�benöausgabe Nr. 311 ❖ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 153 SBcjussStitnauiwn und«njelflenpwH« Rnb in der Morzenausgob« angeaeben «ed-ttion- Sw. SS. ciadenstrab» S Zernsprecher, Vönhoff 292- 297 XeU'V»resse: Soziald-motratverli» (iö D P> Nerlinev VolkslrlÄkk Montag 4. �uli 1427 «erlag und Anieigenabtetluai! DeschSftszeit S�> di» d Uhr Verleger: vorn>ar!s. Verlag GmbH v-rlln Sw. SS, Linden slrahe 3 Zernsprecher! VSahoA 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdemokrat» fcben parte» Deutfchlands Ruftet Zum Wahlkampf! Mahnung Severings an die Republikaner.— Die notwendigen Vorbereitungen. Bielefeld, 4. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend fand in Herford aus Anlaß des Gautages des Reichsbanners eine große öffentliche Kundgebung statt, auf der die Abgeordneten Rönneburg, Dr. Schreiber und S e v e r i n g sprachen. Severing sprach in der Haupptsache über die Z u k u n f t s- aufgaben des Reichsbanners. Er bemerkte einleitend, es fei an der Zeit, auch im Reichsbanner zu erkennen, daß es sich unter den roten Fahnen der Sozialdemokratie sehr gut kämpft.„Es wäre, ich sage das offen heraus, kein Fehler gewesen, wenn das Reichsbanner von vornherein überflüssig gewesen wäre/ Wir werden morgen wieder mit Trommelschlag von Herford ziehen, und ich kann mich dabei der Gedanken nicht erwehren, die wünschen, daß dies alles nicht notwendig fei. Wir haben andere, kulturelle Arbeit zu leisten, gerade in den kulturellen Organisationen fehlt es uns heute an Mitgliedern, die dafür sehr oft im Reichsbanner und beim Sport zu �finden sind. Aber die Krone des Menschen ist sein Gehirn, und deshalb glaub« ich, daß es an der Zeit ist, ein Stück Reichsbanner im Sport abzulegen, um dafür mehr Aufwärtserziehung am Menschen zu leisten. Es denken in Deutschland sehr viele darüber nach, daß die Arbeit in der deutschen Außenpolitik durch das Vorhandensein der vielen Wchrorganisationen erheblich erschwert wird. Es wäre besser, wenn wir die rein militärischen Aufmärsche mit Trommelwirbel und Stech- schritt nicht hätten. Roch allerdings unterstütze ich das Reichsbanner aus vollem Herzen. Warum? Wenn wir nicht da wären, hätten Stahlhclmer und Werwölfe sich austoben können zum Schaden des gesamten deutschen Volkes. Severins kam dann auf die Um- stände zu sprechen, die zur Gründung des Reichsbanners geführt hatten. Damals sei das Reichsbanner ganz besonders notwendig ge- wesen, weil anders eine Erhaltung der Republik kaum möglich ge- wesen sei. In der Zeit der ersten Bedrohung der Republik hat das Reichsbanner die Politik der Weimarer Koalitionsparteien ge- schützt. Heute sei das nicht mehr notwendig. Trotzdem aber bleiben noch große Aufgaben zu erfüllen. Wer vorwärts kommen wolle, mllsie sich rüsten. Deshalb mühten schon jetzt alle Vorbereitun- gen für den Wahlkampf im Jahre 1928 getroffen werden. Es sei eine unbedingt notwendige Aufgabe, die Deutschnationalen aus der Regierung herauszujagen; denn eine Republik, die noch in den Kinderschuhen stecke, könne sich nicht erlauben, die Stellen, die die Republik schützen sollen, mit M u h- R e p u b l i k a n e r n zu besetzen. Aufgabe aller Republikaner sei es deshalb, schon jetzt dafür zu sorgen, daß im kommenden Jahr« die Schlappe von 1924 wieder ausgewetzt werde. Sehr viel stehe auf dem Spiel. Alle Gautage des Reichsbanners dürsten sich deshalb nicht nur in Demonstrationen erschöpfen, sondern müßten praktische Vorbereitungs- arbeit dafür leisten, daß im kommenden Jahre der republikanische Staat durch die Republikaner erobert werde. Anschließend bemerkte Severing: Das Jahr 1928 wird ein Großkampsjahr besonderer Art. Von der Zelle über den Landtag bis zum Reichstag müssen wir die republikanische Mehrheit erobern! Dem gilt unsere Arbeit. Deshalb ist es notwendig, sich nicht nur an einzelnen Tagen auf der Straße zu zeigen, sondern schon jetzt den Wahl- kämpf in Gang zu setzen zum Siege der Republik im kommenden Jahr. Die Ausführungen Severings wurden von stärkstem Beifall begleitet. Die Politik ües Zentrums. „Selbständig nnd nach aNen Seiten Unabhängig." Der Reichsparteiausschuß der Zentrums- Partei trat am Sonntag vormittag im Reichstag zu einer stark besuchten Sitzung zusammen, die bis in die Abendstunden andauerte. Den Vorsitz führte Reichskanzler Dr. Marx. Auch die übrigen Zentrumsminister des Reiches und die preußischen Zentrumsminister nahmen an der Sitzung teil. Ebenso war Reichskanzler a. D. Dr. W i r t h erschienen, der mehrfach in die Debatte eingriff. Ueber die Sitzung wurde folgender Bericht ausgegeben: Am Sonntag, dem 3. Juli, hat unter dem Vorsitz des Reichs- kanzlers Dr. Marx eine Sitzung des Reichsparteiausschusses der deutschen Zentrumspartci im Reichstage stattgefunden. Gegenstand der Beratungen waren die politischen Vorgänge der letzten Monate. Nach eingehender Aussprache, die den ganzen Tag andauerte und in voller Offenheit geführt wurde, wurde folgende Entschließung angenommen: „Der Reichsparteiausschuß der deutschen Zentrumspartei billigt die Politik der Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages und spricht ihr sein Vertrauen aus. Auf Grund der bisherigen Haltung der Reichstagsfraktion ist der Reichsparteiausschuß überzeugt, daß die Fraktion auch in Zukunft eine selbständige, nach allen Seiten unabhängige Politik' im Dienste des Voltsganzen führen wird." Die Entschließung, die einstimmig»ur Annahme gelangte, kann nur als eine Ablehnung der bekannten deutschnationalen Forderungen gedeutet wer- den, die erst in diesen Tagen wieder mit allem Nachdruck er- hoben wurde. Die Forderungen gehen dahin, daß das Zentrum in der Zollfrage sich den Deutschnationalen unterzu- ordnen und seine Landtagsfraktion veranlassen soll, die preußische Regierung zu stürzen. Wahlsieg in Mecklenburg-Strelih. Die Sozialdemokratie vermehrt ihre Mandate um die Hälfte.- Znsammenbruch der Völkischen und Kommunisten. Reust relih, 4. Juli.(Eigener Bericht.) Gestern fanden in Mecklenburg-Strelih die Wahlen zum Landlag stall. Obwohl die Wahlbeteiligung in den Stödten sehr zu wünschen übrig ließ, so daß die Stimmenzahlen der letzten Rcichslagswahl nicht erreicht wurden, ist das Ergebnis symptomatisch für die Stimmung besonders aus dem Lande. Obwohl das Bürgertum durch die Ausstellung von sieben untereinander verbundenen Listen in die Wählerschaft Verwirrung zu tragen suchte. ist es allein die Sozialdemokratie, die einen entscheidenden Gewinn zu verzeichnen hat. Sie vermochte die Zahl ihrer Stimmen nm 3430, die Zahl ihrer Landlagsmandale um die Halste, nämlich von acht auf zwölf zu vermehren! Die Deutschnalionalen ver- l o r e n rund 2000 Stimmen. Wenn sie trotzdem ihre Mandats- zisfer von neun aus zehn zu erhohen vermochten, so verdanken sie es lediglich der Listenverbindung mit anderen Parteien. Regelrechte Riederlagen verzeichnen die Völkischen, die von ihren drei Mandaten zwei verloren, und die Kommunisten, die von ihren sieben Landtagssihen vier einbüßten und jetzt nicht einmal mehr über die Fraklionsstärke verfügen. Der Zusammenbruch der rechts- und linksradikalen Flügel- Parteien, insbesondere der Kommunisten, liegt auf der Linie der sich auch in anderen Landesteilen, so in Mecklenburg-Schwerin und in Thüringen beobachten ließ. Man kann unter diesen Umständen auf die Reichstagswahlen im nächsten Jahre gespannt sein, die den Kommunisten die verdiente Quittung für ihre arbeiterfeindliche Politik auch im Reiche bringen müssen. Im übrigen liegt es uns fern, die politische Bedeutung der Wahlen im kleinen Mecklenburger Ländchen zu unterschätzen. Für das Reich ist die Zusammensetzung der Strelitzer Regierung des- halb von Wichtigkeit, weil dieses Land über eine Stimme im R e i ch s r a t verfügt. Bei den wiederHollen Konflikten, die zwischen dem Reichsrat und der Rechtsblockregierung wegen ihrer unsachlichen Politik entstanden sind, ist es schon von einiger Bedeutung, ob diese Stimme lediglich den Deutschnationalen zufällt oder ob auch die an- deren Parteien einen Einfluß auf die Stellung Mecklenburgs im Reichsrat ausüben. Im einzelnen stellen sich im Vergleich zu den letzten Wahlen die Ergebnisse folgendermaßen dar: 6. Sull'ea'Tgull 27 Mandate[t] Sozlaldemokralen... 11 707 15 297 12(4-4» Kommunisten..... 10 633 4153 3(—7) Demokraten(1923 einschl.) Handwerk)..... 7 640 3 053 2}(+1) Handwerk und Gewerbe. 4 609 4 j Kleinlandwirte.... 2046 1 748 1(—) Deutschuationale.... 12 463 10 354 10(+ 1) Deutsche VollSpartei.. SHWI 2 025 1(— 1) Hausbesitzer.....— 1 566 1(—) Aölkis-be....... 4 651 2 286 1(-2) Wirlschaftspartei....— 506—(—) Die politische Konsequenz, die für die Mecklenburger Regierung aus diesem Wahlergebnis zu ziehen ist, mag angesichts der bllrger- lichen Listenverbindung eindeutig erscheinen, da die bürgerlichen Par- teien in ihrer Gesamtheit über eine Mehrheit verfügen. Tatsächlich sind aber die Gegensätze innerhalb des Bürgertums sehr groß, wie ja auch die Vielzahl der um ihren Einfluß kämpfenden Parteien zeigt. Insbesondere wird es die recht starke Gruppe der Hand- werker und Gewerbetreibenden nicht verantworten können, wenn auf ihre Kosten eine Steuerpolitik getrieben wird, die den Großgrund- besitz von jeder steuerlichen Belastung freistellt und dafür das auf- strebende Gewerbe mit um so drückender heranzieht. Die Sozial- demokratie ist für eine Senkung der Gewerbesteuer, besonders bei den Kleingewerbetreibenden eingetreten. Sachlich ergibt sich also die Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Sozialdemokratie mit den Demokraten und den Gewerbetreibenden, die zusammen über 18 von 35 Sitzen im Landtag verfügen. Jede andere Politik würde sich an den bürgerlichen Mittelpartcien in der Zukunft schwer rächen. Mit besonderer Genugtuung muß das Symptom verzeichnet werden, daß die Sozialdemokratie auf dem Mecklenburger platten Lande ihre Anhängerschaft und ihren Einfluß vergrößern konnte. Diese Tatsache in einem Freistaat, der früher der schwärzesten Re- aktion ausgeliefert war, wird zu erhöhter Werbetätigkeit unter Landarbeitern und Bauern anspornen. /lrbeiterbauern-- tzerrenbauern. Klassenka»npf auf dem Acker. Von Hermann Tempel(Leer), M. d. R. Wir kämpfen um ein neues B a u e r n r e ch t. Um das Recht der Ärbeiterbauern. Wir wollen den Bauernprole- tarier gegen Willkür und Ausbeutung durch das Boden- kapital ebenso schützen wie den Fabrikarbeiter vor dem In- dustriekapital. Ein Stück Klassenkampf auf dem Acker, der nicht weniger hart ist als der Klassenkampf in der Zeche und in der Werkstatt. Der Reichstag hat einen Ausschnitt dieses Ringens er- lebt bei Verabschiedung der Pachtschutzordnung. Der Landpächter, der Landarme, der Landproletarier wehrt sich gegen Wucher und Kündigung. Der Richter, der den Boden bearbeitet, muß einen Teil seines Ertrages dem Besitzer über- lassen, der nicht arbeitet. Pacht ist eine Form ar- beitslosen Einkommens vbenso wie die Divi- dende des Aktionärs oder die Rente aus dem Bankguthaben. Wir wollen die Verkürzung und letzthin die Beseitigung aller Formen von Einkommen ohne Gegen- leistung. Deshalb schützen wir auch den Bodenpächter. Wenn wir hören, daß in Westfalen 70 00(1 Pächter S5 großen Be- sitzern tributpflichtig sind, so ist das desfelbe, als wenn 100 000 Bergleute einer Händvoll Kohlenbarone fronen müssen. Aus- beutung das eine wie das andere. Ueber 5 Millionen selbständiger Bauern- be triebe haben wir in Deutschland laut amtlicher Zählung vom Juni 1925, darunter 2 Millionen der Größenklassen 2 bis 100 Hektar, also bäuerliche Betriebe im engeren Sinne. Mehr als die Hälfte dieser Wirtschaften, auch wenn man nur die Letztgenannten berücksichtigt, arbeitet ganz oder teilweise auf gepachtetem Grund. Nicht weniger als ein Fünftel des land- wirtschaftlich genutzten Bodens in Deutschland kommt hier in Frage. Millionen von Bauern sind Pächter, Millionen von Hektaren Pachtland. Man sieht, Pachtschutz ist ein Volkswirt- schaftliches Problem erster Ordnung. Die Sozialdemokratie hat einen Pachtschutz stets gefor- dert. Mit dem Augenblick, in dem sie für Staat und Wirt- schaft mit verantwortlich zeichnete, begann sie ein soziales Pachtrecht aufzubauen. Die erste Pachtschutzordnung vom Juni 1920 trägt die Unterschrift des Sozialdemo- traten Schlicke. Der Pächterschutz ist ebenso wie der Mieterschutz von allen Eigentumsfanatikern und ihren politischen Bertretun- gen aufs härteste angefeindet worden. Sozialisierung des Bodens, Diebstahl des Landeigentums: das war das min- deste, was man hören konnte. Als das Kabinett Luther durch das Ermächtigungsgesetz freie Hand bekam, war es eine seiner ersten Taten, unter Mißbrauch seiner Boll- machten die Aufhebung des Pachtschutzes für alle Pachtungen zu verfügen, die nach dem 1. März 1924 abge- schloffen wurden. Also automatische Beseitigung innerhalb kürzester Frist. Pachtschutz gilt als ein Stück sozialistischen Rechtes— deshalb weg mit ihm! Damals hat der Pachtbauer die Faust der Landbundgewaltigen gespürt. Die Landbundherren haben das bald bereut. Rebellion glomm auf. Der Pachtwucher schrie zum Himmel. Will- kürsetztediePächteraufdieStraße. Die Klein- dauern grollten so laut, daß den Landbundjunkern angst wurde. In heißestem parlamentarischem Ringen gelang es den Linksparteien mit Hilfe der Mitte, zum Herbst 1925 den Pachtschutz für zwei Jahre wiederherzustellen. Mit der Einschränkung allerdings, daß die durch Luthers Willkürverordnung für schutzlos erklärten Verträge, die zwischen dem Frühjahr 1924 und dem Herbst 1925 abge- schlössen worden waren, nach wie vor ungeschützt blieben. In diesem Sommer ist der Kampf leichter gewesen. Die Verlängerung um noch einmal zwei Jahre bis zum 30. Sep- tember 1929 ist von allen Parteien mitgemacht worden. Der Streit drehte sich mehr um Verbesserungen der Verord- nung. Man wird nicht fehl gehen, wenn man darin einen ersten Sieg der Kleinbauernrevolte sieht. Einen Erfolg ihrer Auflehnung gegen den Landbund. Der Arbeiter- bauer hat den Herrenbauern eine Schlappe zugefügt. Wenn er fest bleibt, wird es nicht die letzte ge- wesen sein Die Sozialdemokratie hatte zwei wesentliche Verbesserun- gen beantragt: die nachträgliche Einbeziehung auch der während der Luther-Verordnung abgeschlossenen Pachtungen und eine MilderungderArbeitspflichtfür Heuer- lingsfrauen. Der Kampf um die Luther-Pachtungen blieb in der Hauptsache erfolglos. In namentlicher Abstimmung, die wir erzwangen, wurde die nachträgliche Ausdehnung des Pacht- schutzes auch auf die Pächter aus der Zeit Frühjahr 1924 bis Herbst 1925 mit 180 Stimmen der M i t t c und der R e ch t e n gegen 155 Stimmen der Linken einschließlich der bayerischen Bauernbündler abgelehnt. Die Regierungsparteien waren bereit, einen Schutz nur gegen Preiswucher zu gewäh- ren, nicht aber einen Schutz gegen Kündigungen. Ein Zu- geständnis, das in der Praxis fast wertlos sein dürfte. Das Ergebnis ist eine b i t t e r e Lehre vor allem für jene Pächter, die auf die Unterstützung durch das Zentrum gehoft hatten. Der Zentrumsflügel um Brauns, Steiger und Stegerwald hat entgegen allen Voraussagen vor dem Landbund kapituliert. Zu stark hatten noch am Morgen vor der Abstimmung die Grundherren unter Füh- rung des pommerschen Landbündlers v. Dewitz alle Wider- stände im Reichstag mobilisiert. Trotz der Warnuna des Präsidentm Graf Kalckreuth, die Pächtervcrtrcter. die auf den Tribünen die Abstimmung verfolgten, mögen mehr als ent- täuscht gewesen sein, als man im Zentrum nichts als rote Neinkarten sah. Bis zuletzt zögernd, gab auch der Arbeits- minister Dr. Brauns die Neinkarte hin. Ihm, der sich mit anerkenenswerter Energie für die Verlängerung eingesetzt hatte, mag der Entschluß nicht leicht gefallen sein. Der Gegen- druck der Agrarier war eben zu stark. Wenn nachträglich nun ihr Hauptorgan, die„Deutsche Tageszeitung", den Pächtern einredet, die Rechte habe für die Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen votiert, so ist das eine ungewöhnlich plumpe Umdeutung. Die Forderung der Sozialdemokratischen Partei auf Mil- derung itr vertraglichen Arbeitspflichten der Heuerlings- frauen bei Krankheit im Hause und Gefährdung der Mutter- pflichten fand die Zustimmung aller Parteien. Auch die Volkspartei, die als einzige widerstrebt hatte, gab zuletzt nach. Wir haben der Verlängerung der Pachtschutzordnung nicht widersprochen, um sie nicht zu gefährden. An sich ist dieser auf nur zwei Jahre berechnete Notbehelf volks- wirtschaftlich gesehen, bedenklich. Der Pächter weiß auch setzt noch nicht, was nach zwei Jahren mit seinem Lande werden wird. Er wird sich hüten, große Verbesserungsarbeiten auf seinem Boden zu beginnen, seinen Viehstapel zu vergrößern. seine Geräte genügend zu komplettieren. Vielleicht ist ja doch nach zwei Iahren alles umsonst gewesen. Diese Unsicherheit bedeutet eine Schädigung der landwirtschaftlichen Produktion in ganz Deutschland, die höchst verwerflich ist. Man hemmt geradezu jene Intensivierung und Rationalisierung, von der man doch so gerne spricht. Die Sozialdemokratie will einen Dauerpachtschutz. Das Kieler Agrarprogramm, das von unseren Gegnern in allen Tonarten totgeschwiegen wird, fordert deshalb: „Kündigungsschutz, Höchstpreise, Verträge nur auf lange Dauer und Entschädigung für größere Boden- Verbesserungen(Meliorationen und dergleichen)". Nur ein solches Dauerrecht entspricht den Interessen der Pächter im besonderen und der Volkswirtschaft im allgemeinen. Pachtschutz ist kein Notrecht. Pachischutz muß Dauerrecht sein. Recht der Zukunft. Ueberwindung alt und unrecht gewordenen Rechtes der Vergangenheit. Will sich der Pächter das neue Recht erkämpfen, so kann er das nur als Bundesgenosse jener politischen Kräfte, die soziales Recht auf allen Gebieten wollen müssen. Bauern- arbeitet und Industriearbeiter gehören Seite an Seite. Der Kampf um das Pachtrecht ist ein Schulbeispiel dafür. In diesem Reichstag kann ein Dauerrecht nicht geschaffen werden. Wir brauchen auch dazu einen besseren Reichstag. Einen bauernfreundlichen Reichstag. Es liegt nicht zuletzt an den Landproletariern selbst, ob er ge- wählt werden wird. „Entblöüete sich nicht../ Rächer seiner Ehre mit Unkostenliquidation. Am 30. Juni schrieb der„Vorwärts" in dem Verhandlung?- bericht über die völkischen Rüpel: „Eine hervorragende antisemitische Leistung war die Rede des Verteidigers Dr. Frank. Die Exzesse der Burschen sind nichts anderes als Ausfluß jugendlichen Idealismus. Die Ereignisse am 12. Mai erklären sich durch ungesetzliche Verordnungen des Polizei- Präsidenten und durch wiederholte Uebersälle des morristischen Reichsbanners auf Nationalsozialisten. Hierbei entblödete sich dieser Rechtsanwalt nicht, den meuchlerischen Mordüberfall des Werwolfs in Arensdorf als Ueberfall des Reichsbanners auf Nationalsozia- listen darzustellen." Hierzu erhalten wir das folgende Drohschreiben des Rechts- anwalts vr. für. Hans Frank II aus München, datiert vom r Juli 1927: In Ihrer Morgenausgabe vom 30. v. M. haben Sie, wie mir erst heute bekannt wird, meine Person als Verteidiger der wegen Landfriedensbruchs und Ausruhr angeklagten Nationalsozialisten Die Mrmut von früher. Von Hans Bauer. Die Berliner Voltsbühne hat, in diesen Sommertagen, eine Nestrop-Posse ausgegraben und mit gutem Erfolg auf- geführt: eine jener liebenswürdig-humorvollen Alt-Wiener Beschau- lichkeiten, in denen die Tugend siegt und das Laster bestraft wird— und darüber ist ja hier im Theaterreferat schon gesprochen worden. Der Sinn des Nestroyschen Singspiels entspricht sozusagen nicht mehr ganz unseren politischen Gegenwartsanschauungen, aber so klar wir uns darüber sind, daß heutzutage so etwas nicht mehr geschrieben werden könnte, so klar sind wir uns doch auch darüber» daß es närrisch wäre, an diese Posse mit Gesang und Tanz, dieses Spiel einer versunkenen Jdyllenwelt, statt mit wohlwollender Nach- ficht mit hocherhobenem Zeigefinger und belastet mit dem Wissens- gut moderner sozialer Erkenntnisse heranzutreten. Da ist es nun spaßig, mit anzüsehen, wie einem Teil der Berliner Rechtspresse das Wasser im Munde zusammengelaufen ist bei der Schilderung, die Nestroy von den Armen von einst und ihrem Verhältnis zu den Reichen ihrer Zeit gibt. Ach, diese Armen von einst, was waren das doch noch für ganz andere Leute als die Armen von heute! Gewiß, sie räsonierten, sie waren nicht zufrieden mit ihrem Geschick, sie sagten es auch mal mit derben Worten rund heraus, daß da etwas nicht in Ordnung sei, wenn der Herr Goldfuchs da droben im ersten Stock schlemme und prasse, während sie, die armen Schlucker zu ebener Eriz', nur trocken Brot zu kauen hätten: aber es fehlte ihrer Stimme jener häßliche Angriffston, der da etwa in diesen neu- modischen sozialdemokratischen Versammlungen das Ohr der feiner Besaiteten so peinlich berührt. Sie schimpften sich das Herz frei, die Armen von früher, aber dann sprang, zum Takt des Hammer- schlags, ein lustig Lied von ihren Lippen. Und alles war ja beileibe nicht bös gemeint gewesen und sie dachten nicht daran, den feinen Herren die Bissen ernstlich zu mißgönnen, sie hatten nur mal, in aller Bescheidung, einen leisen Rippenstoß geben wollen. Die„Tägliche Rundschau" zum Beispiel stöhnt sich aus: Die armen Teufel von früher lägen einem viel mehr am Herzen als die von heute, dieweil sie keine Ankläger mit Karl Marx in der Hand und im Mund gewesen und von Kopfhängerei und Leberleidcn hätten sie auch nichts gewüßt— sondern wohlgemut und frisch- gelaunt seien sie gewesen. Es wird schon noch alles werden! Frohsinn und Kraft vieles schafft! Salz und Brot macht Wangen rotl' Das waren so ihre Wahlsprüche. Und nun sieh mal an, deutscher Arbeiter: war denn das so nötig, daß du dir die Sympathien deiner Herren Arbeitgeber seit Karl Marx so verscherzt hast? Sie sind ja gar nicht so. Sie ver- stehen schon Spaß. Sie würden über die Spitznamen hinwegsehen, die launiger Uebermut ihnen in den Wertsälen angehängt hat und sie würden auch«ine gelegentliche Mißstimmung verstehen, ja sogar in einer Weise angcgrssfen. die den Rahmen selbst eines eng ge- dachten pressemoralischen Anstandsbewußtseins weil übersteigt. Insbesondere der Ausdruck:„Der Verteidiger Dr. Frank... ent- blödete sich nicht..." ist hier gravierend. Ich fordere Sie hiermit auf, diese Ihre Aeußerung, welche den klaren Tatbestand eines durch die Presse verübten Vergehens der öffentlichen Beleidigung darstellt, binnen 3 Tagen nach Er- halt dieses Briefes, der Ihnen eingeschrieben zugeht, in folgender Weise zu berichtigen: Sic haben in einer der nächsten drei Morgen- ausgaben Ihres Blattes an der gleichen Stelle in den gleichen Lettern die Erklärung einrücken zu lassen, daß Sie mit dem Aus- druck aufrichtigsten Bedauerns die mich verletzenden Ausführungen in Ihrem Verhandlungsbericht zurücknehmen. Es stünde Ihnen vollkommen fern, meine Person irgendwie herabwürdigen zu wollen. Da Sie Veranlasser dieses Vorfalles sind, haben Sie auch die Kosten dieses Brieses zu tragen, den ich noch unten- stehender Rechnung mit RM. 15.— liquidiere. Ich fordere Sie auf, diesen Betrag binnen 8 Tagen an mein Postscheckkonto München 8729 zur Einzahlung zu bringen, widrigenfalls ich ihn gerichtlich eintreiben werde. Sollte dieser Brief keinen Erfolg haben, so werde ich im Klagewege rücksichtslos meine Ehre zu wahren wissen. Hochachtungsvoll H. Frank II, Rechteanwalt. Kostenrechnung: Gebühr für Mahnschreiben.. RM. 14,— Porti und Umsatzsteuer... RM. 1,— Sa. RM. 15,— Wir zittern, aber wagen doch, den vollen Wortlaut dieses Briefes unseren Lesern mitzuteilen, denn sie wollen auch eine Freude haben.... tzergt rechtfertigt Ni'eüner. Buchdrucker- und Buchhändler-Prozcffe- alles in Ordnung! Der Reichsjustizminister Hergt ist im Reichstag nach seiner Stellungnahme zu den Hochverratsprozessen gefragt wor- den, in denen Buchdrucker und Buchhändler zu schweren Strafen verurteill wurden, weil sie an der Herstellung und dem Vertrieb kommunistischer Schriften beteiligt waren, die angeblich einen„Hoch- oerrat" vorbereiten sollten. Daß Buchdrucker und Buchhändler verurteilt wurden, weil sie Hitler- und Ludendorff-Schristen herstellten und verkauften, hat man nicht gehört. Die Rechtsprechung des Reichsgerichts, gegen die es keine Berufungsinstanz gibt, stellt sich also als eine Tendenz- rechtsprechung ernstester Art dar. Trotzdem hält der deutsch- nationale Reichsjustizminister es für geboten, in einer durch Wolffs Bureau verbreiteten offiziösen Veröfsentlichung die RiednSr-Recht- sprechung in Bausch und Bogen zu decken. Denn, so sagt er, das Reichsgericht habe immer„festgestellt", daß es sich bei den Ver- urteilten wirklich um Leute handle, die den Hochoerrat unterstützen wollten....s Diese„Feststellungen" des Gerichts sind es aber gerade, die die stärkste Anfechtung erfahren. Und daß der Iustizminister sie als lautere Heilswahrheit ausgibt, beweist nur, daß sie in seinem Sinne, d. h. im Sinne der deutschnationalen Parteipolitit liegen, ohne dadurch anerkanntes Recht zu werden. Der Ausgleich enülich gefunden. Südflawien nimmt seine Beleidigungen zurück.— Albanien befreit den südslawischen Dragoman. Paris, 2. Juli. Havas meldet aus Tirana: Der fran- z ä s i s ch e Gesandte in Tirana hat den albanischen Minister des Aeußern aufgesucht und sich im Namen der jugoslawischen Regierung die(zu dem Abbruch führende) Note zurückgeben lassen und eine neue Note überreicht, die die von der albanischen Regierung als beleidigend betrachteten Ausdrücke nicht enthält. Auf die neu über- reichte Note erwiderte die albanische Regierung, daß sie, um einen eure Erbitterung gegen einen einzelnen von ihnen würden sie be- greifen. Aber das alles müßte doch nur Begleitmusik zu der prinzipiellen Anerkennung ihrer Stellung sein. Da war zum Bei- spiel auch kürzlich einmal in einer nationalen Wochenschrift etwas über luftige Studenten zu lesen, die vor das Schloß ihres Landes- Herrn gezogen waren und zum Jux das Lied von der Guillotine angestimmt hatten, die man mit Tyrannenfett schmieren müsse! Na, der gnädige Herr Herzog hat gar nicht daran gedacht, die Sache krumm zu nehmen, sondern herzlich gelacht. Ein viel- stimmiges„Heil dir im Siegerkranz!" bildete den Abschluß des Schabernacks. Und da hätten wir's wieder einmal.. Zurück zu Nestroy deshalb! Deusscher Idealismus ziehe in unsere Seelen ein. Laßt uns den Ernst der sozialen Anklage ersetzen durch murrige Brummbärigkeiten, hinter denen das goldene Herz steht. Die Welt ist voller Wunder. Vielleicht gewinnt der oder jener der Kameraden in der Arbeitsblufe einmal in der preußischen Dreiklassenlotterie das große Los, ein anderer beerbt einen Vetter in Honolulu und ein dritter bekommt gar die Tochter Hugenbergs zur Frau. Wie glänzend wäre dann dieser ganze verschrobene Sozialismus widerlegt, der da leugnet, daß der Arbeitemann zu etwas kommen tönne und der längst den Unternehmern alle Lust dazu genommen hat, am Sedaxitag, zu Kaisers Namensfest und anderen hohen republikanischen Feiertagen die wackere Belegschaft mit einer Lage schäumenden Freibieres zu erfreuen. Die Wissenschaft vom— Hosenboden. Wie oft kann sich ein Mann hinsetzen, bevor sein Beinkleid durchgeschabt ist? Diese gewiß nicht uninteressante Frage ist von dem Standard-Bureau der Ver- einigten Staaten mit Hilfe besonders zck diesem Zweck konstruierter Apparate beantwortet worden. Die Beanspruchung des Hosenstoffes auf der Sigfläche erfolgt durch Reibung und Spannung. Der Bureauangestellte, der vor seinem Schreibtisch sitzt, bewahrt nicht völlige Ruhe, sondern rutscht aus dem Stuhl hin und her: ebenso mutet er beim Aufstehen und beim Niedersetzen dem Boden seines Beinkleides eine gewisse Reibung zu. Die Wirkung dieser Reibung wurde auf einer Maschine geprüft, in die Stoffproben eingespannt und dann unter einer Walze mit einer bestimmten Zahl von Rei- bungen in der Minute gepreßt wurden. Die Pressung erfolgt durch Elektrizität: die Zahl der Reibungen wird automatisch aufgezeichnet. Man kann also genau feststellen, wie viele Reibungen den Stoff abnutzen und schließlich zum Zerreißen bringen. Für die Messung der Spannungen wurde«ine andere Maschine verwendet. Wir sitzen ja nicht nur auf unseren Beinkleidern, sondern wenn man seine Schuhe anzieht, wenn man sich bückt und bei heftigen Bewegungen wird der Stoff angespannt. Wie viel« solcher Spannungen not- wendig sind, bis der Stoff auf dem„Zerreißungspunkt" angelangt ist, wurde ausgeprobt durch eine Einfpannung verschiedener Stafre in einen kreisrunden Rahmen, der den Stoff in beliebiger Stärke und beliebig oft spannt. Auch diese Vorgänge werden automatisch registriert. Das Standard-Bureau führte diese Untersuchungen aus auf Veranlassung des amerikanischen Kriegsministerium», das wissen wollte, welche Stoffe am widcrstandssähigften sind und sich am besten Beweis ihres aufrichtigen und loyalen Friedenswillens zu geben, die F r« i l a j j n n g des Dolmetichers Djurraskowitsch a n g e»r d» n e t habe. Damit ist der albanisch-jugoslawische Zwischenfall e r l e d iig t. i ventimiglia wieüerholt? Neuer italienischer Uebergriff ans französisches Gebiet. Paris, 4. Juli.(Eigener Drahkbericht.) Nach einer Meldung des„Mattn" kam es an der ilalienisch-stanzösischea Grenze in Sovoyen bei Schießübungen italienischer Gebirgsartillerie zu einem Grenzzwischenfall. Die italienischen Truppen haben an- geblich die Bewohner von Sennhütten gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die örtlichen Behörden haben gegen das vorgehen der italienischen Militärs Einspruch erhoben. Havas beschwichtigt— aber dementiert nicht. Paris, 4. Juli.(Havas.) Das französische Auße»Ministerium hat Fon dem französischen Botschafter in Rom keine Nach- richt'über Zwischenfälle erhalten, die sich nach den Gerüchten einiger Blätter im Verlauf von Schießübungen italienischer Artillerie in der Nähe des Moni Cenis an der sranzösisch-italienischen Grenze ereignet haben sollen. KeineEntschleierungüerNüstungsausgaben Ein Heeres-Normalbudgetschema hergestellt.— Aber wie wird es aussehen? Genf, 4. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Völkerbundsrat hatte im vergangenen Jahr einen Ausschuh von Budgetspezialisten berufen, der ein Normalschema für Heeresausgabc» ausstellen sollte. Auch ein für den Reichswehretat zuständiger Ge- heimrat des Berliner Reichsinnenministeriums nahm an den Sitzun- gen in Paris und Gens teil. Der Fachausschuß einigte sich bald auf ein eingehendes Budgetschema. Sein Entwurf jedoch wurde von der Abrüstungskonferenz mit der Benrerkung zurückgewiesen, daß er viel zu ausführlich sei. Die Regierungen wollen sich eben möglichst wenig in ihre Rüstungsetats hineinsehen lassen. Statt einer genauen, ins einzelne gehenden Aufzählung von Haushalts- posten will man nur allgemein gehaltene Angaben über die Heeres-, Marine- und Luftkampfausgabcn machen: sonst ließe sich nur noch schwer verbergen, wieviel jedes Land für Ta n t s, neu» Explosiv st offe und Giftgase ausgibt. So mußte der Fach- ausschuß noch einmal beraten, um ein„einfacheres" Schema her- zustellen. Sein Entwurf wurde den Regierungen(des Völkerbundes) überwiesen. Wir warten auf seine Veröffentlichung, um zu sehen, ob ein dürftiges, wegen seiner Allgemeinhetten nichts- sagendes Schema daraus geworden ist. Unruhe über üen Anschluß. Ter Wiener französische Gesandte Frankreichs hat in Paris„notwendige" Besprechungen. Paris, 4. Juli.(WTB.)„Oeuvre" glaubt berichten zu können, daß der französische Gesandte in Wien, der sich augenblicklich in Paris aufhält, sich über angeblich« Andeutungen betreffend den Anschluß Oesterreichs an Deutschland beunruhigt und deshalb mit dem Generalsekretär am Quai d'Orsay, Philipp: Berthelot, die not- wendigen Besprechungen gehabt habe. Dulgarenpolizei gegen Arbeiterpresse. Das Arbeiterblatt in Sofia beschlagnahmt. Sofia, 4. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Polizei beschlag- »ahmte das Arbeiterblatt„N o w i n i". Es hatte geschrieben, daß die Bauern- und Arbettervertretungen in der neuen Sobranje Frei- wild geworden seien. Die Sobranje sei kein Parlament mehr, son- dern ein schrankenloser Tummelplatz für faschistische Regierungs- element«. Die Oppositionsprcsse protestiert gegen die Gewalttätig- leiten in der Kammer. für Uniformbeinkleider eignen. Es ergab sich, daß bei den besten Stoffen ein Mann 97 999 mal sich niedersetzen und wieder auf stehen kann, bevor der Hosenboden durchgerieben ist. Nun erhebt sich die schwierige Frage: wie nutze ich den Hosen- bod«n am besten aus? Die Methodik Taylors, vielleicht aber auch die heute alles bezwingende Lehre vom Rhythmus werden hier manches zu erforschen wissen, und so kann man hoffen, daß wir allmählich zu einem System der Wissenschast vom Hosenboden kommen werden. Flugzeug zur Rettung Schissbrüchiger. Amerikanischen Fach- Zeitschriften zufolge hat der amerikanische Küsten-, Wach- und Rettungsdienst in den letzten Wochen wertvolle Versuche über die Verwendung von Flugzeugen für die Rettung von Besatzungen in Seenot befindlicher Schiffe angestellt. Die Versuche sollen aus- gezeichnet verlaufen fein, so daß man bereits plant, Flugzeuge fest in den amerikanischen Küstendienst, dem auch die Rettung Schiff- brüchiger obliegt, einzustellen. Die bisherigen Methoden, von einem Rettungsboot aus Rettungs- und Schleppleinen auf das in Seenot befindliche Fahrzeug zu bringen, sind noch ziemlich unvollkommen. In solchen Fällen kann das Flugzeug viel raschere und zuverlässigere Hilfe bringen. Die Versuche lassen es möglich erscheinen, daß Flug- zeuge nicht nur einfache Rettungsleinen, sondern selbst starke Stahl- kabel bis auf Entfernungen von 3 Kilometern an ein in Seenot be- findliches Schiff heranbringen und über ihm abwerfen können. Auch für die deutsche„Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" dürfte sich hier ein neues Hilfsmittel für den Rettungsdienst an den deusschen Nord- und Ostseeküsten bieten. kulturelle Fragen aus der Technikertagang. Die Tagung des Reichsbundes der höheren technischen Beamten, die in Hannover stattfand, behandelte in gewissem Umfange auch kulturelle Fragen, indem sie bei der öffentlichen Tagung einen Vortrag von Professor Dr.-Jng. Blum von der Technischen Hochschule Hannooer über Städtebau- und Verkehrsfragen entgegennahm. Er hob hervor, daß der Verkehr der stärkste und dauerhasteste Städtegründer sti und daß die Auflockening der viel zu eng gebauten Städte das Haupt- ziel des heutigen städtischen Siedlungswesenz sein müsse. Der 4. Ehlaeflsch-Dentsche Abend, veranstaltet vom Hauviverband Ehiue« sijcher Studenten, bringt Mittivoch, 8 Uhr, im Plenarsaal des ReicbSwirtschalts- rat, Bellevucslrahe 15, einen Vortrag von Professor Richard Wilhelm, über „Ten Einfluh der Cbinesiichcn Kunst auf da« Abendland' mit Lichtbildern. Eintrittökarten kostenlos zwischen g und 19 Uhr in der Chinesischen Gesandt- schalt, Kursürftendamm 218. Türkische Schüler tu Deusschland. Die Stadtverwallung von Konslanti- nopel wird im Herbst 15 Schüler nach Deutschland entsenden, wo sie scchZ Jahre auf Kosten der Stambuler Stadtverwallung studieren sollen. AlZ Gegenleistung verpstichten sich die Studenten, nach Ablaus des Studiums in den Dienst der Stadtverwallung zu treten. Ein britische» Reichelivo. Ansang Juni wurde in England, dem Ilassischen Lande der Gcwerbcfrciheit, da« erste staatliche Kinolheater er- öffnet. ES ist ein Reichsinstitut und bat die Bestimmung, Propaganda- filme über alle Teile des britischen Weltreichs vorzusührcn. Die Vor» jlihrungen sind grundsätzlich eintriltsstei. Die ersten stllme zeigen©IIb er aus West-Australien, Sansibar, Bagdad und Brttisch-Jndie«. Das Enöe öer wochenenöausftellung. Seit Jahrzehnten haben sich Touristen- und Wander- und Heimatvereine mit ihren Zeitschristen auf das eifrigste bemüht, den Berlinern die heimatliche Mark nahezubringen, ohne daß sie andere Erfolge hatten, als hier und da und dort eine Anzahl Heimatfreunde an sich zu ziehen. Ihre Werbetätigkeit vermochte weite Volks- kreise nicht zu erfassen. Das alte deutsche Erbübel, daß jeder, der über eine annehmbare Feder und Rede verfügte, kurzerhand einen eigenen Laden ausmacht, hat die Berliner Wandcr- und Heimat- bewegung in nahezu drei Jahrzehnten in Bedeutungslosigkeit oer- harren lassen. Um so höher muß man das Verdien st des Ber- liner Messeamtes einschätzen, das uns fast drei Monate hin- durch, verbunden mit einer sehr geschickten Propaganda und mit dem schnell volkstümlich gewordenen Wort, Wochcndende, in neuer und vielfach origineller Weise die Notwendigkeit des„Hinaus in die märkische Natur und Heimat!" gepredigt hat. Nun ist mit dem gestrigen Sonntag diese erste Berliner Wochencndausstcllung zu Ende gegangen, eine Zlusstcllung, die sich wie bisher keine andere in allen Bolkskretscn allgemeiner Beliebtheit erfreut hat. Ueber Süll 0 0 0 Besucher sind im Laufe der Monate gekommen, um sie onzu- sehen. Ueber SWKMX) Menschen haben aus ihr Anregungen mannig- facher Art geschöpft. Sehr hübsch war es, daß gestern noch am letzten Tag 30 junge Mädel aus der Obststadt Guben gekommen waren. Aus bunten Körben verteilten sie an die Aus- stellungsbesuchcr prächtige Gubener Kirschen. Das war wirkungsvolle Propaganda. Und solche nette Regieeinsälle hat man im Laufe der Monate mehrfach beobachten können. Mögen auch tausende vor den verlockenden Wochenendhäuschen geseufzt haben: Was nützt uns das. Wir können uns das doch nicht kaufen!" Der Idee, daß die Nerven des unerhört strapazierten Weltstädtcrs eineinhalb Tag einmal ausruhen müssen, hat diese Ausstellung ganz außerordent- lich gedient. Es kommt nun darauf an, daß d e r E r f o l g von den großen Organisationen ausgemünzt wird. Freilich, wenn man sieht, wie in den großen Warenhäusern und Geschäften die Verkäufer und Verkäuferinnen zu einer Zeit, wo andere tatsächlich das Wochen- ende antreten, noch derartig in der Arbeit sind, daß sie abends vor Erschöpfung zusammenzubrechen drohen, dann gelangt man zu der Ueberzeugung, daß für das Wochenende der Verkäufer und Arbeiter noch so gut wie alles zu tun bleibt.— Für die weitere Entwicklung des Berliner Ausstellungswesens ist der erfolgreiche Abschluß der Wochenendschau insofern wichtig, als mit ihr der erste Versuch einer großen Frühjahrsaus st«llung von längerer Dauer aist dein Auestellungsgcländ« am Kaiserdamm als geglückt be- zeichnet werden kann. Wochensndfest in Aalkcnbcrg. Die Sommerfeste von Falkenberg haben ihren festen Platz im Sommerprogramm der sozialistischen Alten und Jungen, und das Festkomitee, dessen Seele Genosse Kautz ist, sorgt stets für neue Ueberraschungen. Der glänzend durchgeführte Festzug der dias- jährigen Veranstaltung war der Feier des Wochenend- gedankens gewidmet und die liebenswürdige Verulkung des ungehemmten Verkehrs mit der Natur wurde in geschickter Weise mit den Zcitsrage» verquickt. So traten neben seuchtsröhlichen Kremserparticn, Wochenendlern, Wochenend,.fimmlern" und„Groß- grundbesitzcrii"(das Quadratmeter mit einer hübschen lebenden Figur darauf für?,S5 M.), die markanten Loearno- Politiker Stresemann, Briand und C h o m b e r l a i n in Er- scheinung. Die um ihre Schäslein und deren Scherflein jammernden Geistlichen fanden ebenso Darstellung wie die Arbeitslosen, deren „Schrei nach Arbeit" in dem Sprechchor aufs wirksamste zum Ausdruck kam. Und die drei Pyramiden der Volksbühne in Rot, Blau, Gelb mit den sie begleitend, n, ebenfalls farbig gekleideten Mädchen und Jünglingen zeigte die Mahnung:„Für die Frei- heit der Kunst! Nach dem Umzug erfolgte der Einmarsch in den Festraum, dessen hügelige Umgebung gute Gelegenheit zum Beobachten gab. Walter Prochnow brachte die für die einzelnen Gruppen gedichteten Verse gut zur Wirkung und reicher Beifall belohnte die Mühen der Veranstalter, von denen noch die Malerhütte von Huth, der Sprechchor der Volksbühne(Karl Vogt), der Junge Ehor(Chor- führer Walter Rohde), der Maler Hacker, der Bildhauer Glöckler, Hacker sen., der Leiter des Puppentheaters, genannt seien. Nach dem offiziellen Programm spielte sich im schönsten Sonnenmetter, dessen Wärme durch den kühlen Wind gemildert wurde, ein fröhliches Voltstreiben zwischen den der Erholung und der Belustigung dienenden Baulichkeiten ab? die Kaffeetrinker konnte die Tasse als Andenken mitnehmen und durften für 10 Pf.„nachschenten" lassen. Im Grunde des Festplatzes warf die Sonne ihre Reflexe auf die leuchtenden Gewänder und nackten Oberkörper der Mitspieler, die aus dem Knäuel der Tanztleider der jungen Mädchen hervorstachen. Ungebundene Heiterkeit herrschte bei alt und jung, es war ein Fest. das allen Beteiligten auf lange Zeit in Erinnerung bleien wird— bis das nächste Jahr zu neuen Taten aufruft. Aushöhlung ües britischen Königtums. Die Gcncralgouverneure der drei größten Dominions nusgesrhaltct. An dem gleichen 1. Juli, an dem in Deutschland durch das Ar- beitsgerichtsgesetz neues soziales Recht ins Leben trat, begann im britischen Weltreich neues politisches Recht. Hier sind die Abkommen wirksam geworden, die die Beziehungen des Mutterlandes mit den Dominien neu regeln. Das britische Weltreich ist der Form nach ein einziges König- reich. Die Kolonien wurden und werden von Gouverneuren und Generalgouverneuren als den Stellvertretern des Königs regiert. In den größten Kolonien, den Dominions, setzte sich die demokratische Selbstregierung durch, der Parlamentarismus verantwortlicher Regierung. Der Gencralgouverneur behielt bis jetzt dort noch die Funktion eines Präsidenten, allerdings nicht eines selbstgewählten, sondern eines von außen her ein- gesetzten. Er hatte bis jetzt Einfluß aus die Beziehungen des Mutter- landes mit seinen mündig gewordenen Tochterländern. Durch ihn verkehrte die Regierung in London mit den Dominien-Regierungen. Er tonnte also ihre Beziehungen kontrollieren und auf sie ein- wirken. Nun anerkannte die britische Reichskonferenz im November 1926 die Dominien als Teilhaber des Weltreiches. Deshalb wurde dies Kontrollrecht des Generalgouverneurs des Dominions grundsätzlich beseitigt. Es bestehen politische Beziehungen prinzipiell jetzt nur noch direkt von Regierung zu Regierung, genauer gesagt von dem englischen Außen- minister zu den Außenministern der Dominien. Nur die Regierungen der beiden kleinsten Dominien, Neu- s e e l a n d mit anderthalb Millionen und Neufundland mit einer Viertelmillion Einwohnern, wollen an den bisherigen Verhält- nisten festhalten. Sie wünschen ihre Abhängigkeit von London nicht zu lockern. Bei Australien, mit 6 Millionen Einwohnern, ist die Aenderung nur noch eine Frage kurzer Zeit. Di» Bundesregie- rung hat ihre Entscheidung im Augenblick vorbehalten., da sie wegen der Kämpfe innerlyilb der herrschenden Arbeiterpartei sich nicht ent- schließen konnte. Hingegen haben die beiden größten pominien, Süd- afrika und Kanada, jedes mit fast sieben Millionen Ein- wohnern, das neue Verfahren eingesührt. Hier hat der General- gouverneur nichts mehr zu sagen, sondern nur noch zu reden. Er hat nur noch repräsentative Funktionen: Denkmäler zu enthüllen und dreimal feierlich auf den neugelegten Grundstein mit dem Hammer zu klopfen, ist seine Ausgabe als würdiger Ver- treter des„Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nord- Irland". Das britische Reich als das Weltreich des englischen Königs zerfällt unaufhaltsam. Durch friedliche Verständigung entwickelt sich daraus ein Bund gleichberechtigter Staaten. Das Königtum ist nur noch Fassade. Der Zusammenhalt des Reiches beruht auf der Anerkennung der G l e i ch h e i t der Dominien mit dem Mutterlande und auf der Gemeinsamkeit der Interessen gegenüber außenstehenden Mächten und gegenüber Indien und den Kolonien, die England beherrscht. Neichsbannerkunügebung in Pankow. Der vom Reichsbanner, Kreisverein Pankow, veranstaltete Republikanische Tag in Pankow bewies, daß durch die feige Mordtat an einem der Kameraden die Reihen des Reichsbanners noch fester zusammengeschlossen worden sind. Die Teilnahme an der Kundgebung war überaus gut. Schon beim Festzuge unter den Klängen mehrerer Kapellen und Tambourkorps bildete eine dichte Menschenmenge Spalier. Viele schlössen sich begeistert dem Zuge an. Herzlich begrüßt wurden auch die an der Spitze des Festzuges mar- schierenden Kameraden der Marinejugend des Reichsbanners Stettin. Am Marktplatz, an dem die Hauptfeier und die Banner- weihe des Ortsvereins vollzogen werden sollte, standen die Fest- teilnehmer bis in den Seitenstraßen. Nach Begrüßungsworten durch den Kameraden Sasse ergriff Ministerpräsident a. D. Stelling das Wort. Seine Ausführungen, die begeisterte Zustimnrung fanden, gaben eine genaue Darstellung der letzten politischen Ereig- niste. Stürmisch« Pfuirufe lösten die Ausführungen des Redners über die Haltung der Rechtspresse zum Arensdorfer Mord aus. Das neue Banner wurde vom Ge- nosten Stelling geweiht. Genosse Mühlmann überreichte im Auftrage der Partei für das Banner eine Schleife mit dem Motto: «Für Freiheit, Recht und Republik." Einer öer Vororteinbrecher verhastet! Die Nachforschungen noch der Vorort-Einbrecherbandc sind jeßl von Erfolg gewesen. Lei einer Streife stießen die Be. amten in einem Lokal in der kleinen Auguslstraße aus einen 30 Zahre alten Russen Gregor w i l t r a ck, der den Strasbehörden nicht unbekannt ist. Ohne Zweifel hat man in ihm«in Mitglied der Bande ergrissen._ Schweres fiutomobilunglück in öer Schweiz Mit 8 Personen in die Tiefe. Andermatt, 2. Juli.(MTB.) Am Sonntagnachmillag ereignete sich zwischen Göfchenen und Andermatt ein schiveres Automobilunglück. Infolge Versagens der Steuerung fuhr der wogen des Fabrikanten E. Feierabend aus Engelberg über die Straßen- böschung hinab und stürzte In die Schöllenenschlucht. Der mit acht Personen besetzte Wagen wurde vollständig zertrümmert. Zwei der Insassen waren sofort tot. Zwei Frauen wurden schwer, «in Ehepaar leicht verletzt. Die beiden übrigen Insassen, darunter der Besitzer, erlitten nur geringe Verletzungen. Dempseys Bruder erschießt seine Frau und verübt Setbslmord. Der Bruder des Boxers Dempsey hat anscheinend aus Eifersucht seine Frau erschossen und dann Selbstmord verübt. Mus öer Partei. Genosse Johannes Ciossmann-Kaiserslautern beging am gestrigen Sonntag in seiner pfälzischen Heimat'seinen 60. Geburtstag. Er gehört zu den Männern, die an dem Ausbau einer sozialistischen Arbeiterbewegung im Süden Deutschlands entscheidend mit beteiligt gewesen sind. Als junger Lehrer hatte er die Gedanken des Sozia- lismus in sich aufgenommen und seitdem nichts mehr als Werbung und Kampf für sie gekannt. Das brachte ihn naturgemäß in Konflikt mit der Reaktion seines eigenen bayerischen Vaterlandes, und im Jahre 1908 mußte er dem Lehrerberuf entsagen. Im gleichen Jahre aber entsandten ihn die Genossen aus der Pfalz in den Bayerischen Landtag, und vier Jahre später auch in den Reichstag, dem er heute noch angehört. In den Sturmjahren 1918— 1920 war er zunächst bayerischer Kultusminister, dann übernahm er nach der Ermordung Kurt Eisners auch das Ministerpräsidium, das er in schwerster Zeit mit ruhiger Festigkeit und im Geiste der Reichseinheit führte, bis der Kapp-Putsch— der bekanntlich allein in Bayern erfolgreich war— ihn stürzte und Herrn v. Kahr an seine Stelle brachte. Daß Genosse Hosfmann trotz seiner untadeligen, reinen Persönlichkeit vor schärssten Angriffen unseier Gegner nicht verschont blieb, versteht sich von selbst. Die Beweise der Freundschaft und der Verehrung, die ihm gestern aus den Kreisen der Partei zugingen, sind überaus zahl- reich. Auch der Parteivorstand und die Reichslagsfraktion haben sich mit herzlichsten Glückwünschen eingestellt. Der Morü in üer Nosenthaler Straße. Tie Tote festgestellt. Im Laufe des gestrigen Sonntages ist es der Mordtommstsion gelungen, die Persönlichkeit der in dem Privathotel in der Rosenthaler Straße ermordet aufgefundenen Frau festzustellen. Es ist eine 25 Jahr« alte Else Arndt aus der Alexandrinen- straße. Sie war früher als Hausangestellte tätig gewesen, hatte diese Beschäftigung aber aufgegeben und war nach und nach immer mehr verelendet. Seit etwa drei Jahren hatte sie von einer Arbeiter- samilie eine Kammer abgemietet. Mit Hilfe ihrer Wirtsleute ist es gelungen, ihre Persönlichkeit einwandfrei festzustellen. Zeugen bekunden, daß das Mädchen früher in der Invalidenstraße und später hauptsächlich in der Weinmeisterstroße und am Rosenthaler Tor zur Nachtzeit Männerbekanntschaften suchte. Einen festen Der- kehr hatte sie jedoch nicht. Daher es noch nicht möglich gewesen, zu ermitteln, wer der Mann war, mit dem sie das Hotel aufsuchte. Man forscht jetzt nach, in welchen Lokalen sie an dem Verhängnis- vollen letzten Abend gewesen ist, um so vielleicht einen Anhalts- punkt für die Person des Mörders zu gewinnen. Wer sich erinnern kann, das Mädchen in Begleitung gesehen zu haben, wird gebeten, seine Wahrnehmungen der Mordkommission Lobbes-Zapfe im Zimmer 83a des Polizeipräsidiums mitzuteilen. Prozeß Themal-Narfchner. Tos Geheimnis des BeratnngSzimmers. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts I begann heute morgen die Berusungsverhandlung in der bekannten Beleidigungs- jache des Landgerichtsdirektors Dr. M a r s ch n e r gegen den Redakteur des„Montag-Morgen Kuppel, den Rechtsanwalt Dr. Themal und den Assessor Dr. Kempner. Die Tatsachen, die diesem sensationellen Prozeß zugrunde liegen, sind noch in Er- innerung. In einem Artikel des„Montag-Morgen" vom 29. November vorigem Jahres mit der Ueberschrist„E i n Berliner Richter als Fälscher" und dem Untertitel„Geschworene bezichtigen den Schwurgerichtsdirektor Marschner" wurde diesem ein krasser Rechts- bruch vorgeworfen und von eineni einzig dastehenden Fall ge- sprachen, wo ein Schwurgericktsvorsitzender auf Grund von Äe- l)auptungen der Geschworenen das zissernmähige Ergebnis der Abstimmung gefälscht habe. Aus dem weiteren Inhalt des Artikels ging hervor, daß der im Oktober stattgesundenen Verurteilung zweier Justizwachtmeister wegen fahrlässigen Falscheides Geschworene dem Rechtsanwalt Dr. Themal darüber Mitteilung gemacht hätten, daß der Schuldspruch der Abstimmung nicht mit der erforderlichen Zwei- drittelmehrheit zustandegekommen sei, daß somit das bekanntgegebene Resultat nicht den tatsächlichen Vorgängen im Beratungszimmer leiisprochen habe. Es hieß in dem Artikel ferner, daß Rechtsanwalt Themal die Flucht in die Oessemlichkeit angetreten habe, da er trotz seiner Bemühungen keine Einsicht in die Eingabe der Geschworenen an das Gericht erl>alt«n Hobe. Wie erinnerlich, wurden in der ersten Instanz am 12. Februar Redakteur Ruppel zu 3000 M.. Rechts- anwalt Themal zu 2000 M. und Dr. Kempner zu 500 M. Geldsbrase weegn Beleidigung verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es u. a., daß die Beweisaufnahme, mit anderen Worten die Vernehmung, sämtlicher in Frage kommenden Richter und Ge- schworenen ergeben hätte, daß der fragliche Schuldspruch vollkommen korrekt zustandegekommen sei./ KeSen den ßanbzng der Bflrgerblodireglernngl Legen den geplanten ZoHWddierk Legen die weitere Vertenernns der lebensniUfei! Protestkundgebungen am Mittwoch, dem 6. Juli, IS'.'z Uhr im Moabiter Gesellschaftshaus, Widefsfr. 23-24 Germaniasäle, Chausseestraße IIS Comenlussäle, Hemeler Straße 67 Erbes Festsäle IKliem), Hasenheide 13-15 Berliner Werktätige, wehrt Euch, k&mptt dagegen! Besucht die Proleslversammiungen der Sozialdemokratischen Partei! Ein Sonntag der Verkehrsunfälle. Am gestrigen Sonntag ereignete sich«ine große Zahl von schweren Zusammen st ößen und Straßenunsällen. Durch die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt mußt die Feuer- wehr und das Städtische Rettungsamt muhte zahlreich« Ler- unglückte In Krankenhäuser überführt werden. In der'B e r l i n e r S t r a ß e zu H e i n e r s d o r f überfuhr der Kraft- Wagenführer T. aus der Kastanienallee ein 12jähriges Mädchen und raste in schnellem Tenipo, ohne sich um das verunglückte Kind zu kümmern, weiter. Kurz hinter der Unfallstelle verlor T. die Gewalt über die Lenkung und fuhr gegen den Bürger- steig. Das Auto stürzte um und begrub drei Insassen unter den Trümmern. Während der Führer mit leichteren Verletzungen davonkam, zog sich dessen Frau Anita, deren Tochter Ella und ein weiterer Begleiter, der Kraftwagen- sührer Paul K. aus der Hochmei st er straße lebens- gefährlich« Verletzungen zu. Die Verunglückten wurden durch die Feuerwehr in das Weißenseer Krankenhaus gebracht, wo die letzteren drei sehr bedenklich daniederliegen.— Am Adlergestell in Niederschöneweide für ein mit vier Personen besetztes Auto gegen einen Baum und wurde schwer beschädigt. Der Hochbahnverkehr zwischen den Stationen Kottbusser Tor und Warschauer Brücke war heute früh durch Achsenbruch eines Wogens ziemlich vier volle Stunden lang lahmgelegt. Der Unjall ereignete sich kurz vor der Haltestelle Görlitz er Bahnhof. Es gab plötzlich einen starken Ruck, einer der Wagen bremste sehr scharf. Es gelang, den Zug bis zum Bahnhof zu führen, wo denn ein A ch s e n b r u ch fest- gestellt wurde. Die Strecke mußte stromlos gemacht und der g e- famte Verkehr zunächst unterbrochen werden. Den 80. Geburtstag begeht heut« eine frühere Wäsche- näherin, Fräulein Charlotte G ö h tz, die in Berlin, Chaussee- straße 76, vorn 4 Treppen(bei Frau Lakomy), wohnt. Die alte Dame, geborene Berlinerin und Tochter eines Arbeiters, hat 54 Jahre ihres Levens sich mit Wäschenäherei ernährt, ist aber nun schon seit einer Reihe von Iahren nicht mehr arbeitsfähig. Für sie, die in dürftigen Verhältnissen lebt, ist der Lebensabend nicht leicht zu tragen. öprö will den Südpol überfliegen. Paris, 4. Juli.(TU) Hier werden jetzt Einzelheiten über die weiteren Pläne Byrds bekaimt. Als sein nächstes Unter- nehmen bezeichnete Byrd die Ueberfliegung des Südpols. Er werde mit Leutnant Nobile und dem Norweger Baaschen fliegen, und zwar inzweiApparaten, einem einmotorigen und einem dreimotorigen Fokker. Sobald es wegen der äußerst starken Stürme in den Polargegenden nicht mehr möglich sein sollte, mit ei n e ni Motor vorwärts zu kommen, werde er den Apparat mit drei Motoren benutzen und den anderen Apparat sozusagen als Operationsbasis zurücklassen. Es ist also eine Zwilchen- l a n d u n g vorgesehen, und zwar auf einem möglichst vorgeschobenen Punkte. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Sonnlog. dem Z. Juli. t. Rennen. 1. Original(Varga). 2. SiegeSzug tGrabsch), 3. Labncck (®. TorraS>. Ferner liefen: Fuge, Lieserer, Otsried, Luca«, Helios, Rlida, AtroPoS, Marchesa, Favoritin, San Marco. Toto: 29: 10. Platz: 17, 31, 31: 10. -2. Rennen 1.?llcrnnbcr der Große(Eberl), L.Moloch(Tajdik), 3. Gerber(Grabsch). Ferner liefen: Pcrsepbone, Habicht. Muiaiis mulandis. Marianne, Pistole, Schncewjtlchcn, Fundin, Sonnengott, Oran. Toto: 510:10. Platz:>03, 81, 17: 10. 3. R c n n c n. 1. Mumm(N. Torkc), 2. Himmelgeist(Mrabl), 3. Schaiicnmorclle(Parga). Ferner licscn: Tagora.Paiadiiia.Jawasch.Certosma, Foxirott, Prcuhenstoiz, Mira. Toto: 49:10. Platz: 19, 40, 21:10. 4. Rennen 1. Baba(O. Schmidt). 2. Roland lHatzne»), 3. Löwen- berz II(W. Tai ra?) Ferner iiejen: Eiienkanzlcr, Fürsteiibrauch, Toto: 25:10. Platz: 14. 29: l0. 5. Renne n. 1. St. Robert(W. TarraS). 2. Pelopea(O. Schmidt), 3. Normanne(Grabich). Ferner Uesen: Postmciftcr, Patisander. Toto: 61; 10. Platz: 18, 12: 10. 0. Rennen. 1. Postenkette(Haiines). 2. Märker(Krabich). 3. Grasen- kröne(O. Schmidt). Ferner liefen: Graue Theorie, Madame Pompadour, Honnef. Toio: 40: 10. Platz: 21. 29:>0. 7. Ren neu. 1. Abteilung: 1. Chrislinchcn(O. Schmidt), 2. Sea Lord(W. Jancik), 3. Frintrop(SJ. Tarras). Ferner liefen: Erlkönig II, Orla, Tibet, Firn, Mrlaniho, Aolksrache. Toto: 56:10. Platz: 16,14,18:10. 6. Rennen. 2, Abteilung: 1. Zia Uhr; Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Die insligeWltwe , 8V, Uhr Vater werden ist nicku stltwcr neiropol- Ttieat. Täglich 8V« Uhr GlUck in der Liebe Walhalla- Theai. ♦ Wcrbetafte ♦ Täglich 8'/, Uhr: Adam auf Abwegen Schwank in 3 Akten von Otto Söhnel das Tollste voni Tollen Parkett statt 4 Mk. nur 60 Pf«, auch Sonntags. Volksbühne Ilieater am Bülowplah Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock Die Komödie Bismarck 2414/7516 4, Ende nadi 10 Uhr Oer keusche Lebemann Sommerpr. 3— 10 M. Reichshallen-Theater 8 Uhr. 8 Uhr: Sfettiner Sänger Zum Schluß: „Eine üochzeti In der MUilersirahe" Dönhoff■Bretfl: Varietö, Konzert, Tanz WINTERGARTEN AnioneS und Be&y die Originales Und die 11 Jali-Novltüten 11 Ant. 8 Uhr. Rauchen gestattet| »ASSSSSSS$ fi€€€€€€€€« K Unserem lieben alten Genossen® | Fritz fienschel| iau seinem 75 jährigen Geburt».® tage zum 4. Juli unseren herz» M Nchen Glückwunscht Die Qenossen der 110. Abtgl. R e» Grünau.£ KNSÄSAAAS q« ISra. filt«. Ersatzteile 'niilhti inll« Koblanktl. 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