fibenöausgabe Nr. 277 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 136 vezugsbedlngungen imb Anz«iMnpr«If, finb in der Morgenausgabe angegeben Rebadioii: SW. SS. Cinbenftrofje 3 Fernsprecher: DSahoss 2S2- 292 rel.-Adresse: Sozialdemokro» verlin ZZerlinev Volksbl�kk �10 pksnnig) Dienstag 14. Juni 1427 Verlag und Anzeigenabiellun», «eschiiltszeil gib bis s Uhr Verleger: vorwürls-verlag Dmbh. Verlin S2v. SS, Llndenslrosz« S Fernsprecher, vSnhojs 292— 292 ZcntruXorg&n der Sozialdcmokratifcben partd Dcutfcblands Deutsthlanö kommt Litauen entgegen. Keine Durchführung der Beschwerde, nur eine Erklärung Woldemaras. W. S. Genf, 14. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In der um �412 Uhr begonnenen vertraulichen Ratssitzung wurde in S Minuten entschieden, daß man er st morgen entscheiden will, ob die M e m e l f r a g e auf die Tagesordnung gesetzt wird. Diese Der- tagung um 24 Stunden bedeutet, daß noch Verhandlungen im Gange sind zwischen Deutschland und Litauen, um, wie es heißt, zu einer direkten Verständigung zu kommen. Der litauische Ministerpräsident Woldemaras hat in der vertraulichen Rats- sttzung erklärt, daß er seinen Widerstand dagegen aufgibt, daß die Memelfrage im Völkerbundsrat überhaupt behandelt wird. Er regt aber an, ihm die Peinlichkeit einer ausführlichen Ratserörterung dessen, was seine Regierung im Memellande wider- rechtlich und willkürlich gemn hat, zu ersparen. Es sieht danach aus, als ob ihm das gelingen wird. Er wird die Vermeidung einer materiellen Ratsuntersuchung der Memelbeschwerde als einen diplomatischen Erfolg in seine Heimat zurücknehmen. Hingegen läßt die Haltung der deutschen auswärtigen Politik Stetigkeit vermissen. Erst hatte in Berlin eine im Ressortsinne zu- ständige Stelle pathetisch erklärt, das deutsch-litouische Verhält- nis müsse von der Memelfrage entgiftet werden. Deshalb bringe Deutschland die Sache der Mcmelländer vor den Rat. Deutschland vertraute dieser vertragsmäßig vorgesehenen Körper- schast also die Entscheidung über die Anklage der Memeler Deutschen gegen das Willkürregiment der litauischen Diktatur an. Jetzt aber ist diese politische Linie völlig verlassen worden. Die deutsche Delegation verzichtet hier darauf, auf eine Ratsentscheidung in der Angelegenheit zu dringen. Sie will sich mit einer hinter den Kulissen abgemachten Erklärung Litauens be- xnügen, die dann vor dem Rat abgegeben werden soll. Die Durchführung der Memeler Klage, die man einmal vor dem Rat erhoben hat, soll also unterbleiben. Es mag zutreffen, daß dieses Entgegenkommen gegenüber dem litauischen Diktator der bequemere Weg ist und weniger Energie erfordert als das feste Beharren auf einer einmal begonnenen wohlüberlegten Politik. Dieses Zurückweichen vor den Wünschen Litauens mag jedoch Strese- mann vor seinen deutschnationalen Koalitionsfreunden als„neue internationale Sachlichkeit" rechtfertigen. Vom Völkerbundsgesichts. punkt läuft diese Verzichtspolitik darauf hinaus, daß dem Bunde eine Aufgabe entzogen wird, die er befugt ist und wohl imstande wäre zu lösen. Dabei hätte Deutschland eine Mehr- heit des Rates auf seiner Seite. Die kleineren und mittleren Staaten wären durchaus nicht ungern mitgegangen und Berlin hätte dazu noch Warschau einen kostenlosen Gefallen er- wiesen, wenn Kowno im Rate tüchtig gestäupt würde. Diese wohl unbewußte Sabotage des Völkerbunds durch Deutschland, die nur zu sehr dem hier üblichen Verhalten der Großmächte entspricht, mindert die Autorität des Bundes. Es wäre eine nützliche Warnung an alle Brecher und Beuger international ver- bürgter Volksrechte, eine Warnung an all« großen und kleinen Diktatoren für die Zukunft, wenn der Völterbundsrat sich mit brutaler Gründlichkeit Litauen wegen der Unterdrückung der beut- schen Memeler vorgenommen hätte. Der litauische Ministerpräsident Woldemaras setzte heute seine Verhandlungen mit dem deutschen Ministerialdirektor Dr. G a u h fort. In der der vertraulichen Sitzung vorhergehenden 20 Minuten dauernden öffentlichen Sitzung wurden nur verwaltungsmäßige Dinge erledigt. Costarica und Aegypten wurden zu der nächsten internationalen Verkehrskonserenz«ingeladen und auch der Sudan auf englischen Vorschlag aufeefordert, eine Vertretung zu entsenden. Das kennzeichnet das englische Bestreben, den Sudan von Aegypten völlig zu lösen. Aus dem Bericht über den Stand der Konvention gegen die S ilaverei ergibt sich, daß sie bisher 37 Staaten unterzeichnet haben. Nur zwei sind im letzten Jahre der Konvention beigetreten: Indien und— wieder auf englisches Betreiben— die Regierung des Sudan. Stresemann berichtete auf englisch über die am 14. November dieses Jahres angesetzte Staatenkonferenz über die Abschaffung der Ein. und Ausfuhrbeschränkungen. Die Internationale Handelskammer wurde eingeladen, eine Vertretung mit beratender Stimme zu delegieren. Was Srianö Stresemann gesagt haben soll. Paris, 14. 3uni.(Eigener Drahkbericht.) Nach den Ergebnissen des ersten Derhandlungslages in Genf zeigt die Pariser Presse am Dienstag, im Gegensah zu der vom Montag, eine freundlichere Stimmung. Der„Matin" erklärt, daß die Resultate von Genf nicht mehr als so absolut entmutigend an- zusehen seien und der„Petit Parisien" glaubt sogar, schon eher optimistisch sein zu dürfen. Die Pariser Presse läßt weiter er- kennen, daß das einzige Resultat bisher nur das eine gewesen sei, daß alle Parteien unverändert starten Willen zur Versöhnung und Aortsehung der Locarnopolitik gezeigt hätten. Aller- dings fei es in der Aussprache zwischen Vriand und Stresemann zu sehr lebhasten Auseinandersetzungen gekommen. Stresemann habe sich bitter betlagt, daß die in Locarno versprochenen Rückwirkungen ausgeblieben seien. R r i a n d habe geantwortet, daß Deutschland zahlreiche politische und psychologische Dehler begangen habe, die das Miß- trauen zwischen beiden Völkern wachgehalten und die Durchführung einer Politik der Zugeständnisse unmöglich gemacht habe. Uns- besondere sei die Anwesenheit von drei deulschnalionalen Ministern im Reichskabinett, die als unbedingte Gegner der Locarnopolitik anzusprechen seien, die s ch w e r st e V e l a st u n g für eine Fortsetzung der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. MittwochStanögericht gegen Koweröa Polnische Antwort erst nach dem Urteil. Warschau. 14. Zunl.(WTV.) Die Verhandlung gegen den Mörder des russischen Gesandten Wojkoss, Boriskowerda. vor dem Standgericht ist aus morgen 10 Uhr vormittags angesetzt worden. Die polnische Antwort auf die zweite Note der Sowjets wird noch im Laufe dieser Woche erteilt werden. Es ist nicht unmöglich, daß man vorher noch das Urteil des Standgerichts über den Mörder Wojkoffs, Boris Kowerda, abwartet. Wahr- scheinlich wird die polnische Regierung in ihrer Antwort den in der ersten polnischen Note eingenommenen Standpunkt neuerlich unterstreichen. Die polnisch« Presse drückt mehrfach die Ueber- zeugung aus, daß die polnische Regierung die zu weit gehenden russischen Forderungen, die in der russischen Note unter Punkt 2 und 3 enthalten sind, nicht erfüllen werde. Tie polnische Presse zur Sowjetnote. Der sozialdemokratische„R o b o t n i k" verurteilt entschieden die zweite Sowjetnote, weil sie geeignet sei, die bestehenden Schwierig- leiten zu vermehren. Die Verantwortung für die Verschärfung der Lage falle jetzt, so sagt das Blatt, aus Moskau, das ein leicht- sinniges Spiel mit der Sache des internationalen Friedens treibe.— Die chriftlich-demokratifche„Rzeczpospolita" meint, daß die roten Henker des Kreml im B l u t r a u s ch den Kopf verloren hätten. Das Blatt hält die in Punkt 2 und 3 der russischen Note gestellten Forderungen für so u n v e r s ch ä m t, daß man der Note überhaupt keine besondere Beachtung schenken dürfte. Den Bolschewisten impo- niere nur die Knute und die Politik der brutalen Kraft. Nufsenenthaftungen, neue Verhaftungen in Wolhynien- Warschau, 13. Juni.(TU.) Im Laufe des heutigen Tages sind alle Russen aus Warschau und Wilna, die sich noch in Haft befandell, auf freien Fuß gesetzt worden. Dagegen sind mehrere Verhaftungen in W o l h yn i e n vorgenommen worden, allein in Rowno, Luck und Kowel sind etwa 30 Personen oerhastet worden. Elf Todesurteile in Gdessa. Moskau. 14. 3unL(Meldung der Telegraphenagenkur der Sowjetunion.) Eine außerordentliche Session des Odessaer Gerichtshofes hat IS Angeklagte wegen Spionage zugunsten Rumäniens ver- urteilt. Elf wurden zum Tode verurteilt, drei erhielten zehn 3ahre Gefängnis, zwei wurden freigesprochen. Außer der Lieferung geheimer 3nformalionen an den rumänischen Nachrichten- dienst beschäftigten sich die Angeklagten mit der illegalen Transportierung von nach Rumänien aus dem Gebiet der Sowjetunion geflüchteter und von den Sowjelbehörden gesuchler Personen. Der größte Teil der Angeklagten hat seine Schuld ein- g e st a n d e n. Reichstag unö Außenpolitik. Sozialdemokratische Interpellation. Angesichts der wenig befriedigenden Entwicklung der deutschen Außenpolitik und der vielfachen i n t e r- nationalen Verwicklungen wird es zu den wichtig- ften Aufgaben des Reichstags gehören, sich über den außen- politischen Kurs der Reichsregierung Klarheit zu verschaffen. Im Augenblick stehen die Entscheidungen des Völkerbundes noch aus und befindet sich der verantwortliche Leiter der deutschen Außenpolitik noch in Genf. Sobald jedoch die Genfer Beratungen geschlossen sind, was bekanntlich schon Ende dieser Woche der Fall sein soll, wird die sozialdemo- kratische Reichstagsfraktion eine Interpellation über die auswärtige Politik einbringen. Das geprellte öerlin. Im Wohnungsbauprogramm benachteiligt. Wo ist die Wohnungsnot am größten?— Der einfältige Bürger glaubt in den StoWen und in den Industriegebieten�. 1 Er meint, wo die meisten Menschen leben und arbeiten, muß auch der stärkste Wohnungsbedarf sein. Es gibt jedoch Leute, die hierüber ganz anders denken, und seltsamerweise scheinen namentlich manche hochgestellte Personen das gerade Gegenteil für richtig zu halten. Zu ihnen gehört offenbar der preußische M i n i st e r für V o l k s w o h l f a h r t, der erst kürzlich wieder im Landtag die Anschauung vertreten hat, daß der Wohnungsmangel auf dem Lande mindestens ebenso groß sei wie in Berlin. Daß es sich dabei nicht um unbedachte Gelegenheitsäußerungen gehandelt hat, sondern um den Aus- druck einer feststehenden Ueberzeugung, ist den Berlinern mit schmerzlicher Deutlichkeit bewiesen durch die Art, wie seit Jahr und Tag der staatliche Wohnungsfürsorge- f o n d s verteilt wird. Nach gesetzlicher Vorschrift fließen in diesen Ausgleichs- fonds des Herrn Wohlfahrtsministcrs drei Zehntel des ge- samten für den Wohnungsbau bestimmten Teils der Haus- zinssteuer. In den letzten Iahren waren es regelmäßig etwa 130 Millionen Mark, die diesem Fonds zu- geflossen sind, und von dieser gewaltigen Summe hat die Reichshauptstadt so gut wie nichts bekommen. Im Jahre 1926 ganze 800 000 M. und diese mit der Auflage, daß dafür Wohnungen für Staatsbeamte errichtet werden. Aber diese stiefmütterliche Behandlung Berlins ist nur eine besonders krasse Auswirkung einer grundsätzlich städtefeindlichen Politik. Herr Hirtsiefer möchte der fortschreitenden Ab- Wanderung ländlicher Volksteile in die Stadt Einhalt tun, und diesen gewiß sehr löblichen Vorsatz glaubt er auf die Weis« ausführen zu können, daß er mit Hilfe der in deiz Städten aufgebrachten Steuergell>er Wohnungen auf dem Lande baut. Als ob man die Landbevölkerung dadurch an die Scholle binden könnte, daß man den überzähligen Bauern- und Kätnerskindern schöne Wohnhäuser erpichtet! Leider wird diese Politik von weiten Kreisen gebilligt, ja sogar gefordert. Gerade eben hat der„Verband der preußischen Provinzen", d. i. eine Vereinigung der Landes- direktoren, dem Minister eine Entschließung übersandt, in der verlangt wird, daß noch mehr als bisher bei der Ver- teilung der Hauszinssteuermittel der ländliche Wohnungs- bedarf bevorzugt wird. Bei der Neuregelung, heißt es da, soll in erster Linie ,cher Gesichtspunkt der wirtschastlich rich- tigen Verteilung der Bevölkerung" maßgebend fein. Was das bedeutet, sagt der nächste Satz:„Ein Anwachsen der Großstädte ist nach Möglichkeit zu vermeiden." Also wieder die falsche Ueberlegung, daß man durch Wohnungsbau die Verteilung der Bevölkerung regeln könnte, wäh- rend doch jeder volkswirtschaftlich Geschulte— und zu ihnen möchten wir einstweilen auch die Landesdirektoren rechnen — wissen muß, daß dies höchstens auf die kleine Gruppe der Rentner und der reichen Nichtswer zutrifft. Das arbeitende Volk, also die Masse, auf die es hier allein ankommt, muß dort wohnen, wo sich Räder drehen und Hämmer schlagen, wo Erz, Kohle, Kali gefördert werden, mit einem Wort, wo die neudeutsche Industriewirffchaft dem wachsenden Volk Arbeitsgelegenheit und Brot gibt. Seit mindestens sechs Jahrzehnten beträgt die Einwohnerzahl der ländlichen Gemeinden(d. i. der Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern) unverändert 26 Millionen, und der ganze große Bevölkerungszuwachs dieser Zeit ist ausschließsich den Städten zugeflossen, deren Bewohnerzahl sich infolgedessen seit 1870 von 14 Millionen auf 40 Millionen vermehrt hat. Warum? Weshalb ziehen unaufhörlich neue Menschen in die Städte, in denen sie nach Ansicht der Herren Landesdirektoren doch nur schlimmste Verelendung und politische Radikalisierung erwartet? Weil die ländlichen Gebiete für die wachsende Volkszahl keine Verwendung haben und diese daher an Handel und Gewerbe, Bergbau und Industrie ab- geben müssen, die nun einmal ihren Sitz fast ausschließlich in oder bei den Städten haben. Und da kommen nun im Jahr» 1927 die repräsentativen Vertreter der provinziellen Selbstverwaltung mit der grandiosen Entdeckung, daß die Hauszinssteuer an der zunehmenden Stadtbildung schuld sei. „Die bisherige Verteilung der für die Förderung der Neul'au- tätigkeit bestimmten Steucrmittel begünstigt das weitere An- wachsen der Großstädte in einem vom wirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Standpunkt nicht gerechtfertigten Umfang" Man möchte lachen über solche Weisheit, wenn die Sache nicht so bitter ernst wäre Es ist nämlich leider damit zu rechnen, daß diese abwegigen Anschauungen bei zahlreichen Mitgliedern des Preußischen Landtages ein williges Echo finden. In Berlin sind zurzeit etwa 90 000Familienohne eigene Wohnung! Kann ein vernünftiger Mensch glauben, daß bei dieser Sachlage jemand nach Berlin zieht, in der Erwartung, hier die Wohnung zu finden, die er in Pose- muckel oder Zitzewitz vergeblich gesucht hat. Wenn trotzdem im vergangenen Jahre fast doppelt soviel Familien nach Berlin gezogen, als neue Wohnungen mit Hilfe der Hauszinssteuer und mit städtischen Zuschüssen erbaut werden konnten, so beweist das wohl zur Genüge, daß es andere Kräfte sein müssen, die den unaufhörlichen Zustrom in die Großstadt— nicht nur nach Berlin— bewirken. Zweifellos ffibt es auch auf dem flachen Lande fchlechke Wohnverhältnisse, besonders in den ostelbischen Bezirken, wo der Großgrundbesitz vorherrscht und die Entwicklung gesunder Wohnsie diungvn, sowie leistungsfähiger Bauerndörfer ver- hindert. Aber die arbeitende Bevölkerung der Stadtgemeinden bedankt sich für die Ehre, die K o st e n für die Sanierung der Mohnungsmißstände in den Landgemeinden zu bestreiten. Sie hat an ihrem eigenen Wohnungselend schwer genug zu tragen und verlangt mit gutem Recht, daß die von ihr aufgebrachten Mittel in erster Linie dort verbaut werden, wo sie aufgebracht werden. Gewiß mich daneben die Möglichkeit eines Ausgleichs geschaffen werden, weil ja das ört- liche Steueraufkommen nicht überall der Größe des örtlichen Wohnungsmangels entspricht. Aber dieser Ausgleich kann natürlich nur stattfinden, zwischen den Kreisen, die an der Steueraufbringung beteiligt sind— die Landwirtschast ist bekanntlich von der Hauszinssteuer frei!— und als Ausgleichsgrundlage kann nicht irgendeine bevölkerungspolitische Wunschtheorie dienen, sondern nur das Maß der wirklichen Not, der tatsächliche Wohnungsbedarf, gemessen an der Fehlsumme zwischen der Zahl der Haushaltungen und den vorhandenen Wohnungen, vermehrt un« einen Betrag, der dem regelmäßigen Bevölkerungszuwachs entspricht. Es ist freilich wahr, daß es bisher an zuverlässigen zahlenmäßigen Feststellungen über den Wohmingsmangel gefehlt hat. Diese Lücke dürste jedoch demnächst durch die im Mai vorgenom- mene Wohnungs- und Haushalts zählung be- � seitigt werden, und bis dahin, d. h. bis die Ergebnisse oieser Erhebung vorliegen, sollte man mindestens darauf verzichten, durch tendenziöse Stimmungsmache Maßnohmen zu begün- stigen, die sich letzten Endes als weitere Verschärfung des an sich schon schwer erträglichen Wohnungselends der schwer arbeitenden Stadtbevölkerung auswirken müßten. In jedem Stadtteil wird eine Gruppe von acht bis zehn Genossen, die zuverlässig sind und für mehrere Wochen bereit sind, keine Mühe zu scheuen, zusammengestellt. Die Betreffenden passen bei den Filialen des„Hamburger Echo" die Zeit der Verteilung ab und versuchen in möglich st unaussälliger Weise und ge- schickter Art mit bestimmten Austrägern der Zeitung in Wer- bindung zu kommen. Sie begleiten dieselben und im Gespräch erklären sie ihnen, daß sie dabei sind. Adressen der.,Echo"-Leser zu sammeln, um für die„Produktion" Mitglieder zu werben.(Selbst- verständlich kann man diese Angaben auch ändern.) In dem Stadt- teil, wo die ersten Schritte auf diesem Gebiete unternommen worden sind, wurde in dieser Weise verfahren. Man bittet den betreffenden Austräger zur Feststellung der Adressen ihn begleiten zu dürfen. Dabei ist nicht empfehlenswert, bis in die Häuser mit hineinzugehen. Am besten ist es, wenn man sich die Namen der Leser nennen läßt. Bei einiger Zuvorkommenheit wird sich der Austräger zu dieser Gefälligkeit bewegen lassen, besonders dann, wenn er davon überzeugt ist, einen Funktionär der „Produktion" vor sich zu hoben. Bewährt hat es sich, für diese Arbeit Frauen zu verwenden, da die Austräger meistens Frauen und Kinder sind und Frauen ihnen gegenüber schneller Ver- trauen gewinnen. Die gesammelten Adressen werden straßenweise auf den beiliegenden Listen zusammengestellt und gut aufbewahrt. Von Zeit zu Zeit werdet ihr von uns Materialien erhalten, die an diese Adressen geschickt werden. Unabhängig von dieser Adressen- sammlung geht selbstverständlich die Sammlung von Adressen der SPD.-Arbeiter weiter, für die selbstverständlich andere Methoden in Frage kommen. Also unter der Maske eines Genossen- schaftsfunktionärs sollsn sich die Moskowiter an An- gestellte einer anderen politischen Partei heranschleichen und sie zu Pflichtwidrigkeiten zu verleiten suchen. Die„Konsum- genossenschaftliche Rundschau" nennt das„ein hundserbärm- liches Verfahren, das st r a f r e ch t l i ch unter den Begriff der Vorspiegelung falscher Tatsachen fällt". Wahrscheinlich werden die Kommunisten nach der Hamburger Hochstaplermethode auch anderwärts zu arbeiten versuchen. Darum Augen auf! Konflikt mit üem Reichsgericht. Rechtsanwalt Levi legt die Verteidigung im Fall Stickelmann nieder. Leipzig, Ii. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Vor dem 5. Straf- senat des Reichsgerichts begann am Montag ein Landes- verratsprozeß gegen den früheren Mechaniker Hermann Stickelmann aus Frankfurt a. M. Stickelmann war im Jahre 1918 Führer einer Marinebrigade in Frankfurt a. M. Er soll zu jener Zeit auch mit französischen Verbindungs- offizieren in engster Verbindung, gestanden haben. Diese Be- Ziehungen soll Stickelmann ausgenützt haben und in der Nacht zum 19. Juni 1919 drei junge Leute aus dem Reichsland, die vertrauliche Nachrichten von einer Berliner Dienststelle erhalten hatten, in einem französischen Kraftwagen be, Goldstein über die Okkupationsgrenze befördert und den Franzosen ausgeliefert haben. Diefe drei jungen Menschen sind inzwischen in Nancy zu längeren Freiheit?- strafen verurteilt worden. Erst auf Grund einer von Professor Dr. Sinzheimer erwirtten Intervention der Rcichsregierung wurden sie nach einem halben Jahre auf freien Fuß gesetzt. Stickelmann will damit nicht das geringste zu tun gelzabt haben, er soll selbst empört gewesen sein, daß die drei jungen Leute den Franzosen ausgeliefert worden waren. Rechtsanwalt Paul Leo, als Verteidiger erneuerte seinen Antrag, die in Frage kommenden französischen Ofsiziere als Zeugen zu laden. Das Geriet lehnte diesen Beweisantrag jedoch ab. hierauf legte Rechtsanwalt Levi die Verteidi- gung nieder. Er begründete das damit, daß er schon im Vor- verfahren in der Ausübung seines Verteidigeramtes behindert wor. den sei. Er Hab« nur in Gegenwart des Untersuchungsrichters mit Stickelmann sprechen können. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag vertagt. von dem ich nicht weiß, ob er grau oder selig ist, mit einem Sinn, den ich namenlos nenne, trete ich nach einmal durch eine enge, unendlich«, ewige Pforte aus dem Dunkeln ins Licht. Ist eine porträt-Karikatur strafbar! Das Amtsgericht Meißen hat vor einigen Tagen ein Urteil gefällt, das, falls eine verständige Revisionsinstanz es nich: zu allen Teufeln schickt, dem karikaturistischen Schassen eine Grenze setzt, die das Ende aller Karikatur überhaupt bedeutet. Die„V o l k s z c i t u n o, für Meißen" hatte vier karikatu- ristische Porträts führender" Persönlichkeiten des Meißener Gstadt- Parlaments gebracht, karikaturistische Porträts wohlgemerkt, wie solche zu Hunderten täglich in deutschen Blättern zu sehen sind, keine Situationskarikaturen etwa, die durch irgendeinen diabolischen Ge- danken politisch-opposltioneller Färbung die Möglichkeit eines judi- katorischen Rachestrahls herauslocken könnten. Man sah vier lustige Köpfe, nett und witzig gezeichnet, mit einem spaßhaften und im übrigen völlig harmlosen Text versehen. Die vier Meißener Lokal- großen, die in den vier Köpfen dargestellt waren, fühlten sich be- leidigt, klagten, und das Amtsgericht Meißen verurteilte den Ver- antwortlichen der genannten Zeitung zu S9 M. Geldstrafe. Alldieweil ein karikaturistisches Porträt, über das man schmunzle, eine Herabwürdigung der Person des Dargestellten sei! Daß in dieser gottvollen Begründung nebenbei erklärt wurde, der kari- kierte Herr Bürgermeister sei so korpulent dargestellt worden, daß er„den Eindruck eines arroganten, sehr wohlbc- leibten P f a r r e r s" Inache, ist ein Detail von äußerstem Reiz: uns soll nicht wundern, wenn jetzt sämtliche wohlbeleibten Pfarrer Deutschlands den Meißener Amtsrichter wegen Herabwürdigung ihrer Person verklagen! Dies geschah zu Meißen, wo just in diesen Tagen der dortige rührige Kunstoerein eine Karikaturenausstellung — für Deutschland eine Seltenheit!— eröffnet hat. Was nun? Sollen die munteren Karikaturisten fortan künst- lerifche Sckzönhcitsmasfaae betreiben? Herrn Stresemann unter den Punktroller nehmen? Herrn hergt die, ach, so zahlreichen Sorgen- falten aus der Stirn streichen? Herrn Marx Riesenformat beilegen? Dem Hitler-Adolf das national-bayerifche Seehundsbartgeficht ver- leihen? Aber dann klagm die womöglich wieder wegen Verbrei- tung wissentlich falscher Behauptungen, und der Amisrichtcr von Meißen hat eine neue handhabe wider die bösen Karikaturisten, so ihm ein Dorn im Auge. Doch Spaß beiseite: das Meißener Urteil ist unhaltbar. Iu- ristisch unmöglich, tastet es die Grundrechte der Presse in einer Weise an, die nur allzu leicht Schule machen kann. Bleibt es bestehen, Ist so gut wie jede Karikatur fortan eine strafbare Handlung. Das Ist schlimm. Die Karikaturisten werden sich scheuen, wirtlich charaklc- ristische Porträtkaritaturen zu entwerfe». Das ist noch schlimmer. Das Schlimmst« aber ist, daß das Urteil von Meißen wieder einmal bewies, wie entsetzlich humorlos das amtliche Deutschland ist. _ Friedrich Wendel. Moskau entzieht Schaljapln die Staatsangehörigkeit.' Wie aus Moskau gemeldet wird, ist der tciübmte Sänger Schallavin arnicfilich wegen finanzieller Unlrrstützuna russischer Emigranten der sowjetrujsischen Staats- angchörigkeit sür verlusilg erllärt worden. Ver nationale Stock flegt. Weil die Radikalen nicht für die Kommunisten stimmen wollten. Paris, 14. Juni.(Eigener Drahtbcricht.) Die Nachwahl zur Kammer in Departement A u b e hat am Sonntag in der Stich- wähl mit dem Sieg des Kandidaten des nationalen Blocks geendet, während der kommunistische Kandidat, der beim ersten Wahlgang die Spitze erreichte, mit 3900 Stimmen in der Minderheit blieb. Der Sieg des nationalen Blocks ist darauf zurückzuführen, daß der frühere Kabinettschef herriots, Israel, der Führer des radikalen Aerbandes des Departements Aube erklärte, er werde lieber für den nationalen Block als für die Kommunisten stimmen, und in der Tat hat auch, die übergroße Mehrzahl der Radikalen dieses Beispiel Israels nachgeahmt. Nur etwa 1999 radikale Stimmen sielen zu- sammcn mit den sozialistischen Stimmen auf den Kommu- nisten, der insgesamt 25 999 Stimmen erhielt. Gegen üns Antistreikgesetz. sozialistische Frauendemonstration in London. London, 14. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend demonstrierten viele tausende Londoner Arbeiterfrauen gegen das Antigewerkschaftsgesetz der Regierung. Der Demonstrationszug, in dem sich Bertreterinnen der sozialistischen Frauen zahlreicher englischer Grasschafien befanden, bewegte stch von der Themse nach dem hydepark, wo die Führerinnen der sozial!- stischen britischen Frauenbewegung, die Genossinnen S u s o n Lawrence und Dr. Marion Philipps Ansprachen hielten. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Arbeiter- srauen erklärten, Schulter an Schulter mit ihren Männern gegen das Antigewerkschaftsgesetz der Regierung zu kämpfen. Die Demon- stration war vom Frauenkomitee der londoner Arbeiterpartei ver- anstaltet. Das gewerkschaftliche Berteidigungskomites hat bis 17 Millionen Flugblätter gegen das Antigewerkschaftsgesetz zur Verteilung gebracht. Wer hat mehr Leser:„Borwärls" oder—„Rote Fahne"? Genosse Wels hat in Kiel auf die geringe Verbreitung der„Fahne" hingewiesen und damit ihren wundesten Punkt berührt. Darüber tobt sie nun jeden Tag und versucht in komischem Eifer die Sache so darzustellen, als könnte sie sich mit dem„Vorwärts" messen, ja, als überträfe sie ihn aar. Auch mit„Zahlen" kann sie aufwarten, indem sie ein paar Stellen angibt, an denen an einem bestimmten Tage mehr„Fahnen" abgesetzt worden sein sollen als Exemplare des „Vorwärts". Wir wollen nicht untersuchen, ob nicht auch das bloß Schwindel ist. Sicher aber weiß die„Fahne", daß es um sie n o ch trüber stände, wenn sie nicht wenigstens etwas Straßenverkaus hätte, während der„Vorwärts" seinen Hauptbcstand in seinen festen Abonnenten hat, die von mehr als 129 Filialen und Ausgabestellen aus beliefert werden. Sicher weiß sie auch sehr genau, daß sie ihre Auflage um ein Mehrfaches steigern müßte, wenn sie an die des„Vorwärts" herankommen wollte. Und ebenso weiß sie, daß die Arbeiter, die den„Vorwärts" nicht halten, weil sie keinen Stänkereien im Betrieb ausgesetzt sein wollen, nicht die„Fahne" sondern die„Morgenpost" abonnieren— worauf sie auch sofort Ruhe haben. Dennoch wäre die„Fahne" froh, wenn sie die Hälfte der Auslage des„Vorwärts" hätte. Die hat sie nämlich noch lange nicht. Und sie wird sie mit ihren ekelhaften Schimpfereien auch niemals erreichen. Die Berliner Karikatur der„Prawda". auch„Rote Fahne" ge- nonnt, hat mich 1. zum k. u. k. Reseroeleutnant befördert, 2. nach Genf transportiert. Dazu sei bemerkt: Zu 1., daß ich es in der k. k. Landwehr gerade noch zum Korporal, also bei weitem nichc so weit gebracht habe wie die ehemaligen königlich preußischen resp. sächsischen Leutnants und jetzigen kommunistischen Reichstagsabge- ordneten Dengel und Schneller: zu 2., daß über diese Tagung des Aölkerbundrats mein Kollege Wolsgani) Schwarz aus Genf berichtet: zu 1., zu 2. und überhaupt, daß mich die„Prawdas" aller Länder in ollen Lebenslagen, in Berlin, in Genf, zu Lande, zu Wasser und in der Luft-- V. Seh. Leon Daudet, der nach seiner Uebergabe ins Gefängnis gebracht wurde, soll zum 14. Juli(französischer Nationalfeiertag) begnadigt werden. Ausschnitt aus der Alltäglichkeit. Paul S ch i r m e r ist ein guter Beobachter menschlicher Schwächen. Das beweist die gestrige Uraufführung seines Possenspiels„Ehrenbürger" im Staat- l i ch e n S ch i l l e r t h e a t e r. In das Städtchen Fichtenwalds ist ein Schriftsteller Dr. Philipp zugewandert. Ihm ergeht es etwa ja wie einem Preußen in Bayern. Er wird als Eindringling, sozu- sagen als lästiger Ausländer behandelt. Wie das in solchen Fällen kommt, entbrennt zwischen ihm und dem Kolonialwarenhändler aus nichtigem Anlaß ein Streit, in dem heftige Schimpfworte fallen. Der Beleidigungsprozeß, den Dr. Philipp anstrengt, hält das ganze Städtchen in Atem. Zähneschlotternd sieht sich der Kolonialwaren- Händler bereits im Gefängnis. Wochenlang erfüllt ihn nur der eine Gedanke, wie er sich unbeschädigt aus der Affäre winden soll. Noch nie ist er zu seinen Kunden so liebenswürdig gewesen wie jetzt. Er traktiert sie mit Schnaps, mit Wurst, Eiern und anderen Lebens- mittel» und bringt ihnen bei dieser Gelegenheit bei, was sie im Termin auszusagen haben. Seine Schuld steht fest und doch wird er im Prozeß freigesprochen. Die Zeugen haben wie ein Mann Stange gehalten. Jubel in der ganzen Stadt. Die begeisterte Be- völkerung bringt ihm einen Fackelzug. Kiebitz, der Kojonialwaren- Händler, ist der Held des Tages. Er wird zun: Ehrenbürger er- nannt.— Eine olltäglicbe Begebenheit, wie wir sie alle schon erlebt haben, ein Beweis im Kleinen, daß das Leben nicht so einfach ist, wie es scheint. Der Schwank macht keinen Anspruch darauf, litera- risch genommen zu werden. Die Stärke des Verfassers liegt in der Zeichnung spaßiger Typen. Das Publikum gerät sehr bald in auf- geräumte Stinunung. vor allem infolge der lustigen Darstellung, für die der Regisseur Emil Rameau eine Reihe hervorragender Schauspieler einsetzt. Den Heiterkeitserfolg des Abends besiegelt der Kolonialwarenhändler des Max Gülstorfs, dessen witzige Einfälle sich überkugeln. In seinem Bestreben, um jeden Preis Heiterkeit zu verbreiten, geht er aber zu weit: während ihm im ersten Akt die Angst, verdonnert zu werden, zu einem bemerke»?- werten Häuflein Unglück stempelt, benimmt er sich im zweiten Att, auf der Anklagebank, so frech, ungezogen, dummdreist und pkiisig. daß die Szene nichts Wirklichkeitsähnliches mehr besitzt. Seine Extemporees bringen sogar die Schauspieler aus dem Konzept. Es wäre zu wünschen, daß alle Strafrichter so nachsichtig und verständ- nisvoll feien, wie der im„Ehrenbürger". Gülstorfs hat sich offenbar Max Adalbert(in„Das Ekel") zum Muster genommen, wie über- Haupt der gestrige Abend mit dem Reimannschen Schwank manche Aehnlichkeiten aufweist. Auf einen sommerlich leichten Ton hat d'er Rechsieur auch die übrigen Darsteller gestimmt. Paula Eon- rad, Ernst Kepler, Friedrich Weber, Alexander K ö k e r t und Wolf Trutz stellen famose, gut beobachtete Spießer- typen auf die Beine. Einen besonderen Leckerbissen gibt L u c i e Höflich als Frau des Kolonialwarenhändlers zu kosten, ein von allen Seiten gehetztes und doch durchaus in der Wirklichkeit stehen- des Wesen, eine Mutter Wolffen in Miniaturformat. Dgr. Lernarb Shaw will im kommenden Dezember zum Besuche von Rabindranath Tag ore nach Indien fahren. An der Tagung der Inlernatlonalen Klubs in B r u s I«l, die am IS. beginnt, werden als Delegierte de« deutschen KlubS Wilhelm von Scholz, der Präsident der Preußischen Dichterakademie und Professor Sänger, der Herausgeber der.Neuen Rundschau', teilnehmen. Ver Arbeitsplan öes Reichstages. Befchlüffe des Sleltestenrats. Der A e! t e st e n r a t des Reichstags, der heute mittag eine Sitzung abhielt, beschloß, auf die Tagesordnung von Mittwoch neben kleinen außenpolitischen Vorlagen das Gesetz über die Aende- rung der Rechtsanwaltsordnung und einen Mittelstands- rellerischen Antrag betreffend den Arbeitsschutz in den Bäckerelen zu setzen. Am Freitag— Donnerstag ist wegen Fronleichnam sitzungs- frei— soll das Gesetz über die Herstellung, Einfuhr und Ausfuhr von Kriegsgerät und außerdem die Vergleichsordnung zur Ber- meidung von Konkursen in erster Lesung beraten werden. Am Sonn- abend soll der neue Entwurf eines Schankstättengesetzes und die Beratung der Reichsdienststrasordnung folgen. Weiteres will der Aeltestenrat am Freitag beschließen. Kommuniflifche verkleiöungskünfle. falsche„Funktionäre" der Konsumgenoffenschaften. Unter der Ueberschrift„Kommuni st ischer Miß- brauch des Ansehens der Konsumgenossen- s ch a f t e n" setzt sich die„Konsumgenossenschaftliche Rund- schau", das offizielle Organ der deutschen Konsumvereine gegen ein Betrugsmanöver der Hamburger Kommunisten zur Wehr. Sie gibt ein Rundschreiben an die Hamburger kom- munistischen Parteifunktionäre wieder, in dem es heißt: Es ist notwendig, zur Vorbereitung der kommenden Wahlen systematisch mit der Sammlung von Adressen solcher Schichten der Bevölkerung zu beginnen, die sür unsere Agitation in Frage kommen. Dazu gehören auch die„E ch o"- L e s e r. Wir haben in einem Stadtteil schon mit der Sammlung von Adressen der Namen der„Echo"-Leser sehr günstige Erfahrungen gemacht. Wir wollen jetzt in allen anderen Stadtteilen in entsprechender Weise dies fortsetzen. Folgende Methode hat sich dabei als wirksam erwiesen: frühes Erleben. Von I w an H e i l b u t. Um das Haus, in dem ich geboren bin, ranken sich meine Er- innerungen und spinnen es ein. Hier hat meine Mutter in Wehen und Aengsien vermutlich ge. schrien, und hat mich, ihren kommenden Sohn, ersucht, ihr gnädig zu sein. Hier lag ich einmal schwerkrank im Bettchen und sie weinten um mich. Ich aber war hocherfreut unter allen: Denn von Stunde zu Stunde gab man mir Eis zur Genesung, süßes Eis vom Konditor. Nur um stündlich mein Eis zu haben, bin ich am Leben geblieben. In diesem umsponnenen Parterre, ja, dort im Verandazimmer, gab ich dem Fräulein Frieda ein Osterei in Verwahrung. Sie muß es in ihren Nock gesteckt und sich draufaesetzt haben— denn als ich mein Osterei wiederoerlangte. wars völlig zerbrochen. Und als einst im Kinderzimmer ein Onkel ani Nachmittag schlief, schrie ich sehr um das Nachtgeschirr, das war dort unterm Bett. Uni aber den Onkel nicht zu stören, wies man mich an, wie die anderen es machen. Ich hatte große Angst, ins Wasser zu fallen. Aber ich siel nicht hinunter, und nachher war ich stolz. Einmal kam eine hübsche Frau durch den Karten, die mir sagte, sie sei meine Amme gewesen. Ich sollte sie deshalb lieb haben und küssen. Ader dainals' wollte ich das nicht. Ich kann mich heute nur über mich wundern. In der Laube sah ost zu Besuch ein Onkel, der die Rose hatte. Ich hätte so gern seine Rose gesehen, er wollte sie mir aber niemals zeige». Dafür hielt er mir seine Uhr ans Ohr, die konnte schlagen, wahrhaftig, wie eine Uhr an der Wand. UnddortimGebüschhatmichmeinBruder gelehrt, mit der Garten- spritze die Leute zu begießen, die auf der Straße vorüberspazierten. Ich lernte das hervorragend gut, die Bewohner der Umgegend erinnern sich meiner noch heute: und ich übte das Handwerk so lange, bis der Strahl einst versehentlich meinen lieben Vater umzischte, der eben im Zylinder von einer Beerdigung kam. Eine Märchentante erschien Samstags zu Tisch, sie hatte die Art, beim Essen zu schweigen. Sie sah sich schweigend das Essen an, und dann aß sie schweigend. Wenn sie fertig gegessen und geschwiegen hatte, fand sie das Essen schlecht und ging weg. Alle waren über sie empört. Am nächsten Samstag kam sie dann wieder. Aber eines Tages wurden Tische und Stähle entfernt, unser Zimmer war leer und bekam ein anderes Gesicht. Und ein Mädchen, das beim Aueräumen half, sang ein Lied. Und als ich hinaussah, schien draußen die Sonne. Da wurde ich unvermutet ganz still und erschrak. Ich bin da, dachte ich. Weiter nicht». Und dann plötzlich: Ich lebe.— Meine Sinne erinnern sich gut all der frühen Dinge, aber sie schweigen gewöhnlich davon. Nur mitunter werden Ohr, Nase und Zunge hell von Erinnerung: ich spüre den frühen Milchgeschmack wieder, und dvn Dust von Brüsten. Ich höre das Lied, das über uns, dort iai ersten Stockwerk, die Musiklehrerin aus dem Flügel aespielt, während ich viereinhalbmonatig still im Wägelchen lag, starren Blicks jene wuttderdurchwogte Welt mir bestaunend, die täglich zu mir durch den Vorhang sprang. Und sür einen Moment. Die Mietertagung in Hamburg. Für Aufrechterhaltunfl der Zwangswirtschaft. Gegen weitere Mieterhöhung. Hamburg. 12. Juni.(Eigener Bericht.) Der Bund Deutscher Mieteroereine e. V., Sitz Dresden, hielt v?m 9. bis 11. Juni in Hamburg seinen 2 2. Deutschen Mietertag ab. Den Bericht über die Tätigkeit des Bundes im letzten Jahre erstattete der Bor- sitzende I. herrmann- Dresden. Er bedauerte, daß die g c s e tz- gebenden Körperschasten nicht genügend die Rechte der Mieterschast gewahrt und auch keine hinreichenden Maßnahmen gegen die Wohnungsnot unternommen hätten. In einem weiteren Dortrag behandelte Rechtsanwalt Groß- Dresden die Frage des U e b e r g a n g e s in eine neue Wohnwirt- schaft. Er betonte, daß eine freie Wohnungswirtschaft solange nicht möglich ist, solange nicht genügend Wohnungen zum Austausch vor- Händen sind. Dem Reichstag und der Reichsregierung sei der bittere Vorwurf nicht zu ersparen, daß sie sich wenige Tage vor Ablauf der beiden Mieterschutzgesetze noch nicht über deren Verlängerung klar geworden sind. Weiter sprach Justizinspektor Gerneiles-Marburg über Volks- begehren und Volksentscheid zur Erhaltung des Mieterschutzes. Er wies darauf hin, daß durch die Mieterhöhungen und die vielleicht bevorstehenden Acnderungen in der Mieterschutzgesetzgebung große Ilnruhe in die Mieterschaft getragen worden sei. Um den dadurch für die Mieter hervortretenden Gefahren entgegenzuwirken, emp- fiehlt der Redner die Anwendung des Volksbegehrens und Volksentscheides, damit dem Abbau des Mieter- schutzes ein Riegel vorgesetzt werde. Da die Mieterschaft die über- wiegende Mehrheit des Voltes ausmache, könne ein Volksentscheid in dieser Frage auch erfolgversprechend sein. Zu diesen Ausführungen nahm Oberlandesgerichtsrat Dr. Bo- vcnsiven insofern kritisch Stellung, als er auf die Schmierigkeiten der Durchführung des Volksentscheides hinwies, die sich deutlich bei der letzten Volksentscheidsbewegung zur Fürstenabfindung gezeigt hätten. Baumeister Seidler-Dresden sprach über das Thema:„W a s wird aus der Aufwertungssteuer?' Der Redner zeigte verschiedene Wege zur gerechten Lösung dieser Frage aus und forderte zwei Reichsrahmengesetze, von denen das eine die Anteile ablöst, die letzt die Länder und Gemeinden aus der Aus- wertungssteuer erhalten, während das andere Gesetz die zur Förde- rung des Wohnungsbaues erforderlichen Mittel in ausreichender chche sicherstellen müßte. Das eine Gesetz würde die Einführung der reinen Grundwcrtsteuer und das andere die Einführung einer Woh- nungsbauabgabe voraussetzeen. Am Schluß der Tagung wurde eine Entschließung nngenom- men,„die die Ausrechterhallung der gegenwärtigen Bindung der Baumwirtschast fordert, bis das Angebot auf dein Wohnungsmarkt die Nachfrage übersteigt und ein genügender Vorrat an Leerwoh- nungen, mindestens 3 Proz. für hygienisch einwandfreie gesunde Klein- und Mittelwohnungen, vorhanden ist.' In einer weiteren Entschließung wird betont,„daß der Abbau des Mieterschutzes und die Ueberschreitung der Friedensmiete, über die unier keinen Umständen hinausgegangen werden durfte, v e r- hängnisvolle Rückschritte gegenüber der zu fordernden sozialen Wohnungspolitik, die Auslieferung der Mieter in eine Zwangswirtschaft der Vermieter und eine unerträgliche Belastung unserer Gesamtwirtschaft bedeuten." Der Bund deutscher Mieter- vereine ist entschlossen, seine Abwehr zu verschärfen, wenn die Regierung den in den letzten Jahren beschrittenen Weg weiter gehen sollte. Zu diesem Zwecke wurde der Bundesvorstand beauftragt, sich mit allen wesensverwandten Großorganisatio- ncn der Arbeitnehmer. Kleingärtner, Bcdenreformer, Kriegsbeschädigten usw. in Fühlung zu setzen, um eine gemeinsame große Platt- form für den weiteren Kampf zu schaifen. In einer Entschließung über die Aufwertungssteuer wird der„Abbau der Auswertungssteuer(5?auszinssteuer) zugunsten der Hausbesitzer unter allen Umständen als eine unerträgliche Un- gerechtigkeit äbgelchnt." Befürwortet wird dagegen eine Reu- r c g e l u n g, die für das gesamte Reichsgebiet gilt und jede weitere Miet�inserhöhung unterbindet. Vor- geschlagen werden dafür zwei Rahmengesetze: 1. ein Reichsgesetz über eine reine Grunderwerbsstcuer, welche den Ländern und Gemein- den die Mittel für ihren allgemeinen Finanzbedarf bringt, 2. ein Reichsgesetz über eine Wohnungsbauabgabe, die die zur Förderung des Wohnungsbaues erforderlichen Mittel auf zunächst mindestens 10 Jahre sicherstellt, unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaft- lich Schwachen, z. B. Erwerbslosen, Kriegs- und Sozialrentner, Kinderreichen, Kleinhausbesitzer usw. Am Sonnabend fand noch eine geschlossene Tagung statt. In welcher der Bericht des Borstandes bzw. des Bundesschatzmeisters gegeben und die Wahlen des Vorstandes vorgenommen wurden. Die Tragödie auf dem Zinanzamt. Ter Fall Hackbusch vor dem Schwurgericht. Unter sehr großem Andränge des Publikums begann heute früh vor dem Schwurgericht des Landgerichts Ii, unter Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Bockenheimer der mit großer Spannung er- wartete Totschlagsprozeß gegen den Kaufmann Paul 5)ackbulch, der angeklagt ist, vorsätzlich aber ohne Ueberlegung seinen ltl�jährigen Sohn Rolf, sein einziges Kind, durch einen Kopfschuß getötet und zugleich einen Totschlagsversuch an dem damaligen Oberstcuersekretär, inzwischen zum Steuerinspektor beförderten, Karl Hesse vom Finanzaikit Neukölln, verübt zu haben. Der Prozeß erregt dadurch so großes Interesse, weil im Hinter- gründe die alle Welt bewegende Frag« steht, wie die Steuer- Pflichtigen von den Beaniten der Finanzämter behandelt werden. Nach der Darstellung des Angeklagten handelt es sich um einen Verzweislungsalt eines von der Steuer. behörde zu Unrecht drangsalierten Menschen. Der Angeklagte Hack- busch, der seit längerer Zeit wieder aus der Hast entlassen worden ist, steht im 19� Lebensjahre. Er ist ein großer, kräftig gebauter Mann mit nervösen, stark zermürbten Gesichtszügen, und seine Ge- mütsstimmung ist«ine sehr gedrückte. Die Geistesverfassung des Anacklagten wird in der Verhandlung eine wesentliche Rolle spielen. Deshalb sind auch nicht weniger als vier medizinische Sach- verständige geladen worden. Um einen Einblick in dir Gemütsverfassung des Angeklagten zu bekommen, ging der Vor- sitzende sehr genau auf die Jugend und das ganze Vorleben des Angeklagten ein. Nach seiner Dorsschulzelt und der kaufmännischen Lehre ist er schon frühzeitig, etwa 1899, nach O st a s i e n gegangen, hat verschiedene Stellungen in Sibirien inngehabt und sich selbständig gemacht. Zluf einer Urlaubsreise hatte er in seiner meck- lenburgischen Heimat seine Frau, die Mutter de» erschossenen Knaben. 1912 geheiratet. In Jakutsk in Ostsibirien wurde 1915 Rols geboren. Damals war die Familie infolge des Krieges dort- » hin verschickt worden. Erst 1921 kam Hackbusch wieder aus der sibirischen Gefangenschaft heraus. Mit einer großen Schuldenlast kehrte er im Juni 1923 mit seiner Familie nach Deutschland zurück und hatte mit einem Expoitgeschäst nach China auch hier Pech. Schließlich übernahm er tin Januar 1925 die Leitung eines Unter- nehmens seines Bruders Wilhelm, der Betriebsdirektor einer' Tele- phonfabvik war und nebenher für seine beiden Söhne eine kleine Fabrik zur Herstellung von Kopfhörern errichtet hatte. Die Schick- ialsschläge und Mißerfolge entwicklten in dem Angeklagten eine schwere seelisch« Depression, zumal, da er mit den Söhnen seines Bruders, die nach seiner Ansicht eine leichte Lebensauffassung hatten, schwer zusammen arbeiten konnte. Bei dieser Verfassung zourde er besonders noch gereizt, als da» Finanzamt mit Steuer- a n I p r ü ch e n kam. Als er sich auf dem Finanzamt am Alexander- platz, das für die Stcuersachen seines Bruders maßgebend war, erkundigte, welchen Weg er nun zu beschreiten habe, um nochmals Die Mfallreste einer GroMaöt. Wie neue Geschäftszweige entstehen. Die Veränderung der Vedarfswirtschaft nach dem Kriege hat im großen wie im kleinen viele neue Arten des Erwerbs und der Verdienstmöglichkeiten geschaffen. Aus dem Ausruf zum Sammeln von Kllchenabsällen und Kartoffclschalen, dem die Frauen während der Kriegsjahre nachkamen, hat sich ein stündiges Gewerbe gebildet, das heute den Charakter der Nothilfe entbehrt. Während der offenen Markttage rückt au die belebtesten Zugangsstraßen ein großer Motorla st wagen, der gegen eine kleine Menge von Kleinholzschnitt riesige Mengen von Kartosfels chalen einsammelt. Emsig sieht man die Hausfrauen zu diesen Wagen pilgern, wo sie ihre Markttaschen hinaufreichen, um für ihre Schalen- abfülle eine Handvoll Kleinholz zum Feueranmachen in Empfang zu nehmen. Schon nach einigen Stunden sind Wagen und Anhänger gefüllt und das Geführt rückt nunmehr bei den Berliner Molkereien vor, die di« Ware als Futterstoffe ankaufen. Diese Unter- nehmen haben sich bereits zu einem Verband zu- s a m m e n g e s ch l o s s e n, um sich nicht untereinander Konkurrenz zu machen. Wenig bekannt wird es sein, daß die Abfälle in den größeren Restaurants sehr genau aus ihren Wert sortiert und verkauf! werden. Die Abfälle zu verwerten ist meist ein Privileg des Küchenchefs oder des ersten Kochs: es ist ihm ausdrücklich das Recht auf die Abfälle in seinem Anstcllungsoertrag vermerkt. Seifenfabriken sammeln hier Fettreste, Knochenmühlen kaufen die Knochen, um daraus Futterstoffe oder Dünger herzustellen: ckemische Fabriken sind bei dem Konditor auf die unoerwcndbaren Eidotter abonniert, die säuberlich getrocknet zu Lezithinfabrikaten verarbeitet werden. Einige Putzmacherinnen und Kürschner beziehen aus dieser Quelle Federn und Pelzwerk: von Vogelarten mit schönen Federn seien nur die Fasanen, Birkhühner, wilde Enten, Rebhühner und Wachteln genannt. Aehnlich werden auch die Abfälle der Schlachthäuser und der Schlächtereien ausgenutzt. Hier hat sich eine ganze Industrie gebildet, die sich um die Abfallbrocken streiten. Borsten, Blut, Knochen, Haare und Felle bilden ja die Aufbaustoffe für eine große Zahl von Gewerben: man braucht nur auf di« Leimsabriken hinzu- weisen. Aber auch in den Abwässern dieser genannten Anstalten sind wichtige Stoffe enthalten, deren Einsammeln und Abfangen sich lohnt. Durch Behandlung mit Chemikalien werden dem Wasser Fette und Salze entzogen und irgendein Produkt mit einem voll- tönenden Namen feiert dann im Laboratorium seine fröhliche Auf- «rstehung. Ganz anders wie in den Kleinstädten und auf dem flachen Lande werden in der Großstadt auch die sonstigen Abfälle der menschlichen Wirtschaft gesammelt und ausgewertet. Hauptsächlich ist es wieder die Zwecksrage, die den Menschen in den Städten nicht hat ruhen lassen, in den yiabriken und großen Industrien die Berge aus Ajche und Koksschlacke auf«ine Art zu beseitigen, daß sie auf verengtem Raum nicht hinderlich werden. Und siehe da, der Auswand an Mühe hat sich gelohnt: in Schmelzöfen feiert die Steinkohlenschlacke ihre Auserstehung als Berliner Pslasterstein. Interessant ist es auch, einen Blick in den Gang der Auflösung größerer Wirtschaftsgegenstände, wie Möbel, Kleidungsstücke usw. zu tun. Alte Kleider und Möbel gehen meist erst durch drei und vier Hände, ehe sie der vollständigen Auslösung versallen. Zwischen- stationen auf diesem Wege sind die städtischen Leihhäuser und Auktionskammern. Hier kaufen Händler und Privatleute dys noch Brauchbare und führen es minderbemittelten Familien zu, die den Gegenständen noch einmal ihre Zweckbestimmung oerleihen. Bielleicht trägt dann ein Bettler an vierter und fünfter Stelle noch einmal den defekten Rock, ehe dieser mit ihm den Kreislauf aller Dinge beschließt. Ein festes und organisiertes Gewerbe hat sich aus dem Einsammeln solcher Abfälle aus dem Haushalt gebildet, es ist dies die Zunjt der Lumpensammler oder Produktenhündlcr, wie sie sich stolz auch nennen. Papier und Lumpen sind euch jetzt noch be- gchrte Artikel, ebenso Metalle. Nur unterstehen sie allzu sehr den Kursschwankungen an der Börse als Rohbedarf, was zur Folge hat, daß der kleine Händler sich oft um den geringen Tagesverdienst be- trogen sieht. Die Menge des häuslichen Abfalls beträgt statistisch seftgestellt pro Kops und 2ahr etwa 50 Kilogramm. Welche ungeheure Berge von Abfall würden- um große mitteleuropäische Städte entstehen, wenn sich der Mensch nicht aus praktische Art zu helfen wüßte! Das Wohnen in einer Stadt der Flachebene wie Berlin wäre dann unerträglich und undenkbar. Rechnet man nur 9,35 Kubikmeter, so würde für Groß-Berlin doch ein Hausen von 1 400 000 Kubikmeter entstehen, der ausreichen würde, den Berliner Tiergarten vollständig zuzudecken. Diese Masse von Abfall wird also von vielen Menschen buchstäblich auscinandergekratzt und einer weiteren Bestimmung zugeführt. So erfüllen sich selbsttätig die Gesetze der Gesundheitspolizci. Die Städte in den Ländern, die nicht eine solche entwickelte Bedarfs- Wirtschaft haben, z. B. die Morgenländer, sind dafür bekannt, daß Schmutz und Krankheitsherde ihr Charakteristikum bilden. Das ist die gegensätzliche Wirkung einer vernachlässigten Verwertung der Absall- Produkte. eine Buchprüfung zu erhalten, sei ihm, so erklärte der An- geklagte, von dem Obersteuersekretär kurz erwidert worden, er sei doch nicht sein Steuerberater. Mehrsach habe er mit dem Buchprüfer Hesse verhandelt, aber immer ohne Ergebnis. ?mmer noch üas amerikanische Bauprojekt. Eine Tcnkschrift von Stadtbaurat Tr. Wagner. Die Entscheidung über das amerikanische Bauprojekt, das sich nach den neueren Angeboten auf den Bau von jetzt 9000 Woh- nungen auf verschiedenen Terrains in Wilmersdorf, Treptow und Spandau erstreckt, ist im Magistrat bisher immer noch nicht erfolgt. Wie jetzt bekannt wird, hat Stadtbaurat Dr.'�W a g n c r«ine Denkschrift ausgearbeitet, die für die Magiftratsmitgliedcr be- stimmt ist und nochmals alle Vorteile der amerikanischen Angebot« zusammenfaßt. Diese Denkschrift, die nur dem Magistrat für den Dienstgebrauch zugänglich gemacht worden war, ist durch eine In- diskretion zum Teil in die Oeffentlichkeit gelangt. Ucber ihren tat- sächlichen Inhalt wird aber vom Magistrat nach wie vor Still- schweigen gewahrt. Der Magistrat hat im übrigen der D e p u t a- tion für das Wohnungs- und Siedlungswesen, die in erster Linie für derartige Projekte zuständig ist, nunmehr die Entscheidung zugeschoben. Da der Vorsitzende dieser Deputation, Stadtrat W u tz t y, am morgigen Dienstag von seinem Urlaub zurückkehrt, ist zu erwarten, daß die Beratungen nunmehr wieder aufgenommen werden. Dem Magistrat ist neuerdings auch ein Bauprogramm von der Firma Schrobsdorff, die bekanntlich die Bebauung des Scheunenviertels ausführen will, unterbreitet worden. Sie hat vor- geschlagen, 10 000 Wohnungen in Berlin ohne Inanspruchnahme der Hauszinssteucr zu bauen. Die spezialisierte Ausarbeitung des Angebots hat sich aber durch di« mißliche Lage auf dem Geldmarkt infolge der Kursrückgänge an der-Berliner Börse, die die Be- schaffung erststelliger Hypotheken außerordentlich erschwert, v�r- zögert.__ Polizei und Einbrecher. Nächtliches Feuergefccht in der Hecrstrafte. Die einsam gelegenen Villengrundstücke an der Heer- ft r a ß e waren in der vergongenen Nacht der Schauplatz wieder- Holter Schießereien zwischen Polizeibeamten und einer Einbrecherbande. Gegen 1 Uhr kam der Kaufmann Kurt R o s e n t h a l, der Be- sitzer der Villa Kranzallee 3. mit seiner Familie nach Hause. Er entdeckte, daß Einbrecher dagewesen, beim Herannahen der Fa- milie aber entflohen waren. Auf Anruf entsandte das 123. Polizei- revier in Charloltenburg zwei Beamte, die das Grundstück absuchten. Sie fanden keine Einbrecher mehr, wohl aber einige Sachen, die die Berbrecher auf der Flucht im Stiche gelassen hatten. Beim Absuchen des Hinlerlandes sahen die beiden Beamten die Verbrecher, drei Mann, plötzlich wieder austauchen, als sie versuchten, den Zaun zwischen den Gärten der Grundstücke Heerstraße 8S und 87 zu überklettern. Hnltrufe erwiderten die Flüchtenden sofort mit mehreren Schüssen- Die Beamten schössen wieder. Zur Verstärkung riefen sie jetzt das Ueberfallkommando und die Krimi. nalpolizei des 132. Reviers. Das gemeinsame Absuchen stöberte die Einbrecher am Ende der Kranzallee noch einmal aus. Sosort griffen die Verfolgten wieder zu den Pistolen und gaben etwa 2 0 Schüsse ab, ohne zu treffen. Auch die Erwiderung des Feuers durch die Beamten blieb anscheinend erfolglos. Die Verbrecher emichten eine Laubwaldschonung und dort ging ihre Spur verloren. Die Entkommenen können nur flüchtig beschrieben werden. Zwei sind mittelgroße junge Burschen von etwa 20 Jahren, der dritte ist etwa 10 Jahre älter und etwas kleiner. Wie die weiteren Feststellungen auf dem Gelände ergaben, sind sie wahrscheinlich zunächst in das Haus Heerstraße 87, einen Neubau. eingedrungen, der erst seit 14 Tagen bewohnt ist. Während die Bewohner im Obergeschoß schliefen, stahlen sie im Untergeschoß % Zentner Silbersachen, die später in zw«! Kopskisscnbezügen vsr- packt im Garten des Grundstücks Nr. 86 wiedergefunden wurden. Wahrscheinlich hatten die Verbrecher diese Beute dort einstweilen niedergelegt, um sie nach dem Besuch anderer Grundstücke auf dem Rückwege mitzunehmen. Die Ueberraschung aber hatte zur Folge, daß sie mit leeren Händen abziehen mußten. Ein tödlicher Slroßenunfall ereignete sich gestern nacht am Kott- busser Tor unmittelbar am Hochbahnhof. Der 19jährige Maschinen- arbeiter Willi Ba rt s eld aus der M a n te u f f e l st r a ß e 95 wurde beim Ueberschreiten des Fahrdammes, wie es heißt infolge eigener Unvorsichtigkeit, von einer Straßenbahn der Linie 154 ersaßt und überfahren. B. wurde tnit schweren inneren Verletzungen durch die Feuerwehr in das Urbankrankenhaus gebracht, wo er kurz nach der Einlieferung an den Folgen seiner Verletzungen st a r b.— Vor dem Hause Blücher st rahe 50 stießen gestern nacht zwei Autodrosch ken mit großer Wucht zusammen. Drei Fahrgäste und der Führer des einen Wagens zogen sich Verletzungen zu. Während zwei von ihnen nach Anlegung von Notverbänden auf der nächsten Rettungsstelle entlassen werden konnten, mußte der Führer Willi B. aus der Emser Straße in Neukölln und der Schmiedemeister Albert M. au» der Frucht- straße mit Kopf- und inneren Verletzungen in das Urbankrankenhaus geschafst werden. .Volilit oder Geichäst 7— Bilanz deulfchaallooalec vcr'prechunzea', ist das Thema der heutigen öffentlichen Versammlung, die die Kameradschaften Westen I und II des KrcisvereinS Tiergarten im Reichsbanner Schwarz- Rot-Gald in der Charlotten- Schule. Steglitzer Sir. Lg veranstalten. Es sprechen: Staatsministcr a. D. Woisgang Sjeine und Dr. M i s ch l e r, 2. KreiSführcr des Reichsbanners Tiergarten. Der Landesverband Berlin der Deutschnationalen Volkspartei ist eingeladen und einem Redner sind 20 Minuten Redezeit zugesagt worden. Republikaner, erscheint In Massen! Eintritt 30 Pf. künstlerische Puppenspiele finden für die Kleinen während der Kinder- tage im Warenhaus H. Joseph«.®o., Neukölln stajl. Eintritt kostenlos. die Kinüermöröenn tzageöorn. Zeugenvernehmung in Duisburg. Duisburg. 14. Juni.(Drahtbericht.) Heute begann im Mord- prozcß Hagedorn die Zeugenvernehmung. Rektor und Seelsorger stellen der Mörderin ein gutes Zeugnis aus. Auch eine frühere Freundin Käte Hagedorns, die sich mit ihr um eine Stellung beim Film beworben hatte, kann nichts Ungünstiges berichten. Eine Frau E r k e n s hat beobachtet, wie die Mörderin mit ihren Opfern zum Dickelsbach ging. Sie fei so rasch dem Walde zugeschritten, daß es auffällig war und der kleine Friedet Schäfer kaum folgen konnte. Erschütternd ist die Aussage des Arbeiters van de Hand, der die Leichen der ermordeten Kinder als erster entdeckte:„Nicht weit vom Waldrand," sagt er,„fanden wir einen Hausen Gras, aus dem ein steifes kinderärmchen ragle. Und dann sahen wir durch das Gras das blutige Gesicht eines kleinen Mädchens." Als Frau Schäfer, die Mutter des ermordeten Jungen, in Traucrkleidcrn im Gerichtssaal erscheint, bedeckt Käte Hagedorn ihr Gesicht und weint vor sich hin. Deutsther Heflügelzüchtertag. Vom Wetter gerade nicht begünstigt, begann am Sonnabend der Deutsche G e f l ü g e l z ü ch t e r t a g mit einer Führung durch den Zoologischen Garten. Teilnehmer waren in großer Zahl erschienen und als am Sonntagmorgcn die Volloersammlung im Marmorsaal stattfand, war dieser bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch waren Chreugüfte und Vertreter der Behörden in Mengen erschienen, dennoch vermißte der Leiter der Versammlung, wie er besonders hervorhob, einen Vertreter des Magistrats der Stadt Berlin. Wie dem auch fei, auf jeden Fall nahmen di« üblichen Be- grüßungsanfprachcn eine volle Stunde in Anspruch, was etlichen Zuhörern, in Anbetracht der reichen und vor allen Dingen sehr lehr- reichen Tagesordnung, des Guten etwas zu viel erschien. Oberregierungs- und Landesökonomierat Dr. G e r r i e t s vom Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sprach über die Bedeutung der Geflügelerzeugnisse im deutschen Wirtschaftsleben und legte recht eindringlich den Züchtern klar, daß ihre Arbeit von volkswirtschaftlicher Bedeutung ist und unbedingt sein muß, man müsse fragen:„Was wünscht der Derbraucher?" Ferner bat er, nicht so auf die Schönheit, alz auf die Leistungsfähigkeit der Tiere zu sehen. Prof. D ü r i g e n, von der Landmirtschaftlick�n Hoch- schule in Berlin, den Geflügelzüchtern ein alter Bekannter, sprach von dem Anteil der wissenschaftlichen Forschung an der- Hebung der deutschen Geflügelzucht und Regierungsrat Dr. B e l l e r vom Reichs- gefundheitsamt, ein jüngerer Wissenschaftler, sprach au» eigenen Erfahrungen über Kückenaufzucht und Kückenkrankheiten und be- tonte, daß auf jeden Fall die Gesundheit de» Tieres noch vor der Leiftungsjähigkeit rangieren müsse. Kleintierzuchtdirektor C. Schmidt, von der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin, ficht in Leistungsprüfungen ein Mittel zur Hebung der landwirtschaftlichen Geflügelzucht. Di« Forderungen der dann noch sprechenden neun Redner wurden als Eni- s ch l i e ß u n g e n formuliert. Zum verbanöstag öer Holzarbeiter. Der Deutsche Holzarbeiterverband, der in dieser Woche in Frank furt a. M. seinen 15. Verbandstag abhält, war von jeher einer der sestgefligtesten Verbände unter den deutschen Gewerkschaften, der über einen vorzüglichen Stamm von Mitgliedern und über vor- bildliche Einrichtungen verfügte. Nur so war es ihm möglich, das Krisenjahr 1926 ohne Erschütterungen zu überstehen. Das 246 Seiten umfassende Jahrbuch für 1926 gibt ein anschauliches Bild davon, welche starke Belastungsprobe die Organisation im Vorjahrs zu bestehen hatte. Mit 72 606 erwerbslosen und 63 390 kurz arbeitenden Mitgliedern von insgesamt 297511 Mitgliedern ging der Holzarbeiterverband in das Jahr 1926 hinein. Die Zahl der erwerbslosen Verbandsmitglieder stieg bis zum Februar 1926 auf 94 335:= 32,72 Proz. der Gesamtmit- gliederzahl und die der K u r z a r b e i t e r im Monat Januar auf 71 352= 24,52 Proz. Aus den Statistiken ergibt stch, daß die Arbeitslosigkeit in der Holzindustrie bedeutend größer war als in allen übrigen Industrien. Die Hauptursachen dieser katastrophalen Arbeitslosigkeit sind der daniederliegende Wohnungsbau verbunden mit der Rationalisierung, der Leistungssteigerung der Betriebe, der erhöhten Arbeitsintensität und auch die größere Zahl von Holzarbeitern als in der Vorkriegszeit. Die Unternehmer be- nutzten diese Periode der wirtschaftlichen Depression, um eine Konjunkturpolitik schlimm st er Art zu treiben. Fast auf der ganzen Front begannen sie mit einer rücksichtslosen Lohnabbauoffensive und scheuten sich zum Teil auch nicht, unter ofensichtlichem Bruch bestehender Verträge und der Androhung von Entlassungen, die Löhne zu diktieren. Die Unternehmer kündigten zu Ansang des Berichtsjahres 94,5 Proz. aller L o h n t a r i f e für insgesamt 299 236 Beschäftigte. Neue Lohn- t a r i f e wurden nur für 96 154 Personen abgeschlossen. Für 62 889 Personen konnte der vor der Kündigung bestehende Tarif- lohn wieder fe st gelegt werden, für 33 165 Personen mußte ein Abbau der Tariflöhne um 2 bis 5 Pf. vereinbart wer- den. Der größte Teil der Mitglieder zog einem Abbau der Tarif- löhne den tariflosen Zu st and vor, so daß am Schluß des Berichtsjahres nur für etwas mehr als ein Drittel der unter Ber- trag arbeitenden Mitglieder Tariflöhne bestanden. Ebensalls gekündigt wurde von den Unternehmern eine Anzahl von Manteltarifen, von denen ein Teil auch nicht wieder neu ab- geschlossen wurde. Es bestanden am Schlüsse des Berichtsjahres 219 Tarifverträge für 228 439 Beschäftige gegenüber 259 Verträgen für 313 495 Beschäftigte am Schlüsse des Jahres 1925. Trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse war die Or- ganisation stets bemüht, die Angriffe der Unternehmer auf die Er- rungenschaften der Arbeiter abzuwehren. So wurden insgesamt 312 Abwehr- und 24 Angrisfsbewegungen ohne Arbeitseinstellung geführt, an denen 152 272 Personen beteiligt waren. Sta- tistisch erfaßt wurden 94 Streikbewegungen, von denen 18 Angriffs- streiks, 57 Abwehrstreiks und 19 Aussperrungen waren. Von den 13 Angriffsstreiks wurden 12 mit Erfolg beendet: von den 57 Ab- wehrstreiks hatten 29 einen vollen und 21 einen teilweisen Erfolg. Bei den 19 Aussperrungen tonnten in 9 Fällen die Angriffe der Unternehmer voll und in 8 Fällen teilweise abgewehrt werden. An Kosten erforderten die Streiks und Lohnbewegungen 453 576 Mark, davon für Streiks und Aussperrungen 422 483 Mark. Obwohl der Umfang der Lohnkämpfe gegenüber den Vorjahren geringer war, fallen die dafür verausgabten Summen um so mehr ins Gewicht, als für die Unterstützung der erwerbslosen Verbandsmitglieder so erhebliche Mittel ausgeworfen werden mußten. Von den gesamten 8 647 474 M. betragenden Ausgaben des Verbandes entfallen allein auf die Arbeitslosenunterstützung 4 414 273 Mark. Infolge dieser ungeheuren Belastung ist es verständlich, wenn die Einnahmen des Verbandes, die 7 445 468 M. betrugen, hinter den 9 489 265 M. betragenden Ausgaben um 1 292 995 M. zurückblieben. Die ungeheuer schlechte Arbeitsmarktlage spiegelt sich auch wider in der B e i t r a g s l e i st u n g. Trotzdem sich der Durchschnitts- beitrag von 75 Pf. im Jahre 1925 auf 91,8 Pf. steigerte, ging die Zahl der durchschnittlichen Wochenbeiträge pro Mitglied von 9,7 aus 7,1 im Berichtsjahre zurück. Eine solche schwere wirtschaftliche De- pression konnte auch nicht spurlos an der Mitgliederbewe- gung vorübergehen. Die Mtigliederzahl sank von 297 511 auf 266 955, also um 31 456 19,5 Proz. Hier sind es besonders die kleineren Branchen, die einen starken Mitgliederverlust auf- weisen, während der Stamm der Mitglieder unerschüttert ge- blieben ist. Der Mitgliederbestand der Jugendlichen konnte erfreu- licherweise gehalten werden. So schmerzlich der Verlust an Mit- gliedern an sich ist, so fest kann man aber der Ueberzeugung sein, daß der Holzarbeiterverband die Scharten, die ihm das Vorjahr ge- schlagen hat, bald wieder auswetzen wird. Der Wiederaufstieg in diesem Jahr ist bereits unverkennbar. Der Holzarbeitcrverband hat jedenfalls alles getan, um seine Mitglieder in einer Zeit der rücksichtslosen Angriffe der Unternehmer vor Schaden zu bewahren. Wenn ihm das nicht immer gelang, waren eben die Verhältnisse stärker als der Wille der Organisation. Ohne die starke Organisation, wie sie der Deutsche Holzarbeiterver- band darstellt, wären nicht so viele Lanzen der Unternehmer zer- splittert worden. Sunöestag öer Neichszollbeamten. Der Bund Deutscher Reichszollbeamten E. V., Berlin, der etwa vier Fünftel der deutschen Zollbcamtenschaft organisiert, hielt in den Tagen vom 19. bis 12. Juni 1927 seinen 27. ordentlichen Bundes- tag in Köln ab. Zu der Vollversammlung am Eröffnungstage waren Vertreter des Ministeriums und der Reichssinanzbehörden sowie einige Abgeordnete anwesend. Aus dem Jahresbericht des 1. Bundesvorsitzenden ergab sich vor allen Dingen, daß die Zollbeamtcnschaft seit 1929 unverdient unter der übrigen Beamtenschaft zurückgesetzt sei. Er stellte besonders heraus, daß die Grenzablösnngsfrage eine Schicksalsfrage der Reichszollverweltung sei, weil es sich mit den Belangen der Verwaltung nicht vertrage, daß die später im inneren Dienst zur Vollstreckung der Zoll- und Vcrbrauchsstenergesetze berufenen Grenz- beamte sieben und mehr Jahr« an der Grenze zubringen und dort körperlich und geistig verkümmern. Gesagt werden müsse auch, daß die Zollbeanite» im Innendienst vollkommen unterbewertet seien. In der Debatte kamen die verschiedensten Vertreter der Zoll- beamtenschaft aus allen Teilen Deutschlands zu Wort, unterstrichen die Ausführungen ihres 1.. Bundesvorsitzenden und erweiterten diese in ihren einzelnen Abschnitten durch Schilderungen aus dem praktischen Dienst unter Vorbringen einzelner Beispiele. Im übrigen war der Bundestag ausgefüllt mit Ausschuß« sitzungen, die reiches Material zu verarbeiten hatten. Den Abschluß des Bundestages bildete eine öffentliche Kund- gebung am Sonntag vormittag, bei der der Schriftleiter Dr. Vogt, Berlin, über das Thema„Der Zollbeamte in der Wirtschaft" und der Universitätsprofessor Dr. Friedrich H o f f m a n n, Münster, über das Thema„Der Wandel in Handels- und Zollpolitik" sprachen. Nach diesen Vorträgen betonte der 1. Bundesvorsitzende, daß die Zollbeamtenschaft mit Recht die Hoffnung haben könne, in der neuen Besoldungsordnung nicht mehr das Stiefkind zu sein, wenn man die großen Aufgaben betrachtet, die sie durchführe und in Zu- kunft noch durchzuführen habe. Damit war die machtvolle Kund- gebung, der zahlreiche Behördenvertreter, Reichstagsabgeordnete, Angehörige der Presse und Wirtschast beiwohnten, geschlossen. Internationale flrbeitskonferenz. Annahme der Krankenversicherung für Landarbeiter. Genf, 14. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitskonferenz hat am Montag abend das zweite Abkommen über Krankenver- sicherung, das für Landarbeiter, das nahezu wörtlich mit dem für Industriearbeiter übereinstimmt, aber zur Erleichterung der Ratifikation alsbesonderesAbkommen ausgearbeitet wurde, durchberaten und mit 72 Stimmen angenommen. Sergarbeiter-Oemonstrationsftreik in St. Etienne. Paris, 13. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter von St. E t i e n n e sind am Montag morgen in den Streik ge- treten, weil am Sonntag anläßlich der Jahrhundertfeier für die Einweihung der ersten Eisenbahn in Frankreich der General- s e k r e t ä r der unitarischen Bergarbeitergewerkschoft wegen Störung der Feierlichkeit verhaftet worden war. Verantwortlich wr Politik:«icto« Schifl; Wirtschaft:«.»liagelliäfer: Eew-rkschaflob-weauna: I. Stein«:. Feuilleton:*. S- Solch«: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstödt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwarts-Buchdruckerei und Verlagsanftalt Vaul Einger u Eo., Berlin EW 68, Lindenstraste 3. psnsge-I.icliüiiick.u-?�»'-- Vom>4. bis 16. ZunI »enzcli unter �övzcliell« Buhnenschau — Jugendliche haben Zutritt- l'Mim bilTJiniGnnnar Tolnaes in Das verlorene Glück ferner:„Hedi küagt du Lied von braren Mann" _ Bühnenschau_ [oQCsnlia- Palast, flodreasstraBe 64 Vom 14. bis 16. Juni Das �feer Dazu; M klingt da: litd vom braven Mann Vil�ria-liüitbildtheatßr'A."««" Vom 14. bis 16. Juni GunDsrTcInaesiDasvßrlsreDeOIiidi Ferner: Der Sieg der Jagend Buhnenschau Nachruf. Am 10. Juni verstarb nach einer Overation plötzlich unsere Angestellte Fräulein Luise Schlag im 83. Lebensjahre. Wir verlieren in ber Verstorbenen eine fleihige, Pflicht» getreue Angestellte und Kollegin, deren Andenken mir stets in Ehren hallen werden. BIn.-Schöneberg, den 14. Juni 1927. Borstand, Verwaltung, Betriebsrat der Allgemeinen Ortslrantenkafle slir den Verwaltungsbezirl XI der Stadt Berlin(Schöneberg-Friedenau). Wer probt, der lobtl Vorzügliche Natur- Sntter I.SO und 1.60 pro Pfund. Wegner, Berlin SO Mariannenstra6e34 zdf Niete WSO.Ansbacherstr.l Quedlinburg die alte schöne Stadt Kostenlose Auskunft d. 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