?Ibenötmsgabe \ Nr. 269 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Hr. 142 BtwaaftrtlnguBOtll«nid VnitlgntBteth lind in btt Mc,ra«nauzsal>««««««de» Bceatlion: SO. BS. CiaSenffra{|c t Zernsprecher, VBahosf 191— 29t Xem» refl«: SojialSnaetc«! Serll» p> Derlinvv Volksblskk ( 10 Pfennig) Dienstag 21. Juni 1927 «erlaz und«nieisenabteilua», ««schüft, zeit 3� bi, 6 Uhr Verleger: vorwar«». Verlag GmbH. Verl!» SO. BS. kindenslrab» S Zernsprecher> VSnhoft 292— 207 Zentralorgan der Sozialdeinokratifcbeii parte» Deutfchlands Streit um öie Auslegung. Was bedeutet die Regierungserklärung über Genf?— Formale Quittung oder sachliche Billigung? Der Streit um die Bedeutung der Regierungserklärung über die Kabinettssitzung am Montag ist schon ausgebrochen. Die tägliche Rundschau" gibt ihr die folgende Aus- legung: „Man wird wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß der Dank, den das Kabinett der Delegation ausgesprochen Hai. zu- gleich eine Billigung für die Haltung der Delegation) einschließt. Wie verlautet, hat der Verlauf der Besprechung gezeigt, daß das Kabinett in allen wesentlichen Punkten mit der Haltung der Delegation einverstanden ist. Besondere Wichtigkeit wird man dem Schlußsatz der amtlichen Mit- teilung beimessen können. Es geht aus ihm hervor, daß das Kabi- nett von vornherein die Derantwortung für die Erklä- rungen mit übernimmt, die der Reichsaußenminister D r. S t r e s e m a n n in der bevorstehenden Aussprach« des Reichstages über die Genfer Tagung abgeben wird." Also: sachliche Billigung, Einverständnis mit der Haltung Stresemanns, Einverständnis mit seinen kommenden Er- klärungen. Der„L o k a l a n z e i g e r" gibt der Regierungserklärung die entgegengesetzte Auslegung: „Die Temperatur dieser Danksagung entspricht ungefähr dem politschen Wärmegrad, durch den die diesmalige Tagung des Dölker- bundrats ausgezeichnet war, und damit auch den me h r a l s m a g e- ren Ergebnissen, welche die deutsche Delegation von ihren Genfer Bemühungen nach Hause gebracht hat. Von einer sach- lichen Bewertung dieser Ergebnisse ist, im Gegensatz zu früheren Gepflogenheiten, in dem Kommuniquö über die Aussprache im Reich-kabinett überhaupt keine Rede: man hat es viel- mehr sehr verständlicherweise bei einer bloß formalen Quittung an die beteiligten Herren bewenden lassen. Auch dar- über, daß etwa volle Einmütigkeit in der Beurteilung des Stresemannschen Berichts über die Genfer Berhand- lnngen im Kabinett bestanden hätte, schweigt sich das Kommuni- qu6. ebenfalls im Gegensatz zu früheren Gepflogenheiten, gänz- l i ch aus, woraus man ja wohl gewisse Schlüsse zu ziehen berechtigt sein dürste." Außerhalb des Kabinetts besteht zwischen Deutscher Volkspartei und Deutschnationaler Volkspartei die denkbar größte Divergenz in der Auslegung der Regierungs- crklärung. und damit auch in der sachlichen Beurteilung der Haltung S t te s e m a n n s. Die kommenden Reichstagsverhandlungen werden dr- geben, ob die in der Presse zutage tretende Divergenz auch zwischen den Reichstagsfrattionen und den Mi- n i st e r n der beiden Regierungsparteien bestehen. Im übrigen gibt es einen sehr einfachen Weg. um zu einer authentischen Interpretation des Kabinettsbeschlusses zu gelangen. Die Regierungsparteien brauchen am Schluß der Jnterpellationsdebatte nur«inen Antrag einzubringen, der Dank und sachliche Billigung für diese Haltung der Delegation ausspricht. Die Situation erinnert lebhaft an die Situation im Jahre 1925, ehe die Herren Schiele und S ch l i e b e n das Kabinett Luther verließen. Die Wiederkehr des Gleichen. Volkspartei gegen Veutfchnationale. Wir lesen in der„R a t i o n a l l i b e r a l e n Kor- r e s p o n d e n z", dem offiziellen Organ der Deutschen Volkspartei: „Der Deutschnationale", Halbmonatsschrift für deutsche Politik und Kultur, herausgegeben von dev�veutschnationalen Dolks- partei, Ztreisgruppe Bochum-Stadt, Parteikanzlei Bochum, Clemens. straße 8, brachte in der ersten Junihälfte als Auftakt zu einer „großen vaterländischen Kundgebung der Deutschnationalen Volks- partei Bochums", einen Artikel, der von Ausfällen gegen di« Deutsche Boltspartei und ihren B'orsitzenden Dr. Stresemann geradezu strotzte. Der Artikel be- hauptet nicht mehr und nicht weniger, als daß die Deutsche Volksparlei und die Außenpolitik Stresemanns schuld an dem ganzen Elend Deutschlands fei. Die große vaterländische Kundgebung selber ist anscheinend ganz im Geist und Sinne dieses Aufsatzes verlaufen, denn es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der nicht nur die„endgültige Abkehr von L o c a r n o", die„rück- sichtslose Brandmarkung der Spiegelfechter in Genf" und „beweiskräftige, festumrissene amtliche Borstellungen bei allen Staaten der Welt über di« Undurchfllhrbarkeit des Dawes-Ber- träges" gefordert wurden, sondern notsalls auch der Austritt aus dem völkerbundt Wir bringen sie hiermit zur Kenntnis der deutsch- nationalen Parteileitung für den Fall, daß sie ihr noch nicht bekanntgeivorden ist. Die Deutschnationale Partei hat den Modus eingeführt, gegen. Mitglieder und Orga- nifationen anderer Koa'litionsparteien offi- zielle Beschwerde einzulegen, wenn diese durch öffenl- liche Kundgebungen, deutschnationaler Ueberzeugung nach, die ge- nieinsame Koalitionsarbeit stören. Wir nehmen deshalb an, daß es der deutschnationalen Parteileitung willkommen sein muß, wenn wir sie, von gleichen Erwägungen ausgehend, auf die Kundgebungen ihrer Bochumer Parteiinstanzen hinweisen, nachdem schon der Fall Gok vorliegt. Wir erlvarten auf das bestimmteste, daß die deutsch- nationale Parteileitung, vor allem ihre Reichstagssraktion. die Bochumer Deutschnationalen zur Ordnung rufen«vird. Es liegt das ja auch im Interesse der deutschnationalen Reichstagssraktion selbst, nachdem sie vor Eintritt in die Reichsregierung die bekannten Ri ch t- linien angenommen und schon früher, im Jahre 1924, die An» nahm« des Dawes-Bertrages überhaupt erst ermöglicht hat. Sonst mühte die Deutsche Volkspartei diesen Fall ebenso wie den Fall Gok zum Anlaß einer Beschwerde inachen." Salöwms Gberhausreform. Das Wahlrecht des Adels.- Das Vetorecht soll wiederhergestellt werden. Die Reform des Oberhauses ist eine der Wahloersprechungen der Konservativen gewesen. Das Versprechen wird jetzt eingelöst. Im Oberhaus hat der Lordkanzler die Reformoorschläge des Baldwin-Kabinetts vorgetragen. Das Oberhaus soll gründlich refor- miert werden— um als ein konservatives Bollwerk gegen ein allzu demokratisches Unterhaus zu wirken. Die Refonnoorfchläge brechen mit dem bisherigen Prinzip der Erblichkeit des Oberhauses, das dem alten preußischen Herren- haus ähnlich konstruiert war. Kraft ihres Geblütes sollen nur noch die Prinzen des königlichen Hauses im Oberhaus sitzen. Kraft ihres Amtes sollen die Bischöfe(als„geistlich« Herren") und Obersten Richter ihre Sitze wie bisher erhalten. Vor allem aber bleibt die Macht der Aristokratie fast uneingeschränkt bestehen. Die über- mäßig auf 7 trauensvolle Zusammenarbeit angewiesen seien. Namentlich die Wohlfahrts- und Iugendwohlfahrtsämter könnten auf die Dauer nur mit Derwaltungsbeamten arbeiten, die mit dem Geiste des sozialen Verständnisses erfüllt und von dem Willen zu echter sozialer Hilfe beseelt seien. Auf die Notwendigkeit der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Sozialbeamten und Vevwaltungsbeamten wie» in der Diskussion mit besonderem Nachdruck auch Frau Minifterial- rat Weber hin. Von«inigen in der praktischen Arbeit stehenden Fürsorgern wurden Moment« herausgehoben, die die Zusammenarbeit müdendcn absoluten Motiv« hatte Laban, der hier selber für die Regie zeichnete, ein„Intermezzo" eingeschoben, das bester weg- geblieben wäre. Auf dos Beethovcnsche Septett war eine recht läppische Biedermeiergeschichte, so«ine Art„Zweimäderlhaus", drauf- gepfropft worden, von Laban selber mit fast grotesker Inbrunst, von seinen Assistenten aber mit hölzerner Ungeschicklichkeit getanzt. Dos Kammerorchester hatte man unbegreiflicherweise wie eine Jazz-Band auf die Bühne gesetzt, unmittelbar neben das unwahrscheinliche Biedermeierhäuschen, so daß jeder, der aus der Tür trat, sich erst an den Musikern im modernen Frack vorbeiklemmen mußte. Ein Regisseur, der so etwas seinem Publikum in Poffchappel oder Kötzschcnbroda zumutete, würde vermutlich mit saulen Eiern zu rechnen haben. So schillert also der neuste Laban in allen Stilschattierungen. Auch zwischen dem absoluten Tanz und dem mit Musik begleiteten y-at er ein Kompromiß gesucht. Die Musik setzt stellenweise ein und bricht plötzlich ab, um nach längerer Zeit erst sich wieder zu betätigen. Was dazwischen liegt und von dem Getrappel und Gestampfe der vielen nackten Füße recht unschön begleitet wird, wirkt wie Löcher. Es wäre von Herzen zu wünschen, daß Laban aus diesem kritischen Uebergangsstadium herauskäme. Anstatt sicher voran» zuschreiten, schwankt er. Bielleicht liegt es auch daran, daß er sich aus einem Künstler in einen Unternehmer verwandelt hat. Hermann Hieber. Lehmbruck»„kniende" al» Denkmal. In den neugestalteten Platzanlagen vor der Städtischen Tonhalle in Duisburg, im Zentrum der Stadt, ist jetzt die„Kniende" von Wichelm Lehmbruck, von der auch unsere Nationalgalerie(Kronprinzenpalais) einen Ab- guß besitzt, aufgestellt worden. Damit wurde ein bahnbrechendes Wert neuerer Plastik, das seit zwei Iahren im Museum von Duis- bürg in Bronze vorhanden war, der Oeffentlichkcit an hervor» ragendem Platze übergeben. Duisburg, die Heimatstadt Lehmbrucks, hat schon vor Iahren in dem„Sitzenden Jüngling" von Lehmbruck auf dem Ehrenfriedhose ein ergreifendes Kriegerdenkmal erhalten. Es ist überaus begrüßenswert, daß mitten im stärksten Industrie- leben solche stark« Kunst aufgestellt wird. Duisburgs Borbild, Ämfft- werke nicht nur in Museen aufzustapeln, sondern unmittelbar in« Leben hineinzusetzen, verdient Nachahmung in onderen Städten. Der lakernokianale Welltheaker-Kongreß wurde Montag in Paris durch Firmin G&rner eröffnet. Di« deutsche Bühnen- genossenschaft ist auf diesem Kongreß durch ihren Vorsitzenden Rickelt vertreten. Für die Arbeiten des Kongresses sind sechs Tage vorgesehen. Die Tagesordnung umfaßt all« Fragen, die die Be- Ziehungen der Direktoren und der darstellenden Künstler zum Theater betreffen. Außerdem soll ein Organisationsstatut für die der Bereinigung angeschlossenen nationalen Gruppen ausgearbeitet werden. Eine kostbare Mau». In Chikago fand jüngst eine eigenartig« Ausstellung statt, die von dem„America Mousc-Club" veronstaltel wurde und für die Gefftesverfaffung mancher Schichten sympto- srfchweren, wie z. B. bureaukratische Tageseintekkimg, We für Sozialbeomlen von vornherein undurchführbar sei. Der Verlaus der ganzen. Beranstaitunz hat alle Teilnehmerl sichtlich befriedigt. Im Anschluß fand eine geschlossene Mit« gliederoersammlung des Bundes statt, in der der Charaktee des Bundes als Berufsgruppe, di» tcmerlei gewerkschaftNche Kon« kurrenz bedeute, noch einmal mit aller Klarheit herausgestellt wurde. Der Bund hat im wesentlichen die Aufgabe, alle in der sozialen Arbeit berufstätigen Männer zu sammeln, sie zum Bewußtsein der inneren Voraussetzungen ihrer Berusstätigkeit zu bringen und auch bei den Behörden die Ancrkenming dieser Voraussetzungen zu er- reichen. � Ein Wochenendausflug in die Jugendherberge Schloß Löwen, berg, an dein sich zahlreiche Sozialbeomte mit ihren Frauen be« teiligten, gab der Veranstaltung den gelungenen Abschluß. Ungarn unö der Völkerbund. Budapcstcr Stimmungsmache für den Austritt. Wer steht dahinter? Die abermalige Bertagung der Ratsentscheidung über den ungarisch-rumänischen Schiedsgerichtskonflikt hat in der Budapester Presse ungeheure Entrüstung hervorgerufen. Sicher» lich nicht zu Unrecht. Denn die ganze Einrichtung des Völkerbundes läuft Gefahr, in Mißkredit zu geraten, wenn der Rat in fast allen schwierigen Fragen jene Scheu vor der Verantwortung beweist, die auch in Pariser und Londoner Pressestimmen scharf kritisiert worden ist. Die Richtbehandlung der albanischen Angelegeicheiten durch den Rat, die Bertagung des rumänisch-ungarischen Konfliktes sowie des Danziger Antrages über das Munitionsdepot aus der Westernplalte und, wenn man will, auch die Vermeidung eines öffentlichen kontra- diktorischen Verfahrens zwischen Deutschland und Litauen über die Memel-Beschwerde— das sind etwas allzu zahlreiche negative Leistungen für ein« einzige Ratstagung. Darüber wird aber bis zur Septembertagung in Presse und Parlament noch manch cm ernstes Wort zu reden sein. Bezeichnend ist es indessen, daß in ungari- schen politischen Kreisen Stimmung für einen Austritt U n> garns aus dem Völkerbund gemacht wird. Bei den engen Beziehungen zwischen dem Ungarn Horthys und Bethlens und dem I t a l ie n Mussolinis darf man diese Austrittspropaganda nicht als eine bedeutungslose Stimmungsmache nationalistischer Elements von vornherein unterschätzen. Gewiß kann der Völkerbund Ungarn unvergleichlich leichter entbehren als Ungarn den Bölkerbund. Aber man weiß auch, welcher Art die Kräfte sind, die diese Austritts» bewegungcn in verschiedenen Ländern unterstützen: das Ausscheiden Brasiliens und S p a n i en s sin Borjahre wäre höchstwahrscheinlich nicht erfolgt, wenn nicht das faschistische Italien diese beiden Mächte heimlich zu ihrem Austritt ermuntert hätte. Dem faschistischen Italien ist der Völkerbund ein unbequemes Hindernis in der Verfolgung seiner impenalistisch-aggreffiven Pläne. Es will ihn aushöhlen, um ihn zu diskreditieren und schließlich zu zerstören. Schon hat die Drohung Italiens mit seinem Austritt die Rotsmöchte von der Behandlung der a l b a n i- schen Probleme abgehalten, die nach dem Wortlaut und dem Geist des Statutes eine Selbstverständlichkeit hätte sein sollen. Daß jetzt Stimmen gerade in Ungarn— wenige Wochen nach dem Besuch Bethlens bei Mussolini— laut werden, die ebenfalls den Austritt propagieren, zeigt noch einmal, wohin die Reise nach faschistischen Wünschen gehen soll. Das ist für die Bölkerbundsstaaten, besonders für jene, die jetzt im Rate vertreten sind, eine eindringliche Lehre: Die Berschleppungs. und Ausschaltungsmethoden, die die soeben verflossene Ratstagung charakterisiert haben, sind auf die Dauer für die ganze Institution des Völkerbundes viel gefährlicher als eine noch so schwierige Kraftprobe in aller Oeffentlichteit. Der polnische Sejm hat sich das Selbstauflösungsrecht gegeben. Die für diese Lerfassungsänderung notwendige Zweidrittelmehrheit ist knapp erreicht worden. Die Regierung hielt sich demonstrativ von der Parlamentsberatung fern. Der litauische Slaatspräsidenl Woldemoras war am heutigen vormittag bei Strejemanu. Reichsaußenminister Dr. Strei'- mann empfing heute den litauischen Staatspräsidenten Woldemaras, der ihm in Begleitung des litauischen Gesandten einen Besuch machte. matisch ist. Es war eine Mäuseausstellung, auf der kostbare Mäuse- «xemplare vertreten waren. Die Mitglieder dieses eigenartign Klubs haben sich zu der Vereinigung zusammengeschlossen, um seltene Mäusearten zu züchten und zu sammeln. Die Mäuse- ausstellung in Ehikago zeigte, mit welchem Erfolg der Mäusetlub sein« Bestrebungen verfolgt hatte, denn es waren an 1090 ver- schieden« seltene Exemplar« von Mäusen hier zu finden. Alle ge- wohnlichen Mäuse waren natürlich ausgeschlossen. Dagegen gab es seltene indische, chinesisch« und afrikanische Mäuse von ungeheurer Größe bis zur kleinsten Maus, die nicht viel größer als ein großer Käfer war. Eine dieser kleinsten Mäuse, die angeblich ein sibirisches Exemplar sein soll, aber von einem der Mäuseklub-Mitglieder ge, züchtet worden war, soll den ungeheuren Wert von 39 999 M. dar« stellen, da sie nur selten in diesem jchönen kleinen Exemplar gedeiht. Der Besitzer der Maus erklärt«, daß ihm von dem Millionär Smith, der auch zu dem Mäuseklub gehört, sogar 199 999 M. für die Maus angeboten wurden, ohne daß er auf das Kaufgebot ein- gegangen wäre. Die Maus für 39 999 M. bekam ein goldenes-mit Brillanten besetztes Halsband als Ehrenpreis.— Höher läßt sich die Narretei kapitalistischer Liebhabereien wohl kaum treiben! Der unblutige Aderlaß. Durch zwei Aerzt« der Berliner Eha- rite, Wollheim und Brandt, ist festgestellt worden, daß die intra- venöse Injektion von 19 Kubikzentimeter destilliertem Wasser genau die gleiche Wirkung hervorruft wie der Aderlaß. Nach einem Be- richt in Reclams Universum wird dadurch nach ein bis zwei Stunden eine deutliche Blutverdünnung, eine Verringerung oes Eiweiß- gehaltes sowie eine Verminderung der zirkulierenden Vlutmenge um 29 bis 49 Prozent hervorgerufen Der normale Blutdruck bleibt unverändert, während der krankhaft erhöhte Blutdruck sinkt. Ein Jnslilul zum Studium der Berufskrankheilen ist vor einiger Zeit in Moskau begründet worden. Dies„Obuch-Jnstitut" enthält der„Deutschen Medizinischen Wochenschrist" zufolge eine Klinik, eine Poliklinik, eine diätetische Küche, ene Beratungsstelle und eine Ab- teilung für berufliche Eignungsprüfungen. Das Institut hat bisher die Arbeitsverhältnisse in 55 Unternehmungen mit zusammen 26 625 Arbeitern untersucht. Die Forschungsergebnisse des Instituts er- scheinen In einem eigenen Organe unter dem Titel„Gesunde Arbeit und Revolution der Lebensweise". Daneben werden noch Merk» blätter für die Arbeiter herausgegeben. Aerdinoad Tönaie« z« Ehren Ter Tarteivorstand hat an Vr-iesior Ferdinand TönnieS folgendet Giückwunlchtelegramm geiandt:.Zum goldenen Dollorjubiläum sendet der Voriland der deutschen Zozin.demokvatie dem Bahnbrecher ioziologischen Dissens und streitbaren Förderer sozialen DenlenS herzlichst« lSiackwünsche.» Für dl« volkidühne hat Direktor Frih Holl Bert Brechts Komödie .Mann ist Mann" erworben. Die Erstaussilhrung nndet unter der Regie Erich Engel« Ansang Ltiobcr im Theater am Schifsbauerdamm statt. ver sechzehnte Denfsthe Hiflorlkerlag findet unter Leitung von Professor Dr. Erben vom t«. bi» 21 Tevtember in Ära, statt. Gleichzettig hä:t dort auch der Berband deutscher ÄeschichlSlehrer seine diesjähriger Tagung ab. Da».Staatlich« Technikum für stioemalographle" in Moskau bat dieser Tage die ersten Absolventen entlassen, und zwar 71 Filmschauipielri� IS Regisseure, IS Operateure und 8 wisscnjchajlllche Mitarbeiter. /lcht Opfer einer Einjlurzkatastrophe. Ein Neubaugerüft auf Bahnhof Niederfchöneweide eingestürzt.— Drei Arbeiter getötet, fünf fchwer verletzt. Auf dem Gelände des Werkstättenneubaues der Reichsbahn, in der Röhe des Bahnhofes Riederfchäne- weide, am Adlergeflell, ereignete sich heute vormittag ein furcht- bares Einsturzunglück. Ein in etwa 20 Weier höhe befindliches Malergerüst stürzte plötzlich in die Tiefe und rih acht daraus beschäftigte Maler mil. Aus den Alarm„Menschenleben in Gefahr" entsandte die Feuerwehr von Oberschöneweide sofort mehrere Wagen an die llnglücksstätle. Unter großen Schwierigkeiten gelang es, die unter den Trümmern des Gerüstes liegenden Arbeiter aus ihrer entsetzlichen Lage zu befreien. Drei von ihnen Hollen so schwere Verletzungen erlitten, daß sie bereitsaufdem wegelndas Köpenicker Kreiskrantenhaus verstarben. Auch die Verletzungen der übrigen verunglückten sind so schwerer Ratur. daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muh. Sofort nach Bekannt- werden des Unglücks begaben sich Beamte der Reichsbahndirektion Berlin, sowie Beamte der Kriminalpolizei an die Unfallstelle, um die notwendigen Feststellungen zu machen. In der etwa 20 Meier hohen Halle des Neubaues werden gegen- wärtig Malerarbeiten ausgeführt, die dem Unternehmer Bold aus der Türrschmidtstraße 43 zu Rummelsburg übertragen worden sind. Um die Eisenkonstruktionsteile an der Decke streichen zu können, inußten mehrere Hängegerüste angebracht werden, die von eisernen haken getragen werden. Nach der Frühstückspause wollte eine aus acht Mann bestehende Maler- kolonne auf das Hängegerüst steigen. Kaum hatte es der letzte Mann betreten, als das Gerüst ein laut vernehmbares Zknacken gab. Vermutlich durch die ungleichmäßige Belastung, vielleicht aber auch durch einen Materialfehler brach der mittlere Haltehaken in der Rundung, und ehe die Maler sich in Sicherheit bringen tonnten, hakte sich das Gerüst ganz aus und stürzte mit seiner Last in die Tiefe. Schmerzensschreic zitterten durch die halle. Bei dem Sturz aus der beträchtlichen höhe auf den Betonboden hatten sich die Verunglückten furchtbare Verletzungen zugezogen. Einer von ihnen war sofort tot. Die übrigen sechs lagen schwerverletzt und bewußt- los am Boden. Arbeitskollegen eilten zur Hilfe herbei und befreiten die Schwerverletzten aus dem Gewirr der Hölzer, andere benach- richtigten gleichzeitig die Feuerwehr und das Rettungsamt. Die alarmierten Wehren von Oberschöneweide, Adlershos und Karlshorst eilten an die llnsallstelle. Auch die Berliner Feuerwehr und das städtische Rettungsamt Berlin sandten mehrere Wagen. Die Verunglückten wurden durch die Feuerwehr in das Köpenicker Kreiskrantenhaus geschafft. Bereits auf dem Wege dorthin erlagen zwei weitere verunglückte ihren furcht- baren Verletzungen. Die Unfallstelle wurde sofort von der Polizei abgesperrt, um ein genaues Bild von den Ursachen des Unglücks und seinem folgenschweren Ausgang zu erhalten. Unverständlich ist es, wie uns mitgeteilt wird, daß bei diesem großen hallenbau, der über 300 Arbeiter beschäftigt, Verbands- Material nur in ungenügende in Zustande vor- Händen war. Erst die herbeieilende Feuerwehr konnte den Schwerverletzten die erste fachgemäße Hilfe zuteil werden lasten. Die Namen der Toten sind: Maler Domnik. Wohnung noch unbekannt Maler Philipp, Hauptstraße 3/4 zu Rummelsburg Maler Jllge, Wohnung noch unbekannt. Die Namen der Schwerverlehlen: Maler Rudi R a d d a tz. Berlin O., Tilsiter Straße 26 Maler Erich Kunze, Berlin O-, Weidenweg 5 Maler Franz Knüppel, Berlin, Sprengelstraße 26 Maler Otto h i n tz e, Reinickendorf-Wcst, Graf-Haeseler- Straße 26 Maler Karl Walter, Berlin Ebertystraße Zt. Während Knüppel im Augusta-Diktoria-Krankenhaus zu Ober- schöneweide Aufnahme fand, wurden die übrigen vier Verletzten in das Köpenicker Kreiskrankenhaus geschafft. Bei allen besteht Lebensgefahr. <5ine Erklärung der Reichsbahn-Direktion. Die Reichsbahn-Direktion teilt zu dem Unglück folgendes mit: heute morgen zwischen 9H und 10 Uhr begaben sich sieben Maler des Unternehmers Bold von der Frühstückspause zurück an ihre im Neubau des Eisenbahnwerkes Niederfchöneweide gelegene Arbeits- statte. Nachdem sie das Gerüst erklettert hatten, betraten sechs Mann, was eigentlich nach den bestehenden Borschriften nur zwei zu gleicher Zeit hätten tun dürfen, die Gerüst- bohle. Durch die Ueberlastung brach der mittlere haken des hänge- gerüstes. Die Leute stürzten auf den Betonfußboden, wo sie schwer verletzt liegen blieben. Eine genaue Untersuchung über die Schuldsrage ist noch im Gange. Gestern abend ereignete sich in den Städtischen Gas- werken am Blockdammweg in Lichtenberg ein schweres A b- sturzunglück. Der 40jährige Schlosser Fritz Bendler aus der huttenstrahe 72, der in etwa 10 Meter höhe an der Schwebebahn mit Montagearbeiten beschäftigt war, verlor plötzlich den halt und stürzte kopfüber in die Tiefe. B. wurde mit einem doppelten Schädelbruch in das Augufta-Viktoria.Kronkenhaus ge- bracht, wo er kurz nach seiner Einlieferung infolge der schweren Verletzungen starb. Lanöesverrats-Statistit. Gefahren für die Republik. Gsnoste Felix Fechenbach schreibt uns: Die sogenannten Landesverratsprozest« haben sich in den letzten Iahren in Deutschland so gehäuft, daß am 22. März 1324 von dem damaligen Reichsjustizminister E m in i n g e r eine Notverordnung erlassen wurde, wonach die Abgabe solcher Verfahren an die Ober- landesgerichte zulässig ist. Der Begriff des„Landesverrats", der ursprünglich auf militärisch« imd politische Spionage begrenzt war, ist unheimlich weit auegedehnt worden: so weit, daß jeder Journalist, der sich erlaubt, im Widerspruch zum Reichswehrministerium zu be- hauptcn, die Arbeitskonunandos der Reichswehr feien militärisch organisiert und ausgebildet gewesen, sich der Gefahr eines Landes- verratsprozeffes aussetzt. In solchen Prozessen kann sich dann die politische Einstellung des Richters gegen den Angeklagten mit aller Schärfe auswirken. Darüber hat die Oeffentlichkeit um so weniger eine Kontrolle, als rund 90 Proz. aller Landesverrats« prozeste unter Ausschluß der Oesfentlichkest stattfinden. Die großen Landesverratsprozest« der Nachkriegszeit haben zur Genüg« gezeigt, wie solche Verfahren in den Händen unserer politisierten Justiz zu einer Waffe der Reaktion gegen unliebsame politische Personen werden. Welch ungeheuerlich« Ausmaße diese Art Iustizbetätigung angenommen hat, geht aus dem sehr reichhaltigen Material hervor, das die Deutsche Liga für Menschenrechte in ihrer Denkschrift über die politisch« Justiz zusammengestellt und dieser Tage dem Reichsjustizministerium überreicht hat. Die Denkschrift ist inzwischen unter dem Titel„Das Zuchthaus als politische Waffe" im Verlag von Hansel u. Co., Berlin W., erschienen. Nach dieser Denkschrift wurdest im Jahre 1923 allein 1200 Landesverratsprozesse eingeleitet, im Jahre 1924 kam es zur Einleitung von 1 0 8 1 und in den ersten beiden Monaten des Jahres 192S zur Einleitung von 7 SS Lan- desveu: ratsverfahren. Diese Verfahren führten nicht alle zu Verurteilungen. Aber im Jahre 1924 wurden 6 38 Per- sonen wegen Landesverrats abgeurteilt. Dabei ergab sich die Summe von 1278 Jahren verhängter Freiheitsstrafen. Gegenüber den Zahlen der Borkriegszeit eine gewaltige Steigerung. Wegen Landesverrat, Hochverrat, Spionage und feindlichen Handlungen gegen befreundete Staaten wurden verurteilt: In den Iahren Personen 1896-1905........ 126 1906-1014........ 233 1915—1918........ 697 1919-1921........ 164 1922-1924........ 1072 Die Ziffern der Vorkriegszeit enthalten auch die Derurteilungen wegen Hochverrat und feindlichen Handlungen gegen befreundete Staaten, während die Kriegs- und Nachkriegsziffern sich nur auf Landesoerats- und Spionageverfahren beziehen. Trotzdem ein un- geheures Anschwellen der Derurteilungen in den Nachkriegsjahren, besonders von 1922 ab. Auf der Berliner Polizeiausstellung vom Ottober 1926 war eine sehr instruktive Tafel aufgestellt, die«ine graphische Darstellung übcr die Zahl der Landesverrats- und Spionageprozeffs und über die dabei oerhängten Freiheitsstrafen von 1907 bis 192Z gfbt. Diese Tafel war auf der Ausstellung kaum beachtet worden, stt aber jetzt in der Iustizdenkschrift der Deutschen Liga für Menschenrechte wiedergegeben und wird so einer breiteren Oeffentlichkeit zugänglich. Nach dieser polizeilichen Statistik sind die Ziffern der Ver- urteilungen wegen Landesverrats und Spionage in der Vorkriegszeit relativ niedrig und nur kleinen Schwankungen unterworfen. Die Kriegsjahre zeigen höhere Zahlen. Das Jahr 191S hält mit 235 Verurteilungen und 656,6 Jahren Freiheitsstrafen die Spitze. Dann sinken die Ziffern für 1919 und 1920 wieder auf Bortriegshöhe, um von da ab rapid anzusteigen bis zum Jahre 1924, das die höchsten Verurteilungszifsern der Kriegsjahre weit hinter sich läßt. Es wurden nach der Polizeistatiftik wegen Landesverrats und Spionage verurteilt:, Jmstabre Zahlder VerhängteFreiheit». �m�ayre Personen strafen in Jahren 1919 38 194 1920 36 70,2 1921 92 244.2 1922 237 564.9 1923 197 513.7 1924 638 1278.4 1925 192 645 Diese phantastischen Ziffern geben einen kleinen Ausschnitt aus der eifrigen Tätigkeit unserer politischen Justiz. In den Vorkriegs- jähren kam es in Deutschland im Durchschnitt jährlich zu 20 Ver- urteilungen wegen Landesverrats, Spionage und Hochverrat. In den Iahren 1922 bis 1924 wurde dagegen im Jahresdurchschnitt die achtzehnfache Zahl erreicht, und zwar nur durch Verurteilungen in Landesverrats- und Spionageprozesten: die hochverratsverfahren find hier nicht eingerechnet. Die Verurteilungen wegen der gleichen Delikte in den letzten sieben Vorkriegsjahren feien hier den ersten sieben Jahren nach dem Krieg gegenübergestellt: 1907—1913 136 Verurteilte 426.2 Jahre Freiheitsstrafen 1919—1925 1423„ 8420,4.. Rund 3/| aller Strafen sind Zuchthausstrafen. Der§ 92 des Reichsstrafgejetzbuches sieht für Landesverrat die Zuchthausstrafe vor. Die Deutschnationalen wollen bei Neuschaffung des Strafgesetzbuches eine Verschärfung durch Androhung der Todesstrafe auf Landesverrat. Durch d�e in der heutigen Recht- sprechung übliche Anwendung des Landesverratsparagraphen ist dieser§ 92 geradezu«in Schutzparagraph für republikseindliche, nationalistische und faschistische Organisationen und Bestrebungen ge- worden. Er wird immer dann angewandt, wenn Republikaner, Sozialdemokraten oder Pazifisten auf solche Organisationen, ihre Ilngesctzlichkett und ihre Gefährlichkeit für die Republik hinweisen. Deshalb würde eine Verschärfung des 8 92 geradezu ein Ausnahme» gesetz gegen Republik und Republikaner bedeuten. Die Ziffern der Landesverratsstatistik weisen auf eine große politische Gefahr hin, der bei der bevorstehenden Beratung des neuen Strafgesetz- buches begegnet werden muß._ kommunistische Sprengung einer Matleotti-Gedenkfeier! Wie die Agentur havos aus Marseille meldet, kam es bei einer dort von der Italienischen Antifaschistischen Vereinigung, der Liga für Menschenrechte, der französischen Sozialistischen Partei und anderen Gruppen einberufenen Persammlung zur Erinnerung an den Tod Matteottis wahrend einer Rede des früheren Leiters des ..Aavanti"", Nenn«, durch dos Eingreifen italienischer Ko m m u- nisten-zu einer Schlägerei. Die Versammlung mußte unter- brachen«erden. Ztallea hat die Vertretung der alba Nischen Interesien in Süd- Pawien übernommen. Wieüer eine Zamilientragööie. Vereitelte Wahnsinnstat einer Mutter. Eine Familientragödie, die durch einen Zufall nicht den furcht- baren Ausgang nahm, den die Urheberin, eine eifersüchtige Frau, geplant hatte, versetzt« in der vergangenen Nacht das Haus Stephanstraße 43 zu Moabit in Aufregung, hier wohnt der 32 Jahre alte Malermeister Arthur Klauck mit seiner 39 Jahre alten Frau Johanna und drei Kindern aus erster Ehe, Töchtern von neun und elf Iahren, und einem.zwölf Jahre alten Sohne. Im houfe waren die zerrütteten Eheverhältnisse des Paares schon länger bekannt. Die Frau beklagte sich, ob mit oder ohne Grund, daß ihr Man es mit einer anderen halte. Infolge ihrer Eifersucht wurde sse immer aufgeregter, und es gab häufig Zank und Streit. Den Haushalt aber besorgte Frau Klaucke nach wie vor auf das beste, und auch den Kindern widmete sie sich mit großer'Sorgfalt. Wiederholt äußerte sie Selbstmordgedanken. Sie soll auch ihren Mann öfter aufgefordert haben, mit ihr aus dem Leben zu scheiden und die Kinder in den Tod mitzunehmen. Am Sonntag kam es wieder zu einem heftigen Austritt, der Klaucke veranlaßte, seine Frau nach seiner Werkstatt in der Stromstraße zu bringen, dort einzufchließen und das Ueberfallkommando zu rufen. Weil er für fein Leben fürchtet«, so wandte er sich auch an den Kreisarzt, um feine Frau auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. In der vergangenen Woche hielt sich Klaucke wegen der widrigen häuslichen Verhältnisse nicht in feiner Wohnung, sondern in der Werkstatt aüs. Zwischen 12 und 1 Uhr wurde nun eine Nachbarin durch einen G a s a e r u ch auf die Wohnung der Familie aufmerksam. Sie benachrichtigte die Polizei. Als die Beamten auf Klopfen und Klingeln keine Antwort erhielten, mußten sie mit Gewalt öffnen. Sie fanden in den init Gas angefüllten Räumen Frau Klaucke und die beiden Mädchen in dem eine» Zimmer und den Knaben, der gesondert schlief, in einem anderen bewußtlos in den Betten liegen. Die Frau hatte� auch leichte Schnitte an den Handgelenken. Der herbeigerufenen Feuer- wehr gelang es, alle vier mit dem Sauerstoffapparat ins Leben zurückzurufen. Die Frau wurde als Polizeigcfangene nach dem Staatskrankenhause, die drei Kinder wurden nacb dem Kranken- bau» Moabit gebracht. Im Briefkasten stak ein Zettel mit dem Vermerk, daß für die Kinder noch Särge gekauft werben müßten. Erst nachdem Frau und Kinder nach den Krankenhäusern gebracht worden waren, kam der Mann nach hbuse und fand die Wohnung verschlossen und versiegelt. Er begab sich nach dem Revier, um Näheres über den Porgang zu erfahren und erklärte bei feiner Vernehmung auch, weshalb er In der Nacht nicht in der Wohnung gewesen sei. �*■ Faltbootunglück auf der Havel. Gestern nachmittag unternahm der 39 Jahre alte Kauf- man» Erich S ch ü t t g e r aus Charlottenburg. Waitzstraße 40. mit einem Freunde bei Pichelswerder trotz mehrfacher Warnung eine Faltbootfahrt. Das Boot kenterte infolge der heftigen Böen und der Kaufmann Sch. erlitt innerhalb von 10 Minuten einen Herzschlag. Er wurde von Fischern, die zufällig in der Nähe waren, geborgen, die vorüber- fahrenden Segelboote und Dampfer hatten aus Anruf sich nicht ge- meldet. Die Feuerwehr unternahm Wiederbelebungsver- suche, die jedoch erfolglos blieben. Der hinzugerufene Arzt Dr. Schneider konnte mir"den durch Herzschlag eingetretenen Tod feststellen. Der zweite Paddler war, wie ergänzend mitgeteilt wird, der Sohn des Wiener Tenors S l c z a k, Walter, der gemeinsam mit seinem Freunde Sch. das Boot erworben hatte. Beide waren gute Schwimmer, doch verließen den Kaufmann infolg« seines Herzleidens bald die Kräfte. Der junge Slezal versuchte nach Möglichkeit seinen Freund zu retten, doch starb Sch. noch im Wasser in den Armen seines Helfers. Bermittluugsftelle Neukölln. Die Umstellung des Berliner Fernsprechhandbetriebes auf den Selbstanfchlußbetrfeb schreitet fort. Zu den bereits bestehenden Der» mittlungsstellen mit Selbstanschlußbetrieb: Lichterfeldc, Dreitcnbach, Wannsee, Zehlendorf und Spandau tritt in der Nacht vom 18. zum 19. Juni die Vermittlungsstelle Neukölln. Die Neu- töllner Teilnehmer werden dann in der Lage sein, im Selbst- anschlußwege, nämlich durch Drehen der an ihrem Apparat befind- lichen Rummervscheide, einander sowie die Teilnehmer der vorher genannten Vermittlungsstellen mit Selbstanschlußbetrieb, ferner die Vermittlungsstellen für den Handbetrieb unmittelbar zu wählen. Die näheren Bestimmungen hierüber sind in den Dar- bemerkungen zum Fernsprechbuch und in der Anweisung enchalten, die sämtlichen Teilnehmern Neuköllns zugegangen ist. Bom gleichen Zeitpunkt an sind auch die Teilnehmer der oben genannten Selbst- anschlußämter in der Lage, durch Wählen des Rufzeichens für Neu- kölln 2) und der Anschlußnummer Perbindungen mit Teilnehmern in Neukölln selbst herzustellen._ 25 Jahre Heilstätten öeelitz. Die von der Landesversicherungsanstalt geschaffe- nen Heilstätten Beelitz bestehen jetzt jünfundzwan.zig Jahre. Schon in den neunziger Jahren hatte der Vorstand ver Landesoer- sicherungsanstalt einen Versuch mit dem vorbeugenden Heilverfahren gemacht und aus dem Rittergut Glltergotz ein Sanatorium ein- gerichtet. Da die Ergebnisse befriedigten, wurde die Schaffung eigener Heilstätten ins Auge gefaßt. Die Landesversiche- rungsanstalt erwarb 1898 ein bei Beelitz gelegenes 140 Hektar großes Gelände mit reichem Baumbestand und errichtete dort vier von einander getrennte Heilstätten, je ein Sanatorium für Männer und für Frauen und je eine Lungenheilstätte für Männer und für Frauen. Trotz vieler Schwierigkeiten und Widerstände, die sich der Durchführung des Wertes entgegenstellten, tonnten bereit» i m Jahre 1902 die heil statten Beelitz eröffnet und mit Pfleglingen belegt werden. Bei voller Belegung vermochten dies« Heilstätten damals SS0 Pflegling« aufzunehmen. In den folgenden Jahren und auch später noch wurden Erweiterungsbauten hinzu- gefügt, so daß nach und nach die Bettenzahl auf 1250 stieg. Anfangs belief sich die Zahl der zum Heilverfahren überwiesenen Kranken aus nicht viel über 3000 im Jahr, in 192ö aber ging d i« jährliche Belegung beträchtlich über 10 000 hinaus. In diesen Gesamtzahlen sind die in fremden Heilstätten Verpflegten einbegriffen. Neben der Behandlung in den lieilstätten steht die vorbeugende Fürsorge der von der Landesversicherungsanstalt ein- gerichteten Beratungsstellen für Lungenkranke und auch für Ge- fchlechtskrankc. Der gesamte Heilstättenbetrieb erfordert ein Per- fonal von über 400 Köpfen. Es handelt sich nicht nur um die ärztlich« und pflegerische Versorgung der ganzen Krankenschar. Die Anstalt hat eine weitgehende Eigenwirtschaft, zu der auch Bäckerei, Schweinemästerei und Fleischerei gehören. In dem ersten Bierteljahrhundert, das sich jetzt vollendet, haben die Heilstätten Beelitz mit Erfolg an der Förderung der Boltsgesundheit gearbeitet. Viele Tausende Pjleglinge haben es ihnen zu danken, daß sie vor früher Invalidität bewahrt wurden und ihre Gesundheit wiedererlangten. Der Schwarzmet ersche� Sinderchor(Chormeister Bernhard ff t a u t) ist von der Stadt Frankfurt o. Main zur Teilnahme an der Internationalen Ausstellung„Musik im Leben der Volker" eingeladen und für zwei Voltsliederkon- zerte verpflichtet worden, die am 4. und 5. Juli statstinden werden. Im Anschluß daran unternimmt der Chor eine fünfwöchig« Sänger- fahrt durch Südwestdeulfchland. An ihr nehmen 400 Berliner Kin- der teil. Der Kasseler Ttraßenbahnerprozeh. Kassel, 20. Juni(TU.). Der am Nachmittag de» ersten Ber- Handlungstages im Straßenbohnerprozeß an der unglücksstätte des Straßenbahuunfalls abgehaltene Augenscheintermin hat ergeben, daß beim Besteigen des Wagens durch Fahrgäste sich per Wagen beidcrl 6. Person langsam in sRolfenfetzte. Bei Probefahrten mit Strombrems« stellt« sich herous, daß der Wagen die S25 Meter lange Strecke in zwei Minuten zurücklegte, während der Unglückswagen, bei dem der Sttombremshebel abgenommen war, bei der Todesfahrt nur �27 Sekunden brauchte. Daraus ergibt sich, daß das Unglück sich nicht hätte ereignen können, wenn die Strombremse hätte benutzt werden können. DaS geheimnisvolle N. Paris» 21. Juni.(WTBF Dem„New Port herald" wird aus Quebec gemeldet, ein Bewohner von Neubraunfchweig habe dem Provinzdepartement einen Bericht überfandt, demzufolge das vor acht Tagen in der Gegend des St.-Jyhn-Sees beobachtete Licht nach dem internationalen Zeichencode den Buchstaben X(Nungesser?) vorstellte. Es fei gelb gewejen und habe zwei Minuten gedauert. L lugzeuge stellten Nachforschungen an, bisher allerdings ergebnislos. Generalversammlung der Metallarbeiter. Zu Beginn der ordentlichen Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter am Montag in den Sophiensälen brachte die„Dppo- sition" einen Antrag ein, der vom ADGB. die üblichen Maßnahmen sordert, diesmal gegen die Kriegstreibereien Englands gegen Sowjetrußland. Da der Dringlichkeit dieses Antrages wider- sprachen wurde, wurde er z u r ü ck g e st e l l t. Der Bevollmächtigte Z i s k a verwies auf den gedruckten Kassenbericht für das 1. Quartal, worauf nach einer kurzen Fragestellung der Obmann der Revisions- kommission die Entlastung des Kassierers beantragte. Troßdem die Kommunisten keine sachlichen Einwendungen gegen den Kassenbericht gemocht hatten, eröffneten sie eine längere Diskussion, um zu„begründen", warum sie gegen die beantragte Entlastung stimmen werden. Nachdem auch diese Komödie, denn etwas anderes war es nicht, beendet war, wurde die Entlastung mit erdrückender Mehrheit erteilt. Nunmehr erläuterte Genosie Z i s k a den den Delegierten eben- falls zugestellten Jahresbericht der Ortsverwaltung für 1S26. Die schwere Wirtschaftskrise des Vorjahres ist auch an derOrganisation nicht spurlos vorübergegangen. Es wurden 74 Lohnbewegungen geführt, von denen 29 durch Vereinbarung, 22 durch Schiedsspruch und 23 durch Streit erledigt wurden. Das ist nur etwa ein Sechstel der im Jahre 1923 geführten Be- wegungen. Die Bewegungen wurden meist nur in Betrieben geführt, die noch verhältnismäßig gut beschäftigt waren und in denen das Organisationsverhältnis einigermaßen gut war. In vielen Be- trieben, wo dos Organisationsverhältnis noch sehr zu wünschen übrig läßt, haben die Belegschaften auch nicht einmal den Versuch gemacht, angedrohte Verschlechterungen abzuwehren. Aber auch dieMitgliederbewegung hat durch die Krise einen bedauerlichen Rückschlag erlitten. Der Mitgliederbestand ging zurück von 61564 am Ende des Jahres 1925 auf 57834 am Schlus se des Berichtsjahre», also um 3 730. Festgestellt wurde, daß viele Mitglieder, sobald sie erwerbslos wurden, die Unterstützung des Verbandes resttos in Anspruch nahmen, dann aber ihre Mitgliedschaft fallen ließen: ein Beweis, wie wenig sie von der Erkenntnis der Notwendigkeit ihrer Organisation durchdrungen waren. Schwierig ist es auch, die Arbeiterinnen, die einen großen Prozentsatz der in der Metallindustrie Beschäftigten ausmachen. zum Eintritt in die Organisation zu bewegen. Einen Lichtblick bietet die Jugendbewegung, in der eine erfreuliche Mitgliederzunahmc zu verzeichnen ist. Ziska schloß seinen Bericht mit dem Dank an die Funkttonäre für ihre aufopfe- runasvolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es in kurzer Zeit gelingen möge, die im Vorjahre erlittenen Scharten wieder auszuwetzen. In der sehr ausgedehnten Diskussion suchten die Kommu- nisten in mehr oder minder schwülstigen Reden nachzuweisen, daß hauptsächlich die„reformistische" Politik der Ortsver- waltung daran schuld sei, daß es vor allem in der Mitglieder- bewegung nicht vorwärts.gegangen sei. Daß die kommunistische Art der Propaganda für die Gewerkschaften, die Gewerkschaftsführer herabzureißen und sie als Verröter der Arbeiterschaft und Unter- nehmersöldlinge hinzustellen, die Wurzel des Uebels ist, wurde von ihnen natürlich bestritten. Bei der Wahl der turnusmäßig ansschei- denden Mitglieder der Ortsverwaltung, Ziska, Schmidt, Krüger, Großmann, Köhler und Grail, ging das kommunistische Theater von vorne los. Die Kommunisten präsentierten drei Gegenkandi- baten, an der Spitze Niederkirchner, der an Stelle des Ge- nassen Ziska der Ortsverwaltung vorstehen sollte. Die Argumente, die von der Opposition gegen die Vorschläge der engeren Verwaltung vorgebracht wurden, waren meist persönlicher Art, da sachlich nichts gegen sie einzuwenden war. Die Genossen Ziska, Krüger und Großmann, über die einzeln abgestimmt wurde, wurden gegen die Stimmen der Kommunisten wiedergewählt, di« übrigen gegen zwei Stimmen. Dann wurde die Versammlung wegen der vorgerückten Zeit vertagt._ Zum verbot ües»Ueber-üie-hanS-mauerns". In Nummer 228 vom 15. Mai 1927 bracht« der„Vorwärts" eine Anfrage an den Berliner Polizeipräsidenten: Wo blieb das Verbot des„Ueber-die-Hand-mauerns"? Zu dieser Anfrage teilt uns die Pressestell« folgendes mit: „Die Polizeiverordnung vom 12. September 1923 b e- steht noch heute zu Recht. Ausnahmen können unter ge- wissen Voraussetzungen(bei außergewöhnlichen Verhältnissen, ins- besondere aus Verkehrsrücksichten) nach 8 2 von der Ortspolizei (Städtische Baupolizei) erteilt werden. Infolge lebhafter Gegenvorstellungen zu der Verordnung aus Kreisen des Bauhandwerks hat der Mini st er für Volks- Wohlfahrt durch Erlaß vom 14. April 1924— II. 9. Nr. 286— zum Ausdruck gebracht, daß dem Bauhandwerk bei der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Lag« zum mindesten für eine ge- wisse U e b e r g a n g s z e i t die Möglichkeit gegeben werden muß, sich aus die Verordnung«inzustellen, und daß eine geeignete Grundlage hierzu dievonder Bau- polizei gemachten Vorschläge bieten. Die Vorschläge sollten noch spezialisiert werden. In der Zwischenzest sollte von der Ortspolizei in weitherziger Weise von der zugelasienen Aus- nähme Gebrauch gemacht werden. Die von der Baupolizei am 19. Mai 1924 vorgelegten speziali- sierten Vorschläge bestanden darin, daß an Stelle der Stand- gerüste Schutzgerüste erstmalig in Höhe des Fußbodens des zweiten Stockwerks herausgestreckt werden. Beim Fortschreiten des Baue- sind sie in Höhe des Fußbodens des vierten Stockwerks und des Hauptgesimses zu wiederholen. Das in Hauptgesimshöhe herausgestellte Schutzgerüst kann gleichzeitig als Schutz für die Dacharbeiter dienen. Bei hohen Giebelbauten ist in einer Höhe von rund sieben Meter über dem Dachgefchohfußboden abermals ein Schutzqerüft erforderlich. Die Auslagerhölzer der Schutzgerüste müssen mit dem Gebäude sorgfältig verankert und gut abgedeckt werden. Diese D o r s ch l ä g e sind dem Herrn Minister bekanntgegeben worden, ohne daß eine ablehnende Stellungnahme zu ihnen erfolgt wäre. Sie sind daher seitdem von der Baupolizei an- gewendet worden. Der auf die eingangs erwähnte Anfrag« hin von der städtischen Baupolizei«ingeforderte Bericht läßt iedoch erkennen, daß, ab- gesehen von notwendigen Ausnahmen(verkehrsreiche und schmal« Straßen und Ausführung von Brandmauern neben Nachbar- gebäuden) auch in den Fällen Ausnahmen erteilt werden, in denen die Ausdehnung der' zu berüstenden Bauteile s o groß ist, daß, wie die Baupolizei angibt, die Rüstzeug- beschaffung unmöglich wird. In solchen Fällen sind S ch u tz g e r ü st« zur Ausführung gekommen. Denn abgesehen von den großen Mehrkosten der Standgerüste, die dos sechs- bis achtfache der Schutzgerüste betragen würden, fei die Nachfrage nach Baurüstzeug im Holzhandel noch so groß, daß den Anforderungen schwer entsprochen werden könne. Tatsächlich hat mithin die Baupolizei den an sie heran- tretenden Ausnahmegenehmigungen in wahrscheinlich sehr weite mMaße Folge gegeben. Der Herr Polizeipräsident hat daher der städtischen Baupolizei mitgeteilt, daß ein solches Vorgehen nicht ge- billigt werden könne, da es dazu führen würde, daß Aus- nahmen die Regel bilden. Solange die Vorschriften der er- wähnten Polizeiverordnung Geltung haben, müssen sie auch ange- wandt werden. Nur für eine Zeit des Uebergangs seit Inkrafttreten der Verordnung und in ganz besonderen Ausnahmefällen darf von ihnen abgewichen werden. Die Uebergangszeit kann nicht be- liebig ausgedehnt werden." Also: den Herren Bauunternehmern sind die für L e b e n und Gesundheit der Bauarbeiter erforderlichen Schutz- Vorrichtungen zu k o st s p i e l i g. Ihre Klagen fanden beim Wohl- fahrtsministerium Gehör. Die Polizeiverordnung wurde zwar nicht aufgehoben, sondern durch„Uebergangs- b« st i m m u n g« n" fast unwirksam gemacht. Wir hoffen, daß sie fortab zur Regel wird und die auf Wunsch der Unter- n e h m e r gemachten„Vorschläge" zur Umgehung des Verbotes „über-die-Hand" zu mauern, aufgehoben werden, da die „Uebergangszeit" von nahezu vier Jahren nunmehr ab- gelaufen sein dürfte._ Ist öas Arbeitsverweigerung! Ein Arbeitsbursche, der bei einem Fischhändler beschäftigt war, hatte sich durch Unterschrift damit e i n v e r st a n d e n er- klärt, daß die Arbeitszeit nicht begrenzt ist und daß U e b e r- stunden nicht vergütet werden. Der junge Mann mag sich wohl über die Tragweite sencr Unterschrist nicht klar geworden sein. Der Arbeitgeber aber nutzte das durch sie erworbene Recht in weit- gehendem Maße aus. Es war keine Seltenheit, daß der junge Mann 12 Stundenam Tage arbeiten mußte. Das wurde feinem Vater schließlich zu bunt. Dieser forderte seinen Sohn auf, sich nicht durch eine so lange Arbeitszeit ausnutzen zu lassen. Als nun der junge Mann eines Tages, nachdem er«inen Arbeitstag hinter sich hatte, noch weiterarbeiten sollte, erklärte er seinem Arbeit- geber, für heute sei es genug, er wolle jetzt Feierabend machen. Der Arbeitgeber antwortete darauf mit s o s o r t i g e r Eni- lassung. Die Erwerbs! osenunter st Ltzung wurde' dem Ent- lassenen auf vier Wochen gesperrt, weil der Arbeitgeber eine Anfrage des Bezirksarbeitsamts Friedrichshain dahin beant- wartet hatte, die Entlassung sei wegen Arbeitsverweige- r u n g erfolgt. Der Entlassene klagte beim Gewerbegericht. Er forderte von dem Arbeitgeber Schadenersatz für die entgangene Erwerbslosen- Unterstützung. Das Gericht bezeichnete die Klage als aus- s i ch t s l o s, denn zum Schadenersatz wäre der Beklagte nur in dem Fall« verpflichtet, wenn er dem Arbeitsamt eine falsche Auskunft über den Entlassungsgrund gegeben hätte. Hier fei aber eine richtige Auskunft gegeben: denn der Kläger, der sich zu einer nicht begrenzten Arbeitszeit»er« pflichtet hatte, habe doch tatsächlich die Arbeit ver- weigert. Für die Folge seiner richtigen Auskunft könne der Beklagte nicht verantwortlich gemacht werden.— Auf Anraten des Gerichts zog der Kläger die Klage zurück. Die Auffassung des Gerichts erscheint uns gar zu formal- juristisch. Der Beklagte hat doch eine Auskunst erteilt, die den tat- sächlichen Verhältnissen nach n i ch t r i ch t i g ist. Wenn gesagt wird, der Kläger ist wegen Arbeitsverweigerung entlassen, so versteht man darunter, daß er die Arbeit in der regulären Arbeits- zeit verweigert hat. Das hat der Kläger aber nicht getan. E r hat nicht die Arbeit, sondern die Ueberarbeit verweigert. Wenn das dem Arbeitsamt gesagt worden wäre, dann würde es die Erwerbslosenunterstützung wahrscheinlich nicht gesperrt haben. Die Vereinbarung einer unbegrenzten Arbeitszeit verstößt sowohl gegen die guten Sitten als auch gegen die Arbeits- Zeitbestimmungen und kann nicht als maßgebend für die Beurteilung eines sich hieraus ergebenden Streitfalles betrachtet werden. Der Standpunkt, den das Gewerbegericht in diesem Falle ein- nahm, verträgt sich nicht mit dem Sinn der gesetzlichen Arbeitszelt- Verordnungen und bedeutet geradezu e i n e n A n r e i z für Unter- nehmer zur Erpressung unbegrenzter Arbeitszeit. Bergarbeiterentlassunge« in England. London. 21. Juli.(EP.) 2 9 9 9 B e r g a r b e i t e r im Glamer- gan-Distrikt in Wales wurden mit vierzehntägiger Kundigungssrnt entlassen Di« betroffenen Kohlengruben gehören Baldwms Limited. Auf der Dedwas-Mine, die zu den Gruben des Lord Insten gehört, wurde 599 Arbeitern gekündigt, was mit der Konkurrenz der französischen Kohle begründet«ird. Die „Times", die einen bemerkenswerten Leitartikel unter der Ueber- schrift„Kohle und Chaos" bringt, verurteilt nicht so sehr die französischen Maßnahmen als die Untätigtelt in England selcht. Immer und immer wieder sei das Land auf die Notwendig- keit aufmerksam gemacht worden, sein« Kohlenindustrie zu r e o r- q a n i s i e r e n. Es sei wirklich nicht notwendig, England nochmals in eine Kohlenkrise zu stürzen, um diese elementare Lehre.zu be- greifen. Sir Herbert Samuel, der im Kohlenstreik eine hervor- ragende Vermittlerrolle spielte, tadelte im Stirling in ähnlichem Sinne die Lässigkeit der verantwortlichen Stellen, die unter den Bergarbeitern ernste und zunehmende Unzufriedenheit hervorrufen müsse._ Was und wie ratifiziert wird. London. 21. Juni.(Reuter.) Eine heute veröffentlichte amt- liche Mitteilung erklärt, die Regierung beabsichtige, den Ent- wurf eines Abkommens über di« Vereinfachung der Besichtigung der Auswanderer an Bord der Schiffe zu ratifizieren, den die Internationale Arbeits. konferenz in ihrer Mai-Juni-Tagung angenommen hat. Die Re- gierung meint, die Wirksamkeit des geplanten Abkommens wäre sehr erhöht, wenn seine Annohme durch die anderen Haupssee- mächte gesichert wäre, und infolgedessen hat sie vor, bei der Regi- strierung ihrer Ratifizierung beim Lölkerbundssekretariat zu er- klären, diese Ratifizierung solle nur wirksam werden, wenn der Entwurf auch durch Frankreich, Deutschland. Holland. Italien, Spanien und Nor- wegen ratifiziert sein werde. Die Regierung beabsichtigt eben- falls, die Empfehlung über den Schutz der Auswandererfraucn an Bord der Schiff« anzunehmen, da diese Empfehlung dem gegen- wärtigen Brauch ungefähr entspricht. Poller-. Werk-»ad Schachtmeisterdaad. Morqen. Mittwoch. IS.M Udr, in den Eoohientiilen. Sood-enNraße>7. 18, Monatsveriammlun-I.„Das neue Ardeitsgerichts- gesrti und seine Auswirlung" Relerenl Oderstadllnspeklor Tscherner. Verantwortlich illr Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. illiaqelliöser! Dewerkschaftsbewcaung: Z. Steiner; Feuilleton: Ä.®. Döscher; Lokale» und Sonstiges: Fritz ttarstädt: Anzeigen: Td. Slockc; sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Verlaz(5. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckcret und Lerlagsanstalt Paul Einger u Co., Berlin CW SS, Lindcnktras« 3 [ODtordia-Palatf. MmMe 64 Vom 21. bis 23. Juni M Mimm«l!i> Dazu; Da hält die Well den A:eni an Passage-Lidiispiele.Be�MrÜM-»« Vom 21. bis 23. Juni 1927 Die Varentiaosprinzessin Ferner: v« Terloron Clfid mit Gcddv Totun Buhnenschan iebwarzer Adler, FrankturterAileaS!) Vom 21. bis 23. Juni 1927 Die Flocht in die Nacht Ferner: Fred Thomson in: Der SfiorUodij* Buhnenschan Viktorialitbildibeater'A""11«' Vom 21. bis 23. Juni Gräfin Pläffmamseil Ferner: Die im Sdiauen leben Buhnenschau Groller Sonder-WerBcouf? /