Nr. ZI» ♦ 44. �ahrg. Ausgabe A Nr. 15$ Bezugspreis: WSchevtlich 70 Ps-nnig, monatlich B,— Zicichsmark roraus zahlbar. Unter Kreuzband tili Deutschland, Danzig, Saar» und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,20 Reichsmark, sür das übrige Ausland S,50 Reichsmarl pro Rtonat. Der»Borroärts" mit der illustrier. ien Eanntagsbcilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen�,„Aus der ffilmwelt", .Frauenstimme".„Der Kinder. srcund".„Iugend-Dorwärts".„Blick in die Bllcherwelt" und„Kultur- arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sozialdemokra» verlin- Sonntagsausgabe Vevlinev Volksvlatt �1$ Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nonpareille- geile 80 Psennig. Reklamezeil« 5,— Reichsmark..Kleine Anzeigen" das kettgedruckte Wort 2S Psennig (zulässig zwei settgcdruckte Wortel, jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 12 Psennig. sedez weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 12 Buch- staben zählen<ür zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 80 Psennig. Familienanzetgcn sür Abonnenten steile 40 Psennig. Anzeigen wr die nächste Nummer müssen bis 4ib Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße S, abgegeben werden. Eeofsnet von 8sj Uhr srllh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der SoziaUUmokratsfeben parte» Deutfcblanda NeSaktion und Verlag: Serlin SW. öS, Lindenstraße 2 Fernsprecher: Tönhoff SSS-SS7. französische Wahlreform. Die Sozialisten für das kleinere Uebel. Der Kampf um die W a h l r e f o r m, der am Freitag in der französischen Kammer eingesetzt hat und der das politische Leben Frankreichs in den nächsten zwei Wochen beherrschen wird, ist nicht nur für dieses Land, sondern für ganz Europa von besonderer Bedeutung. Denn von dem Schicksal der Wahlreform hängt zum guten Teil das Ergebnis der nächsten Parlamentswahlen vom Frühjahr 1S28 ab, das wiederum auf die außenpolitische Entwicklung der nächsten Jahre einen wesentlichen' Einfluß ausüben dürfte. Das Ziel der Links- Parteien ist die Wiederherstellung des früheren Einmännerwahlkreisfystems mit Stich- wählen dort, wo im ersten Wahlgang keiner der Kandi- daten die absolute Mehrheit erlangen kann. Auch die Sozialisten treten für die Rückkehr zum früheren von ihnen einstmals erbittert bekämpften Wahlmodus ein, nach- dem sich der letzte Parteitag in Lyon mit starker Mehrheit dafür ausgesprochen hat. Diese Haltung unserer französischen Parteifreunde, die sowohl von den Reaktionären wie auch von den Kommunisten scharf angegriffen wird, bedarf einer Erläuterung, um Mißverständnissen vorzubeugen. W e n n die Alternative in Frankreich gegenwärtig lauten würde: Festhalten an der Verhältniswahl oder Rückkehr zum Einmänncrsystem, dann würde die ganze Partei geschlossen für die Verhältniswahl eintreten, die sie unter Führung von Iaurös jahrelang vor dem Kriege nicht allein aus Gründen des parteipolitischen Interesses, sondern vor allem der Ge- rechtigkeit erstrebt. Aber so liegen die Dinge nicht. Das seit dem Herbst 1319 bestehende gegenwärtige Wahlsystem hat mit wirklicher Verhältniswahl nichts ge- mein. Es war das Ergebnis überaus fauler Kompromisse, die die Anhänger der Verhältniswahl damals mit deren Gegnern abschlössen, um überhaupt das alte Wahlsystem ab- zuschaffen. Der neue Wahlmodus erwies sich aber sehr bald als eine Karikatur des Proporzes, ja schlimmer noch, als ein kompliziertes Lotteriespiel, gegen dessen Tücken man sich nur durch Bildung viel bedenklicherer Bündnisse sichern konnte, als die, die man durch die Abschaffung des Stichwahlsystems hatte verhindern wollen. Schon bei den ersten Nachkriegswahlen im Herbst 1919 erlitten die Sozia- listen eine schwere Niederlage, obwohl an und für sich ihre Slimmenzahl beträchtlich gewachsen war. Sie hatten näm- lich, ebenso wie der Herriotflügel der Radikalen, die Wahl- schlacht selbständig geführt, während die reaktionären Par- teien unter geschickter Ausnutzung des neuen Wahlsystems im ganzen Lande eine Einheitsfront des Nationalen Blocks ge- bildet hatten. Viereinhalb Jahre lang hatte ganz Europa unter den Folgen dieses er- listeten Sieges der französischen Reaktion z u l e i d e n. Die Linke zog nun aus dieser trüben Erfahrung die notwendige Lehre und bildete bei den Wahlen vom Mai 1924 ihrerseits ein Wahlkartell, dessen Triumph noch viel vollständiger gewesen wäre, hätte nicht die Absplitterung durch die Kommunisten in vielen Fällen die reaktionären Kandi- daten gerettet. Nun ziehen die Sozialisten solchen Wahlbünd- nissen ein selbständiges Auftreten, wenigstens im ersten Wahl- gang, natürlich vor. Ein wirkliches Proportionalwahl- recht ist aber wegen der traditionellen Gegnerschaft der Senatsmehrheit auf absehbare Zeit n i ch t zu erhoffen. Unter diesen Umständen haben unsere Genossen beschlossen, die von den Radikalen geforderte Rückkehr zum alten Wahlmodus zu unterstützen. An dem gegenwärtigen Zerrbild des Proporzes halten nur die Reaktionäre sowie die Kommuni st en fest, die daraus für die nächsten Wahlen parteipolitische Vorteile erhoffen. Unsere französischen Freunde stehen vorderWahlzwischenzweiUebeln und haben sich für das weitaus kleinere Uebel entschieden. Dafür wird man in der ganzen sozialistischen Internationale volles Verständnis aufbringen, denn nichts wäre verhängnisvoller als eine Wiederholung des Trauer- spiels vom Herbst 1919, wo man mit untauglichen Mitteln einer Illusion nachjagte und sich von der Reaktion hinein- legen ließ. Der NationaleBlock wird, in Gemeinschaft mit den Kommunisten alles aufbieten, um die Wahlreform zu Fall zu bringen. Dem ersten Obstruktionsmanöver, das am Freitag vereitelt wurde, werden noch weitere folgen, ebenso wird es an Versuchen nicht fehlen, die Mehrheit der Linken durch gewisse Anträge zu spalten, die man selbst nicht ehrlich meint, von denen man aber weiß, daß sie Fragen betreffen, über die die Linke nicht einheitlich urteilt. Das gilt z. B. für die Zahl der Abgeordneten und vor allem für die Einfüh- rung des F r a u e n w a h l r e ch t s, das von den Sozialisten seit jeher grundsätzlich propagiert, aber von einem Teil der Radikalen und besonders von der Senatsmehrheit entschieden bekämpft wird. Deshalb haben die Vorstände der vier Kammerfraktionen des ehemaligen Linkskartells— Sozialisten, Radikale, Sozialistisch-Republikaner und Radikale Linke— vor Beginn der Wahlreformdebatte gemeinsam be- schlössen, allen derartigen Manövern eine disziplinierte Ein- h e i t s f r o n t entgegenzusetzen. Dieser begrüßenswerte Be- schluß wird hoffentlich auch durchgeführt werden, so daß die Linke ihr Ziel bald erreichen wird, da vom Senat, der seit jeher Anhänger des früheren Wahlsystems war, keine Schwie- rigkeiten zu erwarten sind. Nichts wäre törichter, als wenn man den französischen Sozialisten vorwerfen wollte, daß sie durch ihr jetziges Verbalten prinzipielle Forderungen des Sozialismus, wie die Verhältniswahl und das Frauenwahl- recht, preisgegeben hätten. Sie haben nur erkannt, daß eine starre, falschverstandene„Prinzipienfestigkeit" lediglich das Spiel der Reaktion besorgen würde. Intrigen gegen Sotschaster v. yoesch. Ursprung in der Wilheltn straffe? Paris, 2. Juli.(Eigener Drahtbericht). Der deutsche Bot- schafter in Paris, von Hoefch.der nach seiner schweren Er- kranlung in einem Kurort zur Erholung weilte, hat einen Rück- fall erlitten, der ihn zwingt, sich einem neuen operativen Eingriff zu unterziehen. Man rechnet jedoch, daß Herr von Hoesch voraus- fichtlich schon in der zweiten Hälfte des Juli seine Tätigkeit in Paris wieder aufzunehmen gedenkt. Um so befremdlicher ist es aber, daß von Berlin aus die phan- tastischsten Gerüchte und Meldungen über Herrn von Hoeschs Befinden hier verbreitet werden, die in den schwärzesten Farben schildern und mit der Schlußfolgerimg enden, daß die mannigfachen Fragen, die zwischen Deutschland und Frank- reich der Lösung harren, die unverzügliche Neubesetzung des deutschen Botschafterpostens in Paris unerläßlich wachem Die Tendenz dieser Informationen", zu deren Verbreitung auch die Berliner Korrespondenten der französischen Blätter benutzt werden, ist so eindeutig, daß über ihren Ursprung kein Zweifel mehr bestehen kann. Es scheinen in der Wilhelmstraß« Anwärter zu sitzen, die den brennenden Wunsch haben, in Paris diplomatische Lorbeeren zu ernten und dieser Wunsch nicht mehr schlafen läßt. Jedenfalls würde das Auswärtige Amt einen schweren Fehler be- gehen, wenn es dein Drange dieser Bewerber nachgeben würde. Man kann über Herrn von Hoesch und seine Einstellung zu den»er- schiedenen Problemen verschiedener Ansicht sein, so vermag dies aber seine Verdienste um die Verbesserung der deutsch- französischen Beziehungen ebenso wenig zu beelnträch- tigen, wie das Vertrauen, das er bei den amtlichen maß- gebenden französischen Stellen besitzt und das für die schwierig« Be- Handlung der neuen diplomatischen Besprechungen, die bevorstehen, unerläßlich ist Zu einer auch nur vorübergehenden Ersetzung Herrn von Hoeschs besteht zudem um so weniger Veranlassung, als dieser bald wieder seinen Pariser Posten anzutreten vermag und bis dahin auch die Erkrankung Briands, die ebenfalls eine Lösung der großen Fragen unmöglich machte, behoben sein dürste. Tagung üer Interpariamentoristben Union. Sollmann nnd Professor Schücking als Bericht- erstatter. Paris. 2. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die 24. Tagung der Interparlamentarischen Union wird vom 25. bis 39. August in Paris im Gebäude des Sentas unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Doumer stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen unter naderem eine allgemeine Aussprache über die Welt- Politik, dann die Schaffung einer europäischen Zollunion und die Frage der allgemeinen Abrüstung sowie die Kodifizierung des inter- nationalen Rechts. Unter den Berichterstattern figurieren unter anderen über die Abrüstungsfrage der Abgeordnete S o l l m a n n. für die Frage des internationalen Rechts der Ab- geordnete Prof. S ch ü ck i n g. Die Interparlamentarische Union bildet eine wertvolle Ergänzung zum Völkerbund. Während näm- lich der letztere durch Vertreter verschiedener Nationen die welt- politischen und wirtschaftlichen Probleme behandelt, hoben in der Interparlamentarischen Union die Vertreter der Parla- mente Gelegenheit, ihren Meinungen in völliger Unabhänigkeit Ausdruck zu verleihen. Die Interparlamentarische Union ist also berufen, in Zukunft eine wachsende Rolle in den Dölkerbeziehungen zu spielen. llnerwünschie Rückkehr. Der kürzlich von der Kommunistischen Partei Frankreichs ausgeschlossene Abg. B a r a n t o n hatte ein Auf- nahmegesuch an die S o z i a l i st i s ch e Partei gericktet. Die zu- ständige Kommission hat heute elustimmig beschlossen, dieses Gesuch abzulehnen. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. b8, Lindenstr.Z Poftlckecklont»! Berlin 37 231— BanNont»! Bonl her Arbeiter.«noefteSten nnd Beamten. Wallste. 65: viakanto-SeseNIchast, Deeoütenkafie Lindenftr. 3. Machtstreben und Kaufpreis. Das Ringen im Bürgerblock.— DerZoll als Morgengabe. Der Reichstag wird am Montag die neuen Zoll- pläne des Bürgerblocks beraten. Es geht um die Erhöhung des Kartoffelzolls, des Zuckerzolls, des Zolls auf Schweinefleisch. Ein Anschlag auf die Lebenshaltung der breiten Massen, Verteuerung der notwendigen Lebensmittel! Was für die Massen der Bevölkerung ein Tag der Spannung und ein Tag d e r S o r g e ist— das ist der„große T a g" der Deutschnationalen. Es gilt zwar nicht, eine Demonstration des Nationalismus nach außen: es gilt nicht ein Bekenntnis jener Grundsätze und tönenden Worte, die die Deutschnationalen in Wahlkämpfen immer vertreten haben, Es gilt nur eine Bedrückung der Bevölkerung im Interesse einer Minderheit. Hier ist der Kern des Regie» rungsgefchäftes der Deutschnationalen. Alles andere, was sie vom Bürgerblock hoffen und schon erreicht haben, steht zurück hinter diesem großen Geschäft. Herr v. Keudcll im Reichs- innenministerium, an der umgekehrten Demokratisiening der Verwaltung arbeitend und für die Durchseuchung der Bureau- kratie mit Monarchisten und alten Konservativen sorgend— gewiß, das ist Macht. Herr Hergt im Justizministerium, die Verkörperung des alten Systems in Politik und Justiz, des Widerspruchs zwischen der Gesinnung der Männer des alten Staates und dem neuen Staatswesen— auch das ist Macht. Aber am Montag geht es den Deutschnationalen um mehr: um die Materialisierung der politischen Macht, die sie im Bürgerblock gewonnen haben. * Die Z o l l p l ä n e des Herrn Schiele— das ist der Ber- such, die Regierungsteilnahme der Deutschnationalen umzu- setzen in klingenden Gewinn. Mit diesen Zollplänen wird die Maske der„Volks"- Partei, das Rankenwerk der deutschnationalen politischen Phraseologie beiseite geschoben. Die alte ParteiderGroß- a g r a r i e r tritt hervor. Ihre Stellung im Bürgerblock soll das Mittel fein, um die Einkommensverhältnisse im Volke zugunsten der kleinen Schicht von Großagrariern zu ver- schieben. Es geht um den Anteil am Volksvermögen, um die Steigerung der Grundrente. Die Verwirklichung der Pläne des Herrn Schiele wird den Deutschnationalen nicht leicht werden. Es handelt sich nicht einfach um die technische Cffektuierung eines fertigen und abgeschlossenen Geschäfts im Parlament. Die Parteien des Bürgerblocks sind über die Pläne des Herrn Schiele nur schwer untereinander einig geworden. Oder vielmehr sie konnten in den interfraktionellen Beratungen überhaupt nicht einig werden. Man hat die starken Widerstände verspürt, die sich im Zentrum gegen die agrarischen Pläne geltend gemacht haben. Im Hintergrund dieser Beratungen stand die Masse der Zentrumsarbeiter und Zentrums- wähler, die von den agrarischen Plänen so gut getroffen wird wie die gesamte Masse der Arbeiterschaft auch. Diese ruhende Kraft hat ans die interfraktionellen Be» ratungen eingewirkt, obwohl sie keine ihrer Stärke ent» sprechende Vertretung in der Reichstagsfraktion des Zentrums besitzt. Aber die kühle politische Rechnung, die nicht nur das Heute sieht, sondern auch das Morgen, und im Morgen vor allen Dinaen die kommende Reichstagswahl, 7onnte diese schweigende Masse, diese ruhende Kraft, die Im Morgen ihre Stimme entscheidend in die Wagschale werfen kann, nicht übersehen. Es hat Zögern gegeben. Widersprüche, Uneinigkeit. Der Bürgerblock mag heute noch so sehr«im Bösen entschlossen sein— für das Morgen beseelt seine Par» teien die gleiche Furcht, die Furcht vor der Abrechnung. » Die Herren vom Bürgerblock wissen es nur zu gut: bei der nächsten Reichstagswahl ist jede der Parteien der henti» gen Regierungskoalition sich selbst die nächste. Weit klaffen die Interessen der Volksschichten auseinander, die in den Par- teien des Bürgerblocks vertreten sind. Die Interessen der deutschnationalen Großagrarier und die der Zentrumsarbeiter können nicht auf einen Nenner gebracht werden, auch wenn Zentrum und Dsntschnationale in einer Regierung beieinandersitzen. Die Interessen der Großindustrie, die nach dem Bekenntnis vom Zollabbau, das die Reichsregierung in Genf abgelegt hat, damit rechnen müssen, daß der Zollabbau bei den Industriezvllen einsetzen soll, sind wieder andere wie die der zollfreudigen Herren bei den Deutschnationalen. Abbau der Jndustriezölle auf der einen Seite— Erhöhung der Agrarzölle auf der anderen, das gibt schlechte Einigkeit. Die Einigkeit, die die Parteien des Bürgerblocks unter- einander in der Frage der Erhöhung der Agrarzölle nicht her» stellen konnten, hat das Kabinett des Bürgerblocks durch einen M a ch t s p r u ch herbeizuführen gesucht. Die Zollvor» läge des Herrn Schiele beruht nicht auf einer Vereinbarung der Regierungsparteien, sondern auf einem Beschluß des Ka- binetts, jener Claaringanstalt der widerstrebenden im Bürgerblock vertretenen Interessen. Diese Z o l l p l ä n e— sie sind der Kern des Geschäfts, der Kaufpreis, der den Deutschnationalen gezahlt werden sollte und muhte nach den Entsagungen, die sie in der Zeit ihrer Regierungsherrlichkeit auf sich nehmen mußten. Man kann verstehen, mit welch steigendem Maße zitternder Entrüstung die deutschnationalen Agrarier die wachsende Bedrohung ihres Kernprojekts ver- folgt haben. Wie, sie sollten sich bis zum Kriechen gedemütigt haben, und nun am Ende gar noch um den Preis ihrer Selbstenwürdigung betrogen werden? Das Kabinett des Bürgerblocks hat in dieser Situation Macht zeigen wollen, die Regierungsführung gegenüber den Fraktionen der eige- nen Regierungskoalition. Es hat die Zollvorlage eingebracht. Es hat als Regierung die Verantwortung für diesen Anschlag auf die Lebenshaltung des Volkes übernommen. * Aber Führung und Macht: das sind Dinge, die der Bürgerblock in der ganzen Zeit seiner Herrlichkeit am wenigsten gezeigt hat. Er ist von Verwirrung zu Ver- wirrung getaumelt. In semer inneren Uneinigkeit hat er der Opposition Blöße um Blöße geboten, in die sie fest hinein- stoßen konnte. Der Bürgerblock hat genug getan, um sich im Volke unpopulär zu machen. Eben erst wieder die Be- günstigung der Fürsten und Standesherren durch die Ablehnung der Verlängerung des Sperrgesetzes, und im gleichen Atemzug die Besiegelung des Betrugs a n d e n Opfern der Inflation. Er hat das Böse getan— aber es ist ihm nicht gelungen, dabei dem Volke gegenüber wenigstens das Gesicht zu wahren. Das Zögern, die innere Uneinigkeit, das Auseinanderfallen seiner Fraktionen in der Frage des Sperrgesetzes— sie werden vom Volke richtig ver- standen und richtig gewertet. Es sind Ausflüsse des schlechten Gewissens. Wenn die Regierung des Büraerblocks den Ver- such machen wollte, ihre letzten Taten uno ihre Zollprojekte vor dem Volke als„Staatsnotwendigkeiten* zu begründen, so wird ihr ein H o h n g e l ä ch t e r entgegenschlagen. Der Handel ist zu durchsichtig. Die Deutschnationalen sind in die Regierung gegangen um der Macht und der Dorteile willen. Sie wollten die Macht, um Borteile aus ihr zu prägen. • Der wahre Charakter der Zollprojekte des Herrn Schiele läßt sich vor dem Volke nicht verhüllen. Zur gleichen Zeit, in der die innere Uneinigkeit und die moralische Schwäche des Bürgerblocks vor allen Augen sichtbar geworden ist, hat die Opposition an innerer Festigkeit, an Kraft, an moralischem Boden im Volke gewonnen. Was die Regierung des Bürger- blocks als Kompromiß, bei dem Macht und Vortell im Handel standen, zusammengeschweißt hat, das müssen die Parteien des Vürgerblocks im offenen Kampf erst verwirtlichen. Es gilt nicht nur den Kampf um die Stimmenzahlen der Abgeordneten im Plenum des Reichstags. Es gilt vor allem den Kampf um die moralische Position gegenüber dem Volke. In diesem Kampf hat der Bürgerblock eine schwere Niederlage erlitten, noch ehe die Plenarverhandlungen über die Zoll- Projekte des Herrn Schiele begonnen haben. Der Bürgerblock hat gegen sich die Mehrheit des Reichs- rats, der Vertretung der Länder. Er hat nicht allein mit der parlamentarischen Opposiiton im Reichstage, sondern auch mit jener Opposition zu rechnen, die im Reichsrat immer schärfer gegen ihn hervorgetreten ist und die ihm nun in einem Punkte widersprochen hat, der ein lebenswichtiger Punkt des Bürger- blocks überhaupt ist. Denn es muß"immer wieder gesagr werden, bei Kartoffelzoll, Zuckerzoll und Schweinefleischzoll ist der Kern des Geschäfts. Hier geht es um den , Kaufpreis, um die Silberlinge für die deutschnationale politische Selbstpreisgabe. Eine Mehrheit des Reichsrats unter Preußens Führung hat die Erhöhung des Zuckerzolls und des Kartoffelzolls abgelehnt. Begründung und Ableh- nung sind ein Schlag ins Gesicht für den Bürgerblock: D i e Landwirtschaft bedarf beim heutige� Preis- stand des Zuckerzolls nicht! Gegenüber dieser Feststellung zerflattern alle pseudowirtschaftlichen Begrün- verreist. Van Pauk Gutmanu. Die Ferienreise ist für jeden Menschen, dem sie vergönnt ist, das leuchtende Wunder im Einerlei seiner Tage. Mag sie im Verhält- ms zur Dauer des Jahres noch so kurz sein, in der Erinnerung er- scheint das ganze Jahr von ihr ausgefüllt, ja für viele bildet der Rückblick auf das Leben vor allem das Gedenken der zurückliegenden Ferienreisen. Zu Beginn seines Urlaubs von der gewohnten Pflicht gleicht der Mensch einem Gefangenen, dem sich soeben die Tore zur Freiheit geöffnet haben. Alles ist wunderbar, die Sonne, die Wolken, die Bäume, die Wiesen und Wälder, alles von früher nie erlebter Herrlichkeit. Wo rauschten jemals die Bamnwipfel so ge- heimnisvoll wie hier, wo leuchteten die Wolken am Abendhimmel in so märchenhafter Pracht, wo gab es Blumen von nie gesehener Schönheit? Selbst die Menschen, denen wir begegnen, sind viel freundlicher, viel gewinnender als die Menschen zu Hause. Der Genuß wird zum Rausch, das Dasein ein Fest. Nur nickst denken, nur nicht sich erinnern an die grauen Gefängnismauern der Stadt, an die Sorgen und kleinlichen Plackereien, an die unangenehmen Einzelheiten jedes Tages. Ein Brief, den wir schreiben sollen, ist bereits ein frevelhafter Eingriff in unsere Freiheit. Frei sind wir, frei, und sei es auch nur auf acht Tage oder zwei oder drei Wochen. Wir leben, um zu genießen, wir werfen uns in die Arme der Natur wie in die eines geliebten Menschen. Wir wollen selber Natur werden, verwandt den Bäumen, den Tieren auf der Weide, den Singvögeln im Wald. Und alles scheint uns entgegenzukommen, uns anzulächeln, uns zu lieben. Aber da lauert ein Feind auf uns, den wir nicht beachtet hatten in unserem Freiheitsrausch, ein Feind, der uns daran erinnert, daß wir ihm gehören, nicht der zeitlosen Ewigkeit, die wir erträumt hatten. Der Feind ist die Zeit. Die Tage schwinden, und das Fest wird zur täglichen Gewohnheit. Di« Nawr, deren Arme uns liebend geöffnet schienen, zieht sich fremd und kalt vor uns zurück. Aengst- lich fühlen wir, daß sie sich nicht so ohne weiteres hingibt, wie wir wähnten, daß auch sie in täglichem Kampf erobert werden müsse. Wir werden plötzlich einsam, unser Selbstgefühl, das ein wenig dem eines Trunkenen ähnelte, verläßt uns, wir klammern uns an Er- innerungen, die wir aus jener fernen Gefängniszeit aufgespeichert hatten. Wir waren doch der und der, der das und das geleistet hatte, unsere Kameraden schätzten uns, und unsere Arbeit wurde geachtet. Hier kenist' uns niemand, kein Mensch weiß, wer wir eigentlich sind, fremd leben wir unter Fremden. Was kümmern sich die Bäume, die Tier« um uns, und auch den fremden Menschen, deren Freundlichkeit uns nicht mehr so freundlich erscheint, sind wir so gleichgültig wie die Wolken, die vorüberziehen. War unsere Ar- beit nicht ein Teil van der Arbeit aller, haben wir nicht Freunde, die auf uns warten, Genossen, die uns brauchen? In unserer über- mutigen Festfreude, unserem Rausch junger Freiheit glaubten wir euch vergessen zu können. Was ging uns da die Heimat an mit düngen, es bleibt dann nur noch der brutale Wille zur Bs- reich?rung. Und der Kartoffelzoll: wer im Volke sollte es nicht verstehen, daß die Vertretung der Länder, namentlich der Länder, in denen eine dichtgedrängt wohnende Rot und Entbehrung leidene industrielle Bevölkerung beieinander haust, sich gegen den Plan zur Wehr setzt, der auf eine Ver- teuerung des Hauptlebensmittels der armen Bevölkerung hinausläuft! Aus dieser Stellungnahme des Reichsrats gewinnt die parlamentarische Opposition abermals moralische Kraft. Gegenüber den Regierungsparteien wie gegenüber dem Volke. Sie gewinnt zugleich Kraft aus dem Siege, den die preußische Koalitionsregierung über den Ansturm der Rechten im Preußischen Landtage davongetragen hat. Die Weimarer Koalition in Preußen steht fest. Ihren Bestand bis zu den nächsten Wahlen vermag auch der Versuch der Deutschnatio- nalen nicht zu erschüttern, die Stellung Preußens in der Zollfrage auf dem Wege über die preußische Zentrums- fraktion zu ändern. * Es ist möglich, daß es dem Bürgerblock trotz der ständig wachsenden Kraft der Opposition in der Zollfrage noch ein- mal gelingt, seinen Anschlag auf die Lebenshaltung des Volkes durchzuführen. Das Gelingen dieses Planes würde jedoch zugleich seine schwere moralische Niederlage sein. Das politische Bild in Deutschland steht vor dem Volke fest: auf der einen Seite der Bürgerblock im Reich, innerlich zerrissen, uneinig, von Furcht erfüllt vor der kommenden Reichstags- wähl, eine Verkörperung des bösen Gewissens— auf der anderen Seite: die Festigung der Preußenregierung im Kampf gegen die Rechte und ihre Obstruktionsversuche. Auf der einen Seite die Parteien des Bürgerblocks, das Interesse des Volkes untereinander verschachernd— auf der anderen die Sozialdemokratie, die Führerin der Opposition gegen den Bürgerblock und seine volksfeindlichen Pläne— von Tag zu Tag moralisch Boden im Volke gewinnend. Nein, es wird keine einfache geschäftliche Angelegenheit sein, wenn nun den Deutschnationalen der Preis für die Preisgabe ihrer Grundsätze gezahlt werden soll. Es wird ein« Ouvertüre der kommenden großen Abrechnung sein. Deutfthnationaler Knüppelkomment. Der Geist vo« Arensdorf soll weiter regieren. Ein von deutschnationaler Parteidemagogie Verhetzter hat sich dazu hinreißen lassen, ein Mitglied des Reichsbanners niederzuknallen wie ein Stück Wild und andere zu»erwun- den. Dieses Blut wird an den Deutschnationalen haften bleiben, wie die Ermordung Rathenaus und Erz- b e r g e r s mit ihrer niederträchtigen Hetzarbeit verquickt bleibt. Der deutschnationalen Parteidemagogie ist es zu ver- danken, wenn Verblendete immer wieder die Mordwaffe gegen friedlich« Mitbürger erheben. Wenn die Republikaner nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, wenn Mordbuben wie der Schmelzer und ihre Anstifter von ihnen unbehelligt bleiben, so verdanken sie das einer Disziplin, die an die Grenze der Selbstent- äußerung geht. Aber eines mögen sich die deutschnationalen Hetzer merken: die Bluttat von Arensdorf hat eine ungeheure Erregung ausgelöst; der Staat wird endlich zu zeigen haben, daß er diese Art deutschnationaler Schützlinge nicht duldet. Die Aufgabe des sozialdemokratffchen Sprechers im Landtag war es, das einmal unzweideutig auszusprechen. Erklärlich, wenn angesichts der Bluttat von Arensdors sich die Erregung den Freunden der Republik im Landtag mitgeteilt hatte; erklärlich, wenn diese Erregung bis zur Siedehitze stieg, als der sogenannte Arbeiterführer der Deutschnationalen, Abg. Wiedemann, es wagte, durch beschimpfende Zwischenrufe zu provozieren. ihren lächerlichen Sorgen oder gar die Polltik mit ihrem ständigen Kampf und Aerger? Mögt ihr euch die Köpfe blutig schlagen, wir sind frei« Menschen, die leben und genießen. Gestehen ivir es uns, wir haben Heimweh. Ach Gott, die Gefängnismauern sind grau, aber sie sind erfüllt vom warmen Hauch gemeinsamer Leiden und, seien wir gerecht, auch gemeinsamer Freuden. Auch daheim wachsen Bäume und blühen Blumen, wenn sie auch nicht so schön sind, wie die Bäume und Blumen der Fremde. Aber wir haben dort etwas zu tun, und vielleicht trägt unsere Ar- beit dazu bei, das Gefängnis wohnlicher zu machen. Die Menschen, die uns begegnen, sind ein wenig mürrisch, aber sie ziehen mit uns am gleichen Strang, und wir sind ihnen nötig. Das gibt uns Halt, das erhöht unser Selbstgefühl, da» macht uns heimisch. Lebe wohl, Natur, mit deinem ewig gleichbleibenden Lächeln, daß du allen Geschöpfen zeigst, und da» wir Toren nur für uns aufgespeichert geglaubt hatten. Deine verschwenderische Fülle hat ims Kraft gegeben, Mut zu neuer Tätigkeit, aber nun sehnen wir i-r? n.-ch einem Winkel, in dem wir zu Hause sind. Me haeckels„WetlrAfeT' enkslanden. Hoeckels bekanntestes Werk, die„Welträtsel", die in einer Anzahl von über einer Million Exemplaren auf der ganzen Erde«ine Ver» brcitung gesunden haben, haben eine sehr interessante Bor- geschicht«, über die der Gelehrte selbst kurz vor seinem Tode Mitteilungen machte. Als Mitglied der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Altenburg nahm Haecksl vor Iahren an einer Sitzung teil, bei der ein Mitglied«inen nach feiner Meinung „unsäglich törichten" Vortrag hielt. Als Widerlegung hielt darauf Haeckel seinen berühmt gewordenen Vortrag über den„Monismus ais Band zwischen Religion und Wissenschast", die sogenannt« „Altenburger Sonntagspredigt". In diesem Vortrag waren all jene Ideen im Keim entwickelt, die später in umfassender Weise in den „Welträtseln" niedergelegt sind. Der Verleger Haeckels, Strauß, der Neffe David Friedrich Strauß', drängte daraufhin den Gelehrten, seine Ideen doch in populärer Fassung, zu Papier zu bringen. Haeckel war zunächst nur sehr wenig dazu geneigt, ließ sich aber dann doch, wie er sagte,„verleiten", lieber die Art, wie er an den Welträtseln arbeitete, erzählte er folgendes:„In drei Monaten war das ganze Werk heruntergeschrieben. Um Ruhe zur Arbeit zu haben, meldete ich mich bei aller Welt für eine Jtalienreise ab und schlich beim Morgengrauen ins Mufum, um erst beim Lickst der Sterne wieder heimzuschleichen. Diese Art der Arbeit ist für ein derartiges Werk notwendig, wie mir scheint; anders kann man jene flotte Art der Darstellung nicht beibehalten, die so wesentlich auf das Dolk wirkt. Das Resultat auf der anderen Seite ist natürlich, daß zahl- reiche Lücken kläffen und auch Irrtümer nicht ausbleiben können. Aber alles Menschenwerk ist Stückwerk." Der ungeheure Erfolg des Buches, ein Erfolg, wie er einem philosophischen Werk nur ganz selten beschiedcn ist, hat Haeckel selbst überrascht.„Nie," sagte er, „habe ich mir träumen lassen, daß dieses Buch, das einer Kette von Zufälligkeiten— oder sagen wir: dem Walten der Vorsehung?— entspringt, einen solchen Erfolg haben könnte. Ich habe weit besseres geschrieben, z. B. meine 1866 erschienene„Morphologie"." Dieser„Arbeiterführer* bringt jetzt den Mut auf, sich über den Ordnungsruf, den ihm seine herausfordernden Beleidi- gungen eintrugen, auch noch zu beschweren. Er versucht einige Abgeordnete, die in einem Augenblick berechtigter Em- pörung die Gewalt über sich verloren, zu denunzieren. So bedauerlich es sst, wenn Parlamentarier zum Handrecht übergehen, so wenig Anlaß haben ein Wiedemann und seine Gesinnungsgenossen, sich darüber zu beklagen. Die Land- straße von Arensdorf hat die Folgen ihrer Politik gesehen. Wie innerlich unwahr die Denunziation des Wiedemann ist, bezeugt ihm seine eigene Fraktion. Sie stellt nicht nur fest, daß auch deutschngtionale Landtagsabgeordnste mit Gewalt vorgegangen sind, sondern hebt ausdrücklich hervor, daß das in ausgiebiger Weise geschehen ist und daß die Fraktion dieses Verhalten voll billigt. Die deutschnatio- nale Landtagsfraktion ist sogar zynisch genug, um in einer offiziellen Erklärung anzukündigen, daß sie gewillt ist, in Zukunft wieder zur Gewalt zu greifen. Der Geist von Arensdorf ist auch weiter unter ihnen lebendig. Der Geist von Arensdors bleibt bestehen trotz der Bluttat vonArensdorf. Und diese Gesellschaft will sich als Sittenrichter aufspielen? Schlagt mich nicht... ich bin ein nntionalcr Mnnn! In einem Blatte Hinterpommcrns, dem„Grsnzbvten" m Slotp, finden ww folgenden niedlichen Versammlungsbericht: „In einer von über 100 Bauern besuchten V e r s a m m- lung der Pommerschen Bauernschaft in Langenhagen, in der Dr. Wolsgramm gesprochen hatte, versuchte der Geschäfts- führer des Kreislandbundes Greisenberg, Dr. Spiller, nach der Bersammlung das Wort zu ergreifen. Die Dauer» lehnkea es einmütig ab. den candbundangefiellten überhaupt zu hören. Dr. Spiller wurde mit Zigarrenstummeln bombardiert und es fehlte nickst viel, daß er unsanft an die frische Lust gesetzt worden wäre. Rur die Beteuerung:„Ihr werdet mich doch nicht schlagen, ich bin ein nationaler Mann!" rettete ihn vor weiterem Unheil. Nach der Versammlung blieb Herr Spiller in einer Ecke des Lokals mit einigen Getreuen sitzen, die alle den Eindruck von betrübten Lohgerbern machten, während die Bauern noch weiter über das im Vortrag Gehörte diskutierten." Die Bauernvebellion in Pommern scheint danach schon weit vor- geschritten zu sein, wenn sogar die besoldeten Agitatoren des Land- bundes mit Zigarrenstummeln bombardiert«erden und sich nur durch Hinweis auf„nationale" Gesinnung vor weiterer liebevoller Be> Handlung sichern könnenl Enülich Einigung über öie Zestungskontrolle Pawelsz begleitet persönlich die Militärattaches. Der französische und belgische militärische Sachoer- ständig« werden General v. Pawelsz auf der Bestchtigungsreise begleiten. Wie der Soz. Pressedienst hört, ist zwischen der deutschen Regierung und der Botschafterkonferenz über die Besichtigung der zerstörten Unterstände der Festungen Königsberg, Glogau und K ü st r i n völlige Einigung erzielt worden. In einer ge- meinsamen Konferenz, die vor«inigen Tagen im Auswärtigen Amt stattfand, erklärte sich General o. Pawelsz bereit, einem oder zwei militärischen Sachverständigen die zerstörten Unterstände p e r s ö n- l i ch zu zeigen. Die Botschaftertonferenz hat ihr Einver- st ä n d n i s damit erklärt und den französischen und den belgischen militärischen Sachverständigen ersucht, die Einladung des Generals v. Pawelsz anzunehmen. Die Reise dürfte in allernächster Zeit vor sich gehen. Damit wird die Frage der Ostbefestigungen als endgültig erledigt angesehen. Der Ostpreußische Bauernbund hat bei den kürzlich stattgefun- denen Wahlen zur Landwirtschaftskammer gegen den Landbund 13 Sitze errungen. Er zählt mit seinen 9 Kammermitgliedern aus den vorletzten Wahlen nun insgesamt 22 Bauern- bündler unter 76 Kammermitgliedern. Novendorf-Thealer:„Der Fußballkönig". Max Reimann und Otto Schwarz sind Patentinhaber auf das Rezept des Situationsschwanks. Sie machen solche Posse sehr routiniert, sogar witzig und mit oll jener drastischen Komik, die nun einmal die Dunst- «ölten der leider noch nicht kommenden Hundstage zersprengen will. Alter Jux mit neuem Milieu. Früher waren es Radfahrer oder famose Skatbrüder, die sich«in hübsches Mädel von einem wider- jpenstigen Vater, der natürlich«in dicker Fabrikbesitzer ist, mit Wupp- dich einholten. Heute ist der Sieger und Rekord- und Herzensbrecher der Champion vom Fußball. Es passiert ihm, daß er eine halbe Stund« lang für den Liebhaber seiner künftigen Schwiegermutter gehalten wird. Dieses grundlegende Erlebnis pulvert die Posse noch weiter vorwärts zu Gelächter und famosem Blödsinn. Natürlich liegen sich zum Schluß die Verlobten in den Armen, und zu dem feinen Brautpaar kommt noch dos andere Gespann, das der Sport- mvsseur Knorke und das Stubemnädchen Minna bilden werden. Tusch für den Schwant und Tusch für die Schauspieler, besonders für Ludwig Steffen und Zkurt Desperman«, für Marianne K u p f e r und Melitta Kiefer! M. H. Schlangenappekit. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich dieser Tag« im Zoologischen Garten von Rio de Janeiro eingefunden, um einem imponierenden Schauspiel beizuwohnen: die größte Schlange, die jemals uj Brasilien gefangen worden ist, ein Riesen- reptil aus der Familie der Boas, sollte ihr« Fastenzeit, die sechs Monate gedauert hatte, beendigen. Man sah voraus, daß ihr ohne- hm schon gewaltiger Appetit ganz bedeutend gewachsen sein würd-, da das Reptil kurz vorher 71 Junge zur Welt gebracht hatte, alle lebend und außerordentlich gesund und munter. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht, da das Tier zunächst einmal zwei große Schweine verspeiste und seine Mahlzelt mit drei Enten und vier Kaninchen beschloß. Alle diese Tiere wurden der Schlange lebendig vorgesetzt, trotz des feierlichen Prvteste» der Tierschutzgesellschaft. Das gigantische Menü wird nicht übertrieben erscheinen, wenn man er- fährt, daß die in Frage kommende Boa acht Meter lang ist und 156 Kilogramm wiegt._ Die Gesellschaft zur Färdermig der Disienschaflen bat beschlossen, unter Leitung des betanntrn Vcrrrbmig»iorsche>? Professor Erwin Baur, vcrlin-Dahlem, ein Institut für Zilchtungssorlchung im Osten von Berlin zu errichten. Das Institut soll die heule so mcherardent- lich wichtige wissenschaftliche Borarbeit für die Verbesserung unserer Kul- turpflanzen leisten. Ein« vielsprachige Sängerin. Die ethnographische Sängerin Anna S a g q r s k a j a wird die Nationallieder aller Ziuglaud bevölkernden Volks- stamme am 8. Juli im Dechsteiniaal singen. Me einst im Mal. Das 59. Sängersest der Verewigten Norddeutschen Liedertafeln nahm in Bremen am Sonnabend unter Bclelligung von etwa lv ovo Sängern seinen Ansang. Die scsUIchen Vera» staltun gen begannen am Nachmittag mit einem für die bremische Schüieri-dast bestimmten Massenkonzrrt. an dem sich zirka 7000 Sänger unter Mitwirlung eine« Orchesters von löO Personen beteiligten. Abends fanden gleichzeitig fünf BegrüssungSkonzerte statt. Da» schöne Schlesien. Der Schiefische VerkebrSverband Breslau bat seine Werbeschrift„Das schön« Schlesien" in neuer'Aufmachung herausgegeben. Nicht allein die Umschlagbilder vom Riesengcbirge und von dlnn alle» Rathaus in Breslau sind nach künstlerischen Gemälden buntsarblg gcbalte». sondern auch im Inner» ist die Werbeschrift mit etwa zwanzig bunten Bildern ausgestattet. Die Werbeschrist ist tu dcuticher und englischer Sprache erschienen und durch die Resse- und BerkehrSbureaus»u erhalten. Heamte Leere Versprechnngen im Reichstag.- befserungsanträge abgelehnt.— Die Ster Der Reichstag beschäftigt« sich gestern im weiteren Verlauf der Sitzung, mit dem Bericht des Haushaltsausschusses über die von Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten gestellten Anträge auf Erhöhung der Beamtenbesoldung. Der Aus- schuß beantragt die Ablehnung dieser Anträge, wünscht jedoch, daß die Vorlage der Besoldungsreform, sobald sie dem Reichsiag zugegangen ist, dem Haushaltsausschutz zur Bearbeitung überwiesen wird. Sollt« die Vorlage vor dem 1. Oktober vom Reichstag nicht verabschiedet werden können, so will der Aus- schuß vorher über eine Ermächtigung an die Reichsregierung einen Beschluß fassen, in welcher Höhe Abschlagszahlungen auf die künftige Besoldungserhöhung vom 1. Oktober 1927 ab ausgezahlt werden können. Abg. Dr. Scholz(D. Vp.) gibt für die Regierungsparteien eine Erklärung ab, die die schwere Notlage der Beamten anerkennt und von der Regierung eine Borlage zu deren Beseitigung erwartet. Die Besoldungsreform soll sich auch aus die Ruhestandsbeam- t e n erstrecken, es wird erwartet, daß Länder und Gemeinden dem Beispiel des Reiches folgen. Roch den Erklärungen der Regierung des Reichs und der Länder sei eine Erhöhung der Gehälter vor dem 1. Oktober leider nicht möglich. Darum hätten sich die Regierungsparteien unter schwersten Bedenken entschließen müssen, den dringenden Wunsch aus Auszahlung vor dem 1. Oktober zurückzustellen. Sie wollen jedoch dafür sorgen, daß bereits ab 1. Oktober Abschlags- zcchlungen auf die kommende Erhöhung g«l«Istet werden. �lbg. öenöer tSoz.) weist darauf hin, daß die Notlage der Beamten immer weiter steige. Die Fälle mehren sich, wo Äeamte mit ihren Familien infolge ihres wirtschafilichen Elends in den Tod gehen oder wo ander« Be- anite sich aus demselben Grunde an den ihnen anvertrauten Geldern vergreisen. Die schwersten Vesorgniste ober muß die«ochsende Sterblichkeit unter den Beamte« der unteren Gruppen erregen. Die Tatsache, daß die Beamten der unteren Gruppen im DnriMchnitt 10 Zahre früher sterben als die der höheren Gruppen, ist eine furchtbare Anklage gegen die Leute, die diese unhattbarea Zustünde ge- schassen habe«. Seit 2� Iahren werden schone Versprechungen ge- macht, aber nichts davon ist bisher gehalten worden. Im Gegen- teil, durch die Zoll- und Steuerpolitik der Regierung ist es weiter zu»iper wesentlichen Verteuerung der Lebenshaltung ge- kommen. Jetzt sollen ja noch neue Zollerhvhungen auf K a r t o f- fein, Schweinefleisch und Zucker kommen! Da» muß dazu führen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse auch der Beamten sich noch weiter verschlechtern. Di« Regierung erkennt zwar die Rot- läge der Beamten an, aber»» handelt sich ja nicht allein nur um die Beamten, auch Hunderttausend« von Arbeitern der Reichsbetrrebe, der Post und Eisenbahn, Millionen von Arbeitern in der Privatindustri« und viele andere Bolkskreise leiden in derselben Weis« wie die Beamten. Trotzdem «reibt die Regierung«ine Politik, die die Lebenshaltung der brellen Massen noch weiter verteuern muß. was die Beamten jetzt bekommen sollen, das ist ihnen durch die Zoll- und Steuerpolitik schon lüngst genommen worden. Die Sozialdemokraten haben im Ausschuß den Antrag ge» stellt, den Beamtengruppen 1—7 rückwirkend vom 1. April 1927 ab Borauszahlungen in der Höh« von 20 M. monatlich auf kommende Erhöhungen zu zahlen. Diesem Antrag ist leider nicht z u g e st i m m t worden. Die Regierung hat erklärt, daß am 1. Oktober eine durchgreifende Reform der Beamtenbesoldung er- folgen soll. Solch« Versprechungen sind schon sehr häufig gemacht warben, erst vor sechs Monaten hat der damalige Finanzminister Reinhold erklärt, daß beim Finanzausgleich im Frühjahr die Reform der Besoldung kommen solle. Aus dieje Reform haben wir vergeblich gewartet. Wir fürchten, daß auch die Erklärung der jetzigen Regierung, daß zum 1. Oktober«ine durch- greifende Reform kommen soll, nur eine Versprechung bleiben wird. (Sehr richtig! bei den Soz.) Es sind hier schwere Vorwürfe gegen die Beamten gerichtet worden, weil sie öffentlich« Kund- gedungen veranstaltet hatten. Aber versetzen Sie(nach rechts) sich doch in die Seele der Beamten, die trotz ihrer schweren Notlage immer wieder hingehalten worden sind. Die Dorwürse. die hier erhoben worden sind, soll man nicht gegen die Beamten richten, sondern gegen die Kreis«, die die Macht in den. Händen haben, aber nichts um, um der Rot der Beamten zu steuern. Die Demonst-ationeu waren ein Signal für di« Stimmung, die unter den Beamten durch Zhre Politik hervorgerufen worden ist.(Sehr richtig I bei den Soz.) Im Ausschuß ist man über unsere Anträge hinweggegangen, weil nach einer Erklärung des Reichsflnan.zministers ongebkich die Mittel zu ihrer Durchfühl-ung fehlen. Bei der gegenwärtigen Finanzlage des Reiches wäre aber bei einigem guten Willen der m Rot! Schlttzzoll statt Fürsorge.- Alle Auf- !ieziffern der unteren Gruppen klagen an! Regierung und der Regierungsparteien die von uns verlangte Vorschußzahlung möglich. Es ist ein unhalt- barer Zustand, daß das Reich und die Länder sich gegenseitig die Verantwortung für die Lösung dieser Frag« zuschieben. Der Be- schluß des Aussckmsies, alle Anträge bis zur Vorlage des Regierungs- entwurss zurückzustellen, bedeuter nichts anderes, als daß diese Anträge abgelehnt worden sind, daß die Regierungsparteien sich um die Entscheidung drücken. Die Deutsche Bolkspartei troibt bei dieser Gelegenheil noch ein Doppelspiel. In P r e u ß e n beantragt sie, daß den Beamten ein zehnprozentiger Vorschuß auf die künftige Erhöhung, rückwirkend seit 1. April 1927, gezahlt werde, im Reichstag aber lehnt sie di« gleichen Anträge ab.(Hört, hört!) Dieses Doppelspiel zu kennzeichnen, fehlen di« parlamen- tarischen Ausdrücke. Wir werden aber draußen im Lande dafür sorgen, daß das Verhalten der Regierungsparteien bekannt wird. Wir haben jetzt unseren Antrag m.f Vorschußzahlungen von 20 M. im Monat seit 1. April dieses Jahres wiederholt und ersuchen um besten Annahme. Der gegenwärtige Reichsfinanzminister hat in der „Germania", allerdings noch als badischer Finanzminister, die Be° Kiige der unteren Beamten als ganz unzulänglich bezeichnet, er muß letzt zu seinen Worten stehen. Seil der lehlen Regelung der Beamlenbesoldung im Jahre 19Z4 sind die Lebenshaliungskosken um mehr als ZO Pro;, gestiegen. wen« man jetzt die Gehäller nur um 10 Proz. ergohen will. dann bedeutet das. daß die Notlage der Beamten sortbeslchen so«. Nun wird ja auch«in« Aenderung der Besoldungsordnung ge- plant, wir verlangen, daß sie nach sozialen Gesichtspunkten erfolgt. Bor allem muß die Zahl der Truppen verringert werden, di« Gruppen 1 und 2 müsien ganz fortsallen. Auch den untersten Gruppen muß»in ausreichender Lebensunterhalt gewähr- leistet«erden, die Unterschiede von unten nach oben sind zu vcr- ringern. Wenn diese Grundsätze berücksichtigt werden, dann wird man den sozialen Forderungen der Beamten gerecht werden. Wir erwarten, daß der Reichstag unserem Antrage zustimmt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Torgler(Komm.) wendet sich gegen die Ermächtigung an die Regierung, die der Ausschuß vorschlägt. Der Redner begründet einige Anträge aus Zahlung monatlicher' Zuschläge für die unteren Beamten. Es sei unerhört, wenn Abgeordneter Kling die Bmiern gegen di« kleinen Beamten aufhetze, während sein Fraktionsvor- sitzender Fehr neben seinem bayerischen Mimstergehalt noch Pension als Reichsminister beziehe. Abg. Brodaus(Dem.) ervärt. daß die Beamten nach den jahrelangen Enttäuschungen grenzenloses Mißtrauen in alle Versprechungen der Parlamentarier sehen. Der Redner beantragt ein« Ergänzung der Entschließung des Aus- schufles dahin, daß der Ausschuß sofort«inen Beschluß über eine Ermächtigung an die Reichsregierung faste, in welcher Höhe den Beamten der Gruppen 1— 12 sowie den Empfängern von Warte- geld, Ruhegehalt und Hinterbliebenenbezüge im Juli, August und September 1927, unabhängig von der angekündigten Vorlage, pro- zentuale Zuschläge aus ihre jetzigen Bezüge bezahlt werden sollen. Abg. ftttng(Wirtsch. Vgg.) behauptet, daß in der Bevölkerung, besonders bei den Kleinbauern, wenig Stimmung für weitere Er- höhungen vorhanden fei. Seine Fraktion werde alle Anträge ablehnen, die vor dem 1. Oktober Ab- schlaaszahlungen geben wollen. Im Hrnishaltsaus- schuß säßen bei Beratung dieser Frage nur Beamte, die sich ihr eigenes Geholt bewilligen. Wenn der Reichstag Besoldungs- «ryShungen beschließen wolle, dann möge er selbst im September zu- sammentreten und seine Entscheidungen über die Regierungsvorlage treffen. Abg. Dictrich-Frankeu(Natfoz.) erinnert daran, daß alle Po» teien zugunsten der Beamten Anträge gestellt hätten, allerdings zu der Zeit, als die Regierung noch nicht gebildet war. heute lehnen die Regierungsparteien ihre eigenen Anträge ab. Abg. Dietrich-Baden(Dem.) kommt nach der Prüfung der Finanzlage des Reiches zu dem Ergebnis, daß schon vor dem 1. Ok- tober Besokdungeerhöhungen geleistet werden könnten. Auf die Er- klärungen der Bertreter"der Länder brauche in diesem Falle kein« Rücksichi genommen zu werden. Abg. Alpers(Wirtsch. Bgg.) erklärt im Gegensatz zu seinem Fraktionstollegen Kling, daß die Notlage der Beamten schleunige Hilf« erfordere. Wenn nicht schon vorher, so müsse mindestens am 1. Oktober mit den Zahlungen begonnen werden. In der Abstimmung«erden sämtliche Aenderung santröge abgelehnt. der Antrag des Ausschusses wird angenommen. Ohne Aussprache werden noch Anträge des Verkehrsausfchustes über die Behebung von Schäden an Wasserstraßen angenommen. Um 16 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag 14 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die Borlagen über die Aenderung von Zollsätzen. Gewerksthastsvertreter beim Reichskanzler. Zeh» Millionen für das Rhein- und Ruhrgebiet. Der Reichskanzler Dr. Marx empfing in seiner Eigenschaft als Reichsminifter für die besetzten Gebiete Vertreter der Spitzen- Gewerkschaften und des Gewerkschaftsausschustes für die besetzten Gebiete. An dem Empfang waren u. a. beteiligt die Reichstagsabgeordneten Graßmann für die freien Gewerkschaften, Dr. Stegerwald für die christlichen Gewerkschaften, Lämmer für den Gewerkschaftsring, ferner Thomas- Mainz, Kaiser- Köln und Zimmermann. Wiesbaden für den Gewerkschaftsausschuß für die besetzten Gebiete. In längerer Aussprache würdigte der Reichskanzler die Haltung der Bevölkerung an Rhein und Ruhr in der bisherigen Bssatzungszeit, namentlich auch während der schweren Zeit dgs passiven Widerstandes. Die gesamt« Arbeitn'ehmerschast des besetzten und besetzt gewesenen Gebiets in jenen Iahren Hobe sich um Volk und Vaterland ein Verdienst erworben. Er freue sich, den Dank der Reichsregierung gegenüber der Arbeitnehmerschaft heute nicht nur in Worten, sondern auch durch die Tat nochmals zum Aus- druck bringen zu können. Er habe angeordnet, daß der Arbeit- nehmeranteil des im Reichsetat vorgesehenen Millionenfonds zur Linderung der Notlag« nn besetzten und besetzt gewesenen Gebiet im Betrage von 10 Millionen Mk. alsbalö seiner Zweckbestimmung zugeführt werde. Dieser Betrag, so schloß der Reichs- kanzler, dürfe nicht in Einzelunterstützungen verzettelt werden, son- dern er sei als Ehrengabe des Reichs zur Förderung der Wohlfahrt der Arbeitnehmerschaft an Rhein und Ruhr bestimmt und solle unter maßgebender Mitwirkung der Spitzengewerkschaften, die auch in der Besatzungszeit die Führung der Arbeiterschaft« der Hand gehabt hätten, zur Verteilung gebracht werden. Im Namen der Soitzenge werkschaften dankte Genoste Graß- mann dem Reichskanzler für sein« anertennenden Wort« und fügte die Erklärung hinzu, daß die Spitzengewerkschaften bereit �seien, an der Verteilung der für die Arbeitnehmerschast an Rhein und Ruhr bestimmten Mittel als Treuhänder im Sinne der Richtlinien der Reichsregierung mitzuarbeiten. Die Vertreter des Gewerkschafts- ausschusses für die besetzten Gebiete schlössen sich mit Dankesworten den Ausführungen Großmanne an. Schluß öer Stockholmer Kammertagung. Die Unterschrift unter die Genfer Beschlüsse. Die Entschließungen der Internationalen Handelskamnier in Stockholm zum Abbau der Zölle bedeutet ein« rückhaltlose llnterschrist unter die von der Genfer Weltwirtschaftokonferenz g»- saßten Beschlüsie. Der Kongreß ist überzeugt, daß dor Abbau der den Handel hemmenden Schranken am wirksamsten die Wieder- Herstellung der wirtschasttichen Blüte der Länder der Welt fördern werde. Er spricht sein« aufrichtige Anerkennung für di« in Genf geleisteten unschätzbaren wertvollen Vorarbeiten aus. Der Kongreß fordert die nationalen Ausschüste der Kammer auf. von ihren Regierungen dringend zu verlangen, daß sie der von der Genfer Weltwirtschastskonserenz empfohlenen Politik folgen. Der Zeitpunkt sei gekommen, um dem Weiteronsteigen der Zolltarifsätze ein E n d e zu machen und ein« Entwicklung in- um- gekehrter Richtung anzubahnen. Ferner gibt der Kongreß seiner Usberzeugung Ausdruck, daß die obligatorischen Pahvisa fallen müssen, weil die Wiederherstellung des freien Ein- tritt, von Perionen in ein Land, der vor dem Kriege in den meisten Ländern erlaubt war, eine der wichtigsten Voraus- setzimgen für eine gesunde Entwicklung des internationalen Verkehrs und die Erreichung einer größeren Freihett auf dem Gebiete des Güteraustausches ist. Au» der letzten Vollversammlung der Kommission zur Bekämpfung der Handelshemmnisse sind noch folgende außerordentlich markanten Sähe des Engländers Sir Arthur Balfour festzuhalten. die sich alle Unternehmer in Deutschland besonders merken mögen. Er hob hervor, daß die Geschästsleufe alles tun müssen, um in bessere Berührung mit den Konsumenten zu kommen, und dafür sorgen müssen, daß bessere Verkehrsverbindungen geschafsen werden müssen, so daß die Ausgaben der Konsumenten für die waren ver- mindert werden, höhere Gewinne bedeuten höhere Lebenshaltung. Kartelle seien nur dann berechtigt, wen« sie höhere Gehäller und bessere Arbellsgetegenhetten bieten. Wo bleiben Wolöemaras Versprechungen? Sieben deutsche Lehrer im Memellande gekündigt. Königsberg, 2. Juli(WTB.) Nach eintr Meldung aus M em el hat das Landcsdirettorium, wie erst jetzt bekannt wird, ohne Begründung sieben Lehrern aus dem Memelgebiet unter dem 24. Juni zum 1. August gekündigt. Damit sind nunmehr seit einem halben Jahr 34 Lehrer des Memelgobiets gekündigt wor- den. Unter den neuerdings Gekündigten befindet sich zum ersUnmal auch ein Lehrer aus der Stadt Mcmet. Durch die Kündigungen hat sich in vielen Orten des Memelgebicts Mangel an Lehrkräften bemerkbar gemacht._ Der Salkankonflikt noch nicht bereinigt. Tüdslawien macht auf Albaniens Widerstand gegen die vorgeschlagene Lösung aufmerksam. Wien. 2. Juli.(EP.) Wie die„Neue Freie Presse" meldet, hat sich die jugoslawische Regierung an di« sranzösische Regie- rung mit dem Ersuchen gewandt, ihren Gesandten in Tirana zu be- austragen, die Liquidation des albcmisch-jugoslawischen Konfliktes zu beschleunigen. Außenminister Marinkowitsch hat die dipioma- tischen Vertreter Jugoslawiens in Berlin, Paris, London und Rom beauftragt, die Llufmerksomkeit auf das Verhalten Al- baniens zu lenken. Die südslawische Regierung habe durch die An- nähme des Vorschlages der vier Mächte einen neuen Beweis ihrer Friedfertigkeit gegeben: sie müsse deshalb daraus bestehen, daß das getroffene Uebercinkommen auch durchgeführt werde. Die Rechtsparteien des polnischen Sejm haben eine dringende Interpellation über die Zustände in Ostoberschlesien eingebracht und die Abberufung des Wojwoden G r a z y n s k i gefordert. Wenn auch dieser Vorstoß keineswegs Gründen der Gerechtigkeit gegen- über der deutschen Minderheit, sondern vor allem internen Rivali- täten innerhalb der reoktionärrn und nationalistischen Parteien ent- springt, so wird auch die Linke und vor allem die deutsche Minder- heil diese Forderung nur begrüßen können— vorausgejetzt natürlich, daß der Nachfolger Grazynskis nicht in die Fußtapsen seines Vorgängers tritt. Die belgische Zivllliste wurde von der Kammer mit HS gegen 21 Stimmen bei 10 Enthaltungen dem Regierungsvorschlage gemäß erhöht. Die Sozialisten legten ein grundsätzliches Bekenntnis zur republikanischen Staateform ab, stimmten als Koalilionsportei zu, mit Ausnahme einer kleinen Minderheit, die sich der Stimme ent» hielt. Die Schuld am Ausammenbruch. Stresemann gegen die Dolchstoßlegende. Reichsaußenminister Dr. S t r e s« m a n n ist vom Untersnchungs- ousschuß des Reichstags in seiner Eigenschaft als Föhrer der Rationalliberalsn Fr aktton des Reichstags während des Krieges als Zeuge vernommen- worden. Stresemann hat dem Ausschuß seine Aussage schriftlich zugehen lassen. Sie ist vernichtend für das damalige kaiserliche Regime. Stresemann berichtet, wie der„Demokratische Zeitungödienft" mitteilt, von stärksten persönlichen Differenzen, die zwischen B asse r m ann und Beth- mann bestanden hätten. Bassermonn Hab« einmal in einem Telegramm an einen pfälzischen Parteifreund Besorgnisse über ein bevor st ehendes Manifest des Kanzler» ans- gesprochen, und der Kanzler habe daraufhin nicht nur gegenüber anderen Parteiführern der Nationalliberalen erklärt, daß er mit der Nationalliberalen Partei nicht weiter arbeiten könne, sondern unwidersprochen sei auch damals durch die Presse gegangen, daß der Kanzler ein militärisches Disziplinarverfahren gegen den Major Bassermann angeregt Hab«. Stresemann macht dem da- maligen Reichkonzler Bethmann Hollweg den Vorwurf, daß er zur Frage der Wahlreform die denkbar unglücklichste Haltung eingenommen habe: er habe durch Versprechungen nebel- haste Borstellungen erweckt, sei aber erst in der letzten Stunde, kurz vor seinem Abschied, bereit gewesen, das gleiche Wahlrecht durch- zuführen. Da aber fei er gegenüber seinen Ministerkollegen nicht durchgedrungen. In seinen weiteren Auesührungen widerlegt Stresemann die D o l ch st o ß l e g e n d e. Er erklärt, er habe in einer Besprechung mit dem Staatssekretär von H i n tz e am 23. August 1918 ein« kaum noch oerhüllte Erklärung des Auswärtigen Amtes gesehen, daß wir uns beeilen müßten, zum Frieden zu kommen. Unter Hin- weis auf die schwierige militärische Lage habe Herr von Hintze damals ausgeführt, daß wir alle Fäden anknüpfen müßten, wenn etwa die alten Fäden abreißen würden. Diesen Bemühungen sei durch di« Erklärungen des 1. O t t o b e r ein Ziel gesetzt worden. Major von dem Vnssche habe damals gesagt, daß wir nunmehr die wilsonscheu Friedensbcdingungen annehmen müßten. Die Parteiführer seien damals auf niederschmetternde Mitteilung nicht vorbereitet gewesen, so daß sogar die Frage entstanden sei, was eigentlich in diesen Mlsonschen Punkten alles enthalten wäre, insbesondere ob in diesen Wilsonschen Punkten die Abtretung Elsaß- Lothringens«inbegriffen fei. Selbst der unabhängige Abgeordnete haase habe damals erklärt, daß seine Partei stets vertreten habe, die essaß-lokhringlsche Frage durch Abstimmung zu regeln. Es sei sogar den Parteiführer» das Wort abgenommen worden, mit ihren Frattionen nicht darüber zu sprechen. Stresemann habe aber dann mit einem Herrn der Obersten Heeresleitung telephonisch ge- sprachen, und dabei habe er gehört, daß der Schritt des Majors von dem Bussche die Meinung der Obersten Heeresleitung wiedergegeben habe. Wir ständen in einem hoffnungslosen Kampfe. verlören täglich 10 000 Gefangen« und die Situation erheische den Wassenstillftcmd. Wenige Tage später seien die Dinge nicht mehr geheim zu hallen gewesen, und als bei Truppentransporten eine bessere Stimmung an der Front eingetreten sei, sei trotzdem die Stimmung in der Heimat nicht mehr zu hallen gewesen, weil der Gegensah zwischen den jähre- lang aufrechterhaltenen SIegeshoffnnngen und der Zusammenbruch aller dieser Erwartungen sich Z» tief in der ötfenllichen Meinung de» Volkes ausgewirkt habe. Man darf neugierig sein, ob die deutschnationale Koalition»- presse des Reichsaußenministers von seiner Aussag« Notiz nehmen oder ob sie«» vorziehen wird, auch weiterhin wider besseres Wissen mit der Dolchstoßlegende hausieren zu gehen Die Telephonistin der„Actio» franqaise". Frau Montard, die iin Verdacht steht, an der Befreiung Leon Daudet? beteiligt ge- wejeu zu sein, ist jetzt oerhastet worden. Kampfansage der berliner Klavierarbeiter. Die Unternehmer provozieren. Die Branche der K l a v i e r a r b e i t e r ist zurzeit noch d i e einzige von den dem chlckzarbeiteroerband angeschlossenen Gruppen, die heute noch vertraglos arbeitet. Dieser Zustand besteht bereits seit Oktober 1325 und drängt jetzt zur Entscheidung. In dieser tariflosen Zeit haben die Arbeiter nicht nur ihre Ferien verloren, sondern sie mußten auch enorme Lohnabzüge hinnehmen, da sie sich infolge der ungünstigen Wirtschaftslage den Unternehmerangriffen nicht erwehren konnten. Im November 1926 oersuchte die Leitung des Holzarbeiter- Verbandes die Arbeitsbedingungen durch Vertrag neu zu regeln. Allein die Arbeitgeber haben stch bis zum heutigen Tage a b- lehnend verhalten, da sie sich— wie ihre Unterhändler zum Aus- druck brachten,— in diesem Zustande sehr w o h l.s ü h l t e n. Am 29. Juni d. I. traten nun die Klavierarbeiter erneut in einer stark besuchten Versammlung zusammen, um zu der augenblicklichen Lage Stellung zu nehmen. Der Bevollmächtigte B o e s e schilderte in längeren Ausführungen alle zurückliegenden Begebenheiten und kam zu dem Schluß, daß dieser Zustand nicht länger zu erlragen sei. Di« Berliner Klavierorbeiter, deren Arbeitsbedingungen früher allgemein mit denen des Tischlereigewerbes mindestens gleichgelagert waren, stehen heute im Verbände an letzter Stelle. Verdienste von 80 und 99 Pf. pro Stunde sind keine Seltenheiten, so daß bei dieser niedrigen Entlohnung das Unternehmertum allerdings sich sehr wohl fühlen kann. Der Redner forderte die Kollegen auf, sich bereit zu halten, da in den nächsten Tagen die Entscheidung über Krieg oder Frieden fällt. In der Aussprache wurde das Stimmungsbild aus den Betrieben gebührend gekennzeichnet. Nur mit Widerwillen wird die Arbeit fort- gesetzt und stündlich wartet die Arbeiterschaft auf den Ruf der Organi- sation. Das in den einzelnen Betrieben aufgerichtete Willkürregiment der Unternehmer sei nicht mehr zu ertragen. Betriebsvertretungen werden mißachtet, der Arbeitsnachweis wird umgangen, Lohndiktate werden angeordnet u. a. m. Aus dieser Aussprache war zu entnehmen, daß die Unternehmer den Kampf wollen. Einmütig brachten die Mitglieder zum Ausdruck, daß sie gerüstet sind und alle Borbereitungen getroffen haben, die bei einer geschlossenen Bewegung vorausgesetzt werden müssen. Die folgende einstimmig angenommene Entschließung bestätigt den zum Ausdruck gebrachten Kampfesgeist: „Der Druck, den die Arbeitgeber der Musikinstrumentenindustrie Berlins im Laufe der tariflosen Zeit in steigendem Maße aus die Arbeitnehmerschaft ausübte, ist unerträglich geworden. Daneben haben die verteuerten Lebenshaltungskosten, die noch eine Steigerung durch unerhörte Zölle erfahren haben, die Lage der Arbeitnehmer- schaft verschlimmert. Anstatt diesen veränderten Verhältnissen durch einen Lohnaus- gleich Rechnung zu tragen, sind bis in die letzte Zeit fortgesetzte Lohn- abzüge und andere Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, ins- besondere Verweigerung der Ferien durch Anweisung des Arbeitgeberoerbandes, durchgeführt worden. Die Nichtachtung der Betriebsvertretungen, sowie die Ignorierung des Arbeitsnachweises ist eine Kampfmaßnahme der Unternehmer, die nicht mehr erträglich ist. Die am 29. Juni in den Andreas-Festsälen tagende Mitglieder- Versammlung der Klavierarbeiter fordert deshalb die Organisation auf, unverzüglich die Maßnahmen zu ergreifen, die zur Herbeiführung geordneter Arbeitsbedingungen erforderlich sind und spricht ihr für die Führung dieses Kampfes das Vertrauen aus. Die Versammlung ist bereit, trotz aller zu bringenden Opfer, dem Ruf der Organisation zu jeder Stunde Folge zu leisten." Die Seeleule kündigen den Monlellarisverlrog. Die Sektion Seeleute des Deutschen Verkehrsbundes hat beschlossen, den Mantel- tarifvertrag, der bis zum 1. Oktober Gültigkeit hat, zu kündigen. Arbeiter und Aagcftcllte im Dieh-»ad Schlachthof. Morgen, Mon» tag, piinttlich 16 Uhr, im Lokal Otto, Aigaer Etr. 83, Fraktionsver. sammlung aller Arbeiter und Angestellten des Städtischen Bich- und Schlachthofes. Das Erscheinen aller Genossen ist Pflicht.„Vorwärts"- Leser sind eingeladen. Der graktiousvorstaad. Deutscher Baugcwcrlsiunb, Fachgruppe der Töpfer. Dienstag, 3. Juli, 18 Uhr, Kunktionäroersammtuua im Saal 8 des Gewcrkschaftshauses. Mitt» moch, 6. Juli, 17�2 Uhr, MitgliZ>crversainmlung im Eewerlschastshaus, Saal 4. Jahresbericht, Neuwahlen, Stellungnahme zum Verbandstag und Bundestag. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Nestloscs Erscheinen aller Kollegen erwartet Tie Fachgruppcnle>tung. Achtung, Baudelcgicrte und Betriebsräte des Deutscheu Daugewerksbunde», Daugewerkschaft Berlin. Am Mittwoch, 6. Juli, 1? Uhr, findet im Eewerk- schastshuus, Seal 1, eine Versammlung sämtlicher Baudelegicrten und Bc- triebsräte des Hoch-, Beton- und Tiefbaugewerbes statt. Tagesordnung:„Bau- delegierte und Arbeitsgerichtsgcsctz." Referent Dr. Neuman». In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Baudelegicrten und Betriebsräte ersucht, restlos zu erscheinen. Der Bereinsoorstaud. Freie Gewerischaftsjugend Groh-Berlin. Heute, Sonntag, beteiligen wir uns an dem Volksfest in der Gartenstadt Falkenbcrg bei Grünau. Beginn 14 Uhr.— Morgen, Montag, pünktlich Ibis Uhr, im Jugendheim Linien. strahe 83/85 Zusammenkunft der Wanderleiter. Vortrag mit Lichtbildern:„Erst- Hilfe auf Wanderungen." Referent Genosse Dr. N. Marx.— Nordring: Ab 18ib Uhr spielen wir auf dem Spielplatz„Einsame Pappel", Platz 4d.— Treptow: Spielen im Treptower Park, Wiese 8.— Brunnenplatz: Mödchen- abend bei Kollegin Bütow.„Unsere Arbeit, wie sie war, ist und sein soll."— Photoamatcure: Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, im Iugendzimmsr(7A) Eewerlschastshaus.„Entwicklung des Negativs." Zugendgruppe des ZdA. Morgen, Montag, 19 Vi Uhr, finden folgend« Ver. anstaltungen statt: Sübost-Treptow: Jugendheim Reichenberger Etr. 66. Heim- besprechung.— Norden: Jugendheim Danziger Str. 23. Vortrag:„Die Zu» kunst des langen Kaufmanns" A4| Ermäßigter Preis X.Vif Haustuch� für Laken 140 cm breit I O PI ErmäOiffter Preis JLeMtl Sport-Anzüge 2- und 3-t eilig•Jtl statt bis 48.00 ÄeP.UU Sakko-Anzüge pT/k AA statt 68.00 Breechesx| m an« Golfhosen| J. AA statt 18.75 JLTt.l/V Sakko-Anzüge Qö blau statt bis 68.00 00. UU weiß und mit indanthren Kanten gesäumt oder mit Hohlsaum II. Wahl Serie I regulär 0.35 0.1t) Serie II regnlärO.60 0.30 Serie in regulär 050 0.40 Reiseschuhe � für Damen, Krokoleder, ßA m. Ledenohle statt 3.10"ov" Spangenschuhe für Damen, weiß oder M grau Segeltuch /■ t».T statt 5.90 X.Wtl Spangenschuhe für Damen,«chwarz od. 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Kränze, prächtige Blumen schmücken mit roten und schwarzrotgol- denen Schleifen den Sarg, der unter dem Blumenhügel fast ver- schwindet. Vom Schulhause weht die Flagge aus Halbmast. In der Siodt: Ueberall Zeichen der Trauer. Erkner in Trauer. Am Bahnhof staut sich die Meng« der eintreffenden Kameraden. Und immer wieder werden Kränze gebracht. Bis weit auf die Woltersdorfer Chaussee nehmen die Kolonnen der republikanischen Schutztruppe Aufstellung. Erst in der siebenten Abendstunde kann sich der gewaltige Zug— der gewaltigste, den Erkner, je gesehen hat— langsam in Bewegung setzen. Voran das Tambourkorps. Das Gaubauner mir dem Gauvorstand folgen. Und dann die Kranz- deputationen. Es führte zu weit, wollte man hier alle nennen: Jede Kameradschaft hat Blumen geschickt, rot leuchtet dazwischen die Schleife der Brandenburger Parteiorganisation auf. Redaktion und Verlag„Vorwärts* haben Rosen gesandt, aus deren roten und schwarzrotgoldenen Schleife zu lesen ist: „Senken sich am Grab die Fahnen, Wollen Hand in Hand wir treffen, Wollen Herz in Herz wir mahnen: Weiter kämpfen, nie vergessen.* In einem Auto werden die verwundeten Kameraden, die mit dabei waren, als die Fafchiftenkugel aus dem Hinterhalt das Herz unseres juneen Mnkämpfers zerriß, mitgeführt. Mit Klängen des Liedes vom guten Kameraden erreicht die Spitz« den Schulplatz, wo bereits eine unübersehbare Menschenmenge wartet. Vor dem Sarg sitzen die gebrochenen Eltern, sitzen die nächsten Verwandten. Müh- jam werden Tränen der Trauer und der ohnmächtigen Wut zurück- gehalten. Die Behörden sind venreten: Aus Frankfurt sind er- schienen der Regierungspräsident, Genosse Bar- tels und L a n dr a t Breuer. Die Behörde Erkner hat ihren Gemeindevorsteher L ü b k e s entsandt. Sängcrgruß ertönt klagend im grünen Hain, während das um- florte Gaubanner sich zu Häuxten des Toten senkt. Immer noch marschieren die Massen auf. Reichsbanner, Partei, Arbeiterjugend und der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Auch die Stadt der Bundesleitung des Reichsbanners, Magdeburg, hat eine Fahnen delegation entsandt. Höltermann vertritt den Bundesvorstand. Einen Ehrenplatz nimmt der prächtige Kranz des Bundesvorstandes auf dem Sarge ein. Kamerad Lauer spricht kurze Begrüßungsworte. Erschütternd der Augenblick, wo er im Auftrag« eines Arensdorser Einwohners einen schlichten Rosenkranz auf den Sarg niederlegt. Erschütternd wirkt es und löst wilden Proteststurm aus/ als er mitteilt, daß sich unsere Gegner nicht gescheut haben, dem Vater des Ermordeten am Tage der Bei- setzung einen Schmähbries übelster Art gespickt mit Zeitungsausschnitten rechtsstehender Zeitungen ins Haus zu schicken. Senatsprästdent Großmann betritt die schwarz dekorierte Redner. tribllne. Er erinnert einleitend an Rathcnaus Tod. Kamerad Tietz war kein Führer wie jener große Deutsche, konnte es nicht sein, da er werdender Mensch war. Sein gewaltsamer Tod hat die Republik ähnlich erschüttert wie in den Junitagen 1922, als Rathenau die Mörderkugel traf. Auf deutscher Landstraße, unter den Farben der deutschen Republik hat Tietz die Mordkugel erreicht. Sein Tod bildet nur ein Glied in der Kette jener Märtyrer, die bereits frülzer ihr Leben für die demokratische Staatsform lassen mußten. Was ihn ereilt hat, konnte jeden treffen, was ihn ereilt hat, kann jeden treffen. Scharfe Worte findet Großmann für den Parteimißbrauch, der nicht einmal vor der Majestät des Todes Halt macht. Der teure Tot« mahnt aus dem Grabe: Republikaner, erobert die Republik, damit sie republikanijch werde. Für den Bundesvorstand spricht höllermann Worte des Ab- fchieds und überbringt die Anteilnahme der Auslandsgruppen des Reichsbanners aus Amsterdam, Lissabon, Chikago, Buenos Aires und New Dork. Dank dem Ermordeten für seine Pflichterfüllung, so ruft Höltermann aus, Fluch dem Mörderdorf. Noch einmal bieten wir die Hand zum Frieden. Bleibt unsere Hand leer, dann möge das Blut des Gemordelen, dann möge das Blut der Gemordeten über jene kommen, die Haß säen und den Totschlag preisen. Friede oder Kamps: Unsere Gegner mögen wählen! Der Trutzgesang Tord Foleson ertönt. Noch einmal spielen die Kameraden das Abschieds- lied. Feiner Regen geht hernieder, als acht Reichsbannerleute den Sarg Karl Tietzes auf ihre Schultern heben. Der Trauerzug. Der Trauerwirbel ist verklungen. Aus dem von jungem frischen Grün umgebenen Platz wird der junge Kämpfer von seinen Käme- raden zum Leichenwagen getragen. Von den Häusern rings um den Platz grüßen noch einmal die uniflorten Banner. Die Starrheit in der Trau>?rgemcinde löst sich. Ohne Kommando treten die Kameraden in Reih und Glied. Eine Kapelle intoniert:„Ich hatt' einen Käme- raden*. Unter den vielen das Banner der Gewerkschaften, der All- genuinen Ortskrankenkasse und das Banner aus der Gründungsstadt des Reichsbanners, aus Magdeburg. In langer Reihe marschieren die Fahnendelegationen an dem toten Kameraden vorbei und treten an die Spitze des Zuges. Hundert, zweihundert, wer will sie zählen, die letzten Zeichen der brüderlichen Treue. Hinter den tvahnendelegationen folgen die Kranzabordnungen. Die letzten Worte, die auf den Schleifen der Kränze an den toten Kameraden gerichtet sind, zeugen wie das Fahnenmcer von der Treue. Einer für alle, alle für einen. Inschrift auf Inschrift zeugt davon, daß diese feige Mordtat die Reihen der Reichsbannerkameraden fester geschlossen hat, zeigt aber auch die innere Wut aller, daß immer wieder einer der Ihren auf der Walstatt des politischen Kampfes als Opfer bleiben muß. Dumpfer Trommelwirbel erfüllt die stillen Straßen Erkners. Auf den: Platz bleiben hunderte, taufende zurück, die auf dem zu kleinen Kirchhof nicht folgen können. Ueberall in den Straßen, an den Plätzen steht die Bevölkerung Erkners, stehen die herbeigeeilter Republikaner, die Volksgenossen aus der ganzen Mark Branden- bürg, vor allem aus Frankfurt a. d. O. Sie empfinden für das Reichsbanner, das grundsätzlich den politischen Mord bekämpft, und mit geballter Faust und trotzigen Mienen wieder einem ihrer Käme- raden letztes Geleit geben muß. In den Straßen vor dem Friedhof kommt der Zug nur noch langsam voran. Die Bevölkerung will dem Toten die letzten Ehren erweisen. Dichtgedrängt sind die Bürgersteige von der harrenden Menge besetzt. Aus dem feinen Regen, der beim Anmarsch des Trauerzuges einsetzte, ist längst ein Gewitterregen geworden. Doch unbeirrt steht diese ergriffene Trauergemeinde an? Straßenrande und wartet mit dem Hut in der Hand aus den Toten. /lm Grabe. Der Zug ist an dem stillen Friedhof angelangt. Von fern klingen die Trauer- und Kampsweisen der abziehenden Kameraden herüber. Durch ein Spalier der gesenkten Fahnen wird der Sarg zur Gruft gebracht. Die Hinterbliebenen, Mutter, Vater und Ge- schwister, werden durch Pfarrer Franke zur Gruft geleitet. Slus dem Herzen der tiefgebeugten Mutter klagen dein, Anblick der offenen Gruft schmerzzerissene Worte. Hätte der Mörder sie nur gehört oder einer der Führer der Rechtsparteien, die angesichts der Iu stark für dies Leben. 8) Von Iwan Heilbul. Am nächsten Tage mußte Grahl statt fertiger Arbeit die Erklärung abgeben, daß er in einigen Tagen bestimmt alle von ihm geführten Konten zum Abschluß gebracht haben würde. Nicht lange nachdem diese Mitteilung seinerseits ge- fchehen war. befahl ihm der Personalchef Karst, sich unverzüg- lich in eine andere Abteilung, das Nevifionsbureau, zu be- geben. Der Dienst dieses Ressorts bestand darin, die Arbeit der Kontenfllhrer zu vrüfen. ihre Fehler zu finden und richtig- zustellen. Zwar erforderte diese kontrollierende Tätigkeit Ausdauer und ein gewisses Talent, das mit dem Spürsinn zu tun hat— aber dennoch wurden die Posten dort� meist mit jungen Angestellten und Kontoristinnen besetzt, deren Monats- gehälter einem der niedersten Sätze des Angestelltentarifs entsprachen. Kaum hatte Grahl seinen Dienst in dieser Ab- teilung begonnen, als der Lehrling Menzel den Raum betrat, um ein verschlossenes Kuvert auf seinen Platz zu legen. Grahl öffnete und fand nun in deutlichen Worten die Begründung zu seiner Entlassung ausgesprochen— dies war die Antwort auf die gestern erfolgte Eingabe des Ausschusses. Als Grahl jenes Wort, das, alles in einem, den Grund zur Entlassung aussprach, las— suchte er tastend nach einem Halt. Im übrigen wurde ihm dringend geraten, freiwillig aus diesem unerquicklichen Dienstverhältnis auszuscheiden, das, je�weiter er es in die Länge zu dehnen versuche, desto mehr an Schaden ihm bringen würde. Das Wort, die Begründung, hieß: Unfähigkeit. Wäre Grahl seiner ersten Regung gefolgt, hätte er sich um eine Unterredung mit Karst oder gar mit Winter bemüht. Aber gewarnt durch den letzten Bescheid, den er von Winter hatte entgegennehmen müssen, hielt er sich fest vor dem Pult, und es gelang ihm notdürftig, sich zu seiner neuen Arbeit zu sammeln. Als die Kontorzeit vorüber war, begab er sich eilig zur Post, um dort einen Brief, einen schmerzerfüllten Protest, aufzusetzen. Später strich er die innerlichst gefühlten Worte heraus und als er das Schreiben in sauberer Abschrift, an einem der Sahalter gegen Ouittunq aufgab, da war es ein sachlich gestraffter Widerspruch.„Man hätte mir eine Frist zur Berfügung stellen sollen,* schrieb Grahl,„zum Beweisen, daß das Nachlassen meiner Arbeitskraft nur auf äußere Einflüsse ohne Dauer zurückzuführen war. Man hätte mit mir verhandeln sollen*(das Wort„menschlich handeln" hatte zu- vor an dieser Stelle gestanden),„statt dessen hat man mich schweigend beobachtet und in Unkenntnis meiner Lage mir gekündigt." Er merkte es wohl— an dem nächsten wie an allen folgenden Tagen: Bon seinen Vorgesetzten als Arbeitskraft völlig oerachtet, ward er von seinen Kollegen im Rücken verspottet. Diese seltsamen Kreaturen, die ihn so lange als arbeitsamen, rechtschaffenen Buchhalter kannten, schoben die Oberzähne über die Unterlippe, fast bis aufs Kinn, als wollten sie sagen: Du Verräter der Firma, der gegen die Autorität opponiert,— hebe dich fort, wir haben mit dir nichts zu tun. Der Einzige, der ihn freundlich ansprach, war Uri. Sie waren während einiger Jahre Pultgenosfen gewesen. Der Leiter der Revisionsabteilung war Baah, derselbe, der im Ausschuß für Grahl gegen seine Entlassung gehandelt hatte. Aber nun erschien dem biederen Manne die Stellung, in die er sich selber begeben hatte, nicht mehr ungefährlich— auch war ihm vielleicht von höherer Stelle die Initiative, die er jetzt ergriff, nahegelegt. Er besah sich öfters am Tage seinen Rcvisionxaugestellten Grahl, indem er sich mit der roten, fleischigen Hand über den goldblonden Borstenschnurr- bart strich. Und endlich erklärte er Grahl— erbrauchte zu dieser Erklärung sechs Worte: er wisse mit ihm nichts anzu- fangen. Uebeb diese Erklärung war Grahl so verdutzt, daß er die Augenlider zusammenzog, als blinzelte er gegen Rauch. Er fragte seinen Auslclnißkollegen nach dem Anlaß, den er zu solchen Worten gegeben: und er erfuhr, daß er, Jakob Grahl, der Arbeit, die man ihm gab, sich augenscheinlich durchaus nicht gewachsen zeigte. „Erledige ich nicht, was man mir zu erledigen gibt?" .,Sck)on recht," sagte Baaß und rieb mit. dem Zeigefinger über den Borst unter der Nase—„aber man kann Ihnen leider nur wenig geben. Sie arbeiten langsam, Herr Grahl," Unfähigkeit! sagte Grahl für sich, obgleich er wußte, daß Baaß all dies sagte, um ihn aus irgendeinem Grunde, den er nicht kannte, zu verderben. Er biß die Zähne gegenein- ander und machte jene Bewegung zur Brille, wie um sie besser vors Auge zu setzen— und schwieg. Was kümmert mich dies, sagte er sich später, mir bleibt mein Mandat, das mich schützt. Er war entschlossen, in diesem Kampfe nicht nachzugeben. Ich sehe keine Veranlassung, dachte er in kaltem Troß, mich aus freien Stücken auf die Straße zu setzen. Ermordet mich und schafft mich hinaus... lebendig bringt ihr mich nicht vor die Türe. Aber während dieser Zeit schweigenden Kampfes wurde er äußerlich und auch innerlich anders. Hatte er früher mit Hermann die Tagesereignisse gern und lebhaft besprochen— so saß er jetzt schweigend, bleich, mit aufgewälztem Stirnbein und verdeckten Augen seinen Kindern gegenüber beim Abend- brot. Sie dachten, es wäre das Unglück der Mutter, das seine Gestalt so mager erscheinen ließ. Und in Wirklichkeit— war es nicht dies? Ja, auch dies.— Mitunter meinte er nacb- denklich bei sich selber, daß diese beiden Kümmernisse auf einmal nicht ohne heilsamen Vorteil wären, da dem einen Kummer, sobald er stärker zum Herzen vorstieß, der andere zur Ablösung kam. Zwei Tage später aber, als Baaß seiner Unzufriedenheit Ausdruck gegeben hatte, wurde Grahl auch von dem neuen Posten im Revisionsbureau enthoben und in die Paket- annähme versetzt. Er übernahm dort den Posten eines Herrn. der an diesem Tage aus unbekanntem Grunde nicht wieder zur Arbeit erschienen war. Grahls Tätigkeit war mit einigen Boten zusammen, die sehr verwundert waren, den Herrn Buchhalter Grahl, den sie noch vor kurzem mit tiefgezogener Mütze gegrüßt hatten, nun als ihresgleichen beim Quittleren, Sortieren und bei der Verteilung eingehender Pakete zu sehen. Er selber fand diese Verwunderung seiner neuen Kol- legen natürlich, und er behandelte sie mit der gleichen Achtung, die er nicht nur für Menschen, sondern vielmehr für jedes lebende Wesen empfand. Wenn er abends über die dunklen Straßen den Heimweg ging, wagte er es, feine Mienen abzuspannen, und sein über den Tag aufrecht getragenen Körper gab sich nun Erschlaffung hin. Seine Lider.lagen schwer über dem trostlosen Blick: seine Mundwinkel, von dem struppigen Schnurrbart wirr über- hangen, waren tief bis ins Kinn gefurcht. Es war in solchen Augenblicken ein Ausdruck des Grams schon vermischt mit den Mienen verächtlicher Gleichgültigkeit— Gleichgültigkeit gegen die flackernden Blicke, den hitzigen Atem der Welt. Einmal traf er am Ausgang mit Uri zusammen. Sie gingen ein Stück des Weges miteinander. Uri erzählte, der erste Nachfolger Grahls auf dem„Konto MR" sei schon am dritten Tage' an ein anderes Pult zu anderer Arbeit versetzt woi-den. Der nächste aber, ein junger Mann, der sich viel auf seine Gewandtheit zugute tat— hatte während eines einzigen Tages des Amtes gewaltet, um am nächsten und allen folgen- den Tagen überhaupt nicht mehr im Hause sichtbar zu werden. Er zog es vor, mit gutem Mut eine Stellung bei einer anderen Firma zu suchen. Das.Konto MR" hatte seitdem den Namen erhalten:„Konto Ueber die Kraft". (Fortsetzung folgt.) Verkauf nw Prmzsnsti: i Ee/feSetosttonste J feinfädigfürBsS- W8sci>e.c3.13ßc/n breit, Meter\ guter IVa schestoff reich besticht, 80x30, 2.7S,. mtSpifzenemsete-, sctiünekrefiige ßuaSm.ca. ISOem breit, Meter, starKfädiger WqScbe- Stoff, zum Knöp fen,. ca. 126x200, SfaffanteSconitufW Nczchtheihdeii mH tastbarer Hpat/stfckerei, feicht CtOly Oy angestaubt, dö'lSso herabgesetzt starkfädige Ware, ,, Totenbahre kein Wort gegen den Mord gefunden haben. Unter den Klängen der Tranerwirbel, umweht von den gesenkten Fahnen, wird der Sarg in die Gruft versenkt. Ueber dem Sarg, der reich mit Blumen geschmückt ist, liegt ein schrvarzrotgoldenes Banner, das die Frankfurter Kameraden geschickt haben»nd das über seinem Sarge liegen bleibt. Pfarrer Franke tritt an die Gruft. Seine Worte sprechen von dem Glauben an die Menschheit, sprechen ein scharfes Urteil gegen die Menschen, die ihren Nächsten hassen werden, zu einer einzigen Anklage der christlichen Kirchcngemeinschaft gegen die Mörder, gegen die ewig Gestrigen, die die neue Zeit nicht begreisen, die alte wieder gewattsam mit allen Machtmitteln, deren sich der frühere Staat bediente, wieder herbeiführen wollen. Pfarrer Franke spricht. Im Johannisbrief, der am vorigen Sonntag den Kirchcnpredigten vorangestellt wurde, heißt es ausdrücklich:„Wir lieben unsere Brüder. Wer seinen Bruder hasset, ist ein Tot- schläger." Karl Tietze, der vor uns liegt, von einer Kugel zerrissen, hat als junger Känipfer schon gespürt, daß nur die Kraft der ge- meinsamen Tat das schreiende Unrecht, das auf Erden herrscht, be- seitigen kann. Als einfacher Arbeitsmann hat er sich an die Seite feiner Arbeitskollegen gestellt, um gemeinsam mit ihnen für die neuen Menschheitsideale, für den Ausgleich und f o- ziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Mit �klarem Blick hat er sich in die Front derer eingereiht, die aus dem Staat, in dem wenige über alle herrschten, einen wahren Lolksstaat machen wollten. Mit glühender Liebe, mit hingebender Begeisterung hat er an diesem Werk gearbeitet. Sein tiefgebeugter Bater,«in einfacher Arbeits- mann, hat seinen Stolz darin gesehen, diesem jungen Kämpen den Weg zu weisen. Ganz wie sein Sohn stand er in den Reihen der Bewegung, die sich schützend vor den jungen Bolksstaat stellte und verhindert wissen wollte, daß die Mächte von gestern die Mächt« von morgen werden. Wir zollen an der Gruft unseres toten Käme- roden den Dank ab für fein kraftvolles Eintreten in die Reihen der für die Menschheitsideale Kämpfenden. Wir nehmen Abschied von ihm mit dem Treuegelöbnis für uns. Wohl ist durch diese Gruft die Kluft zwischen dem alten und neuen Deutsch- land wieder vergrößert, doch trotz alledem wollen wir— das sei unser höchstes Bekenntnis— auch an der Bahre eines Toten von uns bekennen, daß trotz alledem wie nur und immer mit den Waffen des Geistes kämpfen werden. Einer ist von uns gegangen, viele werden wir durch die Kraft unserer Idee in den nächsten Togen und Wochen zu uns heranziehen. * Der stille Friedhof hat eine der erhebenften Trauerkundgebim- gen miterlebt. Alle verlassen die Stadt der Toten, die Gruft unseres Kameraden mit der inneren Erkenntnis: Einer ist von uns gegangen, doch viele wird diese Tat der Gegner uns erobern. tzochbetrieb auf üen Sahnhofen. Gestern 200 Fernzüge. Auf den Berliner Fernbahnhöfen hat gestern der Reise- verkehr, der schon Freitag sehr stark einsetzte, eine riesige Stei- gerung erfahren. Nach den uns gemachten Mitteilungen ver- ließen gestern allein etwa 260 Züge Berlin nach allen Himmels- richmngen, die die Scharen der Erholungsuchenden an die See oder ins Gebirge brachten. Da die planmäßigen D-Züge restlos ausverkauft waren, mußte eine große Zahl von den bereitx.ehaltenen Reservezügen in Betrieb gesetzt werden, die als Bor- bzw. Nachzüge gefahren wurden. Die Besetzung der Züge betrug überall durchschnittlich IVO Prozent. Auf dem Stettiner Bahnhof setzte schon in den frühen Morgenstunden ein starker Andrang ein. Vom Stettiner Bahnhof gingen gestern insgesaint 80 Fernzüge, davon 20 Sonder- z ü g e, a n d i e O st s e e k ll st e ab.— Vom Anhalter Bahn- h o f mit dem Reiseziel nach Süddeutschland und ins Gebirge fuhren 4 5 planmäßige, elf Vorzüge und sechs Feriensonderzüge ab. Auch auf den übrigen Fcrnbahnhöfen entwickelte sich ein überaus lebhafter Reiseverkehr. Vom Lehrter Bahnhof gingen fünf, vom Potsdamer Bahnhof zwei, vom S ch l e s i s ch e n Bahnhof sechs und vom Görlitzer Bahnhof fünf Sonder- jstig« neben den planmäßigen Zügen ab. Außerdem wurde eine Anzahl von Reservezüaen bereitgehalten, die sofort im Bedarfsfälle hätten«ingsjstzt werden können. Heute wird sich noch«in- mal ein großer Aistturm auf die Fernbahnhöfe ergießen, bis sich in den folgenden Tagen die Wogen wieder etwas glätten und der Bahnbetrieb seinen alten Gang nehmen wird. -» In Tegel klagt man über unzureichenden Berkehr von »nd nach Berlin, der ganz unhaltbare Zustände im Gefolg« hat. Durch die Ballung des Verkehrs an der Endstation See- st r a ß e der Untergrundbahn in Verbindung mit der ganz unzureichenden Straßenbahnbeförderung ist die große Zahl all der arbei- tenden Menschen, die zur Arbeitsstätte wollen, oder müde und ab- gearbeitet von dort kommen, gezwungen, den langen Weg in einer Form zurückzulegen die einem Viehtransport nicht unähnlich ist. Dicht zusammengepfercht, so daß man sich die Kleider buchstäblich fast vom Leibe reißt, die gegenseitige Ausdunstung einatmend, Kränk- liche und Schwangere oft unter Lebensgefahr an den Trittbrettern hängend, so vollzieht sich hier der Personentransport. In einer außerordentlich stark besuchten Protestvcrsainmlung im Tegeler Per- emshaus wurde eine einstimmige Entschließung gefaßt, daß man die Fortführung der Schnellbahn von der Seestraße nach Tegel, Verbesserung der geradezu unwürdigen Straßen- bahnverhältnisse und Einrichtung van Autobuslinien fordert. Nachdem alle bisher in dieser Angelegenheit unternommenen Schritte von keinerlei Erfolg begleitet waren, will Tegel zur Selbsthilfe schreiten, Jmrch Schaffung einer besonderen Ver- kehrnotgemeinschast und durch die Finanzierung eines eigenen Per- kehrsunternehmens. Zweifaches Todesurteil gegen Böttcher Im Mordprozeß Böttcher verkündete noch einer einskündigen Beratung Landgerichksdirckkor Bombe das Urteil: Karl Böttcher wird wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, ferner wegen neun Raubüberfällen, einem vollendeten und zwei versuchten Rotzuchtverbrechen. wegen Diebstahl in einem Falle. Unzucht mit Tieren und unbefugtem Wafseubesilz zu einer Gesamtstrafe von 15 Iahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Zahren verurteilt. Er wird unter V�Zeiaufficht gestellt. Die Schußwaffe wird beschlagnahmt. Die Urteilsbegründung. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Bombe u. a. aus: Die neun Raubüberfälle mußten zur Grundlage gemacht werden bei der Prüfung der anderen Taten. Das Gericht nimmt zwar mit den Scchverständigen an, daß der Angeklagte eine ganz besondere Natur darstelle und abseits des Normalen stehe, glaubt aber nicht seiner Darstellung, daß alle seine Taten einen wesentliche» geschlechtlichen Charakter tragen. Der Angeklagte hat selbstverständlich nach Bollbringen seiner"Verbrechen in den Z e i- t u n g en gelesen, daß sie nur von einem sexuell abnormen Menschen begangen sein tonnten: er war nicht so dumm, um nicht zu wissen, daß ein Vorschieben des Geschlechtlichen für die Beurteilung seiner Zurechnungsfühigteit von großer Bedeutung sein würde. Es kommt noch dazu, daß er nicht immer die Wahrheit gesagt hat. Für die Beurteilung seiner Tat an der Gräfin Lambsdorff war sowohl der objektive Befund nls auch sein Geständnis den Land- jägern gegenüber maßgebend. Hinzu kam noch, daß er an Stelle des kleineren Laufes der Pistole den größeren ansetzte. Im Falle der Senta Eckart war der Umstand von Bedeutung, daß seine Kol- legen bekundet haben, er sei am fraglichen Tage doch zur Arbeit ge- kommen. Auch hat ihn damals niemand in trunkenem Zustande gesehen. Er wird wohl beim Würmersammeln auf die Kleine ge- stoßen sein und sie getätet haben, um sie m i ß b r a u ch e n zu können. In beiden Fällen lag Mord vor. Somit mußte auf T o d e s st r a f e erkannt werden. « Es ist bereits zum Gemeinplatz geworden, daß das B e r- brechen eine bio.foziologifche Erscheinung vorstellt, daß der Ver- b rech er das Resultat von Anlage und Milieu ist. Nur aus der Anlage des Kindes und der Umgebung, in dem es aufwächst, werden die asozialen Handlungen, die es als Erwachsener begeht, verständ- lich. Nur in der Kindheit können diese Anlagen in eine sozial wert- volle Richtung geleitet und die schädlichen Umweltsbedingungen ge- mildert werden. Ist an Böttcher in dieser Hinsicht gesündigt worden? Hier gibt es keine andere Antwort als ein entschiedenes Ia. Aus Protest gegen das prügelnd« Elternhaus kam der Knabe Böttcher zu feinen Kinderdiebstählen: der Selbsterhaltungstrieb zwang ihn, bei seinen Großeltern Zuflucht zu suchen, führte ihn zur Bagabondage, drängte ihn in die Berwahr- losung. Der mißhandelnde Stiefvater brachte den Jungen um die fürsorgende Liebe der Mutter, raubte ihm die für das heran- wachsend« Kind so notwendigen ethischen Werte. Er erinnert sich mit Freuden an das Waisenhaus in Stralau-Rummelsburg,—„d er Lehrer war da zu seinen Zöglingen wie ein Vater" — mit Mißvergnügen an die Schulanstalt in Strausberg. Hier ge- riet fein Sexualleben zu allererst auf ungesunde Bahn. Als er dann, bereits von seinem übersteigerten Sexualtriebe beherrscht, der Unzucht mit Tieren ergeben, in die Anstalt zurückkehrte, fand er hier keinen Menschen, der es verstanden hätte, den verschlossenen Jungen für sich zu gewinnen, ihm Herz und Zunge zu lösen. Es mußten Iahr« der unaussprechlichsten sexuellen verirrungen vergehen, seine grausigen Verbrechen mußten geschehen, che er — ein Hohn aus die soziale Fürsorge, ausgerechnet im Polizei- Präsidium, in den Kriminalkommissaren, deren Aufgabe ist, Verbrecher der„Sühne" zuzuführen— zum erstenmal Menscheu fand, deneu gegenüber er sein Gewissen erleichtern konnte. „Ich habe nie zu irgendeinem Menschen von meinem Geschlechts- leben gesprochen," sagte er. Und es liegt«in tieferer Sinn und«ine drohende Warnung darin, daß er gerade an d s-in Orte, wo er in der Fürsorgeanstalt zum sozial brauchbaren Menschen gemacht werden sollte, es aber, nicht durch seine Schuld, nicht wurde, den Mord an der Gräjin Lambsdorff und eine Reihe anderer Verbrechen beging— in der Umgegend der Fürsorge an st alt Strausberg. Es handelt sich hier nicht allein um dies« Fürsorgeanstalt, sondern um die Fürsorge- anstalten überhaupt. Die Zeit für eine optimistische Beurtei- lung ihrer erzieherischen Wirkung ist noch lange nicht ge- kommen. Der dreifache Mord des Fünfzehnjährig?» in Oranienburg, der Doppelmord der Fürsorgezöglinge in Sommerfeld, die vielfachen verbrechen Böttchers— dies nur einige wenige Beispiele— sind zugleich Anklage und Vorwurf. Die Toten dieser jungen Menschen rollen den Gesamtkomplex der sozialen Prophylaxe und der sozialen Pädagogik aus. Hätte man Böttchers Verbrechen verhüten können, wenn man die Uebermacht seines Sexualtriebes beizeiten erkannt, sie in gesunde Bahnen geleitet oder durch günstige Umweltsbedingungen gemildert hätte? Das andere Problem lautet: Können solche Menschen, beizeiten erkannt, unschädlich gemacht werden? Professor Strauch sprach in seineni Gutachten von den ErfolgenderKa st ratio n. Verschiedene Staaten Amerikas haben diesen operarioen Eingriff nicht allein für gesetzlich zulässig erklärt: das Gesetz schreibt ihn in b e st i m in t e n F ä l l e n direkt vor. In Europa, auch in Deutschland, ist man sentimentaler: der Geschlechtstrieb ershcint hier als ein allzu wertvolles Gut: man kann sich nicht entschließen, ihn anzutasten. An Stelle dieser Operation, die sowohl für den Träger unheilbringender abnormer Sexualität, als auch für dessen Mit- bürger eine Erlösung bedeuten wurde, zieht man eine andere Operation vor, die ihm den Kops kostet und für seine Mit- bürger ein« weitere Verrohung in sich birgt. Eine grausame Senti- Mentalität unserer Gesellschaftsordnung! Der Morü in üer Rofenthaler Straße. Aussetzung einer Belohnung. Das Kapitalverbrechen, über das wir aus der Rosenthaler Straße berichteten, ist nach den weiteren Feststellungen ohne Zweifel ein L u st m o r d, keine Tat aus räuberischen Absichten. Das Paar war, als es gegen 1 Uhr nachts im Prioathotel erschien, etwas an- getrunken und roch auch nach Alkohol. Der Mann erklärte dem alten Wirt, der keinen Pförtner hat, sondern selbst seine Gäste empfängt, daß er im Haus« schon bekannt sei. Er trug sich dann in das Fremdenbuch ein, erhielt sein Zimmer und wünschte morgens um 6M Uhr geweckt zu werden. Als der Wirt die Tür etwas öffnete, weil ihm auf Klopfen nicht geantwortet wurde, sah er durch den Spalt, daß die Gäste beide noch entkleidet im Bett lagen. Sie sind nach dem Wecken aufgestanden und haben sich gewaschen und angezogen. Wie sich dann der Borgang weiter abgespielt hat, geht aus den Umständen hervor. Der Mann mutz sein Opfer ganz plötzlich gepackt gewürgt und gedrosselt haben, so daß es keinen Laut mehr von sich geben konnte. Ein junges Mädchen, das in dem Nebenzimmer als Gast übernachtete und mit dem Paar Wand an Wand schlief, hat nichts gehört. Nach der Tat verließ der Mörder in großer Eil« das Zimmer. Er hatte es so eilig, daß er, nachdem er das Verbrechen in Hsmdsänneln verübt hatte, mit seinem Rock gleich den ganzen Riegel neben dem Bett aus der Wand riß. Die Bemerkung des Fremden, daß er in dem Hotel bekannt sei, hat sich als richtig erwiesen. Der alte Wirt erimiert sich, daß er vorher schon zweimal dagewesen war, das eine Mal vor drei Wochen un-d das letzte Mal erst vor ackü Tagen. Er ist etwa 25— 28 Jahre alt, hat ein längliches mageres Gesicht mit hervorstehenden Backenknochen und dunkle Augen und trug einen hellgrauen Iakettanzug mit langer Hose. D i e Ermordete ist etwa 30— 35 Jahre alt und 1,62 Meter groß. Sie hat einen dunkelblonden Bubenkopf, ein« hohe Stirn, graue Slugen und vollständige Zähne. Bemerkenswert ist, daß die beiden Schneidezähne im Unterkiefer sichtbar auseinander stehen. Die Ohren sind besonders groß. An der linken Seite ihres Bubenkopfes hatte die Unbekannte eins Spang«. Sie trug ein dunkelblaues Wall- musselinekleid mit zurückgeschlagenem Kragen und Plissierung und Knöpfen auf dem Brustteil und den Aermelaullchläoen, einen weißen Prinzeßrock mit Spitzen, weiße Beinkleider, ein weißes Trägerhemd, alles obree Zeicben, g�aue FloiPrümicke. unter dem Strumpf am linken Bein in der Höhe des Fußknöchels eine weiße Binde, einen schon etwas abgetragenen Topfhnt aus schwarzem Stroh und schwarze Schuhe. Sie hatte einen Regensckirin mit marmoriertem Knopsgrifs und weih eingefaßten Stangen. Der festgestellte Alkobol- genuß läßt dgeguf schließen, daß das Vaar sich bis gegen 1 Uhr nachts in der Gegend des Rosenthaler Viertels in einem Lokal aus- gehalten hat. Für Mitteilungen aus dem Publikum zur Feststellung der Persönlichkeit der Ermordeten und zur Ergreifung des auch noch unbekannten Mörders wird von der Kriminalpolizei eine Beloh- n u n g ausgesetzt werden. Sie werden von den Kriminalkom- millaren Lobbes und Zapfe im Zimmer 83 a des Polizei- Präsidiums entoegengenommen. Die Mordkommission fahndet mit einem groben Aufgebot von Beamten nach o�-m Svuren der Herkunft der Ermordeten und des Verbleibs des Mörders. Ein schwerer Naubnberfasl. Ein Raubüberfall wurde gestern nachmittag mrf der Chaussee von Rudow nach Schönefeld verübt. Ein zwölfjährige« Mädchen aus Schöneseld hatte in Rudow etwas zu besorgen. Als es heimwärts radelte, wurde es mitten auf der Chaussee von einem Strolch angefallen. Als es schnell an ihm vorüberfahren wollte, riß der Mann es vom Rade herunter. Als das Mädchen um Hilfe schrie, versuchte der Unhold, ihm ein T a s ch e n t u ch in den Mund zu stecken. Das gelang ihm nicht, weil die Ueberfallene sich wehrte. Der Roh- ling schlug sie mehrmals mit der Faust und versuchte sie ins Feld zu schleifen. Zum Glück kam ein Auto des Weges. Jetzt flüchtete der Bandit in das Getreide. Die Insassen des Autos brachten das Mädchen nach Rudow und benachrichtigten den Landjägerpostcn. Es gelang, den Wegelagerer zu stellen Auf der Wache wurde er als ein 32 Jahre alter Tischler August Kunze aus Berlin festgestellt. Er gibt den Ueberfall zu. Die Skelettfonüe otiter dem Stadtbahnbogen Träumereien an moskowitischen Kaminen. Die Skeletfunde unter dem Sradtbahnbogen auf dem Gelände des Ulap haben der„Roten F a h n e" willkommene Veranlassung gegeben, gegen die Sozialdemokratische Partei im allgemeinen und den„Vorworts" im besonderen zu Hetzen. Man beruft sich klipp und klar auf die voreilig, herausgegebene Meldung einer bürger- lichen Korrespondenz,„daß es sich um heimlich in der Nachkriegs- zeit bei den Spartakusunruhen Erschossene handele", und man zitiert,— welch Absturz in die Bourgeosie!— eine erste Nachricht des„Berliner Tageblatts", der Tod sei durch Einschlagen der Schädeldecke herbeigeführt. Niemand wundert sich, daß die „Note Fahne" an diese prächtigen Meldungen die unsinnigsten Be- hauptungen, die verlogensten Kommentare anknüpft. Ha, da sieht man den Bluthund Noske, wie er, unter Beistand von Ebert und Genossen, zwanzigtausend Arbeiter erschoß, meuchelte und ver- stümmelte! Daß die„Rote Fahne" es mit der Wahrheit nicht genau nimmt, ist allbekannt. Aber man erwartet doch von einem großstädtischen Organ, daß es die Leichtgläubigkeit der Leser nicht allzu sehr überschätzt. Ueberspannt zerspringt der Bogen! Der zuständige Gerichtsarzt, ein Mediziner von hohem Rang, dessen Wissenschaft- liche Qualitäten anzuzweifeln albern wäre, Professor Dr. Strauch, hat, zusammen mit einem Kollegen, eine genaue Untersuchung der Knochen und insbesondere der Schädelknochen vorgenommen. Er ermächtigle uns, mitzuteilen, daß jüngstensalls das Atter der Knochenfunde aus fünszig Zahre bezissert werden könne, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß es sich um hundert, ja um hundertund- fünfzig Zahre handele. Die Schädel waren zum Teil schon vom Wurzelwerk durchzogen und„die eingeschlagenen Schädeldecken" müssen der Phantasie besonders begabter Reporter entsprungen sein! Wir sind der festen Ueberzeugung, daß dies alles auch der „Roten Fahne" bekannt ist. Aber kann man von einem kommu- nistischen Redakteur oerlangen, daß er, wenn es heißt, der Wahrheit die Ehre zu geben, ein Mittelchen zur Hetze und Propaganda gegen Sozialdemokratie und„Vorwärts unter den Tisch fallen läßt? * Wie wir weiter erfahren, sind die medizinischen Sachverständi. gen der Ansicht, daß es sich am Lehrter Bahnhof um einen alten Pestsriedhof handelt._ „Rote �ahne" und Schupo. Wir berichteten gestern morgen über Ausschreitungen kommunistischer Demonstranten in der Lessing. siraß« zu Lichtenberg: Wie aus Kommando hatten sich etwa 100 R o t s r o n t k ä m p fe r aus das Begleitkommando von drei Schupobeamten gestürzt, wobei ein Beamter in Notwehr mehrere Schreckschüsse abgab, die niemanden verletzten. Was schreibt aber die„Rote Fahne" dazu? Nüst sie, wie es selbst- verständlich sein sollte, ihre Genossen wegen mangelnder Selbst- disziplin zur Ordnung? Das Gegenteil ist der Fall! Unter der Ueberschrift:„Polizei schießt in Lichtenberg" ver- steigt sich das Kommunistenblatt zu Unmöglichkeiten! Sie schreibt, daß„die Beamten, 12 an der Zahl, wahllos Männer, Frauen und Kinder niederschlugen". Wie ist das zu beweisen?„Die Beamten versuchten, die Demonstration zu sprengen, die sich aber nicht aus- löste." Wie ist das zu beweisen?„Darauf zogen sie ihre Waffen und schössen in die Menge, einem Kameraden wurde der Re- voloer aus die Brust gesetzt und nur dem Dazwischentreten eines anderen Schupobeamten war es zu oerdanken, daß der Frontkämpfer nicht erschossen wurde. Käum war der Kamerad von dem Reoolverlaus der Bestie weggezogen, knallte der Schuß los. Zwei Demonstranten sind verletzt." Und wie ist das zu beweisen? Lüge, Lüg«, Lüge! Bombastisch schließt man:„Damit beantworten die Polizei- offizier Zörgiebels die Hetzrede G r z e s i n s k i s gegen die Roten Frontkämpfer! Wir fordern Rechenschaft über diese neuen Schupo-Bluttatenl" Sobald Schupobeamte sich inkorrekt benehmen, sind wir wahr- lich die ersten, die rückhaltslos Aufklärung und Ahndung ver- langen. Diesmal aber ist einwandfrei festgestellt, daß die Polizei in der unglaublich st en Weise provo- ziert und angegriffen wurde. Deshalb müssen die Polizei- beamten energisch gegen die Unflätigkeiten der „Roten Fahne" in Schutz genommen werden. Wir sind ent- schieden« Gegner jeder Einschränkung verfassungsmäßiger Freiheiten. Doch wenn die Kommunisten mit diesen Freiheiten fortgefetzt Miß- brauch treiben, dürfen sie sich nicht wundern, wenn gegen sie im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten vor- gegangen wind._ » Dochcndendausslellungsschluhi Die Ausstellung„D a s Wochenende" wird ain Sanntag geschlossen. Für den Schlußtag hat die Ausstellungsleitung ein altes berlinisches und märkisches Volksfest vorgesehen. Vier Kapellen sorgen für musikalische Unterhaltung. Alle Kinder erhalten ein Geschenk. Es haben zahlreiche märkische Städte die Entsendung von G r u p- pen in heimatlichen Trachten angesagt. U. a. entsendet die Stadt Guben 30 ihrer schönsten Mädchen. Auch der Spree- wald ist natürlich vertreten. Der Eintrittspreis beträgt Freitag, Sonnabend und Sonntag für Erwachsene 1 M., für Jugendliche S0 Pf. 3000 M. Belohnung. Zu der großen Veruntreuung, die der Posthillsschafsner Fritz Wehlitz beging, wird mitgeteilt, daß von dem Flüchtigen noch keine Spur gefunden ist. Auf seine Ergreifung und die Wiederbeschasfung der 33 000 M., die er unterschlug, hat die Oberpostdirektion jetzt eine Belohnung bis zu 3000 M. ausgesetzt. Zwei Mufteranftalten der In Müllrose und Buckow. Das Versicherungsamt der Stadt Berlin und der Berliner Orts- krankenkasse hatte Vertreter der gesaniten Berliner Presse zur Be- sichtigung der Lungenheilstätte M ü l l r o s e(Krs. Lebus) und dem Genesungsheim„Waldfrieden" in Buckow, die die Ortskranken- kasse für ihre Mitglieder errichtet hat, eingeladen. Der erfreuliche Eindruck, den beide Anstalten machten, hinterließen bei allen an der Besichtigung Beteiligten die Gewißheit, daß die Arbeit, die hier für die Voltsgesundheit geleistet wird, nicht hoch genug geschätzt werden kann. Von den Veranstaltern wurde betont, daß es nur durch die von keinen bureaukratischen Schranken gehemmte Selbst- Verwaltung möglich ist, solche Werke zu schaffen. Di« Lungenheilstätte M ü l l r o s e wurde im Jahre 1907 er- baut. Sie bietet Platz für 58 Frauen und 42 Männer. Die Be- Handlungsdauer beträgt im Durchschnitt 2�3 Monate, erstreckt sich aber nicht selten bis zu 6 Monaten. Die Heilstätte wird allen An- forderungen einer niodernen klinischen Anstalt gerecht. Die Grund- läge bildet natürlich die sogenannt« physikalisch-diätetische BeHand- lungsweisc, die vor allem in sechs st ündigen Liegekuren, Luftbädern, Spaziergängen und einer ganz aus- gezeichneten Ernährung besteht. Für die Spaziergänge steht den Kranken ein Park mit herrlichem Nadelwald von etwa 30 Hektar Größe zur Verfügung. Die Anstalt selbst, die inmitten riesiger Waldungen liegt, besteht aus einem dreistöckigem Haupt- gebäude und zahllosen Wirtschaftshäusern und solchen, die von dem Personal bewohnt werden. Bemerkenswert ist, daß das Personal zur strikten Jnnehaltung des achtstündigen Arbeitstages verpflichtet ist, und die einzelnen Familien Dreizimmerwohnungen mit Bad und Gartengelände bewohnen. Also auch in dieser Hinsicht ist die Anstalt ein schönes Vorbild. Die Erzeugung von elektrischem Licht und Kraft, sowie die Wasserbeschaffung werden von der An- stall selbst vorgenommen. Durch eigene Vieh-, Obst- und Gemüsezucht ist die Wirtschaftslage eine außerordentlich gün- ftige. Zur Beförderung der Patienten und aller Lasten dienen drei eigene Kraftfahrzeuge. Die Instandhaltung der Parks und Gärten in allen Anstalten unterliegt der Beaufsichtigung des Gartenbaudirektors Vesser. Ist Müllrose somit eine Anstalt, in der aktive Erkrankungen zur Behandlung kommen, so sällt dem idyllisch gelegenen Genesungsheim„Waldfrieden" in Buckow eine wesentlich andere Aufgabe zu. Es ist zur Aufnahme von etwa 65 ausschließlich weiblichen Patienten bestimmt, die erholungsbedürftig sind oder sich im vorgeschrittenen Stadium der Genesung befinden. Das Heim, das im Jahre 1913 eröffnet wurde, zeigt in seinem wirtschaftstcchnischen Aufbau ungefähr die gleiche Struktur wie die Heilstätte Müllrose, doch ist die Innenausstattung erklärlicherweise eine modernere, was besonders in der Beziehung des Raumschmuckes und der Farbensreudigkeit, die das ganze Haus beherrscht, auffällt. Auch in diesem Heim wird alles versucht, um die Insassen, deren Kurzeit durchweg vier Wochen betrügt, zu einem größtmöglichen Maß von physischer Kraft und Lebenslust zu verhelfen. Beide Anstalten legen in sichtbarster Weise ein Zeug- nis für das segensreiche Wirken der Krankenkassen ab, die nur das Ziel kennen, der arbeitenden Bevölkerung das«in- zige Kapital— Arbeitskraft und Gesundheit!— zu erhallen und zu schützen. Die Orlskrankenkasse Berlin besitzt außer den genannten Häusern noch in Flinsberg, Schreiberhau, Doberan, Swinemünde, Luisental in Thüringen und in Ku- d o w a eigene Genesungsheime und Heilstätten. Um die Eröffnung weiterer Anstalten bemüht man sich mit aller Kraft. Dieser Funktag brachte insgesamt drei Dichter- bzw. Schrift- stellerbiographien. Das ist schon für den Durchschnittshörer zu reich- sich. In den Köpfen literaturgeschichtlich Interessierter, aber nicht mit entsprechendem Wissen belasteter Funkteilnehmer muß solches Tagesprogramm geradezu Katastrophen hervorrufen.„Wer war nun wer?" niag sich als schreckhafte Frage noch in den nächtlichen Träumen zusammengeballt haben. Besteht wirklich eine äußere Notwendigkeit für eine solche Fülle literaturgeschichtlicher Beleh- rung? Es gibt gewiß viele, sehr viele Dichter, aber pro Tag drei macht im Jahre 1095, im Schaltjahr 1098, in 10 Jahren...... Nein, soviel Dichter können gar nicht existieren. Wir wollen also in Zukunft zufrieden sein, wenn uns der Berliner Sender höchstens die Biogrpohie von einem vorsetzt. Diesmal wäre Hermann Hesse nach der Reihe gewesen, der Fünfzigjährige, dem sicher eine Fülle von Glückwünschen lauten und leisen, aus allen Teilen Deutschlands zuströmten. Albert Lorenz formulierte in einer guten und weisen Rede den Begriff Hermann Hesse. Paul Günther, der aus dem Werk des Jubilars las, blieb in Auswahl und Ton manches schuldig.— MarkTwain.der neben der Unterhaltungs- musik der Kapelle Sula Lewitsch, das lustige Wochenende mit«in- decken half, wurde von Gerhard Pohl eingeführt und von Albert Florath mit Teilen aus seinen Schriften zu Gehör gebracht.— Ueber D o st o j e w s k i s Schassen sprach Dr. Herbert Rosen- f e l d in seiner Vortragsreihe„Geschichte der russischen Literatur". — Interessantes über„Neue Wege der Theaterphotographie" be- richtete Dr. Hans Böhm.— Frcdy Bozinski sprach über„Die Wiederherstellung der internationalen Beziehungen im Sport": er betont« dabei besonders die wesentliche Hilfe, die die Schweizer in dieser Hinsicht geleistet hat. Tes. ötMge Vochenenözüge. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, werden bei ge> nützender Beteiligung am Sonnabend, dem 9. Juli, nach den beliebtesten Berliner Ausslugszielen an der See und im Gebirge Wochenendsonderzüge 2. bis 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen verkehren. Der Zug nach dem Harz fährt in folgendem Fahrplan: Sonnabend, den 9. Juli ab Berlin Schlesischer Bahnhof 14.46, ab Bahnhof Alexanderplatz 14.53, ab Bahnhof Friedrichstrabe 15.01, ab Zoologischer Garten 15.12, ab Charlottenbura 15.19, ab Potsdam 15.57: an Quedlinburg 20.07, Thale 20.31, Gernrode 20.54, Blankenburg 20.7, Rübeland 21.02, Elbingerode 21.22, Tanne 21.49, Wernigerode 20.17, Jlfenburg 20.40, Schierke 22.04, Elend 21.30, Benneckenstein 22.05, Sorge 21.50, Bad Harzburg 21.08 und Goslar 21.41. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag, dem 10. Juli: der Zug trifft um 0.55, also eine Stunde nach Mitternacht, in Berlin wieder ein. Nach den genannten Orten werden Fahrkarten 2. bis 4. Klasse mit 33J4 Proz. Ermäßigung ausgegeben.— Der Zug an die O st s e e fährt nach den Bädern auf Usedom und Rügen: Sonn- abend, den 9. Juli ab Berlin Stettiner Bahnhof 14.30, an Swine- münde 18.23, Ahlbeck 18.32, Heringsdorf 18.37, Bansin 18.50, Uecke-, ritz 19.09, Kölpinsee 19.16, Koserow 19.22, Zempin 19.30, Zinnowitz 19.39, Carlshagen-Trassenheide 19.49. Auf Rügen trifft der Zug ein in Binz 22.40, Sellin 23.03, Göhren 23.22, Lautcrbach 21.12 und Saßnitz 21.21. Auch nach Zingst(an 20.46) und Prerow(an 20.57) bestehen Anschlüsse. Die Rückfahrt erfolgt so, daß der Zug um 0.53 wieder in Berlin eintrifft. Auch zu dem Ostseezug werden noch allen genannten Orten Fahrkarten 2. und 4. Klasse mit 33% Proz. Ermäßigung ausgegeben. Der Verkauf der Fahrkarten zu diesen bei- den Zügen beginnt am Donnerstag, dem 7. Juli, bei den Fahr- kartenausgaben Potsdamer Bahnhof für den Harzzug und Stettiner Bahnhof für den Ostseezug, sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstrahe, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58. Zwei Berliner in der Müritz ertrunken? Nach einer Meldung aus der mecklenburgischen Stadt Waren sind auf dem Müritzsee zwei Ruderer, anscheinend Berliner. ertrunken. Man fand den Doppel-Skuller des Berliner Ruder- Vereins Hellas mit Wasser gefüllt und ohne die beiden Insassen, die am Mittwochnachmittag von der Boltener Schleuse abgefahren waren. Man muß annehmen, daß beide den Tod in den Wellen gesunden haben. Wer den Müritzsee von der Boltener Schleuse aus befahren will, hat bis Waren noch etwa 19 Kilometer zu überwinden. Das ist bei ruhigem Wetter keine große Leistung. Aber auf dem 138 Quadrat- kilometer großen See, der vom kleinen Boot aus den Eindruck eines unendlich weiten Binnenmeeres macht, ist schon bei leichtem Wind der Wellengang sehr erheblich. Hinzu kommt, daß plötzliche Wetteränderungen eintreten, die die Fahrt unter allen Umständen als sehr gefahrvoll erscheinen lassen. Alle Schleusenmeister warnen die Sportler vor dem Müritzsee. Auch die Flößer wisisn von manchem schweren Kampf mit diesem un- gemütlichen Burschen zu berichten. Natürlich reizt die Gefahr immer wie-der Sportsleute, die Fahrt doch zu unternehmen. Vor allem aber muß vor der Besahrung der Müritz mit offenen Booten dringend gewarnt werden. Das Unglück, von dem oben be- richtet wurde, wäre wahrscheinlich vermieden worden, wenn das Fahrzeug abgedeckt gewesen wäre. Ruderboote sind es in den wenigsten Fällen und eignen sich meist für die Fahrt auf der Müritz in keiner Weise. Gerade jetzt bei Beginn der Urlaubszeit, in der viele Freunde des Wassersports hinauffahren in die mecklenburgischen Gewässer, erscheint es angebracht, vor dem Befahren der Müritz im ungeeigneten Fahrzeug dringend zu warnen. In jedem Fall aber sollten rechtzeitig Erkundigungen über die voraussichtliche Wetterlage eingeholl werden._ öprös Empfang in Paris. Paris, 2. Juli.(TU.) Unter ungeheurem Jubel einer begeisterten Menschenmenge traf der amerikanisch« Ozeanflieger B y r d heute nachmittag gegen Uhr mit seinen Begleitern in Paris ein. Am Bahnhof Saint Lazare wurden die Flieger von den Ministern P a i n l e o ä und B o k a n o w s k i, die als Vertreter der französi- schen Regierung erschienen waren, von den Mitgliedern der amen- konischen Botschaft und der norwegischen Gesandtschaft— B a l ch en ist Norweger— und zahlreichen anderen Persönlichkeiten feierlich empfangen. Der Bahnsteig und der Bahnhof sowie viele Häuser der Stadl waren mit dem amerikanischen Sternenbanner und den französischen Farben beflaggt. Nach ihrer Ankunft begaben sich Byrd und seine Begleiter vom Bahnhof zum Triumphbogen, wo sie einen B l u m e n st r a u ß, mit den französischen und amerikanischen Farben versehen, auf dem Grabe des unbekannten Soldaten niederlegten. Hierauf ging die Fahrt zum Cercle Jnteralliä, wo von der amerikanischen Botschaft unter dem Vorsitz von Marineminister L e y g u e s ein Bankelt ge- geben wurde. An dieser Veranstaltung nahmen auch die Flieger Chamberlin und L e v i n e teil. Am Nachmittag wurden Byrd und seine Begleiter vom Präsidenten der Republik emp- fangen. * Die amerikanischen Flottensachverständigen haben festgestellt, daß Byrd einen neuen Entfernungsrekord aufgestellt hat. Er hat in 43 Stunden 21 Minuten 3 812 Meilen zurückgelegt, während Ehamberlin 3790 und Lindbergh 3610 Meilen zurücklegten. Wetterbericht der öffen'lichev Wetterdienststelle für veriin und Umgegend (Nachdr. Verb.): Wolkig und vereinzelt noch Regen. Temvcroturen wenig verändert. AnsangS Welt», später Nordwestlvmde.— Für Leulschlond: Mitlel- und Ostdeutschland unbeständig. In Weil- und Silddeutschland nur ganz vereinzelt noch Niederschläge. Ueberall ziemlich kühl. GARBATY �:■■■■ v/v fnat 65 MVCfSOl uSaba // WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Beginn 1. lull Außerordentlich billige Warenposten Bedeutende Preisherabsetzung in fast allen Abteilungen Ein Posten Damen-Mäntel jusendüche Form, ver> schie-Jene Stoffarten u. Ausführungen..... 975 Damen-Minie! Rips, shettandarlige � JB mm u. imprägnierte Stoffe D-V* Ä Ein Damensträmsrfe ss-... Mako, Seidenflor und Kunstseide Ein Posten Herren-CiamSluren lacke und Beinkleid Baumwolle 3 echt C-_ 75 Mako 925 Damenkleider Serie I Serie II Serie III Serie W Kreionnekleider Ibasdikunsiseide Vollvoile, Msollmvsselin Woll- u. Seidenkleid. 7K �17� o 11 u&J 11<£✓ ilCr/ ä w Zum Teil bis zur Hälfte des früheren Weries Seidenkimonos Hauskleider MusselinkBeid bedruckt, m. schwarzem Lackgürlei....... Westenkleid färb. Weste, imit. 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Z1H«44. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Sonntag, Z. Juli 7927 Das Reich und der Reparationsagent. Kritik am Arbeitsbefchaffungsprogramm.— Das Interesse de'.- Arbeiterschaft. Eine der Grundlagen des Dawes-Plans war die Dorcms- setzung, daß es Deu�chland möglich sei, das Gleichgewicht von Ein- nahmen und Ausgaben im Reichshaushalt herzustellen und daß die Notenpresse zur ordnungsgemäßen Durchführung der Reichsaufgaben uberflüssig sein müsse. Während die Sachverständigen diesen Grund- satz in ihrem Gutachten vertraten, begannen sich bereits als Folge des überspannten Steuersystems der ersten Stabilisierungszeit im Reichs- Haushalt erhebliche Ueberschüsse zu zeigen! Ueberschüsse, die so erheblich waren, daß fast in jedem Jahr seit der Stabilisierung trotz der fortschreitenden Erholung der Wirtschaft, Steuern ab- gebaut werden konnten. Gleichzeitig zeigte sich freilich, daß die A u s g a b e n des Reichs wuchsen und daß immer neue Ansprüche an seine Kasien gestellt wurden. Steuern oder Anleihen für die Arbektsbefchafsung. Es war ein kühner Entschluß des Reichsfinanz- Ministers Dr. Reinhold, im Frühjahr 1S26 fast eine halb« Milliarde Steuern abzubauen. Das geschah nämlich in einem Augen- blick, wo an sich die Lag« der Reichsfinanzen wegen der ungeheuren Arbeitslosigkeit alles andere als rosig war. Dennoch brachten auch 192S die Steuern mehr, als veranschlagt war. Für 1027 konnte wieder ein Ueberschuß d«s Finanzjahres 1926 in Höhe von 200 Millionen M. herangezogen werden. Das Jahr 1926 stellte außergewöhnliche Anforderungen an das Reich. Die Massenarbeitslosigkeit dieses Jahres er- forderte Reichshilfe nicht nur für die Auszahlung der Erwerbslosen- Unterstützung, sondern vor allem für die Beschaffung von Arbeits- aelegenheiten, für die Ankurbelung der im Pessimismus der Krise versackenden Wirtschast. Für diese Zwecke wurden erhebliche Reichsmittel zur Verfügung gestellt. Wollte man sich diese Mittel nicht auf dem Steuertveqe durch Steuererhöhung beschaffen, so war es notwendig, sie auf Anleihe zu nehmen. Das war sogar wirffchaftlich geboten. DicKris«von192S-26 zeigte sich mit außerordentlicher Schärfe auf dem Arbeitsmarkt. Sie hätte ohne das Eingreifen des Reichs Tausende von Arbeitnehmern in ihrer Arbeitskraft er- beb! ich geschwächt. Darin lag ihre Hauptgefahr: denn vom Lahre 1929 droht der deuffchen Wirffchaft Knappheit an Arbeits- kräften. Schon heute fehlt es in zahlreichen Berufen an Nachwuchs. und die mangelnde Lehrlingsfürsorge der letzten Jahre bat das Angebot an gelernten Arbeitskrästen in zahlreichen In- dustrien unter das erforderliche Maß gedrückt. Zum Teil müssen jetzt ungelernte Arbeiter feiern, weil es an gelernten Arbeitern mangelt. Um diese Zukunftsgesahren nicht noch weiter anschwellen zu lassen, war es für die Reichsregierung notwendig, Arbeitsbeschaffung zu treiben. Das war Vorsorg« für Deutschlands Wirtschaft- liche Zukunft. Unsinnig wäre es gewesen, diese Ausgaben, die erst in der Zukunft ihre Früchte tragen sollen, von der Gegen- wart allein ausbringen zu lassen. Darum setzte man diese Ausgaben in einen sogenannten außerordentlichen Haushalt und nahm sie auf Anleihe. Anberechtlgke Kritik des Reparakionsogenwn. Diese Anleiheaufnahme war gerechffertigt und wirffchaftlich vernünftig. Es ist daher überraschend, festzustellen, daß der Reparationsagent an dieser Anleiheausnahme Anstoß nimmt. Er oergleicht mechanisch Einnahmen und Aus- gaben des Reichs in den letzten Iahren und nimmt Anstoß an den steigenden Ausgaben. Betrachtet man aber im einzelnen diese Aus- oabensteigsrung und schaltet man die Ausgaben für außerordentliche Zwecke, die im außerordentlichen Haushalt ausgewiesen sind, aus, so zeigt sich, daß sich die Ausgabensteigerung innerhalb der Ein- nähme st eigerung hielt, die trotz des Abbaues von Steuern eintrat. Es ist ein uraller Streit der Finanzgelehrten, ob die Aus- gaben die Einnahmen oder die Einnahmen die Ausgaben in den Haushalten öffentlicher Körperschaften bestimmen sollen. Der Reparationsagent behauptet, in Deuffchland seien die Ausgaben ausschlaggebend. Wir behaupten, daß o h n e die überraschende und nicht vorherzusehende Einnahme st eigerung, deren Zeuge wir in den letzten Jahren waren und die auch durch wiederholte Er- leichtcrung des Steuerdrrrcks nicht aufgehalten bierden konnte, auch die Ausgaben niedriger gewesen wären. Anders steht es selbstverständlich mit den großen Sonderausgaben des Vorjahres, die unseres Erachtens m i t Recht auf Anleihe genommen wurden. Dieser Anleiheaufnahm« halt der Rcparationsagent einen Satz des Sachverständigengutachtens entgegen, den er irrtümlich viel zu eng ausgelegt und dessen Sinn unserer Meinung nach ein anderer ist, als er unterstellt. Er lautet: „Die Währung eines Landes kann nicht stabil bleiben, wenn sein Haushalt nicht in ein normales Gleichgewicht gebracht ist.' Aus diesen, Satz zieht er die Folgerung, daß jede Ausgabe, auch die Ausgaben für werbende Zwecke, aus den laufenden Ein- nahmen gedeckt werden muß. Diese Folgerung ist irrig. Unter dem normalen Gleichgewicht eines Haushalts kann man nur ein Gleichgewicht verstehen, das sich aus normalen Einnahmen und Ausgaben ergibt. Für außernormale Zwecke dürfen auch außer- normale Einnahmen herangezogen werdciu Darum ist die Ein- richtung des außerordentlichen Haushalts und die Deckung von Aus- gaben dieses Haushalts aus Anleihemitteln richtig und bedenkenfrei. Unwirtschaftliche Mahnahmen empfohlen. Demgegenüber wendet der Reparattonsagent ein, es fei rich- tigsr, keine Anleihen zu begeben, sondern aus dem Besitz des Reichs Aktiven wie die Vorzugsaktien der Reichsbahn zu veräußern. Dieser Vorschlag ist ungesund. Ganz ab- gesehen von den politischen Bedenken, die einer Privatisierung der Vorzugsaktien der Reichsbahngesellschaft entgegenstehen, bedeutet er, daß Reich solle eine mindestens mit 7 Prozent verzinsliche Anlage aus der Hand geben, statt sich zu einem niedrigeren Zinssatz zu verschulden. Di« Reichsanleihe vom Februar dieses Jahres kostete das Reich weniger als 6 Prozent, und eine Auslandsanleihe wäre wohl jederzeit mit 6,6 Prozent Verzinsung zu erreichen. Da scheint es billiger, die rentableren Vorzugsaktien zu behalten. Hinzu kommt aber auch noch der wichtige Gesichtspunkt, daß das Reich die ganzen Stammaktien der Reichsbahngesellschaft besitzt und daß jedes Prozent Stammaktiendividende eine Zusatzdividende von 3i4 Prozent für die teilweise privaten Vorzugsaktionäre mit sich bringt. Die außerordentlich günstige Entwicklung der Deutschen Reichsbahngesellschaft läßt es als möglich erscheinen, daß sie in wenigen Iahren in die Lag« kommt, dem Reich eine Dividende zu zahlen. Auch für diesen Fall fft es asso wünschenswert, daß das Reich möglichst viel Vorzugsaktten der Reichsbahngefellschast übernimmt und behält. Zum Unterschied vom Standpunkt des Reparakionsagenten würden wir es sogar für«in« gesunde Finanzpolitik halten, wenn das Reich eine Anleihe aufnähme, um Vorzugsattien der Reichsbahn zu übernehmen. Auch hier würde es sich unserer Meinung nach um außerordentliche Ausgaben handeln, die durch außerordentliche Einnahmen gedeckt werden könnten. In dieser Hinsicht scheint uns das Reich einem privaten Unternehmen vergleich- bar, das sich verschuldet, um Vermögenswerte zu erwerben, die ihm einen Ertrag bringen, der höher ist als die neu entstan- den« laufende Schuldverpflichtung. Eine Veräuße- rung solcher Werte bedeutet für ein privates Unternehmen wie ffir das Reich einen Verlust, der einer neuen Verschuldung in seiner wirffchaftlichen Wirkung gleichzuachten fft. Do die Krikik berechtigt ist. So erscheint die Etatskrittk des Reparattonsagenten in ihrem Kern stück verfehlt. Dagegen hat er in vielen Einzel» heiten zweifellos recht. Es ist ein unerträglicher Zustande daß die Ueberweifungen an Länder und Gemeinden aus den Steuern des Reiches vorgenommen werden, ohne daß das Reich einen Einblick in die wirkliche Finanzlage von Ländern und Gemeinden hat. Die Reichsfinanzgebarung ist unübersichtlich und unklar, sie erschwert dadurch die Kontrolle des Parlaments und der öffentlichen Meinung. Dies sind aber nebensächliche Punkte. In der Kernfrage der Deckung außerordentlicher Ausgaben hat der Reparationsagent unrecht. An dieser Kernfrage ist aber vor allem die deutsche Arbeiterschaft interessiert, die for- d e r n m u ß. daß solche außerordentlichen Ausgaben geleistet werden müssen, wenn sie erforderlich sind, und die es ablehnen muß, daß ein engherzig fiskalischer Standpunkt— und das ist der Stand- punkt des Reparattonsagenten— dem Reich das Recht abstrei- t e t, seine Aufgaben in dieser Hinsicht zu erfüllen. Entwicklung der öeutfthen Sparkasseneinlagen. 1924 bis 1927. Em Ueberblick der Entwicklung der Spar- und Giroeinlagen der deuffchen Sparkassen zeigt(in Mill. Mark) folgendes Bild: Spareinlage» Giroeinlagen 1924.......... 608,0 655,4 1925.......... 1615,0 885,7 1926.......... 3 096,4 1119,1 April 1927.......... 8 854 1 203 Auf den Kopf der Bevölkerung entfielen Spareinlagen: 1913............. 825,— Mark 1924............. 9,75. 1925............. 25,90. 1926............. 49,70. April 1927............. 61,80 Während 1924 Spar- und Giroeinlagen fast gleich hoch waren. betragen Ende April 1927 die Giroeinlagen nur noch den dritten Teil der Spareinlagen. Hierin zeigt sich ein durchaus normaler Prozeh. Die Spareinlagen wachsen langsam, aber stetig mit der Zunahm« der Kapitalbildung, während die Giroeinlagen, die Kassengelder der Wirt- schaft, nur in dem Maße steigen können, in dem das Wirffchafts- volumen und der allgemein« Umsatz sich vergrößern. Stimmungsmache für Zechengas. Die Ruhr holt sich eine Blamage nach der anderen. Seit in Kassel der Deutsche Derein von Gas- und Wasserfach- männern sich eindeuttg gegen die Ferngasprojekte det Ruhrkohlen- zechen ausgesprochen hat, setzt die Aktiengesellschaft für Kohlever- wertung in Essen alles daran, ihren krampfhaften Bemühungen den Schein des Erfolges zu geben. Die„Deutsche Bergwerks- zeitung", die man als ihr Organ ansprechen kann, brachte am 29. Juni einen Artikel mit dem Tttel„Die Ferngasversor- gung marschier tl". Auf einer Tagung der hessen-nassauischen Provinzial- und Bezirksverbände in Kassel fei die Absicht zutage getreten, sich an die Ferngasleitung aus dem Ruhrbezirk über Han- nover nach Berlin anzuschließen. Die zu gründende Mittel- deutsche Ferngasversorgungsinteressengemeinschaft würde nach den Erklärungen des Direktors Seippel von der Essener Gesellschaft das Gas zu 3,8 Pf. pro Kubikmeter frei Kassel beziehen. Ferner sei grundsätzlich beschlossen worden, der von den Ruhrzechen geplanten gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft bei- zutreten, so daß der mitteldeutsche Lieferungsbezirk von den Zechenkokereien zum Preis von höchstens 3,8 Pf. versorgt werden könne. Diese Mitteilung der �Deutschen Bergwerkszeitung" fft purste Phantasie, und die Ironie des Zufalls will es, daß ausgerechnet die„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" am 1. Juli von ihrem Sonderberichterstatter sich den wahren Sachverhalt berichten lassen muß. Taffächlich hat Direktor Seippel in einer Sitzung der Jnter- essengemeinschaft zum Studium und zur Beratung in Fragen der Gassemversorgung unter dem Vorsitz des Landeshauptmanns in Hessen, von Gehren, einen Werbevortrag für die Zechenprojekte g e-> halten. Der Kasseler Oberbürgermeister hat aber den Vertretem der Presse nach der Darlegung der gegen das Zechenprojekt sprechen- den großen Bedenken erklärt, daß die Pläne der Stadt Kassel auf die sogenannte Gruvpengasoersorgung hinausgehen, durch die bekanntlich das Zechenprojett grundsätzlich nicht in Frage kommt. Nach den Ausführungen des Oberbürgermeisters würde sich die Gruppengisoerforgung in der Hauptsache auf die örtlichen kommunalenGaswerke stützen, und es erscheine auf absehbare Zeit, daß diese den Bedarf vollkommen decken werden. Die Pläne der Aktiengesellschaft für Kohleverwertung seien deshalb für den mitteldeutschen Bezirk zunächst zurückzustellen, was allerdings für spätere Zeit den Anschluß an ein Zechengaswert nicht völlig ausschließe. Aber es kommt noch besser! Auch die besagte Konferenz unter dem Vorsitz des hessischen Landeshauptmanns nahm nämlich keinen anderen Standpunkt ein als der Kasseler Oberbüvgermeister. Es wurde darüber hinaus noch die Gründung von Gesellschaften erörtert zur Verteilung des Gases, das von größeren Kommunen mit modernen Gas- werken produziert wird. Die Gruppengasversorgung wird also von den Kommunen auch beretts organisatorisch mit Energie betrieben. Genau das Gegenteil von all dem ist also wahr, was die„Deutsche Vergwerkszeitung" im Auftrag der Aktiengesellschaft für Kahlev erwertung zusammcnphantasiert. Die„Deutsche Bergwerkszettung" bedient sich aber auch schon des Mittels niederer Hetze. Eine Spitzmarke über den Ab- schluß der Berliner Städtischen Gaswerke heißt folgendermaßen: „3 8 Proz. Dividende bei der Berliner Städtischen Gaswerke A.- G." Nach dem Geschäftsbericht, den die „Deutsche Bergwerkszeitung" natürlich kennt, entspricht der Ge- samtgewinn von 6,02 Millionen unter Hinzunahme der Pachtabgabe einer Verzinsung des Pachtvermögens und des Aktienkapiials von 6,2 Proz. Da nur 5,70 Millionen an Berlin abgeführt werden, erhall die Stadt Berlin noch n i ch t g a n z 6 Proz. Die„Bergwerks- zeitung" aber behauptet, nur um die Städtischen Gaswerke in der Oeffentlichkeit madig machen zu können, eine Dividende von 38 Proz.1 Aber auch damit noch nicht genug. Der Blamagen schönste Holl sich nämlich die Kohle» verwertungs-A.-G. selbst. Nach einer Meldung des„Berliner Tage» blatts" muß sie dementieren, daß die in einer von der Kasseier Versammlung der hessen-nassauffchen Kommunalvcrbändc verbreiteten Mitteilung genannten Gaspreise stimmen. Das sind die von der „Bergwerkszeitung" gemeldeten 3,8 bis 3,9 Pf. pro Kubikmeter- Die Kohleverwertungs-A.-G. muß also die eigenen Behauptungen ihres Leibblattes, der„Deutschen Bergwerkszettung", richtigstellen. Diese Komödie der Irrungen ist wirklich so vollkommen, daß wohl nicht mehr zu besorgen ist, daß die Oeffentlichkeit das Kulissenspiel der Ruhrzechen in der Ferngasfrage nicht durchschaut. Der Grohandelsindex wieder gestiegen. Die auf den Stichtag des 29. Juni 1927 berechnete Großhandelsindexziffer des Statistische« Reichsamtes beträgt 137,9 gegen 137,4 in der Vorwoche. Die Index- Ziffer der Ag rarftoffe hat sich um 0,9 Proz. erhöht.(!) Gleichzeitig ist die Indexziffer für Kolonialwaren um 0,3 Proz. ge- stiegen. Die Indexziffer der wdustriellen Rohstoffe und H a l b w a r e n hol um 0,2 Proz. angezogen, während die» jenige der industriellen Fertigwaren keine Veränderung aufwies. Konkurse und Geschäslsaufsichlen im Zum. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsomtes wurden im Juni d. I. durch den„Reichs- anzeiger" 427 neue Konkurse— ohne die wegen Massenmangels abgelehnten Anttäge auf Konkurseröffnung— und 96 angeordnete Geschäftsauffichten bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Bormonat stellen sich auf 464 bzw. 129. t Vorrat i Der Mbektsmarkt wkrü nur langsam bejser. Noch 193 000 Arbeitslose in Verlin. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt hat die Besserung der Be- schäftigungsoerhältnisse nicht in dem Matze wie in den Bor- wachen angehalten. Die Abnahme der Arbeitslosigkeit beträgt ins- gesamt nur 1760 Personen, so daß sich der gegenwärtige Stand auf 133 084 Personen beläuft. In dem gleichen Verhältnis find auch die Zahlen der Unterstützungsempfänger zurückgegangen. Während die matzaebenden Industrien, wie Metall- und Holz- industrie, keine weiter« Besserung aufweisen, ist wieder ein erheblicher Kräftezugang aus dem Bekleidungs- und Spinnstoffgewerbe infolge der Saisonbeendigung zu verzeichnen. Die Aufwärtsbewegung im Nahrungs- und Genuhmittelgewerbe, nament- Zich in der Schokoladen- und Zigarettenindustrie, wirkte sich am merklichsten bei den Vedarfsanforderungcn jugendlicher Arbeits- kräfte aus. Diese werden auch für Lohnarbeit wechselnder Art in steigendem Maße bevorzugt. Für kaufmännische und Bureau» angestellte macht sich nach dem letzthin eingetretenen Niedergang wieder«ine langsame Aufwärtsbewegüng bemerkbar. Die- selbe Entwicklung zeigt sich für die technischen Berufe. Es waren 193 084 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 194 844 der Vorwoche. Darunter befanden sich 126 7Sä(127 856) männliche und 66 329(66 988) weibliche Per- fönen. Erwcrbslosenunterftützung bezogen 59 749 (61 936) männliche und 29 535(29 672) weibliche, insgesamt 89 284 (31 608) Personen. Außerdem wurden noch 29 256(29 558) Personen durch die Erwerbslosenhilse der Stadtgemeinde Berlin und 32 214(33020) Personen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 5110(5170) Personen beschäftigt. Deutsche unü amerikanische Zilminöustrie. Aus dem Täligkciksberichf der Spitzenorganisation. Aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Spitzen- organisation der Deutschen Filmindustrie ent- nehmen wir einige Feststellungen über die augenblickliche Lage dieses Industriezweiges, die besonders im Vergleich mit dem ersten Film- Produzenten der Welt, denVereinigtenStaaten, interessant sind. Danach gab es in Deutschland Amerika Thealer........ 3 600 14 700 Sitzplätze....... 1600 000 7 600 000 Tageöbeiucher i. Durchschnitt 900 000 8 000 000 Durchschnülsprcis der Plätze 75 Pfennig 1 Mark Jahreseinnahme der Theater 240 Millionen 3 000 Millionen Lustbarkeitssteuer.... 40-50 Millionen Lerhmieten...... 72 Millionen 900 Millionen Die Zahl der in Deutschland beim Film Beschäftigten be- läuft sich auf etwa 45 000, worunter jedoch nicht die Personen ein- begriffen sind, die durch den Film indirekt in den Hilssindustrien beschäftigt werden. Die Gesamteinnahme aus den deutschen Lichtspieltheatern beträgt schätzungsweise 240 Millionen Mark im Jahr. Auf die L e i h m i e t e n entfallen hiervon 72 Millionen oder 30 Proz. Da heute noch die Hälfte der in Deutschland vorgeführten Filme ausländischen Ursprungs ist, beträgt demnach der Leihmietenanteil der deutschen Filme 36 Millionen. Hiervon werden etwa 18 Millionen durch den Verleih(Reklame, Inserate, Versand usw.) aufgezehrt, so daß der Produktion etwa 18 Millionen ocr- bleiben, wozu noch ungefähr 12 bis 15 Millionen aus dem Verkauf deutscher Lizenzen an das Ausland kommen. Diese letzten Ziffern sind mit Vorsicht aufzunehmen, da sie nicht kontrollierbar sind. Der Weltmarkt wird zurzeit zu 35 Proz. von Amerika beherrscht. Nach der amtlichen Statistik bezog Amerika im Jahre 1925 aus der Ausfuhr von Filmlizenzen, deren Warenwert bekannt- lich sehr gering ist, über 300 Millionen Mark, davon 16 Millionen aus-Deutschland. Die wöchentliche Besucherzahl belauft sich aus 55 Millionen. Das ergibt bei einem durchschnittlichen Ein- trittspreis von einer Mark etwa 3 Milliarden Mark Jahreseinnahme. Rechnet man noch die Filniausfuhr von rund 300 Millionen Mark hinzu, so ergibt sich für die amerikanische Filmindustrie die gewal- tige Jahreseinnahme von 3,3 Milliarden Mark. Langfristige Anlagepolilik der Sparkassen. Nach der Zwischen- bilanz der preußischen Sparkassen für Ende Februar 1327 betrugen die Spareinlagen 2,27 Milliarden Mark, die Gesamteinlagen 3,21 Milliarden. Davon waren nicht weniger als 831,3 Millionen an öffentliche Körperschaften und für langfristige Hypothekendarlehen ausgeliehen. Dazu kommen 569,3 Millionen, die sämtlich in mündel- sicheren Papieren angelegt sind. Kurzfristigen Krediten von 1128,8 Millionen stehen also langfristig(oder öffentlichen Stellen) gewährte Kredite von 1400,6 Millionen gegenüber. Das l a ng fristige Anlagegeschäft der Sparkassen hat also sehr schnell die größten Fortschritte gemacht, und alle Angrijfe der Privat- danken in diesem Punkte sind überflüssig. Aber auch die Einzel- st a t i st i t der kurzfristigen Kredite zeigt, daß von insgesamt 681 000 Krediten insgesamt nur 20 000 auf Kreditbeträge über 10 000 M. laufen. Auch nach dem K a p i t a l betrage nehmen die Kredite b i s 10 000 M. den Hauptanteil der Gesamtkredite ein. Verschärfung der polnischen Einfuhrbeschränkung. Zu der Ab- ficht der polnischen Regierung, die Einfuhrbeschränkungen noch weiter erheblich zu verschärfen, wird von Warschauer Blättern gemeldet, daß insbesondere die Einfuhr-Kontingente für Hart- leder, Schuh- und Textilwaren und Konfektions- artikel um 25bis50 Prozent herabgesetzt werden sollen. Gleichzeitig soll nunmehr die bereits seit längerer Zeit geplante Auf- wertung der Zölle durchgeführt werden, die einer Erhöhung der Zollsätzeum 40 bis 70 Prozent gleichkommen würde. Der Gö/l. mit üen Unternehmern. Unbezahlte Ueberstunden in der chemischen Industrie. Bis zum Jahre 1324 bestand für die kaufmännischen und tech- nischen Angestellten in der chemischen Industrie Groß-Berlins ein Tarifvertrag, an dem neben den AfA-Verbänden auch die bürger- lichen Angestelltenorganisationen beteiligt waren. Seit Mitte 1924 ist der G d A., vertreten durch Herrn Krempel, alleiniger Tarifkontrahent. Der GdA. erkaufte sich dieses„Tarif- inonopor, indem er weitgehende Rechte der Angestellten aus dem früheren Tarifvertrage preisgab Die weitere Tarifpolitik des GdA. in der chemischen Industrie bestand lediglich darin, einziger Tarifkontrahent zu bleiben. Diese Sucht konnte der Arbeitgeber- verband dazu ausnutzen, um in den weiteren Tarifabschlüssen mit dem GdA. fortlaufend Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen tariflich festzulegen. Was kümmerten den GdA. dabei die Interessen der Angestellten in der chemischen Industrie! Die durch Herrn Krempel in dem GdA.-Tarifvcrtrag festgelegten Arbeitsbedingungen verschlechterten sich so zusehends, daß sogar der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin das Urteil sällen mußte, daß die Tarifpolitik des GdA. die Interessen der Angestellten der chemischen Industrie schädige. An einem Beispiel, hinsichtlich der Frage der Arbeitszeit bzw. der Ueberstundenbezahlung, sei der Unterschied klargemacht zwischen dem früheren AfA-Tarifvertrag und dem jetzigen GdA.-Tartf. In dem früheren AfA-Tarifvertrage hieß es: „Die wöchentliche Arbeitszeit ausschließlich der Pausen darf 46 Stunden nicht überschreiten. Ueberstunden, die auf Aus- nahmefälle zu beschränken sind, müssen mit je ein Zweihundertstel des Monatsgehaltes zuzüglich 25 Proz. Aufschlag bezahlt werden. Dieser Zuschlag erhöht sich für Sonntags- und Nachtarbeit um 50 Prozs." Heute kann der Arbeitgeber nach dem GdA.-Tarifvertrag durch- weg«ine 54stllndigc Arbeitszeit in der Woche anordnen. Eine Be- zahlung der über 48 Stunden hinausgehenden Mehrarbeit gibt es bis zur 54. Stunde überhaupt nicht. Der Arbeitgeber kann nach diesem Tarifvertrag sogar noch eine über 54 Stunden hinaus- gehende Mehrarbeit verlangen, und selbst dafür besteht nach dem Tarifvertrage nur dann ein Anspruch auf Vergütung, wenn die Mehrarbeit über 54 Stunden zu einer dauernden Mehrarbeit wird. Zlber nicht einmal für diesen Fall hat der GdZl.-Tarifvertrag den Anspruch auf Bezahlung festgelegt! Die Vergütung für diese dauernde Mehrarbeit soll durch eine Pauschalsumme, die mit den einzelnen Angestellten auszumachen ist, abgegolien werden. Wie es damit aussieht, werden die Angestellten in den Betrieben schmerzlich erfahren haben. Diese Art der Arbeitszeitregelung ist geradezu skandalös! Im übrigen zeichnet sich der ganze GdA.-Tarifvertrag durch diese Kann- und Sollbestimmungen aus. Vor einigen Tagen fällte ein Arbeitgebersyndikus ein treffendes Urteil über den GdA.-Tarifvertrag in der chemischen Industrie, indem er sagte:„Es steht ja lediglich darin: man kann, man darf— aber man soll nicht." Am 14. April 1927 wurde die Arbeitszeitnotverordnung er- lasten. Bei den Beratungen zu diesem Gesetz hat auch der GdA. so getan, als ob es ihm Ernst sei um die Sicherstellung des Achtitunden- tages bzw. um die Einführung einer wesentlichen Ueberstunden- bezahlung. Was tut aber Herr Krempel für die chemische Industrie Berlins? Er schloß am 17. Mai 1927«inen neuen Tarif ab unter Bezugnahme aus den§ 6a der Arbeitszeitoerordnung vom 14. April 1927. Nach§ 6a ist, falls keine andere Vereinbarung be- steht, als angemessener Zuschlag für die über 4 Stunden hinaus- gehende Arbeitszeit ein Zuschlag von 25 Proz. zu bezahlen. Was vereinbart aber der GdA.? Der Arbeitgeberverband faßt den Inhalt des Abkommens vom 17. Mai 1327 mit dem GdA. treffend in den kurzen Worten zusammen:„Hierzu bemerken wir, daß durch die vorstehend wiedergegebene Regelung an dem bisherigen Zustand nichts geändert wird, d. h. also, man. hat den Arbeitgebern weiterhin unbezahlte Ueberstunden bis zu 60 Stünden eventuell verschafft. Die Interessen der Angestellten wurden abermals gröblich verraten. Der GdA. hat abermals sein„Tarifmonpol" geschützt und prahlt noch da- mit, daß er allein in Berlin es zu einem Tarifvertrag« bringe. Dabei hat er von den kaufmännischen Angestellten längst keine Mehrheit mehr organisiert, während technische Angestellte wohl überhaupt nicht in seinen Reihen zu finden sind. Gegen diesen Verrat des GdA. müsten alle Angestellten der chemischen Industrie sich zur Wehr setzen. Am Donnerstag, dem 7. Zuli 1927. 19)4 Uhr. findet im„Nordischen Hof", Invalidenstraße 126,«ine von den AfA- Gewerkschaften einberufene Versammlung aller Angestellten der chemischen Industrie statt, die zu der Tarifpolitik des GdA. Stellung nehmen soll. Herr Krempel vom GdA. ist von dieser Veranstaltung benachrichtigt worden. Er hat also Gelegenheit, seine Tarifpolitik vor den Angestellten in der chemischen Industrie zu rechtfertigen. Von den Angestellten muß erwartet werden, daß sie aus eigenstem Interesse sich vollzählig an dieser Versammlung beteiligen. Der zur Hesolüüngsfrage öer öeamten. Die Beamtenschaft kann sich, wie uns vom Allgemeinen Deut- schen Beamtenbund mitgeteilt wird, mit dem Ergebnis der Ab- st i m m u n g im Reichstag, bei der die Regierungsmehrheit eine sofortige Besoldungserhöhung ablehnte, keineswegs ab- finden. Niemand wird der Beamtenschaft beweisen können, daß z. B. der Antrag der Sozialdemokratischen Partei zugunsten der Gruppen I bis VII undurchführbar gewesen wäre, da er einen Aufwand von zirka 5,5 Millionen Mark erfordert hätte. In der Ablehnung auch dieser bescheidenen Hilfe ersehen die Beamten eine glatle Brüskierung durch die Regierungsparteien. In zahl- reichen und stürmischen Protestkundgebungen kommt die Erregung hierüber zum Ausdruck. Sie wird sich nicht eher legen. als bis die Bürgerblockregierung, den Beamten ihr bisher vorent- haltenes Recht einer ausreichenden Existenzgrundlage gewährt hat. Der Allgemeine Deursche Beamtenbund hat daher am 6. Juli seinen erweiterten Bundesvorstand einberufen, um zu der Sachlage Stellung zu nehmen. dem Serliner Stadtfuhrpark. Abgelehnte Lohnumgruppierung. Am 30. Juni nahm«ine Vollversammlung sämtlicher Straßenremiger und Kraftfahrer des Stadtfuhrparks Stellung zu der Umgruppierung der Straßenreiniger in die Gruppe 2(angelernte Arbeiter) und der Kraftfahrer in die Gruppe 4(Handwerker) des Lohntarifs für die städtischen Arbeiter. Vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter waren die entsprechenden Anträge vor etwa 1% Iahren beim Magistrat ein- gereicht und sind nach langen Verhandlungen nunmehr vom Ma- gistrat kurzerhand abgelehnt worden. Kollege Schaum be- richtete ausführlich über den Verlaus der Verhandlungen. In der anschließenden Diskussion wurden die von der Ver- bandsleitung geführten Verhandlungen anerkannt. Im übrigen bra-ckten die istedner übereinstimmend den Unwillen der Be- legschaft über das Verhalten des Magistrats in einer scharfen Kritik zum Ausdruck. Folgende Resolution fand einsfimmige Annahm«: „Die am 30. Juni im großen Saal der Andreas-Festsäle versammelten Straßenreimger und Kraftfahrer haben mit Entrüstung von der Ablehnung der seit etwa IZ-j Jahren schwebenden Anträge auf Umgruppierung der Straßenreiniger in die Lohn- gruppe 2 und der Kraftfahrer in die Lohngruppe 4 des Lohntarifs Kenntnis genommen. Daß der Magistrat Berlin die eingehend begründeten Forderungen trotz der gewaltigen Steigerung des Berliner Verkehrs, verbunden mit einer außerordentlichen Lebens. gefahr für die auf der Straße beschäftigten Strahenreiniger und Kraftfahrer wiederum abgelehnt hat, erfüllt die gesamte Kollegen- schaft mit Empörung. Di« Versammelten beauftragen die Ortsoerwaltung und die Branchcnleitung, alle geeigneten Mittel anzuwenden und die not- wendigen Schritte zu unternehmen, um die gefordert« Ein- gruppierung in den Lohntarif, entsprechend der zu vollbringenden Arbeitsleistung, unter allen Umständen durchzusetzen." Der Verband der Gemeinde- und Staotsarbeiter wird nunm.ehr umgehend weitere Schritte zur Erledigung der geforderten Um- gruppierung unternehmen._ Rückkehr zum Landarbeiterverband. Im Laufe der Inflationszeit wurde die Verbindung der Land- arbeiterorganisation des Freistaates Donzig mit dem Deutschen Landarbeiterverband immer loser, bis es schließlich zur Trennung kam. In ihrer letzten Generalversammlung hat nun die Danziger Organisation beschlossen, ab 1. Juli dem Deutschen Landarbeiterverbande wieder beizutreten. Mit dem Wiederanschluß der mehrere tausend Mann starken Danziger Organisation ist die Lücke wieder ausgefüllt, die jahrelang zum Leidwesen des Deutschen Landarbeiterverbandes und bestimmt nicht zum Vorteil der Landarbeiter zwischen Pommern und Ost- preußen klaffte._ Oer Lohnkampf in der Kölner Metallindustrie. Köln, 2. Juli.(Mtb.) Der Spruch de» Schlichtungsaus. schusses in der Kölner Metallindustrie ist nunmehr, nachdem die Ge- werkjchaften ihn abgelehnt haben, auch von dem Arbeit- geberverband abgelehnt worden, der die Gewerkschaften erneut ersucht hat, die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen. Gesperrte Gastwirlsbetriebe. Wegen Tarifbruch und Nichtbe- Nutzung des öffentlichen Arbeitsnachweises sind folgende Betriebe vom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cofä-Angestellten für organisierte Arbeitnehmer gesperrt: Berlin: Spandauer Bock, Jnh. Wiedehöft(rechte Seite), Westend: Zum Heide- reit er, Hasenheide Ecke Kamphausenstraße: Friedrichshagen: Ge» sellschaftshaus, B e l l e v u e, Müggelsee-Kasino, Seeschlößchen, Ravensteiner Mühle, Restaurant Müggelhort, Pa- radiesgarten, Rahnsdorfer Mühle, Restaurant Bärenhöhle, Bahnhos Rahnsdorf, Zentral-Restaurant, Jnh. Büttner, Cafö Mignon, St. Hubertus, Friedrichs- Hägen: Treptow: Kaiserbad-Garten: Grünau: Restaurant Rioiera, Restaurant Haltestelle Uferbahn: Erkner: Bür, gergarten: Grünheide: Restaurant M a t s ch k e. Aufgehoben wird die Sperre über Engelhardt Ausschank, Reederei Nobiling, an der Jannowitzbrücke, Destillation Friedrich, Belle-Alliance-Str. 4. Um Irrtümer zu vermeiden, weisen wir dar- auf hin, daß das Lokal Spandauer Bock(linke Seite) Westend nicht gesperrt ist. Die seinerzeitige Sperre über das Lokal Sportdenkmal in Grünau ist bereits am 22. Mai 1927 aufgehoben. Die Sparkasie der Dank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G„ Berlin. Wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 3— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. SAISONAUSVERKAUF Kommen Sie beßimmt- es lüird geboten!' Beginn Frei rag Uuli Während unseres� SAISON-AUSVEßKAUFS geben wir außer* dem auf olle regulären Waren eineExlra- Ermäöiqung "M! >"■ W"*»* Sozialistische Arbeiterjugend Sroß-Serlin. Acht»»«! Heber I«jährige«Senon'cn, welche sich dem Arbeiter-Samariter- Bund zur Verfügung stellen wolle», treffe» sich in folgenden Sammelstellen für die Slragensammlung morgen. Sonnlag. Z. Juli. S Uhr. Mitte: Leibniz-Snmnasium. Mariannenplatz.- Tiergarten: Lokal von Lausch, Bredow» Ecke Wielefftraße.— Wedding: Lokal von Velliij, Echulstr. 12. — Prenzlauer Berg: Lokal von Mielke. Lnchener Str. 1—2.— Sriedrichsh-i»: Lokal von Vartusch, Friedenstr. 8«— strenzder,: Lokal von Buhr, Blücher» ftratze 3S.—«h-rlottenburg: Zuaendheim Vosinenstr 4.— Echäueberg: Lokal von Rosenthal, Ederostr W.— Tteglitz: Lokal von Schulz, Birkduschstr.«0.— Tempelhof: Lokal von. Lindisch, Mariendors.«dnigstr. 44.— Reukelln: Lokal von Wilke Lonau- Ecke Reuterstrasie— Treptow: Beermann- Ecke Elsen» steahe.— Lichtenberg: Lokal von Rothorf. Rlgaer Str. SZ— Weitzen-ee: Lokal von Starke, Eharloltcndurqer Ecke Tassostrasie— Pankow: Zugendheim Kisiingenstratze.— Hermcdorf: Turnhalle Roonstratze .0 ü':g! Die Genossen, die noch an den fserien fahrten nach Tbürinaen t4. August) und Lüneburger Heide T. SS. Ja. Das Gericht kann keinerlei Anordnungen treffen.— W. W. 2«. 1. Die Satze sind uns noch nicht bekannt. 2. und 3. Rein. 4. 3b, ist aber zwecklos.— H. 93}. Nicht bekannt. Das Statistische Reichsamt befindet sich Liitzowufer 6/8.— Ernst 17. Es handelt sich um den Gemeindezuschlag zur Grundvermogenosteuer. Dieser kann in Hbhe von 100 Proz. auf die Mieter umgelegt werden.— A. 333. Sie sind zur Zahlung nicht verpflichtet.— 3. M. R.£S. stontraktbruch liegt nicht vor. Es wird nur die Herstellung des vertragsmäh-ge» Zustandes gefordert. Das Gericht dürfte zugunsten des Vermieters entscheiden.— G. W. 23. Zu de» gesetzlichen Erben gehören Sie und die Eltern bzw. Geschwister Ihres Mannes. Sie erhalten die viilfte des Wertes des Nachlasses, während die andere Hälfte an die Verwandten Ihre» Mannes fällt. Autzerdem stehen Ihnen die Haushaltungsaegenstände und die Sochzeitsgefchenke zu. Das von Ihnen eingebrachte Gut gehört nicht zum Nach. laß Ihres Mannes. 2. Nein. ST. 75 1 Badesdiuhe weiss und schwarz, prima Leinen, m't Gum nlsohle, In bester AusfQhrun Gr. 31-35 Sportsdiulie f. Rasensport u. 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Fahrtkostenbeitrag für das erste ttind pro Woche 1 M., für das zweite ttind 30 Pf., weitere ttinder aus einer Familie sind frei. ttinder Erwerbsloser sind ebenfalls frei. 12. ttrei» Steglitz. Die Helfer für den Sammeltag der Arbeitersamariter treffen sich Roonstr. 39, Ecke Hindenburgdainm, Lokal von Schmidt. 13. ttrei» Treptow. Montag, 4. Juli, pünktlich 20 Uhr, in Niedcrschöncweite. Berliner Ecke Fennstraße, ttreisvorstandssitzung mir allen Abteilungsleitern. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten lein. Hessmlers billig in allen Abteilungen geböte Wäschestoffe Bettwäsche Waschestoff feinlädig Breite 83 cm...... Meter M Mako-W eicfatuch hochfein Breite 83 cm...... Meter M, l50 Bettgarnituren Satz= 1 Oberbett 130/200 cn> 2 Kissen 80/80 cm«_ ßiatte Stoffe. Satz M. 18.-, 14.— 12.— gemustert Atlas.. 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Juli 1927 bis auf weiteres hat die Koks-Vereinigung Berlin 1925 O. m. b. H. fotgende Preise frei Keller bei Lieferung in Fuhren nicht unter 30 Ztr. von jeder Sorte festgesetzt: je Zentner In Reichsmark Qaskoks, Stück und Brech III 20—(0 mm 2,23 dto. Brech I 60— 90 mm und Brech II 40—60 mm......... 2,28 Berliner Schmelzkoks, Stück...... 2.28 dto. Brech I 60— 90 mm 2,44 dto. Brech II 40— 60 mm 2,49 dto. Brech III 20— 40 mm 2,23 Original WestfSl. Zechen- Schmelzkoks, Stück...... 2,4« dto. Brech I 60—90 mm 2,62 dto. Brech II 40—60 mm 2,81 dto. Brech III 20— 40 mm 2,41 Orig. EschweilerZechen-Schmelzkoks, St 2,40 dto. Brecht 60— 90 bzw. 50— 80 mm 2,62 dto. Brech II 40—60 bzw. 35— 50 mm 2,81 dto. Brech III 20— 40 bzw. 20—35 mm 2,41 Hammonia Schmelzkoks. Stück.... 2,40 dto. Brech I 60—90 mm 2,62 dto. Brech II 40—60 mm 2J81 dto. Brech III 20—40 mm 2.41 Original Oberschles. Hüttenkoks, Stück 2J0 dto. Würfel 1 60—80 mm 2,43 » dto. Würfel 11 40—60 mm 2�57 dto. NuB I 24—40 mm 2,35 Niederschles. 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Zuli, von lg bis 12 Uhr in der Wohnung es Genolicn sieising. 2>. Abt. Di« Genossinnen und Genossen, die am«reissommerfest teilnehmen, treffen sich gn, Uhr am Bahnhof Prenzlauer Allee. Montag. 1. Juli, SO Uhr, wichtige Funktionärsitzung bei Burg. Prenzlauer Allee ISS. Alle Ziczirksfllhrer müssen unbedingt erscheinen. 'S. Abi. Schoncberg. Wir bitten die Mitglieder, sich'recht zahlreich am heutigen Sommerfcst der 7S. Abteilung im Birkenwäldchcn, Tempelhof, Manteuffelstratze, zu beteiligen. .-l- i-i f■-, A 79. Abt. Schönebera. 13 Uhr im Birkenwltldchen, Tempelhof, Man» teuffelstrasie, gros, es Volksfest. Alle Mitglieder mit ihren Familien müssen sich hieran restlos beteiligen. Freunde und Gönner unserer Sache sind freundlichst eingeladen, starten sind noch zu haben bei den Bezirtsfübrern und Kassierern. Festredner Wilhelm Richter. Achtung» Die Funktionäre treffen sich bereits um Sttz Uhr bei Groß, Eedanstr, 17, 12. Abt. Montag, sigung. i. Juli, 19M Uhr, bei Schmidt, Wiclefstr. 17, Funktionär. Dienstag, 5. Juli: 51. Abt. Sharlotteaburg. 20 Uhr bei: Fuuktlonärsitzung. Achtung! Der Vorstl s«. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei Würlich. sitzuna, IM. Abt. Treptow Lehmann, Königsweg», nichtige iand tagt bereits um Ig Uhr ebenda. Begasstr. 1, wichtige Fmtkiionär. ........ Pllnltlich IS Uhr im steichrnfaal der Doltsschule, Wilden bruchstraße. Portrag:„Bericht vom Parteitag in—~-- Paul Becker. Außerdem wichtige Mitteilungen. unbedingt einladen. � IM. Abt. Zohaniusthal. Kiel.' Berichtcrstaticr Die Bezirksführer müssen ISsb Uhr wichtige ssunktionärsitzung bei Gabln, Boon- straße 2. Niemand darf fehlen. S rauenveronstaltungeu: 7.«tri» klharlottenbnra. Für die Dampferfahrt am 3. August sind die«arten lSrwachsene 1 M., Kinder 46 Pf.) bei der Kreisleiterin von 16 bis IS Uhr iu haben oder fchriftlicki zu bestellen. lret» Pantow. Montag, 4. Juli, 19 Uhr pünktlich bei Meehs, Berliner Straß« Ecke Lindenpromenabe, Kreisfunkiionärinncnkonferenz. Tagesord- nung: 1. Wochcnendkursus in Gohrisch. 2. Dampferfahrt. S. Winlerarbeit. 3b. Abt. Die Dampferfahrkarten find bei der Genossin Echönfeldt. Duncier. straße 79, zu haben. 74. Abt. Zehleudorf. Montag, 4. Zuli, Ausflug zum alten Tornow In Pot». dam. Treffen um 14 Uhr Bahnhof Mitte. Abfahrt 14.14 Uhr bis Slowa- wes. Dampferkarten sind bei Genossin Drescher, Zehlendors-Weft, Lessing- IS, zu haben. straße. 84. Abt. Lankwitz. Montag, 4. Juli, 26 Uhr, bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm» Straße 29/31, Lortrag:„Die Kindcrsrcundebewcgung.' Bcsrrcntin Irma Fechenbach. Die Arbeitcrlugend ist dazu eingeladen. Protestkundgebungen am Mittwoch, dem 6. Juli, 1 f)1/* Uhr gegen die geplanten Rechtsbiockzälle, gegen die votksleindliche Wucherpolitik der Bürgerblockregierung I Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 28/24 Germaniasäle, Chaufseestr. 110 Comeniussäle, Memeler Str. 07 tziliems z�estsäle, Hasenheide. Es sprechen die NeichStasiSabgeordnelen Malbilde Wurm, Toni Sender, Robert Schmidt- Berlin, Georg Schmidt« Köpenick. Männer und Araueu! heraus zum Prolest.' Prolesstert io lehler Stunde gegen deo beabsichtigten Zollwucher der jehigeu Reichs- regierung. Der Bezirksvorstand der SPD. Berlin. g>. Abt.»cnlüll«. Montag, 4. Juli, 19V4 Uhr. bei Lübbecke, K-rlsgarten. sie. Vortrag:„Aus L-ssalles Leben und Wirken." Referent Dr. Max vubicay;„uwj Schütte. Gäste herzlichst willkommen. Juugsozialisten: »rapp« Reinickenborf.vst: Montag, 4. Juli, 29 Uhr. im Jugendheim Tee. b-d, Restdenzstraße. Bortrag des Genossen Fron, Lepnifkl. Thema:„Auigab-n der Jugend unterer Zeit."— Gruppe Tiergarten: Dienstag, 5. Iult, 26 Uhr, "' Trümper, Firnsburger Str. 3, Diskussionsabend. bei Uhr, Jugendheim Lindenstr. 3. erbewoche. 2. Reichsknrfus und Berfchiedenes. Türkantroll« Arbeiksgemeinschafl der Kinderfreunde: Lelferuerfammlung Mittwoch, t. Juli, 1914 U! Tagesordnung: 1. Rückblick und Ausblick der Wert Neichskonferenz. Anträge und Wahlen dazu. 8. durch Otto Metzner. Bertrieb der Zellmarken nicht vergessen I «reis«rcnzberg. Gruppe Südost: 4. bis 18. Zuli zehntägig« Ferienfahrt in? Tchlanbetol. Treffen Montag, 4. Juli, v?8 Uhr. Görlitzer Bahnhof fUnfall- stelle). Rückkehr Mittwoch, 18. Zuli. Ankunft 17.17 Uhr Görlitzer Bahnbof.- follefi!« Tor: Ferienfahrt vom Mittwoch, 8. Zuli. bis zum 21. Zun nach Reu-Golm bei Fnrstenwalde a. d. Spree. Anmeldungen bis Montag, 4..>uli. 18 Uhr, bei Mar Ehlupathn, Brandenburgstr. 74, vorn 2 Tr. 82. Abt. Steglitz. Achtung! Di- Spiel« fallen während der ganzen Ferien au». Sport. Länderweltstveil der verufsriager. Im Mstropol»Dariet4 begann am Freitagabend der Internationale Wettstreit der Mittel- und Schwergewichte, an dem bisher 14 ausgezeichnete Ringer teilnehmen, u. a. R o m a n a s s- Rußland, W e i n u r a- Mandschurei, T u r o s f- Rußland, sowie Naber, Opitz, Willing. Pietro Scholz und Philipp. Weitere Ringer werden erst im Verlaufe des Wettstreits eintrete». Alle Ringer wollen und müssen sich bemühen, dem Ringspan seine Beliebtheit zurückzuerobern. Als erstes Paar im Wettstreit kreuzten Meqerhanz- Dortmund und A d a m s ch a ck> Berlin die Hände. Letzterer erlag kurz nach der ersten Pause dem schweren Dortmunder durch Aus- Heber in der 13. Minute. Der Berliner Willing und Grüne- w a l d> Westfalen trennten sich als einziges Paar des ersten Kampf- abends ohne Resultat. T u r o f f- Rußland, der die Ringtechnik aus- gezeichnet beherrscht, legte den schweren Schopps schon nach SVi Minute blitzschnell auf die Matte. Aeußerst flott rangen Opitz- Thüringen und Omelczento- Ukraine. Der Thüringer mußte trotz seiner großen Vorsicht nach 17 Minuten die Waffe» strecken. Ein buntes Vaiietöprogramm leitete den Abend ein. Die Paarung der Ringer des heutigen Kampfabend« läßt«ine» guten Sport erwirten. Reaaell zu Strausberg am Souaabend, dem Z. Zuli. 1. Rennen. 1. ffenja lRosrnkranz), S. Lhasa(Block), g. Orot« (Schüller). Toto: 159: 10. Platz: 29. 40. 20: 10. Ferner Uesen: Paoa«. Chrysoltd«, Figaro, Azalie. Baccarat. 2. R e n n e n. 1. Opponent(Schuller). 2. Nettclbeck(Oertel), 8. Rück- fahrt(Lewicki). Toto: 207: 10. Platz: 74. 22, 28: 10. Ferner liefen: Ouident. Magier, Kariffima, Treuherz. Albana, Greisteufel, Mirabelle, Daisv, Theano, Diana, Argonaut, Thalysia. 3. Rennen. 1. Clothilde(Staubinger), 2. Lichtelfe(Narr), 8. Loga- ihythmuZ(Tarratz). Toto: 22:!0. Platz: 12,26,14:10. Ferner Uesen: Carl Ferdinand, Streiisrage, Lichtstrahl, Katzbach. 4. R e n n e n. 1. Gerold(Lewicki), 2. Gigerl(Michael«), 3. Florsina (Ackermann). Toto: 192: 10. Platz: 32, 16, 16: 10. Ferner Uesen: Farmer, Lette«. Bervll, Lasella. 5. R e n n e n. 1. Halca(Moritz), 2. Laokoon(Heuer). 8. Harzreise (Schüller). Toto: 26:10. Platz: 15.17,20:10. Ferner Uesen: Galopp. illster, Grille, Donnerwetter, Wiwia, Mirakel, Volaca. Dcul. 6. Renn e'n. I. Abteilung. 1. California(Wermann), 2. Prokla- mation(Grabich), 3. Palodin(Großkops). Toto: 83: 10. Platz: 17, 17, 14: 10. Ferner liefen: Weise, Vidouze. La Mamora, Sange d'Or, Rivalin, Venezianerin, Ealter Lily.— II. Zlbteilung. 1. Beresina(Staudlnger), 2. Bogiar(Teichmann), 3. Daheim(Wenzel). Toto: 35: 10. Platz: 18, 26.17:10 Ferner liefen: Daheim, Kriegsgewinnler, Leonardo, Ocker, Stella mari«. Der Harz. Pargo. 7. R e n n e n. 1. Mulatte(BiSmark), 2. Schlaumeier(Oertel). 3. Narrenzeit(Häuser). Toto: 32: 10. Platz: 19, 112. 51: 10. Ferner liefen: Franzla, Lusitania, Fanta?ca, Schlehblüte, Czapka, Jduna, Mai« morgen, Ritoinell, Bengali. llderaibt man nur dem Zlacbwei, de» Deutschen Musiterverbande,. Berlin, ttom- mandontenftr.«3l«4. Dönhoff 8277—78. veschästszeit 9—5, Sonntag» IS—» Uhr. Auf Wunsch: Vertreterbesuch. i&Jn- Mgister�itück'. für,äm> yCannef' VtUUi KRZ. •:-■. Uj Vorwarls-lmcraic verdLrSea Erlolg! „HOFFNUNG Bekleidungsindustrie Q. m. b. H. Berlin N 54. 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Heilert Bte» Msriannenstrsße 3. Ecke Zlcnliwnllrasie An» Moriiivi.I0Z63 t Kölns. Piller. Ertsuteile rhllill«ritii MMl Pumpenfabrik Befllo N 65, Itiniditiiiiarsn Str. 95 Ich habe mein Bureau von Berlin SW 68, �immerstr. 3 4 nach äeoHttlin, Berilnertir- 82 verlegt Tei. Neuk.(F. 2) 4248. Nach Löschung beim Kammer geeicht hin ich heim Amtsgerichi Neukölln und Landgericht II zugelassen: nach den Gerichts ierlen erfolgt meine Zulassung auch bei den Landgerichten I u.lll ör. Hans M. iemon BedilSAnwalt Danksagung. Für die wohltuenden Beweise herz- iicher Teilnahme, die uns beim Heim. gange unseres teurenSntlchIafrnen.der .Ninna Streese geb. Lsdeburg :n io reichem Maße erwiesen smrbe». wwie lllr die trostreichen Wort» de« Herrn Pfarrers Thlemei, sage» wir lirrma unseren tcefgesühsten Dank. Berlin, im Juni>927. Familie Otto OleQco. Dealsdier Metallarlieitef'Veriiaoil Vervaliungsstell« Bertin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Wertzeugmacher (Zeorx am 1. d. 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Seine Mutter, deren einziger er war, weinte sich schier die Augen aus, aber der Drang in ihm war stärker als alle Liebe und alles Mitleid zur Mutter, er riß ihn los und zog ihn in die Weit«. Siebzehn Jahre war er, als zum erstenmal das große Schisf unter ihm schaukelte— als es seine Mutter erfuhr, war er schon weit, weit vom Strande seines Vaterlandes. An dem Morgen, an dem sie den Brief erhielt, erfaßte sie der Zorn. Sie verbrannte alle die Zehnpfennig-cheftchen, die in den letzten Jahren seine Lektüre gewesen waren, und es war, als ob die um die grellbunten, schlecht gezeichneten Bilder leckender Flammen ihre Mutterlieb« mit verbrannten. Als aber dann nach vielen Monaten der zweite Brief kam, in dem einer, dem es gut ging in der neuen Welt, seine Mutter herzlich bat, ihm wieder gut zu sein, da trieb die Liebe einer Mutter reinere Blüten als zuvor, denn eben diese Liebe las von einem bitteren Heimweh zwischen jeder Zeile. Darum hat sie sich hingesetzt, die Nickelbrille hergesucht, und hat ihm geantwortet, ganz so, wie ein« Mutter nur antworten kann. So ging es durch manches Jahr, und schrieb er auch jedesmal die gleiche Adresse, so mußte die alt« Frau immer wieder neu« und andere fremdklingende Worte und Namen mit lateinischen Buckstaben auf den Umschlag malen. � Aber auf einmal blieben die Mutterbriefe aus Deutschland aus, keiner mehr suchte und fand den Weg über das große Wasser. Die„Tante Marie" ließ ihre Schwester beerdigen, den Brief aber, der gerade in dieser Zeit wieder einmal aus fremden Landen kam. steckte sie uneröffnet in den Ofen, für sie war der Luftikus nicht mehr auf der Welt. Wenn ihr einer vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten erzählt hätte und von seiner rasenden Entwicklung, sie hätte den Kopf geschüttelt und sich jedes Weiterreden, jeden Versuch einer Beeinflussung energisch verbeten. Für sie war Ame- rika— mit welchem Namen sie überhaupt alles Ausland meinte— das Land der Wilden, der wilden Menschen, der wilden Tiere, des unwegsamen Urwalds. Als junges Mädchen hatte sie einmal eine Geschichte gelesen, eine Urwaldgeschicht«, und wie es darin beschrieben stand, so sah sie Amerika. „Tante Marie" war Witwe, hatte ein nettes, Neines Haus in- mitten eines großen Gartens, ein Kartoffelfeld dahinter und nebenbei eine wenn auch klein« Pension. Sie hatte durch dies alles ein sorgenfreies Leben, und da sie sehr einfach und anspruchslos lebte, blieb sogar etwas übrig und von dem übrigen fiel hie und da für chre Schwester etwas ab, die es sehr brauchen konnte. Da sie es aber stets mit endlosen Ermahnungen zu der Erziehung des in ihren Augen total verzogenen Felix gab, so war sie dem Jungen nie eine liebe, sondern zuerst eine gefürchtete und später«Ine gehaßte Tante. Di« Abneigung, die gegenseitig war, lag aber tiefer, sie lag in der entgegengesetzten Veranlagung der beiden Blutsverwandten, denn die Tante Mari« war eine praktische Natur, der Junge aber war ein Phantast. Niemals ließ sie ihn durch die Briefe der Mutter grüßen und niemals schrieb er ihr einen Gruß. Und dann kam doch«in Brief von der Tante, den hatte aber nicht sie, sondern ihr Nachlaßverwalter adressiert. Und in dem Brief wurde der Felix Pöhlmann oufge- fordert, als nächster gesetzlicher Erbe die Hinterlassenschaft seiner Tante, Marie Höpfinger, anzutreten. Ein paar Monat« später ging ein bärtiger, breitschulteriger Mann mit viel zu langen Haaren, wie die Leute meinten, durchs Städtchen, sah an den Häusern und am alten Kirchturm hinaus wie ein Fremder und guckte dann doch wieder die Leute an, wie einer, der fragen wollte:„Zu welcher Familie gehört denn ihr?" Dann ging er endlich auf das kleine Haus z», sperrte auf und trat«in. Da wußten sie es alle—„Das ist er— der Amerikaner." Und sie standen neugierig hinter den Blumenstöcken, sahen ihm nach, und dann warteten sie, daß er zu ihnen käme. Aber er kam nicht. Am anderen Morgen, in der blassesten Frühe, stand er im Garten, hemdsärmelig, mit eingeschlagener Hemdbrust und stieß den Spaten in die Erde, und so ging es nun Tag um Tag mit Um- graben. Säen und Pflanzen und Gießen. Das war dir einmal«in komischer Amerikaner, so einen hatte man ja seinen Lebtag noch nicht kennen gelernt. Schon daß er mit einem Biindelche«, ankam, statt mit den richtigen großen amerikoni- schen Koffern aus gelbem Leder mit Messingbeschlägen. Und nun ging er gar her und sing im Garten zu arbeiten an, als hätte er nie etwas anderes gemacht, und als wolle er nie mehr etwas anderes machen. Das sab ja ganz nach Dableiben aus und— ganz wie �»abe-nickts und Rm-zu-nichts-gekomnien. Und unheimlich sah er auch aus.„Wie ein Räuber", sagte einer und schüttelte sich, und die anderen sagten es nach. Und er sah auch wild aus mit seinen tiefdunklen, stark beschatteten Augen und dem bärtigen Gesicht. Gar zu gern hätten sie von ihm gewußt, aber er gab kein« gescheite Antwort, welschte nur so ein paar Brocken daher, aus denen man sich nichts zusammenlesen konnte, und die klangen gerade, als habe er zwanzig Jahre kein deutsches Wort mehr gesprochen und habe deshalb das meiste vergessen. Und als ihn endlich, einer so lang quetschte, bis er etwas sogen mußte und er unmöglich mehr austonnte, da welschte er nur heraus, daß die Menschen überall gleich seien, und daß man in Amerika seinen Kohl nicht anders baue wie dabeim. und daß die Welt ein kleines Ding sei. Daraus schließen alle, daß der Amerikaner drüben bei seinen Indianern schlechte Erfahrungen gemacht, und daß er nichts vor sich gebracht habe auf der anderen Seit« der Welt. Aber das war furcht- bar nüchtern und eines Amerikaners unwürdig, den man sich nur mit großen Geldsäcken, eventuell auch mit großen Svrüchen und Erlebnisien vorstellen konnte. Ob es nun von ihm selbst war, ob es die Phantasie eines andern geboren hatte, man erzählte es sich schon nach ein paar Tagen, er habe drüben im Urwald eine reiche Farm gehabt, und Frau und Kinder, da seien die Wilden darüber hergefallen, hätten Frau und Kinder niedergemetzelt, das Haus an- gezündet, und nur er konnte fein nacktes Leben durch dl« Flucht retten. Das war doch eine Sache— nun konnte man verstehen, daß ihm das Erbteil seiner Tante gerade recht gekommen war, und daß er nun im lieben Vaterland« bleiben wolle. Da- ließ sich eher Woran liegt es! Radiosabrikant Müller:.Mehr Lohn wollen Sie, weil Sie ein Fahrrad brauchen?— Lächerlich! Früher kannte man solchen Luxus nicht, und die Arbeiter lebten auch." Fohrradjavrikant Schulze:„Sie tonnen mit Zhrem Lohn nicht auskommen? Natürlich, weil heute jeder Arbeiter den Radiofimmel hat und sein Geld für derartigen Krimskrams ausgibt!" Müller und Schulze:„Unerklärlich! Trotz meiner vorzüglichen Reklame will sich der Absatz gar nicht heben. woran liegt das uur?" hören, das baute eine Brücke, auf der man ihm nahe kam. Eigent- lich war er ein respektabler Mann mit seinen schwarzen Augen, dem Bart und der breiten Brust. Nur die Haare trug, er sehr lang und Sonntags zog er keinen Kragen an, aber eine richtig« Frau konnte dem abhelfen. Und da hatten sie auch schon eine für ihn. Die Mei- linger-Margret. Schon ein wenig überständig— aber erstens„bei Kasse" und zweitens tüchtig und brav. Ihre Stuben waren so blank und rein, daß man vom Fußboden hätte essen können, und ihr Leben stand wie ein unbcschlagenes Fensterglas vor aller Augen. Die Margret paßt«, die würde aus dem Amerikaner einen brauch- baren Menschen machen. Es fand sich auch einer, der dem Amerikaner die Sache bei- brachte. Der schwitzte zwar dabei, als er sich seines Auftrags ent- ledigte, aber der Amerikaner blickte ihn so sonderbar an, daß er am Ende nicht klar darüber wurde, wollte er ihn im ersten Augenblick hinauswerfen oder wollte er ihn umarmen. Da aber der Ameri- kaner zu dem Boten gar nichts sagte und ihn nach ein paar india- nischen Brummern entließ, so nahm man an, er wolle sich die Sache richtig durch den Kops gehen lassen, und damit hatte man ja auch vollkommen recht. Am andern Tag aber, als er wie allmorgendlich seine jungen Pflanzen goß, kam es ihm vor, als denke er überhaupt nicht mehr daran, denn er warf nicht einen Blick auf die Nachbar. Häuser, hinter deren Fenstern besorgte Augen sein Tun beobachte- ten. Und doch sahen sie schlecht, diese Augen, denn sie sahen nicht, daß der Amerikaner in Gedanken soviel Wasser an die Pflänzchen goß, daß sich die kaum festgesetzten Wurzeln herausspülten und die Pflänzchen umfielen. Sie sagten'- untereinander, es ist ihm alles gleich und er tut ganz, als hätten wir nicht gesagt:„Komm zu uns, bleib bei uns, wir nehmen dich an!" Es geht nämlich nicht, daß einer abseits lebt, ohne die andern, die um ihn herum ein Ganzes sind. Aber der Amerikaner spürte das doch, mehr als die Nachbarn— und anders als sie. In ihrer sauberen Stube stand an diesem Morgen die Mei- linger-Margret, und ihr Herz, das durch Jahre so unentwegt ging. wie ihr ganzes Leben, schlug heftig, ungleichmäßig. Wie nun den roten Schließkorb ausmachte, in dem ihre an den Druckkantea schon angegilbte Ausstattung lag, jedes Dutzend mit einem rosa Bändchen gebündelt, da kam es über sie wie heiße Wellen. So viele gute Gedanken haben einst ihre Hände hier mit eingenäht, und nun sollte es der Pöhlmann Felix sein, der Amerikaner. Sie sah ihn vor sich, bärtig, dunkel, fremdartig, mit feinem weiten Blick und dem über der Brust offenstehenden Hemd. Da lief ein neuer Schauer über sie hin, und sie dachte, er ist wie ein Dämon, unheimlich, fremd, eigenartig, stark, und ihr schon halb eingeschlasenes Blut rauschte jäh auf nach ihrem Herzen. Dann sah sie sich in dem kleinen Haus. Im Garten blühten Malven und Astern und das Haus war blank vom Grund bis zum Giebel. Wenn aber die Sonntagsglocken läuteten, dann ging sie in ihrem grauen, enganliegenden Tuchkleid zur Kirche. Und neben ihr ging er, die Haare geschnitten, in einem dunklen, glänzenden Anzug und einem weißen Linnentragen. Auf seiner dunklen Weste aber glitzerte die massiv goldene Kette von ihrem Vater selig, die sie seit dessen Tod in ihrem eigenen Schmuckkästchen bewahrte, denn die würde sie ihm samt der Uhr als Hochzeilsgabe schenken. Was er wohl eben tat? Saß er im Dämmer des Tages in seiner Stube wie sie, und sah verwundert in das Glück, dos ihm da entgegenkam, der Tunichtgut, der Springinsfeld? Draußen hatte er's gesucht, der Treulose, und nun gab es ihm die Heimat. Und wirklich saß der Amerikaner in seiner Stube, die glimmende Pfeife zwischen den gelblichen, festen Zähnen. Wie im Kino jagten sich die Bilder vor seinem Auge. Er sah sich als Junge, mit heißen Backen, die buntgebilderten Heftchen der Schundliteratur lesend, sah seine Mutter— Tante Marie; dann kam Hamburg, die große Stadt, die dem dummen, davongelaufenen Jungen endlos schien. Dann die Schiffe— sein Schiff. Das Meer, weit, endlos, und dann doch das fremde Land. Cr sah grosie Städte, in denen er nicht weilen mochte, bis er in die düsteren, herrlichen Wälder kam. Er sah die unendlichen, unbeengten Weiden, sah sich selbst auf flinkem Pferde, der kühnsten einer. Im Erinnern versanken kummervoll« und einsame Stunden, die bitteren Enttäuschungen der Fremde. Schön war die Welt, weit und groß, und herrlich war die Freiheit. Das reckt ihm die Arm«, das weitet ihm die mächtige Brust, und dann setzt er sich hin und schreibt. Wie am anderen Morgen die Nachbarn über den Zaun guckten. da war kein Amerikaner im Garten und die Haustür war zu. Dem Notar aber brachte am gleichen Tage der Postbote einen Brief, er solle Haus und Garten, alles verkaufen; zwecks Zusendung der Kaufsumme würde ihm die nähere Adresse mitgeteilt, und der Brief, der im denkbar schlechtesten Deutsch geschrieben war, war mit Felix Pöhlmann unterzeichnet. Das Häuschen mit dem Garten wurde verkauft und Margret Meilinger hieß die neue Besitzerin. Blitzblank liegt es nun in der Sonne. Weiße Vorhänge blähen in den weit offenen Fenstern, weißgekalkt sind die Wände. Astern und Malven blühen leuchtend und bunt im Garten. Unter der grüngestrichenen Haustür fitzt ein fchwarzweißgeflecktes Kätzchen und putzt sich. Die Margret kommt mit der Gießkann« um die Ecke und lächelt weh. Sie glaubt es nicht mehr so fest, daß das Putzen des Kätzchens einen lieben Besuch bedeutet, und ihr Herz beginnt zu erkennen. daß Zugvögel nichts festhalten kann, nicht Geld und Gut, nicht Be- quemlichkeit und Wohlbehagen, und nicht— die Liebe. Der sichtbare Herzschlag. Die Sichtbarmachung der inneren Vorgänge im menschlichen Körper ist für die sichere ärztliche Diagnose von großer Wichtigkeit. Schon seit einiger Zeit sucht man den Schlag des Herzens sichtbar zu machen, indem man die elektrischen Ström«, mit denen der Herzschlag verknüpft ist, einem elektrischen Stromanzeiger zuführt. Ein neuer amerikanischer Apparat macht nun alle Feinheiten des menschlichen Pulsschlages und damit der Herztätigkeit sichtbar, wie in„Reclams Universum" berichtet wird. Durch eine um das Handgelenk gelegte elektrische Kontaktoorrichtung werden die mechanischen Schwankungen der Blutwelle des Pulses in elektrische Schwankungen umgewandelt, die einer Spul« zugeführt werden, d>e sich in der M'tte einer Kreisscheibe befindet, an der Stahlpendel verschiedener Länge angebracht sind. Beim Stromdurch- gang durch die Spule kommt dann durch die magnetischen Schwin- gungen nur das Pendelchen zum Mitschwingen, dessen Schwingungs- zahl dem augenblicklichen Schwingunaszustond des Pulses entspricht So zeigen sich Aenderungen im Pulse sofort durch das Ansprechen immer anderer Pendel. Auf diese Weise läßt sich auch ganz bequem im stundenlangen Dauerversuch die Empfänglichkeit einer Person gegen äußere und innere Reize, ihr Verhalten in der Narkose, das Reagieren auf Heilmittel usw. oerfolgen. Das neue Instrument, das auch als Schreibvorrichtung ausgebildet ist, besitzt also für die Diagnose große Bedeutung. Vogelschuß auf Helgoland. Helgoland, das deutsche„Bogel- paradies", aus dem sich im Herbst und im Frühjahr ungeheure Vogelscharen niederlassen, ist noch immer der Schauplatz eines Vogel- mordes, gegen den sich jetzt die nordwestdeutschen Naturschutzvereine energisch gewendet haben. Die Vogeljagd ist natürlich auch hier ver- boten, nicht aber die Benutzung gewisser Gerätschaften, und so gehen die Helgoländer nachts mit großen Lampen und Keschern aus und erbeuten jährlich an die 20 900 Stück: sie behaupten dann stets, daß sie die Vögel„tot ausgelesen" hätten. Es soll daher jetzt auch die Benutzung solcher Gerätschaften verboten werden. Der Teppich. Bon Armin T. W e g n e r. Gelobt sei der Meister dieses Teppichs! Wenn ich in der Orennenden Sonne durch die Stadt schreite, kommt der Händler mit schlürfenden Schritten hinter mir her: er ist klein und oerwachsen, sein linkes Auge schielt blutunterlaufen zu mir herauf. Er trägt die Last der Ballen auf seinem Buckel, jetzt wirft er sie in den Staub, breitet den Teppich mitten auf das Pflaster der Straße. Welche Landschaft tut sich oor meinen Augen auf? Dieser Teppich ist bunter als die Blumen der Palmengärten, Orangen und Mandarinen leuchten aus seinem Dickicht, Granatäpfel und Zitronen entfallen ihre roten und weißen Blüten. O lieblichster Garten, zwischen dessen Rosenlauben wandelnd ich mich verliere! O Sonnenauf- und nieder- gang, du dunkle Schwül- der Gewitter, wenn rotglühend der Staub- stürm über die Steppe hinfährt: alles ist in ihm. alles redet aus ihm. Ich will diesen Teppich kaufen, Achmed, welchen Preis willst du fordern? Ist dies nicht der Tisch, von dem wir speisen, das Lager der Liebenden, der treue Gefährte unserer Wanderungen, wenn sein freundliches Bild über den Rücken der Reittiere herab- hängt? Unser Haustier, das schweigend zu unseren Füßen ruht, das unsere Sohlen zärtlich berühren, wenn wir müde in den kahlen Raum der Herberge treten, in das regendurchnäßte Zell in der Wüste, und breiten ihn in den Staub, um darauf zu schlafen.... Doch was sagtest du, zwanzig Pfunde? Ich will dir den Rest meiner Barschaft geben, ich bin nur ein armer Soldat, Achmed, zehn Pfunde ist alles, was ich besitze. Wenn ich diesen Teppich lobte, tat ich es, um deinen Ruf zu oerbreiten: aber glaube mir, er ist nicht mehr als vier Pfunde wert, seine Maschen sind locker geknüpft wie ein ausgeweiteter Strumpf, die Motten haben ihn zerfressen, eines Tages wird er in meinen Händen in Staub zerfallen.. Du lächelst? Du willst mir seine Geschichte erzählen? Dieser Teppich hat tausend Geschichten, jede ist schrecklicher und oerlockender als die andere: er ist das unergründliche Märchen, das nie ein Ende hat. Drei Ge- schlechter webten an ihm, starben darüber hin, in ihn knüpfte eine alte Frau die Perlen ihres Kummers und ihrer Tränen, hauchte ein brustkranker Jüngling die letzten Seufzer. In seine Decke gerollt, oerbarg sich der schwarze Eunuche, als die Mörder bei Nacht in das Schlafzimmer seines Herrn drangen, ihn zu töten. Giftige Seuchen haften an seinen Fäden, in ihn wurden die Pestleichen geschnürt, hinter denen der Pilger herzog, sie in heiliger Erde zu bestatten. Dieser Teppich ist mein Tod, Achmed, willst du, daß ich daran sterbe?... wie?... du willst ihn mir schenken? Und was werde ich dir geben? Meinen Rock, mein Hemd, meine Stiefel? Willst du, daß ich nackt über die Straße gehe? Zwölf Pfunde will ich dir geben und einen Piaster für deinen Knaben, ich werde mich zwei Monate von Datteln nähren, von trockenem Brot, ich werde meine Kleider, meine Bücher, meine Wäsche verkaufen— denn ich bin sterblich oerliebt in diesen Teppich! Wie der Jüngling sein Mädchen begehrt voll verzehrender Leidenschast. so träume ich von ihm bei Tag und in Nächten, und wenn ich ihn in Gedanken ausbreite, be- ginnen seine Farben zu singen, schläfern mich ein wie die zärtlichste Musik. Glaubtest du wirklich, ich hätte Angst vor der Pest, Achmed? Und hätte ich nichts in der unendlichen Well und müßte verlassen unter den Steinen der Wüste dahinsiechen, wäre ich doch noch glück- lich, an ihn geklammert zu sterben. Gelobt sei der Meister dieses Teppichs! Hute flusflchten für öen Hochsommer. Bisher hat die mitteleuropäische Menschheit noch nicht viel Freude am Sommerwetter 1927 erlebt. Der Vorsommer ist, von der ersten Maiwoche abgesehen, ausgesprochen unfreundlich, kühl und reg- nerisch verlaufen. Seit dem 9. Mai herrscht das wenig sommerliche Wetter, und nur um den 21. Mai und 17. Juni gab es insgesamt drei oder vier Tage mit ziemlicher Wärme und reichlickem Sonnen- schein. Sonst lagen die Temperaturen ständig unter dem Normal- wert. In Süddeutschland war es besser als in Mittel- und Nord- deutschland, aber beständigen warmen Sommer hat es noch nirgends gegeben. Sichere Schlüsse auf den Charakter des eigentlichen Sommers sind aus diesem wenig erfreulichen Anfang nicht zu ge- winnen. Im allgemeinen kann man aber sagen, daß ein kühler Vor- sommer ein besseres Symptom für den Hochsommer abgibt als ein sehr schöner und heißer. Es gilt für unser Klima die Regel, daß die spät einsetzenden Sommer die besten zu sein pflegen. Nicht umsonst oerlegt ja der Volksglaube„Sommersanfang* erst aus den 21. Juni, den Tag des höchsten Sonnenstandes im Verlauf des Jahres. Vor- her herrscht eben noch der astronomische„Frühling*, obwohl man zunächst doch annehmen müßte, daß die Zeit des höchsten Sonnen- ftandes die Sommermitte sein müßte. Aber die Wirkung des hohen, wie im Winter des niedrigen Sonnenstandes macht sich immer erst drei bis vier Wochen später im vollen Umfang bemerkbar. Somit bcben wir als Mitte des Sommers mit durchschnittlich den höchsten Wärmegraden in Deutschland erst die Zeit vom IS. bis 23. Juli anzu- sprechen, und nicht selten sind die Fälle, daß sich in warmen, sonnen- scheinreichen Sommern die größte Hitze noch später, häufig erst im August, einstellt. Den vielen, die sich beschweren, daß der Mai und Juni in diesem Jahre ungenügende Wärme brachten, sei ausdrücklich gesagt, daß es einen Sommer, der vom April bis zum September warm und schön ist, fast überhaupt nicht gibt. Wenn im Sommer zwei oder drei Monate hintereinander eine wesentlich über den Normalstand hinaus- gehende Mitteltemperatur bringen, haben wir schon allen Anlaß, von einem recht warmen Sommer zu sprechen. Vier bis fünf Monate hintereinander bedeutend Übernormals Temperaturen kommen so gut wie überhaupt nicht vor oder nur in den„großen Sommern*, von denen sich vielleicht je einer oder zwei in hundert Jahren einstellen. Die letzten Fälle dieser Art gab es 1834 und 1868. Die gewöhnlichen warmen Sommer pflegen sich bis zum„längsten Tag*, oft sogar bis Ansang Juli größerer Hitze zu entHallen. In den gesamten letzten Jahrzehnten hat es sich fast ohne jede Ausnahme gezeigt, daß die- jenigen Jahre, die schon vor Mitte Juni Hitzegrad« von 32 und noch mehr Grad Celsius im Schatten brachten, nachher nur einen mäßig guten oder gar einen ausgesprochen schlechten Sommer aufwiesen. Die wegen ihrer Hitze berühmten Sommer 1994, 1911, 1921 begannen durchweg erst spät im Jahr, im Juli, und waren im Vorsommer eher kühl als warm. Besonders gilt dies für das Jahr 1921, in dem z. B. der Juni als geradezu kall bezeichnet werden mußte— von wenigen heißen Tagen im Anfang abgesehen. Die Hitze setzte erst mit dem 9. Juli ein und hielt sich dann mit Unterbrechungen bis zum 29. Oktober. Auch der wegen seiner Hitze und Dürre meist bekannte Sommer 1911 fing erst am 7. Juli, mtt der sehr großen Hitze sogar erst am 22. Juli an. Auch die nicht übermäßig heißen, aber warmen und schönen Sommer 1914 und 1917 brachten im Mai und Juni nur mäßig« Wärmegrade. Dahingegen haben in den letzten 2S Jahren die durch zeitweilige hohe Hitzegrade im Vorsommer ausgezeichneten Jahre 1992, 1993, l'99S. 1997, 1999, 1919, 1915, 1922 durchweg wenig schöne, zum Teil ausgesucht schlechte Sommer gebracht. Wenn man die Dinge unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, ist der wenig schöne Vorsommer dieses Jahres«her ein günstiges als «in ungünstiges Wetteroorzeichsn für den bevorstehenden Hoch- sommers Die Fälle, in denen ein kühler und regnerischer Borsommer sich ohne Aenderung der Witterung auch in den Hoch- und Nach- sommer hinein fortsetzte, sind außerordentlich festen. In den ganz« letzten Jahrzehnten hatten wir nur einen einzigen Fall dieser Art, im Jahre 1916, zu verzeichnen. Ist es schon aus diesem Grunde nicht unwahrscheinlich, daß wir berechtigt sind, gewisse Hoffnungen aus den eigentlichen Sommer 1927 zu setzen,. so wird diese Vermutung noch gestärkt durch den recht warmen März dieses Jahres. Die Wetterstatistik lehrt, daß ein aus- nehmend warmer März, der dann von einem überwiegend kühlen April und Mai abgelöst wird, nahezu immer einem warmen Sommer vorausging. In den letzten 299 Jahren gab es in Deutschland acht- zehnmal einen März, der so warm wie der von 1927 oder noch wärmer war. Auf diese 18 warmen Märzmonate ist nur zweimal ein kühler(1836 und 1993), dagegen elfmal ein ausgesprochen warmer oder gar heißer Sommer gefolgt, darunter die berühmten Hitzejahre 1794, 1846 und 1859. Es kann demnach kaum bezweifelt werden, daß auf Grund der deutschen Witterungsgeschichte die Wahrscheinlichkeit eines � vorwiegend guten und warmen Sommers 1927 mindestens fünf- bis sechsmal größer als die eines kühlen ist. Das muh entschieden als eine günstige Aussicht bezeichnet werden.— Sollte sich in der Tat ein warmer Sommer einstellen, so ist damit zunächst noch nichts über die Niederschläge gesagt. In vielen Fällen pflegen sich ja warme Sommer gleichzeitig durch Niederschlagsarmut, zuweilen aus- gesprochene Dürre, wie 1994, 1911, 1921, auszuzeichnen, und lang- dauernde Dürre ist bekanntlich durchaus unerwünscht und kann ge- radezu zur wirtschaftlichen, zumal landwirtschastlichen Katastrophe werden. Aber heiße Sommer müssen durchaus nicht dürr sein. Der Juli 1914, der Juli und August 1917, sie haben gezeigt, daß aus- giebige Wärme und sehr reichliche Niederschläge sehr wohl Hand in Hand gehen können, nämlich dann, wenn häufigere Gewitter die Hitze unterbrechen. Gewitterreiche Sommer gelten als die srucht- barsten— und mit Recht. Sollte also in der Tat der Hochsommer 1927 wieder einmal warm werden, so wollen wir hoffen, daß ihm auch von Zeit zu Zeit Gewitter mit kräftigen Regenfällen als wohl- tuender Ausgleich nicht fehlen mögen! »Erste Hilfe* für Blumen. Daß auch die Blumen atmend« und leidende Wesen sind, ist ja durch die Versuche der neuesten Zeit in überraschender Weise erwiesen, und so sollte man auch diesen niedlichen Kindern Floras, wenn wir sie zum Schmuck auf unsere Tische bringen, die„erste Hilse* nicht verweigern, die ihr Leben verlängert und ihre Schönheit erhöht. Zwei Aspirintabletten, die auf den Boden der Blumenvase gelegt werden, bringen wahre Wunder hervor und richten die Köpf« der Blüten auf, wenn sie sich auch be- reits wie zum Sterben gesenkt haben. Hat man kein Aspirin zur Hand, so genügt auch schon ein wenig Salz, das dem Wasser bei- gefügt wird, um ihnen neue Frische zu verleihen. Das Wasser, das man dabei verwendet, ist am besten leicht angewärmt. Blumen danken denen, die sie lieben und sich ihrer annehmen, durch ein längeres Frischbleiben. Eine seltsame, aber oft beobachtete Erschei- nung ist es, daß sich Blumen augenscheinlich in grünen oder braunen Behältern am wohlsten fühlen. Man hat diese Vorliebe darauf zurückführen wollen, daß die Pflanzen in grünen Vasen noch in der grünenden Naturumgebung zu sein glauben, während man die Be- vorzugung der braunen Farbe aus ihrer Verwandtschaft mit der mütterlichen Erde herleitet. Natürlich muß man den Blumen jeden Tag frisches Wasser geben und ebenso täglich die Enden der Stile ein wenig abschneiden. Beim Abschneiden aber gibt es auch noch mancherlei zu beachten. So soll man die Blumen unter Wasser ab- schneiden: sobald der Stengel abgeschnitten ist, wird sofort etwa» Wasser aufgesaugt, und das ist für die Pflanze sehr heilsam: wird der Stil im Trocknen abgeschnitten, dann kommt Luft in den Stengel. und das ist weniger gut. Bei Blumen mtt harten, holzigen Stilen muß man das untere Ende des Stengels anschälen, damit die Pflanze leichter neue Nahrung aufsaugen kann: sonst verwelkt sie sehr viel schneller. •J'V D/e ersten Tage ein enormer Erfolg! 1 Posten DamenstrOmpfe Mako feinfädige Qualität, mod. Farben, verstärkte Sohle und Ferse.. jetzt 1 Posten eleg. FlorstrOmpfe feinstes Gewebe, moderne Farben, bisher 2.98 1 Posten seid. Damenstrümpfe feinste, künstliche Seide, moderne Farben J.9Ö jetzt 3.15 1 Posten seid- DamenstrOmpfe» MM «hwafz/ mii/legaoten), Zwickel, beste Trema- H Ifllg acude bisher�. 90 jt.'....... jetzt 1 Posten Kindersöckchen a aa moderne Färben, gute Qualität Ii Rn .............. jetzt 0.90 V«UU 1 Posten Herren-Florsocken elegante Jacquardmuster, moderne Farben ................ jetzt 1 Posten Taschentücher prima Mako, Batist, bisher 70 Pfennig ......... jetzt Vi Dutzend 2.70 1 Posten eleg. mod. Selbstbinder) fast durchweg reine Seide. 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Dieser Leningrader Sowkinosilm knüpft an die besten Tra- öitionen der russischen Literatur an. Er übernimmt als selbstver- ständliches Erbe jene unerbittliche Lebenstreue, jene Freude an der Kleinmalerei des Alltäglichen, die die naturalistische russische Literatur auszeichnete. Also auch unter dem Sowjetregime gibt es Traditionen. Die von der Straße leben— lind jene armen, von der Polizei auch im Sowjetstaat verfolgten wilden Straßenhändler, die auch in dem russischen Paradies noch ein Polizeipatent brauchen. Sie schlagen sich durch, so gut sie können. In ihrem Privatleben sind sie wie andere Menschen auch. Es gibt gute und böse unter ihnen, mancher rappelt sich wieder auf, und andere versinken ganz im Lumpen- Proletariat. Da ist vor allem die Apfelhändlerin Katja, ein Pracht- mädel aus dem Volke, die sich nicht unterkriegen läßt. Sie. ist klug und tüchtig in ihrem kleinen Geschäftsbetrieb, den sie anfing, um Ersatz zu schaffen sür die verreckte Kuh ihrer Eltern. Aber nun ist sie dem verführerischen Iwan in die Netze gegangen. Sie trägt ein Kind unter dem Herzen und muß immer noch bei Wind und Wetter ihre Aepfel verkaufen. Da findet sie einen, der noch tiefer im Elend sitzt als sie selbst, den Fedor, der ganz unbeholfen dem Leben gegen- übersteht. Sie nimmt sich seiner an, und als das Kind gekommen ist, übernimmt er die Kindspflege. Rührend ist seine Sorgfalt, aber er vermag dem Iwan nicht die Stange zu halten, und als dieser ihn mit dem Tode bedroht, falls er doch wiederkommt, sucht er sich aus dem Leben zu schleichen. Umsonst, er hat auch darin kein Glück! Aber als er nun doch zurückkehrt, findet er Iwan auf der Treppe als Frau oerkleidet, da er eben das Kind stehlen will. Nun wird er zum Helden, er schlagt ihn nieder, die Polizei kommt dazu und führt den Iwan samt seiner Komplicin sort. Die Zwei sind den anderen Weg gegangen, sie wollten eben einen reichen Viehhändler ausplündern, wie Iwan zuvor schon seine Wirtin einer Einbrecherbande ans Messer lieferte. Katja hat inzwischen Arbeit in einem Fabrikbetriebe ge- funden, sie wird mit Fedor einem neuen arifsteigenden Leben ent- gegengchen. Der Film, der keinerlei Tendenz aufweist, oerdankt der Regie Ioansen-Emlers eine Fülle glänzend beobachteter Details, besonders auch aus dem Leben dieses Kindchens, das alles andere als eine Prinzessin ist. Das Leningrad der Vergangenheit mit seinen stolzen Denkmälern und großen Säulenhallen bleibt im Hintergrund. Es ist nur die Staffage für die Armen und Obdachlosen Die Dar- steller? Die Busch inskaj a, die die Katja verkörpert, hat die Größe einer allerersten Künstlerin. Ihre herben und doch feinen Züge erinnern an die Freiheitsoöttin. wie sie Daumier gezeichnet hat. Und doch bleibt sie dem Leben nichts schuldig. Wie sie die Schmerzen der Gebärenden zum Ausdruck bringt, das ist noch in keinem Film gesehen worden. Rührend in seiner Hilflosigkeit und doch sympathisch in seiner Menschlichkeit ist Nikitin als Fedor. Auch Waller S o l o w z o w gibt dem genießerischen und verkommen- den Iwan durchaus eigene Farbe. O -Ich war zu Heidelberg Student." (Mozorlsaal und llfa-Turmstrahe.) Was soll uns heute noch«in Filmsingspiel? Man kennt sie aus jenen Tagen, als«in heiseres Grammophon den Darstellern im Film ein paar Takte voraus oder hinterher kam. Daß heute noch ein Sänger mit einem Minimum an Stimm« verschiedene Schwächt- fetzen herunterleiert, sollt? eigentlich zu den begrabenen Dingen ge- hören. Die Handlung dieses Filmsingspiels, für die ein Herr Paul Beyer verantwortlich zeichnet, begnügt sich allein mit den her- gebrachten Dingen, wie„Gsuckearruiz igitur", Frühschoppen, noch einmal Frühschoppen, Mensur und Studentenliebe zum Haus- töchterchen. Es ist selbstverständlich, daß die Liebenden sich am Schluß gerührt in die Arme sinken. Dazu Heidelberg-Romantik nach Beliebenl Darstellung und Regie gehen nicht über Mittelmaß hinaus, und man fragt sich, warum die deutsche Filmindustrie, die unter großen finanziellen Schwierigkeiten zu leiden hat, immer wieder denselben Kitsch auf den Markt wirst. F. S. „Ihr Spielzeug.' (Ufa-Theater Kurfürstendamm.) Gewiß— ihr Spielzeug. Der ganze Film ist Spielzeug derer, die vom Film ein luxuriöses Milieu, elegant gekleidet« Menschen, eine kleine sensationell ausgemachte Eheafsäre, die beileibe nicht ernst sein darf, und vor allem die Primadonnenlaunen eines man- dänen süßen Geschöpschens erwarten. Laura la Plante ist die blonde Herrscherin, die den älteren Mann zu ihrem Spielzeug macht. Eine moderne Ehe mit getrennten Betten und getrenntem Leben entwickell sich vor unseren Augen. Nach einem Monat Ehe hat Madame bereits das Bedürfnis nach einer Spanienreise.„Fern im Süd das schöne Spanien". Aber statt der erwarteten Romantik erlebt die Verwöhnte das plumps Spektakelstück eines abgekarteten Uebersalls, der zu einer Erpressung ausgenützt wird. Aber ihr Mann, der inzwischen in eine Pleite geraten ist, glaubt an sie (Warum?), will ihr edelmütig die Freiheit geben, aber ist glücklich, als er mit einer zum Ernst Bekehrten ein neues Leben beginnen kann. Der normale Zuschauer bringt sür das neue wie für das frühere Leben dieser Gesellschaftspuppen freilich kein Interesse aus und begnügt sich, die pikanten Nettigkeiten und Extravaganzen Lauras auszukosten, zumal weder die Regie noch die übrigen Dar- steller die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. r. „Suntes Programm.' (Tauentzin-Palaft.) Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen—. sagt sich Ludwig Klopfer und schüttet das Füllhorn von vier amerikanischen Grotesken und einem ernsten Kultursilm über uns aus. Aber die Lust der großen amerikanischen Kinder an Lausbubenstreichen und ihr Entzücken an studentischem, losgelassenem Betrieb, sowie ihr« durch nichts zu erschütternde Freude an wilden Pferderasereien und sehr primitivem Klamauk wirkt auf uns, denen all dieses in Einzel- dosen sehr heilsam ist, in der Masie weniger wohttuend. Zumal wenn die Lausbübereien bereits von einem überreifen Baby, das offenbar drüben bereits eine Barnum-Nummer ist, ausgehen, und die Cowboyintrigue sogar in einein Kolportageroman bei uns oer- boten wäre. Schadlos hält uns der Studenlenfilm durch den gute» Sportteil. Aber ganz Auge werden wir erst bei B u st e r und Brownie auf der Hundeaus st ellung. Wie dieser Hund vermenschlicht ist, wie er diesem Kinderspiel sich anpaßt— als älterer Weise, der seinen Freunden zuliebe mitmacht— das ist unerhört.— Die ernste Affäre wurde beinahe zu ernst, weil sie sich in Detaildarbietung nicht genug tun konnte.„Die entfesselten Gewalten" des Aetna sind schaurig-schön, und die schwierigen Aufnahmen verdienen alle Hochachtung, aber einige resolute Kür- zungen werden ihren Eindruck nur steigern. r. Amerikanische Grotesken. (Capital.) Zwei Bufter Keatons, der erste:„Buster Keaton verliert die Hosen" ist schwach, wirkt beinahe wie eine Verlegcnheitsarbett, es gibt hier�Situationen, die von Chaplin übernommen sind. Anders dagegen„S h e r l o ck Holmes j r." Als Parodie auf Detektiv- filme glänzend, jede Szene spricht voll Witz und Einfällen. Ein kleiner Kinooperateur, dessen Phantasie mit Detektivabenteurern voll- gepackt ist, erlebt im Traum, wie er einen großen Fall spielend löst. Alle Requisiten des Kriminalfilms— und-romans passieren hier Revue, und alles ist mit den Augen dieses oerkitscht-abenteuerlichen jungen Mannes gesehen, und alles ist derart auf die Spitze ge- trieben, daß man die lastende Hitze vergißt und unaufhörlich lacht. Und zwischen diesen wilden Affären bewegt sich Buster Keaton wie immer mir todernstem Gesicht, diesmal aber nicht als die klerne, ge- tretene Existenz, sondern als der berühmte, weltanerkannte Detektiv. Auch diese Geste beherrscht Buster Keaton. auch in dieser Rolle ist er genau so unwiderstehlich wie sonst. Daneben verblaßt die Fox- groteske„Der tanzende Wolkenkratzer", und es besteht nur die Affen-Komödie„Ein Dieb von Bagdad", die außer- ordentlich geistreich den großen Fairbanks parodiert. Ein sehr gutes und amüsantes Programm.— t Zusammenschluß deutscher kullursilmbühnen. In diesen Tagen hat sich in Leipzig ein„ R i n g d e u t s ch« r Kulturfilm- kühnen E. V." gebildet, der den Zusammenschluß sämtlicher deutscher Kulturfilmbühnen und den Austausch wissenschaftlicher und kultureller Lehrfilme mit dem Ausland erstrebt. Bisher sind zwölf Kulturfilmbühnen in dem Ring zusammengeschlossen. Aus Anlaß der Gründungstagung fand in Leipzig unter dem Protektorat des „Vereins für Völkerkunde" ein« Sondervorführung des Films „Bali" statt. Ein Zusammenschluß der deutschen Kulturfilm- beftrebungen erscheint durchaus wünschenswert. Es wäre zu be- grüßen, wenn die deutschen Lehr- und Kulturfilmhersteller endlich eine Basis finden würden, auf der sie zum Wohle der Gesamtheit weiter arbeiten, und nicht mehr wie bisher, ein wenig erfreuliches Bild der Uneinigkeit bieten. BIchinycr»na auch im Westen— in Sharlottcnbnrg! Die Aschi»aer.Sl.-S. hat vor einigen Tagen das Krandhotel am Knie gekauft und beabsichtigt. ,n den unteren Räumen des Hotels ein Hotelrestaurant und daneben eines seiner bekannten typischen blauweißen Aschingcrlokale zu eröffnen, mit dem auch eine Wurstverkaufsstelle und möglicherweise auch ein Brotverkauf verbunden werden. Außerdem wird im gleichen Hause eine Aschinger-Äonditorei eröffnet werden« Hallo! Billig, billig, billig! Unter diese? Parole kllndigt das �bekannte Cchuhwarenhaus Stiller seinen diesjährigen Saisonausverkauf an. Stiller ist von jeher durch seine erstklassige Qualitätsware, Riesenauswahl und billige Preise bekannt. Was Stiller aber durch seinen diesjährigen Saisonausverkauf der Berliner Bevölkerung bietet, stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. 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St. Hasenheide 2110 8 Uhl; Bis SM v.Dznadi Homaatennaas Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Lustspicthaus 8>/« Uhr Jer Aplel' Volksbühne theatei an Bülowplati Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock Die Komüdie Bismarck 2414/7516 Ende nach 10 Uhr Oer keusche Lebemann Sommerpr. 3— 10 M. .-Otdl.!■ ZOOLOGISCHER GARTEN -r-t-ii,»,»». GROSSES 4 Iffr' nachm. KONZERT Dienstag- Donnerstag- '"AhMd":"') Dir.: Clemens Sdinalstidi. AODARIDM Wilh. Kuhnert geöffn. 9—7 Uhr. Afrika-Auertellung. Besucht d. Sonderschau d. Zoo L Tripolis In Berlin S Direkter Eingang: 8 Stadtbahn Zoologisen. Garten Ret chshaüen-Theater Uhr. 8 Uhr: Slelfiner Sänger Zum SchiuQ: „Eine Boducit in der KStiersiroeje" Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz Montag, den 4. Juli nachm. 3 Uhr Sonntag, den 3. Juli nachmittags 3 Uhr Scharmützelsee«-ÄÄT ruhig, ftoubftei, großer(Sorten, Bootshaus, dettr. Licht, Trlruhou. RaSto, 12 Minuten von Etalion Echarmügelsee. vrciswer! gu oerkoufen. 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Dampierstation: Sfadtdahn Zanndwitzbrücke(Ausg. Hdlzmarftftr.)i S tragend. 13, 113 bis Marwsffr. 1, II, 87, 9t, 187 bis Michaeikirchitr., 82 bis Michael- drücke: Omnidu» 24 bis Michael drücke. 13. 18 bis Michaeltirchftr •- i:;-... M �' MckA h MM Ganz Berlin eilt noch einmal zur WOCHENEND- Ausstellung am Kaiserdamm die mit dem heutigen Tage ihr Ende findet.(Von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. geöffnet) Ab 3 Uhr nachm. im„Märltiochon Schützanhaus", auf dem Ausstellungsdampfer„Wochenende" und in den Terrassen am Funkturm Großes Volks- und Erntefest 4 Festkapellen Eitrittspreis nur 1 Mark, f. Jugendl. 50 Pf. Familienkarten f. 3 Erwi od. 2 Erw. u. 2 Jugendl. nur 2 Mark )U|S.iuiienc naa l.uii i«> Zur Bekanntmachung: Während der fferieu, d. h. in der Zeit vom 21 Juli dis 4. September 1927, werden Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten B e r> i n. den 29 Juni 1927. Stabtausfchuft Berlin. Abt. l— V, Schne i h er. DeotsdierKetAiaMDil Dienstag, s. Zu», abend» 7 Ahr, im parferresnnl de» Aerbnndshanse», Linienstr. ez 63, Branchenversammlung aller In ben Elsenkoasfiukllons- betriebe» beschäfligleo Kollege» Tagesordnung: l. Lohnfrag«. Vranchenangeiegenheiten. 3. Ve» ichiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet._ »tag! Betltnuensleiile Mim] Mittwoch, ben S. Füll, finden die WM MiMlISMSlIM- Siiiileienze» in den belannten Lotalen»att. Die Berttauensmännerlonterenzen für den 4. und 9. Bezirk finden w diesem Monat nicht statt. Die Drfonerwalfnng. 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GroLer Salson-Ausverkank hei, worauf wir unsere Leser besonders hinweisen.