Ur. 230. Erscheint täglich außer MontagZ. »ireis pränumerando: Bieriel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg, frei in's Haus. Einzelne Nummer o Pfg. TonntagS-Nummer mit illuslr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg, Post-Abonnement: Z.80Mk, proQuartal, Unter Kreuz- band: Deutschland u, Oesterreich- Ungarn 2 Ml,, für das übrig« Ausland sMl,pr, Monat, Eingetr. t» der Post-geitungS-Preisltst» für 1805 unter Nr, 7l»», beweist, daß die Freunde eine erfolgreiche Beilegung/ fV ner der leitenden Mitte. einigten Staaten.— gesagt: oeirägt für die si. Der-rüstev�iti-tle oder deren Rt„,!..~3fg., für Vereins- und ��reoun��z, Anzeigen 20 Pfg. Jmngsirfür die nächste Nummer mii cnensts 4 Uhr Nachmittag« in der P oitio» abgegeben werden. Die>..peditio» ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr AbendS, an Sonn- und Festlagen bis S Uhr Bor- mittags geöffnet. Lernfprecher: Jml l, Jlr. 1508. Seiegraiiini Adresse: „Koiialdemolirat Kerlinl' Verliner VolKsbkalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedttktisn: 8V.19. ZSeuth-Straße S. Mittwoch, den 2. Oktober 1893. Spedition: SW. 19, ZSeuth-Straße 3. im keit. Die Evniikzvunig unfevrv JUmee im VviegsfÄlle. Als im Jahre 1878 das rothe Gespenst dem Fürsten Bismarck eine Majorität im Reichstag und das Knebel- gesetz gegen die einzige von ihm zu fürchtende Oppositious- Partei: die Sozialdemokratie, geliefert hatte, und als der Raubzug gegen die Taschen des steuerzahlenden und brot- esscnden Volkes begann, wurde zur Beschönigung der K o r n z ö l l e in der Zolltarif-Vorlage behauptet, lohnendere Kornpreise seien nothwendig, damit die Landwirthschaft zur Bebalmng neuer Bodenflächen ermuntert werde, und Deutsch- land im Kriegsfalle für seinen Getreideverbrauch vom Ausland unabhängig sei. In der That ist die Frage der Getreidebeschaffung alle eines Krieges von der brennendsten Wichtig- Der nächste Krieg sieht nicht mehr blos Hundert- tansende, er sieht Millionen gegen einander im Feld. Wie sind diese ungeheuren Massen mit Nahrung zu versorgen? Wer da bedenkt, wie schwierig die Ernährung der Vergleichs- weise kleinen Armeen der früheren Kriege war, der wird die Schwierigkeit des Problems der Ernährung der doppelt und dreimal so großen Armecit begreifen, die im nächsten Krieg die Schlachten zu schlagen haben. Deutschland, das innerhalb des letzten Vierteljahr- Hunderts sich aus einem vorwiegend ackerbautreibenden in ein vorwiegend industrielles Land verwandelt hat, und jedes Jahr seiner Bevölkerung eine halbe Million hinzufügt,— ist.aus einem Korn ausführenden, ein Korn einführendes Land geworden; es erzeugt nur noch ungefähr drei Viertel seines Be- darfs an Brotstoffen, und muß ungefähr ein Viertel des Bedarfs durch Zufuhr aus dem Auslande: Oesterreich, Indien, Para- gliap, Rußland und namentlich den Vereinigten Staaten von Nordamerika decken. Und das rasche Wachsthmn bedingt natürlich eine entsprechende Vermehrung der Zufuhr von Brotstoffen. Unsere Herren Agrarier behaupteten allerdings, dies sei nicht nothwendig. Deutschland habe genug Land, um seine ganze Bevölkerung zu ernähren. Die niedrigen Getreide- preise verhinderten die Bebauung des vorhandenen Bodens; könilten die Landwirthe«lohnende" Gctreidcpreise erzielen, so würde alles bebaubare Land bebaut und die deutsche Getreideproduktion dermaßen gesteigert werden, daß Deutsch- land seinen Bedarf vollständig selbst decken könne, also im Kriegsfall nicht von dem Austande abhänge. Sehr schön das, wenn es wahr wäre— soweit etwas auf den Krieg Bezügliches schön sein kann. Aber ist es wahr? Lassen wir die Thatsachen antworten. Im Jahr 1879 wurden die Kornzölle eingeführt. Seit nun 16 Jahren herrscht die sogenannte Wirthschaftspolitik, das heißt die Bereicherung der Herren Großkapitalisten in Stadt und Land aufKosteil des arbeitenden Volkes. Tie Herren Großgrnnd- besitzcr haben in dieser Zeit von jedem Bissen Brot, den das arbeitende Volk in den Mund steckt, eine Hungerstener er- fNachdruck verboten. Skizzen aus dem südsmeeiknuislszen L�inkevlande. 54 Wer Herrn German Winterfeld's Gesicht sah, mußte einsehen, daß alles blinder Lärm sei, was einige Schwarz- scher zusammen gefaselt hatten. Hatte doch einer gar be- hanptet, die Bank Winterfeld sei eben so schlecht daran, als die Nationalbank und die Handelsbank, und der Zwangs- kurs stehe vor den Thüren aller Zettelbanken als lustiger Anfang eines traurigen Endes. In der neuen Bank sei der Silbervorrath beinahe erschöpft, und das Publikum besessener als früher seine Zettel gegen weißes Metall zu tauschen. Jetzt hörte man, daß das alles Flunkerei sei. Winterfeld würde in kurzer Zeit sogar gegen Gold tauschen. Wenn die anderen kein Metall besäßen und der Zwangskurs für sie unvermeidlich sei, so würden seine Billete dafür eine entsprechende Prämie haben. Die Banknoten Winterfeld waren baares Geld und würden es bleiben. Er hatte sogar f gelacht, als er zunl ersten Male die Menschenmenge sab, die vor den geschloffenen Thüren der Bank sich jeden Morgen in aller Frühe anstaute, Männer, Weiber und Kinder, jeder ein kleines Häufchen blaues Papiergeld in der Hand fertig zum Vorweisen haltend. Sie drängten sich und stießen sich, tobten und schrien, und wenn man dann die Thüre endlich öffnete, purzelten viele über einander in gar komischen Situationen. Was war das gegen die Aufregung in Buenos Aires, die auch gar bald vorübergezogen war; diese paar Krähwinkler, die glaubten, Herr Winter- seld hätte nicht mehr Geld, sehr viel mehr Geld als diese paar silbernen Pesos, die hier in der hoben; sie haben sich in dieser Zeit nicht nur um Millionen sondern um Milliarden bereichert. Aber die mit Getreide bepflanzte Bode>l fläche ist nicht vermehrt worden. Sie ist heute genau, was sie vor 1879 w a r. Die Herren Großgrundbesitzer haben es einträglicher gefunden, nach wie vor Kartoffeln zum Zweck der Vergiftung des Volkes durch Schnaps zu ziehen— wofür sie Liebes- gaben empfangen, und Zuckerrüben zu bauen— wofür fette Prämien in die strotzenden Junkertaschcn gezahlt werden. „Die heilige Pflicht der Ernährung des Volks in Zeiten des Friedens und des Kriegs", von der bei Einführung der Kornzölle so viel die Rede war, und von der jetzt wieder, da von den junkerlichen Nimmersatten ein neuer Ader- laß des arbeitenden Volks geplant wird, sehr viel die Rede i st— bah! Vaterlandsliebe, Neichsfreundschaft, Königstreue, was ist das anderes als blauer Dunst für die Dummen,— blauer Dunst, hinter dem sich die Verschwörungen gegen Regierung und Volk ver- stecken— ja gewiß auch gegen die Regierung, mid die höchsten und allerhöchsten Träger der Regierung. Die biederen Herren, die das Monopol der Königs- und Kaisertreue für sich in Anspruch nehmen, sie können jetzt nicht mehr leugnen. Von ihrer Hexenküche ist über Nacht das Dach abgehoben worden, und die Briefe von und an Hammerstein— den Königs- und Kaisertreuestcn der Königs- und Kaisertreuen— sie haben die innersten Gedanken und Gefühle verratheu. Und was für Gedanken und Gefühle! Der Stöckerbrief ist nur ein idyllisches Zephyrgesäusel neben dem Orkan persönlicher Rücksichtslosigkeiten, der noch in den Windschläuchen des sozialdemokratischen Aeolus— daß heut- zutage sogar die Götter sozialdemokratisch werden!— wohl versorgt und aufgehoben ist. Also mit der patriotischen Junkerpflicht der Deckung des ganzen Brotbedarfs unseres Volkes war es nichts, i st es nichts, und wird es nichts. Für Friedenszeiten hat das keine Bedeutung. Sind industrielle Länder auch nicht in der Lage, ihren Getreide- bedarf ans dem Ertrag des eigenen Grund und Bodens voll zu decken, so sind sie dafür in der Lage, den Fehlbetrag durch Einfuhr aus Korn produzirenden Ländern zu decken. Und die betreffenden Länder sind froh, dies thun zu können, und der Bezug bietet keine Schwierigkeiten. Doch wie steht's im Falle eines Krieges? Da ist's freilich anders. Jeder Krieg stört und unterbricht den Verkehr; und wenn der Krieg gegen eine überlegene See- macht geführt wird, so ist mit Erklärung des Krieges der Seeweg versperrt. Nun ist aber Frankreich, an das wir zunächst denken müssen, wenn von Krieg die Rede ist, ohne jeglichen Zweifel Deutschland zur See überlegen. Es würde unsere Küsten sofort blokircn und Kreuzer aussenden, um unsere Kornschiffe ab- zufangen. Allein könnten wir nicht zn Land den nothwendigen Getreidebedarf empfangen? Die zwei Länder, aus denen allein wir zu Land neunenswerthe Getreidebeträge erhalten paragnayschen Bank lagen. Allerdings konnte man sich hier mehr drängen an den Bankgittern als in Buenos Aires; denn dort gab es schon den Zwangskurs seit Jahren; ist doch Argentinien als Land überhaupt ohne Zwangskurs kaum denkbar und begreiflich. Wer in Buenos Aires klingendes Geld haben wollte, mußte eben znschen, wo und wie er es beim Wechseln auftreiben konnte. Das gemüth- liche Lachen des Herrn Winterfeld gab einer Menge von Leuten vollständig ihre Ruhe ivicder betreffs der Finanz- stabilität Paraguays, die sie in schwachen Stunden schon begonnen hatten zu bezivcifeln. Jedenfalls trank er noch dieselben exquisiten Weine wie früher; rauchte echte Zigarren ans der Habana, wie mau es bei ihm gewöhnt war, und hatte sogar ein viel schöneres und kostbareres Pferd mitgebracht, als das erste Mal. Solche Genüsse konnten sich die meisten Inhaber Wintcrfeld'scher Bank- noten nun nicht erlauben; aber sie hatten doch einen Ge- miß von diesen Herrlichkeiten, wenigstens aus indirekte Weise in der Befriedigung, die ihnen die Ansicht gab, Herr Wiuterfeld würde schlechtere Zigarren rauchen und billigeren Wein trinken, wenn feine Geldverhältnisse nicht absolut tadellos waren. Sogar der Richter Matias Patino ließ sich bei ihm sehen und fragte höflich und ohne an seine Jndianergedankeu, die er früher auf dem Anssichts- thurm von Cerro Desgracias verrathcn hatte, irgendwie zu erinnern, wie sich seine Gnaden Herr Winterfeld be- finde. Auch nach dem Gesundheitszustande von Fräulein Juanita Ramirez erkundigte er sich mit allen den Phrasen, die der Südamerikaner bei einer solchen Gelegenheit zu machen pflegt. Herr Winterseld war der Meinung, Patino sei gekommen, um an die 9000 Pesos zu erinnern, die in nächster Zeit fällig waren und sagte dem Alten rund heraus, daß das Geld jede» Augenblick erhoben werden könne ohne jeden Diskont, wenn er wolle. könnten, sind Oesterreich und— in weit höherem Maße— Rußland. Oesterreich, das auch beim besten Willen und im Fall günstigster Ernte unseren Bedarf nicht vollständig decken könnte, würde beim Ausbruch eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich entweder— mit oder ohne Vertrag— zur Theilnahme am Krieg, oder zu einer be- waffncten Neutralität, um Rußland zu übmvachcn, ge- zwangen sein. Die Möglichkeit einfacher Neutralität— das heißt unbekümmerten Zuschaue, ls— ist ausgeschlossen. Denn würde Rußland auch den Franzosen nicht direkt Hilfe leisten, so würde es den Krieg zwischen Deutsch- land und Frankreich doch unter allen Umständen zu einem großen Fischzug aus der Balkanhalbinsel— unbeschadet anderer Fischzüge— benutzen, und jeder Schritt vorwärts, den Rußland auf der Balkanhalbinsel macht, ist ein Stoß in das Herz Oesterreichs. Von Oesterreich, das in erster Linie für sich selbst sorgen müßte, hätten wir also auch günstigstenfalls nichts oder sehr wenig an Getreide. zufuhr zu erwarten. Und daß Rußland, der Haupt-Ge- trcidelicfcrant nebst den Vereinigten Staaten, Deutschland nicht gefällig sein und aller Voraussicht nach sofort nach Ausbruch des Krieges ein Getreide- Ausfuhrverbot erlasse» würde, das bedarf keiner näheren Auseinandersetzung. Tie einzige Möglichkeit des Getreidebezugs würde darin bestehen, daß amerikanisches und indisches Getreide in öfter- reichische oder italienische Häfen verschifft und auf dem Landwege dann nach Deutschland geschafft würde. Allein dies hätte zur Vorbedingung, daß irgend eine neutrale Seemacht unseren Getreideschiffen den Schutz gewährte, den wir selbst— trotz aller chauvinistischen Renommisterei— außer Stand sind ihnen zu gewähren. Und diese Seemacht könnte blos England sein. Unsere patriotischen Phrascn-Kraftmcier sollten das wohl erwägen und ihr blödes Geschimpfe auf England doch einstellen. Deutschland braucht England im Kriegs» falle. Und zwar nicht blos im Fall eines Krieges m i t Frankreich allein. Sollte der Krieg mit zwei Fronten, den die Urheber unserer letzten Militärvorlage und die Befürworter einer neuen Militärvorlagc im Auge hatten und haben, zur Wirklichkeit werden und Deutsch- land gegen ein rnssisch-französisches Bündniß auf Leben und Tod känipfeu müssen, dann wären wir erst recht auf die Hilfe Englands angewiesen. Die vereinigten Flotten Rußlands und Frankreichs würden unsere Küsten hermetisch versiegeln, und auch nicht ein Zentner Getreide oder Mehl würde nach Deutschland gelangen können. Denn weder Oesterreich noch Italien, durch deren Vermittelung wir, im Fall eines Krieges mit Frankreich allein, Getreide erhalten könnten, würden dann neutral bleiben können. Oesterreich wäre durch seine nnmittel- barsten Interessen genöthigt, uns als Bundesgenosse aktiv beizustehen; und Italien würde entweder aus französisch- russischer oder aus unserer Seite zu kämpfen haben. Aus keinem von beiden Ländern wäre Getreide von uns zu erlangen. Kurz, der Landweg wäre uns vollständig ab- geschnitten. „Was Gott verhüte..." sagte der Alte. Ilebrigens habe er sie nicht mehr in den Händen. Sie würden in Buenos Aires präsentirt werden an dem Verfalltage, da er sie in Zahlung gegeben. Er sei wirklich mit keinem anderen Gedanken erschienen, als sich nach dem Befinden in der üblichen Weise zu erkundigen, nach dem seinigen, seiner Braut, seines Schwiegervaters. Er solle nichts anderes annehmen. Herr Winterfeld erinnerte sich dabei, daß auch in der Estanzia Cerro Desgracias sich ein iveibliches Wesen befinde und fragte mechanisch nach dem Wohlbefinden von Frau Maria Wilson. „Ich glaube, Sie werden demnächst Gelegenheit haben, sie von Angesicht zn Angesicht zu sehen," sagte darauf Patino; und seine Augen zeigten wieder jenes dllnkte unheimliche Funkeln, was sie auf dem Aussichtsthurm gehabt hatten, als fer sagte, daß er alle weißhäntigen Menschen hasse. Doch bemerkte Winterseld dieses Mal nichts davon, da er nur halb bei der Sache war und nicht aufsah.„Jedenfalls", fuhr der Alte fort,„werden Sie nicht umhin können, bei uns vorzusprechen, wenn Sie mit Ihrer Kolonie beginnen." „So ist sie gesund geworden... ich bin wirklich er- freut..." „Nicht ganz; aber sie wird es werden ganz enschicden ... hat allerdings eine lange und ernsthafte Krankheit ge- habt." Daraus begann er von allerlei anderem zn sprechen und fragte Wiuterfeld um einige Auskunft über die Ver- hältniffe in Buenos Aires wegen Gold und Papiere und Handel und Spekulation; ein Thema, wie es heutzutage in aller Munde war. Winterfeld gab zerstreut Bescheid. Der Alte langweilte ihn augenscheinlich; doch horchte er auf einmal ans, als er aus seinen Reden ent- nahm, daß der Alte über alle Dinge in der argentini- scheu Hauptstadt genau so gut unterrichtet war, ige so, daß England, wenn Rußt. �tlagt, seinerseits zur Partei- nähme j. ist, will anders es als Welt- macht»ich. Schon vo. � st konnten wir im„Vorwärts" � und nachher auch ieichstage— den Nachweis liefern, daß der Krieg mit Fronten, der uns als Popanz vor- gehalten wird, nicht.fährlich für uns ist, wie der Krieg mit Frankreich allein— nid zwar deshalb, weil er uns mit N a t u r n o t h iv e n d i g k e i t England zum B li n d e s g e ii o s s e n g i e b t. Wir wollen hoffen, daß der Krieg in der einen oder der anderen Form uns erspart bleibe. So viel aber ist gewiß, die Herren Agrarier liefern' uns im nächsten Krieg nicht das erforderliehe Korn; wären wir so thöricht, uns ans sie zu verlassen, so wären wir verloren. Und es wäre nicht das erste Mal, daß die Herren Junker das Vaterland zu gründe gerichtet haben. polikifchv Aebovfichk. Berlin, 1. Oktober. Tie Wahlpflicht. In dem Drange, wenigstens etwas zu stände zu bringen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, ist die konservative Korrespondenz auf ein sonderbares Aus- knnftsinittel verfallen." Das konservative Organ glaubte den Einfluß des allgemeinen Wahlrechtes durch den Wahl- zwang paralysiren zu können: „Jemehr die üblen Folgen dieses(des allgemeinen gleichen und direkten) Wahlrechtes in dieser Weise hervortreten und die Wahlagitationen innner wüster gestalten, desto mehr Neigung ist bei den vornehm denkenden, unabhängigen Staatsbürgern vorhanden, sich nicht nur von der Wahlvorbereitung, s ondern auch von der Wahlhandlung fern zu halten. Einem solchen Ergeb- niste, das nur den rücksichtslosen Wahlpraktikern, also den aus Zersetzung unseres christlich- monarchischen Staatswesens hin- arbeitenden Parteien zu gute komme» würde, wird nur dadurch entgegengearbeitet werden können, daß das Korrelat des Wahl- rechts: die Wahl p s 1 i ch t eingeführt wird. Dann wird auch das Wahl-Hausirerthnm nicht iveiter auf seine Rechnung kommen." Unter Wahl-Hansirern versteht das Blatt die Agitatoren. Ten Groll der Griesemänuer verstehen wir, aber sie täuschen sich sehr, wenn sie sich einbilden, daß ihre Partei schließlich den Vortheil von der Einführung der Wahlpflicht haben würde.— Kousisratio» Rr. 7 meldet die„Thüringer Tri- b ii n e" mit folgenden Worten:„Am Sonnabend sollte Nr. 221 unseres Blattes beschlagnahint werde». Der Liebe Müh' war diesmal umsonst, denn von dem gefährlichen Blatte wurde kein einziges Exemplar gefunden. Gleichzeitig wurde nach dem Manuskript eines Artikels über den hiesigen Feilenhanerstreik, durch welche» sich die Inhaber der im Streik stehenden Werk- stätten beleidigt fühle», gesucht. Auch hier war das Resultat Null. Bei dieser Gelegenheit wurden wir auch über die Ursachen der Konfiskationen Nr. 6 und 7 aufgeklärt. In der konfiszirten Nr. 225 brachten wir eine Notiz über die Znsammensetzung des gegenwärtigen Schwurgerichts. Darin war auch der Exniinister Lucius genannt, und um ihn von anderen im Schwur- gerichtsbezirke wohnenden Lucinssen zu unterscheiden, seinem Namen eine auf seine Stellung als Rittergutsbesitzer und Butter- Produzent hinweisende Bemerkung angesagt. In der zuletzt kon- fiszirten Nr. 221 hatte eine Notiz über die Berhastnng streiken- der Feileuhauer den Zorn der Feilenhauermeister erregt. Und solcher Lappalien halber setzt die Staatsanwaltschaft den ganze» Polizei-Apparat in Bewegung, indem sie die Konfiskation auch auf die in öffentlichen Lokalen aufliegenden Exemplare der „Thür. Tribüne" ausdehnt. Das letztere Verfahren trägt übrigens, wie wir Gelegenheit hatten zu beobachten, nicht wenig zur Erheiterung der Gäste bei. Ob sich die Staatsanwaltschaft durch diesen nicht gewünschten Erfolg und nachdem die Beschlag- nahmen die„heilige" Zahl 7 erreicht haben, in ihrem Kon- fiskationseifer etwas menagirt, wagen wir nicht zu entscheiden." Das Heer als Crziel)»»gösch«ile des Volkes hatte etiler seiner jüngsten Reden der G r o ß h e r z o g von a d e n gepriesen. Sozialdemokratische Organe haben / kaum nöthig, zu erklären, daß sie diese Ansicht nicht theilen. / Merkwürdigerweise kommt nun aber auch ein lebhafter Protest dagegen von einer ganz anderen Seite. Die„Attg. Evangel. L»th. Kirchenzeitung", ein sehr nionarchisch und staatserhaltend gesinntes Blatt, schreibt wörtlich:� „Wenn jetzt auch unsere Landgemeinden immer mehr von der guten alten Sitte und vo» der Ehrfurcht vor Gottes Wort / wie er selber, sogar von dem Winterfeld'schen Geschäfte wußte er mancherlei und verbarg augenscheinlich noch mehr. Er sprach allerdings nichts geradeaus, sondern deutete nur mancherlei an, und wich sofort aus, als er Herrn German aufmerksam gemacht hatte. Er brachte das Gespräch wieder ans die Kolonie in Cerro Desgraeias. Wie er es beginnen und angreisen werde mit der Kolonie, um all diese Deutschen unterzubringen. Herr Wiuterfeld erzählte darauf von einem großen Schuppen allerlevjtoufuse Dinge, den er irgendwo und zu irgend einem Zwecke aufschlagen lassen ivolle. Ah, natürlich zur vorläufigen Unterkunft für die Ankömmlinge. Und wo? Er sagte zwar nicht am Arroyo Taeuares; aber er dachte es in seinem Innern; und häufte unter diesem Schuppen den großen Schatz ans, um ihn dann all- niälig weiter zu schaffen ohne Aussehen. Und der Alte fragte auch nicht, wo. Er härte nur zn, ivie Winterfeld erzählte, wie er noch einmal das ganze Gebiet nachmessen wollte, und es in Loose theilen. Er werde die Messung wenigstens am Anfang selber machen, um sich ein wenig terstreuiing zu schaffen; und dann begann er einen ganzen lan von Hänserbau, Einzäminngen, Straßen, Brunnen, Viehbesorgnngen und eine Menge von Dingen zn ent- wickeln. Matias Patina hörte mit sehr ernstem Gesichte zn und fand alles sehr angemessen und zweckdienlich. Am Ende erbot er sich noch zur Besorgung- jedes Auftrages. den er ihm geben wolle. Er würde ihm in allem nützlich sein. Erst als er ging, sagte er noch zivischen Thür und Angel sich zurückdrehend: „Ja, und iveim Sie meinen Rath hören wollen, den Arroyo Taeiiaras vergessen Sie bei Leibe nicht..." „Warum?" rief Winterfeld und hielt ihn auf. „Ja das ist so mein Rath, Don German... vor aller erst machen Sie sich an die Regulirung des Arroyo... Landivege sind immer unbequem und beschwerlich, und wenn bei dem Arroyo hie und da etwas geschaufelt wird und einige Steine gesprengt werden, wenn man ein paar bequeme Abstiege anlegt, haben die Kolonisten wenigstens nach Regenwetter einen Weg, auf dem Boote mit Ladung rasch auf den Paraguay gebracht werden können... Wege sind die Eruährnngsadern einer Kolonie.. Damit empfahl er sich.— Auch die erfahrensten Ozeanschiffer� täuschen sich häufig zurückkommen, so ist daran weit weniger die Sozial d e in o k r a t i e, als unser stehendes Heer schuld. Bon den Garnisonen aus werde» die schlimmsten Laster und Krankheiten bis in das entlegenste Dorf getragen und der Sinn sur Ehrbarkeit wird weilhin untergraben. Ein Heer, das eine solche Schule giebt, kann unseres Erachtens nicht unter die Faktoren gerechnet werden, welche den Geist des Volkes ver edel» und es zum Gehorsam gegen die Obrigkeit zurückführen können." Das ist nun allerdings eine Ansicht über unser Kriegsheer, die sich durchaus nicht mit den Lob preisuiigen deckt, die am Sedantage und bei anderen militärischen Festlichkeiten aus dem Munde der Hof- und Garnisonprediger hervorzuquellen pflegen. In seinem reli giösen Eiser hat das kirchliche Blatt dabei indeß ein etwas zu schematisches Nrtheil gefällt. Tie gerügten Uebelstände sind älteren Datnms als die Einrichtungen, auf denen das Heerwesen in der Zeit der allgemeinen Wehrpflicht beruht Sie gehen zurück auf die Söldnerwirthschaft. Freilich war der Krieg stets die schlimmste Brutstätte der Sitten Verrohung. Den Nachwirkungen dieses unheilvollen Ein flusses entzieht sich kein stehendes Heer, wie es auch organisirt sein mag.— Chanvinistisch und patriotisch. Ein hiesiges Chauvinisten blatt macht es uns zum Vorivurf, daß wir in unserer gestrigen Notiz über die Stellung der deutschen Sozialdemokratie zum Vaterland„chanvinistisch" mit„patriotisch" verwechselt hätten. Das Blatt irrt. Nicht w i r haben das gethan, noch thun wir es— wer es gelhan hat und fortivährend thnt, das sind gerade die Kumpane, Gönner und Einbläser des fraglichen BlalteS liebst der ganzen dazu gehörigen Sippschaft, die hartnäckig ihren reaktionären Chauvinismus für P a t r i o t i s m u s aus- giebt.— Sei» unfreiwilliges Eingeständiiist, daß„die Arbeiter ihre Arbeit doch fast immer nur für andere Interessen thun" ist dem„Reichsbote»" jetzt höchst unbequem geworden, nachdem wir ihm die Tragweite seiner Worte klar gemacht hatten. Trotz- dem wir den Satz im vollen Zusammenhange mitgetheilt hatten, so daß jeder Leser sich selbst ein Nrtheil bilden konnte, geifert letzt das fromme Blatt. über„nichtsivürdige Verdrehung" darauf los. Es ist dabei aber so vorsichtig, selbst nicht seine eigenen Worte zu zitiren, sonder» versucht in ganz anderen Worten wieder- zugeben, was es gern verstanden habe» möchte: „Jeder der lesen kann, weiß, daß das so gemeint war, daß z. B. die Schuhmacher und Schneider w. nicht blos für die Schuhmacher und Schneider, sondern für alle möglichen Leute arbeiten und daß sie nur Verdienst haben können, wen» diese anderen Leute ihnen möglichst viel zu thun geben können." Wenn der„Reichsbote" das verstanden haben ivollte von jedem, der lesen kann, so hätte er erst lernen mi'issen, zu schreiben. In dieser Unfähigkeit, sich klar auszudrücken, liegt der einzige Entschuldigungsgrund für das Gebahren der Reichsbotengeistlichkeit. Deshalb vergelten ivir diesen frommen Streitern auch nicht gleiches mit gleichem, sondern lassen ihnen das Bibelwort zu gute kommen:„Sie wissen nicht, was sie thun"— und schreiben, setzen wir hinzu.— Für und tvidcr Stöcker hagelt es Erklärungen. Aus dem Vorstande des Nordvereiiis, der gegen den Hofprediger aufgetreten war, hat eine Miiiderheit sich jetzt für ihn erklärt. Gleichzeitig veröffentlicht aber Professor Brecher, der wegen seiner Betheiligung an der Erklärung gegen Stöcker vom„Voll" gekränkten Ehrgeizes bezichtigt war, eine neue Erklärung. Nach Widerlegung gleichgiltiger Be� zichtiguugen sagt er: „Nicht„enien alten Groll gegen Stöcker" habe ich. Es ist eine andere Empfindung, die ich ans de» früheren, immer nur nothgedrungenen, Begegnungen mit Herrn Stöcker bewahrt habe. Sie entspringt der V e o b a ch t u n g seines b e m e r k e n s- iverthe» Mangels anOffenheit undWahrheits- liebe. Von diesem hat er mir kurz vor meinem Rücktritt von der Leitung des Konservativen Zentralkoniitees»och einen so starken Beiveis gegeben, daß ich seitdem jede Berührung mit Herrn Stöcker vermieden habe. Prof. Dr. Breche r." „Das haben mir schon ganz andere Leute gesagt", wird der Hosprediger in seiner lieblichen Blumeusprache dem Professor voraussichtlich darauf zur Antwort geben.— Die französische Kammer, die in drei Wochen— wahrscheinlich am 22. Oktober— zusammentreten wird, geht einer sehr bedeutuiigsvollen, arbeitsreichen und stürmi- schen Session entgegeii. Bezüglich der Madagaskar- Expedition, die schon 100 Millionen Franks, das Leben von 8000 Soldaten und die Gesundheit von min- genug in ihren Wettervoraussagungen. Manchmal erscheint da wo sie Sturm hoffen, unvermuthet die friedlichste Stille mit glatter spiegelblanker Bahn, und umgekehrt kommt da wo sie ein gutes Wetter hoffen, unvermuthet und wie ein Dieb in der Nacht der Oikan, der das Schiff mit Mann und Maus versenkt. Und wehe dem, der sich darauf verlassen hat, daß schön Wetter kommt, und den dann der Orkan überrascht. Ganz so war der Orkan ausgebrochen, der über Südamerika ohne vorhergegangene Windstille anshrach, wie sie, Herr Winterfeld, der kimdige Kapitän, verheißen hatte sich zum Trost und allen, die seinem Wimpel folgten. Statt deren raste jetzt mit einem Male der Orkan über den Kontineiit aus einem Himmel, der so schivarz war, wie die denkbar schwärzeste Nacht und der nur erhellt wurde durch die Blitze, die ohne Unterlaß herniedersiclen nnd alles zerstörten, was hohe Spitzen gehabt hatte ans seinen Häusern, Kuppeln und Thürmen und Säulen. Herr Winterfeld's Hans war eines der höchsten. Da fielen die Kartenhäuser, die die Jobber gebaut hatten iu derselben kurzen Zeit, wie mau ein spanisches Schloß in die Lüfte baut; aber es fielen ebenso die alten Hänser, deren Erbauer geglaubt hatten, Funda- iiiente für die Ewigkeit gelegt zu habe». Alles ging in Trümmern nnd Scherben. Alle Wünsche und Hoffnungen zerstoben vor dem einen davonznkonimen uiit dem nackten Leben und irgcudivo hingehen zu können nnd irgendwo von neuem auzufaugeu; aber gauz von kleiu an, wie es die Großeltern gcthan hatten zu ihrer Zeit und nach ihrer soliden Weise, Pfeuuig auf Pfennig legend. Glücklich der, wer das noch konute; wer noch die einzige Hosfiiuiig heraus- rettete aus den niederprasselnden Trümmern des zerstörten goldenen Glücks; die Hoffnung aus ein bescheidenes Leben mit ruhigem Muth. Aber vielen war das nicht beschieden. Viele verzweifelten nnd verkamen, irrsinnig oder zu Bettlern gelvordcn, die nicht mehr den Muth hatten, ihre Hand anders zu öffnen als zum Empfang eines Alniosens; andere verendeten wie angeschossene Thicre in irgend einem Winkel; niancher verhungerte, mancher bekam einen mehrere Zoll kiesen Stich dicht über den letzten linken Rippen, und brach zusammen darüber, und der den Stich gegeben, zog kaktblülig sein Messer heraus, steckte es zwischen seine Zähne, wie ein Metzger, der ein Schwein abgethan, und steckte seine Hände � iu die Taschen des Opfers, um destens 10 000 Soldaten gekostet hat, sind bereits vierzehn Interpellationen angemeldet— darunter zwei von fozialdemokratischer Seite. Der zweite Gegenstand heftiger Debatten wird der Bericht Ca- v a i g n a c' s über das Militärbudgets sein. Cavaignae, der sich für eine leitende Stellung in der Republik vorbereitet, und blos deshalb nicht � nach der Miiiisterpräsidentschcift strebt, weil er dadurch seine Aus- sichten ans die Präsideiilschaft der Republik zu verderben fürchtet, hat das Militärbudget einer ffcharsen und umfassenden Kritik unterzogen, die Mißbräuche in der Militärverwaltung nnbarinherzig ans Licht gebracht und das System der Unterschleife und Betrügereien, das sich eingeschlichen hat, in zahlreichen Beispielen an den Pranger gestellt. Cavaignae beschäftigt sich auch mit der Frage der Armee-Oraanisation, worin er wesentliche Aende- rungen vorschlägt. Unzweifelhaft— der ganze Bericht liegt noch nicht vor— wird Cavaignae auch die Frage der Soldaten inißhan dl ungen und der Reform des barbarischen und gransamen Militär- Strafgesetzbuchs behandeln. Jedenfalls wird dem Militarismus ein großer Theil der kommenden Session ge- widmet sein, und bei der deiiiokratischeii Strömung dein Militarismus gegenüber läßt sich erhoffen, daß bedeiitsamen Reformen der Weg geebnet werden wird. Auch auf diesem Gebiete werden unsere Genossen mit aller Energie in der Kammer thätig sein— ja sie werden hier den Vorkampf führen, nnd dem Militarismus prinzipiell zu Leibe gehen. Als dritter Gegenstand, der leidenschaftliche Debatten veranlassen wird,"koinnit zu den beiden erwähnten der A u s st a n d von C a r m a u x hinzn. Unsere Leser sind über diesen hartnäckigen, durch Unter- nehmer- Habsucht nnd-Herrschsucht heraufbeschworenen Klaffenkrieg unterrichtet. Alle Versuche der sozialdemokra- tischen Abgeordneten, einen ehrenvollen Frieden zu erwirken, sind an der Brutalität Reffegnier's und seiner Leute gescheitert. Die Behörden nehmen mehr nnd mehr Partei für die Unternehmer. Und da die höchsten bürgerlichen Rechte der Arbeiter: das Wahl- und das Koalitionsrecht bedroht sind, so haben unsere Genoffen in der französischen Kammer bereits eine Interpellation hin- sichtlich des Ansstandes, oder richtiger der Aussperrung von Carmanx angemeldet.— Auch ei» Jubiläum. Wir sind jetzt in der Zeit der nbiläen. Am 2. September war es 25 Jahre, daß bei edan die Bismarck'sche Eroberungspolitik nach außen und Vergewaltigungspolitik nach innen siegte; am 20. September feierte das offizielle Italien den Tag, wo ihm die„ewige Stadt" in den Schooß fiel und die Ausranbung nnd Knechtung des italienischen Volkes systematisch im großen begonnen werden konnte. Und am 31. Oktober dieses Jahres wird Rußland das 25jährige Jubiläum der berühmten Note feiern, in welcher Fürst Gortschakow den Pariser Vertrag nnd alle früheren Dardanettenverträge zerriß nnd der Welt ankündigte, daß Nußland die durch den dentsch-sranzösifchen Krieg ihm geschaffene günstige Lage rücksichtslos ausnützen werde. Und diese Ankündigung war kein leeres Wort. Die elsaß-lothringische Frage hat, wie die „Kreliz-Zeitiing" dieser Tage mit staatsmännischem Scharfblick und männlicher Offenheit anerkannte, die Armeen Ruß» la»ds verdoppelt. Und nicht blos seine Armeen, auch seine Flotte. Rußland ist nicht mehr im Schwarzen Meer und im Eismeer eingesperrt— es ist auf dem Weltmeer, und dank der Bismarck'schen Politik, die unsere klugen Patrioten am 2. September verherrlichten, ist das Testament Peters des Großen in einem seiner Hauptpunkte erfüllt worden. Die russische Diplomatie hat allen Grund, den 31. Ol- toher dieses Jahres festlich zu begehen. Am 31. Oktober können die Kosaken tanzen. Und unsere Patrioten?— Aruionische Unruhen werden aus Konstantinopel vom 1. Oktober geineldet: Das armenische Komitee plante am Montag, am ariiienischen Allerseelentage, ans dein W«ge voi» Patriarchat in Kum-Kapu zur Pforte eine Demonftration durch Ueber- reichuug einer Denkschrist, in welcher gegen die prinzipielle Behandlimgsiveise der armenischen Nation und gegen die ivegen des Ereignisses in S a s s u n fortdauernde» politischen Verhaftuiigeii protestirt und die Lösung der Reform- zu sehen, ob der Bankrott noch einen letzten Centavo in dessen Börse gelassen habe. Alles fiel zusammen. Nichts, gar nichts mehr war heilig. Selbst der Name, der dem Börsenmann so heilig war, wie einem gläubigen Katholiken der des heiligen Vaters, der der Gebrüder Baring in London sank ebenso schmählich in den Staub, wie der des lumpigen Börsenpiraten, der am Ende der Nachbörse irgend welche dunkle Geschäfte machte an einer dunkeln Ecke. Es war greifbare, ganz wahrhaftige Wahrheit, Baring Brothers waren zahlungsunfähig. Wer hatte das geahnt, iver vorausgesehen.... auch der größte Schivarz- 'eher nicht. Und das Gold stieg an zu schwindelnder Höhe 250... 300... 400... 450, es hatte gar keinen Preis mehr. Man zahlte, was gefordert wurde; nur fort, fort mit dem letzten Neste der Habe; ein paar Goldstücke mit dem Gepräge Ihrer Königlichen Hoheit Viktoria in der Ttzsche, das war sicherer als ein Giro von einem beliebigen Bankhanse in Buenos Aires gegeben auf Rothschild oder den Credit Lyonnais nnd auf tausend Pfund lautend . Drei, vier Pfund klingende Münze in der Westentasche und dann zu Schiffe, irgendwo hin »ach Europa in die alte Heimath, oder nach Brasilien. Und da sing das Schießen an. Das Mililär hatte sich empört iu Buenos Aires und man schlug eine blutige Schlacht um das rothe Gold in den Straßen. ans der Plaza Larcllo und ans der Plaza libertad. Das Militär auf der einen Seite für das Gold und das Brot nnd ans der andern der Herr Präsident Juarez Cclinan mit Polizei und Feuerwehr, die für die argentinischen Bank- Zettel kämpften und dafür, daß sie selber Schnaps und der jerr Präsident Champagner zn trinken bekämen. Es floß viel Blut, nnd Herr Juarez Celmau floh. Er hatte ja einen Raub in Sicherheit gebracht, die vierzig Millionen Pesos; was kümmerte es ihn, was hinterher in seinem Vaterland geschah, das all die Bauknoten garautirt hatte, die er so geschickt zn verfertigen verstanden. Aber noch ein anderer floh. Nicht ans demselben Wege und nach deinselben Ziel jwie der Herr Juarez Celman. Aber er loh, vielleicht noch hastiger als er. (Fortsetzung folgt.) fvngc verlangt werden sollte. Die Denkschrift, welche von dein ,Orgauisationskomitee der großen Nationalmanifestation" unter- zeichnet»nd vom heutigen Tage dalirt ist. stellt folgende Forde- rnngen ans; Schaffung einer armenischen Provinz mit europäischen Beamten, die von� den Mächten im Einverständniß mit der Pforte und einer repräsentativen Versammlung neben dem General- gouverneur gewählt werden sollen. Ferner administrative Re- formen nach den Vorschlägen der Mächte und eine Reihe ökonomischer Reforme». Der Cchlußpassus lautet: Dies sind die Wünsche der christlichen sowohl wie der mohamedanijchen Bevölkerung, deren Verwirklichung dieselben im gemeinschaftlichen Interesse verlangen. Die armenische Natron hat seit langer Zeit geduldig gewartet. Wenn die Psorte die Neformfrnge nicht löst, so könnte die jetzige Lage und Stimmung die Quelle gtoßer Kalamitäten sowohl für die armenische Nation als für die Pforte werden." Vor Beginn der Demonstration er- mahnte der Patriarch in der Kirche auf eine diesbezügliche, von einem Makedonier gehaltene Ansprache hin, man möge sich beim Auseinandergehen ruhig verhalten und auf ihn vertrauen. Ein Thcil der Versammelten folgte ihm, eine Demonstration der Uebrigen wurde durch umfassende polizeiliche Maßregeln verhindert. Infolge dessen kam es jedoch in Kum-Kapu zu einer ernsten Schlägerei, bei welcher ein Gendarmerie-Kapitän getödtet und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. Weitere Details fehlen. In Stamvul, auf dem Wege von Kum- Kapu bis zur Pforte wurde ein großer Theil der fliehenden Armenier verhastet. Mehrere von ihnen wurden von der aufgeregten mohamedanischen Bevölkerung mißhandelt, einige durch Revolverschüsse gelödiet. Die Aufregung in dem betreffenden Stadtviertel Stambuls unter der mohame- dänischen Bevölkerung ist groß. Mehrere Hunderl Armenier sind verhaftet. Augenscheinlich hat überflüssiges Eingreifen der Polizei den Zusammenstoß verschuldet.— *» Deutsches Reich. — Zur Berufs- und G e w e r b ez ä h lu n g.»In unserem Kommentar zu den vorläusigen Ergebnissen der Berufs- Zählung ist irrthümlicherweise die Zahl sämmtlicher Landwirth- schaflobetriebe des Jahres 1895 blos mit den Hauptbetrieben des Jahres 1882 und nicht mit sämmtlichen Laildwirthschasts- belZjpbeu der damaligen Zählung verglichen worden. Der Zu- s der Landwirthschastsbetriebe in der Zeit von 1392—1895 rägt zirka 300 000. — A u f den Prediger Kötzschke stürzt sich die ganze Meute der Staatsretterorgane. Das Bismarck-Organ, die„Hain- burger Nachrichten", geht gleich auf seine Amtsentlassnng los: „Wir wissen nicht, ob Herr Kötzschke im Amte ist; sollte es der Fall sein, so erwarten wir, daß die�.ihm vorgesetzte Behörde es ihres Dienstes erachtet, den Mann von seiner Pflicht gegen Staat und Gemeinde, die er gröblich verletzt, schleunigst zu entbinden. Der Staat darf notorische Sozial demokraten weder als Beamte noch als Lehrer und Geistliche dulden, ohne selbst zu abdiziren." In etwas gedämpfterem Tone sckuudirt Pindter II.: „Die„Hamb. Nachr." gehen allerdings zu weit, wenn sie Herrn Kötzschke als„Sozialdemokraten" bezeichne». Darin aber hat das Blatt unzweifelhaft recht, wenn es das Austreten des Herrn Kötzschke als unvereinbar mit seinen Pflichten als Geistlicher bezeichnet. Durch Fehdeansagungen an eine be- stimmte Klasse der Bevölkerung stellt sich der Geistliche in einen Gegensatz zu einem Theil seiner Gemeinde und zerstört so die Bedingungen einer gcdeiblichcn seel- sorgerischen Wirksamkeit, zu deren Ausübung er nach seinem Amte alleis da ist. Auch läßt sich eine prinzipielle Gegnerschaft gegen die„Bildung" und gegen den „Besitz", gleichviel welcher Gebrauch von ihm gemacht wird, vom christlichen Standpunkte aus nicht rechtfertige». Es kann demnach beansprucht werden, daß die Diener unserer Kirche sich der öffentlichen Verwendung solcher thörichten und zum Besten der sozialrevolutionären Strömung aufhetzerisch wirken- den Schlagwörter enthalten." Lauge wird Herr Kötzschke wohl nicht niehr seines Predigt- amtes walten können.— — Die Reichstagskandidatur in Metz. In einem an die„Gazette de Lorraine" gerichteten Briefe verwahrt sich Rentner St. Leonard entschieden gegen die Nachricht, daß er die Absicht habe, sich um das durch die in Aussicht stehende Mandatsniederleguug des Dr. Haas freiwerdeude Reichstags- mandal zu bewerben.— — Zu der sogenannten L a n d e sv err aths- Affäre wird nocl? berichtet, der in Essen unter dem Verdachte des Landesverraths Verhastete sei ein früherer Krupp'scher Bureaubeamter namens Emil A p f e l b a n ni. Derselbe sei früher auf dem Grusonwerk bei Magdeburg angestellt gewesen und nach dem Uebergang dieses Werkes in den Besitz der Firma Friedrich Krupp nach Essen versetzt worden, wo er als Stenograph»nd Korrespondent auf den> Bureau für Kriegsmaterial beschäftigt wurde. Im verflossenen Sommer erfolgte aus unbekannte» Gründen plötzlich seine Entlassung.— — Interpellation wegen der Vorgänge in Fuchsmühl im bayerischen Landtage. Wie die „Münchener Neuesten Nachrichten" mittheilen, ist die auf die Mittwochs- Plenarsitzung der bayerischen Kammer der Abgeord- neten anberaumte Interpellation des Abg. Dr. S ch ä d l e r und Genoffen sehr milden Inhalts. Die Interpellation ist nicht dem Gesammt- Staatsministerium und nicht dem Vorsitzenden des Ministerralhs, sondern nur de» Ministerialrefforts des Innern, der Finanzen, der Justiz und des Krieges zugestellt worden. In Regierungskreise» glaube man, daß die Interpellation sofort werde beantwortet werden.— Schweiz. Zlirich. 30. September.(Eig. Bericht.) Die Mehrheit des Schweizervolkes hat gestern das Z n» d h ö l z ch e n- M o n o p o l leider abgelehnt und zwar nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten mit 174 307 Nein gegen 139 250 Ja. Die politisch höchst stehenden Kantone mit der intelligentesten Bevölkerung, wie Zürich, Basel st adt, Baselland, Solothurn, Glarus, Thurgau, Schaffhan sc n und Appen- zell(Außer-Rhoden) haben angenommen, und zwar Zürich mit 41 703 Ja gegen 10 997 Nein, Baselstadt mit 4300 Ja gegen 354 Nein, Baselland mit 3400 Ja gegen 2580 Nein ec. Die katholischen Kantone mit einziger Ausnahme von Zug haben alle verworfen."In 7Vz Kantonen nahm das Volk mit Mehrheit an, in I4l/2 Kantonen hat es ver- morsen. Im iianton Zürich trat auch der„Bau er» b und", das Organ des Bauernbundes, mit Wärme für das Monopol ein. Es ist dies besonders bemerkenswerth gegenüber den Geg- neru, welche über die Berwersung frohlocken und sagen werden, das Volk wolle nun einmal von Monopolen nichts wissen und der„Sozialismus" sei am autikolleklivistischen Bauernschädel ge- scheitert. Stände das ganze Schweizervolk auf der politischen Höhe des Zürchervolkes, das mit 42 pCt. der Landwirthschast angehört, so wäre gestern das Zündholzmonopol mit großer Mehrheit angenommen worden. Die Arbeiter haben mit ihren Bestrebungen von der wachsenden Intelligenz auch der Landbevölkerung nicht nur nichts zu befürchten, sondern im Gegentheil alles zu erhoffen. Erwähnenswerth ist noch. daß die Bevölkerung in F rutigen, der Heimath der Nekrose, 809 Nein und 359 Ja in die Urne gelegt hat. Wie mögen diese Annen belogen worden sein, daß sie so gegen ihr eigenes Jnter- eise stimmten; den» man muß wohl annehmen, daß die Nein bauplsächlich von den Arbeitern der Zündholz-Jndustric herrühren. Die Fabrikanten— und leider auch die Arbeiter— haben sich aber dabei doch in den Finger geschnitten, denn nun wird sicher das Phosphorverbot kommen, strenge durchgeführt werden und die Fabrikation schwedischer Zündhölzchen zum Privat Monopol weniger Großindustriellen werden, wobei die Phosphorzündholz- Industrie ohne Entschädigung einfach aufgerieben wird. Ocsterreich-Uttgar». — Die große Demon st ratio n der Wiener Ar- beiter am Sonntage giebt der„Wiener Arbeiter-Zeitung" zu folgenden Erörterungen Anlaß: Das Verbot der Protestversammlung durch die Polizei und Statthalterei war ein Schlag ins Wasser. Die Wiener Arbeiter wollten protestire» gegen das Vorgehen der Polizei am letzten Sonnlag, die die Straßen gewaltsain absperrte und ihnen de» Zutritt zur Ring- st r a ß e verlegte. Die Polizei hat verboten, in Worten zu prolesliren; nun wohl, die Arbeiter haben durch die That protestirt. Der„Spazier- gang" von gestern hat gezeigt daß sich die Wiener Proletarier die Willkür der Polizisten nicht gefallen lassen, und daß sie dem ersten Schritte dazu, ihnen auf dem Umwege der Straßenpolizei das Versammlungsrecht zu verkürzen, mit aller Entschlossenheit entgegentreten..".. Die Wiener Genossen haben sich aber gestern selbst ein glänzendes Zeugniß ausgestellt für ihre Organisation, Disziplin und S e l b st z u ch t. Das Verbot der Protestversammlnng wurde erst Donnerstag spät nachts den Einberufern bekannt; nur der Freitag und Sonnabend standen zur Verfügung, um die Protest- demonstration zu beschließen und zu organisiren, im' trotzdem siel sie imposant und pünktlich nach Beschlüsse aus. Es war ausgemacht, daß nicht das Wa sondern die Polizei-Uebergriffe Gegenstand der DemoiUiMtlion fein sollten, daß darum nicht Ein Ruf ertönM�sollte; und auf dem ganzen langen Wege zwischen UiuversitiWMid Woll- zeile hörte man von den zehntausenden von ArbvMrn, die das ausreizendste Bauobjekt Oesterreichs, das ParMientsgebäude, passirten, nicht Einen Ruf. Ihr wollt uns du� Straßen verbieten? Wir kommen zu Zehntausenden, und jyr müßt sie freigeben. Ihr behauptet, die Arbeiter seien Leute, die Radau und Gcwaltthat suchen, die nur mit Massenänfgebot der Polizei und mit Waffengewalt verhindert werden können, die Ruhe, die Ordnung, die Sicherheit, den Verkehr und was es sonst noch Heiliges giebt, zu stören? Wir beweisen euch, daß ohne Polizei, ja ohne n n s e r e O r d n e r sich alles glatt und anstandslos, ruhig und würdig abspielt. Ihr behauptet, die Polizeigewalt sei unentbehrlich? Wir beweisen euch, die P o l i z e i g e w a l t i st überflüssig. Ihr be- hauptet, die Polizei sei der„Sicherheit" nützlich? Wir be- weisen euch, daß eure Augers schädlich sind, daß die Ruhe der Straßen weit gesicherter ist, wenn sie in irgend einer Seitengasse nnißig herumstehen, als wenn sie sich durch ihre Reiterkunststücke wichtig machen. Ihr behauptet, daß die Arbeiter p r o v o> z i r e n? Wir beweisen euch, daß die Arbeiter die P r o v o- z i r t e n sind. Wir wußten im vorhinein, daß die Polizei gestern auf dem Platze sein werde, daß das Militär in den Kasernön bereit- gehalten ist, und wir haben die Wirkung vorausgesehen, die das Ausgebot machen muß. Wir wollen der Komik der Si- t u a t i o n, daß Spaziergänger empfangen werden von der gc- sammteu bewaffneten Macht, als könnte ihnen einfallen, plündern zu wollen, kein weiteres Wort widmen. Man hat diese Komik gestern von allen Seiten stark empfunden. Das Recht, nach Hause zu gehen, das Recht, die Straßen zu b e n ü tz e n, haben sich die Arbeiter gewahrt, und wenn wieder einmal die Polizei einzugreifen Lust kriegt, wenn es wieder einmal zum Galoppiren der Polizisten, zum Schwingen der Säbel, zu Anklagen wegen„öffentlicher Gewalt- thiUi gleit" kommt, wird alle Welt wiffen, wer daran schuld ist.— Prestbnrg, I. Oktober. Bei der gestrigen Komitatssitzuug kam es wegen' der Annahme einer Sldreffe an Banffy, in welcher demselben zu seiner Haltung gegenüber dem Nuntius Aglinrdi der Dank ausgesprochen werden sollte, zu tumultuarischen Szenen. Der Pfarrer Jedlicka und der Bürger- meister D o m a r a i n griffen sich gegenseitig mit Stöcken an. Es gelang nur mit großer Mühe, die beiden auseinander zu bringen.— Bulgavie». Aus Sofia wird telegrapbirt: Das Appellgericht sprach Lukanow und Karagiow frei.— Der Finanzminister Geschow ist aus dem Auslände zurück- gekehrt. Da Lukanow und Karagiow keine Mörder, sondern An- Hänger Stambulow's sind, so ist ihre Freisprechung allerdings ein bemerkenswerthes Ereigniß. Daß die Rückkehr des Finanzministers einer Erwähnung werth befunden wird, scheint auf die Absicht eines Anleihens zu deuten.— Nuffland. — Etwas Heitres wird ausnahmsweise aus dem Lande der gemüthskranken Zaren— denn die Zaren-Krankheit ist erblich — gemeldet: Petersburg, 1. Oktober. Den hiesigen Blättern zufolge sind 13 Glocken, welche den Abeffyniern durch die Bevölkerung von Moskau, Nischuy-Nowgorod und Jaroslaw zum Geschenke gemacht wurden, von Moskau auf dem Wege über Odessa, Porl-Said und Obock abgesandt worden. Mit russischen Geschenken ist's ein eigenthümliches Ding. Sie verkrümeln oder verwandeln sich unterwegs. Das Gold wird zu Talmi, Diamanten werden zu Glas. Wenn die dreizehn Glocken aus Moskau in Abessynien ankommen, sind's hoffentlich keine Kuhglocken. Freilich im Grunde genommen wäre das ja eine Verbesserung.— Kuba. — Den Aufstand betreffend werden zwei wichtige Nachrichten gemeldet. Ein Telegramm ans L o n d o n vom gestrigen Tage besagt: Das„Reuter'sche Bureau" meldet aus Key-West: Dort- hin zurückgekehrte Fischer berichten, Marinesoldaten des Kreuzers„Conde Venadilo" wären auf der Suche nach Fli- bustiern auf den Florida-Keys gelandet. Da diese Keys zu Florida gehören, hätte die Nachricht große Entrüstung dort hervorgerufen. So das Telegramm. Von Key-West, an der Südspitze von Florida, gingen wiederholt Expeditionen nach Kuba. Daß es deshalb früher oder später zu Reibungen kommen mußte, war vorauszusehen. Jedenfalls wird die den Spaniern ohnehin sehr feindliche Stimmung in den Vereinigten Staaten durch diesen Uebergriff der Spanier noch mehr gereizt werden. Und wird die Strömung so stark, daß der Kongreß für die völkerrechtliche Anerkennung des Aufstandes sich erklärt, so ist dessen Sieg eine vollendete Thatsache. Ein anderes Telegramm, ebenfalls aus Anierika, aber 24 Stunden später aufgegeben, besagt: Chicago, I.Oktober. Eine zahlreich besuchte Ver- sammlung unter dem Vorsitze des Mayors nahm mehrere Re- folutionen an, welche die Sympathie für die um ihre Un- abhängigkeit kämpfenden Kubaner und die Verurtheilnng der zu strengen Herrschast der Spanier auf Kuba zum Ausdruck brachten, und die Regierung der Vereinigten Staaten auf- fordern, die Kubanischen iilufständischen als kriegführende Partei anzuerkennen. An der Versammlung bethciliglen sich viele angesehene Bürger; Zustiminungsschrciben des Gonver- neurs von Illinois und mehrerer Senatoren kamen zur Ver- lesung. Dieses Telegramm beweist, daß die Freunde der ständischen die Zeit für eine erfolgreiche Bewegung gekom.. glauben. Chicago ist einer der leitenden Mittelpunkte de-. politischen Lebens in den Vereinigten Staaten.— Ein weiteres Telegramm besagt: Madrid, 1. Oktober. Der Führer der kubanischen Re- formisten hat in einer Unterredung mit dem Minister für Kolonien, Castellanos, bedingungsweise seine Unterstützung bei der Lösung der schwebenden Fragen über die Antillen zu- gesichert. Schon der Herkunftsort verräth, daß wir es mit einer osfi- ziellen spanischen Tendenznotiz zu thun haben. Die„Resorniisten" sind die zahmen spanischen Hammel, die Homerule unter spanischer Oberherrschaft erstreben und mit denen Martincz Campos sich in Unterhandlungen eingelassen hat. Es sind das ein paar Mann— nicht einmal ein paar Männer— und ganz ohne Be- deutung. Daß die spanische Regierung eine solche Nachricht in die Welt schickt, zeigt, in welch ungünstigem Licht sie selber die Lage betrachtet.— Afrika. Algier, 30. September. Bei einem Streite in Arbal an der marokkanischen Grenze wurden sechs Menschen ge- lödtet; ein anderer Zusammenstoß fand zwischen den Stämmen ~ alle! und Ouledtazzi statt, bei welchem eine große ttsonen ums Leben kam.— fuv GehÄlkev die VeeufsgenoftenslHÄften zahlen. Der zu einer gewissen traurigen Berühmtheit gelangte„Fall Bändle" von der Tiefbau- Berussgenossenschaft, die ihrem Vor- sitzenden seine bisherige jährliche Entschädigung für den durch Wahrnehmung der Genoffenschaftsgeschäfte entstehenden Zeit- verlusr von n u r 10 000 Mark a u f 15 000 Mark erhöht hat, ist an dieser Stelle kürzlich in das rechte Licht gerückt worden gegenüber dem sattsam bekannten auffälligen Mißperhält- uiß zwischen den kolossalen Verwaltungskosten der Bernfsg&iossen- schasten und den Entschädigungen für Verletzte und deren tinterbliebene. Schon damals wurde erwähnt, daß Herr nndke nicht der einzige ehrenamtliche Vorsitzende ist, der es nicht verschmäht, aus dem Säckel der Berufsgenoffenschast ein Gehalt entgegenzunehmen, von dem ein Dutzend Verletzte mit ihren Familien sich einigermaßen anständig durchs Leben schlagen könnten. Er ist damit allerdings eigentlich nur in die Fußstapfen des seligen Vorsitzenden Hirt, eines gn der Erbauung des Nordostsee- Kanals betheiligt gewesenen Großunternehmers getreten, der aus- gangs der 30 er Jahre den Vorsitz niederlegte, als man ihm die beantragte Entschädigung von 10 000 Mark für die täglich mehrmalige Leistung seiner Unterschrift nicht gewährte. Und serner ist es in den betheiligten Kreisen ein offenes Geheimniß, daß gerade für die bei der Tiefban-Berufsgenossenschaft vor- herrschenden Verhältnisse ein Vorsitzender gebraucht wird. der mehr Vorsitzender als Unternehmer sein kann, und sollte er auch schließlich nur über einen einzigen„Arbeiter" verfügen, dessen Hauptbeschäftigung Stiefelputzen und Kleiderreinigen ist! Läßt man aber selbst solche Ausnahmezustände gelten, so beseitigt das noch immer nicht die dem Geiste des Unfallversicherungs-Gesetzes widersprechende e n o r m e H ö h e des Gehalts des Herrn Bändle. Charakteristisch, wenn im allgemeinen auch ebenso verständlich als richtig ist es demgegenüber, daß dieselbe Berufsgenoffenschast ihrem langjährigen Geschäftsführer, dem königlichen Regierungs- baumeister Kamps, vor mehreren Jahren sein Gehalt um ver- schiedene tausend Mark jährlich heruntergeschraubt hat. Was die Geschäftsführer in den Zentral- Bureaus der Berufsgenossenschafte» anlangt, so steht man vor einem zweiten wunden Punkt in der Gehaltsfrage, der demjenigen des„Falles Bändle" vollkommen das Wasser reicht. Freilich sind diese Leute Berufs bcamte, theils mit mehrjährigem Kontrakt, theils auf Lebenszeit angestellt. Aber auch sie beziehen Ein- kommen, die mit wenigen Ausnahmen diejenigen der Senats- Vorsitzenden im Reichs- Versicherungsaml übertreffen, in vielen Fällen an dasjenige des Präsidenten Dr. Bödiker vom Reichs-Versicherungsamt heranreichen, in einen: Falle dieses sogar nm nicht weniger als das dreifache über- steigen. Der Geschäftsführer der kleinen, aber besonders wohl- habenden Glas-Berussgcnossenschast, Dr. jur. Schwiebs, schiedsgerichtlicher und reichsversicherungsamtlicher Vertreter einer ganzen Anzahl anderer Berufsgenossenschaften, bezieht mit allen aus dem Hauptamt sich ergebenden Nebenpöstchen ein Einkommen, das in eingeweihten Kreisen n o ch g e r i n g a u f 40 000 Mark— buchstäblich vierzigtausend Mark— geschätzt wird. Die anderen Geschäftsführer haben im Durchschnitt ein Einkommen von 12 000 M., zum großen Theil mit dadurch, daß sie gleich- zeitig„Beauftragte" von Berufsgeuoffenschaften sind, eine Thätigkeit, die neben dem Gehalt besonders bezahlt wird und am bequemsten während der Badereise, für die es natürlich auch noch eine klingende„Unterstützung" giebt, sich ausüben läßt. Die technisch gebildeten Beauftragten erhalten übrigens im Durch- schnitt ebenfalls über 10 000 M. Jahresgchalt. Wie ein„beauf- t ragte r" Geschäftsführer, der Juri st oder Feld- webel a. D. oder reiner Bureaubeamter ist, einen großen maschinellen Betrieb in bezug auf Arbeiterschutzvorrichtu ngen rcvidirt, das kann man sich, nebenbei bemerkt, lebhast vorstellen. Die Geschäfts- sührer tragen ja eine gewisse Verantwortung, und es soll im großen und ganzen ihre Arbeitslast ebensowenig in Zweifel gezogen werden wie ihre Arbeitslust und Arbeitsbefähigung; dennoch stehen hierzu die gekennzeichneten Gehälter bei weitem nicht im richtigen Verhält- niß. Kleinere Unternehmer kämpften seit Jahren hiergegen an, ohne ihren Zweck zu erreichen. Als sie endlich anfingen, geradezu un- bequeni zu werden, hat man sie in den Vorstand gewählt und nun blasen sie mit dem Geschäftsführer aus demselben Horn! So bleiben als am wenigsten schädliche Quälgeister die dem ersten Beaniten nachgeordneten Beamten übrig. Deren Gehälter sind nicht nur nicht hoch, sondern überaus niedrig. Bei großen Berufsgenossenschaften erhält ein Geschäftsführer mehr wie 15 bis 20 der anderen Beamten zu- s a m m e n. Wer nicht zufrieden ist, weiß ja, wo der Zimmer- niann das Loch gelassen hat, und diesen Unterbeamten ist die an den Verletzten geübte Behandlung ein warnendes Beispiel— sie schweigen. Jeder Mensch ist ersetzlich, und die Bureaus der Berufs- gcnossenschaften nun erst sind wahre Taubenschläge. Es kommt einem neuen Vorsitzenden oder Geschäftsführer unter Umständen nicht darauf an, das halbe Bureau zu wechseln, das heißt die Stellen mit Neulingen zu besetzen, die sich in die Arbeiten erst hineinfinden sollen, wenn sie es überhaupt können. Nirgend wo anders können die Elemente so zusammen- gewürfelt sein. Das ist auch«ine Erklärung mehr für Entscheidungen, die mit gesundem Menschenverstände nicht zu fassen sind. So mancher Verletzte hat die Ablehnung seines berechtigten Enlschädigungs- Anspruches in erster Instanz einem einige Semester alten„Juristen" zu ver- danken, dessen akademischer Schissbruch im Genossenschastsbureau endete, wo die erste beste juristische Spitzfindigkeit, die aus dem vielleicht zum ersten Mal in die Hand genommenen Unfall- versicherungs-Gesetz herausgelesen war. ihm im Fluge das Wohl- wollendes„Kollegen"von derGeschästssührungund selbstverständlich bald auch des Vorstandes erobert. Möglichst„Enlschädigungs- ansprüche ablehnen"— das ist bei nicht wenigen Berufs- genoffenschaften die Losung! Solche Stellen werden natür- lich noch verhältnißmäßig gut bezahlt. Es erübrigt, hier an einzelnen Fällen weiter zu beweisen, wie bei den Berussgenoffen- schasten zuweilen mit den: Gelde und vor allem mit den Ver- waltnugskosten gcwirlhschaftet wird. Geschästsführerund Ii'' r s i tz e n d e möge man durch Bewilligung von Gelder» u i ch t reich machen! Proletarier de Feder soll man nicht um ihrer Arbeit Frücht dringen! VAvkoi-Llachvichten. Au die Parteigenossen der Provinz Brandenburg l Nachdem die Nenivahlen der Mitglieder der Agitations Kommission stattgefunden und dieselben damit für 1895/96 die Verpflichtung übernommen haben, die Agitation in der Provinz nach jeder Richtung hin zu fördern, bringe» wir den Genossen zur Kenntniß, daß alle Briefe und Sendungen(Bestellungen au Agitationsmaterial, Gesuche um Referenten zc.) an Car Dimmick, Berlin I3(X, Elisabeth-Ufer 55, zu richten sind; alle Gelder wolle man adressiren an Otto Antrick, Berlin W.( Eteinmetzstr. 60.— Um den Verkehr, insbesondere auf schriftlichem Wege, mit den Genossen in der Provinz ungestört pflegen zu können ersuchen wir, uns jeden Wechsel der Vertrauenspersoncn beziv jede Wohnungsveränderung derselben sofort mitzutheilcn. Auch ersuchen wir die Genossen, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß uns neue Adressen vertrauenswürdiger Personen hauptsächlich aus denjenigen Orten überwiesen werden, mit welchen wir bis jetzt in Verkehr zu treten nicht in der Lage waren. Mit sozialdemokratischem Gruß Die Agitations-Komniission für die Provinz Brandenburg. I. A.: Carl Dimmick, Berlin 80.. Elisabeth-Ufer 55 Die in der Provinz erscheinenden Partei-Organe werden um gefl. Abdruck vorstehender Notiz gebeten. Eintrittskarten zum Parteitage Wie der Breslauer „Volkswack>t" von zustandiger Seite milgetheilt wird, haben die Mitglieder des sozialdemokratischen Vereins und ebenso die von auswärts kommenden Genossen das Vorkaufsrecht für die nur in beschränkter Zahl ausgegebenen Eintrittskarten zur Eröffnungs- sitzung des Parteitages, Sonntag, den 6. Oktober, Abends 7 Uhr. Die Mitglieder des sozialdemokratischen Vereins können ihre Eintrittskarten schon jetzt von den Vorstandsmitgliedern beziehen Diejenigen Genossen in der Provinz, ivelche der Eröffnungs- sitzung beizuwohnen gedenken, werden ausgefordert, sich sosort und spätestens bis Donnerstag, den 3. Oktober in der Expedition der„Volksmacht" zu melden unter Angabe der Zahl der benöthigteu Karten. Spätere Bestellungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Für die Eröffnungssitzung findet ei» Verkauf von Eintritts karten an der Kasse des Sitzungslokals nicht statt. Der Preis der Karte für Saal und Gallerie beträgt 10 Pf., für die Logen 50 Pf., giltig für eine Sitzung. Dauerkarte», die für die ganze Dauer der Verhandlungen des Parteitags zum Ein- tritt berechtigen, kosten für Saal und Gallerien 75 Pf., für die Logen 3 M. Sämmlliche Karten sind an der Kasse des Sitzungs- lokals„Deutscher Kronprinz", Kurze Gasse 50/52, zu haben. Nur die Dauerkarten sind auch im Vorverkauf zu haben und zwar in der Expedition der„Volksmacht" und bei den Mitgliedern der Parteilagskommission. Flugblatt-Verbreitnng. Sonntag sind von unseren Ge- »offen in allen Dörfern und Flecken im Landkreise Erfurt, sowie in Theilen der angrenzenden Kreise Sangerhausen-Eckartsberga und Weimar I und II, ferner in Arnstadt, Mühlhausen-Weißensee, sowie in noch einigen anderen Bezirken 30 000 Flugblätter ver- theilt ivorden. 300 Mann hoch ging es Sonntag früh hinaus und bis jetzt sind»och keine Klagen über schlechten Empfang unserer Genossen eingelaufen. Im Gegentheil war die Aus- nähme in einigen Dörfern, in denen wir früher mit Mißtrauen und offenen Feindseligkeiten empfangen wurde», eine sehr gute. „Mir werr'n vorn Lasen nech dümmer", meinten unsere Bauern, von denen viele noch bei unseren Gegnern wenigstens als Stichen von Thron und Altar gelten. So geht unsere Sache vorwärts trotz alledem. Die Parteigenossen voir Neuwied und Andernach, welche wegey der zu hohen Kosten von einer Delegation zum Breskauer Parteitag Abstand nehmen mußten, faßten auf einer am 29. v. M. stattgehabten Parteikonferenz eine Resolution dahingehend: 1. Die Agrarkominission möge bis auf weiteres bestehen bleiben und ihre Studien fortsetzen; 2. die Agrarkominission möge ihr gesammeltes Material in volksthümlicher Form veröffentliche»; 3. der diesjährige Parteitag möge bezüglich des Agrarprogramins keinen endgiltigen Beschluß fassen. Polizeiliches, Gerichtliches it. — Freigesprochen wurde heute vom Schwurgerichte, wie uns eine Prrvatdepesche aus Nürnberg meldet, Genosse O e h»> e, der verantwortliche Redakteur der„Fränkischen Tages- post". Gegenstand der Anklage bildete ein Artikel über die jüngste Kaiserrede. — Verbot einer W ä h l e r v e r s a in rn l u n g. Die für den 29. September nach Thalheim bei Stollberg einberufene Landtagswähler-Versamrnlung, in welcher der Abg. Paul Horn sprechen sollte, ist von der Amtshauptmannschafl Chemnitz ver- boten worden. Das Grundstück, auf welchen, die Versammlung statffinde» sollte, eignet sich nach Ansicht der Behörde nicht dazu. t öffentlich agitirt das Verbot besser für de» sozialdemokratischen andidaten Stolle-Mcerane, als wie es die Versammlung gethan haben würde. — Hawssuchung. In der Expedition der„ M i t l e l d. Sonntags-Zeitung" zu Gießen, sowie in der Privat- wohnung unseres Genossen Redakteur Philipp Scheidemann wurde am 30. d. M. eine Haussuchung vorgenommen. Gesucht wurde nach einzelnen Nummern der„Lichtstrahlen." Bei Scheide- mann wurde nichts, in der Expedition einige Nummern vor- gefunden. — De r Prozeß wegen des Hochs auf die „revolutionäre" S o z i afl d e in o k r a t i e. An, 24. Oktober, mittags 121/2 Uhr, findet gegen Genosse Rüther Termin vor dem Kammergericht statt, in Sachen des Hochs auf die „revolutionäre" Sozialdemokratie. — Die staatsgefährliche Arbeiter- Mar- s e i l l a i s e. Ein Versuch, die Arbeiter- Marseillaise auch in Württemberg zu verbieten, wurde anläßlich des C a n» st a t t e r Volksfestes jedoch ohne Erfolg gemacht. Als eine der umherziehenden Musikzesellschaften i» einer Wirthschafts- bude die Marseillaise spielte, kam ein Gendarm hinzu und verbot das Weiterspielen. Die Gäste verlangten aber stürmisch und erregt das Weiterspielen und tönte hieraus die Marseillaise, Musik und Massengcsang, brausend ohne weiteren Zwischenfall durch die Lust. Wie wir weiter erfahre», sollen die Namen einiger Arbeiter, welche abends auf dem Heimwege ebenfalls die Marseillaise sangen, polizeilich festgestellt worden sein. Es wird sich daher in nächster Zeit zeigen, ob auch Württemberg sächsisch wird. — Genossin D w o r z a k- P o p p, die verantwortliche Redakteurin der Wiener„Arbeiterinnen-Zeitung", wurde wegen eines Artikels„Ehe und Eigenthum" zu vierzehn Tagen ein- fachen mit einmaligem Fasten verschärften Arrests verurlheilt.— — Was man nicht definiren kann, sieht man als groben Unfug an. Am Sonntag, den 22. September, hatte der Oekonom des Brunswiker Kasinos in Kiel, eines Arbeitervereinslokals, dem aus dem Gefängniß kommenden Genossen Klüß durch ein Plakat willkommen geheißen, welches als Inschrift hatte;„Willkommen dem Preßsünder nach vierzehn wöchentlicher Haft." Das Plakat wurde morgens an der Scheibe der Eingangslhür befestigt und konnte von Slraßenpassanten nur sehr schwer wahrgenommen werden, da die Thür 2 Meter zurück seitlich in einer Einfahrt sich befindet. Nachts wurde jedoch diese staatsverbrechcrische That von zwei Polizeibeamten entdeckt, welche de», Oekonom zu einem Strafmandat von 10 M. ver halfen, weil nach Ansicht der Behörde„grober Unfug" verübt wurde. Da ferner das Wort„Preßsünder" allein auf dem Strafmandat unterstrichen wurde, so scheint es, als wenn der Gedanke daran schon strafbar ist. Mit der Bezahlung wird sich die Behörde so lauge geduldige» müsse», bis der Kadi ge sprachen hat. Soziale Mebeefirtzk. Bewegung der Bevölkerung im preußischen Staate während des JahreS 4�94. Das preußische statistische Bureau hat jetzt die Nachrichten über die in Preußen während des Vor jahres vorgekommenen Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle so weit zusammengestellt, daß es die hier folgenden Zahlen ver- öffentlichen kann: A) Geburten 1892 3893 1894 Geboren überhaupt.. 1 144 068 1 195 468 1 182 833 darunter Knaben.. 589 540 615 106 608 811 Mädchen. 554 523 580 362 574 022 Lebendgeboren.... I 106659 1 156420 1 143044 darunter ehelich.. 1022183 1063 394 1053 453 unehelich. 84 476 83 026 89 591 Todtgeboren..... 37 409 39 048 39 789 darunter ehelich.. 33 560 04 951 35 378 „ unehelich. 3 849 4 097 4 411 B) Eheschließungen.. 245 447 248 348 250 960 0) Gestorben überhaupt. 752137 785 662 719 532 GenzevKsllszaftliiLzes. Söinnitllche MUIHeNungen von Organisationen, vor allein solche über Ausslände oder Aussperrungen, müssen stets den Stempel der betrefsenden Organisation tragen. Achtung, Metallarbeiter und Tischler! Tie Arbeiter und Arbeiterinnen der Telephonapparat- Fabrik von Melles, Engel-User In, hatten in letzter Zeit unter fortwährenden Lohn- drückereien zn leiden. Eine aus der Mitte der dort Beschäftigten gewählte Kommission wurde am letzten Sonnabend beim Chef der Firma vorstellig, um demselben ihre Wünsche bezüglich derHerstellung der alte» Preise zu unterbreiten. Die Kommission erhielt eine thcil- weise Zusage mit dem Bemerken, daß der dcsinilive Bescheid hierüber am Montag Abend gegeben würde. Am Montag Nach mittag 5 Uhr wurde die Kommission gerufen und derselben er- öffnet, daß die Firma nicht in der Lage sei, die gestellten Forde rungen zu erfüllen. Gleichzeitig wurde am schwarzen Brett, nachdem bereits der größte Theil der dort Beschäftigten die Werk- stätten verlassen hatte, eine Bekanntmachung folgenden Inhalts angeschlagen: „Es herrscht in letzter Zeit verschiedentliche Unzufriedenheit unter den Angestellte», soweit uns zn Ohren gekommen ist. Wir sind nicht in der Lage, die vom Komitee gestellten Forderungen zu bewilligen. Die Werkstätten bleiben zur Klärung der Sachlage vorläufig bis Mittwoch früh geschlossen. Die mit den bisherigen Verhältnissen Zufriedenen können am Mittivoch früh die Arbeit wieder aufnehme». Für die' Unzufriedenen liegt an, Sonnabend, den 5. Oktober, nachmittags, der Lohn bereit." Hierdurch sind für Dienstag zirka 90 männliche und 60 weib liche Arbeiter ausgesperrt. Der unterzeichnete Vorstand hat die Regelung der Angelegen' heil bereits in die Hand genommen: bis zu deren Erledigung ersuchen wir die Fabrik unter allen Umständen zu meiden. Ueber die Zahl der Zufriedenen, welche am Mittwoch früh die Arbeit wieder aufgenommen haben, werden wir morgen an dieser Stelle berichten. Der V o r st a n d des„Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend". I« der Buchdruckerei von L a» g h o r st u. Schmidt, Grünstraße, legten am Montag, den 30. September, die Setzer und Drucker aus folgenden Gründen die Arbeit nieder: Seil längerer Zeit werden in de», betr. Geschäft außer Werken auch Zeitungen(Wochenschriften) hergestellt; dieselbe» wurde» anfangs im Berechnen ausgeführt; nachde», die Akkordarbeit dem Geschäft zu l h e u e r erschien, wurde» die Arbeiten in gewissem Gelde(Lohn) hergestellt. Nach einiger Zeit machte man dem Personal die Mittheilung, daß auch letzleres Verhältniß das Geschäft nicht er- trage» könne und wurde von letzterem ein Entreprise- verhältniß den Arbeitern vorgeschlagen, � bei welchem man sich dahin einigte, daß die„Deutsche Sonntags- post", herausgegeben vom Geheimrath Pindter zu 150 Mark, „Berliner Tamenzeitung" zu 70 M. und die„Deutsche Kohlen- zeitung" zu 30 M. pro Nummer verakkordirt wurden. Das Ge> schüft bot dem Personal anfangs folgende Preise:„Sonntags- blatt" 112,„Damenzeitung" 50 und„Kohlenzeitung" 24,50 M Die crsteren Summen wurden da»,,, nachde», es aber erst vorüber- gehend zur Arbeitsniederlegung kam, nach langem Hin- und Herreden endlich bewilligt. Nachdem 14 Tage zu diesen Bedingungen gearbeitet, wurde am letzten Sonnabend de», Personale ohne weiteres die Entschädigung für Extra stunden und die Autor-Korrcklurstunden, welche in der ersten Woche anstands- los bezahlt wurden, vom Wochenlohne abgezogen mit der Motivirung, dieselben seien im Entreprise-Verhällniß mit ein- begriffen. Die abgezogene Summe betrug 44,23 M. Letztere Handlungsweise wurde von den Setzern enlschiede» zurück- gewiefen, da bei Abmachung des Preises de». Prinzipal von feiten der Setzer ausdrücklich erklärt wurde, daß die Entreprise- Preise exklusive der Autor- Korrekturen und Ueberstnnden zn verstehen seien. Da eine Einigung nicht zu erzielen war, kam es zum Ausstand. Charakte- ristisch war noch ein Ausspruch des Herrn Langhorst zu de» Setzer», sie könnten ja so lange arbeiten, wie sie wollte». man brauche es ja nach außenhin niemand wissen zu lassen.— Da auch der Bund der Berliner Buchdruckerei- Besitzer Herrn Langhorst keine Arbeitskräfte zur Verfügung 'tellt, so dürfte der Ausstand mit einen, Siege der Streikende» enden. In der Bnchdruckerei von Irnberg n. Lrfson, Alte Jakobstraße, kam es an, Dienstag morgen ebenfalls wegen tarif- licher Differenzen zum Ausstand, an welchem sich das gesammte Personal, 25 Setzer und Drucker betheiligten. Nach Verlauf von drei Stunden wurde jedoch eine Einigung erzielt und kehrte das gesammte Personal wieder an seine Plätze zurück. Lederarbeiter. Der Streik in der Steinleiu'schen Fabrik (Inhaber Meinke) in Berlin dauert fort. In Halberstadt wurden, abgesehen von der Gcmeke'sche» Fabrik, die Forderungen bewilligt, in Neu n, ü n st e r haben 9 Weißgerber die Arbeit eingestellt, in 3t„ d o l st a d t dauert der Streik unverändert fort. Der Fabrikant Eünsche sendet sein Leder nach außer- halb zu». Zurichten, deshalb legten i» Berlin in einer Lederzurichtern mehrere Berussgenossen die Arbeit nieder. In P r e n z l a„ und D ü b e n stehe» Lohnkämpfe in Aussicht. Ter Zuzug wäre auch hier fernzuhalten.— Die Kollegen in Arnstadt haben ihre Forderungen durch ein- rnüthiges Zusammenhalten durchgesetzt: es ist somit betreffender Ort für Fremde wieder frei.— In W i l h e l m s b u r g habe» die Kollegen auf Aurathen der Wiener die Arbeit wieder auf- genommen; es wurde ihnen die Hälfte ihrer Forderung be- willigt. >' Tapezirer. Der Streik der M ü n ch e» e r Kollegen ist zu deren gunsten beendet. Der Bevollmächtigte der Filiale Berlin des A. D. T.-V. Former nud Eisengießer. Die Lohndifferenzen der Former und Eisengießer in Zeitz sind noch nicht geregell. Um strenge Fernhaltung des Zuzugs wird ersucht. Zinkographen. Laut hierher gelangter Mittheilung des italienischen Bucharbeiter- Verbandes steht in Mailand ei» Streik der Zinkographen bevor. Die Kollege» werden deshalb vor Zuzug gewarnt. Für Fachvereine, welche eine Versicherung ihrer Mit- glieder gegen Arbeitsmangel eingeführt haben oder einführen wollen, ist eine kürzlich ergangene Entscheidung des Kammer- gerichts von großer Bedeutung. Nach dem Strafgesetzbuch macht sich derjenige strafbar, welcher ohne Genehmigung der Staats- behörde Aussteuer-, Sterbe- oder Wittwenkassen, Versicherungs- anstalten errichtet, welche bestimmt sind, gegen Zahlung eines Einkaufsgeldes oder gegen Leistung von Geldbeiträgen beim Ein- tritt gewisser Bedingungen oder Fristen, Zahlung an Kapital oder Rente zu leisten. Einige Gutsbesitzer waren nun, wie der „Volks-Zeitung" geschrieben wird, vor einiger Zeit angeklagt worden, eine Versicherungsanstalt gegen Viehverlust ohne Genehmi- gung der Staatsbehörde errichtet zu haben. Die Angeklagten erachteten sich nicht für strafbar, da kein Mitglied der Vereinigung einen klagbaren Anspruch habe. Während das Schöffengericht die Angeklagten freisprach, verurtheilte sie die Strafkamnier zu einer Geldstrafe, da es ganz gleichgiltig sei, ob die Angeklagte» einen klagbaren Anspruch auf Entschädigung gegen die Vereinigung haben oder nicht. Gegen diese Entscheidung legten die Ver- urtheilten mit Erfolg Revision beim Kammergericht ei». Sie wurden unter Aufhebung der Vorentscheidung freigesprochen. Nach Ansicht des Kammergerichts gehört zum Begriff der Ver- sicherungsanstalt, daß den Mitgliedern aus den Beiträgen ein klagbarer Siechtsanspruch zustehe. Solche Fachvereine, deren Mitgliedern ei» klagbarer Anspruch nicht zustehe, seien mithin nicht als Versicherungsanstalten zu erachten, welche einer staal- liche» Genehmigung bedürfen. Paris, 30. September.(Eig. Bericht.) Neue Provo» k a t i o n e» in C a r m a u x. Die ruhige, männliche Haltung der Streikenden scheint der Regierung gar nicht zu gefallen und sie sucht darum nach irgend einem Anlaß, um den Streik gewalt- sam niederschlagen zu können. Anders lassen sich die Vorgänge, die sich gegenwärtig in Carmaux abspiele», nicht erkläre». So erschien bei Beginn der gestern Morgen stattgehabten Streik- Versammlung der Spezialkommissär des Tarn- Departements namens Cordel, um die Versammlung unter dem Vorwand auf- zulöse», daß sie keine private sei, da die Anwesenden ohne Ein- ladungskarte» zugelassen wurden. Trotz dieser Provokation ist die Versammlung ruhig auseinander gegangen, nachdem zuvor noch beschlossen wurde, für Nachmittag eine neue Versammlung einzuberufen, zu der sämmtliche Streikende» Einladungskarten erhalle» werden. Da somit die Auflösung die gesuchte Wirkung nicht hervorbrachte, ließ der Kommissär einen der Streikenden, Beli», verhafte», der, als die Versammlung aufgelöst wurde, be- leidigende Worte gegen die Polizei ausgestoßen haben soll. Auch ein anderer Glasarbeiter, Aucouturier, einer der thätigste» und intelligentesten Mitglieder der Glasarbeiter-Gewerkschaft soll, wie ihm gestern angezeigt wurde, gerichtlich verfolgt werden, weil er in einer Versammlung Worte gebraucht haben soll, die gegen die „Freiheit der Arbeit" verstoßen. Aber trotz all dieser provo- kalorischen Vorgänge behalten die Streikenden ihr kaltes Blut, wie dies die nachmiltägige Versammlung gezeigt hat, bei der die dort postirten Polizisten von jedem Eintretenden die Vorzeigung der Einladungskarte? verlangte». I» dieser Versammlung wurde beschlossen, nur unter den alten Arbeitsbedingungen und nur mit allen Kaineradej» die Arbeit wieder aufnehmen zu wollen. Ist aber auch bisher alles ruhig, so kann doch niemand dafür garantire», daß bei ag diesen Provokationen das kalte Blut der Streikenden bis ans Ende vorhalten wird.— Depeschen und letzke Aacheichken« Frankfurt a. M., 1. Oktober.(B. H.) Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Paris tclegraphirt: Der Senator Magnier fuhr heute Vormittag, von seinem Schwager begleitet, bei der Polizeipräfeitur vor, sandte seine Karte an den Chef der Geheim- polizei, verabschiedete sich von seinem Schwager mit den Worten: „Auf baldiges Wiedersehen" und ließ sich von einein Bureaudiener zn dem Chef der Geheimpolizei leiten, der nach Ueberwindung der erste» Verblüffung ihn für verhastet erklärte und ins Verhör nahm. Magnier trug Reiseanzug und 'ah sonnengebräunt aus, als käme er aus einem Seebade, weigerte ich aber, seinen bisherigen Aufenthaltsort anzngebe» und erklärte, er stelle sich freiwillig, um ein Kontumaznrtheil zu vermeiden. München, 1. Oktober.(W. T. B.) Der bayerische Militär-Etat für 1895/96 weist bei einer Etatsstärke von 66 205 Mann an fortdauernden Ausgaben 52 916 125 M.. an ein- maligen 6596997 M., an Pensionen 6873 244 M. auf; der Gesa», mt- betrag ist um 4 232 702 M. geringer als im Etat für 1894/95. Zur Durchführung des Dienstaltersstnsen- Systems für höhere Militärbeamte sind jährlich 27 350 M. in den Etat eingestellt, ur Errichtung eines Meldereiter- Dctachemenls sind 110 Pferde eingestellt, ferner auch verschiedene Kasernenbaute». Brüx, 1. Oktober.(W. T. B.) Bei de», hiesigen Bürger- rneisteraml sind insgesammt 66 Häuser als durch die Schwimm- and-Katastrophe beschädigt angemeldet worden. 31 Häuser sind als gänzlich zerstört zu betrachte». Lemberg, 1. Oktober.(W. T. B.) Von den 23 Land- t a g s w a h l'e n der Städte und Handelskammern in Galizien sind bisher 22 Resultate bekannt, 9 Abgeordnete sind wieder- gewählt. Krakau wählte zwei Liberale und einen Konservativen. Budapest» 30. September.vöh»lich großen Schneefälle nicht miedergefundeii werden konnten. harrte nun der Dinge, die ihm für diese verhältnißmäßig hohe Suinme Geldes gewährt«Verden sollte». Allgeineine Enttäuschung gab sich kund, als das Essen zur Stelle war. Das Menu be- stand aus nichts als sehr viel Erbsen mit recht«vemg Speck vermischt. Die Speisen in den Berliner Volksküche» habe» ihre große» Mängel; aber«vas die Quantität betrifft, so kann der Zivilist dort dieselbe Portion für 30 Pf. haben, für die der Soldat in Schneidemühl das doppelte zahlen mußte. In Lands- berg a. W.«vurde der Güterzug, der die Reservisten beförderte, dem dort 6 Uhr 35 Minuten Abends abgehenden fahrplanmäßigen Personenzuge angehängt, der 10 Uhr 15 Minute» endlich auf den« Schlesische» Bahnhof in Berlin anlangte. Wer hier Verivandte und gute Freunde hat, kann sich, so«veit die meist kärglichen Mittel derselbe» reichen, für die erste» Tage den, Gefühl der preußischen Zivilistensreiheil hingeben; einen bitteren Wermuthstropfen i» dem Freudenkelch bildet allerdings bei jedem Reservisten die Sorge,«vo Arbeit zu finden ist, deren Verdienst einen« allinälig gestattet, sich wieder als Mensch«lnter Menschen zu fühlen. Was aber auch die nächste Zukunft bri>«gt, das Pflicht- belvußtscin, daß man nunmehr«vieder Soldat iin Heere der um Befreiung kämpfenden Arbeiterschaft geworden, tritt, durch die Macht der ökonomischen Verhältnisse verstärkt, iminer klarer zu tage. Wie zahlreich sind die Fälle, in denen gerade die jetzt üblichen Reden der militärischen Vorgesetzten eine Wirkung üben, die ganz anderer Art-ist, als man es sich in der militärischen Vnreaukratie vorstellen«nag. Die Kindersterblichkeit ist in Berlin in diesem Jahre in den 3 Sominermonate» Juni. Juli, August größer ge- «vesen als in den vorhergehenden Jahren. Kinder unter einen« Jahre starben(»ach den vorläufigen Wochenberichten des„Sta- tistischen Amts") in den 13 Wochen vom 2. Juni— 31. August 1895: 210, 199, 255, 255, 374, 339. 393, 465, 561, 491, 436, 440, 353, zusammen 4376,«vährend iin Juni, Juli, August 1894: 4293, 1893: 4753, 1392: 4153, 1891: 3963 starben. Da bei der Kindersterblichkeit die Sommerinonate von erheblichem Einfluß auf die Zahlen des ganzen Jahres sind, so ist leider zu befürchten, daß daS Jahr 1895 überhaupt ungünstiger ausfallen«vird, als die letzten Jahre, wenigstens als 1394. Kinder unter 1 Jahr starben in« ganzen Jahre 1391: 12 924, 1892: 12140, 1893: 12 609, 1894: 10 641, und 1395 in den ersten 8 Monaten bereits 3240. Unmittelbare Ursache dieser Er- höhung der Kindersterblichkeit ist die, durch die hohen Teinperaturen und die oft schroffen Temperaturivechsel dieses Sommers be- «virkte Zunahme der akuten Darmkrankheiten(vergl. Nr. 223, 1. Beilage), denen voriviegend Kinder«lnter 1 Jahr erliegen. Da hierbei die E r n ä h r u>« g s>v e i s e eine«vichtige Rolle spielt, so darf nian sich nicht wundern, daß unter de» gestorbenen Kindern in den Sommermonaten die mit Thiermilch oder anderen Surrogaten für Muttermilch ernährten besonders zahlreich sind. Die Ernährnngsiveise»var angegeben bei 4250 vo» 4376 gestorbenen Kindern unter 1 Jahr. Von diesen 4250 ivurden ernährt mit Muttermilch 304, Ammeninilch 6, Thiermilch 3397, Milchsurrogat 109, gemischter Nah- rung 410, sonstiger Nahrung 24, also mit Brustmilch im ganzen 310, mit Thiermilch u. s.>v. im ganzen 3940. Von je 1000 ivurden 73 mit Brnstmilch und 927 mit Thiermilch u. s. w. ernährt. Dieser erschreckende Unterschied, der übrigens alle Jahre«viederkehrt, ist nicht etiva nur daraus zu erklären, daß überhaupt nur wenig Kinder mit Brustmilch ernährt ivurden, sodaß diese auch nur in geringer Zahl unter den Gestorbenen vertreten sein könnten. Von allen ain 1. Dezember 1890 in Berlin vorhandenen Kindern unter 1 Jahr «vurde»(nach Ermittelungen bei der letzten Volkszählung) auf je 1000 Kinder 530 mit Brustmilch, 453 mit Thiermilch u. s. w. und 17«nit Brust- und Thiermilch u. s.«v. ernährt. Das Verhältniß dürfte sich seitdem nicht«vesentlich geändert haben. Dann«väre also die Zahl der sogenannten„Päppel- kinder" doch geringer als die der Brustkinder; es starben aber von ihnen im Sonnner 1395 beinahe 13 mal, insbesondere im Juli beinahe 18 mal, in de» heißeste» Wochen sogar über 20 nial soviel als von Brustkindern. Natürlich sind die Gefahren, die sich aus nnziveckmäßiger Ernährung ergeben »nd besonders bei erhöhter Temperatur hervortreten, nicht die einzigen, von denen die Kinder— richtiger: die Proletarier- kinder, oder doch voriviegend diese— bedroht sind; sie sind aber unstreitig die größten,«vie leider jeder Sommer aufs neue beweist. Die koiumuuale Biersteuer- Ordnung der Stadt Spandau muß auf Aniveisung der Aufsichtsbehörde noch einer Revision unterzogen»verde«. Aus dein Reglenient soll die«in- gleiche Behandlung der am Ort gebrauten und der aus anderen Städten eingeführten Biere beseitigt werden. Im stenographischen Bureau des Hauses der Abgeordneten finden voin 4. d. Mts. ab die amtlichen Uebimgen für vor- Uikevttvischc-s. Bilderbuch für große und kleine Kinder. Stuttgart, Verlag von I. H. W. D i e tz. Mit Freuden begrüßte» wir an dieser Stelle vor z>vei Jahren das erste„Bilderbuch für große»md kleine Kinder", das uns der Dietz'sche Verlag bescheerte. Mit Erfolg«var der Versuch gemacht worden, den Kindern des Proletariats ein Buch i» die Hand zu geben, das den Geist anzuregen, Herz und Gemüth zu erfreuen, die Phantasie zu er- ivecken vermochte, ohne den lieben Gott, das herrliche Kriegs- Heer, die beste aller Weltordnungen mit der Großmuth der Fürsten»«nd Reichen und der frommen und fleißigen Demuth der Arbeitenden zu feiern. Freilich«varen nicht gleich beim ersten Schritt alle Schivierigkeilen übenvunde»««nd auch bei dem Bilderbuch von« vorigen Jahr fühlten«vir uns gedrungen bei voller Anerkennung des geleisteten. auf einige Mängel nickt nur äußerlicher Natur hinzuiveisen. Um so erfreuter sind wir, nachdem«vir soeben das dies- jährige Bilderbuch durchmustert haben, unser nneingeschrünktes Lob aussprechen zu können. Die Ausstattung ist von dem Bild des Unifchlages bis zur letzten Seite vortrefflich; die Gesamnitheil der Illustrationen steht hinter dein in der letzten Nuininer des „Wahren Jakob" als Probe veröffentlichte» Bild„Thor erschlägt die Midgarbschlange" in keiner Weise zurück. Der Inhalt ist«vieder äußerst niannigfaltig; nebe» natur- ivissenschastlichen Schildernnge» finden«vir lehrreiche Erzählungen, Märchen, bei denen die steife und kalte Allegorie vermieden ist, ohne Bezüge auf das wirkliche Lebe» vcnnissen zu lassen, Gedichte ernstere» und humoristischen Tones. Besonders hervorheben«vollen «vir, daß der Herausgeber dieses Mal unserer Anregung gefolgt ist. auch ans dem vorhandenen Märchenfchatz zu schöpfen. Wir glauben, daß alle Leser groß und klein namentlich an dein „Hirschgulden" von Hauff ihre Freude haben«verde». Koimten wir schon die beiden ersten Jahrgänge unseren Lesern für den Weihnachtstisch der Kinder«varu« empfehlen, so niöchten«vir «vünscheii, daß das neue Bilderbuch,»venn irgend möglich, nirgends fehlt. Ar. geschrittene Stolze'sche Stenographen statt. Die Theilnahme ist unentgeltlich. Meldungen rverden Freitag, 4. Oktober, vor- mittags von 10 bis 12 Uhr, im stenographischen Bureau, Leipziger- ftrape 75, entgegengenommen. Die Tabbathschiiiidnng im„Volk", die wir in unserer letzten Nummer aufdeckten, wird von �dem Sprachrohr Stöcker's rückhaltlos zugestanden. Das fromme Blatt schreibt: „Weder der Inhaber der Vaterländische» Nerlagsanstalt noch der Geschästslciter der Druckerei hatten Kenntniß davon, daß am Sonntag in der Buchbinderei gearbeitet wurde. Es ist keinem der Arbeiter ein Auftrag ertheilt, noch auch von letzteren eine Erlaubnib zum Arbeite» nachgesucht worden. Die Leute haben ohne Wissen und Willen der Geschästsleitung den Sonntag benutzt, uni sich einen Mehrverdienst zu erwerben. Die Betroffenen sind mit dem betreffenden Schutzmann, ivelchs in Begleitung des Denunzianten erschien, ohne den Inhaber der Vaterländischen Vcrlagsanslalt überhaupt benachrichtigt zu haben, zur Polizei gegangen und haben die vorstehenden Thatsachen zu Protokoll gegeben. Daß zwei Arbeiter in der Stereotypie thätig waren, hat seinen Grund darin, daß dieselben einen Ofen umgesetzt und verschmiert haben, welcher den ganzen Tag gebraucht wird und sich stets in großer Hitze befinden muß, so daß er noch die ganze Wacht heiß bleibt. Es war daher nicht anders möglich, als den Sonntag zu der Arbeit zu benutzen. Diese Arbeit kommt alle Vierteljahre einmal vor und kann dies in allen Druckereien mit gleicher Einrichtung und gleichem Betriebe nicht anders gemacht werden." Es müssen schon ganz hinterlistige Sozialdemokraten gewesen sein, die sich heimlich die Schlüssel der Geschäftsräume verschafft haben, um ganz hinterrücks am Sonntag für die Vermehrung des Prosits der Vaterländischen Verlagsanstalt zu arbeiten. Die Bosheit dieser Leute verdient eine desto schärfere Verurtheilung, weil sie sich nicht gescheut haben, gerade die frömmsten Verlags artikel der Firma zu verpacken. Ein die Gesetze achtender Unter nehmer wird so von den nach Sonntagsarbeit lüsternen Arbeitern öffentlich blamirt. Armes„Volk"! Der Bau der Berliner Gewerbc-ZsuSstellung ist. wie ein Berichterstatter meldet, in den letzten Wochen riesig gefördert »norden, so daß zu hoffen steht, daß die Arbeiten im Winter nur eine geringe Störung erfahren werden. Das Hauptgebäude ist bereits soweit fertig gestellt, daß mit dem Legen des Fußbodens begonnen»Verden konnte. Hierzu»vird Zement genommen, »velcher in einer Lage von 10 Zentimeter Höhe eine gewaltige Traglraft besitzt. Mittels einer Schablonenwalze»vird dem Zement- Fußboden ein recht gefälliges Ansehen gegeben. Die Montiruug des riesigen Haupteinganges dürfte noch in» Laufe dieser Woche beendet»verde»»,»vährend die Fertigstellung der mit Ziegel gelegten Wandelhalle noch einige Zeit beanspruchen dürfte. Am nördlichen Ende des bereits aus- gebaggerten großen Sees in der Gewerbe-Ausstellung»vird ein riesiges Terrassen-Nestaurant errichtet, welches bei einer Front von 150 Metern sich am Ufer entlang entzieht und 5000 Personen Platz gewahrt. Auch die Arbeiten in AU-Berlin nehmen ihren regen Fortgang; ganze Straßeuznge sind bereits hergestellt und auch hier sind die Baute» soweit vorgeschritten, daß neben den Zimmerlenteu Dachdecker und Klempner bereits in reger Thätigkeit sind. Das massive Gebäude des Theaters Alt> Berlin «.k'® zur Bühnenhöhe; bei günstiger Witterung durste das Theater, dessen Baulichkeiten eine Höhe von achtzehn Metern erreichen soll, bis Ende des JahreS»m Nohban fertig- gestellt sein.— Auf der großen Wiese an der Treptower Chaussee sind die Ausschachtungen für die Marinc-AnSstellung in Angriff genommen. Es werden hier große Wasserbassins geschaffen, in welchen die Ausstellungsobjekte,»vie Schiffsmodelle untergebracht»Verden. Der Bau sür Gruppe Chemie ist noch recht»veit zurück. Der Eingang zu diesem Gebäude wird von 40 Meter hohen Aussichts thürmen flankirt, von»velchen aus der Bcsilcher einen ent- zuckenden Fernblick über die Spree und den größten Theil der Ausstellung gewinnen wird. Die große» Fischbassins im Fischerei- gebaude,»velches aus Holz gezimmert schon zur Dachhöhe gediehen. sind in der Ausschachtung fertiggestellt. Die Slbtheilung „Sport und Spiel" findet in den Flankenhäusern des Fischerei- gebäudes Unterkunft. In der Nähe des letzleren»vird jetzt der Bau für die Ausstellung des Magistrates hochgeftthrt. Das fest gc- zimmerte Gebäude erhält eine Länge von 00 und eine Höhe von 12 Meter», der Eingang dazu»vird durch eine riesige Kuppel Lskront. Die Aulagen der Gärtnerei-Ausstellung sind, soweit die Pflanzen eine Ueberwinternng vertragen, bereits beendet. Die kärgliche Entlohnniig der Arbeiter an den Bauten der Gewerbe-Ausstellung, die Behandlnng, die ihnen dort vielfach zu theil wird, überhaupt das echt kapitalistische Gepräge, das den Ausstellungsarbeiten ganz besonders anhaftet, das bildet bekanni- lich ei» Kapitel,»velches auf einem anderen Blatte steht und leider wohl noch recht oft im„Vorwärts" ausgeschlagen »verden muß. Der Zustand des Bahnsteigs a»f den» Bahnhof Wedding giebt dem Publikuui noch immer Anlaß zu heftigen Klage» über die Rücksichtslosigkeit der Bahnverivaltung gegen die Fahrgäste. Obgleich die genannte Station eine der ver- k-hrsreichsten der ganzen Stadt-lliingbahn ist. hält die Eisenbahn- Verwaltung es sortgesetzt nicht für nöthig, den Bahnsteig mit einer lleberdachnng zu versehe», so daß bei schlechtem Wetter fast säunntliche Fahrgäste beim Warten auf die Züge alle» Unbilden der Witterung schutzlos preisgegeben sind. Es befinden sich auf dem ganzen Bahnsteig lediglich zivei kleine Schutzbuden, die kaum sür ein paar Dutzend Fahrgäste ausreichen, während sich in den Hauptverkehrsstunden ,md nicht zum mindesten auch des Sonntags. die Zahl derselben gewöhnlich auf hunderte beläuft. Nicht aufgeklärt sind zwei Selbstmordversuche, die am Montag verübt wurde». Ilm ö'/e Uhr nachmittags fand nlan de» LLjährigen Dl-, weck. Wilhelm Z. in seiner Wohnung in der Dresdenerstraße in einem bedenkliche» Zustande auf, sodaß er »vit einem Wagen in ein Krankenhaus gebracht werden inußte. Hier stellte sich heraus, daß der Mann an einer Morphium- Vergiftung litt. Ter zweite Fall betrifft den 5Sjährigen Kaufmann Louis v. B., der aus Neu-Slrelitz stainint und mit seiner Familie hier in der Berginaniisiraße wohnt, v. B. schoß sich abends uu» lO3/* Uhr auf dem Hausflur ans einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe und wurde sehr schwer verletzt und bewußtlos in ein Krankenbaus gebracht. Beide Lebens- müde waren heute Vormittag noch a», Lebe». Was sie zu ihrem Schritte veranlaßt hat, war nicht zu ermitteln. Zn der Rixdorfer Blutthat, der am Sonnabend Abend der 38jährige Arbeiter August Woldeck zum Opfer gefallen ist, wird gemeldet, daß es der Kriminalpolizei gestern gelungen ist, vier Personen zu ermitlel» und zur Hast zu bringen, die dringend verdächtig erscheinen, sich a» der nächtlichen Schlägerei am Maybach-User betheiligt zu haben. Die Verhafteten ge- hören in der Mehrzahl der Klasse des arbeitsscheuen Gesindels an, da?, ,vie auch der erstochene Woldeck, ivährend der wärmere» Jahreszeit in der öden Gegend des Lohmühleuweges zu nächtigen pflegt. BerschUinnden ist seit etwa 10 Tagen die 20jährige Anna Gehricke, die Tochter eines in der Oranienburgerstrabe ivohnenden Handeleinannes; das geistig etwas beschränkte Mädchen unter- hielt ein Liebesverhällni'ß mit einem Verwandten und da auch der letztere seit dieser Zeit von seinen Angehörigen nicht mehr gesehen worden ist, so wird angenommen, daß es sich hier um eine Entführung handelt. Erstickt ist am Montag Vormittag der Ve Jahre alte Knabe Arthur Krause, Sohn eines Kistenmachersl Der Kleine litt an Stickhusten, doch hielt man die Krankheil nicht für so schlimm, daß man es sür geboten erachtet hätte, einen Arzt zu Rathe zu ziehen. Gestern Vormittag verließ die Mutter auf einen Augen blick das Zimmer und ließ das Kind allein im Bette zurück. Als sie»viederkam,»var der Knabe todt. Er hatte»vahrscheinlich einen Hustenanfall bekommen und sich nicht helfen können. Ein Arzt, der herbeigerufen wurde, konnte nur den Tod feststellen. Ans Schwer»n»th hat sich die KS jährige Frau des Schuh> machers Sp. ans der Scharnihorststraße am Sonntag das Leben genommen. Gegen 11 Uhr vormittags ging die Frau im Auf- trage ihres Mannes auf den Dachboden des Seilenflügels. Ab sie lange ausblieb, begab sich der Manu hiiiauf. um nach ihr zu scheu, und fand sie erhängt und bereits todt ans. Gefundc»» wurde. am Sonntag Abend vor einem Hanse der Culmstraße eine Wanduhr mit rundem Gehäuse. Vermuthlich ist die Uhr bei einem kurz vorher nach oder aus dem betreffenden Hanse stattgehabte» Wohnungswechsel vergesse» worden. Wer sich über sein Eigciithuinsrecht bezüglich der Uhr ausweisen kann, erhält dieselbe zurück beim Finder Otto Freund, Schöneberg, Momimenteiistr. 2 1 Tr. Polizeibericht. Am 30. v. M. vormittags gerieth in der Hochstraße ein vierjähriger Knabe unter die Räder eines Ge- schäftswagens und erlitt anscheinend schivere innere Ver- letzungen.— In der Preiizlauerstraßs gerieth mittags ein Kutscher beim Abladen eines schweren Fasses mit dem Arm unter dasselbe und»vnrde schwer verletzt.— Abends sprang eine Frau aus einem Fenster ihrer im vierten Stock eines Hauses am Kotlbuser User belegenen Wohnung ans den Bnrgersleig hinab und fand bald daraus den Tod.— An der Ecke der Parochial- und Klosterstraße wurde ein Arbeiter durch eine» Nollwage» überfahre» und an der Brust sowie i»nerlich schwer verletzt.— Ans dem Flur eines Haufes i» der Berginannstraße versuchte ein Mann sich zn erschießen und verletzte sich schwer am Kopfe.— Im Laufe des Tages sanden vier unbedeutende Brände statt. WitteruiigSiibep ficht vom 1. Oktober 1895. Wetter-Prognose für Mittwoch, den L.Oktober 1895. Mildes Wetter mit mäßige» südlichen Winden und zu- nehmender Bewölkung; nachher etwas Regen. Berliner W e t t e r b u r e a U, GevuMs-iBeitttNig. Der große Faßdiebstahl- Prozest, der die Br.iuerkreise schon seil langer Zeit in Athem erhält, gelangte gestern vor der 4. Straskammer hiesigen Landgerichts I im große» Sehwiir- gerichts-Saale zur Verhandlung. Die Anklage richtet sich gegen tl Personen: 1. de» Kutscher Karl Kessel, 2. de» Arbeiter Otto Bär, 3. den Vorkosthändler Friedrich P o l e» s k y, 4. den Biervcrleger Ferdinand K l e m m stein. 5. den Böltchermeistcr Hermaini Gaiiernack, 6. den Fuhr- Herrn und Händler Wilhelm H e n s e l, 7. den Böttcher- ineister Hermann D arisch, 8. de» Böttcher Wilhelm Kn orr, 0. den Kaufmai»» Max Cn»o Nöthig, 10. den Brauerei- be sitzer Karl Eduard Hugo Lehmann, 11. den Brauereibesitzer Eugen L e iv i».— Gegen zwei»veiter in die Anklage ursprünglich venvickclt gewesene Bierkutscher ist das Berfahrci» eingestellt, einer ist nicht crinittelt worden. Die Anklage lautet auf Diebstahl, Untersehlagiliig und schwere Hehlerei; des letzteren Verbrechens sind die Angeklagte» Gallernack, Hensel, Dartsch, Knorr, Nöthig und Lewi» beschuldigt.— T en Vorsitz führt Landgericht?- Direktor D e n s o, die Anklage vertritt Slaatsarnvalt Fiedler, die Vcrtheidiguiig führen die Nechteanivälte Dr. Jvers, Hugo Sachs. Dr. S ch»v i n d t, P i n e»» s I und die Referendare Thiel. Walger und Dr. Schlesinger.— Nach de» polizeilichen Ermittelungen sind in den letzten Jahren bei de» Berliner und de» in Berlin vertretenen auswärtige» Brauereien zahllose Fässer abhanden gekommen. Es sollen in den letzten zwei Jahren 10 Berliner Brauereien ins- gesammt annähernd 20 000 Fässer in» Werthe von etwa 105 000 Mark gestohlen worden sein, darnuter 3110 E äffer der Böhoiv'schen und 7800 Fässer der Vereinsbrauerei. s sollen naineiitlich die nen angeschafften Gesäße abhanden ge- kommen sein. Die Bierbrauereien verkaufen gewöhnlich keine Fässer, nur sehr vereinzelt»vird unbrauchbares Material verkauft, eine Anzahl von Fässern kommt»vohl auch durch den Gerichts- Vollzieher zur Versteigerung, im»veseiulichen kann aber das Ver- schwinden einer so riesigen Zahl von Fässern nur auf Diebstahl n»d Unterschlagung zurückgeführt»verde». Die Anklage behauptet, daß vielfach Böttcher und ähnliche Leute, mit einein Karren umherfahrend, kleinere Restaurateure, Grün- krainhändler»c. veranlaßten, die ihnen von den Brauereien leih- iveise überlassenen Gefäße zn unterschlage» und zu verkaufen. Diese sollen für wenige Groschen abgelassen und von den Böltcher» dann an die Brauerei Weißenburg, deren Mitinhaber der Angekl. Lewin ist, ferner an die Brauerei des Angekl. Lehmann, oder a» die Firma Engelke, Buchhold u. Komp., deren Milinhaber der Angekl. Nöthig ist, weiter gegeben worden sein. Eine Anzahl von Fässern soll auch von Höfen, Ivo sie unbewacht ge- standen haben, gestohlen worden sein, wieder andere sind den jeweiligen Besitzern abgeschwindelt worden, indem Bmfahrer»c. vorgaben, von einer bestimmten Brauerei zum Abholen geschickt worden zu sein und auf diese Weise die Fässer ausgeantworlet erhielten. Die angeklagten Diebe, die im allgemeinen geständig sind, kommen bei dieser Strafsache weniger in den Vordergrund, als die Hehler. Gauernack ist schon wiederholt, darnuter auch mit Zuchthans, vorbestraft. Er hat nach den Ermitlelmigen des Kriminalkoinmissars Kühne, der die Recherchen leitete, die von Kessel u. Bär gestohlenen Fässer zu sehr billigen Preisen gekauft und an die Angeklagten Lehmaiui lind Nöthig weiter verkauft. Er soll einen sehr nnisangreichen Bierfaßhandel betrieben und in eincil» Zeitraum von ß/-i Jahren allein bei der Firma Engelke, Buchold u. Ko. 473 alte Bierfässer abgesetzt haben.— Bei den» Angeklagten Hensel ind am 7. März dieses Jahres 27 Fässer, welche die Firmen verschiedener Brauereien trugen, gerade in dem Augenblick mit Beschlag belegt, als sie zu dem Angeklagte» Rölhig geschafft iverden sollten. Nach den Geschäftsbüchern des letzteren hat Hensel der Firma Engelke. Buchold u. Co. in» Laufe der Zeit 51 1 alte Fäfler verkauft. Auch mit dem Auge- klagten Dartsch soll er in Verbindung gestanden haben. Letzterer hat nach den Ermittelungen der Anklagebehörde innerhalb acht Monaten an die Firma Engelke zc. 231 alte Fässer geliefert.— Der Angekl. Böttcher Kn orr hat i» größerei» Umfange niil Bicr- ässeni gehandelt und derFirma Engelke allein 754 alte Bierfässer ge- iesert.— Der Angekl. R ö t h i g ist Mitinhaber der Firma Engelle, Buchhold u. Ko., Fabrik ätherischer Oele, Essenzen, Koulenren, Fruchtprefserei und Jmporkgeschäst von Rum, Arac und Kognak. Er hat daneben in seinen Geschäftsräumen einen umsangrcichen Handel mit alten Bierfässern betrieben. In der Zeit von 1883 bis 1895 hat er annähernd 3000 solcher Fässer angekauft und die Anklagebehörde behauptet, daß Hauptlieferanten gewerbsmäßige Hehler und Diebe gewesen seien.— Der angeklagte Brauereibesitzer Lehma»» soll sich außer der gewerbsmäßigen Hehlerei auch einer Unterschlagung schuldig gemacht haben. Er hat bis Ende 1894 Bier aus der Aktienbrauerei„Union" in Hof bezogen und soll derselben die Rückgabe von 32 leeren Bierfässern widerrechtlich vorenthalten»nid sie erst herausgegeben haben, als»nit dem Staatsanwalt gedroht wurde. Bezüglich der Hehlerei wird be« hanptet, daß er eine zeitlang vier Böttcher damit beschäftigt habe, die von ihm anfgekansten alten Fässer ihrer Herkunft nach unkenntlich zu machen. Bei einer im März bei ihm vorgenommenen Beschlagnahme fand man 86 Fässer vor, welche Eigenthum von 33 verschiedenen Brauereien waren. Dabei soll nur ein Theil der gesuchten Fässer vorgezeigt worden sein.— Auch der Angeklagte L ewin soll zahlreiche Fässer zu sehr billigen Picisen aufgekauft und zeitweise 4 Böttcher damit beschäftigt baben, die alten Brauereizeichen zu entfernen. Diese Böttcher sollen pro Tag 50 Fässer auf neu gearbeitet haben.— Die Zahl der ge- ladeiie» Zeugen beträgt 85, auch mehrere Sachverständige wohnen der Verhandlung bei, welche zwei Sitzuiigstage aussülle» wird. Tie Beweisaufnahme gestaltete sich ziemlich eintönig. Eine ganze Anzahl von Zeugen bekundeten, daß hier in Berlin auch ei» ganz legaler Handel mit alten Biersässern in bedeutendem Umfange be- trieben»vird. Selbst von Brauereien sind»ach dem Zengniß mehrerer Zeugen ramponirte Bierfässer zu ganz billigen Preisen verkauft worden. Der Angeklagte Nöthig behauptet auch, einen durchaus legalen Faßhandel betrieben zu haben. Er giebt zu, daß dieser Handel einen großen Umfang gehabt und daß er auch angeordnet habe, die Signaturen auf den Fässern auskratzen zu lassen. Letzteres könne aber keineswegs auffallen, denn er habe die Fässer fast ausschließlich an auswärtige Brauereien verkauft und sie mußlei, ohne Signaturen geliefert werde». Er habe keinerlei Kenntniß davon gehabt, daß dieFässer auf unredliche Weise in denBesitz der Verkäufer gekommen seien. Ein auf demselben Hofe mit deinAiigeklagten Rölhig wohnender Zeuge Theten bekundete, daß ihm das Treiben des Angeklagten sehr aufgefallen sei. Es seien fortgesetzt Fässer mit Firme» auf den Hof gekonunen und ohne Firmeustempel wieder herausgegangen. Die Fässer seien oft abends erst geliefert worden, anch in Säcken seien solche angekommen. Nach dem Zengniß des Krinlinalkoinmiffars Kühne ist das Treiben des Angeklagten längere Zeit durch die Polizei beobachtet worden, es ist auch ausfällig, daß einer der Lieferanten des Angeklagte», der bei diesem Fässer abladen wollte, sofort davon fuhr, als er hörte, daß Polizei an Ort uud Stelle sei.— Brauereidirektor Happoldt, als Vorutzender des Vereins der Brauereien Berlins und Ilmgegend, hat die Ver- folgung dieser Angelegenheit in der Hand gehabt. Er bekundet, daß es den Berliner Brauereien schon seit einer Reihe von Jahren ungehener aufgefallen sei, daß fle Jahr für Jahr so viele»eue Fässer anschaffen müssen, ohne daß sich der Konsuln gehoben hätte. Tie Brauereien seien schon längst davon überzeugt, daß sie in unerhörter Weise bcstohien iverden und als sie hörten, daß vo» dein Angeklagten Nöthig in der Neuen Promenade ein sehr umfangreicher Handel mit Fässern betrieben werde, sei der Beschluß gesaßt worden, diesem auf die Finger zu sehe». Es seien zumeist ziemlich»eue Fässer, die abhanden kommen, die Fässer seien mindestens dreimal so viel werth, ivie die als Hehler beschuldigten Angeklagten dafür bezahlt haben. Nach seiner Ansicht seien alle die hier in Frage komrne»- den Fässer Berliner Fabrikat.— Dem gegenüber machen die Vertheidiger daraus aufmerksam, daß doch auch reichliche Ge- legenheit gegeben sei, solche alte» Fässer auf redliche Weise zu erwerbe»: Zahlreiche kleinere Brauereien gehen alljährlich ei», alle Nummern der Brmierzeitlingen enthalten zahlreiche Verkaufs- offcrten, in den Ankündigungen der Gerichtsvollzieher spielen Fässer eine Rolle u. f. w. Dir. Happoldt bleibt aber dabei, daß auf diese», legalen Wege keineswegs eine so große Zahl von Fässern in den Handel gebracht werden könne. Weiter führte die Vertheidiguiig eine Anzahl früherer Angesteliicr des Angeklagten Rölhig und andere Zeuge» vor, um zu beweisen, daß dieser den Handel mit Bierfässern keinesivcgs heinilich, sondern ganz frei und offen betriebe» habe und daß auch das sogen.„Frisiren" der Fässer, welches gang und gäbe sei, nicht im Geheimeii vorgenoinmeii worden sei.— Der Großdestillateur Max Schultz bekuudete, daß auch bei den Großdestillateuren hänfigvon Faßhändkern Fässer augebotcn und auch ohne großes Bedenken zur Verivendmig für Essig und Kouleur gekaust werden. Tie Preise seien sehr billig, es seien aber auch ii»mer stark gebrauchte Fässer. D/s Beseitigen der Signaturen sei nicht auffc.llig, sondern nothwendig.— Brauereidirektor Gregory gab auf Befragen zu, daß er selbst auch schon, lte Bierfässer angekaust habe, jedoch nur zu dem Zwecke, die Hflndler keiinen zu lernen. Ma» jage den Faßdieben schon seit einigen Jahren nach. Ter Sachverständige le B r e t bestätigte dem R.-A. Dr. Jvers, daß in der Destillateurbranche es nicht als unfair angesehen wird, alle Bierfässer zn kaufen, auch wenn die Firma ausgekratzt ist. Ein als Sachverständiger vernoinmener Kaufmann Nu t hm an n erklärte, daß hier in Berlin ein kolossaler Faß» Handel an der Tagesordnung sei und es gar keinen Verdacht zn erregen brauche,»venu man hier billig Fässer auskaufen könne. — Der Angeklagte Brauereibesitzer Lehmann bestritt ent- schieden, der Brauerei„11 n i o n" zu Hof Fässer unterschlagen zn habe»; vielmehr handle es sich dabei nur um eine streitige Rechtsfrage. Was die Hehlerei betrifft, so»verde diese ganz künstlich gegen ihn konstruirt. Cr habe ein junges Geschäft, weiches einen Werth vo» 1 300 000 M. darstelle. Zur Zeit des Boykotts sei er zuerst dem Vereine der Brauereibesitzer beigetreten ge- ivesen, mit demselben Augenblick sei sein Geschäft riesig zurück- gegangen, so daß er ans dem Vereine austrat. Sofort habe sich sein Absatz dermaßen gehoben, daß er in Faßnolh ge- ricth, zumal sein Lieferant ihn nach seinei» Ans- tritt ans dem Verein im Stich gelassen habe. Er habe dann überall in Berlin nach Fässern herumgefragt und solche auf- gekauft, wo es ihm möglich war. Auf diese Weise sei er auch mit den Mitangeklagte» Faßhändlern in Verbindung gekonunen. Er fühle sich frei von jeder unredlichen Handlungsweise. Einige frühere Angestellte dieses Angeklagten, die vo» diesem entlast'en worden sind, bekundeten niancherlei Thatsachen, die ihn verdächlig »lachen konnten, aiidereAngestellte und die Vertheidiguiig bekämpften aber die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen und stelllen diese That- fache» als ganz unverfänglich hin.— Schließlich bestritr auch der Angeklagte L c iv i u mit aller Entschiedenheit jede Schuld. Er besorge zumeist die Geschästsreiseu, bekümmere sich nm die technischen Angelegenheiten sehr wenig, müsse aber doch bestreiten, daß seine Fässer von hiesigen Händlern gekauft seien. Er habe sie von außerhalb viel billiger bezogen und mit keinem der An- geklagten in Verbindung gestanden. Die gegen ihn aufgebotenen Belastiingszcngen entlastete» ihn zniiieist.— Nm 6'/« Uvr wurden die weiteren Verhandlungen ans Donnerstag Mittag 12 Uhr vertagt. Ei» Wnchcrprozest. Die dritte Strafkammer deZ Landgerichts I halte sich sesteru in längerer Sitzung uiit einem Wucherprozesse zu beschäftigen. Die Hauptaiigellagte», die Maler Noack'schen Eheleute, haben die Flucht ergriffe», sie solle» Anierika erreicht haben. So konnte nur der Kaufmann N. Cröner zur Verantwortung gezogen»verden, der beschuldigt war, mit den Flüchtigen gemeinsames Spiel gclrieben zu habe». Gegen die Noack'schen Eheleute käme»» böse Tinge zur Sprache. Sie hatten sich durch Zeituiigs-Aiuioncen als Geldgeber«»»• gebole», ohne selbst irgend welche Mittel zu besitzen. Die sich Meldenden mußten für Unkosten zunächst kleinere Opfer bringen und sodann Wechsel ausstelle». In den meisten Fällen erhielten Fe kein Geld darauf, sondern die Noack'schen Eheleute venvertheten die Wechsel für sich. Kam es aber dann zur Diskontirung eines Wechsels, so mußten die Geldbedürftigen ungeheuere Opfer bringen. In einigen Fällen soll zur Bedingung gemacht worden sein, daß die Geldsucher sich vorher in eine Lebeusversicherungs- Gesellschaft ausnehmen lassen sollten, damit im Falle ihres Ablebens Sicherheit vorhanden sei. Es wurde ihnen der Angeklagte Cröner empfohlen, welcher Vertreter eines der- artigen Instituts war und durch Abschluß der Vcr- träge Gewinn erzielte. Er soll dann die Versicherten bewogen haben, ihm für den Betrag der Jahresprnmie Wechsel auszustellen und dann erst soll er seine Hand dazu geboten haben, die Darlehne gegen hohe Zinsen zu ge- währen. Der Angeklagte, der vom Rechtsanwalt Wronker ver- tbeidigt wurde, bestritt mit Entschiedenheit, daß er von dem Treiben der Noack'schen Eheleute Kenntniß gehabt habe und durch die umfangreiche Beweisaufnahme konnte ihm ein Verschulden auch nicht nachgewiesen werden, denn das Urtheil lautete aus Freisprechung. Eine widerwärtige Strasieuszeue gelangte heute vor dem Schöffengerichte zur Erörterung. Der Chinese Hsüeh Ehen ging am Nachmittage des IS. Juli in Nationaltrachl durch die Lüne- burgerstraße. Es begegneten ihm zwei Männer, die sogenannten „Arbeiter* Wilhelm B o r ck und Karl R o g g e, welche in ihrem angetrunkene» Zustande beschlossen, den harmlosen Ausländer zum Gegenstand ihrer Skandalsucht zu machen. Im Vorbei- gehen rempelte» sie den Chinesen nnt solcher Wucht an, daß dieser vom Bürgcrsteig auf den Straßen- dämm fiel. Die empörten Augenzeugen nahmen sich des Chinesen an und veranlaßten die Festnahme der beiden Un- holde. Im gestrigen Termine diente der Kandidat der Rechte Besscrt-Nettelbeck als Dolmetscher, da der Chinese des Deutschen nicht mächtig ist. Der Gerichtshos war der Ansicht, daß das Verhalten der beiden Angeklagten eine um so strengere Sühne verdiene, da die Ausschreitung einem Ausländer gegenüber be- gangen sei, der eines besonderen Schutzes bedürfe. Das Urtheil lautete auf je vier Wochen Hast, „Bruder Heinrich" soll morgen vor den Geschworeneu stehen— heute stand vor dem hiesigen Schöffengericht Termin in einer Privat-Beleidignngsklage des bekannten Herrn M e l l a g e wider den verantwortlichen Redakteur der„Germania" Herrn Ritter an. Der Kläger war durch Rechtsanwalt Morris, der Beklagte durch Rechtsanwalt Meißner vertreten. Es handelt sich um einen am 3. Juli in der„Germania" erschienenen Artikel„Thümmel und Mellage", der schwere Be- leidigungen des Klägers enthält. Er wird darin als Lügner und als Mann von vollendeter Charakterlosigkeit hingestellt, der in der„Volkszeilung" eine„freche" Erklärung gegen den Bischof von Aberdeen erlassen und dabei die Unwahrheil gesagt habe. Es wurde behauptet, daß die Mellage'sche Broschüre zum theil von dem Pastor Thümmel versaßt sei, daß dieser vieles hinein- geschrieben, was Mellage für„eigene Gedanken" ausgegeben rc. — Der Angeklagte beantragte, den Termin zu vertagen und ihm Gelegenheit zu geben, den Beweis der Wahrheit für die in dem Artikel aufgestellten Behauptungen zu führen. Er wolle beweisen, daß Mellage nur das Rohmaterial für die Broschüre geliefert, im übrigen aber Thümmel und der Oberlehrer a. D. Clausing mit gearbeitet haben, daß Mellage die Kosten des Prozesses durch den Evangelischen Bund und die Freimauerlogen ersetzt seien, daß Mellage als Vortragender über die Mariaberger Vorgänge von Stadt zu Stadt ziehe und gute Geschäfte damit mache, daß er zu vielen taufenden Postkarten mit Karrikatureu vertreibe rc. — Rechtsanwalt Morris erklärte namens des Klägers alle diese Behauptungen für erfunden, um die Sache bis nach Eni- scheidung des Reichsgerichts über den Aachener Prozeß zu ver- schleppen. Auf seinen Antrag wurde dem Beklagten aufgegeben, seine zahlreichen Veweisanträge binnen 10 Tagen dem Gerichte schristlich einzureichen. Der Termin wurde verlagt. Wege» Hcrausfordernilg zum Zweikampfe mit tödt- licheu Waffen gegen den frühere» Landrath v. Diest-Daber ist Dr. G-korg v. Bleichröder gestern von der Stettiner Strafkammer zu psiem Tag Festungshaft verurtheill worden. Die Forderung ivgr wegen Beleidigung des verstorbenen Vaters des Verurtheilten ergangen. Die Strafe wird aber wirken. Ter Mörder Sobezh? aus Neudorf-Tworog hatte sich am Montag vor den Geschworenen in Beuthen O.-S. wegen drei- fachen Mordes zu verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, am 30. Januar d. I. den Gendarm Fieber und den Heger Broll, om 30. März den Häusler Ksienzik aus Neudorf meuchlings niedergeschossen zu haben. Zu der Verhandlung sind 30 Zeugen und 5 Sachverständige geladen. Sobczyk ist 42 Jahre alt. 1380 wurde er wegen Wilderns mit einem Jahr Gefängniß bestraft, 1383 wegen Körperverletzung mit LV« Jahren Gefängniß, 1834 wegen versuchten Verbrechens wider das Leben mit 6 Jahren Zuchthaus. Außerdem ist bei dem Landgcricht Gleiwitz gegen ihn eine Untersuchung wegen unberechtigten Jagens und Widerstand gegen Forslbeamte und versuchten Verbrechens wider das Leben eingeleiletet worden. Wegen des letzteren Deliktes wurde Sobczyk steckbrieflich verfolgt, es war ihm aber bis zum 30. Januar 1335 gelungen, sich seiner Verhaftung trotz der angestrengtesten Thätigkeit der Gendarmerie zu entziehen. Am Sonntag, den 30. Januar abends, hörte der Amtsvorsteher von Tworog-Neudorf, Sobczyk sei zu Hause bei seiner Frau. Taraushin begaben sich ein Amtsdiener, der Wald- büter Broll und der Gendarm Fieber nach dem Hause des Wilderers. Unglücklicherweise halte jeder der Genannten eine brennende Laterne bei sich. Sie umstellten die Ausgänge, klopften und befahlen dem Sobczyk, zu öffnen. Kaum hatten sie einige Minuten dagestanden, da krachte im Innern des Haufes ein Schuß und der Waldhüter brach mit einem lauten Aufschrei tvdtlich in die Brust getroffen zusammen. Ter Gendarm Fieber riß nun sein Gewehr von der Schuller und feuerte in der Richtung, von der der Schuß gekommen war. Sobczyk blieb je- doch unverletzt und richtete sofort einen Schuß auf den Gendarm Fieber, der eine starke Schrotladung in die Brust erhielt und so- fort starb. Jetzt endlich warf der Amtsdiener, der keine Schuß- waffe bei sich trug, die Laterne aus der Hand und ergriff die Flucht. Der Wilddieb sandte ihm noch fünf Schüsse nach, konnte ihn aber in der Dunkelheit nicht sehen. Als nun Alarm im Dorfe geschlagen wurde und das Haus von beherzten Männern förmlich gestürmt wurde, war Sobczyk unter Mitnahme seiner Bückise verschwunden. Man konnte keine Spur entdecken, ivohin der Verbrecher entflohen fein konnte. Der Gendarm Fieber hinterließ Frau und neun Kinder. Der Heger Broll ist seinen tvdtlichen Verletzungen erst am 19. März erlegen. Er hinterließ eine Frau nnd fünf kleine ikinder. Das dritte Opfer Eobczyks war der Wirth Ksienzik in Tworog- Neudorf. Dieser traf am 30. März Sobczyk im Brynneker Walde. In Ksienziks Begleitung befanden sich vier Zuckerarbeitcr, von denen indeß keiner wagte, dem Mörder, auf dessen Ergreifung schon damals 1300 M. Belohnung ausgesetzt waren, zu Leibe zu gehen. Unbekümmert um ihre Anwesenheit lud dieser die Flinte und verletzte Ksienzik, dem er wegen eiucr früheren Denunziation Rache geschworen hatte, durch einen Schuß in den Arm. Die Furcht der Begleiter Ksicnzik's vor Sobczyk war so groß, daß dieser Zeit fand, die Flinte nochmals zu laden und einen zweiten Schuß abzufeuern, welcher Ksienzik in den Unterleib traf und iödtlich verwundete. Es gelang dem Mörder alsdann, unbehelligt sich in den Wald zu flüchten. Allmälig spann sich ein ganzer Sagenkreis um die Person Sobczyks, man wollte ihn da nnd dort gesehen haben, man schob ihm allerlei Thaten und Aeußerungen zu. Mit vielen Personen hat Sobczyk während der ganzen Zeit der Sobczyksuche ge- sprochen, noch mehr haben ihn häufig gesehen. Es kam hinzu, daß manche die Sobczykangst sich zu Nutze machten. Eine Fluch von Drohbriefen ergoß sich über unbeliebte Aiiitsvorsteher, strenge Förster und Gendarmen des Kreises Gleiivitz. Es wurde in diesem Frühjahr eine Abtheilung des fchlesischcn Jägerbataillons in jene Gegend gesandt, um die Wälder nach dem Mörder ab- z»suchen. Die Gendarmerie des Kreises wurde verstärkt und jeder Forstbeamte erhielt Hilfssörster. Alles war umsonst. Die Prämie auf den Kops Sobcyks wurde auf 5000 M. erhöht. Aber erst in der Nacht zum 10. Juli gelang es dem Heildiener Rümpel in Tworog, Sobczyk zu fangen. Die Umstände, unter denen dies geschah, dürften unser» Lesern noch im Ge- dächtniß sein. Nach zweitägiger Verhandlung wurde der Wilderer am Dienstag wegen Mordes, begangen an seinem Hauswirth Ksienzyk zum Tode nnd wegen Todtschlages, begangen an dem Gendarmen Fieber und an dem Waldheger Broll zu 15 Jahren Zuchthaus sowie zu 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Soziale Die„Sparsamkeit" der Bcrufsgeuosseuschaftcn in Elitschädigungsfragen ist so sprichwörtlich, daß es Eulen uack) Athen tragen hieße, darüber noch ein Wort zn verlieren. Neuerdings aber hat eine Entscheidung des Reichs- Bersicherungsamts solchen Bernfsgeiiossenschaften, die als besonders„knickerig" be- tainit sind, die Mittel an die Hand gegeben, mit uuver- kenn barer Absicht Unfallverletzten das vorzuenthalten, was sie zu verlangen haben. Jeder Arbeiter, der mit dem Unfall- Versicherungsgesetz einigermaßen vertraut ist, weiß, daß für die Dauer seines Aufenthaltes im Krankeuhanse die Familie Anspruch auf Rente bis zum Höchstbetrage von 00 pCt. seines Jabres- Arbeitsverdienstes hat. Die erwähnte Ent- scheidung sieht nun eine einzige Ausnahme von dieser Regel vor. Sie unterscheidet zwischen Behandlung im Kranken- hause und zivischen Beobachtung des Krankheitszustandcs, z. B. zur Entscheidung streitiger medizinischer Fragen oder zur Feststellung, ob ein Gehiruleiben in ursächliäiem Zusammenhang mit dem erlittenen Unfall steht. Für die Zeit dieser Beobachlnng haben nicht die Angehörigen eine Rente zu beziehen, sondern der Verletzte für seine eigene Person, und zwar entweder die Vollrente oder, falls er schon vorher eine Rente bezogen hat, diese weiter. Im letzteren Falle wählen nun einige Berussgenossenschaften das„billigste". Hat der Ver- letzte beispielsweise 50 pCt. der Vollrente bezogen und ist nur die Ehefrau vorhanden, die sonst 20 pCt. des Jahres-Arbeits- Verdienstes zu beanspruchen haben würde, so gewähren sie eben diese 2V pCt. und berufen sich im Bescheide auf das Gesetz! Sind aber Ehefrau und drei Kinder vorhanden, die sonst zusammen 00 pCt. des Jahres- Arbeitsverdienstes zu beziehen haben würden, so gewähren sie dem Verletzten seine 50 pCt. weiter und berufen sich im Bescheide auf die Entscheidung des Reichs-Versichernngsamts!! Selbst- verständlich hat die Berufsgeuossenschaft auch im Falle der Beobachtung neben der Rente die Kosten des Krankenhaus- anfcnlhaltes zu tragen. Merkwürdigerweise ist aller- divgs diese Entscheidung des Reichs-Versichernngsamts einer größeren Anzahl von Bmissgenossenschaften und selbst vielen Schiedsgerichten Überhaupt nicht bekannt. Wo sie aber bekannt ist, verdient das geschilderte Verfahren, dem noch nicht einmal der Begriff der„juristischen Spitzsindigkeii" an die Seite gestellt werden kann, die schärfste V e r n r t h e i l u n g. Vermehrung der Fabrikinspektorc» in Bayern. Im Budgetentwurf für 1896/37 ist eine Vermehrung der Fabrik- und Gewerbe-Jnspekloren um 5 Assisteiiten vorgesehen. Ihre Ver- theiluug auf die einzelnen Aufsichtsbezirke soll zunächst nach dem Bedürfnisse, bezw. dem Ergebnisse der jüngsten Berufs- und Ge- werbezähluug bemeffen werden. Vermehrung deS Bergbau-Anfsichtspersonals in Oesterreich. Auf Antrag des Ackerbauministeriums wurde durch eine kaiserliche Ordre vom 23. v. M. die Vermehrung des Persoualstandes der Beamten bei den Bergbehörden von 03 auf 94 Beamte angeordnet. Diese Vermehrung wird begründet mit der großen Eulwickelung des österreichischen Bergbaues, iusbe- sondere auf dem Gebiete der Brmiukohleu- und Steinkohleu- gewinnung, und mit dem eutsprecheudeu Auwachsen der Aufgabe der Bergbehörden bei der Beaussichtignug und Juspizirung des Bergbaues vom Standpunkte der Sicherheit. Verssa m mUtttüv«. Hohen-Neucudovf. Am Sonntag, den 22. September, fand im Saale des Herrn Jwert eine gut besuchte öffentliche Ber- sammlung statt, in welcher Genosse Kiesel über Nationalfeiertage der Deutschen und Franzosen referirte. Die interessanten Aus- fuhrungen des Redners wurden mit großem Beifall aufgenonnnen. In der darauffolgenden Diskussion sprachen sich die Genossen Glüer, Schneider und Briuginanu im Sinne des Referenten ans. M»si>i-DIIrtt>,»t«»vev«in„Oiiatsch». Miltwoch, den-. Oktober, abends 9 Uhr, Kolvergersir. 2 bei Steffens. Borstandswahl und MonaiS- sttzung. Aa»d«m»«nfchaft der Schleswig- Kolfteiner zu Kerlin. Mittwoch, den s. Oktober, abends Uhr, Generalversammlung tm Beretnslokal, Koni- mandainen-Garten, Kommandantenstr. lo/n. Aufnahme neuer Mitglieder. Geschäfts- und Kassenbericht. Anträge. Verschiedenes. Pergnügnngsixrein„Atatia". Mittwoch, den 2. Ollober, abends s Uhr, im Restaurant„Sloland", Elsasserstr. 2S: Sttzung mit Damen. Gäste willlommen. tvtit Uereinigiiiig»er Nanklent». Mittwoch, den 2. Oktober, abends 9 Uhr, tm Englischen Hos, Neue Roststr. a. Vereinsversammlung. Tagesordnung: i. Vortrag des Kollegen Mab:„Haben wir et» eigenes Gewerk- schasis-Oraan nöthtg". 2. Distusston. 3. Verschiedene?. A>4>rik«r-Kild>l»g»sch»I». Während der Ferien vom I. bis tiikl.l5.Ok- tober fällt der Unterricht i» beiden Schule» aus. Die Bibliotheken und Lese- , immer sind jedoch allabendlich von io)£ Uhr geöffnet. Dieselben befinden sich Waldemarstr. u und Miillerstr. 179a. Arbeiter- IIa, ichrrlmnd Kerlin» nnd zlwgegenb. Mittwoch: ,.A r k o n a-, Forfterstr. so bei Wieck.—„W e in ü I h l t ch k e i t", Abmiral- strabe is bei Bergmann.—„Sumatra SO.", Llegnttzersrr, 18 bei Müller. —„W a l d e s g r ü n", Forfterstr. 19 bei Krüger.—„Gemüthlichkeit II", Köpnickerstr. 171 der Schmidt.—„Glühlicht", Weibensee, Eharlslten- burgersirabe oo bei Jrrgang. Kerliner Zladsnhrer- Genolsenschaft„Solidarität", abends 9 Uhr, im Restaurant Roll, Waldcmarstraße«l: Mttaltederversammlung. Les«- nnd Zlisbntirblnb«. ttlittwoch. I o h a n n I a c o b y, bei Fr>b Lichte, Echwcdierstrabe 33.— Gesundbrunnen, abends S!s Uhr, bei Hasertand, Bellermannstr. 87.— w I e i ch h e i t, abend? 8Zj Ubr bei Stramm, Ritterstrabe m.— Heine, Rtldorf, abends 88 Uhr, Prinz-Haiidjerystr.«o, parterre.— Einigkeit, abends 88 Uhr bei Zeige, Triftstr. I.— Theater- und Leseklub M orgenrvrb, abds. s Uhr, im Restaur. Dicke, Lothringerstr. o?. Arbeiter- Sä»g»rb»»b Keriin« und zinigegenb. Vorsthender Adolf Neumann, Pasewalkerstr. 3. Alle Aenderungen tm Vereinskalender stnd zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelstr.«9, v. 2 Tr. Mittwoch. UebungS- stunde Abends 9 Uhr, Ausnahme von Mitgliedern.— LtedeSfreiheit l, AndreaSftr. 20, bei Wille.— Norddeutsche Schleife, Oranienstr. ISO bei Schaye.— Unverzagt I, Manleufselstr. 9 bei Rowack.— Freya I, lGemischter Thor), Rosenthalerstrabe Rr. 07 bei Wernau.— Lorbeer, kränz 1, Weinstrabe' Nr. 28 bei Späth.— Deutsche Eiche 1- Grobe Franksurterstrabe Nr. 133 bei Gold.— Echo I, Pankow, Mühlen- strabe, Störr'sches Ecsellschastshaus.— Gesangverein Art» n III, Ripdorf, Herr- mann- u. Herrsurthilraßen-Ecke bei Weiß.— F reun d es treue lgeinisch. Chor), Grobe Franlsurterstr. iss bei Gold.— E tntgket t(Hutmacher), Rosen- thalerstraße 12 bei Brüning.— Allegro, Wrangelstr. i«i bei W. Schmidt. — Frethett 1, Bülowstrabe 08 bei Richter.— Stetnnetke, Päse- walke rstrabe 3 bei A. Neumann.— Süd- O st, Falckenstetnftr. 7 bei Trtttel- witz.— Ltedeslust. Fürstenwalde an der Spree, Schlobkelleret.— Freier Männerchor N 0 r d- W e st lfrüher Klempner) Moabit, Emdener- und Stemensstraben-Ecke 1«.— K Up f e r s ch Mi ed e. Weinstrabe II bei Feind.— Rothe Nelke!, Schöneberg, G olzstr. 43 bei klauke.— Appolonia, Rosenlhalerstr. 87 bei Wernau.— Fre iheitsgrub. Eremmenerstr. 1 bei Mathies.— Schneeglöckchen I, Ripdorf, Hermann- uno Karlsgarten- strabcn-Ecke bei Hilpert.— Schneeglöckchen 2, Polsdam, Brandenburger Kommunikation 10 bei Glaser.— Maiengrub 3, Friedrichshagen, Rund- Iheil. bei Lerche.— Unverdrossen, Lindowerstrabe 20 bei Sachs.— Fe Ifen bürg, Langestraße«8 bei Owezareck.— Vorwärts 7, Rummels- bürg, Gölhe- und Kaniftrabe- Ecke bei Aretucrt— Hoffnung 3, Brandenburg a. H.,„Kor.kordta", Wilhelmsdorferstrabe.— Fr e t h e it s- Hänge l, Stallschreiberstr. 29,„Zum eichenen Siabe" bei Schöning.— Ardeiieraesangoeretn vo» Britz in Britz, Bürgersir. 4 bei Dorn.— S e e g e r- scher Man»erchor, Landsberger Allee 180 bei Göbel.— Maiengrub 2, Ebarlottenburg, Wallstr.«0 bei Beyer.— Dämmerlicht, Zorndorfer- snabe 17 bei Hofsmann.— Edelweib 2, Polsdaiii, Brandenburger- Kom- muntlalivn 10 bei Glaser.— Heimathklänge, Köpenick, Rosensir. toi bei TroppiNS.— MSiwtt-Gesangdttein Geduld, Gesundbrunnen, Butt- mannstraße 17 bei Mohes.— Gesangverein Frethettsklänge II, Ehorinerstr. 66 bei Hobeck.— Männer-Gesangverein Palme, Bellen i. d. M. bei Z-mlin.— Weiße Rose, Remtckendorf, Restdenzstr. l°l bei Malchin.— Männer- Gesangverein Liederlust, Adalbertftr. 21 bei Roll.— Sange?-. b l ü t h e n, Slralauer Platz 10— 1 1 bei Poppe.— Gleichheit, Schönhauser Allee 138 bei Ramlow.— Gesangverein Frohsinn II, Friedrichsberg, Wartenbergstr. 07 bei Lang«.— Sängerchor der Maler, Annenstr.» bei Protz.— Männer-Gesangveretn Zielbewußt, Zeughofstr. 8 bei Behlen- dorf.— Arbeiter-Gesangverein„E t n i g", Blumenstr. 32 bei Reich.— Arbeiter» Gesangverein„Neue Zeit", Wollinerstr 30, Sperlingsluft bei Sperling. — Männer-Gesangvereln Hilarttas, Hochstr. 32a bei Schmidt. 77 Ar- beiter-Gesangverein Zukunft II Nieder- Schönhausen, bei Settekorn, Lindenfiraße.— Bruderherz. Bernauerstr. 40—41 bei R. Bork. Knud dir ges-Uigr» Arbriterver»,»- Kertins nnd zlnigegend.(Zu- schristen sind zu richten an P. Gent, Dresdenerstr. 107—108, 1. Eist. IV. Mittwoch: Geselliger Verein B rüd er li ch kett. Georgenkirchstr 05 bei Späth.— Verein Rhetorik, Manteuffelstr. 98 bei Schulze.— Theaierverem Proletariat, Naunynstr. 83 bei Köhn.— VergnügungSoerein A m 0 r 2. Buttmannstr. s bei Hentfchel.— Rauchtlub Rothe Fahne, Cuorystr. 48 bei Ltehs.— Geselliger Berein Freundschaft, Zimmerstr. 89 bei Engel.— Geselliger Verein Deutsche Eiche, Fürbrtngerstr. 7 bei Grothe.— Theater- verein Bühnenverband Apollo, Prinzen-Allee 10 bei Bergemann.— Mundharmonika-Ver-in Vorwärts, Zosfenerstr. 82, Restaurant.— Ge- selttger Verein Ltegnttzer Schweiz, Liegnitzerstr. s bei Habel.— Thealerverein Nora, Admiralfir. 180, Märkischer Hos.— Berel» Ee- selliger Bund, jeden 2. Miltwoch tm Monat, bei Sommer, Grunstr. 2l. > Uhr.— Schwtmmverein Nord, abends 78 Uhr Seebad Neinickendorf, Uebungsstunde.— Geselliger Verein A>1 II a- A! a r i e, abends 9 Uhr, im Restaurailt Roll, Adalbertstr. 21, Sitzung. — Statklub TieLustigeZwölf, im Nestauranl Ruhl-A»dree, Ehoriner- strabe 88.- Ctaiklub 00/ 88 Uhr Sitzung bet Fechner, Wienerstraße 80.— Krast- und Arliftenllub„Eiche", Mittwochs von 9— 11, Sonntags von 11 bis 1 Uhr, bei Aiiguslili, Kastanien-Allee 11.— Artisten- und Rtngsport- Verein Vereinte Kraft. Mittwoch abends von 9-11 Uhr, Sonnlag vormiltags 10—118 Uhr be! Herrath, Ptan-User 92a.— Vergnügungsverei» Fortuna, abends 88 Uhr. Sitzung det Schulz, Weberstraße 10.— VergnUgungsvereni V iolett a, Sitzung mit Damen 88 Uhr bei Meßner, Chaufseestraße 72.— Agitationsklub Osten, abends 88 Uhr bet Jauer, Fruchtftr, 82.— Tbeater- verein Variete, gegründet 1870, bet Wetgt, Warkgrasenstr. 87.— Musik- bilettanten- Verein K n a a t s ch, abends 9 Uhr bei Stessens, Kolbergerstr. 2, Bereinsabend._, Ranchklud Grüne Quaste, abend? s Uhr bei Siederer, Holz- marktstraße 48a,— Rauchklub Granate, Forfterstr. 40 bei Tuguntke. — Rauchtlub Arkona, abends 88 Uhr bei Herrn A. Mick, Jortter- straße 98,— Orientalischer Rauchklub, abendS s Uhr, Reichen- bergerftraße 24 bei Taufchke,— Rauchklub Frisch gewagt, abends 9 Uhr bei F. Rockendorf, Posenerstraße 8,— Rauchklub Roochloch, ildmiralstr. 33 im Restaurant abendS 89 Uhr,— Rauchklub M e s s a- l t n a, bet H. Wuttke, Graudenzerstr, 2.— Ekal-Klub Tress, Frankflirter Allee 90 bei O.Zabel.— Rauchklub Ohne Zwang, Weinstr. 28 bet Späth.— Rauchklub Die Dampfenden, Lemgestr. 24 bei Jeratsch.— Rauchklub V i r g t Ii i a. abends 9 Uhr bei Schnieder, Abmtralstrabe 21- Rauchklub Humoristische Pfetsenbrüder, abends 9 Uhr bei S«Iz- wedel, Klosterstr. 83.— Rauchilub Sumatra S u d- O st, abends 88 Uhr bei Müller, Liegnitzerstr. 18.— Rauchklub G e Ni UI h li ch ke it ll, abends 9 Uhr im Lokal Schmidt, Köpnickerstr. 171.— Rauchilub WaldeSgrun, bei Tilgner, Forfterstr. 22.— Rauchklub SchmokeS Werke, jeden Mittwoch Krauistr. ss.— Rauchklub Congo II, Wtenerstr. 44 b bei Schmidt. Freie Vereinigung der Kaufleute, tm Englischen Hof, Neue Robstr. 3, gcmUthliches Beisammensein.- Arbetter-Stenographenvereiu Eintracht, Unterricht und Uebungsstunden abends 88 Uhr in den Re- ftanrants Owczarek, Langestr. 08 und Seidler, Rattborstr. l».— Nollerischer SIe»ographenveretn Pionir, Hussitenstr. 9, Restaurant Rausch, abends 8! Uhr, Unterricht und Fortbildung.„,,, (jenn.m-American Klub„Uncle Sam". Meets at 9 o'elock p. m. Fneboes Restaurant, Münzstr. 17. Every Wadnesday. Guesls woleome, Veemifutzkvs. Zum Tode Pasteur's wird aus Paris berichtet: Das aus Anlaß des Todes Pasteur's hier eingegangene Beileids-Telegraunn des nnter Professor R. Koch's Leitung stehenden Instituts für Jnsektionskrankheilen zu Berlin hat folgenden Wortlaut: Tief bewegt durch den von der ganzen Welt empfundenen Verlust, welchen das Institut Pasleur soeben durch den Tod seines genialen Begründers erlitten hat, übersendet das Berliner Institut für Jnsektiouskrankheiten den Ausdruck seiner warmen Theilnahme an dem allgemeinen Schmerze. Tncllpriigclci. Aus Breslau wird gemeldet: Zwischen dem General-Dircklor des Grafen Henckel von Donnersmarck, Nolda, uild dem in demselben Betriebe angestellten Gerichts- Assessor Kinnemann fand wegen dienstlicher Differenzen ein Pistolenduell statt, bei welchem Nolda durch einen Schuß in den Oberschenkel erheblich verletzt wurde. Dem Vernehmen nach wird es bei dieser Anseiiiandersetzung nicht bleiben. Auf zum Kampf für Ordnung, Religion und Sitte! Vrandnuglürk. In dem Coburg benachbarten Orte Neu- stadt ist zum fünften Mal iiinerhalb vier Wochen Großseuer ausgebrochen; drei Wohnhäuser sind niedergebrannt. Das Höchste der Sprachreinigung. Ein Konzert, welches kürzlich in St. Avold(Lothringen) stattfand, wurde folgender- maßen angekündigt:„Große? Etreichgetön, ausgeführt von der Streichbande des zweiten Hannover'schen Lanzenreiterhaufens 14 unter Leitung des königlichen Spielivarts Herrn B. Stüber." Aus der„Spielfolge" seien noch folgende Merkwürdigkeiten hervorgehoben: Schwärmerei aus„Der Postknecht von Loa- joumenu" vo» Adam; ein Lied auf der Schnabelflöte(Klarinette) vo» Neibich; Vierertanz nach Gedanken aus dem Pariser Leben von Offenbach; Ein Zick-Zack, Durcheinander(Potpourri) von Schreiner; Der Thunichlgur, Eiltanz von Faust. Briefkasten der Redakkivn. P. W. Ter König von Preußen erhält 3 Millionen Mark alljährlich als Zuschuß zur Rente des Kroiifideikommiß-Fonds, die 7 500 000 Mark beträgt; somit nimmt der König, abgesehen von seinen sonstigen Einnahme» aus Grundbesitz u. s. tu., löVs Millionen Mark ein. Als deutscher Kaiser hat er keine persön- lichen Einnahmen. Er erhält nur einen Fonds, über den er zu öffentlichen Zwecken frei verfügen kann. N. W. 100. Gepfändet werden können die der Ehefrau ge- hörigen Sachen wegen einer Schuld des Mannes. Die Ehefrau kann aber durch schleunige Anstellung einer Jnterventioiiskloge und durch Erwirkung eines Einstellungsbeschlusses nach statt- gehabter Pfändung den Verkauf hindern und die Freigabe er- zwingen.— M. H. 100. Der Allsgang der Klage wäre sehr zweifelhaft. Da nur die Kostenhöhe sicher ist, so ist von der Klage abzuralhen. Briefkasten der Expedition. �ür die Familien der im Essener MeiueidSprozeft Verurtheilten gingen bei uns ferner ein: Eine Gesellschaft vom Zukunftsstaat, gesammelt beim gemüth- lichen„Otto" 2,00. Von den gesell. Rothen aus Hoffnung 10,—. Von zielbewußten Arbeitern am Opernhause 0,30. Von drei Mann der Hutfabrik Elster 1,50. VIeichrot 1,—. Gesammelt von Rothen b.Ermeredorf 2,55. Einige Steinträger, Hasenhaide3, 4,10. Gesammelt von Rothen in Tegel 0,20. Topezierer-Werkstatt Berlin 4,—. Ed. Jedermann 1,35. Gesamnielt bei einer Kvnfirniationsfeier in der Lychnerstraße 3,—. Für die Essener Genossen von ihren rothen Brüdern in Brückl. Mfr. 10,—. Als Solidaritätsbeiveis der sozialdemokratischen Mitgliedschaft Winter- lhur 12,—. Sninina 05,— M. Bereits qnittirt 10 363,33 M.; in Summa 10 434,33 M. Liefke. Inserat kostet 3,20 M. Für de»Jnhi»lt der Jnsernte über nimmt die Ziedaktion demPnbliki»» ftegeniiber keinerleiVerantMortiing Theater. Mittwoch, den 2. Oktober. Äpernliau».(Kroll's Theater.) Ein treuer Schelm.— Phantasien im Bremer Rathskeller. Kchitnftiielhans. Wie die Alten sungen. Deutsche» Theater. Der Wider- spenstigen Zähmung. Kerlinev Theater. Der Pfennigreiter. Lessing- Tlieater. Gräfin Fritzi. Friedrich-Wilhelmstüdt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Nene« Theater. ITesta. a Marina. Pagliacci. Schiller-Theater. Götz von Berli» chingen. Nestdenz-Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Ernst- Theater. Parade- bummler. Eentral-Theater. Eine tolle Nacht. Aleranderplah-Theater. Ein Kind der Liebe. Vorher: Wahn und Wahnsinn, oder: Sie ist wahnsinnig. Uational-Theater. Maria Stuart. Theater Unter den Linden. Die Chansonnette. Burschenliebe. Amerira»- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millionenerbin von Rixdorf. Keichahallen-Theater. Spezialitäten- Borstellung._ SchiUer-Theater. (Wallner-Theater.) Mittwoch: Götz von Kerlichingen. Donnerstag: Zum 1. Male: Die Maler. 2S/SS. Ehausteeltr. 25/86, Vorletzte Woche de« Gastspiel» der Liliputaner. Jeden Abend 7�/2 Uhr: Die Reise«ch dem M«S. Sonnabend, 5. Oktober, nachm. 3 Uhr: Grosse Kinder-Vorstellung. Zum 2. Male: Schneewittchen«nd die strden Zwerge. Sonntag, den ö. Oktober, nachm. 3 Uhr: Bio Reise nach dem Mars.— Kinder nachmittags halbe Preise. Adolph Ernst-Theater. Zum 30. Male: MlOebmuiler. Besetzung der Hauptrollen: Anna Bäckers. Josefine Dora. Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben, Hugo Haßkerl. Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß. Georg Worlitzsch. Ansang 7V2 Uhr._ DM- Kein Aufgeld. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Centrai-Theater. Alte Iakodstr. 30. Emil Thomas a. G. Novität! sZum 29. Male: Novität! Eine tolle UM Große Ausstattungspofse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Wllh. Mannstädt und Jnllus Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Biohard Lehnitz. Anfang 7Vs Uhr. Morgen: Zum 29. Male: Eine tolle Nacht._ National-Theater. Grosse Frankfurterstraße 132. Direktion: Mai Samst. Gastspiel der Frl. Georgine Sohjeska vom kgl. National-Theater zu Agram. Nur zwei Ausführungen: Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich von Schiller. Regie: Max S a m st. Maria Stuart: Frl. G. Sobjeska a. G. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Eonxerthans Sanssouci Kottbuserstr. 4a. Jeden Donnerstag und Sonntag Soiree der altdeliebten Ztettlliel' Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder) Ansang präc. 8 Uhr. Entree 50 Pf., Vorverkauf 40 Pf. bei Kessler, Kottbufer Thor. Grossartiges Programm! Freitag: Victoria-Brauerei. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhoi). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torsiellung im Wissenschaft liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. AlexaRderplatz-Theater Alrranderstr. 40. Direktion: Max Samst. Um 7>/2 Uhr: Pikante Novität I Pikante Novität! Gin Kind der Kede. Sittenbild in 4 Akten v. Mai Halpern. Zum Schluß: Wahn und Wahnsinn oder Sie ist wahnsinnig. Schauspiel in 2 Akten von Melesville. Bearbeitet von W. Lembert. Regie: Max Samst. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Ren-Ualast Kurg-«. Molfgangstr.-Ecke. IM' Grosse"Mlg KulA-Vorstelhim}. Barbara. Gebr. Görs. Victor u. Magda. Rappe Trio. 2 Bonos. Aranka-Kassai. 3 Plötz. Wilh. Fröbel. Alma Peroni. Stephan u. Olivier. Miß Jessy. Scheffler Truppe(S Pers.) ec. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Anfang Sonntags 6, Wochentags 7>/s Uhr. Alles Nähere durch Säulen- Anschlag. 3337b Itaiser-Pauoraiiia (Passage). Hochinteressant! Nord-Ostsee-Kanal. ä Reise 20 Pf. Kinder 10 Pf. 3 billets ermäßigte Preise. Vereins- Der grötzke Tip!! war's, da« IMemmveth in»ngagire». Mlle. Mary Arniotis Das schöne Modell 1 Weib gegen 7 Männer srdrn Abend OVs Uhr. Kaufmann's Variete- Theater Königstrasse, Kolonnaden. Ferner 18 Capacitäten. Passage- Panoptlcum. 43 Mädchen vom andern Ende der Welt (Samoa)._ Castan's Panopticum. Friedrichstr. 165. ISalambo? Alcazar. 0 1 Variötd- u. Spezialitäten-Theater. I Dresdeuerstr. 52/53, Annenstr.42'43 (City-Passage). Vornehmster Familienaufenthalt! Ganz neues Spezinliküten� Keogeaniin. Wer ist der Vater? Posse von Anno. Musik von Grimm. Regie: E. Stempel. Ans. Wochent. 8, Sonntags 6 Uhr. Entree„ 10 Pf.,„ 30 Pf. �Morgen: Dieselbe Vorstellung. �Direktion: R. Wiukler.M» F. Nagel s Festsäle, Schwedterstr. 23|24. Gr. Saal mit Bühne(400 Pers.) Kl. Saal mit Bühne(200 Pers.) Kleine und große Nrreinszimmer. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am Sonntag, den 29. September. verstarb an den Folgen schwerer Ver- letzungen unser Kamerad, der Zimmerer ZahHs Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Okt., nachm. 4 Uhr. vom Trauer- hause, Rügenerstr. 11, nach dem Zions- Friedhof in Weißensee statt. 520b Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Gustsv BrederecK sage ich allen Freunden u. Bekannten, besonders den Inhabern und Kollegen der Bechstein'schen Hof-Pianosortefabrik sowie dem Musikchor meinen herzlichen Dank. Wwe. Bredereck, geb. Schäfer. Am heutigen Tage verlege ich meine Wohnung von Göbenstraße 27 nach Potsdamerstr.<6, I, 70/6 Ecke der Groß-Görschenstraße. vi'. Alfred Friedländer, _ Arzt._ Mit dem heutigen Tage verlege ich mein Bureau von Prenzlauerstr. 27 nach Neue Friedrickstr. 76, II, vis-A-yis der Zentral-Markthalle. Dr. jur. Halpert, 5236 Rechtsanwalt. Kranken- nnb VegräbnWajse berBvlbbinber M vemanbttt Bernssgenchn zu Berlin (E. K.|lr. 24). Sonnabend, den 12. Oktober, abends 81/, Uhr, im Englischen Hof, Neue Roßstraße 3: Keneralversammlimg Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht pro 3. Quartal 1895. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Vortrag des Herrn Dr. med. Paul Bernstein über:„Rathschläge für gesunde und kranke Tage". 4. Vorlage eines Regle- ments für Krankenkontrolle. 5. Ver- schiedenes. 23/17 Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. Fr. Freudenreich, Vorsitzender, Miß- mannstraße 18, I. Br. Gröblehner, Kassirer, Wasserthorstr. 14, i. L. Ehrenerklärung. Hierdurch erklären wir die Herr» auseigenthümer Friedrich Lindemann, ankow, Brehmerstr. 64, angethaneu Beleidigungen für vollständig unwahr und nehmen dieselben reuevoll zurück. Stanisians Fagowski und Hedwig geb. Kleinitz._ 534b Die in meiner Wohnung gegen Frau Pfeiffer ausgesprochenen Worte nehme ich hiermit zurück. Burgschat. I.olmender Nebenverdienst durch Verkauf von Herren■ Anzugstoffen in der Bekanntschaft, nach reichhaltiger Collection dauerhafter solider Waare zu Fabrikpreisen. Offerten unter J. K. 7716 an Rudolf Mosse, Berlin SW. Meine Blumenhandlung und Kranzbinderei befindet sich von heute ab Mülvkrstrllßt HUi Paul Abromelt. Nur noch kurze Zeit! CireusJansly-Leo. Friedrich Kari-Ufer. Mittwoch, den 2. Oktober, abends 8 Uhr: Revanche-Ringkampf Pohl-MUhlbauer ohno Zeitbestimmung bis einer fallt, Morgen; Vorstellung. Freunden und Bekannten zur Nach- richt, daß ich am 1. Oktober ein Holz- und Kohlengeschäft eröffne. Um ge- neigten Zuspruch bittet 537b Otto Bethke, Rheinsbergerstraße 79. Sophastoff-R� von 4—15 itltr., i» Jltps, Lnmast, Erepr, Fantaste und Plüsch, spott- billig! Muster franko. 33740* Teppiche, Gardinen, Steppdecken spottbillig. Möbelstoff- und Teppich» Fabrik S. ünger,.8. Verein derBerlinerBüclidruckerü.Sclirift8iesser. Von Sonnabend, den 5. Oktober ab, finden die VovMndssttzungen im Restaurant Seydel- straße 30, bei Franz Arendt, statt. Der Borftaud. 8r. für den 17. Kommunal-Wahlbezirk am Mittwoch, 2. Oktober, abends S'/s Uhr, bei Vrnlger, Majferthorstr. 68. Tages-Ordnung: l. Vortrag über die Thätigkeit der Stadtverordneten im rothen Hause. Referent Dr. Zadek. 2. Diskussion. 3. Aufstellung eines Kandidaten für diesen Bezirk. 4. Wahl eines Wahlkomitees. Um die regste Agitation für diese Versammlung ersucht Ger Vertrauensmann. ! Vereine. Die werthen Vereinsvorstände resp. Vergnügungskomitees werde» ge- beten, sich mit Musikanfträgen nur an den unterzeichneten Arbeitsnachweis zu wenden. 50/11 Freie Vereinigung der ftvil-Berutsmusiker. I. 91.: Der Dorstanb. Arbeitsnachweis: C., Rosen thalerstr. 57(Restaurant Wernau). _ Fernsprecher: Amt III, 1296._ SltfjtUUjjI ÄrfjfUUQ! Holzarbeiter. Große öffentliche Versammlung der Tischler, Drechsler, Bürstenmacher u. s. w. am Montag, den 7. Oktober 18Sa, abends 8 Uhr, in Keller's Festsälen, Koppenftraße Nr. SS. Tages-Ordnun g: I. Wie können die Holzarbeiter Berlins die gegenwärtige günstige Ge- schäftsperiode zu ihrem Vortheil ausnützen? Referent: Th, Glocke. 2. Diskussion. 77 18 Rege Betheiligung erwartet_ Der N«rtraurn«wan». ! Sattler. i Große öffentliche Versammlung Nl i t t w o o k, den 2. Oktober 1895, abends 8 Uhr, bei Colin, Beuthstraße Nr. 20— 22. Tages-Ordnung: 1. Gehen wir betreffs der deutschen Militärarbeit vor und verlangen wir die Elberfelder Preise? 2. Unsere gegenwärtige Lohnbewegung außerhalb Berlins. 3. Unsere Petition an die Kriegsministerien und die Innung. Die Agikations-Kowmifston. 15/11 I. A.: Gruao Forsch, Rixdorf, Steinmetzstraße 24. Achtung I Achtung! Loligerbkr, Mermrichlkr«. Vernfssrn. Große öffentliche Versammlung aller in der Lederindustrie beschäft. Arbeiter als Lohgerber, Lederzurichter, Weißgerber, Färber u. s. w. am Donnerstag, den 3. Oktober, abends 8�/s Uhr, bei Herrn Grandel, Brunnenstr. 188. 107/8 Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Lassenbach. 2. Der Streik in der Römer'schen Lederfabrik. 3. Siluationsbericht über den Streik in der Steinlein'schen Lederfabrik. 4. Verschiedenes. ver Einherufer. Achtung! Achtung! Kranerei- Mssarbeiter. Sonntag, den 6. Oktober, nachmittags 1'!, Uhr, im Lokal des Herrn Vilke, Andreasstr. 26; General-Uersamnilung. Tages-Ordnung: 1. Die Kulturzustände des Mittelalters.'2. Diskussion. 3. Kaffen« bericht und Bericht der Revisoren. 4. Innere Vereinsangelegenheiten. Es ist Pflicht eines jeden Brauerei-Hilfsarbeiters zu erscheinen. 41/7 Ger Vorstand» Alhtllng! Schuhmachers Wilng! Mittwoch, 2. Oktober, abettds 8�2 Uhr, in Fiebig's Talon, Graste Franllfnrterstr. 28: Große öffentliche K er sammln ng. Tages-Ordnilng: 1. Die Zustände in der Fabrik von Rosenthal u. Groß und!die Maßregelung von S Kollegen. 2. Verschiedeues. 522b Das Erscheinen aller Branchen ist nothwendig, da wir mit der Hand- lungsweise des Herrn Rosenlhal endlich einmal brechen müssen. _ Die Agitation«- Kammirston. Achtung! Mlmrer. Achtung! Große Mitglieder- Versammlung des Vereiks zur Wahrung her Zuterejseu der Maurer Gerlins und Umgegend am Dannerstag, 3. Oktober, abends 8>/2 Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 33. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die bürgerlich-kapitalistische Volksbeglückung. Referent Lchöpfliu. 2. Diskussion. 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten. 4. Gewerkschaftliches. 129,6 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Dorstand. Stnalau-Rummelsburg. Donnerstag, den 3. Oktober, abends S'/z Uhr, in Dawlnket's Kall-Satan, Rummelsburg, Hauptstr. 83: Große öffentliche Versammlung des sozialdemokratischen Uereins. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Recht und Gesetz". Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Gäste willkommen. 8/4 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Darstand. Stellung sucht Parteigenosse, der in Bureau- arbeiten erfahren und Gewerkschafts- blätter längere Zeit selbständig ge- leitet hat, ebenf. in d. Exped. lhälig gew. ist. Offert, unter K. 10 besorgt die Exped. d.„Vorwärts". IIb «-»>!»« 1 Jnvalideil straße 157. Einem Ttzeit unserer tzeutigen Auflage liegt»in VrafprUt der Firma Gebrüder Watff. Garten» straste, bei. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 230. Mittwoch, den 2. Ghtodev 1895. 12. Jahrg. Die Zustände im �eansvaAl. Rns Pretoria, S. Sepiciuber, schreibt uns ein Gesinnungs- gMrs'e: . Da die südafrikanische Republik oder wie sie auch eenanut wird, das Transvaal, in letzter Zeit wieder mehr politisches Interesse erweckt hat, dürfte es die Leser des„Vorwärts" inter- kjsiren, etwas über die hiesigen Verhältnisse vom Arbeiterstandpnnkt betrachtet, zu höre». Die gewerkschaftliche Situation ist k»rz die folgende: Arbeitszeit 48—60 Stunden, Lohn 60—120 M. die Woche. Gearbeitet wird ebenso intensiv wie in Europa; onch Beaufsichtigung und Behandlung sind gleich. Augenblicklich ist die Zeit günstig für Bauhandwerker, da die Bevölkerung stark zunimmt, die Industrie sich entwickelt und daher viel gebaut wird. In alle» anderen Branche» sind Leute geniig vorhanden, da jede Woche 200 bis 400 Einwanderer namentlich ans England eintreffen. In Johannesburg, dem Zentralpunkt der Gold- fclder, besteht seit vier Jahren ein Gewerlschaftsvcrein nach englischein Muster, der bisher, soviel ich gehört, noch nichts be- sonderes geleistet hat. Es läßt sich auch wohl schwer hier etwas durchsetzen, da nationale Eifersüchteleien es wohl zu keinem vereinten Zusamniengehen der Arbeiter kommen lasse»; nament- lich trifft die Engländer in dieser Beziehung ein Vorwurf. 'Auch ist jeder einzelne bemüht, auf der Jagd nach Pfunden jeden zu überholen; da fällt dann jede Rücksicht auf seinen Neben- menschen. Politisch ist jeder Ausländer rechtlos, nach 40 Jahren kann er das Stimmrecht erlangen. Die Bauern(niederländisch Boeren, sprich: Büren) sind jedem Fortschritt feind und wachen eifersüchtig darüber, daß im Lande niemand etwas zu sagen hat, als sie selbst. Ihre Religion ist ihnen das höchste. Dabei wissen sie das Geld allerdings so hoch zu schätzen, wie irgend einer. � Folgende Thatsache mag als Beispiel für ihre sonderbare Frömmigkeit dienen: Im Parlament brachte ein Mitglied den Antrag ein, etwas gegen den H e u s ch r e ck e n s ch a d e n zu tfjiin, da wurde ihm von mehreren Rednern bedeutet, daß Heuschrecken Geschöpfe Gottes seien, die dieser gesandt habe.Zund man würde sich gegen den Willen des Allmächtigen auflehnen, wenn dagegen etwas unternommen würde. Der Antrag wurde denn auch ab- gelehnt. Trotz dieser Frömmigkeit werden die Kaffern aber, die doch auch Menschen sind, von den Bauern roh behandelt. In der Stadt dürfen sie nicht aus den Fußwegen laufen, dürfen über- Haupt ohne eine Bescheinigung eines Weißen nicht in derselben herumlaufen; sobald ein Kaffer. nachdem abends 9 Uhr eine Glocke geläutet wurde, außerhalb des für sie bestimmten Stadltheils getroffen wird, wird er bestrast Ich habe gesehen, wie die Kriegsgefangenen aus dem Feldzug gegen Malaboch eingebracht wurden. Schlimmer können die Sklaven- Händler im Innern nicht verfahren. 5 und S zusaimnengeschlosse», meist nur mit Fetze» bekleidet und so abgemagert und herunter- gekommen, daß sie sich kaum auf de» Beinen Halle» konnten, wurden sie von beritlenen Bauern wie eine Heerde Schafe einher- getrieben. In abgelegenen Orten werden sie heute noch sehr gransam behandelt; bei dem geringsten Vergehen wird die Peitsche angewendet. Der Kaffer steht auf einer sehr niedrigen Kulturstufe und ist im betrunkenen Zustande aller möglichen Schandthaten fähig. An derartigen Ausschreitungen tragen gewissenlose Händler die meiste Schuld, da sie den» Kaffern- Schnaps, um ihn recht scharf zu machen, alles mögliche zusetzen wie Salzsäure, Vitriol, spänische» Pfeffer u. s. w. Im übrigen wird der Kaffcr von den meisten Weißen als voll- berechtigter Mensch nicht anerkannt: das läßt auf die Behand- lung schließen, die ihm zu theil wird. Das Klima ist für de» Europäer nicht sehr zusagend; daS Fieber tritt selbst in Johannesburg und Pretoria, welche Plätze 6000 bezw. 4000 Fuß über dem Meeresspiegel liegen, auf, wenn auch nicht so bösartig und häufig wie in den niedriger gelegenen Plätze» Delagoa-Bai und Beira, die zwar zu der portugiesischen Küstenkolonie, nicht zum Transvaal gehören, aber da sie den Seeverkehr vermitteln, doch vielfach mit dem Trans- vaal in Verbindung stehen. So muß denn der Europäer vor- sichtig und sehr solid leben, um sich gesund zu erhalten. Johannesburg macht ganz den Eindruck einer englischen Stadl was die Verkehrssprache anbetrifft. Sonst sieht es noch ziemlich traurig aus, trotzdem man jetzt Slnstrengungen nmcht, um alles zu reguliren. Pretoria, die Haupt- und Residenzstadt hat dagegen eine schöne Lage. Rings von Bergen eingeschlossen, viel mit Bäumen bepflanzt, namentlich Fiebcrbäumen, macht sie, von einem der Berge aus gesehen, einen anheimelnden Eindruck. Im ganzen ist Südafrika ein ödes Land; nichts als Steppen- land, von einigen Gebirgszügen durchquert, ähnlich wie die süd- amerikanischen Llanos. Nur an den Flüssen und tief gelegenen Stellen und an solchen Plätzen, die mit Wasser künstlich berieselt werden, trifft man auf eine üppige Vegetation. Zum Schluß will ich noch betone», daß sich niemand durch den hohen Lohnsatz, den ich oben angeführt habe, bestimmen lasse» möge, nach hier auszuwandern; denn alleUnterhaltsmittcl sind auch jenen Lohnsätzen entsprechend theuer. Namentlich möchte ich abrathen, ohne jeden Anhaltspunkt hierher zu kommen. Ei giebt genug Leute hier, die es bitter bereuen, nach Afrika ge fahren zu sei», hauptsächlich Kaufleute. Außerdem ist zu beachten, daß der europäische Einwanderer nach einem Lande kommt, wo es ziemlich an allen Bequemlichkeiten mangelt und wo es des- halb manch einem schwer fallen würde, sich einzugewöhnen. _ P. I. Posamenter. In der Versammlung der Filiale II. des Textilarbeiter-Verbandes(Posamentenbranche) vom 18. Sept. 1890 wurde zum 1. Vorsitzenden Kollege F. Berger gewählt. Ein Au- trag, den Arbeitsnachweis zu verlegen, wurde mit 16 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Der Verein der Einsetzer hielt am 22. September seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Genosse Millarg hielt eine» Vli stündigen Vortrag über die Gewerbe- Ordnung und ihre Bedeutung für die Arbeiter. Der Vortrag wurde mit Bei- fall aufgenommen. A» der Diskussion betheiligten sich mehrere Redner, deren Anfragen befriedigend beantwortet wurden. Ter Verein beschloß, daß der Arbeitsnachweis der organisirten Ein- setzer Berlins bei Röllig, Reue Friedrichstraße 44. verbleibe. Derselbe weist tagtäglich von 8 bis 9 Uhr abends und Sonntags Vormittag von 10 bis 12 Uhr unentgeltlich Arbeit nach und steht allen privaten Arbeitsnachweisen fern. Der Deutsche Holzarbeiter- Verband(Zahlstelle Berl i») hielt am 25. d. M. eine stark besuchte„außcrordent- liche Generalversammlung" in der Berliner Ressource, Komman- daulenstr. 57. ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte der Borsitzende Glocke bekannt, daß die Bürstenmacher in eine Lohnbewegung eingetreten und daß Sammellisten ausgegeben sind. Sodann begründete Kollege A h r e n s seinen Antrag betreffend Aufhebung des Arbeitsnachweises. Er schickt voraus, daß er den Slnlxig nicht ans Motiven gestellt, die persönlicher Natur sind, aber der Arbeitsnachweis sei zu kostspielig; die Kosten betragen nach seiner Rechnung pro Jahr 3000 Mark. Er unterschätze den Arbeitsnachweis nicht, meine aber, daß die Qualität der vermittelten Adressen im Durchschnitt eine schlechte sei. Die Kom- Mission des Fachvereins habe sehr gut gearbeitet und die Kasse sei jetzt so erschöpft, daß etwas geschehen müßte. Kollege Glocke hält die von Ahrens vorgebrachten Argu- mente nicht für hinreichend, daraufhin eine Institution zu be- seitigen, deren Errichtung eine Nothwendigkeit für die sich cnt- wickelnde Gewerkichastsorgauisation war. Redner hielt sodann einen kurzen Ueberblick über die Kämpfe, die sowohl seitens der Arbeiter geführt wurden, die in Gesellenvcrbänden de» Innungen gegenüber organisirt waren, als auch der Arbeiter, die auf dem Boden des Klassenkampfes gewerkschaftlich organisirt sind. Hier zog er besonders die Kämpfe der Pariser Geivcrkschafts- srindikate gegen die französische Regierung um die Arbeits- börse in Paris an. Aber auch in Dcnischland sei der Werth eines gut organisirten Arbeitsnachweises längst von den Gewerkschaften anerkannt; das beweist die Agitation in den verschiedensten Städten als auch in Berlin für Errichtung eines Arbeilsnachwciscs für sämmtliche Brauchen mit städtischen Mitteln. Alle diejenigen Gewerkschaften, welchen es Ernst ist, die Auf- gaben, welche sie sich als solche gestellt haben, zu erledigen, suchen in erster Linie«inen ständigen Arbeitsnachweis zu bekommen, um hier über die Vergebung ihrer Arbeilskrast mitsprechen zu können. So sehen wir, daß hier in Berlin Gewerkschaften Arbeits- nachweise errichtet hätten, die der Zahl nach noch nicht halb so stark als die Holzarbeiter sind und diese selbst bei den Opfern, die von einer geringen Zahl von Mitgliedern gebracht werden müßten, auch ausrecht zu erhallen suchten. Redner begründet noch weiter die Nothwendigkeit einer für alle Kollegen stets zu Diensten stehenden Zentralsteve in der Organisation mit dem Hinweis aus die weitere Thätigkeit eines Arbeitsvermittlers. Bei Ausbruch von Differenzen in den Werkstellen müsse er sofort in die Ver- Handlungen eingreifen. Auskunst und Rath in gewerblichen Streitsachen hat er zu ertheilen. Für Zureisende übernimmt er die Auszahlung der Reise- Ilnterslützung. Die Aus- gäbe der Bücher der Bibliothek zu jeder Zeit mehre die Benutzung der Bibliothek und befriedige das Lese- bedürfniß der Mitglieder in einem viel höheren Grade als früher. Auf jeden Fall müsse der Arbeitsnachweis, so lange wir keinen städtischen errichtet bekämen, von den Holzarbeitern hochgehalten werden. Die Tischler-Jnnnng und der Verband der Holz- industriellen würden wohl mit Befriedigung die Nachricht entgegennehlne», daß die Holzarbeiter ihren ständigen Arbeits- »achweis ausgegeben hätten. Es sei zu wünschen, daß die Ver- sammelten durch die Diskussion einen größeren Ansporn erhielten, für den Arbeitsnachweis und für die Benutzung desselben durch ihre Meister als auch für die Stärkung der Organisation zu wirken. Kollege W ied em ann weist rechnerisch nach, daß jetzt in 1 Jahr so viel Stellen ausgegeben werden wie früher in 4 Jahren, daß sogar lange nicht dlle Stellen besetzt werden konnten. Er weist serner nach, daß die Auszahlung der Reiseunterstützung, Ausgabe der Zeitung, Bibliothek je. viel Zeit in Anspruch nimmt. Er ist der Meinung, daß 4 Kommissionen alle Abend 2 Stunden, zu- sammen etwa 40—60 Kollegen, zur Erledigung der Geschäfte nöthig wären. Man solle nicht an falscher Stelle sparen, wenn gespart werden solle. Tie Kollegen Vogelgesang und Sievert stehen auf dem Boden des Antrages Ahrens und sprechen sich für denselben ans, letzterer meint, man hätte früher 10 Jahre ohne einen ständigen Arbeitsnachweis be- standen und das könnten wir jetzt auch. Kollege Dnlitz spricht für Einführung eines Arbeitsnach- weises in allen Stadttheilen. Dan» sprachen sich die lkollcgen Schöpflin, Wiedemann, Glocke, Helbig und Krüger, zum theil in längeren Ausführungen, gegen den Autrag ans. Kollege Ahrens ist in seinem Schlußwort der Meinung, daß die Arbeitskraft des Arbeitsvermittlers nicht ausgenutzt wird. Darauf wird der Antrag mit großer Majorität abgelehnt. Nachdem noch bekannt gemacht wurde, daß das 3. S t i s t u n gs f e st am 19. Oktober i n K e l l e r' s F e st s ä l e n, 5k o p p e n st r. 29, st a t t f i n d e t und Billels in allen Zahlstellen und bei den Vorstandsmitgliedern zu haben sind, erfolgte Schluß der Versammlung. Tie Böttcher hielten am Sonntag bei Gründe!, Brunnen straße 188, eine nur mäßig besuchte öffentliche Versammlung ab' Bei einzelnen Personen dieser Branche besteht Neigung für Neu- gründung eines Lokalvereins, da sie glauben, daß ihre Interessen im Zentralverein nicht gehörig gewahrt werden. Genosse B l a u r o ck sollte daher einen Vortrag halten über„Zweck und Nutze» der Organisation"; die Arrangeure der Versammlung glaubten jedenfalls, daß sich der Referent hierbei gleichzeitig für die beabsichtigte Neugründung gehörig ins Zeug legen werde. Dies thal V l a u r o ck jedoch nicht, im Gegentheil rielh er von derartigen Abbröckelungsversuchen an der seit 6 Jahre» be- stehenden Filiale des Zentralvereins ganz entschieden ab. Stadt- verordneter Wilke hatte das Referat ebenfalls mit der Moli- viruug abgelehnt, daß er sich nicht als Keiltreiber her- gebe. Er wie B l a u r o ck sind der Ansicht, daß Lokalorganisation wohl für größere Gewerkschaften und an größeren Orten, nicht aber für ein Gewerbe wie das der Böttcher von Vortheil sei. Für die beabsichtigte Neugründung trat nur besonderer Wärme Böttcher M e tz n e r ein. Fast alle übrigen Redner warnten vor diesem Experiment und ermahnten zum festen Zusammenschluß im Zentralverein. Mängel und Fehler an diesem zu beseitigen werde Sache der nächsten Generalversammlung fem.— Eine ziemlich lange Resolution, welche die Gründe für die Errichtung einer Lokalorganisation in sich faßte, wurde mit übergroßer Majorität abgelehnt.— Poblmann erstattete hierauf Bericht in seiner Eigenschaft als Tetegirter zur Gewerkschasls- kommission. Ten streikenden Lohgerbern, den Vcrgoldern, sowie zur Erhaltung des Gewerkschastsbureaus wurden je 10 M. bewilligt. Tie streikenden Vergolder hatten sich am Montag Vor- mittag in großer Zahl in der Ressource versammelt. Die Situation ist, wie Schnorre, der Vorsitzende bekannt gab, unverändert g ü n st i g. Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. In den nächsten'Tagen wird sich das Einigungs- amt der Berliner Gewerbegerichte jedensalls mit der Angelegen- heit der Vergolder beschäftigen.- Die Walzer haben sich am Ende voriger Woche mit iden Streikenden solidarisch erklärt. Im Lause der Debatte kam zur Sprache. daß mehrere Kleinmcister. die sonst immer die Interessen der Arbeiter im Munde führen, für die gr�cn Fabrikanten Tag und Nacht arbeiten. Bezüglich der Kontrolle wurde beschlossen, daß Streikende für die Zeit, wo sie sich ohne Entschuldigung der Kontrolle entziehcn, der Unterstützung verlustig gehen. Eine Resolution des Inhalts: Tie Streikenden sind mit der Taktik der Lohnkommission vollständig einverstanden und versprechen den Kampf bis zum Siege durchzuführen, wurde e i n st> in m i g angenommen. Am Donnerstag früh soll ein gemeinsamer Ausflug nach Johannisthal veranstaltet werden; der Treffpunkt ist morgens 8 Uhr am Schlcsischen Thor und später bei Senstleben in Johannisthal. Die Musikiustcuincntcn-Nrbciter hielten am 30. Sep- tember im Vereinshaus„Süd-Ost" eine öffentliche Versninmlung ab. Schulz erstattete namens der am 24. Juni d. I. ge- wählten Liquidationskommission Bericht. Sie verrechnete eine Einnahme von 345,43 M., der eine Ausgabe von 315,15 M. gegenüber steht. Verpflichtungen für geliehene Gelder an andere Geiverkschasten bestehen noch in Höhe von 600 M.; diese Schuld in absehbarer Zeil zu tilgen, wird Aufgabe des Fachvereins der Musikinstrumenten-Arbeiter sein. Ein diesbezüglicher Antrag fand Annahme. Von 82 zur Einziehung übertragenen Sammel- listen wurden nach geschehener Aufforderung an die Kommission 22 mit dem darauf gezeichneten Geld und 23 leer abgeliefert. Folgende 7 Listen sind angeblich verloren gegangen, doch wurden die gezeichneten Beträge an die Kommission abgeliefert: Nr. 180, 372, 444, 645, 880, 1165 und 1377. Als verloren gegangen, ohne daß irgend welche Beträge darauf gezeichnet gewesen sein sollen, wurden 13 Listen bezeichnet: Nr. 81, 101, 114, 295, 418, 422, 442, 443, 690, 997, 1011, 1066 und 1247. Ferner stehen noch ans die(17) Listen: Nr. 173, 329, 426, 463, 563, 606, 884, 893, 939, 953, 996, 1235, 1235, 1349, 1356, 1393 und 1439. Die Saumseligkeit der Inhaber dieser und der verloren gegangenen Listen wurde von mehreren Rednern scharf gerügt und schließlich ein Antrag angenommen: Falls die betreffenden innerhalb vier« zehn Tagen sich nicht über den Verbleib der Listen gehörig aus- weisen bezw. das darauf gesammelte Geld abliefern, ihre Namen im„Vorwärts" öffentlich bekannt zu geben.— Der Bericht des Gewerlfchaftsdelcgirten und Vertrauensmannes wurde vertagt. Briefkasten der Redaktion. Wir Hillen bei jeder Anfrage eine Chiffre tZwei Buchstaben oder eine Zahl) aniugeben, unter der die Anlivorr erthettt werden soll. Die j u r i st i s ch e Sprechstunde findet am Montag Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. Tie Vcreinsberichte laufen wieder so verspätet ein, daß wir unsere Mahnung, schneller zu berichten, auf's dringlichste wieder- holen müssen. Gestern lief ei» Bericht des Vereins der Einsetzer, der am 22. Septbr. seine Versammlung abgehallen hat. ein, ferner sandten uns erst gestern die Posamenter einen Bericht einer Ver» sammlung vom 13. September zu. Zwei Wettende. Der Zeuge hat die Strafe auf Befragen anzugeben. gib., Suarbrückerstrasze. Wir werden die Sache recherchiren. Dresden. Wir können das im Augenblicke nicht feststellen. Die Genossen Geyer und Heiuifch in Leipzig werden in der Lage sein, rascher Auskunft zu ertheilen. V. F. ä35.|Sie können, falls Sie noch nicht 40 Jahre alt sind, die Selbstversicherung vornehmen. Sie müsse» zu vielem Vehufc die für die Lohnklasse II festgesetzten Beiträge(20 Pf.) und zu jeder Marke noch eine Zusatzmarke(Stück 8 Pf.) kleben. Ihr Rückerstattungsantrag muß spätestens am 20. Oktober bei der Versicherungsanstalt eingelaufen sein. Das hierzu Erforder- liche ist bereits oft an dieser Stelle, überdies auch neuerdings unter„Soziale Rechtspflege" eingehend besprochen. - H. O.«0, E. 51. 2a, Bertha, G. S.: Ihre Anfrage ist ausführlich unter„Soziale Rechtspflege" beantwortet.— M. M. 50. 1. Einen der Vorenthaltung des Bodens ent- sprechenden Betrag können Sie von dem Miethszins einbehaltcn oder, falls sie diesen unter schriftlichem Vorbehalt Ihres Rechts auf Ersatz des Minderwerths zahlen, trotz Zahlung des Mielhs» zinses einklagen. Den Schlüssel müssen Sie so abliefern, daß der neue Mielher zu der dort ortsüblichen Zeit einziehen kann. 2. Der Armcnverband hat nur dann das Recht auf Abschiebung, wenn die betreffende Armenunterstützung in Anspruch genommen hat. Die Ehesran erwirbt keinen eigenen Unterstützuugswohnsitz, sondern theilt den ihres Mannes, wenn dieser auch von ihr getrennt lebt.— OSkar. Wenden Sie sich an einen Arzt. — W. Sch. Sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprech- stunde vor.— I. I. ZV. Handlungsgehilfen und Handlnngs- lehrlinge unterliegen der Krankenversicherungs-Pflicht, wenn ihr Vertrag ihnen weniger gewährt als Artikel 60 H. G.B. vorschreibt. Art. 60 H.G.B, bestimmt, daß Handlungsgehilfen. welche durch unverschuldetes Unglück an der Leistung ihres Dienstes zeitweise verhindert sind, dadurch auf die Dauer von 6 Wochen ihrer Ansprüche auf Gehalt und Unterhalt nicht verlustig gehen. Da Ihr Vertrag diese Bestimmung des Art. 60 einschränkt, so sind Sie Mitglied der Orts-Krankenkasse geworden. Im Erkraukungsfall haben Sie sich an diese zu wenden. Ihr Prinzipal hastet, wenn er Sie nicht angemeldet hat, der Kasse, nicht Ihnen, für die Leistungen der Kasse. 33. 1. Nein. 2. Nein. 3. Am 31. Dezember 1899.— Vertauschter Hnt. Die Klage hat Aussicht auf Erfolg. Anzustrengen ist sie beim Amtsgericht I. Die Kosten würden etwa 10—20 M. betragen. — I. F. Wenn die Erbschaft ohne Vorbehalt angetreten ist, so haftet die Erbin für alle Schulden auch mit dem eigenen Ver- mögen. Ist die Erbschaft mit Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventars angetrelen und das Inventar rechtzeitig eingereicht, so hastet die Erbin nur in Höhe des Nachlasses.— A. H. 129. Wie in diesem Monat bereits dreimal an dieser Stelle dargelegt ist, muß man vor der Ehe 235 Wochen geklebt haben und den Anspruch aus Rückzahlung der Hälfte des Verklebten innerhalb spätenstcs drei Monate nach Abschluß der Ehe geltend machen. — R. M. 1. Ist verjährt. 2. Zur Auskunstserlheilung im ikartenspielen ist der Brieslasien nicht da.— Blisse. Ihre Forderung ist nicht verjährt. Der Erlaß des Zahlungsbefehl hat die Verjährung unterbrochen. Die Nothwendigkeit, falls Wider- spruch erhoben ist, innerhalb 6 Monaten zu klagen, um die Unterbrechung der Verjährung fortdauern zu lassen, besteht nur bei Objekten über 300 M. Lade» Sie Ihren Schuldner vor das Amtsgericht.— C. V. Man nimmt au. daß eine Verpflichinng zur Prolongirung, eventuell Einlösung des Pfandes, besteht.— Britz. Sprechen Sie in der juristischen Sprechstunde gelegentlich vor. — G 03. I. Wer Mitglied einer den gesetzliche» Anforderungen genügenden freien Hiliskasse ist, hat keine Verpflichtung, irgend einen Beitrag für die Orls-Kraukenkaffe, Fabrikkasse, Betriebskasse und dergleichen zu zahlen. Der 5krankenversicheruugs°Gesetzgeber hat jedoch ans seiner Abneigung gegen die allein von Arbeitern verwalteten freien Hiliskassen heraus nicht zugelassen, daß, wer bereits Mitglied einer Orts-Krankenkasse und dergleichen ist, ohne weiteres durch seine spätere Mitgliedschaft zu einer freie» H>lss- lasse aus der Orts-Krankenkasse ausscheidet. Vielmehr kau» der, der während seiner Zugehörigkeit zur Orts-Krankenkasse Mitglied einer freie» Hilfskasse wird, nur unter de» im Statut angegebenen Bedingungen aus der Orts-Krankenkasse n. s. w. ausscheiden. Zum mindesten muß aber das Statut der Orts- ic. Kraukenlaffe Versicherungspflichtigen den Austritt mit dem Schlüsse des Iiechnnngsjähres gestatten, wenn sie den Austritt spätestens drei Monate zuvor beim Kassenvorstande beantrage» und vor dem Austritt nachweisen, daß sie Mitglieder. einer freien Hilsskasse im Sinne des§ 75 des Kraukenversicherungs-Gesetzes geworden sind. 2. Solche Kasse ist»nS unbekannt. — G. S. Ter Miether ist verpflichtet, seinem Vertrag gemäß dem Vermiether Zutritt zwecks Weitervermielbung zu gestalten. Hindert er den Zutritt, so macht er sich schadenersatzpflichtig.— Alter Nbonncnt, Rixdorf. I. Nein. 2. Ja. 3. Anwälte, Aerzte n. s. w. können wir nicht empfehlen.— P. 100. Ihr Mielhsvertrng hört ohne weiteres am 1. Olrober ans.— 6». H. 1f 6 a Bellealliance-Platz 6 a. 81 Nene Friedrichstrasse 81. 8 Oranlenstr. 8. 29 Genthlnerstr. 29. Potsdam, Walsonstr. 27. OflliM« schmerzlos eingesetzt, festsitzend. Reparaturen sofort. Weniger SlUllpt» Zlllslll. Bemittelte Ermäßigung. KresIaiNski, Spittelmarkt 13. 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