flg. 276»4». Jahrg. Ausgabe A Nr. 141 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, manatnch S,— Reichsmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Laar- und Memelgebiet, Oesterreich. Litauen, Luxemburg Reichsmark, für das ilbrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Borroarts� mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme",„Der Kinder» freund",„Iugend-Vorwärts",„Blick in die Buchcrwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäqlich zwei. mal. Sonntags undMontags elamal. Telegramm-Adresse: „Sozialdernokral kZerNn" Morgenausgabe r* Nerltnev Volksblskt (lO Pfannig) Anzeigenpreise: Sie einspaltige Nonpareille»' zeile 80 Pscnnig Rellomezeil« Reichsmark,„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Piennig (zulässig zwei settgedrucktc Worte), jedes weitere Wort 12 Piennig. Stellengesuche das erst« Wort 15 Piennig. ledcs weitere Wort 10 Pfennig Worte Uber 15 Buch- stoben zählen stir zwei Borte. Arbeitsmarkt fseile 00 Piennig. Familicnanzcigen siir Abonnenten Feile 40 Piennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4ib Uhr nachmittags im töauptgeschäst, Berlin EW08,Linden, straße3. abgegeben werden. GcLsfnet von S'4i Uhr früh bis 5 Uhr nachm, Zentralorgxn der Sozialckmokratifcbcn partes Deutfchlanda Neüaktion und Verlag: S erlin EW. 65, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Dienstag, den 14* Juni 1937 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. 65, Linüenstc.Z Postscheckkonto! Berlin 37 530— Bankkonto! Bank der Arbeite«. Angestellte» nnb Beamten, Wallst». 05: Biokonto-Seselltchast. Depositenkaste Ln'denstr. 3, Stresemann X Srianö �l100l> oder mehr als ein Viertel aller Wähler trotz Masscnterror gewagt haben, ihr Votum gegen das Regime abzugeben. Ausammentritt öes Reichstags. Heute nachmittag 3 Uhr. Die erste Plenarsitzung des Reichstags nach den Psingstserien beginnt heute um 3 Uhr nachmittags. Vorher tritt um 12 Uhr der Aeltestenrat zusammen, um den Arbeitsplan des Reichstags bis zur Sommerpauft festzulegen. Der Feineuntersuchungsausichuß des Reichstags tritt am Mittwoch vormittag zu einer Sitzung zusammen. Der Wiener Universitätsskanüal. Die Sozialdemokraten drohen mit Selbsthilfe. Wien, 13. Juni.(Eigener Drahtbericht.) An der Wiener Universität erfolgten seit einigen Tagen immer wieder K ra- walle der Hakenkreuzlerstudenten gegen die sozial- demokiatischen Studenten. Aus Grund dessen hatte am Samstag der Bürgermeister von Wien, Genosse S c i tz, als Landeshauptmann dem Polizeipräsidenten den Auftrog gegeben, falls die akademischen Behörden die Ruhe an der Universität nicht zu garantieren ver- mächten, durch die Polizei die Ruhe herstellen zu lassen. Trotz- dem haben am Montag vormittag wiederum die Hakenkreuzler- studenten in einem außerhalb der Universität gelegenen Institut Krawalle veranstaltet. Sie sind dann in die Universitätsbibliothek eingedrungen und haben dort die sozialdemokratischen Stu- denten hinauszudrängen versucht. Anschließend besetzten sie die Auffahrtsran'pe zur Universitätsaula und bedrohten die sazialdemo- kratischen Studenten. Erst als der Abgeordnete Genosse Dr. Deutsch energisch Maßnahmen der Polizei verlangte, wurde die Rampe von den Hakenkreuzlern geräumt. Die sozialdemokratischen Studenten schickten auf Grund dieser neuen Vorgänge eine Abordnung zum Rektor der Uni- vcrsität. Sie protestierten gegen den Terror der Hakentreuzler und erklärten, daß die Wiener Studentenschaft nunmehr entschlossen sei, zur Selbsthilfe zu schreiten. D--r Rektor bot, zunächst keine weiteren Schritte zu unternehmen, welche die Autonomie der Uni- versität gefährden könnten. Er verfügte dann die U n i v e r s i t ä t s- sperre bis zur Sitzung des Senats, der am Dienstag das weitere beschließen wird. Japanische Vermittlung) Der japanische Kriegsminister in Peking eingetroffen. e and an. 13. Zuai(121.) ver japanische Kriegs» minister traf heute in Peking ein. um. wie verlautet, tu be- sanderer Mission seiner Regierung den Zriede» zwischen Zlorb- und Südchiaa zu veewltleln. viel Arbeit für öen Reichstag! Zum Beginn seiner Sommcrtagung. Bon Hermann Müller- Franken. Vor Wiederbeginn der Sitzungen des Reichstags wird heute der Aeltestenrat über dos Arbeitspensum des Reichstags sich äichern. Wenn es nach der Regierung geht, soll der Reichs-« tag bis Ende Jnli beisammen bleiben. Wie so oft schon, werden ihm in den letzten Wochen der Session neue umfang- reiche Gesetzentwürfe, die zum Teil in allen drei Lesungen! verabschiedet werden sollen, vorgelegt. Hiervon sind die kinder- reichen Abgeordneten aller Parteien wenig erbaut, die während der Parlamentstagung ihrer Familie fern sind und wenigstens die Schulferien im Kreise der Ihrigen verbringen möchten. Führende Politiker der Rechtsparteien verlangein unter Berufung auf die Verfassung, daß während der Schul-» ferien das Parlament zu schweigen habe. In Artikel 113 der Reichsverfassnng heißt es nämlich:„Kinderreiche Familien haben Anspruch aus ausgleichende Fürsorge." Im Bürgerblock ist zwar viel von Fannlienriicksichten und von der Notwendigkeit des Kindersegens die Rede, aber was schert das alles Herrn Mumm? Er präsentiert den Wechsel auf das Schulgesetz und will die erste Lesung des G-e- setzes noch vor Schluß der Sommertagung erledigt haben. Die deutschnationalen Minister sind bereit, die Erfüllung dieses frommen Wunsches zu fördern. Uns soll's recht sein. Er- sahrungsgemäß ist es schivierig, die Massen mobil zu macheu, wenn ein konkretes Ziel nicht vorliegt. Also heraus mit dein Schulgesetzentwurf! Wird es iin übrigen so leicht sein, die! Deutsche Dolkspartei schleunigst auf eine gemeinsame Kam- promißlinie zu bringen, die dem Staate auch nur das Recht läßt, auf das er nach der ganzen geschichtlichen Entwicklung unseres Schulwesens Anspruch hat? Bereits in den nächsten Tagen wird die erste Lesung des Gesetzentwurses über die S t r a"s g e s e tz b u ch r e s o r m vorgenommen werden. Ueber die Art, wie dieser Gesetzentwurf beraten werden soll, sind noch Verhandlungen im Aeltestenrat vorgesehen Die Kommissionsbcratung dieses mit österreichi- scheu Juristen vorberatenen, in seiner Wirkung für Jahrzehnte berechneten großen juristischen Werkes soll während der Par- lamentsferien gefördert werden. Trotzdem wird der Reichs- tag bis Ende des nächsten Jahres vollauf zu tun haben, wenn der Strafgesetzbuchentwurf noch von diesem Reichstage verabschiedet werden soll. Eine Auflösung des Reichstages würde bedeuten, daß alle im Reichstag bis dahin geleistete Arbeit unter den Tisch fiele. Da aber die bürgerlichen Par- teien samt und sonders gegen eine Auflösung des Reichsiagcs sind, werden wir, wenn nicht außergewöhnliche Umstände eintreten, im Herbst nächsten Jahres ein normales Endes dieser Gesetzgebungsperiode erleben. Außenpolitische Konflikte, die den Besitzbürgerblock er- schüttern könnten, sind nicht zu erwarten. Dft Deutsch- nationalen treiben Erfüllungspolitik ohne Be- f r e i u n g s p o l i t i k. Sie haben sich damit abgefunden, daß das Rheinland sobald nicht von der fremden Besatzung befreit werden wird. Sie fördern lieber die Stahlhelinpropaganda der Militaristen aller Schattiennigen im Lande nach Kräften, während sie gleichzeitig in der"Rcgierungskoalition bereit sind, auf die Wünsche einzugehen, die der„Feindbund" äußert. So apportieren sie jetzt das Kriegsgerätegesetz, das mit der Botfchaftertonferenz in Paris vereinbart ist und zwar mit dem Vorbehalt, daß der Wortlaut des Entwurfes keine Aendenmg erfährt. Die Mafchinenindustrie lief lange gegen diesen Gesetzentwurf Sturm, weit die Botschasterkonferenz bestrebt war, den Begriff des Kricgsgcrätcgesetzes sehr weit auszulegen, was bei der modernen, technisch-physikalischen Art des Kriegführens bei schlichtem Willen nicht schwer fällt. Aber die Deutschnationalen haben die Industrie beschwichtigt. Sie wollen eben unter allen Umständen in der Reichsregierung bleiben, weil sie nur so hoffen, dermaleinst auch in die preu- ßi-sche Regierung zu kommen. Im übrigen sieht es am außen- volitischen Horizont grau in grau aus. Van der Auswirkung der Politik von Thoiry sprechen die Blätter der Regierungs- Parteien schon gar nicht' mehr. Wenn Herr Stresemann von Genf zurückkommen wird, wird er den Reichstag noch ver» sammelt finden. Zu sagen dürfte er wenig haben, zum min- desten nichts Erfreuliches. Die Handelsvertragsoerhandlungen mit Bolen sind ins Stocken geraten. Trotz Annäherimg in Wirt- sthastsstagen, wegen fehlenden Entgegenkommens in der Riederlassungsfrage, wobei die Bestrebungen der polnischen Regierung, mit allen Mitteln in den früher deutschen Gebieten deutsche Angestellte und Arbeiter durch polnische zu ersetzen, eine Rolle spielen. Auch die die Haudelsvertragsverhandlungen mit Frankreich gehen sehr langsam vorwärts. Da der provisorische Zolltarif in Deutschland Ende Juli abläuft, muß der Reichstag mindestens ein neues Provisornim genehmigen. Dabei werden scharfe Auseinandersetzungen nicht ausbleiben, wenn die Regierung den Agrariern zuliebe den Kartoffel- und Zuckerzoll erhöhen und die Zollfreiheit für die Gefrierfleffch-Kontingente beseitigen will. Die Agrarier sind gen» bereit, selbst während der Erntezeit auf dem Berliner Afphalt zli blerben, menn ihre Reichstagstätigtett ihnen und ihren Klassengenossen Zollprofite einbringt Ferner hat der Reichstag über das Weiterbestehen des Mieterschutzes noch in diesem Monat zu entscheiden, denn das Mieterschutzgesetz und das Reichsmietengesetz laufen Ende Juli ab. Die Verlängerung beider Gesetze dürste be- schlössen werden, trotzdem die Wirtschaftspartei im Interesse der Hausbesitzer den Mieterschutz beseitigen will. Damit kann sich vor den Wahlen der Besitzbürgerblock nicht auch noch belasten. Ebenfalls Ende Juni läuft das Sperrgesetz über die Re- gelung der F ü r st e n a b f i n d u n g ab. Die thüringische Regierung hat trotz volksparteilicher Bemühungen noch Nicht alle Restfragen mit den Abkömmlingen der früheren thürin- gischen Raubfürsten erledigen können. Auch in Württemberg, Oldenburg usw. sind noch nicht alle dies« Streitpunkte aus- geräumt. Würde das Sperrgesetz glatt ablaufen, so würden habgierige Prinzen von neuem Gelegenheit haben, mit Hilfe der Richter sich zu bereichern. Unverständlich ist, daß die Reichsregierung die Sommer- tagung noch mit der Erledigung der großen Steuerver- einfachungsge fetze belasten will, die für die Real- steuern ein Reichsrahmengesetz bringen, die Hauszinsfteuer zu einer Reichssteuer machen und die Steuerckerwaltung der Länder und Gemeinden vereinheitlichen soll. Ueber die be- treffenden Gesetzentwürfe ist bis heute noch nicht einmal die Reichsregierung einig. Sobald sie an den Reichsrat kommen werden, werden sich die Ländervertreter eingehend mit dem Inhalt der Gesetzentwürfe befassen müssen. Die Gesetzent- würfe sind verfassungsändernd. Man rechnet darauf, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zu der Verabschiedung die Zustimmung geben wird, weil vor- g e b l i ch diese Gesetzentwürfe in ihrer Auswirkung die von der Sozialdemokratischen Partei vertretenen Tendenzen auf Stärkung der Reichsgewalt zu unterstützen geeignet sein sollen. Wer aber glaubt in Wirklichkeit, daß ausgerechnet die Regierung Marx-Keudell-Schätzel im Jnteresie des Einheits- stootes dem bayerischen Löwen den Schwanz stückweise ab- hacken will? Die neuen Steuervereinfachungsgesetze werden, da wochenlange Reichsratsberatung vorauszusehen ist, erst Ende Juli dem Reichstag zugehen können. Wer glaubt, daß dann diese verfassungsändernden Gesetze unter dem Druck sommerlicher Augusthitze durchgepeitscht werden können, soll sich auf den stärksten Widerstand der Sozialdemokratie gefaßt machen. Wir werden, wenn es so weit ist, eine gründliche sachliche Beratung dieser Steuergesetze verlangen, denn ihre Verabschiedung wird die Finanzgebahrung der Gemeinden auf das stärkste beeinflussen. Die Länder hoben die Pflicht, die Sachverständigen aus den Gemeinden zu hören, ehe es zu so einschneidenden, die S e l b st v e r- waltung der Gemeinden drosselnden Reichs- gesetzen kommt. Endlich ist das Gesetz über die Arbeitslosenver- s i ch e r u n g am Sonnabend im Sozialpolitischen Ausschuß in erster Lesung zu Ende beraten worden. Sobald für eine Reihe noch offener Streitsragen neue Formulierungen ge- fimden sind, wird die zweite Lesung im Ausschuß erfolgen. Die Beratung dieses Gesetzentwurfes im Plenum wird min- bestens eine Wpche beanspruchen. Wenn die Reichsregierung auf die Zustimmung der sozialdemokratischen Reichstags- frakiion Wert legt, wird sie vor Inangriffnahme der zweiten Lesung im Ausschuß den., berechtigten Wünschen der sozial? demokratischen Reichstagssraktion weiter entgegenkommen Müssen. Sie kann das hm, weil ihr selbst daran liegen muß. daß die Erwerbslosenversicherung auf eine gesunde Grundlag« gestellt und der Reichsetat von unvorhergesehenen Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge dauernd entlastet wird. Wenn auch nicht alle Wünsche der Reichsregierung in Erfüllung gehen werden, so hat sich dennoch eine starke Arbeitslast fiir die Sommertagung zusammengedrängt. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion wird für die Erledigung aller notwendigen Arbesten eintreten. Sie zu erledigen ist Pflicht des Parlaments. Herr Dr. Jessen hat kürzlich im „Deutschen Spardienft" berechnet, daß der Reichstags- abgeordnete auf den Kopf der Bevölkerung jährlich 7,9 Pfennige und der Landtagsabgeordnete gar 8,8 Pfennige kostet. Das find aber nur die unmittelbaren Kosten. Herr Dr. Jessen sollte einmal für das Blatt des Herrn v. Löbell berechnen, was der Reichstag pro Kopf der Bevölkerung kostet, wenn er durch eine schädliche Zollgesetzgebung die Massen belastet, wenn er durch eine volksfeindliche Handels» Politik in gleicher Richtung das Volk schädigt und wenn er durch eine Politik die die j)eraufsetzllNg der Mieten billigt, den Mietern zugunsten der Hausbesitzer das Geld aus der Tasche zieht, ohne daß gleichzeitig eine entsprechende Er- höhung der Löhne und. Gehälter der Arbeiter, Angestellten und Beamten garantiert wird. Die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion wird in den kommenden Wochen des Mandates eingedenk sein, daß ihr die Massen der Enterbten bei der letzten Wahl gegeben haben: sie wird stets bestrebt sein, die Politik des Besitzbürgerblocks zu durchkreuzen, wenn dieser ein neues Attentat auf die Lebenshaltung des deutschen Volkes vor hat oder wenn er von neuem dem kulturellen Fortschritt ein Bein stellen wird. Im Herbst aber beginnt die letzte Session dieses Reichstags und dann haben die Wähler und Wählerinnen das Wort. Es wird brenzlich. Deutschnationale Sorgen für die kommende Reichstagsfesfion. Die Stellung der Deutfchnationalen in der kommenden Tagung des Reichstages ist mit zwei Worten zu bezeichnen: Angst undBegehrlichkett. Sie fürchten die O p p o- f i t i o n, sie wollen den Z o l l w u ch e r unter Dach und Fach bringen. Angst und Begehrlichkeit haben einen Artikel der „Deutschen Tageszeitung" gebore», der die Ueber- schrift trägt: Spiel mit dem Feuer. Die Furcht vor der Opposition: „Die Koalition muß der zahlreichen Kräfte Herr werben, die innerhalb und außerhalb ihrer Reihen mit allen Mitteln der Demagogie und Infamie an der Zlrbeit sind, um sie z u sprengen und damit den Weg für einen neuen Linkskurs vor- zubereiten. Solange die gegenwärtige Koalition besteht, hat sie sich ja einer Hetze aus dem demokratischen und sozialdemokratischen Lager erfreut, wie sie mit derart niederträchtigen Mitteln und mit einem solchen Maß von Verlogenheit noch nie von der Oppo- lition gegen eine Regierung betrieben worden ist. Dabei entwickln die offenen Gegner des Re�erungslagers eine Zähigkeit und eine Erfindungsgabe, die in der Tat bewunderungswürdig ist." Die Opposition hat also jetzt schon gewirkt. Ueber die Verlogenheit der Behauptung, daß es sich um„Hetze, Dema- gogie, Infamie" handle, wollen wir uns nicht lange aufhalten. Die Opposition hetzt nicht zum Ministermord, sie setzt keine verlogene Pressekampagne mit gestohlenen Dokumenten in die Welt, sie beschuldigt die Koalition nicht des Landesverrats. Sie beschränkt sich darauf, dem Volke die D o p p e l z ü n g i g» k e i t der deutschnatwnalen Politik, die Gefahr einer Aus- h ö h l u n h e.r Verfassung. dnrch deutschrMionale Minister und ÄÖb allem die s o zia l r e a r t i v na r e In t e r- esscntempolttrk dir Rechten aufzuzeigen. Das zieht so, daß das deufichnoiionäle Orgän aufschreit. E« ist aber erst ein Anfang. Die deutschnationale Begehrlichkeit: „Man wird bei der Z o l l g e s e tz g e b u n g sich wieder wochen- lang„grundsätzlich" über die tausendmal erörterten Fragen der Exportpolitik und Binnenmarktpolitik in die Haare geraten, man wird eifrig das oielgerühmtc Schlagwort vom„Brotwucher" trak- tieren. um damit die Leidenschaften der Strohe mobL z» machen. und somit letzten Endes die Soolitionsparkeien wieder zwingen, mit den schärfsten Maßnahmen einen Abschluß der Beratungen herbei- zuführen, wollen sie nicht schließlich das Werk im Strudel der Agi- tation versinken sehen." Das ist des Pudels Kern! Die neue Zollwuchervorlage soll unter Vergewaltigung der Opposition nach den Wünschen der deutschnationalen Großagrarier durch- gepeitscht werden. Ein neuer Streich der Interessenten- Politiker. Und diesem Geständnis folgt eine Aufforderung an das Zentrum, Wirth hinauszuwerfen, damit nickst vorzeitig die Koalition in die Brüche gehe, zu deren Festigkeit die Deutschnationalen kein großes Zutrauen haben. Also: Wirth muß hinaus, die Opposition muß ver- gewaltigt werden, damit der Brotwucher vollendet werde» kann.> Der Plan ist so schamlos, daß die Angst vor der Oppo- sition begreiflich ist. Ein Spiel mit dem Feuer? Gewiß. es wird den deutschnationalen Mannschaften mit Recht schon brenzlich zumute._ Ergebnislose verhanülungen in Sachsen. Sozialdemokratisches Mißtrauensvotum. Dresden. 13. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Tie heute statt. gefundenen Verhandlungen des Interfraktionellen Ausschusses der Regierungsparteien im Sächsischen Landtag über die Neu- bildung der sächsischen Regierung sind nach über fünf- stündiger Dauer wiederum ergebnislos abgebrochen worden. Die Verhandlungen fanden unter Vorsitz des Minister- Präsidenten Held statt. Zu der morgen stattfindenden Landtags- sitzung. die die erste nach der vierwöchigen Psingstpause ist. hat die sozialdemokratische Lcmdtagsfraktion einen Mißtrauensantrag gegen den Ministerpräsidenten Held eingebracht. das Lanüsberger Urteil bleibt. Reichsgericht gcge« jede Revifio». Leipzig. 13. Juni.(TU.) Das im Landsberger Fememord- prozeß gegen Becker und Genossen wegen Mißhandlung und Er- mordung des Zeitfreiwilligen Gröschke vom Schwurgericht L a n d s b« r g a. d. W. am S. November ISSS gefällte Urteil wurde heute vom 2. Strafsenat des Reichsgerichts als Revi- sionsinstanz geprüft. Sämtliche eingelegten Revisionen wurden verworfen, darunter namentlich das Revisionsbegehren der Anklagebehörde gegen dm Freispruch des Mitangeklagten Ober- leuwant Schulz. Bon dm weiteren Revisionsbegehren war wefenttich das des Erich Klapproth, der wegm Beihilfe zum Mord zu 15 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 19 Iahren verurteilt worden war. Klapproth machte geltend, daß die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte bei einer derartigen Tat mit politischem Emschtag nicht berechtigt war. Die Reoisionsinstcnz trat auch hier der Urteils- begründung des Schwurgerichts Landsberg bei, wonach die Art der Ausführung der Tat so roh und niederträchtig gewesen sei, daß dafür wohl die Ehrenstrafe hätte ausgesprochen werden können. Dem Angeklagten Becker, der wegm Anstiftung zu gefähr. sicher Körperverletzung in Dateinheit mit Nötigung zu neun Mo- nateck Gefängnis verurteilt worden ist, warm bei der Urteilsverkündung irrtümlich acht Monate für die Untersuchungshast gutgesagt worden. Da er nie in Untersuchungshast gesessen hat, ist durch einen Berichtigungsbeschlutz diese Anrechnung seitens des Schwurgerichts aufgehobm wordm. Beckers Revifio«. forderte die Anerkennung dieser acht Monate. Der zweite Straf- smat erklärte aber die Berichtigung de» Irrtums für durchaus be- rechtigt. Der Toö öes Propheten. Bon Hans Bauer. Louis Kristian Haeußer ist den Weg des Fleisches gegangen. und da erinnere ich mich außer einigen sehr lustige» Schmähpost- karten und Schmähbriesen, die er vor Jahr und Tag an die Adresse einer von mir damals herausgebrachten Zeitschrist gerichtet hatte, an eine Gerichtsverhandlung, in der er sich wegen irgendeiner Widersetzlichkeit gegm die Staatsgewalt zu verantworten hatte. „Ich bin die Wahrheit!" sagte Haeußer mit der ihm eigenen Unbe- dingtheit des Tonfalles zum Richtertisch hin. Der Vorsitzende über- legte einen Augenblick und vergewisserte sich dann sehr sachlich: „Sie meinm: der Verkünder der Wahrheit?" Haeußer wußte mit dieser Unterscheidung nichts Rechtes anzufangen. Eine solche juristische Knifflichkeit war ihm in der Welt, in der er lebte, gewiß Noch niemals begegnet. Die Welt, in der er lebte, was war das für eine sonderbare Welt! Eine phantastische Kleinleutewelt, die ihren Stich ins Aben- teuerliche weg hatte, eine seltsame Schwärmerwelt der irgendwie Zükurzgekommenen, die die dumpfe Sehnsucht des Herzens mystisch abreagierten. Hier wußte man nichts von sozialm Problemen, von politischen Tagesförderungen, von Kapital und Arbeit. Hier deutete man alles überzeitlich und glaubte noch an das Wunderbare. Mit langm Mähnen und mit Sandalm an dm Füßen schritten die Jünger des Meisters durch die Straßen der Städte. Die Kinder gingm hinter ihnen her, und die Erwachsenen blieben für ehtm Augenblick stehen und schüttelten lächelnd den Kopf, Aber die Männer und vor allen Dingen die Frauen, die nicht die geistige Energie zur kritischen Wertung der Worte des Meisters aufbrachten, brachten den Mur zum Ertragen unzähliger Spötteleien auf. Manche meinen, daß es Haeußer nicht ganz ernst gewesen sei um seine Messiasrolle, und tatsächlich deutet ja manches darauf hin. Gewiß ist es aber seinen Mitläusern bitter ernst gewesen um ihre Anhängerschaft, und viele unter ihnen haben sich wohl für die Jünger eines neuen Weltenretters gehalten, die wie ihre Vorgänger vor 2000 Jahren der Erde das Evangelium eines großen Mannes zu künden hätten. Haeußer ist tot, und da er der Erde keine Idee zu geben hatte, sondern nur das Pathos eines kraftvollen Wortes und die Origi- nalität seines äußeren Anblickes, werden die Mitglieder seiner Sekte sich allmählich in der Welt verlaufen. Die Bewegung wird ver- sickern und langsam einschlafen. Die Jünger werden ganz ihrem bürgerlichen Berufe zurückgegeben werden und nur zuweilen, in verträumten Stunden an den Meister auf dem Neuköllner Gemeinde- friedhof denken. Es ist ja natürlich alles zum Lachen: die„Lehre' des Meisters und die Kritiklosigkeit seiner Anhänger. Aber ein ganz klein wenig Wehmut darf sich selbst in dieses Lochen mischen, denn eines in der Welt verträgt immer nur Belehrung und niemals Spott: die Aufrichtigkeit einer Hingabe. Die internationale Sprache der Musik. Bei der Eröffnung der Frankfurter Internationalen Musikaus st ellung hielt der französische Unterrichtsminister H e r r i o t eine bedeutsame und schöne Rede über das Wesen der Musik, die wert ist, nach- gettagen zu werden, Die Teilnehmer— so jagte Herriot— befänden sich hier als Menschm, die festm und mtschlossenm Willens sind, die Mittel wiederzufinden, um die große Masse der Völker für die musikalische Kultur gewinnen und dadurch die Musik als wesentlichen Bestand- teil in die Ethik der neum Zeit eindringen zu lassen. Es scheint ihm, daß diese Kundgebung unter dem Genius des großen Mitbürgers der Stadt Frankfurt, Johann Wolfgang Goethe, stattfinde, wie auch in ihr eine Erinnerung wachgerufen werde, an die lange zurück- liegenden Gedanken von Jean Jacgues Rousseau, und es sei keine Ketzerei, diese beiden Namen zu vereinigen. Wenn man seststelll, daß Goethe aus seinem Herzen ohne jeden Haß geschöpft hat, wenn man daran denkt, daß er in seinem letzten Jahr die Völkerverständi- gung gewünscht hat mit dem Streben nach einer Weitliteratur, die von den hervorragendsten Dichtern mit den schönsten Werken aller Nationen gebildet wird, dann hat man das tiefe und starke Gefühl, daß man hier unter einem Goetheschen Gedanken versammelt ist. Heute ist der Augenblick gekommen, die Musik die gesamte menschliche Ethik durchdringen zu lassen und sie zu gebrauchen, um die An- Näherung der Völker in Friede und Freude zu bewirken. Alle großen Musiker tragen trotz der Einslüffe, die sie aufeinander aus- üben, den Stempel ihres Volkes. Aber unter den Verschieden- heiten der Menschen findet man den Menschen an sich. Schließlich gibt es keine zwei Arten zu leiden und zu weinen. Das Hindernis der Sprache, das soviel tut, um die Menschen zu trennen, verjchwin- der in der Musik. Der Musiker spricht eine Sprache, die jedem zu- gänglich ist, eine Sprache, über die hinaus nichts mehr vorhanden ist als das stumm« Spiel der Zahlen und dos schweigende Schwingen der Sphären. Der Schleier der Worte ist gefallen. Alles Mate- riclle des Ausdrucks ist verschwunden und nichts tritt uns entgegen als nur reine Idee, reines Gefühl. Auf dieser Ebene können sich die Völker zusammenfinden. Zum Schlüsse wünschle Herrior, daß das Fest in Frankfurt dem Wirken des Friedens dienen möge, an dem heule alle großen Geister der Welt arbeiten. Niemals könnte es in der Polirik ge- lingen, wenn nicht eine geistige Vorarbeit vorausginge. Möge uns die Musik da, zu verhelfen, diese höhere Form der menschlichen Kultur zu verwirklichen, die Friede heißt. Aesthetiker-Kongreß in halle. Der drille Kongreß jür Aesthelit und ollgemeine Kunstwissenschast, der vorn 7. bis 9. Juni m Halle tagte, hatte es sich neben der Erörterung allgemeiner, das Gebiet der wissenscizafrlichen Kunstbetrachtung im Großen umreihender Ar- beit zur speziellen Aufgabe gemacht, die Problemkreise des R h y t h- in u s und des S q m b o l s systematisch und historisch durchzuarbei- ten. Kam man hierbei auch nicht immer zu restlos gültigen Formu- lierungen, ja, standen sich im Gegenteil die Ansichten der einzelnen Forscher infolge verschiedener Einstellung und Arbeitsweise osi recht imvenniiteli gegenüber, so ist doch schon die Aufrollung des un- geheuren Materials ein so positives, in Wirkung und Anregung kaum absehbares Ergebnis, daß man die Absicht des Vorstandes der Gesellschaft für Aesthetik und allgemeiner Kunstwissenschast, die Kon- gresse nunmehr zu einer regelmäßigen Einrichtung werden zu lassen und auch in Zukunst neben der allgemeinen Arbeit der speziellen Erforschung einzelner wichtiger Problemkreise zu widmen, als glück- lich bezeichnen imiß. Aus der übergroßen Reihe von 18 wissen- schaftlichen Referaten seien wenigstens Max Desfoir(Berlin):„Histo- ' rische/ und systematische Betrachtung der Kunst", Theodor Ziehen (Halle):„Rhythmus in allgemeiner philosophischer Betrachtung", David Katz(Rostock):„Vibrationssinn und Rhythmus", W. v, Wal- tershausen(München):„Rhythmus in der Musik", Hans Prinzhorn (Franksurt a. M.), und Fritz Giese(Stuttgart): Rhythmus im Tanz", En, st Cassierer(Hamburg):„Das Symbolproblem und seine Stellung im System der Philosophie", Fritz Strich(München): „Symbol in der Wortkunst", und Emil Utitz(Halle):„Der neue Realismus", genannt.— Die den Kongreß begleitenden künstle- rlschen und geselligen Peranstalwngen. darunter eine Exkursion in das benachbarte Lauchstädt zum 125. Jubiläum des Goethe-Theaters mit historischem Festprogramm, bewiesen die Großzügigkeit, mit der sich Stadt Halle, Provinz und Staat für das Gelingen des Kongresses eingesetzt hatten. w. j. 3m Ilugzeuge durch Afrika! Wie lange ist es eigentlich her, daß Stanley Afrika bezwang in jahrelangen Reisen— mit den primitiven Methoden des Fußmarsches? Heute besorgt man ein Flugzeug in wenigen Wochen, und die Menschheit braucht nicht lange auf einen bänderischen Bericht zu warten: der Film ist der fixeste, zuverlässigste und interessanteste aller Reporter. Der Schweizer Walter M i t t e l h o l z e r, dem wir bereits den Flug nach und durch Persien verdanken, unternahm einen Transasrrkaslug vom Dezember 1926 bis Ende Februar 1927. Gestern abend über- mittelte uns der Film seinen Reisebericht im„C a p i t o l". Mittelholzer vollbrachte diese Tat— sie bleibt eine auch nach den Amerikoslügen— zusammen mit drei Gefährten in einem Dornier-Wasserflugzeug. das mit einem 456pferdigen Motor ausgerüstet war. Der metallene Vogel, dessen Ausbau sich vor unseren Augen vollzieht, flog mit einer Stundengeschwindigkeit von 159 bis 299 Kilometer. Von, Zürichsee geht die Reise über die Zllpen— so plastisch scharf haben wir sie noch selten gesehen— am rauch- jpeienden Vesuv vorbei nach Alerandria. Gemächlich werden die klassischen Stätten des Nils, die Pyramiden bei Kairo, die Tempel von Luxor filmisch ausgebeutet. Aber Nillandschasten sind uns ja bereits alltäglich geworden. Der Staudamm von Assuan mit den wasserversunkenen Tempeln von Philae bringen schon eine neue Not«. Und dann sind wir im Herzen Afrikas. Khartem ist passiert, und nun kommen wir von einer Ueberraschimg zur anderen. Welch rerelinäßige Anlage der Negerdörfer, welche rhythmische Begabung dieser großen schlanken Menschen. Unsere Ausstatlungsreouen können sich vor diesen Maskentänzern mit Gaiastraußentracht verstecken. Mit einein Male sind wir auf dem Bictoriase«. An rauchenden Vulkanen fliegen wir vorbei zum Tanganjika. Und schon sind wir am indischen Ozean und bald daraus am Nadelkap, der Südspitze Afrikas. Eine unerhörte Leistung und eine fabelhaft« ergiebige An- schauung dieses lach- und tanzfreudigen Erdteils. r. _. seitigung des 8 12 Zitier B. Nach zwölf jähriger Dien st'- zeit wird es eine gewisse Zahl von Schutzpolizeibeamten geben, die auszuscheiden wünschen. Das kann aus verschiedenen Griinrbcn ober nicht im Gesetz verankert werden. Der Berichterstatter fordert in einem dieser Anträge ein« alljährlich dem Minister vorzulegend« Statistik sowohl über die aus s ch eidenden Beamten wie über die freiwerdenden Stellen. Für die mit 50 Jahren zu pensionierenden Beamten soll beantragt werden, ihnen als Entschädigung außer den 80 Proz noch 10 Proz. zu geben. Wünschenswert wäre. daß beim 8 10 Absatz A nur in den ersten drei Jahren gekündigt werden kann. Eine gewisse Möglichkeit muß der Staat behalten, tatsächlich ungeeignete Schutzpolizeiofiiziere und Beanite zu entlassen. Bezüglich eines Eheverbots konnte ip den Borbesprechungen eine Einigung nicht erzielt werden. Meine politischen Freunde wünschen das sechste Dicnstjah'r als Grenze des Eheverbots. Z» dogrüßen wäre es, wenn als Entlaffungsgründe auch W. S. Genf. 13. Juni.(Eigener Drohtbericht.) Der polnische Außenminister Zaleskt oerbreitete sich am Montag mittag über die Sowjetnote. Er bezeichnete sie als geeignete verhandlungsbafl». Auch die Forderung auf Beteiligung eines Sowjetvertreters an der Verhandlung ssi grundsätzlich angenommen. Das polnische Prozeßrecht sehe ebenso die Teilnahme eines Der- treters des Geschädigten bei einem Strafprozeß vor. Wenn der Attentäter auch zum Tode verurteilt werde, so fei«» doch nicht wahr- scheinlich, daß die Hinrichtung erfolge. Jugendlich« würden in Polen stets zu Zuchthaus oder Gefängnis begnadigt. Die Sowjetdiplomatie hätte die Forderung gestellt, an der U n t e r s u ch u n g des Attentates beteiligt zu werden, um dadurch hinter die vermuteten Zusammen- hänge und Mitschuldigen zu kommen. In demselben Augenblick aber. in dem in Warschau die Sowjetnote veröffentlicht wurde, gab man dort die Mitteilung aus, daß die Untersuchung beendet und der Attentäter vor das außerordentliche Gericht gestellt sei. Kam Warschau mit der Ueberweisung an dos Standgericht der Sowjetunion entgegen, so überging es mit dem schnellen Abschluß der Untersuchung den russischen Anspruch, an de? Untersuchung beteiligt zu werden. Statt dessen konzediert Polen, was sowieso selbstverständlich ist, nämlich die Teilnahme eines Vertreters des Ermordeten an der Gerichts- Verhandlung. Zaleski fühlt sich so sicher, Moskaus Anspruch abgedreht zu haben, daß er bereits jetzt die Aufhebung«ine» Todes- Urteils glaubt ankündigen zu können. Das ist hoffentlich ein gutes Zeichen für eine allmähliche Entspannung. E» kann aber ebensogut der Ausgang neuer polltischer Spannungen zwischen Mostau und Warschau sein.. Was das 1 i-■! englisch-russische Verhältnis angeht, so ist Genf wieder einmal voll von Gerüchten, daß Eng- lond die Herstellung einer diplomatischen Einheitsfront gegen Moskau anstrebe. Die englische Völkerbundsdiplomatie beschäftigt sich damit, diese Gerüchte kategorisch zu dementieren. Solche Gerücht« entstehen jedoch immer wieder, weil es von vornherein unwahrschein- lich scheint, daß eine Großmacht die diplomatischen Beziehungen zu einer anderen abbricht, wenn sie damit nicht weitergehende feindlich« Ziele verfolgt. Da aber mit dem Dementieren solch« Absichten an ihrer Durchführung gehemmt, wenn nicht überhaupt unmöglich ge- macht sind, so wird man vielleicht doch nach einiger Zeit in Mostau sehen, daß die Interessen England», weiter Geschäfte mit Rußland zu machen, durchaus real sind. Da auch Frankreich hier versiähert, weitergehende feindlich« Absichten England» nicht zu teilen und sie keineswegs unterstützen zu wollen, und da Deutschland» passiveReutralität eine unbedingte ist, so braucht, gerade van Genf aus gesehen, Moskau Besorgnisse wegen der Herstellung einer diplomatischen Einheitsfront nicht zu hegen. Raserei i« Moskau. Die Agentur„Ost-Expreß" berichtet au« Moskau unter dem 13. Juni: Die Erregung in Moskau ist noch immer im Steigen begriffen. Bor dem Gebäude des Außenkoimnisiariats fand ein« große Demonstration statt. AI» die Beamten der GPU., che sich an den Protestzügen beteiligten, geschloss«» anmarschiert kamen, er» tönten, wie die Presse berichtet, aus der Menge Rufe:„Tschekisien, seid auf der Hut! Der Feind schläft nicht!" Dies« Zurufe wurden von den Tschekisten beantwortet. Sie riefen:„A n d i« W a n d mit den gedungenen Mördern!" Darauf schrie die Meng« mehrmals „Es lebe der rote Terror!" Als einer der Redner die russischen Noten an Polen erwähnte, wurden Ruf« de» Ilmvillens über den „maßvollen" Ton dieser Noten laut. Nach Schluß der Demonstration fang die Menge ein neues Kampflied, in dem gesagt wird, es würden »ich« genügend caterneu für die„Bourgeoisie" vorhanden sein. Der Terrorgedanke beherrscht die Presse und die Arbeiteroersammlungen. Wie die„Prawda" de- richtet, fordern die Moskauer Arbeiter die Aufstellung von besonderen .Listen der Verdächtigen". Mit glühendem Eisen müßten die weißgardistsschen Schurken ausgemerzt werden. Die Sprache der Sowjetpreffe gegen England wird immer heftiger. Die Blätter überbieten sich in den wüstesten Schimpfworten gegen die„englischen Mörder und Brandstifter". Die„Prawda" stellt fest, daß sich„die internationale Lage mit jedem Tage verschärfe". Die Kriegsgefahr werde immer akuter. Je schmutziger«ine Waffe sei, um so gieriger greife die englische Regierung, die sich in ihrem Kampf gegen Rußland„des Abschaums der Menschheit" bediene, nach ihr. Das Blatt veröffentlicht ein Schimpfgedicht gegen Eng- land. dessen Refrain„Britannien sei verflucht!" lautet.(Ist das etwa bloß«ine Uebersetzung des Gedichtes von Ernst Lissauer„Gott strafe England!"? Red. d.„B.") Ueberall, auch in Deutschland, fühle man den schweren Atem Englands, des Wettunterdrückers, des „wilden Feindes", der Sowjetunion. Die.Lswefttja" erklären, die Sowjetregierung verfüge noch über reichhalligee Material, aus dem klar hervorgehe, daß die Unterstützung der Weißgardisten in den letzten Iahren der Grundpfeiler der englischen Rußlandpolittk gc° wesen sei. Die„Lenin gradskaja Prawda" kehrt wieder zur O st s e e- fahrt der englischen Flotte zurück und behauptet,„zufällig" könnten sich dabei„gewisse Zwischenfälle" ereignen. Im Internationalen Klub m Leningrad fand, wie das Blatt erzählt, ein Verbrüderungsfest zwischen russischen Seeleuten und den Matrosen der im Hafen liegenden deutschen, französischen, englischen und italienischen Dampfer statt. Die ausländischen Matrosen hätten geschworen, daß sie den Transport von Truppen und Munition gegen Sowsetrußland verhindern würden. Die Gewerkschaften erlassen einen Aufruf, in dem die Arbeiter- schaft aufgefordert wird, Geld für den Bau eines(flugzeuggeschwaders zu sammeln, da» den Namen„Unsere Antwort an Chamberlain" tragen soll.. Warum Ruhlattd England nicht fürchtet. Riga. 13. Juni.(TU.) Wie aus Leningrad gemeldet wird, be- tont« der Vorsitzende des Zentralkomitees der Gewerkschaften, T o m s t i, anläßlich der zehnjährigen Feier des Bestehens der Ge- werkschaften in einer Rede, daß die Sowjetunion England nicht fürchte, da England die Sowjehtnian allein nicht an- greifen könne, und die englischen Bestrebungen. Derbündete gegen die Sowjetunion zu gewinnen, mißlungen seien. Die Sowjetregierung habe überdies alle Maßnahmen getroffen, um die Sowjetunion vor Ueberfällen zu s ch ü tz e n. Die Gewerkschaften seien auf dem Posten. Im Falle eines Krieges würden die ausländischen Gewerk- schaften die Verbündeten der Russen sein. Der Gewerkschofts- tongreß nahm eine Resolution an, in der die Sowjetregierung aus- gefordert wird, den Terror-gegen Attentäter zu ver- schärfen. Zufälliger Besuch oder gefährliche Demonstration? Stockholm, 13. Juni.(ZU.) Wie das„Aftenbladet" mitteilt. wird eine starke englssche Flotte aus fünf Kreuzern sowie«ine große Anzahl kleinerer Schisse Stockholm, Helsingfors und R e v a l besuchen. ausdrücklich Vergehen gegen das Republikschutzgesetz und Mißhandlung von Untergebenen in da« Gesetz Hinetngenommen würde. Abg. Bartell(Dem.) bigründet allgemein eine Reihe von ihm gestellter Anträge, die dem Sinne nach eine Uebereinstimmung mit vorhandenen Reichsgesetzen herstellen sollen. Der leitende Polizeioffizier ntlisse zum potttsschen Beamten erklärt werden. Seine Veranttvortuna ist mindestens so groß wie die eine» Landrats. Abg. Bort(Dnat.) spricht sich gegen die Eignungsparagraphen aus. Ministerialdirektor Klaußner erklärt auf Anfrage, daß das Ministerium im wesentlichen die 20 Anträge des Berichterstatters akzeptiere. Die Anträge mit besonderer finanzieller Auswirkung, z. B. einer Erhöhung der Abfindungssumme von 2400 auf 6000 M. und nach dem 60. Jahr die 10 Proz. Zuschlag zu den 80 Proz. Pensionsbezügen, bedürfen noch der Einwilligung des Finanzministeriums. Abg. Markwald(Soz.) fordert eine Statistik, in wieviel Fällen Polizeibeamten tatsächlich vordem 2 5. Lebensjahr die Ehe- e r l a u b n i s gegeben worden ist. Die Heirat nach füns oder sechs Iahren würde dann ohne weiteres zugestanden werden. Abg. Meheniin(33p.) fordert klarer« Formulierungen über die Entlassung wegen Eignung und eine mehrköp-fig« entscheidende In- stanz bei Entlossungsmahnahmen. Abg. Kasper(Komm.) erklärt, sein» Fraktion werde sich für die Anträge der Berbände einsetzen. Abg. Severing(Soz.): Wir stehen jetzt vor Beginn eines wirt. schaftticheit Atlffchwunges, da ist in Zukunft mit wachsenden Fehl- stellen zu rechnen. Finanzausgleich und die Regelung der Beamten gesetzt im Reich« geben die Möglichkeit, auch sväter an diesem Gesetze Ülendentngen einzufügen. Bei einer Politi- sierung der höheren Polizeiaffiziere würde keine Grenz« festzusetzen sein. Wir müssen darauf hatten, daß sie unbedingt ver- fassungstreu sind. Sind sie das nicht, müssen sie fliegen. Jede Stelle im Ministerium ist der Minister selbst, er ist dem Landtag verantwortlich und muß entscheidend bei den Entlassungen sein. Weiterberatung Dienstag vormittag 10 Uhr. Lanötagsbeginn in Mecklenburg. Verhandlungen über die Verbreiternng der Regicrungsbafis. Schwerin. 13. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag nach- mittag trat der Mecklenburgische Landtag zu seiner ersten Sitzung nach den Neuwahlen zusammen. Als Präsident wurde Abg. Ge- nasse Höcker mit den Stimmen aller anwesenden Abgeordneten gewählt. Im Anschluß an die Wahl der Schrsstsührer und Aus- schösse beantragten die Kommunisten die Haftentlassung des Abgeordneten Schröder-Rostock, der wegen kommunistischer Um- triebe im Jahre 1024 zu 3)4 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde und diese Strafe zurzeit verbüßt. Der Antrag wurde angenommen: gleichzeitig wurde beschlossen, dieStrasverfolgung der beiden anderen kommunistischen Abgeordneten während der Dauer ihrer Zugehörigkeit zum Mecklenburgischen Landtag auszusetzen. Dann vertagte sich der Landtag bis zum 28, Ju». D i e mecklenburgische Regierung bleibt weiter. hin im Amt. Die Regierungsparteien sind jedoch dahin überein. gekommen, Verhandlungen zur Verbreiterung der gegenwärtigen Koalition anzubahnen. Schwarzweißrot übersehen. Der dcutschnationalc Landrat auf dem Feuerwehrfcst. Anläßlich, eine? Feuerwehrfestes in Henningen bei Hannooer sollt« der dortige deutschnationole Landrat, Graf o. W« d« l, in «iner schwarzweißrot geschmückten Droschke am Fest- zug teilgenommen haben. Auf Grund dieser öffentlichen Feststellung forderte der preußische Innenminister von der zuständigen Instanz sofort einen Bericht an, der inzwischen im preußischen Ministerium des Innern eingelaufen ist. Der Landrat behauptet, der Kutsch«. bock der Droschke sei nachträglich durch Kinder mit drei kleinen schwarzweißrot«» Papierfähnchen geschmückt worden. Er selbst hob« von dem Vorhoben nichts bemerkt. Immerhin ein kleiner Fortschritt: ein deutschnationaler Landrat, der Schwarzweißrot nicht zu be- merken geruht. Hrigori Sinowjews Glück und Enöe. Der Posten läht ihn nicht durch. ZZon einem Abenteuer Sinowjews bei der letzten Tagung der Komintern in Moskau gibt..Die Fahn« des Kam- munismus", das Organ der Ruth-Fischer-Mahlow-Gruppe, folgende dramatische Schilderung: Ein gewisser Sinowjew, längst in den Kreisen der Martynow dringend verdächtig menschewistischer Abweichungen, hatte den naiven Versuch gemacht, die Tagung zu besuchen. Er hatte die Erinnerung daran, daß er einmal, als die Komintern noch lebte, Präsident der Etki war, und daß einige Dinge in der Well vorgefallen sind, zu denen er als ziemlich aller und erfahrener Bolschewik eine Ansicht zu äußern hätte. Aber an der Tür des Saales da steht, unparteiffch und ernst, wie Zerberus vor dem Höllentor, ein Posten mit Uniform und Bajo» nett. Der ließ die„allen Bolschewiken" Martynow und Roses höflich passieren, die„alten Bolschewiken" T r e i n t. S e m o r d und N« u m a n n, die Leutnants Dengel, Schnel- ler(wenn sie da waren), den Boll, Pepper und ähnlich« Leuchten. Nicht aber Sinowjew. Sinowjew?, so fragt« er offenbar, so einer ist hierorts vollkommen unbekannt. Wer ist dos? Es gab einmal einen zaristischen Diplomaten auf dem Balkan, der so hieß, aber der ist nicht in der Komintern beschäftigt(die finden in Volkskommissariaten Anstellung). Sinowjew? Weiß Gott, man muß einmal in den Akten nachsehen, ob es einen gibt. Das Resultat: es gibt keinen„so einen". Sinowjew hat mit der Ko- »i»tern niHst-s z«*#«.* tzeute Demonstration öer öeamtea! Für die Besoldunnsregelung. Der Orksaosschuh Groh-Verkn des Allgemeinen Denlschen Beamtenbundes ruft die Beamten und Angestellten im Reichs-. Staats- und Gemeindcdienst zu einer grofzen öffentlichen Demonstration heute abend S Uhr auf dem Gendarmenmarkt auf. Die Beamten habe« feit 1924 keine Besoldung». regelung mehr erholten. In den Kreisen der unteren Gruppen und zum Teil auch der mittleren Gruppen herrscht grohe Rot und nieles Glend. Die Beamten find wiederholt bei der Reichsregierung und Reichstag vorstellig geworden, ohne doh sie bisher Gehör ge- funden haben. Sie wollen nunmehr durch eine öffentliche Demonstration die nötige Aufmerksamkeit aus ihre Forderungen lenken. Die Beamten sammeln sich an sieben Plätzen in Berlin: Der e r st e Z u g Sammelplatz Belle-Alliance-Platz, Ostseite. Abmarsch 7 Uhr M: der zweite Zug Sammelplatz Kleiner Tiergarten an der Heilandskirche, Abmarsch 6 Uhr R: der dritte Zug Sammelplatz W e d d i n g p l a tz an der Dankeskirche, Abmarsch 6 Uhr 45: der vierte Zug Sammelplatz Bülow- platz vor der Volksbühne, Abmarsch 7 Uhr: der fünfte Zug Sammelplatz Weberwiese. Frankfurter Allee, Eck« Königs- berger Stmße. Abmarsch 6 Uhr 45: der sechste Zug Sammel- plag Oranienplatz Abmarsch 7 Uhr 15: der siebente Zug Sammelplatz Winterfeldtplatz, Abmarsch tz Uhr 50. Die Beamten und Angestellten werden aufgefordert, sich restlos an der Demonstration zu beteiligen. * Kurz vor dem Wiederzusammentritt des Reichstags hat die Beamtenschast in den letzten Tagen in allen Teilen des Reiches noch einmal zur Besoldungsfrage Stellung genommen. Die Beamten- schast fordert, daß der Reichstag so schnell wie möglich in der De- soldungsfrage dem ewigen Rätselraten ein Ende macht und die Re- gierung zwingt, endlich mit offenen Korten zu spielen. Kommt eine Besoldungserhöhung? Wann kommt sie und wie hoch ist sie? Die Beamtenschast will klaren Wein eingeschenkt haben. In Bochum hat der Allgemeine Deutsche Be.amten- b u n d auf einer außerordentlichen Bertretersitzung gegen die bisherige Berschleppungspolitik soeben noch einmal scharfen Pro- test erhoben. Die Notlage der unteren und mittleren Beamten kann, wie der Vorsitzende. Lokomotivführer Schultz, hervorhob, nicht länger mehr stillschweigend hingenommen werden. Allen politischen Parteien müsse es jetzt zur Pflicht gemacht werden, den Besoldungs- forderungen entgegenzukommen, damit bis zur Neuregelung der Ge- hätter der Verschuldung der Beamten gesteuert werde. Die Ver- tretersitzung richtete mit folgender einstimmig angenommenen Eni- schließung an den Reichstag einen letzten Appell: Die am 12. Juni im Gewerkschaftshaus Bochum versammelten 'Vertreter des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundc» erheben gegen die seit Jahren systematisch betriebene Verschleppung einer Be- soldungserhöhung schärfsten P r o t e st. Die sortgesetzte steigende Verteuerung aller Bedarfsgegenstände, der Mieten usw. erheischt bis zur endgültigen Besoldungsneuregelung eine sosorttge und rückwirkend nachzuzahlende Beihilfe ob 1. April d. I. Der Ortsaus- schuh Bochum des ADD. erwartet daher vom Hauptoorstarch, sich Mit Nächdruck bäfüif emzüsetzen, daß die' von der Anken'tm'Reichs- tag gestellten Basoldungsanträge angenommen und schnellstens zur Durchführung gebracht werden. Das gleiche gilt für Länder- regierungen, Kommunolverwaltungcn und die Deutsche Reichs- bahnhouptverwoltung. Deutscher Mustker-Verbanüstag. DDZ. Der Deutsche Musiker-Berband ist am Montag im Rhein- gold zu Berlin zu seinem dritten Verbandstag zusammengetreten, an dem sich Delegierte aus allen Teilen des Reiches und auch ein Vertreter des schwedischen Musikerverbondes be- teiligen. Der Verbandstag, der sich über die ganze Woche ausdehnen wird, hat auch die Entscheidung über den Abschluß eines allgemeinen Tarifvertrages mit dem Deutschen Bühn en oerein zu treffen. Dem Deutschen Musikerverband, der 2 7 voll Mit- g l i c d e r zählt, gehören die Orchester sämtlicher Staats- und Städtischen Theater an, ebenso die der meisten Privatbühnen. Die Tarisverhandlungen mit dem Bühnenoerein schweben schon seit zwei I.ahren. und da der vom Bühnenoerein vorgelegte Entwurf dem idorstand nicht annehmbar erschien, hat er die Entscheidung dem Verbandstag über- lassen. Im Rahmen des Verbandscoges wird am Donnerstag eine festliche Tagung in Magdeburg stattfinden, ver- Kunden mit dem Besuch der Theaterausstellung, auf der der Deutsche Musiker-Verband selbst als Aussteller vertreten ist. Auf der Magdeburger Festtagung, an der zahlreiche Behördenvertreter teil- nehmen werden, wird nicht bloß das Wesen der vom verband eingerichteten Orcheslerschole erörtert, sondern auch praktisch dadurch erläutert werden, daß die Schüler der Orchesterschule ein Konzert verachtalten, das«becho wie die Reden und Ansprachen durch Rundfunk im ganzen Reiche verbreitet wird. Abends wird eine aus den Opemorchestern verschiedener Städte zusammengestellte Riesenkapelle ein Mochtre- Konzert geben, das gleichfalls durch Rundfunk verbreitet wird. In der Erösfnungssitzung am Montag wurden zu Berbandstags- leitern F a u t h- Berlin, P r i« tz e l- Berlin und Wolter- Berlin gewählt. Unter den Begrüßung«- und Entschuldigungsschreiben der verschiedenen Reichs- und Landesbehörden befand sich auch folgendes vom Reichswehrmini st erium:„Das Reichswehrministerium spricht für die freundliche Einladung zum 3. Verbandstag in Berlin seinen ergebensten Dank aus, bedauert aber, keinen Vertreter entsenden zu können, da der Deutsche Musiker-Verband als politisch im Sinne des Z 36 des Reichswehrgesetzes anzusehen ist und den Angehörigen der Wehrmacht deshalb die Teilnahme an Veran- staltungen, die sich mit den Zwecken des Verbandes oder den Mitteln zu ihrer Durchführung befassen, nicht möglich ist. I. A.: Schleicher." Der Verbandsvorsitzende Fauch bemerkte zu diesem Schreiben, unter der lebhasten Zustimmung der Verbandsteilnehmer, es sei sehr bedauerlich, daß das Reichswehrministerium es vermeide, d i e Klagen des Musikerverbandes über die Kon- k u r r e n z der Militärmusiker direkt entgegenzunehmen. Der Verband habe gar nicht verlangt, daß man einen Soldaten entsende, sondern er habe sich an die p o ü- tische Behörde gewandt, mit der er so oft Differenzen aus» zugleichen habe, vi« Begründung für die Wlshnung der Entsendung eines Vertreters müsse deshalb eigenartig berühren. Auf der Tagesordnung der Dienstagsitzung steht auch dos Thema „2>as neuere Arbeitsrecht und die Musiker". verbanüstag üer Alaler. Der Verband der Moler, Lackierer usw. hält vom 13. bis 17. Juni seine 2k>. Generalversammlung in Nürnberg ab. Nach dem hierzu erschienenen Jahrbuch für 1926 Hot sich der Verband trog schlechtester Berusslage bei einer Arbeitslosigkeit seiner Mitglieder von 8,9 Proz. im günstigsten und 39,1 Proz. im ungünstigsten Monat gut gehalten. Die Mitgliederzahl stieg von 41 983 Ende 1925 auf 42 643 Ende 192 6. Darunter sind 15 8 weibliche Mit- glieder und 4979 Lehrlinge. In Lackierereien und Lackier- abteilungen der Industrie waren 6277 Mitglieder beschästigt. Diese Zahl steigt seit einiger Zeit wieder an. Di« Gesamteinnahme des Ver- bandes stieg von 3 157 163 aus 3 939171 M., das Gesomtvermögen van 1 159 493 aus 1 485 295 M. Davon waren am Jahresschluß in der Hauptkasse 1 239 384 M. Ausgegeben wurden 1926 u. a. für Arbeilslofenunlerstühung 459 539 IN.. für Krankenunterstützung 144 291 M., für Sterbefallunterstützung 23 485 M., für Streikunterstützuntz 3 9 6 5 4 M. Das seit 1925 herausgegebene, höchst kunstgewerblichen und fachtechnischen Ansprüchen genügende„F a ch b l a t t der Maler", hat sich gut entwickelt und allgemeine Anerkennung gesunden. Der schon seit 1919 bestehende Reichstarifvertrag für dos Malergewerbe wurde 1926 mit einigen Aenderungen neu ab- geschlossen und auch 192? in gleicher Weise erneuert. Die Löhne wurden im April 1927 für das ganze Reich« r- höht. Bewegungen ohne Arbeitsein st ellung rour� den im Vorjahre 119 geführt, in 1728 Orten mit 28 737 Betrieben und 84 966 Beschäftigten. Dabei sind die zentralen Bewegungen, die sich auf 1581 Orte mit 74 242 Beschäftigten erstrecken nur als eine Bewegung gezählt. Angriffsbcwegung. en im Malergewerb« wurden 23' in 1423 Orten mit 55 817 Beschäftigten geführt: in Lackierereien und Industriebetrieben 46 für 4263 Beschäftigte. Da- durch wurde u. a. eine verkünzung der Arbeitszeit um 3134 Stunden pro Woche erziett, neben Lohnerhöhungen und Verbesserung anderer Arbeits- bedingungen. Lohnbewegungen mit Streiks wurden 39durchgeführtin98 Betrieben mit 512 Beschäftigten: darunter 445 Lackierer. Es bestehen 632 Einzeltarif«, geltend für 28 944 Be- triebe und 83 679 Beschäftigte: davon waren 41 333 organisiert. Aus den Reichstarifvertrag entfallen hiervon 397 Einzeltarife, für 29 389 Betriebe mit 54 424 Beschäftigten. Besonder Kapitel des inhaltsreichen Jahrbuches sind der Beschaffung von Arbeits- qelegenhcit durch den Verband,— vielfach gemeinsam mit den Arbeitgebern—, dem Kamps gegen die Gesundheits- und Unfall» schäden, der Pflege des gewerblichen Nachwuchses, den Betriebsvertretungen, den Sozialbetrieben, den Arbeitgeber- und übrigen Gehilfenorganisationen des Molergewerbes u a. ge- widmet. Recht gut sind auch die internationalen Be- Ziehungen des Verbandes, dessen Vorsitzender gleichzeitig der Internationale vorsteht. Diese erstreckt sich aus elf Länder mit 181439 bzw. 215 999 organisierten Malern und Lackierern. Streik bei Schmidt u. Co.» Tempelhof. Seit Sonnabend, den 11. Juni, befindet sich die Belegschaft der Abteilung T a n k b a u der genannten Firma im Streik. Trotz wochenlanger Verhandlungen war es nicht möglich, bei der Firma eine Erhöhung der zurzeit gezahlten Löhne zu erreichen. Daß Höhere Löhne für die Firma durchaus trogbar sind, beweisen die von den Konkurrenzscrmen schon seit langem gezahlten Löhne und Aus- lösungsfätze. Die Firma glaubt wohl mit der Abteilung Tankbou genau s» willkürlich öersahren zu können, wie Mit ihrer anderen Abteilung, dem Werkzeugbau. In dieser Abteilung ist die Be- legschast unorganisiert und die Firma zahlt Löhne, die wesent- lich unter denen liegen, die sonst im Werkzeugbau üblich sind. Bei der Abteilung Tankbou jedoch liegen die Verhältnifie anders. Die Belegschaft ist restlos organisiert und es dürfte der Firma klar gemacht werden, daß sie verpflichtet ist, mit der Orgnani- fotion der Arbeitnehmer zu verhandeln und für die Entlohnung tarifliche Grundlagen zu schassen. Di« Firma versucht nun, arbeitswillige Schlosser und Rohrleger, teils durch Anfordern auf dem Nachweis, teils durch Inserat zu bekommen. Wir bitten unsere gewerkschaftlich organisierten Kollegen, die für diese Arbeit in Frage kommen, Solidarität zu üben. AfA-Funktionärc der Metallindustrie. Aus Grund der von uns eingereichten Forderungen zum neuen Rahmentarifoertrag finden die ersten Verhandlungen mit dem VBMJ. am Freitag, dem 17. Juni, statt. Für den gleichen Tag, Freitag, den 17. Juni, abends 7% Uhr, haben wir im„Nor- dischen Hof", Invalidenftraße 126, gegenüber dem Stettiner Bahnhof, eine AfA-Funktionär- Versammlung angesetzt, in der die Bcrichterftatung über die Verhandlungen mit dem VBMJ. über den neuen Rahmentarifoertrag erfolgt. Bei der Bedeutung der diesmaligen Tarisverhandlungen, insbesondere der wichtigen Arbeitszeit- frage, erwarten wir b e st i m m t dos Erscheinen aller AfA- Funktionär«. AfA-Metallkortcll Günther. Lange. Rothe. vie Krankenversicherung auf See firbeitskonferenz. Genf, 13. Juni.(Eigener Drahtbericht.f Anstatt die Beratungen der Fragebogen über die Koalitionsfreiheit fortzusetzen, trat die Arbeitskönferenz am Montag in die Beratung des Abkommens überdie Krankenversicherung für die Arbeiter und An- gestellten von Industrie und Gewerbe ein. Den Bericht der Kom- mision erstattete klar und eingehend der Borsitzende Ministerial- direktor Dr. G r i e s e r. Neben einigen Rcgierungsvertretern wies der holländische Genosse Kuppers namens der Arbeiter- gruppe eindringlich auf die Vorteil« der Pslichtversichc- rung, die namentlich von der Schweiz und Dänemark bekämpft wird, hin. Ein Antrag, den Staaten die Wahl zu lassen zwischen obligatorischer oder freiwilliger Versicherung wurde mit 74 gegen 32 Stimmen abgelehnt und dann der obligatorischen Versicherung mit 7 3 gegen 15 Stimmen zugestimmt. Am Nachmittag versuchte der öfter- reichischc Genosse Dr. Steiner noch einmal, allerdings vergebens, das Stimmenverhältnis der Arbeiterschaft in den Verwaltungsorganen der Krankenoersicherung zu verbessern. Bei der Schlußabstimmung wurde die Vorlage mit 75 gegen 2 Stimmen angenommen. Nunmehr ist noch eine letzte Abstimmung not- wendig, die mit Zweidrittelmehrheit für den Entwurf erfolgen muß. Am Montag nachmittag fand eine Begrüßung des türkischen Beobachters Schükri Kaja Bcy durch den Vorsitzenden der Arbeits- konferenz statt, der der Hofnung Ausdruck gab, daß die Beziehungen zwischen der Türkei und der internationalen Arbeitsorganisation sich immer enger knüpfen mögen. Der türkisch« Beobachter wies in seiner Erwiderung auf die großen sozialen und staatsrechtlichen Fortschritte hin, die in der Türkei seit Kriegsend« vor sich ge- gang«n sind. Achtung, Bauarbeiter! Berliner Spezialfirmen suchen Maurer und Zementfachorbeiter, die zu einem niedrigeren als den Hochbautariflohn Glos- und Eisenbeton herstellen sollen. Wir fordern unsere Verbandsniitgliedcr aus, solche Arbeiten auf den Baustellen nur dann auszuführen, wenn dafür mindestens der Hochbau- t a r i f l o h n gezahlt wird. Wo schon Kollegen solche Arbeiten unter dem.Hochbautariflohn ausführen, ist dies dem Bureau sofort zu melden. Deutscher Baugewerksbund. Der Vorstand. Feuerwehr. Freitag, 17., unh Eonnabcnd, 18. Juni, vvrmittags 10 Uhr. im Jugendheim Liudenftr. 3. 2. Öaf 3 It., wichtige Mitglieder. oetfaminiung.„Set Berliner«tat und die Rtictwirlung auf das Befaldungsdienstalt-r der Feurrwehrbeamten/' Referent Stadtrot Se- noffe Sendt. Ausfprache. Sympathisierende fwd�mit�brnigen.��� Zeatratosrbaud der Angestellten. Städtifche e-zi-laugestelte- Margen. Mittwach, 20 Uhr, Mitglicderaerfammlung m-.t Gasten im Sitzungssaal wem- Rllianee-Str. 7/10 III. l.„Eaizalismus und Wohlfahrtspflege. Dr. Hanna Hellinger, leitend» Fürsorgerin beim Bezirlsamt Lichtenberg. 2. Organifa- tionsangelegenheiten. Funktionäre aler Fachgruppen der vrtsgrupv- Gr-H.««rlia de» g-utrat- uerbaude»»er«»gestellte». Wir«riuner» dara». dah am Douuerstag. II. Zuui, IVA Uhr,-in« allgemeine zuakttouar-erfammluag>a den Armiu- fäleu. jtommändantcnstr 37 5«. stattfindet. Auf der T-g-sordnullg steht-I» Bericht»am Berbaudstag. Dirrkt« Einladungen a» die Funitlauar« ergehe» nicht. Zutritt»ur mit gültigem Mitgliedsbuch und Fuyktlouär-llSw«!-.«ein Funktionär darf fehlen. Zentralverband der«ngcstellten, vrtsacrwaltung. Freie Gewerkfchaftsjugeud. Heut«. Dienstag, Wj Uhr. tagen die Gruppen: FraulfurteD Allee: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Litauer 18, Limmer 3. Vortrag:„Volkswirtschaftliche Grundbegriffe."— gandsbetget Platz: Grupprnheim Diestelmeyerstr. S. Iack-London-Abend.— Lichtenberg: Gruppenheim Jugendheim Dossestr. 22. Vortrag:„Die russische und deutsche Liederabend.— Schöneweibe? Spielen um 18� Uhr auf dem Sportplatz des Metallarbeiterverbandes.- Wedding T: Jugendheim Luxemburger Ecke Genter Straße. Iack-London.Abend.— Nsrdriag und Gesundbrunnen: Jugendheim Lortzing. Ecke Graunstroßc, Zimmer 1. Unterhaltungsabend.— Süden/Sbd. westen: Spielen im Freien.— Achtung! Ferienwanderung vom 2. ms 10. Juli nach dem Harz. Anmeldungen i» der Zentrale und der Gruppe Schöneweide.___ Sozialiftische �rbeiterjugenü Groß-Herlin. «chtuug, Ferienfahrt i» da» Erzgebirge!«»meldnag im Sekretariat bi» Al. Juni erforderlich,«azahluag, wen» mäglich, sasart. «rbeitsqemeinschast Srahsaua: Dienstag. l<. Juni, erstmalige Zufamm.'»» kunft. Jeder Teilnehmer mutz pstnktlich erscheinen. «chtung! Die Sitzung der Werbebezirksleiter und de» Bildungsausschusies am Mittwoch, IV Juni, fällt wegen wichtiger zentraler Sitzung ans. heute, Dienstag. 14. 3uni, 19Vi Uhr: Brunueuplatz: Jugendheim Weltliche Schul» Wiesen. Gcke Vankftratz«. Vor- trag:.Der Naturschutz und die Naturschutzgediete."— Gharlsttenburg: Gruppe Bebel und Liebknecht Jugendheim Rosinenstr.«. Wichtige Besprechung aller Druppenmitglieder.— Gciundbrnnnen: Jugendheim Gotenburger Str. 2. Mit- strotze 21. Dortrag:»Die fazialc Verfassung des klassischen Altertuins."— stardosten II: Jugendheim Danziger Str. 02. Vortrag:„Ardeiterdichtcr.*— SchSnhauser Dorstadt: Jugendheim Driescner Str. 22. Vortrag:.Berliner Humor.'— Senrselder-Biertel: Jugendheim Danziger Str. 23. Bortrag:.Die Bebcutung der Runen.'— Hasraheide: Jugendheim Badeanstalt Bärwald- strotze 0t. Bortrag:.Da» Model in der E«I."— Schiiacberg l: Junen dhe Igt Hauptstr. 15. Bortraa:„Theorie und Dra;is des Sozialismus."- Waunse«: Jugenddeim Schule Charlottcnstratze. Bartrag:„Saizalismus in der Familie." — Neukölln II: Jugendheim Bergstr. 20. Bortrag:.Die stonsumgenosseuschatt." — Neukäll» III: Jugendheim Eteinmetzstr. 114. Dortrag:.Die politischen Berte, en in Deutschland."— Nenkälln IV: Jugendheim Nogatstr. 53. Dorlrag: »Arbeiterjugend und Reichsbanner."— Renköll» V: Jugendheim Lyzeum Richardplatz 13. Bortrog:.Rationalisierung»nd Sozialismus"— Nenkälln vi: Jugendheim Sertzdergplötz. Mitgliederoersommlung mit tagespalitischer Aussprache.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Bortrog:..Hans Rei- mann."— Hermedorf: Jugendheim Roonftr. l. Bortrag:.Entwicklung uqd Fortpflanzung des Lebens."— Neinickeadarf-Vst: Jugendheim Seebad. Residenz. stratze. Bortrag:.Emil« Zola."— Neinickendorf.west: Jugendheim Seidel- ftratze 1. Mitgliederversammlung.— Wittenau: Jugendheim Nasenthaler Etratze IS. Bortrag:„Bub und Mädel."— Buchholz: Zugendhcim Schule Berliner Str. l». Zehn-Minuten-Referate.— Riederfchönhansc»: Jugendheim Blankenburger Str. 00,70. Revolutionäre Dichtung. Serstrfcziet Osten: Jugendheim Litauer Str. lZ. Dichtige Werbebezirl» vorstandssitzung._■-•- Vorträge, vereine und Versammlungen» Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold". Seschlkt» stelle: Berlin S 14. Sebastianftr 377». Hak 2 Tr. Mitte: Ziameraden, welche die Autofahrt nach Frankfurt a. d. O. mitmachen wollen, müssen sich bis zum 14. fluni bei ihren Käme. radschastsführern melden. Spätere Meldungen werden nicht angenommen. Fahrgeld von 2,50 M. ist bis zum 10. Juni bei den»oneradschaftstassierera einzuzahlen.— Schänebeeg.Friedrna»: Achtung, Kameraden! Karten für den Dampferausslug nach Neue Mühle am 10. Juli des den Funktionär-n zu hoben. — Dienstag, 14. Znni. Friedriebshain: 1. Sektion Bersommluna 1!U~ Uhr bei Po. Deymestr. ll. Mitte: 5. Kameradschaft Bersommlimg Meyerdeerslr. 7. Kecnzberg: Abteiluna 2 Bersammlung 20 Uhr bei Böttcher. Hagelbcrgcr Etratze 0. Bortrag Kamerad Robinson.— Mittwoch, 15. Zuni. Prcn, lauer Berg: Heinrich Wurr, Baronski, Pasteurstr. 0. Whrther Platz, Treuer, Kastanienollee 23. Friedrichshai»: 2. Sektion Sitzung lgl Uhr bei Schmidt, „Zur kleinen Hütte", Kopernikusstr. 22. Lichtenberg: 20 Uhr Zug. und Ortsgruppenführersitzung bei Krüger, Türrfchmidtstr. 33. Pankow: lS'? Uhr Käme- radschastsverlammluna Pankow-Nord bei Meyer, Türkische, Zelt, Breite Str. 14. — Donnerstag, 1». Znni. Prenzlauer Berg: Robert Blum. Klug, Danziger Stratze 71. Nordkap, Eachetzki, Schivelbeiner Str. 10. Steglitz: 20 Uhr Kreis» norstandssitzung bei Schulz, Birkbufchstr. 00. Turnhalle Ringstratze Turn- und Uehungsabend. Kameraden, die an den sportlichen Wcttkämpsen beim Gau. fest teilnehmen wollen, müssen unbedingt erscheinen. Neinickendors-Beft: Antreten lg Uhr im Bereinslokal zur Flugblaltverbreitung. Pflicht. Arbeiter-Echachklub, Abt. Gartenplatz. Mittwoch. 10.?uni, 20 Uhr, im Spiellokal Feldftr. 3 Simultanoorstellung des Echachgenossen Rauch.Bcrlin. Arbeiter. Schachfreunde wiürommen. Eintritt frei. Sann tag, lg. Juni, 10 Uhr, im Spiellokal Feldftr. 3 Werbeveranstaltung. Borträgc, freier Schackwerteyr, Blitzturnier. Simultanspiel.— Die»Zldteilung Reinickendorf neronltoltet Dstn». tag. 14. Juni, lg>� Uhr, einen Propagandowettkampf aus 15 Brettern gegen die Abteilung Humboldthain. Bei günstiger Witterung findet der Wettlamps in den Parkanlagen am Seebad vor dem Jugendheim statt, sonst im Spiel» lokal der Abteilung Reinickendorf. Residcnzftratzr Ecke Pankowcr Allee, bei Metzkcr. Gäste freundlichst eingeladen. Einheii-ucrbavd sozialistischer Handel, und Gewerbetreibender und sonstiger Deruse, Sitz Leipzig. Ortsgruppe Sratz.Kerliu: Monatsnersaaimlung am Donnerstag, 10. Juni, 20 Uhr, im Grwcrkschaftshaue, Engelufcr 24 2S, Kon. ferenzsaal. Biochemischer Derri»»ratz-verlin. 13. Zuui: Luisenstadt. Prachtsäl« Süd. ost, Waldemorstr. 75. Mahlsdorf, Restaurant Sckiliesc. Höhnowcr Str. 183. Köpenick, Restaurant Stadttheoter. Freiheit. Steglitz. Albrechtsbof, Albrecht. stratze l». Friedenau, Hohenzoücrnsäle, Handjernstr. 04. Halensee. Florasäle, Iahann.Seorg.Etr. Ig.— 14. Znni: Johannisthal. Restaurant Schreiner, Friedrichstr. 0. Weitzenfee, Kefellschaslshaus.lAlbrechtshost, Parkstratze. Fried- richshain. Böhmische, Brauhaus, Landsberger Allee ll,l3. Pankow. Konzert» hau» Pankow, Breite Str. 34.- 15. Zuni: Lankwitz, Lehmanns Gesellschafts» hau», Saiser.Wilhelm.Str. 29/31. Friedrichsfelde. Restaurant Tempel. Gudrun. Ecke Wagncrstr. 7. Rasenthaler-Oraniendurger Vorstadt, Gesellschaflsdaus Swinemünder Str. 42. Wildau, Restaurant Grüner Baum, Schwortzkopff. stratze.— II. Juni: Hermsdorf, Restaurant Zur Hütte, am Bahnhof. Grünau, Gemeinschaftshau» Alter Gutshof.— 17. Zuni: Tempelhof. Restaurant Zum Kurfürsten, Berliner Etratze. Neukölln. Nestaurant Bergschlotzhöhe. Karl». gartenftr. III. Arbeiteruerci» snr Biochemie»nd Lebensrefoem i. v. D. Mitglieder. Versammlung Diens'ag, 14 Zuni, lgtz� Uhr, im Arbeiter-Sport. und Kultur. kartell. Berlin E 25, Landsberger Str.«2.„Kurierfreiheit im kapitalistischen und lozialsstilchen Staatswesen." Freidenkerl Dienstag. 14. Inn!, lg Uhr, Hohenstaufensäle, Koltbusser Damm 71, Mitgliederversammlung des 0. Bezirks.„Kampf gegen das Reichs. schulgesetz und Konkordat."_ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend. (Nachd. verb.): Wolkig und etwa» wärmer, /tzcwitterneigunz.-- Für Veusschland: Ueberall etwas wärmer, Niederschläge besonder! im Westen nielfach durch lHewitier. Verantwortlich kür Politik:«ietor Schiff: Wirtschaft:».«l.ngelhöser! Grwrekschaftsbewegnng: I. Steiner; Feuillelon:». K. Dölcker; Lotale» und Sonstiges: Fritz Karstädt: Anzeigen: Ih. Slacke: samtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstait Paul Singer a Co.. Berlin EW 0«. Lindcnstratze». Hier,» 1 Ball««»»».Unterhalt»« und Biflen". der beste $ahrradreifen Nr. 276 ♦»H.Iahrgaag 1. Beilage öes vorwärts Dienstag, 16.Funi 7H27 Phantastisch klingt die Urgeschichte jener Gegend um dos Hallesche Tor herum, die heute wie kaum eine andere in, Brenn- punkt des Berliner Verkehrs steht. Was hat diese Gegend gesehen, in welch« Schicksale war sie verwickelt? Geologisch ist der Bezirk deshalb interessant, well er innerhalb der Stadt die größten Höhen- unterschiede aufweist. Das führt man darauf zurück, daß das Ge- biet, wie die ganze Gegend um Berlin, seine jetzige Oberflächen- gestalt, abgesehen von menschlicher Tätigkeit der jüngsten Vergangen- heit, am Ende der Eiszeit erhielt. Wer damals auf einer Erhebung an Stelle des jetzigen Kreuzberg gestanden hätte, würde vor sich nach Norden die gewaltig« Fläche eines Urstromes gesehen haben, der die ungeheure Schmelzrvassernicnge der im Norden drohenden, aber langsam schwindenden Gletscher noch Westen entführt«. Hier war(nach den Angaben von P. Schaeffer in den„Berl. Heimat- büchern") die schmälste Stelle des Stromes: dennoch betrug die Ent- fernung sünf Kilometer bis zum anderen User, dem Abfall der Hochfläche des Barnim am Friedrichshain: das südlich« User kann man als Rand der Hochfläche des Teltow auf unserem Gebiet vom Hermannsplatz bis zur Anhalter Bahn verfolgen. Irühgefihichte in der Selle-fllliance-Straße. Die erste Bevölkerung, deren Spuren sich in der Mark sicher nachweisen lassen, war germanischen Ursprungs. Semnonen wohn- tei hier schon vor dem Beginn unserer Zeitrechnung: doch sind menschliche Ansiedlungen aus jener Zeit auf unserem Gebiet nicht mit Gewißheit erwiesen, wenn auch vereinzelte Urnensunde in der Hafenheide und am»Düsteren Keller" daraus hinzudeuten scheinen. Germanische Urnensriedhöfe sind aber aus der Tempelhoser und Schöneberger Feldmark aufgedeckt worden, und Funde röm'scher Katsermünzen daselbst lassen darauf schließen, daß vom ersten Jahr- hundert unserer Zeitrechnung bis in die Mitte des vierten Jahr- Hunderts ein lebhafter Handelsverkehr vom Süden her nach der unteren Oder auch durch unsere Gegend gegangen ist. Es ist mög- lich, daß schon damals die Handelsstraße dem Zug der heutigen Belle-Alliance-Straße folgte, wie später im Mittelalter hier errt- lang ein alter Handelsweg von Berlin über Trebbin und Lucken- walde nach Holle führt«, während ein anderer uralter Weg über den Kottbuser Damm und Neukölln nach Mittenwalde und Dresden ging. Beide Wege waren Poststraßen von der Zelt des Großen Kurfürsten bis in das vergangene Iohrhundeert hinein. Mit der Völkerwanderung hört« der Handelsverkehr zunächst auf: Wenden nahmen die von den Germanen verlasienen Wohnsitze ein. Reste ihrer Wohnungen haben sich in Alt-Kölln und auf dem Friedrichs- werder gefunden, aber nicht in unserem Stadtteil. Die erste sichere geschichtliche Erinnerung aus der Gegend vor dem Halleschen Tore stammt erst aus der Zeit, als die Macht der Wenden gebrochen war und Barnim und Teltow seit 40 Jahren unter der deutschen Herrschaft der Askanier standen. Die kurfürstliche Vastersurcht. Dann wird erst zur Zeit Joachim I. das Dunkel um den Kreuz- berg wieder gelüstet. Dieser Kurfürst glaubte, wie die meisten seiner Zeitgenossen, daß die Astronomen die Geschicke der Menschen und die Zukunft in den Sternen lesen könnten. So hatte auch der Hos- astronom Joachims, der Magister Johann Carion. 1522 eine„Pro- gnosticatio(Prophezeiung) und Erklerung der großen Wesserung" drucken lassen,„Gantz erbermlich zu lesen in nutz und Warnung aller Christglaubigen menschen". In dieser Schrift war jür das Jahr 1524 ein«„Wesserung"(Ueberschwemmung) geweissagt wor- den, wie sie seit mehr als neun Jahrhunderten nicht dagerresen sei. Sie trat nicht ein. Dieser Irrtum untergrub aber nicht den Glauben des Kurfürsten an die weiteren Prophezeiungen seines Astronomen: wenigstens berichtet Peter Hafftiz, der in der zweiten Hälfte des 16. Äahrhunderts als Rektor und Chronist in Berlin lebte, in seinem von F. Holtze herausgegebenen„Mikrochronoloaikon" folgendermaßen:„Den 15. Julii, als M. Joachim I. Churfürst zu Branden- bürg durch einen Astronomen heimlich oerwarnet, daß auf den Tag ein groß Wetter würde kommen und wäre zu besorgen, beide Städte Berlin und Cölln möchten untergehen, ist er mit seiner Gemahlin, der jungen Herrschaft und vornehmsten Offizieren aus den Tempel. hosischen Berg gezogen und hat den Untergang der beiden Städte ansehen wollen. Aber als er lange daraus gehalten und n'chts daraus geworden, hat ihn sein Gemahl(wie es eine sehr gottes- fürchtige und christliche Fürstin gewesen) gebeten, daß er möchte wieder hineinziehen und bei seinen armen Untertanen auswarten, was Gott wn wollte,„weil sie es vielleicht nicht allein verschuldet". Darüber er bewogen und ist um 4 Uhr gegen Abend wieder gegen Das alte Hallesche Tor Cölln gezogen: ehe er aber auss Schloß kommen, hat sich ein Wetter bewiesen, und wie er unter das Schloß-Tor kommen, hat's dem Chursürsten vier Pferde vor dem Wagen samt dem Knechte er- schlagen und sonsten keinen Schaden mehr getan." Das war natür- lich echter und rechter Hohenzollerngeist. Sich selbst erst in Sicher- heit bringen und dann daraus warten, daß d>e ganze Stadt mit den lieben Untertanen,„die es vielleicht doch nicht allein verschuldet", untergeht. Es ist auch anzunehmen, daß den lieben Untertonen vorher nicht gesagt wurde, was das Geschick mit ihnen vorhatte. Weinberge am Kreuzberg. Der Name„Runder Weinberg" galt damals für den Kreuzberg. Die ganze hügelreihe von der jetzigen Lehniner Straße an bis über den Kreuzberg hinaus, war nämlich mit wein bepflanzt. Per- mutlich haben die Landesfürsten zuerst auf ihrem Eigentum Wein- berge angelegt: jedenfalls befohl Joachim I. 1533 den Bürgern, auf ihren Hügeln Weinberge„gemeiner Stadt zum Besten" anzulegen. Diese Weinberge brachten keine geringen Einnahmen: weniaftens berichten die Kämmerei-Rechnungen der Stadt, daß der eine Weia- berg 15SS 13') Tonnen roten und weihen wein brachte, der für 35 Schock 45 Groschen(gleich 429 M.) vertauft wurde. Im Norden Berlins gab es übrigens noch andere Weinberge, und das Berliner Gewächs wurde wegen seines vortrefslichen Geschmackes gerühmt. Der Wein ging hauptsächlich nach Polen, Rußland und Schweden. Erst mit dem Aufkommen des Branntweines am Ende des 16. Jahr- Hunderts ging der Weinbau zurück. Der Dreißigjährige Krieg vcr- nichtete ihn säst ganz, doch wurden die letzten Weinstöcke erst 1740 ausgerodet. Die drei westlichen Weinberge, zwischen denen die Straße noch Tempelhof führte, waren bis 1718 im Besitz der Landes- fürsten: erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sie, wohl wegen ihres geringen Ertrages, verkauft. Sie begannen westlich von der heutigen Friesenstraße und reichten bis zur Westgrenze des Viktoria- parkes. » Das Hallesche Tor selbst bestand aus zwei starken Mauer- Pfeilern, die im oberen Teile durch eine starke Eisenstange verbun- den waren: an diese Eisenswnge lehnten sich nachts die beiden hölzernen Torflügel, die am Tage gewöhnlich offen standen. Wur. den sie(spätestens um 9 Uhr) geschloffen, so gab ihnen unten noch ein in der Mitte des Dammes liegender Prellstein den nötigen Halt. Auf der westlichen Innenseite stand das Haus für den Zoll- einnehme! und gegenüber das für die Wache.(Immer nach den Angaben P. Schäfsers in den Diesterwegschen Heimatbüchern.) Beide Häuser waren schon 1830 unansehnliche, niedrige, mit schlech- ten hölzernen Säulengängen versehene Gebäude. Jeder Fremde, der tags oder nachts durch dos Tor kam, muhte seinen Reisepaß zeigen und seinen Namen und Stand, den Zweck und das Ziel seiner Reise und die vermutliche Dauer seines Aufenthaltes angeben. Dem Postwagen wurde am Tore eine Schildwache mitgegeben, welche sie nach dem Posthouse in der Königstraße begleitete. Hier wurden die Koffer und das übrig« Gepäck der Reisenden visitiert, ob sie etwas Steuerbares oder Verbotenes mit sich führten. Die Drücke im Dschungel. Litten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 25s Von U. Traven. Copyright 1927, dy B. Traven, Tarnaulipas(Mexiko). Die Männer nehmen alle den Hut ab und gehen nach einander in die Hütte, um sich den Kleinen anzusehen und die Garza dadurch von ihrem Kummer abzulenken, daß jeder fragt, wlie es gekommen sei. Die Garza erzählt es wieder und immer wieder und natürlich immer mit den gleichen Worten. Durch dieses so häufige Wiederholen der traurigen Geschichte wird das Er- eignis immer alltäglicher, immer nüchterner, immer sachlicher. Ihr selbst scheint es zuweilen als sei das eine durchaus natürliche Begebenheit, an der gar nichts Außerordentliches zu sehen ist. Je häusiger der Vorgang erzählt wird, je mehr wird er der Tragik entkleidet, je mehr wird die Geschichte zu einem bloßen Wortgeläute, zu etwas, das irgendeiner sicheren fremden Person geschehen ist. Die Begebenheit wird unpersönlich, sie wird geschichtlich, sie verläßt Herz, Seele und Geist und wird klingendes lautes Wort. Zu ihrem Erstaunen fühlt die Frau, daß sie jetzt schon manchmal auf den kleinen Leichnam blicken kann mit dem abrückenden Gedanken, daß es ihr Kind gar nicht sei. Ihr Kind war ein lustiger, munterer, immer ge- schwätziger Bub und nicht so ein kalter, stumpfer Klumpen, wie er da liegt. Durch den Anzug und durch die Krone und das Szepter ist er überhaupt noch weiter von ihr abgerückt und ihr sehr fremd geworden. Und wenn sie nieder weint, so ist es eigentlich schon gar nicht mehr so recht des Jungen wegen. Sie weint ihretwegen, sie kommt sich so bemitteidens- wert vor, daß sie nun kein Kind mehr hat, dem sie leibliche Mutter ist. Und auf diesem Gefühlswege und wenn sie einige andere Frauen bemerkt, die herum sind, kommt es ihr zum Bewußtsein, daß sie nicht einmal eine Ausnahme ist, für die sie sich den ganzen Abend hielt. Sie ist nur die übliche Mutter. Was sie zu leiden hat, ist das Los einer jeden Mutter auf Erden. Aber es ist gewiß die Müdigkeit und die ungeheure Abspannung nach diesen entsetzlichen Stunden, daß sie jetzt gefaßter ist. Die Männer kommen wieder heraus und sitzen nun vor der Hütte herum, wo sich ein Heerlager aufgetan hat. Männer, Burschen, Frauen und Mädchen liegen herum und schlafen oder dröseln vor sich hm- Mehrere Bursche» helfen dem Moraoo beim Knallen. Sie dürfen aber nur da« Feuer schüren, an dem Morano die Körper entzündet, oder diejenigen Kracker in die Hand nehmen und noch mal versuchen, die nicht gezündet haben und die Morano fortgeworfen hat. Die Männer haben auch Tequila mitgebracht und die Flasche geht rund. Auch der Garza wird die Flasche hinein- gebracht und sie tut einen gesunden Zug von diesem feuer- scharfen Schnaps, der normale Menschen mit einem Ruck auf die hinteren Kanten wirft. Aber diese mit Chile ausgeschwefel- Kehlen und Mäuler können noch ganz andere Dinge, unheim- lich« Dinge schlucken, ohne eine Muskel des Gesichts zu»er- ziehen. Einer jener Männer, die jetzt gekommen sind, ein ganz armer Indianer nimmt nun ein Buch aus der Hosentasche und blättert darin eine Weile herum. Und dann fängt er an zu singen. Lesen kann er nicht. Aber die gedruckten Worte geben ihm doch ein Bild, durch das er sich auf die Versanfänge besinnen kann. Manche Strophe singt er dreimal oder noch öfter. Sobald er begonnen hat, fallen einige andere Männer in den Gesang mit ein. Nun beginnt er die zweite Strophe und im Innern der Hütte fallen auch die dort herumsitzenden Frauen, darunter die Pumpmeisterin in den Gesang mit ein, zuerst ein wenig zurückhaltend, dann kräftiger. Manchmal singt der Indianer allein, weil sich die übrigen Zigaretten drehen, oder wieder einen Schluck aus der Flasche nehmen oder des Singens müde sind. Der Mann aber singt ununterbrochen. Er trinkt keinen Schnaps, denn er ist ein Kommunist und gehört zu jener Gruppe von indianischen Landarbeitern, die das alte india- nifche Gemeindelandrecht wieder einführen wollen, das die Spanier bei der Eroberung durch blutige Gewalt aufhoben und für ungültig erklärten. Der Sänger wird von niemand bezahlt, er singt aus reiner Menschenliebe, um der Mutter über den Schmerz hinwegzu- helfen, denn das Kind wird weder von einem Geisilichen in das Grab gebetet, noch von einem Arzt angesehen. Das kostet Geld, und weil Priester und Ar.st zwei Tagereisen weit ent- fernt wohnen, würde es noch mehr kosten. Außerdem kann das Begräbnis so lange nicht aufgeschoben werden, denn trotz- dem es noch kühle Nacht ist, riecht man den Leichnam schon außerhalb der Hütte. Gesungen werden Kirchenlieder. Ohne Zweifel. Denn ab und zu hört man etwas wie Heilige Jungfrau aus den Reimen heraus. Aber niemand, der Kirchenlieder kennt, würde glauben, man sänge hier jetzt solche Lied«. Dom der Gesang hat weder im Rhythmus noch in der Melodie auch nur die allerfernste Ähnlichkeit mit dem, was wir uns unter Kirchenchorälen vorstellen. Wahrscheinlich wurde so gesungen, als die ersten spanischen Mönche hier durch die Dschungel zogen. Niemand unter den lebenden Menschen weiß, wie Choräle vor vierhundert Jahren in Europa gesungen wurden, denn die geschriebenen Noten aus jener Zeit geben uns darüber nicht mehr Aufschluß als die ägyptischen Hieroglyphen uns etwas aussagen über die Aussprache und Betonung ägyptischer Worte. Ein- oder zweimal in ihrem ganzen Leben haben die Männer hier eine Kirche besucht, wo die Choräle mit der Orgel begleitet wurden. Drei- oder viermal im Jahr kommt ein Priester in eines der Dschungeldörfer, wo er die Beichte hört und Absolution erteilt. Dann wird gesungen ohne Musikbegleitung. Sa bleibt etwas von der wahren Melodie, wie sie die Orgel festhalten kann, dem Gedächtnis der Leute haften. Das übrige verschindet ganz aus dem Gedächtnis und wird nun mit Teilen aus anderen weltlichen Gesängen und Tänzen vermischt. Bei Totenfeiern wird dann gesungen und jedesmal kommt eine neue Beimischung durch neue Sänger hinzu. Nun aber können die Eingeborenen überhaupt nicht so singen, wie wir meinen, daß gesungen werden muß. In ihrem Gesang klingt heute noch die schrille Note der Gesänge ihrer heidnischen Vorfahren durch, und diese Note ist so urmächtig, daß sie den ganzen Gesang allein zu tragen hat. Dieser Totensänger war weit bekannt und gesucht als der beste, man folgte ihm mit Andacht und Rührung, und glänzende Augen waren bewundernd auf seinen Mund ge» richtet. Als die erste Strophe begann, fing die Garza in der Hütte an gellend zu schreien und zu jammern. Sie verfiel in eine Raserei des Schmerzes und hämmerte mit ihren beiden harten Fäusten auf ihren eigenen Schädel ein, als wollte sie ihn in Stücke zertrümmern. Sie warf sich über den Leichnam und schrie:„Mein Kleiner! Mein Kleiner! Warum? Warum?" Und dann begann sie wahnsinnig zu fluchen in der gräßlichsten Art und Weise. Schließlich gab man ihr die Tequilaflasche. Sie wehrte sich dagegen und versuchte die Flasche'runterzu- schlagen. Aber endlich hatte sie doch den Mund so voll von dem Schnaps, daß sie schlucken mußte und man hielt die Masche an ihren Mund und goß immer noch hinterher. Aber das Betäubungsmittel half nicht viel. Sie wurde ein wenig müde und stumpf. Doch wenn sie des Gesanges gewahr wurde und die Frauen in der Hütte mitsangen, stieß sie aufs neue ihr««rschütternde» Schreie ans.(Fortsetzung folgt.) Serlin bleibt feft� .« Im Kampf um die Theatersteuer. �isr Steuerausschuß der Berliner Stadloerordnetenver- sammlung nahm gestern endgültig Stellung zu den Einsprüchen der Aufsichtsbehörde gegen di-> neue Vergnügungssteuerord- n u n g. Einstimmig wies der Ausschuß nach wie vor das Verlangen der Aufsichtsbehörde nach einer Dreiteilung der Theater und nach Anerkennung des st a a t l i ch e n Gutachterausschusfes a b Dagegen wurde der Prozentsatz für diejenigen Theater, deren Auf- führungen der staatlichen und städtischen Bühnen gleichwertig sind, von fünf aus drei Prozent ermäßigt. Es bleibt abzuwarten, ob die Aufsichtsbehörden auch jetzt noch den durch nichts gerecht- fertigten Kampf gegen das Selbstverwaltungsrecht Berlins fortsetzen werden. Würden sie der neuen Steuerordnung die Genehniigung abermals versagen, so würden sie gerade den von ihnen angestrebten Zweck einer niedrigen Besteuerung der künstlerisch höchststehendcn Theater zunichte machen. Denn dann treten automatisch die Reichs- ratsbestimmungen zur Bergnügungssteuer in Kraft, nach denen die Theater mit S Proz. versteuert werden. Es ist daher zu erwarten, daß die Aufsichtsbehörden den einstimmig gesaßtcn Beschluß im Interesse der Sache genehmigen werden und dadurch zugleich ver- hüten, daß der Kampf um das Selbstverwaltungsrecht in Berlin, der durch einen formell wie sachlich sehr ungewöhnlichen Brief des Ministeriums außerordentlich oerschärft worden ist, noch weiter fort- gesetzt wird. Wajserrohrbruch in Siemensstaüt. „DaS graue Clend." An der Ecke Boedicker- und Sicmensstraße in Siemens st adt platzte gestern nachmittag aus noch nicht festgestellten Ursachen ein chauptwasserrohr. Ein riesiger Wasserstrahl schoß an die Oberfläche und ergoß sich einem Sturzbach gleich über die Straße. Alz die alarmierte Feuerwehr an der Unfallstelle erschien, hatten die Wassermengen bereits die Bürgersteige überflutet. Nach einigen Schwierigkeiten gelang es durch Einschalten der Sicherheits- schieb«? ein weiteres Herausströmen des Wassers zu verhindern. Der Fahrdamm wurde derart unterspült, daß er in einer Breite von etwa acht bis Zehn Metern ein stürzte. Der Abschnitt zwischen der Brunnen- und Reisstraße mußte aus diesem Grunde für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Die Wasserwerke, die sofort benachrichtigt worden waren, entsandten eine Arbeitskolonne an die Bruchstelle, die den Schaden in mehrstündiger Arbeit zu beheben versuchte. Durch den Rohrbruch waren mehrere Straßenzüge zeitweise ohne Wasser Eine andere Ueberschwemmung erlebten am gestrigen Sonntag wieder einmal die Bewohner der Augusta- und Heinrich- straße in Lichtenberg. Ein große» Staubecken, söge- nannter„Regensammler", in dem sich die Niederschlagswässer an- sammeln, war infolge der starken Regenfälle der letzten Tage stark gefüllt. Von unbekannter Seite wurden in unverantwortlicher Weis« Matratzen und ähnliches Unrat in den Groben geworfen, so daß ein kleiner Abfluß völlig verstopft wurde. Die Folge war ein Bruch des Staudammes. Die Wassermassen ergossen sich über die Straßen und gcsährdetendieWohnhäuser. Zahl- reiche Keller wurden überflutet. Die Feuerwehr machte dos Abflußrohr frei, so daß noch größerer Schaden vermieden werden konnte. Gleichzeitig wurde das Tiefbauamt benachrichtigt. Durch die mangelhafte Kanalisation sind die Anlieger schon an diese lieber- schwemmungen gewöhnt. Ein Mietshaus, dos auch gestern wieder besonders schwer heimgesucht wurde, führt aus diesem Grunde im Bolksmund" den Spitznamen„das graue Elend". Zürich-Berlin. Mittelholzer in Berlin gelandet. Gestern nachmittag um 2.15 Uhr ist der bekannte schweizerische Fernflieger Walter Mittelholzer mit seiner Dornier-Merkur- Maschine C. H. 142 aus dem Flughafen Tempelhos ge- landet. Infolge starken Nebel» hatte der Flieger, der sieben Passagiere in seiner Maschin« mitgenommen hatte, in Fürth notlanden müssen. Infolge des undurchsichtigen Wetter» über dem Thüringer Walde hatte er für seinen Flug Zürich— Berlin auch einen großen Umweg über Dresden machen müssen, so daß seine Landung in Berlin um zwei Stunden verzögert wurde. Eine große Menschenmenge, an der Spitze die Vertreter der Schweizerischen Ge- sandtschaft und Kolonie, bereitete Walter Mittelholzer einen stürmischen Empfang. Mittelholzer will am Mittwoch wieder nach Zürich zurückfliegen._ Neue Verurteilung des Leutnants Krull. Der in den letzten Iahren oft vor Gericht gewesene Leutnant a. D. Ernst Krull, gegen den inzwischen zum dritten Male ein Ermitt- lungsoerfahren in der Mordsache Rosa Luxemburg eröffnet worden ist, und gegen den außerdem ein Versahren wegen Akten- diebstahls in der Sleueraffäre des Bankiers Kunert schwebt, hotte sich gestern vor dem Schöffengericht Schöneberg von neuem wegen Betruges und U r k u n d e» f ä l s ch u n a zu verantworten. Diese Verhandlung sollte schon vor einiger Zeit stattfinden, wurde aber von Krull dadurch vereitelt, daß er aus dem Transport aus der Stras- anstalt Tegel aus der„Grünen Minna" entwischte. Nach einigen Tagen hatte sich Krull, wie seinerzeit berichtet, in Begleitung seines Verteidigers wieder selbst gestellt. Gestern wurde er nun zur Ab- urteilung aus Tegel vorgeführt. Bei dieser Strafsache handelte es sich um eiste Nachtragsanklage der Fälle, die ihm bereits von dem- selben Gericht 9 Monate Gefängnis eingebracht hatten, welche Strafe Krull gegenwärtig verbüßt. Krull hatte sich auf irgendeine Weise ein Formular des Polizeipräsidiums verschafft, und sich darauf selbst einen Ausweis als„Regierungsrat Koßmann" von der Abteilung I A des Polizelvräsidiums ausgestellt. Der falsche Rcgierungsrat hatte mit Hilf« dieses Ausweises verschiedene Betrügereien verübt, inebe- sondere hatte er Spiclklubleitern vorgespiegelt, daß er ihnen eine Konzession bewirken könne, und hatte sich Vorschüsse geben lassen. Die Nachtragsanklage betraf einen ähnlich liegenden Fall bei dem Winterfeld-Club. Das Schöffengericht verurteilte Krull, der bereits IVi Monate von feiner alten Strafe oerbüßt hat. zu einer Zusatz- st r a s e von 2 Monaten. Die Berliner auf Helgoland. Zum ersten Mol« hat die Reichsbahndirektion Berlin einen Wochenend-Sonderzug nach Hamburg fahren laffen, der den Teilnehmern dieser Fahrt die Gelegenheit bot, über Sonntag eine Seesohrt nach Helgoland zu unternehmen. Trotz des schlechten Wetters in der legten Woche ließ man sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen, und rund 350 Berliner traten am Sonntag früh die Seefahrt an. Auch der Himrn«! belohnte die mutigen See- fahrer und schenkte ihnen einen strahlend schönen Tag. So wurde die zwölfstündige Fahrt elbeabwärt» und über See sowie der kurze Aufenthalt auf Helgoland zu einem reinen Genuß— zumal viele dabei waren, die noch nie die Nordsee gesehen hatten. In der Nacht zum Montag mußte die Helmreise angetreten werden. Dl« Ausstellung für SSugllngspslege, über deren Erössnung im Langenbeck-Virchow-Haus fBerlin, Luisenstr. 58) wir in unserer Sonntagsnummer berichteten, kann bis zum 19. Juni täglich von 19 bis 8 Uhr gegen 59 Pf. Eintrittsgeld besucht werden. Die Leitung teilt uns mit, daß jetzt beschlossen worden ist, den Frauen und Familien von Erwerbslosen unentgeltlichen Zutritt zu gewähren. Als Ausweis ist die Erwerbolosenkarte mitzubringen. Auch ist bei Führungen gan.z«r Gruppen den daran teilnehmenden Aroeiterinnen oder Schülerinnen der Eintrittspreis auf 29 Pf. für Erwachsene und 19 Ps. für Kinder ermäßigt worden. berliner Junttionärmnen- Konferenz. Die Funktionärinnenkonferenz vom 19. d. M. war Ursprung- lich nur für Berichterstattung über Parteitag und Frauenkonferenz in Kiel vorgesehen. Sie änderte jedoch ihre Tagesordnung zu- gunsten eines Referats des Genossen Dr. Karl K a u t s k y über Eheberatungsstellen, die augenblicklich Gegenstand einer großen Konferenz in Berlin sind, zu der Genosse Dr. Kautsky hierher ge- rufen war. Dem Vortrage des Genossen Dr. Kautsky ging«in kurzer kritischer Bericht der Genossin Todenhaqen über die Frauen- konferenz voraus, während die Genossin Wurm auf die Bericht- crstattung über den Parteitag verzichtete. Als Einleitung liefen die Filmaufnahmen der Wiener Partei über ihre Maiseier und die unserer Kieler Parte'woche über die Leinwand, die mit großer Be- geisterung ausgenommen wurden. D i e Kieler Frauenkonfe- renz hat bei ihrem Hauptthema über„Die Wohnungsfrage" nach den Ausführungen der Genossin Todenhagen die politischen Quintessenzen in der Wohnungsfrage hinter den persönlichen Ilm- stellungsersordernissen gegenüber einer modernen genossenschaftlichen Wohn- und technischen Bauweise zurücktreten lassen. Was der Ge- nosse Wagner in dieser Beziehung in seinem Lichtbildervortrag gebracht hat, soll den Funktionärinnen möglichst aus eigener Hand gegeben werden durch Wiederholung des Lichtbildervortrages in Berlin. Nach Auffassung der Berichterftatterin ist die persönliche Reoolutionierung auch aus diesem Gebiet nur gesichert, wenn das Problem gleichzeitig auch ökonomisch und politisch durch- dacht wird. Es muß von einer Konferenz leitender Funktionärinnen der Partei mindestens in einer konkreten Entschließung zum Aus- druck gebracht werden, daß die sozialdemokratischen Frauen von Gesetzgebung und Beiwoltung planmäßiges Vorgehen ins Kampf gegen die Wohnungsnot nachdrücklichst fordern. Die Frauen- konferenzen sollen keine politischen Beschlüsse fassen, sie müssen aber der Oeffcntlicßkeit die politische Aktivität der Frauen durch präzise Stellungnahme beweisen. Da? kann durch ein mehr für- sorgerische» Referat wie das der Genossin Herta Kraus nicht geschehen. Auf dem Gebiete der Frauenagitation konnte angesichts der seit Jahrzehnten erreichten Technik der Partei neues kaum er- wartet werden. Die Durchberatung der dafür in Betracht kommen- den Fragen scheint für einen engeren Kreis geeigneter. Sie ist vor allen in den Bezirken selbst notwendig, wobei das Reichs- fraueniekretariat führende Funktion behalten muß. Zu überlegen ist, ob nicht zwischen den wähl- oder tagespolitischen Agitarions- Unternehmungen in Form von sozialistischen Wochen tiefcrgreisende Resultate erzielt werden können. In diesem Zusammenhang glaubt die Bsrichtcrstatterin, sei es günstiger, wenn die Fachgruppen der Partei(Reichsausschuß für sozialistische Pildungsarbcit, Arbeiter- wohlfahrt, Kinderfrcunde usw.) ihre Tagungen in dem zwischen den Parteitagen liegenden Jahr abhielten. Die Agitation müsse sich auf die über polirische Tagesfragen hinausreichenden Erfordeniisse des Ausbaues der Republik und der Verbreitung des Sozialismus ein- stechen und daher ihre Dispositionen aus den Ergebnissen fachlicher Ueberlegungen gewinnen. Es sei daher zweckmäßig, die Teilnahme der führenden Ägitationssunktionäre an diesen Tagungen zu sichern. Eine Aussprache über den Bericht mußt« auf eine später« Zu- sammenkunft vertagt werden. Das Referat des Genossen Dr. Katztsky über Eheberatungs st eilen wurde trotz der vorgerückten Stunde mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Die aus einer mehrjährigen Praxis gewonnenen Erfabrunaen des Genossen Dr. K. liefern den Beweis für die volkswirtschaftliche sozialpolitische und individualistische Nützlichkeit solcher Stellen. Eheberatungsstellen dürfen ihre Aufgabe nicht sehen im Aussprechen von Eheverboten, sondern in der Erweckung des Verantwortlichkeitsgefühls des ein- zelnen Menschen sich selbst, der Allgemeinheit, vor allem aber dem Nachwuchs gegenüber. Das gilt insbesondere mit Bezug auf die Vererbung ansteckender Krankheiten(Syphilis, Gonorrhöe, Tuber- kulose). Fast alle Ratsuchenden, die mit solchen Krankheiten be- kostet waren, haben sich den ihnen empfohlenen Kuren mit größter Genauigkeit unterworfen. Auch in Fällen, in denen Unfruchibarkeit Anlaß zu Störungen in Ehen waren, ist oft der Weg zur Abhilfe gewiesen worden. Ebenso bei Schwierigkeiten des Sexuallebens. Bei Tuberkulosen kommt«s auf Beratung in Fragen der Lebenshaltung an, die Uebertragung auf den Partner oder Kinder. verhütet und den Leidenden selbst vor Verschlimmerung seines Zustande? bewahrt. Der Vortragende konnte durch viel« Beispiele die erfolgreich« Wirksamkeit der Wiener Eheberatungsstellen beweisen. Die Ber- sammlung lohnte seine interessanten Ausführungen mit lebhaftem Beifall. Drei Sranöftistungen in einem yause. Gemeingefährliche Streiche eines Taugenichts. In dem Hause Knesebeck straße 29 in Neukölln waren hintereinander in kurzen Zeitabständen Brand st iftun- gen oersucht worden. Im Oktober v. I. hatten Hausbewohner am Morgen einen von selbst erloschenen Brandherd auf dem Boden entdeckt. Kurze Z«it darauf war eines anderen Morgens von der Portierfrau de» Haufe» auf dem Treppenabsatz vor einer Wohnung»- tür ein« helloderne Flamme mit Hilfe ihres schnell herbeigerufenen Mannes noch rechtzeitig erstickt worden, ehe größerer Schaden in dem dichtbewohnten Haufe entstehen konnte. Die rätselhaften Brand- stiftungen blieben aber ohne Aufklärung, bis im Januar ein neuer Brandherd vorgefunden wurde. Das Feuer war zwar schon ousg«- gangen, ober es war bereits eine dicke Bohle im Dochboden völlig angekohlt. Wie in den ersten beiden Fallen, war auch hier zur Brand- stiftung Petroleum oerwendet worden. Nunmehr lenkte sich der Verdacht durch verschiedene Umstände auf den 27 Jahre alten bei seiner Mutter wohnenden Fritz Timm, der al» arbeitsscheuer Trunkenbold bekannt war, und der auch bereits mehrmals wegen Diebstahls vorbestrost worden ist. Timm lebte vorwiegend von Arbeitslosenünierstiitzungen, die er, da seine Mutter für seinen Lebens- unterhalt sorgte, restlos vertrank. Ausnahmsweise hatte er kurz vor dem letzten Brande einige Tage gearbeitet uird sich am Abend vorher den Lohn von 14 Mark abgeholt. Als er spät in der Nacht schwer betrunken und ohne einen Pfennig Geld heimkehrte, machte die Mutter ihm Borhaltungen. In seiner Wut riß er ein Stück von seinem Wollschal ab, tränkte ihn mit Petroleum und machte auf dem Boden über seiner Wohnung Feuer an. Dann legte er sich sorglos ins Bett und schlief bis zum nächsten Mittag. Auf der Polizei gab er zu, „die" Brände angelegt zu haben. Bor dem Schwur- g e r i ch t des Landgerichts II, vor dem Timm sich gestern wegen Brandstiftung in einem von Menschen bewohnten Hause in drei Fällen zu verantworten hatte, beschränkte er dieses Geständnis nur auf den letzten Fall und behauptete, daß er hinterher den Brand selbst ausgelöscht habe. Das Schwurgericht folgerte aus der Gleichartigkeit der drei Brandstiftungen, daß sie olle ausgegangen seien von dem Angeklagten. Es hielt ihn aber in den beiden ersten Fällen nicht für ausreichend überführt. Das Schwurgericht glaubte dem Angeklagten auch nicht, daß er den letzten Brand selbst gelöscht habe, vielmehr sei anzunehmen, daß das Feuer nicht weiter gebrannt und von selbst aus- gegangen sei. Deshalb liege nur eine versuchte Brandstiftung vor. Der Sonntag bracht« einen Unterhaltungsabend, der nicht sein soll. Das kommt in der letzten Zeit verhältnismäßig selten vor, aber gerade um dieser erfreulichen Tatsache willen soll man eine Entgleisung nicht schweigend hinnehmen. Dieser„Abend in einem Berliner Spezialitätengarten" war. gelinde gesogt, ge- ichmackios. Was wollte man eigentlich damit zeigen? Das klassische Berliner Bürgertum, das wäre nicht ohne Sinn und Berechtigung gewesen— wenn man sich eben dies« Aufgab« gestellt und sie nach besten Kräften erfüllt hätte. So aber bot man einen ungesiebten Mischmosch von Sommertheaterdarbietungen, neben Eharakteristi- schem, das ein kunstbcscheidenes. aber nicht geschmackloses Bürgertum spiegelte, ausgesprochenen Kitsch. Dagegen gab es am Nachmittag eine freundliche halbe Stund«, die den hundertsten Geburtstag Johanna Spyris feierte. Di« charakteristischen Jugendbücher dieser schweizer Schriftstellerin sind in ihrer menschlichen Güte auch heute noch lebendig. Lina Lossen la» au» ihnen mit sanfter Mütterlichkeit in der Stimme. Man sollt« sich diese Künstlerin häusiger als Märchentante verschreiben. Ein schönes Programm brachte der„Phantastische Abend" um Montag, der Musik von Morschner, Berlioz. Offen- dach und Soint-Saens und Novellen von E. T. A. Hoffmann und Heinrich v. Kleist bot. Theodor Scheidt und da» Funkorchcster unter Bruno Seidler-Winkler bestritten wacker den musikalischen Teil. Lupu Pick las die Novellen ein wenig nüchtern. Hier hätte man sich als Sprecherin Fränze Roloff gewünscht, die für da» unheimlich Phantastische all» Nuancen mitgebracht hätte.— Der Schweizer Flieger Walter Mittelholzer schilderte sein« Reise„Im Flugzeug nach Südafrika". Dieser große Flug war nach zwei Richtungen hin wesentlich. Er gab einmal den Beweis, daß schon unter den heutigen Verhältnissen ein geregelter Personenflugverkehr von Nord- nach Südafrika möglich ist, und brachte außerdem eine reiche wissen- schostliche Ausbeute an Flugoufnahmen aus dem Inneren Afrika» Di, Fortsetzungen der Vortrag»reiben Dr, Max O» b o r n», der diesmal über Hubert und Jan van Tyck sprach, und Ministerialrat Dr. med. Alfred Beyer, der in seinen Aussührunaen„Gefühl«' und Willenssreih»it" behandelte, waren«vi« immer yorenswert. Te«. Für dieses Verbrechen erhielt Timm 1 Jahr Z Monate Ge- fängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Wegen der Gemein- gefährlichkeit seines Treibens wurde Timm auch unter Polizeiaufsicht gestellt._ Der Prozeß gegen öie Kinüermörüerin. Ausschluß der Leffentlichkcit. Gestern 1.5.39 Uhr hat vor dem Duisburger Schöffengericht der Prozeß gegen Käte Hagedorn be- gönnen, die im Sommer 1926, wie wir berichteten, zwei Kinder, die fünfjährige Käte Gensleichter und den sechejährigen Friedrich Schäfer, ermordete. Nicht weniger als 35 Zeugen und sechs Aerzte als Sachverständige, darunter Sanitätsrat Magnus Hirsch- f e l d. Prof. Strauch- Berlin und Prof. Theodor L e s I i n g, den man beim Haarmann-Prozeß wiederholt nannte, sind geladen. Den Vorsitz hat Landgerichtsdirektor Förster, die Anklage ver- tritt Staatsanwalt Dr. F u d i k a r. Die Verteidigung der An- geklagten liegt in den Händen des in der Zeit der Ruhrbesetzung oft hervorgetretenen Rechtsanwalts Dr. M e h l k o p f» Duisburg. .Käte Hagedorn, kaum 19 Jahr« alt, hat ein blasses Ge» sickst und einen dunklen Bubikoppf. Man kann sie nicht häßlich nennen, aber sie hat eine Art des Auftretens und eine Redeweise. die abstoßen. Die Schule verließ sie mit 14 Jahren, dann be- suchte sie eine Nähschule und stürzte sich vor allen Dingen auf Klavierspiel und Gesang, da sie in sich eine zukünftige Künstlerin vermutet«. Theater und Kino waren ihr Ideal. Sie schreckte nicht davor zurück, die Ladenkasse ihrer Eltern zu bestehlen, damit sie auf das Inserat einer Filmfirma antworten konnte. Als der Vorsitzende sie fragt, was sie an dem llnglückstag getan habe, antwortet sie:„Um �-4 Uhr wollte ich baden gehen, als ich K ä t ch e n traf. Ich sagtet Kälchen, wir werden zusammen spazieren gehen, und sie rieft Frievel, komm' doch auch mit! Der Tag war furchtbar heiß, und wir gingen durch den Wald bis auf die Rehwiese," Auf die Frage,»b sie dort Blumen gepflückt hätte, sagl Käte Hagedorn: Nein, das wollte ich erst später. Und al» der Vorsitzende an sie mit der Aeußerung herantritt: Sie hatten aber doch zum Blumenpfläcken die Schere mitgenommen, erwidert sie: Ja, eine Nagelschere. Grauenvoll ist es, wie die Angeklagte erzählt, daß sie die kleine Käte beiseite nahm und ihr Erde in den hals stöpsle, bis sie erstickte. Dann will sie be- merkt haben, daß ihr die Schere-ms der Mappe gefallen war. Da- mit durchschnitt sie der kleinen die Hals- und Pulsadern. Während- dessen svielte der kleine Friedet abjetts; sie schleppte ihn heran und brachte ihn ans die gleiche EZeiie mtl der Schere um. Dann eilte sie über die Rehw-iese davon, um sich die Hände in dem nahen Dickel«. bach zu waschen, und sie sogt au», daß sie dies alles ohne B e- wußtsein vollführt hätte Um 16 Uhr wurde die Oesfentlichkeit ausge- schlössen._ Sin Zugendchor in EharloNenbnrg. Der Männerchor Harmonie Char- lottenburg hat außer dem Kinderchor jetzt noch eine I u z e n d a bteilung eingerichtet, der lttiaben und Mädchen im Alter von über 14 Jahren bei- treten können. Ordner für Proletarisch« erstunden. Die Ordner treffen sich zum Dienst zur Sonnenwendseier am Sonnabend, dem t3. Juni, abend» 6'/, Ubr, am Eingang VolkSparl Neukölln, Golßener Straße, Die Heiser sind mit- zubringen. Kiniendiinge» für diel« Stnbcil sind v-rlln«W e». Ll»d,»«r-sie 3. Partemachrichten für Groß-Serün sie» an da, vezlrttsetreiartat. i. Hof, t Iren, recht», zu richte«. 2. Sni« Tiergarten. Mittwoch. IS. Juni, ISth Uchr, ttrei, Mitglieder- verlamwtuog in den Ärminiushollen, Bremer Str. TZ. Bericht vom Por- tciiog in Niel. Berichierftviter Paul Hennig. Sämtliche Genossinnen und Venossen müssen erscheinen. Srci« W-dding. dr» Ostac. Helene. Heim« in Dahlem und d«« Nrüpve'l Museums. Lre vuntt: 154, Ufir vor dem Heim. Badnveröindung: Untergrundbalin bis Thielplatz. Sämtliche Brbeiterwohliahrlsmitarbeiter sind eingeladen Arbelterwshttahrt. Donnerstags t».(Juni, Besichtizuug 7. Kreis Shaelottenburg. Voranzeige. Do» Waldfest findtt am Sonniaa, l». Juni, im Bolksvarl Iunasernbcide(im Nalurthealer und auf den Svielwielen) statt. Milwirkcnoe: Charlottenburger Liederlafel. Kavellc Cilermonn, Tamdourlorvs des Reich»ba»n«rs, Kindcrfreunde, Freie Turner. Sozieliftilche Arbeiterfugend, ffrcie Schwimmer, Freie Schulgemeinde Ch Irlottenburg und Radfahrerverein„Solidarität. Bor» dem findet um t Uhr auf dem Karl-August.Platz k Krumme Straße, Ctle Doetheftraßes hie Banverwcihe der S7. Abteilung statt. Darauf gemein, samer Abmarsch aller Abteilungen zum Waldfesi. Di« Genossen her b«. nachbauten Kreise sind hierzu edrnsall« freundlichst eingeladen. Karten d so V- sind bei den Abteilung», und Gruvvenleitern zu haben. ». Kreis Wilmersdorf. Mittwoch. IZ. Juni. A Uhr, Kreismitglledn. Versammlung im Biltoriagarten, Bilhelmsaue 113114. kleiner Saal. Tagesordnung! Bericht vom Parteitag in Kiel. Verschiedene». 1«. Juni, 20 Uhr, Sitzung Iziger Str. 27. erscheinen tl. Kreis Schöu-derg.F-irdrva». Heut«, Di,n»Iai drr Feitungskommisston in der Svedition.' sämtlicher Mitgiirdcr ist Pjiicht. 14. Krel,««utö»». Mittwoch, 13. Zun!, ISih Uhr, Sitzung h», Bildung»- -usschuss»» rm Vartiidureau. JUdacta.*.----—*-----~" staltungen und Jugendweihe. 9BÜtiiO>€IXXtt* IS. Stei« Treptow. Mittwoch, 15. Juni, 19V4 Uhr, Sei Imberg, Ober. schöneweide, Diliielminenhofsir. S4, Areiomitglirderversammluag. Bericht vom Parteitaz in Kiel. Berichterstatter Paul Becker. 17. Kreis Ltchteiiberg. Heute, Dienstag, 14. Juni, Kreisvertreter. Versammlung in der Aula der Mittelschule. Marktstraste. Bericht vom Parteitag in Kiel. Berichterstatter IriK Thurm.— Bildungsausschuß! Donnerstag, 16. Juni, 19 Uhr, in der Bllcherei, Weichsclstr. 26. Eihung. 18. Kreis Weißen sce. Mittwoch, lö. Juni. 20 Uhr, im Wirtshaus zum Pferdemarlt. Echönstraße, Kreismitqlicderversammluag. Tage«, ordnuna: Bericht vom Parteitag in Kiel. Berichterstatter Hermann Harnisch, M d. L. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwartet. heule. Dienstag. 14. Juni: 2. Abt. Die Mitglieder beteiligen sich zweck« Beitragsregulierung heut« IglH Uhr an der Krcisdelegiertenvcrsammlung, Musiiersäle, Kaiser- Wilhelm-Straße Sö. >98.. 19». Abt. Pankow. Bezirk!»: 1»?� Uhr bei Kraul, Lindenpromenade 1, Bortrag de« Genossen Klostcrmann mit Aussprache:„ssiihrcrproblem in der Demokratie". ZNilgliederversammlungen und Zahlabende am ZNillwoch: 14. Abt. 19bz Uhr im Ramlcrbof, Ramlerstr. 6, Berichte der Bezirks, und Stadtverordneten. Um pstnitliches Erscheinen wird gebeten. 17. Abt. 19� Uhr Zahlabcnde bei Ecrth, Tegeler Str. 50, Hllbner, Trift. strahl 49. Schreiber, Trislstr. 6Z. 22. Abt. Der Zahlabend findet umständehalber am 22. Juni in den be- kannten Lokale» statt. 26. Abt. l91h Uhr bei Bcinlich, Weificnburger Str. 1, Vortrag:„Das Ar. beitsgerichtsgescß". Referent Rudolf Karsten. Z2. Abt. 19'� Uhr Gruppenzahlabende: Gr Gruppe Kluge bei Echmidtke, Paul» Singer- Straße, Ecke Krauistroße. Gruppe Meister bei Zeitz, Blumcnstr. 68. Gruppe Haase bei Kromphardt, Paul-Singer-Straße 49. Gruppe Wart, mann bei Horstmonn, Am Ostdahnhos l8. Die Bczirkskührcr laden eiu. Di« Mitgliederversammlung für diesen Monat fällt aus. Z5. Abt. Pünktlich 20 Uhr Iunklionärsitzung im Lokal Otto, Rigaer Str. 85. Erscheinen sämilichcr Funktionäre unbedingt erforderlich. Ab 19 Uhr rechnen die Bezirksfsthrcr mit dem Kassierer ab. 38. Abt. 1914 Uhr Zahlabendc: 154. Bezirk: Böbcr, Webersir. 42. Bortrag des Genossen Alfred John. 155. und 184. Bezirk: Franck, Palisaden. straße 20, Bortrag de» Genossen Steiner. 156. Bezirk: Kochal«, Iiirsten. walder Straße, Bortrag des Genossen ssranke. 159. Bezirk: Strauß. Pali. fadenstraße. Bortrag:„Die letzten ZlorgLnge in Eowjetrußland". 160. Be. zirk: War, Friedcnstr. 53, Vortrag des Genossen Otto Büchner. 183, 185. bis 1S8. Bezirk und 1S5 Bezirk: Mogwitz, Vortrag:„Die Ergebnisse des Kieler Parteitages". 189». Bezirk: Vortrag:„Die Ergebnisse des Kieler Parteitages".„Das Agrarprogramm". 18gb und 189- Bezirk: Vortrag: „Das Agrarprogrmm der SPD." 41. Abt. 19V» Uhr Zahlabende: B-inboff. Belle-AIIianee.Elr. 74», Bortrag: „Politische Zeit, und Tagesfragen". Referent Genosse K. Fromke. Schuster, Ehamissoplatz 4. Lutze, Dergmannstr. 93. Bortrag:„Rationalisierung". Referent Genosse Keck. Mcnde. Gneisenaustr. 6a. 45. Abt. 19 Vi Uhr Zahlabende: Minnig, Lausltzcr Str. 45. Malschenz, ssorfterstr. 9. Liebig, Wiener Etr. 57a. Wicnzicrs, Reichenberger Str. 104. 49. Abt. Schwerhörige. 19>4 Uhr im Jugendheim, Lindcnstr. 3, II. Hof, III, Mitgliederversammlung, Vortrag. Der Abrcchnrng wegen müssen alle Parteimitglieder pünktlich«rfcheinen. Sympathisierende und Vorwärts» Leier sind herzlichst willkommen. chharlottendurg. 52. Abt. 19H Uhr bei Büttner, Kaiserin-Augusta.Allee tzl, Vortrag:„Politik und Gesellschaft im Spiegel der Satire". Referent Rod. Keller. Borwärts-Leser und Enmpathisierende sind eingeladen. Die Se, nassen werden ersucht,«densall» ihre Frauen mitzubringen.— 54. Abt. 20 Uhr im Jugendheim, Rosmenstr. 4. Beitrag:„Die Wirren in China". Referent Hann« Kamm.— 56. Abt. Zahlodend lllV» Uhr hei Liersch, Kantstr. 62. Vqrtraa:„Das rote Wien". Referent Stabtrat Seorg Wendt. Ebenda Funktionärssbung. Die Gruppen, und Bazirkskassierer müssen un> bedingt erscheinen. Die übrigen Zahlabende fallen au». 63. Abt. Staaken. Mitgliederversammlung. Vortrag:„Die Vorgänge im fernen Osten". Referent Wilhelm Richter. 74. Abt. Zehlendors. 20 Uhr bei Mickley. Potsdamer Str. 25, Mitglieder. Versammlung. 76. Abt. Dahlem. 20 Uhr bei Schilling, Känigin-Luise-Straße 42, Iahlabend. Der Vortrag de« Genossen Etröbel kann umständehalber nicht stattfinden. 82. Abt. Steglitz. 20 Uhr im Lokal Schellhaas«, Ahornftr. 15, Bericht vom Parteitag in Kiel. Referent Genosse Klose. 88. Abt. Marienbors. 19V. Uhr Schule. Königstraße, Mitgliederversammlung. Bericht vom Parteilag'in Kiel. Referent Gustav Eckhard. Reukölln. 92. Abt. gahlab-nd- halten ab 20 Uhr dir B-zirle: 14, 29. 30 bei diauter. Harzer Str. 88. Bortrag de. Gen. Hermann Schlimm:„Wellwirt. fchcft nach dem Kriege". 1 Fortsetzung. s Die Bezirk«: 27. 28, 32, 33 der Ewald. Elbe., Eck- Weser Siroße, Vortrag des Gen. Felix Fechenbach: „Di- chmestsche Revolution". Di- Bezirke 3l, 44, 45. 55 bei Wolfs, Kaiser. Friedrich-, Ecke Roseggirstraße, Vortrag de» Gen. Otio Bach:„Wellsriede und soziale Gerechtigkeit". Die Bezirk- 46. 47. 59. 72 bi» 73 bei Simon. Berlbessdorfer Etr. 9, Vortrag des Gen. Ernst Schultz:„Die Erzrehung». arbeit auf dem Parteitag in. Kiel". Die Bezirke 72, 73 bei Schneidet, Rosenstr. 7, Vortrag. Auf allen Zahlabenhen außerdem wichtige geschüfl. liche Mitteilungen. Erscheinen aller Genossinnen und Genossen UN. bedingle Pflicht.-»5. Abt. 194 Uhr bei Grieger. Selsingstr. 9.»ortrag: „Agrarpolitik". Refcrrnt Gen.«laußnrr, M. d. L. Die Bezirk» führer laden ein.. � �. 101. Abt. Treptow. 19% llf)t Einzelzahlabende: 1. und 2. Bezirk: Stephan, Graetzstr. 1. Referent Fritz Neumann. 5. bis 5. Bezirk: Oettinger, Kref. holz.. Ecke Elscnstraße. Referent Genosse Mielke. Thema:„Der Etat der Stadt Berlin. Wichtige Parteiangeleaenheiten. 1«. Abt. vaumichuleuweg. 194 Uhr Mitgliederversammluns bei Borgmann, Baumschulenstraße. Eck« Äiefholzstraßr. Tagesordnung: 1. Adolf Hoff. mann:„Aus dem Leben eine, allen Sozialisten", 2. Vorbereitungen für ba. Fest der Republikaner am Sonntag, 19. Juni. 194. Abt. Riederschöveweide. 194 Uhr bei Imberg. Oberschönewe-d«. Wil. helminenhofstr. 34, M itglil derversammlung de» 15. Kreise». Alle Mtl. glieder beteiligen sich daran.~. III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Heimann, Waltersdarfer Str. Ii». Vortrog: „Jugend und Patei" Referent Bruno Lösche. Lichtenberg. 114. Abt. 194 Uhr bei Schcntke. Erossener Str. 14. Vortrag des Genossen Kurt Hemig, M. d. R.— 115. Abt. 194 Uhr 1. und 2. Gruppe: Lohann, Jung. Ecke Oderstraße. Vortrag:„Der Kampf um die politisch- Macht." Referent«rthikr R-chow.- ll7. Abt. 194 Uhr gemeinsamer Zahlabcnd in der Schule Lückstr. 89. Vortrag:„Konsum oder Privathandel." Referent Bruno Groppler.— 118. Abt. 194 Uhr Ab. teilungszahlabend bei Hartmann, Roscnfeidcr Ecke Irncnstraße. Stellung. nahm« zum Parteitag. Bericht vom Kreisvertretertag. Unbedingte» Er. scheinen ist Pflicht._, 120. Abt. Friebrichescldc. 194 Uhr bei Tempel. Prinzenallee 45. Bortrag: „Die Bedeutung der Weltwirtschaftskonserenz." Referent Genosse Furt» wängler. 123. Abt. K«»l»b»rf. Di« Iahlabend« fallen au».,. 124. Abt. Rahlsdorf. 194 Uhr Iahladende. Rordbezirk bis einschließlich Burggrafenstraße im Lokal Nordstern. Die Bezirkssührer müssen einladen. Alter Ort bei Anders. 127. Abt. Hohenschönhausen. 194 Uhr Schule Feelcnwalder Str. 5/6. Bor» trag:..Da» rote Wien." Referent Stadtrat Snaen Rosemann. IZl. Abt. Ricderlchönbausen. 194 Uhr im Lokal Wilnelmshos, Kaiser-Wilhelm. Straße 64: Bericht vom Parteitag in Kiel. Referent Karl Litke. JS7. Abt. R-inIckendorf.W-st. 194 Uhr Volkshaus Scharnweberstr. III Mit. aliederversammlung. Vortrag. 140. Abt. Borstgwalde. 20 Uhr bei Woitschach, Srnststr. 1. Vortrag:„Das Wesen und hie Entstehung de, Faschismus in Italien." R-lerent Erich Fracnkcl. Gäste willkommen. 140». Abt. Wittenau. 29 Uhr im Lokal Schulz, am Bahnhof. Zahlabend. Vortrag. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Jungsozialisten. Gruppe Lichtenberg: Leute, Dienstag, 14. Juni, 194 Uhr, im Jugendheim Pariaue 7,4 Uhr Abmarsch des W-rbeumzuges von der Turn. halle Pfarrstraße. 19 Uhr Beginn der Borführungen. Arbeitcr-Turn. und Sportbund, 1. Kreis. Kinderleiter der Sroß-Berliner Bmine: Mittwoch, 15. Juni, 19 Uhr, Sitzung aller Leiter von Kinder. abtcilungen Ecschäiisstclle de» Kartcllvcrdandes. Auch die Fußballer, Schwim. mer und Leichtathleten, die Kinderabteilungcn haben, müpen anwesend sein. Tagesordnung:„Unsere Beteiligung beim Äreisfcst." Der Tag der General» probe wird dort fcstgclcgt. Pankow. Das Kartell.Sportfest findet Sonntag, 19. Juni, auf .Sportplatz Nordend 14 Uhr statt Aufmarsch der Bereine in oport. 2% Uhr Pankow Marktplatz. In drr Woche vom 12. bis 18. Juni Tiittr.liipieleim. Staats- Theater Opernhaus a« P atz d.Republ 7Uhr: Rosen- kavalier Schauspielhaus 8 Uhr: Florian Geyer Schiller«Theater 8 Uhr: Musik. StäätiA ßpäi Charlotienburg 71, Uhr: von WiDdsor Abonn.-Turnus II Desttdies Theater Norden 10334—37 8 U. Ende 10'/, U. üsr JSßxer Karnraerspiele Norden 10334—37 8'/, Uhr. EndelOU. üniniil ron Gwn Riiar Die Komödie Bismarck 2414< 7516 N/» En.de mdi 10 Uhr Der Snob Romldit m Cirl Slinkilm Thtat. a.llDlIeiidoripl. Kurfürst 2091 8 U, End« gej« II Uhr Drei arme kleine Rädels Orretti yw Wilter Kell» ittroDoi» Theat. Täglich 8"/, Uhr Glück in der Liebe Thalia»Tneaier 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht Eillnberg-SöhDcn Ots. KünsMer-Th. 8". Uhr; Adieu Himi Donnerstag; Premiere Bitte, wer war znerst da? Lesslng-Theater 8'/, Uhr. Eugen Klopfer mit seinem Ensemtile „Mnndwifmr.di" Freitag Premiere Eugen Klöpfermit seinem Ensemble Atgemadit-KuB! SCAtA Nollendorf 7360 8 Uhr Noni und Horace und weitere S ihr Benin nene Attraktionen Volks biih ne Tb. im Schitldiuinlimm 8 Uhr Jan der Wunderbare theat« am BQIovplati 8 Uhr: Ein SommetDaditstraDiL Morgen 8 Uhr: Ein Soimrnaditstraum. omische Oper 8'/, Uhr: 8'/. Uhr: Idie neue große James-Klein-Revue Streng verteoienü! Dil Riilii der nnoiiiwn leidaidufm I 1 Ueber 200 Mitwirk./ 8 Ballett». | Vorverkauf i. d. Thnterliuse ib 10 Uhr aiantirtr. CASINO-THEATER« Uhr � Nur noch wenige AaffOhrangen I+ Der Fehltritt einer Frau, Gutschein: FauL I Mk.. Sessel 1.50 Mk Reichshaiien«Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sgnger dönhoff- Brett'l: Variete, Konzert, Tanz ERIK CHARELL BRINGT: Paul Wesiermcier, Lncic Mannheim a. CL, Kupfer, Dfiblin, Ehart-Harl u. a. GROSSES SCHAUSPIELHAUS BOXKÄMPFE! II c nie Abend 9 Uhrt P. CZ1RS0N- SCHUMACHER j W. PETER- GLASER) 43 Blntritv 80 Pfg. WINTERGARTEN gW! i Vai Sbh Im Rahmen des neuen rietö-Spieipl DAGMA das ungelöste Rätsel. Rauchen gestattet! EN 1 ans 1 sei. I i HUB CBRCUS BUSCH nur bis 26. Jontl Eine FrelKnne erhalt. Sie geg. Abg. dieses Inser. ali- abendl. S U bei Losung eines Silzpl. Die Hieater des Westens 8>. Uhr: fleiRrieli Hsines ersie Liebe Sommerpr. 1—8 M Wamolia■ rneai Werbetage I Täglich 8V, Uhr: Die von der Liebe leben! Jeendlidu keim Zilriä! Vorzeiger zahlt Parkett statt 4 Mk. nur 1 Mk. Rose-Theater Gartenbühne 5'/, Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Der Vogeihändler 8V, Uhr: Die Perle 4tas Pommern .anMVüpSühun Fh. Königiirät*. St. Hasenheide 2110 8 Uhi: OieSdiüle v.Uznadi HomOdUeaiiau« Norden. 63D4 8 Uhr. Weiße Fracht Lustspielhaus 8V, Uhr: „Der Apfel' Theater ai Kotth. Tot Kottb. Str. 6 Tägi.SUhr; EHoger im neuei Ktassc- Programm I (II zur Miete W50,Ansbacherstr.1 Wochenend-Ansstellung am Kaiserdamm, die schönste Schau Berlins, ist bis auf weiteres verlängert WM'M'WMWHWWWr worden; alle Eintrittspreise sind bedeutend verbilligt Erwachsene 1 M., Jugend!. SO Pf. Familie n karten gültig fUr3 Erwachsene oder Z Erwachsene und 2 Kinder fllr 2 Harkl Erwerbslose nur 30 Pf. fficht hurch Kiesenrddame- durch auserlesene Qüte macht sich VERSALE der Hausfrau unentbehrlich.(Das UDunder seinernXtirkungs weise: IDersale zieht selbst* tätig allen Schmutz energisch, aber behut* sam aus der cWäsche heraus.(Das Qewebe selbst bleibt unangetastet. k' V;!/.y f. Bau- DDd SsarvereiD„Eiotradit" e. G. m. b. 0. zd Berlin Freitag, den 24. Juni, nachmittag» 5>/, Uhr, im Spatenbräu, Friedrichstr. 172: Generalversammlung. Tagesordnung: l Genehmigung der Bilanz und Be- schlußfassung über die Geminnverieilung; 2 Berich: Uder die gesetzlidie Revision: 8. Gntiostung de» Vorstandes: 4 Festsetzung de» Delamlbelrages. den die Anleihen der Genossenschaft nicht llderfdireiten(ollen: 5 Anträge aut Aenderung der Satzungen 8» Uedernahm« der„Preußiiche Baugenossenschait G. m. d H. zu Berlin� uud Abschluß eine» Berlchmelzungsvertragc-. 7 Wahle» zum Vorstand und Aufsichlsrat. " Die BMlnz sowie die Anträge auf Aenderung der Satzungen liegen vom heuligen Tage ad im Geschästsiolaie der Genossen» schast zur Einsichtnahme au». Die Fahl der Genossen betrug am 81. 12. 1923.. 28 neu eingetreten 1928........... 81 107 ausgeschieden 31. 12. 1926.......... 1 Zahl der Genossen am 31. 12. 1926....... 10« Die Deschäftsguthaden der Genossen haben sich di, zum 81. 12. 1928 um Mk. 10 820.—, di- Hastsuinme der Genossen um ML 16 000.— erhöht. Die Hastsumme aller Genossen am 31. 12. 1928 beträgt Mk 21 200.—. Berlin, den 13. Juni 1927. Der Vorstand. Der Aufsichtsrat. Bauer. Schlesinger. Hildenbrand. üfMKUIÄZidAlIi-Mll! WMMelfjMer.gvliftt.lllzr' mm, Eichel Ii. Eicheli«! Die Vertrauensmänner Konferenz fällt am Donnerstag, dem IL. Juni, aus. Dafür abends T1/* Ahr im grober» Saal des Getverkfchafks- hause». Sugelufer 24 25: Branchenversammlung Tagesordnuhg: 1. Vortrag:. Die Arbeilszeii-Notverordnung". 2. Diskussion 3. Branchenangeiegenheiten. Mitgliedsbuch, mit einem der obigen Berufe versehen. legitimiert. Da» Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht Vi« 0rt»v«r«va>tung. Verkäufe Dürkopp- Nähmaschinen gegen Z-Mark. Wochcnratcn. Wlosik, Brunnenftraß» 185, wischen Rosenthalcrplatz und Invaii- jenstraße. Norden 118. Hökerwaae» durch Plattcnaufbau auf meine großen prima Leiier- und Kasten. wagen selbst leicht herstellbar. Georg Wagner, Köpcnickerstraße 71, Hof. Kein Laden, dafür billigere Preise.' „Wahrer Jakob" 1998 di, 1909 kom. lelt verkäuflich. Preisoffertcn unter iacob, Postamt 31. SckldiiluiisiLsllirllk. 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Bisher hatte ihn die Fabrikleitung noch gehalten, doch der neue Aufsichtsrat schon den Direktor aufgefordert, ihn zu entlassen. Korbn bediente nur zwei Webstüle. Der Nutzen, den er der Fabrik brachte, entsprach nicht einmal dem eines mittel- niäßigen Handwebers. Morin Nopfte dem alten Arbeiter auf die Schulter:.Korhn, halt' Deinen Stuhl an. Der Herr Direktor möchte mit Dir sprechen."' Der Arbeiter sah ihn einen Augenblick an und brachte dann den Webstuhl zum Stehen. .Der Herr Direktor?" wiederholte er, während die Maschinen- arme ihre Bewegung verlangsamten und, bevor sie stehen blieben, noch einige Fäden in das angefangene Stück webten. Trübe und fragend sah Korhn die beiden Thefs an. „Kommen Sie mit!", sagte Herr Motron. In der Färberei, hinter der das Warenmagazin lag, erklärte ihm der Direktor: „Sie können so nicht weiterarbeiten, mein lieber alter Korhn." Er entgegnete: „Ich kann doch noch'was leisten, trotz meines Alters noch'was leisten." Motron sah mitleidig den armen Kerl an, wie er dastand mit zusammengesunkenen Schultern, mit gebeugtem Kopf und zitternden Hgnden. „Sie sind doch nicht mehr imstande, auch"nur einen Stuhl richtig zu bedienen; bedenken Sie doch das." „Aber ich versichere...", stammelte der Alt«. „Wir hatten schon einen solchen Fall. Hieß der Mann nicht Tauniez?", wandte sich Motron an seinen Betriebsleiter. „Ja, aber Tauniez trank", erklärte der Alte. Der Direktor mußte lächeln. „Vor allem war er alt", entgegnete der Direktor und fügt« hinzu:„Korhn, wenn man das von Ihnen sagte!..." Korhn hatte gedacht, so den Direktor zu erweichen, und muhte ,�in begreifen, roh gegen den gewesen zu sein, der lange sein guter Kamerad war, vielleicht der beste Freund, den er je gehabt hatte. „Ich habe doch noch Kraft in den Armen", bettelte er wieder. „Es geht nicht", schnitt Motron di« Unterhaltung ab.„Sie müssen erst wieder zu Kräften kommen. In kurzer Zeit, in 14 Tagen oder längstens einem Monat, werde ich Sie wieder holen lassen. Dann wird sich schon eine Stellung im Lager für Sie finden." Korhn begriff das alles nicht und starrte regungslos vor sich hin. Der Direktor rief ihn wieder tn die Wirklichkeit: „Sonst habe ich Ihnen nichts zu sagen. Gehen Sie jetzt an Ihr« Arbeit, Korhn!" Und der Alte ging zu seinen Webstühlen und blieb für alle Fragen seiner Kameraden taub. Bevor Motron und Morin die Halle verließen und in ihr Bureau traten, sah sich Motron noch einmal nach dem alten Arbeiter um: init linkischen Bewegungen war er schon wieder an der Arbeit. Nicht eine Minute ruhte er aus, der arme Teufel. Doch er war zu alt, er tonnte es nicht mehr schassen. Korhn lief von einem Webstuhl zum anderen, zog jedesmal das Schiffchen zurück und bediente so schlecht und recht seine beiden Stühle. Aber der Direktor steh sich nichts vormachen. Der arme Kerl hoffte sicher, der Chef würde sich erweichen lassen, wenn er ihn so arbeiten sah. Doch Korhn hoffte vergeblich. Di« beiden gingen weg. Sein« Augen klammerten sich an sie, als ob er sie dadurch zurückrufen wollte.„Der alt« Korhn macht Augen wie beim Lotteriespiel", meinte ein Weber zu seinem Nachbarn. „Die Chefs müssen ihm etwas gesagt haben, was ihn verstört hat", erwiderte der. Es war ihm furchtbar, ohne Arbeit zu fein. Und an dieses leer« Versprechen einer Stellung... daran glaubte er nicht, fast gar nicht. Vielleicht war es aber doch wahr. Doch wie sollt« er einen Monat ohne Verdienst leben, ja nur 14 Tage? Hatte er dämm SO Jahre gearbeitet, um jetzt mir nichts dir nichts auf die Straße geworfen zu werden! Für jeden Tag würde er sich ein bißchen Brot erbetteln müssen. Der Gedanke an ein solches Hundeleben würgte ihn, aller Groll erwachte und machte ihn wie närrisch. Dabei vergaß er seine Arbeit: sein Schiffchen sprang heraus. Sogleich stand der Werkführer bei ihm: „Kannst Du nicht aufpassen, was Du machst, zum Teufel!" schrie er ihn an. Mit einem stieren Blick sah Korhn auf den Werkführer. Und weil er nichts sagt«, schnaubte ihn der Werkführer noch einmal an: „Mach', daß Du weiter arbeitest, oder Du bekommst eine Geld- strafe." Da machte sich Korhn an seine Arbeit. Nach einer Weile fing der andere wieder an: „Du, tummle Dich und träum« nicht!" Dann ging er achselzuckend weg und murmelte zwischen den Zähnen:„Wozu behält man bloß solch alten Krüppel wie den da?" Der Arbeiter hatte es nicht gehört. Er sagte vor sich hin: „Danke."«Was ist los?" fragte der Werkführer. Kurze Zeit liefen des Alten Webstühle regelmäßig. Mechanisch, ohne daran zu denken, führte er seine Handgriffe aus; denn Angst nahm alle seine Sinne gefangen: Was ohne Arbeit ansangen?? Lieber den Tod!! Plötzlich sah er um sich nur Nebel. Alles verschwamm und Lärm brauste in seinen Ohren.— Wie ein Kind in der Nacht aus einem Wald, so hätte er fliehen mögen; er wollte sich bewegen: da fühlte er einen kurzen Stich in seinem Herzen, als ob etwas in der Brust entzwei gegangen wäre. Er wäre auf den Baden gejnllen, wenn ihn das Gestell des Webstuhls nicht gehalten hätte. Eine alte Herzkrankheit hatte seinen Wunsch, zu sterben, auf der Stelle zur Wahrheit werden lassen. Ein Herzschlag tötete ihn. ohne Leide»; lleh ihn selbst nicht fühlen, daß er nun eingeh« w das Reich der großen Ruhe, befreit von der Furcht vor dem Morgen., frei von aller Angst. Seine Augen standen weit offen, waren glanzlos und verstört. Der Werkführer bemerkte es und wandte sich wütend nach ihm um. Die Arbeiter in der Werkstatt ahnten nicht, daß der Tod ausgestanden war und einen aus ihrer Mitte geholt hatte. Die Nachbarn lachten, den Alten so in Träumen gefangen zu sehen. Das amüsierte sie so, daß sie zu arbeiten aufhörten. Der Werkführer sah sie deshalb wütend an. Als er in die Nähe des toten Korhn kam, hörte man ihn toben: „He, bist Du hier zum Arbeiten da oder mcht?" Als er aber näher kam, begrift er und hielt die Transmissions- räder der Webstühle an, auf denen die Schiffchen noch weiterliefen. Dann rief er einen allen Arbeiter zur Hilfe heran. Zur gleichen Zeit ging Morin vorbei, den der Werkführer aufhiell. die nächsten Reichstagswahlen werfen jeht schon seltsame Schatten in deutschnatioualen Hosen voraus! „Was ist los?" „Korhn ist eben gestorben." „Sehr traurig, sehr traurig," sagt« Morin,»gerade jetzt, wo ihn der Chef im Lager anstellen wollte. O, es ist bitter." Und fuhr fort, während er schnell davonlief:„Ich will gleich Herrn Motron holen." Jetzt sahen all« nach Korhn.„Ist er tot?", fragten die Arbeiter den vorübergehenden Morin.„Kümmert Euch um Eure Arbeit!", fuhr er sie an. „Er ist tot" wußte einer;„Korhn ist tot." Diese Nachricht lief von einem Webstuhl zum anderen, aber kein Arbeiter wagte, die Arbeit liegen zu lasse» und näherzutreten. Eine unbestimmte Angst legt« sich über sie. Viele dachten mit Trauer an den alten Kameraden. Alle aber dachten: so sieht das Ende aus, das uns erwartet, hier oder im Spital. Motron kam bald.„Es muß sofort einen Arzt gehott werden!" „Korhn ist doch schon tot." „Ja, ich wollte sagen, telephonieren Sie nach einem Kranken. wagen." Morin ging weg. Die Webstühle liefen weiter, doch jeder Gedanke der Menschen, die an ihnen arbeiteten, war bei dem Toten. Ueber der Werkstatt lag schwer und lastend das Schweigen des Todes. Vergeblich blieb das Bemühen, es vergessen zu wollen. Allen Lärm, alle Tätigkeit und alle Vernunft Übertönte..... dieses Schweigen. cBerechtigte Uibersetzunz«ra Ott» Stichst».) Seim Drachen von Komoöo. „Die Suche nach dem fabelhasten„Drachen von Komodo" lautet der Titel eines bemerkenswerten Artikels, den Dr. Douglas Bürden, der Kustos des amerikanischen Museum» für Naturgeschichte, in der Muleumszeitschrift„Natural History" veröffentlicht. Der Verfasser beschreibt darin eine wissenschaftliche Expedition nach Niederländisch- Ostindien, die von dem Museum zu dem Zweck ausgerüstet worden war, um ein« Spur des„Varanus Komodoensis* zu finden, der auf der malaiischen Insel Komodo lebenden, der Familie der Daran« angehörenden Riesenechse. An der Expedition nahmen außer dem genannten Gelehrten und Verfasser des Buches sein« Gattin Mrs. Bürden, Dr. Dunn, eine Autorität auf dem Gebiete der Reptilien- forfchung, und ein Jäger aus Jndochina namens Defosse teil.„Mrs. Bürden, so heißt es in dem Auftatz,„war die erste, die einer der Riesenechsen begegnete. Sie war in Begleitung von Defosse früh- morgens ausgebrochen, um nachzusehen, ob einer der Varane auf der nächtlichen Suche nach Beute bei dem ausgelegten Köder Halt gemacht hatte. Als die beiden an die Stelle kamen, wo die Falle aufgestellt war, sahen sie zu ihrem Mißvergnügen, daß der Köder nur noch zur Hälfte vorhanden und daß das ganze Hinterviertel des als Lockspeise dienenden Tierkadavers verschwunden war. Es war kaum anzu- nehmen, daß ein einziger Varane an dieser Stelle gewesen war, Aber nirgends war ein Tier zu erblicken, und so gingen die beiden daran, den Boden in der Umgebung der Falle nach Spuren abzu- suchen. Während Defosse die eine Seite eines Hügels absuchte, be- mühte sich Mrs. Bürden auf der anderen, eine Fährte zu entdecken. Plötzlich fesselte eine Bewegung im Dschungelgras ihr« Aufmerksam- keit, und nicht viel später erschien auch eines der vorsintflutlichen Ungeheuer im Licht des Tages. Im gleichen Augenblick warf sich Mrs. Bürden ins hohe Gras und blieb bewegungslos liegen.„Als das Ungeheuer näher herankroch", berichtete sie später,„sah ich plötzlich alle meine Erwartungen erfüllt. Leider hatte ich mein Gewehr bei der Falle liegen gelassen. Von Defosse war nichts mehr zu sehen; da, riesig« Reptil km» geradewegs auf mich zu. Sollte ich aufspringen und davonlaufen? Damit hätte ich mit der lhelegenheit beraubt, die größte Echse, die wir je gesehen hatten, aus' nächster Nähe zu be- obachten. Ich hielt es deshalb für ratsam, ruhig liegen zu bleiben, denn ich hoffte, daß Defosse rechtzeitig zurückkommen würde, um auf das Ungeheuer zu schießen Es kam näher und näher heran, während sein scheußlicher Kopf beim Kriechen schwerfällig von einer Seite zur anderen wackelte. Mir schössen alle die abenteuerlichen Geschichten durch den Kopf, die von der Wildheft dieser Tiere zu erzählen wußten, die selbst nicht davor zurückschrecken, Roß und Reiter anzugreifen. Es war übrigens jetzt auch viel zu spät, mein Heil in der Flucht zu suchen. Das Reptil war schon zu nahe; sein scharfer Geruch stieg mir unangenehm in die Nase. Wäre ich jetzt aufgesprungen, so hätte ich mich sicher der Gefahr ausgesetzt, von dem Ungeheuer angegrissen und getötet zu werden. So schloß ich denn die Augen und wartete. Als ich sie wieder öffnete, sah ich Defosse den Hügel hinaufkommen. Im nächsten Augenblick krachte ein Schuß, und ich sah, daß die Kugel das Tier im Nacken getroffen hatte. Blitzschnell warf es sich herum I und suchte die Dschungel zu erreichen. Aber ein zweiter Schuß brachte es glücklich zur Strecke. Als wir unser« Beute maßen, konnten wir feststellen, daß die Echse eine Länge von zehn Fuß hatte und rund zweihundertsünfzig Pfund wog. In ihrem Magen fanden wir das ganze Hinterviertel des als Lockspeise ausgelegten Tieres." „Sooft wir auch unsere Köder auslegten", fährt Douglas Bürden in seinem Bericht fort,„hatten wir stets den Erfolg, zahlreich« Riesen- echsen versammelt zu sehen. Dr. Dunn wählte einen Standplatz, wo er, unbemerkt von den Besuchern des Köders, alltäglich seine Be- obachtungen machen konnte. Sein Notizbuch füllte sich bald mit wert- vollem Beobachtungsmaterial. Bor allem bot sich Gelegenheit, die Lebensgewohnheiten und Ernährungsbedingungen der großen Echsen ausführlich zu studieren. Stundenlang beobachteten wir sie von unseren gesicherten Standplätzen aus, wie sie ihre Beute verzehrten. Di« kleineren Tiere hielten dabei sorgsam Ausschau nach den erwach- senen Genossen, vor denen sie eine große Scheu zu haben schienen. Sooft wir eine solche Neinere Echse blitzschnell verschwinden sahen, wußten wir, daß ein Riesentier im Anzug war. Plötzlich tauchte dann in der Tat hinter einem Baum ein massiger schwarzer Schädel auf mit zwei perlförmig geschnittenen kleinen Augen. Eine Weile lang hielt er sich bewegungslos; nur die Falkenaugen rollten wild und grau- sam in ftarkknöchigen Höhlen, während sie jeden Zoll Boden ängstlich absuchten. Hatte sich dann das Tier versichert, daß keine Gefahr zu befürchten war, so senkte sich der schwere Kops zur Erde und die lange, gelbe, gespaltene und beständig in Bewegung befindliche Zunge bohrte sich in den Köder. Der Anblick des kriechenden Unge- heuers bot das Bild erschreckender Kraft und massiger Wucht. So geschickt und schlank die kleineren Exemplare sind, so plump und schwerfällig sind dieMusgewachsenen Tiere. Haben sie erst einmal eine Länge von sieben Fuß erreicht, so wächst der Körper unförmig in die Breite, die gar kein Verhältnis mehr zur Länge des Tieres hat. Beim Fressen dienen die langen, scharfen Klauen zum Festhalten und Zerren der Beute, während die kleinen, rückwärts gebogenen Zähne mit Hilfe der scharf und sägeartig gespaltenen Kiefer große Stücke Fleisch von dem Kadaver herunterreißen. So groß auch der Fetzen ist, er wird ungekaut heruntergeschlungen. Ich sah einmal, wie ein starker Bursche ein ganzes Rinderviertel mit Hufen, Knochen und Wirbeln mtt«inemmal in seinem Rachen verschwinden ließ. Wird das Tier beim Fressen überrascht, so ist der Eindruck noch scheußlicher, denn in seiner Erregung speit das Ungeheuer alles wieder aus. Ich denke noch mit Schrecken an den Anblick, den mir zum ersten Male eines der Riesenttere in einer Lichtung bot. Der Schauplatz lag am Fuß eines wtldzerklüsteten Felsenberges, dort, wo der Herzog von Mecklenburg drei dieser Tiere geschossen haben soll. Ich sah da ein« Rieseneidechse, die langsam und schwerfällig bergabwärts kroch. Ich suchte sofort Deckung, um mich den Augen des Varanes zu entziehen, die schärfer sind als die irgendeines anderen Tieres. Der Anblick, der mir zuteil wurde, war unvergeßlich. Ein Ungeheuer der Urzeit in einer vorzeft- lichen Umwett. Hatte er sich auf seinen Hinterbeinen erhoben, was, wie ich heute weiß, mühelos geschehen kann, so hätte sich meinen Augen das lebenswahre Bild eines wiedererstandenen Dinosauriers geboten. Beim Näherkommen verschwanden 3 Wildschweine eilig in wei- ter Ferne. Einmal bsteb die Echse längere Zeit stehen und senkte die Nase tief in das Gras, als ob sie eine Maus, eine Ratte oder eine kleine Eidechse witterte, die sie ihrem immer hungrigen Magen als Leckerbissen einzuverleiben wünschte. Das Tier füllte das gesamte Sehfeld meines Feldstechers; für die Feststellung seiner Größe fehlt mir jeder Maßstab des Vergleiches. In meiner Vorstellung schätzte ich seine Länge auf zwanzig oder dreißig Fuß. Das war natürlich über- trieben, denn in Wirklichkeit überfchreftet die Länge des Körpers der Tiere niemals zehn Fuß." Moderne Zieberanfchauungen. Wie so vieles in der Medizin, haben sich auch die Anschauungen der Aerzte über das Fieber in den letzten Jahren völlig gewandelt. Während man es früher für eine unbedingt schlimme, um jeden Preis zu unterdrückende Erscheinung hielt, wird heute, wie in der englischen Zeiftchrist„Xlockerv Science" ausgeführt wird, die erhöhte Wärme als Reaktton des gesunden Zellengewebcs gegen die schädlichen Reize der Mitro-Organismen oder ihrer löslichen Giftstoffe bettachtet, und ihr«ine vorwiegend schützende Tätigkeit zugeschrieben. Die unter- schiedslos« Herabsetzung der Temperatur durch Arznei wird in der modernen Medizin heut nicht annähernd so oft angewendet wie früher. Man nimmt an, daß die Temperaturerhöhung ein Anzeichen genügender Widerstandskraft des lebendigen Protoplasmas gegen die Angriffe der Ansteckungserreger sein dürste, und daß die Wirkung der guten Fiebermittel nicht auf der Temperaturherabsetzung beruht, sondern darauf, daß sie die speziell« Krankheitsursache angreifen. In Pfianzenphysiologi« erfahrene Beobachter konnten sogar nachweisen, daß selbst m Fällen von Parasitenangriften auf Bäume eine Temperaturerhöhung als Gegenwirkung eintritt; daher sprechen Botaniker von„Pflanzenfieber". Natürlich ist nicht anzunehmen, daß Fieber oder sehr heißes Blut in keinem Fall schädlich für den Körper sei. In den letzten Iahren haben gewisse Experimente bewiesen, daß eine Blutwärme, die eine bestimmte Höh« übersteigt, den Zellen des Zentralnerven- systems dauernden Schaden zufügt. Der sogenannte„Softnenstich" ist die Folge einer Schädigung der Gehirnzellen, besonders der dem Bewußtsein zugehörigen, durch zu heiße» Blut. Wenn diese Zellen nur w geringem Grad« beschädigt werden, kann der Kranke sich wieder erholen und nur etwas„nicht richtig im Kopf" bleiben; wenn jedoch die Zellen stark überhitzt werden, wie bei Hitzschlag", ttitt der Tod durch Kollaps ein, ohne daß der Kranke das Bewußtsein wieder erlangt hat. Ein solcher Hitzschlag kann auch in der Sonne nicht zu- gänglichen Räumen eintreten, wie z. B. im Heizraum eines Dampfers im Roten Meer. Andererseits ist die Senkung der Temperatur unter das Normale ebenso verhängnisvoll. Großer Wärmeverlust drückt die Gewebe zusammen, wodurch der Tod erfolgt. Der den Gerichten bekannte„Tod durch Aussetzung" wird durch Wärmeverlust ver- ursacht. Wenn ein unterernährtes, dürftig bekleidetes, vielleicht be- ttunkenes Individuum in einer Frostnacht im Freien einschläft, tritt ein solcher Wärmeverlust ein, daß das Herz und Nervensystem es nicht überstehen können: Der Betreffend« wacht nicht mehr auf.' Man lernt nie aus. In Ostasien gibt es keine Sonntage. » Die beiden wichttgsten Provinzen Sibiriens nehmen«inen Raum von der Größe halb Europa» ein, während die Bevölkerungszahl «cht größer P als die von Hamburg. Die„Neben�- Produkte. Ein unkontrolliertes Gebiet der deutschen Kohlenwirtschaft« Wie wir hören, steht llberrnschenderweise auf der Tagesordnung Kr ZIeick)skohlenratss>tzung com 15. Juni neben der Entscheidung -der die Praunlohlen preise auch der unverändert wieder. autgenoinmene Antrag zur Erhöhung der Steinkohlen- preise. An der Gefährlichkeit dieser Erhöhung hat sich seit dem lü. Mai niätts geändert. Am peinlichsten mllssen die i n d u» striellen Verbraucher von dieser Wendung überrascht fein. Die folgenden Ueberlegungen sollen zeigen, daß alle Diskussionen über Kohlen Preiserhöhungen ohne Einbeziehung der Nebenprodukte. erlöse unfruchtbar bleiben müssen. bekanntlich entziehen sich die Nebenprodukte der Kohlen- ndustne— Teer. Benzol. Ammoniak— der Kontrolle der gemein- wirtschaftlichen Organe. Kommt es zu Kämpfen um den Kohlenpreis oder um den Bergarbeiterlohn, so muß man sich auf die von den Bergbauunternehmern angegebenen Erlöse aus dem Kohlenverkauf beschränken: die Gewinne der von den gleichen Produzenten auf ihren eigenen Zechen betriebenen Kohlen Verarbeitung bleiben trotz gemeinwirtschaftlicher Feststellung des Kokspreises u n b e- rührt und unbekannt. Die Möglichkeit, die Gewinne der gcmeinwirtschaftlichen Kontrolle dadurch zu entziehen, daß sie in die uächstsolgende wirtschaftlich? Stuf« hineingesteckt werden. M bekannt- lich auch in der Braunkohlenindustri« voishanden: dort stellt nicht die Verarbeitung, sondern der konzerncigeiie Handel diejenige Sphäre dar, in der man die Gewinne frei von jeder öffent- lichen Bilanzkontrolle unterbringen kann, während die eigentlich kon- trollierte Sphäre der Produktion von sichtbaren Gewinnen entblößt wird. Anläßlich der gegenwärtigen Kämpfe um den Braunkohlen- wie um den Steinkohlenpreis wird sich die Oeffent- lichkeit mit diesen Geheimsphären besonders ausführlich beschäftigen müssen. Wertanteil und Ausbringung der Nebenprodukte fieigea. Es entfietsn(nach amtlichen Angaben errechnet) auf jede Mark an Wert verkokter Kohle folgende Werte an Nebenprodukten(in Pfennigen): tSIZ 1924 1925 Teer...... 49 54 77 Benzol 60 91 142 Diese Bewegung hat sich im Jahre 1926 in verstärktem Maße fortgeietzt, denn sie hat zwei Ursachen: einmal die Berbcsienmg der technischen Methoden der Kohlenverwertung, zweitens die Steigerung der Preise für Teer und Benzol, und diese beiden Tzndenzen wirkten auch 1926(amtliche Daten liegen noch nicht vor) und wirken noch weiter in verstärktem Maße. Auf die Tonn« verkokter Kohle entfielen in Kilogramm: 191» 1924 1925 Teer...... 25,5 26.» 27,3 Benzol..... 4.4 6,3 6,9 Diese Steigerung des Ausbringens ist dank neuerer, schon vollbrachter oder in Aussicht genommener Modernisierungen der Kokereien noch weiter im Gange. Anwachsen auch der veredelleu Kohlenmengen. Daneben ist anzunehmen, daß auch die absolute Menge der der Veredelung zugefühlten Kohle steigen wird. Denn hierdurch soll das durch Einführung maschineller Förderung, durch Verfeinerung der Aufbereitungsmethoden, durch Erschwerung der allgemeinen Weltmarktlage verschärfte Problem des Anfalls minderwertiger .stehle gelöst werden. Die neuen Lesen sollen nach Angaben des Bergbaulichen Vereins ein Fassungsvermögen, von etwa 17 bis 20. Tonnen trockener Kohle haben, die Stoß- und Verlademafchinen können gegenwärtig bis zu 3090 Tonnen in 24 Stunden bewältigen Nach Pressemeldungen ist der Bau von G r o ß k o k e r e i e n auf den Zechen folgender Großkonzerne des Ruhr- und des Aachener Gebiets geplant oder bereits begonnen: Zech« Konzern der Arcnberg. Monopol. Bruchftraße Andere Zeche» Hannover.... Matthias StiuneS Friedrich-Ernestine Königsborn.., Viktor.... Osterfeld... Dahlbusch..., Rheinstahl.., Aelsenkirrben.. Berein. Stahlw.. Krupp. StinneS Klöckner Gutehoffnungshütte Harpener.... ManneSmannröhren E'chweilerBergw.B. im Bau Balte» rien Velen 89 329 40 40 80 1AS betriebene Oefen 451 97 107 244 122 40 167 179 44 1038 476 od. 1300 •) *) Einschl. der Gewerlschaft Emscher Lippe sowie der ISS m Betried gewesenen Ve en der Nomdachcr Hülle und de« Stumm-Sonzerns. Leider ist UNS die Größe der einzelnen im Bau befindlichen Batterien nicht bekannt, doch dürfte eine mindestens z e h n p r o- pentige Steigerung der Ofenzahl gegenüber 1925 nach der obigen Zusammenstellung wahrscheinlich sein. Gegenüber 1926 — dein Jahr der großen, zum Teil wohl endgültigen Stillegungen— ist die Neubauzahl noch größer. Nach den vorliegenden Meldungen soll es sich bei den meisten Konzernen um Berbundöfen modernster Kon- struktion mit ausgedehnter Nebenproduktengewinnung handeln. Da der Wärmeoerbrauch eines solchen neuzeitlichen Koksofens nur noch 400 Wärmeeinheiten je Kilogramm eingesetzter Trockenkohle beträgt, also elw« nur die Hälfte der zu Beginn des Jahrhunderts üblichen Wärmemenge(beim Neubau von Koksofenbatterien geht man mehr und mehr zur Beheizung mit Schwachgasen über, die aus Hochösen oder Generatoren kommen), so ergibt sich ein g r o ß e r G a» ü b e r- schuh. Die Menge des von den Kokereien verkauften Gases be- trägt jetzt fast y, Milliarde Kubikmeter oder das Dreifache der Bor- kriegszahl. Daraus entsteht das bekannte Ferngasproblem, das uns hier nicht beschäftigen soll. Steigende Erträge. Bedeutsamer ist der heute immer mehr steigend« Ertrag aus der Teer- und Benzolproduktion. Die Entwicklung des Auto» m o b i l i s m u s spielt hier eine wichtig« Rolle, weil Benzol al» unentbehrlicher Edelkraitstofs zur Beimischung an andere Betriebs» stoffe notwendig fft. Die B-nzolvrodultion der Kokereien ist von 176 000 Tonnen im Jahre 1913 aus 243 000 Tonnen im Jahre 1925 gestiegen. Noch schneller erfolgte aber die Steigerung des Preises. Betrug der Durchschnittspreis für 1 Tonne Kokereibenzol(Durch- schnitt aus verschiedenen Sorten) im Jahre 1910 130 M. und 1913 170 M., so stieg er 1924 aus 273 M.. 1925 aus 320 M. Dann kam die ungeheure Preiswelle der Monate des englische» Streiks: aber auch jetzt, nachdem sie abgeflaut ist, hält sich der Bcnzolpreis 1927 mit 335 M. für Motorenbenzol ungefähr auf der Höhe von 1925, also auf einer gegenüber der Vorkriegszeit unerhörten Höhe. Der Preis wird zum Teil durch den mächtigen Benzolverband mani» puliert, obgleich in den Zeiten der Hochkonjunktur auch Außenseiter auf dem Markt auftreten können. Auch Teer steht heute und für die absehbare Zukunft im Zeichen einer Hochkonjunktur. Der Durchschnittspreis für Teer und Teeroerdickungen, der 1911 20 M., 1913 23 M. per Tonne betrug, stieg 1924 aus 37 M., 1925 auf 43 M. Im Herbst 1925 stand der Preis für Kokereiteer auf etwa 40 M., er verdoppelte sich gegen Frühling 1926. Die Verknappung infolge des englischen Streiks führte den Preis auf die unerhörte Höhe von 130 bis 150 M.: aber auch jetzt, lange nach Beendigung des englischen Streiks, gilt der Preis von 100 M. für 1 Tonne Kokereitser für normal. Sehr gute Zukuuftsaussichten. Die Ursache liegt hauptsächlich in der volkswirtschaftlich not- wendigen Erneuerung der Straßendecken. Die große Revolution hat wiederum das Auto gebracht. Straßenbaufachlsut? rechnen damit, daß die Steigerung der Automobilzahl um 100 Proz. die Beschleunigung der Straßenabnutzung um 30 Proz. herbeiführen muß: in den letzten sechs Jahren hat sich aber die Automobilzahl fast vervierfacht! Also niuß von dem bisherigen, waffergebundenen Schotter zu beständigeren, teer- und asphaltgetränkten Straßendecken übergegangen werden. Dies um so mehr, als auch die Reisen- abnutzung, die man in Amerika bei wassergebundenem Schotter mit 14 M. pro 100 Kilometer annimmt, durch die Tcerbehandlung auf 6,50, ja auf 3,50 M. herabgesetzt werden kann. Die angespannte Nachfrage der Gemeinden, Provinzen und Länder nach Teer führt zu Preissteigerungen. Nach den Plänen der Länder Bayern, Sachsen, Baden sollen zwei Drittel bis drei Viertel des gesamten Straßennetzes in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf Teer- behandlung bzw. Asphaltbehandlung umgestellt werden. Diese starke Nachfrage der öffentlichen Hand kann sowohl von der starten, halb monopolistischen Teerverkaufsoereinigung, wie auch von den Außenseiter» voll ausgenutzt werden. Di« früher überschätzte Kon- turrenz des ausländischen Asphalis ist in Wirklichkeit nicht sehr erheblich: einmal infolge der hohen Zölle auf Asphalt bzw. dessen Bor- Produkte(Rohpetroleum), zweitens, da man inzwischen gelernt hat, die Unbeständigkeit des Teers gegenüber klimatischen Einflüssen durch geeignete Behandlung auszuschalten und außerdem Asphalt und Teer in geeigneter Weise zu mischen.— Endlich sei die steigende Bedeutung der"Dachpappe»Verwendung, zum Teil im Zusammenhang mit dem Vordringen des flachen Daches, genannt. Zuversicht für die Stickstoffproduklioa der Zechen. Während auf dem Gebiete der Benzol- und Teerherstellung die Schwerindustrie außer der an sich beschränkten Konkurrenz der Gas- anstalten im Inland? keine Konkurrenten besitzt und vor dem Aus- land durch Zölle geschützt ist, ist sie in den Stickstossprodukten (Ammoniak und seine Z�erbindungen) von der chemischen Industrie weit überholt. Es wird geschätzt, daß die Kokereien und Gasanstalten heute mit rund 70 000 Tonnen ungefähr dieselbe Menge leinen Stickstoff herstellen wie 1914, während die Produktion der I. G. allein 440 000 Tonnen, die Produttion der Bayerischen Stick- stofswerte 90 000 Tonnen reinen Stickstoff, zusammen das Sechzigfache der gesamten Produktion der chemischen Werke der Vorkriegs- zeit beträgt. Dementsprechend war der Preis für Ammoniak- Verbindungen der Kokereien gegenüber der Vorkriegszeit gesunken — aber die Schwerindustrie gibt das Spiel nicht verloren. Die Stick- stosserzeugungsanlagen, von denen die der Zeche Mont-Cenis (Röch'ling-Knnzern), der Hibernia, der Klöckner-Werk« bekannt ge- worden sind, bedeuten die Ausnahme des Kampfes. Der neue Bericht des Bergbaulichen Vereins betont, daß man auf den Zechenkokereien von der früheren Methode der Gewinnung schwesel- sauren Ammoniaks entschieden zur Herstellung synthetischen Ammoniaks übergehen muß.„Im vorliegenden Falle"— schreibt der Bergbauliche Berein—„ist also zum erstenmal eine sehr billige Wasserstoffquelle, das Koksofengas, zur Durchführung eines der wichtigsten chemischen Verfahren benutzt worden. Damit ist unserem Steinkohlenbergbau ein Weg gewiesen, den verloren- gegangenen Vorsprung in der Chemie wieder ein- *'"■' pi den Erzeugnissen des chemischen — Ar'— nngcn, der Bergbauindustrie kiest man, daß die Stickstofferzeugung stand- ortsmähig in der Nähe der Zechen liegen müßte, da ja die Kohle bzw. der Wasserstoff, der aus Kokereigas oder aus Wassergas ge- wonnen werden kann, den wichtigsten Ausgangsstoff bildet. Die lleberproduktion wird Hauptproduktion. Nach einer Berechnung des„Glückauf" hat sich der Wert» a n t e i l der Kokereknebenprodukte an dem Gesamtwert der deut- schen Steinkohlengewinnung wie folgt verändert: Teer..... Benzol.... Schw.»Ammoniak Leuchtgas... Sieht man also Ammoniak) als dem 1913 Mill. M. Proz. 27.1 32,1 116,1 3.8 1924 Mill. M. Proz. 31.1 1,4 52,7 2.3 62.4 2.7 9.6 0.4 von 1925 Mill. M. Proz. 42,9 2,0 78,8 3.6 77,8 3.5 11,8 0,5 (schwefelsaurer 1,1 1,3 4,8 0,2 der Stickstofferzeugung in Umwälzung begriffenen Zweig der Neben Produktenerzeugung ab, so ergibt sich eine Steigerung des Wertanteils von 2.6 Proz. auf 6,1 Proz. oder mehr als eine Verdoppelung der relativen Bedeutung der Neben- Produkte. Der Ausspruch, den wir vor kurzem in der„Deutschm Bergwerkszeitung" gelesen haben, wonach die früheren„Nebe n- Produktenanlagen" heute„Hauptprodukten- anlagen" sind, bewahrheitet sich also immer mehr. Er könnie sich vielleicht als absolut wahr erweisen, wenn man imstande wäre, den Anteil der Nebenproduktenanlagen nicht am Wert, sondern am Profit der Montanindustrie sestzustellen. Es ist vorauszusehen, daß jede Forderung, dieses wichtigste Ge- biet der Montanwirtschaft der öffentlichen Kontrolle zu unterwerfen, auf erbitterten Widerstand und auf den Einwand stoßen würde, die technische Entwicklung sei durch bureau- kratische Fesseln bedroht. Die Vertreter der Arbeiterschaft und der Gesamtwirtschaft haben selbstverständlich kein Interesse daran, die technische Entwicklung zu hindern. Wenn aber die gesetzliche Kon- trolle der wirklichen Erlöse des Bergbaues dadurch illusorisch gemacht wird, daß die Gewinne in die nächstfolgende, aber den gleichen Konzernen gehörende und sich auf den Bergbau unmittelbar aufbauende Produktionsstufe umgebucht werden, so muß man sich dagegen im Gesamtintereffe wehren. Die Oefsentlichkcit wird daher wünschen, daß, wenn der Reichstohlenrat seine längst überHollen Selbstkostenberechnungen der Montanindustrie revidiert — und diese Revision ist schon anläßlich der letzten Kohlenpreis- debatte allseitig und dringend gefordert worden— ihm wahrheits- getreue, paritätisch nachgeprüfte Angaben über Nebenprodukten- gewinne zur Verfügung gestellt werden. Sonst fehlt jeder Kohlen- preisdiskussion ein entscheidender Faktor. I. M a r s ch a k. Iz V H U 11 VJ C l« t 11-u U l I p 4. 14»I y l»« 47«.«. V I.« V bU I.«» V«. V' zuholen und diese von neuem zu den Erzeugniffen des chem Rohstoffs Kohle zurückzuführen." In anderen offiziösen Aeußerv Neue Umsatzsteigerung in öer KGS. Ein jährlicher Vierzig-Milliosen-Umsatz zu erwarten. Im Monat Mai gelangten in der Konsum-Genossenschaft Berlin 1527 Mitglieder zur Aufnahme: die Zahl der Neuaus- nahmen im laufenden Geschäftsjahr hat sich dadurch aus 18 807 und der Mitgliederbestand auf 151 940 erhöht.— Der Gesamtumsatz im Mai betrug 3 476 608,37, was einer Steigerung von 703 603,67 Mk.— 25,3 Proz. gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres entspricht. Es ist nach diesem Ergebnis nunmehr mit Sicherheit damit zu rechnen, daß das am 30. Juni abschließende 28. Geschäftsjahr der Genossenschaft das angestrebte Ziel des Vierzig- Millionen-Umsatzes nicht nur erreicht, sondern überschreiten wird, Bemerkenswert ist, daß die konsumgenossenschastlichen Warenhäuser ihren Umsatz um 55,7 Proz. zu erhöhen ver» mochten.— In der genossenschaftlichen Sparkasse über» stiegen die Einnahmen um 440 164 Mk. die Auszahlungen: der Ein» lagenbestond erfuhr dadurch«ine Erhöhung auf IS'A Millionen Mk., das ist mehr als das Dreifache des Borkriegsstandes. Am Freitag, dem 10 Juni, verstarb nach schwerem Krankenlager unsere Kollegin. Frau Elise Bacbmairn Ger Verstorbenen, die auch varllber» gebend Betrieb»ratsmitglied war. werden w.t stei« ein ehren de» An. denken bewahren. Die Einöscherung findet am Mitt- wach dem 15. Juni, nachmittag» 5V, Uhr, im Krematorium Gericht- strahl statt. VI« liolleginnen unö Kollegeu öer Vorwärts-Filiale Wilhelmtbavener Str. 48. Am Fieitag, dem 10 Juni, verstarb nach schwerem Krankenlager unlere langlilhrige Miiarbeiierin. die Au». triigerin unserer Filiale Wilhelms- havener Str. 48. Frau Elise Bactamaim Der Verstorbenen, die in 10 jähriger Tätmieit stets vorbildlich ihreArdeiien «riedlgle. werden wir ein ehrende» Andenken bewahren. Bvcwärti-Filiale Wllhelmshaoener Str. 48 Einäscherung, Mittwoch, d. IS. Juni, nachm.»V, Uhr, Kremator. S-richtstr. (Serlin-tiamdg.-Sahn). Bad----------- Erfolgreichstes _■«r gegen Gicht, Rheuma, Ischias und Frauenleiden. Erfolg tausendfach beEröffnung 1. Mal 1927. Kurzeit rlg. Prospekte durch die Bade- verw'altung und diverser Reisehureaus. stätigt ganzjährig. fnfttolc im vorwärts sichern Erfolg! Wer probt, der lobil Vonüeliche Natur- Sutter 1.50 und I�> pro Pfund. 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