Mbenöausgabe Nr. 301 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 14$ v-zug-bkdlngunMn und Anzelgenurets« sind in der Morgcnausaad« ongeaebea »edarttoo: Slv. 68, CinOenftcob« 3 Zernsprecher I VSnhoss 292- 297 XeL-Vötefle: Sozialdemokrat verlin Zerlinev VolKsvlÄtt �1v Pfennig) Dienstag 28. Juni 1927 «erlag and«ni««s«nabt,«»!u»i, Eesch dftszet» di»» Uhr Verleger: vorwar«». Verlag«mbH. verlin StD. 66, Vladraslrab»» Zernsprecher» VSahoft 292— 26t Zentralorgan der öozialdemohratifcben parte! Deutfchlands Mftistlmg zu weiteren Morden. Die Schuldigen an der Reichsbanner-Hetze. „An und für sich ist es freudig zu de- grüßen, daß sich die gesunde, bäuerliche Bevölkerung gegen die Ausbreitung der roten Pest tatkräftig wehrt." Das ist die Lehre, die das völkisch-deutfchnationale Organ der Stahlhelmer und Werwölse, die„Deutsche Zeitung", aus dem Mord inArensdorf zu ziehen weißl „Tatkräftig wehren",„gesunde bäuerliche Bevölkerung" — wenn dann wieder einer von den gegen die Nationalfarben und gegen das„Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" auf- gehetzten Glieder dieser„gesunden bäuerlichen Bevölkerung" zum Jagdgewehr greift und seine Rehposten auf die Bor- überfahrenden sendet, dann ist der Mann rechtzeitig„halb- zurechnungsfähig", wie das gleiche Blatt jetzt den Mörder Schmelzer zu bezeichnen beliebt. Bon diesem„Halb- zurechnungsfähigen" aber bestätigt, ebenfalls in der„Deut- schen Zeitung" der Junker von Aloensleben aus Arensdorf, daß erAngehörigerdesStahlhelmsist! Seit wann hat der Stahlhelm„Halbzurechnungsfähige" in seinen Reihen? Er prunkt doch immer wieder mit der „Disziplin", die seine Leute an den lLag legen? Kann er von Ganz- oder Halbverrückten Disziplin erwarten? In Wirklichkeit wird diese„Halbzurechnungsfähigkeit" nur heroorgesucht, um die Aufmerksamkeit von den Moralisch Schuldigen abzulenken. Der Stahlhelm und die ihm dienstbare Presse— allen voran die„Deutsche Zeitung" der Claß-Sodenstern— haben eine systema- tische Hetze gegen die republikanische Schutzorganisation eingeleitet. Sie lassen landauf, landab Vorträge über den angeblichen.Landesverrat des Reichsbanners" halten: sie vutschen die Bauernsöhne in gleicher Weise gegen das Reichs- oanner auf, wie die Deutschnationalen Erzberger und R a t h e n a u und schließlich Friedrich Ebert in den Tod gehetzt haben. Der Tod des jungen T i e tz e aus Erkner kommt auf das- selbe Konto, auf dem schon die Morde an so zahlreichen anderen Republikanern verbucht sind. Man spricht jetzt heuchlerisch von„parteipolitischer Ausschlachtung" des Mord- Überfalls von Arensdorf. Das Wort der deutschnatio- n a l e n„Deutschen Zeitung" soll aber nicht ausgelöscht werden: „An vnd für sich ist e» freudig zu begrüßen, daß stch die gesunde bäuerliche Bevölkerung gegen die Ausbreitung der rolen Pest katkräflig wehrt." Das ist nichts anderes als die offene Aufforderung, weitere U e b e r f ä l l e auf durchfahrende Reichsbanner- kolonnen in den Dörfern zu verüben, das entspricht ganz dem bisherigen Verhalten der Rechtspresse und der Rechtsparteien zu all den Mordtaten, die bisher gegen Republikaner verübt worden sind. Das entspricht auch jenen Gerichtsurteilen, die schamlose Beschimpfungen der Reichsfarben mit der Begründung straffrei ließen, beschimpft seien nur die— Vereinsfarben des Reichsbanners und die seien nicht durch Geseg geschütztl Das Reichsbanner soll nach dem Willen des Stahlhelms und seiner Presse Freiwild werden. Deshalb fordert der Stahlhelm unausgesetzt die Beseitigung des Stock- verböte?, damit seine Garden die Möglichkeit bekommen, gewissermaßen mit polizeilicher Erlaubnis auf Republikaner dreschen zu können. Stockerlaubnis und Aufforderung zur„tatkräftigen Wehr" stehen auf einer Linie. Sie sind bestimmt, die G e- walttaten in ein System zu bringen. Das soll und darf nicht vergessen werdenl Protest gegen die Mordtat. Beim Tauvorstcmd des Reichsbamurs Schwarz-R ot-G old, Gau Berlin-Brandenburg, laufen täglich Hunderte von Protest- schreiben aus allen Bcvölkerungsschichten ein, die ihren tiefen Abscheu über die ruchlose Tat ausdrücken. Immer wieder wird in diesen Schreiben harte gerichtliche Sühne gefordert. Die Obduktion der Leiche des Ermordeten. Gestern nachmittag fand im Städtischen Krankenhaus in Frank- furt a. d. O. die Obduktion der Leiche des ermordeten Karl Tietze statt. Sie ergab, daß die tödlichen Schüsse, wie schon bereits mit- geteilt, von Rehposten herrühren. Die Rehposten haben beide Lungenflügel durchschlagen, das Rückgrat durch- bohrt und sind dann in der Haut stecken geblieben. Die Beerdigung des Kameraden Tietze findet am Sonnabend nachmittag um ö Uhr in Erkner statt. Pflicht aller Republikaner ist es, dem Ermordeten die letzte Ehr« zu er- weisen. Da der Friedhof nicht in der Lage sein wird, all die Teil- nehmer zu fassen, wird vorher eine öffentliche Trauer- kundgebung in Erkner stattfinden. Dann begleiten Delegationen den Sarg zum Friedhof. Di« Ueberführung der Leiche von Frankfurt a. d. O. pach Erkner erfolgt morgen, Mittwoch, nachmittags S Uhr, mit einem Leichenauto, das gegen H8 Uhr in Erkner eintreffen wird. Hier versammeln sich neben der Kameradschaft Erkner die umliegenden Kreisvereine des Reichsbanners. Interpellation im Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion im Preußischen Land- tage hat folgende Große Anfrage eingebracht. „Am 25. Juni 1927 ist die Ortsgruppe Erkner des Reichs- banners Schwarz-Rol-Gold, die gerade in einem Lastkraftwagen Arensdorf passiert halle, von Angehörigen der Rechtsverbände überfallen worden. Nachdem der Zwischenfall bereits beigelegt war und die Reichsbannermitglieder den Kraftwagen bereits bestiegen hallen, hat der Landwirtssohn August Schmelzer mit einem Jagdgewehr in den dicht- besetzten Wagen mehrmals hineingefeuert. Das Reichsbanner halte dabei einen Toten und neun verletzte zu beklagen. Dieser Ueberfall und der Word an dem Reichsbannerkameraden haben In weitesten Kreisen der Arbeiterschaft und der republikanischen Bevölkerung überhaupt eine ungeheure Erregung ausgelöst. Diese Erregung kann nur durch rücksichtsloses Durch- greifen gegen den Mörder und seine Helfershelfer beseitigt werden. wir fragen deshalb: I. Ist das Justizministerium bereit, seine Organe anzuweisen, die Untersuchung rücksichtslos und schleunigst durchzuführen? 2. Welche Maßnahmen gedenkt das Ministerium des Innern zu ergreifen, um ähnliche Ueberfälle auf die sriedlieben- den Teile der Bevölkerung ein für allemal zu verhindern? Der Justizminister greift ein. Wie der„Amtlich« Preußische Pressedienst" erfährt, hat der preußische I u st i z m i n i st e r für die Untersuchung des Borfalles in Arensdorf dem Oberstaatsanwalt in Frankfurt a. d. O. einen beim General st aatsanwalt beim Kammergericht be- fchäftigten Staatsanwaltschaftsrat beigeordnet. Der Unter- suchungsrichter in Frankfurt a. d. O. wird sich ausschließlich der Ausklärung dieses Sachverhalts widmen und von seinen sonstigen Dienstgeschästen entlastet werden. Die Untersuchung wird also mit allen zu Gebote stehenden Kräften gefördert werden. Gegen die E n t l a s s u n g der dem Amtsgericht Müncheberg vorgeführten Beschuldigten H o s s m a n n und Z e m k e hat der Ober- staatsanwalt Beschwerde an die Strafkammer in Frankfurt a. d. O. eingelegt. * Dem Amtsrichter von Müncheberg wurden nur die beiden Wer- wölf« vorgeführt, die des Ueberfalls auf den einzeln fahrenden Reichsbanner-Radfahrer besthuldigt wurden. Angeblich, well er von den Zusammenhängen dieses Ueberfalls mit der späteren Schießerei nichts wußte, den ganzen Vorgang nach der Darstellung der Be- schuldigten nur als„Rempelei" auffaßte, hat er die Borgeführten wieder freigelassen. Warum die Burschen nach Müncheberg und nicht ebenfalls nach Frankfurt gebracht wurden, ist allerdings un- verständlich. das darf �lvettslebens. Der Junker von Aloensleben, der das Gut Arensdorf be- herrscht, ist auch Führer des dortigen Werwolfs. Deshalb fühlt er sich berufen, in dem alldeutschnationalen Claßblatt eine Darstellung über den Mordüderfall zu geben, nach der das Dorf„von der Uebermacht der vom Lastkraftwagen absteigenden Reichsbannerleute" vergewaltigt worden sei.... Dies Arcnsdorf des Herrn von Aloensleben ist ein« deutschnationale Hochburg. Es wurden dort bei der Reichstagswahl am 7. Dezember 1S24 an Stimmen abgegeben: Deutschnalionale lS0 Nationalsozialisten 11 Bolkspartei Wirtschaftspartei Demotraten Sozialdemokraten Kommunisten. 1» 1 43 SS 2 Es standen also 210 Rechlsparleilern nur 100 Linksstimmen gegenüber Die Deutschnationalen sind vorherrschend. Di« Mord- jünglinge stammen aus ihren stahlbchelmten Reihen. Entrüstung in Gesterreich. Bcileidsknndgcbung des republikanischen Schutzbundes.� In der Arensdorfer Angelegenheit ging beim Bundesvorstand des Reichsbonners folgendes Telegramm ein: Mit liefer Entrüstung haben«vir von dem feigen Mordüberfall reaktionärer weg Hagerer auf eine Reichsbanner- abteilung in Arensdorf Kenntnis erhalten. Wir beklagen mit Euch den Kameraden Tietze, das Opfer des blutigen Terror» der Reaktion. Wir ersuchen Euch, am Grabe des Kameraden liehe einen Kranz in unserem Namen niederzulegen und bitten, den ver- mundeten Kameraden unsere Sympathie zum Ausdruck bringen zu wollen. Für den Republikanischen Schuhbund Oesterreich». Julius Deutsch. „Der Mbeiter ist Sozialöemokrat.� Geständnis Bncharins in Moskau. s Di« kommunistische Presse veröffentlicht jetzt den Wortlaut einer 1 Rede, die B u ch a r i n am 4. Juni im Moskauer Komitee der Kommunistischen Partei gehalten hat. Er wandte sich scharf gegen den Borschlag T r o tz k i s und W u j o w i t s ch s, daß man sich den Anarcho-Syndikalisten nähern und die Gruppe M a s l o w- Ruth Fischer wieder aufnehmen solle. Dagegen führte Bucharin aus, daß die Anarcho-Syndikalisten Offiziere ohne Soldaten seien. Der Durchschnittsarbeiter stehe in Europa in den sozialdemokratischen Part«i«n und in den Amsterdamer Gewerkschaften. Die deutsche Opposition aber sei im Begriff, eine eigene Tageszeitung herauszugeben und eine eigene Partei zu gründen. Darin würde sie von der russischen Parteiopposition unterstützt. Nach ausführlicher Beschimpfung Maslows, der„von der Hindenburg-Regierung be- gnadigt" worden sei, rief Bucharin aus: Statt die größtmögliche Zufammenballung der Reihen, die Säuberung von Renegaten, die Eroberung der breiten Massen j,u fordern, schlägt man uns vor: Lassen wir doch jeden Mist in unsere Partei hinein, lassen wir doch die diversen Anarcho-Syndi- kalisten, die überaus verdächtigen Maslow, die„diszipjinierlen" Ruth Fischer usw. hinein, und laßt uns zunächst die sozial- d e m.o kratischen Arbeiter vergessen. Wir sind mit einer solchen Einstellung absolut nicht«inverstanden: nicht ein einziger Mensch, mit Ausnahme Wujowitschs. der aus fraktionellen Rück- sichten der Helfershelfer des Genossen Trotzki in den Attacken, Ausfällen und Borschlägen war, trat(im Plenum des Ekki. Red. d.„B.") für diese„Maßnah nen" ein. Kein einziges Mit- glied des Plenums war damit einverstanden, die Herren Maslows wieder aufzunehmen, oder, den breiten Massen den Rücken kehrend, sich auf die Suche zu machen nach ein paar Syndikalisten zum Zwecke der Berteidi- gung der Sowjetunion. Dazu muß bemerkt werden, daß die- Gesellschaft, die Bucharin jetzt einfach als„M i st" bezeichnet, die Maslow, Ruth Fischer, Schalem usw., vor noch nicht langer Zeit die Führung der KPD. hatte, in die sie v o n Moskau«ingesetzt war. Niemand kann wissen, wie lange es dauert, bis auch die jetzige Führung wieder auf den Mssthaufen geworfen wird, und es wäre daher sehr unvorsichtig, sich ihr anzuvertrauen. Daran denkt ja auch— von einer kleinen Schar abgesehen— kein deutscher Arbeiter. Wenn übrigens Bucharin sagt, der«uropäisch«„Durchschnitts- arb«iter" sei Sozialdemokrat, so sagt er leider zuviel. Wohl steht die große Masse der klassenbewußten Arbeiter zur Sozialdemokratie, aber Millionen von Arbeitern, viel mehr als die KPD. in ihren Reihen hat, stehen noch bei den bürgerlichen Parteien. Für Europa und besonders für Deutschland schlägt ein« Schicksalsstunde, sobald diese Arbeiter zur Sozialdemokratie kommen. Die Kommunistische Partei ist demgegenüber eine Belanglosigkeit. Der Glaube, daß die Arbeitermassen einmal zu chr kommen könnten, ist einfach närrisch. Aus Bucharins Ausführungen— aus seiner resignierten Feststellung, daß der europäische Durchschnittsarbeiter Sozial- demokrat ist— kann man schließen, daß auch er diesen Glauben längst verloren hat. Oer partikularift als Zinanzminifter. Tr. Schmelzle zum bayerischen Ffixanzmittister ernannt. München, 28. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Zu Beginn der heutigen Sitzung des Landtages erbat der Ministerpräsident Dr. Held das Einverständnis des Hauses zur Ernennung des Staats- rat» Dr. Schmelzle zum bayerischen Finanzmini st er. Hierzu erklärte die sozialdemokratische Fraktion, daß sie mit dieser Ernennung nicht einverstanden sei, da Dr. Schmelzte als Bersasser der mit den geschichtlichen Tatsachen un- vereinbaren Denkschrift der bayerischen Regierung zur Revision der Weimarer Verfassung und damit als Vertreter des mit den Lebens- bedürfnissen des ganzen deutschen Volke» nicht in Einklang zu bringenden extremen bayerischen Föderalismus bekannt ist. Infolge dieses Einspruches mußte über den Antrag des Ministerpräsidenten abgestimmt werden, wobei sich sämtliche bürgerliche Parteien für die Ernennung Schmelzles zum Finanzminister aussprachen. die Volkspartei besthwert sich. Tie deutschNUttotuile Autwort:„Es wird weiter gehetzt!" Der amtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei führt wieder eimnal Klage über die deutschnationale Hetze gegen Reichsaußenminister Dr. Stresemann und seine Außenpolitik. Neben schon bekannten Fällen wird ein neuer angeführt: „Es ist ja nicht nur die H u g e n b e r g. P r e s s e, die in der Kritik der Außenpolitik der Regierungskoalition das Menschenmög- liche leistet. Die von uns schon einmal genannte deutschnationole Halbmonatsschrift„D e r Deutschnationole", herausgegeben von der deutjchnationalen Parteikanzlei Bochum, hat sich wicdenim einen Angriff auf den deutschen Reichsaußenministcr ge- leistet, der an persönlicher Gehässigkeit ungefähr alles übertrifft, was in dieser Bezichuug von einem radikal völkischen oder auch kommu- nisilschen Organ geleistet werden könnte. Danach hat Stresemann die Freiheit und Zukunft Deutschlands für nichts und wieder nichts an England verschenkt und die deutschen Grenzen für einen Durch- marsch der französisch-englisch-belgis-hcn Truppen gegen Rußland bereitwilligst geöffnet. Diesen Irrsinn schreibt das Blatt in seiner zweiten Juniausgade, nachdem wir schon seine gleichen Ausführun- gen in der ersten Iuniausgabe gebührend zurückgewiesen hatten." Der Pressedienst fügt hinzu, daß sich auch die parteiamt- liche deutschnationale Korrespondenz„Täglicher Dienst für nationale Zeitungen" an dieser Hetze beteiligt und fragt, was die deutschnationale Parteileitung gegen diese Giftmischerei zu unternehmen gedenkt. Die Antwort liegt vor. Sie erscheint in demselben„Tag- lichen Dienst für nationale Zeitungen", über den sich die Volkspartei beschwert, und lautet: Die d e u t s ch n a t i o n.a l e Ptr e s s e st e l l e im Reichstag teilt mit: Nachdem der„B o r w ä rt s" in bekannter Manier einzelne Aeußerungen aus dem deutschnationalen Lager zu den Versuchen ausgenutzt hat, Zwist zwischen die Koalitionsparteien zu tragen, nehmen neuerdings auch die„Nationalliberale Korre- s p o n d e n z" und die„Germania" derartige Aeußerungen zum Anlaß, an die deutschnationale Parteileitung die Aufforderung zum Einschreiten zu richten. Es handelt sich in den dazu benutzten Fällen um Aeußerungen von Parteigliederungen im Lande, die bei Eintritt der Deutschnatlonalen in die Regierung erklärten, sie würden ihre eigenen Wege gehen. Für derartige Aeußerungen ist die Partei- leitung nicht verantwortlich. Wenn aber die„Ger- mania" auf die angebliche Empfindlichkeit hinweist, mit der von deutschnationaler Seite kritische Aeußerungen aus dem Lager anderer Parteien behandelt würden, so darf festgestellt werden, daß sich die deutschnationale Kritik bisher nur auf die Verstöße des Herrn Dr. Wirth— eines der prominentesten Mitglieder der Zentrumsfraktion— bezogen hat. Es wäre für die Deutschnatio- »ölen ein leichtes, eine gleich große Anzahl von Angriffen aus der Zentumspresse anzuführen, die. ebenso unsroundlich gehalten sind und bei denen trotzdem gar nicht daran gedacht wurde, sich deswegen an die Parteileitung des Zentrums zu wenden. Kein Wort über die Quertreibereien der Hugenberg- Presse, kein Wort über die Hetze des parteiamtlichen „Täglichen Dienstes für nationale Zeitungen", kein Wort des Bedauerns und kein Wort des Tadels. Die Parteileitung ist nicht verantwortlich und Schluß. Mit anderen Worten: d i e Hetze gegen Stresemann geht weiter! Und der Reichskanzler, der Reichsauhenminister? Sie schweigen und dulden, daß das Ansehen der deutschen Außen- Politik von der größten Regierungspartei vor dem Inlands und Auslande herabgesetzt wird. Bürgerblockkurs— Bürgerblockkonkurs! Für Reisen nach der Sowselunion Pässe auszustellen, lehnt Eng- land ab, da es für die Sicherheit seiner Bürger nicht garantieren könne. Theorie unü Praxis. Grundsätzliches zum Magdeburger Tänzerkongreß. Jede revolutionäre Kunstepoche zeigt uns die Wortführer und Wegbahner vorausstürmend, höchst gesteckten Zielen entgegen, während die praktische Gestaltung den Theorien auf halbem Wege zögernd, vorsichtig zu folgen pflegt. Die Entwicklung des modernen Tanzes bietet— nach den Eindrücken des Tänzerkongresses zu schließen— das entgegengesetzte Bild: die Führer suchen die Be- wegung zu zügeln, blicken zurück, wollen den geraden Vorwärtsgang umbiegen. Rudolf v. Laban forderte den Anschluß, zwar nicht an das rettungslos verkommene Ballett, aber doch an das, was er „die klassische Tanzkunst" nennt. Er hat nichts gegen den Spitzen- tanz, jede tänzerische Ausdrucksform ist ihm recht. Zwar meinte er, man dürfe den reinen Tanz nicht den Begriffen anderer Künste unter- ordnen, erklärte aber im selben Atemzuge, er lehne die Pantomime nicht ab. Was doch nichts anderes bedeutet als ein Unterordnen des reinen Tanzes unter die Begriffe der Schauspielkunst. Und Max T e r p i s, der einst berufen wurde, um das Ballett der Ber- liner Staatsoper im modernen Stil umzugestalten, versicherte, er wolle einen besonderen Stil nicht propagieren. Alle Stile hätten i /•« Berechtigung. Er unterschied„Tanzerei" und„Bewegerei", die sich zueinander verhielten wie Koloraturgesang zu hochdromatischem Gesang. Vertreterin der Tanzerei sei die Pawlowa, der Bewegerei die Wigman. Zwischen beiden bestände kein Wert-, sondern nur ein Artunterschied. Also Ballett und neuer Tanz sind gleichwertig. Für unsere Zeit gleichwertig. Aus der Kunst der Pawlowa spricht nicht der Geist einer untergegangenen Welt, in deren Rhythmus unser Gesühl nicht mehr zu schwingen oermag, die— wie F r i tz Böhme sehr richtig sagte— für unsere Zeit nichts bedeutet, weil sie von unserer Zeit nichts deutet. Die Kunst einer Wigman, die tiefste Tiefen aufrührt, den geheimsten Sehnsüchten unserer Zeit Gestalt und Form gibt, deren Schöpfungen jedem, der sie wirklich erlebt«, auf ewig in der Seele nachzittern, steht auf dem gleichen Niveau mit der glänzenden Kunstfertigkeit der Balletteuse, deren Wirkungen erloschen sind, sobald der Tanz zu Ende ist. v* neue Kunst der rhythmischen Körperbewegung, das Größte, Höchste und Tiefste, was das Deutsch- land unserer Tage auf künstlerischem Gebiet geschaffen hat, unter- scheidet sich nur in seiner Art, nicht in seinem Wert von den Künsten der lächelnden, spitzentrippelnden Gazeröckchen. So sprachen in Magdeburg die Führer und Theoretiker. Und wie sah es in der Praxis aus? An den beiden Tanzabenden, die der Kongreß veranstaltete, war vom„klassischen Stil" nicht» zu bemerken. Aus der ganzen Linie herrschte der moderne Ausdrucks- tanz. Die Darbietungen waren nicht gleichwertig. Berlin ragte so weit empor, daß— abgesehen von den brillanten Leistungen des Münsterer Tanztheaters der Kurt Jooß und Jen» K e i t h— alles andere im Schatten blieb. Kreutzberg und vor allem Vera Skoronel als Solistin und Leiterin von Tänzen der Trümvy-Gruppe packten und ergriffen das Publikum und ernte- ten begeitterte Iubelstürme Wn Magito, Hertha Feist. LotteAuerbach.Daisn Spieß und Rudi K ö l l i n g gaben Bestes, Unvergeßliches. Die Tanzgruppe der Jutta K l a m t fehlte leider. Aber auch die„Provinz"— Günther Heß, Hilde Strinz, IensKeith, die Hellerauerin Valerie Kratina. der Notruf üer Wissenschaft. Dem Reichsfinanzminister ist nichts bekannt. Der Aufruf der Wissenschaftler, Arbeiterführer und Wirtschaftler, der sich gegen die von gewissen Stellen betriebene Kürzung des Forschungsfonds im Reichsetat wendet, veranlaßt den Reichs- finanzminister Dr. Köhler zu folgender Erklärung durch das amtliche Nachrichtenbureau: Der Reichsminister der Finanzen hat, wie uns von unter. richtete? Seite mitgeteilt wird, zu der Höhe der Etatsansätze für 1928 überhaupt noch in feiner Weise Stellung g e- n o m m e n; schon deshalb nicht, weil sich der Voranschlag für das Jahr 1SZ8 noch im Stadium interner Vorprüfungen befindet. Die Befürchtungen mußten um so grundloser erscheinen, als gerade der Reichsfinanzminister Dr. Köhler in seiner lang- jährigen Tätigkeit als bodischer Finanzminister, der die materiellen Belange dreier Hochschulen zu befriedigen hatte, zahlreiche, von den badischen Universitäten ganz besonders anerkannte Beweise für leine positive Einstellung zu den Lebensfragen der deutschen Wissenschaft erbracht hat. Die Antwort kann in keiner Weise genügen. Sie vermeidet eine klare Stellungnahme. Di« Kreise, die die Kürzung des Forschungs- fonds betreiben, werden durch diese Art von Erklärung kaum ent> mutigt werden. Dielleicht erinnert sich der Herr Reichssinanzminister daran, daß er kurz nach seinem Am t s a n t r i t t beteuerte, daß ihm das Wohl der Beamten vor allem am Herzen liege. Zwischen dieser Beteuerung und seiner jetzigen Haltung ist ein unlösbarer Widerspruch. Man wird also abwarten müssen, wie sein Interesi« für die„materiellen Belange" der Wissenschaft aussehen wird. nach. dem er Stellung genommmen hat. »völkerbunüpersonalien/ Die„Germania" gegen die amtliche Personalpolitik. Bor anderthalb Jahren, als Deutschland noch nicht einmal im Völkerbunde vertreten war, veranstaltete die Rechtspress« eine wüste Hetze gegen Sozialdemokratie und Zentrum, weil dies« beiden Par- teien nach Posten und Pöstchen im Sekretariat des Völkerbundes jagen sollten. Für die Sozialdemokratie wurde festgestellt, daß diese ganzen Behauptungen auf freier Erfindung beruhten. In dem verflossenen Jahr ist dann eine kleine Anzahl von Deutschen in das Genfer Sekretariat berufen worden. Selbstver- ständlich sind Sozialdemokraten nicht berufen worden, aus Deutsch- land ebenso wenig wie aus anderen Ländern. Nun steht die Er- nennung eines deutschen Mitgliedes der Presseabteilung noch bevor. Aus Anlaß dieser Ernennung polemisiert die„Germania" gegen die Personolpolitik ihrer eigenen Regierung. Sie verwahrt sich dagegen, daß der Völkerbund zu einem„Monopol freimaurerischer und libe- ralisierender Kreise" wird. Dabei wird nur eine Kleinigkeit ver- gessen: Das Monopol der Nichtkatholiken in Genf ist so wenig vor- Händen, daß an der Spitze des Amtes ausgerechnet ein Katholik steht! Vor anderthalb Iahren wehrte sich das Zentrum nicht gegen „liberale Blätter", wie die„Germania" iich erinnert, sondern gegen die Presse ihrer heutigen Koalitionsfreunde, wegen der Stinkbombe, die sie ihm und der Sozialdemokratie unter den Weihnachtstisch gelegt hatte. Heute muß dasselbe Blatt dagegen polemisieren, daß die wichtigen Posten in Genf von der Bureaukratte und von rechts besetzt werden. Srecht- Sachs. Deutfchnationale Umgangsformen. Ueber die Entlassung des Ministerialdirektors Brecht, der bekanntlich auf Keudells Betreiben einem Deutschnationalen in der Verfassungsabteilung des Reichsministeriums Platz machen mußte, erfährt die„Vossische Zeitung" aus zuverlässiger Quelle: „Ministerialdirektor Brecht wurde am 11. April vormittags, einem Montagmorgen, mitten in der dien st lichen Arbeit zum Reichsminister v. Keudell gerufen, der ihm— für Dr. Brecht völlig überraschend— seine Versetzung in den Ruhestand die Pragerin Mcyerovo— bewegte sich durchaus im modernen Stil. Ballettanklänge waren nur bei Fräulein Lotte Kraus« aus Hamburg zu spüren, deren Leistung die Wortführer des Alten nicht zum„klassischen Tanz" rechnen werden. Und da« Gesamtbild wäre ein noch viel eindrucksvolleres und klareres gewesen, wenn die größten Vertreterinnen des neuen abstrak- ten Stils an den Tänzen sich beteiligt hätten. Aber es fehlten, von allen Teilnehmern schmerzlichst vermißt, Mary Wigman, Gret Palucca, Pvonne Georg i. Hätten sie mitgewirkt, so wäre das künstlerisch« Niveau des Kongresses ein noch unvergleichlich höheres gewesen. Namentlich die anwesenden Ausländer hätten er- fahren, zu welchen Leistungen sich der neu« deutsche Tanz auszu- schwingen vermag. Und auch dem Begründer des neuen Stils, Rudolf v. Laban, hätte man die Herzensfreude gegönnt, wahrzunehmen, wie die von ihm geschaffene Kunst Gipselleistungen zu zeitigen ver- mag, die er vielleicht selber nie erhofft hatte. Ueber die Gründe des Fernbleibens der Größten waren allerhand unkontrollierbare Gerüchte verbreitet. Hoffentlich erlangt die Ocffentlichkeit darüber noch Aufklärung, damit für die später in Aussicht genommenen Tanzkongresse derartige Mißgriffe und Unterlassungssünden ver- mieden werden können._____ John Schikowski. Veutsthe kunstgemeinschafi. Die acht« Ausstellung der Kunstgemeinschast im Schloß entwickelt ein sehr reiches Programm. Zunächst werden die korporativen Sammlungen nach Landsmannschaften fortgesetzt. Die Württemberger bieten einen nicht sehr erschütternden Querschnitt gut bürgerlicher Malakademie, aber bei den M e ck l e n- burgern darf man aufhorchen und sich einige hoffnungsvolle Namen notieren: Venzmers saubere, naiv gesehene Landschaften in glatten Flächen, reizvolle Aquarelle von Schenk, Gimpel, B a l z e r und D ö r t e Helm, die geistreich« Pastelle voll farbiger Phantasie bringt. Es ist bezeichnend, daß man Fortschritt nicht im Lande alier Malkultur, bei den Schwaben, sondern im nordischen Obotntenlande findet, das dem Stande der Unschuld in Sachen der Kunst sozusagen noch näher steht. Dann ist D a s M e e r als Sonderobjekt gewählt und dazu Das Stilleben, aber aus solchen Motiven läßt sich unier den hier gebotenen Voraussetzungen eines guten Durchschnittsnioeous keine eigentlich interessante Ausstellung bestreiten. Ueber das Maß ragen hinaus D e t t m a n n mit einer symbolhaften Meereswog«, ein schlafender Akt am Meer von Fritsch und Kau» mit schönen Farben einer Ostseelandschaft. Das„Juste Milieu" verkörpern am besten B a r t n i n g» feingraue Dünenlandschast und M i ch e l s o n s gut und frisch gemalte Stücke. Di« Stilleben sind eigentlich olle gut und geben ein richtiges Niveau für Ankäufe ab, die nie enttäuschen. Die Abteilung der Bildnisse wird weiter ausgebaut und zeigt wieder tüchtiges Neues. Der Nachdruck liegt auf den Darge- stellten: es ist wie ein Gegenstück zu der Porträtscho» junger Künstler bei Nierendorf. Man steht Staatssekretär Schulz(von G. Bran- de«), A. T. Wegener, Geheimrat Kraus(von Jockel), Legten, M. Liebcrmann und andsrc: charakteristisch die Bildnisse von Meyer, Ueberlingen, die Fritz Wauthner, Franz Serwaes und W. v. Scholz mit sicherer Bestimmtheit wiedergeben. Dr. Paul F. Schmidt. ohne jede vorhergehend« Berßandlung oder Andeuhing schwebende? Verhandlungen mitteilte. Di« Versetzung in den Ruhestand wurds bereits am selben Tage amtlich bekanntgegeben. Die Behauptung. die im Preußischen Landtag von rechtsstehender Seite aufgestellt wurde, daß mit Brecht„monatelang verhandelt" worden fei, ist voll- ständig unrichtig. Es ist Dr. Brecht kein Wort vorher gesagt worden. Selbst Staatssekretär Zweigert soll erst nach dem Kabinettsbeschwß davon erfahren haben. Dr. Brecht hat trotz 17jähriger— und man darf sagen sehr verdienstvoller— Tätigkeit in vier Reichsämtern bei seiner Eni« lassung nichts erhalten als die nüchterne, kalte Urkunde, die ihm mitteilte, daß er in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden würde. Er hat im Gegensatz zu der sonstigen Uebung. von keiner Seite ein Anerkennungsschreiben oder auch nur ein Ueber- sendungsschreiben mit einer freundlichen Anerkennung erhalten! Staatssekretär z. D. Dr. Lewald und andere mehr haben seiner- zeit selbstverständlich ausführliche Dankschreiben solcher Art erhalten. Der angeblich so schroff behandelte Ministerialdirektor Sachs aber hat von der preußischen Staatsregierung ein Schreiben erhalten, in dem ihm der Ministerpräsident in seinem und der Staatsregierung Namen den D"n n f für feine langjährigen Dienste ausgesprochen hat!" Die Mitteilungen zeigen, wie grundlos die Provokation der preußischen Regierung durch Sachs im Reichsrat war. Sie ent- hüllen die Skrupellosigkeit, mit der-- deutschnationale Beamte in hohen und höchsten Stellen vorgehen, wenn sie dadurch dem Staat, dessen Berfassung sie beschworen haben, eins auswischen können. Es wird gut sein, ihnen gegenüber nicht päpstlicher zu sein als der Papst. Gbregon präftöentschastskanüiüat. Calles Politik wird fortgeführt. Rlexiko-Eity, 28. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der frühere Präsident von Mexiko, Obregon, hat sich bereit erklärt, die Präsidentschaftskandidatur anzunehmen. Er erklärt sich für die Fort- setzung der Politik des jetzigen Präsidenten Calles und befürwortet die Beseitigung des Einflusses der Kirch«. Obregon besitzt Aussichten, gegen die Militärgouverneure Forano und Gomez gewählt zu wer- den. Die Entscheidung der Arbeiterpartei steht noch aus und fällt erst auf einem Kongreß im August: doch ist die Partei für die Kandidatur Obregons. » Wie meist in Amerika, hat auch der mexikanisch« Präsident stärkere Regierungsgewolt als die Präsidenten europäischer Republiken. Er bildet selbst sein« Regierung. Er ist dem Kongreß nicht verantwortlich. Dos Parlament ist wir gesetzgebende Körper- schaft, es kann weder die einzelnen Minister stürzen noch den Präsidenten zum Rücktritt zwingen. Deshalb ist seine Amtsperiode, nicht wie in Deutschland sieben, sondern nur vier Jahre. Deshalb darf er auch nicht sofort wiedergewählt werden. Ein« Präsident- schaft von acht Jahren könnte— das ist die Meinung der mexika- Nischen Verfassung— allzuleicht in eine lebenslängliche Diktatur um- schlagen. Deshalb mußte Obregon, der 1920 gewählt wurde, 1924 auf die Wiederwahl verzichten. Mit seine? Zustimmung jedoch wurde Calles, sein Innenminister, zur Prästdentschaftskondidatur aufgestellt. Von der Arbeiterschaft gewählt, Hot die bodenreforme- rische Politik gegen die einheimische Kirche und den ausländischen Kapitalismus mit Erfolg durchgeführt. Obregons Nachsolgerschais wäre eine Bürgschaft dafür, daß sich auch in Zukunft die mexikanisch�� Republik gegen die kirchlich und sozial« Reaktion behauptet. Der Zenlralrat der Sowjetgewerkschosien zeichnet« als Bausands für die Luftflotte 75 000 Rubel, ferner 30 000 Rubel für die Entwick- lung des Schießsports unter den Gewerkschaftsmitgliedern und richtete einen Aufruf an alle Gewerkschaften zur Teilnahme an der am 10. Juli beginnenden Derteidigungswoche der Sowjet- union. Der Bergarbeiterverband hat 40 000 Rubel für den Flugzeug- bau gestiftet. Die jüdische Einwanderung nach Palästina beträgt seit 1913 72 000 Köpfe. Es gibt jetzt 152 000 Juden in Palästina, das sind 14 Proz. der Bevölkerung. Ausstellung von Schüler, eichnuagen. Im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht wird zurzeit eine reich- haltige Ausstellung von Schülerzeichnungen aus dem Rheinland ge- zeigt. Die Ausstellung verfolgt nicht die Absicht, besondere künst- lerische Veranlagungen einzelner Kinder darzulegen, sondern es sind Zeichnungen und Malereien Begabter wie„Unbegabter" heraus- gestellt. Dabei zeigt es sich, daß es im Sinne der Laienzeichnung „Unbegabung" überhaupt kaum gibt. Wir sind ja heute längst von der naiven Auffassung abgekommen, daß„richtiges", d. h/ naturgetreue» Sehen und entsprechende Darstellung das Zeichen irgend- einer künstlerischen Begabung sein müsse. Ost sind es temperainent- lose, ehrgeizige Musterschüler, die mit dem ihnen eigenen Eifer, in jedem Fach möglichst die Besten zu sein, auch im Zeichnen das notwendigste Handwerkliche lernen und dann die Natur in korrekten und langweiligen Bildern festhalten. Dagegen schaffen Ungeschickte, für die Linienführung Unbeholfene vielfach überraschend geschmack- volle farbige Skizzen. Liebevoll hat ein Zeichenlehrer die Arbriten seiner Schüler, nach den verschiedenen Veranlagungen und Charakter- cigenschnften getrennt, in Mappen gesammelt. Es wird damit ein weitgehender Einblick in die seelische Eigenort der jungen Mensch:,, gegeben. Die ganze Ausstellung, die das weiteste Interesse von Lehrer- wie von Elternkreisen oerdient, beweist wieder, wie wert- voll vom pädagogischen wie vom künstlerischen Standpunkt der Zeichenunterricht an den Schulen werden kann. Die Ausstellung, deren Besuch unentgeltlich ist. ist täglich von 10 bis 18 Uhr, Sonn» tags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Tes. Theaterfiandal in der komischen Oper. Beim 14. Bild der Revue„Streng verboten" erhob sich gestern abend ein ohren- betäubendes Pfeifen und Lärmen von den zahlreich anwesenden Homosexuellen, die sich diese Szene nicht gefallen lassen wollten. Der Lärm war so stark, daß das Bild nicht zu Ende gespielt werden konnte. Die Polizei schritt ein. Einige Personen wurden festgestellt. An Käthe Kollwlh' vd. Geburtstag. Am 8. Juli wird in der Berliner Funliwnde die Schriftstellerin Louise Diel eine Dilrdigung der Künstlerin sprechen. Hedwig waugel hat iür ihre Gastspiel« im Reiche au? dem Bolls- bllhnen-verlage die Komödie.Frau Sybrecht- von Adolf Paul erworben, in deren Titelrolle iie kürzlich bei ihrem Gastipiel im Altonaer Stadltheater einen durchschlagenden DarstellungSersolg erzielte. vl« ZN-x-ctebermaan.Ausstelluvg Ist auch Sonntag« bi« nachmittag» 5 Uhr geöffnet. 3m Sturm, Potsdamer Strohe 134», ist eine neue Ausstellung er» öffnet: Abstralt« Photographien von Bruguiere lRew Jork), Aquarelle von Adolf Küthe und eine Gesamtschau der Sturmlünstler. Au bi« Kölner wertschalen. die Richard Riemerscheid leitet, Ist jetzt Walter Maria Kersting berufen worden. Er soll dort eine Abteilung über» nehmen, die sich mit der Herstellung von Modellen für die Massen- erzeugung und den Massenverbrauch beschäftigen wird. Eine srauzöfisch« Natiouallasi« für eiteralnr. UnterrichtSmintstcr Herriot legte der Kammer einen Gesetzentwurf vor, der die Schaffung einer Rational- lasse für Literatur. Kunst und Wissenschast bezweckt. Gibt es eine wochenenöfteuer? Die Omnibusfahrt als„Lustbarkeit". Wochenendsteuer? Gibt es denn so etwas auch? Jawohl, auch das kann man in Berlin haben! Ein« Zeitungsnachricht hat darauf hingewiesen, daß die städtische Hauptsteueroerwaltung d i e Wochenendfahrten der„Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft" als L u st b a r k e i t behandelt und mit Steuern belegt. Nicht nur die teuren Fahrten, die bis zu 12 Mark kosten und dem Minderbemittelten als unerschwinglicher Luxus gelten müssen, werden kräftig besteuert. Auch von den billigeren Fahrten, z. B. von den Fahrten nach Wandlitzsee für 1,50 Mark, wird«ine Steuer genommen, die mit 10 Proz. des Fahrpreises für«in nicht allzu leistungssähiges Porte- monnaie immer noch empfindlich genug ist. Die ch a u p t st e u e r- Verwaltung antwortet auf die gegen sie gerichteten An- griff« mit folgender Erklärung, die sie durch das Nachrichtenamt des Magistrats verbreiten läßt: „Die Heranziehung der Wochenendfahrten der„Aboag" zur V e r g n ü g u n g s st e u e r Hot zu der Frage Veranlassung ge- geben, wie sich diese Besteuerung mit den Bestrebungen des Magi- strats zur Förderung des Wochsnendgedankens vereinbaren ließe. Di« Wochenendfahrten der„Aboag" nach Rheinsberg, Fürstenberg und Freienwalde sind Vergnügungsfahrten im Sinne der Berliner Vergnügungssteuerordnung und als solche steuerpflichtig. Der Um- stand, daß die„Aboag" sie veranstaltet und daß sie nur zum Wochenende ausgeführt werden, macht ste nicht steuerfrei. Die „Aboag" steht nicht anders da als die übrigen Rundfahrt- und Vergnügungsfahrtunternehmer, die schon seit Iahren die Der- gnügungssteuer zahlen. Ihre Wochenendfahrten sind genau so zu beurteilen wie die Vergnügungsfahrten der übrigen Unter- nehmer. Sic frei zu lassen, würde einen groben Verstoß gegen den ersten Grundsatz des Steuerrechts, den Grundsatz der gleichmäßigen Behandlung aller Steuerpflichtigen, bedeuten. Außerdem würden sich die übrigen Unternehmer mit Recht über diese Bevorzugung ihres Konkurrenten beschweren. Bezüglich der Höhe der Steuer, die bei einem Fahrpreis von 12 Mark angeblich 5 Mark betragen soll, ist zu bemerken, daß die reguläre Steuer 10 Proz. des Fahr- preise?, also bei 12 Mark nur 1,20 Mark beträgt. Wenn die „Aboag" zu einer höheren Steuer veranlogt worden ist, so hat sie dies selbst verschuldet, weil sie dem Steueramt jede Auskunft über den Fahrpreis und die Zahl der Fahrgäste ver- weigert hat. Mangels dieser Unterlagen war das Steueramt ge» zwungen, die nach dem Fassunasvermögen der Wagen bemessene P o u s ch steuer zu berechnen. Die„Aboag" hat es in der Hand, für sich die gleiche normale Steuer von 10 Proz. zur Anwendung zu bringen, wenn sie die erforderlichen Angaben macht." Dieser Rechtfertigungsversuch der Hauptsteuerverwaltung kann allenfalls die ungewöhnliche Höhe der Steuer für die längeren Fahrten der„Aboag" verständlich machen. Ob man aber Fahrten ins Freie hinaus überhaupt besteuern soll, das ist eine andere Frage. Wer im Omnibus nach Wandlitzfe« fährt, muß eine Steuer zahlen! 3a, Ist es weniger„custbarkeit". aus der Eisenbahn zum Beispiel nach Freienwalde zu sahren? Hier hat die städtische Steuer- verwaltung wohl keine Möglichkeit, eine Steuer zu erheben— sonst hätte sie wahrscheinlich auch da- schon getan. In der W o ch e n e n d- ausstellung wird uns gezeigt, wie schön die nähere oder fernere Umgebung Berlins ist. Aber wenn nach den Mühen der Woche Erholungsbedürftige eine Sonntagsfahrt ins Freie machen, dann soll das eine steuerpflichtige custbarkeit sein? Wohlgemerkt: schon die Fahrt wird als Lustbarkeit besteuert, abgesehen von der Besteue- rung etwaiger Gartenmusik und ähnlicher Genüsse, die«in Aus- flugsort in den Gastwirtschaften bietet. Werden wir es nun noch erleben, daß vielleicht auch die Sonn- tagsstrahenbahnfahrten durch eine Steuer von 10 Proz. gleich 2 Pfennig versteuert werden? Möglich ist alles! Wer dann, um solcher Besteuerung zu entgehen, auf Schusters Rappen nach dem Grunewald, nach Tegel oder nach Treptow reist, darf sich wohl als„S teuerhinterziehe r" betrachten. Die städtisch« Steuerverwaltung verwendet viel Scharfsinn darauf, ihre Steuer- ordnungen durch immer schlauere Bestimmungen so zu verbessern, daß möglichst kein Steuerpflichtiger noch«in Loch findet, durch das er entwischen könnte. Nielleicht verfällt man aus den Gedanken, auch den auf jede Fahrt verzichtenden Wochenendler dadurch zur Be- steuerung seines bescheidenen Wochenendspazierganges heranzuziehen, daß man eine Stiefelsohlen st euer einführt. Die preußische Elektrowirtschast. Durchbcratung des Gesetzes im Hauptausschuß des Landtags. Der Haupiausschuß des Landtags behandelte am Sonnabend und Montag den Gesetzentwurf über die Zusammenfassung der clektrowirtjchaftlichen Unternehmungen und Beteiligungen des Staates in einer Aktiengesellschaft. Genosse wäntig als Berichterstatter forderte eine stärkere Vertretung des Parlaments im Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft. Der Redner der Deutschnationalen, Dr. v. Waldhausen, stimmte der Vorlage grund- sätzlich zu, wünschte jedoch die Vorlegung der abzuschließenden Fusionsverträge. Seiner Anregung, keine Parlamentarier in den Aufsichtsrat zu wählen, die die kapitalistische Wirtschast ablehnen, trat Genosse Lüdemann entgegen mit der Forderung, nur Abgeord- nete zu entsenden, die auf dem Boden der Gemeinwirt- schaft ständen und Gewähr für eine entsprechende Führung der Geschäfte böten. Aufgabe der neuen Gesellschast sei nicht die Er- zielung möglichst großer Ueberschüss«, sondern die v e r b e s s e r t e u nd oerbilligte Stromzusührung an immer weitere Kreise. Deshalb wünsche die Sozialdemokratie auch eine Zusammensetzung des Aufsichtsrats, die die Verbraucherinteressen berücksichtigt und den Mehrheitswillen des Landtags zum Ausdruck bringt. Genosse Leinert sprach für die Berücksichtigung der Arbeit- nehmerinteressen. Für die Deutsche Volkspartei verlangte Dr. Pinkerneil die Errichtung von Bezirksbeiräten als teil- weisen Ersatz der sortfallenden Aufstchtsräte der alten Gesellschasten. Die Demokraten stimmten dieser Forderung zu. die auch nachher zum Beschluß erhoben wurde. Einen langen Streit entfesselte die Frage, wo der Sitz der Gesellschaft sein solle, in Berlin oder in einer Stadt des gegen- wärtigen Hauptversorgungsgebicts(Kassel oder Hannooer). Gewählt wurde schließlich entsprechend der Vorlage Berlin. Auf Verlangen des Zentrums legte die Regierung das in Aus- ficht genommene Statut der neuen Gesellschaft vor, das am Montag eingehend durchberaten wurde. Der Auffichtsrat soll zu einem Drittel aus Ländtagsmitgliedern bestehen. Der Vorstand wird von der Generaloersammlung mit Zustimmung des Aufsichts- rats gestellt und soll aus mindestens zwei Personen bestehen. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde beschlossen, daß ein Teil des Reingewinnes regelmäßig zur Unter- st ü tz u n g beschäftigter oder ausgeschiedener Arbeiter und Angestell- ter zurückgelegt werden soll. Ein Antrag auf Beschränkung der Aus- sichtsratstantiemen für mehrfache Aussichtsratsmitglieder verfiel der Ablehnung. Der Handelsminister erklärte, daß die erworbenen Rechte und Ansprüche des gewählten Personals durch Fusion keine Minderung erfahren würden. Auf sozialdemokratischen Antrag wurde jedoch noch eine besondere Sicherungsbestimmung in das Gesetz eingefügt.__ Frankreichs Haushalt im Gleichgewicht. Ter Schuldendienst verschlingt die Hälfte der Einnahmen. Poris, 28. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der französische Haushaltsplan für 1928, der nunmehr im Entwurf vorliegt, sieht 42,2 Milliarden Einnahmen und 41,5 Milliarden Ausgaben vor, so daß der Voranschlag rechnungsmäßig mit einem Ueberfchuß von 000 Millionen abschließt. In der Begründung des Entwurfes wird darauf hingewiesen, daß die tatsächlichen Einnahmen im Jahre 1927 aus Steuern und Abgaben die Schätzungen nicht unbeträchtlich über st eigen. Mit Geüauern zurückgenommen! Tie„Deutsche Zeitung" vor Gericht. Als vor mehreren Monaten im Verwaltungsbezirk Prenzlauer Berg die Veruntreuungen des Oberstadt- inspektors Wachsmuth aufgedeckt wurden, brachte die „Deutsche Zeitung"«inen Schimpfartikel, der seine Spitze gegen den sozialdemokratischen B e z i r k s b ü r g e r- meister Ostrowski richtete. Wieder sei, sagte sie, so etwas in einem Bezirksamt vorgekommen, in dem ein Sozialdemokrat Bürger- Meister ist. Das fei die notwendige Folg« davon, daß„roten Ehrenmännern die Handhabung des Verwal- tungsapparates überlassen" sei. Unser Genosse Ostrowski hatte freilich mit der ganzen Angelegenheit nur in- sofern zu tun, als es gerade seinem entschlossenen Ein- greifen zu danken war, daß Wachsmuth entlarvt wurde. Aber der Fall Wachsmuth bot«inen erwünschten Anlaß, dem sozialdemokratischen Bürgermeister eins auszuwischen. Wegen dieses Artikels, der offensichtlich b e l e i d i g e n w o l l t e, stellte Oberbürgermeister Böß zum Schutz des Bezirksbürgermeisters Ostrowski Strafantrag gegen den für die„Deutsche Zeitung" verantwortlich zeichnenden Redakteur Grudzinski. Die Staats- anwollschast erhob Anklage, und Genosse Ostrowski schloß sich als Nebenkläger an. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte(Abt. 203) ging der Angeklagte Grudzinski aus den Vergleichsoorschlog des Vor- sitzenden, Landgerichtsdirettors Sternhcim, ohne Zögern ein. � Daß ihn nichts anderes vor der Verurteilung retten konnte, begriff er wohl selber. In dem Vergleich erklärt der Angeklagte, daß er mit dem Artikel den Bürgermeister Ostrowski nicht chabe beleidigen wollen, zumal es ihm nur um das System, nicht um die Person zu tun gewesen sei. Er nimmt die als Beleidigung emp- sundenen Ausdrücke mit Bedauern zurück und ver- sichert, daß er Bürgermeister Ostrowski nicht mit Oberstadtinspektor Wachsmuth habe in Verbindung bringen wollen. Auch übernimmt er die Kosten des Verfahrens. Genosse Ostrowski, der zum Termin mit Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenberg als Rechtsbeiftand erschienen war, zeigte sich geneigt, diese Erklärung anzunehmen. Die Zurück- nähme des Strafantrages ist aber Sache des Ober- bürgermeisters, dessen Entscheidung demnach eingeholt werden muß. Noch wüstem Geschimpfe ein kläglich kleinlauter Rück- z u g l Hier fällt uns ein. was die„Deutsche Zeitung" in einem anderen Artikel(Nr. 105«. 6. Mai) sagte, der einig« Monate nach jenem Schimpfartikel erschien. Sie klagte über die Bosheiten, mit denen man in der Publizistik den Gegner herab- setzt. Früher habe man mit ritterlichen Massen gekämpft, und Mann habe gegen Mann gestanden.„Das Zeitalter, in dem der Zweikampf die Gegner zum Maßhalten zwang, ist dahin"— schrieb die„Deutsche Zeitung"—„und sein Verschwinden hat mit zur Ver- rohung der publizistischen Sitten beigetragen. Frei von Verant- wortung schüttet der Feigling sein« vergifteten Pfeile auf den Tapfe- ren, der im Vorbeigehen des im Gestrüpp Verborgenen nicht achtet." Dem Artikel gab das Blatt die Uebcrschrift„Deutscher Ver- fall". Wir haben ihm nichts hinzuzufügen. Bleiweitz-Bölk aus der Charitö geflüchtet. Vor einigen Tagen berichteten wir über Bleiweißsunde b«i Strafgefangenen im Tegeler Gefängnis. Das gefährliche Gift befand sich in größeren Tuben und war einigen Gefangenen auf geheimnisvolle Art zugesteckt worden. Während einer der Strafgefangenen, ein gewisser Schlächter Bölk,«inen Teil des Giftes zu sich genommen hatte, um dadurch haftunfähig zu werden. konnte durch die Wachsamkeit eines Gefängnisbeamten dem Straf- gefangenen N. eine ähnliche Tube mit Äleiwciß fortgenommen werden, bevor er von dem Inhalt Gebrauch machen konnte. Beide wurden zusammen mit noch mehreren Strafgefangenen, die im Ver- dacht standen, Bleiweiß zu sich genommen zu haben, in die Charitäübergeführt. Bis aus Bölk konnten indes alle wieder entlassen werden, da die ärztliche Untersuchung negativ verlief. Als heute früh gegen 3 Uhr die Nachtwache im Saal, in dem Bölk lag, Runde machte, war B. aus seinem Bett verschwunden. Niemand will wissen, wie er entkommen ist. Vermutlich erfolgte die Flucht unter Mithilfe von Helfershelfern durch das Fenster. Rätselhaste Gluttat in Steglitz. Ter Tote hinter dem Schrank.— Ein Schwerverletzter. Eine furchtbare Bluttat, die nach allen Richtungen noch der Auf- klärung bedarf» wurde heute morgen in dem Hause Alb recht- st r a ß e 7 2 zu Steglitz aufgedeckt. Im Erdgeschoß wohnt hier dos Kaufmannsehepaar Scheller, das sich augenblicklich auf einer Geschäftsreise in Schweden be- findet, mit dem 19 Jahr« alten Sohn Günther, einem Oberreal- schüler, und einer 16 Jahre alten Tochter Hildegard, die ein Lyzeum besucht. Diese rief heute morgen um 7 Uhr den Arzt Dr. Freund in Südende an und bat ihn um schleunigen Besuch, weil sich in der Wohnung ein Unfall ereignet habe. Der Arzt fand eine fürchterliche Lag« vor. Günther Scheller lag im Schlafzimmer mit einer schweren Schutzverlehung im Kopf, hinter einem abgerückten Spind eingeklemmt und in halb hängender Stellung fand der Arzt die Leiche eines jungen Mannes, der ebenfalls einen Kopfschuß halte. Der Arzt benachrichtigte das 193. Revier und dieses setzte auf Grund des Befundes auch die Reservemordkommission in Kenntnis. Der Tote ist ein 19 Jahre alter Kochlehrling Hans Stephan aus der Lenbachstr. 6a zu Friedenau. Sein« Leiche wurde beschlag- nahmt, der schwer verletzte Günther S ch e l l e r nach dem Kranken- hause gebracht. Hildegard Scheller und ein 19 Jahre alter Real- schüler Paul Kranz, der sich mit ihr noch in der Wohnung befand, sind so verwirrt, daß«in« klare Darstellung der Vorgänge von ihnen bisher nicht zu erlangen war. Es scheint, daß Scheller mit Stephan in Streit geraten ist, ihn durch die Räume verfolgt hat und ihm den tödlichen Schuß beibracht«, nachdem der Verfolgt« sich hinter dos Spind geflüchtet hatte. Als er dann sah, was er angerichtet hatte, versuchte er, durch einen weiteren Schuß auch sich selbst das Leben zu nehmen. Die Mordkommission ist noch dabei, volle Klärung zu schassen. Wie uns kurz vor Schluß des Blattes mitgeteilt wird, ist Günther Scheller feinen schweren Verletzungen erlegen. * Einen blutigen Ausgang nahm heute vormittag ein F a m i l i e n- st r e i t, der sich im Hause Gnesener Str. 6 abspielte. Der 43iährige Artist Wilhelm Krüger, der seit mehreren Iahren in dem Hause wohnt, geriet mit seiner um etwa zehn Jahr« jüngeren Frau häufig in Streit. Auch heut« vormittag kam es wieder zu einem Wortwechsel, der schließlich in Tätlichkeiten ausartet«. Plötzlich ergriff Frau K. ein lange« Kücheninesser und drang auf ihren Mann, der sich mit einer Kohlenschausel zu wehren versuchte, ein. Sic brachte ihm mehrere tiefe Stiche in den Leih bei. Als Frau K., die ebenfalls eine stark blutende Handverletzung davongetragen hatte, sah, was sie angerichtet hatte, lies sie aus den Flur hinaus und rief uni Hilfe. HcNisbewohner eilten hinzu und benachrichtigten Polizei und Feuerwehr. Der schwerverletzte Mann wurde durch einen Rettungswagen der Feuerwehr in das Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht, wo er sehr bedenklich danieder liegt. Frau K. behauptete bei ihrer polizeilichen Vernehmung, in Notwehr gehandelt zu haben._ Einsturzgefahr in üer örunnenstraße. Bei den Untergrundbahnarbeiten in der Brunnen- straß«. ist die Straße in der Breite des Dammes aufge- rissen worden. Nachdem die Ausschachtungsarbeiten vollendet waren, wurde der Damm provisorisch mit Bohlen überdeckt und der Autobus- und Straßenbahnverkehr wieder durch die Brunnenstraße geleitet. Seit einer Woche bemerken Hausbewohner und Straßen- passanten, daß der Bürger steig sich senkt. Durch den starken Regen in der vorigen Wocke vergrößerten sich die Risse und Senkungen erheblich. Durch die Pumpen der Nordsüdbahn wurde der nasse Sand mit weggeschwemmt. In den Senkungen sammelle sich ober immer wieder Regenwasser, das dazu beitrug, den Sand unter dem Bllrgersteig wegzuschwemmen. Unmittelbar an den Häusern in der B r n n n e n st r a ß e 19 4 und 19 5 sind die Bodensenkungen am stärksten bemerkbar. In der vorigen Woche hatte sich der Bürgersteig soweit gesenkt, daß das Haus vom Parterre bis zum vierten Stock riß. Die Vorderwand des Hauses muß sich um einen halben Zoll gesenkt hchien. Am 18. Juni wurde der Riß zum ersten Male von den Betriebsleitern der Nordsüdbahn besichtigt und an einer Stelle mit Zement angeschmiert. Schon nach drei Tagen, am 21. Juni, war der Riß größer ge- worden, die ausgeschmierte Stell« um zirka!!■{ Zentimeter aufgerissen. Aehnlich ging es mit zwei weiteren Proben am 24. und 27. Juni. Die Baupolizei wurde von den mit Recht ängstlichen Mietern benachrichtigt. Sie entsandte auch einen Beamten, der aber nur die Außenriss« besichtigt haben soll. In den letzten Tagen haben sich die Riss« immer wieder vergrößert. In den Wohnungen fällt der Putz von der Decke. Putzstücke in der'Größe von 10 X 10 Zentimeter sind in einzelnen Räumen von den Wänden abgefallen. In dem Hause Brunnenstraß« 194 sind einige Räum« fast nicht mehr zu bewohnen. In den Haustoren beider Häuser sind die Risse so stark, daß die Türen nicht mehr verschlossen werden können. Deutsche Schüler«ach Frankreich. Durch Vermittlung der Deutschen Liga für Menschenrechte reisten heute vormittag ungefähr zwanzig Schüler Berliner Lehranstalten unter Führung eines Neuköllner Studienrats nach F r a n k r e i ch ab. Es handelt sich hier, wie auch in den Vorjahren, uni Austauschschülcr. Die Kinder bleiben bis etwa Ende August in Frankreich und kehren dann gemeinsam mit den fron- zösischen Schülern zurück. Der Transport geht bis Paris, wo die Schüler von Mitgliedern der Deutschen Botschaft und der franzö- fischen Liga für Menschenrecht« empfangen und zu ihrem Bestim- mungsort geleitet werden. Die wenigsten bleiben in Paris, die Be- ftinimungsorte find unter anderen Reims, Maubeuge, St. Quentin und Roubaix. Es ist dies die erste Reise in diesem Jahre. Ge- meldet haben sich noch sechzig Schüler. Sowohl die deutsche wie auch die französische Eisenbahnverwaltung haben den Schülern bedeu- tende Ermäßigung gewährt. Wieder ein Kampf mit Eiubrechern. Noch sind die räuberischen Einbrüche in Hohen-Neuen- d o r f nicht aufgeklärt und schon wieder beschäftigt ein ähnliches Verbrechen die Kriminalpolizei, diesmal in C ö p e n i ck. Eine Witwe Großer, die in der Kaiser-Wilhelm-Straße 51 mit ihrem 21 Jahre alten Sohne Rudolf ein Villengrundstück be- wohnt, wurde in der vergangenen Nacht durch ein Geräusch geweckt. Als der Sohn nachsah, stieß er auf einen fremden Menschen, der so- fort eine Selbstladepistole zog. Er wurde gepackt, doch erhielt Großer mehrere Hiebe aus den Kopf. Eine Kugel traf G. so schwer in den Bauch, daß er zusammenbrach. Der Einbrecher ergriff jetzt die Flucht. Die alarmierte Polizei veranstaltete mit mehreren Beamten sofort Streifen, die ober noch keinen Erfolg hatten. Der Verbrecher verlor am Tatort eine lederne Chausseurmütze. Selbstmord im Eisenbahnzug. Die Gerüchte von einem Mord alarmierten heute früh die Bahnhosswache dcsStettinerBahn- Hofs nach dem Ferngleis, wo gegen V44 Uhr bei Reinigungsarbeiten im Abort eines Wagens 4. Klasse ein junger Mann er- schössen aufgesunden wurde. Es konnte jedoch bald festgestellt werden, daß sich der Mann die tödliche Schußverletzung selbst beigebracht hatte. Die Masse wurde unter dem Selbstmörder ausgesunden. Aus hinterlassenen Briefen ging hervor, daß es sich um den 23jährigen Kaufmann Bruno Cohn aus Eberswalde handelt. Unheil- bare Krankheit war das Motiv zu dem Verzweiflungsschritt. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Absturz eines französischen Flugzeuges. Bei Landeshut.— Zwei Insassen tot. Landeshut, 28. Juni.(MTB) Bei K i n d e l s d o r f, Kreis Landeshut, versuchte gestern nachmittag gegen 6 Uhr ein s r a n> zösisches Flugzeug, das sich insolge des nebligen Wetters verflogen hatte, die tiefhängenden Wolkenmassen zur Orientie- rung zu durchbrechen. Zu spät erkannte dabei der Führer, daß er sich in einem hohen Waldbestand befand, und mit voller Wucht sauste das Flugzeug unter starkem Getöse durch die wie Streichhölzer geknickten starken Baumstämme zur Erde. Beide Insassen wurden bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Das Flugzeug bildet einen einzigen Trümmerhaufen. Anscheinend handelt es sich bei den Getöteten um zwei französische Kaufleu t«, da unter den Trümmern Muster von Seidenwaren, Perlenschnür« usw. ge- funden wurden. Die Unfallstelle, die tief im Wald« liegt, ist schwer zugänglich. Ein weiteres Telegramm meldet: Landeshut. 28. Juni.(MTB.)»ei dem gestern nachmittag gegen 6 Uhr über dem Wald von Kindelsdorf abgestürzten und voll- ständig zertrümmerten Flugzeug, bei dem der Pilot und sein Begleiter den Tod fanden, handelt es sich um das P o st f l u g z e u g der Luftverkehrslinie Warschau— Prag— Paris. Führer des Flugzeuges war der Pilot Ludwig S t r z« l czy k, fein Passagier der Direktor der Privat-TelephongefeUfchaft in Prag, Major a. D. F r i e d r i ch G r i e b f ch. Die Persönlichkeiten der Leichen konnten durch die bei ihnen vorgefundenen Papiere festgestellt werden. Das Flugzeug führte Pakete und B r i e f p o st mit sich, die zum großen Teil vernichtet oder stark beschädigt wurden. Kampf um den Achtstundentag. 35 000 Metallarbeiter in Köln vor dem Streik. Köln, 28. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Gestern haben die Arbeiter der Maschinenbauanstalt Humboldt, ebenso einige Gruppen der Schiffbauwerft Sachsenberg, die Belegschaft der Maschinenfabrik Rhenania und des Kupferwerks Heppenheimer die Arbeit niedergelegt. In den übrigen Fabriken der Kölner Metallindustrie sind gemäß dem Beschluß der Gewerkschaften nach achtstündiger Arbeit die Fabriten verlassen worden. In der Schiffbauwerft Sachsenberg ist der übrige Teil der Belegschaft daraufhin aus gesperrt worden. Diese Aussperrung läßt erkennen, daß die Unternehmer sich der Wiederherstellung des Achtstundentages mit allen Mitteln widersetzen. Die Arbeiter find jedoch entschloffen, den Achtstundentag eventuell durch einen allgemeinen Streit zu erzwingen. Heute nachmittag 4 Uhr beginnen vor dem Schlichtungsausschuß die Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts. Bon dem Ausgang dieser Verhandlungen wird es abhängen, ob der Kampf fich auch auf die übrigen Werte ausdehnt oder aber durch Wiederherstellung des Achtstundentages zum Abschluß kommt. Die Kölner Metallarbeiter sind jedenfalls fest entschlossen, mit der Ueberstundenwirtschaft aufzuräumen. Es ist beinerkenswert, daß an den Beschlüssen und ihrer Durch Es ist bemerkenswert, daß an den Beschlüssen und ihrer Durchführung nicht nur die freigewerkschaftlich organisierten, sondern auch die christlichen Metallarbeiter beteiligt sind. Dieser Kampf zur Wiederherstellung des Achtstundentags ist von großer Bedeutung nicht nur für die Kölner Arbeiterschaft, sondern darüber hinaus für die gesamte Metallindustrie von Rheinland- Westfalen, wo die Ueberschreitung des Achtstundentags bekanntlich einen befonders großen Umfang angenommen hat. Um den Achtstundentag bei der Straßenbahn stelle nur erfolgen könne, wenn der Betreffende aus seiner Ergebnislose Verhandlungen. Gestern wurden zwischen dem Verkehrsbund und der Direktion der Berliner Straßenbahn die Verhandlungen aufgenommen über den Neuabschluß des zum 30. Juni gekündigten Manteltarifs. Der Vertreter des Verkehrsbundes begründete zunächst die bereits vor vier Wochen überreichten Forderungen des Personals, die wir bereits in unserer Sonntagsausgabe mitgeteilt haben. Trotzdem in den Forderungen noch nicht einmal das gefordert wird, was die städtischen Arbeiter schon längst besigen, tat der Vertreter der Straßenbahndirektion über die aufgestellten Forderungen sehr erstaunt. es der Troß mehrstündiger Verhandlungen vermied Direktionsvertreter, eine flare Antwort darüber zu geben, wie sich die Direktion zu den Forderungen stellt. Die Verhandlungen wurden schließlich ohne jedes Resultat abgebrochen und sollen am Donnerstag fortgefegt werden. Auch die Eisenbahner wehren sich. Eine start besuchte Konferenz der Betriebs. und Beamtenräte des Einheitsverbandes der Eisenbahner des rheinischen Reichsbahndirektionsbezirks, die dieser Tage in Engers am Rhein stattfand, nahm mit großer Entschiedenheit gegen das Ueberstundenunwesen Stellung, das bei der Reichsbahn in den letzten Monaten besonders um sich gegriffen hat. Nach einem Vortrag von Prawit Berlin über die Rechtsstellung der Beamtenräte und des Hauptbetriebsratsvorsitzenden Hatje- Berlin über die Reichsbahn als Unternehmer und Arbeitgeber fam es zu einer lebhaften Aussprache über die von der Reichsbahn verfügte Kürzung der Ortszuschläge in den rheinischen Direktionsbezirken. Die Verbandsleitung wurde ersucht, gegen diese Verschlechterung mit allert Mitteln anzufämpfen. = Die Zustände in Ostoberschlesien. Wie deutsche Arbeiter verfolgt werden. Die Klagen über die Bedrüdung der Deutschen in Dst oberschlesien, besonders der deutschen Arbeiter, wollen nicht abteißen. Es tann fein Zweifel darüber bestehen, daß von den polnischen Behörden und leider auch von den polnischen Berufsorganisationen fyftematisch diejenigen Arbeiter auf den wirtschaftlichen Index gesetzt werden, die bei Wahlen fich im Sinne der deutschen Organisationen betätigen. Man fucht nicht nur diejenigen außer Brot und Lohn zu bringen, die als Kandidaten bei Betriebsräte- oder Gemeindewahlen auf einer deutschen Liste standen, sondern alle Mitglieder von deutschen Gewerkschaftsorganisationen zur Entlassung zu bringen, oder ihre Einstellung zu hintertreiben. Von den amtlichen Arbeitsnachweis stellen wird ausdrücklich erklärt, daß die Ueberweisung einer ArbeitsTurmstr. 70 deutschen Organisation austritt und einer polnischen Die Verfolgungen gehen soweit, Berufsorganisation beitritt. daß Arbeiter auf Beranlassung der polnischen Behörden bezw. des Arbeitsvermittelungsamtes entlassen werden. Dem Bergarbeiter T., der bei den Betriebsrats- und Gemeindewahlen auf der deutschen Kandidatenliste stand, wurde von seinem Steiger im Auftrage eines höheren Angestellten gesagt, daß er nicht gekündigt würde, wenn er einen Ausweis bringe, daß er aus der deutschen Organisation ausgetreten fei. Deutsch organisierte Arbeiter, die sich mit einem Ausweis von ihren Organisationen an den Arbeitsnachweis wandten, erhielten feine Arbeitsstelle. Als sich dieselben Arbeiter später mit einem Ausweis einer polnischen Organisation an den Arbeitsnachweis wandten, erhielten sie die ihnen einige Tage zuvor verweigerte Arbeitsstelle überwiesen. Es sind das besonders die Arbeitsnachweise in Königshütte und Laurahütte, die derart gegen deutsche Arbeiter verfahren. Daß die Beamten auf höhere Anweisung handeln, geht schon daraus hervor, daß die Arbeitsuchenden stets be= fragt werden, welcher Nationalität und Gewerkschaftsrichtung sie angehören. Aber auch darüber, ob die Kinder der Arbeitsuchenden in einer deutschen Minderheitsschule eingeschult sind, verlangt der Arbeitsnachweis Auskunft. Besuchen die Kinder die deutsche Schule, dann wird den arbeitslosen Bätern offen erklärt, daß für sie feine Arbeitsmöglichkeit beste he. Der Arbeitsnachweisbeamte in Laurahütte erklärte, daß er vom Bürgermeister die Anweisung habe, nur solchen Arbeitsuchenden Arbeitsstellen zuzuweisen, deren Kinder die polnische Schule besuchen. Selbst wenn Unternehmer Arbeiter einstellen wollen, auch wenn es sich um Spezialarbeiter handelt, verweigern die Arbeitsnachweise es sich um Spezialarbeiter handelt, verweigern die Arbeitsnachweise die Genehmigung zur Einstellung, wenn die Arbeiter deutsch sind. Es ist sogar vorgekommen, daß polnische Betriebsleiter im Einverständnis mit dem polnischen Westmarkenverein ohne Zustimmung des Betriebsrates und der verantwortlichen Direktion deutsche Arbeiter entlassen haben und daß die Einsprüche der Direktion bei den zuständigen Behörden nicht berücksichtigt wurden. Wie systematisch gegen alle Arbeiter vorgegangen wird, die sich irgendwie für die deutschen Organisationen betätigen, geht unter anderem daraus hervor, daß bei einer der letzten Arbeiterentlassungen in Laurahütte unter anderem alle Funktionäre der deutschen Gewerkschaften entlassen wurden, darüber hinaus alle Arbeiter, die deutsche Zeitungen lefen, die bei den Gemeindewahlen auf der deutschen Liste tandibiert hatten, ja sogar selbst die Arbeiter, die deutsche Stimmzettel perteilt hatten. Es ist vorgekommen, daß Gemeindevorsteher die Auszahlung einer Armenunterstützung abhängig machten von der Mitgliedschaft in einer polnischen Organisation. Das ist nur ein fleiner Ausschnitt aus den Berfolgungen der deutschen Arbeiter in Ostoberschlesien. Die angeführten Fälle dürften aber genügen, um jedem vernünftigen Menschen flarzumachen, daß diese Zustände fonichtweitergehen tönnen. Es ist zunächs die Pflicht des Bölterbundes, und in diesem Falle des Intere nationalen Arbeitsamtes, hier nach dem Rechten zu sehen. Aber auch unseren polnischen Genossen müssen wir ernstlich nahe legen, nicht länger derartige Machenschaften zu dulden, wenn nicht direkt zu unterstützen. Die Löhne der amerikanischen Eisenbahner. Dem Verwaltungsrat der Reichsbahn zur Berücksichtigung. teilt die nachstehenden Löhne für das Eisenbahnpersonal mit. Die Der zwischenstaatliche Handelsausschuß der Vereinigten Staaten Eisenbahngesellschaften, die diese Löhne anerkennen, beschäftigen 90 Prozent der gesamten Eisenbahner der Vereinigten Staaten. Danach betrugen die Monatsverdienste der verschiedenen Personalgruppen der Eisenbahner in den Vereinigten Staaten im Dezember 1925 und im Dezember 1926: Personalgruppen Verwaltungs- und Bureaupersonal. Unterhaltung der Schienenstränge Unterhaltung d. Materials u. Materiallager Unterhaltung der Eisenbahnwagen Durchschn. Monatsverd. Dezbr. 1925 Dezbr. 1926 Dollar Dollar 137 138 91 94 129 133 143 150 O Unterhaltung der Maschinen 157 162 Gelernte Hilfearbeiter 109 114 Hilfsarbeiter b. Gruppe I( Berkstätten, Lokomotivschuppen, Kraftstationen und Lager) Hilfsarbeiter d. Gruppe II( Werkstätten, Lokomotivschuppen, Kraftstationen und Lager) Stationsvorsteher 96 97 80 81 157 158 Telegraphisten, Telephonisten usw. 152 154 Stredenwärter, Brüdenwärter, Bahnwärter Personal der Güterbahnhöfe Zugführer 75 76 188 190 270 246 Bremier und Signalleute 180 179 Bremser u. Hilfspersonal a. d. Güterbahnhöf. Lokomotivführer. 181 180 278 274 Heizer und Hilfsheizer 199 197 Was an dieser Statistik nach deutschen Begriffen auffällt, ist nicht allein die absolute Höhe der Bezüge der Eisenbahner. Auffallend ist, daß das Verwaltungspersonal mit einem Durchschnittseinkommen von 138 Dollar, das der Stationsvorsteher mit einem Monatseinkommen von 158 Dollar nicht nur weit hinter den Lokomotivführern und Heizern sowie hinter dem übrigen Fahrpersonal, sondern auch hinter dem Personal der Güterböden, ja fogar hinter den Maschinenschlossern rangiert. So etwas kann bei der Deutschen Reichsbahn natürlich nicht passieren. Da werden Leistungs. prämien gezahlt an solche, die die Leistung anderer registrieren. Der Warschaner Bauarbeiterstreik geht weiter. Warschau, 28. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Intervention der Warschauer Regierung im Bauarbeiterstreit hat kein Resultat gezeitigt, da die Industriellen eine Erhöhung der Arbeiterlöhne von der gleichzeitigen Herauffehung der Baukosten abhängig gemacht haben. Die Regierung hat diesen Vorschlag der Industriellen weiter, ohne daß Aussicht auf erneute Bermittlung der Regierung zurüdgewiesen und der Streit geht in verschärfter Form Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Baul Ginger u Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Concordia- Palast, Andreasstraße 64 Hotelratten Vom 28. bis 30. Juni Dazu: Goldmine in Texas Neukölln, Passage- Lichtspiele, Bergstr.151/ 52 Hotelratten Vom 28. bis 30. Juni 1927 Ferner: Um hohen Preis Bühnenschau Schwarzer Adler, Frankfurter Allee 99 Vom 28. bis 30. Juni 1927 Das Panzergewölbe Ferner: Bühnenschau Viktoria- Lichtbildtheater Frankfurter Allee 48 Vom 28, bis 30. 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