Nr. 286 ♦ 44. �ahrg. Musgabe A Nr. 146 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich S,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Mcmelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,00 Reichsmart, für das übrige Ausland S.öO Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts" mit der illustrier» ken Tonntagsbeilage.Volt und Zeit* fooiie den Beilagen„Unterhalwng und Wissen".„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme".»Der Kinder» freund".„Iugend-Vorwärts*.„Blick in die Bllcherwelt" und �Kultur- arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Delegramm-Adressc: „Sozioldemotrot ZZerlia* Sonntagsausgabe Derlinev Volksbl�tt (15 Pfennl,] Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- zeile 60 Pfennig. Retlamczcil« . 6,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen* das fettgedruckte Wort 2b Pfennig fzulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche dos erste Wort Ib Pfennig, lcdcs weitere Wort 10 Pfennig. Worte über Ib Buchstaben zähle» für zwei Worte. Arbeitsmartt Feile 00 Pfennig. Familienanzeigc» für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4\h Uhr nachmittags IM töauptgcfchäft, Berlin SW 68, Linden- ftrage Z, abgegeben werden. Geöffnet von 6l-. Uhr früh bis b Uhu nachm. Zentralorgan der Sozialdcmokratsfchcn parte! Deutfcblands Redaktion und Verlag: Serlin SW. 68, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Sonntag, den 19. Juni 19Ä7 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Verliu 37 S3«— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Anaestelltcn und Beamten. Wallstr. 63: Diekouto-Gescllschaft. Depokitenkasie Lindenstr. 3. Beilegung öes /llbanienkonsiittes? Intervention der Mächte.- Ergebnis der Genfer Besprechungen. Belgrad, 18. Juni.(WTB.) Das Blatt„Politika" meldet, daß die südslawische Regierung van der Annahme des französi- s ch e n Antrages auf der Zusammenkunft zwischen Briand, Chamberlain und Stresemann in Genf, wonach im südslawisch- albanischen Konflikt seitens der Mächte nochmals in Tirana im Sinne der Beilegung interoeniert werden soll, offiziell in Kenntnis gesetzt worden sei. Gleichzeitig sei die südslawische Bestie- rung ersucht worden, die Durchführung der infolge des endgültigen Abbruchs der Beziehungen zu Albanien, welche nach Abreise des albanischen Gesandten aus Belgrad erfolgte, vorgesehenen Matz- nahmen nicht zu übereilen. Die südslawische Regierung hat infolge dieser Anregung die Anordnung über die Sperrung der Grenze gegen Albanien vorläufig ausgehoben. Da die Interventionsmächte hoffen, daß die Beilegung des Konflikts mog- lich sei, wurden die südslawischen Konsuln, die Albanien bereits ver- lassen haben, angewiesen, vorläufig in Orten in der Nähe der Grenze ihren Sitz aufzuschlagen. Die Ausgleichsformel im Konflikt werde voraussichtlich in der Freilassung des Dolmetschers Dfchuraskowitsch unter gleichzeitiger Zurückziehung der von Albanien beanstandeten scharfen südslawischen Note bc- stehen. vanServelüe über üas Genfer Ergebnis. Brüssel. 18. Juni.(WTB.) Landervetde erklärte einem Ber- treter der Belgischen Telegraphen-Agentur: Die Genfer Ratstagung ist trotz der pesfiniiftischen Doraussagungen wie gewöhnlich in der größten Ruhe verlaufen. Die Nähe der September- Versammlung gestattete es, heikle Fragen zu v e r t a g e n. Ge- wisse Fragen, und zwar nicht die unwichtigsten, wurden abermals neben der Ratstagung behandelt, besonders bei der Konferenz der Sechs. Diese Sonderbesprechungen rufen gewiß einige Kritiken her- -vor, aber sie sind zweifellos sehr nützlich gewesen. Die anfänglich ein wenig stürmische Atmosphäre erfuhr eine wirkliche Entspannung, und ich glaube sagen zu können, daß die Delegierten Genf mit einem günstigeren Eindruck verlassen, als dem, der sie bei ihrer Ankunft beherrschte. Die Locarnv-Dolilik wird, wie das Schlußkommunique der sechs Mächte besagt, sartgesetzl. Die Frage der Feslungen ist geregelt: die Verminderung der französischen Trnppenbestände im Rhein- land scheint nicht lange aus sich warten lassen zu sollen. Die Dölkerbundsversammlung von 1928 hat im chinblick auf den möglichen Eintritt einer deutschen P-ersönlichkeit in die Kolonial- Mandatskommission eine Summe in das Budget eingestellt. Die Kommission wird über die Zweckmäßigkeit einer solchen Zulassung befragt werden Der Rtt wird im September darüber entscheiden. Der wichtige Bericht Stresemanns üb-er die Wirtschafts- k o n f c r e n z gab im Rat Anlaß zu Kundgebungen zugunsten einer größeren Freiheit des Güteraustausches, denen die Regierungen werden Rechnung trage» müssen. Man darf schließlich hassen, daß binnen wenigen lagen diskrete. aber wirksame Interventionen dem Konflikt zwischen Albanien und Jugoslawien ein Ende sehen werden. Ein Gleiches kann man nicht von Fragen sagen, die schwer- wiegenderer Art sind als die albanische Frage und Rußland be- treffen. Man hat allerhand erzählt, was� nicht der Wirklichkeit ent- spricht. An den Erzählungen über eine Heilige Allianz der westlichen Regierungen gegen die Sowjets ist kein wahres Wort. Alle schienen im Gegenteil darin einer Meinung zu sein, daß die Stellung zu Rußland eine Angelegenheit jedes einzelnen Landes ist, und daß jeder Versuch, gegen die Sowjets eine Einheitsfront zu bilde», nur die Wirkung haben würde, die Stellung der Sowjets in Rußland selbst zu festigen. In diesem Punkt hat es keine Meinung?- Verschiedenheit gegeben zwischen denen, die einen Zusammenbruch des Sowjetregimes wünschen und denjenigen, die im Gegensatz dazu fürchten, daß der Sturz der Sowjets, falls er durch ein Eingreifen von außen her hervorgerusen würde, die schlimmste Reaktion bc- wirken würde. Das„Schattendasein" des BölkerbundSrats. parl». 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die in der Tat kaum mehr zu überbietende Belanglosigkeit, die das Charakteristikum der abgelaufenen Session des Völkerbundsrats war, gibt der französischen Presse Anlaß zu ungewöhnlich heftigen Kritiken. Sie stellt fest, daß der Rat durch die Besprechungen der Außenminister völlig an die Wand gedrückt worden sei, und daß er selbst nicht ganz frei von Schuld an diesem Prestige- vertust sei, da er nicht eine der ihm überwiesenen Streitsragen der Lösung entgegenzusühren vermocht habe. Obwohl es manchmal nur Fragen von sekundärer Bedeutung gewesen seien, mit denen rr sich diesmal zu befassen gehabt habe, habe er doch nicht einmal die Zeit gefunden, sie gründlich zu diskutieren, sondern sich durch die übliche Verschleppungstaktik um längst fällige Entscheidungen herumgedrückt. Man werde sich daher nicht verwundern brauchen, daß der Rat mehr und mehr an Autorität verliere und allmählich zu "l einem Schattendasein herabsinke. polens Gesanüter in Moskau bittet um Schutz Kowcrda und seine Gesinnungsfreunde. Warschau, 18. Juni.(OE.) Nach einer Moskauer Meldung der„Ajeneja Wschodnia" sab sich der polnische Gesandte in Moskau. P a t e k,„-cksiigt' wegen der Demonstrationen vor dem Gesandschastsgebäude die Sowjetregierung um Polizei- Ii che n S.chriH zu ersuchen. Die„Ajeneja Wschodnia" dementiert die Meldung, daß die Sowjetregierung keinen neuen Gesandten nach Warschau zu entsenden beabsichtige. Möglicherweise würden jedoch Verzögerungen in der Ernennung eines neuen russischen Vertreter» bis zur Klärung der Beziehungen zwischen Rußland und Polen eintreten. Der Mörder des Gesandten Woikog� K o w e r d a, erhält im Gefängnis Hunderte von Briese» von Ge- sinnungsgenossen und tZandsleutcn aus Polen und England. Das Rätsel dec. Ermordung Turows. Moskau, 18. Juni.(OE.) Das Moskauer Abendblatt Wet- schernaja Moskwa" verössentlicht eine Unterredung mit dein General- sekretär der Kommunistischen Akademie, Kossolapow, der folgende Einzelheiten über die noch immer in tiefes Dunkel »ehüllte Ermordung des früheren stellvertretenden Leiters der Berliner Sowjethandelsvertretung, T u r o w. bei Moskau mitteilt. Turow sei wenige Tage vor keinem Tode mit seiner Familie von Maskau nach der Dillenkolonie Dubrowka bei der Station Biza übergesiedelt. Am Mordtage kehrte er wie gewöhnlich am Abend o>-s Moskau.zurück. Tnrow wählte nicht den sanft von den Be- wohnern der Billenkolonic benutzten Weg von der Eisenbahnstation. sonder» einen kürzeren, der durch einen dichten Wald führt. Ungefähr auf der Halste des Weges wurde Iiirom durch drei Revolverschiisfe getötet. Die Schüsse wurden von zahlreichvr Fußgängern gehört. Heber die Attentäter ist noch immer öffentlich nicht das Geringste bekannt. Marburgs Rückkehr aus Rußland. Rem Jork. 18. Juni.(MTB.) Der Bankier Felix W a r b u r g,'der eben von seiner siebenmonatigen Weltreise zu- rückgekehrt ist, hob den zuvorkommenden Empfang, den er während seines Aufenthalts in Sowjctrußland gefunden habe. rühmend hervor und bemerkte, er habe dem Botschafter Schur- pllui einen Bericht über feine russischen Eindrücke übergeben. Der Prozeß gegen Zrau öoroüin. In Peking begonnen. Moskau, 18. Juni.(OE.) Der Prozeß gegen die Frau des be- kannten Sowjetagenten in China, B o r a d i n, und die drei sowjetrussi- schen diplomatischen Kuriere, die von de» Truppen Tschangsolins ans dem ruMchen Dampfer„Pamjatj Lenina" verhaftet wurden, begann am 17. Juni in Peking. Als Verteidiger fungieren der Aeltestc der Pekinger Anwaltschaft sowie zwei weitere bekanntechinesischc Anwälte. Der Zoll Doriot. Wie eine Regierung Märtyrer schafft und sich selbst blamier Der französische kommunistische Abgeordnete Doriot war wegen mehrerer Reden, die er im Auftrage der kommunistischen Internationale vor einigen Wochen in Kanton, Hankau und Schanghai gehalten und in denen er u. a. auch die Loslösung Judo- chinas doin französischen Protektorat propagiert hatte, von der Rc- gicrung in Abwesenheit strafrechtlich verfolgt worden. Außerdem mar er wegen anderer politischer Delikte in der Zwischenzeit ver- urteilt worden. E sollte, nach den Erklärungen des Justizministers B a r t h o u. beim etwaigen Wicderbetreten des französischen Bodens verhaftet werden. Ein großer Teil der französischen Linken, voran die S o z i a l i st e n, protestierte gegen dies« Absicht. Doriot ist nun, über Wlodiwostock Moskau und Berlin kommend, in Paris eingetrossen. Er hielt- sich zunächst oer- bargen. Am Nachmittag fand i» der Kammer eine große Debatte statt, in der Barth ou zwar starke Warte redete, aber schließlich nur eineg juristischen„Dreh" versprach, daß Doriot doch nicht verhaftet werden würde. Die Regierung erhielt zwar bdi einer Abstimmung eine starke Mehrheit, doch schnitt ihr Justizminister persönlich sehr schlecht ab. Doriot tauchte dann schon am Abend in einer pfsentlichen Versammlung der kommunistischen Partei als Redner auf. Sein überraschendes Wiederauftreten im politischen Leben der französischen Hauptstadt hat ungeheures Aufsehen erregt, zumal nach dem Abschluß der für die Regierung am Donnerstag so kläglich verlaufenen Kommunistendebatte. Die kommunistische Partei ver- anstaltete für ihren»Märtyrer" Doriot eine große Kundgebung. Schluß in Genf. Völkerbund— kein Bund der Völker. W. S. Gens, 17. Juni. Die Ratstagung des Völkerbundes schloß Freitag mittag. Ihr Ende war formlos. Man hob die Tagung wie eins Sitzung auf, ohne davon Aufhebens zu machen. Vorher noch hatte es bei Teilnehmern und Zuschauern Aufsehen gegeben. International kämpften geschulte Parlamentarier. Der Aristokrat gewordene Enkel eines englischen Industrie- Magnaten führte den Degen, der in Deutschlands öffentlichem Leben sich emporarbeitende Berbandssyndikus schlug mit dem Schwert. Es war beantragt, über das polnische Munitionslager in der verkehrsreichen Hafenstadt Danzig den Beschluß zu vertagen. Chamberlain war Rats- Vorsitzender. Er mochte sein Weltreich, das feine Klaffe wieder regiert, mit dem winzigen Freistaat von Völkerbunds Gnaden vergleichen. Wie jedermann, hat auch Sir Austen den An- spruch, pünktlich zu Mittag zu essen. Das war ihm so wichtig wie die Wohlfahrt von einigen zehntausend Menschen in einer fernen östlichen Stadt. Der deutsche Außenminister wußte, er würde mit leeren Händen in die- Reichshauptstadt zurück kommen. Dort tobt schon rechts die Presse und droht ihm die Opposition links. Es lag ihm daran, daß man altes deut- sches Gebiet mit Achtung behandelt. Er setzte den Anspruch Danzigs, gegen den Vertagungsantrag debattieren zu dürfen, als sein Sachverwalter mit Wucht durch. Der Engländer lenkte ein: er habe nur der Gefahr eines allzu ausführlichen Eingehens auf die Sache vorbeugen wollen/ Der Danziger Staatspräsident brachte seine Einwände vor. Er ging auf den Grund der Sache, aber hielt sich an die Grenzen einer Vertagungsdebatte. Sir Austen bedauerte, dein geschickten Debatter Sahm Ungeschick zugetraut zu haben. Lächelnd gab er ihm zu verstehen, er habe seinen Einspruch trefflich ver- treten, und unterbrach den Polen, der die Grenzen der Ge- schäftsordnungsdebattc ungehörig verletzte. Dann folgte eine stundenlange Debatte. Sie hat dann doch mit der Vertagung geendet. * Es hat in den fünf öffentlichen Ratssitzungen von Montag bis Freitag nur wenig spannende Augenblicke gegeben. Ein- mal brachen ökonomische Gesetzmäßigkeiten durch die dicke Atmosphäre diplomatisch-politischer Händel. Zwei Nachbar- staaten der europäischen Mitte, Deutschland und Bei- g i c n, gingen den anderen wirtschaftlich voran. Ihre Ver- treter erklärten, ihre Regierungen hätten bereits Stellung zu der Weltwirtschaftskonferenz genommen: sie setzten sich für die Konferenzergebnisse ein. Mit ein ganz klein wenig Stolz über das Erreichte unterrichtete Stresemann den Rat von dem Beschluß des Rcichskabinetts.(Dazu hätte er keine Veran- lassung gehabt, wenn er die neuesten Beschlüsse des Kabinetts gekannt hätte. Red. d.„V.") Er bekannte sich mit Wärme zur Internationale der— kapitalistischen— Wirtschast. Aus dem Nationalliberaleit wird der International- liberale. Aber seinem Glaubensbekenntnis war ein real- politischer Schluß angehängt. Er ist theoretisch für die Frei- heit des Handels: praktisch möchte er nicht die Zölle abbauen, sondern nur die Zolltarisschemen einfacher und überein- stimmender machen. Dem Industrialliberalismus Strese- manns hängt die 51oalition mit den Agrariern wie der Klotz 'am Bein des Gefangenen. Auch Vandervelde ivrach nicht für sich oder seine Partei allein: er vertritt einen Staat mit einer Burgfriedensregierung. Sein Staat ist ein Durchgangs- und Industrieland, mehr als die anderen. Uneingeschränkt konnte er deshalb die Unterstützung seiner Regierung für die Kon- ferenzbeschlüsse zusagen. Aber aus ihm sprach zugleich der Führer der sozialistischen Arbeiterschaft, in deren Köpfen das Bild eines wirtschaftlich und politisch geeinten Kontinents lebt. Deshalb auch sein zielsicheres Bekenntnis zur Abrüstung. mit dem klaren Entweder: ihr rüstet mit einander ab. Od*'': ihr rüstet auch gegeneinander auf.' sfc Die Geschäfte des Völkerbundsrats find meist unanschau- liche, juristisch kuisfliche internationale Verwaltungs- a r b e i l. Chamberlain leitete diese— seit 192g— 45. Rats- tagung wie der Chef eines Außenministeriums eine Ministe- rialdirektorenkonferenz abhält. Sir Austen ist zwar ein Mann des öffentlichen Lebens. Doch ist nur dlis Parlament die Stätte, wo der wahre Gentleman öffentlich wirkt, wo der eine Wohlerzogene mit dem anderen Wohlangezogenen die Klingen der Dialektik kreuzt. Das Volk, die Massen, sind ihm zum Regiertwerden da. Gar die Vertreter der lauten Oeffentlich- keit sind ihm persönlich zuwider. Nicht einmal hat er sie empfangen. Es machte ihm Spaß, einem hervorragenden kontinental-europäischen Journalisten, der zwanzig Pards vor ihm ihn beobachtend stand, zum Niedersitzen zu zwingen. Er genießt die Macht. Er verzichtet, volkstümlich zu wirken. Es gab einen dramatischen Augenblick in den zehn Stunden öffentlicher Ratstagung. Es war ein Bösewicht hierher geladen. Er war zwar gekommen, wollte sich aber dort vor der Verantwortung drücken, Chamberlain nahm ihn unter vier oder mehr Augen fürchterlich ins Gebet. Klein und häßlich nahm der Sünder auf dem Armfünderftuhl am Ende des Ratstisches Platz, die Beinchen ängstlich an sich gezogen. Er erklärte, fein Verhalten ändern zu wollen. Sir Austen hob sich schräg über den Tisch, genießerisch fuhr ihm die Zunge zwischen die dünnen Lippen: Er freue sich, daß der Litauer Besserung gelobe. Er hoste, der Rat werde in der Zukunft von solchen Schweinereien verschont bleiben. Der große Klaus gegen den kleinen Klaus: der zivilisierte Machthaber eines Weltimperiums von drei Jahrhunderten gegen den Parvrnudiktator eines siebenjährigen Kleinstaates. Das war bester, als wenn eine Großmacht einen kleinen Nachbar gewalstam zur Rechenschaft zieht, ihn wegen Unbot- Mäßigkeit vergewaltigt. Es war ein Beispiel i n t e r-- nationaler M a ch t p o l i t i k in parlamentarischen Formen, immerhin eine Auseinandersetzung zwischen formal gleichberechtigten Staaten, jeder mit einem Sitz in dieser Ratstagung. Dennoch war der Kampf um Memel Kampf wahrer Demokratie gegen unwahre Diktatur, keine leidenschaftliche Auseinandersetzung über Verletzung von Nolksrech».'n, keine laute Klage über die Verletzung intxr- national heilig zu haltender Vertragstexte, keine Aufrlltte- lung des Gewissens Europas gegen den Terror über einen deutschen Volksteil, kein Ansturm sittlicher Leidenschaft gegen die Vergewaltigung militaristischer Willkür: es war ein diplomatisches Geschäft, vor anderen Mächten öffentlich abgeschlossen. Die Ratssitzungen des Völkerbundes stellen heute noch diplomatische Konferenzen dar. Aengstlich, allzu ängstlich wird dort jedes Wort auf der Goldwage gewogen. Man ist noch weit entfernt von der Kampfschärfe nationaler Parlamente. Rücksicht, allzuviel Rücksicht wird aus die unsittlichsten Empfindungen, aus die grundlosesten Ansprüche des anderen genommen. Die Staaten stehen sich noch fern, wachsam, miß- trauisch gegenüber. Von den Geheimkonferenzen einer Mächte- gruppe zu schweigen: selbst der Völkerbund stellt einen Bund der Regierungen dar, von Regierungen, die nur zum Teil ihre Völker, zum Teil offene und verschleierte Diktaturen ver- treten. Dort wird der Bund der Regierungen zu einem Bund der Völker, sobald die Regieningen in Genf die Völker vertreten. Zeitgemäße Selehrung. Gute Ratschläge von den christlichen Gewerkschaften. Und die Taten? Im„Deutsche n", dem Organ der christlichen Gewerk- schaffen, erteilt Franz Röhr der Arbeiterschaft folgende Belehrungen über die Behauptung des Reallohnes: „Der Lebenshaltungsindex steigt ohnehin schon seit Monaten. Gegen November kann es dann so weit sein, daß die Arbeitnehmer- schast wieder den Reallohn wie vor einem Jahr hat. Und das bei blühendster Wirtschaft, bei Hochkonjunktur, die freilich durch die Preissteigerung selbst auf das äußerste gefährdet wird. Wenn die Arbeitnehmerschaft sich diese Entwicklung gefallen läßt, so verdient sie das Los. das sie hat. Sie irrt aber, wenn sie ihr Zuk.unstsheil einseitig durch Lohnkämpf« oder Schiedssprüche glaubt erringen zu können. Sie muß gleich- ..»xitig die Preise{üj hje g,e n st.äM e d e 5 t ä g l i,ch e n B.sda.es c s zu s e.njen.bs w zu sin der L.aAelejn. Per /Reallohn ist /mch.unehr. bedroht, wenn sich. nur. d je Kräfte /xühchn.' Jiie auf Preissteigerungen hinaus /sind. Um sä größer ist dke Pflicht der Organisationen aller Volksschichten, die kein Inter- esse an weiteren Preissteigerungen haben und die die Entproletari- ficrung der Massen wollen, sich den Preistreibereien, ihren Ursachen und ihren Vcrursachrrn entgegenzusetzen. In dem Maße, wie das nicht mit Erfolg gelingt, müssen freilich die Lohnbewegungen verstärkt und beschleunigt werden. Der Reallohn darf nicht sinken, sondern er muß st e i g e n! Die Mahnung zur Preissenkung liest sich gut in einem Augenblick, in dem die Parteien des Bürgerblocks sich auf neue Favoriten öer Moöe. Von Alfred Arno. Lebensgefährliches Gedränge, Fallen aller Hemmungen, wenn ein konjunkturverständiges Warenhaus einmal aus die Idee kommt, seine Kundschaft durch Filmvirtuosen bedienen zu lassen. Harry Liedtkcs Nase wird bei solchen kostbaren Gelegenheiten beinahe so hoch bewertet wie die Ozeanbezwinger, und wenn Fairbanks sich meisterhaft mit Peitsche und Florett beschäftigt oder wenn Harry Piel aus einem Flugzeug in ein Auto springt, dann fühlt da» Publikum über sich das Rauschen der Ewigkeit. Dann tobt es wie ehemals, als Caruso das hohe C der Troubadour-Stretta schmetterte oder Ernst Kraus sein erschütterndes„Isolde� am Schluß des dritten Tristanaktes verhouchte. Die Begeisterung ist dieselbe geblieben, nur die Anlässe, die Gründe haben sich geändert. Man steht heute nicht mehr am Bühneneingang und wartet. bis sich der strahlende Gralritter in einen dicklichen und durchaus gleichgültigen Herrn oerwandelt hat. dessen Lächeln und Autogramm eine Ahnung paradiesischer Freuden vermittelten. Man interessiert sich nicht mehr für das Privatleben des Don Carlos oder Romeo, man verlangt nicht einmal nach ihrer Photographie, selbst in der Provinz nicht mehr, und noch vor zehn Iahren führten die Bilder mehr oder minder verdienstvoller Heerführer nur ein bescheidenes Dasein in den Sluslagen der Berliner Papiergeschäfte, verglichen mit den, Ueberangebot, das Aufnahmen von Iodlowker, Schwarz oder Moissi erfuhren. Nein, die Illusion ist zerstört, mit dem Fallen des Vorhangs. Auch heute noch begeistert die Gralserzählung, aber man überträgt diese Begeisterung nicht mehr auf den Sänger, und doch ist Pattiera von derselben Oualität wie Jadlowker, und Schlus- nüS steht heute erst auf der Höhe seine, Könnens. Was bewundert nym an Fairbanks?— Das schauspielerische Genie? Kaum. Abex die rein artistische, die sporttiche Leistung. Warum begeistert man sich für Harry Liedlke?— Macht es die Ge- staltungskraft. die Wahrheit des Ausdruck»?— Ach nein! Doch Harry Liedtke bedeutet so etwas wie'eine Wunscherfüllung. Er ist die Verkörperung eines Ideals, ein Gentleman ohne große, geistige Belastung, ober versiert in allen sportlichen Fragen. Ein Favorit, jedoch höchstens ein Favorit der Frauen, Emst Kraus aber ergriff auch die Männer. Und wer ist heute tatsächlich der große Favorit de? Mode? Ein berühmter Berliner Opernsänger läßt sich unentwegt photographicren, nicht etwa in seinen genialen Rollen als Hau- Sachs oder Mephisto, sondern am Steuer seines Rennwagens oder in Gesellschaft ehrwürdiger Sportmatronc». Die Stimme hat an Glanz verloren, aber die Beliebtheit wächst. Schämt er sich, daß er Sänger, also Vermittler geistiger Werte ist. und nicht Sports- mann aus Profession? Auch er ist Favorit, und er weiß, wie man z>«gte dieje Position verteidigen muß. Zollerhöhungen für Kartoffeln, Fleisch und' Zucker geelnigk haben, die notwendig Preis st eigerungen der Gegenstände des täglichen Bedarfes nach sich ziehen müssen. Diese Zollerhöhungen werden nur möglich durch die Zustimmung des Zentrums, Wie gedenken sich die christlichen Gewerkschaften dieser Preistreiberei und ihren Verursachern entgegenzusetzen? Sruüer Arbeiter. Die Scharfmacher brauchen Wahlstimmen. Am Mittwoch haben die Herren von Stahl und Eisen in Berlin getagt. Jene Kreise, von denen Stegerwald sagte— es war in der Geburtsstund« des Bürgerblocks—, daß sie die Verkörperung der verstocktesten sozialen Reaktion seien. Das sind die Leute, die in der Deutschen Volkspartei beieinandersitzen, und für die die Rationali- sierung jeden Sinn verliert, wenn die Arbeiterschaft davon Vor- teile hat. Dieselben Leute lassen heute in Berlin ein«„Reichs- arbeitertagung der Deuts ch"*« Volkspartei"' abhalten. Dort sollen die„Arbeiter" über die sozialpolitisch« Begeiste- rung der Herren Scharfmacher„aufgeklärt" werden. Arbeiter? Was haben Arbeiter mit der Scharfmocherpartei zu tun? Nun, die Herrschaften, denen es vor der Abrechnung bei der nächsten Wahl graut, brauchen Arbeiterstimmen. Mit den Stimmen der paar hundert Unternehmer und Syndizi erhält man keinen Regierung?- einfluß. Aber Lohnerhöhung, Achtstundentag, Teilnahme an den Früchten der Rationalisierung— da wird der Bruder Arbeiter wieder zum Proleten, der das Maul zu halten hat. deutsch-franzoßsche verhanölungen. Handelsvertrag und Provisorium. pari», 18. Juni.(WTB.) Haoas veröffentlicht folgendes Kom- munique des Handelsministeriums: Handelsminister Boka- n 0 w s k i hatte heute vormittag mit dem Führer der deutschen Handelsdelegation, Ministerialdirektor Posse, eine Unterredung über die Erneuerung des am 30. Juni ablaufenden Provifo- r i u m». sowie über die Voraussetzungen eines endgültigen Handelsoertrages zwischen Deutschland und Frankreich. Zürftenabfinüung in Württemberg. Debatte im Landtag.— Sozialdemokraten und Demokraten gegen den Vertrag. Sluttgart, 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Württember- gische Landtag beschäftigte sich am Sonnabend mit dem Vertrag, den die württembergische Regierung mit dem ehemaligen lande s- herlichen Hause Württemberg über die Vermögens- auseinander setzung abgeschlossen hatte. Im Auftrag der sozialdemokratischen Fraktion beanstandete Abg. heymann, daß bei diesem Vertrag die politisch-rechtlichen und sozialen Gesichtspunkte, die sich aus den heutigen Zeitverhältnissen für die Regierung eines republikanischen Staatswesens zwingend ergeben müßten, nicht berücksichtigt worden seien. Die An- sprüche der herzoglichen Familie waren dreifacher Art. Zu- nächst„erlangten sie eine Entschädigung für den Fort- fall der Zivilliste und 21 ponogen, Auf deren weiterer GeltendmachuM'/hak Ie/zchak. km Laufe der Verhandlungen ver- zichtet, rfofr die' Äst lptü ch es c l b Tf sind nicht fallengelassen wor- den. statt 4 000 Mk. schärt, hört!). Der Verkauf bei Versetzung des Beamten würde schwer st e Verluste mit sich bringen. Uebrigens Hab« die Ein- familienheimstätte volles Fiasko erlitten, nur der chochbau habe sich als rentabel erwiesen. Abg. Reddermeyer(Komm.) hat Bedenken gegen das Ge- setz. Es sei ein kostenloses Zugeständnis an die Beamten an Stelle von Gehaltserhöhungen. Außerdem werde die Regierung künftig bei Besoldungsverhandlungen auf die Stimmung der Oeffentlichkeit hin- weisen können, die aus diesem Gesetz den Schluß zieht, den Beamten gehe es heut« schon viel zu gut. Schließlich entheb« dieses Gesetz die Regierung auch der Pflicht, selber Wohnungen für ihre Beamten zu bauen. Der Redner verlangt mindestens Sicherungen, er beantragt staatliche Bürgschaft für die eingezahlten Gelder und ein Rückforderungsrecht des kündigenden Beamten. Abg. Roßmann(Soz.) stimmt dem Grundgedanken der Vorlage, den Beamten eine neue Möglichkeit zu geben, sich Heimstätten zu schaffen oder aus eigener Initiattoe dem Wohnungselend zu steuern oder eine gewisse Woh- nungskulwr zu betreiben, zu. Aber diese Zustimmung darf uns nicht dazu verleiten, gewisse Bedenken, die der Gesetzentwurs her- vorruft, hier nicht auszusprechen. Das«ine Bedenken richtet sich gegen die Erweiterung der Abtretungsbesugnis für Beamtenbezüge. Damit wird zum ersten Male die im Bürger- lichen Gesetzbuch gezogene Grenze für die Abtretung von Beamten- bezögen und damit auch die Psändungsgrenzen grundsätzlich durch- brachen. Dieses Bedenken ist schon beim Einsührungsgesetz zum Bürgerlich.? n Gesetzbuch sehr ernst genommen wor- den, in dessen Z 81 ausgesprochen wird, daß Ländervorschrif, t e n nicht berührt werden dürfen. Preußen hat auf Grund dieser Bestimmung jede Abtretung von Beamtcnbezügen zu irgendweichen Zwecken untersagt.(Hört, hört! bei den Soz.) Jeder weiteren Durchbrechung dieses Grundsatzes sür die Zukunft sagen wir von vornherein unser« absolute Gegnerschaft an. Schwer wiegen für uns auch die besoldungspolitischen Bedenken. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn im ausgedehnten Maße Beamte mit niedrigen Bezügen dieses Zwecksparsystem ergreisen. sehr leicht der Eindruck erweckt werden kann, die Besoldung der unte. ren und mittleren Gruppen sei gar nicht so schlecht. Nachdem aber die Beamtenoreanisationen sich einmütig für dieses System eingesetzt haben, lassen auch wir dieses Bedenken fallen. Die Beamtenorganisationen haben uns dringend ersucht, das Gesetz so rasch wie möglich zu verabschieden, wir werden ihm daher auch aus diesem Grunde unsere Zustimmung geben. ~ Das Gesetz baut sich aus dem Grundsatz der Freiwillig- feit auf, aber diese Freiwilligkeit hört aus, w-erm der Beamte den Bausparoertrag unterzeichnet hat und die Abtretung rechtewirksam geworden ist. Eine gewisse Milderung ist durch eine andere For- mulierung der Kündigungsfristen und des Kündigungsternnns eingetreten. � Aber ausreichend sind diese Milderungen noch nicht. Der Entwurf bietet keine Garantie dafür, daß der Beamte, der in eine p l ö tz l i che Jll o t l a g, e gerät, sein Kapital früher als vor Ablauf der ganzen Sparperiodc zurückerhalten kann. Wenn der Beamte, durch die Verhältnisse gezwungen, seinen ur- sprünglichen Gedanken ausgeben muß, dann sieht er hier eine Spar. reserve, auf die er nicht zurückgreifen kann. Er kann sich lediglich durch die Kündigung von der laufenden Sparverpflschtung be-sroien, auf die Sparbcträg'e selbst kann er nicht zurückgreifen. Wir haben uns im Ausschuß die größte Mühe gegeben, diese Härte im Hinblick auf die sozialen Absichten des Gesetzentwurfs zu mildern, wir hatten versucht, zu bestimmen, daß die Sparorganisation durch Rücklage oder durch Auslosung gekündigter Verträge eine frühere Rückzahlung der eingesparten Gelder ermöglichen sollen. Leider sind wir mit unseren Bestrebungen bei der Regie. rungsmehrheit ohne Unter st ützung geblieben. Wir haben heute unsere Anträge wiederholt. Wir sind grundsätzlich auch der Ausfassung, daß Heimstätten gegen spekulative Verwertung gesichert werden müssen. Aber eine Einschränkung des freien verfügungsrechts über das Eigen- tum ist doch nur dann gerechtfertigt, wenn mit Hilfe öffentlicher Mittel eine solche Heimstätte geschaffen wird. Das ist aber hier nicht der Fall. Hier sollen sich die Beamten freiwillig die Mittel schaffen, um die Heimstätten zu bauen, und solange wir die kapitalistische Wirtschaftsordnung haben, können wir dem Beamten, der aus eigenen Mitteln baut, bei der Verwertung seines Eigentums keine gesetzlichen Schranken- auflegen. Die Regierung hat unbeugsam den Standpunkt vertreten, daß sie jede wirt- schaftliche Beihilfe zu diesem Zwecke sich versagen müsse. Mir ist dieser Standpunkt völlig unverständlich. Die Regierung hat min- destens eine starke moralische Verantwortung über- nommen, aus der die finanzielle Verantwortung selbst folgi. Ich hoffe, daß das Haus wenigstens die Entschließung des Ausschusses annimmt, die eine gewisse Milderung der horten Be- stimmungen über die Vorenthaltung der Sparkapitalien verlangt. Wir hatten ferner vorgeschlagen, daß die Sparorganisation per-, pflichtet ist, gekündigteSpar vertröge neuenSparcrn zunächst anzubieten. Auch das würde unsere Bedenken gegen die Vorenthaltung der Sparkapitalien wesentlich gemindert haben. Wir müssen die Beamten vor übertriebenen Illusionen warnen. Es ist durchaus nicht so, wie vielfach geglaubt wird, daß nun jeder Beamte sich recht bald eine Heimstätte bauen kann. Unsere Bedenken sind überhaupt nicht grundsätzlicher, sondern praktischer Art. Dieses Gesetz kann überhaupt nur dann für die Beamtenschaft segens- reich wirken, wenn es auf den Grundsätzen höchsterWirtschast- l i ch k e i t ausgebaut wird. Leider hat der R e i ch s r a t den ur- sprünglichen Gedanken, ein zentrales Spar- und Bank- institut zu schaffen, verlassen, und aus partikularistischen Erwägungen heraus die Errichtung dutzendcr von Stellen im Reiche für die Durchführung dieses Gesetzes vorgesehen. Es ist höchst bedauerlich, daß bei einem Gesetz, dos aus rein wirt- fchastlicher Zweckmäßigkeit ausgebaut sein soll, der Kotau vor dem Partikularismus in Deutschland gemacht wird.(Sehr wahr bei den Soz.) Durch einen entsprechenden Antrag wollen wir diesen Fehler wieder gut machen. Zum Schluß erwarten wir, daß vor Erlaß der Ausführungsbestimmungen die Wünsche des Reichstagsausschusses gewürdigt und berücksichtigt werden. lBeisall b. d. Soz.) Sämtliche Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten werden gegen die Antragsteller abgelehnt. Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesuiw in der Ausjchußsassung gegen die Stimmen der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Kommunisten angenommen. Das Haus vertagt sich auf Montag, 15 Uhr: Vergleichsordnung (zur'Abwendung des' Konkurses), Schankstättengesetz. Schluß 1351 Uhr. Liberale wieöergeburt! Das Koalitionsproblem tandjt in England ans. 1?.ZV. London. 17. Juni. Die Regierung hat den Wahlkreis Bosworth an die Liberalen verloren— der dritte liberale Sieg binnen kurzer Zeit. Der Erfolg ist um so bemerkenswerter, als man sich' in England in den letzten Jahren angewöhnt hat, die liberale Partei als eine der Vergangenheit angehörige po- litifche Größe zu betrachten. Die liberale Presse und die liberalen Führer sprechen von einer liberalen Wiedergeburt und der Möglichkeit des Wiederoufrückens der liberalen Partei zur zweiten Regierungspartei, bzw. offiziellen Oppo- fition. Dies letztere wird von niemand außerhalb der libe- ralen Parteimaschine ernst genommen; aber es kann nicht übersehen werden, daß aus inneren und äußeren Gründen eine entscheidende Verbesserung der Zukunftsaussichten der liberalen Partei eingetreten ist. Die Rückkehr Sir He r b e r t Samuels aus dem Staatsdienste in die Parteipolitik und seine Bemühungen um die Reorganksotion der Parteimaschine sind nicht erfolglos geblieben. Die einst so mächtige liberale Organisation in Stadt und Land, die in den letzten Jahren völlig in Zerfall und Zer- setzung geraten war, hat damit einen neuen Anstoß erhalten; es macht sich nunmehr im liberalen Bezirke ein neuer Lebens- imd Machtwillen bemerkbar, der sich nach den Gesetzen, unter denen das politische Leben nun einmal steht, in einer v e r- stärkten Anziehungskraft der Partei auf die kleinbürgerlichen Schichten und damit in einer ge- wissen Wiederbelebung der liberalen Parteiorganisation aus- wirkt, wozu noch hinkommt, daß die liberale Partei zweifel- los in ihren Reihen stärkere Intelligenzen und Per- fönlichkeitcn besitzt als die Konservativen, und noch heute mit ihrer dezimierten Parlamentsfraktion ein in seiner per- sönlichen Zusammensetzung qualitativ besseres Kabinett zu- sammenfetzen könnte, als es die konservative Partei mit ihrer riesigen Majorität vermag. Der Hauptgrund für diese lieberalen Wahlerfolge liegt jedoch nicht in inneren Parteigründen, sondern ist in ä u ß e- ren Momenten zu suchen. Die Stimmung gegen Baldwin ist in den letzten Monaten bedrohlich angewachsen: die neue politische Linie, welche sein Kabinett seit dem Zusammen- bruch des Generalstreiks eingeschlagen hat, mag seine rechts- konservativen Gegner ausgesöhnt haben— obwohl auch dies zweifelhaft erscheint—, sie hat ihn gerade jener fortschrittlich gesinnten, aber nicht sozialistischen Wählermasse entfremdet, die ihn in den Sattel gesetzt hatte. Die Chance der liberalen Partei ist eine negative; zählreiche bürgerliche Wähler kehren sich ihr zu. nicht weil sie Liberale im Parteisinne, Frei- Händler oder gar Anhänger Lloyd Georges wären, sondern weil sie mit Baldwin unzufrieden, eine„nichtsozialistische Politik wünschen, welche nicht diejenige der Regierung ist". Die Stellung der Arbeiterpartei als offizielle Opposition und„zweite Regierungspartei" ist damit unmittelbar weder bedroht no�ch berührt, aber die Wahrscheinlichkeit einer Berdrei- oder Vervierfachung der liberalen Unterhaus- fraktion in kommenden Neuwahlen einerseits und die Un- Wahrscheinlichkeit einer glatten sozialistischen Majorität an- dererseits läßt doch erkennen, daß auch Großbritannien sich binnen kurzem mit dem K ö a k i tionsproblem, wie es beinahe alle �großen kontlnänt�llen Staaten kennenaxlernt. baben,>wirV dtäseinaudersetzen muffen. Solange eine Wahr- icheinlichkeit bestand, daß das gegenwärtige britische Wahl- system eine automatische Ausschaltung der Liberalen bewirken werde, war jede Erörterung von Koalitionsfragen rein akademisch. Die jüngsten Kräfteverschiebungen und Reu- mahlen beweisen jedoch, daß mit einer Rückkehr zum Zweiparteiensystem in England, jedenfalls bis auf weiteres nicht zu rechnen ist. So wird sich notwendigerweise auch in Großbritannien die Parteicnkoalition, und zwar nicht nur als eine Notstands- Maßnahme für Kriegszeit oder nationale Ausnahmezustände, sondern als ein in der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gewichtsverteilung des zwanzigsten Jahrhunderts begründetes Regierungssystem einstellen. Für England bedeutet dies allerdings ein ernsteres Problem, als es selbst für die kontinentalen Staaten war; die gesamten politischen und Re- gerungsmethoden sind, auf das Zweiparteiensystem zuge- schnitten, und es bedarf eines entscheidenden Umdenkens und Umlernens, ehe die psychologischen Voraussetzungen für eine Koalitionspolitik gegeben sein werden. Vorläufig sind sowohl Konservative wie die Arbeiterpartei entschiedene Gegner und lediglich die Liberalen, denen Koalitionspolitik die einzige Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung bieten würde, haben bisher diese Zukunftsperspektive der englischen Innenpolitik im positiven Sinne erörtert. Oer Stahlhelm fabriziert Gesetzentwürfe. , Tic sind aber auch danach. Räch der glorreichen„Eroberung Berlin»" hat sich der S t a h l- Helm auf ein Gebiet geworfen, sür da» die Herren Duestcrberg und Genossen offenbar eine besondere Begabung haben: Man macht in Gesetzentwürfen, die man dann den rechts von den Demo- kraten stehenden Reichstagsfraktioncn in sauberem Durchklatsch zu- stellt. Von besonders gründlicher Bearbeitung der Materie zeugt da beispielsweise ein Gesetzentwurf gegen die Kriegs- s chuldlüge. Er beginnt wie folgt: § 1. Deutschland ist nicht s ch u l d a m Kriege. Die An- erkennung der Kriegsschuld im Friedensoertrage von Versailles ist unter Zwang geschehen und eine Lüg«.. Wie überraschend, wie neu! Am 22. Juni 1S19 sagte ein beut- scher Reichskanzler.„Deutschland unterzeichne den Friedensvertrag, ahne jedoch damit anzuerkennen, daß das deutsche Dolk der Urheber des Krieges sei", und am 23. Juni wiederholte derselbe Reichskanzler dies noch einmal. Dieser Reichskanzler war der So- zialdemotrot Gustav Bauer. Der Stahlhelm kommt also reich- lich spät und will eben nur alte und abgestandene deutschnatio- nale Propogandoware verhökern. Es wird ober noch viel grotesker! Die nächsten Paragraphen dieses famosen Gesetzentwurfs lauten nämlich: Ein deutscher Reichsangehöriger, welcher im In- land oder Ausland mündlich oder schriftlich diese Anerkennung wiederholt, oder wer sich im Zusammenhange mit der Frage der»riea-schuld einem größeren Personenkreise gegenüber schriftlich oder in kindlich in dem Sinne äußert, daß die Aeuberuna geeignet ist. für eine Schuld Deutschlands am Kriege verwert-' zu werden, wird mit Zuchthaus bestraft. Dem Verurteilten sind gleichzeitig die bürgerlichen E h r c>,- rechte auf Lebenszeit abzuerkennen. Ausgezeichnet! Vortvefflich! Da» muß oerallgeineinert. werden! Profesior Sowiejo kommt z»«in« richtigen oder falschen Ansicht, die Herrn Scldte und seinem Stahlhelm nicht paßt, und fliegt in» Zuchthaus! Sir«, geben Sie Gedankenfreiheit! Und bleiben Sie bei Ihrem Selterwasser, Herr Seldte! Nehmen Sie weiter Paraden ab, ober versuchen Sie sich nicht in Gesetzeiüwürsen! Davyn verstehen Sie nämlich doch nicht». Reichswehr vor üem Zemeausschuff. Verschwundene Akten über die Schwarze Reichswehr- Im Femeausschuß des Reichstages wurden gestern frdh Oberst Bock, Oberst Schleicher und Hauptmann Keiner über die Akten der Schwarzen Reichswehr vernommen. Sie erklärten alle drei, daß keinerlei Akten vorhanden wären. Oberst Schleicher begründet das Fehlen dieser Akten zunächst damit, daß über alle Fragen des Landes- und Grenzschutzes grundsätzlich schrist- liche Aufzeichnungen nicht gemacht oder sofort vernichtet wurden. Nach deni Ruhreinbruch seien in Besprechungen mit dem Wehr- Ministerium und dem preußischen Innenministerium, an denen der preußisch« Ministerialdirektor Abegg teilgenommen habe, in dieser Hinsicht noch besondere Vereinbarungen getroffen worden. Beim Reichswehrnunisterinni speziell seien weiterhin noch deshalb keine Akten, weil die Arbettskommandos lediglich beim Wehrtreis 3 aufgezogen waren. Die Organisation sei aufs äußerste dezentralisiert. Er selbst kannte z. B. weder Buchnicker noch Ober- leutnant Schulz. Was an Auszeichnungen vorhanden war, müsse bei den Akten des Untersuchungsgerichts in Kottbus fein. Auf verschiedene Fragen des Abg. Levi erklärt der Zeuge, daß auf Grund mündlicher Bcrnchmungcn eine Denkschrift über den Buchrucker-Putsch zusammengestellt wurde. Auch ein Aktenstück über Arbettskommandos gebe es absolut nicht. Geldüberweisungen seien niemals durch feine Hand gegangen, allerdings bestehe wohl kein Zweifel, daß zu gewissen Zeiten derartige Geldsammlungen erfolgt sind. Aus eine weitere Anfrage des Abg. Levi erklärt der Zeuge, daß die Anordnung, nichts Schriftliches aufzuzeichnen, schon vor dem Entstehe» der A.-K. beim Grenzschutz ergangen sei. Dr. Levi: Aber nach der Denkschrift des Reichswehrminist«- rium» hatten die Arbeitskommandos nichts mit dem Grenzschutz zu tun, sondern beschästiaten sich mit der W a f f e n« r f a s s u n g. Oberst Schleicher: Gewiß, aber Sie können sich doch denken. daß man sehr vorsichtig sein mußte. Wenn davon gesprochen wurde, konnte das zu allerlei Vermutungen führen, die sich trotz der Legalität sehr unangenehm hätten äuswachfen können. Die vorhandenen Auszeichnungen wurden 1924 wegen einer neuen Kon- trollstation vernichtet. Hauptmann Keiner, Sachbearbeiter der Arbeitskommandos Im Wehrkreis 3 macht Aussagen, aus denen hervorgeh», daß eine Dienstanweisung grundsätzlicher Art noch vorhanden sein muß, die sich aus die Arbeitskomirnrndos bezieht. Das Aktenstück 26. von dem im Fememordprozeß Wilm» die Rede war, sei k«i n a m t- liche» Aktenstück gewesen. Ueber die Verhältnisse bei den Arbeit». kommandos sei stets nur mündlich an da» Reichswehrministerium be- richtet worden und-die fpätxre Denkschrift sei ans diesen persön- lichen Notizen aufgebaut worden. Abg. Landsberg(Soz.): Kam die Anweisung zur Ver- nichtung von oben?— K e i n a: Die Vernichtung erfolgte aus Grund einer allgemeinen Anweisung, die im Jahre 1924 im Int» est« der Landesverteidigung«langt wurde. Heber Rubri- zierung der Akten wisse er nicht mehr Genaue».— Landsberg: Besteht bei Ihrer Behörde kein Register?— Kcina: Jir diesem Falle nicht, da es sich um«in besonders heitles Gebiet handelt.— Abg. Bergsträsjer(Dem.): Wurden bei den Stand- ortskommandos Akten über die Arbeitskommandos geführt?— Keina: Wir waren gerade dabei alles zu organisieren, als wir durch die innerpolitischen Schwierigkeiten damit ausbören muhte». SogarauchVerpflegungsanweisungen seien im Jahre 1924 vernichtet worden. Damit ist die Vernehmung der Zeugen beendet. Der Ausschuß will den von Oberst v. Bock erwähnten Bericht und die von Hauptmann Keina erwähnte D i e n st a n w e i s u n g zu den Akten anforder». E» fclgt«ine ausgedehnte Debatte über die weitere Behandlung de» Schwarzen-Reichswehrkomplexes. Als der deutschnationale Abg. Echäffer dabei festzustellen versucht, daß die Mitteilungen des Reichswehrministers Geßlcrs mit den heutigen Aussagen überein- stimme», bemerkt Genosse Landsberg: Uns ist gesagt worden. daß Akten nicht vorhanden seien. Jetzt wissen wir, daß Akten geführt wurden, aber 1924 vernioftet worden sind. Auf An- trag Schuttes(Z.) ist beschlossen, den damaligen preußischen Innenminister Seoering, Staatssekretär Abegg und Polizeioizc- Präsident Weiß darüber zu vernehmen, wie der Schrisiverkehr der preußischen Behörden mit dein Reichswehrministeriuin über Arbeits- kommandos der Schwarzen Reichswehr ressortmäßig geregelt war, wie und ob Akten geführt wurden bzw. geführt werden sollten. Diese Vernehmung soll noch vor den Ferien statjfmden. Gin französischer profesiorensireik! Bor dem Abiturientenexamcn!— Hcrriot in Nöten. Paris, 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Professoren der französischen höheren Schulen haben wegen der neuerlichen endlosen Verschleppung ihrer Gehaltsregelung dem Unterrichtsminister H e r r i o t angekündigt, daß sie sich weigern werden, bei der Abgangsprüfung der Abiturienten. dem sogenannten Baccalaureat, mitzuwirken. So wohlwollend Herriot auch den Wünschen der Professoren gegenüberstand, so er- klärte er ihnen doch, daß er im Interesse der 8300 Abiturienten dieses Jahres alles mögliche versuchen werde, um die Prüfungen ab- zuhalten. Da es wahrscheinlich ist, daß 10 Proz. der Mitglieder der Prüfungskommission demissionieren, hat Herriot an die Schulamts. kondidaten appelliert und auf diese Weis« bisher wenigstens die schriftlichen Prüfungen gesichert. Wie jedoch die mündlichen Prüfungen ablaufen solle», ist noch zweifelhaft. Im Unterrichts- Ministerium hofft man, daß bis dahin eine Einigung im Gehalts- streit erzielt werden wird, zumal die mündlichen Prüfungen erst im JuU stattfinden. VorlSusig vseitelte Denkmalssprengung. In der letzten Sitzung der Bromberaer Stadtverordnetenversammlung� wurde, wie„Ost- expreß" aus Warschau meldet, von polnischer Seite ein Antrag gestelll, 100 Zloty sür die Sprengung des Bismarck- T u r m e s zu bewilligen. Dieser Antrag fand jedoch k e i ne M e h r- heit. Ein besonderer Ausschuß soll über das Schickial des Sann«* entscheid«», die Tätigkeit öes von 1�24 bis 142H. Der zum vierten internationalen GewerkschoftstonHreß im August 1327 zu Paris erschienene Tätigkeitsbericht des IGB. bildet«in recht wertvolles Dokument für die internationale Gewerk- schoftsbewegung� Der 168 Seiten starke Bericht verweist in der Ein- leitung auf den seit Ende 1323 erfolgten Mitgliederrückgang, der hauptsächlich in Deutschland erfolgt ist. In der Berichtsperiode find beigetreten: Argentinien(82 574), Litauen(18 486), Msmelgebiet(1401)) und Südafrika(6366) Mitglieder. Der erste Abschnitt über die innere Organisation des IGB. führt u. a. auch in die Arbeit des Amsterdamer Sekretariats näher ein, die heute von neun Personen mit elf Hilfskräften geleistet werden muß. Der zweite Abschnitt gilt den Veröffentlichungen des IGB., von denen „Die Internationale Gewerkschaftsbewegung" in deutscher Sprache etwa 770 Abonnenten hat, in englischer Sprache 105 und in französischer Sprache 110. Die Presseberichte er- scheinen in sechs Sprachen, außer den genannten in spanischer, dänischer und holländischer Sprache. Auch die Bildung?- berichte, die Jahrbücher und die sonstigen Veröffentlichungen werden hier behandelt. Der dritte Abschnitt ist den Internationalen Berufs- fekretariaten gewidmet und im vierten Abschnitt werden die Beziehungen zu den nichtangeschlossenen Organisationen aufgezeigt, wobei insbesondere die Vereinigten Staaten eine große Rolle spielen. Ein besonderes Kapitel ist das im fünften Abschnitt behandelte Ber- hältnis Amsterdam-Moskau. Wir finden hier den gesamten Schriftwechsel zwischen dem Vorstande des IGB. und dem Allrussi- schen Gewerkschaftsrat, der die große Zweideutigkeit der russischen Einheitssronttaktik deutlich erkennen läßt.. Den Hilfsaktionen ist der sechste Abschnitt gewidmet. Für den 12 Wochen währenden Großkampf in Dänemark wur- den insgesamt 2 221 600 holländische Gulden aufgebracht, wobei so- wohl nach der Kopszahl der Mitglieder berechnet Schweden mit 2,25 an der Spitze steht, wie auch absolut mit dem Betrage von 808 376 holländische Gulden, während Deutschland 782 181 hol- ländische Gulden beigetragen hat. Die Gewerkschaften Indiens sind dem IGB. noch nicht angeschlossen, appellierten jedoch bei dem Textilarbeiter st reik in Bombay mit 150 000 Beteiligten an die Hilfe des IGB., die insbesondere von den Dänen und den Engländern eingeleitet wurde. Die englische Bergarbeiter- aussperrung und der General st reik werden eingehend gewürdigt. Für den englischen Generalstreik wurden 472 310 hol- ländische Gulden aufgebracht, wobei Schweden wiederum an der Spitze steht und nach Dänemark Deutschland folgt. Besondere An- strengungLn machten auch die Schweiz und die Niederlande. Für die englischen Bergarbeiter gingen beim IGB. 1 043 465 hölländische Gulden ein, während insgesamt 1 610 588 holländische Gulden ge- leistet und ein« Anleihe von 343 225 holländische Gulden aufgebracht wurde. Der wirtschaftliche Wiederaufbau wird im folgen- den, die Sozialgeseftgebung im achten Abschnitt behandelt, auf welchem Gebiete es hauptsächlich um die Durchführung des Nachtarbeits- Verbots in Bäckereien ging. Die nächsten Abschnitte sind der A n t i- kriegspropaganda, dem Kampf gegen Reaktion ustd Faschismus gewidmet. Der zweite Teil des Berichts betrifft die Wanderung?- frage, die Einheitsbeftrebungen in der Tschechoslowakei, die Bildungs- und Jugendarbeit, dos Internationale Gewerkschaftliche Arbeiterinnenkomitee, die Beziehungen zur Sozialistischen Arbeiter- Internationale, die Beteiligung am Internationalen Arbeitsamt und schließt mit dem finanziellen Bericht des Bundes. Die�. Beitrags- einnahmen betrugen(in holländischen Gulden) 1324: 168 504, 1325: 164 803 und 1326: 125 317. Deutschland steht hier mit 83 561, 61 723 und 34 677 an der Spitze, dem Großbritannien mit 52 431, 51 338 und 37 418 an Beiträgen folgt, während alle übrigen Landes- organisationen weit darunter bleiben. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Bericht ein recht anschauliches Bild von der Wirksamkeit des Internationalen Gewerk- schaftsbundes vermittelt. Zur Sesolüungsfrage. Die Beamten sind von der Reichsregierung in der Besoldungs- frage abermals vertröstet worden. Die Erklärung de s R e i chs ka b i n e t t s, das am Freitag abend zur Besol- dungsfrage Stellung genommen hat, bringt nach der Auszählung bekannter Dinge die Mitteilung, daß im Aurenblick keine Teillösung der Besoldungssrage durch Gewährung vorläufiger Abschlagszahlungen gesucht werden soll. Daß die große Besoldungsreform in Verbindung mit der Aende- rung des Besoldungssystems erst im H e r b st kommen werde, das brauchie die Reichsregierung nicht erst groß und breit der Beamten- schaft mitzuteilen. Darüber war man sich schon seit längerer Zeit im klaren. Die Beamten interessiert vor allem, ob die Reichsregie- rune, tatsächlich den Mut hat, der Beamtenschast bis zum Herbst gar keine geldliche Hilfe zukommen zu lassen. Nach den Erklärungen, die die Beamtenoertretcr in den Regierungsparteien, vor allem die der Deutschen Volkspartei, in der Oeffemlichkeit ge- geben haben, darf man annehmen, daß die Reichsregierung mit ihrer Absicht, den Beamten im Augenblick gar nichts zu geben, kaum durchdringen wird. Die Beamtenschast braucht für die Monate bis zum 1. Oktober Hilfe in irgendeiner Form. Wie diese Hilf« aussehen soll, darüber müssen sich dje Parteien des Reichstages, wenn in der kommenden Woche die Besoldungsanträge der Sozial- demokraten, Demokraten und Kommunisten im Haushaltungs- ausschuß zur Beratung komnien, klar werden. Unbeschadet der großen Besoldungsregelung im Herbst, muß den Beamten, vor allem den unteren und mittleren, schon jetzt in Form einer b e s o n- deren monatlichen Zuwendung Hilfe gebracht werden. Verhütung von ErblindungÄgefahren. Eine Gesundheitskonferenz der Vereinigten Staaten fand dieser Tage in C l e o e la n d(Ohio) statt, an der eine stattliche Anzahl von Gewerkschaften sich beteiligten. Ein- beruser der Konferenz waren u. a. die Vorsitzenden der Federation of Labor in Pennsylvanien, Rhode Island und Washington. In den Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahren vor allem die Erblindungsgefahken bei Industrie- a r b e i t e r n enorm zugenommen. Das' Nationalkomitee sür die Verhütung von Erblindungen bei Industriearbeitern, dessen Ehren- Präsident der Chefrichter vom Oberbundesgericht ist, hat vor zwei Iahren ein Buch„Augengefahren in industriellen Be- schästigunqen" herausgegeben, in welchem besondere Schulzvor- richtungen beschrieben werden. Damals wurde festgestellt, daß 31 Proz. aller Augenverletzungen bei der Arbeit von Schleisscheiben herrühren, die durch Schutzbleche und Augengläser verhütet werden können. Viele ander« Augenverletzungen rühren von Splittern ab- genützter Werkzeuge her. Wie aus den Entschädigungsa�ten des Staates Pennsylvanien hervorgeht, sind in einem einzigen Jahre durch Unsälle 631 Augen verloren gegangen. Die Unsälle oerteilen sich.auf die folgenden Industrien: Kohlenbergbau 244: Metall- und P!etallprodukte�220: öffentliche Betriebe 58: Bauten 56: Ton-, Glas- und Stein- Produkte 17: chemikalische Produkte 13 usw. Das Komitee weist noch darauf hin, daß in dem am 30. Juni 1326 zu Ende ge- gangenen Fiskaljahr im Staate New Port nicht weniger als 725 Arbeiter«Ines oder beider Augen oerlustig gingen. Der Berliner Ortsausschuß des 211X53. ladet die Delegierten zu seiner Iahresplenarversammlung am kommenden Donnerstag im Gewerkfchaftshaus, abends 7 Uhr, ein. Auf der Tagesordnung steht der Jahresbericht, Aussprache darüber und die Wahl des Vorstandes.' Die Delegierten müssen ihre Einladung samt der Delegiertenkarte als Ausweis mitbringen. Achtung, Schuhmacher! Morgen ist Wahl. Alle Kollegen, die sür die Unabhängigkeit der Gewerkschaft, sür den Zusammenschluß noch den Grundsätzen der Gewerkschaftsinternationole eintreten, stimmen für den Kollegen Peter Hamacher. Alle anderen Namen sind zu st r e i ch c n. Achtung, Zimmerer! Die über die Firma Kolodziej. Berlin-Neu'kölln, Kaiscr-Friedrich-Str. 33/100. verhängte Sperre besteht noch: meidet daher sämtliche Baustellen dieser Firma. Zentraloerband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin.> Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Nichtanerkennung des Tarifoertrages und des paritätischen Arbeitsnachweises sind folgende Betriebe von dem Zentralverbond der Hotel-, Restaurant- und Cafe- Angestellten für organisierte Arbeitnehmer gesperrt: Engelhardt- Ausschank, Oekonöm Lehmann, Brückenstraße: Reederei Nobiling n derJannowitzbrücke): Ravenst einer Mühle, Jnh. 'J P hilipp, Friedrichshagen: Restaurant Hungriger Wolf, Straus- berg: Restaurant Müggelhort: Gesellschastshaus, Friedrichshagen. Jnh. Ww. Schröder, Paradies-Garten, R a h n s- dorfer Mühle: Restaurant Bärenhöhle, Bahnhof Rahns- darf: Bürgergarten, Pankow, und Pankower Ratskeller, Jnh. Hilgener: Großes Eierhaus, Treptow, und Restaurant Schoncrt, Stralau. Kynaststraße: für beide Betriebe Jnh. Ernst Rehnelt: Kaiserbad-Garten, Jnh. Jauernick, Treptow. Am Müggel- sce und Friedrichshagen: Belleoue, Seeschlößchen, Müggel- see-Kasino, Zentral-Restauraiit, Jnh. Büttner, Caje Mignon, Fried- richshagen, St. Hubertus, Friedrichshagen. Am Longen und Zeuthen-See: Restaurant Riviera, Restaurant Haltestelle Ufer- bahn, Grünau, Destillation Friedrich, Berlin, Belle-Alliancc- Straße 4, Restaurant„Zum lieiderciter", Hasenheide Ecke Kamp- hausenstraße, Jnh. Pfund. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher vlw., Ailial« Berlin. Dienstag, 21. Juni, 19 Uhr, im Gewerkschoftsbau!-. Engeluker 23, Saal 5, Lackierer. Versammlung. Bortrag Uber das Arbcitslosenvcrsichcrungsgcsrh. Di« Scttionsleitung. Achtung, Ofenletzer! Mittwoch, 22. Juni, 15 Uhr, Bertraueusmänncriitzung Neue ffrieorichstr. 1. Die wichtige Tagesordnung macht es i„ir Pflicht aller Vertrauensmänner, zu erscheinen. Bangewerlsbund, Fachgruppe der Töpfer. Freie Dewerkschastsjugend Groß. Berlin. Wanderleiter! Morgen, Montag. 191.3 Uhr, im Jugendheim Linicnftr. W 83, Lichtbildervortrag:„Was Waid und Flur uns zeigt."- Photographcn! Dienstag, 21. Juni, IS Uhr, im Jugend» zimmer 7A,(Kcwerkfchaftshaus, Engelufer 24 23, Lehrkursus. 1. Abend:„Wie sieht mein Apparat aus?" Photoapparatc mitbringen.— Photoausnahmen vom Spieltrcffcn sind in der zentrale zu haben. Preis 23 Pf. pro Stück. Jugcndgruppe de» FdA. Morgen, Montag. 19'. Uhr, finden folgende Ber. anftaltungen statt: Südost. Treptow: Jugendheim Neichenberger Str. S6. Bor. trag:„Das Berufsausbildungsgefett"(Dans Kraußl.— Tcmpelhof: Jugendheim der Schule Termaniaftr. 4 6. Unterhaltungsabcnd.— Norden: Zugendheim der Schule Danziger Str. 2Z. Bunter Abend. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G„ Berlin. TBallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4—6 Uhr, Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. stlingelhöser; Eewcrtschoftsbewcgung: 3. Steiner: Feuilleton: Ä. A. Dölcher: Lokales und Sonstiges: Frig Sarstädt; Anzeigen: Th. Stocke: sämtlich in Berlin Veriag: Borwärts.Vcriag G. m. b. H., Berlin. Druck: Dorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Einger u Co., Berlin EW 68, Lindcnstraße 3. Hierzu 4 Beilagen uud„Unterhaltung und Wissen". Lacke» n n ck F r 0 1 1 i e r w ä seh e Bade-Capes....... Damen-Bademante) gemusterter Frottierstoff Herren-Bademäntel Frottfcrstoff, gestreift od. kariert............... Badetrikots schwane, verschieden. Ausführung, für Herren und Damen Serie I 1.55 Serie □ 3.00 ! Serie 1 9.00 I Serie H In. 25 Handtücher weiß. Jacqu. m.indanth. Kanten, Streifen, Karos od. Bordüren Serie I Serie II Serie III 50x100 55x115 65x120 1.15 1.65 1.95 Kaken glatt weiß od. weiß m.„__ färb. Karos, 150/200, Serie I 3.ZO Weiß oder färb., m. Bordüren schwere Jacquard» Qualität �„ 165/200........ Seriell 14.85 Kleider-, Seiden- und Waschstoffe Damenkleidnng und Oamenhfite Kockstoffe 130 cm Kasha relneWolle.. W'oIlbatistviel.Frb. Reinwoll. Karos Vigonreux- Com- ESge r. Wolle, 100 cm Ifcnb..Popeline reine Wolle, 100 cm ElfenheinCheviot reine Wolle, 130 cm Stick.-Bordüren aus Voll-Voile, 120 cm Serie I 1.90 Serie n 2.90 Bastseide naturf., reine Seide, 80cm... Messaline gestreift, reine Seide, ca. 80 cm Damast Halbseide, f. Jack.-u. Mantclfutt. Bastseide viele Farben, reine Seide, 80 cm Bastseide gestreift reine Seide, ca. 80 cm Kleiderseide 85cm schwarz, reine Seide Serie Dl Binsen verschiedene Stoffe Serie I Serie n Serie III 1.45 2.90 4.75 Kleider Voll-Voile od.Waschk's. Serie I Serie II Serie III 5.50 9.75 17.50 Kleider reinwollene Stoffe Serie I Serie n Serie DI 13.50 19- 29.- Kleider Seide, für Oeiellscha«, zum Teil französische Modelle Serie I Serie II Serie HI 59.- 75.- 98.. Mäntel englisch melierte Stoffe und schwarz gemusterte K'seide Serie I Serie □ Serie HI 19.- 29.- 39.- Bmw.- Musselin Zephir glatt und gestreift, Indanthren Frotte ä jonr... Serie V Beilmokte Krepp» Crfpe Marocaine eint. Kleid.- o. Blusenstoffe Serie VI Damenhüte Stroh oder Filz Serie I Serie II Serie III 2.90 3.90 4.90 Damonhüte elegant garniert Serie I Serie II Serie DI 9.75 14.50 19- Schlupf beinkleider für Damen, K'seide oder Baumw. m. K'seide Serie I K'seide plattiert oder echt Mako........ Seriell Trikot-Oberhemden gestreift, od, kariert. Eins. Serie I 2» 10 Serie II Herren-Beinkleider glatt Trikot gelblich oder porös gelblich..... Serie I färb, gestr. od. echt Mako gelbl. glatt...... Seriell 1.86 2.65 3.10 2.46 3.50 Taghemd Trägerform,, mit Stickerei............ I. Nachthemd 1, Stickerei-Ein-U.-Ansatz| Hemdhose mit Stickerei-Ansatz ■| 2.65 t repe Jiarocaine c»ni. i„ PTST Kleid.- n. Blusenstoffe- 4 i Qk-K •OO(Wollstoffersatz)..... Schürzenstoffe 1 16cm ß Wirk- und Strickware n Dam enwäsche Mdehenkleiduny Damen.PulloverK'seid._ moderne Muster, Serie I z.sl) Strickkostüme (Pullover und Rock) verschiedene Ausfuhrungen Serie I 1 7.50 Serie II 27.50 Damen-Hemdhosen feingewirkt, Windelform,..- weiß oder farbig, Serie I l.OO «cht Mako, weiß oder K'seide m. Spitze Serie II 3.75 Herrenkleidung | Serie I (44.oo Nachthemd, farbig, mit Spitze...... Seriell Hemdhose ta �„ farbig, m. breiter Spitzel rf QA Hemdhose weiß Batist, färb. Blende' Kinder-Waschkleider verschied. Stoffe u. Ausführungen Länge 55-70 cm 75�85 cm Serie I 3.40 4.25 J ungmädchen- Kleider bedruckter Waschstoff od. gemusterter Vollvoile, Länge 90 bis 105 cm v Serie H 0.1)0 Herrenwäsche Taschentucher Schurzen Sakko- Anzüge aus verschied, mittelfarbigen, gemusterten haltbaren Stoffen Sport-Anzüge 4 tcilig, lange u. kurze Hosejn verschiedenen Mustern u. Vcrarbcit. Serie Ii .00 Knaben- Waschanzng Schlupfblusen- od. Jacken- J nn form Serie I. f. ca. 9-14 Jh. harb. Oberhemd> gestr. od. gem. Perkal, gefütt. Faltenbr.Kra- I gen, Klappmanschett. j Sporthemd farbig Flanell, Abkndpfkrag. � Oberhemd gestr.Zeph.) Sefütt.Faltenbr.Krag. I _ Jmschlagmanschett. 1 Sporthemd gest.Zeph.( offen und geschlossen I tragbar.......... J Serie I 3.75 Serie H 4.75 Taschentücher Weiß Linon, gestr.m.farb.„ Kanten od. Karos, 40 cm, 4 1—— Serie I SStiirklF.OO Weiß Batist mit Hohlsaum u. versch. Streifen_ und indanthr. Kanten,|| WC Serie II 8 Stuck O. 4 0 WeißBatist mit verschied._ Spitze, gr. 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Fuß i Ganzfiletstore In modernem Muster Gew. Toll- Bettdecke 2 bettig, schw. Qual. EtamineBettdecke 2bett., m. handgearb. Motiven Serie I 8.00 Serie U 11.75 Serie III 8.75 Tischdecken Verdüremuster oder Persermuster, schwere Qualität, 150 x 180cm 1 Q n* Serie I lO. I 0 Diwandecken Verdüremuster oder Fersermuster, schwere Qualität, 130x300 cm-ff)~/v Serie D itf.uO Spangenschuh schwarz oder braun In verschied. Lederarten Serie .7.90 Spangenschuh cn is- n9.90 In hellfarbigen Lederarten und verschiedenen Auaführungen Serie Herrensport�ürtel| VoUrdl., amer. Schnalle 1 t Reise rolle Segeltuch]'fl-a sv Plaidriemen 1»1U Vollrindleder, 75 cm I Kupeekoffer Hart-\ platt., Vulkanfib.-Eck., Deckelschiene 65 cm Wocbfuendkuffer echt Vulkanfiber, 45 cm HoUcb achtel helles Sperrholz, mit Leder- Triff u. Schloß. 35cm Serie n 5.90 Nr. 286 � 44.Fahrgang Sonntag» 1H.�un!lH27 Ein Selbstmord.... das ist in Berlin keine Nachricht, der man besondere Beachtung schenkt. Von den meisten wird in der Zeitung kaum Notiz genommen, und der Leser liest so darüber hin. Aber ab und zu ist unter diesen alltäglichen Fällen doch ein oder der andere, der sich aus der Alltäglichkeit heraushebt.... Da hat sich kürzlich ein Blinder erhängt: aus Nahrungssorgen. Er hinterließ einen Brief:„Die Unterstützung ist mir entzogen, mein ganzes Barvermögen find jetzt sechs Pfennige." Und dann erfuhr man die übrigen Akte der Tragödie. Der Mann war, nach dem Kriege, an den Folgen einer Gasvergiftung erblindet, hatte eine Abfindungssumme von einigen Hundert Mark bekommen, dann Erwerbslosenunterstützung und nach deren Erlöschen eine städtische Unterstützung erhalten. Und die war ihm nach zwei Monaten entzogen worden. Sicher aus Gründen, die den maßgebenden Instanzen triftig genug erschienen, und sicher haben hier die ent- scheidenden Persönlichkeiten durchaus korrekt gehandell. Der Blinde aber ging hin und erhängte sich: nun hatte er sich mit dem Leben endgültig„abgefunden".... Die Zeugen. Wir leben fa schon schnell heute, und wir vergesten so leicht. Schon gibt es viele unter uns, für die der Krieg so etwas wie ein ferner Albdruck ist, und Leid und Elend der vergangenen Jahre sind dem heranwachsenden Geschlecht schon so sern gerückt, daß es not tut, einmal daran zu erinnern, dgß es so etwas wie eine „Krjegsbeschädigtensrage" überhaupt gibt, und daß unter uns genug Menschen leben, die die Spuren der„großen Zeit" noch heute siibtbar an ihrem Körper tragen: und es muß auch einmal aus- gesprochen werden, daß diese Opfer eines grauenvollen Irrsinns. an dem wir olle mitschuldig waren, vielleicht ganz zu Stiefkindern der Gesellschaft werden würden, wenn sie sich nicht selbst kräftig wehrten.— Der„Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Hinterbliebenen" hat zu dieser Frage ein reiches Material gesammelt und zum Teil in einer reich illustrierten Denkschrift veröffentlicht und dem Reichstage vorgelegt, in einem Heft, das nicht nur den Krieg, sondern das auch die Gesellschaft anklagt, die für so viele Dinge einer Pseudokultur Geld hat, aber schon jetzt an den Renten der Opfer und Zeugen ihrer„großen Zeit" herumknappst und spart. was alles möglich ist. Wir dachten schon, er wäre ausgestorben, und wenn wir aus Deutschland früher mal auf die böhmische Seite des Riesengebirges gerieten und da in ohrenquälender Menge den alten Invaliden mit der Drehorgel als„Zivilversorgungsschein" trafen, dann kamen Jt wir uns recht erhaben dagegen vor. Gewiß, auch bei uns gab es, «in oder das andere alte Stelzbein, das mit dem Leierkasten herum- zog, aber das waren Ausnahmen, und das liebe Publikum hatte für diese wenigen Ueberbleibsel von 1870 beinahe so etwas wie ein zärtliches Mitleid. Aber daß der Invalide mit der Drehorgel auch nach einem neuen Krieg bei uns wieder auftauchen könnt«, das war doch, glaubten wir, ebenso ausgeschlossen, wie die Idee„Krieg" überhaupt.... Und da ist nun gleich zu Anfang dieses Heftes ein Wandergewerbeschein für einen Kriegsinvaliden, der trotz völlig verkrüppelter Hände nur 80 Proz. Rente bezieht. Er hat nun das Recht„zum Musizieren mit einer Drehorgel, Beförderungsmittel: Handwagen". Der Mann war nur Möbelpacker, also kam die Ausgleichszulage für die besseren Berufe für ihn wohl nicht in Betracht.... Das nächste Bild aber zeigt die„Hände" eines Kriegsbeschädigten, der, Halleluja, doch wenigstens 100 Proz. Rente erhält. Hände? Ach nein, nur was von den Händen übrig ge- blieben ist— und das ist nicht einmal viel. Alle Fingdr fehlen diesen armen Stumpfen, auch von den beiden Daumen ist nur je ein Glied erhalten. Das Reichsversorgungsamt aber hat jede Pslegezulage abgelehnt,„da der Beschädigte zu den gewöhnlichen Verrichtungen des täglichen Lebens einer fremden Hilfskraft nicht dauernd bedarf". Was sind denn die„gewöhnlichen Berrichtungen des täglichen Lebens"? Der Beschädigte kann kaum allein sein Essen zerteilen— er kann nicht einmal ohne Hilfe die Toilette aufsuchen, denn er kann nicht allein wieder seine Kleider ordnen: und sein« Rente beträgt, ohne Ausgleichszulage, sllr sich und die Frau, wenn kein« Kinder vorhanden sind, in der teuersten Ortsklasse 58.95 M.!— Das heißt doch wohl mit dem Begriff der„fremden Hilfskraft" Schindluder getrieben! Ist die Frau denn verpflichtet, dem Staat ihre Arbeitskraft zu schenken?— Aber es gibt, noch unglücklichere Fälle. Das find die, bei denen man sich mit dem bequemen Begriff der„Rentenneurose" oder„Rentenhysterie" beHelsen kann, die Armen, bei denen eine organische Körper- schädigung nicht nichzuweisen ist. Hier wird von manchen Aerzten mit großartiger Unbekümmertheit verfahren. Da wurde noch lang- wierigen Verhandlungen ein Mann der Landesirrenanstalt über- wiesen, um dort mit„Arbeitstherapie" behandelt zu werden. Er verstarb in der Anstalt kurz darauf— an den Folgen eines schweren organischen Gehirnleidens. Noch ärger aber cht folgender Fall: Ein Kriegsbeschädigter wurde von seinem eigenen behandeln- den Arzt als Hysteriker erklärt, und der gefühlvolle Herr Doktor war nur für„Arbeitstherapie" und erklärte sogar:„Schade, daß nicht Behandlung im Arbeitshaus möglich ist!"— Dem Beschädigten wurde dann auch eine Stelle in einer Fabrik besorgt: er mußte sie annehmen, um nicht seiner Rente verlustig zu gehen. Nach kurzer Zeit wurde er entlassen, er hatte an der Exzenterpresse einen Anfall erlitten. Glücklicherweise war er nach hinten>gesallen— nach vorn zu fallen wäre, wie der Arbeitgeber bescheinigte, für ihn der sicher« Tod gewesen. Der Arzt erklärt«:„Dieser Hysteriker ist bewußt nach hinten gefallen!"— Nun wurde, auf das Drängen des Be- schuldigten hin, doch noch einmal eine Röntgenaufnahme gemacht, und sie ergab: Es fleckten dem Manne ein halbes Dutzend Granatsplitter in der Brust und ein französisches kupferinfanteriegeschoß saß in unmittelbarer Rühe der Herzschlagader!— Nur seine Organisation hatte dem Mann das Durchhalten in diesem schweren Kampf möglich gemacht, und nur Dank dieser Organisation bezieht er jetzt seine Rente!— Dieser Fall beweist freilich auch, wie dringend notwendig die Ausstattung der Unterstützunpsstellen mit den modernsten Hilfsmitteln der ärztlichen Wissenschaft ist, und wie es eine falsche und«inseitige Einstellung bedeutet, wenn Kriegs- beschädigte in diesen Anstalten nur„Rentenquetschen" sehen wollen. Gewiß, sie können bei unsozialer Einstellung der leitenden Persönlich- W keilen dazu werden, sie können aber auch, wie in diesem letzten Fall, zu außerordentlichem Segen gereichen. Es kommt eben nur darauf an, daß nicht der einzelne Kriegsbeschädigte hilflos einen, erbarmungslosen unsozialen Apparat gegenübersteht, sondern daß eine Organisation seine und seiner Leidensgefährten Rechte bis zur äußersten Konsequenz vertritt. 5rauen und Witwen. Es ist traurig und beschämend: aber man muß es zugeben, daß die„Kriegerwitwe" ein« Zeitlang eine Art Prügelknabe der sogenannten öffentlichen Meinung gewesen ist. Nichts ist ver- breiteter als der Neid, und man neidete ihr sogar die armen Groschen, die sie als„Versorgung" erhielt, und für die sie oft genug «in volles Menschenglück hatte zahlen müssen. Nun treten zu den „Kriegerwitwen" aber noch die ungezählten Tausende von Frauen, die infolge der Kriegsbeschädigungcn ihres Mannes viel früher verwitwen, als es ihnen sonst vielleicht beschiedcn gewesen wäre. Denn die Hauptsterblichkeit der Kriegsbeschädigten fällt ungesähr in das 45. Lebensjahr, also in ein Alter, wo nach der allgemeinen Auffassung der Mann doch noch in der Blüte seiner Jahre steht! Und sehr lehrreich ist auch ein Vergleich der Todesursachen der Kriegsbeschädigten mit denen der übrigen Bevölkerung: denn während sonst längst nicht mehr die Schwindsucht der große Würger ist, sind bei den Kriegsbeschädigten 26,27 Proz. aller Sterbe- fälle Folgen der Tuberkulose. Welche Tragödie steckt hier in dieser trockenen Ziffer! Denn jeder dieser Sterbefälle ist der Abschluß eines langen Siechtums, eines hoffnungelosen Kampfes, eines immer tieferen Hinabgleitens auf der sozialen Stufenleiter. Und die Frau hat an all dem Elend ihr gerüttelt Maß voll teilgehabt! Und nun kann sie in den„Genuß" der Witwenrente kommen: das heißt, auch da gibt es Unterschiede. Denn die„erwerbsfähige Mltwe", das heißt die, die noch nicht 45 Iahr alt ist oder nicht für mindestens ein Kind zu sorgen hat, bekommt höchstens 21,45 R1. monatlich, wenn ihr nicht noch eine Zufatzrente zugesprochen wird. Damit aber geht man recht genau und scharf um. So wurde zum Beispiel der Witwe eines Landarbeiters mit acht Kindern von drei bis vierzehn Iahren die Zufatzrente entzogen, weil das Einkommen der Familie sonst höher geworden wäre, als der Lohn eines Land- arbeiters sei! Freilich hatten dies« neun Personen auch ohne Zusatzrente das fürstliche Einkommen von 285,79 M., und dos Hauptoersorgungsamt bekam es sogar sertia, bei dieser Mutter� von acht Kindern noch ein„Arbeitseinkommen der Mtwe" in Rechnung zu stellen! Auch sonst wird scharf aufgepaßt. Eine herzkranke und erwerbslose Frau sorgt für die drei Kinder ihres Vorlobten, mit dem sie sich, wenn es die wirtschaftlichen Verhält- nisse gestatten, verheiraten will. Sie wohnt zwar bei Verwandten und nimmt sich nur tagsüber etwas der drei Waisen an, aber flugs wird ihr die Zusatzrente entzogen,„weil sie eine Wirtschafte- rinnenstelle angenommen habe". Und so wie in diesem Fall sitzt Die Drücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 30J Don B. Trauen. Copyright 1927, by B. Traven, Tamaulipas(Mexiko). Ihr Mann, seit einiger Zeit schon völlig im Nebel, kommt nun torkelnd und stolpernd auf sie zu. Aus der hinteren Rocktasche zieht er die Toquilaflasche hervor und drückt sie chr in die Hand. Die Frau nimmt die Flasche und' verschwiitdet mit ihr in jenem engen Nebenraum. Durch die Stämmchen sehe ich, daß sie einen mordsmäßigen Zug tut, der einem frumben Raubritter die Augen auf Stiele setzen würde. Dann kommt sie wieder hervor, gibt ihrem Manne die Flasche zurück und wischt sich mit der Hand über den Mund. Der Mann nimmt die Gelegenheit, daß die Flasche nun doch einmal in der Hand ist, wahr und zieht sich einen wackeren Hieb durch die Kehle. Man muß die Feste feiern, wie sie fallen. Der Sargmann holt einen Hammer aus der Hosentasche und aus der anderen zwei dicke Nägel. Er hält das für besser, als lange zu reden, was nun zu geschehen habe. Die Frau hat diese Ansprache auch sofort begriffen. Sie .ich ab und]u' Gesicht noch übrig ist. Sofort summen dicke grüne Fliegen kommt Heraii, deckt das Tuch ab und sieht auf das, was vom herbei, die sich auf das Gesicht setzen. Die Frau läßt das Tuch wieder auf das Gesicht fallen und steht nun eine Weile da, als ob sie auf etwas warte. Dann dreht sie sich rasch um, nimmt die kleine Gitarre herunter und legt sie neben den Kleinen in den Sarg. Wieder sinnt sie einen Augenblick und dann rafft sie das verschrammte Blechwägelchen und den übrigen Iungenstram zusammen und packt es auch noch in den Sarg. Und dann sagt sie ganz still und andächtig:„Adios, Carlo mio!" Niemand in der Hütte, wo alles dicht gedrängt steht, be- wegt sich, niemand spricht etwas, niemand atmet. Die Garza läßt den Kopf sinken, dreht sich völlig um, bis sie mit dem Rücken zum Sarge steht, und geht einen Schritt vorwärts der Wand entgegen, durch deren Stäbe man das Feuer sieht. Mit flinken Händen hat der Sargmann den Deckel auf- gesetzt, und er gibt zwei leichte Schläge aus die Köpfe der zwei Nägel, die er eingesteckt hat, leicht genug, daß man sie noch einmal herausziehen kann. Run geht es rasch. Bier Burschen nehmen den Sarg aus die Schultern und stolpernd wird losgezogen. Die Männer» Frauen und Kinder folgen. Sie gehen nicht in einem Zuge, sondern in einem Haufen. Garza torkelt zwischen zwei Männern, die nicht fähig sind, ihn gerade zu halten, weil sie mit sich selbst genug zu tun haben, um auf den Beinen zu bleiben. Die Mutter geht neben der Pumpmeisterin, in deren Arm sie eingehängt ist. Immer noch hat die Mutter das meer- grüne Kleid an. Das Kleid hat Streifen und Flecke von Blut und schmutzigem Wasser. Die Blumen sind abgefallen. Nach wenigen Augenblicken ist der Haufen bei der Brücke. Als der Sarg an dek Stelle ist, wo die Kerbe eingehauen ist, bleiben die Träger stehen. Die Männer nehmen ihre Hüte ab. Die Garza fängt Herzzerbrechend zu weinen an. Die Pumpmeisterin küßt sie und nimmt sie kn ihre Arzne. Die Träger haben sich wieder in Marsch gesetzt. Der Haufe trottet schwätzend hinterher. Sleigh bleibt eine Weile auf der Brücke stehen, dann dreht er sich um und geht heim. Jetzt hat man die Brücke verlassen, ist an der Pump- station vorüber und wandert nun auf dem Dschungelwege zum Friedhof, der ein paar Stunden weit entfernt ist. Die Musik, ein Geiger und ein Gitarrespieler, fangen an, die Trauermusik zu machen. Daß es Trauermärsche gibt, wissen sie nicht, würden es auch nicht glauben, wenn man es ihnen erzählte. Daß es Choräle gibt, davon haben sie gehört, können aber keine spielen. Aber amerikanische Tänze, die können sie spielen. Und der kleine Junge soll doch mit Musik zu Grabe gebracht werden, weil er nun als kleiner Engel auf der Reise ist. So setzt die Musik lustig ein mit„5t ain't goin' rain' no' mo'—" Jene Kulturwelle, die in genau bestimmten Inter- vallen von der europäischen und von der amerikanischen Hoch- Zivilisation erbrochen wird, die in„Puppchen, du bist mein Augenstern" ihren glorreichen Anfang nahm, die mit„�es, we have no bananas" die bewohnte und die unbewohnte Erde so verschlammte, daß ich, selbst in den unzugänglichen Dschungeln von Chiapas, Guatemala und Honduras, diesem hehren Ausdruck einer angebeteten Zivilisation nicht entgehen konnte, jene Kulturwelle hat nun einen weiteren, in die fern- sten Winkel des Weltalls strahlenden Höhepunkt erklommen mit„Jt aint' goin' rain' no' mo'—". Man muß Amerikaner durch Geburt sein, um die Geist- losigkeit, die Sinnlosigkeit, die Seelenlosigkeit, die Brutalität dieses Tanzchorals der Zivilisation in ihrem vollen Umfange erfassen zu können; wie man geborener Deutscher sein muß, um zu begreifen, daß„Puppchen, du bist mein Augenstern" das hüpfende Vorspiel werden mußte für eine Tragödie der Gehirnlähmung, die einen fünfjährigen Weltraubmord er- möglichte.'' Für den eingeborenen Bewohner der Tpopen ist das Wasser etwas Heiliges, die köstlichste Gabe, die dem Menschen gegeben wurde.„Unser täglich Wasser gib uns heute!" Flüsse und Seen sind schön, das gesegnete Wasser aber sendet der Himmel herunter auf seine Kinder, wenn ihre Not am höchsten ist.„Es wird nun nie mehr regnen" mag für den Herrn Gerichtsaktuar, der Angst um den neuen Hut seiner Gerichtsaktuarin hat, ein recht freudiger Gedanke sein. Aber der Fluch der Zivilisation und die Ursache, warum die nicht- weißen Völker sich endlich zu rühren beginnen, beruhen darin, daß man die Weltanschauung europäischer und ameri konischer Gerichtsaktuare, Polizeiwachtmeffter und Weiß warenhändler der ganzen übrigen Erde als Evangelium auf- zwingt, an das alle Menschen zu glauben haben oder aus- gerottet werden. Würden die Indianer, deren Sprache wie Gesang ist, weil sie Ehrfurcht vor der Sprache haben, erkennen, wie tief die weißen Kulturschöpfer ihre Sprache zu erniedrigen ver- mögen und wie gedankenlos sie diese Erniedrigung ihrer Sprache ollein in jener einen Zeile in die Welt hinausschreien und hinausmusizieren und hinaustanzen, so würde ich mich schämen, einen Indianer ins Gesicht zu blicken, und ich würde mein Gesicht mit Zinnober bemalen, nur um nicht mit meiner Rasse identifiziert werden zu können. Aber sie verstehen weder den Sinn jener Zeile, noch verstehen sie die Erniedri- gung der Sprache, die in jener Zeile zum Ausdruck kommt. Uebrig bleibt nur die Musik. Und durch jene Musik, die der einen Zeile völlig ebenbürtig ist, dringt die Kultur der weißen Rasse, die ja in der Musik ihren empfindungsreichsten Ausdruck sucht, in das Leben der farbigen Völker ein. Und in dieser Musik lernt der Indianer, dessen Seele und Emp- findung noch ursprünglich sind, die Kultur der weißen Herren- rasse in ihrem Wert erkennen.(Fortsetzung folgt.) hinter jeder dieser bedauernswerien Frauen Klatsch, Neid und Miß. gunst und wacht über die geringste ihrer Handlungen. Nirgends feiert übelste Sittenschnüffelei solche Triumphe— und so billige Triumphe— wie gerade über die„Kriegerwitwen". Und das ist das Böseste und Beschämendste an dieser ganzen Frage: Alle die Ungerechtigkeiten, unter denen die Opfer des Krieges täglich leiden, und von denen nur ein Bruchteil in die Öffentlichkeit dringt— sie wären nicht möglich, wenn wir alle stets daran dächten, daß sie„um unserer Missetat willen geschlagen und um unserer Sünde willen verwundet" sind.— Aber es liegt ja leider in der menschlichen Natur, vor unbequemen Erkenntissen die Augen zu schließen, und darum ist die sicherste Hilfe für die Kriegsbeschädigten die eigen«, straffe, feste Organisation. Dauerwalö und volkspart. Gegen die Waldverwüstungcn. In der Wilmersdorfer Bezirksversammlung sind von der Sozialdemokratie Antröge eingebracht worden, die vom Bezirksamt die dauernde Erhaltung aller noch vorhandenen Waldteile, und ferner die Ausgestaltung des den Gr unewaldsee umgebenden Waldgeländes zu einein Voltspark fordern. Die Versammlung hatte zur Beratung dieser Anträge einen Sonderausschuß eingesetzt, der jetzt sein« Arbeit abgeschlossen hat. Nach mehrfachen örtlichen Geländebestchtigungen und nach eingehender Erörterung hat der Sonderausschuß jetzt be- schlössen, das Bezirksamt zu ersuchen, unverzüglich alle geeigneten Schritte zu unternehmen, damit das den Grunewaldsee umgebende Dauerwaldgelände, das westlich von der Spandauer Straße und nordwestlich von der verlängerten Königsallee und dem übrigen von der Bezirksgrenze begrenzt wird, sowie ferner der südlich« am Wannsee gelegene Teil des Dauerwaldes, dessen Grenze nach Nord- osten durch den Schwanenwerder Weg und südöstlich durch den Kronprin�essinnenw�g gebildet wird, in Kürze zu einem Volkspark auszugestalten. Weiter soll das Bezirksamt aufgefordert werden, dafür einzutreten» daß weiteren Waldverwüstungen, namentlich in der Nähe des Messegeländes, Einhalt g e boten wird. Eine Jamilientragöüie. Drei Personen durch Gaö vergiftet aufgefunden. Eine geheimnisvolle Selbstmordtragödie beschäftigt zuzeit die Berliner Kriminalpolizei. Als gestern nachmittag gegen �3 Uhr der Kaufmann W., der in dem zweiten Stockwerk des Hauses Schillerpr.omenade 7 zu Oberschöneweide wohnt, heimkehrte, fand er die Tür zu seiner Wohnung von innen oerriegelt. W. ließ die Tür gewaltsam öffnen und fand zu seinem Entsetzen in dem mit Gas angefüllten Badezimmer der Wohnung feine «jährige Frau Emma, seinen 25jährigen Sohn Alfred und dessen 25 jährige Braut, die Hausangestellte Martha M. aus der Rathenau- straße 27, bewußtlos auf. Der Gashahn des Badeofens war ge- öffnet. Auf einem Tisch der Wohnstube fand M. Abschiedsbriefe vor, in denen Frau W. darlegte, daß alle drei im gegenseitigen Ein- Verständnis aus dem Leben scheiden wollten. Der Mann alarmierte s>ie Feuerwehr, die Wiederbelebungsversuche anstellte, aber nur bei Martha M. von Erfolg gekrönt waren. Sie wurde in das Köpe- nicker Kreiskrankenhaus geschafft, wo sie ziemlich hoffnungslos da- nieder liegt. Die Leichen der Frau W. und ihres Sohnes wurden nach dem Waldfriedhof in Oberschöneweide gebracht. Aus den Ab- fchiedsbriefen geht das Motiv des gemeinsamen Selbstmordes nicht ljcrvflr. Die Leichen wurden von der Kriminalpolizei in das Schau- Haus überführt. Gefährliche Einladung. Vergewaltigung bei einer Autofahrt. Ein junges Mädchen aus dem Arbeiterstand, das beruflich als Kellnerin mit allen möglichen Menschen zu tun hat, kann nicht vorsichtig genug sein. Nur zu leicht wird das Vertrauen, das die Folge irgendwelcher kleiner Liebenswürdigkeiten ist, von Nichtsnutzen schmählichst mißbraucht. Das zeigt dieses Beispiel: Da ließ sich nämlich ein sunges Mädchen von 21 Jahren zu einer verhängnisvollen Autofahrt in der Nacht zum Freitag verleiten, das in einem größeren Lykal angestellt ist. Hier erschien am Donnerstag abend gegen 11 Uhr ein junger Mann, den sie früher einmal kennen gelernt, seitdem aber nur selten getroffen hatte. Der Gast erzählte dem Mädchen, daß ein Freund draußen mit einem Auto halte, und erbot sich, sie mit dem Wogen nach Hause zu bringen. Sie fuhr dann um 1 Uhr auch ahnungslos mit. Gleich darauf aber stiegen noch drei andere Männer ein. Alle schlugen vor, unterwegs noch einmal einzukehren. Das Mädchen hatte Bedenken, ließ sich aber über- reden und besuchte mit den jungen Männern noch mehrere Lokale. So geriet man weiter in die A u ß e n b e z i r k e. Die Bitten des Mädchens, doch nach Hause zu fahren, wurdenstiber- hört. Um 5 Uhr morgens war man nach Mahlsdorf ge- kommen. Hier hieß es, der Wagen habe eine Panne. Alle stiegen aus, jetzt packten die vier. Männer das Mädchen, warfen es in den Chaussetgraben und vergingen sich an ihr. Als plötzlich eine Rad- fahrerstre.ife der Schutzpolizei herankam, ließen die Uebertäter von ihrem Opfer ab und ergriffen die Flucht. Der Chauffeur jagte mit dem Auto nach Berlin zu davon. Den beiden Beamten gelang es, drei der Flüchtigen zu fassen. Der vierte entkam und ist noch nicht ergriffen. Die beiden Schupobeamien hatten sich die Erkennungs nummer des Autos gemerkt, und' so gelang es, auch den Autoführer festzunehmen. Er und die drei anderen wurden gestern der Kriminalpolizei vorgeführt. Die drei geben nicht nur ihre Beteiligung, sondern auch die A b- st cht zu, das Mädchen ebenfalls zu vergewaltigen. Nur der Chauffeur, der Führer eines Privatwagens, leugnet sie. Wohnungsnot und /lrbeitsmarkt. Einige Fragen. Von gewerkschaftlicher Seite wird uns geschrieben: Die Wohnungslosen warten noch immer auf eine Ent- spannung des Wohnungsmarktes. Die Hoffnung, daß in diesem Jahre durch ein großzügiges, weitgespanntes Wohnungsbauprogramm die Wohnungsnot, wenn auch noch nicht behoben, so doch wenigstens gelindert wird, scheint, wenn nicht alle Zeichen trügen, sich wiederum nicht erfüllen zu sollen. Diese Hoffnung wurde, und zwar mit Recht. genährt durch das von Magistrat und Stadtverordnetenverfamm- lung angenommene Bauprogramm, das die sozialistische Stadtverordnetenfraktion mit Unterstützung der Orts- ausfchüsse des ADGB. und des AfA-Bundes eingebracht hatte. Soll auch dieses Programm wieder nur ein Stück Papier bleiben? Fast scheint es so. Große Hoffnungen hatte bei den nach einer Wohnung Hungern- den auch das amerikanische Bauprogramm geweckt, durch das 14 000 Wohnungen geschaffen werden sollten. Die Berhand- lungen über dieses Projekt kamen nicht vom Fleck. Es steht jetzt fest (der Magistrat erklärt es in seiner Vorlage über den Ankauf des Südgeländes), daß das ganze Programm in die Brüche gegangen ist. Wenn das richtig ist, so müssen wir schon sagen, daß das von uns nicht verstanden wird und noch weniger von den unter der Wohnungsnot Leidenden. Ist die Stadt V e r l i n mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln nicht imstande, das Wohnungs- Problem zu lösen, wie es die Not der Zeit erfordert, dann ist es geradezu unverständlich, weshalb die Verwirklichung dieses Pro- gramms nicht durchgesetzt wurde. Wo undbei wem liegt die Schuld? Daß bei den deutschen Bauunternehmern das ameri- konische Wohnungsbaupromramm keine ungeteilt« Freude ausgelöst hat, kann man verstehen Wir hätten ims auch gar nicht gewundert, wenn man von dieser Seite alle Minen hätte springen lassen, die Verwirklichung zu verhinderm Der Kommune Berlin stehen selbstverständlich die unter der Wohnungsnot schwer leidenden Minderbemittelten näher als die Handvoll Unternehmer. Aber die deutschen Unternehmer haben die Freude gehabt, das Projekt der Amerikaner fallen zu sehen. Von der Förderung des Wohnungsbaues hatte die Arbeiter- fchaft auch eine Belebung des Arbeitsmarktes er, wartet. Und sie konnte das noch mehr erwarten, als auch noch das amerikanische Bauprogramm bekannt wurde. Denn der Bau von 14 000 Wohnungen inehr über das Bauvroaramm der Stadt Berlin hinaus hätte nicht nur einer großen Zahl von Bauarbeitern Be» fchäftigung gegeben, sondern auch einer ganzen Anzahl von Nchen- gewerben. Denn das Baugewerbe ist doch nun einmal Schlüssel- industrie für zahlreiche Gewerbe. Auch diese Hoffnung ist zum Teufel gegangen. Wie uns von der Organisation der Bauarbeiter berichtet wird, ist dasBau gewerben urschwach beschäftigt. Noch immer ist die Zahl der Arbeitslosen sehr groß. Auch darum ermatten wir, daß die Oeffentlichkeit nun endlich erfährt: 1. Warum und weshalb macht die Verwirklichung des von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Bauprogramms keine Fortschriitc? 2. Wenn das amerikanische Bauprogramm nicht verwirklicht wird, wer hat Schuld daran? Die Unzufriedenheit der Arbeits- und Woh- n ü n g etl o f e n ist doch wahrlich groß genug, so daß man meinen sollte, daß auch die zuständigen Stellen ein Interesse daran haben müssen, sie nicht durch Unterlassungssünden noch mehr zu steigern. Ein bedauernswerter Trunkenbold. Teufel Alkohol vor Gericht. Ein traunges Schicksal entrollte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. Angeklagt war wegen sottgesetzten Betruges, begangen durch Zechprellerei, der 48 jährige I. Cr ist Sohn eines ehemaligen Hofschauspielers, der im Gedächtnis aller Berliner das beste Andenken hinterließ. Der mit glänzenden Gaben ausgestattete Sohn hatte im Eltern- hause eine sorgfältige Erziehung genossen, das Abitur gemacht und war dann Assistent in einem bakteriologischen Institut. Bald gettet er aber völlig in dem Bann des A l k o h o l s und wurde Quartals- f ä u f e r. Der Vater mußte ihn ine Ausland schicken, und er hat sich dort als Straßenarbeiter durchgeschlagen, bis er wieder nach Berlin zurückkehrte. Seit einer Reihe von Iahren hat X. Zechprellereien oerübt. Ohne einen Pfennig Geld fetzte er sich in einer Kneipe fest und trank bis zur Bewußtlosigkeit. Häufig mußte der Vater den Schaden gutmachen. Oft kam!. indessen auch vor den S t r a f r i ch t e r. Einige Male kam er unter dem Schutz des Z 51* frei, in vielen Fällen wurde er verurteilt. So war er auch Ende 1026 wegen Zechprellerei abgeurteilt. Am 9. Februar sollt« er entlassen werden. Die Gefängnis- leitung hatte sich große Mühe gegeben, ihn irgendwo unterzubringen, und es war gelungen, ihm Arbeit bei einem Berliner Theater zu verschaffen. Mit der Weisung, sich dort zu melden, wurde 1. entlassen. Er verabschiedete sich mit den besten Vorsätzen. Am Abend des 10. Februar meldete er sich aber in total betrunkenem Z u st a n d e zurück. Er wurde nochmals gemahnt, sich am nächsten Tage zu melden. Stattdessen wurde er am Abend des 11. Februar wieder eingeliefert, weil der Trunkenbold wieder eine Zechprellerei verübt hatte.. Er machte vor Gericht im nüchternen Zustande einen sympathischen Eindruck und bezeugte die besten Absichten, ein neues Leben anzufangen. Gefängnisarzt Dr. Bürger äußette Zweifel an der Z u r e ch n u n g s f ä h i g k e i t des An- geklagten. Prof. Dr. Seelert dagegen- hielt den Angeklagten für voll verantwortlich. Der Angeklagte wurde wegen Betruges im Rückfalle z u 4 Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafe aber durch die Untersuchungshaft für o e r b ü ß t erklärt. Die Aushebung des Haftbefehls leitete der Vorsitzende mit der Mahnung sin, nunmehr wirklich ein neues Leben anzufangen. Der Angeklagte versprach das. Die gerechte Strafe. r' Diebstahl und Betrug an einem Blinben. Es will viel heißen, wenn ein alter langjähriger Strafrichter in Berlin erklären muß, daß ihm noch nie ein so verurteilenswerter Straffall vorgekommen ist.„Dieser Angeklagte hier hat eine- Ge- sinnungslui,per«i gezeigt, wie sie selbst den hartgesottensten Berufs- Verbrechern ohne Beispiel ist, ein solcher Abgrund von Gemeinheit und Schurkerei ist nicht mehr zu überbieten. Ein Mensch, der die Hilflosigkeit und das ihm geschenkte Vertrauen eines Blinden derart ausnutzt, gehört ins Zuchthaus und hat- keinen Anspruch auf die bürgerlichen Ehrenrechte." Wegen schwerer öffentlicher Urkunden- fälschung, Unterschlagung, schweren Diebstahls und Betruges wurde der 1899 in Steinach bei Sallfeld i. S. geborene Büfettier T h e e s, gegen den sich jene scharfen Worte des Landgerichtsdirektors Stein- Haus richteten, von dem Erweiterten Schöffengencht Mitte zu einem Jahr sechs Monaten Z u ch t i�a u s und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Thees hat in der gemeinsten Weise ein»n armen Blinden, der sich mühsam sein Brot im Straßenhandel erwerben mußte, um die gesamten Ersparnisse gebracht. Als der bedauernswerte erst 2S Jahre alte Mann vor zwei Iahren gänzlich erblindete, zog der Angeklagte, der ist« ihm seit Jahren befreundet war, zu ihm und betreute ihn. Er diente ihm als Führer auf der Straße und besorgte ihm das Essen. Auf der anderen Seite sorgte der Blinde für den Erwerbelosen und anscheinend arbeitsscheuen Burschen. Durch sein hingebendes Verhalten hatte sich der Angeklagte in das Vertrauen des hilflosen Mannes eingeschmeichelt. Eines Tages übergab der Blinde seinem Freunde einen Wertbrief mit 6 00 Mark mit der Weisung, die Adresse an den Bruder nach Breslau zu schreiben und den Brief zur Post zu bringen. Thees öffnete den Bttef, nahm das Geld heraus und fchtteb einen neuen Brief, den er ohne Inhalt nach seiner Heimat als Wettbrief ab- schickte. Als Absender gab er sich selbst an. Die Postquittung änderte er, indem er„Breslau" als Aufpabeott fälschte. Während er dem Bruder schrieb, daß das Geld erst in einiger Zeit kommen werde. las er dem Blinden ein Bestätigungsschreiben des Bruders über dem Empfang des Geldes vor In seiner Kassette hatte der Blinde noch weitere Ersparnisse in Höhe von 660 Mk. Mit einem Nach- schlüssel entwendete der Angeklagte auch diesen Betrag. Damit der Blinde aber den Diebstahl nicht merken sollte. schnitt er au? Jnslationsscheinen die passende Größe der Reichsbank- noten zurecht und regte diese in die Kassette zurück. Wenn der Blinde sein Geld zählen wollte, stellte er durch das Abtasten die einzelnen Geldsorten fest und blieb daher in dem Wohn, noch Besitzer des Geldes zu fein. Schließlich war dem Angeklagten aber wohl der Boden unter den Füßen heiß geworden und außerdem war von dem Blinden ja auch nichts mehr zu holen, denn im Laufe der zwei Jahre hatte er von seinem Freunde nach und nach gegen Schuldscheine auch noch 1200 Mark geliehen. Nun erklärte er plötzlich, daß er eine Stellung in Braunschweig ange-- nommen habe und entlieh sich auch noch bei der Abreise einen Lederkosfer von seinem Freunde. In seiner hilflosen Lage wollte der alleingebliebene Blinde seinem Bruder telegraphieren, ging an die Kassette und entnahm dieser durch Abtasten einen Fünfmarkschein. Am Schalter des Postamtes gab ihm der Beamte den Schein mit dem Bemerken zurück, daß sei kein Geld, sondern Jnslationspapier. Ganz oerwirtt tappte der Blinde nach Hause und holte auch das andere Geld herbei. Zu seinem großen Schrecken erfuhr er nun auf dem Postamt die volle Wahrheit. Nun kam auch die andere Schandtat des Angeklagten heraus. Das hätte er, so bemerkte der als Zeuge vernommene Blinde vor Gericht, seinem Freunde, der sich ihm nach seiner Erblindung stets so hilfsbereit erwiesen hatte, nicht zugetraut. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er denn keinen Funken von Empfinden für diese Gemeinheit ersten Ranges gehabt hätte, hatte der Angeklagte nur die kurze Antwort:„Ich kann es ja später wieder einmal gut machen." Das Gericht fällte nach kurzer Beratung das oben erwähnte Utteil. Zu erwähnen ist noch, daß der Angeklagte gerade in dem Augenblick gefaßt wurde, als er über die französische Grenze gehen wollte, um in die Fremdenlegion einzutreten. Sonnenwendfeier des �rbeiterkulturkartells. Trotz rognerischen Wetters tauchte die Sonne am Sonnabend noch beim Untergehen den Himmel in flammendes Rot, das mit den roten Fahnen der anmarschierenden Jugend wetteiferte. Unermüd- lich spielte das Orchester des Deutschen Musikerverbandes. Der wundervoll/ Festplatz desNeuköllnerVolksparts ist schon von Tausenden, Alten und Jungen, umsäumt, die ihre Sonnenwende im sozialistischen Geiste begehen. Der Gesangchor Roseberry d'Aouto sang Kampflieder, die weithin über den Platz hallten. Hierauf sang die Masse geineinsam„Brüder zur Sonne", die Jugend setzte sich in Bewegung und ein Fackelreigen auf der Festwiese warf mit der letzten Strophe Schwur und Gelöbnis für alle, die heute hier«?r neuer Festkultur ihre Sonnenwende seiern wollen. Raubüberfall in Spandau. Ein verwegener Ueberfall wurde gestern mittag auf den sieb- zehnjährigen Kaufmannslehrling Heinz K. in Spandau verübt. Der junge Mann war beauftragt, von der Potsdamer Bank, die in der Potsdamer Straße liegt, 1700 M. abzuheben. Kaum hatte K. die Bank verlassen, als ein junger Mann über ihn her- fiel, ihm einige wuchtige Schläge über den Kopf versetzte und Bupkksctem Graue Federn Pfand 95 pi Entenfedern Ä 3.50 Weiße Rupffedern 6� 5.10 Schleififedern Schleißfedern Vif 3.90 Schieißfedern 5,50 pfl11 7.90 Schleißfedern Daunen Monopddaunen'pj'fB.SO Matadordaunen �'12.60 Echt chin. Weiße Daunen pca 14.20 Die ideale Bettfüllung: JfCottopoUkwnen 8.50 Mena vorbehalten! 3—4 Pfund zum Oberbett Aufarbeiten von Betten und Bettfedern Abholung und Zustellung jetzt noch In wenigen Tagen möglich Fertige Inielte rot granrot Oberbett...8.50 7.20 Unterbett..6.95 5.70 Kissen____ 2.45 2.10 Bettwäsche In einfacher und eleganter Ausführung In groBer Auswahl sehr preiswertl scCKl?tr WilmersdorferStn größtes SpeziaOiauA Deutschtandsfur I "Qettfedern,'Betten u\ Schfafzimmerbedarf. j Ar Trotz W ständiger Ver- Örössenmö unserer � Verkaufsstellen ist der Andrang in den Nach' Mittagsstunden ungeheuer. 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Eins der wichtigsten Ziele im Osten ist die Richtung nach Lichtenberg, wohin die Große Frankfurter Straße führt, die zwar östlich des Strausberger Platzes die angemessene Breite hat, dagegen auf der Strecke zwischen Kaiserstraße und Strausberger Platz völlig ungeeignet ist, den Ver- kehr aufzunehmen. Dieser Verkehr wird einen gar nicht zu über- sehenden Aufschwung nehmen, sobald die Untergrundbahn nach Lichtenberg, die durch die Große Frankfurter Straße führt, fertiggestellt sein wird. Aus diesem Grunde ist eine Verbreiterung der bisher nur 17 Meter breiten Straße auf 32 Meter geplant, und es sollen zwei Bürgersteige von je 4 Meter und zwei Fahrdämme von je 8 Meter Breite und ein mittlerer Grünstreifen von 8 Meter zur Aufnahme des Gleiskörpers der Straßenbahn angelegt werden. Die Baufluchtlinie der Häuser Große Frankfurter Straße Nr. 37 bis 69 soll deshalb um rund IS Meter zurückverlegt werden. Mit einer Verbreiterung allein ist aber da» Verkehrsproblem nicht zu lösen, denn es handell sich vor allem darum, den Alexanderplatz zu erreichen, was zurzeit nur auf dem Umweg über die Kaiserstraße und Alexanderstraße, bzw. Kleine Frankfurter Straße und Lands- berger Straße möglich ist. Die Große Frankfurter Straße, die sich jetzt totläuft, soll mit einem Durchbruch zwischen Kaiser st ratze, Elisabeth st raße und Landsberger Straße in der gleichen Breite von 32 Meter grab- linig weitergeführt werden und erreicht dadurch etwa in der Höhe der K a t h a r i n« n st r a ß e die Landsberger Straße, die gleichfalls von der neuen Durchbruchfttaße an bis zum Alexanderplatz dieselbe Breite von 32 Meter erhalten soll. Ein wesenllicher Grund für di« Planung des Durchbruchs zwischen Kaiserstraße und Landsberger Straße ist der Wunsch, di« Linienführung der Untergrund- bahn, d. h. die Einmündung von der Großen Frankfurter Straße nach dem Alexanderplatz zu verbessern und den Bau selbst zu er- leichtern. Die zum Abbruch bestimmten Häuser sind bis aus einige wenige Grundstücke bereits im städtischen Besitz. Das Bezirksamt Mitte hat jetzt der Bezirksversammlung eine entsprechende Vorlage zur Beschlußfassung zugehen lassen. Kommunisten gegen Bismarckbüudler. Als Teilnehmer an einer Zusammenrottung, die sich gegen drei Mitglieder der Bismarckjugend richtete, hatten sich gestern unter der Anklage des Landfriedensbruches die Arbeiter S t e i n b r ü ck und B l i e s« n i ck vor dem Schöffengericht Schöneberg zu verantworten. Am 36. April waren nachts drei Mitglieder der Bismarck- jugend in Begleitung eines jungen Mädchens von einem Vereinsfest her auf dem Heimweg. Beim Ueberqueren der Bülowstraße wurden sie überfallen. Man suchte dem einen die Mütze mit dem Abzeichen zu entreißen. Er wehrte sich und wurde ins Gesicht und auf den Hinterkopf geschlagen. Als bald darauf zwei Schupoleute hinzu- kamen, liefen die Angreifer, die zumeist in der Uniform des Roten Frontkämpferbundes waren, weg. Der überfallen« junge Mann hielt aber seinen Gegner so lange, bis die Beamten ihn fest- nahmen. Es war das der Angeklagte B l i e s e n i ck. Ein anderer von der Bismarckjugend hatte Mefferfchnirt« o« Hand und Arm davongetragen. Bliesenick und der mttangeklagte Steinbrück be- haupteten, daß sie nur zufällig dazugekommen seien. Bliesenick wollte dazwischengetreten sein, als der Zeuge von der Bismarck- jugend einen Mann festhielt und auf diesen mit dem Absatz trat.— Der Zeuge aber blieb dabei, daß der erste Angreifer Bliesenick ge- wesen sei. Das Schöffengericht verurteilte Bliesenick zu acht Monaten, Steinbrück zu drei Monaten Gefängnis. Beiden Angeklagten wurde die Untersuchungshast mit sechs Wochen angerechnet. Schwarzweihrote Raufbolde pflegen meist billiger wegzu- kommen._ Sommerkönigi» 1927. Trotz der vorjährigen Radauszenen im Sportpalast ward der alte Brauch nicht gebrochen, und man schritt, diesmal wieder im L u n a- park, zur Wahl der Sommerkönigin. Wiederum Aufmarsch zahlreicher Schönheiten aller Jahrgänge und Berufsklassen, herbeigeströmt aus allen Himmelsrichtungen Berlins. Behütet, betupft und geschupft von strahlenden Müttern oder stolz einherschreitend im sieghaften Licht der eigenen Sonne. Die Jury siebte diesinal fester und gründ- licher, immer wieder wurde die Parade abgenommen, bis von der schönheitsbefangenen Riesenschlange 24 Kandidatinnen in die engere Wahl gezogen wurden. Die Auserkorene ist eine achtzehnjährige Probierdame eines Berliner Modehauses. Sie erhielt Isillsi Mark nebst allerhand Ehrungen in Gestalt von Photos und Bsgeisterungs- auswüchsen. Der sommerliche Pelzmantel. Voriges Jahr war er ein schüchterner Versuch, doch dieses Jahr hat er sich, unterstützt durch die kühle Witterung, scheinbar„durch- gesetzt". Im Restaurant des Zoologischen Gartens veranstaltete der Propagandaausschuß der Berliner Pelz- i n d u st r i e eine Vorführung der neuesten Modeschöpfungen auf dem Gebiete sommerlicher Pelzbekleidung. Die Fellieferanten für den Sommer setzen sich zusammen in der Hauptsache aus der Schar unserer braven Hauetiere. Kalb, Lamm. Ziege und Karnickel müssen ihre Haut zum Pelzmarkt tragen, allwo sie jedoch durch Farben, Scheren, Einbrennen von Schlangen- und Schachbrettmustern bis zur Unkenntlichkeit verändert werden. Ein holder Selbstbetrug, bei dem man redlich bemüht ist, das qualitative Minus durch dekoratives Plus auszugleichen. Manchmal geht's auch ein wenig daneben. Ueberhaupt sind unser« Modebeslissenen mit der steigenden Ver- schönerungswut und dem schwindenden Geldbeutel recht anspruchslos geworden. Der Pelzmantel früherer Tage stellte ein Wertobjekt dar. Heute ist das anders geworden. Es macht sich eine Talmieleganz um jeden Preis bemerkbar, die viel Kindliches in sich schließt. Das mag mit der kindhaften Rocklänge und mit den Jmporttieren zusammen- hängen. Jedenfalls hat heute jeder Pelzwarenhändler sein„Haus- tierfellager" und jeder Juwelier feine Bijouterieabteilung, denn neuerdings trägt man Perlengeschmeide nur noch meterweise um den Hals geschlungen und bezieht es aus dem Warenhaus.„Wat dem een sin Ul, is dem anderen sin Nachtigall", smgen die Kirschner in bezug aus die kühlen Sommerabende und verarbeiten mtt geschickten Händen allerlei.Laariges" für die frierenden Schönen. Die Stadtverordnetenversammlung soll in dieser Woche, falls die Haushottberatung dos nötig macht, drei Sitzungen haben,, am Dienstag um 6 Uhr. am Donnerstag um%5 Uhr, am Freitag um%5 Uhr. Vor den Ferien will man bann nur noch eine Sitzung am 28. Juni(Dienstag) abhatten. Zum stellvertretenden Kommandeur der Berliner Schutzpolizei ist der Kommandeur der Kasseler Schutzpolizei, Oderstwachtmeister Sysfert, berufen worden. Ein Sommersest der Rundfunkhörer veranstaltet heute, Sonntag nachmittag, der Ä r b e i t e r- R a d i o b u n d. Die Veranstaltung. zu der namhafte Künstter ihre Mitwirkung zugesagt haben, findet in den Gesamträumen der Abtei Treptow statt. Näheres Inserat. Zugeubweihe Neukölln. Der Unterricht beginnt am Freitag, dem 24. Jrmt, nachmittag? 4 Uhr, im Gesangssaal der Knaben-Mittelschule, Donaustr. 118/20. Anmeldungen werden dort und in den VorwärtZspeditionen Neckarstrage 2 und Siegsriedslrahe entgegengenommen. Anmeldegebühr SO Pf. Der ZNännerchor Harmonie Charlottendurg, dessen vor zwei Jahren ge- gründeter Kinderchor mehrfach sein Können beweisen konnte, hat jetzt noch einen Jugendchor geschaffen, dem noch Mädchen und Knaben im Alter von über 14 Jahren beltreten können. Die UebunaSstunden finden jeden Montag abends von 8— S.30 in der Aula Spreestr. 29 statt. Elve öffentliche Aufforderung zur Erneuerung der Skenerkarten für Srast- fahrzeugbesitzer, ausgebend vom Finanzamt Rojenthaler Tor, ist im Jnje- ratentcil der vorliegenden Nummer enthalten. Erweiterter Seeöienst nach OftprenHen. Ab 29. Juni viermal wöchentlich. Für die Hauptreisezeit wird vom 2 9. Juni bis 3. August der Verkehr des Seedienstes Swinemünde— Zoppot— Pillau durch wöchentlich zwei weitere Fahrten verdoppelt. Die Fahrt mit den großen, bequemen Schiffen des Seedienstes wird dann ostwärts von Swinemünde Mittwochs, Donnerstags, Sonnabends und Sonntags angetreten, während die Rückfahrt von Pillau und Zoppot Montags, Mittwochs, Freitags und Sonnabends stattfindet. Vom 3. August ab tritt wieder der gewöhnliche Fahrplan in Kraft: ostwärts Mittwochs und Sonnabends, westwärts Montags und Freitags. Auch während der Zeit des verstärkten Verkehrs fahren die Dampfer im gewohnten Fahrplan: Swinemünde ab 19,00, toppot an 8,30, Pillau an 12,30, und zurück Pillau ab 12,00, oppot ab 16,00, Swinemünde an 5,45 Uhr. Im Juli wird der Verkehr außerdem über Pillau hinaus nach Memel durchgeführt: Pillau ab 13, IS, Memel an 18,15, Memel ab 6,00, Pillau an 11,00 Uhr. Erstmals trifft das am Sonntag, dem 3. Juli von Swinemünde abfahrend« Motorschiff „Preußen" am Montag, dem 4. Juli, in Memel ein. Bis Memel wird die Fahrt wöchentlich nur Sinmal durchgeführt: Hin Montags, zurück Mittwochs(erstmals am 6. Juli). Der Preis der einfachen Fahrt bis Memel beträgt: Swinemünde— Memel 18 M., Zoppot— Memel 10 M. und Pillau— Memel 8 M. Für die Fahrt von Swinemünde noch Zoppot bzw. Pillau werden erheblich verbilligte Rückfahrkarten ausgegeben. Für die Reis« nach Memel ist die Beschaffung des litauischen Visums notwendig. Reisende, die das Motor- schiff„Preußen" nach Memel benutzen, erhalten das Paßvisum für die Bäder des Memelgebietes zu der ermäßigten Gebühr von 5 Sit. Zur Erteilung dieses Visums sind die litauischen Konsulate berechtigt. Auch auf dem Motorschiff„Preußen" kann dos Bisum eingeholt werden: zu diesem Zweck kommt vor Landung in Memel ein litauischer Beamter an Bord des Schiffes. Die Eröffnung ües Nürburgringes. Adenau. 18. Juni.(MTB.) In Gegenwart von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, darunter Reichsverkehrsminister Dr. Koch, Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, Oberprästdent der Rbein- Provinz Dr. Fuchs, Landeshauptmann Dr. Horion und ander«, wurde die größte Renn st raße Deutschlands, der Nürburgring, feierlich eröffnet. Am Startplatz wehen die Fahnen aller Nationen. Ein« zahlreiche Zuschauermenge hat sich eingefunden. Nach der Uebergabe des Ringes durch die ausführende Baufirma an den Kreis Adenau ergriff Landrat Dr. Cveutz das Wort. Nach weiteren Ansprachen, u. a. de» preußischen Wohlfahrts- minister» Hirtsiefer, des Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs, Fritz-München, sprach als letzter Redner Reichs- verkehrsminister Dr. Koch. Wetterberich» der Sffevtllcheu Wetterdieaststelle für Derlla and llmgezevd »Nachd. verb.s: Tagsüber wolkig und mäßig warm, später Bewölkungizu- nabme und Kewttterregen, Wind zunächst au« Südwest.— Für Vevlschload: ileberall tagsüber mäßige- Wiedererwärmung. In der westlichen Halste des Reiches Gewitterregen. X Für Damen Weiss und beige Leinen- Cinspangenschuh m» louu- 90 XV.-AbiäU und Weiss Leinen- Zwei- � M Spangenschuh mit LouIs-XV.-Absatr... W eiss-,grau-und drapp- w g n tarbene Leinenschuh � mit LoolS'XV� und Trotteurabsatx...... Blond u. grau R'Chevr.- Spangenschuh................ ✓ Braun Boxealt- Spangen- u. Zugschuh"! T � Original Goodyeor-Well............. JL0W Braun, blond u. grau � Kreppsohlenschuh fTh bequemem LaufebuU...............-U. 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Jnn\ 1427 Inöuftrieprobleme in Sowjetmßlanö. „Der Rubikon überschritten."- Aber Snbstanzaufzehrung und Kapitalmangel. Der Wiederherstellungsprozeß der russischen Staatsindustri« scheint nach den offiziellen Angaben abgeschlossen zu sein. Die(Be- samtproduktion erreichte im Jahre 1925126 89 Proz. und die Zahl der beschäftigten Arbeiter 9S Proz. der Vorkriegszeit; im Jahre W26/27 erreicht die Industrieproduktion nach den vorläufigen An- gaben 198 Proz., die Arbeiterzahl 196 Proz. des Vorkriegsnioeaus. Die russischen Wirtschaftsleiter heben mit Stolz hervor, daß damit der„Rubikon"' des Vorkriegsniveaus im lausenden Jahre bereits überschritten sei. Sie können aber nicht ver- heimlichen, daß erst jetzt die wirklichen Schwierigkeiten beginnen, die mit der notwendigen Erneuerung und Erweiterung des Kapitals der Industrie verbunden sind. Wachstum auf Kosten der Substanz. Das Wachstum der Staatsindustrie vollzog sich hauptsächlich auf Kosten des von der„erledigten" Bourgeoisie„geerbten" Grund- kapitals, der direkten und indirekten Zuschüsse aus der Staatskasse, der Höchstpreispolitik, d. h. der permanenten Enteignung der Bauernschaft, und nicht zuletzt auf Kosten der durch den niedrigen Stücklohn ausgebeuteten Arbeiterschaft. In dem Maße der fort- schreitenden Ausnutzung der geerbten Substanz verlangsamte sich jedoch das Tempo der Jndustrieentwicklung. Die Brutto- Produktion der Stoatsindustrie stieg im Jahre 1925/26 um 42,4 Proz., im Jahre 1926/27 aber nur um 29,1 Proz. Das ist freilich kein Wunder. Die Abnutzung des Grundkapitals in den arbeiten!«» Betrieben betrug bereits im Jahre 1922/23 72 Proz., im Jahre 1923/24 78 Proz.; dabei haben die arbeitenden Betriebe ihre ab- genutzten oder gar fehlenden Maschinen und sonstige technische Aus- rüstung auf Kosten der stillgelegten,„konservierten" Fabriken und Werke ersetzt. Ueber die Wiederherstellung des abgenutzten Grund- kapitals hat man sich damals keine große Sorge gemacht: die Be- triebsfubstanz wurde einfach aufgegessen. Die Abschreibungen und Amortisierungssonds waren wissentlich ungenügen: am 1. Oktober 1925 betrug die Amortisation des Grundkapitals in der Staats- industrie ca. 925 Millionen Rubel, während die Amortisations- fo n d s nur 499,3 Millionen Rubel betrugen. Die technische Ab- Nutzung des Grundkapitals der Staatsindustrie erreicht 49 bis 69 Prozent. Gerade darum aber, weil der„Rubikon" des Vorkriegsniveaus überschritten zu sein scheint, hat die Frage der technischen Um- stellung und der Erweiterung der russischen Industrie eine außerordentliche Bedeutung. Sie ist eine reine Kapitalsrage. Im Jahre 1925/26 wurden in der Staatsindustrie ungefähr 789 Millionen Rubel angelegt; im laufenden Jahre werden die neuen Kapital- aufwendungen(mit den Elektrifizierungsanlagen) ca. 1199 Millionen Rubel betragen. Die eigene, innere Kapitalaufhäufung der Staats- industrie beträgt in diesem Jahre nur die Hälfte der zu ihrer Umrüstung erforderlichen Mittel. Pläne für die Zukunft. Wie stellen sich nun die russischen Wirtschaftsführer die weitere Entwicklung der Industrie unter Beibehaltung des gegenwärtigen Wirtschaftssystems vor? Die industrielle Sowjetwirfichast ist in erster Reihe eine„Planwirtschaft"! Und in der Tat gibt es jetzt inehrere Varianten eines„fünfjährigen Planes" der Industrie- entwicklung, die von den höchsten Wirtschaftsorganen der Sowjet- union ausgearbeitet wurden und einige Anhaltspunkte zur Be- urteilung der Entwicklungsmöglichkeiten der Sowjetindustrie bieten. Nach der ersten Lesart dieser Pläne wird die Brutto- Produktion der Staatsindustrie von 5773 Millionen Rubel im Jahre 1925/26 auf 9389 Millionen Rubel im Jahre 1929/39 steigen. Dabei werden die Warenpreise um 21 Proz., die Arbeiterzahl um 459999 der Arbeitslohn um 25 Proz., die Arbeitsproduktivität um 69 Proz., die Herstellungskosten der Jndustrieerzeugnisse um 22,1 Proz. steigen; die Investierung des neuen Grundkapitals in der Staatsindustrie wird in demselben Zeitraum 6,1 Milliarden Rubel, die An- Häufung des eigenen Kapitals in der Industrie etwa 5,2 Milliarden Rubel, das Defizit etwa Ich Milliarden Rubel betragen. Im Januar/Februar dieses Jahres ist der obenerwähnte„fünf- jährige Plan" gründlich revidiert worden(stehe„Planowoje Chosjaistwo", März, und„Ekonomitscheskoje Obosrenije", April 1927). Es stellte sich heraus, daß die ersten Berechnungen zu optimistisch waren. Auch bei der Steigerung der Produktion in fünf Jahren um 198 Proz. wird der Verbrauch der zwanzig wich- tigsten Warengruppen im Jahre 1929/39 pro Kopf der Bevölkerung nur 199 Proz. des dürftigen Vorkriegsverbrauchs erreichen. Nach den neuesten Berechnungen des„Gaßplans" sei aber die Steigerung der Industrieproduktion in dem Zeitraum 1925/26 bis 1929/39 nur um 79,5 Proz. und der Verbrauchswarenproduktion um 58 Proz. möglich. Auch bei diesem Wachstumstempo wird im Jahre 1939/31 der Verbrauch von Roheisen pro Kopf der Bevölkerung 2 Pfund, von Papier 6,2 Pfund, von Zucker 29,5 Pfund(vier- bis fünfmal weniger als in England) knapp erreichen; der Verbrauch von Baum- wollgeweben wird nur um 13 Proz. im Vergleich mit der Vorkriegs- zeit erhöht sein. Dabei muß berücksichtigt werden, daß in diesen fünf Jahren Rußlands Bevölkerung um 13 Millionen, die städtische Bevölkerung von 17,8 Proz. auf 18,8 Proz, steigen wird. Die Hemmungen im Agrarstaat. Rußland ist ein überwiegend agrarisches Land. Das Tempo der Jndustrieentwicklung wird deshalb entscheidend durch das E n t- Wicklungstempo der Landwirtschaft bedingt und be- grenzt. Laut dem fünfjährigen Jndustrieplan werden sich die Ge- treideanbaufläche um 3 Proz., die Anbaufläche technischer Kulturen um 6 Proz., die Ernteerträge um 1,5 Proz. jährlich erhöhen. Die Bruttoerzeugung von Körnerfrüchten soll in fünf Jahren um 18 Proz. und der technischen Kulturen um 37 Proz. wachsen. Aber auch bei diesem Wachstumstempo der Landwirtschaft wird der Reinertrag der landwirtschaftlichen Bevölkerung nur von 82,7 Rubel aus 95 Rubel pro Kopf steigen und etwa um 5 Proz. das Vorkriegsniveau übertreffen. Die Erweiterung der Bruttoproduktion der Landwirt- schaft würde auf diese Weise die Kaufkraft der Bauernschaft in fünf Jahren um 1 bis 1,1 Milliarden Vorkriegsrubel erhöhen. Da der städtische Verbrauch gleichzeitig um 699 bis 799 Millionen Rubel steigen wird, so muß eine Vermehrung der Erzeugung von Ver- braucherwaren um 1,6 bis 1,7 Milliarden Rubel erfolgen und ein- schließlich der Produktion von Produktionsmitteln eine Vermehrung der Erzeugung um insgesamt 3 bis 3 X Milliarden Rubel stattfinden. Dabei find die enornien Bedürfnisse der Landesverteidigung sowie des Landes- und Wassertransports nicht berücksichtigt. Zur Verwirklichung des vorgesehenen Planes wird die Einfuhr der ausländischen Maschinen usw. im Betrage rfon 1399 Millionen Rubel sowie die Anstellung von 499 999 ständigen und 159 999 Saisonarbeitern nötig sein. Die Arbeitslosigkeit wird aber auf diese Weise keineswegs beseitigt werden: vielmehr wird die Arbeits- losenzahl nach fünf Jahren 2)4 bis 3 Millionen erreichen. Die agrarische Ueberbevölkerung wird auch nach offiziellen Berechnungen :n rascherem Tempo erfolgen als die Ausdehnung der Industrie. Das für die Industrialisierung aufzuwendende Kapital soll nach! den Plänen im Jahre 1927/28 1141,6 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 1182 Millionen Rubel, im Jahre 1929/39 1296 Millionen Rubel und im Jahre 1939/31 1295 Millionen Rubel betragen. In den fünf Jahren werden also für die Industrialisierung 7,4 Milliarden Rubel nötig sein, wobei aber die Gewinne der Industrie und die Abschreibungen nur etwa 5,9 Milliarden Rubel betragen werden. Das Defizit von 1,5 Milliarden Rubel wird nur zum Teil aus dem Staotsetat und durch Kredit gedeckt werden können. Vergebliche Experimente.> Die Sowjetwirtschaftler selbst geben zu, daß alle diese Berech- nungen und Pläne einen höchst summarischen und proble- matischen Charakter haben. Die Planwirtschast ist in Sowjetruhland nach wie vor ein unerreichbares Ziel und keine Wirklichkeit. Das spricht freilich noch nicht gegen den Grundsatz der sozialistischen Planwirtschaft, sondern nur gegen VIe planwirtschastlichen Experimente in einem rückständigen Agrarland?. Wir haben gesehen, wie im vorigen Jahre infolge der„Berrech- nungen" mit der Getreideausfuhr alle Pläne der Jndustrieumrüstung über den Haufen geworfen werden mußten und wie die Tscherwonetz- Währung bedroht wurde. Gleichzeitig hatte die Politik der niedrigen Preis« für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zur Verminderung der Anbaufläche geführt und eine Rohstoffkrise in der Industrie hervor- gerufen. Wir sehen auch jetzt, wie die Preisabbaukampagne i n s Stocken geraten ist, worauf«in stiller Käuferstreik aus dem Lande und eine Absatzkrise droht. In der Tat sind es die elementaren Kräfte des bäuerlichen Marktes, nicht der„Goßplan" der russischen Planwirtschaftler, die letzten Endes die Sowjetwirtschaft regieren. Freilich sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten Rußlands sehr groß, fast grenzenlos. Aber sie sind durch das System des Staatskapitalis- mus(Nep) und durch das Regime der Diktawr gebunden, das gleich- zeitig jeden Abwehrkamps des Proletariats gegen die Ausbeutung und jede fruchtbare Entfaltung der Wirtschaftskräfte hemmt. Enorme Karlosselpreise— r aber Kartosselzollerhöhung. Nach dem letzten Marktbericht werden für alte Speisekartofseln Preise von8Mark und mehr pro Zentner angelegt. Aus Schleswig-Holstein wird uns mitgeteilt, daß die Eindeckung der Konsumenten aus Beständen der alten Kartoffelernte zu Preisen zwischen 8 und 19 Mark je Zentner erfolgt. Di« Parteien unserer famosen Rechtsregierung haben sich demgegen- über auf eine Verdoppelung des bisherigen Kar. t o f s e l z o l l s geeinigt. vt»«dlg»« stehen Ihnen eh Montag«ur Verfügung!— Schriftl. Beatellungen können nicht berücksichtigt werden! yanöelsvertrag oder nicht! Stand und Ausfichten der deutfch-franzöfischen Wirtschaftsverhandlungen. Die Pariser Verhandlungen über den endgültigen Handels- vertrag, die auf französischen Wunsch bereits unmittelbar nach Schluß der Genfer Weltwirtschaftskonferenz(also etwa am 20. Mai) wieder aufgenommen werden sollten, konnten erst nach den Pfingst- tagen beginnen. Sie haben bisher, nach etwa 10 tägiger Dauer, soviel man sehen kann, keinerlei greifbare Ergebnisse gebracht. Man wird sich erinnern, daß die früheren Verhandlungen, die nach Abschluß des neuen erweiterten Provisoriums,(das von März bis Ende Juni läuft,) im April wieder aufgenommen worden waren, zunächst auf außerordentliche Schwierigkeiten ge- stoßen sind. Diese ergaben sich aus der Hallung der französischen Unterhändler. Die Unterbrechung dieser wenig aussichtsreichen Ver Handlungen durch die Genfer Tagung hat man in Deutschland, viel- leicht auch auf beiden Seiten, nicht ungern« kommen sehen. Man hoffte, daß sich auf Grund der Ergebnisse von Genf später vielleicht eher eine Möglichkeit ergeben würde, in den Unterhandlungen voran zu kommen. Wenn auch die Genfer Konferenz kein« unmittelbaren Ergebnisse erbracht hat,— die Festlegung gesetzgeberischer Maß- nahmen auf Grund der dort gefaßten Beschlüsse wird ja erst nach und nach in den einzelnen Staaten erfolgen— so hat sich doch dort rein stimmungsmäßig ergeben, daß man allgemein die handelspolitischen Methoden Frankreichs ab- lehnt. Die schutzzöllnerischen Absichten der französischen Regierung werden außerdem mehr und mehr im eigenen Lande durch die Opposition gehemmt, die von den Linksparteien getragen wird und von der Verbraucherschaft, dem Handel, zum Teil auch der Fertigwavenindustrie und der am Export interessierten Landwirtschaft ausgeht. Deshalb ist die Lag« der französischen Unter- Händler bei den jetzigen Verhandlungen sehr viel schwieriger als während der April-Verhandlungen. Immerhin wird man sich keinen Illusionen über die Aussichten der jetzt schwebenden Verhandlungen hingeben dürfen. Auch die deutschen Unterhändler haben ja einen recht schweren Stand. Einmal deshalb, weil sich die deutschen Zollermäßigungs- Wünsche auf außerordentlich viele einzelne Waren beziehen, für die die Zölle nach dem neuen französischen Zolltarif, z. T. gerade in der Absicht, dte deutsche Einfuhr möglichst vom Lande fernzuhalten, besonders stark erhöht worden sind. Andererseits erlauben es die den deutschen Unterhändlern von der Rechts-Regierung mitgegebenen Richtlinien nicht, erhebliche Zollermäßigungen für di« relativ wenigen Waren, an deren Export nach Deutschland Frankreich hauptsächlich interessiert ist, anzubieten, um dadurch eM- sprechende Gegenzugeständnisse bei den französischen Zollsätzen her- auszuhandeln. Im ganzen ist zu sagen, daß die Verhandlungssituation heut« nur wenig günstiger ist al» im April, wo die fran- zösischen Unterhändler, bei einer ganz willkürlichen und wenig freundlichen Auslegung der früher schon über den endgülligen Handelsvertrag vereinbarten Richtlinien, ganz offensichtlich darauf ausgingen, einen Druck auf die deutschen Unterhändler auszuüben. Ihr Ziel war es, bei möglichst geringen Abstrichen von der eben erst im neuen französischen Zolltarif geschaffenen Hochschutzzoll- Rüstung, einen für die eigenen Interessen noch erträglichen Ver- trag mit Deutschland zustande zu bringen. Daß man dabei auf fran- zösischer Seite geradezu unsachlich vorgegangen ist, zeigt das Bemühen der Unterhändler, die französische Weinausfuhr nach Deutschland, von der man aus den bisherigen Verhandlungen doch recht genau weiß, wie wichtig sie für die französische Wirtschaft ist, als ver- hältnismäßig wenig bedeutsam hinzustellen, um für ein deutsches Zugeständnis auf diesem Gebiete möglichst wenige und geringe Ab- striche von eigenen Schutzzöllen machen zu müssen. Anderersells haben die Franzosen, entgegen der früheren Vereinbarung, für die Einräumung der deutschen Meistbegünstigung(also aller Vertrags- zölle, die Deutschland bisher in anderen Verträgen ermäßigt hat oder auch noch in nächster Zell vereinbart), keinerlei Zollzu- geftändnisse gewähren wollen. Di« derzeitigen Verhandlungen drehen sich, soviel man hört, weniger darum, einen endgülligen Bertrag bis zum 30. Juni, dem Tag, an dem das jetzt gellende Provisorium abläuft. zustande zu bringen, sondern vielmehr in der Hauptsache um eine etwa einjährige Berlängerung dieses Provi- s o r i u m s. Dabei wird wahrscheinlich auch eine sachliche E r- Weiterung des Abkommens ins Auge gefaßt werden. Der e n d- gültige Handelsvertrag ist ja bei der Kürze der Zeit, die noch zur Verfügung steht, nicht fertigzustellen, umso weniger, als das französische Parlament die neue Zollvorlage, auf der sich der Vertrag aufbauen muß, immer noch nicht verabschiedet hat. Es ist aber auch möglich, daß man jetzt dahin übereinkommt, das Provisorium nicht zu verlängern, sondern über den end- gültigen Vertrag weiter zu verhandeln, so daß also nach dem 30. Juni zunächst wieder ein vertragsloser Zustand zwischen beiden Staaten eintreten müßte. Das wäre im Hinblick auf die jetzt angesponnenen Handelsbeziehungen, die dann eine Unterbrechung erfahren würden, allerdings recht bedauerlich, aber doch vielleicht kein großer Schaden, wenn dadurch erreicht werden könnte, daß der endgültige Vertrag, recht bald zustande kommt und nicht erst wieder ein langfristiges Provisorium eingeschoben wird. Ein Reichskommissarial für Ansstellungs- und ZNessewesen ist vom Reichsfinanzministerium errichtet worden. Zum Reichskommissar wurde der Geheime Rsgierungsrat Dr. Mathies ernannt. StiLsianö auf Sem �lrbeitsmartt. Rückgang nur um 300 Personen. ver Berliner Arbeitsmarkt zeigt in der Verichtswoche zahlenmäßig keine wesentliche Veränderung. Der Rückgang w der Arbeitslosigkeit beträgt nur rund 300 Personen. In den einzelnen Berufsgruppen schreitet die Besserung nur langsam fort. Dagegen hat die Zahl der Arbeitsuchenden im Bekleidung»- gewerbe infolge Saisonschlusses um rund 1000 Personen zugenommen. Auch für Gärtner ist aus demselben Grunde ein Zugang von Arbeitsuchenden zu verzeichnen. Infolge der kühlen Wllterung bleibt die Nachfrage im Gastwirtsgewerbe hinter den Erwartungen zurück. Die langsam«, aber stete Zunahme der Ver- mittlungstätigkeit in der Metallindustrie scheint auf eine weitere Besserung hinzuweisen. In der Berufsgruppe Handels- und Bureau- angestellte besteht nach wie vor große, zum Teil ungedeckte Rachftage nach perfekten Stenotypistinnen. Erfreulich sst, daß in der Be- richtswoche der Arbeitsmarkt für jugendlich« Personen eine nicht unwesentliche Entlastung zu verzeichnen hat. Hier beträgt der Abgang der Arbeitsuchenden rund ö Personen. Es waren 1S8 307 Personen bei den Arbeitsnachweisen e i n g e- tragen gegen 198 606 der Vorwoche. Darunter liefanden sich 130 365(131 181) männliche und 67 942(67 425) weibliche Personen. Erwerbslosenunter st ützung bezogen 63 286(63 840) männliche und 29 748(29 949) weibliche, insgesamt 93 034(93 789) Personen. Außerdem wurden noch 30 146(30 738) Personen durch die Erwerbslosenhilfe der Stadtgemeind« Berlin und 33 572 <33 207) Personen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 5028(5108) Personen beschäftigt. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 15. Juni be- rechnete Grobhandelsindexziffer des Statsstischen Reichsamts beträgt 138,0 gegen 138,2 in der Vorwoche. Gegenüber der Vorwoche ist die Indexziffer der A g r a r st o f f e um 0,5 Proz. und di« Index- ziffer der Gruppe Kolonialwaren um 0,2 Proz. zurückgegangen. Die Indexziffer der industriellen Rohstoffe und Halbwaren war unverändert, während diejenige der industriellen Fertigwaren sich um 0,2 Proz. erhöht hat. Die Reichsbahn im ITCai. Für den Monat Mai meldet die Deutsche Reichsbahngesellschaft eine gegen den April um 4 Proz. erhöhte arbeitstägliche Güterwagengestellung. Insgesamt wurden 3 786 000 Wagen, das sind 8,5 Proz. mehr als im Monat April beladen. Das finanziell« Ergebnis für den Monat April zeigt Gesamteinnahmen von 403,2 und Gesamtausgaben (ohne Abschreibungen und allgemeine Rückstellungen) von 371 Mil- lionen. Das ständige Personal wurde von 649 441 auf 650 992, das nichtständige Zeit- und Aushilfspersonal von 31 247 auf 50 762 Personen erhöht. Die Reichsbank noch der Diskonterhöhung. Der erste Wochen- ausweis der Reichs dank nach der Diskonterhöhung zeigt eine recht bedeutende Entlaftu na. Rein äußerlich gesehen hat danach die Diskonterhöhung chren Zweck erfüllt. Die Kapitalanlage in Wechseln und Schecks, Lombarddarlehen und Effekten ist gegen die Vorwoche um 247,5 auf 2238,5 Millionen gesunken. Am stärk- sten sind bei diesem Rückgang die W e ch s e l b« st ä n d e beteiligt, die um 221,3 auf 2116,9 Millionen abnahmen. Gleichzeitig gingen aber auch die Lombarddarlehen um 26,4 auf 28,5 Millionen zurück. Bemerkenswerterweise zeigen auch die Kundengelder auf Girokonto (Steigerung um 108,7 auf 759,6 Millionen) eine erhebliche Z u- nähme. Diese fühlbare Besserung hat den Geldumlauf er- heblich verringert. Insgesamt flössen 401,0 Millionen Noten und Rentenbankscheine in die Reichsbank zurück: der Umlauf an Reichsbanknoten hat sich um 347,2 auf 3342,0 Millionen, derjenige an Rentenbonkfcheinen um 53,8 auf 958,5 Millionen verringert. Dagegen zeigen die Gold- und Devisenbestände wieder eine Abnahme. Die Goldbestände verringerten sich um 11,9 auf 1803,6 und die Bestände an deckungssähigen Devisen um 11,7 auf 75,2 Millionen. Trotz der Berrinoerung der Deckung?- bestände hat die starke Entlastung der Reichsbank auf den Kredit- und Girokonten das Deckungsverhältnis der Reichsbank- noten erheblich gebessert. Die Notendeckung durch Gold stieg von 49,2 auf 54,0 Proz. Di« Deckung durch Gold und deckungssähige Devffen zusammen erhöhte sich von 51,6 auf 56,2 Proz. Steigerung der Stahl- und Eisenproduktion auch im Mai. Die günstige Lage der Schwerindustrie hat trotz der Klagen der schwer- industriellen Unternehmer sich im Mai noch verbessert. In den letzten drei Monaten nahm die Roheisen- und Rohstahlerzeugung folgende Entwicklung: Erzeugung von März April Mai lg27 gegen Mai ISS« Roheisen. 1 085 859 To. 1051 872 To. 1 129 802 To. 736 206 To. Rohstahl. 1415 083, 1288400. 1878289, 899248. Danach ist die deutsche Eisen- und Stahlerzeugung auch im Monat Mai noch beträchtlich gestiegen. Ganz außerordentlich groß ist aber der Zuwachs gegenüber dem zweifellos nicht sehr günstigen Monat Mai des vorigen Jahres. Die Roheisenerzeugung Hot sich nach den eigenen Feststellungen des Vereins Deutscher Essen- und Stahl- industrieller im Laufe eines Jahres um rund 40 Proz. und die Rohstahlerzeugung um fast 30 Proz. vermehrt. Rekordgewinne im Wintershallkonzern. Die Kaliindustrie- A.-G. in Berlin, Kerngesellschaft des Wintershallkonzerns, erzielle im Jahre 1926 einen Rekordgewinn von 38,47 Millionen Mark. Aus dem in Höhe von 13,8 Millionen Mark verbleibenden Reingewinn wird wie im Vorjahr eine Dividende von 12 Proz. verteill. Die Kaliindustrie-A.-G. war, was interessant ist festzustellen, einer der lautesten Rufer im Kampfe um die Kalipreiserhöhung, da die alten Preise angeblich eine Rentabilität der Betriebe gefährdeten. 20. Generalversammlung der Nlaler. Dritter Verhandlungstag. Nürnberg, 15. Juni. Die Generalversammlung erledigte die zum Vorstandsbericht gestellten Anträge, wobei di« Anträge der Opposition gegen geringe Mehrheiten abgelehnt wurden. In einer Entschließung zur Ver- fchmelzungsfrage erklärt der Verbandstag. daß erst der Wiederaufbau des Verbandes und dessen besondere Auf- gaben auf dem Gebiete der berufstechnsschen, betriebswirsschaftlichen und kunstgewerblichen Fort- und Durchbildung der Berufsangehörigen bewältigt werden müssen, bevor er auf seine organssatorifch« Selb- ständigkeit nützlicher, und zweckmäßigerweise verzichten könnte. Dann hielt Robert Schmidt ein mit größtem Interesse entgegengenommenes eineinhalbstündiges Referat über die wirtschaftliche Lage. Zum Schlüsse forderte R. Schmidt als Ergebnis der Rationali- fierung kürzere Arbeitszeit, um einen Ausgleich für die schwere Last der vollkommen mechanisierten Arbeit im Maschinen- tempo zu geben und höhere Löhne, um die Kaufkraft und das Konsumbedürfnis, die Kultur der großen Volksmassen zu heben..-»> Verbandsvorsitzender S t r e i n e gab eine ergänzend« Dar» stellung der Lage des Malergewerbes, auf das freilich die Konzentrationsbestrebungen der Industrie wie auch deren Ratio- nalisierung kaum zu übertragen sind. Die Vereinfachung des Ge- schmacks bedeute eine stark« Verringerung der Malerarbeil. Dringend zu fordern sei, daß die vielfach äußerst verwahrlosten Altwohnungea wiederhergestellt, also auch gemall, und daß die Anstriche freiliegender Eisen- und Holzteile rechtzeitig erneuert werden. Schwabe, Berlin(Lackierer), mußte allerdings von seinem Spezialberuf berichten, daß in die Waggon- und Autosabriken auch für die Lackierer die Rationalisierung bereits eingezogen ist. Die immer mehr verwendete Spritztechnik mit schnell trocknenden Lacken macht nicht nur die Verwendung ungelernter Arbeiter leicht, sondern enthält auch starke gesundheilliche Gefahren.(In einem Vorraum werden diese Gefahren durch erfck der Opfer nachgewiesen.) fchütternde Photographien Die folgende Aussprache wurde zum Teil wieder eine Aus- einandersetzung mit der kommuni st ische» Gruppe, brachte jedoch auch viel Material über das Kleinmeisterwefen. Nicht wenige Gehilfen suchen der überlangen Arbeitslosigkeit dadurch zu entgehen, daß sie sich selbständig machen und nicht selten zu jedem Preis arbeiten auf Kosten des Materials und der Arbeits- güte. Daneben gibt es auch ein ausgebreitetes Pfuscherwefen, bei dessen Unterbindung die Unternehmer häusig ihre Mitarbeit versagen. Der 4. Verhavdlungskag begann mit einer Ehrung des Hamburger Bezirksletters Luch, der seit 25 Jahren Berbandsbeamter sst. In der fortgesetzten Aussprache über die Wirtschaftslage wurden die Richtlinien zur Arbeitsbeschaffung viel erörtert, die der Verband gemeinsam mit den Unter- nehmern aufgestellt hat und die besonders auch eine Verteilung der Malerarbeiten auf die Wintermonate herbeiführen wollen, da das Publikum vielfach noch dem grund- losen Vorurteil folgt, nur im Sommer malen zu lassen. Es sind auch Vorbesprechungen mit den Unternehmern gepflogen worden, um gemeinsam einen großen Re k l a m e f e l d z u g für die Ver- Wendung von Farben durch Malerei zu führen, jedoch ist die Durch- führung dieses Planes noch zweifelhaft. In seinem Schlußwort betonte Robert Schmidt nochmals, daß neben dem Gegensatz von Kapital und Arbeit auch sehr st a r k e gemeinsame Interessen der Unternehmer und Arbeiter am Gedeihen und an der Entwicklung des Berufes wie an der natioalen Wirsschaft überhaupt bestehen. Ueberaus wirksam wider- legte Genosse Schmidt die oberflächlichen Redensarten der kleinen kommunistischen Gruppe, wo bei er, ohne darum Vorwürfe gegen Rußland zu erheben, die ökonomische und sozialpolitische Praxis des Sowjetstaates dessen unbedingten Lobpressern oorhiell. Nach ergänzenden Ausführungen Str eines, besonders auch über die fachlichen Forkbildungsbestrebunge« des Verbandes, folgte die Abstimmung. Sie ergab unter A b l e h- nung kommuni st ischer Anträge gegen ganz wenige Stimmen die Annahme einer Entschließung, die gegenüber allen sozialreaktionären Bestrebungen die gesteigerte Notwendigkeit ausgiebigen A rb e i t e r s ch u tz e s und gründlicher Sozialfürsorge betont, die besondere Gefährdung der sozialen Hebung der Berufsangehörigen durch die viel zu große Lehrlingshaltung und die massenhafte Verwendung Ungelernter infolge der Rationalisierung zeigt, den Arbeits- Mangel trotz dringend notwendiger Wiederherftellungsarbeiten an den Altwohnungen und die gesundheitlichen Gefahren des Berufs feststellt und demenssprechend eine Reihe allgemein gewerkschaftlicher und besonders fachlicher Forderungen erhebt. Ganze drei Mann enthielten sich der Ab st im- mu n g, die die einmütig« Annahme dieser Entschließung ergab. Am Nachmittag des Fronleichnamstages folgten die Kongreß- tellnehmer einer Einladung der Nürnberger zu einem Ausflug in das.........''" 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In Anbetracht der reichhaltigen Tages- ordnung werden die Kollegen ersucht, rest- los die Bersammlung zu besuche». Auch j gelangen die Billetts zur Dampferpartie zur Ausgabe_ Oienstag. den 21. Jaul, abds. 7 Ahr, im Jngendfaal de» Verbandshanfes, Linienftr. 83,8», portal I, 2 Xccpp. MT Konferenz der weiblichen Vertrauen»personen und Betriebsräte. Tagesordnung: 1. Unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Bericht aus] den Betrieben. 2. Berbandsangelegen- heilen und Verschiedene». Da es sich um wichtige Fragen handelt. muß jeder Betried vertreten sein. Die| Funktioniirinnen können organisierte Kol- leginnen als Säste etnftihren. Mittwoch, den 22. Jnni, abd». 7 Ahr, in voetero FestsSIenenstraße. Slordcn 11«._ Hauszelte 41,—. iahottbotmmmm Sportzelte 22, oote, Persenninge, Treibersegel, aller Mittwoch, den 22. Juni, nachmittags 5 Ahr, in«wolds vereinshan», Stalitzer Straße!26: Bersammlung"wus Graveur- und Ziseleur- Lehrlinge. Tagesordnung' 1. Warum fordern wir gwischenprllsung? Reierent: Aollege D r a d o. 2. Aussprache Uder Betrieds- Verhältnisse. Iugenbkollegen! Erscheint pünkt- sich und vollzählig in dieser Bersammlung WMGolv'll.MersllimNe! Mittwoch, den 26. Juni, nachm. 4'/, 7thr. im vrosdner Garten, Dresdener Straße 15 Branchenversammlung Tagesordnung: 1. Branchenange- legenheiten. 2. Verschiedenes. WW! Karosserie-Zulikliollöre! vaanerslag. 23. Znni. nachmittags *'li Ahr, im Verbandshans der yolz- arbetter,«ungestr. Z0: Funktionärfitzung Es ist dringend notwendig, daß alle Bc triebe vertreten sind. Die Aollegen werden ersucht, den Rahmenvertrag mitzubringen. . portzubehör. Preisliste gratis. weit, Ewincmllnderstratze KZ. «al> Trog Teilzahlung sosort Ainderwaaen. Klappwaaen. Kinderbetten. Metallbetten. Korbmöbel. Ball. Große Cranlfurtcr »raße 17.' Leiterwagen, Schubkarren, Einzelräder, chsen, sscdern, Sensen, Eicheln, ffa- brik Dresdencrstraße 55. Moritzplaß 12 73». Beachtenswert! Deutsches Teppichhaus Emil Lcfdore seit 1882 nur OranieN' Nraße 158. 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Nach stundenlanger Debatte wird der Antrag mit großer Mehr- heit angenommen. Pieck gibt für die Opposition die Erklärung ab, diese sei„grund- sätzlich" für Beitragserhöhung, wenn die Mittel für Kampszwecke verwendet würden. Da aber die Absicht besteht, eine Invaliden- Unterstützung einzuführen, sei die Opposition dagegen. Verbandsoorsitzender Tornow erklärt, die Erhöhung der Bei- träge solle dazu dienen, die Slreikunlerstühung zu erhöhen, dagegen die Arbeitslosenunterstützung zu verringern. V a n n w o l s(Hamburg) schlägt im Namen der Vorbereitungs- kommission vor, über die Einführung der obligatorischen Jnvalidenunterstützung im nächsten Frühjahr die gesamte Mitgliedschaft in Urabstimmung entscheiden zu lassen, nachdem der Vorstaich und die Vorbereitungskommission die endgültige Vorlage nach den vorliegenden� Richtlinien ausgearbeitet haben. Der Vorstandsantrag sieht drei Stufen in der Höhe der Unter- stützung vor, je eine bei 70� 1000 und 1500 geleisteten Beiträgen. Bis 50 Pf. Durchschnittsbeitrag beträgt die monatliche Unterstützung 8, 10 und 12 M., über 50 Pf. bis 1 M. Beitrag 10, 13 und 16 M., über 1 M. Beitrag 12, 16 und 20 M. Die Jnvalidenunterstützung soll erst nach entsprechender Erhöhung der Beiträge eingeführl werden. Als Beiträge sind vorgesehen: bei einem Hauptkassenbei- trag bis 50 Pf. 5 Pf., bei 50—100 Pf. 10 Pf., bei 100—150 Pf. 15 Pf. und bei einem höheren Hauptkassenbeitrag 20 Pf. Der Ver- bandstag hat zu entscheiden, ob die Jnvalidenunterstützung nach diesen Richtlinien ausgeführt werden soll. In der Diskussion wandten sich außer der Oppositionsgruppe auch einige andere Redner gegen die Einführung oder machten Bedenken geltend. Verbandsvorsitzender Tornow betonte, daß es eine Invaliden- und keine Alters Versicherung geben soll. Im übrigen bestreitet er, daß die Einführung dieser Unterstützungsart die Kampfkraft des Verbandes schwäche. Der Vopstand wollte die finanzielle Sicherung festgestellt wissen. Von seinem anfänglichen Standpunkt, die allge- meine Beitragserhöhung und eventuelle Kürzung der anderen Unter- stützungssätze würde die finanzielle Seite lösen, ist er abgekommen und tritt für die Vorschläge der Vorbereitungskommission ein. In der Abstimmung werden die vorliegenden Leitsätze der Konmüssivu gegen wenige Stimmen angenommen. Die Vorlage des Vorstandes wird als Material dem Vorstand überwiesen. Das Arbeitsrecht und die Arbeiterbewegung. lieber dieses Thema referierte Professor Dr. Sinzhcimer, Frank- surt a. M. Pieck(Berlin) brachte eine lange Entschließung ein. Mit über- wältigender Mehrheit wurde beschlossen, in keine Diskussion einzu- treten und über die Resolution Pieck zur Tagesordnung überzugehen. Die Referate der Professoren Dr. Nölting und Dr. Sinzheimer sollen im Sonderdruck erscheinen. Deutscher Nusikerverbanöstag. Der dritte Verbandstog des Deutschen Musikerverbandes hatte seine Tagung am Mittwoch abend unterbrochen, da die Delegierten an, Donnerstag die Theaterausstellung in Magdeburg und die dort abgehaltenen Festkonzerte besuchten, über die wir am Sonnabend bereits berichtet haben. In der Vormittagssitzung am Freitag wurden zunächst die vorliegenden Anträge zum Geschäftsbericht, zum Verbandsorgan und zur Konkurrenzfrage erledigt. Neben einigen anderen Anträgen, von denen ein Teil dem Verbandsvor- stand als Material überwiesen wurde, wurde ein Antrag angenom- men, in dem vom Vorstand ein scharfes Einschreiten gegen solche f e st- angestellte Musiker verlangt wird, die während ihrer Ferien Engagements in Bädern usw. annehmen. Weiter wird der Hauptoorstand in einem Antrag verpflichtet, bei den Rekto- raten der Universitäten und bei den Ministerien dahin zu wirken, daß das entgeltliche Musizieren der Studenten verboten wird. Eine weitere Entschließung wendet sich scharf gegen die Konkurrenz der ZNilitärmusiker. Abgelehnt wurde ein Antrag, der den Austritt aus dem ADGB. und den Anschluß an den AfA-Bund fordert. Die auf den einzelnen Hauptberufsgruppenkonferenzen angenommenen Eni- schließungen wurden vom Verbandstag ebenfalls angenommen. Ein Antrag beauftragt den Verbandsvorstand, gegen die miß- verständliche Auslegung der Richtlinien des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung über die Pflege der Instrumentalmusik an höheren VAksschulen durch die Schulleiter zu protestieren und Abhilfe durch Herausgabe näherer Erläuterungen zu fordern. Dem Mimsterium soll durch die Vorlegung von zuverlässigem Material gezeigt werden, welche Fol- gen sich aus der sinnlosen Handhabung der genannten Richtlinien für die Musikpslege und den Musikerstand ergeben. Der Verbandstag lehnte dann den Tarifentwurs des Deutschen Bühnenoereins ein st immig ab und be- auftragte den Verbandsvorstand, gemeinsam mit dem Beirat zu ge- gebener Zeit alle Maßnahmen zu treffen, die erforderlich erscheinen, um einen für die Mitglieder des Verbandes annehmbaren Tarifvertrag mitdem Deutschen Bühnenverein zu erreichen. 2er Verbandstag sprach die Erwartung aus, daß die Ver- bandsmitglieder den diesbezüglichen Anordnungen der Verbands- leitung unbedingt Folge leisten. Im Anschluß daran hielt P r i e tz e l vom Hauptvorstand ein ausführliches Referat über das Thema: „Der Musiker und das neuere Arbeitsrecht". Er bedauerte, daß gerade zu diesem wichtigen Punkt der Tages- ordnung kein Behördenvertreter erschienen sei. Es wäre sehr er- wünscht gewesen, wenn die Behörden erfahren hätten, wie sich die Musiker und besonders der Verbandstag zu dem neuen Arbeits- und Sozialrecht stellen. Prietzel gab einen Rückblick aus die frühere Zwitterstellung, die den Musikern in, der Sozialgesetzgebung in der Vorkriegszeit zugewiesen war. Die Musiker werden in zivil- rechtlichen Streitfällen leider immer noch teils als An- gestellte nach den Vorschriften des BGB., teils als gewerbliche Ar- beitnehmer nach den Vorschriften der Gewerbeordnung behandelt. Sie genießen immer noch einen äußer st mangelhaften Schutz gegenüber den Berufsaußenseitern, wie es musizierende Beamte, Dilettanten usw. sind. Sie haben bisher noch keinen gesetzlichen Ruhelag in der Woche erhalten. Ebenso ist die Arbeitsvermittlung bei den Mu- sikern noch sehr unvollkommen geregelt. Insgesamt hat der Musiker immer noch arbeitsrechtlich eine ziemlich ungünstige Sonder- st e l l u n g, die zu beseitigen sich der Deutsche Musikerverband zur Aufgabe gemacht hat. Das Referat, an das sich keine Debatte anschloß, fand seinen Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Entschließung, die programmatisch die arbeitsrechtlichen Forderungen der Musiker umfaßt. Fauth begrüßte dann unter lebhaftem Beifall der Delegierten den Sekretär des schwedischen Musikerverbondes Karlander, der erklärte, sich mit allen schwedischen Berufs- kollegen über die Entwicklung des Deutschen Musikerverbandes herz- lich zu freuen. Die Schlußsitzung des Verbandstages war zum größten Teil mit Beratungen über die Vorlage des Der- bandsvorstandes, die Beiträge und dementsprechend auch die Leistun- gen des Verbandes zu erhöhen, ausgefüllt Die Vertreter aus dem Reiche teilten sich in drei Gruppen. Die erste neigte den Vor- Ichlägen des Verbandsvorstandcs zu. Die zweite Gruppe wollte einer kleinen Beitragserhöhung zustimmen, w-ährend aber die dritte Gruppe von einer Beitragserhöhung nichts wissen wollte. Von den Sprechern wurde insbesondere auf die noch immer bestehen- den schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse im Musikerberuf hingewiesen, die ein« Beitragserhöhung als nicht tragbar erscheinen lassen. Nach längerer Debatte wurde ein K o m- pro miß dahingehend getrosten, daß sämtliche zu r Bei- trag.sfrage gestellten Anträge zurückgezogen wer- den und bis zum nächsten Verbandstag eine neue Vorlage aus- gearbeitet werden soll, nachdem durch eine rege Agitation in den örtlichen Verwaltungen den Mitgliedern die Bedeutung der beab- sichtigten Beitragserhöhung vor Augen geführt worden ist. Eine lebhaft« Debatte löste der Antrag aus, der ver- langt, daß für die Höhe des Verbandsbeitrages bei p e n f i o- nicrten Beamten das Ruh«gehalts«inkommen mit in Anrech- nung gebracht werden soll, soweit sie es aus ihren früheren Stellun- oen als Musiker beziehen. Dieser Antrag wurde angenommen. Ein weiterer, sehr wichtiger Antrag, der verlangt, daß der Ver- bandstag stets den Tagungsort des nächsten Äerbandstages bestimmen soll, wurde mit großer Mehrheit angenommen.'Die Schluß. abstimmung über die neue Satzung zeitigte e i n st i m m i g e Annahme. Der Verbandstag nahm noch die Berichte der zur Prüfung von Beschwerden usw. eingesetzten Kommission entgegen. Er bevollmächtigte den Beirat, bei Neuregelung von Beamtenbesol- düngen die Gehälter der Verbandsfunktionäre und Angestellten neu festzusetzen. Der Verbandstag protestierte mit aller Entschiedenheit noch gegen die von verschiedenen Seiten, insbesondere vom Reichs- wehrmi'nisterium gemachten Unterstellungen, der Deutsche Musiker- verband sei ein parteipolitisches Gebilde, sowie, daß er egen das Berufsbeamtentum sei. Eine entsprechende E n t j ch l i e. u n g wird vorgelegt und einstimmig angenommen. Die Wahl des Verbandsvorstandes zeitigte folgen- des Ergebnis: Als Vorsitzender wurde Fauth wieder- gewählt, für die Schriftleitune. der„Deutschen Musiker-Zeitung" wieder wie bisher T r i e tz e l und Schwiegt, als Hauptkassierer B l a n s ch e f s k i und als Sekretär Mai. Als Tagungsort des nächsten Verbandstages wird wieder Berlin bestimmt. PEmi tt«ff ttitM/»- ta. 100 cm bt, olle Mob». IlOU'llOliCS fatben....... Mette INall-ikeLnoa borjüal. Quoinat, scvbne UlQU'U'lcptS ftatoen, ca loo cm beeil. Tltetcx 150 ein dr., viele Farben Olleter M-tfopeline Tttnn ItinCA ,9" an beeil, bor-llgl. Qua- U)UU'{ll{l|e II at schönste Sorben Meier herrenauzllgslofse«ÄVEuft JTIelcr 2 50, 1.90, 1.75 fioftära- n. Manlelskzffe C[0Z. beene Muster, 130 cm beeil.. Meier 3,73 ShelllMd Me->°menm°n«ie°cmbneu SommermSulelstofle 150 cm Krell Meter Manchester flU*�ma*n'an.»Ä 80 cm breit, beb». TrSpe oneXit Kleiderstoffe SÄ,Z(.eS. ta. fco cm breit, viele Sorben Meier Kleiderstoffe Satin Knasts. 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Daß auch dieser Punkt so glatr erledigt wurde, ist darauf zurückzuführen, daß nin Tag« vorher in den Trianon-Sälen eine sehr zahlreich besuchte Voroersammlung der Versicherten zu diesen und auch anderen Punkten Stellung genommen hatte. In dieser Voroersammlung wurde zunächst ein Vortrag vom Reichstagsabgeordneten Genossen Grothewahl über„Kranken- kassenprobleme" gehalten. Der Referent streifte fast das gesamte Gebiet der Krankenversicherung und hob besonders die Arbeit und die Tätigkeit der sozialdemokratische» Reichstagsfraktion für die Ver- besferung der Reichsoersicherungsordnung und die Erweiterung der Recht« der Versicherten hervor. Die leistungsunfähigen Kassen, dazu gehören vor allem die Innungskrankentassen, müsicn ver- schwinden. Von hundert im Laufe eines Jahres neu zugelassenen Innungskrantenkassen haben 56 weniger als 100 Mitglieder! Ein im Reichstag gestellter Antrag, Neubildungen zu unterbiyden, ist nicht durchgedrungen. Die anwesenden Gewerkschaftsvertreter hatten schon in ihren Be- grüßungsworten ihre Mitarbeit und Unterstützung den Versicherten zugesagl. Hierin waren sich die Vertreter sämtlicher Gewerkschafts- richtungen einig. An den Vortrag schloß sich eine Ergiebige Aus- sprach« an. Nach dem Schlußwort des Referenten wurden folgende Anträge angenommen: „Die Vertreter der Versicherten im Verbände zur Wahrung der Interessen der deutschen Belriebskrankenkassen beauftragen die . Gewerkschaften bei allen maßgebenden Stellen kReich�arbelts- mmisteriutn, Reichsversicherungsamt, Reichstag), dahin zu wirken, daß die K o n n o o r s ch r i f t im iz 205b der RVO. in eine M u ß- Vorschrift(Regelleistung) umgewandelt wird." „Die oersammelten Versicherungsvertreter erklären sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Sie erwarten von den Arbeitnehmervertretern im Reichstag und den sonstigen gesetzgebenden Körperschaften, daß sie die Rechte der Versicherten in allen Zweigen der Sozialversicherung mit allen Mitteln aus- bauen." Hierauf erstattete der Obmann der Zentralkommisston, Genosse Müller, Berlin, den Bericht über die Tätigkeit der Versicherten des Verbandsausschufscs im letzten Jahre. Von Jahr zu Jahr ist der Besuch der Dorversammlungen der Versicherten sowie auch die Fühlungnahme nüt der Zentralkommission besser geworden. Die Ilmgestaltung des Verbandes und die Erweiterung des Einflusses der Arbeitnehmer wird erst dann zu dem befriedigenden Ergebnis führen, wenn die Versichertenvertreter aller Betriebskrankenkasien mitein- ander Fühlung genommen haben und insbesondere die Untcrver- bände und Kassenvereinigungcn paritätisch ausgestaltet haben. Es wird Aufgabe der Gewerkschaften und insbesondere des ADGB. sein, hier helfend und fördernd einzugreifen. Wir mußten uns im vorigen Jahre in Düsseldorf damit begnügen, den 2. Vorsitzenden aus den Reihen der Persicherten zu stellen und kommen auch in diesem Jahre noch nicht zu der paritätischen Besetzung der Verbands- organe. Der Einfluß der Versicherten bleibt durch die Beibehaltung der Dritteiung Sering. Zum Schluß sprach Genosse Müller die Bitte aus, die jentrolkommission in ihrer Tätigkeit zu unterstützen und in den ein- zelnen Provinzen die Versicherten dann und wann zu Tagungen zusammen zu holen. Seine Tätigkeit als 2. Vorsitzender ist aller- dings bisher nur in ungenügender Weise in Erscheinung getreten, ' da er nur äußer st selten und auch nur auf sein Drängen zu den Arbeiten des Häuptoerbandcs herangezogen bzw. informiert wurde.» Die Aussprache, die sich an den Bericht anschloß, war so um- fangreich, daß die Redezeit auf fünf Minitten festgesetzt werden mußte. Fast allseitig wurde der Beschluß, die Hauptversammlung nur alle zwei Jahre abzuhatten, verurteilt. Di«„Konzession" der Unternehmer, die Ausschußsitze unter Beibehaltung der Drittelung zu vermehren, sei an sich wertlos. Auch die Erklärung der Ver- sicherten in der Auslchußsitzung in Jena,„bis 1928 keine Antröge auf Aenderung der inneren Verfassung des Verbandes zu stellen", wurde stark kritisiert. Der Vertreter des ADGB.. Genosse Dr. Bröker, wies darauf hin, daß die Krankenversicherung nicht losgelöst von der Gesamtorbeiterbewegung betrachtet werden könne und daß es nicht damit getan sei, alle Jahre zusammen zu kommen, sondern daß die Versicherten sich einmütig in den freien Gewerk- schaften zusammenschließen müssen. Geschieht dies, dann wird auch der Einfluß der Versicherten in den Betriebskrankenkasien gesteigert werden können. Den Kollegen im Berbandsausschuß wurde trotz der geübten Kritik mit großer Mehrheit das Vertrauen aus- 1Z. Krefs-Turn- and Spornest I 1. Kreis Berlin.Brandenburg im Arbeiter-Tum- u. Sportbund Poststadion, Lehrter Str. 53— Eintritt 50 Pf.— Sonnabend, 25. Juni, 7 Uhr: FuHbalhplel Bremen-Berlin— Festspiel Sonntag, 26. Juni, 2 Ubr: Leichtatbletik.Tnrnen, Turnspiele, Scbwimmen Große Beteiligung der Provinzvereine I Die Arbeiterschaft ist hiermit zum Massenbesuch freundlichst eingeladen! I gesprochen und die Zentralkomntission(Sitz Berlin) einstimmig wiedergewählt. Angenommen wurde auch ein Antrag von Magdeburg, in welchem u. a. von allen Versicherten oerlangt wird, daß sie in den Unterverbänden die paritätische Zusammensetzung durchsetzen, um den Hauptvorstand zu zwingen, ein Gleiches zu tun. Die Persammlung erledigte dann noch die von den Versicherten vorzunehmenden Ersatz- und Zuwahlen für das Jahr 1927. Für die auf der Hauptoersammlung im Jahre 1928 vorzunehmenden Neuwahlen wurde ein von der Zentralkommission aus- gearbeiteter Verteilungsplan einstimmig angenommen. Eine Entschließung, die das Verhalten des Reichsarbeitsministers und anderer Behörden, die den Versicherten Schwierigkeiten verschiedenster Art bei dem Besuch der Krankenkasientagungen machen, verurteilt, wird ein st immig angenommen. Zum Sdiluß wurde vom Versammlungsleiter, Genossen Kögler, an die Versammelten appelliert, geschlossen und einig zu sein, um möglichst viel für die Versicherten in den Betriebskranken- lassen herauszuholen und auch den Einfluß der Versicherten damit zu stärken. «- Zu der offiziellen Tagung des Verbandes wäre noch nachgu- tragen, daß am zweiten löffentlichen) Verhandlungstag« folgende Vorträge gehalten wurden über: Die Stellung der Krankenkasien im Rahmen der deutschen Sozialoersicherung! die Mitwirkung der Krankenkasien bei der hngienischcn Volksbelehrung: das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in seiner Auswirkung für die Betriebskrankenkasien und Schutzmaßnahmen für die außerhäuslich erwerbstätige Frau und ihr Kind. Wenn die Versicherlen auch von dieser Tagung nicht ganz be- friedigt nach Hause gegongen sind, weil ihren Wünschen- und berech- tigten Forderungen nickü Rechnung gelragen wurde, so bleibt doch nichts anderes übrig, als im Interesse der Versicherten auch in dieser Kassenart mitzuarbeiten und in systematischer und zäher Tätigkeit die Rechte der Arbeiter auszubauen. Je starker der Einfluß der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei wird, die beide den stärksten Rückhalt der Arbeiterschost bilden, um so stärker wird auch der Einfluß der Versicherten in der Krankenoersicherung sein. H. k. 14. Bwi« Rculölln. Montag, 20. Juni, 10 Uhr, im Zkichrnsaal bes Satser.Friedrich-Rralgnmnanumö. Kaifer-ssriebrich-Str. 210. Vollverfamm. |S lung der sltcrnbeiraie und bre sozialistischrn Echter her Liste Schlll- Z austmu. Tagesordnung: Vortrag:„Parteitag und schuibewcgung." bb Referent Dr. fturt Löwenstein. 3J1. d. R. 2. Verschiedenes. Inier» g-«ffiettt Genossen sind eingeladen.— Achtuno! Dienstag, 21. Juni, Dampferpartie nach ziegcnhals. Abfahrt S Uhr pon der Wildenbruch. brücke. Teilnehmerkarten ju 1 R., für NNtder 50 Pf., sind noch im [g Parteibureau Reckarstr. 3 zu haben. Insbesondere die Genossinnen sind g freundlichst zur Teilnahme eingeladen. Gaste können mitgebrad)t g werden. Karten nur im Vorverkauf. ü w p 14. ftteis Neukölln. Montag, 20. Juni, 19 Uhr, Fraktionssiöung im Rathaus. 17. Knie Lichtenberg. Montag, 20. Juni, 18 Uhr. Sitzung per Bezirksverord- netenfraktion mit den Bilrgerdeputierten im Rathaus. Iimmer 36. 1». Hui» Panlow. Montag, 20. Juni. 18V6 Uhr, Sitzung der Bezirksverord- netenfraktion mit den Bilrgerdeputierten im Rathaus, Zimmer 17. A#. tung! Um 20 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Pankow graktionssttznng mit den Äreisdelegierten. heute. Sonnlag. IS. Juni: I. Abt. Familienausflug nach Wiefengrund, Saatwinklerdamm. Treffpunkt 1251 Uhr Bahnhof Putlitzstrahe. Freunde und Eympathisterende sind herz- lichft mit ihren Familien eingeladen. 20. Abt. Die Funktionäre laden zur Mitgliederversammlung am Mittwoch. 22. Juni, bei Weiide, Koloniestr. 147, ein. Thema:„Sozialversicherung." Referent Dr. Julius Moses. M. d. R. 21. Abt. 13 Uhr treffen sich die Genossinnen und Genossen der Abteilung am Bahnhof Weddina, Reinickendorfer Straße, zur Fahrt nach Baum- fchulenweg zum Republikanischen Tag. 32. Abt. Fahnenweihe in Echoneris Bergnsigungspark am Rum- melsburger See. Weiherede: Polizeipräsident Genosse göraiebel. Mit. wirkende: Männerchor Friedrichshai»(Mitglied des BASB.l. Sozia- listische Arbeitersuaend. Konzert, Spezialitäten,«inderdelustigungen, Tanz. Garteneröffnunq 15 Uhr,, Anfang 16 Uhr. Eintritt 50 Pf. staffeekilche. Karten sind bei den Vezirkstilbrern zu haben. Die Ge- Nossinnen und Genossen, besonders die de« Kreise, Frtedrichshain und der angrenzenden Abteilungen, sind zu diesem Fest herzlichst willkommen. Ohaelottenburg. 53. Abt. Treffpunkt 12 Uhr bei Lux, Huttenstr. 26. Räch. ziigler 13 Uhr Karl.August.PIatz. Roch später Kommende treffen sich im Voikspark Iungfernheide.— 58. Abt. Die Teilnehmer an der Banner. weihe treffen>ich pllnktlich 13 Uhr auf dem Karl-August-Platz, Krumme. Ecke Eoethestraße. Hierauf Abmarsch zum Volksfest in der Iungfernheide. Revkoln. 91. Abt. Treffpunkt zum Ausflna nach der Königsheide 1251 Uhr am Boddinplatz.— 95. Abt. Die Genossinneu und Genossen treffen sirt, zum Waidfest 1214 Uhr Boddinplatz. Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist Pflicht.' 102. Abt, Boumschnlenweg. Heute findet das von allen republikanischen Or. ganisationen veranstaltete Fest der Republikaner statt. Aufstellung des Festzuges um 13:- Uhr an der Köpenicker Landstraße in der Nähe des Bahnhofe«. Anschließend an den Ummarlch vereint iung und alt ein Volksfest in der Königsheide mit reichem Programm. Konzert. Männer. chöre, Kindertheater, Spiele usw. Die Genossinnen und Genossen der Berliner Abteilungen nebst Angehörigen sind freundlichst zu der Feier eingeladen. Iwecks Verschönerung des Festzuges erbitten die Veraustolter die Entsendung von Bollnerdeputationen. Fahrgelegenheit: Eisenbahn bis Bahnhof Baumschulenweg. Straßenbahn: 95, 178 und 78, Morgen, Montag. 20. Juni: 4. Abt. 19 Uhr bei Bronbis, Stralauer Str. 10, Sitzung des engeren Ab. teilungsvorstanbes, Achtung! Um 20 Uhr ebeiida wichtige Funktionär- 23. SAt." 19 Uhr bei Grunwalbt, Kameruner Str. 10, Funktionärsitzung. 24. Abt. 19Mi Uhr bei Winzer, Ehristburger Ecke Sinnstraße, Funktionär. Elnsendunge» für diese SttttrtI sind Aeelt» EW 60, Linbenstraße i, partemachrichten ßr Hroß-Serlm .» Eisner, Kaiser.®ilhelm>vtr. 8. Sichtige Tage«» stet, an da» BezUtsfefeetarlat 2. Hof, 2 Step, rechte, zu richten, Abteilvngsmieterpeetreter. Beriammlunq am Dienstag, 21. Juni, 10',? Uhr, Im Grwertschattshau«, Engelufee 24 25, Saal 3. lagesorb- nung:>. Vortrag be, Lanbgerichtsrat» Genossen Ernst Roben über: „Der Kieler Parteitag und bie Wohnungsfrage." 2. Refeeeutin Genossin Helene Schmitz, M. b. L.:„Die Reichslraoenlonfeeenz in Kiel und bie Wohnvag, frage.' 3. Stellungnahme zum Wohnungsbau. Der Ausschuß. 4. Kreis Prenzlauee Beta Dsnnersfag. 28. Juni, lOVi Uhr, bei Burg, Prenzlauer Allee>89, Versammlung sämtlicher Parteimieiersunktionäre des Kreises. Tagesordnung: 1.„Der Kieler Parteitag und die Wohnung». frage." Referent Ernst Rüde». 2.„Der Wohnungsneudau der Mieter. verbände." Reserent Otto Most. 3. Diskussion. Die AbteilunUslelter der 24. bis 3l. Abteilung sowie die Genossen der Wohnung»., Siedliing». und Voudeputation, der Fraktion und des Kreisvorstande, lind dringend ein- geladen. Evtl. Vertreter stelle». Der Kreismietersbmann. 7. Kreis dhaeloiienbveg. Heute. Sonntag, 19. Juni, Waldfest im Volkspart Iungfernheide gut der Spielwiese. Vordem Bannerweihe der 57. Abteilung auf dem Karl-August-Platz lGoeth«. Ecke Knimmesiraße). EZ nm 13 Uhr. Anschließend gemeinsamer Abmarsch aller Abteilungen zum ''3 Waidfest. Die Genossen der benachbarten Kreis» stnb hierzu freunblichst e eingeladen. Familien tönnen Kaffee kochen. Auch gibt e, Portion«. tasse» ,» voikslstmliihe» Preisen.— Arbeiterwohlsahet: Die Besichtigiing Z der Anstalt Lindenhos sindel am Donnerstag. 23. Juni, nachmiltag», i": stall. Dje Teilnehmer treffen sich>3*1 Uhr vor dem Bahnhof Lichte». derg.Friedrichsfelde. Wir erwarten zahlreiche« und piinttiiches Er- W scheinen.— Achtnngi Montag, 20. Juni. IgL. Uhr. Frattionssstzung im M Zimmer 1 des Rathauses mit allen Bürgerdeputierte». 9. Kreis Wilmersdoef. Dienstag, 21, Juni. 20 Uhr. Sitzung de» engeren Kreisvorstandes mit de» Abteilungsleitern und dem Veblreier der Presse. lommission bei Andreas. Pfalzburger Str. 55, Ecke GiiiitzelftraßM— Freie Schillgemeiude: Die Milgllebcrveriammlung im Juni fälll ans. 11. Kreis Schöueberg-Feiedenau. Montag, 20. Juni, 20 Uhr, bei König, Feurig- Ecke Priuz-Deorg-Straße, Inlammenfunst der Aeiferinueu und Helfer für die Ferieiikolönie. Äeiiossinnen und Genossen, die sich als Helfer betätigen wollen, können an der Sitzung teilnehmen. 13. Kreis Tempelhos. Dienstog, 21. Juni, 20 Uhr. Frakiionssitzung Dorf. straße 42, Zimmer 2. l»lh.. sitzUlig. . Abt. 1911, Uhr bei Blittner, Echwebter Str. 23. wichtige Funktionärsitzung. .1. Abt. lg Uhr bei Pohst, Lnchener Ecke Etargarber Gtr-ß-, Funktionär- fltziing. Jeder Funktionär muß unbedingt erliheinen. 99. Abt. Blitz. Buckow. 1914 Uhr im Jugendheim Britz. Ratbous, Bersammlung der kinderfreunde. Vortrag:„Die Stellung der Kinderfrrunde zur Britzer Schulfrage." Referent Lehrer Lemke. Alle Scnossiilnen und Genossen find hierzu»ingeladen, 141. Abt. Rosenthal vnb Riebeeschönhausen-Weft. 19'ä Uhr bei Ebbmenor, Hauptslr. 15, Lorstandssitzuilg. Die Bezirtsssthree find dazu eingeladen. Dienstag. 21. Juni: 10. Abt. 1914 Uhr bei Trllmpee, Flensbueger Str. 3, Funktionärsitzung. 24. Abt. 3. Gruppe: 1914 Uhr öffentliche siternversammlung der S06./307.®f- meinbeschule in der Sckiulauia Manbelstraß». Vortrag:„■Jif'chf"■' n»t»o und Konkordat," E» ist Pflicht oller Genossen, bestimmt zu erscheinep. Der Elternbeirat,.,. 01. Abt. Reulölln, 191s Uhr bei Llldbicke. Karlsgartenstr. 12, Funktionärsitzung, 192. Abt. DanmiGvlrnweg. Die Quartalsabrechnung muß am Dienstag, 21., und Mitlwoch, 22. Juni, von 19 bis 21 Uhr, in b-r Wvbnung bes Hauskassiererkarten lind mitzzzdrinaev. .mit den BezirksfunreW��i Tagesordnung. 37. Abt Mittwoch, 22. Juni, 1!U4 Uhr, in bor Patzenholer.Braueeei, Land». beiger Allee, gemeinsamer Zahlooend. Bortrag:„Die Genossenschast». brwegiing," Relerent Genosse Sieinee, Die Mitglieder werben ersucht. bestimmt und zahlreich zu erscheinen. »t. Abt. Reulöll«. Donnerstag, 23, Juni, 19'? Uhr, öffentliche Weebeverlamnilung im Lokal Beralchloßhöhe, Karlsgartenstr. 6ll2. Vor. trag:„Soll die Aebeilersibas» weiter verelenden?" Referent Siegfried Aulhäuser. M, d R, Diskussion,> Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, fstr guten Besndi der Persammlung Sorge zu tragen. Männer und Frauen, erscheint in Massen! 54. Abt, Ehaelottenbueg. Vaeanzeige: Sonntag, 3, Juli, Dampferpartie nach Werder und Paretz, Uhr von der Eaprividrstcke mit Musik, Karten sind bei allen Funktionären zu haben. Frauenveranstaltungen: 4. Keei« Prenzlauer Beeg. Dienstag, 21, Juni, 1914 Uhr, bei Burg, Prenz. lauer Allee 189. Funkiionärinnentenferenz, Die Fmittionäre der Arbeiter. Wohlfahrt werden ebenfalls gebeten, zu erliheinen. 9. Keei» Wilmersdorf nnb>2. Kreis Steglitz. Dienstag., 21, Juni, Besicht,- ' oung des Ambulatoriums lstr knochentuberkulose Kinder, Ederswalder Straße, am ehemaligen Srerzierplotz Treffpunkt lO Uhr vor dem Eingang. Leiliing Stodtarzt Dr, Alfred Korach...._ 14. Kreis Neukölln. Die Dampferfahrkarten müssen unbedingt Montag. 20. Juni, zwischen 18 und 19 Uhr, im Parieibureau abgerechnet werben. Frauenveranstaltungen am Montag. 20. Juni: 20. Abt. Der Frauenabend fällt aus. Die Genossiuunen beteiligen sich rest» los an der Merbeversamminng der Kinderfeeunbe in der Schulau la Dan» ziger Str. 23. 19 Vj Uhr, Vortrag:„Das Arbeitrrkiub und seine Erziehung." Referent Genosse Ullrich, 31. Abi. 19'» Uhr bei Goidschmidt, otolpilche Str. 36, Bericht vom Frauen. tag in Kiel, Vcrichtcrstotteri» sssso Kap 38. Abt. 19'-. Uhr bei Bartusch. Friedeustr. 88, Vortrag:„Dir Frau im Ehe- recht," Referenttn Else Scheibenhuber. 30. Abt. 19'4 Übt in der Juristischen Sprechstunde, Lindcnftr. 3, Vortrag: „Sozialistische Erziehung. Resereni Arthur Rachow. übergibt man nur dem Nachweis des Deutschen Mufikerverbanbe«. Berlin. Kam- iaanbantenstr. 63/64. Dönhoss 3277—74, Geschäftszeit 9—5, Sonntag« 10—2 Uhr. Auf Wunsch: Vertreterbeluch. Sde�ißlaarbite fsitv Maizt&rbtück'. für' Hetv yCmmf aec>cfiaffiuv/ tk-«bt. Ifli; lUr im Graphischen Seteinshaus, Mexandrinenstr. U, Vortrag: „Frauenleiden." Äefetcru Dr. Meyer. Lradnip, S7. Blit. Eha lottenburg. 20 Uhr bei Shunack, Äielandstr. i. Vortrag:»Sie Arbelterwohlsahrt und Erwcrdzlosenfllrsorge." Veferenlin Genossin Ientsch. Arauenoeranstallungen am Dienstag. 22. Zum: 8. Abt. Ausflug noch Aignes Löh, Zehlendorf. 12 Uhr Treffpunkt Bahnhof Srohgvrfchenstrahe. Der Lefeaden» fallt aus. Wir erwarten zahlreiche Belciliaung, X. Abt. Neukoll». Dampferfahrt nach giegenhals. Sramenade Ecke Eteinmetzstraße. dt. Iahaamsibal. 194 Uhr bei Botha, Etubenrauchstr. 12/1Z, Vortrog: »Der proletarische Mensch." Referent Hans Willige. III. Abt. Bohnsdorf. Nachmittags«affeekochen im Paradiesgarten, Walters» dorfer Str. 100, bei Hcimann. Alle Genossinnen, Mitglieder der Konsum. genossenschaft, der Freien Schulgemeinde sind freundlichst eingeladen. Hie. der zur Laute: Lisa Albrecht. 12Z». Abt. Kaulsdorf.Sbd. 194 Uhr Unterhaltungsabend im Lokal Sanssouci, Moltkesir. 1. Vortrag:»Die Weber." Bcrtragender Hein, Barthel. 121-. Abt. Mahlsdorf-Süd. Wir beteiligen uns am Unterhaltunasabend der Abt. Kaulsdorf-Elld. Treffpunkt 194 Uhr an der Haltestelle Winklerftrah«. Treffpunkt 7 Uhr Schiller- Sny non der Frau Zullgsozialisien. ensburger Grnppc Tiergarten: Dienstag, 21. Juni, 20 Uhr, bei Trllmper, Strasse S, Diskussionsabend.— Gruppe Süden: Dienstag, 21. Juni, 20 Ui in der Juristischen Sprechstunde, Lindenftr. 3, Literarischer Abend. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Kreis Neukölln: Am Sonntag, 19. Juni, beteiligen sich alle Gruppen ge. schloffen an dem Sommerfest der Partei auf dem grossen Epielplass in der Königsheide. Treffpunkt um 124 Uhr am Boddinplass oder um 1Z Uhr am Herybergplass. Alle Eltern sind herzlichst eingeladen. Bringt auch andere Kinder mit. Fahnen, Wimpel und Transparente nicht vergessen. Kinderfrennde-Werbewoche»om 19. bis 25. Juni, abschliessend mit einer Eonnenwendfeier. auf dem Kinderland in Birlenwerder. 24. und Pirchowstrass», Beginn 19 Uhr. Treffpunkte flli M und Weissensce 18 Uhr Eenefelder Platz: für Friedrichshain und" Lichtenberg 18 Uhr Hclsinaforfer Platz fRöhe Warschauer Brücke). Friedrichsdain: Montag und Donnerstag 18—20 Uhr Spielen auf dem Sportplatz Friedrichshain. Kreis Mitte: Montag, 20. Juni, Elternabend im Heim gehdenicker Str. 24/25. fer Z-Itl.-----'"---. NV?,---------------------------------------„l Heim gehl___________ Lichldlidernortrag:»Unser Fclllager." Beginn 20 Uhr. Mittwoch, 22. Juni, 17—19 Uhr, öffentlicher Spielnachmittag Sophienanlage Garten, und Bergstrasse. Sonnabend, 25. Juni, 17 Uhr, Btllowpiatz. Treffen zur Sonnenwende in Birkenwerder. Sie Kreise Tiergarten. Eharlottenburg, Schöaeberg.Friedena», Wilmersdo ni, Spandau treffen sich zur gemeinsamen Veranstaltung am Donnerstag, 22. Juni, im Preussenpark Wilmersdorf, Brandendurgische Strasse, 18 Uhr. Vorgesehen sind Spiele, Tönze, Eiligen und Svrechchor Kreis Tiergarten: Dienstag, 21. Juni 22. Auni, Treffpunkt zum Werbcumzug 184 —------- W------__ Juni, Leo-Tolsioi. Abend. Donnerstag, Juni, Treffpunkt zum Werbeui.....~— fttage. Dienstag. 28. Juni: Alle W»>>..WN-! Spaziergang 17 Uhr im Heimzimmer Waldenserstrasse. Mittwoch, 29. Juni: Alle Kinder von 6—10 Jahren treffen sich 1? Uht im Heimzimmer Waldenser. strotze zum Spaziergang. TJanlow, Sedding. Reiaickendorf: Sonntag, 19. Juni, 14 Uhr, Abmarsch Reinickendorf. Für beide Tage rote Fahnen und Plakate mitbringen. Sedding, Schillerpark: Infolge der Veranstaltungen der Werbewoche fällt unser Zurnadend und Spielen aus der Wiese aus. Sonntag, 19. Juni, 18 Uhr, Treffpunkt Mllller- Ecke Seestrasse. Donnerstag, 22. �uni, 174 Uhr. Sonn. abend, 25. Juni, 174 Uhr, zur Sonnenwende nach Birkenwerder. Gemeinsame Veranstaltungen der Kreise Kreuzberg, Zempelhof, Treptow mit Fallenberg und Reuköhn. Sonntag. 19. Juni, Teilnahme mit der Ar. beiteriugend am Volksfest der Partei in der Köntgsheide. Abmarsch 414 Uhr vom kertzbergpla». Freitag, 24. Juni, 17 Uhr, Werbeumzug vom Stadtbad Neukölln. Ganghoserstrasse,»ach der grossen Spielwiese in Treptow. kreis Eharlottenburg: Sonnlag, 19. Juni, beteiligen wir uns am Waldfest. Treffpunkt 1891 Uhr Wilhelinplatz. Dienstag, 21. Juni, 17 Uhr. kommen alle Kinder zum Spielen auf den Friedrich-Karl-Platz. 20 Uhr Elternabend im Nortragssaal des Krankenkassen daules BerliNdr Str. 127. Referenti» Ellen Beidkes. Aug Tref eidler. Mittwach. 22. Juni. 17 Uhr. Spielen aller Kinder auf dem Karl» »ouft, Platz. Donnerstag. 22. Juni, 17 Uhr, Werbcumzug zum Preussenpark. reffen am Wilhelmpla». Freitag. 24. Juni, 17 Uhr, Spielen auf dem Gas. Isilt II Kreis neberg.Fricdena»: Dienstag. 21. Juni, 17—419 Uhr, Spielen larer Platz, woran sich alle Kinder beteiliget, miissen. Sonnabend, 25. Juni, Uhr.""'' "-eis Schöneberg.Friedrna pe» auf der Spielwiese >4. Juni, Elternabend i: urt Löw Dienstag, 21. Juni, Umzug durch Bahnhof Westend zur Sonnenwende in Birkenwerder. is Schönebcrg. Friedenau! er Spielwirfe in Eiternadend im Zug, Referent Genosse Dr. Kurt LöwenfteinH der Eruppe» auf der Spielwiese im Stabtpark i. Schöncbcrg lKasperle-Theater). i4. Juni, Eiternadend im Jugendheim Friedenau, Schule Öfsendacher Freitag,»... Strasse. Referent Genosse Dr. Kurt Löwensicin. Mitwirkung der Kinder. 19. Kreis Pankow. Dienstag, 21. Juni, Umzug durch Niederfchönhaufen. Abmarsch 18 Uhr pom Bismarckplatz. Donnerstag, 22. Juni, 184 Uhr, Werbe. keier im Boltspark mit anschlietzenbcm Umzng durch Pankow.— Grup uni, Wcrb' Pankow: Sonntag, 19. Juni, Werdeseier im Schillerpark.' Abmarsch 134 u5r Markte(atz. Dienstag. 23:»'S»!..---"-----—"—------— �~t- schönhaufen. Mittivoch. 22. Juni,.■ tag, 22. Juni. 1« Uhr, Markioiatz 25. Juni, Eonnenwendfeier in Birkenwerder. Absabrt 174 Uhr Rordbahnhok. — Grnpp« Riederschönbaulen! Sonntag, 19. Juni, Werbefeier im Schillerpari. Abmarsch 13 Uhr Bismarckplatz. Mantag. 20. Juni, 18 Uhr. Uebungsabenb in ' Niederschon hauten: Abmarsch bee Schule Dienstag, 21. Juni. 18 Uhr Bismarckplatz. ■. Umzug dilti Mittwoch. 22. Juni, föl t aus. Donnerstag, 22. Juni, 18 Uhr, Bismarckpkass Abmarsch nach Pankow. Tonnabend'Sonnigg, 25. 26. Juni, Sonnenwendfeier in Birlenwerder. Abmarsch Sonnabend 17 Uhr vom Bismarckplatz. Kosten 50 Pf. Kreis Mitte: Monlaa, 20. Juni, 20 Uhr, im Heim Zehdenicker Str. 25, Elternabend mit Lichtbildern. Alle Freunde und Gönner unserer Bewegung sind herzlichst willlommen. Kreis Schöneberg: Dienstag. 21. Juni, von 17 bis 19 Uhr, Spielen der Truppen auf der Spielwiese des Etadiparks. Donnerstag, 23. Juni, Gemein» schaslsspiel im Preussenpark Wilmersdorf mit den restlichen Gruppen. Frei- tag. 24. Juni, Elternabend im Heim Offenbacher Str. 5- in Friedenau. Kreis Reukölln: Heute, Sonntag, 19. Juni, beteiligen sich alle Gruppen an ......... � Königsheide. Alle Eltern stnd nen, Wimpel und Juni, 194 Uhr, dem Waldfest der Partei auf dem grossen Treffpunkt 124 Uhr Boddinplass und 18 herzlichst eingeladen. Bringt auch andere Transparente sind mitzubringen. Achtung!> Borstandssitzung im Parteibureau Reckarstr. 8. ssen Ferienspielplatz in 18 Uhr Hertzbergplatz. lere Kinder mit. Fah, Montag, verbeansschnss der SPD..Paliz«ideamtea. Sitzung in der Juristischen Sprechstunde, Liudenstr. 8. Dienstag. 21. Jimi. 20 Uhr, Niemand darf fehlen. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß�Herlin. Wanderleiter. Konferenz Mittwoch, 22. Jaul, 194 Uhr, im Jugendheim Lindenftr. 2. Berichte über den Spandauer Kursus»ad über die Pfingst. Wanderung. Sanderansschnss pünktlich 19 Uhr!» der Bücherstube. heute. Sonntag, 19. Juni: Hasenheid«! Geschlossene Beteiligung am Volksfest der Partei in der Kvnigsheide. Treffpunkt(Abmarsch)" 12 Uhr Kottdusser Tor.— Weitzenseet "........ Uhr Mirbachplatz. Alle Ger " 1- Heim Seidelstr. 1. Lei, arteiabteilungen. Treffpunkt 414 Uhr Hertzberg mmmtM"'<*><' Treffpunkt pünktlich 134 einfinden.— Reiaickendorf I Beteiligung am Waldfest der Alle Genosse» müssen ssl Habend.— Rrnki eidelstr. 1. Heimo dort vi: Genossen anderer Gruppen werden gebeten, zu '"—...... st«'" nossen, die an den Aufführungen beteiligt find, treffen Uhr Treffpunkt Beusselbrücke. �.'beb «inen. Die Ge. um 9 Uhr Hertz, 15 Besuch des erbebezirk Tiergarteu: Waldsestes der Partei. Serbebezirk Reulöllu: Achtung, Abtellungsleiterl Die Filmkarten müssen bestimmt bio Dienstag, 21. Juni, abgerechnet werden. Nicht zurückgegebene Karten gelten als verlauft und müssen die Gruppen bezahlen. Seine Vortragereihe»Geschichte der russischen Literatur' beginnt Dr. Herbert R o s e n s e l d mit einer Analyse von Gogol, dem ersten großen Realisten Rußlands, dem Satiriker und Mora- listen und lächelnden Melancholiker. Rosenfeld weiß die Mitte zu halten zwischen biographischer Skizze und literaturwissenschastlicher Kritik. Mit wenig Strichen versteht er es, ein Bild von dem Menschen und seinem Werk zu entwerfen. Leider wird Turgenjew daraus zu summarisch behandelt. Das lustig« Wochenende hält sich diesmal frei von allem Kitich und bringt stellenweise sogar Ueber- ragendeö. Der liebenswürdige und unterhaltende Einakter»Lore' von Otto Erich Hartleben wird trotz Umbefetzung schmissig gespielt. Man weiß, daß Alfred Braun für diese harmlosen netten Dinge der geborene Regisseur ist. Auf hohem Niveau steht der erste Teil de, Programms, der den großen tschechischen Dichter Hosset gewidmet ist, dem genialen Satiriker und Bohemien, dein Wahlverrvandten eines Rabelais oder Cervantes. Die Berliner Funtstunde wittert Morgenluft und Hugenbergs Organ ist darüber in der Freitag- Abendausgabe aufs Tiefste empört und glaubt bereits an die Unter- minierung der moralischen Weltordnung, und dabei liest Paul Graetz aus der Geschichte vom»Braven Soldaten«chwesk' nicht einmal die bittersten Wahrheiten, die Hossek hinter lächelneder Maske dein Militarismus und der Gesellschaft ins Gesicht schleudert. Aber weshalb hat man Paul Graetz mit dieser Vorlesung betraut, einen gewiß ungemein witzigen und schlagfertigen Berliner Humoristen, dem aber der Dialekt des Schwejk vollkommen fernliegt? Herr Graetz ist nicht einmal darauf aufmerksam gemacht worden, daß das ej in den tschechischen Namen in zwei Vokalen ausgesprochen werden muß. Er sprach daher den Namen des braven Soldaten � immer i» aus nmo einen deutschen„Meier" mit ei. Unter dieser Unbeherrschimg der Schwejk-Spraet»« mußle natürlich die ganze Vorlesung leiden. Zu erwähnen ist noch der Vortrag des Geheimrot Moll über die kaufmännisch« Werbekraft de» Films, die Moll sehr hoch anschlägt, besonder» wenn sie die Reklame mit einer knappen und grotesken Handlung oereinigt. F. S. Morgen, Montag, 20. Zum. 19� Uhr: llebuugsftuude des Zugendchats pünktlich 194 Uhr im Zugend heim Linden. �"Isabit II: Heim Lehrter Sn\ abend in der Sonnenwende.'______ Westen l! Heim Hauptstr. 15."»Geschichte und Ziele der EAI."— Ehartatten- butg-Rotd: Schule Olberstrasse.„Geschichte der Arbeiterjugend."— Adlersh->s: Heim Roonstr. 16.»Arbeitozcitiiotgesctz."— Johannisthal: In der Küttigs» Heide: Aussprache Uder das Buch„Konfession" labst U: Keim Lehrter Str 18'19. Heiterer Abend.— Weissense«: Kultur- in der Stadthalle.— Friedenau: Heim Offenbacher Str. m.»Unsere rwende."— Gchöneberg III: Heim Hauptstr. 15. Bunter Abend. � ssionelle Lügen." Werbebczirk Teltowiannl: Heim Steglitz, 7IIt>recht!lr. 47. Vorstandssitzung. treten fein.~ Jede Abtellung muß unbedingt vertreten Wichtige Tagesordnung. Vorträge, vereine und Versammlungen, Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold". Gefchsttsstelle: Berlin E 14. Sebasiianstr. 37/33, Hof 2 Tr. Gaunorftand: Freitag, 24. Juni, 19 Uhr, Treffpunkt Bhs. Rieder. schöneweide zur Rathenaugedächtnisfeier.— Kein Kamerad darf dei der Gauveranstaltuna in Frankfurt a. d. O. fehlen; Nachmeldunaen sind so. fort bei den Kameradschaftsführern vorzunehmen— Achtung, Franrfurt.Fahrcr fper Autos! In MUnchederg ist nicht mehr„Zum Reichsbanner" Berkchrslokal, sondern„StadtBerlin".— Schönebcr«, Friedenau: Achtung, Kameraden! Karten für ben Dampferansflug noch Neumühle am 10. Juli stnd bei den Funktionären zu haben.— Wilmersdorf: Kameraden, die am So., d. 25., nach Frankfurt an der Oder fahren, treffen sich 164 Uhr am Bhf. Eharlottenburg, Stuttgarter A Uhr Kameradschaft 2(Iungmannschaft) bei Krepp, Planufer 75, Bunter Abend. Reuköllu-Beitz! 1. Kameradschaft 2. Zug 194 Uhr Zugversammlung im Lokal Wille, Reuterstr. 47. 1. Kameradschaft 4. Zug 194 Uhr Zugversammlung im Lokal König(früher Bühle), Wcserftr. 58. Adlershofi Sportabcnd für alle aktive» Kaineraden. Treffpunkt in Bannerkleiduna 19 Uhr Bismarck- Ecke Wald» strasse. Lichtenberg uebft Untergruppen: Sämtliche arbeitslosen»nd dienst. freien Kameraden treffen sich 22 Uhr katholische n Friedhos Ho....... zur Beisetzung unseres Kameraden Thiel I'*" beteiligt sich vom Wilhelinplatz. Fahnen sind mi Iben treffen sich 22 Uhr katholischen Friedhof Hohensäiönhausen ■_______ j unseres Kameraden Thiel mit Fahnen.— Dienstag, 21. Jnui. Eharlottenburg: Der Kreis beteiligt sich an der Kundgebung in Spandau. Abfahrt 184 Uhr vom Wilhelinplatz. Fahnen sind mitzubringen. Bernau: Wiederbeginn der Uebungsadende. Bei gutem Wetter Änsmarfch. Antreten 20 Ilbr bei Modisch, bei schlechtem Wetter 20 Uhr bei Löwe.— Mittwoch, 22. Juni. Mitte: Iugendzug Versammlung bei CornI, Gartenstr. 6. Mit- gliedskarte nicht vergessen. Paakow: Kameradschaftspersammlung in Nieder- lchönhansen, llhlond- Ecke Treolowstrasse, bei Hubasch. 194 Uhr. Der kreis. vorstand ist anwesend. Deutfche Liga für Menichcneechie. Im Rahmen eines w!ssenfchaftl!ä,cn Klubabends der„Deutschen Liga für Menschenrechte" spricht am Montag, 20. Juni, 204 Uhr, in den Räumen Wiihelmstt. 48 III lFährstuhl) Herr Dr. Earre-Chopouriant, der Vertreter der„Federntion Bälfanigne", Wien, über das Thema:»Die Zustände auf dem Balkan und die Balkan-Föderation." Sport. Ausscheidungs-Loxkämpfe im Mittelgewicht. In der Bockbrauerei, Fidicinstraße, fanden gestern abend vor ziemlich gutbesuchtem Hause die Ausscheidungs-Boxkämpfe um die deutsch« Mittelgewichtsmeisterschaft statt. Ehemalige „Boxstars" wie Prenzel, Wiegert, Kaube und Kiansch waren mit von der Partie. Der Abend wurde mit. der Begegnung S e i f r i e d (13S) gegen Tomkowiat(141) eingeleitet. S. wurde, nachdem er seinen Gegner in der dritten Runde schwer atigeschlagen hatte, überlegener Punktsieger. Lagerhausen(136,1) mußte in der vierten Runde gegen Kiansch wegen einer Augenverletzung aufgeben. Dann folgte»der Kampf Wiegert(133) gegen A n t o n o w i t s ch(140). A. begann sichtlich nervös. W. ging auf den Knockout aus. In der zweiten Runde vermied Antonowitsch durch unwürdigen Rückzug den Fight. Als in der vierten Rund« beide Gegner im Ring ausrutschen, zieht sich Wiegert eine Fußverletzung zu und muß den Kampf aufgeben. Einen sensationellen Ansang nahm das Treffen Prenzel<141) gegen N e u f e l(14S). Prenzel brachte seinen Gegner gleich bis 8 zu Boden. N. kam jedoch über die Runde. Er boxte im weiteren Verlauf des Kampfes aussallend frisch weiter und sammelte Punkte. Neusel war Prenzel dann stets weit überlegen. Man gab den Kamps unentschieden, was ein Pfeifkonzert auslöst«. Hermann H e r s e(143) schlug S t e f f g e n (142), der sich tapfer wehrte und seinem Gegner nichts schuldig blieb, nach Punkten. Heeser II(142) blieb über Kaube(144) nach Punkten siegreich. Der Pundesamoleur INalhlo» Enget, der im dergangenen Fuhre den Grossen Preis von Paris gewonnen bat. wird vom Spoi lausfchuss des BDR. auch in diesem Fahre zum Grand Prix entsandt werden. Engel, der vor dem klassischen Rennen den Grossen Preis von Kopenhagen de- streitet, wird mit seinem■ Landsmann Stesses zusammen sowohl nach' Kopenhagen, al» auch nach Paris gehen. Kakao Schokolade i Pralinen. Denndier Metallarbeiter-ferbaDil Verwaltungsstelle Berlin Xactamf. Den Mitgliedern zur Rachttcht. daß mt'ee Kollege, der Schtemdendteher Emil Rosin am tz, Juni gestorben ist. Vozirlvlettung de» 2. Scjirt». Den Mitgliedern serner zur Roch- richt.dass unser Kollege, der Kernmacher Raul IKIenkelt! am 18. Juni gestorben ist. Ehre ihr«» AutMiik«»! Ol« Orioverrvoltung Nach langem, schwerem Leiden per- starb am Freitag, dem 17. Juni, mein lieber Mann, unser guter Bater. Scktwtegeroaler. Bruder. Schwager und Onkel.der Gewerkfchaftsangcftellle vagoliert HiiMeim im 54. Ledensiahr«. Dies zeigen ltefbelrübt an I,ul»« HilckEskialrn and Klndtr. Di« Einäscherung findet am Mit«. «och. dem 22. Zun', nachm. 4 Uhr. im Krematorium Gerichtstrasse statt. Kranzspenden im Linn« des Ber» stordenen danlend verbeten. Räch turzem, schwerem Leiden ver- schied am 16. Juni 1927 meinünnig. geliebter Mann, unser lieber diäter, Echwiegeroater und Grossvater Ködert Knpfer Im Alter von 79 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen Richard Kupfer Berlin SW 68. Neuendurger Str. 81 Die Einäscherung findet am Montag. dem 20. Juni 1927. um I Uhr im Kre- maiorium Baumchulenweg statt. öesselllWe Miröetting. Diejenigen kialtfahrzeugbesitzer, deren Sleuerlarten am 20. Jnui 1927 ihre Gill' »gleit verlieren, werden hiermit zur recht zettigen Erneuerung der Steucrkartcn aufgefordert. Um grossen Andrang zu«ermeiden und die Abfertigung zu belchleuntgen. wird dringend ersucht, die Karlen det dem Finanzamt Rosenihaler Tor, Krafttossr. zeuafteuerstelle,«erlw R24. Friedrich. strasse»07(Einfahrt Kalkscheuuenstrass«). rechtet Seitenflügel. III Treppen. Zimmer 226 und 228. werktäglich von 0— t Uhr (Sonnabends von 9—114 Uhr), an folgenden Tagen zu erneuern: die Steuerpflichtigen mit den Anfangsbuchstaben .... 4-0 .... si-K ■ L-P In der Zeit vom u 27. 6.-29«., 30. 2. 7:. i. 7.- 6 7.. 7 7- 9. 7.. Ii. t.— li. i. W Die Abfertigung an anderen Tagen er. folgt hinter den nach diesem Plan bevorzugt abzuieritgeuden Stenerpsitchltgen. Berlin den 10. Juni 1927. Ftuouzamt Roseutholer Tor. Verein der Berliner Buchdrucker u.SchrWießer Vor Konditionsannahme bei der Firma.Berliner Musikalien- druckerei". Liudenstr. 16-17, siud unbedingt vorher Eikuudigungen bei der verwalwag S ngelufer 14/lS Zimmer 17. einzuziehen. Der Sauvorstand. Di« Firma oan der H 0 eve n& B i ck e» d a ch G m. b. H. hat die nach' onstali beantragt Etwaige Einwendungen gegen diese Anlage sind bei dem»nlerzetchneten Stadl audfchuss binnen>4 Zagen. 00m Tage nach den. Belchreibung»nd Zeichnungen geplanten Anlage liegen>n unserem reou. Berlin<£ 2, Waifenstrassc 27, in doppeitcr Ausfertigung oder zn Prolololl anzubringen. Räch Adiauf dieser Frist lönnen Einwendungen nicht mehr erhoben »«ttza»�W>>MMW�W�MM>chWWWW der ?urr«i>W»>�>WMWWW. i Treppe. Zimmer Sc. 59. an den Gelchitsts- lagen in der Zeit von 9 bis 2 Uhr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Zur miindltchen Erörlerung der recht» zeltist erhohetien Einwendungen wird vor unserem Kommissar. Sladtinspettor Kunde. au: Mittwoch, den 6. Jus 1027, vor mittags 9 Udr. i» unserem Bureau ein Termin anberaumt, zu dem dle Unter. nehmerin sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, dass auch bei theeni Ausdieiden mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Berlin, den 15. Juni 1927. Our Stadtauoschufz Berlin. Abt. I l>r. G o r d a n. Rcichsarbeils�cmcInschaU Irelöeistlöer Verbände onsdrnppe Berlin Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung E. V. Deutscher Monistenbund Bund freigeistiger Jugend:: Volksbund für Geistesfreibeit Der Besitzbürgerblock bereitet ein Reichsschulgesetz und ein Kirchenkonkordat vor, um Deine Kinder und Dich selbst in noch tiefel% als bisherige Oeistesknechtschaft zu zwingen Massenkundgebung Dienstag, den 21. Juni 1927, 19,30 Uhr „Orpheum", Berlin S 59, Hasenheide Ecke Gräfestraße Lehrervereinshaus, Berlin C.'Alexanderstr. 41 Pharus-Säle, Berlin N, Müllerstr. 41 Referenten: Dr. Kurt Loewcnslein, Dr. Ausländer, Max Sievcrs, Rudolf Rocker, Alfred Wcimann ca. 300 Parzellen neu ersdilossenl I. Direkt am Bahnhof Ahrenstclde II, bester Garten- boden, □ m von 90 PI. an. Z. ca. 10 Minuten vom Bahnhof, nm von 50 Pf, an. Vorverkauf täglich Bahnhof Ahrensfelde II im Bahnhofs- Restaurant Büttner. louas Bieter, Berlin C z, eoaionutraB« 8. Wer probt, der lobn VorrQgllche Natur- Sutter 1.50 and l.tO pro Pfund. Wegner, BcrlinSO Marianncnstraße34 Br. Tischler, Metallbetften Stahl Matratzen, Kinderbetten linstii n Wie. Kai. 650 ir. Elsenmöbelfabrik suhli.Thü_ Gegen I Zutker, Gallensteine. Magen, Darm, Leber, Nieren, Blasen» leiden, Gicht u. 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Doltsstück von Nestroy eignet sich gut zum Reißer für Dorstadtbuhnen, die mit ihm ihre Kassen füllen, die Theaterfreudig- keit des Publikums bekunden und d>e Notwendigkeit ihrer eigenen Existenz als Theater nachzuweisen suchem Daß man trotzalledem heure in weiten Kreisen an ein Volksstück ganz andere und vor ollen Dingen höhere Ansprüche stellt, ist ein ersreuliches Zeichen. Der Regisseur Arthur Bergen stellt den Hausknecht Scheiter- mann, der durch das große Los zum reichen und durch die„ertrag- reiche" Erziehung eines Herrn Barons zum vornehmen Mann wird, in das übliche Volksstückmilieu, denn wirklich zufrieden wird Johann doch erst, als er erfährt, seine vornehme Gattin war früher kalte Mamsell. So haben sich die gesunden, die nach Volksstückregel zu- einander gehören. Zwischendurch wurden dann noch allerlei Film- kmkerlitzchen angewandt, als da find Modenschauen, ein« pikante Ankleidungsszene, ein hyperelegantes Ehebett und eine Schmieren- theatervorstellung. Gespielt wurde sehr gut. Fritz K a m p e r s war der Hausknecht und Ossi Oswalda war das Dienstmädchen Pepi. Beide sichern sich in solchen Rollen, wo sie strwüchsigkeit mit Derb- heit mischen können, stets den Erfolg. Angela Ferrari erfüllte das Zwerchfell erschütternd seine schwierige Ausgabe als Tanz- lehrer. Ebenlo zwangen Adele S a n d r o ck. Olga Engl und Adolfe E n g e r s durch ihre Vornehmtuerei die Zuschauer zum Lachen, während Paul Heidemann durch gröbere Komik gefiel. Immerhin wurde durch diese Uraufführung der Beweis erbracht. daß Amerika uns noch nicht alle guten Schauspieler wegengagiert hat und ferner, daß unsere Produktion noch nicht ganz«in- geschlafen ist._ b. ,v!e große paraöe.* (Gloria-Palast.). Eine Aufführung für geladen� Gäste mit darauffolgender schriftlicher Abstimmung, ob dieser Metro-Fistn in Deutschland gespielt werten soll. In Amerika war es ein großes Geschäft. Selbstver- ständlich ist er patriotisch, aber auch sentimental und trägt der Stim- mung der Enttäuschung Rechnung. Die deutsche Bearbeitung hat die Stellen gestrichen, die unsere Nationalen oerletzen könnten. Man hat also verschiedene Ausgaben. Die deutsche wirkt wie eine Predigt gegen den Krieg, weil sie mit glänzenden Mitteln den Krieg in' seiner wüsten Barbarei und Abscheulichkeit zeigt Die Idylle des Granat- trichters, die Freund und Feind in der Gleichheit des Drecks und Sterbens vereint, wird verdammt anschaulich. Die Antikriegstendenz liegt freilich nur zwischen den Zeilen und Bildern. Sollte der Film öffentlich gezeigt werden, so wird er noch einer ausführlicheren Be- trachtung wert sein. r. DI�/XUSSiei.l.L>�K? DES JAHRES 1927 IN DEUTSCHEM GARTENBAU U SCHEES. GEWERBE KSLUcftMl VERANSTALTET! I CfifU IT725.JUNI BIS VON DER STADT L 1 I IL SEPTEMBER ,Ver Mann mit öen 700 98/ (Tauenhien-Palasi.) Wir sehen in Deutschland nicht viel französische Filme, kommt aber einmal einer zu uns, so ist es meist ein Durchschnittsfilm. Für unseren Geschmack bewegt sich auch dieser Gesellschaftssilm allzusehr in bekannten Bahnen. Es sind immer wieder vornehme Räume, Luxushotels, erstklassige Bäder, die uns vorgeführt werden. Gut ist der Film nur in allem Landschaftlichen(das Meer bei Biaritz!)und in dem Motorischen, dem Nebeneinandersausen des Autos und des Zuges. Die Handlung selbst gibt das Schicksal eines jungen Mannes, der gescheitert ist, sich aber vor seiner Auswanderung in die Kolonien in die Frau eines englischen Lords verliebt und nun von ihr nicht los kann. Er muß den scheinbar Reichen weiter spielen, bis er in eine Zwangslage kommt, aus der er sich nicht anders als durch den Freitod zu retten weiß. Das Tempo ist leider nicht das eines 100?8., sondern eines gemütlichen alten Omnibusses. George G a l l i stellt den jungen Liebhaber dar, der freilich zumeist ein bekümmer» tes Gesicht machen muß. Energisch wirkt der Lord des Henry Chakatouny. Zwischen beiden steht milde und ausgeglichen Huguett« D u f l o t. Voran ging ein Filmbericht über Ulm, der besonders die archstektonische Struktur des Domes veranschaulichte. Außerdem „H i r s ch w i l d im Winter" mit schönen Naturaufnahmen, r. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Königswusterhausen. Sonntag, 19. Juni: 6,30: Frühkonzert. 9: Mors:en{eier. 11.30: Unterhaltantsmusflc. 14: Stunde des Briefmarkensammlers. 14.30: Die Karpfenzucht in Teichen und ihre wirtschaftliche Bedeutung, 15.10: Uebcrtragung der großen Berliner Ruderregatta aus Grünau. 17: Märchen. 17.30: Orchestermusik. 19.30: Uebcrtragung aus der Städtischen Oper Charlottenburg„Fatinitza4', Operette von Franz v. Suppd. Danach Tanzmusik. Montag, 20. Jun':. )S.30: Der schöpferische Mensch im Dienste der Hnnswlrtschaft. 16: Geschichte in Anekdoten. 17: Novellen. 17.30: Kapelle Gerhard Hoffmann. 19.05: Der Angelsport an märkischen Gewässern. 19.30: Drahtlose Fahndung. 19.55: Botticelli(Osborn). 20.30; Heiteres Rokoko. 21: Mozart. Dienstag. 21. Juni: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. J6: Berliner Humor. 16.30; Technische Wochenplauderei. 17: Dr. Becces Kammerorchester. 18.40: Stunde mit Büchern. 19.10:„Qiordano Bruno". 19.35: Die Organisation des mo� dernen Musikbetriebes. 20: Die innere Vorgeschichte der chinesischen Revolution. 20.30: Geistiges Leben in Argentinien(Dessoir). 21: Die Kreuzfahrer, Dramatisches Gedicht von Karl Andersen. Mittwoch, 22. Juni: 13.30: Glockenspiel der Parochialkirche. 15.30: Die soziale Liebestätigkeit der Frau. 16: Sorgenkinder der Hilfsschule. 17: Jugendbühne. 17.30: Dominator- Orchester. 18.45: Der Gedanke der Macht und die Macht des Gedankens. 19.10: Vom Wandern im Hochgebirge. 19.35: Erlebnisse in der deutschen Landschaft. 20: Rechtsfragen des Tages. 20.30: Musikalische Vorträge. 22.30: Zum deutschen Trunk, Donnerstag, 23. Juni: 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 16; Eine QoriHajagd. 16.30: Von deutschen Namen. 17; K. E. Meurer liest aus eigenen Werken. 17.30: Kammermusik. 18.45:..Der Hindcnburgdamm". 19.10: Rund ums Familianbad. 19.35; Die Weltanschauung der jüngsten Vergangenheit. 20: Die Bedeutung der Geographie für die Weltpolitik. 20.30: Spanischer Abend. 22.30: Tanzmusik. Freitag, 24. Juni: 15.30: Amerikanerinnen. 16; Sommerarbeiten im Gemüsegarten. 16.30: Wanderungen durch die Mark. 17; Kapelle Emil Roosz. 18.45: Das Wegerecht auf den brandenburgischen Wasserstraßen. 19.10: Das Arbeitszeitproblem, 19.35: Das geistige und seelische Band der westeuropäischen Völker. 20: Wo finden die Berliner Kinder in diesem Jahre ihre Ferienerholung? 20.30: Turn- und Sportabend. 22.30; Aus klassischen Operetten. Sonnabend, 25. Juni: 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 16; Schachstunde. 16.30: Moderne Fleischhygiene. 17; Kapelle Gebrüder Steiner. 18.45: Spanisch. 19.10; Die Kunst zu vergessen. 19.35; Geschichte der russischen Literatur. 20: Sende- spiel:„Die versunkene Glocke44, Märchendrama von Gerhart Hauptmann. 22.30: Tanzmusik./ Soqntag, 19. Juni; Uebcrtragung aus Berlin. Montag, 20. Juni; 12: Englisch für Schüler. 15; Häusliche Blumenpflege. 16: Anschauungen Goethes, Kants und Schillers über die Erziehung des Menschen. 17: Schachfunk. 18: Die Befreiung der Frau. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Privat- wirtschaftliche Fragen für das Kleingewerbe: Beschaffung des Betriebskapitals. 19.20: Die Frage der natürlichen und Künstlichen Verjüngung in der forstlichen Praxis. 26.30: Uebcrtragung aus Stuttgart. Dienstag, 21. Juni: 12: Französisch für Schüler. 15: Zu milde und zu streng erzogene Kinder. 16: Anschauungen Goethes, Kants und Schillers über die Erziehung des Menschen, 17: Wesen und Grenzen der einzelnen Kunstzweige. 18: Juristische Tagesfragen. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Aus eigenen Dichtungen, 19.20: Das Theater unter freiem Himmel. 21: Uebcrtragung aus Berlin. Mittwoch. 22. Juni: 12: Einheitskurzschrift für Schüler. 12.30; Mitteilungen des Reichsstädtebundes. 15; Einheitskurzschrift für Anfänger. 16: Erziehungsberatung. 16.30: Englisch für Fortgeschrittene. 17; Die Naturkräfte und ihre technische Verwertung. 17.30: Vom Singspiel zur Operette. 18:. Technische Physik. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Fragen europäischer Kolonialpolitik. 19.20: Deutsche Asienforscher. Ab 20.30: Uebcrtragung aus Berlin. Donnerstag, 23. Juni: 15: Die Einwirkung des Luxus auf die deutsche Zahlungsbilanz. 16: Forstwirtschaftliche Berufe. 16.30; Aus der Kunstabteilung des Zentralinstituts. 17: Weltpolitische Stunde. 17.30; Der Orient nach dem Weltkrieg. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Das deutsche Kunstlied: Schubert. 19.20: Wohlfahrt und Fürsorge aus dem Lande. Ab 20.30: Uebcrtragung aus Berlin. Freitag, 24. Juni: 15; Einheitskurzschrift für Fortgeschrittene. 16: Ueber einwandfreies Trinkwasser auf dem Lande. 16.30: Die Kunst des Sprechens. W: Die Alpen. 17.30: Richard Wagner als Problem. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55; Das deutsche Messe- und Ausstcllungswesen. 19.20; Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Ab 20.30: Uebcrtragung aus Hamburg. Sonnabend, 25. Juni: 14.50: Französisch für Anfänger. 15.15: Französisch für Fortgeschrittene. 16: Esperanto. 16.30: Die Tagung„Volkskunde44. 17: Unbekanntes aus dem Reich der Post. 17.30: Feierstunden des Arbeiters. 18: Mechanik. 18.30; Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 18.55: Wesen und Grenzen der einzelnen Kunstzweige. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Badeschuhe wei«« uud sclmars, Srima L.einen mit ummlsohlen, besonders billiges Angebot, Gr. 27-35 Sportschuhe 90 P rRas förKasen s n ort�ns scliwurx Scgeltncii, mit Leder-, auch mit Gumnilsohlcn. Gr.36-42 1.60,31-35 1.45�7-30 Tu r n s c h u h er an SogcUncI»,®. starker Chi....... 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Peter Bims war nicht mehr ganz jung, auch nicht von einer in die Augen springenden Schönheit und noch weniger von jener gewissen Geschmeidigkeit eines Ladeninhabers, die die Käufer so geschickt zum Kaufen veranlaßt. Peter Bims— genau wie sein seliger Vater— die menschliche Verkörperung einer guten Leder- wäre. Aber während sein Dater, der selige Sattlermeister Bims, mehr einem derben, Hand- oder vielmehr sitzfesten Sattel geglichen hatte, ähnelte Peter eher einer soliden Brieftasche aus Rindleder, die merkwürdigerweis« mit zartem Glaceleder gefüttert war. Zweisellos war dieser klein« Mißgriff der Natur auf mütterlichen Einschlag zurückzuführen, denn Frau Bims selig war ein« zarte blond« Frau gewesen, die den Ausmaßen des seligen Ledersattels keineswegs gewachsen war. Zum Glück für Peter war die ererbte mütterliche Zartheit in- wendig geblieben und verkroch sich gänzlich, als die Mutter starb. Die solide Briestasche knarrte und knirschte noch eine Zeitlang, wenn sie sich nun ganz allein durch das Leben und den Laden bewegte— aber nach und nach verstummte auch dieses Geräusch. Die Zeit griff herzhast an diese und jene Ecke, drückte, klappte aus, klappte zu— während sie ihren Tribut an täglichem Wechselgeld von ihm ver- langte und Peter Bims vergaß allmählich, daß er ein empfindliches Jnnenfutter hatte und zeigte der Welt nur seine gegerbte Außenseite. Aber das Schicksal läßt sich nun einmal nicht um die Frucht seiner Aussaat bringen. Peter mochte es noch so geschickt anfangen, mochte sich noch so sehr vor der Welt verschließen und ihren söge nannten Freuden,— ganz insgeheim lebte— von ihm selbst absichtlich nicht beachtet— die Sehnsucht nach einem zarten Frauenlächeln, nach »in paar weichen chänden, die liebkosend die verborgenen Werte aus seinem Jnnenfutter zogen— kurzum—, er sehnte sich unbewußt nach einer Frau, die diese Brieftasche durch geschickte Handhabung erst richttg in Beziehung zum Leben bracht«. Aber da er diese Sehnsucht leugnete, war er oft— nicht gerade unhöflich zu seinen Käuferinnen — aber sachlich. Von jener überheblichen Sachlichkeit des Fach- mannes, die den Laien so ungemein verletzt. Er verkaufte hundert- mal lieber«inen soliden Maulkorb, eine brave Aktentasche oder einen geduldigen Schulranzen als alle diese ledernen Kleinigkeiten, die dem weiblichen Geschlecht unentbehrlich sind. x Nun war es wieder Frühling. Bims hatte den Mandelblüten- zweig rechts und das Birkenlaub links in sein Schaufenster gestellt. Die Sonn« lag auf der Straßenseite gegenüber und die Mädchen gingen in hellen Kleidern. Bims sortierte eine neue Sendung von Damentaschen, als eine Käuferin hereintrat. Sie verlangte nach gerade diesen Taschen. Bim» war nicht sehr liebenswürdig. Er mochte es nicht, wenn er beim Sortieren gestört wurde, aber das schlanke blonde Fräulein hatte schon die Handschuhe auf den Tisch gelegt und strich mit bloßen Händen über ein Täschchen aus sahne- farbenem Kalbleder.„Nobel," sagte sie mit einer angenehmen Stimme,„wirklich-- nobel". Dieses Wort— nobel— versöhnte Bims. Und außerdem ver- söhnten ihn ihre Hände. Er hatte von jeher die Gewohnheit gehabt, den Käufern mehr auf die Hände als in dos Gesicht zu sehen, und er konnte direkt in Aufregung geraten, wenn ein feines Stück aus seinem Loden in grobe, unfein« Hände kam. Diese Hände hier ober erregten sein Wohlwollen. An jeder Fingerwurzel saß ein winziges Grübchen, und so war es, als lächle jeder Finger. Peter Bims hob unwillkürlich den Kops und sah, daß auch das Gesicht der Käuferin lächelte, und daß es ein wohlgeformtes junges Gesicht war. Die Tür des Ladens stand offen, die warme Frühlingsluft strömte herein, und war es diese, oder waren es die lächelnden Mädchenhände oder das hübsche junge Gesicht— oder alle drei Um- stände vereint— Peter Bims, die solid« Brieftasche, hatte Die ge- funden, die ihn durch geschickte Handhabung erst richtig in Beziehung zum Leben bringen sollte. Und Lene Bims erwies sich als sehr geschickt. Sie stand schon im Sommer hinter dem Ladentisch und verkaufte. Blond, lächelnd, hell angezogen. Der ganze Laden schien zu lächeln. Die großen Koffer brummten behaglich, die Damentäschchen kicherten, die Schul- mappen juchzten und selbst die Maulkörbe stießen kleine glucksende Freudenlaute aus. Peter Bims war wie neu auflackiert. Das hatte er nicht erwartet. Nein, das nicht. Frauen waren etwas ganz anderes als Männer, dos wußte man schon von den vielerlei ledernen Sachen und Sächelchen her, die sie alle Augenblicke neu brauchten, während ein Mann mit seiner Aktentasche, einer Brief- tasche oder einem Schlüsselbeutel— nicht zu vergessen ein paar gute Hosenträger—, vollauf und für Jahre zustied engestellt war. Sie waren wohl wie die Kinder, immer ein neues kleines Spielzeug, eine kleine Abwechslung, eine Sensation. Aber daß man es mit ihnen ebenso hatte— das hatte er nicht gewußt. Die Lene küßte ihn um 8 Uhr, um g Uhr stteß sie ihn weg—. sie plaudert« morgens. sie schwieg am Abend, sie lachte in der einen Stunde und tonnte in der nächsten weinen. Und Peter wußte nie, worum sie das eine oder das andere tat. Er liebte sie, er betete sie an, er war immer der gleiche— und wußte nicht, daß er gerade das war, was die Lene zu ihren Widersprüchen reizte. Noch während des Sommers änderte sich die Kundschaft. Es kauften jetzt viele Herr«n bei Peter Bims. Bei Bims gab es die haltbarsten Hosenträger, die solidesten Aktenmappen, die besten Ledergürtel. Lene verstand ihr Geschäft. Sie war hübscher denn je, und Peter siel es direkt schwer, auf einig« Wochen von ihr zu gehen, aber sie bestand auf der Badekur, die der Arzt ihm verordnet hatte. Er schrieb ihr sehr viel und sehr sehnsüchtig, und sie antwortete ihm sehr wenig und sehr kur� denn das Geschäft---, er müsse doch einsehen.— Er sah es ungern ein. Als er heimkam, frisch, erholt— und mit übervollem Herzen, begrüßte sie ihn etwas zerstreut—, ein junger Mann wählte gerade einen Koffer.— Er hatte sich das Wiedersehen in unendlichen Variationen— aber ganz ander» vor- gestellt. Als er am nächsten Morgen in den Laden kam— er hatte sich wahrhastig verspätet— stand sie im Gespräch mit einem Herrn. Sie lächette und schien strahlendster Laune. Es war ein junger eleganter Mensch. Pet«r Bim» macht« sich still au den Maulkörben zu jHassen. die in emm Winkel hingen.' Kommumstisthe Propaganda. „hier sehen Sie einen mutigen klassenkämpfer. der das SPD.-Milgliedsbuch seines Vaters zerrissen hal!" „Dieses ist der intelligente Arbeiter. der den„Vorwärts" abbestellt hat!" „hier ein ZNitglied der KPD., das sämtliche Parolen Moskaus widerspruchslos befolgt.. „Und nun... Nanu, wo find denn meine Mitglieder hin?" Er hatte noch oft Gelegenheit, sich fttll in diesem Winkel zu schaffen zu machen, und daß es gerade der war, in dem die Maul- körbe hingen, erschien ihm wie ein böser Witz des Schicksals. Er wußte bald, daß Lene jedem Manne lächelte— ja—, daß ihre Hände mit den lächelnden Fingern gleichsam ein Symbol waren, das ihn hätte warnen sollen. Aber oll« Menschen täuschen sich ein- mal. Warum sollt« stch ein„Feiner Lederwaren"-HSndler nicht täuschen? Er hatte leichtsinnig gekauft, nun gut, da mußte er auch den Schaden trogen. Die Lene, die er noch immer liebte. Ja, ihre Haut, ihr.Leder" war beste Qualität, die Verarbeitung prima. aber das Jnnenfutter? Er hatte vor lauter Entzücken über dos Aeußere ganz oergesien, das Inner« zu prüfen. Peter Bims verschloß sich. Er wurde wieder die solide Brief- tasche, die der Umwelt nur die gegerbte Außenseite zeigte. Er kaufte ein, er sortierte, er preiste aus. Lene sah dem Allen ein wenig spöttisch zu. Was für eine trockene, langweilige Ware— dieser Mann. Und sie prüfte die Neuangekommenen Hosenträger, zog den straffen Gummi auseinander und ließ ihn wieder zurückknallen. Peter tat dieses Geräusch weh, aber er sagte nichts. Er stellte schweigend den Mandelblütenzweig links in das Schaufenster und das Birtenlaub rechts, denn es war wieder Frühling. Die Ladentür stand auf. Weiche Lust quoll herein, und die Mädchen gingen in hellen Kleidern. Ein Motorrad knatterte heran und hielt vor dem Laden. Ein junger eleganter Mann betrat das Geschäft. Ein Ledergürtel sollte es fein, so wie der neulich. Leider sei er ihm auf unerklärliche Weise abhanden gekommen. Lene legte die Ware vor. Sie lachten. Sie kannten sich. Peter trat hinzu. Sie sprachen vom Wetter. Ob Lene nicht ein Stündchen mit hinaus fahren wolle — auf dem zweiten Sattel. In IS Minuten tonnten sie im Walde sein. Ob Herr Bims etwas dagegen habe. Doch sicherlich nicht. Bei diesem Wetter— und eine junge Frau— immer im Laden.— Peter sagte ja— und blickte nach den Maulkörben. Dies war am Nachmittag. Eine Stunde ging vorbei. Noch ein«. Die Geschäfte wurden geschlossen. Lene kam nicht. Peter ging auf der Straße auf und ab, einnzgl auf dieser, einmal aus jener Seit«. Bei jedem Knattern eines Motors fuhr er zusammen. — Es wurde dunkel. Er blieb vor der Haustür stehen. Die Straße hinauf kam ein Polizist. Er blickte an den Läden entlang und blieb vor Peter Bims stehen. Er legte die Hand an die Mütze. In diesem Augenblick wußte Peter schon alles. „Nein-- nicht tot," sagte der Polizist zu dem bleichen Mann. „nur ein Nervenschock-- und eine Verletzung im Gesicht." Peter Bims saß an Lenes Krankenbett. Ihr Mund tonnte nicht sprechen— das Gesicht war bandagiert—. aber die Hände sprachen. Sie ruhten in den seinen. Sie lächellen mit jedem Finger, sie baten um Vergebung, sie streichelten. Sie streichelten solange, bi» sie Peters Jnnenfutter erreichten. Sie streichelten so sanft, daß Peter nicht fragte, nichts wissen wollte, nur dieses sanfte Bitten der schweigenden Hände zu fühlen begehrte. Lene wußte eher als er, was das Schicksal ihr angetan hotte. Ihr Gesicht war entstellt. Eine Ncrrbe zog ihre Lippe in die Höh«, es sah aus, als lächle sie, ober sie mußte dieses Lächeln ständig trogen. Sie weinte, ol» Peter sie das erstemal ohne Bandagen sah. Sie weinte— und lächelte dabei. Peter nahm schweigend ihre Hand und küßte sie.„Du sollst es so gut haben, daß du imm«r lachen kannst." �vas verdien« ich nicht." schluchzte sie. gjte wirg es dir verdienen." � Der 1 9.?uni 1 Sb7. Bon M i r a m o r nach Queretaro. Der italienische Feldzug von 18S9 war siegreich beendet, ini Nordamerika begann der Brand des Sezessionskrieges zu schwelen, Preußen bekämpfte innenpolitisch den„Schwindel des Konstitutio- nalismus" und in Paris und Rom wühlten Kirchenmäuse, um eine Einmischung Frankreichs in die mexikanischen Verhältnisse durch- zusetzen. Grund genug für den Mann des 2. Dezember 1851, an die Ausführung seiner„großen Idee" zu gehen, jenseits des Ozeans einen französischen Vasallenstaat auszurichten. Bis ins Jahr 188« reichen die ersten tastenden Versuche Napoleons bei Maximilian von Oesterreich, den er zum Kaiser von Mexiko ausersehen hatte. Als dann die Affäre Jecker de» zwar an- rllchigen, aber sehr erwünschten äußeren Anlaß zum Eingreifen bot, nahmen die Pläne Form und Gestalt an. Diese.Leckerei" ist eines der typischen Beispiele, wie Kriege gemacht wurden. Jecker, ein geborener Schweizer, hatte der Regierung Miramon statt eines Dar- lehens von 7'/b Millionen Franken nur 3,1 Millionen bar gegeben, sich aber Schuldtitel über 16 Millionen Pesos— rund 75 Millionen Franken ergaunert, die nach allerlei Irrfahrten in den Händen des Halbbruders Napoleons haften blieben. Die mexikanische Regierung Juarez erklärt« sich„nur" bereit, wirklich geliehenes Geld anzuer- kennen und bedrohte sonach die heiligsten Interessen der Geldmänner, die sich hilferufend„an den Stufen des Thrones" niederwarfen und den Kriegsgrund schafften. Eine Koalition zwischen England, Spanien und Frankreich kam zustande und Maximilians Sehnsucht nach der Krone des alten Aztekenreiches stieg. Unter der Bedingung jeder materiellen und moralischen Hilfe durch die drei Staaten er- klärte er sich zu ihrer Annahme bereit. Das war fatal, denn London war geflissentlich über die Kaiser� macherei im Dunkel gehalten worden, reagierte auch auf den ersten Anhieb mit einer unmißverständlichen Grimasse, die sich ins Unge- mütliche verzerrte, als Bruder Jonathan den warnenden Finger zeigte. Tatsächlich zogen die spanischen und englischen Expeditionstruppen schleunigst ab, als ihre billigen Ansprüche befriedigt waren, die Franzosen konnten ungehindert„an der Spitze der Zivilisation marschieren". Unter dem„Schutze der Trikolore" faßte eine Affen- komödie von Nationaloersammlung den Beschluß, die Rauschgold- kröne dem Habsburger anzutragen, der sie unter dem Vorbehalte annahm, daß eine Volksabstimmung dos Verlangen der Mexikaner nach einem Kaisertum beweisen müsse. Der Kommißstiefel Bazaincs bewältigt« auch diese Aufgab« und am 10. April 1864 konnte der Erzherzog aufs Evangelium schwören,„sein Volk glücklich zu machen", Der Kaiser war also da, fehlte nur noch das Land. Am 14. April 1864 lichtete die„Novarra" die Anker, um die neugebackenen Herrscher von Napolcc"... � Gottes Gnaden nach der Ostküste Mexikos zu bringen. In ihrem Kielwasser folgt« das französische Kriegsschiff„Ihemis V. Der mitgenommene Segen de» Papste» erwies sich schon bei der Ankunft als unwirksam, denn „Los emperadores"— die Mexikaner fanden frühzeitig heraus, daß Maximilians Frau, Charlotte von Belgien, mindestens ebensosehr Kaiser war wie ihr Herr Gemahl—, fanden im Hauptquartier der bösen' Liberalen, im Hasen von Berakruz frostig« Aufnahme, die erst landeinwärts wärmer wurde, wo die Klerisei Indianer und Mesllzen notdürftig in genügend« Begeisterung brachte. Sie fanden ein bö» zerrissenes Land vor. Eine Regierung jagt« und verjagte die andere, bis just zu dieser Zeit der hochintelligente, unbestechliche Vollblutindianer Juarez Präsident geworden war. Er war der Posten, den der geriebene Fuchs in Paris in feine Rechnung einzustellen vergessen hatte. Er sorgte dafür, daß die kaiserliche Regierung die ihr gestellt« Riesenoufgabe nidst bewältigen könnt«. War doch neben den schweren finanziellen Lasten zugunsten Frank- reich» da» gesamte öffentliche Wesen umzustellen und aus gesunde Basis zu bringen, eine Nationalarmee zu errichten, di« ständigen Reiberelm unlcr den verschiedenen Völkern der mitgebrachten Fremdenlegion zu beseitigen.— Eine wahre Sintflut von Verord- nungen, Gesetzen, Edikten, Manifesten ergoß sich über das Land. Nichts wollte klappen und das war kein Wunder, denn Maximilian war nicht Träger einer Idee, sondern unwissentlich die Verkörperung eines großangelegten Schwindels, dem die Liebe des Volkes ver- sagt blieb. Pariser Hofhistoriographen tüftelten post festum die Schuld am Zusammenbruche dem armen Maximilian und seiner faulen Re- gierung zu. Nicht gapz grundlos, aber unwesentlich angesichts der Tatsache, daß die französische Verwaltungskunst auch nicht weiter reichte als die Spitzen der Besatzungsbajonette. Sie versagte um so pünktlicher, je breiter der Geld-, Waffen- und Menschenstrom an- schwoll, den Uncle Sam nach der Abrechnung mit den Sklaven- baronen über die Grenzen leitete. In seiner Hilflosigkeit machte Maximilian zwei falsche Gesten. Mit der einen wollte er Juarez und Diaz ködern, mit der anderen aber bedrohte er die Patrioten in einem Manifeste als„Banditen, Straßenräuber und Verbrecher" als vogelfrei mit dem Tode des Erschießens. Dieses Dekret vom 3. Oktober 18S5 hatte nicht nur Ströme von Blut zur Folge, es war auch Maximilians Todesurteil, das er sich selbst geschrieben hatte. Paris stand unter dem heftigen Druck« Washingtons und begann die Liquidation des Abenteuers vorzubereiten, ohne den sittlichen Mut aufzubringen, den vertrauensseligen Schattenkaiser rechtzeitig zu unterrichten. Es mag dahingestellt bleiben, ob Maximilian bereits in den Maitagen 1866 das frevle Spiel Napoleons zu ahnen begann, für die spätere Zeit steht fest, daß er seine Person bewußt einsetzte. Er reagierte nicht auf die Ränke, die ihn zu einer Aufgabe des Spieles bewegen sollten. Doch schwer traf ihn der Schlag, als er schwarz aus weiß lesen mußte, wie klein der Neffe des größeren Onkels war. Schon war die Feder eingetaucht, um die Abdankungs- Urkunde zu unterzeichnen, als eine Frauenhand die Unterschrist ver- hinderte. Charlotte verstand es, ihrem Manne neue Hoffnung ein- züflößen. Sie konnte nicht ahnen, daß sie damit das Todesurteil in dem fürchterlichen Edikte vom Oktober 1865 bestätigte, und— ihr eigenes dazu. Sie eilte nach Europa zurück und wußte eine Unterredung mit dem Tuilcrienmanne durchzusetzen. Sie verlief unter wüsten An- schuldigungen hinüber und herüber, und damals mag der belgischen Königstochter die Einsicht gekommen sein, daß es gewisse moralische Gesetze gibt, die man nicht ungestraft mit Füßen tritt, auch wenn man„auf der Menschheit Höhen wandelt". Hatte sie, die Enkelin Louis Philipps, doch mit Napoleon paktiert.— Ein gebrochenes Weib kam zum Papste. Jedes Kind wußte, daß für einen Klerikalismus europäischer Färbung in Mexiko kein Raum mehr sei. Charlotte wußte es nicht und teuer zahlte sie ihre Unwissenheit: Die Nacht des Wahnsinns senkte sich auf den herrisch-stolzen Geist der belgischen Königstochter. Die Nachricht vom Unglücke seines Weibes warf alle Rückzugs- pläne Maximilians um. In romantischer Verblendung versuchte er sich zu behaupten und schwankte von links nach rechts, bis er endlich nach dem Abzüge der„Schützer" ganz in klerikales Fahrwasser geriet. Man mag über die Kaisermacherei denken, wie man will, mag über die unklare Linienführung Maximilians noch so ungünstig aburteilen: menschliches Mitgefühl wird man ihm in den letzten Aufzügen der Tragödie nicht versagen können. Noch ein Umstand beeinflußt« seine Haltung. Der belgische Staatsrat Elvi hatte ihm in einem Briefe viel Hoffnung auf den— habsburgischen Thron gemacht. Sicher nicht ganz grundlos, denn sonst hätte ihm Wien die Rückkehr in die Staaten„Seiner apostoli- ichen Majestät" nicht nur unter der Bedingung des Verzichtes auf den Kaisertitel gestatten wollen. Den Mann fürchtete man also weniger als den Fetisch. Der Widerruf des Blutdekrets konnte an dem rasenden Laufe der Dinge nichts mehr ändern. Ebensowenig der oben bereits an- gedeutete Anschluß an die pfäffische„Volkspartei". Mit dem letzten Franzosen war die letzte Stütze des wackeligen Thrones dahin---- Im Frühjahr 1867 wehte das„kaiserliche" Banner noch über der Hauptstadt Mexiko, über Derakruz und Queretaro. Und die drei Städte waren voneinander abgeschnitten. Maximilian war aus der Hauptstadt, wo er vieler Sympathien genoß, zu dem tapferen und treuen Mejia nach Oueretaro gezogen. Hier vollendete sich sein Schicksal. Die Republikaner drangen— vielleicht durch Verrat—■ am gleichen Tage in die Stadt ein, als der letzte Ausfall versucht werden sollte. Am 15 Mai 1867 mußte er sich dem General Escobedo ergeben, der„keinen Kaiser von Mexiko kannte". Juarez wollte sein Leben retten und ordnete die Einsetzung eines besonderen Kriegsgerichtes an. Vergebens! Vergebens auch der Protest der Gesandten Preußens, Oesterreichs und Englands, ja selbst der Union. Das Gericht entschied, daß Maximilian„die Bitterkeit des Trankes, den er den Republikanern eingeschenkt, auf der eigenen Zunge schmecken" solle. Am 19t Juni 1867 krachten die Schüsse auf dem Blachfelde vor Queretaro. Der Cerro de los campanas warf ihr Echo übers Meer. In Miramar aber traf der Donner an die blöden Ohren der jungen Witwe Maximilians, Charlotte.... l a c. Cm volkerbunö der Indianer. Seit zwei Jahrhunderten betrachten sich die Mitglieder der sechs Nationen des großen Indianerbundes der Irokesen als Angehörige einer besonderen Nation. Jetzt finden aber die Ueberbleibsel der Irokesen in Kanada und die Seneka- und Onondaga-Jndianer und andere Rothäute in New Pork zu ihrem Verdruß, daß sie dem Ge- setz nach Staatsangehörige der Länder sind, die nach Indianerüber- licserung ihre Verbündeten sind. Die meisten der alten Irokesen sind der Ansicht, daß das Vorgehen Kanadas oder Vereinigten Staaten, sie zu Bürgern dieser Länder zu machen, ebenso wertlos ist, als wenn diese Länder durch ein Gesetz beschließen würden, die Bewohner Mexikos oder Chinas zu ihren Staatsangehörigen zu machen. Der im Jahre 1794 von den Vertretern der sechs Nationen der Irokesen und der neu errichteten Republik der Vereinigten Staaten in Canandagua im Staate New Park unterzeichnete Vertrag ist den Irokesen noch heute so heilig, wie die Monroe-Lehre dem Staatsdepartement in Washington. Die klarer Sehenden unter den Irokesen hoben jedoch erkannt, daß diese Assimilierung eine wirt- schastliche Notwendigkeit ist, und daß es für die Indianer Selbst- mord sein würde, wenn sie ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erhalten suchten. Der Jrokesenbund war ein echter Völkerbund zur Erzwingung des Friedens, entwickelte sich aber durch die Macht der Umstände zum wirksamsten militärischen Bund unter den Eingeborenen Nord- amerikas. Alle Stämme, die nicht zum Beitritt eingeladen wurden, waren eifersüchtig, woraus natürlich Streit und Kampf folgten, die mit der Besiegung dieser Stämme endeten. Die Irokesen waren die Erfinder der ursprünglichen Amerikanisierungsmethode. Jede Nation(Stamm), die sich ihrer Macht widersetzte, wurde abgeson- dert, nach neuen Wohnsitzen geführt und im Gehorsam unterrichtet. Ihre Kultur war nicht sehr hoher Art: sie zeichneten sich jedoch durch die Borzüglichkeit ihrer politischen und gesellschaftlichen Ein- richhmgen aus. Es heißt von ihrer„Verfassung", daß diese sich in idealer Weise dem Bolkstypus anpaßte, für den sie entworfen wor- den war. Die Frauen spielten eine wichtige Rolle. Es war der Rat der Frauen, der die mit der Verwaltung betrauten Häuptlinge ernannte. Die Frauen wurden, da sie Mütter waren, als wert- voller betrachtet als die Männer, und das Lösegeld für gesangen- genommene Frauen war doppelt so hoch wie dos für Männer. Im siebzehnten Jahrhundert hing es im hohen Maße von den Irokesen ab, ob dieses Land in Zukunft unter dem Einfluß der Franzosen oder Engländer stehen sollte. Ihre Nebenbuhler, die Huronen in Kanada, oerließen sich auf die Franzosen, die ihnen bei der Besiegung ihrer alten Feinde helfen sollten, während die Iro- lesen in New Jork die Briten zu demselben Zweck zu gebrauchen trachteten. Im großen ganzen hielten die Indianer mehr zu den Franzosen: sie fanden aber schließlich heraus, daß sie von den Eng- [ändern gerechter behandelt wurden. Die Franzosen verloren ihr Ansehen bei den mit ihnen verbündeten Huronen, als sie die Felder und Maiskammern in den Dörfern der Seneka-Jndianer verbrann- ten. Mais zu verbrennen, und sei es selbst der Mais des Feindes, war den Indianern eine Sünde gegen die Natur, gegen die Geister, die das Leben unterhalten. Die plündernden französischen Soldaten verstießen gegen einen der wesentlichen religiösen Grundsätze der Huronen und der Irokesen und trugen durch ihre Tax dazu bei, daß Frankreich die Herrschast über die Neue Welt verlor. Das Zirpen der Grillen und Heuschrecken. Das gleichmäßige Zirpen der Fsldheuschrecken und Grillen ist jedem Naturfreund eine vertraute Musik. Die Zirplaute kommen dadurch zustande, daß die männlichen Tiere ihre beiden Vorderflügel, von denen der ein« eine quergerillte und der andere eine glattkantige Leiste besitzt, anein- anderreiben, in ähnlicher Weise, wie der Geigenbogen über die Saiten geführt wird. Die Bewegung des Hin- und Herreibens erfolgt so schnell, daß sich die beiden Flügel innerhalb einer Sekunde ungefähr sechzehnmal gegeneinander bewegen. Nun besitzt jedoch, nach einer Mitteilung Merkls, jede der beiden Flügelleisten, der sogenannten Schrilleisten, etwa 131 Rillen. Wenn sich also die beiden Flügel aneinanderrciben und jede Bewegung der Flügel somit 262 Schwin- gungen erzeugt, so beträgt die Zahl der in jeder Sekunde des Zirpens hervorgebrachten Tonschwingungen 4192, eine Tonhöhe, die gleich- bedeutend mit dem fünfgestrichcnen C sein dürfte. Da bei den Heu- schrecken nur die Männchen zirpen, nimmt man an, daß das Zirpen hauptsächlich den Zweck hat, die Weibchen anzulocken. Wie sehr die Temperatur die biologischen Erscheinungen der Lebewesen beeinflußt, zeigte eine seltsame Beobachtung, die man bei den Feldheuschrecken gemacht hat. Während die Tiere nämlich bei einer Temperatur von 15 Grad Eelsins ungefähr achtzigmol in der Minute zirpten, betrug die Zahl der Zirptöne bei 29 Grad 129, und zwar auf je ein Grad mit sechs bis sieben Zirptönen steigend. Die dunklen Instinkte der kleinen Feldheuschrecke geben hierdurch nicht allein einen treffenden Beweis der feinen Empfindlichkeit der Natur- lebewesen für Temperaturunterschiede, sondern auch für die durch die Sonnenkraft erhöhte Lebenstätigkeit Die Verbreitung der Ehinesen. Da sich jetzt wieder alle Blicke auf China und die Chinesen lenken, mag es angebracht sein, einmal einen kurzen Ueberblick über die Verbreitung der Chinesen zu geben. Diese ist nämlich viel größer, als mancher annimmt. Die Einwohnerzahl Chlnas selbst steht nicht genau fest,, die verschiedenen Schätzungen bewegen sich zwischen 329— 429 Mil. lionen Menschen, so daß wir auf eine mittlere Zahl von 379 Millionen kommen. Chinesisch wird übrigens nicht nur im eigentlichen China, sondern auch in der Mandschurei und zum Teil in der Mongolei und in Chinesisch-Turkestan gesprochen. Ziemlich viel Chinesen leben aber auch noch außerhalb ihres eigentlichen Heimatlandes, nämlich in Südoftasien, Indonesien, Formosa und Hawai. Auch in den Vereinigten Staaten, Westindien, Peru, Südafrika und Australien finden wir viel Chinesen, die außerhalb ihres Muttelandes zum großen Teil als Handelsleute und Kleingewerbetreibende ihren Lebensnuntcrhalt erwerben und nach geraumer Zeit wieder nach China zurückkehren. In den Malaiischen Staaten und den Stratts Settlements' sind Chinesen im Verhältnis zur übrigen(Haupt- sächlich malaiischen) Bevölkerung besonders zahlreich: in den Stroits Settlements überwiegen sie sogar, da dort 1918 etwa 275 999 Malaien» 433 999 Chinesen und über 94 999 Eingeborene aus Indien lebten. Singapore(Singapur), die Stadt indischen Namens (sanskrit simha-pura„Löwenstadt") auf altem malaiischen Sprach- gebiet mit alten Kulturbeziehungenn zu Indien, wird zu% von Chinesen bewohnt. Dieses Durch- und Miteinanderwohnen mit den Malaien ist jedoch auch nicht erst neueren Datums, erstreckte sich doch im Mittelalter die chinesisch� Herrschaft sogar bis auf Ceylon.— Da auch in Indonesien, also Java usw., viele Chinesen leben, so ist es klar, daß auch dort große politische Veränderungen Chinas ihren Widerhall finden. Daher nimmt es nicht wunder, daß die Nieder- lande, die sie scheinbar nichts angehende Bewegung, in China auf- merksam verfolgen. E. P. HAU! Jicfi aucfi das Dampfross Iragt Dein SPI N DIE ß folg! dir unerdwegl; Dio Flui und Sonne gild dir Kraff, Diaweil dein SPINDLER fürdidi sdxrfff. VascW Kleid und Hemd so pnomplaiein. Als würdesl du zu Hause sein. �ScHELIEFERUNG � Ausfeuhft in. alim Hotels u. 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