Nr. 263 44. Jahrg. Ausgabe A nr. 134 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 6, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage Bolt und Beit" fowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen", Aus der Filmwelt", " Frauenftimme", Der Rinder. freund", Jugend- Borwärts",„ Blid in die Bücherwelt" und Kulturarbeit" erscheint wochentäglich zwei mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abresse: Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reklamezeile -Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt geile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die näch ft e Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachut. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Sonntag, den 5. Juni 1927 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftichedtonto: Berlin 37 536- Bankkonto: Bank ber Arbeiter, Angeftelten unb Beamten. Ballkr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depokitentaffe Sindenfte. 8. Chamberlin unterwegs. Berlin in Erwartung.- Er hat das Festland verlassen. voraussichtlich Montag nacht. New Yort, 4. Juni.( WTB.) Die Columbia hat Sonnabend nachmittag 5 Uhr Berliner Zeit die Stadt Yarmouth in Nova Scotia überflogen. Das Flugzeug, das sehr langsam fuhr, ist damit gegenüber der von Lindbergh gebrauchten Zeit um anderthalb Stunden im Rückstande. New York, 4. Juni.( WTB.) Die Columbia wurde heute vormittag 8 Uhr amerikanischer Zeit über Westport( Massachusetts), um 9 Uhr über Nova Scotia in einer Höhe von etwa 300 Metern gefichtet. New Yort, 4. Juni.( WTB.) Die„ Columbia" hat um 8.40 Uhr eine Stelle dreißig meilen östlich Halifax in Neufchottland paffiert. Der Start. New York, 4. Juni.( WTB.) Der Start des Flugzeuges, in dem Chamberlin und Levine, letterer im gewöhnlichen Straßenanzug, Plaz genommen hatten, gelang erst beim zweiten Versuch. Beim erstenmal legte das Flugzeug einige hundert Meter auf der Erde zurüd, fonnte jedoch nicht aufsteigen, so daß es zum Start zurückkehren mußte. Der von Chamberlin mitgenommene Brennstoffvorrat von 455 Gallonen( etwa 2066 Liter) wird von Sachverständigen für eine Strede von 4000 Meilen als ausreichend betrachtet. Beim Abflug Chamberlins fam es zu einem kleinen 3wischenfall Als Charles Levine das Flugzeug bestieg, wurde seine Frau, die nicht wußte, daß er mitfliegen wollte ohn mächtig. Kommt er, kommt er nicht? Außerdem ist vorgesehen, daß beim Eintreffen des Flugzeuges, das den Namen„ Columbia" trägt, vom Landungsplatz aus, also vom Tempelhofer Feld, ein Stimmungsbild sowie der offizielle Begrüßungsatt für Chamberlin über die Berliner Sender verbreitet wird. Wie die„ Columbia" aussieht. New Bort, 4. Juni.( WTB.) Das Flugzeug Columbia", mit dem Chamberlin nach Europa unterwegs ist, hat folgende Martierungen: Auf beiden Flügeln und auf dem Schwanz N X 237, auf beiden Seiten des Rumpfes die 3ahl 140, in der Mitte des Rumpfes die Aufschrift New York; es folgt ein Bindeftrich der Bestimmungsort ift unausgefüllt geblieben. Der Rumpf des Flugzeuges ist silbergrau, die Flügel sind gelb getönt. Byrd und Fotter äußerten ihre Zuversicht, daß Chamberlin, der als geschickter Pilot bekannt ist, den Flug glücklich beenden werde. Chamberlin fliegt ebenfalls ohne Funkanlage. New York, 4. Juni.( Telunion.) Wie der Telegraphen- Union auf Anfrage mitgeteilt wird, hat Chamberlin die Funkanlage seines Flugzeuges Columbia" seinerzeit kurz nach dem Lindbergh- Flug abmontiert und nicht wieder angebracht. Er fliegt also, entgegen der bisherigen Annahme, ohne FT.- Gerät, so daß eine direkte Beobachtung des Flugzeuges nicht möglich ist. Deutsche Amateure werden allenfalls in der Lage sein, die Funksprüche der deutschen Flugzeuge abzuhören, die Chamberlin, falls er nach Berlin kommt, entgegenfliegen werden. leber England nach Berlin- oder über Paris nach Empfang. Rom? Paris, 4. Juni.( EP.) Die jüngsten, aus New York vorliegenden Nachrichten widersprechen sich hinsichtlich des Zieles der zum Ozean aufgeffiegenen„ Miß Columbia". Es sei möglich, daß Chamberlin den Weg über England und Schottland nach Berlin nehmen werde, jedoch sei auch mit einem Fluge über Paris nach Rom zu rechnen. Die Wetterlage über dem Ozean. Aussichten am günstigsten bei südlichem Kurs. Die Zentrale des deutschen Höhenwetterdienstes, Aeronautisches Observatorium Lindenberg, teilt mit: Unter dem Einfluß des Azorenhochs herrscht südlich des 15. Grades nördlicher Breite bis in große Höhen eine recht ftabile, mäßig starke Westströmung. Weiter nördlich kommen vom Westen her mit großer Geschwindigkeit mehrere Tief= brud wirbel nach Europa, die als Mitglieder einer neuen 3yflonenfamilie fich ständig verstärten und an Mächtigkeit mehr und mehr zunehmen. Der großen Anzahl der einzelnen Wirbel wegen liegen auf ihrer Bugstraße zahlreiche Ausgleit- Einbruchsfronten, die breite Niederschlagsgebiete mit sich führen, wie aus zahlreichen funttelegraphisch eingelaufenen Schiffsmeldungen hervor. geht. Da die einzelnen Zyklonen rasch nacheinander ziehen, herrscht im Gebiet zwischen dem 50. and 65. Grade nördlicher Breite starker Wechsel in der Windrichtung, so daß in dieser Zone ein leberqueren des Ozeans auf dem Luftwege Schwierigteiten bereiten dürfte. Besonders gutes Flugwetter herrscht im Bereich des Azorenhochs, zumal hier noch stetiger Rückenwind einem von Amerita her tommenden Flugzeug die Reisezeit erheblich abkürzt. Sollte Chamberlin seine Route zunächst bis nach Neufundland und von dort aus die kürzeste Ozeanstrecke nehmen, so würde er dort auf der Südseite eines recht kräftigen Tiefdruckwirbels in heftige Störungen geraten. Es wäre also der Wetterlage nach vorteilhafter, den direkten kurs nach Biscaya zu wählen. Flug und Ankunft im Rundfunk. Die ganze Welt kann zuhören. Aus Anlaß des Ozeanfluges des amerikanischen Fliegers Chamberlin wird die Funk- Stunde in Berlin einen Sonderdien ft einrichten, um ihre Funkhörer dauernd über den Berlauf des Fluges zu unterrichten. Am Pfingst sonntag, dem 5. Juni, werden diese Spezialnachrichten zu folgenden Zeiten über die Sender geleitet: 10 Uhr vormittags, 1 Uhr, 4 Uhr und 7 Uhr nachmittags und ab 10 Uhr abends in laufender Folge. Berlin in Erwartung. Vorbereitungen auf dem Tempelhofer Feld. Absperrungen. Wahrscheinlichkeit seinen Weg nach Berlin nehmen wird, falls Da der amerikanische Flieger Clarence Chamberlin mit größter ihm die Ueberquerung des Ozeans gelingt, hat die Reichshauptstadt bereitungen getroffen, um den fühnen Biloten zu empfangen und im Laufe des gestrigen Sonnabends bereits umfangreiche Voreine glatte Landung der Maschine zu ermöglichen. Gestern mittag fand im Polizeipräsidium unter dem Borsiz des Polizeipräsidenten 3örgiebel eine Besprechung mit Bertretern aller in Frage kommender Behörden des Reiches, Preußens und der Stadt Berlin sowie mit den Vertretern der Deutschen Lufthanja und der Flughafengesellschaft statt, in der die zu treffenden dabei zu dem Ergebnis gekommen, Maßnahmen eingehend beraten wurden. Uebereinstimmend ist man daß aus allgemeinen sicherheitspolizeilichen Gründen eine umfaffende Absperrung des Tempelhofer Feldes durchgeführt werden muß. 3u diesen Maßnahmen mußte man sich insbesondere deshalb entschließen, da, wie die Vorgänge in Paris und London gezeigt haben, einmal rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müffen, daß der Flieger ungehindert landen kann, und da zum anderen die Gefahr für das Publikum beim Landen der Flugzeuge außerordentlich groß ist. Das Tempelhofer Feld wird deshalb von mehreren tausend Beamten in weitem Umtreife abgesperrt werden, und zwar durch verschiedene Postenketten, um ein Durchbrechen der wartenden Menschenmassen unbedingt unmöglich zu machen. Empfang auf dem Tempelhofer Feld. Bürgermeister, Scholtz hat am Sonnabend morgen mit den städtischen Stellen, die mit der etwaigen Landung der amerikanischen Flieger zu Pfingsten in Berlin befaßt sind, Rücksprache genommen. unmittelbar nach Ankunft der Flieger wird Bürgermeister Scholtz und Stadtbaurat Dr.- Ing. Adler die amerikanischen Flieger auf dem Städtischen Flughafen begrüßen. Mitteilungen über weitere Veranstaltungen während des Berliner Aufenthalts der Flieger können erst nach Ankunft und im Benehmen mit den übrigen beteiligten nichtstädtischen Stellen gegeben werden. Die Reichsregierung und die preußische Staatsregierung haben bisher noch fein festes Programm für den Empfang Chamberlins getroffen, sicherlich werden aber einige Mitglieder des Reichskabinetts auf dem Tempelhofer Flughafen anwesend sein. Falls Chamberlin wirklich in Berlin ankommt, ist mit einem festlichen Empfang beim Reichspräsidenten zu rechnen. Auf dem Flugplaß selbst werden sicherlich neben dem ameri tanischen Botschafter, den Vertretern der Regierung, der Behörden, des Reichsverfehrsministeriums, die Direktoren der Deutschen Lufthansa und der Flughafen gesellschaft, des Aeroklubs von Deutschland und anderer Ankunft Flieger und Luftfahrorganisationen ihr Lager aufschlagen. Sobald Meldungen vorliegen, daß die ,, Columbia" ihren Weg durch Deutschland nach Berlin zu eingeschlagen hat, werden mehrere deutsche Flugzeuge der Lufthansa zum ehrenden Empfang entgegenfliegen und den fühnen Piloten einholen. An dieser Einholung werden sich übrigens eine Anzahl amerikanischer Journalisten beteiligen, die zu diesem Zwecke eine besondere Maschine gemietet haben. Der Rettungsdienst. Auch das Städtische Rettungsamt hat für den zu fehrungen getroffen. So wird außer dem ständigen Rettungsdienst erwartenden Massenandrang bei der Ankunft Chamberlins alle Vorauf dem Flugplatz in Tempelhof eine zweite Rettungsstelle ftationiert. In der Kaserne Fidicinstraße und am Halleschen Tor mit Arztdienst eingerichtet. 3wei Krantenwagen werden dort werden Hilfsstationen errichtet, die vor allen Dingen den Sanitätsorganisationen, die einen weitverzweigten Patrouillendienst ausüben werden, als Stüßpunkte dienen sollen. An beiden Stellen steht ebenfalls je ein Krankenauto bereit. Der gesamte Rettungsdienst wird von dem Leiter des Städtischen Rettungsamtes Dr. Baul Frank überwacht und sofort in Tätigkeit gesetzt, sobald genaue Nachrichten über das Nahen Chamberlins vorliegen. Nächtliche Ankunft? Für den Fall, daß der Flug in der beabsichtigten Route durchgeführt werden kann und die ,, Columbia" nicht abgetrieben wird, rechnet man in hiesigen Luftfahrkreisen damit, daß die amerikanischen Flieger zwischen 1 bis 3 Uhr früh am Pfingstmontag landen fönnen. Nach dem bisherigen Interesse zu urteilen, das die deutsche Deffentlichkeit und besonders die Einwohner der Reichshauptstadt daß in der Nacht vom Pfingstsonntag zum Pfingstmontag unge. dem Fluge Chamberlins entgegenbringen, ist damit zu rechnen, zählte Tausende in der Nähe des Zentralflughafens auf die Ankunft Chamberlins warten werden. Liebliches Fest? Eine pfingstliche Zeitbetrachtung. vierundvierzigjährige Geheimrat Johann Wolfgang Goethe Vor einhundertundvierunddreißig Jahren schrieb der in Weimar seinen Reineke Fuchs", und seit dem heißt, nach den ersten Worten dieses Gedichtes, Pfingsten in allen deutschen Zeitungen ,, das liebliche Fest". In der Welt außerhalb Weimars sah es damals nicht gerade sehr lieblich aus. Kanonendonner von Balmy flang dem Dichter noch in den 1792 war der Krieg gegen Frankreich erklärt worden, der Ohren. Es lag ihm aber wenig daran, sich in den großen Weltbegebenheiten zu tummeln. Er flüchtete aus ihnen zurück in den Weimarer Frühling und in das politisch ganz unverdächtige Stoffgebiet der deutschen Tiersage. Das war auch die Zeit, in der sich das Freundschaftsband um Schiller enger zog. Eine angenehme Aussicht bietet sich mir dar, daß ich mit Schillern in ein angenehmes Verhältnis komme und hoffen kann, in manchen Fächern mit ihm gemeinsam zu arbeiten zu einer Zeit, wo die leidige Politik und der unselige körperlose Parteigeist alle freundschaftlichen Verhältnisse aufzulösen und alle wissenschaftlichen Verbindungen zu zerstören droht." Man sieht, lieblich" war das Pfingstfest schon damals nur unter Ausschluß der Politik. Sonst freilich kann man allerdings nicht sagen: ,, Alles wie heute." * Das Pfingstfest von 1927 wird in der Erinnerung aller Lebenden seine besondere Bedeutung haben. Nach Jahrzehnten wird es der Großvater seinen Enteln erzählen:„ ,, Da mals war es, als mir den Besuch des Fliegers Chamberlin aus Amerita erwarteten." Chamberlin und Levine kommen nicht auf Fauftens Zaubermantel, sondern in einem Flugzeug modernster Konstruktion. Sie haben ein paar Apfelfinen und einige belegte Brötchen in der Tasche und hoffen, wenn es gut geht, auf dem Tempelhofer Feld gelandet zu fein, ehe der Borrat verzehrt ist. Goethe hat seinen Faust zwar auf einem Faß durch die Luft aus dem Auerbacher Keller in Leipzig reiten, und noch andere Zauberfünfte aufführen, aber nicht von New York nach Berlin fliegen lassen, denn das hätten ihm die Beute boch nicht geglaubt. Etmas pathe tischer ausgedruckt: wir erleben eine Wirklichkeit, an die die Phantasie unseres größten Dichters nicht heranreicht. Man kann sagen: sie reicht m den verschiedensten De- Ziehungen an sie nicht heran. Aus dem Tempelhoser Feld er- lebten wir die Anfänge der Fliegerei. Armand Zipfel, Orville und Wilbur Wrigth, Bl6riot, Latham, es waren Franzosen und Amerikaner, die uns ihre Künste zeigten. Mit welcher Spannung verfolgten wir ihre Per- suche, wie bangten wir um ihr Leben!(Js war an einem jener unvergeßlichen Abende, als Bl4riot seine Kurven durch die Luft zog, da kam die Nachricht, daß ein französisches Lenk- lustschiss mit seiner Bemannung abgestürzt und verbrannt sei. Tiefe, echte Trauer in den Massen, Männer sah man weinen... Ein paar Jahre später:„Hurra! Drei feindliche Flug- zeuge abgeschossen!"—„Drei?"—„Nein, zwölf!"„Hurra, Hurra!" Und jetzt?„Kood-bvk Brodway— hallo Berlin!" Wir haben die armen N u n g e s s e r und Coli zünftig betrauert und schnell vergessen, mit etwas Neid den Lärm aus Paris und London um Lindbergh von der Ferne mit angehört und rüsten uns, Chamberlin und Levine festlich zu empfangen. Es gibt nichts Phantastischeres als die Geschichte der letzten fünfzehn Jahre. Keine Phantasie reicht an sie heran. * Ja, daß jetzt zwei Amerikaner auch zu uns kommen wollen, das empfindet man politisch— wer kann heute lo? von der Politik— als eine Erleichterung. Was um Lind- bergh vorging, hat sich allzusehr im Kreise der„Alliierten und Assoziierten Mächte" abgespielt. Man hatte in Deutschland wieder einmal das Gefühl, ein wenig außerhalb einer Welt zu liegen, die in der Hauptsache aus Amerika, England und Frankreich besteht. Dieses Gefühl ist leider nicht ganz unberechtigt. Seit wir die Deutschnationalen in der Regierung haben, bewegt sich der Kurs der deutschen Außenpolitik sichtbar wieder in der Richtung zur Isolierung. Aeußerlich scheint alles beim Alten geblieben, am Personalbestand des Auswärtigen Amtes hat sich nichts Wesentliches geändert, aber es geht nichts vor- wärts und verschiedenes zurück, und die Stimmungen ver- steifen sich. Der größten der gegenwärtigen Regierungs- Parteien bleibt die Einsicht verschlossen, von der wir sozial- demokratischen„Landesverräter" uns stets leiten ließen, daß kein Bolk ohne Freunde leben kann, am allerwenigsten aber ein im letzten Kriege besiegtes. Ja, und hätte sie diese Einsicht, so fehlte ihr doch die Möglichkeit, nach ihr zu haudeln, denn sie ist nun einmal die Trägerin der Tra- dition, die Deutschland in der Welt verhaßt gemacht hat. Davon kommt man so leicht nicht wieder los. Als neulich hier geschrieben wurde, daß von einem „Silberstreifen" in der Außenpolitik nichts mehr zu sehen sei, buchte ein deutschnationales Blatt das mit Genugtuung als ein Zeichen unserer beginnenden Erkenntnis. Aller- dings, man müßte blind sein, um nicht zu bemerken, daß es den Deutschnationalen und ihren Mitspielern auf der Gegen- feite gelungen ist, alles, was nach Silberstreifen am deutschen Himmel aussah, verschwinden zu lassen. -r,« i Wenn man das feststellt, sind sie noch stolz darauf. Man muß aber ernstlich fragen: Welche nationalistische Belastung erträgt Europa noch, ohne daß Lebensgefahr eintritt. "Lebensgefahr für das alte Europa, das einen neuen Krieg nicht mehr erträgt? * Zugegeben: bei uns ist es immer noch um einige Grade lieblicher als in Moskau und in London. Wir leiden an alten Schmerzen, sind aber in den neuen Konflikt nicht unmittelbar verstrickt und haben keine Neigung, in ihm Partei zu ergreifen. Bordem las man fo oft in den Blättern der Bierbünkphilister, Deutschland werde eines Tages zwischen Ost und West„optieren" müssen. Jetzt, wo die Frage wirk- pfingstfeiertag. Bon C. P. Hiesgen. heut' steige ich zwanzig Stufen tief hinab und bin aus meinem grauen Haus, um Schritt für Schritt die Stundenftiegen eines Pfingstfesttages wieder hochzuklimmen. Wir wandern heute in die Welt. Des So-nnners grün« Fackeln sind entzündet. Ein Kind auf meinen Schultern, eins an der Hand. Die Mutter geht im Gleich- schritt mit. Ihr flattert dos weiße Kleid am Leibe wie siegverkün- dendes Fahnentuch. Die Wiesen, Felder, Walder kommen auf uns zu im Ueber- schwang, und leuchend steigt der Sonnenball. Ich spüre ihre heißen Funken. Sie brennen wie Küsse im Nacken und lodern und flam- wen im, Stirn, Augen und Wongen. Die Sonnenstinken geben meinem Puls die Schwingen der Zeit. Mit jedem Blatt kredenzt die Sonne uns eine Opferschale, bis an den Rand mit reinem Lebensatem angefüllt. Mit jeder Blüte bietet uns die Soime einen Kelch, auf dessen Boden goldbestäubte Samenfäden schimmern. Wir liegen im blauen Schatten der Tonnen, in ihren Kronen pulst das Licht. Im Moose spielt der Sonne Widerschein, darin mein Jüngstes sich zum Schlaf gebettet. Das andere lauscht andächtig, was der Wald erzählt, dann springt es auf. umfaßt den ersten besten Baum und drückt ihn«n stch, als ob der Baum lebendig war. »Komm Kind, ich will dir sagen, was der Wald erzählt," be- ginne ich zu erzählen, wie es Kinder tu». .Mein liebes, kleines Menschenkind!— Den langen, kalten Winter durch haben wir Bäume uns um dich gebangt. Wir Bäume sind es, die zu Holz zerhockt, das Brot im heißen Ofen backen. An unserem Holz hast du im Winter dem« Fingerchen gewärmt. Das Kinderspielzeug wächst aus unserem Holz, und jedes Streichholz. jeder Stuhl und Tisch und jedes Haus braucht unser Holz. Unsere Nadeln machen den Kranken gesund! Zerstörte Lungen heilen wir. Zerstörte Städte bauen wir Bäume wieder aas. Später, wenn du wirst größer sein, werden wir dir alles ganz genau erzählen." „Ja!" jauchzt und atmet tief mein Kind. Aus einem Wurzelloch kommt«ine Haselmaus gekrochen, jetzt sich dicht vor uns auf die Hiuterfüßchen, zeigt ihre sechs Nitzkleinen Brüstchen und springt zurück. „Die Mausenmtter bittet uns. hübsch still zu sein, well ihre Kinderchen nicht schlafen können, wenn wir lochen!" sage ich meinem gläubigen Kind. Die Tannen spielen mit dem Sönnenball und überm Moose tanzen Sonnenzwcrg«: dann schläft mein Aeltestes an meiner Seite ein..... Ich sah die Bäume mastenhoch rings um mich stehen und legte meinen Kops ins hart« Wurzelwerk und sann..... Wir all« bohr«,« den tiefsten Grund nnd treiben Kräfte i» lich ernst geworden ist, hört man kein Wort mehr von diesem Geschwätz. Wenn England die diplomatischen Beziehungen zu Ruß- land abbricht, ist das für uns kein Grund, Rußlands Partei zu ergreifen. Wenn die englische konservative Regie- rung die Beziehungen zu Rußland abbricht, so ist das zunächst eine Eselei auf eigene Rechnung. Wir können England nicht zwingen, die diplomatischen Beziehungen zu Rußland auf- rechtzuerhalten, ebensowenig wie wir Rußland zwingen kön- nen, mit England weiter Geschäfte zu treiben, wozu ja Eng- land alle Neigung hat. Wir haben an diesem Konflikt weiter kein Interesse als dieses, daß er nicht zu einem neuen Kriege führt. Die Gefahr eines Krieges würde wachsen, wenn einer der beiden Teile im äußersten Fall auf Deutschlands Hilfe rechnen könnte. Es liegt also im Interesse des Friedens, daß Deutschland ebenso wie alle anderen Mächte außerhalb des Konfliktes bleibt. Bon der deutschen Regierung ist zu verlangen, daß sie sich aller Handlungen und aller Gesten enthält, die von einem der beiden Streitteile als eine Sympathiekundgebung für den anderen aufgefaßt werden könnten. Die Kunst wahrhaft neu- tral zu sein, ist uns ja während des Weltkriegs unter noch viel schwierigeren Verhältnissen vorgemacht worden. An diesen Beispielen müssen wir lernen. * Frühlingsgrüne Plakate künden das dritte Pfingsttreffen des Roten Frontkämpferbundes in Berlin an. Der „Lokal-Anzeiger" regt sich darüber auf, daß sich niemand darüber aufregt. Vor dem Stahlhelmtag habe es doch in de? Linkspresse solchen Lärm gegeben, jetzt aber wolle sich kein. Lüftchen regen. Wir haben den Lärm über den Stahlhelmtag nicht mitgemacht und finden auch die vollkommen ruhige Be- Handlung, die das kommunistische Pfingsttreffen überall er- fährt, außer in den Spalten des„Lokal-Anzeigers", viel ver» nünftiger. Daß die Kommunisten für niemanden mehr eine Gefahr und nur ein Schaden für die Arbeiterbewegung find, deren Einheitlichkeit sie stören, weiß heute schließlich jeder. Wir dürfen auch den Arbeitern, die heute noch unter dem Sowjetstern marschieren, mit gutem Gewissen sagen, daß wir keine Spur von Feindschaft gegen sie empfinden, denn wir sehen den Tag kommen, an dem sie den Sowjetstern von ihren roten Fahnen abnehmen werden, die dann ganz genau so aussehen werden wie die unseren. Was wir diesen Arbeitern gegenüber empfinden, ist nichts als ein Gefühl des Bedauerns darüber, daß ste sich noch immer durch die ärmlichen Künste eine? völlig desorien- Herten Führung von der großen Masse ihrer fozialdemokrasi» schen Klassengenossen fernhalten lassen. Daß es ihnen gelingen könnte, die Sozialdemokratie zu überrennen, können sie selbst nicht mehr glauben. Die Einheitsfront des Proletariats ist doch erst dann da, wenn es keine KPD. mehr gibt, die nach ihr schreit. * Diese Einheitsfront wird kommen! Schneller vielleicht, als mancher denkt. Wir haben mehr erlebt und überlebt als irgendein anderes Geschlecht der menschlichen Geschichte, und wir erkennen klar in diesem Wirbelsturm des Geschehens di« soziali st isch-demokratisi�e Arbeiter- bewegung als wachsende Macht. Auf sie blicken und zu ihr halten müssen alle, die den Frieden wollen, die nicht wollen daß die Intelligenz der Technik noch einmal durch die Jdiosie der Politik zur allgemeinen Kulturvernichtung mißbraucht wird. Zu ihr gesellen müssen sich von rechts und links alle, die begriffen haben, daß nur die gesammelten Kräfte des arbeitenden Volkes die Technik aus den Fesseln der Kapitalswirtschaft befreien und zur Dienerin des All- gemeinwvhls machen können. .Leidige Politik"? Es gibt für uns keintz Flucht daraus in die Lieblichkeit der Frühlingsfeier. Sie hat uns ganz und gar, sie begleitet uns auf allen Wegen. Und nur weil wir an den Sieg glauben, sst uns dieses Pfingsten ein Fest. das Reich der Strahlen. So ringt dos knotig« Geflecht der Wurzeln mit den Erdenkrästen, bis die strömende Gewalt von Säften den Wald hochtürmt. Es sst em Unterschied zwischen dem Wurzelwerk der Wälder und dem Menschengeschlecht der Städte. Ein Teil der Menschheit heilt zerstörte Lungen und baut zerstört« Städte wieder auf. und dos sind wir! Die anderen?— Die anderen steigern unsere Kraft, die sie zerstören wollen! Die Sonne ist bergab gezogen und Wolken schäumen seifig überm Horizont. Wir brechen auf. Die Waldwiese flammt Millionen gelbe Blüten wie Feuer- zungen aus der Erde und offenbart den unerschütterlichen Geist der Erdenkrast. Der Weißdorn strahlt in seinen weißen Sternen. Ueber die Rotdornbüsche hängt die rote Pracht. Me stch Millionen Blüten fruchtbringend der Erde entringen, so flammt ans Millionen Men- schenhirnen nur em einziger Gedanke und will stch in der Welt ge- statten. Ich führ« meine Kinder durch das Abendlicht u«b fühle meine Hände warm an ein« Zukunft gefesselt, die uns im roten Abend- schein entgegenglüht. Di« Mutter geht im Gleichschritt mit. Ihr weht das Kleid am Leibe, wie ein siegvertünidendes Fahnentuch. Ver Gzeanflieger Chamberlin. lieber den Ozeanflieger Ehamberlin wird uns geschrieben: Chamberlin ist für seinen Ozeanflug dadurch besonders befähigt, daß «r bereits vor sechs Wochen einen Weltrekordflug unternommen hat, der tatsächlich eine viel größere Leistung war, als die Leistungen Lindberghs. Während Lindbergh seinen 6100 Kilometer-Flug in 33 Stunden zurückgelegt hat, ist Chamberlin bereits am 14. April in Long Island zu einem Fluge aufgestiegen, währenddessen er während Sl Stunden in der Lust blieb. Diese Leistung befähigte ihn also, auch den Flug New Park— Berlin zu unternehmen, der viel weiter ist, als der Flug New Port— Paris. Chamberlin ist ein Mann von 32 Jahren und hat sich erst in der letzten Zeit als Flieger besonders hervorgetan. Er war derjenige, der zuerst den Flug New Park— Paris plante, denn er wollte seinem Weltrekorddauerflug auch die erste Ueberquerung des Ozeans auf dem Flugzeug von New Park bis nach Paris folgen lassen. Er dacht« daran, ungefähr gleichzeitig mit Nungesser aufzusteigen, konnte aber von feinen Geldleuten nicht erreichen, dah sie seine Bedingungen erfüllten. Darum unterblieb der Flug. Das Flugzeug, auf dem Chambsilin den Flug unternimmt, sst di« berühmte„Columbia". Es ist dasselbe Flugzeug, auf dem er seinen berühmten Dauerflug machte. Zum Unterschied von dem Flug- zeug Lindberghs ist es viel größer und schwerer gebaut. Es wiegt nämlich 300 englische Pfund mehr als das Flugzeug Lindberghs, das nur rund 5150 Pfimd wiegt. Mit diesem größeren Gewicht ist nuch eine größere Tragfähigkeit verbunden, die dem Flieger die Mit- nahm« großer Vorräte von Benzin gestattet. Insofern ist das Flug- zeug Chamberlins näher dem Jdealflug für Ozean-Ueberquerungen: den» diejenigen Flugzeuge, in« späterhin dem Ozeanverkehr dienen Moftrichrepublit- Zreispruch! Der Oberamtsanwalt Graf Lnfi darf die Repnbliks beschimpfen. Das Schösfengerichl Spandau sprach deu Oberamtsanwalt Grafen Lusi von der Anklage wegen Vergehens gegen§ 8 Ziffer 1j des Republikschuhgesetzes frei und verurteilte ihn wegen Beleih d i g u u g des Rebenklägers zu 10 0 ZN. Geldstrafe, von der Anklage des unerlaubten Waffenbesitzes wurde der Angeklagte eben-l falls freigesprochen. Der Antrag des Slaatsanwalls Halle aus 2 ZNonate 2 Woche« Gefängnis wegen Vergeheos gegen das Republikschutzgefetz gelautet, * Die Zeugenvernehmung ergab einwandfrei, daß der Oberamts� anwalt die Republik schwer beschimpft hat, so laut, daß mehrere Hausbewohner erwacht sind und Zeuge der gegen den Nebenkläger Bleike gerichteten Schimpfworte geworden waren: zwei Zeugen hatten auch Aeußerungen über den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, eine Zeugin auch die Aeußerung über die„M Ostrich» republik" gehört, dagegen tonnten die von dem Herrn Grafen benannten Entlastungszeugen nichts als unwesentlichen Hausklatsch gegen den Nebenkläger vorbringen. Angesichts dieser Tatsachen plädierte der Staatsanwaltschaftsrat Lesse? für eine Verurteilung des Angeklagten wegen Ve« gehens gegen den§ 8 Ziffer 1 und 2 des Republikschutz- g e s e tz e s. Dieser Paragraph bedrohe die öffentliche Berächtlich- machung der Republik und ihrer Farben mit einer Gefängnisstrafe bis zu 5 Jahren, außerdem könne auf Verlust des Amtes erkannt werden. Nun könne zwar eine an sich verwirkte Gefängnisstrafe von unter 3 Monaten auch in Geldstrafe umgewandelt werden; an- gesichts der Schwere des Falles, daß ein höherer Iustizbeamter der Republik diese in so unqualifizierbarer Weise beschimpfe, sei aber nur eine Gefängnisstrafe als ausreichende Sühne anzusehen. Er beantrage also wegen Beschimpfung der Staatsform 2 Monate, wegen Beschimpfung der republikanischen Farben 1 Mo- nat, zusammengezogen zu einer Strafe von 2 Monaten und 2 Wochen Gefängnis. Wegen Beleidigung des Nebenklägers beantrage er eine Geld straf« von 150 M., von der gleichzeitig erhobenen Anklage wegen unerlaubten Waffenbesitzes bitte er, den Angeklagten freizusprechen. Das Gericht sprach den Oberamtsanwalt frei— aus folgendett Gründen: Die Beschimpfung der Republik und ihrer Farben sei nicht als eine öffentliche Beschimpfung im Sinne des Gesetzes zu werten, denn sie sei im Innern des Hauses gefallen und nur von zwei Zeugen gehört worden. Das fei, nach der Judikatur des Reichsgerichts nicht als„Oesfentlichkeit" aufzufassen. Also sei der Angeklagte von diesem Punkt der Anklage freizusprechen, obwohl das Gericht die Aeußerung über die„M o str! ch r e p u b l i k" für erwiesen annehme. Von der Anklage des unerlaubten Waffen- besitze? fei der Angeklagte ebenfalls freizusprechen, dagegen wegen Beleidigung des Nebenklägers zu 100 M. Geldstrafe zu oerurteilen. Die Kosten des Verfahrens wurden, soweit Freispruch erfolgte, der Staatskasse auferlegt. Wir nehmen an, daß die Staatsanwaltschaft gegen dieses nur politisch zu wertende Urteil Berufung ein- legen wird, und daß der preußische Justizminister sich für diese Begründung ebenso interessieren wird wie für die Urteils- begründung im Prozeß Mahraun-Sodenstern. Nachdem das Gericht festgestellt, hat, daß der Oberamts- anwalt tatsächlich den Ausdruck„Moftrichrepublit" gebraucht hat, darf selbstverständlich im Justizdienst kein Platz mehr für ihn sein. Graf Lusi ist vor dem Prozeß vom Dienst suspendiert worden— es sst übrigens nicht richtig, daß er nach der Be- schimpfung der Republik noch befördert worden ist—, wir erwarten, daß er nun auf dem schnellsten Wege aus dem Justiz- dienst entfernt wird. Zm Mannheimer Vörgeraus schuh wurde der sozioldemotratische Antrag, die m o n a r ch i st i s ch e n Straßenbezeichnungen durch republikanische zu ersetzen, mit 49 gegen 46 Stimmen ab- gelehnt. Die Ablehnung erfolgte mit Unterstützung der Dem»- traten und des Zentrums. werden, werden unter allen Umständen andere Dimensionen Hab eck müssen als das Flugzeug Lindberghs. Außerdem zeichnet sich das Flugzeug Chamberlins dadurch aus, daß auf ihm ein Rettungsboot aus Gummi aufmontiert sst, um im Falle eines Bersagens der Motore dem Flieger die Möglichkeit zu geben, jederzeit sich zu helfen. „Don Giovanni" im Schauspielhaus. Wollte man grob sein, so könnt« man von einer Don-Giovanni-Aufführung ohne Titelheld sprechen, oder von einer Berschiebung der Werte, oder von einer mnnozartischen, nicht gesungenen, intellektuell klug angelegten, aber überspitzten Rolle, in der sich Michael Bohnen präsentierte. Ein Wüterich, eine grausam böse Kanaille, Verführer aus Schlechtigkeit, nicht um die Frauen zu erfreuen, sondern um sie zu vernichten, Liebhaber ans Zerstörungswut, aus Abscheu. Ein pathologisch«? Individuum. Wie verträgt sich das alles mit Mozarts Musik? Der Kavalier, der schöne Mann, der graziöse Ritter, der elegante Plan- derer— dos alles war Bohnen nicht, wollte er nichi sein. Das Gehirn siegte über Kehle und Herz. So blieb ihm, einheitlich wie er Rollen einmal anpackt, nichts übrig, als auch das Singen zu ver- achten. In einer sehr schönen Ausführung, der prinzipiell noch manche Worte der Anerkennung zuteil werden sollen, für Regie, Bilder, Kapellmeister. Solisten, in dieser vier Stunden langen Aufführung stach der Künstler Bohnen ab als ein gemaler, überpersönlicher Aus- reißer aus den Revieren, die Text, Gesst, Stil und Musik des Don Giovanni für alle Zeiten umzäunt haben. K. S. And immer noch: Gotteslästerung. Vor dem Schwurgericht Augsburg fand die Berhandlung gegen den verantwortlichen Feuilletonredakteur der AZ. am Abend in München, Karl Nicolaus, wegen Gotteslästerung statt. Nicolaus war im Vorjahre vom Schwur- gericht München wegen Gotteslästerung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er ein Gedicht von Karl Zuckmayer„Wenn der Wind im Frühling bläst..." veröffentlicht hatte, dessen zweite Strophe das nächtliche Wehgeschrei der Katzen mit den Klagerufen Christi in Gethsemane vergleicht. Der Erste Strassenat des Reichs- gerichts hatte das Münchener Urteil aufgehoben und die Sache an das Schwurgericht Augsburg verwiesen. Dieses verurteilte den An- geklagten nach fs 166 des Strafgesetzbuches aufs neue, sah aber an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen eine Geldstrase von 300 M. sowie Tragung der Kosten vor. Es ist niemand das Recht benommen, den Vergleich Zuckmaqers geschmacklos zu finden. Aber der Begriff der Gotteslästerung sst an sich widersinnig und gehört nicht in ein irdisches Gesetzbuch. „lleberlragung" eines historischen Gebäudes. Das Hotel de Masia in Parts, ein Bau des Louis-XVI.�Sttls, das in einem Garten in den Champs Elysäes liegt, sollte niedergerissen werden, weil ein großes Warenhaus hier eine Filiale bauen wollte. Durch die Be- mühungen des Unterrichtsministers ist nun beschlossen worden, das prächtige Gebäude zu erhalten, indem es Stein für Stein auf einen Platz in der Nähe der Porte de Neuilly übertragen wird. Das historisch« Bauwerk soll der franzästschen Schrisssteller-Gesellschast eingeräumt und dadurch ein geistiger Mittelpunkt werden. Siegsried Raube, der Oberregisseur bei Münchcncr ZchimipielhauieS, eineS der verdieniwollilen Mitglieder der Mümbener darstellenden Kumt. der»ar zwei Jahre» sein SO jährige» Bühnenjubiläum stier» konnte, ist gestorben. partektag in öelgien. Stetig« Fortschritt— die Erfolge des vergangene« Jahres. Brüssel. 4L Zum.(Eigener Drahlbericht.) Am Sonnabend wurde im Brüsseler Volkshaus der parteilag der belgischen Sozialdemokrakie ouier dem Dorsch vou de Brouckere erSssnet. Aus dem vorliegenden Berichl ergibt sich, daß die SiSrte der parlei- mllgliedschasl sowie der Gewerkschaften stabilisiert ist. Die parteieinrichtungeu machen stetig Fortschritte. Troh der durch die all- gemeine Lage bedingten großen Schwierigkeiten des letzten Zahres verzeichnete die Partei wichtige Fortschritte auch auf poli- tische« Gebiet. So errang sie die Befreiung des lebensnotwendigen Lohnes von der Einkommensteuer, die Herabsetzung der Heeresdienstzeit aus zehn Monate, die Erneuerung des Mieterschuhes, die Ratifizierung des Washingtoner Ab- kommen» über den Achtstundentag, die Stablllslerong des Franken ohne schwere Wirtschaftskrise, die Schassnng einer Arbeiterwehr, vor der die beginnende Faschisleiibewegung sosort völlig verstummle. Die Gemeindewahlen brachten der parte! wesentliche Gewinne. Frauen- und Zogendbewegung machten ausfallend starke Fortschritte. Zm ganzen darf die Partei der Zukunft zuversichtlich entgegensehen. Der Bericht des parteivorftandes wurde nach kurzer Debatte, wobei die Gegner der Regiernngsbeteiligung einen schwachen Vorstoß unternahmen, gutgeheißen. Belm Bericht der Parlamentsfraktion wurde eine schärfere Disziplin der Abgeordneten bei Abstimmungen gefordert. Den hanptgegenstand der diesjährigen Debatte bildete die S ch u l f r a g e, insbesondere die Entscheidung darüber, ob die Partei Slaalszuschüsse auch an katholische Schulen weiterhin be- willigen soll. Die personalveränöerungen in Preußen. Weitere Beförderungen. Im Zusammenhang mit der Beamtenaufsrischung in Preußen ist eine Reihe von Regierungsassessoren aus dem Ministerium des Innern und aus einzelnen Regierungsbezirken zu Regierungsräten ernannt worden. Auch im Bereich des Kultusministeriums ist eine größere Anzahl von Beförderungen zu verzeichnen. Personalwechsel in öer Reichskanzlei. Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers den Ministerialdirektor in der Reichskanzlei, Dr. O f s« r m a n n(Z.) in den einstweiligen Ruhestand oersetzt und den Ministerialrat im Reichssinanzministerium, Dr. von Hagen dw(Vpt.), zum Ministerialdirektor ernannt. Ministerialdirektor Dr. Offermann wird zunächst eine mehrere Monate dauernde Studienreise in dos Ausland antreten. Nach feiner Rückkehr wird er In der Reichsarbeitsverwaltung in einer leitenden Stellung Verwendung finden._ Der Zoll Marx-wirth. Ivos über die Lage im Zentrum. Der Zentrumsabgeordnete Ivos nimmt im„Westdeutschen Dolksblatt" Stellung zum Fall Wirth und schreibt u. a.: „Bis zur Stunde können wir versichern, daß keine der maß- gebenden Persönlichkeiten, weder im Fraktion?» noch im Parteioorstand einen Bruch mit Dr. Wirth wünscht oder die Ver» antwortung übernehmen möchte, Veranlassung dazu gegeben zu haben. Wenn es Zentrumsblötter gibt, die diesen Bruch anscheinend leichter nehmen, so beweisen ste damit, wie sehr sie von guten Geistern verlassen find. Natürlich gibt es vereinzelt auch Zentrumsleute, die unbedingt mehr und die auch weiter gehen wollen, vielleicht sogar solche, die die Situation für.reif" halten, um Dr. Wirth endgültig vom Zentrum abzusprengen. Und Dr. Mrth selbst fördert indirekt durch sein Verhalten die Absichten derjenigen, die glauben, der Zentrumspartei, wie sie sie auffasien, einen Dienst zu leisten, wenn ste auf einen Bruch mit Dr. Wirth hinarbeiten. Wir können nur immer wieder jagen, daß wir einen Bruch der Zenlrumspartei ml! Dr. Birth für ein Unglück hielten, für eine schwere Schädigung der Partei und«ine Schädigung der deutschen Politik. Diejenigen, die meinen, sein Anhang ia den RIassen der Zenirumsangehörigen im Lande wäre zerronnen, geben sich einer gefährlichen Täuschung hin. Das müßte in den Tagen offenbar werden, da der Bruch vollständig wäre. Gerade heut«, da das Reichstagszentrum in einer sogenannten„bürgerlichen" Regierungs- koalition steht, muß di« Partei um so klarer und eindeutiger in ihrer geistigen Selbständigkeit und Haltung erscheinen. Die Massen der Zentrumswähler, auch in der Arbeiterschaft, sind dem Reichstags- zentrum bis heute gefolgt. Mit dem Verstand haben sie die poli- tischen Notwendigkeiten der letzten Monate begriffen, wenn auch ihr Gefühl dagegen war. Mehr kann man ihnen psycho- logisch nicht zumuten. Nun muß freilich auch Dr. Wirth wissen, was man vernünftigerweise einer Parteigemeinschaft zu- muten kann. Wir müssen über diesen Augenblick tiefer Nervosität hinwegkommen. Die Stimmen; die Verschärfung und Bruch wollen, müssen zum Schweigen gebracht werden." Pastorenpolitik. Wer schützt die Republik? Am 2. April wurde in Graba bei Jessen(Kreis Wittenberg) das Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Franz Schlinter beerdigt. Die Kameraden des Verstorbenen wollten am Grabe einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife niederlegen. Anders dachte der zuständige Pastor, ein Herr Banfe. Er protestierte gegen- die R e i ch s f a r b e n auf der Schleife. Be- gründung: er könne bei einem christlichen Begräbnis und auf einem kirchlichen Friedhof keine politischen Bestrebungen dulden. Vernunftgründen blieb dieser Vertreter der evangelischen Kirche unzugänglich. Er müsse auf die Entfernung der schwarzrotgoldenen Schleife bestehen. Die Reichsbannerkameraden des Verstorbenen hatten mehr Taktgefühl als der amtliche Hüter der christlichen Weltanschau- ung. Sie gaben nach, um den kirchlichen Friedhof und das christliche Begräbnis nicht zum Gegenstand eines Skandals werden zu lassen. So kam es. daß auf Wunsch des evangelischen Pastors Banfe die Reichsfarben nicht das Grab eines Mannes ehrten, der bereit war. für die Farben und für dieses Reich fein Bestes herzugeben. Erklärlich, daß das Verhalten des evangelischen Pastors Banse in weitesten Kreisen als ärgerlich und als eine Beleidigung der Republik empfunden wurde. Das preußische Kultusministerium sah sich deshalb veranlaßt, den EvangelischenOberkirchen- rat auf deu unwürdigen Borfall aufmerksam zu machen. Antwort: Terrorwahlen Regierungsniederlage in den Städten Sofia. 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Das Ergebnis der bulgarischen Sobranjewahlen, das der Regierungs- parte! eine schon fast absolute Mehrheit, nämlich nach den endgültigen Ziffern 170 Mandate von der 273 zählenden Volksvertretung sichert, ist nicht überraschend. Das elende Wahlgesetz hat eine Auswirkung gehabt, wie man sie erwarten mußte. Mit 48 Prozent der Stimmen hat die„demokratische" Vereinigung nahezu 70Proz«nt all er Mandate„erobert". Triumphierend verkündet ihr auf Staatskosten gezüchteter Blätterwald(in Sofia stnd es allein sieben Organe), daß dieser Erfolg ein Sieg der Vernunft, ein Sieg des Friedens und ein Sieg über die dunklen Elemente de» zerstörenden Internationalismus fei, und die hinsichtlich ihrer tendenziösen Nachrichten zur Genüge bekannt« offizielle Telegraphenagentur ver- breitet im Auslande, daß die Wahlen ruhig und ohne Zwischenfall „bei vollster Freiheit" vor sich gegangen seien. Was aber ist die Wirklichkeit?— Grauenvoller Terror, wie ihn die politische Geschichte des bulgarischen Volkes bisher nie ge- kannt hat. Kein vernünftiger Mensch hatte erwartet, daß die Macht- Haber den Kampf um das Parlament und das Staatsruder ohne jeden Gewaltakt führen würden. Während der Minister- Präsident Liaptfcheff mit der ihm eigenen pseudo-demokratischen Geste wiederholt unbedingte Wahlfreiheit versprach, wurden Polizei, Spitzel, Armee und unverantwortliche Faktoren mobil gemacht, die das Land faktisch in einen Ausnahmezustand setzten. Dem greifen Führer den Sozialisten, Ianko S a k a s o f f. der als erster Eiserner Kandidat im Bezirk Jambol aufgestellt war, war es z. B. einfach unmöglich, auch nur in einem der mehr als 30 Ortschaften eine Wahlversammlung abzuhalten. Gendarmerie und Soldaten hatten stch an seine Fersen geheftet und forderten ihn überall unter „Der Standpunkt des Pfarrers ist auch nach Ansicht der vor- gesetzten kirchlichen Behörden unhaltbar. Dem Pfarrer wird daher das Entsprechende eröffnet werden." Etwas dürftig, diese Auskunft. Und sehr bequem. Sie sieht nicht gerade danach aus, daß die Herren vom Oberkirchenrat sehr eifrig sein werden, um die Republik vor den Beleidigungen eines Herrn Banse zu schützen. Vielleicht erinnert man sich on anderer Stelle daran, daß bei den Verhandlungen über gewisse Richtlinien neben dem verbrieften Schutz der Tradition auch der Schutz der Reichs färben vereinbart wurde. tzochverräterrente. Kriegsbcfchädigtenrente für Teilnahme am Hiiler-Pntsch! Die Nationalsozialisten im bayersschen Landtag haben dieser Tag« die Unverfrorenheit besessen, für die Hinterbliebenen ihres bei der Rauferei in München ums Leben gekommenen Parteiangehörigen eine staatliche Rente in der höhe der den Hinterbliebenen «Ines im Felde gefallenen Kriegsteilnehmers zustehenden Rente zu verlangen. Die Antragsteller können stch dabei auf einen Prä- zedenzfall berufen, den die bayerischen Behörden vor Jahren sanktioniert haben, hier handelt es sich um den sogenannten Leib- adjutanten hitlere, einen städtischen Freibank metzger in München, der während des Hitler-Putfches bei der Schießerei am Odeonsplatz zu Schaden gekommen ist. Dieser Metzger, der als Sinn- bild deutscher Treue im Hitler-Prozeß so gefeiert und hernach mit einem Stadtratsmandat belohnt wurde, bezieht für feine Der- wundung— man höre und staune— auf Grund des Kriegspersonen- fchädengefetzes in Verbindung mit dem Reichsversorgungsgesetz seit Januar 1924 eine KOprozentige Rente! Wenn man weiß, wie schwer und wie lang« ost Schwerkriegs- beschädigte um den Bezug ihrer Rente kämpfen müssen, so ist die Tatsache, daß ein an einem hochverräterischen Unter. nehmen Beteiligter sür die dabei erlittenen Schäden Rente zuge- sprachen erhält, geradezu aufreizend. Was sagt der Rcichsarbeitsminister zn diesem unerhörten Skandal? Zentralorgan unö berliner. Auseinandersetzung anf der Generalversammlung der „Germania". Interessante Vorgänge spielten sich auf der Generalversammlung der„G er m a n i a"- A k ti e n gesell s cha s t ab, die die Be- sttzerin des Zentralorgans der Zentrumspartei sst. Die Berliner Zentrumsgruppe fühlt« sich in dem Aufsichtsrat der„Ger- mania" nicht genügend vertreten. Es gab ausführlich« Debatten darüber, ob man den Berlinern zwei Sitz« im Aufsichtsrat zubilligen könne. Im Laufe der Auseinandersetzungen kritisierte Ministerial- direktor S p i e ck e r sehr scharf die Politik des Aufsichtssats, die bankrott gemacht Hab« und die vom Vorstand in einem halben Jahre nicht wieder gutgemacht werden könnte. Herr v. Papen wehrte sich gegen die Kritik. Ein Versuch, auch Spiecker in den Aufsichtsrat zu bringen, mißlang, da die Versammlung beschloß, die Zahl der Aussichsratsmitglieder auf neun zu beschränken. Unter diesen Umständen wurde nur ein Vertreter der Berliner Katholiken m den Aufsichtsrat entsandt unter lebhaftem Protest des Rettors Kellermann, der bedauerte, daß die Mehrheit der„Germania"- Aktionäre schon zum dritten Male die Wünsche der Berliner Partei unberücksichtigt gelasien Hab«. Der in den Auf- sichtsrot gewählte Vertreter der Berliner Katholiken ist übrigens nicht eimnal Mitglied des Berliner Parteivorftandes. Es löst« heftige Erregung aus, als Herr o. Papen gegenüber der Kritik feiner Berliner Freunde diesen riet, den jetzt gewählten Herrn Weinziehr jr. in den Berliner Parteivorstand zu wählen, damit die Parteiorganisation dann auch im Auffichtsrat vertreten fei. Es fand scharfe Mißbilligung, daß auf diese Weise die Stimmenmehrheit in der Generalversammlung zu der Abschlachtung der Berliner Anträge noch Spott und Hohn hinzufügte. In dem Bericht, den die Monatsschrift„Berliner Zentrum" über die Generaloersammlung bringt, spiegell stch die Erbitterung der Berliner Opposition lebhast wider. Schutz öes polnischen flrbeitsmarktes. Den Handelsvertragsverhandlungen wird vorgegriffen. Warschau. 4. Juni.(WTB.) Der Staatspräsident hat die Ber- ordnung über den Schutz des Arbeitsmarktes bestätigt, hiernach dürfen Arbeitgeber fremde Staatsbürger nur dann beschäftigen. wenn sie hierzu die Erlaubnis der zuständigen Behörden er- halten. Von dieser Bestimmung sind ausgenommen Arbeitend«, die bei Arbeitgebern beschäftigt sind, welche die Exterritorialität geweßen. ferner Handelsreisende ausländischer Firmen. in Bulgarien. - dennoch große Regierungsmehrheit. Drohungen auf, schleunigst die Orte zu verlassen. Mit vor geHallen em geladenen Gewehre und ausgepflanzten Bajonette wurde auch die kleinst« Ansammlung auseinandergesprengt. Nur die Be» sonnenhell von Sakasofi verhinderte Blutoergießen. Im gleichen Wahlbezirk wurde der eisern« Kandidat, ein Bauernparteiler, fast zu Tode geschlagen. Die Oppositionskandidaten wurden überall von ihren Partei- und Koalitionsfreundeen gebeten, ihre Wohnungen zu meiden, damit sie sich nicht der Rachgier und den Graufamkellen der Regierungsbehörden aussetzten. In Lesko- witz und vielen anderen Dörfern wurden Bomben und Steine gegen die häufer bekannter politischer Gegner geschleudert, Revower- fchüsse abgegeben, und zu Dutzenden wurden Chauffeure und Kusscher mißhandelt, die Wahlredner beforderten. Die Gewalttätig- kellen verstärkten sich noch am Wahltage. In entfernten, abliegen- den Dörfern wurden die Wähler wie Schafe zur Wahlurne geführt. In den meisten Wahlbureaus hausten die Anhänger der Regierung schrankenlos. Bauern und Arbeiter, die den Mut fanden, sich zu widersetzen, wurden bis zur Bewußtlosigkeit miß- handelt. Trotz alledem hat die Regierungspartei in allen Städten «ine vernichtende Niederlage erlitten, an erster Stelle in Sofia, wo sie von elf Mandaten nur vier erhielt. Diese Tat- fachen sprechen dafür, daß die Machthaber bei voller Wahlfreiheit und unter dem früheren Wahlgesetz mit dem Kreisproporz fast leer ausgegangen wären. Mit Recht stellt daher die gesamte Opposition?- presse ohne Unterschied der parteipolitischen Schattierungen fest, daß die Regierungsmehrheit in der neuen Sobranje nicht das Volk repräsentiert, sondern das blutige Produkt des polizeilichen und fafchistsschen Terrors ist. künstlerische und Schulkräfte, endlich Ausländer, die sich mindestens sell dem 1. Januar 1921 ständig in Polen aufhalten. Wenn Ausländer ohne behördliche Erlaubnis beschäftigt werden, sind Strafen in höhe von 100 bis 100 000 Zloty oder Arreststrafen bis zu sechs Wochen vorgesehen. Schleichende Regierungskrise in Frankreich Der nene Zolltarif soll der Kammer aufgezwungen werden.— Kabinettsbildung Briands? Poris, 4. Iuni.(Eigener Drahtbericht.) Die lebhaften Zwischen- fälle, zu denen es in den letzten Tagen in der Kammer gekommen ist, haben den Gerüchten von Unstimmigkeiten innerhalb des Kabinetts Poincare neue Nahrung gegeben. Tatsächlich scheinen die schon sell längerer Zeit bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwi- schen der ausgesprochen reakttonären Mehrheit der Kabinettsmit- glieder und der durch Vertreter der radikalen und sozialistischen Oppo- fition gebildeten Minderheit in beträchtlicher Schärfe zugenommen zu haben. Das hatte schon der Kreuzzug gegen die Kommunisten, zu dem der radikale Innenminister S a r r a u t sich von Barthou und Genossen drängen ließ und seine katastrophalen Nachwirkungen, wie sie in dek Nachwahl vom vorletzten Sonntag zutage getreten sind, gezeigt. Jetzt scheint es, als ob zum mindesten herriot und P a i n l e v e die Augen darüber geöffnet worden sind, welchen Schaden sie ihrer eigenen Partei dadurch zugefügt haben, daß sie fett«inigen Iahren der Poincaräschen Politik Vorfpanndienste leisteten. Immerhin stnd die Gerüchte, die von einem b e od r- stehenden Rücktritt des Ministeriums wissen wollen und Briand als voraussichtlichen Chef des neuen Kabinetts sowie Tardieu als seinen Finanzminister bezeichnen, als entschieden v e r f r ü h t an- zusehen. Man wird höchstens von einer schleichenden Krise sprechen können, die sich allerdings sehr rasch zu einer akuten, und zwar namentlich dann entwickeln kann, wenn Bokanowski, wie er neuerdings angekündigt hat, tatsächlich, vom Gesamtkabinett er- mächttgt, bei jeder Aenderung seines ungeheuerlichen Zolltarifs in der Kammer die Vertrauensfrage stellen will. lindbergh auf der Rückreise. Feierliche Einholung vorbereitet. Le havre. 4. Znni.(BTV.) Der amerikanische Kreuzer „Bemphis" ist heule nachmittag 4 llhr 30 Alinuleu mit Lindbergh anBordin See gegangen. Ein Flugzeuggeschwadcr gab ihm eine Strecke weil da« Gelell. Rem gork. 4. Znni.(TU.) Für die Empfangsfeier- lichkeit hat Präsident Eoolidge angeordnet, dah 200 amerikanische Flugzeuge unter Führung des„Los Angelos" Lindbergh entgegenfahren sollen. Chamberlin an Lindbergh. Rew gork. 4. Juni.(WTB.) Der Flugzeugkonstrukteur F o k t e r erklärte, Chamberlin habe, ebenso gute Aussichten wie Lindbergh. Levine sei ein guter Sportsmann und der erste Paffagier auf einem transatlantischen Fluge. Vor dem Abflug schrieb Chamberlin mit Bleistift die folgen- den Worte fllr Lindbergh: Leider kann ich nicht bis zu Ihrer Ankunst warten, um Sie zu begrüßen. Ich habe mir da» Wetter zunutze gemacht, ich bin unterwegs. Das Flugzeug Hot etwa 100 Briese mitgenommen, deren Empfänger in verschiedenen Län- dern Europas wohnen. Kommunististhe Methoden. China als bolschewistisches Propagandamittel. Bon der„Chinesischen Nachrichten-Ageutnr in Europa" mll dem Sitz in Berlin wird uns geschrieben: „Unter der irreführenden Bezeichnung..Chinesisch« National- Agentur" versucht eine kleine, einflußlose Gruppe chinesischer Kommunisten mll Unterstützung de» tom- munistischen Parteiapparats in Deutschland Nachrichten, die iu der Hauptsache aus russischer Quelle stammen, unter ch i« e s scher Flagge ausgeben. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit. daß uns vor zwei Monaten durch Mittelsmänner das Ansinnen gestellt wurde. Rachrichten der russischen Telemaphenagenkur„laß" unter unserer Firma auszugeben. Diese» Ansinnen sst vou nuS abgelehnt worden. Die Eröffnung der neuen, sogenannte« Chinesischen National-Agentur dürste die mnnllelbare Folge dieser Ablehnung sein. Es kann und soll niemand verwehrt werden. Nachrichten über China auszugeben. Immerhin sollte das Gefühl für politische und jounalistisch« Sauberkett oerbieten, zu Maskierungen in der obigen Art zu greifen und kommunistische Tendenzmeldungen als Nachrichten einer chinesischen National-Agentur auszugeben." Dieser Fall sst typisch für di« Art, wie die Boss che wiki. die chinesischen Ereignisse als Propagandamittel für die russische» außen- polllijchen Interesse» zu verwenden bemüht ßnh,..___. 190 Der Splitter und der Balken. Theorie und Praxis der Kommunisten. Der Ausgang der Tarifbewegung in der Berliner Metallindustrie, der durchaus unbefriedigend ist, hate die Rote Fahne veranlaßt, gegen die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes und gegen das Metallkartell Vorwürfe zu erheben, als sei diesen die Schuld daran beizumessen, daß infolge der Abstimmung der Unorganisierten der reine Achtstundentag diesmal noch nicht erreicht worden ist. Unsere Leser kennen die Borgänge. Wie uns aus Erfurt aber berichtet wird, wissen die Kommunisten sehr viel Wasser in ihren Wein zu gießen, wenn sie selbst die Verantwortung zu tragen haben. Anfang Mai wurde für die Metallindustrie in Suhl in Thüringen ein Schiedsspruch gefällt, der die Arbeitszeit auf 48 Stunden die Woche festsetzte und den Unternehmern gestattete, wöchentlich sechs Ueberstunden anzuordnen bei einem Zuschlag von 15 Broz. Die reformistische Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes war für Ablehnung des Schiedsspruches. Bom Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes war die Streitgenehmigung erteilt. Nichtsdestoweniger ist der Schiedsspruch sowohl von den Unternehmern als auch von den Arbeitern angenommen worden. In Suhl ist die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter verbandes seit Jahren eine Domäne der Kommunisten. Diese fommunistische Ortsverwaltung, geftüßt auf eine Mitgliedschaft, die ihr seit Jahren die Treue hält, hat also diesem Schiedsspruch zugestimmt, der den Unternehmern gestattet, wöchentlich sechs Ueberstunden anzuordnen. beitsamt zur Fortführung der Arbeiten der Wirtschaftskonferenz mitwirken solle. Der indische Arbeitervertreter schilderte die Lage der Arbeiterschaft seines großen Landes, während der japanische Arbeitgebervertreter die industriellen Schwierigkeiten seines überpölterten und rohstoffarmen Landes darlegte. Die englische Arbeitervertreterin Genoffin Bondfield verteidigte im besonderen die Arbeiterschußbedürfnisse für Frauen und Kinder. Als Letter sprach der füdafrikanische Regierungsvertreter, welcher den Geschäftsbericht als etwas zu start idealisiert bezeichnete und den Wunsch äußerte, daß neue Konventionsentwürfe auch nach der Seite der finanziellen Belastung für die Staaten vorgeprüft werden sollten. auch wirtschaftliche Zusammenhänge würden im großen Aus| Behandlung gelangen und auf alle Fälle das Internationale r maß durch die Arbeitslosenhilfe berührt. Die Arbeits. lofenunterstützung bilde die unterste Grenze für die Entlohnung; deshalb müßte ihre Höhe das richtige Verhält nis zu dem tatsächlichen Lohn enthalten. Die Gefahr, daß einzelne Arbeitsverhältnisse durch die Arbeitslosenhilfe aufgelodfert werden, laffe sich nicht ausschließen. Dafür stärke aber die Arbeitslosenhilfe die Stabilität der Gesamtwirtschaft. Die Erhal: tung der Arbeitskraft und des Arbeitswillens in den Arbeitslosen bei insbesondere eine Aufgabe der werfschaffenden Arbeislosenhilfe. In den beteiligten Kreisen müßte das Interesse an der Verhütung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wachgehalten werden. Deshalb müßten die Beteiligten die finanzielle Berantwortung für die Arbeitslosenhilfe tragen und einen maßgebenden Einfluß auf ihre Durchführung befizen. Der Bizepräsident des Städtetages, Dr. Elsaß, gab in der Debatte dem Bedauern darüber Ausdruck, daß nach dem Entwurf der Arbeitslosenversicherung sein sollen. Was der Entwurf über die Arbeitslosenversicherung die Gemeinden nicht mehr Träger bringt, sei nicht Selbstverwaltung, sondern eine bureautra tische Organisation, bei der man die Selbstverwaltung als Feigenblatt benutze. Auch Rechtsrat Schmidt München wandte fich gegen die Auffassung Weigerts, daß die Arbeitslosenhilfe nur eine Angelegenheit der Unternehmer und Arbeiter sei. Der Vertreter des Allge meinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Bröter, vertrat die Anschauung, daß Gemeinden, Arbeiter und Unternehmer zusammen arbeiten sollten. Die Arbeitslosigkeit sei auf die Strukturveränderung nicht nur der deutschen, sondern der ganzen europäischen Wirtfchaft zurückzuführen. = Der Vertreter der nordwestlichen Arbeitgebergruppe Dr. Grab ner wandte sich gegen die Einführung der Gemeinden als drittes Glied in das Selbstverwaltungsgebäude der Arbeitslosenver: ficherung, weil die Stadtverwaltungen politisch eingestellt wären. Arndt Dresden erklärte, daß die Gewerkschaften vom Standpunkt Arbeitsnachweises von den Gemeinden seien, die aber schmollend der Zentralisation und des Risitoausgleichs für die Loslösung des abseits stehen wollen. Von anderer Seite wurde verlangt, daß die Vorsitzenden der neuen Verwaltungsausschüsse nach demokratischen Grundsägen gewählt und nicht von der Reichsanstalt einfach ernannt werden sollen. Der Schiedsspruch in Berlin beschränkt dieses Recht der Unternehmer auf durchschnittlich drei Stunden. Die Ortsverwaltung des Metallfartells, die Funktionäre haben einstimmig diefen Schiedsspruch abgelehnt. Sie haben den Arbeitern und Arbeiterinnen in den Betrieben Gelegenheit gegeben, in der Urabstimmung fich für den Streit zu entscheiden. Die Entscheidung ist leider an ders ausgefallen als die Organisation und die Funktionäre es vorgeschlagen haben. Nichtsdestoweniger werden die Organisationsverführte, daß die Differenzen zwischen Gemeinden, Reichsregierung treter von den Kommunisten aufs heftigste angegriffen. Daß aber eine fommunistische Ortsverwaltung einem Schiedsspruch zu stimmt, der den Unternehmern gestattet, wöchentlich sechs lleberftunden anzuordnen, darüber schweigt die Rote Fahne". Tagung der Landesarbeitsämter. Nach einem Schlußwort des Geheimrats Weigert, der ausund Reichstag durch die letzten Beschlüsse des Sozialpolitischen Reichs tagsausschusses schon wesentlich gemindert worden seien, wurde die Tagung geschlossen. Internationale Arbeitskonferenz. Rossonis Mandat mit 82 gegen 32 Stimmen bestätigt. Genf, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Abstimmung über die Genehmigung des Mandats des italienischen Arbeitervertreters ergab in der Sonnabendsigung der Arbeitskonferenz 82 gegen 32 Stimmen. Wiederum stimmte auch der südafrikanische beiterdelegierten; die Regierungsvertreter Belgiens enthielten sich der Stimmabgabe. Das erstemal hat auch ein Arbeitgeber vertreter, und zwar der Indiens gegen die Genehmigung des faschistischen Arbeitervertreters gestimmt. Das Arbeitslosenversicherungsgeseh. Dresden, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) An dem letzten Verhandlungstag der Arbeitsnachweistagung sprach Dr. Weigert, Ministerialdirigent im Reichsarbeitsministerium, über„ Das Problem der Arbeitslosenhilfe". Berufsberatung und Ar- Regierungsvertreter gegen die Anerkennung des faschistischen Arbeitsvermittlung fo führte er ausgehören in den Kreis der Arbeitslosenhilfe, wenn sie auch gleichzeitig wirtschaftlichen und sozialen Zwecken dienen. Bei der Arbeitslosenunterstügung trete der foziale Zweck der Arbeitslosenhilfe am stärksten hervor. Dr. Weigert wandte fich zwar gegen die Angriffe des Professors Dr. Gustav Cassel gegen die Arbeitslosenpolitit, vertrat aber die Ansicht, daß die Arbeitslosenunterstügung neben Vorteilen auch Gefahren für die Wirtschaft habe. Deshalb müßten Arbeiter und Unternehmer selbst die Verantwortung für die Arbeitslosenunterstügung tragen. Er faßte dann seine Ausführungen in Leitsäge zusammen, in denen u. a. gesagt wird: Die eigentliche Aufgabe der Arbeitslosenhilfe sei die Bekämpfung und Beseitigung sozialer Notstände. Aber Anschließend wurde mit der allgemeinen Aussprache über den Geschäftsbericht des Internationalen Arbeitsamtes fortgefahren, wobei je ein südslawischer und rumänischer Regierungsbzw. Arbeitgebervertreter auf die besonderen Schwierigkeiten hinmiesen, welche die wirtschaftlich noch weniger entwickelten Länder mit der Ratifizierung und Durchführung der Arbeitskonventionen haben. Sie sprachen dabei den Wunsch aus, daß in der internationalen Arbeitsorganisation auch die wirtschaftlichen Probleme zur Genf, 4. Juni.( WTB.) Die türtische Regierung hat dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, mitgeteilt, daß sie einen offiziellen Beobachter zur Verfolgung der Beratungen der Arbeitskonfeerenz in der Person des BorsigenNationalversammlung, Schütri Raya Bai, nach Genf entsandt hat. den des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten der türkischen Schütri Kaya Bei trifft am nächsten Mittwoch in Genf ein. Der österreichische Postkonflikt Die Verhandlungen nochmals aufgenommen. Wien, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Zur Vermeidung des Streits der österreichischen Post-, Telegraphen- und Fernsprechangestellten sind in letter Stunde nochmals Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Regierung aufgenommen worden. Die Berhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, jedoch ist eine leichte Entspannung der Lage zu verzeichnen, Die Arbeitszeit in den Krankenpflegeanstalten. Ein Erlaß des Wohlfahrtsministers. Der preußische Wohlfahrtsminister hat zur Durchführung de Verordnung über die Arbeitszeit in den Krankenpflegeanstalten zugleich im Namen des Handelsministers an die Ober- und Regierungsgehoben, daß sich die angeordnete 3usammenarbeit der präsidenten einen Erlaß gerichtet. Darin wird zunächst hervorMedizinal- und der Gewerbeaufsichtsbeamten bei der Aufsicht über die Durchführung der Verordnung durch Vornahme gemeinsamer Besichtigungen der Anstalten als zweckmäßig erwiesen habe. Durch die gemeinsamen Besichtigungen und Besprechungen hätten wiederholt Mißverständnisse bei der Auslegung der Bestim mungen aufgeklärt und vorhandene Mängel beseitigt werden können. die Ergebnisse Bericht erstattet werden. Gleichzeitig weist der WohlDiese gemeinsamen Besichtigungen sollen daher fortgelegt und über fahrtsminister darauf hin, daß die Gewerbeaufsichtsbeamten sich zur Ueberwachung der Arbeitszeit- und sonstigen Bestimmungen auch an den Besichtigungen solcher Krankenpflegeanstalten zu beteiligen haben, in denen mur wenige, nicht zum Pflegepersonal gehörende Personen( Maschinisten, Heizer, Gärtner, Hausgehilfen und der gleichen), die als Arbeitnehmer im Sinne des§ 10 des BRG. gelten, beschäftigt werden. Auch legt der Minister Wert darauf, daß die Medizinalbeamten an den Besichtigungen solcher Krantenpflegeanstalten teilnehmen, in denen feine oder nur wenige unter die Bestimmungen der Verordnung über die Arbeitszeit in den Krankenpflegeanstalten fallenden Pflegepersonen tätig sind. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Verlagsanstalt Paul Ginger u Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen, Unterhaltung und Wissen", Aus der Filmwelt" 19 N* Israel PL EXTRA- PREISE• SOMMERSTOFFE Damenhut Filzstroh m. Band garniert Demon DAMENKLEIDUNG KLEIDERSTOFFE Jumperbluse reinwollen. 3.90 gestr. Zephir, g. Armet 2.75 Kleid Kashline, 15.75 Kleid Wasch krepp farb Besale ( 42-46) 90 BastJump.- Kleid Beide, 23.50 Jumper bestickt.... Damenhut aus Borde, Südwesterform 2.90 farbiger Besatz Mantel Pfirsich haut, in vielen Farben 19.50 Damenhut Strohgefl., 5.90 helle Farb., m.Band garn. Sporthat aus Filzborde Kasha reine Wolle, 1.95 große Musterauswahl.. Wollkreppbedruckt, 1.65 $ 1.65 3.25 Sommermelangen, Mtr. Elfenbein Cheviot reline Wolle, 130cm, Mtr. 2.95 aparte Neuheit, 3. 3.90 Bordüren( Papillon) Crêpe de Chine Wasche'sd., neue Drek- 2.45 u. Webmuster, 100 cm Bordürenstoffe, waschb. 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Klud bedruckter Voll Voile( 42 40 975 841 TLO protov PL BERLIN C2 SPANDAUER STRASSE KONIG STRASSE GEGRUNDET 1851 • Nr. 2HZ» 44.Iahsgang ÖCÖ l�OttDOlrt0 Sonntag, S.Iuai1H27 f�f�K,VL So war es einst. Pfingsten ist eigentlich das Fest der neuen Kleider. Natürlich, wer es sich leisten kann, der paradiert auch Weihnachten und Ostern mit dem„Neuen", aber da sitzt eben der Haken: die Wollkleider, Mäntel und Kostüme haben die unangenehme Eigenschaft, nun mal eine ganze Menge mehr Geld zu tosten als die leichten Waschkleider, mit denen man stch an so einem schönen Pfingsttag feiertäglich putzen kann. Es bleibt eben dabei, dah für die Mehrzahl aller Frauen die Bedeutung des Pfingstfestes in einer großen Kleider- parade besteht. Vas Schwarzseiüene. Die älteren Leute haben es noch alle gekannt: das war dos gute Schwarzseidene, das Pracht- und Ehrenstück. Es wurde— beileibe— nicht etwa alle Sonntag angezogen, aber es gehört«, von der Wiege bis zum Grabe, zu ollen Familienseierlichteiten: genau so, wie der Konsirmandengehrock des Großvaters mindestens bis zur Eheschließung als Feiertagsrock ausreichen mußte, so mußte das gute Schwarzseidene unserer Mütter von der Hochzeit an jähr- zehntelang dienen. Denn Im Bürgertum wie im Proletariat war das„gute Schwarze" meist das Hochzeitskleid, und wenn es nicht Seide sein konnte, dann wurde eben ein feiner Wollstoff genommen, dessen sanfter Kampfergeruch sich mit den Jahren dann untrennbar mit allen Begriffen von Feierlichkeit verband. Unsterblich waren diese Kleider. Freilich, die Stoffe waren von einer Qualität, wie wir sie heute kaum mehr kennen, und sie überdauerten siegreich jeden Moden- und Figurwechsel. Denn wenn Mutter alle sechs Jahre betrübt konstatierte, daß ihr das„gute Schwarze" nun doch zu eng geworden sei— na, dann wurden eben ein paar neue „Seitenflügel" eingebaut und bei der Gelegenheit auch gleich die „Schinkenkeulen" in„Schmetterlingspussärmel" verändert. Und dann war Mutter wieder elegant und modern.— Ja— Mutter... Wie kommt es wohl, daß wir alle uns unserer Mütter gar nicht mehr als junge Frauen erinnern können? Nun, damals war die Frau sozusagen gezwungen und verpflichtet, am Tage der Hochzeit ihre Zugend zu begraben und mit dem Kapollhut and dem zum „guten Schwarzen" ernannten Brautkleid Blalronentum zu markieren. Aber auch die jungen Mädel von Anno dazumal, sie wirkten selbst mit achtzehn, mit zwanzig Jahren viel älter al» so eine mehr- fache Familienmutter heute. Das waren ja die guten, allen Zeiten, in denen möglichst schon das Einsegnungstleid eine Schleppe Halle, und jede Taillennaht mindestens mit einer Fischbeinstange versteift war. Und welch ein Albdruck ist uns heute selbst die„leichte Sommerkleidung" von damals! Korsett, mindestens zwei steif- Sestärkte und schön geplättete Unterröcke und dann die herrlich hönen Kleider mit Volants oder Tollfalten(mit Tollschere zu brennen, bitte!). Dazu«in dustiger Sommerhut. der mtt seiner kleinen Gartenbauausstellung mindestens ein Pfund wog, und ohne „Willem" und„Toupet" selbst mit drei Hutnadeln nicht zum Sitzen zu bringen warl— Und in dem Auszug machte man dann auch zu Pfingsten.Landpartie", die Herren(wahrhaftig!) oft genug mll Gehrock und„Butterblume", und es war der Höhepunkt dionysischer Fköhlichkeit, wenn dann im Walde die Herren in Hemdsärmeln gingen und die Damen sich der Oberröcke entledigten und den Blusen- kragen„einkippten"... vie Wandlung. Schließlich müssen es wohl alle zugestehen: es ist wirtlich manches heute angenehmer geworden. Wir geben uns nur recht fetten Rechenschaft darüber, wie sich gerade ia den letzten fünfzehn Jahren unsere Lebensformen gewandelt haben. Schon die äußere Erscheinung der Frau unserer Tage unterscheidet sich erheblich von der ihrer Mutter, und im allgemeinen muß man sagen, durchaus zu ihrem Vorteil. Die Frauen sind jünger geworden, nicht nur ihrer äußeren Erscheinung, auch ihrer geistigen Haltung nack). Die Mode »— wer hätte das von ihr gedacht— ist wirklich„vernünftiger" und praktischer geworden, und selbst eine„Landpartie" von heute hat einen wesentlich anderen Inhalt als so ein Sonntagsvergnügen von vor zwanzig Jahren. Denn da hat sich— so ganz unbemerkt von den meisten— ein wirklich segensreicher„Abbau" vollzogen. Schon die Kleidung, in der man dies Vergnügen beginnt, ist wesentlich ein- facher, und die glatten indanthrengesärbten Kleider, die Hemden mtt dem weichen Kragen gestatten schon vom Ausmarsch an eine wesent- Lch größere Bewegungsfreiheit, als ste die vorige Deneratton stch selbst an den Höhepunkten des sonntäglichen Vergnügens gestattete. Dann aber— das eigentliche„Wochenendkleid" des Sommers Ist heule für beide Geschlechter schon das Badelrikot geworden. Nicht nur zu Schwimm- und Badetouren nimmt man heute das Bade- trikot im Rucksack mit, die Menschen haben auch- das über den größten Teil des Tages ausgedehnte Luftbad schätzen gelernt, und die Freude an dieser �kleiderfreihell" am Feiertag beschränkt stch erfreulicherweise nicht nur auf die Jugend von 20 bis 2S Jahren. Wenn wir denken, welchen Anfeindungen noch vor nicht ganz 23 Jahren die Frei- und Familienbäder ausgesetzt waren, und wie heute das Familienfreibad mit anschließendem Picknick zur regu- lären Form de» Feiertagsvergnügens für fast all« Kreise geworden ist, dann müsien wir doch sagen, daß diese Wandlung nicht ohne tieserliegend« Ursachen sein kann. Ursachen. Eduard Fuchs sagt in seinem textlich lang« nicht genug ge- würdigten Buch:„Das Weib in der Karikatur", daß die Grund- tendenz der Mode sich immer der politischen und sozialen Struktur der Gesellschaft anpasse, und es läßt sich, abgesehen von der„Re- volutionsmode" des ausgehenden 18. Jahrhunderts, dafür wohl kaum ein besseres und schlagenderes Beispiel finden, als die Wand- lung, die die Mode und unser„Vergnügen" seit dem Beginn des Krieges durchgemacht haben. Politisch ist das Merkmal unserer Tage— nicht nur in Deutschland— der Triumph der Demokratie, wirtschaftlich die Rattonalisierung. Run, wer wollte bestreiten, daß sich die Mode seit Anfang des Krieges in unvorgeahnter Weise „demokratisiert" und„rationalisiert" hat? Demokratisiert: denn die modische Form der Modelle wird heute schon in der gleichen Saison auch vom billigen Konfektionskleid �wiederholt, und diese Form ver- langt bei allen einigermaßen normal gewachsenen Frauen durchaus nicht mehr so dringend nach der Maßschneiderei, wie einst das stangengestützte„gute Schwarze" unserer Mütter. Die Form hat auch über das Material triumphiert. Die Stoffe, die unsere Müller 10, ja 20 Jahre lang„für gut" trugen, sind im Handel so gut wie verschwunden. Die durch den jähre- lange» Gebrauch amortisierten Anschasfungskosten für ein der- artiges Kleid sind heute als einmalige Ausgabe gar nicht mehr er- schwrnglich, und so haben sich die Kleider durchweg verbilligt. Roch ein zweiter Grund ist maßgebend dafür, daß der Konsum sich immer mehr zugunsten des billigeren, fertig gekauften Kleides verschiebt. Das„Modernisieren" der noch brauchbaren Stoffe verlangte den Aufwand einer großen häuslichen Arbeit, und die ist heute nicht mehr frei. Die Frau von heute muß oft genug den„häuslichen Beruf" nur noch als Nebenberuf ausüben, und auch das berufs- tätige Mädchen hat längst eingesehen, daß es herzlich unrationell ist, wenn sie die freien Stunden, die sie dringend zur Regenerierung ihrer Arbeitskraft braucht, an unendliche, nie abreißende Prudeläen und Aenderungen verwendet. Also wird auch aus diesem Grunde lieber öfter ein modernes, billiges Kleid, als das„gediegene" Stück, das jahrzehntelang aushalten mußte, gekauft.— Die Produktion aber kommt diesen Tendenzen nur zu gern nach: denn nur am Masienkonsum kann der Fabrikant verdienen, und nur er ermöglicht es ihm, olle technischen Fortschritte voll auszunutzen, von der Zu- schneidemaschine bis zu den elektrisch betriebenen Nähmaschinen. Trotz dieser Typisierung der Mode aber bleibt der Individualität noch genügend Spielraum, denn selbst bei gleicher Grundform des Schnittes geben Farbe und Auspuh jedem Kleid doch eine besondere Note— und außerdem kommt es bei jedem Kleid ja nicht nur daraus an, was, sondern w i e etwas getragen wird. »Neuheiüentum.� Reben diesen Tendenzen aber läuft noch eine andere: die Be- freiung unseres Körpers von allen Fesseln und Beengungen, unter denen er im letzten Jahrhundert gelitten hat. Es wird heute von klerikaler Seite erneut heftig gegen das„Neuheidentum" zu Felde gezogen, und manch Außenstehender mag sich wohl über die Energie, mit der dies geschieht, wundern. Aber die Kirche ist konsequent: denn Körpertullur hat noch nie auf ihrem Programm gestanden, und Freibad, Gymnastik und das Familienpicknick im Badetrikot gehören einer Zeit an, die nicht mehr die ihre ist, die mit den Körpern auch die Geister aus ihrer Gewall befreit: sie gehören zu diesem Zeitalter materialistischer Grundtendenz so gut. wie das vor- geschriebene Badehcmd auch bei einsamem Wannenbad in geistlichen Instituten ein Ausdruck ihrer„guten, allen Zeit" ist.— Uns anderen aber ist Geist und Körper eine Einheit, von der wir kein Glied ver- kümmern lassen dürfen, und so sind wir dahin gekommen, am „Feiertag" nicht nur sür unseren Geist von täglich drückender Ar- beitssron Erholung und Ruhe sür unseren Körper, sondern auch Freiheit von allen Fesseln konventioneller Kleidung als das schätzens- werteste„Feiertagsvergnügen" zu betrachten— und darum ist das Badettitot des geschätzteste„Wochencndkleid". Und so ist der Weg vom„Schwarzseidenen" bis zum Badetrikot als Feierkleid eine charakteristische Parallele zu dem Wege, den unsere gesamte Entwicklung in den letzten 23 Iahreu gegangen ist — und es ist eine nachdenksame Pfingstpromenade, ihn so noch ein- mal zu durchmessen. Kampftag üer mutigen Liebe. Pfingsten, das letzte Fest— nicht des Kalenderjahres, wohl aber eines alten Kulturkreises, in dem Weihnachten die Dreigliederung der Hochfeste als erstes eröffnet. Und wem klänge es nicht etwas allmodisch in die Ohren: O du fröhliche? Nicht das Pfingstfest macht uns beim Worte„fröhlich" stutzig und kritisch— es möchte uns vielmehr vorkommen, als ginge es gar nicht mehr so recht um ein Pfingst fest— als sei zum mindesten kein allzu großer Unterschied zwischen dem einen und dem andern Fest. Das braucht man noch nicht dem Weltstädttschen, ja nicht einmal dem Städttschen zuzurechnen. Feste als Wege und Inhalt der Freiheitsliebe und des Rechtes an die Freude, des Mutes zu ihr— die braucht und begehrt das Volk und die müsien wir gemein- sam«streiten. Da ist es ober der erste Schritt: die Gefährten gleich mit aller Liebe u»d Deutlichkeit vom Einschlagen der falschen Weg« zurück- zuhalten. Flitter ist nicht Freude, Spiel führt nicht zu deren Besitz— und ein unrichtiges Wochen en d ist nicht neuer, besserer Zeit Beginn. Wir wissen doch wahrhastig, wie ein Feiertag des Volkes nicht sein darf: was nicht im wirklichen Leben ver- ankert ist, was Unrast und Zersplitterung bringt, statt reichstes Maß der Ruhe in sich zu bergen, zu wahren und zu mehren, das ist auch nicht tauglich zum Frohen und Festlichen. Besser zu leben als an den rauhen lärmenden Tagen und das Gute und innere Bessere als Arbeitsfrucht in verdienter Rast zu genießen: das will uns als Feiertag erscheinen. Und wer keine Freudentage hat, der wird gewiß auch um sein Recht auf die Arbeitstage betrogen. Da wissen wir auch, warum uns das Wörtchen„fröhlich" so arg stutzig macht und aufhorchen ließ, ja warum es uns so bitter wehe tat: weil die große Masse in ihrer Wirtschaftsbedrängnis noch immer keine Festtage im Sinne des freudevollen und auch zum lebensfrohen Berechtigten hat. Weil Arbeitslose überhaupt nicht für Freude, und wäre es im bescheidensten Maß, in Betracht kommen. Und weik von der großen Masse derer, die wenigstens aus Zufall mehr denn aus Recht und Berechtigung— arbeiten dürfen, ohne noch den ver- dienten wie notwendigen Lohn zu erlangen und ohne schon be- trächtliche Strecken zum Freudenbcsitz zurückgelegt zu haben, die „trotz alledem" mit Leben und Freude etwas anzusancstn wissen, die Blut unseres freiheitlichen Drängens, Wille von unfern Kämpfer reihen sind. Weil wir den Drang zum Freudenbesig als etwas ganz Natürliches, etwas beinahe nüchtern Selbst- verständliches empfinden und als klügste Waffe werten und führen, die wir S o z i a l i st e n sind. Wir kennen kein künstliches Wochenend«, wir teilen uns nicht in kümmerliche Reste des Natur- und Schönheitsbesitzes. Wir wollen, wenn wir nicht schon immer selbst ein Ganzes' sind, doch stets einem Ganzen zugehören. In grauer Werkstatt ist Naturbesitz unsres unteilbaren Lebenswillens und dort ist das, was wir als Schönheit der Kunst, als menschlich Hinreihendes des Kämpferischen, als Wort und Wehr in uns tragen. Und immer ist es eine G e- m e! n s ch a s t und will und muß es sein. Das fühlende Erkennen des sieghaften Gemeinschaftswillens ist die starke Macht, die das Festliche in uns und um uns trägt. Und unsere glühenden Fahnen sind das einzige, was von wirklichem Pfingstgeist verblieben ist: Feuer und Sturm des Werbens und Kämpfens. Vielleicht wird gerade der Pfingsttag unser Fest— weil er ein Kampftag der mutigen Liebe ist. Das F�st des Volkes, das übergeht in die große Völkerfeier der flammenden Maienfreude. Wir suchen nicht ein Fest auf dem Land, das uns von der Stadt versagt ward— weil wir doch nicht von der Not i n uns fliehen können oder wollen. Sehen wir die große, die gewaltig« Stadt an einem ihrer Festtage an— es lastet, es drückt unheimlich, so stark kommt Erstarrtes zum Vorschein. Wir haben kein Verhältnis zur Stätte unserer Arbeit, wir stehen nicht in menschlicher Gemeinschaft mit Arbettgebern. Die tote Stadt der Feiertage ist das wahre Ab- dild der Arbellswelt von heute. Und eines Tages wird es ganz Ruinenstatt sein. Aber der Mann der Arbeit lebt— lebt irgendwo — und lebt seiner Zeit voraus. Er kennt Einheit mit der ihm be- freundeten Natur, er ist dort, wo alles Blühens und alles Quellens reichste Säfte gären. Er ist zu Gast bei den Bächen und Strömen, er steigt und klettert mit den Bergen, und er, der gehetzt« Sohn der Steine und Straßen, wird»morgen Herr des Alls sein, das ihn umgibt. So ist es beute» Pfingft-Velikatejsen. Seitdem der Kleinagraner existiert, der als Siedler, Lauben- kolonist oder gar Balkongärtner in die Erscheinung tritt, hat sich der Begriff Delikatesse, wie jo viele andere Dinge, ein gutes Stück oer. ändert. Natürlich wird es dem mit einfachen gärtnerischen Hilfs- Mitteln arbeitenden Dilettanten nicht möglich sein, die Natur umzu- kehren, also zu Weihnachten Erdbeeren zu pflücken. Aber der Natur ein wenig nachzuhelfen, ist auch der kleine Agrarier wohl imstande, ja, er wird, da er und seine nicht minder eifrigen Familienmitglieder ein ganz hübsches Quantum Arbett leisten, ost die Leistungen des Durchschnittsberufsgärtners übertreffen. Einen Mistbcetkasten mit ein paar Fenstern und Strohdecken imd genügend Pferdedung muß er haben, um sein« Wunder zu vollführen. Da gibt es dann frühe Radieschen, Salat«, Karotten, Kohlrabi, Spinat, Spargel, auch Blumenkohl, und an Obst Rhabarber, Stachel- beeren, und wenn's klappt auch Erdbeeren und Kirschen. Das ist schon ein ganz schönes Repertoire für Pfingsten, und die vom„Wochenende" von der häuslichen Arbeit noch nicht ganz be- freite Hausfrau kann„aus Eigeneni"«inen Mittagsttsch stellen, der jedem Junggesellen ein verlockendes Bild von der Ehe vor Augen führt. Aber wie gesagt, es muß„klappen", d. h. die Natur muß nicht gar zu bockbeinig, sich auf Kälte im Mai eingestellt haben, wie es in diesem Frühjahr der Fall war. Wenn in den Nächten die Temperatur dauernd auf Null oder unter Null herabgeht, so ist selbst das in Kästen geschützte Pflunzengut nicht freudig im Wachs- lum, und von dem noch bei der Blüte vorhandenen Hoffen auf reiche Obsternte geht nicht allzuviel in Erfüllung— sind doch in diesem Mai selbst in geschützt liegenden Gärten die aus dem Laub hervor- guckenden Stachelbeeren erfroren. Allzu üppig wird also der Fest- schmaus nicht aussallen, und nur auf die Tafel der Reichen werden die meisten der genannten Delikatessen diesmal erscheinen. Aber der echte Landmann läßt sich nicht entmutigen: er lernt von Jahr zu Jahr immer mehr erkennen, daß im Kampf mit der Natur Wallen und Können nicht dasselbe ist und er tröstet stch da- mit. daß die Pfingstdelikatessen auch ein paar Sonntage später noch die gleiche dankbare Bewunderung finden werden. Die kommenüen portoerhö'hungen. Herabsetzungen vom Vcrwaltungsrat beantragt. Der Arbeitsausschuh des Verwaltungsrates der Deutschen Reichspost führte vom 1. bis i. Iuni die Beratungen über die Gebllhrenvorlage zu Ende. Er nahm eine Reihe von Herabsetzungen gegenüber dem Berwaltungsentwurf vor, die einen Ausfall von rund 45 Millionen Mark zur Folge haben, und beschloß, der Vollversammlung des Verwaltunge- rats u. a. folgende wichtigere Gebühren vorzuschlagen: Orksbries(bis 20 Gramm) S Pf., Jernbrief(bis 20 Gramm) 15 Ps., Ortspost karte 5 Pf., Fernpostkarte 8 Pf., Drucksachen(bis 50 Gramm) 5 Ps., Geschästspapiere und Warenproben(bis 250 Gramm) 15 Pf., Päckchen 40 Pf.. Postanweisungen bis 10 M. 20 Pf., über 10 M. bis 25 M. 30 Pf. usw. Postscheckverkehr: Einzahlungen bis 10 M. 10 pf„ über 10 M. bis 25 M. 15 Pf. usw. Ueberwelsungen 5 Pf., Beförderung der Postscheckbriefe in besonderen Umschlägen 5 Pf. Telegraphenverkehr: Wortgebühr für Ortstelegramme 8 Pf., für Ferntelegramme 15 Pf. Die Aenderung der Paket- und Zeitungs- gebühren ist zurückgestellt worden: die Gebühren für Aus- landssendungen bleiben unverändert. Die endgültige Vetatung der Gebührenvorlaze im Plenum des Verwaltungsrats der Deutschen Reichepost findet am 17. Juni statt. Der Arbeitsausschuß wird seine Beschlüsse sofort on das Plenum desrtSijfwaltungsrats weitergeben. Leben oöer Toö? Furchtbarer Kampf eines Mutigen mit Einbrechern. Die schwere Bluttat, die maskierte Einbrecher in der Nacht zu Sonnabend in der Königgrätzer Straße verübten, veranlaßte den Chef der Kriminalpolizei, Regierungsdirektor Dr. Hagemann, die Reservemordkommisiion zu alarmieren. Zu den Er. miitlungen erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Frau Schischka, die durch ein Geräusch im Schlafzimmer munter geworden war, sah im Halblicht zwei maskierte Ge- st a l t e n und schrie laut auf. Ihr Ehemann, der zuerst glaubte, daß seine Frau schwer träumte, machte Licht und sah, daß er es mit Einbrechern zu tun hotte. Er warf sich sofort aus sie, obwohl sie ihn beide mit Dolch und Revolver bedrohten. Es gelang dem Hausherrn, beide Verbrecher in die Küche zu drängen. Hier erhielt er, wahrscheinlich mit dem Griff des Dolches, einen wuchtigen Schlag auf den Kopf, so daß er zu Boden stürzte. Dem Wehrlosen stieß nun der Verbrecher den Dolch unterhalb des linken Schulter» Die Brücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 191 Don B. Iraven. OjpxrißM 1927, by ß. Traven, Tamaulipas(Mexiko). Wer hätte geglaubt, daß die feine Pumpmeisterin sich je so gehen lassen würde. Die Mütter. Die Mütter. Und die Männer werden noch kleiner, noch beschämter, noch ärmer und haben nur einen Wunsch: auch weinen zu können. Sie verzerren die Gesichter und möchten am liebsten zehn Meilen weit entfernt sein. Di« Männer beneiden die beiden, die den kleinen Leich- nam hochhalten und sich damit beschäftigen können. Nur etwas zu tun haben. Und die Männer fangen an, sich zu drehen und auf den Beinen hin» und herzutreten, sie sehen sich um, ob nicht irgendwo eine Arbeit für sie wartet. Sie klauben Holz auf und werfen es wieder fort, weil es ja nun nicht mehr nötig ist, ein Feuer anzuzünden. Sleigh kommt heran, tastet an dem Kleinen herum, steht eine Weile unschlüssig da und sagt dann zu mir:„Ich werde Kaffee kochen gehen, damit die Garza'was Warmes kriegt." Die Pumpmeisterin löst sich nun aus den Armen der Garza und betrachtet den Kleinen, der immer noch mit den Füßen hochgehalten wird, weil man nicht weiß, was man Besseres tun soll. Sie hebt den Kopf an, streicht das Haar zurück und streichelt das Gesicht. Ueber ihre Hände läuft das wässerige Blut und mit ihrem Kleid« wischt sie dem Kleinen den blutenden Mund und die blutbeschmierte Nase ab. Das Blut läuft aber gleich wieder nach. Der Kleine hat die Stiefelchen an und kurze neue Strümpfchen. Das kurze Höschen ist alt, geflickt und hat eine Menge Löcher, wie die Hose eines jeden kleinen Jungen, der nur die eine Hose hat für den allgemeinen Gebrauch. Hosen» träger hat er nicht. An deren Stelle eine Strippe, die von einem vorderen Knopf rechts nach einem hinteren Knopf links über die Schulter geht. Dann hat er noch sin weißes zer» rissenes Hemdchen an. Während er jetzt so hoch hängt, rutscht aus«wer der Hosentasche» ein kleines Holzpfeischen hervor. Als es her- unterf allen will, fängt es die Garza auf und als sie es be» trach�t.-sikot sie on zu weinen, diesmal in einem stillen blattes in den Rücken. Der Verletzt« raffte sich sofort wieder aus und griff mit bloßen Fäusten seine Gegner von neuem an. Auch der schwere Stich in den Bauch, den er im weiteren Verlaufe des Kampfes erhielt, lähmte seine Energie keineswegs. Die Verbrecher, die ihm— obwohl sie zwei gegen einen waren— doch nicht standhalten konnten, flüchteten nun durch das Küchenfenster. Der schwerverletzte Schischka holte seine Frau, die auf dem Hofe laut um Hilfe schrie, in die Wohnung hinein und fand bald Beistand durch die hilfreichen Nachbarn und das Ueberfall- kommando. Wie die Spuren zeigen, flüchteten die Einbrecher durch die Gärten nach der Halleschen Straße, wo ihre Fährte verloren ging. Die Verletzungen Schischkas stnd schwer, doch hoffen die Aerzte, ihn dank seiner kräfttgen Konstimtion durchbringen.zu können. Seine Frau hat zum Glück bei dem Sprung aus dem Fenster nur ein« leichte Rückgrat- und Knöcheloerstauchung davon- getragen. Mitteilungen zur Ergreifung der beiden Verbrecher nehmen die Kommissare Tretttn und Moritz im Polizeipräsidium entgegen. Mter Mann— junge Zrau. Was suchte er i» der fremde« Wohnung? Welch' Risiko es für einen Mann bedeutet.«Ine 25 Jahre jüngere Frau zu heiraten, ist bekannt. So sallde auch der Kauf- mann H. seine Unvorsichtigkeit bitter bereuen. Die junge Ehe endete damit, daß die Ehefrau den Ehemann aus der Wohnung warf— der Mietkontrakt war auf ihren Namen abgeschlossen— und ihn auch noch um die Möbel brachte. Eines Nachts hörte eine Frau aus dem Flur ihrer Wohnung in der B e u s s e l st r a ß e verdächtige Geräusche. Sie weckte schnell ihren Sohn und dieser stieß auf zwei fremde Männer, die sich an der anderen Wohnung, die auf dem gleichen Flur mündete, zu schaffen machten. Als einer der Männer, dessen Gesicht mtt einem bunten Taschentuch verhüllt war, den junaen Menschen erblickte, rief er: „Licht aus! Licht aus!" Der junge Mensch glaubte, die Stimme des ihm bekannten Kaufmanns H. zu hören. Im nächsten Augenblick ergriffen die beiden Männer die Flucht. Der junge Mensch lief hinterher. Aus der Straße gelang es ihm, einen der Männer zu stellen. Es war wirklich der Kaufmann H., der Ehe- mann jener um 25 Jahre jüngeren Frau. Er erklärt«, Opfer eines Irrtums geworden zu sein: er' habe nur frische Lust schöpfen wollen. In seiner Tasche fand man aber das verräterische bunte Taschentuch. In der Wohnung, an der er und sein Komplice betroffen wurden, war cber die Türsülluntz ausgeschlagen worden. Der Eigentümer der Wohnung, der sich mit seiner Frau in dieser Nacht anderswo aufgehalten hatte, stellte auch das Fehlen einer goldenen Uhr fest. Der 50jährige ehrbare Kaufmann hatte stch aber wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädi- Das deutsche Auswanderungsproblem der Nach- lriegszeit behandelt Dr. Karl T h a l h e i m aus Leipzig. Trotzdem die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten, verglichen mtt der Vorkriegszeit, zurückgegangen ist, nehmen die USA. heute noch den bedeutendsten Teil der deutschen Auswanderer auf. Die Auswan- derungsquote nach den Bereinigten Staaten fällt für Deutschland relativ hoch aus. Allerdings haben die Berufe der Auswanderer gewechsell. Früher waren es hauptsächlich Landwirte mtt dem Ziel, in Amerika eine eigene Scholle zu besitzen. Heute dagegen wandern hauptsächlich Industriearbeiter, kaufmännische und technische Arbeiter aus. um dort ihre Stellung, ihr Einkommen zu oerbessern. Nur sehr wenige haben den Mut, den Berus zu wechseln und Siedler zu werden. Vor allem warnt Dr. Thalheim die Intellektuellen, nach Amerika zu gehen. Denn gerade die höheren Berufe haben dort so gut wie keine Aussicht.— Kriminalkommissar Dr. Georg Bartsch schildert die Rolle der Frau im Leben des Verbrechers. Er bietet weniger Originelles als eine guigeordnete Uebersicht über Bekanntes Die enge Verkettung des Verbrechers mit einer Frau steht Barsich hauptsächlich darin, daß der Verbrecher von irgend jemand als Held anerkannt sein möchte. Dann geht Bartsch auf die Standes- ehre der Verbrecher ein, die es ihnen verbietet, die Frau eines an- deren zu nehmen. Anders notiert dagegen die bezahlte Liebe. Zum Schluß spricht Bartsch über die Rolle der Frau bei Ausführung von Verbrechen. Eine Rolle, die allerdings sehr untergeordnet ist.— Das Tagesprogramm endet mit einem in Ausführung, Qualität und Zusammensetzung vorbildlichen Orchesterkonzert unter Bruno Seidler- Wintlers Leitung. Hier wird hauptsächlich populäre Musik geboten, ohne das Niveau zu gefährden, denn Auber, Svettdsen oder Rubinstein sind Namen, die sür gute Qualität bürgen. F. S. Wehmütigen Zuge, der sie durch und durch schüttelt. Sie schiebt das Pfeifchen oben in ihre offene Brust. „Hat er keinen Hut gehabt?" fragt einer der Männer. Erregt und als ob sie von einem Zauberbann erlöst wären, drängen die Männer, die diese Frag« gehört haben, heran. Es gibt Arbeit. Sie dürfen ins Wasser springen, um den Hut zu suchen und herauszufischen. Aber die Hoffnung auf Tätigkeit war verfrüht, denn die Mutter sagt, daß der Hut im Hause sei. Das sei mit einer der Gründe gewesen, warum sie nicht geglaubt habe, daß er fort- geritten sei. Die Hälfte von dem, was sie sagt, muß man sich freilich selbst zusaminenreimen. Wir stehen noch am Ufer, dicht neben dem Anfang der Brücke. Durch die Laterne, die hier einer hochhält, wird ein Teil der Brücke beleuchtet. Ich sehe auf. weil ich an Sleigh denke, der, wie mir scheint, vor einer Woche zu mir gesagt hat, daß er Kaste« kochen gehen wolle. Da kommt einer von der anderen Seite des Flusies über die Brücke. Er geht schwer und schleppend wie ein aller Mann. Wenn er den Fuß hebt, so ist es als klebe der Fuß fest und als müßt« er ihn erst jedesmal losreißen. Den Kopf hält er ganz tief gebeugt. Ehe ich sehe, wer es ist, kenne ich ihn an seinem städtischen Texashute. Manuel. Jetzt hat er den Anfang der Brücke hier erreicht. Eine Weile steht er still, dann kommt er langsam heran, ohne anf- zusehen. Er ist bleich, so weit es die. Farbe seiner Haut nur zuläßt. Sein Gesicht ist ganz schmal geworden. Seine Augen sind matt und müde. Die Garza sieht auf zu dem großen Jungen. Ihre Augen stehen dick mit Wasser. Sie öffnet den Mund und will etwas sagen. Aber dann läßt sie den Mund zuklappen wie ein Automat. Manuel steht nun ganz dicht vor den beiden Männern, die den Jungen hallen. Den Kops ganz dicht auf die Brust gesenkt, hebt er langsam die Arme und streckt sie weit vor sich hin mit den offenen Handflächen nach oben. Der Indianer, der den Jungen hoch hält, sieht Manuel an wie einen Geist, der plötzlich erschienen ist. Dann stützt er den Kopf des kleinen Leichnams mit der einen Hand, hält den Körper wagerecht und legt ihn schweigend in die hingestreckten Arme des großen Druders, Niemand sagt em Wort. Aber alle Männer und Burschen, die inzwischen ihre Hüte wieder aufgesetzt hatten, gung vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte zu verantworten. Das Fehlen der Uhr veranlaßte den Amtsrichter, einen Einbruchsdieb- stahl zu vermuten, er erklärte sich für unzuständig und gab die Sache an das Schöffengericht weiter. Der Angeklagte bestritt nach wie vor nicht allein seine Anwesenheit in der fraglichen Nacht in der Woh- nung, sondern leugnete selbst seine Anwesenheit in der fraglichen Nacht in dem Hause. Die Staatsanwaltschaft nahm aber an— und dies schien auch wirklich den Tatsachen zu ensiprechen— daß er in der fraglichen Wohnung leine Ehefrau vermutet habe und sie dort mit einem Freund habe überraschen wollen, um sie des Ehebruchs zu überführen. Die Anklage wegen Diebstahls wurde fallen gelasien. Es blieb nur der Hausfriedensbruch und die Sachbeschädigung. Das Urteil lautete auf 50 M. Geldstrafe. Der Freigesprochene weinte vor Freude. Die Moral aus der Geschichte: Man hüte sich, im vorgerückten Aller junge Frauen zu ehelichen. die letzte Kugel für sich selbst. Selbstmord eines Einbrechers nach Fcucrgcfccht. Große Aufregung verursachte gestern— Sonnabend mittag— ein Feuergefecht zwischen einem Einbrecher und Polizeibeamien am L u i s e n u f e r. Eine Frau, die hier im Hause Nr. 11 im dritten Stock wohnt, kehrte kurz nach 12 Uhr von einem Ausgang zurück. Schon vor der Tür nahm sie wahr, daß sich jemand in ihren Räumen befand. Sie lief sofort zurück und holte von der Straße den nächsten Schupowachtmeister. Als dieser nun mit ihr die Woh- nung bettat, erhiell er von einem Einbrecher, der sich jetzt über- rascK sah, sosort Feuer. Während der Beamte in Deckung sprang, stürzte der Einbrecher zur Tür hinaus und ent- k a m. Man sah noch, wie er über die Trennungsmauer nach dem Hof des Grundstücks Buckower Str. 7 hinüberkleüert«. Das herbeigerufene Ueberfallkommando und Kriminalbeamte suchten dieses Grundstück ab, fanden aber den Flüchtigen zunächst nicht. Als jetzt einer der Beamten sich anschickt«, die Tür eines Klosetts am Flur zu öffnen, fielen drinnen mehrere Schüsie. Die Kugeln kamen durch die Tür, verfehlten aber zum Glück den Beamten. Dieser schoß wieder hinein, traf aber, wie bald darauf festgestellt wurde, auch nicht. Dann siel drinnen noch ein Schuß, ohne daß eine Kugel herauskam, und hierauf blieb es ruhig. Die Beamten öffneten jetzt und fanden den Berfolgten tot daliegen. Er hatte stch die letzte Kugel in die rechte Schläfe geschossen. Di« Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhaus gebracht. Papiere, die man in den Taschen des Toten fand, lauten auf einen 27 Jahre alten PaulMoritz.derinder Lange Straße gewohnt haben soll. Ob das der Name des Toten selbst sit oder ob die Papiere einem anderen gehören, bedarf noch der Feststellung. Besirüstungsfeiern zum Pfingsttreffen des RFB. In den gestrigen Nachmittagsstunden trafen auf den verschiedenen Bahnhöfen die auswärtigen Mitglieder des RFB. ein. Der Ab- marsch der RFB.-Leut« ist überall ruhig und reibungslos verlaufen. Wie auch am Stahlhelmtage wurden die ankommenden Roten Front- tämpfer auf Waffen durchsucht. Lediglich am Anhaller Bahnhof kam es zu zwei Festnahmen wegen verbotenen Waffen- besitz«?. Die Verhafteten wurden der Abteilung la im Polizeipräsidium zugeführt. Abends veranstalteten die Kommunisten in allen Stadtbezirken Begrüßungsfeiern, in denen auch Delegationen aus den Betrieben das Wort zu Ansprachen nahmen. In einigen Stadtteilen, wo man noch die Werbetrommel für die Begrühungs- feiern schlagen wollte, wurden vor den Feiern kleine Umzüge ge- macht, die ohne Zwischenfälle verliefen. Frischobst im Strasteuhandel. Wenn die immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen die ersten Früchte zur Reife bringen, wenn Zweige und Aeste der Kirsch- bäume durch die reif« Last sich mehr und mehr der Erde zuneigen, wenn die Erdbeeren plötzlich über Nacht rote Pausbacken erhalten und zum Pflücken einladen, dann ist die Zeit gekommen, wo unsere Großstädte mit Frischobst überschwemmt werden, dann ist aber auch für alle an der Volkswirtschaft interessierten Kreise der Augen- blick gekommen, um einmal ernstlich darüber nachzudenken, wie diese gewaltigen Mengen sehr häusig überreifen Frischobstes in möglichst gut erhallenem Zustande der Bevölkerung zugeführt werden. Wenn beispielsweise um die K i r s ch e n z e i t täglich in Berlin 100 Waggons mit je 100 Zentnern allein an Kir- schen eintreffen, so bedarf es eines gut funktionierenden Apparates. um diese Menge möglichst schnell in die Bevölkerung hineinzuleiten. Nach statistischen Ausnahmen werden in Berlin sowie in München von den eingetroffenen Obstmengen 70 Prozent durch den Strahenhandel den Konsumenten zugeführt. Hierin liegt zweifellos die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des Straßen- Handels. Es muß gerade bei diesen Frischobstarten berücksichtigt werden, daß sie eine Lagerung nicht vertragen können, da schon Stunden genügen, um diese manchmal im überreifen Zustande ge- pflückten Früchte dem Verderben auszusetzen. Unverzüglich müssen nehmen jetzt die Hüte ab, auch die beiden Männer, die sich bis zu diesem Augenblicke mtt dem Kleinen beschäftigt hatten. Eine Weile steht Manuel jetzt so da, den Kopf immer noch tief auf die Brust gesenkt und den Kleinen in den vor- gestreckten Armen haltend, wie ein Opfer, das dargebracht werden soll. Er ist jetzt der einzige, der den Hut auf hat. Und dieser hellgraue, breitrandig«, hohe Hut über dem tief» braunen gesicht, das man kaum als Gesicht erkennen kann, läßt den Borgang unwahrscheinlicher erscheinen als einen fremdartigen Traum. Mir wird das Bild so unerträglich, daß ich dasselbe Angstgefühl bekommen, das ich für einige Sekunden empfand, während das Brett auf dem Wasser schwamm. Um dieses Gefühl zu zerstreuen, entschließe ich mich, zu handeln, irgend etwas zu tun. Ich gehe rasch auf Manuel zu, berühre seinen Arm und sage:„Bitte, einen Augenblick!" Ob Manuel es gehört hat oder nicht, weiß ich nicht. Er verrät durch keine Miene, daß er verstanden hat, was ich sagte. Ich aber leg« meine Hand auf die Brust des Kleinen, schiebe das Hemdchen zurück und lege mein Ohr auf die Stelle, wo sein Herz ist. Ich weiß,» daß der Junge so gut wie tot war, ehe er das Wasser berührt hatte und daß er bestimmt tot war, sünf Minuten, nachdem ich den Platsch— nein, nachdem Ich den Fisch im Wasser hatte hochspringen hören. Denn es war ein Fisch. Zweifellos. Ich möchte nicht, daß dieser Platsch mir mein ganzes Leben hindurch im Ohr klinge, wenn ich dafür eine Sekunde meine Gedanken ruhen lasse. Der kleine Körper ist eiskalt und auch nicht das leiseste Klopsen seines so fröhlichen Herzens ist zu vernehmen. Es hat auch niemand stier gehofft. Aber sie lassen mich handeln. Ich hebe den Kopf hoch: man sieht mich fragend en, und als ob ich nicht ganz sicher gewesen sei, lege ich mein Ohr ein zweites Mal auf die kleine Vnsit. Diesmal länger, und ich fühle die Kälte des Todes noch stärker als zuvor. Als ich nun wieder den Kopf hebe, wende ich mich ab, ohne jemand anzublicken, obgleich ich weiß, daß alle Augen auf mich gerichtet sind, als ob ich etwas Unerwartetes zu erzählen hätte. Aber man begreift durch mein Abwenden, daß Unerwartetes nun nicht mehr eintreten kann. Mein Angstgefühl ist verflogen. Durch diese Handlung bin ich in die Trauergemeinde aufgenommen worden, sie zählen mich zu den Ihrigen, well ich an ihrem Schmerze Anteil nehme._____(Fortsetzung folgt.) Vas Schnellbahnnetz heute unö morgen Bauten und Pläne. In der kommenden Woche wird eine der verkehrsreichsten Straßen Berlins, die Königstraße, auf über ein Jahr lang gesperrt sein. Dieses wenig erfreuliche äußere Zeichen lenkt di« Aufmerksamkeit auf eine der erfreulichsten Tatsachen im Berliner Verkehr: die energisch« Inangrisfnahm« der großen Schnellbahnprojekt«, die die Arbeiterwohnungen der Reichshauptstadt mit-den Zentren von Industrie und Handel ver- binden sollen. Di« langdauernde Sperrung der Königstraße erklärt sich daraus, daß hier, am Schnittpunkt ein«r fertigen und zweier im Bau befindlichen Strecken, ein groß angelegter Umsteige- b a h n h o f, der zugleich den Uebergang zur Stadtbahn ermöglicht, geschaffen werden soll. Es ist noch gor nicht so lange her— da schien eine solche Kon- zentration im Berliner Verkehr eine Utopie. D!« Konkurrenz der einzelnen Verkehrsunternehmungen stellte den eigenen Profit über die Bedürfnisse und Notwendigkeiten des Verkehrs selbst. Der Uebergang von einer Bahnstrecke aus die andere wurde aus Gründen des Profits nach Blöglichkeik erschwert statt erleichtert. Es darf daran erinnert werden, daß die jetzige„GN.-Bahn"(Gesundbrunnen — Neukölln) ursprünglich ein prioatwirtschaftliches Unternehmen der AEG. war(daher auch jetzt noch bisweilen fälschlich„AEG.-Bohn* tituliert) und in ihrer Linienführung absichtlich sowohl den Moritz- platz wie den Alexanderplatz umging, um nur ja keine Anschlußmögtichkeiten an Hochbahn oder Straßenbahn zu bieten. Sell die Stadt den 7v eiterbau dieser im Kriege steckengebliebenen Strecke übernommen hat. ist hier ein grundsähNcher Wandel ein- getreten. Die städttschen Körperschasten waren weitblickend genug — ungeachtet der bereits fertiggestellten Tunnelstrecken und insbesondere ungeachtet der bereits vorhandenen Soreeunterführung—, der Linie diejenige Gestalt zu geben, die allein den Bedürfnissen des verkehr» entspricht. Der Schildbürgervorschlag, die alte, privat- wirtschastlichen Interessen entsprungene Linienführung aus Gründen der Kostenersparnis beizubehalten und beispielsweise den GN.-Bahn- bof mit dem Bahnhof Alexanderplatz durch eine an Länge oerdoppelte Neuauflage des unglücklichen Schlauches am Bahnhof Friedrichstadt zu verbinden, ist erfreulicherweise endgültig abgelehnt. Im Vau befinden sich nunmehr angenblickllch drei Schnellbahne«: die GN.-Bahn, die Linie Alexanderplatz— Lichtenberg unter der Frankfurter Allee, die etwa dieselbe Bahnhofsdichte wie die Nord- südbahn erhält und in der Berkehrsziffer vermutlich den Wettbewerb mtt dieser aufnehmen wird, und endlich die.Fortsetzung der Nordsüdbahn vom Kreuzberg bis nach Tempelhos hinein, die leider an der Borussiastraße vorläufig stecken bleiben soll, ohne den Anschluß nach Mariendorf zu erreichen. Nach der Fertigstellung dieser Strecken werden wir also zwei sich verlängernde Ost-west-Züge des Schnellverkehrs haben, von denen der eine(Lichtenberg— Alexonderplatz) in die Stadtbahn mündet, während der andere, an der Warschauer Brücke beginnend, einstweilen„tot" im Stadion endet. Die selbstverständliche Verbindung dieser beiden Strecken durch das Stück Warschauer Brücke— Frankfurter Allee ist vorläufig noch nicht in den Bauplan einbezogen. Dagegen ist die Verlängerung über das Stadion hinaus bereits Gegenstand eingehender Erwägungen ge- wesen. Es ist geplant, die Schnellbahn zunächst durch eine Dammstrecke bis au die Spandauer Chaussee heranzusühren. Dadurch wird es den Bewohnern von Spandau und Umgegend ermöglicht, durch ein« verhältnismäßig kurze Straßenbahnfahrt den Anschluß an das gesamte Schnellbahnnetz Berlins zu erreichen. Nach der Einführung des Einheitsfahrscheines würde dadurch der Be- völkerung des äußersten Nordwestens Groß-Berlins die 20-Pfenmg- Verbindung mit dem Zentrum gegeben werden, die bisher nur dem Namen nach bestand, weil die Straßenbahn die großen Entfernungen allzu langsam bewältigte. Eine zweite bedeutsame Verlängerung der Ost-West-Strecke verdankt ihren Ursprung der wachsenden Bedeutung Berlins als Messestadt. Auch nach dem Ausbau des Bahnhofs Kaiserdomm ist der Anschluß des Messegeländes an das Schnellbahnnetz noch recht un- befriedigend. Es ist deshalb geplant, die Stummelstrecke Wittenberg- platz— Uhlandstraße unter dem Kursürstendamm bis H a l e n s e e und von hier aus in scharfem Knick mitten durch das Messegelände bis an den Bahnhos Heerstraße zu leiten. Auch dieses Projett ist beretts spruchreif und wird in allernächster Zeit verwirk- licht werden. Die Rentabilität der Strecke steht bei dem großen Messeverkehr außer jedem Zweifel— soweit bei Schnellbahnsirecken überhaupt von einer Rentabilität gesprochen werden kann. Dies muß allerdings betont werben, weil in weiten Kreisen der Bevölkerung auch heute noch der Glaube herrscht, daß eine Untergrundbahn ein Ueberschuß abwerfendes Unternehmen sei. Das ist ein Irrtum. Alle Ueberfüllung der Wagen darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Anlagekosten einer Anlergrvndbahn so hoch sind, daß auch der beste Betrieb keine nennenswerten Ueberfchüsse zu erzielen vermag. Darum wäre ja auch ohne die Betriebsgemeinschaft aller städtischen Berkehrsuniernehmungen niemals der Ausbau des Untergrundbahn. netzes in dem jetzt vorgesehenen Umfange möglich gewesen. Die Untergrundbahn allein hatte es aus den Ueberschüssen ihres Be- triebe? niemals geschafft. Das letzte Projekt, das in der nächsten Zeit verwirklicht werden wird, betrifft die Verlängerung der Nordstrecke der alten Hochbahn über den Babnhof Nordring hinaus bis nach Pankow und Nieder- schönhausen hinein. Die Hochbahnstrecke wird dort wieder unter die Erde hinuntergehen und vorläufig beim Schloß Niederlchönhousen enden. Alles in allem also ein überaus umfangreiches Programm, viele Projekte selbständiger und ergänzender Art, die das Echnellbahnnetz der Reichshauptstadt vervollkommnen sollen. Manche un- liebsame„Buddelei", manche noch unliebsamere Sperrungen wichttger Sttaßenzüge weiden wir dafür auch in Zukunft mit in den Kauf nehmen müssen. Es ist des Berliners all- verbrieftes Recht, darüber zu s ch i m p f e n I Wir sollten aber über den Temperamentsausbrüchen des Augenblicks nicht vergessen, daß ein paar Monate der Unbequemlichkeit durch Jahre und Jahrzehnte besserer B e r k eh r s m ö g l i ch k e i t en reichlich auf- gewogen werden, und daß aller Schnellbahnverkehr inmitten der immer noch wachsenden Riesenausmoße des größten Wirtschasts- zentrums Deutschlands letzten Endes doch derarbeitenden Be- völkerung zugute kommt. aus diesem Grunde die Obstmengen tt, die Bevölkerung hinein. geleitet werden, eine Ausgabe, die der Etraßenhandel bisher aufs beste gelöst hat. In Verkennung der Bedeutung des Straßenhandels iit er jetzt leider in vielen Städten Deutschlands beinahe bis an die Peripherie verdrängt worden. Der Straßenhandel soll sogar einer Konzessionspflicht unterworfen werden, Bestrebungen sind im Gange, ihn vom Bedürfnis und von der Vorlegung eines Be- fähigungszeugnifses des betreffenden Straßenhöndlers abhängig zu machen. Die in Frage kommenden behördlichen Stellen sollten mtt aller Entschiedenheit dafür eintreten, daß die in den nächsten Tagen in den Großstädten eintreffenden Obstmengen un- verzüglich und auch planmäßig weitergeleitet werden können. Hierzu ist notwendig, daß dem Straßenhandel unbedingte Bewe- gungsfreiheit zugestanden wird. Die modernste Sühne Europas. I« der Staatsoper. Die llmbauarbeiten der Staatsoper Unter den Linden nehmen einen befriedigenden Verlauf. Noch in diesem Monat werden, nach dem die durch das aufsteigende Grundwasser verursachten Schwierig- ketten behoben sind, die Beton- und Fundierungsarbeiten für das Bühnenhaus beendet sein. Eine ganze Reihe von Brunnen konnte beretts wieder außer Betrieb gesetzt werden. Die vollkommen gedichtet«„Betonwanne", die dem aufsteigenden Grundwasser Einhalt gebieten soll, hat ein« Ausdehnung von Ost nach West von über 60 Meter und von Nord nach Süd über 50 Meter. Das im Jahre 1843 erbaute Opernhaus, dessen veraltete Bühne der Neuzeit und vor allem den baupolizei- lichen Vorschriften nicht entsprach, wird nunmehr die modernste und größte Versenkungs- und Schiebebühne Europas erhalten. Zu der 28 Meter breiten und 23 Meter ttefen Hauptbühne kommen die beiden neuongebauten Seitenbühnen von je 13 Meter Tiefe und 17 Meter Breite. Die modernisierte Bühne wird die neuzettlichst« Beleuchtungsanlage der Welt erhalten, die, konstruiert nach den letzten Erfahrungen auf dem Gebiete der Theaterbeleuchtungstechnik, von der AEG. geliefert wird. In einer eigenen neuen Zentrale wird die von der Bewag gelieferte 6000-Volt. Hochspannung auf Dreh. bzw. Gleichstrom um- geformt. Die Versenkung der Bühne geschieht auf hydraulischem Wege, und zwar mtt hundert Atmosphären Druck. Di« Innenein- richtung, mit deren Umbau man begonnen hat, wird ebenfalls neu- gestaltet werden. Der Zuschauerraum, der selbst unverändert bleibt, erhält neues Gestühl. Die Treppen werden neugebaut, die Rang- und Parkettumgänge, sowie d!« Toiletten werden bedeutend ver- größert. Unter das Parkett kommt eine neue Erfrischungshalle. Das Foyer im ersten Rang wird also in Zukunft nur noch als Wandelhalle benutzt werden. Die Garderoben werden in die neue, vergrößerte Eingangshalle verlegt, die genau so groß wie das Foyer sein wird. Trotz des inneren und äußeren Ausbaues bleibt äußerlich der ursprüngliche Knobelsdorssche Architekturstil erhalten. Mit der Wiedereröffnung der Staatsoper wird für Anfang Januar gerechnet. Die Kosten für den Umbau belaufen sich auf 8,3 Millionen Mark. 900 Arbeiter stnd mit den Umbauarbeiten beschäftigt._ Ein Opfer des Verkehrs. Von einem schweren Sttaßemmfall wurde am Freitag abend der 60jährige Rabbiner Dr. Bernhard Königsberger au» der Lothringer Straße 54 aus dem Platz vor dem Brandenburger Tor betroffen. Der alte Herr wurde von einem Autobus der Linie 28 angefahren und zu Boden gcfchleudeert. Der Verunglückte wurde zur Rettungsstelle in der Mohrenstraße geschafft, wo der Arzt eine „kleine blutende Kopfwunde" feststellte. Noch der Behandlung wurde Dr. K. in seine Wohnung entlassen. Gestern nachmittag erschien auf der zuständigen Revierwach« ein Verwandter des Verunglückten und teilte mit, daß Dr. K. an den Folgen seiner Verletzungen— einem schweren Schädelbruch— im Laufe des Vormittags verstorben sei. Daraufhin wurde die Leiche von der Polizei beschlagnahmt. Die polizeilichen Ermittlungen werden sich in der Hauptsache darauf er- strecken müsien, ob der Arzt der Rettungsstelle den Verunglückten mit der nötigen Sorgfalt untersucht hat. Die verhängnisvolle Zigarette. Ein schweres Brandunglück ereignete sich gestern nachmtttog gegen 2 Uhr in dem Hause Puttkamerstraße 9. Die 23jähr!ge Hedwig Seger, die bei einer Frau G. als Untermieterin wohnt, lag mit einer brennenden Zigarette im Bett und ist wahrscheinlich dabei eingeschlafen. Plötzlich ertönten aus dem Zimmer laute Hilferuf«. Das Bett war in Brand geraten und ehe die S. aufwachte, hatte dos Feuer auf die Zimmereinrichtung übergegriffen. Fräulein S., der es noch gelang das Freie zu ge- winnen, hatte aber bereits fo schwere Brandwunden davongetragen, datz sie durch die Feuerwehr, die alarmiert worden war, in das Urban-Krankenhaus übergeführt werden mußte. Der Zimmerbrand konnte nach kurzer Zeit gelöscht werden. Tripolitaner im Zoo. Der Zoo hat sich auch in diesem Jahre eine Exotenschau oer- schrieben, der der Berliner sich aber, nach den Worten des Managers, des Afrikareisenden Spaß sowohl wie des Direktors Heck vom Zoo, nur mit einer gewissen Ehrfurcht, bestimmt aber mit tiefsten Ernst zu nahen hat. Die Indienschau im vorigen Jahr«, so hieß es gestern bei der Vvrbesichtigung ein wenig geringschätzig, habe ja nur berufsmäßige Gaukler, Taschenspieler und Tänzer gebracht. Hier aber habe man es u. a. mit der wahren echten tiefreligiösen Sekte der Aissaonia zu tun und wenn diese Mohammedaner den spott- lustigen ungläubigen Berlinern ihre Zeremonie vorführen, da dürfen sie nicht durch zweiflerisches Lachen gereizt werden. Preisend mit viel schönen Reden gedachte man auch der italienischen Regierung, die endlich di« Erlaubnis erteilt habe, ihre geliebten tripolttcmischen Landeskinder einschließlich acht Negerinnen dem rauhen deutschen Norden anzuvertrauen. Dafür konnte Musiolinien auch das Lob aus dem Munde des Direktors Heck ernten, daß es seiner Kolonie Tripolis die Kultur gebracht habe. Mit anderen Worten: Was uns die Tripolitaner einschließlich der Negerinnen dunkelster Her- kunft zeigen, hat auch irgendwie etwas mit italienischer Kultur zu tun. Man hat den braunen Gentlemen, die teils zum Halbmond teils zum Davidstern schwören, im Zoo ein Stückchen Heimat erbaut mit Moschee, Minaret leins stand doch schon da) und einer Basar- straße. Hier sieht man die tripolitanischen Inden, darunter pracht- volle Rasiegostalten, Schneider. Töpfer, Elfenbeinschnitzer, Leder- arbetter bei ihren heimischen Handwerken. Eine Trupp« von drei Sängern und drei Tänzern ist ucrlzanden Der Clou ist eine schöne Jüdin. Dann sind da Araber in flatternden Burnussen, die etwas zahme Reiterei vorführen, indessen in einem echten Wüstenzelt ein« Araberfrau vollkommen verängstigt und scheu mit ihren Kinderchen hockt. Araber und der Orden der Aissaonia führen eine zermonien» reiche Hochzcitsfeier vor, deren Braut man in einem dicht oerhüllten Strandkorb ahnt, den ein Kamel gelassenen Schritts über den märkischen Wüstensand schaukelt. Wieder ein neues Wohnungsbauprojekt. Dem Berliner Magistrat liegt fett einiger Zeit ein Bauprojekt über 15000 Wohnungen vor, diesmal von deutscher Seite, und zwar von der Firma Schrobs- dorff. Wie wir hierzu von Magistratsseite hören, ist das Bau- grundstück noch nicht bestimmt. Die Bedingungen, unter welchen die Firma dl« Wohnungen vergibt, unterliegen noch den Berhand- lungen. Sie werden vor allen Dingen abhängig davon sein, ob und in welchem Umfanqe die Firma Kapital beschaffen kann. Soweit heute schon mitgeteilt werden kann, nähern sich die Bedingungen dem amerikanischen Projekt, doch scheint die Firma durch die Ber- knappung des Geldmarktes in jüngster Zeit einigen Schwierigkeiten zu begenen. Es scheint aber, als ob die deutschen Mieter aus der Qual der Erwartungen, Versprechungen und Hoffnungen niemals herauskämen, es sei denn, daß sie, wie die Konsumgenosienschasten, sich durch Genosienschastsverbände selber helfen. Am nächsten Sonntag für SS M. nach Helgoland' Wie die Reichsbahndirektion mitteilt, wird am Sonnabend, dem 11. Iuni, bei ausreichender Besetzung ein Sonderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach Hamburg verkehren. Der Zug fährt ab Berlin Lehrter Bahnhos 13.02 Uhr. Am Sonntag, dem 12. Iuni. ist für die Sonderzugsteilnehmer ein« Dampferfahrt nachHelgoland vorgesehen. Der AufenthaltaufHelgo- land beträgt etwa 4 Stunden. Am Montag srüh trifft der Zug wieder in Berlin ein, so dqck die Teilnehmer das„Ber- gnügen" haben werden, stch. ohne geschlafen zu haben, unmittelbar aus dem Zug an ihre Arbeitsstätten zu begeben. Der Fahrkarten- verkauf beginnt in Berlin am Mittwoch, dem 8. Iuni. Der Mintergarlen hat nach einer Monatspause seine Pforten wieder geöffnet. Man stößt im Programm alsbald auf gute alte Bekannte wie Ludwig Amann, von dem man ahnt, daß er die Kunst der Mimik ausübt, um mit den Masken Bismarcks und des alten Fritz sich den Beifall zu holen, ohne den er nicht leben kann, der wackere Alte. Eine etwas zaghafte Verbeugung vor der nun einmal nicht abzuftreiienden neuen Zeit ist Ainanns Maske unseres Fritz Ebert. Wir haben doch zweifellos noch eine ganze Reihe beachtenswerter Staatsmänner der neuen Zeit, lebende wie tote, deren Darstellung lohnend'wäre. Auch die Hamburger Brüder Wolf sind bekannt. Der Zahnakt der Schwestern Balzer, die Bambusbalanzen der C a r a s c o- T r u p p« und die Rad. gymnastik der Deblars sind gute wackere Artistik. Die zwölf Pompey Girls treten zweimal auf und man sieht sie mit dem üblichen Wohlgefallen. Höchst« Klasse hingegen sind Little Alfreds fußballspielende Hund«, die mit so glänzendem Können und einer solchen hingebenden Bravour bei der urkomisch wirkenden Arbeit sind, daß einem die Lachtränen nur so herab- kollern. Köstlich sind auch, wegen ihres komischen Partners, die Ringturner A l s v i n und Kenny, brillant die drei Aragon Allegris auf dem Billard, das in Wirklichkeit ein Trampolin ist. Der Elou des Abends ist Frau Dogma mit ihrem„räum- lichen Fernsehen". Di« Leistungen dieser Frau sind in der Tat sehr rätselhaft und verblüffend. - Die Juristische Sprechstunde fällt am Dienslaz. dem 7. Juni, aus. Limo-Park An beiden Pfingstseiertagen findet ab S morgens Früh- k o n z« r t statt. Da» Wellenbad wird ununterbrochen gcSsfnet sein; ab 3 lldr finden auf dem Mittelpodtum sortgesetzt artisttsche Vorführungen statt. Der Park mit allen seinen Attraktionen ist an beiden Feiertagen ab 3 Uhr in vollem Betrieb. Töüliche§liegerabftürze in Frankreich. Tragisches Ende eines Militärarztes. Paris, 4. Juni.(TU.) Auf dem Flugplatz von Villa Coubloy stürzten Hauptmann Iuif und Adjutant Malbet ab, nachdem ste mit ihrem Großstreckenflugzeug sich nur 100 Meter vom Boden erhoben!" tten. Beim Aufprall sing das Flugzeug Feuer, und beide l i e g e r tonnten nur als halbverkohlte Leichen geborgen werden. Es handelte sich um einen der letzten Probeflüge für den Streckenslug Paris— Bairut.— Unter besonders tragischen Umständen spielte sich ein Flugzeugunglück auf dem Platze von Eauderan bei Bordeaux ab. Der Militärarzt Leoch, der seinen ersten Flug-antrat, setzte seine betagte Mutter telephonisch hiervon in Kenntnis und bat sie, seiner Landung beizuwohnen. Als das Flug- zeug in geringer Höhe über den Platz fortschwebte, begrüßte der Arzt, sein Käppi schwingend, die Mutter, die er unter den Zuschauern er- könnt hatte und rief ihr die Worte zu:„G l e i ch b i n i ch b« i d i r!" Kurz darauf sackte der Apparat infolge eines Windsprunges um 100 Meter ab und zerschellte auf dem Boden. Der Arzt war sofort tot. Das Unwetter wütet fort. Schlesien schwer heimgesucht. Breslau, 4. Juni.(Mtb.) Gestern abend und heute vormittag gingen über Nieder- und Mittelschlesien außer- ordentlich schwere Unwetter nieder. In Breslau ent- luden sich die Gewitter gestern abend gegen 11 Uhr und heute morgen gegen 4 Uhr. In der Provinz schlug der Blitz in Zilzendorf in das Gebäude der Dominialschmiede ein. Die Schmiede brannte voll- ständig nieder. Zwei Frauen konnten nur als völlig oerkohlte Leichen geborgen werden. Die Frau eines Kutschers, die gerade ihr Kind stillte, verlor vor Schieck die Sprache. Auf dem Dominium Johnsdorf im Kreise Brieg wurden zwei Knaben auf der Weide vom Blitz erschlagen. In Lichtenberg bei Grottkau ging ein Sägewerk in Flammen auf. Im Neuroder Gebirgskrejs, in Waldenburg sowie in der Gegend von Görlitz richtete das Un- wetter außerordentlich schweren Schaden an. In Schwoitsch bei Breslau wurden zwei Mädchen in einer vom Felde heimkehrenden Gruppe vom Blitz getroffen. Ein Mädchen wurde getötet, das zweite erlitt schwere Verbrennungen. München. 4. Iuni.(WTB.) Aus verschiedenen Teilen Bayerns liefen Meldungen über schwere Gewitter vor. U. a. gingen Wolken- brüche im N a a b t a l und in der Gegend von Weiden in der Oberpfalz nieder. Die Kanäle konnten hier die Wassermassen nicht mehr fassen, und das Wasser drang in viele Keller ein. In Rommel- berg schlug der Blitz in zwei große Bauernhöfe ein und zündete. Ueber Dillingen und das ganze D o n a u t a l zog ebenfalls ein schweres Unwetter. In Dillingen hat auch der Sturm in den Obst- gärten und den Anlagen der Stadt gewaltigen Schaden angerichtet. Von der städtischen Badeanstalt hat der Sturm die Badekabinen fortgerissen und nach Hochstädt getrieben. Wirbclstiirme in Schweden.— Flutwelle in Bornholm. Kopenhagen. 4. Iuni.(Mib.) In der Nacht zum Donnerstag hat ein wüstes Unwetter, das Gewitter, Wirbelstürme und Wolken- brüche mit sich brachte, in ganz Dänemark und Südschweden viel Schaden angerichtet. Aus allen Teilen des Landes werden Hosbronde durch Blitzschlag gemeldet. Selbst in Kopenhagens mitt- lerem Stadtgebiet mußte die Feuerwehr zu Hilfeleistungen herbei- eilen. Besonders schlimm ist die Insel Bornholm in Mitleidenschaft gezogen. Hier brannten drei Höfe ab. Während des Gemitters erhob sich plötzlich auf dem Meere eine ungeheure Flutwelle und überschwemmte die Küfte bis weit in das Land hinein. Verschiedene am Strande liegende Zoll- und Erholungshäuser wurden weggespült, und eine Anzahl ankernder Schiffe wurde an den Strand getrieben. Zum Kaffeler Straßenbahnunglück. Wie uns der Kasseler Regierungspräsident Dr. Friedens burg aus Kassel unmittelbar mitteilt, entspricht die von uns über das Kasseler Straßenbahnunglück gebrachte Vermutung, daß eine Genehmigung der Aufsichtsbehörden für die Befahrung der Unglücksstrecke bisher nicht vorgelegen habe, nicht den Tatsachen. Die Genehmigung zur Befahrung der Strecke ist von sämtlichen Behörden, darunter auch von der Reichsbahn, schon vor Jahren erteilt worden und die bisherige Befahrung ist vollkommen recht- und ordnungsmäßig erfolgt. 16 Kinder ertrunken. Condon, 4. Juni.( TU.) Wie aus Kairo berichtet wird, stieß gestern ein Boot, in dem sich eine große Anzahl von Kindern befanden, mit einem anderen Fahrzeug zusammen. 16 Kinder ertranfen. Lindberghs Abreise von Europa. Lindbergh hat am Sonnabend nachmittag an Bord des amerikanischen Kreuzers ,, Memphis" von Cherbourg aus die Rückreise nach Amerika angetreten. TURY lottenstraße. Seiterer Abenb. Reutöln 1: Seim Sander, Ede Hobrechtstraße. Neukölln II: Heim Bergstr. 29. Fahrtenbericht. Mitgliederversammlung. Neukölln III: Heim Steinmeßstr. 114. Mitgliederversammlung. Neukölln IV: Heim Nogatstr. 53. Mitgliederversammlung. Renkölln V: Lyzeum, Richardplaz 13. Mitgliederversammlung. Neukölln VI: Heim Kanner Straße. Mitbad, Residenzstr. 46. gliederversammlung mit tagespolitischer Aussprache. Reinidendorf- Ost: SeeMitgliederversammlung. Reinidendorf- West: Heim Geibelstr. 1. Fahrtkritik. Mittwoch, 8. Juni, 19% Uhr: Webbing: Heim Luxemburger, Ede Genter Straße. Die Weltanschau ungen vom Syndikalisten zum Faschisten," 1. Teil. Sumannplay: Heim Eberswalder Str. 10. Warum freie Gewerkschaften." Rosenthaler Vorstadt: Treffpunkt zum Spaziergang 20 Uhr vor dem Heim. Andreasplag: Heim Reichenberger Str. 66. Sandelspolitik." Am Ostbahnhof 17. Mitgliederversammlung. Reichenberger Viertel: Heim Friedenau: Matteotti- Gedenkfeier bei Klabe, Handjernstr. 60. Anarchismus." Besten II: Heim Bülowstr. 88. Faltenberg: Heim Am Faltenberg 117. Bolschewismus." Friedrichshagen: Neu- Lichtenberg: Heim Seim Dofjestr. 22. Wie stehen wir zur Freikultur?" Prinz- Albert- Straße. Bunter Abend. Lichtenberg- Nord: Heim Parkaue 10. Literarischer Abend. Berbebezirk Neukölln: Ab Mittwoch spielen wir im Boltspart Neukölln, große Wiese. Treffpunkt 19 Uhr Fontane, Ede Wandligstraße. Donnerstag in ber Schulaula Donauftr. 120 2. Ausspracheabend mit Eltern und Partei. Thema: Sozialismus in der Familie." Beginn 20 Uhr. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Am Sonnabend, 11. Juni, 19 Uhr, AltersAlle heim Danziger Str. 62, Matteotti- Gebentfeier. Mufit, Rezitationen. Gruppen beteiligen fich geschlossen an der Beranstaltung. Rote Fahnen sind mitzubringen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. fammlung der Abt, 5 bet Grinder, Zimmerſtr. 30; Abt. 4 im Reſtaurant Bur Abteilungsleiter, reicht die Monatsprogramme für Juli ein! Abteilungstaffierer, rechnet Mittwoch zwischen 17 und 19 Uhr die Beiträge ab! Ausgabe des Juni- Jugend voran" und der Arbeiter- Jugend". Die Bücherstube ist heute von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Dienstag, 7. Juni, 19% Uhr: Wedding- Nord: Jugendheim Turiner, Ede Geestraße. Fahrtenberichte. Faltplay: Heim Eberswalder Str. 10, 8immer 12. Pfingstfahrtenerlebnisse. Norboft I: Heim Neue Königfte. 21. Tage aus dem Leben eines ArbeitsTofen. Shönhauser Borstabt: Schule Driesener Str. 22. Bunter Abend. Genefelder- Viertel: Schule Danziger Str. 23. Mitgliederversammlung. Hafen. heide: Badeanstalt Bärwaldstr. 64. Mitgliederversammlung. Schöneberg I: Heim Hauptstr. 15. Kritik an der Pfingstfahrt. Wannsee: Schule Char Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Monteur Artur Plenske geb. 19. 10. 1882 am 2. Juni gestorben ist. Chre seinem Andenken! Einäscherung am Dienstag, dem 7. Juni, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Statt Karten. Für die zahlreichen Beweise herzficher Teilnahme anläßlich des Sinfcheidens meines lieben Mannes und unferes lieben Baters Edmund Strophif fage ich den Herren der SPD- Fraktion u. der Bezirksversammlung Bedding, ben Kollegen und Freunden der Firma Rudolf Mosse und des Berbandes der Deutschen Buchdrucker, denGenoffinnen und Genossen ber 15 Abt., ben Mietern des Hauses Brunnenste, 135, ben Klein gärtnern der Abt. Buchholz fowie bem Rebner des Vereins der Freibenter und allen Freunden und Bekannten auf diesem Wege meinen herzlichsten Dant Berta Strophff und Söhne. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäfcherung meines lieben Mannes und Baters Heinrich Tornow fage ich allen Verwandten und Betannten, insbesondere der SPD. Adlershof, dem Metallarbeiterverband, dem Bezirksamt, dem Verband ber Kleingärtner, dem Personal ber Firma Wolf Netter& Jacobi und dem Lotterieklub Gut Glitd" meinen herzlichsten Dant." " Im Namen der Hinterbliebenen Ww. Luise Tornow. Deutscher Metallarbeiter- Verband Montag, den 6. Juni( Pfingstmontag), vorm. 10 Uhr, im Jugendfaal des Verbandshauses, Cinienftr. 83/85, Portal I, 2 Tr.: Konferenz fämtlicher auf Montage arbeitenden Rohrleger und Helfer. In der Konferenz wird über den Berlauf und Stand der Tarif- und Lohnbewegung, unter besonderer Berücksichtigung der Forderungen für die auf Montage arbeitenden Rollegen, Bericht erstattet. Es ist Pflicht aller au Pfingsten von der Montage nach Berlin zurückkehrenden Kollegen, auf dieser Ronferenz unbedingt und pünktlich zu erscheinen, da über wichtige Dinge berichtet und beschlossen werden soll. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Sigung der Engeren Orts verwaltung fällt am Dienstag, dem 7. Juni, aus. Achtung! Achtung! Generalversammlungsdelegierte! Danksagung Allen Genossen und Genoffinnen, sowie dem Turnverein Fichte", ben Kameraden des RFB., dem Boltschor Tempelhof- Mariendorf und ZelleLorenz sagen wir hiermit für die Teilnahme an der Einäscherung meines lieben Mannes unseren aufrichtigen Dant. Insbesondere herzlichen Dank Herrn Irrgang und Herrn Burgemeister. Tempelhof, Ordensmeisterstr. 51. Frau Wilhelmine Schmidt Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14, Gebaftianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Gauvorstand. Die Geschäftsstelle ist am Dienstag, 7. Juni( 3. Feier tag), gefchloffen. Dienstag, 7. Juni. Kreuzberg: 20 Uhr BerLinde", Hallesches Ufer 14; Abt. 7 bei Güder, Sebastianstr. 1; Abt. 8 bei Fuhl brügge, Nostiaftr. 29. Mittwoch, 8. Juni. Mitte: Sämtliche Radfahrer 19% Uhr im Hof des Gewerkschaftshauses mit Rädern. Donnerstag, 9. Juni. Prenzlauer Berg: Baltan: Altersheim, Danziger Str. 62; Falte: 8euge, MilaStraße 5. Freitag, 10. Juni. Prenzlauer Berg: Königstor: 20 Uhr bei Röser, Emanuelkirchstr. 25, Kameradschaftsfizung. Vorstandsmitglieder und Gruppen. führer 1 Std. früher. Kreuzberg: Bon 17% Uhr an Arbeitsdienst im Neutöllner Schützenhaus, Naumburger Straße. Treptow( Kreis): 19 Uhr Pflicht. veranstaltung für sämtliche Kameraden, auch passive, auf dem Sportplag in Karlshorst, an der Treskowallee. Straßenbahnhaltestelle Steuers Waldschloß. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, e. B., Ortsgruppe Berlin, Bezirk Ost. Mittwoch, 8. Juni, Alhambra- Säle, Wallner- Theater- Straße 16, 20 Uhr, Mitgliederversammlung mit Damen. Bortrag Franz v. Puttkamer: Was wollen bie Nationalsozialisten?" Gäste willkommen. Metallbetten Stahlmatratzen, Kinderbetten günstig an Priv Kat. 650 fr. Eisenmöbelfabrik Suhli.Thür Marken- Zigaretten Große Auswahl, billige Preise. 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In einem Sonderzuge, der am 19. Juni 1927 um 6.35 Uhr vom Stettiner Bahnhof abgelassen wird, sollen die von der erwähnten Firma eingeladenen Kunden kostenfrei nach Waren am Mürigsee befördert werden und am selben Tage um 23.07 Uhr, das ist 11.07 Uhr abends, zurückkehren. Alle diejenigen Käufer, die bei der Firma in der Zeit vom 7. bis 15. Juni einschließlich Sachen im Betrage von 90 m. bar eingekauft haben, erhalten die Vergünstigung, die Reise hin und zurück kostenfrei mitzumachen. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Warenpreise keinerlei Erhöhung er. fahren haben und keinerlei Erhöhung erfahren werden, so daß die Wochenendpartie lediglich eine ganz besondere Vergünstigung bedeutet. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.) Meist stärker bewöllt, nur geringe Regenfälle, weiterhin ziemlich fühl. Für Deutschland: Im östlichen Deutschland Nachlassen der Niederschläge, sonst keine erheblichen Regenfälle. Ueberall weiterhin ziemlich fühl. DIE AUSSTELLUNG DES JAHRES 1927 IN DEUTSCHEM GARTENBAU U. SCHLES. GEWERBE GUGAL VERANSTALTET VON DER STADT LIEGNITZ 25.JUNI BIS ,, HOFFNUNG' Herren zimmer m. Tisch, Sesselu 2 Stühlen 428,528, 698,778 825,1005 Kuchen, Einzel- Polster möbel jeder Holz- Stilart uPreislage Seelisch Fabrik: Rigaer Str.71-73 Verkaufsräume: Rosenthaler Str.9 Altenbrak 1. Harz im schönsten Teile des Bodetales gelegen, inmitten herrl. Laub- und Nadelwälder. Kein teures Modebad. Ständige Kraftomnibus- Verbindung mit Blankenburg und Wernigerode. Auskunft und Prospekte durch die Kurverwaltung. ,, Kurhot, und Bodeheim" Tel. 11 Villa Hoffmann, preisw. Pension Hot- Pens. Schöneburg, renoviert, preiswert. Hs., Tel. 18. Bes. H. Steffen. Hein, Berlin NO. 55, Bötzowstr. 38 Balkon- Südzimmer Holzhäuser liefert seit 25 Jahren bei Gerlach. Bett M. 1.50 Dickmann A.-G., W57 Wochenendhäuser- Prospekte gratis! Wald- u. Wasserparzellen- Nachweis. 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Sie vertrat die Auffassung, daß man an sich mit der Einfegung eines solchen Sonderausschusses wohl einverstanden sein fönne, daß aber Widerspruch dagegen erhoben werden müßte, daß etwa als Vertreter der geistigen Arbeiter in diesen Sonderausschuß Vertreter der sogenannten Intellektuellen Intermit dem Schutz des Angestellten, Urhebers und Erfinders beschäftigen nationale zugelassen werden. Wenn sich der Sonderausschuß sollte, tann nur die Hinzuziehung von Vertretern der beteiligten Angestelltenverbände in Frage fommen. Der Generalsetre tär wurde beauftragt, in diesem Sinne beim Internationalen Arbeitsamt und beim Internationalen Gewerkschaftsbund vorstellig zu werden und über das Ergebnis der nächsten Vorstandsfizung zu berichten. Die russischen Gewerkschaften neigen immer mehr dazu, sich nach außen hin abzuschließen, den Zuftrom von neuen Mitgliedern aus den Reihen der Arbeitslosen und insbesondere aus den Reihen der in die Städte zuwandernden proletarisier ten Bauern zu erschweren. Es wird dies dadurch erreicht, daß man die Aufnahme von Arbeitslosen in die Gewerkschaften grundsätzlich ablehnt. Selbst nachdem es einem unorganisierten Arbeitslosen gelungen ist, Arbeit zu bekommen, was für einen gewerkschaftlich Unorganisierten besonders schwierig ist, wird er noch nicht gleich in die Gewerkschaft aufgenommen. Hat er Aus den weiteren Beratungen ist noch hervorzuheben ein insbesondere eine Arbeit bekommen, die einen zeitweiligen" appell an die angeschlossenen Verbände, den Jugendlichen Charakter hat, so darf er erst nach einem Monat fich dem in jeder Beziehung, sowohl organisatorisch wie auch erzieherisch die größte Aufmerksamkeit zu widmen, fernerhin eine AuffordeVerband anschließen. Dabei ist die zeitweilige" Anstellung von rung an die angeschlossenen Verbände, sich auch weiter für die Arbeitern und Angestellten heute in Rußland sehr weit verBeseitigung der Schranken einzusehen, die der Freizügigkeit der breitet, da die Wirtschaftler sich auf diese Weise einer Reihe Angestellten heute in Form von Einwaederungsverboten usw. entvon fozialpolitischen Pflichten zu entledigen gegenstehen. fuchen. Eben hat nun der Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjet union beschlossen, den Eintritt solcher zeitweiliger" Arbeitnehmer in die Gewerkschaften noch weiter zu erschweren. Von nun ab sind sie beitrittsberechtigt, erst nachdem sie volle zwei Monate follten fie einen zeitweilig abwesenden Arbeitnehmer vertreten, erst nachdem fie volle vier Monate- beschäftigt gewesen sind.(„ Trub" vom 21. Mai.) Damit aber noch nicht genug. Bis jetzt gelang es einem Teil der Arbeitslosen, auf dem Umweg über die sogenannte„ Arbeitsfollettive"( eine Art Produktivgenossenschaft, geschaffen und geleitet von den Arbeitsämtern als eine Einrichtung der produktiven Erwerbslosenfürsorge) die gemertschaftliche Mitgliedschaft zu erlangen. Jegt will man ihnen auch diesen Weg versperren. ( ,, Trub" vom 24. Mai.) zu gleicher Zeit fucht man die arbeitslosen Gewert schaftsmitglieder nach Möglichkeit abzuschütteln. Der Zentralrat der Gewerkschaften hat soeben ein Rundschreiben erlassen, das den arbeitslosen Gewertschaftsmitgliedern unter Androhung des Ausschlusses aus dem Berband zur Pflicht macht, sich bei den Arbeitsnachweisen in die Listen der Arbeitslosen eintragen zu lassen und die ihnen angebotene Arbeit anzunehmen, auch wenn sie ihrem Berufe nicht entspricht und u. U. mit einem Verzug in eine fremde Stadt verbunden ist.( Trud“ vom 19. Mai.) Was sagt die Rote Fahne zu einem solchen Borgehen gegen die Arbeitslosen? Sonst fönnen sich doch die Kommunisten nicht genug tun in Beschimpfungen der Gewerkschaften, weil diese sich weigern, die aufgesparten Beiträge der Mitglieder denen auszuliefern, stehen. Es gibt aber in Deutschland feine Gewerkschaft, die eine so die sich von der Beitragszahlung brücken, solange fie selbst in Arbeit drakonische Abschließungspolitik übt, wie es die russischen Gewert schaften tun. Man merkt, daß sehr viele der russischen Gewerkschaften durch die Schule der ameritanischen Gewerkschaften gegangen find, die ja eine ähnliche Abschließungspolitik gegenüber den Einwanderern üben. Allerdings handelt es sich in Amerika um Schuhmaßnahmen gegen ausländische Lohnbrüder, während die ruffischen Gemertschaften diese Methoden gegen die eigenen Landsleute anwenden, beren einziges Verbrechen ist, etwas später vom Land in die Stadt gekommen zu sein. Tagung der Angestellteninternationale. Der Borstand des Internationalen Bundes der Privatangestellten hielt am 2. und 3. Juni in Berlin eine Sigung ab. Aus dem von dem Generalsekretär des Bundes, Smit, Amsterdam, erstatteten Bericht ist zu entnehmen, daß dem Internationalen Bund am 1. Januar d. 3. insgesamt 43 Angestellten verbände aus 19 verschiedenen Ländern angeschlossen waren. Die Gesamtmitgliederzahl der angeschlossenen Berbände belief fich am 31. Dezember 1926 auf 696 370, darunter 142 406 Frauen. Der Bund umfaßt neben den Handels- und Bureauangestellten auch die Bantangestellten sowie die technischen Angestellten und Wert. meister. Die Sektion der Techniker und Werkmeister zählte am 31. Dezembre 1926 234 389 Mitglieder, die der Banfangestellten 38 366 Mitglieder. Im Anschluß an den Geschäftsbericht nahm die Vorstands. fizung einen Bericht über das unter lebhafter Mitwirkung des Internationalen Bundes der Privatangestellten und des deutschen AfA.- Bundes zustandegekommene Angestelltenschußpro. gramm der Internationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt auf ihrer vorjährigen Tagung in Montreux entgegen. Es wurde ein Beschluß gefaßt, der die angeschlossenen Verbände verpflichtet, in den verschiedenen Ländern für die praktische Verwirt lichung des Programms einzutreten. Mit der Bertretung des Internationalen Bundes der Privatangestellten auf der Konferenz der Internationalen Berufssekretariate in Paris am 30. Juli d. J. wurden der Präsident des Internationalen Bundes, Urban, der Vizepräsident Buisson Paris und der Generalsekretär Smit Amsterdam beauftragt. = # Im Zusammenhang damit beschäftigte sich die Vorstandssigung auch mit den an den Internationalen Gewerkschaftskongreß zu stellenden Forderungen zwecks stärkerer Berücksichtigung der Angestellten in den verschiedenen Körperschaften des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Ueber das Thema" Angestellte, Beamte und freie Berufe in der Gewerkschaftsbewegung" wird auf dem Inter. nationalen Gewerkschaftsfongreß neben dem Sekretär des Inter. nationalen Gewerkschaftsbundes Dudegeest auch Smit referieren. Der nächste Kongreß des Internationalen Bundes der Brivatangestellten findet voraussichtlich im Herbst 1928 in Deutsch land statt. Beratung der Außenmonteure. stasd aib id Sonntag, 5. Juni 1927 genau so gefährlich ist wie im Ausland. Es wurde gewünscht, daß fich der Metallarbeiterverband bemühen soll, auch für die Inlands monteure die Lebensversicherung durchzusehen. Ebenfalls wurde gefordert, daß die Unternehmer die Haftpflicht für Personen- oder Sachschäden übernehmen, die eventuell durch die Montage anderen Personen zugefügt werden. Genosse Grohn vera handlungen vertreten zu wollen. sprach, auch diese berechtigten Forderungen bei den kommenden Ber 2. Weihnachtsfeiertag vormittag abzuhalten. Die Versammelten beschlossen, ihre nächste Zusammenkunft an Lohnbewegung in Rheinland- Westfalen. Die Straßenbahner fordern 10 Pf. Zulage. Effen, 4. Juni.( TU.) Die Gewerkschaften haben das bestehende Lohnabkommen zum 30. Juni d. J. gekündigt und ab 1. Juli eine Erhöhung der Löhne in allen Gruppen und Altersstufen um zehn Pfennig pro Stunde gefordert. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages bzw. wegen Nichtbemuzung des öffentlichen Arbeits nachweises werden hierdurch folgende Gastwirtsbetriebe für die Mitglieder des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafés angestellten gesperrt: Engelhardt- Ausschant, Defonom Lehmann ,, Brüdenstraße, Reederei obiling( an der Jannowit brüde); Waldschänke, Sadowa, und Restaurant Freibad Bahnhof Rahnsdorf, für beide Betriebe Inh. Töldte; Raven hungriger Wolf", Strausberg; Restaurant Müggelhor steiner Mühle, Inh. Pfilipp, Friedrichshagen; Restaurant Gesellschaftshaus Friedrichshagen, Inh. Mitme Schröder; Paradiesgarten, Rahnsdorfer Mühle; Restaurant Bärenhöhle, Bahnhof Rahnsdorf; Braustübí, Genoffen schafts- Brauerei, Friedrichshagen; Bürgergarten, Bantom und Pantower Ratskeller, Inh. Hilgener; Lindners Konzerthaus, Pankow, Breite Straße; Café und Restaurant von Matschte, Grünheide; Restaurant Seeschloß, Heiligens see, Inh. Elsner; Restaurant heideschlößchen", Inh. Baidus fat, Tegelort. Am Müggelsee und Friedrichshagen: Bellevue Seeschlößchen; Müggelfee Casino; Zentrala Restaurant, Inh. Büttner; Café Mignon, Friedrichshagens St. Hubertus, Friedrichshagen. Am Langen und Zeuthener See: Restaurant Rivierra, Restaurant Haltestelle fere fonnabend nachmittag die organisierten Berliner Außenmonteure Wie zu allen hohen Festen famen auch am gestrigen Pfingst im Verbandshaus der Metallarbeiter zusammen, um über ihre befonderen Berufsfragen zu beraten. Genoffe Grohn vom Metallarbeiterverband behandelte in einem furzen Bericht die schwebende Lohnbewegung der Monteure. Die Osterversammlung der Monteure hatte beschlossen, das gesamte Monteurabkommen, sowohl das Arbeitsabkommen wie auch das Abkommen über die Auslösungs fäße zum 1. Juli zu fündigen. In der Frage der Arbeitszeit und der Ueberstundenbezahlung ist zwischen dem Metallarbeiterverband und dem Verband Berliner Metallindustriellen vereinbart worden, daß das Arbeitszeitabkommen der Monteure ab 1. Juli wieder in Kraft tritt mit den Abänderungen, wie sie durch den Schieds spruch für die Berliner Metallindustrie getroffen worden find. Genoffe Grohn streifte kurz die Berhandlungen mit dem BBMI. über den Neuabschluß des Rahmentarifes und erläuterte die neuaufbahn, Grünau. genommenen oder abgeänderten Bestimmungen des Tarifvertrages. Ueber die Neuregelung der ebenfalls zum 1. Juli ge fündigten Auslösungsfäße ist bisher noch nicht verhandelt worden. Der Verband Berliner Metallindustrieller hatte allerdings versprochen, die Verhandlungen darüber noch vor Pfingsten an zusehen, damit über das Ergebnis noch in der Bfingftversammlung berichtet werden könne. Infolge der langwierigen Berhandlungen über den Rahmentarif konnten die Verhandlungen jedoch noch nicht stattfinden. Grohn betonte, daß die Organisation ganz entschieden bafür eintrete, daß sowohl die Auslösungsfäße wie auch die eingetretenen Berteuerung der Lebenshaltungskosten erhöht Kurzmontagezuschläge entsprechend der seit dem letzten Abschluß werden. In der Diskussion wurde besonders lebhaft darüber Klage geführt, daß die Monteure nur bei Auslandsmontagen gegen Unfall und Tod versichert sind, trotzdem ihre Arbeit im Inland Nahrungs- und Genußmittelarbeiterverband, Zahlstelle Berlin, er Aufgehobene und noch bestehende Konditoreisperren. Bon halten wir folgende zuschrift: Auf wiederholte Anfrage teilen wir nochmals mit, daß die Sperre über die Angst- Konditorei", Linden ftraße 108( Inhaber Paget), infolge Anerkennung des Tarifvertrages aufgehoben ist. Nach wie vor bleiben gesperrt megen Nichteinhaltung ber tarif lichen Bestimmungen: Ronditorei Geppler, Dranienstraße 13 ( Am Heinrichsplay); Konditorei u. Café Kolberg, Brinzenallee organisiertes Personal beschäftigt. 25/26, sowie Brunnenstraße 52; Versandkonditorei Knobe u. Co Berlin N., Müllerstraße 40a. In diesen Betrieben wird nur und Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 5. Juni: 6.30: Frühkonzert. 9: Morgenfeier. 11.30: Dominator- Orchester. 15.30: Märchen. 16: Die Krisis des Operntheaters. 17: Kapelle Gebrüder Steiner. 20: Uebertragung aus der Städtischen Oper Charlottenburg Hanneles Himmelfahrt", Oper von Paul Graener, Text nach der Dichtung von Gerhart Hauptmann. 22.30: Tanzmusik. Montag, 6. Juni: Ueber 6.30: Frühkonzert. 9: Morgenfeier. 11.30: Zur Unterhaltung. 14.30: Stunde des Briefmarkensammlers. 15: Die Normung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte. 16.45: Unionrennen in Hoppegarten. 17.30: Kapelle Gerhard Hoffmann. 19.05: Das Geheimnis der Wünschelrute. 19.30: Kiwatins Eisfelder. 19.55: Tierkunst( Prof. Heck). 20.30: Schwänke, Lieder Dienstag, 7. Juni: und Tänze aus alter Zeit. 22.30: Tanzmusik. 6.30: Frühkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Im Auto nach Spanien. 16.30: Wasserwandern. 17: Novellen( Federn). 17.30: Berliner Musikleben. 19.55: Vernunft und Glück. 20.30: Das moderne Ich Kapelle Emil Roosz. 19.05: Stunde mit Büchern. 19.30; Zweihundert Jahre ( Benn- Kafka). 21.15: Orchesterkonzert. Mittwoch, 8. Juni: 13.30: Glockenspiel der Parochialkirche. 15.30: Das geistige Erwachen des Kindes. 16: Wie erklärt sich die Wirkung kleiner homöopathischer Arzneigaben? 17: Jugendbühne. 17.30: Berliner Funkkapelle. 19.05: Leben und Werk August Hermann Franckes. 19.30; Rechtsfragen des Tages. 20: Im Dschungel der Mark. 20.30: Vortrag. 21: Konzert des Künstlerpaares Bohnen. 22.30: Fröhliche Nachtmusik. Donnerstag, 9. Juni: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: An deutschen Forschungsstätten. 16.30: Die Schätze der Erde im Wirtschaftsleben. 17: Kapelle Gebrüder Steiner. 18.45: Furniere und Sperrholz. 19.10: Freuden und Leiden des Börsenspekulanten. 19.35: Die Weltwirtschaftskonferenz in Genf( Dr. Roscher). 20: Uebertragung der Theaterausstellung, Magdeburg ,,, Juarez und Maximilian", Dramatische Historie von Franz Weriel. Danach: Tanzmusik. Freitag, 10. Juni: Dr. Becces Kammerorchester. 18.45: Spanisch. 19.15: Rußlands Erdölindustrie und ihre weltwirtschaftliche Bedeutung. 19.45: Schlaf, Traum and Tod vont Standpunkt der Psychologie. 20.30: Sendespiel: Zwei glückliche Tage" Schwank von Schönthan und Kadelburg. /22.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, 5. Juni: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. Montag, 6. Juni: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 7. Juni: 16: Der Beruf des Gärtners. 16.30: Volkswirtschaftliche Beiträge zum Geschichtsunterricht. 17: Der Freiherr von Stein und sein Werk. 18: Das Recht der inneren Kolonisation. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Eduards Mörike- Gedenkfeler. Ab 20.30; Uebertragung aus München. Mittwoch, 8. Juni: 16: Der Beruf des Gärtners. 16.30: Englisch für Fortgeschrittene. 17: Dia Naturkräfte und ihre technische Verwertung. 17.30: Mozart als Singspiel komponist. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Die Versicherung der Arbeitslosen. 19.20: Deutsche Asien forscher. Ab 21: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 9. Juni: 16: Aufgaben der Mädchenberufsschule. 17: Weltpolitische Stunde. 17.30: Aus der Geschichte der Naturbetrachtung. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Friedrich Lienhard. 19.20: Die Bedeutung der Milch in der deutschen Wirtschaft. Ab 20: Uebertragung aus Magdeburg. Danach: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 10. Juni: 16: Fliegen- und Mückenbekämpfung im Sommer. 16.30: Die Kunst des Sprechens. 17: Die Alpen. 17.30: Bilder aus dem Steinkohlenbergbau. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Organisation und Organisationsformen des deutschen Großhandels. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. A 20.30: Uebertragung aus Berlin. 15.30: Französinnen. 16: Sommerarbeiten im Blumengarten. 16.30: Bulgarischer Humor. 17: Novelle von Ernst Heilborn. 17.30: Franz Schubert ( Lieder und Konzertstücke). 18.45: Kunst und Kultur im alten Berlin. 19.10: Die Karikatur im Spiegel der Zeit. 20: Sinnesänderung in Frankreich? 20.30: Sonnabend, 11. Juni: Sinfoniekonzert. 22.30: Walzerstunde. Sonnabend, 11. Juni: Die Vorstandsfizung nahm dann auch Stellung zu dem Be. schluß des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes, Familiennamen. Es ist ein 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Was bedenten unsere 16.30: Theatererlebnisse in Italien. 17: Heites. 17.30: 16: Esperanto. 16.30: Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Untera richt. 17: Die Wohnungsfrage der Beamten. 17.30: Entwicklung der Arbeit, 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter. 18.30: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 18.55: Die Strömungen der französischen Literatur. Ab 20.30a Uebertragung aus Berlin. DORNBUSCH WILLRAS DAS FEINSTE DORN KRAGEN ein KRAGEN der Ihnen Freude macht! BIELEFELDER FABRIKAT 100 " Das nützt die beste Medizin, 096 appli wenn sie nicht vorschrifts mässige Anwendung findet?" Persil Henkel Sie Derehrte Hausfrau waschen mit Persil! Hoffmany Gewiss, Persil ist keine Medizin, seine richtige Anwendung aber ist überaus wichtig, wenn Sie in den vollen Genuss aller Vorzüge kommen wollen, die dieses wundervolle Waschmittel bietet.- Dass Sie Persil, der Vorschrift ges mäss, ins kalte Wasser geben, ist anzunehmen, kaltes Verrühren ist die allerwichtigste Voraussetzung für volle Ausnutzung! Aber nehmen Sie auch Persil allein, ohne Zusatz bei nur einmaligem kurzem Kochen der Wäsche? Denn Sie das bisher nicht versucht haben, so machen Sie bei der näch sten Wäsche die Probe. Sie werden nicht verstehen, dass Sie sich diesen wertvollsten Vorbeil der Persilmethode bis jetzt haben entgehen lassen. Zum Weichmachen des Dassers verrührt man por Bereitung der Lauge einige Handvoll Henko Bleich- Soda im Kessel- Auch zum Eins weichen ist Henko Bleich- Soda unübertroffen. Sonntag 5. Juni 1927 Unterhaltung und Wissen Die Vermählung der Blumen. Pfingsttraum auf einer Wiese. Auf einer Höhe über dem Dorf liegt die Wiese am Abhang| sonst voll Scham verdecken, die Werkzeuge des Geschlechts, zum Sinndes Hügels. Weich schmiegt sie sich an den Fuß des Waldes, der sie von drei Seiten mit den zarten Laubhänden seiner Zweige umfängt. Sie ist die Geliebte des Waldes. Ich schreite durch das hohe Gras, spige Blattpfeile und Lanzen zielen nach meinen Füßen. Ruchgras und Wiesenfuchsschwanz, die zierlichen Berl- und Rispengräfer mit ihren dicken Büscheln nicken wie eine Straußenfeder und legen einen sanften, braunvioletten Schleier über den Rasen. Ich werfe mich in das leise wogende Bett. Den Kopf zur Seite neigend, sehe ich den Boden mit tausend bunten Blüten besternt, die verschleiert unter weißen Wimpern zu mir aufsehen. Blumen, Freunde unserer Kindheit, zu denen der Knabe mit vereinsamtem Herzen floh! Einst preßte ich eure verblassenden Leichname zwischen die Buchdeckel meines Herbariums; aber ich liebte euch, und eure Märchen sind unvergessen. Ich stehe auf und fnie zwischen den Blumen nieder. Ihre Blüter sammelnd, finde ich ihre entschwundenen Namen wieder: Gamander, Ehrenpreis, Günzel, Wiesenfalbei. Hier ist die gelbe Blüte des Hahnenfußes, das weiße Blut der Wolfsmilch, der Storchschnabel, das Hirtentäscheltraut, dessen dreiedige Fruchtkapseln flappern wie der gefüllte Brotbeutel eines Soldaten. Die roten Fahnen des Sauerampfers flattern, das Löwenmaul sperrt seinen gähnenden Rachen auf. Dazwischen aber leuchten die runden Lichter des schon verblühten Löwenzahns wie fleine, weiße gespenstische Monde. Aus ihrer Mitte hebt sich ein verlorener Getreidehalm, über vierzig Pflanzenstockwerte steigt er auf zu schwindelnder Höhe wie ein Wolkenkratzer. Man hat berechnet, daß er im Verhältnis zu feinem Durchmesser fünfzehnmal so hoch ragt wie der Eiffelturm über den Dächern von Paris und in seiner vollendeten Technik zu den tühnsten Bauwerken der Erde gehört. Bon der schlanken Kuppel seiner Aehre löst sich ein Körnchen Blütenstaub und segelt furchtlos wie ein Aviatifer langsam über das blühende Feld. " Rote, gelbe, weiße und blaue Blütenblätter mischen ihre Bunt heit zu einem rauschenden Orchester. Welche Künstler der Farbe sie sind, jede von ihnen ein Meister, nicht fleiner als Segantini; denn in den tausend farbigen Tropfen ihrer Blütenzellen haben sie, wie Francé fo treffend bemerkt, die Kunst des Pointillismus" erfunden, lange ehe sie unter den Menschen zur Mode kam. Die unvergänglichsten Farben unserer Teppiche und Gewebe verdanten wir ihnen; sie aber haben sie nicht erzeugt, uns dienstbar zu sein, die wir ihnen gleichgültig blieben und Wesen einer anderen Welt. Ihre schweren schwankenden Blütentelche sind nur die bunten Sommerhüte, die sie mie schöne Frauen fich auffetzen, um ihren Liebhabern zu gefallen. Denn von dem gleichen Triebe der Paarung erfüllt wie wir, riefen sie, zu ewiger Gefangenschaft verurteilt, den Wind und das Wasser und die Tiere der Luft zu Hilfe, sie mit dem Nettar ihrer goldenen Honiggrübchen zu ihren gehorsamen Sklaven zu machen. In ihrer Stummheit erfanden sie eine Stimme, ihre Freunde noch aus weiter Ferne zu rufen, viel feiner und fanfter als unfere leisesten Worte, fie fanden den Duft die Sprache der Blumen". Die Naturforscher erzählen uns, daß der Geruchsinn der Schmetterlinge so fein ist, daß ein Schmetterlingsmännchen, vom Dufte des Weibchens angelockt, das man irgendwo am offenen Fenster eines Großstadthauses in einem Käfig gefangen hält, ihm bis in das innere Getriebe der Stadt nachfolgt. Wieviel eindringlicher noch aber weiß die Blume ihre Sehnsucht zum Ausdruck zu bringen, sie, die uns immer von neuem beweist, daß alle Schönheit in die Welt allein durch die Liebe fam. Sie hat es verstanden, selbst das, was wir " Ausstellung der Vierten Wand". " Bon Hans von 3wehl Seitdem Hamlet in feiner belannten Rede gesagt hat, daß die Schauspieler der Spiegel und die abgefürzte Chronit unserer Beit" feten, hat sich vielerlei im Theater und besonders im Theaterpublitum verändert. Der philosophische Shakespeare fönnte heute ein paar geiftvolle Bibate von der vierten Wand" erfinden, nämlich von den Zuschauern, die die vierte Fläche der von drei Seiten abgegrenzten Gudtaftenbühne bilden. Daß die Struktur des Theaters foziologisch von der Masse bestimmt wird, wird heute überall anerkannt. Ja, diese Beziehung ermöglicht überhaupt erst das Fortleben der Bühnenkunst in der neueren Zeit, und sie hat die Richtung der modernen Regie ebenso start beeinflußt, wie Inszenierungen, Bühnenbild und technische Neuerungen das Gesicht des Theaters äußerlich verändert haben. Ohne die Gegenwart der Hörer, ohne Beifall oder Kritit, wäre die Schauspieltunst in sich selbst unmöglich, und daher ist die Organisation des modernen Theaterpublifums, sofern sie nicht Selbstzwed wird, eine außerordentliche Förde rung sowohl der Absichten der Bühne wie des flaffischen und modernen Repertoires. Hat sich also die Theaterverfassung fünft: lerisch und organisatorisch den Gedanken der Zeit genähert, so ist zugleich durch das Auftreten der Tarifgesetzgebung, der Bühnenrechtsprechung und der literarischen Kartellverträge die Theaterfrage mit einem ganzen Wald von Kulturparagraphen umgeben worden. Mit der Bildung einer großen sozialtulturellen Abteilung macht mun die gegenwärtige Deutsche Theater. ausstellung in Magdeburg den Versuch, diese neuen Organisationsformen zu veranschaulichen. Wobei fie allerdings die Objekt bestimmung den Parteien überläßt, was notwendig zu einem Durch einander führen mußte. Mit einiger fritischer Courage hätte man selbst die notwendige Auswahl treffen sollen, damit die Führung durch die den Laien verschlossenen Pfade der neuen Bühnenwelt zu gewinnen. Die Ausstellung wäre von allen gut beraten gewesen, wenn sie eine Abteilung Bühnenjuftiz eingerichtet hätte. Daß derlei plastische Darstellungen wirkungsvoll und allgemeinverständlich durchgeführt werden können, lehren die von der Bühnengenossenschaft ausgeführten Modelle, in denen die sozialen Leistungen der Schauspielergewertschaft und ihr Verwaltungsapparat aufgebaut worden sind. Besonders die Tabellenfiguren aus b Shiedsgerichtsbarkeit, bas Unterstützungswesen usw. sind von größter Eindringlichkeit( und zweifellos von größerem Nugen, als die nebenan hängende Galerie aller Präsidenten, von dem großen Ludwig Barnay angefangen). Merkwürdigerweise ist aber schon die der Bühnengenossenschaft am bild des Röstlichsten zu machen, das wir auf Erden fennen, womit wir die Stunden unserer reinften Freude, unserer edelsten Trauer schmücken. In ihr ist die Demut des schweigenden Wartens, und nicht Bewußtsein ist der Sinn ihres Seins, fondern Empfindung. Beilage des Vorwärts Pfingstwacht armer Fischer. trüge. Es find auch Böſe unter ihnen, garſtige, heimtückische Heren ditu Es mochte selten eine Nacht So hart in tapfern Herzen dauern: Die Furcht hielt um die Freude Wacht, Der Geist begann den Weg in Mauern. Das starte Blut ging wild und weit, Es zuckte treuer Schmerz verlassen. Sie bargen Mut in engen Gaffen Und flüchteten vor böser Zeit. Wohl mochte mancher heiß die Hand In seines Meisters Wunden legen Was folch ein Streben überwand, Bleibt herber Qual erschrodenes Regen. Und Blut und Kreuz find Gegenwart Jm Heilansdweg verklärter Tage. Die Liebe unterm Kreuz nennt Sage Das Wort von seliger Himmelfahrt. Die müde Nacht des Menschen schwieg, Bom starren Gang der Not bezwungen, Bis hell und hoch in Feuerzungen Der Sturm der jungen Rede stieg. Die arme Nacht war dunkler Gram Und lehtes klägliches Ermatten, Bis aus dem Kreis gepeitschter Schatten Die Flamme junger Freude fam. Und wer's nicht weiß, der fämpft nicht guf: Das größte Wort will stumme Rede, Denn tüchtige Flamme zehrt an GlutWas sich empört, wird rechte Fehde. Sie lehrten's uns auf mufiger WachtUnd eh' wir Tat des Geistes sprechen, Soll erfi aus lehten Strömen brechen Das Weh armseliger Menschennacht. Franz Rothenfelder. Immer dichter rückt der Wald an die Wiese heran. Die Leiber seiner Bäume sind voll Neugier nach vorn gebeugt, als verlockte es ihn, die plumpen Füße auf ihren weichen sen zu sehen, während er mit tausend grünlauernden Augen aus ihren bunten Teppich niederstarrt und ihren menschlichen Schläfer. nächsten stehende soziale Gewerkschaft, der Chorpersonal- und Ballett- Verband, unsichtbar, ebenso die Internationale Artiſtenloge, und gerade diese beiden Organijotionen hätten unter den gegen wärtigen Rotständen sicher bedeutungsvolles Zahlenmaterial vorführen können. Der Deutsche Bühnenverein, der Unternehmerverband der deutschen Theaterbefizer, hat sich sehr klein gemacht und beschränkt sich im wesentlichen auf die Feststellung, daß er 410 Mitglieder besitzt( von denen allerdings die große Mehrzahl auf den Intendantenverein der gemeinnützigen Theater entfällt), Hier wäre es Aufgabe der Ausstellungsleitung gewesen, die neuzeitliche Entwicklung der Theatertypen zu veranschaulichen, besonders die Zurückdrängung des fapitalistischen Privattheaters; ferner hätte man die Entwicklung des Theateretats, besonders durch das Star- und Seriensystem, die steuerlichen Lasten, das Konzessions verfahren, das Tantiemenwesen und dergleichen mehr illustrieren tönnen. Sicherlich wäre im glorreichen Jahre der Schmutz- und Schundgefeße( und 9 Jahre nach einem Striege, in dem der Bensor unumschränkt gebot) auch reichlich Gelegenheit gewesen, eine wohl unumschränkt gebot) auch reichlich Gelegenheit gewesen, eine wohl gefüllte Benfurabteilung aufzumachen. Themata hätte man nicht lange suchen brauchen, seitdem nicht nur die Dichter und die Maler, sondern auch schon die Schauspieler und die Buchhändler vor Gericht gezogen werden. Die Dichter( deutlicher gesagt: die dramatische Lite. ratur) find auf der Ausstellung fast gar nicht vertreten, und das gegen hat der rheinische Romantifer Herbert Eulenberg, das Monofel im Auge, getrinttsprucht. In der Tat hätte man eine Ausstellung neuzeitlicher Bühnenwerte doch leicht organisieren tönnen! Und da bei hätten sich auch allerlei Anregungen für das Publikum verwirt. lichen lassen. Zum Beispiel tönnte man figürlich die verschiedenen Kategorien der Bühnenliteratur aufstellen, etwa: der Arbeiter, der Kategorien der Bühnenliteratur aufstellen, etwa: der Arbeiter, der Jurist, der Theologe, der Arzt, der Ingenieur, der Bureauangestellte, das Hauspersonel im Drama und dergleichen mehr. Auch eine Entwicklungsgeschichte des Schauspiels vom Königsdrama bis zur modernen Satire hätte sich, sofern sie mit einer freiheitlichen Weltanschauung verbunden gewesen wäre, rechtfertigen laffen. Das at tuelle Thema„ Regie und Dichtung" wäre bei der Vereinigung tünstlerischer Bühnenvorstände zu erfragen gewesen. Dafür hätte man gern auf die Kollektion der wohllöblichen Dilettanten vereine, nämlich die sogenannte Bentrale deutscher Boltsspiel. funftverbände", verzichtet. Die Dilettanten find mur Objekt ber Theatergesetzgebung; man vermißt eine Darstellung der Gefahren, die der Bühne aus den spießerischen, patriotischen und fonfeffionellen Spielereien dieser Ründe erwachsen Der Arbeiter- Theaterbund. der im Saale der Pilettenten ben bürgerlichen Verbänden gegen über aufgebaut ist, nimmt, wie man aus seiner gegenwärtigen Umbildung feststellen muß, zwar eine Sonderstellung ein. Aber nicht von ihm, sondern im wesentlichen von den Jugendverbänden geht das neue Laienspiel aus, in dessen Dienst sich die Ausstellung Die heiße Luft der Mittagssonne flimmert in Bellen über den Wiesen. Schwirrend erklingen die Flügel der zahllosen Fliegen und Schmetterlinge. Käfer und Ameisen laufen emfig die Halme hinauf, die unter dem Gewicht ihrer Leiber wie vom Sturm geschüttelt auf- und niederschwanken. Hier flimmt ein summenber Käfer auf die Spize eines Stengels wie ein Gebetsrufer auf das Minarett einer Moschee. Das dunkle Läuten der Hummeln läßt melodisch die Luft erzittern, während sie trunken wie berauschte Becher von Schente zu Schente taumeln. Aber nicht alle Blumen öffnen ihnen mit so harmloser Güte die geheimnisvoll duftenden und Mörder. Die gläsernen Haare der Brennesseln sind mit äßender Ameisensäure gefüllt. Andere versprigen Gift aus ihren Stacheln. Sanft und rosig leuchtet das Blütentöpfchen der Bechnelte wie ein schelmischer Backfisch, aber hinter ihrem schuldlosen Lächeln ver. birgt sich eine teuflische Seele- sie ist eine kleine Grete Beier, die den von ihrer Schönheit verlockten friechenden Liebhaber grausam tötet. An ihrem mit Bech behafteten Stengel bleibt der Aufwärts® flimmende zu furchtbarem Hungertode hängen, schlimmer als in allen Stacheldrähten des Krieges, und mur das fliegende Insekt darf die Gunft ihrer Blüte genießen. Ein Brotgeruch zieht von den Ge treidefeldern herüber, und ein zärtlicher Windhauch streichelt die Halme. Er ist mit betäubendem Duft von zahllosen Pollen beladen, dem Blütenstaub all jener Tausende, die in ihrem Reichtum der Insekten nicht bedürfen und in ihrer reinen Windliebe" auf zierlichen Fallschirmen als winzige Luftschiffer und Segler, schaufelnd, flatternd und schwebend mit einer schwefelgelben Wolke den heiteren Himmel füllen. Die Luft fingt, die Erde lauscht, das Gras surrt, während im glühenden Sonnenlicht die Blumen das heilige Fest ihrer Vermählung feiern. Ich rupfe einen Halm aus und nehme ihn in den Mund, das füße Blut der Gräser auf meiner Zunge zu fühlen. Und ich schließe die Augen, bis hinter meinen geschlossenen Lidern der feurige Himmel in roten und schwarzen Ringen raftlos zu freisen beginnt. Träumend steige ich mit den Ameisen und Käfern ein Stockwerf tiefer in die Erde hinab, wandere zwischen den Wurzeln der Gräser und Pflanzen hindurch, die engen Gänge der Regenwürmer entlang, die tein Ende nehmen, und schaue vor den erbrochenen Kornkammern der Ameisen in einem Saal von famtschwarzer Erde ihre zürnende Boltsversammlung. Plöglich wedt mich ein tühler Windstoß. Mit zerstochenen Gliedern und betäubt von Blütengeruch taumele ich auf. Wie lange habe ich geschlafen? Schon schneidet die Sonnenscheibe in den Waldrand. In der schweigenden Luft haben die spizen Tüten der Ackerwinde sich zusammengefaltet. Die Stabiosen, die auf ihrem drahtdünnen Stiel wie der amethystene Stein einer Hutnadel glänzen, haben ihre Köpfchen vor dem Abendtau zur Erde gesenkt. Wie füß die Leichen der Blumen duften! Schrill und flagend tönt aus den Gräsern nur das Zirpen der Grille, die die Kastagnette ihrer Grieder hchl gegeneinander schlägt. Eine Gewitterwolte schiebt ihren finsteren Rüssel über den Himmel und frißt alles Licht. Ein Windstoß brüllt. Ich suche tastend den Hut, um nach Hause zu eilen. Blätter fuchteln wie aufgeregte Hände in der Luft. Eichen schütteln die Fäuste, als erwachten die Pflanzen aus ihrer Verzauberung. Stolpernd verfangen meine Füße sich in den Schlingen der Wurzeln. der Wurzeln. Als ich die Gartenpforte öffne, fallen die ersten schweren Regentropfen mir auf die Hand. Armin T. Wegner. hätte stellen sollen. Besonders die Sprech- und Bewegungschöre, das Stegreiffpiel und dergleichen wäre zu zeigen gewesen und ebenfo Jugendmufitgruppen und Musikantengilden. Auch die Musik ist nämlich schlecht vertreten; der Ausstellung des Deutschen Musiker= verbandes müßte sich doch eine Halle des Opernrepertoires und der modernen Drchefterbehandlung anreihen! Die ziemlich vollständige Schau der gemeinnützigen Wanders bühnen, die für den geographisch größten Teil Deutschlands eine vielfach unterschäßte Kulturbedeutung haben, leitet über zu der Idee der modernen Besucherorganisation, die in Magdeburg einen bedeutenden Raum einnimmt. Der Bühnenvoltsbund, der christlich- deutsche Theaterverband, hat sich in den letzten Jahren vom Katholizismus mehr den protestantisch- reaktionären Kreisen zugewandt, da er sich jetzt der Präsidentschaft des früheren Kultus. ministers Dr. Boelig und der Unterstützung des Stahlhelmführers Seldte erfreut. Trotzdem zeigt die Organisation des Herrn Gerst in Magdeburg mehr ein religiöses Profil, wobei fie die von ihr betriebene Machtpolitit feineswegs verfdyweigt und für ihre Berlagswerte eine erhebliche Propaganda entfaltet, obwohl sie mit diesem Artikel mir erinnern nur an die Leidensgeschichte des Columbus" in Berlin meistens Schiffbruch erlitten hat. In der Mitte der Halle des Boltsbühnenverbandes, die sich durch monumentale Raumgestaltung auszeichnet, wurde von dem Bühnenbildner Edward Suhr ein Backsteinbau errichtet, in welchem durch zwölf Dioramen der Gedante der Boltsbühne versinnbildlicht werden soll. Die Sprache der Modelle ist allerdings nicht immer ganz klar. Deutlicher ist die Organisationsstärke des Verbandes, u. a. in einem sehr gut gearbeiteten Stammbaum, vor Augen ge führt. Wohl das interessanteste Stück der Sammlung ist ein technisches Modell der Volksbühne am Bülowplay in Berlin mit dem Bühnenhaus und der gesamten Maschinerie, angefertigt in zweijähriger Arbeit von Maschineriedirettor Sachs. Die Wandertheater der Boltsbühne, ihre Naturtheater in Lößniz und in Schwarzenberg und ihr Puppentheater zeigen die Mannigfaltigkeit ihrer Leistungen. Die Berliner Boltsbühne selbst hat außerordent lich schöne Bühnenbilder ausgestellt, in denen die Erinnerung an die Großtaten des Hauses am Bülowplay aufsteigt. Es sind Hil perts Luftige Weiber", Schlemmers Abtrünniger Bar", Strohbachs„ Geftiefelter Rater", Suhrs Fahnen"," Kaufmann von Bene. dig" und" Nachtasyl", Müllers Segel am Horizont" u. a. Bei den Inszenierungen, die von Erwin Piscator geleitet wurden, ist allerdings das filmische Element aus den Modellen nicht besonders ersichtlich. Frisches Leben zeigen endlich die Bilder von der letzten Jugendtagung des Volksbühnenverbandes in Friedrichroda hier ift jene Begeisterung der Gesinnung, der die Zukunft des gialen Boltstheaters gehört. Mus China. ,wie gut es Soch ohne Herrn öoroüia geht!�-Nie schlecht es doch ohne Herr» öoroüin gehtl� Die �Kraft der Frcm. Von Prentice M nlford. Die weibkche Seele hat die besondere Eigenschaft und Fähigkeit, die Dinge der geistigen Welt femer zu empfinden und zu fühle». Der männliche Geist hat dagegen vor allem die Kraft, in der Weit der körperlichen Dinge zu wirken. In der wahrhasten und göttlichen Ehe anerkennt der Mann dies« besondere Gab« der Frau, er unter» wirft sich ihr und ist glücklich, aus ihr Gewin« ziehen zu können. Der Körper des Mannes ist, übereinstimmend mit dem besondere» Charakter der männlichen Geistesartung, gröber und nerviger, er ist zu harter Arbeit, wie etwa zum Ackerbau und Militärdienst, weit besser befähigt als jener der Fvau. Zugleich ist er entschlossener, unternehmender, und die Gottheit hat ihm die Lust am Kampf und Streit eingepflanzt. Der weibliche Körper ist zartnerviger als der männliche. Den» die Frau ist es, die eine spirituale Kraft empfängt und dem Manne vermittelt, die feiner und mächtiger ist, als er sie ohne die Frau empfangen könnte. Diese weibliche Kraft formt den weiblichen Körper gemäß der chr innewohnenden Wesensart. Denn die Welt der Sinne und die Welt des Geiste»(die wir nicht sehen könne») sind so innig mtteinander verbunden wie Baum und Wurzel. Die unsichtbare Welt zu durchdringen und zu schauen, was w ihr geschieht, hat nun die weibliche Seele die höchste Fähigkett. Wir nennen diese besondere weibliche Fähigkett und Eigenschaft, die wir übrigens nur unvollkommen kennen und erkannt haben,„Intuition*. Und wir sprechen von ihr als von einem Wissen, einer Erleuchtung oder Erkenntnis, die, von innen kommend, außerhalb der Sinnes wett liegende Dinge wahrnimmt. Aber solche» Wissen, solch« Erleuchtung oder Erkenntnis kommt in Wahrheit von außen. Die weibliche Seele schweift hinaus, fühlt hinaus. Sie durchquert Distanzen: stoffliche Dichtigkeit ist ihr kein Hindernis, sie nimmt ein Ereignis durch Mittel und Kräfte wahr, die wir nicht erklären können. Sie fühlt die Taten, die Beweggründe oder das Wesen eine» Menschen, ahnt ein Gute» oder Schlimmes, das kommen will, und trägt diese Lorahnungen in die Deuttichkeit der Sinneswelt hinein. Diese Kraft der Frau, in unsichtbare oder geistige Reiche des Lebens dringen zu können, ist eine so durchaus wirkliche und wirksame Kraft wie jene, die etwa eine Last vom Boden hebt. Und dies« Kraft ist eben bei der Frau größer als beim Manne, der wohl ähnlich«, aber, dem Grade nach, geringere Kräfte besitzt. Di« Frau sst zu religiöser Hingabe mehr befähigt als der Mann, er fei, was er wolle. Denn die fernfühlende Seele der Frau ahnt unbestimmt die großen Wahrheiten und Wirklichkeiten, die allen Religionen zugrunde liegen, obgleich diese Wahrheiten sehr oft ent- stellt sind. Der Strom der weiblichen Geisteswelt strömt dem Manne immerfort zu, er ist ein zweckdienlichster Teil seine» täglichen Lebens. Dieser Strom, unsichtbar, unhörbar und dem physischen Sinne unfühlbar, ist dem Leben und der Gefundhett des Mannes dennoch fo nötig, wie das Vorhandensein des weiblichen Elementes im Pflanzenreiche nötig ist, um eine gesunde Fruchtbarkett zu gewährleisten. Denn auch im Pflanzenreiche wirkt der Geist wie im Reiche der Menschen. Jede Frau, die in einsamen Stunden die Besserung menschlicher Angelegenheiten, die sie nicht verhindern ttfnn, erfleht, die zum Bei- spiel den Wahnwitz und die Verwüstung des Krieges beklagt und sich sehnend edleren und liebevolleren Zuständen zuwendet, jede Frcm. die wünscht, daß des Mannes stürmische« und halsstarriges Wesen von sanfteren Impulsen bewegt werde, sendet fo jene starke, unsicht- bare, feine Kraft au», deren Ergebnisse im stillen reifen. Und dieser Strom, den die Frau au» dem höchsten Reiche des Geistes empfängt, vereinigt sich mit dem gleichgearteten Strome anderer Frauen, und so wächst und wächst er an Fülle und Kraft. Das ist das unbewußte, „unaufhörliche Gebet*. Es sst das geistige Element, da» die West verfeinert. Es ist, wenngleich unsichtbar und unhörbar, ein« wahr- haftige, durchaus wirklich« Kraft, die aber außerhalb der Ursachen und Wirkungen der Sinneswett wirkt. E» ist die Gottheit selbst, die durch das feine Instrument der Frau da» Gute wirkt, und zwar zuerst durch sie, wie sie es immer zuerst durch sie gewirkt hat und wirken wird. Würde die Sympathie und alle» das, was wir das Weibliche nennen, von den Männern einer großen Stadt versuchsweise ab- gezogen und zum Beispiel einzig dem Geschäfte zugewendet werden, und zwar solcherart, daß die Frauen für die Männer so gut wie nicht vorhanden wären, dann gäbe es in jener Stadt schon nach wenigen Jahren ein sehr herabgekommenes Geschlecht von Herren der Schöpfung*. Denn es würde diesen Männern im gegebenen Falle eine geistige Kraft fehlen, die sie aufbaut und stärtt. Diese Kraft braucht der Mann in reiferen Iahren so nötig, wie er einst, als er noch ein Kind war, der Erhaltung und Pflege bedurste. Die Er- Haltung und Pflege des Kindes war ein physisches Zeiche» der mütterlichen Liebe, und je größer diese Liebe war, um so kraftvoller ward das Kind. Denn Liebe, echte Liebe, Liebe in ihrem höchste» Sinn bedeutet Leben und Kraft, die wett mehr dauernde Gefundhett und Stärk« zu geben haben als Brot und Fleisch. Seit uralten Zeiten wähnt der Mann, er sei, als der Mensch mit den stärkeren Muskeln, für viele Tättgketten wett besser geeignet als das Weib. Aber der gute Mann wußte nicht, daß ihm ohne die Nähe des weiblichen Elementes seine Muskelkraft gefehlt hätte, und daß, je inniger sich die Sympathien und gemeinsamen Interessen zwischen ihm und seinem Weibe vereinigen würden, seine Geistes- und Muskelkraft nur desto mehr gewänne! Es blieb dem„Herrn der Schöpfung* unbekannt, daß es immer auch des Weibes Kraft war, die das Werk vollbrachte! Ohne die Nähe der weibstchen Geistigkeit oerbrauchen sich Männer weit schneller, wie sich bei den Goldgräbern in den entlegenen Minendistritten des Westens zeigte. Der Austausch und die Vereinigung der männlichen und weib- lichen Geiftigkeiten ist für die körperliche Kraft und geistige Gesund- heit beider eine absolute Notwendigkett. Würde dieses Gesetz besser verstanden und p/akttsch ausgewirkt: Mann und Frau würden sich in der Ehe weit höhere und gesündere Verhältnisse schaffen. Denn solches Geben und Empfangen, solcher Austausch der weiblichen und männlichen Geiftigkeiten bringt Frucht hervor, ist« in keiner anderen Weise erreicht werden kann. Unter Frucht versteh« ich hier: starke, elastische und geschmeidig« Muskeln: erhöhte Fähigkett, aller Dinge froh werden zu können; steten Aufbau der Geister, statt Verfall. den Geist aufbaut, baut den Körper auf. (»«bertrawmg ven Max y a y« k.) Instinkt oder Xteberlegnng? Von Professor Hans Friedenthal. Der Laie legt sich häufig die Frage vor, ob wohl nochgewiesen sst, daß die Tiere denken können. Wenn wir diese Frage beantworten, wollen, müssen wir auf unser eigenes Innere schauen und uns fragen, ob wir denken können, wenn wir nicht Sprechen gelernt haben. Die Wissenschaft nimmt im allgemeinen an, daß ein Mensch, der nicht Sprechen gelernt hat, nicht denken kann, weil es für einen Menschen unmöglich ist, Gedanken zu fassen, welche nickst mit Worten wiedergegeben werden können, ohne daß eine Erregung der Sprach- zentren im Gehirn statssindet. Wenn wir also denken, so sprechen wir gewissermaße« unhörbar vor uns hin, und find wir nervös und erregbar, dann sprechen wir sogar die Wort«, welche unsere Gedanken bilden, aus, ohne zu wollen, d. h. wir sprechen halbbewußt vor uns hin, und werden äfft durch unser Ohr darauf aufmerksam, daß wir zwecklos und ohne es zu wollen die Worte gebildet haben. Wir beobachten nun bei Tieren Handlungen, welche bei M«nsche„ Gedanken entsprechen würden, die wir in Worte fassen können. Wir können also sagen, daß die Tiere, welch« keine arttkulierte Sprache besitzen, zwar nicht das Sprachdenken des Menschen besitzen können, wohl aber eine andere Form der Gehirntättgkeit, die ihnen einen Ersatz dafür gibt. Meine Schäferhündin„Wando von Aramond* bekam das erste- mal Junge im Winter 1910 in Nikolassee in einer Hundehütte. Wie dies bei Schäferhunden üblich ist, legte fie sich nach der Geburt der Jungen vor den Eingang der Hütte und als ich sie rief, mit mir auszugehen, winselle sie und folgte dem Befehl nicht, um bei den Jungen zu bleiben und sie zu bewachen. Als ich meinen Befehl wiederholte, heulte sie sogar, stand aber doch nicht auf und blieb bei ihren Jungen. Als fie im Frühjahr des folgenden Jahres wieder Junge erwartete,.da grub sie zwischen den Wurzeln eines großen Baumes, der am Rande eines Misthausens stand, eine Grub«— ganz nach Art eines wilden Wolfes—, wobei sie geschickt den Ein- gang so wählte, daß wir ihn erst nach der Geburt der Jungen nach längerem Suchen entdeckten. Dieser Gang führte von den Baum- wurzeln aus unter dem Misthaufen in die Tiefe, sodaß die Hündin für ihre Jungen in der rauhen Jahreszeit eine warme und für Mensch und Tier unzugängliche Zufluchtsstätte geschaffen hatte. Am Tage, als sie die Jungen geboren hatte, rief ich sie, sie sollte mit mir ausgehen, und ohne weiteres kam sie mit mir mit, um nach ein- stündigem Spaziergange freudig zu ihren Jungen zurückzueilen. Es sieht also so aus, als ob die Hündin vernünftigerwesse eingesehen hätte, daß ihre Abwesenheit bei der Sicherheit der Höhle kein« Ge- sährdung der Jungen zur Folge hätte, während sie beim ersten Male ihren Wurf Junge in der Hundehütte auch nicht einen Augenblick ohne Schutz lassen wollte, da ja die Hundehütte— in keiner Weis« versteckt— Mensch und Tier zugänglich war. Wunderbar erscheint das Auftreten des vernünftigen Instinktes bei einem derart hoch- gezüchteten Tiere, wie es unser« Schäferhündin war. Meine Hündin gebar jedesmal etwa 10 bis 12 Junge und fie oerstand es, dieselben aufzusäugen, ohne daß ich einen Schaden von dem Säugen einer so zahlreichen Nachkommenschaft bei chr fest- stellen konnte. Solange die Jungen nur ihre Muttermilch bekamen, leckte sie allen Urin und Kot der Jungen in der Höhte auf und schied die Abfallstoffe durch chren eigenen Körper aus, sodaß die Menge dieser Abfälle etwa das Vierfache der normalen Menge erreicht«. In dem Moment aber, wo ich den Jungen Kuhmilch gegeben hatte. hörte sie auf, deren Kot auszulecken, sodaß die Jungen von da an von uns Menschen sauber gehalten werden mußten. Die Au»- scheidungen der Junge» mußten also durch de» Genuß einer fremden Tiermilch einen ihr unangenehmen Geruch angenommen habe» Als die Hündin zwei Jahre später wieder Junge erwartete, war der Misthaufen von seinem Platze enssernt, der Baum gefällt und die einstmals von ihr gegrabene Höhle zugeschüttet worden. Jetzt grub sie, ehe die Jungen zur Welt kamen, einen etwa 30 m langen unterirdischen Gang unter den Misthaufen de» Rachbor», welcher sich in der Mitte von dessen Grundstück befand, und gebar dort wiederum 12 Junge, ohne daß ich Gelegenheit hatte, ihr bi» zum Hervorkommen der Jungen an das Tageslicht einen Teil ihrer Jungen zu nehmen, um sie etwas in ihren Ammenpflichten zu ent- laste» Es war ein drolliger Anblick, als zum ersten Mal«, von ihrer Schnauze gestorzen, die 12 Jungen auf meinem Grundstück auftauchten und sich sofort derarttg anhänglich an meine Fra» und mich erwiesen, als hätten sie uns sofort zu ihren Adoptiveltern ernannt, während sie sich gegen Fremde ganz anders benahmen. Die Hündin hatte also den ihr gar nicht zugänglichen Misthaufen in der Mitte de« Rachbargrundstückes gewittert und die chr vom vorigen Jahre her bekannte Wärme de» Misthaufens hatte fie ver- anlaßt, einen derartig langen Gang anzulege» um ihren Jungen von neuem ein warmes und jedem Feinde»»zugängliches Rest z» bauen. In wie vollkommener Wesse fie die Erziehung ihrer Jungen übernahm, konnten wir merken, als eines Tages, als die Jungen etwas größer geworden waren und schon etwas bellen konnten, ein Bettler das Grundstück betrat. Mit furchtbarem Gebell stürzte sich die Hündin auf den Bettler, und die zwölf Jungen stellten fich m ein« Reihe und klafften den zu Tode erschrockenen Mann ebenfall», so gut sie mit ihren kleinen quiekenden Stimmen konnten, an. Als ich mich zum Fenster hinauslehnte und ihr zurief„Waicha!*, weil ich fürchtete, daß sie dem Mann« etwas antun könnte, hiett sie sofort ein mtt Bellen und wedelte freudig mit dem Schwanz«. Die zwölf Jungen in einer Reihe begannen im selben Moment aufzuhören zu winseln und schwenkten im Takt ihre zwölf Schwänzchen hin und her wie die Mutter, obwohl sie natürlich von meinem Zurufe noch nichts verstehen konnten. Jede Erziehung, die man einem der zwölf Jungen angedeihen ließ, wurde von den elf anderen beobachtet und mtt befolgt. Als ich einmal mtt einem der Jungen spielte und derselbe unvorsichtig nach meiner Hand schnappte und mich biß, schlug ich nach ihm und traf ihn so unglücklich durch meine unwillkürliche Bewegung, daß er sich heulend überschlug. Von diesem Moment ab, den die anderen beobachtet hatten, konnte ich jedem der zwölf Jungen Hand und Finger in den Mund stecken, ohne daß jemals wieder eines der Jungen mich gebssfen oder auch nur scharf zugepackt hätte, wa» vorher öfters der Fall gewesen war. Diese Beobachtungen an meinen Hunden lehren uns, daß auch ohne Sprachdenken nach Art der Menschen bei den höheren Säuge- tieren Handlungen beobachtet werden können, die wir beim Menschen als von bewußt geleiteter Ueberlegung geführt ansehen würden. Das Wort„Instinkt" erklärt uns in keiner Weise die Ueberein- stimmung der Handlungsweisen bei Menschen und höheren Säuge- tieren. Da beim Menschen stets die Gedanken von Wortbildern begleitet werden, können wir das Denken der Tiere, bei welchen diese Wortbilder beim Denken fortfallen, nicht mehr bewußt nachfühlen. Ä-vignou. Bon Dr. Werner Leibbrau d. 1. Man tanzt nicht auf deinen Brücken; man träumt! An den weißen Mauern des Papstpalastes zieht die Rhone dahin; eine alte Brücke bricht jäh vor dem Erreichen des anderen Ufers ab; dort drüben aber liegt eine alle Trümmerstadt, in deren Ruinen fried- llche Mensche» hausen; auf den Steinen der„Charteuse*. jenes allen Klosters aus dem 13. Jahrhundert, läßt man sich nieder und blickt auf wild wuchernde Kakteen in verfallenen Steinwinkeln. Avignon, berühmt beretts zur Römerzeit, bekannt aus den Kämpfen Karl Martell», bedeutend als Zufluchtsstätte eines halben Dutzend stolzer Gegenpäpste, heute noch die stille Haupsstadt der Provence, aus welcher Mistral seine Verse in die Lande trug. 2. Ein« Stunde weiter bringt uns nach Arle», der Heimat van Goghs. Roch ist er nicht lange genug tot, um in der Heimat be- rühmt zu sein. In heißer Glut unter ttefblauem Himmel tritsst du durch winkllge Gassen, vor deren Häusern die schönen Arlesierinnen sitzen, und stehst plötzlich vor dem Riesenbau der Arena, die Kaiser Hadrian de» Römern baute; an Sonntagen strömen Tausende in diesen Steinzirku» und jubeln den Stierkämpfern zu. die in antiker Grausamkeit an einem Nachmittag unter dem Freudengeheul der Menge sechs Sttere zu Tode hetzen. Herrlich der Aufzug der Toreadoreu in ihren goldenen Schuppenkleidern, mtt chren farbigen Manttllen; köstlich der zierliche Seitenschritt des auf strahlendem Schimmel daherreitenden Caballeros: bewundernswert die Geschick- lichkett im Reizen de» Stieres, in der Treffsicherheit der Banderillas, aber schaurig! Da« arme Tier, schwer verwundet und stöhnend, mit de» Füßen de« Sand scharrend; immer wieder von neuem gereizt. vom Degen durchbohrt, bis es zusammensinkt und zuckend verendet. Die erregte Menge jauchzt; der Kadaver aber wird wie ein ttojani- scher Held von zwei Rossen durch die Arena im Sand geschleift: draußen oerkaust man da» Fleisch au da» Volk. Ein grausame», unsittliches Spiel! Aber wir, die wir den Gaskrieg und alle ftriegsverbrechen geduldet haben, dürfen wir, die wir keine Stierkämpfe feiern, deren Richter sei»? ». Längst habe« die Wiese« aufgehört; Pinienbüsch« in sandigem fekfigen Boden, Ollvenbäume, eitle Aloepflanzen, Eukalyptuswälder wechseln ab; die Landstraßen der Heimat Tortarin» find von fein- stem Pulverstaub bedeckt, bis du in der großen Hafenstadt Marseille da» ewig blaue Mittelmeer mit seiner felsigen Kllppentüst« gewahrst. In den Straßen der Luxus der Weltstadt: i» den terrassenförmig aufgebaute» Winkelgassen das grauenhaftest« und ungesundeste Elend; am Hasen finstere Spelunken voll ftemdländischer Gesichter: Algerier in weißen Mänteln, Zuaven, zum Hohn der Menschheit In europäische Kommißuniform gezwängt, morgenländisch« Teppich- Händler. Wieviel Elend läßt hier täglich Morde blutrot ausblühen. i. 3» de« Fischerdörfern der Küste ei« beschauliches, träges Leben. Tin paar Oliven, Arttfchocken, leichter, billiger Rotwein beftiedigt die Bedürfnisse.„Man träumt," sagt ein junger Mann au» dem Volke,„was wollen Sie. Das ist da» Land des Traumes.* Mit spöttischem verachtenden Lächeln hört es der geldraffende Kaufmann aus Lyon, während der Engländer weder die Sprache noch die Seele der Leute begreift.„Le reve.* s. Es sei hier wieder und wieder festgestellt! Wie hösllch und fteundlich find doch die Franzosen: während der deussche Paßbeamte in sachlicher Strenge den Ausweis verlangt, entschuldigt sich der französische Kollege für seine Belästtgung. Ob man eine Marke am Postfchatter kauft oder ob man den Bahnbeamten etwas fragt: überall dieselbe gleichbleibende warme Liebenswürdigkeitl Oh! Ihr deutschen Beamten! Wann werdet ihr lernen, daß das Deutsche Reich kein Kasernenhof ist! Wann wird man Unhöslichkeit des Um- gangs einmal strafrechttich verfolgen! Bei uns ist alles Befehl: „Nicht hinauslehnen." In Frankreich die höflich« Fessstellung am Fensterbrett:„Es ist gefährlich, sich hinauszulehnen.* Bei uns die Abstufung der Anreden, in Frankreich dieselbe Begrüßung, ob ich eine Marktfrau begrüße oder ein« Baronini v. Man haßt den„Dollar* und pfundprotzenden unhöflichen Eng- länder; man llebt jeden friedfertigen Menschen; überall bis in die Bürgerkreise hinein die Einsicht, daß dieses Morden von 1S14 bis 1918 ein Verbrechen war; ich spielte mtt den französischen Kindern im Sand, deren Mütter hofften, daß sie eine bessere Jugend haben würden: überall da, Lerständni» für das allgemeine gleiche soziale Elend Europas.„Ist es auch bei Ihnen so schlimm mit Arbeitsnot. Wohmmgszwang, Seldknapphett?' Wie oft habe ich diese Frnae gehört! 7. Im deutschen Speisewagen erwachte ich aus dem Traum der Provence!„Tolle Bedienung!"„Ich werde mir das Beschwerde- buch geben lassen."„Räumen Sie gefälligst ordentlich ab!* schnurrte einer den verdatterten Kellner an. Glückliches Volk der Provence! Träumende» Avignon! nt.as* it.Jai/tgmg 3» l?0CtPOI?t0 Conntag, 5. Juni 1927 Die Politik öe Z»tm Jahresabschluß für 19Ä6. Im Winter dieses Jahres mußten wir uns wiederholt mit der Reichsbahn und ihrer Thesourierungspolitik beschäftigen. Wir mußten ihr den Vorwurf machen, daß sie ihre Gewinne in Bankguthaben. Wechseln usw. aufspeichere, statt sie aus irgend einem Wege direkt der Wirtschost zuzuführen. Drei Wege gab es dafür? die Herausgabe größerer Aufträge, Lohnerhöhungen für die Belegschaften und schließlich Ermäßigung der Tarife, vor allem der Gütertarife/ Die Reichsbahn hat zunächst die Thesourierungspolitik bestritten. ISO Millionen flüssige Mtlel mehr. Der Jahresabschluß für 1S2S liefert dafür nun deutliche Beweise. Während Kasie. Wechsel und Bankguthaben im Jahre 1925 bei der Jahresbilanz in der Höhe von nur 488,8 Millionen M. zur Verfügung standen, betrugen sie in der Bilanz von 1926 665,7 Millionen M. und zwar ohne die 38,5 Millionen M. festverzins. lich« Wertpapiere, die ebenfalls praktisch zum mindesten als Unter- läge für Lombarddarlehen den liquiden Mitteln zuzuzählen sind, und ohne die 49,6 Millionen M. Uebergangsforderungen, die in der Bilanz von 1925 noch nicht erschienen und damals wohl den Kasienbeständen zugerechnet waren. Ohne dies« beiden Posten hat sich also die Liquidität(Zahlunosbereitschast) um fast 186 Millionen, unter Berücksichtigung dieser Posten um 265 Millionen M. ge- steigert. Es sind der Bahn also insgesamt während eines Jahres flüssige Mittel in einem Umfange zugeflossen, der relativ noch den des vorigen Geschäftsjahres übertraf. Denn in den fünf- zehn Monaten des Geschäftsjahres 1924/25 betrug der Zuwachs bei den flüssigen Mitteln nur 316 Millionen M., also im Monats- durchschnitt etwa 21 Millionen, 1926 dagegen monatlich 22 Millio- nen. Den Vorwurf der Thesaurierungspolitit kann die Reichsbahn demnach kaum mehr zurückweisen. Maßnahme zwischen Krise und Zlufichnmng Dies wird auch noch durch ein anderes Ereignis des Geschäfts- jahrs 1926 deutlich. Das erste Vierteljahr des Geschäftsjahrs brachte andauernd ungünstige Betriebsergebnisse. Das war «üneswegs so ungewöhnlich und beunruhigend, wie man scheinbar bei der Reichsbahn annahm. Denn erfahrungsgemäß bringt das erste Halbjahr immer geringere Erträge aus dem Güter- und Personenverkehr als das zweite Halbjahr. Hinzu kam, daß der englische Bergarbeiter streik von Mai ab die Einnahmen der Reichsbahn g ü n st i g beeinflußt«. Dennoch schloß das erste Halbjahr mit Berlust ab. Die Lage der Reichsbahn war tatsächlich gespannt, und es konnte nicht wunder nehmen, daß man bei der Direktion in Sorge hinsichtlich des endgültigen Ergebnisses war. Wenn ober auch die laufenden Erträgnisse hinter den Erwartungen zurückblieben, so blieb doch die Kassenlage günstig. Es flössen dir Reichsbahn nämlich im Laufe des ersten Halbjahres 133 Millio- nen Mark aus der Reichstass« zu, als Entgell für ü bergebene Vorzugsaktien. So kam es, daß Ende Mai 1926 die Zahlunys- bereitschaft der Reichsbahn günstiger war als Ende Dezember 1925. Dennoch begab man im Juni Vorzugsaktien mit einem nicht un- beträchtlichen Kursverlust. Die Emission war keineswegs dringlich. Sie war darüber hinaus für die Reichsbahn verlustreich und nur für die Banken gewinnbringend: denn diese erhielten natürlich«ine Entschädigung für die Vermittelung der Reichsbahnaktien an das Bub Ii tum. Das zeichnende Publikum hat aber innerhalb eines Jghres für feine Kapitalanlage einen doppelten Gewinn gemacht. Denn die Aktien sind bereits um 7 Proz. gegenüber dem Ausgabe- kurs gestiegen und hoben außerdem 7 Proz. Dividende gebracht. Dies Geschäft der Reichsbahn war überflüssig. Es hat ausschließlich die Wirkung gehabt, die Bankguthaben und sonstigen flüssigen Mittel der Reichsbahn zu vermehren und den Kapitalmarkt un- nötigerweise zu verknappen. Die Anhäufung flüssiger Mittel hat bier auch zu Verlusten für die Reichsbahn geführt. Auch für das Reich können aus der Transaktion Verluste entstehen. Erfolgt ein- mal eine Dividendenausschüttung an das Reich für die 13 Millionen Rcichsstammaktien, so muß die Reichsbahn den Privatbesitzern von Vorzugsaktien für jedes Prozent Stammaktien-Dividende, das an das Reich gezahlt wird, 3V4 Proz. Mehrdividende zahlen. Troh der Krise ein günstiges Jahr. Trotz der ungünstigen Wirtschaftslage wurde das Jahr 1926 ein günstiges Jahr für die Reichsbahn. Der tatsächlich« Betriebs- Überschuß hat in diesem Jahr die Höhe von fast 966 Millio- nen Mark erreicht. Außerdem konnten aus laufenden Ein- nahmen 141 Millionen in werbenden Anlagen investiert werden. während die für Jnvestitionszwecke der Reichsbahn zur Verfügung gestellten rund 360 Millionen M. nur mit zwei Dritteln in Anspruch genommen wurden. Der gesamte Anlagezuwochs betrug rund 407 Millionen M. Der übcrvorsichtigen Finanzpolitik entspricht eine auffällige starke Reservenbildung. Durch das Reichsbahngesetz ist die Bahn zur Bildung einer gesetzlichen Rücklage von 500 Millionen M. verpflichtet. Sie führt an diese Rücklage also die vor- geschriebenen Minde st betröge ab und bildet neben ihr neue Rücklagen, die sie berens an Umfang übertreffen, obwohl durch die mögliche volle Auffüllung der Rücklage ihr für Frachtensenkuna, Lohnerhöhung und Arbeitsbeschaffung insgesamt ein jährlicher Betrag von 90 Millionen M. zur Verfügung stehen würde. Di« Forderung nach einer Aenderung des Reichs- r Reichsbahn. — Die Frage der Thefaurierung. bahngesetzes scheint durchaus berechtigt, wonach die Bildung anderer Rücklagen vor der Auffüllung der gesetzlichen Rücklage unterbleibt und die bestehenden Rücklagen mit dieser zu vereinigen sind. Verschärfte ReservenbiKrnng. Aber über diese hinausgezögert« Auffüllung der gesetzlichen Rücklage hinaus, wodurch der deutschen Wirtschaft für weitere 3 Jahre überslüssigerweise rund 90 Millionen M. jährlich entzogen werden, hat die Reichsbahn ihr« sonstigen Rückstellungen sehr hoch bemessen. Sie betragen für das abgelaufene Geschäftsjahr 140 Millionen. Statt der Arbeitsbeschaffung, die im vorigen Jahre nötig gewesen wäre, überrascht der Jahresschluß mit einer Rücklage für Arbeitsbeschaffung. Statt einer vielleicht erforderlichen Iahresabschreibung von 40 Millionen M. werden 70 Millionen M. abgeschrieben. Statt eines notwendigen jährlichen Erfordernisses von rund 760 Millionen M. belastet sich die Reichsbahngesellschaft für die nächsten 3 Jahre mit einem Iahreserfordernis von 880 Millionen. Das ist ein« Thesourierungspolitik, die nicht im gesamtwirtschaftlichen Interesse liegt. Die Reichsbahn hat ein« große Hauptaufgab«: das ist der billigstmögliche Preis für die Verkchrsdienste, die sie der Gesamt- Wirtschaft leistet. Dieser Aufgabe wird bei aller Anerkennung der technischen Leistungen der Reichsbahn durch die Thefaurierungs- Politik nicht gedient. Einer Senkung der Tarife steht der um 120 Millionen gestiegene Jahresaufwand für Lohnerhöhungen und Befoldungszulogen(Wohnungsgcld) nicht i m Wege Diese 120 Millionen stehen ihr nach dem Abschluß für 1926 dann voll zur Verfügung, wenn die Reichsbahn ihre bisherige Reservepolitik revidiert und wenn sie ihr« Abschreibungen auf ein angemessenes Maß herabsetzt. Auch die Entwicklung der letzten Monat« recht- fertigt die Forderung. Der Reingewinn der Reichsbahn im ersten Vierteljahr 192 7 übersteigt unter Berücksichtigung dieser von uns vorgeschlagenen Aenderungen 100 Millionen Mark. Di« Ein- nahmeentwickelung in den Monaten April und Mai war weiter sehr günstig. Es wird niemanden geben, der der Reichsbahn eine Finanz- Politik nahelegt, die ihr«ine sorgfältige Führung der Finanzen u n- möglich macht. Aber solange die deutsche Volkswirtschaft ihr gesundes Gleichgewicht noch nicht wiedergefunden hat, sst es in erster Linie Sache auch der großen öfsentlichen Verkehrsunternehmungen, alles Erforderliche dazu beizutragen. Damit verträgt sich die Reservenbildung bei der Reichsbahn nicht, die unnötig die Frachten hochhält. Für die Privat Wirtschaft war der englssch« Streik ein großes Geschenk. Dasselbe gilt für die Reichsbahn. Wenn man mit Recht von der Privatwirtschaft fordert, daß die Sonder- konjunkturgewinne der Gesamt Wirtschaft zugute kommen müssen, so muß die Reichsbahn diese Forderung auch gegen sich gelten lassen. Hoffentlich gelingt es der Reichsbahn, in ihrem nächsten Jahres- abschluß dieser Forderung Rechnung zu tragen. vor einer Hochspannung öer Konjunktur? Zur Methode der Konjunkturforschung. Wie die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft zu beurteilen sst, darum wird in der deutschen Oeffentlich- keit lebhast bestritten. Man durste gespannt sein, wie das deutsche Institut für Konjunkturforschung, das ja zu Untersuchungen und Voraussagen über die Wirtschaftslage berufen ist, zu diesem Streit Stellung nehmen werde. Getreu dem bisher von ihm veröffentlichten Kulturprognosen hat es in seinem letzten Viertel- jahresheft dahin entschieden, daß sich die deutsche Wirtschaft nur mehr in einer der Hochspannung sich nähernden Auf- schwungsphase befinde. Das ist sehr vorsichtig au-- gedrückt, und das Kvnjunkwrinstitut scheint sich trotz der außer- ordentlich schweren Geldklemme und den Kursstürzen auf der Börse noch nicht zu der Diagnose entschließen zu können, daß die Hoch- spannung bereits da sei. Nach dem von dem Institut auf- gestellten Schema müßt« der Hochspannung nämlich die Krise folgen, die man offenbar aber nicht gerne ankündigt. Das Institut sagt, daß die beschleunigte Forssetzung der Aus- wärtsbewegung seit Ende Februar gegenwärtig, das heißt Ende Mai, bereits einen Grad erreicht habe, der schon zu gewissen Reibungs- und Spannungserscheinungen geführt hat. wie sie für eine der Hochspannung sich nähernd« Aufschwungs- phafe kennzeichnend seien. Der Warenmarkt dehne sich aus, der Effektenmarkt habe«inen Rückschlag erlitten, der Geldmarkt sei an- gespannt. Produktion und Umsätze seien in den letzten Monaten zwar ständig gewachsen: dabei habe aber die Erzeugung von Pro- duktivgütern, die von Oktober bis Februar 1927 vorgeherrscht habe, die Führung nunmehr an die Verbrauchsgüter- erzeug un g abgegeben. Die volkswirtschaftlich« Vorratsbildung sckeine überdies einen Charakter anzunehmen, der auf zunehmende Sättigung des Binnenmarktes(damit auf einen Rückgang der in- ländischen Aufträge) hindeute. Auch der Außenhandel zeige, daß die Mehreinfuhr an Rohstoffen und Halbwaren in der letzten Zeit leicht abgenommen habe. Wann die Wirsschaft in die Phase der Hochspannung eintreten werde, lasse sich nicht mit Be- st i m m t h« i t angeben. Es könne zunächst sogar wieder«ine Entsponnung erfolgen. So viel»ber könne gesagt werden, daß die Auffassung nicht zutreffend sei. der Umschwung an der Börse sei schon das Signal für diesen bald zu erwartenden Rück- gang im sonstigen Geschäftsleben. Besonders die letzten Sätze zeigen, wie außerordentlich vor- sichtig das Institut für Konjunkturforschung in der Anwendung seiner eigenen Erkenntnisse und seiner eigenen Konjunkturtheorie sst. Träfen die von ihm gemachten Fessstellungen für den Waren-, Geld, und Eftektenmorkt zu, so wäre wirklich nicht abzusehen, woher jetzt noch eine Entspannung kommen soll. Das Merk- würdige dabei aber ist, daß diese Enstpannung aber tatsächlich möglich ist, gerade weil sie nicht programmäßig wäre, und diese Möglichkeit veranlaßt uns zu einigen Bemerkungen, die schon früher von uns zu den Methoden des Instituts Gesagtes ergänzen sollen. Auch dieses Mal beruft sich das Institut in den näheren Aus- führungen zu ihrer Diagnose mehrfach aus ähnlich gelagerte Kon- junkturabläufe der Vorkriegszeit. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß wir es für höchst verfänglich halten, die heutigen Konjunkturabläufe mit den normalen Konjunkturzyklen der Vorkriegswirtschaft in irgendein« Beziehung zu setzen. Wir haben immer unsere Meinung erkennen lassen, daß, solange Deutsch- land noch in jenem Sanierungsprozeß sich befindet, der die deutsche Volkswirtschaft von der Krankheit zur Gesundung führt, das heißt zur Normalisierung der Volkswirtschaft- lichen Funktionen, daß für diese ganze Zeit keinerlei Mög- lichkeit besteht, ein Konjunkturschema anzuwenden, das nur für die gesunden Vorkriegszeiten Geltung und Sinn hatte. Selbstverständlich erfolgt auch dieser Gesundungsprozeß in Wellenlinien, die in ihren einzelnen Abschnitten konjunkturelles Aussehen haben, denn schließlich müssen auch die Dummheiten, die die Aerzte am Krankenbett der deutschen Volkswirtschaft machen, beim Patienten zu Rückschlägen führen, von denen sich der Patient wieder erholt, bis er endgültig gesund ist. Das Wesentlich« der heutigen deutschen Konjunkturforschung scheint uns nun tatsächlich darin zu bestehen, daß man alle Rückschläge und alle Erholung?- «rscheinungen dieses Patienten in das Proknistesbett des vorgefaßten Konjuntturfchemas einzwängt, nur damit die vorgefaßte Theorie stimme. Das führt natürlich auf der einen Seite dazu, daß man eine Reihe der allerwichtigsten volkswirstchaftlichen Erscheinungen bei der Diagnose für die Wirtschastsentwicklung übersehen muß, und daß auf der anderen Seite die Oeffentlichkeit falsch beraten wird, da die Diagnose für den Gesamtzustand des Patienten falsch wird. Daß jahrelang die Aktienrendite unter dem Diskont- s a tz liegen kann, daß Auslandsanleihen nicht zur Schaffung neuer Anlagen, sondern zur Ausfüllung von geldlichen Substanzverlusten in der Vergangenheit, also zur Sanierung dienen, daß man jahrelang eine inaktive Diskontpolitik hat und"eine Bankwirtfchift, die sich dem ollgemeinen Sanierungsprozeß ebenso lang« souverän entziehen kann, daß die Angebots- und Nachfragegesetze für Kapital, Arbeit und Güter in ihrer Wirksamkeit jahrelang weit- gehend ausgeschaltet sind, daß in der ganzen privaten Be- triebs- und staatlichen Wirtschaftspolitik jahrelang Planmäßig- keit notwendig ist, wobei die Rationalisierung, die Zusammen- schlüsse, die Subventionen, die Steuer- und Zollpolitik heute vielfach ganz anderen Charakter tragen als in normalen Konjunktur- zeiten, daß geradezu ein Generalplan notwendig wäre, um in der freien kapitalistischen Wirtschaft Deutschlands wieder Ord- nung zu schaffen,— alles das sind unbestreitbare Tatsachen, jeden Tag durch die Wirklichkeit belegt und doch von der bisherigen Arbeit des Konjunkturforfchungsinstitutes vollständig vernnch- l ä s s i g t. Ein N eines Zugeständnis sst erfolgt. Man unterscheidet Strutturänderungen vom Konjunkturwandel. Aber diese Struktur- Sicherungen meinen noch nicht einmal den Normalisie» r u n g s p r o z e h, der in den oben festgestellten Tastachen seinen Ausdruck findet, sondern verbergen ihn nur Das find die Gründe, die das Konjunkhirforschungsinstitut zu einer Vorsicht führen muß, die im Interesse der Gesamtwirtschast bedauerlich ist. Wir glauben, daß es durchaus an der Zeit wäre, daß das Institut seine Methoden daraufhin prüft, ob es nicht den Sanierungsprozeß der deustchen Wirtschast in den Vordergrund seiner Betrachtungen stellen muß. Dann könnte es mit der niemanden in der Welt nützenden Vorsicht zu Ende sein, und das gewaltige mit so unendlichem Fleiß zusammengetragene und verarbeitete Material der Veröffentlichungen des Instituts würde einen Nutzen bringen, von dem man sich heute wohl kaum noch eine Vorstellung machen kann. vie Arbeitslosigkeit in Serlin. Rückgang nur 1500 Personen. Roch 206 000 Arbeitslose. Die Woche zum 4. Juni hat dem Berliner Arbeits- markt eine erheblich geringere Entlastung gebracht als die vorhergehenden Wochen. Nur 1800 Arbeitskräfte wurden zur Beschäftigung zurückgeführt. Dabei sst aussällig, daß der Bau- markt schwächer geworden sst, was sehr leicht mit der Verschlechterung der Kapitalmarktverhältnisse zusammenhängen kgpn. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich schon jetzt die Folgeerscheinungen der allgemeinen GeldNemme bemerkbar machen, die bei der Reichsbank zu dem von uns geschilderten Andrang der Kredistucher geführt hat. Das Landesarbeitsamt Berlin schreibt zur Lage: Die Entwicklung des Arbeitsmarktes geigt in der Berichtswoche nur eme geringe Steigerung. Während die Arbeitslosigkeit in der Vorwoche noch einen Rückgang von 4900 Personen aufweist, verzeichnet die abgelaufene Woche nur einen solchen von 1800 Per- fonen, so daß der Stand der Arbeitslosigkeit zurzeit immer noch 205 654 beträgt. Der Kräfte bedarf erstreckte sich zum großen Teil auf Facharbeiter bestimmter Branchen, an denen wie bereits berichtet teilweise ein Mangel hervortritt. Jedoch belastet nach wie vor ein großer Teil der übrigen Facharbeiter und ungelernte Kräfte den Arbeitsmarkt weit über das normale Maß hinaus. Erschwerend kommt hinzu, daß sich die allmähliche Einstellung von Notstandsarbeiten in den Beschäftigungsverhältnissen bereits auszuwirten beginnt. Auffallend ist, daß der Beschäftigungsgrad im Baugewerbe in einzelnen Berufsgruppen etwas zurüdgegangen und in anderen der bisherige Aufstieg zum Stillstand gelangt ist. Ob diese Tendenz des Arbeitsmarttes auch für die nächsten Wochen anhalten wird, bleibt abzuwarten. Es waren 205 654 Personen bei den Arbeitsnachweisen einge= tragen gegen 207 470 der Vorwoche. Darunter befanden sich 134 519( 135 242) männliche und 71 135( 72 228) weibliche Personen. Erwerbslosenunterstützung bezogen 65 277( 67 845) männliche und 30 518( 31 207) weibliche, insgesamt 95 795( 99 052) Personen. Außerdem wurden noch 31 294( 31 552) Personen durch die Erwerbslosenhilfe der Stadtgemeinde Berlin und 33 363 ( 33 903) Personen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 5501( 5770) Personen beschäftigt. Der Großhandelsinder. Die auf den Stichtag des 1. Juni berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts beträgt 137,6 und ist gegen die Vorwoche unverändert geblieben. Gegenüber der Borwoche hat im einzelnen die Indexziffer der Agrar stoffe um 0,6 Proz. nachgegeben, dagegen sind diejenigen für Kolonial. waren um 1,0 Broz, für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 0,4 Broz und für industrielle Fertigwaren um 0,5 Proz. gestiegen. Der Kaliabsatz im Mai. Die ersten vier Monate des laufenden Jahres haben bekanntlich dem Kalifyndifat gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres einen Mehrabjag von 1,12 Millionen Doppelzentner Reintali gebracht. Auch im Monat Mai hat sich gegen über dem Vorjahre der Raliabfaz gesteigert, wenn auch in erheblich geringerem Maße. Wie das Deutsche Kalisynditat mit teilt, wurden im Mai 430 713 Doppelzentner Reinfalí abgesezt gegen 418 080 Doppelzentner im Mai vorigen Jahres. In den ersten fünf Ralendermonaten 1927 beträgt der Abjah 6 320 439 Doppelzentner gegen 5 185 859 Doppelzentner in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Deulig- Film- 2.- G. wird mit der Ufa verkoppelt. Seit Herr Hugenberg die neue Ufa übernommen hat, hat man von seiner Tätigkeit für den Ufafonzern recht wenig gehört. Jetzt wird seine erste Attion gemeldet. Zwischen der von ihm schon früher beherrschten Deulig- Film- A.- G. und der Universalfilm- A.- G. schweben Verhandlungen, deren Ziel die herbeiführung einer Interessengemeinschaft ist. Gemeinsame Interessen, wie 3. B. auf dem Gebiet der Wochenschau, im Filmverleih und auf dem Gebiete des Kultur- und Lehrfilms sollen der Anlaß zu dieser engeren Berbindung sein. Praktisch soll sich die Interessengemeinschaft darin auswirken, daß die Herstellung der Wochenschau gemeinsam vorgenommen wird, daß die Verleibetriebe und Kopieranstalten zu sammengelegt und daß auch die Heimlicht G. m. b. H., die Rino apparate vertreibt, und die Ufa- Handelsgesellschaft, die Lichtspieltheater einrichtet, zufammengefaßt werden. Das mag erreichbar jein. Es tönnte auch, trog Hugenberg, dabei etwas Bernünftiges heraus tommen. Man wird aber auch annehmen dürfen, daß Herr Hugenberg seine Deulig- Film- A.- G. durch den Zusammenschluß gesund machen möchte. Im Jahre 1925 hatte die Deulig- Film- A.- G. nämlich einen Berlust von über 500 000 m., der zu einer Kapitalherablegung auf ein Drittel zwang. Ob nun die Ufa oder die DeuligFilm- 2.- G. bei der Zusammenfoppelung gesund werden, das muß die Zukunft zeigen. 3wei lahme Pferde zusammen spannen macht im allgemeinen das Fahren auch noch nicht besser. Wie gut es dem Nordwollkonzern geht. Der Konzern der norddeutschen Wolltämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen hat befanntlich vor kurzem einen echten Scharfmacherkampf geführt. Jetzt wird für das Jahr 1926 ein Jahresabschluß bekannt, der außer ordentlich große Gewinne erfennen läßt. Der Roh= ertrag ist von 5,9 auf 8,2 millionen gestiegen. Die Abschreibungen fonnten von 1,76 auf 2,09 Millionen erhöht werden, und die Gesellschaft weist einen Reingewinn auf, der gegenüber dem Borjahr von 2,43 auf 3,96 Millionen Mart gestiegen ist, also um über 60 Proz. Sie verteilt eine Dividende, die von 6 auf 10 Pro 3. erhöht wird. In der Bilanz, besonders in den Anlagen und den Wertpapieren, steden erhebliche Reserven, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß im Verhältnis der Verpflichtungen zu den Forderungen eine günstige Veränderung eingetreten ist, da in den ausgewiesenen Schulden offenbar auch Reserven stecken. Der Kassen- und Wechselbestand ist bei einer Steigerung von 0,47 auf 0,81 millionen ein Zeichen für die große Flüssigkeit der Gesellschaft. Die Produktion hat diejenige des Jahres 1925 allgemein um 10 Proz. und vielfach um reichlich 20 Broz übertroffen. Auch vom neuen Jahre wird gesagt, daß sich das Geschäft im allgemeinen befriedigend weiter entwidelt hat, und für die sehr großen Aufträge zeugt die Bemerkung, daß die Gesellschaft ihre volle Produktion bis zum Ende dieses Jahres vertauft hat. Angesichts dieses außergewöhnlich günstigen Abschlusses ist ein weiterer Kommentar zu dem Berhalten des Nordwollfonzerns wirklich überflüssig. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep, rechts, zu richten. Große allgemeine Funktionärinnenkonferenz Freitag, 10. Juni, 19 Uhr. Bericht über Kiel. Referentinnen: Genosfinnen Mathilde Wurm, Minna Todenhagen.( Lokal wird noch bekanntgegeben.) 4. Rreis Prenzlauer Berg. Boranzeige! Montag, 13. Juni, 19% Uhr pünktTages lich, Kreismitgliederversammlung im Lebigenheim Pappelallee 15. ordnung: Bericht vom Parteitag. Berichterstatter Georg Maderholz. 5. Kreis Friedrichshain. Mittwoch, 8. Juni, 19½ Uhr, in den Comeniusfälen, Memeler Str. 67, Kreismitglieberersammlung. Tages ordnung: Bericht vom Parteitag in Riel. Berichterstatter Georg Buchmann. Freie Aussprache. Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Gämt. liche Mitglieder des Kreises müssen erscheinen. 11. Areis Schöneberg- Friebenan. Die Gigung der Beitungskommission am Diens tag, 7. Juni, fällt aus. Diefelbe findet bafür am 14. Juni statt. 13. Kreis Tempelhof. Die angekündigte gemeinsame Führung durch die Wochenendausstellung fällt aus. Für Einzelbesuch sind Eintrittstarten zum ermäßigten Preise von 1 M. in den Ortsbureaus der Gewerkschaften au haben. Das Gommerfest der Partei findet am 24. Juli im Birkenwäldchen Tempelhof statt. 16. Rreis Röpenid. Bilbungsausschuß: Nächste Gigung am Dienstag, 7. Juni, 19% Uhr, bei Eisner, Raiser- Wilhelm- Str. 3. Dienstag, 7. Juni: 8. Abt. 20 Uhr bei Ridert, Steinmegstr. 36a, wichtige Funktionärsizung. 24. Abt. Sigung der Gruppenführer bei Winzer, Bins, Ede Christburger Straße, 19% Uhr. 80. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei Gürlich, Begasstr. 1, Funktionärsizung. Er. scheinen sämtlicher Funktionäre ist Pflicht. Mitgliederversammlungen und Zahlabende am Mittwoch, dem 8. Juni, 19% Uhr: Alle Bersammlungen find wichtig und müssen von den Ge. noffinnen und Genoffen besucht werden. Sympathisierende und Borwärts"-Cefer find freundlichst eingeladen. 1. Abt. Schulaula Auguftstr. 68. Vortrag des Genossen Friedrich Bernau. 2. Abt. Der Bahlabend bei Ohngemach fällt aus. Dafür Beteiligung an der Areisversammlung am Dienstag, 14. Juni. Bericht vom Parteitag in Riel. Raffietung bortselbst. Lotal wird noch bekanntgegeben. 3. Abt. Gaal 3 des Gewertschaftshauses, Engelufer 24-25. Bortrag:„ Be Dölkerungspolitik." Referent Dr. Alfred Rorach. 4. Abt. Schwarz, Blankenfeldeftr. 9. Bortrag: Die Sozialdemokratie und bie bürgerlichen Parteien." 5. Abt. Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11-12. Bortrag: Die Ereignisse im Osten." Referent Wilhelm Richter. 6. Abt. Büttner, Schwedter Str. 23. Vortrag:„ Jungsozialisten und Partei." Wahl der Delegierten zur Kreisvertreterversammlung. Arbeiterdich Bortrag: 8. Abt. Bahlabende: Fren, Magdeburger Blag. tungen. Referent Heinz Löwn. Meyer, Lützowstr. 7. Bortrag:„ Bürgerblod und Republit." Referent Landgerichtsrat Hirschberg. Seiler, SteinRidert, Steinmeg megstr. 29. Bortrag des Genossen Dr. Altmann. ftraße 36a. Bortrag des Genossen Erich Fraentel. 11. Abt. Die Abteilungsversammlung fällt aus und findet dafür am Mitt woch, 22. Juni, statt. 12. Abt. Bahlabende bei Schmidt, Wiclefftr. 17, und Dehlschläger, Ber. lichingenftr. 5. 13. Abt. Artushof, Berleberger Str. 29. Bortrag des Genossen August Nie mann. Die Funktionärsizung fällt aus. 14. Abt. Der Bahlabend fält aus und findet am 15. Juni statt. Weitere Nachrichten über gofal und Thema folgen. 15. Abt. Schmiedl, Binetaplah 7. Borttag: Die Aufgabe des Rieler Partei tages. Referent Ernst Ruben. 17. Abt. Die Funktionärtonferenz und Zahlabende finden erst am 15. Juni ftatt. 18. Abt. Funktionärsigung und 8ahlabend fallen in diesem Monat aus. 19. Abt. 19 Uhr in der Grauen Schule, Gotenburger Str. 2, gemeinsamer Zahlabend. Bortrag: Rommunalpolitit." Referent Bürgermeister Ostromsti. Alle Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. Freunde und Sympathifierende find eingeladen. 24. Abt. Bahlabende. 1. Gruppe: Rösner, Immanueltirchstr. 25. Bortrag: la- Gruppe: Referent Otto Moft. Die Bautätigkeit in Groß- Berlin." Schmidt, Marienburger Str. 49. 2. Gruppe: Ullmer, Wins, Ede Christ burger Straße. Bortrag: Berufsberatung." Referent Bruno Theet. 3. Gruppe: Röhler, Greifswalder Str. 80b, Schweizerhäuschen. Vortrag: Steigende Industriegewinne auf der ganzen Linie." Ref. Dr. Gutmann. 25. Abt. In den Monaten Juni, Juli, August werden teine Bahlabende abgehalten. Dagegen finden nach wie vor die Mitgliederversammlungen am 4. Mittwoch im Monat prompt statt. 27. Abt. 18 Uhr wichtige Funktionärsigung bei Bogdanowik, Sonnenburger Straße 1. Anschließend, 19% Uhr, Sahlabende: 8euge, Milaftr. 1; Mehlberg, Gaubyftr. 6; Bogdanowiß, Sonnenburger Str. 1; Wooßmann, GleimStraße 10; Lude, Ropenhagener Str. 42. 28. Abt. Bahlabende. Bezirke 64, 65: Blümte, Belforter Str. 18. Bezirke 66 bis 70: Bartel, Wörther Str. 19. Vortrag: Das Arbeitszeitnotgefeg." Referent Stadtverordneter Hermann Lempert. Bezirk 71: Wegener, Wörther Straße 36. Bezirke 76 bis 78: Richter, Hagenauer Str. 5. Bezirke 83 bis 87: Ruhl, Choriner Str. 49. Bezirke 88, 89: 8undel, Rastanienallee 29-30. Bortrag:„ Das Arbeitszeitnotgefeß." Referent Paul Jubrian. Bezirke 90 bis 92: Mener, Oberberger Str. 39. 30. Abt. Sahlabende fallen in diesem Monat aus. Die Mitglieber beteiligen fich an der am Montag, 13. Juni, ftattfindenden Kreismitgliederverfammlung. 31. bt. Bahlabend: Meißner, Schivelbeiner Str. 34; Goldschmidt, Stolpische Straße 36; Haberer, Bornholmer Str. 9. 39. Abt. Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3. Vortrag: Unsere Arbeit in ber Wohlfahrtspflege." Referent Stadtrat Eugen Rosemann. 40. Abt. Lotal Kreuzberged, Kreuzberg, Ede Mödernstraße. Vortrag des Genossen Willige. 41. Abt. Die Rahlabende finden erst am Mittwoch, 15. Juni, statt. Die Abteilungsversammlung erst am 29. Juni. 42. Abt. Bader, Jüterboger Str. 7. Bericht vom Parteitag in Riel. Bericht. erstatter Rarl Litke. 43. Abt. Bahlabende in ben bekannten Lokalen. 44. Abt. Schulaula Reichenberger Str. 44-45. Vortrag: Tagesfragen ber Berliner Kommunalpolitit. Referent Stadtverordneter Richard Krille. 46. Abt. Burdhardt, Görliger Str. 52. Vortrag des Genossen Redakteur Wolfgang Schwarz. Diskussion. Parteiangelegenheiten. 47. Abt. Vorstandssigung um 20 Uhr bei Friedrich, Mariannenplag 22, Quergebäude 2 Tr. Die Zahlabende fallen in diesem Monat aus, dafür befuchen alle Genossen und Genossinnen die Kreismitgliederversammlung am 13. Juni. In der letzten Mitgliederversammlung ist ein Portemonnaie gefunden worden, welches abzuholen ist bei Friedrich, Mariannenplay 22, Quergebäude 2 Tr. 48. Abt. Die Versammlung fällt aus und findet am 29. Juni statt. fizung. Wegen der Werbewoche muß unbedingt jeder Funktionär erfcheinen. 56. bt. Die Abteilungsversammlung fällt aus und findet am Mittwoch, 15. Juni, bei Liersch, Rantstr. 62, statt. 58. Abt. Rante. haus, Ranteftr. 4, vorn 4 Tr. Vortrag: Reichswehr, Schußpolizei und Sozialdemokratie. Referent Polizeioberst a. D. Dr. Hermann Schüßinger. Wichtige Mitteilungen. Frankreich erschwert die Kohleneinfuhr. Bor furzem hat die französische Regierung beschlossen, die freie Kohleneinfuhr nach Frantreich ab 5. Juni erheblich zu erschweren und eine besondere Charlotenburg. 51. Abt. 20 Uhr bei Cafper, Guerideſtr. 1, wichtige Funktionär Einfuhrgenehmigung dafür vorzuschreiben. Nach den Verhandlungen der Weltwirtschaftstonferenz, die sich mit besonderer Schärfe gegen alle Einfuhrverbote mwendete, mußte diese Maßnahme sehr überraschen. Jegt wird aus London gemeldet, daß die englische Regierung dagegen Schritte unternehmen will. Wenn England die gewünschten Erleichterungen erreicht, merden diese zweifellos auch für den deutschen freien Kohlenerport wirksam werden. " Eine neue gemeinnüßige Siedlungsgesellschaft. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist die Grenzmartsiedlung gemeinnügige Siedlungsgesellschaft Grenzmarf Posen West= preußen m. b. 5." mit dem Siz in Obramalde( Mejerig) als gemeinnüßige Siedlungsgesellschaft entsprechend den Vorschriften des Reichsfiedlungsgesetzes vom August 1919 anerkannt worden. Englische Genoffen studieren die deutsche Industrie. Wie uns gemeldet wird, wird in Deutschland eine Gruppe von Parlamentsmitgliedern der englischen Arbeiterpartei, darunter die Genossen Sporr, Greenwood und Whiteley, eintreffen. Die englischen Genossen, deren Reise dem Studium der Lage der deutschen Induſtrie gilt, wollen Berlin, Oberschlesien und das Ruhrgebiet besuchen. }= 67. Abt. Grunewald. Bahnhofsrestaurant Grunewald. Bortrag:„ Bau- und Wohnungswirtschaft." Referent Hermann Lüdemann, M. d. 2, 68. Abt. Halensee. Sandmann, Westfälische Str. 42. Bortrag des Genoffen Rechtsanwalt Dr. Siegmund Rallmann. Wilmersdorf. 69. Abt. Andreas, Pfalzburger Str. 55. Vortrag: Einheitsstaat oder Bundesstaaten?" Referent Robert Breuer, 70. Abt. Rroihs, Solsteinische Str. 66. Vortrag des Genossen Dr. Wieprecht. Thema wird am Sahlabend bekanntgegeben. 71. Abt. Jonas, Durlacher, Ede Bruchfaler Straße. Vortrag: Die Bank der Arbeiter, Angestellten und Be amten." Referent Dr. Friz Schönherr. 72. Abt. Schäfer, Auguftaftr. 31. Bortrag: Die Innenpolitit des Bürgerblods." Referent Rechtsanwalt Dr. Theodor Tichauer. 1 Schöneberg. 78. bt. Sahlabend, Schöneberg. 78. bt. Sahlabenb. 4. Bezirk: Rosenthal, Ebersftr. 66. Bor trag: Barum Bartei, Gewerkschaft und Konsumgenoffenfchaft?" Referent Genoffe Buchholz. In den anderen Bezirken fällt der Bahlabend aus und beteiligt sich die Mitgliedschaft am 8ahlabend des 4. Bezirks bzw. am Ausflug der Frauen nach Dahlem. 79. Abt. Zahlabende. 4. bis 6. Be sirt: Groß, Gebanstr. 17. Bortrag: Deutschland, das Land der Kar. telle." Referent Dr. Friedrich Hertned. 7. Bezirk: Podszus, Sachsen. bamm, Ede Reichardtstraße. Bortrag: Der Rampf um bie politische Macht." Referent Robert Fendel. 8. Bezirk: Lotal Achtenhagen, GiebTung Lindenhof, Röblingstraße. Bortrag: Der Kampf um die politische Macht." Referent Eduard Bachert, M. b. 2. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr bei Rlabe, Sandjernstr. 60-61, Matteotti- Abend. Gemeinsame Lieder, Rezitationen und Ansprache: Bictor Schiff. Wir bitten die Genossinnen und Genossen um recht zahlreiche Beteiligung. 82. Abt. Steglig. 7. Bezirk: 8ahlabend in Mundts Festsälen, Richterfelder Straße 17 in Südende. 83. Abt. Lichterfelde- Weft. Lotal Reinh. Schmidt, Hindenburgdamm, Ede Roonstraße. Vortrag: Die Wirtschaftskonferenz in Genf." Referent Otto Bach. 84. Abt. Lankwig. Lehmann, Kaiser- Wilhelm- Str. 29-31. Vortrag: Der Rieler Parteitag." Referent Genosse Kloſe. 85. Abt. Tempelhof. Die Zahlabende fallen aus. 88. Abt. Lichtenrade. Schule Roonstr. 2, Abteilungsversammlung. Wichtige Tagesordnung. Neukölln. 90. Abt. Bahlabend. 16., 89. Abt. Die Bahlabende fallen aus. 22., 23., 25., 36., 43. Bezirk: Schabeiko, Weichselstr. 5, Ede Donaustraße. Kurt Löwenstein, Bortrag: Politische Tagesfragen". Referent Dr. M. d. R. 13. Bezirk: Rüdiger, Lohmühlenstr. 36. 15., 26. Bezirk: Jahn, Fulbastraße 45. 17., 24. Bezirk: Lehmann, Telstraße 8. 34. Bezirk: Leistner, Münchener Str. 52. 35. Bezirk: Jdeal- Kasino, Weichselstr. 8. 91. Abt. 20., 21., 39., 40. u. 50. Bezirk: Röster, Rarlsgartenstr. 4. Bortrag: Sumor im Klaffentampf". Referent Hanns Ramm. 38., 41., 49. Bezitt: Mischte, Münchener Str. 23, Bortrag des Genossen Wilhelm Miethke. 37., 42., 48. Bezirk: Stahlmann, Münchener, Ede Reuterstraße, Reuter. Abend. Vortragender Wilhelm Techen. 92. Abt. Der Bahlabend am Mittwoch, 8. Juni, fällt für alle Bezirke aus. Er findet entweder ant 15. oder 22. Juni statt. Endgültiges hierzu beschließt die außerordentliche Abteilungs- Funktionärsigung, die an Stelle des Bahlabends Mitt. mody, 8. Juni, 8 Uhr, bei Wolff. Raiser- Friedrich- Straße, Ede RoseggerAm Er. straße, stattfindet, bei welcher kein Funktionär fehlen darf. scheinen berhinderte Bezirksführer müssen unbedingt Vertretung stellen. Aeußerst wichtige Tagesordnung. 93. Abt. 8ahlabend. 95. u. 99. Bezirk: in bekannten Lokalen. Vortrag des Genossen Willi Großmann. Thema: Wirtschaftsfragen". 94. Abt. Zahlabende. 64., 65., 66., 67., 77. 11. 78. Bezirk: Günther, Schillerpromenade 11. Bortrag: Der Faschismus in Italien". Referent Hans Bauer. 51., 52., 68., 76. Bezirk: Schröder, Steinmegstraße 52. Vortrag:„ Der Faschismus in Italien". Referent Georg Raible. 96. Abt. Bahlabende. 107., 108. Bezirk: Krüger, Knesebed Straße 47. 109. Bezirk: Teich, Knesebedstr. 135. 110., 111., 112. Bezirk: Beder, Delbrüdstr. 55. 113., 114. Beairt: Gutmann, Mariendorfer Weg 1. 8illmer, Nogatstr. 59, Bortrag: Der Berliner Haushaltsplan". Referent Stadtv. Mar Fechner. 97. Abt. 8ahlabende. 79., 82., 92. Bezirk: Rugti, Leineftr. 1. Bortrag: Unser Agrarprogramm". Referent Genosse Klaußner, M. b. 2. 90, 91., 104. bis 106. Bez.: Krüger, Emfer Str. 86/87, Referent Ede Neißestraße. Vortrag: Der Berliner Haushaltsplan". August Heitmann. 98. Abt. Lotal Gugmann, Mariendorfer Weg, Ede Referent Lorenz Hermannstraße, Bortrag: Politische Tagesfragen". Breunig. 99. Abt. Briz- Budow. Lotal Lindenpart in Briz, Chauffeeftr. 19, Bericht Dom Parteitag in Riel. Berichterstatter Hermann Harnisch, M. d. 2. 101. Abt. Treptow. Bahlabende. 1., 2. Beşirt: Stephan, Graegstr. 1. Refe. rent Bernhard Krüger. 3. bis 5. Bezirk: Dettinger, Riefholaftr. 33/34. Referent Franz Waluga. 103. Abt. Oberschöneweide. Imberg, Wilhelminenhofftr. 34, Bortrag: WirtReferent Heinrich Löffler. schaftspolitische Streifalige". Achtung! Die Funktionäre treffen sich bereits eine Stunde fellher ebenda zu einer wichtigen Besprechung. 104. Abt. Niederschöneweibe. Brüdentlause, Brüdenstr. 15, Bortrag: China". Referent Felig Fechenbach. 106. Abt. Johannisthal. Schreiner, Friedrichstr. 6, Bortrag: Das Arbeitsgerichtsgefeg" Referent Rudolf Karsten. 108. Abt. Copenid. Stadttheater, Friedrichstr. 6, Kleiner Saal, Bericht vom Barteitag". Referent Genosse Toltsdorf. 110. Abt. Grünau. Lokal Berner, Cöpenider Str. 125, Bortrag:„ Die Be. deutung des Rieler Parteitages". Referent Robert Reller. Bichtenberg. 115. Abt. Bahlabende. 3., 4. Gruppe: Geiple, Kronprinzen, Straße 47, Ede Scharnweberstraße. Bortrag der Genossin Dr. Sellinger. 1., 2. Gruppe: Der Zahlabend findet erft am Mittwoch, 15. Juni, statt 116. Abt. Albrecht, Borhagener bei Lohann, Jung., Ede Oberstraße. Straße 62, Vortrag: Die Gozialdemokratische Partei in Wien". Referent 117. Abt. Achtung! Otto Meier, M. 5. 2. Der nächste Bahlabend findet erst am Mittwoch, 15. Jumi, ftatt. 119. Abt. Beichensaal des Engeums, Rathausstraße, Bortrag: Brobleme der inneren Politit". Refe rent Adolf Buschid. 121. Abt. Karlshorst. Lokal Deutsches Saus, Stolzenfelsstraße, Bericht vont Parteitag in Riel. Berichterstatter Johannes Stelling, M. d. R. 124. Abt. Mahlsborf. Die 8ahlabende fallen umständehalber aus und finden am 15. Juni in ben belaunten Lokalen ftatt. 127. Abt. Sohenschönhausen. Die Mitgliederversammlung findet erst Mittwoch, 15. Juni, statt. art 128./130. Abt. Bankow. Zahlabende. 1. Bezirk: Noal, Raiser- Friedrich- Str. 53. Bortrag: Die Wochenendbewegung." 2. Bezirk: Schweizerhütte, Magi. milianstraße, Bortrag: Berufsberatung". Referent Gen. Scharstedt. 2a Be. airt: Lotal Neumann, Berliner, Ede Mühlenstraße, Bortrag: Kultur. aufgaben der Gozialdemokratie". Steferent Gen. Simon Ragenstein. 3. Be. zirk: Dreier, Riffingenstr. 4, Bortrag: Beitgeist und Sozialdemokratie". Referentin Gen. Margarete Echentalowsty. 4./6. Bezirk: Neumann, Mendelftr. 17, Vortrag:„ Die städtischen Betriebe". Referent Gen. Friz Brolat. 5. Bezirk: Floratstr. 73, Vortrag: Erinnerungen eines alten Sozialisten". Referent Gen. Dr. Schütte. 7., 8., 9. Bezirk: Gängerheim, Floraftr. 93, Bortrag:" Probleme der Großstadt. Referent Gen. Otto Fenselau. 132. Abt. Blankenburg. Lokal Rlug, Dorfftr. 2, Mitgliederversammlung. 135. Abt. Rarow. Restaurant aum Bantgrafen, Pantgrafenstr. 3, Vortrag: Die politische Lage". Gäste tönnen eingeführt werden. 137. Abt. Reinidendorf- West. Die Zahlabende fallen für alle Bezirke aus. 138. Abt. Hermsdorf. Lokal Ofrent, Berliner, Ede Bahnhofstraße, Vortrag: feit 1918". Referent Sozialpolitische Umschichtung der Bevölkerung Dr. Alfred Freund. 141. Abt. Rosenthal und Niederschönhausen- Weft. 8ahlabend im Lotal Bur Wartburg". Vortrag: Schulfragen". Referent Stadto. Adolph Hoffmann. 140. Abt. Borsigwalde. Der Bahlabend fällt aus und findet am Mittwoch, 15. Juni, ftatt, Frauenveranstaltungen. 17. Areis Lichtenberg. Am 3. Pfingstfeiertag, Dienstag 7. Juni, findet in Biesdorf, Restaurant Bartsch, Dorf, Ede Bahnhofstraße, ein Raffeetochen statt. Die Genoffinnen werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Wir bitten auch die Angehörigen nicht zu vergeffen. Freunde und Sympathisierende sind herzlichst eingeladen. Treffpunkt im Zuge ab Stralau 14,45 Uhr nach Biesdorf. 38. Abt. Dienstag, 7. Juni( 3. Feiertag), Ausflug nach Gadowa. Treffpunkt 12 Uhr Schlesischer Bahnhof, Mabeistraße. Kaffeekochen frei. Gäste will. tommen. Nachzugler Waldschänke Sadowa. 123a. Abt. Raulsborf- Süb. Genoffinnen treffen fich Dienstag, Alle am 7. Juni, 14 Uhr, Cöpenider, Ede Ulmenstraße, aum gemeinsamen Abmarsch zum Pfingsttreffen nach Biesdorf, Restaurant Bartsch, Dorf, Ede Bahnhofstraße. 78. Abt. Schöneberg. Mittwoch, 8. Juni, 15 Uhr, Ausflug der Genoffinnen nach Dahlem, Raffeekochen bei Weftphal. Treffpunkt zur Abfahrt Ede Mühlen. und Hauptstraße. Genossinnen der anderen Abteilung sind eingeladen. Jungfozialisten. Dienstag, 7. Juni: Gruppe Tiergarten. Nächste Gruppenzusammenkunft 20 Uhr bei Trümper, Flensburger Str. 3. Diskussionsabend. Gruppe Lichtenberg. Der Grupen. abend fällt aus. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Freitag, 10. Juni, 19% Uhr, in der Geschäftsstelle Borstandssitzung. Aus der Partei. Deutscher Anwaltstag in Stuttgart, Die Parteigenossen, welche an der Tagung teilnehinen, werden dringend gebeten, sich am Sonnabend, dem 11. Juni 1927, während der Mittagspause zu einer Besprechung im Schloßgartenhotel einzufinden. Bereinigung Sozialdemokratischer Juristen. J. A.: Ruben, Berlin 9, Röthener Straße 17. Mufifaufträge übergibt man nur dem Nachweis deg Deutschen Musikerverbandes, Berlin, Kom mandantenstr. 63/64. Dönhoff 3277-78. Geschäftszeit 9-5, Gonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch: Bertreterbesuch. TOLLWERCK Schokolade 401 machen unsere I Photo 2-5 Röhr RADIO Appar mit Loutsprech. Apparate! Nähmaschinen Vorfühe Nur 3 wocht MK. Teilzahl GesmbH. Berlin N54 Hackescher Markt 2-3 unverbindl. 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Der Film muß also dauernd von der Hand in den Mund leben und sst immer darauf angewiesen, das vorzuführen, was die Saison gerade gebracht hat. Man stelle sich denselben Zustand beim Theater vor, und man wird begreifen, wie sehr der Film noch im Entwick- lungsstadium steckt, welche Anomalien ihn noch beherrschen. Was als Begründung angeführt wird, daß nämlich die Filme technisch zu bald veralten und daß vor allem Tracht und Mode— außer in historischen Filmen— nach kurzer Zeit nicht mehr wirken, scheint wenig zu bedeuten. Denn erstens sst die Mode zurzeit ziemlich stabil, und dann sind wir durch den Film daran gewöhnt, Moden aller Jahrhundert« zu sehen, sogar neuerdings die scheußliche der achtziger und neunziger Jahre. Es bleibt also eine ganz unrationelle Wirtschaft und ist vom künstlerischen Standpunkt unverantwortlich, wenn bedeutsame Film« nach einer Saison für immer von der Bild- fläche oerschwinden sollten. Noch verfügt der Film über genügend Kräfte und Stoff«, um in jeder Sasson genügend neue Bildspiele schaffen zu können. Wer eines Tages dürfte auch dieser Siegeszug ein Ende finden. Noch sst die Götterdämmerung für das Fllmrepertoire nicht hereingebrochen. Trotzdem beginnt man in diesem Sommer ein Re- pertoire aus erprobten und bewährten Filmen versuchsweise ein- zuführen. Mit gutem Grund«. Denn die neuen Filme, die in den letzten Wochen uns vorgesetzt wurden, waren leider fast alle Nieten. Lubitschs Besuch gab den besonderen Anlaß, seine„Madame D u b a r r y* wieder hervorzuholen: es wurde em voller Erfolg. Im Tauentzie n-Palast hat man diese Woche einen der besten Chaplin-Filme, den„Goldrausch", ins Reperwire genommen, im Gloria-Palast den„Nju" mit der Bergner und Jannings. Beide Filme sind in ihrer Art einzig, und man kann sich nicht vor- stellen, daß sie durch irgendwelche neue Filme auch mit den gleichen Darstellern und Sujets irgendwie erfetzt oder überboten werden könnten, wie es ja bei wirMchen Kunstwerken nicht anders sein kann. Diese wunderbare Mischung von Ernst und Komik, von Märchenwelt und Wirklichkeit, diese Laune, die an Abgründen jon- gliert, das tief« Mitgefühl mit der Not der Menschen und alle die persönlichen Reize, die Chaplin umwittern, machen seinen„Gold- rausch" zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Aehnliches kann man von„Nju" sagen. In keinem anderen Film ist das Thema der un- glücklichen und verlassenen Liebe mit solcher Zartheit und Wehmut angeschlagen worden als in diesem, und nirgendwo hat die Bergner ihre stille, feine Kunst— im wunderbaren Kontrast zu Jannings gutmütiger Massivheit— eindringlicher ausgebreitet als in diesem psychologischen Film. Welch ein Schade wäre es, wenn solche Meisterwerke der Filmkunst nicht mehr erschaut und erlebt werden könnten! D. vie Zilme öer Woche. ,primauerttebe.� (Veba-Palast Atrwrn.) Endlich einmal ein Film, der ernst genommen werden muß, der Anklagen hinausschreit, die nicht ungehört verhallen dürfen. Er behandelt das Problem der unverstandenen Jugend. Eisern« Autorität, die nichts anderes als die blinde Unterwerfung will, be- drängt diese Jugend. Da ist der Reg.-Baumeister Karsten, der sein Mündel Rolf streng erzieht, alle Freude aus seinem Leben bannt und dadurch in dem heranwachsenden Jungen die Dual um den im Kriege gefallenen Voter ins Namenlose steigert. Aber auch der Oberstudienrat Frank liebt d i e Sorte von Autorität, die direkt Lebensmöglichkeiten ersttckt. Er treibt den Primaner Hohlweg in den Tod. dem ein Stipendium den Besuch des Gymnasiums«rmög- lickst. Wie die anderen Schüler hat auch dieser heimlich an einem Kneipabend teilgenommen. Die anderen entkommen, der Lehrer packt nur diesen einen, der die Worte zu hören bekommt:„Du wirst nicht versetzt, so war ich dein Ordinarius bin." Und den Toten sckpnäht der Herr Ordinarius in der Gedächtnisrede. Da verläßt Rolf Karsten, der Freund des Toten, während der Rede die Aula. Er hält seinem Freund« die Totenrede, und die Primaner kommen heimlicherweise nachts zu einer Ehrung ihres Freundes auf dem Friedhof zusammen. Nun kämpft der Oberstudienrat um seine durch Rolf Karsten bedroht« Autorität. Dieser Vengel steht zu seinem toten Freund, dieser Bengel hat es gewagt, als der Oberstudien- rat— der Hauptmann in der Etappe— das Aufsatzthema stellte, „Was lehrt uns der Weltkrieg 1S14 bis 1918?", einen pazifistischen Aufsatz zu schreiben. Durch Schikane bringt der Oberstudienrat es dahin, daß Rolf Karsten von der Schul« gewiesen wird. Beinahe wäre er denselben Weg gegangen wie sein Freund, wenn nicht der Zufall es so gefügt hätte, daß er die Waffe gegen den Opernsänger Aaseria richtet, der frech Rolfs Jugendfreundin Ellen, die Tochter des Oberstudienrats, überfällt. Der Untersuchungsrichter ist ein ver» stehender Mensch, er rettet die Jugendlichen und öffnet auch dem Vormund und dem Oberstudienrat die Augen darüber, daß sie falsche Erziehungsmethoden anwandten. Alfred Schirokauer schrieb im Verein mit zwei Helfern das Manuskript, das nie die gewissen Voraussetzungen der Gefühls- überschwenglichkeiten und der plötzlichen Handlungen außer Acht läßt, die nötig sind, um die ganze Atmosphäre der Heranwachsenden zu schildern. Herbert Nossen verfaßte die Texte, obwohl sie viel« Worte enthalten, sst auch nicht«in Wort zuviel. Grete Moosheim als Ellen und Wolfgang Zilzer als Rolf Karsten boten Glanzleistungen. Martin Herzberg lieh dem unglücklichen Max Hohlweg gequälte Augen und ein schüchternes. Benehmen. Trefflicher« Typen, die wirtlich mit wünschenswerter Deutlichkeit Anschauungen verkörperten, waren Fritz Kortner als Reg.-Bau- meister Karsten, Jaro Fürth als Oberstudienrat Frank, Agnes Straub als güttge, stets mütterlich fühlende Tante, Paul Otto als gerecht denkenwollender Direktor und Hans A l b e r s als der Sänger Blaseria. Robert Land wartet« mit einer durchdachten Arbett auf, in jeder einzelnen Szene waltete Sorgfalt, und dabei ließ er seine Regie stets von den praktischen Erfordernissen des Films ausgehen. Im ganzen Film fand ein ernster Wille sein Ziel. Es waren vor der Uraufführung Mächte am Werk, den Film abzudrosseln. Sie redeten etwas von Verächtlichmachung der Lehrerschaft usw. Sie setzten sich nicht durch, aber wenn sich die Ideen von der Lieb« und dem Versteht, durchsetzen, die dieser Film predigt, dann geraten gewisse Prunkstücke der Reaktion in die Rumpelkammer. e. b. ,ver Mann mit öer peitsche." (CopHoL) Glückliches Amerika, wo auch die Erwachsenen den Geschmack an der jungen Literatur behotten und die Freude am Abenteuer und Heldentum. Glückliches Amerika aber auch, da es einen Fair- banks hat, um diese Helden zu verkörpern. Fairbanks ist in diesem Film sozusagen sein eigener Sohn, denn dieser Don Cesar de Dega ganz in den Bahnen des Vaters. Nur daß sich nicht um einen Freiheitstampf dreht, sondern nur um persönliche Abenteuer. Ein Meister in allen Körperkünsten, zeigt Vega-Fair- banks seine Gewandtheit, seinen Mut und seinen Adel. Als Spe- zialität handhabt er diesmal die lange Peitsche, mit der er die fabel- haftesten Kunststücke vollbringt. Er vermag ein Licht damit auszu- blasen oder auch sich Feuer zum Herd für seine Zigarette damit zu holen, einen Gegner damtt kampfunfähig zu machen, einen wütenden Stier zu fangen oder auch an ihr auf irgendeinen Balkon empor- zuklettern. Mit einem Male wird aus dem Spiel ernst. Bei Hose eingeführt, kommt Don Cesar in den Verdacht des Mordes, aber treue Liebe wacht. Die junge Spanierin, deren Liebe er im Sturm erobert hat, behält den Glauben an ihn, und er weiß sich gegen alle Kabalen und Ränke durchzusetzen, den wahren Schuldigen zu ent- larven und sich in einem gloriosen Endkampf gegen eine Welt von Feinden zu behaupten. Hierbei kommt ihm sein Bater aus Amerika zu Hilfe, und«ir haben das Vergnügen, den Alten und den Jungen nebeneinander(selbstverständlich von demselben Fairbanks gespielt) ihre unvergleichlichen Leistungen im Fechten zeigen zu sehen. Der ganze Film ist eine einzige Bravourarie, ein Hohes Lied auf den durchgebildeten Körper, der alles meistert. Man wird nicht einen Augenblick müde, Fairbanks zu bewundem, wenn einem auch die ganze Handlung märchenhost vorkommt und man sie lieber in die unbestimmte Phantasiewelt Ariosts als in ein Milieu des 19. Jahr- Hunderts verlegen möchte. Donald C r i s p, der Regisseur, stellt den Gegenspieler dar, den bösen, schwarzen Spanier, aber er weiß ihm Figur zu geben. Die umkämpfte Schöne ist dagegen leider eine so langwellige Amerikanerin, daß man sie sich als Kampsobjekt nicht gern vorstellt. D. ,vas helöenmäöchen voa Trentov." (Alozartfaal.) Auch die Amerikaner hoben ihre Jungfrau von Orleans gehabt, wenn wir auch im Geschichtsunterricht nichts davon erfuhren. Wäh- rend des amerikanischen Befreiungskrieges, der die 13 Kolonien vom englischen Mutterlande loslöste, hat sie ihre Heldenrolle gespielt. Wie Schillers Jungfrau unterlag auch sie der Liebe zu einem Engländer. Erfreulicherweise focht dieser Engländer auf amerikanischer Seite, und so steht dem glücklichen Ende nichts im Weg«. Von Liebe und Heldentum schwärmt also der Film, aber daneben gibt er auch allerlei kulturhistorisch interessante Details, wenn er auch die poliiisch-wirt- schaftlichen Verhältnisse und damit die Kriegsursachen ganz kurz ab- macht. Auch der Befreiungskrieg selber wird nur in einer großen Episode herangezogen, dem Uebergang Washingtons über den ver- eisten Delaware am Weihnachtsabend. Dieses auch historisch bedeut« same Ereignis sst in aller Breite und mit größter Sorgfalt inszeniert. Die Kulturbilder aus der Zeit zeigen uns sehr Merkwürdiges: eng- lische Bürger werden wegen bestimmter Verbrechen in die Kolonien deportiert und dort gegen Mcistgebot als Leibeigen« verauktioniert. So kommt unser Held, ein ehemaliger englischer Kapitän, in das Haus eines wohlhabenden Gutsbesitzers. Seine stolze Tochter ver- liebt sich auf den ersten Mick in ihn und hält zu ihm, auch als der Aufstand ausbricht und er auf Seite der Amerikaner Dienste nimmt. Die Familie des Mädchens bleibt nämlich königstrcu, und so er- möglichen sich mannigfache gefährlich« Verwicklungen, sie befreit ihn und soll dafür selber vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Aber der englisch« General, zu dem sie geführt wird, ist in der allerbesten Weihnachtslaune, und so hat sie noch einmal Gelegenheit, der Sache ihres Geliebten zu dienen. Sie bringt Washington den Aufftellungs- plan seiner Gegner eben in jener bitterkalten Weihnachtsnacht, da der englische General keinerlei Angriste erwartet. Die Amerikaner über- rump«ln die Engländer, und der als Spion gefangen genommene Held und Liebhaber wird im letzten Augenblick befreit, da er eben erschossen werden soll. Allerlei Episodisches schlingt sich um die Hand- lung. Vor allem wird Washington gebührend in Szene gesetzt und das vergnügliche Leben der englischen Offiziere ironisiert. Das Ganze ist nicht gerade ein« Meisterleistung des Regisseur» Mason H o p p e r, aber doch in vielem interessant. Don den Darstellern sst Marion D a o i e s als schönes und standhaftes Mädchen und S i e g m a n n als jovialer englischer General zu nennen. Eine der reizenden Kinderkomödien mit Du st er und seinem getreuen Hund« D r o w n i e ging voran. r. »Valencia." (llfa-Palafi«im Zoo.) Die Wett hat Sorgen, beispielsweise die, wie der längst vv; weht« Schlager„Valencia" entstanden ist. Wirklich interessant zu wissen, daß ihn ein Klavierspieler mittleren Formats, von Johannes Riemann mit gedämpftem Weh im Herzen und neckisch ge- kräuselten Haaren gespielt, unter unerhörtem Liebesleid in den Film gesetzt hat. Selbstverständlich sst Valencia eine glutäugige Spanierin, eine wild temperamentvolle Carmen, die in diesem Falle mit Blumen und zerknitterten Männerherzen handelt. Sie wird von dem Komponisten und von einem deusschen Seemann geliebt. Aber der bläuige Blondhaar geht dann zu einer stillen und stammen Micaela, zeugt mit chr Kinder und beackert, kasttlianische Erde. Das tut er, nachdem er furchtbare Liebesirrungen hinter sich gebracht hat. Valencia aber wird eine berühmte Tänzerin und heiratet ihren nun auch berühmt gewordenen Komponisten. Ein Graf, der mit seinen Verführerollüren das Stück anmuttg belebt, hat das Nachsehen. So «ndet« Liebesleid und-wft und ein finsteres Filmmanuskript. Und weil der Verfasser Einfäll« nur stwm Hörensagen kennt, und er die Handlung nun schon einmal nach Spanien verlegt hat, müssen die obligaten Etterkämpfe, das bekannte spanische Strahentreiben und feierlich zelebrierte Prozessionen die Handlung auffüllen Helsen. Ein wilder, andalusischer Stter kann sich nicht genug in Großaufnahmen bewundern lassen, während das Orchester über den unzähligen Wiederholungen d«« Toreroliedes fanst entschlummert. Das Opern- spamen sst eben unsterblich,„Carmen" Hot auf die Phantasielosen verheerend gewirkt. Zu diesen rechnet sich plötzlich auch Jaap Speyer, der sonst auf einer erfreulicheren Ebene logierte, er hat eingesehen, daß das zwecklose Zerdehnen der Handlung wenigstens die Akte füllt, und Speyer füllt die Akte mit allerlei Dagewesenem. Dazu hilft ihm Maria Dalbaicen, die sehr hübsch aussteht, sich dämonisch kostümiert und ihre Menschenstudien scheinbar nur an mittelmäßig begabten Vertreterinnen der Carmen-Partie gemacht hat, und weil das Carmen-Scliema so nahe liegt, erfreut Dorothea Wieck mit einer zarten Micaöla-Neuauflage. Oskar Marion ist echt und gerade, betont aber zu stark das bieder« Herz in der Brust. Außerdem bemühen sich noch ein paar Herren und Damen freibleibend um einen guten Eindruck. F. S. »Ehekonflitte." (prlmus-Palafi.) Also sie war ehemals Tänzerin, und er ist Diplomat, und dann platzt in ein« glückliche Ehe der frühere Tanzpartner hinein. Hoch- spannung, die sich in eine Trennung der Ehegatten auflöst. Aber der Partner renkt alles ein, indem«r einen Geheimvertrag ent- wendet und ihn im letzten Augenblick wieder zurückgibt. In der Zwischenzeit finden sich die getrennten Ehegatten, das Unglück führt sie zueinander. Das sst ungefähr der Inhalt. Aus nicht weiter zu erkennenden Gründen wird der Film als Bluff bezeichnet. Man fragt erschüttert: Warum? Ja, warum Bluff? Vielleicht wollte man das Publikum durch diese abgründige Langeweil« bluffen. vielleicht wollte man untersuchen, was sich em harmloser Zuschauer alles bieten läßt. In dem Film ist keine Spur von Witz, kein Ansatz zur Parodie oder zum Bluff. Das Manuskript von Erich Herzog hält sich im absolut Trivialen auf, und der Regisseur Alfons B e r t h i e r entbreitet liebevoll bis in die kleinsten Details diese Requisiten, die jeder Durchschnittsfilm seit Erfindung der Kine- matographie gebraucht. Berthier weiß weder zu konzentrieren noch zu steigern, noch aus den Schauspielern etwas zu machen. Lotte L o r r i n g, auch Werner P i i t s ch a u bleiben konventionell und Victor C o l a n i hat nicht die spielerische Leichtigkeit und die Eleganz für den großen Manager und ReMeur dieser Bagatellen. Neben den„Ehekonflikten" läuft ein unwahrscheinlich primittver, amerikanischer Rührungsfllm„Menschen der Nacht", der an- genehm die Tränendrüsen massiert und alles in Schwarz und Weiß aufteitt._— t. »Die Königin ües Varietes."' (Emeikc-Pawsl.) Der Regietätigkeit des Dr. Johannes Guter folgte man bisher mit einer gewissen Aufmerksamkeit. In seinen Arbeiten steckt« zu Anfang zieinlich viel ernstes Wollen, aber auch das Spüren nach neuen Wogen. Ein Rieseneerfolg blieb ihm versagt, bis„Der Schnellzug der Liebe" herauskam. Von da ab hielt man allgemein Dr. Johnnes Guter für den Mann, dessen Regie man nette Lustig- keiten anvertrauen konnte. Und er schuf lustige Filme, von denen es keiner wieder zu einem großen Erfolge brachte, von denen jedoch auch keiner den Durchschnitt unterbot. Das blieb„der Königin des Varietes" vorbehalten. Hier ist ein schlechtes Manuskript wirtlich nicht als Komödie ausgenutzt, die zusällig entstandene Verwicklungen zu einem lustigen Ende führt. Es gibt überhaupt kaum Berwicke- lungen, es gibt nur eine mit gar keinem Sinn für Raum und Zeit erzählt« Geschichte von einem Revuestar, der einen kleinen Klavierspieler zu einem großen Kapellmeister macht. Um mit einem eigenen Werk auftreten zu können, stiehlt der Kapellmeister die Arbeit seines Freundes und verhunzt sie, indem er ihr das Rouiantische nimmt und sie in das Tempo der heuitgen Zeit einspannt. Zum Schluß wird der Dieb belohnt, denn er bekommt das Mädel, das er liebt. Harry Halm war krampfhaft bemüht, durch Lächeln und Liebenswürdigkeit dem Dieb sympathische Zuge zu verleihen. Helene Hallier versagte in ernsten Momenten ganz, erst einmal weil die Momente nicht ernst, sondern albern waren, und zweitens weil sie offenbar nie richtig vor der Kamera stand. Ellen Kürty wollte offenbar parodssttsch(ein, aber ihr„natürliches" Spiel setzt sich aus Uebertreibungen zusammen. Der reine Film, von dem die Unentwegten ja immer noch meinen, er sei uns irgendeine künstle- rifche Darbietung schuldig, geht leer aus. Photographierte Revue- szenen sind Abklatsch, aber kein Ringen um filmische Ausdrucks- Möglichkeiten. Die Texte waren sicher die schlechtesten, die man seit langem zu lesen bekam. So heiß wird ja kein Sommer, um eine derartige Verdunstung von Gehirnschmalz zu rechtfertigen. e. b. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Theat. a. Nollendorfpl. Opernhaus Kurfürst 2091 a. Platz d.Republ. 8 U., Ende gegen 11 Uhr 72 Uhr: Die Macht des Schicksals Drei arme Montag 7%, Uhr: kleine Mädels Zigeunerbaron Schauspielhaus 8 Uhr: Florian Geyer Montag 8 Uhr: Ein besserer Herr Operette von Walter Rollo Rose- Theater 5 Uhr: Schiller Theater Frühkonzert 8 Uhr: Musik. 5 U.nchm. Konzert Morgen 8 Uhr: Prinz Friedrich v. Homburg und Bunter Teil 8 Uhr: Vogelhändler. 8 Uhr: Städtische Oper Küchendragoner Charlottenburg 8 Uhr Hanneles SCALA Himmelfahrt Abonn.- Turnus IV Montag 6%, Uhr: Nollendorf 7360 8 Uhr: Die Meistersinger Noni von Nürnberg Deutsches Theater Norden 10334-37 8 U. Ende 102 U. Der Hexer Kammerspiele Norden 10334-37 8 Uhr. Ende 10 U. Papiermühle Lastspiel von Georg Kaiser Die Komödie Bismarck 2414, 7516 81/4, Ende nach 10 Uhr Der Snob Komödie von Carl Sternheim und Horace und 8 weitere VarietéVolksbühne Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 3 Uhr: Traumspiel 8 Uhr: Ein Sommernachtstraum. Morgen 8 Uhr: Ein Sommernachtstraum. 8 Uhr Jan der Wunderbare ERIK CHARELL BRINGT: Tägl. 8 U. Ende 11 U. Wie einst im Mai Hans Brauseweller, Lucie Mannheim a. G., Bendow, Westermeier, Kupfer u. a. Großes Schauspielhaus CASINO- THEATER& Uhr: Nur noch bis inkl. 12. Juni Der Fehltritt einer Frau. Gutschein: Faut. 1 Mk., Sessel 1,50 Mk. CIRCUS BUSCH ! Die Pfingstfreude! 1., 2., 3. Feiertan je 2X3%+8 Uhr Hachm. durchweg halbe Preise Kinderbelustig.:-: Geschenkverteilg Neuheiten! Am grünen Strand der Spree ( Zum ersten Male in Berlin.) Vorstellungen An beiden Feiertagen 330 und 8 Uhr, 330 zu ermäßigt. Preisen d. ganze Programm Komische Oper 8 Berlins einzigste Revue 60 Girls 200 Mitwirkende bildet an allen 3 Pfingstfeiertagen die Sensation des Berliner Theaterlebens. „ Streng verboten" Die Revue der verbotenen Leidenschaften in 20 Bildern. Sommerpreise:: Parkett 3 M. Vorverk. ab 10 Uhr Theaterkasse DIE VORSTELLUNG AT NOCH M BEGONNENT 6 lustige Bilder aus Alt- Berlin Gastspiel: Olly Stüwen, Fritze Beckmann, Fritz Steidl Vorher das große Circus- Programm Alle zu Ben Hur ausgegeben. Reklame- u. Vorzugskarten bleiben bis 15. Juni auch zur Circuspasse gültig. Während d. Pfingstferien allabdi 8 U. Jeder Erwachsene 1 Kind frei Schluß der Saison 15. Juni Berliner Tik- Trio Neukölln. Lahnstr. 74/751 Ab Dienstag, den 7. Juni Wiederaufführung des erfolgreichsten Films Fridericus Rex 1. und 2. Teil 1. Sturm und Drang 2. Vater und Sohn In der Hauptrolle: Otto Gebühr Wochentags 7 15 Sonntags 5 7 15 Vorverkauf A. WERTHEIM und 12-2 Uhr an der Theaterkasse Ufa- Palast am Zoo Jugendliche haben Zutritt! 8Zoologischer Garlen 1. u. 2. Pfingstfeiertag, morg. 7 Uhr Gr. Früh- Konzert Nachm. 4 Uhr: Gr. Konzert Tripolis in Berlin Eingang gegenüb. Stadtbahnhof Zoo AQUARIUM Wilh.- Kuhnert- Ausstell. Reichshallen- Theater Alfabendlich 8 Uhr u. an beiden Feiertagen nachm. 3 Uhr: Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise aber das volle wunderb. Abend- Programm! Dönhoff- Brett'i: Varieté, Konzert, Tanz Pfingsten ZWEITENS: Alle anregenden, aromatischen ugeschmacklichen Vorzüge, die Sie an einem guten Bohnenkaffee schätzen, garantiert Jhnen Kaffee Hag. Er ist von ungeminderter Ergiebigkeit u.besitzt alle edlen Genusswerte eines Bohnenkaffees erster Sorte. Dabei ist ep absolut unschädlich. 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Str. 6 AUSSTELLUNG MAGDEBURG 1927 Tägl. 8 Uhr: Elite- Sänger im neuen KlasseProgramm! Metropol Theat.| Täglich 8 Uhr Zirkusprinzessin Thalia- Theater Täglich 8 Uhr: Mit Muttern und Vater Wenn der junge ins UFA- Theater UFA- PALAST Valencia.... Wochentags 7 and 9 An beld.Felert.'5, 7, 9 GLORIAPALAST Wochentags 7 und 95 An beld. Felert.5, 7, 9% Du schönste aller Rosen Nju Eine unver standene Frau KURFÜRSTENDAMN Elizabeth Bergner Wochent. 7 and 915 An beld. Felort. 5,7,9 Ein Walzertram MOZARTSAAL DasHeldenmädchen von Trenton Wochentags 7, 9 As beid. Felert. 5,7,9% UFA- PAVILLON Der Weltkrieg Wochentags 7, 9 Ein An bald. Felert. 5,7,9% historisch. Film FRIEDRICHSTR. Die Frauengasse Wochentags 7, 9 von Algier An beld. Felertag, 5,7,8 SCHONEBERG Der Throniolger Wochentags 7, 9 An beld.Felertag. 5, 7,9 Bühnenschau TURMSTRASSE Die Frauengasse Wochentags 7, 9 An beld. Feiertag. 5,7,9 ven Algier Bühnenschau KÖNIGSTADT Der Threnfolger Wochentags 7, 9 Aa beld. Felertag. 5, 7, 9 Bühnenschau ALEXANDERPL. Wochentags 7, 9 An beld.Feiertag. 5,7,8 Wein blüht Waikalla Theat Werbelage! Täglich 8 Uhr: Die von der Liebe leben! Jugendliche keinen Zutritt! Vorzeiger zahlt Parkett statt 4 Mk. nur 1 Mk., auch an den Feiertagen Saltenberg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 84 Uhr: Adieu Mimi Lessing- Theater 81 Uhr. Eugen Klöpfer mit seinem Ensemble ..Menschenfreunde" Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz, St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Die Schule v. Uzuach Komödienhaus Norden 6304 8 Uhr: Weiße Fracht Berliner Prater Eröffnung: Pfingsten Kastanien- Allee 7/9 An belden Feiertagen: FRÜRKONZERT Kaffeeküche ab 5 Uhr geöffnet! GRIGLIGHTS WIGENDIN Neues Theater am Zoo, 8% Uhr: Tumult der Herzen Theodor Loos, Rita Burg. Rose Veldtkirch, Hans Flieser Vorverkauf ununterbrochen. Für Jugendliche verboten! DIE ZETERS Das Papier BATERYERARBEITUNG Jahresschau DRESDEN 1.Juni- 30.September 1927 TAUENTZIEN PFINGSTEN IM PALAST LUDWIG KLOPFER Luna Park Die große Charle Lachwoche WEINBERGSWEG Bie Franengasse Wochentags 7, 8 von Algier An bald. Feiertag. 5,7,8 Bühnenschau FRIEDRICHSHAIN Die Frauengasse Wochentags 7, 9 An beld. Felertag. 5, 7, 9 von Algier Bühnenschau ÜBERALL UFA WOCHENSCHAU Chaplin AN ALLEN DREI FEIERTAGEN: in FEST- FEUERWERK Gald rausch VORSTELLUNG 4.6.8.10 MICHEL AB 3 UHR: VOLLER BETRIEB NACHMITTAGS UND ABENDS: KONZERT GR. VARIETÉ- PROGRAMM AUF DER FREIBÜHNE EINTRITT 80 PFG. 82 Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108-114 Pfingsten, 5. und 6. Juni Eröffnung der Sommer- Saison Gr. Frühkonzert und erstkl. Varieté- Vorstellung Einlaẞ früh 4 Uhr " nachm. 2 99 Anfang früh 5 Uhr nachm. 4 " 99 Am 2. Feiertag: Gr. Pfingstball im Freien SOMMER DER MUSIK FRANKFURT AM MAIN INTERNATIONALE AUSSTELLUNG 11.JUNI- 28. AUGUST MUSIK IM LEBEN DER VÖLKER Täglich große Konzerte Trabrennen Ruhleben Pfingstsonntag, den 5. Juni nachm. 3 Uhr Ferner täglich( außer Donnerstags und Sonntags) Rennen zu Hoppegarten Vereinstage Ab 5 Uhr: Konzert und Tanz im Freien ohne Entree Pfingstmontag, 6. Juni nachmittags 3 Uhr R. 5.-M. an von ca. 300 Landparzellen ca. 100 verk. Pa. Gartenboden, 20 Min. v. Bahn. Verkäufer Sonntag, Dienstag und Sonnabend im Restaurant Zu den drei Linden", dir. am Bahnhof Fredersdorf. Jul. Rieger, Berlin C, Gontardstr. 5. Die heißen Tage sind gekommen Saalban Friedrichshain Trinkt CLIO Wiener Limonade Zitrone Himbeer Orangeade Das belichic Volksgetränk in fester Preis 10 Pfennig. Ueberall erhältlich Clio- Gesellschaft, Berlin N4, Chausseestr. 46 Telephon: Norden 9845 Schönster Naturgarten Gößter Konzertsaal Berlins An allen drei Pångstfeiertagen ab 4 Uhr: Doppel- Konzert Spezialitäten Bühnenschau Ob Sonnenschein, ob Regen, im Garten oder im Saal. Kaffeek che ab 2 Uhr geöffnet