziere nahe. Denn was sollte dieser Vorschlag Mahrauns bedeuten? Wer sollt« geschützt werden, und wer sollteangreifen? Angreifen sollten doch wohl die Leute, die nach Moskau tendieren und die trotz allem Deutsche sind. Nun stelle man sich einmal vor: Frankreich soll gegen der» artige Angriffe von Deutschen geschützt werden. Was sollte ge- schchen? Sollten Deutsche auf Deutsche schießen, sollten die Franzosen einrücken? In diesem F«ffe hätten sie zweifellos die Bahnlinien besetzt und es läßt stch sehr leicht denken, daß die Leute, die nicht mit Frankreich sympathisieren, sehr bald mit Ketten an den Händen in Cayenn« oder in sranzösischen Gefangenenlagern geendet hätten. Wenn man sich all das vor Augen hält, so mußte das Gericht zu der Ansicht kommen, daß der Nationalverband Deutscher Offiziere bei der Formulierung seiner Erklärung nicht zu weit gegangen ist. Der Vorschlag Mahrauns bedeutele für das deutsche Volk glatten Selbstmord. Dem deutschen Volke sollte zu- gemutet werden, sich zugunsten Frankreichs selbst auszuopser«. Das Gericht ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Kritik gegen Mahraun berechtigt war, daß aber die Beklagten über das Ziel hinausschössen, als sie sich auch in moralischer Beziehung gegen chn wandten, als sie ihm Charakterlosigkeit vorwarfen. Hier lag die Absicht der Beleidigung vor und lediglich aus diesem Grunde ist das Gericht zu einer Verurteilung der beiden Privatbeklagten gekommen. Außerordentlich strafmildernd kam in Frage, daß die Aeußerung von der Charakterlosigkeit gefallen war in Verbindung mit der Tatsache, daß hier wieder einmal, wie es in Deutschland leider immer geschieht, befürwortet wurde, den Franzosen nachzulaufen. daß hier eine Liebedienerei gegenüber dem Auslande ge- trieben wurde. Aus diesem Grunde hat das Gericht auch geglaubt. daß eine Geldstrafe in Höhe von 59 Mark eine ausreichende Sühne für die Beleidigung des Prioatklägers darstelle." Der Einzelrichter hat sich erlaubt, eine Urteilsbegründung zu einer Jnfamierung aller der Deutschen zu mißbrauchen, die nicht mit den wahnwitzigen Anschauungen der Sodenstern und Co. sympathisieren. Das ist eine Angelegenheit d i s z i p l i- n a ri sche r Ahndung, die wir für ganz selbstver» st ä n d l i ch halten. Er hat aber weiterhin mit seiner Urteilsbegründung eine nationale Disziplinlosigkeit ohnegleichen bewiesen. Er hat mit seiner Urteilsbegründung zu verstehen gegeben, daß er eine Politik der Verständigung mit Frankreich so negativ be- wertet, daß er für jede Beleidigung der Männer, die sie ver- treten, Strafmilderung als zu recht gegeben annimmt. Die amtliche Außenpolitik zielt auf Verständigung mit Frankreich. Er hat also die amtliche Außenvolitik herabgewürdigt, ja diffamiert. Ein ausgesprochener Sabotageakt. Die Reichsregierung, gezeichnet M a r x, hat es für notig gehalten, bei der preußischen Regierung Beschwerde einzu- legen gegen den Genossen H ö r s i n g, weil er die amtliche Außenpolitik des Reiches gegen H e r g t in Schutz genommen hat. Sie hätte es nötiger, sich beschwerdeführend gegen diesen unerhörten Mißbrauch des richterlichen Amtes zu einer Demonstration gegen die Politik der Verständigung zu wenden. Nach Nüsarpts Sieg. Die Präsidentenwahl in der Tschechoslowakei und die sozialistischen Parteien. ' Mit 274 von 434 Stimmen wurde T. G. M a s a r y k, wie schon berichtet, abermals für sieben Jahre zum Präsidenten der Tschecho- slowakischen Republik gewählt. Seine Mehrheit war im Jahre 1920 größer, sie war aber auch ganz anders zusammen- gesetzt. Damals wählten ihn alle Tschechen und Slowaken: gegen ihn votierten alle Deutschen und Ungarn. Diesmal gab die Mehr- zahl aller Tschechen und Deutschen für, die Mehrzahl der Slowaken und Ungarn die Stimmen gegen ihn ab. Hätten die deutschen Sozialdemokraten als einzig« deutsche Oppositionspartei Masaryk nicht gewählt, so hätte er die erforderliche Dreisünftel- inehrheit nicht erhallen und sich einer Stichwahl unterziehen müssen. Ob und welche politschen Folgen das Auseinanderfallen der derzeitigen Regierungsmehrheit bei der Wahl des Präsidenten haben wird, läßt sich heute noch nicht überblicken. Von größter Bedeutung ist aber, daß die beiden sozialdemotra- tischen Parteien— Deutsche und Tschechen— geschlossen ihre Stimmen für Masaryk abgegeben haben. Das in Prag und Teplitz be- gonnene Werk der Einigung der bisher auseinandergehenden Parteien erfährt durch dieses einheitliche Vorgehen zweifellos eins bedeutend« Förderung. Und schon von diesen« Gesichtspunkte aus begrüßen wir es, daß sich die deutschen Genossen— für die tschechisch«?!««var es selbstverständlich— entschlossen haben, Masaryk zu wählen. Das ist aber erst ein Anfang. In Prag und Teplitz haben beide Parteien ihrem aufrichtigen Wunsche, bald zu einer dauernden Einigung zu kommen, klaren Ausdruck gegeben. Einige Vorfälle, die sich seither auf tschechischer Seite— in Olmütz, Hultschin und Karlsbad— zugetragen haben, sind wohl nur aus dem Wunsche der lokalen Parteien, den tschechisch-bürgerlichen Schwierigkeiten zu bereiten, zu verstehen. Taktische Schachzüge, die dem nationalen Chauvinismus weit entgegenkommen, müssen im höheren Interesse der Einigung der beiden Parteien in Zukunft vermieden werden. Was soll nun geschehen? Der Parteitag der tschechischen Ge- Nossen hcü der Parteioertretung den Auftrag ertellt,„zu gegebener Zell" mit der deutschen Partei Verhandlungen anzuknüpfen, um ein gemeinsames Vorgehen innerhall) und außerhalb des Parlamentes herbeizuführen. Man darf annehmen, daß jetzt, nach dem gleichen Vorgehen beider Parteien anläßlich der Präsidentenwahl, der Zeit- punkt gegeben ist. Die Reaktion bereitet eine Reihe von Vorlagen vor, die geeignet sind, dem Proletariat beider Natiorien schwere Schäden zuzufügei«. Wir erinnern an die Verwallungsrefonn, welche die lokale Selbstoerivaltung erschlägt und der Bureaukratie aus- liefert, an die beabsichtigte Verschlechterung der Soziakoersilhening, an die bevorstehenden Gemeindewahlen, deren Ausgang den poli- tischen Kurs in der Republik entscheidend beeinflussen wird. Wir erinnern daran, welch heillosen Schrecken die bloße Möglichkeit einer Einigung der beiden sozialistischen Parteien den Kommunisten ein- geflößt hat, für die diese Einigung der Anfang vom Ende wäre. So darf man im Interesse der sozialistischen Arbeiterinternationale dein Wunsche Zlusdruck geben, daß die Verhandlungen recht bald auf- genommen werden und zu einer festen, alle vorübergehenden poll- tischen Konstellationen überdauernden Einigung führen werden. die Arbeitsgerichte für Preußen. Der Entwurf einer Verordnung des preußischen Justizministers und de» preußischen Ministers für Handel und Gewerbe über die Errichtung von Arbellsgerichten und Londesarbeitsgerichtcn ist dem Preußischen Stacusrcu zur gutachtlichen Aeußerung zugegangen. Der Entourf steht, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, die Errichtung von 3 3 Landesarbeitsgerichten und 226 A r- beitsgerichten für Preußen«wr. Die bulgarischen Neuwahlen, über die wir bereits mehrfach berichteten, finden am heutigen Sonntag statt. Die Ergebnisse werden erst am Dienstag oder Mittwoch erwartet. Wege zu neuer Gemeinschaskskunst. Anläßlich des diesjährigen Voltsbühncntages in Magdeburg wird dort in der neuen Stadthalle am 25. Juni eine bemerkenswerte Veranstaltung stattfinden, die von den Bemühungen um eine neue Gemeinschafts- k u n st Zeugnis ablegen will: zwei der stärksten und lebendigsten Volksbühnenorganisationen, die Berliner urrd die Chemnitzer,«verdcn bei dieser Beranstaltuiig zusammen mit dem städtischen Orchester Magdeburg und der Berliner Tanzgruppe Trümpy- Skoronel eine Reihe von neuen Sprech- und Bewcgungschor- werken zur Vorführung bringen. Der Sprech- und Be- wegungschor der Berliner Volksbühne, der etwa 80 Mitglieder zähll, wird ein neues Werk von Bruno Schön- l a n k zeigen, das„Der gespaltene Mensch" heißt(er- schienen im Bolksbühnen-Berlag, Berlin NW. 40): die Chemnitzer Volksbühne wird eine bereits früher vorgeführte Dichtung ihres Leiters Werner Illing,„Aufbruch des Geistes", in neuer Fassung darstellen. Au» polgars Handbuch für krikiker. Alfred Polgar läßt jetzt von feinen kritischen Schriften einen neuen Band unter dem Titel „Stichproben" erscheinen(bei Ernst Rowohlt in Berlin). Er beschließt ihn mit ein paar Stückchen„aus einem Handbuch für Kritiker", in dem Sätze stehen wie die folgenden: Theater der jungen Leute. Hoffentlich sindet dos Bemühen der jungen Leute Förderung, und sie müssen ihre Ideale nicht ver- fegen. Viel bekämen sie doch kaum dafür, denn es liegt leider im Wesen der Ideale, daß sie ein Wert sind, wenn man sie hat, aber keiner, wenn man sie oerklopfen will. Lustspiel von Bahr. Wenn der Shaw so mit der Marlitt mang die Felder jeht. Die Gruppen auf der Szene standen da wie nach Blitzlicht schmachtend. Im rechten Lustspiel geht die Sonne nie unter, und auch die Tränen, die geweint werden, dienen nur zur farbigen Zerstreuung des Lichts, das sie spendet. Mancher, bemüht sich vergebens, die Mängel seines Talents durch Defekte seines Charakters auszugleichen. Der Mimiker. Man hört ihn scfcweigen. Ein Trogöde. Er wächst, je meyr er Loden unter den Füßen verliert. Lyrik. Ein Privatleben wünscht Oeffentlichkeit. Gegen Ende des Stücks waren viele Zuhörer eingeschlafen. Die Zischer weckten sie wieder auf. 3m kü-filerh-v». Sellevuestr. 3, wird am 31. die Ausstellung.Tie ichaffendc Frau in der bildenden Kunst" eröffnet. Ausgestellt werden Werke von: Paula Becker-Modersahn. Cbarlotle Berend. Küte Kallwitz, Maria Slaaana. August- von Zitzewitz, Emmi Roeder, Renee SinteniS, Milli Steeger. Sophie Wolff u. a. 3m Zeatrallheoler beginnt am 31. die Sammerspielzeit mit einem Ensemblegaftipiel unter der Leitung von Oscar EbelSbocher. Ei« jüdische» Museum ist in Odessa eröffnet worden, da« Doku- mente aus der Geichichte de» OsliudeniumS enthält und dabei in be- ianderS starkem Umsanzc auf die Judenverfolgungen und PogromS ein- geht, die unter'der zaristischen Regierung an der Tagesordnung waren. Eine Forschungsanstall für die Geschichte und zukünftige Entwicklung des OstjudenliunS soll dem Museum lmgcgliedert werden. Nicht erinnern! Ein offener Brief aus dem Zentrum an Marx. In der neuesten Nummer der„Deutschen R e- publik" richtet Heinrich Teipel eine« offenen Brief an den Reichskanzler M a r x,«n dem es lzeißt: „Es ist auch noch unvergessen, daß Sie selbst, Herr Reichs- konzler, vor zwei Iahren, als ebenfalls im Reiche die Rechts- k o a l i t i o n regierte, sich in Preußen zum Ministerpräsi- d e n t e n wählen ließen, um mit dem großen Ansehen, das Sie genossen, gerade das zu verhüten, was heute die Männer zu Ihrer Rechten mit Ihrer Hilfe als Reichskanzler erreichen möchten. Und doch, Sie stehen in vorderster Linie gegen Preußen. Es kamt nicht übersehen werden, daß Sie H ö r s i n g verurteilen, wo Westarp ungestraft von der„p r e» ß i> schen Mißwirtschaft" reden kann, Graf Westarp, der Führer Ihrer- größten Regierungspartei. Und der Eindruck besteht auch. daß Sie es ablehnen, Preiißen irgendwie als in Bcrtsidigungs- stellung befindlich anzuerkennen. Die, welche die preußische Regie- rung um jeden Preis stürzen möchten, stehen gedeckt hinter Ihrem Rücken. Lassen Sie Ihre früheren Freunde darunter leiden, daß Sie hart gegen sich selbst sein müssen? Ist Ihre Regierung des- halb so nervös, weil sie das innere Recht der oppositionellen Kritik nur zu sehr erkennt? Weit gesunder, verehrter Herr Reichskanzler, wäre es gewiß ge- roesen, wenn Sie die jetzt so empfindlichen Herren Minister daran erinnert hätten, wie sie sich benommen haben, da sie selbst noch die Opposition machten. Als Beispiel erlaube ich mir auf die Rede hin- zuweisen, die Dr. H e l s f e r i ch am 23. Juni 1922 im Reichstag gehalten hat. Damals sah er in der Vcrpslichtung, welcher der von Genua nach Paris abgereiste Rrichsfinanzminister Dr. Hermes zuwider der Meinung Dr. W i r t h s der Reparationskommission gegenüber übernommen hatte, einen„hellichten Wahnsinn, ja noch mehr, ein Verbrechen". In höchster leidenschast- licher Erregung erklärte er, daß ihn die Zugeständnisse in der Finanzkontrolle nötigten, schwere Vorwürse. jaAntlagengegen die Reichsregierung zu erheben", und' er schloß seine aufhetzende Kritik mit den Worten: „Nach dem, ivas Sie da unterschrieben haben, gibt es keine deutsche Souveränität mehr... Eine deutsche Regierung, die ohne Ermächtigung des Reichstages wesentliche Bestandteile der .deutschen Souveränität veräußert, gehört vor den Staats- gerichtshof!" Und um es nochmals ganz deutlich zu machen, welch« weite moralische Distanz zwischen den Dcutschnatio- nalen und der Linken bestehe, verdächtigte er diese einige Sätze später, daß„bei ihr der Respekt vor den franzö- fischen Bajonetten größer sei. als der Respekt vor der Not des Vaterlandes." Herr Reichskanzler, diese Leute sind es, die Sie heute vor der besorgten Kritik des Reichsbanncrführers Hörsing glauben schützen zu müssen. Aber ist will leine Animosität wecken, ich möchte nur die heutige deutjchnationale Empfindlichkeit charakterisieren.— Des Reichsbannerführers Hörsing! Darf ich Sie daran erinnern,«va» er für Sie vor zwei Jahren getan hat, als Sie sich um den Reichspräsidentenposten betvarben? Wie die Millionen seiner Mannen in ganz Deutschland berellstanden, um Ihre Versammlungen zu schützen und ihnen Prunk und faszinierende Kraft zu geben? Mit Ihnen zusammen habe ich damals in einer großen W e rb e v e rs a m ml u n g in Nürnberg-Fürth gesprochen. Es war ein Erlebnis sondergleichen. Das jubelnde Zu- rufen der Tausende kannte kein Ende, ein unermeßliches Vertrauen, das die Schranken der Partei und Konfesston in allgetoaltigem s Sturm durchbrach, hatte sich in dieser Reichsbanncrversammlung aufgehäuft und bot sich Ihnen in einer so keuschen Unmittelbarkeit, mit solcher erschütternde» Hingabe dar, daß Sie vor Rührung kein: Worte fariden und nur immer wieder winlten und mit Gesten zu danken-vermachten. Herr Reichskanzler, aus dem gemeinsamen Erlebnis dieser Stunde habe ich den Mut zu diesem Brief geschöpft. Man wird solche Erinnerungen als Sentimentalitäten belächeln, aber daß Millionen von Proletariern und Nichtkatholiken einem, repräsen- tativen bürgerlichen Katholiken und Akademiker einmal ein be- dingungslosos Vertrauen geschenkt haben und jetzt um den Wert des Erlebnisses jener Stunde zittern müssen— Marx, der Kartell- tragerder Rechten gegen Hörsing!— das ist kein« Sen- timentalität, das ist ein politisches Faktum von solcher psy- chologischer und pädagogischer Tragweite, daß, um es zu vcrnach- lässigen, in der Tat Nerven von Stahl nötig sein dürsten oder-- eine ganz tiefe Bewußtheit einer besonderen Aufgabe. Ich mag nicht in ihr Gewissen dringen, aber ich meine, der Fall Hörsing ist nicht nur ein Punkt auf der deutsch nationalen Tages- ordnung einer kurzen Kabinettssitzung. Herr Reichs- tanzler, es geschieht ein großes Sterben in Deutschland!" Ein eindrucksvoller Brief! Man versteht psychologisch das Wort des Reichskanzlers Marx:„Nicht erinnern!" Marx gegen Virth. Die„Germania" teilt mit:„lieber die Red«, die Dr. W i r t h am 15. Mai in einer Reichsbonner-Versammlung in Königsberg ge- halten Hot, waren Berichte verösfentlicht worden, die, wenn sie zu- treffend uwren, Befremden erregen mußten. Unter anderem sollte Wirth zum baldigen Sturz der gegenwärtigen Reichsregierung aufgefordert haben. Der F r a k t i o n s- v o r st a n d d e s Zentrums hat sich alsbald nach Bekanntwerden mit der Rede Dr. Wirlhs beschäftigt, und den Partcivorsitzenden Dr. Marx gebeten, den Wortlaut der Rede Wirths sestzcstellen. Daraufhin hat Reichskanzler Marx.Herrn Dr. Wirth die Bitte vor- getragen, ihm umgehend eine Mitteilung darüber zugehen zu lassen, ob die erwähnten Aeußerungen tatsächlich von ihm gemacht worden seien." Englische Kommunisten. Gibt es so etwaS? Der Organisationssekretär der Kamintern, P j a t n i tz k i, schil. dert in einer eben(am 19. Mai) abgeschlossenen Artikelserie in der „Prawda" die Organisationstätigkett der kommunistischen Parteien des Auslandes. Uebcr die Kommunistische Partei in England be- richtet er: Im Frühjahr 1926 zählte die Partei nur 6000 Mit- g l i e d e r; während des Bergarbeiierstreiks hat sich die Zahl der Parteimitglieder verdoppelt. Von den neugewonnenen Mit- gliedern fallen aber schon viele ab. So hat die Londoner Organisation vom August bis Dezember 105, die Birminghamer 75. die Sheffielder 200 Mitglieder verloren. In dem Bezirk der Tain«, wo die KP. nominell 3600 Mitglieder zählt,„stehen etwa 1000 Mit- glieder totsächlich außerhalb der Partei".»Die Zahl der Arbeiter. die sich zur Eintragung in die Partei gemeldet haben, überstieg merklich 3600: viele sind aber zurückgetreten, nachdem der erste Auf- schwung vorbei war(nach dem Dcrgarbeiterstreik)." Hollands Kommunisten haben sich aufs neue gespalten. Eine Altzahl ihrer Führer haben sich der syndikalistischen Bewegung angeschlossen. Grund: Haltung der Kommunisten gegen- übsr den Syndikalisten. Jetzt ist Holland mit drei kommunistischen Richtungen gesegnet. Allerdings hätten auch alle drei zusammen nichts zu bedeuten._....... Der Appell der Funktionäre. Bor der Urabstimmung iu der Metallindustrie. Entsprechend dem Beschluß des Metallkartells haben die Funktionäre des Deutschen Metallarbeiteroerbandes gestern abend e i n st i m m i g die Ablehnung des Schiedsspruches des Schlichtungs- ousschusses über den Rahmentarif in der Berliner Metallindustrie beschlossen. Die Einstimmigkeit des Beschlusses der Funktionäre wie die Einmütigkeit, die innerhalb des Metallkartells herrschten. beweist am besten, daß die Gewerkschaften wie die Gewerkschafts- Mitglieder in der Frag« des Achtstundentages keine Handelsgeschäfte einzugehen gewillt sind. Es genügt nicht, daß der Achtstundentag.grundsätzlich" anerkannt wird. Er muß auch tatsächlich durchgeführt werden. Wenn es den Unternehmern frei steht, innerhalb einer Woche fünf Ueberstunden, innerhalb zwölf Wochen 36 Ueberstunden anzuordnen, wenn für diese Ueberstunden nur«in Zuschlag von IS Proz. gezahlt zu werden braucht, also noch 16 Proz. weniger als im Arbeitszeit- notgesetz als.angemessen" vorgesehen ist, dann ist der Acht- stundentag nicht gesichert. Dann haben die Unternehmer den Freibrief, das ganze Jahr hindurch 8X Stunden arbeiten zu lassen. Das ist der springende Punkt. Das hat in erster Linie zur einstimmigen Ablehnung des Schiedsspruches geführt. Aber nicht das allein. Wenn Ueberstunden, die über die angeführte Grenze hinaus geleistet werden sollen, der Zustimmung des Betriebsrates bedürfen, so ist es nicht zu rechtfertigen, daß selbst diese Ueber- stunden gleichfalls nur mit einem Zuschlag von IS Proz. abgegolten werden. Das hat gleichfalls das Metallkartell veranlaßt, den Schiedsspruch abzulehnen. Der einstimmige Beschluß der Funktionäre ist um so bemerkens- werter, als das Metvllkartell, das heißt der engere Ausschuß der Ortsverwaltungen derjenigen Organisationen, die für die Berliner Metallindustrie als Bertragskontrahenten in Betracht kommen, es aus guten Gründen vermieden hat. seinen ablehnenden Be- schluß vor der Diskussion bekannt zu geben. In der Diskussion sprachen sich jedoch s ä m t l ich e Redner für die Ablehnung des Schiedsspruches aus. Diese Einmütigkeit zeigt, daß die verantwort- lichen Führer der Gewerkschaften ebenso wie die Träger der Organi- sationen in den Betrieben nicht gewillt sind, den Achtstundentag preiszugeben. Jetzt haben die Mitglieder selbst das Wort. Jetzt hat die Gesamtheit der Arbeiter und Arbeiterinnen der Metallindustrie die Entscheidung in der Hand. Bor allen Dingen die U n o r g a n i- f i e r t e n, die ja an der Abstimmung nicht teilnehmen können, müssen sich darüber klar werden, daß die Entschlossenheit der führenden Kräfte der Gewerkschaftsorganisationen nur dann zum Steg« ausreichen wird, wenn auch unter der Masse der Metall- arbeiterschaft Klarheit und K a m p f w i l l e herrschen. Klarheit darüber, daß der Achtstundentag nur dann ohne schwierige Kämpfe durchgesetzt werden kann, wenn die große Masse der noch heute Unorganisierten endlich den Weg zur Organisation findet; Klarheit darüber, daß ein Kampf nur dann erfolg- reich geführt werden kann, wenn die große Mehrheit der Arbeiter- schaft ihre gewerkschaftliche Pflicht erfüllt hat. Der Kampfwille drückt sich nicht aus dadurch, daß man sich von der Organisation drückt, sondern dadurch, daß man, dem Beispiel der Unternehmer folgend, alles Trennende zurückstellt und sich einig und geschlossen um die gemeinsame Organisation schart. Der einmütige Beschluß des Metallkartells und der Funktionäre ruft die Metallarbeiterschoft Berlins auf zum organisatorischen Zusammenschluß, zum Kampf und zum Sieg für den Achtstundentag. Dieser Appell darf nicht ungehört verhallen. veutsch-österreichische Zusammenarbeit. Gemeinsame Tagung der AngesiÄltengewerkschafiea. Am 36. Mai tritt im Industriebeamtenhaus zu Berlin die erste Arbeitssitzung von Vertretern der großen österreichischen An- gestelltengewertschaften mit dem Bundesvorstand des AfA-Bundes und seinem Arbeitsausschuß zusammen. Damit wird die deutsch-österreichische Gemeinschaft inner- halb der Angestelltenbewegung aus der bisherigen theoretischen Dis- kussion in die unmittelbare Gemeinschaftsarbeit überge- leitet. Es sollen diesmal vor allem die Probleme erörtert werden, die sich aus der allgemeinen Wirtschaftslage in sozialpolitischer Hin- sicht ergeben. Es ist zu erwarten, daß ein solch ständiger Meinungs- austausch sowohl für die Gewerkschaften Oesterreichs wie für die Deutschlands in gleicher Weife von Nutzen sein wird. Streik bei Leiser. Di« Belegschaft der Schuhfabrik Leiser, die seit Dienstag im Streik steht, hatte«onnabend in Boekers Festsälen«ine Ber- sammlung, in der der Bevollmächtigte H ö r tz des Schuhmacherver» bandes über den Stand der Bewegung berichtete. Er schilderte einleitend die Borkommnisse, die zu dem Streik geführt haben: Schi- kanen gegenüber dem Betriebsrat, ungehöriges Verhalten eines Meisters gegenüber jungen Mädchen usw. Was jedoch den Stein ins Rollen brachte, sind die Antreibermethoden innerhalb des Be- triebes. So beschäftigt die Firma, die die Fließarbeit einge- führt hat, zu Beginn dieses Arbeitsprozesses so viel Arbeitskräfte, daß es den übrigen Arbeitern im weiteren Derlaus des Arbeitsprozesses einfach gar nicht möglich ist, die anfallend« Arbeit zu bewäl- tigen. All« diese Mißstände, auch die sogenannte Kugelkontrolle nach Arbeits schkuß, hat der Betriebsrat versucht, durch Berhanid- lungen abzustellen. Da die Betriebsleitung jedoch den Berhandlun- gen ständig auswich, legten schließlich am Montag einzelne Abtei- lungen und am Dienstag die gesamte Belegschaft die Arbeit nieder. Auch eine Verhandlung, die am Freitag von Hörtz mit der Betriebsleitung und einem Vertreter des jzabrikantenoerbandes geführt wurde, führte zu keinem Ergebnis. Am Montag wird noch einmal im Beisein eines Vertreters des Hauptvorstandes des Schuhmacher- Verbandes und dem Fabrikontenoerband und der Firma oerhandelt und ein Einigungsversuch gemacht. Hörtz erklärte, daß er nichts unversucht lassen werde, ein« Einigung herbeizuführen, daß er aber auch der Firma nahelegen werde, ihre Belegschaft und den Be- triebsrat in Zukunft anders zu behandeln, um ähnliche Konflikte zu oermeiden. Nach einer kurzen Diskussion, in der noch verschiedene andere Mißstände beleuchtet wurden, beschloß die Belegschaft, durch eine Demonstration die Arbeiterschaft aus chren Kampf aufmerksam zu machen und zur Solidarität zu ermahnen. Zwietusch sucht Streikbrecher. Wie wir erfahren, bemüht sich die Firma Zwietusch Charlottenburg, vom Berliner Arbeltsnachweis, von auswärtigen Nachweisen und von der Krisenfürsorge Arbeitskräfte zu erhalten, um die Front der Streikenden zu durchbrechen. Bisher ist ihr aber nur gelungen, 18 Streikbrecher zu werben, von denen ein Teil schon wieder entlassen würde, weil er zu„qualifizierte" Arbeit ver- richtete. Die etwa 300 am Streik beteiligten Arbeiter wissen, daß diese Elemente ihrer Bewegung keinen Abbruch machen können. Sie wissen auch, daß ihnen die Solidarität der Berliner Metall- arbeiter gewiß ist und werden die Arbeit nicht eher wieder auf- nehmen, bis ihre Forderung nach einer zehnprozentigen Lohn- erhöhung restlos erfüllt ist._ Die Differenzen bei Moka-Efti beigelegt. Zwischen der Firma Moka-Efti und dem Zentralverbcmd der Hotel-, Restaurant- und CafS-Angestellten haben Verhandlungen stattgefunden. Der Tarifvertrag für das Groß-Berliner Hotel-, Cafä-, Saal- und Schankwirtschaftsgewerbe ist seitens der Firma anerkannt. Somit sind nicht nur die tariflichen Löhne, sondern auch alle Fragen, also Arbeitszeit, Urlaub. Bezahlung der Krank- heitstage usw. geregelt. Die Firma erklärt, daß sie nicht die Absicht gehabt hat. die gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen zu übergehen. Bezüglich der Arbeitskleider der Serviererinnen ist ebenfalls eine Einigung erzielt worden. Irgendwelche Beanstandungen bezüglich der Garde- roben. Toiletten und Wäsche bestehen nicht. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: S. ltlmgclhöscr: Gewerkschaftsbewcgunz: Z. Steiner; z-uill-ton: Ä. K. DZschrr; Lokales und Conftiaes: FriK Narftödt: Anzeigen: Th. Slotke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärto-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwiirts.Buchdruckeret und Verlagsanlialt Paul Einger u To.. Berlin EW 68, Lindenitrake 3. Sie?,» 5 Beilagen,.llnterdaltuag rnd Wissen-»nd..An» der gilmwelt-. Bademäntel Badecape 8.25 , Bademantel gem. q-a Frottierstoff, für Damen. Bademantel fiemustcrter Frottierstoff"i O A ür Herren#......... Strand jacke 1 Q tz/i aus Frottierstoff........ XO«0\f Frottierstoff /» 0A buntfarb. gemust., 170, cm O.erU Bade-Trikots Damen-Badeanzug schwarz, weißer oder färb,"i<|A Besatz(Steig. 0.15) Or.42 X«OV schwarz, m. Rocku. bunter yl OA Oarnierg.(Stg. 0.30) Gr. 42 schwarz Satin J ea mit Besatz............ 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X• 4 O Nachthemd n A- mit Stickerei.......... W. t/t) Nachthemd q qa farbig, mit Bubikragen.... Ostfil Hemdhose q Aik farbig, mit Spitze.......... d.vl/ Herren Oberhemd Perkai, gefßtt. Faltbrust, Kragen u. Q AA Klappmanschetten O.t/V Weiß. Oberhemd kar. Batisteinsatz Umlege-. Manschetten, gewaschen u. 4 ff A geplättet X:#OU Oberhemd gestreut, o»• A Trikolet,m.Umlegemansch. O.ÖV Selbstbinder| 7- in apart. Farben u. Mustern X• I O Tlich reine Seide, mit bunt. Handstickerei. Ä unUnhendgeknüptter � Damenschinn Halbs., blau, braun, grün, 12 teil.'T QA m.Stangenspltzc.Top-Form|•«/V/ 1 e i d n n g Kleid bedruck! OQ AA Crtpede Chine.......... Bluse weiß Vollvalle.. 3.90 Bluse Bastseide m.Falt.Q mg und Taschen verziert...... J/. i O Kostüm Shetlendstoff, Jacke au» QQ AA halbseidenem Futter.. Ot/.Ul/ Filzhut In hcUsnFarb., P AA mit Bend garniert......... 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Rechts und links vom Bahndamm leuchten grüne Matten, die— oft von niedrigen Hecken durchzogen, meist jedoch nur durch Wassergräben abgeteilt— saftige Weideplätze bieten für stark« schwarzweiß« Rinder, für grasend« Pferde und langhaarige Schafe. Fruchtbares Marschland, aus dem die Bauerngehöste nur vereinzelt und Dorf. gemeinden nur in erheblichen Entfernungen voneinander zu sehen sind, dehnt sich in die Weite. Der Zug führt hinaus bis an die neugczogene deutsch-dänische (Brenz«. Von N i e b ü l l aus, nördlich von Husum, geht der Schienenweg nach Ton de rn, das trotz seiner deutschen Ab- siimmung doch zu Dänemark geschlagen wurde. Neuerdings zweigt sich aber in Niebüll ein weiteres Gleis ab und führt näher der Westküste bis nach ftlanxbüll, einem kleinen Ort« gerade gegenüber der Insel Sylt, der räumlich größten deutschen Nordseeinsel, deren Hauptort das Städtchen Westerland ist. Diese Insel und ihr Hauptort haben vor dem Krieg« und in letzter Zeit in erhöhtem Maße den Fremdenverkehr aus sich gelenkt. Allerdings war dieser Verkehr bis heute ein sehr umständlicher. Denn wer etwa in den drei Monaten des Badebetriebes als Sommerfrischler au» dem Bim-enlande kam, um aus dem Eilande Pidder Lüngs zu verweilen, der mußte mühselig« Fahrten überstehen. Er mußte entweder in Hamburg den Seeweg über Helgoland nach Hörnum— an der Südspitze des langgestreckten Sylt— oder den Landweg nach Tondern�Hoyerschleuse wählen, und dort ebensall» ein Schiff besteigen, das ihn bei günstiger Flut durch das Wattenmeer bringen sollt«. Tondern wie Hoyerjchleuse liegen aber jetzt auf dänischem Gebiete. Deutsche Reisende mußten also die dänische Grenze passieren, die dänische Staatsbahn benutzen, unter Umständen Pah. und Zollschwierigkeiten überstehen, um endlich durch die unbeständigen wasserstandsverhältnisse des Wattenmeeres aus die deutsche Zusei zu gelangen. Von nun an wird das anders sein. Der Vertrag mit Dänemark über die vorläufige Regelung dieses Verkehrs läuft am 31. Mai ab. Dann beginnt ein« neue Art des Verkehrs nach der Znsel Sylt, die gleichzeitig ausgehört haben wird, als Znsel zu existieren. Am 1. Juni 1327 wird die Znsel Sylt zur Halbinsel umge- wandelt sein. Denn cm diesem Tag« wird der neue Eisenbahn- dämm dem öffentlichen Verkehr übergeben, der in jahrelanger Arbeit mitten durch das Wattenmeer hindurch getrieben ist. Auf Sylt ist man daran, Ehrenpforten zu errichten und Stadt wie Dorf «in festlich Gewand zu geben. Der Präsident der deutschen Republik, der in diesen Tagen die Provinz Schleswig-Holstein besucht, soll bei der Einweihung dem Damme auch nach außen den Charakter aufdrücken, der ihm innewohnt: den eines Kultur Werkes von ganz großen Ausmaßen! - Schon lange vor dem Kriege war der Plan aufgetaucht und tu seinen Einzelheiten vorbereitet, aber erst noch dem Kriege gab die neue Grenzziehung den letzten Anstoß zu seiner Ausführung. Da» zwischen dem Festlande und den Inseln gelegene Wattenmeer wird gekennzeichnet durch eine große Anzahl von Sandbänken (Watten), die nur spärlich vom Wasser bedeckt sind. Aber sie werden durchzogen von einer Reihe von mehr oder weniger tiefen Rinnen, die ihrer Natur nach als.Tiefs' bezeichnet werden. ?m Zahre 1321 begann man mit dem van der Festlandstrecke von Niebüll nach klanxbüll. um von dort ms Wattenmeer vorzustoßen. Aber nur langsam ging diese Arbeit vonstatten. Mit Pfahlrosten und Spundwänden, die mühsam vorgetrieben werden mußten, wurde zunächst oersucht, das Wasier abzudämmen. Aber die Flut riß oft ganze Reihen der«ingerammten Pfähl« fort, so daß immer wieder von neuem begonnen werden mußte. Schließlich brachte man zu Schiff die notwendigen Arbeits- Materialien noch Sylt hinüber und begann auch von dort die Arbeit, um das Meer zu überwältigen, heute steh», nach fast vierjährigem Die Brücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 13� von B. Traven. Copyright 1927, dy B. Traven, Tamaulipas(Mexiko). Der Küchenofen ist eine große Kiste, die mit Erde ans- gefüllt ist und auf vier Pfählen ruht in einer Höhe, daß sie recht handlich für die Frau ist. Auf dieser Erde in der Kiste brennt ein offenes Holzfeuer, dessen Flammen durch einige rohe Steine zusammengehalten werden, damit die Hitze dicht an die Blechkanne kommt, die unmittelbar auf dem brennen- den Holze steht. In einem irdenen Topfe, der neben der Kanne aus dem Feuer steht, sind schwarze Bohnen zum Kochen aufgestellt für den Fall, daß jemand Hunger bekommen sollte. Ein Blech steht bereit, auf dem die Pumpmeisterin Tortillas anzuwärmen gedenkt. Der Schilfkorb in dem sie Tortillas, die vom letzten Mahle übrig geblieben sind, aufbewahrt, hängt an einem Draht, der an einem der Stämme befestigt Ist, die das Gras des Daches halten. ' Die Garza ist zu ihrer eigenen Hütte gegangen. Was sie dort sucht oder erwartet, weiß sie selbst nicht zu sagen. Sie kommt jetzt wieder über die Brücke zurück, die Laterne an der herunterhängenden Hand tragend. Ein« Weile sieht sie den Tauchenden zu, dann geht sie weiter zur Pumpe, völlig gedankenlos und in einer Weife, als ginge sie das alles, was hier geschieht, nichts an. Manuel sitzt stumpf und brütend auf einer Bank. Als er die Garza plötzlich vor sich sieht, blickt er sie groß mit leeren Augen an wie ein« Fremde. Dann, als ob ihm etwas einfiele, steht er rasch aus. geht über die Drücke und wanden auf dem sandigen Wege, der auf der anderen Seite durch den Dschungel zu fernen Dörfern führt, in die Nacht hinaus. Der Pumpmeister wirft unermüdlich seinen schweren eisernen Haken hinaus in den Fluß und zieht ihn sorgfältig ein, manchmal leer, manchmal mit einer Last Wasserpflanzen und Gestrüpp beladen. Die Tauchenden fangen an, müde zu werden, immer seltener tauchen sie unter und immer länger müssen sie sich an die Drückenpfeiler klammern ober in der Näk)« des Ufers, wo das Wasier weniger tief ist und sie stehen können, zum Aus- ruhen aufhalten. Da das Wasier nun auch immer kühler wird, fangen sie auch noch an zu frieren. Der weißbaarige Alte muß aufgeben. Und bald schwimmen auch die jüngeren ans Ufer, holen sich ihre Hosen, Hemden und Sandalen und laufen zu den Feuern, die ebenfalls Zeichen von Müdigkeit zeigen und lange nicht mehr so lodernd und lebhaft brennen wie ein« Stunde bevor. Denn die Burschen und Männer müsien immer weiter in den finsteren Dschungel kriechen, um das notwendige Holz heranzuschleppen. Schließlich fallen die Feuer gänzllch zusammen, und sind bald nur noch Gluthaufen. Di« flammenden Aeste und Scheite, die auf der Brücke als Fackeln dienten, sind nur noch funken- sprühende Keulen, die ausgedient haben und wertlos ins Wasier geschleudert oder in die Gluthaufen am Ufer geworfen werden. An der Pumpe ist ein« der Laternen ausgegangen und ein Junge läuft mit der Laterne zu den Hütten, um Petroleum zu borgen. Zwei der Taucher stehen an einem Gluthaufen auf dieser Seite und rauchen. Sie haben sich nicht angekleidet, sondern das Hemd nur um die Hüften gewickelt um wieder bereit zu fein, sobald sie gerufen werden sollten. Denn es kann ja jemand einen neuen Gedanken haben. Die Leute alle, insbesondere die Männer, die im Fluß getaucht haben, halten nun die Geschichte, die die Garza erzählte, für wahrscheinlich und dennoch glaubt niemand, daß der Junge im Wasier ist. Sie haben keinen anderen Gegen- beweis, als allein nur den, daß ein Mensch, auch wenn er nur ein Junge ist, nicht so leicht und geräuschlos stirbt. Der Tod ist ein so großer Vorgang, daß er nie schweigeich sein kann. Da ist immer Geschrei damit verknüpft, oder Schießen, oder Stechen, oder Sturz vom Pferde, oder Krach eines gefällten Baumes, oder das Plätschern und Kreischen eines ins Wasier Gefallenen, oder das Herumwälzen des an den Blattern Erkrankten. Daß der Tod inmitten von sechzig oder mehr Menschen, die sich zum Tanze versammelt haben, so ganz still erscheinen könne, ohne daß sich auch nur die Luft bewegt, das begreift keiner von diesen Leuten. Man hat auch nur alles das getan, um der Mutter zu zeigen, daß sie nicht allein auf der Welt ist, und daß man das einzige Hemd, das man hat, hergeben nürde, könnte man ihr damit den Sohn zurückbringen. Nun beginnen einige Männer mif einer langen Stange, die sie sich geschaffen haben, dadurch, daß sie zwei dünn« Stämme mit Bast zusammenbanden, den Grund des Flusies an der ganzen Brücke entlang abzutasten, weil jemand den Gedanken hatte, man könne mit einer Stange den Körper deutlich fühlen, fall» er überhaupt im Wasier fei. Das Bild hat sich völlig verändert. An den glimmenden, verlöschenden Feuern sitzen oder stehen die braunen Gestalten herum, rauchend und redend. Sie sind so ungewiß beleuchtet, daß man nur bewegende Schatten sieht. Ein erregtes Gespräch hebt an, daß plötzlich abbricht, als habe es die Nacht verschlungen, um bei einer anderen Gruppe auszubrechen, als sei es unterirdisch hin- übergekrochen. Dann hört man nur halblautes Reden, aber sieht heftige und eindringliche Gesten. Auf der Brücke sitzen andere, kauern oder halten die Beine über den Rand der Brücke und schaukeln mit den Füßen. Andere wieder, die nichts Besseres zu tun haben, wehen die verglimmenden Aeste durch die schwarze Luft und zeichnen funkelnd« Figuren. Irgendwo in einem Winkel der Nacht wird auf der Mund- Harmonika gespielt. Aus einem anderen Winkel der Finster- nis hört man das Kichern eines Mädchens und das hastige, unterdrückte und erregte Sprechen eines Mannes. Dann wieder von einem anderen Winkel ein hartes, abweisendes und beinahe schimpfendes Hin- und Herreden eines Paares, das sich verkrochen hat. Bon ferner her das unternehmende lustige Pfeifen eines Burschen, der in der Stimmung eines Siegers zu sein scheint. Auf dem Pumpplatze haben sich wieder Gruppen gebildet, die meist mit langen Pausen sprechen, weil schon alles zwan- zigmal gesagt worden ist. Die Frauen und Mädchen sitzen herum oder gehen, ohne sich jedoch vorzudrängen, zur Küche der Pumpmeisterin, wo sie heißen Kaffee in kleinen Emaille- tasten erhalten. Der Kaffee ist schwarz und jedesmal, wenn die Frau eine Tasse hinreicht, deutet sie auf eine Konserven- büchse, die mit Zucker gefüllt ist und neben der eine kleiner Löffel liegt. Die Pumpmeisterin hat nur fünf Tasten, alle verschieden in Form und Farbe und mit diesen fünf Tasten versorgt sie alle Frauen mit Kaffee. Aber der Kaffee ist bald all« und die Pumpmeisterin beeilt sich, frischen zu kochen. Niemand trinkt mehr als«ine kleine Taste, manche der Frauen trinken die Tasse mir halb und reichen die andere Hälfte ihrer Nachbarin: denn die Nacht ist nun recht hübsch kühl geworden und jedem wird ein Schluck heißer Kaffee wohltun. Auf der Drücke sind ewige der Männer immer noch damit beschäftigt, die Längsseiten der Drücke Schritt für Schritt mit der Stange abzutasten. Jetzt krähen die Hähne zum ersten Male in der Nacht. Also ist e» elf Uhr.(Fortsetzung folgt.) ooo Jtaf trat) swnnstut off Utfll)«, hat Bnf oodraM. Mnf ein« Sohle von 50 Meler Beeile«heW sich d« Domra, noch ben Seiten mehrfach gestuft, in einer so respektablen Höhe, daß die Dammkron«, mit den Gleisen 11 Meter breit, die größte, je be» obachtete Sturmfluthöhe noch um fast zwei Meter überragt. Nach menschlichem Ermessen ist also kaum damit zu rechnen, daß dieser Damm jemals von Sturmflukwellen überspült werden könnte. Nicht weniger als 11 Kilometer lang ist allein der Steindamm durchs Wattenmeer, die anschließenden Bahndämni« auf dem Fest- land und der bisherigen Insel nicht gerechnet. Welche Bedeutung die Vollendung dieses Kulturwerkes für den Verkehr nach Sylt haben wird, ist leicht zu überschauen, wenn man sich vergegen- wärtigt, daß die Fahrt von Berlin nach Sylt bisher bei günstig» st e n Bedingungen, d. h., wenn die Flutverhältnisie den unmittel. baren Anschluß an den Dampfer in Hoyerschleuse ermöglichten, und bei unmittelbarem Anschluß in Hamburg, nicht weniger als zwölf Schnellzugsstunden betrug. Zumeist war jedoch noch Uebernachten in Hamburg und damit weiterer Zeit» und Geldverlust verbunden. In Zukunft werden die Schnellzüge des Sommerverkehrs von Berlin nach Westerland wahrscheinlich nur rund neun Stunden brauchen. Trotzdem wird der Fahrpreis wegen der Streckenverkürzung um ein wesentliches verbilligt werden. Diese Verbilligung wird sich besonders auch im Nahverkehr auswirken und den Sylter Friesen die Möglichkeit geben, an einem Tag« die Reise auf das Festland zu machen, während sie bisher dazu meist drei Tage brauchten. » Die Aesamtkosteu de» Baue» beziffern sich auf rund 25 Millionen Mark, davon die de» Meerdamme» allem iSü Millionen. Der preußische Staat hat erhebliche Mittel dazu beigesteuert, während der Bau als ganzes als ein Werk der Reichs- bahn gilt. Auf Sylt wird man in den nächsten Tagen Feste feiern, weil die Insel nunmehr erst richtig mit dem Festland verbunden ist. Ohne die Ueberschwenglichkeiten solch« Festesstimmung ab« hat auch das arbeitend« Volk auf der jetzigen Halbinsel wie auf dem Festland Freude an dem Gelingen des W«kes, da» noch in ferner Zukunft von dem Können unserer Technik und dem Fleiß uns«« Arbeiter zeugen wird. Denkstein für Rathenaul Aus republikanischen Kreisen werden wir um die Veröffentlichung d« folgenden Anregung gebeten: In kurz« Zeit jährt sich zum fünften Male d« Trauertag, an dem Walther Rathenau von hinterlistiger Bubenhand den bürg«- lichen Heldentod erlitt. Der 24. Juni 1922 wird in d« Geschichte der Gegenwart ein folgenschw«« Gedenktag bleiben. Di« Republik hat die unabweisliche Pflicht, sich offen zu ihrem Manne zu bekennen. Dem Vorschlage der Stadt Berlin, zur Erinnerung an seinen Opfertod die an d« Mordstelle vorbeiführend« Königsallee (so benannt nach einem Gemeindebaurat der ehemaligen Kolonie» gemeinde) in Raihenau-Allee umzutaufen, hat sich 1923 die der Kolonie übergeordnete B«zirksv«ordnetenversammlung In nicht mißzuverstehend« Weise entgegengestemmt. Es war recht bezeichnend für den Geist diel« Herren, diese taktvolle Totenehrung zu ver- hindern..:. D« Magistrat hat damals keine Mittel und Wege ge- funden, üb« die Köpfe dieser Mann« hinweg seinen Willen zu verwirNichen. Ab«, wenn man in diesen Sommertagen bedächtig durch die Kolonie Grunewald schreitet, wenn man an der Zknickung d« Königsallee, Ecke Wallot- und Erdenerstrahe nach einer schlichten Tafel sucht, ohne ein Wahrzeichen für Waith« Rathenaus herbes Schicksal zu finden, dann wird einem weh ums Herz. Und d« innige Wunsch lebt auf, all« gutgesinnte Menschheit aufzurufen: Ehrt die TMSdfleve mit einkm eures besten Toten würdigen Denkniall Zeichnet st« fiir imm«! Den Saalerfer Friedhof, wo sein« Mörder an der Mauer ihre unrühmliche Ruhstatt fanden, haben jene„national"' verwirrten Kreise in einen wahren Wallfahrtsort verwandelt. Noch heute nach fünf Jahren werden von fanatischen Abordnungen immer neue Kränze mit schwarzweißroten Schleifen unter Trauermarschklängen niedergelegt! So verherrlichen v«» blendete Abenteur« ungestraft ihre Mordmandatarel Der Zorn über dieses übermütige Treiben, das ich noch kürzlich bei ein« Fahrt durch Thüringen beobachten mußte, zwingt mir die Feder in die Hand: Ein einfacher Denkstein an der Todes stelle ist wohl das wenigste, das Deutschland seinem Rathenau schuldet! Man müßte glauben und hoffen, daß sich sofort Unzählige gleich« Gesinnung finden werden, die diese Anregung aufgreifen und durchführen werden. �_ Professor Dr. H. /»Die Polizei als Ehehindernis." In der Nummer 235 vom 20. Mai 1927 berichteten wir unter der Ueberschrist:„Eine Trauung im Untersuchungsgefängnis. Die Polizei als Ehehindernis" über die Schwierigkeiten, die eine junge Ausländerin i» Berlin zu überwinden hatte, ehe sie in den Hasen der Ehe einlausen konnte. Es war darauf hingewiesen worden, daß die Berliner Polizei, als sie von der beabsichtigten Heirat hörte, die Aufenthaltsgenehmigung verweigert haben soll. Dazu stellt uns die Pressestelle des Polizeipräsidiums folgende Berichtt- gung zu: Fräulein D. wurde am 23. August 1925 nach vorherig« Bestrafung wegen Paßvergehen» aus dem Reichs- gebiet ausgewiesen. Nachdem ihr eine letzte Ausreisefrist bis zum 31. Dezember 1925 bewilligt worden war, ist Fräulein D. in ihre Heimat Kischineff zurückgekehrt. Dort hat Fräulein D. unter B«- ichweigunf) ihrer erfolgten Ausweisung sich dann bei d« deutschen Paßstelle in Bukarest einen neuen Cinreisesichtvermerk er- schlichen und ist im März 192? wieder hierher eingereist. Sie wurde deshalb vom Amtsgericht wegen Bannbruchs mit zehn Tagen Gefängnis bestraft. Unter diesen Umständen war die BurcnthaOMrtaitafe durch Mi Pchhch«fMrf«d- UchMoW jiiläffta. „Paß oergehen",„Bannbruch" und erschlichen« Einreis«. vermerk" mögen gewiß Vergehen sein, die Gericht und Polizei ahnden müffen. Fräulein D. hatte aber dach nicht etwa die Absicht, die Gesellschaft jener üblen Ausländer, die es verstehen, trotz wieder- Holter polizeilicher Ausweisung, sich immer wied« in Deutschland einzuschleichen, zu vermehren. Sie wollte sich in Deutschland verheiraten, und es lag gewiß kein Grund vor, ihr dieses Vorhaben lediglich formal« Vergehen wegen zu erschweren od« wohl gar unmöglich zu machen. Dienstag, den 31. Mai. 7V, Uhr abend», im Lehrer- Vereinshaas. Alexanderstraße 41 Allgemeine Zunkiionär-Versammlung vorkrag:„Die faschistische Gefahr". Resereak: Genosse Modigliani»Italien. Mitgliedsbuch und Funktionärausweis für 1927 legitimieren. Der Vezirksvorstaud. Der Mörüer öer Gräfin Lambsüorf. Ei» Vorspiel zum Schwurgerichtsprozeß Böttcher. D« Masienräub«, Lust- und Raubmörd« Karl Böttch«. d« sich Ende Juni vor dem Schwurgericht III wegen sein« zahlreichen Kapitalv«brechen zu verantworten haben wird— d« ursprünglich auf den 23. Juni festgesetzte D«handlungstermm ist inzwischen aus eine Woche hinausgeschoben worden—, gab gestern ein kleine» Gastspiel als Angeklagt« vor dem Einzelrichter de» Amtsgerichts Mitte. Bei dies« Anflöge handelte es sich um unerlaubten Waffenbesitz. D« Böttcher abgenommene Revolv« Ist von Ihm wahrscheinlich bei vielen seiner verbrechen als Werkzeug benutzt tvor&eny Al» man Ihn mit dem Revolver ohne Waffenschein betraf. hatte man allerdings noch keine Ahnung, daß« d« vielgesuchte Räub« und Mörder sei. Deshalb bekam Böttch« auch nur einen Strafbefehl und hatte hingegen Berufung eingelegt. Den Revolv« und die Patronen hatte er von einem Hausdien« V r e e In d« Hamburg« Straße gekaust, und dieser wiederum hatte ihn zu- sannnen mit seiner Braut Rabige bei d« Baronin v. R e> b n i tz gestohlen. Da» Pärchen ist b«eit» wegen dieses Diebstahl» zu je zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Böttcher wurde unt« stark« D«vachung in den G«icht»saal geführt. Dem schmächtigen mittelgroßen Fünsundzwanzigjährigen traut man es kaum zu, daß« so schwere Schuld auf sich geladen hat. Er erschien gut angezogen in dunkelblauem Anzug und gelben Halbschuhen. Ruhig und gleichmütig antwortete« auf alle Fragen und nicht wie einer, d« mit doppeltem Todesurteil bedroht ist. v« hellblond« junge Mann mit gutrnüttg blickenden wasierblauen Augen sieht nach feinem ersten Eindruck auch nicht wie di«„Sozial- bestie" aus, als die er von den medizinischen Sachverständigen be. zeichnet worden ist. Böttch« gab zu, keinen Waffenschein besesien zu haben. Es stellte sich heraus, daß Ihm vorher schon einmal ein Revolver abgenommen worden war, und daß« dafür eine Straf« erhalten hatte. Er erklärte aber ruhigen Tone», daß es ihm stets ein Leichtes gewesen sei, sich sofort eine neue Waff« zu beschossen, sobald ihm eine Pistole beschlagnahmt worden war od« wenn sie ihm bei seinen„Unternehmungen" auf irgend«ine Weise abhanden gekommen war. Rechtsanwall Dr. Mendel machte geltend, daß dieses Bergehen in gar keinem v«hältni» zu den demnächst vor dem Schwurgericht zur Aburteilung kommenden Fällen de» Raubes und der Notzucht, sowie zu den zu erwartenden Strafen stehe. Wegen der Geringfügigkeit beantragte er gemäß Z 154 vorläufig die Einstellung dieses V«fahrens. Da der Amtsanwalt ohne Genehmigung nicht die Zustimmung zu der Einstellung geben konnte, beschloß der Amtsrichter, die Akten der Amtsanwaltschaft zur Entscheidung über die Anregung des Verteidigers zu überweisen. Die Verhandlung wurde infolgedesien vertagt, und Böttcher in die Mörd«zelle de» Untersuchungsgefängnisses zurückgebracht. Die Vierzehnjährige als Kriminalistin. Unvermutet wurde gestern mittag ein Ladenkafsendieb fest- genommen, der sich in einem Lebensmittelgeschäft in der Wiclef- straße 24 ohne Erfolg versucht hatte. Ein junger Mann kam dort in den Laden, während die Inhaberin sich in den Hinteren Räumen aufhielt. Er machte sich sosort über die Kasse her, fand sie aber verschlosien. Als er versuchte sie auszubrechen, rief da» Ge- rausch die Geschäftsfrau herbei. Jetzt ergriff er schleunigst die Flucht und entkam trotz der Hilferufe der Ladeninhaberin. Dennoch hatte er sich zu früh gefreut. Ein 14jähriges Mädchen hatte den Vorgang beobachtet. Ganz still und unauffällig folgte sie dem Flüchtigen, der bald seine Schritte mäßigte, als er sich auß« Gefahr glaubte. In der Nähe der Charlottenburger Gasanstall machte sie einen S ch u p o b e a m t e n auf ihn aufmerksam und ließ ihn festnehmen. Der Ertappte wurde erkannt al» ein 21 Jahre alter Schornsteinfegergeselle G u st a v W e e l a n d, der sich wohnungslo» in Berlin aufhiell und dem erst kürzlich«in gleich« Streich gelungen war._ (Eine Seele von Hauswirt. Wir hatten unt« dieser Spitzmarke einen Bericht gebracht, der die Ausnutzung d« Notlag««Ines Mieters durch einen Hauswirt schilderte. Der Hauswirt war zu der sehr milden Strafe von 500 Mark verurteilt worden. D« Staat»- a n w a l t hat jetzt gegen die» Urteil Berufung eingelegt. VeltfHeüe«— Veltarbekt. Weltverband der Bölkerbnudgesellschafte». Am 28. Mai, nachmittags 1 Uhr, empfingen die städtischen Körperschaften die in Berlin anwesenden Teilnehm« an der Elften Vollversammlung des Weltoerbandes der Völkerbund- gellschaften im Feftsaal des Rathauses. Als Gäste waren«- schienen: die diplomatischen Vertreter von Belgien, Bulgarien, Frank- reich, Griechenland, Großbritannien, Japan, Italien, Letttand, Litauen. Oesterreich. Polen, Rumänien. Tschechoslowakei. Vereinigte Staaten von Nordamerika, sowie der Länder: Baden, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Lübeck, Thüringen, Waldeck, Württemberg. Ferner waren anwesend: der Landtagsvizepräsident v. K r i e s, der preußische Iustizminister Dr. Schmidt, der Polizeipräsident sowie die Vertret« des Auswärtigen Amts, der Hochschulen, des Handels und der Industrie. Bürgermeist« Scholz hielt eine Ansprache, di« in folgendem Wunsche ausklang:„Mögen Ihnen aus der heutigen und kommenden Zeit in Ihrem Ringen um die Dölkerbundideen zahl- reiche Bundesgenossen werdenl Daraus erhebe ich mein Glas, daß man sich finde im Geiste des Völkerbundes, von der Arbeit des Weltverbandes geführt, Hand in Hand in dem großen Gedanken: Weltfrieden! Weltarbeit! Glück der Menschheilt" Maitag der Kinderfreunde. Dt«„Kinderfreunde" hatten am Himmelfahrtstag ihre diesjährige Maiveranstaltung. Regen. Wolken und für den Mai ungewöhnliche Kälte ließen bange Zweifel aufkommen, ob es möglich sein würde, den sett langem geplanten Kinderfreunde-Maitag programmäßig verlaufen zu lasten. Alle Kreise aber«klärten d« Leitung telephonisch, daß sie kommen würden. Und dann kamen sie auch alle in bunten Zügen, bekränzt und bebändert und üb« den vielen Buben und Mädeln flatterten die roten Fahnen froh im Winde. Bald sah d« Volkspark in Neukölln ein buntes Treiben. Kinderlachen und Frohsinn erfüllte ihn und es war, als ob dieses Lachen den Wettergott milder gestimmt hätte, denn zuweilen blickte die Sonne aus trübem Gewölk. Der Vormittag wurde durch eine Festansprache de» Genossen Sabbat beschlosten. Am Nachmittag sah man die Jugend wieder bei frohem Spiel, an dem Helf« und Kinder sich gemeinsam fröhlich beteiligten. Gerade der Ton. d« hier zwischen Kindern und Erwachsenen herrscht, zeigt, wie groß da» Vertrauen innerhalb d« Gruppen ist und die ganze Art der Deranstaltung bewies auch, daß wir allen Grund haben, froh In die Zukunft zu blicken. Alle Helf«, die diesen Kinderfreunde-Maitag«lebten, werden mit neuer Kraft an die Arbeit gehen, die sie im Dienste des Proletariats leisten. Die Kind« ab« werden mit Ungeduld an das nächste große Tressen denken. Giue Flasche Kognak«nd fünf Zigarren ISO Mark. vor dem Schöffengericht Mitte gelangte ein Fall der Bestechung eines Wohnungsbeamten, des Stadtafflstenten Aue, zur Aburteilung. Ein Wohnungsuchender, der übrigen» jetzt selbst Hilfsangestellter beim Magistrat in Neukölln ist, hatte seinem Unmut darüber, daß « trotz Drmglichkeitsscheines keine Wohnung bekommen konnte, in ein« beamte auf seine mündlichen Vorstellungen ihn zu einem bestimmten Tage wieder auf» Wohnungsamt bestellt habe und ihm dann einen Dringlichkeitsschein. den er inzwischen bei der Wohnungskommission "' habe. Zugleich habe der gsamt anwesenden Herrn hatte genehmigen lassen, ausgehändigt habe. Zugleich habe der Stadtassistent ihm einen beim Wohnungsamt anwesenden Herrn namens Weidle al» den Mann vorgestellt, der ihm nunmehr eine Wohnung beschaffen könnte. Weidle sei mit ihm aus die Straße egangen und habe ihm eine Hofwohnung in der Oranien- jt r a ß« angeboten. Do» sollte aber 250 M a r k tosten. D« Zeug« war nicht darauf eingegangen. Beim Verlassen des Wohnungsamtes "abe er dem Beamten für feine Freundlichkeit eine Flasche a g n a t übergeben, nachdem er ihm b«eit« früh« einmal fünf igarren geschenkt hatte.— Der Zeuge Weidle wollte von nichts wissen. Als Landgerichtsdirektor Steinhaus ihn aber auf die Folgen des Meineides aufmerksam machte, schränkte er vor der Eidesleistung sein Bestreiten dahin ein, daß« sich auf nichts mehr besinnen könne. Zugunsten des Angeklagten ergab sich, daß der Zeuge aus einen Dringlichkeitsschein Anspruch hatte, so daß die Pflichtwidrigkeit der Handlung de» Angeklagten in Fortfall kam. Er wurde daher nur wegen einfacher Bestechung verurteilt und«hielt 15 0 Mark Geldstrafe. Neubau der Knobelsdorff-Brücke in Charlottenburg. Die frLh«e Stadtgemeinde Charlottenburg hat fein«- zeit die in Holz ausgeführte Knobelsdorsibrücke über die Ringbahn von d« Eisenbahndirettion mit der vertraglichen Bindung Über- nommen, im Dezember 1915 einen Neubau vorzunehmen. Diese Verpflichtung ist mit Rücksicht auf den Krieg und die folgende In- flationszeit im Einvernehmen mit d« Reichsbahn verschoben worden. Nunmehr ist die Brücke aber derartig baufällig ge- worden, daß eine weitere Benutzung nicht mehr zu verantworten ist, und die Reichsbahn mit der Sperrung wegen Letriebsgefahr droht. Die alle hölzerne Brücke soll nun durch ein« eiserne Konstruktion von rund 250 Met« Länge ersetzt werden. Die Breite des Fahrdamms ist mit Rücksicht auf di« eventuelle spätere D«legung von Straßen- bahngleisen auf 11,50 Meter, die Breite der Bürgersteige auf je 4 Meter vorgesehen. Zur Vermeidung von Beschädigungen der Eisenkonstruktion durch die Rauchgase werden die Eisentetie zum Teil mit Beton umgeben. Die K o st e n für die Stadt betragen 700 000 Mark, ein Teil der Gesamtkosten trägt die Reichsbahn. Infolge der Baufölligkeit der alten Brücke sollen die neuen Bau- arbeiten unverzüglich aufgenommen w«den. cÄ? W! Mengenabgabe vorbthaeten. 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Weshalb er nicht sofort dem Schnellrichter beim Polizeipräsidium vorgeführt wurde, ist nicht ganz verständlich. Wäre das geschehen, so hätte sich seine Schuldlosigkeit sofort feststellen lassen; aus diese Weise wären Ihm sechs Wochen Untersuchungshaft«r- spart geblieben. Run hatte er sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu verantworten. Den Vorgang schilderte er so: er fuhr auf seinem Rade von der Behrenstraße durch die Charlotten- straße über die Straße Unter den Linden. Einen Verkehrsposten gab es am Sonntag nicht; Fahrzeug« und Publikum regulierten den Verkehr aus eigener Machtvollkommenheit und auf eigenes Risiko. Eben war er im Begriff, die Straß« Unter den Linden zu überqueren, als ihm ein von der Seite kommendes Auto den Weg versperren wollte. Er mußte schnell nach links abbiegen, um nicht unter das Auto zu geraten und stieß im nächsten Augenblick die alte Frau um, die sich in Legleitung ihres Mannes befand. Die alte Frau siel so unglücklich auf den Hinterkopf, daß sie starb. Ein Zeuge bestätigte den Vorgang: Der Angeklagte habe nach links ausbiegen müssen, wenn er nicht unter das Auto kommen wollte. Der Staatsanwalt beanttagte S Monate Ge- fängnis wegen fahrlässiger Tötung. Der Angeklagt« erklärte: Nichts zu machen, ich lasse mir nicht oerurteilen. Besser sitze ich 10 Jahr« in Untersuchungshaft, wo ich unschuldig bin. Der Vorsitzende rügte zwar scharf das ungebührliche„Nichts zu machen�, oerkündete aber nach kurzer Beratung den Freispruch des Angeklagten. Sein« v Wochen hat er aber doch sitzen müssen. Der alte Herr in Schwarz wird aber diesen Sonntagsspaziergang Unter den Linden, den er mtt setner Frau wohl jahrzehntelang unternommen hat, bis an einer schabhafte» Steil« de, Scho,»stein» war in der im dritten Stockwerk gelegenen Tischlerei von R. Feuer ausgebrochen, da, an Holzmaterialien reiche Nahrung fand. Es gelang den Brandherd zu lokalisieren und durch Wasser- geben au» mehreren Schlauchleitungen nach einhalbstündiger Tätig- keit niederzukämpfen._ Zwei Jubilare öer Genossenschastsarbeit. Nicht oft kommt es vor, daß der 2Sjährig«n Arbeit leitender Genossenschafter gedacht werden kann. In diesem Jahre können aber zwei bewährte Genossenschaster auf erfolgreiche SSjährige Arbett im Vorstande des Verbandes Ost deutscher Konsumvereine E. B. zurückblicken: Paul Müller(Berlin) und Albert Buch(Brandenburg). Sie traten um die Jahrhundert- wende in die genossenschaftliche Verwaltungstätigkeit ein, wurden in Anerkennung ihrer Verdienst« um die Förderung der Gesamt- Interessen der Konsumgenossenschaftsbewegung 1902 in den Vorstand de» Verbandes gewählt und nehmen noch heute die Interessen aller Genossenschaften im Osten Deutschlands wahr. Ihrer langjährigen Genossenschaftsarbeit gedachte auf dem SZ. Verbandstag das Aufsichtsratsmitglied Paul Lange. kommunale Konferenz am Montag, dem 30. Mai. IVi Ahr abends. Im Berliner Rathaus ( S tadwerordnetensihungssaal). Tagesordnung: Der Berliner hanshallsplan für 1927— die Stellung der Rathen». Parteien zn demselben. Referenk: Genosse Dr. Lohmann. An- schließend Aussprache. Zutritt haben alle kommuaalpolillsch tätigen Mitglieder der SPD. Mitgliedsbuch legitimiert. Da» kommunal« Sekretariat des vezirksoerbandes Berlin der SPD. In seiner Ansprach« wie» er daraus hin, daß unter Schulze-Delitzsch der„Allgemein« Verband deutscher Erwerbs, und Wirtschaft saenossenschaften" die Orgonisattan der Kreditverein«, Handwerkergenossenschaften und der Konsum- vereine war. Unter Dr. Hans Crüger erfolgte der Ausschluß von SS Sonsumgenossenschasten, weil fi« Wesen und Ziel der Ge- nossenschaften nicht nur darin sahen, den Mitgliedern billige Waren zu vermitteln, sondern auch darin, die Bedarfsgüter immer mehr in eigenen Betrieben herzustellen. Dieser Ausschluß wurde der Anstoß, daß fast all« konsumgenossenschaftlichen Verbände den Austritt aus dem Allqemeinen Verband beschlossen. Zu ihnen gehörte auch der Verband Ostdeutscher Konsumverein« Di« Entscheidung fiel auf dem außerordentlichen Verbandstag am TS. November 1902. Infolge der Auseinandersetzungen mußte eine Neuwahl zum Vorstand vorgenommen werden, und in ihr wurden die Genossen Hermann N e u d« ck(Brandenburg), Paul Müller(Berlin) und Albert Buch(Brandenburg) gewählt. Die beiden zuletzt genormten Genossenschafter, die damals schon nicht mehr ganz sung waren, haben ihre ehrenamtliche Tätigkeit bis auf den heutigen Tag durchgeführt. Genosse Lange dankte ihnen, die beide am Verbandstag« teilnahmen, für ihre treue Arbeit, mtt der sie vielen«in Vorbild gewesen sind und sein werden. Noch der Ansprache überreichte der Redner jedem Jubilar«ine künstlerisch ausgestattet« Ehrenurkunde. Belm Skispringen tm Schneepalast schwer verunglückt. Im Schneepalast in der Ausstellungshalle am Kaiserdamm er- eignete sich gestern abend ein schwerer Unfall. Der Kauf- mann Heinz W. aus der Lietzenburger Straße 7 zu Charlottenburg kam nach einem mißlungenen Absprung von der Schanze so unglücklich zu Fall, daß er sich schwere innere Derletzungen zuzog. Durch das Städtische Rcttungs- amt wurde W. in bewußtlosem Zustande in das Hildegard- Krankenhau» gebracht, wo er sehr bedenklich daniederliegt. Fertensonderzng nach Polen für Sinder. Einer beschränkten An- zahl von Kindern kann es möglich gemacht werden, ihre Ver- wandten in Polen während der Sommerferien zu be- Iuchen. An dem Transport können nur Kinder, deren Eltern eutsche Staatsangehörige sind, beteiligt werden. Die Kosten betragen 7 Mark für jedes Kind. Anträge sind umgehend im Rathaus Treptow, Zimmer 52, zu stellen. L«zirk»dlld»ng»ao»schuß. Di« Konferenz aller in der BildunaSarbeit tätigen Genossen findet am Montag, dem 30. Mai, abends 7'/, Uhr, im llrattionSIaal der SPD. im LandtagSgebäude, Prinz-AIbrecht-Strafie. statt. Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit de» BezirkSbildungSausschuffeS, Bericht von der Konferenz der BeziitSbitdungSauSIchüffe in Kiel, Aus- lprache. Et wird um zahlreichen Besuch gebeten,— Opern- Vorstellungen: Sonnabend, den«, Juni, in der Städtischen Oper, BiSmarckstraße. Zur Aufführung kommt.Walküre' von Richard Wagner. Karten zum Preise von 1,80 M. sind w unserem Bureau zu haben. Die Pläße werden verlost. LlnSbergh te Srüffel. Der Ozeanflieger Ltndderah hat am Sonnabend mittag Paris verlassen. Schon um 7 Uhr morgens war er auf dem Flugplatz, um die Reparaturen zu vollenden und den Motor zu überprüfen. Mit gemischter Freude stellte der Flieger fest, daß aus dem Flugzeug allerlei kleine Gegenstände von„Sammlern" entwendet waren, so Kartenmaterial, Sitzkissen usw. Um 12,50 Uhr mittags stieg er auf, wobei ihm fünf französische Militärflugzeuge das Geleit gaben. Er machte zunächst etwa eine halbe Stunde lang Rundflüge über Paris. Am Place de la Concorde warf er eine Trikolore ab, an der ein letzter Gruß befestigt war:„Vielen tausend Dank für alle Freundlichkeiten der Stadt Paris. Lind» bergh". Um IS, OS Uhr erschien Lindbergh über Brüssel. Ein Flugzeuggeschwader war ihm zur Begrüßung entgegengeflogen. Um 15, IS Uhr landete er auf dem Flugplatz Euer«, wo sich eine ge- waltige Menschenmenge zu semer Begrüßung eingefunden hatte. Außer dem Ministerpräsidenten war auch der Verkehrsminister, Ge- nosse Anseele, zum Empfang erschienen. Die Landung selbst verlies ohne Zwischenfall. Zur Aufrechterhattung der Ordnung waren 1200 Mann Fliegertruppen aufgeboten. Das Flugzeug wurde auf einer Erhöhung aufgestellt, so daß es weithin sichtbar war, aber nicht beschädigt werden konnte. Vor der Fahrt in die Stadt fuhr der amerikanische Botschafter mit seinem berühmten Landsmann den ganzen Flugplatz ab. Nach einem Empfang auf der ameri- konischen Botschaft wurde Lindbergh vom König empfangen. Hejchästliches. Erweiterungsbau V. Feder. Die Herren Adolf Ruß und Alfred A l t m a n n, Inhaber des fett 1892 bestehenden Möbel- und Waventeilzahlungsgeschäfte« B. Feder, haben die seit Iahren von ihnen bewohnten Eckhäuser: Brunnen straße 1 und Elsasser Straße 1/2, sowie Brunnen st rahe am Rosenthaler Platz käuflich erworben. In erstgenanntem Hause werden Möbel, Teppiche, Gardinen und Manu- fakturwaren geführt, während in letzterem der Verkauf von Kon- fektion, Wäsche, Textilwaren usw. stattfindet. Es ist beabsichtigt, im Anschluß an die im Herbst vorigen Jahres erfolgte Eröffnung des kkonfektionshauses am Rosenthaler Platz das Gesamtunternehmen in großzügigster Weis« auszubauen. ver Saalbou Fried richshain bringt wieder zu Pfingsten für seine lieben Berliner die beliebten Früh- und Nachmittogskonzerte mtt einer außergewöhnlich reichhaltigen Bühnenschau. 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Alles fehnt die Zeit herbei, wo man endlich im Wald oder an See und Strand den Sommer ge- nießen kann, um fo mehr, als UN» der Mai bisher f» rauh und kalt g«. kommen ist. stein Wunder ist es, wenn bei diesen Freiluftbestrebungen unseren Zeit der Strand» und Badeanzug eine ebenso wichtige Nolle wie das Straßen» oder Abendkleid spielt. Das einfache Trikot dient nur dem Sporttreibenden, fllr den Strand werden feine Gewebe, sogar die elegantesten Seidenstoffe be. vorzugt. Und mannigfaltig stnd die Formen, ein köstliches Bunt die Farben? in denen'"*'-■•- E-l fu£.50 Kinder- Söckchen und Kniestrümpfe In Mako, Flor und /V 75 Waschseide............. Grösse I von Vf an Sporthauben mit Haarnetz u. Trikotband, In reicher W Auswahl........................ M. i• � Farbige Tüllhauben.......... M. 3-5° 1 wtn irr ivfr imb Seidenschals eintarb. u. In feinen lebhaften Mustern O in reichhalt. 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Wenn man eine Parallele mit den Beiträgen der Angestelltenver- sicherung ziehen will, darf man nicht vergessen, daß die Leistungen der Reichsknappschaft weit über die der Angestelltenversichcrung hinausgehen. So erfordert z. B. die Knappschaft nur eine Wartezeit von drei Jahren gegenüber einer Wartezeit von zehn Jahren bei der Angestelltenoelsichcrung. Während die Angestelltenversicherung die vor dem 1. Januar 1924 liegenden Beitregszeiten nur für die Zeit ocm 1. Januar 1913 bis 31. Juli 1921 aufwertet, werden bei der Reichsknappschaft die gesamten knappschaftlichen Zeiten vor dem 1. Januar 1924 aufgewertet, auck in dem Falle, wo der Angestellte als Arbeiter gesührt worden ist, jedoch eme Angestelltentätigkeit ausgeübt hat. Für die Zeit vom 1. Januar 1913 bis 31. Juli 1921 wertet die Angestelltenversicherung nur die Beiträge für die Gehaltsklassen F bis J auf, wohingegen die Reichs- knappschaft die vor dem 1. Juli 1926 liegenden Beitragsmonate noch der Gehaltsklasse aufwertet, die dem am 1. Juli 1926 ausgeübten Hauptberuf entspricht bzw. bei den Pensionären nach ihrem früheren Hauptberuf. Zugrunde gelegt wird das tarifliche Endgehalt einschließlich der tariflichen Nebenbezüge der bs- treffenden Angestelltengruppe. Die Angestelltenversicherung leistet als Steigerungs- betrag nur 0,6 Proz. vom Endgehalt der Gehaltsklassen, während die Reichsknappschaft in den ersten 23 Jahren im Durch- schnitt 1,41 Proz. pro Jahr gewährt. Die Reichsknappschaft gewährt ihren Ruhegeldempfängern freie Kur und Arznei. während das Angestelltsnoersicherungsgefetz eine solche Leistung nicht kennt. Der nachfolgende Vergleich zeigt am deutlichsten den Unterschied der Leistungen. Während ein kaufmännischer Angestellter, der seit dem Bestehen der Reichsoersicherungsanstalt, also dem 1. Januar 1913, in der Angestelltenversicherung versichert war, einen Betrag von S9,7Z M. pro Monat erhält, hat ein Angestellrer, der für die tleiche Zeit in der Knappschaft versichert war, Anspruch auf eine tenfion von 114,50 M. War der Angestellte aber schon seit 1890 versichert, was ja nur in der Knappschaft möglich war, so erhöht sich die Pension des Angestellten auf 246,2S M. monatlich. Hierzu treten noch die erworbenen Ansprüche aus der Jnvalidenver- sicherung, die bei beiden Angestellten gleich sind. Die Knappschaft gewährt eine Bestattungsbeihilfe in Höhe von mindestens 300 M. Nach dem Angestelltenversicherungs- gesetz wird eine Bestattungsbeihilfe nicht gewährt. Der durchschnittliche Betrag des knappschaftlichen Ruhe- g e l d e s ist erheblich höher: derselbe betrug im zweiten Halbjahr 1926 bei der Reichsknappschaft 187,31 M. monatlich, bei der Reichsversicherungsanstalt dagegen am 31. Dezember 1926 nur 34,49 M. Hieraus folgt, daß auch die Hinterbliebenen- bezügs im gleichen Maße höber sind. Bei der Reichsknappschaft entfallen bei einer Gesamtmitglieder- zahl von rund 48 000 auf 100 Mitglieder 16,14 Ruhegeld- empfänger, 2,78 Altersruhegeldempfänger, 12,04 Witwen und 8,44 Waisen: bei der Zlngestelltenversicherung entfallen bei insgesamt 2 473 000 Mitgliedern auf 100 Mitglieder 2,04 Ruhegeldempfänger, 1,33 Witwen und 0,97 Waisen. Diese Feststellungen sprechen für sich selber. Das Gehalt des Aushtlfsangestcllten im Einzelhandel Der Zentralverband der Angestellten schreibt uns: Nach dem Tarifvertrag für die kaufmännischen Angestellten des Einzelhandels haben Aushilfskräfte, die nur einen Teil des Monats beschäftigt sind, Anspruch auf Tarifgehalt zuzüglich 10 Proz. zum jeweiligen Gruppengehalt für AusHilfstätigkeit für alle Kalender- tage ihres Beschäftigungsverhältnisses. Einige Firmen versuchen. mit den Angestellten Arbeitsverträge zu schließen, in denen sie festlegen, daß nur Arbeitstage bezahlt werden. Jnsbeson- dere wollen die Firmen damit die Bezahlung der Sonn, und Feiertage bei der Berechnung des Aushilfsgehalts ausschließen. Diese Berechnung ist t a r i s w i d r i g. Sobald die Unternehmer eine derartige Zahlungsmethode in Anwendung bringen, müssen die Angestellten Protest erheben. Ausgleichsquittungen dürfen nicht unterschrieben werden. Hat ein Angestellter beispielsweise vom 1. bis 25. April Aushilfslätigkeit oerrichtet und 180 M. Monatsgehalt einschließlich der erwähnten 10 Proz. für Aushilfs- tätigkeit nach dem Tarifvertrag zu beanspruchen, so stehen ihm "/m von 180 M.— 150 M. und nicht weniger zu. Die Unter- nehmer versuchen eme Berechnung nach Arbeitstogen unter Zu- grundelegung eines Divisors von oder"Im. Neue Löhne für die Mineralwasfcrindustrie. Der Deutsche Berkehrsbund hat die Löhn« für die Arbeiterinnen, Arbeiter, Abzieher und Kutscher zum 31. Mai gekündigt. Gefordert wurde mit Rücksicht auf die Teuerung, Erhöhung des Fahrpreises, der Miete und Sozialversicherung, eine Zulage von 8 Mark pro Woche. Perhandlungen mit dem Arbeitgeberoerband der Berliner Mineralwassorfabritanten und Bieroerleger zeitigten nach ziemlich langen gegenseitigen Auseinandersetzungen das Resultat, daß für die Arbeiter 4F0 Mark, für die Frauen 3,50 und für Jugendliche 2,50 Mark pro Wcche zugestanden wurden. Eine gut besuchte Versammlung der Arbeiter nahm zu dem Verhandlungsergebnis Stellung und hat nach eingehender Aus- spräche beschlessen, dem Ergebnis zuzustimmen, wenngleich die Dauer der Vereinbarung bis zum 31. März 1928 eine ziemlich ausgedehnte ist. Abzüge des Lohnvertrages sind im Bureau des Deutschen Vcrkehrsbundes, Zimmer 31, zu haben. Ferner wurde beschlossen, für die Kutscher und Mitfahrer wieder wie in der Vorkriegszeit die Legitimationskarte einzu- führen, damit die Arbeiteroertreter und auch die Arbeiterschaft im besonderen in den Kantinen, Gastwirtschaften und sonstigen Ge- schästen die Kontrolle darüber ausüben können, daß die Kutscher und Mitfahrer ihre Pflicht der Organisation gegenüber erfüllen. Saum- selige haben sich auch in den Mineralwasserbetrieben eingefunden, was früher ausgeschlossen war, da das Organisationsverhältnis ein durchaus gutes war. Hoch die Solidarität! Arbeiter, und Aagcstellienbekriebsräle! Dienstag, den 31. Mai. abends 7 Uhr, Arbeitsrechtlicher Jnformations- abend für Betriebsräte im Saal 3 des Gewerkschafts- Hauses, Engelufer 24/25. Leiter des Abends ist Genosse Dr. B r ö ck e r vom Vorstand des ADGB. Wichtige arbeitsrcchtlich« Themen können von den Besuchern selbst aufgeworfen und zur Be» sprcchung gestellt werden. Die bisher stattgefundenen Abende haben sich einer steigenden Beliebtheit erfreut. Wir bitten alle Berlwer Arbeiter- und Angestelltenräte, sich pünktlich einzufinden. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafä-AngestelUen und des paritätischen Arbeitsnachweises der Stadt Berlin sind folgende Betrieb« für organisierte Arbeitnehmer gesperrt: Waldschänke, Sadowa: Restaurant Freibad. Jnh. Töldte, Bahnhof Rahnsdorf, Ravensteiner Mühle, Jnh. Philipp. Friedrichshagsn, Restaurant„Hungriger Wolf", Strausberg. Aufgehoben wird die Sperre über Restaurant Z w i e b u f ch, Jnh. Hermann Krüger, Restaurant„Zum T e u f e l s s e e", in de« Müggelbergen, Jnh. Giesel. Akkordmaurer im Deutschen Daugewerksbund. Km Montag, 30. Mai, nachmittag» i Ilhr, findet im Gewertlchaftshau«. Saal 1, eine Versammlung de««tlordmaurer mit Sicherst wichtiger Tage». ordnnng statt. Die Aollegen«Nordmanr« werden crsncht, in diese-«er- sammlung punktlich und rcstloo zu erscheine». Der Vercinouorstand. Achtung, KSbler u.4 Uhr ini Sport. Eg restaurant von George Fraktionsverfammlung aller SPD..E-nossen. W Snmpathissercnde können durch Genossen eingeführt werden. Zahl. reiches und pünktliche» Erscheinen erwartet Der Fraktionsoorstand. Z Achtung. SPD.-Fleischer! Dienstag abend Tih Uhr in Voclcrs g FestsSlen. Wcberftr. 17, äusserst wichtige Frakt'onssttzimg. Stellung. nahm« zur Neuwahl der Ortsoerwaltung. Vollzähliges und unbe. dingtes Erscheinen ist Pslicht. Ohne Mitgliedsbuch der Partei kein Zutritt. Der Fraktlansoorstand. Angestellte der Seldh Uhr im Nordischen lung. Tagesordnung: 1..■_. MW>...... der Gehälter. 2. Verschiedene». Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung er- warten wir, dass alle Angestellten bestimmt erscheinen. Butad. DWB. ZdA. Die Bank der Ardeiter. Angestellten»od Beamten bleibt am Eonnadend vor Pfingsten den ganzen Tag geschlossen. Iugcndgrnpp« de« 3dA. Morgen, Montag, t9'A Uhr, finden folgende Per. anstaltiingen statt: Bezirk Südost-Treptow: Jugendheim Reichenberger Str. 53. Diskusstoneabend und Gruppenbesprechung.— Bezirk Tempelbas: Jugendheim der Schule Eermaniostr. 4—5. Allerlei Lustiges.— Bezirk Norden: Jugend- und Gruppenagitationsleiter,..Der Kampf um die Ecelen", Volkstänze. Achtung! Die Anträge zur Erlangung der Fahrpreisermäßigung für Pfingst. fahrten müssen bis Dienstag, 31. Mai, abends 5 Uhr, bei den Hauptbahnhöfen (Stettiner, Anhalter, Lehrter Bahnhof usw.) einqereicht werden.— Sorech» charl Dienstag, 31. Mai, abend» 7 Uhr, im Mctallorbeiter.Vcrbandshau». Linienstr. 83— 83, Arbeitslosensaal, Probe:„Das Lied der Arbeit".— Nordring: Montag ab gl«. Uhr spielen wir auf dem Platz an der einsamen Pappel.— Wanderleiter: Montaa abend VA Uhr im Jugendheim Linienstr. 83—85 Fortsetzung des Kurse»„Kartenkunde", mit Lichtbildern. pür ckle Rechtsndtellung(Arbeitersekretariat) des Ortsausschusses Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wird«um möglichst baldigen Antritt ein Hilfssekretär gesucht. Bewerber müssen mit dem gesamten Gebiet der Sorialver* sicherung, Arbeiter- und Angestelltenversicherung, der Erwerbslosen- fürsorge, dem Versorgungsrecht, Arbeitsrecht, Mietsrecht und dem bürgerlichen Recht usw. vertraut sein. Bewerbungen sind unter der Aufschrift„Rewerbung" bis 8. Jnnl dieses Jahres ru richten an den OHsanudiatz de» ADGB., Berlin SO 18, Engelufer 24-25, I. Illf j I Tragen Sic Sic erhöhen Ihre Pfingst- freude. 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Gittern Seil unserer heutigen Auflag« liegt ein Prospekt dar Firma H. Joseph& Co., Neuktzlln, betreff» Pstugst-Berkauf bei, worauf wir unsere Leser besonders aufmtttfam machen. Nr. 251 ♦ 44. Jahrgang Z. Seilage öes Vorwärts Sonntag, 29. Mai 1927 Zwischen zwei wirtfthastsepochen. Warum ist das„Baisse? kaire" zu Ende.— Wege eines neue» Systems. lieber das Ende der freien Unternehmungs- und Marktwirt- fchaft, die man unter dem Begriff des I-aisser tsirs zusammenfaßt, ist auch von der bürgerlichen Wissenschaft viel diskutiert worden, und man ist sich darüber klar, daß das Wirtschaften der modernen Völker in eine neu« Epoche getreten ist. Aber es sind sehr wenig Nationalökonomen, die sich darüber klar geworden sind, worin im einzelnen der Wandel besteht, der in der Vergangenheit vor sich gegangen ist, und noch weniger hat die bürgerliche Forschung über die neue Technik des Wirtschaftens nachgedacht, die sich aus dem Ende des Laisser-faire als Forderung für Gegenwart und Zukunft ergibt. Deshalb ist auch für die Arbeiterschaft ein Vor- trag sehr beachtlich, in dem der ehemalige Staatssekretär Pro- f e s s o r Dr. Hirsch sowohl die Wandlungen in der Vergangen- heit als auch die Forderungen für die Zukunft aufzuzeigen be- müht war. Rakioaalisierung der Familie— Land aus der Luft. Eine der wichtigsten Säulen der alten liberalen Wirtschafts- auffassungen war die Lehre von Malthus, daß die Zahl der Menschen schneller wächst als das Brot. Nach Prof. Hirsch hat sich hier durch die Revolutionierung der Familie ein grundlegender Wandel vollzogen. Man könnt« es fast eine Rationali. sierung der Familie nennen, die in der bewußten Beschränkung der Kinderzahl, in der Bändigung gewissermaßen des Geschlechtstriebes, in der Ausschaltung des Zufalls bei der Vermehrung der Bevölke- rung zum Ausdruck kommt. Die Geburtenzahl wird verringert, da- mit die Zahl der Esser bewußt herabgemindert. Zugleich ist eine rasche Steigerung der landwirtschaftlichen Pro- d u t t i v i t S t erfolgt, es erfolgte eine Bedarfsverringerung an Nähr- lcmd und durch die grundstürzende Erfindung der künstlichen Stick- stoffherstellung gewissermaßen die Schaffung neuen Landes aus der Luft. Damit erfolgte die Aushebung des Malthusschen Gesetzes, die Profesior Hirfch in die Worte kleidet:.Einst wuchs der Mensch schneller als das Brot, jetzt wächst das Brot schneller als des Menschen Zahl." Ein weiterer grundstürzender Wandel hat sich im Verhältnis der mechanischen Körper- zur Nerven- und Geisteskraft vollzogen. Die Nerven- und Geisteskraft verkörpert das Riesenmaß mechanischer Kräfte, und die organi- satorisch« Leistung wird bedeutungsvoller als die menschliche Muskel- kraft. In der Skala der Arbeitswert« habe sich das w i r t f ch a f t s- organisatorische Denken an die Spitze gesetzt gegen- über dem technisch-ausführenden und dem alle mechanisch« Arbeft begleitenden Denken. Die Aufwertung de» Lohne»— Ein neuer Sapitalgedanke. Der steigende Wirkungsgrad der menschlichen Arbeit sei die unausbleibliche Folge gewesen. Und trotz der Massenarbeitslosig- keit habe sich ein Aufwertungsprozeß der Arbeitsentlohnung zwangs- läufig durchgesetzt, der zwar in Amerika am weitesten fortgeschritten sei, aber auch in Europa unverkennbar eingesetzt habe. Mit der steigenden Durchgeistigung der Arbeitsprozesse sei eine stei- gende Produktion von Kapftalmassen erfolgt, und es sei keine Ueber- treibung, daß die letzten drei bis vier Generationen weit mehr Kapitalgüter geschaffen hätten als all« 56 Generationen seit Christi Geburt. Inmitten dieser gewaltigen Umgestallung aber vollzieh« sich eine Wesensänderung von Eigentum und Besitz, verflüchtige sich das Kapital. An Stelle des Einzelkapitalisten trete der Sammelkapitalist der Zehntausend« von Aktionären. Je größer der Betrieb werde, desto öffentlicher sei er. Dabei wachs« das öffentliche und halb öffentliche Eigentum progressiv, das in Deutschland bereits ein Siebentel des Volksvermögens um- fasse. Ein neuer wirtschaftlicher Kapitalbegriff sei im Entstehen, der neue Kapitalgedanke verlange das Kapftal als.Service', als Dienst am Volk. Die Großunternehmung sprenge die nationalen Grenzen, und durch ihre internationalen Kombinationen habe sie, wenn auch höchst einseftig, selbst vor der.Rationalisierung der Märkte' nicht haltgemacht. Vewuhk lenkende Wirtschaftstechnik. Noch dieser Zeichnung der großen Entwicklungslinien der Per- gangenheit, noch diesem kurzen Strukturaufriß der Gegenwart for- muliert Prof. Hirsch den systematischen Gestaltungsgedan- ken der Zukunft: Es gehe der Weg vom wirtschaftlichen Naturgeschehen, mit anderen Worten von der Herrschast des Zufalls, zur bewußten lenkenden Wirtschaftstechnik. Die Erfindung auf allen Gebieten, die früher der einzelne geschaffen, werde heute in Laboratorien und Bureaus wie in einer Fabrik gemacht. Die Bedeutung der Gedankenführung liegt auf der Hand. Ein Vertreter der modernen Betrisbswissenschaft, des neuesten und frucht- barsten Zweiges der Wirtschaftswissenschaft hat als Volkswirt ver- sucht aufzuzeigen, wie für die kapitalistische Wirtschaft der Ver- gangenheit aus der Freiheit der Unternehmung und aus der Herrschaft des Zufalls der Zwang zur bewußten Organisation der Wirtschaft erwachsen ist. Für die Zukunft ist dos Prinzip erkannt, daß die Volkswirtschaft gewissermaßen als e i n Dettieb, als«in« kapitalistische Unternehmung eine bewußte planvoll« Technik verlangt. Dabei spricht Prof. Hirsch aus, daß ohne die geistige Riesenleistung von Karl Marx die Er- kenntnis alles Wirtschaftsgcschehens hätte Stückwerk bleiben müssen. So muß auch die neuere Wirtschaftswissenschaft der plan- mäßigen Gestaltung des menschlichen Wirtschaftens, die der Sozialis- mus anstrebt, Handwerkszeug und Waffen reichen. Was übersehen ist. Mancherlei allerdings hat Prof. Hirsch in seiner Gedanken- führung übersehen. Es darf nicht von Werden und Entwick. l u n g gesprochen werden, wo es der Ausstand, die lebendige Organi. sation einer Masse war, die in dem Kampf um eine bessere Existenz Erfindung und Organisation der privatkapitalistischen Unternehmer vorwärts getrieben haben. Es ist deshalb auch nichtdieautomatische Folge der Durchgeistigung des Arbeitsprozesses, wenn eine Aufwertung auch der Arbeitsentlohnung stattgefunden hat. In Amerika war es durch Jahrzehnte hindurch der Mangel gerade der körperlichen Arbeitskraft, die ihren Wert erhöht hat, und in den letzten Iahren Amerikas war es vielfach die Ueberfüll« an Kapital, die nach Europa nicht genügend abströmen konnte, die eine so plötzliche Auswertung der Löhne zur Folge hatte. Bevor das organisatorische Prinzip zur Herrschaft kommen tonnte, muhte der Knüppel sehr nahe beim Privat- kapitalisten liegen, und erst nachdem der Kampf der Arbeiterklasse die Voraussetzungen größeren Wohlstandes geschaffen hatte, konnten auch die Massen zu jener Rattonalisierung der Familie kommen, die zweifelsohne auch in Deutschland schon sehr groß« Fortschritt« gemacht hat. Aehnllches gilt für die Schaffung des Bodens aus der Luft. Es mußte zum Weltkrieg kommen, zum Weltbachanal der kapitalistischen Unvernunft, um wie den Lufsstickstoff. so auch viele andere Erfindungen zur selbswerständlichen Tagesaufgabe werden zu lassen. Und wenn man die unsäglichen Zerstörungen weg- denken könnte, die der Weftkrieg zur Folge hatte, so würde noch vieles heute in' jenen Gleisen verlaufen, die das Zeitatter des Laissez faire kennzeichneten. Und ganz ähnlich sst es auch mit dem neuen Kapftalgedanken. Kapitalols.Service', als Dienst amBolke ist keine Sache, die von selber wird. Dieser Dienst am Bolk muß erzwungen werden. Und wenn auf dem Kieler Parteitag das Wort gesprochen wurde, der Arbeitslohn fei ein politischer Lohn. der von der Macht der Arbeiterklasse abhäng«, so gitt das auch für den Kapitalgedanken als Service. Kapital als Dienst am Volke kann es und wird es als Wirklichkeit nur da geben, wo die Arbeiterklasse den Staat und die Verwaltung beherrscht und über die Verwendung des Kapftal«rtrages im Gesamtinteresse ver- fügt. So werden der große Blick des geschulten sozialwirtschaft- lichen Technikers und die organisierte Macht der arbeitenden Masse» in einer von ihnen sachverständig geleiteten Demo- kratie zusammenkommen müssen, um nach der Epoche des Uaissez faire die Epoche der organisierten Volks- und Weltwirt- schaft heraufzuführen. wie steht es um Sowjetrußlanö! Ein Urteil des Internationale« Arbeitsamtes. AlbertThomas.der Direktor des Internationalen Arbeits- amtes, hat in einem umfassenden Jahresbericht auch sehr eingehen» die gegenwärtige Lage der russischen Wirtschaft erörtert. Er stützt sich für sein Urteil auf den sich immer mehr ausdehnenden Russischen Dienst des Internationalen Arbeitsamtes, dessen Veröffentlichungen die sicherste Nachrichtenquelle über die Loge im neuzeitlichen Rußland darstellen und der weitgehend auf der wissenschafttichen Zusammen- arbett zwischen dem Internationalen Arbettsamt und verschiedenen russischen Einrichtungen und Organisationen beruht. Albert Thomas kommt zu der Schlußfolgerung, daß.Sowjetrußland unter der Einwirkung dringender und unwider st ehlicher Be- rltv Kinase Damensirttinpr«, p«. Srldenflor-4 45 In bester QualiUt. In oen sdiOn�tea I Modefarbcn,5chr solid u Jialtbar,Paar Damen■trümpfe, cdrt Bemberg, 095 kQnstl. Wudisetae In d, raod. 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Trog gewisser unbe st reitbarer Verbesserungen, so wird in dem Bericht weiter ausgeführt, stößt die russische Dalkswirtschaft in ihrer Gesamtheit auf Schwierigkeiten und leidet unter ziemlich be- trächtlichen Beschwerden. Von der Lösung der Kopital- frage hängt nach Meinung maßgeblicher Sowjetkreiise und der ge- samten russischen Wirtschaftsliteratur die Lösung aller Wirtschaft- lichen, sozialen und politischen Probleme ab, die sich in den nächsten Jahren in Sowjetrußland geltend machen wer""t. Neben der stärkeren Senkung des Tscherwonetz und seiner Kaufkraft auf dem russischen Markt und einer sehr großen Anspannung des künstlichen Zahlungsmittelumlauss und der gesamten Finanzlage, hat die Not- wendigkeft der Einfuhr vor allem von Maschinen und Rohstoffen, keine Milderung der Krise gestattet, die auf dem Markt der Ver- brauchsgüter herrscht, was noch mehr zur Teuerung und zur Verminderung der Reallöhne beigetragen hat. Die Krise, in welche die gesamte russische Volkswirtschaft im letzten Jahre von neuem geraten ist,»nd deren Ngchevirkungen noch jetzt fühlbar sind, ist tatsächlich enge mit dem Problem der Be- Ziehungen zwischen Rußland und der Weltwirtschaft verflochten. Die teilweise wirtschaftliche Isolierung, in der sich Rußland durck etwa zehn Jahre befunden hat, wird für die russische Volkswirt- schaft und besonders für die russische Industrie immer unerträglicher werden, wenn sie sich wieder heben sollen. Rußland wird also durch wirtschaftlich« Gründe zu allererst in seinem eigenen Interesse genötigt sein, wieder mehr und mehr Anteil an der Welt- Wirtschaft zu nehmen. Aus den leidenschaftlichen Erörterungen der russischen Kommuni st ischen Partei ergibt sich die Tatsache, daß keine Frage sie so bewegt, wie diejenige der internationalen Be- Ziehungen. Wir glauben zu erkennen, daß unter der Oberfläche revo- lutionärer Phraseologie die Erkenntnis von der praktischen Notwendigkeit einer realistischen und opportunistischen Politik in Sowjetrußland fortschreitet. Noch 207 000 Arbeitslose in Serlin« In der Woche zum 28. Mai ist der Berliner Arbeitsmarkt wieder etwas entlastet worden. Die Zahl der Arbeitsuchenden hat sich um S2(X) Personen verringert. Damit ist die Entlastung, die der Monat Mai gebracht hat, insgesamt auf rund 18 SM Personen gestiegen. Seit Januar, der die letzte Steigerung um 10 800 Erwerbslos« gebracht hatte, sind folgende Besserungen des Arbeitsmarktes eingetreten: in den Wochen de» Februar um 8 600 Personen .... März. 23300. .... April. 29 900 .... Mai, 18 560 Die Entlastung in den einzelnen Maiwochen war ziemlich gleich- »"äßig, sie schwankt« zwischen 4398 und 5266. Di« größten Schwan- kungen zeigten die Aprilwochen, und zwar zwischen 13 089 und 486 Personen in der ersten und letzten Woche. Wenn da» Landes- arbeitsamt in dem unten abgedruckten Bericht sagt, daß teilweise ein Mangel an ersten Qualitätsarbeitern in der Metall- industrie eingetreten sei, so darf dabei die sehr große Arbeitslosigkeit gerade von gelernten Metallarbeitern nicht übersehen werden, die fortbesteht. Das große Heer von 207 000 Arbeft suchenden Menschen, das immer noch bleibt, Hüft die Sorge um den Arbeitsmarkt unver- mindert hoch. Diese Sorge muß umso größer sein, als die Vor- gänge aus dem Kapital- und Geldmarkt auf die Konjunktur nicht ohne Einfluß bleiben werden. Das Landesarbeitsamt Berlin schreibt zur Lage: Der Arbeitsmarkt steht weiter im Zeichen einer fortschreitenden Entlastung. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist um rund 52M Per- sonen zurückgegangen, so daß der Stand der Arbeitslosigkeit zurzeit 207 470 beträgt. Während der Rückgang der durch die Erwerbs- losenfürsorge Unterstützten mit rund 4900 stärker Hervortrift, beträgt die Abnahme der durch die Krisenfürsorge und die Erwerbslosenhilf« der Stadtgemeinde Berlin Unterstützten nur 573 bzw. 476 Personen. Die zahlenmäßige Entlastung des Arbeitsmarktes deutet umso mehr auf eine Belebung der allgemeinen Beschästigungs- Verhältnisse hin. als auch die ungünstige Beeinflussung durch Saisonschwankungen in einzelnen Berufsgruppen, wie im Spinnstoffgewerbe an dieser Entwicklung nichts zu ändern vermochte. In der Metallindustrie allein übersteigt der Abgang den Zugang von Arbeitsträsten um rund 900 Personen. Hier macht sich teilweise ein Mangel an ersten Qualitäts- a r b e i t e r n bemerkbar, der seit Monaten nicht mehr hervor- getreten ist. Gut« Spezialisten fehlen teilweise auch in dem zurzeit gut beschäftigten Vervielfältigungsaewerbe und vereinzelt in der Lederindustrie. Dem fehlenden Krafteangebot von Krankenpflegern konnte durch Umleitung solcher Personen, die bereits früher in Lazaretten und ähnlichen Anstalten Hilfsdienste geleistet haben, teil- weise begegnet werden. Da» Gastwirtsgewerbe weist trotz äugen- blicklicher Beeinträchtigung des Soisongeschäfts eine flotte Ver- mittlungstätigkeit auf, bei der jüngere Kräfte in erster Linie Be- rückfichtigung finden. Nach wie vor gut aufnahmefähig blieb die Landwirtschaft, die neben einem anhaltenden Bedarf an jungen Hüteburschen hauptsächlich weibliche Arbeitskräfte anforderte. Es waren 207 470 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 212 736 der Vorwoche. Darunter befanden sich 135 242(138 375) männliche und 72 228(74 363) weibliche Per- sonen. Erwerbslosenunter st ützung bezogen 67 845 (71 735) männliche und 31 207(32 195) weibliche, insgesamt 99 052 (103 930) Personen. Außerdem wurden noch 31 552(32 028) Per- sonen durch die Erwerbslosenhilf« der Stadtyemeinde Berlin und 33 903(34 476) Personen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei Nofftandsarbeiten wurden 5770(6242) Personen beschäftigt._, Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 23. Mai berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Re?chsamts hat gegenüber der Vorwoche leicht auf 137,6(137,4) angezogen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten für Agrarstoffe 140,2(140,0), Kolonialwaren 127,4(127,5), industrielle Rohstaffe und Halbworen 131,4 (132,1) und industrielle Fertigwaren 144,8(144,6). Die rumänischen Kreditoerhandlungen, bei denen deutsche Banken unter Teilgarantie des Reiches dem rumänischen Staat zur Stabilisierung der rumänischen Währung und zum Aus- bau der rumänischen Wirtschaft«inen Kredit von 20 Mil- lionen Mark zu niedrigen Zinsen gewähren sollen, wer- den in diesen Tagen in«in entscheidendes Stadium treten. Der frühere rumänische Finanzmini st er Lapedatu ist zur Füh- rung der Verhandlungen in Berlin eingetroffen. Für das Gelingen der Verhandlungen, die Rumänien große Vorteile und auch der deutschen Eisenindustrie erhebliche Aufträge bringen sollen, wird auf ihm die Hauptverantworiung liegen. Von der beut- schen Regierung, in diesem Falle dem Reichswirtschaftsminifterium, muß die O e f f e n t l i ch k e i t e r w a r t e n. daß sie rechtzeitig und vollständig über den Inhalt der Abkommen und insbesondere über die vom Reich zu übernehmenden Verpflichtungen informiert wird. Fusion und Reorganisation der Preußischen Elektrowerke. Das preußische Handelsministerium hat den lang« angekündigten Gesetz- e n t w u r f zur Zusammenfassung und Reorganisation der preußi- schen Elektrowirtschoft nunmehr fertiggestellt. Die drei eigenen Großkraftwerke werden fusioniert, und in die neu« Gesellschaft, die über ein Kapital von 80 Millionen Mark»erfügen soll. werden die Beteiligungen von elf weiteren Kraftwerken eingebrachr. Am Montag sollen der Oefsentlichkeit weitere Einzelheften bekannt gegeben werden. Wir werden auf die Einzelheiten der Gründung, die für die deutsche Elektrowirtschoft von größter Bedeutung fft. ausführlich zurückkommen. Eine wichtige Entscheidung sür werkssparkassea. Noch immer wird ein harter Kampf um die Aufwertung jener Spareinlagen ge- führt, die von den Belegschaften Werkssparkassen anvertraut wor> den sind. Zum sehr großen Teil haben sich die privaten Unter- nehmungen bisher einer ausreichenden Aufwertung entziehen können.' Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine Gerichtsentfchei- dung, die die Spruchstelle beim Kammergericht Berlin am 9. April gegen die Gesellschaft für Hoch- und Untergrund- bahnen, Berlin, getroffen hat. Die Hoch- und Untergrund- bahngesellschaft ist durch das Urteil verpflichtet worden, die Gut- haben bei ihrer Werks fparkasfe mit 80 Proz. auf- z u w e r t e n. Den nicht mehr im Betrieb beschäftigten Gläubi- gern sind dabei auf ihr Verlangen 50 Proz. sofort und die rest- lichen 30 Proz. am 1. Oktober 1927 auszuzahlen. Für die noch beschäftigten Gläubiger werden die aufzuwertenden Guthaben zu je einem Drittel am 15. Januar 1928 und zum entsprechenden Zeit- punkt der Jahre 1929 und 1930 fällig. Nach der Begründung wird die Aufwertung so hoch bemessen, weil die Gesellschaft ihr« Substanz erhallen habe, weil den Werkssparkassengläubigern durch das Gesetz eine bevorzugte Stellung«ingeräumt sei. weil nach dem günstigen Dsrmögensstand der Gesellschaft die Aufwertung sich nicht weit von 100 Proz. entfernen dürfe und weil der Goldmarkwert (600000 M.) der Guthaben sür die Gesellschaft kein« untragbare Belastung darstelle. Diese Entscheidung trifft eine öffentliche Unternehmung. Hofsenllich verfahren die Spruchstellen bei privaten Unternehmungen mit derselben Schärfe, wobei allerdings zu beachten ist, daß die rechtlichen Voraussetzungen bei dem größten Teil der privaten Unternehmungen leider anders liegen als in diesem Fall. Der AEG..Konzern gliedert sich die Dr. Paul Meyer A..G. Berlin an. Wie mitgeteill wird, hat die AEG.-Berlin einen großen Attienposten der Berliner Dr. Paul Meyer A.-G. erworben, die ebenfalls zur elektrotechnischen Industrie gehört und über deren Jahresabschluß wir kürzlich berichteten. Die Beteiligung der AEG. ist groß genug, um die neue Tochtergesellschaft zu be- herrschen. Ein Mißerfolg der Einheitspreisläden. Wie mitgeteilt wird, ist über die Firma.Hadepe*. Hau- der Einheitspreise, G. m. b. H., die in der Leipziger, Wilmersdorfer und Großen Frankfurter Straße Einheitspreisläden eröffnet hatte, der Konkurs verhängt worden. Als Grund für den Zusammenbruch wird insbesondere die Kon- lurrenz der Warenhäuser angegeben. Man darf neugierig darauf sein, wie der Versuch des amerikanischen„Wolworth-Konzerns*. der in Berlin ebenfalls derartige Läden einrichten will, aus- gehen wird. Gegen die Kontingentierung und sür die Zollfreiheit der Gefrier- sleischeinsuhr hat sich der Reichiverbaud des oeutfchen Gefrierfleisch- großhandels aus seiner Heidelberger Tagung ausgesprochen. Er hält es für dringend notwendig, die Kontingentierung zu beseitigen und gleichzeitig die Z ollfrei hei t der Gefriersleischeinfuhr auf. rechtzuerhalten, da nur auf diese Weise die volle Bedarfsdeckung der Verbraucher ermöglicht werden könne. „HOFFNUNG ££ Bekleidungsindustrie G.rn. b. H. Berlin N 54, Brnnnenstr. 188-90 Friihjahrs-Ulster u. Paletots in großer Auswahl Loden- und Gumml-Hdntel in allen Größen Sport-Anzüge in groQer Auswahl sehr preiswert Windjacken für Damen und Herren in allen Preislagen r Elegante Maßanffertigung j Herrenartikel. 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Frau Spiegler- Bremen spricht ihre Genugtuung au«, daß die sozialistische Frauenbewegung wieder erfreuliche Fortschritte macht. Der Zuwachs an weiblichen Mitgliedern der Partei übertrifft in manchen Bezirken den der Männer Die regelmäßige Ab- Haltung der Reichsfrau'enkonferenz im Anschluß an den Parteitag hätte sich überlebt, nur bei besonders aktuellen Fragen sollten derartig« Konferenzen einberufen werben, dann würden sie auch ein anderes Echo finden. Die Zentrale müsse für die Fortbildung der Frauen mehr tun, vor allem durch die S ch a f f u n o eines Organs, wie es die.Gleichheit� war. Die.Genossin allein könne diese Aufgabe nicht lösen. Nicht imr in Betriebsver- sammlungen. auch in der chausagitation müssen wir zeigen, welche Aufgab« die Soziatdemokratie sich gestellt hat. Frau wackwih. Weißenfels wendet sich ge�en jede Sonder- Organisation der arbeitenden Frauen, wie es d«e republikanischen Frauenbünde sind. Sie hemmen unser« Arbett. E» hat stch ergeben, daß bürgerliche Frauen den republikanischen Frauenbund nur dazu benutzten, um die proletarischen Frauenstimmen für ihre Mandatabsichten zu gewinnen. Iugendgenossin Roehbrodl-BerNn wünscht ein enges Verhältnis zwischen alten und jungen Genossinnen. Die proletarisch« Jugendbewegung Ist aus wirtschaftlicher Not heraus erwachsen. Sie will mit den Organisationen der Aelteren zusammen- arbeiten. Nur muß dafür gesorgt werden, daß bei der Schul- entlassung nicht nur die Knaben, sondern auch die Mädchen der sozia- listischen Arbeiterjugend zugeführt werden. Wir haben jetzt die sogenannten Parteiweihen geschaffen, in denen der Weg de» Uebertritts von der Arbeiterjugend zur Partei festlich begangen wird. Damit haben wir sehr gute Erfolg« gehabt. Der Anteil der Mädchen an der Arbeiterjugend beträgt 37 Proz., ist also weit höher als der Anteil der Frauen an der Partei. Die erwerbstätigen Mädchen werden wir besser gewinnen, wenn wir dafür sorgen, daß die Lebensbedingungen gebessert werden. Frau und Parlament. Frau Troenisch- Plauen bemerkt, daß der Anteil der Frauen an den Parlamentsvertretungen der Partei geringer ist, als es ihrer o-ganisatorischen Stärke entspricht. Dabei ist die Arbeit der Frauen in' den Parlamenten nicht weniger wichtig als die der Männer. Leider zweifeln die Männer noch vielfach an den parlamentarischen der Frauen. Daher müssen� wir in den Organisationen Iii ehr als bisher für unser« Anerkennung arbeiten. Außerordentlich schwer sind die Heimarbeit« rinn«n zu organisieren. Dabei ist ihre Gewinnung deshalb so wichtig, weil sie die Hevabdrückung des Lohnes schwer verhindern können. Bei dieser Agitatton müssen wir mit den gewerkschaftlichen Frauengruppen zusammenarbeiten. Frau Ziels- Breslau: Die.Frauenwelt' trägt nicht zur politischen Erziehung und zur Revoluttonierung der Frauen bei. Bei dem Modeteil und bei den Rezepten habe man oft die Emp- findune, als ob von der Not unter dem Proletariat noch keine Kennt- nis in' die Redaktion der.Frauenrrelt' gedrungen sei. Auch der literarisch« Teil lasse viel zu wünschen übrig. Es sst die Schaffung kleiner Zellen unter den Frauen notwendig, für die Führerinnen ausgebildet und geschult werden müßten. Nicht nur mit den Ge- werkschaften, sondern auch mit den anderen Arbeiterorganisationen müssm wir bei unserer Arbeit in Verbindung treten. Frau Todenhagen- Berlin spricht den Wunsch aus, daß nicht nur bestimmte Tagesfragen, sondern unser ganzes Programm in Kursen behandelt werde. Wir sollten uns die Erfahrungen zu eigen machen, die wir aus der Agitation der Kirche schöpfen. Für die„G e n o s s l n' kann man dem Parteivorstand Anerkennung aus- sprechen. Es wäre zweckmäßig, sie einseitig, zu bedrucken, um deren Inhalt als Material besser verwenden zu können. Dos schon vor- kandene Lesemateriol kann heute kaum noch bewältigt werden. Da- her bedeutet eine Neuausgabe der„Gleichheit" nur unnöttgen Ballast. Der Inhalt der„Frauenwelt" muß verbessert werden. Es dürfe nicht vorkommen, daß dort literarischer Schund veröffentlicht 'verde. In Berlin arbeiten die Jungsozialsstinnen eifrig mit der Partei zusammen. Die Weiterbildung der Frau. Frau kirschmann- Röhl- Köln: Frauenkonfevenzen sind des- halb notwendig, weil die Parteitage doch nicht, wie es wünschens- wert wäre, Frauenfragen behandeln können. Die Spitzenkurse, die in Friedrichroda weitergepflegt werden, müssen auch in den Bezirken eingerichtet werden. Als Arbetsgemeinschaften müssen sie dann weitergeführt werden. Die Rednerin erwähnt die besonderen Themen aus einem Kursus: Liebe, Ehe, Kinder, Same- radschaft zwischen Mann und Frau, gleiche Arbeit und gleicher Lohn. Rationalisierung des Haushalts. Das sollte uns zu denken geben. Wir sollten nicht immer auf Abgeordnete als Referenten warten, sondern müssen die juaendlichen Genossinnen hinausschicken, wie man das auch mit uns getan hat. damit sie referieren lernen. Die.Frauenwelt" sei viel zu teuer. Sie sei auch in Ihrer äußeren Gestalt nicht immer einwandfrei. Frau Sachse- Thüringen: Wenn die Frauen mehr Gelwng in der Organisation erlangen wollen, dann müssen sie dort auch ihre Stärke'zeigen. In Gera z. B. ssnd bei den letzten Wahlen 10 0 0 Frauenstimmen mehr abgegeben worden als Männer- stimmen. Man sollte die verschiedenen Frauengruppen nicht de- stehen lassen, sondern eine einheitliche politisch« Truppe bilden, in der auch gewerkschaftliche und genossenschaftliche Fragen besprochen werden können. Es handev stch ja doch immer um die gleichen Frauen. Die Zusammenarbeit zwischen Partei und Ge« werkschaften muß weit besser sein, dann werden wir auch die Massen der werktätigen Frauen für uns gewinnen. Die Frauenkonferenzen brauchen wir noch Es wäre aber auch notwendig, einmal einer Frau ein Referat auf dem Parteitag, zu überlassen. Wäre eine Genossin z. L. nicht dazu fähig, den Bericht der Reichs- tagsfraktion zu erstatten?(Sehr richtig!) Frau und Internationale. Frau Wurm-Berlin hätte eine ausführlichere Berichterstattung über die internationale Frauenbewegung gewünscht. So habe man nicht erfahren, weshalb die Deutschen sich bei der Schaffung der großen Exekutive der Stimme enthalten hätten. Es wäre zu de- grüßen, wenn wir ein internationales Organ wie die„Gleichheit" hätten, die auch über die Frauenbewegung des Aus- lande» regelmäßig berichtet. Die große Bedeutung der Frauen- arbett ist von unserer Partei und von der Internattonale anerkannt worden. Leider befinden sich in den Redakttonen und unter den Mitarbeitern der Parteipresse nur sehr wenige Frauen. Frau Arnim-Magdeburg: Wenn eine unserer Genossinnen den Auftrag zu einem Referat im Reichsbanner erhätt, dann sollte 8e nicht vergessen, die Frauen der Kameraden zur polittschen ktioität zu gewinnen versuchen. Die Rednerin wendet sich gegen Ausführungen der Genossin Dora Fabian in dem Organ der Jung- sozialisten. Abg. eobmann(Redakteur der.Frauenwelt"): E» gibt keine schwierigere Ausgabe als die Redaktion einer Frauenzettung. Der abfälligen Krittk, die heute hier geübt worden ist, stehen eine ganze Menge von Zuschriften entgegen, die ihre Anerkennung für die „Frauenwell" aussprechen und fordern, daß sie sich noch mehr an die bürgerlichen Zeiijchriften angleiche. Die Hälfte der Frauen unserer Genossen lesen solche bürgerlichen Zeitschriften. Wir haben mit vollem Bewußtsein Konzessionen gemacht. Hierauf berichtet Frau Schilling für die M a n d a t s p r ü- fungskommission. Es sind 127 Delegierte anwesend. außerdem Vertreter des Parteivorstandes, des Parteiausschusses, der Kontrollkommission, Reichstags- und Landtagsabgeordnete. Die Mandat« werden sämtlich für gültig erklärt. Fragen der Organifakion. Frau Thümmel-Dresden: Unsere Krittk an der.Frauenwelt" richtet sich nicht gegen das Blatt als solches, sondern gegen sein« heutige Gestaltung. Wir wünschen ein sozialisttsches Familienblatt. Wie in anderen Ländern, so muß auch bei uns eine bessere Verbindung der weiblichen Funktionär« geschaffen werden. Eine Zentralstelle ist einzurichten. Der Parteiaus- schuß genügt nicht Mindesten» einmal im Jahr« müssen die Bezirk». Vertreter aus dem ganzen Reiche zusammengeholt werden. Abg. Frau Toni Pfüls: Der Einfluß der Frauen in der Oeffent- lichkeit kann nicht allein dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß sie ihre besonderen Angelegenhetten unter sich beroten. Die Frauen dürfen nicht schweigen, wo um große polttische oder wirtschaftliche Fragen gerungen wird. Im Reichstag haben wir uns darüber nicht zu beklagen. Hier werden zu solchen Fragen auch die Frauen stets vorgeschickt. Das gleiche muß in den Bezirks- und Lokalorganisationen geschehen. Wir müssen auch weiter in die sozialistische Publizisttk eindringen. Die besonderen Frauenbeilagen genügen nicht, Frauenfcagen müssen im allgemeinen Teil der Tagesblätter behandell werden und hier müssen auch die Frauen zu den großen Fragen in Wirtschaft und Polittk das Wort nehmen. Das gleiche gilt von den Zeitschriften und für da» wissenschaftliche Organ der Partei, wo überhaupt nur Männer zu Wort kommen. Wir würden ein Unterhaltungsblatt begrüßen, da» qualitativ hochfteht. Das ist aber die„Frauenwelt" nicht Wir werden voraussichtlich dieses Jahr das Reichsschulgesetz de- kommen, aber in dem Kampfe dagegen dürfen wir kein öde» Freidenkertum betreiben. Zu der Frage des Nach- wuchses: Keine andere Klasse bringt für ihre Sinder so große Opfer wie das Proletariat. Aber wir dürfen nicht die Gefahr der Entfremdung der proletarischen Kinder in höheren Schulen zu der Klasse übersehen, aus der sie herausgewachsen sind. Wir können sie in unserem Kampfe nicht missen. Frau Matschke-Brandenburg: Wir sollen nicht nur an die männ- lichen Genossen appellieren, uns einen Sitz oder eine Stimm« zu überlassen, sondern wir müssen selbst aktiv werden, um uns den Platz zu sichern, den wir beanspruchen können. In Berlin war unter 18 Delegierten nur eine Frau. Da liegt sicher eine Schuld der Leitung vor, die ihren Anspruch nicht besser vertreten hat. Wir müssen uns mit den Betriebsvertrauensleuten in Verbindung setzen, um zu versuchen, mit ihrer Hilfe die Jndustriearbeite- rinnen zu organisieren. Arauenkonferenz und Parteitag. Frau Schilling-Thüringen tritt dafür ein, die F r a u« n k o n f e- renz losgelöst vom Parteitag stattfinden zu lassen, da die Teilnehmerinnen nach solcher Tagung zu abgespannt sind, um die Verhandlungen über ihre eigenen Interessen noch mit Erfolg führen zu können. .Ah«. Frau SchrSder-Altona: Auch ich bin der Meinung, daß Frauenkonferenzen vom Parteitag losgelöst werden müssen. Die Aufmerksamkeit im Lande ist durch die große Bedeutung, die der Parteitag hat, abgelenkt von der Frauenkonferenz. Das wichtigst« P r o b l e m ist neben der Erziehung der Jugend und der werktätigen Frauen die der unverheirateten Frauen. Auf IlWV verheiratete Frauen kommen 446 unoerheiratete Frauen. Frau Zakobshagen-Ludwigshafen weist auf dl« Schwierigkeit der Agitation unter den Frauen in den vom Zentrum beherrschten Ge- bieten hin. Die Rednerin spricht die Befürchtung aus, daß die Arbett in der Arbeiterwohlsahrt viele Kräfte bindet. Diese Arbeit dürfe erst in zweiter Stelle kommen, die polttische Arbett aber in erster._ Frau Sydow-Brandenburg: Wir sind nicht gegen die Doppel- arbeit, aber bei den vielen Arbeitslosen halten wir es für unsere Pflicht, daß dort, wo Mann und Frau arbeiten, dieFraueinem Arbeitslosen den Platz räumt. In normalen Zeiten können wir wieder anders handeln. In den Organisationen müssen wir Frauen zeigen, daß wir arbeiten, dann wird uns kein Mann zurückweisen. Abg. Frau Reize-Hamburg richtet an die Zenttale die Bitte, bei den internationalen Frauenkundgebungen alle Umstände vorher zu berücksichtigen, die einen guten Verlauf gewährleisten. Von den Frauen verlange man, daß sie sich für die„Frauenwelt" einsetzen, aber von der Redaktton des Blattes dürfe man ebenso verlangen, daß sie zur Erziehung der Frauen zu Sozialisten beitrage. Der Parteitag von Kiel war für uns alle ein starkes Erlebnis. Wir wollen Hilferdings Mahnung folgen: .Die Frauen müssen wissen, daß sie mit dem Stimmzettel die Lohnhöhe, den Brot, und den ZNehlpreis bestimmen." Frau Vaner-Leipzig: In die Kurse bekommen wir nur einen Teil der Arbeiterinnen hinein. Die Ergänzung dazu bilden die Frauenabende, wo über alle wichtigen politischen Fragen d!s- kutiert werden muß. Frau Wolf-Gelsenkirchen macht bemerkenswerte Mitteilungen über den Luisenbund. Dieser Bund betreibe antirepublikanisch« Propaganda. In manchen Orten nenne er sich der weibliche Stahlhelm. Die Gründung der Ortsgruppen wird vielfach durch Nattonalsozialisten vollzogen. Die Ortsgruppen sind satzungsgemäß verpflichtet, eine reinnationalistischePolitikgegendi« Republik zu machen. Gegen diese Organisatton, die auch in der Arbeiterschaft Fuß fassen will, müssen wir entschieden Stellung nehmen. Frau Frerichs- Rüstringen weist auf die Schwierigkeiten der Agttatton in den ländlichen Gebieten hin. Frau Bollmann-Magdeburg erklärt zu einem Antrag, der die stärkere Berücksichttgung der Frauen bei den Delegationen wünscht, daß im Bezirk Magdeburg ein gutes Verhältnis zu den männlichen Parteigenossen bestehe. Das müsse auch in anderen Bezirken möglich sein. Einen Fremdkörper in der Pattei dürfen wir nicht bilden. Frau Saplooet-Oberschlesien wendet sich gegen den Frauen- kompfbund, der die Beseitigung des§ 218 beabsichtige. Er bringe nur neue Zersplitterung und versuche die sozio- listischen Frauen in» kommunistische Lager zu ziehen. Frau Fabian-Ehemnitz hält den Inhalt ihres Artikels in den „Iungsoziulistischen Blättern' noch heute aufrecht.(Hört, hört!) Au« der Kenntnis der proletarischen Psyche habe sie ihre Auffassung ge- wonnen. Wir dürfen nicht nur Wähler und Wählerinnen bekommen, sondern müßten sie zu Sozialisten und Sozialistinnen erziehen. Die proletarisch« Frau dürfe nicht zuerst Staatsbürgerin, sondern müsse zue-k Klassengenossin sein. Das Schlußwort. In ihrem Schlußwort weist Genossin Zuchacz darauf hin, daß in der„Genossin" die trittschen Bemerkungen zum Internationalen Frauentag abgedruckt worden sind, um Anregungen für künftige Ver-. anstaltungen dieser Art zu heben. Di« Rednerin weist dann die An- griffe zurück, die Genossin Fabian in den.Jungsozialistischen Blättern" an der Arbeit der sozialistischen Frauen erhoben habe. Wenn man sich dt« Tättgkett der in der Partei organisierten�Frauen anieh«. so müsse man zu einem ganz anderen Urteil kommen. Ich steh« nicht an, zu erNären, daß die Feierstunden unbediixt erhalten werden müssen. Die Frauen, die in die Fabriken gehen und zu Hause noch ihre Pflichten als Frauen und Mütter erfüllen müssen, sind gar nicht in der Lage, sofort die Ideen vom Klassenkampf und dessen Theorien zu erfassen. Wir wollen mit den Feierstunden den arbeitenden Frauen zeigen, daß sie auch mit geringen Mitteln am geistigen und kulturellen Leben teilnehmen können. Zugleich sind die Veranstaltungen auch für uns eingutesErziehuiigsmittel, lernen wir doch daraus, wie wir es immer besser machen, um die uns noch fernstehenden Frauen zu Mitkämpferinnen und Sozialistinnen zu machen. Den Frauen, die stch dem Republikanischen Schutzbund angeschlossen haben, müssen wir sagen: Arbeitet in verstärktem Maße in der Sozialdemokratischen Partei, arbeitet nicht nur für die Republik, sondern zugleich auch für die sozialistischen Ideen. Anstatt derartige unzutreffende Kritik an unserer Arbeit zu üben, wie es die Genossin Fabian getan hat, sollten die schreibenden Genossinnen fruchtbareAnregungen geben. Wenn ich gesagt habe, daß die bürgerliche Frauenbewegung uns in gewissem Sinn« ein Beispiel sein könne, so meine ich das natürlich nicht in bezug auf ihren Gehalt, sondern in bezug auf ihre geistige Aktivität. Visher sind w der„Genossin" die vom Internationalen Sozialistischen Bureau in Zürich verbreiteten Nachrichten über die Frauenbewegung wiedergegeben worden. Nachdem jetzt dort eine besondere Stelle zu diesem Zweck geschaffen worden ist, werden wir die Bericht- erstattung in verstärktem Maße fortsetzen können. Mit der Mit- arbeit in der Presse steht es genau so, wie mit der Mandatszuteilun« an die Frauen. Wie in die Politik, so müssen die Frauen auch in das Pressewesen hineinwachsen. Sie müssen die Hemmungen über- winden lernen. Wir Frauen haben es doppelt schwer, wir müssen doppelt arbeiten, um unsere Forderungen zur Geltung zu bringen und unser« Arbett für die Partei zu leisten. Abstimmungen. Es folgen nunmehr Abstimmungen über die Anträge. Ein Hamburger Antrag auf Vereinfachung der Schnittmuster für die„F r a u e n w e l t" wird dem Parteivorstand überwiesen. Ein anderer Antrag weist darauf hin, daß die„Frauenwelt" den Anforderungen an eine sozialistische Werbezeitschrift nicht genüge. Sie solle zu einem wirklichen sozialisttschen Unterhaltungsorgan aus- gebildet werden. Auch dieser Antra« wird dem Parteivorstand zur Berücksichttgung überwiesen. Angenommen wird ein Antrag, daß für die„Frauenwelt"«in« Pressekom- Mission gestellt werden solle, ebenso ein Antrag auf Herausgabe politischer Broschüren für die Frauen. Ein Antrag, wonach erwogen werden soll, ob die Frauenkonferenzen vor oder nach dem Parteitag einberufen werden sollen, wird dem Parteivorstand zur Prüfung überwiesen. Die weiteren Beratungen werden auf Sonntag vormittag 9 Uhr vertagt_ Das HchNae Snu/eichen! Am Abend von dem LOaschtog kommt die tlVäsche in eine jCösung von— Hetiko U)osch~ und Bleich-Soda Bereitung der ifloschlouge: Persil u/ifd ko!t aufgelöst und kommt in den mit Ho Item iDossen gefüllten Kessel, nachdem forker dieses Uhssen durch etwas Hetiko weich* gemacht ist Zum Schluss gut spülen! Hoch viertelstündigem Kochen Jßou* ge abkühlen lassen und die Ii) äs che spülen, erst gut wanm, dann kolh— 0as ist einfach und bequem* Das ist anbei tspanend und billig. Nun einmal wind gekocht! ffSch Hinzutun den Wäsche unten öftenem CJmnühnen einmal kochen lassen{Kochdauer 15-20 Minuten) -Unterhaltung unö Wissen SeNage öes vorwärts Kreislauf der Schnelljustiz. 1 />uf Tippelei. Bon Älax Doctn. Anton und Waldemar find Freund«. Waldemar nennt feinen Freund Toni. Und Anton nennt seinen Freund Wald«. Toni und Walde sind Bäcker. Junge Bäckergesellen, so an die zwanzig Jahre all. Toni und Walde lernten ta der Großstadt, in kleinen Betrieben, in Qehrlingezlichtereien. In solchen Bäckereibetrieben, wo der Meister und die Meisterin auf Kosten der Lehrling« dick, rund, fett und gut»national� werden, auch fromm. Seit Jahr, Monat und Tag waren der Toni und der Wald« arbeitslos. Sie wohnten bei den Eltern, lieferten pünNich ihre Er» werbslosenunterstüdung ab, und zogen in der Freizeit auf Cot» deckungsreisen durch die Großstadt. Solche Entdeckungen hier machten der Toni und der Wald« Di« Großstadt ist ein Bauch, ein Bauch mit einem fetten kopito- listischen Herzen. Ein Bauch, in dem der arme Mann als Gedärm« sich quält, plagt, ringt und sorgt,— um da» fette Herz de» Groß. stadtbauches zu ernähren. Kam ein roter Zettel ins Hau» de» Toni und de» Walde geflogen, drauf stand:.Ausgesteuert� Es gab keine Erwerbslosen- Unterstützung mehr. Die Ellern machten schiefe und lang« Gesichter — statt Margarine gab's nur noch Marmelade Nr. Z auf» Brat. — Weißte was, sagt« der Tom zum Walde— weißte wa», wer zehn auf Tippelei. Gedacht, gesprochen, getan. Eltern, lebt glücklich, wir nrifen. Und so sind der Toni und der Walde nun auf Wanderschaft. Jeder nahm'nen Taler mit. da» Abschiedsgeschenk vom Vater. Und jeder nahm eine Träne mV. den Abschiedsbrillanten von der Mutter. Durch die Eben«. Ueber Bergland hin. Drei Wochen lang tippeln nun der Walde und der Tont schon. Da» waten neu« Eni- deckungsreisen. Ein Dorf. Monat März. Die Stare pfeifen von den roten Ziegeldächern. Ein Bach singt den weißen Gänsen ein silbern Lied. Der Himmel ist grün. Die Sonne spiell auf der goldenen Flöte. Aber— Toni und Walde— wie ist euch?— Hunger.— Dann geht.umschauen�. Das Dorf. Dort ist'ae Bäckerei..Zwei fremd« Bäcker sprechen um Arbeit an.* Der Steiften Harn mer nicht. Da habt ihr'nen Pfennig.— Gib uns auch'ne Säge, rief der Tont dem Bäckermeister zu.—'ne Säg«?— Sicher, wir woITn den Pfennig teilen, wir sägen Ihn mitten durch. Das Dorf. Der Kaufmann.— Zwei arm« Handwertsburschen sprechen zu.— Was! Tagedieb«, ich zahl« in den Armenverein, nix wie'naus aus'm Laden!— Walde spuckte dem Kaufmann vor die Tür«, da brannte dann ein schwefelgelbe» kleine, Flämmlein auf. Ein Hund sah da», und der Hund heulle ganz gottsjämmerlich Laut schnatterten am Bache die Gänse. Das Dorf. Die Apotheke.— Bitte, zwei Wanderburschen.-» Ei,«i, sagte die goldene Brill« hinter den Salbenbüchsen—. na. Jungen«, da habt ihr was.—'s wa? ne Tüte, drin roch es nach Lorbeerblättern, leider roch es auch ein wenig schimmelig. Lorbeer- blatt als Unverkäuflichkeit, da» war die Apotheke. Schimmellger Lorbeer: gut genug für walzende arme Bäcker.— Aber backen die Bäcker uns nicht unser Brot? Ja, doch nicht auf der Walz«. Wal- zende Bäcker haben selbst kein Brot. Das Dorf. Die Kirche. Eine feine neue Kirche. Au» schwarz- gebrannten Ziegelsteinen. Ein Christus aus Beton. Da» Pfarr- Haus noch etwas größer als die Kirche selbst. Efeu um» Pfarr- Haus. Ihr Kunden, hinein,'s ist Mittag, der Herr Pfarrer speist. — Zwei fremd« Wandersleute bitten um Mittag. Ih du mein« Güte, sogt« Hochwürden, so jung und schon auf Wanderschaft, und betteln? Es wäre unchristlich, solche Landstreicherei zu unterstützen. Geht ihr bei Paswr Bodelschwingh, auf die Wanderarbeitsstätt«, da könnt ihr für gute Arbeit umsonst essen und schlafen. Im Hause gebe ich nichts. Punktum. Schluß. Ich bin der Herr Pfarrer.— Türe zu: schnippeschnappe das Schloß! Da zog der Toni die schimmelige Lorbeertüte au» dem Sack, die von der Goldbrille au» der Apotheke, und dl» Lorbeertüte slog in den Brieskasten vor der Türe de« Herrn Pfarrers, der Lorbeer soll im Dorfe bleiben! Bor dem Dorfe. Ein armes Kätnerhäuschen. Hier wohnt ein Gutsarbeiter. Ein Landprolete. Hinein, ihr walzenden Bäcker.— Bitte.— Ja. fetzt euch.— Fünf Kinder. Eine Katze. Drei Hühner. Vater und Mutter— alle« am Tisch, beim Mittagsmahl. Es gab Kartoffeln in Schale und einen sauren Walfisch, einen Hering— einen!— für die ganze Familie, der Heringswalsisch lag in einem schönen sauren Zwiebelbette. Es schmeckte, und siehe, sie wurden olle satt: die beiden Kunden, die fünf Kinder, die Katze, die drei Hühner, die Mutter und der Dater.— Wir danken bestens.— Die Kunden gaben dem Landproleten und seiner Frau die Hand, im Händedruck« bebte da» Herz: Gemeinschaft. Christus, Friedet Das war— ein— Tag. An diesem Tage war man sott ge- worden. Aber dann kamen für die beiden Tippelbrüder Tage des Hungers. Und kalte Nächte ohne Herberge kamen. Platte machen — im Freien schlafen, morgen» war man weiß von Reis. Und steif wie ein Brett oder Balken. Abend. Die Sonne geht unter. Der ganze Himmel ist voller Blut. Und im Magen der beiden wandernden Bäckergesellen knurren wilde Rudel von hungrigen Wölfen. Kein« Herberge, kein Geld, nicht- zu esien. Ist da» ein traurige» Leben!— Wir tippeln die Nacht durch.— Die Sterne gehen auf. kalte Sterne ohne Her» wie Nagelspitzen die Sterne, so scharf und stechend. Am Himmel ein goldene» Kreuz, drann nagell die harte kapitalisttsch« Well da» Herz der beiden armen Tippelbrüder. Eine Brück«, drunter hinweg rauscht der schwarz« Fluß. Die Welle gurgelt, die Welle lackt— Vergessen. Dergesien. Dergesien! Zwei Sprünge, plump»— und nochmals plump»— zwei junge Menschen suchen den Freitod, fort von dieser elenden Welt. Aber du stirbst nicht so leicht, besonder« nicht, wenn du jung bist. Das Wasier war kalt, und das Herz war noch wann. Di« beiden Freitöter schwammen ans Ufer. Da« war aber immerhin dem Tode in» Aug« geschaut!— Klappernd ziehen die pttschenassen Walzbrüder über die nächtlich« Landstraße weiter. Di« Nacht reifte es wieder. Die Hüte der beiden Waflerspringer wurden wie Stahl- Helme, so hart und so ka«— Cishelme, Eishüte,«we silberne gla- sig« Patina drauf: Reif und Eist Die Nein« Stadt. Da» Krankenhaus. Tont und Walde liegen trank. Lungenentzündung« da» kommt vom nächtlich« Schwimmen i Der Walde stirbt. Gestern Hab« wir ihn beerbigt. auf fein Grab kam ein Strauß silberner Weidenzweige, der werdende Lenz gab dem Wien Menschenlenze den Abschied. Und der Toni, was ist mit dem? Der Toni wandert wieder. Wohin? In die Zukunft, er sucht was. Was denn? Ein Land. Welches? Das Land der Gemeinsamkeit. Gemeinsamkett? Sicher, das ist das Land des Sozialismus. Das Land, in dem es keine Lehrlingszüchbereien mehr gibt, wo der Dicke den Mageren nicht mehr ausbeutet, wo für alle Menschen Arbeit und Brot da sein wird. Und für alle wird sein Liebe, Friede und Eintracht. Auch Zwei- und Dreitrochtl Toni, wir alle wünschen dir eine gute glückliche Reise! Zwei Wochen Rummelplatzausrufer. Bon Hanns-M. Tarun. Ueber die Stadtbahnbrücke rassln die Züge. Autos hupen, ge- schäftige Menschen hasten durch ein Gewirr sich zusammenballender Fahrzeuge, bleiben mitunter einen kurzen Augenblick stehen und eilen dann weiter, bis sie wieder in dem allgemeine» Strudel unter» getaucht sind. Da» kleine Lokal, in dem ich mein nicht gerade sehr üppiges Mahl perspeise, ist gedrängt voll. Ich winke den Kellner herbei, da» liHte Zweimartstück, das ich in der Tasche habe, klimpert aus dem hölzernen Tisch, es verschwindet zwischen einem Hausen anderer Geldstücke in der Hand des �Ober* und vor mir liogen jetzt ein paar Zehner und Fünfer, die ich zögernd einstecke. Dann schiebe ich den Stuhl zurück und trete durch die Drehtür ins Freie. Ich habe kein Ziel, denn es wird heute ebenso sein wie an den sonstigen Tagen auch Berlin ist groß, sagt man und fügt immer hinzu, daß niemand zu verhungern brauchte. Aber ich habe an den verschiedensten Stellen Nachfrage gehalten und meine Arbeitskraft angeboten und überall den gleichen entmutigenden abschlägigen Be- scheid erhallen. Schon stammen hier und da die ersten Bogenlampen auf. schon schließen sich einzelne Geschäfte und müde Anoestellt« streben ihren Wohnungen zu. Der Strom der Vielen reißt mrch mit. Ich sehe und höre nichts. In meinem Hirn hämmern tausend lächer- liche Gedanken und unwillkürlich ziehen an meinem inneren Auge die aneinandergereihten Bilder der letzten Wochen vorüber: der plötzliche Abbau, da» Suchen nach einer neuen Stellung, da» bedauer. liche Achselzucken, die Not, die mit sedem Tage größer und größer wnrde, da» drohende Elend und schließlich Das Unterkommen in einem kleinen Hotel als Abwäscher. Nach kurzer Zeit jedoch saß ich wieder auf der Strohe, man brauchte mich nicht mehr und die alte Sorge begann von neuem. Und was wird morgen sein? Ueber- morgen? Wo werdk ich wohnen, wo essen, wo schlafen? In der „Palme* vielleicht, zwischen all den anderen Armen. Elenden, Be- dürstigen und Heruntergekommener. Die Bilder reißen ab. Ich bleibe stehen. Der Menschenstrom schiebr mich noch ein paar Schritte vorwärts und dann befind« Ich mich plötzlich Inmitten de» Häuserchao» am Eingang« eine» frei« Platzes, der von einem morschen Bretterzaun umschlossen wird. Ein Orchestrion dudelt eine Schlagermelodie, grellbunte Plakate schreien nie geahnte Sehenswürdigkeiten hinaus und, ehe ich noch recht überlege, ob ich weitergehen soll, befinde ich mich auch schon unter der schaulustigen Menge, die von der Straße hereinströmt und an den einzelnen Buden vorüberzieht. Rummelplatz I— Ich zünde die letzt« Zigarette an und blick« mich um. Menschen. Menschen, Menschen. Sie alle haben ihr Tagewerk hinter sich und wollen sich hier für billige» Geld vergnügen. Und' wie ich dann weiter denke, daß ich morgen nicht mal mehr mein kleines Lokal werde aussuchen können und nur immer durch die Straßen dum- meln. vielleicht sogar betteln muß. kommt mir ein ganz absurder Gedanke. Kann ich nicht hier vielleicht etwa» verdien«? Hier Arbeit find«? Ich frag«, ohne eigentlich recht zu wissen, was ich tue. Sehe drei-, vier-, fünfmal in verdutzte, ungläubige Gesichter, die mich vom Kopf bis zu den Füßen mustern, mich lachend weiterschicken und sich brummelnd umwenden. Aber dann bei den Ringkämpfern habe ich Glück. Vier kräftige, muskulöse Gestalten sind es, die mir erst er- staunt ins Gesicht schauen, plötzlich tuscheln und mich schließlich aus- fordern, in ihr Zell zu steten. Ihr Ansager— einen Tagedieb nennen sie ihn— ist heute nicht erschienen, ob ich seinen Platz aus- füllen will?— Mit Freuden, ja! Zehn Prozent Gewinnbeteiligung werden mir zugesichert, man schüttelt mir bÄde Hände, ich bekomme einige Instruktionen und muß sofost hinaus vor das Zell treten und mit meiner neuen Arbeit beginnen. Früher habe ich es mir immer sehr leicht gedacht, ein bißchen zu reden und ein paar Leute anzu- locken, aber jetzt merke ich, daß auch das Ansagen auf dem Rummel- platz eine Kunst sst. Mit weithin schallender Stimme preise ich viele, viele Male die Qualitäten meiner Ringkämpfer, stelle einen nach dem anderen der gaffenden Menge vor und fordere immer wieder zum Besuche der heutigen„Haupt- und Galavorstellung* auf. Es dauert eine geraum« Weile, bi» der kleine Innen ranm des Zeltes mit Besuchern— Eintritt pro Person 20 Pennige— gefüllt ist. Die Vorstellung nimmt ihren Anfang. Aber'während im »Ring* einer der Kämpfer kommandiert, Schiedsrichter ist und zugleich das Publikum im Zaume halten muß, das in allzu großer Sportbegeisterung des öfteren die Seile durchbricht, darf ich draußen nicht rasten und muß nach kurzer Atempaus« weiter schreien, eine große Glocke schwingen und bemüht sein, das Interesse der Um- stehenden nicht erlahmen zu lassen. Schließlich ist die allerletzte Vor- stellung beendet, die große Bogenlampe vor dem Leinwandzelt er- lischt, meine Ringer verwandeln sich wieder in zivile Menschen und bam gehen wir zusammen in das„Slstistenlokal*, das nicht weit ab liegt und in dem sich die Mehrzahl der Rmnmelplatzschaustellec nach Feierabend noch auf ein Stündchen zu treffen pflegt. Dort halten wir Abrechnung und der Senior der Ringer und Manager schiebt mir fünf Mark und dreißig Pfennige zu, die auf meinen Teil fallen.„So,* meint er,„nun komm man morgen wieder, deinen Vorgänger schmeißen wir ran». Willst du?*—„Und obl—* lache ich. Ein Handschlag und der Vertrag sst besiegelt. Nachts falle Ist todmüde ins Bett, das Schreien hat mich reichlich angestrengt, und ich träume in wirrem Durcheinander von Boxern, Gladiatoren, Schlangenmenschen, Akrobaten, Tänzerinnen, Schieß» Huden und Karussells. Am nächsten Nachmittag gehts um S Uhr weiter. Ich habe schon viel gelernt und erhasche ab und zu einen freundlichen Blick, meiner Ringer, die in großer Pos« vor dem Zelt sich aufgebaut haben und ihre mächtigen Bein- und Armmuskeln zeigen. Einmol helfe ich in einer Nachbarbud« aus. Es find zwei gutmütig« Kraft- menschen, die ich da zu annoncieren habe. Eine Weile spreche ich für sie, dann eile ich wieder zu dem Ringerzelt. Ein paar spöttische Bemerkungen fallen aus dem Publikum, aber meine Ringer passen auf und dann kommt der ein« zu mir:„Keine Angst! Die dürfen nichts.mehr sagen! Rede man weiter!* Er hatte den Spottenden einen deutlichen Wink gegeben. Nach zwei Wochen erhalte ich plötzlich einen Brief. Man anl- wartet mir auf meine frühere Bewerbung. Ich muß mich vor- stellen und versäume abends meinen mir liebgewordenen Dienst bei den Ringkämpfern. Ich kann sie nicht mehr benachrichtigen und denke, daß sie schön auf mich schimpfen werden und nun gewiß in mir auch einen Tagedieb sehen. Es vergehen drei Tage. Ich muß doch mal hinaus auf den Rummelplatz. Ganz hinten stehe ich. Meine Ringer haben noch kein« neuen Ansager gefunden. Einer von ihnen versieht dieses Amt. Er muß ringen und dann wieder draußen schreien und seine Simme klingt so heiser. Da zögere ich nicht lang«, dränge mich vor, werfe den Rock ab, besteige da« kleine erhöhte Podium, auf dem Ich während zweier Wochen Abend für Abend gethront Hab« und bin wieder ihr Ansager. Abends erzählen wir in dem„Arttstenlokal* und meine Freunde sind fast böse, al« ich diesmal meinen Anteil nicht nehmen will. Sehr sogt erst trenn« wir uns und ich habe ihn« versprochen. «cht oft wiederzukommen. Reife nach Kopenhagen. Von Ernst Toller. ©nen Tag. bevor ich Berlin verlieh, ging ich in ein Tabak- geschüft Unter den Linden und bat um ein« Zigarre..Welche Marten haben Sie?" fragte ich den Verkäufer.»Zigarren haben kein« Mar- k«n," war die grobe Antwort.»Dann nennen Si« mir bitte die Fabriken, deren Erzeugnisse Sie verkaufen."»Das kann Ihnen doch gleich sein, ich lege Ihnen welch« vor und Sie können sich dann aus- suchen." Ich zog höflich meinen Hut und verlieh den Laden. A« ersten Tag in Kopenhagen ging ich in ein Geschäft in dem handgestanzte Zinnwaren verkauft werden, eine Spezialtät Kopen- Hägens, und taufte mir zehn verschiedene kleine Zinngegenstände. Immer, wenn ich mir einen ausgesucht hatte, sagte der Verkäufer „Tak", das heiht auf deutsch»danke schön". Zehnmal wiederholte sich dieses.Tak". Diese beiden Episoden verdeutlichen besser als lange theoretische Darlegungen die Lebenshaltung des Kopenhageners und des Ber- liners. Woher dieser liebenswürdige Umgangston? Gewiß, einer der Gründe ist, daß die Dänen nicht Krieg noch Inslattonszeit kannten, daß sie in ruhigem Winkel ihr Smörrbrot, ihr« prächtige Sahne und Butter verzehren, daß sie nicht so angespannt zu arbeiten brauchen wie der Berliner, daß der Mensch bei zuträglicher Küche und gesättigtem Magen freundlicher sich gibt. Aber nur«in Kom- plex von Gründen ist umrissen. Der Gesättigte bei uns in Deutsch- land ist meist ebenso grob wie der Stehkragenproletarier im Ge- schäst, der ein ungenügendes Gehalt bezieht. Es gibt bei uns eine Aggressivität des Fettes, die dem vom Ausland Heimgekehrten mit penetrantem Geruch in die Nase steigt. Da ich schon vom Smörrbrot sprach— die Vorstellung, daß der Däne nur Smärrbrot-Kabarett ernst nimmt, jene lukullische An- Häufung von Salaten, Fischen, Fleischspeisen, Käsen, ist recht primitiv. Der Däne ist besser als sein Ruf.(Am ernstesten nimmt er übrigens den Tanz: ich habe einen Faschingsball gesehen, auf dem es zuging «wie in einer Kirche, die Paare schienen tanzend ein pater, peccavi zu beten, und der Liebegott, in Gestoll eines livrierten Mannes, ging umher und paßte auf, daß sich nichts gegen die Wohlanständig- kell ereignete.) Was beim Dänen am stärksten auffällt, ist feine Neugierde. Ich habe übrigens nichts gegen Neugierde. Die Deutschen sind viel zu wenig neugierig. Sie begnügen sich, zu gehorchen, ohne nach Gründen zu fragen, während beispielsweise der Franzose keine behördliche Anordnung befolgen würde, die ihm nicht raisonnabel erschiene. Die Neugierde der Dänen auf geistigem Gebiete ist er- staunlich, aber nur, wenn der Gegenstand der Neugierde kein in- ländisches Etikett zeigt. Der Konservative ist ebenso bereit, sich mit dem Radikalsten zu befassen wie der Radikale mit dem Konservativ- sten. Nur im privaten Bezirk hat die Neugier ihre schlimmen Seiten, da wird sie zu Klatschlust und versucht intimste Beziehungen an das schamlose Licht der Publizität zu ziehen. Die geistige Neugierde in Dänemark oerbindet sich mit einer gewissen Toleranz, die den Fremden besonders angenehm berührt. Dem großen«inheimischen Geiste geht es freilich wie in anderen Ländern auch, er wird geketzert und geächtet. Es ist doch bemerkenswert, wenn beispielsweise das königliche Kopenhaeener Radio mich einlud, 4l> Minuten unzensuriert zu sprechen und ich Gelegenheit hatte, Berse und Szenen zu lesen, gegen die die Berliner republikanische Zensur bestimmt ihr Veto eingelegt hätte. Oder wenn ein Marineflieger mich von einem Gefängnis auf der Insel Fünen, das ich mit Erlaubnis des Justizministeriums besuchte (und das, ich werde darüber an anderer Stelle schreiben, im allge- meinen erstaunlich eingerichtet ist), mit feistem Aeroplan abholle, weil ich mit dem Zuge zu einem Vortrag, den ich in Kopenhagen hallen sollte, nicht rechtzeitig hätte eintreffen können. Oder wenn ein« Zeitung, die in ihrer Haltung etwa der»Deutschen Zeitung" «utsprlcht, mich interviewe» kleß. und Ansichten, dt« absolut konträr ihren eigenen sein müssen, ohne Streichung wiedergab. Ich möchte hier nebenbei bemerken, daß die dänischen Konservativen ebenso wie die englischen in vielen Fragen demokratischer sind als unsere Demo- kraten. Ich sah Gynt".Aufführung, Den Theatern habe ich nicht fleißig ein« anständige, aber nicht überragende sah in einer langwelligen Revue eine ausgezeichnete Claire-Waldow- Figur, Lira Weel, die mit grölender Stimme Hofenlieder sang. Das Arbeitertheater, das»Hinkemann" in der Ueberfetzung meines Freundes A. D. Henriksen mit viel gutem Willen spielle, ist eine kooperative Bühne, die der energische, auch als Dichter bekannte Bettel Butz Müller leitet«. Man spielt in eigenem Theater und in der Regel wirklich vor werftätigem Volk. Viele Rollen sind mll Ar- .bellern besetzt. Der dänische Film, der anfangs in der Filmproduktton eine beochttiche Roll« spielte, hör infolge Kapitalmangels statt an Be- deutung verloren. Urban Gad, der bekannt« dänische Regisieur, arbeitet meist in Deutschland und Frankreich. Asta Nielsen hat längst Dänemark verlosten. Eines großen Künstlers Bekanntschaft vermittelt« mir der Auf- enthalt in Dänematt, die Anton Hansens. Sein« Fähigkeit als revo- luttonärer Gesellschaftsfattttker ist ebenso groß wie die von George Groß. Technisch hat er vielleicht noch nicht überall seine Vollkommen. heit erreicht. In der Konzeption besitzt er, man kann es ohne Ueber- Ireibunp sagen, Genie. Seine Zeichmingen sind nicht Einfälle, nicht Milieustudien, sie sind ein« Vision, dahinter man ein« Welt spütt. Nie ist der Mensch ollein, immer leben die Dinge, die Landschaft in die er gestellt ist, mll ihm. Und seine Tiere? Das Stärkste an Hansen ist seine Fähigkeit, die Pveisgegebenheit, die Hilflosigkeit, die Angst aller Kreatur zu erfassen. Ueber dänische' Schttftsteller ausführlich zu sprechen, ist für deutsche Leser nicht notwendig, man kennt sie. Ich sah I. V. Jensen,' der gegenwärtig ein großes Wett über die Entwicklung der Mensch- heit beendet, das sich auflehnt gegen das Aba Kadabra der wisten- schastlichen Klone. Ich sah Sophus Michaelis, der kürzsich Gotthes »Faust' übersetzt hat. Aage Madelung. Otto Runge, den Lyriker Pobblye, den in Deutschland viel zu wenig bekannten Sven Borberg, der lang« vor Raynal ein starkes, in seiner Grundform ähnliches Drama in deutscher Sprache geschtteben hat, den ausgezeichneten Publizisten Anker Kirkeby, besonders durch sein Rußlandbuch in Deutschland bekannt geworden. Das dänische Publikum versteht Deutsch gut. Ich hielt die ver- schiedensten Vorträge(kulturelle Arbeit der Sozialisten in Wien, russische Gefängnisse, der Kampf des Orients und Europa, das junge deutsche Drama, Vorlesung aus eigenen Werken). Die Abende waren erstaunlich besucht. Die Hörer folgten auch differenzierteren Dar- legungen mit intensiver Aufmerksamkeit. Als ich bei irgendeiner Gelegenheit von deutsch-dänischen Konfliktstoffen sprach, die gegen. wärtig die dänische Oeffentlichkeit erregen, und darauf hinwies, daß man in hundert Iahren es nicht begreifen werde, daß jemals die werktätigen Völker und die freiheilliche Jugend beider Länder für Grenzfrvgen in den Krieg zogen, und daß heute Volk und Jugend die Pflicht hätten, künfttqe Gemeinsamkeit, ungeachtet der Verfolgung und Befehdung der Chauvinisten jenseits beider Grenzen, vorzu- leben, ersolgte Zustimmung von geradezu südlicher Stärke. Man kennt die dänisch-deutschen Fragen eigentlich bei uns nur in politischen Konventikeln und doch sollten sie von breiterer Oesfent- lichtest gekannt werden. Ein Dttttel senes Landes, das Preußen 1864 von Dänemark eroberte. Ist nach erfolgter Abstimmung an Dänemark zurückgefallen. Di« Abstimmung ging vor sich mll jenem Mindestmaß von Beeinflussung, dem Abstimmungen unterworfen sind. Der Rückfall des Gebietes an Dänemark wurde vom Deutschen Reich de jure anerkannt. Für die nordschleswigschen Bauern brachte der Ileberttttt zu Dänemark keineswegs wittfchaftlich« Votteile. An landwirtschaftlicher Produktion herrscht« im Land- sowieso Ueberfluß. ist» die früheren Absatzged-itte(Hamburg, Bettln) konnte lnfvlge der Zollmauern nicht geliefert werden. Den Bauern ging es schlecht. Da traten deutsche Kapitalgruppen auf, die ihnen unter der Bedingung, daß sie Teile ihrer Ländereien an Deutsche oder zuverlässig deutsch Gesinnte verkaufen, Geldmittel zur Verfügung stellten. So wollte man wahrscheinlich auf trockenem Wege eines Tage» die Abstim- mung anfechten und bei dieser neuen Abstimmung siegen. Andere Sorgen haben unsere Chauvinisten in einer Zell, die zu europäischer Einigung drängt, nicht. Die Machinationen der deutschen Kapital- gruppen riefen eine mächtige Gegenbewegung in Dänemark hervor. Es wurden Unterstützungskomitees für die nordschleswigschen Bauern geschasten und zeitweise flammten überall nationalistische Stimmun- gen auf. Die wirtschaftliche Situation des Landes ist gegenwärtig ziemlich schwiettg. Dänemark hat, was selten vorkam, Arbeitslose, im ganzen 92000(zweiundneunzigtausend). Die konservative Pauern- regierung, die die sozialistische ablöst«, ist keineswegs fundiert. Die Sozialdemokraten, die bedeutende junge Köpfe haben, wie z. B. den 32jährigen Regierungsabgeordneten Fttsch, hoffen bei der näch- sten Wahl wieder an die Regierung zu kommen. Die liberal« Partei ist ziemlich schwach, ebenso wie die kommunistische(anders wie in Norwegen). In den Tagen, als ich Kopenhagen besucht«, verbrannte man die sterbliche Hülle von Georg Brandes. Nur ein kleiner Kreis von Menschen war zur Trauerfeier im Krematottum geladen. Aber diese Pressephotographen. Si« hatten sich hinter die Eisengitter ge- schlichen, jede Träne photographiett und sie hätten wohl, wenn es zum Busineß erfordettich gewesen wäre, jeden Seufzer phonettfch aufgenommen. In Georg Brandes Hot Dänematt, hat Europa einen der seltenen großen synthetischen Kritiker verloren, die schöpfe- rische Künstler sind. Zur proletattsch-kollekttvistischen Bewegung hatte Brandes keine Beziehung. Der letzte große Liberale sah nicht, daß dem neuen Kollektivismus geistig attstokratische Elemente eigen sind, daß der neu« Kollektivismus die Synthese von Kommunismus und Indwidua- lismus anstrebt, ebenso wie der neue Internationalismus das Fun- dament sein will, auf dem die Nattonen ungehemmt sich entfalten können. Ich sitze mst Frau Gerda Brandes in der Wohnung am alten Hafen, blättere in dem Photographiealbum und eine Epoche zieht an mir vorüber. Frau Brandes erzählt von Georg, wie ihn die Dänen nennen. Eine hübsche kleine Episode will ich hier wieder- geben. Eine deutsche Uebersetzerin hatte an Brandes geschtteben, sie wolle ihn besuchen. Brandes erbat ihr Bild. Das Photo kam und zeigte eine schöne junge Dame. Einige Wochen später traf die Uebersetzerin in persona ein, und siehe da, sie war weder schön noch jung. Brandes knurrte. Bei der Mahlzell stellte er fest, daß das Bild, das sie geschickt hatte, zwanzig Jahre alt war. Di« Dame, von jener Putenhaftigkeit, die schwer zu ettragen ist, fiel Brandes auf die Nerven und er zog sich bald zurück. Frau Gerda Brandes nahm sich ihrer an.»Stimmt es," wurde sie von der Dame gefragt, »daß Sie zu häßlichen Damen immer so steundlich sind?"»Da» muß ich wohl." gab sie �ur Antwort,»zu hübschen ist schon mein Mann nett." Herr Sttesemann hat den Hinterbliebenen Georg Brandes' kon- doliert, wie er auch Bernhard Shaw zu seinem siebzigsten Gebutts- tag gratuliert hat. Ob er wohl daran gedacht hat. daß beide zu jenen Charakteren gehören, die man heute samt Vettegern und Druckern vor das Reichsgettcht stellt und zu quälender Hast oer- urteilt? Adieu, Kopenhagen aber gebe ich den Rat, gen. Tak für deine Gastfreundschaft. Snob» die Stadt zu meiden. Vor ihrem guten Ge- lächter ginge es ihnen bald wie jenem König aus Andersens Märchen, der glaubte, das prächttgste Kleid der Welt zu besitzen und dem ein Kind sagen mußte, daß er armselig, in Unterhosen, einherstolziere. AM R0SENTALER PIAT2 Nr. 251 ♦ 44. Jahrgang 5. Heilage ües Vorwärts Sonntag, 29. Na! 1927 Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 29. Mal: 9: Morir«nfftier. UJO: PUtunusifc, 14.30; Stunde de» Briefmarken Sammlers. 15» Die Unterhaltung der landwirtschaftlichen Gebäude. 15.30: Märchen. 15.30: Uebertraeun» von der Trabrennbahn Ruheleben. 17.30: Kapelle Gebrüder Steiner. 18.30: Die Speisen* der Viermillionenstadf. 19315: Wie entstand und entsteht die Mode. 19.30; Die Wiener Kunst In den Festwochen. 19.55; Wochenende— Lebenswende. 3L30; Heiteres Allerlei. 32.30: Tanzmusik. Montag, 30. Mai: 15.30: Frajen der modernen Hauswirtschaft. 16: Der Sternhimmel im Monat 'uni. 16-30: Italienische Novellen und Lieder. 18.30: Technische Wochenplauderei. 19: Entstehun* und Verhütung der Hautkrankheiten. 19.35: Meister der klassischen Kunst. 19.56: Vernunft und Glück. 20.30: Gartenkonzert. Dienstag. 31, Mal: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Wunder der Technik In der romantischen Literatur. 16.30: Kapelle Emil Roosz. 18-30: Stunde mit Bücheta. 15-30 Zweihundert Jahre Berliner Musikleben. 19-55: Die Wellwirtschafts- konferenz In Genf. 20.30: Novelle von Arnold Zwei*. 21.10: Kammermusik. Mittwoch, 1. Juni: 13.30: Glockenspiel der Paroehialkirche. 15.30; Die Lehensluft der fröhlichen Schule. 16; Reisen in fremden Ländern. 17: Jusendbühne. 17.30: Dr. Becces Kammerorchester. 18.45: Instinkt und Intellirenz der menschlichen Persönlichkeit. 19.10: Weltanschauungen groBer Denker. 19.35: Leben auf einerWiese. 30 10: Sendespiel:„Der Betfeistudent", Operette von Millöcker. 33.30: Nachtmusik. Donnerstag. 2. Juni: 13.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Spanisch. 1630: Die Stellun* der Blinden Im Wirtschaftsleben. 17: Konzertorchester Kermbach. 19: Das Hochwasser und seine Bekämpfung. 1938: Was ist nn» Schlesien? 1930; Organische Wirtschaftspolitik. 2030: Russen-Abend. 2239; Tanzmusik. Freitag, 3. Juni: 1530: Die praktische Frau auf Reisen. 16: Dichter der lOngsten Vergangenheit. 16.30; Wandern mit der geoloctscben Karte- 17: Rokoko- dich tun gen. 17.»: Chopin. 19.10: Das Beamtenbildungsproblem in seiner Bedeutung für Volk nnd Staat. 1935: Deutsch-franzOsiscbe Kuli Urgemeinschaft. 30: Sozialpolitische Umschan. 20.30; Violinvorträge. 21: Ilja Ehrenburg. 3230: Unterhaltungsmusik. Sonnabend, 4. Juni: 1230: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Zweitausend Jahre Polo. 1630: Medizinisch-faygieniache Plauderei. 17: Kapelle Gerhard Holtmann. 1935; Die Rolle der Freu im Leben den Verbrechers. 1930: Das deutsche Auswandernngsprohlem der Nachkriegszeit. 19.58: Schlaf, Traum und Tod vom Standpunkt der Psychologie. 20.50: Orchesterkonzert. 2230; Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonn tag, 29. Mai: 9: Uebertrazaof au Berlin. II: Uebertragonf aas Majjnneim, Ab 12.A5; Uebertragung lus Berlin. Ab 19: Uebertragung aus Breslau. Montag, 30. Mai: 16; Verkehrserziehung der Jugend. 1630: Erziehungsberntung. IT: Schach- funk. 18: Wasserwanderungen in SOddentscbland. 18.30; Englisch für An- länger. 18.85: Der Wert der neueren Buchhalrungsfonaen und Grundsätze für ihre zweckmäBige Anwendung in der Prnxi». 1930: Des Wirlsehaltslahr 1935/26 im Lichte der Koninnkturstatistik. Ab 20.15: Uebertragung aus Kiel. Ab 21.05: Uebertragung ans Berlin. Dienstag. 31. Mal: 16: Wie kenn des Clternhens die häusliche Schulerbeit unterstützen? >7: Religiöse Kunst In Ah-Mexlko. 18: Das Recht der inneren Kolonisation: Geschichtliche Grundlege. 1830: Spanisch lür Anfänger. 1835: Das deutsche Kunstlied bis Schubert. 1930: Baltische Dichtungen. Ab 2030: Uebertragung aus Erankfurl t. M. Mittwoch. 1. Juni: 16: Die Gefahren der Entwicklungsjahre. 1630: Englisch lür Fortgeschrittene. 17: Die Natnrkrälte und ihre technische Verwertung. 1730: Vom Singspiel zur Operette. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Physik. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Grenzland in Not. 19.20: Deutsches Kunstgewerbe der Gegenwart. Ab 20: Uebertragung aus Magdeburg. Donnerstag, 2. Juni: 16: Die Beschlüsse des PreuBischen Landtags auf dem Gebiet der Kulturpolitik. 1630; Aus dem Zentralinstitut lür Erziehung nnd Unterricht. 17: Die Deutschen in Kanada. 1730; Aus der Geschichte der Naturbetrachtung. 1830; Spanisch für Fortgeschrittene. 18 55: Das deutsche Kunstlied: Schubert. 19.20: Krsnkheiten und Schädlinge der Futter- und Wiescnpfianzen. Ab 20.30: Uebertragung ans Berlin. Freitag, 3. Juni: 16: Vom Essen und Trinken. 16.30: Die Kunst des Sprechens. 17: Die Alpen. 1730: Bilder aus dem Steinkohlenbergbau. 18.30: Englisch für Fort. geschrittene. 18.55: Die Aulgaben und das Wesen des deutschen Großhandels. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Ab 20.30: Uebertragnng ans Berlin. Sonnabend, 4. Juni: 16: Esperanto. 16.30: Ans dem Zentrailnstitut für Erziehung und Unterricht. 17: Bildungsfragen der Polizeibeamtenschaft. 1733: Die Fabrik als Umwelt des Arbeiters. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter; Mechanik. 18.30: Zahnärztliche Hilfe bei Aufdeckung von Kriminallällen. 18.55: Pfingst- feier. Ab 20.30: Uebertragung aus Hamburg. lunKwinm Der heitere Sonnabendabend war diesmal dem SOjährigen �asse-Zetter ström gewidmet, dem liebenswürdigen schwedi- schen Humoristen, der auch in Deytschlond kein Unbekannter ist. In seinen Grotesken läßt er mit nachsichtigem Lächeln das menschliche Panoptikum vorbeispazieren. Diese Zeitkritik, die aus einer milden Zone stammt, ist nichk völlig bei uns zu akklimatisieren. Aber sie behält impier noch soviel von ihrem Reiz, um uns bei dem Namen Hasse.Zetterström vergnügt aushorchen zu lassen. MaxGülstorfs las nach einer Einführung von Max Pohl, voll Verständnis für das Geburtstagskind aus dessen Werken. Den Abendabschluß brachten die Musikdarbietungen der Kapelle Gebrüder Steiner. Unter den Vorträgen des Tages erwiesen sich als beachtenswert Paul We st Heims Ausführungen„Der Künstler in dieser Zeit", in denen Westheim weniger Wert auf originell« Ideen legte als auf eine geschickte Klarlegung der künstlerischen Wirtschafts- und Produktioneverhältnisse. Dr. Friedrich Luther m dem Zyklus „Schlaf, Traum und Tod vom Standpunkt der Psychologie" sprach über„iräume". Es legte hauptsächlich die Entstehung der Träume aus äußeren Anreizen dar, und zeigte dabei, aus wie komplizierten Zusammenhängen sich Form und Inhalt eines Traumes entwickeln. Ministerialrat Dr. Kurt Häntzschel setzte seinen Vortrag über Presse und Strafrechtsresorm fort, und besprach weiter ausführlich Inhalt und Mängel der neuen Gesetzesvorlagen, soweit sie dos Kapitel„Presse" berühren. Tierarzt Dr. H e i l b o r n setzte sich unter dem Titel„Der Hund in der Großstadt" für eine mitleidsvoller« Behandlung der Vierfüßler durch Behörden und öffentliche Institut« ein. Wenn man dem Redner auch in vielem gern bei- pflichtet«, so muß einem seiner Dorschläge energisch widersprochen werden: Hunde gehören nicht in Lebensmittelgeschäfte. Wenn das Wetter zu schlecht ist, um das Tier vor der Tür warten zu lassen, so muß es eben zu Haufe bleiben. T e s. Partemachrichten Einsendungen für diese Rubrtl sind Berlin SA 68. Lindrnitrahr 3, für Hroß-öerUn slet» dB das ÜScftictstetrctartat. Z. Hos, 2 Trep. träte.;u richten. 2. greis Sietgatfen.«rbeifersohlfehrt: Anmeldungen gut Teilnehme an der ssllhrnng durch die gindererziehungshelme in Zossen, die cm 9. Iunt stattfindet, nimmt Bis Donnerstag, 2. Juni, die Genossin Paersd), Essener Straße 4, entaeaen. 5. Ätcis Friedrichshain. Mittwoch, 1. Sunt, 19 tlhe. im Nathans, Stadt. verordnetensißungoseal, Bezirfsnersammlung. Einlatzkarten ad 1682 Uhr beim Genossen Fischer, Eingang Eoandauer Straße. 6. Kreis fttengberg. Arbeiierwahltahrt nnb Kommunale Kommilsson: Keule, Sonntag, 29. Mai, 11 Uhr, Besichtigung ber Srllppelanstalt Osfar-Kelene. Leim und des Krilpnesmuseums in Dahlem(Untergrundbahnhof Thlelplatzl. Alle Interessierten sind herzlichst willkommen. 12. Kreis Steglitz. Montag, 30. Mai, 20 Uhr, erweiterte kreisnorstands- sitzung mit den Nezirksnerordneten im Rathaus Steglitz. 13. Kreis Tempelhsf. Montag, 30. Mai, 20 Uhr, flraftionssstzung In Tempel. Hof, Dorsstr. 42, rart.— Am 3. Pfingsifeiertag, Dienstag, 7. Juni, JVi Uhr, Besichtigung der Wochenendaussielluna am Kaiserdamm. Tag sreihalten. Nähere MiiteHungen unter Parteinawrichien erfolgen rech.— Karten für die Sternwarte in Treptow zu Vorträgen und Besichtigungen der Gestirne durch das Fernrohr sind schnellstens bei der Mitgliedern des Bildunasausschusses oder bei dessen Obmann, Oito Günther, Mariendorf, Kurtürstenstr. 19, anzufordern. 17. Kreis Lichtenberg. Der Kreisoerfreferfag kamt umständehalber erst am 14. Juni stattfinden.— Mittwoch, 1. Juni, ausnahmsweise um 18 Uht Kreisrorstandssttzuna im Lokal von Alkrecht, Borhagener Str. 62. 18. Kreis Weisiensee. Montag. 30. Mai, 20 Uhr, findet im Mrtshans„Zum Bferdernarkt" ein Lichtbildervortrag über„llhina" statt. Vortragender Felix Fechenbach. Wir bitten die Genossinnen und Genossen um redst rege Beteiligung. Gäste und„Borwärts'-Leser sind herzlichst w'-llkomm-n. Morgen, Montag. 30. Mai: 42. Abt. Arbeite noohlfahtt: 1915 Uhr Bei Eeehaak, Willibald-Alexis-Str. 5. wichtige Besprechung aller in der öffentlichen Wohlfahrtsoflege tätigen Genossinnen und Genosien und hierzu bereiten Abteilunzsmitglieder. 91. Abt. NenlSIn. 19VB Uhr Bei Stahmann, Münchener, Ecke Neuterstraße, wichtige Borstandssitzung. Dienstag, 31. Mai: Charlottenbvra. 5t. Abt. 30 Uhr Bei Lehmann. Königsweg 8. Funtt'anör- sitzung. Heute. Sonntag. 23. Mai. treffen sich die Genossinnen und Ge. nassen mit ihr-'n Familien in Pichetswerder-sum Fest der �rbe'terjugend. — 58. Abt. Die zum Dienstag, 31. Mai, in der Aula des Mommfen. Gymnasiums, Wormser Str. 11, angesetzte Mitgliederversammlung ftiüt infolge der allgemeinen Funktionärkouferenz im Lehrerveveinshaus a u s. » 74. Abt. Aehlendorf. Mittwoch, 20 Uhr, bei Mickley, Potsdamer Str. 25. Aranenveransialtungen am Montag. 30. Mai: 2. Kreis Tiergarlen. 13 Uhr treffen sich die Genossinnen vor dem Konsum. Warenhaus in Charloiienburg, Rosinensir. 4. 6. Abt. 19Vi Uhr bei Dobrohlaw» Snstnemünder Sir. 11, Vortrag: Die Stau in der Wirtschaft. Referent: Paul Iudrian. 6t, 20 Uhr bei SBükert, Sleinmetzstr. 36a, Vortrag: Die Kranken Oer. sicherung. Referent: Rudolf Pietzner. Gäste siub eingelahen. 14. Abt. 20 Uhr bei Leiser, Ramlerstr. 6 Ecke Putfbusser Str., Borfrag: Frauenleiden. Referentin: Dr. Wugodzinski. 17. Abt. Achtung! Der Frauenabend mutz Umstände halber ausfallen. 18. Abf. 1914 Uhr bei Müller, Uferstr. 12, Vortrag: Die Kinderfreunde, bewegung. Relerenl: Franz Hauch. Gäste willkommen. 25. Abt. 19H Uhr im Werneuchener Schloß, Elhinaer Str. 87, Lichtbilber. oortrag: Di« Freud« am Bilde. Bortragender: Professor Dr Mar Deri. Besprechung unserer Frauenfahri. Die Genossinnen müssen pünktlich erscheinen. 34. Abt. 1914 Uhr bei Rossn, Gubener Str. 19. Sortrog des Genossen Wilhelm Dechen. 35. Abt. isla Uhr bei Otto, Rigaer Str. 83, Bortrag: Frauenfragen. Referent: Hanns Kamm. 40. Abt. 191; Uhr im Bezirksamt Kreuzberg. Borckftr. 11, tzimmer 29, Bunter Abend. Ansprache: Maria Weder vom Deutschen Berkehrshund. Gäste herzlichst willkommen. 41. Abi. 1916 Uhr bei Bader, Iüterboger Sir. 7, gegenüber der Kaserne, Bortrag: Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankhetten. Rese. rentin: Erna Kresse. 44. Abt. lÜLi Uhr bei Ewald, Skalitzer Str. 126. Bortrag: Alt-Berliner Humor. Bortragender: Hein, Barihel. Gäste willkommen. 47. Abt. 19>b Uhr im Lokal Bolde-narstr. 77. Dortrag: Die Frauen» konfercnz In Stiel. Referentin: Johanna Kühn. g4%kiSücßh ist" Machen Sie einen Versuch mit Suma und achten Sie auf die Lauge— sie wird schmutziger als sonst sein, Ihre Wäsche aber um so reiner. Suma ist eben gründlich und wunderbar wirksam. Im Kessel bildet Suma einen lebendigen Strom von Millionen Seifenbläschen, welche die Gewebe durchdringen und allen Schmutz behutsam herausholen. Aus eigener Kraft— ohne scharfe Zusätze— soll ein gutes Waschmittel schneeweiße Wäsche geben. Dies tut Suma. Eis erleichtert die Wasch tagsarbeit und hilft Ihnen sparen, denn nichts ist so ausgiebig' und nichts schont die Wäsche so sehr wie Suma. Preis pro Paket 50 Pfg «Sunlicht" Mannheim 4S, ilbt. I!>>4 inje!m Graphischen ZZer-in-hau-, Alexantrsnenstr. 44, Bor. trag: Das deutsche Bolkslicd, mit Erläuterungen am«lavier. Vor- tragender: Dr. Map Brie. Gäste willkommen. Eh-rlotlenburg, 5l.«bt. ISih Uhr bei Thunael, Wi-landstr. 4, Bortrog: Die fran,Ssische Z'.cvolution. Referent: Dr. Max Schutte. Gäste sind ein. geladen.— 5.«ibt. 19H Uhr bei Lux, Huttenstr. 2«, B-rtrag: Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Referentin: Margarte Schenkalowsky. 67. Abt. Grunewald. IB'i Uhr im Bahnhofsrestaurant Grunewald, Vortrag: Karl Marx, sein Leben und Wirken für die Emanzipation der Frau. Referent: Genosse Iadnezynski. 71. und 72. Abt. Wilmcredorf. 20 Uhr bei Jonas, Durlacher Str. Ecke Bruch- laler Str., Vortrag: Lassallcs Leben und Wirken. Referent: Gerhard Pusch. Anschließend gemiltliches Beisammensein. »I. Abt. Friedenau. 20 Uhr bei«labe, Sandjerpiti. 60f6X, Fritz. Reuter- Abend. Vortragender: Genosse Lzelwig. Gäste willkommen. dl. Abt. Reu-ölln. lllie Uhr bei LUddccke,«arlsxartenstr. Ecke Fontanestr., Lustiger Reutcrabcnd. Vortragender: Artur Rachow. Gaste sind will» kommen. 101. Abt. Treptow. 19'* Uhr bei Oettinger, tiicfholzstr. Ecke Elsensir., Vor- trag: Keinrich Heine und unsere Zeit. Referent: Erich Fraenkel. Ilv. Abt. Lichtenberg, lllsi Uhr im Lokal Seeterrasse, Röderstr. 11/IZ. Vortrag aus:„Traumspicl", von Strindbcrg. Vortragender: Genosse Franke. 139. Abt. Tegel, im Uhr im Jugendheim, Bahnhofstr. 15, Hof pari.. Dortrag: Die Frau im Ehcrecht. Referent: Rechtsanwalt Oborniker. Gäste sind her«. lichst eingeladen. Frauenveransiallungen am Dienstag. 31. Mai: 33. Abt. 19bi Uhr im Konicrenzzimmer der Schule, Hohcnlohestr. 10, Vortrag: Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Referentin: silora Bohm-Echuch, M. d. R.(Fortsetzung.) Gäste willkommen. 95. Abi. Neukölln. 19� Uhr bei Griegcr, Lessinastr. 9, Vortrag: Da» Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskraniheiten. Rcferentin: Margarete Echen. kalowslp. Gäste sind eingeladen. 131. Abt. Rirderschönhausen. l9>z Uhr in der Serncindeschule, Bismarckstr., b-iicre Rezitationen. Vortragender: Hein, Barchel. Gäste herzlichst will- kommen. 137. Abt. Reinickendorf-West. 191h Uhr im Dolkshaus. Scharnweberstr. 11t, Vortrag: Die Frau in der Kriminalpolizei. Refercntin: Else Wüst. Jungsozialisten: Gruppe Reinickendorf. Ost. Montag, den ZO. Mai, 20 Uhr. im Jugendheim Seebad. Restücns,st?. 49, Vortrag: Die kulturellen Aufgaben der Arbeiter. bcwecp.'Ng. Referent: Bruno Reumonn.— Gruppe LauZwi�. Montag, den 80. Mai, M llbr, Deniitzstr. 19, Diskussionsabend: Soll Deutschland wieder Kolonien bckomiuen? Gleiäizeitiq Vorbesprechung tut Pfingstfahrt.— Gruppe ?.rer. Uhr Spandou, Markt. Unkostenbeitrag 20 Pf. Fahnen mitbrinaen.(Badegelegenheit vorhanden.) Lichtenberg. Mitte und-Best: Treffpunkt zur Fahrt nach Kaulsdorf izutz Uhr Bhf. Stralau-Rummelshurg. Morgen. Montag ISM, Uhr: Sinairei« und Znstrinnentalisteu: Uebungsstrmde iy, Uhr im Lindenheim. Moabit I: Schule Waldenferstr. 20..Tagespolitische Fragen".— Moabit II: Heim Lrhrterstr. 18— 19. Heimabend.— Beitzensec: Heim Parkstr..85. Funk- tionärversammlung,— Boltenplatz: Heim Tilsiter Str. 4—5. Funktionär. sstzung.— Kottbusser Tor: Heim Reichenberger Str. 50. Lichtbilder:„Unsere Oster. und Pfingstfahrt."— Westen I: Heim Hauptstr. 15. Mitgliederver. sammlung.— Iohanniothal: Heim Rathgus. Funktionärsttzung.— Senefelder» Biertel: Letzter Termin zur Anmeldung der Pfingstfahrt heute auf dem Spiel- platz oder beim Genossen Adam, Lychcner Str. 5.— Schöneberg lll: Heim Hauptstr. 15. Heinrich-Heine-Adend. Vorträge, vereine unö Versammlungen» Aeichsbanner. Schwarz. Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastianstr. 87/38, Hof 2 Tr. i.. Gauoorstaub. Den Berliner Kameraden ist Gelegenheit geboten, sich an der Fahnenweihe des Ortsverein» Rüdersdorf während der Pfingstfeiertago zu beteiligen. Freie Quartiere stehen in aus- reichender Zahl zur Verfügung. Sonntag, 5. Juni, Besichtigung des Bergwerks und Umgebung(Führung kostenlos). Abends Fackelzug und Kommers, Mon- tag, 8. Juni, Fahnenweihe. � Pfingstfahrt nach Stettin. Dre Dampferfahrkarten Stettin— Swinemünde sind gegen Ruckgabe der von der Gaukasse ausgestellten Quittungen ab Montag im Saubureau abzuholen.— Montag, 30. Mai. Frledrichsha»: Abends 71h Uhr Jugendheim Litauer Str. 18 Anmeldungen zur Pfingstfahrt nach dem Werbcllinfee mit 8 M. Fahr, und Uebcrnachtungsgeld bis zu diesem Tage abgeben.— Neukölln. Britz: 5. Kamerad» schaft(Iungmannschaft) abends 0 Uhr Spielen in der Lefsingstratze. Unsere Mitgliederversammlung findet erst am 10. Juni statt. Baumschulenweg-Rieder. schöneweide: Abends 7 Uhr grotzer Eportabend auf dem Sportplatz Plänter. wa!d. Riederbarnim-Rord, Bezirk Bernau: Abends 85h Uhr Besprechung der Stettinfahrer beim Kameraden Löwe in Bernau.— Dienstag, 31. Mai. Nieder, barniin.Nord: Uebungsabend fällt aus.— Mittwoch, 1. Juni. Wilmersdorf: Achtung! Gauveranstallung. Pflichtantreten abends Otzi Uhr auf dem Sport» platz an der Auguftastratze zum Treffen mit Schöneberg und Steglitz. ' 82. Abt. Steglitz. Dienstag, den 31. Mai, Spielen im beim, Albrechtstr. 47, von 15—18 Uhr. 135. Abt. Reinickenborf-Oft. Montag, den 80. Mai, Eltern, W abend pünktlich 20 Uhr im Jugendheim, Seebad. Restdcnzstr. 49. g Interessierte Genossinnen und Genossen sind herzlichst willkommen. El l Bezirk Kreuzberg. Gruppe Ssid-Vst tagt ieden Montag, Mittwoch und Donnerstag von 15—18 Uhr IM Jugendheim, Reichenberger Str. 5«. Bei gutem Arbeiter-Abstinenten-Bund, Gruppe Weddiua. Montag, 80. Mai, 7 Uhr. im Stadtbad Gerichtstratze. Vortrag des Genossen Hoheifel:„Bürgerliche und sozialistische Alkoholgegncr". Gruppenangelegenheiten. Arbeiter-Schuzenbund. Abt. Weddiug: Montag. 80. Mai, 191h Uhr, Mitgliederversammlung bei Ratz, Maxstr. 12.— Abt. Fricdrichshaiut Montag, 80. Mai, lOVh Uhr, Mitgliederversammlung, Friedcnstr. 51. Dienstag, 31. Mai, 101h Uhr, Gruppe Etrausberger Platz, Lokal Löser, Wcberstr. 42. Gäste will- kommen. Vereinigung der Freund« von Religion und Völkerfriedeu. Genosse Pfarrer Bleier spricht am Dienstag, 31. Mai, abends 71h Uhr, im Rahmen eines Vortragsabends in der Kaifer-Friedrich-Schule über das hochaktuelle Thema: „Aufrüstung. Wohrzwang— unser Verderben! Abrüstung— unsere nationale Rettung." Eintritt 80 Pf., Arbeitslose zahlen 10 Ps. Republikaner, Friedens- freunde, Mütter erscheint in Massen. »1.. abend Gäste willkommen. Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung, t5. Kreis, Köpeuick. Dienstag, 31. Rai, 191h Uhr, in Köpenick, Lokal Augustin, Rosen-, Ecke Kirch- stratzc, Versammlung." Vortrag:„Die Kulturausgaben des Freidenkertums." Reu eröffnet ist die Zahlstelle 58 beim Gen. O.«lüsener, Schönerlinder Str. 11. Sport. Renner» zu Hoppegarleu am Sonnabend, dem 28. ZUai. 1. R e n n e n. 1. Jvy(Darga), 2. PerS(Williams), 3. Malkassen (Hugucnin). Toto: 22:10. Platz: 13,15,23:10. Ferner liefen: Sandoval, Irrlicht, Blitzlicht, Ofterdingen, Blumenmädchen, Eobanano, Arsis. 2. R e n n- n. 1. Impressionist(Arabsch), 2. Boniburg(Huguemn), 3. Wacholder(Varga). Toto: 47: 10. Platz: 22, 47: 10. Ferner liefen: Saturn, Kairos, Rofanera. 3. Rennen. I.Enkel sVarg), 2. Piaski(Zachmeier), 3. Döberitz (Albers). Toto: 25:10. Platz: 15, 57� 21:10. Ferner liefen: Fadda, Alarid, Trojan, Nriff, Duselkop, Jvano, Stammherr. 4. Rennen. 1. Löwcnherz II(Tarras), 2. Stolzenfels(Leutzsch), 3. Panter(Wermann). Toto: 15:10. 5. R e n n e n. 1. Lciblürassier(Grabfch), 2. Mtenberg(Williams), 3. Das Lied(Zachmeier). Toto: 74: 10. Platz: 21, 15, 53: 10. Ferner liefen: Lieferer, Hülgrath, Waldmeister, Trier, Wolga II, Heuschrecke. 6. R e n n e n. 1. Geldnot(Huguenin), 2. Waldprinzessin(Varga). 3. Fredipunde(Jentzsch). Toto: 131: 10. Platz: 31, 16: 10. Ferner liefen: Oldwiga, Engadin, Ostrau. 7. R e n n e n. 1. Felsenfest(Schröder), 2. Falkner(Narr), 3. Alsterluss (Braun). Toto: 23: 10. Platz: 15, 16: 10. Ferner liefen: Treu und Glauben, Verona II, Golondrina. lllellerberlcht der öffenlsichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend. (Rachdr. veib.) Teils dctvöllt, teils beiter, peremzelle Schauer, ziemlich lühl bei leichten Westwinden.— Für Deutschland: Wolkig bis heiter und kühl, vereinzelte Schauer. Plötzlich und unerwartet verstaxb unser tieber Genosse .Alired Korth Et war uns stets ein lieber, treuer Genosse und werden wir fein An- deuten stets in Ehren halten. SPD. 2. Abt. Berttn-Mitt». Die Einäscherung sinket am Rlon- tag, dem 90. Mai.>9 Uhr. im Kremg- torium Wilmersdorf statt. Rrge Beteiligung erwartet Dt« Abteiluugslettung. MiitilSE"9 SSee! Metallarbeiter«chtung- Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinicheidens meines unvergeßlichen Mannes Otto tag» ich hiermit allen Verwandten. Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Zda Staate nebst Angehörigen. Berlin, den 25. Mai 1927. Wildenow'ir.5. Fvr die zahlreichen Beweise wohl- tuender herzlicher Teilnahme beim teimgang meiner geliebten Mutter, rau Berta Sühring sage ich im Namen der Hinterbliebenen allen Freunden und Bekannten, ins- besondere Herrn PI. Schmidt, sowie den Sängern der Typographia vielen herzlichen Dank. Bari soiirfa* Setiin SM. 29, Frlesenftr. 1. . roh emailliert - ttttdie LO.'tClcn 42 n. SO 71. caristlne 2S„ 125„ mit Anrichte üiesenauswali! i 1 roher, lackierter, lasiertei| ] Küchen, einreiner Kleiderund KQchenschränke. Himmel Urabstimmung? üanMinrenzlos!!! HeialUietten...... 10.50 an mit PoisieraalUuicn■■ 20.— Sofa.......... 5«.— SöUol-cnnlseienSccs.. 24.— diaUelonOne-aedten 7. Waoaneuanäe..... 3. Paicnimairalzen.... ü.- Freisccdang! Ratenzahlung! Cölir, Berlin, Pappelaliee 12 Pankow, Schmidistr. 1. Bekanntmachung. Die 23 Abänderung unserer Satzung. beireffend den§ 30a(Famillenhilse) ist vom Oberversicherungsoml Berlin unter dem 17. Ma:>927 genehmigt worden und tritt am Montag, dem 30. Mai 1927, in Kran Druckexemplare sind im kassenlokal ab» zuholen. Berlin, den 29. Mai 1927. VMzuWMllefligrilerliiWfi! Der Borstand. Karl Röder. Borsitzender. Oskor K u n t f ch k e. Schriilfllhrer. » Verlangen sie stets 1 Qaraoliegchein der gerluichlosen Patei [ mit Sie i Patent-Ketten- Matratze i mit Stempel Ori!;inal-.,Befcma' t1Befema"-Ruhehetten vri:»lt ogd mlfrti. Für schwerst Belastunp.Kelr.Eliillepen hl Jahre Oarantie. Ueberau erhaltUch Berliner Feder-yatratzen- Fabrik B ■ Pgrlln 0.27, Kramstralle 4-5„ aolzhänserÄ�A�ÄS" Wocfacnendh Auser- Prospekte gratis» Wald- u. Wasscrparzellen- Nachweis KIEI"' uiäfiEN In der Gesamtauflage des.Vorwirti* sind besonders«rirksan» und trotzdem scnmmmi Spritzpampen jeib zum Re- flUf ktame- iueJL preis BWf v. 7M.an nie Selbs!- ÄrBa" aeitWln, u Sf J fllhfmi», Wfeä, i-iälut» verkauft »rüj>C!* S Lnllutn Funpenfabiil. ierli» 0. 2) Alexanderstr. 14 2.!*.i Cahch.ljmuwchbilldi! 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Apvlh. erhältlich, daselbst auch Dr. Reichel'» Bezeptbüchlein umsonst, sonst koslensrei durch 073(0»cic»LL, verit» 50. 33, LUenbahiulrahe 4 Am Montag, dem 8V. Mai, resp. am Dienstag, dem 31. Mai 1927, findet in allen Betrieben, die dem Verband Der- lincr Metallindustrieller angeschlossen sind, eine Urabstimmung über den am 24. Mai 1927 vom Schl'.chtungsausschutz Grotz-Berlin gefällten Schiedsspruch statt. Wa» wurde gefordert? Die reine Arbeitszeit soll in de: Woche 46)h Stunden betragen. Weiter, daß für etwa notwendige Ucberstunden ein pro- zenlualcr Zuschlag von 25 Proz. gezahlt werden soll. Ferner, daß für alle im fließenden Arbeitsprozeß Beschäftigten eine Pause von 19 Minuten pro Stunde gewährt wird und daß die Akkordarbeit für Ar. beiten im fließenden Arbeitsprozeß ver- boten fein soll. Im Falle der Ablehnung dieser For- derung wurde für die Akkordorbeiter verlangt, daß die Arbeiter, die im fließend:» Arbeitsprozeß besd;Lft>gt sind. oci Akkordstreitigkeiten die Möglichkeit haben sollen, sich eine Wcrkstattkom. Mission zur Prüfung der Streitigkeiten zu bestellen. Gefordert wurde weiter, daß der Ur> laub erhöht und der Stichtag geändert werden soll. Wa, wurde erreicht? Die Verhandlungen mit dem VBMJ. führten zu keinem Ergebnis. Die Me> tallindustriellen erklärten, daß die For. derung auf 4S>4stündige Arbeitszeit und die Zustimmung der gesetzlichen Betriebs- Vertretung für Uebcrstunden für sie Kampf bedeute. Der Schlichtungsausfchuß fällte fvlgen. den Spruch: l. Geltungsbereich. Unverändert. II. Arbeitszeit. Absatz 1 und 2 unverändert. Absatz 3: Je»ach der Eigenart oder den wirtschaftlichen Bedürfnissen können für den Betrieb oder für Gruppen von Arbeitnehmern an den Wochentagen Montag bis Freitag einschließlich Ueber- stunden bis zu einer Stunde Dauer je Tag angeordnet werden. Ohne Ge- nehmigung der gesetzlichen Arbeitervee- tretung darf die Arbeitszeit innerhalb von 12 Wochen 51 Stunden im Wochen. durchschnitt nicht übersteigen. Absatz 4: Ueberstunden, die an den Wochenlagen Monrag big Freitag ein- schließlich über eine Stunde Dauer je Tag ober am Sonnabend verlangt wer- den, bedürfen der Zustimmung der ge- setzlichen Betriebsvertretung. Die Zustimmung der Betriebsvertretung darf von dieser nur aus wichtigen sachlichen Gründen verweigert werden. Absatz 5: Für Ueberstunden, die Uber die regelmäßige Arbeitszeit(Absatz 1) binaus geleistet werden, wird ein Ueber- stundcnzuschlag von 15 Pro,., für ge- legentliche Eonn- und Feiertagsarbcit ein solcher von 59 Proz., bei Lohnarbeit auf den Stunbenloon, bei Akkordarbeit auf den Durdisdmittsstundenakkordver. dienst(vgl. XIV Ziffer l) gezahlt. Die bisherigen Absätze 5 und 5 und die Protokollnotiz bleiben bestehen. III. Pausen. Absatz 2: Die Pausen müssen so be- messe» sein, daß sie zum Einnehmen von Mahlzeiten ausreichen. Essen wäh- rend der Arbeitszeit ist unzulässig, so» fern regelmäßige Pausen eingelegt sind. VI. Urlaub. Im Absatz 4 der Ziffer 1 ist vor„einen wichtigen Grund" das Wort.schuldhaft" einzufügen. In Zisser 2 wird hinzugefügt:.. und nicht durch einen wichtigen Grund im Sinne der sisi 128. l84b Abs. 1 Ziffer 3 F.-O. verschuldet ist. Ziffer 3 lautet: In bezug auf llr. laub gelten Krankheit. Aussetzen und vorübergehende Entlassuno, sofern die Wiedereinstellunq innerhalb zwei Mo. naten erfolgt, nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. Ferner gilt! vorübergehrnde Entlassung bis zur Dauer von 3 Monaten nicht als Unter» brechung des Arbeitsverhältnisse», foferu sie durch Saisonarbeit bedingt ist. Ziffer 7 ist einzufügen hinter„wenn die Kündigung aus einem" die Worte „von ihm verschuldeten". IX. AktvrdarbeiL Ziffer 3: Hinter„am gleichen Tage" ist einzufügen„ein oder mehrere Male". Ziffer 9: Sind die Worte„eines von ihm verfchvldete» Grundes" einzufügen, vor den Worten„feine Entlassung". XIII. Schlichtungswesen. Ziffer l! Zweiter Satz lautet: Für alle Arbeitsstreitigkeiten, die der Zuständlgkeit der Arbeitsgerichte unter- liegen, wird das Arbeitsgericht Berlin als ausschließlich zuständig vereinbart. XV. Inkrafttreten und Selt-agsbaner. In Absatz 1 ist einzufügen: 1. Juni 1927 bzw. 31. Mai 1928. Protokollnotizen. Zu dem vorstehenden Bertrage werden folgende Protokollnotizen vereinbart: Zu Ziffer II:„Durch die tarifliche Fest. >g der Mehrarbeit ist der§ 3 der Berordnuttg über die Arbeitszeit vom 14. April 1927 ausgeschlossen. Die llbri. gen Bestimmungen über die Zulässtgkeit von Ueberstunden in besonderen Fallen bleiben bestehen. Der UeberUundenzuschlag gilt unge. achtet der Bestimmungen der Berord. nung über die Arbeitszeit für alle Ae, beitnehmer und für alle Ueberstunden, die über 48 Stunden in der Wod)e hin- aus geleistet werden. Etwaige tarifliche Festlegungen über Fließarbeit werden zurückgestellt. Die Vertragsparteien werden Erhebungen in den einzelnen Betrieben anstellen und zur gegebenen Zeit erneut verhandeln." Durch diesen Spruch ist nur eine Aen. derung betreffs der Ueberstunden und des Zuschlages für Ueberstunden ringe. treten. Nack dem Sprud> beträgt die Arbeitszeit 48 Stunden. Der Arbeit- geber hat aber das Recht, Ueberstunden bis zu einer Stunde Dauer je Tag an» zuordnen, jedoch darf innerhalb von 12 Wochen der Wochendurchschnitt nicht 51 Stunden übersteigen. Das ist gegen. über dem früheren Zustand eine Ver. bcsserung. Ferner wurde bei dem Urlaub in bezug auf den tz 123 eine Verbesserung erreicht. Alle anderen Forderungen wurden ab. gelehnt. Die Funkt'onärverfammlung hat Ur. abstimmung und Ablehnung des SÄieds. spruchcs empfohlen. Deshalb findet — wie oben bereits schon angeführt— am Montag für Schichtarbeiter und am Dienstag für die übrige Belegschaft die Urabstimmung statt. Die Arbeiterinnen»nd Arbeiter boben zn entscheiden, ob sie den Schiedsspruch annehmen oder ab- lehnen. MlSsKiipMeilUltiMIliillZliiiil!. w MlßtHiiw ist, steifet M. Die Stimmzettel sind am Montag ad 12 Uhr im Bureau des Deutschen Sic. tallarbeiteroerbandes, Linienstr. 83—85, Zimmer 5, zu bekommen. Die abgegehene» Stimmzettel sind ge- trennt nach Annahme oder Streik in einem verschlossenen Kuvert unter Bei- süguna eines Protokolls und der Beleg. schaftsstärke im Bureau des DMB., Zimmer 5, bis Dienstag, den 81. Mai, abends 5 Uhr, spätestens abzugeben. Mit dem Verband Berliner Metall» industrieller ist folgende Vereinbarung getroffen: „Die Urabstimmung darf innerhalb der Arbeitszeit vorgenommen werden unter der Voraussetzung, daß die Ab. stimmung ohne Störung des Betriebe« und ohne unnötigen Zeitaufwand vor. genommen wird. Das Metallkartell. I.A.: Max Urich. flAHersraenmai prelzverle pkKIksi'bsn SUalsvobl, Coronas Nr,i Schuß ii>/,cm 10 pt „„ Nr. Z SchoS 12 cm 13 PL „„ Nr. 3SchuS13 cm 14 Pf. „ Nr. 4 SchuB 13V, cm 16 Pf. In Kisten zu SO Stück. Illustrierie Preizlisle kostenfrei! Aromas..... Sumatra-Deckblatt. Mild, fein. In Kisten zu 50 St.(Siehe Abbildung) Eine für diese Preislage aufiergewöhnllch feine Zigarre. 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Der erste be- deutet den Auftakt zu Lubitschs Weltberühmtheit, der andere, in Amerika entstanden, zeigt den Regisseur auf der Höhe seiner Meister» schaft. Beide Filme sind aber nicht nur für die Wandlung des Re» gisseurs, sondern vor ollem für die Wandlung im Geschmack des Publikums charakteristisch. Lubijsch begann feine Laufbahn tls Film- regisseur in kleinen, kammerspielartigen Lustspielen mit Dorrit Weix- ler. Er war gleichzeitig Regisseur und Hauptdarsteller, es war da- mals, als er bei den Reinhardt-Bühnen noch den Wagner und Tubal spielte, dann setzte die Wandlung ein. Man verlangte nach großen, historischen Sujets. In Amerika schuf Grisiith den Geschichtssilm großen Formats, in Deutschland bearbeitete ihn Lubitsch, kurz vor- her liegt die ,Sumerun*-Episode. Hier gelang Lubitsch ein ganz großer Wurf. Der Orient wurde lebendig, aberdings eher ein Orient von Reinhardts Gnaden und mit einem zarten Opernein. schlag. Aber Lubitsch erwies sich hier schon als ein Regisseur, der virtuos die Masse beherrscht, der über ausgeprägten Sinn für deto- rative Wirkung verfügt und dabei doch niemals die schauspielerische Leistung vernachlässigt. Dies« drei Elemente hiellen sich auch in den historischen Filmen die Woge. Diese Epoche wird charakterisiert durch„Anne B o- l e y n",„M a d a m e D u b a r r y* und„Das Weib des Pha- r a o o". Man bewunderte damals besonders den dekorativen Rah- men, die Stilechtheit der Bauten. Kostüme und Requisiten, die sich bis auf die belanglosesten Dinge erstreckten: ein neuer Herzog von Meiningen war im Film entstanden. Westminsterabtei, der Louvre und das alle Theben waren restlos nachgebildet resp. rekonstruiert worden, aber dazwischen bewegten sich Schauspieler, die vollkommen filmisch eingestellt waren. Lubitsch verlor sich nicht im rein dekora- liven und man bewunderte sehr in ihm den Reinhardt des Films, den virtuosen Dirigenten der Masse. Sieht man heute aber, acht Jahre nach ihrem Entstehen,„Madame Dubarry* wieder, so erscheint der Aufwand an szenischen Requisiten im Grunde überflüssig, handlungshemmend, Massenszenen sind zu sehr Selbstzweck, was aber immer wieder fesselt, das sind die Darsteller, die, von einem echten Filmregisseur dirigiert, ihre Bühnenallüren vergessen haben. Dies übersah man früher beinahe. Am breitesten der Film„Das Weib des Phamoo*. Hier«in Ueberwiegen der Masse und der De- koration, die ein schwaches Kurbelbuch künstlich wirksam machen sollten. Die Schauspieler ohne Profil, nur Wegener und Jannings boten starke Leistungen. Das Problem des historischen Films: wie bewegten sich und wie dachten die Menschen jener längst vergangenen Zeilen, wurde hier akut. Bestimmt waren sie anders als Harry Liedtke, der aus dem Theben der Ramseniden ein antiquiertes Wien machte. Lubitsch schien sich auf Abwegen zu befinden. Da erschien nach einer Pause„Die Flamme*, bearbeitet nach Müllers blutarmem Theaterstück. Kein historisches Sujet, son- dern ein Kammerspiel aus den sechziger Jahren, aus dem Paris der Dores und Bertalls. Wieder ein stilechter Rahmen. Wundervoll« Interieurs, diskret hingesetzt, ohne Selbstzweck, nur kostbare Folie für eine geniale, schauspielerische Leistung. Roch nie hatte Lubitsch so hingebend mit den Schauspielern gearbeitet. Und in Amerika ließ er jede historisierende Andeutung, jede Idee von Massenwirkung. Hier wandte«r sich ganz dem Kammerfpiel und dem modernen Gesellschaftsfilm zu.„Die Ehe im Kreise' und„Lady Windermeeres Fächer* sind die unerreichten Spitzen- leiftungen. Lubitsch hat sich auf keinen Stil festgelegt, er hat in Amerika jede Problematik abgestreift, er denkt nur filmisch, aber andererseits ist er nicht von dem wilden, aufgepeitschten Tempo der Amerikaner infiziert w-orden, er will keine wild romantische Sensation. Seine Filme bleiben immer auf dem Boden der Wirklichkeit, und die Menschen sind nie schematisch gesehen. Lubitsch untermall sie psycho- logisch, ohne den Film mir überflüssigen Großaufnahmen zu über- laden, wie es seine amerikanischen und europäischen Sachkenner tun, er gibt nur dann psychologische Ausdeutung, wenn sie sich reibungs- los der Handlung einfügen läßt. Gerade der deutsche Film müßte in dieser Beziehung von Lubitsch lernen. Und seine größte Leistung „Lady Windermecrcs Fächer* zeigr uns. daß man geistreiche Operons und Paradoxe durchaus ins Bildhafte übertrogen kann, daß der Witz beim Film in der Aufmachung der Menschen, in der Berknüpfung der Situotionm und in der Anordnung der Szene liegen muß. Lubitsch hat dieses Problem ohne Rest gelöst. F. S. Die Zilme öer Woche. ,Vie Kreutzersonate.'' (Primuspalast.) Die„Kreutzersonote" ist in Tolstois Werk eine seiner vielen Predigten gegen die Sinnlichkeit und die sinnliche Liebe, aber glück- licherweise ist sie zugleich eine knappe, geradeaus aufs Ziel losgehende Erzählung. Der Film hat sich nicht ganz von der Predigt freigemacht, vor allem aber folgt er dem Inhalt des Buches allzu getreu, ver- nachlässigt das Milieu, verliert sich in Dialoge und hat überhaupt viel zu viel Text. Die Handlung ist in eine Rahmenerzählung ein- gespannt: der Mann, der seine Frau aus Eifersucht ermordet hat, erzählt seine Geschichte im Eisenbahnkupee, alle Mitreisenden rücken aus bis auf einen, den Geistlichen, der das Leid seines Mitmenschen zu verstehen vermag. Immer wieder unterbricht das reue- und leid- verzerrte Antlitz des unglücklichen Mörders den Ablauf der Begeben- heit. Schlicht und einfach wird der Kern der Handlung erzählt, wie die beiden Menschen sich kennen lernen, wie der Mann von der sinn- lichen Schönheit der Frau in den Bann geschlagen wird, wie sie auf dem Lande, nachdem ihr weiterer Kindersegen verboten ist, sich wieder nach der Stadt sehnt und dort das leichte Opfer eines Frauenjägers wird. Jäh bricht dann die Katastrophe herein, nachdem der Mann noch einmal verziehen hat, als er von einer Art Hellsichttgkeit ge- trieben, von einer Reise zurückkehrt, und nun dos Paar überrascht. Aber die Tat erwächst nicht aus dem Anprall der Sekunde. Zuvor nimmt der Mann Abschied von seinen Kindern, wählt die Waffe und erst dann schreitet er zur Vollendung. Das Unsagbare, das rein Gefühlsmäßige, das Mimik und Geste nicht künden, wird im Film nicht lebendig: um so mehr aber durch die Musik, die hier viel stärker das Seelische deutet als das Wort und der Film. Der Regisseur G. M a ch a l y war offenbar von ernstem Streben beseelt, und der Darsteller des Mannes, I. W. Speerger, bietet alles auf, um seinen Intentionen gerecht zu werden, aber doch bleibt die letzte Cr- schütterung aus. Die Darstellerin der Frau, Eva Byron, blieb in einer gewissen Starre des Ausdrucks stecken. Voran ging ein sehr umständliches Kreuzworträtsel, das immer- hin den Vorzug hatte, allerlei Illustrationen aus vielen Lebens- gebieten vorzuführen._ D. �IrLulekn ßloubötf.' (UT. Kurfürsien dämm.) Dieser Film ist ein Schulbeispiel dafür, daß letzten Endes doch alles daraus ankommt, w i e eine Sache gemacht wird. Hier sind Nichtigkeiten lustig ausgesüllt mit dem Bestreben, einem guten Ge- schmack zu gefallen. Das Manuskript handelt von Menschen, die leichtsinnig liebeln und zugleich ernsthaft lieben und die durch komödienhaft ausgenutzte Situationen taumeln müssen, damit die Richtigen sich finden. Frank T u t t l e s Regie stellt alles auf Augen- blickswitz, arbeitet gute Typen heraus und achtet auf ein vorzüg- liches Zusammenspiel der höchst kultivierten'Darsteller. Bebe Daniels kommt eine geschickte Photographie, die das Gesicht der Schauspielerin stet- weich und verführerisch schön erscheinen läßt, sehr wohlüberlegt zu Hilse. Raymond Grisfith imponiert mal wieder durch seine ruhige Selbstsicherheit. Er spielt ost ganz auf Bewegung, erlaubt sich sogar Derbheiten und bleibt dabei stets der geistvolle Spötter. Wenn er seinem Freunde verständlich zu machen sucht, er müsse lügen, es handele sich statt eines Mädels um eine Katze, so macht z. B. diese pantomimische Katzenerzählung ihm so leicht keiner nach. Die Usa-Wochenschau bietet des Interessanten sehr viel, man sieht nicht nur Lindbergh, sondern auch noch das fliegende Rote Kreuz, das jetzt schon das Flugzeug in den Dienst des Kranken- transports stellt._ c. h. ,Vas Nätfel See �leöermaus." (Marmorhans.) Eine wundervolle Komödie der Irrungen,«ine Komödie, trotz- dem es nebenbei zwei Leichen gibt, ober ein zartbesaitetes Gemüt darf sich damit trösten, daß es hier gar nicht um ernste Dinge geht, sondern daß die Amerikaner eine außerordentlich sprühende und geistreich« Parodie auf den Kriminal- und Abenteurerfilm geschaffen haben. Alle Requisiten des Sherlock-Holmes-Romans und des tränenfeuchten Gesellschaftskitsches passieren Revue, man hat nichts vergessen, von dem mondbeglänzten Schloß mit Gcheimkammern und finsteren Gängen bis zu dem obligaten Bankeinbruch, dem cnergiegestrafften Detektiv und dem fantastisch vermummten Gent- lemanverbrecher. Schläge auf den Schädel, geladene und ungeladene Revolver spielen eine beherrschende Rolle: das zarte Liebespaar ist auch vorhanden, und der bei diesen aufregenden Angelegenheiten un- bedingt notwendige japanische Diener mit dem harmlosen Jntri- gantenlächeln geistert ebenfalls durch den Film. Eine resolute, alte Tante ist am Ende schlauer als die gewiegtesten Kriminalisten, und der Verbrecher fängt sich schließlich in einer Fuchsfalle, die ein still verblödetes Kind vom Lande aufgestellt hat. Die Handlung ver- knäull und verwickelt sich jeden Augenblick mehr, immer neue Per- fönen treten auf, dauernd wechselt die Beleuchtung. Niemand weiß bis zur letzten Szene, wer der Schuldige ist. Ein Cancan der Unvernunft, ein toller Taumel der Geschehnisse! Immer wieder bc- wundert man den meisterlichen Aufbau des Films, die Kunst des Regisseurs Roland W e st, der manche Szene unentwegt variiert und doch bei jeder Wiederholung neue Nuancen, neue Verwicklungen und Steigerungen findet. Ganz langsam rückt man der Auflösung näher. Der Regisseur arbeitet mit einer beinahe Ibscnschen Retardierungs- technik, und dann ist das Resultat doch anders als man dachte. Und alles ist mit unaufdringlicher Ironie untermalt. Die Schau- spieler, übrigens hervorragende Darsteller, spielen mit toternsten Mienen, nehmen die Sache außerordentlich ernst, die Ironie liegt allein in der Ueberspitzung einer konventionellen Situation. Das Ganze ist durchaus filmisch empfunden, nur auf bildhafte Wirkung gestellt. Der Witz liegt in der Bewegung, im Aufbau der Szene, die Texte wären überflüssig, wenn nicht auch sie den üblichen Text parodieren würden. So enssteht ein Film, witzig, graziös und spielend, von einer überlegenen, ironischen Haltung, ein Film, der für Deutschland vorbildlich sein sollte. F. S. ,vke Srtllantensthmuggler von New (Emelkapalasi.) Da man in filmischen Dingen offenbar mehr von der Schablone als von der Abwechslung hält, konnte man sich nicht darüber ver- wundern, daß die Leitung des Emelkapalasts nach dem guten Harry. Piel-Schlager sich abermals eine Räuberpistole verschaffte. Dies- mal sogar eine, die unter Mitwirkung des Departements des Küstenschutzes der Vereinigten Staaten von Amerika hergestellt wurde. Da es sich um einen amerikanischen Sensationsfilm handelte, war man auf dreierlei gefaßt, auf Spannung, Tempo und auf ein sehr schlechtes Mamiskript. Auf einen derartigen Schuni, aber, wie ihn die„Brillantenschmuggler" bieten, konnte man bei allergrößtem Mißtrauen nicht vorbereitet sein. Die Leutnants vom anierikani- schen Küstenschutz sind in körperlicher Hinsicht Dauerware, sie sind hieb-, stich-, schußfest, selbst Gift, Gas, Wasser und Häusereinstürze können ihnen nichts anhaben. Trotz offenkundiger Dummheiten siegen sie, nicht etwa weil die Schmuggler zarterer Gesundheit sind, fondern weil in Amerika sich eben das Gute von selbst durchsetzt. Der Film zwingt nicht zur Stellungnahm«. Er steht zu tief unter dem Durchschnitt. Man kann nur einen bewundern, den smarten amerikanischen Geschäftsmann nämlich, der einem Deutschen diesen Film andrehen konnte. e. b. ,Awei Stunden Humor." (Bebapalasi— Atrium.) Nur in den Filmtheatern herrscht bereits Sommer, sonst breitet sich überall der von Heine so getaufte grün angestrichene Winter aus. Aber den Filmtheatern scheint das ernstere, solidere Winter- Programm bereits ausgegangen zu sein, sie schwelgen bereits im Sommer. Den Ton gibt der Bebapalost mit feinen: neuen bunten Programm an, das aus vielerlei Varietönummern und einer Anzahl amerikanischer Grotcskfllme besteht. Außerdem fängt man sehr un- pünktlich an. Bei den Grotesken fragt man nicht mehr lange, ob sie etwas Neues zu sagen haben, oder ob sie bereits Erprobtes mit etwas anderen Methoden wiederholen. Die Hauptsache ist, daß sie spannen, prickeln oder doch wenigstens unterhalten.„Georg geht hoch* variiert die Wolkenkratzertunststücke, die wir bereits aus anderen Filmen kennen, und wird manchen Zartbesaiteten manchmal zwingen, die Augen zu schließen vor Angst, mit aus der Höhe herabzusausen. Der„Fröhliche Wassersport* zeigt Universitätssportfeste mit allerlei ulkigen Zwischenfällen. Mit „Sonny, dem Lausbub* kommen wir dann schließlich zu dem netten Kinde, das ja immer wieder gefällt. Wichtiger ist schon „Buster Brown und Browny aus der Jag d*, das Kind und Hund im Verein zeigt. Unter den Varietenummern sind außer Mia Bergemann und Groteskartisten die wirklich rassigen und bis zur Wildheit gestei- gerten Tänze der Glazerows rühmend hervorzuheben. r. U.SCH LESISCHE GEWERBE AUSSTELLUNG-JUNI- SEPT. LIEGN Pfi ngstwütischc fP welis, porf 0,75 Damen-Strlirnpfe Boumwolle, stark«, hallbore 0.uaIitiM, mll Doppelsohle, farbig...... i..... Oamen-StrUmpfe Seidenflor, gute Quaiitai. moderne O QC Porben. II. Wohl.................. Dannen-StrUmpfe feinste kOnslftche Woschseld«, In offen O ST modernen Porben.............. 2�5 Herren-Socken jaquord, sehr hallbore Qualttat, mo- �| 5 2,45 Damen-Hemaneae edrl Moko, Windelform, weiss und farbig............................ Damen-Schlüpfer gelrelH, lelnsle künjllldi« Sekte, m» O Q C deme herben........ 4,75, 3,75 Damen-Hemdhoa e oestrelfl. felmle kümIL Seide, moderne C Q C Form,«perle herben.............. deine Musier. 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Cinienffc. 107, ein mr Filmvortrag it statt.— Di« Ausgabe der Ttnt rittstarten erfolgt an deinselden Tage in der geil ran S— 7 Uhr abends beim Kollegen Franke im Verbandshaus«(großer Saal>. Schalter I. Gleichzeitig werden die Karte» flir das am lb Juni stattfindende Sommerfcst ausgegeben._____ Mötftöet uro Volierer! Sicnalag, 31. Mai, nachm. t'l, Ahr bei Laa fer. Lanflhrr S tröste 26 Versammlung sämtlicher Drückerlehrlinge. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. VtSgT Alle Lehrlinge, die da» Drücker Handwerk erlernen, find zu dieser V«r> fammiung eingeladen. Sorgt mit dafür. dag in den Fachkiafsen rege Propaganda für den Besuch gemacht wird. Vi«n»«ag, den 31. Mai, nachmittag» 6 Ahr, im Saal 6 des chemerlfchaft». Hanse», Engeinser 24/26 Branchenversammlung sämllicher Metall- und Revolver- dreher sowie Dreherinven. Tagesordnung: I. Vortrag �Eigenheim und Siedlungsbau* Ref. Kolleg« B o g» l e r. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten u Berichiedeneo zahlreicher Beluch wird erwartet. Mittmach, den 1. Juni, nachmittag» 2 Ahr, in Ematd» v«r-iZ»han». StaUher Strastr 120 Arbeitslosen- Versammlung der Metallschleifer. Galvaviseure, Brenner. Beizer und Sraher. Tagesordnung: I. Unsere Arbeiis- nachweisvermitleiung. Z. Dielufston. 3. Branchenangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Achtung! ßjßMgtjzl Achtung! Volksbühne Tb. in SdüffbotnitiDin{ 8 Uhr Jan der Wnnderbare lbntff Iis Bfiltvplih 3 Uhr: Tra nmspl el 8 Uhr:— Ein SoDiaemadlfstranni. Morgen 8 Uhr: Ein SoniffianiadihtraDin. KomischeOperl SV« Uhr: SV« Uhr: I [die neue große James-KIein-RevueS I Sirene vcrl>olcn!t!i Dil Ken» ier virbolucn Uitaucftahn I I lieber 200 Mitwlrk. X 8 Balleiii. B | Varverkauii. i. 7N«ihrkauiii tOilhroaontirtr. 1 CASINO-THEATERs Uhr:| Der Fehltritt einer Frau, IMlineideni Gutschein 1—4 Pers. l Faut I Mk- Sessel 1.S0 Mk. — ERIK CHAReIX BRINGT:— � Die schöne Große Ausstellung Berlin 1927 „DAS WOCHENENDE" am Kaiserdamm muß JEDERMANN gesehen haben, der nichts versäumt und gute Ratschläge zur rechten Zeit erhalten haben will. Der Eintritt kostet für Erwachsene 1 ,50 Mk., für Jugendliche 75 Pf.; dafür hat jeder Ausstellungsbesucher freien Eintritt zu den beiden Sensationen: DORF DER WOCHENENDHÄUSER und BERLINER SCHNEEPALAST. HEUTE SONNTAG: ab 3 Uhr: Militärkonzert /9 Uhr: Riesenfeuerwerk Alfred Brun, Laele linnbelm i. E. Bendow, Westermeier, Kupier o. a. Grones Schantpfelbans Thealer Im Admlralspalast TägL SV« Uhr: Heute die letzt» Sonntags- nachmittags 3 Uhr die ganze Vorstellung zu halben Preisen. Donnerstag, den 2. Juni, abend» «>/, Ahr. in der«ultnrabteilung. Linien str. 107 Kinovorstellung« Karten find de! den Funktionüren ,u haben. Wahllörperversammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahlkörper>11. Montag, zo.mal. vormittag» 11 Ahr, im»>hung»saal des A«rband»hans«». Linicnstr. SZ/Sb: Eisenformer, Metallformer. Sern- wacher. Wahlkörper«V. Dienstag, 31. Mai. nachm. 2'/, Ahr, iwvarterrefaai des verbandohonse», Lini-nstr. 83 So: Zndustriefchmiede, Sesselschmiede, Supserschmiede, wagen- und Huf- schmiede, Vauanschläger. walz- werkarb., Sonslrukilons-, Elsen-, Auto-, Maschinen-, Vau-, Schwarz- blech- und Sarosserieschlosser. Wahlkörper V. Mittwoch, 1. Znni, mittag« 12»Hr. im Sthnngssaal des verbaadohanse», Ltnienstr. 83.85: Werkzeugmacher, Scharsschleifer, Einrichter. Mechaniker, Uhrmacher, Optiker, Gold- und Silberarbeiler, Arbeiterinnen. Gieherei- und Hilfsarbeiter. Dl» Ortsvarrvaitnng. Wiil8I.licIll!U!ö>IU. Staats-Theater Opernhaus a.PIntzd.Republ. 7 Uhr: Kosen- kavailer Schauspielhaus 2'/i U.: Journalisten 8 Uhr: Florian Geyer Schiller. Theater 8 Uhr: Musik. »illdi Dp« Charlottenbarg T1.', Uhr; Der Jatirniäfkt von SorotsdiiDtzi Abonn.-Turnus III OeatsdieHlieatei Norden 10334— 37 iMuaniUluli Eni! Ud Ende Vjll U. 8 U Der Hexer Kammerspiele Norden 10334-437 KV* Endegign 10U, Papiermühl« Kose:7h2at8r 8V« Uhr: Dar Vetter aus Dingsda Die Komödie Bismarck 2414, 751« SV. U.. Ende 10 Uhr Der 5nDt> Nachtvorstellung Tägl.lIU., Endel U. ta: Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Tbett. i.nollentlorfpl. Kurfürst 2001 s U., Ende zezu 11 Dbr Drei arme kleine Rädels Ontwtt« m Waltr Kollo Scä14 Nollendort 7360 « Uhn Charlie RivclTrio und weitere Variete- tensadonent SonnilsBdj> Snntip Z Vorstellungen a* und 8 Uhr, f zu ermißigt. Preisend, ganze Programm Nur noch Voralellun�en finamt Gashpiel dar PaUce-Revue, Paris| 4 I Jenny Golder, Spadaro und Harry Pilcer Letzte Vorstdlmw St. Mali j Walin er- Theater 8V« Uhr; Der Lustsplelertolg;! Anl der Sonnenseite netropoi• meat. Täglich 8 Uhr ZirkPSjriDzessin Ultntart-Siüuni Ott. Künstler-Tb. SV« Uhr: Adieu Mimi Lessing-Theater 8 U.: Der Patriot brtnr, Ricaaca Ab I. Juni i Etge Klopfer nit seineiB Ensemble Lustspielhaas SV« Uhr: Bobbj's letzte Kadit Freitag 7V, Uhr Premiere „Der Apfel" e5cP|G5fc-' Inhaber: Engen Flnh n Gegründet 1866 u ni Hillee Telephon: MorittplaJz k»] = 1197 und 9860 u BMIHilUlHIilillll an» Oircnsfien> l»late Torten, bunte Schüsseln, Eis-Bomben und Speise üntllthe Kuchen In Haturhutter sebRtken| Lieferung frei Haus. Die Garten-Veranda Ist eröffnet. NJL �kaiserallee «CK£ BER.IMEP SniA&S« 3nh.; Herbert Police MMww M... zwei Stunden Lachen. herzhaftes onbekOmmertes Lachen... der Humor dieser 4 Filme setzt steh unwlde rsteh- llch durch... ein sehr gut gewähltes BOhnenprogramm. (B. Z. 27. 5.) 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