5lr. 2ö? K 44. Jahrg. Ausgabe A Nr. 135 Bezugspreis: ZSSchentlich 70 Pfennig, monatlich B,— Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmarl, für das übrige Alusland 5,50 Reichsmark pro Mona». Der„Vorwärts� mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen",„Aus der Filmwelt". .Frauenstimme",.Der Kinder- freund".„Iugend-Dorwärts".„Blick in die Btlcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. pral, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: �Sozialdemokrat 3 erlin- Morgenausgabe Verliner Volksvlatt (iv pksnnig) Auzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- geile SO Pfennig. Rcllamezeile 5,— Reichsmart..Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2d Pfennig (zulässig zwei fettgedruckt« Worte), jedes weitere Wort l2 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wo« 10 Pfennig. Worte über 15 Vuii>. stallen zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. Familienanzcigen für Adonncnte» Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4lb Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin EW OS, Linden. straße S, abgegeben werden. Geöffnet von Ssb Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» Teben parte» Deutfcblands Neüaktion und Verlag: Serlin EW. öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ-SS7. Sonnabend, den 4. Juni 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SN. öS, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 37 53«— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angeftelte» nnd Beamten. Wall sie. 05: Diatonto-Seselllchast. Dcnofitcnkasse Lindcustr. I. Zentrumsvorftanö gegen wirth. Bedauern nnd Mißbilligung. Der Parteivorstand des Zentrums trat am Freitag in Berlin unter dem Vorsitz des Partcivorsitzenden, Reichstagsab- geordneten Dr. Marx, zu einer Sitzung zusammen, über die folgendes Kommunique ausgegeben wird: In der Sitzung des Reichsparteioorftandes vom 3. Juni wurde t>sr Bericht der Beauftragten der Partei über die V e r h a n d- lungen mit der Bayrischen Volkspartei entgegen- genommen. Die Beauftragten werden die Besprechungen weiter- führen. Anläßlich dieser Sitzung kam auch die Angelegenheit Dr. Wirth zur Sprache. Der inzwischen veröffentlichte Brief des Herrn Parteivorsitzenden Dr. Marx an Herrn Dr. Wirth und dessen Aeußerungen in der Zeitschrist„Deutsche Republik" wurde zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig lag die Erklärung der badischen Zentrumsfraktion(„Vadischer Be- obachtcr" Nr. ISO vom 2. Juni) vor. Indem der Parteioorstand sich einmütig dieser letzten Erklärung anschließt, spricht er sein Bedauern und seine Mißbilligung zu dem Verhalten des Herrn Dr. Wirth, insbesondere demjenigen gegenüber dem Herrn Parteivorsitzenden, aus. * Der Vorstand des Zentrums hat Wirth nicht ausgc- schlössen. Er hat ihm Bedauernund Mißbilligung ausgesprochen. Er hat es sorglich vermieden, auf die Aus- fuhrungen Wirths in Königsberg Bezug zu nehmen. Sein Beschluß richtet sich in erster Linie gegen die Veröffentlichung des Marx-Briefes und die Antwort an Marx. Königsberg ist in den Hintergrund getreten. Aus dem politischen Fall wird auf diese Weise ein interner Disziplin arfall des Zentrums. Immerhin gibt dieses Ende des Falles Wirth zu er- kennen, wie schwierig der Parteivorstand des Zentrums die strategische Lage des Zentrums einschätzt. Die Stellung des badischen Zentrums. In der Mitteilung des„Badifchen Beobachters" über den Stand- punkt der badischen Landtagsfraktion heißt es: „Das jüngste Auftreten Dr. Wirths ist eine Fortsetzung der Verstöße gegen die Parteidisziplin, deren er sich schon vorher schuldig gemacht hatte. Es zwang„die erstberufene Instanz der Partei" förmlich dazu, Dr. Wirth zur Verantwortung zu ziehen. Die polemische Betätigung Dr. Wirths„in Presie und Versammlung außerhalb der Partei" und die Veröffentlichung des Marx-Briefes ohne Verständigung der Parteileitung können mit der Partei- disziplin nicht mehr in Einklang gebracht werden: sie bedeuten eine schwere Schädigung des Zentrums. Dr. Wirth hätte aus dem Marx-Brief„eine andere Konsequenz ziehen und an Stelle der Anklag« von Ministern von heute wohl die Selbstprüfung treten lasten sollen". Viel wichtiger als die stetige Forderung nach „entschiedenen Republikanern" in der Zentrumsfraktion des Reichs- tags erscheine ,chi« Mehrung derer, die aus Gründen des ehrlichen Gewissens und der wohlerwogenen Pflichten gegen das Vaterland und die Rot des Volkes zuverlässig der heutigen Staatsordnung in praktischer Mitarbeit dienen und die Verfassung gegebenenfalls auch verteidigen. Die Sorgen für die großen religiösen Interesten im Volke könnten mit einer leichten Handbewegung nicht beiseite ge- schoben werden. Wenn es zutrifft, daß„die heutige Zentrumsfraktion nicht mehr der Zusammensetzung der Wählerschaft entspricht, so sei der Kampf um ein neues, gerechtes Wahlsystem das Gegebene. Das Zentrum müsse nach allen Seiten sein« Unabhängigkeit wahren und in freier Enffchließung seine politischen Wege nehmen. Es dürfe sich unter keinen Umständen weder nach der einen noch nach der anderen Seite festlegenund soseiner Frei- heit sich berauben lassen. Minister und Kanzler, die dem Rufe der Partei folgen, und diesen Grundsatz in Einklang mit der Parteileitung in Anwendung bringen, haben Anspruch darauf, hier den Schutz der Partei zu finden und sie werden ihn auch beim badischen Zentrum nicht vermissen. Die Mittleiung des„Badischen Beobachters" über den Stand- punkt der badischen Parteifraktion zum Fall Wirth schließt wie folgt: „Man ist fast versucht zu sagen, wie empfindlich doch auch Führer im Zentrum werden können, wenn sie bestimmte Bahnen ver- lassen haben. Die notwendige Mitteilung seitens des Zentrums kann, soweit Baden in Frage kommt, nur lauten: Bitte, zurzeit der Demokratie auch im Zentrum Sinn und Verständnis für demokräti- sche Grundsätze in der Partei. Bitte, keinen republikani- schen I n t r eg a l i s m u s und keinen persönlichen parteipolitischen Absolutismus, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Bitte, kein« Sonderwege neben und außer der Partei, sondern mit beiden Füßen in der Partei. Bitte, der Eigenart und dem Temperament des einen in dem auf- gezeigten Rahmen volle Bewegungsfreiheit, aber auch gleiches Recht den anderen... Wir begrüßen es, wenn Herr Dr. Wirth Schulter an Schulter unter dieser Fahne mit uns fechten will. Er wird immer einen Platz haben, der seinen Talenten«nt- spricht: allein in Baden ist man gewöhnt an ehrliche Demokratie und strikte Disziplin auch in der Zentrumspartei. Wir smd sicher, daß in Baden die Partei bis zum letzten Mann auf dem Boden dieser Grund- sätze steht und nur den dringenden Wunsch hat, auch Herrn Dr. Wirth als musterhaftes Vorbild vor sich zu sehen. Im übrigen oertrauen wir auf unsere Idee, auf unsere Ueberlieferung, auf die Treue unserer Wählevschast." Ozeanflug New t|ork— Berlin. Flieger Chamberlain will heute iu New Uork aufsteigen. Aew Jork. 3. Zunl.(IDIB.)„Sun" meldet, daß das Vellanca- flugzeug Columbia bei günstigem Wetter heule nacht den Flug New Jork— Berlin versuchen werde. Der Führer des Flugzeuges. Chamberlaiu. der über seine Ab- sichten besragl wurde, hat es abgelehnt, das Ziel seines Fluge» zu nennen. Die Mannschaft der Columbia hat aus ihrem Flugzeug aus einer geschlossenen Rundstrecke als Vorbereitung für den Transozean- flug im Mai einen Dauerflug unternommen, bei der sie mit einer Flugdauer von Sl Stunden 12 Minuten einen neuen Rekord auf- gestellt hotte. London, 3. Zuni. Reuter verbreitet sotgeade Melduog aus New Jork: Das Flugzeug„Columbia" ist noch uichl ge- startet, aber die Benzintanks sind gefüllt und der Apparat ist fertig zum Abflug. Rem Jork, 3. Zun!(Reuter). Es ist ungewiß, ob die Columbia heule abfliegen wird, wie erklärt wird, sind zwar auf der Strecke bis Reusundland die atmosphärischen Bedingungeu günstig. Aus hoher See jedoch herrscht Sturm uud Redet. ver Vater Chamberlain» erklärte nach den letzten Rachrichten. die er von seinem Sohu erhalten habe, sei Berlia da» Ziel des Fluges- Ver Abflug um einen Tag verschoben. Der amerikanische Flieger Chamberlain hat wegen des schlechten Wetters seinen Flug um einen Tag verschob«:. -i- Ehamberlain unternimmt den Ozeanflug bester ausge- rüstet als L» n d b e r gh. Sein Flugzeug ist großer, er nimm einen Begleiter mit, sein Radioapparat wird ständig Lebens- zeichen von ihm geben. Man nimmt an, daß er die Schiff- fahrtsroute wählen wird. Die Flugdauer wird angesichts der ungünstigen Windrichtung auf etwa 48 Stunden geschätzt. doch sind dabei Ueberraschungen möglich.' Reuter hatte gestern abend bereits den Abflug gemeldet, mußte feine Nachricht aber später widerrufen. Falls Cham- berlain heute auffteigt, wird er am Montag in Berlin ein- treffen— wenn der kühne Flug gelingt. Ein 5lug um üie Ecüe. Pari». 3. Juni.(WTB.) Dem„Petit Parisien" wird aus New Aork gemeldet, daß die amerikanischen Flieger Wells und Wade in zwei Wochen auf einem dreimotorigen Eindecker einen Flug um die Welt auszuführen beabsichtigen. Rew Jork. 3. Juni.(WTB.) Zu dem geplanten Flug um die Welt weiß„Herald Tribüne" folgende Einzelheiten mitzuteilen: Wenn der Plan zur Ausführung gelangt, wird ein starkes drei- motoriges Flugzeug New Bork verlassen und ohne Unter- brechung nach San Francisco fliegen. Bon dort wird der Flug westwärts über Honolulu, die Midwayi-Jnseln, Kasu- mogaura, C h a r b i n, Irkutsk, Omsk, Moskau, Paris, Lon- d o n, Queenstown, St. Johns nach New D o r k zurückführen. Die gesamte Fluglinie ist 20 022 englische Meilen lang. Der Flug wird eind wirtliche Flugzeit von 204 Stunden in Anspruch nehmen. Die beiden Flieger hoffen, den kürzlich für einen Flug von der nord- amerikanischen Küste nach Hawaii ausgeschriebenen Preis von 25 000 Dollar, außerdem an anderen Preisen 75 000 Dollar zu er- werbe«. Verüenöes Völkerrecht. Zum Berliner Kongreß der Völkerbundsligen. Von Wolfgang Schwarz. In Europa spricht man von Krieg. Die Oberhand hat der � Rationalismus in Rußland, England. Italien, Frankreich und Deuffchland. Die Großmächte treiben aus- und gegen- einander: es verschärfen sich die internationalen Spannungen. Die Tendenzen sind ähnlich wie vor dem Weltkriege. Nir- gends hat eine Regierung den Willen, entschlossen den Weg aus der S a ck g a s s e zu zeigen. Der Nationalismus ist zwar gezähmt. Die Erschöpfung des Weltkrieges ist noch nicht über- � wunden, die Friedenssehnsucht der Massen stärker als je. Der Völkerbund zwingt die Staatsmänner, ihr Mißtrauen durch Aussprache in Genf alle Vierteljahre zu bekämpfen. Der Vertrag von Locarno hält die Kriegsgefahr auf dem west- lichen Teil des Kontinents gebannt. Dennoch ist der ganze Osten in größerer Unruhe als er es vor dem Weltkrieg war. Die Regierungen wissen nicht aus noch ein. Hier und da treiben sie zum Bruch/ Seit langen Monaten kommen sie sich nirgends näher. Soll man sich' in der europäischen Krisis für„werdendes Völkerrecht" interessieren? Doch eine kommende Epoche der Verständigung muß sich schon in einer Epoche der Reaktion vorbereiten. Die Schiedsgerichtsbarkeit des Dawes-Planes, die hier und dort als eine Dreieinigkeit heilig empfundene Formel „Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit, Abrüstung" des Genfer Protokolls, die Kriegsächtung des Vertragswerkes von Lo- carno, sie wären niemals wirklich und wirksam geworden, wenn nicht längst, bevor sich die Regierungen um Verträge bemühten, die Völker auf sie vorbereitet gewesen wären oder breite Schichten sie gefordert hätten. Als die mächtigste solcher Vorhuten wirkt die S o z i a l i st i s ch e I n t e r n a t i o n a l e, deren klare Erkenntnis der Wirklichkeit oft genug der öffent- lichen Meinung der Welt um Jahre vorausgeeilt ist. Eine ähnliche, wenn auch weitaus bescheidenere, mit Ausnahme. Englands nicht über große Massen verfügende Bewegung stellt der Verband der Völterbundsgesellschaft e n dar. Er ist ein V ö l k e r b u n d i m klein e n» dem mit Recht von einem Präsidenten der Völkerbundsversammlnng das Lob und die Aufgabe, Vorhut des Völkerbundes zu sein, zuerteilt wurde. In ihm spiegeln sich nicht nur in kleinerem Format die Genfer Kämpfe wider, in ihm entwickeln sich auch Tendenzen zur Festigunq der Völkergemeinschaft, für die der große Völkerbund der Regierungen vielleicht noch auf lange Jahre hinaus nicht reif ist. Auf dem vom 24. bis 31. Mai in Berlin abgehaltenen 11. Kongreß dieses Weltoerbandes der Vöikerbundsgefell- schaften waren Sozialisten etwa nur in demselben Verhältnis vertreten, wie es im Völkerbund der Fall ist oder auf der Weltwirtschaftskonferenz der Fall war. Das liegt nicht daran, daß ihre Mitarbeit dort etwa entbehrlich oder nicht erwünscht wäre. Es liegt wohl an der Schwere der Kämpfe um ein neues soziales und Wirtschaftsrecht in den einzelnen Staaten, die es den sozialdemokratischen Parteien nicht erlaubt, an dem unmittelbaren Kampf um neues internationales Recht stärker teilzunehmen. So waren nur die folgenden Genossen an- wesend: La Fontaine, Vizepräsident des belgischen Se- nates, Prof. P r a g e r(Polen), Gesandter S o n y a s(Lett- land). Rennte Smith und Arthur S t e p h a r d(Eng- land). Wegen des Kister Parteitags war Deutschland bei den Verhandlungen nicht durch parteisiihrende Sozialdemokraten vertreten. Von den deutschen Delegierten unter Führung des Grafen Bernstorff haben wir berichtet, der Kongreß barg äußerst schroff« weltanschauliche Gegensätze in sich. Sie reichten von dem Sozialisten und dem Schweizer Professor B o o e t, den humanitäre Gründe zum Kampfe um Menschen- rechte bestimmen, bis zu den Nationalisten, wie zwei faschistischen Professoren, die in internationalen Formen rein nationalistische Politik im Interesse Italiens trieben. Starken Einfluß übten die Engländer aus. an denen man den Rück- halt einer Massenorganisation spürt. Wesentlich war die starke Vertretung der Minderheiten, die Brücken schlagen von der herrschenden Nation des einen Staates zu der ihr oerwandten Minderheit im und damit zum Nachbar- stoat. Die Initiative in der politischen Kommission lag bei den großen Staaten, namentlich bei den Vertretern Englands und Frankreichs. Unter ihnen sei der Liller VAkerrechtsprvfessor Ca s s i n genannt, Vorsitzender des Verbandes der Kriegs- verstümmelten. Hervorragend in der Kunst zu vermitteln waren die Neutralen: zum Beispiel der Schweizer D o l l f u s. der die Debatten der politischen Kommission mit festem Geschick leitete(neben ihm führte der Verfasser das Prtokoll der Verhandlungen), der holländische, aus internatio- nalen Staatsprozessen bekannte Rechtsanwalt Limburgh— Gastgeber übrigens des nächstjährigen Kongresses im Haag. Mit ihm verstand allzu kühne politische Spekulation mit den festen Formen des geltenden Völkerrechts in Einklang zu bringen R o l i n, der belgische Gaus, Rechtsberater des Brüsseler Außenministeriums, Mtarbeiter Danderveldes, un- ermüdlich im Erfinden vermittelnder Formen, unentbehr- liches Mitglied jeder Untertommiffion, der europäischen Qeffentiichkeit seit der liebenswürdige Gests bekannt, mit der er am Fenster des VeraLungszimmers zu Locarno der erwar- tungsoollen Menge das eben unterschriebene Friedens- dokument zeigte. Nicht weniger weitgespannt als die Gegensätze der poli- tischen Richtungen waren die Gegensätze in der Politik des Kongresses. Manchmal tastete er sich kaum und nur vorsichtig vorwärts. So war es zum ersten Male gelungen, die T i- roler Frage vor sein Forum zu ziehen. Der Faschismus hatte versuchen müssen, sich zu verteidigen. Aber seine Gegner- schaft war so erbittert, daß der Kongreß einen förmlichen Be- schluß vertagte und den faschistischen Machthabern noch ein- mal bis zur Herbsttagung des Minderheitenausschusses in Sofia Zeit gab, die brutalsten Maßnahmen, wie das Verbot sogar des privaten deutschen Sprachunterrichtes, aufzuheben. Wie gespannt die Lage war, zeigte die dreistündige Brand- rede Mussolinis. Formell hatte sie zwar an das von einer ge- fälligen Botschaft nach Rom gelieferte angebliche Stahlhelm- plakat angeknüpft, auf dem die Vereinigung aller Deutschen „von Riga bis Trieft" gefordert worden fein sollte. Tatsäch- lich war sein gereizter Ausfall gegen den„kleinen Völkerbund" gerichtet, in dem sich nun eine geschlossene Opposition gegen die Tiroler Brutalität herausgebildet hat. Fast stürmisch vor- wärts gegen die herrschende Rechtsauffassung hingegen eilte die Kongreßmehrheit in anderen Fragen. Auf die Initiative der Howard League für Gefängnisreform verlangte er einen internationalen Vertrag, der Mindestgarantien für den Strafvollzug schafft. Dieser Vorstoß richtet sich direkt gegen die brutale Behandlung von politischen Ge- fangenen in den Autokratien und anderen Ländern mit real- tionärer Justiz. Auch einen wirklichen Erfolg konnte der Kon- greß buchen. Hunderte von südslawischen Mennoniten, die wegen der Verweigerung des Dienstes mit der Waffe— selbst der preußische Militarismus hatte sie davon befreit— im Gefängnis schmachten sollten, sind begnadigt worden. In Zukunft wird dafür zu sorgen sein, daß sich dort solche unmenschlichen Kriegsgerichtsurteile nicht wiederholen und ähnliche Zustände in anderen Valkanstaaten abgestellt werden. Als sozial reaktionär hingegen werden die schaffenden Massen den Ver- zicht des Kongresses verurteilen, sich für die Ratifizierung aller Arbeitsabkommen auszusprechen. Ueber Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit, Abrüstung hatte die politische Kommission vom Kongreß gutgeheißene, klärende und weitertreibende Entschließungen beraten. Nur mit Kämpfen gelang es, in die Entschließung über die A b- rüstung einen Hinweis darauf hinemzubringen, daß„die Verträge von Locarno abgeschlossen worden sind, um die Sicherheit zu erhöhen und so die Abrüstung zu erleichtern." So stark war selbst in diesen Völkerbundskreisen jetzt die Er- rnnerung daran verblaßt, daß die Förderung der Abrüstung ein erklärtes Motiv des Vertragsschlusses von Locarno ge- wesen ist. Abweichend von der Haltung ihrer Regierung, stimmte die englische Vertretung für eine Kontrolle der Abriisiirngs vertrage. Der Kongreß wünscht eine Rüstungskon- trolle und ein Rechtsverfahren, um Beschwerden über ängeb- liche Vertragsverletzungen zu entscheiden. Der Schieds- g e d a n k e fand eine neue Entwicklung. Er wurde vom Genfer Protokoll, das ihn mit Sicherheitsgarantien zusammen- gekoppelt hatte, gelöst. Der Kongreß fordert über die Völker- bundssatzung hinaus, die dem Krieg noch eine Lücke läßt, '»inen allgemeinen Vertrag über„das Verbot des An- griffskrieges, die Feststellung des Angreifers und die ""endgültige friedliche Regelung aller Streitigkeiten". Zum ersten Male packten Völkerbundskreise das Problem Pan- e u r o p a an. Der Kongreß nahm nicht Stellung zu den pri- vaten internationalen Organisationen der Parteien, Gewerk- schaften, Unternehmerkartelle, er beschäftigte sich ollein mit den Gruppierungen von Staaten. Hier lehnte er den Gedanken kontinentaler Bündnisse ab, weil„allein schon auf Grund der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit jeder Krieg die Tendenz hat, ein Weltkrieg zu werden". Er erklärte deshalb, daß„regionale Staatenverträge mit be- ver Ruf nach Sem Mäcen. Von Hans Bauer. In Eisenach hat in diesen Tagen der„Deutsche Schriftsteller- verband" getagt, in dem man so etwas Aehnliches wie eine gelbe Berufsorganisation zu erblicken hat. Mit großen Namen kann der Verband nicht gerade aufwarten. Prof. Dr. b. c. Lienhard gehört ihm natürlich an, dieser literarische Rauschebart, dann selbstverständ- lich auch Ernst von Wolzogen, von dem wir längst wissen, daß er nach dem Sturm und Drang seiner Jugendjahre auf dem völkischen Müllhaufen geendet ist. Leid tut es einem nur um Eugen Diede- richs in Jena, der immerhin einmal ein freiheitlicher Verleger war, und um Herbert Eulenberg, dessen mangelhafter politischer Scharf- blick sich freilich aus seinen romantischen Neigungen erklären dürste. Es ist über die mittelalterlichen Sängerkriege aus der Tagung geredet worden, über die Minnelieder, über die Entstehung der Wart- bürg— über atemberaubende Dinge alsch- wie man sieht. Zum Schluß hat dann Ernst von Wolzogen in„schmerzlich-humorvoller Art" über die Mäcene von einst geplaudert. Und das ist nun freilich eine Sache von eigener Art. Die Mäcene-- wer dächte da nicht an die Höfe deutscher Duodezfürsten, die den Besingern blauer Blumen, schöner Frauen und edler Herzöge stete Station gewährten und goldene Pokale schenkten! Wer wüßte da nicht die Namen einiger Großindustrieller und Adelsherren, von denen er läuten gehört hat, daß sie vor dem Kriege hin und wieder einmal ein Kraftgenie zu einer feucht- fröhlichen Sumpfnacht oder einer leckeren Hotelmahlzeit einluden! Es ist wahr, daß die Mäcene seltener geworden sind. Das hat seine psychologischen und sachlichen Gründe, aus die es hier nicht ankommen soll. Aber es ist auch dies andere wahr, daß die Schrift- steller seltener geworden sind, die sich, gleich Wolzogen,„schmerzlich- humorvoll" der Mäcenatenseligkeit vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte erinnern. Die gesellschaftlich« Stellung des Schriftstellers ist geändert. Den Spitzwcgschen Dichter, der in der Dachkammer haust und, die Zipfel- mütze aus dem Haupt, sich verworrenen Schwärmereien ausliefert. den gibt es schon längst nicht mehr, aber auch das schnorrende, langmähnig« Kaffeehaus-Literatenwm, das seinen typischsten und sreilich auch weitaus talentiertesten Vertreter etwa in Peter Zllten- berg besaß, ist heute kaum mehr zu finden, womit steilich nicht gesagt sein soll, daß nicht auch heute noch gewisse Schriftsteller reich- lich viel Zeit in Kaffeehäusern verbrächten. Der Atem der Zeit hat die Schriftsteller angeblasen. Sie sind längst nicht mehr die Welt- ftemdtinge, die über die Aesthetik der Schnupftabakdosen und die Eugenik der Seele schwätzen, während rundum eine von ihnen in der Oesfentlichkeit zwar belächelte, im geheimen ober doch beneidete Welt Baumwolle oerkauft und Kanalisationsarbeiten vergibt. Während des Krieges und während der Inflation haben die Dichter gründlich gelernt, das Getriebe der lebensnahen Vorbedingungen grenzten Zielen berechtigt und vielfach als Uebergangsstadium notmendig sein mögen". Jedoch entsprächen„streng konttnen- tale Gruppen den tatsächlichen Gegebenheiten in keiner Hin- ficht, weder wirtschaftlich noch politisch": sie könnten Rioali- täten hervorrufen. ,chie leicht zu einem neuen Weltkrieg führen würden". Deshalb schloß sich der Kongreß in der For- derung„eines einigen universellen Völkerbundes" zusammen. Republikanisierung üer Verwaltung. Neubesetzung von Landrats- und Polizeistcllen. in Preußen. Die preußische Regierung setzt ihre republikanische Beamten- politik fort. Sie beschränkt sich dabei nicht aus die Spitzen, die Mi- nisterien, sondern sie hat soeben auch eine ganze Reihe von Land- ratsämtern neu besetzt und im übrigen Verwaltungsbereich mehrer« Versetzungen angeordnet, die aus Verwaltungsgründen erforderlich waren. Daß bei allen Neubesetzungen der Wunsch maß- gebend war, die Republikanisierung der Verwaltung zu fördern und den Behördenapparat mit dem Geist des Volksstaats in Ein- klang zu bringen, ist nach den programmatischen Erklärungen der preußischen Regierung selbstverständlich. Zum Polizeipräsidenten von Wiesbaden wird an Stell« des abberufenen Präsidenten Krause der Regierungsdirektor Froitz- heim ernannt. Zu diesen dienstlichen Anordnungen wurde der preußische Innenminister durch Kabinettsbeschluß ermächtigt. öraunschweigs Rechtsregierung versagt. Noch immer kein Finanzausgleich! Brcmnschweig, 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die braun- schweigische deutschnationale Regierung hat kürzlich ihre Steuervor- lagen zurückziehen müssen, weil die vier Abgeordneten der Wirt- schaftsgruppe aus der Regierungsfront ausgebrochen sind. Der braunschrveigische Städtetag hat sich mm in einer scharfen Resolution gegen die Regierung gewandt und schnellste Hilfe durch die Aen- derung des Finanzausgleichsgesetzes verlangt. Die bürgerlichen Parteien sind sich aber immer noch nicht einig, so daß der Finanzminister Dr. Küchenthal jetzt im Haushaltsausschuß des braunschweigijchen Landtages auch noch die Zurückstellung des vorliegenden Finanzausgleichsgesetzes erbeten hat. Die Hilflosigkeit bei den„Fachministern" und bei den Regierungs- Parteien scheint so groß zu sein, daß sie trotz der Hilferufe des Städtetages nicht wissen, was sie machen sollen. Die Regierung ist mit ihrer Kunst vollkommen versackt und weiß nicht, wie sie ihre Gesetze unter Dach und Fach bringen soll. Es wird schließlich doch nur noch die Auslösung des Land- tages übrig bleiben. die Seamtenbesolüungsreform. Die Deckung der neuen Ausgaben.' Der badische Finanzminister hat den badischen Regierungsrat Wild kommissarisch in das Reichsfinanzministerium berufen und ihm den Auftrag erteilt, die Gehaltsstufen der mittleren und unteren Beamtenkategorien einer Neubearbeitung zu unterziehen. Man hofft, daß der Reserentenentwurf über eine allgemeine Er- höhung der Beamtengehälter schon kurz nach Pfingsten fertiggestellt ist und noch im Laufe dieses Monats mit den Ländern besprochen werden kann. Das erscheint angebracht, da die Erhöhung der Be- amtengehälter im Reiche eine angemessene Erhöhung der Gehälter in den Ländern und Kommunen erforderlich machen dürfte. Eine große Schwierigkeit bildet bei der Fertigstellung der Bor- läge die Deckungsfrage. Sie wirkt sich insbesondere deshalb schwerwiegend aus, weil eine Erhöhung der Gehälter mit rück- wirkender Kraft kaum zu umgehen sein wird. Wahrscheinlich wird ein Nachtragsetat notwendig werden, da sich die Hoffnung, die großen Mehrausgaben aus laufenden Mitteln zu decken, k a u m o e r- wirklichen lassen wird. ihrer physischen Existenz zu durchschauen. Sie wollen nicht mehr die kleinen Pinscher einer herrschenden Schicht sein, Leutchen, die man in der Verdauungspause liest, die man aber natürlich beiseite schiebt, wenn der Ernst des Gefchästslebens beginnt. Sie wollen nicht mehr klangschönes Zeug faseln und Süßholz raspeln, sondern zu ihrem Teil Zeit deuten, Zeit gestalten und wirkendes Glied sein beim Neuausbau der Welt. Die Form ist ihnen wichtig, aber sie ist ihr Mittel, nicht ihr Zweck.„Kunst um der Kunst willen", das gilt ihnen als Unfug. Sie wollen auf ein Ziel lossteuern. Manche tapsen dabei daneben: sie kommentieren den Tag und einen Unter- absatz des Parteiprogramms, wo es das Jahrhundert und die großen Ideale der Gesamtbejvegung zu packen gilt. Das sst ein Pech, aber es ist nicht allzu tragisch zu nehmen. In solcher Zeit ist der Mäcen ein vollendeter Anachronismus. Es ist verständlich, wenn Schriftsteller entdeckt oder gefördert zu werden begehren, aber sie sollen sich nicht aushalten lassen wollen. Uebrigens ist es auch nicht einmal so unvorsichtig, sich die Mäcene mit groben Worten vom Halse zu halten— denn auch von Wolzogens„schmerzlich-humorvollen" Betrachtungen lassen sie sich heutigentags kaum mehr anlocken. Mit öem„Ueber-Aeppelin' von New gork nach Paris. Wenn auch der ununterbrochene Flug Lindberghs über eine Strecke von 8000 Kilometer von New Pork nach Paris ein erstaun- licher Rekord bleibt, so wird das Flugzeug als eigentliches Verkehrs- mittel bei der Luftfahrt über den atlantischen Ozean doch nicht ver- wendet werden können. Für den Passagieroer kehr durch die Lust kommt wohl nur das lenkbare Lustschiss in Betracht, dessen Der- wcndungsmöglichkeit Dr. Eckener in seiner Amerikasahrt erwiesen hat. Der regelmäßige transatlantische Luftverkehr soll nun in Kürze durch den Ueber-Zeppelin eröffnet werden, der gegenwärtig unter wesentlicher Mitarbeit deutschier Ingenieur« in den Vereinigten Staaten gebaut wird. Ueber dieses Riesenlustschiss macht zum erstenmal Peter Sülm in„Reclams Universum" genauere Mitteilungen. Erbaut wird das Luftschiff von der Goodyeargesellschast, der größten Gummifabrik der Welt, die bereits mehr als 1000 Freiballons und über 100 Luftschiffe in ihrer Werst zu Akron, Ohio, hergestellt hat. Der Konstrukteur des neuen„Ueber-Zeppelin" ist der frühere Chef- ingenieur der deutschen Zeppelin-Werke, Dr. Carl Arnheim. Das transatlantische Lustschiss wird dos sicher« Dreikielsystem erhalten. Seine Stundengeschwindigkeit wurde auf ISO Kilometer festgesetzt: der Aktionsradius wird 10 000 Kilometer und bei besonders günstigen Verhältnissen 13 000 Kilometer umfassen. In dem komfortabel eingerichteteen Schiff verläßt man New Uork am Sonn- abend morgen und landet am nächsten Montag mittag in London oder Paris: so läßt sich eine geschäftliche Europa— Amerita-Reise in einer Woche erledigen. Bei dem Bau des„Ueber-Zeppelin" sst in- sosern ein völlig neues Prinzip verwendet, als das Schiff aus zwei ineinander gestellten Einzelschiffen besteht. Diese Bauart sst aus Sicherheitsgründen eingeführt, und zwar wird das Innenschisf mit den Gasballonetts noch einmal in eine ganze Gitterkoisstruttion gelegt; in dieser Konstruktion sind auch die Laus- und Wandelgänge angebracht, und um sie herum spannt sich die jeuer- und wetterfeste flbsthieü von üen Russen in London. Die Führer der Labour Party anwesend. London, 3. Juni.(Eigener Drahtbericht. Die Abreise des Sowjetgeschäftsträgers Rosenholz und der hauptsächlichsten Mit- glieder des fowjetsstischen diplomatischen Korps aus London ge« staltete sich am Freitag zu einer beachtenswerten Demonstration gegen die Rußlandpolitit der konservativen Re- g i e r u n g. Auf dem Bahnhof hatte sich eine bedeutende, in ihrer Mehrheit keineswegs kommunistische Menschenmenge versammelt, um Abschied von den Russen zu nehmen. Als offizieller Veri treter der Arbeiterpartei hatte sich der Abgeordnete Henderson, als Vertreter der britischen Gewerkschaften deren gegenwärtiger Präsident H i ck s und der Generalsekretär des Gewerkschaftskongresses C i t r i n e eingefunden. In einem Presseinterviw stellte der russische Geschäfts« träger fest, daß unabhängig von dem Abbruch der diplomatischen und Handelsbeziehungen beide Völker freundschaftliche Gefühle zueinander empfänden. Die konservative Presse zeigt sich über diesen herzlichen Abschied, den die Russen gefunden, sehr ärgerlich. * Herr Rosenholz wird sich schwer gehütet haben, bei dieser Ab- schiedsfeier den englischen Genossen die Stellen aus dem neuesten Aufruf der Kommunistischen Internationale vorzulesen, die sich gegen sie richten. In jenem Aufruf werden bekanntlich die„rechten" Führer der Sozialistischen Internationale, deren Vorsitzender bekannt- lich Arthur Henderson sst, und namentlich auch die Führer der englischen Gewerkschaften als„zynische offene Verräter" be- schimpft, die mit dem Imperialismus paktieren und die von der Ar« beiterschast„verjagt" und„geknebelt" werden müssen. Dieser herzliche Abschied beleuchtet blitzartig die ganze H eu che- lei der bolschewistischen Politik. Zur selben Zeit, in der man durch die kommunistische Internationale die sozialistischen Führer begeifert, läßt man die diplomatischen Vertreter Sowjet-Rußlands sich von ihnen herzlich oerabschieden. Denn man weiß in Moskau sehr ge- nau, daß sie die wirkliche Macht darstellen, auf die sich Sowjet- Rußland im Falle einer wirklichen Bedrohung durch den englischen Imperialismus verlassen kann. Der blutrünstige Ausruf der kommunistischen Internationale sst für die armen Dummköpfe bestimmt, die noch immer an den«revolutionären Massenkampf" glauben. Aber für die ernsthafte Politik zieht es die�Sowjct« Regierung entschieden vor, mit den„verräterischen" Führern der englischen Arbeiterpartei gute Beziehungen zu unterhalten. Ebenso reist zur selben Zeit T s cht t scherin nach Baden- Baden, um dort mit Stresemann zusammenzukommen. Auch Tschitscherin wird sich schwer hüten, im Stile des„revolutionären" Aufrufes der kommunistischen Internationale mit Stresemann zu sprechen. Er wird sogar ängstlich vermeiden, dieses Schriftstück über- Haupt zu erwähnen. Vielleicht wird aber der deutsche Außenminister dem russischen Volkskommissar klar machen, daß diese sowjet-russischs Polstik mit vorteilten Rollen doch ihre Grenzen haben muß. Ein Artikel der offiziösen„Deutsch-diplomatischen Korrespondenz" vom Donnerstag ließ deutlich durchblicken, daß man in der Wilhelmstraßo die Empfindung hat. daß dieser Aufruf der„Komintern" jene Grenzen erheblich überschritten hat. Autisowjetaktion in Mexiko—„aus Versehen"? London. 3. Juni.(MTB.) Einer Agenturmeldung aus Mexiko zufolge sind Geheimagenten und Polizisten kurz nach Mitternacht in die dortige Sowjetgesandtschaft eingedrun- gen. Eine Anzahl Personen, die der Abhaltung r e v o l u t i o- närer Zusammenkünfte verdächtig sind, sollen v e r h a s t e t sein. Nach mehreren Stunden Hab« die Sowjetgesandtschaft ihre Freilassung erreicht. Die die Durchsuchung führenden Beamten hätten erklärt, daß die Razzia infolge eines Versehens vor- genommen worden sei. Die Unioa-Zack in Südaftita abgeschafft. Die gesetzgebend« Ver- sammlung in Kapstadt hat in zweiter Lesung mit 69 gegen 54 Stimmen das Gesetz über die Schaffung einer s ü d a f r i k a n i- schen Flagge angenommen. Außenhülle. Die neuartige Konstruktion macht ein Durchschlagen der Hülle und ein dadurch oeranlaßtes Gasausströmen unmöglich. Die Gesamtmaschinenstärke beträgt 4809 Pferdestärken. Die Propeller werden nach oben und unten drehbar sein, damit sie das Schiff beim Aufsteigen oder Landen besser hoch- und niederschrauben können. Wie bei den meisten Luftschiffen werden die Amerikaner auch bei dem „Ueber-Zeppelin" trotz des hohen Preises das unoerbrennbare He- liumgas oerwenden. Das Lustschiff hat eine Länge von etwa 240 Meter, ist also um 25 Meter länger als die zugrunde gegangene Ehenandoah: es hat ein« bedeutend dickere Form und dementsprechend den dreifachen Rauminhalt: der Gasinhalt wird 6,5 Millionen Kubik- fuß betragen. Der Traum eines regelmäßigen transatlantischen Verkehrs, den Graf Zeppelin schon 1905 verwirklichen wollte, ist also jetzt der Erfüllung nahe._ Das Ende der Urania. Der Aufsichtsrat der Urania hat sich mit dem Schicksal seines Bildungsinstitutes beschäftigt und ist zur Ucberzeugung gekommen, daß sich die Anstalt in der bisherigen Art finanziell nicht aufrechterhalten läßt. Er sst weiter der Ansicht, daß die zu einer modernen Umstellung der Urania erforderlichen Mittel nicht vorhanden sind. In der Presse war berests die Rede davon, daß die Urania in den Zoologischen Garten verlegt werden sollte, und daß dadurch eine neue Grundlage für ihre Eristenz geschaffen werden könnte. Ob das möglich fein wird, hängt davon ab. ob die Urania überhaupt noch Boden in Berlin und Aufgaden in der Verbreitung naturwissenschaftlicher und anderer Kenntnisse zu über- nehmen hat. Der Aussichtsrat der Urania hält es daher für zweck- mäßig, vorderhand die Weiterführung des Betriebes einzustellen und inzwischen festzustellen, auf welcher Grundlage die Urania mit Hilfe der Stadt und des Staates neu aufgebaut werden kann. Wir möchten dazu bemerken, daß der Rückgang der Urania nicht bloß durch die ungünstige Lage des Instituts mitten in der Eity und nicht nur durch die vielfach erfolgte Neuorganisation des Volts- bildungswesens zu erklären ist. Unter Dr. Meyer stand die Anstalt höher, das Bortragswesen der Urania hat ensschiedcn an Qualität nachgelassen. Zudem hatte es die Verwaltung nicht verstanden, die Verbindung mit der aufftrebenden Arbeiterschaft herzustellen. Soll das Institut auf einer neuen Basis errichtet werden, so müßten alle diese Faktoren richtig berücksichtigt werden. Die Taiga brennt! Was weiß der Europäer von der Taiga? Die so gut wie unerforschte Taiga ist ein unendlicher Wald, der dos ganze nordöstliche Sibirien bedeckt. Zwischen dem Jenissei und dem Ochotkkischcn Meer, zwischen den Küsten des Eismeeres und der chinesischen Grenze. Augenblicklich wüten an mehr als fünfzig ver- schiedenen Stellen des ungeheuren Urwalds heftige Waldbrände. Di« Regierung hat alle verfügbaren Kräfte zur Bekämpfung der Woldbrände mobilisiert._ Die TNaiausstelluaa der Deusscheu Snullgemeinichast, Berlin C 2. Schloß, ist an beiden Pfingfssecertazen von 10—3 Uhr geöffnet, Berchoid viertel wurde für die kommende Spielzelt den Berliner Reinhardlbiihnen als Regisseur verpfltchtel. Sie Eröffnung der Warschauer Zllleriialioualcu Oygiene-Nueffclluug hat im Rahmen de» Lnlernalionalen Militärärzlekongresses stattacsundeu. Den seiertiche» Erossnungsatt vollzog der Staatspräsident Mosctckt. Segen öie Erhöhung der Postgebühren Eigenartige Praktiken des Berwaltungsrats der Reichspoft. führer für, Beamte gegen Portoerhöhnng. Wirtfchafts Der Arbeitsausschuß des Derwaltungsrats der R e i ch s p o st hat die Beratung der geplanten Postgebühren- crhöhung begonnen. Er beschloß zunächst die Erhöhung des Brief- portos von 10 auf IS Pfennig mit 9 gegen 5 Stimmen. Dabei ergab sich— wie von anderer Seite berichtet wird— das eigenartige Bild, daß nicht weniger als sieben Behördenvertreter für die Er- höhung der Briefporti eintraten und dabei noch unterstützt wurden von den beiden Deutschnationalen, dem Vertreter der Landwirtschast Graf Sch Ulenburg und dem Abgeordneten Körner. Diese beiden haben sich über die zahlreichen Proteste hinweggesetzt, mit denen die führenden Verbände der Unternehmer gegen die beab- sichtigte Verteuerung des Postverkehrs Einspruch erhoben haben. In der Opposition stimmten mit Vertretern von Beamten lediglich Kommerzienrat W i m m e r von der Münchener Handeskammcr und Grünfeld als Vertreter des Handels. Außerdem hatte auch das� Preußische Handelsministerium seine Stimme gegen die Portoerhöhung abgegeben. So entstand das eigenartige Bild, daß die Vertreter der De- Hörden es waren, die die Steigerung der Driefgebühren gegen die Opposition von Ve- am ten beschlossen. Sie fanden dabei Unterstützung bei den Deutschnationalen. Aber nicht so sehr die Art der Mehrheitsbildung, sondern die U m- st ä n d e, unter denen der Beschluß gefaßt wurde, sind für die breiteste Oesfentlichkeit von größtem Interesse. Der„Vorwärts" hat bekanntlich nachgewiesen, daß die Angaben der Reichspost über ihre Einnahmen und Ausgaben un. zulänglich sind. Durch die Zunahme des Verkehrs sind wesentliche Reserven entstanden, deren Höhe vorläufig noch nicht über- sehen werden kann. Daneben hat die Postverwaltung sich noch eine recht beträchtliche Mehreinnahme dadurch gesichert, daß sie vom Mai ab die Grundgebühren für Telephonanschlüsie nicht mehr nach- träglich, sondern einen Monat i ist voraus erhebt. Diese Maß- nähme, die in Geschäftskreisen aus lebhaften Widerspruch gestoßen ist, hat fraglos die Reserven der Reichspoft noch um viele Millionen Mark verstärkt. Es war also nur begründet, wenn die Opposition im Derwaltunqsrat der Reichspost verlangte, daß zunächst der Etat der Reichspost und ihre Reserven durchgeprüft werden müßten, ehe man sich über die Notwendigkeit und die Höhe der Portosteigerung schlüssig werden könnt«. porloerhöhung ohne Prüfung des Bedarfs! Die Mehrheit des Ausschusses wollte es jedoch anders. Sie beschloß die Heraufsetzung der Bricfpostgebühren unter ausdrücklicher Ablehnung einer Nachprüfung des Etats, die allein die Feststellung des tatsächlichen Geldbedarfs ermöglicht hätte. Nachdem Industrie und Handel in seltener Einmütigkeit die Portoerhöhung gerade im gegenwärtigen Augenblick als eine empfindliche Gefährdung der gesamten Wirtschaft obge- lebnt hotten, nachdem auch der größte deutsche Freistaat seine schweren Bedenken zum Ausdruck gebracht hatte, wäre es Pflicht der Postoerwaltung als eines gemeinnützigen Monopolinstituts gewesen, den Gründen der Portoerhöhung auf das genaueste nachzugehen und keinen Pfennig mehr zu bewilligen, als zur Er- reichung der von der Reichspoft angegebenen Ziele unbedingt er- forderlich war. Es ist nicht obne Interesse, festzustellen, daß es gerade die Vertreter der Vehördenbureaukratie waren, die sich dieser selbstverständlichen Forderung mit allem Nochdruck widersetzten. Und es ist weiter sehr bezeichnend, daß in den Reihen der Opposition neben dem Jndustrievertreter Wimmer und 8em Vertreter des Handels Grünfeld sich der Genosse Schumann und S t e i n k o p f befanden, die beide sicherlich ihre Bedenken zurück- gestellt hätten, wenn die Portoerhöhung im Interesse der Beamten unabweisbar und für die Gesamtwirtschaft unvermeidlich gewesen wäre. Dafür jedoch war der Beweis nicht erbracht. So konnte die fiskalische Denkweise der Vertreter des Reichsrats und der Regierung im Arbeitsausschuß den Sieg davontragen, und es ist zu befürchten, daß auch der Verwaltungsrat als ganzer dieser Stellung zustimmen wird, da seine Zusammensetzung ziemlich genau der des Arbeitsausschusses entspricht. Gegen ein derartiges'vorgehen ober muh Protest erhoben werden. Es entspricht durchaus nicht der Verantwortung, die die Reichs« post gegenüber der gesamten Wirtschaft hat, wenn sie derartig ein- schneidende Maßnahmen lediglich auf Grund von K o m b i n a- t i o n e n einiger leitenden Beamten trifft. Die Selbständigkeit, die der Reichspoft verliehen wurde, darf keinesfalls in der Weise an- gewandt werden, daß man entgegen den Wünschen der breitesten Oeffenttichkeit und ohne genaue Kenntnis der Unterlagen eine schematische Portoerhöhung durchführt, die zugleich eine schwere Belastung für den gesamten Verkehr darstellt. Im übrigen weist die Stellungnahme des Arbeitsausschusses aus die schweren Mängel hin, die in der Organisation der Reichspost bestehen. Es geht nicht an, daß eine kleine Gruppe von Behördenvertretern außerhalb jeder Bindung an den Reichshaus- halt die Entscheidung über so wichtige Schritte trifft. Die Ver- tretung der Verbraucher und der übrigen betroffenen Kreise ist vollkommen unzureichend. Wenn das bei der Verselb- ständigung der Reichspost nicht genügend beachtet wurde, so geschah das wohl deshalb, weil man niemals annehmen konnte, daß die Vertreter der Behörden sich in dieser Weise über die einfachsten Erfordernisse einer Haushaltsführung hinweg- s e tzen würden, wie das jetzt geschehen ist. Die Tatsache, daß dabei die Bchördenoertretcr mit hen D-utschnationalen aus Politik und Wirtschaft zusammengestimmt haben, ist dabei von besonderem Intersse.. Rechtsblockregierung Im Reiche und in den Freistaaten Brannschweig und Bayern finden sich zusammen mit den Reaktiv. nären, um gegen die Wünsche der Beamten und der Wirtschaft folgenschwere Entscheidungen herbeizuführen. Industrie und Handel müssen den Rechtsblock in der Tat teuer bezahlen. Räch der B ö r s e n p a n i t, die mit dem Willen der Rechtsblock- minister angerichtet wurde, folgt jetzt eine Portoerhöhung, die gegen den Willen der Industrie und Handelsunternehmer er- folgt und mit sachlichen Gründen allein keineswegs gerechtfertigt werden kann. Den Unternehmern, die das Zustandekommen der Rcchtsblockregierung gefordert und zum Teil sogar finanziert haben, werden noch die Augen übergehen! Die Nheinlanöraumung nicht aktuell! Erklärungen BriandS im Senat. Paris, 3. ZunI(Eigener Drahlbericht). Der Senat hat am Freitag nachmittag über die Festsetzung des Dalums für die Diskussion der schon seit mehreren Tagen vorliegenden Znlerpellation des Senators Lemayrie über die Rheinlandräumung beraten. Außenminister B r i a n d erklärte, daß er bereit sei zu einer ausführlichen Aussprache über die Gesamtheit der außenpolitischen Probleme. Die Inlerpellaklon Lemayrie an sich befasse sich aber nur mit einem Teilproblem und außerdem sei dieses Problem noch nicht einmal ein Problem, das im Vordergrund der internationalen Politik stehe. Er sei ober bereit, trotzdem in eine Diskussion einzuwilligen, obwohl die Frage der Rheinlandräumung gerade nicht aktuell sei. Er wolle die Diskussion allerdings erst vornehmen, wenn er von der völterbundsiagung in Genf zurückgekehrt fei. Es wurde daraufhin vom Senat beschlossen, die Interpellation Lemayrie spätestens am 24. Iuni zur Debatte zu stellen. Kontrolle oöer nicht! Streit zwischen Agence Havas und Wolsf-Bureau. Die Pariser„Agence Havas" veröffentlicht folgende Kor- refpondenz aus London: Obwohl offiziell die alliierten Regierungen Deutschland keinen Vorschlag betreffend die Nachprüfung der Niederlegung der Festungen an der Ostgrenze gemacht haben und obwohl man auch offiziell noch immer bei dem deutschen Borschlag, der übrigens abgelehnt wurde, bleibt, diese Nachprüfung durch einen neutralen Offizier vor- nehmen zu lassen, schien man sich über einen Mittelweg ge- einigt zu haben, der anscheinend jedermann Genugtuung geben konnte. Infolge von Besprechungen zwischen Major Durand, Oberst Gösset, den übrigen alliierlen Offizieren und General von P a w e l s z hatte letzterer sich damit einverstanden erklärt, per- sönllch die ersteren aufzufordern, die Durchführung der verpslichtung durch Deutschland seslstellco zu lassen. Aber als General von Paweljz diese Formel Dr. Stresemann unterbreitete, lehnte dieser sie ab. Die deutschen Kreise behaupten, daß, wenn die alliierten Offiziere selbst sich an Ort und Stelle von dem Stand der angekündigten Zerstörungs- arbeiten überzeugen werden, die Nationali st«n ihre Kampagne gegen das deutsche Kabinett wieder aufnehmen werden, mit der Be» gründung, daß Deutschland sich damit einverstanden erklärt habe, aufs neue die interalliierte Miljtärkontrolle funktionieren zu lassen, obwohl sie aufgelöst sei. Soweit ist man, und man hat nur noch einen neuen Vorschlag Deutschlands zu erwarten. Sollte das nicht der Fall sein, dann wird keine andere Alternativ« übrig bleiben, so behauptet man jetzt hier, als die Angelegenheit vor den Völkerbund zu bringen. Man macht sich in London wie in Paris immer mehr klar, daß die Deutschen, wie das oft bei ihnen geschieht, zwei Arten von Politik haben, eine mit den Nationalisten und der Reichswehr an der Ostgrenze, eine andere an der Westgrenze mit dem Bertrag von Locarno, und daß sie bereits durch ihre Presse» stellen in London und durch ihre Propagandaorganisation beginnen zu versuchen, Konzessionen im Westen zu erhalten als Austausch für die Nichtausführung oder die unvollständige Ausführung ihrer Bcr- pflichtung im Osten. Dazu bemerkt WTB.: Die vorstehend wiedergegebene Meldung der„Agentur Havas", zvonach General von Pawelsz sich in Besprechungen mit den tech- fischen Sachoerstö ndmigen der hiesiegen Missionen diesen gegenüber damit einverstanden erklärt haben soll, die Sachverständigen zur per- sönlichen Besichtigung der zerstörten 84 Unterstände aufzufordern, ein Angebot, das aber vom Herrn Reichsaußenminsstcr Dr. strese- mann abgelehnt worden sei. entspricht iu keiner weise den Talsachen. Ganz abgesehen davon, daß die Frage, in welcher Weise die vereinbarten Zerstörungen der Unterstände verifiziert werden sollen, auf diplomatischen Wege zu erörtern fein wird, hat eine Be- lprechung in dieser Frage zwischen Herrn General von Paweljz, dem Sachverständigen der Reichsrcgierung und den technischen Experten der hiesiegen Missionen überhaupt nicht stattgefunden.. Zu den Ausführungen, mit denen sich die„Agentur Havas" auf das deutsche innerpvlitische Gebiet begibt, erübrigt sich jeder Kommentar. Der Federkrieg zwischen den Offiziösen von London— Paris und denen von Berlin ist also schon wieder lustig im Gange. Behauptung steht gegen Behauptung, Argument gegen Argument. Der deutsche General v. Pawelsz erscheint dabei in der sranzösisch-englischen Darstellung ver- n ü n f t i g e r als in der deutschen, denn der Vorschlag, daß er mit ein paar militärischen Sachverständigen der Berliner Botschaften die vorgenommenen Zerstörungen besichtigen wollte, war in der Tat der vernünftigste, der gemacht werden konnte. So wäre in aller Stille alles schmerzlos erledigt worden. Als die Reichsregieruna mit den Dcutschnationalen den e n t- scheidenden Schritt tat und die geforderten Zerstörungen vorzunehmen versprach, wurde ja auch in der Rechtsvresse kein Lärm darüber gemacht, man war froh, wenn darüber möglichst wenig geredet wurde. Im übrigen sagt auch WTB., daß die Frage, in welcher Weise die vereinbarten Zerstörungen der Unterstände v e r i» s i z i e r t werden sollen, auf diplomatischem Wege zu erörtern sein wird. Die Frage, wie man„verifizieren" kann, ohne zu „kontrollieren", ist ja ein gegebenes Thema für die Diplo. matie. Mag man sich darüber unterhalten, ohne aus dieser Mücke einen Elefanten zu machen. Polen und die deutschen- Ostfestungen. Paris, 3. Juni(Eigener Drahtbericht). Der französische Außen- minister hatte am Freitag eine länger« Unterredung mit dem polnischen Botschafter. In der Unterredung handelte es sich ausschließlich um die von der Botschafterkonserenz verlangte Zerstörung der deutschen Ostfestungen und deren Kontrolle durch interalliiert« Militärsachverständigc. �legppten gibt nach. Unter dem Drucke der britischen Schlachtschiffe. London. 3. Juni.(Eigener Drahtbmcht.) Die Antwort der ägyptischen Regierung auf die britisch« Rote ist am Freitag in Kairo dem britischen Oberkommissar Lord Lloyd überreicht worden. Sie ist trotz der Ablehnung, welche die britischen Forde- rungen in der Oesfentlichkeit gefunden haben, zusagend aus- gefallen und stellt«ine unter dem Drucke der nach Aegypten entsandten britischen Schlachtschiffe erfolgte Kapitu- latio« der ägyptischen Regierung und des völlig unter britischem Einfluß stehenden Schattenkönigs Fuad dar. Die Rot« ist, wie verlautet, in konziliante Worte gekleidet und nimmt die h a u p t s ä ch l i ch st e n britischen Forderungen ein- schließlich der britischen Forderung nach Ernennung eines englischen Generals zum Inspektor der ägyptischen Stveitträste an. In we- Niger wichtigen Punkten wird von der ägyptischen Regierung eine Aenderung der britischen Forderungen erbeten, da diese gegeignct seien, den Cljaraktor und die Zusammensetzung der ägyptischen Armee zu verändern. Der üeutschnationale Sparerbetrug. Ein Offener Brief an DreviranuS. Hugenberg und Genossen. Durch einen».offenen Brief", den die Ortsgruppe Biels- feld des deutschen Sparerbundes an ein« Reihe von deutschnationalen Abgeordneten Ihres Wahlkreises gerichtet hat, wird der gemeine Betrug noch einmal aufgerollt, mit dem die Deutschnationale Partei die Stimmen der Jnflations- geschädigten gefangen hat. Der Brief hat folgenden Wortlaut: Herr Abgeordneter Trevironus! Vor den letzten Reichstagswahlen haben Sie als Kandidat der Deutschnationalen Volkspartei des Wahlkreises Westfalen-Rord zur Aufwertungsfrage nachstehende Erklärung abgegeben und in der hiesigen Presse verössentlichen lassen: An die Wähler des Wahlkreises Weftfalen-Rord! Zur Frage der AnfwerUmg aller Markforderungen c r> klären wir zusammenfassend noch einmal: 1. Unseren Reichstagskantzidaten Dr. Best, den Ehrerkvor- sitzenden des Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverbpndes für das Deutsche Reich, der am 7. Dezember als deutschnationaler Rcichstagsabgeordneter in den Reichstag einzieht, werden wir bei der Vertretung seines Gesetzentwurfe« unterstützen. 2. In Fortsetzung der bisherigen Haltung der deutschnationalen Rcichstagsfroktion treten wir für eine individuelle Aufwertung nach Treu und Glauben ein. Bielefeld, den 2. Dezember 1924. Die Spitzenkandidaten der deutschnationalen Liste Nr. 2. gez. G. R. Trevironus. gez. Dr. H u g e n b e r g. gez. Graf Merveldt. gez. Krieger. Tausende und aber Tausende betrogene Sparer haben Ihnen daraufhin ihre Stimme bei der damaligen Reichstagswahl ge- geben in der festen Erwartung, daß ein ehemaliger Offizier auch zu seinem Wort stehen werde. x Das Zustandekommen der sogenannten„A u f"wertungsgesetze sowie die gegenwärtigen Verhandlungen im Rechtsausschuß des Reichstages über deren Abänderung haben bewiesen, daß Sie und Ihre Parteifreunde nicht nur in keiner Weise die berechtigten Jnter- essen der geschädigten Sparer vertrsten haben, sondern in krassem Widerspruck, zu Ihrem Wahlversprechen sonor den Befischen Gesetz- cnkwurf bekämpften, für die Annahme der schändlichen Auswertungs- gesetze stimmten und sämtliche gestellten Verbesserungs- antrage anderer Parteien sy st omatisch ablehnten. Die Erbitterung ist grenzenlos! Sie dürfen versichert sein, daß wir Entrechteten bei der nächsten Reichetagswahl nichts vergessen haben und Ihnen wie Ihrer Partei die gebührende Abfuhr er- teilen werden. Der Vor st and des' Sparerbundes, Ortsgruppe Bielefeld. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat, wie er- innerlich ist, erst dafür sorgen müssen, daß Dr. B e st über- Haupt Gelegenheit bekam, im Reichstagsausschuß seine Vorschläge zu oertreten.. Wäre es nach den Deutsch» nationalen gegangen, so wäre der eifrigste Verfechter einer gerechten Aufwertung im Parlament mundtot gemacht worden. Das ist echt deutschnotionale Treue. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die Kandidaten, für die Auf- wertung einzutreten.— Wenn sie gewählt sind, verhindern sie die Beratung der Forderungen ihrer Wähler. Mit den Stimmen dieser Wähler haben sich die Deutschnationalen ihre Stärke im Parlament erkauft. In der Regierung aber wirken sie gegen die eigenen Der- sprechungen. Dabei liegt System in diesem Spiel. Die Haltung der Deutschnationalen zu den Locarnoverträgen und zum Re- publikschußgesetz zeigt das in jeder einzelnen Phase der par- lamentarischen Bewertung. Roch heute sind sie beim Stim- menfonq für Revanchepolitik— in der Regierung aber unter- stützen sie Stresemanns Außenpolitik. Roch heute predigen sie als Agitatoren die Monarchie— und stimmen im Parla- ment für Fernhaltung„ihres" Kaisers. Nicht nur die Sparer, auch andere Kreise werden die Abrechnung herbeisehnen, die die deutschnationale Der- logenheit als politisches Prinzip erledigt. Gegen politische Tenüenzjuftiz. Der Preußische Richtcrvcrcin zum Mahraun-Prozeß. Der Preußische Richterverein teilt mit: Mit dem Urteil in dem Beleidigungsprozeß Mohraun(Jungdeutscher Orden) gegen von Sodenstern, von Wächter und van Jena(Nationalverband Deutscher Osfizierc), das in der Oesfentlichkeit erhebliches Aussehen erregt hat, glaubt sich der Preußische Richterverein beschäftigen zu müssen, wenngleich der erkennende Richter, der frühere Marine-Oberkriegs- gerichtsrat Treftz weder zu den ordentlichen Richtern zählt, vielmehr auf Grund des sog. Hilfrichtergesetzes nur zur zeit- weiligcn Wahrnehmung richterlicher Geschäfte herangezogen ist, noch als Mitglied dem Richtervcrein angehört. Die von dem Preußischen Richteroerein eingesetzte bekannte Kommission zur Nachprüfung richterlicher Eni- g l e i s u n g c ni(Vorsitzender: Geheimer Justizrat Landgericht»- direktor Opler in Berlin) hat sofort nach Bekanntwerden des Urteils die zur Aufklärung und Feststellung des Sachverhalts erforderlichen Schritte unternommen. Auch im weiteren Vorstand des Richter- Vereins, welcher nach Pfingsten in Königsberg i. Pr. zur Sitzung zusammentritt,'wird die Angelegenheit zur Erörterung gebrocht werden. Eine endgültige Stellungnahme des Preußischen Richter- Vereins wird freilich erst erfolgen können, nachdem dos schwebende Verfahren— von beiden Seiten ist gegen das Urteil Berufung ein- gelegt— zum Abschluß gebracht ist. Sollte das Urteil, wie es nach seiner mündlichen Begründung her Fall zu sein scheint, aus politischen, statt aus juristischen Gedankengängen hergeleitet sein, so ist das aufs schärf st e zu mißbilligen. Der Richter muß sich, was der Preußische Richterverein stets betont hat, auf dem Richterstuhl von politischen und sonstigen neben der Sache liegen- den Gedankengängen völlig frei machen, darf unter keinen Umständen weder die Entscheidung zum politischen Selbstzweck verwenden, noch seine eigene politische Einstellung als für die Entscheidung maß- geblich erachten, noch auch nur eine politische Meinung im Urteil zu erkennen geben. Gez. Landgcrichtsdirettor Dr. Pracht. Oetriebsratswahl bei öer Reichsbahn. Freigewerkfchaftlicher Bormarsch. Das endgültige Wahlergebnis der Betriebsräte- wählen bei der Reichsbahn liegt jetzt für den Hauptbetriebsrat und die Bezirksbetriebsräte vor. Das besondere Kennzeichen dieser Wahl war ein scharfer Wahlkampf/ ein« viel stärkere Wahlbeteili- g u n g als im Vorjahre. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 366190(345 780 im Vorjahre), die Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen 325 772(294 567). Davon haben erhalten der E i n h e i t s- verband 238 087(214 249), also 73,08 Pro;, aller abge- gebenen Stimmen: die christliche Gewerkschaft deutscher Eisenbahner(GdE.) 59 958(50 411) oder 18,41 Proz., der Hirsch- Dunckersche Allgemeine Eisenbahner-Verband(AEV.) 23 826 (23 857) oder 7,31 Proz. und der Jndustrieverband 3901(6050) oder 1,2 Prvz. Die Wahlbeteiligung bewegte sich in einzelnen Bezirken zwischen 85 und 97 Proz.: sie betruq im Reichs- durchschnitt rund 90 Proz Der Einheitsverband der Easenbahner hat gegen das Vorjahr rund 24 000 Stimmen gleich 11 Proz. ge- wonnen. Der AEV. und der als trauriger Rest der kam- munistischen Zersplitterungsarbeit übriggebliebene„Industrie- verband" hat sowohl absolut als auch prozentual Verluste zu verzeichnen. Beim Industrieoerband beträgt-der Rückgang 35,5 Proz. Im Hauptbetriebsrat, der bei der Hauptverwaltung in Berlin seinen Sitz hat, erhält der Einheitsverband 19 und die GdE. 5 Mandate. Der AEV. hat einen Sitz an die GdA. abgeben müssen und erhält deshalb nur ein Mandat. An diesem Wahl- ergebnis, das ein voller Ersalg des Einheilsverbandes ist, ist besonders interessant, daß die christliche Gewerkschaft ihre« Erfolg dem Industrieverband verdankt. Die Hälft« der Stimmen des Industrieverbandes hätte vollauf aenüat, um dem Einheitsver- band das vom AEV. verlorene Mandat zu verschaffen. So sst es der GdE. zugefallen. Das Wahlergebnis zu den Bszirksbe- triebsräten läßt den Sieg des Einheitsverbandes noch stärker hervortreten als das Ergebnis der Wahl zum Hauptbetriebsrat. Der Einheitsverband hat von 373 Sitzen, die in 30 Be- zirtsbetriebsräten zu vergeben waren, 291 Sitze erhalten und ge- winnt demnach 20 Sitze. Die GdE. erhält 66 Mandate, ihr Gewinn beträgt 7 Sitze, der AEB. erhält 15 Mandate und verliert 4 Sitze an den Eeinheitsverband, der Industrieoerband hat von seinen zwei Mandaten mir noch eins im Bezirk Berlin erhalten können. Der Gewinn des Einheitsverbandes in den Bezirksbetriebsräten oerteilt sich auf 17 Bezirke. Er hat im Bezirk Halle 3 und in den Bezirken Erfurt, Frankfurt a. M. und Stettin je 2 Bezirksmandate gewonnen. In weiteren 13 Bezirken beträgt sein Gewinn je ein Mandat, während die GdE. in den Bezirken Elberfeld, Erfurt, Halle, Karlsruhe, Königsberg, Oppeln, Ludwigshafen und Nürnberg je ein Mandat gewinnt und im Bezirk Oldenburg einen Sitz an den Ein- heitsverband verliert. Die Berlust« des AEB. verteilen sich auf die Bezirke Altona, Breslau. Kassel und Stettm. Die Feststellung des Ergebnisses der Wahlen zu den örtlichen Betriebsräten sst noch nicht abgeschlossen. Aus den vorstehenden Zahlen ergibt.sich, daß der Einheit?- verband seinen Siegeszug aus dem Vorjahre fortgesetzt hat. Er hat auch in diesem Jahre rund drei Viertel oller gültigen Stimmen auf sich vereinen können und marschiert damit weit an der Spitze aller Essenbahnerorganisationen. Die Gzgner hatten alle Anstrengungen gemacht, um dem Einheitsverband seine führende Stellung örtlich und bezirklich streitig zu machen. Es ist ihnen nicht gelungen Die christliche Gewerkschaft deutscher Eisenbahner verdankt ihren Stimmenzuwachs einer skrupellosen Agita- tion und der Unterstützung zahlreicher Verwaltungsstellen. Die Eisenbahner erkennen immer mehr, daß sie die Verbesserung ihrer Ar- beitsbedingungen und ihrer Lebenshaltung nur dem Einheitsverband zu verdanken haben. Es setzt sich auch bei den Arbeitern und Be- amten der Reichsbahn in steigendem Maße die Erkenntnis durch, daß sie sich genau wie das Unternehmertum ohne Rücksicht auf po- litssche und religiöse Anschauungen zur wirksamen Jnteressenver- tretung ei n h e i t l i ch zusammenschließen müssen. Das Betriebs- rätewahlergebnis muß für die Funktionäre ein neuer Ansporn sein, mit Energie und Ausdauer an dem Zusammenschluß aller Eisenbahner im Einheitsverband zu arbeiten und die noch Fernstehenden dem Einheitsverband zuzuführen. Jugendliche auf öem �trbeitsmarkt. Die Bedeutung der Berufsausbildung. Durch die Arbeitsnachweistagung in Dresden und die nach Pfingsten einsetzenden neuen entscheidenden Beratungen des Sozial- politischen Ausschusses des Reichstages über die Arbeitslosenver- sicherung rücken die Arbeitslosenprobleme wieder mehr in den Vorder- grund der politischen Erörterungen. Zu. diesen Problemen gehört auch die Stellung der gelernten und ungelernten Jugendlichen auf' dem Arbeitsmarkt— eine Frage, deren Be- deutung bei der außerordentlichen Gefährdung der Iugend durch die wirsschaftlichen, sozialen und sittlichen Schäden der Arbeitslosigkeit gar nicht überschätzt werden kann. Die Hoffnung aus die Wirkungen de, Geburtenausfalls, der in den kommenden Jahren«ine gewisse Entlastung des Arbeitsmarktes der Jugendlichen mit sich bringen wird, dürfen nicht dazu verleiten, die Fragen der Berufs- beratung, der Umschulung und der Bernfsaus- hildun g der Jugendlichen aus die leichte Schulter zu nehmen. Alle Statistiken zeigen, daß die gelernten Jugendlichen oo« der Arbeitslosigkeit viel weniger heimgesucht werden als die ungelernten. Interessant ist in diefer Hinsicht«ine Umfrage, die das Berliner Landesberufsamt veranstaltet hat. Danach waren von den männlichen Jugendlichen in gelernten Be- rufen 1,97 Proz. arbeitslos, von den ungelernten Arbeitern hingegen 28,6 Proz. Diese Zahlen sprechen für sich. Von den Mädchen aus gelernten Berufen waren 15,02 Proz. arbeitslos, während bei den ungelernten Berufen 38,3 Proz. der Mädchen arbeitslos waren. Eine Statistik des Berufsamts Köln führt zu ähnlichen Er- gebnissen. Bei dieser Statistik wurde neben der Arbeitslosigkeit auch der Berufswechsel und die Häufigkeit des Stellen- w e ch f« l s als Kriterium der Berusstüchtigkeit herangezogen. Dabei ergab sich, daß bei insgesamt 567 Knaben in gelernten Berufen 415 keinmal, 114 einmal, 28 mehrmals die Stelle und 83 den Beruf gewechselt haben. Bon nur 313 Knaben in ungelernter Arbeit hatten 81 keinmal, 81 einmal, 151 mehrmals die Stelle und 76 den Beruf oder besser die Beschäftigung gewechselt. Die Untersuchungen für die Mädchen haben ähnliche Ergebnisse gezeitigt. Freilich bestehen auch für die Gelernten oft große Schwierig- leiten, wenn sie nach der Lehre eine Stelle suchen: aber für den un- gelernten Arbeiter ist die Gefahr, arbeitslos zu werden, tausendmal größer. Zur Förderung der Berufsausbildung und zur Umschulung der arbeitslosen Jugendlichen sollten deshalb im Zusammenhang mit der Reform der Arbeitsnachwesse durchgreifende, wirkungsvolle Maßnahmen getroffen werden: denn der ungelernte Arbeiter belastet ja nicht nur in seiner Jugendzeit, sondern, wie die Statistik zeigt, auch späterhin außerordentlich die Erwerbslosensür- sorge. Rechtzeitige Hilfe für die jugendlichen Erwerbslosen sst vor- beugende Sozialpolitik. Vorbeugende Sozialpolitik sst billige Sozialpolitik. Internationale /lrbeitskonferenz. Um das Mandat Rossonis. Gens, 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitskonferenz hat heute nach Erledigung der anderen beanstandeten Mandate ge- mäh Antrag der Geschäftsprüsungskommission und mit einer kurzen Erklärung des Präsidenten der Arbeitergruppe zum fünften Male eine ausgedehnte Debatte über den faschsstischen Arbeiterdelegierten geführt. Sie wurde mit einer kurzen mündlichen ErNärung vom Genossen Mertens namens der Arbeitergruppe eingeleitet, wobei der italienische Regierungsvertreter d e M i ch e l e s und sodann Ge- nosse I o u h a u x und der italienische faschistische Arbciterdelegiertc R o s s o n i sprachen. Der italienische Regierungsvertreter protestierte u. a. gegen ein- zelne scharfe Ausdrücke in dem Memorandum des Internationalen Gewerkschaftsbundes über den Faschismus, wogegen Genosse Iouhaux die Rede des italienischen Unterstoatssetretärs Grandi in der ita- liemfchen Kammer mit den bekannten beleidigenden Angriffen gegen das Internationale Arbeitsamt und seinen Direktor zitierte. Ge- nosse Iouhaux berief sich zur Definierung der gewerkschaftlichen Freiheit auf die Erklärung eines französischen Ministers vor vierzig Iahren und erklärte, daß die Arbeitergruppe nie mit dem Faj'chis- mus zusammenarbeiten könne und die Regierungen und Arbeit-| gebervertreter ihre Illusionen über den Faschismus eines Tages noch schwer bereuen werden. Aus den Ausführungen der beiden Italiener sst hervorzuheben, daß der Regierungsvertreter betonte, Italien werde solange als möglich em Internationalen Arbeitsamt verbleiben, aber bekämpfen, daß die internationale Arbeitsorganisation ein« Monopolanstalt einer Partei werde. R o s s o n i ging noch weiter und sagte. Italien werde nie aus dem Internationalen Arbeitsamt und dem Völkerbund, den es als einzige Internationale anerkenne, austreten, aber die ewige Bekämpfung des Faschismus im Jnter- nationalen Arbeitsamt einmal, wenn es sein müsse, vor die Bölker- bundsversammlung bringen. Außerdem sprach noch der englische Vertreter P o u g h t o n, der ebenfalls den Nachweis leistete, daß eine Reihe von Bestim- mungen der italienischen Arbeitsgesetzgebung mit der Internatio- nalen Arbeitssatzung im Widerspruch stehen. Poughton schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das italienische Volk seiner großen Vergangenheit würdig, die Mittel und Wege finden wird, um seine Gesetze mit der internationalen Arbeitssatzung in lieber- einstimmung zu bringen._ Tagung üer Lanüesarbeitsämter. Für bessere Organisation der Arbeitsnachweise. Dresden, 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Auf der Deutschen Arbeitsnachweis-Tagung hielt am zweiten Verhandlungstag Universitätsprofessor K e t t l e r- Leipzig einen Bortrag über„Die Arbeitsvermittlung im Dienste der Wirtschaft." Den öffentlichen Arbeitsnachweisen werde vorgeworfen, sie hätten oersagt. Allerdings hätten sie mit 5 bis 6 Millionen Bermittlungen im Ähre höchstens die Hälfte aller offenen Stellen besetzt, was durch Fehler der Organisation und Mängel der Arbeitsmarktpolitik zu erklären sei. Der Arbeitsnachweis sei keine Behörde, sondern eine Marktein- richtung, deren Benutzung für jedermann selbswerständlich sein sollte. Bei der Arbeitsvermittlung handele es sich um lebende Menschen, und deshalb müßte der Arbeitsmarkt besser organisiert sein als jeder andere Markt und die Wirtschaftlichkeit in allem ensscheiden. Wenige gute Arbeitsnachweise seien wirsschaftlicher als viele schlechte. Die Konzentration der Arbeitsnachweisstellen er- scheine heute unvermeidlich. Die Höhe der Vermittlungszahl beweise nichts für die Güte der Vermittlungsleistung, niedrige Erwerbslosen- Ziffern, nicht hohe Vermittlungszahlen müßten das Ziel sein. Alle organisierte Arbeitsvermittlung sei ein Kampf gegen wirtschaftliche Verschwendung. Ost entstehe überflüssige Erwerbslosigkeit, wenn ungeeignete Kräfte auf ungeeignete Plätze kämen. Der Redner ist aber trotzdem nicht dafür, daß Benutzung»zwang für die öffentlichen Arbeitsnachweise eingeführt werde. Rur durch seine Leistung könnte sich der öffentliche Nachweis der Wirsscheft empfehlen. Zur Arbeitsmarktpolitik über das ganze Reichsgebier gehöre vor allen Dingen eine Organisation des zwischenörtlichen Aus- g l e i ch s, der Abbau unqualifizierter ausländischer Arbeiter, Aus- füllung von Lücken in der deusschen Landbevölkerung aus städtischem Nachwuchs, Schulung und Mehrung der deusschen Qualitätsarbeit, Schaffung eines weit in die Zukunft reichenden Reichsprogramms öffentlicher Arbeitsaufgaben für Depressionszeiten, schließlich Mit- arbeit an der Konjunkturforschung und an der Konjunkturpolitik, planmäßiger Kamps gegen die Geißel der Konjunkturwelle, die die kapitalistische Wirtschast so angreifbar und verhaßt macht. Erst nach Ueberwindung des Konjunkturfiebers und der Konjunkturarbeits- losigkeit würde der Mensch wirklich über der Wirtschast stehen. Anschließend sprach Direktor Dr. Nerschmann- Dresden über das Thema:„Aus der täglichen Praxis des Arbeits- nachweise« im Dien st e der Wirtschaft." Beträchtliche Summen würden der Wirtschaft erspart, wenn der Arbeitsnachweis das gesamte Angebot an Arbeitskräften erfaßte. Den Arbeitsnachweis leite bei der Auswohl der Arbeitskräfte in erster Linie die Eignung des Bewerbers für die zu be- setzende Stelle. Um zu einem zutreffenden Urteil über die Leistungs- fähigkeit deq Bewerbers zu gelangen, überzeuge sich der Arbeits- Nachweis im Bedarfsfalle selbst von deren Leistungsfähigkeit, unter Umständen durch ärztliche Untersuchung oder durch besondere Prü- jung. Die Organisation des Arbeitsnachweises müsse einem kaufmännisch geleiteten Betriebe gleichen. Jeder Auf- trag müsse sofort nach Eingang schnell und exakt ausgeführt werden. Der Redner wies schließlich noch auf die Wichtigkeit einer ent- sprechenden Werbetätigkeit für den Arbeitsnachweis hin und betonte die Notwendigkeit der Unparteilichkeit der Arbeits- nachweise. In der Diskussion sprach der Bertretce des ADGB., S p l i e d t. | Wenn einzelne Teile des Reiches wie bisher zahlreiche U n t e r- 1 nehmerkreife(Schwerindustrie usw.) gegenüber den öffentlichen Arbeitsnachweisen A b st i n« n z üben, dann würden die Gewerk- schaften darauf dringen müssen, daß ein gesetzlicher Zwang zur Benutzung der Arbeitsnachweise eingeführt werde. Erhebungen in üen Hüttenwerken. Die Durchführung des Achtstundentages. Die Untersuchungen des Reichswirsschaftsrates für die Fertigstellung eines vom Reichsarbeitsministerium geforderten Gut- achtens über die Arbeitszeit in den Hütten- und Walz- werkbetrieben sind, wie wir erfahren, bereits im Gange. Zurzeit werden verschiedene große Walz- und Hüttenwerke in Rheinland und Westfalen besichtigt. Die Lage im englischen Sergbau. Steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. London. 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die in London tagende Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter widmete die Freitagssitzung ausschließlich derkritischenLageimbritischenKohlen- berg bau, sowohl was die Lage der Arbeiter selbst als auch die- jenige der Industrie anlangt. Aus den zahlreichen von den Ver- tretern der meisten Bcrgbaubezirke«ingereichten Situationsberichten geht hervor, daß die Bergarbeiter in weitem Maße Opfer von Maßregelungen geworden sind, die Arbeitslosigkeit wieder im Steigen begriffen sst und in einzelnen Bezirken Kurz- arbeit durch Herabsetzung der Arb eitswoche aus zwei bis drei Tage Platz gegriffen hat, sowie in sämtlichen Distrikten mit Aus- nähme nur einiger unbedeutender Bergbaubezirke lediglich der fest- gesetzte Mindestlohn zur Auszahlung kommt. Die Delegierten aus allen Bezirken meldeten eine von Tag zu Tag sich steigernd« Ver- schlechterung der Verhältnisse. Wie oerlautet, planen verschiedene Bezirke angesichts der Notlage der Bergarbeiter schon in nächster Zeit einen Lorstoß wegen Lohnerhöhung zu unter- nehmen._ Die Seratung ües firbeitsschutzgefehes. Reichstagsbcratung voraussichtlich im Herbst. Der Arbeitsschutzgesetzentwurf wird, wie wir erfahren, bereits in der nächsten Zeit im Reichsrat zur Beratung kommen. Der Reichs- wirtschastsrat, der für die Durchberatung des Entwurfs einen be- sonderen Arbeitsausschuß eingesetzt hat, steht augenblicklich noch bei dem Kapitel Arbeitszeit, das erst bis zum Herbst erledigt sein wird. Da aber vom Reichswirtschaftsrat schon ein Teil seiner gutachtlichen Borarbeiten erledigt ist, kann der Reichsrat bereits mit feinen Beratungen beginnen. Ein hollänöisthes Tarifgesetz. Amsterdam. 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In Holland be- faßte sich dieser Tage die zweite Kammer mit der Beratung des Tarifvertragsgesetzentwurfs. Er umschreibt privat- rechtlich die Boraussetzungen für das Zustandekommen eines Tarif- Vertrages, sieht aber entgegen den Forderungen der Sozialdemo- kratie und der freien Gewerkschaften von der öffentlich- rechtlichen Regelung noch ab. Der Vorsitzende des Niederländischen Gewerkschastsbundes, S te n h ui s, verlangte, daß die an dem Tarifvertrag beteiligten Parteien zu einer A e n d e- rung feinet Bestimmungen in der Lage sein müssen, wenn während seiner Geltungsdauer unvorhergesehene wirtschaftliche Umstände ein- treten. Dem Antrag, daß die Berechtigung einer Gewerkschaft zum Abschluß eines Tarifvertrages an eine bestimmte Mitgliederzahl ge- Kunden sein soll, könne sich die Sozialdemokratie nicht anschließen. Lohnkonflikt im ostoberjchlesisihen öergbau. Kailowih, 3. Iuni.(Eigener Drahtbericht.) In dem Lohn- konflikt, der seit einiger Zeit in den polnisch-oberschlesi- schen B e r g w e r k e n besteht, sst insolge der herausfordernden Haltung der Industriellen, die der von den Arbeitern ausgestellten Forderung einer Lohnerhöhung von 25 Proz. ihrerseits eine Lohn- Herabsetzung um 6 Proz. entgegenstellten, eine erhebliche Ver- s ch ä r f u n g eingetreten. Falls das Schiedsgericht kein annehm- bares Resultat erzielt, ist mit einer bedrohlichen Zuspitzung der Lage zu rechnen._ Ein neuer Schlichter für Oberschlesicn. Berlin. 3. Juni.(WTB.) Mit Wirkung vom 1. Iuni 1927 sind die Geschäfte des Schlichters und des deutschen Bevollmächtigten für Arbeitsfragen in Oberschlesixn vom Oberregierungsrat und Gewerberat Dr. Brandes aus den Regierungsrat a. D. Dr. B r a h n übergegangen._ Der verband der Maler und Lackierer Deutschlands hält in der Zeit vom 13. bis 17. Juni d. I. in Nürnberg seine 20. General- Versammlung ab. Die fünfte internationale Konferenz des Internationalen Sekretariats der Maler und verwandter Berufe findet am 20. Iuni in Wien statt. Achtung, versicherte der Berliner Betriebskrankenkasien! Diejenigen Versichertenvertreter, die an der Dresdener Tagung des BKK.-Hauptoerbandes vom 13. Juni bis 16. Juni teilnehmen, wer- den darauf aufmerksam gemacht, daß eine gemeinsame Ab- fahrt am Sonntag, dem 12. Juni, vom Anhalter Bahnhof aus erfolgt. Treffpunkt am Bahnhof spätestens 11 Uhr mittags. Uni eine Ermäßigunc, zu erreichen, misssen die Teilnehmer bis zum 8. Iuni ihr« Adresse an Fritz Ball, Neukölln, Hertzbergstr. 21, einsenden. Die Zentralkommission. Aufgehobene Sperre. Vom Zentralverband der Hotel-, Nestau- rant- und Caseangestellten wird uns mitgeteilt, daß die Sperre des Lokals„Großes Eierhaus", Treptow, und Resiauram Schonert, Stralau, Kynaststr. 19, Inh. Rchncll, aufgehoben sst. Das Personal ist organisiert. Baogewcrlibund.«cht»»», Ruhm! Di« turnusmäßige Versammlung, die jeden Montag nach dem Ersten stattfindet, fällt für den Monat Iuni aus. Baugewertsbund, Fachgruppe der Rohrer. gentraloerbaud de« Maschinisten»nd Heizer sowie Bernsogenoffen Deutsch. land», Wirtschastsbezirk Brandenburg. Aus Anlaß de» Psingstfestes bleibt das Bureau am Dienstag, 7. Iuni, für den Sffcntlichen Bertehr geschlossen. Da, Ortsbnreau de» Zcntralocrbandes der Angestellten. Belle-Alliance- Straß» 7— 10, ist ad Sonnabend 1Z Uhr bis einschließlich Dienstag, 7. Iuni, geschlossen. Freie Sewertschaftsjngend. Heute. Sonnabend, Treffen zu den Pfingst. fahrten: Osttrei«: 17� Uhr Hochohf. Gärlitzer Bhf.; Schäneweide: Sänigsplaß 17Vt Uhr? Weißen fee: Stett. Bhf.(Normaluhr) WA Uhr; Südwesten: Steti. Bhf. lS's. Uhr: Tempelhol: Schief. Bhf., Eingang»appenstraße. 17� Uhr; Mo-blt.««l»»dhr»»»iu: Stett. Bhf. 19-4 Uhr. Bcrantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft:». stliageldäfer: Dewertschaftsbeweguug: I. Steiner: Fcuill-to»: S. K. Töfcher: Lokales und Sonstiges: Frig starftädt: Anzeige»: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Berlag: Borwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Lerlagsanftalt Paul Einger u Ca., Berlin SM 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilage» und..Uuterbaltuua nnd Wissen». Bodsnsss. Reizende Inselstadt in unvergleichlich schöner Lage/ Herrl. Erholungsaufenthalt. Sehr bequeme und lohnende Ausflüge mit Dampfschiff./ Aussichtswagen. Flugzeug und der neuen Pfänderhahn/ See* und Bergsport/ Neuzeitliche Badeanstalten und Strandbäder. Prosp. d. d. Städt. Verkehrsbüro. Tel. 614. Nr. 26T ♦ 44. Jahrgang 1. Beilage öes vorwärts Sonnabenö, 4. Juni 1927 Noch iniiuer zerbrechen sich Aehntaufende, die nicht über erheb- liche Geldmittel oerfügen, den Kopf, wie sie endlich eine eigene Wohnung erhalten können. Um so mehr ist es Selbstpslicht derer, die ein Eigenheim haben oder es nach jahrelangem Warten er- hallen, sich diesen heut« so kostbaren Besitz nicht zu oerscherzen. Die für dieses unangenehme Kapitel zutreffenden Verhöllnisse unge- schminkt zu beleuchten und vor unüberlegten Handlungen dringend zu warnen, liegt durchaus im Interesse der Mieterschaft. Nicht immer ist der Hauswirt der intellektuelle Urheber der Räumungsklage. In den meisten Fällen, in denen es sich nicht um Miet- schulden handelt, wird er zur Klage erst angetrieben von Mietern, die sich über andere Mieter beschweren. Sind die Beschwerden be- rechtigt und sorgt der Hauswirt nicht für Abhilfe, so ist er für etü. stehenden Schaden haftpflichtig. Auch da liegt also der Knüppel beim Hund. „Erhebliche öelästigung. Was mit diesem Ausdruck das Mieterschutzgesetz zusammenfaßt, ist in der Praxis außerordentlich verschieden. Es deckt sich zwar vielfach mit groben Verstößen gegen die Klippen der in jedem Miet- vertrage verankerten Hausordnung, doch werden in der Spruch- Praxis der ordentlichen Gerichte auch zahlreiche andere verschuldete Handlungen vorsätzlicher oder sortgesetzt fahrlässiger, jedenfalls die einfachsten Ordnungsgrundsätze und den Hausfrieden empfindlich ftöi ender Art als�„Belästigung" im Sinne des Gesetzes ausgefaßt. Nicht jede unzweifelhafte Belästigung ist als erheblich zu werten. Was erheblich ist, bleibt bem Ergebnis der Beweisaufnahme und dem Ermessen des Gerichts vorbehalten, wobei es in den einzelnen Instanzen, beim Mietschösfengericht und Landgericht, zu v e r s ch i e- denen Urteilen kommen kann. Ereignen sich doch im bunten Wirrwarr unserer nervösen Zeit genug Streitfälle, an deren Sonder- ort im einzelnen der Gesetzgeber gar nicht gedacht hat und nicht denken konnte, so daß e» nicht leicht war, die Materie mit einem einigeimaßen zutreffenden kurzen Wortbegriff zu umreißen. Zweifellos ergeben sich aus der allbekannten Tatsache, daß„der Beste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt", zahlreiche Zustände, die nur mit dem Lustwechsel der schuldigen Partei beseitigt werden können. Wenn deshalb der Gesetzgeber durch die Abänderung des Mieter- schutzgesetzes vom Iuni 1926 die verschärfende Bestimmung getroffen hat. daß bei Räumungsurteilen wegen erheblicher Belästigung die Zubilligung eines Ersatzraumes, der meist gar nicht aufzutreiben war, ausgeschlossen ist. so bedeutet das eine Warnung für Streck- häbn«, Querulanten, Lästermäuler, überhaupt Feinde der Ordnung, und gleichzeitig den ernsten Hinweis auf die hohe Verantwortlichkeit der für Räumungsklagen zuständigen Gerichte. In vielen Fällen stimmen sogar die Mieterbeisitzer, die bei dem Uebergewicht des "Richters als Vorsitzenden und des Vermieterbeisitzers eine besondere schwierige Stellung haben, für die Aufhebung des Mietverhältnisses, wenn sie sehen, daß irgendeine Mietpartei trotz aller Ermahnungen nicht zu vernünftigem Betragen zu bewegen war. Genau wie im Strafprozeß kann noch im letzten Augenblick das Einlenken der Beklagten und das Versprechen der Unterlassung, den Gang der Verhandlung bestimmend beeinflussen und durch Ver- gleich da» Räumungeurtetl abwenden. Statt dessen ivird das denkbar Verkehrteste getan und von der beklagten Miet- parte! mit Starrsinn, Grobheit oder gar Beleidigungen der un- günstiaste Eindruck erweckt. Man soll sich deshalb auch schon in Schriftsätzen an das Gericht vor unwahren Behauptungen und unvorsichtigen Ausdrücken hüten. Iußangeln. Sie sind fester Bestandteil jeden Mietvertrages in Gestalt der sogenannten Hausordnung. Es war schon immer so, daß nicht wenige Mieter zum Aerger anderer Mieter stch über diese Hausordnung unbekümmert hinwegsetzten. Das ist ein Ulangsl an Gemeinsinn. Das rücksichtslose Streben nach eigenen Vorteilen und Bequemlichkeiten, auch wenn ander« Mieter darunter litten, über. wog alle Bedenken. In den letzten Iahren haben die übten Ge-- wohnheiten dieser Art noch zugenommen, weil auch viele Hau s- wirte ihre Pflichten nicht erfüllten und alles drunter und drüber gehen ließen. Wo aber heute im allgemeinen wieder Ordnu ng herrscht, wird es begreiflich, wenn Mieter in ernsten Belästigun gs- fällen zum Hauskadi laufen. Auch jede Hausgemeinschajt ist eine Organisation im kleinen, und ohne Ordnung, ohne Disziplin, ist keine gut« Organisation denkbar. Natürlich sollen sich Mieter wie auch Vermieter nicht am Buchstaben des Vertrages festbeißen. /Nur andauernde Störungen und Schäden machen das Verlangen irach Abhilfe berechtigt. Da ist zunächst die unausrottbare Lännsinht in der verschiedensten Forin. Wieviele bittere Feindschaften, wieviel« qualvolle Stunden hat es nur deshalb schon gegeben! Die sttacht ist zum Schlafen, nicht zum Rodaumachen da, und auch am Tage soll die Wohnung nicht zum Pferdestall werden. Dahin gehört ferner gewohnheitsmäßiger Zank mit häuslichen Schlägerei sn und das so oft sogar zu Bluttaten ausartende Toben der Trunkfr.chtigen. Man könnte nur wirklich wünschen, daß solche urangenehmeu Haus- bewohner sich zu besonderen Hausaemeinschasten zusammcgifinden. Sie könnten dann sehen, wie sie unter sich fertig werden. Regel- mäßige große Wäsche In der Wohnung schädigt zweifellos di�sWohn- räume. Die Gerichte pflegen gerade in dieser Hinsicht sei/r streng zu urteilen. Der Einwand, die Waschküche sei nicht in Ordnung, ist auf die Dauer keine Entschuldigung. Es gibt Rechtsmittel, die Gebrauchssähigkeit der Waschküche zu erzwingen. Durch � das auch polizeilich verbotene Betreten der Böden und Keller mitl offenem Licht werden die meisten Dachstuhl- und Kellerbrände verursacht. Wer alle Ermahnungen in den Wind schlägt und dadurch andere Mieter in schwere Gefahr bringt, kann des Verlustes scnner Woh- mmg sicher sein. Umherskehen aus den Treppen mit dem üblichen Hausklatsch ist gewiß eine Unsitte. Welches Großstadthans ist aber davon befreit? Jedenfalls kein Miethaus. Man kann'»och schließ- j lich nicht alles mögliche verbieten. Ein übernervöser, nasencmpfind-! licher Mieter riß auch bei strenger Kälte die Lüftungsfenster in I allen Stockwerken auf, weil er keine Unterhaltung von Tür zur Tür. die nach seiner Meinung„p e st i l e n z a rt i g e Gerüche" aus den geöffneten Türen dringen lasse, dulden wollte. Daraus entwickelte sich eine Feindschaft mit einer ganzen Reihe andrerer Haus- bewobner. Zuletzt entwendete der allzu eigenwillige Meter heim- lich still und leise einen Fensterflügel, der erst von der Kriminal- polizei aus seiner Wohnung herausgeholt werden muhte. Wie die infoge solchen verkehrten Verhaltens eingeleitete Räumungsklage enden wird, läßt stch voraussehen. Das Mietschöffengericht nwß die Aufhebung des Mietverhält- nisses aussprechen, wenn eine Mietschuld, die den Betrag einer Monatsmiete übersteiql, nicht binnen zwei Wochen nach Eingang der klage beim Gericht gezahlt ist. und wenn ein Vergleich, etwa auf der Grundlage von Ratenzahlungen, nicht erzielt wird. Als- dann üa n n eine angemessene Räumungsfrfft und der Anspruch auf einen Ersatzraum zugebilligt werden, was in der Regel ge- schieht. Auch in diese Fälle spielt der gefährliche Velästigungs- Paragraph hinein. Nach der heute üblichen Spruchpraxis werden dauernd verspätete Zahlungen oder langfristige Rück- stände, besonders wenn aus der ganzen Sachlage ein Verschulden des Mieters durch schlechte Wirffchastsfiihning oder gar Vöswillie- keit zu erkennen ist, selbst von den Landgerichten in der Verufungs- Instanz als erhebliche Belästigung angesprochen, so daß dann die Urteils Milderung durch Zubilligung eines Ersatzraumes verloren geht. Falsch sst die noch in weiten Mieterkretsen verbreitete Meinung, daß vom zuständigen Wohnungsamt unter allen Umständen, also auch bei den Exmissionen, eine andere Wohnung zugewiesen werden müsse. Vielmehr ist das Wohnunxsantt bei Mietschulden nur oerpflichtet, nach erfolgter Exmission ein Nownterkommen möglichst nach- zuwessen. * Schon viele Mieter haben nach verlorener Schlacht gesagt oder gedacht:„Hätten wir doch nicht...!" Der berechtigte Kampf gegen die Auswüchse des Hausbesttzertums kann nur gewinnen, wenn immer weniger Mieter den Anlaß zu hartem Vorgehen gegen sie geben, und wenn vor allen Dingen die unschöne, unsolidarische gegenseitige Gehässigkeit von Mietern, die unter gleichem Dache wohnen, möglichst ausgemerzt wird. Gegen versthlechterung öes Meterschutzes. Tagung der Beisitzer der Mietsgerichte. Auf der gestern in Berlin stattgefundenen Tagung der Beisitzer der Mietsgerichte und Mietseinigungs- ä m t e r referierte Amtsgerichtsrat Dr. Schubert über„Die Mieterschutzgesetzc und die Laienrichter". Er wies darauf hin, daß unter den vorjährigen Lockerungen des Mieterschutzes die Anzahl der Exmissionsklogen, und zwar ohne Gewährung von Ersatzraum, in erschreckendem Umfange zugenommen habe. Auch die in der letzten Aenderung des Mieterschutzgesetzes fortgefallene Möglichkeit, die Ge- nehmigung zur Untervermietung im Weigerungsfalle durch das MEA. zu ersetzen, habe in der Praxis zu großen Härten geführt. Trotz des Vorliegens offenbarer Unbilligkeiten seien die Gerichte bei der augenblicklichen Rechtslag« jedoch vielfach nicht imstande, die sozialen Gedanken des Mieterschuhe» zu verwirklichen. In der Aussprache wurde u. a. betont, daß das Anschwellen der Räumungsklagen eine bedrohliche Erscheinung sei, an welcher Reichs- regierung und Landesregierungen nicht achklös vorübergehen können. In einer an die Regierungen und Parlamente gerichteten Ent- schließung wird gegen den im Reichstag eingereichten Antrag auf Abbau der Mieteinigungsämter und des gesamten Mieterschutzes sclstirffter Protest erhoben. Das Reichsmietengesetz, das Wohnungsmangelgesetz und das Mieterschutzgesetz hätten sich als für die Allgemeinheit unentbehrlich erwiesen, weshalb in Anbetracht der immer noch anhaltenden Wohnungsnot und der schlechten Wirtschaftslage der Arbeiter, Angestellten und Be- amten der weitere Ausbau des Mieterschuhes zu fordern fei. Insbesondere wird der weitere Ausbau der Mietsger- richte, Einrichtung von Landesmietsgerichten und eines Die Brücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 18s von B. Trauen. Copyright J927, by ß. Traven, Tamaulipas(Mexiko). Der Menschen bemächtigt sich eine ganz ungeheuerliche Erregung. Man hört ihr schweres Atmen. Den meisten bricht dicker Schweiß aus. Das lastende Schweigen wird von einem gelegentlichen. Flüstern unterbrochen, so schüchtern, als habe man Angst vor der eigenen Stimme. Das Brett fängt nun an, ohne sich auch nur einen Finger breit von derStelle fortzubewegen, zu tänzeln und zu schaukeln und dreht sich dabei langsam im Kreise. Es macht den Ein- druck, als wolle es nach unten gehen, auf den Grund des Flusses und als sei auf der Unterseite des Brettes ein Haken, an dem es nach unten gezerrt würde. Der Alt« beobachtet das Brett sehr scharf und ausdauernd. Endlich sagt er:.„Da könnt ihr jetzt tauchen. Da liegt der Kleine." Eine Stelle, an der ihn niemand gesucht, niemand oer» mutet hätte. Denn wie kamt er, der über den Rand der Brücke gestolpert ist, mitten unter der Brücke liegen? Perez ist schon im Waffer und sofort folgen ihm zwei andere Männer. Perez ist der erste an der Stelle. Er schiebt das Licht beiseite und taucht unter. Nach wenigen Sekunden kommt er wieder hoch und schreit:„Der Junge sst da. Ich habe ihn gefühlt." Die Leute auf der Brücke sind alle aufgestanden und sehen auf Perez, der von dem flackernden Licht trübe beleuchtet, ein unheimlich entsetztes Gesicht zeigt. Die Garza hat den Mund weit aufgerissen, kann aber nickst schreien. Sie ballt eine Faust und steckt sie in den Mund. In ihren Augen jagt Grauen, Angst vor der letzten brutalen Wahrheit und ein schwacher Glimmer von Zweifel und Hoff« nung. Nicht wissend, wohin ihren Blick auf den Weg nach Mariscatzin, wo der letzt« Funke der Hoffnung ruhen bleibt. Kein Wort fällt, man hört nur dos leichte Scharren von Füßen auf der Brücke. Perez ist wieder getaucht und mit ihm einer der Männer. Sie kommen hoch mit den Händen voll faulen Aesten und Gestrüpp. Dann tauchen sie aufs neue. Es blubbert, abgerissene Pflanzen und kleines Gesträuch quirlen hoch. Triefend taucht einer der Männer auf und drei oder vier Sekunden später erscheint auf der Wasserfläche etwas Schwarzes, das langsam hochkommt, bis man erkennt, es ist der dichte Haarschopf des Perez. Sein Kopf ist nun ganz über Wasser. Er schüttelt sich, prustet, atmet und schluckt und kommt nun weiter nach oben. In seinen Armen hat er den kleinen Carlo, dessen Deinchen, mit den neuen Stiefelchen an den Füßen, in einen unnatürlich spitzen Winkel eingekrümmt sind. „Chicito mio!" schreit die Garza und rennt zum User, wo sie Perez erwartet. Perez kommt herangewatet und steigt die niedrige User- böschung empor. Niemand sieht, daß er nackt vor der jungen Mutter steht, die in ihrem grünen flimsigen Tanzkleide und mit den glutroten Blumen im Haar ihn mit weit aus- gestreckten Armen empfängt. Mit unsagbar trauriger Geste, wie sie nur Tiere und nur Menschen des Urwaldes und Dschungels ausdrücken können legt er den kleinen Leichnam m die ausgestreckten Arme der Mutter. Er tut es mit solcher Zartheit, als wäre der Körper hauchdünnes Glas. In diesem Augenblick schreien die Pumpmeisterin und eine Anzahl anderer Frauen schrill auf und der Schrei geht in das klagende Trauerschreien über, das eine Weile andauert und dann abebbt. Die Garza hat den Kleinen gegen ihre Brust gepreßt. Mit der einen freien Hand quetscht sie seine feuchten und ge- schrumpelten Händchen. Perez schleicht sich scheu hinweg, als habe er das ganze Herzeleid verursacht. 13. Ein älterer Indianer kommt herbei, redet auf die Mutter ein und nimmt ihr das Kind ab. Er hält den kleinen Körper an den Füßen hoch und aus dem Munde stießt nichts als Blut tmd nur ganz wenig Wasser. An der Stirn wird jetzt eine dicke Beule sichtbar. Rase und Mund sind verquollen urid> der Obertiefer ist aufgeschlagen. Ich taste den nach unten hängenden Schädel ab und fühle ein kleines Loch. Eine Laterne ist jetzt zur Hand und ich sehe, daß dieses Loch von einem Nagel herrührt. Ein anderer Mann preßt nun den Leib des Knaben, aber auch jetzt fließt nur wenig Wasser aus dem Munde, während immer noch Blut sickert. Der Garza laufen die Tränen dick aus den Augen und sie schnauft ruckweise und schwer mit der Nase, die sie einige Male mit dem Kleide abputzt. Sie oersucht die Beinchen cm den Knien durchzudrücken, damit die Beinchen, die so spitz- winklig in den Kniegelenken eingekrümmt sind, daß die Hacken beinahe die Oberschenkel berühren, gerade werden mögen. Trotz ihres Schmerzes denkt sie doch schon än die„schöne Leiche", die das Kind sein soll, das Letzte, was sie für ihren Kleinen ttin kann. Und mit den spitzen Veinchen dürste die Leiche wohl nie schön aussehen. Aber die Knie sind schon ganz starr und es gelingt ihr nicht. Endlich versucht der Mann, der bisher den Leib auspreßte, die Knie durchzubiegen und nach langem geduldigen Kneten, Drücken und Ziehen gelingt es ihm auch Und während der Mann an den Knien massiert, streichelt die Mutter die kleinen Stiefelchen, deren fabrikneuer Lackglanz an vielen Stellen der langen Einwirkung des Wassers widerstanden hat. Sie drückt und preßt die Stiefelchen, und während sie, zweifellos, dumpf die geheimnisvollen Wege des Schicksals empfindet, daß die aus inniger Bruderliebe dargebotene Gabe gleichzeitig die mittelbare Ursache des be- schenkten Kindes wurde, beginnt das hineingewürgte Weinen sie zu ersticken und nun, zum ersten Male, seit der' Kleine vor ihren Augen ist, stößt sie einen markerschütternden Schrei aus, der die ttefe Rächt des Dschungels aufzureißen scheint. Die wenigen Sekunden Schweigen, die diesem Weheschxei folgen, wirken zu beklemmend, als versänke die Welt. Und abermals stößt die Garza einen Schrei aus. Diesmal ist er jedoch nicht so grell, jedoch mehr gezogen und klagend. Die Männer, die herumstehen, fühlen sich gedrückt und scheu. Sie schlagen die Augen nieder, tasten an ihrem Gesicht oder an ihren Kleidern verlegen hin und her. Angesichts des Schmerzes der Garza schrumpfen sie in sich zusammen und werden ganz klein und ärmlich. Sie ahnen den Schmerz der Mutter, denn sie alle haben eine Mutter gehabt, die wie a1> Mütter nicht europäischer Völker ihre Kinder mit einer uns tterisch anmutenden Zärtlichkeit lieben und behandeln. Sie ahnen das Weh der Mutter, aber weil sie Männer sind, können sie das Weh nicht fühlen. Und weil sie in diesem Gefühl von der Natur benachteiligt wurden, kommen sie sich jetzt allesamt so arm, so erbärmlich und so schuldbewußt vor. Keiner wagt die Mutter zu berühren oder sie zu trösten, sie stehen da, wie kleine Jungen, die sich schämen. Da kommt die Pumpmeisterin herbei, umarmt die Garza, als ob sie sie zerpressen wollte und küßt sie wild auf den Mund, auf die Backen, auf die tränenden Augen. Sie hebt ihr seines Kleid auf und trocknet der Garza die Tränen und die Nase und küßt sie wieder und wieder. Dann halten sie sich fest umarmt und schreien und schreien.(Fortsetzung folgt.) R»ich»m<«t»g«rtcht«» verlangt, t» denen dt« MItwtrtvvq derLatenbetsitzer(Vermieter und Mieter) unbedingt erfotbet- lich sei. Gogenstanü dieser Gerichtsbarkeit sollten nicht nur Räumungsklagen, sondern auch Reparatur- und sonstige Hausstreitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter, sowie auch die Mietszinsklagen fein, da auf diesem Gebiet« ein großes Bedürfnis nach beschleunigter Er- ledigung und sozialer Beurteilung der Streitigkeiten besteht. Schließ- lich wird ersucht, von der bereits beschlossenen Erhöhung des Miels- Zinses um weitere 10 Proz. ab 1. Oktober 1927 unter allen Umständen Abstand zu nehmen. Das Großfeuer am Sachfenöamm. Gewaltiger Sachschaden.— Brandstiftung durch Funkcnflug. Auf dem Brandgrundstück Sachsen dämm 17, hart an de? Grenze des Schöneberger Südgeländes, ist die Filmverwertung sf a b ri k der Firma C o l e ni a n n G. m. b. H„ die aus drei großen Schuppen von etwa 30 Meter Länge und einem massiven einstöckigen Fabrilationsgebäude mit den Bureauräumen besteht. Gestern mittag war der Mitinhaber der Firma im Labo- lotanum mit dem Zuschneiden einer Rolle Azetylzellulose beschäftigt, wozu er eine elektrische Filmschneidemaschine verwendete. Plötzlich entstand ein Rauchstreifen und im nach st en Augenblick ex- plädierte die Filmrolle. C. konnte noch die Rolle, wobei er sich allerdings erhebliche Brandwunden an den Händen zuzog, durch das Fenster auf den Host werfe«, die unglücklicherweise auf einen Berg von Filmresten fiel. Gewaltige Stichflammen schössen empor. In wenigen Minuten stand das ganze Fabrikgrnndstück in Flammen. Nur mit Mühe und Not konnten sich 20 Arbeiter und Angestellte in Sicherheit bringen. Zwei von ihnen, darunter der Expedient Schenk, zogen sich Brandwunden zu. Das Feuer ver- nichtcte sämtliche Schuppen, in denen etwa 12 000 Kilo Film- reste lagerten, mit allen maschinellen Anlagen. Alles Augenmerk mußte auf die anschließenden leichten Fachwerkgebäude kleiner Ge- werbetreibender und Fuhrgeschäfte gerichtet werden, um bei dem lräftigen Wind ein U ebergreifen zu oerhindern. Der gesamt? Straßenverkehr mußte wegen der großen Gefahr während der Lösch- attion abgesperrt werden. Der Polizeiwachtmeister Lcgien zog sich noch beim Bergen einer Kohlensäureslasche erhebliche Brandwunden ZU.— Kaum war die Hauptgefahr am Sachsendamm 17 beseitigt, als etwa 150 Meter entfernt, am Tempel hofer Weg 29 eine große Feuersäule emporstieg. Das Baugeschäft von H e l l w i g u. Hoff ma n n stand größtenteils in Flammen. Dem Feuer fielen die Werkstätten und ein großes wertvolles Baumaterialienlager zum Opfer. Das Feuer ist nach den bisherigen Feststellungen durch Funkenflug vom Brand der Filmfabrik entstanden. (Bestem abend gegen K'7 Uhr kam in der Fabrik von H ä n, Lehmann und Eo. in der Flotten st raße 22 zu Reinicken- dorf-Ost Feuer aus. Bier Löschzüge eilte« auf den Alarm „M i t t e l f e u e r" unter Leitung des Branddirektors Msnde herbei. Am schlimmsten wütete das Feuer in den Malerwerkstätten, wo es an Lacken, Spiritus und Farben reiche Nahrung fand. Nach mehr- stündiger Tätigkeit konnte das Feuer gelöscht werden.— Die Ent- stehungsursache ist noch unbekannt. Wem gehört öas KinS? Der Findling im Eisenbahnwagen. „Das ist nicht mein Kind", erklärte abweisend und kalten Blickes die Schmttersfrau Wilhelmine N. auf die Anklag« der Kindes- a u s s e g u n g, unter der sie sich vor dem Erweiterten Schössen- gericht Tempelhof zu verantworten hatte. Sie hatte auch nicht einen Blich für das einjährige Bübchen, ein reizendes Kind, dos gewisser- maßen als„Augenzeuge" auf dem Arm der einstweiligen Pflege- mutier dem Gericht vorgeführt wurde. Und doch sprechen alle Um» sttitide dafür, daß niemand anders als'die Angeklagte die Mutter des Kleinen ist. Sie war Dienstmädchen in Berlin und hatte sich mit einem, unbekannt gebliebenen Manne eingelassen. Ms sich die Folgen zeigten, ging sie auf ein Gut bei Zossen als Landarbeiterin. Si« verlobte sich dort mit ihrem jetzigen Manne, einem dort eben- falls beschäftigten Schnitter. Von dem„freudigen", für sie aller- dings wenig freudigen Eipignis, das am 8. Mai in der Hebammen- lehranstalt eintrat, machte sie ihren Verlobten sogar auf Postkarte Mitteilung. Dieses Kind soll es fem/ das sechs Wochen später, am 22. Juni, nachts um 10 Uhr, in einem Eisen- bahnwagen auf der Strecke nach Zossen, kurz vor der Heimat der Angeklagten, von Beamten verlassen aufgefunden wurde. Der Säugling war in eine Wolldecke gehüllt, die genau den Decken ähn- lich war, wie sie auf dem Gute den Arbeitern zur Verfügung gestellt werden. Wo war nun die Mutter in der Zwischenzeit gewesen, nachdem sie am 17. Ma: mit ihrem lebenden Kinde in Neukölln aus der Anstalt entlassen worden war? Dort hatte sie fälschlich ange- geben, daß sie nach einem Orte, der gar nicht existiert, in der Nahe von Breslau gehen wolle, und sie war dorthin auch polizeilich ab- gemeldet worden. Aus dem Gute selbst ist sie erst am 24. Juni wieder zur Krankenkasse angemeldet worden. Sie behauptet aber, daß sie schon an demselben Abend dort eingetrosten wäre, aber wegen ihrer Kränklichkeit noch nicht hätte arbeiten können. Aller- dings war sie ohne das Kind eingetroffen und hatte gesagt, es fei tot.— Daß das eine Lüge gewesen war, gab die Angeklagte wohl zu, behauptete aber, daß sie sich geschämt habe, einzugestehen, daß sie ihr eigenes Kind für 5 Mark am Alexander- platz an zwei fremde Damen verkauft habe. Nach deren Namen habe sie nicht gefragt, es hätte ihr genügt, daß die eine der Damen das Kind als ihr eigenes abnehmen wollte. Nur der Dorschnitter K. allein wollte bestimmt wissen, daß die Angeklagte schon am 17. Juni, abends, auf dem Gut gewesen sei. Das stehe in seinem Notizbuch. Di« Unterlagen hatte er ober nicht mitge- bracht. Weshalb er die Angeklagte nicht angemeldet habe? Das sei Sache der Gutsverwaltung.„Nein", sagte der Wirtschafts- führer,.das hat der Vorschnitter zu besorgen." Staotsamvaltschasts- rat Dr. Reimer wollt« eine Vertagung, damit der Tatbestand ange- sichts der romantischen Darstellung der Angeklagten nochmals ge» nägend ersorscht werde. Das Gericht kam aber zu einem solomo- nffchen Urteilsspruch. Es sprach die Angeklagte näm- lich frei, und zwar aus dem Grunde, weil der Taibestand des § 221 nicht erwiesen sei. Voraussetzung für ein« Berurtellung wegen Kindesaussetzung ist, daß das Kind vorsätzlich in hilfloser Lage ver- lassen worden ist. Landgerichtsdirektor Lafchke ließ zwar durch die Urteilsbegründung deutlich durchblicken, daß das Gericht die Ange- klagte für die Mutter des Kindes halte, die Freisprechung aber wurde damit begründet, daß die Möglichkeit bestehe, daß die rmnatür- lich« Mutter au« der Entsernung abgewartet habe, ob das Kind von anderen ausgefunden werde. Dann habe sie es aber nicht außer acht und hilflos gelassen!_ Das Urteil im Schmiergelderprozeß Reuter. Nach mehrtägiger Verhandlung wurde gestern von dem Er- wetterten Schöffengericht Mitte das Urteil in dem Schmiergelder- und Bestechungsprozeh Reuter und Genossen gefällt. Der Kaufmann Karl August Reuter erhielt wegen Konkursoergehens, Anstiftung zur Untreue, Bestechung, Urkundenfälschung und unlauteren Weit- bewerbes eine Gesamtstrafe von i Jahr 5 Monaten Ge- fängnis und drei Jahren Ehrverlust, 13 Monate wurden ihm auf die Untersuchungshaft angerechnet und der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die von Reuter bestochenen Eisenbahnbeamten, Ober- s«tretSr Hermann und Inspektor Schiller erhielten wegen Bestechung 6 und 4 Monate Gefängnis. Strafmildernd wurde berücksichtigt, daß die beiden Beamten bemitleiden»- werteOpferderskrupellosenVerführungdes Reuter gewesen sind. Eine Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter wurde vom Gericht nicht ausgesprochen. Schließ- lich wurden noch der Prokurist einer Firma(Kiepenhauer) wegen unlauteren Wettbewerbes zu(50 M. Geldstrafe verurteilt, und die von ihm durch Reuter bezogenen Schmiergelder In Höhe von 215 M. wurdrn für verfallen erklärt. Serttn on öer Spitze öes Luftverkehrs. Neue Weltflugrekorde. Unter den Städten, die an das Streckennetz der Deut- schen Lufthansa angeschlosien sind und im täglichen Luft- verkehr angeflogen werden, stcht Berlin mit 17 3 Starts und 172 Landungen während der Zeit vom 19. bis 30. April an der Spitze. Dann kommen Halle-Leipzig(Schkeuditz) mit 140 Starts und ebenso vielen Landungen, Essen-Mühlheim mit 121 bzw. 123, Köln mit 120 bzw. 119, Hannover mit 117 bzw. 114, Frankfurt mit 110 bzw. 107, Dortmund mit 107 bzw. 106. München mit 98 bzw. 98, Erfurt mit 85 bgw. 91, Hamburg mit 88 bzw. 87 Starts und Landungen. « Bei neuen Rekordversuchsflügen hat am Freitagvormittag das für die Deutsche Lufthansa bestimmte Verkehrsflugzeug Rohrbach- Roland unter Führung des Chefpiloten Steindorff in Staaken die folgenden zwei neuen Welthöchstleistüngen aufgestellt. 1. Geschwindigkeit über 1000 Kilometer in geschlossener Bahn mit 2000 Kilogramm Nutzlast 196,7 Kilometer pro Stund«(bisher Jun- kers mit 137,9 pro Stunde), gleichzeitig 2. Gefcknvindigkeit über 1000 Kilometer in geschlossener Bahn und 1000 Kilogramm Nutzlast 196,7 Kilometer pro Stunde(bisher Dornier 161,9 Kilometer pro Stunde)._ Anklage gegen einen Vater. Wie leicht einer in Untersuchungshaft gerät. Eines Tages im März d. I. erschien bei der städtischen Taub- st ummenberatungs stelle die 20jährige Else Kronach und bat den Oberlehrer Liebell, er möge ihr dazu verhelfen, als Mannequin ausgebildet zu werden. Herr Liebelt versuchte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, da seiner Erfahrung nach Taub- stumme als Mannequins nicht genommen werden. Es wäre schade, meinte er, dem Vater das Geld aus der Tasche zu ziehen. Zwei Wochen später erschien Esse erneut aus der Beratungsstelle in Begleitung einer anderen Taubstummen, der geschiedenen Frau Grenz und deren Bräutigam. Sie erklärte nun Herrn Liebelt, daß sie gegen ihren Vater Beschwerde führen wolle? er habe sie bereits als 15jähriges Mädchen vergewaltigt und seitdem estcr mit ihr verkehrt. Sie wünsche, daß sowohl der Vater als auch die Mutier, die das Verhalten des Vaters geduldet habe, bestraft würden. Herr Liebelt, der das Mädchen von dem Taubstummen- Unterricht her als leichtsinniges und phantostisch-lügonhaftes Ding kannte, machte ihr die Folgen dieser Behauptung klar. Else blieb aber bei ihrer Erzählung. Herr Liebelt leitete die Anzeige an die Staatsanwaltschaft weiter. Die Polizei vernahm nun Else Kronach und der Staatsanwalt oerfügte auf Grund dieser Anzeige die Untersuchungshast gegen den 50jährigen Kro- nach, der bis dahin unbescholten ein bürgerliches Dasein ge- führt hatte. Es solgten die Erhebung der Anklage wegen Blut- schände und die Eröffnung des Hauptoerfahrens. Als Landgerichts- direktor Dr. Steinhaus vom Schöffengericht Berlin-Mitte die Sache zur Aburteilung erhielt und der als Pflichtverteidiger bestellte Rechisanirxilt Dr. Max Mayer in die Akten Einblick erhielt, ergab es sich, daß die Anklage sich allein auf dle Anzeig« des taubstummen Mädchens stutzte. Weder war sie körperlich untersucht, noch war ein Leumund über sie eingeholt worden. Ms nun der Staatsanwalt aufgefordert wurde, weitere Ermittelungen vorzunehmen, lehnte er es ab, dies zu tun. Daraufhin ver- fügte das Gericht von sich aus sowohl die Hinzuziehung der sozialen Gerichtshilfe, als auch die physische und psychische Untersuchung des Mädchens durch die Acrztin des Jugendamts, Frau Kalau vom Hofe. und auf Antrag des Verteidigers die Ladung der Schwester Schräder vom Marthahöf, einer Anstalt, in der sich das Mädchen über ein Jahr aufgehalten hatte. Die� Gerichtsverhandlung nahm jetzt«ine ganz plötzliche Wenduntz. Der Angeklagte, der aus der Haft vorgeführt wurde,' best ritt mir aller Entschiedenheit, sich je an seiner"' Tochter vergangen zuhaben. Er schilderte sie als äußerst leichtsinniges Ding, das sich trotz wiederholter Züchtigungen nicht davon abhalten ließ, wahllos mit Männern zu verkehren? immer wieder trieb sie sich bis spät in die Nacht hinein außerhalb des Hauses umher, blieb auch tagelang weg und brachte mitunter Geschenke von fremden Männern mit. Der Oberlehrer Liebelt be- stätigte die Aussagen des Vaters. Auch seiner Ansicht nach sei das Mädchen nicht weit entfernt davon, eine Dirne zu werden. Es sei ihr unter keinen Umständen ohne weiteres Glau- den zu schenken, es sei woh! möglich, daß sie ihre Behauptung hinsichtlich ihres Vaters nur erdacht habe, um die Möglichkeit zu erhalten, das Haus der Eltern, in dem sie zu einem anständigen Lebenswandel durch Schläge angehalten wurde, verlassen zu können. Einen noch schlechteren Leumund stellte Herr Liebelt der Frau Grenz aus, der Vertrauten und Begleiterin der Else zur Beratungsstelle. Als dann Frau Kronach die Aussage verweigerte, desgleichen auch die psychiatrische Sachverständige Frau Kalau vom Hofe die An- zcigerin als im leichten Grade schwachsinnig bezeichnete, blieb dem Staatsanwalt nichts anderes übrig, als die Anklage fallen zu lassen und dem Gericht den Freispruch nahezulegen. Zum Schluß seien zwei Bemerkungen erlaubt: Wie verträgt sich eine Erhebung der Anklage und eine derart unverantwort- liche Verhängung der Untersuchungshaft mit dem Erlaß des früheren preußischen Iustizmlnisters Am Zchnhoff, der ein rücksichtsvolles Eingehen in die persönlichen Verhältnisse der Angeschuldigten zur Pflicht machte, und mit den kürzlich verkündeten Grundsätzen des neuen preußischen Iustizministers. Der Herr Staatsanwalt scheute nicht davor zurück, in seiner Replik dem Ver- teidiger den Vorwurf zu machen, daß er aus einer so klaren Sache eine Viertelstunde für sein Plädoyer bedurft hatte. Daß aber unter diesen Verhältnissen ein 50jähriger Mensch aus seinem Berufsleben herausgerissen und auf 6 Wochen ins Gefängnis gesteckt wurde, scheint ihn weniger zri beunruhigen. Ist das der neue Geist, der in Moabit herrschen soll?_ Betrug an Arbeitslosen. Ein mittelgroßer, breitschultriger Mann von etwa 30 bis 35 Jahren, der mit seinem gebräunten Gesicht und auch sonst aussieht, als ob er vom Lande komme, kundschaftet auf noch nicht geklärtem Wege Familienverhältnisse von Erwerbslosen aus und besucht sie dann, angeblich auf Veranlassung von Verwandten, einer Schwester usw. Von diesen habe er erfahren, daß der Besuchte arbeitslos sei. Er suche nun«inen Mann, der ihm frühmorgens helfen könne, Geflügel vom Transportwagen noch seinem großen Stand in der Markthall« zu schaffen oder ihm auch in der Halle selbst zur Seite zu stehen. Die Leute nehmen natürlich gern jede Beschäftigung an und denken sich auch nichts Arges dabei, daß sich der neue Arbelt- geber ihre Papiere und 5 bis 10 Mark als Sicherheit dafür geben läßt, daß sie auch pünktlich zur Arbeit erscheinen. Noch öfter aber spiegelt der Schwindler einen großen Viehtransport nach München vor, für den er Begleiter braucht. Diese sollen stch am nächsten Morgen pünktlich bei der Ostpreußischen— oder Pommerschen— Viehvereinigung in Lichtenberg melden. Sie sollen natürlich freie Hin. und Rückfahrt, freie Verpflegung und den Tag 12,— Mark erhalten. Auch ihnen nimmt der Schwindler 10 Mark als Sicherheit ab. Enttäuscht erfahren sie morgens, daß man in Lichtenberg von einem Transport nichts weiß. Bisher sind diesem Gauner schon über 100 Erwerbslose ins Garn ge. gangen. Er ist kenntlich an einem Goldzahn link» im Oberkiefer und je einer Warze auf dem Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand. Mitteilungen an die Dienststell« 0. 5 im Polizeipräsidium. Tagung der sozialistischen Fürsorgerinnen. In den Pfingst- tagen oersammelt der Hauptausschuß für Arbeiter- wohlsahrt die sozialistischen Fürsorgerinnen zu einer Tagung in Elgersburg in Thüringen. Vorgesehen ist für Sonnabend ein Vortrag der Genossin K u b e vom Landes- arbeil samt Berlin über„Arbeitsvermittlung und Wohl-' ah rtspfleg fltr«otmtog em Bortrag de» Genossen Dr. ern feld-Berlin über„Die psychologischen Grundlagen der Gefährdete nfürsorge", für Montag ein Vor- trag der Genossin Erkens- Hamburg„Aus der Tätigkeit der Polizeibeamtin" und für Dienstag: Allgemeine Ans- spräche über Berusssragen der Fürsorgeriimen. Die wirtschasttichen Interessen der beamteten Fürsorgerinnen von der Fachgruppe „Sozialbeamte" werden übrigens von der auf freigewerkschaftlichem Boden stehenden Reichsgewerkschaft Deutscher Kommunalbeamten oertreten._ Amerikanischer Rundfunk auf kurzen Wellen. Nach einer Mitteilung der„General Elektrio Company of Scheneotady" bietet sich den deutschen Funkfreunden Ge- legenheit, amerikanischen Rundfunkdarbietungen auf kurzen Wellen zu einer günstig gelegenen Zeit zu lauschen. Von der Versuchssendestelle der Gesellschaft mit dem Rufnamen 2 X AD werden von jetzt an regelmäßig Dienstag nachmittag von oierbis fünf Uhr(amerikanische Zeit) bzw. elf bis zwölf Uhr nachts mitteleuropäischer Zeit, Darbietungen auf Welle 22 Meter verbreitet. Alle Amateur« werden gebeten, die Empkanzsresultate der Gesellschaft mitzuteilen. Die letzten sehr interessanten 24-Stunden-Sendeversuche der Station am Sonn- abend, den 28. d. M„ 17 Uhr bis Sonntags 17 Uhr der Sender 2 X AF aus Welle 32,8 mit 10 Kilorvat Energie und 2 X AD mit nur 1 Kriowat auf Welle 28,8 sind hier in Berlin in den späten Abend- und Nachtstunden teilweise einwandfrei im Laut- sp recher aufgenommen worden. Bei Tageslicht waren die Trägerwellen der Sender zwar festzustellen, jedoch erst be! fort- schreitender Dunkelheit immer deutlicher und verständlicher zu hören. Leider war die Raumakustik des Besprechungsraums so ungünstig, daß nur die musikalischen Darbietungen klar waren, während ine Sprache undeutlich klang. Es wäre zu begrüßen, wenn auch die deutsche Rrmdsunkgeselffchast den Gedanken der Einführung eines deusschen Kurzwellenrundfunks über den Deusschlandsender wahr machen würde. Der Auftakt zum Roten Frontkämpfertag. Das dritte Reichstresfen des Roten Frontkämpferbimdes wurde gestern abend durch ein« Kundgebung der„Roten Iugendfront" im Sportpalast eingeleitet. Im Ansang schien es, als sollte der Sport- Palast nur zu einem Viertel gefüllt werden. Doch auch zum Schluß waren noch zahlreiche Lücken aufzuweisen. Daß die KPD. in Berlin immer noch den Sportpalast stillen kann, wenn die Sache richtig organisiert wird, ist doch mir Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Sagen wir also, daß es gestern nicht recht geklappt hat. Vier Verletzte bei einem Znsammenstoß. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einer Straßenbahn der Linie 53 und einem Autobus der Linie 1, bei dem vier Personen erheblich verletzt wurden, ereignete sich gestern abend gegen 6 Uhr auf der Potsdamer Brücke Ecke Schöneberger Ufer. Der Führer der Straßenbahn konnte seinen Wagen nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen und fuhr mit voller Wucht gegen die Plattform des Autobusses. Sämtliche Scheiben wurden zertrüm- m e r t. Drei Fahrgäste, die 23IShr!ge Buchhalterin Elfe H. aus der Waitzstraße zu Charlottenburg, die 28jährige Steno» typ istin Käte B. aus der Konstanzer Straße zu Wilmersdorf, der 35jährlqe Kaufmann Hubert H. aus der Knesebeckstraße und der Schafstrer des Autobusses. Ernst H. aus der Chausseestr. 3, zogen sich erhebliche Kopf- und A r m v e r l e tz u n g e n zu. Die Berunglückten erhielten auf der Rettungsstelle in der Eichhorn- straße die erste Hilfe. Durch den Anprall wurde der Autobus zur Seile geschleudert und brachte dabei ein« Motorraddroschk«, die gerade die Unfallstelle passierte, zum Umstürzen. Während die „Motax" zertrümmert wurde, kam der Führer wie durch ein Wunder unverletzt davon. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Durch den Vorfall ensstand in der verkehrsreichen Zelt ein« empfindliche- Störung. Mannschaftswaldlauf Berliner Volksschulen. Die Turnvereinigung Berliner Lehrer veranstal- tete am vorletzten Schultage vor den Psingstferien einen für die Berliner Volksschulen neuartigen Wettkampf, einen Waldlauf für Schulmannschasten von zwölf Lausern, von denen zehn ge- schlössen durch's Ziel gehen mußten. Die Strecke, die etwa 2,4 Kilo- meter lang war und welliges Gelände aufwies, führte um den Jagen 97 in der Tegeler Staatssorst. Wegen der geringen Br«ite GeselSschaftlicher Takt stellt an das Aeussere des Menschen gewisse Ansprüche. Mund und Atem müssen jederzeit appetitlich und frisch sein. Wrigleys P. R.-Kau-Bonbons werden nach dem Rauchen, Trinken und Essen alle Spuren entfernen und einen angenehmen Duft hinterlassen. Ausserdem sind sie von günstigem Einfiuss auf die Zähne und kräftigen das Zahnfleisch. an.« der Gesteklwea« mußten die Mannschaften einzeln laufen. Lon den 27 Mannschaften gelang es der einzigen teilnehmenden weit» lichen Schule, der 9. Volksschule zu Reinickendorf(früher 5a.), die als legte über die Streck« geschickt wurde, die schnellste Laufzeit und damit den Sieg zu erringen. Die Reihenfolge der besten Mannschaften war: 1. 9. Volksschule zu Reinickendorf, 9 Min. 2,5 Set.; 2. 73. Volksschule. Berlin. 9 Min. 12,4 Sek.? 3. 19. Volksschule, Friedenau, 9 Min. 20,8 Sek. vom öaöen im Zreien. Besondere Bestimmungen über Badekleidung. Die Nichtbeachtung der bestehenden Bestimmungen über das Baden im Freien und der vom Polizeipräfidemen erlassenen War- nungen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Unzu- träglichkeiten und U n g l ü ck s s ö l l« zur Folg« gehabt. Der Polizeipräsidem weist daher au, die wssentlichsten B e st i m m u n- gen der Polizeioerordnungen vom 1. Juni 1922 und vom 23. Juni 1923 hin. Danach ist das Baden im Freien, das heißt außerhalb von Badeanstalten verboten innerhalb geschlossener Ortsteile, forme in unmittelbarer Nähe von Fähren und Schiffsanlegestellen, ferner an Stellen, die von der Polizei- behörde oder von den Ufereigentümern oder sonst Verfügungsbe- rechtigten durch Anschlag, Warnungstafeln oder dergleichen ent- sprechent» bezeichnet sind. In der Nähe von öffentlichen Wegen und Plätzen oder sonst dem Publikum zugänglichen Stellen darf nur in Badekleidung gebadet werden, die folgendermaßen beschaffen sein muß: für Männer eine die Oberschenkel bis zur Hälfte be- deckende nicht dreieckige Badehose: für Frauen und Mädchen ein Badeanzug, der Brust, Leib und die Beine etwa bis zum Knie bedeckt An- und Ausziehen zum Baden darf nicht in einer den Anstand verletzenden Wesse erfolgen. Das Ver- lassen des Badestrandes m Badekleidung. namentlich auch das Betreten m der Nähe gelegener Schankstätten in Badekleidung ist untersagt. Durch das Baden darf der Schiffs- und Boots- verkehr in keiner Weif« behindert werden. Gänzlich verboten ist das Baden im Freien an folgenden Wasserstraßen: 1. In der t>pre« von der Lim« Stralauer Spitze(Schwanenbergs-Kratzbruch- Insel-Plenterwald in Treptow bis zum Stellwerksgebäude der Essenbahn zirka 500 Meter unterhalb der Charlottenburger Schleuse: ferner in der Pichelsdorfer Havel zwischen Kilometer 165,9 bis Kilometer 167�5 des Gemündes: 2. im Spreekanal, im Engeibecken des früheren Lusseisstädtsschen Kanals, im Land- wehrkanal. Neuköllner Schiffahrtstanal, ver- bindungstanal. Spandauer Schiffohrts-kanal, Teltowkanal ein- schließlich aller Hosen, und Liegeplätze, sowie des Machnower Sees, jedoch ausschließlich des Griebnltffees, im Kweigkanal Britz- Kanne einschließlich des Britzer Hafens, im Prinz-Friedrich-Leopold- .Kanal ausschließlich der Seen, jedoch einschließlich der Berbindungs- strecke zwischen dem Pohles«« und dem Kleinen Wannse« von Kilo- meter 2,2 bis Kilometer 2,5 und im Kanal zwischen dem Seddin- see und dem Wernsdoffer See. Das ne«e Naturschutzgebiet Krumme Lake. Das botanisch und etnomologisch ausgezeichnete Gebiet um die Krumme Lake, im Bereich der Obersörsterei Oberspree und des Re- vier? Fahlenberg beleegen, ist, wie die Stadtforstdirektion mitteilt, polizeilich auf Grund des Naturschutzgesetzes jetzt zum R a- turschutzgebiet erklärt tvorden. Die Stadtforstverwaltung hat den Bereich dieses neuen Naturschutzgebietes durch O e l- farbenringe markiert, mit denen die an der Gebiets- grenze stehenden Bäume gezeichnet sind. Der inner« Kern des Naturschutzgebietes wird durch die in der Mitte belegenen M o o r f l ä ch e n und Wasser st ellen gebildet. Das Baden, Sonnen, Fischen, Angeln und Jnsektensammeln, Insbesondere aber dps Botanisieren und Abbrechen und Ausreißen von Pflanzen aller Art ist oerboten. Der Zutritt zum Naturschutzgebiete ist den Wan- derer» und Ausflüglern gestattet, jedoch nur bis zur Grenz« des inneren Moorrebietes. Die Stodfforstverwaltung hat in den um das Naturschutzgebiet belegenen Gastwirtschaften die Polizeiverord- nung anbringen lassen und ebenso die dazugehörige Karte, welche farbig das Schutzgebiet bezeichnet. Zuwiderhandlungen gegen den polizeilichen"Naturschutz werden mit Strafe bis zu 150 M. belegt. Die Stadtforstverwallung legt besonderen Wert darauf, daß bereit» Vfingsten der Naturschutz beachtet wird. Es ist durch aufgestellte Taiein dafür gesorgt, daß die Besucher rechtzeitig bemerken, daß st« sich auf dem Naturschutzgebiet befinden. Ein- und Ausbrecher Gabriel vor Gericht. Der berüchtigte Ein- und Ausbrecher Fritz Gabriel, der erst vor drei Tagen von der Kriminalpolizei wieder ergrisfen worden war. hatte sich schon gestern wegen einer Anklage aus dem Jahre 1925 vor dem Schöffengericht Eharlottenburg zu verant- warten. Es handelte sich um einen versuchten Einbruch in der Nacht zum 27. Februar 1925 in der Mlla des Oberbaurats Fürstenau in Dahlem. Die Täter hatten bereits die Türen angebohrt, waren dann aber gestört worden und geflohen. Man hatte ermittelt, daß die Ehefrau-des Angeklagten und ihre Freundin um die Zeit des Einbruchs in einer von dem Autolenker Wolkenfuß, einem alten Bekannten Gabriels, gesteuerten Droschke, in der Nähe des Ortes planlos hin- und hergefahren waren. Die drei sind dann auch bereits wegen Begünstigung der Täter ver- urteilt worden. Gabriel glänzi« durch Abwesenheit. Er war im Jahre 1923 wegen verschiedener Einbrüche zu langjähriger Ge- sängmsstrafe verurteilt worden, war aber während der Strafhast kurz vor jener Tat aus Plötzeissee ausgebrochen. Später wurde er wieder ergriffen. Er kam zunächst ins Untersuchungsgefängnis nach Moabit, weil gegen ihn Anklage erhoben worden war, der Fassaden- kletterer gewesen zu sein, der aus der Wohnung des Bankiers Hosfmann am Lützowplatz wertvolles Silberzeug und einen aus dem 17. Jahrhundert stammenden französischen Gobelin im Wert« von 35 000 M. herausgeholt hatte. Aus dem Untersuchungsgefängnis gelang es ihm wiederum auszubrechen und sich bis jetzt verborgen zu hallen. Auch wegen dieses zweiten Einbruchs sind die Mitbeteiligten bereits vor einiger Zeit abgeurteilt worden; gegen Gabriel wird dieser Fall vor dem Schöffengericht Schöneberg demnächst oerhandell werden. Jetzt bestritt er entschieden, der Dahiemer Einbrecher zu sein. Die Anwesenheit seiner Frau in jener Nacht am Tatort erklärte er mit einem Zufall. Rechts- anwalt Dr. Harry Pincus vertrat den Standpunkt, daß gegen den Angeklagten lediglich Verdachtsmomente und keine pofitioenBeweife vorliegen. Das Schöffengericht kam dennoch zu einer Verurteilung des Angeklagten, die aber mit sechs Monaten Gefängnis sehr milde ausfiel. Sigamke l Er hatte ein unstetes Leben hinter stch; mehrmals hatte er den Beruf gewechsell; mehrmals war er, wenn auch wegen geringfügiger Betrügereien mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten. Eine ge- wisse Hochstapelei war R. gewißermaßen zum Bedürfnis geworden. Als er sich zum erstenmal zur Heirat entschloß, erzählte er seiner Zukünftigen von einer flottgehenden Gastwirtschast, die ihm gehören sollte. Hinterher stellte es sich aber heraus, daß diese erfundene Gastwirtschast nichts anderes als ein Kr der für seine Frau sein sollte; tn Wirklichkell verfügte er über gar kein Vermögen; diesen Betrug konnte sie aber nicht oerschmerzen. Das Ehepaar ging auseinander: die Frau behiell das Kind, der Mann ver- schwand sputtos. Er, der Bater, kümmette sich um sein Kind über- Haupt nicht, die Mutter hatte allein die Sorgen. Dann traf sie ihn aber ganz unerwattet nach mehreren Jahren m einem Bettiner Warenhaus; er tat so, als erkenne er seine Frau nickst und ging seines Weges. Sie stellte aber in der Einwohnermeldestelle fest, daß er in Berlin wohnte und wieder oerbeiratet war— wieder ver- heiratet, ohne von ihr geschieden zu sein. Da erstattete sie Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Eo stand R. neulich vor dem Schöffen- gettcht Dettin-Milte, unter der Anklage der Doppelehe, der Bigamie. Er erklärte, er habe sein« Frau verlassen, weil sie ihm untreu gewesen sei; er habe sie hinterher gesucht, allerdings ohne Erfolg. Das Gericht war aber der Meinung, daß der Angeklagte sich verborgen gehalten habe, um für sein Kind nicht die Alimente zahlen zu müssen; er sei ein bösartiger Betrüger: er habe setner ersten Frau den Wohlstand einer Gastwitts chast vorgetäuscht, um sie für seine Werbung geneigt zu machen: er habe seine zweite Frau irregefühtt, indem er ihr seine eheliche Bindung mit der ersten Frau verheimlicht habe. Eo gelangte da» Gettcht zu der hohen Strafe von einem Jahr Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte sogar lk Jahre beantragt._ Berfassungsfeier des Reichsbanners in Leipzig. Im Zusammenhang« mit dem verbot de» südbayerischen republikanischen Tage» In München sst die Auffassung entstanden, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold verleg« seine diesjährig« Reichs- verfassungsfeier nach München. Wie die Pressestell« des Bundes- oorstandos mitteilt, kommt eine Verlegung der Reichsverfassungsfeier nach München aus technischen Gründen nicht In Frage; sie sindet, wie vorgesehen, am 13. und 14. August in Leipzig statt. fuh Ein merkwürdiger Herr aus irgendeiner vom Zeitgeist völlig übersehenen Gegend Deutschlands behauptet fröhlichen Herzens, Rokotodichtungen zu rezitieren. Er spricht mit edlem Tremolo der Rührung und mit einem vormärzlichen Pathos Gedichte, die das Rokoko höchst stagmentarisch behandeln aber niemals im Rokoko ent- standen sind und auch seinen Geist nicht kennen. Man fragt sich be- stürzt, warum sich der Bettiner Sender mit dieser Angelegenheit grundlegend blamiert. Bedeutend besser steht es mit den Be- mühungen um den russischen Dichter Jlja Ehrenburg. Dr. Richard Götz spricht etwas geschwollen und sremdwottreich. Aber immerhin zeichnet er den Dichter als den Skeptiker und Ironiker, als den großen Analytiker, der sein Seziermesser an all« Dinge setzt. Trotzdem sucht Götz noch den Rest eines positiven Glaubens bei Ehrenburg zu retten. Darauf liest Alfred Braun aus den Dichtungen sehr ruhig, sehr sachlich, aber ohne die notwendig« Ironie.— Der musikalische Teil des Tagesprogramms häll Niveau. Am Nachmittag Schotter, allerdings nicht immer in seiner ganzen berauschenden und gelösten Klangfülle. Der Cellist Evel Stegmann in der Introduktion und Polonaise Opus 2 spielt zu herb trotz des gesättigten Klanges seines Instruments. Der Pianist Wikarski ist dagegen souverän, sicher und temperamentvoll, aber etwas willkürlich im Rhythmischen. Am Abend zeigt Eugen Moris in kleinen Violinstücken, haupssächlich in Kreislerschen Bearbeitungen, gutes technisches Können ohne besonderen Virtuosenehrgeiz. Theo Matkeben ist ein seiner einfühlbarer Begleiter.— Dr. Wolfgang Pohl beginnt seine sozialpolitische Plauderei mit einer Uebersicht über den Aufbau der Arbeitsnachweis«. Der Hauptschriftleiter des Beamtenbundes, Winters, oersteigt sich in seinem Vortrag über das Beamtenbildungs- Problem zu der Behauptung, der Beamte allein hätte in der Re- oolutionszeit Deuffchland gerettet. F. Sch. Großes Unwetter in Süü-Mecklenburg. Auch das Saargebiet heimgesucht. Ein schweres Unwetter hat am Freitagnachmittag gegen 2 Uhr in einer Reihe von mecklenburgischen Städten, in der Haupffache aber im Süden des Landes überaus großen Schaden an- gerichtet. Die Fernsprechleitungen nach den Städten Plan, Waren und Lütz sind zerstört. Bis 4 Uhr nach- mittag waren keinerlei Nachrichten zu erhallen. Aus Parchim liegt folgende Drahtmeldung vor: Ein Unwetter, wie es seit vielen Jahren nicht mehr zu verzeichnen war, hat in Parchim gewütet. Mehrere Fabrikschornsteine st ü r z t e n unter lautem Krachen infolge des orkanartigen Windes zu Boden. Der ungeheure Wasserandrang verursachte die Ueber- schwemmung von vielen Kellern und Stuben. Di« Hagelschlossen erreichten die Größe van Taubeneiern, so daß sehr viele Fenster- scheiden«ingeschlagen wurden. Die städtischen Anlagen und der Krankenhauspark zeigen ein tragisches Bild der Verwüstung. Der Sturm war so stark, daß viel« Bäume sogar bis zu 60 Zentimeter Stärke wie Streichholz er geknickt wurden. Die Dächer der Häuser such größtenteils sehr stark beschädigt. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Unwetter und Hagelschlag auch an der Saar. Trier, 3. Juni.(TU.) Ein furchtbares Unwetter ging gestern nachmittag über den Saargau nieder. In den Weinbergen der unteren Saar wurde teilweise fast die ganz« Ernte vernichtet. Besonders betroffen wurden die bekonnten Weinorte Saarburg, Ayl und ander«. Auch die Saaten haben schweren Schaden erlitten. Man rechnet mit einem Verlust von über 5 0 Proz. Die Gewall des Sturmes war so groß, daß zahlreich« Bäume entwurzell mch Häuser abgedeckt wurden. Dieses Unwetter ist das größte, von dem der Saargau in den letzten 40 Jahren heimgesucht worden ist. Große Unwettcrschäde» bei Worms. Worms, 3. Juni(Mtb.). Gestern abend gegen 814 Uhr wurde die Ottschast O st h o f e n von einem W i r b e l st u r m- heimgesucht, der über 10 Minuten dauerte und ungeheuren Schaden anrichtete. Die Wassermassen gingen in einer Dichte nieder, daß man nicht ein. mal einen Meter weit sehen konnte. Besondere Ver- heerungen ttchtete das Unwetter in den Weinbergen an. Unter anderem sind Kirschberg, Husarenberg und Reu- berg ganz überschwemmt. Die klein« Ottschaft Oberkirch steht vollkommen unter Wasser. In Mühlheim bei Osthofen mußte die städtische Feuerwehr von Worms zu Hilfe gerufen werden, um die Maschinenfabrik von Hildebrand und Bühner zu retten, die voll- kommen unter Wasser stand. Wolkenbruch und Hagelschlag in der Oberlaufitz. Görlitz, den 3. Juni.(TU). Am heuttgen Freitag abend entlud sich über der O b e r l o u s i tz ein schweres Gewitter mit wölken- bruchartigem Regen und Hagelschlag. Besonders stark in Mitleiden- schaft gezogen wurde die Laubaner Gegend, weiter die Ge- meinden Ober- und Niederschönbrunn, Schönberg usw. Der Hagelschlag dauette über eine halbe Stunde und verwandelte die ganze Gegend in eine Winterlandschaft. Zahlreiche Fenster- scheiden sind in Trümmer gegangen. Die niederbrechenden Wasser. Massen haben auch groß« Ueberschwemmungen verursacht. Hilfe für die Opfer der Wirbelsturmkatastrophe. Das Preußische Staatsmini st erium hat in seiner Sitzung am Freitag, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zu- folg«, beschlossen, dem Regierungspräsidenten von Osnabrück zur Linderung der ersten Rot in den von der Wirbelsturm- katastrophe betroffenen Gebieten unter Vorbehall weiterer Hilf»- maßnahmen die Summe von 200 000 Mark sofort zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat die Staatsregierung'den Regierungspräsidenten beauftragr, den von dein Unglück betroffenen Personen und Körperschasten die wärmste Anteilnahme der Staats regierung auszusprechen. Ein 21 jähriger Räuberhauptmann verhaftet. In K a s ch a u wurde der 21jährige Sohn eines Gewerbetreiben» den, Theodor G n r ß k y, auf Grund eines Steckbriefes aus Nizza als Haupt einer internationalen Räuberbande verhaftet. Er war eben erst heimgekehrt und kam aus Cannes in Frankreich. Gurßky hatte die Budapester Gewerbeschule besucht, dann ein reiches Mäd- chen entführt, floh nach Paris und wurde Koch. Dann ging es rasch bergab und bald war er Taglöhner. So kam er durch ganz Frank- reich. In Marseille traf er einen Landsmann, der aus der Legion geflüchtet war. Beide spannen Pläne für große Einbrüche. Zwei neue Mitglieder brachten Werkzeuge, bald war die Bande auf zehn gewachsen. Man fuhr an die R i v i e r a. Hier wurden auf den Landstraßen am lichten Tage die Autos angehalten, indem man mit Pistolen den Worten Nachdruck gab und die reichen Insassen beraubte. Einer Baronin wurden allein für mehrere Millionen Franken Schmuck geraubt. Drei Mitglieder wurden end« lich in Nizza verhaftet. Der zweite Rädelsführer Z s o l n a y flüchtete nach Budapest, wo er jetzt ebenfalls ergriffen wurde. Gurßky kam nach Cannes und dann nach Kaschau. Auch seine Geliebte hat an den Einbrüchen Anteil. Bei der Verhaftung in Kaschau und der Hausdurchsuchung wurde rätselhaftes Material gefunden, das nach einer bösen Affäre riecht. Man fand einen Brief des Polizei- ÄAtduir j für- dm linscm. natujHtschunQ' GOLDSABA- Tabaken, dec neuestm. Ernte, frisch manipuLiert, leichte, bchömmiicha Qualität, blumiges Aroma. ajazcL glaitcrb wcißerLBpahd. garbaty chef»»DR Sanne* an Gurßky, sehr freundlich gehalten mit der Mahnung, gegebenes Versprechen einzuhalten. Gurßky machte nur dunkle Andeutungen und man glaubt, daß der Polizeichef ihm zur Flucht verholfen hatte. Schwarzrotgolü auch in Säöeru. Zur Flaggenfrage m den Bädern wird uns aus Norderney geschrieben: „In jedem Herbst erscheinen m den verschiedensten republika- nischen Zeitungen Artikel darüber, daß in den Nord- und Ostseebädern die Neichsfahne nicht genügend gezeigt würde, oder daß die Gäste, die den Mut aufbrachten, auf ihrer Sandburg oder an sonstigen Plätzen das schwarzrotgoldene Banner aufzupslanzen. Unflätigkeiten Anders- gesinnter ausgesetzt seien. Wie sieht es in Wirklichkeit aus? Sind wir Republikaner ganz schuldlos? Beobachtet man im Sommer das Strandleben, so muß man feststellen, daß die schwarzweißroten Gäste auch den Kuraufenthalt für ihre Zwecke benutzen. Wo sich ein Schwarzweißroter am Strande niederläßt, weht bestimmt seine Fahne, und zwar nicht nur eine, sondern gleich ein halbes Dutzend. Durch dieses System erhält das Strandbild dann sehr leicht ein schwarzweißrotes Aussehen. Würden die Re- publikaiier genau so handein, dann würde gar bald das schwarzrotgoldene Banner die Führung übernehmen. Es genügt nun einmal nicht, daß man ein Lippenbekenntnis zur Republik ablegt, sondern man muß auch den Mut besitzen, sich nach außen zur Republik zu bekennen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß alle diejenigen, die im Sommer ein Seebad besuchen wollen, sich schon jetzt geloben:„Auf unserer Sandburg weht im Sommer 1927 das schwarzrotgoldene Banner, jedes unserer Kinder bekommt eine schwarzrotgoldene Fahne in die Hand!" Dann bin ich fest überzeugt, daß der Sommer 1927 in den Ladeplätzen im Zeichen von Schwarzrotgold stehen wird. Die Üersmmdliche Feuerwehr. Eine Schwalbe in Gefahr! An dem Neubau Ecke der Krausen- und Friedrichstraße hatte sich in großer Höhe eine Schwalbe einen Flügel einge. klemmt und mühte sich vergeblich ab, sich wieder zu befreien. Es dauerte nicht lange, so rief man die Feuerwehr, die Retterin in allen Nöten. Sie rückte mit der mechanischen Leiter heran, ein Wchrmann stieg hinauf, rettete das Tierchen vor dem Tode und gab Ihm die Freiheit wieder, unter dem lauten Beifall der Menge, die unterdessen immer größer geworden war. Die nördliche Hälfte der Schloßbcücke wird arn Pfingstsonntag für den Fährverkehr vom Osten nach Westen freigegeben. Es wird dann mit den Fundierungsarbeiten für die südliche Brücken- Hälfte begannen. Zur Vornahme der Betonierungsarbeiten der zweiten Hälfte und zu Leitnngsverlegungen muß die Schloß'' rücke allerdings später nochmals aus die Dauer von etwa 3 Wochen gesperrt werden. Sprechstunden bei der weiblichen Poll'.ei. Die Leiterin der weiblichen Polizei. Frau Kriminaipolizeirat Wicking hält jeden Donnerstag nachmittags von 5 bis 7 Uhr Sprechstunden für Personen ab, die sich wegen Gefährdung von Kindern und weiblichen Jugendlichen Rat und Unterstützung bei der Polizei holen wollen. Die Alkoholkrankensü-sorgcstelle für den Verwaltungsbezirk Treptow befindet sich in Niederschöneweide, Grünauer Str. la. Die ärztl'che Sprechstunde wird jeden Mittwoch von 12 bis 1 Uhr ab- gehalten. Die Fragen der Eheberatung sowie der Sexualberatung treten mit jedem. Tage mehr heraus aus rein theoretischen Erwägungen in das Bereich kommunalpolitischer praktischer Aufgaben. Die Viel- seitigkeit und Wichtigkeit diejes Problems schildert in der soeben er- schienenen Juni- Numnier der sozialdemokratischen„K u m m u- nalen B l ä t te r" für Groß-Bcrlin Stadtarzt Dr. Löwen st ein- Lichtenberg in einem Artikel„W as die Eheberatung ist und was der Sozialismus von ihr erwartet". In knappen, leichtverständlichen Sätzen behandelt hier ein Spezialarzt den Werdegang, den jetzigen Stand der praktischen Eheberatung in Berlin und ihre Mängel und Unzulänglichkeiten vom sozialistischen und kommunalen Standpunkt. Diesem Artikel folgt eine sehr auf- schlußreiche Zlbhandlung des Genossen Dr. M a j e r c z i k über„D i e finanziellen Leistungen der städtischen Werke" und die Stellung der Berliner Sozialdemokratie zu denselben. Die attuelle Frage des„Jugend- und Schülerwandern s" be- handelt Stadtjugendpfleger Genosse Kohl er, als guter Kenner dieses wichtigen jugendpflegerischen Gebietes. Er plädiert an Hand zahlreicher Beispiele für eine nachdrückliche Förderung des Iugend- und Schlllerwanderns besonders durch die städtischen Körperschaften Berlins. Der Schluß dieser Iuni-Nummer enthält„Vo r s ch l ä g e für ein Programm praktischer I u g e n d w o h l f a h r t r n Berlin", aufgestellt vom Genossen Max Peters, Iugendwohl- fahrtsdezernent im Bezirksamt Treptow. Die juristische Sprechstunde fällt am Sonnabend, dem 4. Juni, und am Dienstag, dem 7. 3uni, aus. Anmeldungen znr Herbst-Zugendweihe l9?7. Die bn Herbst stattfinden- den Jugcndweiben der ZlelÄSarbeitZgemein chast sreigeiiliger Verbände. Ortsgrupve Berlin, find in Vorbereitung. Die RcichsarbeltSgemeinfchaft ersucht alle Eltern oder gesetzlichen Verlreier. soweit sie keiner Religions- gemeinschast angehören und auS der Landeskirche ausgeschieden sind oder bis zur Eröffnung des VorbereitungsunkerrichteZ noch ausscheiden, ihre zum Herbst zur Schulentlassung kommenden Kinder, soweit diese an den Religionsunterrichten in den Schulen nicht leilnebmen oder vor Eröffnung der Unterrichte noch ausscheiden, zur Anmeldung zu bringen. Entsprechende An- meldescrmulare erbälk man bei allen Funktionären derReichsarbeilSgemeinschast, wie Verband sürFrcidcnkerwm u. Feuerbestattung E. V.. Volksbund für Geistes- sreibeit, Deutscher Montstenbund und Bund der Atheisten, sowie in allen Zabl- und GcschästSitcllen de? Verbandes silr Frcidenlcrtum und Feuerbestattung E. V. — Gleichzeitig werden die Mitglieder dcS Verbandes siär Freidenkerlum und Feuerbestaltung E. V. darauf aufmerksam gemacht, dasi die stahl- stelle zur Entgegennahme von Beiträgen in der F r i e d e n st r. M b e- st e b e n bleibt. Geöffnet ist sie täglich von 8—3 und Sonnabends von 8 bis 1 Ubr.'Anmeldungen von Sterbesällen jedoch nur in der Hauptgeschäslsstelle, Gncisenaustr. 41.— Kirchenaustritte werden Montags und Donnerstags in der Gneisenaustr. 41 und Dienstags und Freitags in der Fricdcnstr. 60, abends von 7—8 Uhr, entgegen- genonimen. Legitimation unbedingt erforderlich. Treptow-Slcrnwarle: Am Sonnabend, 4. Juni, abends 8 Uhr. an beiden Pfingst-Fciertagen, nachm. 4, 6 und 8 Uhr und DicnStag, 7. Juni, nachm. S und 8 Uhr wird der Film„Moana. der Sohn der Süd- see- vorgeführt, der mit dem Leben der Südsce-Jnsulancr bekannt macht. Der Film ,DaS grosic weisie Schweigen-, wird am Mitlwoib. 8. Juni, abends 8 llhr, vorgeführt und zeigt uns die Südpol- expedition Kaptiain Scotts und jeiner Gcsäbrtcii. Sonnabend, lt. Juni, abends 8 Uhr und Sonntag, 12. Juni, nachm. 4, 6 und 8 Ubr, lernen wir in dein Film.König Amazonas- die Gebeimniss« des Jnkalandcs und die Wunder des Amazonenilromcs tenncn. Mit dem großen Fern- r o h r wird täglich bis t I Uhr abends beobachtet. Das astronomische Museum ist täglich von 2 Uhr nachm. bis g Uhr abends geöffnet. Republikanischer Pfingsttog. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Krdsvcrnn Berlin-Lichtenberg, veranstaltet am l. Feiertag in den Gcsnmträiimcn von Schonert(Reu'eeland). am Riiinmclsburger See sBahnbos Stralau- Nummelsburg), emen Rcvublikaliischc» Tag �erblinden mit Wecken, Frühkonzert, Platz- und Nachmiltagskonzert, Epe- ,>alitäten, Tanz und Belustigungen aller Art bei tleinen Preisen. Alle Kameraden, Republikaner und Freunde find hiermit herzlich eingeladen. ver Alännerchor lrarmoale Eharkoktenbnrg veranfiakiet am ersten Pfingslseiertag, srüh 6 Uhr, aus dem Spandauer Lock(rechts) ein Früh- l o n z c r t. Frühlonzerk. Am I.Pfingstseiertag veranstaltet der Sängerchor.Wcdding- (Mitgl. des DASB.) im Lokal Fenzke, Seestr. 3, em Frühkonzert. Einlag 5 Uhr, Beginn 6 Uhr. Eintrttt 30 Ps. An die Adonvenken de».Wahren Zakob". Um weiteren Nachfragen vorzubeugen, gibt der Verlag I. H. W. Dietz Nachf. bekannt, dag die erste Nummer am 9. Juli und dann in vierzchntägigcr Folge als Fortsetzung sür.Lachen links- erscheint._ Rcvifionsantrage im Kölner Mordprozeß. Köln, 3. Juni.(WTB.) Im Prozeß Bröcker- Oberreuter hat die Verteidigung für Bröcker und die Staatsanwaltschaft wegen der Strafe der Frau Oberreuter Revision eingelegt. Wenn der Re- oision stattgegeben werden sollte, dürste mit einem neuen B r ö cke r- P r o z eß zu rechnen sein, der in einem Zeitraum von etwa vier bis sechs Monaten ftattsinden könnte. Sport. Ein inkernallonoie» loo-Kilomeler-ZNannichafl-rennen am dritten Pfingst- feierlag aus der Aüit-Arena. Der dritte Psingslseiertag war von jeher ein großer Nadivorttag in der Reichshauptktadt, denn au diesem Tage veranstaltete stets die nun vom Erdboden verschwundene Treptower Bahn glänzend beictzle Rennen, die sich eines starken Zuspruchs erfreuten. Die Nült-Arena, die das„Erbe- des populären.Nudeltopps- angetreten bat, hält daher, der ollen Tradition folgend, ebenfalls am dritten Psingft- seiertag große internationale Nennen ab, deren Hauptnmnmcr diesmal ein 10v-K>lomcler-Maniischasts:en»en nach Sechstageart ist. das wieder eine hervorragende Teiinebmerschast am Start vereinigen wird. Bisher stnd Tonani— Knappe, Rieger— Jung-, K o ch— F r a n k c n- stein. Fricke— Krollmann, K r o 1 1— M i e t b e, Kühl— Wette und der Belgier Dewols verpflichtet worden. Vorher kommen ein- Anzahl Flieger-Wetlbewerbe zum Austrag: hier gellen bereits Oskar Rütt und Bus che«ha gen als sichere Starter. Beginn 7,30 llhr abendS, üMeiliiiSkige ticinistätten-, Spar- mi Eau- AlltiEngeselisctiatt, Esrlin. Die Gesellschaft labet hierdmch ihre Aktionäre.ni der am 24 Juni 4 llhr nachm. in Berlin, im Bureau der.,Gehag", Sedastianstr. 37'38 stattfindenden ordcnttic�en Cencralversantmlung ein. Die Generalversammlung wird B.'. ichlust fassen über iotgende Tagesordnung: i. Geschönsdericht des Vorstandes für da- Jahr 1926 2. Btlan?. Verlust- und Gewinn- rechnung für das Jahr 1926 8. Antrag auf Erhöhung des Akiien ravitals au f 500000RM. 4. Ersatzwahl zum Aussichtsrat Berlin, den 1. Juni 1927. Lemelnnütiixe Spar- und Bau-Aktienscseltschaft. Der AuificMsrat: � a 1 1 E: e gle OtBlllMttsHsIthHlil Uditlinq! MM-WMe mml tjcutc. Sonnabend. 4. Znni(Jifingft- fonnabenf). nachmittags 5 Astr. im parterreiaal des Verbands Hauses Ltnlenflr. 83 85: war Versammlung oller außerhalb auf Montage befindlichen Kollegen der Metall- induslrie. Die Tagesordnung wird in der Derjammiung bekanntgegeben. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Erscheinen aller Monteure wird bestimmt erwartet.' Montag, den S.Znnl(vflnpstmontag). vorn,. 10 Ahr, in» Ungendfaol bcs verbanbshanse». Cinienffc. 83/85. Portal I, 2 St.; Konferenz"�2 sämtlicher aas Montage arbeitenden Rohrleger und heiser. Zu der Nonierenz wird über den Perlaus und Stand der Tarit- und Lohnbewegung. unter besonderer Berücksichtigung der Forderungen sür die aus Wontage ardcilenden Kollegen. Bericht erstatte» E« ist Pflicht aller zu Pfingsten von der Monlag« nach Berlin zurllcktehrenden Kollegen, aut dieser Konsereirz unbedingt nnd püntUich zu erscheinen, da über wichtige Dinge berichrel und beschloffen werden soll' Mitgliedsbuch legitimiert. Vie Oclaoecmalfnng. IU M (Berlin-Hambg.-Bahn). Erfolgreichstes Bad geecn(Zieht. Rheuma, Ischias und Frauenleiden. Erfolg tausendfach bestätigt. Eröffnung l. Mai 1927. Kurzeit ganzjährig. Prospekte durch die Bade- Verwaltung und diverser Reiseburcaus Ö Dem Genossen Jj« | loSwig Hasmk uM Fian| S Aastantenalleede. die best en G l ü ck Zi: w ii N j ch e zur Silberhochzeit, sowie � m zur Hochzeit ihrer Tochter Erna, jj Die Genossen d. 6. Abteil.. 4<7. l!ez.« ■üo o-tfi- o k o i st-x««-«-!> ait Statt Karten. Für die zahIreichenBewet'e herzlicher Teilnahme aniätzüch be» Hinscheidens meines lieben Mannes und Vaters kerndarl! 8ckiNer8Lll8 sage ich der Geschüfisletlung und den itollegen der Lonsum- GenojfenschaU Berlin und Umgegend, den Partei» renofimnen und Genoffen de» Vor- iiaiidos d. 5. Nreite» Friedrichshain u d.Z.Z. Abl des Reichsbanner« Schwarz» Ro:»GoId Z. Seilion. Bez. Friedrichs- Hain, dem Vertreter de» deutfaien B-rkehrsbunde», dem Redner der Volk»» Fruerdrstaltung und allen Freunden und Bekannten aus diesem ege meinen herzlichsten Dank. Martha Schwersens u. Sohn i Garmisch;;t Haus Keil Zugspitzstralle 117. Balkon- Södzlmmer Bett M. 1JO stMHUKSei CTr/Jn 100 rerfar* Qailtunns-.Rabsit- n.Reklamemarkeji legen Nachahmung gesetzl. resch. lertigt seit 45 Jahr. als Spezialltat Conrad Müller Leipzig- Skeuditzcb �UERGtNS 11 ax a n d e r d! t tr 392—575 m ü. d. M. Saison Mai mit September Schönst gelegener, windstillster Kurort des Fichtelgebirges, mitten im Wald. Ausgedehnte, schattige Spaziergänge in Tal und Berg. Terrain- kuranlage nach Prof. Oerte). Licht», Luft« und Schwimmbad im Wald. Tetmis» platz, Spielplatz. FischereigelcgenheiL Kurhaus mit LesesaaL Zum Kurgebrauch das kieselsäurehaltige Wasser der Silvana-Heilquelle Groschlattengrün. Vorzügliche Kurkapeile konzertiert 26. Mai bis 11. September tSgl. 2 mal, Sonntags 3 mal. Jeden Mittw. u. Samstag Reunion. Gute sanitäre Einrichtungen, behagliche Gasthaus» und Privatwohnungen. Vorzügliche, preiswerte Verpflegung. Prospekt K und Wohnungsverzeichnis unentgeltlich durch Städtische Kurverwaltung Berneck i. F. Wir l�elfen Ilmer» 25 um I>fingst~ Sie le m Kleider machen Leute. Kaufen Sie nach unserem neuen iaaar 2 den bei uns in 65 B* F<5 ES m BUBCl 35 Sl HB die besten Qualitäten, die größte Auswahl 9W zu bBlll0stfen Preisen"WS Bevor Sie kaufen, besichtigen Sie nnsere großen Schaufenster und Sie werden ans bestätigen müssen, daQ wSt wBrBdScIl billig sScXEfl- Preis« bei Bezahlung Innerhalb 15 Wochen i Frühj.-Anzug Herr.-Anzug in modernen Mastern M. 32.- WodKcnraiel.So aas Gabardine in neuesten Dessins M. 42.- u Wodtenrnie 2.— Herr.-Anzug Maßersatz, in neuesten uni und Karo- Mustern M. SSb" an Wodienraie S.— Herr.-Anzug blau Twill, gnte Verarbeitung 54b" an YVoiHCKraie 2.15 Sport-Anzug Gabardine, mod- Verarbeitung Ma 40s- an Wo3ieu.-nle 2.— Prima Lummi- Herr.-Mantel Ms 14.- an Woötenrnie 1.— Herr.-Mantel Gabardine, Schwedonfonn Ms 34a- an Wodieuraie 1.50 Moderner Burberry- Dam.-Mante] neueste Verarboitg. Ma 2Sa" an Woetenratei.SO vam. Manie! Der n eueF rüh j ah rs- Seiden- Mantel in allen Farben Mb 3Sb- ar. Woffieweic i.su Die neuesten Givrine- Mäntel Ottomane fa«;onn6 in Glatt nnd Karo Wo&earalcl.se Der moderne AbsndAnzug in Schwara 44b" an irocüsarale 2.50 Trotz billiger Preise gewähren wir bei Bezahlung Innerhelb IS Wochen 20 Prozent Rabt:*«, fcei DD Ware kann sofort mitgenommen oder frei Ksus zugesfelil vrsrdenl■■». ww�—a» Elegante Straßen- und Sport-Anzuge in neuen Mustern. Neuheiten in Gabardine und Sommer-Paletots, Streifen- und Breeches-Hosen, Manschester-Anziigen, vorratig in allen Weiten.— Neuheiten in Damen- und Backfischmänteln in Tuch, Rips, Epingie, Herrenstoff, Seidenmänteln, Burberry, Riesen- Auswahl in allen Größen. Bekleidungs-Gesellschaft SQdostm.b.H. Nähe Jannowitzbrücke SSriÄ®ic® ES sL'NWG T Nähe Köpenicker Straße | Vorzeiger dieses Inserats erhält bei Kauf M 1.— und Straftenbahnversütuns für QroQ-berlin. Nr. 261>44.�ahrgakg 2. Seilage des vorwärts SoemabeoS, 4. �unl 1427 Die Zollmauern in öer Welt. Sowjetrutzland verteidigt sie und hat die höchsten Zölle. Es ist höchst bemerkenswert, daß die Anhänger de» Schutzzoll- fystems, die in den einzelnen Ländern stark genug sind, um ihren Willen durch die Parlamente durchzusetzen, es nicht gewagt haben, vor der Weltwirtschoftskonferenz sich zu ihrer Politik offen zu bekennen. Vielmehr haben sie das heutzutage herrschend« handelspolitische System nur indirekt zu verteidigen versucht, indem sie die Schwierigkeiten seiner Abänderung betonten. Soweit man nach den Berichten der Presse urteilen kann, ist die einzig« Stimme. die sich in Gens grundsätzlich für die Schutzzölle erhob, di« des Vertreters der Moskauer Regierung gewesen. Die Sowjet- delegation, die nach der Schweiz mit der doppelten Aufgabe ge- kommen ist, Kredite zu erhalten und die Führer der europäischen Arbeiterbewegung wieder einmal zu.entiaroen", hat nicht gezögert zu erklären, daß der Protektionismus da» Mittel der Verteidigung der schwächeren Agrarvölker gegen die Angriff« der Imperialisten sei! Der Wandel in der Bedeutung der Zölle. In Wirklichkeit verändert sich die Bedeutung der Zölle von Land zu Land und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt', die Zollfrag« in China ist etwas anderes als in den Bereinigten Staaken: die Roll«, die der Protektionismus in Deutschland gegenwärtig spielt, ist eine andere, als die er vor hundert Jahren gespielt hat. Ebenso verschieden ist auch die relative Bedeutung der fiskalischen lsteuerlichen) und der p r o t e k t i o n i st i s ch e n(eigentlich Industrie- .schützenden"') Zollsätze in den Tarifen einzelner Länder. Doch haben diese beiden Zollarten das gemeinsam, daß die einen und die anderen die Volksmassen, die Verbraucher ausbeuten: die ersteren zugunsten des Staates, die letzteren zugunsten der privaten Unternehmer. Es ist recht schwer, den G r a d des Protektionismus in verschiede- neu Ländern zu ermessen: die Eigenart der modernen tdandelspolitik besteht darin, daß die Handelsverträge für kurze Fristen abgeschlossen werden, die Klausel der Meistbegünstigung aus verschiedene Weise umgangen wird, die Tarifsätze sich in fortwährender Bewegung be- finden und die wirkliche Höhe der Zollmauera verhüllt bleibt. Doch kann man annähernd über diese Höh« Aus- schluß bekommen, indem man die Zolletngäng« in Beziehung zum Werl« der gesamten Einfuhr setzt. Für Deutschland sind folgende Zahlen kennzeichnend: l92S Einfuhr in Millionen Mark..... 13080 Zölle in Millionen Mark...... 590 Zölle in Prozenten der Einfuhr.... 4L 1926 10 566 940 8.9 Es Ist also den besitzenden Klassen Deutschland« gelungen, in kurzer Zeit die Zollmauern aus das Doppelte zu erhöhen, wobei 1. die Verbrauchsbesteuerung um 60 Proz. zugenommen hat(die siskolische Wirkung des Systems), 2. di« Unteinehmer die Möglichkeit elhalten haben, die Preise auf dem inneren Markt zu steigern oder auf der erreichten Höhe zu halten (protektionistische Wirkung des Systems). Am niedrigsten sind gegenwärtig die Zollmauern in den Nieder- landen(1,3 Proz. des Einsuhrwertes). Es folgen: Frankreich mit 3,7 Proz., Belgien mit 3,7 Proz., Italien mit 3,9 Proz. Freilich sind diese letzteren Länder keine grundsätzlichen Ver- fechter des freien Handels. Die reell« Bedeutung der Zölle wurde ober hier durch die Inflation herabgesetzt, die das Zollsystem vor- übergehend ersetzen kann. Dann kommt die Gruppe der Staaten, deren Handelspolitik etwa in demselben Maß protektionistisch wie die deutsche ist: Oesterreich mit 7,1, Schweiz mit 8.7, Norwegen mit 8,7 und Schweden mit 9,6 Proz. des Einfuhrwertes. Merkwürdiger- weise gehört auch Großbritannien zu dieser Gruppe, da e» recht hohe Zölle von den eingeführten Kolonialwaren und Spirituosen erhebt: im Durchschnitt niachen hier die Zolleingänge etwa 8 Proz. des Einfuhrwertes aus. Weit höher sind die Zollmauern um die Vereinigten Staaten von Amerika: im Jahre 1926 wurden an ihren Grenzen an Zöllen 557 Millionen Dollar erhoben, was 12,5 Proz. des Einfuhrwertes ausmacht.� Diese durchschnittlichen Zollsätze könnten unerwartet niedrig er- scheinen, obwohl die Besteuerung der gesamten Einsuhr mit 8 bis 9 Proz. ihres Werte? eine ganz beträchtliche Wirkung auf die Ge- ftaltung der Preise ausüben nmß. Es ist aber zu berücksichtigen, daß es sich hier um Durchschnittswert« handelt. In Wirk- lichkeit werden niemals alle eingeführten Waren gleichmäßig ver- zollt: einig« Warengattungen werden ins Land frei eingelassen, von anderen werden bloß gering«.statistische Gebühren" erhoben, von den dritten wird endlich der größere Teil der Zolleingänge erhalten. was zur bedeutenden Verteuerung gerode dieser Gegenstände des Massenverbrauches führt. Am deutlichsten kann diese Verteilung der Zölle in den Vereinigten Staaten beobachtet werden, wo etwa zwei Drittel der Einfuhr zollfrei sind, aber von den zollpslichtlgen Waren Zölle durchschnittlich in Höhe von 37.6 Pro,, de» Werte, erhoben werden(namentlich von landwirtschaftlichen Produkten 23,3 Proz., von Baumwollwaren 30,7 Proz., von Wollworen 43,7 Proz., von Tabak 50,7 Proz., von Seidenwaren 53,1 Proz., von Zucker und Zuckerwaren sogar 62,8 Proz.). Da» Zollsystem in Sowjetrustland. Di« Vereinigten Staaten können sich aber nicht rühmen, die höchsten Zölle der Welt zu besitzen: der von ihnen ausgestellte Höhenrekord wurde von der Sowjetunion glänzend ge- Ichlogen, die im Jahr« 1925/1926 bei der Einsuhr im Werte von 700 Millionen Rubel rund 150 Millionen Rubel, mehr als 21 Proz., an Zöllen erhoben hat. Das russische Zollsystem oerdient aber näher betrachtet zu werden. Im Gegensatz zu den anderen Staaten, wo die Zölle den wich- t i g st e» Bestandteil de» Schutzsystems bilden, spielen sie im russi- schen Protektionismus nur eine untergeordnete Rolle: viel wichtiger ist hier das Staatsmouopol des Außenhandels. Der Staat setzt selbst auf den äußeren Märkten die Erzeugnisse des Lande» ab und kaust selbst die Waren, die das Land nötig hat, angefangen von der Baumwolle, dem Kautschuk und Eisenbahnmaterjal bis zu Fahrrädern, Brillen und Grammophonplatten. Um die Nachfrage von einem Markt von 150 Millionen Menschen zu befriedigen, wird ein ungeheures Heer von Beamten aufgestellt, und zwar nach dem- selben Grundsatz wie die übrigen Sowjetorgane: über den Fach- leuten, die die Arbeit zu besorgen haben, werden als Vorgesetzte die Vertrauensmänner der regierenden Partei gestellt, die einer den anderen kontrollieren und eventuell sogar mit Hilfe von besonderen Spitzelabteilungen beoussichtigen. Diese Bureaukratisierung des Außenhandels eines Riesenlandes oerschlingt ungeheure Mittel und verteuert die eingeführten Waren aus phantastische Weise. Bei dieser Verteuerung kommen die aus der Grenze erhobenen 21 Proz. de« Wertes nicht ernst in Betracht. Die eingeführten Waren werden aber nicht zu den Selbstkosten der Handeisbehörden abgesetzt: es werden in die Verkaufspreise noch die üblichen Verluste bei dem Aus- iiihrgeschäst einkalkuliert. Nicht selten kommt es aber auch bei dieser Kalkulation vor, daß die Preise— im Vergleich mit den der einheimischen Waren— sich als zu niedrig erweisen. Dann werden die Preise der«ingesührten Waren noch entsprechend herabgesetzt. Vor kurzem hat die Sowjetregierung alle Zollsäge bedeutender- höht' Baumwolle auf 21 statt 6 Rubel, gewaschen« Wolle aus 60 statt 6 Rubel, Kautschuk auf 30 statt 6 Rubel, Brillen und optische Gläser aus 7500 statt 250 Rubel(alles für einen Doppelzentner). Räch dem Gesagten liegt ee aus der Hand, daß die Sowjetdele- gierten wohl berufen waren, auf der Weltwirtschaftskonferenz als Derfechter des Protektionismus auszutreten. Es ist ihnen aber nicht gelungen, die Totsach« abzuschwächen, daß die Zölle eine der schlech- testen Arten der Besteuerung des Verbrauches und eine gefährliche Ausbeutung des Voltes darstellen. Gewiß sind in dieser Hinsicht ein- zelne Ausnahmen möglich, wo eine vorübergehende Anwen- dung der Schutzzölle angängig ist. Dies gilt eventuell für den Fall, wenn ein Land, das bei sich hohe Löhne und kurze Arbeitszeit ein- geführt hat. seine Arbeiterschaft vor der Schleuderkonkurrenz der Länder schützen muß, die einen unwürdigen sozialen Dumping treiben. Aber auch hier gibt e», besonders heute, andere Mittel, und eine solche Ausnahme kann nicht ausreichen, um ein System zu ver- teidigen, das tatsächlich den übelsten Angriff gegen den Wohlstand der Volksmassen darstellt. Wl. W. Der Kampf üer Neichsbank. Ter ReichsbankausweiS Ende Mai.— Ter Kampf mit den Privatbanken. Der Ausweis der Reichsbonk vom 31. Mai zeigt einige wesent- liche und überraschende Züge, die kaum zu verstehen sind, wenn man nicht den Kampf berücksichtigt, den die Reichbank nun seit Wochen mit den Privatbanken führt. Di« Kapitalanlage der Reichsbank ist am 31. Mai gegenüber der Vorwoche um 599,3 auf 2 585,9 Millionen Mark gestiegen. Da» ist absolut die größte Zunahme, die in diesem Jahre sür die letzten Monatswochen zu verzeichnen waren. Dabei erfolgte eine Steigerung der Wechselbe st ände um 547,7 auf 2 421,3 Millionen. Auch dies« beiden Ziffern sind absolute Rekord zifsern. Die Reichsbankkundfchast hat also außerordentlich dringend Geld benötigt. Demgegenüber überrascht, daß die Kundengelder auf Girokonto, auf die in der Regel zuerst zurückgegriffen wird, erstaunlicherweise um nur 28,8 aus 699,8 Millionen zurückgingen. Aus der anderen Seite ist es sehr überraschend, daß bei dieser rekordmäßigen Inanspruchnahme der Reichsbonk die Reu ausgab« von Roten(527,3 Millionen) noch tiefer blieb als in den Schluß- wachen der Monate Februar, März und April und daß der Roten- umlouf selbst mit 3 719 Millionen so beachtlich tief gehalten werden tonnte. So wird die seltene' Höh« der Kundengelder aus Girokonto nur au» dem Druck erklärt werden können, den die Reichsbank auf die Privatbanken zur Hochhaltung ihrer Barguthaben und damit zur Verminderung des Bankenrückgrifss auf die Reichebant ausübt. Di« von der Reichsbank gewährten Lombard darlehen sind nur um 51,6 auf 71,6 Millionen Mark erhöht. D!« Bestände. an Gold und deckungsfähigen Devise» sind zusammen um 14,6 aus 1 894,1 Millionen zurück gegangen, wobei die neuerliche Abnahme der deckungsfähigen Devisen um 13,7 auf 78,6 Millionen wieder sehr zu beachten ist. Im Zusammerchang mit diesen Veränderungen nahm der Geldverkehr 578,4 Millionen Reichsbanknoten und Rentenbankscheine neu auf, und zwar stieg der Notenumlaut um 527,3 auf 3 719,2 und der an Rentenbankscheinen um 51, l aus 1033,2 Millionen Mark. Der Rückgang der Deckungs- b« st ä n d e Hot auch für dos Deckungs Verhältnis zu einem Rekord geführt, und zwar zu einem Tief rekord. Mit 50.9 Proz. Notendeckung durch Gold und Devisen zusammen ist die niedrigste Deckung dieses ganzen Jahres erreicht. Seit Ende Dezember haben die umlaufenden Roten genau 12 Proz. ihrer Deckung durch Gold» und Devisen verloren. Ganz besonders interessant Ist der Vergleich der Reichs- bankbilonz für Ende Mai mit den vorhergehenden Monaten diese» Jahres. Jan. Febr. Mär, April Mai 1927 (in Millionen Marl) Aalen und Schulden Banknotenumlouf... 3786 lRentenbonlichetne).. 1164 Giroeinl. d. Kundschaft 648 Kredite an die wirlschaft Lombardlredite.... 84 Wechselkredite..... 1829 Aotendeckung durch Gold...... 1831 » Devisen..... 519 , Gold u. De», zus. 2350 Veckungsverhällni» !llr Noten durch Gold u. Dev. 62.9 . INent.d.sch.... 47,9 ».».. Gold allem 37,4 3410 1108 575 82 1415 1835 421 2256 3465 1114 539 155 1644 3589 1095 616 81 1963 3676 1060 582 67 2068 1834 1852 1850 204 203 171 2038 2055 2021 (in Prozenten) 58.8 57.3 55.0 44,5 43.6 42,7 40,1 37,4 39.1 3719 1033 700 . 72 2421 1516 79 1895 50.9 30.3 38.2 66.2 49.8 40.0 Gegenüber Ende Dezember sind die W e ch s e l b e st ä n d e der Reichsbank um 592 Millionen, gegenüber End« Januar sogar um 1 006 Millionen, also um über ein« Milliarde erhöht. Demgegenüber ist der Umlauf an Banknoten Ende Mai noch um 16 Millionen niedriger als End« Dezember und n u r um 309 Millio- neu höher als Ende Januar, obwohl gegen Januar das Wechsel- porteseuille um mehr als ein« Milliarde gestiegen ist. Rechnet man Roten- und Rentenbankscheine zusammen, so ist der Geidumloui Ende Mai sogar uin 147 Millionen niedriger als Ende Dezember und nur um 234 Millionen höher als Ende Januar. Daß die Reichsbonk den Geldumlauf nicht entsprechend der nermehrten Kreditgewährung steigern konnte, erklärt sich aus der Entwicklung der Gold- und Devisenbestände, die gegenüber Ende Dezember nach den Ausweisen der Reichsbank um nicht weniger als 455 Millionen' sanken, nach den Mitteilungen de» Reichsbankpräsidenten sogar um rund 800 Millionen, nachdem auch aus anderen Konten Devisen ab- gegeben morden sind. Die Notwendigkeit, den Geldumlauf tief zu halten, erklärt sich dabei ohti« weiteres aus den Dcckungsverhäitnissen: Obwohl die Deckung der Roten durch Gold allein Ende Mai noch 48,8 Proz. betrug, und durch Gold und Devisen zusammen noch 50,9 Proz., hat die Deckung der Roten und der Rentenbankscheine durch Gold und Devisen zusammen die bisher nie unterschritten« 40 Prozentgrenze Ende Mai mit 39.8 Prozent verlassen. Durch Gold allein sind Raten und Rentenbankscheine Ende Mai ebenfalls nur mit 38,2 Proz. gedeckt. In dieser Entwicklung wird man den Hauptgrund zu* suchen haben für den Kamps, den die Reichsbonk heute mit den Privatbanken führl und auch für die Verbissenheit, mit der dieser Kampf durchgeführt wird. Angesichts der starken Devisen- anforderungen für die noch immer steigeuds Mehreinfuhr, die die Rotendcckung zunehmend verknappt und angesichts des Willens der Reichsbank, die Krcditanforderungen au» der ansteigenden Konjunktur möglichst weitgehend und möglichst billig zu befriedigen, muß die Reichsbonk den Notenumlauf und den Diskontsatz so tief halten als möglich. Das ist nicht ander» möglich als einmal durch die stärkste Konzentrierung der in der Wirtschaft und in den Staatskassen vorübergehend freien Gelder und durch den schärfsten Druck auf die Banken, alle diesen erreichharen Mittel für den normalen Wirtschoftsbedars zu reservieren. Da die Banken ihrerseits aber am Börsengeschäft besser verdienten sowohl durch Kursdifferenzen als auch durch Zinseinnahmen, und die Verdienstdcck« aus dem normalen Kreditgeschäft allein für den aufgeblähten Bankapparat zu knapp schien, war der Konflikt zwischen der Reichsbank und den Privatbanken unvererblich, nachdem«r bisher jahreloyg vertagt wurde. Man wird diese Lehren au» den Reichsbankbilanzen zu beachten haben, wenn man den Vorgängen der letzten Wochen und dem, was an Konflikten noch komme» wird. vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus gerecht werden will. Deutsch-französische handelsvertragsoerhandluugen nach Psing- ften. Die Vorbereitungen sür die Wiederaufnahme der deutsch, ranzösischen Haudelsvertragsoerhaudlungen sind soweit, daß mit dem Beginn der neuen Derhandlungen bereits kurz nach Pfingsten gerechnet werden kann. Die Beratungen finden wiederum in Pari» statt. SwsmdmMfdjunffmfffdjiitit, z> < in wenn Sie auf das WäJJetzeidjen im Papier unferer Moslem- GgwretU aehten. Nur eine gute Cigarette wird man zu ßlfcben verfiubm. Un- fere Qualität i£t nicht nachzuahmen. {Fordern Sie unßre-Moslemv� meidtfferaucbtedeutfcbeSPf.-Ciffarette CIOARZTTENFABRIK PROBIZM-BtRUN Lockerung öer Kapitalertragssteuer. Vom Reichsfinanzministerium wird mitgeteilt, daß es in Zu timst Anträge auf Befreiung der Ausländsanleihen von der Kapital- ertragssteuer wieder prüfen und eventuell dem Reichsrat und dem Steiicransschuß des Rei-tzslag-s befürwortend vorlegen will. Damit ist die Entscheidung über die Kämpfe gefallen, die der Oesfentlichkeit während der letzten Wochen für die Steuerfreiheit der Auslandsanieihen geführt worden sind. Der allgemeinen Kapital klemme, die seit Wochen in Deutschland besteht, wird mit der Rich tung auf das Ausland«in Ventil geöffnet. Kreditpolitisch wird der Reichsbonk die Vermeidung der Diskont er- h ö h ii n g erleichtert. Di« Kosten dafür übernimmt das Reich und damit die Allgemeinheit, die den zehnprozentigen Steuer- a u s f a l l aus den Auslandsanleihezinsen übernehmen müssen. Der Vorteil aus dieser Erleichterung komnit ausschließlich dem Privat kapital zugute, das sich schon bisher die vom Ausländer nicht ge trageue Steuer bei der Unterbringung der Anleihen aufrechnen lssfen mußte. Das Poivatkapital in Deutschland erhält also indirekt eine Subvention, denn es besteht keinerlei Anlaß, daß selbst bei llcberwälzunq der Kapitalertragssteuer vom Ausland auf die inländischen Kreditnehmer die Allgemeinheit die steuerlichen «yonderkonlen für die Auslandssmanzierung trägt. Diesen Sub nentionscharakter wird die Oesfentlichkeit fest im Auge zu behalten haben, so plausibel auch die Gründe sind, die bei der gegenwärtigen Loge des Geld- und Kapitalmarktes diese Subvention v e r st ä n d hl ch erscheinen lassen. -Es ist selbstverständlich, daß allen Wünschen nach Aufhebung der Kapitalertragssteuer auch für Inlandsanleihen aufs ich a rffte entgegengetreten werden muß. Wie zu erwarten war, wird sie nämlich jetzt von den Banken, Industrie- und Handels yechänden gefordert. Mindestens mit dem gleichen Recht könnten alle Arbeit»chni er auch die Beseitigungdes Lohn- a b z u g s verlangen, die volkswirtschaftlich noch unvergleichlich viel gtinstiger wirken würde als die Beseitigung der Kapiprlertragssteuer. Die Wirtschaftslage im wai. Nach den Berichten der Handelskammern mies die Wirtschaftslage int Mai eine weiter« Besserung des Arbeitsmarktes aus, die zum Teil in der stärkeren Belebung des Bau»narktes, zum Teil auch in der weiteren langsamen günstigen Entwicklung von Teilen der deutschen Industrie ihre Erklärung findet. Die Besserung der Verhältnisse in der deut schen Wirtschaft schreitet weiter langsam fort: doch gilt dies weniger für die P r e i s e n t w i ck l u n g als für den Beschättigunqsgrad der Industrie. Wie weit demgegenüber die neuerlichen Ereignisse an der Börse Einfluß auf die Gesamtentwick lung der deutschen Wirtschaft ausüben werden, läßt sich noch nicht endgültig übersehen. Produttion und Absatz von Kohle wurde durch die immer stärker einsetzenden Weitbewerbsmaßnahmen der englischen Kohlenindustrie. die ihre alten Absatzmärkte nach Beendi ' gung des großen Streiks mit allen Mitteln wiedererwerben will, ungünstig beeinflußt. In verschiedenen Zweigen der eisenschossenden und eisen verarbeitenden Industrie werden die Absatzverhäit- nisse günstig beurteilt. Eine stürmische Generalversammlung. In der Gencralversamm- lung der Berliner Müllabfuhr A. G. kam es zii überaus beiligen Angrissen der Kleinaktionörgruppe gegen die Verwaltung und die Stadt Berlin als Großaktionär. Im Mittelpunkt der An- ariste stand die angebliche Schädigung der Kleinaktionäre d» r ch Gewährung von billigen Krediten und übermäßig hohen Gespannlöhncii an die dem Vorstandsmit- g I i c d e L e t I o w nahe st ehe» de Viktoria-Park A. G. Durch Regiefchler des Versammliingslcitcrs wurde die Stimmung derart zugejpi�t, daß eine ordnungsgemäße Abwicklung unmöglich schien. Eist durch das Eiligreisen des Genossen Reuter, der die Volilil der Stadt Berlin klarlegte, wurde die Debatte auf das sachliche Geleise zurückgeführt. Danach war die Stadt Berlin vor deM Ankauf der Aktien nicht geneigt, den l9Zg ablaufenden Bertrag mit der Müllabfuhr A. G. zu erneuern und beabsichtigte eine kommu- uaie Müllabfuhr zu organisieren. Es liege daher offensichtlich auch im Interesse der Klcinaktionäre, wenn die Stadt positiv an der Ge- sellschast und einem Kurswechsel ihrer Geschästspolitik mitarbeite. Im übrigen bemühe sich die Stadt, durch Verbilligt! ng der Mü l l�k ä st c n q e b ü h r c n auch den Hausbesitzern entgcgenzu- komm/n; der Erfolg fei bereits durch die Senkung der Kosten von 5,35 Mk. au> Mk. gegeben, doch sei noch eine weitere Er- Mäßigung auf 4,50 Mk. vorgesehen. N ich unseren Informationen liegt die Absicht vor, die Müllabfuhr A. G. in städtischen Be- sitz überzuleiten und die Aktionäre entsprechend abzufinden. Der Vorschlag soll bereits den entscheidenden Instanzen zur Beratung zugegangen sein. Auch Stimmen für porloerhöhung! Der Protest gegen die Portoerhöhnng und besonders ihre unzulängliche Begründung ist einheitlich überall. Wenigstens meldete sich niemand dafür. Dos ist jetzt anders geworden, wen» auch keine Ueberraschung damit ver- 5 linden ist. Auf der Generalversammlung der Telephon- und I e l e g r a p l,« n w e r k c C. G. Lorenz A.- G.- Berlin erklärte der Vorstand, daß die Gesellschaft sich von den bevorstehenden Groß- a n f t r ä g e n d e r R« i ch s p o st für die Errichtung von Automaten- ämtern viel verspreche, die jedoch nur�nach Durchführung der Portperhöhung vergeben würden. Diese Erhöhung sei vollkommen b e r e ch t i g t, ja sogar n o t w e n d i g, da die augenblicklichen Sätze unverhältnismäßig niedrig seien.— Notwendig ist die Porto- erhöhung. wie man hier deutlich sieht, für den P r o f i t d e r G r o ß> Verdiener an den Postlieserungcn. Für die Absichten des Herrn Schötzle eine denkbar schlechte Referenz. Im übrigen hat die Lorenz A.-G. gut verdient. Roch dem Geschäftsbericht konnte der Umsatz gesteigert werde», und wenn auch durch scharfe Konturrenz die Gewinne scheinbar etwas verringert wurden, so wird für 192S aus das S,27-Miliionen-Kapital doch die gute Dividend« von 6 Proz. verleilt. preußischer Staatskredit für die ostpreußische Industrie. Dem preußischen Staatsrat liegt ein Gesetzentwurf vor, der das Preußische Staats, ninssterium zur Gewährung eines Kredits von 1.5 Millionen a» die Mittel- und Kleinindustrie Oftpreußens ermächtigt. Bei dieser Ermächtigung handelt es sich um einen formellen Akt. Schon im Herbst 1926 hat nämlich die Preußische Staatsbank auf Veranlassung des Preußischen Staates IVi Millionen Staotsqelder der Landesbank der Provinz Ostpreuhen überwiesen zu dem Zweck, auf hypothekarischer Grundlage die ostpreußische Mittel- und Klein- industrie mit Krediten zu versehen. Auch aus Reichsmitteln ist der Ostpreußischen Landesbank ein gleicher Betrag zur Verfügung gestellt worden. Jetzt werden die preußischen Vorschüsse nachträglich in den Staatshaushalt eingestellt. Man wird gewiß diese Aktionen ver- stehen und würdigen: aber die Oesfentlichkeit muß sich dabei daran erinnern, daß auch sie zur Erleichterung der Handelsvertrags- verhonhiungen mit Polen ausgewertet werden müssen und daß sie wiederum nur eine Folge des Versagens der privaten Banken waren, die wie überall im Reich, so auch in Ostpreußen die mittlere Iichustrie zugunsten spekulativer Börsengeschäfte im Stich gelassen hat. � ver Wohnungsbau im Jahre 1926. Das Preußische statistisch« Landesamt hat jetzt die Statistik über die Bautätigkeit au« dem Jahre 1926 für die Stadt Berlin, die Provinzen Ost- preußen, Grenzmark Posen-Westpreußen, Westfalen und die hohen- zollernschen Lande verösscntlicht. Die Zahl der durch Neubau ent- ltondenen Wohnungen steigerte sich danach in Berlin von«475 im Jahre 1925 aus 14 576 im Jahre 1926. In Ostpreußen ist eine Steigerung von 5461 auf 6117 festzustellen und in der Provinz Westfalen von 12 772 aus 14119. Dagegen ging die Zahl in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen von 2043 im Jahre 1925 rlnseadvnge« für diese Zindrit sind Lerlio SW 68. Lwdenitrase 3. '•'----- u---- �-!-"— l-K---"D- 11------ � Uli yJlUflC IVÜO auf 1787 zurück und im hohenzollernschen Lande von 229 auf 134. partemachrichten für Hroß-Ser!in stet, an da» D«zirr»setret-!-t»t. 2. Hol, 2 Treo, recht», ju richten. 14. strei, Rcntöll». Achtung! T-a? Parteibureau, Neckarstr.?> bleibt heute, Sonnabend, und am 3. Pfinostfeiertag geschlossen. 95. Abt. Zicutäla Achtung. Vezirkskassiercr! Einlahlarten für unser ZSald- sest sofort abhoten vom Zlbteilung-kassierer Bkweg, Ziethenstr. 71. 34. Abt. Mittwoch. 3 Juni, 19'. Uhr, in den Comeniuzsälen, Memeler Stratzc 67. Nreismitatiedceversainmlung. Stricht vom Parteitag in 5ZieI. Die Bezirksführer laden dazu bestimm! ein. «7. Abt. Grunewald Grunewald. Wirtschaft." laden dazu bestimmt ein. Mittwoch. 6. Iuni, so Uhr, im Sabnbossreftaurant Abicilungsversammtung. Vortrag:„San- und Wohnungs. Referent Hermann Lüdemann, M. d. L. Die Sezirksführer Sozialistische flrbeiterjugenö Groß-Serlin. Da« Zuqeadsekretariat bleibt a« Z. Pfiagstfeicrtag geschlossen. heute. Sonnabend. 4. Juni: Dchönbauser Vorstadt: Trcfspunkt zur Pfingstfabrt sg'i Uhr SM. Echonh. Allee oder 19 Uhr Stett. SM.(Rormaludrs. Musikinstrumente und Decken nicht vergessen.— Brvnncnploh: Tresspunkt zur Pfingstlahrt, Schsaubetal, 23 Uhr Ziettelbeckvlatz— Weddina-Rord: Treffounkt zur Pfinzstfahrt, Wer- delllnsec, l'V* Uhr Stett. SM. sZ-ornialuhr).— Kermodors und Wittenau: Trefspunkt zur Piingstfahrt, Neuruppin. 16'- Uhr Lebrter SM. Ausgang Ast- Moabit.— Steglig t: Pfingstlahrt. Treffpunkt l9>.... Uhr.— Zalkplag: Treff- minkt zur Pfingstfahrt, Odcrbruch, 18 Uhr Bhf. Getundbrunnzn. Eingang Millionenbriickc. t3 M. für Quartier und Fahrgeld stnd beim Genasten Nrumm- now. Gleimstr. 81, abzugeben.)— Frankfurter Viertel: Treffounkt zur Pfingst- fahrt\T,i Uhr Bastenplah.— Humauaplag: Treffpunkt zur Pfingstfahrt 181« Uhr Shf. Alexanderplag tGontardstraßc)..— Lenefclder Viertel: Treff. Punkt zur Pfingstfahrt 14� und IS'-i Uhr Stett. Fernbhf. lNormaluhr).— ReukZI» I: Fahrt nach Berkenbrück. Treffpunkt>7', Rinqbhf. Neukölln.— Gefuudbrunnen: Treffpunkt zur Pfingstfahrt izn, Uhr Gefundbrunnen, I9>-Z llhr Stett. Bhf. fFernbhf.. Vorhalle).— Westen t: Pfinastfahrt mit Westen I nach Strausberp.Slumenthaf. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Bütowstraßc. Nachzügler am Sonntag 4>-. Uhr ebenda. Vorträge, vereine und Versammlungen, G Reichsbanner-.Schtnan-Rat-Gold". Gefchäkt, stelle- Berlin S 14. Sebastiaostr 37/38. Hok? Zr Sonntag, 5. Juni. Lichtenberg und Untergruppe: Sei Schonert, Rummelsburger See. Republitanifcher Pfingsttag. Früh- und Nach- mittagsveranstaltung. stameraden und Republikaner willkommen. Peterohagen und Freder,borf: Antreten 19 Ubr Bbf. Fredersdorf. Fahrt nach Rüdersdorf zum Fackelzug.— Rontag. 6. Inni. Petrrohagen und Frcderodorf: Pflichtoce. anstaltung. Antreten 10 Uhr Bhf. Petershagsn. Fahr« nach Rüdersdorf zur Fahnenweihe. Erkner: Antreten mit Tambourkorp, UZj Uhr bei Wirfing «Restaurant Waldheim). Motorbootfahrt mit Angehörigen ab Doltersdorfer Schleuse zur Fahn-nweihe nach Rüdersdorf. Nalkberge Pflichtoeranftastuna.— Tiergarten, Radfahrerabteilung: Sonntag, ö, Juni, 6 Uhr, Kleiner Tier- garten. Fahrt nach Rüdersdorf.— Eteglig. Iugendkameradfchaft: Treffpunkt zur Pfingstfahrt nach Erkner-Kadlöw 2t Uhr Düopelptag. Badezeug mit. dringen.— Mitte: Ichdenick-Fohrer Sonnabend 19' z Uhr Stell. Bhf. Ange- hörige Sonntag 5>,«Uhi Abfahrt Stett. Bhf. * b, Marienöorf,.«.önigstr. 44. Weißenfee: Mon. tag. 13. Iuni. Tasso-, Ecke Charlottenstraste. Sermsdorf: Dienstag. 14. Iuni, Turnhallengebäudc Roonftraßi. �chöneberg: Mittwoch, 22. Iuni, Lokal Rosen. lhal, Edertstr. 66. Friedrichsbain: Donnerstag. 9. Iuni. Jugendheim Osten, Grohc Fra»ksur:er Sie, 16. Eharlottendnrg: Donnerstag. 9. Iuni, Jugend, heim Nostnenstr. 4. Pankow: Donnerstag, 9. Juni, Jugendheim Kissingen- steaste 48. Lichtenberg: Mittwoch. 8. Juni, Lokal Rotroff, Rigaer Str. 9.'>. Steglitz: Freitag, IN. Juni, Schmidt, Lichicrfclde. Roonstr. 39, Hindenburg. dämm. Beginn der Bcrsammlungen n.8 Ubr. Rege Beteiligung wird erwartet. Bandonton-Mustinercin„Oktvoia", Berlin. Pfingstsonntag. 5. Juni, Wohl- «ötigkeitskonzert, unter Leitung des Dirigenten, Kapellmeister Fritz Romdur, im Strafgefangnis Plötzenfee. Ein Modeami für Schuhe. Die deutsche Schuhindustrie deabsichtigt«ein„Modeamt" zu schassen. Die Anreauna dazu aeht von dem Inhalier der Schuh- warenfirmo Leiser, Herrn Klausner, aus, der dieser Tape den deutschen Intereiienten die B-'lanntschast mit dem Vorsitzenden des ainerikanischen Herren-Schuh-Modcnkoniitees Iessie Adler, ver- mitteile. Herr Adler konnte feststellen, daß die voiks- und detriebs- wirischaftüchen Erfolge des Modoamtes in Ainerika immer weitere Kreise der dortigen Schuhindustrie zur Teilnahme veranlassen. Wie in Amerika, London und Paris soll auch in Deutschland das Mode- amt keine Diktatur ausüben, sondern in engstem Einvernehmen mit Herstellern und Händlern seine Tätigkeit ausnehmen. Di« schlimm« Z«it d«r Milchnot kann jctzt auch fllr Bcrlin als«nfgültig üb«rwund«n ong«srh«n werden. Di«s« Tatsach« darf aber nicht darüber hinweg- tpuschen, datz die Berhaltntgc auch heut« noch manches zu wünschen übrig lassen. Man muß nämlich wissen, daß nur ein Teil der der täglichen Ver- sorqung Berlins dienenden Milchmenge den Namen einer wirklichen Frit«. mitch verdient. Diesen Namen verdient nur diejenige Milch, die möglichst sokort nach der Gewinnung in rollkomm-n naturreinem Zustande in die Küche gelangt. Mi« Recht legen auch die Acrzte aus die naturreine Rohmilch, zumal für die Säugling?» und Kinderernährung, den allergrößten Wert, Nalürlim muß»ine solche Milch au» Gewahr bieten, daß sie sauber ermolken ist und von durchaus gesunden Kühen stammt. Um auch dieser unerläßlichen Poraus- tetzung zn genügen, haben die Geoß. Berliner Kuhhaltungen l Molkereien) vor etwa 2 Jahren eine sogenannte freiwillig- Stall, und Milchkontrolle eingeführt. Durch diele Kontrolle sind die Groß-Berliner Molkereien in den Stand gefegt, eine wirklich naturreine, gesunde und gehaltvoll- Frischmilch zu liefern. Das hiesige Polizeipräsidium hat d'elen Molkereien d'c Führung eines besondere» Schildes mit folgender Ansschrikt gestattet:.Der Molkrreibetrieb untrrstcht der staatlich polizcitierärztlichen Kontrolle," Teppich» kaust man am besten i» einem erstklassigen Spezialgeschäft, zu denen in erster Reihe das leit 30 Jahren bestehende Teopich-Großlager. Berlin- Schöneberg, Sanptstr. 5, gehört. Die Firma unterhält ein ständiges Lager von weit über 1000 Tepvichen usw.. darunter besondere Angebote in einzel- neu Mustcrieovichen und soiistige Gelcgcnbeitskäufc bis zu 40 Proz. unter regulären Listen vreisen, so daß ein Besuch der im Parterre und 1. Etage befindlichen Ausstellungs- und Verkaufsräume sehr lohnend ist. Die Hau». nummcr, Berlin-Schöncberg, Hauptstr. 5, ist genau zu beachten. Srieftasten öer Redaktion. s. 50. Die soziale Zulage kann ebenfall»»nlzogen werden.— E. Nr. 48. Maßgebend ist zunächst der Mietverlrag. Enthält dieser keine Bestimmung darüber, lo lallen die Kosten der Reinigung dem Hauswirt zur Last.— s Z. 24. Vom 4. Tage ab. Maßgebend ist die Lohnstufe. »<094 LINON JF' t:. Äas fa�t öer Bär? tz Sonnabend 4. Juni 1927 -Unterhaltung unö AAssen öeilage öes vorwärts Aanaröo. Von ZNax Dortu. Ich sinze das Lied von Zanardo dem Bettler. Dieser Mensch kommt nicht mehr aus meinem Gedächtnisse los. Ich war bei ihm zu Besuch, vor etwa fünfunddreihig Jahren, am Berge Fasano, oberhalb des irisblaucn Gardasees. Eine Steinhütte, selbst erbaut, ohne Fenster: eine Türe, selbst gozimmert: ein Feuerherd aus Felsgestein, selbst gesetzt— und dabei war Zanardo ein Krüppel. Er war der Bastard eines Grafen und einer Zigeunerin. In sich Halle er dos freie Zigeunerblut und den Stolz alter Aristokratie. Aber er war doch ein Bettler? Ja. sicher, cber ein besonderer Bettler: ein Bettler, der nie die Hand streckte. Zanardo stellte sich in den Seedörsern vor die Wirtshäuser, er legte vor sich hin seine alte schäbige Mütze, und dann sang er zur Gitarre. Kein schöner Gesang, ein rauher Gesang— aber dennoch, ein Gesang: der das Herz berührte! Aus dem Gesänge des Bettlers Zanardo klang eine zerbrochene Seele. Sein stolzes Aristokratenblut war gedemütigt, gedemütigt um des bettelnden Singens willen, das fühlte man mit dem Herzen, man wußte dos nicht mit der Vernuft. Und sein anderes Blut, das freie Zigeunerblut— dos litt an seiner Krüppelhaftigkeit, er hätte wandern mögen, hin in alle Welt— wandern!, wandern!, wandern wollen— und ein Krüppel sein, das ist hart, das ist schrecklich. Das eine Bein Zanardos war gelähmt, er ging mit Krücken. Und seine Wirbelsäule war oerbogen, alles an Zanardo war schlapp oder schief— und daran litt er. Kein Mädchen wird je bei Zanardo geschlafen hoben, ober seine braunen schönen Augen waren ganz Sehnsucht, Sehnsucht zum Weib. Zanardos einsam« Hütt« an der Felswand. Einhundert Meter über dem blauen See. Der Fels war bronzefarben. Wie eine weiße Kapelle wuchs Zanardos Hütte aus dem Felsen heraus. Da standen auf den Felsstusen viele fleischige, stachelige Aloen: junge und alte, eine ganz« Sippschaft. Eine Aloe blühte, blühte sich zu Tode, neun- imdneunzig Jahre alt, rote Traubenglocken am drei Meter hohen Blütenschoft. Hörst du die Grashüpfer? Und der Wind weht heiß von Süd her, von der fruchtbaren Lombardei. Zanardo bewirtete mich mit kalter Polenta und mit Ziegenkäse, mit rotem Wein aus einer Kürbisslasche. Und dann erzählt« er mir aus seinem Leben. Eine tiefe rauhe Sprach«. Das Leben Zanardos war gewesen— ein einziges großes Berachtetsein. Er hob seine Faust zum Zenit:„Gott, ich fluche dir." Er streckte seine Faust hinab auf die Dörfer des Sees:„Menschen, ich fluche euch." Aber dann hob er sein Antlitz zur Sonne— und Liebe strahlte von seinem alten verwitterten Gesichte:„Sonne!, o Mutter, o Schwester, o Geliebte." Was zog mich hin zu dem Bettler Zanardo? Ich wußte das nicht, ich war vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, als ich bei ihm zu Gaste war. Aber ich fühlt« zu ihm Verwandtschaft. Und zehn oder zwölf Jahre später verstand ich auch meine Ver- mondlschast zu Zanardo— dann, als ich selber'ein Bettler war, ein Siromer und Vagabund hin durch Europa und über die S««. Da auch, als Ausgeftoßener der Gesellschaft, als freiwillig Ausge- ichiedener, da auch fluchte ich selber den Menschen und ihren oer- legenen Gesellschaftssormen, ich fluchte ihrer Härte und ihrem Heuchlersinn. Und ich fluchte dem erdachten Vcrlegenheitsgotte der Mensche», ich fluchte dem Kirchengotte aller Priesterkasten. Aber n ie Zanardo— hob ich«hrfurchisvoll mein Antlitz aus zu Sonne nnd Stern, und ganz Kind und ganz Harmonie war ich am Herzen der Allmutter Natur. Und auf all meinen Wandermärschen habe ich ihn nie und nie vergessen, den verkrüppelten Bettler von Fasano über dem blauen See. Mein Herz sah sür ihn oll die Schönheiten der Welt, meine Füße waren seine Füße, und wenn ich mit feurigem Blute weiße oder braune Mädchen liebte, in Europa oder fern über der See— kann liebte ich für Zanardo, für Zanardo den Bruder, Bettler und Freund. Er lebte aus mir, ich litt in ihm, was uns verband— war der Haß gegen die menschlichen verlogenen Gesellschaftsformen: was uns ineinanderschmolz, war die Liebe zur Sonne, und in der geliebten Sonne erhofften wir«ine neuere bessere Menschheit. Zanardo ist längst tot, er wird den Freitod gewählt haben. Aber— ist Zanardo— wirklich— tot? Nein, nein, er lebt, hier sitzt er neben mir, am Schreibetisch, und in seinem Augen blitzt eine Perle, ein« Träne der Liebe, eine Träne für mich—. Und alle beide sind wir beglückt von dem Dufte des weißblauen Flieder- slraußes, den«ine liebende weibliche Hand mir und dem Bruder Zanardo in bunter Vase hierher aus den Werktisch stellte. Zanardo, wir Ausgestoßenen sind keine Ausgestoßenen mehr, wir haben das Leben gezwungen— gegen uns freundlich und gütig und fruchtbar zu s»m. Zanardo: Wir schaffen, wir wirken! vom Haumftamm zum Damenftrumpf. von Dr. Severin Frankel. Wir stehen heute mitten in einem Zeitastcr großartiger techni- scher Entwicklung und haben es fast verlernt, jede einzelne Großtat menschlichen Ersiiidiingsgetstes nach Gebühr zu würdigen. Wir be- trachten es schon fast als Scibstoerftändiichkeit, daß das, was vor kurzem noch Utopie war, heute schon ein Erfordernis unseres tag- lichen Lebens ist, auf das wir nicht verzichten mochte». Eine be- inndere Bedeutung haben in dieser Hinsicht alle jene Erfindungen und Versahre», mit deren Hiise wir unentbehrliche Naturprodukte, die uns nur in beschränkter Menge zur Verfügung stehen, aus an- deren Stosscn herstellen. Es ist interessant zu beobachten, wie immer� dann, wenn die Nachfrage nach einem Produkt die Erzeugungs- Möglichkeit zu übersteigen droht, die Technik mit einem entsprechen- den Ersatzmittel in die Bresche tritt, das sich dann ost dem Natur- Produkt überlegen erweist. Als Beispiele seien hier nur erwähnt: d e synthesische Herstellung vieler in der Natur vorkommender Färb- stosje(Indigo, Krapp) und Arzneimittel, die Gewinnung von Dünge- mittel» aus dem Stickstoff der Luft, die Darstellung künstlicher Edelsteine und Perlen u. a. m. Erst in ollerletzter Zeit haben die Versuche zur Herstellung flüssiger motorischer Vetriebsstosse aus Kohle— Kohleverslüjsiguitg— als Ersatz für die aus Erdöl ge- wonnenen Stosse die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Eine besondere Stellung unter diesen Ersatzprodutten nimmt die K u n sts e i d e ein, die sich innerhalb von kaum zwei Jahrzehnten die gesamte Erde als Absatzgebiet erobert hat und deren Industrie beute ein achtunggebietender Faktor im Haushalt vieler Staaten arworden ist, was am besten durch einige Zahlen veranschaulicht sein möge. Im Jahre 1909 betrug die Weltproduttion an Kunst- seide 7 Millionen Kilogramm, 1926 bereits 150 Millionen Kilogramm. An dieser Zunahm« haben die Vereinigt«» Staaten von Amerika den größten Anteil, da sie ihre Produktion innerhalb von sünf Jahren(1920—1925) von 4,6 Millionen auf 23 Millionen Kilo- gramiq steiger» tonnten.. Schützer öer Republik. K. Der Chor öer Deutschnationalen: Das muß dementiert weröen l" .Cr bekennt sich zu Schwarz- Not» Golö! Die Kunstseidenproduktion kann kaum mit der Nachfrage Schritt halten, was zum Beispiel im Jahre 1924 in England zu einer vor- übergehenden Rationierung geführt hat. Es ist auch bemerkens- wert, daß jene Länder, die die Hauptproduzenten von Naturseide sind, wie Italien und Japan, die Entstehung einer Kunstseiden- industrie nicht nur nicht erschwert, sondern sogar mit allen Mitteln gefördert hoben. Dies sowie die auch in den letzten Jahren an- hallende Steigerung der Erzeugung von Naturseide zeigt am besten, daß die Ansicht durchaus irrig ist, die Kunstseide sei ausschließlich ein Ersatzprodukt für Naturseide, dos sie vom Markte oerdrängen werde, wie seinerzeit das synthetisch hergestellte Indigo das Natur- Produkt. Die Kunstseide ist vielmehr eiM„ selbständige Tertilsaser, die ihre eigenen Verwendungsgebrole besitzt uftd auch zur Herstellung ganz neuer Fertigprodukte Anlaß gsgeben hat. Daneben hat sie wohl auch teilweise dort Anwendung gefünden, wo die Naturseide bisher eine Monapolstellung besaß. Z» Mißdeutungen hat beson- ders der schlecht gewählte Name„Kunstseide" beigetragen, der vor allem hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung unzutresfcnd ist, da die Naturseide aus eiweißartigen Verbindungen besteht, während die hauptsächlich hergestellten Sorten Kunstseide reine Zellulose sind. Man hat daher in Deutschland neuerlich den Namen„Glanzstoss" in Vorschlag gebracht. Die Idee der Herstellung einer künstlichen Seide ist keineswegs so jungen Datums, wie �man vielfach annimmt. Als erster hat bereits der bekannte französische Physiker Räoumur diesen Gedanken geäußert, dach konnte, abgesehen von maschinellen Schwierigkeiten, ein derartiges Verfahren erst bei Verwendung van genügend billigen Rohstosfen Aussicht auf Erfolg haben. Dieser Bediitgnng entspricht in glänzender Weise dos heute hauptsächlich angewandte Viseose- verfahren, bei welchem als Ansgangsmaterial Holz verwendet wird. Wie verläuft nun der Werdegang der Kunstseide vom Baum- stamm bis zum fertigen Produkt? Der bekannte Fabrikationsprozeß gliedert sich in die folgenden vier Phasen: Herstellung des Ausgangs- Materials(Zellstofs), Uebersührung des Zellstoffs in die Spinniösung lViscos«), Spinnen und Aufspulen des Fadens. Nachbehandlung des Rohproduktes. Die gefällten Fichtenstämme werden zunächst ent- rindet und in der Zellstoffabrik in eigenen Maschinen mit scharfen Messern aus Nuhgröße zerschnitten und ansgesasert, dann gelangen sie in große Druckkesfel, wo sie mit einer Lösung von Kalziumsulfit in überschüssiger schwefliger Säure längere Zeit unter Druck erhitzt werden. Dadurch werden aus dem Holz alle anderen Sloffe, vor allein Lignin, herausgelöst und es bleibt reiner Zellstoff(Zellulose) zurück. Dieser wird noch mit Chlorkalk gebleicht, mehrere Male ge- waschen und schließlich in Form von dicken Platten auf heißen Walzen getrocknet. Der so erhalten« fast reine Zellstoff konimt nun in die Kunst- seidenfabrik, wo er zunächst in kleinere Platten zerschnitten wird. Diese gelangen in die sogenannte Tauchpresse, in welcher der Zell- stoff durch eine Losung von Natronlauge in Natronzellulose über- geführt wird. Nach dem Abpressen der überschüssigen Lauge werden die Platten zerkleinert und kommen in große, verschlossene Kammern, in denen die Natronzellulose durch mehrere Tage„reift". Dann wird die Masse in Trommeln, den sogenannten Sulfidierungs- trommeln, mit einer Lösung von Schwefelkohlenstosf und Lauge durchgeknetet, wodurch nach mehreren Stunden ein gelber Teig ent- steht, der dann in Wasser zu einer dicken Flüssigkeit gelöst wird. Diese Lösung, die in Farbe und Zähigkeit stark an Honig erinnert, heißt Viscos« und scheidet bei Zusatz von Säuren wieder die feste Zellulose ab: aus dieser Eigenschaft beruht die Erzeugung des Fadens bei dem nochfolgenden Spinnprozeß. Die„gereifte" Viseose gelangt dann zu der Spinnapparatur. Diese ist im wesentlichen nichts anderes als die Vorrichtung, deren sich die Seidenraupen und die Spinnen zur Herstellung ihrer Fäden bediene». So wie bei diesen Tieren das von einer Drüse abgeschiedene Sekret durch eine enge Leibesöffnung als seiner Strahl gepreßt wird und on der Lust er- starrt, enlsteht aus der durch enge Spinndüsen unter einen Druck von etwa zwei Atmosphären herausgepreßten Viseose der feste Kunst- seidensaden. Man verwendet in der Praxis meistens nicht eine ein- zelne Spinnösfnung, sondern eine aus einer Goldplatinlegierung be- stehende Spinnbrouse mit 20 bis 40 Löchern, die in eine mit gewissen Salze» versetzte Lösung von Schwefelsäure, dos sogenannte Fällbad, mündet. Die augenblicklich erstarrten Einzelsäden werde» gleich zusammen aufgespult, wob«, der Faden zur Erzielung größerer Feinheit durch Zug gestreckt wird. Bei der folgenden Nachbehandlung werden di« Fäden noch entschwefelt, gebleicht, gewaschen rnid ge- trocknet: soll das Fertigprodukt besonderen Glanz aufweisen, so werden die Strähne zum Schluß durch eine eigene Wärmebehandlung lüstriert. Die fertige Kunstseide kann nun in derselben Weise wie Natur. seid« gefärbt, appretiert, und gewirkt oder gewebt werden. Die An- järbung der Kunstseide bereitete ein« Zeitlang gewisse Schwierig. keilen, doch ist es gelungen, ihrer Herr zu werden, und man kann heute der Faser jeden gewünschten Farbton verleihen. Neben dem eben geschilderten Viscoseoerfohren stehen zwar noch einig« andere in Gebrauch, doch beherrscht die Viscoseseide mit 85 Proz. der Produktion den Markt. Das sogenannte Nitroversohren, mittels dessen Graf Chardonnet in seiner Fabrik in Besnnyon im Jahre 1891 zum erstenmal einwandfreie Kunstseide in größerer Menge erzeugt«, wird heute nur mehr von wenigen französischen und belgischen Fabriken angewendet. Leider sind die deutschen Fabriken hinsichtlich des Biscoseversahrens anderen Ländern, besonders den USA. gegenüber insofern im Nachteil, als die zur Zellstoffgewinnung ersorderlichen HolzmengeU aus dem Ausland eingeführt werden müssen, dn die verfügbaren deutschen Waldbesinndc riel str gerchg sind. Trotzdem steht die deutsche Kunstseidenindustrie zurzest an dxilter Stelle hinter den USA. und Italien und bestritt im vergangenen Jahre eiit Achtel der gesamten Wcltproduktion. Sehr begünstigt wurde die Enlwick- lung der Kunstseidenindustrie durch die Mode der letzten Jahr«, die in immer steigendem Maße Kunstseide als Material für Strick, und Wirkwaren beanspruchte. So wurden nach fachmännischen Schätzungen 50 bis 60 Proz. der Kunstseidenproduktion sür Strümpfe und Strick- sacken verwendet. Der Siegeslauf der Kunstseide scheint noch lange nicht abge- schlössen zu sein: dafür spricht einerseits die ständige Weiterentwick- lung und Verbesserung der Fabrikation, ondererseits die andauernde Zunahme des Absatzes. Wenn man bedenkt, daß im vergangenen Jahre trotz einer Produktion von 150 Millionen Kilogramm nur 2 Proz. des Gesamtverbrauchs an Faserstofsen für Bekleidungszwecke auf Kunstseide entfiel(Baumwolle 80 Proz.), so kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit der Kunstseide noch eine große Zukunft voraussagen. fltis öem Cheleben öes heiligen pillenöreherkäfers. Obwohl der Pillendreherkäser seit uralten Zeiten das Interesse der Menschen erweckte und wegen seiner eigenartigen Lekensgewoh». heilen bei vielen Völkern als heiliger Käfer galt, ist über sein Leben doch noch recht vieles unbekaiint. Daher ist«ine neu« Arbeit von Pros. Heymons-Berlin über die Biologie des Pillendrehers sehr begrüßenswert. Neben zahlreichen anderen Fragen studiert« Prof. Heymons auch das Verhalten der Männchen und Weibchen zueinander. Während sich sonst Käfer gleichen Geschlechts heftig bekämpfen, wenn der eine von ihnen im Besitz einer Nahrungspilte ist, die er sich bekanntlich aus Mist, Kot usw. herstellt, finden zwischen Männchen und Weibchen niemals Kämpfe um die Nahrungspillen statt. Trisst ein Weibchen'auf der Suche nach Nahrung auf ein anderes Weibchen, das schon eine Kotpille besitzt und fortwälzt, um sie später in einein sichere», unterirdische» Versteck zu oerzehren,«fo beginnt sofort ein heftiges Ringen um diese Pille. Fast immer siegt in diesen Kämpfen der größere Käser, der dann die Pille an sich nimmt und wegrollt, während der unterlegene Käfer davonläuft oder sich, fast als ob er sich schäme, schnell in den lockeren Sand eingräbt. Ebenso finden zwischen zwei Männchen, von denen das eine noch keine Nahnrngspille besitzt, heftige Kämpfe statt— bei denen es aber kau», jemals Verwundlingen gibt. Ve, gcgnet nun aber ein pillenrollendcs Weibchen einem„besitzlosen" Männchen, so ordnet es sich ihm rückhaltlos unter. D. h., mit voller Selbstverständlichkeit übernimmt das Männchen die Pille, die ihm das Weibchen mit der gletchcn Selbstverständlichkeit überläßt. Das Männchen rollt nunmehr den Kotballen weiter, und das Weibchen folgt ihm oder vielmehr der Pille. Denn wenn ein zweites Männchen hinzu- kommt und als das� stärkere dem ersten Männchen die Pille in, Kampfe entreißt, dann folgt das Weibchen ohne weiteres dein Sieger, aber nur, weil er die Brutpille besitzt, an der es allein Iii- teresie zu haben scheint. Unter Umständen kann es auf diese Weise unterwegs mehrmals das Männchen wechseln. Wenn zu dem Pärchen ein zweites Weibchen hinzukommt, so wird dies vom Männchen nicht im geringsten beachtet. Das Weibchen dagegen fällt sofort, als ob es eifersüchtig sei, über die Geschlechts- genossin her. Der entspinnende Kamps interessiert den männlichen Käfer nicht, er rollt seine Nahrungspille ruhig weiter. Hat das erste Weibchen den Kampf siegreich bestanden, dann eilt es der Geruchs- spur der davongerollten Pille nach und holt so in den meisten Fällen das Männcben wieder ein. Uebrigens stellte Heymons fest, daß der weibliche Käfer niemals das Männchen be! der schweren Arbeit des Pillenrollens unterstützt, wie früher behauptet wurde. Ist nun das Paar an einer passenden Stelle angelangt, dann scharrt das Männchen die Pille ein. Währenddessen sitzt das Weibchen auf der Pille und sinkt allmählich mit dieser infolg« der Wühlarbeit des Männchens ein. Die Käfer legen dann einen unterirdischen Gang an und verzehren die Pille. Später findet dann wahrscheinlich die Begattung statt, Riesig Sünstig ist das System des Bekleidungshauses mit seinem Pfingst-Angebotl von der Kaufsumme................................. 30 0/o Rabatt EICbB Bei Bezahlung Innerhalb 12 Wochen von der iCaufsumme 20% Rabatt Bei Bezahlung innerhalb acht Monaten werden 300/o von der Anzahlung sofort beim Kauf gutgeschrieben! Die Ware wird sofort mitgegeben oder frei Haus geliefert! In 12 Wochen ans Manchester tmd wollenen Stoffen, auch Sportform... iL Jünglingsanzüge Ä0*!0™. � glatt; modeT. Knabenanzüge UArranAnillno moderne, fesche Nadelstreifen, flCi i Cllullaiiyc blau, grün, braun und schwarz. iL UArronanTlmA in bellen, modernen Farben. "CrreiSÖllZUge neueste Formen........ iL UArrAnanTHnA aU8 blauem, reinwollenem Twill. nenciiailiuyt: eigene Anfertigung. 1- u. 2 reihig, iL UArronifenrfinA feinster Ersatz für Maß. aus reinen neritfllGlUUgc Kammgarnstoffen....... M. Herrensportanzüge SÄÄ8» otl Herrensportanzüge �tneÄFG«rJt Herrensporlanzüge 14.40 20.80 28.80 40.00 70.40 88.00 40.00 46.40 33.60 bar 12«» lA-o 2520 35°» 6160 77»» 3Z°» 406» 294» Zum Beispiel: In 12 Wochen Herrenmäntel.neneste. Farb� 29.50 Herrenmäntel Rackeltn Herrenmäntel �ÄaÄ,cmrm AbMiUi: � Horronmänfol aus feinst. Gabardine, mit Abseite, bester Ersatz f. Maß, Seidenfutter M. Herrpfimäntpl aus imprägnierter Gabardine, loci I ClllilulllCi neueste öcbwedenform... iL HprrPnn�Betrtfc aus grauem Shetland, mit Woll- nciiciipaiciuu satinella gefüttert..... Herrenpaletots— ar®ng°"nd 9overtcoat' Wollsatinella gefüttert M. iL Herrengummimäntel R8pe- Ka8Ch,nir� jabardine, beginn, m. M. 40.00 62.40 112.00 40.00 49.60 56.00 16.00 28.00 257» ZZ°° Z4°° 9goo 3500 4340 4900 14»» 245» In 12 Wochen B3LkflS£�mÜntel impr&gn.. mod. Karomuster M. Backfisdimäntei?m Damenmäntel n-.Fa1.� Damenmänlel 3 Min�hma«epnU3fi0rt.em.KrigMn Damenmäntel Su? pri?ia Modaluttiok?- OamenkosiDms ftamPnSirtttnmP&uß Vurderrv u. Kasha, elegante UdingilHimUlllC Form, mit Waschseiden futter iL halb und ganz gefüttert.. M. aus imprägnierter Gabardine. modernes Karomuster..., M Oamenkostüme UtSÄT»* öeiden,nlL . u. Gürtel iL Damengummimänte! in den mod9rn8t Fiiriea u. Form� beginnend m. iL 11.20 24.80 16.00 19.20 52.80 25.60 39.20 59.20 14.40 bar 98» 2170 14»» 16»» 4S2« 224» 343» 518» 1260 Herrengummimäntel raaO-Anaciige aus prima Stoffen 5©.-»©.— aus engl. Kammgarnen DBS.- 12©.- nsw. �n�rAl* linH I werden ersucht, nicht früher einzukaufen, bevor sie unsere großen Lager in enormer i�gcaBjGa mm jj�canisi laiiidia Auswahl besichtigt und sich von unseren Angaben persönlich überzeugt haben. Spezial Damen- und Herren-Bekteidung/ Eigene Fabrik für Herren-Konfektionl Bekleidungshaus ti nach amerikanischem System Nur Kottbusser Damm 28 Große Frankfurter Straße 141 Reinickendorfer Straße 70 Staats- Theater Opernhaus a. Patz d.Republ. 61/, Uhr: Siegfried Schauspielhaus 7 ü.: Don Giovanni ScblUer* Theater 8 Uhr: Minna vor Barnhelm SfäUe ßpei Charlottenburg 6V, Uhr: Die Walküre Abonn.-Turnus IV OeDtsdies Theater Norden 10334—37 « U. Ende lO'l, U. Der Hexer Jfammerspiele Norden 10334—37 SV.Uhr. Ende 10U. Papiermühae Laitspid wn Diarg»«iar 'jy Die Komödie RlsmarcK 2414. 7Älf 3'/., EndenadilO Uhr Der Snob Komödie»o« Carl Slarohelm Itieat. a.Nollendojfpl. Kurfürst 209) S U., End« sagen 1 1 Uhr Drei arme kleine Kädels On�jt�ÜläHSÜ leues Ihsater am Zoo deute Sonnah. 81;. Premiere Tomult der Kerzen Theodor Leas. Rita Barg, RoseVeldtkirth.Hans Flieser Vcrverkaof onunterbrothen. Für Juoendlidie verboten I Hose-Theater »V. Uhr: Voiks büh ne TiiHtir im Bülowulstz 8 Uhr:— Ein Sommeniaditstrauni. Morgen 8 Uhr: Ein Somiernathlstraiim. Wir haben uns emschiossen> nunmehr unwiderruflich bis IS.Juni weiter eu spielen. Seit J. Juni Kalt- InfthübluDg. Das kühlilc Theater Berlins ist das Gr. Sdaanspielhaos. Täglich 8 Uhr: rowt-S' jOihW�KUH�U j aadi 3Va Dhr Berlin ladü Iränen! Gastspiel; ftUy SIÜWeH, Frille üectunanii, rrilz Sleldl. Vorher das frofle Clrcns-PrORramm! Komische Operf 8'/. Uhr: SV. Uhr: I I die neue große James-Klein-Revuej i Sirene verholen Ni! Dia Siaos dir verdttniin Leidinsdntlen! Ueber 200 Mltwtrb./ 8 Balletts. I Vorverkauf a. d Ihnfcrhist ai 10 Uhr aaonlcrlr i Siei« JishaJäe«-Yheater Allabendlich 8 Uhr u. an beiden Feiertagen nachm 3 Uhr Stettiner Sänger Nachm itta« s halbe Preise ja aber das volle wunderb. W Abend-Programm! Ä! Dönhoff•Breti'i: Varieta, Konzert, Tanz CASINO-THEATERs uhr: i$0F~ Nur noch bis inkl. 12. Janl�gtoOl Der Fehltritt einer Frau. Gutschein: Faut 1 Mk- Sessel IJO Mk. Tb. an Sdiiffbaoardainiii 8 Uhr Jan der Wunderbare WINTERGARTEN Im Rahmen des neuen Varielö-Spielplans DAGMA das ungelöste Rätsel. Rauchen gestattetl Wenn Du Dein »O richtig verleben willst, dann besuche noch heute die luiig am KMam; Vier Sensationen: | Dorf der Wodienendhäuserl Berliner Sdineepalast I Märkisdi.Kunstausstellung! | Rlesenverkebrspanorama | Von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abendsl geöffnet(Einl. bis 9 Uhr. Schnee» paiast bis 11'/, Uhr abends) Eintritt 1,SO Mark lugendliche 79 Pf. 1 Freier Eintritt in den Schneepalast f.Aussteliungsbesucher Rodellahrten pro Fahrt und Person 10 Pf. Skiübungs- 1 stunden auf dem Kunstschnee 75 Pf., jede weit. Stunde 50 Pf. Morgen, Pfingstsonntag ' ab 3 Uhr Nachmiltagskonzert 1 des Symphonischen Blasorchesters Berlin in den Terrassen am Funkturm | Jedes Kind erhalt ein Geschenk! Pfingstmontag J Großes MilitSr-Konserl | Abends 9.15 Uhr: Rlesen*Peuer- | werksschausplol am Funkturm scaia Nollendorf"7360 8 Uhr. ioni und Borate und A weitere Variete- Neuheiten! (Zum ersten Male in Berlin.) Sonnabenil ond an bBidBn Feiertagen 2 Vorstellungen 3» und 8 Uhr, S" zu ermäßigt. Preisen d.ganre Programm iilltniiati-KLiiaia Dts. Kfinsller-Th. 8V, Uhr: Adieu Wim! Lesslng-Theater S'/i Uhr. Eugen Klöpier mit seinem Ensemble ..MmsdiCTfmad«- iareowsty-Jähnej Th.KSnlggrätz. Sl. Hasenheide 2110 8 Uhr: Die Sdiule f.Oznedi Elowiftfllenhang Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Walhalla- Tbeal. Werbetage für die Pflngstwochc! Täglich SV, Uhr: Die von der Liebe leben! iggindlidn kiinn Zutritt I Vorzeiger zahlt nur halbe Kassenpr. Parkett statt 4 Mk. nur 60 Pf. IKeater des Westens 8 Uhr: Heinrieb Heines erste Liebe Sommerpr. 1—8 M. Thalia'Theoier 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht hetroDOl• Theal. Täglich 8 Uhr ZirkuspriDienio Lustspleihaus ZV, Uhr: „Der Apfel" Pommer, limharg, Matloai, _ Engen_ Iliealer am Kotfä. Tot Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr: EIÜD-MM im neuen Klasse- Programm I lesonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorwärts" und trotzdem 'n buug n Wettannahme des Union-Kiubs Berlin NW 7, Schadowstraße 8, part. Volle-Totalisaforquote ohne Abzug Wettbestimmungen auf Wunsch kostenlc?.— Postaufträge und Anträge auf kostenlose Einrichtung von Konten nur an die Zentrale Schadowstraße 8. Tel.-Adr.; Wettannahme Berlin Schadowsfra6e 8. Verkäufe Trog Tclkahluna sofort Äinberwcocn. Slavpwcoen. Kinb«rb«tlen. Melallbetlcit, Korbutödol. Toll. Droge ürantfurler itrohe 47:___ Möhel Massenposten lt. S>'" Nußbaumbüfett«, Are. denzen, Echreibtische, Sofaumbaue. Her» abgefetzte Preise. Hahlungserleichterung. Komerling. Kostantenallee 50.' Me» Chaise. aße ach!» ' Patentmatratzen„Ptimiffimo", e ladbetten, Äuflegematratzen, 0 ., ionguea. Walter, Etargarderstraßi Tafelwagen, Dezimalwazen, Gewichte preiswert. Georg Wagner, Köpenider straße nur 77, Hof. Sein Laden, dafür._ billigere Preise._• Rote Plülchgaraitnr, schwarzlaiticr e �W°S°in°°r�rN!»' n� »Mner. Holcnf», Halber, Don Reuen lungen stimmt an Georg Knoth. Preise billigst.____» Siirkopp.Nähmaschinen gegen Z-Marl» Wachenraten. Wlastk. Brunnenstraße 785, wischen Roscnthalcrplatz und Inoali» ienstraße. Narben 778.______ SänselLcken. Putenkücken, Hühner» Lücken, Entenkücken verkäuflich, Pres» laucrstraße 27. Sriileiilungssiücitk. IVnscb? unw An, Lg«, 78 an, neue und getragene, teil« auf Seide,(federbclten, Stand 25 an. Leihhaus Reintckendorfcrstr. 705, Netteibcckplatz. Keine Lombardware».' seeserei kileck� Falrleee�etoatr. 4» rr�?�zL�V7»M> Piorltzpl. 8197 Ab Oberbaumbrücke an allen drei Phngstfelertagen und weiter täglich Dampfer-Extralahrten. Hadi Neu-Eerinesdoff« Neu-Bel�oland 8 Uhr früh, 12, 1 und 2 Uhr. Fahrpreis hin und zurück Sonntags 1,50 Mk., wochentags 1 Mk., Kinder die Hälfte. Nach Wollersdoiler Sdüecse 8V, Uhr früh, 12, 1 und 2 Uhr. Fahrpreis hin und zurück Sonntags 2 Mk, wochentags 1,50 Mk., Kinder die Hälfte. Ab Dienstag, 7. Juni, tägl. 9 U. früh(auß. Sonnab. u. Sonnt.) nadi Grünüeide mit Rundfahrt bis Alt-Budikorsf Fahrpreis hin und zurück 2 M., Kinder die Hälfte. Ferner: An allen drei Pllngstlelertagen u. weiter täglich bis einschl. 16. Juni(außer Sonntag, 12. Juni) durch die herrlichen Havelseen nach FerOlfliB XdIWletowgee. Abfahrt: 9'/. U. früh nur ab Charlottenbg.. Tegeler Weg, nahe Stadtblif. Jungfernheide. Fahrpr. hin u. zurück 3Mk� Kinder 1,50 Mk. en«, rcus nur weioe ge» lfige IackettanzÜge, Stack» zanzllge, Gehrockanjügc, lots, Lauchanzüge, für ., i es � Wenig getragene, teils auf Seide g« arbeitet«, erstklassige U bM nzügc, Smatingan Gabarbine-Paletot», jede Figur passend, außerdem hoch, elegante neue Garderobe, von erstklassi- Scn Schneidern gearbeitet, zu staunend illigen Preisen im Leihhaus Lowicki, firinzenstraß« 705. eine Treppe, jieine ombordware. Tcifzahlnngl Küchen, weiß, fasiert, farbig emailiert, entzückende Muster. gediegene Ausführung, Garantie, An. zahlung 75 Mark an, Wochenrate 8 Mark an, Frctlicferung. Möbelfchatz, Brun- ncnstroße 700, Eingang Anklamerstraße. . bC«»»ikiMZitgomoH>f o. Linkpiano», überaus preiswert. Piano» tadrit Lint. Brunnenstraße 85' Auzahlungsfrei, Pianoabzahlung, gds brauchte 375,—. Herer, Prinzenstraße (Morlßpfatz).__ flonzettpiano, Ffügelton, verkauü billig, eventuell gahlungserieichtcrung. Pianofabrik Steinmener, Fricdrichstr. 10. Vorderhaus 2 Treppen. Ricfenauswahli Dia- idrickerader, Opelfahrrädcr. Berleid hocheleganter Gesellschaft»- Anzüge. Leihhaus Lowicki. Prinzen- straße 105. Wenig getragene Frackonzüge. Smokinganzüge. Gehrockanzüge. Iackettan- züge, Gabardinemäntel, Gummimäntel. Cutaway-Anzüge Taillenmäntel, für jede Figur passend. Spezialität: Baud)» anzitgc, fpottdillig. Saipern. Rofcn thaierstraße 4. erste Etage.__' Berlrih von fchaftsaiizügen. Norden 0ZS3. iochcleganlen Gefell- Rosenthalerftraß« 4. Weil Arnold Scholz Hasenheide 108-114 Pfingsten, 5. und 6. Juni Eröffnung der Sommer-Saison Gr. FrflfekMzcrf und ersiKl. Variete-Vorsiellun� Boa flavafieren wenig getragene so wie neue Lerrengarderobe verkauft ivottbillig Leihhaus Fricdrichstraße 2. steine Lombardwar«.. Wcniae getragene stavaliergarderobe von Millionären Acrzicn. Anwälte». Fabelhaft billige Preise. Emvfebfc ! Taillenmantel. Paletots. Fracks. Smo» I kings, Gehrockanzüge, Hofen. Gelegen» heitskäufe in neuer Garderobe. Weite. ster Weg lohnend. Lothrinacrftraße 50. ' Trcpve, Ziofenthaler Platz._« Einlaß früh 4 Uhr nachm. 2 Anfang früh 5 Uhr „ nachm. 4„ Am 2. Feiertag; Gr.Pliiigslbail Um Freien Ferner täglich(außer Donnerstags und Sonntags) =s Vereinstage-- Ab 5 Uhr: Konzert und Tanz in Freien niinn Entiee Aaralierzarderobe, teils auf Seide. Iackeiianziize 25,—, Gabardinemänie! 30,—. Prima Moßcrfatzgarderobe enorm billig. Ferner Pelzmäntel 700,—, Pelz» jackcn 50,—, streuzfüchfe, Ziegen 72,—. Leihhaus Moritzplatz 58».«eine Low» oardware.> Stonnenerregend! Prachtteppichei Fünfzehn! Federbetten Stand 25,—! Bardtnenlager! Diwandeckeni Herren. anzügel Paletots i Monatsgardcrobe! Teilzahlung ohne Abzahlungspreifel tsteine Berfatzware!) Pfandleih.Ber» kausshaus, Schönhaufer Allee 775 lNord» ring).__• Äoonlictanzest, wie neue, Jackett» anzllge. Gehrockanzüge, Frackanziige (auch leihweise), Commermäniel Gummi» Mäntel oerlauft spottbillig Alexander» straße 28-, Hochparterre.______' Wenig getragene Iackettanzüge, teils auf Seide, 78,—, Smokinganzüge. Bauch» anzllge, Taillenmäntel, Paletots, stau» nend billig. Gclegenheitskäuie in neuer Herrengardcrob». Leihhaus Nofenthater Tor, Linienstraße 203—204. Ecke Rosen» thaler Straße Kein» Lombardware.» Teilzahlu»? manträdcr, 0 WWWWWW�W Triumpbräder, Multipterräder, Wittler» rädcr, Monopolräder, bildschöne Renn. Maschinen, entzückende, fchnetlaufende Straßenrenner, sechsjährige Garantie. kaufzwangloser Lagerbcfuch. Fahrrad» rahmen 18,—, stassaräder 38,—. Schlawe, Weinmetsterstraße vier._• Drri Mark Wochenrate, 75 Mark An» zahlung. für ein«rstkfgfiige» Marken» lad. Fahrrodhau» stentrum Linien» straße nennzebn.' icsufgezucftQ A Zadngcbisse. Lilbersachen. Zinn Blei. Ouccksslber. Dofdschmelz« Gbristionar. stöpenickerstrcße 39 lAdalbttlstraßet.' Unterricht Privatzirkel, Ginzelunierricht. stürz. fchriff, Maschineschreiben, Buchführung. Bucherrevifor Alllich, Seydelstraße l. Epittelmarkt.' Verschiedenes ß Der Fahrer Karl Kühler, Reukülln, Fuldastraße 25, feiert am«. Juni 7027 (ein 2öiäöcigc9 Dienstjubiläum in der Zerliner stindl.Brauerei._ Dlötzenfe«. Restauraat Waldhätte. Inhaber Witwe Antonie Dreier, direkt am St.-Iohannis.Kirchhof. Telephon Hansa 3007. Herrlicher Naiurgarlen. amilien künnen Kaffee kochen zu jeder ageszeii. Epeifen und Setränke preis» wert. Treffpunkt der Vereine.• Arbeltsmarkt inmusmm Beiteaverlauf! Neue 9,75! 15,-1 Prachtvolle 22,30! 27,50! Bettwascd«! sieppdeckenl Tülldecken I Inletts! Alles spottbillig! steine Lomdardwarel Leih. hau». Brunnenstraße 47___• Billig, trotzdem auf Teilzahlung. jerrenbekfeidung, Tamenbekleibung, Säsche, Sardinen, Tischdecken. Diwan» decken usw. Kleine Anzahlung, niedrige Raten. Max Ury, BTumenstraße 47 1, 3. Haus von Andreasstraße.' Rcife.Chauffeur fuckst Ptingstaushiife. Rohrpostkarte an Deutsch, Berlin SO. 33. Pückicrstraße 48 17. rßeUeBBBgewste.- M Tüchtiger Taufchlosser, speziell für eiserne Türen, wird eingestellt. Julius Scheide, G. m. d. H., Bcrfin»Br.tz, Rudswerstraß« 25—20. —"------------,-- I iSTTt|T~r"" Kellnern mit la Fachzeug n. und guter Garderode bietet stch zu Pfingsten bei guter Witterung lohnende Verdtenstmüglicht. durch Fach» abteiiunq für da« Saftwirtsgewerd, dehn Landesarbeitsamt Berlin. Meidg mit Legitim» Papieren Sonnabend. 4. Juni. nackim. 7—5 Uhr, Beuthstr. 7(Ableilunz Restaurant-stellner). pfingst- Angedste xZx Noll. Anzüge 23.-, 34.-, 45.-, Gabardine-Mäntel 3$.-, 45.-, 54.» 11» Ka valier- Garderobe"sSdV* Anzüge von 25.-. Frack-, Smoking-Anzüge, Gummi- Mäntel 12». Seide______ Damen-Garderobe, Moderne Seiden-Mäntel wleihhaus'VK Moritzplatz 58a