Nr. 254 ♦ 44. Fahrg. Ausgabe Ik Nr. 145 Bezugspreis: Wöchentlich 70 P�nmg, monatlich 3,— Reichsmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband Illr Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg «,ö0 Reichsmark, für das Übrige Äusland 550 Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. ten Eonntagsbeilage„Volk und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme",„Der Kinder» freund".„Jugend-Vorwärts".„Blick in die Bllcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresie: „Sozialdemolrat Berlin" Morgenausgabe Verltner VulKsblsiU (10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Slonpareille- zeile 80 Pscnnig Rcklamezcile d,�» Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzulästig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 12 Pscnnig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pscnnig, ledes weitere Wort 10 Pfennig. 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Pressedienst" hol den belgischen Auhenminisler Vandervelde,der an den Deralungcn der Sechs- mächlekonferenz keilgenommen hol. u. a. besragk, was von den Le- hauplungen über die angeblichen Vorbereitungen einer gegen Sowjetruhland gerichteten Einheitsfront zu halten sei. Darauf hat Dandervelde erwidert: „Behauptungen dieser Art stehen in direktem, s ch ä r s st e n Widerspruch zu dem. was gesagt und an- geregt worden ist. Der englische Außenminister Chamber- l a i n hat unumwunden erklärt, daß seine Regierung nicht daran denke, die anderen Staaten Europas aufzufordern, etwa nun auch ihre Beziehungen zu Ruhland abzubrechen. Der deutsche Außenminister Dr. Stresemann hat nicht minder unzweideutig daraus hingewiesen, daß es Deutsch- lands Wunsch sei, seine Beziehungen zu Rußland aufrechtzuerhalten und auszubauen. Dazu bemerkte Ehamberlain, er hoffe, Deutschland werde damit mehr Glück haben als England. B r i a n d hat betont, daß es sicherlich ein schwerer Irrtum wäre, irgendetwas zu tun, was die Lage verschärfen könnte und ich persönlich habe mich aus das allerdeutlichsle in gleichem Sinne ausgesprochen, kurz, wir waren alle einer Ansicht, daß es geradezu Verhängnis- voll wäre für die friedliche Entwicklung Europas, wenn eine Regierung aus den Gedanken verfiele, etwa wieder jene Methoden zu empfehlen, die zur Zeit der Denikin- und Wrangel-Expeditlonen gang und gäbe waren. Di? Gestaltung der zukünftigen Beziehungen zwischen Sowjetrußland und den übrigen europäischen Kontinentalstaaten hängt von der Politik der Moskauer Regierung ab. Zedenfolls ist alles, was man über die angebliche Bildung einer Kampsfront gegen Ruhland geschrieben und gesagt hat. den Tatsachen schross widersprechen d." Die Ratstagung geschlossen. W. S. Genf, 17. Juni.(Eigener Drahtbericht.) An die öffentlich- Debatte über die Danziger Frage schloß sich noch eine kurz« v e r» trauliche Sitzung des Rates, in der Finanzielles und Persönliches kurz erledigt wurde. Damit ging die 45. Ratstagung formlos zu Ende. Stresemann und Ehamberlain sind beide in Genf geblieben. Sie haben sich jedoch heute außerhalb des Rates noch nicht wiedergesehen. Eine Besprechung ist für morgen. Sonn- abend, in Aussicht genommen. B o n c o u r ist mittags nach Paris zurückgefahren. Deutsch-französische Besprechungen haben des- halb nicht mehr stattgesunden. Die schwebenden Fragen werden auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege wciterbehandelt. Lambert tritt zurück. Das beigische Mitglied der Regierungskommission des Saar- gebieles, Lambert, wird, wie dem„Soz. Pressedienst- aus Gens gemeldet wird, in den nächsten Wochen zurücktreten. * Wie erinnerlich, hatte man schon auf der Märztagung bei der DeHandlung der Saarfragen zu erreichen versucht, daß Lambert, der sich bei der saarländischen Bevölkerung geringer Beliebtheit er- freut und wegen seiner französischen Einstellung auch in Belgien selbst kein besonderes Vertrauen genießt, durch ein neutraleres Mit- glicd ersetzt werden würde. Das stieß damals aus formalen Grün- den auf Schwierigkeiten, doch wurde angedeutet, daß der Rücktritt Lamberts nur noch eine Frage der Zeit sei. Theater um öie Postgebühren. Der Postminifter zieht die Gebühreuvorlage zurück— die Wirtschaft drängt sie ihm wieder ans!— Änch Erhöhung der Rnndsnukgebtthr? Das, was sich gestern im Verwaltungsrat der Deutschen Reichs- post abgespielt hat, kann man nicht anders als«in Theater schlechtester Güte bezeichnen. Man bedenke, der Minister gibt mit großen Worten zu Beginn ein« Erklärung ab, daß er auf die Gebührcnerhöhung nicht verzichten könne: er droht mit der Entziehung von Industrieausträgen, die ein« Entlassung von Arbeitern zur Folge haben würde: er sagt, daß er anders für die Beamtenbesoldung kein« Mittel habe, und als nach einer vierstündigen Debatte um die Frage Vertagung oder nicht die Ver- tagungsonträg« abgelehnt wurden, also in demselben Augenblick, 3in dem die Mehrheit des Verwaltungsrats aus seiner Seite stand, verkündete er feierlich die Zurückziehung der Vorlage namens der Deutschen Reichzpost. Vorher hatte der postminifter noch eine Vorlage über die Er- höhung der Rundsunkgebühren von 2 aus Z M. monatlich eingebracht— eine Forderung, die sachlich nach keiner Richtung begründet, in der breiten Oefsentlichkeit schärfsten Protest auslösen muh. Was aus dieser Vorlage geworden ist. ob sie weiter zur Beratung steht oder ebenfalls als zurückgezogen gilt, ist vorerst nicht recht zu erkennen. Was nun folgt«, war noch übler als der erste Akt. Die Mehr« heit der Mitglieder des Verwaltungsrats hatten sich noch nicht von ihrer Ueberraschung erholt, als plötzlich wie aus ein Signal der Zentrumsabgeordnete A l l c t o t t« sich erhob und dem Veiwaltungs- rat eine neue Ueberraschung mit dem Antrag bereitete, dieser möge nunmehr von sich aus die Beschlüsse des Arbeitsausschusses ge- nehmigen. Jeder fühlte, was schließlich ofsen ausgesprochen und dann auch zugegeben wurde, daß zwischen Herrn Alletotte und dem Minister eine Verständigung vorausgegangen war. In welchem Rahmen dies geschehen ist, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls konnte sich niemand des Gefühls erwehren, daß hier ein nicht ganz einwandfreies Spiel getrieben wurde, mit dem Ziel, der Regierung«ine Genug- t u u n g für die im Reichstag erlittene Schlappe zu bieten. Tat- sächlich überboten sich nun auf einmal die Herren wirtschasts- Vertreter darin, dem gekränkten Postminifter, offenbar zur größeren Ehr« des Rechtsblocks, die zurückgezogene Gebührenvorlage mit allerhand süßen Worten förmlich aufzudrängen. Man äußerte sogar die Meinung, daß es einer Vorlage des Ministers gar nicht bedürfe. Wenn man seinen Wunsch kenne, genüge es vollkommen, und ml» könne die alte Vo:Iage unverzüglich weiterberaten. Tenoss« Schumann- Frankfurt(Oder) hatte vollkommen recht, wenn er diese Vorgänge als ganz unmöglich bezeichnete, und verlangte, daß wegen Einbringung einer neuen Vorlage die Jnitia- tioe einzig und allein beim Reichspostminister liege. Auch wir sind dieser Meinung und finden sie in der Geschäftsordnung des Ver- waltungsrats bestätigt. Zwei Dinge aber haben sich bei dieser Spielerei klar und deutlich herausgestellt. Das eine ist die Doppelzüngigkeit der Wirtschast und der ihnen nahestehenden Parteien. Die Wirtschaft war es, die in unzähligen Protesten, Kundgebungen und Eingaben gegen die Gebührenvorlage des Postministers Stunn gelaufen ist. Die Presse der Regierungsparteien und ganz besonders die der Deutschnationalen und des Zentrums hat in schärfster Tonart gegen die Vorlage mobilgemocht. Und auf der Tagung des Verwalmugsrats waren sowohl die Vertreter jener Großorganisationen der Wirtschast als auch die Abgeordneten der Regierungsparteien nicht nur gegen hie Vertagung der Vorlag«, sie erklärten sich sogar bereit, die Portoerhöhung mit haut und haaren zu schlucken. Sie wollen das Geld der Rechtsregierung förmlich in die Taschen jagen. Zum anderen aber hat sich diesmal unwiderleglich gezeigt, daß das Reichspostsiaanzgefetz in dieser Form einfach nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Man mag es aufheben oder ändern, dieser Kuddelmuddel darf aber nicht weiter bestehen bleiben. Zum Schluß noch ein Wort über die Drohung des Ministers. durch Zurückziehung von Aufträgen Arbeiterentlasfungen unvermeidlich zu machen. Wir bedauern ausdrücklich, daß der Mi- nister glaubte, solche Erklärungen abgeben zu müssen. Dies find die Methoden der Scharsmacherunternehmer. die lediglich zu Gegenaktionen herausfordern, aber sonst keine Wirkungen erzielen. Nochmals erklären wir, daß ein Anlaß zu einer Zurückziehung von Aufträgen absolut nicht vorliegt. Dem Reichs- postminister sind sowohl im Reichstag als auch im Verwaltungsrat Mittel und Wege gewiesen worden, wie er unter Jnan- spruchnahme des Geldmarktes und seiner sehr starken Reserven die Tätigkeit seiner Behörde ungeschmälert aufrechterhalten kann. Dies gilt auch für die Frage der Besoldungserhöhung. Es ist erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit der Minister jeder Erörterung über die Heranziehung der Reserven aus dem Wege geht. Glaubt der Postminister eine Politik auf„biegen oder brechen" treiben zu sollen, so trägt er allein die Verantwortung für die Folgen, die das deutsche Volk leider schr bald zu spüren bekommen wird. Der Nationalfeiertag. Zur heutigen Beratung des sozialdemokratischen Antrags im Reichstag. Von Karl S e v e ri n g. Am 24. Juni sind fünf Jahre verflossen, seit Walter! R a t h e n a u den Kugeln der Meuchelmörder zum Opfcv fiel. Eine ungeheure Empörung ging an dem blutigen Johannistage des Jahres 1922 durch das Land. Knapp ein Jahr zuvor war Mathias Erzberger durch die Hand nationalistischer Mordbuben gefallen, und dieser Frevcltat waren Drohungen der Art gefolgt, daß sie alle,„die Juden und Rvmlinge, die Novcmberverbrecher und roten Despoten"' erledigt werden würden. Allzu viele hatten diese Drohungen für alberne Schwätzereien gehalten in Verkennung der Tat- fache, daß die seit Jahren betriebene Hetze gegen die Männer des neuen Regimes in jungen verbitterten und fanatifierten Menschen Mordpläne gegen die angeblichirn„Vaterlands- verderber und Schädlinge" geradezu wecken mußte. Run: zeigte der Mord in der Königsallee mit erschreckender Deut- lichkeit, daß den Plänen die Verwirklichung, dm Drohungen die Tat folgen sollte. Diese Erkenntnis war» das Signal für die Erhebung der republikanischen Massen, die sich in machtvollen Demonstrationen zusammenfanden und von der Regierung ein entschiedenes Vorgehen gegen die Mordbuben und ihre Hintermänner, die in den nationalisti- schen Organisationen saßen, verlangten. So kam das R e- p u b l i k s ch u tz g e f e tz zustande, so wurden die Behörden auf die Fährten der sogenannten Selbstschutz-Organisationcn gelenkt, so wurden im Reiche diejenigen Beamten entfernt. die es an der gebotenen Wachsamkeit diesen Organisationen gegenüber hatten fehlen lassen. In'dieser Zeit besannen sich die Republikaner auch da- rauf, daß wir in einer Republik leben und daß es nun auch wohl nicht länger zu umgehen sei, dieser Republik auch äußer- lich die Achtung und Ehrung zu verschaffen, die in anderen republikanischen Staatswesen zu den einfachsten Selbstver- ständlichkeiten gehören. Am 7. Juli 1922 beantragten Müller- Franken, Marx und Petersen im Auftrage der sozialdemokratischen, demokratischen und Zentrumssraktion des Reichstags, den Verfassungstag, den 11. August, zum Nationalfeiertag des deutschen Volkes im Sinne des Artikels 139 der Reichsverfassung zu erklären. Zwar war schon einige Wochen früher die Reichsregierung mit einer entsprechenden Vorlage an die Länderregierungen herangetreten, aber die Beratungen über diesen Entwurf waren ins Stocken geraten und darum war die Initiative des Reichstags nur zu de- grüßen.> Auch sie feiert nun bald ihr fünfjähriges Jubiläum. Aber wenn der Reichstag der 3. Wahlperiode nicht in einem kräf- tigcn Tempo das Wollen seiner 1. Periode mit einem erfolg- reichen Vollbringen krönt, dann wird der Jubiläumstag (7. Juli) besonders freudiges Ereignis für die deutschen Re- publikaner bedeuten. Es soll hier nicht untersucht werden, auf welche Einzelgründe es zurückzuführen ist, daß das Vor- gehen der Weimarer Koalition im Reichstag des Jahres 1922 bisher nicht das geringste Ergebnis gezeitigt hat. Man muß zugeben, daß das Krisenjahr 1923, in dem Deutschlar-- nicht nur um seine Unabhängigkeit, sondern auch um die Subsian,; des Reiches kämpfte, für die Beratung und Eimiihnr«g eines Feiertags nicht die freudigste Resonanz im Volke geboten hätte Der Tl. August 1923 war einer der trübsten Tage deutscher Geschichte. Die Mark war ins Bodenlose gesunken, der Lebensmittelmangel aufs höchste gestiegen. Wilde For- mationen undisziplinierter Landknechtsjünger provozierten neuen außenpolitischen Druck. Die Kommunisten trafen ihre Vorbereitungen zur Einführung der„Arbeiter- und Bauern- regierung". Eine vom Reichspräsidenten Ebert im Staat- lichen Schauspielhaus zu Ehren des Verfassungstagcs ver- anstaltete Abendfeier mußte abgesagt werden. Das war spm- bolisch für die Behandlung des Verfassungstages im Krisen- jähr 1923 überhaupt!> Die Reichstagsauflösungen im Jahre 1924 haben ein übriges getan, um die Lösung der Frage des Nationalfeier- tages zu verzögern, obgleich in jeder Periode Anregungen dazu aus dem Reichstage erfolgten. Daß Herr S ch i e l e» des Reiches Innenminister im Jahre 1925, sie nicht aufgriff, ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß damals die Deutschnationalen noch nicht ihr Bekenntnis zur Republik und zu den republikanischen Symbolen abgelegt hatten. Heute sind ja nun wohl alle Hindernisse aus dem� Weq geräumt. Die deutschnationalen Mitglieder der Reichs- regierung, die sich mit den Richtlinien des Zentrums einverstanden erklärten, die der Verlängerung des R e» publikschutzgefetzes zustimmten, die ebenso den Kriegsgerate-Paragraphen zustimmen werden, können unmöglich dagegen sein, daß nun endlich dem deut- schen Volke sein Versassungstag als Rationaffeiertag gegeben wird. Man sollte im Gegenteil meinen, daß Herr v. Keudell, der derzeitige Verfassungsminister des Reiches, mit Freuden den Antrag unterstützen wird, den jetzt die sozialdemokratische Fniktum im Reichstag eingebracht hat und der ungefähr den gleichen Wortlaut aufweist, wie der Initiativantrag des Jahres 1922, der auch die Unterschrift des Vor- sitzenden der Zentrumspartei, Dr. Marx, trug. Des Reiches Verfassungsminister hat ja doch die Auf- gäbe, alles zu unterstützen, was geeignet ist, im. deutschen Volke das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit zu vertiefen. Dazu gehört unstreitig auch die äußere Mani- festation eines Rationalseiertages. Vielleicht fände Herr v. Keudell in der Durchführung dieser seiner Aufgabe auch die Hilfe beim Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r g. Dessen Amtsvorgänger Ebert hat das Deutschlandlied aus� den Klammern nationalistischer Anmaßung und Ueberheb- lichteit befreit und zur deutschen Nationalhymne gemacht. Äls am 11. Juni bei der Eröffnung der Internationalen Musikausstellung in Frankfurt a. M. die Banda Municipale die Denezia auftrat, spielte sie das Deutschlandlied unter jubelnden Beifallsäußerungen der in- und ausländischen Gäste. Es ist offiziell und tatsächlich das Nationallied geworden dank dem Weitblick und dem Mute des Mannes. dem neben anderen schweren Aufgaben auch die Verpflichtung zufiel, der jungen Republik eine republikanische Tradition zu schaffen. Ich kann nicht glauben, daß Reichspräsident v. Hindenburg auf diesem Gebiete weniger weitblickend und weniger mutig sein sollte. Marx hat im Jahre 1922 und später gesagt, ein National- seiertag lasse sich nicht dekretieren. Das ist insofern richtig. als sich die lebendige Anteilnahme des Volkes, der Schwung und die Begeisterung für einen Feiertag Micht befehlen läßt. Deswegen konnten weder die Geburtstage der früheren Mon- archen, noch die Gedenktage der Schlachtensiege aus erfolg- reichen Kriegen eigentliche Volksfeiertage fein. Aber für den Verfassungstag ist diese. Begei st erurifl, ist der Schwung, die Leidenschast vorhanden. Wie das Reichsbanner die Fahne Schwarz-Rot-Gotd aus Kümmernis und Dunkelheit befreit und ans Licht getragen hat, so hat es auch den Verfaffungsfeiern den Boden bereitet und dem Volke die Bedeutung und Größe des 11. August nicht nut vor Augen geführt, sondern auch ins Herz ge- tragen— nicht gegen Reich und Regierung, sondern f ü r sie, deren ureigenste Aufgab« es hätte fein sollen, im Volke Sinn und Verständnis für die selbstgeschaffene Verfassung zu wecken. Daran haben es die Regierungen recht oft fehlen lassen. Ist es denn wirklich so schwer, dem Volke zu sagen. daß der Aufbau aus Trümmern unendlich größer und er- habener ist als eine gewonnene Schlacht? Ist ein Volk, das sich in tieffter Not selbst hilft, nicht bewunderungswürdiger als ein Monarch, der. ständig ein Spielball in der Hand seiner Umgebung, jn Augenblicken der Gefahr zur Jammerfigur Ptrd? Ist ein Werk der Einigung und des Friedens nicht wertvoller und beständiger als militärische und diplomatische Dekrete, die auseinanderstreben und den Keim neuer Kriege in sich tragen? Unsere ersten Schritte zum Wiederaufftieg verdanken wir deutscher Wissenschaft und Kunst, deutscher Technik und deutscher Arbeit, deren freie Betätigung die Weimarer Verfassung schuf. Geben diese Gedanken einem Nationalfeiertage nicht Inhalt genug? Das deutsche Nolkehrt sichselbst, wennes seineVerfassung ehrt. Beratung- Vcradschledu.ng.. des,,.ioziaid�ÄrM fchpn Antrags wird ein Prüfstein, dafür sein,, wie weit dies? (prpääfchgen heut�.äuch hon dqmn geteilt werden, die vor stins Iahren in einer Einheitsfront gegen den 11. Augusl als Nationalfeiertag standen. Man komme nicht mit den pe- häntifchen Bedenken, daß die Jahreszeit, die ja auch von den Schulferien in Anspruch genommen wird, stkh nicht für die Einlegung eines Nationalfeiertags eigne. Geraös der Sommer ist geeignet, die Feiern aus den engen Wänden eines Der- sammlungsrauines hinauszutragen ins Freie, den Der- fassungstag zum Volkstag zu machen. Schulfeiern auch oder gerade fü r die Verfassung in allen Ehren! Aber auch außer- halb der �schule, also auch in der Zeit der Schulferien, gibt es Möglichkeiten genug, unsere Jugend auf die Bedeutung des Tages hinzuweisen und mit dem Geist von Weimar oer- traut zu machen. Auf die Vorbereitung dieses Geistes kommt es an. Wir wollem keine neuen lärmenden Feste, keine Flitterparaden. Aber die deutschen Republikaner sollten nun auch endlich stolz und freudig zeigen, daß sie sich ihres Verfassungswerkes nicht schämen. Lange genug hat man es geschmäht, allzu oft die idealen Verheißungen seines Vorspruches mit den trüben Zuständen der Gegenwart verspottet. Macht dem ein Ende! Der Nationalfeiertag am 11. August wird ein weiterer Schritt auf dem Wege sein, der zur Erfüllung dieser einen Verheißung führt: Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen, hat sich diese Verfassung gegeben! Einheitliche Schulpflicht in Preußen. Der neue Gesetzentwurf. Dem Preußischen Staatsrat ist der„Entwurf eines Gesetzes über die Schulpflicht in Preußen(Schulpflichtgesetz)* zugegangen. Der Entwurf will die in Preußen von altersher bestehende V e r- schiedenheit der Bestimmungen über Geltung, Beginn und Ende der Schulpflicht und über die Schuloersäumnisstrafen be- scitigen und die Schulpflicht für das ganze Staatsgebiet e i n h e i t- l i ch r e g e l n. Er trägt damit nicht nur einem schon feit Jahr- zehnten vorhandenen Bedürfnis, sondern auch oft geäußerten Wünschen weiter Kreise der Bevölkerung Rechnung. Schon seit langem wurde es als unerträglich empfunden, daß z. B. die S ch u l- pflicht in manchen Landesteilen nach den dort geltenden Bor- fchriften mit dem Anfang, in anderen Landesteilen mit der Voll« enditng des sechsten Lebensjahres begann, ferner daß st« in manchen Landesteilen mit dem vollendeten vierzehnten Lebens- jähr— auch mitten im Schuljahr—, in anderen mit der Kon- firmation endete. Der Entwurf, der sich übrigens nicht auf die Berufs- (Fortbildungs-jschulpflicht erstreckt, erklärt für schul- pflichtig nicht nur alle staatsangehörigen Kinder, sondern— abweichend vom bisherigen preußischen Recht— auch diejenigen anderen reichsangehörigen Kinder, die sich dauernd in Preußen aufhalten. Der Entwurf bestimmt, daß die Schulpflicht durch den Besuch einer deutschen Volksschule zu erfüllen sei. Im ganzen Staatsgebiete soll künftig die Schulpflicht beginnen mit dem 1. April für alle Kinder, die bis zum 30. Juni desselben Jahres das sechste Lebensjahr vollenden: Kinder, die in der Zeit vom 1. Juli bis 39. September das sechste Lebensjahr vollenden, sollen auf Antrag des Erziehungsberechtigten zu Beginn des Schul- jahres in die Schule aufgenommen werden können, wenn sie die für den Schulbesuch erforderliche körperliche und geistige Reife besitzen. Die Schulpflicht soll enden nach Ablauf von acht Iahren mit Schluß des Schuljahres. Für Kinder, die bei Ab- lauf der achtjährigen Schulpflichtzeit das Ziel der Volksschule noch nicht erreicht haben, ist die Möglichkeit der Verlängerung der Schulpflicht auf die Dauer e'Nes Jahres vorgesehen, anderer. seits für Kinder, die das Ziel der Volksschule nahezu erreicht hoben, die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung, wenn besonders schwierig« häusliche oder wirtschaftliche oder beson- derc in der Person des Kindes liegende Verhältnisse es erfordern. Die DaM dSö'SchlliWich�stn�RahiNen k>e�'ÄÄikels der Reichs- Verfassung'übet" die„mindestens� acht Schlllfahre hinaus gesetzlich allgemein um ein weiteres Jahr zu verlangern, wie von vielen Seiten aus inneren und äußeren Gründen angeregt worden ist. er- scheint nach der amtlichen Begründung gegenwärtig finanziell nicht durchführbar. Die Schulpflicht soll ruhen für die ftaatspngehörigcn Kinder, die sich mit Zustimmung der Schulaufsichtsbehörde dauernd oder zum Besuch einer ausländischen Schul« vorübergehend im Auslande aufhallen, für Kinder, welche die nach dem Reichsgrund- jchulgesetz zurzeit noch nicht geschlossenen öffentlichen oder privaten Dorschulen oder Borschutklassen besuche««der für die nach dem Reichsgrundschulgesetz an Stelle des Besuchs der Grundschule Pri« oatunterricht zugelassen ist, endlich für Kinder, für deren Unterricht nach Ableuf der Grundschulpflicht anderweit, insbesondere durch den Besuch einer mittleren oder höheren Schule, ausreichend gesorgt ist.' Für blinde und taubstumme Kinder soll es bei den Bor- fchriften des Gesetzes vom 7. August 1911 bleiben: für die Beschulung der schwerhörigen, sprachleidenden, schwachsinnigen, krankhaft ver- anlagten, sittlich gefährdeten und verkrüppelten Kinder ist die Mög- lichkell einer den Verhältnissen angepaßten Sonderregelung im Verordnungswege vorbehalten. Die Bestimmungen des Entwurfs, die sich mit der Schul- Versäumnis beschäftigen, bringen gegenüber dem bisher gel- tenden Recht nichts wesentlich Neues, schaffen aber für das ganze Staatsgebiet Klarheit über die Rechtslage. � Das neue Gesetz soll am 1. April 1928 in Kraft treten. Die Provinz S ch l e s w i g- H o l st e i n, in der seit altersher für Knaben größtenteils neunjährige Schulpflicht gilt, wird ermächtigt. durch Provinzialsatzung an dieser neunjährigen Schul- pflicht festzuhalten. die Sowjetgranaten vor Gericht. Genosse Künstler klagt gegen kommunistische Schimpfboldc. Am Montag, dem 29. Juni, 1214 Uhr mittags, findet vor dem Amtsgericht in Neukölln der Beleidigungsprozeh des Genossen K ü n st l e r gegen den verantwortlichen Redakteur des kommunistischen„Klassenkampf* in Halle statt. Der„Klassenkampf* hatte den Versuch unternommen, die Verössentlichungen des Genossen Künstler über die Verladung von Sowjetgranaten für die Reichs- wehr in Stettin als unwahr hinzustellen und hatte in diesem Zu- sammenhange das Wort.Lügen> Künstler* gegen den Genossen Künstter gebraucht. Verlängerung üer pachtschutzorünung. Um weitere zwei Jahre. Dem Reichstag ist soeben ein Gesetzentwurf zugegangen, der die geltende P a ch t s ch u tz o r d n u n g, die am M. September 1927 abläuft, bis zum 39. September 1929, als umzwei Jahre ver- l ä n g e r t. In der Begründung zu dieser Vorlage teilt die Regie- rung mit, daß die Voraussetzungen, die zur Schaffung der Verordnung Veranlassung gaben, zum Teil auch jetzt noch vorliegen, es sei daher erforderlich, die Bestimmungen der Pachtschutzordnung bis zur Schaffung eines Dauerpachtrechts aufrechtzuerhalten, damit eine schwere Beunruhigung der Pächter und damit eine Vcr- Minderung der landwirtschaftlichen Erzeugung vermieden wird. der Nieüergang üer Konservativen. Ein Unterhaussitz nur mit großem Stimmenverlust behauptet. eondon. 17. Juni.(TU.) Bei der Parlamentsnachwahl in W e st b u r y wurde der konservative Kandidat Major Long mit einer Mehrhell von 149 Stimmen gewählt. Der konservative Kandidat hat einen S t i m m e n r ü ck g a n g von 936 Stimmen ZU verzeichnen, mährend die Liberalen and-die Arbeiterpartei je einen Äimmeazuroachs von 399 bzw. 799 Stimmen aufweisen können. 1*"*■"" Auflösung üer Skuptflhkna. Jugoslawische Neuwahlen am 11. September. Belgrad. 17. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der König hat am Dienstag durch Dekret die Auslösung des Parlaments vollzogen Und die Neuwahlen für die Skuplschina auf den 11. September festgesetzt. Deutscher Nuflkerverbanü in Magdeburg Wenn Musiker zu einer Tagung zusammenkommen, so gestaltet st« sich viel genußreicher als gewöhnliche Kongresse. Da gibt es nämlich nicht allein die üblichen Ansprachen und Berichte, sondern da wird mit Begeisterung musiziert und damll der Zusammenkunft ein besonders festlicher Stempel ausgedrückt. So geschah es auch diesmal, als der Deutsche Musiker- verband in der Reichshauptstadt seinen dritten Verbandstag ab- hiell. Der Uinstand, daß er auf der Magdeburger Theater- ausstellung mit einer' eigenen Koje vertreten ist, lockte noch be- fonders nach der Nachbarstadt: hier konnte das Ausstellungsmaterial den Mitgliedern vor Zlugen geführt und zugleich dem Publikum be- sonders aktuell geinacht werden. Dazu kommt, daß die vom Stadt- baurat Goederitz neu errichtete Stadthalle ein besonder« würdiges Versammlungs- und Konzertlokal bot. Es ist in der Oefsentlichkeit noch viel zu wenig bekannt, was diese gewaltige Gewerkschaft, die den weitaus größten Teil der deutschen Musiker umfaßt, an organisatorischer Arbeit leistet. Man sieht aus der Ausstellung, wie erfolgreich der Verband bemüht ist, die angehenden Musiker aus der Lehrlingszüchter« der Stadtpfeifereien zu erlösen und einen sozial und künstlerisch höherstehen- den Nachwuchs heranzubilden. Es gibt bereits drei Schulen für Orchestermusiker: eine, die an die Charlottenburger Hochschule für Musik angegliedert ist. eine in Köln und eine in Mainz. Hier empfängt der Zögling neben einer umfassenden Allgemein- bildung einen Fachunterricht, dem eine nach den modernsten wissen- schaftlichen Grundsätzen angelegte Befähigungsprobe vorausgeht. So wurden von 89 Bewerbern an der Charlottenburger Orchester- schule nur 16 als tauglich befunden. Reichhaltiges statistisches Ma- terial erläutert außerdem die Arbeitsleistung, die die einzelnen Instrumentengruppen erfordern, und die Sterblichkeit unter den Mit- gliedern: ferner wird eine Uebersicht geboten über die Verteilung der Orchester auf das Reich und die Entwicklung des neuen Zweiges der Kinokapcllen aufgezeigt. Die Magdeburger Tagung am 16. Juni brachte außer Begrüßungsansprachen von Vertretern der Stadt und des Staates einen Vortrag des Kunstwartes des Deutschen Musikerverbandes, A. Jahn, über„Die Ausbildung des Musikers*. Sie führte aber auch in einem Bormittagskonzert die Früchte dieser Erziehungsarbeit vor: dos Orchester der Charlottenburger Orchester- schule, bestehend ans etwa 89 Zöglingen im ersten Semester, spielte unter Leitung des Professors G m e i n d l Beethovens„Egmont- Ouvertüre*, den„Nachmittag eines Fauns* von Debussn und Dvoraks Sinfonie„Aus der neuen Welt*. Eine erstaunliche Probe aufs Erempel: diese Vierzehn- bis Fünszehnjährigen leisten, wenn sie auch noch keine vollendeten Ensemblespieler sind, doch schon Außerordentliches an Tonreinheit und rhythmischer Sicherheit. Von hier aus führen hoffnungsvolle Wege in die Zukunft unserer deut- scheu Orchestermusik. Die Erwachsenen und Fertigen taten sich am Abend unter Lei- tung von Professor Abendroth zu einem Festkonzert zu- saminen, bei dem jeder mit Begeisterung sein Bestes bot. Selten wird man ein so auserlesenes Orchester zusammen finden. Da waren 229 erste Kräfte am Werk aus staatlichen und städtischen Orchestern von Magdeburg, Berlin, Braunschweig, Dessau, Halle, Hannover und Leipzig. Bor einem feierlich gestimmten Publikum von 3999 Personen wurde ein fast uberreiches Programm zu Gehör gebracht, das sich zusammensetzte aus der„Oberon-Ouoertüre* von Weber, der„Musik für Geige" von dem allzu früh verstorbenen Rudi Stephan— Solist war der Magdeburger Konzertmeister K o b i n—.„Tod und Verklärung* von Richard Strauß, ferner aus der ersten Sinfonie von Brahms und der Tannhöuser-Ouvertüre. Mag sein, daß ein einheitlicher Orchesterkörper wie die Berliner Philharmoniker in den Einzelheiten genauer zusammengeht— die Musiziersreudigteit und die Hingabe für die eigene Sache wird man in diesem Maße kaum wiederfinden. Es war ein Ehrentag für die verdienstvolle Musikergewerk- schaff wie für die Stadt Magdeburg. Hermann Hieber. howantschina in Dresden. Im Staatlichen Opernhaus in Dresden kam das mdsikalische Volksstück o w a n t j ch i n a* (russisch: Chowanschtschina) von M u s s o r g s k i j zur Aufführung. Nach dem herrlichen„Boris Godunow* ist das Werk«in Abstieg, ein— geräuschvoller Leerlauf. Obzwar die Musik, von R i m s k y- Korssatoss für das Orchester bearbeitet(den Komponisten er- eilte während des Schaffens der Tod), schön' klingt und das schwache dramatische Geschehen ebenso wirksam ausdrückt, wie sie in seltsam schwermütigen, volksliedhaften, oft feierlichen Melodien schwelgt— den schauderhaften Text, den sich Mussorgskij selbst geschrieben hat, vermag ste doch nicht erträglich zu machen. Schan in der ersten halben Stunde verliert sich die Fabel, die einen Streit unter den Bojarenfürsten Rußlands im 17. Jahrhundert behandett, und ganz ander« Motive kommen auf. Sadistische Greuel, Sektiererpyilo- sophie, gestammelte Angst um das Wohl des Vaterlandes, eine an- gefangene Liebe, Verrat, Mord, endlich Verbrennung der Gläubigen auf dem Schciterhausen— das alles wirbelt durcheinander, zu- fammenhanglos, undramatisch, widerlich und langweilig. Van menschlicher Geslallung keine Spur— Theater, übelstes Theater. Daß das Werk dennoch freundtich aufgenommen wurde, ist der szenisch wie auch musikalisch vorzüglich geleiteten Aufführung und den Kräften der Oper zu danken, die mit überwältigender Schönheit sangen und spielten. Das Recht des Bühnenleiters aus Streichungen. Eine Ent- scheidung von prinzipieller Bedeutung hat da? Bühnenschiedsgericht in einem Prozeß gegen das Brrslauer Bikloria-Thealer gefällt. Die Leitung der Böhne hatte aus Wunsch einer Schauspielerin den ganzen vierten Akt des Lustspiels„Der Garten Eden* von Bernaucr und Oesterreicher gestrichen und ist nun.zur vollen Vertragsstrafe verurteilt worden. Die Urteilsbegründung führt u. a. aus: Es kann nicht als Recht eines Bühnenleiters anerkannt merden.«in von ihm erworbenes Bühnenwerk ohne vorherige Befragung der Klägerin und der Autoren derartig zu verändern, wie der Beklagte für angemessen gehalten hat. Es kann ein Recht des Bühnenleiters nicht bestritten werden, geringe Dialoganderungen vorzunehmen oder selbst etwas ganz Geringfügiges fortzulassen, aber auch dieses Recht besteht nur in bescheidenen Grenzen. Die Fortlassung eines ganzen Aktes an einem Stück, das in großen Städten«inen aus- gesprochenen Publitumsersolg gehabt hat, verstößt indessen wider Treu und Glauben und kann nicht gebilligt werden. Die Sonnenfinsternis als Frieden sbringer. Anläßlich der be. vorstehenden Sonnenfinsternis am 29. Juni, der ersten totalen Sonnenfinsternis, die in England seit 299 Iahren beobachtet wird, erinnert der Astronom W. F. Denning in einem Artikel in der Zeitschrist„The Nineteenth Century* daran, daß vor rund viertausend Jahren eine Sonnenfinsternis den beiden chinesischen Astronomen Ho und Hi recht verhängnisvoll wurde. Die beiden Gelehrten waren die offiziellen Astronomen des Kaisers Tschung Kang und hatten es ihrer Nachlässigkeit zuzuschreiben, daß die Sonnenfinsternis ihr Leben kostete. Dies geschah im Jahre 2136 v. Chr. In diesem Jahre trat in China eine totale Sonnenfinsternis ein, die erst«, von der in der Geschichte berichtet wird. Hi und Ho hatten es unterlassen, ihren kaiserlichen Herrn von dem bevorstehenden Naturschauspiel zu unterrichten. Diese Unterlassungssünde stellte ein unverzeihliches Verbrechen dar, da sich der Kaiser der Möglichkeit beraubt sah, bei dieser Gelegenheit die Gunst der Götter zu erbitten. Vielleicht ge- riet er auch in Zorn, weil er infolge der Nachlässigkeit seiner Astronomen die geschwärzten Gläser oermißte und dadurch außerstand« war. die Sonnenfinsternis zu beobachten. Jedenfalls wurden Hi und Ho angeklagt, vor den Richter geschleppt, verurteitt und hin- «richtet. Nicht immer haben Finsternisse derartig« Tragödien her- eigesührt. Eine Sonnenfinsternis hat sogar einmal die Rolle des Fricdcnsbringers gespielt. Dies geschah im Jahre 583 v. Ehr. während des Krieges zwischen den Medern und Lydern. Die Schlacht war im vollen Gang, als sich der Himmel verdunkelte und sich plötzlich die Nacht über die Kampsenden niedersenkte. Bon Furcht und Schrecken gepackt, legten die Streiter die Waffen nieder und schlössen auf der Stelle Frieden. Deutschlandreise russischer Wissenschaftler. In den nächsten Tagen treffen 29 sowjetrusstsche Universitätsprofessoren, Naturforscher und Mediziner unter Führung des Volkskommissars für das Gesundheilswesen, Pros. Semaschkn, in Berlin ein. Di« sowiel- russischen Gelehrten werden' in der Woche vom 19. bis 23. Juni in den Instituten der Berliner Hochschulen Vorträge über ihre Fach- gebiete halten. Der Besuch gitt als«in Gegenbesuch für die An- Wesenheit deutscher Gelehrter in Moskau im Herbst 1925, anläßlich des 299iährigen Jubiläums der dortigen Akademie der Wissen, schaffe_ Die Xovmibergruxpe l-eraitCoIfcf am 25. ,u Gunsten des tzilfSoereinS für jimae Kunst ein Cotd'ffl.Wieder eine Nacht auf dem Wannlec� auf der 5chaiier-?ngfl.Dorothea" Slrandkaffee am steinen Wannsee. Die PeranilaUuna findet bei jedem Wetter statt. Die SchistSkarten sind«r baden: im DertcbrSdureau der Stadl Berlin, ftriedrich-Eberlitr. 5, in der neuen Kunsthandlung, Tauenfeienstr. fi, bei K. u. E. Twardy, Potsdamer Str. tZ und in der Geschäftsstelle der Novembergruvp«, Achenbachstr. 21. 3« der lvrohen Berliner Kunstauestellung werden die Sonderausstellungen des russischen Walers Malewitlch und des Stuttgarter» Baumeister End« diese» Monat» geschlossen«od durch Sleuausflellungen ersetzt. Neuer Msthlag auf öen/lchtftunöentag Sozialdemokratischer Protest gegen die 6O Stundenwoche im Bäckereigewerbe. Auf der Tagesordnung des gestrigen Reichstags stand die Be- ratung des Gesetzentwurfs über die Aenderung der Rechts- anwaltsordnung. Danach soll die Zahl der Vorstandsmit- glieder der Anwallskammern erhöht und die Bildung neuer Ehren- gerichtsabteilungen zugelassen werden. Abg. Dr. Rosenseld(Soz.) spricht fein Bedauern darüber aus. daß die Regierung noch immer nicht eine völlige Neuordnung der Rechtsanwaltsordnung vorlege und sich immer mit bloßen Aende- rungen begnüge. Der Redner schildert die reaktionäre Praxis der Ehrengerichte, die sich besonders gegen solche Rechtsanwälte richtet, die an der deutschen Justiz Kritik zu üben wagen. Die Rechtsanwälte müssen auch gegen diese Ehrengerichte in ihrer freien Meinungsäußerung beschützt werden. Auch die Freizügigkeit der Rechtsanwälte für das ganze Reich muß endlich sichergestellt werden. Die Sozialdemokratie wünscht Aus- kunft darüber, wann die Regierung die völlige Umgestaltung der Rechtsanwaltsordnung schassen will. Staatssekretär Joel erklärt dazu, daß daran erst gedacht werden könne, wenn die Zivilprozeßordnung umgestallet würde. Ueberdies bestünden in den Kreisen der Rechtsanwälte selbst lebhafte Mei- nungsoerschiedenheiten darüber, wie die Anwaltsordnung neu- gestaltet werden solle. Die Vorlage wird darauf in allen drei Lesungen angenommen. Es folgt die Beratung des von den Abgeordneten R i e s e b e r g lDnat.), Biener(Dnät.), Esser(Z.)> Sonn ern der Schlinge haben, so hätte ich alles, was in meiner Macht stand, getan, um sie zu retten, damit nicht Unschuldige ge- tötet werden." Wenn sich also die Protestantin Frau Keil statt an ihren eigenen Seelenhirten an den katholischen Geistlichen gewandt hätte würden ihr Mann und die elf anderen heute noch am Leben sein. Trotz des Ergebnisses der Beweisaufnahme ließ Herr Hell durch feine Bertre-er gegen die Genossen Schützing«? und Wendel Freiheitsstrafen in Antrag bringen! D i e S t r a f e n gegen die Männer, die ihrer Empörung über das Verhalten Hells kräftig Ausdruck gegeben haben. find hoch, viel zu hoch. Aber Herr Hell wird an dem Urteil dennoch keine Freude empfinden. Die Fest- stqllungen des Gerichts, daß er durch feine Angaben Männer belastet hat, die ihm nach eigenem Geständnis nicht bekannt waren und daß er jedes Eingreifen zugunsten der von einem gewaltsamen Tode Bedrohten abgelehnt hat, die er, wie das Gericht mit übergroßer Borsicht sagt, vielleicht vor ihrem Schicksal hätte bewahren können, sind für ihn um so zerschmetternder als das Bestreben des Gerichts, ihn zu schonen, unverkennbar ist. Was hilft es ihm, daß das Gericht für feine Erregung Verständnis gezeigt hat, die die Er- innerung daran, daß fein Leben in Gottes Hand ist, wohl hätte mildern können! Was kann es ihm frommen, daß das Gericht es abgelehnt hat, die Auffassung sich zu eigen zu machen, daß er der wahre Schuldige an der Erschießung der zwölf Arbeiter fei! Er hat auch nach der Ansicht des Gerichts zwei sehr wesentliche. Bedingungen zu der Begehung der furcht- baren Tat gefegt und sich damit m den Augen jedes objektiv Denkenden zumindeftens mitschuldig gemacht, und ebenso- wenig kann ihm die Auffassung des Gerichts von irgend- welchem Nutzen fein, daß ihm ein Widerspruch zwischen seinem Berhalten und der von ihm zu vertretenden Moral- lehre nicht nachgesagt werden könne. Jesus von Nazareth wiiide hierüber ein anderes Urteil gefällt haben als das Amtsgericht München. So kann ich denn den Bericht über den Perlacher Mord und die Würdigung des Berhallens des Pfarrers Hell in der traurigen Angelegenheit mit den Worten schlichen: Die Angeklagten sind verurteilt, der Pfarrer Hell aber ist gerichtet. Norwegisch-russilcber Zwischenfall. Der rusfifchc Gesandte wird ersetzt. Oslo. 17. Juni.(TU.) Staatsminister Lqtke erklärte in der Storthingsitzunp, er habe den Sowjetgesandten Makar darauf aufmerksam gemacht, daß seine Rede und seine ten- denziösen Aeußerungen gegen England bei der Trauer- feier für Woitow einen peinlichen Eindruck gemacht habe», Der Storthing genehmigte ferner eine Mißbilligungs- «rklärung an den Führer der norwegischen Arbeiterpartei Al- fred Madsen, der ebenfalls«In« Rede anläßlich der Trauer- feier für Woitow gehalten hat. Aus Moskau verlautet hierzu, daß Makar durch einen anderen Gesandten ersetzt werden soll. Makar werde in diesen Tagen Litwinow Bericht erstatten. Tschitschcrin hat Berlin verlassen. T s ch i t s ch e r i n hat gestern Berlin verlassen, um noch mehr- monatlicher Abwesenheit nach Moskau zurückzukehren, Bor seiner Abreise hatte er noch mehrere Unterrehungen mit offiziellen deutschen Persönlichkeiten, darunter Reichskanzler Marx und dem in Berlin auf Urlaub weilenden deutschen Botschaster in Moskau, Grafen Brockdorff- Rantzau. Letzterer unterrichtete den russischen Volkskommissar im Auftrage der Reichsregierung über den Verlaus der Genfer Besprechungen Etresemanns mit den Locarno-Mächten bezüglich Sowseirußland. Moskau dementiert die Verhaftungen von Reichs- deutschen. Moskau, 17. Juni.(Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Meldung Berliner Blätter von der Verhaftung von fünf deutschen Staatsangehörigen sst falsch, Mitteilungen aus authen- tischer Quelle zufolge ist kein einziger ausländischer Staats- angehöriger, insbesondere kein Reichsdeutscher, verhaftet worden. Die Liga für Menschenrechte gegen die Geisel- Hinrichtungen. Wie der„Reichsdienst der deutschen Presse" meldet, hat General- major a. D. Freiherr v. Schönaich im Nomen der Deutschen Liga für Menschenrecht« dem russischen Botschaster in Berlin K r e st i n s k i eine Entschließung der Liga unterbreitet, in der Einspruch erhoben wird gegen die Masscnhinrichtungen, die geeignet seien,„die stets wachsende Sympathie für das neu« Rußland, Zü beeinträchtigen". Eine faschistische Lüge. „Bündnis zwischen Jugoslawien und österreichischen Sozialdemokraten."(!!) Wien. 17. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die römische„Tri- Huna" hatte am Donnerstag mitgeteill, daß die jugoslawische Regierung mit dem sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund in Oesterreich eine Vereinbarung zu einem g e- meinsam�n Vorgehen gegen Italien getroffen hätte. Der Präsident des Schutzbundes hat daraufhin am Freitag erklärt, daß die ganze Sache erfunden und erlogen ist. Es handle sich offenkundig um eine faschistische Mache, um nicht nur Jugoslawien als Kriegshetzer hinzustellen, sondern auch die öfter- reichsschen Sozialdemokraten als Bundesgenossen der Jugoslawen, Der Reichsparteilag des Zentrums ist für den 3. Juli nach Berlin einberufen worden, um die neuen Gesetzesvorlagcn, insbe- sondere das Reichsschulgesetz, zu beraten: serner sollen laufende Parteifragen behandelt werden, Zum zweiten Bürgermeister von Hindenburg(Oberschlefien) wurde der sozialdemokratische Landtogsabgeordnetc Gen. Franz gewählt. 1 5. verbanüstag der Holzarbeiter. vierter Verhandlungslog. Ueber die Lohnfrage im Lichte der neuen Wirtschaftsentwicklung sprach am Mittwoch nachmittag Genosse Professor Dr. N ö l t i n g, Leiter der Akademie der Arbeit in Frankfurt a. M. Der Extrakt des sehr instniktwen Vortrages ist enthalten in folgender E n t- schließung: „Die veränderte Struktur der Weltwirtschaft verleiht der Aufnahmekraft unseres Inlandmarktes eine schlechthin entscheidende Bedeutung. Dem durch Rationali- sierung und wissenschaftliche Betriebsführung in seiner Ergiebigkeit gesteigerten Produktionsapparat steht eine z u- sammenoeschrumpfte Kaufkraft der breiten Massen gegenüber, die verheert wurde durch den Raubzug der Inflation und den noch weiterhin dauernden Lohndruck. Statt mit Preis- fenkung und Lohnerhöhung an der Ueberwindung der Wirtschaftskrise zu arbeiten, geht das Unternehmertum den Weg monopolistischer Preisdiktate und konsumfeindlicher Produktionsdrosselung. Die Resultate der Rationalisierung dienten bisher nur dem privaten Unternehmerprofit, nicht aber der Marktausweitung und allgemeinen Wohlfahrtssteigerung. Ein mit den Mitteln des Lohndnicks und des Preiswuchers be- triebener„Kapitalschutz" muß aber auf die Dauer zusammenbrechen und das Bolk in den Wittschaftskampf führen. Den Gewerkschaften fällt die Aufgabe zu, mit der Durchsetzung der Forderung nach höheren Löhnen auf eine Betteilung des Sozial- Produkts hinzuwirken, die nicht n« den Geboten sozialer Gerechtig- keit, fondern auch den ökonomischen Notwendigkeiten entspricht. Der Lohn ist nicht nur Kostenelement, sondern Konsumsaktor. Das Mißverhältnis zwischen gesteigerter Produktionsmacht ünd ge- fchwächter Kaufkraft ist nur zu beseitigen durch Gewährung aus reichender Lohnbezüge an die arbeitenden Massen. Indem sie diese Forderung erheben, dienen die Gewerkschaften ebenso sehr den speziellen Interessen der Arbeiterklasse wie der Gesamtwirtschaft." In der Diskussion führte Pieck aus, die Arbeiter könnten nicht auf die Preise wirken, da die Produktion eine anarchische sei. Den Lohn durch Wahlstimmen becinfkussen zu können, sei eine Illusion. Zu der Wendung des Referenten, er könne, wenn er die Diktatur habe, mit dem 89 Proz. Agrarland Rußland gan.; andere Experiments machen, als mit dem 67 Proz. Industtteland Deutsch- land, erklärte Pieck, die Sowjet-Union ist abhängig von der ganzen Welt. Ein solches Land brauche die kapitalistischen Kräfte des Auslands. Nachdem fj e n n i g(Berlin) und Verbandsvorsitzender T a r n o w zu dem Thema gesprochen hatten, führte Professor Dr. N ö l t i n g in seinem Schlußwort aus, er weise die Theorie von sich, daß der Kapitalismus zusammenbrechen werde. Wenn er von der Verengung des Kapitalismus spreche, so meine er, daß diesem die Fernmärkte nicht mehr in dem bisherigen Umfang zur Ver- fügung stehen. Folglich ist der Inlandsmarkt unser Schicksal. Es müssen also die Löhne und damit die Kaufkraft erhöht werden. Was Tornow über das Hinauskommen über den Marxismus gesagt habe, tresfe zu. Das zu bestreiten, hieße, ein vor 60 Jahren ver- faßtes Lehrbuch in der Naturlehre heute noch als richtig anerkennen. Das erstemal war es Attstoteles und das zweitemol die Bibel, die das menschliche Denken aufgehalten haben. Wir lassen uns ober nicht auf dem Scheiterhaufen verbrennen, sondern wir propagieren den lebendigen Sozialismus. Wenn man den Arbeitern sage, es gehe ihnen heut« schlechter, als früher, erziehe man nur Defetteure, aber nicht Kämpfer mit Klassenbewußtsein. Das fott- währende Betonen der Negativität lähme die Agitation. Es ist nicht nur ein objektiver, sondern auch«in psychologischer Irrtum, zu glauben, man könne mit einer verelendeten Masse etwas erreichen. Wenn die KorirMe«tdoppelt werden, wirkt da» nicht auf den Lohn ein? Wohin wären die Löhne gekommen, wenn Erwerbslosen- Unterstützung und Krisenfürforge nicht gewesen wären. Wenn ge- sagt werde, die Kapitalisten würden im gegebenen Moment dos Wahlrecht ändern, nun wohl: Wenn die Unternehmer den illegalen Weg gehen, dann müssen die Arbeiter den legten Schluß im Macht- kämpf ziehen. Nicht Pessimismus ist am Platze, sondern erhöhte wirtschaftliche Aktivität.(Lebhafter Beifall). Die obige Entschließung wurde gegen wenige Stimmen a n- genommen: damit ist eine von Pieck eingebrachte Eni- schließung abgelehnt. Hierauf wurde die ausgesetzte Aussprache über den Gewerk- schastskongreß zu Ende geführt. Eine Resolution Pieck wurde abgelehnt, verschiedene Anträge für erledigt erklätt. An- genommen wird der Antrag des Gautages Düsseldorf, der Gewett- schastskongreß soll wiederholt zum Ausdruck bttngen, daß sämtliche Betriebs-, Jnnungs- und Ortskrankenkassen zu einer e i n h e i t- l i ch e n K a s s e zusammenzufassen sind. Die Delegierten zum Gewerkschaftskongreß setzen sich zusammen: Vorstand 3, Redaktion 1, Verwaltungsstelle Berlin 1, Gaue 14. Der inkernalionale holzarbeiterkongreh. Zu diesem Punkt liegt eine Entschließung des Vorstandes und der Vorberotungskommifsion vor, nach der der Derbandstag in der nationalen und internationalen Einheit der Arbeiterbewegung eine der wichtigsten Voraussetzungen für das schnelle und erfolgreiche Fortschreiten der Bewegung sieht. Deshalb bedauert er aufs tiefste die Spaltung namentlich der politischen Organisation,, die sich hemmend und schwächend auf die gewerkschaftliche Bewegung aus- wirkt. Er brandmarkt alle falschen Arbeiterfreunde und fordert die gesamte Arbeiterschaft auf, unter Anerkennung des demokratischen Prinzips und Respektierung des Mehrheitswillens, für die organi- fatottsche Einheit auf allen Gebieten der Arbeiterbewegung einzu- treten. Der Verbandstog verurteilt aufs schärfste olle Versuche politischer Parteien, in die Organisation und das Arbeitsgebiet der Gewerkschaften gegen deren Willen einzugreifen. Er fordett den IGB. auf, ferne Bemühungen zur Herstellung der irckernationalen Gewerl schaftseinheit fortzusetzen. Aber er ermattet, daß nur solche gewerkschaftlichen Landesverbände in den Bund aufgenommen werden, die Gewähr für ein aufttchtig kameradschaftliches Zu- sammenarbeiten bieten und anerkennen, daß keine Gewerkschaft das Recht hat, sich in die Angelegenheiten der Gewerkschaften eines anderen Landes gegen deren Willen einzumischen. Verbandsoorsitzender Tornow berichtet auf Wunsch über seine Amerikareise. Die amettkanischen Gewerkschaften lehnen Pattei- politik und den Sozialismus ab. Aber dennoch haben sie Ziel«. Die Geschlossenheit ist bewundernswett. Zu der Anfrage, ob man das internationale Sekretariat der Holzarbeiter in Amsterdam nicht zu verlegen gedenke, bemerkt Tornow, es liege kein Anlaß vor, einen dahingehenden Antrag zu stellen. Wenn wir die Resolution Pieck über das imperialistische Vorgehen der Mächte in China ab- lehnen, so ändett das nichts an unserer Gegnerschaft gegen alle Kttege und Eroberungsgelüst«. Die Resolution des Vorstandes und der Vorberatungskommission wurde angenommen, die vorliegenden Anträge für erledigt erklärt. Die Entschließung Pieck wird abgelehnt. Die Delegation setzt sich zusammen: Geschäftsführender Vorstand drei, unbesoldeter Vorstand 1, Redaktion 1, Beirat 4. Streik bei öer flnhaltischen Maschinenfabrik. Die Dreher und Maschinenarbeiter der Berlin-Anhalti- schen Maschinenfabrik A.-G., Reuchlinstraße, befinden sich seit Dienstag im Streik. Vor ungefähr fünf Wochen stellten die Dreher und Maschinen- arbeiter eine Forderung von 13 Proz. Akkordpreis- erhöhung. Bei der Verhandlung mit der Firmenleitung wurden 3 Pf. bewilligt, was die Kollegen einstimmig ablehnten. Die Angelegenheit wurde nunmehr dem VBMJ. überwiesen, woselbst am Freitag voriger Woche Verhandlungen stattfanden. Hier machte die Firmenvettretung das weitere.Zugeständnis" von 1 Pf., mit der Begründung, daß es das höchste sei, was die Finna bewilligen könne. Unter diesen Umständen sahen sich die Kollegen gezwungen, in geheimer Abstimmung das minimale Angebot der Finna a b z u- lehnen und den ihnen von der Firma aufgezwungenen Streik zu beschließen. Wenn man in Betracht zieht, daß die jetzt noch strittige Forde- rung der Dreher für die Firma eine wöchentliche Ausgabe von insgesamt 69 Mark bedeutet und andererseits bei längerer Dauer des Streiks auch andere Betriebsabteilungen des Werks in Mit- leidenfchaft gezogen und so eventuell 699 Arbeiter zum Feiern ge- zwungen werden, so kann das frivole Verhalten der Firma nicht scharf genug gebrandmarkt werden. Anscheinend will die neue Betriebsleitung mit derattigen Me- thoden ihre ganz besondere Tüchtigkeit beweisen. Ergebnislose Verhandlungen mit dem vöMX lieber den Mantelkaris der Angestellten. Freitag nachmittag wurde zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und den Angestelltenorganisationen über den Neuabschluß des zum 39. Juni gekündigten Monteltarifes für die Angestellten der Berliner Metallindustrie verhandelt. Die Gewerk- schasten hatten gefordert, daß an Stelle des Leiftungstarifes wieder der Staffeltarif eingeführt werden soll, in der Form wie er bis zum 31. Dezeniber 1924 bestanden hat. Der VBMJ. lehnte nicht nur diese Forderung glatt ab, sondern stellte sogar den Gegenantrag, die noch vorhandene Staffelung m den Gruppen 1 und 2 ebenfalls zu beseitigen. Gleichsalls abgelehnt wurde die Forderung, den weiblichen Angeftelk'ten nicht mehr 19 Proz. weniger Gehalt als den männlichen in gleichen Funktionen zu zahlen, sondern sie mit diesen gleichzustellen. Das gleiche Schicksal erfuhr die Forderung, die Bestimmung des Z 4 des jetzigen Tarifvertages zu streichen, die zuläßt, daß Leistungszul a g'e n bei Gehaltserhöhungen angere ch n e t werden können. wie es bei den meisten Firmen des VBMJ. fast zur Regel ge- worden ist. Im Vordergrund der Verhandlungen stand die Arbeits- z ei t f r a g e. Hier war die Einführung der 43stündtgen Arbeitswoche verlangt worden. Weiter war gefordett, daß für etwa notwendig werdende U e b e r st u n d e n, die ausnahmslos nur mit Zustimmung des Betttebsrates gemacht werden sollten, bis zu 48 Stunden ein Stundenlohn vergütet und für Ueber- arbeit über 48 Stunden außerdem ein Zuschlag von 2 3 Proz. gezahlt werden sollte. Für Arbeiten an Sonn- und Feiertagen, sowie an sonst arbcitssreien Nachmittagen wurde ein Zuschlag von 39 Proz. verlangt. Die VBMI.-Vertreter lehnten es einfach ab, über die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit auf 43 Stunden zu ver- handeln und waren ebenfalls zu keinem Zugeständnis bereit in der Frage der Ueberstundenbczahlung. Die Wiederherstellung der im früheren Tarifvertrag festgelegten Urlaubsregelung lehnten die VBMI.-Vertreter nicht nur gleichfalls ab, sondern erklärten weiter, in der nächsten Verhandlung selbst noch Äbänderungsanträge stellen zu wollen. Da auch über die anderen Forderungen der Gewerkschaften keine Einigung zu erzielen war, wurden die Verhandlungen er- gebnislos abgebrochen und zwischen den Parteien verein- bort, daß am nächsten Donnerstag nachmittag vor dem Schlichtungsausschuß weiter verhandelt werden soll. Ueber dieses negative Ergebnis der Verhandlungen berichtete estern abend in einer gut besuchten Versammlung der AsA- .fu n k t i o n ä r e im Nordischen Hof Genosse Günther vom Butab. Dem Bericht folgte nur eine kurze Debatte, da die Funktionäre auf Grund des bisherigen stets ablehnenden Verhaltens des VBMJ. zu den Forderungen seiner Angestellten wie auch nach S dem Ergebnis der Verhandlungen mit den Arbeitern der Ber- liner Metollindusttte ein solches Ergebnis vorausgesehen hatten. Die Funktionärversammlung beschloß, am nächsten Frei- t a g abend im Nordischen Hof zu dem Ergebnis der Schlichtungs- Verhandlungen Stellung zu nehmen. Tarifvertrag für Monteure. Am Donnerstag fanden zwischen dem Verband Berliner Metall- industrieller und dem Deutschen Metallarbeiterverband Verhond- lungen statt zwecks Abschluß eines Vertrages für Arbeiten außerhalb des Betriebes, die durch Monteure verrichtet werden. Nach längeren Verhandlungen wurde eine Einigung erzielt. Die Ar- beitszeit beträgt 48 Stunden, für Ueber stunden wird ein Zuschlag bezahlt von 13 Proz. und für solche Ueber- stunden, die in der Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh fallen, 3 9 Proz. Weiter wurde die Fahr- und Reisezeit geregelt sowie die Löhne und Auslösungssätz«. Der höchste Äuslösungssatz der Monteure beträgt außerhalb Berlins 6,99 M. pro Tag; hinzu kommt ein Kurzmontagezuschlag, wenn die Man- tage nicht länger wie drei Wochen dauert von 1,73 M. pro Tag. Dieser neue Tarifvertrag der Monteure ist in dem Bureau des Deutschen Metallarbeiterverbandes zu haben. Bewegung in der Binnenschiffahrt. Duisburg, 17. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Bewegung in der Binnenschiffahrt nimmt einen immer weiteren Umfang an. Allerorts rühren sich die Schiffsmannschaften, um ihre Lage zu ver- besiern. In allen Häfen finden Versammlungen statt. Bisher wurden fast sämtliche Tarife gekündigt. Auch das Deck- und Mafchinenperfonal der Fahrzeuge der W e st d e u t- schen K a n a l s ch i s f a h r t hat die Kündigung seines Tarifver- träges beschlossen, der am 39. Juni abläuft. Das Personal der staat- lichen Schleppämter Duisburg, Ruhrort und Han- n o o e r hat in mehreren Versammlungen einstimmig beschlossen, seinen Tarifvertrag zu kündigen und vom Reichsverkehrsmini- sterium die gleiche Behandlung, wie sie den übrigen Staatsarbeitern zuteil wird, zu verlangen, vor allem Verkürzung der Ar- beitszeit und Bezahlung der Ueberarbeit nach Ab- lauf der achtstündigen Arbeitszeit. Das Personal ist sehr erbittert, weil der Reichsverkehrsminister Koch«inen Schiedsspruch abgelehnt hat, der eine Erhöhung der Löhne um 2,59 Mk. die Woche vorsah, obgleich seit 1925 keine Lohnerhöhung eingetreten ist. In einer Versammlung im Gewerkschaftshaus zu Bremen beschlosien die Weserschiffer die Kündigung des Tarifoer- träges. Auch der Niederländische Transportarbeiter- verband in Rotterdam hat das für die Arbeiter der Rhein- schiffahrt bestehende Abkommen gekündigt und neben Lohnforderun- gen auch das Verlangen nach Äerbefferung des Tattfvertrages ge- stellt. Es scheint, als ob Min an den zuständigen Stellen im Reich die schwere Gefähr der kritischen Lage in der Rheinschiffahrt völlig verkennt. Aller Voraussicht nach ist mit schweren und in ihrer Auswirkung unübersehbaren Lohn- und Tarifkämpfen in der Rheinschiffahrt zu rechnen, falls es nicht gelingt, die berechtigten Wünsche des Personals zur Geltung zu bringen. Zur Auslegung des Washingtoner Abkommens. London. 17. Iunk?(Eigener Drahtbericht.) Die britische Re- gierung wurde am Freitag im Unterhaus von einem Äbgeord- neten der Arbeiterpartei wegen der auf der Genfer Arbeitskonierenz erwähnten Geheimklausel wegen des Washingtoner Abkom- Niens interpelliert. Der Sprecher der Regierung stellte zunächst fest, daß die Beschlüsse der Arbeitsministerkonserenz in London seinerzeit der Oe ff e n t l i ch k e i t übergeben worden sind. Es fei damals vereinbart worden, sich ge g e seitig Listen derjenigen Arbeitslei st ungen zü übermitteln, die unter Artikel 4 der Washingtoner Kon- vention gehörten. Diese Listen hätten auf der Konferenz nicht fertiggestellt werden können und feien dann auf dem offiziellen Wege übermittelt worden. Frei« starben ist. Ich konstatiere mit Befriedigung, daß wir uns mit diesen Dingen nicht zu befasien brauchten. Es war schwer für die Presse, hier objektiv zu bleiben. Ich habe die„Weser-Zeitung" hier gestern zitiert, aber ich muß sagen, daß eine andere Bremer Zeitung, die ich nicht nennen will, es an Einseitig- k e i t und mangelnderObjektivitätinder Berichterstattung nicht hat fehlen lassen. Wenn auch noch so viele Pressevertreter an- wesend sind, dem Gericht wird dos bei der Urteilsfindung gleichgültig sein. Das Gericht steht nicht unter der Kontrolle der Oessentlichkeit, sondern Unter dem Gesetz." Der Vertreter der Anklage ging dann auf den Prozeßstoff näher ein und wies darauf hin, daß die Eltern nicht in der Lage gewesen seien, di» Lisbeth auf der rechten Bahn zu halten. Das Mädchen habe sich geschminkt und gepudert und in allen Cafes verkehrt. Es ist ein Unterschied, ob ein Ehepaar der besseren Stände dort- hingeht oder ein junges Mätzchen, das herrenbekanntschasten machen möchte. Ob damals schon die amerikanische Unsitte, sich das Gesicht zu be- malen, allgemein verbreitet war, ist mir ificht bekannt. Die Angeklagte hat d«s alles gesehen.(Die Angeklagte weint.) Im Kapitän R. fand sie einen Freund, von dem sie Geld erhiell, und durch den sie zu den Orgien in dem Hause des amerikanischen Konsulats ge- langte. Die Angeklagte hat aus den Mitteln, die vom Kapitän R. stammten, der wohl keinen intimen Verkehr mit Lisbeth hatte, für die Familie Sachen angeschafft, und Lisbeth damit einen Freibrief für ihre Lebensweis» ausgestellt. Das ist bereits Kuppelei, auch wenn der Unzuchtbetricb fehlt. Auf di« Zeugin Gertrud P. eingehend, erklärte der Staatsanwalt, daß man bei den Aussagen eines so unsittlichen Mädchens Vorsicht walten lassen müsse. Die Zeugin„Trude" P. habe auch als Zeugin dargetan, daß sie und Lisbeth nachts Herren in das Kolomaksche Haus gebracht haben. Am Schluß seines drei- stündigen Plädoyers stellte Oberstaatsanwalt Dr. Drechsler folgenden Strafantrag:' „Mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagte ihre eigene Tochter' und die Prostituierte„Irude" P. ausgebeutet hat, verdient sie keine mildernden Umstände. Ich beantrage gegen sie Schuldigsprechung wegen schwerer Kuppelei im Falle Lisbeth Kolomak und wegen ein- facher Kuppelei im Falle der Gertrud P. Die Angeklagte wollte aus den beiden Mädchen lediglich Geld ziehen. Mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagte jede Reue vermissen läßt, beantrage ich gegen sie eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 3 Monaten und 3 Jahre Ä>r. verlust." Der Beginn der Nachmittagsverhandlung verzögerte sich, da die Angeklagte nicht rechtzeitig im Gerichtssaal erschien. Frau Ko l o m a k hatte einen Spächeanfall erlitten, von dem sie sich nur langsam erholte. Gegen 4% Uhr konnte die Verhandlung wieder ausgenommen werden, und Rechtsanwalt Hertel begann sein Plaidoyer. Er stellt« fest, daß her Anwalt nicht als der Helfer des Verbrechers ängefehen werden dürfe. � Der Slaalsanwalt, der geflissentlich alle» Entlastungsmaterial übersehen habe, könne von der Angeklagten keine Reue erwarten, denn ein Unschuldiger könne nichts bereuen. Vor allem müsse das Gericht prüfen, ob nicht das ganze Verfahren auf Grund der Bremischen Amnestie eingestellt werden könnte. Auf die Ausführungen des Staatsanwalts eingehend, beschäftigte sich der' Verteidiger mit der Rolle der„Trude JJ.", di« durch ihre gemeine Denunziationen die Lisbeth in den Tod geschickt habe. Wenn man auf Grund der Fase- leien einer Prostituierten, die nach 4 Jahren angeblich noch jede Einzelheit wissen will, eine im besten Ruf stehende Frau verurteilen wolle, so müsse das Vertrauen zur Rechtspflege noch mehr schwinden. Wenn die Angeklagte von dem Gelde ihrer Tochter gelebt hätte, hätte sie und ihr Mann nicht so hart arbeiten müssen. Der Ver- teidiger bat zum Schluß, die Angeklagte freizusprechen. In der Replik beschäftigte sich Erster Staatsanwalt Dr. Drechslsr mit der Kronzcugin„Trude" P. und erklärte, daß auch er sie nicht als klassische Zeugin betrachte, doch passe ihre ganze Aussage haar- scharf in das Gesamtbild, da» sich entwickelt habe. Das gemeine Verhalten der Angeklagten sei darin zu suchen, daß sie mit ihrem gefälschten Buch nicht nur die Behörden treffen wollte, die sich ja wehren konnten, sondern die Nachbarn, denen die Tote in dem Buch gewissermaßen den Vorwurf macht, daß sie an ihrem Schicksal schuld seien. Rechtsanwalt Hertel erwiderte, daß der Frau Z. die Entstehung des Buches bekannt und daß sie durch ihr Schweigen mitschuldig geworden sei und sogar Frau Kolomak zum Meineid habe anstiften wollen. Zum Schluß kam es noch zu einem Zusammenstoß zwischen dem Verteidiger und dem Staats- anmalt. Rechtsanwalt Hertel betonte in seiner Replik, daß di« Staatsanwalt- schast als objektive Behörde kein Entlastungsmoterial in der Sache angenommen habe. Schon gestern hätte der Staatsanwalt eingreifen müssen, als die Meineidsanklage gegen die Zeugin„TrudeC P. einlief. Der Staatsanwalt habe die Pflicht gehabt, von sich aus Ver- tagung der Verhandlung zu beantragen. Staatsanwalt Dr. Drechsler bat das Gericht um Schutz gegen diese Aeußerung. Wester wandte sich der Anwalt gegen den Anklagevertreter und warf ihm vor, daß er den Zeugen S. gewissermaßen„aus den Leim gelockt habe", weil er ihn wegen Meineids belangen wolle, obwohl er wußte, daß S. eine Bestrafung erlitten habe. Im letzten Wort erklärte die Angeklagte:„Seit einem halben Jöchr werde ich zur Bestie gestempelt, weil ich in meinem Buche die Wahrheit gestreift habe. Wäre mein Buch Lüge, lebte meine Tochter noch. Eine Verurteilung würde mir noch unverständlicher sein als di« Anklage." Hierauf zog sich das Gericht zur Beratung zurück. dieem Tode des kleinen Jungen hörte, sofort hingesetzt und Papierröcke für den Jungen gemacht. Und da sich die Frauen ja nicht durch D?aht miteinander ver- binden können, fv weiß keine, ob der Kleine auch ein schönes Papierkleidchen haben wird für seine letzte Reis«. Deshalb hat jede Frau für den Kleinen ein Röckchen gemacht, und jede Frau hat es mitgebracht, und jede bringt es mit so viel Freude und soviel Liebe zu der weinenden Mutter, daß die Muiter nicht anders kann, als die Kleider anzunehmen und sie mit Hilfe der Geberin dem Kleinen anzuziehen. Glück- licherweise haben nicht alle Frauen nur Röckchcn gebracht, sondern manche nur Sterne und andere nur Kreuze und wieder andere nur Bänder au? Gold- und Silberpapier. Nun kommt eine Frau herein, die ich kenne. Sie ist die Mutter jenes jungen Mannes, den ich beinahe zum Leben wiedererweckt hätte, wenn der Spanier nicht gekommen wäre. Ob ich in jenem Dorfe dasselbe Ansehen unter den Indianern genösse, wenn der Spanier nicht gekommen wäre und ich den jungen Mann hätte vom Tode auferwecken müssen, ist fraglich. Aber ich glaube, ich würde mich derselben Aner- kennung trotzdem erfreuen, weil ich sechs Stunden mich mit Wiederbelebungsversuchen abgegeben hatte, was ja auch dann anerkannt werden muß. wenn es erfolglos fein sollte. Die Frau begrüßt mich vor allen anderen Anwesenden zuerst und sie tut es sehr herzlich. Sie hat für den Kleinen auch eine Krone gemacht. Diese Krone ist nicht so gefchmack- voll, wie die Krone, d� von der Pumpmeisterin noch in der Nackt gefertigt worden war. Aver diese Frau hält ihre Kron� für schöner©ie geht zu dem Leichnam, nimmt das Krönchen vom Kopfe des Kleinen und setzt ihm die Krone auf. Die Pumpmeisterin steht dabei, steht es und läßt es ge- fchehen. Ich sah m der Nacht, mit welcher Liebe die Pump- Meisterin das Krönchen machte und wie sehr sie sich freute, daß es so gut gelungen war und daß der Kleine so hübsch dann aussah. Sie sieht ihre Nebenbuhlerin eine Weile an und macht dann eine kurze Bewegung, als wolle sie es verhindern, daß ihre Krone so ohne Zeremonie ausgetauscht wird. Aber dann lächelt sie, legt ihre Hilnde über ihre Brust, sieht neidlos dem Bertauschen zu und ist zufrieden. Jeder will dem Kleinen und der Mutter ja nur Liebes tun und Liebe zeigen. Wozu also um das Krönchen einen Streit beginnen und das Pri- oritätsrecht geltend machen! Das erste Krönchen hat ja seinen Zweck völlig erfüllt, mag nun das zweite Krönchen an die Reihe kommen. Die Frau mit der zweiten Krone hat die erste Krone abgenommen und wirft sie beiseite mit einer Gebärde, als ob sie sagen wolle:„So ein Dreck!" Die Krone ist allerdings schon ein wenig beschmutzt von der zersallenden Kopfhaut. Die Pumpmeisterin bückt sich, hebt ihre Krone vom Erdboden auf, zerknüllt sie zwischen den Fingern so unauffällig wie möglich, geht dann damit hinaus und wirst sie in das groß« Feuer, wo die Krvcker angezündet werden. 21. Bor der Hütte hört man reden und bald darauf kommt der Mann herein, der den Sarg bringt, den er selbst ge- macht hat. Als dieser Mann hereinkommt, und den Sarg, den er unter dem Arm trug, auf Ken Boden stellt, fängt die Garza entsetzlich zu schreien an. Alle Frauen in der Hütte beginnen ebenfalls grell zu schreieWund die Frauen, die vor der Hütte sitzen, schreien und klagen laut. Der Sargmann hat den Hut abgenommen und wischt sich den Schweiß mit dem Handrücken. Es kommen nun ewige andere Männer herein und man wird sofort geschäftig, ohne das Schreien der Frauen zu beachten. Auch Sleigh ist mit hereingekommeil. Der Sarg wird nun auf ein« Kiste gestellt. Er ist nichts weiter als selbst eine rohe längliche Kiste. Nichts daran ist gehobelt. Die Wände der Kiste sind außen mit blauem Papier beklebt, damit man das rohe Holz nicht sehen kann. Im Innern der Kiste ist trockenes Gras und es sind trockene Mais- blätter darin. Auf diesen Blättern ist eine Schicht zerbröckelter Kalksteine. Bier Männer, darunter Sleigh, fassen den Körper gn seinen vier Ecken an und versuchen, ihn in den Sarg zu heben. Während sie ihn hochheben, fällt der Kopf tief herunter, und es gewinnt den Anschein, als wolle er abbrechen. Ich spring« rasch hinzu und halle ihn mit dem kleinen Kissen, auf dem er ruhte, in gleicher Lage mit dem Körper. Dabei läuft mir der Verwesungsbrei in die Hände. Die Papierkleider fallen auseinander und der ganze schöne Aufputz wird eine heillose Manscherei. Endlich haben wir den Körper in dem Sarge und die Pumpmeisterin ist sofort tätig, um die Kleider wieder in Ordnung zu bringen. Der Sarg ist nun auf den Tisch gestellt worden, und so- bald er dort steht, wirft sich die Garza darüber, um das kleine Gesicht zu küssen. Aber als sie gerade ihren Mund auf die Lippen pressen will, sieht sie, daß keine Lippen mehr da sind, sondern nur Zähne, die aus einem grünlich-gelben Brei her- ausgemssen, und daß der Augapfel, der losgelöst aus der Höhle liegt, sie fremd anstarrt. Eine dicke du�ch die Bewegung des Körpers aufgerüttelte Wolke entsetzlichen Gestanks nimmt ihr den Atem und läßt sie mit einem Ruck zurückfallen. Dort steht sie, gierig nach frischer Luft ringend, und sie wirst ihre Arme so unsinnig und unnatürlich in der Luft umher, als seien sie plötzlich aus den Gelenken gefallen und gehöhten nicht mehr ihr. Dann tastet sie mit flinken Fintzern an ihrer Brust entlang und läßt die Hände wie von selbst üher den Hals am Gesicht hinausklettern bis sie das Haar erreichen, das die Finger zerkrallen. Ihre Augen irren hilflos umher, ihre Arme fliegen mit einem Ruck hoch und während sie einen grauenhaften Schrei ausstößt, bricht sie zusammen. Andere Frauen springen sofort hinzu, flößen ihr Wasser ein und Schnaps, sprengen ihr Wasser ins Gesicht, versuchen ihre Hände auseinanderzureißen, klopfen ihr auf die Backen und auf den Rücken. Nach einer Welle ist sie wieder munter. Es war der letzte Abschied von ihrem Jungen. (Fortsetzung folgt.) Sortgang üer yaushaltberatung. Eine Flut kommunistischer Agitationsanträge. Di« Stadtverordne tienoersammlung will mit der Beratung und Festsetzung des Stadthaushaltplanes vor Schluß des Monats Juni fertig werden. Gestern konnte sie ein tüchtiges Stück davon erledigen, ohne daß noch viele Reden nötig wurden. Der Ausschuß hat an dem Haushaltentwurf oerbessert, was sich verbessern lieh, und dem Plenum blieb fast nur übrig, seine Arbeit zu bestätigen. Von ihren A g i t a t i o n s- antragen wissen die K o m m u n i st e n selber, daß sie bei der jetzigen Finanzlage der Stadt undurchführbar sind und ab- gelehnt werden müssen. Die Ablehnung gibt ihnen den Agitations- stoff, den sie brauchen. In der Aussprache über das zentrale Wohl- fahrtsamt kennzeichnete unsere Genossin Todenhagen dieses Treiben der Kommunisten.» ★ Die gestern abgehaltene Sitzung der Stadtverordneten— die zweite in dieser Woche— setzte die Beratung des Haushaltsplanes für 1327 fort. Bei dem Kapitel: �„A u f we n d u n g e n für ge- meinnützige Zwecke durch Vermittlung von Der- einen" forderte die Stadtverordnete Hofsmann-Gwinner(KPD.) die Uebernahme aller privaten Wohlsahrtsinstitutionen in die Per- waltung der Stadt. Wie nötig das sei, beweise die Stellung eines deutschnationalen Stadtverordneten im haushaltsausschuß, der erklärte, daß selbstverständlich das Geld nur bewilligt werde, wenn die Unter st ützten im Sinne der Bewilliger beein- flußt werden. Genosse Flatau sprach gegen die vorschußweise Verteilung von Etatmitteln an allerlei„V o l k s h o ch s ch u l« n", deren Ausbau, Leitung und Geschäftssührung nur ungenügend be- kannt sind. Die Weiterberatung benutzt beim Titel Wohlfahrts- psl«ge die Kommunistin Rosenthal in ihrer„temperament- vollen" Art zu Angriffen auf die sozialdemokratische Fraktion wegen deren Stellung zur Bereitstellung von Mitteln zur Wohlfahrts- pflege ün besonderen und zum Etat im allgemeinen.„Wir werden die Sozialdemokraten zwingen, ihre Genossen im Landtag und Reichstag zu oeranlassen, mit den Kommunisten gemeinsam gegen die Bürgprblockregierung Stellung zu nehmen!" drohte die Redne- rin am Schlüsse ihrer Ausführungen zur allgemeinen Ueberraschung der Stadtverordneten. Genossin Todenhagen hielt der kymmu- nistischen Rednerin vor, wie die Kommunisten im haushaltsausschuß erklärt hätten, die Einnahmen gehen sie nichts an, sie interessieren nur die Ausgaben! Das sei aber weder ein Standpunkt, noch oerdiene eine solche leichtfertig« AGiße- ruua die Bezeichnung Politik, am wenigsten Politik im Interesse der Arbeiterschaft. Merkwürdigerweise sei aber da, wo die Kommu- nisten allein über Ausgaben und Einnahmen zu befinden hätten, nämlich in Rußland, das größte Elend zu finden und kein russischer Etat hat es bisher beseitigen können. Im roten Hause Berlins erschöpft sich die Politik der Kommunist?« darin, von der Sozialdemokratie gestellte Verbesserungs- und Aenderungs- antrüge durch maßlos übertriebene eigene zu übertrumpfen. Gegenüber den Vorwürfen, daß die Sozialdemokraten gegen den kommunistischen Antrag auf Unter st ützung der Konsum- genossenschaft Berlin und Umgebung gewesen seien, bemerkt« Genossin Todenhagen, daß es in Berlin auch noch anvere Konsumvereine gebe, die nicht Arb«itermitglieder haben.(Soviel wir uns entsinnen, hat die Konsumgenoss«nschaft selbst eine Unter- stützung abgelehnt, da sie«den nicht unter st ützungsbe» dürftig ist. Die Kommunisten haben sich also hier wieder ein- mal jema«dem' aufgedrängt, der auf ihr«„Hilfe" wirklich nicht ange- wiesen ist und auch gern darauf verzichtet! Red.) Um 7 Uhr wurden die Abstimmungen vorgenommen. Mit den Stinimen der Sozialdemokraten, her Demokraten, des Zentrums und der Deutschen Volkspartei werden meist in der Ausschuß- säfsung— angenommen die Etattitel zum Ti e f b a u w e s en� zur Jugendwohlfahrt, zentrales Wohlfahrtsami,'»nd Aufwendungen für gemeinnützige Zwecke durch Vermittlung von Vereinen. Die Abänderungsanträge der Kommunisten wurden ab- gelehnt. V«i den Endabstimmungen zu allen genannten Etattiteln zersägten D�litschnationale im trauten Verein mit den Kommunisten die Zustimmung- Das werden diese beiden Flügelparteien äüch später bei der Abstinlmung über den Gesamtetot tun. Schließlich wandte sich die Versammlung nach der Beratung eines Antrages der Kommunisten zu, der von der Stadtverordneten. versamrMng verlangt, beim Magistrat vorstellig zu werden, damit das hohenzollerndenkmal auf. dem hohenzvllern- platz in Neukölln entfernt wird, nachdem die zuständig« Bezirksversammlung bereits dreimal einen solchen Beschluß gefaßt habe. Der Oberbürgermeister B ö ß betonte nach der Begründung durch einen Stadverordneten der KPD., daß nach den Gutachten der Sachverständigen und der Meinung des Magistrats das Denkmal — sei es wie es wolle— charakteristische Bedeutung für den Kunst- geschmask der damaligen Zeit habe. Der Magistrat hatte also den Antrag abgelehnt.___ Explosion nach einem Gasselbftmorü.» Katastrophe bei der Entderkung. Auf dem Treppenflur im Seitenflügel des Hauses Christ- burger Straße 17 machte sich gestern ein starker Gasgeruch bemerkbar, so daß einige Hausbewohner stutzig wurden und der Ursache nachgingen. Man stellte fest, daß das Gas aus der im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung des vierzigjährigen Markt- Helfers Wilhelm M a l i n g e r drang. Als auf wiederholte Klopf- itsid Klingelzeichen nicht geöffnet wurde, alarmierte man die Polizei und die Feuerwehr. Die Beamten verschafften sich gewaltsam Ein- laß in die Wohnung und fanden auf dem Sofa des völlig mit Gas angefüllten Zimmers den Wohnungsinhaber M. bewußtlos auf. Sämtliche Gashähne waren geöffnet. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Die Feuerwehr öffnete sosort die Türen und Fenster, um den angesammelten Gasmengen Abzug zu ver- schaffen. Plötzlich aber gab es unter lautem Krachen eine heftige Explosion. Die ganze Wohnungsdecke stürzte � ein und bedeckte das gesamte Zimmermob iliar. Durch die Gewalt des Druckes wurde das Fenster herausgedrückt und auf den Hof geschleudert. Zum Glück befand sich im Augen- blick der Explosion niemand im Zimmer, so daß Personen nicht zu Schaden gekommen sind. Die Ursache der Explosion konnte noch nicht geklärt werden. Die Leiche.des Selbstmörders wurde beschlagnahmt und m das Schauhaus gebracht. Die Tyt ist nach den bisherigen Er- mittlungen der zuständigen Stellen auf E h e z e r w Ü r.f n i s s e zurückzuführen._ i' Der Leichenfund an der Zwillingsbrücke. Die Aufklärung des Leichenfundss an der Zwillingsbrücke, über den wir bereits berichteten, beschäftigte gestern die Kriminalpolizei den ganzen Tag bis in die späten Abendstunden. Die Ermittlungen ergaben, daß der im Sande erstickte Knabe ein 12 Jahre alter Josef P a w l o w s k i ist, der bei seinen Eltern in der R ü d e r s- dorferStraßeZo wohnte. Der Junge lief gern in der Gegend herum und versäumte oft, zur rechten Zeit nach Hause zu kommen. Da er dann fürchtete, von seinem Vater, der sehr streng ist, bestrast zu werden, übernachtete er schon mehrmals in den Sand- aufschüttungen am Luisenstädtischen Kanal! Nach dem Ergebnis der Nachforschungen ist das Unglück allem Anscheine nach dadurch ent- standen, daß die Knaben die Erdaufschüttung unterwühlt haben, um sich dort Höhlen zu bauen, in denen sie ihre Spiele trieben. Ein Zeuge, ein Ggstwirt aus der Gegend, gab nun an, daß er am Mittwoch nachmittag gegen 5 Uhr mehrere ältere Burschen— etwa 15— 16jährige— beobachtet habe, wie sie die kleineren Jungen laut beschimpften, mit Steinen bewarfen und ihnen die höhlen eintraten. Zwei der kleinen Höhlenbewohner vermochten rechtzeitig herauszukriechen und sich in Sicherheit zu bringen, von dem Verbleib eines dritten hat man nichts bemerkt. Personen, die zweckdienliche Mitteilungen darüber machen können, wann und wo sie den Knaben zuletzt lebend gesehen haben, werden ersucht) sich bei Kriminalkommissar Pippo im Polizeipräsidium zu melden.'_ Der Überfallene �rmenvorsieher. Statt 2)4 Jahre Zuchthaus 3 Monate Gefängnis. Der angebliche Raubllbcrfall auf den Vorsteher der 46. Wohl- sahrtskommission, den Konfektionsschneider Fritz Scheller, hatte vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte sein gerichtliches Nachspiel. Neben einigen kleineren Unterschlagungen und einer ein- fachen Urkundenfälschung war Scheller hauptsächlich beschuldigt, 2686 M. Unterstützungsgelder veruntreut und diese Unterschlagungen durch einen fingierten Raubüberfall vertuscht zu haben. Bei seiner Vernehmung gab der Angeklagte zu, infolge s ch l e ch- ter wirtschaftlicher Verhältnisse in Schulden geraten zu sein und sich infolgedessen von den Unterstützungsgeldern Beträge von 200 und 170 M. sowie eine Anzahl Kohlenkarten ange- eignet zu haben. Dagegen bestritt er, die 2080 Mark unterschlagen und den Raubanfall erdichtet zu haben. Wie er behauptet, ist es bei vielen Armsnvorstshern, well sie in ihrer Gegend lehr bekannt sind und deshalb leicht das Opfer eines Raubes werden, Brauch, die auszuzahlenden Gelder bei ihren Gängen nicht in eine Aktentasche, sondern in einen Aktendeckel zu stecken. Scheller will am 1. April, an dem sich der angebliche Raubüberfall ereignet haben soll, auch so oerfahren sein und das Geld in einem Aktendeckel ge- tragen haben, den er unter dem Rock mit der Hand festhielt. Als er dann einer Frau G. in der Anklamer Straße Geld habe auszahlen wollen und an ihrer Tür klopfte, habe er plötzlich von hinten einen Schlag gegen den Hinterkopf und dann einen Stoß in den Rücken bekommen, so daß er die Treppe hin- unter stürzte und dann besinnungslos liegen blieb. Als er wieder zu sich kam, wäre das gesamte gebündelte Geld aus dem Aktendeckel fortgewesen. Von dem mutmaßlichen Täter gab er die sichere Beschreibung, daß der Räuber eine Ballonmütze getragen. habe. Ueber die übrige Kleidung des Mannes machte er verschiedene .Angaben. Diese Schilderung erschien zunächst sehr unglaubwürdig, und zwar infolge der Lage des Angeklagten auf der Treppe, als er dort aufgefunden wurde, und zweitens auch aus dem Grunde, daß er keinerlei Verletzungen davongetragen hatte. Ebenso schien sehr verdächtig, daß er am fraglichen Tage bereits um 7 Uhr das Geld auszahlen wollte, während er sonst immer gegen 10 Uhr vormittags in den Häusern erschien. Die Beweisaufnahme ließ jedoch die Umstände nicht so belastend erscheinen wie die Vorunter- suchung. Trotzdem hiell der Staatsanwalt den Angeklagten in vollem Maße für schuldig und beantragte 2K Jahre Zuchthaus. Das Gericht kam jedoch bezuglich des Raubüberfalles zu tiner Frei- sprechung, wenn auch zweifellos erhebliche Berdachtsmömente vor- Händen wären. Es erklärte aber, daß der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Georg Löwenthal mit Recht darauf hingewiesen habe, daß der Angeklagte die Kleidung des Täters sicherlich einhestlich beschrieben hätte, wenn von ihm der Ueberfall fingiert worden wäre. Gerade das Schwanken in der»Beschreibung der Kjeider spreche dafür, daß ein Täter vorhanden gewesen sein konnte. Mü Rücksicht darauf, daß der Angeklagte schwerkriegsbeschädigt ist, ver- urtellte das Gericht den Angeklagten zu fünf Monaten Gefängnis und zur Unfähigkeit der Bekleidung öffenUicher Aemter auf drei Jahre. Für die legten drei Monats Gefängnis wurde ihm außer- dem Bewährungsfrist zugebilligt, wenn er den Schaden bis zu einem bestimmten Termin gmmacht. i»" Drei Schwerverletzte bei einem Straßenunfall. In Niederschöneweide ereignete sich gestern gegen )46 Uhr ein schwerer Straßenunsall, bei dem drei Personen lebens- gefährliche Verletzungen davontrugen.. Vor dem Grundstück Berliner Stkaße 208 kn Niederschöneweide wollte der S8jährige Bäcker Hermann Schmidt aus der Rix- dorfer Straße 14 in Niederschöneweide, der auf der Schutter ein Bierfaß trug, den Fahrdamm überschreiten. In diesem Augenblick nahte ein Motorrad. Der Führer, ein 23jähriger Bruno Duda aus der Johannisstraße 22 zu Berlin, tonnte fein Gefährt nicht mehr rechtzeitig stoppen und überfuhr Schmidt, der schwer verletzt zu- sammenbrach. Duda und dessen llljährige Frau Martha, die auf dem Soziussitz saß. wurden in hohem Bogen aus das Straßen- Pflaster geschleudert, wo sie mit Kopf- und inneren Verletzungen bewußtlos liegen blieben. Die alarmierte Feuerwehr brachte die Verletzten in das Elisabeth-hofpital zu Ober- schöneweide. Alle drei liegen sehr bedenklich danieder. Das schwer beschädigte Rad muhte abgeschleppt werden. Die Schuldfrage tonnte noch nicht geklärt werden, da die Verunglückten sämtlich nicht ver- nehmungsfahig sind. �_ Einäscherung Richard Ealwers und seiner Gattin. Unter reger Beteiligung aus Kreisen von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft fand gestern im Krematorium zu Wilmersdorf die Einäscherung der Leichen des unter tragischen Umständen aus dem Leben geschiedenen Wirtschaftspolititers und früheren Reichstags- abgeordneten Richard Colwer und seiner Gattin statt. Ein lang- jähriger Freund und Mitarbeiter des Verstorbenen, Minister a. D. S ü d e k u m, gab ein Bild von dem ÄLirischaftspolitiker und Men- fchen Calwer und einen Ueberblick über seine Tätigtett als Wirt- fchaftsanalytiker. Speziell« wissenschaftliche Themen sind der deutschen Welle in Königswusterhausen vorbehalten. Man erwartet von einem Vor- trag im Berliner Sender Allgemeinverständliches. Leider trifft die Hauptvoraussetzung auf die Bemühungen Kuxt Goldschmidts, einen Dozenten der Humboldthochschule, um die Klärung des neuen Weltbildes nicht zu. Goldschmidt wartet zuerst mit einer Unmenge Fremdworte und Begriffe auf, die einem Laien unverständlich sein müssen. Leuchtet man aber hinter diesen sehr dekorativ aufgezogenen Apparat, so fragt man sich verwundert: Was will denn der Vor- tragende eigentlich sagen? Der Begriff Weltanschauung scheint ihm durchaus nicht klar zu sein. Herr Goldschmidt scheint aber diesen Begriff nur für dogmatische Denkrichtungen vorzubehalten. Daneben überraschen ausgezeichnete Formulierungen über Renaissance oder Barock, hoffentlich ringt sich Goldschmidt im Laufe seines Vor- tragszyklus zur Klarheit hindurch.— Prof. Max Kuttner schlägt in seinem Vortrag„Sinnesänderung in Frankreich?" versöhnlichere Töne an als früher. Allerdings kann er es sich nicht verkneifen, originelle Gedanken der Franzosen mindestens auf Plato zurückzuführen. Außerdem könnte der Herr Professor, der so schöne Arien über den Chauvinismus in französischen Schulen singt, ein- mal eingehender deutsche Lesebüchersftudieren. Der Zweck des Vor- tragszyklus„Das geistige und seelische Band der westeuropäischen Völker" ist zum Bedauern der hör�r noch nicht einzusehen. Bis jetzt hat Herr Kuttner an den Franzosen noch nicht ein gutes haar gelassen— Adel e� Schreiber behandelt in ihrer Vortragsreihe „Frauen von heute" die Entstehung der Suffragettenbewegung in England und entwirft ein anschauliches Bild über die Stellung der Frau im modernen englischen Staatsleben. Das Abendprogramm bringt unter Leitung von Bruno Seidler-Winkler finnische Musik, symphonische Dichtungen von Palmgreen, Jdrnefcld und Fidelius. Seidler-Winckler ist diesen schwermüttgen Kompositionen ein aus- gezeichneter Interpret. Sehr schön und gesättigt klingen die Streicher Prof. GustaF havemann spielt das Violinkonzertopus Nr. 47 von Sjbelius, reich cm Ausdruck. Und was bei diesem Künsller selbst- oerständllch ist, mit vollendeter Technik.£,St- Staatsanwaltschaft gegen �Glpmpia�. Eine Freisprechung und— eine Berufung. Die S t a a t s a iz w a l t s ch a f t hat gegen das Urteil des Schöffengerichts Berlin-Schöneberg vom 16. Juni gegen den Leiter und mehrere ehemalige Mitglieder der Sport- gruppe 12 der aufgelösten Vereinigung„Olympia" Berufung eingelegt. Durch das vorerwähnte Urteil waren die Angeklagten von der Anklage des Vergehen s'gegen das Republikschutz- gesetz freigesprochen, und nur«in Angeklagter ist wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe oerurteitt worden. * Mit einem geradezu vollständigen F r e i f p r u ch hat die Anklage geendet, die gegen den Kaufmann M e y d i n g und 14 weitere Mit- glieder der„Kameradschaftlichen Vereinigung" erhoben war, weil sie beschuldigt waren, mit dieser Organisation das vom preußischen Minister des Innern am 12. Mai 1926 erlassene Verbot der Sportoereinigung„Olympia" umgangen zu haben. Bekannt- lich hat inzwischen der Staatsgerichtshof das Verbot der „Olympia" aufgehoben. Die.Kameradschaftliche Ver- einigung" wurde am Abend des 12. Mai gegründet. Die offizielle Mitteilung des Verbotes selbst war dem Vorsitzenden der„Olympia", dem bekannten Oberst a. D. von Luck, damals noch nicht zuge- stellt, sondern sie erfolgte erst am nächsten Tage. An jenem Abend hatte eine Sitzung der Sportgruppe 12 der„Olympia" in ihrem Stammlokal stattgefunden. Bei einem geselligen Bei- sammensein wurde nachher die Gründung der„Kameradschaft- lichen Bereinigung" beschlossen. Der Angeklagte Meyding � wurde Geschäftsführer. Bei Gelegenheit einer Veranstallung wurde ein Mitglied der bisherigen Gruppe 12, die inzwischen unter das Verbot gefallen war, festgenommen, weil er die Abzeichen der„Olympia", trug. ' Man fand bei ihm, einem Hausdiener S t r ü tz k i, das Werbung?- schreiben, und bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte Strützki nach dem Protokoll angegeben, es handele sich um die alte„Olympia", nur unter anderem Namen. Er hatte fernerhin erwähnt, daß ihm gesagt worden sei, die Leitung der„Olympia" Hab« aufgefordert, die Gruppen allgemein in sportliche Bereinigungen um- zuwandeln. Bei einer Haussuchung wurden bei dem bisherigen Führer der Gruppe 12, Leutnant a. D. B o r ck, verschiedene Schrift st ücke gefunlM, die nach der Anklage eine Bestätigung der Vermutung sein sollen, daß die.Lameradschaftliche Bereinigung" eine Fortsetzung der aufgelösten„Olympia" sei. Meyding bestritt, daß die.Kameradschaftliche Vereinigung" eine Erneuerung der„Olympia" sei. Auf den Einwand von Landgerichtsdirektor B e m p k e. daß eine merkwürdige Ueberein- stimmung der Satzungen der„Olympia" und der neuen Organisation vorhanden sei, erwiderte der Angeklagte, daß es sich um Normal- statuten handle, gemeinfam fei beiden das sportliche„Kameradschaft. liche und Rationale". Darüber hinaus aber wollte die.Lamerad- ichafUiche Vereinigung" einen Anschluß an den ,L y f f h ä u s e r- B u n d". Beinahe alle übrigen Angeklagten erklären, daß sie ihre Namen nicht auf eine Mitgliederliste, sondern auf eine An- wesenheitsliste gefegt hätten. Meyding erklätte dann auch. daß sie den Kopf„Mitgliederliste" erst nachträglich hinge- schrieben hätten. Staatsanwaltschastsrat Herder erblickte in dieser Liste ein Ver- zeichnis der n e u e n Bereinigung, die gegründet worden sei, als das Verbot der„Olympia" aus den Abendzeitungen schon bekannt ge- worden war. Es handele sich also um eine Fortsetzung des aufgelösten Vereins, wofür auch die Schriftstücke sprechen. Mindestens hätten die Angeklagten mtt einem Dolus eventualis ge- handelt. Er beantragte gegen sämtliche Angeklagte— Zwei wargn ausgeblieben—, je drei Monate Gefängnis. Außerdem beantragte er auch die Verurteilung des Meyding wegen uner- laubten Wasfenbefitze». da bei ihm ein russische-s Armeegewehr gefunden war, zur gleichen Strafe. Das Schöffengericht kam zu einer Freisprechungder An- geklagten.„Die Beweisaufnahme hat nicht ergeben, daß die „Kameradschaftliche Vereinigung" eine Keimzelle des verbotenen großen Verbandes fei. Entscheidendes hat sich nicht erwiesen. Daher mußte Freisprechung erfolgen. Der Angeklagte Meyding wurde lediglich wegen unerlaubten Munttionsbesitzes zu 100 Mark Geldstrafe oerurteilt, Zu üen öeamtenfragen. DlZ Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beo»« ten des Deutschen Beamtenbundes nahm gestern in einer Milglieder- Versammlung in den Kammersälen Stellung zu den Beschlüssen des Parteitags. Genosse W i n ck l e r, der erste Referent, führte, nach- dem er die in Kiel gefaßten Beschlüsse und ihr« Begründung vorge. tragen hatte, aus: Keine Organisation als die Arbeitsgemeizischast bedauert mehr, daß die Vereinigung der Beamtenverbänd'e noch nicht gekommen ist. Die Genossen sin Deutschen Beamtenbund haben die Ueberzeugung, daß die deutsche Beamtenschaft nur in einer großen, alle Parteien überspannenden Organisation eine wirksame Interessenvertretung haben kann. Allein aus diesem Grund» sind wir im Deutschen Beamtcnbund organisiert. Außer unserer Tätig- keit in dieser Fachorganisation wollen wir aber auch und tun es auch schon zum großen Teil recht kräftig, in der Partei mitarbellen. Der zweite Referent, Genosse Dr. Eismann, sprach über die be- sonderen Aufgaben der im Deutschen Beamtenbund organisierten Genossen. Er führte aus: Wir stellen ausdrücklich fest, daß im Deutschen Beamtenbund politische Interessen nicht ver- treten werden, daß wir aber immer ungehindert unsere eigene Meinung vertreten konnten und auch in den Vorständen so oertreten sind, daß ein« wirksame Arbeit möglich ist. Die Sozialdemokratie will nicht am Berussbeamlentum rütteln. Darum ist auch die Stel- lungnahme zur Fachorganisation der Berufsbeamten gegeben. Unsere Grundlinien sind: in der Partei rege tttitzuarbeiten, gleich, welche Arbeit jedem von uiul von der Partei zugewiesen wird. Man muß uns ober auch Plaß lassen zur Arbeit. Wir verlangen, daß in den zu besetzenden Ausschüssen eine paritätissiie Verteilung der beiden Beamtengruppen erfolgt und nicht eine Gruppe zurückgesetzt wird. Nach einer sehr regen Diskussion, in der immer wieder zum Ausdruck kam. wie eng die sozialdemokratischen Mitglieder des Deutschen Beanstenbundes mit der Partei verbunden sind, wurden die Ausführungen der Referenten unterstrichen. Fest- gestellt werden muß, daß Referenten und Diskussionsredner sicb in einer unter Parteigenossen ja eigentlich selbstverständlichen Obiektivi- tät mit dem Allgememen Deutschen Beamtenbund auseinandersetzten. waldsesi in Reukölln. Die. Abteilungen 90, 91. 92. 93. 95 in Gemeinschaft mtt der Soziali st ischen Arbeiterjugend und der Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde veranstalten morgen, Sonntag,«in Wo l d f e st auf dem graßen Spielplatz in der L ö n i g? h e i d e. Während die Mitglieder oer 91. Abteilung sich um 12 Ilhr am Boddinplatz treffen und von dprc geschlossen zum Hertzbergplatz marschieren, treffen sich alle übrigen Teilnehmer»m 13 Uhr am Hertzbergplatz, von wo aus um 1?� Uhr pünktlich der gemeinsame Marscti nach der Königsheide imter dem Borautritt zweier Tambour korps des Reichs- banners stattfindet. Auf dem Sportvlatz selbst ist für K�ein und Groß bestens gesorgt, so daß kein Teilnehmer unbefried.gt noch Hause gehen wird. Erwachsen« 30 Pf., Kinder gänzlich frei, Stock- laternen gratis. Also auf zum Waldfest der SPD.!— Mindestens je fünf Ordner jeder Abtilung trersen sich morgens.7 Uhr an der Eisenbahnüberführung bei der Kolonie Dammweg, um die er- forderlichen Vorbereitungen auf dem FMplatz zu treffen. Aussall der Wochenendsonderzüge nach dem harz und nach der Ostsee. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, werden die für Sonnabend/Sonntag, den 18./19. Juni, erstmals angesetzten Wochen- endsonderzüge mtt ermäßigten Fahrpreisen nach dem harz»und nach der Ostsee wegen unzureichender Beteiligung vor- läufig nicht oerkehren. Heute abend 20 Ahr im Volkspark Neukölln: Gonnenwendfeier! Kein Skorbut! Unter dem 4. Juni 1927 berichtete ein Teil der Rechtspresse in einem. sensationell ausgemachten Artikel, daß im Eppendorfer Kramkenhaus in Hamburg 16 Assistenzärzte an tuberkulösen Erscheinungen und 14 weitere AerzU unter skorbuten Verdachtserscheinungen erkrankt seien. Es wurde darauf hingewiesen, daß als die Ursache dieser Massenerkrankung die völlig unzureichende, vornehmlich aus Konserven bestehende Be> köstigung anzusehen sei.— Für jeden Sachkenner mußte zunächst die Tatsache auffallen, daß diese Krankheitserscheinungen ausgerechnet bei den Aerzten auftraten, während von dem gesamten übrigen Per- sonal keine diesbezüglichen Meldungen vorlagen. Dies war um so auffallender, als fast allgemein die Aerzte eine wesentlich bessere Be- köstigung erhalten als die übrigen Beschäftigten. Wir haben uns veranlaßt gesehen, genaue Nachprüfungen vorzunehmen und stellten fest, daß das Ganze nichts weiter als eine üble politische M a ch e ist. Es handelt sich um einen Vorstoß der Rechts- Parteien gegen den sozialdemokratischen Senator des Gesundheitsamtes in Hamburg und gegen den sozialdemokratischen Verwaltungsdirektor des Eppendorfer Kranken- Hauses. Wir konnten einwandfrei feststellen, daß die alarmierende Nachricht jeder sachlichen Grundlage entbehrt. Be- zeichnend ist es, daß der Senatskommissar, Präsident Dr. Pfeiffer, der im bürgerlichen Lager steht, schließlich selber zugeben mußte, daß von skorbuten oder tuberkulösen Erkrankungen keine Rede fein könne, und daß es sich vielmehr um eine Krankheit handelt, die sich mit ein wenig Zitronenwasser be- fettigen lasse. Daß es den bürgerlichen Blättern wirklich nur um eine� politische Hetze zu' tun war, geht schon daraus hervor, daß man nach der Aufklärung der Angelegenheit keine Veranlassung genommen hat, aus die sensationelle Angelegenheit zurückzukommen. Schweres Zugunglück in Oberfranken. Ludwigsiadt(Oberfranken), 17. Juni.(MTB.) Am Mittwoch vormittag kurz vor 11 Uhr stieß eine Schubmaschine aus den Eilzug öS Le i p-zi g— M ü n ch e n und zertrümmerte den Po st wagen vollständig. Die beiden letzten Per- sonen wagen wurden, sch w e r, der drittletzte Personenwagen leicht beschädigt. Durch den Zusammenstoß wurden sämtliche 2 ö Insassen der beiden letzten Wagen schwerverletzt. Es handelt sich durchweg um Kovsverletzungen, die durch den Zu» sammenproll und durch Herabstürzen des Gepäcks verursacht wurden. Einige Insassen des dritten Wagens wurden leicht verletzt. Die Verletzten erhielten Notverbände, die Schwerverletzten wurden in das Ludwigstädter Krankenhaus gebracht. Absturz des Segelfliegers Schulz. vauzig, 17. Juni.(WTB.) Heute nachmittag um 14.45 Uhr stürzte der bekannte Segelflieger Lehrer Ferdinand Schulz mit einem kleinmotorigen Sportflugzeug(nicht Verkehrsflugzeug) beim Wiederaufstieg aus 39 Meter Höhe auf dem Danzig-Langfuhrer Flugplatz ab. Die Maschine wurde zertrümmert. Der Flieger wurde ins Krankenhaus geschafft. Hochverrat- und Mordprozeh iu Stuttgart. Slulkgari. 17. Juni. Der oierteStrafsenatdesReichs- gerichtes trat heute vormittag unter Vorsitz des Senatspräsidenten N i e d n e r zusammen, und zwar findet die Verhandlung mit Rück- sicht auf den Wohnort der Zeugen kn S t u t t g a r t statt. Angeklagt find dreizehn württembergische Kommunisten wegen Vorbereitung zum Hochverrat, wegen vollendeten Mordes usw., und �war in der Hauptjache wegen des am 2S. November 1923 ver- iichten Bombenattentats auf das damals von der Polizei besetzt« Gebäude der kommunistischen„Süddeutschen Arbeiterzeitung" in Stuttgart, serner wegen der am 26. November 1923 in Ostheim er- folgten Ermordung de» Kriminaloberwachtmeisters Tschiersch. Die Verhandlungen dürften vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen. Der Sprechchor der proletarischen Feierstunden trifft sich heute abend 7 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 3. Alle Mitglieder müssen pünktlich erscheinen., Areireligxste Gemeinde. Sonntag 11 Uhr, Pavpelalle« 15. Vor trag bei Hcnn Dr, M. Brie: Die indislben Religionen. Harmonium Quintett aus.Rigoletto-(Verdi). Gäste willkommen. Arbeiler-Sullar-Konell S-oß-lZerlia. Die Ordner zur Sonnenwendseier treffen sich 13 Uhr am Volksparl Neukölln, Eingang Goltzener Straffe. Alänaerchor Zr'.edrichihain. Am Sonntag, dem 13. Juni, Mitwirkung bei der Bannerweihe der 32. Abteilung. Treffpunkt der Sangesbrüder vollzählig und plli.tttich um'/,& Uhr bei Schoner!, Stralau, Kynasistraffe Ordner für prolelarische Zeiersluadeu. Die Ordner treffen sich zum Dienst zur Sonnwendfeier am Sonnabend, dem 18. Juni, l8V, Uhr, am Eingang Volksparl Neukölln, Golffener Straffe. Di« Heiser sind mitzubringen. ?' »iusendimge» für diese Rubrik sind Cccliu es»8, Liadeustraße 3, partemachrkchten für Groß-Serlin flets an da» Bezirtisetretariat. 2. Hos, 2 Trep. recht». ,o richte». Z. ttrei» Tieegarte». Achtung, Abteilungsleiter! Der 7. Nrei» Tborlottcn- dura hat am Eonnlag, 1». Juni, ein Waldkest im Bolk-vark Iungfernhelde, verbunden mit einer Fahnenweihe der 57. Abteilung aus dem ltarl-Augusi- Platz, ttrumme- Sdt Ooethestratze. Die Abteilungen werden gebeten, so. weit al» möglich sich an der Fabnenweihe, welche um 18 Uhr stattfindet, zu beteiligen.— Montag, 20. Juni, A Uhr, siusammenkunft aller Partei» genössischen Arbeitersportlkr bei Arilgcr, Putlitzslr. Ig. Die Kenaffen der 8. Abteilung sind besonders eingeladen. Miiglledsbuch dient als Ausweis. IS. Ärel« Paulo«. Montag, 20. Juni, 20 Uhr, findet im Sitzungssaal de» Rathauses Pankow eine Fraktianssitzimff mit den Sreisdelegierten statt. Dia Gruppenleiter werden ersucht, den Borsttzenden des Arbeiter-Sama» literbundes und den Eenoffen Krämer vom Sport, und Kullurkartell zu dieser Sitzung einzuladen. heule, Sonnabend. IS. Znni: an der Sonnenwendseier in Neukölln. t«. Abt. Die Genossen beteiligen______________________________ Karten sind noch beim Genoffen Urban zu haben. Desgleichen noch� Karteu zur Sternwarte in Treptow. 47. Abt. Alle Genossinnen und Genoffen beteiligen sich 20 Uhr an der ui. Ab». Lilblenberg. Die Bezirlsfithrer werden gebeten, bis spatesten» 22. Juni beim Genossen Kllisener abzurechnen. Itzja. Abt. Kaulsdors-Ssid. 20 Uhr im Lokal San«souci, Moltkestr. 1, wichtige Mitgliederversammlung. Erscheinen unbedingt ersorderlich. IHorgen. Sonntag, 19. Juni: 4. Abt. Die Genossinnen und Genoffen treffen sich IZli llbr am Bahnhof Iannowitzbrllcke zur Fahrt nach Vaumschulenweg. 33. Abt. Parteimitglieder mit Familie» und Gesinnungskreunden treffen sich 13 Uhr zum Aomarfch nach Baumschulenweg Kpnoststraffe Glke AU-Stralau. Fahnen sind mitzubringen. 34. Abt. Gharlottenblirg. Die Genossinnen und Genoffen treffen sich zur B-nnerweihe der S7i Abteilung 12V, Uhr Karl-August-Platz. Anschließend Abmarsch zum Bolksseft in der Iungfernheide. «ebönebeig 77. Abt. Familienausflui, nach Dahlem. Restaurant Wohlfahrt. Treffpunkt 13 VT Uhr Haupt. G-ks Mühlenstraße. Straßenhahnl'nie» 43 u.rd 174— 73. Abt. Die Fohnendelegalion zum Polksfest der>02 Abteilung »al mfckinlenneg triftf sich um 12>? Uhr Endbalteftelie der Linie M Eile- nadlet Straße. Ter Festzog beaknnt um 2 Uhr von der«öpenicker Land. st'aße Fahlreiche Betelligung der Miigliedschafl nebst Angehörigen wirb erwartet. M mtt. Pritz-Bucko«. Eommerfest geroeinfam mit dem Reichs. banner im schönen Garten und Saal zum.Lindenpark". Inhaber Ge. nasse Niemsch Beginn 13 Uhr. Mitwirkende: Reichsbannerkapelle. Kapelle von Berufsmusikern des Musikerverbande», Sozialistische Ar. beiterjugend und Kindersreunde. Alle Genaffinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. Karten sind bei allen Dezirkskaffierern zu haben. ss I 1|[— 101, Abt. Treptow. Die Abteiluna nimmt mit Banner an ber Beransialtuna in Baumfchulenweg teil. Gemeinsamer Treffpunkt 13 Uhr pünktlich Wildenbruch. Glte Gratzstraße. 103. Abt. Oberlchäneweide. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich reit- loa an der«eranstaltung in Baumschulenweg. Trefspunlt am Sammel- h. vlatz der Baumschulenweger Genollen. 103. Abt. Adlershos. Treffpunkt 13 Uhr am Bahnhof Adlershof zur gemein- famen Fahrt nach Baumfchulenweg. Arauenvcranstaliungen. Z. Abt. Der Fraueuabend fällt aus. Dafür am Sonntag, 13. Juni, Familien- ousflug nach Königsheide, Restaurant Waldesgrund. � Treffpunkt 15 Uhr Ecke Seidekampweg und Boumschulcnstraße, Linie 33. Die 2. Abteilung schließt sich dem Ausflug an. Jungsozialisten. Gruppe Schöuebeeg: Heute, Sonnabend, Fahrt zur Sonnenwenbfeier am Seddinsee. Treffpunkt 20 Uhr Bahnhof Schöneberg.— Gruppe Rruköll«: Wir beteiligen uns an der Eonnenwendfeier des Arbeiter» Kulturtartell». Treffpunkt 1314 Uhr Hermann, Ecke Prinz-bandiern-Straße.— Gruppe Süden: Treffpunkt pünktlich 20 Uhr Kaiser-Friedrich.Platz zur Sonnenwondfeier im Neuköllner Volksparl._ SoziattftlschI Arbeiterjugend Groß-Serlin. Achtung, Abteilungsleiter! Die Filmkarten müssen bestlmmt bis Dienstag, 21. Juni, abgerechnet werden. Nicht zurückgegebene Karten gelten als per- kauft und müssen die Gruppen bezahlen. Heule, Sonnabend, 18. Juni: Treffpunkt ber Gesamtorganisatiou zur Sonnenwende im Neuköllner Volks- park pünktlich 20!4 Uhr Gneisenaustraße, am Kaiser-Friedrich.Platz(Unter. grundbahnhof Hasenheide). Treffpunkte der Abteilungen und Werbebezirke: Fallplatz: 20 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Nachzügler Sonntag 7 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Anschließend Fahrt nach Königswusterhausen.— Luwauapla»: 13 Uhr Danziger Straße(Normaluhrl. Anschließend Fahrt ins Blaue. �— Friedenau: HVt Uhr Rathau« Friedenau.— Hohenlchönhaulen: Llchtenberg-Mittc und-West: 13), Uhr auf dem Gärtnerplatz lFcuermelder). Fahrgeld:st mitzubringen.— Niederschönhauseu: 1814 Uhr Friehensplatz.- Köpenick: 13 Uhr Lindenstraße.— Werbebezirk Kreuzberg: 20 Uhr Fontane. Promenade.— WerbebezitI Tiergarten: 13 Uhr Kleiner T:ergarten.— Werbe, bezirk Osteu: I8>4 Uhr Hallefches Tor(Fahnen mitbringen!).— Werbebezirk Prenzlauer Berg: 13 Uhr Schönhauser Allee, Danziger ötroße.— Wcrbebezirk Schinoberg: 2314 Uhr Bahnhof Tempelhof. Kosten 1,20 M. Anschließend Fahrt nach Werder-Eolvinsee. » � Werbebezirk Reuköllu: Genossen und Genossinnen, die zur Sonnenwende hts Arbeiter.KuItnrkartells Fackeln verkaufen wollen, melden sich um 13 Uhr am Restaurant im Volkspark. t Morgen, Sonnlag. 19. Juni: Weißensee: Treffpunkt pünktlich 1314 Uhr Mirhachplatz. Alle Genossen müssen sich dort einfinden.— Reinickendors.Weft: Heim Ee:delstr. 1. Heim. abend. Werbebezirk Tiergarten: 13 Uhr Treffpunkt BeusseldrÜcke. Besuch de« Daldfestes der Partei._ vortrage, vereine und Versammlungen» Reichsbanner„Schwarz-Rol Gold". Geschäftsstelle- Berlin S 14. Sebastianstr. 87/38. Hof 2 Tr. Oranienburg: Frankfurt-Fahrer sofort anmelden. Fahrgeld 3 M.— Soauobend, 13. Zuui. Tiergarten: 20 Uhr Tambourkorps. Grün. dungsfeier und Tischbannerweihe, Armimushallen, Bremer Straße. Gäste will» kommen. Bernau: 20 Uhr Familienabend bei Löwe. Redner: Pol.-Oberlekr. Käthe. Freunde und Gönner willkommen. Unkosten beitrag 20 Pf.— Sonnlag, 19. Znni. Treptow: 1314 Uhr 33hf, Treptow Antreten nach Baumfchulenweg, Waldsest. Teltow: 714 Uhr Antreten Auguststraße in Bannerkleidung.- Montag, 20. Znni. Ritte: Alle Frankfurt-Fahrer TuWihalle Gartenstraße, 20 Uhr. Kreuzberg: Iunamannschatt 1: Heimabend. Borttag des Kameraden Paul Rrumann. Rcukölln-Britz: 3. Kameradfckiaft Iungmannfchatt 13 Uhr Spiel- und Sportabend in der Lessingstraße(Schule). Rege Beteiligung auch m der anderen straße. aften erwünscht. 2. Kameradschaft 1. tzua'20 Uhr Zw Donaustraße. 2. Aug 20 Uff. 22. Vortrag des Kameraden Epielleute Turnhalle Grunow- Festplaketten für das Kaufest Frankfurt a. d. O. sind von den Kassierern ober vom Saubureau abzuholen.___ Gauvorstand. Räch deu Reichslchvlmufikwoche», die das Aentralinstitut für Erziehung und Unterricht vom Jahre 1321 an in. Berlin, Köln, Breslau, Hamburg und Darm. .pH_._ i WS..W>,>101», DQLSiau, Pamourci u»o stlldt oeranstaltei ha!, findet die s. Reichslchulmusikwoche in Verbindung mit dem fächssfchcn Ministerium für Bolksbildung vom 8. bis 3. Oktober in Dresden statt. Der Berliner Handwerierverein veranstaltet am Sonntag unter Führung von Lehrer Voigt einen heimaikundlichen Familienausslog nach Grünau, Schmöckwitz, Gosen, Neuzittau und Erkner. Tresspunkt 8!4 Uhr in Grünau, Bahnhof., Die Generalprobe der Freiübungen für die Kinderabteilungen findet Man» tag, 20. Juni, 18 Uhr, im Poststadion statt. Alle Veranstaltungen, an!�»>en Kinder beteiligt sind, fallen für die Kinder fort; es beteiligen sich«le Slindcr an der Generalprobe. Dortselbst nochmals Bekanntgabe aller w:chtigen Fragen zum Äreisfest. Da» Arbeiter-Sport- und Kulturiartell Lichtenberg veranstaltet am Sonn. tag Im Lichtenberger Stadion ein Kindersportfest. Zu dem vorherigen F'.st. umzug Treffpunkt 13 Uhr Grünberger Platz. Alle Arbeitersportler und die Kinder der weltl:chen Schulen Gerden aufgefordert, pünktlich zu erscheinen. Thema:„Reichtum und Ehrlstentum. Am gle:chen Tage Ausstua der Ber. einigung in den Grunewald. Treffpunkt 14 Uhr nahe Bahnhof Picheisberge. Autobusverbindung Schildhorn. Ansprache von Pfarrer Bleier. Gäste herz- lichst willkommen. Arbeiter-Sport. und Kulturiartell Lichtenberg, 17. Verwaltungsbezirk. Eltern der Kinder der weltlichen Schulen Lichtenbergs! Treffpunkt zum Kinder. sportfest mit den Arbcitcrsportlcr:: am Sonntag, 13. Juni, 13 Uhr. aus dem Grünberger Platz. Auch die Kinder treten mit an, die sich n:cht an den Wettkämpfen beteiligen: für diese finden allgemeine Spiele statt. Festspiel zum Kreisfest am 25. 20. Juni im Poststadion. Die Hauptproben finden Montag, 20., und Mittwoch,?2. Juni, 1420 Uhr, im Poststadian stait. Da die Uebungen äußerst leicht und einfach sind, können auch solche Genossen, die an den ersten Proben nicht teilgenommen haben, sich noch jetzt daran beteiligen.__ Sport. Der Großkampftag der Rütl. ilrena am Sonntagnachmittag verspricht ein sportliches Ereignis zu werden. Im Flieger- Dreikamps treffen sich O s z m e l l*. Bob S p c-----'" �-----'"*■■—" kennt eine Verjährung also jederzeit geaeven.»..___ I..WW_ — H. W. 20. Im Verkehr mit Danzig ist der Sichtvermerkszwang aufgehoben. Kinder über 13 Jahre müssen sich ebenfalls im Besitz eines Passes befinden. Eine Bescheinigung des Ftnanzamles ist nicht erforderlich.— Eicknoalde 51. Nein. Die Freibeträge sind maßgebend.— Beusselftraße. Die Bank kann die Zahlung der Zinsen so fordern, wi« es vereinbart worden ist und im Falle nichtpünkllichcr Entrichtung der Zinsen gegen Sie im Klagewege vorgehen. Wetterbericht der Sstenllichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend (Nachd verb.): Wolkig und ziemlich warm mit«eewiltern, mäßige Südwest« bis Westwinde.— Für Deutschland: Ueberall wolkig mit Gewitterneigung, ziemlich warm._ Die Sitte de» Woche» end» hat sich auch bei un» neuerdings eingebürgert. Im Freien, fern vom Lärm der Stadt, suchen die Familien Erholung. Hierzu fehört außer der nötigen Ruhe auch nach eine gute Kost. Für diese wird d:» ausfrau vor Antritt der Wochenendsahrt sorgen und vor allem auch nicht vergessen, Maggis Fleilchbrühwürsel mitzunehmen, Infolge ihrer handlichen Verpackung und praktisch leichten Verwendbarkeit sind st« der gegebene Wochen. endpeaviant. MS» Liebreiz besticht! Eine erfolgreiche Verkäuferin ist von einer wohligen Atmosphäre umgehen. Neben persönlicher T üchtigkeit fallen ein appetitlicher Mund und angenehm duftender Atem in die Wagschale. Hier helfen P. R.- Kau-Bonbons, besonders nach dem Eissen, Trinken und Rauchen.— Nichts Besseres zur Erhaltung der Zähne und Kräftigung des Zahnfleisches bei Elrwachsenen und bei Kindern. 0. H. 4» HHIf 4 Stück lOPfg. IGLEYA.G AKIKFURTa/M Verkäufe Dürlopp-NäHmaschinen gegen tz-Mark. Wochenraten. Wlosik, Brunnenstraße 183, wischen Rosenthalerplatz und Invali» lenstraße. Norden 118._ Trotz Teilzabluna sofort Kindcrwaaen. Kiavvwaaen. Kinderbetten. Metällbetten, Korbmöbel. 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Jutendl bähen Zutritt Maner Adler, FraaktuHee HS Vom 17. bis 20 Juni 1927 ASTA NIELSEN In Dirnentragödie Ferner; Bühnenschau Frauenkleid reinseid. Bast, Faltenrock, Cr6pe de Chine-Weste u. Kragen, 46-52 2950 *iktoria-LithtöilfltliEatBr�ur Vom 17 bis 20. Juni 1927 U. 9. Weddigen Ferner: Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt anrnkrtfikan rn.König£rätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Die Sdiule v.Uznadi Homooienhaut Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Lusitpielhaut SV. Uhr: .Der Apfel" 'ieiropol- Theat. Täglich 8h. Uhr Glück iti der Liebe Thalia-Theater 8 Uhr: Wenn der junge Wein bläht .altnInrj-Bähiin Ois. Künstler-Tb 8'/. Uhr: Biilc. wer war zuerst da? Lessing-Theater 8'/, Uhr; Eugen Klöpfermit seinem Ensemble Digeiiiadit-HuB! ttuiltuBgs-.RibSil- u.Reklamemarken »egen Nachahmung gesetzi. i esen. tertigtseit45 Jahr. als Spezialität Conrad noiier Leipzig• Skeudiuch Waitiaiia-Ttieai. Werbetage. 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Autobus an d. Bahnhöfen Seegefeld u. Finkenkrug. Spritzpumpen zum Reklame- Preis v. 7 m. an tum Stlbi!- UftMlin. filtmtijir- Wiad» verkauft Hrfiöer ft Laihan "umprBfibnk. litrli« 0. 21. Alexanderstr. 14 SmtideillletaüaMei-lleM Hrulr. Sonnnbenb, den 18. Juni, flnbet im önalboa Frfedrichahain(am Sfbntgetor) bie zeiec Des 3ö jährigen BefteDens öcc Ocfsoccnjalfuug Verlin oes Deutschen TNekaUarbeiteroerbandes statt, die gleichzeitig mit einem �reunöjchastssest der Oclsocnoaltung verlin de, Occbanbe, bcc SupferfchmleSe Dtf bunben ist. Es wirken mit: Männerchor Ftchte�Seorgwia Mlfgiieb 6e» Arbeiter- Sänger» Bunbes Freie Tnrnrrfchast Sroh-Berlin Sprrchchor der Frrlrn Grwrrklchafts- fugend Orpftrum Sängrr und außerdem betonnie Künstler vom Berliner Dt�ietä- Theater. Bei Einttiit der Dunkelheit wird ein symboliiche« Feuerwerk odgedr.n»l. Die Beronffaffung beginnt nachm»m Z Uhr Der Eimritispieis beträgt rinfchl der Steuer für Erwachsene 50 PL iür Kinder>0 Pf/ Erwerbslose erhalfen gegen Borteigung ihrer Erwerbsiofen-EIempelkarle und ihre» Mlfgliedstmd e4 am Sarfeneingang für i>ch und ihre Angehörigen freie« Eintritt. Wir erwärlen. der Bedettliiiig des Tägkb' enliprechend, außerordenlltch zahlreiche« Besuch. Bei ungünstigem Wetter finden die Vorstellungen im Eaai stall. Die Oclsaermaltunq. Beleuchtungskörper Recderrt Klech Faldcensieinsir. 49 Morilxpla 5197 Ab Oberbaumbrücke täglich(außer Sonnabend) •• Dampferextrafahrten nach 8.Äafrth Neu-Heringsdorf j sonn": lüK 2 UhrUmiliags U g U' U k I ll ll 1 8 tTtl l?ind!d"«älf7e «/nl.o.egnrf Cnhln.ion/ Wochentags nur 9 Uhr IrOb Tlglid 9 Uhr(tih (>a8■ennib } Grünheide ÄS 2 M..Wodm'.t 508. Hin dir dz»IM, Hin lud niOdt 2 M. Kinder dir»IM, J. BAER BAPSTB. 26 ECKE PRIWZEWAU.EE Fertige Herren- u. Knaben-Bekleidung in nur anerkannten Qualitäten für jede Figur Die Maßabteilung unter Leitung bewährter Zuschneider, bringt das Geschmackvollste hervor GroBe Auswahl in Gabardine-, Gummi- und Lodenmäntel, Wind- Jacken, Sport- und Berufskleidung Sonnabend IS. Juni 1927 Unterhaltung unö ÄVissen Setlage des vorwärts Mafllo unö Masilonpane. Ein afrikanisches Märchen der Bajufo. Eines Tages gingen Masilo und Masilonyane auf die Jagd: sie kamen an einem verfallenen und verlassenen Dorfe vorbei. Mast- lonyane begab sich in das Dorf und schickte sich an hindurchzugehen, während sein Bruder um dasselbe herumging. Während Masilonyane durch das Dorf ging, kehrte er große Gefäße um, die er in dem Dorfe umgestülpt fand: schließlich bemerkte er eins, das größer war als die anderen: er stieß es an, aber vergebens, das Gefäß rührte sich nicht. Da wandte er sich um und rief den Masilo herbei: „Komm und hilf mir dies Gefäß umkehren, es will sich nicht bewegen." Masilo antwortete:„Laß es nur liegen. Was hast du um- gestülpte Gefäße auszurichten?" Aber Masilonyane bückte sich wiederum, strengte sich sehr an, und am Ende wich das Gefäß mit lautem Geräusch. Eine alte Frau kam sogleich daraus hervor, und als Masilonyane das Gefäß wieder über sie decken wollte, sprach sie zu ihm: „Mein Söhnchen, du hast mich befreit und willst mich wieder einsperren! Du siehst, daß ich damit beschäftigt war, rote Gerste zu mahlen." Daraus sagte sie zu ihm:„Trage mich auf deinem Rücken." Kaum hatte sie dies gesagt, da hatte sie auch schon einen Anlauf ge- nommen und war sogleich aus dem Rücken des Masilonyane. Dieser rief den Masilo zu Hilfe, der aber erwiderte ihm: „Ich habe dir doch gesagt, du solltest die umgestülpten Gefäße in Ruhe lassen." Darauf spottete er über ihn und entfernte sich lachend. Masi» lonyane folgte ihm in einigem Abstand, indem er die Alte auf dem Rücken trug. Nochmals rief er ihm zu: „Ach, mein Bruder, hilf mir doch ein wenig, diese Alte tragen." Die Alte aber wollte davon nichts wissen. „Nein, nein, mein Söhnchen, du mußt mich tragen." Ein wenig weiter bemerkt« Masilonyane ein Rudel Koma- Antilopen, das vorbeikam: da sprach er zu der Alten:„Großmutter, steig' ein wenig ab, ich will rasch eins dieser langbeinigen Tiere er- legen, um dir daraus einen Traggürtel zu machen, in dem ich dich tragen kann." Die Alte ließ sich zur Erde gleiten, und Masilonyane machte sich auf die Verfolgung der Antilopen: doch als er außer Sehweite war, verbarg er sich in einer Erdhöhle. Als die alte Frau bemerkte, daß er nicht zurückkam, machte sie sich daran, ihn zu verfolgen, indem sie sagte:„Da ist die Spur des einen der kleinen Füße meines Söhn- chcns, und da ist die Spur des anderen." Alsbald kam sie an den Ort, wo er sich oersteckt hatte, und war mit einem Sprunge wieder auf seinem Rücken. So setzten sie ihren Weg fort, indem eins das andere trug. Etwas weiterhin sah Masilonyane eine Gazelle in der Ferne vorbei- kommen, da sagte er: „Großmutter, steig' ein wenig ab, damit ich dies langbeinige Tier erlegen kann, um dir einen Traggürtel zu machen, in dem ich chich tragen kann." Die Alle ließ sich zur Erde gleiten: Masilonyane entfloh und ver- barg sich, so gut er konnte. Die Alte verfolgte ihn wie das erstemal, indem sie sagte:„Da ist die Spur des einen der kleinen Füße meines Söhnchens, und da ist die Spur des anderen." Als sie in feine Nähe kam, rief Masilonyane seine Hunde her- bei und sagte zu ihnen: „Saa! Verschlingt sie ganz und gar, doch laßt mir die große Zehe übrig." Die Alte hatte in der Tat eine Zehe, die ebensogroß war wie ein Menschenbein. Die Hunde stürzten sich auf sie und ergriffen sie bei den Fersen: da rief sie: „Mein Söhnchen, habe Mitleid mit mir!" Aber die Hunde töteten und verschlangen sie alsbald und ließen von ihr nur die große Zehe übrig. Masilonyane kam herzu, nahm seine Axt und schlug damit auf die große Zehe. Da kam daraus ein« Kuh hervor, bunt wie ein Perlhuhn. Er schlug ein zweites Mal, und eine ebensolche Kuh kam heraus. Da lief Masilo. der das alles von weitem mit ange- sehen hatte, herbei und sagte zu seinem Bruder: „Gib mir meinen Anteil." Masilonyane erwiderte:„Gewiß nicht! Du hast dich geweigert, mir zu helfen." Er setzte seinen Weg fort, und sein Bruder folgte ihm, indem er ihn fortwährend bat, ihm eine seiner Ksihe zu geben, aber Masi- lonyane wollte nichts davon missen. Plötzlich sagte er: „Ach, wie durstig ich bin! Wo können wir Wasser finden?" Masilo antwortete:„Es gibt hier ganz in der Nähe eine aus- gezeichnete Quelle." Sie begaben sich dorthin; es war eine Quelle, die ein großer flacher Stein bedeckte. Sie schoben ihre Speere unter den Stein und hoben ihn hoch. Darauf sprach Masilo zu seinem Bruder: „Halte den Stein, während ich trinke, und ich werde ihn her- nach hatten, wenn du trinkst." Aber als sich Masilonyane über da» Wasser beugte, um zu trinken, ließ Masilo den Stein fallen, der Masilonyane zerquetscht«. , Man erzählt, daß das Herz des Masilonyane daraus seinen Körper verließ und als«in Vogel zu seinem Dorfe flog, wo es anfing zu singen: „Tsuidi! Tsuidi! Masilo hat den Masilonyane getötet wegen der schönen Kuh von Perlhuhnsarbe." Die Leute überall im Dorse riefen:„Hört diesen Vogel, er sagt: Masilo hat den Masilonyane getötet wegen seiner schönen Kuh von Perlhuhnsarbe." Die Leute warteten voller Ungeduld und wußten nicht, was das zu bedeuten habe. Als Masilo mit seinen beiden Kühen ankam, riefen die Leute: „Ach, was für wunderbare Tiere!" Darauf fragte man ihn:„Wo ist Masilonyane?" „Ich weih nicht: wir sind jeder unseren Weg gegangen, der eine �nach der einen Seite, der andere nach der anderen Seite." Daraus fragte man den Vogel, der niemand anders als Mast- lonyane war. Der sagte ihnen: „Ich bin von Masilo getötet worden; ihr könnt zu jener Quelle gehen, da werdet ihr meine Kleider finden." Die Leute eilten zu der Quelle und fanden die Kleider des Masilonyane, die sie ins Dorf brachten. Da sprach Masilonyane: „Masilo, behauptest du wirklich, daß diese Kühe dir gehören?" Der antwortete:„Ja." „Wenn sie dir gehören, warum hast du mich dann getötet?" Da riefen die Leute im Dorfe:„Fürwahr, fürwahr, das ist das Herz des Masilonyane. das uns alles gesagt hat. wie es geschehen ist." Masilonyane war wieder ein Mensch wie früher geworden. ßbberttMe» wa De. t. ftaaik*.) pack. Von Erna Büsing. „Männer stehen immer unter Füßen rum," schimpfte Frau Sperling. Sie hatte es sich nämlich in dem so holterdiepolter ge- bautem Nest schön bequem machen wollen, dabei fiel ein Ei heraus, machte laut platsch und war kaputt. Nun mußte sie doch zur Er- leichterung ihres Grolles auf ihren Mann schelten, der zufällig in der Nähe gehockt hatte. Vater Sperling sagte nichts. Er war auf seine Art so ein Stück Philosoph und verstand sich auf Frauen. Recht umständlich kratzte er sich unter seinen schwarzen Kehlfedern— dem Zeichen seiner edlen Männlichkeit— denn die Milben bissen mal wieder ganz gemein. Er mußt« es sich selbst eingestehen, sein Nest war überhaupt nicht nach seinem Geschmack. Es befand sich in einer Großstadt, in einem Mauerloch des Hauptportals des Hauptbahnhofs. Aber Der Wettstreit. - Die Rote Fahne:„Ich bin viel größer als der vorwärts!" ver Vorwärts:„Ja— im vlaulanfreißen!" Frau Spätzin hatte es so bestimmt. In diesem bröckelnden, eilig mit aufgelesenen Halmen ausgepolsterten Loch wollte die tapfer« Mutter viermal in diesem Jahre Junge großziehen. Der Dater hatte Furcht vor den Menschen, die dann und wann große Lettern anstellten und von schwanker Sprosse aus die Fenster des Haupt- portal? putzten. Doch die Frau hatte«inen sicheren Instinkt. Sie wußte, diese rauhen, harten Hände können lind sein, sie tun einem kleinen Vogelleben und einem winzigen Vogelglllck nichts zuleide. Der Spatzenmann ließ seine Frau gewähren, denn schließlich war sie ja die Stammutter neuer Spatzengeschlechter. Sie hatte im Grunde genommen Recht, um die Art zu erhalten, mußte man rauh mit den Jungen sein. Di« durften nicht ludern aus weichem Lager, die mußten frühzeitig schwer bekömmlich« Speisen ver- bauen. Das goldene Zeitalter der reichlichen Pferdeäpfel war vor- über, jetzt hieß es, sich umstellen. Es galt, den Menschen zu be- lauern. Vielleicht aß mal ein Dienstmann ein Stückchen Brot, warf ein Chauffeur eine Wurstpelle in den Rinnstein und zerkrümelte ein halb totgedrücktes Kind in dem allgemeinen Gedräng« nach Zugankunft ein Stückchen Kuchen. Man mußte sich dem Tempo der Zeit anpassen, man mußte schneller werden. Oft zustoßen wie «in Raubvogel und mitunter dummerweise Sachen mitschleppen, die sich später totsächlich trotz aller Mühe als unfreßba? erwiesen. Man mußte Lokomotivqualm und Benzingestank schlucken können und womöglich auf dem Verdeck eines wartenden Automobils fitzen und die ekelhaft nach Großstadt riechenden Federn auf Milben durchsuchen. Wirklich, man mußte freslen, trinken, sich lausen, alles mit Eilzugsgeschwindigkeit. Vorüber sind die schönen Zeiten, wo der Spatz zur Beschaulichkeit der Natur und zur Gemütlichkeit des Kleinstadtlebens gehörte. Er hat sich ganz und gar angepaßt und ist ein ruppiger, dreckiger, frecher Großstadllümmel geworden. Sie wurden groß, die Jungen der besagten Frau Spatz. Als sie den ersten Ausflug mit ihnen machte, blieb der Vater vor Schaudern zu Haufe. Er wollte nämlich nach einem nahen, halb- verfallenen Kirchhof, wo ein paar alte Bäume standen. Jedoch Frau Spatz wehrte ab. Was gilt heute noch die Natur? Rein In die Großstadt! Und bums schaukelt« sie mit den Jungen auf den Drähten der elektrischen Dogenlampen, welche die Hauptstraße über- spannten. Feine Restaurants hatten ein paar Efeuwände und ver- staubte blühende Blumen als Garten ausgebaut, und Dämchen und Herren saßen unter einer Leinwand im Freien, zeigten ihre Kleider, machten Bekanntschaften und sogen Asphallgestank al» frisch« Luft ein. Da entdeckte Frau Spatz ein Stückchen Käsetorte, da» der Kellner, um die Hände frei zu bekommen, auf einen leeren Tisch setzte.„Auf Vordermann bleiben," schrie sie den Jungen zu, und im Nu stieß sie aus die Torte nieder. Die Spatzen fraßen, als ob's in Akkord ging«. Auf einmal tat ein Dämchen einen hysterischen Schrei und trommelte so heftig mit den Fingern auf die Marmor- tischplatte, daß einer der gelackten Fingernägel brach. Der Kellner kam und schlug mit der Serviette. Die jungen Spatzen kriegten einen Riesenschreck, verdauten im Augenblick, und einen Teil der genosienen Käsetorte ließen sie anstandshalber, wenn auch w ver- änderter Form, zurück. Schrrr ging's dann fort und sogleich auf die Bogenlampendräht«. Frau Spatz war stolz. Sie ließen sich gut an, die Jungen, waren nicht hochqeflogen nach übler Naturvogelmanier, um sich, wie es diesmal der Fall gewesen wäre, unter dem Zeltdach zu ver- flattern, sondern sie hatten sofort seitlich den Ausgang gefnnden. Also, ihre Kinder waren der Großstadt gewachsen, und dann guckte Frau Spatz auf die noblen, ach, so empörten Mensche» und schimpfte: .Patt. Pack, Pack." Elterliche Allmacht. Von Fritz Wittels. Im Hippokrates-Verlag(Stuttgart, Berlin, Zürich) erschien das Vuch eines Wiener Psychologen, der die psychoanalytischen Fest. stcllungen an Kindern, Uberhaupt das heutige Wissen um die Seele des Kindes in lebendiger Form der Allgemeinheit vermittelt und von da aus die Srziehungsfragen beantwortet. Fritz Wittels hat seinem Buch den bezeichnenden Titel«Die Besreiung des Kindes" gegeben. Wir teilen unseren Lesern mit Zu» stimmung des Berlags eine Probe daraus mit: Freud hat fast an den Anfang seines Werkes das Wort gesetzt: „Der Tod des Vaters ist das wichtigste Ereignis im Leben eines jeden Mannes." Wir werden statt Vater beide Eltern setzen und statt„jeden Mannes" jedes Menschen. Diese Einschätzung hat nichts Mystisches an sich, sondern die großen übermächtigen Figuren stellen sich in unserer Kultur so vor das Kind, daß dieses alle Kräfte seines kleinen Seelchens gebrauchen muß, um mit ihnen fertig zu werden, und sie doch nicht verschlucken kann. Die Liebe reicht nicht aus und nicht der Haß. Die Riesen zu annullieren geht nicht an, sich mit ihnen identifizieren kann nicht restlos gelingen. Sich ihnen völlig unterordnen kann das Kind nicht. Gegen sie protestieren wird mit furchtbaren moralischen Schlägen beantwortet. Kürz: zwischen Ellern und Kindern wird ein seelischer Mechanismus mobilisiert, der so gut geölt ist, daß er nicht knarrt. Er arbeitet unhörbar. Aber er arbeitet, und der Nervenarzt weiß ein Liedchen davon zu singen. Der Psychoanalytiker hört, was sich Neroöse aus der Jugendzeit gemerkt haben. Die Ellern werfen Worte hin, denen sie selbst viel- leicht keine Bedeutung beimessen. Das Kind nimmt sie als Aus- druck und Beweis der Lieblosigkeit zur Kenntnis und schreibt sie wie eine Devise über alles fürdere Geschehen. Du bist ein Feigling! sagt die Mutter. Das Kind wird ein Feigling, denn die Mutter hat es gesagt. Aus dir wird nichts, du bist ein Lump und bleibst ein Lumpl sagt der Vater. Das Kind wird entweder wirklich nichts oder es überbaut den Fluch des Vaters und steigt vo.n Stufe zu Stufe, um dem vielleicht längst verstorbenen Vater zu beweisen, daß er unrecht hatte. Des Vaters Mahnung behält aber dennoch recht, und so entsteht Erfolglosigkeit oder trotz Höchstleistungen dauernde Unzu- sriedenheit mit sich selbst. Die Kinder besonders tüchttger und erfolgreicher Eltern sind immer gefährdet. Der Vater hat vielleicht klein angefangen und wie ein Tank gearbeitet, bis er über alle Hindernisse hinweg etwas ge- worden ist. Das Sieghafte geht von ihm au», er füllt das Haus mit t einem Willen, immer gut aufgelegt, alle Schwierigkeiten bagatelli- ierend: ein ganzer Kerl. Gewöhnlich hat so einer mehrere oder gar viele Kinder und wt, was er tun kann, um die Familie ordentlich aufzubringen. Aber der Erfolg lohnt diese Mühe nicht. Das Leben konnte er zwingen. Seinen Kindern kann er die Kraft nicht ein- hauchen, die ihn selbst beseelt. Dann wird er ungeduldig und ruft wohl aus: Taugenichtse seid ihr, Schwächlinge, Traumichnichte— ich war anders! Auch das wird wahr: die zweite Generation ver- dirbt, was die erste aufgebaut hat. Noch vor ganz kurzer Zeit suchte man hinter diesem Prozeß des Aufstieges und Abstieges Entartung (Degeneration) und erbliche Belastung. Heute ist man psychologisch geworden und weiß, daß die Kinder in ihren Seelchen von wuchten- den Vätern gebrochen werden. Die moderne Erziehung besitzt noch ein Mittel, um den Kindern diesen und manchen anderen Konflikt zu erleichtern, und das ist die Gemeinschaftsschule. Man bringe die Kinder unter ihre»- gleichen und fort aus der Arena des ungleichen Kampfes. Stellen wir uns eine Gruppe von Bergsteigern vor. Die einen sind trainiert, die anderen nicht. Nach kurzer Zell werden die Nichttrainierten zurückbleiben, den Mut verlieren und umkehren. Sie erreichen den Gipfel nicht. Wenn man die beiden Parteien voneinander trennt und gesondert aufsteigen läßt, dann werden auch die Nichttrainierten langsam aber sicher hinaufkommen. Man erspare ihnen die lieblose 5krittk: du bist ein Feigling, ein kleines Dummerl, aus dir wird niemals etwas werden! Wie sollen Kinder gegen diese entmuttgenden Worte aufkommen? Die Kleinen werden Lügner und wortbrüchig und alles Mögliche geschotten, bevor sie überhaupt wissen, was eine Lüg« oder ein Wortbruch eigentlich sei. Man straft die Kinder, bevor sie den geringsten Zusammenhang zwischen Schuld und Strafe begreisen. Gibt es denn überhaupt einen zureichenden solchen Zusammenhang? Alle diese Erziehung»- fehler begehen die Eltern im guten Glauben. Was Kinder am schwersten ertragen, ist der Zwang. Wenn sie sehen, daß die Eltern ebenfalls unter einem Zwang stehen, dann kommt ihnen der eigene Zwang weniger unangenehm zum Bewußt- sein. Sie fügen sich, weil sie sehen, daß auch die Eltern ihrerseits sich fügen müssen. Wo Vater und Mutter hart arbeiten, dort ist es besser, als wo die Kinder nichts anderes sehen oder zu sehen oermeinen als ein Phäakenleben, aus dem hervorgeht, daß die Kinder immerfort müssen oder nicht dürfen, während die Erwachsenen wie im Paradies dahinleben. Hier ist wohl der Hauptgrund, warum in wohlhabenden Kreisen so viele Taugenichtse heranwachsen. Cin tragisches Erfinöerlchlcksal. Di« Stadt Bolton in England begeht jetzt durch große Festlich- ketten die hundertjährige Wiederkehr des Todestages ihres größten Sohnes, des Webers Samuel Crvmpton. der durch die Erfindung der sogenannten„Mulemaschine" die Baumwollspinnerei auf«ine ganz neue Grundlage stellte und den hohen Aufschwung der englischen Textilindustrie begründete. Der Mann, der so vielen zu Reichtum und Wohlstand verholfen, war aber selbst ein armer Teufel, als er nach schwerem Lebenskampf am 26. Juni 1827 die Augen für immer schloß. In seinem Schicksal, das uns aus diesem Anlaß von Thomas Midgley zum erstenmal eingehend geschildert wird, offenbart sich die alte Erfinde rtragödie. Erompton gehörte zum Beschlecht der Bastler und Träumer, denen ein künsllerischer Zug«igen ist. In dem Heim seiner Mutter, die eine Hausweberei hatte, erfand er mit den ein- fachsten Geräten seine Maschine, die die Vervollkommnung der sog. „Jenny" von Hargreaves und der„Waterspinnmaschine" Arkwrights war, also ein Bastard aus diesen beiden Maschinen, und daher von ihm„Mute" oder Maulesel genannt wurde. Es gelang ihm damit, einen Faden von größerer Feinheit und besserer Qualität zu ge- Winnen, al« er bis dahin hervorgebracht worden war, und damit eröffnete sich für die englische Industrie die Mögllchkeit, seine Müsse- lin« herzustellen und überhaupt bessere Textilwaren zu liefern. Der Träumer Erompton selbst war nicht imstande, seine Erfindung ge- schäftlich auszubeuten. Aber das feine Tuch, das er mtt der Hand spann, erregt« großes Aufsehen, und von allen Seiten, ja aus weiter Ferne kam man herbei, um die Wundermaschine zu brtrachten. Er hat später selbst gesagt, daß er nur die Wahl gehabt habe, seine Ma- schine zu zerstören oder sie dem Handel zu überlassen. Er verkaufte seine Erfindung an einzelne Leute und hoffte, damtt wenigstens 4000 Mark zu verdienen, aber dieser verkauf brachte ihm im ganzen nur 14S0 Mark«in, und die einzelnen Beträge mußte er sich noch mühsam bei den Nutznießern seiner Erfindung einsammeln. Die ungeheure Ungerechtigkeit, die darin lag. daß der Spender so großen Segens im Elend blieb, rührt« aber doch das Gewissen der Nation. Man veranstallete 1803 eine Sammlung, die ihm die Summe von 8800 Mark brachte, und dann griff das Parlament ein und gewährte ihm 1812 eine Spende von 100 000 Mark. Trotzdem ist Erompton auf keinen grünen Zweig gekommen. Nach den Forschungen Midgleys waren es seine verschwenderischen Söhne, die ihm alle», Geld abnahmen. Er selbst fristet« in den letzten Jahre« sein Leben damit, daß er alte Malchin«» ausbesserte. Gefährliche Reichsbahn-Experimente. Beseitigung des Stationsdienstes auf Nebenbahnen.- Rationalisierung am falschem Ort. In den Reichsbahndirektionen Königsberg, Stettin und Trier werden auf einzelnen Nebenstrecken neue Verfahren ausgeprobt, die dazu dienen sollen, den Betrieb und Verkehr der Reichsbahn zu oerbilligen. Es handelt sich in der Hauptsache um den Versuch, in» wieweit ohne Gefährdung der Betriebssicherheit und Schädigung des Verkehrs die Aufgaben des Stationsdienstes auf das Zugperso- nal, das in Abhängigkeit von einer sogenannten„Zugleitstation" gebracht wird, übertragen werden können. Vorweg dürfte schon jetzt festgestellt werden, daß die von der Hauptverwaltung herausgegebenen RIchklinien zur Verbilligung des Betriebs, und Absertigungs- dienftes auf Nebenbahnen geeignet sind, den Betrieb und den Warenumlauf wesentlich zu ver- langsamen, die Betriebsgefahren für alle Beteiligten wesentlich zu erhöhen und überdies noch höhere Dienstleistungen aus dem schon heute stark überlasteten Personal herauszuholen. Grundsätzlich sollen bei der definitiven Regelung die Bahnhöfe gewisser Nebenbahnstrecken durch stationäres Per- jonal überhaupt nicht mehr besetzt sein. Das Per- jonal des einfahrenden Zuges soll den Dienst auf den Stationen übernehmen. Mit Abfahrt eines jeden Zuges ist der Bahnhof dann wieder unbesetzt. Das bedeutet, daß eine Fahrdienstleitung aus diesen Stationen überhaupt nicht mehr stattfindet. Da das Zug- meldeoerfahren wegfällt, müssen sich die Gefahren für Zugzusammen- stöße aus den Stationen sowohl, wie auch auf freier Strecke ver- mehren. Wenn nach den gegebenen Richtlinien jeder Zug vor der Einfahrt in einen unbesetzten Bahnhof zu halten hat und der Zug- führer oerpslichtet ist, vor der Weiterfahrt sich zu überzeugen, dag die Fahrstrahe für die Einfahrt des Zuges in Ordnung ist, so stellt diese Vorschrift eine Unmöglichkeit dar, da die Entfernungen und Witterungseinflüsse dem Zugführer oftmals jede Möglichkeit hierfür nehmen. Diese Vorschrift hat die schlmverwiegende Bedeu- tung, dah bei Zusammenstößen und Entgleisungen jedesmal ein Be- amter der unteren Besoldungsgruppen als Blitzableiter und Sünden- bock vor den Staatsanwalt kommen wird. Entschieden zu protestie- ren ist gegen die Bestimmung, dah aus den Strecken, bei denen die Hauptverwaltung aus Ersparnisrücksichten glaubt, aus einen Zug- sührer verzichten zu können, der Lokomotlosührer vor Antritt der Fahrt die Diensiobliegen- heilen des Zugführers wahrzunehmen hat. Damit wird die Einmannbesetzung der Lokomotive mit ihren grohen Gefahren, die z. B. gelegentlich des Unfalles bei Reutte in die Cr- scheinung traten, in den normalen Zugdienst übertragen. Die Oeffentlichkeit hat alle Beranlasiung, sich gegen derartige Experi- mente der Reichsbahnverwaltung auf das entjchiedenste zu wehren. Ebenso gefährlich ist die Bestimmung, dah bei Besetzung der Loko- Motiven mit zwei Beamten die reine Arbeitszeit im Mögigen Zeit- räum in der Regel mindestens 260 Stunden betragen soll. Auch die Streckenbegehong soll derart eingeschränkt werden. dah im allgemeinen ein wöchentlich dreimaliger Etreckenbegana ge- nügt. Bei besonderen Verhältnissen glaubt die Verwaltung sogar mit einer wöchentlich einmaligen Kontrolle auskommen zu können. Zum Widerspruch reizt auch die Bestimmung, nach der die Wegeschranken auf freier Strecke möglichst zu be- s e i t i g e n sind. Erhöhter Berlust von Menschenleben und Gütern wird die Folge davon sein. Geradezu klassisch mutet die wörtüche Begründung für diese Ersparnismaßnahm« an:„Das V o r h a n- d e n s« i n dieser Schranken darf nicht ohne weiteres als Hinde- rungsgrund für eine etwa sonst mögliche Personaleinschränkung (Nichtbesetzung der Station) angesehen werden." Auf derartigen Stationen hat den gesamten Derkehrsdienst, d. h. Fahrkartenoerkauf und Güterabfertigung, der Zugführer des einlaufenden Zuges wahrzunehmen, obwohl die Bearbeitung eines einzelnen Frachtbriefes u. a. stundenlang« Arbeft erfordern kann. Soll die Annahme und Audgabe von Gütern sich nur aus die Aufenthalts zeiten der Züge beschränken, dann muh jeder sich nach stundenlangem Wege nur kurze Zeit verspätende Absender oder Empfänger wieder umkehren und am nächsten Tage wiederkommen; hat dann jedoch außerdem noch Lager, oder Standgeld zu zahlen. Geradezu sträflich ist die Sorglosigkeit, mit der die Reichsbahn be- stimmt, daß die Bereitstellung von Wagenladungen zur Enttadnug als Ab» lieferung an den Empfänger angesehen werden muh. Der Zugführer hat sich nur von der ordnungsmähigen Beschaffen- heit des Wagens und der Ladung zu überzeugen und fährt weiter. Der Empfänger der Sendung, der vielleicht erst am Abend des be- treffenden Tages vom Einlauf des Wagens Kenntnis erhäll, kann dann erleben, dah ein Unberechtigter die Ladung inzwischen lange abgefahren hat. Der richtige Empfänger kann in solchem Falle irgendwelche Ersatzansprüche an die Verwaltung nur dann stellen, wenn er in der Lage ist, den Nachweis zu führen, dah die Eisenbahn schuldhafterweise ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen ist; ein Nachweis, der gegenüber den neuen Be- stimmung, wodurch die Bereit st ellung zur Entladung als Ablieferung an den Empfänger anzusehen ist, kaum je- mals erbracht werden kann. Man stelle sich bei dem im Güterzug- verkehr oft stundenlangen Verspätungen die Folgen für die Abserti- gung von Leichen und von lebenden Tieren vor. Wenn in glühender Sommerhitze oder in starker Kälte lebende Tiere durch eine derartige Abfertigung verenden, hat die Eisenbahn Schaden- ersah ebensowenig zu leisten. Dieses aus reinen Ersparnisgründen erdachte neue Abferti- gungssystem ist für die Verhältnisse eines Kultur- landes selbst bei schwachem Nebenbahnverkehr vollkommen ungeeignet und unter allen Umständen abzu- lehnen. Die Gefahren werden bedeutend gesteigert, der Waren- umlauf verlangsamt und auch das Personal über Gebühr bean- spracht. Dabei muß berücksichtigt werden, daß der Reichsverkehrs- minister für die Dauer des Versuches bereits die Abweichungen von der Eifenbahn-Verkehrsordming genehmigt hat, dah also schon Gefahr im Verzuge ist. Dabei tritt eine Personalvermindc- rung kaum ein, da die gesamte Rechnungslegung und Kassenführung der unbesetzten Bahnhöfe, die bestimmungsgemäß für jeden Bahnhof getrennt zu geschehen hat, einem sogenannten Mutterbahnhof übertragen werden soll. Es erfolgt also nur eine Verschiebung des Personals nach diesen Mutterstationen hin. Nutzen und Ge- fahren dürften bei diesem Rationalisierungsversuch also in entgegen- gesetztem Verhältnis stehen. Hoffentlich führen schon diese Dar- legungen dazu, dah die Reichsbahn-Gesellschvft erkennt, dah hier der Gedanke der Rationalisierung durch sein« schematische und überspannte Anwendung eher schädigend al» fördernd wirken muh. Die ßrüchte üer Rationalisierung. Wer erntet sie? Am IS. Juni hat der Verein Deutscher Eisen- und Skahllndustrieller durch seinen Syndikus, den deutsch- nationalen Reichstagsabgeordneten Dr. Reichert, behaupten lasten, dah durch die Fordeningen der Arbeiterschaft die Früchte der Ra- tionalisierung nur den Belegschaften, nicht aber den Aktionären zugute kommen. Im letzten Heft der„Gewerk- schaftszeitung" veröffentlicht der ZlDGB.«ine vom Deutschen Metall- arbeiterverband geliefert« Zusammenstellung, die die besonders in der Schwerindustrie den Konzernen zugeflostenen Rationalifierungs- gewinne in dem Halbjahr von Juli 1926 bis Dezember 1926 an- schaulich verdeutlicht. Im B o ch u m e r Verein ist die Roheisenerzeugung um 66,2 Proz., die Rohstahlerzeugung um 86,2 und di« Erzeugung von Walzwerksabrikaten um?S,7 Proz. gestiegen. Gleichzeitig nahm die Belegschaft aber nur um 6.9 Proz. zu. In den Hüttenanlagen„Vulkan" bei Duisburg st i e g die Roheisenerzeugung um 60,3 Proz., di« Belegschastsziffer aber hat um 19 Proz. ab- genommen. Auf der August-Thysten-Hütte in Hamborn wuchs die Erzeugung um 46,4 Proz.; die Belegschaft ging aber um -43,8 Proz. zurück. Auf der Dortmunder Union ist eine Erzeu- sungs steigerung von 17 Proz. und ein Belegschasts r ü ck g a n g von 16,1 Proz. und auf der Gute-Hoffnungs-Hütte eine Produk- tions erweiterung von 27,8 und eine Belegs chofts vermin- d e r u n g von 7,8 Proz. zu verzeichnen. Nun waren die Preise in diesem Zeftraum im Durchschnitt gewiß nicht schlecht. Die gewallige Steigerung der Erzeugung bei relativem und absolutem Rückgang der Lohnkosten hat sich auch in entsprechenden Gewinnen niedergeschlagen. Selbstverständlich müh- ten diese Gewinne auch den Aktionären zugute kommen. Wenn Herr Dr. Reichert also glaubt, sich vor die Aktionäre und gegen di« Arbeiterschaft stellen zu müssen, so mögen die Aktionäre ein- mal nachprüfen, in welchen Reserven di« klingen- den Rationalifierungs g ewinne verschwunden sind. In den geringfügigen Lohnerhöhungen stecken sie ganz gewih nicht. und auch die von der Arbeiterschaft mit Fug und Recht geforderte Arbeitszeitverkürzung wird sie noch nicht erschöpfen. Börse und Wirtschaftsenlwicklung. Die Deutsche Bank schreibt in ibrem letzten Monatsbericht, dah die Kursrückgänge seit Mitte Mai auf den Verlauf der Wirtschaftsrhnjunktur keinen merkbaren Einflnh ausgeübt haben. Die An- forderungen, die von der Wirtschaft an den Geldmarkt und die Banken gestellt werden, seien noch in der Zunahm« begriffen. /toch dfc ,$ifcetnta' im Bofstkeg. Im Zeichen des englischen vergarbeilerstreiks. Di« Bergwerksgejellschaft„Hibernia", die sich fast ganz:m Besitz des preußischen Staates befindet, hat im Geschäftsjahr 1926 große finanzielle und betriebliche Erfolge aufzuweisen. Gegen Mitte des Jahres begann sich der im Mai einsetzende Streik auszuwirken, um nach der völlis-n Räumung der Halden im Herbst die Nachfrage zu einem Umfang zu steigern, der nid# mehr voll befriedigt werden konnte. Die Kohlenrohförderuna stieg gegenüber dem Vorjahr von 5111569 Tonnen auf 5576741 Tonnen, d. i. um etwa 7 Proz., obwohl die Belegschaft von 17-323 auf 15 691, das sind mehr als 9 Proz., sank. Der Förderanteil pro Kopf ist damit gegen 1913, wo bei einer Belegschaft von 19 423 Mann 6 215 579 Tonnen gefördert wurden, um rund 16 Proz. gestiegen. Im Vor- jähr wurden bei 4 866 882 M. Betriebsüberschuß und 4 936 166 M. Abschreibungen 225 846 M. als Gewinn vorgetragen. Im Be- richtsjahr dagegen 8656916 M. Betriebsüberschuß erzielt. Ab- schreibungen in Höhe von 5 253 245 M. vorgenommen, 2766 666 M. Dividend« verteilt(5 Proz. auf die Stammaktien und 414 Proz. auf die Vorzugsaktien) und noch 269 511 M. vorgetragen. Di« ungewöhnlich hohen Abschreibungen von 16 189 345 Mark, das sind fast 17 Proz. des Aktienkapital» von 56 666 666 M., in zwei Jahren, lasten di« starken Rationalisierungs- gewinne auch bei der„Hibernia"«rkeimen, da der Hauptanteil auf Abschreibungen von Maschinen und Geräten entfällt. Die Aus- sichten sür das lausende Geschäftsjahr 1927 werden nicht günstig beurteill. Trotzdem dürfte bei der allgemein ansteigenden Kon- junktur, di« den Inlandsmarkt sehr stark ausnahmefähig gemacht hat, wieder ein guter Gewinnabschluß zu erwarten sein. 166 elektrische Lokomokiven von der Reichsbahn bestellt. Nach- dem die Reichsbahngesellschaft erst ganz kurzlich außerhalb des Arbeitsbeschasfungsprogrammes 7560 neue Güterwagen in Auftrag gegeben hat, wird jetzt die Bestellung von 166 elektrischen Lokomotiven und Triebwagen gemeldet im Auftragswert von rund 34 Millionen Mark. 45 Schnellzugs. lokomotiven � werden bei Brown und Boveri, Mannheim, der Lokomotivenfabrit Kraus-München, der AEG., den Siemens- Schuckertwerken, der Firma Borsig, den Bergmann�lektrizitäts- werten und der Firma Schwartzkopfs A.-G. in Auftrag gegeben. 35 Güterzuglokomotiven und 8 Rangierlokomotiven verteilen sich weiter auf Siemens-Schuckert-, Bergmann, Moffey-Schwartztopff. Linke-Hoffmann und Maffey-München. Die restlichen Trieb, und Steuerwagen werden von Brown und Boveri, der Waggonfabrik H. Fuchs-Heidelberg und der Maschinenfabrik Augsburg-Rürnberg gebaut. Es gehl auch ohne Sonnabendbörse. Der Börsenvorstand hat beschlossen, in den Monaten Juli und August die Effekten- b ö r s e Sonnabends ausfallen zu lasten. Die Gruppengasversorgung der städtischen Gaswerke. Während die Durchführung der Ferngasversorgungspläne bisher nur langsam vorwärts kommt, hat die von den städtischen Gaswerken betriebene Gruppengasversorgung in den letzten Iahren recht gute Fortschritte gemacht, i»dem örtliche Zentral st ellen nach Stillegung der übrigen, meist kleineren Werke die Gasversorgung des Gesamtgebietes übernahmen. Im Jahre 1925 wurde von 86 städtischen Gas- werten die Gruppengasocrforgung betrieben und es wurden für diesen Zweck 146 Millionen Kubikmeter Gas abgegeben. Das Leitungsnetz dieser Werke betrug insgesamt 1296 Kilometer. Gegenüber dem vorhergehenden Jahr stieg die für die Zwecke der Gruppengasversorgung abgegebene Gasmenge in Berlin von 16 366 666 auf 18 Millionen Kubikmeter(Leitungslänge 175 Kilometer), in Dresden von 3 366 666 auf 4 Millionen Kubikmeter(49,5 Kilometer), in Stuttgart von 2 991 666 auf 3 799 666 Kubikmeter (239 Kilometer), in Mainz von 1 227 666 auf 1 326 666 Kubikmeter (17 Kilometer) und in Chemnitz von 1 166 666 auf 1 366 666 Kubik- meter(79 Kilometer). Die Umstellung bei Hirsch-Kupfer. Die Hirsch-Kupfer- und Messingwerke A.-G. Äerlin-Eberswalde hat sich infolge der Auswirkungen der Krifenperiode zu einer umfastenden Sanierung entschließen müssen, di« jetzt von der Generalversammlung genehmigt wurde. Die Sanierung ist durch ganz bedeutend« außer- ordentliche Abschreibungen auf die Anlagen- und Ma- schinenwerte sür die stillgelegten Betriebe gekennzeichnet. Neben den üblichen Abschreibungen von 5 Proz. auf die Gebäude und 16 Proz. auf die Maschinen werden über 4 Millionen von diesen'Anlagen abgebucht, und zwar rund 35 Proz. von den Gebäude- und fast 46 Proz. von den Maschinenwerten. Der hieraus entstandene Jahres- Verlust von 2,8 Millionen wird durch Auflösung des Reservefonds II voll abgedeckt. Die Produktion des Konzerns ist nunmehr in Ebers- walde und Ilsenburg betrieblich zusammengefaßt und durch weitestgehende Mechanisierung der Betriebe nach dem Bor- bild der modernsten amerikanischen Betriebs- weis« ausgebaut worden. Das Mißverhältnis zwischen Produktion und Absatz im vergangenen Jahr kommt sehr plastisch darin zum Ausdruck, daß bei einem durchschnittlichen Monatsverbrauch an Messinghalbzeugfabrikaten von 7566 Tonnen im Jahre 1925 die Auf- nahmesähigkeit der Märkte in den niedrigsten Konsummonaten des Vorjahres auf 3366 Tonnen sank. Im laufenden Jahr hat sich der Metallmarkt wieder dem guten Stand von 1925 anee- paßt und der vorliegende Auftragsbestand sichert den Betrieben bis zum H«rbst volle Beschäftigung. Nachwehen der Inflation in der sranzöfifchen Autoindustrie. Zur Krise in der französischen Automobilindu- strie wird uns geschrieben: Die französischen Automobilsabriken leiden besonders darunter, daß sie noch große Autolieserungcn zu den Niedrigstpreisen der Franten-Jnjlationszeit auszuführen haben. Diese Aufträge sind durchweg Derlustaufträge. Hier sind die Fabri- ken von Renault, Citroen, Delage, de Dion, Donnet und Zedel am heftigsten betroffen.— Die großen Werke benutzen natürlich die Situation, um große Fusionen und Konzentrationen durchzuführen. Das geschieht in der Weise, daß kleine Automobil- fabriken aufgekauft werden oder man sie durch Darlehen an irgend- eine größere Gesellschaft knüpft. Aus diesem Gebiete betätigt sich neben der Reifenfirma Michel der bekannte Peugot-Konzern. An- scheinend sind auch die Amerikaner gesonnen, in dem wichtigen Automobilland Europas Fuß zu fasten. Wie es heißt, fall es der nordamerikanischen General-Motor-Gesellschaft möglich gewesen sein, wichtige französische Fabriken von sich abhängig zu machen. Andererseits versuchen die französischen Fabriken, durch Auslandsaufträge die schwierige Zeit der Frankenstabilisierung aus- zugleichen So hat die Firma Citroen besonder« Anstrengungen gemacht, in das deutsche und englische Automobilgejchäst einzu- dringen. hohe Gewinne nnd Rückstellungen bei den Berliner Mörtel- werken. Die Vereinigten Berliner Mörtelwerkr A.-G. legt für das abgelaufene Geschäftsjahr einen überraschend guten Abschluß vor. Das Unternehmen profitiert in seiner Stellung als Hauptlieferant von Mörtel und Kalk für den Groß-Berliner Baumarkt von der riesenhaften Absotzbasis der Weltstadt sür Massen- Produkte. Die Gewinne sind sehr groß— die Verwaltung in«" natürlich bemüht, diese Gewinne hinter einer verhältnismäßig be- fcheidenen DioidendeoonSProz. zu verstecken, mußte jedoch. obwohl sie vorher offiziell erklärt hatte, es feien keine Nück- stellungen au» den Gewinnen vorgenommen worden, im Kreuz- seuer der Opposition auf der Generalversammlung zugestehen, daß au» den lausenden Betriebseinnahmen Reserven zurückge- halten seien. Die Bilanz werft«inen von 1,9 auf 2.6 Mit- lionen gestiegenen Rohgewinn und nach Abzug aller Un- kosten einen mit rund 186 666 Mk. s a st um d a» V>« r f a ch e erhöhten Reingewinn auf. Die auffallend stark von 6,7 aus 1.1 Millionen erhöhten Fuhrunkosten führt die Verwaltung auf den um 56 Proz. gestiegenen Umsatz zurück. In der Generalersammlung mußte sie aber, aus die Behauptung eines Akttonär», der Umsatz sei nicht um 56, sondern um 166 Pro;, ge- stiegen, die Antwort schuldig bleiben. Nach dem allen dürste die An- kündigung des Aufsichtsratsmitglieds Graf Arco über eine 1 2 p r o- z e n t i g e Dividende sehr viel mehr den Tatsachen entsprechen, als die 6 Proz., die jetzt verteilt werden. Broduklionseinschränkung kroß reichlicher Aufträge und steigen- der Preise. Die gegenwärtige Produktionsregelung in der Jute- in du strie. noch der für die Mitglieder der Interessengemeinschaft Deutscher Juteindustrieller eine Einfchränkungsquote von 4 6 Proz. festgesetzt ist, gilt bis zum 1. Juni d. I. Eine Aufhebung der Produktionseinschränkung ist zu diesem Zeitpunkt nicht beabsichtigt. Ob man sich in Anbetracht der verhältnismäßig guten Beschäftigung sämtlicher Werke zu einer Herabsetzung der Einschräntungsquote entschließen wird, ist noch ungewiß. Die Industrie ist im allgemeinen mit Aufträgen für zwei bis drei Monate reichlich versehen und die Interessengemeinschaft hat soeben«ine Erhöhung der Preise um IMark pro 166 Kilogramm vorgenommen. 316 Millionen Mark Rußlandausträge au» England zurückgezogen. Das Prestebureau der russischen Handelsvertretung in Berlin schätzt aus Grund des Planes für die Ausnützung des Kredit» abkommen» mit der Londoner Midland-Batzk den Wert der schon vor- bereiteten, nunmehr zurückgezogenen Bestellungen auf 16,5 Millionen Psund Sterling. Weitere Bestellungen für 5 Millionen Pfund sollten vergeben werden. Es handelte sich fast durchwegs uin Mafchinenaufträge. Mit dem Aufhören der Bestellungen in England ist auch eine erhebliche Einschränkung des russischen Exports nach England verknüpft. Schon jetzt sieht Rußland eine Kürzung seines E i nfu hr Programme» vor. um dafür einen Ausgleich zu schaffen. Die Hoffnungen der deutschen Industrie, beim englisch-russischcn Streit der lochende Dritte zu sein, dürfen also nicht zu hoch gespannt werden. Die russische Einsuhrbeschränkung wird auch die ehemals für England bestimmten Aufträge drosseln. für das Wochenende: MAGGP Suppen-Würfel MAGSP Fleisehbrüh-Würfel den r