Nr. 2�2 ♦ 44.�ah?g. Ausgabe A Nr. 749 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich S,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Areuzdand illr Deutschlanö. Danzig, Saar- und Memelgebiet, Oesterreich. Litauen. Luxemburg 4.50 Reichsmark, ftlr das llbrige Ausland ö,ö0 Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. ren Lonntagsbeilage„Boll und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen",„Aus der Mlmwelt". „Frauenstimme".„Der Rinder. freund".„Iugend-Vorwärts".„Blick in die Bücherwclt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentaglich zwei» mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „Sozialvemokrat Berlin- Morgenausgabe |P>g> G. Verliner VolksdlÄkt �10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige NonparcÄe» zeile 80 Pfennig Reklamezeil« d>— Reichsmart.Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pfennig (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l2 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort kb Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbcitsmarkt Zeile 00 Pfennig. Familienanzcigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 4W Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW LZ. Linden. straße S, abgegeben werden Geöffnet von SV, Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrat» fehen parte» Deutfcblands Redaktion und Verlag: Serlin EW. HL, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2SÄ— ÄS7. Tonnerstag, den 33. Juni 1937 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EL). HS, Linöenstr.Z Poftscheckkout«: Berlin Z7 5Z«— BauNonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Wallstr. Iii Dtstonto-Sesellschaft. Dc»»stte»kaffe Lindenstr. Z. Heamtenöemonftration im Lustgarten. Ein Appell der Beamtengewerkschaften. wie mir von guk unkerrichleker Seile erfahren, hat die Kon- serenz der Landessinanzminisker für die Beamten ein negatives Ergebnis gebracht. Die Finanzminisler von Bayern und Sachsen erklärten, die Mittel zur Durchführung der Besoldungs- reform vor dem!. Oktober nicht verfügbar zu haben. Die Finanzminifler der anderen Länder haben sich dieser Erklärung stillschweigend angeschlossen. Der Reichsfinanzminister wird im haushaltsausschuh des Reichstags am Areilag also erklären, daß die Ainanzminisler der Länder seine Stellungnahme teilen. Dieses Ergebnis war vorauszusehen. Die Konserenz der Landessinanzminisker bedeutet ja nichts anderes, als daß der Reichs- finanzminifler bei seinen Kollegen in den Länderregierungen Deckung suchte und sie auch fand. Räch wir vor sind die Länder finanziell selbständig und dürfen dem Reiche ein vorgehen nicht vorschreiben. Es geht auch nicht an, daß die Rot der Beamten dazu benutzt wird, den Finanzausgleich zugunsten der Länder zu ändern. Für die Frage der Besoldung der Reichsbeamten ist und bleibt natürlich die Reichsregierung und der Reichstag allein entscheidungsberechligt und verantwortlich. Schreiten sie vor- an. werden sich auch Mittel und Mege finden, um den Beamten der Länder und Gemeinden zu helfen. »- Das Provinzialkartell Berlin des Deutschen Beamtenbundes und die Soziale Arbeitsgemeinschaft Deutscher Beaintenverbände im Deutschen Beamtenbund veranstalten heute abend 8 Uhr im Lustgarten eine Protestkundgebung. Die Versprechungen der einzelnen Finanzminister und der politi- schen Parteien werden von den Beamten der unteren Besoldungs» gruppen nicht mehr ernst genommen. Äie Erklärungen des Reichs- sinanzministers Dr. Köhler gehen dahin, daß verausstchtlich frühestens im cherbst dem Reichstag eine Vorlage unter- breitet werden soll, durch welche eine Erhöhung der Besoldungs- bezöge vorgesehen wird. Die Beratungen im Reichstag werden sich jedoch nach den bisherigen Erfahrungen sehr lange hinauszögern, so daß die Beamtenschaft vor dem späten Winter nicht aus«ine Er- höhung ihrer Bezüge rechnen kamr Die Beamten der unteben Be- soldungsgruppen können jedoch unter keinen Umständen solange warten. Sie müssen von der Reichsregierung und den Parlamenten erwarten, daß sie sofort Geld erhalten, um aus der drückenden Notlage, die ganz allgemein von allen beteiligten Stellen anerkannt wurde, befreit zu werden. Aus diesem Grunde wird die Beamten- schaft noch einmal, und zwar in aller Oefsentlichkeit, zu dieser wichtigen Frage Stellung nehmen und ihr« Entrüstung über die beabsichtigte weitere Verschleppung zum Ausdruck bringen. Soziale Arbeitsgemeinschaft Deutscher Vcamlcnverbände. Aufruf an Sie Mitglieder des /IDS. Nach der machtvollen Demonstration des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes auf dem Gendarmenmarkt bei Zusammentritt des Reichstages hat nunmehr auch der Deutsche Beamtenbund eine öffentliche Kundgebung nach dem Lustgarten für heute abend 8 Uhr einberufen. Der DBB. hat damals fein« Mitglieder von der Kund- gebung des ADD. durch Aufruf und Flugblätter fernzuhalten ver- sucht. Wir kennen keinen Organifationsegoismus: uns geht es um die Sache. Darum fordern wir unsere Mitglieder auf, sich ge- schloffen an der Demonstration im Lustgarten zu beteiligen, damit sie ein« Kundgebung der gesamten Beamten- schaft wird. Sie soll den Rechtsparteien zeigen, daß es mit der Geduld der Beamtenschaft zu Ende ist. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Ortsausschuh Berlin. Portoerhöhung und Sesolöungsreform. Was man den Beamten erzählt. Ueber die Frage der Erhöhung der Postgebühren läßt sich der „Deutsche* von„geschätzter Seite* schreiben, daß die Begründung der Vorlage durch die Reichspostverwallung allerdings viel zu wünschen übrig gelassen habe. Jedoch sei der Hauptgrund der Porto- erhöhung in der„bevorstehenden Beamtenbesoldungsresorm" zu suchen. Diese„b e v o r st e h e n d e* Besoldungsreform soll aber erst am 1. Oktober vorgenommen werden. Sie würde 8<1l1 bis Süll Millionen kosten. Am 1. Oktober käme aber noch die Miets- erhähung von 1Ü Proz., die, sagt die„geschätzte Seite", der„Wirt- schaft* Nochmals 400 Millionen tosten würde. „Run wollte man mit solchen gewalligen Summen die Wirtschaft nicht auf einmal belasten, so daß die Portoerhöhung einige Monate vorher durchgeführt werden sollte. Das ist der Sach- verhalt. Gegen die Portoerhöhung haben nun ausgerechnet jene Parteien sich am schärfften ausgesprochen, die immer die lautesten Ruser bei Erhöhungen der Veamtenbesoldungen sind. Wir garan- tieren: wenn im Oktober Sozialdemokraten und Demokraten vor die Wahl gestellt werden, entweder die Beamtenbesoldung aufzu- schieben oder aber eine Gebührenerhöhung der ReichsbahnundReichspost mit in den Kauf zu nehmen, daß dann beide Parteien, um einige Wühlerstimmen aus dem Be- amtenlager zu ergattern, eine Tariferhöhung bis zur Bewußtlosig- keit beschließen werden.* Also die„geschätzte Seite* kündigt auch eine Gebühren- erhöhung der Reichsbahn an! Der außerordentlich günstige Stand der Reichsbahn ist notorisch. Bei der Reichspost haben unsere Genossen, trotz der Verschleierungspolitit der Ver- waltung, nachzuweisen vermocht, daß die notwendige und dringende Erhöhung der Beamtenbezüge auch ohne Portoerhöhung sofort möglich ist. Auch die Beamtenorganifationen, auch die dem Deut- schen Beamtenbünd angeschlossenen christlichen Beamten- verbände teilen diese Ansicht. Sie werden heute abend im Lustgarten dies öffentlich demonstrieren. Der„Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften aber veröffentlicht am selben Tag diese schäbige und verlogene Anrempelung. Wir sagen mit der „geschätzten Seite": Mit innerer Wahrhaftigkeit hat ein solches Verhalten bestimmt nichts zu tun. Außenpolitik im Reichstag. Stresemann und die Deutschnationalen. Heute um 3 Uhr nachmittags beginnt die außenpolitische Debatte des Reichstags mit einer Rede Dr. S t r e f e- manns. Ihr soll eine Erklärung folgen, die die Regie- rungsparteien gemeinsam abgeben wollen und d>e der Zentrumsabgeordnete K a a s verlesen soll. Die Abfassung dieser Erklärung scheint jedoch auf einige Schwierigkeiten gestoßen zu sein, so daß bis zum letzten Augenblick zweifelhaft bleibt, ob sie wirklich abgegeben werden wird. Dann wird für die Sozialdemokratie Genosse Dr. Breitscheid zu Wort kommen. Ob die Fraktionen der Regierungsparteien noch besondere Redner vorschicken werden, steht noch nicht fest, einstweilen ist nur Dr. Zapf von der Bolkspartei an- gemeldet. Am Freitagnachmittag soll die Debatte beendet werden. Am Freitagoormittag wird der Auswärtige Ausschuß tagen. Als erster Punkt steht auf seiner Tagesordnung das Kriegsgerätegesetz, das ihm vom Reichstag ohne Debatte überwiesen worden ist. Das Kriegsgerätegesetz steht in engem Zusammenhang mit der gesamten Außenpolitik, denn es bildet das Schlußftück der Deutschland aufgezwungenen Entwaffnung. Herstellung, Einfuhr und Ausfuhr von Waffen und Kriegsgerät sowie von Maschinen, die zur Herstellung von Waffen verwendet werden können, werden bis auf einige genau und eng begrenzte Ausnahmen verboten. Die unveränderte Annahme des von der Bot- schas, erkonferenz genehmigten Gesetzentwurfs war schon zum 15. Juni zugesagt worden, sie gehört zu den Bedingungen, die Deutschland akzeptiert hat. um die Militärkontrolle loszu- werden. Dieser sehr„erfüllungspolitische* Gesetzentwurs ist von der Bürgerblockregierung eingebracht. Die Deutschnatio- nalen werden deshalb von der völkischen Preffe bereits lebhaft angegriffen. Es wird ihnen aber trotz allen Geschreis, daß die Außenpolitik radikal geändert werden müsse, nichts an- deres übrig bleiben, als das Kriegsgerätegesetz anzunehmen. Die Erklärungen, die Herr Stresemann heute abgeben wird, waren Gegenstand einer sehr eingehenden Aussprache, sowohl im Kabinett wie auch im interfraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien, der gestern vormittag drei Stunden lang zusammensaß. Die Deutschnationalen sind— dies scheint das Ergebnis zu fein— nicht bereit, einem positiven Ver- trauensootum für Stresemann zuzustimmen, doch werden sie ein etwaiges Mißtrauensvotum gegen ihn ablehnen. In ihrer Presse hetzen sie gegen ihn, im Reichstag werden sie ihn, soweit es nötig, stützen. Keine Einigung See Regierungsparteien. 3n später Abendstunde verlautet, daß eine Einigung über eine gemeinsam abzugebende Erklärung der Regierungsparteien nicht zustande gekommen ist. da die Deuischnatlonalen den vom Abg. Kaas entworfenen Text nicht akzeptieren wollen. Bleibt es dabei, so werden die Regierungsparteien jede für sich besondere Erklärungen abgeben. Das Rntigewerkschaftsyesetz. Zwischenberatung im Oberhaus. London, 2?. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Das Unterhaus hat am Dienstag das„Berichtsstadium" des Gewerkschastsgcsetzes ab- geschlossen. Der Gesetzentwurf wird nunmehr an das O b e r h a u» verwiesen, von dem nur geringe Abänderungsvor- schlag« zu erwarten sind. Dann geht das Gesetz zur dritten Le- sung und endgültigen Verabschiedung an das Unterhaus zurück. vor der Entscheidung. Zum Kampf um die ArbeitSloserrvcrficheruug. In den nächsten Tagen wird der Reichstagausschuß fii« soziale Angelegenheiten mit der zweiten Lesung des Gesetz» entwurfes über Arbeitslosenversicherung begannen. Bon dem Ergebnis dieser Beratungen wird die Stellungnahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion abhängen. Der inten» siven Mitarbeit der Sozialdemokratie ist manche Verdes» s e r u n g in der ersten Lesung zu danken, dennoch bleibt das bisherige Gesamtergebnis ungenügend. Drei große Fragen von weittragender sozialpolitischer Bedeutung stehen zur Entscheidung: die künftige Organisation! der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung: ihre Selbstverwaltung und nicht zuletzt der materielle Arbeits» lvsenschutz. i Die Organisationsfrage hat eine Lösung in unserem Sinne gefunden. Es soll ein einheitlicher Träger für die Aufgaben der Arbeitsmarktpolitik und des Irbeitslosenfchutzes geschaffen werden, der sich, seinen Bedürfnissen entsprechend, örtlich(Arbeitsämter) und zwischenörtlich(Landesarbeits- ämter) gliedert. Dem Vorstand dieser Reichsanstalt obliegt es, die notwendige Neugliederung durchzuführen. Er soll es im Benehmen mit der obersten Land es be Hörde tun« Das ist eine außerordentliche E r f ch w e r u n g für die Durch- führung der erforderlichen organisatorischen Umstellungen. Im Vorstand der Reichsanstalt sitzen bereits fünf Vertreter der öffentlichen Körperschaften, davon sind vier Vertreter der Länder. Es wird aber schon im Borstand schwer sein, den politischen Partikulurismus der Länder zu überwinden. Nicht genug damit, soll der Vorstand außerdem seine Maßnahmen im Benehmen mit der obersten Landcsbehörde treffen. Diese Vorschrift muß gestrichen werden. Aber auch die beste organisatorische Lösung gleicht dem berühmten Messer ohne Klinge, dem auch das Heft fehlt, wenn es an Selbstverwaltung mangelt, der Geist der Ver» sicherten keine ausreichende Möglichkeit der Entfaltung hat. Die Anträge der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. die das sicherstellen wollten, sind abgelehnt worden. Soweit die Organe der Reichsanstalt auf dem Gebiete der Arbeitslosen- Versicherung tätig sind, ist ihre Zusammensetzung paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Also keine maß- gebende Mitwirkung der Versicherten, wie sie der Artikel 161 der Reichsverfassung vorschreibt. Im übriger. sind die Organe der Reichsanstalt: die Verwaltungsausschüsse der Arbeitsämter und ihre geschäftsführenden Ausschüsse, die Berwaltungsausschüsse der Landesarbeitsämter, der Verwal- tungsrat der Reichsanstalt und der Vorstand der Reichsanstast zu je ein Drittel aus Vertretern der Arbeitnehmer, Arbeit- geber und öffentlichen Körperschaften zusammengesetzt, Gegenwärtig besteht die Drittelung im Arbeitsnaänveiswesen nur bei den Verwaltungsausschüssen der Landesämter und beim Verwaltungsrat des Reichsamtes. Aber auch hier tritt nach den Beschlüssen der ersten Lesung eine Aenderung in der Zusammensetzung der Vertreter der öffentlichen Körperschaften ein. Bisher sind die Vertreter der öffentlichen Körperschaften in den Verwaltungsausschüssen der Landes- ämter nur Vertreter der Errichtungsgcmeinden: die oberste Landesbchörde ist berechtigt, Beauftragte mit beratender Stimme zu entsenden. Die Vertreter der Errichtungsgcmein- den müssen nach dem gegenwärtigen Rechtszustand auf Grund von Vorschlagslisten der beteiligten Gemeinden bestellt werden, wobei die Bedeutung der verschiedenen Gemeinde- gruppen zu berücksichtigen ist. In Zukunft sollen neben Vertretern des Landes Vertreter der Gemeinden nnd Ge- meindeoerbände berücksichtigt werden. Das ist fast eine Um- kehrvng des bisherigen Zustandes. Beim Verwaltungsrat des Reichsamts liegen die Dinge ähnlich. Das Arbeitsnachweisgesetz bestimmt, daß die Vertreter der öffentlichen Körperschaften(Gemeinden, Gemeinde- verbände, Länder) vom Reichsarbeitsminister nach Anhörung des Reichsrats berufen werden. Nach den Beschlüssen der ersten Lesung werden die Vertreter der öffentlichen Körper- schaften auf V o r s ch l a g des Reichsrats berufen. Unter den mindestens zehn Vertretern der öffentlichen Körperschaften sollen sich mindestens zwei Personen befinden, die benrslich gemeindliche Interessen wahrnehmen. Die gegenwärtig bestehende stärkere Berücksichtigung der G e m e i n d e n hat ihren Grund in ihrer Vorarbeit und ihren Erfahrungen auf dem Gebiete des öffenttichen Arbeitsnach» weiswesens: sie werden auch zur Aufbringung der Mittel herangezogen. In Zu k u n f t sollen die L a st e n nur noch durch die Versicherungsbeiträge gedeckt werden. Es kommt aber nur noch die Nutzbarmachung der praktischen Erfahrungen der Gemeinden in Frag«: die Beschlüsse der ersten Lesirna sind das Gegenteil davon. Zur Sicherung einer wirklichen Selbstverwaltung fft ferner notwendig, daß das Aufsichtsrecht des Reichsarbettsministers scharf abgegrenzt wird-, es muß sich auf eine Ueberwachung der Innehaltung des Gesetzes beschränken. Vor allen Dingen müssen die Selbstverwaltungs- organe in allen Instanzen entscheidende Befugnisse bei der Bestelllmg der Vorsitzenden und bei der Festsetzung ihres Haushalts erhalten. Jede behördlich-bureaukratische Regler mentierung fft der Todfeind der Selbstverwaltung. Freie Bahn dem Tüchtigen, das kann nur bei wirklicher Selbstver- üvalttmg Wahrheit- werden. So entscheidend die Selbstverwaltung für die Durchfüh- rung eines Gesetzes ist, ein wirksamer Arbeitslosenschutz er- sorhert auch ein ausreichendes materielles Recht. Was sich die Parteien des Bürgerblocks auf diesem Gebiete geleistet' haben, fft weit entfernt von der Erfüllung- der Verfassungs- bestimmung, daß für den notwendigen Unterhalt der Arbeitslosen gesorgt wird, wenn angemeffene Arbeitsgelegen- heit nicht nachgewiesey werden kann. Der Umfang der Arbeitslosenversicherung muß sich auf alle Arbeiter und Angestellten erstrecken, insbesondere müssen also auch alle land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer und das ländliche Gesinde einbezogen werden. Voraussetzung für den Anspruch auf Versicherungs- leistungcn ist nach den Beschlüssen der ersten Lesung die Zu- rücklegung einer versicherungspflichtigen Beschäftigung von 26 Wochen in den letzten zwölf Monaten: gegenwärtig be- trägt die Antwartschaftszeit nur 13 Wochen. Die Dauer der Unterstützung wird auf 26 Wochen verkürzt: der Verwaltungsrat kann sie bei be- sonders ungünstigem Arbeitsmarkt bis auf 39 Wochen aus» dehnen: eine solche Verlängerung bedarf der Zustimmung des Reichsarbeitsmimsters. Auch hier eine wesentliche Verschlechterung gegenüber dem gegenwärtigen Zu- stand. Nach den amtlichen Ausweisen vom 15. Mai waren 502 499 Unterstützungsempfänger über 26 Wochen arbeitslos, davon 226 023 in der Krisen- fürsorge also über 52 Wochen arbeitslos. Die sozialdemokratischen Anträge über die Höhe der Unterstützung sind abgelehnt worden. Noch den Beschlüssen in der ersten Cefung soll die Unterstützung derjenigen Arbeits- losen, die Anspruch auf Veirsicherung sleistungen hoben, pro Woche betragem ,' i"'. i''-. Das bedeutet für die unteren Lohnklassen ein toesentlicher A.bbau der Unterstützungssätze, was gleichbedeutend mit Zwang �zum Lohndruck ist: für die oberen Lohnklassen bedcuten die. Beschlüsse der ersten Lesung eine nicht erhebliche Verbesserung der Unterstützungs- fätze. i- Gegenwärtig erhält im Wirtschaftsgebiet HI lWesten)' Ortsklasse A ein nicht alleinstehender Erwerbsloser über 21 Jahre vom Beginn der neunten Unterstützungswoche an � i12,60 M. pro Woche, im Wirtschaftsgebiet II(Mitte) Orts- zwei Kindern erhält st», ersten. Fall 21�5 M., im-zweitM; Fall 1ö,!75 M.?tach,.�r anMchen.Giryebu»�. vom.. A.ÄUi 1926 waren über 80 Proz. aller Unterstützungsempfänger über 21 Jahre alt. -- Der ledig« Erwerbslose über. 21 Jahre in den Wirtschasts- gebieten II und III erhält danach ht den Klaffen 1'bis- 4 wenig e r an Unterstützung wie gegenwärtig von der neunten Unterstützungswoche ab: in diesen vier Lohnklassen befanden sich nach der vorerwähnten amtlichen Erhebung *44 Proz. aller U n t erstü tz u n g semp f ä n ge r. Bei Die Volksbühne. Ihre Entwicklung in den Jahren 1926/27. Die VolksbühnenbeWegung wendet sich an die arbeitenden vnd Minderbemittelten Kreise der Bevölkerung. Deshalb mutzte sich die wirtschaftliche Notlage des Volkes im vergangenen Winter auf die Entwicklung der Volksbühne im ungünstigen Sinne auswirken, hat die Bevölkerung mir Not und Sorgen zu kämpfen, so werden Mög-' lichkeit und Neigung zu einem regelmätzigen Theaterbesuch nur gering sein. Und zu dieser ungünstigen wirtschaftlichen Situation treten die Konkurrenz von Film und Radio, und dos noch immer fteigende Interesse, an sportlichen Veranstaltungen. Aber damit noch nicht'genug. Nicht zu verkennen ist, datz an oieien Orten die Situation der Volksbühnen durch Konkurrenzmotznahmen geschäftstüchtiger Theater- keiter und Billetthändler stark erschwert wird, die, besonders bei schlecht gehenden Stücken, Bureaus und Vereine aller Art mit Frei- karten oder Gutscheinen überschwemmen, Oder sie gründen auch. ihrerseits Organisationen, bei denen sie rein äutzerlich das System der Volksbühne nachahmen, ohne ihren Geist zu übernehmen. sSchlietzlich soll auch nicht eine wachsende Abneigung der Großstadt- menschen unserer Zeit übersehen werden, überhaupt noch Bindungen einzugehen, die zugunsten irgendwelcher sestdatierter Veranstaltungen die Bewegungsfreiheit für eine längere Zeit einengen. Unter Be. rücksichtigung dieser Taffachen darf es nicht wundernehmen, wenn der große Aufschwung der BolksbüHnenbewegung in den ersten Jahren nach der Revolution allmählich langsamer wurde, und wenn dos letzte Jahr ihn überhaupt zum Stocken kommen lietz. , Dieser Rückgang ist bezeichnenderweise fast restlos zu erklären durch Mitaliederverluste in den drei größten Organffationen des Ver- bandes. Die Berliner Volksbühne, wie die Organisationen in Dresden und Hannover erfuhren nicht unerhebliche Einbußen. In Berlin oerminderte sich die Zahl der Mitglieder um etwa 2S lX)0. in Hannooer und Dresden um je 10 000 bis 15 000. Das macht insgesamt einen Mitgliedcrverlust von 50 000. Weim gleichwohl die Gesamtbewegung nur 15 000 Mitglieder einbüßte, so erklärt sich das einmal aus dem erfreulichen Wachstum zahlreicher mitt- lerer und kleinerer Vereine. Organisationen, wie beispielsweise die in Königsberg und Stuttgart, sicherten sich Tausende neuer Freunde. Außerdem gelang auch im letzten Jahre wieder die Gründung zahl- reicher neuer Organisationen und die Gewinnung einiger bereits be- stehender für den Verband. Das Wachstum zahlreicher älterer Organisationen und der Gewinn von mehr als dreißig neuen Orga- nifattonen brachte nahezu 40 000 neue Mitglieder. Der Verband der Deutschen Volksbllhnenvereine umfaßt heute 20? Volksbühnen- gemeinden mit insgesamt 540 000 Mitgliedern. Das heißt, der Ver- band ist auch ,heute noch eine gewaltige achtunggebietende Organiso. tivn. Von den örtlichen Organisationen steht Berlin mit seinen 125 000 Mitgliedern noch immer an der Spitze. Es folgen zwei Organisationen mit einer Mitgliederzahl zwischen 20 000 und 30 000, nämlich die in Hannover und Dresden. Drei Vereine umfassen zwischen 10 000 und 20 000 Mitglieder(Breslau. Chemnitz und Stuttgarts Betrachtet man das Verbältnis der Mitglieder der Ver- eine zu der Bevölkerungszahl der Orte, in denen sie ihren Sitz haben, so stehen manche der mittleren und gerade auch der kleinen den Verheiratete� wird es noch schlimmer; hier- muß der Verheirateke' mindestens in den Lohnklassen 6 und 7 sein, um t nicht- schlechter gestellt zu werden. Was geschieht mit den Arbeitslosen, die keinen Anspruch aus Versicherungsleistungen haben oder deren Anspruch er» schöpft ist? In Zeiten andauernd besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage hat der Reichsarbeitsminffter eine Krisen- u n t e r st ü tz-u n g zuzulassen. Sie kann aus bestimmte Be- rufe oder Bezirke beschränkt werden. Höhe und Dauer der Unteifftützung können beschränkt werde»: sie soll also noch niedriger wie die Versicherungsleistuna sein. Die Unter- stützung darf auch nur an Bedürftige.gezahlt werden. So soll für den notwendigen Unterhalt gesorgt werden, wenn angemessene Arbeitsgelegenheit nicht nachgewiesen werden kann. Weil es keine Arbeitsgelegenheit, gibt, sind die Emp° fänger von Krifenuisterstützung zur P f l i ch t a r b e i t heran- zuziehen. Das fft auch so ein erstaunliches Kapitel Neuzeit- sicher deutscher Sozialpolitik. Je größer die Arbeitslosigkeit. je umfangreicher nach den amtlichen Ausweisen die Pflichtarbeit. Man braucht sie angeblich zur Prüfung des Arbeits- willens, in Wirklichkeit, um billige Arheitskräfte zu erhalten. In diese sozialreaktilmären.Maßnahmen fügen sich die Beschlüsse über die Unterstützung Arbeitsloser bei Streik und Aussperrung gut ein. Wenn die Unternehmer beispielsweise zum Zwecke des Lohnabbaus aussperren, dann sollen selbst die Versicherten fremder Betriebe, die als indirekte Folge der Aussperrung arbeitslos werden, nur dann unterstützt werden, wenn die Verweigerung der Arbeitslosenunterstützung für diese Arbeitslosen eine Unbilligkeit darstellen würde. Der Verwaltungsrat kann Richtlinien darüber aufftellen, in welchen Fallen eine Unbilligkeit regelmäßig anzunehmen ist: sie bedürfen der Genehmigung des Reichsarbeitsministers. Die vorstehende Kritik der Ergebnisse der ersten Lesung zeigt, welche Aenderungen notwendig sind, um die Grundsätze der Reichsverfassung in die Wrklichksit umzusetzen. Nicht der. Unternehmer, sondern die Arbeitskraft soll unter' dem besonderen Schutze des Reiches stehe n._ Verlängerung ües Pachtschutzes. Eine Lebensfrage für die Kleinbauern. Der aus energisches Betreiben unserer Genossen vor einiger Zeit neugebildete Reichstagsausschuß für Sied- lungs- und Pacht fragen(31. Ausschuß) hat zur Ver- längerung der Pachtschutzordnung Stellung genommen. Der Schutz der Pachter gegen willkürliche Kündigung und wucherische Ausbeutung durch die Grundbesitzer ist für Hunderttausende kleiner Bauern schlechthin eine Existenzfrage. Noch vor ztpei Jahren wurde der Pachtschutz aufs heftigste umstritten. Die angeblich so, bauernfreundlichen Rechtsparteien waren drauf urtd dran, den gesamten Pacht- schütz kurzerhand auszuheben. Da damals der soüaldemo- kratische Einfluß geringer war als heute, dekretierte die Mehrheit,' daß alle Pachtverträge, die zwischen dem 1. März 1924 und dem 30..September 1925 abgeschlossen worden seien, nicht mehr dem Pachtscksutz unterstellt bleiben sollten. 'Also ein erster Schritt zum völligen Zlbbäu) • chWMWAMM■'kommenden W a hl,e.» sitzen, dem.AauerffsMrtssse» in. den Knochen. Die. Kleinb»üer»-'stehen-in. sjänz DMschöstH>m- Hellem Aufruhr. gegen die Landbundgewaltigen. Das große Erwachen der Landproletarier ist in vollem Gange. Man spürt das in allen Verbandlungen. - Die Regierung sieht sich genöttgt, die B e r l ä n g e r u n g der Pachtschutzordnung u m zwei Jahr« zu gewähren. Die Regierungsparteien sind bereit, mitzumachen. Ein erster Erfolg, den der Bauer auf das Konto seiner Revolte buchen darf? Mehr noch: die Mehrheit will der Vereine sehr viel günstiger da als die ganz großen. Unter diesen Organisationen gibt es verschiedene, die mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung in ihren Mitgliederreihen haben. Groß« Forffchritte macht die BolksbüHnenbewegung schließlich noch im Aus- lande. In Warschau, in Luxemburg, in Antwerpen und in Gent kämen Organisationen nach deutschem Vorbild zustande, und in Wien wurden lebhafte Erörterungen-' wegen Gründung einer neuen Volks- bühne gepflogen. Nicht ganz hundert Vereine führten ihre Mitglieder in Theater, die am Ort selbst ihren Sitz haben. Sieben oder acht Volksbühnen veranstalteten regelmäßig oder doch gelegentlich Gesellschaftssahrten in benachbarte Städte. Dort, wo Volksbühnen sich an den Vor- stellungen bestehender Theater beteiligten, geschah es in gut zwei Dritteln der Fälle derart, daß geschlossene Vorstellungen abgenom- men wurden. Von den 540 000 Mitgliedern wurden etwa 520 000 regelmäßig ins Theater geführt, und jedes Mitglied erhielt im Durchschnitt etwa neun Ausführungen. Danach besetzten die Volks- bühnen mit ihren Mitgliedern im Jahre nahezu 5 Millionen Plätze. Das Streben der Volksbühnen geht stets auf die Verwirklichung seines künstlerisch wertvollen Spielplanes. Die Theater haben bei gutem Willen überall die Möglichkeit, bei jenen Vorstellungen, die sich auf Volksbühnenorganisationen stützen, ein Programm durch- zuführen, wie es im allgemeinen bei den öffentlichen Vorstellungen nicht möglich ist. weil dann vor leeren Häusern gespielt werden müßte. Reben den theatralischen PslichtveronstalMngen boten auch im letzten Jahr viele Volksbühnen ihren Mitgliedern die Gelegenheit zum Besuch künstlerischer Sonderveraifftaltungen verschiedenster Art, wie beispieleweise Konzerten, Tanzveranstaltungen, Dorleseabenden und Filmvorführungen. Einige Volksbühnen veranstalteten auch regelmäßig besondere Vorstellungen und Vortragsabende für Jugendliche. Immer mehr Interesse fand in den Volksbühnen der Sprechchor. Nachdem zunächst Chemnitz mit der Bildung eines Sprechchors vorangegangen'war, folgten Berlin und Altona. Neben dieser Wirksamkeit der Sprechchöre versuchte man sich auch in einigen Städten am Dilettantenspiel. 59 Vereine lieferten ihren Mitgliedern unentgeltlich eigene, periodisch erscheinende Blätter. Die meisten von ihnen gelangten monatlich zur Ausgabe. Der Protest des Verbandes gegen das Gesetz zum Schutz der Jugend vor Schmutz und Schund, der vor einem Jahr von dem Hamburger Volksbühnentag beschlossen worden war, wurde von der Verbandsleitung weiter verfolgt. Auch gegen den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der Jugend bei Lustbarkeiten nahm man cnergffch Stellung. Der Verbandsvorstaud hatte von dem letztsähriaen Volksbühnen- tag den Auftrag erhalten, die Idee eines Volksfilms zu verwirk- lichen. Das positive Ergebnis der Verhandlungen war die Bildung eines Ausschusses zur ständigen Prüfung aller neu erscheinenden Filme. Die Mitglieder der Filmkommission haben nach Weisungen der ne» geschaffenen Film, zentral« des Verbandes zahlreiche Filme beurteilt. Unausgesetzt wurde endlich im Verbände die Frage er- örtert, wie es gegebenenfalls möglich wäre, den kleineren Vereinen durch Gnindirna einer Wanderoper auch Gelegenheit zur Ver- aNstaltuna inusikalischer Ausführi'nqen zu schaffen. Allerdings ist kein positives Resultat bisher gezeitigt worden, denn für eine eigene Opernwanderbühne fehlen noch die finanziellen Mittel. Auslieferung der Pächter auch für die schutzlose Zeit aus- den Jahren 1924 und 1925 nachträglich einen Riegel vorschieben. Das gilt vor allem für die Fälle, in denen überhohe Naturalpachten festgesetzt worden sind. Die'Sozialdemokratie wird bei den bevorstehenden Plenarverhandlungen den Versuch machen, weitere Verbesse- rungen zu erzielen. Sie verlangt nicht nur den Schutz gegen Wucher, sondern auch gegen willkürliche Kündigung für jene. heute noch nicht geschützten Verträge. Sie wird ferner versuchen, Härten aus den Heuerlingsver- trägen zu beseitigen. In diesen Verträgen werden auch die Frauen der Heuerlinge verpslichtct. in weitestem Maße Landarbeit mitzulefften. Das führt häufig genug da- zu, daß werdende Mütter und selbst kranke rauen unter Androhung der Kündigung zu schwerer a n d a r b e i t fern vom Hause gezwungen werden. Hier besteht Aussicht, die Mehrheit des Hauses für unseren Antrag zu gewinnen, der in Härtefällen der oben bezeichneten Art die Arbeitsverpflichtung der Frau vorübergehend aufheben will. Weitergehende Wünsche zu verwirklichen, vor allem zu einem Dauerpachtrecht schon heute zu gelangen, ist seider bei der jetzigen Zusammensetzung des Hauses aus- geschlossen. Versuche, die dahin zielen, würden nur den Pachtschutz als Ganzes gefährden. Immerhin fft festzustellen, daß der politische Einfluß der Bauernbewegung schon jetzt sich durchsetzt. Er wird es noch mehr können, wenn Land- und Stadtproletarier in Zukunft fester als bisher zusammen- stehen. � Die Kommunalwahlen in Preußen. Vereinigung mit den Landtagswnhlcn? Wie der„Demokratische Zeitungsdienst' mitteilt, rechnet man im Landtag mit einer Verabschiedung der neuen Landgemeinde- und Städteordnung noch vor dem 2. Juli. Da bisher als Termin für die K o m m u n a l w a h l« n in Preußen an eine sechsmonatige Frist nach Verabschiedung des Gesetzes gedacht war, sollten die Kom- munalwahlen in Preußen am 4. Dezember dieses Jahres statffinden. In einer interfrakttonellen Sitzung der Regierungsparteien wurde jetzt jedoch geltend gemacht, daß die durch die neue Landgc- meindeordnung erfolgende Aufhebung der Gutsbezirlc zur Folge haben würde, daß eine große Anzahl Gutsbezirke, die im Lauf« eines halben Jahres noch nicht eingegliedert werden könnten, nicht mitwählen würden und Infolgedessen Nach- wählen stattfinden müßten. Das wäve um so mehr ein Mißstand, als das nächste Jahr ohnehin durch Reichstags- und Landtagswahlen starke Anforderungen an die Wähler stellen wird. Es wird deshalb jetzt erörtert, ob die Frist für die Abhaltung der Kommunalwahlen nicht derart erweitert werden kann, daß sie mit den preu- hischen Landtagswahlen zusammen erfolgen. Allgemeines Reichsbeamtengesetz. Der Entwurf fertiggestellt.— Beratung erst nach der Sommerpause. Der Entwurf eines allgemeinen Reichsbeamtenge, festes ist, wie der„Soz. Pressedienst' erfährt, jetzt fertiggestellr. .Etstwurßmit den Spißcnörgänifä- ttonen cherden. njt ch d e n So nein e r f er i e n erfolgen. y:' Aas"große gesetzi�bech� Werk soll an Stelle des alten-Reichs- beamtenrechts vom Jahre 1873 ireten. Alle verfassungsmäßig ver- ankerten Rechte und Pflichten der Beamten, soweit sie schon geltendes Recht sind und soweit die Reichsverfassung sie programmatisch zu- sämmenfaßt. werden in dem neuen Gesetz eingehend gewürdigt. Die dem Reichstag vorliegende neue Dienffftrafordnung und das noch im Reichsrat zur Verhandlung stehende Gefetz über Beamten vertretu»- gen sollen später mit dem Reichsbeamtengösetz zu einem einheitlichen Gesetzeswerk verbunden werden. Während nun im allgemeinen die Arbeit der örtlichen Volks- bühnenvereine ohne ernstere Erschütterung vor sich ging, kam es in Berlin bedauerlicherweise gegen Ende der Spielzeit zu lebhasten Auseinandersetzungen anläßlich der Piscatorschen Inszenierung des Welkschen Dramas„Gewitter über Gottland'. Der Konflikt brachte der Volksbühne den Austritt von einigen hundert Mitgliedern, jedoch keine ernstere Erschütterung des Verbandes und in gewissem Sinne sogar eine wertvolle Klärung. Seine letzte Premiere. Bestes Premierenpublikum mit überwiegend weibstchem Ein- schlag, sehr viele elegante Toiletten, die Creme der Wiener Gesellschaft. Der gewaltig« Andrang des Publikums erfordert strenge Ab- sperrungsmaßnahmen. Man will wissen, daß für Eintrittskarten Phantasiepreis« im Schleichhandel gezahlt wurden. Die Wiener Premiere, über die solche Mitteilungen in der Presse zu lesen sind, muß doch wohl ein ganz sensationelles Ereignis fein. In ihrem Mittelpunkte steht der berühmte rumänische Heldentenor Trajan Grosavescu. Aber der ist doch tot? Ganz recht, und um seiner Ermordung willen hat sich jetzt sein« Gattin zu ver- antworten. Die Premiere findet nicht im Theater, sondern im Ge- richtssaal statt. Wir sind der naiven Meinung, daß«ine Gerichtsverhandlung wegen Gattemnordes ein unendlich trauriges Ereignis sei. Die Tra- gödie zweier Menschen, die hier vor aller Oeffentlichkeit bis in ihre kleinsten Einzelheiten aufgerollt wird, kann nur mit tiefftem Ernste gewürdigt werden. Aber wir haben offenbar keine Ahnung von dem, was„schick' ist, was„man' unbedingt gesehen und gehört haben muß. Was schert„die Creme der Wiener Gesellschaft' die erschütternde Tragik, die in der Verzweiflungstat der Gattin des gefeierten Sängers zum Ausdrucke kommt! Der„überwiegend weibliche Einschlag" des „besten Premierenpublikums' braucht einen Nervenkitzel, der den Stumpfsinn des Alltagslebens angenehm unterbricht. Er braucht eine Gelegenheit, um sein«„eleganten Toiletten' einem möglichst zahl- reichen und gewählten Publikum vorzuführen. Er muß eben auch „dabei gewesen sein". Er braucht Gesprächsstoff: er spitzt sich lüstern auf pikante Enthüllungen: er möchte gar zu gern ein wenig mit herumschnüffeln in den erotischen Intimitäten des Ermordeten und der Angeklagten. Die Seelenqualen einer eifersüchtig überreizten Frau lassen ihn kalt. Er dürstet einzig und allein nach der Sen- sation für„die Crem« der Gesellschaft, und er läßt es sich eine Stange Geld tosten, um eine Eintrittskarte für dieses sensationelle Gerichcdrama zu erhalten. Und ist es nur eine Wiener Angelegenheit, auch Frau Chamberlin und Frau Levine sollen sich im Gerichtssaal gezeigt haben. Was für eine Gesinnungsroheit liegt doch in dieser lebhaften Teilnahme der eleganten Wiener Gesellschaft an der Eerichtsver- Handlung gegen Frau Grosavescu! Die Bourgeoisie konnte ihre grinsend« Frätze nicht deutlicher zeigen. HubertLaskari. Die hauptveffammwng der Gcjellschasl zur Aördenmq der wissen schallen wird NM 25. und 20. Juni in Dresden llallnnden. Die TageSordnunn bringt u. a. einen Vortrag des ProsessorS Baur über„Die crperimeniellc Erzeugung leistongSsäbigerer Rahe« unserer Rul tu rp stanzen.- Widersprüche in öei Für hohe Reallöhne- aber Die Rede des Reichsmirtschaftsministers Dr. Turtius vor dem Industrie- und Handelstag in Hamburg, die bereits in unserer gestrigen Abendausgabe gewürdigt wurde, enthält noch eine Reihe von wirtschaftlichen Feststellungen, die für die künftige Handelspolitik von größter Wichtigkeit find. Die Großagrarier verlangen die Hochschutzzölle immer wieder zum Zwecke der Verhinderung der Luxusewfuhr. Hierzu sagte Curtius: Das verbot der Luxuseinfuhr— das manche anregen— ist ein reines Schlagwort. Zahlenmäßig würde diese Maßnahme nichts Wesentliches zur Senkung der Einfuhr beitragen— die gesamte sogenannte Luxuseinfuhr, einschließlich Kaffee, Seidenwaren usw., beläuft sich auf 8 Proz. der Einfuhr,— dagegen würde sie die Führung unserer Handelspolitik und damit unsere Ausfuhr gefährden. Das Ziel einer ausgeglichenen und einer sich fortschreitend aktivierenden Handelsbilanz muß nach wie vor durch Steigerung der Ausfuhr angestrebt werden. Das ist eine schroffe Abfuhr für die Land- b ü n d l e r, als deren Sachwalter Herr Schiele im Reichs- ernährungsministerium sitzt. Bemerkenswert ist auch, was Curtius über den Zweck der Rationalisierung ausführte: Ziel aller Rationalisierung muß jedenfalls eine Vergrößerung des Absatzes auf der Grundlage verbilligter Gütererzeugung sein. Die Erreichung dieses Zieles braucht Zeit, aber sie darf nicht durch entgegengesetzte Bestrebungen beeinträchtigt werden. Senkung der Preise und entsprechende Steigerung des Realeinkommens ist der Weg. und wahrscheinlich der einzige Weg, aus dem sich eine V e r- besserung der Lebenshaltung der arbeitenden Klassen ohne Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft erreichen läßt. Die umgekehrte Entwicklung, die in einer gegenseitigen Steigerung von Preisen und NominallShnen besteht, führt zu keiner Besserstellung der Bevölkerung, muß den Absatz nach dem Auslande schmälern und damit rückwirkend eine Verteuerung der Waren auch im Inlande herbeiführen. Aus diesen Erwägungen Hab« ich die Erhöhung der Kohlenpreise untersagt und kann mir nicht vorstellen, daß der nach wenigen Wochen erneuerte Antrag, wenn nicht ganz unerwartete Ereignisse eintreten, zu einer anderen Entscheidung führen wird. Auch die Rücksicht auf die Lage der Kohlenindustrie selbst schien mir keine andere Entscheidung zu rechtfertigen. Ich hätte dann wesentlich mit Besürchtungen und Wahrscheinlichkeiten, nicht aber mit nachgewicse- neu Realitäten rechnen müssen. Für ebenso verhängnisvoll wie eine Erhöhung der Kohlenpreise würde ich im gegenwärtigen Augenblick eine Steige- rung der Elsenpreise ansehen. Ich hoste, daß auch diese oer- mieden werden kairn. Also Steigerung der Reallöhne soll das Ziel sein. Es ist anzuerkennen, daß der Wirtschaftsminister, ent- gegen den Wünschen der Jnteressentenvertretungen Preis- erhöhungen sucht zu vermeiden. Er hat dazu sogar den Abbau der Jnoustriezölle angekündigt. Man muh sich jedoch fragen, ob nicht auch die Durchführung dieser wohl- gemeinten Forderuna wieder aus dem Papier stehen bleiben wirfe•" jötte' fhtb setzt nstr vishalb so hoch, weil Atzr«iev-und Großindustrielle jenes-Z v II bil n d- n i s eingegangen sind, als besten reifst« Frucht da» heutige Bü.rgerblockkabinett sielten muß. Die Agrarier waren es, die die nach Curtms künstlich bewirkte lieber- belastung von Jndustriefabrikaten mst Zöllen bewilligt haben,. weil sie dadurch auch Schutzzölle für sich erlangten. Wenn nun Curtius die Nahrungsmittelzölle heraufsetzt, so, wie das jetzt eben wieder geschieht, dann wird ein Teil der Reallohn st eigerung wieder fortgenommen» die durch eine Senkung der Jndustriezölle erfolgen könnte. Zoll- e Wirtsthastspolitik. nicht gegen Lebensmittelzötte. abbau auf der ganzen Linie ist die einzige Lösung aus dem Konflikt, der innerhalb der Reichsregierung besteht. Zu dieser Lösung vermag sich Herr Curtius nicht zu entschließen. Uno daher wird auch seine Erkenntnis von der Notwendig- keit der Erhöhung des Reallohnes nur eine halbe Er- k e n n t n i s sein, die vielleicht noch schlimmer ist, als jene totale Unkenntnis volkswirtschaftlicher Zusammenhänge, die bei der Verabschiedung der Zollvorlage von 1925 Pate ge- standen hat. Bemerkenswert bleibt, daß jetzt ein Rechts- blockminister zugeben muh» wie damals die V e r g e w a l- tigung der Opposition und der Sieg der Zollmehr- heit keineswegs der deutschen Wirtschaft die versprochenen Borteile gebracht hat. Die Entschließung des Industrie- und HandclstageS. Die vom Industrie- und Handelstag einstimmig beschlossene Resolution unterstreicht noch einmal die Auffassungen des Ministers Dr. Curttus zur Außenhandelspolitik. In dieser Refoliition wird auf die unauflösbare Verflechtung der deut- f ch e n Wirtschaft mit der Weltwirtschaft hingewiesen. Die E r- nisfe der W e lt w i rts cha st s k o n f e r e nz werden de- grüßtund sollen von den Handelskammern unter- stützt werden. Der Rcichsregierung spricht der Industrie- und Handelstag fein Vertrauen aus. Es wird ferner von den privatwirt- schaftlichen Betrieben das An st reden des höchsten Grades der Leistungsfähigkeit gefordert durch die allein Absatz, Reallohn, und Kaufkraft günstig beeinflußt werden könnten. Zu der Frage der Sozialpolitik wird festgestellt, daß es dringend geboten erscheine, daß seitens der Reichsregierung auf größte Spar- famkeit, insbesondere bei den Verwaltungskosten, geachtet und der Sozialaufwand einer eingehenden Prüfung unterzogen werde, um eine Ueberbürdung des deutschen Wirtfchaftstörpers zu verhindern. Auf dem Gebiete der Steuern, heißt es in der Entfchlleßung weiter, müsse vor allem eine alsbaldige Lösung des Reichsfinanz- a u s g l e i ch s herbeigeführt werden. Eine starke gemeindliche Selbst- Verwaltung sei unentbehrlich. Zu dem Punkte Zwangswirt- s ch a f t spricht der Deutsche Industrie- und Handelstag die Er- Wartung aus, daß die wirtschaftliche Tätigkeit des Staates sich auf die großen Handels-, steuer. und sozialpolitischen Maßnahmen be- schränken und von Einzeleingriffen absehen würde. „Zthisiottspolitik.' Die„Deutsche Tageszeitung" Ist tüchtig darüber er- dost, daß der Reichswirtschaftsminister Dr. Eurtius e� gewagt hat, dem Landbundmlnister Schiele auch einmal die Wahrheit zu sagen. Schiele war es bekanntlich, der, offenbar ohne Zustimmung des Kabinetts, die phantastischen handelspolitischen Darstellungen des Reichslandbundes als Regierungsmeinung überall, unter anderem auch vor dem Deutschen Landwirtschaftsrat in Stettin, pro- pagiert«. Daß Curtius es auch nur gewagt hat, gegen die Industrie- zölle aufzutreten— die Agrarzälle hatte er selbst verteidigt—. das ist in den Augen der Großagrarier und ihrer Pressefunktionär« «in unverzeihliche» verbrechen.„Illusionspoli- t i k" nennt das führende Agrarierorgan die Bestrebungen von Cur- tius. Bautschlanb die Weitroirtschsft■ einzugliedern. Sie wirft ihm «inseitige Beurteilung vor. erklärt feinen Optimismus alz ungerecht- fertigt und ruft dabei als Kronzeugen ausgerechnet den Repara- tionsagenten an! Das ist der Höhepunkt nationaler Selbstentäußc- rung. Aber was tut man nicht für ein paar Groschen Zoll! Wäre nicht bekannt, daß die Deutschnationalen in Regierung»- fragen besser mit sich handeln ließen, als die dunkelhäutigen Inhaber türkischer Basar«, so müßte man bei derart starken Gegen- sätzen die Gefahr einer Regierungskrise befürchten. Doch der Bürger- block steht so fest und treu, daß ihm die theoretischen Diskussionen der Eurtius und Schiel« nicht zu viel anhaben werden. D!e Putschistenpläne vor Gericht. Mahraun wegen übler Nachrede— Sodenstern wegen formaler Beleidigung verurteilt. Im Prozeß Soden st ern-�-Mahraun schien es gestern einen Augenblick, als ob der angestrebte Vergleich möglich wäre. Nach langem Hin. und Her aber entschied Mahraun, er wolle keinen Vergleich. So mußte in die Beweisaufnahme eingetreten werden. Nun gab es gewissermaßen den Leipziger Wiking- Prozeß in verkürzter Auflage. Als erster trat der„klasfiische" Zeuge K ä s e h a g e auf, ehemaliger Geschäftsführer der Jung, deutschen und Mahrauns Gewährsmann. Mit größter Bestimmtheit erklärte er, Sodenstern habe auf der bekannten Führeraus- spräche nichts anders gesagt, als er später im Bureau des Jung- deutschen Ordens zu Protokoll gegeben Hab«. Er bleib« dabei, der Inhalt des Protokoll» entspräche den Ausführungen Sodensterns. Und das beschwor Käsehage. Der jetzig« Bundeskanzler der Jung- deutschen, Bornemann, schildert als zweiter die näheren Um- stände, unter denen Käsehage sein« Angaben in die Maschin« diktiert hat. Ehrhardt sagt aus. Vor dem Zeugentisch steht Kapitän a. D. Ehrhardt. Er schwört: er habe nie Soden st crn beauftragt, der Provozierung eines Kommunistenputsches das Wort zu reden; wenn die Wikinger derartige Gedankengänge gehabt hätten, so wären sie kurzerhand hinausgeflogen. Er sei auch nie zu einer Führeraussprache zu- iammen mit Sodenstern gewesen. Käsehage erinnert aber den Kapitän Ehrhardt daran, daß er kurz vor der berüchtigten Führer- ausspräche mit Sodenstern und General o. Luck bei einem Glas« Bier in einem Lokal eine ausführliche Unterredung gehabt Hobe. Da? muß Ehrhardt zugeben: er bestreitet aber, sich selbst in dem Sinne geäußert zu haben, daß«in Kommunisten- putsch ein gewünschter Anlaß für ein Eingreisen der Vaterländischen Verbände sein würde Da wird ihm entgegengehalten, daß selbst Sodenstern zugibt, diese Ansicht in seinem Auftrags geäußert zu haben. Dann habe dieser seine Kompetenzen über- schritten, meint Ehrhardt dazu Clah hat es nicht gewollt. Iustizrat Elaß als Zeuge. Ob er je die Ansicht geäußert habe, man müsse einen Kommunislenputsch provozieren? Dann würde er sich freiwillig ins Irrenhaus melden, erklärt Elaß, Ob nicht in seiner Gegenwart solche Aeußerungen gefallen seinen? Nicht, daß er es wüßte. Der Richter macht den Zeugen daraus aufmerk- sam, daß er auf. gewisse Fragen dix Antwort verweigern könne, da gegen ihn ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat schwebe.„So etwas gibt es bei mir nicht antwortet stolz der Justizrat. Die Vertreter der Nebenkläger nehmen den Zeugen scharf ins Gebet. Ob er nicht zu einer mehrtägigen Führeraus- spräche in Münster dem Stadtrat Tenselde gegenüber doch etwas über Putschabsichten habe oerlauten lasten? Ob er nicht beabsichtigt habe, die Regierung Marx-Stresemann zu stürzen? Ob ex nicht gesagt habe, daß er und Borstg einig seien? Nein, erNärt der Zeuge, er habe nie ähnliches gesagt; auf die Frage betreffs etwaiger Aeußerungen über Putschabsichten brauche er überhaupt an dieser Stelle nicht Antwort zu stehen: er wolle e» aber doch tun. Er habe nie, auch nicht den leisesten Gedanken gehabt, die Regierung Marx- Slresemann zu stürzen: auch Putschabsichten seien ihm ferngelegen— und da» beschwor Justizrat Elaß unter Anrufung des Namen Gottes. Im übrigen sprach er seine Empörung darüber au», daß man den Namen Borsig m diesem Zusammenhange mißbraucht habe. Nun folgt ober der Stadtrat Tenselde. Auch er bestreitet mit oller Entschiedenheit, daß während der Führeraussprache in Münster etwas über die Provozierung eines Kommunistenputsches gesprochen worden sei. Als man dem Zei�gen� ghex»u Lfibze� rückt..muh er, zu- aeben, daß. auf.. dieser Führeruussp.rach.�. der gstch Elaß. beigewohnt hat, wohl von einer Ac.n d.ez:.u«g des S yst e brs.für den Fall gesprochen worden sei. daß es zu einem Putsch käme. Auch von den von Tag zu Tag schlechter werdenden wirtschaftlichen Verhält- nisten, die zu Arbeiterentloslumgen führen müßten. war die Rede. Auch der Name Borsig sei in diesem Zusammenhang gefallen. Mit einem Motte: der Inhalt dieser Besprechungen deckt sich so ungefähr mit dem inkriminierten Protokoll. Als letzter Zeug« erscheint der Pressewart der Iungdeutschen, Herr Abel, ohne wesentlich Neues zu bringen. In den Plädoyers, die nun folgten, warfen sich die Par- teien noch im letzten Augenblick wenig schön« Dinge gegenseitig an den Kopf. Herr Soden st ern erklärte übrigens, daß das Proto- koll ihm in einer unglaublichen Weise geschadet habe, insbesondere bei dem Teile der Bevölkerung, den er für am wettvollsten halte: bei den Hand- und Kopfarbeitern. Man habe ihn als unsozial verschrien. Worauf Mahraun erwiderte, daß es gar nicht feine Absicht gewesen sein konnte, Herrn Sodenstern als unsozial hinzustellen, und daß dies auch nicht notwendig gewesen sei, da Herr Sodenstern und der Kreis, zu dem er gehört, ungefähr so das Unsozial st e vorstelle, wo» man sich überhaupt nur denken könne. Nach einer etwa halbstündigen Beratung verkündete Amts- gerichtsrat Büchert das Urteil: sowohl Sodeisttern als auch Mahraun seien für schuld ig zu befinden: der erst« sei wegen ü b l e r N a ch- rede in einem Falle aus dem§ 186 zu 306 Mark Geld- strafe, der andere wegen Beleidigung in sechs Fällen aus � 185 zu 100 M a r k G e l d st r a f e. Die Parteien tragen die Kosten des Verfahrens zur Hälfte und sind verpflichtet, auf eigene Kosten zum gegenseitigen Abdruck des Urteils im„Iungdeutschen" und in der„Deutschen Zeitung". Der Beklagte Pastenacci sei frei- zusprechen. Beide Patteien haben natürlich Berufung gegen da« Utteil angekündigt. Klarheit, tzerr poincaeö! Die Sozialisten fordern sie. Paris. 22. Juni(Eigener Drahtbettcht). Die sozialistische Kammorgruppe wird die Regierung über ihre Innen- und Außen- Politik interpellieren. In früheren Zeiten bildeten solch« General- Interpellationen Anlaß zu großen pattamentarischen Kämpfen, wobei es meistens um die Existenz des Kabinetts ging. Es ist deshalb nicht zu verwundern, wenn die gesamte bürgerliche Presse, in erster Linie die der Rechten, den Sozialisten jetzt nachsagt, sie wollten noch vor den Sommerferien eine Krise hervor. rufen, um wieder ein rein linksbürgerliches Kabinett ans Ruder zu bringen. In Wirklichkeit ist es der sozialistischen Äammerfrak- tion keineswegs darum zu hin, im gegenwärtigen Augenblick eine Krise herbeizuführen. Was sie will, ist Klarheit zu schaffen über die Richtung der Regierungspolitik Sowohl innen- wie außenpolitisch laufen die v e r s ch i e- densten Tendenzen im Kabinett Poincarö durch- einander. Die einzelnen Kammergruppcn und die Kammer in ihrer Gesamtheit zu zwingen, dazu Stellung zu nehmen und ihren eigenen Standpunkt zu präzisieren, das ist der Zweck, den die sozialistische Fraktion mit ihrer Generalinterpellation verfolgt. Den Ausschlag für ihren Beschluß hat die Red« Pvincares in Lu ne vi lle gegeben, und die von der nationalistischen Presto als spät« aber dankenswerte Rückkehr zu den vam Kartell allzuleichten Herzens aufgegebenen Methoden, wie sie unter dem Blve national maßgebend wären, begrüßt wird. Die deutsch-türkischen Handels- und Niederlastuugsoerträge sind nrtifiziett und treten am 22. Juli m Kraft.' Englische Arbeiterschaft gegenMoskauterror Protest der Gewerkschaften und der Arbeiterpartei. London, 22. Zuui.(WTV.) Der Generolrat der englischen Gewerkschaften und der geschäftssllhrende Ausschuß der Arbeiterpartei haben heule in einer gemeinsamen Sitzung eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Unter Anerkennung der außergewöhn- lichen Schwierigkeiten und Gefahren, die die politische Situation für Rußland mik sich bringt, und in voller Würdigung der gerechtfertigten Empörung der Sowjetregierung über das Aitentät aus wojkoss halten sich doch die hier in einer gemeinsamen Sitzung vereinigten Delegierten für genötigt, gegen eine Politik zu protestieren, die eingestandenermaßen an der Ermordung wojkosf unbeteiligte Personen als Repressalien gegen diese Ermordung hinrichten läßt. Sie sind der Ansicht, daß eine Politik, die dem Word den Mord entgegensetzt, nur verhängnisvolle Aolgen für Sowjetrußland haben kann, und geben der feste« Hoffnung Ausdruck, daß die in Sowjetrußtaud geübte Praxis, Persönlichkeiten hinzurichten, weil sie sich politischer Delikte schuldig gemacht haben, e i n- gestellt werden wird._ Die Auflehnung ües Sejms.' Wird Pilsttdski ihn davonjagen? Warschau, 22. Juni.(WTB.) Länger« Konferenzen zwischen Staatspräsident M o s c i c k i und Marschall P I l s u d s k i sowie dem Vizeministerpräsidenten Dr. Bartel gaben Anlaß zu der Der- mutung, daß die Regierung aus dem gegen die Absichten PUsudskis gerichteten Sejmbeschluß, der ihm die Möglichkeit der Selbst- äuflösung zurückgibt, weitgehende Konsequenzen ziehen werde. Man rechnet mit der Möglichkeit einer Auflösung des Sejms durch den Staatspräsidenten. Warschau. 22. Ium.(OE.) Im Auftrage oller Parteien der Minderheitsvölker erklärte der ukrainische Sejmabg. C hri u d t i, daß die Vertreter der nationalen Minderheiten die N i ch t b e- t e i l i g u n g an den Beratungen über das neue Selbstverwaltungs- gesetz beibehalten. Chorzow-Prozetz im Haag. Haag. 22. Juni.(MTB.) Im Großen Sitzungssaal des Friedenspalastes wurde die erste öffentliche Verhandlung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im deutsch-polnstchen Chorzow- Streitfall eröffnet. Nachdem die beiden dem Gerichtshof in diesem Streitfall beige gebenen Richter au» Deutschland und Polen, Pro- iessor Röbel- Berlin und Prosefior Ehrlich- Lemberg, vom Präsidenten Professor Dr. Huber aus die Satzung des Gerichtshofes vereidigt worden waren, nahm der polnische Generalagent bei de» gemischten deütsch-volüischen Schiedsgerichten, S o b o l e w s t i. das Wort, um den polnischen Einwand der Unzuständigkeit des Internationalen Gerichtshoses für diesen Streitfall zu begründen. Seine Darlegungen wurden durch de« zweiten polnischen Sach- walter, den früheren griechischen Außenminister und jetzigen Pariser Universitätsprofessor P o l i t i s, ergänzt, wobei sich beide Redner aus einzelne Bestimmungen der deutjch-polnischen Konven- tion über Oberschlesien, des Verfailler Vertrages und auf den Wort- laut der letzten bereits in der Chorzow-2lng«legenheit vom Jnter- nationalen Gerichtshof gefällten Entscheidung vom Mai 1926 beriefen. Die Verhandlung wurde am Nachmittag auf morgen nachmittag oettaat, wo der Sachwalter der deutschen Regierung, Professor Ka u fm a n n- Bonn, sprechen wird. Tsingtau erobert. In der Hand der Südtrnppen. London, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß General Tschiangkaischek Tsingtau ein- genommen hat. Außerdem soll mit der unmittelbar bevorstehen- den Kapitulation des Generals Sun, des Gouverneurs von Echan- tung, vor der Ratlonalarmee zu rechnen sein. Eine andere Lesatt besagt, ein Unterkommandierender des Generals Sun habe sich in Tsingtau gegen seinen Vorgesetzten erhoben und die Stadt-"t Tschiangkaischek übergeben._ Der Mbanien-Konftikt. Eine KoNektivnote der Grostmächte an Jugoslawien. Belgrad. 22. 3uni.(WTB.) Die Gesandle« der vier Großmächte suchten heule beim Minister des Aeußeren. Dr. Marinkowilsch. um eine Audienz nach, um ihm eine Kol. lekllvnoie der Mächte bezüglich der güllichen Beilegung des Konflikts mit Albanien zu überreichen. Minister Dr. Marinkowilsch wird die Gesandten der Großmächte morgen um 5 Ahr nachmittags empfangen. Angesichts der versöhnlichen Haltung der Belgrader Regierung während des ganzen Konsllkls mit Albanien hält man es in diplomatischen Kreisen für sicher, daß der Minister des Aeußeren. Marin- kowilsch, den Wünschen der Großmächte unter der Voraussetzung entgegenkommen werde, daß auch die albanische Regierung den Ralschlägeu der Großmächte Folge leistet. Die Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Königreich der Serben. Kroaten und Slowenen und der Republik Albamen wird demnach schon in Kürze zu erwarten sein. Zm Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags wuroe am Milt- woch bei der Beratung des Gesetzentwurfes Über Arbeitslolen- Versicherung in zweiter Lesung die Zulassung o o n E r- satzkassen zur Arbeitslosennersichernng abgelehnt. Während Sozialdemokraten, Kommunisten und Wirtichastsparteiler gegen die Zulassung stimmten, spalteten sich die Mitglieder der übrigen Parteien bei der Abstimmung. Gelb bleibt gelb. Die abgeblitzten Agrarier. Der Unteriusschuß des Derfossungsausschusses, der mit der Be- ratung der an das Präsidium des Reick, swirischaftsrats gerichteten Eingabe des Reichslandarbeiterbundes und des Reichs- Verbandes der deutschen land- und forstwirt- schaftlichen Arbeitgebervereingungen, betreffend Anerkennung des Reichslandarbeiterbundes als wirtschaftliche Organisation von Arbeitnehmern im Sinne der arbeits- rechtlichen und mirtschaftspolitischen Gesetzgebung, betraut worden war, hat nunmehr seine Veratungen zum Abschluß gebracht und deren Ergebnis dem Vorstande vorgelegt. Das Gutachten des Reichswirtschaftsrats geht dahin, daß der Reichslandarbeiterbund keine selbständige Organisation von Arbeitnehmern ist. Da die Selbständigkeit aber die Voraussetzung ist, um als wirtschaftliche Vereinigung von Arbeit- nechmern im Sinne der arbeitsrechtlichen und wirtschastspolittschen Gesetzgebung anerkannt zu werden, verneint der Reichswirt- schaftsrat die Eingabe des Reichslaudarbeiterbundes und erklärt daß dieser kein« Vereinigung von Arbeitnehmern im Sinne der arbeitsrechtlichen und wirtschaftspolitischen Gesetz- gebung sei. Die Gründe für diese Entscheidung sind das Resultat der Unter- suchungen von Satzungen sowohl verschiedener Unterverbände des Reichslandarbeiterbundes als auch der des Pommerschen Landbundes und einiger seiner Kreisgruppen, denen die Arbeit- nehmervrganisationen korporativ angeschlossen find. Aus diesen Satzungen ergab sich bereits einwandfrei das Fehlen einer wirk- lichen Selbständigkeit dieser Arbeitnehmerorganisationen, so daß sich ein Eingehen auf weitere Einzelheiten erübrigte. Ueber das Ergebnis der Verahingen wird ein eingehender Bericht der Reichsregierung übermittelt werden. Damit ist der Versuch der Unternehmer, mit Hilfe des von ihnen ausgehaltenen„Reichslandarbeiterbunds* sich vom Abschluß und der Einhaltung von Tarifverträgen zu drücken, gescheitert. Wir kondolieren. Die Schlichter pfeifen auf öas Gesetz. Gehorchen sie dabei Herrn Brauns? Bochum. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Für die Arbeiter der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Rheinland-Weftfalens wurde am Mittwoch in Bochum unter Vorsitz des Schlichters folgende Ver- einbarung getroffen: Für die nach der bestehenden Arbeitszeitrege- lung geleistete Mehrarbeit wird für die 4S. Wochenarbeits- stunde(Einfachfchichter) ein Zuschlag von IS Proz. vom Stunden- lohn gezahlt. Für die übrigen Arbeiter(Ziffer 2 Absatz 8 und Ziffer Z de» Schiedsspruchs vom 1. April) betrögt der Zuschlag für die 43. bis 60. Wochenarbeitsstunde iVt proz. Die tarifvertrag- lichen Bestimmungen werden durch diese Regelung nicht berührt. Sie gilt ab 1. Juli 1327 und endet mit dem zurzeit bestehenden Arbeitszeitabkommen.(Das Gesetz schreibt 25 Proz. vor, überläßt es aber den Parteien, eventuell einen höheren Zuschlag zu ver- einbaren. Dieser Schiedsspruch ist eine Herausforderung.) verbanöstag öer Textilarbeiter. Die Lage der Textilarbeiter in Indien stand am dritten Dephandlungstag« der Hamburger Tagung des Deutschen Textil- arbeiterverbandes im Mittelpunkt der Beratungen. Verbands- Vorsitzender Karl Schräder, der im Auftrag« de« Verbandes mit mehreren Kollegen und in Begleitung Tom Sbaws die Studienreise ins indische Textilindustriegebiet mitgemacht hat, be- richtete über die Ergebnisie dieser Forschungsreife. Den Anlaß zu dieser Reise hatten vielfache Veröffentlichungen in der deutschen llnternehmerpresse gegeben, worin die Entwicklung der Textilindustrie in Ostafien, besonders in Indien, so hingestellt wurde, als ob diese Entwicklung sich nicht nur zu einer Gefahr für den europäischen Export noch Asien, sondern sogar zu einer scharfen Konkurrenz Asiens auf dem europäischen Festland auszuwachsen drohe. Die Vermutung, daß es sich bei den Aeußerungen der Unter- nehmerpresse um sehr tendenziöse Darftellungen handelt, wurde durch die Studienfahrt bestätigt. Der Zweck der Alarmmeidun- gen der Unternehmerpresse bestand darin, den Anschein zu er- wecken, als sei die deutsche Textilindustrie nicht in der Lage, höhere Löhne zu tragen. Schräder gab eine längere Darstellung der Arbeits-, Wohn- und Ernährungsverhältnisse in Indien. Die indischen Arbetter stehen auf einem sehr niedrigen Lebensniveau. Sie sind außer- ordentlich bedürfnislos. Ueberrafchend primitiv sind die Wohnungen, woraus sicherlich auch die große Verbreitung der Tuberkulose zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu den deutschen BerHältnissen sind die Werkswechnungen in Indien als Fort- schritt zu bezeichnen. Die indischen Textllfabriken haben in der Regel ein riesenhaftes Ausmaß. Betriebe mit 1500 Arbeitern sind als kleinere Betriebe zu betrachten: viele Betriebe zählen 5000 bis 10000 Arbeiter mit 2000 bis 2300 Webstühlen in einem Websaal. Die unter englischer Leitung stehenden Textilsabriken zeichnen sich gegenüber den einheimtzchen durch erheblich bessere soziale Fürsorge aus. An der Ausstattung der Betriebe und auch der sozialen Fürsorge können sich noch viele deutsche Unternehmer ein Muster nehmen. Der Bericht fand die größte Aufmerksamkeit des Verbandstagcs und wurde mit großem Beifall aufgenommen. Im übrigen wurde am Mittwoch die Debatte zu Ende geführt, nachdem noch Christine Laubach-Gladbach über die Bedeutung der Arbeiterinnenkommission gesprochen hatte. Beider Abstimmung über die Anträge zum Vorstandsbericht wurde u.«. ein Antrag angenommen, der als Zweck des Ver- b a n d e s Verkürzung der Arbeitszeit(Achtstundentag) und er- Isiihteii Schutz für Jugendliche und Frauen, insbesondere Ausbau des Schwangerenschutzes, in das Verbandsstatut eingefügt wissen will. Durch Uebergang zur Tagesordnung wurden zwei Anträge erledigt, die den Zusammenschluß mit den russischen Textil- arbeitern bzw. mit den noch nicht der Internationale angeschlosse- nen Organisationen verlangten. Angenommen wurden drei Entschließungen, die den Vorstand beaustragen: 1. für ausreichende Schulung von Beisitzern für die Arbeitsgerichte Sorge zu tragen, in welchen die Gewähr einer größeren Einheitlichkeit der Rcchrsprechung gas eben wird: 2. im Interesse der zahlreichen, in der Textilindustrie beschäftigten Frauen und Mädchon zu prüfen, welche Maßnahmen zur Befreiung der erwerbstätigen Arbeiterinnen von der Hausarbeit ergriffen werden können: und 3. die Bestrebungen nach weiterer Verbesserung des gesetzlichen Wöchnerinnen- und Schwangeren- s ch u tz e s energisch fortzusetzen. Dem Vorstand und Kassierer wurde Entlastung erteilt. Der Bericht der Mandatsprüfungskommission ergab die Anwesenheit von 166 Delgierten und Verbandsvertretern. Schwerer Konflikt in üen öuchbinSereien. Die llukernehmer auf dem Kriegspfad. In der Zeit vom 11. bis 14. Juni fanden Verhandlungen über Abschluß eines neuen Mantel- und A k k o r d t o r i f e s mit dem Verband Deutscher Buchbindereibesitzer(B. D. B.) statt. Ueber den Verlauf dieser Verhandlungen berichtete Genosse Herzog in der Generalversammlung des Buchbinderverbandes am Mittwochabend. Er führte aus, daß man im vorigen Jahre sich wohl noch einmal zusammengefunden habe, daß aber diesmal keine Möglichkeit bc- stände, in freier Vereinbarung zu einem Resultat zu gelangen. So verlangen die Unternehmer, daß die Bestimmungen über Ferien und Feiertage aus dem Manteloertrag zu st r e i ch e n feien. Die Lohnzahlung habe nach Arbeitsschluß zu erfolgen. Schutz- bestimmungen, die geschaffen wurden, um die Arbeiterschaft vor Schikanen durch die Vorgesetzten zu schützen, seien als ü b e'r f l ü f f i g zu bezeichnen. In bezug aus die Akkordarbeit verlangen sie vollständige Freiheit. So verlangen sie, daß Arbeiten, die seit mehr als drei Jahrzehnten für die Gehilfen vertraglich festgelegt waren, von Frauen und Mädchen oerrichtet werden können, mit einer Preisermäßigung von 40 Proz. Auch sonst verlangen sie einen Lohnabbau. Hierzu sei zu sagen, daß nur die reine Profitgier die Triebfeder ihres Vorgehens ist. Das Buch würde um keinen Pfennig billiger, wenn die Wünsche dieser Herren in Erfüllung gingen. Das Seltsam« sei jedoch, daß man sich den Weg zur Tarifpolitit in einem Referat auf der letzten Generalversammlung habe vorzeigen lassen. Ein Herr Oldenbourg aus München, eine führende Persönlichkeit im Deutschen Buchdruckerverein, fiihlle sich dazu be- rufen, als vermeintlicher Tarifkenner für das Puchbindergewerbe zum Ausdruck zu bringen, daß mit der bisherigen Tarifpolitik ein Ende gemacht werden müßte. In voller Unkenntnis behauptet er, daß aus der Masse der sogenannten gelernten Vuchbindereiarbeiter heute kaum 20 Proz. als wirkliche Buchbinder im vollen Sinne des Wortes anzusprechen seien. Um diese Masse nicht vollweriiger Buch- binder zu inobilisieren, müßten auf der anderen Seite die sehr gut bezahtten und pensionsberechtigten Gewerkschaftsbeamten mit allen �Kräften bemüht sein, ihre Existenzberechtigung wirksam nachzuweisen. In solch herabsetzender Art glaubt dieser Herr zum Schluß moch sagen zu müssen, daß man nicht vor den letzten Konsequenzen zurück- scheuen müsse. Auch die Berliner Buchbindereiarbeiteffchast scheut nicht die letzte Konsequenz. Sie läßt sich nicht einen Tarif aufbürden, der ihre Existenz vernichtet. Zunächst wird das Reichsarbeitsministerium auf Verlangen der Unternehmer eine Entscheidung zu fällen haben. In der Diskussion kam einmütig der Wille zum Ausdruck, den reaktionären Bestrebungen des Unternehmertums den s ch ä r f st e n Widerstand entgegenzusetzen. Es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die Versammelten werden alles daransetzen, die Absichten der Unternehmer zufchanden zu machen. Auch tue angedrohten und bereits getätigten Entlassungen werden die Buchbindereiarbeiterfchaft Berlins nicht davon abhalten, sich auf das Energischste gegen das Scharfmachertum in unserem Beruf zu wehren." Der Protest öer Reichsbahnbeamten. Am Dienstag tagte in Berlin eine Versammlung der Reichs- bahnbeamten, die einstimmig folgende Entschließung annahm: „Die am 21. Juni 1927 nach den Konkordia-Festsälen in Berlin einberufene Beamtenversammlung des Einheitsoerbandes der Eisen- bahner Deutschlands protesttert mit aller Entschiedenheit gegen die Absicht der Reichsregierung, die Aufbesserung der Beamtengehälter erneut bis zum Herbst zu verschleppen und sie außerdem� abhängig zu machen von der dann vorliegenden Wirtschaftslage. Sie erblickt darin den Versuch, die jahrelang geübte Politik der schönen Worte und leeren Vertröstungen auch weiterhin fortzusetzen und den Be- amten, Diätaren und Versorgungsempsängern die dringend not- wendige Erhöhung ihrer Bezüge vorzuenthalten Angesichts der schweren wirtschaftlichen Notlage, die sich be- sonders bei den Beamten der unteren und mittleren Besoldungs- gruppen immer stärker bemerkbar macht, ist es ausgeschlossen, die Beamten bis zur Durchführung der in Aussicht gestellten grund- legenden Besoldungsreform ohne Einkommenerhöhung warren zu lassen. Die im Einheitsoerband der Eisenbahner Deutschlands orga- nisierten Reichsbahnbeamten erwarten daher, daß der Reichstag noch vor seiner Vertagung eine Zwischenlösung im Sinne der ihm vorliegenden Anträge mit Rückwirkung vom 1. April 1927 beschließt und daß auch die R e i ch sb a h n- G e s e I l s ch a f t die vom Einheitsoerband bereits im März d. I. geforderte Erhöhung der Bezüge endlich vornimmt. Die Versammlung oerwahrt sich gegen die von manchen Stellen befürwortete Wiederherstellung des unsozialen Klassensystems der Vorkriegszeit. Vielmehr erwartet sie von einer Reform der Be- soldung in erster Linie eine Verringerung der Zahl der Besoldungs- gruppen und die Verminderung der Spannungsunterschiede aus ein soziales Maß, die Wiedergutmachung des an den unteren und mit:- leren Besoldungsgruppen begangenen Unrechts vom 1. Juni 1924, sowie die Vereinfachung und Verbesserung der Vorschriften über das Besoldungsdienstalter, insbesondere Wegfall der Kürzung des Besoldungsdienstalters bei Beförderung und Anrechnung der bei der Verwaltung zurückgelegten Vordienstzeilen auf das Besoldungs- dienstalter. Eine Reform der Besoldungsordnung muß der Dienst- leistung, Verantwortung und Gefahr des Eisenbahnverkehrs- und Betriebsdienstes besser als bisher Rechnung tragen." Die UnfaUziffern steigen! Trotz der Propaganda des Reichsarbeitsministeriums zur Der- besserung des Arbetterschutzes, die zu Beginn dieses Jahres einsetzte, steigen die Unfallziffern von Tag zu Tag. Im ge- samten preußischen Bergbau sind im ersten Viertel des Jahres 1927 3Zö35 Unfälle vorgekommen: davon waren 3 4 0 tödlich. Im letzten Viertel des Jahres 1926 wurden 34 157 Unfälle gezählt, davon 3 3 5 t ö d l i ch e. Es hat also das erste Viertel 1927 beretts ein Mehr von 1384 gegenüber dem letzten Viertel des Jahres 1326. Das bedeutet, daß an jedem Ar- beitstag im preußischen Bergbau 473,8 Bergleute verletzt wurden und 4,53 ihren Tod fanden. Geht das so weiter, dann würden am Schlüsse des Jahres säst 100 000 Unfälle aus rund 400 900 Belegschaftsmitglieder zu buchen sein, d. h. jeder vierte Bergarbeiter müßte ini Jahre 1927 einen Unfall erleiden. Aufsichtsorgane, Arbeiter und Unternehmer müssen gemeinsam Hand anlegen, um diese grauenerregenden Unfallziffern herabzumindern. Vor allem müssen den B et r i e b sr ä t e n auf dem Gebiete der Unfallverhütung mehr Rechte eingeräumt werden. ,cudgr»pp« d» 8 Ml. Heute, Donnerstag, 19H Uhr, findet folgende taltung statt: Schöucberg: Jugendheim Hauptstr. 1Z lThilringenzinuner), z:„Ärbeiterdichtung" lLewinsli).— Turuabend von 20 diz 22 Uhr in der >llc der Schule Baruther Str. 20.(Turnsachen mitbringen.) ..u/tana, Zimmerer! Alle Dcrbandskameraden werden ersucht, an den vom bis 27. Juni stattfindenden Begirtsversaminlungen, wo die Beratung des n Bezirlstarifverlragc» vorgenommen wird, unbedingt teilzunehmen. Der rt ü=.AHn.h.rni inat ata Jreltag, 24. Juni, bei Will, idlartin-Luther. Iugcadgr-pp« Veranstaltung"" Vortrag:„Arbe__________ Turnhalle der Schule Baruther Str. 20.(Turnsachen mitbringen.) Achtnag, Zimmerer! Alle Bcrbandekameraden werden ersucht, an den vom 2S. bi« neuen Z. Bezirk it l Schöneberg) tagt an M_ WW>> Straße 09: der Bezirk 4 tagt am Sonnabend, 25. Juni, bei König, Laug« Strage 53. Di« Versammlungen beginnen UKH Uhr. De« Vorstand. Frei« Sewerlschaftsingeud. Heute 19>4 Uhr tagen die Gruppen: Süd- Westen: Jugendheim Borckstr. 11. Tarifverhandlung.— Köpenick: Grupp.'nhcim Jugendheim Grünauer Str. 5. Spielabend.— Lichtenberg: Erupp.'nheim Jugendheim Barkaue 10. TanMn— Eingen— Spielen.— Zempelhof: Schul«, Gotenburger Straße. Vortrag:„Soziales Wandern."— Wcdding 1: Jugendheim Turiner, Ecke Seestraße.„Frohe und ernste Tage einer Haus- angestellten."— Treptow: Außenspiele auf der Wiese 8. egschcider LeitergerLstbanarbciter! Die im Deutschen Bcrkehrsbund org_________ Arbeitnehmer der Branche Leitergerüstbau hielten am 19. Juni ihre fallige Vollversammlung ab und beschlossen, daß für die Zukunft die Dollversamm» lungen nicht mehr wie bisher an Sonntagen, sondern an jedem zweiten Mon- tag im Monat abgehalten werden. Di« nächste Versammlung findet demnach am Montag, 11. Juli, 19 Uhr, im Lokal von Schulz, Elisabothstr. 30, statt. Die Brauchenleitnug. Verantwortlich kür Politik: Viktor Schiff: Wirtschast: G. ltlingeldbscr; ttg: J. Steinet; Feuilleton: lt. K. Döscher; Lokales iriß Karstädi: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich>a Verliu ierlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u Eo.. Berlin CW 58. Lindenstrnße 3. Hierzu 1 Beilage,„Unterhaltung und Wisse»" und.Frauenstimme". 8U>7Ksster Opernhaus a. Pialz ck.Republ. VU: Die Terkaukie Braut Schauspielhaus 8 Uhr: Florian üeyer Schiller-Theater 8 U.: Arnphitryoo Cbarlotienburg 7«/, Uhr: Aida (geschl. Vorstellg.) WM IHM Norden 10334—37 8 U. Ende IOVjU flsr Kexer Kammerspiele Norden 10334— 37 8»/« Uhr. Ende 10 U- Letztes Vorstcliung. Lnsispiel ron Georg Kaiser Die Komödie Bismarck 2414/7516 8'/« Ende auh 10 Uhr Oer Zllod hmUlt tu Carl lianlaln NeiroDOl- rueai. Täglich S1/, Uhr fliUck in dar Liebe Thsat. i.llolleniiirfpl. Kurfürst 209) 8 U., Eide gege» l I Uhi letzte 8 Vorstellg. Drei arme kleine Wels Oi-rette van Villa Ralh Theater des Westens 8>. Uhr Beinrieh Beines erste Liebe Sommerpr. 1—8 M. lallenliarg-Elliia Ots. künstlcr-Th VI, Uhr: Bitte, wer war zuerst da? Lcssing-Theater 8", Uhr; Eugen Klöpfermit seinem Ensemble Abgeiatiit-KoBI Nollendorf 7360 8 Uhr Noni und Horacc und weitere 8 rar Berlin neue Attraktionen Komische Opi 8Vi Uhn 8V, Uhn Berlins einzigste Revue: Sflrcna verholen ütl Hit Rnui da«rtolcnn ladwifcaftn I Ueber 200 MUwlrk. s 8 Balletts. I Vorverkauf d. Tkejttrtrai ab 19 Ohr manlerbr I Reichshallen-Theater 8 Uhr. 8 Uhr; Sfelliner Sänger Zum Schluß: „One Bodizelf In der nOilerstrafie" Dönhoff- Brett'lt Varietä, Konzert, Tsnz Volksbühne Dieslii an Büliivglatt 8 Uhr Jan der Wunderbare Morgen 8 Uhr; Jan der Wunderbare benovuHäbiiii Th. Kftoigsrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: SiaSdiotaT.llzDad) Hmnatüttidiaui Norden 6304 3 Uhr Weiße Fracht tvainaiia- rneai Heute 8'l, Uhr: Sensationsstöck in 4 Akten von Wald Parkett statt 4 Mk nur 60 Pfg, auch Sonntags. Hose-7heater Gartenbühne S'/i Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Der Voselbladler W, Uhr Die Perle aas Pommern TnaiUi-Theiier Täglich 8 Uhr. Wenn der junge Wein blüht Lustspielhaus 8'/, Uhr .Der Apfel' > Wo speist man i fins n.öUilfiT Nur SroC-Berlinj Alexanderplaiz. Das lehrt die Grofie Ausfteilung am Kalferdamm, die Sie(ich fdileunigfi anfehen müden, da fie nur noch bis zum S-Juli dauert(täglich von 9 Uhi vormlttaqs bis 10 Uhr abends). Herrlicher Nachmittagsaufenthalt in den Terraffen am Funkturm neben dem VVochenend-Dort- Eintrittspreis 1.— M., Jgdl. 0.50 M. Familien- kartenf-SErw. od.2Erw.u.2Jßdl. nur 2.-M. Erwerbslofc(gc?;.Auswc}s)0.30M. Morgen, Freitag am Funkturm mit Volkstänzen und Volksliedern Darbletmigeii Märkischer Wandererkreise ausgeführt von Gebr. Bock taHrcaterainZoo! 8V4 Utir; Ueber 200 mal Oorioe und der Zufall Nitter, Sabo, Paulig. 1 Charlch Erhart- Hardt, Wilfan Theatar an Kottti. Tor' » Kottb. Str. 6 d) Tägl.SUhr: i»» 15.-10. irnii W» 2 Gastspiel Vfl* der Original Ifi leipziger- fritz-WeliBr-SSgger| Spritzbcmben tzum Reklamepreis v. 7M.an um still I- auhhlla. filBruma- idiliod» verkauft KrOüer& La man PompcDfitul. Birlie 0. 27, Alexanderstr. 14 2.1. r.aelnili.Ia»MWiliii»4u WINTERGARTEN Am 21. Juni, vormittags T1/« Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden der Leiter unserer Abteilung Herr Direktor MdX Führ DerVerstorbene war uns ein Vorbild steterPflicht- erfüllung und loyaler Gesinnung. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Angestellten und Arbeiter der Sdiultbelss-Patzenboler Brauerei AKtlengeseüsdi. Abteilung II. Im Rahmen des neuen Varietö-Spieipla DAGMA das ungelöste Rötsei Rauchen gestattet! Am 20. Juni b. J, früh 1 Uhr. ent» schlief nach kurzem mit Gedulo ertra- genem, ichwerem Leiden mein lieber guter Mann, unser treuforgeuder Vater und Sohn iüancke im Aller von 52 Jahren. DicZ zeigen tielbetrüdt an Iiis trausruden SintÄlM. Berlin 32 31, den 22. Juni 1927, Brunncnstr. 89. Die Einäscherung findet am Montag.! dem 27. Juni d. I. nachm 5 Uhr, im Krematorium Gerichtitraße statt ZilSierärsnZie Fragen Sie Ihren Arzt Ob. A.Siegers And- diabeticum und verlangen Sie kostenlos diesbezflgl. hochinteressante Schriften durch Fr. L5w, Walldorf B 37(Hessen). Nr. 292 ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage ües vorwärts Vonnerstag, 2Z. Fun! 1927 Ireifpruch im Kasseler Straßenbahnprozeß. Und wie steht es mit den Dienstvorschriften? Kassel, 22. 3unl(IDIB.) Die in dem Slrastenbahnprozeß wegen des bekannien Unglücks vom 18. Mal Angeklaglen. der Schass- ner henlrich und der Führer Gerlach, wurden heule sreige- sprachen. 3n der Begründung des Urteils führte der vorsilzende unter anderem aus: Das Gericht nimmt als seslslehend an, dah der Unglückswagen genügend gebremst war und die Bremse auch ausreichend funktionierte. Dem Angeklagten Gerlach ist zugute zu halten, daß er entsprechend seinen Körperkräften die Bremsung vorgenommen hat. Er konnte nicht annehmen, dah in diesem einen Aall die wie sonst vorgenommene Bremsung nicht ausreichend war, nachdem er in jahrelanger Tätig- keil immer in der gleichen weise gebremst Halle. Bezüglich des Angeklagten henlrich war zu prüfen, ob er der Aussichls- Pflicht nicht genügt hatte. Das Gericht nimmt an. dah kein B e r st o h in dieser Beziehung vorlag. Znsolgedessen ist hentrich freizusprechen. » Gerlach und hentrich sind freigesprochen! Der Staats- a n w n l t freilich kam in seinem Plädoyer zu dem Schluß, daß beide Angeklagte überführt seien, durch Fahrlässigkeit den Tod von neun Menschen und Verletzungen von 23 Menschen ver- ursacht und einen Eisenbahntransport gefährdet zu haben. Den Schaffner hentrich treffe die größere Schuld Gegen ihn beantrage er sieben Monate Gefängnis, gegen den Führer Gerlach fünf Monate Gefängnis. Beiden könne Strafaussetzung ohne Buße gewährt werden. Das Gericht hat anders erkannt. Es hat zugegeben, daß von einem besonderen Verschulden der Straßenbahnangestellten nicht die Rede sein kann. Sie versahen ihren Dienst in derselben Weis« wie sonst. Das Unglück konnte, wie unser Kasseler Varteiblatt schon am Dienstag an Hand der Zeugenaussagen fest- stellte, nur geschehen, weil die Wagen gegen das Abrollen auf ab- fchllsfigem Gelände nicht so gesichert sind, wie man das unter allen Umständen v e r l a n g e'n m ü ß t e. Es ist festgestellt, daß die fest angezogenen Bremsen sich beim Besetzen des Wagens lockern und daß der Wagen dann abrollt. Dieses Abrollen erfolgt so geräuschlos, daß zwei Gerichtsbeamte, die beim Lokaltermin an der Stelle standen, an der Schaffner hentrich noch seiner Angabe gestanden hat, das Verschwinden des Wagens erst merkten, als dieser bereits mindestens 15 Meter fortge- rollt war. Run aber kommt das Tollste! Bon besonderer Wichtigkeit war die Feststellung, daß durch das Einschalten der Strombremse das Unglück hätte verhütet werden können. Zwar rollte der Wagen auch mit der eingeschalteten Strombremse von seinem Standort ab, aber nach kurzer Zeit verlangsamte sich die Fahrt durch die Wirkung der Brems« so, daß der Wagen nur eine Stundengeschwin- digkeit von drei Kilometern hatte. Dabei hätte nichts passieren können, und die hinterherlausenden Angestellten hätten den Wagen bald erreicht. Aber dos Einschalten der Strombremse war den An- gestellten der Straßenbahn untersagt! Zu alledem stellte sich noch heraus, daß selbst die Direktoren über die Dienstvorschriften für das Fahrpersonal nicht Bescheid wissen. Darüber, wie sich das Personal bei der Beförderung von Gepäck st ückcn verhalten soll, gibt es anscheinend überhaupt kein« Vorschriften. Und von einer besonderen Instruktion, die doch bei dem gefahrvollen Gelände in Kassel unbedingt notwendig wäre, ist bei der Straßenbahn anscheinend keine Rede! Die Aussagen der Zeugen Ohlwein, Sack, Schneider, Wagner, Leim und Schaub und das Gutachten des Sachverständigen Günther haben die beiden, durch das fürchterliche Unglück vom 18. Mai menschlich schon schwer genug betroffenen niederen Ange- stellten der Kasseler Straßenbahn, die in der Angeklagtenbank standen, in keiner Weise belastet! Sie erwiesen vielmehr, daß die Kasseler Richter Recht haben, wenn in der Urteilsbegründung gesagt wird: Bei den Angeklagtsn lag keUn Verstoß gegen die Auf- sichtspflicht vor! War aber das gleiche bei der A u f s i ch t s b e- Hörde der Fall? Die wahren Berantwortlichen sind, daran kann nach dem Auegang des Prozesses kein Zweifel sein, in der D i r e k- tion jer Kasseler Straßenbahn zu suchen. Sie hat v e r s a g t, die Borschristen. die sie getrossen hat, genügten angesichts der besonders schwierigen Kasseler Terrainoerhältnisse in keiner Weise. Und weil bisher nichts passiert war. hatte man eben unbesorgt weitergeschlafen, bis die Katastrophe einge- treten war. Neugestaltung der Berliner Citp. Im Rahmen der Großen Berliner Kunstausstel- l u n g am Lehrter Bahnhof hat die A r ch i t e k t e n v e r e i n i- gung„Der Ring" eine Anzahl Projekte für die Eitygeftaltunz und aktuelle Entwürfe für Durchbrüche ausgestellt. Sehr oft ist bereits das Problem der Neugestaltung der Berliner City erörtert worden, aber trotz der Hausse an Projekten sieht man kaum einen Weg, der zur Erfüllung führt. Genau so verhält es sich mit den Entwürfen des„Ringes". Peter Behrens und Scharroun beschäftigen sich hauptsächlich mit den Durchbrüchen an der Fran- zösischen bzw. an der Jägerstraße und mit der Freigabe der Ministergärtcn für den Durchgangsverkehr. Im Falle, dah man die Projekte genehmigen würde, so würden sie für den Augenblick ausreichen, aber kaum noch für einen gesteigerten Zukunstsverkehr, wie Martin M ä ch l e r anläßlich einer Führung des City- a u s s ch u s f e s durch die Ausstellung betonte. Untertunnelung der Ministergärten ist nicht empfehlenswert, da bisher keine Unter. tunnelung den Verkehrsnöten radikal geholfen hat, und das andere Projekt schafft zu viel Ecken und Berkehrssallen. Sehr großzügig ist Mächler selbst verfahren. Man kennt seine Vorschläge für einen Berliner Zentralbahnhof, sein Projekt, Berlin im Zuge der Siegesalle« für den Cifenbahnfernverkehr zu untertunneln, und sicherlich würde die Zusammenziehung der Bahnhöf« nicht nur der Erleichterung des Verkehrs dienen, sondern auch Raum für neue Stadtviertel schaffen, aber wer wird diese ungeheuren Kosten auf- bringen können? Das Beispiel, das Mächler anführt, nämlich die Umgestaltung von Paris durch den Präfekten Haußmann ist viel- leicht bestechend, doch die finanzielle Lage Frankreichs zur Zeit Napoleons III. war besser als die gegenwärtige Deutschlands. Diese Projekt« sind sehr schön, sie klingen wie Zukunftsmusik, aber sie werden wohl vorläufig dazu verdammt sein, nichts wester als Zukunftsmusik zu bleiben. Der fiktenüieb Egloffstein-Gertel. 5l)0 Mark Belohnung! Er ist immer noch nicht ergriffen der 33 Jahre alte frühere Schulrcster Ludwig O e r t e l, bekannter unter dem Namen„Frei- Herr von Eglosfstein-Oertel", der im Zusammenhang mit den Moabiter Artenbeseitigungen schon wiederholt genannt wurde. Die Kriminalpolizei hat den Flüchtigen, eine in der„Lebewelt" Berlins sehr bekannte Persönlichkeit, schon wiederholt ausgespürt, so in seiner Heimatstadt Dresden, in München, Wien, Köln und Frankfurt a. M., aber jedesmal, wenn die Spur gefunden war, war der Gesuchte auch schon wieder verschwunden. In seiner Begleitung befindet sich immer noch die 2S Jahre alte aus Lenders- dorf im Kreis: Düren gebürtige Frau Ann-a Sonnet, geb. Häupgen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich das Pärchen jetzt in einem näheren oder entfernteren Vorort Berlins aushält und von dort hin und wieder zu ganz kurzem Ausenthalt nach Berlin her- überkommt. Oertel ist, obwohl er weiß, daß man ihn eifrig sucht, ungewöhnlich dreist. So hat er, wie erst nachträglich bekannt wurde, vor einiger Zeit in Berlin bei der Eröffnung eines Lokals in der Friedrichstadt mit mehreren anderen ein großes Zech- gelage veranstaltet, in Frankfurt ein Gelage mit Iockeys und Sportsleuten. Auf feine Ergreifung ist jetzt für Mitteilungen aus dem Publikum eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt. Angaben erbittet Kriminalkommissar Kanthack, Dienststelle!?. 3 nach Zimmer 18 «wi Polizeidienstgebäude in der Georgenkirchstraße 30a. Der Ber- solgte ist 1,70 Meter groß, übermäßig schlank, hat ausfallend schmal« Hand- und Fußgelenke, einen bräunlichen Teint, hagpres Gesicht mit hervorstehenden Backenknochen. * In einem bejammernswerten Zustande erschien gestern Mitt- woch vormittag auf dem 125. Revier in Charlottenburg»in Mann, der klagte, daß er aller Mittel beraubt sei und schon fest zwei Tagen nichts mehr gegessen habe. Man sah ihn sich genauer an und stellte ihn als einen 39 Jahre alten Hilfskassierer vom Arbeitsamt des Magistrats in Essen Kurt Krahne fest, der von der Kriminalpolizei wegen Unterschlagung gesucht wurde. Krahne hatte vor sechs Tagen 3554 M., die er abliefern sollte, in seine eigene Tasche gesteckt und behalten. Mit dem Abend- zuge um 9 Uhr fuhr er nach Berlin, wo er morgens ankam. Gle'�- am ersten Tage fand er Anschluß an lebenslustige Mädchen und besucht« mit ihnen verschiedene Lokale. So kostete dieser Tag schon 1500 M. Nachdem er auf diese Weise„Berlin kennengelernt" hatte, fuhr er mit den„Damen" nach außerhalb. Wohin er kommen ist, weih er selbst nicht mehr, er meint, es könne wohl Potsdam gewesen sein. Man übernachtete in einem Hotel, und als Krahne am nächsten Morgen auswachte, waren die„Damen" verschwunden. Nur ein paar Mark hasten sie ihm noch gelassen. Er fuhr nach Berlin zurück, verzehrte auch den kleinen Rest noch, hungerte darauf zwei Tage lang und suchte endlich Hilfe bei der Polizei._ Unsichere Nüsiungen. Die Arbeiter zum Unglück in Niederschöneweide. Mit dem schweren Unglück auf der Eisenbahnwerk stelle Niederschöneweide beschäftigte sich gestern eine Belegschafts- Versammlung der am Bau Beschäftigten. Duich Augen- und Ohren- zeugen des bedauerlichen Vorfalls ist festgestellt worden, daß die be- treffenden Maler und Anstreicher auf ausdrückliches Ver- langen ihrer Bauleitung in Stärke von acht Mann auf dieser Rüstung arbeiten mußten, trotzdem nach fachmännischem Ermessen die Rüstung für«ine solche Belastung keinerlei Sicherheit bot. Auch haben sich die Verunglückten nicht wie teilweis« in der bürgerlichen Presse zu lesen stand, vorschristswidrig auf einen Haufen gestellt, fondern sich gleich nach Besteigen der Rüstung(was ja nur einzeln möglich ist) auf ihre Arbeitsplätze ver- teilt. Im übrigen wird- die untersuchende Behörde und die Bau- polizei feststellen müssen, inwieweit mangelhaftes Rüstzeug verwandt wurde oder Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann. Di« be- schästigten Bauarbeiter vertreten die Ansicht, daß zu wenig und zu schwache Hängeeisen verwandt, d. h. der Verlag zu weit war und dementsprechend die tragenden Rüststangen zu schwach waren. Für ein« weitere Sicherung war auch keine Vorsorge getroffen. Ferner forderte die Belegschaftsversammlung für die Zukunft ausreichenden sanitären Schutz. Schassukg e.nes Verbandraumes und vorschriftsmäßig« unt sichere Rüstungen.___ Eiue Ko'onialausstellunq in Nöten. Es ist das alte Lied vom Ruhm des Einen, der den Anderen nicht ruhen läßt. So bleibt es weder bei einem Ozeanflug, noch bei einer Afrikaschau im Zoo. Einige im Kolonialfach bewanderte Herren wollen auf dem Gelände Charlottenburg, Berliner Straße 31/32, am Knie, den Zlufbau einer Art Kolonialaus- st e l l u n g fördern, allwo Chinesen, Inder, Araber usw. dem. Publikum volksiümliche Sitten und Gebräuche in der üblichen Ait solcher Veranstaltungen vorführen. Außerdem soll auch eine Art Uebersee-Panoptikum entstehen. Alles recht schön und gut, bis auf den Umstand, daß die Fertigstellung der Ausstellung auf aller- Hand Schwierigkeiten zu stoßen scheint. Die Bauten liegen im halbfertigen Zustand verödet da, das farbige Darstellelpersonal das angeblich 500 Mann stark sein soll, besteht augenblicklich aus vier bis fünf Chinesen. Die, in europäisches Zivil gekleidet, etwas rat- las umbeichchm. Fast hat es den Anschein, als ob die Behinderung in der Fertigstellung der Ausstellung, deren Eröffnung bereits vor einigen Tagen vor sich gehen sollte, in Mißhelligkeiten finanzieller Natur zu suchen ist Wenn Arbeitspersonal die Arbeit unterbricht, so ist die Ursache wohl nicht allzuschwer zu erraten. Man vermutet, daß es sich wieder einmal um ein Unternehmen handelt, das mit der Ärbeiterschaft Fremdstämmiger Schindluder treibt und in Sorglosig- keit„Lufrgeschäfte" abschließt. Die Drücke im Dschungel. Sitten- und Stimmungsbild aus dem Innern Mexikos. 33s Don D. Traven. copzTlztil 1927, by B. Traven, Tamaulipas(Mexiko). Der Sarg wird hingestellt. Der Sargmacher zieht die Nägel heraus und hebt den Deckel ab, damit die Mutter Abschied nehmen kann. Man sieht die grellbunten Papierröcke, die goldene Krone, das Szepter und die goldenen und silbernen Sterne und Kreuze. Aber das Gesicht kann irgend etwas sein, nur kein Gesicht. Mit einem Schrei wirft sich die Garza über den Sarg, den sie fest umklammert. Ihr Schrei geht in Wimmern über. Garza kommt stolpernd heran. Er muß sich fest auf die Männer, die dicht dabei stehen, stützen, damit er nicht umfällt, denn die zweite Tequilaflasche ist inzwischen auch nahe zur Neige gegangen, und es sind gerade noch ein paar Trost- tropfen für ihn und seine Frau drin. Aber es ist sein gutes Recht, hier dicht an dem offenen Sarge zu stehen, denn er ist der Vater. Er will etwas sagen, vielleicht will er auch nur einen Schmerzensschrei ausstoßen, aber er quiekst nur und wischt sich mit der Hand die Tränen von den Backen. So be- trunken ist er lange nicht, daß er nicht wissen sollte, was da von ihm genommen wird, daß sein Nesthäkchen nun für immer abgewandert ist. Die Pumpmeisterin und zwei andere Frauen, die alle laut schluchzen und schreien, als wäre es ihr Kind, heben die Garza auf. Sobald der Sarg auch nur ein wenig frei ist, zieht ihn der Sargmacher auch schon unter der noch halb niederge- beugten Garza hervor. Ein anderer Mann hat schon den Deckel bereit und im Augenblick ist der Sarg zugenagelt. Diesmal für immer. Dann' trägt man ihn dicht an das Loch. 24. Und nun drehen sich alle Leute um und warten auf den Lehrer. Der Lehrer ist noch draußen vor der Friedhofs- pforte. Er weigert sich, den Friedhof zu betreten, well er genug Verstand behalten hat, um ganz genau zu wissen, was mit ihm los ist, und daß er, der weinenden Mutter wegen, nicht unter die Trauergemeinde treten kann und auch nicht mag. Aber jener Freund der Garzas, der ihn eingeladen hat» zerrt ihn jetzt durch die Pforte und ruft noch einen anderen Mann herbei, um den Lehrer zum Grabe zu schleifen. Endlich steht er am Grabe und alle Leute sehen ihn. Er schwankt bedenklich. Und mit einem Male geht er wieder fort vom Grabe und versucht, sich davonzuschleichen. Der Freund hat das trotz seiner Trunkenheit bemerkt und schreit wie besessen hinter ihm her. Es fängt an, ein lautes Be- gräbnis zu werden. Der Freund kann sich nicht beruhigen und schreit, es sei eine Schande, erst die Rede zu versprechen und dann nicht zu halten. Andere Männer reden auf den Wütenden ein, den Lehrer doch zu entschuldigen, aber das macht den Mann nur noch wütender. Er beginnt den Lehrer maßlos zu beschimpfen. Um den Mann zu beruhigen und den Streit, den andere Halbbetrunkene aufnehmen, zu be- endigen, wirken die Leute auf den Lehrer ein, doch zu reden. Aber der Lehrer lallt nur. Und während er sich umwendet, um die Leute abzuwehren und seiner Wege zu gehen, sieht er die weinende Mutter, die weder bittend noch abweisend die Augen auf ihn gerichtet hält. Was die Mutter denken mag angesichts dieser Streiterei und der Unwilligkeit des Lehrers, ist aus ihrem Blick nicht zu erkennen. Aber es scheint, daß der Lehrer in seinem Nebelzustande etwas darin sieht, was wir anderen nicht zu sehen vermögen. Jedenfalls geht er plötzlich wieder auf das Grab zu. Er steht am Rande der Grube und schwankt verdächtig hin und her. Mit beiden Armen gestikuliert er nun heftig in der Luft herum und öffnet den Mund. Da er in der einen Hand noch immer den abgeschnittenen Zweig hält, so sieht es ans, als ob er mit jemand kämpfen wolle. Seine Augen werden ganz stier und gläsern. Es spiegelt sich in seinem Blicke wider, daß alle die Gesichter, die auf ihn jetzt gerichtet sind, zu einer Einheit verschmelzen, die für ihn etwas Un- heimliches haben muß: denn seine Gesichtszüge beginnen, sich in Angst zu verzerren. Ich habe ihn einmal am Unabhängigkeitstage reden hören, und ich weiß, daß er für Verhältnisse dieser Art als guter Redner gelten kann und daß er auch keine Redefurcht hat. Warum er die gräßliche Angst zeigt, ist mir unverständ- lich. Er fuchtelt jedoch immer heftiger mit den Armen durch die Luft, macht den Mund weit auf und klappt ihn wieder zu. Man könnte leicht annehmen, daß er glaubt, er rede bereits. Plötzlich aber schreit er ganz unvermittelt los:„Wir sind alle sehr traurig!" Er schreit das so gewaltig hinaus, als ob er zu fünf- tausend Menschen zu sprechen hätte, die auf weiter Ebene ver- sammelt sind und ihn alle hören sollen. Dann brüllt er los, als ob er nun zu zwanzigtausend Leuten reden müßte:„Der kleine Junge ist tot!" Das alles war aber noch gar nichts, denn jetzt hebt ein Brüllen an, als ob der Himmel auseinandergerissen werden solle:„Auch die Mutter des kleinen Jungen ist sehr traurig. Sie weint." „Auch die Mutter ist sehr traurig. Jawohl, das ist siel" sagt er mit diesem Brüllen, und dabei haut er mit dem Zweig so heftig durch die Luft, als ob er den, der etwa bezweifeln sollte, daß die Mutter auch sehr traurig sei, mit einem Hieb der Länge nach durchspalten wolle. Dieser Hieb war gut gemeint, und er war auch ehrlich gemeint, und vielleicht war er ein Trost für die Mutter, die sehr traurig ist. Aber der gutgemeinte Hieb war mehr als das Gleichgewicht des Redners in diesem Augenblicke ver- tragen konnte. Er sauste über und sauste in das Grab hinein. Er kam aber nicht ganz bis auf den Boden des Grabes. Ueber dem offenen Grabe lagen zwei Baumstämme, aus denen der Sarg eigentlich stehen sollte, zum großen Glück des Redners noch nicht hingestellt worden war, weil man durch das Streiten diese Handlung vergessen hatte. Einen dieser Baumstämme hatte der Lehrer im Fallen gerade noch er- wischt, und nun hing er, beide Arme vor sich hingestreckt, ebenso kläglich wie hilflos auf dem Stamm. Mit den Beinen angelte er nun seitlich aufwärts, um den Rand zu erklimmen und dann hochzuklettern. Aber seine Anstrengungen waren vergeblich und hätte man ihm nicht brüderlich beigestanden, so wäre er in das Grab hinabgesunken, von wo, wäre er allein gewesen, er heute auf keinen Fall sich selbst wieder hätte herauskrabbeln können. Trotzdem diese Entgleisung des Redners recht lustig war, sah ich doch nicht einen einzigen unter allen, die anwesend waren, lachen. Und ich selbst, dem das Lachen für gewöhnlich verhängnisvoll nahe steht, fand auch nicht eine Spur von Komik in dem Vorgang. Damals auf keinen Fall, ich er- innere mich ebenso genau, daß mir in jenem Augenblick ein Weinkrampf näher war, als das bescheidenste Lächeln. (Schluß folgt.) Das Wohnproblem. Aussprache zwischen den Abteilungsmictervertrctern In einer überaus stark besuchten Versammlung, der Abteilungs» mieteroertreter im Gewerkjchastshaus sprachen die Genossin Landtagsabgeordnete Schmitz und Landgerichtsrat Genosse Rüben über die Behandlung der Wohnungsfragen auf dem Kieler Parteitag. O Genossin Schmitz streifte auch die Verhandlungen der Reichs- frauenkonferenz. die ebenfalls zum sehr akuten Wohnungsproblem Stellung nahm. Die Rednerin betonte die Notwendigkeit. Holz- Häuser zu bauen. Die Wohnungen in den Siedlungen sind zu klein. 336 000 Familien in Deutschland, oft 10 Personen stark, müssen sich in Stube und Küche zusammenpferchen lassen. 48000 Familien verfügen nur über einen Raum, eine halbe Million Fa- Milien sind ohne eigene Wohnung. Die Aktivität der Wiener Ge- nossen im Wohnungsbauwesen sollte uns ein Ansporn sein. In den Siedlungen des sozialistischen Wiener Magistrats gibt es gemein- same Waschküchen, elektrisch« Wringmaschinen und elektrische Staub- sauger. Unnützer Tand muß hinaus au» den Wohnungen. Die Rednerin beklagte, daß die materiellen Ergebnisse aus der Haus- zinssteuer verzettelt würden. Genosse Rüben berichtete kurz über den wohnungspolitischsn Teil der Kieler Verhandlungen und bedauerte, daß der Parteitag in dieser Frage zu keinem positiven, festumrissenen Programm ge- kommen sei. Der Redner verlangte eine energische Behand- lung der Wohnungsfrage und wies auf das große In- teresie hin, mit dem die werktätigen Masten den Wohnungsfragen begegnen. Durch den Unfall des Genosten Wutzky mußte sein Woh- nungssragenveferat, in dem er u. a. Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus verlangte, ausfallen. Genosse Rüben regte an, an den Darleivot stand mit der Forderung heranzutreten, mit einem präzisierten Wohnungsbauprogramm herauszukommen. Die An- regung wurde zum Beschluß erhoben. In diesem Zusammenhang wurde auf die Zentrumsinitiative in dieset Richtung hingewiesen. In der sehr ausgedehnten lebhaften Diskussion sprach u. a. Genosse L ü d e m a n n, der ebenfalls das Fehlen eines Wohnunas- Programms bedauerte und fundierte Richtlinien für die Zukunft ver- langte._ Eine neue Großsieölung in Aehlenöorf. Die zweite Großsiedlung der G e h a g(Gemeinnützige Heim- stättenbau- und Spar-A.-G) ist in Zehlendorf inmitten eines herrlichen Waldgeländes entstanden. Um die Wohnungserstellungs- tosten, soweit es die technischen Einrichtungen heute schon gestatten, zu oerbilligen, hat die Gehag GroßMustellen eingerichtet. Die Anwendung sehr vieler Maschinen- und Kraftanlagen ist nur bei Großbaustellen möglich. Auch die allgemeinen Verwaltungskosten sind billiger. Die Gehag versucht durch derartige Großbau- stellen die Mieten soweit herabzudrücken, daß es endlich einmal auch dem einfachsten Arbeiter möglich wird,«ine Wohnung in schöner Umgebung mit hellen lichtdurchfluteten Räumen zu be- wohnen. Wer die Mietpreise der Großsiedlungen Britz und Zehlen- darf prüft, muß anerkennen, daß die Gehag in engster Zusammen- arbeit mit der Deutschen Bauhütte trotz der verhältnismäßig hohen Grundstückspreise ernsthafte Fo r t s ch r i t t« in der Mietoerbilligung erreicht hat. In Zehlendorf entstehen zunächst 500 Wohnungen. 250 Wohnungen werden im Reiheneinfamilienhaustqp gebaut, und der Resl als Wohnungen mit zwei Zimmern und Kammer. Im Ver- ein mit den Architekten Brunn Taut, Salvisbera und Höring hat die Gehag eine Wohnstätte geschaffen, die in inrer Bebauung und Gruppierung etwas Neues zeigt. Die Großsiedlung ist in- mitten eines Waldgeländes entstanden. Rings um die Siedlung ist der herrliche Fischtalgrund und der G r u n e w a l d f o r lt ge- lagert. Die Einfamilienhäuser sind sämtlich mit Gärten oersehen. Die weiträumige Bebauung und die EIngruppierung von Erholung?- anlagen lassen die Siedlung mit Licht. Lust unb Sonne durch- flutet sein. Jeder Quadratmeter Räum ist nutzbare Wohnfläche. In 80 Wohnungen hat die Gehag die Küchenmöbel gleich mit ein- gebaut. Ausgehend von dem Grundsatz, daß die Küche der Werkraum der Frau ist, sind die Möbel so angeordnet, daß der Frau unnötige physische Leistungen erspart bleiben. Am Mittwoch hatte die Gehag Behörden und Presse zu einer Besichtigung einge- laden. Vertreter des Finanz-, des Wirtschafts- und des Wohlfohrts- Ministeriums, der Wohnungssürforge, der Stadt, der Arbeiterbank und des Bezirks �Zehlendorf waren der Einladung gefolgt und wurden vom Geschäftsführer Genossen G u t schm i d t begrüßt. Ge- nosse Stadtbaurat Wagner brachte die Grüße der Stadt dar und erläuterte die Gedanken, von denen die Architekten beim Aufbau der Siedlung geleitet waren. Nun, nachdem die Gestaltung der Siedlung klar erkennbar wird, v e r st u m m t auch die Krittk. Wer durch die Birkenalleen, den Gestell- oder Waldhüterweg offenen Auges geht, wird erfreut sein über das neue Wert gemein- nütziger Bautätigkeit. Es kommt ein neries Zeitalter der Wohnkultur. Die Britzer und Zehlendorfer Siedlung sind die Meldereiter dieser neuen Epoche. Kindertod auf der Straße. Einen tragischen Tod fand gestern nachmittag die achtjährig« Schülerin Liselotte R. aus der Böckhstraße 8. Das Kind wurde beim Ueberschreiten des Fahrdammes in der Nähe der elterlichen Wohnung von einem Geschäftskraftwagen erfaßt und überfahren. Ein Vorderrad ging so unglücklich über den Hals der kleinen R. hinweg, daß der Tod auf der Stelle eintrat.— Ein zweiter tödlich verlaufener Unfall ereignete sich gestern vor dem Hause Osnabrücker Straße 31. Hier geriet beim Spielen auf dem Fahrdamm ein noch unbekanntes, etwa fünf bis sechs Jahre altes Kind unter die Räder eines L a st t r a f t- wagens. Mit schweren inneren Verletzungen wurde das Kind nach dem Westender Krankenhaus gebracht, wo es schon kurze Zeit nach der Einlieferung st a r b., 200 Deutschamerikaner eingetroffen. Dieser Tage trafen in Bremen 200 Deutsch am eri- k a n e r ein, größtenteils Süddeutsch«, Badenser, Württemberger und Bayern, die sich zu einer nach dem von Deutschen am dichtesten bevölkerten Stadtreil N?w Doris Ridgewood benannten Reisegesellschaft zusammengeschlossen haben. Diese Gesellschaft wird in jedem Jahre eine Reise nach Deutschland veranstalten» um dadurch den vielen, in Amerika wohnenden Süddeutschen Gelegenheit zu geben, auf bequeme und preiswerte Art in die alle Heimat zu reisen. Nachdem sich die erste im vorigen Jahre unternommene Reise er- folgreich bewährte, konnte die diesjährige Reise mit einer viel größeren Teiln�hmerzahl unternommen werden. Den amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli werden die Reiseteilnehmer voraus- fichtlich gemeinsam in München begehen. 'Wie der Lomrnissioner ol the Union ok Southalrica in Hamburg mitteilt, kommen am 24. Juni in. Bremen ungefähr 100 südafrikanische Farmer an, um eine Reise durch Deutsch- land zu unternehmen. Die Farmer werden in Bremen industrielle und kommerzielle Anlagen besichtigen und auch vom Senat empfangen werden. Am 16. Juni haben sich mit der„Eleveland" rund 100 Mit- alieder des Hessen-Darmftädter Voltsfestvereins in New ?)ort eingeschifft, die am 27. Juni in Hamburg einttesfen wer- den, um ihre Heimat zu besuchen. In Darmstadt sollen sie fest- lich empfangen werden. Wocheoendfahrte« der Naturfreunde! Der Touristenverein„Die Naturfreunde", Zentral« Wien, Gau Brandenburg, veranstaltet in diesem Sommer wieder eine An« zahl Gesellschaftsfahrten in die Umgebung von Berlin, und zwar am 25. und 26. Juni: durch den Oberspreewald, 31. Jufi: durch die Ruppiner Schweiz. 14. August: Fürstenber g— Himmetpfort— Wablitzkanal— Lychen, 4. Septem- Der Gattenmoröprozeß in Wien. Peinliche Rechtfertigungsversuche der Angeklagten. Wien, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Um �1 Uhr nachmittags wird die Verhandlung wieder auf- genommen, und die Angeklagte Frau Grosavescu fährt in ihrer Verantwortung fort. Sie erzählt: Ihr Mann habe ihr wieder- holt ein rumänisches Sprichwort diktiert, daß nur diejenige Frau weiß, daß sie geliebt wird, die von ihrem Mann mißhandelt wird. Im Dezember 1925 habe sie einen Selbstmordversuch unternommen, der aber mißglückte. Sie habe die Ehe mit ihrem zweiten Manne sehr bald bereut. Sie ruft mit erhobener Stimme dem Gerichtshof zu:„Es hat wohl keine Frau soviel in der Ehe mitgemacht, wie ich." Dann erzählt sie von der Bekanntschaft mit der Familie des Wiener Arztes Prof. S t r a n s k y. Zwischen Frau Stransky und ihrem Manne habe sich bald ein Verhältnis entwickelt. Ihr Mann sei wiederHoll um 3 Uhr nachmittags weggegangen und habe behauptet, er müsse zu einer Probe in die Staatsoper, obwohl um diese Zeit gar keine Proben wären, und sei zur Frau Stransky gegangen. Al» sie im Sanatorium eine schwere Entbindung durchmachen mußte, habe ihr Mann sie besuchr, sei aber bald weggegangen mit der Ausrede, daß ihm sehr schlecht sei. Am nächsten Tage sei Prof. Stransky zu ihr gekommen und habe ihr erzähll, ihr Mann sei den ganzen Nach- mittag und am Abend bei ihm und bei seiner Frau gewesen. Sie habe es als eine grob« Taktlosigkeit empfunden, daß die Familie Stransky ihren Gatten zu einer Zeit eingeladen hatte, wo sie wissen mußte, daß seine Frau zwischen Leben und Tod schwebte. Dann erzählt die Angeklagte von einem Opernbesuch am 14. Februar, einen Tag vor dem Mord. Sie saß mit ihrem Gatten in einer Loge, als plötzlich Frau Professor Stransky ihren Mann herausrufen ließ. Sie hat dann später erfahren, daß er Frau Stransky Geld zur Bezahlung von Rechnungen gegeben habe, die ihr eigener Mann ihr nicht bezahlen wollt«. Der Vor- sitzend« bemerkt dazu, daß Frau Stransky das entschieden bestreitet und daß er darüber erst noch Zeugen hören müsse. Am 15. Februar hätte Grosavescu nach Berlin reisen wollen. Am Vormittag sei er weggegangen und etwa um 11 Uhr zurückgekommen. Es wurde mit dem Packen d«� Koffers begonnen. Es scheint zunächst, als ob er einverstanden gewesen wäre, daß sie mit nach Berlin fahre. Er verlangte aber, daß sie sich van Frau Stransky verabschiede. Es kam zu einem Streit. Der Mann riß die Kleider aus dem Koffer, erklärte, sie dürfe nicht mitfahren. Der Streit wurde nun immer ärger, und der Mann schlug sie. Bei dieser Szene war die Schwester des Ermordeten anwesend, und sie soll, nach Darstellung der Ange- klagten, ihrem Bruder zugerufen haben:„Nicht prügeln." Dann sagt die Angeklagte, an das, was weiter gewesen sei, könne sie sich nicht erinnern. Sie sei erst wieder zu sich gekommen, als die Schwägerin sie an der Hand nahm und ihr sagte, sie habe Grosavescu erschossen. Sie erinnere sich n i ch t an die Borgänge bei der Erschießung, sie könne sich nicht mehr einmal an den Reoolverfchuß erinnern. Die Angeklagte erwähnt dann weiter, daß wenige Tage, nachdem sie nach der Geburt das Sanatorium verlassen hatte, ein Besuch gekommen sei. Der Mann habe sie bald mit dem Besuch allein gelassen und sei weggegangen. Der Besuch sei bis 9- Uhr geblieben. Als sie dann in das Arbeitszimmer ihres Mannes gehen wollt«, fand sie ihren Mann in einer sehr verfänglichen Situation mit Frau Stransky. Frau Stransky b e- streitet das entschieden. Die Angeklagte erklärt weiter, sie sei wie vom Blitz getroffen gewesen und konnte sich nicht mehr erholen. Aber niemand habe von dieser Tatsache erfahren. Nachmittags beginnt dann das Zeugenverhör. Zuerst wird die Schwester des Ermordeten, Olga Grosavescu, vernommen, die bei dem Morde anwesend war. Sie sagt sehr ent- schieden gegen die Angeklagte aus. Es kommt dabei zu fortwährenden Zusammenstößen, da die Angeklagte behauptet, daß die Zeugin lauter Meineide schwöre, während die Zeugin ebenso energisch bei ihrer Darstellung bleibt. Auf die Frage des Vor- sitzenden, wie sich die Angeklagte erklären könne, daß die Schwä- gerin, mit der sie sich früher ziemlich gut stand, jetzt so feindlich gegen sie aussage, sagt« die Angeklagte, daß sei sehr einfach zu er- klären, sie habe ja ihren Druder und Ernährer getötet. Deshalb sei sie gegen sie. Die Zeugin gibt dann eine Darstellung der Vor- gänge bei der Ermordung und bestreitet, daß sie ihrem Bruder zugerufen habe:„Prügele sie nicht!" Sie habe bloß gesagt:„Laß sie. laß sie." Außerdem gibt sie an, sie habe den Eindruck gehabt, daß die Angeklagt« den Revolver in ihrem Mieder stecken hatte. Darauf erklärt die Angeklagte, das fei ausge- schlössen. Die Zeugin hat nach her Tat die Rettungsgesellschast sofort angerufen und gleich danach die Frau Stransky, der sie sagt«: „Sie Mistvieh, Sie sind an allem schuld!" Sie bestreitet das nicht. gibt aber an, sie habe dies« Aeußerung nur unter der Suggestion der Schwägerin gemacht, die sie über das angeblich« Verhältnis ihres Mannes mit der Frau Stransky unterrichtet habe. Sie müsse aber hier erklären, daß sie ihr Unrecht getan habe. Es werden dann noch. einige Tatzeugen, Polizisten, vernommen, und in ge- heimer Sitzung werden Briefe verlesen, die Grosavescu an seine Frau geschrieben hat. Darauf wird die Sitzung vertagt. (KezirK Groß-Berlin) Sitzung:(sreltaa, den-24 ZunI, Ig Uhr. im„Alexandriner", Berlin, Alexondrinenstr. Z7a«Nähe Worihpiatz». Tages- ordnung: l. Die„Dinta"(eine Gefahr für unser Schul« Wesen). Referent: Gen. Fricke. 2. Die drohende Kon- fefsionalisierung der Berufsschule. 3. Bericht vom Reichs- erziehertag in Kiel. Referent: Genosse Ernst Schultz. der: Niederfinow— Lepen-Schleuse— Kloster Chorin, 17. unh 18. September: nach dem Wörlitzer Park. Die Fahrt durch den Oberspreewald wird des regen Zuspruches wegen wiederholt. Der genaue Plan jeder einzelnen Fahrt und der Preis der Teilnehmer- karte wird rechtzeitig bekanntgegeben durch Bruno Damnitz, Berlin N 65, Lüderitzstraße 58. Für die Schwarzwaldwanderung und für die Wan- derung durch das Berchtesgadener, Salzburger und T i r o l e r L a n d ist die Teilnehmerlist« geschlossen. Es können sich noch etliche Teilnehmer für die Ferienwanderung vom 23. Juli bis 7. August durch Vorarlberg, Tirol und Oberbayern bei Karl K i st- ner, SW29, Gneisenoustraße 25, und für die Wanderung durch die Sächsische Schweiz vom 24. Juli bis 31. Juli bei Fritz Schuppe, Berlin N20, Eulerstraße 23, v. IV, bei Bock,. melden. Der Vertreter. Wen vertritt er? Eigentlich ist er ein Vertreter Gottes auf Erden, denn er ist ein Mensch. Seine Mitmenschen aber sagen: er vertritt Seife, Wichse, Scheuerpuloer oder Streich- Hölzer. Er selbst aber sagt: im Grunde genommen vertrete ich Stieselsohlen. Wenn er viele«stunden lang diese Tätigkeit ausgeübt hat, kommt er an einen Park. Erschöpft sinkt er auf eine Bank und zieht sein Mittagbrot aus der Hosentasche. Die ewig hungrigen Sperlinge finden sich ein. Da er gewohnt ist, anzubieten, zieht er höflich den Hut und tut es auch hier. Zum erstenmal an diesem Tage wird sein Angebot angenommen und er denkt: eigentlich sind sie ja auch meine Kunden,- denn sie nehmen mir etwas ab: leider bezahlen sie nicht dafür. Er redet sie lateinisch, griechisch und hebräisch an. aber sie bezahlen nicht. Wenigstens kann er sein Den aktuellsten Vortrag des Tages brachte Iustizrat Prof. Dr. H e i l f r o n. Er sprach über einzelne Abschnitt« des neuen Straf- gefetzbuchs, das in diesem Sommer vom Reichstag beraten werden soll. Prof. Heilsron, der stets zu seinem Stoff eine möglichst objek- tive Einstellung wahrt, diskutierte u. a. auch die Beibehaltung der Todesstrafe in der Gesetzesvorlage nur nach sachlichen Gesichts'punk- ten. Cr wies darauf hin. daß das neue Strafrechr, in dem eine wesentlich« Uebereinstimmung mit dem österreichischen erstrebt wurde, ein« starte Unterstützung des Anschlußgedankens bedeute. Diese Uebereinstimmung wäre aber bei Beibehaltung der Todesstrafe für Deutschland an?inem wichtigen Punkt gestört, da die österreichische Todesstrafe abgeschafft worden ist.— Gegen das Vorurteil, das manche Eltern noch gegen Hilfsschulen haben, wandte sich Hllss- schulrektor W. Raatz mit seinen Ausführungen„Sorgenkinder in der Hilfsschule". Er betonte, daß die Eltern ihren Kindern am besten durchs Leben helfen, wenn sie sie in die Schule schicken, die ihren Fähigkeiten angepaßt ist und diese daher voll entwickeln kann.— Helene Braun legte unter dem Titel„Hilfe in der Not" dar, wie wichtig es ist, daß soziale Liebestätigkeit nicht nur mit dem Geld- beutel, sondern auch mit dem Herzen getan werde, wenn sie wirk- lich fruchtbar sein soll.— Arnim T. W e g n e r setzte seinen Vor- tragszyklu«„Abenteuer des Auges, Erlebnisse in der deutschen Land- schaft", mit einer poetischen Eindrucksschilderung von der Insel Sylt, „der fliegenden Insel" fort.— Die Abendveranstaltung gab den Hörern drei musikalische Abschnitte: aus dem Kabarett, dem Oper«ttenth«ater und dem Opernhaus. Im Kabarett- teil gab es gute Kräfte, Richard Görlich-Alvari mit seiner singenden Säge und Lotte Werkmeister, aber recht durchschnittliche Chansons. Gelungen war dagegen der Operetten, und Opernteil, die Bruno Seidler-Winkler mit dem Funkorchester und die Solisten Angela Sachs, Romana Hambrit und Eugen Transky bestritt. Tes. Mißgeschick in drei fremden Sprachen ausdrücken. Dann schläft er ein. Im Traum setzt er seinen Weg fort. An der nächsten Straßenecke winkt ihm glückverheißend ein Laden und hoffnungs- voll tritt er ein. Er hat sich nicht getäuscht, denn man empfängt ihn mit den Worten: Ei lieber Freund, Sie kommen ja wie gerufen! und schnell hat er ein? Mark 15 oerdient. Glückstrahlend verläßt er das Lokal. Sein nächster Eintritt wird begrüßt: das ist aber herrlich, daß Sie kommen! gleich lassen Sie alles hier, was Sie noch haben. Beschwingten Fußes und mit einer Mark 50 Verdienst in der Tasche verläßt er den Raum. In der nächsten Straße kommen ihm die Geschäftsleute sogar entgegen und er braucht nur noch notiwen. Dann wacht er auf. Er betrachtet seine Stiefelsohlen, erhebt sich und geht weiter seiner Tätigkeit nach. Vielleicht lebt doch irgendwo einer, dessen Bedarf nicht gerade gedeckt ist. Berlin ist ja groß! Ein neues Kindertagcsheim. Der Arbeitskreis Zugscharen für Iugendselbsthilfe. dessen Kindertagesheiin sich bisher in der Sophienstraße befand, hat nunmehr ein neues, weit besser ausgestattetes Heim in der W a l d e- m a r st r. 3 4 eingerichtet. Wenn es auch nur die Parterreräume eines Hinterhauses mit einem winzigen Stückchen Hos sind, ver als einzigen Schmuck eine Mülleimerbatterie besitzt, so hat man doch mit viel' Liebe und Mühe oersucht, den Kindern, die tagsüber kein richtiges Zuhause haben, einen einigermaßen angenehmen Aufent- halt zu bieten. Das Heim hat ungefähr für 35 Kinder Platz, die hier unter der Aufsicht von Hortnerinneu ihre Schulaufgaben machen, Mittagbrot und Vesper erhalten und die übrige Zeit mit Spielen oder selbstgewählter Tätigkeit verbringen. Bei der gestrigen Eröffnung des neuen Heims, an der zahlreiche Vertreter ver Kommunalbehörden teilnahmen, tzab der Vorsitzende Friedrich Lenn- Hof in kurzen Worten ein Bild über das Entstehen, die Entwicklung und die Ziel« dieser Arbeitsgemeinschaft. Straßensammlunq der Arbeitersamariter. Der Arbeitersamariterbund veranstaltet für sein« Kolonnen im gesamten preußischen Staatsgebiet in der Zeit vom 2 6. Juni bis 3. Juli eine Straßen sammlung, deren Reingewinn zur Vervollkommnung der Auerüstungs- und Trans- portgeräte und zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen verwendet werden soll._ Arbeitsgemeinschaft für Aorstschutz und Naturkunde<£. B. Die nächste Arfo-Wanderung gilt der Besichtigung des neuen Natur- schutzgcbietes G o lm e r Luch bei Wildpark unter Lestung des Provinzialkommissars für Naturdenkmalpflege, Studienrat Dr. H a n s K l o s e. Die Wanderung erfolgt am Sonntag, dein 26. Juni(Tageswanderung). Treffpunkt: bis vormittags 9 Uhr altf dem Bahnsteig in Potsdam.(Fahrkarten bis Werder lösen.) Wan- derung: Werder— Golmer Luch— Reiherberg— Wildpark— Potsdam. „Dop Nationalsozialisten überfallen." Gestern berichteren wir über den Ueberfall von vier Reichsbannerleuten durch ein« Horde Nationalsozialisten im Cafe Becher in Mariendorf, und wir nannten als verantwortlich für den Bezirk«inen Polizeibeamten namens Seeling. Wie wir erfahren, handelt es sich nicht um einen Herrn Seeling, sondern um einen Polizeirat H e n n i g, dessen reak- tionäre Gesinnung notorisch ist. „Nauke", der erste dressiert« See-Elephant der Welt, dessen Bild fast sechs Monate lang während des Karl Hagen- beck-Ga st spiel von der Fassade des Zirkus� Busch-Gebaude» die Berliner anschaute, ist, zusammen mit drei Seeläwenkollegen, auf der Reise von Rosenhain nach Augsburg am Hitzschlag« oerendet. Diese« höchst seltene und sehr gelehrige Tier kam von dem Südpol zu uns, und begeisterte Zoologen sagten:„Es ist für uns ein« genau so große Neuigkeit, als wenn man ein Tier vom Mars geholt habe". Rudolph herhog am Surfürstcndamm. Die Firma Rudolph fiertzoq hat den Gebäudekomplex am Kurfürstendamm zwischen Uhland- und Grolmanstraße erworben, der bisher der Hovad- Versicherung L.-G. gehörte. Nach erfolgtem Umbau soll der Ge- schäftsbetrieb in den neuen Räumen zu Weihnachten eröffnet werden. Typographla. Alle Sänger treffen sich am Sonntag, dem W. Juni, nachmitlog« 4 Uhr, am Eingang zum Slillhner-Daal. Llltzoniflr. 7S, zum Schallplattenkonzert. Donach gemütliches Beilammenlein mit Tamen im Neslaurant„Köuiggrätzer Garten", Königgrätzer Strahe 111. Sprechchor für Vroletariich« Jeierffunden. Die Uebungsstunde findet in dieser Doche am Freitag, dem 24. Juni, abend» 7'/, Uhr, im Gesangslaal der Eophienschule, Wemmeislerftr. 1S-17, statt. die Gftküfte entlang. In der äußersten östlichen Ecke Deutschlands, in Ostpreußen, springt scharfkonturiert wie ein Rechteck eine breite Landzunge hin- ein ins Meer; im Nord und Süd und im Westen auf viele Kilo- meter Entfernung hin umströmt von den gewaltigen Wassern der O st s e e, denen des Frischen und Kurischen Haffes. Im Frühling und Herbst brausen mächtige Winde hin über diesen Land- strich, der im Sommer oft wie unter tropischer Glut liegt, und die See, vom gefürchteten Nordwest zu hohen Wogen getürmt, frißt sich Zoll um Zoll tiefer ins Land hinein. Die Küste bröckelt allmählich ab, große Landmasson stürzen von den regenuntersplllten steilen Ufern hinab ins Meer, und mit ihnen die Wälder. Seit Jahrhunderten schon, nein, seit Jahrtausenden so! Vor 4l)00 Iahren schon suhren die kühnen, seefahrenden Phö- nizier mit ihren einfachen Schissen zu diesem entlegenen Thüle, um den goldhellen Bernstein zu fischen, den die See in Mengen als das Harz der tief versunkenen vorzeitlichen Wälder heraufschwemmt. In Palmnicken, nur wenige Kilometer von Königsberg, der Residenz der östlichen Provinz, im westlichen Teile der samländischen Küste gelegen, fördert man in bergwerklichem Betriebe, dem ein- zigen dieser Art in der ganzen Welt, den Bernstein zutage. Niemand sollte versäumen, die interessanten technischen Anlagen mit den Moschinenzentralen, Schächten, Stollen dieses unterseeischen Bergwerkes sich anzusehen. Wer an der Küste entlang nach Süden wandert, findet nahe bei Pillau, dem Hafen von Königsberg, einen Badeort: N e u h ä u se r. Durch das Grün der Bäume schimmern die roten Dächer der in weiten Gärten versteckten Landsitze. Alles ist hier gedämpft und auf leisen Ton gestimmt. Eine wohltuende Atmosphäre der Behaglichkeit. -Nicht weit davon Groß- und Klein-Kuhren an der nördlichen Küste: ilwei romantische, in große Schluchten gebettete Fischerdörfchen mit alten Häusern, beide vom grotesk geformten Zipfelberg überragt. Auch hier lebt man noch abseits vom großen Getriebe, obwohl W a r n i ck e n, einer der beliebtesten sam- ländischen Badeorte, mit großen Kurhäusern, Pensionen, Garten- lokalen und vornebmen Dillen in unmittelbarer Nähe liegt. Hier in Warnicken herrscht von Ende Mai bis tief in d"» Scplember hinein ein buntes Bodeleben mit abendlichen Tänzen u rd Kinder- ieften. Landschaftlich ist das Gelände ungemein reizvoll. In die steile, weißleuchtende Küste hat die See wildzerklüstcte Schluchten gerissen: oben am Strande erstrecken sich dichte Wälder mit schatti- aen Wegen weit ins Land hinein. Prachtvolle Ausblicke auf die sonnenbestrahlte oder im Sturm« bewegte See bieten sich hier. Ueber Georgenswald«(binnenwärts im Walde vergraben) kommt man nach Rauschen. Eine rührige Gemeindeverwaltung hat am Strande vorbildliche Anlagen geschaffen. Don Königsberg aus bringt die Samlandbahn an den Sonntagen Taufende er- müdeier Großstädter heran. Rauschen mit seinen Promenaden ist ein modernes Bad: in der Berbinduna heutigen Lebens und Ge- triebes mit der urwüchsigen Dünenlcuidschaft von einem Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann. Eine Stätte der Erholimg ist ferner R o s s i t � e n auf der Kurischen Nehrung, der schmalen Landzunge, die sich wie eine Mond- fichel hinaufzieht bis nach Memel und Dünenbildungen von fast afrikanischen Ausmaßen besitzt. Künstler und Gelehrte suchen hier den Sommer über ihre Zuflucht, und das Patriziat der alten Handelsstadt am Pregel findet sich au ihnen. Rossitten hat ja seine Weltberühmthert durch die dort in den saharaartiaen Dünen liegende Vogelwarte, deren Leiter der bekannt« Ornithologe Professor Dr. Thienemann ist. Im Frühling und im Herbst, zu den Zeiten der großen nordwärts oder gen Süden ziehenden Vogelzüge, kann der Naturfreund auf diesem selten schönen Stückchen Erde Schauspiele der wandernden Dogelwelt g«, nießen, wie sie sonst anderswo nickt zu beobachten sind. Rossitten ist aber auch neben der Rhön die Zentral« der ausstrebenden deut- schen Segels tiegerei. Hier holt« sich der kühne ostpreutzische Segelflieger Schulz seine Weltrekorde. Droben, am Tief der Kurischen Nehrung, ist der alte Seehafen Memel mit seinem Sand- trug, in dem sich in den Iahren nach dem Kriege«ine international besvckte Svielbank aufgetan hat. In der Nachbarschaft da» in den mächtigen Dünen vergrabene, kiefernllberblühte Schwarzort und das einzigartige, von den Künstlern immer wieder gemalte Nidden, die jetzt unter litauischer Verwaltung stehen. Wer nicht den Eisenbahn- weg durch den Korridor nach der Insel Ostpreußen wählt, sollt« mit den komfortablen Schiften des„Seedienstes* über See von Swinemünde aus nach Pillau-Königsberg reisen, von wo aus man dann alle Herrlichkeiten des Samlandes«robern und erforschen kann. Partemachrichten für Groß-Serlin Einieadung-n für dies« Rubrik sind v«rli» SW 68, Lwdeuftrab« 3, Jungsozialistea. jlct» au da» Bezirkisekretariat. 2. Hos, 2 Step, recht»,|u richten. Zugendherbergsverband. Fortsetzung»er Zahreebauptuersammlung findet am Sonntag, m«lirncrsaal de» Ratlinuscs, ltiinigstraße, statt. Alle«enossi , die Mitglieder de» Herbergeoerbaude» find, müsse» erschei DieFortsetzuu » Uhr, ,m Srnofie» 2«. Juni, �»aen»ad erschei»«». «. Kr«>» Pre»»lauer Berg. Rrbeiterwohlsahrt! flreitag, 2t. Juni, Wj Uhr, bei Klug, Danziger Sir. 71, wichtige Vorstandssitzuna. Achtung! Vorher, um 1» Uhr, ebenda Aktrnauetausch für die Helfer. S* Tempelhos. Arbeilerwohlsahrt! Kreitag. 24. Juni, 26 Uhr, Im Lokal Niendorf, Chausseeftr. lg in Mariendorf, Vortrag:„Die Ardeiterwohlsahrt in stiel. Neserentin Dr. Luise Morgenstern. Alle in der Dofjlsahrt tätigen Eenossinnen und Genossen müssen unbedingt erscheinen. 14-»k-<» Neukölln. Ardeiterwohlsahrt: Freitag. 24. Juni, 19V, Uhr, im Ideal.stafino, Weichselstr. 8, wichtig« Sitzung. Bericht von der Tagung in stier Berichterstatterin Luise Moll. Verschiedene». 19. streio Pankow. Samtliche sreiwillige» Heiser für den Arbeiter-Samariter» Bund habe» sich Sonntag. 2S. Juni, 7 Uhr, bei Schüler, Berliner Str. US, einzufinden. Alles weitere erfalgt durch die Leitung de« ASB. S» ist Pflicht der Senosfen, recht»ahlreich zu erscheinen. heute. Donnerstag. 23. Juni: «. Abt. Reuköll».........._________________________... ä Restaurant Bergschlotzhöhe, Karlsgartensir. S— 12. Vortrag:..Soll die =3 Arbeiterschaft weiter oetelcnben?" Ref. Siegsrieb Aushiiuser, M. b. R. g Diekussson. Genosfinnen und Genossen, werbt recht rege für diese Z Versammlung! Männer und ssranen, erscheint in Massen! Achtung! Die Ordner tressen stch um 18% Uhr im gleichen Lokal. Morgen, Freitag. 24. Juni: Zt. Abt. 19% Uhr bei Siebtie, Litauer Straße, wichtige ffunktioi "" Abrechnung sämtlicher—»-•»«.—... tag, 19% Uhr bei Lohann, Wippet Str. 18�-19, wichtige Funk. Erscheinen ist'Pflicht. 27. Juni, unb Diensta- Abt. Neukölln. tianärfißung. 9. Abt. Britz Abrechnung sämtlicher Bezlrizführer am Alontag� 28. Juni. her Wohnung des Genassen Ehausseestr. 48, Rathaus, Sitzung samtlicher' Funktionäre einschließlich Iugendvertreter. ftauenabend. Tagesordnung: Bericht tagunq der Arbrlterwohlfahrt II Achtung, Donnerstag, Nlianoe-Ssr.,.. IWWM.. liche« und zahlreiches Erscheinen aller Gruppen unbedingt erforderlich.— Achtung! Die Arbeitsausschußsitzung findet pünktlich um 19 Uhr eben. dort statt. � Gruppe Prenzlauer Berg. Heut Zugtzndheim Danzigcr Str. 82, Vor ?and in der Wirtschaft.-' Referentin ente, Donnerstag, 23. Juni, 20 Uhr, im ... Vortrag:„Die Beteiligung der öffentlichen Referentin stöte Kern. Die Genossen der benach» .arten Gruppen sind eingeladen.— Gruppe Pankow: Der Gruppenabend fällt aus. Sterbetafel der Groß-öerliner Partei-Grganifation 36. Abt. Unser Genosse Adolf ssrohmann, Thaerstr. 7, ist per- starben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, 24. Juni,'20 Uhr, im strematorium Gerichtstraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Sozialistische flrbeiterjuaenü Groß-Serlin. B.-V.-Sitzung gemeinsam mit de» Werbebezirksleitern heute, Donnerstag, pünktlich 19 Uhr, im Sekretariat. Vorfitzendentonserenz Sonnabend, 25. Juni, pünktlich 18 Uhr, im Heim Lindenstr. 3. Alle Gruppen müssen vertreten sein. Ohne Ausweis und Mit. gliebsbuch kein Zutritt. Vorträge, vereine unö Versammlungen. G Zugendheebergsverband. Die Fortsetzung der Jahreshauptversammlung findet am Sanntaz, 26. Juni, 9 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses, stönig. straße, statt. Alle Genossinnen und Genossen, die Mitglieder des Herbergs- verbände« sind, müssen erscheinen. Achtnng, Tännich-Fahrer! Die Genassen, die am Sonnabend, 25. Juni, auf Fahrpreisermäßigung nach Tännich fahren wollen, müssen sich bis Freitag ,m Iugendsekretariat melden. heule. Donnerstag, 19)4 Uhr: Nied«»: Schule Putbusser Str. 8.„Bub und Mädel."— Schönhauser Bar. stabt: Schule Driesener Str. 22.„Berliner Lumor."— Südwest: Seim Linden. straße 8. Heimabend.— Schöneberg III: Heim Hauptstr. 15.„Wir unb die Religion."— Lankwitz: Gemeindeschule Echulstraße.„Einführung in den Sozia- lismu«."— Hermsdorf: Bei Pros. Neunzig, Bismarcfttr. 41.„Einführung in den Sozialismus."— Rosentdal: Spiel und Tanz im Freien. Treffpunkt 19% Uhr vor dem Heim.— Wittenau: Heim Roseuthaler Str. 16. Arbeits- aemeinichaft.— Falkplatz: Schule Eberswalder Str. 10. Liederabend.— Pankow-Süd: Schule staiier-Friedrich-Str. 57—58 iTurnhalle).„Warum SAJ.?" fficrbebczick Prenzlauer Berg: Wochenendtreffahrt 25. und 26. Juni in Brieselang. Sämtliche Gruppen müssen mit ihren Fahnen, Instrumenten und Spielbällen bis 20 Uhr in der Jugendherberge sein. Die Abteilungsleiter gehen erst zur Borfitzenbenkonierenz und fahren nach. Serbebezirk Reukölln: Alle Mitglieder beteiligen sich an der Werbever- iammlung der Partei im„Karlsgarten". 13.«reis"Iura- und Sportfest 1. Kreis Berlin-Brandenburg im Arbeiter-Turn- u. Sportbund Poststadion, Lehrter Str. 53— Eintritt 50 Pf.— Sonnabend, 25. Juni, 7 Uhr: Fußballspiel Bremen-Berllii— Festspiel Sonntag, 24. Jnnl.ZUhr: Lelchtatliletik, Turnen, Turnspiele, Scbwlmmen GroSe Beteiligung der Provinzvereine I Die Arbeiterschaft ist hiermit zum Massenbesuch freundlichst eingeladen! I I Reichsbanner„Schwarz Rot-Gold-. Geschäft« st«II«: Berlin S 14. Sebastianstr. 87/38, Hoi 2 Tr. Donnerstag, 23. Juni. Mitte: Kameraben, welche sich an der Auto» fahrt nach Frankfurt a. d. O. beteiligen wallen, können sich bis Sonnabend noch beim Kam. Heule, Brunnensir. 187, melden. Abfahrt Sonn. tag pünktlich um 4 Uhr vom Neuen Markt. Treptow isttei»)!-Autofahrt nach Frankfurt a. d. O. am 25. Juni Abfahrt für Treptow 3% Uhr Kiefholz». Ecke Elsenstraße: Baumschulenweg 3% Uhr lBorgmann): Adlershof und Alt.GIie. nicke 8% Uhr Marktplatz Adlershof. Schöneweidc-Zohannisthal: 4 Uhr Nieder- ichöneweide lSdiöpz). Fahrpreis inkl. Festplakette 3,50 M Nachmeldung nur noch bis zum Donnerstag, 23. Juni, möglich. Hennigsdorf! Fronkfurt-Fahrer spätestens 24. Juni 3,80 M. Fahrgeld beim Kam. Jünger, Rathenaustr. 7, ablieser». Abfahrt Eonnabend 3.07 Uhr vom Bhf. Hennigsdorf. Ab Bhf. Ghar» lattenburg 5.03 Uhr.— Freitag, 24. Znni. streuzberg: 19 Uhr Antreten zur Rathenau-Feier am Bhf. NiederfchVneweide. Daselbst findet auch die An». Sabe der Sanntagsrllcksahrkarten für die Frankfurt-Fahrer statt. Weißensee! icbuup der Epielleute fällt ans. 18 Uhr Grüner Baum Plaketten abholen. Köpenick: 19 Uhr Abfahrt Köpenick, Linden-, Ecke Dahnhofstraße, mit Tam- bourkorps. Sportmannschaft spielt auf dem Spartplatz 19 bis 22 Uhr, Reu- kölln-Britz: 19 Uhr Antreten Bhi. Niederschöneweide zur Gedächtnisfeier am Grabe Walter Rathenans. Wedding: Die Frankfurt-Fahrer treffen stch um 19 Uhr bei Müller, Uferstr. 12. Plaketten abholen. Ohne Plaketten in Frankfurt kein Quartier.— Sonnabend, 25. Juni. Neukölln. Britz: Rad» fahrer: Treffpunkt zur Fahrt nach Frankfurt a. d. O. Eonnabend, 25. Juni, 6 Uhr Zeitzer, Ecke Saalestraße, oder 16 Uhr Sertzbergplatz. Köpenick: Treff. Punkt 4% Uhr Bhi..Köpenicks Abfahrt 4% Uhr. 5.46 Uhr ab Schles. Bhf. Teltow: 15.50 Uhr Abfahrt EchUtzcnplatz 177 nach Frankfurt a. d. O. Deutscher Arbeiter-Sängcrbund, 12.(nicht 9.) Bezirk. Freitag, 24. Juni. 20 Uhr, zur Rathenau. Gedächtnisfeier, Waldfricdhaf Oberschöne. weide. Gesungen wird„Gesang der Böller und„Sturm". Der Jtlnderchor des Berliner Volkschor» Übt jeden Donnerstag in der Aula der 1«. Volksschule, Andrea-str. 16-, von 17% bis 19% Uhr. Äufnayll� von Kindern über 8 Jahre findet dort statt. Orteverein Berlin im Verband Bolksgesnndheit. Unser Dartrag am Dannerstag, 23. Juni, föllt umständehalber aus.— Zugendaruppe Osten: Frei. tag, 24. Juni, 20 Uhr, Goßlerstr. 61, Diskusflansabend Über„Eozialiftifche Gegenwartsaufgaben"._ Sport. (bin Großkampflag der Steher auf der Olympia-Radrennbahn. 51 m Sonntag, dem 26. Juni, eröffnet die Olympia-Radrennbahn nach einer durch Regenperiode bedingten Pause von sechs Wochen erstmalig wieder ihre Pforien. Das Andenken an den unglücklichen Franz Krupkat wird an diesem Renntage beionders geehrt. Die Steher der internalionalen Sonderklasse bestreben ein Stundenrennen hinter großen Motoren: cZ trägt die Bezeichnung„Franz-Krupkat-Gedenten". Zur Bestreitung dieses WetlbewerbcS, dem ein 30-lcm-Rennen um den»Fritz- Theile-ErinnerungSvreiS" vorausgeht, treten Renö Ma- ronnier, Paul Guter. Jan S n o e k und Parisot und Saldow an. Außerdem wird noch ein deutscher Dauerfahrer zur Teilnahme an den beide» Dauerrennen der CExtnülasse herangezogen. Zwei Wettbewerbe über IS und 30 dm bestreiten die ZZaucrfabrer des Nachwuchses. Hier inkerefsiert das Berliner Debüt des hochveranlagten jungen Holländers Asberg. Ferner werden hier noch der Tscheche Martin und die Berliner D o b e und K o ch zu finden sein. Die Berliner BundeSamateure bestreiten an diesem Nachmittag die Meisterschaft von Berlin über 1000 m. Nennbeginn 4 Uhr._ Wetterbericht der öfseiblichen wetierdienstfiell« für verlin und Umgegend (Nachd. veib.): Wollig biS heiter ohne erbebliche Niederschläge, aber noch ziemlich kühi und windig.— Für veulschland: Im Süden beständig und ziemlich warm. Auch im Norden trocken und heiter, aber noch ziemlich kühl. övr Bär? spätesten» Non- erer abzurechnen. 8. Abt. Alle Genossinnen und Genassen, die sich an der Sammlung de« Ardeiter-Samariter-Bunde» beteiligen, treffen sich Sonnabend, 25. Juni, 19 Uhr, bei Lausch, Bredows Ecke Wiclefstraße. 17. Abt. Reukölln. Die Bezirkskassierer werden gebeten, bis tag, 27. Juni(nicht am Sonntag), beim Abteilungskassiertr Frauenveranslallungen: 1 Kreis Tiergarten. Freitag, 24. Juni, 29 Uhr, bei Trllmper, Flensburger Straße 3, Sitzung samtlicher Funktianärinuen de« Kreise». Erscheinen ist 18. �reio Köpenick. Freitag, 24 Juni, 19% Uhr, im Stadttheater, Kreis- '------------ cht vom Reichsfrauentag und der Reich«. in Kiel. Berichterstatterin Mari« Uhr, im Rathau, Reinicken. Kreisiunktlonäeinnenkonferenz. Bor. chutz im neuen Arbeitsschutzgesetz." Referentin Ibteilung muß vertreten sein. ossinnen beteiligen sich restlos an der Kreis- ... Sf' Scheiben huber. Jede Al IM- Abt. Lick-tenb-rg. Di- Genossinnen..._________ ftauenoetiammlung am Dpnnerstag, 28. Juni, 19% Uhr, bei Tempel, Gudrunstraße. Arbeilsgemeinjchasl der Mnderftcunde. . Kreil Krenzberg, Gr»»»« Südwest: Donnerstag, 23. Juni, 20 Uhr, im Jugendheim Porckstt. 11, 2 Tr., Elternabend. Eltern und Freund« herzlich Strasrechtsöebatte im Reichstag. Stellungnahme der bürgerlichen Parteien.- Kommnniftenzank untereinander. D«r Reichstag beschloß gestern auf Antrag des Geschüftsord- nungsausschusses, das Verfahren gegen den völkischen Abgeordneten Henning wegen Steuersabotage einzustellen. Das Haus setzt di« erste Beratung des Gesetzentwurfs zur S t r a f r e ch t s. r e f o r m fort. Abg. Dr. Dell(Z.) spricht seine Anerkennung zwei Männern aus, die besonders bei dem Werk der Strafrechtsresorm tälig ge- wesen sind, dem Ministerialdirektor B u n ck e vom Reichszustizmini- sterium und dem Abg. Dr. Kahl Als Ergänzung des einheitlichen Strafrechts brauchen wir jetzt das noch der Verabschiedung harrende Reichrgeseh über den einheitlichen Strafvollzug. Bei der Besprechung der Einzelheiten des Entwurfs äußert der Redner Bedenken gegen eine zu weitgehende Freil)«it des richter- lichen Ermessens. Das Strafrecht dürfe nicht die richter- l i ch e Willkür zulassen. In jedem Fall sei ein« bessere kriminalistische, psychologische und sozialogische Vorbildung des Strafrichters notwendig. Der Schutz der Gesellschaft gegen Gewohn- heitsverbrecher niüsse verstärkt werden, aber auch die Sicherung-- Verwahrung müsse mit Kautelen versehen werden, die ihr« zuweit- gehende Zlnwendung ausschließen. Wenn der Entwurf bei Hoch- und Landesverrat schwere Strafen vorsieht, so könne das im Interesse der Festigung der deutschen Republik nur b e- grüßt werden. Bei Abtreibung habe der Entwurf wesent- iiche Strafmilderungen, unter Umständen Straffreiheit zugelassen. Das Zentrum halte nicht nur aus religiösen, sondern auch aus Gründen der Staatserhaltung und der Volksgesundheit an der Strafbarkeit der Abtreibung fest. Zu verurteilen sei der Beschluß des Reichsraks, der die De- stimmungsmcnsuren praktisch slrassrei lassen will. Die akade- mischen kreise sollten endlich das unzeitgemäße Institut des Zweikampfes ausgeben. Aber es sei auch ein verstärkter Ehrenschutz notwendig, vor allem auch bei hochpolitischen Beleidigungsprozessen, wie es der M a g d e- burger Prozeß war. Abg. Dr. Haas(Dem.) äußert Bedenken, ob jetzt schon der richtige Zeitpunkt für die Verabschiedung des Entwurfs gekommen sei. Im österreichischen Parlament könne die Vorlage erst in. einigen Monaten zur Beratung kämmen und dann habe sich vielleicht unser Reichstagsausschuß in vielen Punkten zu sehr fest- gelegt. Wir Hütten gewünscht, daß schon die A u s s ch u ß a r b e i t e n gemeinsam mit unseren österreichischen Brüdern durchgeführt werden. Dagegen har man außenpolitische Bedenken geäußert, die wir nicht teilen. Trotz des versailler Vertrages haben wir das gute Recht, in Deutschland und Oesterreich gleiches Recht zu schassen. Ich sehe unsere große Ausgabe darin, diese Rechlsangleichung und Rechtsaurgleichung aus möglichst vielen Gebieten durchzuführen. Auch andere Gründe nötigen zu der Frage, ob jetzt schon der Zeit- punkt zur Verabschiedung dieses Entwurfs gekommen ist. In der jetzigen Zeit des hochgespannten politischen Fanatismus fällt uns die Entscheidung darüber schwer, ob man Uebergangsverbrecher milder behandeln, ob man Beleidigungen unter Umständen straffrei lassen, ob man den Richtern die große Souveränität geben kann, die ihnen der Entwurf gewähren will. Wir müssen sehr sorgsam prüfen, ob wir dem Richterstand, wie er jetzt vor uns steht, eine solche Wacht- Vollkommenheit anvertrauen können. Vertrauenskrise der Justiz und Strafrechtsresorm haben doch sehr viel miteinander zu tun, denn wenn die Vertrauenskrise ein Dauerzustand ist, dann wäre der jetzige Entwurf der Strafrechtsresorm unbrauchbar. Wir haben nicht die Gewähr, daß auf den Hochschulen Nichter herangebildet werden, die ohne politischen Fanatismus mit voller Objektivität ihr Amt versehen und bewußt auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehen. Hoch st bedenklich sind in dem Entwurf die Bestimmungen über den Landesverrat. Gegen die Feststellung eines Landes- verrats, der zugunsten eines deutschen Landes gegen ein anderes deutsches Land begangen werden kann, müssen wir protestieren. Wir können einen solchen Landesverratsbegriff nicht anerkennen, er widerspricht dem Gedanken der nationalen Einheit und der nationalen Würde. Abg. Koenen(Komm.) bezeichnet den Entwurf als ein technisch verbessertes Kampfinstrument gegen das Proletariat. Die Vorlage bringe eine Fülle neu entdeckter Straftaten. Die Sozialdemokraten hätten eine klare Stellungnahme zu dem Entwurf vermissen lassen. Der kapitalistische Staat habe nicht das Recht, die T o d e s st r a f e anzuwenden.(Zurufe:„Rußland!") Rußland befinde sich im Ab- Mehrkampf gegen die Kapitalisten der ganzen Welt, da müsse es die Waffe der Todesstrafe anwenden können Abg. Emminger(Bayer. Vp.) führt aus. daß schon unter dem Strafrecht von 1871 dem richterlichen Ermessen ein großer Spiel- räum gegeben war, so daß für das gleiche Delikt Strafen von ganz verschiedener Höhe verhängt wurden. In vielen Punkten sei eine den veränderten Zeitverhä'ltnissen angepaßte Wandlung der Recht- sprechung eingetreten, ohne daß das Gesetz geändert worden sei. Der Unterschied zwischen der geltenden Rechtsprechung und dem neuen Strafgesetzentwurf sei also nicht so groß, wie es Guf den ersten Blick scheine. Der Entwurf bringe aber durch die allgemeine Zulassung mit- dernder Amslände einen großen Fortschritt. Die Aufhebung des Zustandes, daß gefährliche Verbrecher frei herumlaufen konnten, weil sie wegen geistiger Unzu- rechnungsfähigkeit auf Grund des 8 51 freigesprochen werden mußten, sei zu begrüßen Die Bestimmungen über die dauernde Sichcrheitsoerwahrung von Gewohnheitsverbrechern müßten mit größter Vorsicht gefaßt und angewandt werden. Auf die Todesstrafo als letztes Schutzmittel könne der Staat nicht oer- zichten. Der Redner begrüßt gleichfalls die Zusammenarbeit mit Oesterreich bei der Schaffung eines neuen Strafrechts. Abg. Frick(Nat.-Soz.) bezeichnet den Entwurf als eine wesent- liche Verbesserung gegenüber dem geltenden Recht. Die Vereinigung Oesterreichs mit dem Reichs wäre vielleicht schon da, wenn die sozialdemokratischen Volksbeauftragten im Jahre 1918 ein« vollendete Tatsache geschaffen hätten. Auf die Todesstrafe könne man unter den heutigen Umständen nicht verzichten. Der Redner wünscht, daß in das Gefetz besondere Bestimmungen über Rassenschutz und Rassenreinheit aufgenommen werden.(Lebhafte Heiterkeit.) Abg. Schalem(link. Komm.) meint, daß der eigentlich« Aus- gangspunkt für diesen Entwurf die„peinliche Hals- und Gerichts- ordming" Karl V. sei. Er sei bestimmt, die Sicherheit der Bour- geoisie zu schützen und den Klassenkawpf der Arbeiter zu hemmen. Wir Kommunisten...(Zuruf: Für welche Kommuni st en sprechet Sie denn?) Ich spreche im Namen der Kommunisten, die im Gegensatz zu dench eiden sozialdemokratischen Parteien stehen.(Lebhafte Heiterkeit.) Die sozialdemokratischen Kommunisten tun so, als ob sie den Weg der Revolution gingen, in Wirklichkeit treiben auch sie reformistische Koalitionspolitik wie jetzt erst fünf Monate lang in Mecklenburg. Die Arbeiter werden von Herrn Niedner nicht aus Angst vor Herrn Stöcker verfolgt, sondern weil er noch immer das Gespenst des Kommunismus fürchtet. Herr koenen will an dem Strafrechtsenlwurf milarbeiken. warum vereinigt er sich nicht mit Herrn Londsberg. weshalb dann noch eine besondere kommunistische Partei neben der Sozialdemokratie?(Lärm bei den Kommunisten.) Kollege Koenen, Sie machen es so, wie der Elefant im Zoologischen Garten, dem man die Stoßzähne ausgebrochen hat und vor dem sich kein Mensch mehr fürchtet.(Abg. Torgler(Komm.) ruft: Dir wird man den Schwanz abhacken. Große Heiterkeit.) Der Redner zu den Parteikommunisten: Ach, Euch habe ich ja nackt gesehen! lGelächter bei den offiziellen Kommunisten. Urbahns wendet sich ihnen zu und ruft:„Vor Schalem habt ihr doch früher ge- katzbuckelt!") Abg. Gräfe-Mecklenburg(Völk.) sieht der weiteren Entwicklung der Strafrechtspflea« skeptisch entgegen und bezweifelt, daß der Reichstag ein„deutsches" Recht schassen werde. Damit ist die Aussprache geschlossen. Die Vorlage geht an einen besonderen Ausschuß von 28 Mitgliedern. Um 19 H Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 15 Uhr. Auf der Tagesordnung steht: Erklärung der Regierung über dte außenpolitische Lage, Beratung der von der Sozialdemokratie ein-' gebrachten Interpellation über die Ergebnisse von Genf so- wie zweier kommunistischer Anträge zur Außenpolitik. Reform der Lanögemeinüeorönung. Teutschnationale Sabotagcvcrsuche im Landtag. Der Landtag wiederholte gestern d�e namentliche Abstimmung über die Groh-hamburg-Gesehe, bei denen die Deutschnationalen am Dienstag den Landtag durch Obstruktion beschlußunfähig machten. Die namentliche Abstimmung darüber, ob Groß-Flottbek ein- gemeindet werden soll, ergibt die Veschiußunfähigkeit des Hauses mit 221 Stimmen. Wieder haben die Deutschnationalen durch Obstruktion di« Verabschiedung des Gesetzes in zweiter Lesung verhindert. Der Gegenstand wird daraus von der Tagesord- nung abgesetzt. In der sofort einberufenen Sitzung nimmt zu dem Gesetzentwurf über den Sonderfinanzausgleich zugunsten preu- ßischer Randgemeinden in der Nachbarschaft von Stadtstaaten(Hamburg) nach dem Berichterstatter Abg. Dr. Kriege(D. Vp.) das Wort Abg. Oeinerk(Soz.): Das zur Debatte stehende Gesetz soll nur eine Korrektur des Reichsfinanzausgleichsgesetzes und keine Kampfmaßnahme gegen Hamburg fein. Es soll lediglich einen Ausgleich schaffen gegenüber der finanziellen Bevorzugung Hamburgs für diejenigen preußischen Gemeinden, die im Schatten des Hamburger Wirtschaftszentrums leben. Es darf nicht übersehen werden, daß Hamburg u. a. auch der Ausbau des Verkehrs in den preußischen Nachbargemeinden mir zu- gut« kommt. Selbstverständlich können solche Sonderzuweisungen an die Randgemeinden nicht bis in alle Ewigkeit fortgesetzt werden. Das Gesetz läuft deshalb vorläufig nur zwei Jahre. Sollte das Reich danach die Bevorzugung der Stadistaaten im Reichsfinanzaus- gleich fortsetzen, dann wird es Ehrenpflicht Preußens sein, diese Gemeinwesen weiter zu unterstützen. Die gestrige Rede des deutschnationalen Kollegen Milberg empfehlen wir den Altonaern zur besonderen'Beachtung. Wenn er sich darin gegen di« Theater und sogar gegen die öffentlichen Anlagen dieser proletarischen Stadt ge- wender hat, so ist in der Nachkriegszeit die ganze K u l t u r f e i n d- lichkeit der Deutschnationalen und der ostelbischen Junker wohl selten so.kraß in die Erscheinung getreten. Diesen Ausführungen hastete förmlich warmer Stallgeruch an.(Heiterkeit und Sehr wahr! bei den Soz.) Abg. Wilberg(Dnatl.) weist die Vorwürfe des Abg. Leinert zurück. Abg. Grebe(Z.): Wir stimmen diesem Finanzgesetz zu, lehnen aber alle Anträge ab, weiter« Gemeinden in das Gesetz einzube- ziehen. Auch das Zentrum steht auf dem Standpunkt, daß der Ge- samtbetrag vom Staat zu tragen ist. Abg. Dr. Rose(D. Vp.): Wenn die finanzielle Gleichstellung der Randgemeinden mit den Stadtstaaren erreicht werden soll, muß die dafür ausgesetzte Summe von 19 auf 12 Millionen erhöht wer- den. Bedauerlich ist die Beschränkung des Gesetzes auf 2 Jahre. Nach Annahme eines Schlußantrags wird der Gesetzentwurf in 2. Lesung unter Ablehnung der dazu gestellten Anträge in der A u s s ch'u ß f a s s u n g angenommen. Es folgt die zweite Beratung, des Entwurfs für die preußische Landgemeindeordnung. Nach dem Berichterstatter Abg. Kleinmeyer(Soz.) erhält das Wort: Abg. Vick-Oberursel(Soz.): Seit 5 Jahren beschäftigt sich der Landtag mit der Erledigung der Landgemeinde- und Stod.eordnung. Er hat also in dieser Zeil nicht allzu schnell gearbeitet. Schuld daran sind Deutschnatio- nale, Volkspartei und Kommunisten, die schon im lctz- ten Landtag die Verabschiedung dieser Gesetze sabotierten. Wenn sie dabei gehofft haben, durch Verstärkung ihrer Mandatszahl die Vorlag« in ihrem Sinne zu beeinflussen, so haben sie sich ge- täuscht und werden sich auch bei der nächsten Wahl wahrscheinlich täuschen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Unoerkennbar ist die Zlbsichr der Reaktion, in den Gemeinden dem Besitz die Macht in die Hände zu spielen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Es soll nach den gestellten Anträgen das Wahlaster heraufgesetzt und das Wahlrecht durch schikanöse Bestimmungen erschwert werden.,(Hört! hört! links. i Ueberall zeigt sich das Bestreben, die sogenannten Wirtschastskreije besonders zu begünstigen. Auf die Tatsache, daß die Gemeinden auch soziale Aufgaben zu erfüllen haben, nehmen die Rechtsparteien überhaupt keine Rücksicht. Mit der Regelung der Eingemeindung sind wir nach den Ausschußbeschlüssen«inverstanden. Unzweifelhasts Vorzüge hat die Vorlage insofern, als mit den V o r r e ch t e r: der Gemeinde schössen ausgeräumt wird und das Rech. der Wähler mehr in die Erscheinung treten soll. Es ist auch ein Fortschritt, wenn den Gemeindevertretern das Recht gegeben wird, künftig, die Gemeindebeamten selbst zu wählen. Auch mit dem Zu- stand, daß ein Bürgermeister einen<1hm unbequemen Gemeinde- vertrelerbeschluß einfach nicht auszuführen braucht, soll nach der Borlage aufgeräumt werden. Selbstverständlich hat sie auch ihrc Mängel. Aus alle Fälle wollen wir das Selbstverwaltungsrecht der Ge- meinden aufrechterhalten. Wenn unsere noch gestellten Anträge angenommen werden, so werden wir zur Auflösung des größten Teils der noch bestehenden Gulsbezirke. die ein Hort der Reaktion find, kommen. Unsere Stellungnahme in der dritten Lesung wird davon abhängen, ob nach unseren Zlnirägen die Fesseln der kommunalen Selbstver- waltung fallen.(Beifall bei den Soz.) Abg. Freiherr v. Mirbach(Dnat.): Die Aufhebung der Guts- bezirke muß wohl selbst der Regierung nicht zu eilig erscheinen, denn die Regierung hat diesem Landtag gar keine Vorlage darüber zugc- leitet. Wir können auch der jetzt vorgesehenen Art der Auflösung der Gutsbezirke keinesfalls zustimmen. Abg. Schmidt-Eonz(Z.): Das Zentrum ist stets für freies Selbst- oerwaltungsrecht der Gemeinden eingetreten. Wir werden die K o a l i t i o n s a n t rä g e annehmen und alle anderen Anträge ablehnen. Abg. v. Eynern(D. Vp.): Die Koalitionsanträge scheinen uns weniger auf Selbstverwaltung im Sinne des Willens des gesamten Volkes hinauszugehen als aus Parteiherrschast in einzelnen Bezirken. Innenminister Grzesinski drängt auf schleunig st e Verabschiedung der Städte- und Landgemeindeordnung, sowie der Unterelbcgesetze und des Polizei- beamtengesetzes noch vor dem 1. Juli. Ausführungen der Abg. Kilian(Komm.), Flöge!(Dtjch-Hannov.) und Körner(Völk.) schließen die Generaldebatte. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag, den 23. Juni, mittags 12 Uhr. Tagesordnung: Kleinere Vorlagen, zweite Lesung des Gesetzes über die Neurege- lung der kommunalen Grenzen im Unterelbegebiet(namentliche Ab- ftimmung über die Eingemeindung), zweite Lesung der preußischen Landgemeindeordnung. vilsn! lZei'�übe!lgdi'lIi..08ten" Eingeti-oeene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht vom 31. Dezember 1926 Kassa-Konto.... Mk. 2963,7'* Bank-Konto....„ 3 548,07 Waren-Konto...„ 6829,18 Debitoren-Konto..„ 11 644,50 Maschinen- u. Werkzeug-Konto....„ 2800,— Kautions-Konto..._ 1,— Summa Mk. 27 786,49 Passiva Anteil-Konto.... Mk. 210,— Darlehns-Konto...„ 13 992,— Kreditoren-Konto..„ 3 508,34 Steucrrücklage-Konto„ 950— Reservefonds-Konto.„ 8157,40 Gewinnvortrag 1. 1.26.„ 732,— Reingewinn...■„ 236,75 Summa Mk. 27 786,49 Die Haftpflichtsumme aller Genossen beträgt Mk. 210,—. Die Anzahl der Genossen beträgt 7, sie hat sich nicht verändert F. Fallesen. Franz Schultz. �2 Monatsraten Jtaddatz&€9 j| i OO»» CO «««HMtftg Z«»»«»»»» Unseren lieben Genossen SO K•_____ j /■?______ s Die Genossinnen und Genossen der 121. Abteilung. aj utr i£i. ADieuung.*». c»oähso««««« oesHsoe S«lÄlMMM-Mssi! Der Tarifvertrag für die In der Bertiner Mctalliiidttftrie beichüstlgten ge- wccbltchen ArbeUnelimer ist ab Donuerataq. den 23 Juni, in unserem Verbandshaute von 9—4 Uhr itn g mi mer 20, nach 4 Uht im Zimmer 4 erhältlich Mül] MnMWSNWiM! Die Sigunft der Mittleren Orts uermaituna finbrt am Freitag, Dem 24 Juni, nicht statt. Die LiguiDatianen ISnnen in der Zeit von 3— S>,z Ubr in der Haitplfasse beim Kollegen Sdfmibt in Empfang genommen werben. Sonnabend, den 25. Zuni. abends 7'/, Ahr. im Lokal„Znr Schieflichen yeintal� tZnh i Stammet). Ilene Frledrlchstr. l(naheBahnh Iannowchbr.) sw Versammlung"DC sämtlicher Elektroschweißer und Schweiherinnen Groß. Berlins Tagesordnungi I. Die Gniwickchng des eieftrikchen Echweißoeriahrens in der Berliner Metallindustrie. 2. Aussprache. 3. Verschiedenes. Zahlreiche Beteiligung wirb erwartet. Die Ortsuerroaltnng. Zurückgekehrt: 8sn.»St Dr. Vollmann Frauenarzt - W'-i,% x' -,>• U/OSCh."und dasaltbewäbrfe BiaardcbmiHd! zur Miete WiO.Ansbacherstr.l besonder» wirksam sind die Kl. EINEN ANZEIGEN im ..Vorwärts' und trotzdem II billig II Bon flanolieten wenig geiragene so- wie neue Herrengarberobe oerkaust spottbillig Leihhaus Frieorichstraste 2. Keine Combaibmact.• Patentmotragen„Priinissima", Metallbetten, Auflegematrahen, Chaise- iongnes Walter. Stargarberstrabe acht. jehn. 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Es waren lauter berühmte Namen. Das Ge- dicht schämte sich fast: was sollte es hier nur beginnen in dem dummen Kleidchen seines unberühmten Daters. Es stand da und zitterte. Es freute sich aber auch wieder. Es warf sich in die Brust vor Stolz, neben den.Großen" stehen zu können. Dazu noch fein sauber gedruckt, auf gutem Papier, genau so wie sie, die es so sehr verehrte und deren vollendete Sprache es beneidete. Aber es fürchtete sich auch, sogleich wieder hinausgeworfen zu werden au» dieser guten Gesellschaft, in die es doch nicht so recht hineinpaßte. Was mochte sich wohl der Redakteur gedacht haben, es anzunehmen und ihm einen so guten Platz anzuweisen, sprach es vor sich hin. Biel» leicht hatte er gut geträumt(gar von seiner eigenen Jugend, da er selbst Gedichte schrieb und an unzählige Verleger sandte, um ver» geblich auf Abdruck und— auf das schmale Honorar zu warten). Jedenfalls stand das.leidliche" Gedicht nun gedruckt in der Zeit- schrift, die einen angesehenen Namen führte, und wartet« darauf, in die Expedition des Blattes, und von da in die Welt hinauszu» wandern. Und wirklich, es ging los. Je hundert Exemplare der Zeitschrift, zu einem Bündel verpackt und mit einer Postadresse versehen, flogen in die Waggons der Eisenbahn und wurden zu unzähligen Städten getragen, die der jung« Dichter nicht einmal dem Namen nach kannte. Drei Exemplare der Zeitschrift gingen aber auch an die Adresse des jungen Dichters. Eine kleine Nottz lag ihnen bei. daß das Honorar bald folgen würde. Ei, wie freut« sich der jung« Dichter. Meine Leser müssen nicht glauben, etwa des Honorars wegen, nein, das war ja ganz gut und schön, aber— der junge Dichter war eigentlich— nur im Nebenberuf Dichter. Man nennt solche Leute 'Dilettanten. Er hatte lange genug gefühlt, daß Hunger wehe tut, und da hat er eben zugegriffen und ist Hausdiener geworden, Packer, in einem Blusen- und Äleider-Cngroz-Geschäft. Morgens, wenn er zur Fabrik ging, schrieb er unterwegs Gedichte, oder de« Mittags in der Pause, oder des Abends auf dem Heimweg. Der Rand einer Zeitung, fein Stullenpapier genügten ihm, die Skizzen der Gedichte aufzunehmen. Zu Haufe schrieb er sie dann fein sauber. ttch ab, schrieb ein paar Zeilen dazu, steckt« beides in ein Kuvert, fügte«in Freikuvert bei und sandte es an irgendeine Zettschrift. um das ganze nach etlichen Tagen oder Wochen mit einem ge- druckten Bedauern zurückzuerhalten. Aber diesmal hatte er Glück! Eilig öffnete er das Päckchen— voller Freude sah er sein Gedicht. Sah sein Gedicht und seinen Namen gedruckt! Er streichelle zärllich das Papier, blätterte be- hutsam in der Zeitschrift herum, blickte voll demütiger Verehrung auf die großen Namen, in deren Näh« der sein« gestellt war. O. schon träumte er von dem Glück, da» ihm die Annahme de, Ge- dichtes bringen würde. Er hätte so gerne Vorträge über Ltteratur gehört, manches gute Buch zur Fortbildung gelesen, doch wann denn? Abends, nach schwerer Arbeit, war er zu müde, um folgen zu können. Als er so da saß, die Zeitschrift in den Händen, wurde ihm sein kleines Zimmer zu eng. Ihm schien, die Wände würden ihn erdrücken, die Bilder von den Wänden fallen, die Bücher aus den Regalen, die Blumentöpfe vom Fenstersims. Er fühlte, er muh hinaus. Hinaus, nur hinaus! Auf der Straß« empfing ihn der würzige Duft der aufknospenden Linden. Er taumelte unter den Bäumen dahin wie ein Trunkener. Wie lange er sich auf der Straße aufgehalten hatte, das wußte er nicht, er fühlte nur, daß er todmüde war, als er sich auf sein schmales Bett warf... In der Nacht wurde er wach. Er hörte Stimmen. Woher mochten die nur kommen, fragte er sich vergeblich. Sie schienen ihm von einem Zimmer nebenan oder unter ihm her zu kommen. „Was bilden Sie sich denn ein," sagte jemand,„so mir nichts, dir nichts, in unseren erlesenen Kreis einzudringen?"„Ja, es ist un- erhört," ließ sich ein anderer veniehinen,„jahrzehntelang haben wir Tradition gewahrt. Und nun, mit einem Male, wagen Sie es, unsere überkommenen Rechte wankend zu machen. Drängen sich ein, drängen sich vor, ohne eigentliches Verdienst. Da» hätte in meiner Jugendzeit, Gott fei Dank! nicht passieren können."„Woher stammen Sie überhaupt?" fragte eine andere Stimme,„drängen sich ohne Empfehlung ein in unseren Kreis. Es ist allerhand! Spüren Sie denn nicht selbst ihre Anmaßung?" Aber die Revolution hat alle Bande gelockert. Ganz gewöhnlich« Proletarier, schmutzige Rinn- steindichter stellt man neben uns. Unerhört!"(Die Stimme schnappte über und konnte nicht weiter.)„Aber mein lieber Doktor, beruhigen Sie sich! Ich nahm dieses Gedicht auf, weil es doch ganz leidlich ist. Sein Verfasser ist ein ehrlicher junger Mann." „Doch ein Arbeiter, ein ganz gewöhnlicher Prolet, nicht wahr?!" entrüstete sich die Stimme von vorhin.„Ja, das wohl," entgegnete die Stimme, die vor der letzten sprach,„Arbeiter sind wir doch olle. Bitt' schön, geben Sie zu, ihre Mitarbeit an unserem Blatte ist gewiß eine ganz hervorragende Leistung. In Anbetracht dieser Tatsache wird ihre Mitarbeit auch honoriert." Die Stimme, die eben so sprach, schien die eines Redakteurs zu sein.„Gewiß, Arbeit! Aber Arbeit und Arbeit ist zweierlei!" warf eine andere Stimme ein.„Ueberhaupt der Gedanke, Gedichte zu schreiben, wäre früher keinem Arbeiter gekommen. Aber jetzt?... Sie haben keine Bildung, keine Achtung..." Die Stimme, die eben sprach, blickte sich stolz im Kreise um, alle brummten zustimmend und drangen heraus- fordernd auf den Eindringling ein, der bis jetzt wirtlich verschämt und gedrückt geschwiegen hatte. Jetzt aber hielt er die Zeit für ge- kommen, eine Erklärung vom Stapel zu lassen:„Arbeit, sagten Sie, meine Herren, was Arbeit ist, wissen Sie nichl! Ihr Schreiben ist, deutlich gesagt: nur noch Unterhaltung für Sie und Ihresgleichen. Arbeit trägt Schwielen an den Händen, Wunden im Herzen, weiß von Not und Dual langsam unter Entbehrungen höher zu klimmen. ums Licht zu ringen, um es denen, die an der Werkbant, auf dem Kontorschemel, im Magazin, vor glühenden Hochöfen, in d»r Grube unter Tag, im Laboratorium und im Maschinensaal schwitzen, zu- bringen, ihnen für ein paar Minuten während der Arbeitspausen neuen Mut, neue Hoffnung auf ein besseres, freieres Leben zu geben. Ihnen soll die Kunst Lichtstrahl sein, der ihnen die Höhe weist, die im Sonnenglanz liegt. Hoffnungsstrahl, kämpfend dieses Leben für das Ziel: Freihett und Freude, zu wagen. Dom Volte jprechen Sie. aber Sie kennen da» Voll nicht. Das Voll wartet darauf, daß man ihm gibt, was es empfinden, miterleben, wieder- erleben kann: Volkskunst. Geben Sie doch dem Volke sein« Kunst! Steigen Sie herab, gehen Sie ins Volk, werden Sie volkstümlich. Aber da» wollen Sie ja nicht! Sie wollen Elite bleiben, schützen ihre Unterhaltungsliteratur, mit der Sie ihre Langeweile töten, als „Arbeit" vor. Auf Kosten derer, die das langweilige Leben ihrer Leser erhalten, leben Sie, von ihnen lassen Sie sich tragen. Die körperliche Arbeit oerachten Sie, aber Sie, gerade Sie, leben von der Arbeit der Arbeiter! Das heißt Arbeit: mit denen dort unten fühlen, ihre Wünsche kennen, ihr« Sehnsucht nach einem menschen- möglichen Diesseits wach zu hatten! Ich suche die Welt, die ich erleb«, der ich entstamme, nach einem neuen Willen zu bilden, mich selbst mit ihr für die Zukunft reif machen. Was nennen Sie Bil- dung? Ist es ihr Verdienst, daß ihr Vater einige Säcke Blut- groschen zusammengekratzt hat. daß er ihnen die Türen zu Das neue Strafgesetz. Der deutsche und der Ssterrelchifche Strafgesetz- eulwurs itimmro wirtlich übercin bis auf die Tode» strafe, die nur im deutscheu Eulwurs steht. Deutschland und Oesterreich legen wert auf die gleiche Kleidung. Nur den Kopf überlädt Deutschland dem öfter- relchlschen Bruder allein! Gymnasien, Seminaren, Universitäten öffnen konnte. Sind die Zeugnisse, die Titel, die Sie ernten konnten, allein das Ergebnis ihres Fleißes und nicht auch das der dienstbaren geistigen Sklaven, die des Brotes wegen ihnen mit Rat und Tat den Weg zur Höhe, auf der Sie jetzt stehen, erleichterten?!" Dies« Fragen mußten un- angenehm in den Ohren der Hörer klingen. Alle schnatterten sie durcheinander:„Empörend!"„Pöbel!"„Prolet!"„Das hat man nun davon," entrüstete sich die Stimme des Redakteurs,„wenn man jungen Arbeiterdichtern den Weg zur Höhe erleichtern.will. Man sollte sich um diese Burschen grundsätzlich nicht kümmern. Sie bringen einem nur Undank, Aerger und Verdruß..." Der junge Dichter hielt es an der Zeit aufzustehen, er nahm eine Schere und schnitt seinen Beitrag aus der Zeitschrift, denn er dankte dafür, seinen Nomen in solch„guter" Gesellschaft zu wissen. „Mögen sie jetzt reden bis Ultimo," dachte er, dann schlief er wieder ein. spricht eingehend eine Erfindung, auf die kürzlich ein Patent erteilt worden ist und die, wenn sie praktisch angewandl werden sollt«, den Souffleur im Theater überflüssig machen soll. Es handelt sich um einen mit einer optischen Vorrichtung versehenen Appaprat: Blätter, auf denen die Rolle abgedruckt ist, rollen langsam auf eiiwr Trommel ob, deren Umdrehungen verlangsamt oder beschleunigt werden können. Der Schausvieler erhält dadurch die Gelegenheit, sein« Rolle Zeile für Zeile ablesen zu können, ohne daß die Vorrichtung dem Publikum sichtbar wird. Die Frage, ob es sich hier wirklich um einen Fortschritt handelt, ist indessen pu verneinen. Jeder Schau- spieler wird, wenn er auch den Souffleur nur als notwendiges Uebel bewertet, ohne weiteres bestätigen, daß ein geschriebener T«xt, wenn er ihm auch noch so klar vor Augen geführt wird, niemals den Souffleur zu ersetzen vermag. Wenn der eine Schauspieler zum Vorlesen von hundert Zeilen fünf Minuten braucht, so benötigt ein anderer ungleich längere Zeit, weil zwischen zwei Künstlern Hinsich:. lich der Intonation, der Atempausen und der Schnelligkeit der Sprach« ausnahmslos mehr od«r weniger groß« Unterschiede be- stehen. Der mechanische Souffleur funktioniert aber mit der Regel- Mäßigkeit eines Uhrwerk» und kennt kein« rhythmische Disferenzie- rung. Keine Erfindung wird deshalb den Souffleur ersetzen können. au» dem Grunde, weil beim Wettbewerb zwischen Mechanik und Intelligenz jene stets den kürzeren ziehen wird. künstliche vefruchtting. Moderne Züchter verwenden schon seit längerer Zeit bei ihren Pflegetieren die künstliche Befruchtung, wenn besondere Umsländ-e dies erwünscht erscheinen lassen. So wird be- richtet, daß der Silberfuchs, der in der Farm oft sehr nervös ist, gut durch künstliche Uebertragung befruchtet werden kann. Die wissenschaftliche Biologie hat schon manchmal bei den Züchtern etwas gelernt. Vielleicht wird die noch ganz im dunkeln liegend« Bastard- lehre auf dem Wege eines systematischen Studiums der Wirkungen künstlicher Befruchtungen etwa? aufgehellt werden. Die künstliche Befruchtung sst nämlich das Mittel, um Konstellationen willkürlich herzustellen, die vielleicht einmal in Millionen Jahren irgendwo von selbst in der Natur auftreten. Die Frage ist deswegen von Bedeu- tung, weil für den Darwinismus wichtig ist, ob alle Arten durch langsame Veränderungen auseinander entstanden sind, oder ob es außerdem nachträglich entstandene Arten, die sich durch Kreuzung gebildet haben, gibt. Letzteres wird meist bestritten, mit dem Hin- weis darauf, daß Bastarde unfnichtbar sind.(Maulesel.) Unser« Bastarderfahrungen sind aber sehr gering, und man kann au» ein- zelnen Erfahrungen kein Naturgesetz ableiten. Di« künstliche Be- fruchtung gestattet, den einzelnen und zufälligen Beobachtungen und Erfahrungen ein systematisches Forsche» an die Seit« zu stellen. Neue Wege öer Lerngasversorgung. Von Stadtbanrat Oefverberg-Mainz. Es rft das begreifliche Bestreben des Steinkahlcnberg- b a u s. sich einen möglich st großen Anteil an ollen Mög- lichkeitcn der Kohlenverweriung und Kohlenveredlung zu sichern. Dieses Bestreben wollen wir ihm nicht verübeln, nur die A r t und Meise, wie er dieses zu erreichen versucht. Wo? der Bergbau will, zeigt immer noch am deutlichsten die vom Rheinisch-West- sälisch-n Kohlensyndikat zur Gründung der Gesellschaft für Kohle- Verwertung in Essen herausgegebene Denkschrift, die der Mitglieder- Versammlung am 30. September bezeichnenderweise mit der Bemerkung„Streng vertraulich!— Nicht für die Presse bestimmt!" vorgelegt worden ist. Die Denkschrift sagt u. a. folgendes:„Die Schwere der Zeit, die großen steuerlichen und sozialen Belastungen des Steinkohlenbergbaues sowie große Absatznot, insbesondere sür gewisse Brennstoffsortcn, zwingen zu Ueberlegungen, ob eine Steige- rung des Absatzes zu erträglichen Preisen durch gemeinschast- l ich e s Vorgehen auf Wegen zu erreichva ist, die bisher im Syndikat noch nicht angewandt wurden. Bei den großen Fortschritten der Wisseirschaft und Technik in der Verwendung und Ilmwandlung der Kohlen liegt es nahe, diese zu benutzen, um eine Absatzsteigerung über den Werkselbstverbrauch zu erreichen. Das kann aber den erstrebenswerten bedeutenden Erfolg nur dann haben, wenn die zu treffenden Maßnahmen nicht mehr wie bis- her den einzelnen Mitgliedern des Kohlensyndikates überlassen bleiben, sondern von ihrer Gesamtheit getroffen werden, weil alles darauf ankommt, auf diesen neuen Gebieten von vorn- herein jeder ungesunden Konkurrenz vorzu- beugen." Breschen in den ZNonopolabsichten an der Ruhr. Damit sagt der Bergbau alles. Er gibt indirekt selbst zu, daß er eine Monopolstellung zu erringen sucht. Ausschlaggebend zu lein für den Kohlenhandel nicht nur, sondern auch sür alle Pro- dukte, die die K o h l c n v e r« d e l u n g s p r o z e s s e liefern, damit sür 87,4 Proz. der deutschen Energieoorräte, das war da? Ziel. Darum ist es sehr zu begrüßen, daß in die Bestrebungen des Berg- vaues Breschen hineingeschlagen worden sind, sowohl von der D c s s a u c r G a s g c i' c l l s ch a f t durch unmittelbaren Zcchcnkauf, als auch von den Städten Köln und Frankfurt durch den Erwerb der Kohlenfelder. Damit ist der Bergbau an der wirk- famsten Stelle angegriffen worden. Darum auch die Hetze gegen die Dessauer Gasgesellschaft, insbesondere aber gegen die Kommunen, die den Mut aufbrachten, die Bestrebungen der A.-G. für Kohle- Verwertung an der Wurzel anzuschneiden. In der„Deutschen Berg- Werkszeitung"»om 9. Januar 1927 versuchte die A.-G. für Kahle- Verwertung das Vorgehen der Dessauer Easgeiellschaft in seinem Wert zu verkleinern und auch die Ansicht der Dessauer Gasgesell- Ichaft, daß eine Ferngasversorgung nur in einem be- stimmten Aktionsradius sicher durchführbar sei, als an- maßend zu bezeichnen. Gegen die Dcsfaucr Gasgeseilschaft. lieber den Kohlenselderkauf der Dessauer Gasgesellschaft sogt die A.-G. für Kohleverwertung nur, daß die Zukunft es lehren wird, ob der beschrittene Weg der richtige war. Sie sagt aber in einem Atemzug weiter, vom allgemeinen volkswirtschaftlichen Standpunkte au» wäre jedenfalls ein Zusammenarbeiten mit der A.-G. sür Kohleverwertung wünschenswerter. Wenn man diesen Stand. punkt mit demjenigen zur Gründung der Gesellschaft sür Kohle- Verwertung vergleicht, so weiß man genau, warum«in Zusammen- gehen wünschenswerter wäre. Wohin die Entwicklung der Dessouer Gosgesellschaft geht, wird die Zukunft lehren. Aus den Ausführungen des Vorstandes der Dessauer Gasgesellschaft, des Generaldirektors Oberbaurat Heck, auf der letzten Llagung des Elektrobundes glaube ich nicht ent- nehnien zu könne», daß die Gesellschaft dem frommen Wunsch« der A.-G. sür Kohlenerwertung aus ein Zusammengehen mit ihr noch- kommen wird. Schon der am 11. Juni dieses Jahres der General- Versammlung vorgelegte Geschäftsbericht der Kcsellschasi sagt, daß der ihre» Gaserzcngungsstätten gleichartige Betrieb der Kokerei der Zeche Westfalen sowie die Nebenproduktenwirtschasl V n d die Gaspeschäste der Gewerkschaft mit den sonstigen Unter- nehmungen völlig oerschmolzen werden sollen. Aus diesem Grunde feien Schrille unternommen, um eine Gasfernleitung von der Kokerei der Zeche nach ihrem Gasversorgungsgebiet H a n- nover-Linden herstellen zu können. Die städtischen Kohlen, elderkänse. Ganz scharf ist die A.-G sür Kohleverwertung gegenüber dem Kohlenselderkauf der Städte Köln und Frankfurt vorgegangen. Man sagt, es sind nicht die schlechtesten Früchte, an denen die Wespen nagen. So wohl auch hier. Es ist doch manches anders, als die Oeffentlichkeit von der Gegenseite unterrichtet ist. Das gilt besonders für den V e r p s l i ch t u n g s s ch e i n, der die Veranlassung war, daß die Städte Franksurl a M. und Köln zuin .Kohlenselderkauf kamen. Der Verpflichtungsschein besagte bekannt- lich, daß die Zechen sich verpflichten müssen, keine Wicrke zu beliefern, die brennbares Gas an Dritt« abgeben, noch derartige Werke ohne Zustimniung einer Dreiviertelmehrheit der Generalversamm- lung der A.-G. für Kohleoerwertung mit Brennstoff zu beliefern, noch sich daran zu beteiligen. Die Brennstofssperr« ist später be- festigt wordest, als sie ihre für die Ruhrabsichtcn verheerenden Wir- kungeil gezeigt hatte. Soweit ich den Kohlenselderkauf der Städte Köln-Frankfurt kenne, ist er vom bergmännischen Standpunkt kein schlechter. Auch non den, Ruhrbergbau nahestehenden Sachverständigen wurde er- klärt, daß die Kohlen für die Städte bestimmt nicht teuerer würden als ein Kohlenbezug durch das Syndi- k a t. Das ist ein äußerst günstiges Urteil über die Kohlenfelder. Andere Urteile gehen dahin, daß die Kohlengestehungskosten noch weit unter die Syndikatspreise zu liegen kommen, besonders, wenn die Kohlen mit eigenen Schiffen verfrachtet werden. Der groß« Vorteil eigener Kohlenfelder ist der. daß die Städte bzw. ihre Gas- werke stets eine bestimmte Kohlensorte erhalten, und in dieser Beziehung unabhängig sind von der Willkür des Kohlensyndikates, das sich aus Lieferung bestimmter Kohlensorten nicht einläßt. Eine bestimmte gleichmäßig« Kohlensorte ermöglicht stets gleichmäßige Entgasungsverhältnisse und insbesondere einen stets gleichmäßigen guten Koks, was bei der Rolle des Koksabsatzes für die Wirtschaftlichkeit eines Gaswerkes von großer Bedeutung rst. Di« Gaswerke stehen in dieser Beziehung in starker Konkurrenz M!t den Zechen, denen natürlich geeignete Kohlen zur Erzeugung von hochwertigem Koks in genügender Menge zur Verfügung steht. Ohne eigene Kohlenbasis sind die Gaswerke immer dem guten Dillen des Syndikates ausgeliefert, und das Syn- d'kat hat es in der Hand, die Konkurrenz des in Gasanstalten ge> «annenea Kokses aufkommen zu lasten oder nich«. Dem kann von den Gaswerken nur durch eine eigene Kohlenbasis be- gegnet werden. Der Ehemielrust.— Das kohlenwirtschostsgesetz. Man hat in der Oeffentlichkeit auch gesagt, daß. wenn die Feld«, gut gewesen seien, Rheinstahl dieselben nicht abgestoßen hätte. Für den Verkauf sind aber wohl ander« Gründe maßgebend gewesen, die in dem Uebergang von Rheinstahl in den Besitz des Ehemietrusts liegen und die leicht in bestimmten Absichten des Ehemietrusts gegenüber der A.-S, für Kohlcverwertung ihre Erklärung finden können. Daß Düsseldorf nicht mitgemacht hat, bedeutet nich». Man muß berücksichtigen, daß dic�kommunolpolitischen Verhältnisse, in Düsseldorf sehr stark von der Schwerindustrie beeinflußt werden, und daß in Düsseldorf noch andere Fragen der Erledigung harren, die die Finanzen der Siadt sehr in Anspruch nehmen. Viel beacht- licher ist, daß sich Düsseldorf sür die Eigener zeugung und nickst sür einen Fernbezug ausgesprochen hat. Das sachlichste Urteil hatte wohl der„V o r w ä r t s" in dieser Sache soergl. Abendausgabe vom 21. April 1927,„Kommunen gegen Kartell e"). Mit diesen Betrachtungen allein ist der Wert der Kohlen- selber sür die Städte noch nicht vollkommen erfaßt. Richtig er- saßt wird der Wert erst dann, wenn feststeht, wie weit das bestehende Kohlenwirtschoftsgesetz die Ausbeutung der Kohlenfelder beeinflussen kann. D«r Wert kann unter Ilmständen sehr stark beschränkt werden, wenn die Städte gezwungen werden können, dem Kohlensyndikat beizutreten. In diesem Falle unterliegen sie auch den Bestimmungen des Selbstverbrauchcr a u s s ch u s s e s und diese können unter Umständen sehr hindernd sein für die Aus- nützung der Kohlenfelder. Diese Frage bleibt noch zu prüfen. Nach meiner Ansicht komnit die Anwendung des Gesetzes nur in Frage, wenn von den Kohlen auch noch Mengen zum Verkauf ge- langen mästen. Werden die Kohlenfelder imr dazu benutzt, um den Kohlenbcdarf von öffentlichen Betrieben zu decken, so kann nach meiner Ansicht die Bewirtschaftung nicht unter das Gesetz fallen. Jedenfalls ist es unsere Pflicht, dahin zu arbeiten, daß alle Schwierigkeiten, die der gemeinnützigen Ausnützung der Kohlerselder entgegenstehen, beseitigt werden, eventuell unter Ein- räumung von Sonderrechten, die im bestehenden Gesetz über die Regelung der Kohlenwirtschast noch nachträglich verankert werden können. praktische Gruppenfernversorgung. Köln und Frankfurt werden die Kohlenfelder, soweit ich orientiert bin, nur bis zu 30 Proz. ausnützen können. Eine weitere Beteiligung für die gemeinschaftliche Ausnützung der Kohlenfelder wird gewünscht. Wenn man hier ein G c'm e i n s ch a f t s w e r k gründet, so kommen wir auch dem Gedanken von Gemeinschaft?- werken in der Gaserzeugung näher und zwar solchen, die in erster Linie in der Hand der Kommunen liegen. Uebertragen wir diesen Gedanken auf die Praxis, so läßt sich leicht ein westdeutscher Städtckranz ermöglichen, der in höchst gemeinnütziger Art und Weise Kohle fördert. Gas erzeugt und verteilt. Damit wäre auch der Weg gegeben, um im organischen Ausbau eine Gasversorgung in großem wtil zur Durchführung zu bringen unter Beibehaltung von bestehenden Großwerken alz Zentren in den einzelnen Wirt- sck�aftsgebielen. Darüber besteht heute schon volle Klarheit, daß die regionale Zusamniensassung der Gasversorgung das Volkswirtschaft- lich richtige ist, auch für die Ruhrkohle in ihrer natürlichen Reichweit«. Gegen chinesische Mauern. Wichtig ist für die zukünftige Entwicklung das richtige Vorgehen der Länder. Die Landesgrenzen sind vielfach Hindernisse für die Entwicklung. Die Landesgrenzen dürfen in der wirt- schaftlichen Entwicklung keine Rolle spielen. Es gibt tatsächlich Länder, die sich in Fragen der Gasfernversorgung mit einer chinesischen Mauer umgeben wollen und Gesetze in Vorbereitung haben, die jeder Bildung von Wirtschastsgedieten die größten Schwierigkeiten bereiten können. In Hessen hat man z. B. olles mobil gemacht, weil eine hessische Gemeinde sich an das Fernoersorgungsnetz einer nicksthessischen Großstadt anschloß. Mit Entrüstung sprach man von der Vereinigung der beiden Gaswerke Frankfurt a. M.(Preußen! und Ofsenbach(Hesten), obwohl der hessische Staat selbst«ine Verbindung mit Frankfurt einging zur gemeinschaftlichen Ausnützung der Braunkohlenfelder in Oberhessen. Auf der anderen Seite bereiten preußische Behörden der Gasversorgung von preußischen Gemeinden von hessischen Werken aus ebenfalls Schwierigkeiten. Bei solchen Hemmnissen haben dann zum größten Teil den Nutzen die Prioatgesellschasten, die, da sie dem Kreis vielleicht ein nichtssagendes Aktienpaket überlasten, auch noch nach jeder Richtung hin gestützt und gefördert werden. So w>e ein Gegeneinandcrarbeiten von einzelnen Ländern zu verzeichnen ist, so kann man dieses auch beobachten zwischen e i n z c l n e n K o m m u n e n. Es ist ein Hin- und Her auf diesem Gebiete, ein Kampf manchmal, der bis zum äußersten geht ahne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Interessen. Das sind Verhältnist«, die dringend der Aenderung bedürfen und nur geändert werden können auf Grund einer Reichsregelung. Wo bleibt der Zoilabbau, Herr Volksernährungsminister? Was wirö aus dem Kohlenpreis? Auf dem Industrie- und Handclstag hat Reichswirtschafts- minister Dr. Curtius mit großem Nachdruck die bisher ab- lehnende Stellung der Regierung gegenüber den Forderungen der Zechen auf Erhöhung der Kohlenpreise begründet und noch einmal den Willen zur Ablehnung b c st ä t i g t. Ziel der Rationalisie- rung der deutschen Wirtschast müsse eine Vergrößerung des Absatzes auf der Grundlage verbilligter Gütererzeugung sein. Daraus hat das Reichswirtschaftsministerinm auch für die Frage der Kohlen- preise bisher die Konsequenz gezogen. Es muh erwartet werden, daß die Haltung der Regierung fest bleibt, gleichviel wie die Entscheidung des Reichskohlenrates am 27. d. M. ausfallen wird. Wenn es auch richtig sein mag. daß die Durchschnitts- erlöse im bestrittenen Gebiet unter dem Druck der englischen Kohlenpreisermähigung rückgängig sind, so ist doch die Gesamtlage der Kohlcnwerke bei weitem nicht so ungünstig, als es gern dar- gestellt wird und es noch den rückgängigen Preisen im bestrittenen Gebiet aussehen möchte. Es darf nicht übersehen werden, daß die Erlöse aus dem Kohlenverkauf infolge der Kombination der meisten Zechen mit anderen Produktionen nur einen Bruch- teil der Gesamteinnahmen ausmachen. Der immer noch steigende Jnlandsabsatz nicht nur für Kohlen, sondern auch sür Eisenprodukte bildet sür die meisten Kohlenwerke sehr vielfach einen Ersatz für die verringerten Erlöse auf dem Weltmarkt. Darüber hinaus ist der Erlös der Nebenprodukte, der nach unseren kürzlichen Darlegungen dauernd steigt, für die Kohlenwerke ein bedeutender Gewinnsaktor. Es besteht deshalb in keiner Weise eine Notwendigkeit für die Erhöhung der Kohlenpreise, ganz abgesehen davon, daß die gegenwärtige Wirtschaftslage eine Kohlen- Preiserhöhung noch weniger verträgt als je. Genossenschaststag in Este«. Eindrucksvolle Kundgebung der deutschen Konsumgenosseu. schaftcn. Der Zentrolverband deutscher Konsumvereine hat mit einer im- posanten öffentlichen Versammlung, an der 944 Delegierte teil- nahmen, seinen 24. ordentlichen Genossenschaftstag beschlossen. Am 19. und 20. Juni hatten der Vorstand, Ausschuß und Generalrat des Zentraloerbandcs bereits getagt. Außer den wichtigen geschäftlichen Dingen wurde insbesondere zum Arbeitsschutzgesetz Stellung genommen. Die Ratisika- tion des Washingtoner Ucbereinkommens wurde begrüßt, und unter Betonung des Grundsatzes der regelmäßigen achtstündigen Arbeitszeit wurden die Bestimmungen für die Be- triebe der Genossenschaften als ausreichend bezeichnet. Die Neurege- lung des Nochtbackverbotes werde aber den Bedürfnissen des genossenschaftlichen Großbetriebes nicht gerecht. Das Gesetz müsse den Bäckereigroßbetrieben die Möglichkeit geben, in drei Schichten zu arbeiten. Der jetzige Entwurf verhindere die wirt- schostliche Ausnutzung der Großbetriebe, steigere die Produktion»- kosten und führe zu höheren Brotpreisen. Alle VoUskreise werden mit höheren Brotpreisen belastet, nur um den Kleinbetrie- den den Konkurrenzkampf gegen die wirtschaftlich überlegenen Großbetriebe zu erleichtern. Gegen diese Belastung der Derbraucher wird mit aller Entschiedenheit Einspruch erhoben. Bei den Be- stimmungen über die Ladenösfnung an den Sonn- und Festtogen seien die im Gesetz vorgesehenen Ausnahmen einzuschrän« k e n und auch für den Ladenschluß an Werktagen bestehe kein zwingender Anlaß zu Ausnahmen, nachdem die Konfumgenosten- schaften durch langjährige Erziehungsarbeit bewiesen hätten, daß eine Ladenösfnung von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends ohne jede Ausnahme genüge. Zu der öffentlichen Sitzung des Genossenschaftstages hotten Reichs-, Staats- und Stadtbehörden, die beiden großen bäuerlichen Genossenschaftsoerbände, die Preußenkoste, die Sozialen Bau- betriebe, der Reichswirtschastsrat, das Internationale Arbeitsamt, der Internationale Genossenschafts- b u n d, die französischen, britischen, schwedischen, finnischen und belgischen Genossenschasten, sowie die Gewerkschaften Der« treter entsandt. Anknüpfend an die Genfer Weltwirtschaftskonferenz forderte Genosse Lorcnz-Hamburg von der Reichsregicning, daß den Worten des Ministers Streiemonn auch Taten folgen müßten. Nach einer scharfen Ablehnung falscher wirtschaftlicher Maßnahmen, wie Konsumsinanzicning und ähnliches, hob der Red- »er die bewährten genossenschaftlichen Grundsätze des Verkaufs zu Tagespreisen nur an Mitglieder gegen Barzahlung hervor, wandte sich gegen die unlauteren Kampsmethoden des Eisenhandels, die sich bis zu übler Spitzelet verirren. Stürmisch begrüßt wurde der Senior der internationalen Genosjcnschaftsbewegung, der fron- zösische Universitätsprofessor Charles Gide. Nachdem die bri- tischen, belgische», schwedischen und sinnischen Vertreter über den Stand des Gsnostenschaftswesens in ihren Ländern berichtet und der deutschen Bewegung einen weiteren Aufstieg gewünscht hatten, nachdem der deutsche Vertreter des Internationalen Arbeitsamts, Regierungsrat Donau, über die Beziehungen des Internationalen Arbeitsamtes zum Zentralverband deutscher Konsumvereine be- richtet hatte, wobei auch die übrigen Redner die große Volkswirt- schaftliche Bedeutung der Konjumgenossenschaftsbewegung noch unterstrichen, wurde die eindrucksvolle Tagung geschlossen. Guter Geschäftsgang in der Berliner Lampenindustrie. Doppel- schichten bei der R. Frisier A.-G. Die Belebung, die im vergangenen Sammer auch für die Beleuchlungskörperindustrie einsetzte, hat noch genügt, die Absatzstockung des ersten Halbjahres auszugleichen. So kann auch die R. F r i st e r A.- G., O b e r s ch ö n e w e i d e, das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem vervielsachten Reingewinn von rund 330 000 Mark(im Vorjahr 12 700 Mark) abschließen, der die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung mit 5 P r o z. auf das 6-Millionen-Aktienkapital gestattet. Die Bilanz weist wegen des im Dezember 1926 durchgeführten Zusammen- schlusses mit der Gebr. Jsreal A.-G., Berlin, erhebliche Verände- rungen auf, da die Werte dieses Unternehmens mit«ingegliedert wurden. Eine Kapitalerhöhung hat sich für die Frister A.-G. zur Durchführung der Fusion nicht als notwendig erwiesen, da sie fast die gesamten Isreal-Aktien von 3 Millionen Mark in ihrem Besitz hatte. Durch die Auflösung der Reservefonds der Gebr. Jsreal in Höhe van 300 000 Mark wurde diese Summe für Sanderabschreibungen aus die maschinellen Anlogen frei, von denen außerdem noch 413 000 Mark abgebucht werden, so daß der Ab- schreibungssatz fast 43 Proz. der Maschinenmerte beträgt. Di« Vorräte sind von 2,4 Millionen auf 3,6 Millionen angewachsen. sollen jedoch jetzt durch den starken Auftragsbestand in der Ab- nähme begriffen sein. Der Beschäftigungsgrad hat sich im neuen Jahr so erhöht, daß die Betriebe zur Bewältigung der Aus- träge in D o p p e l s ch i ch t e n arbeiten müssen. 16 proz. Dividende bei der Berlin-Gnbener hulfabrik A.-G. Die Berlin-Gubener Hutiabrik A.-G. Guben hat im vergangenen Jahr wieder größte Konjunkturgewinne erzielt. Außer der enormen Dividende von 16 Proz.(im Vorjahr 14 Proz.) konnte die weitere Mechanisierung der Betriebe aus laufenden Ein- n a hm e n gedeckt und in der Bilanz eine Abschreibung sämtlicher Zugänge vorgenommen werden. Nicht genug damit wurde außer dem mit 400 000 M. verdoppelten Dispositions- ionds nach eine Sonderrücklage von 100 000 M. gc- schaffen. Die Schulden sind von 3,8 auf 3 Millionen gesenkt und werden von über 5 Millionen Forderungen fast dop pelt gedeckt. Zurzeit sind die Betriebe auf zwei bis drei Monate bis an die Grenzen ihrer Leijtungsfähigkett beschäftigt.