fibenöausgabe Nr. 291 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 143 S«,ugsb«dlnsmlse» mtb«nieiotnwff« lind In der Morgenausaab« angentbca Bcttadion: SA». SS. cindenstrohe 3 Fernsprecher t VSnhos» 292- 292 TeU-Kd reff c Sojlaldenattat Berlin Derliner Volkslklcrkk (lO Pfennig) Mittwoch 22. Juni 1�27 «erlaz und««teigenobteN»»,, »«schSftszelt bl»» Uhr Verleger: VorwHrl,. Verlag GmbH. Berlin S2V. S», Llnvenstrad» 9 Zernsprecher, VSnhoss 292— 292 Zentralorgan der SozialdemokratCfcben parte» Deutfchlands poincares Widerhall in Paris. Lebhafte Diskussionen in politischen Kreisen. pari», 22. Juni.(MTB.) Wie die Agence H a v a s berichtet, h�ben einig« radikale Abgeordnete die Absicht, in der Fraktions- sitzung am kommenden Freitag vorzuschlagen, ein« ähnliche Interpellation über die Politik der Regierung einzubringen, wie sie die Sozialisten planen. Sie würde gleichfalls durch die Rede Poincaräs in Luneville begründet werden. Unter diesen radikalen Abgeordneten habe man D a l a d i e r bemerkt. In den Wandelgängen der Kammer ging es übrigens gestern auherordentlich lebhaft zu. Es wurde u. a. viel bemerkt, daß C a i l l a u x und andere radikale Persönlichkeiten von Ruf erschienen waren, u. a. auch der ehemalige Unterrichtsminister Francois Albert. Aus diesem Grunde hat ein Mitarbeiter von chavas den rechtsstehenden Abgeordneten von Paris, M i s s o f f e, darüber befragt, was eigentlich in parlamentarischen Poincare nahe- stehenden Kreisen über die Rede von Lunäville bekannt geworden sei. Dieser Abgeordnete, der der äußersten Rechten angehört, b e- streitet, daß eine Meinungsverschiedenheit zwischen Vriand und Poincare besteht. Er erklärte: Wenn Poincarö, wie man zu Unrecht behauptet, seine Rede Briand nicht mitgeteilt hat, so hat er trohdem die vom Außenminister im Ministerrat ver- tretene These verteidigt, und er hat sich sogar auf eine s ch r i f t- l i ch e Rote gestützt, von der Briand in Genf hat Gebrauch machen wollen. Man könne sich nicht erklären, daß die deutsche Politik be- harrlich Poincarä als der Annäherungs- und Entspannungspolitik feindlich gegenüberstehend hinstellt. Man kann sogar behaupten, daß er, indem er in so präziser Weise die Bedingungen für die Annäherung formuliert, die einzig wirksame An- näherungspolitik aufzeigt. Einen anderen Standpunkt nimmt der sozialistische Ab- geordnete Fontanier ein, der in der„Volonte" feststellc, daß tatsächlich zwischen Briand und Poincarö eine g rund ver- schiedene Auffassung über die Politik von Locarno besteht. und daß diese Verschiedenheit schon in der Rede von Bar-le-Duc bei Eröffnung des dortigen Generalrats durch Poincare vor zwei Mo- naten stark hervorgetreten sei. Fontanier schreibt in der heutigen „Volonte": Die sogenannte Locarnopolitik Briands bezweckt, die Schwierigkeiten zu beseitigen, und durch gegenseitige Kon- Zessionen und durch ein« ständige Anstrengung des guten Willens die Verständigung zwischen uns und Deutschland herzu- stellen. Di« Politik Poincares dagegen will zweifellos den Frieden, aber sie betreibt feine Aufrechterhaliung durch Mittel, die i m Gegenteil geeignet sind, den Krieg wieder herbeizuführen. Die Rede Poincares in Bar-le-Duc hat uns bereits vor zwei Monaten diesen Zwiespalt zwischen der Politik Poincares und lier Briands vor Augen geführt: die von Luneoille zeigt ihn ganz deutlich. Die Kammer wird wahrscheinlich begierig sein, zu erfahren, wer von beiden, Vriand oder Poincare. unsere Außenpolitik leite«. Sind wir noch immer auf dem Wege, auf den unser Land nach den Wahlen vom 11. Mai 1924 sich begeben Hat, oder sind wir auf diesem Gebiet wie auf anderen zu der Auffassung des nationalen Blocks zurückgekommen? Es besteht das größte Interesse, dies sofort zu erfahren. Auch der„Q u o t i d i e n", der nachträglich zu der Rede von Luneoille Stellung nimmt, kommt zu dem Ergebnis, daß, wer einen Frieden abgeschlossen hat, die Vergangenheit ruhen lassen muß. Und wir Franzosen, so erklärt das Blatt, haben den Frieden ge- macht und wollen den Frieden, kein Staatsmann hat also das Recht, etwas zu sagen, was irgendwie seine persönliche Ansicht ist. wenn es gegen diese unsere Absicht geht. Kommunistisch besoffen. Nationalistische Phantasie glaubt, die Kommunisten machen französische Reservisten betrunken. Paris, 22. Juni.(Eig. Drahtber.) Das„Echo de Paris- weiß von neuen R e s e rv i sten m e u ter e i e n im 38., 92. und 121. Infanterieregiment zu melden. Die drei Regimenter machen augenblicklich eine Felddienstübung im Feldlager Bourg Lasttc. Die Meutereien seien auf kommunistische Propaganda zu» rückzuführen. Die kommunistischen Drahtzieher, die mit schweren Propagandageldern ausgerückt seien, gingen so vor, daß sie ganze Kompagnien von Reservisten betrunken machten. Der rujsijch-sinnifthe Konflikt. Moskau antwortet, Elvengren habe sich als Rumäne ausgegeben. Moskau, 21.Juni.(WTB.) Die von Litwinow unterzeichnete Antwortnote der Sowjetregierung auf die finnische Beschwerde im Zusammenhang mit der Erschießung des Oberst Elvengren wieder- holt die mündliche Erklärung, die dem finnischen Gesandten über- geben wurde. Elvengren sei in der Sowjetunion illegal mit einem rumänischen Paß eingetroffen, habe sich bei den Berneh- mungen niemals auf seine sinnische Staatsangehörigkeit berufen und niemals den Wunsch geäußert, den Schutz der sinnischen Gesandtschaft nachzusuchen. Di« Rote führt weiter aus: Obwohl dem finnischen Gesandten Antti aus Liebenswürdigkeit der rumänische Pah Elvengren? und das Protokoll über dessen Aussagen durch Stomoniakow gezeigt wurde, wurde dem Gesandten schon damals mündlich erklärt, daß es das Außenkommissariat nicht für möglich erachte, mit der sin- nischen Gesandtschaft weitere Erörterungen über die Ange- legenheit Elvengren zu pflegen. In der Annahme, daß dieser Notenaustausch hiermit seinen Abschluß gefunden hat, findet die Sowjetregierung, von den Bestrebungen nach ungestörter Erhaltung der freundnachbarlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten ausgehend, keinen Grund, zu Diskussionen über die Frage der Justiz in sogenannten zivilisierten Län- d e r n. Zum Schluß spricht die Note die Verwunderung der Sowjet- regierung darüber aus, daß die sinnische Regierung es für nötig be- funden habe, in der Angelegenheit einer Person zu intervenieren, die sich zum Ziel ihrer Tätigkeit zerstörende Arbeit gegen einen mit Finnland befreundeten Staat und die Organisierung terroristischer Akte gegen Vertreter dieses Staates sowie schließlich die Wieder- Herstellung des zaristischen Regimes gesetzt hatte, das fast ein Jahrhundert lang das finnische Volk und seine Kultur unter- drückte, und mit dessen Vernichtung durch die Oktoberrevolution die Unabhängigkeit des finnischen Staates begründet wurde. Ein merkwürdiges Dementi. Montag fand In der russischen Botschaft in Paris ein Presse- empfang statt, bei dem der Botschafter R a k o w s k i sich gegen ten- denziöse Meldungen über Sowjetrußland wandte. Er erklärte, daß die angebliche Protestnote Finnlands über den Fall Elvengren eine ..pure Erfindung" sei. Es scheint danach, daß die russisch« Regierung sogar ihre Auslandsvertreter auf wichtigsten Posten sehr mangelhast informiert. polnisch-ruffische paktverhanülungen! Warschau, 22. Juni.(Eig. Drahtber.) Der polnische Gesandte ta Moskau. Dr. Patet, trisst am Donnerstag oder Freitag in Warschau ein. Er bringt Vorschläge der Sowjetregierung für den Abschluß eines Neutralitätsvertrages zwischen Polen und Sowjetrußland mit. Cnglanö für Truppenverminüerung. Eine Unterhauserklärnng des Unterstaatssekretärs des Answärtigen. London. 22. Zuni. swTB.) 3m Unterhaus antwortete Locker Lampson auf eine Anfrage KenwortHys, Im Lause des zwanglosen Gedankenaustausches zwischen Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Japans, Belgiens und Deutschlands gelegentlich der letzten Zusammenkunft in Gens seien keine neuen ver- pfl ichtun gen übernommen oder verlangt worden, jedoch hätten alle Teilnehmer ihren festen Entschluß zum Ausdruck gebracht, die Durchführung der Locarno-Politik fortzusehen. Ehamberlain habe mitgeteilt, er habe die Zuversicht, daß eines der Ergebnisse der Besprechungen sein wird, die baldige beiderseitige Durchsüh- rung derjenigen Maßnahmen zu erleichtern, die noch ergriffen werden müssen, um früheren Vereinbarungen der Mächte, wie z. L. den, Beschlüsse der Botschafterkonserenz in bezug aus die Truppen im Rheinland und die verschiedenen noch nicht erledigten Punkte in bezug auf die Entwasfnungsfrage vollständige Wirksamkeit zu verleihen., - l l Seruhigung öes Salkans.» Ei« gemeinsamer Schritt der Mächte. Pari». 22. Juni.(Eigener Drahlbericht.) Die Pariser Presie äußert ziemlich starken Optimismus hinsichtlich des Erfolgs des gemeinsamen diplomatischen Vorgehens Deutschland», Frankreichs, Englands und Italiens bei der albanischen Regierung in Tirana und bei der jugoslawischen Regierung in Bel- grad. vor allen Dingen weist man darauf hin, daß auch I t a l> e n an diesem gemeinsamen diplomatischen Schritt sich beteiligt hat und man dürfe daraus den Schluß ziehen, meint man in Paris. daß Italien es nunmehr aufgegeben habe, seinen albanischen Trabanten zum Konflikt zu Hetzen, weiter betont man dann auch noch besonders die deutsche Beteiligung am gemeinsamen vor- gehen in dieser Frage und erklärt, es sei diesmal zum erstenmal seit dem Krieg, daß sich Deutschland in die Reihe der Großmächte gestellt habe. Curtius gegen Schiele. Rationalisierung des Reichskabinetts tut not! Die große Rede, die Herr Schiele vorgestern auf der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrats ge- halten hat, hat die Leier des agrarischen Schutzzollprogramms von neuem gedreht. Seit Monaten reist unser Minister für die Ernährung der Landwirtschaft durch das Land und pre- digt die Lehren, die feit dem Jahre 1924 durch die Organe der Landwirtschaft verbreitet werden. Erst nach längerer Zeit entschloß sich dann der Reichsauhenminister Dr. S t r e s c- m a n n auf der Tagung des Vereins Deutscher Maschinenbau- anstalten im April, sich diesem Gerede mit außer- ordentlicher Schärfe entgegenzustellen. Auf die letzte Rede Herrn S ch i e l e s hat heute morgen der Reichswirtschaftsmini st er mit erfreulicher Klar- heit geantwortet: wie groß die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kabinetts sind, kann man am besten sehen, wenn man Stellen aus S ch i e l e s und C u r t i u s' Reden einander gegenüberstellt: Herr Schiele: „Der Possivsaldo der han- delsbilanz in den ersten fünf M»- naten des laufenden Jahres ist auf IL Milliarden Mark ge- stiegen. Wir werden bei F.m- dauer dieser Zustände mit mathe- malischer Gewißheit In absehbarer Zell vor ernste Entscheidungen gestellt werden.... Diese Passi- vität ist aber nur ein Ausdruck für das Vorhandensein einer großen, meist entbehrlichen Rah- rungsmitteleinsuhr auf geborgter Grundlage." Herr Dr. Eurtius: „Das aus dem Ausland zu uns hereinströmende Kapital aber kann zu uns, auf längere Dauer gesehen, nur in der Form von Waren gelangen und kann daher je nach der Konjunkturlage zu einer gewissen Passivität unserer Handelsbilanz führen. Daraus ergibt sich, daß solche Passivität keinerlei Anlaß zu Befürchtungen für unsere Währung bietet. Auch die Tatsache, daß im Vergleich zum Vorjahr die Passivität der Handelsbilanz erheblich gestiegen ist, findet jbre ausreichende Er- llärung in den KonjlMkturoer- Hältnissen. Die starke Depression von 1926 zeigte ein anderes Bild als die letztoergangenen Monate, in denen die Belebung der Wirt- schaft und die Neueinstellung von über 1 Million Arbeitskräften die heranschaffung erheblicher Rohstoffvorräte notwendig machte." Der eine Minister erwartet kritische Entscheidungen wegen der passiven Handelsbilanz und führt sie auf die Rah- rungsmitteleinsuhr zurück, der andere sieht in ihr ein normales Konjunktursymptom und erklärt sie aus vergrößerter Rohstoffeinfuhr. Der eine Minister beklagt, daß Deutschland seine Einfuhr mit Krediten finanziert: der andere hält den Zufluß von Auslandskapital für unentbehrlich. Aber die Gegensätze liegen tiefer, wie die folgende Kon- frontierung der beiden Minister deutlich zeigt. Herr Schiele: „Wenn man heute auf Grund der schlecht verstandenen Thesen der Weltwirtschaslskonserenz über den Abbau des deulschen Zollniveaus... diskutiert, so. verkennt man vollkommen die besondere Lage unserer Volts- Wirtschaft, die heute umringt und umdrängt ist von mehr oder we< Niger überhöhten Zollmauern anderer Länder." Herr Dr. Eurtius: „Die Tatsache bleibt bestehen, daß«ine außerordentlich große Zahl industrieller Warengruppen zwei Jahre lang mit Zollsätzen belaflet ist. die in dieser Höhe ihnen für so lange Zeit niemand zugestehen wollte. Es tritt des- halb nunmehr die ernste Frage auf, ob und unter welchen Vor- aussetzungen noch nicht ermäßigte Zollposilionen autonom zu senken sind." Der eine Minister diskutiert die Frage eines Abbaues des deutschen Zollniveaus, der andere hält eine solche Dis- kussion für überflüssig. Aber die Meinungsverschiedenheiten gehen noch weiter. Herr Schiele: „Eine wirkliche Sanierung unserer Zahlungsbilanz erreichen wir nur, wenn es uns gelingt, eine aus eigener Kraft balancierte Wirtschaft herzustellen. Das un- entbehrliche volkswirtschaftliche Mittel, welches wir zur Sanie- rung unserer Zahlungsbilanz... nötig haben, find Zölle auf die entbehrliche Rahrungsmillelein- fuhr." Herr Dr. Curlius: „Das Ziel einer ausgegliche- nen und einer sich fortschreitend aktivierenden Handelsbilanz muß nach wie vor durch Steigerung der Aussuhr erstrebt werden. Diese Steigerung brauchen wir, auf lange Sicht gesehen, zur Be- Zahlung der für uns notwendigen Rohstoffe und Nahrungsmittel und zur Abtragung unserer inter- nationalen Schulden. Die bis- herige Enlwicktnng zeigt, daß der weg. wenn auch nur ganz all- mählich, sich dieser Richtung zu- wendet." Krasser können die Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft der deutschen Wirtschaft kaum sein, als sie zwischen diesen beiden Ministern eines Kabinetts bestehen. Aber in einem sind sie einig. Beide wollen zunächst die Zölle auf Kartoffeln und Schweinefleisch erhöhen: und Herr Eurtius hat zum mindesten gegen eine Erhöhung des Zuckerzolls nichts einzuwenden. Beide wollen auch zunächst keine Zölle abbauen. Herr Dr. Eurtius versichert zwar, es seien nur t e ch- nijche Notwendigkeiten, die einen sofortigen Zollabbau un- möglich machten. Wir'glauSen, Vaß Sei sehr vielen Zöllen die technischen Hemmnisse sehr klein sind. Insbesondere wäre eine Ermäßigung der E i s e n z ö l l e, der Zölle auf einen großen Teil der Textilien sowie der Masse der C h« m i- k a l i e n z ö l l e ohne weiteres möglich. Für die Zoll- erhöhungen führt man aber die Notwendigkeiten der inneren Kolonisation an. Wir empfehlen Herrn Dr. Curtius und Herrn Schiele auch zur Förderung der inneren Kolonisation den Z o l l a b b a u als den geeignetsten Weg. Freigabe der Schnittholzcinfuhr aus Polen würde die Baukosten der Siedlerhäuser sehr wesentlich ermäßigen. Beseitigung der Zölle auf Futtergerste und Mais würde den bäuerlichen Schweinemästern, die unter der Teuerung ihrer Futtermittel aufs schwerste leiden, besser helfen, als das Kom- promiß über Kartoffeln und Schweinefleisch, das man mit Herrn Schiele geschloffen hat. Am wichtigsten scheint uns aber in der Rede von Herrn Dr. Curtius ein Satz zu sein, dessen Sinn deutlich werden kann erst dann, wenn man sich, wie wir es in der Gegenüber- stellung von Schiele und Curtius getan haben, die völlige Un- einhcitlichkeit der Wirtschaftspolitik des Reichs vor Augen hält. „Gerade das erachte ich auch als ein wesentliches Erfordernis fortschreitender Rationalisierung, daß man... bei sich im eigenen Hause Ordnung schafft."* Es herrscht die größte Unordnung im deutschen Reichs- kabinett, wenn zwei Minister nicht nur so verschiedene Mei- nungen über die wirtschaftlichen Notwendigkeiten Deutsch- lands haben, sondern sie auch äußern. Diese Unordnung im eigenen Hause sollte Herrn Dr. Curtius Veranlassung geben, mitderRationalisierungdesReichskabinekts zu beginnen. Sie ist dringend notwendig, und das deutsche Volk hat ein Recht darauf, aus dem Munde des ordnungliebendcn Herrn Dr. Curtius zu erfahren, ob e r oder Herr Schiele gegen den Kabinettsgeist verstoßen haben. Der preußische Elektrizitätstruft. Ter Gesetzentwurf des Handelsministeriums. Der Oesetzentwiirs über di« Z u s a m m e n s a s s u n g der elettro- «irtschastlichen Unternehmungen und Beteiligungen de« preußischen Staate« in einer Aktiengesellschnst ist jetzt dem Landtag zugegangen und wird morgen, Donnerstag, in erster Lesung beraten. Dieses Gesetz ist von großer politischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Eleklrizitätsbetriebe des preußischen Staates versorgen ein Gebiet von SOSOO Quadratkilometern mit 5 350 000 Einwohnern. Rechnet man hierzu den Einfluß, den der Staat durch seinen Zlktienbesitz an anderen Werken hat, so ergibt sich, daß ein recht beträchtlicher Teil de« preußischen Stdats- g e b i e t e s in seiner Versorgung mit Licht und Krast von dieser neuen staatlichen Aktie ngesellschast abhängig wird. Das öffentliche Interesse an einem zweckmäßigen Ausbau der Elektrizität�- Wirtschaft ist von uns wiederholt gewürdigt worden. Die Zusammenfassung der preußischen Betriebe Und Beteill- gungen ist ein wichtiger Schritt aus dem Gebiete der Ausgestaltung und Rationalisierung der Clektrizitätswiktschaft überhaupt. Di? Privatindustrle empsindet diese Tätigkeit des preußischen Staates als einen Fremdkörper. Diese Auffassung hat, wie erinnerlich, zu er- bittcrten Auseinandersetzungen mit den rheinisch-west- iälischen Elektrizitätswerken geführt, die als gemischtwirtschaftliche Unternehmungen vom Privatkapital in gewisser Abhängigkeit sind. Erst in letzter Zeit wurden diese Reibungen und die Konflikte mit den ElektrizttätSbetrieben des Reiches aus der Welt geschafft. Der grundsätzlichen Würdigung des Gesetzentwurfes, die im ..Vorwärts" bereits vor einigen Wochen erfolgte, sind aus dem Text der Vorlage noch einige Einzelheiten nachzutragen. Die neue Aktien- gesellschaft übernimmt die staatseigenen Betriebe und die Aktien- Pakete an anderen elektrowirtschaftlichcn Unternehmungen. Sie wird voraussichtlich einen Kapitalwert von etwa 80 Millio- n e n Mark darstellen. Durch die einheitlich« Organisation rückt damit die bisher stark zersplittert« Elektrowlrtschaft-Preußen» zu der Tänzerkongreß. Magdeburg, 21. Juni. Magdeburg, da« niemals eine Touristenstadt war, ist jetzt durch seine Theaterausstellung für einige Zeit zu einem Mittelpunkt des deutschen Fremdenverkehrs geworden. Was in diesem Sommer tag«, jubelt oder konferiert, gibt sich hier ein Stelldichein. Dem Ersten Internationalen Tänzerkongreß, der heute im Vor- irogssaal de« Ausstellungsgelände« eröffnet wurde, kann man immer- hin zugestehe», daß er den Theaterdingen näher verwandt ist al» di« Kinderärzte, die Postbeamten, die Zivilsupernumerare, die Körper- behinderten, der 18. Evangelische Gemeindetag. die mitteldeutschen Chirurgen und die Lederindustriellen, die hier bereit» ihr« Tagungen abgehalten haben. Vor zehn, fünfzehn Jahren wäre ein Tänzerkongreß, wie er hier geplant ist und ins Werk gesetzt wurde, eine Unmöglichkeit gewesen. Danml» war der Tanz, auch der Kunsttanz, Nicht« als ein Mittel zur lcichlen Unterhaltung, zur oberflächlichen Zerstreuung, zum Amüse- ment. Dieser Zustand hat sich inzwischen geändert. Heut» ist der Kunsttanz, vor allem in Deutschland, eine ernsthafte und ernst« Sache geworden. Er hat sich in«ine seriöse Kunst verwandelt, die sich dem Drama, der Malerei, der Plastik, der Musik absvlut ebenbürtig fühlt und sichlen darf. Die nicht mehr als dienend« Schwester anderer Künste, namentlich der Musik, erscheint, sondern sich ihre Selbständig- keil errungen hat. Zwischen der Beine schwenkenden, Glieder ver- renkenden, Kußhände werfenden Breitldioa von ehedem und einer Wigman oder Palucca liegt eine Welt. Ein« Füll» neuer theo- retischer und praktischer Probleme hat diese Entwicklung aufgerollt. Zu ihrer Erörterung und. wenn möglich. Lösung soll der Tänzer- kongrrß dienen. Anna Pawlowa, Mary Wigman, Ru« dolf von Laban, der Intendant Dr. Niedecken-Geb- h a r d und der Professor Oskar Schlemmer haben ihn ein- berufen. Ernste Fragen sollen in Vorträgen und Diskussionen ge- klärt werden, künstlerische Borführungen der ersten Solisten und Tanzgruppen in fröhlichem W«ttkamps die Verschiedenheit der Stile, Schulen und Individualitäten kundtun. Den Künstler und Kunst- theoretiker erwartet eine Fülle von Belehrung und Anregung. Nachdem heute morgen die Leitung der Deutschen Theateraus- stellung den Kongreß eröffnet und das Kongreßbureau sich kon- stiluieri hatte, ging man sosort an d«, Arbeit. Do» Thema„Grund- lagen und Gesetze der Tanzkunst" wurde zunächst in vier Vorträgen erönert. Pvafelsor Oskar B l e, der Beteron der zeit- genbssischen Tanzgeschichtschretbung, gab einen U«b»rblick über die Entwicklung des Gesellschafts- und Bühnentanzee. Diese Cntwick- lung— führte er aus beginnt Mit einer Epoche, kn der der Tänzer Instrument einer mathematischen Idee ist. E» findet dann einem Großbetrieb auf. Die Aktien der neuen Gesellschast werden verwallet vom preußischen Handelsminister sowie vorn Finanzminister. Diese beiden Ministerien üben das Stimmrecht der Generalversammlung aus. Ueber den Aufsichtsrat ist lediglich in der Begründung gesägt, daß sieben feiner Mitglieder aus dem Land- t a g gewählt werden sollen. Da aber gerade die Organisation der Verwaltung und der Anssichtsinstanzen von entscheidender Bedeutung für das gemeinwirtschastliche Funktionieren der neuen Aktiengesellschaft ist, ist dringend zu wünschen, daß man diese unter Berücksichligung aller Ersahrungen aufbaut, die man bei ähn- lichen Unternehmungen der Reichsbahn und der Rcichspost gewonnen hat. Mit der Gründung der Aktiengesellschaft gibt das P a r l a- ment einen großen Teil seiner Rechte aus der Hand, da es später nur noch an Hand der bereits genehmigten Jahresberichte seine Kritik ausüben kann. Um so wichtiger ist es, daß Vorstand und Aufsichts- rat der Gesellschaft von vornherein ausgebaut werden unter Berück- stchtigung der großen Elektrizitätsabnchmer, insbesondere der Ge- meinden und.Kreisverbände, und unter Mitwirkung der Arbeiter- schaft. Es ist zum mindesten zweckmäßig, daß derartige Anord- nungen, di« die preußischen Ministerien durch die AusführungS- bestimmungen später zu treffen haben, bereits bei der Durchberaümg dieses Ermächtigungsgesetzes vorbereitet werden. putsthlftenpläne vor Gericht. Prozest Sodcnstern-Mahraun.—«odensterus VerfchleppungSmanöver.— Ter Richter wegen Befangenheit abgelehnt. Sodenstern-Mahraun— und kein Ende. Fortsetzung der am 4. März vertagten Gerichtsverhandlung. Diesmal Sodensteni als Kläger, Mohraun als Beklagter. Ueberfüllter großer Schwurgerichts- jaol im alten Kriminalgebäude. Im Zuhörerraum lauter junge Leute. Vorsitzender Amtsgerichtsret B ü ch e r t. Aenreter des Kläger« Rechtsanwalt Bloch: Vertreter der Nebenkläger Mahroun und Pastcnaci die Rechtsanwälte Dr. K u n z und N ü b c l l. Auf der Zeugenbank der aus dem Wikingerprozeß bekannte Gewährsmann Mahrcuns Kafehagen, der Bundeskanzler der Iungdcutschcn Bornemajgn, der Frontbannvorsitzende Major a. D. Holt- mann, der bekannte Hauptmann a. D. Wackerzapp, der Leiter des Nachrtchtendienstes des Iungdo Abel, Instizrat C la ß, Kapitän Ehrhardt und andere. Gegenstand der Privatklagc ist jener Artikel im„Juiwdeutschen", in dem behauptet worden war, daß Sodensteni auf einer Führeraus- sprache erklärt habe, daß ein nakionaler Putsch zum Scheitern ver- nrtellk sei. sosern ihm ein Kommunisienputsch nicht vorangehen würde. Sollte dieser nicht von selbst kommen, so müßte er provoziert werden. Die Großindustri.'llcn Berlins müßten größere Arbeit-er- Massen auf die Straße setzen, und im gegebenen Augenblick hätte dann der Wiking sich zur Niederschlagung des Komirnmiskenputsches zur Verfügung zu stellen, der Parlamentarismus sei zu zerschlagen, di« nichtnationalen Oberpräsidenten und Landräte abzusetzen usw. Im Inhalt dieses Artikel» wie auch in einem zweiten Artikel erblickte Sadcnftern eine Beleidigung. Gegenstand der Widerklage Mahrauns ist die beleidigende Hetze, die gegen ihn in der„Deutschen Zeitung" unablässig geführt sein soll. Die Verhandlung beginnt mit einem Derschleppungs- angriff des Rechtsanwalts Bloch. Er beantragt die Vertagung: er könne nicht ohne den erkrankten Zeugen T s ch a in m e r ver- handeln, überdies habe er die Abschrift de» 22 Seiten umfassenden Schriftsatzes des Widerklägers erst vorgestern erholten. R.-A. Dr. Kunz bittet, den Vertagungsantrag abzulehnen. Der Gegen- stand der Widerklage sei in der vorigen Verhandlung ausführlich besprochen worden, und«ine Verpflichtung zu schriftlicher Nieder- legung der Widerklage bestehe überhaupt nicht. Das Gericht lehnt aus dem eben erwähnten Grunde den Vsrtagungsantrag des Klägers ab. Darauf'stellt R.-A. Bloch einen neuen Antrag: Er lehnt den Amksgerichksrat Vüchert wegen Befangenheit ab. Er habe durch die Art der Zeugenladung erwiesen, daß die Befürchtung vorliege, er würde den Tatbestand der Privatklag« nicht unparteiisch würdigen. Einmal habe er den Iustizrat C l o ß geladen, obgleich gegen diesen ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat schwebe. Die Absicht gehe eben dahin, ihn hier als Zeugen über Dinge aussagen zu lassen, über die«r als Angeschuldigter zu schweigen berechtigt gewesen wäre. So hat diese Ladung politische Hintergründe. Diese Ansicht des Klägers würde durch folgende Tatsache noch bestärkt: allmählich eine Emanzipation de» Tänzer« statt, dessen Persönlichkeit immer mehr zum Träger des Stil» wird. Heute führt der Kreis der Entwicklung nun wicd«r zum Ausgangspunkt zurück: der neue Tanz ist bewegte Architektur, der einzelne Tänzer nur ein Teil dieses orchi- tektonisch-mathcmatischen Ganzen. Der russisch« Tonzhlstoriter A n• drei L« o i n s o n, bekannt als Verfasser des grundlegenden Wer- ke» über di« Blütezeit de» Ballett«, führte die Gedankengänge Bie» näher aus. Er sprach von den Ideen und Formen des klassischen Tanzes. Zeigte, wie im ersten Stadium des Balletts die Zuschauer von erhöhten, amphitheatralisch angeordneten Sitzen auf den Schau- platz des Tanzes hinabblicken. Die Figuren, die die tanzenden Massen mit ihrer Bewegung auf d«n Boden zeichnen, sind da« künstlerisch Wesentlich«. Ein berühmter Tanzmeister dieser Zeit wird ausdrück- lich als„erfindungsreicher Geometer" gepriesen. Die Tanzfiguren sind abstrakt mathematisch. Die Periode der„horizontalen Chorea- graphie" endet, sobald di« erhöhte Bühne Schauplatz de» Balletts wird. Nicht die Tanzfigur, sondern d«r dynamische Schwung de» Einzeltänzer« ist jetzt Basis des Tanze«. Aufrechterhaltung des Gleichgewicht» und, als Mittel dazu, Auswärtsstellung der Beine werden wichtig« Programmpunkt« der tänzerischen Ausbildung. Aus- Hebung der Schwere wird da» künstlerisch« Ziel de» Balletts. Di« horizontal« wird von einer vertikalen Ehoreographie abgelöst. Dann kam ein Vertreter des modernen Stils zum Wort. Der Berliner Tanzschrlstfteller Fritz Böhme,«in Vorkämpfer und Ausgestalter der Labanschen Theorien, charakterisierte den Tänzer unserer Zelt. Der neu« Tanz ist nicht nur eine Negation de» alten, «» ist durch ihn ein Element in die Kultur des Abendlandes ge» kommen, da» diestr Kultur bi»her fremd war. Der neue Tanz schafft wieder Beziehungen zwischen der tünftlerischen Schöpfung und den geistigen Strömen der Gegenwart. Der alt« Tanz, da« klassische Ballett, hat seinen Symbolcharakter verloren, er bedeutet nichts mehr für die Zeit, weil er nichts von der Zeit deutet, der neue Tanz ist wieder Spiegel und Strahl. Und die Zukunftsfrage des neucn Tanzes ist: wie bringen wir wieder den Rhythmus in dieses durch die Alleinherrschaft des Verstandes verknöchert« Leben?— Nach einer kurzen Erholung»pause genossen die Kongreßteilnehmer eine getst- und humorvoll» wienerische Plauderei de« Architekten Adolf Loa» über allerlei Dinge, die mit Theater, Tanz, Gymnastik, Stehen, Gehen, Sitzen, Liegen mehr oder weniger eng zusammen- hängen. An diese Porträge, die die Pormittogstunden ausfüllten, schlössen sich nachmittag» die Veratungen der S« t t i a n e n. Man hatte ursprünglich beabsichtigt, deren drei zu bilden:«ine für tünst- ((tische, eine für organisstorische und eine sür päda- g o g I s ch e Fragen. Indessen wurde au« praktischen Gründen be- schlössen, zunächst die Organisationssragen im Plenum zu beraten. F r I e d e b a ch- Mannheim wurde zum Leiter der Sitzung gewählt. In den folgenden Togen sollen dann di« SettlvneN einzeln zu- sammenircten, es sotzen, da da» Arbeitsgebiet«in fast unüberseh- Sofort nach der H a ft e n kl affu n g de» DkeK. gegen' tz«? W Verbindung mit der Veröffentlichung Claßicher Pläne ein Landes». verratsveriahrcii ciössnet war, sei dieser in den Bureauräumen dcS Iungdeutschen Ordens von Mahraun, Bornemann, Paftenaci und» dem Rechlsanwall Nübell einem illegalen Zeugenverhör unter- zogen worden. Daraufhin seien Bornemann undMahraun nach Leipzig zum Oberreichsanwalt gefahren, hätten sich von ihm vernehmen lassen und die Aussage des Dietz gegen Claß zu ihrer eigenen gemacht. Dies« Aussag« sei auch zur Grund- läge des Schriftsatzes des Widerklägers gemacht worden. Die Be- sürchiung der Befangenheit seitens des Richters begründete R.-A, Bloch auch mit dem Umstände, daß er die von dem Kläger benannten Zeugen nicht geladen, dagegen aber sämtliche von dem Widerkläger benannten Zeugen geladen habe. � Amtsgerichtsrat B ü ch e r t erwidert darauf, daß die Parteien ja in der letzlen Gerichtsverhandlung sichüberdieLadung der Zeugen geeinigt hätten. R.-A. Kunz hält der Klägerpaner entgegen, daß Mahraun und Bornemann nicht aus eigenem Antriebe nach Leipzig gefahren wären, sondern vom Oberreichsanwalt als Zeugen geladen worden seien. Im übrigen erklärt Amtsgerichtsrat Büchert, daß er sich in keiner Weise sür befangen halte und alles tun würde, damit die Verhandlung noch heute zu Ende geführt würde. Vorläusig wird sie unterbrochen, damit die Kammer über den Ab- lehnungsantrag de» Rechtsanwalts Bloch entscheiden könne. Nach weiteren Verhandlungen zogen sich auf Anregung von Rechtsanwalt Dr. Nübell die Parteien zu kurzen privaten Per- Handlungen über einen eventuellen Vergleich zurück. Mlemann unö Genossen. Ter nicht verhinderte Mord. Der Femeuntersuchungsausschuh des Preußischen Landtages nahm am Dienstag abend den Bericht des Abg. kuttner(soz.) über den Inhalt der Akten über das Versahren gegen Oberstleutnant Ahlemann und Genossen wegen Anstiftung ,mn Altentat gegen den früheren Znnenminister Severins entgegen. Der Bericht- erstatter teilte zunächst den Inhalt eines Gutachtens des Anstaltzarztes über Grütte-Lehder mit: Grütte-Lehder ist be- kanntlich wegen Ermordung des„Spitzels" Müller-Dammers zu acht Iahren Gefängnis verurteilt worden. Dieses Gutachten des Anstalts- arztes stellt fest, daß man Grütte-Lehder zurzeit als geisteskrank be- zeichnen müsse. Es sei möglich, daß man es bei dieser Krankheit Gruttc» Lehders mit einer Haftwirkung zu tun habe: bei der ganzen Der, anlagung Grütte-Lehder« fei es aber auch möglich, daß es sich b-i diesem um eine schleichende Geisteskrankheit handele, und zwar um einen Spoltungsirrsinn. Grütte-Lehder besinde stch zurzeit in der Irrcnabteilung. Abg. kuttner erklärt, es bestehe danach kein Zweifel, daß man es bei Grütte-Lehder mit einem Geisteskranken zu tun habe. Der Redner gibt dann«inen Auszug au» der vorjährigen Aussaga Grütte-Lehders vor dem Ausschuß, in der dieser u. a. behauptet hatte, daß Ahlemann dem Angebot Grütte-Lehder-, ein Attentat auf Severing zu begehen, nicht ablehnend gegenüber gestanden habe, daß vielmehr zwischen ihm und Ahlemann Besprechungen über das Attentat erfolgt seien. Der Redner erklärt, daß viele Behauptungeq Grütte-Lehders inzwischen widerlegt worden seien. Bezüglich Ahlemanns hat Grütte-Lehder alles zurückgenommen und hat sich sogar bei ihm entschuldigt. Gegen Wulle und Kuba hält er ober noch einige Anschuldigunqen ausrecht. Grütte-Lehder kommt aber al» Zeuge nach keiner Richtung hin mehr in Frage. weil ihm überaus viel« Fälschungen und Unwahrheiten nachgewiesen sind. Der Abg. Kutiner schildert dann noch, wie stch nunmehr nach den Akten das Beweisthema des Untersuchungsausschüsse»,„die Beziehungen zwischen G.-L. und oölksschen Abgeordneten aufzu» klären", darstelle. Danach Hot G.-L. dem damaligen völkischen Ab- geordneten Oberstleutnant a. D. Ahlemann spontan den Vor» schlag gemocht, mit Gleichgesinnten Severing zu ermorden. Ahle- mann hat die, durchaus abgelehnt und in ruhiger Weiss G.-L. diesen Gedanken auszureden gesucht. Die Erteilung der völkischen Parteioollmacht zu Organssations- zwecken an den steb, zehnjährigen G.-L. bleibe ausällig. Zusammenlassend könne nach den Akten gesagt werden: Der Abg. Ahlemann hat Grütte-Lehder zu einem Attentat an Minister Severing nicht anaektiitet oder sein Einverständnis dazu erklärt. Auch davon, daß er den Attentatsplan unterstützt Hab«, kann nach dem Inhalt der Akten kein« Rede sein. Dagegen trifft zu, daß der Abg. A h l e m a n n bei zwei Gelegenheiten von der Absicht Grütte-Lehders gewußt hat.«in solche- Attentat zu begehen. Es könne weiter nicht festgestellt werden, daß die Abg. Wulle bare» ist, zur Beratung besonder» wichtiger Fragen Kommissionen! und Subkommissionen gebildet und das Ergebnis dann in Form von Beschlüssen am letzten Tage dem Kongreß vorgekgt werden. _ John S ch i k o w s k i. Sommerposse. Immer hitziger wird es auf der Bühne, immer eisiger wird e< im Parkett, d. h. in den Hinteren Reihen werden Plattheiten und Zoten von einem Publikum beklatscht, dem die Erziehung durch die Volksbühne sehr wohl täte. Neben den Leuten, die gern empfangen. was ihnen von ernsten und gefühlvollen Theaterfreunden gebmen wird, gibt es Tausende von entgleisten Konsumenten, di« noch nicht aus und ein wissen und jede Schweinerei und jede Dummheit mit ihrem banalen Geschmack« beklatschen. Dolksbühne, wirb, wirb! Noch kurz zu der Sommerposse, mit der dos Residenz« theo t er aufwartet. Schon der Titel soll sehr sachlich sein. Er lautet:„Der Storch ist tot." Der Titel des letzten Residenz- theaterstückes war sehr deutlich. Es hieß„Das Absteigequartier". und man konnte in Seligkeit und in Zoten schwimmen, bis einem die Flut übelduftig bis an die Nase emporstieg. Man ist gegen das Schund- und Schmutzgesetz, doch gegen Schund und Mist, der sich so unverblümt präsentiert. Der Storch ist tot, das bedeutet, der junge Ehemann darf sein« Frau nicht in das Iungfernbett bringen, weil die ehemalige Geliebte. die natürlich Solott« heißt, Erpressungen aueübt. Nun wird die Er- Presselin abgeschüttelt und das Iüngferleln erhält noch im letzten Moment alle«, was sie braucht. Dieses Iüngferleln wird gespielt von einer Debütantin, dem Fräulein Ellen Schwannete.die ein rich- t'ge« Theaterkind ist: denn sie überragt schon heute ihre Umgebung durch gewandte« Gehen und Sprechen und eine bedeutende Sicher- heit im Spenden von Pointen. Sie ist ein zierliches Mädchen mit etwas müden Bewegungen, sie hält sich nicht sehr flott, sondern«her etwas gleichgültig, und man glaubt, daß sie. geführt von einem ordentlichen Regisseur, sich zur beseelteren Schwermut leicht finden würde. Im übrigen spielten Hans Lippschütz, Ell! Wyda, Otto Storm und Maria West Posse mit wütendem Tempo. Das war schauspielerisch sehr derbe, ober auch richtig für jene- rückwärtig» Parkett. M. H. Friedlich»ayßler, Komödie„Jan der Wunderbare" siedelt vom 2Z. 6il ~ Ü1"4' tn l'r OUginalbeietzung mit Friedrich Kaokler als Wilhelm in da« Theater am Bülowplatz üben va» Konservatorium kllvdworth Scharwttta gibt im Bceihovensaal sei» junste» Konzert am Freitag �Eerl« der neueren Zeit). Volkbühnen-Sonderzug uach INogdeburg. Der Sonder, ug. den dt, i'm" Volksbühne zur Thcalcr-Ausilclluna und zum 8. VolkSbübnentoa nach Magdeburg laufen lägt, ha! eln» oiigerordintliche Beleiligung gefunden. Der Zug fahrt Sonnabend, mittag» 13.60 vom Poisdamer Bahnho ab. Dl« Rückfahrt erfolgt sonnlag abend(ab Magdeburg 21.67). Die 100 Millionen-Anleihe Herlins. Sie haben etwas läuten hören. Verschiedene vlorgenzeilungen bringen henke Mitteilungen über den angeblichen Abschluß der bekannten!00-Millionen-Anleihe der Stadt Berlin, die nur zum Teil den Tatsachen entsprechen. E» ist bisher keinerlei Abschluß ersolgt. sondern e» liegen der Stadt mehrere günstige Angebole englischer Bankhäuser— teils direkt, teil» indirekt— vor. die zurzeit der Prüfung unterliegen. so zum Beispiel neben dem in der heutigen Morgenpresse verössent- lichten Angebot einer sechsprozentigen Anleihe zum Kurse von ein andere» zum Kurse von SZVj. Richtig ist, daß die in Betracht kommenden Bankhäuser sich ihrerseits gebunden haben. Die Finanz- deputation hat aber in ihrer gestrigen Sitzung noch zu keiner Entscheidung kommen können, weil eine vergleichung und Nachprüfung der Einzelbedingungen der Angebote erforderlich schien. Sie wird sich voraussichtlich in ihrer morgigen Sitzung endgültig entschließen. Die vorliegenden Angebote sind insofern besonders günstig, als die Banken bei dem Kurse von durchschnittlich 93� Proz. Stempel und Spesen in Höhe von 2 bis 3 Proz. selbst zu tragen bereit sind. Der Emissionskurs würde auf diese Weise die Höhe von 98'-» Proz. erreichen müssen. In einem solchen Angebot und in der sicheren Voraussetzung, daß eine Anleihe auf dieser Basis in kürzester Frist überzeichnet werden wird, drückt sich bester, als es Worte ver- möchten, das unbedingte Vertrauen auch des Aus- landes in die geregelte Haushaltsgeborung und Kreditfähigkeit Berlins aus. Keine deutschnationale Agitation über„rote Mißwirtschaft" und„Vergeudung städtischer Gelder" wird daran auch in Zukunft etwas änderni Strittig sind von den Einzelbedingungen der Anleihe namentlich zwei. Das ein« ist die sogenannte„negative Derpsän- dungsklausel", die der Stadt die hypothekarische Belastung cinzalner Vermögenswerte(außer bei Wohnungsbauten) untersagt. Sie ist unbedenklich, weil der Kredit Berlins, wie sich ja gerade hier wieder gezeigt hat, so groß ist, daß eine solche Belastung niemals in Frage kommen kann. Die zweite ist die Anerkennung der englischen Gc> richtsbarkeit, über deren Berechtigung die Meinungen g«teilt sind. Irrtümlich ist die Darstellung, als ob es sich hier um eine neue Beschlußfassung der städtischen Körperschaften handelte. Die IVO-Millionen-Anleihe ist ein Teilbetrag des im diesjährigen Haushalt vorgesehenen Anleihebedarfs, der seit langem von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt ist. Di« An- leihe war ursprünglich als Inlandsanleihe vorgesehen. Da der Inlandsmarkt zurzeit verschlossen ist, wurde sie sodann durch eine Dringlichkeitsvorlage des Magistrats vor 14 Tagen in eine Aus- landsanleihe umgewandelt. Daraufhin hat der Stadtkäminc- rer die betreffenden Verhandlungen mit ausländischen, insbesondere Londoner Banken geführt. Die Entscheidung über Annohme oder Ablehnung der Angebote liegt nunmehr ausschließlichbei der Finanzdeputation, �er die Stadtverordnetenversammlung die Festlegung der Einzelbedingungen übertragen hat. Eine erneute Genehmigung durch die Stadtverordnetenversammlung ist nicht mehr erforderlich. Diese Richtigstellungen scheinen uns geboten, nachdem die irr- tümliche Darstellung mit ihrem den Tatsachen entsprechenden Kern, der nur durch einen groben Vertrouensbruch an die Oesfentlichkeit gelangt sein kann, heute in mehreren Morgenblättern veröffentlicht worden ist. und Kube Erüte-Lehder zur Ermordung Mllller-Dammers an- gestiftet haben, und daß sie von der Absicht Grütte-Lchders gewußt haben, Mllller-Dammers zu töten. Festgestellt werden könne da- gegen, daß der Angestellte der Völkischen Freiheitspartei v. Tettenborn von Grütte-Lehder von der Absicht Kenntnis erhalten habe, Mllller-Dammers zu ermorden. Dagegen hätten A h l« m a n n und Kube von der Absicht der Ermordung Eeverings, und Tettenborn von der Absicht der Ermordung Müller-Dommcrs gewußt. Der Berichterstatter unterfuchte darauf die Frage, wie sich die Betreffenden zu den Bliltellungen Grülte-Lehders verhalten haben. Ahlemann habe versucht, den Plan Grütte-Lehders bezüglich der Ermordung Mllller-Dammers zu zerschlagen. Er habe serner ein zweitesmol versucht, Grütte-Lehder von der Tat ab zu- mahnen. Tettenborn habe Grütte-Lehder wegen der Abficht der Ermordung Dammers heftig angefahren und ihm m i t einer polizeilichen Anzeige gedroht. Bezüglich des Ver- Haltens des Abg. Ku b e stehe nicht fest, daß er gegen Grütte- Lehdcr etwas unternommen hat. Der Berichterstatter glaubt, daß es bei Zugrundelegung des Akteninbalts vollständig aus- geschlossen sei, den genannten Abgeordneten irgendwie den Vorwurf zur Anstiftung, des Einverständnisses oder der Billigung zum Morde sowohl bezüglich Eeverings als auch bezüglich Müller- Dammers zu machen. Zweifelhaft fei, ob das, was gegen die Absicht«« Grütte-Lehders geschehen ist, als ausreichend bezeichnet werden könne. Das elte bezüglich Ahlemann, der zweimal von der Mordabsicht Grütte- ehders erfahren hat. Die Völkische Freiheitspartei habe Grütte- Lehder kratz feine» Alordangebales weltgehende vollmachten aus- gestellt. Es sei auch möglich, daß die Völkische Freiheitsvartei Grütte-Lehher den Ausweis zur Leitung der völkischen Organisation in Vorpommern ausstellte in Kenntnis der Mordabsicht Grütte- Lehdere. Diesen Umstand müsie man als äußerst bedenklich be- zeichnen. Abg. Kulkner wie dann darauf hin, daß eine Vorschrift bestehe, diese Dinge zur Anzeige zu bringen, und zwar namentlich aus Grund des Rcpublikichuhgesetzes. Diese Verpflichtung zur Anzeige hätte namentlich bestehen müssen angesichts des zweiten aufgeregten Briefes Grütte-Lehders an Ahlemann. Diese Anzeige hätte zur Folge ge- habt, daß die Ermordung Müller-Dommers vielleicht verhindert worden wäre. Man könne weiter sagen, daß die Ermordung ver- bindert worden wäre, wenn die Völkische Freiheitspartri die schärfsten Konsequenzen gezogen hätte aus der Mordabsicht, wenn sie von Grütte-Lehder abgerückt wäre und ihn nicht weiter in der Partei beschäftigt hätte. Tatsächlich habe die Partei ihn zwar scheltend ab- geraten, aber Grütte-Lehder habe erlebt, daß ihn tatsächlich seine Mitteilungen nicht geschädigt hätten. Man habe ihm seine Funktio- nörstelle gelassen. Der Ausschuß hätte nach Ansicht des Berichterstatters Gruird, sich damit�zu beschästigen, ob nach den dreimal geäußerten Mordabsichtcn Grütte-Lehder nicht von denjenigen, die Zeugen der Gespräche gewesen sind, dabin gewirkt werden mußte, daß Grütte- Lehder nicht die Tat ausführen konnte. Diese Unterlassung sei besonders zu werten van allgemein politischen und moralischen Gesichtspunkten aus. Der Redner schließt, das alles ändere nichts an der Tatsache, daß eine Anstiftung zun, Morde oder eine Billigung der Tat von keiner Seite der Völkischen Partei erfolgt ist. Abg. Dr. Deerberg(Dnat.) stellt die Frage, ob ein« Erhebung der Anklage gegen Wulle und Kube wegen Kenntnis des Mordes er- folgt sei.' 0 Abg. kuttner(Soz.) erwidert, daß in dem Cinstellungsbefchluß darüber nichts enthalten fei. Der Berichterstatter wird daraufhin vom Ausschuß ermächtigt, noch einmal die Akten durchzusehen, ob die Frage der Kenntnis der Mordabsicht bei der Einstellung de» Verfahrens berücksichtigt worden ist. Damit war die Sitzung des Ausschusses beendet. Um üen ermorüeten tzelüentenor. Beginn des Prozesses Grosavesrn. Men. 22. Juni(Eigener Drahtbericht). Unter großem Andrang des Publikums begann heute vormittag 9 Uhr vor dem SchwurgerichtinWiender Prozeß gegen Frau Ellen Grosavcscu. Unter den Zuhörern sind vornehmlich Frauen. Um 10 Uhr betritt die Angeklagte in einfachem schwarzen Kleid den Derhandlungssaal. Die Frau macht einen nicht un- sympathischen Eindruck. Zu Beginn der Derhandlung teilt der Dorsitzendc mit, daß die 214 jährige Tochter der Angeklagten und die Mutter im Getöteten sich dem Verfahren als Privatklägcr anschließen und Ersatz- anspräche an die Angettogte stellen. Der Verteidiger spricht sich sehr entschieden gegen die Zulassung besonders des Töchterchens der Angeklagten als Privatkläger aus und ruft in den Saal:„Es gehl nicht an, daß die lochler der Angeklaglen zur Hilfe des ösfenllichen An- klägers auslrill." Da» Gericht beschließt jedoch, beide zuzulassen. E» werden dann die Zeugen aufgerufen, etwa 40 an der Zahl, meisten» Frauen. Darauf wird die A n k l a g e s ch r i f t verlesen. Es heißt darin, daß am 1ö. Februar Grosavescu ein« Gastspielreise nach Berlin antreten wollte. Ursprünglich hatte er geplant, seine Frau mitzunehmen, und die Fahrkarte I. Klasse in zwei Fahr- karten II. Klaffe heimlich umgetauscht. Aber als sie ihm während des Mittagessens wieder Vorwürfe über angebliche Beziehungen zu einer Dame der Wiener Gesellschaft machte, entschloß er sich, sie nicht mitzunehmen. Er warf ihre Kleider aus dem Koffer, in dem sie verpackt waren. Sie räumte sie wieder ein und nahm den K o f s e r- schlüssel. Er entwand ihn ihr wieder und wollte ins Schlaf- zimmer gehen. Zwischen Speisezimmer und Schlafzimmer traf ihn die Kugel. Die Anklage betont, daß der Revolver vorbereitet ge- wesen sein müsse. Denn der Kasten, in dem der Revolver aufbewahrt gewesen feln soll, wurde nach der Tat versperrt vorgefunden, und auch die Wäschestücke, unter denen der Revolver gelegen haben soll, wiesen keinerlei Unordnung auf. Die Anklage bezeichnet die An- geklagt« als eine herrschsüchtigeFrau mit maskulinem Einschlag. E» beginnt da» Verhör der Angeklagten. Der Vorsitzende erlaubt ihr, da sie seit dem Mord im Spital in Behandlung war. sich sitzend zu verantworten. Sie verantwortet sich mit leiser aber be- stimmte? Stimme. Auf die Frage de» Vorsitzenden, ob sie sich schuldig bekenne, antwortet sie bestimmt:„Nein." Vorsitzender:„Aber die Tatsache, daß Sie geschossen haben, müsien Sie doch zugeben." Angeklagte:„Es ist m ö g l i ch. Ich leugne es nicht." Dann erzählt sie von ihrer erstenEhe. Im Jahr« 1923 hat sie Grosavescu in einem Kaffeehaus tennengelernt. Sie ging mit ihm noch im gleichen Jahre ein« w i l d e E h e ein. Es gab von Anfang an schwere Zerwürfnisse. Ihr Mann habe sie auch geschlagen. Schon in den ersten Monaten de« patres 1924 habe sie Spuren seiner Mißhandlungen an ihrem »öroer iestgestellt. Er habe nicht nur sie mißhandelt, sondern auch nnbett Leute geschlagen. Die Angeklagte bricht in nervöses Weinen »>!» Die Verhandlung wird darauf auf eine halbe Stunde u n t erbrochen. Nach der Wiederaufnahme wird das Verhör fortgesetzt. Streckenarbeiters Tod. Aus der L« h r t« r E i s e n b a h n b r ll ck e. die über die H o v e l In Spandau führt, werden zurzeit Auebesserunasarbeiten an den Gleisen vorgenommen. Heute morgen gegen 6� Uhr wurde der 31 Jahre alte Streckenarbeiter A r t h u r M o l l e n h a u e r aus der Deinevstraße 54 in Spandau durch einen hcranbrausenden Vorortzug überfahren und so schwer verlegt, daß er gleich danach verstarb. Mollenhauer war rechtzeitig durch ein Signal gewarnt und hatte sich bereits mit seinen Arbeitrkollegen von den Gleisen entfernt. Plötzlich sprang er aber noch einmal aus. das Gleis zurück, allem Anschein nach, um Handwerkszeug zu entfernen. In diesem Augen- blick war der Zug aber schon an der betreffenden Stelle angelangt und erfaßte Mollenhaucr, ehe dieser noch zurückspringen konnte. Explofionsunglück in Tempelhof. Zwei Arbeiter schwer verletzt. In der chemischen Fabrik der Hüttenwerte A. Meyer in der G e r m a n i a st r a ß e 145/149 zu Tempelhof ereignete sich heute mittag gegen'AI Uhr eine folgenschwere Explosion. Aus bisher noch ungeklärter Ursache explodierte unter heftiger Detonation ein großer Säurebehälter. Zwei in der Nähe de» Explosions- Herdes beschäftigte Arbeiter,' der 4<)jäHrige Fritz Schwenk aus der Schönftedtstraße zu Neukölln und der neben ihm stehende 47jährige Heinrich F e ck e l d c y, der in der Schefselstraße 15 zu Lichtenberg wohnt, erlitten am Kopf, an den Händen und Körper schwere Verletzungen. Die Verunglückten wurden in das Neuköllner Krankenhaus überführt. Ein Mäüchenmorü bei vortmunö. Tie Täter in Berlin? Ein Kapitalverbrechen, wie angenommen wird«in Lustmord, wurde am vergangenen Montag in der Dortmunder Gegend verübt. Er beschäftigt auch die Mordinspektion der Berliner Kriminalpolizei. Auf dem Rittergut Störmede diente«ine lg Jahre' alt« Erna Günther aus Gensick«. Diese besuchte ihre Eltern in Genstcke und macht« sich am Montag nachmittag um 4 Uhr auf den Heimweg nach dem Gut. Um 6 Uhr wurde sie irr einem Kornfeld an der Chaussee tot a u f g e s u n d e n. Sie war vergewaltigt und ermordet worden. Die Leiche zeigte Würgemale am Halse und auf dem Leib« eine 10 cm lange Schnittwunde. Die Ermittlungen ergaben durch Zeugenvernehmungen, daß der bestialischen Tat zw« i Geisteskranke dringend verdächtig sind, die am Sonn- tag um 10 Uhr aus der Heil- und Pflegeanstalt Warstein, die 5 Wege- stunden vom Fundort entfernt liegt, entwichen waren. Das Mädchen ist um die angegeben« Zeit, zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags, auf der Chaussee noch gesehen worden, als sie nach Störmede zuging. Andere Zeugen hotten gesehen, daß um diese Zeit ein etwa 40 Jahre alter Mann, der nur mit Hemd und Strümpfen bekleidet war, au« dem Kornfeld herauskam, während ein zweiter im Straßengraben lag. Die beiden entwichenen Geisteskranken sind«in am 10. Ottober 1878 in Trier geborener berufsloser Wilhelm K a p f e r und ein Bauklempner Ewald B u r g h a r d t, der am 7. Juli 1907 in Lippstadt geboren ist. Auf beide wird auch in Berlin gefahndet. Kapfer hat eine Zeit lang in der französischen Fremdenlegion gedient und ist ein mehrfach be- stroster Verbrecher. Während er wegen Raubes und Totschlages eine längere Strafe in der Strafanstalt Münster verbüßte, zeigte er Spuren von Geisteskrankheit, die feine Ueberführung in die Heil- anstatt Warstein veranlaßten. Mitteilungen über das Auftauchen der Gesuchten in Berlin werden an die Mordinspektion A im Berliner Polizeipräsidium erbeten._ Feuer unter dem Bahnhof Zoo. Heute morgen gegen 7� Uhr alarmierte man die Feuerwehr nach dem Lokal von K o s ch w t tz, das sich unter der Lahnüber- führung am Bahnhof Zoo, Hardenbergstr. 25, befindet. Hier war in der Küche ein Brand ausgekommen, der allem Anschein nach auf Fahrlässigkeit zurückzuführen ist. Die Feuerwehr war l'A Stunden lang mit Löscharbeiten beschäftigt, doch ist die Küche total ausgebrannt. Infolge de» starken Frühver- tehrs am Bahnhof Zoo hatte sich eine größere Menschenmenge an- gesammelt. Auch mußte der Verkehr der Züge aus kurze Zeit unter- brocken werden, da die Flammen in den Bahnkörper durchschlugen. In der vergangenen Nacht gegen 10 Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Hause Weißend urgerStraßel? geruien, wo der D a ch st u h l des rechten Seitenflügels in hellen Flammen stand. Die Feuerwehr gab aus mehrerm Rohren Wasser, tonnte den Brand aber erst nach zweistündiger Tätigkeit löschen. Der Dach- stuhl ist vollständig niedergebrannt. Personen sind zum Glück nicht verleht worden. Allem Anschein nach ist das Feuer in- folge Fahrlässigkeit entstanden. Ferieusonderzüge nach Nord« und Ostsee. Die R e i ch s b a h n d i r e k t i o n Berlin hat sich entschlossen, noch folgende Feriensondcrzüge mit 33fh Proz. Ermäßigung ein- zulegen: Nach der Ostsee: Nach Sahnitz am 5. Juli: Stettiner Bahnhof ab 11 Uhr 36 Minuten: nach Kolberg am 6. Juli, Stettiner Bahnhof ab 11 Uhr 44 Minuten, nach S w i n e m ü n d e am 7. Juli, Stettiner Bahnhof ab 9 Uhr 50 Minuten, nach Warnemünde am 5. Juli. Stettiner Bahnhof ab 10 Uhr 54 Minuten. Nach der Zt o r d s e e: Nach Hamburg am 5. Juli, Lehrter Bahnhof ab 22 Uhr 20 Minuten, nach Bremen-Nord- d e i ch am 6. Juli, Lehrter Bahnhof ab 23 Uhr 6 Minuten. Die Fahrtarten zu den Zügen werden ob Montag, 16 Uhr vormittags, an den Schaltern der Fahrtartenausgaben der Ab» gangsbahnhöfe verkauft. Alle bisherigen Bestellungen sind hin- fällig. Schriftliche Bestellungen werden für diese Züge nicht entgegengenommen. Fahrkarten werden nach den gleicken Stationen ausgegeben wie bisher bei den Zügen der gleichen Richtung. Bei Vorzeigung von mindesten» sieben Fahrkarten können aus den Namen des Bestellers Abteile reserviert werden. Zur Hinfahrt müssen bekanntlich die Sonderzüge benutzt werden, beziehungsweise von Hamburg aus nach den Nordsee- bädern die fahrplanmäßigen Bäderzüge,' die. soweit sie V-Züg« sind, zur Hinfahrt ohne besonderen Zuschlag benutzt werden können. Für die Rückfahrt stehen allen mit Feriensonderzugkarten Reisenden sämtliche fahrplanmäßigen Züge zur Berfügung. Auf der Rückfahrt ist bei Benutzung der zuschlagpflichtigen Schnellzüge die geringe Gebühr von 1,50 Mark zu entrichten, die für die Kosten einer mehrwöchigen Reise kaum ins Gewicht fällt. Wer jedoch die Rückfahrt ohne weitere Aufwendung machen will, benutzt die Eil- und beschleunigten Personenzüge, die von jeglichen Zuschlagen frei sind. »HroDaSt und Erziehung." Die letzte Monotsversammlung des„Bundes E n t s ch i e- dener Schulreformer" war bereite als ein Auftakt zu der vom 30. September bis zum 4. Oktober stattfindenden großen H e r b st t a g u n g des Bundes gedacht.— Alle drei Referenten behandelten dasselbe Thema: Die Auswirkung des Problems „Großstadt" auf das Kind. Als erster Redner des Abends sprach Schulrat E. Ä I e h w e g(Löbau) über„G r o ß st a d t m e n s ch und Großstadtschüler". Er charakterisierte den Typ des Großstadtmenschen als den Menschen der' neuen Zeit, des neuen Zeitalters, dessen Tempo und Rhythmus von der Maschine be- stimmt sind. Naturentfremdet, herausgelöst aus dem naturgege- benen Rhythmus des Wechsels der Jahreszeiten, der Tag- und Nacht, zeit, eingespannt in eine entseelte, von der Maschine diktierte Arbeit, steht der Großstadtmensch von heute zwischen den Zeiten. Als Gegenwert für die Auflösung aller Traditionen und Bindun- � gen gibt ihm die Großstadt das Erlebnis der Masse, der anonymen Verbundenheit, die doch wie nichts anderes auch die' Loslösung von dem gesellschatlich gezeichneten, abgestempelten„Ich" ermöglicht. Der Großstadtschüler nun, der als Kind und jugendlicher Mensch zwischen all diesen Spannungen steh«, verlange auch Erzieher, die ihn nicht mit dem Ballast überlebter Traditionen belasten, die sowohl die Gefährdeten wie die Gesunden Verständnis- voll durch die Krisis der Zeit führten: Denn von dem Wert dieser Jugend hängt die Lösung des Problems„Großstadt" letztlich ab.— Herr Dr. med. Gumpert ergänzte diese Ausführungen dann vom Standpunkt des Arztes: Der B o d e n wu ch e r sei das größte Verbrechen an der heranwachsenden Generation. Nicht ollein, daß in den überfüllten Wohnungen die körperliche Ge- sundheit der Kinder Schaden nehmen.— Frau Irma F e ch e n-' b a ch gab dann aus ihren„Erfahrungen als Schul- s ch w e st e r" die zahlenmäßige Ergänzung zu dem Vortrage Dr. Gumpels.— Vor allem leide die Fürsorge durch„Schul- schwestern" an der Ueberbürdung der einzelnen Kräfte. So habe sie zurzeit— 14 Schulen z u betreuen! Wie notmen- dig hier eine gute Fürsorge sei, ergebe sich aus folgenden Zahlen: Von 304 neu eingeschulten Knaben seien nur 21 in gutem Gesund- heitszustand gewesen, 79 Prozent seien bei mittlerer Gesundheit, 14 Prozent in ausgesprochen schlechtem Gesundheitszustand gewesen — 6 Prozent gesundheitlich so heruntergekom- inen, daß sie überhaupt nicht schulfähig waren! 9,5 Prozent der Schulentlassenen seien nicht erwerbsfähig gewesen. Daß die Fürsorge immer noch unzulänglich sei, ergebe sich daraus. daß von den 3500 Kindern ihres Bezirkes nur 12;= 0,6 Prozent zur Kur, 247=: 14,7 Prozent zur Erholung verschickt werden konnten. Nur 311 hätten Schulfrühstück, nur 41 Schulmittagbrot bekommen.— Bei diesen Verhältnissen sei die Anstellung Haupt- amtlicher, auch die Behandlung übernehmender Schulärzte dringen- des Erfordernis, und ebensowenig seine Umstellung und Erneue- rung des Lehrpersonals. Habe sie doch durchschnittlich noch alle Woche einen Fall, in dem sie feststellen müsse, daß Schüler deutliche Merkmale von einer von dem Lehrer veranlaßten Züchtigung tragen!— Angesichts dieser Tatsachen verzweifele man an dem Nutzen von„Resonnen", bevor nicht die Grundlagen geändert seien— und das bedeute«ine Um- wälzung unseres gesamten gesellschastlichen Z u st a n d e s! Di» be- achtenswerte Aussprache wurde crössnet und geleitet vom Borsitzen- den Professor Dr. Paul Oestreich. Mordversuch einer Mutter an ihren Kindern. Essen. 22. Juni.(TU.) Die 31 Jahre alte Ehefrau eines Installateurs aus Mörs-Meersbeck versuchte aus unbekannten Gründen ihre beiden elf und sechs Jahre alten Söhne zu töten. Sie schlug die Knaben mit einem Hammer auf den Kopf und stieß ihnen dann ein Rasiermesser in inen Hals. Darauf lief sie zum Amtsgericht und meldete ihr« Tat. Die Polizei fand die beiden Kinder blutüberströmt in ihren Betten liegen. Das jüngere Kind dürfte kaum mit dem Leben davonkommen: man hofft, den älteren Knaben retten zu können. Die Täterin ist verhafter worden. Meuterei in einem amerikanische» Gefängnis. London, 22. Juni.(TU.) Wie au» New Park berichtet wird. haben im Staatsgefängnis von L a n s i n g im Staate Kansas 800 Gefangene gemeutert und sich in eine Grube unter- halb des Gefängnisses eingeschlossen, weil ihnen nicht gestattet wurde, Zigaretten in Empfang zu nehmen. Der Zugang zu der Grube, in der sich weder Nahrungsmittel noch Wasser befinden, ist verbarrika- diert, und die Gefangenen lehnen e» ab, Zurufe zu beantworten. 14 Gefängniswärter werden als Geiseln von ihnen fest- gehalten. Zum Internationalen Gewerksthastskongreß Der viert« ordentliche Jnternationole Gewerkschaftskongreß, der vom 1. bis 6. August in Paris abgehalten wird, weist in seiner Tagesordnung folgende wichtigere Punkte auf: 4. Der organisatorische Aufbau des JGB.: 5. Angestellte, Beamte und freie Berufe in der Gewerkschaftsbewegung: K. Internationale Hilfe bei Lohnkämpfen: 9. Internationaler Kampf um den Achtstundentag: 10. Di« wirtschaftliche Weltlage: 11. Abrüstungsfrage und Kampf gegen Krieg und Militarismus. Dem Kongreß gehen am 29. und 30. Juli die Internationalen Konferenzen der Arbeiterinnen und der Berufssekre- t a r i a t e vorauf. Von den Anträgen, mit denen der Kongreß sich zu befassen hat, seien die folgenden erwähnt: Großbritannien beantragt, den Sitz des Bundes nach Brüssel zu verlegen, während die Schweiz die Verlegung in ein anderes Land beantragt. Der Vorstand des IGB. beantragt, an Stelle der jetzigen drei gleichberechtigten Sekretärs einen Ge- neralfekretär zu wählen und ül'erläbt es dein Kongreß, einen oder mehrere Untersekretäre zu wählen oder durch den Ausschuß wählen zu lassen. Statt drei sollen vier Bizevorsitzende gewählt werden und zwar je einer von der englischen, der deutschen, der la- teinischen, der skandinavischen und baltischen und schließlich der sla- wischen und Balkanländergruppe. England beantragt die Zu- snmmensetzung des Vorstandes aus einem Borsitzenden, drei Stellvertretern, einem Generalsekretär und einem Hilfssekretär. Holland will ebenfalls einen Präsidenten» drei Bizepräsidenten, einen Vertreter der Angestellten oder Beamten und drei Sekretäre. Auch für die Zusammensetzung des Ausschusses liegen Anträge vor, von denen der des Vorstandes als Ausschußmitglieder die Mitglieder des Vorstandes, zwei Vertreter jeder angeschlossenen. Landeszentral« und drei Vertreter der Berufssekretariate vorsieht. Während der niederländische Eewerkschaftsbund den Beitrag zum IGB. von 12 auf 18 Gulden jährlich pro ItilX) Mitglieder erhöht wissen will, schlägt der V o r st a n d vor, außer dem regel- mäßigen Beitrag von 12 holländischen Gulden für drei Jahre einen jährlichen Extrabeitrag von 3 Gulden zu erheben. Der Antrag zu Punkt 5 sucht der Organisation der An- g e st c l l t e n, Beamten und freien Berufe gerecht zu werden. Für die internationale Hilfe bei Lohnkämpsen ist eine ein- gehend« Regelung beantragt. Der holländische Antrag will-die Er- richtung eines internationalen Unterstützungsfonds für Streiks und Aussperrungen auf seine Möglichkeit hin geprüft wissen. Der hol- ländische Gewerkschaftsbund will außerdem dem Gedanken einer Einheits- oder Hilfssprache auf den Kongressen des IGB. gefolgt wissen, um die zeitraubenden Uebersetzungen überflüssig zu machen. Er will ferner die Züricher Internationale der Sport- verbände als die maßgebende Sportorganisation anerkannt wissen. Zum Achtstundentag bzw. zur Ratifikation des Wash- ingtoner Abkommens beantragt England, Vorkehrungen zu treffen für eine gleichzeitige Intervention bei den fünf Großmächten für eine Ratifizierung der Konvention. Im Hinblick auf das im März 1926 von den fünf Großmächten getroffene Uebeveinkommen lägen keine stichhaltigen Gründe mehr dagegen vor. In dieser Aufsas- sung dürfte es selbst unter den beteiligten Regierungen nur eine Meinung geben. Die Vornahme der Ratifizierung scheitert nur noch daran, daß keine dieser Regierungen den Ehrgeiz hat, die e r st e zu sein, die die Ratifizierung vollzieht und sich damit dem Stirnrunzeln des Unternehniertums aussetzt. Und weil jede Regie- rung nur darauf wartet, bis die andere den Anfang macht, kommt die Sache nicht vom Flec� Wird diesem munteren Spiel nicht bald ein Ende gemacht, dann wird das Washingtoner Achtstundentag- Uebereinkommen vom 29. Oktober 1919 noch so gründlich„interpretiert", daß außer dem„grundsätzlichen" Achtstundentag nichts mehr von ihm übrig bleibt. Dann würde es vielleicht ratifiziert werden. Auch der von Großbritannien gestellte Antrag zur A b- rüstungsfrage und zum Kampfe gegen Krieg und Militaris- mus dürfte der Zustimmung der Gewerkschaftsvertreter aller Länder sicher sein. Oie Sastwirtsgehilfenorganisation 1926. Es gibt keine gewerkschaftliche Organisation, für die das Jahr 1926 nicht eine schwere Belastungsprobe war. Die bisher veröffent- lichten Jahresberichte legen Zeugnis ab davon, welch« Anstrengun- gen die Gewerkschaften gemacht haben, mtt die bisher errungenen Positionen der Arbeiterschaft auch in der Krisenzeil zu erhalten. Sie zeigen aber auch, daß die Gewerkschaften den Absichten der Unternehmer weit erfolgreicher begegnen könnten, wenn die Ar- beiterschast endlich der Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Zu- sammcnschlufses folgen würde. Auch auf das Gastw-irtsgewerbe blieb die anhaltende Wirtschaftskrise des Vorjahres, wie der Jahres- bericht des Zentralverbandes der Hotel-, Nestau- rant- und Cafeange st eilten zeigt, nicht ohne nachhaltigen Einfluß. Waren Ende Dezember 1925 nach den Arbeitsnachweis- berichten insgesamt 28 578 Gastwirtsangestellt« erwerbslos, so stieg diese Zahl bis Ende 1926 a u f 3 6 1 8 0. In den Statistiken der Arbeitsnachweise sind jedoch lange nicht alle Erwerbslosen er- faßt, da gerade viele Erwerbslose im Gastwirtsgewerbe die gewerbs- mäßigen Stellenvermittler aufsuchen oder sich ihre Stellungen durch Inserate besorgen. Die ungeheure Arbeitslosigkeit machten sich, wie überall, so auch im Gastwirtsgewerbe die Umernehmer zunutze, um die sozialen Bestimmungen der Tarifverträge und die Löhn« abzu- bauen. Trotzdem hat die Organisation noch 4 9 Angriffs- bewegungen, wovon drei Streiks, geführt, die mit Aus- nähme von 19 erfolglosen Bewegungen im Gesamtdurchichnitt eine Lohnerhöhung von 3,47 M. pro Kopf und Woche brachten. Bon den 14 Abwehrbewegungey war leider nur ein geringer Teil erfolgreich, so daß im Gesamtdurchschnitt ein Lohnabbau von 2,62 M. pro Person und Woche hingenommen werden mußte. Die Angriffslust der Unternehmer erhellt schon aus der Tatsache, daß die Zahl der an den Angnffsbewegungen Beteiligten von 136 943 im Jahre 1925 auf 38 482 gesunken, die Zahl der an den Abwehrbewegungen Beteiligten jedoch von 5718 aus 22 735 gestiegen ist. Die Zahl der Tarifverträge konnte nicht nur gehalten, fondern sogar von 89 Verträgen mit 92 299 Beschäftigten zu Be- ginn des Berichtsjahre« auf 82 mif 98493 Bifchäftigken am Schlüsse des Berichtsjahres erhöht werden. Bedauerlich ist das geringe Interesse der Gastwirtsangestellten, sich eine gesetzliche Be- triebsvertretung zu wählen. Durch eine Umfrage wurde festgestellt, daß von 2978 erfaßten Betrieben nur in 546 eine Vetriebsvertretung gewählt worden war. Der Mitgliederstand hat sich erfreulicherweise gehalten. Wenn am Schlüsse des Berichtsjahres 23932 Mitglieder gegen 23 479 zu Beginn des Jahres gezählt wurden, so ist der Rückgang um 447 Mitglieder nur scheinbar. Es ist lediglich mit den Papier- foldaten aufgeräumt worden, was allein schon die Tatsache beweist, daß die Zahl der geleisteten Beiträge trotz der großen Arbeits- losiikeit von 814819 aus 829988 gestiegen ist. Sehr groß ist noch die Fluktuation der Mitglieder: steht doch einem Mit- gliederzugang von 11 265 ein Abgang von 11 793 gegenüber. Der- hältnismäßig günstig ist die finanzielle Entwicklung der Organisa- tion. Trotz erhöhter Ausgaben für Arbeitslosen- und Krankenunter. stützung erhöhte sich der Bestand der Hauptkasse von 74 343 M. auf 81599 M. Ebensalls gestiegen ist die Auflage der Ver- bandszeitung, und zwLricIr»n»»tre,ß» 40 Ssn«f»lderBtraß* SO Woddlngstr. O(Clgairron-QowcH&ft) Ob*rachiiSn*w*ld*, Edlwonstr. SS BrunnonstrmB* SO N• u k ö( I n, St*lnm*tzatraB* 103 N«u Kölln, OkaratrnB« O Verlangen Sie unverbindlich Vertretard», Uetz m. b�arck R A D I O G i n BERLIN W SO, Kurfdrstandamm 17 Beleuchtungskörper und jeden elektrischen Gebrauchsartikel bekommen Sie am billinsten bei bequemer Teilzahlung in unserert Ausstellungsräumen, Elsässer Straße 78 ■ Elektrische Anlagen während der Sonnnerinonate □ einfache Brennstelle 10.— M. bei sauberster Ausführung. Berliner Elektriker-Genossenschaft LG-m-b-H. Elsasser Str. S6-SS Alezanderstr. 39-40/ Wilmersdorf, Landbausstr. 4 Konkurrenzlos!!! NeUBbetteR..... mt�PM«tenniu«ai. MUai-Cliiuseioiitiie«.' guUMloMae-veoie.) WaBUeUn««.... PaienUn airatzen... Freisendung! 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