Nr. 272 ♦ 44. �ahrg. Ausgabe Nr. 139 Bezugspreis: WSchentUch 70 Pfennig, monatlich l/— Reichsmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband iitr Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4�0 Reichsmark, für das llbrige Ausland SLO Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts' mU der illustrier- ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Veilagen„Unterhaltung und Wissen'.„Aus der Filmwelf, {Frauenstimme',„Der Linder- ceund'.„Iugend-Vorwiirts",„Blick n die Buchcrwelt' und„Kultur- arbeif erscheint wochentäglich zwei. »ml, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: Sozialdemokrat D erlin- Morgenausgabe Nevlinev Volksvlatt �1v pkenmg) Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nonpareille- zeile 80 Pfennig. Rcklamezeil« 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' das fittgebruckti Wort 2S Pfennig lzuläsfig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worts über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. 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Mit 281 gegen 243 Stimmen Hai die Kammer die von ihm betriebene Veräußerung des staatlichen Zündholzmonopols an den Schweden- lrnst abgelehnk. Es ist das erstemal seif seiner Konstituierung. daß das Ministerium der nationalen Einheil in die Minderheit ge- raten ist. und wenn es darüber auch nicht sofort zur Krise gekommen ist. so nur deshalb, weil Poincare mit Rücksicht aus die llnstimmig- keilen innerhalb des Sabiuelts selbst es nicht gewagt hat, in der Züudholzmonopolangelegenheit die Vertranenssrage zu stellen. Die Schwächung, die die Positton der Regierung durch diese Niederlage erlitten hat, ist darum nicht minder groß und in den Wandelgängen der Kammer Hörle man vielfach der Zluffastung Ausdruck geben, daß das Ministerium Poincare diesen Prestigeverlust nicht lauge überleben wird. Gerade im Hinblick aus die Möglichkeit einer Krise ist es von besonderer Bedeutung, daß flch die gesamte Linke, von den Kommunisten bis in die Reihen der Loucheur-Gruppe hinein, zum ersten Male wieder ans gemeinsamer Plattform zusammengesunden hat. Auch der am Freitag nachmittag von der GeschäflsordaungS- kommifflon der Sammer gefaßte Beschluß, die Beratung der Zoll- larifnovelle nicht ans die Tagesordnung der nächsten Sitzungen zu sehen, bedeutet eine unzweideutig gegen die Regierung gerichtete Kundgebung, da dadurch die von dem Handelsminister BokauowsN geforderte sofortige Diskussion und Verabschiedung des Zolltarifs bis zur herbstsession hinausgeschoben wird. Billigung der Maffuahmen gegen Kommunisten. In der Nachmittagssitzung fand die Interpellationsdebatte gegen die vom Iustizminifter B a r t h o u angeordneten und vom Innen- minister Sarraut in einer Rede in Ccmstantine begründeten Maßnahmen gegen zahlreiche kommunistische Führer ihren Abschluß. Der Sozialist Uhry sprach sich in einer längeren Rede gegen die Verfolgungen der Kommunistischen Partei aus, die nur ein Wahlmanöoer der Regierung darstellten und im übrigen lediglich den Kommunisten nützten. Er ironisierte die Wandlungsfähig- kett zahlreicher Politiker sowohl unter den Ministern, wie auch unter den Kommunisten, von denen manche, die flch heute besonders antimllita ristisch gebürdeten, wie Cachin und Vaillant-Couturier, während des Krieges glühende Patrioten gewesen seien. Schließlich wurde mit 370 gegen 148 Skimmen. also auch gegen die Stimmen einiger bürgerlicher Radikalen, ein Vertrauensvotum für die Regierung angenommen. Der Perlachprozeß. ireteklsvertnrtdung erst nächste» Freitag. München. 10. 3anL(Eigener Drahlberlcht.) Zu dem Münchener Beleidiguagsprozeß des Pfarrers hell wurde am Freilag auch Erklärungen und Gegenerklärungen der einzelnen Par- lelen die Verhandlung gefchlosie«. Die Ilrleilsverkünduog ist auf Frellag. den 17. Znui. vormittags 0 Uhr. angesetzt. Pfarrer Hell erklart. Am Schluß der Plädoyers verlas der Dertreter des Pfarrers hell eine Erklärung des Pfarrerz, daß er sich zwar in keiner Weise mitschuldig an dem Tode der zwölf Perlacher fühle, daß er aber selbstverständlich als Mensch und Geistlicher herzlich bedauere, daß bei den Unruhen der Rätezeit auch Perlacher Bürger ums Leben gekommen seien. Die Verteidigung bemerkte dazu, daß dies die erste Kundgebung des Bedauerns sei. zu der sich Pfarrer hell inner- halb acht Iahren durchgerungen habe. Sie machen mobil. Die Dentschnationalen vertrauen nicht auf die Festigkeit des Bürgcrblocks. Die Deutschnationalen machen in ihren Organi- sationen bereits mobil für den kommenden Wahl- kämpf. Sie rechnen nicht mit Bestimmtheit darauf, daß der Bürgerblock bis zum Winter zusammenhält, und bereiten sich auf alle Fälle vor. Der Hauptgeschäftsführer der deutsch- nationalen Volkspartei schickt der Aufforderung zur organi- satorischen Vorbereitung des Wahlkampfes folgende Begrün- dung voran: „Von ollergrößter Bedeutung, wie noch nie feit Bestehen der Partei, wird der kommende Wahlkampf sein. der vielleicht schon lm kommenden Frühjahr, spätestens aber im herbst 1328 slattslndet. Unsere Aufgabe muß es fein, für die Eni- scheidungsschlacht voll gerüstet zu sein. Schon jetzt ist mit den Vorbereitungen zu beginnen. Verlieren wir die kom- mende Wahlschlacht, so bedeutet das nicht allein eine Niederlage für unsere Partei, sondern eine Vernichtung jeder nationalen Bewegung (Verbot aller nationalen Organisationen, wettere Verseuchung der Beamtenschaft. Zerstörung der Reichswehr, Vernichtung der nationalen Wirtschaft, vor allem der Landwirtschaft)." Die Deutschnationalen tun recht daran, auf den kommen- den Wahlkampf mit Besorgnis zu blicken. Er wird zur Ab- rechnung werden._ Schon umgefallen. Ei« uatroualer Dolchstoß. Vor drei Tagen wiesen wir darauf hin. daß angesicht» einer möglichen Bölterbundskontrolle die Reichsregierung sich hüten müsse. die Abwehr einer Inspektion der zerstörten Befestigungen auf die Spitze zu treiben. Es handele sich um eine Nebenfrage, die nicht zu einer hau pst und Staatsaktion aufgebauscht werden dürfe. Darauf rückte die Rechtspresse hörbar von uns ab. Die Sozial» demokratie sollte wieder einmal ihre nationale Rückgratlosigteit gezeigt haben. Gestern abend jedoch läßt sich die„Äreuz-Zeifarng' wie folgt vernehmen: In der Frag« der..Verifizierung" der Entsestigungs- arbeiten im Osten will man in Genf unter ollen Umständen zu positiven Ergebnissen kommen. Nachdem die Gegenseite den deut- schen Dorschlag einer neutralen Kommission abgelehnt hat, muß man dieBefürchtung hegen, daß man auf deutscher Seite, um eine Völkerbunds-Investigation zu vermeiden, sich zu einer er- neuten Nachprüfung durch die beglaubigten Militär- Attaches bemtsrndet. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so wird man wenigstens unter allen Umständen eine schriftliche Zu- sicherung verlangen müssen, daß diese Kontrolle auch end- gültig die letzte ist, und daß gleichzeitig alle anderen noch schwebenden Entwaffnungsfragen erledigt(!) sind. Was uns vor drei Tagen als parteiegosstisches Zusammenspiel mit dem Landesfeind ausgelegt wurde, dos sst heute politische Weisheit geworden. Während wir nur empfahlen, sich die hat tung in der Kontrollfrage noch einmal zu überlegen, findet sich die „Krenz-Zeitung" bereits mit einer Konzession ab, die wir mit keinem Wort« erwähnten. Statt, um sich des nationalen Jargons zu bedienen, durch eine mannhafte Sprach« die deutsche Delegation in ihrem schweren Kampfe um die wenigen uns noch ge- bliebenen Vertragsrechte zu unterstützen, stößt ihr die„Kreuz- Zeitung" den Dolch schwächlicher Verzichtsbereitschaft in den Rücken! fiüf dem Wege nach Genf. Die d e u t s ch e Delegation hat sich am Frettag abend nach Gens begeben. Ihr gehört an: der Reichsaußenminister. der Staats sekretär des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Gaus und der Presiechef der Reichsregierung. Ministerialdirektor Z e ch l i u. Zaleskl erwartet keine Komplikationen. Paris, 10. Zuni.(Eigener Drahlbericht.) Briand hat am Freilag den polnischen Außenminister Zaleskl, der sich auf der Durchreise nach Gens in Paris aufhält, empfangen. Die Aussprache hatte außer der durch das warschauer Attentat erzeugten russisch. polnischen Spannung vor allem auch die Frage der deutschen Oskseskungen bzw. die Kontrolle ihrer Zerstörungen zum Gegen stand. Zaleskl hol noch Schluß der Unterredung den Zournalislen erklärt, daß nach seiner Auffassung aus der Ermordung des russischen Gesandten diplomatische Komplikationen nicht zu be- fürchten seien. Die polnische Regierung treffe nicht nur keinerlei Verantwortung für die unselige Tal, sondern sie habe auch Ruhland gegenüber keinen Zweifel an ihrem g u l e n W i l l e n zur Beilegung der Spannung gelassen. Deutsthlanü kann üen Dawes-plan erfüllen! Paris, 10. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Reparationskom- Mission kündigt an. daß der Anfang nächster Woche zu erwartende Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen u. a. auch ein Expose über die wirtschaftliche und finanzielle Situation Deutsch- lands und seine Zahlungsfähigkeit enthalten wird. Parker Gilberl komme darin zu dem Schluß, daß Deutschland in der Lage sei. den Vawes-Plau auch in Zukunfk zu erfüllen, nachdem die als Garantie für die Erfüllung desselben verpfändeten Einnahmen(Eisenbahn-, Industrie-Obligationen, Zölle und Verbrauchssteuern) schon im Lauf« des Jahres mehr als 2,5 Milliarden Mark abgeworfen hätten, während Deutschland erst im Jahre 192S zur voll« Reparationszahlung oer- pstichtet(ei,. Zwanzig! Die Geiselcrschiesiungen in Moskau. Zwanzig politische Gefangene sind vorgestern in Moskau erschossen worden. Das war die erste Antwort auf die Er. mordung Wojkows und die anderen Attentate, die in der letzten Zeit in Rußland verübt worden sind. Die Erschießungen stellen eine politische Maß» nähme dar. Sie sind nicht das Produkt einer geordnete« Rechtspflege, die die Höhe der Strafe nach der Schwere der Tat beinißt. Me Urteile sind von der staatlichen politischen Verwaltung, der GPU., die sie fällte und vollstrecken ließ, selber politisch begründet worden.„Angesichts des Uebergangs zum terroristischen und zerstörenden Kampf von feiten der monarchistischen WeißgaMsten, die von jenseits der Grenze nach Anweisung und mit Mitteln der ausländischen Geheim- dieuste vorgehen"— mit diesen Worten beginnt die Begrün-- dung, die der offiziellen Mitteilung vorangestellt wird. Der Entschluß ist demnach auf die neuesten Ereignisse zurückzu« führen, an denen die Erschossenen nicht beteiligt sein konnten. weil sie zu der Zeit, in der sie sich vollzogene bereits im Ge- fängnis saßen. Man wird also den Tatbestand am richtigsten charakterisieren, wenn man sagt, daß zwanzig Gefangene zum Zweck der Abschreckung a l s G e i s e l n erschossen worden sind. Dabei bleibt die Frage, inwieweit sich die Getöteten im Sinne der russischen Gesetze schuldig gemacht hatten,, ungeklärt. Gegen drei wird die Beschuldigung erhoben, daß sie an der. Organisierung von Attentaten beteiligt gewesen sein sollen, einem vierten wird vorgeworfen, Terroristen in feiner Wohnung Unterkimft gewährt zu haben, bei allen anderen ging ine Anklage entweder allgemein auf konter- revolutionär« Tätigkeit oder auf Spionage- Nach den eigenen Angaben der GPU. befanden sich also unter den zwanzig Hingerichteten nur drei, die, wenn ihre Schuld er» wiesen war, unter Umständen auch nach europäischen Gesetzen zum Tode verurteilt werden konnten. Ob sie wirklich schuldig waren und ob die näheren Umstände so lagen, daß auch außer- halb Rußland Todesurteile möglich waren, entzieht sich jeder Nachprüfung. Ganz besonders bedenklich erscheinen uns die Der- urteilungen wegen Spionage, oder auf deutsch, weo Landesverrats. Wir denken dabei an die Seuche Landesverratsprozesse in Deutschland und daran, was alles durch eine weitherzige Auslegung der Gesetze unter den Begriff des Landesverrats gebracht werden kann.... Indes hätte es wenig Sinn, sich mit den Moskauer Hin- richtungen juristisch auseinanderzusetzen. Sie sind, wie schon gesagt, politische Maßnahmen, Maßnahmen eines Staats- wesens, dos sich für berechtigt hält, letzte Mittel der Notwehr zu gebrauchen, weil es sich in höchster Gefahr glaubt. Durch die Erschießungen von Moskau und ihre Begründung hat sich Rußland selbst als wieder im Zustand des Bürger- k r i e g s befindlich erklärt. Denn darüber kann es doch nur ein Urteil geben, daß solche Massenerschießungen nach summarischen Verfahren von einem Staat unter normalen Verhältnissen nic�t vor- genommen werden dürfen. Ein Staat, der ohne äußerste Not o handelt, wie der russische soeben gehandelt hat, wird von allen menschlich Gesinnten als ein barbarischer bezeichnet werden. 25M man also die Moskauer Ereignisie in einem Sinn auslegen, der für die russische Regierung der günstigste ist, so wird man zu dein Ergebnis kommen daß sich Rußland fast zehn Jahre nach der bolschewistischen Revolution immer noch im Zustande des Bürgerkriegs befindet. Allerdings steht diese Auffassung in krassem Gegensatz zu den wiederholten Erklärungen der russischen Regierung, daß die Zustände in ihrem Lande vollkommen gefestigt seien. Wäre das richtig— und es hat lange Zeit den Anschein gehabt, als ob es richtig wäre— dann wären die Moskauer Massen- erschießimgen allerdings eine Unmenschlichkeit ohne Sinn und Verstand. Terror ist jedoch niemals ein Zeichen von Stärke. Indem die russtfche Regierung zu ihm zurückkehrt, zeigt sie aller Welt, daß sie sich schwach fühlt. Dadurch wird sie ihre Feinde in England und in der übrigen Welt nur in dem Glauben be- stärken, daß der Abbruch der Beziehungen zu ihr ein geeig» netes Mittel fit, die Zustände in ihrem Lande noch weiter zu oerwirren und schließlich das herrschende Regierungssystem zum Zusammenbruch zu bringen. So erscheinen die Moskauer Massenhinrichtungen, wem» man vom rein Menschlichen ganz absieht, als ein u n- geheurer politischer Fehler. Die Absichten der englischen Konservativen gehen ja in der Tat nicht auf Krieg mit»nilitänschen Mitteln, sondern vielmehr darauf, Rußland moralisch, politisch und wirtschaftlich zu isolieren und dadurch zur Kapitulation zu zwingen. Eng- lcmd weiß aus dem letzten Krieg, und wir wissen es auch. welch ein furchtbares Kampstnittel die Blockade ist. Sie arbet- tet nicht mit dem roten Tod. sondern mit dem weißen, sie bringt Hungersnot und wirtschaftliche Zerrüttung, der die ZenÄttimg aller übrigen Verhältnisse folgt., Mag mm auch Rußland, dank sedier eigenen Hilfsmittel tn einer besseren Lage sein als jener, in der sich damals Deutschland befand, so haben doch die Erfahrungen der letzten Jahre deutlich genug gezeigt daß auch Rußland ohne die übrige Welt nicht leben kann. Rußland braucht Warenaus- tausch und Rußland braucht Kredite, um seine eigene Wirt- schaft in Gang und seine Währung stabil zu halten. Das weiß man auch in Moskau, und daß man das dort weiß, dafür war die Beteiligung der Russen an der W e l t w i r t- schaftskonferenz in Genf der beste Beweis. Seitdem sind wenige Wochen vergangen, und welcher furchtbare Rückschlag ist erfolgt! Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch England erschien zunächst als ein Manöver, dessen Erfolg höchst zweifelhaft war, die Ermordung des russischen Gesandten in Warschau durfte man für die vereinzelte Tat eines jungen Fanatikers halten, die das Gefüge der Sowjetrepublik nicht im ge- ringsten zu erschüttern vermochte. Run aber kommt die Er- schießung der Zwanzig— ein Geständnis der Schwäche und der Furcht. In der ganzen Welt— abgesehen von den kleinen Minderheiten, die alles billigen und verherrlichen, was die rusiische Regierung tut— erhebt sich ein Schrei des Eni- setzens und der Empörung. Der Glaube, daß Ruhland aus dem Wege zur inneren Konsolidierung sei, erhält«inen ve?° nichtenden Stoß. Dos Risiko des Warenaustausches und des Personenverkehrs mit Ruhland erscheint plötzlich um ein Diel- faches erhöht. Denn Rußland sagt durch die Schüsse vom V. Juni der übrigen Welt selbst, daß es noch immer im Bürgerkrieg steht. Die russische Regierung erwartet von ihrer Tat eine ab- schreckende Wirkung. Aber sie hat sicherlich durch sie ihre wirklich aefährlichen Gegner nicht abgeschreckt, sondern er- mutigt. Wirklich und unmittelbar gefährlich sind ihr nicht die paar russischen Hakenkreuzler, die mit entsicherten Revolvern herumlaufen, fondern das sind die englischen Konservativen, die nach einem wohlüberlegten Plan und ohne sich die aristokratischen Hände mit Blut zu be- schmutzen, das sowjetistische Rußland zum Erliegen bringen wollen. Denen hat die russische Regierung durch die Masienerschießungen von Moskau in die Hände gearbeitet. Solche Massenerschießungen kann man aus den Not- wendigkeiten des Bürgerkrieges begreifen— sie hören damit freilich nicht auf, eine Scheußlichkeit zu sein, wie ja der Bürgerkrieg überhaupt eine Orgie gehäufter Scheußlich- leiten ist. Im Bürgerkrieg läßt sich auch kein wirtschaftlicher Aufbau vollziehen, am allerwenigsten ein Aufbau in so- z i a l i st i s ch e m Sinne. Der Bürgerkrieg kann unter glück- lichen Umständen unerträglich gewordene politische Ketten sprengen und den Boden erobern, auf dem ein Aufbau mög- lich ist. Soll aber der wirtschaftliche Aufbau auf gesicherter Grundlage beginnen, so muß der Bürgerkrieg zu Ende sein. So weit ist man in Rußland— nach fast zehn Jahren! — noch immer nicht. Man ist dort noch sehr weit davon entfernt, dem Ruf des Sozialismus und der Menschlichkeit zu folgen, der die Aufhebung der Todes st rase fordert... Der russische Bolschewismus hat die Macht, eine beliebige Zahl von Menschen aus den Gefängnissen zu holen und niederschießen zu lassen. Bon dieser Macht hat er Gebrauch gemacht. Damit aber hat er alles eher getan, als den Beweis dafür geliefert, daß er sich auf dem rechten Wege befindet. Denn eine Regierungsmethode, die theoretisch das Ziel ver- folgt, die Menschen freier, glücklicher und menschlicher zu machen und die sich nach zehnjähriger Praxis noch nicht aus dem Blutmeer des Bürgerkriegs zu erheben vermochte— eine solche Regierungsmethode hat oersagtl Vas Echo in£ondon. Conöon, 10. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Hinrichtung von 20 Personen in Moskau wird in der konservativen englischen Presse als der Auftakt für eine neue terrortstische Aera in Rußland angesehen. In britischen amtlichen Kreisen Serienspiel. Don Dr. Adam Luckhofs. Serienfpiel oder RepertoirecheaUr? Eine Fragestellung, die von den Theaterkeimern noch heftig umkämpft wird, ist für die Groß- stadtdühne keine mehr. In den Prioattheatern herrscht die Serie unverhüllt, auf den gemeinnutzigen Bühnen erscheint sie in der ab- ««milderten Form einiger wechselnder Stücke. Keinesfalls kommt es mehr vor, daß wie bei Laube eine Ausiührung durch die Jahr« geht und in den Jahnen siegt. Es hat keinen Zweck, Aergangenem nachzuweinen. Wenn das Serienspiel die Form des großstädtischen Theaters ist, so wird das feinen zureichenden Grund haben. Es kann sich nur darum handeln, das innerlich Begründete von dem äußerlich Gemachten zu trennen. ' Di« Serie geht einerseits auf den gewachsenen Anteil der Be- vültenmg an der Bühnenkunst wie tauf dos Wachstum dieser Be- völtenmg selbst zurück: unsere Städte beherbergen eine vielfache Anzahl von Bewohnern im Vergleich zur Mitte des vorigen Jahr- Hunderts, innerhalb ihrer Massen ist ferner auf Grund volkstüm- licher Bewegungen wie auch vermehrter Vergnügung sansprü che die Zahl der möglichen Theaterbesucher erheblich angestiegen Auf der anderen Seite hat die künstlerische Auffassung der Bühnenkunst aus dieser Erscheinung Nutzen gezogen: eine Charlotte Bauer konnte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch sechs Proben zu einem Stück als einen außergewöhnlichen Vorgang buchen, während mrjere heutigen Spielleiter in Deutschland kaum mit dem Sechefacl)»« fertig werden und in Paris und Rußland die Zahl der Bühnenproben häufig die hundert überschreitet. Voraus- ictzung für solche Arbeit ist, daß das Stück entsprechend lange aus dem Spielplan bleiben kann. Man wird die über Monate sich hinziehende Aufführung de« gleichen Stück«» nicht ohne weiteres unkünstlerisch nennen dürfen. Für den Durchschnittsschauspieler der ersten Hälfte des 19. Jahr- Hunderts bedeutete die Darstellung in gewissem Sinne einen stets erneuerten schöps-rifchen Akt. eine Art genialischer Improvisation. und Seyd-lmaim ist für die genaue Ausarbeitung seiner Rollen von kritisä)«» Beurteiiern seiner Zeit oft genug der Vorwurf unkünstlerischer Pendanterie gemacht worden. Wir wissen heut«, daß dieser Vorwurf nicht zutrifft. Zweifellos h« die szenische Durch. arbeitung»ine« Stückes, wie wir sie betreiben, im Erfolg etwas Technisch-Maschinelles. aber wie nur Romantik in der Maschine etwas Widergeist! ges sehen kann, so schließt auch die bis ins letzte ausgearbeilets Ausführung fteibewegten Ausdruck nicht aus. Hin- gegen wird sie für den einzelnen Darsteller wie für das Ganze zum sicheren Gerüst, bei dem der persönliche Genius in Gottes Namen einmal ausbleiben darf, ohne den Eindruck des Ganzen zu gefährden: weil von dem schöpferischen Akt der Vorarbeit immer noch Geist genug in die Medergabe hinüberführt. Allerding» erfordert da, jo gesehene S»ri«nspi«l straffste Disziplin und vor allem die Ueber- zeugung, der Darsteller selbst, daß es der Mühe lohne. Sind diese Voraussetzungen vorhanden, so kann es wohl geschehen, daß eine sechzigste Ausführung plötzlich in dem Glänze aufleuchtet wie kaum die dritte, vierte oder gar die berüchrigste. meist matre zweite. Anders verhält es sich, wenn das Serienspiel nicht aus inneren Bedingungen der zeitgenössisch«» Bühnenkunst hervorgetrieben, son- wird aufs nachdrücklichste betont, daß die britischen Behörden nie- m a l s die geringsten Beziehungen zu den wegen B e s ch u l d i- gung der Spionage für Großbritannien in Moskau hin- gerichteten Personen unterhalten hätten, die im Sinne der russischen Beschuldigungen gedeutet werden könnten. Die russischen Behörden hätten während der vergangenen Jahre derartiges Mißtrauen gegen alle privaten Schritte des britischen diplomatischen und konsulari- schen Stabes in ganz Rußland gezeigt, daß die britischen Beamten und Diplomaten schließlich alle nicht rein offiziellen Beziehungen zu russischen Staatsangehörigen aufgehoben hätten und auch auf ge- meinsame sportliche Betätigung mit ihren alten und neuen russischen Freunden schließlich ganz verzichtet haben. Das Schriftstück, das von R y k o w als Beweis für die Spio- nagetätigkeit des britischen Konsul» in Leningrad herangezogen worden ist und der in der russischen Presse als Hauptbeweisstück veröffentlichte Brief habe nach der amtlichen britischen Darstellung mit Spionage nicht das geringste zu wn, es habe sich lediglich um Erklärungen von Personen gehandelt, welche als mög- liche russische Unterhändler beim Ankauf von Chemikalien in Frage kamen. Die Rechtskonseroativen fordern als Gegenmaßnahme die sofortige Ausweisung aller noch zur Abwick- l u n g der Geschäfte in England verbliebenen russischen Staatsbürger. Eine offiziöse Erklärung. London. 10. Juni.(Reuter.) Die zuständigen Londoner Kreise bezeichnen die Meldung als höchst erstaunlich, daß gewisse in Moskau hingerichtete Russen von den Sowjetbehörden der Spionage zugunsten der britischen diplomatischen Mission beschuldigt worden sind. Es wird energisch bestritten, daß die britischen Behörden der- artige Beziehungen zu den fraglichen Personen gehabt hätten. Es wird in diesem Zusammenhange darauf hingewiesen, daß die von der Sowjetregierung verdächtigten Mitglieder der britischen Mission in Moskau keine Beziehungen zu Russen außerhalb des Kreises ihrer amtlichen Verpflichtungen haben konnten und daß sie sogar so r g s a m vermieden, sich in Gesellschaft von Russen zu zeigen aus Furcht, ihre Handlungen könnten zu Verdächtigungen führen. Diese Zurückhaltung bildete einen großen Gegensatz zu der Freiheit, der sich Rosengolz und die Sowjetmission in London«r- freuten, wo sie ungehindert und ohne Konkrolle überall hingehen konnten. Es wird gesagt, daß eine der Spionageankiagen in Der« bindung mit einem Brief des britischen Konsuls in Lenin- grad an ein Mitglied der britischen Mission in Moskau gestanden habe. Dieser Brief war die Antwort auf eine Anfrage der britischen Mission, ob der Konsul Namen von russischen Firmen angeben könnte, die seine chemische Produkte von englischen Firmen zukaufen wünschten. In der Antwort sagte der Konsul, er würde sich bemühen, sich die notwendigen Informationen zu verschassen. Dieser Brief wurde von den Sowjetbehörden bei der Post beschlag- nahmt, die erklärten, er bezwecke, ungesetzliche Informationen zu erlangen. Ein Faksimile des Briefes wurde zugleich mit der An- klage der Spionage auf der ersten Seite der„Iswestija* veröffentlicht. Noch einmal wird von den britischen Kreisen energisch erklärt, daß bei dem Abbruch der Beziehungen mit der Sowjetregierung sich die britische Regierung von keinen geheimen Gründen habe leiten lassen, wie es jetzt angedeutet wird. Wie stets gesagt worden ist, hatte die britische Regierung nicht die Absicht, den Kriegszu- stand herbeizuführen, sie hoffte vielmehr, daß unabhängig von den diplomatischen Beziehungen die Handelsbeziehungen fortgesetzt werden würden. Protestaufruf i»er englischen Gelrerkfchafteu gegen den englisch-russtschen Bruck». London, 10. Juni.(Eigener Drahtbericht. Der General» rat der britischen Gewerkschaften hat der Presse ein Manifest übergeben, in dem es heißt, daß der Bruch zwischen England und Rußland mit seinen, den Frieden gefährdenden Folgen von der britischen Gewerkschaftsbewegung nachdrücklichsten Protest fordere. Die Regierung suche den Abbruch mit den in dem von ihr herausgegebenen Weißbuch veröffentlichten Dokumenten zu be> gründen, die Haussuchung habe aber nichts zutage gefördert, was in den Augen eines vernünftigen Menschen den Bruch recht- dern von außen her gemacht wird. Und leider ist das der gewöhnliche Fall. Der größte Teil unserer großstädtischen ThecUerproduktton, auch der künstlerischen, entspringt dem Bestreben. Geld zu ver- dienen. Hier wird die Serie zur rentabelsten Form eines kapi- talistischen Betriebes, ja sie ist seine unumgängliche Bedingung: die Kosten für Ausstattung und Kostüme, die Abschlüsse mit tvn Stars können sich nur auf lange Sicht wirtschaftlich auswirken, alles ist auf eine Mindestzohl von Aufführungen zu kalkulieren, die unter allen Umständen erreicht werden muß. Und wie alles kapitalisierte Geisteswejen wird hier die Serie zur Folter für die davon Be- troffenen und zum Betrug an dem tunstgläubigen Publikum. Ja, es ist grotesk zu sehen, wie die Serie selbst die Serie zeugt: Ein bekannter Trick der Bühnenleiter besteht darin, Stücke die nicht gehen, aber irgendeine Attraktion, etwa einen bekannten Darsteller haben,.durchzuhalten", das heißt über eine bestimmte leere Zeit wegzuführen, in der Gewißheft, daß von einem bestimmten Zeit- punft an das Schwergewicht der Aufführungszahl wieder wirkt und die Massen blendet: Was jo oft gespielt wird, muß weiß Gott hervorragend sein. Dieser Art der Serie also Ist eine Niedertracht sowohl gegen die mitwirkenden Künstler wie gegen das Publikum. Schon die Darsteller der großen Rollen können unmöglich denselben Text, oft armseliges Gewäsch, 200 mal mit gleichem Ernst wiedergeben, wenn auch einzelne in der gespannten Sorge um ihren Ruf sich möglichst keine Schwäche erlauben. Di« meisten betrachten diese Art von Kunst als die gegebene Form ihres Broterwerbs, der sie sich schlecht und recht entledigen. Für die kleineren Darsteller vollends ist diese Erniedrigung zum Stichwortapparat eine entwürdigende Qual, eine ständige Verletzung der Selbstachtung, wie kein klassenbewußter Arbeiter sie sich zumuten lassen würde. Auf der anderen Seite er- Hüft das Publikum ein von Tag zu Tag verwascheneres Klischee. Bllhnenkundige staunen oft, was für Mätzchen, mit denen die Schwerarbeiter auf der Bühne sich notgedrungen das heulende Elend vertreiben, im Zuschauerraum unbemerkt bleiben. Es hat wenig Zweck, gegen diese Art von Serienspiel der Privathcater edeln Einspruch zu erheben. Eine oerkapita- lisierte Bllhnenkunst muß ihr« Hauptaufgabe darin sehen. Nach- frage hervorzurufen und sie unter möglichst günstigen Absotzbedin- gungen zu befriedigen. Die Form dafür ist die Serie, wir mögen uns glücklich schätzen, daß wenigstens Kunst zum absatzfähigen Ar- kikel'geworden ist, und Künstler. Dichter, Darsteller, Dramatiker usw. beschäftigt und ernährt. Anders verhält es sich mit der Serie der gemeinnützigen Bühnen, wenn auch sie sich dem Gesamlivirischastsgeisle nicht entziehen können. Immerhin darf hier grundsätzlich gefordert wer- den, daß sich die Zahl der Aufführungen des gleichm Trückes nach der Inneren Spannung der Wiedergabe richtet. Es wird Sache des Spielleiters fein, szenischen Verfall festzustellen, dabei möglichst von Anfang an fiir ein« gut durchgearbeitete zweite Besegung zu sorgen. die nur eine zweite aber nicht zweitklassige ist, schließlich den Mut zu haben, auch nach oben hin die Besetzung einer Aufführung zu vertreten» die den Darstellern wie dem Publikum nicht mehr zuge- mutet werden kann, selbst wenn Nachfrage weiter bestehen solÜ«. Es ist ja am Ende nicht nötig, daß auch der letzte Bewohner einer Großstadt das gleiche Stück gesehen habe. fertig«. Der Generalrat geht dam» ans de« Lerlost ein. der fich aus dem Abbruch für die britische bzw. russische Arbeiterschaft ergebe und weist darauf hin, daß die russischen Käufe in England im ver- gangenen Jahre über 300 Millionen Mark betragen hätten und daß z. B. Kontrakte, die zur Zeit des Abbruchs kurz vor dem Abschluß standen, SO 000 britischen Arbeitern der Metall- und Maschinen- branche Arbeit für 12 Monate gegeben hätten. Der Generalrat stellt schließlich fest, daß das Vorgehen der Regierung einer Unter» ordnung des Volksinteresses unter das Parteiinteresse, speziell der konservativen Partei, gleichkomme und schließt mit der Hoffnung, daß Rußlands Außenpolftit nicht vom Wunsche nach Vergeltung diktiert werde, sondern von dem Wunsche, de» Frieden, die Sicherheit und den Fortschritt unter den Völkern zu fördern. öesorgniffe in öen baltischen Staaten. Riga. 10. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Englands Bruch mft Rußland hat in den baltischen Staaten einen lebhakien Widerhall gefunden und die Bevölkerung der Rußland be- nachbarien Länder gespannt aufhorchen lassen. Denn die unmiitel- bare Nachbarschaft mit Sowjetrußland wird bald als Brücke. bald als Barriere nach Westeuropa empfunden. Selbst- verständlich wird gegenwärtig die Frage eifrig erörtert, weldic politischen und wirtschaftlichen Folgen sich aus dem englisch- russischen Konflikt für die Baltenstaaten ergeben können und werden. Sowjetrußlonds Beziehungen zu den baliischen Staaten sind noch immer nicht restlos geklärt. Die Verhandlungen über einen Nichtangriffsvertrag wollen nicht vom Fleck kommen, und auch sonst mangelt es nicht an gegenseitigen Verdächtigungen und Argwohn von hüben und drüben. In den Randstaaten weiß man zu genau, daß Sowjetrußland bei ästen kommunistischen Umsturz- planen in den baltischen Ländern regelmäßig seine Hond im Spiele gehobt hat. Die Außenpolitik der seit einigen Monaten bestehenden lettländischen Linksregierung ist stets auf die Erhaltung eines Dauersriedens im Osten bedacht, und gleich nach Ausbruch des eng- lisch-russtsck)en Konfliktes hat Lettland die Sowjetregisrung ihrer absoluten Neutralität oersichert. Denn dieser Konflik: bildet naturgemäß für di« verantwortlichen Staatsmänner der Batten- stoaten den Gegenstand ernstester Sorge. Man kann den(Seiyncko nicht los werden, daß das englisch-russische Ringen für den staa:- lichen Weiterbestand dieser Länder die schwersten Gefahren in sich birgt. Diesen Gedanken hat der deutsch-leitische Abgeordnet? Dr. Schiemann in einem Leitartikel in der„Rigaer Rundschau/' besonders prägnant zum Ausdruck gebracht, indem er auf den „nationalen" Charakter des Konflikts hinwies, der nur durch eine Umstellung der englischen Interessen in Asien oder durch eine Der- legung des russischen Machidranges von Osten nach Westen fein?» Abschluß finden könne.„Ist dies aber die letzte Zielsetzung des Kampfes von englischer Seite," schreibt Schiemann weiter,„so müssen wir in solchem Ausgange zugleich den Untergang unserer eigenen Existenz erblicken." Natürlich gelangt er zu der» Ergebnis, daß eine nach außen zur Geltung gebrachte Neutra- lität für den Weiterbestand Lettlands oberstes Gesetz ist. Der Rückgang des englisch-russischen Geschäfts dürfte für die ballischen Staaten auch gewisse wirtschaftliche Folgen naci, sich ziehen. Bisher wurden die Geschäfte Sowsetrußkands in den baltischen Staaten weitgehend von London finanziert, da dir? Länder bei ihrem Kapitalmangel dazu außerstande waren. Hierin wird nnn zweifellos eine Aenderung eintreten. Ob Englands Kapital sich zurückzieht und statt dessen andere Staaten, nichl zuletzt auch Deutschland, als Kreditgeber einspringen, wird die not> e Zeit erweisen. Einstweilen geben sich gewisse Kreis« des Handels der Hoffnung hin, daß den Randstaaten aus dem Rückgang des englisch-russischen Geschäfts in ihrer Stellung als wichtige Handels- und Durchfuhrzentren gewisse wirtschaftliche Vorteile erwachsen werden. Seine Gerichtslermwe am 11. Angvfl. Der preußische Just,;> minister hat vorbehaltlich weiterer Bestimmungen über die Feie', des diesjährigen Versals ungstages schon jetzt in einer A-'-,'- meinen Verfügung ersucht, auf den 11.?lugust 1927 tunlichst keine Termine anzuberaumen. Cin Schiff wirb gebaut. Klang, klong. es hämmert laut, vom Morgen bi« zum Abend. Sonne mag aufs Wasser prallen, Regen auf die Elbe Nalfchen: das Schiff wird gebaut, das Schifs. von dem jetzt Hamburg sprichi, b" „Eap Arcona" der Hamburg�üd. Seit langem steckte der Rum-,' in den Kinderschuhen der Werft von Vlohm L: Boß. Jetzt ist das Schifs den Fesseln der Helgen entglitten, getauft, es ruht im Wasser, gewöhnt sich«n sein Element. Der erste Sirenenrus hat in dieser wundervollen Seestadt die Bedeutung des ersten Babyschreis. und ein Schiff ist ihr Kind. Wie ein Mensch im Mutterleib wird, wie eine Stadt im Gemeinschaftssohnen wird, wie ein Schiff in Ii- genieurhirn und Proleiarierhänden wird— alles kann man er- klären und alles bleibt doch ein Wunder. Einmal werden alle an allen Wundern teilhaben. Trotz ihrer Proftttutton stärkt die Technik den Glauben an die Zukunst. Der„Eap Arcona" wird prophezeit, daß sie für die Strecke von Hainburg nach Rio de Janeiro zchn Tage brauchen wind, nach Buenos Aires fünfzchn. 27 000 Tonnen voll, 200 Meier lang, 20 Msier breit, 8,4 Meter ttesgehend und stündlich 20 Ssemeilen schnell wird sie sein. Dann ist sie ausgestattet mit einer gewatligcn Turbinenanlage, mir acht ölgefeuerten Doppelend-Wasserrohrkesie!,, (wie sich das schon anhört), mit 80 Brennern, Einrichtungen für 574 Reifende ,n der ersten Klasse, 274 in der zweiten, 700 in der dritten. 034 Mann Besatzung. Aller Luxu» der großen Ozeandampfer wird da sein für den. der ihn zahlen kann: auch das Sportdeck, auch das Schwimmbad, auch der Turnsaal, endlich ein Speisesaal mit 000 Meter Grundfläche. Die Kammern der zweiten Klasse, zum Teil Außenzimmer, find zwei- oder oierbettig. Von den Einzeltischen der Speisesäle der zweiten Klasse sprechen die Prospekle. Und vom Fahr- stuhl. Vom stiebenden Wasser. Das sind Kleinigkeiten, aber wichtige Annehmllchtetten. Langsam, ganz langsam rückt die dritte Klosse nach. Nacht» noch nicht, aber tags in der mitzufahren, wird bereits zum Vergnügen. Es muß auch so sein. Für viele ist doch der große Ozeandampfer das letzte Stuck Deutschland auf lan�e Zeit. Für mde das erste nach wahren. Etwas gaiift Großes. Ein Erlebnis. Herrlich schon, den eisernen Riesen im werden zu sehen. Ein alter Heide hätte beten mögen und singen... _ Erich G ottg etreu 3m Rahmen de» ersten mtcnnitloaalen Tflmnkoiigeefse»«rut der T e ii l l ch e ii T h e a t e r a u» st e llu n g rom St. bir, Mitgliederversammlung im Kewerkschaftsliaus, Saal 11. Tagesordnung: Bericht von der Tarisverhandlung. Jeder Kollege muß erscheinen. Die Fachgrappenleitnnp. Achtang, Zimmerer vom Bczirl 41 Allen Berbandilamcraden hiermit Dy Kenntnis, daß sich unser Bezirkslokal in der Lauge Str. 5g d e i To n befindet. Die Bezirksleitung. Frei« Ecwerlschaftijugend. Heute, Sonnabend, MVj Uhr, tagt die Gruppe: Banmschnlenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. IS. Brettspielabcnd.— Oftlrei«: Spielen im Schloßpark Frirdr:ch»felde. Sprechchor: Pünktlich IS Uhr Probe im Prrbaudshau«, Linienstr. 83—85, Arbeitslosensaal.»Das Lied der Arbeit.* Verantwortlich für Politik: Vietor Schiff: Wirtschaft: S. Slingelhüser; Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton:». S. DSscher; Lokales und Sonstiges: Fritz starstädt: Anzeigen: Th. Glocke; samtlich in Berlin Perlaa: Borwarts-Veriag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Dorwärts-Buchdruckerei und Kerlagsanstalt Paul Singer u So., Berlin SW KS. Lindcnstraße 3. Sierzu l Beilage und..Unterhaltung und Bissen*. wtrkl abstoßend. Häßlich gefärbte Zähne enlstellen daslchönsle And Übler Mnndgerneii Hellsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mtt der herrlich ersrilchcnde» Zahnpaste ist»Ior»,I»tii beseitig l. Die Zähne erhallen schon nach lurzem Ge- brauch einen wundervollen Elsenbemglanz, auch an den Seilenftächen, bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens tonstruierlen i'>iI,»r,»t«»,i»Bi»t,i>» bUrst« rnil gczähnlem Borstenschnitt. Faulende Eveiseresle In den Zahn» Zwischenräumen als Ursache de» üblen Mundgeruchs werden gründlich damit be- seittgt. Versuchen Sie es zunächst mit einer Tube zu 80 Pf ithloroelont- Zalinbürste für Kinder 70 Pf., sür Damen Ml.>.25(weiche Borsten», für Herren Ml.>.25(Harle Borsten). Nur echl in dlau-grüner Originalvackung mit der Zlufschrilt.Cliloruduiit". Ueberall zu haben. ENWRBiyctfiDjr $ Zigarette Nr. 272 ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Sonnabenö, 11. JunflMT Die Zukunft öes Gzeanftuges. Was Chamberlin und Levine zu erzählen wissen. Bei einer Zusammenkunft zwischen Vertretern der deutschen Presse und den beiden amerikanischen Fliegern Chamberlin und Levine, die am Freitag nachmittag in den Räumen der a m e r i- konischen Botschaft veranstaltet wurde, hatte ein Mitglied unserer Redaktion Gelegenheit, mit den Ozeanfliegern verschieden« Fragen zu besprechen, die bisher kaum erörtert worden waren. Auf die Frage, ob es richtig sei, daß ein Rückflug von Europa nach Amerika schwieriger sei als die von Lindbergh und ihm bereits vollzogene Ueberquerung des Ozeans in umgekehrter Richtung, be- stätigte Chamberlin, daß dies der Fall sein dürfte:.Die aimosphärischen Beobachtungen lassen in der Tat daraus schließen, daß im allgemeinen widrige Winde das Fliegen von Osten nach Westen über dem Allanlischen Ozean schwieriger gestallen als umgekehrt. In diesem Falle mußte man, um diesen Winden auszu- weichen, viel weiter südlich fliegen, wodurch sich die Flugstrecke zim Hunderte von Kilometern verlängern würde Aber es ist trotz- dem durchaus möglich, daß an bestimmten Tagen die Windrichtung diesen allgemeinen Beobachtungen nicht entsprechen und daß unter Umständen ein Flug von Europa nach Amerika leichter und kürzer wird, als der, den wir vollzogen haben. Die einzuschlagende Route hängt also fast ausschließlich von den letzten Mitteilungen der meteorologischen Stationen unmittelbar vor der Abfahrt ab.* Auf eine weitere Frage bestätigte Chamberlin ausdrücklich, daß er Verlin bestimmi ohne Zwischenlandung erreicht hätte, wenn man ihm von Dortmund aus ein Vegleitflugzeug zur Richlungsangabe mitgegeben hülle. Seine Benzinvorräte seien zwar sehr knapp ge- worden, sie Hütten aber sicher bis Berlin gereicht, wenn er den Harz nördlich, statt südlich, umflogen hätte. Unser Berichterstatter erkundigte sich bei Chamberlin nach der Anzahl von Personen, die sein Flugzeug befördern könne. Die Auskunft lautete überraschenderweise, daß die.Wiß Columbia* be- reils neun Personen auf einmal befördert hätte. Allerdings sei dies nur ganz ausnahmsweise geschehen, wobei einzelne der Mitfahren- den in den unmöglichsten Stellungen mitgenommen worden seien. Dagegen habe das Flugzeug schon des öfteren bis zu sechs Per- sonen transportiert. Indessen sei dieser Typ, soweit längere Reisen in Frage kämen, nur für zwei Perjonen, im höchsten Falle für drei eingerichtet. Chamberlins Begleiter Charles Levine ist nicht zum ersten Male in Europa. Roch vor drei Zahren verbrachte er einige Zeil in Wien, wo er mehrere gute Freunde besitzt, was ihn ver- anlaßt hat, die Einladung der österreichischen Regierung mit be- sonderer Freude anzunehmen. Don Wien, wohin sie am Sonnlag über München fliegen, begeben sich die Flieger nach Prag, wo sie zwei bis drei Tage zu verbringen gedenken, sodann nach Warschau und wahrscheinlich über Danzig nach Berlin zurück. Eine Einladung der ungarischen Regierung liegt noch nicht vor. sondern nur des Bürgermeisters von Budapest, und es steht noch nicht fest, ob ihr Folge gegeben wird. Ihren Frauen werden die beiden Flieger nach Bremerhaven nicht entgegenfahren, sondern es ist umgekehrt vor- gesehen, daß die Frauen gleich nach ihrer Landung in Bremer- Häven durch ein Flugzeug der Lufthansa nach Berlin und Prag be- fördert werden, wo sie ihre Männer antreffen werden. Auf die Frage, weshalb er fein Mitfliegen bis zuletzt so streng geheimge- halten hatte, erklärt« Levine:„Es gab da verschiedene Gründe, die aber allesamt nicht dafür entscheidend waren, der Hauptgrund war eben der, daß ich meine Absicht bis zuletzt meiner Frau ver. heimlichen wollte.* Schließlich fragte unser Berichterstatter Chamberlin scherzend:„Ihr Kollege Lindbergh wird ja in Amerika als der Nachtbild vom Tempelhof er Flugplatz. flying fool(der fliegend« Narr) bezeichnet. Haben Sie auch schon unter dem amerikanischen Publikum ihren besonderen Spitz- namen?" Chamberlin antwortete lachend:„Bis zu meiner Abreise war mir noch kein besonderer Spitzname bekannt, aber ich nehme an, daß mich bei meiner Rückkehr nach Amerika das Publikum so oder so schon getauft haben wird.* Die Lufthansa erklärt: Der Transozeanflug Chamberlins hat neben der Begeisterung, die er auslöste, auch manche Kritik wachgerufen. Diejenigen Momente, auf die sich die Kritik besonders bezieht, sind einmal die auf dem Zentralflughafen Tempelhos getroffenen sehr rigorosen A b- sperrungsmaßnahmcn der Polizei und die Tatsache, daß Chamberlin seinen Flugweg zwar über den Ozean gefunden hat, aber in Deutschland anstart nach Berlin zu kommen, bei Kottbus not- landen mußte. Die Lufthansa hatte, als die Meldung von dem Abflug Chamberlins eintraf, mitgeteilt, daß sie für seinen Empfang auf dem Kontinent ihre Flugleitungen und Vertretungen sowohl in Deutschland als auch in dem Ausland, dessen Gesellschaften mit der Lufthansa in Betriebsgemeinschaft fliegen, sowie alle Bodenstellen und Hilfsmittel zum Einholen Chamberlins zur Verfügung stellen werde. Es war jedoch nicht möglich, wie in Frankreich die ganze deutsche Grenze mit Staffeln von Flug- zeugen zu besetzen, die nach Mitteilung des mutmaßlichen Ankunftstermins sich sofort in die Lust erheben könnten, um das Geleit zu übernehmen bzw. um den Flieger zu suchen und dann zu geleiten. Deutschland hat bekanntlich außer den� 120 Flugzeugen, die im Dienste des Luftverkehrs stehen, nur noch Sportflugzeuge zur Berfügung, die in der Hand von Privatpersonen sind und die bei der kurzen Zeit, die vom Abflug bis zum Eintreffen Chamberlins zur Verfügung stand, organisatorisch nicht so zu erfassen waren, daß sie gleich den französischen Empfangsstaffeln eingesetzt werden konnten. Berücksichtigt wird ferner überhaupt nicht der sehr wichtige Umstand, daß am MPrtag der regelmäßige Streckenverkehr der Deutschen Lufthansa aufrechterhalten werden mußte, daß also die Flugzeuge auf den in Frage kommenden Stationen startbereit für den Verkehr stehen mußten. Ferner wurden umfassende Maßnahmen dadurch erschwert, daß bis zum letzten Augenblick nicht bekannt war, welches Ziel und Flugrichtung Chamberlin nach seiner Ankunit�über Irland nehmen würde. Da der amerikanische Flieger von Dortmund aus wahrscheinlich sehr bald infolge Nebelbildung an der Porta Westfalica in andere Richtung gedrängt wurde, und den Weg nach Berlin voll- ständig verfehlte, war es auch dem Dutzend in Berlin am Vormittag gestarteten Flugzeugen nicht möglich, Chamberlin zu finden. Dieser war infolge des dichten, über Mitteldeutschland liegenden Boden- nebels viel weiter südlich als beabsichtigt>. bge- kommen, so daß sich die Aufklärungsstasfel der Lustbansa und die„Columbia* Chamberlins verfehlen mußten. Inzwischen war Chamberlin bei Eisleben notgelandet; wenn nun die Bewohner der in der Nähe liegenden Dörfer telegraphisch oder telephonisch die Ver- hindung mit Berlin ausgenommen und dringend Geleitflugzeuge an- gefordert hätten, so wäre Chamberlin voraussichtlich in den frühen Morgenstunden, wie erwartet, eingetroffen. Wann kommt üer Transozean-Lustverkehr! Die glücklich gelungene Ueberquerung des Atlantischen Ozeans durch Lindbergh und Chamberlin hat von neuem die Frage aktuell gemacht, ob und wann mit einem regelmäßigen Lustver- kehr zwischen dem europäischen und dem amerika- nischen Kontinent zu rechnen ist. Die Projekte, beide Erdteile im Verkehr auf dem Luftwege zu überbrücken, reichen bis in die Jahr« 1924 und 192S zurück, und Vor- bereitungen sind in Amerika ebenso wie in England, Frankreich und Deutschland seit langem im Gange. In allen vier Ländern ist man sich darüber vollkommen klar, daß, wie ja auch die Tatsachen bewiesen haben, Flüge nach Europa nicht zu den Unnlöglichkeiten gehören, daß aber der umgekehrte Verbindungsweg heute noch Schwierigkeiten und Gefahren in sich birgt, deren Ueberwindung der Technik ge- Die Brücke im Dschungel. Sittzn- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. Wj Von V. Traocn. Copyright 1927, by 8. Traven, Tamaulipas(Mexiko). Sleigh hat recht. Und daß da hin und wieder einer im Müsse ertrinken mag, ist schließlich auch nicht schlimmer, als wenn die Kühe, Pferde und Esel in das Wasser gehen, sich halbe Stunden lang darin aushalten, um sich abzukühlen, Männer, Frauen und Kinder darin baden und Wäsche darin gewaschen wird.. „Mich,* sagte Sleigh nach einigen Minuten Schweigens. „interessiert viel mehr das mit dem Licht und dem Brett. Es ist doch eigentlich eine ganz merkwürdige Sache. Meine Frau hat mir schon davon erzählt. Die tun es daheim auch. Und das Licht findet den Ertrunkenen immer." „Immer?" frage ich zweifelnd. „Immer!" bestätigt Sleigh.„Meine Frau hat mir er- zählt, dchj dieses Licht sogar in einer ganz starken Strömung stromauf geht, wenn der Ertrunkene in jener Richtung liegt." „Das bezweifle ich ganz entschieden, ich glaube es ein- fach nicht und halte das für übertrieben." „Meine Frau hat es selbst gesehen und ich glaube es," sagt Sleigh, ohne sich aufzuregen.„Diese Indianer können eben mehr als wir." „Auch das bezweifle ich," antworte ich und meine es so. „Der Indianer kann nicht mehr als wir und weiß viel weniger als wir. Kein Farbiger kann mehr, auch nicht ein Chinese oder ein Inder. Das find alles Märchen, die man sich erzählt, weil man die Sprache nicht genügend kennt und einem die Sitken und Gebräuche fremd sind und uns darum geheimnis- voll anmuten. Ich kann Se versichern, Mann, daß ich Durst und Hitze leicht ertrug, wenn Indianer umklappten oder vom Felde mußten." „Das gebe ich zu." sagt Sleigh,„Sie und wir alle haben den Willen, das und das zu tun. Die Leute legen keinen Wert darauf, den Willen zu haben. Sie fragen sich: Wozu? Für den Weißen den Sklaven zu machen? Aber Sie wissen doch ebensogut wie ich es weiß, daß die Indianer sich von einer Klapperschlange beißen oder von einem Giftskorpion stechen lassen und es tut denen gar nichts, während miseveiner in ein paar Stunden alle ist auf Nimmerwiedersehen." „Jeder von denen ist auch nicht immun," widerspreche ich. „Sicher nicht, weil eben nicht jeder die Mittel kennt." „Und die sterben an Fieber und an anderen dummen Sachen genau so gut wie wir." „Natürlich, sie sind ja Menschen." Damit steht Sleigh auf und schürt das Feuer, um den Kaffee zu beschleunigen. Nachdem er sich wieder gesetzt hat, sagt er:„Wenn Sie der Meinung sind, daß hier keine geheimen Naturkräfte, die nur die Eingeborenen kennen, mitwirken, dann geben Sie inir doch eine natürliche Erklärung." „Das eben kann ich nicht. Die Erklärung finde ich nicht." Und in der Tat, ich wüßte nicht einmal, in welcher Richtung ich eine Erklärung für den merkwürdigen Vorgang suchen soll. Mir steigt eine Erinnerung an eine andere Methode auf, die ich einmal sah und ich sagte:„Ich habe einmal etwas ge- sehen, das zuerst sehr geheimnisvoll erschien, mir aber später, als ich darüber nachdachte, klar wurde. Ich habe einmal ge- sehen, wie ein Ertrunkener gefunden wurde dadurch, daß man Pulverladungen unter Wasser explodieren ließ und der Er- trunkene zum Vorschein kam. Aber das wirkt nur, wenn der Verunglückte schon einen Tag oder gar länger im Wasser ist. Durch die Explosionen wird da Wasser ausgerührt und der Körper, der ja jetzt schcn an und für sich oersucht, hochzu- kommen, an die Oberfläche getrieben." „Das ist natürlich," erwidert Sleigh.„Aber so einfach liegt dieser Vorgang hier nicht. Ich lebe lange genug hier unter diesen Leuten, und ich habe so viele merkwürdige Dinge gesehen, daß ich sie Ihnen gar nicht erzählen will, weil es ja doch zwecklos wäre, denn Sie würden nichts davon glauben" Mit Sleigh sich in solche Gespräche einzulasien, führt zu nichts. Ich weiß es nicht seit heute nur, ich weiß es länger. Er glaubt es und sucht nicht nach irgendeiner Erklärung.. Darum drehen sich Unterhaltungen dieser Art mit ihm immer im Kreise. Im Grunde genommen ist es mir auch gleichgültig. Ich habe es gesehen vom ersten Anbeginn bis zum letzten Ausgang. Die Handlungen waren durchaus klar. Unter einer Suggestion stand ich keineswegs, ich war nicht einmal schläf- rig, sondern vollauf munter. Freilich, einen Zeugen, einen weißen Zeugen habe ich nicht. Sleigh ist kein Zeuge. Seine Kritik, wenn er überhaupt an irgendeinem Dinge in der Welt Kritik übt, zählt nicht mit, wenn es sich um Angelegenheiten handelt, deren Mittelpunkt Indianer sind. In seiner Vor- stellung sind die Indianer mit asten geheimnisvollen Kräften ausgestattet, von denen man nur je geträumt hat. Er glaubt alles und schließt jedes neue Kapitel ab mit dem, was seine Augen sahen, seine Ohren hörten und seine Frau ihm erzählte. Es macht vielleicht die Umgebung. Ich überrasche mich selbst damit, daß ich anfange, nach keiner Erklärung zu suchen, sondern es so hinzunehmen, wie ich es sah. Warum nicht? Es lebt sich hier leichter und schöner, harmonischer und be- glückender, wenn man sein Hirn nicht mit Grübeleien belastet. Nimm es hin wie es ist, freue dich darüber, liebe,» tanze und stirb. Das ist hier— vielleicht überall— der ganze Sinn des Lebens. Alles andere ist der Unsinn des Lebens, aus dem alles Unheil und Herzeleid entspringt. Ich sehe auf und bemerke, daß Sleigh die Hütte verlassen und das Lämpchen mitgenommen hat. Und auf dem krachen- den Korbstuhl vor mir, von dem man sich nicht erklären kann, wie er überhaupt noch zusammenhalten mag, sitzt Perez. Perez, der Indianer, der den Kleinen aus dem Flusse brachte. „Hören Sie, Perez, Sie wollten mir doch zwei Gelb- Hauben besorgen, zwei Junge?" „Ich bin jetzt lange nicht im Busch gewesen. Ich gehe auch vorläufig nicht'rauf." Er sitzt breitbeinig aus dem Stuhl, dessen Sitzhöh!« nur noch eine Hand breit über dem Erdboden ist. Die Hände hängen zwischen den Beinen weit herunter. „Warum gehen Sie denn nicht in den Busch? Brennen Sie keine Kohle mehr?" „Ja. sehen Sie, Senjor, der Gringo da oben sagt, ich hätte ihm sein Maultier gestohlen, ich"sei ein Bandit." „Das glaube ich nicht, daß Sie ein Bandit sind, ich glaube auch nicht, daß Sie die Mula gestohlen haben." „Bestimmt nicht, Senjor, bei der Heiligen Jungfrau und dem Kinde nicht. Ich will doch hier gleich in die Hölle ver- sinken, wenn ich ein Bandit bin. Der Gringo ist nicht ehrlich. Er sagt, er hätte meine Fußspuren neben denen seiner Mula außerhalb des Fenzes gesehen und durch den Busch verfolgt. Ich gehe da nie hin, wo er die Fußspuren gesehen hat." „Ich habe davon gehört. Senjor Griggs sagt, die Mula sei hnndertfünfzig Pesos wert gewesen." „Esta bien, Senjor, da können Sie gleich sehen, daß der Gringo kein ehrlicher Mann ist. Achtzehn Pesos haben mir dies« vereiterten Hundesöhne in Llerra für die Mula bezahlt und dann sagt dieser Mann hundertfünfzig Pesos. Es ist ja zum Lachen. Und nun gar noch zu sagen, ich hätte das Tier gestohlen, das ist eine so niederträchtige Lüge. Anständig ist es nicht. Ganz gewiß nicht." Er ist aufgestanden und zum Feuer gegangen, um sich seine Zigarette an, zuzünden. Sleigh kommt zurück mit dem Lämpchen und einem irdenen Topf voll frischgemoltener Milch. (Fortsetzung folgt.) waltige Aufgaben stellt. Infolge der nördlich des 45. Breitengrad« herrschenden westlichen L u f t st r ö rn u n g e n. die fast während des ganzen Jahres ununterbrochen herrschen, ist es nicht nur nötig, Speziolflugzeuge zu schaffen, sondern auch Sicherungen auf der Flug- «Nie Irland— Neufundland zu schaffen, die es bei Havarie des Flugzeuges oder bei allzu ungünstiger Witterung dem Führer mög- lich machen, etwa ein an bestimmter Stelle kreuzendes H i ls s s ch i f s anzusteuern. Die deutschen Flugzeugfabriken haben, diesen Plänen Rechnung tragend, sich dem Bau sehr starker Wasserflugzeugs zuge� wandt, und noch im Herbst dieses Jahres werden die DorniSr« Werke in Friedrichshafen mit einem neuen Super-Wal heraus- kommen, der vier Motoren von insgesamt 2000 Pferdestärken besitzt und der nornialerwcise 2S Personen befördern kann. Auch die Rohrbach-Werke vollenden jetzt ein neues Wasserflugzeug, das ebenfalls gewaltige Ausmäste besitzt und dessen Seefestigkeit genau so wie beim Super-Wal bei der Durchführung der Konstruktion von entscheidender Bedeutung war. Weiter wird bei den Junkers-- Werken in Dessau und in der» Miinchen-Augsburger Maschinenfabrik eifrig an langsam laufenden Rohöl- m o t o r e n für Flugzeuge gearbeitet, die, wenn ihre Ausführung restlos gelingen sollte, schon den nicht zu unterschätzenden Vorteil der größeren Betriebssicherheit und geringeren lktnpfindlichkeit gegenüber dem Benzinmotor besitzen. Man wird in Deutschland mit diesen neuen Flugzeugen und Motoren jedoch vorsichtig prüfend an das große Projekt des Dzeanfluges herangehen und man wird keinesfalls, alles auf eine Karte letzend, etwa unter besonders»kigiinstiaen Be- dingungen die Ueberquerung des Atlantik in einem Rekordflug versuchen. In maßgebenden Kreisen der Verkehrelustfahrt ist man vielmehr der Ansicht, daß zunächst die große Wasserstrecke zwischen Irland— Neufundland, die ZSOV Kilometer beträgst systematisch in immer größer werdenden Etappen absolviert werden muß, wobei der Frage des Höhenfluges ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Ilm diese Versuchs durchzuführen und um später den regelmäßigen Luftdienst einrichien zu können, der sich übrigens im Anfang auf den Transport der Post beschränken soll, bedarf es einer deutsch- englischen Betriebsgemeinschaft, die erst geschasfan werden muß. In Deutschland beschäftigt sich die Luft- Hansa sehr eingehend mit dem transozeanische» Flugdienst, Und die leitenden Männer des deutschen Lustverkehrsunternehmens sind der Ansicht, daß, wenn das bisherige Tempo der technifcdcn Weiter- entwicklung nicht nachläßt, 1S29 mit den praktischen Ler- suchen begönne!, werden kann. Danach wird sich ein scharfer Kampf zwischen Flugzeug und Lenklustschisf enlspinnen, denn nach den letzten Meldungen wird das flir den Dienst Spanien— Südamerika im Bau befindliche Lustschisf Ansang 1923 fertiggestelll sein und seine Versuchsfahrten beginnen. Zu den zahlreichen C m p f a n g s f e i e r l i ch t e>i t e N sllr die beiden amerikanischen Ozeanslleger gesellte sich am Freitag abend ein Empfang, den der Amerikanische Club in Berlin im Hotel Adlon als ein Bankett oeranstülttte. Bon den zahlreichen Mitgliedern der amerikanischen Kolonie, die Neben vielen deuischen Gästen, darunter auch Behördcnvertketern und Sportsfreunden. erschienen waren, wurden die Amerikaner lcbhast begrüßt. Als erster sprach der Vorsitzend« des Klubs, Herr C Y r e. der das Hoch auf die Flieger ausbrachte. In zündender, häufig von Beifall unterbrochener Rede schilderte der amerikanische Bot- schaster S ch u r m a n das WagN-s des kühnen Fluges Und ging auch auf das völkerverbindende Moment dieses großen sportlichen Ereignisses ein. Besonders begeistert dankte er für oen Empfang, den die Berlmer Bevölkerung aus freiem Antrieb den Fliegern bekeiisi hatte. Reichsaußenminiftcr Strefemann, der noch ihm das Wort ergriff, kennzeichnete die Leistung der beiden Flieger als den Beginn einer neuen Epoche, über der das Ziel der Freundschaft und Verständigung aller Nationen der Menschheit stehen mög«. Die Zeugen dieses Fl>'q»s erlebten das Hochgefühl, daß de? Mensch nicht zum Diener der Maschine wird, sondern diese zwingt, ihm zu Willen /M. sesn�Wir wollen die Individualität hochhalten über der Mate- rialisierung di-eier Zelt, in der wir zu leben gezwungen sind. Auch dem Außenminister ginge es oft wie den Fliegern, die nicht wußten, wie weit sie kämen und die Siilriiien und Unwettern ansgeictzt waren. Aber nicht darauf käme es an, ob das einmal gesteckte Ziel erreicht würde oder ob es später ein anderer erreiche, sondern dar- auf, daß man es klar im Äuge behalte. Deutschland sei nicht am Ziel, sondern noch im Sturm und Unwetter. Aber er habe die feste Ucberzeugnng, daß das Ziel, dieVerständigungderDölker, erreicht werden würde Er dankte ganz besonders dem omerlka- nischen Botschafter dafür, daß er auf die Locarnopolilik und das Streben nach einer internationalen Verständigung hingewiesen habe. Einheitliche Straßenüecke. Versuche: Straßcnbahnschlcnen aus Holzbohlen. In der L ü tz o w st r a ß e vom Magdeburger Platz bis zum Lützowplatz hat man in Berlin zum ersten Male die Schienen der Straßenbahn auf Holzschwellen verlegt. Es handelt sich hier um einen Versuch, der, wenn er Erfolg hat, eine Aenderung der Gleisverlegung vornehmlich in Asphaltstraßen zur Folge haben wird. Die Schwellen als Träger der Schienen liegen auf einem ge- walzten Steindelt, die Grundlage ist durch das Unterziehen von Schwellen bedeutend sicherer als bei dem bisher üblichen Verfahren, bei dem die Schienen direkt aus die Sicinuilierbettung verlegt und mit Steinmaterial— Splitt— unterstoosl wurden. Durch den starken Druck lockerte sich nämlich beim Fahren das Steinmaterial und damit zugleich die Sckiienen, die dann erneut unterstopst werden mußten, wozu stets das Pflaster aufgerissen wer- den mußte. Diese Gefahr besteht bei der Lagerung aus Holzschw-llen nicht mehr, da der Druck besser als bisher vsrteili wird Die Holz- schwellen werden aus auserwähltem Holz lzum Beispiel bayerischen Gebirgskiesern) hergestellt und unter starkem Druck imprägnier'., um sie gegen alle Witterungselnflüsse zu sichern. Dann kommt Stein- pslaster über die Holzschwellen und über dieses eine fünf Zenti- meter starke Asphaltschicht, wodurch eine einheitliche Befestigung der Straßendecke erzielt wird. Die Decke ist so dicht, daß ein Ein- dringen von Feuchtigkeit von oben oder unten ausgefchlnlsen erscheint. In Dresden hat man bereits gute Erfahrungen mit dem Echwellenbau gemacht, die jetzt für die Reichehauptstadt ausgenutzt werden. Mit dem neuen Unterbau erstrebt man eine sichere Lagerung der Gleise, Verminderung der Unterhaltungskosten des Bahnkörpers und Verminderung der Geräusch«, außerdem wird eine Befestigung geschaffen, die mit der Vescstigung d-s übrigen Fahrdammes(Asphalt) übereinstimmt. * Gestern nacht wurde mit den Arbeiten zur G l eiserne u e- rung an der Potsdamer Brücke begonnen. In drei Ab- schnitten sollen auf der Strecke Potsdamer Brücke— Linkstr.iße oie Gleise erneuert werden. Im«rsten Abschnitt, der die Votsdamer Brücke umfaßt, werden gegenwärtig die Hilfsgleise gelegt. Die beiden weiteren Abschnitte, von der Potsdamer Brücke bis zur Eichhorn- strahe und Eichhorirstraße— Linkstraße werden nach Fertigstellung des ersten in Angriff genommen we'-den. Der Autounfall des Staatssekretärs v. Kühlmann. Der bedauerlich« Unfall, den der greise Staatssekretär a. D. Richard o. Kühlmann am 12. März d. I. an der Straßenkreuzung Unter den Linden Ecke Wilhelm st raße erlitt, wird am 21. Juni vor dem Erweiterten Schöffengericht Mitte unitr Vorsitz von Amtsgerichtsrut Kehner ein gerichtliches Nachspiel gegen den rücksichtslosen Motorführer haben. Wegen fahrlässiger Körper- Verletzung ist der Kaufmann Hans Schulz angeklagt. Er wird beschuldigt, das Haltgebot der gelben Lampe der Verkehrsampel nicht beachtet zu haben und mit seinem Motorrad über die Straßen- kreuzmeg hinausgefahren zu sein. Im Vertrauen auf die gelbe Dem /lnöenken Rathenaus. Raihenan-Stiftung Schloß und Park Freienwalde. In Freienwalde a. d. O. wurde am Freitag ein Werk geweiht, das ein Geschenk von Walter Rothenaus Erben ist und Walter Ralhenau ehrt. Schloß und Part Freienwalde. die«hemals dem Träger der preußischen Krone gehörten und Im Jahre 1901 durch Walter Rathenau erworben wurden, sind von seinen Erben zu einer vom Kreis Oberbarnim zu verwaltenden Stiftung hergegeben worden und werden fortan jedem B e- sucher zugänglich sein. Zu einer ernsten Feier versammelte sich vor der Terrasse des Schlosses eine kleine Gemeinde, die von der Stiftungsverwaltung eingeladen worden war. Rathenaus Schwester, Frau Bankier Andrea, nahm mit ihrem Gatten und ihren Töchtern an der Feier teil. Landrat Menge! vom Kreis Oberbarnim gedachte in seiner Begrüßungsansprache des edlen Toten, den sein jähes Ende daran gehindert hat, selber seine längst gehegte Absicht der Hergab« von Schloß aud Part für die Erholungsuchenden auszuführen. Bankier Andrea erwiderte mit Worten, die in ihrer Schlichtheit ergriffen. An dieser Siätte sagte er, sind in Walter Rathenau viele der Gedanken entstanden, die er in seinen Schriften niedergelegt hat. Hiek weckt die Erinnerung an ihn aufs neue in uns den Schmerz über das, was das Schicksal ihm und uns angetan hat. Seine schmerzgebougte Mutter hat an dieser Stätte, die wie keine andere Ihrem Herzen nahe war, die letzten Jahre zugebracht. An der Feier nahmen teil Vertreter des preußischen Ministeriums für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung. Vertreter der Provinzial- und Kreisverwaltung und der Stadt Frcienwalde. Es folgte eine Be- sichtigung des im Jahre 1708 für die Witwe Friedrich Wilhelms ll. erbauten Schlößchens, das Prof. Hermann Schmitz- Berlin wieder- hergestellt hat, und des prächtigen Parkes, der unter den Händen des Tiergartendirektors Timm- Berlin in alter Schönheit wieder erstanden ist. Bei einer Nachfeier im Kurhaus wurde von Herrn v. Wlnterfeldt, dem Landesdirektor der Provinz Brandenburg, hervorgehoben, daß Walter Rathenau bei der Erwerbung von Schloß und Park Freienwalde von vornherein daran gedacht hat, sie einmal für die Bevölkerung freizugeben. Der Redner wies hin auf den vorbildlichen Gemeinsinn, den Walter Rathenau und seine Erben mit diesem Werk bekundet haben. Eine Sxanüa'.ier§reilichtbühne. Das Bezirksamt Spandau der Stadl Berlin hatte für gestern morgen zu eimr Borbesichtigung der Freilichtbühne an der Zitadelle in Spandau eingeladen, und man darf sagen, daß der Besuch sich gelohnt hat. In einer Umgebung, die an sich schon sehenswert ist, ward der ichl cht« Bau errichtet, der zur Umrahmung dient. Und besonders glücklich ward die Aufgabe gelöst, daß die Anlag« in ke-ner Weise aus dem allgemeinen Bilde herausfällt. Eine Hauptbühne und zwei kleine.« Bühnen links und rechts im Vordergrunde sind vorhanden, bequeme Umkleideräume stehen den Künstlern zur Verfügung. In interessanten Ausführungen er- läuterte Stadtrat Dr. Zander Werden und Wollen des Unter- nehmen?. Spandaus Bevölkerung ist ohne Zweifel dankbar, jetzt ein noch dazu so herrlich gelegenes Theeler zu haben, und dies vor- züalich angesichts der Tatsache, daß Spandau bisher ohne jede Bühne war. Bänke mit Rückenlehnen für das Publikum sorgen für die nötige Bequemlichkeit, und sollte es, was man natürlich n cht hofft, einmal mitlen in der Borstellung zu regnen ansang«!«, so winken zu beiden Seiren schützende Dacher. Wenn erst in ein oder Zwei Jähren die Anlage von oichtem Grün überrankt sein wird, dann wird sie den Blicken vollkommm entschwinden und so eine Freilichtbühne im schönsten Sinne des Wortes sein. Am Sonntag nachmittag wird die erste Vorstellung stattfinden. Lampe war der Staatssekretär über die Straß« gegangen und wurde von dem Motorrad so scharf angefahren, daß er zu Baden geschleudert wurde und einen Schädelbruch erlitt. Der Angeklagte behauptet, daß zur Zclt der Ueberkr«uzung der Straße durch das grün« Licht der Weg freigewcsen sei. Dem stehen ander« Aussagen entgegen. Durch den Verteidiger ist als Sachverständiger Polizei- Hauptmann Engert vom Berliim Polizeipräsidium geladen worden, um über die technischen Fragen des Farbenweckisels Auskunft zu geben. Es soll nämlich der Mechsel vom gelben zum grünen Licht schneller vor sich gehen, als der von dein gelben zum roten. Unter den geladenen Zeugen befindet sich allch Staatssekretär a. D. o. Kühlmann.___\, der Sanöeroleneinbruch in Grüuderg. Vier Hehler in Berlin verhaftet. Für 130 000 M. Steuerbanderolen, hauptsächlich für Zigaretten bestimmt,«rbeuteten Einbrecher, wie wir seinerzeit mitteilten, in der Nacht zum 3. Mai dieses Jahres im Zollamt G r ü n b s r g in Schlesien. Die Ortspölizei setzt« alsbald auch dl« Berliner Kriminalpolizei in Kennlnis. Auf Grund dieser Mitteilungen stellte nun die Kriminalpolizei an den verschiedenen Slellen in Grdß-Bsrlin ihre Nachforschungen an. Die ständigen Beobachtungen blieben auch nicht ohne Erfolg, und di« Vermutung, däß die große Beute nach Berlin ge- langt sei, erwies sich als richtig. Berlin ist ja außer Hamburg und dem rl)cinisck>-w.»sljäiischen Industriegebiet Immer noch der Ab- sotzmarlt für derartig« Diebesbeute. Der Verdacht lenkte sich zu> nächst aus einen 32 Jahre alten„Kaufmann" Walter T h i e m e r aus der Elsäsier Straße 37, von dem das Sonderdezernat wußte, daß«r init dem Dahlemer Banderoleneinbrocher Karl Spang in engm Beziehungen gestand«» Hot. Die Banderolenangebote setzten erst vor drei Wochen namentlich in den Lokalen der Königstraße und der Schönhauser Allee ein. Die Verkäufer ginge» aber nach den Häsen Ersahrungen, di« andere früher machten, so vorsichtig zu Werke, daß ihnen lange nicht beizukommen war. Thiemer hatte sich mit«inein ganzen Stab von Digilantm umgeben, die Ihn nicht aus d«n Augen ließen, ihn stets deckten und zur rechten Zeit warnten. Hiernach mußten auch die Beamten Ihre Arbeit einrichten. Sie stellten trotz aller Schwierigkeiten fest, daß für 160000 Mark Banderolen angeboten wurden. Weil nun ein anderer Diebstahl mit so großer Beute nirgends oerübt worden war, so bestand kein Zweifel, daß die„Ware" aus dem Grünberger Zollamt herrühre. Gesten« begab sich Tkiemer nach einem Lokal in der Schönhauser Zl l l e e, das drei Ausgänge hat. Zwei davon wurden bald unauffällig besetzt. Ebenso unauffällig beobachteten Kriminalbeamte, die Thiemer heimlich auf de» Fersen gewesen waren, wo? weiter geschehen werde. Es ersdsien ein Mann, der wie ein harmloser Reisender aussah, stellte einen Lederkosser tn«ine Nische und setzte sich hin, um ein Glas Vier zu trinken. Jhin folgte ein anderer Mann, mit dem bald Thiemer in Verbindung trat. Ein Beamter, der auf der Lauer lag, vernahm, daß dieser mit ihm über Zigarcttenbonderelen verhandelte und daß man sich auf einen Preis von 800 M. einigte. Jetzt holte Thiemer den Lederkoffer au» der Nische heraus, um ihn dem Käufer zu überreichen. In diesem Augenblick griffen die Beamten zu. Der Koffer»nthtelt für 52000 Mark Banderolen aus Gründer g. Thiemer »nd seine Freunde waren so„in» Druck" gewesen, daß sie für jeden Preis hatten losschlagen wollen. Die Posten an den Ausgängen entpuppten sich als ein 40 Jahre alter Paul Flaum aus der Glasgower Strahe und ein ISjähriger Friedrich Sittel, die beide Händler sind.„Der harmlose Reisende" ist ein 27 Jahre alter Händler Friedrich Werner. Flaum ist wahrscheinlich auch einer derjenigen, die den Einbruch ausgeführt haben. Wo der groß? Rest der Beut« verborgen ist, weiß man noch nicht. Gut« Konzert« boten diesmal Nachmittag und Abend. Nach- mittags hörte man Lieder und Klavierkompositionen, abends ein von Georg Szell dirigiertes Orchesterkonzert, in desicn Mittelpunkt Chopins großes Klavierkonzert in E-Moll Op. 11 stand. Selma Honigbcrger spielte das Konzert mit technischem Können, doch betonte ihr harter, modulationsarmer Anschlag stärker als nötig den virtuosen Charakter des Werkes. Schumanns musikalisch außer- ordentlich schöne, aber wie alle seine sinfonischen Werke ist im Innersten dem großen Orchester fremde O-Moll-Sinfonie bildete den Beschluß de» Abends. Sie wurde von Szell eindrucksvoll inter- pretiert. Zum SO. Geburtstag Ernst Heilvorn», des geistigen Fontane-Rochfohren, horte man«in« seiner Novellen„Geburtstag" Alfred Broun los sie warmherzig und so schön und schlicht vor, daß dies« halbe Stund««inen ganz reinen Genuß bedeutete. Sladtver- ordneter Genosse Erich F l a t o u, Vorsitzender des Oriskortells Berlin des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes, zeigte in seinen Ausführungen die Förderung der Kultur durch die G«merkschafte», Aufgaben und Sinn der GeuOrksschaftsbewegung, die nicht nur im Kampf um bessere Arbeitsverhältnisse sich erschöpft, sondern darüber hinaus den kulturellen Willen in der Arbeiterschaft lebendig macht und anregt, Tea. Der Kasizber üer Fememörüer. Ein Gefängnisaufseher als Briefträger. In der Angelegenheit des am Pfingstsonnabend wegen Durch- stechereien im Untersuchungsgefängnis Moabit verhafteten Strasanstaltsoburwachtmeisters K. haben die Ermitt- lungen ergeben, daß der Beamte einen Brief des zum Tode ver- urteilten Fememörders Fuhrmann, der sich wegen seiner Revision noch immer im Untersuchungsgefängnis befmdet, nach außen befördert hat. Es haben sich aber keine Anhaltspunkte dafür ergeben, daß mit diesem Kässiderverkehr ein Fluchtversuch vorbereitet werden sollt«. Bei einer Haussuchung tn der Wohnung des Be- amten wurden noch weitere Briese von anderen Gefangenen ge- funken. K. behauptet aber, daß er diese Briefe Nicht weiterbesördern wollte, sondern die Absicht gehebt habe, sie zu vernichten. Au« alle H�ält« ist die Annahme dieser Briefe allein schon eine straffällige andlung des Beamten. Den Inhalt des Briefes von Fuhrmann will K. nicht gekannt haben, sondern er will nur der Meinung ge- wesen sein, daß es sich um ein Empfehlungsschreiben Fuhrmanns an einen Direktor gebändelt habe, ihm, K., eine Nebenbeschäftigung zu verschassen. Rechtsanwalt Dr. Diamant hat inzwischen einen Hafdentlafsungsantrag kür St. gestellt, über den in den nächsten Taxen entschieden Wörden wird........ Der öetrug gegen Sie Reichsbahn. Milde Strafen gegen die Haupttäter. In dem großen Bstrugsprozeh Krstoschiner und Genossen, bei dem es sich bekanntlich um die Schädigung der Reichsbahn in Höhe von 400000 Mark handelt, bezeichnete der Staats- anwalt das Betrugsmanöoer der Angeklagten als ein Gauner- stück ersten Ranges,� das mit den größten Rassineinenis von dein flüchtigen Rumänen Edelstein ausgeklügelt worden ist. Reben Edelstein war Willi Krotoschiner die Seele des Unternehmens, während der Angeklagte Pbilipp Wüst das Schwindelkonsortium zu- sammcngebracht hat. Krotoschiner wohnte in einein Hotel in Tilsit und hob auf Grund der dort eingegangen«» falschen Nachnahmibe- scheinigungen die Gelder ab, um sie zur Verteilung zu bringen. Nach den Plänen Edelsteins, die geradezu ins Geniale gehen, sollten die Waren, die unter Nachnahme nach Reval weitergeleitct worden waren, dort nicht nutzlos liegen bteiben. Es war von Edelstein bereits ein neuer Coup vorbereitet worden, in London das Be- trugsmanöver fortzusetzen und die Nachnahmebegleitscheine bei der Midland-Vank zu lombardieren. Zu diesem Zwecke wurde der An- geklagte Edler nach Landan geschickt. Dieser war sür derartige Zwecke gerade der geeignelstc Mann, da er sließend englisch spricht und mit den Gefängnissen fast der gesamten zivilisierten Welt bereits Be- kanntschast gemacht hat. Lediglich die Entdeckung der Betrügereien des Rudas in Memel brachte den sorgfältig vorbereiteten Plan in London zum Scheitern. Der Staatsanwall beantragte gegen Krotoschiner 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, 2 Jahre Ehrverlust: gegen Edler 2 Jahre 3 Monate Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust: gegen Wüst 1 Jahr 8 Monate Gefängnis, serner gegen Frau Hedwig Moses, gen. Moser, wegen Begünstigung 200 M. Geldstrafe. Bei dieser Angeklagten hatte Krotoschiner in deren..Pensionat" im Westen vor seiner Verhaftung sich fünf Tage gegen Zahlung von 20 M. tag- lich versteckt aehalten. Bei Frau Krotoschiner wurde Freisprechung beantragt. Das Gericht verurteilte die Kaufleute Willi K r o t o- s ch i n e r und Amandus Edler wegen gemeinschaftlichen B e- trugt» gegenüber der Reichsbahn zu je 2 Jahren Gefäna- n i s und 3 Iahren Ehroerlust, unter Anrechnung von 9 bzw. 8 Monaten Untersuchungshaft. Der Angeklagte Philipp Wüst wurde freigesprochen, weil ein ausreichender Beweis nicht erbracht erschien, daß er gewußt habe, um was es sich drehte. Er wurde sofort aus der Haft«ntlossen. Aus denselben Gründen wurden die wegen Begünstigung mitangeklggten beiden Frauen freigesprochen. Der Islam in Verli». Im H u m b o l d t- H a u s e in der Fasanenstraße beging die Islainische Gemeinde ihre Id-ul-Adha-Feier Dieses Fest, namentlich unter der türkischen Bezeichnung Kurban-Beiram be- könnt, wird gemeinsam mit all den Pilgern gefeiert, die um diese Zeit des Jahres nach Mekka, dem moslemischen Heiligtum, wandern. Die Feier» in der moslemischen Kolonie gestalten sich von Jahr zu Jahr verschiedenartig. Sie sind ebenso bunt, so abwechslungsooll, so typenreich wie der ganz« Orient selbst. Diesmal sah man unier den Betern Inder, Syrier, Aegypter, Türken. Deutsche, die Moslem geworden, und Tripolitaner. Obwohl der Mohammedaner di« Musik beim Gottesdienst obkehnt, da er in ihr eine unehrliche Beeinflussung mutmaßt, werden die Koransuren doch nicht rein gesprochen, son- der» halb gesungen. Wieder wirkte auch diesmal der wunderbare Rhythmus, der durch di« körperlichen Bewegungen in das Gebet gebracht wird. Nach der religiös«» Feierlichkeit wurde das Isla- m i a» H« i m von Herrn Dr. Göpel, dem Leiter des Humboldt- Hauses, der islamischen Gemeinde und der atad«misch-islamischen Vereinigung Jslomia übergeben. Es ist ein sehr bescheidener Raum unter dem Dach des Humboldt-Hausee, der hierdurch den Studenten zur Verfügung gestellt wurde. In mehreren Bücherregalen bemerkt man den kleinen Grundstock zu einer Bibliothek und an der Wand hängt in den wunderbaren arabischen dekorativen Buchstaben ein «pruch, der den sür edel preist, der sein Versprechen hält. Der Imam dankt« un Namen setner Gemeinde für das Heim. Dr. Göpel wünschte feinen Freunden olles Gute, dasselbe tat Prof. Kampfs- m s y e r, der Dozent für Arabisch am hiesigen Sewinar für orien- talische Sprachen._ Sozia'.« und öffentliche Hygiene. med. Gesellschaft behandelte vor ein D�ema, das eigentlich in keinerlei Zusammenhang mit tliner Stadioerwaltung steht. Es handelte sich UM den Ur- Die Berliner kurzem der Be_______. MWWWWW sprang der hannoverschen Typhusepide'm i e. Der Re. serem, Geheimrat Hahn, fand aber trotzdem den Uebergang, um der Stadtverwallung schwere Vorwürfe zu machen. Für die Sa- nierung der Städte und die Krankenhäuser geschehe nichts. Da- gegen werden die soziale Hygiene und die Sportps-ege übertrieben. Genossin Dr. F r a n t e n t h a l erwiderte ihm, daß Berlin in diesem .Jahre 4% Millionen für Krankenhaus-Neu- und Ausbauten in den Etat eingestellt habe. Wenn die Summe nicht größer sei, so liege das nicht an dem mangelnden Interesse, sondern an der steuerlichen Behandlung, die Berlin erfährt, und für diese Behandlung sind sicher nichr Kreise verantwortlich, die der Mehrheit im Berliner Nathaus nahestehen. Es ruhe viel auf den Schultern der Vierinil- lioneuftadt, denn die staatlichen Institute widmen sich, unbeschadet der Berliner Bettennot, ihren rein wissenschaftlichen Ausgaben. Bei dem kürzlich abgeschlossenen Vergleich zwischen Charile und Stadt hebe die Stadt in bezug aus die Bettenbelegung ganz erhebliche Kon- Zessionen machen müssen. Gcheimrat Hahn hatte aueaesührt, daß in dem am dichtesten bevölkerten Teil Haimooers nicht nur absolut, sondern auch relativ am meisten Erkrankungen vorgekommen sind, 'chloß sind, sser- und er schloß daraus am die Verseuchung des zustandigen Was wertes. Genossin Frankenthal erwiderte, daß sie diesen Indizien- beweis nicht anerkennen kann, denn bei jeder Epidemie sind die be- völkeristen, proletarischen Gegenden am schwersten gefährdet. Oeffent- liche Hygiene ist eine Geldfrage, und solange die Bevölkerung in u n- Zir reichenden Wohnungen lebt und ein Einkommen bar. das ihnen nicht erlaubt, sich die Nötigsten Gebrauchsgegenstände, vor ollem Wäsche und Betten, in ausreichender Menge zu beschaffen, solange ist die öffentliche Hygiene lahmgelegt. Hier müssen soziale Maßnahmen eingreifen, und aus diesem Grunde müssen die Einrichtungen der sozialen Hygiene nicht abgebaut, son- dern ausgebaut werden. In seinem Schlußwort erklärte Ge- heimrat Hahn, er freue sich ja über die Fortschritte der sozialen Hygiene und bade bei seinen Aussührungen auch vorwiegend an Sportplätze u. ä. gedacht, wofür seines Erachtens zu viel ausgegeben wird. Der Eindruck, daß in Berlin alles falsch gemacht wird, scheint in der medizinischen Gesellsdx-st um so eindringlicher geäußert zu werden, je naher man den Wahlen zur Aerztekammer rückt. Nene Kraftpostlinien in der Mark. Die Reichspost hat, in dem Bestreben, die Mark immer mehr dem Berkehr zu erschließen, kürzlich achtneueKkaftpstlinien in Betried genommen. Folgende Verbindungen sind neu ausgt- nommen worden: Alt-Landsberg— Ihlow— Wriezen— Bad Freienwolde(Oder); Alt-Landsberg�Buckow— Wriezen— Bad Freienwalde (Oder): Buckow— Strausberg Ostbahnhof: Bernau— Wandlitz Seebad (Sommerliuie): Frohnau Bahnhof— Dominikanerstift— Hermsdors: Herinsdorf Bahnhof— Glienicke— Schulzenhöhe: Bad Freienwolde lLo-er)— Neu Rüdnitz und Wittstock— Herzsprung— Blumenthal— Wittstock. Era.attzuugßtvahle« im Freidenkerverband. Di« legten Wahlen des Verbandes für Freidenker- tum und Feuerbestattung für die U» t e r b s z i r k s- l e i t u n g e n und Delegierten für die Bezirksgenerafversamm- long haben in den Reihen der Mitglieder große Ausregung hervor- gerüfen. In einigen Unterbezirken konnten die Wahlen überhaupt nicht vorgenommen werden, in anderen nur sehr unvollständig. Hunderte 00:1 Mitgliedern mußten, ohne ihr Wahlrecht Überhaupt ausüben zu können, umkehren, weun sie nicht stundenlang vor den Wohllokalen warten wollten. Die Wahlbeteiligung war nämlich um weit über IlX> Proz. stärker als In den vergangenen Jahren, an sich euie ganz erfreuliche Erscheinung, wenn diese starke Wahlbeteiligung auf das zunehmende Verständnis der Mitglieder für die Sache zu buchen wäre Leider muß auch hier festgestellt werden, daß die große Beteiligung hauptsächlich auf eine demagogische Mache der kommunistischen Partei zurückzuführen ist. Wie in allen Arbeiterorganisationen, so versucht sie auch die Frei- denkerbewegunq für ihre parteipolitischen Interessen zu mißbrauchen, denn jedes tätige Mitglied wird sich wohl erinnern, daß in noch nicht allzu langer Vergangenheit die Mitgliederversammlungen, ge- messen an der diesmaligen Wahlbeteiligung, trotz noch so wichtiger Tagesordnung und lehrreicher Vorträge, noch nicht den fünften Teil Beteiligung aufzuweisen hatten. Nicht wenige sogenannte„ent- schieden« Freidenker" konnten festgestellt werden, die S4 Stunden vor d est Wahl erst ihre Mitgliedschaft erworben hatten. Dieser parteipolitische kommunistische Einsluß äußerte sich den nicht kommunistischen Mitgliedern gegenüber mit- unter in unerhörten Formen. Ob die Mitgliedschaft in den ferneren Wahlen dies noch über sich ergehen lassen wird, ist nicht gut an- zunehmen. Der H a u p so o r st a n d beschäftigte fick nun auf An- trag der Bezirkeleitung Groß-Berlin mit der Frage der weiteren endlichen Erledigung bzw. mit den Nachwahlen einzelner Bezirke. Die eingegangenen Wahlergebnisse und P r o t e st e wurden einer Prüfung unterzogen: dabei kam der Borstond zu dem Entschluß,«ine Anzahl von Wahlen in den Unter- bezirken, wo überhaupt keine Wahlproteste vorlagen und in einigen, deren Wahlproteste das Wahlergebnis auch bei einer Neu- wohl nicht beeinflussen würden, für gültig zu erklären. In den U n te r b e z i r'k e n, wo wegen Raummangel überhaupt nicht gewählt wurde oder die Wahlproteste die Beweise erbringen, daß eine ordnungsmäßig« Wwicklung ein anderes Wahlresultat gezeitigt hätte, soll nunmehr beschleunigt zur Wahl bzw. zur Neu- wähl geschritten werden. Es handelt sich hierbei besonders um Bezirke mit zahlreichen Mitgliedschaften. Um die Stimmenabgabe jedes Mitgliedes so zu gestalten, daß möglichst wenig Zeit und Kraft geopfert zu werden braucht, wird die Abstimmung in mehreren Lokalen oorgcnommen und auch die Kontrolle entsprechend verstärkt werden. Die Bezirksleitung Groß-Beriin hat die nötigen Vor- arbeiten in Angriff genommen. Sind die Unterbezirke mit den Wählen dann geregelt, wird eine Zusammenkunft der Unterbezirks- leiter statlfinden, die Stellung zur Bezirksgeneralversammlung usw. nimmt._ Für Sie tzerbftjugenüweihen werben schon jetzt die Ausnahmen in folgenben Anmelbefiefien unier Zahlung der Einschreibegebühr von 50 Pfennig entgegen» genommen: Berlin; Große» Schaufplelhaas! Jugendsekretariat, 8W 68, LmdeNltr. 3, 3. Hos e Trcvvcii, Zimmer II, aeöffnet von g— ö Ui>r, MittwoÄS und l-reitags von i>— 7 Uhr. s. Joseph. NW 31, WilhelmShaoener Str. 48 iVorwärts-Tpcd.i, P. Kroll, bf 65, Utrcchter Str. 21(Rellaurant>, Ä. Hö- Nilch. N 65, Müller- Ecke Utrechlcr Str. iVdrlvörts-sped.), W. Doffmann, N 58, ttpchcNcr Str. 8(Restaurant), H. Obli, N 54, Ackerstraße 174(Cor- wärts-Sped.), V. Dobrphlaw, X 87. Swinemünder Sir. II(Restaurant), K. Anbersson, N31, SNaisimder Str. 19, 6.(Seeth, N 113, Greijenhagener Sir. 22 lVörWärls-Sped.). H. Fächer. N 20, Basilanllr. 7 sVorwärts-Sped.), P. Dö-z, XO 55, JnimaNuelkl'.chstr. 24 iVorwärtS-Spcd.), SS.(Silbe, NO 18, Landsheroer Allee 45 I, M. Wartmann, O 34, KöNigSderger Str. 37(Photo- geichästl, K. Melle, O 34, Petersburger Platz 4(Aorwärts-Sved), L. Witt- schuß, 0 34, Petersburger Str. 5(Restaurant), F, Arndt, 0 27. Markus- Pratze 36(VorwärtS-Sved.), F. Petke, SO 36,(Sloaauer Str.' 30 vorn lV, P. Böhm. SO 36. Lausitzer Platz 14,15(Pörwärts-Sped.). P. Wer, SO 26, Naunynstr. 9(RestüurailtL 33.(Yallas, Baums ch u 1 c n w e g, Schräder- Pratze 16 vorn III, E. Meckelburg, Treptow, Graetzftr. öt)(Siorwärts- Spcd.), Frau Ktawitler,'S ch ö n e b« �g, Apostel-Paulus-Str. 7, R. Petrio, Schönebcrg, Ebersstr. 70, Ratbmann, Schöueberg, Belziger Str. 27(Bor- wäcis-Spcd.),(S, Schaudt, Friedenau, Bachestr. 9, Frau Nngerer, Wilmersdars, Hanauer Straße 43(Siedtung)� K. Schönwetter, L i ch t e r s e l d e- B e st, Höndetplatz 5, F Hamburg, Steglitz, Schlotz- Pratze 163, 33. Skubig, Steglitz, Ringslr. 7, Gartenh. III, G. Felgenlreu, Lankwitz, Cbarlottenstr. 34. (lharlotler.burg: Schiller-Theater: BorwäitS-Spedition, Ebarlottenburg SeseNheimer Str. t, plr., Frau Joachimie, Charloitenburg. Kaiserdamm 95 Eingang Nognltzstr. von 14�-18 Uhr(Borwärrs-Sped.). Schulz, Charlotten- bürg, Droysenstr. 12, I. Gartenh. III. Puseniak, Cbarlottcnburg, 3lugö- burger Str. 47, rtr„ F. Schmidt, Cbaitolienburg, Atosinenstr. 4(Laden), Deutscher Verlehrsbund, CvarlotteNburg, Bavreutber Str. 3t. Pankow: Lyzeum: K o n s u m v e r k a u s s st e l t e n in Pankow, Wöllanlstr. 102. Berliner Str. 47. Breilestr. 16, Kiisingenstratze. und bei Moh S ch a r s st« d t, Pü»kow>süd. Spietermanustrotze 30. K o n I u M- verkäus» st eilen in Riederschönhausen, Küiser-Wsthelm- Stratze 79 und Kaiserweg 60._ Dochstuhlbrand in Schöneberg. Im Serbenflugeldachstuhl des Mietshause» Wexstrahe 63 zu Schöneberg entstand� gestern nachmittag kurz vor 942 Uhr F e u e r, dos sich mit großer Schnellig- keit ausbreitete. Als Hausbewohner durch eine starre Verqualmung des Treppenhauses aufmerksam wurden, brannte bereits ein Teil des Dachstuhles lichterloh. Beim Eintresfen der Feuerwehr, die mit vier Löschzügen unter Leitung des Branddirektors Floeter anrückte, Ichlugen aus den Bodenluken hohe Flammen heraus, v.eber die Treppenhäuser drangen die mit Sauerstofshelmen und Rauchjchutz- masken versehenen Feuerwehrbeamten nach oben vor. Zum Glück gelang es ein Uebergreifen des Feuers auf dos Borderhaus zu ver- hüten: der Dachstuhl brannte völlig nieder. Der Schaden ist erheb- lich, iedvch durch Versicherung gedeckt. Als Entstehunpsurfachs wird Brandstiftung vermutet. Arbeiter Sallur-Kartell Sroß-Vertlu. Die Sannen wendfeier findet am Sonnabend, dem i8. Juni, im Bolkspark isteukölln statt. Das Orchester des Deutschen MusikerverbandeS künzertiert von 8 Ubr an. Bei ieinbrechender Dunkelheit Auszug der Gruppen. Fackelreigen. Gesang des gcsamieu 9. BezirlS und anderer Chöre des Deutschen Slrbeitersänger- Hundes. Der S p r e ch ch o r s ü r Proletarische F e i e r st n n d e n spricht aus Tollers.Tag des Broletariats». Gemeinsamer Gesang. Sonnen- wendseuer. Karlen jü 30 Ps. find bei allen Gewetkschasts. und Vartei- sunktionären und in den bekannien Buvaus zu haben. Fackein werden am Platze, Stück zu 30 Psennig, abgegeben.— 3lm S a n n t a g, dem 28. August, findet aus der grotzen Wiese in Treptow ein Volks- sest statt. Eestamfefl und Tripofi»schau. In diesen Tagen seiern die Mohammedener hr höchstes religiöses Fest, das B a i r a m, da» von ibnen streng innegehalten wird. Jnsolgedesien siebt sich die T r i p o l t s s ch a u gezwungen, am Hauptlestlage, Sonnabend, lt. Juni, zu ichlietzen. Gteichzeitig sei be- merkt, datz auch die Juden auS Tripolis streng an der Heiligung des JabbaIHS festhakten. Am connlag werden wieder die üblichen Vorstellungen gegeben. Für die Jugend hat die TripollSschau einen neuen Reiz dadurch gewonnen, datz die Kleinen aus den Berberhengsten und den Mauleseln reiten können. (freireligiöse Gemeinde. Sonntag, vorm, 11 Ubr, Pappelallee 16, Vor- trag de» Herrn S. Willbauer:.Die Gedanken sind srei." Harmonium: .Die beiden Grenadiere."(Schumann.) Gäste willkommen. Politik»der Geschäft?— Eine Bilanz deukschnationoler Versprechungen! Die Kameradschaslen Westen I und II des Kreisvereins Tiergalten des Reichsbanners Ichwar z-R et.® o t d veranstalten am Dienstag, 14. Juni. 8 Uhr, in der Ebailolten-Schnle, Steglitzer Stratze 29. eine groge öffentliche Versammlung mit obigem Thema. 3i!s Redner sind gewonnen die Kameraden Helmut v. G o r l a ch und Dr. M i s ch l e r. Eintritt 20 Ps. 31 n die Republikaner des Westen» ergehl die Ausfarderung, diese Versainm- tung tn Massen zu besuchen I___ Dyrd bereitet einen neuen bereitet einen seinen mit drei i*nu4ui»»i will er jedoch erst, wenn Lindbergh zurückgekehrt ist, und zwar wird er sich von einem Piloten und einem Monteur begleiten lassen. Sozialistzsche Brbe!terfugenS Groß-Se?l!n. Achtung, F-elensohrt i» das Erzgebirge! A»«elduag im Sekretoriat bi, 20. Juni erforderlich. Anzahlung, wcna niöglich sofort. heule, Sonnabend. 11. Juni: Schövhausc- Vorstadt: Tresfpunkt zur Matteatti-Dedenlfeier 18(4 Uhr Bhf. Schönhauser Allee. Weitzensee: Tresspuvlt ISVi Uhr Autouplatz zur Matte. o!ti-Äeder,kfeier. Alle Henosfinuen und Genossen nllllse» sich oeteilige».— Adtershaf und Friebrichshaaen:-Uottrag aus dem Wasser.— Friedenau: Fahrt Kölpinsee. Treffpunkt 21 Uhr Stuvenrauchstr. 28—29. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Heim Danziger Str. 62. WWW' tkfetec. Matleotti-Eedenkssier.""" Lerbebeziri ttrenzberg: Alle ivteressierten Funktionäre beteiligen sich W am Wochenendkursus der Iungsozialisten in Klein-Körio. Thema: sisi„Stellung zur Kirche." Treffpunkt 1711 Uhr Göll. Bhf. Sonntags. g jahrer%7 Uhr daselbst. Wervebezirk Schöueberg: Werbebezirksvorstandssitzung bei Diederich, Stubeurauchstr. 28—29. Nlorgcn. Sonntag, 12. Juni: Schönhauser Berstadt " I>■ Fahrt. Tresspunkt M Uhr. m W W Fahrgeld 60 Pf. .. Ft. 7 Uhr Rathaus.— Wannsee: Schule Charlottenstratze. Heimabend.— Lichrenberg.Mitte,-tztord und-West: Bestchtigung der Wochenend. ttusstellima. Treffpitnt! 9 Uhr Bhf. Etraiau-Rummelsburg.— Re:»i6ensorf- West: Baden in Saatwinkei. Trestpuukt 3 Uhr. Kaulsdors: Besuch der Wochenendauostelluug. Treffpunkt>,18 Uhr Bhf. ltaulsdorf. Werbebeziri Kreuzberg: Jugendheim Lindensir. 3. 20 Uhr Matte- � dtti-Htdenkferer. S Werbebezirk Schöueberg: Besichtigung des Grotzkraftwerkes Rummels- � bürg. Trefipunkt 8 Uhr Kaiser-Wilhelm-Plaz. Nachzsigler MV Uhr am Werk. Wcibebezirk Neukölln: W-rbebezirk-sahrt: 1? Uhr Linnewitzsee (SUdspitze des Eees>. Treffpunkte der Gruppen: Neukölln I(r? Uhr Neuterpiatz; Neukölln II ih? Uhr Bhf. Neukölln: Neukölln III und IV 7 Uhr Bhf. Hennanttstratze: Reuköll» V%d Uhr Bist. Neukölln; Neu. kölln Vi:(jB Uhr äihf. Uaiser-Friedrich-Stratze. Werbcbezirk Teltowkanal: Heim Lichterfelde, Albrechtstr. 14a ' �.......»Sedt (Bühnensaal). 20 Uhr Matteotti-Gedenkfeier. Vorträge, vereine unü versammlungei� Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold-. Eeschäkts stelle: Berlin E 14. Eebastianstr. 37/88, Hof s Tr. Sonnabend, 11. Zuui. Berlin-Johannisthal: Mitgliederversammlung 20 Uhr bei Schöps, Eeünauer Stratze. Gruppenführer 1 Std. stllher.— Sonntag, 12. Juni. Mitte-Kreis: AusMarsch. Antrete» 7 Uhr Schlei. Bahnhos.— Montag. 13. Zuui. Kreuzberg, Iunam. I: Heimabend. Aussprache übrr die Gruppenarbkit.-- Dienstag, 14. Juni. Pankow(Kreis): lg r- Uhr Kameradschaftsversammlung Karow, bei Klug, Blankenburg, Dorfstr. 2.— Schöneberg-Zriedeuan: Die Kameraden, die sich an der Pslichtveranstaliung, Gaufest Frankfuri», d. O., beteiligen, müssen sich unverzüglich in der Gr- (chäftsstelle Belziger Stw 27 Meiden. Fahrpreis 3,80 M. lsonntagsrUcksahr. kartet.— Treptow: Der Kreisverein Treptow fährt am 25. Juni per Auto nach gkaNIfurl a. d. Q Volksbnnd Naturschutz, e. V. Sanntag, 12. Juni: Treffpunkt 8'4 Uhr Hovel- brücke be: Picheisdorf(Eliktrifche Bahnen nach P., Autolinien oder Bhf. Pichelsberge, 20 Min. Futzmarsch). Für Nachzügler: der gleiche Treffpunkt wird 10 Uhr wieder berührt. Wanderung Pichelswerder�Eatow— Kladow— Eakrow-Potsdam bzw. Waxnset. Führer Reg.-Rat Dr. Fricke. Sonntag, 19. gunt: 8.35 Uhr ab Potsd. Fernbhf. nach Wildpark— Golmee Luch— Werder. Führer Dr. Silase. Berliner Giperanta-Äescllsibast. Dienstag, 14. Juni, l9>4 Uhr, Beginn eines neuen Esperantokursus für ANfönzec bei Iostq, Potsdamer Platz, Verein». zimmer. Teilnahme unentgeltlich. Homöopathischer Volksgesundheitsuerein Hahuemaw». e. V., verlin. Mitt. wach, 15. Juni, 20 Uhr, im Restaurant Petersburger Str. 57, Mitgliederocr. sammlung. Bortrag:„Augendiagnose." Ltchtbilderoaetrag. Republikanische Reduervereinigung. e. 93.____ Astaniet", Anhalistr. 11, 1.. Eitzungsabend noch den neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Montag, 20 Uhr, im„Alfen Pfingstferien. Ausnahme „, Gesellschast zu Beili«. Donnerstag, 10. Juni. 8 Uhr, im (nn.tül stlr vrolNsche Pspcholögie. Kuriürsteudamm 45. spricht Dr. Friedrich iuther Uber„Die Probleme der Eidefik". Anmeldungsaesuche von Gästen wer- den au Geh, Sanitätsrat Dr. A. Moll, Kurfütstendamm 45, erbeten. Liga Mlromunbum,«. B. Dienstag. 14. Juni, 21 Uhr, Vdrtrogsobentz im Planetarium am Zoo:„Der StefnenhiinMel von Berlin bis zum Aequawr." Karten in der Geschaiissielle der Liga, Betlin-Eharlottenburg, Bleibtreustc. 20. Gästekart.'n 80 Pf. Mitglieder frei. Deutscher«lpeuverein, t. 93., Berlin. Dienstag, 14. Juni, 20 Uhr, Aula dks Jalk-Realgymnasiums, Llltzowstr. 840, Sitzung. Bortrag:„Kilrperhygiene des Bergsteigers"(Mit Lichtbildern und Filmvörführunq). Eintritt frei. Gäste willkommen.— Tonnerstag, 23. Juni, 20Vi Uhr, im Pscharrhaus, Kaiser. WslhelM-Gedächtniskirche, hlussproche über Reiseziele. Einleitendes Neferal: „Wie stelle ich eine Aipeneeise zusammen?" Gäste willkommen. Ortsgruppe Berlin-Osten der Bereinigten Verbände betmattreuer Ober- schlesier, e. V. Sonntag, 12. Juni, 10 Uhr im Saalbau Friedrichshain, arotzes Garrenkonzert mit Bich n-n schau und Gesangsvörträgen. Eintritt einschlretzlich Steuer und Tanz 50 Ps. Reichsbnnd der KriegiibeschSdb bliebenen, Ortsvcrein C...... Mitgliederversammlung. Bundestag. Deutscher Montsten-Bund. Montag, 13. Juni, 20 Uh», spricht im Werner. Eiemens-Realgmnnasinm, Bsrltn-GchSneberg, Hohenstaufenstr. 47— 48, Recht». anwalt Alwin Cänger-München, M. d. R., über„Gchule und Konkordat". Wifienschastlichee Klubabend be« Deutschen Liga für Menschenrechte. Pfd. fissor Alfons Ealoschmidt spricht Montag, 13. Juni, 20'/t Uhr, in. den Räumen Wilhelms». 48 über„Monroe und Eoolidge". �unüerttausmüe. JuLbe/rt Aich- und die Volkswirtschaft? Die lange erwartete und nie so heftig wie diesmal umstrittene Entscheidung über die Verteuerung des Kredits ist gefallen. Die Reichsbank hat ihren am 11. Januar von K auf 5 Proz. ermäßigten Diskontsatz wieder auf S Proz. erhöht. Der damals unverändert gelassene Zinssatz auf Lombarddarlehen blieb unverändert. Di« Spanne zwischen beiden beträgt wieder 1 Proz. Daß diese Entscheidung für die gesamte Volkswirt- s ch a f t in ihrem gegenwärtigen ungeheuren Spannungszustand von gewaltiger Bedeutung ist, ist selbstverständlich. Es fragt sich von welcher. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat ein Plädoyer für die Diekonlerhöhung galten(wer hätte das vor acht Tagen noch gedacht!), wie es feine Pflicht ist. Aber er hat nichts über ihre volkswirtschaftliche Bedeu- tung gesagt. Weil die Zinssätze des offenen Geldmarktes infolge des Zu- stroms der Auslandsgelder 1926 unter dem Reichsbankdiskont gelegen hätten, so führte Dr. Schacht aus, fei die Reichsbant am 11. Januar zur Diskontermäßigung auf 5 Proz. gezwungen gewesen. Offen sei geblieben, ob die Ermäßigung zu halten sei, und erwartet worden sei, daß der Zufluß ausländischer Kurzkredit« verringert werde. Kein neues Zinsnioeau für den Kapitalmarkt habe geschaffen werden sollen. Das gehe schon aus der Nicht- ermäßigung des damaligen Lombardsatzes hervor.(War Dr. Schacht an der fünfprozentigen Reichsanleihe absolut unbe- teiligt?) In den ersten beiden Monaten nach der Diskontermäßigung seien auch ansehnliche ausländische Leihbeträge ins Ausland zurück- geflossen. Darauf spricht Schacht von den Störungen, die seitdem eingetreten sind und von der Durchkreuzung einer wirk- samen Diskontpolitik durch die deutschen Privatbanken. Diese hätten nämlich zu einer weitgehenden Finanzierung von Effektenkäufen kurzfristige Auslandsgelder hereingenommen zu Zinssätzen, die vom Reichsbankdiskont unabhängig waren. Der Mahnung der Reichsbank vom Januar, daß fortan noch mehr als bisher die zweck mäßig st e Nutzung heimischen Kapitals ge- boten sei, habe die übertriebene Spekulation entgegengewirkt. Die erforderliche volkswirtschaftliche Liquidität(Zahlungsbereitschaft) sei durch diese kurzfristigen Schulden und die weitgehend auf Kredit aufgebaute Effektenspekulation vermindert worden. In dem folgenden Verlegenheitssatz wird die Verantwortung für den berühmten schwarzen Freitag wieder nachdrücklich abgelehnt: „Nachdem durch die am 12. Mai erfolgten Maßnahmen der Banken die Spckulationsbereinigung eingeleitet, und die Durchkreuzung einer wirksamen Diskontpolitik durch die Heranziehung von Aus- landsgeldern für Börsenzwecke herabgemindert ist, ist für die Diskontpolitik der Reichsbank eine natürliche Grundlage wiedergewonnen worden." Immerhin sei die Reichsbank in ihren diskontpolitischen Entschließungen auch jetzt noch nicht frei, weil sie sich nicht vorwiegend auf einen mit eigenen Mitteln arbeitenden Geldmarkt stützen könne, Deutschland vielmehr auch weiter auf die Zufuhr ausländischen Kapitals angewiesen sei. Nachdem Schacht hier das Dilemma seiner Diskontpolitik aufgezeigt hat, kommt er zu folgendem Bekenntnis, mit dem er feine Haltung in der Vergangenheit zu rechtfertigen sucht: „Jede Diskonterhöhung hat die Tendenz, den Zufluß von aus- ländischem Leihkapital zu steigern, auch über das volkswirtschaftlich notwendige oder nützliche Maß hinaus. Dann entwickelt sich die Konjunktur trotz steigender Zinsbelastung auf geborgter Grundlage weiter und täuscht«ine wirtschaftliche Blüte vor, die zu stärkerem Verbrauch auch von Auslandswaren anregt, während gleichzeitig die Leichtigkeit in der Transfcrierung der Dawes- Zahlungen durch die Wiedergabe der angeliehenen Devisen künstlich gefördert wird, ohne daß der Warenexport eine entsprechende Förde- rung erführt. Will die Reichsbank aber eine normale Geldzirkulation aufrechterhalten, so muß sie andererseits für einen angemessenen Geld- und Devisenbestand Sorge tragen, obwohl die Passivität der Handelsbilanz ihren Devisenvorrat und das Transfer ständig be- drohen." Nach dieser Rechtfertigung, die alle wirNichen Probleme offen läßt, und die jetzige Diskonterhöhung als unter Zwang erfolgt eindeutig kennzeichnet, lehnt Schacht mit großem Nachdruck ab, daß aus dieser Situation heraus von einer Ge- fährdung der Währung gesprochen werden könne. „Die Wahrung ist in Deutschland kein Problem mehr. Problem ist lediglich die Wirtschastsfrage." Verringere sich die Gold- und Devisendeckung der Reichsbank, so werde der Notenumlauf eingeschränkt werden müssen. Die Reichs- mark bleibe unter allen Umständen stabil, die Frage ist immer nur, wieviel an stabilen Reichsmarknoten die Reichbank der Wirtschaft im Wege des Kredits zuführen kann. Mit diesen Sätzen gibt Schacht die wirkliche Begründung für die Diskonterhöhung: weil die Reichsbank zugleich auch Währungsbank ist, kann sie der drängen- den Geldnachfrage der Wirtschaft nicht mehr genügen wie bisher. Dem nach der Diskonterhöhung zu erwartenden neuen Zufluß von Auslandskapital setzt Schacht dann endlich seine alte Mahnung ent- gegen, in der Hereinnähme ausländischer Kredite weiseste Bcschrän- kung zu üben und nur solche Auslandskredite hereinzunehmen, die einer Hebung der deutschen Produktion dienen. Soweit Dr. Schacht. llnmiitelbarer Anlaß für die Diskonterhöhung ist die minimale Entspannung, die die Woche zum 7. Juni der Reichsbank gebracht hat. D'e Kapitalanlage ging um nur 99,9 auf 2186.9 Millionen zurück: die Wechselbestände um nur 83,1 auf 2338,2 Millionen, die Lombarddarlehen blieben mit 54,9 gegen 73,7 Millionen in der Vorwoche sehr hoch. An R e i ch s b n n k- noten und Rentenbankscheinen zusammen flössen nur 59,9 M i l- l i o» e n in die Kassen der Reichsbank zurück. Der Umlauf an Reichs- bankscheinen verringerte sich um nur 29,9 auf 1912,3 Millionen. Die Gelder auf Girokonto nahmen nicht zu, sondern ab und zwar um 48,9 auf 56,9 Millionen. Nur die Bestände an deckungsfähigen Devisen erfuhren eine geringe Zunahme um 8,3 auf 1992,4 Mil- lionen, während die Geldbestände fast unverändert blieben. Die Deckung derKosten durch Gold ollein erhöhte sich u in nur 9,4 auf 49,2 Proz., die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen um nur 9,7 auf 51,6 Proz. In dieser Bilanz der Reichsbank kommt die stärkste Anspannung zum Ausdruck, die seit der Stabilisierung zu verzeichnen war. Sehr deutlich wird diese Anspannung und damit die unmittelbare Ursache der Diskont- erhöhung auch durch folgende Tabelle illustriert: EnNasiung und Bestand Deldrllck- gu-ad. NatendeSuna tn Mtll M. dcrKav-Anl. InWechs. de» Wechielpor- flug. Noten Adg.v d Go!du.Deo Lombard und Effekten teieuill» u.Rentdsch Girog. in Prozent 7. Januar—191,3 1899,1—134,2 1691,4 371,8->-194.7 S3,3 68,2 7. Februar— 70,5 1515,1— 36,7 1378,3 173,1— 31,2 56 0 65 0 7. März-148.2 1743,0— 33,8 1604.0 152,0— 15.1 55,1 61,1 7. April—105.1 2031.6— 38.8 1923,3 182,4+ 36,4 53,5 591 7. Mai—175,6 2051,3—136,3 1931,4 198,3— 9,5 52 8 56 4 7. Juni— 99,9 2486,0— 83,1 2338,3 50,9— 48,9«9�2 51�6 In allen Ziffern dieser Tabelle zeigt der 7. Juni gegenüber den Vormonaten dieses Jahres im Verhältnis zu der außerordentlichen starken Inanspruchnahme der Reichsbank die relativ gering- sten Entlastungen. Besonders deutlich kommt in den fort- gesetzten Absinke» der Notendeckung in den letzten sechs Monaten durch Gold und Devisen zusammen die Belastung der Reichsbank zum Ausdruck, die im Laufe eines halben Jahres«ine Gratiskartoffeln für MutomobilbeHer Kartoffelnot und Teuerung.— Schlutz mit den Liebesgaben für die Agrarier. Di« Kartosfelknappheit hat in den letzten Wochen und Monaten einen Umfang angenommen, daß man geradezu von einer Kor- toffelnot der m i n d e r b e m i t 1 e l t e n Bevölkerung sprechen muß. Der Kleinverkaufspreis für alte Kartoffeln ist aus 8 bis 19 Mark für den Zentner gestiegen, das heißt, die Kartoffeln kosten jetzt etwa das Dreifache wie im Herbst 1925. Sie sind teurer, als zu dieser Zeit das Brotkorn gewesen ist, und wenn man die Kartoffeln immer als das„Brot der armen Leute" bezeichnet hat, so ist nunmehr auch dieses Brot sür den Armen fast unerschwinglich geworden. Eine Notstandsaktion, eine Ver- teilung von billigen Kartoffeln an die ärmsten Schichten der Be- völkerung, insbesondere an die Arbeitslosen, wäre in dieser Lage dringend zu befürworten, und wir könnten der Reichsregierung mit dem Herrn Volksernährungsminister an der Spitze nur empfehlen, sich mit der Frage einer solchen Notstandsaktion ernstlich zu befassen. Das kaiserliche Branntweinmonopol in der Republik. Welche Gesichter werden aber nun unser« Zlrbeitslosen machen, wenn sie hören, daß diese Regierung schon das ganze Jahr hindurch Monat für Monat gewaltige Mengen von Gratiskartoffeln verteilt—, nur leider nicht an die Arbeitslosen, sondern— man höre und staune— ausgerechnet an die Automobilbesitzer. Man möchte das fast für einen schlechten Scherz kalten, aber es ist eine Tatsache, und zwar ist es wieder einmal eines der Kernstücke der „bewährten" agrarischen Wirtschaftspolitik, nämlich die B r a n n t- wein Wirtschaft, welche diese Ungeheuerlichkeit zustande ge- bracht hat. Seit mehr als 59 Iahren dient die Branntweinpolitit dazu, neben den Kornzöllen die„notleidenden" Agrarier des deutschen Ostens zu unterstützen, ihnen mit Steuererleichte- rungen, offenen und versteckten Subventionen und Liebesgaben unter die Arme zu greifen. Nun rit der Trinkbranntweinoerbrauch des deutschen Volkes von Jahr zu Jahr zurück gegangen und hat sich besonders seit der Revolution infolge der sozialen und kulturellen Hebung der breiten Volksmassen besonders stark vermindert. Aus Drängen der Großgrundbesitzer muß nun das Reichsbrannt- weinmonopol, das nicht etwa von Sozialdemokraten, sondern noch vom letzten kaiserlichen Reichstag geschaffen wurde, dafür sorgen, daß dem Kartoffelspiritus, der jetzt als Trinkbranntwein keinen Absatz mehr findet, ein anderes„lohnendes" Absatzgebiet er- schlössen wird. K Millionen jährliche Liebesgaben. Im Vordergrund des Interesses hat hier immer die Verwen- dung von Kartosfelspiritus als Treibstoff für Auto- mobilmotoren aestanden, und die agrarische Presse ist nie müde ge- worden, der Monopoloerwaltung vorzuwerfen, daß sie energische Mahnahmen ergreifen müsse, um den Absatz von Kartoffelspiritus als Motortreibstoff zu fördern. Unter dem Druck dieser Mahnungen hat die Monopoloerwaltung nun schon seit Jahren das Menschen- möglichste getan, und es ist ihr gelungen, den Absatz von Motpr- spiritus von 8999 Hektolitern im Jahre 1923/24 auf filier 59 990 Hektoliter im Jahre 1924(25 und auf etwa 199 999 Hektoliter im Jahre 1925/26 zu steigern. Diese Steigerung erfolgte jedoch— und das ist ein Skandal, auf den das Interesie der Öeffentlichkeit nicht energisch genug hingelenkt werden kann— lediglich dadurch, daß der Motorspiritus weit unter dem Selbst- kostenpieis abgegeben wird, und daß die Monopoloerwaltung aus steuerlichen Mitteln also hier«ine Liebesgabe an die kartoffel- brennenden Landwirte zahlt, die im Jahre 1925/26 allein 6 Millionen Mark betragen hat. Während nämlich die Selbstkosten der Monopoloerwaltung beim Motorspiritus etwa 75 Mark betragen, verschleudert die Monopolverwaltung den Motoispiritus zum Preise von 15 Mark je Hektoliter, das heißt, etwa zum fünften Teil der Selbstkosten. Auf Kosten der Steuerzahler in den Schornstein geschrieben. Dieses Verfahren, das schon in normalen Jahren Volkswirt- schaftlich und steuerlich einen absoluten Wahnsinn darstellt, wird geradezu zu einem Verbrechen an der Volksernährung in einem Jahre mit einer so knappen Kartoffelernte wie dieses Jahr. Die 54 Mark, die die Monopolverwaltung an den Landwirt zahlt, errt- halten das Entgelt für die verarbeiteten Kariosfeln und sür die Ver- arbeitungskosten in der Brennerei(Kohlen Löhne usw.). Dazu kommen noch etwa 21 Mark Regiekosten der Monopolverwaltting. In jedem Hektoliter M o t o r s p i r i i u s. den die M o n o p o l v e r w a l t u n g für 15 Mark oerkauft, wer- den also der gesamte Wert der zu Spiritus ver- arbeiteten Kartoffeln(etwa 18 Zentner pro Hektoliter), ferner die gesamten Verarbeitung s- kosten in der Brennerei und schließlich noch 6Markoon den Regiekosten der Monopoloerwaltung als V« r l u st c in den Schorn st ein geschrieben, und zwar auf Kosten der Steuerzahler. Es ist also noch weit schlimmer, als wir es oben in unserer Ileberschrist ange- geben haben: Bei dem Verkauf von einem Hektoliter Motorspiritus werden nicht nur 18 Zenrner Kartoffeln gratis an den Automobil- besitzer abgegeben, sondern darüber hinaus wird noch ein barer Zuschuß von etwa 35 Mark aus der Reichskasse geleistet. Jeder Arbeitslose könnte IX Zentner umsonst erhalten. Welche Bedeutung dieser Unfug angesichts unserer Er- nährunqslage hat, kann man ermessen, wenn man bedenkt, daß in den ersten sieben Wochen des laufenden Betriebsjnhres(Oktober 1926 bis April 1927) nicht weniger als 681 494 Hektoliter Spiritus aus Kartoffeln hergestelli worden sind. In den oleichen sieben Monaten wurden nur etwa 436 999 Hektoliter als Trinkbranvtwein abgesetzt, während nicht weniger als 85 72? Hekto- liter als Motorspiritus verkauft wurden. Natürlich wurde im gleichen Zeitraum auch Branntwein aus anderen Stoffen als Kartoffeln hergestellt(Mais, Getreide, Melasse. Sulfitablaugen), und es wurde auch Branntwein zu anderen Zwecken als zu Trinkzwecken und als Motorspiritus abgesetzt(Brennspiritus, Esiigbranntwein usw.). Die!« Posten entsprechen einander mengenmäßig aber soweit, daß man den ganzen Absatz an Motorspiritus mit gutem Recht der Kartoffel- Verarbeitung zuschreiben kann. Um diese 85 727 Hektoliter Motor- spiritus aus Kartoffeln herzustellen, sind mehr als eine Mil- lion und fünfhunderttousend Zentner Kartossein erforderlich� Eine Kartosfelmenge, die ausreichen würde, um jedem deutschen Arbeitslosen Il-H Zentner Kartoffeln umso« st zu liesern, ist also gratis an die Automobilbesitzer verschenkt worden, wobei noch außerdem etwa 2V4 Millionen Mark an Verlust bei den Verarbeitung?- und Regiekosten aus Reichsmitteln bar zugezahlt worden sind. Angesichts dieser ungeheuerlichen Zustände kann sich das Volk nur fragen, wann der verbrecherische Unfug dieser agrarischeu Wirtschaftspolitik, die von den Deutschnationalen und ihren Anhängern in der Rechtsregierung noch immer unter den alten Vorkriegsschlagworten„Korn zoll und Branntwein- liebeSgaben" getrieben wird) endlich ein Ende haben soll. Verringerung der Notendeckung um fast genau ein Viertel zur Folge gechabt hat. Heber die volkswirtschaftlichen Wirkungen der Diskonterhöhungen hat Schacht nickst gesprochen. Rein äußerlich hat zunächst die Börse aus die Diskonterhöhung mit„g u t e r S t i m- m u n g" reagiert, weil sie auf den Zufluß von Auslandskrediten hofft und obwohl die Diskonterhöhung zunächst die Kurse nach a b- w ä r t s führen müßte. Ein Zeichen, in welchem Ausmaß die Börse gesunde Ueberlegungen oerlernt hat. Die Vereinigung von Berliner Banken und Bankiers Hot auf die Diskonter- höhung hin mit sofortiger Wirkung die Verzinsung der täglich fälligen Einlagen um ein volles Prozent erhöht. Zugleich wird nach der bisherigen Uebung auch der Zinssatz für G e l d a u s- l e i h u n g entsprechend der Diskonterhöhung gesteigert. Neben diesen äußeren Wirkungen erheben sich aber Fragen von schwerem volkswirtschaftlichem Ernst. Es kann kein Zweifel dar- über sein, daß die Derkeuerung der Kredite in der Wirlschast auch dann zu einem Rückschlag führen wird, wenn der Zufluß an Ausländsanleihen sich vermehren wird. Damit aber ist unvermeidlich, daß in allen Betrieben und Wirt- schaftszweigen, die für ihre Umschlagsfinanzierung auf Kredite angewiesen sind und die sich bisher in aussteigender Entwicklung be- fanden, die Möglichkeit verringert wird, die noch aufwärts, zeigende Konjunktur auszunützen. Wenn Ausländsanleihen hereinkommen, so fragt es sich, zu welchem Satze sie hereinkommen können. Wenn die New Porker Bankkreise auch nach wie vor Vertrauen in die deutsche Wirtschast haben, so hat der kürzliche erhebliche Kursverlust der festverzinslichen Papiere in New Park die Neigung zu billigen Anleihen an Deutschland erheblich herabge- stimmt. Darüber steht noch die sehr viel ernstere Frage, ob diese Diskonterhöhung auf sechs Proz. ausreichend sein wird. Wäre sie es nicht, so könnte der Eindruck im Auslande sich allmählich zu einer Vertrauenskrise gegen Deutschland steigern, und sür die deutsche Konjunkturentwicklung wäre ein solcher Fall katastrophal. Daß Dr. Schacht jetzt den Diskont erhöhen muß, heißt nicht, daß es im Augenblick noch andere Wege gebe. Aber es ist der voll- kommene Zusammenbruch seiner bisherigen Politik. Der reine Banktechniker Schacht war den Volkswirtschaft- lichen Aufgaben, die dem Reichsbankprä sidenten Schacht gestellt werden, nicht gewachsen. Leider muh das zunächst als unabänderlich hingenommen werden. Der Öeffentlichkeit aber bleibt die große Aufgabe, dazu beizutragen, daß die Rückschläge auf die Wirstchaft möglichst gering bleiben. Dazu vermag in allererster Linie beizutragen, daß die Zinsspanne der Banken verkleinert wird. Ein anderer Weg ist auch heute noch nicht möglich Dazu müssen auch jetzt wieder all« öffent- lichen Banken im Kampf gegen die privaten Banken beitragen. Die Reichsbank selbst hat sich allerdings in diesem Kampfe durch ihre erst zögernde, dann aber sprunghaft launenhaft« Politik wieder weitgehend ausgeschaltet. Ein Ausnahmelarifjür Eisen- und Stahl röhren noch Rumänien. Angesichts der gegenwärtig vorübergehend unterbrochenen deutsch- rumänischen Finanzverhandlungen, die auch für die deutsche Eisen- Industrie außerordentlich große Aufträge bringen sollen, ist die Mel- dung beachtlich, daß der A u s n a h m e t a r i f für Röhren aus Eisen und Stahl zur Aussuhr nach Rumänien für die Zeit vom 9. Juni 1927 bis zum 31. März 1928 in Kraft gesetzt wird. Fraglich ist allerdings, ob diese Maßnahme mit den Verhandlungen in direktem Zusammenhang steht, Gesund gemacht»�12 Prozent Dividende beim Essener Derg- werksverein„König Wilhelm." Im Jahr« 1925 hat der Essener Bergwerksvevein„König Wilhelm" in Essen, der zum Stinnes- Konzern gehört, und durch Interessengemeinschaft mit der Gewerk- schast„Minister Achenbach" des Stumm-Konzerns verbunden ist, einen Verlust von über 549 999 Mark ausweisen müssen. Die den Akiionären danach garantierte Dividende von 12 Prozent auf die Stammaktien und 17 Prozent auf die Vorzugsaktien mußte vom Stumm-Konzern selbst getragen werden. Für das vergangene Jahr 1926 hat sich die Lage grundlegend geändeN. Aus dem Ver- lust von über einer halben Million ist ein Reingewinn von 1,19 Millionen geworden, und der Essener Bergwerks- oerein„König Wilhelm" ist in der Lage, die große, den Aktionären oarantievle Dividende aus eigenen lleberschüssen zu zahlen. Dar- über hinaus können noch 197 999 Mark auf das Jahr 1927 vorge- tragen werden. Daß der ausgewiesene Reingewinn die tatsächlich erzielten Gewinne nicht erschöpft, zeigt die Erhöhung der Be- teiligung von 9,25 auf 9,34 Millionen und die ganz bedeutende Verringerung der Schulden von 5,1 auf 2L Millionen, also aus weniger als die Hälfte. Dieser günstig« Abschluß gehl, wie bei den übrigen Ruhrzechen so auch hier," von der besonderen Gunst des englischen Bergarbeiterstreiks abgesehen, auf die außerordcnt- lich große Leistungssteigerung der Belegschaften zurück. Die pro Kops-Leistung pro Mann und Schicht hat sich im Jahre 1926 gegen- über deni Vorjahre um nicht weniger als 29 Prozent erhöht. Die erzielten Gewinne erlauben noch eine Rückstellung von 399 999 Mark zur Errichtung neuer Koksöfen. Der amtliche Großhandelsindex für den Monat Mai. Die für den Monatsdurchschnitt Mai berechne!« Großhandels- indexzisfer des Statistischen Reichsamts beträgt 137,1 gegen 134,8 im Monat April. Gegenüber dem Vormonat haben die Index- Ziffern sämtlicher Hauptgruppen angezogen> der Gesamtintex weist eine Steigening um 1.7 Proz. auf. Bei den pf lanzlichen Nahrungsmitteln(um 7,1 Proz. ge- stiegen) und den Futtermitteln wirkte sich vor allein die Anfang Mai eingetretene Steigening der Getreidepreise aus. Inner- halb der Gruppe Dich wurde der in der ersten Monatshälfle ver- zeichnete Preisrückgang durch die seitdem eingetretene Vesestigung der Diehpreise ausgeglichen. Dagegen ist die Indexziffer der Gruppe Vieherzeugnisse bei pesunkenen Preisen sür Milch und Bulter zu- rückgegangen Die Erhöhung der Indexziffer sür Kolonial- waren ist in der Hauptsache auf ein« Steigening der Preise sür Rohtabak zurückzuführen. Unter den industriellen Rohst o f f« n und Halbwaren haben sich vor allem die Inderzissern für Textilien, Häute und Leder sowie für Baustoffe«rhöhr. Inner- halb der Gruvpe Eisen haben Anfang Mai die Preise für Erze. Schrott und Gußeisen angezogen, während die Preise sür Mittel- und Feinbleche im Laufe des Monats leicht zurückgegangen sind. Der Rückgang der Indexziffern sür Kohle und für künstliche Dünge- mittels ist durch die soisonmäßigen Preieherabsetzungan beding!. Unter den industriellen Fertigwaren haben insbesondere die Preise für Konsumgüter weiter angezogen(+ 1,2 Proz.). Zusammenschluß der deutschen und österreichischen Sparkasirn. Der Reichsverband der deutschen Sparkasien in Oesterreich hat berciis wie bekannt die Mitgliedschast beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband beantragt und erhalten. Nunmehr hat auch der Vor- stand des Deutschen Sparkassen- und Girooerbandes einstimmig be- schlosien, dem Reichsverband deutscher Sparkassen in Oesterreich als Mitglied beizutreten, wodurch die bereits bestehenden Beziehungen noch enger geknüpft werden. Bei der Victoria zu vcrlln, Allgem. Verf. A.-G., beträgt der gesamte Lebensversicherungsbestand am Ende des Jahres 1926 899 Millionen Mark. Das ist der größte Bestand, den heute eine deutsche Gesellschaft aufweisen kann. Die Aktionäre erhatten 12 Proz. Dividend«(vergl. die Bilanz im Anzeigenteil). SonnabenS ll.�uni 1927 Unterhaltung unö Wissen Vellage ües vorwärts ixt der Siedlung« Von CSrvnn H e l l b n t. Viele kleine Känser schlafen auf Parzellen, neugegründet. Terne wacht der Flngzenghafen, rotes 5iGt, das blinkt nnd schwindet. �Mandelbäuwchen, tapfrer Stranch, hält dem I�achtwindriitteln Stand. IXeSetm Bahndamw nebelt Ranch. Sund bellt nbers stille 5aud. In der Rächt stehn tausend Sterne. Glühnde Raupenglieder, ziehn helle Fenster in die Ferne, Eisenbahnen nach Berlin. Dunkelheit und 5icht nnd 5aut schweigt uw's Saus, vor denr ich stehe, daß Rtustk wir altvertrant in die tote Seele wehe. „Wie man mich erschießen wollte/'l von Donzow. (U ebersetzt aus dem Russischen von Helene Gebert.) To war ich zum Tode durch Erschießen verurteilt und er- wartete heute meine Schicksalsstunde. Ich glaubte den beruhigenden Worten meiner Verwandten nicht, es war nur schrecklich kränkend für mich, daß mir das Urteil drei Tage vor der Erschießung oer- kündet worden war. Jetzt, als man das Abendgebet sang, verstand ich. daß ein solches Gebet wie alles sein Ende Hot, das für den einen früher, für den anderen später heranrückt. In diesen drei Tagen waren meine Nerven abgestumpft. Ich war müd« zu denken und zu sinnen. Zur„Abfchlachtung" zu gehen war nicht schrecklich, wenn es nur schneller gegangen wäre... Die„Schlepper" erzählten, daß nach dem Schuß ins Genick der sofortige Tod eintritt... Und wenn der Mensch tot ist, fühlt er nichts mehr. Gesund, gut und nach dem Leben dürstend, schläft man zu ewigem, ruhigem Schlaf ein... Solche Gedanken wechselten mit beruhigenden ab, als ob alles bei meinen Verwandten gut auf- gehoben, und sie mich nicht ins Verderben lassen würden. „Kommt es vor, daß das Präsidium der Tfcheka Todesurteile aufhebt?" fragte ich einen der arrestierten Kommisiare, welcher in unserer Zelle saß.„Natürlich kommt es vor, aber erst erschießen sie. imd dann können sie aufheben," antwortet« der Kommissar höhnisch. An seinem Gesichtsausdruck lah ich, daß er sich mit mir schon wie mit einem Toten unterhielt, und es schien mir sogar, als ob von mir ein Leichcngeruch ausginge... Ein unangenehmes G«- fühl, der Teufel hol' mich! Meine Gedanken gingen langsam, und es näherte sich meine Schickfalsstunde... „Heute ist eine große Schlepperei," verkündete der ganzen Zelle unser ältester. Blinder mit Namen. Dieser war Spezialist der Schlepper und sagte die Zukunft fehlerlos voraus. Er kannte aus- gezeichnet alle Regeln der Tfcheka, und man konnte ihm glauben. Jeder regte sich für sich auf, aber jeder versteckte seine Aufregung. Wirklich oerfuhr man an diesem Tage sehr streng mit uns. Früher ließ man uns einige Male auf die Toilette, aber heute verkündete man, daß wir nur einzeln und nur einmal dorthin gelassen würden. Der Bewachung war befohlen, auf uns zu schießen, wenn wir uns erdreisteten, aus dem Fenster zu sehen. Die Gefängnistommisiare liefen hin und her und schauten oft in unsere Zelle. Ihre Augen überflogen alle Arrestanten, als ob sie jemanden suchten, und jedem von uns fiel das Herz in die Hofen.„Zum Gebet," rief der Aelteste.„Nur Mut, Genosien, man kann nur einmal sterben," wiederholte der Kommissar. Man betete und legte sich nieder. Seufzer und Stöbnen hörte man in der ganzen Zelle. Niemand schlief an diesem Abend. Einige oersuchten die Stimmung in der Zelle durch Erzählungen, Spähe, Anekdoten und Lieder zu heben. Aber vergebens.„Heute ist große Schlepperei" drehte es sich im Kopfe eines jeden. Sogar einige Kommissar« sprachen kein Wort. Man kommt... Aus der benachbarten Frauenzelle hörte man schreckliche Schreie von Frauen und Kindern.„Nein, ich lasse die Kinder nicht," schrie eine.„Erschießt sie, Ihr Räuber, erschießt sie, laßt nicht die armen Waisen zurück. Sie sind unschuldig." Die Schreie klangen ent- fernter und entfernter. Man führte die Frau des Eisenbahnbeamten mit den Kindern fort, die angeklagt war, Kinder gestohlen zu haben. Man erschoß sie. Aber der Gatte, der Dater, der Eisenbahnbeamte Utkin, verlor in unserer Zelle den Verstand. Er zerriß seine Kleijung, schlug sich mit der Faust gegen die Brust und schlug mit dem Kopse gegen die Wand. Er lachte... weinte... und war ganz außer sich. „Barbaren, warum habt Ihr meine Kinder ergriffen? Mitenka, weine nicht, es wird nicht weh tun... Laßt, schießt nicht," rief der verrückte Eisenbahnbeamte, sich an uns wendend. Und dos berührte uns gar nicht einmal, so sehr war jeder mit sich beschäftigt. Zuerst nahm man die aus anderen Zellen, und endlich näherten sich schwere Schritte unserer Tür. „Naidenow, nimm deine Sachen," sagte leise der wachthabende Kommandant. Gott, was hat der Tschekist ausgefresienl Der, der mit seiner Banditenhand Tausende von Unschuldigen erschossen hat, fürchtet jetzt selbst den Tod. Zuerst versteckte er sich hinter den Brettern, dann sprang er von dort hervor und fing an, um Schonung zu bitten. Wir stellten uns in der Seele, aber alles ging schnell vorüber. Naidenow wurde erschossen. „Blinder, nimm deine Sachen," ließ sich die Stimme des wacht- habenden Kommandanten hören. „Ach. ihr Narren," antwortete Blinder und sprang auf.„Und meine Sachen brauchst du? Heute ja, aber morgen, du Hundsfott," ickimpfk' er und wühlte in seinem Korb. „Schneller, Blinder, halt' dich nicht auf!"„Warte, Wassta," folate die ruhige Antwort. Er wusch sich, kämmte den Scheitel seiner Haare, zog saubere SKöMie an und säuberte mit einem Lappen seine Schuhe. Der Kommandant wartet« hilflos. Endlich oerabschiedete sich Blinder von jedem einzeln und mit dem Lied:„Ach Aepfelchen, wohin rollst du. in den Keller der Tscheka fällst du und kehrst nicht mehr zurück." ♦) Diese erschütternde Erzählung ist ein Auszug aus den Er- innerungen des Ingenieurs Donzow. der vor kurzem ans Kiew ge- flohen ist Im Jahre 1921 wurde er als Zeugs vor die Tfcheka geladen und von dielem Augenblick an verbrachte-r iüns Jahre in den Sowjetgesängnisien Sein«.Erinnerungen", welche bald in der aus- ländischen Presse erscheinen werden, geben bei aller Unwahrjchein- lichkeit einen objektiven und genauen Bericht über die Tätigkeit der Tschek« Der Salkan-Konflikt. Es ist gelungen, Sie Kriegsgefahr zu beschwören...! Eindruck und geben bei aller Umoahrscheinlichkeit einen objektiven und genauen Bericht über die Tätigkeit der Tscheka. Und mit einem Schnalzen der Finger verließ er die Zelle. Bald darauf erwies es sich, daß Blinder am Leben geblieben und Bor- steher des Verbandes der allustainifchen Tscheka geworden war. „Utkin, komm'," rief mit zurückhaltender Sttmm« der Kom- Mandant. Der Eisenbahnbeamte reagierte nicht auf den Ruf. Er hielt in Gedanken seinen älteren Sohn an der Hand und den jüngeren drückte er an die Brust. Der Vater lullte seine Kinder in den Schlaf. „Utkin, du Aas!" rief der Kommandant lauter.„Stell' dich nicht, als ob du der einzige hier wärst." Man führte den Utkin aus der Zelle, Indem man ihm die Hände auf den Rücken band. Er bemerkt« uns nicht, als er zur Tür ging, sondern beruhigte wie stüher in Gedanken seine erschossenen Kinder. Danach, als man die arrestterten Kommissare Roskow und Nag weggeführt hatte, trat Stille ein. Meine Verwandten sind doch tüchtige Kerle, dachte ich. Jetzt kann ich völlig ruhig sein, daß man mich nicht erschießt. Einige, welche fühlten, daß die Schlächterei ihrem Ende zuging, erhoben sich von ihren Plätzen und führten ein munteres Gespräch. Nach ein- halbstündiger Pause hörte man wieder die schweren Schritten der Schlepper. Der wachthabende Kommandant trat in unsere Zelle und nannte meinen Namen. Welche unbewußte Kraft warf mich von meinem Platz aus den Baden? Die Haare standen mir zu Berge, das Herz hörte auf zu schlagen, und ich lag in todesähnlichcr Agonie. Ich wollte irgend etwas sagen, und konnte nicht. Ich war wie stumm. Aber meine Gedanken, meine schwarzen Gedanken werde ich im Leben nicht vergessen.„Nicht die Tscheka, fondern meine Verwandten erschießen mich... Was habe ich ihnen böses getan? Mein Vater, für den ich mich lange Zeit gequält habe, führt mich zum Tode. Aber jetzt ist es schon zu spät, in einer Minute werde ich ein Leichnam sein.. In der ersten Zelle des Kellergeschosies faß um den Tisch die Kommission der Tscheka. Der diensthabende Untersuchungsrichter Gellitsch(junior), der Hauptkommandant der Tscheka Owffchinnikow, der Bizekommandant der Tscheka Litwinow, der stellvertretende Bor- sitzende der Tscheka Rosanow und ein Vertreter der Arbeiter- und Bauerninspektion. Daneben standen die Schlepper: die Brüder Richter, Storoschut, Bujalski, Geiliffch(senior), der mit der linken Hand schoß, weil er an der rechten gelähmt war: aber mit der linken schoß er gerne und sicher. Von dem Geruch des frisch vergossenen Blutes wurde mir schrecklich übel, ich schwankte hin und her und wurde von zwei Schleppern gehalten. ,Ihr Vor- und Familienname? Wo geboren und wie all? Wissen Sie, warum Sie erschossen werden?" Ich schüttelte verneinend den Kopf. Trotz aller Kraftonstrengung konnte ich kein Wort sprechen. Der Untersuchungsrichter las mir folgendes Urteil vor: ,Im Namen des ukrainischen Sowjetrepublikskollegiums der Gouvernementstscheka ist die Angelegenheit unter Nr. 72 346 ge- prüft und beschlossen worden, den Beschuldigten zu erschießen, aber vorher von ihm die Stelle zu erforschen, wo der väterlich« Reichtum sich befindet. Wenn dies der Beschuldigte steiwillig angibt, so ist das Urteil aufzuheben." .Ich weiß nicht," kam es aus meiner Brust. „Unterschreibe!" befahl der Untersuchungsrichter. Automatisch erfüllte ich seinen Befehl und unterschrieb. Man führte mich in das folgende große Zimmer, in dem sich außer einer Kiste nichts befand. Es war beleuchtet von Hunderten von elektrischen Lampen, die an der Decke und an den Wänden angeschraubt waren. Das blendende Licht war so stark, daß ich vor den Augen nur glühende Flammen sah und neben nur zwei stehende, schwarze Figuren, die Schlepper........ .Lieh' dich schneller aus!" befahl mir einer von ihnen. In diesem Augenblick wurde es mir schon leichter. Ich wollte nur schneller die Kugel ins Genick bekommen und dann Schluß. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich mich selber auszog, oder ob„sie" mich auszogen, aber als sich vor mir die Tür des nächsten Zimmers öffnete, erstarb ich. Mehr als hundert blutige Leichen lagen mit der Brust einer auf dem anderen. Die Frau de« Eisenbahnbeamten Utkin lag mit aufgelösten Haaren mit dem Rücken nach oben, an der Brust ihren zweijährigen Knaben haltend. Utkin selbst lag an der Wand und hielt das Beinchen seines älteren Sohnes fest. Die Kinder waren auch ausgezogen.... „Kriech hinauf," rief der Räuber. Wie eine aufgezogene Puppe kroch ich vorsichtig nach oben, bald auf Köpfe, bald auf Bäuche der Erschossenen tretend. Unverhofft stolperte ich und siel, irgend jemanden in der Umarmung ergreisend. Der Körper war noch warm. Ich dreht« mich um und sah die Schlepper Storoschuk und Richter mich beobachten und kichern. Ihnen gefiel meine Qual. „Dreh' die Schnauze zu uns," sagte Richter finster.„Zum letzten Male frage ich dich, wo ist das väterliche Geld und wo hast du den Vater versteckt?" „Ich weiß nicht.... schießt'schneller," sagte ich mit heiser zischender Stimn" Am nächsten Tag erwachte ich in einem einsamen Zimmer. Aus- geschlafen rief ich um Hilfe und schrie mit herzzerreißender Stimme. Wie ein kleiner Junge„Papa" und„Mama" ruft, so rief ich wimmernd nach meinen Eltern. Es schien mir, als wäre ich im Sarg aufgewacht. Nein, es war kein Traum, was mir geschehen war! Wer hat meine Haare abgeschnitten? Und warum sind sie nicht vom Kopf weggenommen? Man brauckte nur auf den Kopf zu fassen, und die Haare fielen wie Flocken Schnee vom Kopf herunter. Sie sind gebleicht durch die nächtliche Qual. An meinem Kopfende stand eine Krankenschwester. Sie über- zeugte mich, daß alle» Geschehene ein Traum war. Mit Tränen in d«n Augen bat sie mich, zu mir zu kommen. „Gott, man hat keine Kraft, dieses Albdrücken mitanzusehen," sagte sie.„Warum foltert man die Menschen so und macht sie un» tauglich. Es wäre besser, sie zu erschießen." „Liebe Schwester," begann ich.„Ich habe Angst, gehen Sie nicht fort von mir. Sagen Sie, werde ich leben? Hat man mich nicht getötet? Warum bin ich verbunden?" „Man hat Sie gepeitscht," antwortete sie. „Warum?" fragte ich. „Es ist Ihnen schädlich, zu sprechen. Beruhigen Sie sich. Schlafen Sie ein... Man hat Sie gesollert... Die Schwester hielt sich zurück, dann weinte sie doch. Und ich schlief ein._ Der Zirkus. Von Alfred Polgar. Der Zirkus hingegen bereitet seinen Besuchern Freude. Alter Zauber, verloren, aber nicht vergessen, nistet in dem hohlen Raum, der hallt und dröhnt, auch wenn Stille ist, staunend sitzen wir und sehen, wie Schwere überwunden wird oder drollig überwindet: im Kreise dreht sich bunte Welt, Erinnerung hält mit kindlichem Ge- fühle! Es riecht nach Lohe, Stall und blauer Blum«. Von der Plattform höchst oben schmettert Musik, ihr Taktgeber trägt Frack und weiße Binde, obwohl er Publitumsblicken entrückt bleibt. Aber der Zirkus hat sein Zeremoniell und Rituale: es behauptet sich durch die Zeiten. Wie eh und je bilden die Stallmeister Spalier, wenn der Direktor aus der Manege geht, rückwärts schreitend, den Zylinder in erhobener Hand. Auf niedrigen Wägelchen, immer war das so, wird der Teppich für die Akrobaten hereingefahren, und hinterher, die Tätigkeit störend, stolpern die Spaßmacher, herzbrechend ungeschickt, in meterweißen Hosen, in Stiefeln, die aussehen, wie Stieselfunde aus der Sourierzcit, wollen helfen und sind doch immer nur im Wege, schnattern mit Fistelstimme vor sich hin, wessen ihr kindliches Herz voll ist, spazieren herum, neugierig und ziellos wie Geflügel, verscheucht erst vom Aufzischen der Bogenlampen, welches sagt:'es wird ernst! Acht wunderschöne Pferde stürmen daher, dem leisesten Zuruf folgend, dem flüchtigen Schnörkel, von weißer Peitschenschnur in die Lust gekreiselt. Exakt wie ein« Turnerriege galoppieren sie, wenden, halten, schnauben, knien, breiten ihre majestätische Schwere langsam auf den Boden hin, springen hoch und stellen sich auf die Hinterbeine, was aber in diesem Falle nicht Aus- druck des Widerstandes, sondern des vollkommensten Gehorsams ist. Nachher reitet der Direktor den Rappen, der zwischen vielen Holz- staschen, ohne eine umzustoßen, musikalisch tänzelt und pirouettiert, die leibhaftige Anmut, die pferdgewordene Grazie. Sein Fell schimmert atlasweich und auf d«m Popo, den das kokette Geschöpf in sanften Windungen dreht wie ein Tenor, wenn er Liebe schwört, hat die Bürste Schachbrettmuster hingestrichen aus Matt- und Glänzendschwarz. Die Tscherkessin, hoch zu Roß und tief zu Roß— ihr dunkles Haar fegt die Erde— rast pistolenschießend rundum, zwei lustige Brüder tun einander Uebles, und aus den Kinderchen im Zirkus, rotgesotten von Erregung des Schauens, jauchzt die süße, rein« Schadenfreude, ein übermütiger Athlet läßt sich zentnerschweres Eisen auf den Schädel fallen, aber im letzten Augenblick beugt er ihn, das Gewicht klatscht dem Herkulischen auf den Nacken, und der Schrei des Entsetzens, der uns schon im Schlund« saß, bleibt ungeschrien. Eine Dame in Silbertrikot und ein Schimmel stellen lebende Bilder, und wenn der Schimmel nicht angeschraubt ist, wahrlich, dann ist er ein unneroöser Schimmel, der sich wunderbar in der Gewalt hat. Von 2Z Meter Höhe saust das Auto mit dem Weißgekleideten in den leeren Raum, überschlägt sich zweimal und landet krachend aus staub- umwirbclter Matratze(man kommt, von solcher Fahrt berichtend, un- willkürlich ins Homerische), es ist ein kühne» Stück, weshalb auch der Weißgekleidete, ehe es losgeht—„attention l Je pars!"— von dem weißgekleideten Bruder, der unten bleibt, ergreifenden, wenn auch männlich gefaßten Abschied nimmt. Und dann ist noch der Tier- Hypnotiseur da, der das Krokodil einschläfert und die Viper durch Blicke betäubt, daß das Kaninchen keine Angst mehr vor ihr zu haben braucht. Es hat aber doch welche, und so hypnotisiert der Mann auch das Kaninchen: friedvoll mitsammen ruhen nun Mord- gier und Todesangst. Kurz, wenn Sie schwanken, In welches Theater Sie gehen sollen, gehen Sie in den Zirkus. Da haben Sie Natur und den sieghaften Menschen, Kraft und Anmut, Witz und Tapferkeit. Und Kunst, die, im Zirkus, wirklich von Können kommt. lvorabdruck au» dcm demnächst erlcheincnden«. Bande de» stritilerwerke» „Ja und Nein" von Alfred Polgar. Mit Srlaubni» de» Berlage- Ernst Rowohlt, Berlin.)___ Der meteorologische kern der Siebenschläferregel. Volkstümlichen Wetterregeln liegt meist ein Wahrheitsgehalt zugrunde: so auch der Annahme, daß der Siebenschläfertag(2? Juni) über die Witieruna der nächsten Wochen entscheidet. Wenn es. allerdings auch noch niemals sieben Wochen nacheinander in Deutschland geregnet hat, falls der Siebenschläfer verregnet war, so ist doch die Wetterlag« gegen Ende Juni für die folgenden Wochen von großer Bedeutung. Es kommt also bei dieser Wetterprognose keineswegs aus die Witte- rung eines einzigen Tages, eben des Siebenschläfers, an. Vielmehr hat man beobachtet, daß in der Regel dann längere-Zeit schlechtes Wetter herrscht, wenn es in der Zeit vom 21. bis 30. Juni in ganz Mitteleuropa gleichmäßig regnerisch ist. Eigentlich hätten wir auch in Deutschland„normalerweise" eine sommerliche Regenzeit, ähnlich wie der Monsumregen in Indien: in dieser Zeit sollten bei un, nord- westliche Winde herrschen, die bei niederer Temperatur Regen bringen. Diese„Sommerregenzeit" tritt aber in den meisten Fällen nicht ein, weil vor allem der Golfftrom die Monfumregenlage stört. Unser im allgemeinen schönes Scmmerwetter ist also in meteorolo» gischem Sinn eine Störungserscheinung. Bleibt diese Störung aber einmal aus. dann haben wir tatsächlich eine wochenlange Regenzeit, und die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten«ines solchen verregneten Sommers ist dann recht groß, wenn es in der letzten Juniwoche in ganz Mitteleuropa regnet. Dies also ist der wahre Kern der ott berühmten Siebenschläferregel. filnftnbungen fOx diese Rubrik sind Lerliu SW S8, Ltndenstrasi« Z, Partemachrichten für Groß-Serlw slet» an da» Bezirkisekretartat. i. Hos, l Zrep. recht», i» richte» Sezirksvorstanö. �n>le. Sonnabend, lt. Zun!, lS Uhr. plinNich im Zugendheim, .enstraße Z, Sitzung des erweilerien Vorstandes. Arei» sircuzbcrg. Rrbeitcrwohlsahrt, Aommuuale Commissi,»: Donntag, l2. Juni, 11 Uhr, Besichtigung des Eiiuglings- und Mutterhauses Reutalln, Liariendorfer Weg 45. Haltestelle Mariendorfer Weg der Straßenbahnen �7, 2«, 2S, 32, 36, 128. Alle Interessierten sind herzlichst eingeladen. Kreis Charlo.ttcnburg und Spandau. Juristische«Sprechstunde heute, Sonn» Ii MA V« IT t*i*r 1 O ifYtk. 1- O.. J.,., s. Yi � e � � e*.. � J T 11. Rtci» Dchöneberg-striedenau. Donntag, 12. Juni, 10 Uhr, findet die Besichtigung des Eroßkraftwerks Klingenbcra lRummelsburg) statt. Treffpunkt der Genofsinnen und Genossen pünktlich 10 Uhr vor dem Kraftwerk, ssahrvcrbindung: Ab Dchüneberg mit der Straßenbahn 50 bis Fricdrichsfelde.stirche, von dort umsteigen in die Straßenbahn 70, oder Eiadtbahn bis Nummelsburg. Bei gutem Weiter anschließend ge- mlltlichcg Beisammensein. Spielgelegenheit für Kinder ist vorhanden. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung.— Achtung! Moutog, 13. Juni, 10' e Uhr, Krcismitglicdcrversammtuug in der 11. Scineindcschule, ffcurigstraßc, neben der Feuerwache. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag in Kiel. Berichterstatter Georg Wendt. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Tllrkontrolle: Die Kreisrevlsoren. 14. Kreis Neukölln. Dienstag. 14. Juni. lO'-i, Uhr,«reiomitglieder. Versammlung ,m DtSdtifchen Saalbau, Bergstr. 147. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag in Kiel. Berichterstatteter Hermann Harnisch. Alle Genofsinnen und Genossen müssen erscheinen. Dorher läuft der Film vom Parteitag. 19. Krci» Pankow. Arbeiterwohlsahrt: Besichtigung de, Erziehungsheime« L«ndenhof, Lichtenberg, Kricmhlldstraße. Die Genossinnen und Genossen treffen sich am Sonnlag, 12. Juni, 9>4 Uhr, Pankow, Kirche. Die Be. sichtigung findet um 11 Uhr statt, stahlreiches Erscheinen wird erwartet. heule, Sonnabend, 1l. Zuni: 7». Abt.«chkurberg. 1. Bezirk: 20 Uhr Werbe, ahlabenb im Lokal W-rtt, Tvortkafino, Monl-menten., Ecke Hochkirchstraße. Vortrag:„Die Ausgaben der Sozialdemokratie in der Republik." Referent Robert"Breuer. Wir bitten um das Erscheinen sämtlicher Mitglieder,„Borwärts".Lefer und Snmpathisierenden. 85. Abt. Mariendorf. 20 Uhr bei Reumeyer. Schäneberger. Eck-«aiferstraße, Funktionärsitzung. Erscheine» dringend notwendig. 115. Abt Lichtenberg. Die Gruppenleiter werden gebeten, die Legitimations. karten zur Kreisvertreterversammlung bis Montag, 13. Juni, vom Ge. nogen vennig. ssinowstr. 7, vorn 3 Tr., abzuholen. 139. Abt. Tegel. Freie Scholle: Pünktlich 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Fraenkcl. Alle Mitglteder, Sympathisierend- und„Borwärtz-Leser '"erden gebeten, bestimmt und zahlreich zu erscheinen. Morgen, Sonntag, 12. Juni: Echöneüery. 78. Abt. Zur Ncsichtigung des Großkraftwerkes Klingenberg trifft sich die Mitglredfäiaft mit Angehörtgen pünktlich 8 Uhr Grunewald-, Ecke �tkazienstraße, bzw. 10 Uhr vor dem Kraftwerk.— 79. Abt. Zu der Be. stchtigung de, Großkraftwerkes Klinaenbera treffen sich die Genossinnen und Genossen pünktlich 8 Uhr am Bhf. Schöneberg. Die Besichtigung be. ginnt pünktlich 10 Uhr. 103. Abt. Ob-rschönewcide. Ausslug nach Sanssouci-Eadowa mit Kaffeekochea. Treffpunkt pünktlich 14 Uhr Evangelisch« Kirche. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. 107. Abt. Alt-SlieviSe-Falkenberg bei Grünau. Die Genossinnen u»d Genossen werden gebeten, sich an der Filmvorführung der Sozialistischen Arbeiter- sagend um 20 Uhr im Demcinschaftshaus der Gartenstadt zu beteiligen. Iungsozialisten: Gruppe Süden: Der geplant« Wochenendkursus findet am U. und 12. Juni in der Jugendherberge Klein-Köris statt. Thema:..Religion und Sozialismus." Referent Karl Mennicke. Treffpunkt am Sonnabend 17% Uhr und Sonn. tag für Nachzügler spätesten, 7% Görlißer Bahnhof, Fernbahnsteig. Fahrt bis Teupiß-Groß-Kdris. Gäste willkommen. Slrbeiksgemeinschafk der Sinderfreuade: Gruppe Norden: Sonntag. 12. Juni, Elternfahrt. Treffpunkt 7% Uhr Sonnenburaer, Ecke Gaudystraße, oder 8 Uhr Gesundbrunnen. Eltern und Parteigenossen sind herzlichst eingeladen. Sterbetafel üer Groß-öerliner partei-Grganisation 34. Abt. Am 8. Juni verstarb plötzlich unser Genosse Emil R o s i n, Gubener Str. 19, im Alter von 51 Jahren. Seit Uber 34 Jahren gehörte er der Partei an und stellte seine ganze Kraft der Partei zur Berfüguna. Wir werden ihm«in ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung am Montag, 13. Juni, pünktlich 12 Uhr, im Krematorium Baumschulcnweg. Wir erwarten recht rege Beteiligung. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, dem 10. Zuni. 1. Rennen. 1. Gelbstern(Lichtenfeld). 2. Anker I kHnth), 3. Beate (Bahr). Toto: 97: 10. Platz: 33. 93, 18: 10. Ferner liefen: Weitkamp, Mistral, Deutscher, Haga Burlon, Harsenmüdchen, Friedegard, Taffo, Baron Meum. Dooni, Hinrich. Streiter, Lachmnökel, Hänsi Dillon, Morgenstunde, Sadana. Ouintessenz. Tie Letzte. Lux. 2. R e n n e n. 1.«crbard(flau« tun.), 2. Postumu«(Kinn). 3. Arn- fried(Przhrembcl). Toto: 24: 10. Platz: 12, 11, 15: 10. Ferner liefen: Wildkatze. Terrazzo, Flamingo, flloua W., Katzbach. 3. Renne n. 1. Vikar(Schröder). 2. GoudfterZ Gloria(Tzerson), 3. Vola Frisco(LautenSerger). Toto: 140: 10. Platz: 30, 42, 2S: 10. Ferner liefen: Niederländer, Steinnelkc, Einsicht, Dina WattZ, Aunie Goudster, Schüler Teddy. Ludwig. 4. R e n n e n. 1. Saiyre(Eh. Mills). 2. Aberglaube(Trenherz), 3. True Fox(flaut; jun.). Toto: 19: 10. Platz: 12, 19, 17: 10. Ferner liefen: Lockung. Karneval. Frettchen, Fenelon. Florian. 5. R c n n e n. 1. Nimmersatt(A. Finn), 2. Adresse(Elias), 3. Valencia I (Przyrcmbcl). Toto: 18:10. Platz: 14, 23. 21: 10. Ferner Uesen: Nipp» sach«, Windspiel, Noblesse, Naturbursche, Leuchte, Karbtnal, Domdechant, Edzard. K. Nennen. 1. Dante(Besitzer), 2. Potsdam(Hein), 3. Wagner 'Elias). Toto: 42:10. Platz: 17, 22. 15: 10. Ferner liescn: Goudster jr., Petronilla A., Holmeisterin B., Lelsing, Holstein, Propeller, Mantna, Edelsteins Sohn. Brilon Prinz. 7. Renne n. 1. Charade(J. Mills). 2. Dnnier(Grube), 3. Radiola (Lemzer). Toto: 21: 10. Platz: 14, 17, 26: 10. Ferner liefen: Struwelpeter. Johannisfeuer, Kürassier, Freibeuter, Ingrid Halle, Ludwig Zt., Venns. 8. R e n n e n. 1. Jeanette(I. MillS), 2. Manzanares(Treuherz), 3. Peter Haroester(Grube). Toto: 57:10. Platz: 36, 24, 26:10. Ferner liefen: Altmark, Kurgast, Denkmünze, Königsadler. 9. R en n en. 1. Kopeke(Schüller), 2. Marne(Schleulener', 3. Pech- sacket(Knöpnadel jun.). Toto: 49: 10. Platz: 24, 36. 30: 10. Ferner liefen: Prinzeß Foituna, Kuba, Erster Woisersomer. Sphinx I, Cleo Watts, Prinzessin Etawah, Crassus, Nachlja.ler, Franlenslem, Baron Tregantle. Oizmella und haha gegen Spears and peyrode. AIS vierten Teilnebmer des großen internationalen Fliegeikampses, der heute abend aus der Rütt- Arena zum AuZtrag kommt, hat Rütt Max Hahn bestimmt, dessen Trainings- leisuingen aus beste Form schließen lassen. Die zweite Hauptnummer des Programms ist ein großes Handikap über 6 Runden Hier sind die Meldungen von Spears Dewols, Peyrode. Frankenslein, Miethe, Oszmella, Hahn, Buscheuhagen, Mühlbach, Kühl, Bette, Longardt, Bebrendt. Krüger, Blank, Pohl, Martin, Kalles. Kuhn, Pelcimann. Hennrv Mayer, G tetnbach usw. zu verzeichnen. Sämtliche Fahrer, die nicht am Vierermalsch teilnehmen, treffen sich außerdem in einem Hauptsahren. 26 Fahrer haben sich zu diesem Wettbewerb gemeldet. Ein weiteres Ereignis ist der „Columbiapreis", ein 50-Kilomeler-Punktc-EinzeIsahren, an dem im ganzen über 30 Fahrer teilnehmen._ Wellerbericht der öffentlichen Wetterdienststelle sür Berlin und Umgegend. (Nachd. verb.): Wolkig, zeitweise heiter, ohne wesentliche Niederschläge, am Tage etwas wärmer. Ichwache Winde aus wechselnder Richtung.— Für ventschiand: Die ONseelüste weiterhin lühl mit strichweisen Regenschauern, im übrigen Deutschland etwas wärmer, Niederschläge nur im Südwesten. Eine gute Mahlzeit für Vyspeptiker. Kein Schmerz oder Unbehagen nachher! Die meisten Arten Magenbeschwerden wie Dyspepsie. Ver- daungsstörungen, Sodbrennen usw. sind die Folgen oder Neben- erscheinungen von SäurebiLumg oder Gärung der Speisen Be- seitigen Sie diese und Sie werden eine reichliche Mahlzeit von ollen Gerichten essen können, ohne befürchten zu müssen, nachher Schmerzen zu haben! Der beste Weg ist der, sich aus der Apotheke eine Flasche Biserirte Magnesia zu verschossen und nach jeder Mahlzeit einen halben Teelöffel in etwas warmem Wasser zu nehmen. Dies macht nicht nur die Säure unschädlich und verhindert Gärung, sondern be- ruhigt und schützt auch die entzündete empfitrdliche Magenwand. Hören Sie auf zu hungern und zu leiden,— essen Sie, was Sie wollen und wann Sie es wollen, nehmen Sie Biserirte Magnesia, und genießen Sie Ihre Mahlzeiten mit Appetit! In jeder Apotheke in Pulver- und Tablettensorm zu AI. 1.50 und M. 3.00 di« Flasche. Gaskocher VhncUs'Raktt $addalzS(b. m—m Berlin, Leipziger 5tr 122-125. Staats- Theater Opernhaus a. P atz d.Republ. 7'/, Uhr: Die Macht des Schicksals Schauspielhaus 7; Maü für MaB Schiller-Theater 8: Der Barbier von Sevilla StitisdiB Opei Charlottenburg 7»* Uhr: Fatinilza Abonn.-Turnus 1 DooiKMeateF Norden 10334—37 8 U. Ende lO'/j U Der Hexer Kamt&erspiele Norden 10334—37 86, Uhr. EndelOU. Papiermühle Loslsgiel«n Georg Kaiur Walhalla-Theoi. W erbet»g c I Täglich S'/o Uhr: Die von der Liebe leben I Joondlldit ktim Zutritt! Vorveigcr zahlt Parkett statt 4 Mk. nur 1 Mk. CiriovikHilinD Th.Könlggrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr; DieSdiule v.ilznadi HomOiUenhans Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Die Komödie Bismarck 2414r7516 8'/«, Ende oidt 10 Uhr Der Snob Theal.«.Hollenitorlpl. Kurfürst 2091 8 U., Eids gqn 1 1 Uhr Drei arme kleine Rädels Ofnlts tw WaHir falls Thaua-Theater 8 Uhr: Venn der junge Wein blüht netropot■ Theal. Houte 8 Uhr: Zum I. Male: CiUck In dar Liebe Heaes Thiatir an Zw 8 4 Uhr Thcodsr lost, Hill Birg, ins hldthirdi.Hain Flimi '•mrksof onuslcrtnrhu. �ärli�idhdiMcrWi»� Siltnhorg-BihKn Ots. Künstler-Th R1/! Uhr: Adieu Miml Lesslng-Theater 8'/, Uhr. Engen Kliplar mit seinim Eoseibie „HmdiwItMnd«" Theater des Westens 8 Uhr: Heinrieh Heines erste Liebe Sommtrpr. 1—8 M Volksbühne lbnler sn leiovgliti 8 Uhr:— Ein Sonünercadifstraoin. Morgen 8 Uhr: Ein Sommernaihtstrainii. Th. in Sdlirrbiccniaimi 8 Uhr Jan der Wunderbare ERIK CHARELL E RINGT: Penl Westertneter, Locle Mannheim a. Q., Ehard-Harl, DOblin, Kupier u. a. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Nollendorf 7360 8 Uhr Moni und Horace und weitere S lOr Berlin neue Attraktionen itgududi a. kciiji 2 Vorstellungen 3* und 8 Uhr, y zu ermäUlgt. Preisend. ganze Programm mische Oper „«>', Uhr: 8", Uhr: 1 die neue große James-KJein-Revue I Streng verbeten!!! Ott Rhu dir ntMenn UidnuBaftu! Urb r 200 Mitwirk./ 8 BalleHs. Venrerkauf a. d. ThtatnUtnih IDUhrmionttitr WINTERGARTEN Im Rahmen des neuen Varlet�-Sjplelplans DAGMA das ungelöste Rätsel, Rnucnen geatatftl VICTORIA zu BERLIN aLLQEMEINE VEStS CHSRUKUS-ACTIEN- GESELLSCHAFT Bilanz für das Geschäftsjahr 1926. Akt.va Grundbesitz...... Hypotheken...... Wertpapiere...... Garlehen an Versicherte. Forderungen u. Guthaben bei Banken usw.... an rückständig. Prämien anTeilprämien,fälligl927 an Zinsen und Mieten. Bare Kasse...... Aufwertungsfonds... Sonstiges....... Reichsmark 14 490 443 23 549 1 47 15 842 480 5 892 057 27 079152 7 294 516 12 445 266 1986 088 37 367 134 901 000 11 593 9)3 255111 509 Passiva Grundkapital..... Gesetzlicher Reservefonds Prämienreserven u. Ueber- träge........ Schadenreserven.... Gewinnreserven.... Sonstige Reserven... Guthaben von Banken usw. Aufwertungsreserve... Sonstiges....... UebcrschuB...... Reichsmark 3000 000 1 200 000 70 147 420 ! 954 223 6 690 998 18 281 208 6 876 039 13) 901 000 5 556 919 6 503 702 255111509 Aus dem UeberschuB wurden den mit Gewinnanteil Versicherten der Lebensversicherungs-Abteilungen RM 6 032,066 zugewiesen; es beträgt die Divi dende in der Abteilung der größeren Lebensversicherungen für die Versicherungen nach dem alten und dem Bm Gewinnplan 3.8»(« für die Versicherungen nach dem Gewinnplan Boin..... 2,4«/» von der bedjngungsgemäßen Summe der gezahlten gewinnberechtigten Prämien und In der Lebensversicherung ohne Untersuchung(O U) ZS°t> der Jahresprämle. WM SMWM-VMil Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern»uz Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser (iregor Hofmann am 9. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, dem 13. Juni. 15'/, Uhr, von der Leichenhalle desFriedhofs UI, Pankow, Bahnhofftraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Otiaoctmaitaag. Die Wochenend•Ausstellung am Kaiserdamm, die schönste Schau Berlins, ist bis auf weiteres Reichshallen»Theater AllabcndUcfa S Uhr t Stettiner SSnger OÖRhofi.Brett'l: Variatt, Konzart, Tanz verlängert word.; alle Eintrittspreise sind bedeutend verbilligt Erwachsene 1 Mark, Jugendliche 50 Pfg Familienkarten gültig für 3 Erwachsene oder 2 Erwachsene und 2 Kinder für 2 Mark. Erwerbslose zahlen gegen Vorzeigung ihrer Stempelkarte nur 30 Pfg. Berliner fffk-triO Neukölln. V Ubiutr.74/7tl CASINO-THEATER« Uhr: e Nor noch wenige Aaikühmngco I e Der Fehltritt einer Frau. Gutschein: FauL I Mk., Sessel 1,50 Mk. leder Art liefert p r et» w«ri faul OoUets, vorm. Rotorl Mew MariannenstraBe 3, Ecke Raungnstraßc Amt MorttzpLivZ 5«. QQiUüDgs-.Baliaa- i.leklamemtrken legen Nachahmung gesetzt, gesch. iertigtseit45 Jahr. als Spezialität Conrad HOller Leipzig- Skeuditsch Rose-Theater Gartenbflhne S'/i Uhr: Konzert und Bonter Teil 8 Uhr Rennen m Karlshorst Sonnabend, den II. 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