1lg.f53 ♦ 44.?ahr9. Musgabe M Nr. 729 Bezugspreis: Wöchentlich 7V Pfennig, monatlich 3,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter»reuzband für Deutschlanö, Da»zig, Saar, unö Remelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luremburg 4M Reichsmark, filr das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der vorwärts" mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage»Polt und Zeir sowie den Beilagen.Unterhalwng und Wissen",»Aus der Filmwelt", »Frauenstimme",»Der Kinder- freund".„Iugenb-Vorwüriz",»Blick tn die BUcherwelt" und»Kultur. arbeit" erscheint wochentaglich zwei. Mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdeluokrat Berlin" Morgenansgabe Derliner VulKsWatt [10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Ronpareiüe. »eUe SS Pfennig. Reklamezeil- 5,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzulLffig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt geile«0 Pfennig. Familienanzeigcn für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis iVt Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 6», Linden- strahe Z, abgegeben werden. Geäffnet von 814 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen parte» Deutschlands Reüattion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin EW. 68, Lindenstr.Z Poftlchrcklout»! Berlin n SM— Bankkontei Bant der Arbeiter, Angestellte« und Beamten. Wallstr.(5; Dlskoato-Seleüfchaft. Depoütenkasse Liudeuftr. S. Tirol vor öem„Klemm Völkerbund Eine französische Erklärung vor dem Berliner BölkerbundskongreH. Für internationale Erziehung. // !luf dem Berliner Kongreß der Völkerbundsgesellschaften be- oannen am Sonntag die Plenarsitzungen unter Vorsitz von Prof. A u l a r d(Frankreich). Di« französische Vertretung legte tine Entschließung vor, in der es heißt: »Die 11. Vollversammlung der Dölkerbundsligen hofft, daß die Arbeiten des Völkerbundes durch eine schnelle Lösung aller schwebenden Fragen erleichtert werden wird, die jetzt den Grund zur Mißstimmung bilden oder in Zu- kunst bilden können, daß deren Ergebnis sich für jede daran interessierte Nation befriedigend gestalten möge und daß so durch Beseitigung der Ursachen der Entfremdung und des Mißtrauens eine Periode friedlicher und nutzbringender Zu- sammenarbeit der Völker auf der Grundlage völliger Gleich- berechtig ung und völligen Vertrauens zum Instrument und Geist des Völkerbundes beginnen möge.� Diese vom Kongreß mit großem Beifall aufgenommene Ent- schließung unterließ es vielsagenderweise, das Problem der b e- setzten Gebiete und ihre Räumung mit Namen zu nennen. Die komplizierte Ausdrucksweise kennzeichnet die schwierige Situation, in der sich die Delegationen der Vesatzungsmächte gegenüber der öffentlichen Meinung ihrer Länder zu befinden glauben. Den Bericht des Erziehungsausschusses erstattete der Generalsekretär der englischen, über 600 000 Mitglieder zählenden Völkerbundsliga. Auf seinen Antrag wurde beschlosien. daß ebenso wie in Deutschland die Reichsverfasiung in ollen Völker- bundsländern die Völkerbundsverfafsung den Schülern am Ende der Schulzeit eingehändigt werden soll. Eine ÜB e 1 1• konferenz für Erziehung und Unterricht im Sinne des Völker- bundsgedankens soll abgehalten und im Völkerbunde eine A b- teilung für Erziehung gegründet werden. Die deutsche Liga konnte den von»ms gestern veröffentlichten, das Datum des Kongresses tragenden Erlaß des preußischen Unterrichtsministers be- kanntgeben, der den Artikel 148. der Reichsverfassung ausführen soll. Bei einem Antrag über die Zusammenarbeit der Dölkerbimds- Sgen mit den Kriegsteilnehmern erklärte ein ettglischer Oberst, man höre im Ausland allzuviel vom deutschen Stahlhelm; es fei für ihn und viele andere«in« große Uoberrafchung gewesen, daß so starke Organisationen wie das Reichsbanner vorhanden feien, dem es nicht auf das Helmtrayen, fondern auf das Friedenschließen ankomme. Den Bericht des Minderheitenausschusses erstattet eine Holländeiin. Die Schaffung einer internationalen Minder- heitenzeitschrift wurde beschlosien. Sie soll keine Ansichten. sondern nur begründete Tatsachen über die Lage der verschiedenen Minderheiten veröffentlichen. Unter eisigem Schtveigen der Ver- sammlung wurde dann über die Unterdrückung in Südkirol berichtet. Die Faschisten erklärten, daß sie prinzipiell keine Debatte über die Minderheiten, weder im Völkerbund selber, noch auf diesem Kongreß zulasien könnten, daß sie es nur aus Gründen der Opportunität diesmal zuließen. Daß den deutschen Vertretern aus Südtirvl die Pässe verweigert wurden, erklärten sie zu bedauern. Ueber die Lag« in Südtirol lagen zwei Berichte von Engländer»» vor, die«inen tiefen Eindruck machten. Eine Entschließung wurde jedoch nicht angenommen, sondern den Italienern noch einrnal, bis zum Oktober, Zeit gelassen, mit den Vertretern eine Berständi- g u n g zu suchen. Eine Zusage, daß wenigstens der deutsche Privat- Unterricht geduldet werden würde, machten sie jedoch nicht. Damit war die Isolierung der Faschisten vollendet. Sie wogten nicht einmal, das Wort zu ergreifen. Nun wird der Kampf um die Menschenrechte der Minderheiten in Italien weitergeführt»»erden müssen. Einen wirklichen Erfolg hingegen hatte der Minderheitenausschuß gegenüber Jugoslawien zu verzeichnen. In der Märzsitzung ivar die Verfolgung der Mennoniten zur Sprache getomrnen, die zu mehr- bis zehnjährigen Gefängnisstrafen oerurteilt worden waren. weil sie den Dienst mit der Waffe verweigert hatten. 1 Unter dem Eindruck der Anklagen des Schweizers Borah und der Empörung der Kommission hatte der Vertreter Jugosla- Wiens beim König die Begnadigung durchgesetzt, so daß olle Ver- urteillen— es handelt sich um mehrere Hundert— jetzt wieder in Freiheit sind. Auch die Frage der Staatenlosigkeit wurde behandelt. Alle Regierungen sollen aufgefordert werden, ihre Swatsangehörig- keitsgesetze zu überprüfen, um die Zahl der Staatenlosen zu vermindern. Empfang durch die Vertretung der nationalen Minderheiten. Im Zusammenhang mit der Tagung der völkerbundsligen fand gestern ein Presseempfang durch die Internationale Bereinigung der nationalen Minderheiten statt. Diese im nergange- nen Jahre gegründete Vereinigung, die die Interessen von rund 40 Millionen Menschen in Europa oertritt, Hot sich unter der Leitung rühriger und zielbewußter Persönlichkeiten, insbesondere ihres Vorsitzenden, des swwemschen Abgeordneten in der italienischen Kammer Dr. Wilson und ihres Generalsekretärs, des Deutsch- balten Dr. Amende, zu einer wichtigen Körperschaft ent- wickelt, deren Forderungen bei den meisten Regierungen Beachtung finden. Aus den kurzen Ansprachen, die die Vorstandsmitglieder dieser Vereinigung gestern an ihre Gäste richteten, ergab sich, daß die nationalen Minderheiten durch ihren Zusammenschluß keineswegs Mittel anioenden und Ziele verfolgen wollen, die für den Frieden gefährlich werden könnten, sondern lediglich im Geiste des Völkerbundes ein größeres Maß an Gerechtigkeit für ihre Stämme erstreben, die noch in vielen Ländern schweren Versol- gungen ausgesetzt sind. Die Redner, insbesondere Dr. Wilson und der Führer der deutschen Fraktion im polnischen Sejm, Dr. Naumann, betonten mit besonderem Nachdruck, daß es im Gegentell der Wunsch der nationalen Minderheiten sei, oölker- verbindend zu wirke»». Diese sich von gefährlichem Irredentis- mus bewußt freihaltenden Bestrebungen sichern der Vereinigung der nationalen Minderheiten die Sympathie und die Unterstützung der europäischen Sozialdemokratie. Das /lnti-Streikgefetz. Der Kampf um das Koalitionsrecht der Beamten. London. 30. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Beratung des Antigewerkschaftsgesetzes im Unterhaus ist im Aus- schußstadium bei der Klausel angelangt, welche den Staats- b e a m t e n die Zugehörigkeit zu den Gewerkschaften oder deren Zentrale verbietet. Die Arbeiterpartei setzt ihre Taktik der Opposition Zeile für Zeile des Entwurfs fort und verteidigte das Recht der Staatsbeamten, sich mit der übrigen Arbeiterschaft gemeinsam für ihre Interessen einzusetzen. Rosengolz möchte bleiben. Er will langsam liquidieren. London, 30. Mai.(WTB.) Der russische Geschäftsträger Ro- fengolz richtete an den Minister des Auswärtigen Chamberlain ein Schreiben, in dem er für die leitenden russischen Mitglieder der Arcos-Lerwaltung und der anderen russischen Wirtschafte- organisationen und ebenso für gewisse Abteilungsleiter und Angehörige des Personals die Erlaubnis oerlangt, zur Durch» fllhrung der Liquidation der betreffenden Organifatimren sich noch weiterhin in. Großbritannien aufzuhalten. Die Behren einer französischen Nachwahl. Kommunisten als Nutznießer der reaktionären Scharfmachereien.— Auch die Sozialisten gewinnen. Paris, 30. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Eine Ersatzwahl zur Kammer, die am Sonntag im Depa»'tement Aube stattge- fanden hat, zeigt, wie recht der kommunistische Abgeordnete C a ch i n gehabt hat, als er in der kommunistischen Debatte vom vergangenen Freitag dem Innenminister S a r r a u t ironisch über die Propaganda dankte, die die frar»zösische Regierung durch ihren lächerlichen Kreuzzug für den Kommunismus gemacht hat. In einem Wahl- kreis, der seit vielen Iahren in festem Besitz der Reaktion gewesen ist, ist es den Kommunisten am Sonntag gelungen, ihren Kandidaten an die Spitze zu bringen. Deren Stimmenzahl hat sich seit der Wahl tm Jahre 1924 von 9800 auf IS 800 erhöh t, aber auch d i e sozialistische Partei tonnte einen beträchtlichen Stimmenzuwachs für sich buche»». Ihr Kandidat hat 8300 gegen»mr 6000 im Jahre 1924 aus sich zu oereinigen vermocht. Dagegen haben die Raditalsozialisten eine vernichtende Niederlage erlitten. Ihre Stimmenzahl ist von 15 800 auf 6400 zurückgegangen. Am nächsten Sonntag findet die S ti ch w o h l statt, deren Ausfall im wesentlichen von der Haltung der Radikalsozialisten bestimmt wird. Diese haben am Sonntag eine ungewöhnlich scharfe, aber wohlverdiente Vergeltung erhalten. Ihr Absall vom Kartell ui»d ihre Kapitulation vor dem Nationalen Block haben ihre Wähler zu Tausenden in da« Lager der Arbeiterparteien getrieben. Muffolims große Rede. Die Suche nach einer Idee. Von der italienischen Grenze wird uns geschrieben: Nach langem Schweigen hat Mussolini wieder ein-' mal das Woist genommen, und zwar mit einer Rede, die durch das, nzas sie sagt und durch das, was sie verschweigt, Licht auf die faschistische Politik wirft. Um das Resultat vor- anszunehrnen: kein Ruck nach links— also keine Ainnestie, kein Nachlassen der politischen Verfolgung, keine Rückkehr zum Rechtsstaat—, Versuch, einen ideellen Ackerboden in einer rassenhygienischen Aufgabe zu finden, Konsolidierung des ft/schistischen Machtgerüstes, unter Umgestaltung der Ver- fasiung. bis hinauf zur Krone. Die„Schlacht der Lira"»vird nuy in verschwommenen Linien angedeutet, die Welt- erOberung ebenso. Die Rede ist weniger krampfhaft als die vorhergehenden; kein Fehdehandschuh für die Toten, nur einige ritterliche Worte für die Opposition, wie„übertünchte Gräber voll stinkender Elemente",„versunken, oerstreut, ver- nichtet: Staub", das Ganze angemacht mit dem Oel der italienischen Weltmission und dem essigsauren Vergleich des faschistischen Putsches mit der großen französischen Revolution. Die Rede enthält keine Silbe über den König oder die Monarchie, obwohl sie eine Verfassungsreform anzeigt, von der man wissen will, daß sie von Viktor Emanuel III. nicht gebilligt wird. Es wird die Abschaffung de s all- gemeinen Wahlrechts verkündigt: Ersatz der Kammer durch eine Vertretung der„Korporationen", nämlich der unter staatlicher Kontrolle stehenden Einigungsorgane der A'rbeitersyndikate und Unternehmersyndikate. Wenn man sich bei der Sache nichts denken kann, ist das nicht unsere Schuld. Charakteristisch für das politische Niveau sind hier die folgende Worte Mussolinis an seine um ihre Krippe be- sorgten Getreuen: Viele von euch werden wieder in die Kammer zurückkehren: viele von euch finden ihren natürlichen Sitz im Senat, andre im Staatsrat. Wieder ai»dere in den Präfekturen, in der diplomatischen und Konsularlaufbahn, wo man dem Regime trefflich dienen kann. Einige werden sich ins Privatleben zurückziehen(Gelächter). Alle können nicht Hierarchen sein; wirbrauchenauch eineHerde. Wann hat je ein Regierungsoberhaupt so unverschleiert das politische Mandat als Beruf und Einnahmequelle hin- gestellt, für deren Ausfall die Regierring Ersatz leistet? In der Schamlosigkeit, mit der der Plan der faschistischen Besetzung Italiens auseinandergesetzt wird, liegt etwas Ver- bluffendes. Soweit sich unter den„Hierarchen" Individuen befanden, die den Sinn der Worte erfaßten, müssen diese ver- sucht gewesen sein, dem Redner ins Wort zu fallen:„sage doch das nicht; so etwas kann man tun, aber doch nicht sagen". Mussolini gibt zu, daß das Proletariat der Städte den» Faschismus fremd, wenn nicht feindlich gegenübersteht: Die Generation der nicht zu beugenden, die weder den Krieg noch den Faschismus verstanden haben, wird von der Natur selbst ausgeschieden. Die Jungen werden heranwachsen, die Industrie- und Laridarbeiter, die wir als Balilla und Vorhutler ausgehoben haben; gewaltige Institutionen, gewaltige Organismen setzen uns in- stand, das Leben der Nation vom 6. bis zum 60. Jahre zu kon- trollieren und sie schaffen das neue Italien, das faschistische Italien. Wenn sich der Redner die Mühe gegeben hätte, sich in der Geschichte umzusehen, so wäre es ihm wohl kaum ent- gangen, daß die großen Männer des italienischen Risorgimento von den... Jesuiten erzogen waren, die doch wohl größere und feinere Psychologen und Pädagogen in ihren Reihen hatten, als die heutigen Schwarzen. Jedes Regiine der Knechtung zieht sich feine eignen Rebellen heran. Von einer Gemeinheit, die noch nicht einmal zynisch ist, sind die Bemerkungen über die aus politischen Gründen Ver- schickten. All diesen Leuten— von denen man einige direkt aus dem Krankenbett, ja selbst aus dem Hospital in die Inseln abtransportiert hat— hat man eine Erklärung über ihre politische Tätigkeil abgefordert; allen har man gesagt, daß ein Brief an Mussolini ihr Schicksal bessern könnte. Viele haben mit gutem Gewissen sagen können, daß sie in den letzten Jahren keinerlei politische Tätigkeit entfaltet hätten, aus dem sehr einfachen Grunde, daß ihnen das un- möglich gemacht worden war. Für andere haben die Frauen oder andre Angehörige geschrieben. Wir billigen das eine nicht»md das andere nicht, aber uns ekelt vor dem Mensche»», der W e h rl o s e in diese Lage brachte, um sich dann über sie lustig zu machen. Wenn einem ein Kind stirbt, und sei es auch durch Verfehlen des Vaters, wird ihn auch nicht der Schuftigste verlachen. Aber Mussolini lacht über die, die er zwingen konnte, ihr Liebstes preiszugeben. Freilich steht ihm die Aufgabe von Prinzipien niedrig im Kurse, und all dem in der Kammer versorgten Pöbel war sie nur Gegenstand zu wieherndem Gelächter. Auf demselben sittlichen Niveau stehen die Erklärungen über die Amnestie: Keine Rede von Amnestie bis zum Jahre 1932,«eim. wir ich mir wünsche, keine Verlängerung der Ausnahmegesetze nötig sein sollte. Aber die Verweigerung der allgemeinen Amnestie ver- hindert nicht individuelle Straferlässe, besonders, wenn sie mir von Faschisten oder gar von lokalen faschistischen Parteioorständen empsohlcn werden. Wonach richte ich mich bei solchem Straferlaß? Erstens nach den, Verhalten im Kriege: ein Kriegskrüppel, einer der sich ausgezeichnet hat, geht den anderen vor: dann nach den Familien- und Gefundheitsverhöltnissen. dann nach den Erklärungen, die der Antragsteller macht. Die Zahlen von 1541 ans politischen Gründen Verwarn- ten, 359 unter Polizeiaufsicht Gestellten und 698 Verschickten nrüssen wir auf Treu rmd Glauben hinnehmen. Jeder weiß, daß viele Arbeiter und Sozialisten aus rein persön- lichen Gründen, aus privater Rache oder privatem Interesse verschickt wurden. Diese werden wohl eine Extra- rubrik in Mussolinis Statistik bilden: sie rangieren unter den Belohnungen an die„wackeren Schwarzhemden", wie die Stellen als Prafekten, im Senat, im Staatsrat. Mussolini hält weiter die Legende aufrecht, daß die Faschistische Partei keine Mitglieder mehr aufnimmt, außer denen, die ihr aus den Jugendorganisationen zuwachsen. Da jeder in Italien weiß, daß diese Belstiuptung falsch ist, daß man noch heute die faschistische Parteikarte erwerben kann, wird es wohl Mussolini auch wissen. Daß der Ministerpräsi- dent noch zehn bis fünfzehn Jahre zn regieren gedenkt, hat nur insofern Interesse, als es seine psycho- logische Einstellung zeigt. Daß die Miljz im Monat 6000 neue Gewehre erhält, sagt viel, aber nichts, was sich über zehn oder sünszehn Jahre hinaus geltend macht. Wir erfahren, daß man„die Mittel studiert, um sie auch im Kriegsfall zu benutzen". Das ist rührend, daß diese Wackeren es auch mit Bewaffneten aufnehmen sollen, nach der angenehmen Gc- wöhnung an wehrlose Gegner. Wir meinen, Mussolini hat manches gesagt, was er klüger l verschwiegen hätte. Weniges über die,Aufwertung, kein Wort v über den Zustrom amerikanischer Kapitalien. Nichts über die ; Luderwirtschaft im Stra stecht. Daß er den ersten Teil seiner Rede dem Problem der : demographischen Macht und dem biologischen Wert der Nation ;; gewidmet hat, bedarf der Beleuchtung. Bekanntlich ist der Fa- i schismus seit langem aus der Suche nach einer Idee, die feinen j Bajonetten etwas wie eine geschichtliche Weihe geben soll, i denn die bloße Prätvrianerwirtschaft macht Geschäfte, aber nicht Geschichte. Run ist Mussolims Gehirn ein riesiger Ber- e dauungsapparat im Assimilieren von Ideen, und er hat eine s feine Spürnase für das Moderne. So ist er auf die Eugenik i verfallen und auf das Bevölkerungsproblem, auf etwas über- i ragend Wichtiges als Staffelei für das unschöne Gemälde des ? entfesselten Egoismus, der Geld und Macht und Einfluß er- | rafft, chrfurchtslos, wölfisch, pöbelhast. Und so ist auf einmal . der Faschismus das einzige Negierungsfyftem, das der ; Nassenhygiene, dem biologischen Werte des Stammes einen hervorragenden Platz anweist. All diese Leutchen, deren i körperliche und geistige Gestalt so wenig nach Fortdauer im großen Strome des Lebens verlangt, die alle mehr oder weniger von der Natur gezeichnet sind, durch stammfremdes Wesen, durch konstitutionelle Krankheit, durch Berbrechertum oder Schmarotzertum, sie alle werden jetzt zu Hohenpriestern am Altar der Rasse. Vielleicht kommt objektiv Gutes dabtzi heraus. Wir glauben cs nicht. Aus Sport oder aus. Bedürfnis kann man den Buchstaben schassen, nicht den Geist. Mussolini hat über das Bevölkern ngsproblent viel Nichtiges gesagt. Aber für ihn ist� ein politisches Machtmittel, was ein sozialer Selbstzweck sein sollte. Der Mlnisterpräsident engt seinen Gesichts- kreis zu sehr ein:„Für mich beginnt die Geschichte im Oktober 1922" sagt er. Diese Geschichte wird schnell enden, längst, che die Nasse der faschistischen Fürsorge froh wird. Weltgeschichtliche Bewegungen wachsen aus Idealen; der Faschismus sucht sich heute ein Ideal, um seine Nacktheit zu � bedecken. die historischen Worte. Von Jodok. In einer seiner letzten literarischen Arbeiten bemüht sich Keorg Vrandes um den Nachweis, daß so ziemlich alle„historischen Aus- spräche" entweder eitel Flunkerei seien oder aber in ihrer Geburts- ! stunde in ganz anderem als dem ihnen später untergeschobenen Sinne gemeint waren. Axel Oxenstierna hat darnach niemals an seinen Sohn geschrieben, daß er„nicht wisse, mit wie wenig Ver- stand die Welt regiert werde". Cäsar hat in seinen Werken gar nicht daran gcdackst, den Rubicon auch nur zu erwähnen, geschweige denn,„die Würfel" an ihm„fallen" zu sehen. Das„Galileiwort" von der Erde,„die sich doch bewegt", ist 128 Jahr« nach Galileis Tode geprägt worden. Cambronn« hat nimmermehr bei Waterloo von der Garde behauptet,„daß sie sterbe, aber sich nicht ergebe", vielmehr hat 1815 der Journalist Rougemont das Wort gebildet, t und Goethes letzter Satz lautete keineswegs„Mehr Licht", sondern i„Gib mir deine kleine Pfote!" und war an seine Schwiegertochter 1 gerichtet. Es ist begreiflich, daß bei solcher Dämmerung ehrwürdiger ? Satzbildungen, die bisher in keinem Lesebuch fehlten, sich der Wunsch nach neuer Produktion Geltung verschafft. Man ist ja schließlich nicht angewiesen auf eine noch dazu unverbürgte Vergangenheit. Jede Zeit ihr eigener Schöpfer geschichtlicher Standardworte! Wie vorteilhast ist diese gesunde Maxime nicht zuletzt im Hinblick auf die spezifische Geschmacksrichtung unserer Epoche, die von langatmigen Tiefsinnigkeiten nicht viel wissen will und sich dafür an eine legere Lebendigkeit hält. Lindbergh zum Beispiel hat während seines Ozeansluges gewiß Gelegenheit gehabt, sich für den Empfang in Le Bourget ein Bon- mot zurechtzulegen, eine liebenswürdige Weisheit oder einen lapi- daren Kernspruch. Statt dessen hat et seine Ankunft mit der Fest- Üellung begleitet:„Ich bin absolut nicht müde!" Die einzigen Worte zum anderen, die er auf dem Ozean anzusprechen Gelegenheit fand. waren an eine Flotte von Fischerbooten gerichtet und hießen:„Ist das der rechte Weg nach Irland?" Schließlich konnte noch in alle Welt gekabelt und gefunkt werden, daß Lindbergh gelegentlich eines drahtlosen Telephongesprächs, das er mit seiner Mutter in New Dock führte, sich lediglich auf ein risbt" beschränkt«, das diese mit einem„I am so happy*(ich bin so glücklich) erwiderte. Bielleicht gehen diese Worte, die für einen Tag in fast allen Zeitnngsspalten der Welt zu finden gewesen sein dürften, nicht weniger in die Geschichte der Menschheit ein, als die vorhin erwähn- ren berühmten Aussprüche. Sie sind nicht ganz so sehr wie diese zum Extrakt eines Zeitgedenkens aufgebügelt und ersetzen überhaupt ein wenig durch nüchterne Allgenieingllltigkeit, was ihnen an Charakterisierungsvermögen abgeht. Immerhin wäre die Meinung, daß st» sich In allem von historischen Worten älteren Datum» unter- schieden, denn doch verfehlt. Bielmehr glaubt der Pariser„Matin" politische Justiz. Der Marine-Oberkricgsgerichtsrat alö Einzclrichtcr. Der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens hat gegen den Freispruch in dem Prozeß, den er gegen die Mit- glieder des Nationalocrbandes deutscher Offiziere v. Schröder, Wächter, v. Jena, Sodenstern angestrengt hatte, Bern- fung eingelegt. Die Berufimg stützt sich nicht nur auf die völlig unhaltbare Tendenz der Urteilsbegründung, sondern auch auf die A n n a h m e d e s E i n z e l r i ch t e r s, daß den Privatbeklagten der Wahrheitsbeweis geglückt ist. Der „Jungdeutsche", das offizielle Blatt des Ordens, führt in diesem Zusammenhang aus: In recht eigenartiger Weise hat der Richter auch die Frage der Verantwortlichkeit geprüft. Herr Mahraun hatte den Admiral v. Schröder als Vorsitzenden des NDO. und den Haupt- schriftleiter der Zeitschrift dieses Verbandes, den Major von Soden- stern, verklagt. Herr Admiral von Schräder machte dem Gericht gegen- über geltend, daß er nicht verantwortlich sei, der Richter glaubte ihm und eröffnete gegen ihn das Verfahren nicht. Er hätte von ihm zum mindesten den Nachweis verlangen müssen, daß er nicht verantwortlich zu machen sei. Aber Vehaupkungen der Vorstandsmitglieder des RDO. sind für diesen Richler anscheinend Berods. Den Behauptungen des Herrn Mahraun dagegen legt er keine Beweiskraft bei. Herr von Sodenstern machte geltend, daß er den Artikel vor Drucklegung nicht gelesen habe. Zeugen, die er beibrachte. konnten Bekundungen hierzu nicht machen. Sie konnten lediglich aussagen, daß Herr o. Sodenstern zwar verantwortlich für die Zeit- schrift zeichne, stotzdem aber viele Artikel, die er in die Zeitschrift aufnehme, nicht lese. Das Pressegesetz sagt, daß ein verant- wortlicher Schriftleiter als Täter zu bestrafen ist, wenn nicht durch besondere Umstände die Annahme seiner Täterschaft ausge- schlössen ist. Hiernach bleibt der Redakteur nur dann straffrei, wenn er den Nachweis bringt, daß die Beröfientlichung ohne Wissen und Willen erfolgt ist und daß er von dem Artikel auch kein Wissen haben konnte. Diesen Nachweis hat Herr v. Sodenstern nicht erbracht. Er hat lediglich behauptet, daß er keine Kenntnis gehabt habe, hak sich aber in derartige Widersprüche verwickelt, daß der Richter seiner Behauptung gegenüber Zweifel hätte bekommen müssen. Der Privatbeklagte von Jena führte aus, daß zwischen der Abfassung der Erklärung imd deren Veröffentlichung mit Rücksicht aus den Redaktionsschluß der Zeitschrift nur eine sehr kurze Zeit gelegen habe. Herr von Sodenstern erklärle, daß es möglich sei, daß er das Konzept mit drucktechnischen Bemerkungen verschen habe. Dann wieder erklärle er. daß er an dem fraglichen Tage verreist gewesen sd. Obendrein lag dem Gericht du Brief des Privalbeklagtcn Wächter vor, worin dieser behauptet, daß Herr v. Sodenstern die Erklärung vor der Drucklegung gelesen habe. Zum mindesten hat Herr v. Sodenstern nicht nachgewiesen, daß eine Fahrlässigkeit seiner- seits nicht vorliege. Der Vorwurf, der dem Einzelrichter vom„Iungdeutfchen" gemacht wird, läuft auf eine Parteinahme zugunste� der beklagten Partei hinaus. Der„Jungdeutsche" fügt hinzu, daß der Einzelrichter, Amtsgerichtsrat Treffs, während des Krieges Marine-Oberkriegsgerichts- r a t war. In der Tat werden Urteil und Begründung nur verständlich, wenn man sie als So l i da r i t ät se rk l ä- r u n g des Einzelrichters mit den oerklagten Mitgliedern des Ratioitalverbandcs deutscher Offiziere und seiner gegen die Republik gerichteten Politik betrachtet. Iustizminister Dr. Schmidt fordert Bericht. Wie der„Demokratische Zeiwngsdienst" erfährt, hat der preu- ßische Iustizminister Dr. Schmidt sofort nach Bekanntwerden des überaus merkwürdigen politischen Urteils des Berliner Einzelrichters im Beleidigungsprozeh Mahraun-Sodenstern den Einzelrichter ausgesordert, einen Bericht über die Angelegenheit einzureichen. sich zu der Feststellung berechtigt, daß ihnen mit diesen zum min- dcsten das Eine gemein sei: die Ersundenheit. Das einzige authen- tisch« Wort des berühmten Ozeanfliegers bei seiner Ankunft sei das folgende gewesen:„Ich bin Charles Lindbergh". Aber gerade dieser Ausspruch dürfte einer von den ganz wenigen überhaupt möglichen sein, die auch im Zeitalter höchster Sachlichkeit keinerld Aussicht auf ewiges Fortwirken haben. hat sich üas Vetter verschlechtert! Der kalle und nasse Mai 1927 wird in der Geschichte der Wstierung einen Markstein bilden, denn«r gehört zu den kältesten Maimonaten der letzten hundert Jahre. Schon im Jahre 1923 konnten wir auch einen sehr kalten Maimonat feststellen, aber die Kälte hatte nicht die Ausdauer wie in diesem Jahre. Zugleich mit den kühlen und unerfreulichen Frühlingsjahreszciten der letzten Jahre wollte man eine Aenderung des Sommerwetters festgestellt haben, die sich in verhältnismäßig kühlen Sommern äußert. Diesen kühlen Sommern stehen verhältnismäßig warme Winter gegenüber, so daß sich angeblich die Witterungsverhältnisse verschlechtert haben. Man bedenkt dabei aber nicht, daß einzelne Erscheinungen nicht für den Charakter der Wittcrungsgcstaltung maßgebend sind, und daß zwei oder drei schlechte Frühlingswillerungen und kühle Sommer nicht bereits zu dem Schlüsse berechtigen, daß das Wetter sich überhaupt verschlechtert habe. Der Eintritt der Wärme und der Kälte ist in den einzelnen Jahren verschieden. Aber die Höchsttemperaturen, die in den Sommern der einzelnen Jahre festgestellt wurden, treten zu allen Zellen ebenso regelmäßig auf wie tiefe Wintertemperaturen. So wurden zum Beispiel Temperaturen von 39,5 Grad und darüber in den letzten 30 Iahren sowohl im Jahre 1892 gemessen, und zwar am 18. August in Liegnitz, Grünberg und Stuttgart, als auch am 28. Juli 1921 in Dresden, Chemnitz, Berlin und Breslau. Desgleichen sind sehr frühe Sommertempervturen bereits im Frühling in den letzten Iahren genau so gemessen worden wie vorher. Am 26. Fe- bruar 1900 warm bereits in Kassel und Mannheim 29 Grad Celsius. In Kottbus, Berlin und Magdeburg waren am 39. März 1911 25 Grad, ebenso wie in Magdeburg am 29. April 1913 schon 39 Grad gemessen worden sind. Ein Zeichen dafür, daß auch der Monat Mai der letzten Jahre nicht immer kalt und regnerisch war, ist die Tatsach«. daß am 24. Mai 1922 in vielen Städten Deutschlands, wie z. B. in Münster, Schwerin und Köln 35 Grad gemessen wurden. Auch die Dauer der warmen Jahreszeiten war in den letzten Jahren ungewöhnlich groß So hatten z. B. Dresden ebenso wie Breslau, Berlin. Kottbus, Chemnitz, Magdeburg im Jahre 1921 noch am 14. Oktober 25 Grad Wärme. Im selben Jahr« hotte das Rheinland sogar am 19. Oktober noch eine Wärme von 39 Grad, und im Jahre 1911 wurden in Trier z. B 35 Grod am 3. September gemessen. Wenn man also berechnet, wie lange die einzelnen Temperaturen im Jahre«intreten können, so stellt man fest, daß Temperaturen von 29 Grad im Durchschnitt 253 Tage, Temperaturen von 25 Grad 198 Tage, 39 Grad 164 Tage, 35 Grad 193 Tage eintreten können. Dieser Durchschnittswert für die Möglichkeit des Eintritts bestimmter Wärmegrade ist so ziemlich für olle Jahr« gleich, Journalisten sollen anständig feint Theorie und Praxis. Der Reichsverbcmd der Deutschen Presse hat in Breslau eine Entschließung angenommen, die„jede gehässige und beschimpfende persönliche Polemik der Kollegen untereinander" verurteilt. Am Tag vor diesem Beschluß meldete die„Deutsche Tages- zeitung" ihren Lesern, auf Betreiben der Linkspresse fei„der jüdische Massenmörder Schlesinger" begnodigt worden. Man könne also verdienter Strafe entgehen, wenn man das Glück habe,„mit seinem Namen oder seiner Gesinnung" der Linken zu gefallen. Damit wird den.Kollegen" der Linkspresse, die sich aus mensch- lichen Gründen gegen die Hinrichtung eines jugendlichen Verbrechers ausgesprochen hatten, unterstellt, sie hätten aus jüdischer Solidarität und aus Sympathie mit seiner Gesinnung den Lerurteillen vor der Strafe geschützt, die die„Deutsche Tageszeitung" als sanatische An- hängerin der Todesstrafe für die einzig angemessene hält. Biernndzwanziz Stunden nach der Verhaftung der Eisenbahn- attentäter von Leiferde war bereits festgestellt, daß Schlesinger kein Jude, sondern Sohn einer schwäbischen Bauernfamilie ist. Uebcr seine Gesinnung ist nichts bekannt, als daß er länger« Zeit der völkischen Bewegung in Thüringen angehörte. Was die„Deutsche Tageszeitung" gegen ihre.Kollegen" von der Linkspresse ausführte, ist also nichts als eine schmutzige Verleumdung wider besseres Wissen oder aus grober Fahrlässigkeit. Erster Vorsitzender des Rdchsverbandes ist Herr Paul B a e ck e r, ftüherer Chefredakteur der„Deutschen Tageszeitung", jetzt noch ihr geschätzter Mitarbeiter. Marx gegen wirth. Der Parteivorstand tritt zusammen. Dr. Wirth soll am Donnerstag dieser Woche vor den Parteivorstand des Zentrums zu peinlicher Befragung erscheinen. Es soll ihm wegen seiner Königsberger Rede der Prozeß gemacht werden. Herr Dr. Marx hat als Großinquisitor auf Ber- langen des Grafen Westarp prompt funktioniert. Er hat in seinem Briefe an Dr. Wirth mitgeteilt, daß„sowohl im Vorstand der Zentrumsfraktion, wie beim interfraktionellen Ausschuß ins- besondere von den Mitgliedern der deutsch natio- nalen Partei bei ihm Beschwerde erhoben ist", und er hat weiterhin Wirth angekündigt, daß er, falls Dr. Wirth Presse- Meldungen über seine Königsberger Rede anerkenne, zu seinem Bedauern im Interesse des Ansehens und der Würde der Zentrums- parte! die ihm erforderlich erscheinenden Maß- nahmen trefsen müsse. Das läuft also auf eine Kriegserklärung in aller Form hinaus. Nieüerlage der bayerischen Reaktion. Die Wnhlrechtsvcrschlerhterung vom Landtag abgelehnt. München. 39. Mai.(Eigener Drohtbericht.) Der Bayerische Landtag entschied am Montag in namentlicher Abstimmung über eine Rdhe Verfassung säubernder Anträge der Regie- rung und der Regierungsparteien, durch die u. a. das aktive Wahlalter zu Kreis- und Gemeindcparlamentcn in Bayern auf das 25. Lebensjahr festgesetzt und für die Bezirkstage die i n-->> dirskt« Wahl eingeführt werden sollte. Aber, mit der Abstim- mung über die Verschlechterung des Wahlrechts hatte, wie in früheren Fällen, die bayerische Reaktion auch diesmal kein Glück. Die vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit wurde s ü r keinen der Anträge erreicht, nicht einmal für den Ab- änderungscmtrag auf Hinaufsetzung des Wahlalters auf das 21. Le- bensjahr. Die Mehrheit für die Reaktion zählte sechs Stimmen. Die Opposition bestand aus Sozialdemokraten, Demokraten, Kam- munisten und Nationalsozialisten. Die Niederlage der bayerischen Regierung wurde bei vollbesetzten Tribünen von der Opposition mit großem Beifall aufgenommen. wenn er auch in einzelnen Jahren, wie z. B. in diesem Jahr 1927, sich verschiebt. Ebenso sind die Wmtertemperaturen berechnet worden. Aller- Vings haben die letzten 39 Jahre verhältnismäßig geringe Winter- tcmperaturen aufzuweisen, denn die tiefsten Temperaturen fallen in die Jahre bis 1869. Rur die Jahre 1888 und 1899 machen eine Ausnahme, da sie zu sehr kalten Wintern führten. Dos Jahr 1899 zeichnete sich dadurch aus, daß noch am 24. März eine Kalle von 29 Grad herrschte und das Jahr 1913 dadurch, daß in diesem Jahr am 15. Juni ein« Wintertemperatur von 9 Grad in den verfchiedensten Orten Pommerns zu verzeichnen waren, an dem- selben 15. Juni, wo sehr oft schon Sommertemperaturen von 39 Grad gemessen wurden. Daraus ergibt sich, daß auch an den einzelnen Tagen die Witterung in den verschiedenen Iahren ganz ungewöhnlich verschieden sein kann. Die größten Extreme stellen der 26. Februar 1999 mit 29 Grad Wärme und der 15. Juni 1913 mit 9 bis 1 Grad Kälte dar. Das neue Mittel gegen die Zuckerkrankheil. In der soeben«r- schienenen Ausgabe der.Klinischen Wochenschrift" erstattet Professor von Noorden, Frankfurt a. M.. den seit Wochen erwarteten Bericht über sdne Erfahrungen mit dem neuen Mittel gegen die Zuckerkrankheit. Noorden bezeichnet den vorliegenden Bericht al» vorläufig und summarisch. Infolge der dauernd guten Erfolge des Präparats sühll sich der Bersajser jedoch verpflichtet, dem neuen Mittd freien Lauf zu lassen, damit jeder Arzt und Gelehrte darüber entscheiden könne, ob das Mittel hält, was es bis jetzt in der von Noordenjchen Klinik gezeigt hat. Es ist dort bei etwa 69 Zucker- kranken aller Schwcrheitsgrade angewendet worden. Der gleich- mäßig günstige Erfolg der Anwendung zeigte sich in einer allmäh- lichen, meist vom zweiten Tage an beobachteten Senkung des Blut- zuckers, die unbeeinflußt von den Mahlzeiten verläuft, bd gleichzeitiger Herstellung und Erhaltung von Harnzuckcrfreihcit. Mehrfach wurde bd Einschaltung eines medikanrcntfreien Tages Nachwirkung festgestellt. Auch in ganz schweren Fällen konnte da» Medikament ohne Störung des Zuckerhaushaltea an die Stell« von Insulin treten. Zeichen für«ine plötzliche Senkung des Blutzucker» unter das normale Maß wurden niemals gesehen, ebensowenig irgendwelche sonstigen ungünstigen spezifischen Nebenwirkungen. Das Präparat, das kein Insulin ist oder enthält, wurde ursprünglich gewonnen durch fermentative Einwirkung auf die tierische Bauch- speicheldriise. Aus der aus der Bauchspeicheldrüse gewonnenen, ur- fprünglich als Medikament verwendeten Trockenmasse wurde eine Fraktion abgeschieden, die den eigentlich wirksamen Körper in ge- nügend gleichmäßiger Konzentration enthält, um sie therapeutisch verwenden zu können. lvochencridautstelluag tind Acsgldchsgyamstlt. Di« Jutta Klamt-Schule silr Gymnasllk>md Tanz zeigt im Rabmrn ber Nechenendausitellung jeden Mittwoch, Freitag und Sonnabend van 7—8 Uhr in dem Bortragsiaal der' Funlhalle praktische iltuigleichsghmnailit. Vortrag mit jeweils w-chieindem Thema. Ver Suny'olon tst-zel-Spanler. Schillllr. B, gellt im Juni eine Kollcttion Oslbilder und«guareve von Max Baumann an-Z. St,,« tbeaterwiffe icha liiche Woche findet im Ziabmen der Magdeburger Tdeaterausnellung vom 7. bis 11. Juni statt. Berufene Beitreter der Tdealenvissenschast und der praktischen Bühnen knnst werden über besonders betrutsame geschichtlich« und künftUrijche Probleme sprechen. Das verbot des Republikanertages. Jnterpellationsdebatte im bayerischen Landtag. München, 30. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Heute begann im Bayerischen Landtag die Beratung der deutschnationalen Interpellationen über die Schlägerei am vergangenen Mitt- woch, die den Tod eines Nationalsozialisten zur Folge hatte. Der Innenminister Stürze! gab als Grund der vorläufig noch nicht abgeschlossenen Erhebungen eine eingehende Schil- derung des Tatbestandes. Daraus geht hervor. daß die Nationalsozialisten bei dem ganzen Raufhandel die Angreifer waren. veranlaßt durch spöttische Bemerkungen von Pasfanten, von denen dann einer durch Hiebe mit der Fahnenstange zu Boden gestreckt und verletzt wurde. Daran schlössen sich die weiteren Schlägereien, die rund M Minuten dauerten und durch verschiedene Straßenzüge sich fortsetzten. Die Verletzungen des Nationalsozialisten Hirschmann sind auf Hiebe mit einer Latte zurückzuführen, die ein siebzehnjähriger Bursche namens Schott von einer nahen Baustelle abgerisien hotte. Im weiteren Verlauf der Rauferei sollen nach den letzten Fest- stellungen der Polizei auch einige Reichsbannerleute, darunter ein Kameradschaftsführer, beteiligt gewesen sein. Der Minister unter- strich aber ausdrücklich und wiederholt das Wort.sollen', des- gleichen die Takfache, daß die Tällichkelkea von dem nakionaksoziallfkschen Trupp ausgegangen sind. Eine genaue Körung des Sachverhalts bleibt der bereits eingeleiteten Gerichtsuntersuchung vorbehalten. Zum nachfolgenden Verbot der Reichsbannertagung erklärte der Minister, daß da» verbal eine rein polizeiliche und keine politische Maßnahme gewesen sei. Er bestritt, daß das Verbot irgendwie von dritter Seite, also von den Deutsch- nattonalen, oeranlaßt wurde, da der Polizeipräsident sich dazu zu einem Zeitpunkt entschlossen hatte, als von dritter Seite noch keine Vorstellungen beim Ministerium eingegangen waren. Bei der Besprechung der Interpellation kam es während der Rede des Abg. Genossen H ö g n e r wiederholt zu scharfen Aus- einandersetzungen mit den Deutschnationalen und ihrem Wortführer, dem Vorsitzenden der Vaterländischen Verbände, Bauer, dessen Hetzreden die Münchener Bevölkerung seit Wochen aufs schwerste provoziert haben. Die Sitzung wird Dienstag fortgesetzt. * Der deutschnationale Landtagsabgeordnete Prof. Bauer ist einer der schlimmsten Hetzer gegen die Republik. Er hat gemeinsam mit einem gewissen Korodi vor dem Reichs- bannertag zwei Protestoersammlungen veranstaltet mit der Tagesordnung:„Protest gegen den Republita- nertag!" Dieser Korodi beschuldigt republikanische Politiker und die Führer des Reichsbanners des„Landesverrats" und des„gemeinen V o l k s v e r ra t s". Ueber die Münchener Versammlung dieses Korodi wird uns aus München geschrieben: �Zusammenfassend kam Korodi in den Münchener Protestkundgebungen gegen den Republikanertag zu dem Schluß:„Wenn man all diese fortwährenden Landes- verrätereien und die schweren Schädigungen unseres Ansehens kennt, wie sie von führenden Männern des Reichsbanners und seine? Presse unentwegt betrieben werden, dann muß einen doch förmlich Abscheu packen, wenn man die Reichsbannersahnen sieht." Daß der vaterländische Pöbel bei diesen Worten in brausend« Beifallsstürme ausbricht, versteht sich. Korodi hatte aber noch die Frechheit, sich nach diesen Worten an die im Saale anwesende P o» litische Polizei zu wenden mit den Worten: „Ich habe nicht gesagt: die Farben Schwarz- rotgold, sondern habe gesagt, wenn man die Reichsbannerfahnen sieht. Es ist das eine j u r i st i s ch e Haarspalterei, die mir aber im Augenblick gestattet sein möge, um meinen Gefühlen den richtigen Ausdruck zu geben." Es ist geradezu empörend, daß in diesem Fall nicht sofort die Polizei eingriff und Korodi von der Tribüne herab verhastete, was im kaiserlichen Deutschland in ähnlichen Fällen sofort geschehen wäre. Heute ist es anders. Heute spielt in einer korodi- Kundgebung sogar die Kapelle der Münchener PolizeimannschaftI Die Aufforderung Korodis ist auch sehr bald ausgeführt worden, wie das Verbrennen der Reichsbanncrfahne am Münchener Gewerkschaftshaus ja bewiesen hat." Korodi hat denselben Ausspruch in einer G ö r l i tz e r Versammlung gebraucht. Es wurde ein Verfahren gegen ihn wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz eingeleitet, aber bald wieder eingestellt. Dieser Bursche darf die Reichsfahne und republikanische Politiker in München ungehindert beschimpfen, der R e- publikanertag aber wird verboten! Windjackenverbot in München. München, 30. Mai.(WTB.) Die Polizeidirektion München hat durch vorübergehende Ortspolizeioorschrift das Tragen«in- heitlicher Kleidung für Angehörige von Parteiorgani- sattonen für öffentliche Wege, Straßen und Plätze verboten. Strafverfolgung nationalsozialistischer Mgeoröneter München, 30. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Infolge der fort- gesetzten Verleumdungen und Veleidigungen, die n a t i o n a- listische Redakteure unter dem Schutze der Immunität»l« Abgeordnete in ihren Blättern seit Iahren verüben, hat der bayerische Landtag in seiner Sitzung am Montag die beiden Haust- Hetzer Streicher und Kipfel zur Strafverfolgung frei- gegeben. Bei Streicher handelt es sich um nicht weniger als vier Fälle, in denen er in seinem Blatte eine Reihe von Behörden und Einzelpersonen aufs schwerste verleumdet hat. Die Mehrheit de« Landtages hat übrigens eine Vereinbarung getroffen, derzufolg« Abgeordnete, die verantwortliche Redakteure sind und wegen Pressevergehen angeklagt werden, für die Zukunft grund- fätzlich von der Immunität ausgeschlossen werden. Stimmen zum Parteitag. Zentrum, Christentum und Sozialdemokratie. Zettelkasten gegen Agrarprogramur. Die deutschnationele Presse hat aus dem Verlauf des Kieler Parteitags den Schluß gezogen, daß das Zentrum nun erst recht und auch in Preußen Vürgerblockpolitik treiben müsse. Die„Germania" erteilt ihr eine schneidende Absage: Haben wir noch nicht genug, an den bitteren Lehren der Vor- kriegZzcit? Hat man keine Ruhe, bis eine etwa nach deutsch- nationalem Rezept bekämpfte Sozialdemokratie wirklich die Mehr- hett aller deutschen Wählerstimmen auf sich vereinigt hat? Gibt es immer noch Desperados, die dem Wahnwitz hul- digen, die Sozialdemokratie mit der Diktatur „zerschmettern" zu können? Und unser Interesse als Zentrumspartei? Nun, der weltanschauliche Abgrund, der uns von der Sozialdemokratie trennt, kann uns nicht hindern festzustellen, daß die Sozialdemokratie eine der Säulen des neuen Slaales ist, der den Katholiken und Zentrumsanhängern Licht und Luft gebracht hak. Das sagen wir nicht allein: die Besten unter uns, prominente Kalholiken und Zentrumsführer, haben davon Zeugnis abgelegt. Wir befinden uns keinen Augenblick darüber im Zweifel, was unser harren würde, wenn der gegenwärtige Staat von einem anderen abgelöst würde. Es bliebe dann gewiß nicht bei den Reform- gedanken wohlmeinender und vernünftiger Deutschnationaler. Dann würden die den Ton anaeben, die Sozialismus und„Ultramon- t a n i s m u s" immer in einem Atem nennen. Die„Germania" schließt ihre Auseinandersetznng mit den Deutschnationalen, indem sie erklärt, die Zentrumsfraktion sei eine loyale Koalitionspartnerin, sie habe aber keine Ber- anlassung, dieser Koalition znliebe irgendein Opfer zu bringen, das siebeidenWahlen teuer bezahlen müßte. Das Ver- hältnis des Zentrums und der katholischen Kirche zur Sozial- demokratie charakterisiert sie aber folgendermaßen: In unserer Zelt, in unseren gesellschaftlichen Zuständen fließen Quellen geistigen Ringens und geistiger Konflikte, mit denen wir oll« uns auseinandersetzen müssen, unabhängig von aller Partei- Politik, gleichgültig, ob es ein Zentrum gibt und ob es sich taktisch so oder so einstelll. Das find Naturgewalten, die nicht nach menschlichem Wünschen und Wollen fragen. Der S o z i a l i s- mus ist in der Welt, und die katholische Kirche war es schon lange vorher. Im deutschen Daterlande leben katholische und sozialistiüh« Arbeiter. Die Macht, die dos gefügt hat, will der katho- tischen Kirche und den katholischen Arbeitern die Aufgabe nicht er- sparen zu zeigen, daß„der©teg, der die Welt überwindet, unser Glaube" ist. Was zeugt es doch von einem beschämenden Klein- mut und von einem Mangel an Selbstvertrauen, daran zu zweifeln, daß das Christentum auch mit der Sozialdemokra- tiefertigwerdenwird. InKiel war man sehr optimistisch und siegessscher. Das ist imponierend, aber als Katholiken und Zenlrumsleute bleiben wir dabei gelassen über alle Maßen. lieber uns verfügt nicht die Sozialdemokratie. Unser Schicksal ist in unsere Hand gegeben. Es hängt ganz davon ab, welchen Gebrauch wir von Kräften des Christentums und der christlichen Gesellschoft-lehre machen, ob die Sozialdemokratie m den katho. tischen Gefilden Erfolge erringt oder nicht. Das sind Ausführungen, die von einer klaren Er- kmninis der Dinge noch recht weit entfernt sind. Nachdem die SMaldemokratie in Deutsth standen hat, der Deutsche Metallarheitervevband lehnt es ab, Versammlungen zu beschicken, die sich mll dem Thema .Rahmentarif" beschäftigen sollen. Im Anschluß daran habe ich erklärt, daß ich die Funktionäre auffordere, sich unverzüglich zu melden und der Versammlung mitzuteilen, wo und wann jemand von einer dem Kartell anoeschlossenen Organisation verboten oder abgelehnt worden sei, obengenannte Versammlungen abzuhalten oder zu beschicken.„ � In dieser Funktionär-Versammlung hat sich k«,n Funktionär gemeldet....., Sie schreiben dann weiter, das weiß Urich auch: er weiß, daß die Ortsverwaltung des DMV. es abgelehnt hat. zu einer Be- triebsversammlung der AEG. Treptow einen Vertreter zu entsenden, weil hier über den Rahmenvertrag gesprochen wer- den sollte. Auf Grund dieser Mitteilung habe ich mich mll dem Betriebs- rat der AEG. Treptow ins Benehmen gesetzt und von ihm die Mll- tellung erhallen, daß eine Versammlung mit einem solchen Them" nicht stattgefunden hat. wie es die.Rote Fahne" behauptet. Wenn der Betriebsrat also von der Versammlung nichts weiß, wie soll ich es wissen. Also wer hat recht und wer lügt? Gesterreichisther poststreik in Sicht. Ultimatuin an die Regierung. wie«. 30. Mol.(Eigener Drahtbericht.) Die Gewerkschafleu der Post-. Telegraphen, und Fernsprechange- stellten haben am Montag beschlossen, da die Regierung und die Postverwaltung ihre Forderungen beharrlich abgelehnt bezw. ganz ungenügende Zugeständnisse gemacht haben, ein Ultimatum zu überreichen, das bis zum 4. Zoni(Samstag) 10 Uhr vormittags befristet ist. Für den Fall, daß bis dahin keine genügenden Zu- geftändnisse gemacht werden, ist der Streikbeginn für Mitlernacht vom 6. zum 7. Zum in Aussicht genommen. Die Streikparole soll bereits am Samstag vormittag ausgegeben werden. Verantwortlich kür Politil:«ietor Schill; Wirtschaft: S.»lingrlhöscr: D«n>errschaftsben>iguna: Z. Steiner; Feuilleton: K. K. Söscher; Lokales und Sonstig«,: ZiiS NarZtädt;«nzeiaen: Td. Stocke; sämtlich in BerUo Berlaa: Vorwärts-Verlag©. m. b. Berlin. Druck: Bormärt�Buchdruckcret und Verlaq«initalt Paul Einger u tlo.. Berlin EW»8. LindenNraste Z.... Kien» z Beilage». Hinterhalt» na und Wissen-»ah.Zugend. DormZrt,». WERTHEIM ßmÄnetOUeUM Lslpzlgsr Str.(V»r»and-Abt.) Köitlgstr. Rosanthalor Str. Moritzplatz Kinderkleid ÜB l 2 b 1 25 weiB Vollvoile für 2 bis 3 Jahre grau oder beige Leder gute Paßform, 31-35 B.90 Größe A 28— 30 6|-90 Lackleder, Normalform 31-35 8.90, 29-30 7.90 Größe 27—28 Mäddienklcid femust. Waschkunstseide Onge 45-90 cm, Länge 45 Re9enÄ 290«K at9S T,°"* Kieler Anzug weiß Satin, mit abnehmbar. Garnitur, f. Ca. 3-9 y, f. 2 /. Sso Cftdt Meckere Or. 78 Pf* Oh S /V. ri? mehr) Einknöpfanzug blau-weiß gestreift. Waschstoff od. einfarbig. 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Einmal wegen ihrer Lage, an drei Grenzen von Deutsch- land umschlossen, was einen lebhaften Grenzverkehr zur Folge hoben muß, und an der vierten Grenze an das deutsche Oesterreich stoßend, dann aber auch wegen der Tatsache, daß es eine starke deutsche Bevölkerung besitzt. Rechnet man dazu die Anziehungs- hast, die das fruchtbare Obsttäler und romantische Bergkuppen, malerische Städte und weltberühmt« cheilquellen aufweisende böhmische Gebiet von jeher auf den Deutschen ausgeübt hat, so sind starke geschäftliche und persönliche Bindungen vorhanden, die es erklärlich machen, daß auch heute die tschechoslowakische Kolonie in Berlin eine große Stärke hat. Reger visumverkehr. Die Konsulate sind die Zentren der meisten praktischen Be- Ziehungen zwischen Ausland und Heimat. Eine bequeme Lage der Bureauräume in der Stadt ist deshalb sehr erwünscht. Es ist nun interessant zu sehen, daß es im inneren Berlin an Gebäuden fehlt, die Zugleich repräsentativ und bureautechnisch bequem sind. Die Straßen zwischen Linden und Leipziger Straße sind alle dem Mer- kantilismus oerschrieben— was das Kurfürstendamm-Niertel jetzt immer energischer nochmacht. So ist denn auch da» heim der tschechoslowakischen Vertretung an der Peripherie zu finden: in einem Hause, das von drei Straßen begrenzt wird. Offiziell trägt es die Bezeichnung Rauch st raße 2, aber das Konsulat ist von der Hansemannstraße aus zugänglich, und die Hauptelngang-pforte zu dem Gebäude liegt in der Friedrich-Wilhelm-Straße. Trotz statt- licher Größe scheint die Raumoerteilung für den starken Verkehr nicht auszureichen: wohl kann der Besucher seine Wartezeit durch einen Spaziergang in den nahen Tiergarten sich verkürzen, ober bei schlechtem Wetter ist die Ueberfllllung sowohl für die Funktio- näre, wie für das Publikum nicht sehr angenehm. Es steht freilich zu hoffen, daß die Formalität der Visumerteilung bald fortfällt, und ihr Zweck, das Einströmen von arbeitslustigen Elementen zum Schaden der einheimischen Bevölkerung zu verhindern, durch andere Maßnahmen erreicht wird. Uebrigens besteht für den Grenzverkehr sowohl eine dauernde Erleichterung, als auch eine dem Touristenverkehr dienende kurzfristige Erlaubnis, ohne lästige Formalitäten hin und her zu gehen. Die alten Beziehungen zwischen Berlin und Böhmen haben, im Gegensatz zu der Auswanderung der Deutschpolen, keine allzugroßen Störungen durch den Krieg erlitten. Die Anzahl der in Verlin dauernd weilenden Angehörigen der Tschechoslowakei kann auf lsooo Personen geschäht werden, und das Konsulatsgebiet, das sich von Königsberg bis etwa Halle erstreckt, umfaßt deren wohl an ö0l)00. Alte Kolonien befinden sich z. B. in Landsberg a. d. W., Fürstenberg a. d. O., Braunschweig und Halle. Hauptsätzlich setzen sie sich aus Kaufleuten, Gewerbetreibenden, Handwerkern und technischen Arbeitern zusammen. Wichtig ist wegen seiner Tendenz sowohl wie durch die Mitarbeit den Tschechen und Deutschen der Tschecho- slowakische wohttällgkeitsverein. Er zählt an 300 Mitglieder und erledigt seine laufenden Angelegenheiten in lätägigen Zusammen- tünften, die in Drehers Vierhallen stattfinden. Der Ehrenvor- sitzende ist der jeweilige Gesandte; der Vorsitzende ist Konsul Malek, dessen bewährte organisatorisch« Tatkraft dem Verein rasch eine feste Position verschafft hat. Daß der Derein auch den Zusammen- jchluß der Mitglieder fördern will, ist mit Dank zu begrüßen. Die schon früher bestehenden Vereine sowohl deutscher als tschechischer Sprache haben sich weiter ent.vickelt; teilweise haben sie ein be- trächtliches Vercinsalter, blickt doch der„Tschecho-slawische Verein* auf ein Dasein von nahezu 60 Jahren zurück, da er 1867— nach dem„Bruderkriege*— begründet wurde, und konnte doch schon ein anderer Verein im Jahre 1922 das dreißigjährige Jubiläum feiern! Die offizielle Vertretung. Das Haus In der Rouchstraße, dos die tschechostowakische Der- hetung in eigenen Besitz genommen hat, ist schon erwähnt worden; es enthält die Konsulats- und Gesandtschaftsräume, auch die Privat- wchnung des Konsuls. Die Wohnung des Gesandten befindet sich aber in der Regentenstraß« in dem ehemaligen Heim der diplo- malischen Vertretung der Hansestädte. Dr. Frantisek Chvalkovsky, der als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister an der Spitze der Vertretung steht, bekleidet diesen Posten seit März dieses Jahres: er war vorher Gesandter in Tokio und in Washington und dann als Parlamentarier tätig. Den Konsulatsgeschäften steht seit 1921 der Konsul 1. Klasse Dr. Ladislav Mälek vor. Direktor des Pressedienstes ist Camilla Hoffmann. Die schöne Sitte, den Tag festlich zu begehen, an dem das neue freie Staatswesen geboren wurde, findet sich auch hier vor: Der 28. Oktober, Tag der Republik- gründung. ist Slaatsseiertag. Er hat ein Gegenstück in der Er- klärung des I. Mai zum offiziellen Feiertag. Wenn dann noch der 7. März als Geburtstag des Präsidenten Masaryk gefeiert wird, so ist dies ein schöner Zug der Dankbarkeit, denn unstreitig hat der als Gelehrter wie als Mensch gleich geschätzte Masaryk für sein Land die größte Arbeit geleistet. Diejenigen, die jetzt gegen ihn intrigieren, dienen ihrem Volke schlecht. Die nicht leicht zu erlernende tschechische Sprache hat ein Ein- dringen tschechischslowakischer Geistesarbeit in deutsche Kreise er- schwert; im Gegensatz zu den nordischen Kulturgebietcn ist auch wenig übersetzt worden. Anders steht es mit Musik und Malerei, ihre Werke sprechen die allgemeinverständliche Sprache der Kunst. Die andere Sprache ist die der realen Dinge. Wer hätte nicht schon von böhmischem Obst, böhmischen Karpfen, böhmischem Kristall und vilsener Bier gehört? Wer hätte nicht im Kriege mit verlangenden Augen auf die nahe Korn- und Obstkammer geblickt, an deren Schätzen einzelne Glückliche sich laben durften! Und die Kurgäste, die ihr häusliches Wohlleben in Karlsbad und Marienbad abbüßen inüssen, wissen auch ein Loblied auf die Güte der ihnen noch ge- statteten Speisen zu singen. Dem Berliner sind vor allem die Obst- lähne vertraut, auf denen die Aepfel und Birnen aus Böhmen hergebracht werden. Neben den böhmischen Glas- und Kristall- erzeugnissen wahrt die Gablonzer Qualitätsware, wie Schalen, Gläser für Beleuchtungszwecke, den hohen Ruf dieser Industrie. Viele großen Betriebe der Tschechoslowakei haben in Berlin Nieder- lassungen, oder sind, wie dies bei der Braunkohle der Fall ist, mit deutschen Unternehmungen liiert. Ein solches Verhältnis besteht auch bei der Bank für auswärtigen Handel, die in Berlin in der Friedrich-Ebert-Straße 22 domiziliert. Die Reaktion, die die wirtschaftliche Depression der Nachkrieg». zeit benutzt hat, um reaktionäre, für das Volk verderbliche, für das Kapital vorteilhafte Umstellungen im Wirtschaftsleben vorzunehmen. ist auch in Böhmen nicht untätig gewesen. Daß die tschechische und die deutschböhmisch« Sozialdemokratie einmütig gegen diesen Zu- stand kämpfen, ist ein Lichtblick in dieser reaktionslüstcrnen Zeit. Die deutsche Sozialdemokratie begrüßt dieses Zusammengehen, da» vor allem auch dazu dient, die unsinnige Völkerbefehdung aus der Welt zu schaffen. Mit dem Wunsche, daß die Berliner Kolonie für immer solchem unfruchtbaren Streite fernbleiben möge, sei ihre Charakteristik geschlossen. Der vorsichtige Republikbeleiöiger. Am 2. Februar d. I. wurde vom Schöffengericht Charlotten- bürg der Magistratsangestcllte Herdert Cardinal von Wid- d e r n wegen Beschimpfung der Republik an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von 29 Togen zu einer Geldstrafe in Höh« von 299 M. verurteilt. Er hatte am Wittenbergplatz von einem Omnibus herab den Reichsbannerleuten„Nieder mit Schwarzrotmostrich* zugerufen. Diese gelinde Strafe schien aber dem tapferen Herrn von Widdern noch zu hoch. Deshalb legte er Berufung ein. Gestern sollte die Verhandlung in der zweiten In- Die Brücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 141 Traven. Copyright 1927, by B. Traven, Tamaulipas(Mexiko). 10. Der Pumpmeister hat fein Suchen und Fischen mit dem Haken aufgegeben. Der Haken liegt verlassen auf der Brücke und der Pumpmeister steht nun auch bei den Gruppen in der Nähe der Pumpe. Er erzählt von einigen Todesfällen, die er erlebt hat. die aber in gar keiner Beziehung zu diesem Er- eignis stehen. Die Earza war die erste, der Kaffee angeboten wurde. Sie ist der respektierte Ehrengast der Pumpmeisterin. Und die Pumpmeisterin ist hier in dieser Dschungelsiedlung ungefähr dasselbe, was eine Baronin in einem armseligen Bergdörfchen in einem europäischen Lande ist. Sie kann ein wenig lesen und ein wenig schreiben und ist deshalb eine hochgebildete Frau, die in die Schule gegangen ist. Ihre Kinder haben keine Läuse oder nur hin wieder ein paar und laufen nur selten nackt herum. Wenn sie auch nicht gerade immer ein Heind anhaben, so doch wenigstens eine Hose oder ein Räckchen. Das kann man nicht einmal von den Kindern Sleighs saaen. Die Frau Pumpmeisterin selbst hat vier verlchiedene Musseline- kleider und wenigstens drei Hemden. Mehr hat sie nicht, das weiß jeder, Hosen hat sie sogar vier, von denen zwei aber nicht mehr ganz für voll gerechnet werden können. Sie hat Ohrringe, echtes Gold. Auch hat sie einen spanischen Kamm fürs Haar, der mit Perlchen besetzt ist Diese Berlchen, weiß auch jeder, sind aber nicht echt. Der Pumpmeister hat einen Sonntagsanzug mit einer Jacke. Sie haben eine Ubr im Hause, ein Weckeruhr, ferner«inen Spiegel, sogar ein Messer, nicht zu reden von den beiden Gabeln, die sie haben. Und was das Größte ist, ein eifemes Bett mit Drahtmatratze. Wer hat das sonst noch? Vielleicht der Präsident in der Hauptstadt. Aber kein Wunder, der Vumpmeister gehört ja zur Eisenbahn. Da ist nichts in der Welt, das größer wäre. Und was die Pumpmeisterin sagt, ist mehr wert, als was der Priester sagt, bei dem nie weiß, was er meint und was er vielleicht hintennach beabsichtigen mag. Wenn man mit der Frau Pumpmeisterin gut befreundet ist, kann man die Königin von England leicht entbehren. Denn ob die Königin von England zwei Paar gelbseidene Strümpfe hat und drei Taschentücher, von denen eines gestickte Kanten hat, das soll erst noch bewiesen werden. Und was die Leute so erzählen, darf man noch lange nicht immer glauben. In ein« Gruppe, die weiter ab von der Pumpe steht, ' kommt plötzlich Bewegung. Man hört schnelles Sprechen und Fragen. „Der Junge war nicht da?"' ksingt mm eine Stimme deutlich heraus. Der Eseltreiber und der ihm begleitende Junge sind von Pacheco zurückgekommen. '„Nein er war nicht dort." „Habt ihr denn überall herumgefragt." „Ganz natürlich. Alles schlief und wir sind in jede Hütte gegangen, haben die Leute aufgeweckt und nach dem Kleinen gefragt." „Habt ihr euch auch erkundigt, ob vielleicht der Kleine durchgekommen ist?" „Auch das haben wir getan Es ist heute niemand aus Pacheco hier herum gewesen und auch niemand aus der hiesigen Gegend dort vorbei gekommen. Di« Hunde würden gelärmt haben, wenn da jemand in der Nacht durchgeritten wäre." „Und auf dem Wege?" „Auf dem Wege war keine frische Spur wir haben ab- geleuchtet. In der Richtung nach Pacheco sind die nicht geritten." Die redende Gruppe kommt näher heran, bis sie im Licht der Laterne steht. Das Gespräch ebbt ab, weil man nichts mehr zu fragen weiß. Die Garza steht auf von ihrem Sitz und sieht auf den Eseltreiber, der seine Augen verlegen von einem zum anderen wandern läßt. Er will jetzt etwas zur Garza sagen. Aber in diesem Augenblick setzt sie sich wieder. Sie weiß es schon. Und der Eseltreiber wendet sich langsam um und hat einen Ausdruck mi Gesicht, als ob er am Tode oder wenigstens am Verschwinden des Kleinen schuld wäre. Erst als er ganz aus dem Gesichtskreis der Frau heraus ist, sich zwischen eine Gruppe von Männern gemischt hat und«ine Zigarette raucht, fühlt er sich wieder wohler. Ich gehe zur Brücke, wo ein Indianer weiter mit der Stange tastet, während«in anderer dicht neben ihm auf der Brücke kniet und mit einer Laterne immer da ins Wasser leuchtet, wo der andere mit der Siange hineinfühlt. Da mit einem Male läßt der Mann die Stange auf dem Grund«, dreht sich um, sieht mich mit großen Augen an und sagt halblaut:„Senjor, ich habe ihn. Da fühlen Sie selbst." „Seien Sie ganz ruhig, Perez," gebe ich zur Antwort, „sonst haben wir gleich alle Leute hier und wir können nichts tun. Wir wollen erst durchaus sicher sein. Halten Sie die Stange ruhig an der Stelle" Ich trete nun dicht an seine Seite und nehme ihm die Stange behutsam ab. Ich taste am Grunde und fühle in der Tat etwas, das ein menschlicher oder tierischer Körper sein könnte. Vorsichtig, um den Grund nicht aufzurühren und den Körper vielleicht fortschwemmen zu lassen, hebe ich die Stange und führe sie leise suchend wieder nach unten, um das Gefühl voll in die Fingerspitzen zu lenken. Und wieder fühle ich den Körper. „Na?" fragt Perez. „Sicher bin ich noch nicht," erwidere ich. Ich taste nun weiter, ob dieser Fund auch die Ausdehnung eines menschlichen Körpers hat, denn bis jetzt haben wir ja nur einen Ballen, der die Brust oder der Unterleib fein kann oder der Oberschenkel. Aber der Fund hat keine Ausdehnung in der Länge, sondern die Ausdehnung geht gleichmäßig nach jeder Richtung und nach langem geduldigen Abfühlen komme ich zur Ueberzeugung, daß der vermeintliche Körper«in ver- fandeter Ballen Gras oder dünner Strauchast ist, der sich dort unten irgendwie festgehakt hat. Was immer es auch sein mag, der Körper eines Kindes ist es nicht. Perez sieht ein, daß er sich geirrt hatte. Er gibt jetzt auch aus, fetzt sich auf die Brücke und dreht sich eine Zigarette. Nach einer Weile gehen wir zur Pumpe und die Pump- Meisterin bietet uns Kaffee an, Bohnen und Tortillas; denn inzwischen waren die Männer an die Reihe gekommen. Kaffee trinken zu dürfen. Der Kaffee steht in den fünf Tassen ein- gegossen auf einem hölzernen Gegenstand, den die Pumv- Meisterin ihren Küchentisch nennt. Wer von den Männern Durst auf Kaffee empfindet, kommt heran und nimmt sich «ine Tasse, schüttet Zucker hinein und wenn er sie ganz oder halb ausgetrunken hat, stellt er sie wieder auf das Brett. damit ein anderer trinken kann. Auf Frijoles und Tortillas habe ich keinen Appetit, dagegen tut der Schluck Kaffee mir so wohl, daß die Pumpmeisterin mir das Behagen ansieht und lächelnd fragt:„Mas?" Da ich sehe, daß drei volle Tassen unberührt dastehen und die Männer offenbar alle schon getrunken haben in der Zeit, während ich mit Perez an der Brücke fischte, kann ich dem Angebot nicht widerstehen, wofür mich die Pumpmeisterin dankbar anblickt, daß ich ihren Kaffee für so gut befinde. (Fortsetzung folgt.) stanz stattfinden. Herr von Widdern hatte sich jedoch eines besseren besonnen. Was bedeuten schließlich lumpige zweihundert Mark: so- viel ist das Vergnügen einer Repudlikbcschiinpjung letzten Endes dach wert. So zog er im letzten Augenblick seine Bcnisttng zurück. Die Gerichtsverhandlung wurde aufgehoben. Drohender �auseinfturz. Gefährdete Fundamente in der Prinzenstrahe. Di? Un.Iertunnelungsarbeitcn für die im Bau befindliche Schnell- bahn Gesundbrunnen— R e.u k ö l l n in der Prinzenstraße find anscheinend vom Glück wenig begünstigt, wie erinnerlich, geriet am 12. Mär; das Grundstück Prinzen st raße ZZ infolge eines gewalligen Wasserrohrbruches, der die haussundamenls unterspülte, in Einsturzgefahr. Nur unter großen Zlnsirengungen gelang es damals, das gefährdete Haus zu sichern. Einige hundert Meter von dieser Stelle entfernt, an der Ecke der Prinzen- und Stallschreiberstraße. ereignete sich gestern nachmittag ein ähnlicher Fall. Gegen 4 Uhr nachmittags gaben die Fundamente des vierstöckigen Miels Hauses Prinzen st raße 8 1, das von zirka 25 bis ZO Mielsparlei cn b e w o hn l i st, nach. ?m Mauerwerk mochten sich starke Risse bemerkbar. Kur; vor L Uhr abends senkten sich noch mehrere haussundamente in derart bedrohlicher Weise, daß sofort die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Eine große Schaufensterscheibe einer tzulsirma blaßte und zersprang klirrend. Da die Polizei wegen der drohenden Einsturzgesahr für das Leben der Bewohner ernste Befürchtungen hegte, wurde die Räumung des ganzen Hauses angc- ordnet. Folgende Einzelheiten werden noch bekannt: Der acht Meter tiefe T» n l: e l s ch a ch t der im Vau befindlichen Schnellbalm erfährt vor den, Grundstück Prinzenstraße 81 wegen des dort projektierten Bahnhofs Moritzplatz eine besondere Verbreiterung und grenzt on dieser stelle unmittelbar an die Jundanrente der Häuser. Gestern nachmittag gegen 4 lihr nahm der Inhaber des .Hutgeschästes Gebrüder Gutmann, der zugleich Mitbesitzer des Hauses ist, ein verdächtiges Knirschen i nr Mauerwerk wahr und stcllie nninUtelbar darauf fest, daß sich ein Teil der Ecke um mehrere Zenlimelcr gesenkt hatte. Er benachrichtigte sofort die Bau- Icitung. Gegen bifi Uhr machte sich eine weitere Senkung >> e in? r t b a r, die Fassade zeigte Risse und eine große Fenster. scheide zersprang laut klirrend. Jetzt wurde sofort die Feuerwehr und die Polizei benachrichtigt. Die Ecke hatte sich um etwa Ist bis 1 ö Zentimeter geneigt und man befürchtete, daß sie sich noch weiter senken würde. Zunächst wurde das ganze.Haus geräumt und der Straßenabschnitt Prinzen- straße zwischen Moritzplatz und Sebastianstraße für de» Veikehr gesperrt. Vor allen Dinge» kam es darauf an, ein weiteres Nachgeben der Fundamente zu oerhindern. Eine Arbeitskolonne führte Beton in Loren heran und füllte die Lustschächte an den gefährdeten Stelleu aus. Im Verlauf der Arbeite» erschien der Berliner Polizeipräsident Gen. Zörgiebel persönlich au der Unfallstelle. Es wird vermutet, daß die Tiefe des T u n n e l s ch a ch t c s, die 8 Meter betragen soll, an der Unglücksstätte um etwa äst— 60 Zentimeter überschritten worden ist, so daß die Fundamente jeglichen Haltes beraubt wurden. Von anderer Seile wird als Ursache die heute varmittag von der B.ii-leitung vorgenommene U» t e r f a n g u n g des Hauses, so- wie die in letzter Zeit erfolgte Kabelverlegung angenommen Der �Levollmächtigte öer phönix-�S." . 2*4 Jahr Zuchthnus für einen Akticnfälsrhcr. Vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlottenburg begann «rn Montag der große Aktiensälschungsprozeß gegen den Konditor Günther I a c o b y, der auf besonders raffinierte Art sür 8 Millionen Mark gesälschtc Aktien der Phänix-Verg- bau A.-G. und der Deutsch-Luxemburgischeu Bergwerks A.-G. an ein ausländisches Konsortium z» verkaufen versucht hatte. Bei den Vorbereitungen war er aber bercsts von der Berliner Kriminalpolizei abgefaßt worden. Günther Iaeoby, der zugleich mit dem Avusmann Arno A n c- müllcr und dem Einrichter Emil G l u d n u s als seinen Ge- Hillen wegen Falschmünzerei angeklagt ist, war schau in dem großen Aktiensälschungsprozeß gegen den Baron Rosner o. Bluinentbal und Genossen nütnngeklagt. In diesem Prozeß spielte sein Bruder W e r n e r Iaeoby eine Hauptrolle und wurde auch zu hoher Strafe oerurteilt. Damols war durch belieheiic Aktienpakete bekanntlich die F ü r st e u w a l d e r Sparkasse um 8 ö st st st st Mark betrogen worden. Günther Iaeoby wurde aber allein freigesprochen. Bald nach der Freilassung scheint Günther Iacaby aber von dein Verlangen beseelt gewesen zu sein, den Besähigungs- Nachweis zu erbringen, daß er ein ebenso geschickter A k t i e ii s ä l s ch e r ist wie sein Bruder. Genau nach dein alten Rezept oersuchte er einen neuen Fälschungstrick. Nachdezn der Versuch mißlungen war, in Berlin einen Drucker zu finden, wandte er sich nach c a o I f e l f) in Thüringen. Dort stieg er in dem eisten holet nnter dem Namen eines Freiherrn„n. Roy" ab und be> stellte einen Buchdruckereibesitzer zu sich ins Hotel. Er gab sich als B e o o l l m ä ch t i g t e r der Phönix A.-G. aus und legte ein rarzüglieh gearbeitetes Altieuklischee vor. Der Auftrag lautete auf 8 st st st A ktieu zu je 10 000 Mark. Der Buchdrucker war über den Auftrag sehr erfreut und brachte Korrekturabzüge nach einem Hotel Unter den Linden in Berlin. Nunmehr übergab der angebliche Freiherr v. Roy dem Drucker einen Gepäckschein über die auf dem Anhalter Bahnhof in Verwahrung gegebenen Papiermengen. Dieser Umstand erschien dem Buchdrucker doch verdächtig, und auf eine An- frage bei der Generaldirektion der Phönix A.-G. erhielt er umgehend telegraphisch den Bescheid, daß alles Schwindel sei. Als der falsche Freiherr in Saalscld sich bemühte, den Drucker zu beruhigen, erschien plötzlich Kriminalkommissar Seifert aus Berlin auf der Bildfläche und verhastete den„Baron", der sich als der alte Bekannte aus dem ersten großen Aktiensälschungsprozeß. nämlich als der Konditor Günther Iaeoby, entpuppte. Der Angeklagte Iaeoby suchte dem Gericht ein merkwürdiges Märchen von dem Druckauftrag eines Franzosen namens Victor Pierre aufzubinde». Es sollte sich angeblich um den Druck von R e k l a m e b l ü t c n sür ein französisches BanklMUs zur Kunden- Werbung handeln. Er bchauptsie, auch in dem ersten großen Aktien- sälschunosprozeß von den anderen nur als Werkzeug verwendet morden zu fein und auch heute noch nichts von Aktienfälschungen zu missen. Nach dem Gutachten des Oberregierungsrots Dr. Stange von der Reichsdruckerei handelte es sich bei dem Fälschungsversuch des Angeklagten um ganz raffiniert bis ins kleinste durchgeführte Nochohmungen der Industriitpapicre. Das Gericht verurteilte Günther Iaeoby zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und .8 Iahren Ehrverlust, von denen ihm lst Monate angerechnet werden. Der wegen Beihiise angeklagte Anemüller erhielt 6 Monat« Gefängnis, von denen ihm 4 Monate angerechnet wurden. Für den Rest non 2 Monaten erhielt er Bewährungsfrist. Der Angeklagte Gludaus wurde freigesprochen. Ferienwanderungen der Naturfreunde. Zu den Ferienwande- rungen der Notursreunde können sich noch einige Teilnehmer melden, und zwar nach dem Schwarzwald vom 25. Juni bis Ist. Juli bei Franz M a s p f u h l, Brüsseler Straße 14: durch Voraelberg— Tirol - Oberbayern vom 28. Juli bis 7. August bei Karl Kistner, SW 20. Gneisenaustraße 25: durch die Sächsische Schweiz vom ?4. Juli bis 3l. Juli, und durch das Berchtesgadener, Salzburgsr und Tiroler Land vom 13. August bis 28. August bei Richard Walter, Neukölln, Siegsriedstraße 55. Majewski öer Deutsche. Drei Monate Gefängnis für ein Gedicht. Ein deutsch-oölkischer Schriststeller und Agitator, mit dem wirk- lich echt deutschen Namen Majewski, der sich auch„Lauterer" nennt, und sich den Titel„Schmied des Nibelungen- ring es" beigelegt hat, mußte sich vor dem Erweiterten Schoffeil- gericht Chnrlottenburg unter dem Vorsitz des Landasrichtsdirektor? Tölke wegen Gotteslästerung und Aufreizung zum Klasicnhaß ocr- antworten. Majewski hatte ein Gedicht verfaßt, das er im Gegensatz zum sozialistischen Kampflied„Die Nationale" nannte. In diesem hatte er von„Satan Jahwe" gesprochen und die Aus- forderuug an das deutsche Volk gerichtet, Iuda auszurotten und die Juden ins Welten mcer zu jagen. Der Central- Berein Deutscher Slaatsbllrger jüdischen Glaubens hatte gegen Majewski Slrasantrag gestellt. Zu Begin» der Verhandlung lehnte Majewski eine jüdisch« Schoffin ab und beantragte die Zuziehung eines Ersatzschösfen. Das Gericht erkannte nach kurzer Beratung auf Ablehnung dieses Antrages. Majewski verteidigte sich mit der Behauptung, da der Gott der Juden mit dem Gott der Christen in keiner Weise identisch sei, vielmehr sei der Judengott, als Gott des h a s sc s. der Gegensatz des Chrisiengottes, des Gottes der Liebe, so daß also mit Rcchl vom„Satan Jahwe" gesprochen werden könnte. Ferner bestritt er, verschiedene Klassen der Be- völkerung gegeneinander aufgehetzt zu haben. Es gäbe keine Klassen, sondern nur Rassen. Majewski führte aus, daß der jüdisch« S t a in in aus einer s o d a in i t i s ch e n Verbindung entsprungen sei, also aus Würdigung als Menschen keinen Anspruch erheben könne. Der Staatsanwalt beantragte, da vor Jahresfrist gegen Ma- jewski eine Geldstrafe wegen eines ähnlichen Vergehens schon ein- mal verhängt war, ahne daß der Angeklagte sich dies zu herzen genommen hätte, eine G e f ä n g n i s st r a s e v o n 3 Monaten. Das Gericht erkannte nach kurzer Beratung dem Antrage des Staats- anwalts entsprechend. Sem Leben eines Siebzigjährigen. Am 31. Mai vollendet unser Genosse August hintze, jetzt Stadtrat a. D., sein siebzigstes Lebensjahr. Er ist einer von den Alten, deren Leben mit der B e r l i n e r A r b c i t e r- u n d Parleibewegung eng verbunden ist. August hintze wurde am 31. Mai 1857 zu Zerrenthin(Kreis Prenzlau) geboren, aber seine Kindheit verbrachte er in Pasewalk, wohin seine Eltern verzogen. Als sein Bater, ein Schuhmacher in bescheidenen Verhältnisse», 1866 an der Cholera starb, hinterließ er die Witwe mit süns Kindern. August besuchte die Volksschule, wurde zur höheren Bürgerschule als Freischüler zugelassen und durchlief sie bis zur ersten Klasse. Knapp dreizehn Jahre alt und noch als Schüler(!) kam er in die Lehre zu einem Pose- walker Kaufmann, bei dein er die unlerrichtssreien Tagesstunden hinter dem Ladentisch zubrachte. Leicht war die Lehre nicht, denn im Sommer mußte der Laden schon früh um 4 Uhr geöffnet werden. Im Jahre 1873 ging hintze nach Berlin zu seinem ältesten Bruder als Komniis mit 80 Talern Iahresgchalt uebst Koit und Logis. In Berlin besuchte der junge hintze drei Jahre eine Fort- bildungeschule, um sich weiterzubilden. Er begann aiich, sich um das össentlichc Leben zu kümmern. Als Zwanzigjähriger Härte er den alten Demmler, auch Most und hosenclever, i/nd diese gewannen ihn sür die Bestrebungen der Sozialdemokratie. Aber die Agi- tatian sür die Partei wurde von 1878 ab durch das Sozialistengesetz unterbunden, hintze beteiligt? sich an den damaligen Versuchen derhandelsangestellten.ihreLagezu verbessern. Er wurde Mitglied des unter Karl Rosenthal entstandenen Komitees für Sonntagsrube im Handelsgewerbe und 1883 Mitbegründer einer Freien Organisation jünger' Kaufleute. Das in großen Angestellten- »ersainmllmqen vorgetragene Programm enthielt u. a. Geholtssrage, Kündigungsfrist, Arbeitszeit, Sonntagsruhe, Lehrlingswesen, Stellenvermittlung, Hilfe sür Kranke und Invalide, Versicherung für Stellungslose. Die von Roseulhal, Friedrichs und Hintze geleitete Organisätiv» berief 1884 nach Berlin einen Kongreß kaufmännischer Verein? ein. Sie wurde aber sehr bald als sozialdemokratische Gründung bekämpft, durch immer wiederholte Persammliingsauf- läsungen in ihrer Werbearbeit behindert und mußte 1887 sich selber auflösen Neben der gewerkschaftlichen Tätigkeit hintzes stand seine stille Arbeit sür die Partei. Schon Ende 1883 kam er bei der Aaitatian zu den Stadtverordnetenwahlcn in Berührung mit Paul Singer und Ferdinand Ewald, die zu den ersten fünf in das Rathaus einziehenden Sozialdemokraten gehörten. Der Fall des Sozialistengesetzes bracbte auch für die Gewerk- ichastsbewequng wieder mehr Freiheit, hintze, Pen», Albert KoHn, Auerbach, Lispmann und andere riefen die F r e i e B e r e i n i g u n g der Kaufleuie ins Leben, die die alten Forderungen wieder aufnahm. Es ist mkl auf die Arbeit dieser Vorkämpfer zurück- zuführen, daß die Regelung der Sonntagsruhe in Gang kam und später auch die Arbeitszeit durch Ladensch lußfe st setzung geregelt wurde. In der Sozialdemokratischen Partei tun. Der Sonntag brachte einen heiteren Abend mit recht an- genehmem Programm. Manuel Romeos Taugokapelle gab temperamentvolle Tanzmusik, die Sopranistin Edith Karin sang nicht eben stimmgewaltig, doch lieb und nett einige musikalische harmlosig- leiten, und der Bariton Hermann Blaß betonte in seinen Borträgen seine Operetteuherkunft. Amüsant produzierten sich Sola Lewitsch und Adam Gelbtrunk mit pianistischeii scherzen. Paul Graetz, der iür den verhinderten Hermann Böttcher einsprang, war mit seinen Rezitationen der Clou des Abends, obwohl seine allmählich recht oernachlässigte Sprechtechnit stört, sobald er aus dem Berliner Dialekt ins hochdetitsche gleitet. Graetz, der nicht nur ein aus- gezeichneter Bühnenkünstler, sondern auch«in trefflicher Rezitator ist, sollte hierin für Reparatur sorgen. Unter den Verträgen des Sonntags sprach Dr. Alfred Weise über„Wochenende— Lebens- wende". Seine Vorschläge sür eine sinnoolle Gestaltung des Wochenendes, so daß es allen Mitgliedern der Familie wir�l-che Erholung vom Alltag und Kraft jur die neue Arb'eitswoche gibt, waren beachtenswert. In der M ä r ch e n st u n d e zeigte sich wieder, daß wirkliche Märchentanten oder Märchenprinzessinnen sehr selten sind. Käthe haack entwickelte wenig Neigung zu diesem Berus. In der Absicht, die kindliche Art zu treffen, las sie übernuanciert und mit einem verstimmend kläglichen Tonfall. Kinder wollen aber Ge- schichte» mit froher großzügiger Schlichtheit vorgetragen haben, damit ihnen auch noch etwas hineinzudenken übrig bHbi. Der Montag bot am Nachmittag italienische Lieder, klangvoll von Eugen Transky gelungen, und italienische Novelle>, sür die Wolfgang Zilzer sich als geeigneter Interpret erwies Eine feine psychologische Studie von Pirandello, aus ähnlichem Stoff wie sein Theaterstück von den„Sechs Personen", war mir vergönn'., während das Werk von Massimo Bontempell, ein Rückkoppler fortfing Ueber Entstehung und Verbreitung der Hauskrankheiten sprach Dr. med. Walter Kran. Sehr genußreich uird voll plastischer Lebendigtest war Dr. Max O s b o r n s Vortrag über„Giotto" Da» schwere Kunststück, anschaulich und volkstümlich ohne unterstützendes Bilder- Material über einen bildenden Künstler zu sprechen war mit diesen Ausführungen aufs glücklichste vollbracht. Ministerialrat Dr. med. Alfred Bei er entwickelte in öer Vortragsreihe„Vernunft und Glück" eine einleuchtende Theorie des Glückes und gab anschließend Denksportaufgaben. Ein Gartenkonzert des Wolfffchen Konzert- orchesters beschloß den Tog. erwarb hintze sich bald das Vertrauen der Genoffen, so daß man ihm w i ch t i g e A e m t e r übertrug. 189g wurde er Vertrauensmann im damaligen Reichstagswahlkreis Berlin VI. Aus den Parteitagen in Lübeck 1901 und in Jena 1911 war er Delegierter. In der Ge- werkschoitskommission war er Vertreter der Handlungsgehilfen. Er saß im Gewerbegericht und später im Kaufmannsgericht. Im 6. Kreis übernahm er die Leitung der„Vorwarts"-Spedition. Später�folgte die llcbernahmc der Speditionen Groh-Berlius unter der Firma A. hintze u. Co. Auch der Neunerkommissioii gehörte er au. Zum Stadtverordneten wurde Genosse hintze 1899 ge- wählt. Er widmete sich besonders den Arbeitersragen und den Wohl- sahrtssrogen. Nach der Revolution zog er in den Magistrat ein. Er wurde 1919 unbesoldeter Stadtrat und 1920 besoldeter Stadtrat. Ihm übertrug man das Wahlsah rtswesen, das gerad? nach dem Kriege eine sehr sdzwierige Ausgabe war. Dem Abbau von Stadträten mußte aud> hintze wegen seines Alters zum Opfer fallen. Als Siebenundsechzigjähriger schied er 1924 aus dem Magistrat, und er wurde dann zum Stadtältesten ernannt. Im Bezirk Wedding, wa man ihn sosort zum Bürgerdeputierten wählte, fand er die Möglichkeit weiterer Betätigung im Wvhlsahrtswesen und im Gesundheitswesen. Der Unermüdliche nahm auch in der Partei- vrzanisatian seine Arbeit als Funktionär der 19. Abteilung wieder auf. Unser Genosse August hintze darf mit Befriedigung aus seine Lebensarbeit zurückblicken. Der� Erfolg hat ihr nicht gefehlt. Die handelsongesteilten werden des Führers aus den Ansängen ihrer Bewegung an seinem siebzigsten Geburtstage in besonderer Wärme gedenken, herzliäie Glückwünsche dem alten Kämpfer!_ Gemeindevcrtreterwahlen in Falkcnscc. Bei den Wahlen zur Gemeindevertretung in F a l k e n s e e bei Spandau, die durch die Eingemeindung des früheren Gutsbezirkes Seegefeld notwendig geworden waren und am Sonntag staltfonden, erhielt die Sozialdemokratische Partei in den acht Stimmbezirken insgesamt 1254 Stimmen. Ihr fallen demnach in der 18 Mandate zählenden Gemeindevertretung sechs S> tz e zu. Demokraten und K o m m u n i st e n erhalten j e einen Sitz. Den acht Mandaten der Linken stehen zehn M a n- dale der bürgerlichen Barteien gegenüber. Die Wohl- beteiligung betrug 64 Proz. Diese Wahlen sind für den Kreis Osthavelland von besonderer Bedutuna. da Falkensee mit über 9000 Einwohnern jetzt die gräjzte Landgemeinde Preußens ist. Der Erfolg der Sozialdemokratie in dieser stark deuischnationolcn-völkisch-mittelständlerischen Bevölkerung ist außerordentlidi beachtenswert. Cin italienischer Toldatenfricdhof. Die italienische Regierung hat zwei Morgen Land vom Stahnsdorfer Friedhof zur Bestattung ihrer im Weltkriege in deutscher Gefangenschast verstorbenen Soldaten erworben. Am Montag fand" eine Massenbestattung oon 58 italienischen Soldaten statt. Im ganzen sind auf den Friedhof, der den Namen„Italienischer h e l d e n f r i e d h o s" führt, bis jetzt 1 3 6 0 S o l d a l e n b e st a t t e t worden. Der Friedhos hat aber für 1 800 Gräber Raum. Die Gedenksteine, die aus italienischem Marmor hergestellt werden, werden platt über die Gräber gelegt. In die Mitte des Friedhofes kommt ein Riesen- gedenk st ein, vor dem 40 Offiziere ihren letzten Ruheplatz finden werden. Im Gegensatz zur englischen Regierung, die englische Arbeiter zur Anlegung des Friedhofes verwandt hat. läßr d-s italienische Regierung ihren Friedhof ausschließlich von deutschen Arbeitern ausführen. Im nächsten Jahr soll dieser Friedhof oon röinisdzen Geistlichen gesegnet werden. Der Kölner Prozeß Sroecker. Ein Arzt und scinc Freundin unter Mordanklage- Gestern vormittag begann vor dem Kölner Schwür- gericht der mit Spannung erwartete Prozeß gegen den des Mordes angeklagten Arzt Dr. B r o e ck e r und die der Anstiftung und Bei- Hilfe angeschuldigte Emilie O b e r r e u t e r. Dr. Broecker war seit längerer Zeit Hausarzt bei dem Eisenbahnarchitekten Oberreuter ge> wesen und stand zu der Gattin Oberreuters in nahen sreundjchait- liehen Beziehungen, die sich durch die anhaltenden Klagen der jungen Frau über ihre unglückliche Ehe noch inniger gestalteten. Als nun Oberreuter au Grippe erkrankte, stellten sich bei dem Patienten sehr bald starke h e r z a s s e k t i a n e n ein, von denen die An- klage behauptet, daß sie von Dr. Broecker durch Digitalis- e i ü s p r> tz ii u g e n mit Absicht herbeigsührt wären, um den Gatten seiner Freundin umzubringen. Nachdem Obcrreuter ins Kölner Marienhospital iiberiührt worden war, besuchte ihn Dr. Broecker auch weiterhin. Plötzlich starb der Architekt, und bei der Obduktion der Leiche wurde einwondsrei eine übermäßig st arte Oueckiilberein spritz ung als Todesursache sestgestcllt. Dr. Broecker entfloh mit der Witwe Oberreuters nach Holland, wo be-de nach mehreren Monaten oerhaftet wurden. Bei der gestrigen Vernehmung vor dem Kölner Schwurgericht gab Dr. Broecker, wie auch schon oorher, zu, die fragliche Injektion gemaäst zu haben, be st ritt aber jede Tötungsabsicht. Auch Frau Oberreuter ist nicht g e st ä n d i g. Die Staatsanwalt- sd>ost ist also aus den Indizienbeweis angewiesen. Schwere Nntonnfälle. Auf der Rückfahrt von dem Provinziolseuerwehrtag in Kreuz- nach fuhr nachts gegen 31'» Uhr ein Kraftomnibus aus dein Kreise Heinsberg mit 36 Feuerwehrleuten aus der Provinzinl- landstraße bei Stommeln gegen einen Baum. Der Omnibus wurde völlig zertrümmert und alle Insassen ver- letzt. Der Wagenführer und vier Schwerverletzte fanden im Stommelner Krankenhanse Aufnahme.— Die handballmann» s ch a f t des Werse burger Polizeisportvercins verun- glückte auf ihrer Rückkehr von einem Wettspiel zwischen Leipzig und Merseburg. Kurz vor W a l l e n d 0 r f rannte das Auto in der Nacht auf der Strohe gegen einen Steinhaufen, wodurch der Führer die herrjdiaft über das Steuer verlor. Der Wagen, auf dem sich 15 Personen befanden, siel 4 Meter tief die Böschung hinab. Drei Beamte wurden schwer, mehrere leicht verletzt. parteinachrichten Kmjendungev für diese Ruürit sind Verliv DW 68, Lindevitraße Z, für Groß-öerlin ficts un da» Pez!rk»iekrc:ariot. 2.»oi, t Tics, recht»,»u richlea. 1. tteei, Mitte. Mittwach, I. Juni, 20 Uk>r, Sitzung des erweiterten Krei»- Vorstandes bei?obrohlaw, Ewinemllndcr Str. II. Z. Zlrri» Webding. Mittwoch, I. Juni, IS'-j Uhr, Mitgliederver»_ £| tammlnng im Kleinen Pharnsfaal, Mllllerstr. 142. Togesordnuna:% D Bericht vom Parteitag in Siel. Berichterstatter siritz Siefer. Alle M Genosfinnen und Genoffen des Kreises milffen unbedingt erscheinen. M Kreis Friedrichshain. Mittwoch, 1. Juni, 19 Uhr, Pezirksversainm lung in ~■--— laßlarten ab 18% Uhr Dein im Zialhaus, Stadtvcrordncicnsitzungssaal. Einlatzlarten ab 18� Uhr beim Genoffen Fischer, Spandaucr Straße.— Achtung! Freitag, 3. Juni, 19 Uhr, Sitzung des engeren Kreisvorstandcs mit sämtlichen Abtritungs- leitern in den Comeniusfölen, Memelcr Str. 8", Dereinszimmer. Kreis Schöaeberg-Friedenair. Mittwoch, 1. Juni, 29 Uhr, bei König, Feurig», Ecke Prini-Georg-Stratze, Sitzung de» Kreisvorstande» mit den Abteilungsleitern, der Sozialistischen Arbeiterjugend, den K!nderfrcund.-n und Iungsozialistcn.— Achtung! Um 19'« Uhr im gleichen Lokal Sitzung de, engeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern. Niemand darf fehlen. Are!» Tempelhof. Freitag. 2. Juni. 19tb Uhr. Sitzung des Krcisbildungs» auzschuffcs bei Niendorf. Maricndorf, Chausseestr. 19, heute, Dienstag. ZI. Mai: 98. Abt. Eharlottenburg. Die für heute angefetzte Mitgliederversammlung fällt au». Dafür beteiligen sich die Funktionäre on der allgemeinen Funktloaär- Versammlung im Lehrcrverein»haus. 11. 18. 42. 47. 74. 78. 82. 83. 84. 104. 138, w Morgen. Mittwoch, 1. Iuni: Abt. 20 Ufjt Abrechnung der Bezirksführer bei Höhlte, Bergmannftr. 69. Aot. 19�2 Uhr bei Nowack, Manteuffelstr. 9, Mitgliederversammlung. Bericht vom Parteitag in Kiel. Berichterstatter Hermann Scyweikardl. Diskussion. Verschiedenes. Abt. Zehlendorf. 20 Uhr bei Mickley, Potsdamer Str. 25, wichtige Funk- tiouärsitzung. Erscheinen dringend erforderlich. Adr. Schöuevcrg. 20 Uhr bei Rosenthal, Ebcrsstr. 66, Abteilungsver» sammlung. Vortrag:„Konkordat und Kulturrcaktion." Referent Dr. Kurt Löwenftein, M. ö, R.— Ächtung! Die Funktionäre der Abteilung treffen sich bereits um 19 Uhr bei Roienthal zu einer Besprechung. Die turnus- mäßige am 2. Juni stattfindende Funktionärsitzung fällt somit aus. Abt. Steglitz. 20 Uhr im Lokal Seelig, Bismarckstr. 65, Funktionärsitzung. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Abt. Lichterfelde. 20 Uhr im Lokal Kattum, Bäkestr. 7, Mitgliederver. sammlung. Portrag:„Arbeitslosigkeit und Rationalisierung." Referent Kurt Heinig, M. d. R. Parteianaelegenheiten. Abt. Lankwitz. 20 Uhr bei Lehmann. Kaiser-Wilhelm-Str. 29—31, Funk- t onärsitzung.— Achtung! Die VorkwudsmÜglieder treffen sich bereits um 19 Uhr im gleichen Lokal. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. Abt. Niederschöneweide. ISI? Uhr bei 9'hiele, Berliner Str. 38, Sitzung sämtlicher Funktionäre. Niemand darf fehlen. Abt. Köpenick. 19'4 Uhr bei Fiebach, Müggelheimer Str. 1, Vorstands- sitzung mit sämtlichen Bezirksfuhrern. 139. Abt. Tegel, Heiligensee, Siedlung am Bahnhof Heiligcnsee, � Schultendorf. 20 Uhr im Lokal Hühnert in Echulzendorf Mitglieder- -Z Versammlung. Bortrag:„Die Hausznissteuer." Referent Ernst Rüben. m Alle Genossinnen und Genossen müssen wegen der wichtigen Tagesord- D nnng unbedingt erscheinen.„Vorwärts".Leser und Sympathisierende sind herzlichst eingeladen. Arauenveranstallungen. 16. Abt. 19% Uhr im Lokal Krüger.. Borrrag:„Heinrich Heine und unsere Zeit." Gäste sind herzlichst willkommen. str. 34, Ecke Echeringstraße, Vortragender Erich Fraenkel. Inngsozwlisien. Heute. Dienstag, Zl. Mai: Srappe Sicioattcn: 20 Uhr bei TrUmpcr. fflensburger Gtr. 3. T'islusstons. i�rnh.■äitic Gknoislnurn und Genossen werden gebeten, tiestimmt zu er. scheinen.— Gruppe Lichtenberg: 20 Uhr im Jugendheim Parkaue 7—10 Vor. trag:„Ter Kieler Parteitag". Referent Franz Lepinjü, Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Helfervrrsammlnng für Groß-Berliu am Mittwoch, 1. Juni. 19% Uhr, im Jugendheim Lindeustr. 3. Tagesordnung: 1. Ist sozialistische Erziehung in den Gruppen der heutigen Gesellschaft nötig(als Arbeitsgemeinschaft)? 2. Beriäit von der Kieler Sitzung der Reichsarbeitsgemeinschaft. 3. Verschiedenes. Er- scheinen aller Helfer ist Pflicht. Kissingenstraße, pünktlich 6 Uhr. Sonnabend, 1. Juni. Beginn der'Pfingst- nanbenmgjtcch Fürstenwalde.— Gruppe Niederschonhausen: Mittwoch, 1. Juni, 6—8 Uhr. Spielen auf dem Sportplatz Kaiserweg. Donnerstag, 2. Juni, 6 bis 8 Uhr. Pfingstfahrtbefprechung in der Gemeinschaftsschule.(Nur für Teil- nmrT*\ iC e*»i S i CT> r: � 1.« ä dl i'ehmer.) cmninbenb. 4. Juni, 13 Uhr com Bismarckplatz. Pfingstfahrt nach Briosriaug. Abfahrt Sport. Zwei Kenntage der Kütt-flrena. Nachdem Malier Nütt seine leizte Veranstaltung dreimal abbrechen muhte, konnte er am i-onnabendabcnd den sechsten Renntag wirklich abwickeln. Das„Nationale 0 m n i m u m" <»essen Vorläufe bekauntlich Lorenz und 5)ahn am Himmel- sihrtstag als Sieger sahen) brachte nach solgende Resultate: Endlous der Zweiten: 1. Muh Ibach vor Ehmer, Endlaus der Ersten: l. Lorenz vor Hahn. Das ebenfalls zum Omnium gehörende Lv-Runden-Punktefahren ergab für L o- r e n z 13, für Mvhlbach 9, für Hohn 8 und tür Ehmer 4 Punkte. Mit 26 Punkten ging Lorenz im Gesamtklasscment als Sieger b.ervor. 2. Hahn 18, 3. Mühlbach 15 und 4. Ehmer 5 Punkte. Der Breslauer K r o l l m a n n sicherte sich das 7 5- K i l o m e t e r- Einzelfahren. Die„Deutsche M e i l e", die die Amateure auszufahren hatten, gewann S ii hl.— Am Sonntag hatte der Bund. Deutscher Radfahrer die Rijtt-Arena mir Beschlag belegt. Als Mcrbetag war die Veranstaltung gedacht. Das„Om- niuin" brachte drei Wettbewerbe: c>n Malfahren, ein Rundenzeit- fahren und schließlich ein 26-Runden-Punktrfnhren. Alle drei Rennen wurden mit Punktwertung arlsgesahren. Im Endlauf des Mal- f a h r e n s siegte Engel- Köln vor Einsiedel-Dresden, Stesfes-Kölii und Grauc-Berlin. Mit 16 Sekunden fuhr Kühl die beste Rundenzeit iin zweiten Wettbewerb, um auch im 2 9- R u n d e n- Punktefahren die meisten Punkte. zu ergattern. Im(B o- s a m t k l o s I c m s n t belegte Kühl den Siegerplatz vor Engel, Stesses und Kraue. Im Z w e i st u n d e n in a n n s ch a f t s- fahren dominierten Völtz-Carpus(Stettin), die kurz vor Be- cndigung das ganze Feld erschütterten. Die Stettincr bedeckten in zwei Stunden 80,759 Kilometer.— Erwähnt sei noch das Vor- gobefahren, das mit einem Siege Spiel manns(200 Meter Borgab«) endete. Sozialistisiher Erziehertag in Kiel. Richtlinien für den Kampf um die weltliche Schule. Am Freitag fand im Kieler Gewerkschaftshaus im Anschluß an den Parteitag der Sozialistische Erziehertag der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer statt. Die Tagung stand wesentlich unter dem Eindruck der Parieitaqsbeschlüss« zur Frage des Kampfes um die Schulgesetzgebung. Als Thema war den beiden Rednern, Kurt Löwen st ein und Hilde Wegscheider, gestellt:„Der Erziehungsgedanke des Sozialismus im Kampf gegen die Kulturreaktion". Vor Eintritt in die beiden Referate begrüßte Heinrich Schulz im Namen des Parteioorstandes den Erziehertag. Dann sührte Genosse Kurt Löwenftein etwa folgendes aus: Wir als Sozialisten haben nicht nur den Willen zur ÄAacht im Staat, sondern auch zur Macht in der Gesell- s ch a f l. Darum erhebt sich für uns die Forderung nach einem sozialistischen Erziehungsgedanken, und wir müssen uns daran fest- klammern, daß dieser Erziehungsgedanke ein allgemein- gültiger zu sein hat. Den Anspruch wird auch die aus diesem Gedanken entspringende Schule erheben können. Der weltliche Schulgadanke verfolgt nichts anderes als Vorbereitung des Kindes auf das gesellschaftliche Leben. Das ist ein konstruierter oder er- fundener Gedanke, sondern einer, der sich aus der Wirklichkeit ergibt. Aus sozialen Gedanken heraus ist es uns unerträglich, daß ein Bildungsprivileg besteht. Wir sind uns darüber klar, daß dies Bildungsprivileg erst beseitigt sein kann, wenn die Klassenscheidung aufgehört hat zu existieren. Darum muß beides nebeneinander beseitigt werden." Unser demokratisches und sozialistisches, unser weltliches Wollen ist wesensverwandt mit der Quelle des religiösen Denkens. Die Urquelle beider Bewegungen ist gleich, aber wesensfremd dem religiösen Gedanken ist unser aktiver Gedanke der Veränderung der Welt. Wenn wir darum den Ruf nach der Weltlichkeit des Schulwesens erheben, dann bedeutet dies« Forderung mehr als ein« Toleranzform. Mit den schon bestehenden weltlichen Schulen haben wir uns einen starken Tvirklichkeitsbau geschaffen. Diese Schulen sind krastzenlren für den Gedanken der weltllchkeit geworden. Darum bringen wir auch in diesen Kampf um die Schulgesetzgebung mehr als ein Traumbild, wir bringen lebendige Gestaltung hinein. Die S i m u l t a n s ch u l e n haben außer in den Simultan- schulländern keinen Wachstumsboden. Oer Gedanke der weltlichen Schule geht viel tiefer, denn er fordert Erziehung zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit und das findet nicht nur bei den Svzialisten Zustimmung. Wir sind Demokraten und sind es mit aller Konsequenz, auch mit der, daß unsere Kinder befähigt werden sollen, wirtschaftliche Selbstverwaltung auszuüben und sich zu wehren gegen wirtschaftliche Unterdrückung. Die heutige Volksschule reicht nicht mehr aus. Daraus ergibt sich, daß wir den Kampf der Reaktion mehr posstiv wie negativ abwehren müssen. Unser Kampf führt zur sozialen Demokratie der Wirt- schaft und der Gesellschaft, zur Demokratie für uns alle. Genossin Hilde Wegscheider: Zum ersten Male haben auf einem Parteitag in so entscheiden- dem Maße Schillfragen zur Beratung gestanden. Wir verdanken das einem gewissen Gegensatz innerhalb der sozialistischen Lehrer- schaft. Aber der Kampf wurde nach einer falschen Seite geführt. Sicherlich ist es kein Gegenstand des Streites, daß wir ein gesamtes Schulwesen neu hinstellen wollen. Wir wollen die alte Dressur- und Autoritätsschule nicht mehr. Wenn nun doch ein Gegensatz auf- getaucht ist, dann ist es der, daß die eine Seite als wesentliche Aufgabe eine große Entzündung des allgemeinen Volksbewuhtseins im Kampfe um das Schulgesetz ansieht. Man greift in diesem Kampf z» dem Gegensatz von der weltlichen und der Konfessions- schule. In dem in Schuldingen musterhasten Wien wird der Schulkampf aber nicht um die Religionsfrage geführt, sondern von unserer Seite unter dem Zeichen" der Einheitlichkeit des Schulwesens. Auch unser Kamps muh um ein einheitliches Schulwesen gehen. Wenn wir nicht energisch für die Schule der Reichsoerfassung kämpfen, dann wird es eine noch größere Zersplitterung geben, als sie init der konfessionellen Schule ohnehin schon da ist. Die bc-iden auf dem Parteitag gesaßten Resolutionen haben kein klares Gesicht. Die erste Resolution verlangt und betont die weltliche Schule, die zweite verlangt Berufung auf die Reichsoersassung mit ihren Paragraphen von der Siinultaiischulc. Es ist unsere Aufgabe, diese beiden Gedanken zusammenzubringen. Wir erschweren die Verwirklichung aller unserer Forderungen, wenn sie nicht unter dem Gedanken der Einheitlichkeit des Schulwesens geführt werden. Nach einer lebhaften Aussprache und Schlußworten der Referenten wurden darauf folgende Resolutionen angenommen: 1. Der sozialistische Crziehertag in Kiel hält es für seine Pflicht, nochmals nachdrücklich vor dem Abschluß von Konlordaten zu warnen, da jedes Konkordat dem Sinne der Reichsverfassung zu- widerläust, und in jedem Falle«ine unserem Kampfe gefährliche Stärkung der Kirche bedeutet. 2. Der sozialistisch« Erziehertag in Kiel begrüßt das klare Ein- treten des Parteitages für die weltliche Schule. Er erwartet von allen parteigenössischen Lehrern, daß sie sich mit aller Krast in den Dienst des Kampfes nm die weltliche Schule stellen. In einem ebenfalls angenommenen Zusatz Hilde Wejjscheiders wird weiter gefordert, daß die Lehrer in diesem Kampfe die Schul- Hoheit des modernen demokratischen Staates und die einheitliche Schulaufsicht dieses Staates im Auge behalten. Nach einer Aufforderung zu stärkerer Mitarbeit und nach dem Gesang der Internationale wurde der Kieler Erziehertag geschlossen. Der erste Beriilsfahrerstort von kühl- wette erfolgt am kommenden Donnerstagabend beim internationalen Z-Stunden-Rcnnen auf der R ll t I- A r c ti a Auf das Abschneiden der jungen Ex-Amateure gegen d ie starken BerusSfahrcrmannschasicn kann man. besonders nach dem siege KühIS am Sonntag über Engel, StesteS, Graue, Einsiedel, Kießlich ustv. sehr gespannt sein. Eine weitere Sensation bringt das lange Nennen mit dem Start des populären Italieners T o n a n i, der mit Lorenz bekannt- sich die beiden Ichien Sechslagerennen am Kaiserdamm und in Dortmund gewann. AIS Partner hatt Nütt ibm den famosen BreSIauer Krollmann gegeben, der am Sonnabend den Sieg im Iv-Meilen-Nennen aus derRüti- Arena gegen erstklassige Gegnerschast errang. Weitere aussichtsreiche Paare find D e w o l f- K o ch und die beliebten Ehmer-Kroschel. „WetidenZchlofz"— Köpenick. In unmittelbarer Nähe, der traditionellen Grünauer Regatta- strecke präsentiert sich jetzt die herrlich gelegene alte Gaststätte „W e n d e n I ch l a ß" Köpenick im neuen Gewand«. Die Stadt Berlin, der das Anwesen gehört, Hot die Baulichkeiten, die stark heruntcrgewirtjchastcl waren, renovieren lassen. Eine hübsche Veranda mit Ausblick auf die Dahme ermöglicht bei schlechtem Wetter angenehmen Aufenthalt. Der Saal, in ruhigen Farben gehalten, ist mit einer eingebauten gut abgetönten Decken- beleuchtisng versehen. Alles in allem dürste die Gaststätte unter der Leitung ihres neuen Pächters Hand II h d e bald wieder zu einem der besuchtesten Plätze werden. Unter de» Motto:„Nicht was du kaust, was du verdaust, gibt dem Körper Kraft, und was an Nährstoff ihm entgeht, hast du zu viel bezahlt!" empfiehlt die„Kokao-Kompagnie Theodor Reichardt. Randsbek bei Hamburg" ihr? nruen ffeinfadrikate. Wir verwrisen unsere Leser aus das heutige ganzseitige Inserat der Firma Reichardt. Eine Reichs-Futzpflegewoche findet vom ,30. Mai bis 4. Juni statt. Im ganzen Reiche werden sich die meisten Apotheken und Drogerien in den Dienst dieser gesunden Idee stellen. Auch hiesige Geschäfte beteiligen sich daran. Die Fusipflege hat grotze Fortschritte gemacht, besonders infolge der Propaganda der Kukirol-Fabrik. Die Propaganda der Kukirof. Fabrik hat mehr erreicht als alle ärztlichen Mahnungen. Deshalb ist die Rrickis-Fusipflegewoche SN jWirklich. .„ Futzpflege geradezu erstaunlich. Perstl jetzt auch«l» Doppelpaket! Sin langgehegter Wunsch der Saussra» ist damit m Erfüllung gegangen. Das schon>n der Vorkriegszeit so beliebt gewesene Persil-Doppelparet lmit dem doppelten Inhalt der normalen Packung) ist Uberall wieder zu haben und kostet nur tzä Pf. Es bietet dem Verbraucher vor allem die beachtenswerte Ersparnis von 5, Pf. gegenüber dem Sauf oon 2 Paketen der bisherigen Pockungsgrötze. Keine-echnende Hausfrau soll's sich die Annehmlichkeit und den Vorteil des Doppelpakets entgehe» lassen und vor allem für die große Wäsche immer das neue Doppelpoket verlangen! Dir alte Pack, ingsgrötze bleibt neben dem Doppelpaket auch weiterhin bestehen. In jedem Falle ist aber darauf zu achten, dag die Pakete die Bezeichnung Perssl und den Namen Henkel tragen: alle Angebote non angeblichem„losen" Perssl ssrv Irreführungen. Perssl wird nur in der bekannten Originalpackung gelieserl. Wetterbericht der öffentlichen wettcrdienftfkelle für Berlin und Ilmpegend. kNachdr. verb.) Teils heiler, teils wolkig bei loeiterer Erwärmung, schwache Südostwinde.— Jür Deutschland: Im Weilen vereinzeile Regensmauer. Sonst trocken und ziemlich heiter. Mit Ausnahme des äugersten Ostens miid. 't? X S v. � WM ZU PFINGSTEN finden Sie bei uns elegante Schuhe in allen modernen Farben und in jeder Preislage 1250 i450 iß50 1850 21 00 2400 MERCEDES— VOLLENDET IN SCHÖNHEIT UND GÜTE In Berlin: Friedrichstr. 6t/ Leinziaer Str. 77(Pönhoftplatz)/ Potsdamer Str. 55 y Turmstr. 55/ Gr; Frankfurter Str. 102/ Brunnenstr. 194 Parteitag und Arbeitersport. Der Parteitag der Sozialdemokratie, der zu einer imposanten Kundgebung für den Sozialismus wurde, brachte Bedeutungsvolles auch für den Arbeitersport. Nicht nur durch das zeitliche Zusammenfallen der Kulturtagungen mit dem Parteitag wurde der Arbeitersportbewegung, eben als Kulturorganisation, großes Interesse entgegengebracht, wichtiger noch ist, daß der Sport wiederholt und eingehend das Ohr des Parteitages selbst fand. Es ist ein untrüg- licher Beweis für die wachsende Bedeutung der Sportorganisationen in der Arbeiterschaft, daß die Berichterstatter des Parteioorstandes wiederholt Gelegenheit nehmen, ihre Sympathie für die Sport- bewegung zu betmiden. Das ist zugleich aber auch ein erfreuliches Zeichen für die sich mehrende Erkenntnis, daß Partei und Arbeitersport zusammengehören, daß erst durch das Zusammenwirken aller Arbeiterorganisationen die Front gestärkt, ja unüberwindlich wird. Es ist auf diesem Parteitag mit Recht vor der Ueberorgani- s a t i o n gewarnt worden, die die Kräfte zersplittern und Mitglieder und Funktionäre zum Schaden der Organisation übermäßig in An- spruch nimmt. Früher ist in den Kreisen der Arbeitersportler ge> legentlich Klage geführt worden, daß sich die Partei für die Arbeiter- sportbeweguna nicht genug interessiere; daß sie den Mitgliedern der Partei nicht klar genug den Weg weise, wohin sie, wenn sie Sport treiben, gehören. Der Vorsitzende der Partei, Genosse Wels, wies auf die Größe der Arbeitersportbewegung hin und führte dann aus: „In anderen Ländern, insbesondere in England, ist der Sport eine Angelegenheit des ganzen Lölkes. In Deutschland hat das Der- halten der Deutschen Turnerschaft, der Boykott der Behörden gegen die Arbeiterturnbewegung, die Perhorreszierung der Arbeiterrad- fahrer usw. aus borniertem bürgerlichen Klassen- egoismus heraus der Arbeitersportbewegung erst die Wege gewiesen." Und der Berichterstatter des Parteioorstandes, Genosse Ludwig, der schon seit Jahrzehnten Mitglied des Arbeiter-Turn- und-Sport- bundes ist, verkündete, daß die Jugend sich in Riesenmassen beim Arbeiter-Turn. und-Sportbund befindet, in dem über 800 000 Mitglieder vereinigt sind: „Das sind die Kinder unserer Genossen, die zu uns gehören, wenn sie auch noch nicht das Mitgliedsbuch der Partei samt und sonders haben. Ich verweiss auf den Beschluß des Bundestages in chomburg, der in Anwesenheit eines Vertreters des Parteivorstandes gefaßt wurde, auf jedes Mitglied einen Druck auszuüben, daß es einer politischen, proletarischen Partei angehören muß. Wir hoffen, daß sichdasguteVerhältnisunsererParteigenossen zu den Sportvereinen bessert und daß unsere Genossen dafür sorgen, daß ihre Angehörigen aus den proletarischen Familien diesen zugeführt werden. Heraus aus den bürgerlichen Vereinen!" Die als Gäste auf dem Parteitag weilenden Mitglieder des Bundesvorstandes des Arbeiter-Turn- und-Sportbundes, die Ge- nassen Geliert, Kreuzburg und Schubert und mit ihnen di« ganze Arbeitersportbewegung, haben diese Aufforderung des Parteitages mit Befriedigung vernommen. Dieser Ruf wird dazu beitragen, das Ziel �u verwirklichen:.Lein Parteigenosse mehr in den bürgerlichen Verbänden: kein Ar- beitersportlermehrineinerbürgerlichenParteil" Straßenrennen ües Mö. Solidarität. Nachdem die Arbeiter-Radsahrer erst vor knapp acht Tagen auf der Olympia-Radrennbahn in Plötzensee eine größere radsport- liche Veranstaltung, absolvierten, wurde am Sonntag bereits wieder «in 4S-Kilomster-Straßenrenn«n ausgefahren, das in Staaken gestartet wurde und über die Strecke Nauen und zu. rück führt«. Insgesamt fanden sich 66 Bewerber ein, davon S3 in der Hauptklasse, 8 in der Altersklasse und S in der Jugendklasse (2 Kilometer). Kurz vor 8 Uhr begab sich dos Gros auf die Reise, in einem Abstand von S Minuten folgten die AUersfahrer. Das Rennen nahm einen recht interessanten Verlauf und die Zeiten, die trotz des zeitweise sehr starken Windes herausgefahren wurden, lasten sich durchaus sehen. Die Kontrolle am Wendepunkt wurde in mustergültiger Weise von der Nauener Ortsgruppe durchgeführt. Es gab leider einige kleinere Stürze, die bis auf den Unfall von Hoffmonn(8. Abt.), der sich einen Schüsselbeinbruch zuzog, glimps- lich abliefen. Den Wendepunkt passierten die Spitzengruppe von vier Mann, Ihme, Siebert, Eichhorn und Krupka, geschlossen. K. fiel später durch Sturz kurz vor Wustermark zurück. Eine gute Leistung vollbrachte der AUersfahrer P. Annen, der bereits als 25. den Wendepunkt passierte. ««seltate: Klaffe,« Kilometer(48 Schlauch-, 3 Wulst-, 2 Drahtreifen. fahrer): Lchlauchreiseu: t. E. Behrendt(8.■äl.) 1:20;12; 2. Paul Zhm« (I.*,.) 1:20:13,-in« halbe Radlanae zuritck: 3. Patzock(10.«.) 1:20:14: 4 Sühne(8. Ä.): S. Eichhorn(8. A.>. B u l st r«> f e n: 1. Otto Rehberg (8. A.) 1:35; 2. Mar Wert iSpandau). Drahtreifen: 1. H. Bciffert (Charlottenburg) 1:29.— Ältcroklaffc, 45 Kilometer: Schlauchreifen: 1. P. Annen(8. A.) 1:25:55; 2. f>.(Eichtet(6. A.) 1:29:30; 3. Hering(Spandau) 1:35:45; 4. H. Klick(8. A.), 45 Jahre(I) 1:41. Drahtreifen: 1. Karras (Spandau) 1:34; 2. Mustroph(8. Ab.) 1:35:17.— Jugend, 2 Kilometer: 1. Dedert(Charlottenburg) 2:5; 2. Bernhard(1.?.) 2:7; 8. Rtebekohl(Chat- lottenburg)._ Der Straßenlauf See Leichtathleten. Zu einem vollen Erfolg und einer wirksamen Propaganda für den Arbeitersport gestaltete sich der große Straßenlauf der Leichtathletik-Vereinigung am Sonntag. Der Start der Hauptstaffcl war am Treptower Rathaus; die Rennstrecke führte durch die Treptower Ehaustee üb«r die Oberbaumbrücke, Warschauer, Petersburger, Elbinger Straße bis zum Stadion Friedrichshain. Ueber 1100 Sportler, Sportlerinnen und Kinder fuhren auf zahl- reichen Lastautos, mit wehenden roten Fahnen und wirksamen Transparenten zu den Ablausplätzen. Die Veranstaltung wurde vom schönen Wetter noch besonders begünstigt. Eegebaiffe: Mijnuer(Hauptstafctte Uber 7140 Meter mit 15 Läufern): Kloffe A: Fichte(nicht gew-rt-t) 18:7,4; ASC. l 18:8.4; Lichtenberg I 18:22,8. Klaffe B: Berolina I, Derolina II, Luckenwalde, Weißenfee. Klaffet: Iahn-Drevtow, Ciche-Degel, Fichte 1«.— Klaff« F(Kleine Stafette Uber 3450 Meter, 10 Läufer): Schwimmer Welle I 8:27,5; Fichte Vll; Schöneberg Turner.— Jugend(Stafette Uber 2540 Meter, 10 Läufer): Schöneberg I 7:39; ASC. 1; Sparta I.— Frau««(Stafette über 1940 Meter, 10 Läuferinnen): Schöneberg 5:5; K.-B.-Often; Lichtenberg.—»inderftaf-tt-(20X75 Meter): Knaben: Wcdding 4:1,7; Moabit I. Mädchen: Ciche-Köpenick 4:30,3; Fickte-Nord.— Manner, Einzelläufer(7140 Meter): Krauterwedel-Weißenfee 24:28,7; Lavercnz-Scktönow 25:11,7.— Hockey! Ost gegen Nordost 5:0<4: 0).— Handball: Sparta— Luckenwalde 5:2(0:2). Stäöteboxkompf Görlitz-Serlin. Lurlch siegt über Görlitz. Der Boxsporiflub Lurich veranstaltete am letzten Freitag in den Andveasfestsälen einen größeren Boxkampfabend, zu dem er sich den Kraftsportverein Görlitz verpflichtet hatte. Der Abend tnurd« mit mehreren Ausscheidungs- bzw. Einladung». kämpfen eröffnet. Anschließend rollte der Städtekampf vor einer zahlreichen Zuscbauermenge ab. Die Kämpfe gingen wieder über 5 Runden zu 2 Minuten und boten schöne Kampsmoment«. Lurich konnte schließlich den Kampf für sich entscheiden. Refoltat«: Fliegengewicht: Hettwer(«.) siegt« in der ersten Runde über Waselewfki IL.) durch Ausgabe. Konitzlt II411—12 Uhr vormittag» statt. Die Gebühr hierfür de- träot für Personen über 13 Iabre 4 M.. für Jugendlich« von 14—17 Jahre 2 M., für Kinder 1 M. Anmeldungen werden täglich im Sommerbad Ober. svre«(direkt neb'n Freibad AMerebof) entgeaengenommen. Fabro-rbindung: Stadtbahn bi, Bhf. Obersprce, Straßenbahn Linie 91 ebenfall- bi» Bhf. Ober- spre«(Endstatlan). Tonristevoerel«„Die S»atnrfre«-de*. Lichtbildervortrag Dienstaa. 31 Ma-. >420 Uhr, in der Staatlichen Stelle kür Raturfchntz. Schöncberg. Grunewald- straße 6—7. Thema:„Naturschutz der Tier- und Pflanzenwelt." Referent Dr.«las». Eintritt 30 Pf. henorrageod dewähn bei: • II �blett6� Nheuma, Gicht, Ischias, Nerven- und Nopsschmerzea. Grippe, Znstucaea o. a.>krkä!lunz»erankh eilen. Lt.»iitortelln Beftöüzung find ümeehald 6 Monolen mehr ol» 1500 Gulachtco allet» so» Aezletzreife» tingegangni, boeuntet von Ii««, holten Peofeffore««od au,»este« Kttuiben.- Togal itütt dt» Schmerzen und scheidet die Harnsäure au». Keiue sch-d, llcheu Retenwlrtunge«. Oeagen Sie Ähre« Arzt! 3« alle* Apothede«. Prelä Mb. 1. 40 l�SUm. C�KCWui 7UÄckL*e«.*l*1 KBAmjL ttr. 253 ♦ 44. Jahrgang 2. Heilage ües VorWarts Dienstag, 31. Mo! 1427 preußisthe Elektro-Konzentration. Einheitliche staatliche Elektrizitäts-Gesellschaft.— Eine wichtige Etappe. Die preußische Regierung hat soeben dem Staatsrat einen bedeutsamen Gesetzentwurf zugehen lassen:„Die Zusammen- fassung der e le ktr ow ir tschaftl i ch en Unter- nehmungen und Beteiligungen des Staates in einer einheitlichen Aktien- Gesellschaft/ Die Grundlage der neuen Gesellschaft sind drei zu 100 Prozent im Besitze Preußens befindliche Unternehmungen, nämlich die Großtraft- wert Hannooer A.-G. in Hannover, die Preußische Kraftwerke„Oberweser A.-G. und die Gewerkschaft Großkraftwerk Main- Weser, letztere beide m Kassel. Diese drei bisher getrennten Unternehmungen sollen auf dem Wege der Fusion zu einer Einheit verschmolzen werden. Gleichzeitig sollen auf die neue Gesellschaft alleBeteiligungendes Staates an elettrowirtschastiichen Unternehmungen übertragen werden. Das gesamte Kapital der Einheitsgesellschaft wird von dem Staate übernommen. Das Aktienkapital soll in einer solchen Höhe bemessen werden, daß es erstens dem Wert der Unternehmungen und Be- teiligungen entspricht, die der neuen Gesellschaft übergeben werden. Zweiten» sollen gewisse Baudarlehen durch Aktien der neuen Gesell» schast abgetöst werden. Es handelt sich hier um Darlehen, die der Staat bisher denjenigen Elektrizitätsunternehmungen gewährte, von denen er das ganze oder«inen Teil des Kapitals besitzt. Di« Höhe des Aktienkapital» wird auf etwa 80 Millionen Mark be- rechnet. Eine Veräußerung von Aktien der Gesamtunternehmung soll an die Zustimmung des Landtage» oder eines Ausschusses von ihm gebunden sein. Die Begründung des Gesehenlwurfs. Dem Gesetzentwurf, der selbst nur wenig« Paragraphen enthält, ist eine ausftihrliche Begründung beigegeben. Danach werden staatspolitische, betriebliche und finanzwirtschaftliche Gründe für die Aenderung der gegenwärtigen Organisation angeführt. Die st a a t s- politischen Gründe liegen in der Notwendigkeit, die all- gemeine Staatsverwaltung von den wirtschaftlichen, d. h. den fiskalischen Interessen des Staates zu trennen, damit das Vertrauen in die Objektivität der Regierungsmaßnohmen auf dem Elektrizitäts- gebiet« nicht Schaden leidet. Die betrieblichen Gründe liegen in dem Bestreben, die staolliche Stromversorgung durch größere Gcschlosienheit und Einheitlichkeit auf einen höheren Stand der Wirt- schaftlichkeit zu bringen. Es soll eine betriebstechnisch« Vereinigung der Unternehmungen herbeigeführt werden, die es gestattet, die vorhandenen Kraftwerk« und Leitungen besser zu be- wirtschaften, indem die Reserveanlogen eingeschränkt und die Belastungskurven zusammengelegt werden. Letzteres hätte den Vor- teil, die zeitliche Verschiedenheit in dem Austreten der Leistungsspitzen der bisher getrennten Werke ausnutzen zu können. Der Gesetzentwurf ist in diesem Punkte die Folge eines Landtagsbeschlusses vom 9. November vorigen Jahres, der oerlangt,„daß die Gesamtheit der staatseigenen Elektrizitätsunternehmungen auch betriebstechnisch zu einer Einheit unter wirtschaftlich organisierter Führung zusammen- gefaßt avirt/. In finanzieller Beziehung wird darauf hin- gewiesen, daß die Kreditwürdigkeit der staatlichen Unternehmungen, solang« sie getrennt sind, geringer ist, als die einer Gesamtunte» nehmung, die die ganze Kapitals ubstanz in sich vereinigt. fjauplmasie der preuhischen Elektrointeresien. Der Begründung sind statistische Uebersichten beige- geben. Danach besteht die Hauptmaste der staallichen Elektrizitäts- interesten au» folgenden Unternehmungen: »erfllgdor« 3al)t««njnia.»«lellfch.» Bon d. Maschinen-». 1.4.26— 31. Roplt. in fchoft« qd sind leittung in 3. 27 in Mill.- Millionen in Händen de« NilowaN jtitowaltstd. Mark Staate» Proz. t?roßkraftwerkHannoverA.- Uhr tagen dir Kruppen Franlsnrter Allee: Krnppenlikcm Stadt. Ingenddcim Litauer Str. IS, part., rfimmer 8. Vortrag:„Das Arbeitsgerichtsgaseti."— Landsberger Plag: Kruppenlieim DiesreUiicnerstr. 5. Spiel- und Untrrhaltungsabcnd.— kichteu- berg: Kruppenheim Iuneiidheiin Daffenr. 22. Acimbesprrchung.— Treptow: Kruppenliciin Schul« Wilden bruchstr. 58—51(Hortjiinmtr). Bartreg:»Die itonlinngenassenschaft.�— Britz: ibeuppenhelm Ldaugce-, Ecke Hannemann. O:«i leu v' c Ii*- Zimmer 4, Eingang vom Flur. Zusammenlunft.— Lprechidor: Heute abend 7 Uhr im Arbeitslolensaal. Berbandohaus, Linicnflr. 58-85, Probe:»Das Lied der Arbeit." Deutscher Bangemerlsbund, Fachgruppe der Ttzpser. Sente nachmittag» W Uhr:m groß.!, Saal des Kecverlschufteliauses Mitglicderoersammlung. Tagesordnung: Bcr-chi von den Verhandlungen und Beschlugkalsung. Das Erscheinen allcr Mitglieder erwartet Set Vorstand. «chtu.-.g, Mlmreer'! MklWoih abend 7 Uhr findet in Hanrrlnnds Zrll. siilen, Nene Friedrichsir. 85, Eingang ilochstrahe. unser« Vertrauensmänner. verkaminlung für da» Hoch». Beton» und Tiesbaugewerbe statt. Jeder Betrieo muh vertrete» sein. Wo kein vertraucnsmnn vorhanden ist, mug sofort einer gewählt und ,ur Bcrsalnmlung entsandt werden. Zeutraloerbaud der Zimmerer, Zahlstelle Berliu». llmg. MaHttersiad/ � 59- 64-79-90-100 M usw. Bequeme Wochen- n. Moneisraien/ Katalog auf Wunsch gratis Mifa- Fabrikverkaufstellen: Berlin NW 7, Sebiffbauerdamm 1, Leiter: Erich Abcrger.» Bcrlm-Neukeiln, Friedelstr. 27, Leiter: Erich Aberger. Berlin O 34, Petersburger Straße 8, Leiter; Carl Dähn.• Bln.- CharloUen- burg, Tauroßgener Straße 12, Leiter: Paul Charlet» Bln.-Charlouen- burg, Kaiserin-Außiista- Allee 44, Leiter: Paul Charlet.» Bln.-Pankow, Schtoßstraße 18. Letter: M. Golle.« Berlin SW 61, Belle-AIiiance-Str. 6, Leiter: Filiale Berlin.» Berlin SW 68, AlexandrmenstraSe 15, Leiter: M. Thamnie. ♦ Bln.-Schflneberg, Barbarossastraße 42, Leiter: F. Tybus. Spandau. Potsdamer Straße la, Leiter: Herbert Schröter. Ernst Kaufmann Sieger der l&MSßgm Schweizer Meisterschaft 1927 auf 9 ff SS SiesindvorfFMIijjunffmfffdJübti 3 < -cn wenn Sie auf das JVaJferzeUben int Papierunferer M o slem- Ciffarette aehten. Nur eine gute Ciffarette wird mm zu ßlfcben verßuben. Litt- fere Qualität ift niebt nachzuahmen CFordemS'ieunfere-Moslemv� mdfttferaucbte deutfehe äPf.-Cigareäc CICARETTENFABRIK PR OBIEM BERLIN Sozialistlstbe Mbeitersugenö Groß-öerlin. letzter Tag, bis I« Uhr für die Antrüge onf Fahrprei ' en für Fahrten am Donnerstag, Frritag und Soni Heute, Diensteg, letzter Tag, bis I« Uhr für die Antrüge auf Fehrurci«, ermützigung ,n Pfingsten für Fahrten am Donnerstag, Frritag und Sonn. abend vor Pfingsten. Für die Anträge lammen nur die Berliner Fernbahn» hüfe: Anhalter, Potsdamer, Lehrter, Stettiner, NiSrlitzer und Wriczcner Kahn- bof sowie die Stadtbahn.FerndahnhLir Echiestscher Bahnhof und für die von der Stadtbahn nach dem Osten und Charlottcnburg für die Fahrten von der Stadtbahn nach dem Westen in Frage. die von Waaderlciterloaserenz Mittwoch, 1. Juni, in der Schule Aochstr. IZ. heule. Dienstag. ZI. Mai, 19)4 Uhr: Brunueaplatz: Weltliche Schule, Wiesen», Ecke Pankstraße. MitgNcdrrvcr. sammlung und Vortrag:„Wir und unsere Stellung jum bürgerlichen Sport und Iugendorgan".— chefundbrnnnen: Schule Kotcndurger Str. S.„Arbeiter. „Was ist Sozialismus," 2. Teil. .ualismus Teil.— Schönhauser B» Heim t rst-dt: Schule Driescncr Straße 22(Eßzimmer).„Theorie und Prahio des Sozialismus."— Sencfcldcr» Viertel: Schule Danzigcr Str. 23, Zimmer Z.„Bub und Mädel."— Halen» Heide: Dadcanstalt Bärwaldstr. K4. Mitgliederversammlung pünktlich 19 Uhr. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht.— Schöneberg I: Heim Hauplstr. Ib. „Bürgerliche und proletarische Jugend."— Wilmersdorf: Heim Wilhclmsaue. Arbeitsgemeinschaft.— Steglitz I: Heim Albrechtstr. l7. Mitglicdcrorrsamm. lunglung.— Tempelhof-Mariendors: Heim Maricndorf, Dorfstr. 7.„Sin- führung in den Marxismus," 2. Teil.— Neukölln I: Heim Sander., Eck« Sobrechtstraße.„Tagespolitische Aussprache."— R-uiöllu III: Heim Steinmetz- straße 11-i.„Warum wandern wir?"— Rrulöll» V: Lyzeum Richardpias 1». „Vom Äulturwillen der proletarischen Jugend"— Reulölln VI: Schule Hertz» dergplatz.„«lnderfreundedewegung." All« Genossen, die die Pfuigstsahrt mit. machen, muffen unbedingt 2 M. Fahrgeld mitbringen.— Wheeaickt Hetm Grünauer Str. S.„August Bebel."— Sermodorf: Helm Roonftraß«(Turn. hallcngebäude), l Tr.„Warum politisch und gewerkschaftlich arganifiert?_ Wittenau: Heim Roscntbaler Straße. Mitgliederversammlung.— fchönhouseu: Schule Bl-nlenburger Str. 7«.„Unser, Fahrten�— Heim GSrschstr. 14, Zimmer 1.„Sowjetrußland«nd Ehina. Pank,»- Vorträge, vereine unö Versammlungen # Reichsbanner„Schwari-Rot-Gold". Eefchäftsstekl«: Berlin S 14. Srbastlanstr. tz7/U>. Hot 2 Tn Die»»rag, Zl. Mai: Prenzlauer Berg: Abends 8 Uhr im Loknl von Burg erweiterte Borstandssttzung.— Mittwoch. 1. Iunil Mltte: Nolloersammlung im Gcweekschastshaus, Engckufcr(Großer Saal). Bvrtratz des Herrn Pfarrer Stucke. Thema:„'h Stb. unter KationalsvilaNsteN. EIN» geführte Gast: haben Zutritt. Anschließend Aamtradschaftsversammlung der 8. und 4. ilomervdschofi. Pfingstiahrt nach Zehdenick. Meldung, wieviel An» gehörige(ich daran beteiligen, umgehend bei den ÄameradschafisfUhrern. llreuz. b«rg! Abende 8 Uhr Abt. 9 bei Stepp, Planufcr 75. Referent Bezirksverord. neter Gebauer. Abt. Z bei Draunsdorf, Großoeerenstr. 2g. Referent Bezirke» vcrordnctcr Köhnkc. Woibcuscc: Srcisturnen Sportplatz„Fauler See". An» Keten blerzu« Uhr abends Grüner Daum in BannerNeiduns und Tambour. korvs. Svorttleidung mitbringen. Attive und Sportkameraden müssen er» scheinen, betr. Frankfurt a. d. O.— Donnerstag, 2. Zun,: Weißensee: Areis- Vollversammlung in Hohenschimhausen. Antreten 7 Uhr abends Grüner r äum. vollveriammlung IN Poycni-yonyaulcn.-nrnttitu,„Tl,,: —«tealiA(Sportverein): Mittwoch, 1. Juni, Antreten 7 Uhr abends Turnhalle Rinastraß«.«achzügler 7'.ü Uhr Rüben«., Ecke Begaestraße. Für Schachiaterrstrattn. Arbelter-S'----- west. Cant... kichst eingeladen. wird der Berliner WWWWW Freitag, tz. Juni, 8 Uhr, chachineister«zach lvi Spiel, okal der Arbetttr-Schachabteilung Süd. witzstr. 5.«ine Eimultenvorftcllunq geben. Zntcresscntcn ilnd herz. »laden.- Die Adl. Trrptew wirb Donncrswa. 2. Juni, im Vereins- stow,«raetz.. Eck« SrUilNraße, bei Mattsdorf, einen Wettkampf a., Ig hi, 12 Bretter argen Oberschbneweide austragen. Beginn 29 Uhr. Freunde und Gönner de« edlen Schach« find herzlichst eingeladen. Ardeitcr.SaMaritcr.Bund, e. Soloane Reinickendorf. Mitgliederorr. sammlung Donnerotag, 2. Juni, 19� Uhr. im Seebad Ncinickendors-Ost. .. �—• Mittwoch. I, Juni, 8 Uhr. Dorotheenstr. 12, spricht Freie Vt. rnech«t lue, Rudolf' Bußmankt über„Das Ringen utti ein Begreife» des «Hrlitrntwm. Gäste«illrommen. L«n|>* S Balletts. 1 I Vorverkauf a. d. Theaterkasse ab 10 Uhr nnuntertr\ . ERIK CHARELL BRINGT:• Alfrsd Erann, Lade Mannöeim a. C Bendov, Wcstermeler, Kupfer o.» Grones Sthampielhau» Die Komödie BismarcK 2414. 751� 6lli, Endenai 10 Uhr Der snob Nachtvorstellung; Tägi.ll U.,Ende 1 U» Rem; Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Ideal. a.Hollendcrfpl. Kurfürst 2091 8 U� tndegt�n 11 Ohr Drei anns kleine Rädels Ob rette von Walter Kollo Keichshallen-Theater Mlabcndlich 8 Uhr u. an beiden Feiertagen nachm 3 Uhr: Stettiner Sänger Nachmittags halbe freite aber das volle wunderk. sbend-Prograram! Dönhoff-Brett'li Varieti, Konzert, Tanz netroDo,- viieai. Täglich 8 Uhr ZirkQsprinzettio Thailo»töeaier| 8 Uhr Wenn der junge Wein blüht 20 Dienstag, den 31. Mai nachmittags 3 Uhr liiteiiiurz-Büoiei Ots. KUnstlcr-Th 8V, Uhr: Adisu Mimi Lessing-Iiicaier 8 U.: Der Patriot Morge i Tl, Uhr tagen Kiöplcr mit seinem Ecsemtile Wamaiia- Theai. Werbetage für die Pfingsiwochc! Täglich SV, Uhr: Die von der Liehe lehen! I»e«ot!>ii>! keinen ZeMHI Vorzeiger zahlt nur Halbe Kassenpr. Parkett statt 4 Mk. nur 6u Pf. Lustspielhaus 8", Uhr Bobby's letzte Nacht Freitag 71/, Uhr Premiere ,,Der Aptel" Nollendon 7360 S Uhr Charlie RivclTrio und weitere Variete» Sensationen! -arnowskyrfhntn Th.König�rätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr; Die Mv.öznadi HomOilienliaus Norden 6304 8 Uhr Theo madil alles! Freitag?/, Uhr; Zum I. Maie: «Liste Fradii M enfral- r Theater 8V« Uhr: StniMtg»hgiil: RSntkndi, Leitung Oüir Ektltbzdnr Die Eunsdienbrant Sdinik ii 3 Iktcg. Hunni, Hein. Tthlefl, Hjppner.«eilig. Übe Für Jugendl. verb.l Theater des Westens 8 Uhr: Heinrieh Heines trsie Liehe Sommerpr. 1—8 M. Theater am Knttb. Tor J? Kottb. Str.6 gl» Tägl.SUhr: £)Eiite-1äa!!Er Iw Großes "!*• UeberrjsdiuBgs Programm 1 BcirnCinKauf KindcrrGllungBDieT?ama-rosl vom Kleinenftco* oöer Die.'Rama-Tost vom lustigen Tips" gratis Ab 1. Jan!- Taalleh 7-10 Irtth B RUNNENKUREN Man Ohne Ansahlunql n Landparzellen Lindenberg bei Abrcnslelde □ Mtr. 80 Pf., monatl. 20 M. Abzahlung verkauft Hein, B&tzovstr. 38, b. Oerlach. I Ben Ii liimttg l tum ktrteu*iIb j 1 BEN HUB { Dnnmt«]. 2. 1. 1 Premiere _idertrst olas i-u I gm Ciimpnse.Air. 1 | grenen ürand der Wettannahme des Union-Klubs Berlin NW 7, SchadowstraSe 8, part. Voile Totallaaforquofe ohne Abaug Wettbestimmungen auf Wunsch kostenlos.— Postaufträge und Anträge auf kostenlose Einrichtung von Konten nur an die Zentrale Schadowstraße 8. Tel.-Adr.; Wettannahme Berlin SchadowstraSe 8. CASINO-THEATER« uhn Der Fehltritt einer Frau. Anstttneiaent Gutschein 1—4 Pers. Fällt. I Mk_ Sessel 1.50 Mk. Kose-Theater SV« Uhr Der Vetter aus Dingsda Wallner-Theater SV, Uhr; vor Lettoplelcrfolj;' AiddcrSenncnscUe nger näht ein Jedes'Jileid derJthusfrau für die Sommerzeit VPeiteftgehende Zahlungserleichterungen Mäßige Monatsrate n Singer•Wähmafchinen AMiengefellfchaft Singer Xodert überall CettsdiSiistallarliEilsr-feiiäsJ Mühl1 MszetigmüSer»Mi vlonetag. den Zt.INnl. abends 7 Uhr. findet für dfe Branche in der kkulluc» ■hleilnna, Cintenflc. 197, ein SV Filmvortraq"MZ statt.— Die Aukgade der Eintritislarten erfolgt an dcmseiden Tage in der Zeit von 6—7 Uhr abends beim stollegeil Frank» im Perdandshaufe(großer Saal). Schalter 1. Gleichzeitig werden die starten lür das am IS Juni stattfindende Sommerfeft auogegeden.__ Mlltrnoch. den 1. Znnl, naehmittags 4Vi Uhr, In der Schulaula, Badstr. 92: Branchen Versammlung aller in der Gcldichrankinduslrte Veichüjtiglen. Tageoordnung: l. Bericht über die Berhandlungen beim Schlichtung». auslchuß. i. Stellungnahme dazu. 3. Verschiedenes. Ohne Mttgiicd«b»ch kein Zutritt. Alle stollege» müssen zu dieser Per» sammlung erscheinen. «ttttvoch. den>. Znnl. abds. 7 Ahr, hn ParKrrafaai des Uccbanos- hanfov, Cinlenstc. 83 85: Branchenversamnilung der Loilichlosser. Tagesordnung: 1. Berfcht übe« di» Berhandlungen beim Edstichtungs» ausidiuß. 2. Siellungnahiiic dazu. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pflicht fede« stollegen ist es, zu dirscr rrsa—--------------- Letfammliing zu erscheine». Vle Ortsveribnlsiin �WWWWWWiWMil Kslne Ziehungsverlegunsl Kölner Dombau- Lotterie Ziehung unwiderruflich tiieseWocheani2.,3..4.Juni Lose zu 3 M. SMS Ooldgo- wlnne u. elno Prtfmla Im Oos amtbo» trage von M. Höchstgewinn. M. Hauptgewinn M. 200000 IIOOOOO ■7SOOO Porto und Liste 30 Pf. extra empfehlen und versenden 1 Prämie. bar ohne Abzug Lud. Müller& Co. EM rJLUOa NU la 6a%k%Oa: B August Heinz 5 ■BSEDHB Lose auch in allen durch Plakate kenntlichen Verkau erlin W8 FriedrichstraBe 83 Verkaufsstellen Mr ein Ziel kennt versalz £s will der Hausfrau dienen und ihr die Hrheit der grossen cWäsche abnehmen. HDersale ist das vollkommene nSDasch* mittel, HJersale wäscht von selbst, ohne alle rfrbeit und ohne alle Zutaten. LStaag «•Mt Der Dann crtttfeht den Spdsen die bhrtbDdenden ISIbffe umao Beber, In je feinerer Verteilung de flun angeführt werden. Je wichtiget ein Nährstoff für den Körper ist, desto ausnutzbarer muß er. also.«eist Dieses oberste Gesetz erfüllen beifit, sparsamen Haushalt fordern. Je geringer die Verfdttenmg, uuflQ pnd Staat Verderblichen Schund. Daher hat die moderne Jagd pngeschulter Kreise nach minderwertiger Ware-das Reichardtwerk nicht ehtj mutigt, die wirksamsten Kraftstoffe der herrlichsten Erdenfrucht in so hohem Maße zu vervollkommnen, daß nunmehr weite wissenschaftliche Kreise restlos das alte Lob berühmter Aerzte über die Kräftewirkung von Kakao* in WHM fabrikaten einstimmen. Das Vorteilhafteste und zugleich Köstlichste, was für den Aufbau des menschlichen Körpen zu. schaffen ist» snd iolglicb Reichardts neue Feinfabrikatel Sit sättigen und kräftigen' wohlfeiler und nachhaltiger als«Jnc eßfertige |Cost anderer Art. Die Energien des Kakaos beseitigen jede körperliche (und geistige Ermüdung, sodaß die Tagesarbeit durch kein schwerverdauliches Mahl beeinträchtigt und die Küche nur früh und abends beansprucht ZU. werden braucht. Auch dem Laien wird hiemach klar» weshalb voif iiltersher berühmte Mediziner behaupten, die Kakaosubstanz sei der vor? nehmste»und wirksamste Kraftstoff. Tausende von Aerxten bringen ihn nunmehr» sogar bei Entfettungskuren zur Anwendung. Wie seit Jahr?» (Sehnten die aus Bekömmlichkeitsgründen von übenchüssigcnLF�ti�efEeiie� Rekhardt-Gralkakaos von luftl Getränk, luftleichter Feinheit bis über 1(50 MiMsnZea Atönre fe«5»» Tdsse so bieten jetzt auch die nach gleichen Prindpifp voilfiodfitfiD Relchardt-Felnschokoladen . erlesene Genüsse bestrickender Art Dir diätetisch hochwertiges"NätürbÜler fcchert ihre stete Bekömmlichkeit In Feinschokolade ist der Zucker schnell löslich und erzeugt nicht Fett sondern Muskelkraft Man merke abent Di* Komfeinheit des Kakaos kann man zwar am Bodensatz in der Tasse ermessen? bei überfett et er Schokolade täuscht aber das Fett über grobes Korn hinweg» denn die eingefettete Zunge empfindet noch nicht einmal abfallende Qualität; Seihst bd den stofflich komplizierten und: außerordentlich pikanten Relchardt-Feinpralinen Ist das Bekömmlichkeitsprinzlp aufs florgniftste durehgefÜhfb Reichardt-Feinfabrikate stillen das Hungergefühl in so hohem Mafie, daß mau jede Entfettungsdiät durchhalten kann, denn sie schaffen die Kraft, fett* bildende Nahrung zu meiden. Neben dem Hochgenuß, den die GeschmackH fülle bietet» bergen sie folglich alle Eigenschaften einer gütigen NetU? zu Wohlbehagen. Kraft und Schönheitl Alle neuen Fabrikate tragen den Aufdruck„Feinfabrikat'*. Zu beben wo im Schaufenster folgendes Plakat aushängti Die neuen Feinfabrikate des Relchardtwerks eingetroffen! Wenn Ihr Kaufmann diese Fabrikate noch ni�cht führt, jftndrt nächste Reirhardf- rWrhaftBBfgllft frei Hanoi Dienstag ZI. Mai 1927 ■Unterhaltung unö AAssen öeilage öes vorwärts Das Zimmer. Von Aritz Müller. Parteukirchen. Ludwig Weber ging auf- Wohnungsamt. Er führte Buch darüber. Heut« würde er zum neunundneunzigsten Male den Mann am Schalter fragen:.Noch nichts frei für uns?"' Bor ihm stand ein anderer, fragte ein anderer..Bedaure," sagte der Beamte,.der nächste, bitte." .3ch bin noch nicht fertig," lachte der Mann vor ihm sonderbar. .Was noch?" »3ch bin heute das hundertstemal da," sagte der andere. Der Schaltermann zuckte höflich mit den Schultern. „Das ist ein Jubiläum. Dos muß gefeiert werden. Sie werden das einsehen." Das Schulterzucken wurde ungeduldig. .Keine Angst, ich halte Sie nicht auf. Nur einen Augenblick lang. Einen Schuß lang nur—* Es krachte. Der vor ihm mit dem Jubiläum sank zusammen. Die Kugel streifte Ludwig Weber. Er mußte ins Krankenhaus. An die zwanzig lagen in dem hellen Saal. In der halben Zimmerküche, wo er in der Stadt mit Frau und Kind sich Jahr und Tag durch Schmutz und Roheit schleppen mußte, war es nicht so schön. .Geheilt, entlaflen," schrieb der Arzt. .Nehmen Sie Ihren Mann mit," wandte er sich an dt« Frau. »das Bett wird heute abend neu belegt." Mann, Frau und Kind gingen schweigend durch die langen Gänge. Das Krankenhaus war groß. Dreitausend Menschen waren darin. Ein Mann hing einen Zettel au einen Aufzug:.Nutzer Le- trieb. Aus Ersparnisgründen ist nur mehr der klemere vordere Aufzug zu benützen." Dann ging er. Ludwig Weber fuckte es, nach der Klinke zu greifen. Di« Tür ging auf. Staunend standen all« drei. .Blitzblank." sagte die Frau. .Und oertäfelt." sagte er. .Wie ein Zimmer." sagte das Kind und ging hinein. Sie wollten es herausholen. Da schlug die Tür« zu. Da» Kind hotte spielend auf den Knopf gedrückt. Der Auszug schwebte lautlos hoch Er landete unterm Dach. Das Kind drückte wieder auf einen Knopf. Lautlos sank der Aufzug. Er landete im Keller. Da verließen sie ihn. Auf unterirdischen Wegen fanden fie ein nie benütztes Türchen ins Freie. .Frau, was meinst du?" sagte der Mann. „In einer Stunde ist es dunkel," sagte die Frau. An diesem Abend verließen sie die halbe Zimmerküche. Auf einem Karren rolllen sie die paar Möbelstücke in die Nacht. Monate vergingen. Ludwig Weber war verändert. Froh ging er an die Arbeit, froh ging er aus der Arbeit auf die Straße. „Heda," sagte ein Mann,.wenn ich nicht irre, sind Ei«—" .Sie irren nicht." .Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ein mehr als drei- tnonatiges Nichtvorsprechen auf dem Wohnungsamt die Streichung von der Anwärterliste nach stch zieht—" „Meinetwegen," sagte Ludwig Weber vergnügt. Der Beamte sah ihm nach:.Schwarz gemietet." Und folgte thm. Ohne Erfolg. An einer langen Mauer war er spurlos ver- schwunden. Wieder verstrichen Monate. Die Zeiten wurden normaler. „Wir brauchen nicht mehr so zu sparen," sogt« der Kranken- Hausinspektor,„Josef, nehmen Sie den Sperrzettel vom Hinteren Aufzug weg." Josef kam zurück. Die Türe sei verschlossen. Bon innen. Etwas fei nicht richtig. Der Inspektor kam. Da, ein Geräusch, wie wenn ein Stahlfeil über ungeölte Rollen läuft..Der Aufzug geht ja, Josef." Das Quieksen hörte auf. Plötzlich halblaut eine Frauenstimme: »Junge, bist alt genug, dein Bett jetzt selbst zu machen." „Laß ihn," sagte eine Männerstimme. Der Inspektor erstarrte. Josefs Finger wies auf eine Ritze. !Sis sahen hinein. Sie sahen«in Zimmer. Freundlich war es eingerichtet. Betten standen drin. Ein Schrank war da. Bilder hingen an der Wand. Ein Spiegel blitzte. In der Ecke hing ein Kruzifix im Grünen. Um den Tisch herum saßen Mann und Frau und Kind und tranken traulich ihren Kaffee. Der Inspektor war noch immer starr. Dann trommelten seine Fäuste gegen die verschlossene Tür:„Auf da!" Quieksen über Rollen. Durch den Spalt sah man in einen leeren Schacht. Josef schrie:„Sie sind hinaufgefahren I" Sie rannten über die Treppe ins zweite Stockwerk. Sie sahen durch das Schlüsselloch. Quieksen über Rollen. Der Inspektor brüllte: .Sie sind im dritten Stock!" Sie rannten höher. Wärter rannten mit und Krankenschwestern, Kranke hatten sich mitangeschlosien. Quieksen.„Vierter Stock!" ertönte das Schlachtgeschrei. Die Jagd ging weiter. Die Jagd ging unters Dach. Das Zimmer schwebte abwärts. Die Jagd ging zurück. Die Jagd ging in den Keller. Das Zimmer schwebte aufwärts. „Was gibt's da?" sagte der alte Oberarzt. Der Inspektor berichtete ihm keuchend. Der Arzt wiegte den Kopf:„Scheinbar ersessen. Schützt sie nicht ein Paragraph? Kamen wir nicht ohne diesen Aufzug aus? Ich an Ihrer Stelle. Herr Inspektor, würde—* „Den Teufel werde ich!" brüllte der Inspektor und telephonierte nach der Polizei. Die Polizei kam und vermehrte die Menge, die hinter dem schwebenden Zimmer her treppauf, treppab keuchte. Die Polizei telephonierte nach der Feuerwehr. Jetzt rannte auch die Feuerwehr um die Wette mit dem fahrenden Zimmer. Die Feuerwehr telephonierte nach dem Schlosser. Wohl wurden die Lifttüren in jedem Stockwerk aufgebrochen. Das Zimmer aber fuhr nicht mehr, es saust« hin und her, her und hin. Ein Polizeileutnant hatte eine Idee. Cr stellte in jedes Stock- werk ein sprung- und griffbereites Aufgebot von Schutzmonnfchaft: .Ha. jetzt haben wir die Bande!" Sie hotten sie nicht. Die Familie Weber hatte zwischen zwei Stockwerken auf den Notknops.Hall" gedrückt. Das Zimmer wurde xuzugängllch.______ Ver Löwe in der Qrömmsszelie. Die bayerische Regierung oerbot ben Republikanerlog ln München. ES Wtro ERSUCHT, DEM LÖMBM NICHT DURCH SCHVAßZ-ROT- GOLDENE ,"BAHNEN ZU EßSCHRECKEM ver afrikanisthe Löwe fürchtet sich bekanntlich vor öem krähen öes Hahnes, sehnlich schreckhaft ift öer baperljche Löwe. J- 6<5//7) 0A f 5o— 60 Uten) U)assen- M/a in Originalpackung;�-—-— /ose/ (Berlin-Hambg.-Bahn). Erfolgreichstes Bad gegen Gicht, Rheuma, Ischias und Frauenleiden. Erfolg tausendfach de stätigt Eröffnung 1. Mai 1927. Kurzeit ganzJShrig. Prospekte durch die Bade- Verwaltung und diverser Reisebureaus Deotsdier MMMWWü- Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern ,ur Nachricht, baß unser Kollege, der Maler Heinricl» Tornow ata 28. Mai 1927 gestorben ist Ehre seinem Andenken! Di« Einäscherung sindet am Dien»- tag, dem Zt. Mai 1927, 19 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kies- holzftraße, statt. Rege Beteiligung erwartet Die Orfsverwaltnag. Gannisch'S" Haus Keil Zugspitzstraße 117. Balkon-Südzimmcr Bett M. 1.50 Alien Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß am 28. Mai meine liebe Frau, unsere I gute Mutter und Schwiegermutter, Frau Hannchen Obst geb. Bohelmann | nach schwerem Leiden verschieden ist. Dies zeigen ticfbctrübt an Carl Ohrt und Kinder. Die Einäscherung findet am 2. Juni, nachm. 6 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Reichs' Fußpflege•Woche vom 30. Mai bis 4. Juni. Die Vlrfallgkelt einer pianmAblgen Fußpflege weiteren Kreisen der Bevölkerung klargcmadil xu haben. Isl ein Verdienst der Kuklrol-Fabrlk In GroG-Salxe. In unserem Zellaller des Sports fiel diese Mahnung auf fruchtbaren Boden. denn ohne gesunde, elastische Fflhe Ist ketn Sport denkbar, Wer seine FflSc nicht pflegt, bekommt schon frObseiltg einen schwerffilllgen. mOden. greisenhaften Gang, denn Fub» schmerzen verursachen Nervosit&t Zähne. Haart Hände werden schon längst sorgsam ge- pflegt, die Füfee wurden bis In die neue Zeit mlfchandcll, obwohl sie die Pflege viel nötiger haben, well sie den ganzen Tag Ober In engen Leder-Futteralen eingepfercht werden. Darauf haben vor mehr als 100 Jahren schon die Aerzte hingewiesen, ohne nennenswerten Erfolg, well Ihnen das Sprachrohr zur Verkündigung Ihrer Mahnungen fehlte. Erst durch die grobe Propaganda der Kuklrol-Fabrlk trat darin eine Wendung ein Niemand, der diese Bestrebungen verfolgt hat. wird das bestreiten wollen Deshalb Ist dleRelchs-Fubpflcgc-Wochc In Wirklichkeit eine Kukirol-W odie. Alle Apotheken und Drogerien, die durch das Plakat „Relchs-Fubpflcgc-Wothe" gekennzeichnet sind, fördern die Idee der Fubpflege Sie werden In der Zelt vom 30 Mal bis mindestens 4 Juni ihre Schaufenster nur für diese wichtige Kultur-Aufgabe zur Verfügung stellen und mit den Kuktrol- Erzeugnissen dekorieren. Die Anwendung der Kuklrol-Fubbflder. des Kukirol-Hühneraugen-Pflasters. des Kuklrol-Streupuders. der Kuklrol-Kurpackungen und der Kuktrol-Efnlegesohlen wird In diesen Apotheken und Drogerien auf Wunsch mündlich erklärt Machen Sie einen Versuch mit der richtigen, vollkommenen Fubpflege. kurzweg als„Kuklrolcn" bezeichnet« Sie werden •ich viel Jünger und kräftiger fühlen, werden aber auch an Schuhwerk und Strümpfen sparen. Sdiwltzen. Brennen und schnelles Ermüden der Fübc, Wundlaufen. Homschwjelen und Hühneraugen wgrden Sic nkht mehr quälen. K5 in der Gesamtauflage des•Vorwärts* sind besonders wirksam und trotzdem sehr billig! 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