Mbenöausgabe Nr. 2S7-» 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 141 SMUflSbcbinminam und Anzeigen or«If« find in der Morgenausgabe angegeben IZ-do»tton: Sw. SS. cwdenstrahe 3 Fernfprechar I VünhoN 292— igt rel.-Abresse: Sozlaldemotrol Becltn Derlinev Volksvlnkk (lO Pfennig) Montag 20. Juni 1 027 Serlag und Anzetgenableilun», Delchiiltszett bis S libr Verleger: vorwSrl». Verlag GmbH. Verlla Sw SS. cladenttrohe S Fernsprecher- VSnhoN 232- 232 Zentralorgan der Sozialdemokrat» fchen parte» Deutfchlands Rückkehr aus Genf. Tonnerstag Berichterstattung im Reichstag. Die deutsche Delegation ist aus Genf zurückgekehrt. Ihr Führer Dr. Stresemann wird heute nachmittag dem Kabinett Bericht erstatten. Am Donnerstag wird dann die sozialdemokratische I n t e r- p e l l a t i 0 n über die auswärtige Politik im Reichstag zur Be- ratung kommen. Eine Vorberatung im Auswärtigen Ausschuß ist nicht vorgesehen. Die deutsche Delegation ist sich wohl darüber klar, daß man sie diesmal von keiner Seite her mit Lorbeerkränzen in. der Hand erwartet. Sie tröstet sich aber damit, daß ja nicht jede der vier alljährlichen Sitzungen des Völkerbundsrats große Sensationen und besonders für Deutschland freudige Ereignisse bringen könne. Man scheint damit zufrieden, daß in den großen Konfliktsfragen eine gewisse Beruhigung erzielt worden ist, und daß man, was die speziell deutschen Fragen betvisft, in der memelländischen Angelegenheit zu einem praktischen Ergebnis gekommen ist. Auch von den D a n z i g e r Fragen sei ja ein großer Teil erledigt worden. Ein anderer Teil freilich sei auf den September vertagt. Die Memelländer und die Oberschlesier seien mit der Tätigkeit der deutschen Delegation zufriedener als man es offenbar im Reich selber scheine. Die Hauptkritik an den Genfer Ergebnissen hat sich be- kanntlich dagegen gerichtet, daß in der Räumungsfrage nichts erreicht worden fei. Dagegen wird geltend gemacht, daß die Durch- führung der L 0 c a r n 0 p 0 l i t i t ja eigentlich gar nichts mit den Sitzungen des Bölkerbundrates zu tun habe. Man bedauert es in Kreisen der deutschen Delegation, daß ein Teil der deutschen Presse(stehe z. B. den.Lokalanzeiger' und zahl- reiche andere deutschnationale Zeitungen) die Erkrankung Briands gewissermaßen als simuliert hingestellt habe. Jeder, der in Genf ge- wesen sei, wisse, daß Briand nicht nur wirklichkrant gewesen sei, sondern an unerträglichen Schmerzen gelitten habe, daß er nicht aus politischen Gründen zu früh abgefahren fei, sondern länger sich aufgehalten Hab« als er bei seinem Körperzustand eigentlich durfte. Allerdings ist man wohl auch in Kreisen der Delegation nicht so optimistisch, anzunehmen, daß man in der Räumungsfrage jetzt schon zu bedeutenden Ergebnissen gelangt wäre, wenn nicht Briands Krankheit einen beschleunigten Abbruch der Unterhaltungen erzwun- gen hätte. Niemand kann stch verhehlen, daß e» in der Durchführung der Locarnopolitik zu einer gewissen Stockung gekommen ist. Auf französischer Seite versucht man allerdings, diese Stockung aus deut- schcs Verschulden zurückzuführen, man weist nicht nur aus das Der. hakten der„größten deutschen Regierungspartei' hin, sondern er- innert auch daran, daß Deutschland mit der Annahme des Kriegs- gerätegesctzes und des preußischen Polizeigesetzes im Rückstand sei. Davon mag soviel als richtig gelten, daß es in Zeiten des deutschen Bürgerblocks und der Regierung Poincarä keinesfalls so etwas geben kann, was man als freudiges Zu- sammsnwirken der Locarnomächte bezeichnen kann. Gleichwohl würde es uns übertrieben scheinen, wenn«nan im Zusammenhang mit Locarno von einer Krisis sprechen wollte. Mag auch die Lo- carnopolitik ins Stocken geraten sein, so bleibt doch der Locarno- vertrag und damit die Grundlag«, von der aus auch die Locarno. Politik wieder in ein kräftigeres Tempo gebracht werden kann— sobald die innerpolitischen Konstellationen auf beiden Seiten dies gestatten werden._ Lanöesverrat? Man sorgt für die eigene Blamage. Der Oberreichsanwalt hat gegen die„Frankfurter Zei» t u n g' ein Verfahren wegen Landesverrats eingeleitet. Wegen des Abdrucks von Teilen der Mahraunschen Denkschrift. Ein Landesverratsversahren gegen die„Rheinische Zei» tung', unser Parteiblatt in Köln, schwebt noch.' Es ist selbstverständlich, und der Oberreichsanwalt wird selbst nicht daran zweifeln, daß diese Verfahren im Sande verlaufen und mit einer Blamage der Anklagebehörde enden werdem Der Oberreichsanwalt diskreditiert damit die Justiz. Er schädigt zugleich das Ansehen des deutschen Volkes. Welcher Ein- druck muß entstehen, wenn er gegen eine große Zeitung in Deutsch- land nach der anderen ein Landesoerratsverfohren anhängig macht? Soll es denn wirklich so weit kommen, daß jeder anständige Deutsche sein Landesverratsoerfahren hat und das Ausland höhnend sagt: „Die Deutschen, das Volk der Landsverräter', dank der Verständnis- losigkeit unserer Justizbehörden? Renauüel über Schulö am verlorenen Sieg. Nicht nur die Radikalen— auch die Sozialisten! Paris, 20. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der sozialistisch« Abgeordnet Genosse Renaudel, der kürzlich aus dem Vorstand der Partei austrat, suchte sich in einer Rede vor seinen Wählern in Toulon zu rechtfertigen. Er erklärte, man befinde stch bereits jetzt schon im vollen Wahlkampfe. Die Lage für die Sozialistische Partei sei furchtbar. Der Sieg vom 11. Mai 1924 sei verloren gegangen hauptsächlich wegen der Ohnmacht der Radikalen, die aber nicht allein schuldig seien, auch die Soziali st«n seien mit verantwortlich, denn sie hätten die Radikalen schmählich im Stich gelassen. Es gäbe jetzt nur ein Mittel für die Linke, nämlich: dem Land die vo l l e Wahrheit zä sagen.'Die Sozia- listische Partei müsse dem Ehrgeiz haben, wieder eine rein sozialistische Partei zu sein. Sie dürfe stchnichtinsSchlepptauderKom- m u n i st e n nehmen ckvisen. Eine Partei, die regieren wolle, könne sich nicht mit einer solchen Partei, wie der kommunistischen, ver- binden. poincare bleibt öer /Ute. „Um drei, Jahre zurückversetzt." Pari», 20. 3unl(Eigener Drahtbericht.) Bei der Enthüllung eines Kriegerdenkmals in Luneville hielt ZNinifterpräsident poincare am Sonnlag vormittag eine Rede, die stark außen- politische Färbung trug. ET bemühte sich dabei, die Erfolge seines Außenministers Briand In Genf nach Kräften zu zerschlagen. Die Rede, die mit starken Angriffen aus die deutsche Politik und die deutsche Regierung durchseht war, findet in der bürgerlichen Presse kein einziges Wort des Kommenlars. Lediglich die sehr scharf nach links eingestellte„Volonte' erklärt die Rede als eine grobe llngehörigkeil und als einen unfairen Einbruch in die Domäne Briands. Wenn man sie lese, fühle man sich um drei Jahre zurückversetzt in die Zeit der Ruhrbesehung und müsse sich fragen, ob man wache oder träume. Es scheine, wenn man die Worte Poincare» höre, als ob der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und der Abschluß des Vertrages von Locarno nicht bestünden. Das sozialistische Parteiorgan, der„Populaire' erklärt die Rede rundweg als eine Katastrophe. Welche Wirkungen die Rede auf die nationalistische Preste gehabt hat, beweisen die kurzen Ausführungen des„Avenir', der erklärt, Poincare habe endlich einmal die notwendige offizielle Feststellung gemacht, daß es mit der A n- nöherungspolilik zwischen Frankreich und Deutschland nichts sei, denn diese Politik habe absolut nichts eingebracht. Aus der Rede Poincarss. Einige Stellen aus der Rede Poincares seien hier nach dem WTB.-Bericht wiedergegeben. Nach einigen Ausführungen über die Leiden Luneoilles während des Krieges erklärte er: «Trotzdem suchen weder die Lothringer noch die Franzosen in ihren schrecklichen Erinnerungen an den Krieg Gründe ewigen Hasses gegen eine benachbarte Nation. Wenn Deutschland nach seiner Niederlage offen die Regierung und die militärische Kaste, die es in den Krieg getrieben haben, desavouie r t hätte, wenn es unsere eigene Verleugnung von 1870(?) nachgemacht, wenn es nicht gegen jede Wirklichkeit die niederschmet- ternde Verantwortlichkeit der kaiserlichen Politik abgeleugnet hätte, würde es niemanden in den Sinn gekommen sein, ein Volt mit einem Regime in Verbindung zu bringen und der Allgemeinheit der Deutschen die schrecklichen Attentate zuzuschreiben, deren Zeugen wir gewesen sind. Wir sind zu gerecht, um nicht die notwendigen Unterscheidungen zu machen, und keiner von uns oerfolgt alle Deutschen mit einem Haß und einer Ranküne, die kontrastieren würde mit den ritterlichen Traditionen Frankreichs. Frankreich hat spontan dem Besiegten die H.and gereicht (Wer erst nach Poincares Sturz vor drei Jahren! Red. d..V.'), jedoch unter einer Bedingung, daß man nicht versucht, ihm seinen Sieg streitig zu machen, noch diesen ihm wegzunehmen. Frankreich hat niemals außerhalb der Verträge oder über die Ver- träge hinaus etwas gefordert. Es fordert nur die Sicherheit seiner Grenzen und Reparationszahlungen. In Locarno wie in Genf hat Frankreich, glaube ich, ziemlich offen- kundige Beweise seines friedlichen Willens gegeben. Aber warum hat Deutschland vor zwei Wochen ostentativ nach Lissabon ein Kriegsschiff entsandt, das noch dazu den Namen Elsaß trägt? Warum hat in den Reden vom 1. und 3. November 192S, d. h. nach Locarno, ein deutscher Minister, und nicht der geringste, erklärt, daß der Verzicht Deutschlands auf die bewaffnete Gewalt lediglich durch die Tatsache diktiert wurde, daß es keine bewaff- nete Macht mehr besitzt? Warum hat er erklärt, daß Deutsch- land in keiner Weise moralisch aus deutsche Provinzen oder deutsche Bevölkerung verzichtet habe? Und warum hat ein anderer Minister ausdrücklich hinzugefügt, daß er das Elsaß als eine deutsche Provinz betrachte, und daß Deutschland, wenn es auch auf die Gewalt ver- zichte� doch auf kein deutsches Gebiet verzichtet habe? Kann die Berliner Regierung glauben, daß eine derartige Auslegung der Locarno-Abtommen den Gefühlen Frankreichs entspricht? War- um lassen andererseits hohe deutsche Finanzautoritäten bereits, jetzt durchblicken, daß binnen zwei Jahren Deutschland ein« Revision des Dawes-Planes fordern und nicht mehr die vorgesehenen Zahlungen leisten werde? Sind dos wirklich hinsichtlich der beiden Fragen, die Frankreich für vital halten muß, Worte der Klugheit und der Versöhnung? Wenn Deutschland uns offen sagen würde: Ich habe auf Elsaß-Lothringen, das ich euch 1871 gewaltsam entrissen habe uni� das einmütig gegen die Annexion protestiert«, verzichtet; ich wer?? nicht versuchen, es euch durch eine neue Gewalttat noch durch List oder auf irgendeine andere Weise wiederzunehmen— welln Deutschland gleichzeitig endlich, wie die Botschafterkonferenz am 19. Fe- bruar d. I. es gefordert hat, einwilligen würde, seine Polizei zu reorganisieren, die militärischen Verbände aufzulösen, die Arsenale und Kasernen zu veräußern, die es in Verletzung des Vertrages behält und die Niederlegung der verbotenen Festungs- anlagen zu beendigen, dann würde es der Welt Friedens- Pfänder geben, die jede Beunruhigung befestigen und eine An- Näherung erleichtern, die wir bis zuletzt wünschen" Poincarö schloß seine Rede, indem er erklärte: Frankreich hat nichts mehr zu wünschen, als den Frieden und die Beobachtung der Verträge. Es hat gestern nichts anderes gewollt, es will heute nichts anderes und es wird morgen nichts anderes erstreben. Als Poincare diese Rede heute in Lunäville hielt, stand an seiner Seite der Penfionsminister Louis Marin. * PoincarS ist 67 Jahre alt. Sein Kennzeichen war seit jeher ein unausstehlicher Charakter. In dem vor Jahres- frist erschienenen Schlüsselroman„Bella" hat der frühere Pressechef Briands, Jean Givandour, von ihm ein ver- nichtendes Porträt gezeichnet. Er ist, wie man hier sagt, ein„Stänkere r". Das hat er durch seine neueste Rede wieder einmal bewiesen., Es wird seit einem Jahrb oft versichert, er hätte„um- gelernt". Das mag, was seine innere Einstellung zu den deutschen Problemen betrifft, bis zu einem gewissen Grade zutreffen. Aber nach außen bleibt er derselbe und wird bis zu seinem letzten Atemzuge derselbe bleiben. Er selbst leidet darunter, daß die Welt ihn nicht begreift und nicht liebt. Er möchte gern, den Menschen etwas anderes einflößen, als bestenfalls Achtung vor seinen Fähigkeiten, seiner Arbeits- kraft, seiner Unbestechlichkeit. Doch es gelingt ihm niSpi«lpiaiis lete-spaelpl DAGMA das ungelöste Rätsel. Rauchen gestattet! INI ms I ej Reichshallen-Theater 8 Uhr. 8 Uhr: Siettiner sanier Zum Schluß: „Eine Bottizelt In de mü lentrnse" Jönhotf-Brett'la � Varietä, Konzert, Tanz Besonders:Ä!tnSf| ta„Vwvirti" ,»« mtifem nknrtniilia I Wen!« aetraaen« ssrackanzllge. Emo- tmaanailqe. DehrockanzUge. Jackett»». lüge,(Sabardinemäntel. Gummimäntel, Tutawan-Anzlla« Taillenmäntel, für jede ffigur passend. Spezialität: Bauch. anzüge, spottbillig. Halpern. Rosen ■ä'~" erste thalerstraße 4. Etage. Verleih von schaftsanzllaen. Norden 8393. hocheleganten Gesell» Rofenthalerstraste 4. Leiterwagen. Schubtarren, Einzelräder, Achsen, Federn, Sensen, Eicheln. Fa» brit Bresdenerstraße 55. MoritzplaS 12 738. Möbel zehn, Spezialgeschäft.� Musifcinstrtimente Roazertpian», Flllgelton, vertauft billig, eventuell gahlunaserleichterung, �ianofabrit SIeinmeyer, ssriedrichstr. 16, Zorderhaus 2 Treppen._* «azahtnngsfrci, Pianoabzahlung, ge- brauchte 375,—. Herer, PrinzcnstraKe SO iMoritzplatz). Lintpiano». Oberaus preiswert. 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Juni beim Vorstand ein- gegangen sein. Die Bilanz liegt im Bureau zur Einsicht aus ver vorstand! G. Durner. P. Scbitfke. G. Pfeiffer. LJUERGENS ALEXANDER. PLATZ LWL «ftm. Filter, Ersatzteile ilhti inlii Ko&laDkc!.. Pumpenfabrik Berlin N 65, Beiniiteidotset Sit. 95 Markenzigaretten: Grossist Dessen, Alezanderplatz 2 1- Aachinger um die Ecke• ung nieder, den Glieder. i\\.V 1 ist sfärkend, erfrischend, bekomm lieh. da aus bestem Zucker und naturreinen ffruchiaromen hergestellt.** . Ueberau zu haben» General vertrieb SlarlK ft KrOOer fl.nt D.H., Landsberger AIIee6-7. Telephon: Alexander 4703. Königstadt 1666. R G I* tti 51 fi fi färbt wäscht reinigt " � Ihre Garderobe u. Wäsche zur Reise über 70 Filialen in Grofeberlin schon jetzt erbeten /