Hr. 155 ♦ 44,?ahrg. Ausgabe A Nr. 130 Bezugspreis: WSchentlich 70 Mennig, monatlich 3,— Rcichsmarl voraus zahlbar. Untrr Kreuzband fiir Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiel, Oesterreich. Litauen, Luxemburg «.Sil Reichsmarl, für das übrig« «oslant 5,50 Reichsmark pro Ronat. Der.Borwärts' mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage»Boll und Zeit" sowie den Betlagen„Unterhaltung und Wisfen",„Bus der gtlmmelf, „Frauenstimme".„Der Kinder. freund".„Iugenb-Vorwärts",„Blick in die Bücherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wocbetnägUch zwei. Mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm. Adresse: „Sojlaldemolcal Berlin" Morgenausgabe Verliner Nolksvlatt �10 Pfennig) Anzeigenpreise: Di« einspaltige Ronpareille. zeii««0 Pfennig. Rellamezeile Reichsmarl.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig tzuliissig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stoben zählen für zwei Worte. 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Die„Germania" von gestern abend meldet tmter der liebe rjchrift ,L>as angebliche Parteigericht": Parteioffiziell wird folgendes mitgeteilt: Die Presse l»e„ richtet, dag in dieser Woche eine Sitzung des Reichspartei» Vorstandes einberufen worden sei, in welcher über Herrn Reichs- kanzler a. D. Dr. Wirth ein.Parteigericht" abgehalten werden soll. Es ist Tatsache, daß eine Sitzung des Reichsparteivorstandes stattfinden wird. Di« Einberufung dieser Sitzung ist nicht durch die Erörterungen über die Königsberger Rede des Herrn Dr. Wirth, sondern durch laufende Angelegenheiten der Partei veranlaßt worden. Die Angelegenheit Mrlh steht nicht aus der Tagesordnung. Zugleich aber liest man in der.Kreuz-Zeitimg": Der Reichskanzler hat In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Zentrumspartei den Parteioorstand des Zentrums für Freitag, den 3. Juni, zu einer Sitzung nach Berlin einberufen. Bei dieser Ge- legenheil wird man sich mit dem„Fall wirth" beschäftigen. Ein Brief des Reichskanzlers an Dr. Wirth ist schon ob> gegangen, in dem er aufgesordert worden ist, sich über seine Rede in Königsberg zu äußern. Der Reichskanzler ist offenbar entschlossen, dem auch für seine Partei aus die Dauer unerträglichen Zustand ein Ende zu machen. Die„Kreuz-Zeitung" ist merkwürdigerweise in diesem Fall über die Vorgänge im Zentrum bester unterrichtet als die „Germania". Der Konflikt zwischen Marx und Wirth ist in voller Schärfe entbrannt. Der Reichsparteivorstaich des Zentrums wird wohl nicht darum herumkommen, sich in feiner Sitzung am nächsten Freitag mit ihm ausführlich zu befasten. Marx droht wirth mit Maßnahmen�. Im nächsten Heft feiner Zeitschrift„Deutsche Republik" veröffentlicht Dr. Wirth den vom 20. Mai datierten Brief, den er vom Vorsitzenden der Zentrumspartei, Reichskanzler Marx, erhalten hat. Der Brief lautet: Sehr verehrter Herr Kollege! Zu meinem Bedauern bin ich genötigt, eine höchst unan- genehme Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Es handelt sich um die Rede, die Sie am IS. Mai d. I. auf der R e I ch s- banneroerfammlung in Königsberg gehalten haben. Nach den fast übereinstimmenden Berichten der verschiedenen Zei- tungen haben Sie unter anderem mit Bezug auf die bevorstehende Abstimmung über das Republikschutzgesetz geäußert, wenn die Man- archisten für das Republikschutzgesetz stimmten, so würde das vom Standpunkt des Monarchisten aus eine Schande sein. Die Hand- lungsweise sei aber oerständilch, wenn man die Gesinnungslumperei zum poMischen Prinzip erhebe. An einer anderen Stelle sollen Sie nach den Berichten gesagt haben:„Sorgen Sie dafür, daß die republikanische Regierung in Preußen bleibt, und daß die nichtrepublikanische Regierung im Reiche möglichst bald verschwindet. Das muß bei der nächsten Reichstagswahl entschieden werden. Wegen dieser Aeußerungen ist sowohl im Vorstand der Reichstagsfrottion wie beim interfraktionellen Ausschuß, insbesondere von den Mitgliedern der Deustchnakionalen Partei, Beschwerde bei mir erhoben worden. Ich muß anerkennen, daß, wenn Sie diese Aeußerungen wirklich getan haben sollten, das vom Standpunkte der Zentrums- parte! auf das Tiefste zu beklagen wäre. Es geht nicht an, daß ein hervorragendes Mitglied der Partei Angehörigen einer anderen, mit der Zentrumspartei in Koalition befindlichen Partei den Vorwurf einer Gesinnungslumperei macht. Ganz unbegreiflich ist, wenn Sie in der Tat die Aufforderung an die Versammlung gerichtet hätten, die nichtrepublikanische Regierung im Reich möglichst bald zu beseitigen. Diese Bemerkung enthält einen unerhörten Angriff gegen die Regierung. die bis jetzt wirklich noch nicht im geringsten etwas getan hat, was den Vorwurf rechtfertigen könnte, sie verhalte sich feindlich gegenüber der bestehenden Staatsform der Republik. Die Bemerkung ist aber auch vom Standpunkt des Zentrums aus unerträglich, weil das Zentrum, nachdem die Sozialdemokratische Partei die Bildung einer Regierung mit ihr unmöglich gemacht hatte, die jetzt im Amt befind- liche Reichsregierung aus wohlerwogenen, staatserhaltenden Gründen mitgeschaffen hat. Ich muß Ihnen, in meiner Stellung als Vor- sitzender der Deutschen Zentrumspartei, die Bitte vortragen, mir umgehend eine Mitteilung darüber zugehen zu lasten, ob Sie die oben angeführten Aeußerungen tatsächlich gemacht haben. Für den Fall der Bejahung müßte ich Sie um eine gefällige Aeußerung darüber bitten, welche Schritte Sie zu tun gedenken, die in solchem Falle mtt den Pflichten eines Zentrumsanhängers von selbst geboten find. Würben solche Schritte von Ihnen nicht in Aussicht gestellt werden, dann würde ich mich zu meinem Bedauern, im Zntereste des Ansehens und der Würde der Zentrumsparlei. genöligt sehen, die mir erforderlich erscheinenden Maßnahme» zu treffen. In vorzüglicher Hochachtung! gez. Marx. Vorsitzender der Deutsche« Zentrmnspartei. wirth antwortet Marx. Der Artikel, in besten Rahmen Wirth feinen Brief wieder- ibt, trägt die lleberschrtft:.Lein Streit nrn Worte, bwehr und Angriff". Zunächst verwahrt sich Wirth dagegey, daß die Streitfragen auf das formale Gebiet abge- schoben würden. Es gelte vielmehr die Sache zu sehen, und die polittsche Lag« sei nicht ohne Bedrohung. Persönliche Sympathien und Antipathien dürsten kerne Rolle spielen. Mit ihrem Kieler Parteitag hätte die Sozialdemokratie den Weg zu Koalitionsbildungen mit den bürgerlichen Par- teien m aller Form neu geöffnet, auf der anderen Seite ver- suchen die Deutschnationalen, um die Sozialdemokratie abzu- wehren, das Zentrum im Bürgerblock für alle Zeiten festzu- machen. Dann fährt Wirth fort: Herr Marx trägt etwas stark auf. Er glaubt, daß ich in Königs- berg, nach seinem Briefe, den Satz geprägt habe:„Sorgen Sie dafür, daß die republikanische Regierung in Preußen bleibt, und daß die nichtrepublikanische Regierung im Reiche möglichst bald verschwindet. Das muß muh in der nächsten Reichstagswahl entschieden werden." Ich streite vorerst noch nicht darüber, ob das der genaue Wortlaut aus einer meiner in Königsberg gehaltenen Rede ist. Ich würde auch in diesem Wortlaut durchaus etwas politisch Zulässiges sehen. wie empfindlich sind doch heute unsere Minister geworden! Mein Hinweis auf die kommende Reichstagswahl sollt« doch für jede« Kundigen die Frage, um die es sich handelt, genügend um- schreiben. Mehrmals schon habe ich, und erneut auch w Königsberg, ausgeführt, daß die ganze Frage sich dahin konzentriert, bei der nächsten Reichstags wähl zwei bN�drei Dutzend entschiedene RepubN- kauer mehr w den Reichstag zu bringen. Glaubt jemand, daß dann noch im Innenministerium und im Reichsjustizministerium ein Reaktionär sitzen könnte? Ich mache eben aus meinem Herzens- wünsch keinen Hehl. Ich stehe der heutigen Reichsregierung ab- lehnend gegenüber. Ich steh« z» ihr in Opposition. Dem wurde mehrmals deutlich Ausdruck gegeben. Mein„Rein" ist amoiderrufbar. Wenn man also zu einer Regierung in Opposition steht und das deuttich durch de« Sttmmzettel erklärt, so ist es ganz selb st ver- ständlich, daß man diese Regierung möglichst bald gestürzt sehen will und alles tut, diese Regierung zu Fall zu bringen. Der Zeitpunkt ist damit noch nicht berührt, er siegt in der Entwicklung selbst beschlossen. Wenn also die Zenlrumsparlei glaubt, daß meine Opposikiou»' stellung mit der Zugehörigkeit zur Zentrumsparlei nichl vereinbar ist. so bitte ich um eine einfache klare Mitteilung darüber. Wo» Herr Marx will, geht aus dem Brief, den ich hiermit der Oeffentlichkeit übergeben will, klar und deutlich hervor. Di« nächsten Tag« führen mich zu wetteren Bcrsammlungen im Reiche. Ich werde jetzt schon alles tun, um für die kommende Reichswahl- bewegung die Republikaner zu wecken und zum Auf- bruch zu mahnen und auch der Gruppe im Zentrum meine stützende Hand zu leihen, die ein« stärkere Vertretung ihrer Meinungen in der Fraktion erstrebt. Bon Herrn Marx stammt das interessante Wort:»Die heulige Zealrumsfrakkion evffprtcht nicht mehr der Zu- sammenfehong ihrer Wähler!" Man kann den Brief des Reichskanzlers»md die Antwort Dr. Wirths kaum anders verstehen als so, daß der Reichs- kanzler als Vorsitzender der Zentrumspartei Wirth mit dem Die Desthlüsse öer völterbunüsligen. Der Berliner Kongreß beendet. Bei der Beratung des Berliner Bötterbundskongresies über polittsche Fragen legte der deutsche Dertreter, Graf Bernstorff, eine Entschließung vor, in der die Rückkehr Argentiniens in den Völkerbund gefordert wurde. Der argenttnisihe Delegiert« hob in feiner Erwiderungsansprache hervor, daß nach Nachrichten, die er soeben erhalten hat, der argenttnische Kongreß wahrscheinlich in den nächsten Monaten den dahingehenden Beschluß fasten würde. Sodann beschäftigte sich der Kongreß mit dem Problem der Gliederung des Völkerbundes. Er nahm Stellung zu der p a n- europäischen Bewegung. Die angenommene Entschließung weist darauf hw,„daß bei der wirtschaftlichen Berbundenhett der Welt jeder Krieg die Tendenz hob«, zu einem Weltkrieg zu werden. So seien regionale Staatengruppen mit genau umrisieneu Zielen durchaus berechtigt und sogar in gewissen Fällen als lieber- gangsstadien erforderlich. Jedoch muß das Ziel ein einiger, universeller Bölkerbund bleiben. Besonderen Wert legte der Kongreß auf die Tatsache, daß streng konttnewale Gruppen den tatsächlichen Begebenheiten in keiner Hinsicht entsprechen und daß durch sie Rivalitäten hervorgerufen werden könnten, die leicht zu einem neuen Weltkrieg führen würden." Bei dieser Entschließung handelt es sich nur um eine Stellungnahme zu den Staaten- gruppierungen. Die Gruppierung von Parteien und Ge- werkschoften, Wirtsehaftsverbänden und Industriezweigen hat mit dieser Entschließung nichts zu tun, die sich allein auf Staaten bündnist« bezieht. Da seit dem Scheitern des Genfer Protokolls noch immer die Lücke' des Völkerrechtes nicht ausgefüllt ist, die den Krieg unter ge» Kein Streik m»er Metallindustrie Die dreiviertel Mehrheit nicht erreicht. Das Abstimmungsergebnis in der Berliner Melallindu- sttie lag gestern in spater Rachlstnude noch nicht-vollständig vor. Doch ergibt die bisherige Zählung, daß die zum Streik notwendige Dreiviertelmehrheit nicht orreicht ist. Ausführliches flehe vierte Seite de» Hauptblatte». wissen Bedingungen gestattet, nahm der Kongreß eine Entschließung an,«inen allgemeinen Vertrag abzuschließen über„das verbot des Angriffskrieges, die Feststellung des Angreifers und die endgülttge friedlich« Regelung aller Stveittgketten". Desgleichen sollen überall da in der Welt, wo Spannungen entstehen können, noch dem Beispiel von L o c a r n o Nichtangrstfs- und Schiedsverträge abgeschlossen werden. Da der Balkan durch Italien bedroht ist, wurde eine besondere Eni- schließung, trotz des offensichtlichen Widerstandes der italienischen Delegation, beschlossen, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß sich alle Mitgliedsstaaten des Bölkerbundes— auch Italien— den Balkanvölkern gegenüber sich von dem Grundsatz der politischen Unabhängigkeit und der Unversehrl- heit des Gebietes leiten lassen. Zur Abrüstungsfrage weist eine Entschließung des Kongresses darauf hin, daß es sich nicht nur um eine Begrenzung. sondern auch um eine Herabsetzung der Rüstungen handelt und daß die Locarnovertröge ausdrücklich abgeschlosien sind, um die Sicherheit zu erhöhen und so die Abrüstung zu erleichtern. Die Entschließung fordert ferner, daß ein Verfahren zur U« b e r- w a ch u n g der Abritsttingsverträge und zur Entscheidung über Ver- letzung der Abrüstungsverträge geschassen wird. Die Völkerbunds- gesellfchaften werden aufgefordert, die Propaganda fiir die Ab- rüswng energisch zu betreiben. Der Kongreß schloß mtt einer von stürmischem Beifall aus- genommenen Dankansprache des Borsttzenden Prof. Aulard an die deutsche Delegation und nicht minder beifällig aufgenommenen Dankesworten des deutschen Delegierten an den französischen Präsidenten. Stresemann vor den Bölkerbundfreunden. Auf einem Festbankett der Deutschen Liga für dm Völlerbund erklärt« Dr. Stresemann in einer Red« u. a.: Die große Mehrzahl der führenden Männer Deutschlands sei aufrichtig gewillt, an den Aufgaben des Dölkerfmnde« mitzuarbeiten. Der weg habe von der Ablehnung zur Skepsis, von Skepsis zu vertrauen geführt. Freuen wir uns, so erklärte Dr. Stresemann, daß Deutschland dm Weg zum Völlerbund und der Döllerbund dm Weg zu Deutschland gesunden hat. Ausschluß aus der Partei bedroht, während Wirth an- kündigt, daß er in diesem Fall und auf alle Fälle die A n- Hänger des Zentrums mobil machen werde. In diesem Ringen ist für den Augenblick Marx der stärkere, weil er die Waffe der P a r t e i d t s z i p l i n in der Hand hat. Gegen ihn aber ficht Wirth mit der Waffe einer Idee, der die Zu- kunft gehört. Marx ist der offizielle Führer der Partei, Wirth ist die stärkere Persönlichkeit. Seine Schwäche hat Marx nicht zum erstenmal bewiesen. Das hat er getan, als er, der Kandidat des Volksblocks bei der letzten Reichspräsidentenwahl, die Führung der Bürger- blockregierung übernahm. Für ihn hat damals Wirth leiden- schaftlich gestritten, und heute kann gesagt werden, daß Marx damals als„kleineres UebeT der Arbeiterschaft nur deshalb annehmbar war, weil Wirth hinter ihm stand. Ohne Wirth hätte Marx niemals die Millionenzahl an Stimmen erreicht, die sich damals auf Ihn vereinigt hat. Jetzt stehen die beiden Männer gegeneinander in bitterster Fehde. Warum? Weil Marx den Weg, den er damals ging, verlassen hat, während Wirth sich selber treu geblieben ist. Da liegen die Wurzeln des Konflikts, der durch den Hin- weis auf die Parteidisziplin höchstens formal zu erledigen ist. Diese formale Erledigung kann ihn sachlich nicht beenden. Wirth ist der Worfführcr jener Zentrumswähler, die der Entwicklung, die ihre Partei im Reich genommen hat, fassungs- los gegenüberstehen. Wie groß oder wie klein ihre Zahl ist, läßt sich nicht feststellen, aber sie sind da. Wenn sich auch kein anderer so weit vorwagt wie er, so ist Wirth doch kein Ein- gänger. Weil Marx gegenüber den Deutschnationalen schwach ist, will er gegenüber Wirth stark sein. Er ist bereit, den Freund auf dem Altar des Bürgerblocks zu opfern. Wirth hat die Annahme des Gesetzes zum Schutz der Republik durch die Deuffchnationalen eine„Gefinnungs- lumperei" genannt. Kann man sich darüber wundem? Wirth war der Kanzler des Zentrums, der dieses Gesetz einbrachte, und es gegen die D e u t s ch n a t i o n a l e n durchsetzte. Er hat es begründet mit dem berühmten Wort:„Der Feind st e h t rechts!" Er hat als führender Mann des Reiches und als führender Mann des Zentrums all die leidenschaftdurchtvbten Kämpfe erlebt, die diesem Gesetzentwurs vorangingen und seine Gesetzwerdung begleiteten. Wenn er jetzt sieht, daß �ie Geltungsdauer dieses Gesetzes mit den Stimmen der Deutschnationalen verlängert worden ist— wen wundert es. daß ein Wort der Verachtung über fein« Lippen gleitet? Und darum will inan ihm jetzt den Prozeß machen? Das erscheint menschlich als ungeheuerlich. Aber politisch ist es nur konsequent. Es ist die Konsequenz der Bürgerblock- Politik. Sie hat ein Zentrum geschaffen, in dem kein Platz mehr ist für einen Wirth! Die Sitzung des Zentrumsvorstandes am Freitag ist in der Tat— soweit Hot die„Germania" recht— nicht wegen des Falles Marx-Wirth einberufen. Sie sollte sich vielmehr mit den Verhandlungen beschäftigen, die mit der Bayeri- schen Volkspartei wegen eines gemeinsamen Vor- gehens mit dem Ziel der Einigung geführt worden sind. Aber der Fall Marx-Wirth wird sich ganz von selber auf die Tagesordnung drängen, und so wird die„Kreuzzettung" recht behalten. Die Sißunq wird nicht so gemächlich verlaufen, wie man dachte, als sie einberufen wurde. Denn jetzt brennt es. Der Reichslaqsausschuß für Dcamtenanaelegenheiten beichloß bei der dritten Lesung der Reichsdicnststrasordnung entsprechend einem Antrag des Abgeordneten Dr. R o s c n s e l d(Soz.), daß der Angeklagte, wenn er bei der Urteilsverkündung anwesend ist, über die Einlegung des zulässigen Rechtsmittel» und über die Form und Frist der Einlegung des Rechtsmittels und der Begründung belehrt werden muß. Da» Urteil soll schristlich mit Gründen ver» schen niedergelegt werden und die Unterichristen sämtlicher mit- wirkenden Mitglieder der Rcichsdienststraftammer tragen. Stegerwalö unü öie Sozialdemokratie. Unnötige Besorgnisse. Der frühere Ministerpräsident Preußens und Zentrums- führer S t e g e r w a l d hat in einer vielbeachteten Ver- sammlunosrede in Höxter das Ergebnis des Kieler Partei- tages uno die politische Stellung der Sozialdemokratie einer Kritik unterzogen. Ueber die preußische Regierungstoalition führte er dabei nach der„Germania" aus: Sozialdemokratie und Demokraten fühlen sich bis zu den nächsten Wahlen bei dem gegenwärtigen Zustand, bei dem dl« Zentrums- Partei im Reiche die Garantie bietet, daß große außen» und inner- potttische Rückschläge nicht«intreten, während sie sich unterdessen In Preußen behaglich einrichten können, sehr wohl. Aufgabe der preußischen Zentrumsfraktion wird e» sein, diese Behaglichkeit nicht auf Kosten der Gesamt-Zentrumspartei zum sozialistisch- demokratischen Paradies anwachsen zu lassen. Vor einigen Jahren hat die Bayerische Votkspartei erklärt, daß sie sich In Bayern nicht in eine Ltnkskoalition einließe. Do» hat dahin g«> führt, daß die Rechtspartelen fast unausstehlich anspruchsvoll wurden. In Preußen gibt es Zentrumsleute, die aussprechen, daß sie sich umgekehrt auf keine Rechtskoalition einliehen; da» darf nicht dahin führen, daß die preußische Zentrumspartei zum G«. f a n g e n e n der sozialistisch-demokratischen Koalitionsmehrheit wird. Die foziallstlsch-demokratlsch« Mehrheit de» Preußentabinett» sucht in neuerer Zeit die Reichspolitik auf dem Wege über den Reichsrat mit sachlichen Verbrämungen planmäßig zu durchkreuzen. S a ch- liche Vorwände lassen sich bei Kompromihgesetzen, die alle verwundbare Stellen ausweisin. Immer leicht finden. Hier ist Achtsamkeit angebracht. Die Zcntrumspartei ist nicht dafür da, um im Reiche sozialistische Torheiten einzurenken und sich zum Danke dafür von Preußen her sozialistisch-demokratische Knüppel zwischen die Beine werfen zu lassen. Welchen Eindruck diese» Gegeneinanderreglepen Im Auslande macht, da» für das deutsche Zuviel- und Nebeneinanderregieren ohnehin kein Verständnis aufbringt, und daß mit diesem Schauspiel die Revision des Dawes-PIanes nicht erleichtert wird, liegt auf der Hand. Etegerwald scheint sich schon sehr weit von den Pro- blemen der praktischen Politik Preußens entfernt zu haben; sonst würde er nicht die Sache so darstellen, wie er es tut. Der Preußentag des Zentrums hat jedenfalls gezeigt, daß seine Besorgnisse von seinen engsten Parteifreunden nicht geteilt werden. Entlarvte Demagogie. Tie reaktionären Angriffe gegen das Reichsbanner in Bayern zusammengebrochen! München, 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« von den Deutsch- nationalen im Bayerischen Landtag versuchte Jnsamierung des Reichsbanner» hat mit einer schweren Blamage für die Reaktionär« aller Schattierungen, insbesondere für die Deutschnatio- nalen, geendet. Da mit den verleumderischen Angrissen auf das Reichsbanner vor ollem auch die Sozialdemokratie getroffen werden sollte, war für den soziakdemokratischen Redner Dr. Högner aller Anlaß gegeben, mit den deutschnationalen Drahtziehern in Bayern aus das gründlichste abzurechnen. Cr konnte dabei einwandfrei nachweisen, daß die deutschnationalen Führer in ihren söge- nannten vaterländischen Verbänden seit Wochen die schlimmste Bnmnenvergistung getrieben haben, dieselben Leute, die im Jahr« 1922 und 1923 die Millionrnbeträg» de» französischen Obersten Richard zu vaterländischen Zwecken in München verwindet hoben und deren Schützling« von damals und von heute die Devise gegen die Arbeiter ausgegeben haben:„Blut muß stießen, Blut und noch- mals Blut!" Die Folge davon war: daß in der kurzen Zeit von sechs Monaren nicht weniger als vier sozialdemokratisch« Arbeiter von rechtsradikalen Gegnern hinge- mordet wurden. Gegen die bayerisch« Regierung erhob Högner den Vorwurf der Schwäch« und der Angst vor dem rechtsradikalen Terror, wodurch aufs neue der Wog für Ereignisse des Jahres 1923 geebnet und die oerfasiungstreue Bevölkerung brutal unter- drückt wurde. Es war bezeichnend, daß auf die schweren Anklagen von sograt. demokratischer Seit« der verantwortliche Innenminister mit keinem Worte antwortete. Wie ein geschlagener Hund wehrte er sich lodiglich gegen einige schüchterne deukschnationale Bor- würfe wegen Verfagens der Polizei bei dem schworen Zu- sammenstoh; aber auch die Deutschnationalen gaben ihre schwere Abfuhr, die sie erlitten hatten, offen zu. denn sie fanden nicht einmal den Mut, in der Besprechung ihrer Interpellation das Wort zu nehmen, ihre verleumderische und heuchlerische Haltung zu recht- jertigen._ Reichstagung üer /lrbeiterwohlfahrt. Zeitsragc« der Jugendwohlfahrt. kiel. 51. Mal.(Eigener Bericht.) Unter starker Beteiligung au» allen Bezirken de» Reiches sand im Anschluß an den Parteitag in Kiel die Tagung de» Hauptausschusse» für Arbeiierwohlfahrt statt. die sich als Thema die Behandlung der.Lettfragen der Jugendwohlfahrt" gestellt hatte. Als erster Redner sprach der Kieler Bürgermeister Dr. H e i m e- r! ch über„Iugendwohlsahrt und sozialistische Weltanschauung", Iugendwohlfahrtspslege sei eine Erziehuirgsangelegenheit und daher nicht denkbar ohne weltanschauliche Grundlag«. Er wandte sich gegen die Versuche der katholischen„Karitas", der Tätigkeit der Arbeiterwohlfahrt Grenzen ziehen und sie festlegen zu wollen für Personen oyne religiöses Bekenntnis, mit sozialistischer Welianschau- ung. Sogar das Recht, als interkonsefsionclle Organisation angesprochen zu werden, wollte man der Arbeiterwohlfahrt versagen. Der preußisch« Wohlsahrtsminister mußte schließlich selbst in einem besonderen Erlaß die Auffassung der„Karitas" als abwegig be- zeichnen. Während sich die Sozialdemokratie nie mit Freidenkerlum identifiziert, sondern stets den Grundsatz der Erklärung der Religion zur Privatsache vertreten hat, versuchen die Gegner immer noch mit der Auffassung von der christentumsseindlichen, gottesleugneri- ilben Sozialdemokratie vorzugehen. Der Redner erklärte demgegen- über, die Vertreter der Konsessionen müßten sich daran gewöhnen. daß die Arbeiterwohlfahrt keine Konfession ist, daß die sozio- listische Weltanschauung auf einer anderen Linie liegt. Der Gegen- satz zu den Konfessionen rührt, wie der Redner unterstrich, von ihrer Verbindung mit der kapitalistisch-bürgerlichen Auffassung, von der Tatsach«, daß sich die Kirchen im polltischen Kamps a u f d i e S e i t e der Unterdrücker, der Renktlon stellen. Als das Entschei- den de für die Aufgaben in der Iugendwohlfahrtspslege bezeichnet« er die Erziehung zur gesellschaftlichen Tüchtigkeit, die Bildung eine» neuen Blenschcatyps durch geistige Loslösung des Kindes au» der alten Welt des Kaplta- lismu». Dieser Kamps werde sich vor allem auf dem Gebiete der Schul« abspielen. Daneben gelte es, eigen« Heime und Anstalten zu errichten. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Frag« an die Konsessionen: Wie steht ihr zum Sozialismus? Er schloß unter'stürmischem Beifall, indem er dem Wunsche Ausdruck gab, daß im Kampf für eine neue Kultur, für die Wohlfahrt aller in einer tlasienlosen Gesellschaft aus den Gegnern von heute An« Hänger vor mongen werden. Um da» Einverständnis mit den grundsätzlichen Ausführungen des Redners zum Ausdruck zu bringen, wurde von einer Aussprach« obgesehen. Darauf sprach Genossin Regicrungsrat Dr. Spindler- Wiesboden über„Grenzen der Familienfürsorge tn derIugendfürsorge. Fürsorge, so erklärte die Rednerin, sei nicht Selbstzweck. Ihre Ausgabe sei vielmehr, sich selbst überflüssig zumachen. Einstweilen könnte allerdings weder die behördlich« noch die private Fürsorge entbehrt werden. Maß- gebend für die Fürsorgetätigkeit sei, ob sie die Fürsorgerinnen aus kapitalistischer oder sozialistischer Weltanschauung leisten. Die best« Grundlage sei die Familienfürsoroe, da» Ziel der idealen Fürsorge. Demgegenüber sei die Spezialfursorge aus ein Mindestmaß zu beschränken. In der Duqendsürsorg? kreuzen und verbinden sich geiundhellllchc, wlrtschaslllche und Erzlehuugssür- Sorgen. Insolgedefsen gehören Säuglings- und Kleinkinderfürsorg». Zslegekinderaussicht. Schulpfleg« und Erholunasfürsorgc in die Hand der Familiensürsovgerin, wobei da» Schwergewicht auf die gesund- heitlickie Fürsorge zu legen ist. Eine Ergänzung bedürfe die«inbeit- liche Fürsorge in Einzelfällen der Gesundheitsfürsorge(chronisch« Tuberkulose, Trinkersüffonge. Geschlechtskrankenfürsorge). In der Gefährdetenfürsorge ist die Ergänzung regelmäßig eine Notwcndiq- keit. Schutzaufsicht. Poilzeiftirsorge, Pslegeamtsarbeii, Jugend- gerichtshilfe usw. ist durch F a ch h i l f e zu ergänzen. Die Rednenrt faßte ihre Ausführungen dahin zusammen: Gute und beste Arbeit Das Werk See öuchkünftler. Internationale Luchkunstausstellung Leipzig 1K?7. Am Sonnabend fand in Leipzig die Eröffnung der vom Verein Deutscher Buchkllnsiler in Gemeinschaft mit den Künstlervcrbünden von zwanzig Nationen organisierten Ausstellung moderner Buch- tunst statt. Der Präsident der Ausstellung, Professor Hugo Steiner, Prag, betonte in seiner Eröffnungsansprache die verbindende Kraft, die im gemeinsamen Wirken der internationalen Künstlerorganisationen zwischen den Kulturvölkern der Welt wirtsam werde, und gab mit wannen Worten seinem Danke an die werktätigen Männer an Setzkasten, Druckpresse und Buchbinderlade Auedruck, mit denen die Künstlerschaft in unzertrennbarer Arbeitsgemeinschaft voll gegen- seitigen Verständnisses wirkt. Nach den Begrüßungsreden der Regierungsvertreter und einem Bortrage Gerhart Hauptmanns, der gemeinsam mit Adolf von Harnack und Max Liebermann das Protektorat der Ausstellung führt, sand ein Rundgang durch die in den Räumen de» Städtischen Museums aufgestellte Sammlung statt. In mehr als 40 Räumen haben rund 1190 Künstler, nach Nationen geordnet, ihre Werte ausgestellt. Eingangs empfängt den Besucher die von Karl Hobrecker zusammengestellte Sammlung „Das Kinderbuch aller Völker". Schon hier wird, ebenso wie in fast allen anderen Teilen der Ausstellung, es klar effichtlich, daß dem internationalen Kunstschaffen mehr gemeinsames al» unter- scheidendes anhaftet. Besonders wichtig sind hier die Arbeiten S l« v o g t s sowie die Werke der russischen Buchkunst, die als Nutznießer einer voraussctzungslos neugeschaffenen Kultur mit absolut neuartigen Mitteln um die Wirkung ringen kann. Die anschließenden Räume bergen Zusamenstellungen deutschen Schaffen«. Keiner der großen Buchkünstler wird hier vermißt. Marcus Behmer, E. R. Weih. F. H. Ehmke, Walter T i e m a n n, S-t e I n e r, Prag. Georg M a t h � y sind mit Kollektivausstellungen vertreten. Ein Hauptsaal ist den Werken Gerhart Haupt- mann» gewidmet, während die Wände Porträts und Karikaturen auf ihn zieren. Daß auch die Ehrenzeichen des Dichters als Mittel- punkt der Sammlung Aufftellung finden durften, scheint etwas zu- viel des Guten. Erfrischend ist es deshalb, im nächsten Räume Rudolf Kochs tief im Handwerklichen verwurzelte Kunst begrüßen zu können. Was hier von ihm und seinen Schülern in inniger Hingabe an daS Objekt geleistet worden ist, hat Anspruch auf vollst« Beachtung. Die bibliophile Sammlung Dr. Klingspors bietet sich hier in der engen Auswohl des beschränkten Raumes al» eine Zusammen- stellung kostbarer Bucheinbände, zu der fast jeder unserer bedeutenden Eülkxmdmeister seinen Teil beigesteuert hat. Sind diese Wunderwerk» der Einbandkunst naturgemäß nur wenigen Begüterten zugänglich, so daß die allgemein-kulturelle Be- deutung dieser Schöpfungen nur in ihrem Wirken als Vorbild ge- sehen werden darf, so ist mit Freude festzustellen, daß die beiden anderen Tätigkeitsgebiet« de» Buchkünstler«, I l l u st r a t i o n und S a tz g e st a l t u n g, sich in verstärktem Maß« dem Wirken auf «ine breitere Oeffentlichteit, der Tätigkeit für das Gebrauchsbuch zugewendet haben.„Dem würdigen Buche die würdige Form!" ist heute eine Parole, die vom bibliophilen Luxusdruck ausgehend schon bi» zum Reklamehest und Inselbuch vorgedrungen«st. Dem- entsprechend ist die gewählte Illustrationetechnit Mit Rücksicht aus die Vervielfältigungsmöglichkeit meistens der Holzschnitt, dessen Meister wir wohl in M a s e r e e l erblicken können. Bezeichnend ist es, daß die anderen Künstler, die mit ihm in der Belgischen Abteilung oereint auegestellt sind, alle Bedeutendes auszuweisen haben. England zeigt sich al« bewährter Hüter alter Tradition. Wesent- lich ist seine Kollektivausstellung des Werkes von Charles R i q u e t t s. Polen, Ungarn, Holland, Rußland, Oesterreich, die Schweiz und die nordischen Staaten, Spanien, Italien, selbst Japan und Amerika haben die Spitzenleistungen ihres Könnens nach Leipzig gesandt. In Anlehnung an die 1914 veranstaltete Luchkunstausstellung ist hier nur das Schaffen der Zwischenzeit vcrsammcll worden. Es ist erfreulich, daß auch w diesen Schöpfungen sturmbewegter Jahre vieles enthalten ist, wo» würdig erscheint, in die Reihe klassischen. Kunstschaffens aufgenommen zu werden. Bedeutungsvoll als Vorbildersammlung für da» graphische Gewerbe verdient diese Ausstellung die Beachtung aller kulturell interefsterien Kreise. Das bisher so in der Ausbildung vernach- lässtgie Aug« gewinnt allmählich für den modernen Menschen er- höhte Bedeutung. Wie es unserem Ohr angenehm wird, sich Dichtungen mit einer schrill tönenden Stimme vortragen zu lassen, so reagiert unser Auge widerwillig aus ein in häßlichen und un- passenden Typen gedrucktes Werk. Die Erziehung breiter Massen zu kulturbewußten Lesern verlangt die Beherrschung der Formen moderner Buchkunst auch bei all denen, die derartige„Aeußerlichkeiten" mit einem leichten Achselzucken glauben abtun zu können. Hermann Meyer. Staalsaper:»Ver Troubadour". Der.Troubadour" ist unter den Werken Verdis, die Weltruhm haben, wohl das un- erträglichste. Die Schwungkraft der Melodie bleibt äußerlich zwar zu bewundern, und das Temperament, das den Stimmen anvertraut scheint, reißt das Ohr mit. Auf der Streck« aber bleibt ein un- wahres, ganz verlogenes, ganz unglaubwürdiges Theaterstück der Zusäll«. der Geheimnisse, der Irrtümer. Selbst das Problem der Mutterliebe wird mit schiesen psychologischen Mitteln ongesaßt, und das Anreißerische im Gesühlsproduzieren macht auch den Eisersuchts- kämpf um Leonore zur Farce. Wenn in der S t a a t» o p e r von diesem an Moritaten reichen Bilderbuch ein starker Eindruck ans- ging, so ist das vor allem ein Erfolg des Kapellmeister» Blech. der mit unerhörter Sicherheit das Werk beherrschte und zusammen- riß, der einem italienischen Urrhyihmus Leben gab, der die Solisten auf Schönheit und Einheit der Stimmen hin erzog. Auch H ö r t h, der Regisseur, hatte die Wirkung ins Künstlerische gehoben. Zwar wurde die Treppen- und Balkonsituation dem Gesungenen gefährlich, aber das Zigeunerlager, das Ruhen und Bewegen der Soldateska. das Spiel der Dunkelheit mit dem Licht, die silhoueitenhasic Zeichnung d«r Massen, die hochgereckte Ausnutzung des Raumes in den klaren Dispositionen der Pirchanschen Dekoration zeigte gerade das Gegenteil vom Anreißerischen der Theatralik. Ein Zwiespalt zwischen Gewolltem und Gekonnten offenbarte sich dennoch auf der Bühne. Maria Remeth ist eine rassig« leidenschaftliche Leonore mit einem in der Sterbeszene elementar aufbrausenden Tempera- ment, doch ist die Enge und die Schärse ihre» Soprans aller Liebes- lyrik zuwider, und ihr Kampf gegen Rhythmus und Synkopierungen ist verwirrend. P a t t i e r a. übermüdet oder aus gesanglichem Irr» weg, braucht seinen ganzen Muskelapporat, um hohen und höchsten Tönen Schmelz zu verleihen. Spielerisch bleibt er in einer un- erlebten, gut vorbereiteten Attitüde stecken. Karin Branzels tief sonorer Alt hat sich gewandelt. Auch hier ein Hauch von amerikanischer Ileberanftrengling, der aber in großartiger Gest« und visionärer Leidenschaft verschwindet. Schlußnus singt schöner denn je, und es wächst auch sein Mut zur persönlichen Darstellung. Hier war kein Makel. Die R ü d e l s ch e n Chöre gaben dem Düsteren und dem Asfektbetonten beste Basis. So wurde immer wieder die Stimmung hochgerissen, und oftmals schwelgte man in den seligsten Gefilden einer Klangorgi«, an der das Orchester nicht den letzten Anteil hatte. K. S. Filmarchiv und Filmbibliolhet. Die Filmentwicklung geht immer noch mir solcher Debemenz vor sich, daß sie keine Zeit hat, rückwärts zu schauen, sich zu überschauen und zu sammeln. Selbst die wichtigsten Urkunden des Films, die Filme selbst, lverden nicht sorgsam bewahrt und aufgehoben. Hier herrscht noch«in Stück der modernen Barbarei, die dem ganzen Film ursprünglich anhasteie. Da ist es dankbar zu begrüßen, daß der Verlag der„Lichtbild- Bühne"(Berlin, Friedrichstr. 225) eine wohlgeordnete Bibliothek und ein Filmarchiv aufgestellt hat, das allen Interessenten zur Ver- fügung steht. 1357 Bände zählt die Fachbibliothef, die in 13 Gruppen eingeteilt Ist(darunter eine der ungednickien Dissertationen). Daneben werden 172 Fachorgane der ganzen Welt ausbewahrt. Ein Filmphoto- Archiv weist bereits LOWE Photos aus den wichtigsten Filmen«ms, alle hervorragenden Persönlichkeiten des Films ssnd weiter darin vertreten. Eine im Werden begriffene Kartothek wird alle Personalien sammeln. Das älteste Meteor. Wie m der letzten Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaft mitgeteilt wurde, wird demnächst im Naiurgeschichtlichcn Mussum von Paris ein riesiger Meteorstein auf- gestellt werden, der aus der Tamentil-Oase in der Wüste Tuat stammt. Dieser Meteorstein läßt sich noch authentischen Zeugnissen bis ins 14. Jahrhundert zurückdatieren und ist demnach das älteste bekannte Meteor. Da die Eingeborenen ihm übernatürliche Kräfte zuschreiben, war sein« Erwerbung mit großen Schwierigkeiten verknüpft. kann nur geleistet werden in der vollkommen ausgebauten Familienftirsorge unter weiser Einschaltung von Speziolfürsorge. An der anschließenden Aussprache beteiligten sich Dr. Löwen- stein. Verlin, Henriette Fürth, Frankfurt, Schmidt, Verlin Dr. Kantorowicz, Kiel, Dr. Henriques, Berlin, Rufs München, Hedwig W a ch e n he i m, Berlin, Henni Lehmann Weimar und L e i ß e, Breslau. In ihrem Schlußwort betonte Genossin Dr. Spindler noch einmal dos Zusammenwirken von Familien- und Speziolfürsorge und die Notwendigkeit der gesund- heitlichen Ausbildung der Fürsorgerinnen. Stadtrat Friedländer. Berlin, sprach über„Fürsorge für schulentlassene Jugendliche unter besonderer Be- rücksichtigung der jugendlichen Erwerbslosen Seinen Ausführungen lagen Leitsätze zugrunde, in denen zunächst daraus verwiesen wird, daß mit der Schulentlassung die meisten Möglichkeiten einer allgemeinen vorbeugenden Jugendfürsorge endigen, während nur ein Teil der Jugendlichen in der Jugend- bewegung neue Gemeinschaft und Bindung findet. Besonders schwer ist die Gesährdung der Jugendlichen durch Arbeitslosigkeit, durch die nicht nur die berufliche Förderung entbehrt, sondern auch die geistig-seelische und körperliche Entwicklunq bedroht wird. Di« Hilfsmaßnahmen für jugendliche Erwerbslose müssen daher die Gesichtspunkte der Berufsberatung und des Arbeits- Marktes mit denen der S o z i a l p ä d a g o g i k eng verbinden. Träger der Einrichtungen für die jugendlichen Erwerbslosen müssen Arbeits- oder Jugendamt sein. Zweckmäßig wird eine Berbindung zwischen kommunaler Selbstverwaltung mit den Gewerkschaften und der Jugendbewegung sein. Für die berufliche Ausbildung empfehlen sich Werkstätten, für die soziale Fürsorg« Jugend Heime mit Gemeinschaftsleben. Eine Erweiterung der Berufs� schulpflicht für Erwerbslose unterliegt bei der heutigen Gestalt der Berussschulen ersten Bedenken. N o t st a n d s ar b e I t e n für Jugendliche sollen einen ausreichenden Lohn sichern, Pflicht arbeiten sind zu vermeiden. Die Lermittluna von Jugendlichen in die Landarbeit, zumal ohne ausreichende Prüfung der Arbeits stellen, kann nicht bedingungslos gebilligt werden. Zu v«r- werfen ist auch die Ausgestaltung der Kurie und Einrichtungen im Sinne einer Arbeitedienstpflicht. Der Redner gab zum Schluß einen Ausblick in die Zukunft. Das Iugendproblem bleibe auch weiterhin wichtig, besonders wenn nach 1932 die Zahl I Schulentlassenen wieder steigt. An der anschließenden Aussprache beteiligen sich Direktor H ü f f m e i e r. Hamburg, Toni P f ü l s s, München, Böttcher, Kiel, Rufs, München und Henriette Fürth, Frankfurt. Dann fand eine Entschließung einstimmig Annahme, in der die Anhänger im Lande aufgefordert werden, ihr ganz besonderes Augenmerk auf das am 1. Oktober in Kraft tretende Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten zu richten: „Von der Ausführung dieses Reichsgesetzes in den Ländern und Gemeinden hängt e» ab, ob das Gesetz den gewollten Fort- schritt für die Bevölkerung bedeutet. Die Aussührungebestim> mungen der Länder und Gemeinden müssen von einem wahrhaft sozialen und fortschrittlichen Geist getragen sein. Im Gegensatz zum alten System ist dafür zu sorgen, daß die Sicherung der Bolksgesundheit durchgeführt wird, wobei die Er- fassung aller Geschlechtskranken jedoch lediglich in gesundheitlicher und sozialfürsorgerischer Weise unter Vermeidung jedes unnötigen Zwanges und jeder gesellschaftlichen Schädigung geschehen muß. Der Begriff minderbemittelt ist möglichst weltgehend auszulegen, um den Anspruch auf kostenlose Behandlung bis zur Heilung möglichst auszudehnen. Die Reichskonferenz fordert die Genossen und Genossinnen auf, dafür zu sorgen, daß in der be- nölkerunqepolitisch, sozial und kulturell so überaus wichtigen Frage der Ueberwindung der Geschlechtskrankheiten und der Prostitution neue besser« Weg« gegangen werden." Zwei weiteren Entschließungen, die gesetzliche Regelung des Urlaubs für Jugendliche und die Regelung der Fürsorge für jugendliche Wanderer verlangen, wurde grundsätzlich zugc- stimmt.— Am Schluß der Tagung wies Genossin I u ch o c z noch einmal auf die ernste und zielbewußte Arbeit hin, di« die Arbeiter- wohlfahrt auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege leistet, so daß sie in kurzer Zeit zu einem Machtfaktor geworden ist. Trotzt! mit Ausschluß beüroht. Wegen eines Borstoßes zugunsten Tinowjcws und Raders. Moskau, Zl. Mai(MTB.). Die ordenMche Vollver- sammlung der kommunistischen J nloenatio aale hat ihre Tagung nunmehr beendet, Sie nahm eine Reihe von Entschließungen an. die sich auf Fragen einer nahenden Kriegsgefahr, der chinesische Revolution und der Tätigkeit der Opposition erstrecken. In einer Enlschliehung zum Aus- treten Trohki». des Kandidaten für da« Exekutivkomitee, in der Vollsitzung und des Serben w u j o w i k s ch. des Mitgliedes des Exekutivkomitees, wird festgestellt, daß ihre grundsätzliche Einstellung und ihr Verhallen mit ihrer Stellung im Exekutivkomitee unvereinbar seien, sveide hatten sich für Sinowjew und Radek eingesetzt und die offizielle bolschewistische Politik schwer ange- orlsscn. Red. d..V.') Jegliche Fortsetzung Ihre» fraktionellen Kampfes wird ihnen strengsten» untersagt, und das Präfl- dwm des Exekutivkomitees bevollmächtigt, sie im Falle einer Fort- sehung des Kampfes auszuschliehea. weiter wird die Kommunistische Partei aufgefordert, entschiedene Maß- nahmen zum Schutze der Partei vor dem fraktionellen fiamps Trohkis und Singwjews zu ergreisen. Die Vollversammlung veröffentlicht einen A n f r u f. in dem die werktätigen und unterdrückten Völker der ganzen Welt zur Verteidigung der chinesischen Revolution und zur Unterstützung der Sowjetunion ausgesordert werden und hingewiesen wird, daß der Bruch zwischen England und der Sowjetunion ein Zeichen größter Kriegsgesohr sei. Zerfall der Opposition oder Ttiunaungsmachc? Moskau. 30. Maias Land regieren, dann kann selbst die Bourgeoisie auf ■> i e Dauer nicht mit. Natürlich wird das Proletariat immer eine eigenen Wege im Kampf gegen Faschismus und Bürgertum gehen. Für olle Völker ist die Frage in hohem Maße wichtig, wie weit der Faschismus auf andere Länder übergreift. Der Fa- schismus ist trotz seines nationalen Müntelchens eine internationale kapitalistische Angelegenheit, die besonders in jungkavitalistischen Ländern an Einfluß gewinne. Das sehe man an den Balkanstaatcn. Aber auch in England mache man jetzt den Versuch, die Arbeiterschaft durch das A n t i- aewerklchaftsgesetz zu unterdrücken. Sollten in Deutsch. l a n d ähnlich« Bestrebungen sich geltend machen, so würde, davon sei er überzeugt, das deutsche Proletariat gesä>lossen Widerstand leisten. Modigliani appelliert an das internationale Proletariat, zu er- kennen, daß der Faschismus keine fernliegende italiensche Sache sei, der Kampf gegen Faschismus ist unser, ist euer Kampf, ruft er aus. Aller Freiheit ist bedroht von Wirtschaftskrisen und Kriegs- gefahr, denn immer ist eine Diltotvr auf miUtärisdfe Paraden und Kriegsdrohungs r angewiessn, wie Mussolinis Verhalten gegenüber Jugoslawien zeigt. Deshalb im Geist der Solidarität aus zum internationalen widerstand! Der Krieg ist eine Illusion, der Friede ist der Sozialismus, deshalb auch die Feindschaft des Faschismus gegen den Frieden, weil im Frieden die Sozialdemokratie weichst. Wenn wir den Faschismus international niederschlagen, dann bereiten wir am besten den end- gültigen Sieg des Sozialismus vor. Modiglionis Ausführungen fanden stürmische Zustim- mu ng. Mit dem Gelübde, fest zusammenzustehen im Kampf gegen den Faschismus, und einem Hoch auf die internationale Sozial. demotratie wurde die Versammlung vom Genossen Litte ge- schlössen. Tapferes Bekenntnis vanüervelües. Abwehr faschistischer Angriffe. Brüssel. 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die belgische reaktio- näve Press« betreibt seit einiger Zeit eine skrupellos« persönlich« Hetze gegen den Außenminister VandervelVe. Dies« Hetze kam am Dienstag in einer Interpellation des klerikalen Faschistenfreundes, Abgeordneten S e n z o t, zum Ausbruch Senzot warf Vandervelde vor, er beleidig« durch sein« Erklärungen und Handlungen den italienischen Außenminister Mussolini und ge- fährde damit di« Freundschaft Belgien» mst Italien. Vandervelde habe am 1. Mai auf einer Demonstration gesprochen, wo auch«in italienischer Flüchtling da» faschistische Regime geißelt«. Dagegen habe er sich als Außenminister von einer Beranstaltung in Brüssel zu Ehren italienischer Kriegsinvaliden ferngehalten. Endlich habe Vandervelde in einer deutschen Zeitung einen Artikel über die China- Politik veröffentlicht und darin erklärt, Belgien werde sich mit keinem Mann an einer etwaigen militärischen Aktion gegen China beteiligen. Dies habe England besonders verstimmen müssen. vandervelde treibe als Außenminister die Politik de» internakio- nalen Sozialismus und schädige damit die Interessen Belgien». Vandervelde antwortete auf die Interpellation sofort. Er sagte, er bedaurc, nicht mit der gleichen Freiheit sprechen zu können wie sein Ankläger und stellte dann fest, daß sein« Politik in allen Punkten die oolleZustimmung der Gesamtregierung habe. Was seine persönliche Haltung betrifft, so schädig« nicht sie die Interessen Belgiens, fondern die reaktionär« perfon- l i ch e H e tz e, die ohne Rücksicht aus die außenpolitischen Interessen Belgiens aus innenpolitischen Zwecken Kapital schlagen will.„Man wirft mir vor. daß ich keine persönlichen Beziehungen zu Muffoltnl unterhalten will. Mussolini und ich waren früher Kampfgenosse«. Seitdem aber hol sich ein Abgrund zwischen uns ausgetan, der per- sönliche Beziehungen zwischen un» unmöglich macht. Wer da» nicht begreisen will, der begreift eben nicht, daß man dadurch, daß man Minister wird, noch nicht seine persönliche Heber- zeugung ändert. In bezug auf di« Maifeier fragte Vandervelde, seit wann ein Minister nicht an Feiern seiner Partei teilnehmen dürfe. Der italienische Redner auf dieser Feier habe sich jedes per- persönlichen Angriffs auf Mussolini enthalten: ,Jch habe," so fuhr er fort,„für das italienische Volk und insbesondere für die unglücklichen italienischen Kriegsopfer die wärmsten Sympathien. Ich habe deshalb auch den Besuch der italienischen Kriegsbeschädigten durchaus gefördert, aber nahm nicht persönlich an der Veranstaltung teil, weil ich nicht übersehen tonnte, ob die Führer dieser Kriegsbeschädigten nicht bekannte faschistische Polftifer waren. Was China anbetrifft, so wiederholte ich in dem ausländischen Zeitungsartikel nur das, was ich schon früher in der Kammer erklärt habe. Die Großmächte erwarteten auch von Belgien keine militärische Beteiligung in China. Ich habe nicht, wie wir vorgeworfen wird, den belgischen Staatsangehörigen in China verboten, in dortige Frsiwilligenkorps einzutreten, dazu hätte ich auch gar keine Handhabe gehabt, ich machte sie lediglich darauf auf- merksam, daß sie das auf eigene Gefahr täten. Zwischen meinen Pflichten als belgischer Außenminister und internationaler Sozialist besteht tetneriei Widerspruch, denn Belgien ist in der Verteidigung seiner Interessen osfenfichtlich konform mit senen, die zur Wahrung des Friedens dienen." Vandervelde schloß:„Wenn Sie der Ansicht sind, daß das Amt des Außenministers mit der Eigenschaft als Sozialist u n v e r e i n> bar ist, dann bitte ich Sie, es nur zu sagen, wir werden es uns nicht zweimal sagen lassen: ebenso, wenn sie von uns verlangen, das Asylrecht ausländischer Flüchtlinge anzulasten, dann würden wir keinen Augenblick länger in der Regierung bleiben!" Anschließend sprach Ministerprästdent I a s p a r, der Lander- velde in jeder Beziehung unterstützte. Streifen tritt man Zeitungsmeldungen entgegen, wonach die Note an Aegypten ein Ultimatum darstelle. Man bezeichnet die Note als eine„in freundschaftliche, aber entschiedene Worte gekleidet« Warnung" an Aegypten. Was über den I n h a l t der Note bekannt geworden ist, beweist, daß sie praktisch aus eine Sicherung dervölligenbritischenKontrolleder ägyptischen Armee für alle Zukunft hinauskommt. Insbesondere verlangt die Note, daß auch in Zukunft lediglich ein britischer Offizier zum Sirdar ernannt werden darf und die ägyptische Re- gierung für die finanziellen Kosten des Sirdar und seines Stabes aufkommen muß. Sowohl dieser Sirdar, als auch der britisch« Teneraltruppeninspektor muß Mitglied des ober Pen ägyp» tischen Armeerotes bleiben und ihre Machtbefugnisse dürfen weder verletzt noch«ingeschränkt werden. Die gesamte ägyptische Press« unterstützt, soweit st« nicht unter britischem Einfluß steht, die ägyptisch« Regierung in Ihrer Auffassung. daß die britischen Forderungen unannehmbar seien und mit der von Großbritannien feierlich zugesicherten Unabhängigkeit Aegyptens im Widerspruch stehen. Ergebnis üer bulgarischen Terrorwahlen. Trotz der Gewalt 100 Oppositionelle gewählt. Sofia, 3t. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die bulgarischen Parlamentswahlen gingen, wie sich nachträglich immer mehr heraus- stellt, unter beispiellosem Massenterror vor sich, wie ihn die bulgarische Geschichte bisher noch nicht gekannt hat. Polizei, Militär und unverantwortliche Elemente wurden schrankenlos auf die Opposition losgelassen. Taufende wurden verhastet, blutig ge-- schlagen und mißhandelt. Sein wunder, daß die eigentliche Regle- rnngspartei unter diesen Umständen von 273 Mandaten 173»er- oberte". In der Hauptstadl Sofia erlitt die Regierung jedoch eine schwere R l e d e r l a g e. da ihr von ll Mandate» nur vier zufielen. Die Opposition gewann nach dem vorläufig amtlichen Ergebnis insgesamt SS kammersitze. 73 davon errang der„Eiserne Wahlblock" der verbündeten Bauern. Sleinhandwerter und So- zialisten. Diese brachten es ans 10 Sitze. In de» mazedonischen Bezirken wurden ll neutrale Kandidaten gewählt, von denen zwei zu den Sozialisten zu zählen sind, so daß tatsächlich 12 Sozial. demokrate» in das Parlament einziehen. Keine Streikmehrheit in der Metallindustrie. Die Unorganifierten für Annahme. Gestern abend lag bis �lO Uhr das Abstimmunysresultat aus RA Betrieben von insgesamt 450 vor, die in der Berliner Metallindustrie dem Verband Berliner Metallindustriellen angeschlossen sind. In diesen �30 Betrieben sind rund 132 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. In den 233 Betrieben, von denen gestern Abend das Abstimmungsresultat bekannt war, sind rund 132000 Be- schästigtc. Nach dem vorliegenden Abstimmunysresultat wird das Abstimmungsergebnis der noch ausstehenden Betriebe nichts mehr an dem Gcsamtresultat ändern. Bon den 13l 873 Beschäftigten, von denen ins Abstimmungsresultat bekannt ist, haben nur 80268 für St reik gestimmt. während 20 279 für Annahme stimmten und über 31 000 sich der Stimme enthielt en. Da Stimmenthaltung bei Streik- obstimmungen als„für Annahm e" gezählt wird und zu einem Streik eine Dreiviertelmehrheit erforderlich ist, muß das Resultat als„f ü r Annahme" des Schiedsspruches gewertet werden. Zu diesem Abstiminungsergebnis wird das Metallkartell heute vormittag Stellung nehmen. Bis dahin wird das Resultat auch aus den 2l7 noch ausstehenden Betrieben mit einer Belegschaft von rund 20 000 vorliegen. An dem Gesamtresultat wird freilich nichts»»ehr geändert werden. Das Metallkartell wird sich in einer Zwangslage befinden. Es hat einstimmig den Schiedsspruch abgelehnt. Diesem Beschluß sind die Funktionäre mit derselben Einstimmigkeit bei- getreten. Metallkartell und Funktionäre repräsentieren den Or- ganisutionskörper. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Me- tallindustrie in ihrer erdrückenden Mehrheit dem Beschluß der Organisationsvcrtreter beigetreten sind. Die 80 000, die für den Streik stimmten, sind zweifellos fast olle Mitglieder ihrer Eerverkschaft. Anders verhält es sich mit den Unorganisierten. Die Un- organisierten haben ihre Funktionäre im Stich gelassen. Sie haben sich entweder von der Abstimmung gedrückt, obwohl die Bc- teiligung an der Abstimmung ihnen so leicht wie nur irgend möglich gemacht worden ist(die Abstimmung fand im Betriebe während der Arbeitszeit statt. Oder sie haben den Schiedsspruch angenommen. Warum haben die Unorganisierten entweder für Annahme des Schiedsspruches gestimmt oder sich der Abstimmung enthalten? Dorf man annehmen, daß die Unorganisierten mit dem Schiedsspruch zu- slieden sind? Nach der Stimmung, die in den Betrieben vorherrschend ist, muß diese Frage verneint werden. Auch die Unorganisierten verlangen den Achtstundentag ohne Klauseln und ohne Einschränkung. Aber während die Organisierten bei einem Streik der Unter st ützung ihrer Gewerkschaft sicher sind, oerhält es sich ganz anders mit dem Unorganisierten. Diese stehen in einem Kampfe fast schutzlos da. Sic können bestenfalls auf freiwillige Beiträge und Sammlungen hoffen. Das ist der eigentliche Grund, warum die Unorganisierten entweder sich der Abstiinmung enthielten oder für Annahme des Schiedsspruches ge- stimt haben. Aus diesem Eingeständnis ihrer Schwäche, das die Unorgani- sierten damit selbst gemacht haben, müssen sie aber auch die notwendige Schlußfolgerung ziehen. Wenn man es mit einer Unternehmerorganisation zu tun Hot, wie es der VBMJ. ist, wenn man eine Erhöhung der Löhne, wenn man den Acht- stundentag durchsetzen will, dann muß man es wie die Unternehmer machen und sich organisieren. Nur in dem Maße, in dem die Ar- beiterschaft gewerkschaftlich organisiert ist, kann sie auch gewerk- schaftliche Kämpfe führen. Wie bitter auch für die Organisierten dieses Ergebnis sein mag, es bietet keinen Grund zur Entmutigung. Im Gegen- teil! Jetzt haben unsere Genossen in den Betrieben das beste Argument in der Hand, um den Unorganisierten klarzumachen, daß sie sich nicht länger von ihrer gewerkschaftlichen Pflicht drücken dürfen. Und ist auch der reine Achtstundentag diesmal noch nicht errungen worden, so ist doch durch die Zurückdämmung auf durch- schnittlich wöchentlich drei Ueberstunden, die die Unternehmer von sich aus anordnen können, und durch die Verpflichtung, von der ersten Ueberstunde an einen Zuschlag von 13 Proz. zu zahlen, ein nicht zu unterschätzender Fortschritt auf dem Wege zur Erringung des reinen Achtstundentages gemacht worden. Jetzt gilt es, die Organisation so zu stärken, daß beim nächsten Ansturm der Achtstundentag errungen wird! * So wenig uns eine Polemik mit der„Roten Fahne" zusagt, so ist es doch notwendig, über die sonderbaren Berichterstatter- Methoden dieses Blattes noch einiges zu sagen. In ihrem gestrigen Morgenblatt berichtete die„Rote Fahne", daß die A E G.- T u r- b i n e und die Belegschaft von Bergmann-Rosenthal eine ,.9 3prozentigc Streik Mehrheit" aufgewiesen hätte. Nun hat zu dieser Zeit die Abstimmung bei Bergmann-Rosenthal über- Haupt noch nicht die Abstimmung begonnen. In der AEG.-Turbine hatten erst einige kleine Gruppen abgestimmt. Dos Abstimmungsresultat dieser beiden Werke ist folgendes: In der A E G.- T u r b i n e haben von einer Belegschaft von 3164 nur 2418 abgestimmt. Davon stimmten für Streik 2221, also nur rund 70 Prozent. Bei Bergmann-Rosenthal haben von einer Belegschaft von 4017 insgesamt 2667 abgestimmt, wovon nur 2311 für Streit stinimten. Hier beträgt die Streikmehrheit nach nicht 60 Prozent. Es kann sich jeder selbst ausrechnen, wem mit solchen schwindelhaften Berichterstattermethoden gedient ist. Der Verband Berliner Mctallindustricllcr hat am gestrigen Dienstag den Schiedsspruch an g e n o m m e n. Oer Serlmer Töpferstreik beenöet. Ein Erfolg des Baugewerksbirndcs. Gestern abend fand im Gewerkschaftshaus eine sehr stark be- suchte Versammlung der streikenden Berliner Töpfer statt. John berichtete noch einmal ausführlich über die Ursachen des Streiks und über die Verhandlungen, die zu seiner Beilegung geführt worden sind. Am Montag fanden Verhandlungen vor dem Schlichter statt. Dort wurde schließlich ein Schiedsspruch gefällt, der im v>c- sentlichen folgendes besagt: Die Arbeit wird am 1. Juni 1927 zu Beginn der täglichen Arbeitszeit wieder aufgenommen. Bom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit beträgt der Lohn der Töpfer 1,60 Mark, der Akkordsatz 143 Proz. Diese Lohn- und Akkordsätze laufen bis 30. September 1927. Ab 1. Oktober 1927 beträgt der Lohn der Töpfer 1,63 Mark, der Akkordsatz 130 Proz. Die Lohn- und Akkordsätze der Zu- träger erhöhen sich im gleichen Ausmaß. Dos Lohnabkommen läuft bis zum 31. März 1928 und stillschweigend je einen Monat weiter, wenn es nicht mit 14tägiger Frist gekündigt wird. Neuein- stellungen erfolgen ab 13. Juni nur durchden paritätischen Arbeitsnachweis. Die Parteien hoben in Verhandlungen über die Lehrlingsfrage einzutreten. Die beiderseitigen Verhandlungskommissionen haben diesem Schiedsspruch ihre Zustimmung gegeben. Der Redner empfahl der Versammlung, den Schiedsspruch trotz seiner Unzulänglichkeit ebenfalls anzunehmen, weil infolge der Hartnäckigkeit der Unternehmer und des Verrats des Lokalvereins der Berliner Töpfer keine andere Möglichkeit zur Beendigung des Streiks be- stände. Nach langer, sehr erregter Diskussion wurden von insgesamt 613 Stimmen für Annahme des Schiedsspruches 393, gegen An- nähme 219 Stimmen abgegeben, eine Stimme ivar ungültig. Damit ist der Streik der Berliner Töpfer noch siebenwöchiger Dauer mit einem sehenswerten Erfolg beendet. Es gilt jetzt, vor allem für die Einheit, für die Stärkung der Organisation zu arbeiten, mn für kommend« Kämpfe gerüstet zu sei' Der bescheiüene Preisaufschlag. Und die gemästeten Arbeitersckrctärc. Es ist ein alter Brauch der Unternehmer, den Arbeitern zu er- zählen, die Löhne könnten aus Konkurrenzrllcksichten nicht erhöht werden, da sonst die Betriebe stillgelegt werden müßten. Ein nicht minder alter Brauch ist es, bei geforderten Preiserhöhungen sich auf die angeblich hohen Löhne zu benifen. Ganz abgesehen davon, daß in den allermeisten Fällen beide Behauptungen einfach aus den Fingern gesogen sind, ist es nicht viel weniger gewagt, zu behaupten, eine fünf- oder selbst zehn- prozentige Lohnerhöhung wirke sich unmittelbar und unbedingt auf die Preise aus. Es ist weiter nichts als der Anspruch» für die eigen« Unfähigkeit ein« Prämie zu fordern, wenn die Unternehmer unter Berufung auf die Löhne Preiserhöhungen vor- nehmen. Wenn man den Lohnanteil in der Fertigindustri« im Durch- schnitt von 20 Proz. annimmt, so macht selbst eine zehnprozentige Lohnerhöhung ganz roh gerechnet nur 2 Proz. des Gesamtpreises aus, die durch Verbesserung der Produktionsmethoden, gegebenenfalls unter vorübergehender Beschneidung des Unternehmergewinns wieder hereingeholt werden müssen. Wie die Unternehmer aber den Kunden bei Preiserhöhungen das Märchen von den Lohnerhöhungen vorsetzen, das illustriert folgendes Schreiben des Eisenwerkes Tschirndorf, Gebrüder Glöckner, Inhaber Friedr. Glöckner in Tschirndorf in Niederschlesien: „Obwohl wir Jhrerr Gründen für die Ablehnung der Gußpreis- erhöhung beipflichten müssen, bedauern wird doch von derselben nicht absehe» zu können, weil dieselbe durch die Steigening der Ge- stehungskosten, welche durch die eingetretenen Erhöhun- gen der Löhne und Rohstoffe verursacht wurden, bedingt wird. Nicht den Gießereien ist ein Vorwurf daraus zu machen, wenn der Beschäftigungsgrad zurückgeht, sondern den Gewerk- s ch a f t e n, denen es vielmehr darauf ankommt, ihre Macht zu zeigen, wie der Arbeiterschaft Beschäftigung zu sichern. D ie 60 000 Gewcrkschaftssekretäre, die s i ch von Ar- beitergroschen mästen, wären ja auch vollkommen über- flüssig und würden ihre Stellungen verlieren, wenn sie die Arbeiter- schaft nicht dauernd verhetzten, denn zufriedene Arbeiter wären ihr Untergang. Aus vorstehenden Gründen müssen wir die Schuld an der �Zreiserhöhling ablehnen mit der gleichzeitigen Bitte, dieselbe nun- mehr anzuerkennen und zwar um so mehr, als Sie die einzig« Firma sind, die uns den bescheidenen Aufschlag von 4 Proz. bisher nicht bewilligt hat." Obwohl in dem Schreiben eingangs noch gesagt wird, daß nicht allein die Löhne— und man weiß, wie elend die Gießerei- und Walzwerk- arbeiter Niederschlesiens entlohnt werden— sondern auch die Roh st offpreise erhöht wurden, wird dann gegen die angeblich 60 000 Gewerkschaftssekretäre gewettert. Auf eine Null mehr oder weniger kommt es diesem Unternehmer offenbar nicht an. Die Ge- wertschastssekretäre, deren Einkommen kaum ausreichen dürste, um das Taschengeld eines mittleren Unternehmers zu bestreiten, die sind an allem schuld. Sie„mästen" sich von Arbeitergroschen. während so ein richtiger Unternehmer sich nicht mit lausigen Groschen abgibt. Da sind 4 Proz. Preisousfschlag„bescheiden". Oer Streik bei Zwietujch. Die Märchen der Firmenleiwng. In der zu Dienstag nachmittag nach dem„Tiergartenhof" ein- berufenen Betriebsversammlung der Firma Z w i e t u s ch wurde von Mitgliedern des Betriebsrates und Organisationsvertretern noch einmal ein ausführlicher Bericht gegeben über die Vorgänge, die zu dem Streik geführt haben, sowie über die gegenwärtige Situation selbst. Die Berichterstattung vor der gesamten Belegschaft war not- wendig geworden, weil die Firmenleiwng versucht, der noch im Betrieb befindlichen Belegschaft von 1700 Beschäftigten, sowie inter- essierten Kreisen der Oeffentlichkeit irreführende Informationen über die Ursachen des Streiks zuungunsten der Streikenden zu geben. Unter Ausnutzung der Wirtschaftskrise hatte die Firma im Vor- jähre sowohl die Löhne wie auch die Akkordpreise im ganzen Betrieb ganz erheblich abgebaut, zum Teil bi» über 30 Proz. Als nun Anfang dieses Jahres eine Belebung in der Metallindustrie einsetzt« und besonders die Firma Zwiewsch zahlreiche Aufträge er- halten hatte, rührte sich die Belegschaft und verlangte eine Er- höhung ihrer Löhne und Akkordpreise. Die Firma war jedoch zu einer Lohnerhöhung nicht so schnell zu bewegen wie damals zum Lohnabbau. Sie versuchte, mit ihrer Belegschaft und dem Arbeiter- rat ein regelrechtes Narrenspiel zu treiben. Dem Betriebsrot erklärte sie in Verhandlungen, daß sich die Arbeiter und Arbeite- rinnen, denen die Akkordpreise im Vorjahre zu stark gekürzt worden seien, an ihre zuständigen Meister wenden und eine Nachprüfung der Preise fordern sollten. Diese erklärten dann wieder Hohn- lächelnd, daß sie von der Betriebsleitung keine Anweisung zur Aus- besserung der Preise hätten. Nachdem die Belegschaft durch den Betriebsrat«ine Forderung nach einer generellen Lohnerhöhung um 10 Proz. übermittelt hatten und die Bewegung der Werkzeugmacher im ÄEG.-Konzern abge- schloffen war, war die Betriebsleitung bereit, im Wertzeug- und Rohrpost bau eine Erhöhung der Durchschnittslöhne, aber auch nicht für alle Arbeiter dieser Abteilungen vorzunchmen. Die Bc- legschaft lehnte dieses Anerbieten ab und verlangte, daß über ihre Forderung zwischen dem Metallarbeiterverband und dem Verband Berliner Metallindustrieller verhandelt werden sollte. Nachdem die Firma mit ganz fadenscheinigen Argumenten auch diese Verhandliiny abgelehnt und die Belegschaft diesen Eiertanz sott bekommen hatte. legten am Mittwoch voriger Woche sechs Abteilungen des Betriebes. die Arbeit nieder. Jede andere Darstellung der Firma, insbesondere die, daß die Firma bereits 7 Pf. bewilligt gehabt hätte und die Ar- beiter wegen eines Pfennigs in den Streit getreten feien, sind u n- wahr. Die Stimmung der Versammlung bewies, daß der noch arbeitende Teil der Belegschaft entschloffen ist. ihre streikenden Kollegen. mit allen Mitteln zu unterstützen. Kein Mensch wirk» auch behaupten können, daß die gestellte Forderung zu hoch sei, da bei ihrer restlosen Erfüllung noch nicht einmal die im Vorjahre ge- machten Abzüge und die eingetretene Teuerung ausgeglichen würden. Die Streikenden, die fest entschloffen sind, ihren Kampf bis zum vollen Erfolg durchzuführen,� sprachen aber auch die Er- Wartung aus, daß sich nicht nur die übrig« Belegschaft der Firma Zwietusch, sondern auch der übrigen Berliner Metallarbeiter soll- darisch verhalten wird._ Tarifbewegung der holländischen Rheinschiffer. Duisburg. 30. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Das m der deutschen Rheinschiffahrt tätige niederländisch« Schiff- fahrtspersonal ist vom Vorsitzenden der Niederländischen Transportarbeiterföderation zu einer Versammlung nach Duisburg einberufen worden, wo die Frage einer eventuellen Kündigung des Tarifvertrages besprochen werden soll. Für die Ratifizierung des Abkommens von Washington. London. 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In einem an den Arbeitsminister gerichteten Brief nimmt der Generalrat der britischen Gewerkschaften neuerdings wegen der Verzögerung der Ratifikation des Washingtoner Abk.ommens Stellung. Der Brief erinnert an die im März 1926 in London ab- gehaltene Konferenz der Arbeitsminister und stellt fest, daß von den auf jener Konferenz vertretenen Ländern, die die Konvention ratifizieren sollen, Deutschland bereits ein entsprechendes Gesetz vorgelegt und Frankreich mit der Ratifikation dann folgen würde, wenn solche durch Deutschland und Großbritannien ebenfalls vor- genommen werde. Der Generalrat könne daher keinerlei Grund einsehen, der die Ratifikation in Großbritannien verzögere. Eine öffentliche Beamtenkundgebung unter freiem Himmel ver- anstaltet der Ortsausschuß des Allgemeinen Deuffchen Beamten- bundes am Dienstag, dem 14. Junf/ auf dem Gendarmenmarkt. Der Zweck der Veranstaltung ist. Reichstag und Reichsregierung daran zu erinnern, daß die kurze Tagung des Reichstags, die zwischen den Pfingstferien und der Sommerpause liegt, nicht vorübergehen darf, ohne daß die längst fällige Erhöhung der Beamten- geholter beschlossen wird. Achtung. Einsetzer: voutensperrei Wegen Lohndifferenzen bei. der Firma Behrend u. Coswig werden folgende Bauten für Einsetzer gesperrt: Rubensstroße, Lacknerstraßc(Ecke Albreckststraße).. Deutscher Holzarbeiterverband, Ortsgruppe Berlin. Achbuig, Zimmerer! Heute IS Uhr findet in Havellands Festsälen, Neue Fnedrichftr. 35, Eingang R-chstraße, unser« Vertr-ucn-mann-rversammlunz iür das Hoch-, Beton- und Tiefbaugewcrde statt. Jeder Be.rieb muß ver- treten sein. Wo lein Bertrauensmann vorhanden ist, muß sofort einer ge- wählt und zur Versammlung entsandt werden.._ ,, zentralverband dar Zimmerer, gahlstell« Berlin». Umg. Iugeadgruppe de» gd«. Heute l»>>, Uhr finden folgend-«eranstaltungen statt:»«zirl Rcnlölln: Jugendheim Ztogatstr. 53. Heimbes?r«liung. anschließend - �„gendheim Hauptstr. 15«Thürinaen. ■..... Weddiug- Heim. ___________________ Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Heimdesprechüng, anschließend Ünterhaltuug.— Bczirt Eharlottcndurg! Jugendheim Rosinenstr. 4. Heimdesprechüng, anschllen-nd Unterhaltung.— rurnabend von 20—22 Uhr in der Turnhalle dar Schule Baruther Str. 20. sTurnsachen mitbringen.) Freie Sawarlschaftsjugend. Heute Uii Uhr tage» die Gruppen: Reuläll»>: Truppenheim Jugendheim Bergstr. 2S, Hos. Heimdesprechüng.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— IS. Heimdesprechüng.(Zutritt nur mit Heim- ausweis und Verbondsbuch.)— Eharlotreuburg: Gruppenheim Jugendheim Deutsches strankenlastcnhaus, Berliner Str. 137. Heimdesprechüng.— Boro- ring: Gruppenheim Jugendheim Eberswalder Str. 10. Helmbespreaiung. Aue- spräche:.Unsere Psingstsahrt.»— Baumschulen-»««: Jugendheim Ernstste. Ib. DWW Heimdesprechüng.— stultnrab grämm: 1. Bilder aus der deutschen Kali. Industrie. 2. In mamentv Morl (Feuerdestattungsfilm). 3. Wettrennen an Bord. Verantwortlich für Politil: Victor«chifs; Wirtschaft!«. ZUing-lhöf«-: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: K. L. Däsch«; Lokales und Sonstiges: Friß Sarstöbt-, Anzeigen: Zh. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-V-ri-g(6. m. b. H„ Berlin. Druck: Vorwärts-Du-ddruckerci lerlagsanstalt Poul Singer u Eo.. Berlin SW«8, Lindenstraße 3. Hierzu 3 Bailag«»»nb.Untnhnltnng_ und Es sagte ein Alter Mir träumte schön: ich Hab den„Zocob" im Traum gesehn! Da lacht seine Alte 's stimmt, hahaha, Der„wahre Jacob" Ist wirklich wieder da! Q. ..Der Wahre Jacob44, das weltbekannte Witz«; blatt. kostet trotz erhöhten Um langes nur 30 Pf. Bestelle noch beste beim Zeitungs« boten oder in deiner Yolksbuchhandlsnc. •A ZIgareffe Nr. 255 ♦ 44. Jahrgang ?. Heilage ües Vorwärts Mittwoch,?.�uni1H27 dm Rathaus wieder vorzeitiger Schluß Die Einstttrzgefahr in der Prinzenstratze.- Erklärungen des Stadtbaurats. Die Stadtverordnetenversammlung erlebte gestern eine Neuauslage des Kommuni st enäntrages auf Wiederein- stellung von N o t st a n d s a r b e i t e r n, die bei Gelegenheit des lächerlichen Stahlhelmtages durch ihren Demonstrations- streik die Arbeit eingebüßt haben. Daß auf ein anderes Ab- stimmungsergebnis als in der vorigen Sitzung zu rechnen sein könnte, glaubten die Kommunisten wohl selber nicht. Aber sie müssen Staub aufwirbeln, um zu verdecken, daß erst durch das Geschwätz der„Roten Fahne* der Stahlhelmtag den un- verdienten Schein besonderer Wichtigkeit erlangt hat und die Not- standsarbeiter zum Demonstrationsstreit verleitet worden sind. In der vorigen Sitzung antworteten die Kommunisten aus das Ab- stimmungsergebnis mit lärmenden Auftritten, denen der Vorsteher- stelloertreter Caspari durch vorzeitigen Sitzungsschluh ein Ende machen zu sollen glaubte. Diesmal oerließen die Mitglieder rechts- stehender Parteien in großer Zahl den Saal und die Sitzung mußte dann bei dem Versuch der Abstimmung in Beschlußunfähig- k e i t enden. » In der gestern abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung wurde zunächst eine Dringlichteitsvorlage des Magistrats wegen der Fortführung der Obdachreform auf Empfehlung des liaushaltsausschustes einer gemischten Deputation überwiesen. Ein Dringlichkeitsantrag der Kommunisten ersucht den Magistrat, wegen der EinsturAgefahren beim Sau üer Untergrundbahn aus die Bauleitung einzuwirken, daß sie aus- reichende Vorsichtsmaßnahmen trifft, um Schädigungen der Anwohner zu verhüten. Den gleichen Gegenstand behandelt eine Anfr'age aller Parteien des Hauses. Es wird Auskunft verlangt über die vom Magistrat ocranlaßten Maßnahmen gegen- über den Schädigungen, die die Anwohner und Geschäftsleute in der Rosenthaler Straße durch den Vau der Untergrundbahn erleiden und weiter Bezug genommen auf die Einslurzerscheinungen beim Eckhaus Prinzen- Ecke Sebostianftraße. Vom Magistrat antwortete Stadt- baurat Hahn. Zu den Erschwernissen des Geschäftslebens und der Anwohner in der Rosenthaler Straße stellte der Redner fest, daß solche umfangreichen Bauten, wie es die Anlage einer Untergrund- bahn, noch dazu m einer so engen Straße ist, immer Belästigungen mit sich bringen. Die Bauleitung hat seibswerständlich alles getan. um die Belästigungen auf da» denkbar geringste Blaß herabzudrücken. Was noch übrig bleibt, ist eben leider unvermeidbar. An Beschwerden ist kein Mangel gewesen, aber niemand hat praktisch« Vorschlage machen können, wie etwa die Bauleitung die noch vorhandenen Be- löstigungen vermeiden könnte. Stadtbaurat Hahn betonte dann noch, daß die Forderung nach Entschädigungen unter keinen Umständen bewilligt werden könne; die Folgen seien unabsehbar. Was die Einsturzgefahr beim Haus am Moritz- platz betreffe, so sei festzustellen, daß es sich hier um ein altes Haus handele, dessen alte Fundamente auf an sich normal aus- geführte Bauarbeiten anders reagieren, als stabilere. Die Senkung trat trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein. Dagegen ist leider nicht viel zu machen. Trotzdem ist auch hier von � der Bauleitung jede Vorsicht angewandt worden. Die Stadtver- ordneten Paeth(Dnat.) und hake(Wp.) wandten sich energisch gegen die Erschwernisse des Geschäftslebens in der Rosenthaler Straße und forderten Abhilfe. Stodw. Merten(Dem.) forderte vom Magistrat die bindende Erklärung, daß bei den Untergrundbahnbauten alle, aber auch alle Vorsichtsmaßregeln getroffen sind; nur dann könnte die Stadtverordnetenversammlung die Erklärungen der Bauleitung zur Kenntnis nehmen. Dielleicht überlegt sich aber auch die Bau- leitung, ob die bisherige Bauweise weiter beibehalten wenden kann, oder ob nicht doch die Arbeitsmethoden geändert werden könnten. Stadtbaurat Hahn betonte demgegenüber nochmals, daß an«ine Aenderunq der Bauweise nicht gedacht werden könne, da der Bau- grund Berlins da» nicht zulassen würde. Unser Baugrund besteht leider immer noch aus Sand und Master, und da gibt es keine anderen Arbeitsmethoden, als die angewandten. Im übrigen fei der Zustand des Hauses am Moritzplatz nicht mit Lebensgefahr für die Bewohner verbunden, die Räumung erfolgte nur aus Sicherheitsgründen.— Damit war die Anfrage aller Parteien erledigt, der kommunistische Antrag wurde einstimmig einem. Ausschuß überwiesen. Für ihren zu Pfingsten nach Berlin einberufenen Roten Frontkämpfer tag forderten die Kommunisten in einem Dringlichkeitsantrag weitestgehende Unterstützung von der Stadt. In der ihnen eigenen Bescheidenheit verlangten sie„geeignete Versammlungsräume, Unter- kunftsräume für Lastautos und Fahrräder und die Untergrund» bahn, den Autobus und die Straßenbahn den Teil- nehmern kostenlos zur Verfügung zu stellen*. Das Polizeipräsidium soll bei der Verkehrsregelung aus den Aufmarsch der Demonstranten Rücksicht nehmen, jede Alarmbereitschaft der Polizei habe zu unterbleiben. Die Stadtverordnetenversammlung soll ferner beschließen,„daß sie das 3. Reichstreffen der Roten Frontkämpfer begrüße*(!) und daß die städtischen Gebäude rot flaggen werden. Schließlich sollen für die Rotsrontkämpferdemrmstration aus Stadtmitteln 50 000 Mark bewilligt werden.— Die Begründung durch den Stadtv. Lange atmete den Geist der Anträge. Der deutsch- nationale Arbeiter klein kam auf den S t a hl h e l m t a g am 8. Mai zurück und hielt den Kommunisten vor, daß gerade w den südlichen Arbeiterbezirken der Stahlhelmaufmarsch die dichtesten Spalierreihen gefunden habe— er spielte dabei auf die von den Kommunisten auf die Bürgersteige dirigierten„Gegendemonstranten* an,«in Beweis dafür, wie Kommuni st en und Rote Frontkämpfer dem Stahlhelmtag erst zu der gewünschten Be- deutung oerhalfenl Klein verstand es noch besser als Lang«,, Leben in die Bude* zu bringen; erst amüsierte sich die Rechte, beim zweiten Redner die Linke. Das ganze war ein Geplänkel zwischen den Flügelparteien mit dem Resultat, daß alle kommunistischen Anträge gegen die Stimmen der Antrag- steller abgelehnt wurden. Zum Schluß der Sitzung wurde dann noch der von früher her zurückgestellte Antrag der Kommunisten wegen der Wiederein- st e l l u n g der aus Anlaß eines kommunistischen Demon- st rations streike» entlassenen Notstandsarbeiter beraten. Stadtrat Genoste Brühl teilte mit, daß er in seiner Eigen- schaft als Vorsitzender des Landesarbeitsamts Berlm alles getan habe, was im Intereste der von den Kommunisten verführten Notstands- arbeiter zu tun möglich war. Die Rechte machte durch vorzeitigen Aufbruch die Versammlung beschlußunfähig, so daß die Er- ledigung der Angelegenheit abermals zurückblieb. Zusammenballung großer erwerbsloser Massen zwangsläufig ent- halten sind, die Aufsichtsbehörde bereits verständigt, daß Berlin angesichts seiner bereits mehrjährigen systematischen finanziellen Benachteüigung kein« Arbeitsbeschaffung im gleichen Umfange wie bisher mehr treiben könne. �lbbau von Notstanüsarbeiten. Wie wir erfahren, haben die Aufwendungen für Notstands- arbeiten im neuen Haushaltsjahr eine starke Minderung er- fahren müsten. Nicht nur dringende Bauaufgaben auf allen Ner- waltungsgebieten, sondern auch bereits vorgesehene Notstandsarbeiten muß die Stadtverwaltung zurückstellen. Handel und Industrie werden ebenso davon betroffen wie die arbeitslose Be- völkerung. Der Abbau der beschäftigten Notstandsarbeiter ist bereits in vollem Gange. Innerhalb eines Monats, vom 2S. März bis zum 30. April, sind an Notswndsarbeitern abgebaut: Bon 2012 Arbeitern 638; bei der Stadtentwösterung von 1236 Arbeitern 480; bei der Deputation für Leibesübungen von 2406 Arbeitern 790; bei Wohnungs- und Siedlungswesen von 918 Arbeitern 539; im ganzen rund 2400 bis 2500 Notslandsarbeiter. Mt Ausnahme der Schnell- bahnbauteu und der Schuhausbesterungsstelleu werden die übrigen Maßnahmen im Laufe de» Sommers fast refilo» zum Erliegen kommen müsten. Der Magistrat hat angesichts der großen Gefahren, die in der Der Wetterumschlag. In Berlin 29 Grad.— Gewitterschäden. Gestern hatten wir mit 29 Grad Celsius in Berlin den bisher wärmsten Tag in diesem Jahr. Während noch am Sonntag und Montag die Temperaturen zwischen IS und 20 Grad schwankten, setzte gestern vorniitrag eine auffallende Erwärmung ein. die ihre Ursache in einem sich von Süden naheckden warmen Luft, ström hatte, der bereits am Montag in Frankreich und Südwest- deutschland hohe Temperatursteigrrungen brachte, die stellenweise 27 Grad Celsius erreichten. Gestern, gegen 10 Uhr früh, zeigte die Ouecksilbersäule in Berlin 22 Grad an, um im Laufe des Tages bis auf 29 Grad zu steigen. Diese plötzliche Wärmesteigerung brachte zwischen 5 und 6 Uhr ein größeres lokales Gewitter über Berlin zur Entladung, das von West in Richtung Nord-West-Nord weiterzog. Das Gewitter, das etwa ein« Stunde anhielt, war von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet. Nach einer Mitteilung des amtlichen Wette rbureaus sollen die Niederschläge in der kurzen Zeit die respektable Menge von 10,3 Millimeter erreicht haben. Gleichzeitig mit dem Gewitter setzte ein starker Barometer- aufstieg ein, während die Temperatur zunächst um 9 Grad, von 29 auf 20, sank. Die Wetterprognose für heute lautet: aufheiternd, teilweise wolkig mit zunehmender Erwärmung und Gewitter- neigung. Während der kurzen Zeit, in der sich gestern nachmittag das Gewitter über Berlin entlud, wurde die Berliner Feuerwehr 60- bis 70mal nach allen Stadtgegenden alarmiert, wo sich infolge des wolkenbruchartigen Regens größer« Wastermengen an- gestaut hatten, die nicht genügend Abfluß fanden und Straßen und Kellerräume überfluteten. Allein aus dem Westen, Nordwesten und Norden kamen etwa SO Hilferufe. Viermal schlug der Blitz in Slraßenbahnmaste ein, und zwar in der Maaßen-, Petersburger, Luisen- und Danziger Straße. In der Danziger Straße wurde eine Schaltanlage der Straßenbahn durch Blitzschlag zerstört, so daß bis zur Behebung des Schadens der Verkehr eine Viertelstunde lang ruhte. Größere nennenswerte Schäden sind, soweit bisher bekannt geworden, nirgends zu verzeichnen. M e n e s ch e n sind zum Glück nicht zu Schaden gekommen. Den heißesten Tag dürfte nach uns vorliegenden Meldungen ünchen mit 32 Grad gehabt haben. Es folgen Grünberg mit 1, Berlin mit 29, Karlsruhe mft 28, Frankfurt mit 27, Danzig mit 25 und Königsberg mit 24 Grad. Die Temperaturen in den anderen Städten betrugen durchschnittlich über 25 Grad Celsius. Gute Aussichten für das Pfingstwetter. Von der Badeverwaltung Norderney erhielt der„Deutsche Der- kehrsdienst* gestern folgendes Telegramm:„Zunehmede Wärme. � strahlend blauer Himmel.* Das Wetter an der See ist immer das beste Barometer für die Entwicklung des Wetters im Binnenlande. Es ist daher damit zu rechnen, daß die kommenden Pfingsttage im Zeichen schönen Wetters stehen werden. Ei» Pfingft-Sonderzug in den Harz. Die Reichsbahndirektton Berlin läßt— bei ausreichender Besetzung— am Sonnabend, den 4. Juni, einen S o n d e r z u g 2, bis 4. Klaffe in den Harz ab Berlin, Potsdamer Bahnhof, oerkehren, Die Fahrpreisermäßigung für die Hin- und Rückfahrt be. trägt 3 3 H P r o z., so daß man in der 4. Klasse bereits für 10,20 M. hin und zurück nach dem Harz(Quedlinburg oder Thale) fahren kann. Der Sonderzug wird beschleunigt durchgeführt und verläßt Berlin, Potsdamer Bahnhof, am Pfingstfonnabend um 1S.2S Uhr(3.25 Uhr nachmittags) und trifft in den Harzorten gegen 20.00 Uhr ein. Der Sonderzug fährt u. a. nach folgenden Orten; Quedlinburg, Thale, Blankenburg(Harz), R ü b e l a n d, Elbingerode, Tanne, Wernigerode, Ilsenburg, Schierke' Elend, Beim eck enstein, Sorge, Bad Harzburg, Goslar. Die Rückfahrt erfolgt am Pfingstmontag gegen 18 Uhr(6 Uhr nachm.); Ä Die Brücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. lös von B. Traven. CopyrizM 1927, by B. Traven, Tarnaulipas(Mexiko). Die Brücke ist nun ganz verlassen. NiemanS ist in ihrer Nähe. Unr die Mädchen und Frauen sitzen herum, wo sie etwas zum Sitzen gefunden haben und schwatzen und lachen. Durch den Kaffee ist alles mehr lebendig geworden. Die Welt scheint nicht mehr so düster auszusehen. Man hq+ vollständig vergessen, was die letzten Stunden alle Anwesenden erfüllte. Die' zunehmende Müdigkeit der Leute, die alle seit Sonnen- aufgang auf den Beinen sind, läßt die Gefühle erschlaffen. Man sieht die Garza sogar zwei- oder dreimal lachen. Es hat sich dadurch, daß der Junge im Fluß nicht gefunden wurde, die Gewißheit festgesetzt, daß der Kleine nicht ins Wasser gefallen ist, sondern daß er entweder nach Margiscatzin geritten ist, wie die beiden Jungen behaupten oder aber, daß er in irgendeinem Winkel sich hingelegt hat und ein- geschlafen ist. Man hat sich darüber geeinigt, daß man warten wolle. vis Garza von Magiscatzin zurück ist. Sollte er den Jungen nicht bringen und auch nichts erfahren haben, so wolle man bis Sonnenaufgang hier beiemander sitzen bleiben und dann bei Tageslicht von neuem den Fluß absuchen. Die Stimmung ist im Grunde die gleiche, die bis zu jenem Augenblick herrschte, wo der Junge vermißt wurde. Ein paar Männer, denen das Herumstehen zu langweilig wurde, haben sich wieder zur Brücke ausgemacht und fangen wieder an, mit der Stange zu tasten und mit dem Haken zu fischen. Und plötzlich fängt auch die Garza wieder an zu schreien und rennt wie rasend zu der Brücke und gebärdet sich, als ob sie hineinspringen will. Sie schwenkt die Laterne über das Wasser, während sie sich weit hinüberlehnt und schreit un- aufhörlich:„Mein Kleiner! Mein Liebling! Nino mio!* Der Pumpmeister und noch ein anderer Mann laufen herbei und halten sie fest,©ie wehrt sich und schlägt um sich und kreischt: „Laßt mich los! Was wollt ihr denn von mir?* il In der Nähe der Pumpe bildet sich jetzt eine Gruppe von Männem. die immer größer wird. Es wird lebhaft geredet. zugestimmt, genickt, gestckuftert. Der Wortführer ist jener weißhaarige, uralte Indianer, der mit den jungen Männern getaucht und endlich ganz blau gefroren es hatte aufgeben müssen. Die Gruppe, den heftig redenden Alten in der Mitte, oewegt sich der Hütte des Pumpmeisters zu. Auch die Brücke wird wieder belebter, obgleich sich doch nichts Neues ereignet hat. Ueberall sieht man eine merk- würdige Geschäftigkeit. Hier auf der Brücke weiß man nicht. was jene Gruppe beabsichtigt. Aber man legt offenbar keinen Wert darauf, es zu erfahren. Es wird immer emsiger gefischt und getastet. Nun gehe ich hinüber zur Pumpe und ich höre, wie der Alte zu der Pumpmeisterin sagt:„Eine starke Kerze, ja.* „Ich habe nur ein paar dünne im Haus«,* antwortet die Frau. „Wer hat denn wohl hier eine dickere Kerze?" fragt der Alte. „Ich glaube nicht, daß jemand hier überhaupt Kerzen hat. und wenn da noch welche sind, dann auch nur die dünnen. Aber die fallen ja immer zusammen," erklärte die Pumpmeisterin. „Ja, wenn wir nur eine Kerze hätten," wiederholte der Alte. „Liga!" sagt nun die Pumpmeisterin..Ich habe noch eine Kerze, aber das ist eine geweihte, die ich noch hier habe von einem Korpus-Christi-Fest." „Die ist um so besser," nickt der Alte,„bringen Sie die nur her." Die Pumpmeisterin nimmt eine Laterne und verschwindet in ihrer Hütte. Der Alte sieht sich um und entdeckt eine Kiste, die als Sitz bisher diente. Er schleift die Kiste unter das Licht der Laterne und bricht ein Brett heraus. Es ist ein ganz dünnes Brett, etwas länger als breit. Er sieht über die Fläch« und untersucht, ob das Brett auch ganz eben ist, ob auch alle vier Ecken gleichmäßig aufliegen. „Das Brett wird gehen,' sagt er zu den Umstehenden, die nicht wissen, was er vorhat. Nun kommt die Puwpmeisterin heraus und hat m der Hand eine halb abgebrannte Kerze, von der Art jener starken Kerzen, die von Kindern bei kirchlichen Festen getragen werden. Der Alte legt das Brett auf den Erdboden, hängt die Laterne ab, stellt sie neben das Brett und markiert mit dem Fingernagel die genaue Mitte des Brettes. Dann zündet er die Kerze an, tropft auf den markierten Mttelpunkt des Brettes Stearin und klebt die Kerze mit großer Sorgfalt auf dem Brette fest. Die Laterne hängt er nun wieder zurück an den Stamm. Die Männer, die herumstehen, sehen aufmerksam zu* wissen jedoch nicht, woraus das alles abzielt, fragen aber auch nicht, um den Alten nicht zu stören. Nun hebt der Alte das Brett mit dem brennenden Licht auf und trägt es vor sich zum Ufer des Flusses. Die Männev und auch eine An, zahl Frauen folgen ihm. Auf der Brücke wird man aufmerksam. Das Suchen und Fischen wird ein-, gestellt und auch dies« Leute kommen näher, bleiben aber alle auf der Brücke stehen, um das Ereignis besser zu beobachten. Eine uralte Indianerin hockt auf der Brücke, sieht auch zu, ist aber nicht neugierig und viel weniger interessiert als irgend jemand an den Vorgängen. Sie raucht und raucht. Immer? wenn sie einen Zug getan hat, bettachtet sie die Zigarette und drückt das Maisblatt etwas fester zusammen. Ich Hab« das Empfinden, daß sie außer dem alten Manne die einzige Person hier ist, die weiß, was da vorsichgehen soll. i Ich hocke mich neben sie lind gehe geradenwegs auf der» Kernpunkt los:„Was wollen denn die da tun?"> „Die werden jetzt den Bastard suchen." Sie sagt das so leicht und so selbstverständlich, als ob sie an dem Erfolge nicht mit dem leisesten Gedanken zweifle. „Me meinen Sie das, Senjora? Suchen?" „Ja suchen. Und nun werden sie ihn auch gleich haben; wenn er überhaupt im Wasser ist." „Wir haben doch die ganze Zeit gesucht und haben ihn nicht gefunden," sage ich, um sie mehr zum Reden und zum Erklären zu bringen. s Sie grinst ironisch.„Wie das heutzutage die Esel tun, die ja so klug sind und alles besser wissen, so werden die das Böckchen nie finden. Da können sie alle miteinander suchen. vier Wochen lang. Und wenn er nicht von selber austreibt und die Kaimans und das Fisch- und Krabbenzeug noch etwas von ihm übrig lassen, sonst kriegt ihn sein Vater nie mehr zu Gesicht." „Aber was hat denn das Licht damit zu tun? Wir haben doch tausendmal und überall herumgeleuchtet und das Licht rst doch nicht Heller als die Fackeln und Feuer, die wir hatten* „Ihr mit euren Laternen und Haken und Stangen. Das ist alles für den Hund, aber nicht für einen Menschen. Das Licht findet ihn ganz von selbst, wir brauchen nur aufzupassen, wo es hingeht." i (Fortsetzung folgt.) Eintreffen in Verlin nach Mitternacht. Der Fahrlartenverkauf b«. ginnt am Mittwoch, dem 1. Juni(heute), bei der Fahrkarten- ausgäbe Potsdamer Bahnhof und bei den Ausgabestellen des Mittel- europäischen Reisebureaus Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrich. ftroße, Kaufhaus des Westens und Reisebureau Unter den Linden 57/58._ Unverwandter des englischen Königshauses. Ein phantastischer Schwindler. Ein Hochstapler von seltener Vielseitigkeit und mit einer sehr beilegten Vergangenheit ist der 56jährige frühere Eisenbahnsekretär Gerhard RudÄf Vallentin Frei, dem es beinahe gelungen wäre, das nette Sümmchen von 20 000 englischen Pfunden(400 000 Mark) zu ergattern. Frei trat bald als Rechtsanwalt, Arzt oder Missionsdirektor, bald als Anverwandter des englisches Königshauses, Vermögensverwalter deutscher Fürstenhäuser und Besitzer eines großen Vermögens und riesiger Besitzungen in Amerika auf. Er be- hauptete, daß er in Milwaukee ein« Prinzessin von Dattenberg ge- heiratet habe und wollte infolge der Kriegsenteignung gegen das Deutsche Reich Schadenersatzansprüche als Auslands- deutscher in Höhe von 226 Millionen Mark haben. Bis zur Anerkennung seiner Ansprüche praktiziert« er in Berlin: als Arzt Or. meci. Schilling hielt er in einer Gastwirtschaft seine Sprechstunden' ab und stellte fleißig Rezepte aus. Daneben aber nannte er sich auch„Dr. jur." und Dr. phil." und unter seinem richtigen Namen „Rechtsanwalt". Es steht fest, daß er 1906 nach Amerika ausge- wandert war, nachdem er bereits in Deutschland fünf Jahre im Gefängnis gesessen hatte. In Amerika hat er volle 38 Monate im Gefängnis verbracht: 1919 wurde er nach Deutschland obge- schoben. In Verlin machte er, nach Verbüßung einiger Strafen, einem Bankhaus den Vorschlag, eine mit Amerika arbeitende Jinport- gesellschaft zu gründen, gab sich wieder als Rechtsanwalt aus und erbot sich, von dem Vermögen seiner Frau, der Prinzessin, e kn e Million Dollar in dieses Geschäft einzuschieben. Es wurde auch eine Mantelaktiengesellschaft gegründet, und Frei betätigte sich zunächst als Mitarbefter in dem Ba nkg es chäft�-�Dort wartete man aus das Eintreffen der Million Dollar, das sich aber immer wieder verzögerte. Da kam eines Tages von einer Züricher Bank die Mitteilung, daß eine Londoner Bank 20 000 Pfund ange- wiesen habe. Frei erklärte, daß das ein Teilbetrag der an ihn abgesandten Gelder sei. Obwohl sich später heraus- stellte, daß eine Verwechselung vorlag, wären die 20 000 Pfund bei- nahe Frei ausgehändigt worden. Zufällig hatte aber«in Angestellter des Berliner Bankhauses erfahren, daß der Herr„Rechts- a n w a l t" und„Verwandte des englischen Königshauses" im— Asyl für Obdachlose residiere. Da wurde man stutzig. Fast gleichzeitig traf ein Telegramm aus Zürich ein, durch das der Irrtum berichttgt wurde. So bekam der Hochstapler statt des Geldes eine Anklage wegen Betruges, und hatte sich vor dem Amtsgericht . Mitte zu oerantworten. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes ist Frei, ein Mann von außerordentlichem Körperumfang und von 260 Pfund Gewicht, ein . höchst minderwertiger Mensch. Das rettete den Ange- klagten vor einer allzu schweren Sttafe. Diesmal erhielt er nur wegen versuchten Betruges drei Monate Gefängnis, und wegen detz Anmaßung des Rechtsanwalts- und Arzttftels weitere sechs Wochen Haft._ /Oer rote Gummiknüppel/ Ausgehobene kommunistische Geheimdruckerei. Der Polizeipräsident teilt mit: Am Dienstag wurde durch Beamte der politischen Polizei in einer Laubenkolonie am Nonnendamm eine vollständig eingerichtete Druckerei mit großer Handkegelpresie und zahlreichen Schriftsätzen verschiedener Art festgestellt und beschlag- nahmt. Es handelt sich um«ine geheime Druckerei, die dem aus- schließlichen Zwecke diente, kommunistische Druckschriften zur Zersetzung der Polizei und der Reichswehr her- zustellen. So wurde hier u. a..Der rote Gummiknüppel" hergestellt, der bereits wiederholt beschlagnahmt worden ist und den Gegenstand eines Ermittlungsverfahren« wegen Hoch- verrats beim Oberreichsanuzalt bildet. Wefter wurde in einer bürgerlichen kleinen Druckerei in der Bellermarmstvaße Material beschlagnahmt, das von der erwähnten geheimen Druckerei zur Fettig- itzflung des Druckes abgegeben worden war. Mehrere beteiligte Personen sind festgenommen worden. Die Ermittlungen gehen weiter. Ein ungarischer Zauberkünstler. Schnelle Justiz wurde an dem ungattschen Hochstapler A l ex a n- der H a b r o o s k y, der sich das kühne Räuberftückchen in dem Uhrengeschäft von Andreas Huber in der Tauentzien- st r a h e am hellen Tage geleisttt hatte, geübt. Der Vorfall hat sich. wie erinnerlich, erst vor wenigen Wochen abgespielt, und gestern schon wurde der Räuber vom Erweitetten Schöffengettcht Charlotten- bürg abgeutteilt. Seine Tat hatte Habroosky� rafsmiett vorbereitet. Er hatte sich Attrappen oerschiedenster Größe je nach dem ein- zuhandelnden Wettgegenstand vorbereitet. M zwei Stellen war ihm sein Plan mißlungen. In der Tauentzienstraße wählte er eine Platinarmbanduhr aus, tat sie in einen der bereitgehaltenen Um- schlüge und bat, dos Päckchen beiseite zu legen, er werde es mit dem entsprechenden Bettage einlösen lassen. Unter_ben Augen der Ver- -schs" .. ttravz Kunde den Laden verlasien hatte, stieg der Berkäufettn ein böser entsp, käufettn hatte er aber ein geschicktes Tasche n s p i e l e r- tun st stück verübt und eine Attrappe untergeschoben. Sobakd der Die Herlitter polizeiberussfthule. Verdacht auf, der sich bei der Prüfung bestättgte. Di« Platin- uhrwarverschwunden. Die junge Dam« stürzte dem Gauner sofott nach und sah noch, daß er auf«inen vorüberfahrenden Autobus Die Polizeiberufsschule, ein Kind der Nachkttegszeit, ist aus der im Jahre 1920 eingerichttten Beamtenschule der Schutz- polizei entstanden und hatte ursprünglich den Zweck, auf Grund des Z 37 des Schützpolizeibeamtengesetzes die versorgungs- berechtigten S chu tz p o l i z e i b e a m t e n mit den er- forderlichen Kenntnissen auszurüsten, damit sie nach dem Ausscheiden aus der Polizei bei anderen Behörden eine An- stellung erhalten. Die Polizeiberufsschule dient heute diesen Zwecken nur noch im erforderlichen Maße bei älteren Polizeibeamten in den sogenannten„Abschlußklassen".• Die Schule steht der Hauptsache nach im Dienste der Ausbildung für die Polizei. Die jungen Polizeianwätter, die nach einjährigem Besuch der Polizeischule(für Berlin in Brandenburg a. d. H.) in den Polizeikörper übergeführt werden, sind noch keine Polizeibeamten, sondern wollen erst welche werden. Hierzu soll die Polizei- berussschule helfen. Zeder Beamte der Schuhpolizei ist schulpflichtig, sofern er nicht die Reise für Obersekunda oder eine entsprechende Bildung nachweisen kann. Die Polizeiberufsschule ist der Organisatton der Schutzpolizei angepaßt und also hier in Berlin auf die sechs Polizeigruppen verteilt. An der Spitze jeder der sechs Polizeiberussschulen steht ein hauptamtticher Schulleiter, der gleichzeitig die Aufsicht ausübt und die Amtsbezeichnung Polizei- schulrat führt. Einer dieser„Schulräte" versieht die Geschäfte eines Schuldezernenten im Polizeipräsidium. Insgesamt befinden sich in Berlin in der Polizeiberufsschule etwa 300 Klassen mit rund 250 Lehrern. Die Schulen sind in den Polizeiunterkünften eingettchttt. Erst eine Gruppe hat vor einigen Tagen ein eigenes Schulgebäude, das allen modernen Anforderungen entspttcht, erhalten. Je nach dem Biidungsstand werden die Beamten auf die fünf auf- steigenden Pflichtschulklassen verteilt.' Von dem Grad der erreichten Schulbildung hängt die Beförderung ab. Unterrichts- fächer sind: Deutsch, Staatsbürgerkunde, Geschichte, Rechnen und Erdkunde(Wirtschaftsgeographie). Die Schulzeit ist für die Revier- beomten, soweit sie noch schulpflichtig sind, auf den Vormittag, für die kasernierten Bereitschoftsbeamten auf den Nachmittag gelegt. Ein jeder Beamte hat im Monat durchschnittlich achtmal 4 Stunden Unterricht. Den Eigenzwecken der Polizeiberufsschule entsprechend, besteht ihre Schularbeit nicht nur in der Wiederholung und Ver- tiefung des Schulwissens, sondern hauptsächlich in der Weiter- bildung im Polizeiberuf. Deshalb müssen die Unterrichtsfächer in lebendiger Wechselbeziehung zum Polizeiberuf behandelt werden. Neben den„Pflichtschulklassen". deren erfolgreicher Besuch mit einer„Schlußprüfung" endet, gibt es in der Polizeiberufsschule noch wahlfreie Klassen in drei aufsteigenden Lehrgängen. Zn diesen Ober- kursen wird den Beamten eine mehr wissenschaftliche Bildung ver- mittelt, die etwa der Reife für Oberpttmo entspricht. In diesen Oberkursen sind neben Englisch und Mathematik Volkswirtschaftslehre und Staatsbürgerkunde Hauptunterrichtsfächer. Der erfolgreiche Be- such der Oberkurse gibt den Beamten innerhitlb der Polizeiverwal- tung hinsichtlich der Beförderung zum Polizeioffizier und des Ein- tritts in die Verwaltungslaufbahn dasselbe Recht, das die Abi- tuttenten besitzen. Daß die Polizeiberufsschule in ihrer Gesamttätigkeit, wie es jede moderne Schule unserer Zeit tun soll, auch erzieherische Aufgaben zu lösen hat, sei noch besonders erwähnt. Im Lehrplan der Polizei- berussschule heißt es hierüber:„In der Heranbildung zu scharfem Beobachten, klarem Denken, zu sicherem mündlichen und schriftlichen Gebrauch der Muttersprache, insbesondere aber zu wahrhaft staatsbürgerlicher Gesinnung wird sie demgemäß ihre Hauptausgabe zu sehen haben." Die größte Summe von Kenntnissen macht aber noch nicht den geeigneten Staatsbürger im Volksstaat aus, hinzukommen muß noch die gute soziale Gesinnung. Erst wenn der Polizeibeamte seines Volkes Wohl und Weh« wie sein eigenes empfindet, wird er ernstlich bestrebt sein, am Werke der Freiheit, Gerechtigkeit und— Ordnung mitzuarbeiten. Voraussetzung, einen diesen erwähnten Zielen dienenden Unterncht zu etteilen, ist, daß jeder Lehrende inner- lich die deutsche und die preußische Republik bejaht. Die Lehrer an der Polizeiberufsschule sind nebenamtlich tätig und in ihrem Hauptberuf Volksschullehrer, Mittelschullehrer, Diplomhandelslehrer oder Studienrat. Aus sozialen Gründen ist vor Iahren eine größere Anzahl sogenannter Flüchtlingslehrer aus den abgetretenen Gebieten in den Polizeiberufsschuldienst übernommen worden. Diese Lehrkräfte haben sich im großen und ganzen durchaus bewährt. Der Unterncht in der Polizeiberufsschule wird ganz im Sinne des Arbeits- schulunterrichts«tteilt. Die Polizeiberufsschule Berlin hat absichtlich bisher in der Oeffentlichkeit wenig von sich reden gemacht und in stiller, ernster Arbeit ihre Aufgabe gesehen. Daß diese Arbeit eine nicht zu unter- schätzende staatspolitische Bedeutung hat, braucht wohl nicht weiter bewiesen zu werden. Unter der tatkräftigen Förderung des Innen- Ministers und des Polizeipräsidenten wird die Berliner Polizei- berussschule auf dem eingeschlagenen Wege weiter fottschreiten, um die Heranbildung einer wahren Volkspolizei zu oerwirNichen. Karl B o s e. sprang. Zum Pech für den Angeklagten gebot an der nächsten Ecke das rote Signallicht dem Wagen ein Halt und Habrovfky wurde aus dem dichtbesetzten Omnibus herausgeholt. Die ganze Vetteidigung des Angeklagten ging darauf hinaus, daß er unzurechnungs- fähig sei und zeitweise an Dämmerzuständen leide. Der Gettchtsarzt hat davon allerdings nichts entdecken können. Landgerichtsdirektor Crohne führte in der Begründung des Utteils, das auf drei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrvettust lautete, aus, daß derattig« internationale Hochstapler, die zur Schädigung der menschlichen Gesellschaft von Land zu Land gehen, durch mögsichst lang« Einsperrung unschädlich gemacht werden müssen. Dramatische Szenen im öröcker-prozeß. Der Beginn der Zeugenvernehmung. Köln. 31. Mai.(Eigener Drahtbettcht.) Zu aufregenden Szenen fem es heute im Laufe der Verhandlung des Mordprozesses gegen den Kölner Arzt Dr.B r ö ck e r und die Gattin des verstorbenen Architekten Oberreuter. Die Zeugenvernehmung hat begonnen, und zunächst haben Personeg das Wort, die über die inkttminiette Tat Nicht unterttchtet sind, sondern nur als Leu- mundszeugen auftreten. Bruder und Braut Dr. Bröckers verweigern die Aussag«, die Braut des Angeklagten, ein Fräu- lein B r ü s i n g, ettlätt unter allgemeiner Bewegung auf ein« Frag« des Vorsitzenden:„Jtach wie vor fühle ich mich als Dr. Brö- ckers Braut, und ich würde ihu jederzeit heiraten." Zu einem Zwischenfall kommt es bei der Vernehmung zweier katholischer Geistlicher, die dem AngeNagten und ihm das beste Zeugnis ausstellen. Der eine von ater Berghausen, protestiett energisch und wiederholt nahestehen Ihnen. Pa daeegen, daß bei ihm Briefe Dr. Bröckers beschlagnahmt seien. „Als Geistlicher," ettlätt er erregt,„darf ich keine Geheimnisse preis- geben!", und er läßt sich auch durch den Hinweis des Vorsitzenden, daß die Beschlagnahme zu Recht erfolgt sei, nicht beruhigen. Wettere Zeugen bettchten über das sexuelle Hörigkeits. Verhältnis, in dem Bröcker zu Frau Oberreuter stand. Früher« Pattenten des Angeklagten sagen im allgemeinen nur Gutes über Dr. Bröcker, stimmen aber darin überein, daß er im lehteu Zahre ein arger Trunkenbold gewesen sei. Nicht selten holte er während der Ordinatton die Schnapsflasche aus dem Schrank und trank d a r a u s l o s. kommen hysterisch wäre. Bon dem Verhältnis der Angeklag- ten zu Dr. Bröcker habe Oberreuter aber besttmmt nichts gewußt. Morgen wird man zur Vernehmung der Tatzeugen schreiten._ Raubüberfall im Tiergarten. Die Berliner Kriminalpolizei ist gegenwärttg mit der Auf- klärung eines nicht alltäglichen Raubüberfalls beschäftigt. In un- mittelbarer Nähe des Brandenburger Tores wurde im Tiergarten dem zu Besuch in Bettin weilenden Baron de Brischambett aus Bilbao m Spanien von einem jungen Manne ein Bein gestellt, so daß er zu Boden fiel. Er glaubte zunächst nicht an eine Absicht. Erst als der Baron seinen Weg wieder fortsetzte, stellte er fest, daß ihm die Brieftasche mit 6000 französischen Fran- k e n und 800 M. abhanden gekommen war. Der Räuber war in- dessen verschwunden. Selbstmord eines Ärmenvorstehers. In seiner Wohnung in der Ehristmenstr. 33 wurde gestern nachmittag der 28jährige Magisttatssekretär Fritz Krüger, der zugleich das Amt eines A r m e n v o r st e h e r s versah, mit Gas vergiftet aufgefunden. Ein hinzugezogener Arzt stellte den vermut- lich bereits am Sonntag eingetretenen Tod fest. Der Grund zu dem Verzweiflungsschritt soll in Schulden und Angst vor einer Bettugs- anzeige zu suchen sein. Es wurde ein Brief vorgefunden, in dem ihm ein Freund mit einer Anzeige drohte. Die Ausgeschlossenen protestieren! Gestern abend um 6 Uhr protestierten die aus der SP. Ausgeschlossenen nicht vor dem Karl-Liebknecht-Haus, wie vorher beschlossen, sondern vor dem Portal der Volks- b ü h n e. Vielleicht hatte der starke und plötzlich einsetzende Ge- sagt die Zeugin au», sehr oft Spuren von Mißhandlungen an ihrer Schwägerin bemerkt. Einer der nächsten Zeugen, der Kaufmann Wall raff, war ein Freund des verstorbenen Oberreuter. Dieser hat ihm häufig geklagt, wie unglücklich seine Eh« sei, da seine Frau voll- Venudie eroaben, dafl W!di»n>idel beinahe 3 mal«-lange reich», als eine dar sog.„bUlloeren"Bohncrma5»en dea Mandela. Wer mit dem �iriachailagelde sog.„billigeren" vonnermasaen aea nanaeia. wer»»> rechnen muß, legt also lieber etwas mehr an und verlangt auadrüdtlidj emp Dose Wichsmädel. Freie llt Dose S5 Flg., V« Dose KM i-id, Dose KM 2.801 audi fiassig in Flaschen. Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften. „Wichamädel". Werke, Dresden-Berlin. 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Der Potsdamer Prozeß ergab folgenden Sachverhalt: Auf der Insel Unter-Planitz bei Potsdam lebte in seiner Villa der bekannte Entdecker der Haffkrankheit und des Serums zu deren Bekämpfung, Professor Dr. Schnabel mit seiner Frau, einer geborenen Gräfin Hesselod« v. Leiningen. Im Jahre 192S nahm der Professor den 22jährigen arbeitslosen, ehemaligen Bersicherungsangestellten Max Schwintzer zu seinen persönlichen Diensten und für Gartenarbeiten an. Im Dezember desselben Jahres starb der Professor. Der Haus- diener Max verblieb in den Diensten der Witwe. Als dann die Wirt- schafterin und Bertraute der Frau Profeflor, Tina Sauer, ihre Stellung verließ, avancierte Max zum»Mädchen für alles". Dies .alles" ging weit über das Uebliche hinaus: er bereitete der „gnädigen Frau" das Bad, bracht« ihr den Kaffee ans Bett, las abends, an ihrem Bett fitzend, die Zeitung und raucht« dabei gemüt- lich feine Zigarette. Max behauptet, daß„alles" noch eine viel weitergehende Bedeutung gehabt habe. Die Gräfin beftteitet es aufs entschiedenste Daß Max sich der Frau Professor gegenüber die größten Frechheiten herausnahm, daß nach den stürmischsten Auf- tritten zwischen der gnädigen Frau und dem„Burschen", wie sie ihn nennt, sofort wieder das herzlichst« Einvernehmen herrschte— das alles besagte natürlich vein gar nichts. Eins steht jedenfalls fest; der erforderliche Respekt der„gnädigen Frau" gegenüber fehlte dem jungen Menschen unter allen Umständen.' Ein weiteres kam hinzu: Frau Professor hatte nach dem Tode ihres Mannes dem Gericht e i n Testament vorgelegt, in dem sie als alleinige Erbin genannt war. Das Testament erwies sich als gefälscht. Die Frau Professor mußte nach anfänglichem Leugnen zugeben, daß sie sich im Nachahmen der Handschriften ihre» Mannes tagelang geübt habe— in Gegenwart ihrer Wirtschafterin und Vertrauten Tina Sauer. Die Folge davon war ein Verfahren wegen Urkundenfälschung. Die Gräfin blieb dann wochenlang ihrer Villa fern; nur ab und zu kam sie nach Unter-Planitz. Max konnte im Haufe walten und schatten wie er wollte. Er hatte auch eine Braut, eine kleine Filmstatistin. Als eines Tages Tina Sauer wieder im Hause der Gräfin erschien, stellte sie das Fehlen von Sachen der Gräfin fest. Es kam zu einer stürmischen Auseinandersetzung mit Max, die mit dem Erscheinen eine« Kriminalbeamten endete. Die Folge war«ine Anklage wegen Diebstahls und die Ver- urteilung des Max Schwircher zu zehn Monaten und dessen Braut Johanna Liese zu fünf Monaten Gefängnis. Bon einer Bewährungsfrist war keine Red«. Das Verfahren gegen die Gräfin endete mit einer Verurteilung wegen Urkundenfälschung und zwar zu drei Monaten Gefängnis Hier wurde ein« Bewährungsfrist in Aussicht gestellt. So stand dem Urteil auf drei Monaten Gefängnis für die Gräfin, die die Mutter und Schwester ihres Mannes um das Erbe bringen wollte, das Urteil von zehn Monaten für ihren Burschen gegenüber, der ein paar Sachen aus dem Eigentum seiner Herrschast beiseite geschafft hatte. Beide Urteile waren unter dem Bor- sitz des Landgerichtsdirettor» Westerkamps gefällt. Den inneren Widerspruch, der in diesen beiden Urteilen lag, beleuchtete in seiner Verteidigungsrede Rechtsanwalt Dr. Klee be- sonders klar und deutlich Der Staatsanwalt meinte aber, daß diese Urteile zu Recht gefällt seien: denn die Frau Professor habe nur aus Leichtfertigkeit gehandelt, der 22jährige Max Schwintzer dagegen aus verbrecherischer Neigung, ebenso seine Braut. Das Gericht setzte jedoch die Strafe sür die beiden Angeklagken herab: es erkannte gegen Schwintzer auf vier Monate Gefängnis und gegen die Liese auf zwei Monate. Der Frage der Bewährungsfrist soll noch näher getreten werden. Durch dieses Urteil ist dem Rechtsgefühl einigermaßen Genüge getan. Die Frau Pro- fessor hatte in ihrer eigenen Sache Berufung eingelegt: drei Monate Gefängnis für die Urkundenfälschung scheinen ihr noch zu hoch. Einbrecher im Humboldtschlotz. Dem Tegeler Schlößchen, das auch das Humboldt- Museum beherbergt, stattete in der vorgestrigen Nacht ein Ein- brecher einen unerbetenen Besuch ab. Wie lange er sich aufgehalten hat, weih man nicht. Gegen 4 Uhr morgen» erwachte die Haus- frau durch ein Geräusch an der Schlafzimmertür. Sie weckte ihren Gatten, Geheimrat von Heinz«, und dieser sprang sofort auf und griff zur Pistole, weil er mit Recht einen Einbrecher vermutete. Vor der Tür stieß er denn auch auf einen fremden Mann. Die Waffe versagte jedoch, und der Einbrecher er- griff die Flucht. Der Geheimrat eilte durch das Schlafzimmer zurück, um ihn den Weg abzuschneiden. Der Einbrecher kam ihm jedoch zuvor, erreichte das Freie, schloß die Tür hinter sich ab und verschwand. E» ergab sich, daß«r am Schwarzen Weg den Drahtzaun de« Parke» durchgeschnitten, an der Küche ein« Fensterscheibe eingedrückt und für 7 00 Mark Silberzeug, das zum Teil mit dem Bülowschen, zum Teil mit dem Heinzeschen Wappen gezeichnet ist, g e st o h l e n hatte. Der noch nicht ermittelte Verbrecher ist ohne Zweifel derselbe, der vor einigen Tagen den Einbruch bei der Baronin von der Decken in Hermsdorf verübte. Dort war er ebenso eingedrungen. Griefe aus polen. Welchem Zweck sollen fie dienen? Eine ganze Reihe seltsamer Rundschreiben beschäftigen seit einiger Zeit die preußischen Kriminalbchörden. Ein 50 Jahre alter Kaufmann Kiwe-Windholz aus O s w i e c i m versendet an die Landratsämter und Gemeindevorsteher Briefe mit dem Kopfdruck„Armenrechtssache", die aussehen wie amtliche Schrift- stücke. Der Kaufmann behauptet darin, daß er vor dem Kriege Holz- großhändler gewesen sei und mit verstorbenen Großkaufleuten, Land- Wirten und Holzhändlern in Verbindung gestanden habe. Aus diesen Geschäften habe er noch Forderungen. Diese habe er bisher nicht Ubersehen und geltend machen können, weil er als Soldat in der österreichischen Armee herausgekommen sei. Seine mißliche Lage zwinge ihn jetzt, nach Klärung der Verhältnisse seine Guthaben von den Erben seiner verstorbenen Geschäfts- freunde einzuziehen. Windholz bittet angeblich aus diesem Grunde die Adressaten, ihm Namen und Wohnort dieser Erben mit- zuteilen. Zunächst versandte er die Briese in Oberschlesien, dann immer weiter nach Westen zu, so auch nach Berlin. Die Landratsämter gingen auf das merkwürdige dringende Ersuchen nicht ein, sondern übergaben die Briefe den ihnen vorgesetzten Dienst- stellen, die die Kriminalbehörden, u. a. auch die Berliner Kriminal- polizei, zu Nachforschungen veranlahten. Bisher konnte noch nicht festgestellt werden, wie Windholz die Namen der zahllosen Ber- storbenen erfahren hat und was er mit seinen Bemühungen, die Adressen der Erben zu erfahren, bezweckt. Man vermutet, daß er es auf Erpressungen abgesehen hat. Kiwe-Windholz war früher in Berlin ansässig und wohnte in der Christinenstraße. Ein leichtfertiger Ankläger. Bor dem Amtsgericht Neu- kölln wurde gestern eine Beleidigungsklage gegen den Gauleiter E b e r t vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten verhandelt. Der Ankläger fühlte sich beleidigt, daß Ebert von ihm auf der Gau- tagung des Verbandes behauptet hatte,„es wären ihm alle Mittel Zukunftsromane auf technischer Grundlage erleben heute eine neue Hausse, und man vergißt oft darüber, daß bereits zur Zeit der deutschen Romantik diese Themen außerordentlich beliebt waren. Deswegen ist der Vortrag Dr. Werner P e i s e r»„Wunder der Technik in der romantischen Literatur" trotz einiger formaler Be- denken verdienstvoll. Peiser behandelt Jean Paui, Hofsmann und Arnims„Gräfin Dolores". Stets richtet sich die Phantasie in dieser Zeit auf die Konstruktion eines menschlichen Automaten, wie er in Ofsertbachs.„Hoffmanns Erzählungen" in Olympia Gestalt gewonnen hat. Peiser hätte aber vor allem auf die psychologischen und kuttu- rellen Bedingungen eingehen sollen, die die Phantasie immer wieder auf dieses Problem brachten.— Am Abend liest Arnold Zweig feine Novelle„Der Spiegel des großen Kaisers". Man bewundert den Sprecher Zweig. Trotzdem der Stimme der sonore Klang fehlt, überhaupt Substanz, so formt sie doch außerordentlich eindrucksvoll die Sätze. Zweig ziseliert an jedem Satz, spricht scharf artikulierend und setzt ohne Aufdringlichkeit Akzente, aber immer bewahrt er die epische Linie und will nicht in den Dialogen dramatisch charak- terisieren. Di« Novelle, legenär gehalten, ist etwas mit Symbolen überlastet, sie bringt nicht phantastische Element« aus reiner Freude am Phantastischen, und der Sprache fehlt die nervöse Gespanntheit, die heute noch an den„Novellen um Claudia" interessiert, aber darüber hinaus fesselt das anklägerische Pathos gegen die Gesell- schaftsordnung, der„besten aller Welten". Das G u a r n e r i- Quartett zeigt nach der Lesung seine tonschöne und hohe musi- kalische Kultur in der Wiedergabe von Negers Es-Dur-Quartett. Di« Vorträg« Steins über„2 Jahre Berliner M isikleben" (3. Vortrag der Reihe) und N o s ch e r s über„Die Weltwirt- schastskonferenz in Genf" begnügen sich mit einer bloßen Anein- anderreihung von Tatsachen. F. S. recht, um zum Ziele zu gelangen". Als Ziel gab Bahn, der Ankläger, an, er wollte eine Korruption im Reichsbund aufdecken. Obwohl Ebert zugab, er wollte mit dem Ausdruck„alle" nicht„unlautere" Mittel gemeint haben, sah das Gericht Beleidigung für ze- geben an, und erhob Anklage. Der Ankläger erhob auch Be- schuldigungen gegen Vorstandsmitglieder des Reichsbundes, ohne Beweismaterial angcben zu können. Das Gericht sprach Ebert den Paragraphen 193 zu, der ausdrücklich Straffreiheit„in Wahrneh- mung berechtigter Interessen" zusagt. Das Gericht anerkannte, daß die Verteidigung auf die Borwürfe Bahns maßvoll war und E h ärt wurde freigesprochen._ Nach einem Wortwechsel niedergeschossen. Eine noch ungeklärte Schießasfäre spielte sich gestern abend gegen 8 Uhr im Hausflur des Grundstückes F i n o w st r a ß e 36 ab. Der 47jährige Schlosser Hermann B., der in demselben Hause wohnt, geriet, als er gegen 8 Uhr von seiner Betriebsstätte heimkehrte, im Hausflur mit dem 40jährigen Maler Paul R., der gleichfalls dort wohnt, aus noch unbekannten Gründen in einen kurzen heftigen Wortwechsel. Plötzlich zog B. eine M e h r l a d e p i st o l e hervor und gab aus R. mehrere Schüsse ab. Von zwei Kugeln in Kopf und Arm getroffen, sank R. schwerverletzt zu Boden und mußte nach Anlegung von Notverbänden in das St. Hubertus-Krankenhaus gebracht werden. Der Revolverheld, der in Notwehr gehandelt zu haben behauptet, sich aber nicht im Besitz? eines Waffenscheines befindet, wurde von herbeigerufenen Polizei- beamten verhaftet. Umzug der„Berolina". Die„Berolina", das gewaltige Denk- mal auf dem Mexanderplatz in Berlin, wird durch den Bau eines neuen Untergrundbahnhofes gezwungen, auf etwa ein Jahr umzu- ziehen. Sie soll in Treptow vorübergehend Aufstellung finden. Selbstmord einer Sechsundachtzigjährigen. Mit Gas vergiftet« sich eine 86 Jahre alte Witwe Marie Wilhelm, die für sich allein in der Glasowstr. 41 zu Neukölln wohnte. Die Greisin war schon länger ihres Lebens überdrüssig. Gestern wurden Haus- genossen durch einen starken Gasgeruch auf ihre Wohnung aufmerksam und fanden sie tot aus. Der Gashahn der Stubenlampe war aufgedreht. Die Leiche wurde be- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Im Rausch vom eigenen Fuhrwerk Übersahren. Am Dienstag abend wurde vor dem Spandauer Pferdemarkt ein Kutscher aus Tegel im Rausch von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren und mußte nach Anlegung von Notverbänden in das städtische Kranken- Haus geschafft werden. Sein Zustand ist sehr ernst. Frauenchor de» ZZerliner Schubert-Chor». Die UebungSstunden deZ neu gegründeten Frauen chors finden nicht Freitags, sondern regelmäßig Donnerstag abend von 8— 1l> Uhr in der Aula der Werner- Siemens-Realfchule, Berlin N., Badftratze 22, statt. Soziatistische firbeiterjugenü Groß-öerlin. Wanderleitertonfcren, heute, Mittwoch, ISth Uhr, in der Schule Nochstr. 1Z. Jede Abteilung muh vertreten sein. Achtung, Adteilungstossicrer! Heute Abrechnung von 17—19 Uhr. Festausschuh: Sitzung des engeren Ausschusses um 18Vi Uhr, Sitzung des erweiterten Ausschusses um 19i4 Uhr im Jugendheim Lindcnstr. 3. Heute, 19K Uhr, Ableilungsmitgliederversammlungen: Norden: Putbusser Str. 3 sttinderfreundezimmer). Funktiondrsitzung.— Wedding: Luxemburger, Ecke Gcntcr Strohe.— Humannplah: Heim Ebers- watder Str. 10, Zimmer 11. sAnschlicßend Pfingstsahrtbesprcchung.)— Rosen- thaler Vorstadt: Schule Giosstr. 23».— Valtcnplatz: Heim Tilsitcr Str. 4—5.— Friedrichsdain: Heim Diestelmegerstr. 5—3.— Hohenschönhausen: Funktionär. sitzung be: Hoffmann, Dingelftädter Str. 32.— Reichenbergcr Viertel: Heim Neichcnbcrger Str. 33.— Falkenberg: Heim Am Falkenberg 117.— Friedrichs- bogen: Heim Echarnweberstr. IM.— Friedrich-ieldc: Heim Schloß-, Eck« Ber. liner Straße.— Kaulsdors: Schule Adolfstraße.— Rcn-Lichtenberg: Turnhalle' Prinz-Atberl-Straße.— Lichtenberg. Nord: Heim Parkaue 10.— Lichtenberg- Mitte und-West: Heim Dosseslr. 22. Außerordentliche Mitglied« rvcrsamuo. lung:„Jüngere::- und Aelterengruppc oder Rote Falken". Erscheinen aller Mitglieder:ft dringend Pflicht._ Wetterbericht der öffeaUichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend. (Rachdr. verb.) Warm mit fortdauernder Gcwttterneigunss, schwache süd« ältliche Winde.— Für Deutfchland: Ueberall warm bei fortdauernder Gewitterneigung. schaden der Wasche und verärgern meist Waschen Sie mit (DiiShompsorts Seifenpulim* das Jede tüchtige Hausfrau als das fteste und Zuverlässigste für die Wäsche kennt. i pg THQMPSQN'S SEIFENPULVER ÄAtdi& jur dzn Zio-ai�ttcni�uidicr� Ilnseto. neucMiscKunQ' GOLD~S AB A' snwMMi Tabaken, dec neuesteia, Ernte, frisch, manipuliert, ßijdetd&m leichte, bekömmliche Qualität, blumiges Aroma» gidilC IL,' V\"C Ü CIL 13 IT Uni-' BAD LANDECK IN SCHLESIEN Mitten im Hochwald gelegen Starkradioaktive Schwefelquellen Außerordentliche Heilerfolge bei dicht, Rheumatismus, Frauen- und Nervenleiden u. a. m. Mäßige Preise Prospekte u. Auskünfte kostenlos durch die Reisebureaus und die städtische Badeverwaitung.— Fernruf 26 und 82 Staats-Theater Opernhaus aa Platz d.ßepubl. 7'/, Uhr: Evangelimann Schauspielhaus 8 Uhr; Florian Geyer Schiller- Theater 8 Uhr; Mnsik. MM Opei Charlottenburg 7VS Uhr: Oer Treischütz Abonn.-Turnus IV WM IHM Norden 10334—37 8 U. Ende 10'/, U. Der Hexer Sommerpr. l— 10 M. Kararaerspiele Norden 10334—37 SV- Uhr. Ende 10 U. Papiermühle Rose-Theater S'/, Uhr. Der Vetter aus Dingsda Die Komödie Bismarck 2414, 7516 SVs Enden«! 10 Uhr Der Snob Nachtvorstellnns Tägl.ll Endel U. Rem: Was Sie wollen Preise 2, 3, 4 u. 5 M. Tbiat. 8.lloMorfpl. Kurfürst 2091 8 U, Ende gntp 1 1 Diu Orei arme kleine Kädels OnmttMm�ijt�Jolj� Birnowskr-Bibnu Th. Königgrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: f. Homüdlentiout Norden 6304 8 Uhr Theo madit alles! Freitag 71/t Uhr: Zum 1. Male: Weihe Frami Volks büh ne rbeiltf am BSIowplah 8 Uhr— Ein SoiniDeniaditstranni. Morgen 8 Uhr: Ein Sonunemaditstrainn. Th. am Sdiiffbantnlamm 8 Uhr Jan der Wnnderbare Komische Op-er SV, Uhr; 8V, Uhr: die neue große James-Klein-Revue Sirene verdoienü! Dil En oe der mbotnm Uidtnsduttnn I Ueber 200 Mitwirk.' 8 BaUeib. Vorverkauf 1. 1. Tbeatertasse ab 10 Dhr nmintertr. CASINO-THEATERs unr- Der Fehltritt einer Frau. Atusduieiaenl Gutschein 1—4 Pers. _ Faut 1 Mk, Sessel 1,50 Mk. . ERIK CHARELL BRINGT:> Wegen des beispiellosen Erfolges unwiderruflich bis 15. Juni verlängert Grones Schautpielhaas Keine Million Liter Weine mehr sondern nur noch einige Hunderttausend Liter gelangen ohne Preiserhöhung trotz großer Preissteigerung die 30. Juni 1927 zum Verkauf Prima Maitowlo..... Liter 0.95 reinster Aptelweio ntm, i3{ Hr. 0.75 Editerjoäiimiisbeenveliiu� Ltr.0.95 Feinster Kirsdiwem. u x Ltr. 1. 10 EtWer Ertbeerweln. m z Ltr. 1.45 Fehler Apielweia»nr sowie. Ltr. 0.50 Oriltnal 1922 Wciftwelae.. fl 1.50 laut Santern 1921 Bordeani fl 2.25 Fetisfe Kolweine...... fl 0.95 Prima Ertbeertowle... 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Künstler-Tb. 8V, Uhr; Adieu Mimi Lessing-Theater Heute 7Vj Uhr Eugea Klopfer mit seinem Ensemble ..Mmdmfiaid«" Lustspielhaus 8V, Uhr: Bobbu's letzte Badit Freitag 7V, Uhr Preinlere „Der Apfel" ffetropol- Theaf Täglich 8 Uhr Tbeater des Westens 8 Uhr: Heinrieh Heines erste Liebe Sommerpr. 1—8 M. zur Miete W50, Ansbacherstr.l Berliner lllk-TrlO Neukölln. W Lafanstr. 74/751 7 Vorvsrkaof A. Wertheim n. Ufa-Pavillon. Adifung fiasfwlrfe Norden 10593 Königin v. Saba and Gold- Saba 28.50.— Bacarat und S. C. 36,00 Bernhard Baum, C. 25, Die ersten Tage des schönen Monats Juni benutzen kluge Leute zum Besuch der Wochenend- Ausstellung am Kaiserdamm Sensationen, die Jod er gesehen haben muß; I Dort der Wodienenonänser— Berliner Sdueepaiasi— KBrKisdie Kunstanssleuaiu) j Biesen-VerkebTspanorama Von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. geöffnet(Einl. bis 9 Uhr, Schneepalast bis 11V, Uhr abends.) Eimrutsprel* l.so mk. mgenaudie TS PL| HorgensDonnerstag ELITE-TAG mit Rlesen-Feuerwerksschausplel a. 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Vorläufig glaubt man nur an die Rentabilität des Einheitspreis systems und weist darauf hin, daß sein amerikanischer Begründer Woolworth über tausend Läden eröffnet«, in deneu nur Artikel zu 5 und 19 Cents verkauft werden. Der Er- folg war so groß, daß Woolworth regelmäßig 35 Proz. Dividend« zahlt und außerdem das höchste Haus der Welt aus eigenen Mitteln in New Jork errichten tonnte. In dieser Woche ist nun in Berlin das.Haus der Ein- h e i t s p r e i f e* in Kontur» geraten, und sein« Läden in der Leipziger Straße, Wilmersdorfer Straße und Großen Frankfurter Straße dürften bald ihre Pforten schließen. Dasselbe gilt für die Ha-De-Pe-Geschäfte in Hamburg. Wie war dieser Zusammenbruch möglich, nachdem Woolworth mit demselben System Multimillionär geworden ist? Die Direktion des.Hauses der Einheitspreise' war anfangs mit den Erfolgen sehr zufrieden. Auch von außerhalb kamen Leute hereingefahren, um sich das Geschäft anzusehen und zu taufen. Wer nach Weihnachten war der Reiz des Neuen vorbei, und das deutsche Publikum konnte die W neigung vor allzu billigen Waren, bei denen es Ramsch witterte, durchaus nicht los werden. So ging denn der Umsatz bald auf ein Minimum zurück, während die Spesen dieselben blieben. Die Einführung von I-Mk.-Artikeln hat den Zusammen- bruch nicht mehr aufhalten können. Di« Psyche des Amerikaners und des Deutschen ist noch Angaben der Direktion eben doch eine grundverschiedene. Der besser situierte amerikanische Arbeiter findet durchaus nichts dabei, wenn er einen 59-Psg..Kragen nach mehrmaligem Waschen wegwerfen muß. der Deutsch« hingegen schimpft darüber und kauft den Kragen lieber in besserer und in teuererer Ausführung. Der Mißerfolg des.Haufes der �inheitspreife' spricht aber noch nicht gegen das System, auch nicht gegen seine An- wendung in Deutschland. Leonhard Tietz und Karstadt, in deren Direktion gewiß tüchtige Kaufleute sind, setzen sich für das Einheit»- preissystem weiterhin ein und betreiben es in großzügigerer Weife als das in Konkurs gegangene, hier geschilderte Privatunternehmen. Die erste Voraussetzung für das Gelmgen des Einheitspreis- geschäftes ist ein ungewöhnlich billiger Einkauf. Hier hat es Leonhard Tietz bei seinen l 9 E h a p e- Läden immerhin schon leichter. Für Woolworth allein arbeiten m Amerika sogar zahl- reich« Fabriken, die gar keinen anderen Kunden außer ihm besitzen. Bekanntlich wird dieser amerikanische Großkaufmann in einigen Monaten in der Müller st raße in Berlin und in Bremen LA>en eröffnen, in denen nur zu 25 und 59 Pfg. verkauft wird. Damit kann er natürlich noch keinen Erfolg haben, aber der Direktor Strongman von der Woolworthcompany erklärt«, er würde wohl noch mindestens 59 Läden dieser Art errichte«. Dan» wird es immerhin schon eher möglich fein, bestimmte Sertenartikel, die früher 75 Pfg. bis 1 Mk. gekostet haben, zu 59 Pfg. zu verkaufen. Wer aber den bisherigen 29.Pfg..Artikel im Einheitspreisgeschäft für 25 Pfg. verkauft, hat das ganze System nicht verstanden. Di« Arbeiterschaft und die ganz« minderbemittelt« Bevölkerung hat an dem Gelingen des Einheitspreissystems und noch mehr an seiner richtigen Ausführung immerhin einiges Interesse, die Typisierung gewisser Artikel(Kragen, Briefpapier, Kochtöpfe usw.) wäre außerordentlich wünschenswert, weil mit chr ein« Ver- billigung verbunden fein kann. Solche Wrren lasten sich dann noch weiter im Preise reduzieren, wenn sie groß eingekauft werden. Das.Haus der Einheitspreise', das fetzt m Konkurs geriet, stellte aber«ine Schau von zahlreichen Artikeln dar, die verhältnismäßig wenig umgesetzt worden sind. Ein derartiges Wagnis konnte kaum «inen Erfolg haben. Mit Intereste wird man daher das amerikanisch« Unternehmen in Deutschland verfolgen. Es hat den deutschen Konkurrenten gegenüber den Vorsprung einer jahrelangen Erfahrung und der den Amerikanern eigenen Beweglichkeit. F- G. Der Gelümarkt Ense flpril. (?rgebniffe der letzten zwei Monatsbilanzen. Die jetzt für Ende April im„Reichsanzeiger' veröfientlichte Kreditstatistik der Reichsbant läßt zwei wichtige Tatsachen deutlich erkennen. Einmal hat die Aufwärtsbewegung der Konjunktur tnlsächlich die in den Banken gesammelten Gelder schon zum 39. April zunehmend wirtschaftlichen Zwecken zugeführt und damit bei der seinerzeit noch fortdauernden starken Börsen- fpekulation und dem Versiegen des ausländischen Kapitalstroms die Anspannung auf dem Geldmarkt fühlbar verstärkt. Zum anderen zeiigl die Kreditstatistik, daß die berühmten Börsenkredite, deren Ein- fchränkung das Ziel der Reichsbankattwn vom 12. Mai war, schon zum 39. April gegenüber dem 28. Februar keine Ausdehnung mehr erfahren hatten. Daraus wird erkennbar, daß die Aktion der Reichsbank vielleicht aus allgemeinwirtschaftlichen Gründen notwendig war, viel weniger aber gerade aus jenen Gründen, die die Reichsbant ihrerseits immer angegeben hat. Bei den sechs zur Statistik berichtenden Berliner Groß- danken sind gegenüber Februar die sogenannten Report- und Lombarddarlehen gegen Wertpapiere nur ganz minimal von 856,4 auf 856,7 Millionen gestiegen. Bei der Gesamtheit der 84 bc- richtenden Privatbanken liegt sogar ein Rückgang von 1975,2 auf 1972,4 Millionen vor. Daß sich die Anspannung auch bei den Privat- danken stark fühlbar gemacht hat. zeigt der Posten Akzepte und Schecks unter den Passiven, in denen jene Wechsel ausgewiesen werden, mit denen die Banken sich gegenseitig Kredit geben. Bei den sechs Großbanken ist er von 361,2 auf 496,7 und bei den 84 Kreditbanken von 599,5 auf 545,9 Millionen gestiegen. Daß in der Wirtschaft es weiter zur Kapitalbildung kam, zeigt die Er- höhungderGesamteinlagen bei den sechs Berliner Banken von 5156,1 auf 5467,3 Millionen. Dasselbe zeigt sich bei den 84 Kreditbanken mit einer Steigerung der Gesamteinlagen von 6635,9 auf 7912,3 Millionen. Auch die Verwendung der neu zugeflosseneu Gelder läßt sowohl die stärkere Wirtschaftstätigkeit als auch das Bedürfnis der Banken erkennen, sich möglichst flüssig zu halten. Die auf laufendes Konto gewährten Kredite sind bei den sechs Großbanken von 3192,8 auf 3417,3 Millionen, bei den 84 Kreditbanken von 4277 auf 4551,2 Millionen angewachsen. Dabei ist wieder wie schon früher die Beobachtung zu machen, daß die besonders gedeckten .Kredite stärker gestiegen sind als die ohne Deckung gewährten, wenn auch das Verhältnis der Steigerung verlangsamt ist. Beachtlich ist, daß die Zunahme der Warenvarschüste und Vorschüsse auf schwimmen- des Gut verstärkt erfolgt. Als Zeichen dafür, daß die Reichs- b o n k von den Privatbanken für die Rediskontierung von Wechseln erheblich stärker in Anspruch genommen wurde, ist der für alle Privatbanken festzustellende Rückgang des Wechselporte- feuilles anzusehen(von 1427,1 auf 1412,7 Millionen bei den sechs Großbanken und bei den 84 Kreditbanken von 1847,6 auf 1892,9 Millionen). Daß die Flüssigkeit der Privatbanken unter der Anspannung des Geldmarktes gelitten hat, zeigt der Rückgang des LiqnidftStsverhältniste» bei den Berliner Großbanken von 50,8 auf 48,9 Proz. Im Verhältnis erheblich geringer sind die Geldzugänge bei den Staats- und Landesbanken, worin die sich versteifende Kastenlage der Staaten und Behörden deutlich sich ausprägt. Bei den 16 berichtenden Girozentralen ist zum erstenmal ein E in l o g e n r ü ckg ang von 1277 auf 1237 Millionen zu verzeichnen. Dabei hat sich bei der Verwendung der Gelder der Betrag der langfristigen Anleihen wiederum von 757 auf 818 Millionen nicht unerheblich erhöht. Trotz des Einlagenrückganges wird bei den Sparkasten und Girozentralen also die Politik der langfristigen Anlage der Gelder fortgesetzt. Der Revers öer Zechenmagnaten. Wir können heute unser« Diskussion mit der stohleverwertungs A. G. in Esten zu End« führen. Die Kohleverwertungs A. G. hat bekanntlich bestritten, daß sie den ihr angeschlossenen Zechen einen Revers vorgelegt hat mit dem Verbot der Brenirstofslieferung an gaserzeugende Konkurrenzwerte. Am 24. Mai haben wir den Wortlaut des Reverses veröffentlicht, wie er nach den Angaben der Kohleverwertungs A. G. wirklich lautet und doneben den Wortlaut jenes anderen Reverses, der tatsächlich die Brennstosssperre ent- hält. Wir haben die Gesellschaft ausgefordert, eindeutig zu erklären, ob nicht dem heutigen Revers, der die Sperrklausel nicht mehr enthält, ein anderer m i t der Sperrklausel vorher gegangen ist und ob nicht zum mindesten die Absicht bestanden hat, vertraglich die Brennstoffsperre für gaserzeugende Konkurrenzwerke durchzuführen. Die Erklärung der A. G. für Kohleoerwerwng liegt uns jetzt vor. Die Gesellschaft stellt fest, daß ein« ander« Verpflichtung als die von ihr offiziell bekanntgegeben« zwischen der Gesellschaft und den Aktionären niemals zustande gekommen sei. Diese Erklärung genügt uns. Schon am 24. Mai haben wir die Behauptung der Kohle- verwertungs A. G. für heute als wahr unterstellt, daß keine Sperr- Verpflichtung mehr besteht. Auf der anderen Seite ist aber der von uns veröffentlicht« Revers mit der Sperrklausel absolut authentisch. Man wird deshalb die Feststellung, daß niemals «ine andere Verpflichtung unter den Aktionären der Kohleverwer- tungs A. G.„zustande' gekommen ist, dahin zu verstehen haben, daß zwar Vorschläge mit der Sperrverpflichtung für Brennstoff. lieferungen vorlagen und den Mitgliedern auch zugeleitet worden sind, daß aber bei der Feststellung des endgültigen Vertrages die Sperrverpflichtung aus Opportunitätsgründen weggelassen worden ist. Dafür spricht einmal die Tatsache, daß die Kohlever- wertungs 21. G. in Esten auch jetzt noch das Datum des Ver» pflichtungsjcheines verschweigt. Zum anderen ab« fügt die Kohleverwertungs A. G. ihrem Dementi folgende Erklärung hinzu: „W e n n unsere Aktionäre Verpflichtungen in dem von Ihnen ange- führten Wortlaut(d. h. mit Sperrklausel— D. Red.) übernommen hätten, so hätte dies nur in Vorsorge für ein« etwaige syndikatlosc Zeit und dann nicht etwa zu dem von Ihnen angenommenen Zweck «ine Lieferungssperre für Goswork«, sondern lediglich mit dem Ziele angestrebt werden können, das Syndikat für besonders notlei- d e n d e Kohlensorten festzusetzen.' Auch diese Zusatz erklärung macht es wahrscheinlich, daß die Brennstoffsperr« tatsächlich in A u s- ficht genommen war und nur praktisch nicht zur Durchfüh- rung kam. Dieses Ergebnis der Diskussion kann für die Oesfentlichtest ge> nügen. Es ist begreiflich, daß die A. G. für Kohleverwertung im jetzigen Augenblick, wo die Ruhrzechen ihre Ferngasversorgungs- Pläne auf neuen Verhandlungsgrundlagen mit den Kommunen weiter oerfolgen, diese Verhandlungen nicht durch das Odium einer früher beabsichtigten Lieferungssperre gestört wisten will. Da zu dieser neuen Situation in der Zukunft noch manches zu sagen sein wird, kann die Debatte darüber, was Wahrheit in der Frage der Lieserungssperre ist, heute gefchlosten werden. 50 Jahre Raiffeisenbewegung. Die Bedeutung Raiffeiseus in der Volkswirtschaft. Am 7. bis 19. Juni findet in Köln am Rhein die Gedenkfeier des Generalverbande» der deutschen Raiffeisengenosten- schaften zum 50-jährigen Destchen des Verbandes statt. Natur- gemäß ist dieses Verbandsjubiläum eine Feier für Friedrich Wilhem Raiffeisen, den Begründer der für die deutsch« Landwirtschaft und für die Landwirtschast der Welt so bedeutsam gewordenen landwirtschaftlichen Genossenschastsbewegung. Friedrich Wilhelm Raiffeisen war ein kleiner Landbürgermeister in Westerwald. Als Bürgermeister versuchte er in den Notjahren 1846/47 die Teuerung und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten für die ortsansässigen Kleinbauern dadurch zu mildern, daß er den ge- meinfamen Bezug van Lebensmitteln und Saatgut organisierte und einen Gemeindebackofen einrichtete. Aus diesen minimalen Ansängen erwuchs die gewaltig« Organisation, die heute mit fast 8 799 Ge- nossenschafden einen großen Teil des deutschen Bauerntums erfaßt und das Rückgrat jener umfassenden, planmäßigen Selbsthilfe dar- stellt, die in über 6 999 Spar- und Darlehnstastenoereinen, 1 799 landwirtschaftlichen Werkgenossenschaften, 426 Verwertungsgenossen- schaften, 139 Bezugs- und Absatzgenossenschaften und zahlreichen anderen Genossenschaften für Spezialzwecke dos deutsche Land über- deckt. Das geistige Rüstzeug dieser Bewegung war das klassische Werk Raiffeisens über„die Darlehenskastenvereine als Mittel zur Abhilfe der Rot der ländlichen Bevölkerung, sowie auch der städtischen Handwerter und Arbeiter' von 1866. Obwohl Raiss- eisen«in frommer Mann war. führte ihn seine Tätigkeit als Ver- walwngsbeamter auf den sachlich kritischen Punkt der landwirt- schaftlichen Produktion, der in den damaligen Zeiten die Bauern den Wucherern und Güterschlächtern auslieferte. Daß die Land- Wirtschaft nur nach der Ernte Geld erhält und das ganze Jahr hindurch für die Bodenbearbeitung und Stallwirtschast Geld bereit haben muß, das führte ihn zu dem Gedanken, durch genossenschaft- liche Sammlung der Gelder in eigenen Vereinen den landwirtschaft- liehen Kredit auf Gegenseitigkeit zu organisieren. Er griff also in das Leben des landwirtschaftlichen Betriebes selbst hinein, nicht aber wie später die Großagrarier auf die Mittel der M a ch t- Politik zurück, um den Bauern zu helfen. Nicht zuletzt damit begründete er den tiefen, organischen Widerspruch, der heut« noch zwischen dem gesamten Bauern- und dem Großagrariertum besteht. Es ist sicher nicht zuviel gesagt, wenn die Gesundheit und Wider- stondskraft der Bauernklasse nicht nur in Deutschland, sondern über- all w der Welt wesentlich auf die genossenschaftliche Organisation zur Befriedigung des Kreditbedarfs, des Einkaufs und des Absatzes der bäuerlichen Produktion zurückgeführt wird. Wenn auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf jetzt in«indrucks- vollen Resolutionen auf die Zusammenarbeit zwischen Konsumenten und Bauerngenossenschaften als ein Mittel zur Derbilligung der Bedürfnisbefriedigung und zur Heber- Windung der internationalen Wirtschaftskrise hingewiesen worden ist, so liegt das tatsächlich an der Ueberlegenheit der genossenschaftlichen Planwirtschaft gegenüber dem Prinzip des absolut selbständigen Einzelbetriebes, die Raiffeisen für die Bauernschaft in entscheidender Weise zu begründen geholfen hat. Wenn daher am 7. bis 19. Juni in Köln am Rhein Raiffeisen von den deutschen Bauern gefeiert wird, so darf die deutsch« Arbeiterschaft diesen Tag mitfeiern. Es geht nicht um das Jubiläum des Raiffeisen Verbandes, sondern um eine Idee, die fruchtbor bleiben wird, auch iy jener sozialistischen Ge- sellschast, die die organisierte Arbeiterschaft erkämpfen wird. Das genossenschaftlich organisiert« Bauerntum wird auf diesem Weg« ein wichtiger Berbündeter sein, trotz Reichslandbund und Großagrariertum. Lebenshaltnngsindex. Di« Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf') ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Mai m i t 1 4 6, 5 gegen 146,4 im Bormcmat nahezu unverändert geblieben. Auch inner- halb der einzelnen Bedarfsgruppen sind, abgesehen von einigen saifonmäßig bedingten Preisbewegungen für einzelne Nahrungs- mittel, Schwankungen von nennenswerten Ausmaßen nicht zu ver- zeichnen. Die Indexziffer für die einzelnen Gruppen betragen(1913/1914 — 199): für Ernährung 159,8, für Wohnung 115,1, für Heizung und Beleuchtung 149,6, für Bekleidung 155,7, für den „Sonstigen Bedarf' einschließlich Verkehr 183,2. Herren-KEeidunß Sakko-Anzus M gemiut Ober, gute Vermrb. 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Strichloden..... Ol»" Lederjoppe braun 110.- P u I I o v e r.g Jaumard-MuÄter, neue Färb."O»"* Windjacke 1°.?.. 18.- Belebung im Geschäft für Vierausschank-Apparate. In der Gene- ralversammlung der Gebr. Krüger u. Co., Köpenick, eines . SpezialUnternehmens für Bierausschankeinrichtungen und Arma- turen mit 1100 Mann Belegschaft sprach die Verwaltung von einem lebhaften Geschäftsausschwung für das erste chalbjahr 1927. Das gleiche gilt auch für das halbe Dugend Tochterjjesell- fchoften, speziell für die Werkzeugfabrik Karl Schöning, G. m b.ch., Reinickendorf, die das Vorjahr noch mit einem Verlust abschloß. Das abgelaufene Geschäftsjahr hat den Umfaß der beiden Vorjahre nicht ganz erreicht, so daß in der Bilanz der R o h g e w i n n sich von 0,77 auf 0,62 Millionen ermäßigte. Dafür konnten auch die Generoluntosten von 0,50 auf 0,41 Millionen Mark und das Zinfenkonto gleichfalls um etwa 25 Proz. auf rund 32 000 Mark gesenkt werden. Aus dem verbleibenden Reingewinn von rund 118 600 Mark werden 6 Proz. Dividende gegenüber 5 Proz. in den beiden Vorjahren gezahlt. Bemerkenswerte Veränderungen weijen in der Bilanz nur die laufenden Konten auf. Die Schulden konnten von 0,50 auf 0,33 Millionen Mark abgezahlt werden, so daß die Finanzlage bei 0,54 Millionen Guthaben. WechselnundWertpapieren.zu denen noch 0,46 Millionen Mark Vorräte kommen, günstig ist. Umfahsteigeruna der Sonsumgenossenschaslen mich im April. Die letzt« Wochenstatistii des Zentrawerbandes deutscher Konsumvereine für 59 Genossenschaften mit 1,63 Millionen Mitgliedern verrät wieder eine sehr erfreuliche Steigerung der Umsätze. Gegenüber dem Monat März ist der Wochenumsatz pro Kopf der erfaßten Mit- gliedschaft von 6,23 auf 6,54 M. gestiegen. Di« Steigerung ist oller. dings wegen der Ostereinköufe besonders groß. Das ist auch beim Aergleich mit den Ziffern des Vorjahres zu berücksichtigen, wo für April nur ein Wochenumsatz pro Mitglied von 4,36 M. zu verzeichnen war, weil Ostern aus einen anderen Monat fiel. Immerhin ist die Pro-Kopi-Steigerung gegenüber April vorigen Jahres mit 2,18 M. oder um volle 50 Proz. kolossal. Rur so weiter! Die Aufhebung der Cinfuhrscheine ist wirkungslos geblieben. Wie der Reichsbund des deutschen Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Bedarssstoffen berichtet, war das Angebot in in- ländischen Brot- und Futtergetreide, wie wir es oft genug an dieser Stelle prophezeit hatten, im Mai völlig unzu- reichend. Die Preise bewegten sich fast durchweg in aus- steigender Richtung. Nur die Mehlpreise blieben dabei hinter den Getreidepreisen zurück. Die Abschaffung der Einfuhrfcheine brachte zwar eine vorübergehende Beruhigung der Beteiligten: eine praktische Bedeutung, insbesondere für die Preisgestaltung, hatte die Maßnahme bei dem minimalen inländischen Angebot i e d o ch nicht.— Wir haben diesen Feststellungen eines Interessenten- Verbandes nichts hinzuzufügen. Es ist nur gut, daß ein I n t e r- « s s e n t e n o e r b a n d es ist, der die„P r« i s s e n k u n g s- a k t i o n* des Ministers für die Ernährung der Landwirtschaft als leere Geste ebenso kennzeichnet, wie wir es sofort getan haben. auch LSFSn 12 Monats-Raten Berlin W66. Leioziqer StraBa 122'123 ■ Wospelstmad gut B.MIIU? Nur OroS-Berlir. Alexanderplcts. �UERGCNS UexaDd er»l 1 1; Um 2S. M-i. abcno« 8 Uht, cm- fchluf sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein tieder, guter Mann, unser lieber Bater, der Schristseger Lömzma sirophll im 51. Lebensjahre. Die, zeigen tiesbetriibt an Vit«» Berta strophtt und Kinder. «intilcherung! Freitag, den 5 Juni nachmittag, s Uhr, im Krematorium VcrtchlLrahe «m 28 Mai verstarb un'er Partei- wUgiied. der Bejirtsverordne.e Edmimd StrophU Die Partei verliert in dem Eni- fchiajcnen e-.nen treuen Streiter, der dt» zum legten Auoendlick ln rest- loser Arbeit seine Funttivnen in der Arbeiterbewegung in vorbildlicher, autopiernder Weise auagetibt hat. Sin dauernde» und ehiende» An- beuten ist ihm gesichert t?2>. 15. Abtciliuifc Nach kurzem, schwerem Krankenlager riß der Tod am Sonnabend, dem 38. Mai. unseren lieben, jederzeit hiissdereiten Kollegen, dcn Schrisiseger Lümmis ZK'opIlN im Alter von 50 Iahren au» unseren! Rethen. Wir werden ihm stet» ein s ehrende, Andenken bewahren vi« I-nU«Ken aar leHunit-\ tcuttTvi.Jicrilaer TaSc&iair'. um Am Montag, dem 30. Mai, vorm. II Uhr. verschied nach schwerem Leiden unser lieber Vater Hermann Schön Kastanienallee 73 Die Töchter. Die Beerdigung findet am 3. Juni, nachmittags 3'/, ühr, auf dem Zentralkriedhof in Friedriehsfelde statt. Am 28. Mai 1927 verschied nach kurzem Leiden unser Kollege' Hermann Linke Wir werden ihm steio ein ehrende» Andenken bewahren. via Bclegadtatt der Firma Mengen Sl Söhne Köpenicker Straße 18—20 Todesanzeige. Am Sonnabend verschied der Tapezierer Ernsl Slünzel Pallsadensir. 22. Die Trauerleter findet am Donners- ( tag, dem 2. Juni, vorm. 10", Ildr. im Krematorium Saumschulenweg. | Ki-sholzstr. 221, statt. Max Lehmann. Allen Denalsen und Bekannten die traurige Mitteilung, daß am 29. Mai. abend, II1-, Uhr. unser guter Saier und kSroßvalcr. der«tempnermeister Max Schmidt nach lurzem ibrantenlager verschieden ist.— Die» zeigen tiesdetrübt an BUHeimIo« Schmidt, geb. Stahl Hau» Schmidt Familie Barber. Familie SchSIer. Tempelhaf. Sl. Mai 1927 Ordenameilterstr. 5l. StnSscherung t Freilag, 8 Juni, nach- mitlag» t Uhr. tm KremalartumBanm- schulenwea. Kietholzstraße_ Dsotsdiür Metsllariiejter-yerliani! Vcrwaliungssielle Berlin Den Mllgliedern zur Nachricht, daß unser Lolleg», der Wickler Otto �edlunx am 28. Mai gestorben ist Ehre feinem Badenken! DleElnäscheruna findet am Donner»- tag. dem 2. Juni 1927. 15 Uhr. im Krematorium Baumschnlenweg, tttes. holzftraß». statt Reg« Beteiligung erwartet VIe Orlaoecmolfung. CenMetallaiMeM Wahlkörperversammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahlkörper VI. Oonneentaa, 2. Juni. norm. 11 Uhr, imSifjungsfaal de» Berbanöahaufe», Linicnftr. 88/85: Bau- u. werkslatlklempner. Rohr leger.Rohrlegerhelser.Emoillierer. Wickler, �eilenhauer. Wahlkörper VN. Zrotkog. 3. Zuni, vormittag« 10 Ahr, :m S!hungsInal deo Aervnndshavfrs, Linienstr. 88, bS: Schleifer, Galvaniseure, Gürtler, Drücker, Graveure, Ziseleure. Elektromouteure, hilssiiionteure. Ztgaretteumaschineusührer. vir Ortnvrrmaltnng. 0�xmJ�uL n.;v�v T;lV CD-AA- LafQjxaxcchr u�-ui cLe. �&\joL&lfaßodt� JjjL ULruL cLxA C�/c>cP\JLr\jL4\x£Ls Ca*j[J i�L»-tz3Ld-fc«u>»rv. jk.. Q. QviJLLn. Bekanntmachung. Gemäß Beschluß de» Berwaltunnsral» des Deutschen Relchsdahn-Sesellscha» vom LI. Mai 1927 wird sllr da» iSestdasisjahr 1928 au- die Barzugealtie» Serie IV eine Vorzugsdividende von 7°/, verieilt Die Restdividend«(8/,*,o) wird ab 3. Juni 1927 ausgezahlt Hierbei gilt 1 GM. gleich 1 Rillt. An die Inhaber von Irrltsitaten Gruppe l der Reichsbank über Vorzugsaktien Serie IV der Deulschen R»ich«bahn-Gesell!chast wird die Reltdividend«. welche aus die durch die Zertifikate vertretenen Porzngeaktien entfällt, unverkürzt kvermindcit um den Steuerabzug vom«apitaiertragi auf Dlvibenden-Bezugsschetn Nr. 2 vom ■i. Juni 1927 ab bei den für die Einlösung vorgesehene» Zahlstellen ausgezahlt B e r I i n, den Zt Mal 1927._' Deutsche Reichsbahn-Gesellschast. Hauptverwaltnag. Zahn. DtHjalmarSchacht». Grimm Reichsdavt-Direttorinm. 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Kaum fechzehn ist sie alt. aber schon voll Mai.... Weim von der Wirtschaft herauf das Tylophon spielt, ist es Abend. Dann läßt sie die Gaslampe zu einem dicken Mond auf- leuchten. Ueber ihr wohnt eine Hebamme. Jeden Abend klopft sie auf den Fußboden. Da muß Annie heraufkommen und Bier holen. Heute sind Vater und Mutter im Gesangverein. Singen Rad- fohrlieder und Pfingstchoräle. Und da kann sie wieder aus ihrem Roman lesen. Der heißt:„Mag auch das Glück verwohn." Er besteht aus giftiggrünen Einzelheften in hundert Lieferungen und ist voll Reooloerschüsse, geöffneter Gräber, barfüßiger Blumen- mädchen. schillernder Hofbälle und angerauchter Spelunken. Und es kommt darin auch ein Graf vor, der alles bezahlt, allem entgeht und gar nicht so stolz ist, wie alle anderen feinen Herren um ihn. Und Annie hat ihn deshalb auch in ihr Herz eingeschlossen. Sie erlebt sein Leben mit und kann ihm vieles nachfühlen. Hört die Sektpfropfen knallen, wenn er in Bars sißt, zittert um sein Glück beim Roulettespiel und warnt ihn vor einer intrigierenden Zirkusdame. Rachts steckr sie die Hefte unter'» Kopfkissen und schläft auf ihnen. Neben dem Suppenteller und abendlichen Käse. braten liegen sie so wichtig, wie Lössel, Messer und Gabel herum. ... Und jetzt ist sie klastertief in jenes Kapitel versunken, wo der Graf im schweren Zehntausendmartpelzmantel zur Dachkammer des frierenden Fabrikmädels emporsteigl. Und ihr alle Wünsche erfüllen wird.... Und Annie steht durch die Seiten hindurch. Alles um sie her ist zugedeckt und weggetragen. Ganz verwischt und ausradiert. Aus dem Ausgußwechsel fallen schläfrige Wassertropfen. Da hört sie es draußen vor der Tür läuten. Und öffnet erwartend. Und im Türrahmen steht wahrhaftig der Gmf au» dem Roman. Voll Lackstiefelglanz und frischrasiertem Gesicht serglühen. Wie von einem Kinoplakat ausgeschnitten. Er riecht nach Iuchtenleder und hat am rechten Auge ein Monokel kleben, so groß wie ein Taschenspiegel. Daran erkennt ste, daß er ein ganz echter Graf ist. Und alles kommt ihr mit einem Male wie ausgemacht vor. Auf schweigsamen Gummisohlen tänzelt er in die Küche hinein und setzt sich auf das geblümte Kanapee wie in ein« Frühlingswiese. Ganz so hotte sie sich ihn vorgestellt! Wie da» Titelbild eine» Toiletten. seifenkaialogs! Und— jetzt spricht er wie aus einem Grammophon- trichter:»Gnädigstes— äh, müssen vergeben, daß ich mir... äh... sozusagen erlaubte, ein« Visite, äh, äh, äh..." Und dann kratzt es wie eine abgespielte Platt«. Aber Annie versteht alles nur zu gut. »Oh mei, Herr Graf, i hob' Jhna ja schon SliS Seilen lang erwartet." Da lacht er wie ein Teddybär, wenn man ihn auf den Bauch drückt. Und st« sieht in seinem offenen Mund alles voll Gold, als wär's ein Iuwelicrladen. Sie kocht ihm Te«. holt Wurst herbei und wärmt geröstete Kartofseln aus. Und immer küßt er ihr die Hände über den Tisch hin und nennt st« Alind«. Da wünscht sie sich so- gleich zehn Meter Seidenblumenstoff, ein türkisblaues Himmelbett und«inen Loubsrosch. Und der Graf deutet nur auf seine Bries» tasche. Die ist so dick wie«in Meßbuch. Und da quirlt ihr Herz. als wär's eine frisch geöffnete Brauselimonade. Vor Freude und vorauseilender Dankbarkeit zeigt sie ihm ihr« Sonntagsschulzeugnlsse und das Photographiealbum mit allen Verwandten. Und inst den Bliglichtausnahmen von einem Bereinsausflug mit Glückshasen und Taubenstechen. Bon der Straße herauf surrt das gräsliche Auto. So— als flögen Hummeln gegen eine Fensterscheibe. Sie denkt mit Froh- locken:.Jetzt kommr die Entführung auf ein Schloß, wo die Grasen, krönen wie Christbaumschmuck h«rumhäng«n. Und einmal entführt zu werden ist süßer als Giraffetorte...." Und sie muß nur noch die Wärmslasche füllen. Der Dater hat auch im Mai kalte Füße. Dann nimmt sie den Käsig mit ihrem Kanarienvogel untern Arm, steckt Kamm und Zahnbürste ein. Und schon trete» sie verschränkt wie ein Brautpaar unterm Tannenbaum über die Schwell«. Draußen am Gang riecht es nach rauchigen Lappen und angebranntem Abendessen. Der Graf hält sich die Nase und sie zeigt ihm, wie man an einem Stiegengeländcr herumer- rutscht. vor der Haustür liegt mit einem Mole ein honiggelber Nach- mittag. Uin das Auto stehen olle Einwohner des Hauses als Knäuel beisammen. Im Glanz seines Zylinders g«ht Annie blicklos durch die zwitschernd« Menschengasse. Und ein schwer versilberter Lakai reißt den Wagenschlag wie einen Eilbrief aus. An» Wagen- ftnster schwirren betrunkene Maikäfer und von Kostani«nbäumen wiegen Blütenterzen herein. Und dal Liegt ein schreiender Jahrmarkt draußen. Voll Kindertrompeten, Orgelwalzer und Schießstandknallen. Eine klecksig ausgefüllt« Malvorlage. Zerfließende Wosserfarl'en. »Bitt' schön, ich mächt' gern a bisserl aussteigen..." Und der Gras nickt lächelnd in ihren Wunsch hinein. Da gehen sie wie Königssohn und Gänsemädchen durch Blech- musik. Sonnenstaub und schreiend« Schnellphotographen. Der Lakai wie«in falsch gesetzte» Ausrufezeichen drei Schritte hinterher. Und sie sagt zu ihm, er soll« doch näher kommen, damit die Leute es » merken, daß er zu ihr gehört. Denn aus ihn sehen sie noch viel mehr hin. Sie tauft Luftballon« und Lebkuchenherzen und bindet sie dem Grafen und dem Lakai ans Knopfloch. Und immer, wenn sie einen Wunsch in ihrem Herzen wachsen hört, greift sie in die gräfliche Mantellasch«, die voll von Banknoten angestopft ist. Jetzt steigen sie zur Kasse eines Zaubertheaters hinauf. Setzen sich in die erste Reih«. Und Annie spürt die neidischen Blicke von den schlechteren Plötzen her mit behaglicher Wärm« auf ihren Rücken scheinen. Der Vorhang fliegt wie ein« Lerche noch oben und ein Magi«r erbittet sich vom Publikum«inen Hut, um damit zu zaubern. Da nimmt sie von des Grasen Kops d«n Zylinder ab und reicht ihn hinauf zur Bühne. Und jetzt werden darin Eier gekocht... Dann wird eine Dame gezeigt, deren ganzer Körper farbig wie ein« Plakatsäule angemall ist. Und da Annie hört, daß nicht» davon abfärbt, macht sie ihren Finger naß und reibt damit an dem Ge- malten, ob es auch wahr ist. Der Budenbesiger erklärt mst einem spanischen Rohr die Bilder auf dem ganzen Körper. Auf die Vorder- seile, um den Nabel herum, ist ein Bad im Harem gezeichnet, auf der Rückseite die Eroberung von Konstantinopel. An beiden Seiten der Theaterbude sind Frühgeburten in Spiritus aufgestellt. Und jung« Menschenherzen. Und der Kopf eines Raubmörders. Und an allerlei Eingeweiden erblickt sie zum erstenmal, wie ein Mensch von innen aussieht. Da hat sie plötzlich Graf und Lakai verloren, und sie läßt sich durch einen Trompeter ausblasen. Vor einem Affenzirkus treffen sie sich tpieder. Gehen auch hinein. Ein Schoß- äffe in lila Unterhose grüßt militärisch in den Zuschauerraum. Annie fühlt es auf sich bezogen und läßt ihn, darüber hocherfreut, von ihrem Käsekuchen abbeißen. Den Rest steckt sie den Grasen in den Mund. öunöesbrüöer. kp.d. DÄ Der Deulschnolionale:»wackrer Areund. mit dem Stur; der Vreußearegierung ist es nichts geworden, mit Mecklenburg auch nichts. Äbcr wenn du mir nur tapfer weiterhilfst'— da» Reich muß mir doch bleiben t" Und da über ihren Einfall»ine größer« Lache ausbricht, als über des Affen Kunststücke, fühlr sie sogleich in sich Talent fürs Theatsr und denkt schon daran, irgendwo dramatischen Unterricht zu nehmen. „Eine Schifssschaukel!" schreit sie. Und schon steigt sie mit Graf und Lakai in einen Kahn, der heißt»Himalaja". Auf d«r Brust eines Schaukelburschen sieht sie die Göttin Venus eintätowiert. Rundherum das Sternenbanner und»Frisch, fromm, fröhlich, frei!" Die Org«l singt heiser das Bienenhaus. Sie schaukeln Löcher ins Blaue des ausgespannten Himmels hinein. Dazu ißt sie aus d«r Tasche des Grafen türkischen Honig, Waffel» und Malzzuck«r. Und hat alle Finger klebrig wie Fliegen- hüte. Unten liegt die Welt als umgekehrter Baukasten. Wie eine buntscheckig gefleckte Bettvorlage. Und ihr« Wünsche werden wie junge Pferde. Ganz unbändig. Der Graf muß aus seiner Brieftasche alle Banknoten hinunter- schütteln. Da springen unten die Menschen mit heraushängenden Augen, wie Hunde noch der Wurst am Faden, in die Höhe. Und stoßen sich gegenseitig die Mahlzeiten aus dem Magen heraus. Bis ein Betcker, der blind ist, einen Schein gegen di« Sonne hält. Und schrest wie ein Weltuntergang:„Gefälscht!"... Und Taus«»de heulen im Chor, als ständen sie aus einer Theatcrprobc: „Bontnotenfälscher! Banknotensälscher! Falschmünzer!" Und alle rennen im Wettlouf aus das fliegende Schiff zu, auf dem mit gol- denen Buchstaben geschrieben steht:„Himalaja". Ein Schutzmann zieht aus den Rippen seiner Brust Notizbuch und Bleistift hervor und fragt den Grasen kreuz und quer aus, als wollt' er ihn aus dem Katechismus verhören. Und es sah aus, als kritzle er dazu in sein Schreibbuch lauter kleine Käfer und Schmetterlinge hinein. Und des Grof«n Ausweispapiere sieht er wie Heiligenbilder an. Bi, er mst einem Male herauszischt:..Hochstapler!"... Und den Arn, auf seine Schuller legt, wie ein Zugjoch. Da steht Annie, wie d«m Grafen aus Angst das Monokel wie Mörtel abspringt, aus seinem Kopf die Izaare ausgehen und in der Nachbarschaft herum- fliegen. Ein Glasauge und ein Kautschukgebiß retten sich, über Bord springend, in ein« Wasserpfütz«. Der Lakai hat sich zu einem Warcnhausportier obfisärbt. Und die Herumstehenden singen auf sie da» Lied vom dreckigen Menscherl, wi« ein lang eingeübtes Vcr- einslied. ... Und sie wäre noch so gern mit dem Grasen ins Kino ge- gangen... Hätte sich noch mit ihm photographicren lassen wollen! Vom Himmel herunter klopst es vernehinlich. Um sie her wird olles zu sahreichen Karussells. Und die blitzende Hclmspitze de» Schutzmanns versinkt wie ein Papierschisf. Aus dem Bod«n wachsen Wänd« herauf. Mit Küchengeschirr angehängt. Und da Annie noch denken kann:»Grad seinen Charakter möcht' i kennen, grab sein«» Charakter... »Aber Freilein Annie, was ist denn heit mit dem Bierholen?" Und noch einmal schreit die Hebamme.... Langsam und ganz mechanisch steht Annie aus. Als hött» sie in sich einen heißen, übervollen Milchtops durch die Küche zu tragen. Und knickst auf Seit« vbä des Romans«in Eselsohr ein.»Mag auch da« Glück verwehn..."- Und müde, als hätte sie eine Nacht lang auf einer Wagen. deich!«! geschlafen, geht sie der Türe zu. Der Mond klebt wie ein zu dünn gestrichene» Butterbrot am Himmel. Und kann lächeln, still und lang. Mitten im jungen Frühling ist'«. Wie ernährt China seine 400 Millionen! Der Fremde, der das Reich der Mitte bereist, empfindet immer wieder Bewunderung beim Studium der Geräte und der Versahren, welche die ältesten Ackerbauer der Welt durch jahrhundertelang« An- sorderungen und Ersahrungen ausgebildet haben. Wer sich Mühe gibt zu erfahren, wie es die östlichen Völker zuwegebringen, nach zwanzig, dreißig, ja, möglicherweise vierzig Jahrhunderten Acker- kultur eine solche Ertragssähigkeit ihrer Felder zu erhalten, daß sie eine so dichte Bevölkerung, wie sie jetzt in diesen Ländern besteht, ernähren können, wird überrascht sein von den Ersahrungen, die er auf Schritt und Tritt macht: er wird belehrt hinsichtlich der Methoden und dem Umfang, in dem die Nationen des fernen Ostens Jahr- hunderte hindurch ihre Naturprodukte ausgenutzt haben, er wird überrascht sein von der Größe der Ernten, die sie aus den Feldern herausgeholt haben, und überwältigt von der Menge harter mensch- licher Arbeit, die sie für einen Tagelohn von 21 Pfennig mit Essen oder 63 Pfennig ohne Esse» leisten. Es ist für alle Nationen eine Frage von größter industrieller nud sozialer Bedeutung, zu wissen, wie China, Korea und Japan eine so dichte Bevölkerung ernähren können. Das einzig dastehende Produktionsvermögen besonders der chinesischen Landwirtschaft ist auf vier wesentliche Gründe zurückzu- führen: 1. Bewässerung in einer für europäische Begrisse fast unfnß- baren Ausdehnung. 2. Ausnutzung und Verarbeitung jedes Abfalls, der als Düngemittel dienen kann. 3. Mehrsache Ernten. 4. Unbc- grenzte Opserbcreitschast zu schwerster Arbeit. Einer der leitenden Grundsätze für den chinesischen Ackerbau ist die Erzielung von zwei oder mehr Ernten während ein und derselben Vegetationsperiode. Natürlich sind nicht in allen Teilen des Riesen- reiches die Verhältnisse dieselben. Aber man braucht nur nach Peking und Tientfln zu kommen, wo man sich ungefähr auf Meereshöhe be- findet, um echt chinesische Kulturverhältniss« anzutreffen. Man findet dort Bauern, die aus ihrem kleinen Feld nach Weizen Zwiebeln anpflanzen und nach den Zwiebeln Kohl und aus diese Weise durch ihre drei Ernten eine Ausbeute erzielen, die l63 Golddollars je Arce entspricht.. Andere pflanzen irländische Kartofseln, ernten diese zeitig, pflanzen danach Radieschen und dann Kohl und kommen auf diese Weise zu einer Ausbeute von 203 Golddollars je Arce. In Schantung, so liest man in dem soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschiene- nen, höchst instruktiven Werk des Schweden Iohan Gunnar Andersso n:„Der Drache und die fremden Teufe l", baut man Weizen oder Korn als Wintersaat, die im zeitigen Frühjahr geerntet werden: dann folgt eine zweite Ernte von Kaoliang oder Hirse, süßen Kartoffeln, Sojabohnen oder Erdnüssen. In Südchina erzielt man zwei Reisernten, auf di« während des Winters und zu Beginn des Frühjahrs eine dritte, bisweilen sogar eine vierte Ernte von Kohl. Raps, Erbs«n, Bohnen u. a. folgt. Um sowohl Boden wie Zeit zu sparen, wird der Reis auf ein kleines Ackerstück gesät, wo man durch starke Düngung und sorgfältige Bodenbearbeitung im Verlauf von 30 bis M Tagen auf einem Acker eine Menge junger Pflanzen aufzieht, die für 10 Aecker ausreichen. Die neun Äecker, die auf diese Weise frei waren, haben während dieser Zeit andere Kulturgewächs« getragen: nachdem sie geerntet sind, wird dann der Boden für das Anpflanzen der Reisstecklinge bestellt. Neben diesem System der aufeinanderfolgenden Ernten ver- wendet der Chinese in größtem Umfang das der gleichzeitigen mehr- fachen Ernten. Voraussetzung hierfür ist die Anwendung des Reihen- säsysteins für all« Bodenkulturen. Es ermöglicht, daß man in den verschiedenen Zeiten Kulturen von ungleichem Alter hat, die also zu verschiedenen Zeiten reisen und geerntet werden. Aus diese Weise erreicht man nicht nur dl« vollständigste Ausnutzung des Bodens und größere Mannigfaltigkeit im Ernteergebnis, sondern erzielt auch eine besfer« Verteilung der Landarbeit aus die einzelnen Abschnitte der Vegetationsperiode. So kann man z. B. auf demselben Acker gleichzeitig reife Weizen, reisende Bohnen und eben gepilanzte Baumwolle sehen. Dieser Erntewechsel während der gleichen Reifezeit dehnt sich in gewisser Weise auch aus die Tierwelt aus. Der Ackerboden ist reich an'Regenwürmern, die man gewöhnlich Zlngelwürmer nennt: sie voll- bringen eine nützliche Arbeit, indem sie die Erde auflockern und so die Durchlüfung des Bodens erleichtern. Diese Würmer werden bei der Bodenbearbeitung sorgfältig geschont, da die Chinesen diesen nütz- lichen Helfern so wenig wie möglich schaden wollen. Wenn ab«r dann die Reisfelder unter Wasser gesetzt werden, kommen die Würmer in unglaublichen Mengen nach oben. Nun holt der Cbineje große Scharen von Enten herbei, die sich an den Würmern sattfressen. Mit dem Wasser wiederum, das auf die Reisfelder gepumpt wird, gelangt Fischbrut auf den Acker, die zusammen mit dem Reis aufwächst. Aus dieser Darstellung läßt sich die unerhörte und für uns säst unbegreifliche Arbeitswilligkeit des Chinesen erkennen. Es hat den Anschein, als ob er mit allem ökonomisch umgehe, nur nicht mit der menschlichen Arbeit. Eine Getreideart so anzupflanzen, wie es der Chinese nüt dem Reis tut, di« Erde, die er zu seiner Kompostbereitung verwendet, mehrere Male zu transportieren, seine Ackerfelder so zu bearbeiten, zu bepslanzen und zu reinigen, daß sie wohlgepslegter aussehen als viele unserer Gartenbeete: all dies ist für ihn eine selbst- verständliche Sack«. Einfach leben, vielen Händen Arbeit geben und vielen Mündern SpeisA das scheint als Motto der chinesischen Lebens- weif« zu gelten,«ine Leiiensregel, die, alles in allem genommen, gar nicht so übel ist. Man muß eben daran denken, daß große Teile Chinas so außerordentlich dicht bevölkert sind, daß die Ausgab«, für alle diese Menschen Nahrung und Arbeit zu finden, mehr als schwierig ist. Von dem ungeheuren Ueberangebot von Arbeitskräften kann man sich in Europa keine Vorstellung machen. Massen von Kutis reisen jedes Jahr auf dem Seeweg nach der Mandschurei, um sür einen uns unbegreiflich niedrig erscheinenden Tagelohn den reichen mandschurischen Grundbesitzern ihre Dienste anzubieten. Ein Volk von Ringern. Der japanische Ringsporb de» Dschiu Dschitsu, der ein so vortreffliches Mittel der Selbstverteidigung dar- bietet, hat sich auch bei uns bereits eingebürgert und wird allent- halben gelehrt. Aber das echte Dschiu Dschitsu ist heute auch in Japan nicht niebr modern, sondern durch eine andere Form des Ring- kämpfe?, dos Judo, ersetzt, lieber diesen Nationalspart des moder- nen Japan plaudert ein japanischer Champion des Judo, P. Soma, in einem englischen Spartblatt.„Die Rolle, die das Judo im Leben des Japaners spielt, kann kaum überschätzt werden", schreibt er.„In den Ritterzeiteu. waren Dschiu Dschitsu und Kendschitsu, die japanische Form des Fechtens, die wichtigsten Ucbungen, die ein Samurai oder Ritter erlernen mußte. Aui diese Weise gewannen die Mit- glieder der herrschenden Klasse die drei Haupteigenschaften, die sie auszeichneten: die Bereitschaft, das Leben für den Staat und das Recht zu opfern, den echten Kriegergeist und den vor nichts zurück- schreckenden Mut. Seit der Einsührung der europäischen Ideen, die mit dem Jahre>367 begann, blieb aber die Kenntni» de» Dschiu Dschitsu nicht mehr auf die wanniraiklasse beschränkt, sondern diese gefährliche und surchtbarc Kunst drang auch in andere Kreis« und wurde sehr mißbraucht. Als mit Hilfe des Dschiu Dschitsu Gewalt- taten und Verbrechen in Menge verübt wurden, verbot die Regie- rung gewisse Griffe, die den Tod oder das Brechen eines Gliedes zur Folge haben, und durch diese Milderung der Dschiu Dschitsufonncn bildete sich eine neue Art des Ringens aus: das Judo. Das Ziel des Dschiu Dschitsu war der Tod oder die vollkommen« Wehrlosmachung de, Gegners. Beim Judo steht der Zweck des Selbstschutzes im Vordergrund, und es ist weniger eine Waffe als«in Sport, der den Körper vortresslich ausbildet. Heutzutage muß jeder japanische Knabe in den Staatsschulen entweder Judo oder Fechten lernen, und Gewandtheit im Ringen gilt für den Japaner als so unerläßlich, daß keiner aus den Namen eines echten Mannes Anspruch machen kann, der nicht dies« Kunst beherrscht." ß$ s zs: joFa ¥/# or 5ÜT5 quahtATEN lu aggoMPenf BBLLIgsm ppEISIW Name«-GteSmvße Damen-Strümpfe I10 pa. Strapazterqmlltättn, Doppebu,»ohwi,, tartg. I Damen-Strömpfe fl45 pa. KaBata.od. Seidand., Doppels.. Höcht. n. Naht» Damen-Strümpfe l75 priau ViMhkunatMide........................ H Damen-Strümpfe fl95 p4LSeidenf3orFbeson(L klar. 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Tagesord- nung: Bericht nom Parteitag in flicl. Berichterstatter ssritz flieset. � Sämtliche Genossinnen und Genossen de» flreise» mllssen erscheinen. 7. flrei» Sharlottenbnrg. Heute, Mittwoch, I. Juni, 19% Uhr, im Jugend. heim Rosinenstr. 4, Sitzung de» Bildungsausschusses. Jede Abteilung muß vortreten sein. 14. fltei» Renläln. Achtung! Die für heute angesetzte Sitzung des erweiter. ten flreisvorstandes s S I l t au». Mittwoch, IS. Juni, Bericht vom Parteitag in fliel. Heute. Mittwoch, 1. Juni: 8S. Abt. Lichterfelde. 20 Uhr bei flattum, Bäkestr. 7. Infolge Berhinderung des Referenten flurt Heinig spricht Genosse Bictor Schiff Uber„Der öfter. VPkiTiiMlt» �ftrtTtTFetrnrif nr»S fo. rtn Onhfon" sTloff«i« ln« m.! 4-n». 139. irr,«U)lltzzenvors. ifu uyr IM j;ocai yuoerlus IN vlyuzzenoorf Ätitglieder» Versammlung. Vortrag:„Die Hauszinssteuer." Referent Ernst Rüben. Alle Genossinnen und Genossen werden dringend gebeten, bestimmt zu erscheinen.„Vorwärts".Leser und Sympathisierende sind eingeladen. Morgen, Donnerstag, 2. Juni: 1. Abt. 20 Uhr bei Zschiesing, Ackerstr. 1, Funktionärsitzung. Die Bezirks- Nihrer rechnen ab. 7. Abt. ig'., uhr bei Bärwalde, Schlegelstraße, wichtige Sitzung sämtlicher Funktionäre. 21. Abt. 19% Uhr bei Heiles, Prenzlauer Allee 2Z9, wichtige Funktionär. fitzung. 101. Abt. Treptow. 19 Uhr in der Vorwärtsspedition Graetzstr. SO Vorstands- sitzung mit sämtlichen Bezirksfllhrern. Niemand darf fehle». 4e 9. Abt. Freitag, Z. Juni, 19 Uhr, bei Hübner, Wilsnacker Str. Z4, Bor- staudssijjuna.— Achtung! Um 20 Uhr ebenda Sitzung sämtlicher Funk- tionäre. Wir erwarten bestimmtes und pünktliches efrsä�eine». Sterbetafel der Groß-öerliner Partei-Organisation 87. Abt. Unser Genosse Otto Steblung, Ebertnstr. SS, ist im 0«. Lebensjahre verstorben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Einäscherung am Donnerstag, 2. Juni, 15 Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg. Wir bitten um recht rege Beteiligung..... vortrage, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner»Schwar,-Rot-Gold-. Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 37138, Hot 2 St. Ganvorstand. Achtung, Strttinfahrer! Es kommen die Züge Sonn. abend, 4. Juni, 15.38, 20.20 Uhr ab Stett. Bhf. in Betracht. An» Bortrag des Kameraden Gebauer. Abt. 11 hei.Ewald, Skalitzer.St�. IJlO. Vortrag des Kameraden Iustizrat Lewinfky. Friedrichshain: 3. Sektionssitzung 19% Uhr Bogtstr. 25. Pankow lflreis): 19% Uhr erweiterte Porstandssihung bei'Mees, Berliner Straße, Ecke Lindenpromenad�. Zu dieser Sitzung müssen die flameradschaftskassierer und die Untergruppenkassierer ihre Abrechnung machen. Oranienburg: 19.50 Uhr Abfahrt nach Hohenneuendorf. Stärkste Be- teillgung erwünscht.— Donnerstag, 2. Zuui: Areuzberg: Achtung! Berfamm. lung der Abt. 12 bei Eiedentopf, Muskauer Str. 35. Vortrag des Kam. Robin. fon. Versammlung der Abt. 10 bei Mendler, Dieffenbachftr. 54. Schöneberg. Friedenau: Achtung, Kameraden! Unsere Surnabende am 2. und 9. Juni fallen aus. Fichtenau: Kameradschaft Amtsbezirk Schöneiche: 20 Uhr Monats- Versammlung, Restaurant Lindenhof, Fichtenau. Erscheinen Pflicht. Vorstand % Stunde früher.— Freitag, 3. Zuui: Schäneberg.Friedenau: Kameradschaft Rathaus: 20 Uhr findet unsere Mitgliederversammlung im großen Saal des Cafes Schöneberg, Haupt-, Ecke Akazienstraße, statt. Ref. Kam. Senats- Präsident Dr. Großmann und Kam. Franz v. Buttkamer. Köpenick(Kreis): 19 bis 22 Uhr Sportplatz Marienstraße.»eitzensee: 20 Uhr Heben der Spiel- leute, Grüner Baum. Pankow(Arei»): 20 Uhr sämtliche Kameraden Pflicht. antreten Wollankstr. 131. Arbeitsgemeluschaft entschledeiur Republikaner. Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, in der Konditorei Dönhoffplatz, Kommandantenftr. 84, öffentlicher Bortragsabend. Entschiedene Republikaner aller Parteien willkommen. in der Materialversorgung gegen Oui'tung abzugeben. Heimottreue Ostpreußen, Gruppe Osten. Donnerstag, 2. Juni, 20% Uhr, Schmidts Gesellschaftsbau». Fruchtstr. 30-, Lichtbildervortrag:„3000 Jahre deutsche Hausfrauenarbeit." Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, dem ZI. Mai. 1. R r n n e n. 1. Logarithmus(Petzelt), 2. Eigiloltz(»alter Heuer), 3. Hazard(Lüder). Toto: IIS! 1V. Platz: 32, 28. SO: 10. Ferner liefen: Moustala Kemal, Pioletta, Caott, Lava, Sieglinde, Duselkop, Romreise 2. R e n n e n. 1. Amara(Leutn. v. Götz), 2. Malepartus(Kohl), 3. Namen(Lüder). Toto: SS: 10. Platz: 17, 19, IS: 10. Ferner liefen: Abendwind, Fritjof, Amaryllis, Volaca, Laus. 3. R e n n e n. 1. Königsadler(O. König), 2. Mhron fv. Gustedt), 3. Majoran fSchnitzer). Toto: 80: 10. Platz: 24. 2S, IS: 10. Ferner liefen: Märchenzauberin, Berseba, Sommerflor, Palogon. 4. Rennen. 1. Eleazar(Haus er), 2. Gustel fKränzlein), 3. Brand. meifter(Lüder). Toto: 25:10, Platz: 19, 27, 2S:10. Ferner liefen: Rost, Glockner, Lukrezia, Veleda, Ouednau, Reifende Frucht, Coron. 5. Rennen. 1. Route(»eimonn), 2. Sllsterlust(Braun), 3. Amorette (Jaekel). Toto: 43: 10. Platz: 22, 42, 25: 10. Ferner liefen: San Marco, Frage, Va via, Medina, Brünne, Golandrina, Jlsensee. 6. Rennen. 1. Mandarine(v. Götz). 2. Qfando(Hauser). 3. Amerssoart(Hoffmann). Toto: 03: 10. Platz: IS, 13, 27: 10. Ferner liefen: Mirabelle, Primadonna II, Greisteusel, Albana, Mobican. 7. R c n n e n. 1. Cardinal II(v. Barcke). 2. Sannenlönig(Piebig). 3. Maikäser(Walter). Toto: IS: 10. Platz: 13, 22: 10. Ferner liefen: Sarazener, PodargoZ, Erosa._ .Große klaffe" betitelt sich der nächste Renntag der Olympia- Radrennbahn, der am zweiten Psingstseiertaa, nach- mittag« 4 Uhr, stattfindet.— AweiDanerrennenüber je 30 Km. und ein Dauerrennen über 40 Km. Wörden den Holländer Franz L e d d y, Waller S a w a l l, Emil L e w a n a w, Karl S'a l d o w und Ernst Feja am Start sehen. Die Eleichmäßialeit dieses Fünferseldcs dürste für einen spannenden Verlaus der Rennen bürgen. Die Flieger- rennen bringen neben zwei Amateurrennen den ersten Start aus offenen Bahnen des zweifachen SechStagefieger» T a n a n i. Dieser trifft in Gemeinschaft mll noch einem erstklassigen Ausländer in einem Mann- schasts-Omnium-Matsch aus unseren Meisterfahrer Willi Lorenz und Max Hahn. Schlechter Schlaf, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Nervosität sind ernste Anzeichen körperlicher Schwäche.—„Staats. Fachingen" frischt das Blut auf, kräftigt den Organismus und verlängert dadurch das Leben. Durch die monatlich wiederkehrenden Extraanaebote„Jeden 1. bis 4. bei Adam" ist vom Vüttwoch, 1. Juni, bis Sonnabend, 4. Juni, wieder weitesten Kreisen Gelegenheit gegeben, die bekannt gute Adamsche Kleidung für Herren, Damen, Knaben, Wäsche und Modeartikel zu niedrigsten Preisen kaufen zu können. Bad Landeck. Weit über die Grenzen Schlcstens hinaus ist Bad Landeck und der Wert feiner Heilquellen bekannt. Aeußcrte sich doch erst kürzlich ei» namhafter fchlesifcher Arzt und Kliniker dahin, daß Landcck in Di außer vielleicht Baden-Baden, so gut wie gar keine Konkurrenz hgb> Wart aus dem Munde eines Fachmannes erübrigt jede weitere Bemerkung. Als gesichert kann die Heilwirkung der Quellen und Maarbäder Landecks bei Frauenkrankheiten, Gelenk-, Knochen, und Muskelkrankheiten und bei Krank. eitcn des gesamten Nervensystems gelten. Als neues sehr wichtiges Zndi- Gefäßen hinzuzu- Deutschland, gbe. Dieses faifon hat eingesetzt, ausführliche Auskünfte erteilen bereitwilligst und kosten. los die städtische Dadeverwaltung und der Kurverein Landeck in Schlistcn. Immer mehr nähert sich die mechanische Mustkwiedergad« der Original- musik. Es erscheine» jetzt unter zwei deutschen Marken, unter vdeon und Parlaphsn, Sckallplatt«» aus„Aida" und„Cavalleria rusticsna", die durch ihre verblüffende Originaltreue tatsächlich eine Illusion des Wirklichen ver» Mitteln. Man hat hier das Gefühl, im Konzertsaal zu sitzen und hat die Möglichkeit, diese Musik viel stärker auf sich einwirken zu lassen, da man durch die Bequemlichkeit des eigenen Heims schon gezwungen Ist, sich seelisch aus diesen Genuß zu konzentrieren. Die Auswahl dieser beiden Marken ist ver. Müssend, Hier kann jeder Geschmack befriedigt werden. Wir machen den Leser darauf aufmerksam, daß in seder besseren Phonahandlung die neuesten Kataloge kastenlas zu haben sind, und daß jede bessere Phonahandlung sämt» liche Platten ohne jeden Kaufzwang vorspielt. Ein Wink für die Fran. Es liegt in der Natur der Wäschepflege, daß die einzelnen Stücke zunächst vom Schmutz befreit und danach gebleicht werden, wie es eben bei der Rasenbleiche üblich ist. Die gleiche Relhensalge sollte auch dann eingehalten werden, wenn die natürliche Bleiche fehlt. Di« Mittel hierzu sind bekannt: Zum Einweichen und Rciniaen der Wäsche Dr. Tbompssm» Seisenpnlver mit dem Schwan und zum Bleichen„Seisix". Beide Mittel ent. halten keine schädlichen Bestandteile._ abenheit amilien. I W. gekleidet, find wohlgenährt, und die Wirtschäft wird immer wieder ergänzt, so daß sie einen sehr gediegenen Eindruck macht. Alles das sind Anzeichen, daß in diesem Haushalte eine moderne Hausfrau waltet, die alle Barteile, �die sich ihr bieten, wahrnimmt. Sic bat sich davon Uber» zeugt, daß Nährwert u für stö sie»WWW._. ihr prächtig, der Braten bräunt vorzüglich, die dick bestrichenen Butterbrote sind von köstlichen, Wohlgeschmack. Und alles das kann sie für wenig Geld herstellen, denn die Blauband kostet nur 50 Pf. das halbe Pfund. Da» ist das Geheimnis dieses vorzüglich geführten, neuzeitlichen Haushaltes. Zu llmtiMms 1 bei KM MWsMMZ. ZnAer-, Nieren-. Blasen-, Harnleiden(Harns&nre), Arierlen- verkBiM,Fr8neiileiden,MaMidenuv. Man befrage den Hausarstl Brunn ensduiften durch das Facliln�er Zentralbfiro, Berlin WS, Wilhelmstraaae 55. 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