Nr. 31244.Jahrg. Ausgabe A nr. 159 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lugemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der illustrier ten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" sowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen",„ Aus der Filmwelt", Frauenstimme", „ Der Rinder. freund", Jugend- Borwärts"," Blid in die Bücherwelt" und Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe 1 hd malt Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart.„ Kleine Anzeigen". bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( zuläffig zwei fettgebrudte Worte).. febes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, jedes meitere Wort 10 Pfennig. 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Diesen Forderungen glaubte ein großer Teil der Industrie nicht entsprechen zu können und so mußte dann Herr Schiele wesentliche Forderungen fallen lassen, u. a. den beabsichtigten Boll auf den Gefrierfleischimport und den Weizenzoll, den er um 50 Pf. auf 5,50 M. erhöhen wollte. Kampf um die 3ölle hier stodt man schon. War es| Reichslandwirtschaftsbundes. ein Kampf, der sich gestern im Reichstag abspielte? 3um Kämpfen gehören zwei: einer, der angreift und einer, der sich verteidigt. Gestern aber, bei der ersten Lesung der Zollverlage haben die Anhänger der Zollerhöhungen sich damit begnügt, die fürchterlichen Prügel einzustecken, die sie vom Genossen Hilferding und den anderen Rednern der Opposition bezogen. Sie sagten gar nichts dazu und ließen die Vorlage an den Ausschuß gehen. " Es ist Zeit, über die eigenartigen parlamentarischen Methoden, die sich unter der Herrschaft des Bürgerblods ein gebürgert haben, ein paar grundsägliche Worte zu sagen. Wir sind feine Freunde der Bielrednerei und meinen nicht, daß das Parlament über dem Reden das Handeln vergeffen foll. Aber wenn sich der Reichstag zur Hälfte in ein Trappistentloster verwandelt, wenn sich die Regierungsparteien auf den Standpunkt stellen:„ Wir haben zwar feine Argumente, aber wir haben die Mehrheit," so wird der Parlamentarismus zur Karikatur. In der lehten Zeit hat man das bei der Debatte über die Außenpolitit, über die Auf= wertung, über die Beamten besoldung und jetzt wieder bei der über die Hölle erlebt, daß sich die Regierungsparteien entweder auf die Abgabe einer gemeinsamen Erklärung beschränkten oder aber gar, wie im legteren Fall, auch auf diese verzichteten. Dieses Schweigen fann unmöglich als ein Zeichen von Festigkeit gedeutet werden, am allerwenigsten im Fall der 3ollpolitit. Was Hilferding darüber sagte, mar für die Anhänger der Regierungsvorlage schlechterdings vernichtend. Aber diese Vernichtung hatte gar nicht erst mit seiner Rede begonnen, sie hatte als eine Art von logischem Selbstmord schon mit den beiden Ministerreden eingesetzt. Denn die Rede des Finanzministers Köhler mar in ihrer hauptsächlichsten Argumentation ebensosehr eine Rede gegen die neuen Kartoffel- und Zuckerzölle, wie schon die Genfer Rede Stresemanns und die Hamburger Rede des Herrn Curtius die beste vorgreifende Widerlegung der gestrigen Rede des Herrn Schiele gewesen waren. Hilferding hat diese Gegensäglichkeiten in denen Aeußerungen der Minister unmiderleglich aufgezeigt und mit beißendem Spott behandelt. Vor der Regierungsbank her wurde aber nicht der geringste Als Gegengabe verlangt Schiele, um die Parität zu wahren, einen Abbau der industriellen Zölle, besonders der Zölle auf landwirtschaftliche Maschinen( amerikanische Traktoren usw.). Das Reichswirtschaftsministerium soll auch die Erfüllung dieser Forderungen im gewiffen Umfange zugestanden haben. Damit war der Ausgleich geschaffen, die Barität gewahrt. Aber der Friede hat nur solange gedauert, bis der Reichsrat fich u. a. gegen den Kartoffelzoll erklärt hat. Im Lager des Reichs: landbundes glaubt man auch nicht an eine reibungslose Erledigung der vorgeschlagenen Zollerhöhungen im Reichstag und ist auf alle möglichen leberraschungen gefaßt. Deshalb verlangt Schiele von Curtius die Wiederherstellung der Bari tät, d. h. die Ermäßigung einer Reihe von Zöllen auf Einfuhr artifel, die in erster Linie der Landwirtschaft zugutekommt. Wie dieser Kampf, der in den letzten Tagen zwischen dem Reichsernährungsministerium und dem Reichswirtschaftsministerium unter der Oberfläche geführt wird, weitergeht, hängt von dem Schicksal der Zollvorlage im Reichstag ab. machsen der Einnahmen aus den 3ŏllen bereite dem Minister Sorge, sind sie doch von 590 Millionen im Jahre 1925 auf 940 Millionen im Jahre 1926 gestiegen.( hört, hört! links.) Nicht nur aus fiskalischen Gründen sei diese Steigerung bedenklich, sie belaste auch die breite Masse der Bevölkerung, die daneben noch an den indirekten Abgaben zu leiden hätte. Reichsernährungsminister Schiele erklärt, daß jetzt ein Versäumnis an der Landwirtfchaft gutzumachen sei, und zwar gerade im Einverständnis mit den Beschlüssen der Wirtschaftskonferenz.( Lachen links.) Zwischen den Zöllen auf landwirtschaftliche und auf industrielle Erzeugniffe müsse eine Barität hergestellt werden, und diesem Zwecke diene die Vorlage. Die Verminderung der Kaufkraft der Landwirtschaft habe mit zur industriellen Depression geführt. Die Ursache der Industrienot und der Arbeitslosigkeit in Europa sei in der Disparität zwischen landwirtschaftlicher und industrieller Produktion zu erblicken. Der Landwirtschaft müsse eine angemessene Lebenshal tung gesichert werden; das sei bisher nicht geschehen. Der 2 b bau der 3ollmauern zwischen den Völkern sei eine Angelegen= heit des Welthandels, der Zollschuh für die Lande wirtschaft aber sei eine innere Angelegenheit der einzelnen Länder. Die deutsche Landwirtschaft wolle nicht in einen Gegensatz zur deutschen Industrie geraten, wo er bestehe, wolle sie auf dessen Beseitigung hinarbeiten. Die eigentliche Krankheit Europas liege in der Industrialisierung der anderen Länder und dem Rückgang der industriellen Ausfuhr Europas. Besonders Amerika brauche die europäischen Industrieerzeugnisse nicht mehr so wie vor bitterter Kampf geführt werden, daher müsse jedes Land, vor allem Deutschland, den inneren Markt mehr als bisher stärken. Wir brauchen Schutzölle auf solche Waren, die im Auslande mit geringeren Kosten als bei uns hergestellt werden können. Deutschland sei aufs stärkste daran interessiert, daß die gegen es gerichteten Zollmauern abgebaut werden, aber bei der starken Belastung, die auf der deutschen Wirtschaft liege, sei es unmöglich, daß Deutschland mit dem Zollabbau vorangehe. Auch vom Standpunkt des Verbrauchers bedeute ein gleichmäßiger 3ollschuh keine Belastung, im Gegenteil, Der Reichstag beschäftigte sich gestern mit den Vorlagen dem Kriege. Um den kleiner gewordenen Weltmarkt müsse ein erüber 3olländerungen. Reichsfinanzminister Dr. Köhler führt aus, daß für eine Reihe wirtschaftlicher Erzeugnisse die Zölle nur festgesetzt werden müßten, menn am 1. August im Zolltarif nicht ein Bakuum entstehen solle. Da die wirtschaftliche Entwicklung sich noch nicht übersehen lasse, so soll der Zolltarif vom Jahre 1925 bis auf die Säge für diese Erzeugnisse nur verlängert werden. Die Regierung werde auf eine Prüfung der Frage hinarbeiten, welche 3ollsäge in dem neuen Zolltarif gesenkt werden müßten. Das An 3 Italienische Grenzanmaßung. Bersuch gemacht, auch nur nach außenhin so etwas wie Brutales Vorgehen gegen französische Gebirgsdorfbewohner.- Starke Erregung Einigkeit zu marfieren. Herr Schiele pries sogar die ,, Mannigfaltigkeit" der ministeriellen Anschauungen als Zeichen eines gesunden geistigen Lebens innerhalb des Kabinetts. Und Herr Curtius sagte gar nichts dazu! Alles in allem: Noch nie ist eine Regierungsvorlage, die der Bevölkerung neue Lasten zumutete, fläglicher begründet worden, noch nie ist ihre Begründung vollständiger zerzaust worden. Hinter der neuen Zollvorlage steht feine Kraft der Ueberzeugung, hinter ihr steht nichts als der Wille, sich die materiellen Vorteile zu sichern, die sich bestimmte ende Kreise von ihr versprechen. in Frankreich. stärkste Beunruhigung Paris, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die jüngsten| des Feuers der italienischen Artillerie abwarten mußten. In Paris 3 wischenfälle an der italienisch französischen hat das Bekanntwerden dieser Zwischenfälle Grenze beim Mont Cenis weiß der Intransigeant" noch folgende Einzelheiten zu berichten: Am Montag, den 27. Juni, erschienen in mehreren französischen Gemeinden in der Nähe des Mont Cenis italienische Offiziere und Mannschaften und forderten die Bewohner in brutalster Form Der Kampf, der trotzdem geführt wird. der von' der Sozialdemokratie geführt wird mit schärfsten geistigen Waffen gegen einen geistig hilflosen, aber in seinem Bereiche runaswillen zäh tonfequenten Gegner muß in wenigen Tagen entschieden sein. Die Entscheidung hängt davon ab, ob das 3entrum den Kartoffel- und Zuckerzöllnern willenlos Gefolgschaft leistet, sie hängt weiter davon ab, ob der Reichs- Eigentum jenseits der Grenze liegt. Im Vertrag von 1861 ist rat auf seinem Widerspruch beharrt oder nicht. Soviel ist aber heute schon gemik: entweder die Sozialdemokratie dringt mit ihrem sachlichen Standpunkt durch und es gelingt ihr also, die geplanten Zollerhöhungen zu Fall zu bringen oder aber der Bürgerblock erspart sich diese Niederlage im Reichstag, um sich dann bei den nächsten Reichstagswahlen eine noch viel gründlichere Niederlage zu holen. Einstweilen scheint soviel festzustehen, daß die Vorlage über die Rollerhöhungen gemacht wurde, noch ehe man unter den Regierungsparteien und zwischen den Regierungsämtern handelseins war. In die Hintergründe dieser Gegensätzlichkeiten leuchtet eine Buschrift hinein, die dem -Sozialdemokratischen Pressedienst" zugeht und in der ausgeführt wird: Der Streit, der sich insbesondere zwischen dem Reichslandmirtschaftsminister Schiele und dem Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius um die Aenderung wichtiger Zollpofitionen abspielt, ist gewissermaßen ein Streit um die Parität. Der Reichs. ernährungsminister machte sich nach seinem Eintritt in das Besiz blodkabinett zum Fürsprecher der ertremften Zollforderungen des auf, die Häuser zu räumen, da die italienische Gebirgsartillerie Schießübungen vornehmen wolle. Die Lage dieser Gemeinden ist so, daß nicht überall der Gemeindebann mit der italienisch- französischen Grenze zusammenfällt und an verschiedenen Stellen franzöfifches Grenze zusammenfällt und an verschiedenen Stellen franzöfifches aber ausdrücklich den Einwohnern dieser Grenzgebiete völlige Bewegungsfreiheit auf italienischem Boden vorgesehen worden. Infolgedessen weigerten sich die Einwohner, der Aufforderung der italienischen Offiziere Folge zu leisten, die auch eine flagrante Verletzung des Vertrages von 1861 darstellt. Da sie aber von dem italienischen Militär bedroht wurden, famen sie, um blutige Zwischenfälle zu vermeiden, der Aufforderung nach. So wurden mehrere hundert Personen, Männer, Frauen und Kinder franzöfifcher Staatsangehörigkeit und sämtliches Vieh in über 2000 Meter Höhe aus ihren Wohnräumen vertrieben und mußten im Freien in Sturm und Regen nächtigen, während die italienische Artillerie Scharfschießübungen vornahm und Hütten und Felder verwüstete. Obwohl von den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden sofort Protest tele: gramme an die Parlamentarier des Departements und an die Regierung in Paris abgesandt wurden, wiederholten sich am 3. Juli dieselben Zwischenfälle. Auch da wurden wieder zahlreiche Familien von den italienischen Militärs ins Freie gejagt, wo fie, von Felsen geschützt, bis abends in Nässe und Kälte die Einstellung| hervorgerufen. Am Quai d'Orsay erflärt man, vorläufig feinerlei offizielle Nachrichten darüber zu befizen. An der italienisch- französischen Grenze ist die Stimmung der französischen Bevölkerung aufs höchste erregt, da die Italiener durch Plakate bekanntgemacht haben, daß die Scharfschießübungen noch bis zum 15. Juli fortdauern würden. Die Anschlußfrage taucht wieder auf! Paris, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der französische Gefandte in Wien, de Chambrun, weilt seit einigen Tagen in Paris und hat, wie verlautet, mit den zuständigen Stellen am Quai d'Orsan bereits mehrere Aussprachen über die Anschlußfrage gehabt. Man scheint an den franzöfifchen amtlichen Stellen im Anschluß an diese Besprechungen mit Chambrun mit Beunruhi gung die Fortschritte zu verfolgen, die diese Frage in den letzten Monaten gemacht hat. Der„ Temps" gibt dies heute offen zu. Er erklärt, die Zeit sei vorbei, wo man glauben fonnte, die Anschlußangelegenheit sei ,, nur eine Angelegenheit gewisser Elemente ohne Verantwortung" in beiden Ländern. Heute ist die Mehrheit der österreichischen Parteien und die Mehrheit im Nationalrat offen für den Anschluß. Man könne heute nicht mehr auf das„ Verantwortungsgefühl" der Leiter der österreichischen Politit, noch auf die ,, Unabhängigkeit" der österreichischen Parteien zählen. Dies müſſe allen Befürchtungen in Frankreich und den Staaten der fleinen Entente Raum geben, denn der Anschluß würde nicht nur, nach Ansicht des Blattes, die Erdrückung der österreichischen Industrie, sondern auch in politischer Beziehung die Schaffung eines Mitteleuropas bedeuten, das die Einleitung zu einem neuen Drang des Deutschtums nach dem Osten" werden würde und dies wieder würde die ganze Entwicklung und sogar die Existenz der Staaten der kleinen Entente in Frage stellen « fctfflp 5ör � 8** firiyfrwfMow t>«. (Lachen links.) Die jehige Einfuhr»an tebensmikkeln im Zahre lS2S von Z Milliarden bedeute eine unerträgliche Belastung der deutschen wirtschasl.(Abg. ch i ls e rdi n g(Soz.): Currius ist anderer Meinung!) Selbst wenn der Minister Euctius anderer Mei- nung darüber sein sollte, so bedeutet das doch nichts, wir wollen in der Regierung keine Unisormität, sondern eine Mannigfaltigkeit der Meinungen.(Stürmische Heiterkeit links.) Die Zölle hätten die Eigenschaft, daß das Ausland sie nnttragen müsse. Das treffe wesentlich bei den Fleischzöllen zu, aber ebenso beim Zuckerzoll. Auch der Kartoffelzoll werde zum größten Teil nicht vom deutschen Verbraucher getragen.(Zuruf von den Sozial- demokraten: Unerhört!) Die Zolleinnahmen seien um so geringer, je besser die Ernte ausfalle. Es sollen jetzt vor allem die Erzeugnisse besser geschützt werden, die aus der bäuerlichen Wirtschaft hervor- gehen. Damit werde der Zoll zu einem wirksamen Bauern- und Landarbeiterschutz, der auch zu einer Verbilligung der Produkte führen werde.(Widerspruch links.) Von einer Bedrohung der Er- nährung könne keine Rede fein.(Mehrere kommunistische Abge- ordnete werden zur Ordnung gerufen, weil sie dem Minister Schimpfwort« zuriefen.) flbg. Hilferüing lSoz.) stellt fest, daß die Ausführungen des Ministers Schiele s m schärf- st e n Widerspruch zu den Beschlüssen der Reichs- wirtschaftskonferenz in Genf und zu der Red« des Reichs- wirtschaftsministers C u r t i u s in Hamburg gestanden haben. Auch der R e i ch s r a t hat gegen die Zollpläne der Regierung Stellung genommen, und Sie können doch nicht behaupten, daß diese Körper- Ichaft in landwirtschaftlichen Dingen nicht mitreden könne. Vor dem Kriege hat nicht einmal der damalige Obrigkeitsstaat die Zumuhing an das Volk gestellt, die Kartoffeln durch Zölle zu verteuern, denn dieser Zoll ist ganz sinnlos. Bei einer guten Kartoffelernte nützt der Kartosfelzoll überhaupt nichts. Um so mehr wirkt er aber bei einer schlechten Ernte, also gerade dann, wenn die Preise ohnehin in die Höhe gehen. Im vorigen Jahre hatten wir«ine schlecht« Kar- toffelernte, infolgedessen st i e g der Preis für Kartosseln im Großhandel auf 5.4? M. der Zentner, gegenüber 2,40 M. Im Jahre 1913, also um 12k Proz. Während im letzten Vorkriegsjahr 1913 im Einzelhandel das Pfund Kartoffeln 3 Pfennig kostete, kostet es jetzt SVi Pfennig, der Preis ist also um 189 Proz. gestiegen. Und gerade in dieser Zeit der höchsten Kar- toffelnot bringt die Regierung ihre Vorlag« auf Erhöhung des Kartoffelzolls ein!(Hört, hört! l'nks.) Run sagt die Regierung, daß dieser Satz erst am 1. Dezember in Kraft treten soll. Warum wird wohl dieser Zeitpunkt ausgewählt? Weil er für den Zollkrieg mit Polen aufrecht erhalten bleiben soll. Jetzt werden nicht nur Steuern, sondern auch Zölle thesauriert. Die Deutschnalionalen wollen sich Zölle aus Vorrat auch auf d>« Zeit bewilligen lassen, wo sie vielleicht nickst mehr In der Regie- rung sitzen. Die Deutschnattonalen find ja mit ihren Preisen herabgegangen. Für die Aufgabe der deutschnationalen Prinzipien bei der Verab» schiedung der Dawes-Grsetze im Jahre 1925 mußte man noch sehr viel zahlen, allgemeine Zollerhöhungen, grundsätzliche Aenderung der gesamten Handelspolitik. Heute sind die Deutschnationalen schon sehr viel billiger geworden, sie verlangen nur Kartoffel- und Fleisch- jjs'lle. Das ist aber der einzige Preisabbau, den man bisher in Deutschland erlebt hat. Wir jedoch möchten für den Deutschnatio- nalen Nonvaleur überhaupt nicht zahlen.(Heiterkeit und Zustim- mung links.) � der Reichsrat diese Vorlage abgelehnt. Nach dieser Ablehnung ist die Einbringung der Vorlage«ine der größten Blamagen, die selbst diese Regierung erlebt hat. Eine schöne Mannigfaltigkeit der Meinungen, die Herr Schiele an dieser Re- gierung gerühmt hat. Es ist eine Anmaßlichkeit der Deutsch- nationalen, wenn sie fortwährend nach Homogenität zwischen der Reichs- und der preußischen Regierung rufen. Sorgen Sie(nach rechts) doch einmal erst bei sich selbst für dise Homogenität! Besser wird es allerdings auch dadurch nicht werden. Besser wird es, wenn die Reichsregierung ebenso au»- sieht, wie die preußische Regierung(Aha! rechts.) Die Meinung der preußischen Regierung im Reichsrat wäre noch viel deutlicher zum Ausdruck gekommen, wenn nicht die Vertreter der agrarischen Provinzen gegen sie gestimmt hätten. 3m übrigen ist die preußische Regierung jederzeit bereit, mit dieser Parole vor die Wähler zu gehen, wir würden ja dann sehen, wie die Deutschnationalen dabei abschneiden. Es ist richtig, daß die Lage der Zuckerindustrie nach der Währungsstabilisierung schwierig'war. Ader seitdem hat sie sich doch wesentlich gebessert. Während Rohrzucker im Jahre 1913 mit 9,25 M. notiert wurde, stand er am 29. Juli aus 15,69. Das bedeutet eine Erhöhung des Preises für Rohrzucker um 79 Proz. Rübenzucker kostete 1913 22,59 Pf. das Pfund, am 29. Juli dagegen 49 Pf. Hier sehen wir also eine Steigerung um 89 Proz. Seit vorigem Jahre hoben wir unausgesetzt steigende Zuckerpreise, der Zuckerzoll wirkt sich restlos im Zuckerpreis aus. Das Kartell sorgt dafür, daß jeder über- flüssige Zucker ins Ausland gebracht wird, und dadurch wirkt sich der Zoll fast restlos im Preise aus. Jede Erhöhung des Zucker- zolls wirkt also heute als Rente für das Zuckerkartells (Sehr richtig bei den Soz.) Nun sagen die Zuckerfabriken, daß ihre Generaluntosten sehr hoch seien, weil sie weniger oerarbeiten als vor dem Kriege. Es würde also doch richtig sein, eine Steigerung des inländischen Ver- brauch? zu erzielen durch die Senkung der Zuckerpreise. Und dieser inländische Verbrauch ist noch einer außerordent- lichen Steigerung sähig. Wir stehen im Zuckerverbrauch an dritt- letzter Stelle, nur Italien und Rußland verbrauchen noch weniger Zucker als wir(Hört hört links). England und Amerika verbrauchen mehr als doppelt soviel als wir, Schweden und die Schweiz das Anderhalbfache. Aber die in der Vorlage enthaltene Zuckersteuer- ermäßigung soll abhängig gemacht ivaßden von einer Zuckerzoller- yöhung. Das heißt doch, ein Pferd hinten, eins vorn an den Karren anspannen! Diese geringsügige Ermäßigung der Zucker. steuer ist doch schon längst kompensiert durch die in der letzten Zeit eingetretene Erhöhung der Branntweinabgabe und anderer indirekter Steuern, die allein in den Monaten Mai und Juni d. I. einen Mehrertrag von 64 Millionen erbracht haben.(Hört hört links.) Auch die Zollerträgnisse sind ja, wie der Reichs- finanzminister heute selbst erklärt hat, wesentlich gesteigert worden. Angesichts dieser Rlassenbelastung ist es eine Frivolität, daß man kürzlich auch noch den Mehlzoll erhöht hat, indem man dos französische Zollprovisorium ablausen lieh. Wir haben jetzt den höchsten Brotpreis, den wir je erlebt haben. Es ist unge- heuerlich, in einem solchen Moment noch die Mehlzollerhöhung Platz greisen zu lassen. Auch die Erhöhung des Schweinefleischzolles ist untrag- bar. Die Preise für Schweinefleisch sind zurzeit zum Teil nicht sehr hoch. Aber wir hatten auch schon vor dem Kriege die Er- scheinung. daß mit dem Anwachsen des Schweinebestandes der Ab- satz nicht gleichen Stand hielt und die Preise fielen. Mit dem Zoll hat das aber nichts zu ttm. Wenn der Bestand an Schweinen zurückgeht, dann werden auch wieder die Preise steigen, die Zölle auf Schweinefleisch werden dann die damit verbundene Teuerung noch außerordentlich verstärken. Hilfe ist für den bäuer- lichen Schweinezüchter notwendig, aber sie wird nicht erzielt durch Erhöhung der Zölle. Wenn Sie (nach rechts) die bäuerlichen Kleinbetriebe unterstützen wollen, müssen Sie ihnen die Auszucht und Mast durch Verbindung der Futtermittel erleichtern. Wenn der Ger st enzoll beseitigt ist, dann ist erst ein dauernder Vorteil für den Schweinzüchter gegeben.(Sehr richtig bei den Soz.) Das Schicksal dieser Vorlage hängt vom Zentrum ab. das aber in seiner Entscheidung nicht frei ist. Denn im A u g u st 1925 hat im Ausschuh Herr Lämmer» versichert, daß die dort fest geseht en Zollsähe innerhalb zweier 3ahre nicht erhöhl werden sollen. 3m Plenum des Reichstags hat damals der Abgeordnete E h r h a r d aus meine Aufforderung im Namen der Zentrumssrakston noch einmal er- klärt, daß über diese Sähe in den nächsten zwei 3ahren nicht hinausgegangen werden dürste. Das war kein Versprechen, daß das Zentrum uns abgegeben hat. sondern es war in erster Linie für die ch r i st l i ch e n Arbeiter bestimmt. Trotz dieser Erklärungen kamen im vorigen 3ahr die Zollerhöhungcn auf Roggen und Weizen, ans Mai», Futtergerfte, Mehl. W i r fordern jetzt die Einlösung dieser versprechun- gen. an die das Zentrum gebunden ist! Denn wir wollen nicht, daß den deutschnationalen Agitatoren aus dem Lande zu Liebe eine volkswirtschaftlich unsinnige Zollerhöhung vorgenommen wird.(Sehr wahr bei den Soz.) Vorläufig Hot aber erst das preußische Zentrum das Wort gehalten, daß das Reichstagszentrum verpfändet hat.(Sehr wahr bei den Soz.) Es ist ganz klar, daß es sich hier darum handelt, den Groß- agrariern Konzessionen zu machen. Durch Zollerhöhungen werden die Preise für landwirtschaftliche Grund st ücke weiter hochgetrieben und damit erschweren Sie(nach rechts) die Siedlung. Sie würden also die Bemühungen der preußischen Regierung um die Siedlung sin Osten erfchwenm. Wie ernst« deck preußischen Regierung mit dieser Siedlung ist, beweist ja erst jetzt: wieder die Ernennung unseres Parteigenossen Krüger.zum Staats-- sekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium.(Beiiall bei der« Sozialdemokraten.) Es handelt sich bei den Zöllen gar nicht uni die Siedlung, sondern um die Verteuerung des Grund und Bodens. Darum muß es um so schwerer sein, dieser Vorlag« zuzustimmen- Es handelt sich aber hier auch nicht allein um die innenpolitische. sondern ebenso sehr um die a u h e n p o l i t i s ch e Wirkung der Zollerhöhungcn. Der Reichstag hat ja leider keine Gelegenheit be- kommen, zur Weltwirtjchajtskonferenz Stellung zu nehmen. Dec: Reichswirtschaftsminister hat nur den Reichswirtschaftsrat dwzu auf- gefordert. Wir haben die Wellwirtschaftslonferenz begrüßt, weil dia großen wirtjchasrlichen Fragen ni-yt mehr innerhalb der einzelnen: Staaten zu lösen sind, sondern weil dazu eine Kooperation der große:« europäischen Staaten erforderlich ist. Wir unterscheiden uns auch hierin von der größten Regierungspartei, deren Presse die Verhandlungen in Gens als Geschwätz bezeichnet hat.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir sehen, daß der Kapitalismus schon längst die Grenzen der einzelnen Staaten gesprengt hat, daß die produktiven Kräfte gegen die Staatssouveränität protestieren und über diese Souveränität hinaus zu einer Regelung kommen. Der frühere englische Handelsminister R u n c i m a n n hat auf der Welt- wirtschastskonserenz gesagt, wenn die einzelnen Staaten ihre Zölle er- höhen würden, so würden sie dafür die Verurteilung der Welt in Kauss nehmen. Damit ist die A n t w o r t auf die heutige Rede des Herrn. « ch i e l e schon vorweg gegeben worden. Herrn Schieles Haltung ist ja überhaupt sehr merkwürdig. Vor der Weltwirtschaftskonferenz hat er in landwirtschaftlichen Versammlungen sich für die Autarkie ausgesprochen und verlangt, daß Deutschland sich vom Weltmarkt unabhängig machen solle. Auf der Weltwirtschastskonferenz ist er» klärt worden, wenn die Staaten zur Selbstgenügsamkeit kommen: wollten, so sei es Aufgabe der Konferenz, zu zeigen, daß diese Politik Opfer an materiellem Wohlstand bringt und daß dieser Verlust von den Verbrauchern getragen werden muß. Das ist die schär i st e Verurteilung der Ansichten des Herrn Schiele. Herr Schiele hat vor der Konferenz für die Autarkie Propaganda gemacht, bis Herr Strescmann sich sagte, daß es so nicht weiter gehe. Und Strcsemann hat genau das Gegenteil von dem, was Herr Schiele sagte, als Politik Deutschlands verkündet. Herr Eurtius hat ausdrückllch nochmals proklamiert, daß der Augenblick gekommen sei, wo sich die Staaten über die Zollpolitik ver- einigen müßten. 2lm 2. Juli 1927 stand der Großhandelsinder auf 137',». derjenige der industriellen Rohstoffe auf 131,7, derjenige derAgrarprodukteauf 138. Der letzfere ist also rascher gestiegen als der Index der Jndustriestoffe. Am st ä r k st e n sind die Rahrungsmittel aus 166,6 gestiegen. Da spricht Herr Schiele noch von dem Gleichgewicht zwischen Industrie und Landwirtschaft.(Sehr wahr! bei twn Sozialdemokraten.) Herr (Eurtius will die Zölle feststellen, die herabgesetzt werden können. Das müßte ein großes Ministerium doch innerhalb acht Tagen machen können. Wenn man die Interessenten fragt, dann sagen sie: setzen sie gefälligst den Zoll der anderen herab. Aufgabe der Regierung ist es, die Diagonale zwischen den Wünschen der Interessenten zu ziehen., t,, Bor zwei 3ahren wurde uns gesagt, daß die Zollvorlage nur von kurzer Dauer sein solle. Diese zwei 3ahre sind vorbei, aber die angekündigte endgültige Zollvorlage ist noch nicht gekommen. Inzwischen wurden aber noch kein« Verhandlungen mit Frank« reich zustande gebracht, mit Polen befinden wir uns im Zoll« krieg, mit Kanada ist auch kein Vertrag, der die Vorbedingung für eine Verständigung mit Australien und Afrika ist, zustande gc» kommen. Statt dessen kommt diese Zolloorlage, die für das Inland unerträglich ist, im Auslände aber die deutsche Regierung und das deutsche Wort diskreditieren muß. wir können diese Vorlage nicht annehmen. Selbst vom Standpunkt der Agrarier und Schuhzölle hätte man mit ihr noch warten können. Wir werden die entsprechenden An. träge im Ausschuß stellen und sie mit um so größerer Selbstsicherheit vertreten können, weil dieser Reichstag gar nicht das Mandat hat. über Zollvorlagen zu beschließen. FragenSie doch die Wähler darüber, aber dazu fehlt 3hnen der Mut! Wenn die Herren von der äußersten Linken Obstruktion treiben wollen, sc» sollten Sic doch bedenken, daß, wenn kein Beschluß zustande kommt. der noch höhere autonome Zolltarif in Kraft tritt. Dieser Reichstag ist veraltet. Wenn Sie uns nicht glauben, dann fragen Sie d i e Wähler, und deren Antwort würde für Sie(nach rechts) vernichtend, aber ein glänzendes Vertrauensvotum für die Sozialdemokratie sein.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Sommer in öerlin. von Zwan Heilbuk. Sommer, blaue Zeit, Wiese, Wald und See. Wir, die armen Leut' bleiben an der Spree. Doch derselbe Hauch, der auf Wiesen flattert, schwingt in Straßen auch, wo das Auto rattert. Würz'ger Kiefernduft weht im Grunewald. Und der Kurkuck ruft hinter Spandau bald. Ob in Helgoland oder Friedrichshagen— Mädchen find am Strand, heiße Pulse schlagen- Sommer, blaue Zeit, rote Lippen blüh'n. Ihre Frucht gedeiht auch in Groß-Berlin. /ln�lbrecht Meper, meinen dieb. Natürlich heißen Sie nicht Albrecht Meyer, werter Herr, son« dem haben dies Pseudonym nur gewählt, um mir vorbereitend tragikomisch.Grüße aus dem Jenseits und Wünsche für ferneres Wohlergehen" zu senden und mich in meiner Abwesenhett zu be- suchen. Ich gebe zu, werter Herr, daß es unverzeihlich von mir war, Ihren freundlichen Besuch zu verpassen. Hätten Sie sich mir beut- licher angemeldet, so hätte ich Sie selbstverständlich erwartet und wir hätten zusammen Xte getrunken. Sie hätten stch dazu Zucker aus der kleinen alten Silberbüchse nehmen müssen und Kuchen aus dem Silberkorb, den meine Groheltem schon benutzten. Und zu allem hätten Sie einen der Teetöfiel gebrauch«, müssen, deren ganzes Dutzend Sie stch nun— mit Zuckerdose und»uchenkmb— liehen, um den Tee bei sich zu Hause zu trinken. Sie haben leider den Tee selber vergessen, werter Herr. Nämlich so guten Tee. wie ihn meine Mutter aus irgendeiner östlichen Quelle bezieht, gibt's wohl nur einmal in Berlin. Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Sie haben inzwischen gemerkt, daß es auf den Jnhast und nicht auf das äußere Silber ankommt? Schicken Sie mir die Sachen, selbstver- ständlich trage ich das Porto- Päd ich j«de Ihnen an irgendeine Adresse— bleiben wir vielleicht bei„Albrecht Meyer aus dem Jen- seits, postlagernd"— den Tee, der an der ganzen Geschichte das einzig Wertvolle ist. Nun aber, werter Herr: sagen Sie bloß, warum haben Sie um diese lumpigen drei Sachen die Haustür geöffnet, sämtliche Schrank- türen aufgebrochen und alles durchwühlt? So neugierig ist doch ein ausgewachsener Mensch nicht, und zu denken, daß wir mehr Bargeld haben könnten, als im Portemonnaie(noch dazu am Ul- timo!)— dazu sind Sie doch zu klug. Und zum Schluß noch etwas: als Sie sich meinen Schreibtisch ansah'n, ist Ihnen die Uhr meines Vaters, die dieser von seinem Vater hatte, in die Tasche gefallen. Sie geht ganz gut, Hot fest drei Wochen ein 24-Stunden-Zifferblatt, aber sonst für Sie so wenig Wert, wie eben eine richtige„alte Kartoffel" für einen Gentleman, wie Sie es sind, hat. Ich habe die zweifach geerbte Uhr sorgsam ge- hütet, sie hat für mich einen außerordentlich hohen ideellen Wert, trotzdem sie unmodern und zerkratzt ist. Sie werden es schon be- merkt haben, daß zum Beispiel«in H. W. von Kinderhand auf den Deckel geritzt ist. Dag ist doch häßlich, wenn kein Andenken damit verbunden ist!— Schicken Sie mir die sicher versehentlich mitgenom- mene Uhr zurück und zu Weihnachten will ich Ihnen eine ordentliche schenken. Für Sie hat die alte keinen Wert und ich krieg— wenn Sie sie beHallen— von der Versicherung eine neue! Die sollen Sie doch lieber haben! Ich bewundere die Bollendung, mit der Sie Ihren Sport beherrschen und Ihren uneigennützigen Wagemut: zehn Türen um so ein paar lumpige Sachen aufzubrechen. Ich bedauere, daß ich Ihnen nicht mit mehr dienen konnte. Gerda Weyl. (Meine Adresse ist Ihnen ja gut bekannt, und die Ihre, an die ich ein Pfund Tee und zu Weihnachten eine Uhr schicken werde, wird mein Geheimnis bleiben— ich geb' Ihnen mein Ehrenwort darauf.) Zu Kurt Waller Goldschmidts 50. Geburtstag fand im Mei- st e r> a a l eine gut besuchte Feier staxx. Allerdings war es wohl mindestens zu fünfzig Prozent eine Familienfeier. Die kluge, aber an inneren Superlativen überreiche Rede Dr. Paul E o h n- Guben war dafür bestimmt, und die Rezitationen Ellen Mos- n e r s aus des Jubilars Werken ganz gewiß. Aber trotzdem be- deutete diese Veranstaltung mehr als nur das Fest eines ausge- dehnten Freundeskreises. Denn das Schaffen Kurt Walter Gold- fchmidts, obwohl im Publikum wenig bekannt, verdiente, daß man diesen Tag festlich beging. Goldschmidt ist Philosoph und erst aus feiner philosophischen Erkenntnis heraus Lyriker. Sein ganzes Werk :st geboren aus einem unermüdlichen Suchen nach dem- Urgrund des Sems. Seine Etappen zu diesem unerreichbare» Ziel sind Etappen des Individuums, nicht der Menschheit. Darum fehlt Goldschmidt dies Letzte, Mitreißende, Weltumspannende seiner Idee. Er hadert nur mit seinem Gott. Aber er hadert mit ihm als ganzer, starker Mensch. Goldschmidt ist als Verfasser feinsinniger Essays bekannter dem» als Dichter: Seme formoollendeteu Verse sind selten Teil von unserer Zeit: doch manche von ihnen können zu Zeiten beglückend Teil von uns werden. Theodor Stieffenhofer sprach ein- ''rucksvoll Dichtungen des Geburtstagskindes. Schön« Musitdarbie« tungen umrahmten die Feier. Sz. Die Romanschriftstellerin Olga wohlbrück feiert heute ihren 69. Geburtstag. Bevor sie zur Dichtung kam, hat sie sich auf vielen anderen künstlerischen Gebieten betätigt. Sie war zuerst Schau- spielerien und hat am Odcrn-Theater in Paris ihre ersten Bühnen- erfolge gehabt. Aufsehen erregte sie bei ihrem Auftreten in Wal- zogen? Ueberbrettl, wo sie sich bald eine führende Stellung errang. Zur Literatur wurde sie durch ihre erste Ehe mit dem Lyriker Maximilian Bern geführt. Ihre Romane sind vielfach als Filme ver- arbeitet worden. Das größte lenkbare Lufischiss der welk. Das Marinemini- sterium der Vereinigten Staaten hat der Firma Goodyear den 59 990-Dollar-Preis sür den besten Entwurf eines lenkbaren Lust- schiffes mit einer Fassungskrast von 6 599 999 Kubiksuß zugesprochen; den zweiten Preis, 5999 Dollar, erhiest ein Ingenieur in Baltimore; eine ehrenvolle Erwähnung wurde dem Doktor Schwengler in Neu- strelitz zuteil. Das neue Lustschiff, das größte der Welt, soll 5 Mil- lionen Dollar kosten: der Bau wird drei Jahre Zeit erfordern. Es wird fünf Aeroplane mit sich führen können, mit Kanonen armiert sein, ein« Bemannung von 45 Mann haben und eine Höchst- geschwindigkeit von 128 Kilometern in der Stunde erreichen. Die Länge des Luftschisfes wurde auf 238 Meter'festgesetzt, der Höchst- durchmesser auf 41. Mit Helium gefüllt, soll das Luftschiff einen Aktionsradius von 12 590 Meilen haben: mit Wasserstoff gefüllt, soll es sogar 17 909 Meilen erreichen können. Der Antrieb zum Bau des größten Luftschiffes ist also vom mlsttärischen Interesse aus erfolgt. Weder die Erforschung des Nord- pols oder anderer Gebiete noch die Erprobung eines Lustschiff- verkchrs über die Ozeane war wichtig genug, um diesen„Fortschritt" zu erzielen. Brieftauben im Dienst der Alpinistik. Der französische Touristen- verein der Douphinä hat zu Berard«, dem Mittelpunkt des fran- zösifchen Alpinismus, eine Station für Brieftauben eingerichtet, die den Alpenführern zur Verfügung gestellt werden. Man hofft, daß diese Brieftauben bei Unglücksfällen gute Dienste leisten werden. Die Führer, die nämlich verunglückte Bergsteiger aussuchen, brauchen nicht mehr nach Hilfe wieder herabzrsteigen. wenn sie die Venin- glückten gesunden haben, sondern sie senden ein« Taube ab, um wei- tere Unterstützung herbeizurufen. Toll« uud die v»It»bühn«. Die Berliner Voltsbühne hat Ernst Toller aulgej ordert, im kommenden Winter persönlich seinen.Hinkemann" zu Inszenieren. Flucht ans München. Infolge der kulturpolitischen Engherzigkeit, die seit einigen Fohren München eine zweiselhaite Beruhmthelt verschafft, wird »uii auch der Dichter Karl e n ck e l l die Sladt, in der er zwanzig Jahre lang gelebt hat, verlassen lind an de» Bodenlcc übersiedeln Ten lelsieü Anlasi für den Entschluß des Dichters bot das Münchcncr Verbo! dti RetchsbannertageS. vi« Renovierung des Muterpalastes. Der Volkskommijsaremat der Sowjetunion hat 2o 000 Rubel sür Reparatur- und Reftaurationsarbeiten am Wwterpalat«, das ewst von Rastrelll erbaut wurde, ausgesetzt. Der jprüngliche Enttnurj des großen eecstssis»-1* soll damit wieder hergestellt werden Abg. hoernlc(Komm.) bezeichnet die Rede des Ministers Schiele Zentrale brachte sie wieder in den Besitz ihrer kommunistischen Parteirechte. Was sie unter der Herrschaft der Linken gelitten hatte, das hat sie ihr in einer furchtbaren Schimpfred« im Moskauer Ekki im Frühjahr des vergangenen Jahres vergolten. Im Reichstag ist die Rehabilitierte nur einmal hervorgetreten und zwar in jener berühmten Rede, in der sie— frisch von Moskau kommend und mit Moskauer Direktiven versehen— das Bündnis der Reichswehr mit der Roten Armee proklamierte. Das war jene Rede, von der die kommunistische Opposition sagt, sie hätte zum Sowjetgranatenhandel die Theorie geliefert. Heute begeht Clara Zetkin ihren 70. Geburtstag in weiter räumlicher und geistiger Trennung von der großen stolzen Bewegung, der sie einst mit die Fahne vorantrug. Ist die Siebzigjährige mit dem Tausch, den sie vollzogen hat, zufrieden? Man darf es ihr gönnen! Aber zu glauben, daß sie es ist, ist schwer! � völkische unter sich. Um den Tod Schlageters. Am S. Juli wird in Moabit ein interessanter Beleidigungs- prozeß stattfinden. Es handelt sich darum, wie der während der Ruhrbcsetzung standrechtlich erschossene Leo S ch l a g c t e r in die Gewalt der Franzosen geriet. Der aus diversen Prozessen sattsam bekannte Hauen st ein, alias Heinz, Organisator von Freikorps und mysteriöser Femerich, hat immer wieder öffentlich behauptet, daß zwei ehemalige Roßbach- Leal�, Schaeider und Götze, Im französisischen Geheimdienst gestanden und Schlagetcr an die französischen Besatzungsbehördcn verraten hätten. Nun haben Schneider und Götze Hauenstein-Heinz wegen Beleidigung verklagt. Heinz seinerseits hat inzwischen mit der französischen Regierung verhandelt, und diese hat einigen fron- zösischen Kriminalbeamten Aussageerloubnis erteilt. Außerdem werden in dem Prozeß die ehemaligen Freunde Schlage- ters, Sadowfki, Zimmermann und Werner, die 1928 vom französischen Kriegsgericht zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteill, dann aber, nach der Londoner Konferenz vom Sommer 1924, begnadigt wurden, vernommen werden. Die Klage Götzes ist übrigens abgelehnt, da dieser den bei Privatklagen erfordcr- lichen Gerichtskostenvorschuß nicht hinterlegt hat. Ein komisches Völkchen, diese völkischen Erbpächter des wahren und allein seligmachenden Patriotismus! Ein Teil von ihnen schwätzt immer wieder mit breitem Mund, daß niemand anderes als der frühere preußische Innenminister Genosse Karl S e v e r i n g an Schlageters Tod die Schuld trage. Untereinander aber beschul- digen sie sich gegenseitig der gemeinsten Handlung, die es aus der Well gibt: Des niederträchtig st en Denunzianten- tums für Geld und Geldeswcrt! Das Satprfpiel um Cachin. Neue Regierungsnicdcrlagc: Die Freilassung beschlossen. Paris, 4. 3uH.(Eigener Drahtberichk.) Die Regierung hat am Montag in der Kammer eine neue empfindliche Schlappe er- litten, ver kommunistische Abgeordnete C achin war ausgesordert worden, am Monlagmittag 12 Uhr seine mehrmonatige Gesängnis- strase wegen Aufreizung der Soldaten zum Ungehorsam anzutreten. Cachin hakte dieser Aufforderung Folge geleistet. 3n der Räch- mittagssihung brachte der sozialistische Abgeordnete Baron einen Autrag ein. daß Cachin an der Ausübung seines Parlamcntsmandats nicht behindert werden dürfe. Die Kammer hat diesen Auftrog durch handausheben angenommen, und Cachin wird deshalb wieder in Frei heil geseht werden. bürgerlicher Mittelblock. Tardieu eröffnet den Wahlfeldzug in Frankreich. Paris, 4. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten Tardieu hat am Sonntag in Belfort gc- sprachen. Diese Rede wird allgemein als Auftakt der kommenden Wahlkampagne angesehen.„Seit gestern," schreibt der„Populairc", „ist die Wahlkampagne eröffnet." In einem von keinem Minister bisher ereichten Optimismus über die vergangenen oder zukünftigen Erfolge des Ministeriums PoincarS entwickelte Tardieu den Gedanken, eine große Mittelkoalition unter der Flagge„d c r nationalen Einheit" für die Wahlen 1928 zu gründen. Tardieu will den Versuchen, das Linkstartell wieder zu bilden. im voraus die Spitze abbrechen und die bürgerliche radikal- sozialistische Partei oder mindestens einen Teil davon von den Sozialisten t r e n n e n, um sie zu einer Verbindung mit den bürger- lichen Rechtsparteien des bürgerlichen Blocks zu veranlassen. Die Rede Tardieus wird in der reaktionären Presse mit lärmen- der Freude kommentiert. Die Blätter der bürgerlichen Linken äußern sich vorläufig sehr vorsichtig. Die tschechisch-öeutsche Mehrheit bröckelt ab. Ein Erfolg der deutschen Sozialdemokratie. Prag, 4. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Abstimmung über die Verwaltungsresorm im Abgeordnetenhaus hat die innere Schwäche der tschechisch-deutsch-slowakischen bürgerlichen Regierungskoalition in überraschender Weise ossenbart. Die ungarische Nationalpartei trat aus dem gemeinsamen Klub der deut- schen Agrarier und Gewerbeparteiler, dem sie bisher angehört hatte, aus, ebenso der deutsche Abgeordnete aus der Slowakei, so daß sich die Regierungsmehrheit um sechs Stimmen verringert. Bemerkenswert ist aber der Zerfall des deutsch- agrarischen Klubs, von dem sich zwei Abgeordnete separierten, und zwar der Listenführer der Landbiindler im Wohl- kreis Karlsbad, Mayer, und der Listenführer der Landbündler im Wahlkreis Brünn, Dr. H a n r e i ch. die beide in der agrarischen Bewegung eine große Rolle spielen. Das kräfteverhälknis zwischen Reglerungskoaliilon und Opposition, das bis jetzt 1SZ: 137 betrug. steht gegenwärtig 155: 145. Die Regierung verfügt also nach der Abstimmung über die Verwaltungsresorm und der durch dieses Gesetz entstandenen Krästeoerschiebung über keine sichere Mehrheit. Ministerpräsident S v e h l a soll sich allerdings in ähnlichen Situa- tionen befinden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß der deutsche Bauernbund die Belastungsprobe, die das Vorgehen zweier seiner führenden Parlamentarier gegen die Klubdisziplin für ihn bedeutet, nicht erträgt und kann das Abbröckeln der Regierungs- Mehrheit jedenfalls als Erfolg buchen, da es vor allem der un- ermüdlichen agitotorischen Tätigkeit der deutschen Sozial- demokraten zu danken ist, daß sich große Schichten der bürger- lichen Wählerschaft gegen die Verwaltungsresorm einstellten und durch ihre Kundgebungen das oppositionelle Vorgehen der beiden Agrarier erzwangen. Der zur Opposition übergegangene Agrarier Mayer ver- öffentlicht übrigens in der oppositionellen Zeitung„Bohemia" einen Artikel, in dem er sein Vorgehen begründet und in scharfen Worten die Politik der deutschen Regierungsparteien, die„von Stufe z u Stufe" sinke, kritisiert. Er wendet sich in diesem Artikel vor allem auch an die ausländische Oeffentlichkeit, die vielfach der Ansicht ist, daß die international« Zusammenarbeit der bürgerlichen Parteien den nationalen Ausgleich bedeute. An den nationalen Verhältnissen habe sich ober nicht das gering st c geändert, da die deutschen Bürgerparteien ihre Forderungen be- dingungslos preisgaben und widerstandslos die Diktate der tschechi- schen Parteien hinnahmen. Das Reichskabinett beriet am Montag abend in einer lang an- dauernden Sitzung über das Schulgesetz, ohne jedoch bisher zu einer Einigung zu gelangen. Die lNandakskonimission des Völkerbundes hat, ohne auf politische Gesichtspunkte einzugehen, beschlossen, gegen die Ernennung eines deutschen Mitgliedes der Konimission keinen Einspruch zu erheben. Damit ist wohl die letzte Formalität erfüllt. Die bulgarische Schandjustiz fordert neue Opfer. Vor dem Kreisgericht der südbulgarlscheu Stadt Pasardschik Hot ein neuer politischer Prozeß begonnen. Die Anklageschrist be- schuldigte die 39 vor dem Gericht stehenden Arbeiter, Bauern und Beamten der Zugehörigkeit zur illegalen konmtunistischcn Bewegung. Gegen 12 Angeklagte hat der Staatsanwalt die Todes- straf« beantragt. Ein großer Teil von ihnen sind noch Jugend- liche, emtoe sogar Minderjährige Die Verhandlung dürft« mehrere Wochen in Zlnspruch ashmea, V Die Ueberstundenfrage. Wichtige Feststellungen. Zur Klärung des durch die Unternehmersophistereien hervor. gerufenen Streits über den Ueberstundenzuschlag haben vor kurzem zwischen den Vertretern der Spikenorganisationen der Gewerkschaften und dem Reichsarbeitsminister eingehende Verhandlungen stattgefunden. Durch diese Verhandlungen ist nun endlich die Möglichkeit geschaffen worden, dem Arbeitszeitbetrug und leberstundennepp einen Riegel vorzuschieben. Zunächst ist gegenüber dem Abgeltungsunfug flargestellt worden, daß der Rechtsstandpunkt der Gemert schaften, wonach der§ 6a der Arbeitszeitverordnung es nicht zuläßt, daß der Anspruch auf eine angemessene Vergütung" für die Mehrarbeit durch eine allgemeine Lohnerhöhung abgegolten wird, der richtige ist. Der gesetzlich gewährleistete Anspruch muß durch eine besondere Vergütung für die Mehrarbeit erfüllt werden. Schiedssprüche oder freie Vereinbarungen, die die besondere Vergütung für die über 48 Stunden hinausgehende Mehrarbeit ganz oder für eine bestimmte Stundenzahl durch Lohnzulage oder ähnliches abgelten, sind rechtsunwirksam. Derartige rechtsunwirksame Regelungen müssen also schleunigst forrigiert werden. Der Anspruch, vereinbarte günstigere Bestimmungen, als der§ 6a aufstellt, auf Grund des§ 6a Absaz 4 vor Ablauf der Vereinbarung neu zu regeln, ist im Gesetz nicht begründet und muß daher abgelehnt werden. Ist also z. B. schon vor dem 1. April 1927 eine Ueberarbeitszeitregelung vereinbart, die gün stiger ist, so sind sowohl Absatz 1 wie auch Absatz 2 bereits er. füllt; der Absatz 4 ist dann gegenstands los geworden. Es besteht daher fein Anspruch auf Durchführung eines Verfahrens gemäß§ 6a, Absatz 3. Auch diese Rechtsauffassung der freien Gewerkschaften wird vom Reichsarbeitsminister geteilt. Darüber hinaus fegte er mit Unterstützung des Arbeiterrats| schädigung für Verdienstausfall und der Entschädigung für Aufwand Groß- Hamburg die praktischen Unterstüßungsmaßnahmen fort. Reich ein Uebernachtungsgeld gezahlt. Es beträgt: a) für Beilich eingegangene Sammelgelder ermöglichten es, mit der Not- fizer der Arbeitsgerichte und der Landesarbeitsgerichte in besonders fpeisung schon am 15. September zu beginnen. Es befamen im teuren Orten 7 Mt., in anderen Orten 5 Mt; ob das UeberGewerkschaftshaus zunächst 1000 Erwerbslose täglich ein nachtungsgeld für besonders teure Orte oder das für andere Orte warmes Mittagessen, welche Zahl sich in Intervallen steigerte zu gewähren ist, entscheidet sich nach dem Sigungsort; b) für die 15. November im Obdachlosenheim 1000 bis 1500 Bor- fonders teuer gelten, bestimmt sich nach den Vorschriften über und ab 1. Januar 1927 fchon 2000 betrug. Außerdem wurden ab Beifizer des Reichsarbeitsgerichts 9 Mt. Welche Orte als betionen marmes Effen ausgegeben und in verschiedenen Stadt- Dienstreisen der Reichsbeamten. teilen täglich 700 Fischgerichte verteilt, so daß in den letzten Monaten durch die gewerkschaftliche Nothilfe im Durch schnitt täglich 4000 Erwerbslose warmes Essen erhielten. Hinzu kam noch die Verteilung von 44 950 Lebens mittelpafeten und eine Weihnachtsbescherung an 2000 Rinder der bedürftigsten Erwerbslosen. Der Ortsausschuß ließ sich auch die Bekämpfung des Ueberstundenunwesens angelegen sein. Er hat sich der Erziehung der gewerkschaftlichen Jugend gewidmet und zu wichtigen sozialpolitischen und anderen die Arbeiterschaft berührenden Fragen Stellung genommen, furzum überall die Interessen der Arbeiterschaft wahrzunehmen gesucht. Alles in allem zeigt der Jahresbericht, daß die freien Gewerkschaften Groß- Hamburgs die Belastungsprobe des Vorjahres verhältnismäßig gut bestanden und sich als ein starkes Bollwerf gegen die Unternehmerangriffe erwiesen haben. Die Arbeitsmarktlage in den Berufen. ( Konj.- Korr.) Die Stichtagszählung bei den Arbeitsnachweisen Mitte Juni 1927 ergibt unter Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit nach Berufsgruppen sehr bemerkenswerte Ergebnisse. In der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei kamen auf 26 070 offene Stellen nur 20 574 Arbeitsuchende, im Bergbau, Hütten- und Salinenwesen auf 948 offene Stellen insgesamt 21 688 Arbeitsuchende. Auch in den Industriezweigen der Steine und Erden ist die Zahl der Arbeitsuchenden noch immer, erheblich hoch; auf 703 offene Stellen tamen 12 127 Stellungsuchende. In der metallverarbeitenden und der Maschinenindustrie ist die Andrangziffer ebenfalls noch außerordentlich groß; man zählte am 15. Juni auf 1601 offene Stelle nicht weniger als 167 339 männliche Arbeitsuchende, nicht eingerechnet die weibgegenüber. Recht ungünstig sind ferner die Andrangziffer des Holzund Nahrungsmittelgewerbes, des Bekleidungsgewerbes, der Gastund Schankwirtschaft und ebenso des Verkehrsgewerbes, wo man 61 087 Stellengesuche und nur 279 offene Stellen hat. Der Bersuch des Arbeitgeberverbandes für den Bezirk der nordmeftlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, einen besonderen Unterschied zwischen Mehrlichen. Im Spinnstoffgewerbe stehen 420 Stellen 7736 Arbeitsuchende arbeit“ und„ eberarbeit zu fonstruieren, wonach Mehrarbeit die über 48 Stunden wöchentlich hinaus geleisteten Stunden innerhalb der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit, Ueberarbeit dagegen nur die Stunden sein sollen, die noch dieses Maß übersteigen, ist völlig abwegig. Nach dem§ 6a ist jede über 48 Stunden hinausgehende Mehrarbeit den Ausdruck ueberarbeit" fennt der§ 6a nicht mit einem besonderen 3uschlag zu belegen. Die Bezahlung der Ueberstunden soll in der Regel um 25 Pro3. höher sein als die Bezahlung für die Arbeit innerhalb der 48- Stunden- Woche. Diese 25 Proz. sind nicht, wie es in den Unternehmerfommentaren zur Arbeitszeitverordnung hingestellt wird, der gesetzliche Höchst sa 3. Sie sind eher als Mindest ja tz zu betrachten, wenn auch der Reichstag die Erklärung der 25 Proz. als Mindestsatz zunächst abgelehnt hat. Nach dem Washingtoner Abkommen müssen 25 Proz. als Mindestsatz gelten, und da das Arbeitsschutzgesetz bekanntlich mit dem Washingtoner Abkommen in Einklang gebracht werden soll, muß mindestens ganz allgemein die Tendenz, 25 Proz. zum Mindestsatz zu machen, schon jetzt ausschlaggebend sein. Die Arbeiterschaft muß nunmehr nach der Klärung der Situa tion überall rücksichtslos darauf bestehen, daß der Ueberstundenzuschlag für die Mehrarbeit über 48 Stunden mit einem Zuschlag von 25 Broz. als Mindeſt ma vergütet wird. Nur dann, wenn die lieberstundenarbeit im Geldbeutel des Unternehmers jich fühlbar lleberstundenarbeit im Geldbeutel des Unternehmers fich fühlbar macht, fann die Ueberstundenbestimmung, die einzige wertvolle Be ftimmung im Rotgefeß, zur Verfürzung der Arbeitszeit beitragen. Hamburgs Gewerkschaften 1926. Stetiger Aufstieg trot ungeheurer Arbeitslosigkeit. Der Geschäftsbericht des Drtsausschusses Groß- Hamburg des ADGB. für das Jahr 1926 zeigt, daß auch die Hamburger freien Gewerkschaften durch die schwere Wirtschaftskrise des Vorjahres in ihrer Entwicklung start gehemmt wurden. Auch das Hamburger Wirtschaftsgebiet hatte eine das ganze Jahr hartnäckig anhaltende Arbeitslosigkeit aufzuweisen. Ende Dezember 1925 waren nach den Berichten des, Hamburgischen Landesarbeitsamtes 51 127 Erwerbsloje, darunter 21 358 Nicht unterstüte zu verzeichnen. Diese Zahl stieg bis Ende Februar auf 58 431, darunter 18 469 Nichtunterſtüßte und fiel dann bis Ende 1926 wieder auf 51 246, wovon 19 701 nicht unterstützt wurden. Während im Jahre 1925, das auch schon unter feinem guten wirtschaftlichen Stern stand, 16,71 Proz. der Ge= mertschaftsmitglieder arbeitslos waren, maren im Berichtsjahre 21,9 Proz. der Mitglieder arbeitslos. Infolge der ungeheuren Arbeitslosigkeit stiegen auch die Ausgaben der Gewerkschaften, insbesondere zur Unterstützung der erwerbslosen Mitglieder, ganz gewaltig. Während 1925 zur Unterstügung der ermerbslojen Mitglieder 683 596 Mt. ausgegeben wurden, erforderte im Berichtsjahre die Arbeitslosenunterstützung 1240 133 Mart. Leider vermißt man in dem Bericht eine Gegenüberstellung der Zahl der Lohnbewegungen im Jahre 1925 mit denen des Berichtsjahres wie auch genaue Angaben über die Erfolge der geführten Bemegungen, so daß die Angaben über die Streiks und Aussperrungen feine Vergleichsmöglichkeit bieten. In der allgemeinen Betrachtung über die zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen geführten Bewegungen mird gesagt, daß eine wirkliche Erhöhung der Real! öhne nur in we= nigen Fällen erreicht werden konnte, daß es aber gelang, die geplanten Lohnsenkungen und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen abzumehren. Die zur Unterstützung der am englischen Großkampf beteiligten Arbeiter eingeleitete Sammlung erbrachte 63 791 Mart, eine in Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit ganz ansehnliche Summe. Trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise, die überall die Mitgliederbewegung ungünstig beeinflußte, hat sich die Mitgliederzahl der Hamburger freien Gewerkschaften um einige Tausend vermehrt. Der Durch schnittsbestand an Mitgliedern betrug im Berichtsjahre 163 302 gegen 160 869 im Jahre 1925. Am Schlusse des Berichtsjahres zählten die Hamburger Gewerkschaften insgesamt 164 730 Mitglieder. Dieser Aufstieg ist umso erfreulicher, als gerade die Hamburger Gewerkschaften während des englischen Streifes einer wüsten und verleumderischen Heze der Kommunisten ausgefeßt waren, Daß dieser Berleumdungsfeldzug den Gewerkschaften feinen Abbruch tat, beweist, wie wenig ernst noch die Arbeiter die revolutionären Harlekinaden der KPD. nehmen. Der Drtsqusschuß war vor allem im Vorjahre bemüht, die Arbeitslosigkeit dadurch zu bekämpfen, daß er bei den Behörden auf Arbeitsbeschaffung drängte. Seine unablässigen Bemühungen in dieser Richtung waren nicht erfolglos. Das Bild in den Angestelltenberufen hat sich gegenüber den letzten Erhebungen teilweise etwas besser gestaltet. Es fommen aber immer noch auf mehr als 108 000 arbeitsuchende fauf männische Angestellte nur 1721 offene Stellen, auf 922 offene Stellen 23 316 arbeitslose Bureauangestellte und auf 294 Stellen 17 699 arbeitslose Techniker aller Art. Die Gesamtziffer ist allerdings gegenüber Mitte März mesentlich gebessert. Auf 52 944 offene Stellen 2097 630 Arbeitslosen Mitte März. famen 1 178 913 Stellungsuchende gegen 40.321 Stellen bei Polizeistunde und Gastwirtsgehilfen. Eine falsche Darstellung. Bom Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten wird uns geschrieben: blattes vom 15. Juni 1927 einen Artikel unter der lleberschrift: Das ,, Berliner Tageblatt" veröffentlicht. in Nr. 37 seines StadtImmer wieder die Polizeistunde". Da heißt es: ,, Schließlich ist dem Publikum recht, was den Herren Obern selbst den anderen Vormittag hinein ausschließlich für " billig ist: In Berlin, wie allerwärts werden von Mitternacht bis in Angehörige des gastronomischen Gewerbes( auch für die Mitglieder des Zentralverbandes) besondere Klubs und Lokale offengehalten und geführt. Ihre Erträgnisse aus mieten, Pacht, Umfagbeteiligung pflegen dann dazu zu dienen, die Bureaufosten dieser Organisationen mit zu bestreiten, wie auch die Kosten jener Propaganda, mit der man dem Publikum die verlängerte Polizeistunde wieder nehmen will, von der man sich zum eigenen Vergnügen ertragreich befreit hat." Der Zentralverband der Hotels, Restaurant- und Café- Angestellten hat das Berliner Tageblatt" am 21. Juni ersucht, wenigstens diesen Teil des Artikels sachlich richtigzustellen und dabei betont, daß er es nicht für notwendig halte, sich auf§ 11 des Pressegesetzes zu berufen. Das Berliner Tageblatt" wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbeitszeit der gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer bis 1 Uhr bzm. 3 Uhr nachts dauert, daß also diese Arbeitnehmer für ihre Erholung bzw. zur Einnahme von Mahlzeiten in den Klublokalen nur 4 bzw. 2 Stunden für sich in Anspruch Klublokale sind zudem ein notwendiges Uebel, das vom nehmen, da diese Lokale um 5 Uhr geschlossen werden. Die 3entralverband nur ungern geduldet wird, weil die Arbeitnehmerschaft vor 5 Uhr morgens Fahrverbindung nach ihren Wohnstätten so gut wie nicht hat. Unzutreffend ist, wenn das ,, Berliner Tageblatt" von Erträgnissen der Klublokale, Mieten, Pacht, Umsazbeteiligung spricht, aus denen die Kosten der Organisation und der Propaganda für die Beseitigung der Polizeiſtunde gedeckt würden. Soweit die Lokale des Zentralverbandes in Frage kommen, auf den der Artikel ausdrücklich Bezug nimmt, handelt es sich um Privatunternehmungen, für die der Verband lediglich in bezug auf die einzulassenden Gäste gegenüber dem Polizeipräsidium die Verantwortung trägt. Die Entschädigung der Arbeitsrichter. Beifizer der Arbeitsgerichtsbehörden, die nicht innerhalb der politischen Gemeinde des Sigungsortes wohnen, erhalten als Fahrkosten entschädigung: a) für Wegestrecken, die auf Eisenbahnen, Schiffen, Kraftposten oder sonstigen regelmäßig fahrenden Verkehrsmitteln zurückgelegt sind oder hätten zurückgelegt werden können, die mirklich erwachsenen Auslagen, einschließlich der Kosten für Beförderung und Versicherung des notwendigen Gepäcks, jedoch bei Benutzung von Eisenbahnen oder Schiffen höchstens den Fahrpreis für die 3. Wagen- oder 2. Schiffs= flase, wenn es sich um Beisiger der Arbeitsgerichte und der Landesarbeitsgerichte, und höchstens den Fahrpreis für die 2. Wagen- oder 1. Schiffsklasse, wenn es sich um Beisiger des Reichsarbeitsgerichts handelt; b) für Wegestrecken, die nicht mit den unter a) genannien Verkehrsmitteln zurückgelegt werden können, für je einen Kilo( angefangene Kilometer werden als voll gerechnet) meter 10 Pfennige. Kosten für Fahrten oder Wege innerhalb der politischen Gemeinden des Wohnortes und des Sitzungsortes werden nicht erstattet. 1 Verhandlungen in der Schwerindustrie. 7 Die Arbeiter fordern den Achtstundentag. Effen, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die neuen Lohn= und Arbeitszeitverhandlungen für die nordwestliche Gruppe der Metallindustrie finden am 20. und 21. Juli in Essen statt. Die in der Tarifgemeinschaft vertretenen Metallarbeiterverbände fordern die dreigeteilte achtstündige Wechselfchicht mit entsprechendem Lohnausgleich und in der weiterverarbeitenden Industrie den a chtstündigen Arbeitstag. Mühlenarbeiterstreik in Köln. Köln, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In den Kölner Großmühlen Auer- Köln- Deuz, Lensiefer, Lizmann und SybergMühlheim streiten seit Montag die Mühlenarbeiter. Die Unternehmer haben seit den verflossenen Tarifverhandlungen die Forderungen der Arbeiter auf Nachtschichtzulagen und Verlängerung des Urlaubs abgelehnt. Am Freitag wurde vom Schlichter ein Schiedsspruch erlassen, in dem die über 48 Stunden hinausgehende Arbeitszeit von der 49. bis 51. Stunde mit 15 Broz. Zuschlag, von der 52. bis 54. Stunde mit 20 Zuschlag vergütet werden soll. Di die Mühlenarbeiter bisher schon die Arbeitszeit über 48 Stunden mit 20 Proz. vergütet erhielten, bedeutet der Schiedsspruch eine Verschlechterung. Deshalb sind die Mühlenarbeiter in den Streif getreten. Ausdehnung des Pfälzer Textilarbeiterstreiks. Speyer, 4. Juli.( Mtb.) Der Lohnkonflikt in der Pfälzischen Textilindustrie nimmt an Ausdehnung immer mehr zu. Zurzeit befinden sich sämtliche Tertilarbeiter von Lamprecht, Schöntal und Weidental im Streif. Die Arbeiterschaft der Baumwollspinnerei von Speyer hat am Sonnabend gleichfalls geschlossen die Kündigung eingereicht. Schiedsspruch für die rheinisch- westfälischen Straßenbahner Dortmund, 4. Juli.( Mib.) Im Lohnstreit der Straßenbahn Rheinland und Westfalen ist ein Schiedsspruch gefällt worden, nach dem das zum 1. Juli gekündigte Lohnabkommen erneuert wird mit der Maßgabe, daß die darin verzeichneten Schicht- und Stundenlöhne um 5 Proz. erhöht werden. Schließung der Antwerpener Diamantenschleifereien. Südafrika angenommenen Vorlage über Edelsteine haben die ArbeitBrüssel, 4. Juli.( WTB.) Infolge der durch den Senat von geber und Arbeiter der Antwerpener Diamantenschleifereien sich dahin geeinigt, vom 11. Juli ab jede Arbeit einzustellen. Eine endgültige Entscheidung hängt jedoch von Verhandlungen mit dem Ausland ab. Mag Pause 60 Jahre alt. Am 5. Juli 1867 in Mitmeida in Sachsen geboren, vollendet Mar Pause, Sekretär im Hauptvorstand des Deutschen Verkehrsbundes, heute sein 60. Lebensjahr. Unsere Glückwünsche! eingetreten; die Arbeiter verharren weiter im Streit. In der Metallarbeiterbewegung in Köln ist. feine Veränderung SPD.- Arbeiter, Angestellte, Beamte bes Bezirksamts Arenzberg. Bersammlung am Donnerstag, 7. Juli, 191 Uhr, bei Arüger, Berlin 6 59, Grimmstr. 1. Tagesordnung: 1." Soziale Arbeit in der Jugendpflege." Referent Gen. Stadtjugendpfleger Schäfer. 2. Aussprache. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen erwartet der Vorstand. Mit gliedsbuch legitimiert. Der Zentralverband der Angestellten, Bezirk Charlottenburg, hat heute feine monatliche Bezirksversammlung in Edmanns Festsälen, Scharrenſtr. 34. Tagesordnung: Bericht vom Kölner Verbandstag. Referent ist der Vorsitzende der Berliner Ortsgruppe, Hans Gottfurcht. Die Entschädigung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeifizer der Arbeitsgerichtsbehörden wird durch eine Verordnung des Reichsarbeitsministers, die soeben erschienen ist, folgendermaßen Arbeitsstellen, wo kein Bertrauensmann besteht. muß fofort einer sewählt, der geregelt: behörden erhalten für den ihnen aus der Wahrnehmung des Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisiger der Arbeitsgerichtsschädigung, die für jede angefangene Stunde der durch die AmtsBeifizeramtes erwachsenden Verdienstausfall eine Enttätigkeit versäumten Arbeitszeit menigstens 20 Pfennig und höchstens 1,50 Mt. beträgt. Die Höhe der Entschädigung wird im Einzelfall unter Berücksichtigung der regelmäßigen Erwerbstätigkeit festgesetzt und für höchstens zehn Stunden pro Tag gewährt. Beifizer für den mit ihrer Amtstätigkeit verbundenen Aufwand Neben der Vergütung für den Verdienstausfall erhalten die für jeden Sigungstag eine Entschädigung, die für die Beisiger der Arbeitsgerichte und der Landesarbeitsgerichte bei einer Sigungsdauer bis zu vier Stunden 1,50 Mt., bei längerer Sigungsdauer 3 Mt. beträgt. Beisitzer, die nicht innerhalb der politischen Gemeinde des Sigungsortes wohnen, erhalten außerdem eine weitere Entschädigung von 3 Mt. für den Sizungstag und jeden weiteren Reifetag. Für Beisiger des Reichsarbeitsgerichts, die innerhalb der politischen Gemeinde des Sigungsortes wohnen, beträgt die Entschädigung 6 Mt. für den Sigungstag. Auswärtige Beisiger erhalten für den Sitzungstag und jeden Reisetag eine Entschädigung von 12 Mt. Wird durch die Wahrnehmung des Beifizeramtes eine auswärtige Uebernachtung erforderlich, so wird außer der EntLINDAU Achtung, Zimmerer! Alle Funktionäre, Bertrauensleute und Betriebsräte merden hiermit auf die Versammlung am Donnerstag, dem 7. Juli, abends 7 Uhr, im„ Dresdener Rafino", Dresdener Str. 96, hingewiesen. Auf allen Firma schriftlich gemeldet und zur Bersammlung entfandt werden. Sentralverband der Zimmerer Deutschlands, Rahlstelle Berlin und Umgegend. Freie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Seute, Dienstag, 191 Uhr, tagen die Gruppen: Frankfurter Allee: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, LitauerStraße 18, Rimmer 2. Heimbesprechung. Landsberger Blak: Gruppenheim, Diestelmeierstr. 5. Heimbesprechung. Lichtenberg: Gruppenheim, Jugendheim, Doffeftr. 22. Heimbesprechung und Aussprache über Betriebsverhältnisse. Treptow: Gruppenheim, Schule Wildenbruchstr. 53/54( Hortzimmer). Heim besprechung. Briz: Gruppenheim, Chauffeestraße Ede Sannemannstraße. Heimabend. Humboldt: Jugendheim, Graunstraße Ede Lorgingstraße. Er. öffnungsabend. Musik. Lieder zur Laute. Jugendspiel. Westkreis: 18 Uhr Treffen zum Baden im Plößensee am Eingang. Süden- Südwesten: Ab 18 Uhr Spielen auf dem Sportplag. Schöneweide: Bon 17% Uhr bis 22 Uhr Spielen auf dem Metallarbeiter- Sportplak. Brunnenplag: Baden im Plökensee. Treffpunkt 18 Uhr Amrumer Straße Ede Geestraße. Reppelinplag: Treffen zum Baden im Plößensee 18½ Uhr Müllerstraße Ecke Seestraße. Photographen! 19 Uhr im Jugendzimmer( 7 A), Gewerkschaftshaus, Engel ufer 24/25. ,, Entwicklung des Negativs". Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Verantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Birtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag 6. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u Co, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und unterbaltuna und Biffen". Bodensee. Reizende Inselstadt in unvergleichlich schöner Lage/ Herrl. Erholungsaufenthalt. Sehr bequeme und lohnende Ausflüge mit Dampfschiff./ Aussichtswagen. Flugzeug und der neuen Pfänderbahn/ See- und Bergsport Neuzeitliche Badeanstalten und Strandbäder. Prosp. d. d. Städt. Verkehrsbüro. Tel. 614. Nr. 312 ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage ües vorwärts Vlenstag, S.Iull?H27 Die Knochenfunöe unter öer Staötbahn Der Kommunistenrummel zusammengebrochen: Reste eines alten Friedhofs. Zwei Berichterstatter, ine der.Vorwärts" am Montag nach- mittag nach der Fundstelle entsandte, gaben nach genauester Inspi- zierung de» Fundortes und Benutzung aller Erkundungsmöglichkeiten folgenden Bericht: .Der Bahnkörper der Sladtbahn hat eine Breite von etwa 14 Metern. Die Sketettfunde wnrden bisher unter der gesamten Breite des Bogens. d. h. also in einer Ausdehnung von mindestens 14 Metern gemacht. Wie bei den benachbarten Bögen so war auch der Boden des BogensZISvor Beginn der jetzigen Aus- schachtungen mit einer starken Betondecke belegt. Bei einer Ber- grabung der Leichen im Zahre 1919 hätten also die Täter diesen Betonbelag in seiner ganzen Ausdehnung ans. hacken und wiederherstellen müssen, ein etwas unwahr- scheinliches Unternehmen, wenn man bedenkt, daß zu keiner Zeit der verkehr aus den Stadtbahngleisen völlig geruht hat, datz die Gleise daher bei Tag und Bacht revidiert wurden, und keiner der Revisiousbeamten oder Streckenarbeiter von diesen um- sangreichen Ausschachtungsarbeiten etwa, gemerkt hat. bei denen schätzungsweise 200 bis ZOO Kubikmeter Sand hätten bewegt werden müssen—. von den notwendigen Betonierungsarbeiten ganz zu schweigen! Leststellonge« am Junöort. Nach übereinstimmenden Aussagen der Arbeiter lagen die Ste° leite nur teilweise uebeneinander, zum großen Teil bildeten die Knochen ein völliges Durcheinander. So wurden an einer Stell« sechs Schädel nebeneinander gesunden, die unmöglich in diese Lage hätten geraten können, wenn sie zusammen mit den übri. gen Leichen hier eingebettet worden wären. Der Zustand der Knochen ist ein derartiger, daß auch der Laie ohne weiteres ihr hohes Alter erkennen kann. Ihre Berichterstatter konnten eine Anzahl eben ausgegrabener Knochenreste persönlich be° sichtigen. An einem ziemlich zusammenhängenden Schädeldach war die knochendecke so morsch, daß ohne jede Mühe mit den bloßen Aingeru Stücke davon abgebröckelt werden tonnten. Rippenknochen ivaren gleichfalls derart brüchig, daß sie ohne die leiseste Kraft- anstrengnng zerbrochen, ja beinahe zerdrückt werden konnten. Die größeren Röhrenknochen, von denen einige beim Ausgraben durch Spatenstiche aufgebrochen waren, enthielten keine Spur von Knochen- mark mehr. Au keinem der von uns besichtigten Knochen konnte noch irgendein Rest von Weichteilen oder haaren wahrgenommen werden. Sämtliche Knochen waren vollkommen geruchlos, sie wiesen ein« dunkelbräunliche Farbe auf. Das Erdreich, in dem die Knochen eingebettet waren, unterschied sich in nichts von dem weiter entfernten. Auch diese umliegende Erde hatte völlig reinen Erdgeruch. Knochenmark re sie und haare findet mau aber i m m er bei Gebeinen, die schon 20— 30 Zahre In der Erde gelegen haben, und ein Verwesungsgeruch in der Hirnschale ist sogar nach 50 Zähren noch festzustellen. Run aber das Zuterefsantefte und Ausschlaggebende: Während die„Rote Fahne" und ihr Rachmittagsablegcr bisher darauf suhlen, daß die Knochen nur in größerer höhe als die Fundamente der Stadlbahnpseiler liegen, konnten Zhre Berichterstatter feststellen, daß das Gräberfeld sich unter mindestens einem Stadtbahnpseilerfortsetzt. Bei unserer Ankunft war hier bereits ein Loch gegraben, das etwa einen Meter weit unter den Pfeiler reichte. Beim Ausschachten dieses Loches waren Beinknochen, Rippen und zwei Schädel unter dem Pfeiler hervor- geHoll worden. Aus Bitten Zhrer Berichterstatter wurde eine Schaufel herbeigeholt und das Loch noch um einige Stiche tiefer ausgegraben. Mit der herausgeholten Erde kamen abermals zahl- reiche Skeletteile ans Tageslicht. Ratürlich kann die Arbeit unter dem Pfeiler, um diesen nicht zu gefährden, nicht bellebig weit fortgesetzt werden. Man konnte aber mit bloßem Auge uoch weitere Knochen aus der Erde herausragen sehen. Es ist daher sicher, daß weit unter dem Pfeiler noch Skelette liegen müssen. Damit bricht die Hypothese der„Rolen Fahne"— ganz abgesehen von dem Alter der Knochen— restlos zusammen. Denn wem wird sie wohl ein- reden wollen, daß die Truppe von 1919, um Leichen zu vergraben, einen Sladtbahnpseiler unterminiert hätte? Stutzig machen muß auch die enorm große Zahl der Knochensunde. Obwohl bis jetzt schon schätzungsweise— nach der Zahl der Schädel zu schließen— etwa 40 bis SO Skelette freigelegt worden find, stecken fraglos noch weitere Skelettmassen in der Erde, d e u n mau stößt sozusagen mit jedem Spatenstich aus neue Knochenreste. Danach müßten also in den Zanuar- tagen 1919 hundert Menschen oder mehr gänzlich unbemerkt beseitigt und vergraben worden sein, ohne daß sich bis heute auch nur ein Zeuge diese» angeblichen Massenmorde» gemeldet, auch nur ein Hinterbliebener Rachsorschungcu angestellt hätte? Selbst die verschwiegenen Fememorde der Schwarzen Reichswehr sind nach kurzer Zeit ruchbar geworden. Bei einer Masientötung von hundert oder mehr Menschen, ausgeübt von einer völlig undiszi- plinierten Truppe(Januar 19191), sollte aber bis heute nicht ein einziger Truppenongehöriger geredet haben? Großes Gewicht legten Ihre Berichterstatter darauf, etwas Genaueres über die augeblich bei den Skeletten gefundenen Metallknöpfe and Unisormfetzeu zu erfahre«. Obwohl zahlreiche Arbeiter zugegen waren und befragt wurden, konnte aus eigener Anschauung keiner etwa» Derartiges berichten. Einer berief sich auf Hörensagen, ein anderer auf Zeitungslektüre! Gesehen oder in der Hand gehabt hatte von allen Anwesenden niemand ein derartige» Beweisstück. Die meisten wußten nur von knocheu und von nichts anderem. Auch die Legende von dem behaarten Schädel, die ein jüngerer anwesender Arbeiter zunächst— sicher im besten Glauben— aus eigener Anschauung bestätigte, klärte sich dahin auf, daß sich bei einem Schädel innen und außen an der Schädeldecke ein moosartiger Bezug pflanzlicher Herkunft gebildet hatte. Auf der südlichen Seite des Stadtbahnbogens, nicht mehr unter der Wölbung, fondern bereits im Freien, ist man beim Graben in etwa% Meter Tiefe auf eine Pallisadenwand aus völlig ver- morschtem holz gestoßen. Ein schwach geführter Spatenstich ge- nügte, um die etwa schenkeldicken Pfosten zu zertrümmern. Es ist leicht möglich, daß diese Wand die ursprüngliche Einfriedigung des vor langen Zeiten angelegten Massengrabes bildete. Ganz abgesehen von der Frage des Alters der Knochen, die letzten Endes durch die Sachverständigen zu entscheiden ist, spricht bei dem ganzen Funde nichts für, aber alles gegen die Hypothese der„Roten Fahne", daß es sich hier um Leichen aus der Spartakistenzeit handelt. Bei Massenerschießungen hätte man zweifellos eine tiefe Grub« gegraben und die Leichen hinein- gepackt, nicht aber diese horizontal übereineFlächeoonmehr als hundert Quadratmeter verstreut. Auch die Tat- fache, daß diese Stadtbahnbögen 1879 bis 1880 gebaut wurden, kann nicht für die Hypothese ins Feld geführt werden. Denn tatsächlich steht jetzt fest, daß mindestens der eine Pfeiler der Sladkbahn direkt auf und über dem Gräberfeld aufgebaut ist. Man hat höchstwahrscheinlich damals nur das für den Pfeilerbau in Betracht kommende Erdreich ausgeschachtet und die dabei frei- gelegten Knochen achtlos auf die Seite geworfen. Da zweifellos damals die Knochen schon sehr alt waren und in der damaligen Zeit auch kein Grund bestand, mit ihnen polttifche Geschäfte zu machen, so hat man sich über ihre Herkunft wohl nicht weiter den Kopf zerbrochen, zumal da nachweislich in dieser Gegend sich noch zahlreiche alte Massengräber befanden. Bei dem Bau der benachbarten Kaserne zum Beispiel sind, wie ältere in der Gegend ansässige Leute noch bezeugen, bei den Fundamentierungsarbeiten auch zahlreiche Knochen- reste gefunden worden, von denen damals gesagt wurde, daß sie von Gräbern aus der Zeit der Freiheitskriege herrühren. Daß man Massengräbern ungelöschten Kalk beigab, um die Verwesung zu be- schleunigen, ist auch keineswegs, wie die„Rote Fahne" behauptet, erst eine Errungenschaft des Weltkrieges, sondern ein seit Jahr- Hunderten bekanntes Verfahren. Zusammenfassend kann man sagen: Daß in den Zeiten des Bürgerkriegs nicht nur in Rußland, sondern auch in Deutschland Grausamkeiten verübt wurden, daß damals, nicht nur in Ruß- land, sondern auch in Deutschland Gefangene ohne gerichtliches Urteil getötet wurden, ist eine bekannte traurige Tatsache. Aber die Knochenfunde an der Stadtbahn stehen mit ihr in keinerlei Ler- bindung. Das Gerücht, das eine solche Verbindung herstellen wollte, war falsch, und der Versuch, es gegen den festgestellten Tatbestand aufrechtzuerhalten, ist em mißglücktes kommunistisches Manöver. Das Gutachten des Gerichtsarztes Dr. Strauch. Zm Laufe des gestrigen Tages haben wir uns noch einmal mit dem Gerichlsarzk Prof. Dr. Strauch in Verbindung gesetzt und o» gefragt, ob er bei seiner Behauptung, daß die vorgefundenen Knoches 50 Zahre im Erdreich gelagert hätten, bleibe. Professor Dr. Slrauch, der durch seine historischen Ausgrabungen über reiche Erfahrungen verfügt, erklärte nochmals ausdrücklichst, daß es vom rein wissenschafllichen Standpunkt als absolut sicher gilt, daß die Gerippe wenigsten» 50 Zahre im Erdreich ge» lagert haben. Da» genaue Alter läßt sich leider nicht mehr fest» stelle«, da die orgamschen Substanzen In den Knochen restlos vernichtet find. « Wie wir noch erfahren, habe» sich mehrere ältere B es wohner von Moabit auf Grund der ersten Zettungsnach- richten bei der Kriminalpolizei gemeldet und durch ihre überein- stimmenden Bekundungen das bisherige Rätsel höchstwahrscheinlich vollkommen gelöst. Sie erzählen, daß sie Anfang der sieb- ziger Jahre als Kinder, die auf dem freien Gelände vor der Kaserne der Gardeulanen spielten, stets gemahnt wurden, große Grabsteine in der Rühe der jetzigen Fundstelle unbedingt zu meiden, weil es sich um Gräber französischer Kriegsgefangener handelte, die in Moabiler Baracken an Cholera gestorben seien. Es ist diesen Zeugen noch jetzt in Erinnerung, daß man damals diese an Cholera Ge- storbenen mit den größten Vorsichtsmaßnahmen beerdigt hatte, was übrigens das Vorhandensein von Resten ungelöschten Kalkes hinreichend erklärt. Nach dem einwandfreien Gutachten der beiden Gerichtsärzte über das Aller der Knochen und nach diesen Mitteilungen Moabiter Bürger dürfte die Angelegenheit für die Berlmer Polizei wohl endgültig a b g e s ch l o s s en sein. Eine amtliche Erklärung. Der Polizeipräsident teill mit:„lieber den Fund von Menschen- knochen an der Baustelle lllap wurden in den letzten Tagen Nach« richten verbreitet, die völlig unzutreffend sind. Nach den bestimmten Gutachten der medizinischen und chemi- s ch e n Sachverständigen stammen die vorgefundenen Knochen von Leichen, die vor mindestens 50 Jahren, wenn nicht vor 100 und mehr Jahren in die Erde oersenkt worden sind. Die Knochen lagen wirr durcheinander, da sie offenbar bei den Erdarbeiten zur Errichtung der Pfeiler für die Stadtbahn in den Jahren 1879— 1881 schon einmal ausgegraben wurden. Die Behautpung eines hiesigen Blattes, die vorgefundenen Schädel hätten noch Haarspuren auf- gewiesen, an der Fundstelle sei Leichengeruch wahrgenommen, und es seien Reste von� Uniformstücken und Knöpfe gefunden worden, sind absolut unwahr. Alle Umstände sprechen dafür, daß es sich um ein« alte Begräbnisstätte handelt. Die Nachforschungen in den Archiven und die Vernehmungen werden wahrscheinlich hierüber Näheres ergeben." Iu stark für dies Leben. 9J Von Zwau heilbuk. Grahl schwieg dazu. Uri seufzte einige Male.„Sie wissen doch, Grahl," begann er,„daß nun auch gegen den Ausschußwillen beim Arbeitsgericht Einspruch erhoben worden ist?" „Was... sagen Sie da" sagte Grahl leichenblaß. Seine Stimme war rauh. Er zog die Augenlider zusammen. Plötz- lich stolperte er seitwärts einige Schritte und hielt sich schwer atmend an einem Baum. „Nicht erschrecken, Grahl," sagte Uri und nahm seinen Arm.„Meiner Meinung nach erwartet Sie Kampf... Kampf und Sieg. Das Arbeitsgericht wird, in gerechter Be- trachtung, sich für den Ausschußwillen entscheiden müssen." „Das Arbeitsgericht, soso..-" sagte Grahl mit einem Ausdruck von Gleichgültigkeit. Als er aber in seiner Stube hinter der Zeitung die leidenden Mienen vor den Kindern versteckte, erwachte der Ansangstrotz wieder auf, der dem Gefühl für die Seinen entsprang. Hermann las in dem kleinen Band einer volks- tümlichen Bibliothek— es war eine Einführung in die Philosophie—, Gertrud, indem sie an einem Kleide nähte, beachtete sede Bewegung des Vaters, jeden Blick— um ihm das Teeglas aüfs neue zu füllen oder die Teller vom Tische zu tragen oder das Gaslicht zu regulieren. Sie war es auch, die ihre Mutter in ihrer jetzigen Wohnung besuchte. Nie- wanden anders wollte die Frau zu Besuch haben. Mitunter sah Grahl seine Tochter mit einem kurzen dankbaren Aus- druck an. als hätte er all seine Zärtlichkeit, die er in der denk- bar verschwiegensten Weise zu äußern imstande war, auf das Kind zu übertragen. Siebentes Kapitel. Am 21. Oktober, dem Termin der Arbeitsgerichtsver- Handlung in Sachen der Firma Winter, Kommanditgesell- schaft. gegen den Buchhalter Jakob Grahl, befanden sich vor dem Borsitzenden: als der Vertreter der antragstellenden Firma der, Personalchef Karst, als seine Zeugen Herr Baas; nebst einem andern Ausschußmitglied?— welches übrigens eines der drei widerspenstigen war—: ihm gegenüber: der Angestellte Grahl mit seinen Zeugen: Uri, langjährigem Pult- genossen von Grahl, und Rottmann, dem früheren Personal- chef, der vor Jahresfrist als ein sechsundsiebzigjähriger Mann nach mehr als drei Jahrzehnten die Arbeit endgültig aus den Händen gelegt hatte. Er widersprach mit leiser fester Stimme der Meinung Herrn Karsts, der in dem Buchhalter Grahl das Prinzip der Unzuverläfsigkeit in corpore erblickte. Rottmann vermochte mit gutem Gedächtnis aus Redewen- düngen Grahls, die er zitierte, und charakteristischer Hand- lungsweise, die er lebhaft zu schildern wußte, dem Vorsitzen- den und seinen Beisitzern ein lebendiges Bild zu vermitteln- — Nach ihm wurde der Leiter der Revistonsabteilung, Herr Baaß, um seine Zeugenaussage befragt. Herr Baaß, indem er sich über den Schnurrbart rieb, begann im Tone der echte- sten Ueberzeugung die Worte Herrn Karsts zu wiederholen. Aber er hatte kaum einige Sätze vorgebracht, als Grahl, der mit graublassem Gesicht und geschwollenen Schläfen am Tische stand, in unhemmbarer Erregung, mit hastig gestoßener helle? Stimme zu widersprechen begann. Der Vorsitzende rief ihn zur Ruhe, er vermahnte ihn, bis die Aufforderung zur Rede an ihn erginge, stille zu schweigen. Aber Grahl, mit be- schwörend vorgestreckten Armen, rief mit dringlichstem Ausdruck: „Ihn treibt im besten Falle die Furcht, mit einem günfti- gen Wort über meine Leistung die Gunst seiner Obern zu verlieren. Ihn hindert Feigheit, ehrlich zu sein— nicht Feigheit, nein, ich verzeihe ihm das, weil ich weih, wie es tut, um das Brot der Zukunft zu bangen." Darauf schwieg er still. Und es war eine Stille im Saal. Der Vorfitzende und seine Nebenmänner, von dem echten Klang dieser Stimme erschüttert, vergaßen den kühlen Ausdruck, dessen sie sich sonsthin bedienten. Die übrigen, die vor dem Tische standen, verhielten den Atem. Nur Karst, zuerst überrascht und mit ängstlichen Mienen— gab sich nun den verächtlichsten Ausdruck, dessen er fähig war.— Das Gericht ging nun zur Beratung über. Dies Arbeitsgericht war vormals eine Funktion des Kaufmannsgerichts gewesen. Infolge vieler willkürlicher Entlassungen hatte es sich zur besonderen Instanz ausgebildet, und sein Zweck war die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Angestellten. Die Entscheidung dieses Gerichts war der„Beschluß", gegen den ein Einspruch nicht möglich war.— Grahl stand mit gesenkten Augen am Tisch. Seine stunimen Lippen drückten den Ueberdruß eines Mannes aus, der am Ende des Kampfes, ob Sieg oder Niederlage, mit der Empfindung unbegrenzter Verachtung den Platz verlassen wird. Dennoch wurde er noch um«ine Nuance bleicher, als der Vorsitzende den Beschluß zu ver- künden begann. Der Beschluß hatte folgenden Wortlaut: „In der Sache der Firma Winter, Komm.-Gef., An- tragstellerin, gegen den Buchhalter Jakob Grahl, Antrag- träger, die Erwirkung der Erlaubnis zur Entlassung des Antragträgers betrefiend, erkennt das Arbeitsgericht durch Richter und Beisitzer für Recht: Die beantragte Zustim- mung zur Kündigung Grahls wird versagt.— Die Begründung folgt schrifttich." „Sehen Sie," sagte Herr Uri, der gar nicht zur Zeugen» aussage gekommen war,„sehen Sie, Grahl, nun haben Sie doch nichl umsonst ihr gutes Zeug angelegt." Grahl bewegte die Lippen. Gertrud und Hermann, jagte er laullos. Er lachte über Herrn Uris Spaß. Auf den Abend lud er ihn in die Wohnung ein. Herr Uri, der nicht verheiratet war, beivohnte ein kleines Zimmer und saß an den Abenden, die schon winterlich waren, in Cafös oder Restaurants.— Vorerst begaben sich die beiden zurück an die Arbeit, denn erst war Mittag vorbei. Grahl ging gebeugt, mit schüchtern gebogenen Knien neben der aufrechten breiten Gestalt seines Zeugen. Schon am Eingang zum Kontor- Haufe, wo sie einige Bekannte trafen, rief Uri das Ergebnis mit schallender Stimme aus. Er drehte an seinem kräftigen Schnurrbart und lachte. Er ging an sein Pult, Grahl in die Paketannahme. Abends bewirtete Grahl, der nun erleichterten Herzens seinen Kindern alle Erlebnisse der letzten Wache mitteilen konnte, den Gast. Zwar mußte er sich diesen Posten in der Paketannahme gefallen lassen... muhte, noch mehr, bei Ab- laus seines Mandats der Entlassung gewärtig fein— an eine Mandatsverlängerung war schwerlich zu glauben..... Aber, mein Gott, hieße es nicht eigentlich undankbar sein, an diesem Tage der sicheren Gegenwart zu vergessen?" fragte Uri, um einer nicht unbedenklichen Zukunft willen? „Ja, ja," sagte Grahl. Aber er faßte nervös an die Brille und sah seine Kinder an. „Und übrigens," meinte Uri,„stehen das Fräulein Tochter wie der Herr Sohn auf eigenen Füßen?" Nein, Hermann studierte und brauchte nun einmal die Unterstützung des Vaters. „Und Fräulein Gertrud?" fragte Herr Uri.„Gehen Sie nicht nach dem Beispiel so vieler Frauen in berufliche Kon- kurrenz mit uns Männern?" Grahls Tochter wurde rot, als Herr Uri, dieser Mann! mit seinem großen Schnurrbart und den offenen blauen Augen, sich direkt an sie wandte. Sie schüttelte nur den Kopst (Fortsetzung folgt.) j Neue Knochenfunöe in üer Keibelstraße. Auf dem Grundstück Keibelstraß« 22, wo zur Errichtung eines Mädchenheimes Ausschachtungsarbeiten vorgenommen wurden, stießen gestern mittag Arbeiter in einer Tiefe von etwa Z0 bis 40 Zentimetern auf vier mcnschKche Schädel, sowie eine große Anzahl von Röhrenknochen und anderen Skelelleilen. Weiter wurden in unmittelbarer Nähe der Änochenteile Holzteile gefunden, so daß man zu der Vermutung neigt, daß sich an der Fundstelle in früheren Zeiten eine Begräbnisstätte befunden habe. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes, Prof. Strauch, dürfte man auf die Ueberreste eines alten Franzosenfriedhofes gestoßen sein, auf dem französische Soldaten, die um das Jahr 1812 in Berlin gestorben sind, bestattet wurden. Bereits im Jahre 1868 wurden auf dem- selben Grundstück bei seiner Bebauung menschliche Knochen ans Tageslicht befördert, ohne daß den Funden jedoch irgendeine Be- deutung beigemessen wurde. !il M altem Zrieühofslanü. Schon wieder wird aus Berlin ein Fund von Toten- e b e i n e n gemeldet. Diesmal hat man in der Nähe des lexanderplatzes auf dem Grundstück K e i b e l st r. 22 bei Ausschachtungsarbeiten vier Menschenschädel und eine große Menge Menschenknochen ausgehoben. Gerichtsarzt Prof. Dr. Strauch nimmt an, daß es sich um Reste von in Berlin verstorbenen Franzosen handelt, die wohl 1812 dort beigesetzt worden seien. Schon im Jahre 1868 soll man auf diesem Grundstück mensch- liche Skelette gefunden haben. Skelettfunde sind in Berlin keine Seltenheit. Jnimer wieder ist es bei Ausschachtungen vorgekommen, daß Ske- leite an Stellen herausgewühlt wurden, wo kein Mensch derartiges vermutet hätte. Zahlreich sind in Berlin die alten Begräbnis- st ä t t e n, die später der Bebauung überlassen wurden. Bei dem neuesten Schädel- und Skelettfund in der Keibelstraße dürfte die Feststellung des Ursprunges leicht sein. Die Keibelstraße hieß früher(bis 18S8) Schießgasse, weil sie um die Mitte des 18. Jahr- Hunderts auf dem Gelände des ehemaligen Schießplatzes der Ber- liner Schützengilde angelegt worden war. Die Alte Schützenstrahe, in die die heutige Keibelstraße mündet, erinnert noch jetzt an jenen Schießplatz. Ersatz für ihn wurde ein anderer Schießplatz, der im Anfang des 18. Jahrhunderts in der Linienstraße am nördlichen Ende der heutigen Keibelstraße angelegt wurde, bis ins letzte Viertel des 19.' Jahrhunderts bestand, und älteren Berlinern noch in Er- innerung sein wird. Der alte Schießplatz zwischen der Alten Schützcnstraße und der Linienstraße(die dort früher Neue Schützen- strahe hieß) war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ver- kauft und zu einem Begräbnisplotz eingerichtet worden. Als solcher wurde er aber nur ein paar Jahrhunderte hin- durch benutzt. Man überließ ihn der Bebauung, und auf ihm entstand dann die schon erwähnte Schießgasse, die heutige Kei- b e l st r a ß e. Sicherlich hat auch das Grundstück Keibelstraße 22, auf dem man jetzt den neuesten Fund von Totengebeinen gemacht hat, damals zu dem Friedhofsland gehört. Auch auf einem anderen, von hier nicht weit entfernten Ge> lände, auf der an der A l e x a n d e r st r a ß e gelegenen A l e x a n- d e r k a s e r n e, die heute als Polizeikaserne dient, hat einmal ein Friedhof bestanden. Er ging im 18. Jahrhundert ein, und der alt« Fritz ließ dann auf ihm eine Kaserne bauen, die Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Neubau ersetzt wurde. Vielleicht er- leben wir es, daß eines Tages auch auf diesem Grundstück noch Totengcbeine zutage gefördert werden. In nicht weiter Entfernung von ihm, in dem Häuserblock zwischen Gormann strahe und Rückerstraße, der unter anderem auch das Arbeits- Nachweisgebäude umschließt, stehen wir wieder auf altem Friedhofsland. Erst vor ein paar Jahrzehnten wurde dort ein Militärmannfchaftsfriedhof, der schon lange als Parkanlage diente, vom Militärfiskus als Bauland verkauft. Der daneben liegende Militäroffiziersfriedhof zwischen Gormannstrahe und Kleine Rosenthaler Straße blieb noch erhalten. Rechtsanwalt Themal freigesprochen. Die Berufung im Marschner-Prozeß. Nach dreistündiger Beratung verkündete das Gericht im Themal-Marschner-Prozeß, über den wir gestern abend berichteten, folgendes Urteil: Rechtsanwalt Dr. Themal ist freizusprechen, da er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und sich aus dem von ihm Behaupteten keine Beleidigung ergebe. Die von der ersten Instanz gegen den Redakteur R u p p e l erkannte Geldstrafe wird von 3006 M. auf 2000 M. herabgesetzt, die Geldstrafe gegen Kempner von 600 M. auf 2 6 0 M. Die Gerichtsverhandlung, die diesmal unter ganz anderen Bor- ausfetzungen vor sich ging, nahm eine unerwartete Wendung. Es ist nämlich am 28. Februar d. I. vom III. Straf- fenat des Reichsgerichts ein Urteil in der Revisionssache der beiden Justizwachtmeister ergangen, in der das Reichsgericht unter Bezug- nähme auf den Fall Themal-Marschner sich dahin ausspricht, daß eine Vernehmung der Richter über Vorgänge im Veratunqszimmer vollkommen unzulässig sei. Nachdem Landgerichtsdirektor Dr. T o l k nach Eröffnung der gestrigen Verhandlung bei der Vereidigung der Schöffen sie angesichts der eben erwähnten Reichsgerichtsentscheidung aus ihre Pflicht, über die Vorgänge im Beratungszimmer zu schweigen, aufmerksam gemacht hatte, erklärt« Landgerichtsrat M e y e r h o f, der als Zeuge erschienen war, daß er nun auf Grund der Reichsgerichts- entscheidung vom 28. Februar d. I. feine Zeugenaussage über die Vorgänge im Beratungszimmer verweigere. Justizrat Dr. Löwen- st e i n gab daraufhin in seinem Namen und im Namen seines Klienten eine Erklärung ab, daß auch er seinerseits eine Beweis- aufnähme für unzulässig erachte: sie sei auch überflüssig, da sie doch nichts anderes ergeben würde als in der ersten Instanz. Rechts- anwolt Dr. Frey trat als Verteidiger Dr. Kempners der Er- klärung des Justizrats Dr. Löwenstein bei. Demgegenüber meinte Rechtsanwalt Dr. Levy als Verteidiger des Redakteurs Ruppel, daß er dem Verzicht auf Beweisaufnahme durch den Justizrat Löwen- stein in dieser Form sich nicht anschließen könne. Er sei auch anderer Ansicht über das Geheimnis des Beratungszimmers als das Gericht. Bei der großen Wichtigkeit dieses Prozesses und bei dem einzig dastehenden Falle, daß in einer Gerichtsverhandlung Zeugen über Borgänge im Beratungszimmer vernommen werden sollen, kann er, trotzdem auch er auf die Zeugenaussage keinen Wert lege, dem Verzicht des Justizrats Löwenstein nicht beitreten. Als Landgerichts. direktor T o l k darauf an Rechtsanwalt Lewy die Frage richtete, ob seine Erklärungen so zu verstehen seien, daß er auf die Zeugen- Vernehmung nicht verzichte, erwiderte er, daß er nur keinen Antrag auf deren Vernehmung stelle. Nachdem der Staatsanwalt und in Vertretung des Landgerichts- direktors Marschner die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. Golnik, die ihrerseits keine Berufung eingelegt hatten, auf die Zeugenver- nehmung gleichfalls verzichteten, wurden diese entlasten. Schwere Znsammenstöste. Ein schwerer Zusammenstoß, bei dem eine Person tödlich verletzt wurde, trug sich gestern nachmittag an der Ecke Schönhauser Allee und Stolpische Straße zu. Ein mit zwei Personen besetze? Kraft- r a d wurde von einem Geschäftsauto von hinten angefahren. Der Begleiter, der auf dem Soziussitz faß, wurde hierbei auf das Straßenpflaster geschleudert. Er stürzte so unglücklich, daß die R ä- der des Kraftwagens über ihn hinweggingen. Der Schwerverletzte, dessen Personalien unbekannt sind, wurde zur nahe- liegenden Rettungswache 6 gebracht, wo er an den Folgen seiner schweren Verletzungen starb. Auf der Chaussee Lucken- watd«— Berlin stießen gestern am Spätnachmittag zwei Kraft- wagen mit großer Wucht zusammen. Drei Insassen, Gustav Nagel, Kurt Stadtlober und eine Frau Klara Olikschläger, sämtlich in Ber» l i n wohnhaft, wurden schwer verletzt und mußten in das Lichter- felder Kreiskrankenhaus übergeführt werden. Die Kraftwagen wurden schwer beschädigt und mußten abgeschleppt werden. Der Nord in üer Rosenthaler Straße. 1000 Mark Belohnung! Für die Aufklärung des Frauenmordes in der Rosenthaler Straße ist jetzt die Belohnung von 1000 Reichsmark ausgesetzt wor- den. Die Vernehmung einer ganzen Reihe von Zeugen, die sich bei der Mordkommission gemeldet haben, hat ergeben, daß die Arndt an dem Abend schwer betrunken gewesen ist. Noch nicht geklärt ist der Aufenthalt des Mädchens während des Freitags von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends und weiter von 9 Uhr abends bis 1 Uhr nachts, dem Zeitpunkt, da sie mit ihrem Begleiter das Hotel aufsuchte. Es ist anzunehmen, daß das Mädchen, das in der Gegend des Rosenthaler Tores und der Weinmeisterstraße zu verkehren pflegte, durch ihren Zustand am Freitag abend aufgefallen ist. In ihren Kreisen führte sie den Spitznamen„Schlam- p e l- E l s e", womit auf ihren unbeholfenen watschelnden Gang an- gespielt werden sollte. Sie trug am Freitag, wie schon erwähnt, ein dunkelblaues Kleid mit plissiertem Einsatz und Knopfschmuck und einen ziemlich abgetragenen schwarzen Topfhut, dazu graue Florstrümpfe. Alle Personen, die die Arndt in einem Lokal oder auf der Straße in Begleitung eines Mannes gesehen haben, werden unter Hinweis auf die Belohnung dringend gebeten, sich bei der Mordkommission im Zimmer 83 A des Polizeipräsidiums zu melden. Der Einbruch in Fichtenau aufgeklärt. Der Täter geständig. Nach eingehendem Verhör legte der am Sonntag früh in einem Logis in der Kleinen Auguststraße verhaftete Einbrecher W i t t r a ck ein Geständnis ab, daß er mit seinem Komplizen Wicke zusammen den Einbruch in Fichtenau verübt habe. Beide fuhren hinaus, schlichen sich auf dos Grundstück und Wittrack stieg über die Schultern seines Spießgesellen durch das Speisekammer- fenster ein. Er warf dem unten Stehenden Kleidungsstücke zu, die dieser in einen Rucksack verpackte. Durch das heimkommende Ehe- paar gestört, ver st eckte sich Wittrack unter dem Bett und wartete ab, bis die Leute fest eingeschlafen waren. Dann stahl er noch aus den Kleidern«ine Brieftasche mit 600 Mark und einige kleinere Wertsachen und macht« sich eilig aus dem Staube. Um nachzuprüfen, ob Wittrack auch für den am 26. v. M. verübten räuberischen Ueberfall und Einbruch in Hohen- N e u e n d o r f in F?age kommt, wurde er gestern am späten Nach- mittag von Kriminalkommissar Geißel nach dem Vorort gebracht, um dort den Zeugen gegenübergestellt zu werden. Am Tatott in der Schönfließer Straße wurde ein Lokaltermin abgehalten. Einige Zeugen glauben in Wittrack den Einbrecher wiederzuerkennen, sind ihrer Sache aber nicht ganz sicher. Witttack selbst bestreitet natürlich nach wie vor, den Einbruch verübt zu haben. Erweiterung des Flughafens in Staaken. Die Fliegerschule Bornemann, die als erste nach dem Aufbau des Verkehrsflugnetzes sich der Aufgab« zugewandt hatte, Piloten auszubilden, hat auf dem Flugplatz in Staaken ein eigenes Verwaltungsgebäude errichtet. Am Sonnabend wurde im Beisein von Parlamentariern die Einweihung dieses neuen Gebäudes voll- zogen. Mit der Errichtung dieses Gebäudes hat die Fliegerschule die Möglichkeit geschaffen, einen gründlichen Unterttcht der Flug- lchüler auf dem Flugplatz vornahmen zu kötinen. Reben den Bureauräumen sind Unterkunftsräume für die Fluglehrer und ein S ch u l r a u m mit«ingebaut. Das Gebäude— so betonte Herr Bornemann in seiner Begrüßungsansprache— sei nur mit privaten Mitteln errichtet worden. An die Abgeordneten ttchtete Herr Borne- mann die Bitte, dafür einzutreten, daß vom Staat aus ein Zuschuß an die Lehran st alten gegeben werden möge. Den Flugschülern sei es unmöglich, selber die Kosten für die Ausbildung zu übernehmen. Der Redner regte an, daß diese Zuschüste in Form von Prämien gegeben werden, das Reich solle also für jeden Schüler, der die Prüfung bestanden hat, eine Prämie zahlen. Stadtbaurat Dr. Adler überbrachte die Grüße des Magistrats und fühtte aus, daß die Stadt, soweit es die Mittel erlauben, die Schulen, die Piloten ausbilden, unterstützen will. Die Besichtigung des Fluggeländes zeigte, daß das hervorragende Fluggelände noch bei weitem nicht richtig ausgenutzt wird. Auf dem weiten Gelände könnte die Versuchsanstalt für Luftschiffahrt für ihre Zwecke Platz finden. Damit wäre die Anlage ausgenutzt und die Stadt Berlin müßte, da dott die notwendigen Anlagen bereits vorhanden sind, nur noch für gute Verkehrsverbindungen sorgen. Tänze verschiedener Länder wollt« der Sonntagabend bttngen. Das Programm gab, wenn man von den schwedischen Tänzen Tor Aulins absieht und für weniger Musikerfahrene auch Bartoks Rumänische Volkstänze ausnimmt, durchweg Bekanntes. Doch war es«in« geschmackvolle und für ein Sonntagsprogramm sehr geeignete Zusammenstellung. Bruno Seidler-Winckler, der sich sonst manchmal übernimmt, zeigt in solchen Konzetten, daß er ein sehr guter Funkdittgent sein kann. Zwei Vorttäge führten die Funkhörer an die Ostsee und in die Eishöhlen bei Salzburg. Ueber die wunderbare Höhlenwell, in der man schwiettge Berg- touren von Tagesdauer unternehmen kann, berichtete Swdienrat Otto Satow unter dem Titel„Die Wunder der Eisriesenwelt im Tennengebirge", während Gregor I a r ch o w unter der etwas überttiebenen Bezeichnung„Die nordische Riviera" die Bäder auf Usedom und Wollin, über die er anschaulich bettchtet«, begttfsen haben wollte. Unter den Votträgen des Montags bracht« Ministettalrar Dr. med. Alfred Beyer wieder Ausführungen über„Vernunft und Glück". Er erörterte diesmal„Einbildungen und Vorurteile", mit denen sich die Menschen das Leben sinnlos beschweren.— Immer wieder lausch: man auch dankbar dem Zyklus „Meister der klassischen Kunst", in denen Dr. Max O s b o r n ohne lehrhafte Trockenheit den Funkhörern die großen bildenden Künstler aller Zeiten nahebringt. Watteau, der Maler des graziösen französischen Rokokko, wird vielen durch die Dar- lequngen Osborns, der auf die Mozartverwandtschast dieses Künstlers hinwies, in ganz neuem Lich: erschienen sein.— Dr. Gertrud Haupt betonte die Notwendigkeit der„Pädagogischen Ausbildung der Frau", leider unter Umgehung wesentlicher sozialer Probleme/ die sich bei der Behandlung dieses Themas ergeben. Helene P o h l i d a h l las in der Novellenstunde aus einem noch unveröffentlichten Lenauroman ein psychologisch fein durchge- arbeitetes Kapitel. Aber wie in der Anrede des Funksprechers an die Hörer der Ausdruck der Verehrung geschwunden ist, so sollte aus der Novellenstunde der Titel„Dichter" verschwinden! Genügt es nicht, wenn mitgeteilt wird, daß Herr T. aus seinen Werken liest? — Ein Wiener Abend ohne Filmsentimentalität ist schon etwas wert. Man hätte konsequent sein und auch auf musikalische Ein- lagen verzichten sollen. Stefan Groß mann gab der Veran- staltung eine scharf und klar formulierte Einführung. K o r t n e r las sprachlich und gedanklich vollendet nachgeformte Essays von Kirmberger und Polgar. Tes. Ein nachahmenswertes Beispiel. Berliner Kinder als Wochenendler in Lychcn. Ein gutes Werk wollen Einwohner des als Wochenendziel viel aufgesuchten Städtchens L y ch« n an Berliner Kindern wn. Aus der Berliner 262. Gemeindeschul«(Wedding), die eine weltliche ist. bettchtet man uns über eine. von der Lychener Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold erhaltene Ein». ladung zu einem Wochenendaufenthalt in Lychen. Fünf und» zwanzig Kinder sollten dort Sonnabend und Sonntag ihr Wochenende genießen und eine Anweisung auf Fahrgeld war sogleich beigefügt. Erst Mitte der Woche kam überraschend die Ein» cadung, aber selbstverständlich wurde sie sofott angenommen. Als die Kinder mit ihrem Lehrer in Lychen ttnttafen. wutt>en sie vor dem Bahnhof von der Kapelle des Reichsbanners und einer stattlichen Anzahl Lychener Einwohner empfangen. Mit Musik zogen die Jungen und Mädels in das Städtchen ein, freundlichst be» grüßt von Hunderten der Einwohner und Sommergäste, die in den Straßen ihrer harrten. Auf dem Marktplatz gab es eine Bewill- kommnungsfeier mit einer Ansprache des Vorsitzenden Engelbrecht der Reichsbanner-Ortsgruppe. Zur kostenfreien Auf nah m e und Verpflegung der kleinen Berliner hatten sich Familien in mehr als ausreichender Zahl erboten, und manche Familie verlangte sogar zwei Kinder. Am Sonnabend genossen die Kinder das Vergnügen der Spaziergänge in den prachtigen Illal» dern und der Bootfahtten auf den reizvollen Seen. Der Sonntag brachte zunächst ein fröhliches Getümmel im Freibad und dann ein großes Familienfest auf der„Sängerlust", bei dem die ausgesthrene Menge des Kuchens kaum vertilgt werden konnte.'Räch dem Abendessen zogen die Gäste mit Musik unter dem Geleit der Ein- wohnettchaft zum Bahnhof. Eine Abschiedsfeier klang aus m ein Hoch auf das deutsche Heimatland und auf die deutsche Repubttr. Dann trug der Eisenbahnzug die freudig erregten Kinder nach Ber- lin zurück. � Die Lychener R e i ch s b an n e r le u t e werden die Em- ladungen wiederholen. Sie wollen, wie bei dem Empfang dieses ersten Trupps Berliner Kinder der Ottsgruppen-Vorsitzende sagte. hiermit dem großen Berlin, aus dem alljährlich Zehntausende von Gästen nach Lychen kommen, ihren Dank abstatten. Dabei soll den eingeladenen Kindern nicht ein Pfennig Unkosten entstehen. Bas von den Lychenern gegebene schöne B ei s p i el, das eine Frucht echten Gemeinschaftsgeistes ist, verdient Nachahmung auch an anderen Orten. Frei Heil! dem Lychener Relchsbannerl Frohe Fahrt der nächsten Wochenendgruppe! Also doch keine Wochenendsteuert Für die Besteuerung der von der Allgemeinen Berliner O m, n i b u s- Aktien-Gesellschaft betriebenen Wochenendfahrten setzte sich die städtische H a u p t st e u e rv er w a l t u n g noch am 27. Juni in einer Erklärung ein, die sie durch das Nachrichtenamt des Magistrats den Zeitungen zugehen ließ. Im„Borwatts (Nr. 301, 28. Juni) wurde die Uitzhallbarkeit dieser Besteuerung dar» gelegt und wir zeigten, zu welchen Zuständen wir gelangen mußten, wenn man diese Steuerfindigkeit folgerichtig weitertriebe. Schon kurz danach beschäftigte sich der Magistrat mit der Angelegenheit, die begreiflicherweise unliebsames Aufsehen erregt hatte. Das Ergebnis feiner Beratungen ist, daß er beschlossen hat, die V e r g n u g u n g s- steuern für Rundfahrten und Vergnüg ungsfahr- ten einschließlich Wochenendfahrten mit Wirkung vom 1. Juli ab auszuheben. Für die Wochenendfahrten soll die Steuer, soweit sie noch nicht gezahlt ist, auch nicht mehr nach- erhoben werden.„Maßgebend für diesen Beschluß waren»sagt eine vom Nachrichtenamt verbreitete Meldung,„allgememe Nuck- sichten auf die Förderung des Fremdenverkehrs sowie dl« Notwendigkeit, den Ausflug- und Wochenendverkehr in dis'Berliner Umgegend in weltestem Mähe auszubauen. Das ist aber. nur möglich, wenn die Rundfahrt. gesellschaften sowie die„Aboag" von der Steuer enttastet werden, damit sie die Fahrpreise möglichst niedrighalten können.— Hatte nicht auch die Hauptsteuerverwaltung beizeiten zu dieser vernünftigen Ansicht kommen können?_ Kindesaussetzung in der Krankenkasse. Ueber einen merkwürdigen Fall von Kindesaus» s e tz u n g wird uns von einem Leser berichtet. In dem Bureau der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Klosterstraße erschien vor einigen Tagen mittags gegen 12 Uhr ein junger Mann mit einem Mädchen. das ein kaum 14 Tage altes Kind trug. Das Madchen ver. langte auf Grund ihrer Mitgliedschaft Wöchnerinnen- b e i h i l f e, die ihr aber nicht gewährt werden konnte, weil sie ein« sechsmonatige ununterbrochene Mitgliedschaft nicht aufweisen konnte. Nachdem der Krankenkassenbeamte dem Mad- chen den Sachverhalt dargelegt hatte, wollte er einen Schein aus- stellen und das Mädchen an das Wohlfahrtsamt verweisen, das in diesem Fall für eine Unterstützung zuständig war. Der das Mädchen begleitende Mann nahm aber das Kind und legte es dem Schalterbeamten auf das Schalterpult. Ehe die Krankenkassenbeamten dem Mann Aufklärung zuteil werden lassen kannten, daß seine Handlung eine strafbare Kindesaussetzung sei, war der Mann verschwunden. Die Krankenkassenbeamten eilten auf die Straße. Dort gelang es ihnen und einigen Schupobeamten das Mädchen zu veranlassen, in die Bureauräume der Krankeickasse zurückzukehren. Der Mann weigerte sich, zurückzugehen. Das Mädchen war nicht zu bewegen, ihr Kind wieder mit- zunehmen. Den Beamten blieb schließlich nichts anderes übrig, als das kaum 14 Tage alte Kind vom Waisenhaus abholen zu lassen. Es ist bedauerlich, daß bei diesem Vorfall die Strahenpas- fanten gegen die Krankenkassenbeamten Stellung nahmen. Die Beamten befanden sich in Ausübung ihres Dienstes und des Rechtes. Sie wollten lediglich die Mutter veranlasien, ihr Kind wieder mitzunehmen und damit verhindern, daß sich die Mutter wegen Kindesausfetzung strafbar macht. Die Einsturzgefahr in ber Brunnenftraße beseitigt. In unserer Dienstag-Abendsausgabe bettchteten wir über die bei den U n t er gru n d b a h na r b o i t e n zutage getretenen Schäden an einzelnen Häusern in der B r u n n e n st r a ß e. So- fott nach Erscheinen unserer Notiz hat B ü r g e r m e i st e r Genosse Schneider mit Beamten der Baupolizei, der N o r d- S u d. Bahn A.-G. und Bertretern der bauausführenden Firma eine Besichtigung der beschädigten Häuser vorgenommen, lieber das Ergebnis dieser Untersuchung wird uns vom Bezirksamt Mitte geschrieben: Als Ergebnis der am 29. Juni stattgefundenen Besichtigung ist folgende Vereinbarung zwischen der Baupolizei, der Nord-Süd- Bahn A.-G. und der bauausführenden Firma getroffen worden: Um Unglücksfälle durch Herabfallen von Putz und Stuck. teilen von den Decken zu vermeiden, ist angeordnet, daß in den da- von betroffenen Zimmern Leinewanddecken unterspannt werden, deren Stärke und Anbringung die Garantie bieten, daß Be- lästigungen oder gar Verletzungen der Einwohner voll- st ä Ii d i g vermieden werden. Auch werden erneut im Benehmen mit der städtischen Baupolizei alle Risse mit Gipsbändern nochmals erneut gesichert, die von jetzt ab in ganz kurzen Zwischen- räumen von der städtischen Baupolizei beobachtet werden. Nach der Ansicht der verantwortlichen technischen Stellen besteht augenblick- lich keine Gefahr für die Bewohner des Hauses Brunnen- straße 194, so daß die Räume sehr wohl weiter benutzt werden können. Nach Angabe der Bauleitung wird zur weiteren Sicherung der anliegenden Häuser der Bau nur in kleinen Abschnitten vor- getrieben werden, auch werden die weiteren Arbeiten mit größter Vorsicht und Sorgfalt getätigt werden. Cfe ZSjShrige Gründungsfeier der Arbeiter-Vaugenossenfchast Paradies in Bohnsdorf am letzten Sonntag war eine in jeder Weise gelungene Veranstaltung. Tagelang vorher rührten sich fleißige Hände, um das Fest vorzubereiten und der Kolonie ein würdiges Aussehen zu geben. Herrliche Eichengirlanden zogen sich an den Häusern und'über die Straße hinweg, so daß dos Ganze einen wunderbaren Eindruck auf die Besucher hinterließ. Morgens W Uhr versammelten sich die Mitglieder und deren Frauen, um in einer kurzen und wundervollen Feier den Tag«inzuleiten. Nach den zwei gut zum Vortrag gebrachten Musikstücken sang der Sängerchor:„Krönt den Tag". Äann nahm Genosse D o r n e r, der Vorsitzende der Baugenossenschast, das Wort. Erst begrüßte er die verschiedenen Vertreter des Bezirksamts, der Gewerkschaften und Krankenkassen und ging auf die Geschichte der Genossenschaft ein. Die großen Schwierigkeiten, die die Genossenschast zu über- winden hatte, können hier nicht geschildert werden. Die Ueber- windung dieser Schwierigkeiten war auch nur möglich durch die beispiellose Treue der Mitglieder, die am besten dadurch getenn- zeichnet wird, daß Genosse S ch i f s k e bereits feit Gründung der Genossenschaft ehrenamtlich in der Verwaltung tätig ist. Der Redner erwähnte die Inflation die in gewisser Beziehung ein Glück für die Genossenschaft, als Inhaber von Sachwerten war. Dorner dankte zum Schluß allen, die sich am Ausbau des Werkes beteiligt haben. Nach einigen Gesangsstücken des Gem. Ehors nahm Stadrat Genosse Ehrlich das Wort, und würdigte das Wirken der Genossen- schaft in herzlichen Worten.— Der um 14H Uhr stattfindende Festzug zeigte einen gut zur Darstellung gebrachten Aufbau eines Hauses. Auf einem Wagen war der Anfang eines Hauses dar- gestellt. Maurer hantierten mit ihrem Werkzeug und rührten fleißig den Kalk. Ein Dachst'uhl zeigte die Arbeit des Zimmer- manns. Andere Handwerker wie Klempner, Dachdecker, Tischler usw. marschierten zu Fuß, und aus einem Wagen arbeiteten Maler, Tapezierer und Töpfer. Gewissermaßen den Schluß dieses Teiles bildete der Schornsteinfeger. Die Bohnsdorfer Turner und Turnerinnen in Sportkleidung mochten einen guten Eindruck. Auf dem Festplatz hiell Stadtverordneter Genosse Gutschmidt eine Rede an die frohe Festgemeinde, die bis in die späte Nacht hinein zusammenblieb._ Sport. Karl Salöow wieSer preußenmeijler! Toaaui-Snappe siegen bei Rütt. R ü t t brachte am Sonnabend ein internationales Drei- Stunden- Mannschaftssahren, während am Sonntag auf der Olympiabahn die Preußenmeister» schaft der Steher über 100 Kilometer zum Austrag gelangte. Rütt hatte(natürlich) wieder Pech mit dem Wetter. Zuerst zur Preußenmeisterschaft. Dem Starter stellten sich: F e j a, Lewa- now, Möller, Rosellen, Saldow und S a w a l l. Vor Rennbeginn fuhren die beiden neuen Meister Sawall und Fricke im schwarzrotgoldenenMeisterschaftstrikot eine Ehren- runde. Dann schickte Karl W i t t i g seine ehemaligen Kollegen auf die Reise. Rosellen besetzte bald die Spitze, die er auch bis zur 199. Runde halten konnte. In guter Form befanden sich der Verteidiger der Meisterschaft Karl Saldow und auch Emil L e- w a n o w. Beide fuhren gestern ein großes Rennen. Sawall oermochte sich nicht durchzusetzen, während Möller und Feja Defekte zu verzeichnen hatten. Nachdem Möller, der lange hinter Rosellen die' zweite Position hielt, in der 102. Runde mit Defekt gesegnet wurde, konnte Saldow den zweiten Platz besetzen, gefolgt von Lewanow. Sawall, Feja und Möller waren inzwischen weit zurück- gefallen. In der 180. Runde drehte„Emil" gegen Saldow auf. Doch der Verteidiger war auf dem Posten und ging gegen den führenden Rosellen— zunächst ohne Erfolg— los. Die 19 0. Runde brachte einen Kampf R o I e l l e n- L e w an o w. ,..Jm.Verlaus des Kampfes verließen beide Fahrer die Rolle, und "Unter lebhafter Akklamation besetzte nun Saldow die Spitze, um sie bis zum Schluß zu behalten! Lewanow rettete sich den zweiten Platz vor Rosellen. Wohl versuchte Lewanow noch einmal. Saldow zu oerdrängen. Doch umsonst die Müh:„Karl der Große" hielt das, was er erkämpft hafte! Karl Saldow fuhr die 100 Kilometer in 1 Stunde 2S Min. 40,3 Sek. 2. Lewanow (70), 3. Rosellen(250), 4. Sawall(1550 Meter zurück). Die Ehren- runde teilten sich Saldow und Lewanow brüderlich.— Die vorher absolvierte Revanche der Fliegermeisterschaft brachte im Gesamtergebnis den Sieg Oßmellas. Das Malfahren sicherte sich Hahn._ Auf der Rütt-Arena bestritten 11 Mannschaften ein internationales Drei» Stunden-MaNnschaftsrennen. Die Bahn, die infolge Regens paß war, ließ keine großen Kämpfe zu. Nach dem dritten Spurt gab es dann auch den ersten Sturz mit Ehmer und T o- n a n i. Nach einigen Wertungen sah sich die Rennleitung veranlaßt, das Rennen zu neutralisieren. Der Regen hatte stärker«ingesetzt. Nach einer halben Stunde wurden die Kämpfe wieder aufgenommen. Bis zum elften Spurt ging alles gut. Im Verlauf des zwölften Spurts gab es jedoch einen schweren Massen st urz, den Mühlbach verursacht haben soll. Er behinderte Krollmann, der abrutschte. Mehrere Fahrer fielen über ihn, darunter auch S t o ck e l y n ck, der mit der Bahre abtransportiert werden mußte. Mühlbach ist dem BDR. zur Bestrafung angezeigt und wurde auch aus dem Rennen genommen. Dewolf(Partner Mühl- bachs) und Krüger(Partner Stockelyncks) bildeten eine neue Mann- fchrft. Nach dem sechzehnten Spurt gaben noch Nebe und Kroll aus. Seiffert-Vermeer schlössen eine neue Mannschaft.— Im Gesamt- ergebnis der 3 Stunden siegten Tonani- Knappe mit 7 0 P.(110,250 film.) vor Kroll-Mietbe(52), Dewolf-Krüger(36), Ehmer-Kroschel(31), Kühl-Wette(25), Behrendt-Longardt(18), Koch- Krollmann(15) und Van Heoel-Vermandel(10 P.). Berlin boxke gegen Hamburg 14: 4. Im Rahmen der Turn- und Sportwoch« sollte am vergangenen Freitag auf dem Polizeistadion der Städtekampf im Boxen zwischen Hamburg und Berlin zur Abwicklung gelangen, doch machte der starke Regen den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Der Kampf mußte auf Sonnabend verschoben werden, wo er dann bei recht schwachem Besuch im Kriegervereins. baus vonstaften ging. Di« Berliner waren den Gästen, bis auf die Treffen im Welter- ritrd Mittelgewicht, die allerdings die Hamburger hoch für sich entscheiden konnten, überlegen. Durchweg gab es outen Sport zu sehen, und einige Baarungen zeigten prächtige K a m p f m o m e n t e. Der Sieg Berlins mit 14: 4 war verdient. Resultate: Fliegengewicht: Fraak II(H.)— �riedländer. F. siegte nach Punkten. Ienschker überlegener Punktsieger über Fraak 1 im Bantam. Dalchow erreicht« im Federgewicht nur einen knappen Sieg übe» Selpin(H.). Kronenberger(H.) mußte m der zweiten Runde gegen Volkmar im Leichtgewicht aufgeben. Im Weltergewicht siegte Iarchow(H.) über Riemann glatt nach Punkten. Miftelgewichtler Kracht(H.) gewinnt gegen Weiß durch Ausgabe in der zweiten Runde. Im Halbschwer- und Schwergewicht siegten Panne und Nispol über Rumpf(H.) und Sobotka(H.) nach Punkten. Ringemi elksireil im Alekropol-variei6. Der Sonntag brachte guten Sport und schnelle Entscheidungen. Im Treffen Pietro Scholz- Berlin gegen P h i l l i p p- Char- lottenburg hatte ersterer die Kampffühung in den Händen. Nach 15 Minuten warf ein Schleudergriff den Charloftenburger aus dem Stand auf beide Schultern. Willing- Berlin konnte Schopp«- Hannover schon nach 5 Minuten durch Eindrücken der Brücke be- siegen. Der starke T o r w o w- Finnland legte Opitz- Thüringen nach 6 Minuten durch Hüftschwung auf die Matte. T uro ff- Rußland und Grunewald- Westfalen mußten sich nach hartem Treffen ohne Resultat, innerhalb von 25 Minuten, trennen. Sonn- abend: Ein hochwertiges Treffen, das nach 25 Minuten ohne Reful- tat blieb, lieferten T u r o f f- Rußland und Meyerhanz- Dort- muni». Der Russe, der von dem Dortmunder oft in gefährliche Situationen gebracht wurde, entzog sich diesen nur durch seine Schnelligkeit. A d a m s ch a ck- Berlin mußte durch den Kölner K o ch a n s k i seine zweite Niederlag« hinnehmen, nach 15 Minuten erlag er einem Nackenhebel. Den flinken Monbus-Berlin konnte der starke Grunewald- Westfalen erst nach 19 Minuten durch Eindrücken der Brück« besiegen. S ch o p p e- Hannover erlag unerwartet schnell dem Omelczenko- Ukraine durch plötzlichen Schleuder aus dem Stand. Segelfliegen bei Rahnsdorf.> Der Berliner Segelslugverein und der Brandenburgische Flug- sportverein veranstalteten am Sonntag im Rahmen der 5. Berliner Turn- und Sportwoche in den Püttbergen bei Rahnsdorf«in Segel- fliegen. Die mit einem Doppeldecker des Brandenburgischen Flug- sportvereins bei einer Windstärke von 4 bis 6 Sekunden- meiern ausgeführten Flüge glückten sämtlich. Der Ber- liner Segelflugverein dagegen hatte mit seinem Eindecker „Brandenburgia" Pech. Schon beim ersten Flug, der miß- lang, wurde der Apparat so stark beschädigt, daß er am Sonntag nicht mehr benutzt werden konnte. Der Flugzeugführer blieb glücklicherweise unverletzt. Den interessanten Vorführungen wohnten einige hundert Zuschauer bei. Großer Preis von Europa für Rlokorräder. FW. Nürburgring. 2. Juli. Bei anhaltendem feinen, die Fahrer sehr störendem Regen fand heute der erste Teil der Motorradrennen um den Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring statt. Der neue fjnz aus Mitteln der produktiven Erwerbslosen- ü r s o r g e erbaute Nürburgring stellt eine ganz vorzügliche Prüfungsstraße und Renn strecke dar, die kaum irgendwo ihresgleichen finden dürste. Sind noch nicht all« Arbeften beendet, so präsentiert sich doch die Strecke in tadellosem Zustand, kann aber erst dann als vollkommen bezeichnet werden, wenn die Straße mehr befahren worden ist. Wechselnde Steigungen und Gefälle, zahlreiche Kurven stellen hohe Geschick- l i ch k e i t an die Fahrer. Heute fand das Rennen der drei kleinen Klassen von 350, 250 und 175 ccm statt, zu dem der Starter 64 Fahrzeuge entließ. Schon gleich su Anfang legte der Engländer Simpson(AIS.) eine ausgezeichnetes Tempo vor und vergrößerte von Runde zu Runde seinen Vorsprung. In ganz ausgezeichneter Fahrt beendete er in 5: 08: 11,4 die 452,8 Kilo- meter lange Strecke als bester Fahrer des Tages, während sich sein Landsmann L o n g m a n als Zweiter placieren konnte. Auch in der 250-ccm-Kategorie konnte England triumphieren, denn hier belegte A s h b y(OK.-Supreme) den"ersten Platz. In der kleinsten Klasse(175 ccm) konnte DKW. wieder einen eindrucksvollen Sieg herausholen, denn die drei ersten Plätze konnten sie erringen und ließen die österreichischen Puch-Motorräder nicht aufkommen. Der 3. Juli war der Tag der großen Maschinen, die ein weit größeres Interesse hervorrufen als die kleinen Maschinen. So war auch der Publikumsbesuch ein besserer, blieb aber doch immer- hin ganz erheblich noch hinter dem Eröffnungsrennen vor 14 Tagen zurück. Im ganzen starteten heute 63 Maschinen. Es wurde gleich ein höllilches Tempo vorgelegt, das die Engländer angaben, die auch heute wieder die Favoriten waren. Sie konnten in der Klasse bis 500 ccm die vier ersten Plätze be- legen. Dagegen waren in den beiden anderen Klassen deutsche Fahrer und Maschinen siegreich. Es gab viel« Ausfäll«, und Fahrer von Rang wie Bau- h o f e r, der wie sein Stallgenosse Henne zunächst sehr aus- sichtsreich im Rennen lag, mußten ausscheiden. Das gleiche Schick- sol traf noch viele andere. Ergebkiss«: Renne« I st. Inli): Kategorie((nicht Uber 175 ccm, 14 Runden— 396,2 km: 1. Henkclmann(DAW.) 5:33:24,6. Durchschnitt 70,2 km/St. 2. Beiß-Pforzheim(DJtffl.). 3. Müller. Zschepen(DKW.).— Kategorie A(nicht übet 250 ccm, 15 Runden= 424,5 tm); 1. Ashdn-England(O. K.-Eupremc) 5:35:10,8. Durchschnitt 76 km/St. 2. Winkler. Chemnitz(DKW.). 3. Hilbel-Draz (Puch).— Kategorie B(nicht über 360 ccm, 16 Runden— 452,8 km); 1. Eimp. son-England(AIS.1 5:08:11,4. Durchschnitt 87,7 kra/8t. 2. Longman-England (AIS.) 3. Eieder. Düsseldorf(Beloeette).— Renne» IT(3. Juli): Kategorie C (nicht über 500 ccm, 18 Runden— 509,4 km: 1. Walker.Cngland(Sundeam) 5:32:46,2. Durchschnitt 91,5 km/St. 2. Woods-England(Norton). 3. Ashb>>. England(Rudge).— Kategorie v(nicht über 750 ccm, 18 Runden— 509.4 km): 1. Etelzer.Milnchen(BMW.) 5:54:46,7. Durchschnitt 86,6 km/St. 2. Köppen. Berlin.— Kategorie E(nicht über 1000 ccm, 18 Runden= 509,4 km: i. Giggen. dach(Bagerland) 5:58:36,4. Durchschnitt 85,2 km /Lt. 2. Huth.Breslau(Harley. Davidson). 3. Kürten-Düsseldorf(Andreeo). .Hundewetlrennen. Nach vielen verregneten Veranstaltungen hatten die Hundefreunde am Sonntag Glück. Am Morgen zeigte der Boxerklub im Saalbau Friedrichshain eine Schau von 45 gelben und geströmten Hunden. Der Boxertlub hat das Bestreben, gute Dien st» und Polizeihunde heranzuziehen. Von den aus» gestellten Hunden erhielten 7 die Note vorzüglich, 30 brachten es auf sehr gut, 6 auf gut und 2 Hunde wurden für befriedigend be- funden. Am Nachmittag fand auf dem Sportplatz Rudolf-Mosse- Straße«ine Schutz, und Polizeihundoorführung des Deutschen Schäserhundverhandes und ein Hunderennen statt. Bei diesen schnitten die Whippetts mit einer Zeit von 16,3 Sek. für 200 Meter fabelhaft gut ab, zumal die Hunde nicht geradeaus, son- dern kreuz und quer liefen. In den einzelnen Rennen waren Sieger Polizeihundrassen:„Wodan", 200 Meter in 18 Sek., Airedaleterrier:(Hürden)„Elektro v. Wiesenhütten", 200 Meter in 22 Sek., Dobbermänner:(Hürden)„Lord v. Aggen- stein", 200 Meter in 20,4 Sek. Weitsprungkonkurrenz: „Troll v. Schmitten". Hier erregte der Richterspruch den Unwillen des Publikums, das allgemein„Arno v. Rothenburk!" für den besseren Springer hielt. Pinscher:(Hürden)„Axel v. Holder- busch", 200 Meter in 22,1 Sek. Polizeihundrassen:(Hür- den)„Asbach v. d. Elisabethhöh", 200 Meter in 22,1 Sek. Dieses Rennen muht« wiederholt werden, da im ersten Lauf die meisten Tiere die Hürden ausließen.„Troll v. Schmitten", 200 Meter in 22,2 Sek. Deutsch« Schäferhunde:„Tasso o. Schützenhaus", 200 Meter in 22,4 Sek.„Whippetts Rex Almaska", 200 Meter in 16,3 Sek._ Rennen zu Ruhleben am Alonkag. dem 4. Juli. 1. Rennen, t. Darier(Ch. Mills), 2. Britton(Treuberz), 3. Alpenseuer (I. Mills). Toto: 15:10. Platz: 13, 13, 17: 10. Ferner liefen: Adresse, Nippsache, Modena, Satan, Auskunst, Maimorgen, Neidbammel, Zierde. 2. R e n n e n. 1. Petruschta(Ch.MtllS), 2. Kopeke(Schuller), 3. Marne (Schleuiener). Toto: lg: 10. Platz: 13, 13, 18:10. Ferner liefen: Katz- dach, Terrazzo, Erster Wolsersomer, Mirabelis I, Weinbrand, Möglich, Else 2 I, Notula, Sphinx I, Flamingo. 3. Rennen. 1. Abteilung. 1 Eulenspiegel(Schleusener), 2. O'Eap- iain Leerberg(Thomas), 3. Henny Cord(Grube). Toto: g3: 10. Platz: 30, 74, 21: 10. Fernerliefen: Esst, Steinnelke, Baron Gabler, Friedrichsdor, Pols Frisoo, Holstein, Minni Halle, Malmö, Mantua, Jram, Harfen- Mädchen. Modedame.— 2. Abteiung. 1. Diana Magowan(Schulz), 2. Osiris(I. Mills), 3. Erster Seehofer(Zknöpnadel jun.). Toto: 15»: 10. Platz: 58. 22, 21: 10. Ferner liefen: Niederländer, Kartenfpieler, MonostatoS, Madonna, Propeller, Campanula, Chrhfolith, Einsicht, Crifpa, Cilento, Schwarzwaldmädel. 4. R e n n e n. 1. Karneval(I. Mills), 2. True Fox(Jauh jun), 3. Fels(Ch. Mills). Toto: 23: 10. Platz: 13, 13: 10. gerner lief: Templier. 5. R e n n e n. 1. NataliS(Brandt), 2. Lindowlind(Grigat), S. Paula Bingen(Höhne). Toto: 43:10. Platz: 21,32, 231:10. Ferner liefen: Frettchen, Pechfackel, Natter, Dante, Erifa, Kerrigan jun., Invasion, Heroftrat, Interessent, Prinzetz Fortuna, Blaue Adria, Manzanare», Baron Tregantle. ».Rennen. 1. Clementine(Bahr), 2. Beate(Treuherz), 3. Quintessenz (Lemzer). Toto: 27: 10. Platz: t». 17, 82: 10. Ferner liefen: Baron Meum, Anker I, Heliogabal, Glücksvogel, Long Albert, Ostgrenze, Cillh Dillon, Meistersänger, Tasso, Lord Polo, Fritz Palmetto, Friedegard, Deutscher, Kroschel, Weitkamp, Mistral, Doorn. 7. R e n n e n. 1. Vikar(Frömming), 2. Charade(I. MillS), 3. Turiddu (Lautenberger). Toto: 503: 10. Platz: 112, 28, 17: 10. Ferner liefen: Radiola, Karo Bube, Goudster jun., Potsdam, Struwelpeter, König Robert, Brilon Prinz, Regenbogen, Divisionär. Cosimo, Kürassier, Rotkäppchen. 8. Rennen:+1. Jeanette(Ch. MillS), ßl. Fregoli(Raymer), 3. Ouisi quasi(Lemzer). Toto: 37: 10. Platz: IS, 14, 56:10. Ferner liefen: Johanniskäfer, Königsadler, Lockung, Denkmünze, Aline Harris, Altmark, Kluck. parteinachrichten ifSro für Groß-Serlw kinsenduugen für diese Rndrlk sind iSL J§ stet» an dn» Bezirkilekretariat, Berlin SW 68. Llndenftratz« 3, 2- H»k-* Trep. recht». ,U richte». 2. Krei» Tiergarten. Pflichtaufruf an alle Mitgliederl Mittwoch, 6. Juli. im Moablter Gesellschaftsbaus, Wlelefftr. 23/24, Protestkundgebung gegen die geplanten Rechtsblockzölle, gegen die volksfeindliche Wucherpolitik der Bürgerblockregierung. Referentin Toni Sender, M. d. R.— Genossinnen und Genossen! Besucht und unterstützt diese Bersammlung.— Für die Charlottenburger Mitglieder kommt der Besuch des Moabiter Gesellschafts» Hauses ebenfalls in Frage. 3. Kreis Wedding. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich restlos an der Protestkundgebung am Mittwoch, 6. Juli UVt Uhr, in den Germaniasälen, Chausseestr. 110. 4. Krei« Prenzlauer Berg. Di« Bezirksführer rechnen die Karten vom Sommerfest am Dienstag oder Mittwoch bei ihrem Abteilungskassterer ad. Später werden keine Karten mehr zurückgenommen.— Die Abteilung». kassieret rechnen spätestens am Freitag, 8. Juli, bei Krüger, Prenzlauer Allee 144, ab. 17. Kre!» Lichtenberg. Ordner zum Sommerfest und Bildung sausschutz: Eitzimg am Donnerstag, 7. Juli, 19 Uhr, in der Bibliothek, Weichselstt. 28. Jede Abteilung mutz vertreten sein. heute, Dienstag. S. Juli: 21. Abt. Die Protestkundgebung des Arbeiter-Eängerbunde« findet 19 Uhr im Schillerpark statt. Di« Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich restlos daran zu beteiligen. Morgen, Mittwoch, ö. Juni: 24. Abt. Igzh Uhr bei Winzer, Winsstr. 46, Versammlung. Vortrag:„Pro. • bleme der inneren Politik." Referent Adolf Wuschick. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, recht zahlreich ,n erscheinen. 34. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich an der Protestkundgebung in de» Comeniussälen, Memeler Str. 67. 35. Abt. Alle Genossinnen und Genossen besuchen die Protestkundgebung gegen den Zollwucher in den Comeniussälen, Memeler Str. 67. 58. Abt. Charlottenbnrg. 19)4 Uhr im Rankehaus, Rankestr. 4, vorn 4 Tr� wichtige Funktionärsitzuug. 82. Abt. Steglitz. 29 Uhr im Lokal Selitz, Bismarckstt. 69, Funttio närsitzung. 84. Abt. Lankwttz. Die Funttionärsitzung fällt in diesem Monat aus. Mit» gliederversammlung am Mittwoch, 13. Juli. 104. Abt. Riederschineweide. Igsh Uhr im Lokal Thiele, Berliner Str. 38, Sitzung sämtlicher Funktionäre. Jungsozialisten, heule. Dienstag, 5. Juli: Gruppe Tempelhof. Mariendorf. Igzh Uhr im Jugendheim, Germania. stratze 4/5, Bericht vom Kieler Parteitag.— Gruppe Lichtenberg. 19)4 Uhr im Jugendheim, Parkaue 7/10, Einführung in die Wirtschaftsgeschichte.— Gruppe Wilmersdorf. 19 Vi Uhr im Jugendheim, Hildegardstr. 4, Vortrag: Internationaler Sozialismus." Sterbetafel üer Groß-öerliner partei-Grganifation 47. Abt. Unser« Genossin Emmi Ewpperich, Mariannenplatz 13, ist am 30. Juni im 28. Lebensiahre verstorben.— Wir werden ihr ein ehrendes An. denken bewahren. Beerdigung heute Dienstag, 5. Juli, 16 Uhr, von der Ka- pelle des Emmaus.Friedhofs, Neukölln, Hermannfir. 129/137. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung._ Vorträge, vereine und Versammlungen. # Reichsbanner.SchwarzRotGold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, E-b-stianstr. 87/38, Hof 2 Tr. Kreuzberg: Di., d. 5., 20 Uhr, Abt. 5, Versammlung bei Gründl», Zimmerstr. 39. Abt. 6 bei Mendler, Dieffenbachstr. 54. Mi., d. 6., 20 Uhr, Abt. 9, bei Krepp, Planufer 75.— Wedding: Mi., d. 6., 19 Uhr, An- treten in den Germaniasälen zum Saalschutz. Sommerfest der Studenten. Die Studentenschaft der Berliner Universität veranstaltet am 9. Juli in den Festräumen der Staatsoper, am Platz der Repu> blik, ein Sommersemester-Fest der Universität. Die Vorbereitungcn, die da» ausführende Amt für Leibesübungen trifft, versprechen ein gelungenes Fest. Eintrittskarten sind an den Theaterkassen von Wertheim und täglich von 9 bi» 13 Uhr im Zimmer 55 der Universität zu haben. Gesellchaftrsahrt de» Oesterrrich-Deutscheu«»a»b»»d«, nach Znnsbrwck beginnt am 8. Juli, um 16,30 Uhr. Fahrpreis 24,50 RM. Anmeldungen«n da» Bureau: Kronprinzenufer 19. Msnsfelder Aeimatvereiu(Gebirgs» und Seekreis). Dienstag, 5. Zuli, 8 Uhr, Schultheitz-Patzenhofer-Brauerei, Chausseestr. 64. Biochemische««erei».Grotz Berl!»". Am 8. Juli: Marleudorf, Chaussee. stratze 283. Am 11. Zuli: Steglitz, Albrechtshof, Albrechtsir. 1»! Köpeniil, Restaurant Stadttheater,„Freiheit": Luisenstadt, Prachtsäle Süd-Ost, Walde. marstr. 75; Mahlsdorf, Restaurant Schliefe, Hönower Str. 183. Am 12. Juli: Weitzensee, Gesellschaftsbaus(Albrechtshof), Parkstratze: Pankow, Konzerthaus Pankow, Breite Str. 34: Friedrichshain(Hauptversammlung), Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. Am 13. Juli: Hennigsdorf, Restaurant Heinrich und Sohn, Hauptstt. 6; Lichtenberg, Prachtsäle des Ostens, Frank. furter Allee 48: Velten, Tübbeckes ffesisäle. Breite Stratze: Virchow, Pharus. fäle, Müllerstr. 142. Am 14. Juli: Tiergarten, Wernickes Festsäle, Potsdamer Stratze 39/390, 2. Hof, part. Am 15. Zuli: Tempelhof, Restaurant Zum Kur. Arsten, Berliner Stratze/ Reuköll», Restaurant Bergschlotzhöhe, Karlsgarten. stratze 6/11. Orchestervereia Tose». Uebungsabend: Heute Dienstag, 5. Juli, VH21 Uhr, Lokal: Kopenhagener Str. 26. laagtellow English vebstlnx Club, Bülowstr. 104. Mittwoch, 8 Uhr abend», Professor Wendland:„General Oedate on„The Inkluenee ok Environment". Der große Sonntag in Prag. Die Arbeitersportler beim Staatspräsidenten. Prag 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Ein Borgang, der im Festungswälle die Arbeitercoms ihr Lager aufgeschlagen 1500 solcher fleinen Pfadfinder sind eingetroffen, hauptsächlich aus Desterreich, besten Sinne bezeichnend für die Berhältnisse in einer wirklich fleinen Pfadfinder find eingetroffen, hauptsächlich aus Desterreich, demokratischen Republif ist, spielte sich gestern aus Anlaß der InterLettland und aus der Gegend von Aussig. Das Stadion, das ein nationalen Arbeiterolympiade in Prag ab. Der Staatspräfi. fast regelmäßiges Biered darstellt, ist bis auf den letzten Plaz dent Masaryk hatte zu gestern nachmittag die Bertreter gefüllt. Fahnenschmuck überall. Hier ist auch die schwarzrotgoldene Fahne vertreten! Im Hintergrund erheben der Arbeitersportverbände des In- und Auslandes, fich, fonstruttiv dargestellt, die Symbole der Arbeit. Die Fabrik. sowie die Pressevertreter zu einem Tee in die prächtigen Part- chlote, die Hochöfen, die Eisenbrücken, alle jene Stätten, die diese anlagen des Schloffes auf dem Hradschin geladen. Es waren über Menschen während des Tages in ihrem Bann halten. Das Wetter 300 Personen erschienen, darunter die Generalität, die Minister und ist günstig. Plöglich Musit. Ein Ruck geht durch die Menge. das diplomatische Korps. Präsident Masaryt trug die Ueber die Präsidentenloge geht die Fahne des Präsidenten hoch. rote Schleife der Internationalen Arbeiter Masaryk ist erschienen. Alles erhebt sich von den Blägen. Der greife Mann dort oben mit dem feinen Haupt des Gelehrten olympiade. Er bewegte sich zwanglos unter seinen Gästen und neigt sich ganz ohne Bose und lüftet den Hut. Jetzt beginnt der ließ sich eine ganze Reihe Personen, darunter den Vertreter des Einmarsch der Nationen, eingeleitet durch die nationalen ,, Vorwärts", Genossen Karstädt, vorstellen. Es ist bei dieser Ge- Fanfaren aus„ Libussa" von Smetana. Dann erflingt die Interlegenheit zu erwähnen, daß Präsident Masaryk der großen Eröffnung nationale und wiederholt sich solange, bis die Gruppen ihren Marsch der Olympiade am Sonntag bis zum Schluß beiwohnte. Man bente vollendet haben. Nun strömen aus drei Portalen im Hintergrund sich dieses Verhalten des Staatsoberhauptes auf Deutschland über die tschechischen Turnerinnen in das Forum. Man tennt sie noch tragen. von Frankfurt her mit ihren roten Kopftüchern, den weißen Blusen und blauen Hosen. Dieses Feld der 3500 entzückt das Auge stets von neuem. Es arbeitet mit einer Erattheit und einem Gleichtlang der Bewegung, die wahrhaft bewundernswert erscheinen. Die Freiübungen entwickeln, steigern sich zur schwierigsten Höhe, flingen wieder ab. Dann tommen träftige lebungen der Wiener Schüler und lebungen des zweiten Aufrufs der Männer mit Hämmern. Schließlich Freiübungen der Ausländer, bei denen die Deutschen viel Beifall finden. Die Belgier zeigten schwedische Gymnastit und Turnen in einer Form, die über das gewohnte Maß weit hinausgeht. Zum Abschluß des Sonntags, den das Wetter in gleichmäßiger Schöne erhielt, gab es ein Festspiel " Durch Arbeit zur Freiheit", eine symbolische Szenenreihe von den Unterdrüdern, den Unterdrückten und ihrem Aufbegehren. In eine treffliche Form gegossen und nur pantomimisch, mit Aus nahme eines einzigen Aufschreis der gequälten Masse, glänzend dargestellt. Der Aufmarsch der Nationen. F. Kt. Prag, 4. Jufi.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Brücke der Moldau, dann in Serpentinen über den Hradschin, so daß die Burg links liegen bleibt, richtige alte Landschaft, dann weiter bergauf dem Petersberg zu, auf beiden Seiten fleine Mietfasernen, zwischen grünen Wiesen und Feldern und noch einmal zum letztenmal bergan, dann öffnet sich das Portal des Stadions, ein schmucker Bau in Holzarchitektur, fenntlich durch hohe, mit Wiesengras belegte Aufschüttungen, die es wallartig auf allen Seiten umgeben. Die Massen, die sich den Weg durch die anderen bahnen, die die Eingänge bejezt halten, führen. Eine Budenstadt grenzt an die Zufahrtstraße. Hier herrscht ein Leben wie auf einem Jahrmarkt. Ein Stück weiter, aber so, daß sie von dem Treiben nicht berührt werden, haben sich am Fuß der alten Arbeiterregatta in Grünau. In letter. Stunde erhielt die Regattaleitung die Nachricht, daß die russischen Ruderer nicht an der Regatta teilnehmen können. Man hatte den Start der Russen mit Spannung erwartet und war über diese unerwartete Absage enttäuscht. Dem allgemeinen Interesse an der Regatta tat das aber feinen Abbruch, denn die gute Besegung der einzelnen Rennen ließ interessante und spannende Kämpfe erwarten. Trotz des ungünstigen Wetters hatten sich vor Beginn der Hauptkämpfe zahlreiche Zuschauer eingefunden, deren Bahl ständig wuchs. Als mit dem Beginn der Hauptkämpfe auch die Sonne am Start erschien, waren die Tribünen gefüllt. Den Auftakt zu den Haupttennen bildeten die Stilruderwettbewerbe für Frauen und Jugendliche. Bei den Frauen tonnte man teilweise sehr gute Leistungen beobachten. Im Stilrudern der Jugendlichen erreichte das erste Boot vom Vorwärts- Berlin die Höchzahl der 68 Punkte. Den Doppelzweier ohne Steuermann ließen sich die Ruderfreunde nicht nehmen, obwohl sie sehr schlecht vom Start megfamen. Mit 6 Booten hatte der Riemenpierer für Junioren eine starte Besezung erfahren. Bei 1000 meter führt Vorwärts- Berlin mit halber Länge vor Sagonia- Wurzen und fiegt nach hartem Endtampf. Im Doppelvierer für Junioren war der Pichelsdorfer Rudergesellschaft der Sieg nicht zu nehmen; mit ungezählten Längen ging er vor Borwärts- Berlin durchs Ziel. Bei 1500 Meter hat Borwärts- Berlin im Leichten Vierer flare Führung. Burzen folgt dicht auf, dahinter Freiheit. Die Freien Kamufahrer Berlin fonnten den Doppeltajat für Junioren Klasse IVa sicher für sich buchen. Das intereffanteste Rennen des Tages war der Achter für Junioren. Troz anfänglichem Mißgeschick geht Freiheit in Führung und gewinnt sicher vor Leipzig, Wurzen und Collegia. Gute Technik wurde im Riemenpierer für Senioren gezeigt. Der Junioren zweier mit Steuermann wurde nach abwechslungsreichem Kampf von der Pichelsberger Rudergesellschaft vor Vorwärts- Berlin und Freiheit gewonnen. Jm Doppel tajat für Senioren Klasse Va war den Schweiffternen das Rennen nicht zu nehmen. Zum Senioreiner stellten sich dem Starter 5 Boote. Drößler vom Vorwärts- Berlin nimmt vom Start weg die Führung, die ihm nicht streitig gemacht werden kann. Der Achter für Senioren jah die Berliner Vereine in Front. In guter Haltung ging Borwärts vor Collegia durchs Ziel. Resultate: Frauenstilrubern( höchftzahl ber zu erreichenden Buntte 68): 1. RB. Collegia, 66% Punkte. Jugendstilrubern: 1. RV. Borwärts- Berlin ( 1. Boot), 68 Punkte. Erstlingsvierer: 1. Borwärts- Leipzig 9: 43,1. Doppel zweier ohne Steuermann: 1. Ruderfreunde 10:21.. Doppeltajat für Anfänger: 1. Freie Schwimmer Charlottenburg 7: 01,4. Riemenvierer für Junioren: 1. RV. Borwärts- Berlin 9: 54,1. Soppelvierer für Junioren: 1. Bichelsberger Ruder- Gesellschaft 9: 08,3. Doppeltajat für Junioren, Rl. 5a: 1. Freie Ranufahrer Berlin 6:15. Beichter Bierer: 1. RB. Borwärts- Berlin 9: 55,3. Doppeltajat für Junioren, RI. 2a: 1. Freie Schwimmer Charlottenburg. Anfängervierer: 1. Freie Wafferfport- Bereinigung Fürstenwalde 9:49. Doppel. tajat für Junioren, RI. 4a: 1. Freie Ranufahrer- Berlin. Achter für Junioren: 1. RB, Freiheit 8: 41,3.-Riemenvierer für Senioren: 1. RB. Borwärts Berlin 9: 27.3. Doppelzweier für Junioren mit Stenermann: 1. Bichelsberger Ruder- Gesellschaft 10: 56,2. Doppeltajat für Senioren, RI. 5a: 1. Freie Ranu vereinigung Schweiffterne 6:12. Einer für Ruberer: 1. RB. Borwärts- Berlin 12: 03,2. Achter für Senioren: 1. RB. Borwärts- Berlin 8:21. Das Fußballturnier in Stralau. Stralau brachte guten Sport. Das erste Spiel Amateure gegen Eintracht 25 fah diese mit 1: 2 als Gieger. Bis zur Baufe führten die Eintrachtler mit 1: 0. Jn ber zweiten Spielhälfte tamen bann die Amateure mehr und mehr auf, ohne jedoch die Hintermannschaft der Neuköllner bezwingen zu können. Erst furz vor Schluß, nachdem Eintracht einen Elfmeter verwandelt und bie Amateure einen folchen verschoffen hatten, tonnten die Nordleute ihr Ehrentor er zielen. Recht interessant verlief das zweite Spiel, Treptower Ballspiel- Club gegen Zehlendorfer Ballspiel- Club. Behlendorf, mit neun Mann fpielend, vermochte den Rampf bis 20 Minuten vor Schluß vollkommen offenzuhalten. Ja, teilweise waren sie den Treptowern fogat überlegen. Hauptsächlich bie erste Sälfte fah die Zehlendorfer oft in gefährlicher Lage des Treptower Tores. Zwei erzielte Tore fonnten wegen Abseits nicht gegeben werden. Nach der Paufe errang Treptow das erste Tor. Als dann 20 Minuten vor Schluß Behlendorf nachließ, war der Sieg Treptows nicht mehr in Frage ge ftellt. Noch zwei Tore besiegelten ihn. Sehr aufregend verlief das dritte Treffen im Turnier. Berlin XII und Lichtenberg I waren bie Gegner. Die Lichtenberger sahen sich gezwungen, einige Erfagleute einzustellen, die auch die reguläre Spielzeit vollkommen burchzustehen vermochten. Erft als eine Spiel verlängerung eintreten mußte, hielten sie das Tempo nicht mehr durch. Beim Stande von 4: 4 nach der regulären Spielzeit mußte verlängert werden. Schon nach 5 Minuten faß ber Ball zum fünftenmal im Tor der Lichtenberger. Noch viermal mußte der Torwart den Ball zur Mitte geben. Mit 9: 4 blieben die Stegliger überlegene Sieger. Handballturnier in Ludenwalde. Da Ertner durch die Beifegung des ermordeten Genossen Tiehe nicht erscheinen tonnte, machten sich einige Umstellungen nötig. Erft fanden zwei Jugend und ein Frauenspiel statt. Fichte 20B- Röpenid I 1: 1( 0: 1). Ein flottes und verteiltes Spiel. Beide Mannschaften ließen sich durch den Regen nicht abhalten. Röpenid II gegen Luckenwalde I 1: 3. In ber 15. Minute fonnte Suderwalde in Führung gehen, was aber Röpenid fofort nach wieder. anwurf gleichhog. In der zweiten Salbzeit wurde Luckenwalde ilberlegen und fonnte noch zweimal einsenden. Beide Mannschaften spielten fehr unruhig. Luckenwalbe Frauen gegen Lichtenberg I 0: 2( 0: 0). Lichtenberg trat nur mit neun Spielerinnen an, war aber trobem überlegen. In der ersten Halb zeit fonnte Lichenberg, trogbem fie fich fast ständig vor dem Luckenwalder Tor aufhielten, nichts holen, denn die vielen Einzelgänge und die gute Torhüterin verhinderten jeden Erfolg. Luckenwalde zeigte einige Durchbrüche, hervor. gerufen durch die gute Mittelläuferin, aber der Sturm verdarb hier eben. falls burch Einzelgänge oder Abfeits alles. Der Regen hatte den Lehmboden fehr aufgeweicht, so daß bie Spielerinnen teinen Halt hatten. Dadurch konnten auch die Lichtenberger ihre zwei Tore holen. Es folgten fegt die Männerfpiele. Budenwalde 2 trat für Ertner gegen Bichtenberg 1 I an und spielte auf bemfelben Blah, auf den die Frauen gespielt hatten. Der Boden wurde bunch das Spielen immer weicher. Dadurch erklärt sich auch bas hohe Resultat von 2: 8( 0: 4). Gleich mit dem Anwurf tommt Lichtenberg durch und tann zum ersten Tor einsenden. Es fegte jegt ein Mittelfeldspiel ein, wobei sichten berg leicht überlegen wurde. Der Luckenwalder Sturm war im Torschießen unentschlossen. Röpenid gegen Spandau 6: 0( 3: 0). Spandau hatte zehn Mann, alles in allem drei Mannschaften herausgebracht und war darum der geschlossen auftretenden Röpenicker Mannschaft nicht gewachsen. Wenn auch beide Mannschaften etwas hart spielten, so wurde doch gute Technit gezeigt. Die 1. Männermannschaft von Luckenwalde mußte von Fichte 20B eine Nieder Tage von 2: 1( 1: 1) hinnehmen. Trogdem Ludenwalde vollständig überlegen war, fanden fie aber doch nicht das Tor, auch fehlte das Zusammenspiel. 20B fandte zuerst in der 8. Minute ein, während Budenwalde 3 Minuten por Halbzeit ausgleichen konnte. Fichte 20B zeigte felten gute Technit, wurde aber oft hart. Luckenwaldes Halblinker verdarb viele gute Durchbrüche durch Abseits. Nach einem guten Nachtquartier in der eigenen Turnhalle vergnügten fich am Sonntag die Mannschaften mit einer frohen Wanderfahrt. Sparta- Zwölftampf. Nachdem am Sonntag Vormittag das Wetter nicht sehr einladend war, hatten sich am Nachmittag, als pünktlich um 3 Uhr der erste Startschuß fiel, zirka 1000 Zuschauer eingefunden. 150 Sportler von Fichte Süd- Ost, Fichte West, Schönow und Sparta fämpften hart um den ersten Rang, wobei Fichte Süd- Ost mit beiden Männermannschaften siegreich hervorging. Jm JugendSiebenkampf gewann Sparta ebenfalls mit den beiden Mann schaften vor Fichte West. Nach dem Zwölftamps starteten die Geher zu einem 7500- Meter- Borgabe- Gehen, mobei Blankenburg ( Moabit) in der guten Zeit von 43: 01,7 mit 4 Min. Vorgabe vor Possier( Bernau) gewann. Im Gesamtklassement siegte Sparta mit 79 Punkten vor Fichte Süd- Ost mit 92 Punkten. 1 1 Resultate. Manner: 100- Meter- 2auf A: 1. Breufchof( Sparta) 11,8; 2. Erdmann( Südost) 11,9. 100- Meter- Lauf B: 1. Sartung( Sparta) 12,1; 2. Nehrlich( Güboft) 12,2. 400- Meter- Lauf A: 1. Pohl( Güboft) 54,7; 2. Ja negti( Sparta) 55,5. 400- Meter- Lauf B: 1. Hartung( Sparta) 56,9; 2. Bieper ( Gibost) 58,5. 3000- Meter- Lauf: 1. Lawerenz( Schönow) 9: 46,6; 2. 8ager( West) 10: 13,8. 110- Meter- Hürdenlauf A: 1. Rummler( Sparta) 19,1; 2. Geißler ( West) 20,5. 110- Meter- Hürdenlauf B: 1. Philipp( Schönow) 20,7; 2. 9eu mann( Gilboft) 23,2.4X100 Meter, 1. Mannschaft: 1. Südost 47,3; 2. Schönom 48,2. 4X100- Meter, 2. Mannschaft: 1. Güdost 48, 2. Sparta 48,4. 10mal 1 Runbe( 198 Meter): 1. Gibost 4: 08,8; 2. Sparta 4: 15,2. Rugelstoßen: 1. Wehn( Sparta) 10,87 Meter; 2. Starta( Sparta) 10,11 Meter. Speet werfen: 1. Rottwig( Südost) 40,82 meter; 2. Philipp( Schönow) 36,81 Meter. Distuswerfen: 1. Starta( Sparta) 32,33 eter; 2. Kottwig( Güboft) 28,14 Meter. Weitsprung: 1. Teller( West) 5,91 Meter; 2. Mächler( Schönow) 5,79 Meter. Sochsprung: 1. Abam( Sparta) 1,60 Meter; 2. Nehrlich( Gülboft) 1,60 Meter. Stabhochsprung: 1. Trebuth( Gülboft) 3,30 Meter; 2. Mächler( Schönow) 2,90 Meter. Jugend. 100- Meter- Lauf A: 1. Gilgan( West) 12,2; 2. Natufc ( Sparta) 12,2. 100- Meter- Banf B: 1. Wieste( Sparta) 12,3; 2. Gevering( Weft) 13,3. 1000- Meter- Lauf: 1. Rurth( Schönow) 2: 54,7; 2. Jung( West) 2:56. Schwebenstafette, Lauf A: 1. Sparta 2: 15,8; 2. Fichte- Weft 2: 16,3 Schweden stafette, Lauf B: 1. Giboft 2: 24,8; 2. Fichte Weft 2: 26,4. Hochsprung: 1. Rösler ( Sparta), Lenz( Sparta) 1,55 Meter; 2. Frühauf( Schönow) 1,49 meter. Weitsprung: 1. Kurth( Schönom) 5,60 Meter; 2. Lenz( Sparta) 5,47 Meter. Angelitoßen: 1. Nittfar( Fichte- West) 11,03 Meter; 2. Natusch( Sparta) 11 Meter. Speerwerfen: 1. Biel( West) 49,28 Meter; 2. Wieste( Sparta) 38,48 Meter. 7500- Meter- Borgabegehen, Männer: 1. Blantenburg( Moabit) 43: 01,7, Bor gabe Min; 2. Boffier( Bernau) 48: 41,6, Borgabe 1 Min. Mannschafts fampt, 1. Mannschaften( Männer): 1. Fichte- Guboft 24 B.; 2. Sparta, 27 B. 2. Mannschaften( Männer): 1. Fichte- Südost 23% V.; 2. Sparta 26 3. 1. Mannschaften( Jugend): 1. Sparta 14 B.; 2. Fichte- Weft 14% B. 2. Mannschaften( Jugend): 1. Sparta 12 B.; 2. Fichte- Weft 15% P. Alle vier Mannfchaften: 1. Sparta 79 B.; 2. Fichte- Südost 92 B. 1 Um die Bundesmeisterschaft im Raffball. 1 Das Vorrundenspiel vereinigte auf dem Leipziger Bf.- Stadion Leipzig- Schleußig und den oftdeutschen Meister, Berlin- Fichte 13. Der start aufgeweichte Boben stellte an bie Spieler hohe törperliche Anforderungen. Der mitteldeutsche Meister zeigte auch, daß er zu kämpfen versteht. Der Sieg wurde ihm jedoch durch den guten Torwart, welcher glänzenbe Abwehrmomente zeigte, etwas schwer gemacht. Im Spielverlauf zeigten beide Mannschaften während der ersten Halbzeit ein gutes Mittelfeldspiel, bei dem man immer Schleußig im Angriff fah. Shre energisch durchgeführten Durchbrüche brachten ihnen auch drei Erfolge. In der zweiten Salbzeit tam erft bie Ueberlegenheit Schleußigs richtig zur Geltung. Auch Fichte 13 ist eifrig bemüht, das Ehrentor zu erzielen, doch fcheiterten alle Angriffe an ber präzis arbeitenden Hintermannfchaft von Leipzig. Der Sturm fowie Läuferreihe von Fichte versagten voll ständig. Sie zeigten tein Stellungsspiel und wurden durch zu langes Bufpiel germürbt, so daß fie fich völlig erschöpften. Aber trotzdem ließen fie fich bie ihnen bietende Gelegenheit, einen Durchbruch zu unternehmen, nicht aus der Hand gehen, was aber nichts mehr retten konnte. Die beffere Mannschaft siegte verdient. Noch keine Entscheidung in der Meisterschaft. Brogrammäßig verlief das Spiel um die Berliner Fußballmeisterschaft. Bantow 08 gewann gegen Neukölln mit 5: 4. Sart auf hart wurde bis zur legten Minute um ben Sieg gekämpft. Bis zur Bause waren die Bantower bie technisch befferen, um dann aber besto mehr abaufallen. Mit dem Halbzeitpfiff aufammen vermochten die Neuköllner thr erftes Tor zu erringen, nachdem Pankow schon mit 2: 0 in Führung lag. In der zweiten Halbzeit änderte fich das Bild gewaltig. Schon nach 20 Minuten Spielzeit liegt Reufölln mit 4: 2 vorn. Immer fchärfer wird das Spiel. Erft mit der Heraus ftellung eines Spielers von Neukölln ließ die Mannschaft nach. Glaubte doch niemand mehr an ein Aufholen der Pantower. Aber immer wieder versuchen nun die Bankower Stürmer den Ball nach vorn zu bringen. Durch falfches Stellungsspiel der Neuköllner Verteidigung gelingt es ihnen, auch innerhalb 5 Minuten bret Tore aufzuholen. Damit war ber Sieg Bantows entschieben. Aber noch nicht die Meisterschaft. Die Runde geht also noch einmal von Dorn los. 2. Turnerinnentreffen in Werder. Der Bundesverein in Berber a. b.$. feiert am 16./17. Juli fein 50jähriges Beftehen. Diefes feltene Jubiläum foll durch ein größeres Propagandafeft füte die Arbeitersportbewegung begangen werden. Aus diesem Grunde haben wir für denselben Tag das 2. Turnerinnentreffen nach Werber festgelegt, Wir fordern die Vereine auf, insbesondere aber die Frauen und Mädchen, recht zahl reich zu erscheinen. Neben dem Sportplatz ist Schwimmgelegenheit und ein herrlicher Badestrand. Die Umgegend eignet sich für Wanderfahrten, z. B. Potsdam- Wildpark- Werder. Ausschreibung zu den Wettkämpfen: Frauen: Bereins-( Mannschaftskampf) Achtkampf für größere Bereine und Abteilungen. Jede Mannschaft besteht aus je einer Turnerin am Red, Barren, Pferd, für Beitspringen, Rugelftoßen, 100 Meter, Freiübung und eine 10X100- meter- Stafette. An den Geräten werden nur Rülrübungen geturnt, Freibung wird aus den Areisfeftübungen ausgeloft. Bereins-( Mannschafts-) Fünftampf für eine Vereine und Abteilungen. Eine Red oder Barrenturnerin( Rürübung), je eine für 100 Meter, Kugelstoßen, Weitsprung und eine 4X100- Meter- Stafette. Einzeltämpfe: Speerwerfen, Hochsprung, Kleine Schwedenstafette( 200, 150, 100, 50 Meter). Männer: Vereinszehntampf( für größere Bereine und Abteilungen): Am Red, Barren, Pferd je eine Rürübung, Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Distuswerfen, 100 Meter, 1000 Meter, 10x100- Meter- Stafette( 10 Teilnehmer). Bereinsfünftampf( für fleine Vereine): Am Red und Barren je eine Rürübung, Rugelstoßen, BeitSprung, 4X100- meter- Stafette( 4 Teilnehmer). Außerdem Olympische Stafette ( 800, 200, 200, 400 Meter). Einzeltämpfe: 1500 Meter, Speerwerfen. Jugend: Bereinszehn und fünffampf: Dieselben Geräte und Bedingungen wie für 1000 Meter, Speerwerfen. Melbungen bis 8. Juli an M. 8eilinger. FestMänner. Außerdem Schwedenstafette( 400, 300, 200, 100 Meter). Einzeltämpfe: beitrag 50 Bf. Startgeld wird nicht erhoben. Der Arbeiterfängerbund in der Westfalenhalle. Am 2. und 3. Juli fand in der Westfalenhalle zu Dork mund das diesjährige Gaufest des Arbeiterjängerbundes, Gau weftliches Westfalen, statt. Das Fest begann am Sonnabend abend mit einer großzügigen Beethoven Feier, in der die prominenten Chöre des Gaues die Chöre Meeresftille", Glüdliche Fahrt" und„ Chorfantasie" als Auftakt zu einer hinreißenden Aufführung der IX. Sinfonie zum Vortrag brachten. Der großartige Schlußfaz der berühmten Sinfonie wurde allen Anwesenden zum unvergeßlichen Erlebnis. Darüber hinaus war diese Aufführung ein Beweis für den ungeheuren fünstlerischen Ernst, der trotz aller wirtschaftlichen Bebrudung in der Arbeiterschaft des Westens wohnt. Der Sonntag stand im Zeichen eines Massenhortonzertes, an dem alle Chöre des Gaues fich beteiligten. Wohl 15 000 Menschen füllten die riesige Westfalenhalle, um erwartungsvoll den von annähern 4000 Sängern dargebotenen Liedern zu lauschen. Gut gesetzte Bolts- und Kampflieder füllten in bunter Folge den riesigen Raum mit ihren begeisternden Klängen. Das wogte und brauste, steigerte fich zu gewaltigen Attorden, um dann wieder zart und weich zu verebben, Ruhe beherrschte den Raum, wenn sich das begeisternde Tönen zorniger Rampfgefänge erhob. Nie zuvor fah die Westfalenhalle ein solches Aufgebot gutgeschulter und begeisterter Sänger. Und auch dies ist ein herrlicher Erfolg der Arbeiterbewegung des Westens: noch im Jahre 1911 wagte es faum ein Wirt, sein Lokal für eine Veranstaltung des DAS. herzugeben, heute steht den Arbeiterfängern der größte Saal Deutschlands zur Verfügung, und sie vermögen den riesigen Raum nicht nur zu füllen mit ihren Stimmen, sondern auch mit zahllosen Freunden proletarischer Sangesfunft. Das bis in Einzelheiten gut gelungene Fest, dessen Darbietungen auch durch Rundfunk über die Sender Langenberg, Kasse! und Frankfurt, allerdings mur zum Teil, verbreitet wurden, hat auf alle Teilnehmer einen tiefen Eindruck gemacht und wird gewiß dazu beitragen, daß nicht nur die Arbeiterfänger neue Freunde und Mitglieder gewinnen, sondern daß das gesamte im Rampf stehende Ruhrproletariat neue Sturmtruppen für seinen Kampf um eine neue Kultur bekommt, für deren Kommen Veranstaltungen wie diese starte Verheißungen find. Das erste internationale Tennistournier. Die von der Arbeiter- Tennisvereinigung Berlin angefehten Spiele finden vom 5. bis zum 9. Jult auf den verschiedenen städtischen Blägen statt. Am 10. Jult ist der große Länderwetttampf im Stadion Lichtenberg, der besonders interessante Spiele mit fich bringen wird, da zur Teilnahme Abteilungen aus Lettlanb, Rußland, Desterreich und Frant reich gemelbet find. Von den Berliner Tennissportlern werden diese Rämpfe insbesondere von ben spielstärksten Abteilungen im Westen und von Tennis- Rot ( Freie Turnerschaft) bestritten werden müssen. Außerdem find Berliner Spieler gemeldet aus Lichtenberg und Neukölln. Am Mittwoch, 6. Juli, 20 Uhr, findet im Saalbau Friedrichshain die Begrüßungsfeier mit tünstlerischem und sportOrchester, Fichte- Sportrevue usw. Eintrittspreise 50 Bf., für Erwerbslose und lichem Brogramm statt. Mitwirkende: Erich Weinert, Leni Sachs, BalaleitaJugendliche 30 Bf. Arbeiter- Tennisvereinigung( Abt. Weißensee). Mittwoch, 6. Juli, ab 17 Uhr, im Stadion am Faulen See in Weißensee, Buschallee, großes Internationales Spielfeft, verbunden mit leichtathletischen Vorführungen, olympischer Stafette, Fußball, Raffball, Gefang und musikalischen Darbietungen. Arbeiter- Tennis( pieler aus Belgien, Frankreich, Lettland, Defterreich, Rußland usw. werden in Weißenfee zugegen fein. Die Arbeiterschaft Berlins wird zur Begrüßung der ausländischen Arbeitersportler eingeladen. Eintritt für Mitglieder der Arbeiterorganisationen 30 Pf.- Die Spieltage im Stadion am Faulen See ( Beißenfee, Bufchallee) liegen wie folgt feft: Sonntags von 8-11 Uhr und 14-20 Uhr Dienstags von 8-10 Uhr, Mittwochs von 17-20 Uhr Freitags von 8-10 Uhr, Sonnabends von 16-20 Uhr. Gäfte und Freunde des ArbeiterTennis willkommen. Aufnahmen können in den Spielstunden erfolgen. Internationales Treffen der Fußballer in Frankfurt a. M. Am Sonntag nachmittag trafen sich die Mannschaften des Sportklubs Wien, Botalmeifter 1926/27, und des Bfe. 1913 Frankfurt- Bornheim, Kreismeister des 9. Kreises im A.-T. u. Sp.-Bb., in einem Fußballtreffen in rantfurt a. M. Nach einem schönen, intereffanten und fineffenreichen Spiel mußten fich bie Wiener den Frankfurtern mit dem Inappen Resultat von 2: 1( Salbzeit 1: 1) beugen. Ein unentschiedener Ausgang hätte dem Treffen, bei dem die glücklichere Elf fiegte, und dem Stärkeverhältnis der beiben Mannschaften eher entsprochen. Die Biener Gäfte führten ein schönes, faires Spiel vor und verdienen ein Gesamtlob. Aber auch die Frankfurter erwiefen fich als ebenbürtig. Die besten Mannschaftsteile waren auf beiden Seiten die Torleute, die die totsichersten Sachen hielten und fich dafür den reichlichen Beifall des Publikums errangen. ant Sommerregaffen des Freien Seglerverbandes. 10. Juli, ab 11 Uhr, ant Sonnabend, 16. Juli, ab 15 Uhr, und am Sonntag, 17. Juli, ab 11 Uhr auf dem Tegeler See. Start und Biel ist der Bootsplag der Tourensegler- Bereinigung Tegel. Zu diefen Regatten haben 178 Boote gemeldet, davon 126 Klaffenboote. Besonders interessant werden die Rennen der 20- und 15- Quadratmeter- Rennjollentiaffe werden, da au diefen je zwei Boote des Gegelflubs Hansa- Lübeck erscheinen werden. Am 10. und 17. Juli, 8% Uhr, wird ferner der Herausforderungspreis des Bereins Spandauer Jollenfahrer für die 15- Quadratmeter- Rennjollentlasse ausgefahren werden. Dafür liegen 12 Melbungen vor. Die Jugendmann fchaften starten in der Jugendregatta, bie am 10. Juli, 15 Uhr stattfindet. Die Boote zu diefer Regatta werden unter den Jugendmitgliedern ausgeloft und gehören nur der 20- und 15- Quadrat- Rennjollentiaffe an. Die Boote der Gruppe Dit des Kreifes Berlin, die an den Wettfahrten teilnehmen, werden gemeinsam, zu einem Schleppzug formiert, am Sonnabend, 9. Juli, zum Tegeler Gee ge fchleppt werden. Um 14½ Uhr wird der Schleppaug die Mühlendammschleuse paffieren und in Tegel gegen 21 Uhr eintreffen. Er wird aus etwa 100 Booten beftehen, die in ihrem reichen Flaggenschmud ein wirksames Propagandamittel für den Freien Seglerverband und für den Arbeitersport bilden. Zu erreichen ist der Bootsplag ber Touten- Seglervereinigung Tegel( Gänsewerder, Waffermerte) entweber mit der Stadtbahn bis Tegel( Gesundbrunnen umsteigen) oder mit der Straßenbahn, Linien 25, 27, 28, 41, 128 und E. Segelflub„ Unbine", Rönigsberg. Geetreffen am 14. Juli in Swindemünde. Schwimmverein Welle. Der Borstand des 2. Bezirts im Arbeiter- Turnund Sportbund ruft zum Zwecke der Weiterführung der Geschäfte und zur Durchführung der notwendigen Wahlen zu Mittwoch, 13. Juli, 20 Uhr, eine Generalversammlung ein. Tagungslotal: Comenius- Säle, Memeler Str. 67. Die Ver fammlung wird geleitet durch den Bezirksrat. Der Bezirksrat. Borf. Regling. Freie Kanufahrer Berlin, e. B. Bootshaus: Köpenid, Wendenschloßstraße ( Städtischer Sportplag). Nächste Mitgliederversammlung 7. Juli, 20 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45. Aufnahme neuer Mitglieder. Anfragen an Rud. Schloffer, Berlin D. 17, Breslauer Str. 1. Freier Kanuverein Stralan. Nächste Mitgliederversammlung am Donners tag, 7. Juli, 20 Uhr, im Restaurant Bollenbach, Alt- Stralau Nr. 8. Gäste will. tommen. Bootsraum ist fest in dem neuerbauten Bootshaus in Alt- Stralau Nr. 82b( Befiger Genschmer). Neuaufnahmen erfolgen jederzeit. Anschrift A. Herrmann, D. 112, Doffeftr. 12. Ruderverein Collegia. Mitgliederversammlung Donnerstag, 7. Juli, 20 Uhr, bei Thunad, Charlottenburg, Wielandstr. 4. Alle Mitglieder müssen bestimmt und pünktlich erscheinen. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Sportbetrieb im Bootshaus fällt an diefem Tage aus. Touristenverein Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin, Zentrale Wien. Friebrichshain: 5. Juli, 20 Uhr, Heim Ebertyftr. 12. Friedenan: 5. Juli, 20 Uhr, Funktionäre bei Gamrath. Norben: 5. Juli, 20 Uhr, Sonnenburger Straße 20. Webbing: 5. Juli, 20 Uhr, im Heim Turiner, Ede Seestraße. Treptow: 5. Juli, 20 Uhr, Seim Elfenftr. 3, Gesangsgruppe. Bankow: 5. Juli, 20 Uhr, Seim Görfcftr. 14, zwanglofer Abend. Steglig: 6. Juli, 20 Uhr, Seim Albrechtstr. 43, Mufitabend. Brenzlauer Berg: 7. Juli, 20 Uhr, Heim Danziger Str. 23. Steinidendorf: 7. Juli, 20 Uhr, Seim Seibelftr. 11.Tiergarten: 7. Juli, 20 Uhr, Seim Lehrter Str. 18-19. Lichtenberg: 7. Juli, 20 Uhr, Seim Barfaue 10. Reutolla: 7. Juli, 20 Uhr, Heim Steinmenftr. 114. -Gübweft: 7. Juli, 20 Uhr, Heim Vordstr. 11. Naturwiffenfchaftliche Abt.: Mahlsdorf: 7. Juli, 20 Uhr, Heim 7. Juli, 20 Uhr, Seim Stralauer Str. 55. Raulsdorf, Adolfftr. 25. Achtung, Spreewaldfahrer! Allen Teilnehmern der Spreewaldfahrt des Touristenvereins Die Naturfreunde" vom 25./26. Juni zur Kenntnis, daß die liegen aur Anficht aus im Korbwarengeschäft von Thomas, Berlin N. 65, Brobebilber ber photographischen Aufnahmen erschienen find. Diefelben Buremburger Str. 1, Ede Müllerstraße. Bestellungen werden dortselbst entgegengenommen. Arbeiter- Samariter- Relonne Berlin, e. R. Folgende Sachen find verloren gegangen am 26. Juni im Boftftadion. Brieftasche mit Ausweis und Interims. farte. Ausweis Nr. 545 wird hiermit für ungiltig erklärt. Ausweis, Interimstarte und Reugnis. Ausmeis Nr. 552 wird für ungültig erklärt. Beim Kreisfeft im Boftftadion am Sonntag, 26. Juni, wurden noch folgende Gegenstände gefunden: 1 Damenschirm, 2 Baar lange Safer, 1 Ledergürtel, 1 Gtridjade, 1 Unterrod, 2 Badeanzilge, 1 Turnhemd( Grtner), 1 egen und 2 andere Rappen, 1 weiße Schwimmkappe, 2 Handschuhe, 1 Stehkragen, Baar fchwarze Turnschuhe, 1½ Baar braune Turnschuhe, 1 Baar lederne Turnschuhe mit Soden und 1 Baar weiße Turnschuhe. 8 nt.3Iä*44.?ol)tgo#0 2« des ßienatog, 5. JnK ml Die Geheimnisse von Gberfthlesien. Eine Richtigstellung von Carl Severing. Vor etwa 14 Tagen hat der Femeausschuß des Reichstages seine Sitzungen wieder aufgenommen. In den letzten Abschnitten feiner Untersuchungen haben die Fememorde in Ober- schlesien eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, und die Leipziger Volkszeiturig" veröffentlicht unter Hinweis auf diese Untersuchungen und mit der Ueberschrift„Die Geheimnisse von Oberschlesien" eine Artikelreihe, in der sie den Nachweis dafür er- bringen will,„daß die oberschlesischen Fälle, die vor ollem im Jahre 1921 sich ereigneten, nicht nur den Ausgangspunkt der Feme bildeten, sondern psychologisch, organffatorisch und politisch ein wichtiges Glied in der Kette der schändlichen Fememorde waren". Die .Leipziger Volkszeitung" führt in diesem Zusammenhang auch die Bemerkung des Berichterstatters des Femeausschusses, Dr. L e v i. an, daß der Ausschuß prüfen müsse, wen die politische Der- antwortung für die Organisation treffe, die die Ausgangspunkte für die Fememorde gegeben haben, und, nachdem wiederholt mein Name in Verbindung mit den Arbeiten des Unter- suchungsausschusses genannt wird, heißt es am Schluß des ersten Artikels, daß ich in der Zeit der Kämpfe in Oberschlesien verant- wortlicher Innenminister in Preußen gewesen sei. Es kann der Partei nicht erwünscht sein, wenn in den Er- örterungen der Tagespresse über politische Morde etwa jemand auf- treten könnte, um unter Bezugnahme auf den Artikel der.Leipziger Volkszeitung" zu behaupten, daß«in sozialdemokratischer Innen- minister die politische Verantwortung für die Fememordorgani- sationen trage, da in der Zeit feiner verantwortlichen Amts- führung sich die Kämpf« in Oberschlesien abgespielt haben, in denen Selbstschutz und Freikorps aus deuffcher Seit« gegen polnische Insurgenten standen. Daß die �Leipziger Volkszeitung" diesen Ein- druck hervorrufen rvollte, nehme ich selbstverständlich nicht an. Aber dem unbefangenen Leser bleibt es mindestens unklar, was denn eigi-nttich mit der Apostrophierung meiner Amtsführung beabsichtigt ist, und der befangene kann mit einigem bösen Willen den Artikel allerdings so interpretieren, daß er in der Tat gegen mich und meine Amtsführung ausgeschlachtet werden kann. Mir erscheinen darum die folgenden Feststellungen nicht ganz überflüssig. In der Zeit der Kämpfe in Oberschlesien, die Ende April 1921 begannen und gegen End« Mai beendet waren, war Her? Do- millicu« Innenminister in Preußen. t 3a der Jett meiner Amtsführung sind SelbfffchuhorganisaNoneu zur Abwehr polnischer Einfälle nicht eingesetzt worden. Als im Sommer 1920 nach dem ersten Einfall Deputationen aus Oberschlesien nach Berlin kamen und die Regierungen auf- forderten, die Bevölkerung mit Waffen zu versehen, da habe ich im Einverständnis und mit ausdrücklicher Zustimmung der Reichsregie- rung dieses Ersuchen entschieden abgelehnt, ob- gleich die Sprecher der Deputationen sämtlich den Verfassungsparteien angehörten und eine mißbräuchliche Verwendung der Waffen zu innerpolitifchen Zweckest kaum zu befürchten war. Aber es war ganz klar, daß die Bewaffnung einiger Tausend Arbeiter und Bürger in den Grenzbezirken Oberschlesiens sofort der Entente bekannt und Veranlassung geben würde, den außenpolitischen Druck durch neue Repressalien zu verstärken. Unter diesen Umständen erschien es mir mehr geraten, Schutzpolizei in einer solchen Stärk« in die Grenz- gebiete zu entsenden, daß neu« Einfälle der Insurgenten im Be- darfsfalle leicht zurückgewiesen werden konnten. Selbstverständlich hätte auch diese Maßnahme mindestens den Einspruch der Be- satzungsbehörden, deren Spitzen offensichtlich auf feiten der Polen standen, hervorgerufen. Immerhin hätte die Verwendung der Po- lizei, die in festen, geübten Hundertschaften bereit stand, den Vorteil geboten, daß sie als vaterländisches Instrument in der Hand der Regierung von dieser leicht zu dirigieren war. Indessen hatten die Insurgenten den Rückzug angetreten,«in sofortiger Vormarsch irgendwelcher bewaffneten Trupps erwies sich einstweilen als unnötig. Mit der Abstimmung(20. März 1921) kam jedoch wieder neues Leben in die Insurgentenbanden, die, wie einwandfrei festgestellt worden ist, zum Teil von polnischen Soldaten befehligt wurden. In den bedrohten deuffchen Kreisen hatte sich ein Grenzschutz ge- bildet, dem auch viele Sozialdemokraten beigetreten waren und der von Zivil- und Militärbeamten dahin überwacht wurde, daß er sich streng auf seine Zweckbestimmung beschränkte. Das Feuer glomm unter der Asche... Am 22. April 1921 übernahm die Regierung Stegerwald- Dominicus die Leitung der preußischen Staatsgeschästc. Ich habe meinem Amtsnachfolger den Rat gegeben, in der Behandlung der Grenzfragen den Kurs nicht zu ändern und alle cntwaigen Abwehrmaßnahmen nur unter Leitung. Anweisung und Verantwortung der Slaatsregierung zu treffen. Es ist anders gekommen. Der Selbstschutz trat auf. Die Frei- korps eilten herbei. Ein Zwölserausschuh trat in Aktion. Niemand wird bestreiten, daß die Männer, die damals unter der Führung des tapferen Generals v. Hofer standen, sich vor ollem in den Kämpfen um Annaberg hohe Verdienste um Deuffchland erworben haben. Aber was viele befürchtet und die Kundigen mit mathema- tischer Genauigkeit vorausgesagt hatten, trat ein: nach den Kämpfen dachten die Freikorps und die Selbstsihützen gar nicht daran, abzu- rüsten und abzuziehen. Sie blieben in Schlesien und hausten dort in einer Weife, daß ein großer Teil der Bevölkerung darüber die lebhaftesten Klagen erhob. Der inzwischen verstorbene Abge- ordnete Scholich und ich haben darum im Juni 1921 im Hauptaus- schuß des Preußischen Landtages den Minister Dominicus dringend ersucht, die oberschlesischen Kampforganffationen so schnell wie möglich abzubauen, damit sie beim Zurückkehren in andere Teile Preußens oder Deuffchlands nicht noch weiter die Rolle der Stören- friede spielen könnten. Ich habe den Minister auch in diesen De- batten dringend gebeten, doch den Grundsatz wieder zur Anerkennung zu bringen, daß nur der Waffen tragen soll, der von Amts wegen dazu berufen fei. Dieselbe Auffassung habe ich dem Minister gegenüber in der Landtagssitzung vom 18. Oktober 1921 vertreten, und als ich etwa drei Wochen später das Amt des Innenministers wieder übernahm, da war eine meiner ersten Aufgaben die Feststellung, wieweit meinen Anregungen bereits Folge gegeben war. lieber das Ergebnis dieser Feststellungen nur soviel: Es reichte auch nicht annähernd an die bescheidensten Erwartungen. Andererseits wuchsen die Besorgnisse von Tag zu Tag, daß die vielen Tausende bewaffneter, zum großen Teil ortsfremder und undisziplinierter Mannschaften nicht an der Grenze, aber im eigenen Lande zu Zusammenstößen treiben könnten. Darum habe ich in Anwesenheit und unter Beteiligung eines Ver- treters des Reichsministers des Innern in mündlicher Verhandlung mit den Selbsffchutzführern im Januar 1922 in Breslau die Auf- lösung des bewaffneten Selbstschutzes angeordnet und im Laufs weniger Monat« durchgeführt. Dies« Darlegungen sind zum größten Teil in den Protokollen des Landtages niedergelegt. Daß man an sie überhaupt erinnern muß, ist— auch ein Zeichen der Zeit! Jedenfalls: Meine Amts- führung in oberschlesischen Fragen steht nicht unter dem Kapitel „Geheimnisse von Oberschlesien", Unö nochmals üer Kartosselzoll. Auch die ostdeutsche Stärkeindustrie wird erschlagen. Schon mehrmals hat der„Vorwärts" darauf hingewiesen, daß bei Erfüllung der Kartofselzollwünsche der Deutschnatio- nalen bzw. des Landbundes allen im Osten gelegenen Stärkefabriken und den in diesen zahlreich beschäftigten Arbeitern die größten Gefahren drohen. Einer der Hauptunterzeichner des seinerzeit mitgeteilten deutschnationalen Antrag- im Preußischen Landtag auf einen 2-Mark-Zoll für Kartoffeln, ein ostpreußischer Großgrundbesitzer, besitzt selbst«ine große Kartoffelstärkefabrik. Wollte er sie zugrunde richten? Oder wollte er der Konkurrenz der zumeist doch wohl volksparteilichen Inhaber anderer Stärke- fabriken des Ostens zu Leibe gehen? Das erster« ist nicht anzu- nehmen, denn dieser Herr ist selbst Großproduzent von Kartoffeln und auf deren Einfuhr aus Westpreußen und Posen nicht an- gewiesen. Der kürzlich beschlossenen Verlängerung des Republikschutzgefeh?» ist ein Kompromiß zwischen der Deutschnotionalen und Zentrums- parte! vorangegangen, das letztere Fraktion zur unbedingten Unter- stützung der deutschnationalen Zollwllnsche verpflichtet. Die Zollverhandlungen sollen mit möglichster Beschleunigung durchge- führt werden, da das frühere Abkommen bereits am 31. Juli 1327 abläuft. Die Gefahr, dauernd von dem Versorgungsgebiet abge- schnitten zu werden, ist also für die östlichen Stärkefabriken in greif- bare Nähe gerückt. Bekanntlich gehen die Zollwünsche der Großagrarier darauf au-, das Deutsche Reich in Zukunft gegen die Einfuhr ausländischer Kar- toffeln(also nicht nur der polnischen, sondern auch der holländischen) hermetisch abzuschließen. Holland hat bisher einen großen Teil Westdeutschlands mit Kartoffeln versorgt. Gehen die Wünsche der Ostjunker in Erfüllung, hörl die Belieferung des Westens durch Holland auf und wird durch das östliche Deutschland erfolgen müssen. Das wird die Abwanderung eines großen Teiles der im Osten geernteten Kartoffeln nach dem Westen zur Folge haben, so daß die jetzt schon notleidenden Stärkefabriken sich einem Vakuum gegenüber sehen würden, das sie endgültig stillegt und sie ihrer Arbeit-möglich- keit vollständig beraubt. Die Unzulänglichkeit der durch den Ver- lust der Provinzen Posen und Westpreußen stark verringerten Kar- toffeldecke Deutschlands wird dann noch ungleich mehr in Erfchei- nung treten und mit Notwendigkeit eine dauernd« starke E r- höhung der K a r t o f f e l p r e i s« zur Folge haben. Wiesehr hierdurch die auf den Kartoffelkonsum angewiesene arbeitende Be- völkening Deutschlands in Mitleidenschaft gezogen werden wird, braucht hier nicht erst betont zu werden. Wir fordern daher nicht nur im Interesse unserer Arbeiterschaft als Konsumenten, sondern auch einer großen Industrie des Ostens, daß d e r R e i ch s r a t u n d dos Land Preußen in dem Kampf gegen den Kartoffelzoll nicht nachlassen. Kommt der erhöhte Kartoffelzoll nach den Plänen der Groß- agrarierparteien und der von ihnen abhängigen Reichsregierung trotz des Einspruches de- Reichsrates zustande, fliegen allein in einer einzigen Fabrik nur des an Neupolen grenzenden Nord- schlesiens über ISO Arbeiter beschäftigungslos auf die Straße. Der holländischen Frühkartoffel ober ist nicht mit Zöllen, sondern nur durch Zucht einer in Qualität und Aussehen gleich- wertigen deutschen Frühkortofsel beizukommen. Der deutsche Osten wird sich das den ganzen Osten schädigende Zollgebaren der Großagraneiparteien für die nächsten Wahlen merken. Interessant ist, daß die feudalen Provinzialver. treter Preußens im Reichsrat für die Erhöhung des Kartoffel- zolls im Gegensatz zum Lande Preußen sind, also gegen eine Einfuhr von Kartoffeln aus Westpreußen, Posen und anderen an Polen abgetretenen Landesteilen. Das sind Landesteile, die gerade die Rechtskreffe mit bombastischen Worten als untrennbar von Pöeußen erklären, die sie aber wirtschaftlich, wie der vom Landbund geforderte Kartoffelzoll von 2 Mark beweist, verleugnen und Deutschland entfremden. M. S i m o n, M. d. L. Reichsbank unter starkem Druck. Schacht aber in New Bork. Der 30. Juni bedeutet als Halbjahrsschluß für die Reichsbank immer einen Tag großer Inanspruchnahme. Der diesmalige Juni- schluß hat aber dadurch besondere Bedeutung, daß er nach der am 10. Juni vorgenommenen Diskonterhöhung eine Erleichterung der Reichsbank im Vergleich zu früheren Monaten hätte bringen müssen. Davon aber ist keine Rede. Die Anspannung der Reichsbank Ende Juni ist größer als die Ende Mai, die der Anlaß zur Dis- konterhöhung war. Es müssen hochwichtige Gründe sein, die Herrn Dr. Schacht gerade in dieser kritischen Zeit nach New Jork geführt haben. Sonst wäre' seine Abwesenheit unbegreiflich. Die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank(Wechsel, Schecks, Lombarddarlehen und Effekten) ist um 602,4 aus 2734,2 Millionen gestiegen und hat damit die Zugänge des kritischen Maiendes und diejenigen des ebenfalls sehr starken Dezemberendes (diese ganz beträchtlich) überstiegen. Allein an Wechseln und Schecks wurden 477,2 Millionen neu aufgenommen(Ende Mai 547,7, Ende Dezember 415,8 Millionen), so daß die Wcchselbestände aus 2494,6 Millionen anwuchsen. Das ist die höchste seit der Inflation über- Haupt erreichte Ziffer. Wenn der Neuzugang an Wechseln auch etwas kleiner war als Ende Mai, so sind dafür die Lombard- d a r l e h e n statt um 51,6 Ende Mai um 125,3 aus 146,6 Mil- lionen End« Juni angewachsen. Auf der anderen Seite haben die Kundengelder aus Girokonto um 100 aus 669,5 Millionen a b- genommen, das Drei- bis Vierfache gegenüber Ende Mai(Rück- gang nur 28,8 Millionen), während Ende Dezember vorigen Jahres noch ein Zugang von 62,7 Millionen zu verzeichnen war. Der Notenumlauf weist nach einem Zugang von 595.9 Millionen mit 3815,2 Millionen eine Rekord ziffer auf. Er ist um 96 Millionen höher als Ende Mai. Rentenbankscheine wur- den um 74,3 auf 1017,1 Millionen vermehrt. Mit 4832,3 Millionen wird zwar der Umlauf an Geldzeichen von Ende Dezember o. I. noch nicht ganz erreicht(4893 Millionen), jedoch ist die Noten- bilanz Ende Juni sehr viel ungünstiger. Der gesamte Zah- lungsmittelumlauf— einschließlich der umlaufenden Scheidemün- zen— betrug End« Juni 5,775 Millionen gegen 5,698 Millionen Ende Mai. Die Verschlechterung der Notenbilanz liegt darin, daß seit Ende Dezember nach den Mitteilungen von Dr. Schacht rund eine Milliarde Deckungs- und andere Devisen abgegeben wurden, ohne deren Abgabe der Geldumlauf mindestens um die gleiche Summe größer fein könnte. Di« angespannt« Wirtfchafts- und Kreditlage kommt also im Noten- und Geldumlauf bei weitem nicht voll zum Ausdruck. Ende Dez. lS2S Noten und Schulden: Banknotenumlauf.. 3 735 sRentenbankscheine). 1 164 Giroeinlag. d. Wirifch. 648 Kredite an die Wirtschaft Lombardkredile... 84 Wechselkredite.. 1829 Notendeckung: durch Gold.... durch Devisen... durch Gold u.Devil. zus. DeckungsverhältniS: für Noten durch Gold und Devisen... f. Not. u. Renienbanksch. durch Gold U.Devisen f. Noten u. Rentenbank- scheine d. Gold allein 1 831 619 2 350 62,9 47,9 37,4 Wie unsere Statistik zeigt, hat sich das Deckungsverhältnis der Noten auch gegenüber dem vorigen Monat wieder verschlechtert. Durch Gold und Devisen zusammen sind die Noten gegen Ende Mai nur mehr mit 49 gegen 50,9 Proz. gedeckt, Noten- und Renten- bankscheine nur mehr mit 38,7 gegen 39V Proz. und Noten und Rentenbankscheine zusammen durch Gold allein nur mehr mit 37,3 gegen 38,2 Proz. Die Verringerung der Deckung gegenüber der letzten Woche vor Junischluh ist wieder sehr beträchtlich: die Notendeckung durch Gold ging von 56 auf 47,2 Proz., diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen von 58,2 auf 49 Proz. zurück. Der Vergleich mit Ende Mol und Ende Dezem- der zeigt, daß die Ultimowoche im Juni gegenüber den Ultimowochen im Mai und Dezember den Stoß, mit welchem der Monatsschluß die Deckung, verkürzt, wieder verstärkt hat. Nach dieser Entwicklung ist festzustellen, daß die Verteue- rung des Kredits durch die Diskonterhöhung um ein volles Prozent vom 10. Juni keine Wirkung gehabt hat. Wenn auch im Gang befindliche Auslandsanleihen eine gWHH ; vN Entlastung bringen können, so gewinnt unsere frühere Vermutung, Silfsaktion für ermerbslose Jugendliche, für die Stadtrat Peters| Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin daß es wohl bei der einmaligen Diskonterhöhung faum bleiben mird, damit an Wahrscheinlichkeit. Für den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der das jetzt in Berlin, nicht in New York zu bebenten hätte, in feiner Hinsicht eine Rechtfertigung seiner ganzen Kreditpolitik. Die geftrige Börse war im Zusammenhang mit der Mittellung von der ftarten Inanspruchnahme der Reichsbant wieder fchlecht. Die Lieblingspapiere der Spekulation verloren bis 20 Punkte ihres bisherigen Kurses. Natürlich handelt es sich hier um Rüdwirtungen und Merkmale des starten Geldbedarfs für Wirtschaftszwede. Staatliche Flachsanbauprämien? Die Lage der Flachsindustrie. Die Flachsindustrie macht es wie jede andere Industrie, der es nicht gut geht: fie ruft nach Staatshilfe. So betam man fürzlich auf einer Pressebesprechung sehr viele Klagen über den Not. stand in der Flachsindustrie zu hören, meiter aber auch einen ganz ausgezeichneten Vortrag über den deutschen Flachsanbau und feine notwendige Umstellung durch den Rittergutsbefizer von och omPettus, den Sohn des bekannten erfolgreichen Samenzüchters. befondere Staatslehrmerfstätten fordert. werden. Nach der Beschäftigten statistit waren in den sozialen Achtung Abteilungsleiter! Die Berichtsbogen müssen umgehend abgeliefert Baubetrieben im Monat April 1927 in 153 angeschlossenen Betrieben 17 353, je Betrieb also 119 Angestellte und Arbeiter tätig. Im Abteilungsmitgliederversammlungen am Dienstag, 19% Uhr: gleichen Monat des Vorjahres wurden in 168 angeschlossenen BeBrunnenplay: Schule Wiesen. Ece Bankstraße. Webbing- Nord: Heim Eretrieben 14 865, je Betrieb also 92 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Ede Turiner Straße. Hasenheide: Heim Vordstr. 11. Steglig 1: Heim AlbrechtStraße 47. Wannsee: Schule Charlottenstraße. Reukölln I: Seim Sander. Ede Die Beschäftigtenziffer ist also gegenüber dem Borjahr weiter er. Sobrechtstraße. Neukölln II: Heim Bergstr. 29. Neukölln III: Heim Steinmet heblich gestiegen. ftraße 114. Reukölln IV: Seim Nogatstr. 53. Reukölln V: Heim Nogatstraße ( anschl. Aussprache: Fahrten als Werbemittel). Reukölln VI: Seim Canner. ftraße. Reinickendorf- Ost: Secbad, Residenzstraße. Reinickendorf- West: Heim Seidelftr. 1. Buchholz: Schule Berliner Str. 19( anschl. Vortrag: Sozial Internationaler Genossenschaftstag. * Faltplay: Seim Eberswalder Str. 10, 8immer 12:„ Erfte Silfe bei Un. glüdsfällen Nordost I: Seim Landsberger Straße:" Entwicklungsgeschichte Berlins". Schöneberg I: Seim Hauptstr. 15:„ Barteitag in Kiel". Sermsdorf: Schule Roonstr. 1, 1 Tr.: Die Konsumgenossenschaft". Brig: Funktionär. figung beim Genoffen H. Gebert, Hannemannstr. 32. Erscheinen aller Funktio näre ift Pflicht. Schönhauser Vorstadt: Driesener Str. 22, Eßzimmer: Fabrik. erlebnisse". demokratie in der Familie"). Harburg a. d. E., 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Dritte Internationale Genossenschaftstag wurde hier heute unter starter Anteilnahme der Mitglieder der Produktion", der Partei- und Gewerkschaftskreise und des Reichsbanners in festlicher und eindrucksvoller Weise begangen. In dem Umzug, der zu den prachtvollen Anlagen des Arbeitererholungsheims Bolts wohl führte, an dessen Errichtung und Ausbau auch die Konsumgenossenschaft beteiligt ist, marschierten Tausende mit. Fast ein Drittel des Buges wurde durch Kinder und Jugendliche gestellt. Im Volkswohl", wo für alle faum Blag war, sprach Prof. Dr. Streder Berlin über„ Genossenschaft und Gemeinschaft". Er rief zur Sammlung der wirtschaftlichen und finan ziellen Kräfte der Konsumgenossenschaft in den Der Niedergang der deutschen Flachsinduſtrie ist beinahe trabi Arbeiter, Angestellte, Beamte! tionell. Bor 50 Jahren wurden in Deutschland noch rund 215 000 Hektar mit Flachs angebaut, die ungefähr 860 000 Doppelzentner lieferten. Bei Ausbruch des Krieges waren es nur noch 10 000 Heftar mit ungefähr 80 000 Doppelzentner. Nach dem Kriege begann man, sehr wahrscheinlich Ausdruck der großen Fasernot, die Anbaufläche zu steigern, und zwar bis auf 50 000 Hektar. Dann fam aber um das Jahr 1926 das Preisdumping des größten Flachsbauers, Rußlands, das durch eine forcierte Ausfuhrsteigerung die bis dahin rentablen Preise start sentte. Ohne Zweifel ist der ruffische Einfluß auf die Flachspreise im Jahre 1926 als rein zu= fällig anzusprechen.( Die Flachspreise haben sich heute auch gebeffert.) Bielmehr fann man annehmen, daß Rußland in ganz furzer Zeit ein großer Flachsverarbeiter sein wird und als Exporteur, besonders mit Dumpingpreisen, auf dem Flachsmartt ausscheidet. Unserer Auffaffung nach ist die wenig befriedigende Lage in der Flachsindustrie auf die Rückständigkeit im Anbau, in der Ausarbeitung und Verarbeitung zurückzuführen. In der Ausarbeitung ist es heute allerdings gelungen, die Kosten auf zwei Drittel des Standes von 1925 und auf die Hälfte des Standes von 1924 zu fenten. Trotzdem scheinen die Dinge aber sehr im argen 3u liegen. Turbinenschwingen und Flachsraufmaschinen sind bei uns immer noch eine große Seltenheit. Die Zustände haben sich dann auch vor allen Dingen in der deutschen Flachsverarbeitung so zugespitzt, daß im Jahre 1926 der größte Teil der Röstereien geschlossen werden mußte. Reichstagsabgeordneter Genoffe Krähig nahm bei der Besprechung Gelegenheit, auf die Auswirkung dieser Stillegungen auf den Arbeitsmartt hinzuweisen. Er betonte, daß die beste Sozialpolitit immer noch die Beschaffung lohnender Arbeit ist. Nach Kräzigs Angaben stellt sich der Flachsimport bei uns pro Jahr auf rund 85 Millionen Mart. Diese Einfuhr zu vermeiden, bedeutet aber nach Kräßig die Beschäftigungsmöglichkeit für 50 000 Menschen. Bei Betrachtung der ganzen Lage der Flachsindustrie muß man sich vor Augen halten, daß Deutschland gegenwärtig noch die größte Flachsverarbeitung der Welt besitzt, aber nur eine sehr unsichere Rohstoffgrundlage. Nun glauben mir allerdings nicht, daß auch mit einem Ausscheiden Rußlands als Exporteur auf dem Markt, morauf zu rechnen ist, der ausländische Flachsbau der deutschen Verarbeitung beliebige Preise diftieren fann. Troßdem find wir der Auffassung, daß für die Förderung des Flachsbaues und der Flachsindustrie etwas getan werden muß. Dabei gehen wir davon aus, daß es möglich ist, in einigen Jahren den Flachsanbau und die Flachsperarbei tung berart umzustellen, daß beide zu Weltmarft preiffen erzeugen und fabrizieren fönnen. Bor allen Dingen muß darauf geachtet merden, daß die Fachschulen und Deutschlands hinaus einen guten Ruf) nicht verfümmern. Wie wir erfahren, besteht diese Gefahr, meil die nötigen Mittel fehlen. Es wäre beffer, die Schießfachverständigen da für zu beseitigen und den Heeres- und Marineetat radikal zu fürzen, um den Forschungsinstituten und den Fachschulen die nötigen Mittel zu geben. Eine abermalige Berteuerung Eurer Lebenshaltung will die Rechtsregierung der werktätigen masse auferlegen, neue Erfraprofite den Agrar- und Handelstapitalisten zuschanzen. Die Preise für Brot, Kartoffeln, Fleisch, Zucker sollen durch Erhöhung der bereits bestehenden hohen Zölle ab 1. August noch mehr steigen. Wollt Ihr zu dieser voltsfeindlichen Intereffenpolitit länger schweigen? Nein! Darum: Heraus zum Protest! Wehrt Euch! Besucht die Protestkundgebungen der Berliner Sozialdemokratie morgen, Mittwoch, den 6. Juli, 19% Uhr, im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 23/24 Germaniasäle, Chauffeestr. 110 Comeniusfäle, Memeler Str. 67 Erbes Festsäle( Kliem), Hasenheide 13-15. Redner find die Reichstagsabgeordneten Toni Sender, Mathilde Wurm, Georg Schmidt und Robert Schmidt. Der Bezittsvorstand der SPD. Berlin. Konsumvereinen auf und wies an Hand der Entwicklung dieser Bewegung nach, daß sie berufen sein kann, die Herrschaft des Kapitalismus zu besiegen, wenn wir nur wollen". Das Werbefest nahm einen glänzenden Verlauf. Briefkasten der Redaktion. 2. R. G. 30. 1. April 1888. Abenbroth. 1. Rommt auf das Talent an. 15 000 bis 100 000. 2. 300 bis 800. E. R. 1. Ihr Kind muß ein Lichtbild im Paß haben. 2. Bifum ist erforderlich und toftet ungefähr 1 M. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.) Woltig bis heiter ohne Niederschläge bei schwachen südwestlichen Winden, weitere Erwärmung. Für Deutschland: Jm Diten bewoft bei wenig geänderten Temperaturen, sonst wärmer und ziemlich heiter Ziehung 7.- 9. Jull Kreuz Geld- Lotterie 9713 Gewinne und 1 Prämie Mark 225 000 Höchstgewinn 100000 1175000 fi 25000 Lose Porto und Liste zu M. 330 30 Pf. extra, empfiehlt und versendet Wenig getragene Fradanzilge, Em finganzüge, Gehrodanzüge, Jadettanzüge, Gabardinemäntel, Gummimäntel, Cutaway- Anzüge. Taillenmäntel, fiir jede Figur paffend. Spezialität: Baudy anzüge, ſpottbillig. Halpern. Rosen. thalerstraße 4. erste Etage. Getragene Herren garderobe. Speziali tät Bauchfiguren, fpottbillig. Nak, Gormannstraße 25/26. früher Muladitrake. Berleih hocheleganten Gesell. fchaftsanallgen. Rosenthalerstraße von Norden 6393. Bettenverkauf! Neue 9,75! 15,-! Brachtvolle 22,50! 27,50! Bettwäsche! Steppdecken! Tülldecken! Inletts! Alles [ pottbillig! Reine Lombardware! Leihhaus, Brunnenstraße 47. Möbel Zahlungserleichterung. Schlafzimmer, Eiche, Nußbaum, 110, 120, 130, 150, 180 Sentimeter Schrankbreite, Kristallfacettespiegel, echt Marmor, apart gecate 6 Mart an, Freilieferung, Garantie. Möbelfchat, Brunnenstraße 160, Eingang Anklamerstraße. August Heinz beiat, nahlung 50 Mark an, Wochen. Staatliche Lottorle- Einnahme Berlin W8, Friedrichstr. 83 zwischen Behrenstr. u. Unt. d. Linden Postscheckkonto: Berlin 40221. Patentmatrahen" Primissima", Me tallbetten, Auflegematragen, Chaiselongues. Walter, Stargarderstraße acht. Behn, Spezialgeschäft. Antleideschränke brauerei in Bochum wird die Bürgerliche Brauhaus A.-G. in Eine Brauereifusion. Die Schlegel Scharpenteet Deutscher Metallarbeiter- Verband beſchränke mit Epiegel 85, Herne durch Fusion aufnehmen. Eine Kapitalerhöhung dürfte für die Durchführung der Verschmelzung faum erforderlich sein. Donnerstag, 11 große 95,-, Bettstellen, Sofas, Schlafzimmer, sämtliche Einzelmöbel. Sahlungserleichterung zu Raffapreifen. Verbandshause, Stein, nur Antlamerstraße 20. he, im den 7. Juli, vorm. Linienfie. 83/85 Portal 1, 4 Treppen, Zimmer 28, Versammlung aller arbeitslosen Metall- und Revolverdreher. Die Tagesordnung wird in Bersammlung bekanntgegeben. der Die Erhöhung der Kohlenpreise wieder beantragt. Für die am 11. Juli stattfindende Sigung des Reichsfohlenrates, in der die Erhöhungsanträge fleinerer Kohlenrcviere behandelt werden sollen, haben das Rheinisch- Westfälische, das Aachener und das Niedersächsische Kohlensyndikat ihre Erhöhungsanträge erneut ge= stellt. Ebenso hat die Braunkohle weitere Preiserhöhungen beantragt. Die Kohlenherren glauben also, die fürzlich vom Reichsmirtschaftsminister mit einem neuen Versprechen gegen die Kohlenpreiserhöhung bewaffnete Festung der öffentlichen Meinung doch noch einnehmen zu können. Die Berbraucher aller Grade werden also auf der Hut sein müssen. Die Argumente für die Erhöhung Donnerstag, den 7. Juli, nachmittags werden nicht besser, wenn man sie alle 14 Tage wiederholt. 4 Uhr, in Ewalds Bereinshaus, Staliger Straße 126 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Achtung! Gürtler Achtung! Nußbaum- Möbel, günstige Angebote, Spiegelschränte 135, 170, Aleiderschränke 55, Bettstellen 39, Liſche 18, Stühle 7, Ruhebett 42, Umbausofa 135, Flur. garderoben 33. Verkauf im Fabrik. gebäude. Moebel- Boebel, Morigolah. Fünfundsiebzig Speisezimmer, Standuhren, Gobelinsofas. Herabgefeste Preise. Sahlungserleichterung. Ramer Ting, Raftanienallee 56, Musikinstrumente Lintpianos, überaus preiswert, Biano. fabrik Lint. Brunnenstraße 85. ge Pianos 200,- 475,- 575, braucht, große Auswahl in neuen; lang. jährige Garantie. Herer, Brunnen Teilzahlung. das Forschungsamt in Sorau( beide genießen weit über die Grenzen Einheitspreisläden. Der Worenhauskonzern Leonhard Tiek Branchenversammlung traße 191, 1 Treppe, Rosenthaler Blas. Wie dem Flachsbau und der Flachsverarbeitung weiter zu helfen ift, bedarf aber noch gründlicher Erörterung. Selbstverständlich ruft der Flachsbau und die Flachsverarbeitung nach Produktionsfrebiten durch den Staat. Man hat im Mai 1926 durch Bermittlung der Reichskreditgesellschaft bereits ein Darlehen von 9 Millionen Mark aufgenommen. Wenn der Industrie durch einen solchen Produktionskredit mirklich geholfen werden fann, fönnte dieser Kredit bis 1930 verlängert werden. Auch ist es vielleicht nicht zu bedenklich, einen 3usazkredit in Höhe von 3 millionen Mart zu ermäßigtem 3insfuß für den Flachsbau und die Flachsverarbeitung zu beschaffen und die geforderten Beihilfen zum Bau von Verfuchsmaschinen, zur Vornahme von Versuchen bei Anbau und Fasergewinnung, zum Ankauf dieser Maschinen zur Saatfruchtförderung verwenden. Abzulehnen ist aber die letzte Forderung nach 2 bis 2,5 Mil lionen Mart für Anbauprämien. Diese Anbauprämie, die ungefähr 2 M. pro Doppelzentner Strohflachs ausmacht, wird unbedingt für erforderlich gehalten, meil mindestens um diesen Betrag die deutsche Flachsindustrie teurer arbeitet als die Flachsindustrie in Rußland und der Tschechoslowakei. Die Forderung bedeutet ausge sprochene Subventionen einer bestimmten Industrie durch den Staat. Mit den Staatsfubventionen muß es zu Ende sein, auch bei der Flachsindustrie, weil die Staatssubventionen keine Mittel find, eine daniederliegende Industrie wieder wettbewerbsfähig zu machen. F. D. Bildungsarbeit der sozialen Baubetriebe. Start gestiegene Beschäftigtenziffern. " Die Demokratisierung der Wirtschaft fegt die Verbreitung von mirtschaftlichem Wiffen bei denen voraus, die zur Leitung der Wirtschaft berufen sind. Auch der Verband sozialer Baubetriebe hat die Notwendigkeit einer besonderen Schulung der Personen erkannt, die für eine wirtschaftliche Führung der sozialen Baubetriebe verantwortlich sind. Die soeben erschienene Nummer 12 der Sozialen Bauwirtschaft" sucht die Frage zu klären, wie die Geschäftsführer und Buchhalter der sozialen Baubetriebe auf betriebswirtschaftlichem Gebiete meiter auszubilden find, und wie die Betriebsvorstände und Aufsichtsräte der Betriebe mit dem Wissen ausgestattet werden können, über das sie als verantwortliche und kontrollierende Organe von Wirtschaftsbetrieben verfügen müssen. Auch die Frage, wie unter der Arbeiterschaft ganz allgemein mehr wirtschaftliches Wissen verbreitet werden kann, wird eingehend erörtert. In Auffäßen von Helmuth Niendorf und Hugo Scheibel wird die Notwendig feit einer Verbindung der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit mit der Bauhüttenbildungsarbeit betont. In einem weiteren Auffaß über ,, Gewerkschaftliche wirtschaftliche Schulungswochen" lehnt Albert Töpfer jeden Lehrbetrieb ab, der zur Oberflächlichkeit und Halbbildung führt, meil aufgepfropfte Bildung nur Einbildung und nicht wirkliches Können zur Folge habe. Die Geschäftsführung des Ver bandes sozialer Baubetriebe veröffentlicht Borschläge zum Aufbau der Bildungsarbeit. Wertvolle Anregungen bietet auch ein Bericht über die von dem Berliner Stadtrat Mag Peters unternommene fämtl. Gürtler, Monteure, Kronenund Kronenflempner, fchloffer Bronzeure, Bronziererinnen und Fahrräder Drei Mark Wochenrate, 15 Mark AnMontiererinnen. aahlung, für ein erfitlaffiges MarkenBestimmungen der Krankenversicherung ftrake neunzehn. Tagesordnung: 1. Die wichtigsten rad. Fahrradhaus Rentrum, LinienReferent: Rollege Richard Henschel 2 Branchenangelegenheiten und Ber schiebenes. Kaufgesuche Unterricht Günftige Ergebnisse im Kölner Tietz- Konzern, Ausbau der Köln, hält sich mit der Ausschüttung einer 6 prozentigen Dividende auf das 5,2 Millionen Attienkapital auf der Höhe des rechnung weisen gegenüber dem Abschluß von 1925 nur geringe Ab= Vorjahres. Auch die Endergebnisse in der Gewinn- und Berlust weichungen auf. Der Rohgewinn hat sich zwar von 32,5 auf 31,5 millionen ermäßigt, dagegen erreicht der Reingewinn mit 1,87 Millionen fast den Stand des Vorjahres, was auf die mit 28,9 millionen um rund 600 000 m. gefentten Untoften und Steuern zurückzuführen ist. In der Bilanz wirft sich jedoch wird das Erscheinen jedes Branchenange- Rahugebine, Silberfachen, ginn, Ble!, Der wichtigen Tagesordnung wegen eine ganz erhebliche Berbesserung der Geschäfts- und Finanzlage hörigen erwartet und im Mitgliedsbuch Quedfilber, Goldschmelze Chriftionat, Amerika- Anleihe in Höhe von 3 Millionen Dollar fonnten Donnerstag, den 7.Juli, abds. 7 Uhr. des Unternehmens aus. Durch Aufnahme einer langfristigen vermerkt. Röpeniderstraße 39( Adalbertitraße). bie turafristigen Gesamtschulden von 22,3 bis auf in der Mulaaftr. 9( Arbeitsausgaberaum) 13,7 mill. Mart zurückgezahlt werden, so daß diese jetzt durch die Guthaben, die von 9,3 auf 11,6 Mill. Mart stiegen, fast gedeckt werden. Als ein Zeichen der Geschäftsbelebung ist auch die der Innnungsschmiede. Senfung der Warenvorräte von 26,2 auf 24,2 mill. Mark Tagesordnung: 1. Die Lohn- Spittelmarkt. anzusehen, obwohl das neu eröffnete Barenhaus in Barmen seiner 2. Branchenangelegenheiten. verhältnisse in den Jnnungsbetrieben. feits ansehnliche Borräte beansprucht. Auf die Neueröffnung dieser schiebenes. Zweigniederlaffung ist auch die Erhöhung der Immobilien und 8ahlreiches Erscheinen aller Rollegen Maschinen, die faft 2,0 Millionen Zugänge aufweisen, zurückzu- it Pflicht. führen. Die Erfahrungen, die nach dem Geschäftsbericht das Unternehmen mit den ersten im Jahre 1925 eröffneten Einheitspreisläden gemacht hat, sind gut und die Verwaltung beabsichtigt baher, das Netz dieser Organisation weiter auszubauen. Kölner Tiez- Konzern wird deshalb seine bisherige Ehape G. m. b. H. mark umwandeln. in eine Chape Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 3 Millionen Lehrlingsversammlung Beobachtungen, tünfte allerorts. H Der Vollversammlung Brivatzirkel, Einzelunterricht, Kurzfchrift, Maschineschreiben, Buchführung. Bücherrevifor Aulich, Sendelstraße 1, 3. Ber Vermietungen Achtung! Klempner Klempner Achtung! Donnerstag, den 7. Juli, abends Uhr, im des Jugendheim" Berbandshauses, Cinienstraße 83,85 Die Kollegen müssen überall die Lehrlinge auffordern zum Besuch dieser Rochftube billig vermietbar. Heirich, Potsdamerstraße 45. Verschiedenes Detektivburean Staschel, Chauffee ftraße 77, Fernsprecher Norben 7886. Ermittelungen, Aus Geldverkehr Vfandleihe. Söchftbeleihuna. Lange, Interessengemeinschaft Kodak Bereinigte Glanzftoff- Fabriken. Bersammlung. Die bereits seit längerer Zeit geführten Verhandlungen zwischen der Rebat Belellimhaft und der Bereinigte Glanzftoff Achtung! Feilenarbeiter Achtungoristak. Alchingerbaus. Fabriken 2. 3. haben jetzt zum Abschluß einer Intereffen Donnerstag, den 7. Jull, abds. 7 Uhr, gemeinschaft geführt. Der Elberfelder Glanzstoff- Konzern hatte be im großen Saal des Verbandshauses, Cinienftr. 83/85 fanntlich seine Interessen auf die Filmindustrie ausgedehnt und unter der Firma Glanz film-.- B. in Köpenick ein großes Wert Allgemeine Versammlung errichtet, das fürzlich den Betrieb aufgenommen hat und die mo dernste Filmfabrit des Kontinents darstellt. Jetzt soll zwischen der Kodak und der Glanzfilm A.-G. eine neue Gesellschaft gegründet werden, die im Köpenicker Bert sämtliche Arten der von Kodak in den Handel gebrachten Filme für den deutschen und europäischen Marft produziert. Die Kodal- Gesellschaft, die der größte Filmproduzent der Welt ist, stellt dem neuen Unternehmen ihre fabritatorischen Erfahrungen und Rezepte zur Verfügung und durch die Interessengemeinschaft sowie durch ständige Berbesserung der Produktionsmethoden soll eine Preissenfung erzielt werden, um damit die Entwicklung der Filmindustrie, sowie der Photographie wesentlich zu fördern. der Feilenarbeiter. Arbeitsmarkt Stellenangebote Tagesordnung: 1. Die ablehnende Juristische Stadtratsstelle Die Ortsverwaltung. Verkäufe antwort auf unfere Urlaubs- und Cohnforderung. 2. Diskussion u. Verschiedenes. Die hier infolge der Benfionierung des bisherigen Stadtfynditus" neu zu be Das Erscheinen aller Kollegen ist fegende Stelle foll wieder mit einem auf unbedingt erforderlich. dem Gebiet des bürgerlichen und des öffentlichen Rechts hervorragend befähigten und bewährten Juristen mit Gerichtsassesforpatent befest werden. Die Wahl erfolgt auf 12 Jahre gemäß den Bor fchriften der Stäbteordnung. Das Gehalt entspricht dem der Gruppe 13, bei Wieder Dürkopp Nähmaschinen gegen 3- Mart. wahl nach 12 Jahren dem Einzelgehal: B1 Wochenraten. Blojit, Brunnenstraße 185, der Preußischen Besoldungsordnung. Die Englische Finanzkonkurrenz auf dem Balkan. Aus Bukarest zwischen Rosenthalerplaz und Invali. Anrechnung von Dienstalter bleibt befommt die interessante Mitteilung, daß fürzlich ein rumänischer fonderer Bereinbarung vorbehalten. denstraße. Norden 118. Regierungsvertreter in London wegen Krediten für Rumänien Achsen, Federn, Sensen, Gicheln. Leiterwagen, Schubtarren, Einzelräder, Angabe von Austunftspersonen find bis Bewerbungen mit Lebenslauf und Fa. verhandelt hat. Der neue rumänische Regierungschef fei geneigt, brit Dresdenerstraße 55. aum 15. September 1927 an das StadtMorigplas verordnetenamt im Rathause einzusenden. alle Konzeffionen zu machen, um eine Auslandsanleihe für den 12 738. Stettin, den 30. Juni 1927. Wiederaufbau der Eisenbahnen und bie Stabili. Hökerwagen durch Plattenaufbau auf Der Stadtverordnetenvorsteher. fierung der rumänischen Währung zu erhalten. Bisher mere toen prima ettenbar, after wagen felbft leicht herstellbar. Georg war es bekanntlich Deutschland, das unter starter Förderung Wagner, Köpeniderstraße 71, Sof. Rein Zum sofortigen Antritt perfekter durch die Reichsregierung mit sehr bedeutenden Reichsgarantien Laden, dafile billigere Breife. Automobil- Schlosser den rumänischen Wiederaufbau finanzieren wollte. Ob Rumänien. Bekleidungsstücke, Wasche usw Deutschland nur einen Ronkurrenten entgegenstellen will, um und Chauffeur die Verhandlungen günstiger zu geftalten, oder ob eine Bon Ravallezen wenig getragene fo. neue Herrengarderobe verkauft Schwentung in der rumänischen Politit vorliegt,( pottbillig selbbaus Friebrioffrage Gebr. Niendorf, Pianofortefabrik A.-G. wird sich wohl bald herausstellen, Reine Lombardware. Dr. Ahrens. gesucht, Wohnung vorhanden. Luckenwalde. Dienstag 5. Juli 1927 Unterhaltung und Wissen Die Rache. Bon Salamon Dembiger. In später Nacht ist es mir eingefallen, mein Zimmerchen zu verlassen und in den schmalen Gassen der großen, fremden Stadt herumzuspazieren, wo ich mich schon einige Wochen aufhielt in der Meinung, hier lebe die phlegmatischste Menschenrasse, der ich je begegnet sei. Die Nacht war unheimlich dunkel, leuchtende Laternen zeigten den Weg. Es war sehr still und etwas schaurig. Alles ringsum schlief in einem Fenster sah man noch Licht irgendwo weinte ein Kind! Gehend dachte ich, daß in allen Ländern, wo Städte und Gaffen find, Menschen wohnen, Menschen, die ihre Energie darauf ver. menden, das bißchen elende Leben zu Ende zu bringen und manchmal, in höchfter Berzweiflung und Sorge fommt eine Minute, da sie sich vielleicht fragen: wozu das alles?!! Aber diese Fragen nüzen nichts. Sie sind schon so oft gestellt worden! Was soll man tun? Man muß weiterleben, darben und hoffen. Ich war vielleicht eine Viertelstunde gegangen, als mich plötzlich ein Husten aus meinen Gedanken riß. Ich drehte mich um, fonnte aber nichts sehen, so finster war es. Bei diesem Haus muß jemand stehen, hatte ich das sichere Gefühl! Ich zündete mir eine Zigarette an und bemerkte beim Schein des Streichholzes einen auffallend blaffen Mann in den dreißiger Jahren. Er stand in den Winkel eines Hausflurs gepreßt. Merkwürdig erschrockene Augen schauten mich an. Einen Moment sind mir schaurige Geschichten von Ueberfällen eingefallen; aber ich habe mit aller Kraft die Gedanken daran unterdrückt und sagte: ,, Entschuldigen Sie, wie spät wird es jetzt wohl sein? Schade, daß alle Kaffeehäuser in der Stadt schon geschlossen sind! Wenn man nicht schlafen fann, muß man in dieser Finsternis herumlaufen!" Eine matte, durchaus feine Stimme hat mir hastig geantwortet: ,, Sie können auch nicht schlafen? ich kann auch nicht schlafen! alle Menschen können nicht schlafen! Oder glauben Sie, daß die da oben in ihren Stübchen schlafen können? Wissen Sie, was die jegt tun? Sie zanfen fich, oder betrügen und belügen sich, wachend oder im Traum! Ist das nicht dasselbe?!" Mein Herz klopfte unruhig mir und mahnte mich zur Vorsicht. ,, ein Berrückter!" dachte ich bei Ja," antwortete ich dann gezwungen füßlich ,,, Sie haben recht, mirklich Sie haben recht! aber wiffen Sie vielleicht den nächsten Weg zur Hauptstraße?" Er hatte sicherlich bemerkt, daß mir seine sonderbare Antwort menig gefiel und daß ich die Absicht hatte, fortzulaufen. Vielleicht be. gann er deshalb jeßt fo langsam und refigniert zu reden: PI Wenn Sie wollen, werde ich Sie dorthin bringen. Aber es ist boch jetzt alles geschlossen! Folgern Sie bitte nicht aus meinen haftigen Reden, daß ich möglicherweise im Kopf nicht richtig bin. Uebrigens vielleicht bin ich es wirklich nicht! Wer weiß?! Aber menn Sie mir einen Gefallen tun wollen Sie haben ja Zeit! Bielleicht können Sie mir auch einen Rat geben! Ich werde ihn befolgen, auf Ehrenmort, das werde ich tun! Schon wochenlang fuche ich einen Menschen, der mir einen Rat geben soll. Sagen Sie, sehen Gie dort gegenüber das Meine, leuchtende Fensterchen, dort im zmeiten Stod, wo der halbe Borhang weggezogen ist fehen Sie es schon? Dort wohnt mein Unglüc unterbrechen Sie mich nicht! Haben Sie feine Angst! Ich bin nicht verrückt! manchmal münsche ich es zwar, es zu werden! Aber man mird es nicht man mind es nicht! Sie heißt Mathilde, mein Unglück nämlich und ich liebe ihr Fleisch! Mein Gott, marum soll man Fleisch nicht lieben fönnen? Sie ist meine Frau! und seit einer Stunde habe ich nun von diesem Platz beobachtet, daß sie von einer Untreue zurüdgefehrt und in unfer Heim hinaufgegangen ist. Bor zwei Jahren, als ich sie zum ersten Mal dabei erwischte, habe ich sie von meiner Tür gejagt wie einen Hund! Wissen Sie, was nachher geschah? Ich habe mich gesehnt, ich habe geschrien zu Gott und fonnte nicht leben und sterben, bis ich sie nach langem Suchen fand und auf den Knien gebeten habe, zurüdzutommen! Und ich habe das Bersprechen geben müssen, daß sie tum und lassen fann, was sie will! Ja! dies Versprechen mußte ich ihr geben! Und seit dieser Zeit habe ich keine Ruhe mehr erwische ich fie mieder bei einer Untreue, dann flehe ich nur und weine, aber ich habe Angst, irgendetwas zu tun ich habe Angst, daß sie mich wieder verläßt und ich mich im Bett herumwälze-! Als sie heute nacht um zwei Uhr wieder nicht zu Hause war, hielt ich es nicht aus und ging hier herunter und hier, wo Sie mich jetzt sehen martete. Vor einer halben Stunde ist sie nach Hause gekommen ich sah sie schon von weitem. Nun zieht sie sich gewiß dort oben aus! Was ich tun werde?- Gar nichts! Uebrigens ich habe hier einen Stein in der Tasche, sehen Sie, würden Sie mir nicht raten, ihn hinaufzuschmeißen? Er wird sicherlich die Scheiben zerbrechen, Möbel beschädigen und vielleicht sie treffen. Aber was schadet das? Sie wird ja nicht wissen, wer es getan hat! Woher soll sie es wissen? Und etwas muß man doch tun, nicht? Sie raten mir nicht dazu? Aber ich tue es trotzdem sehen Sie!" Eine Sefunde später hatte ein mächtiger Knall das Mirrende Fensterscheibchen ausgeschlagen! Der Schrei einer entfeßten Frauen stimme erſcholl. Gleichzeitig wurden von allen Seiten Fenster aufgerissen berschlafene Menschen haben ihre Laternchen angezündet haftige Schritte flangen von weitem. www Später fand ich mich in einer anderen Straße wieder und bemerkte, wie die Nacht langsam verschwand. Der Himmel wurde grauer, und wieder stieg ein neuer Tag herauf, mar im Begriff auf diese elende Welt zu kommen, für die es schon höchste Zeit wäre, daß sie endlich unterginge. Was sittenpolizeiliche Akten erzählen. Bor mir liegt ein dickes Bündel fittenpolizeilicher Aften. Sie erzählen mancherlei von den Irrungen und Wirrungen strauchelnder Menschenfinder, von den Lebensschicksalen der Ausgestoßenen. Wer fittliche Abgründe aufspüren will, der entdeckt sie hier nicht, sondern meist außerhalb der Kreise der Barias der Gesellschaft. Die Dirnen und Halbdirnen, denen wir in diesen Aften begegnen, find feine„ geborenen Prostituierten", sie sind Entgleiste, Berführte, die durch irgendwelche widrigen Lebensumstände aus der gewöhnlichen Lebensbahn hinausgeworfen murden. Sie litten durchweg nur vorübergehend Schiffbruch, und zwar in Mittelstädten, die der sozialen Entfaltung der Brostitution enge Grenzen steden. Großstädte haben eine förmliche Prostitutionsindustrie. Bestimmte Gruppen non Cafés, Restaurant- und Tanzfaalbefizern hängen hier wirtschaftlich von Prostituierten ab. Bu bestimmten Tages. und Nachtstunden beherrscht die Prostituierte in den großen Metropolen, menigstens in ihren verkehrsreichsten, von den Fremden bevölkerten Straßen das Stadtbild. Die Prostituierten erscheinen hier als eine soziale Schicht der Bevölkerung, und die Prostitution tritt als soziale Klaffen erscheinung auf. Man hat schon versucht, die soziale und wirtschaftliche Bedeutung der Prostitution in bestimmte Ziffern zu fassen. So glaubte der Finanzrat Losch 1904 in einem Vortrag den Aufwand Deutschlands für feile Liebe auf 300 bis 400 Millionen Mart schätzen zu fönnen. Als üble Begleiterscheinung der Prostitution macht sich sofort eine finnlose Brasferei, ein verschwenderischer Berbrauch von schlechten alkoholischen Getränken in zahlreichen Animiertneipen und Cafés bemerkbar. Die Prostitution verseucht weiter in einem ungeheuren Umfange die Gesellschaft mit Geschlechtsfrankheiten. Beilage des Vorwärts Interessant ist die Antwort, die die Lüneburger Polizeidirektton am 29. Oftober 1897 auf die Frage der Osnabrücker Polizeivermaltung gibt: Nach diesseitiger Ansicht fann( je nach den Umständen) in dem Annehmen der gebotenen Genußmittel eine Vergütung für den Geschlechtsgenuß, also eine Gewerbsunzucht erblickt werden, auch genügt nach diesseitiger Ansicht das gesamte geschilderte Berhalten unter Umständen zum Stellen unter Sittenkontrolle. Praktisch geworden sind derartige Fälle hierselbst noch nicht." Lüneburg, eine Stadt von 20 000 bis 25 000 Einwohnern, besaß vor der Revolution eine starte Garnison, die natürlich sehr erheblich auf die feruelle Sittlichkeit des weiblichen Geschlechts einwirkte. Namentlich waren die jungen Hausangestellten und Arbeiterfrauen Für die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft ist die hier in hohem Grade der Verführung durch die vielen unver Existenz der Prostitution von weittragender Bedeutung. Große heirateten Soldaten ausgefeßt. In ganz jungen Jahren gingen die Gruppen der großstädtischen männlichen Bevölkerung stehen in fort- Mädchen oft schon durch viele Hände, verfielen den Geschlechtsfrankwährender Berührung mit Prostituierten. Sie leben sich in die Borheiten und übertrugen diese weiter auf die Soldaten. Dann meldete Der Deutschnationale. FLEISCH ZOLL KARTOFFEL ZOLL ZUCKER ZOLL MECKLENBE STRELITE vel - Grad' will ich an die Zölle „ Verfluchtes Pech! da kommt meine Wählerbasis ins Wanken!" N stellung der zur Ware herabgewürdigten Frau hinein, sie übertragen leicht die aus ganz entseelten geschlechtlichen Beziehungen fließende Mißachtung der Frau auf das ganze weibliche Geschlecht. Die fäufliche Liebe ist ein schweres Hemmnis für die Entwicklung des Gleich berechtigungsgedankens von Mann und Weib. Die Prostitution wirft wie ein alles verpestender Sumpf, der durch seinen giftigen Fieberatem weithin alles verseucht vor allem die sozialen Schichten, die diesem Sumpfe zunächst wohnen. Was ganz allgemein das Lumpenproletariat für das Gesamtproletariat ist, das ist die Prostituierte für die schlecht bezahlten Schichten des weiblichen Geschlechts. Die Beseitigung des Lumpenproletariats bedeutet eine entscheidende soziale und fulturelle Hebung des Proletariats überhaupt. Die Eindämmung der Prostitution ist eine das ganze weibliche Geschlecht berührende Sache. 3st keine amtlich Entehrte mehr vorhanden, dann ist die Ehre des meiblichen Geschlechts gefestigt. Die Prostitution ist also eine soziale Klaffenerscheinung, die im wesentlichen an die Stadt gebunden ist. In der Mittel und Kleinstadt begleitet sie uns natürlich nicht auf allen Wegen und Stegen, aber auch hier ist sie eine dauernde Einrichtung. Die Prosti tutionsindustrie die Dirnenrestaurants und Cafés, die Vermiete rinnen von Dirnenwohnungen, das Zuhälterwesen steckt hier noch in den ersten Anfängen. Das sogenannte" Berhältnis" tritt nur felten auf. In den Akten der Mittel- und Garnisonstadt Lüneburg finden wir nur menige Andeutungen über eingemietete Mädchen. Die Polizeidirektion Osnabrück schildert einmal in einem Schreiben an die Lüneburger Polizeidirektion kurz dieses Verhältniswesen: Nun ist es hier in legter Beit mehrfach vorgekommen, daß Frauensperfonen, fei es aus Hang zu Bergnügungen, aus Hang zum Geschlechtsgenuß oder aus anderen Gründen heute mit diesem, morgen mit jenem Manne ausgehen, Wirtshäuser besuchen und sich von dem jedesmaligen Begleiter mit Bier, Wein, Abendbrot, Theater- und Ronzertbilletts beschenken laffen. Als Gegenleistung erfolgt der Geschlechtsgemuß. Geld oder andere Geschenke werden weder gegeben noch angenommen. Wir sind im 3meifel darüber, fann in dem Annehmen der gebotenen Genußmittel eine Bergütung für den Geschlechtsgenuß, also eine Gewerbsunzucht, erblickt werden, oder genügt das gesamte geschilderte Verhalten zum Stellen unter Sittentontrolle?" In diesen Zeilen ist ein sehr aufgelockertes Verhältnismesen" geschildert. Der ständige Wechsel in den Beziehungen zum männlichen Geschlecht ist in den durchschnittlichen Verhältnissen" nicht anzutreffen. Es liegen meist längere Bindungen zwischen Mann und Beib in dem Verhältnis" vor. Professionsmäßiger Verkauf des Leibes gegen Entgelt ist hier nicht festzustellen. Das Weib erwirbt seine Eristenz durch berufsmäßige Arbeit, und es vergnügt sich in seinen Mußestunden mit dem Manne, der die Kosten des 2müsements bestreitet. Ein rigoroses Auftreten gegen das Bera hältnismelen hätte die fittenpolizeiliche Kontrolle sehr erweitert und die wirtschaftliche und rechtliche Eristenz ganzer Gruppen junger Mädchen erschüttert. der Regimentskommandeur die Ansteckung an die Polizeidirektion, und diese ließ das junge leichtsinnige Mädchen untersuchen. Die Freigabe für Geld tam bei diesen Mädchen faum in Frage. Sie standen in fester Stellung, und überschüffige Sinnlichkeit trieb sie in die Arme der Männer. Großen Anfechtungen waren die Wäscherinnen ausgesetzt, die für die Soldaten und Unteroffiziere muschen. Es waren oft arme jungverheiratete Frauen, die den Zugriffen der Unteroffiziere nicht widerstehen konnten. In den Tagen der Schüßenfest e tummeln sich in den Mittelstädten zahlreiche Prostituierte auf den Festplägen. Da werden dann von der Polizei Razzias veranstaltet, und die Mädchen, die sich nicht genügend legitimieren können, werden aufgegriffen. Meist werden sie zur Bahn geleitet und abgeschoben. Bei diesen Verhaftungen ereignen sich häufig Mißgriffe, die auf falsche Denunziationen zurückzuführen sind. Deshalb schreibt ein preußischer Ministerialerlaß vom 22. Februar 1899 den fittenpolizeilichen Beamten vor, sich darauf zu beschränken, die Personalien der Beschuldigten und der Anzeigenden festzustellen. Eine nicht unter fittenpolizeilicher Kontrolle stehende Frauensperson, die von einer Brivatperson denunziert wird, soll nicht in Gewahrsam gehalten werden, sondern nach Aufnahme einer Verhandlung entlassen werden. Ein sehr trübes Kapitel in der Sittenpolizei bilden die Den unziationen, die bei der Polizeibehörde gegen Frauen und Mädchen einlaufen. Wir lesen da von einer Arbeiterfrau, die von ihrer eigenen Mutter denunziert wurde. Gemiß, diese Frau ist finnlich und leichtfertig; eine berufsmäßige Prostituierte ist sie eigentlich nicht. Sie gibt sich Männern hin, nimmt Geschenke an und sie motiviert diese Hingabe mit den Worten: Weil mein Mann mich vernachlässigt, und ich dem Reiz nicht widerstehen kann." Männer, die genau das Borleben ihrer Frauen vor der Ehe fannten, denunzieren diese nachher der Polizei. Da bezichtigt weiter ein Liebhaber seine frühere Braut, mit der er sich überworfen hat, der Unzucht, da denunziert ein Soldat sein Mädchen, das er zum feruellen Verkehr verleitet hat. Diese Denunziationen schließen einen wahren Abgrund sittlicher Verwahrlosung und Vertommenheit auf. Man stelle sich vor, welches Unheil sich an dieje Angebereien fnüpfen kann, wenn diese nicht als falsch und als Racheafte sofort festgestellt werden können. Sie fönnen das Schicksal eines Mädchen entscheiden. Und diese Entscheidung liegt oft in den Händern von Männern, die kein Verständnis für die sozialen Ursachen der Prostitution haben. Schon aus diesem Grunde müßte die Aufhebung der sittenpolizeilichen Kontrolle gefordert werden. Der preußische Minister des Innern war sich schon 1899 über die fittlichen Gefahren im flaren, die eine Handhabung der Sittenpolizei durch nicht hinlänglich qualifizierte Beamten in sich schließt. Er forderte in einem Runderlaß vom 22. Februar 1899 die sorgfältigste Auswahl der Erefutivbeamten der Sittenpolizei. Nur ältere, unbedingt zuverlässige Beamte sollen zur Handhabung der fittenpolizeilichen Maßnahmen verwendet werden. Aber mit dieser halben Berordnung fonnte der Minister den Fehlgriffen der Sittenpolizei feineswegs steuern, denn sie liegen im Wesen dieses Instituts felbft. Die Stadt Lüneburg hatte am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein System der Kasernierung der Prostitution. Die Ausübung der Prostitution war an bestimmte Häuser gefnüpft, die sich im Besige von zwei oder drei Kontrolldirnen befanden. Bon Zeit zu Zeit laufen bei dem Bürgermeister und der Polizeiverwaltung Lüneburgs Bejuche von Bordellbesitzern und befizerinnen ein, die hier öffentliche Häuser aufmachen wollen. In einem dieser Gesuche heißt es einmal meds Hebung der fitt lichen Ordnung". Von der sittlichen Ordnung" erwartet der ehrfame Bürger natürlich einen weitgehenden Schuß vor der Ansteckung mit Geschlechtsfrankheiten. So beflagt sich einmal ein Ge fchäftsmann über eine erfolgte Infektion in den von der Stadt geduldeten Brostituiertenhäusern mit den Worten: Ich bin Lüneburger Geschäftsmann und verheiratet, aber gezwungen, zu solchen Weibern zu gehen." In der Prostitutionsstatistik Lüneburgs fällt direkt die Zahl der verheirateten Frauen auf, die der fittenpolizeilichen Aufsicht unterstellt sind. Im Jahre 1892 standen in Lüneburg fünf Frauen unter fittenpolizeilicher Kontrolle. Darunter war nur eine unverehelicht und eine Witwe. Man kann der Lüneburger Polizei durchaus nicht nachsagen, daß fie schnell und hart gegen die Frauen und Mädchen vorging, die ihr wegen gemerblicher Unzucht denunziert waren. Die Polizeiverwaltung weiß offenbar, wie unheilvoll sich die fittenpolizeiliche Kontrolle auswirkt. Von einer Frau, der die Preisgabe ihres Körpers für Geld nachgesagt wurde, heißt es einmal, daß von ihrer Stellung unter Sittenfontrolle abgesehen wurde, um ihre völlige Das ist fitttiche Bermahrlosung zu verhindern". wohl die schärffte und treffendste Kritit der Sittenpolizei überhaupt. Und dieser Sittenpolizei fonnte das minderjährige Mädchen verfallen. Das preußische Fürsorgegejez vom 2. Juli 1900 ermöglichte den Behörden die Stellung minderjähriger Mädchen unter Fürsorgeerziehung. An dieses Gefeß erinnerte der preußische Minister des Innern in dem Zirkularerlaß vom 15. Januar 1901 die preußische Regierungspräsidenten. Diese Maßregel wird sich sofern noch Besserung vorhanden ist irgendeine Hoffnung auf empfehlen, als die Stellung solcher Personen unter fittenpolizeiliche Kontrolle mehr Ein junges minderjähriges Mädchen hat eine findlich naive Schilderung ihrer jugendlichen, leichtsinnigen Liebesabenteuer den fittenpolizeilichen Akten beigegeben. Sie schreibt unter anderem: " Der Referendar mahnte mich nur zum Guten, trotzdem wir auch intimen Verkehr hatten, wenn auch nur sehr, sehr selten. Daß ich mir eine Wohnung nehmen sollte, war nur, daß wir uns mehr sahen. Er sagtc. fo fönne er seine Arbeiten bei mir machen, wir könnten auch zusammen lesen, turz. mir harmonierten so zusammen, so daß mir die Trennung von ihm fehr schwer geworden ist, und in Andenken an ihn allein, will ich alles hinter mir lassen, ich habe ihm auch nur ein dankbares Andenken." Wie rührend ist die tiefe Dankbarkeit dieses Mädchens für die Beweise einer gewissen Menschlichkeit, mit der ihr im Leben begegnet war. Das Mädchen hat furze Zeit darauf die Stellung eines Hausmädchens angenommen. Der Kampf gegen die Prostitution jugendlicher Mädchen ist eine Aufgabe der sozialen Fürsorge und Erziehung. nicht aber der reglementierenden Sittenpolizei. Das lehren die Akten der Sittenpolizei selbst. B. R. Großer Saison AUSVERKAUF Beginn 1. 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Kade Die Ereignisse in China! Bitte aufbewahren! 2. Fortsetzung folg!) Weil Amerika, dem wir bekanntlich unendlichen Dank schulden, in Sachen des guten Geschmackes ebenso bekanntlich in der Welt voran ist, haben unsere jungen Leute nicht nur die amerikanischen Negertänze und die dazugehörige Negermusik mit Begeisterung aufgenommen, die wir früher als kulturlos abgelehnt hätten, sondern sie haben sogar die dazugehörigen Hin- und Herhosen, sogenannte CharlestonWenn der jungen eingeführt, die mit ihrer Geraamigkeit einen sehr Wein blüht Waihalia Theal. Werbetage Täglich 8 Uhr: Adam auf Abwegen Schwank in 3 Akten von Otto Söhnel Das Tollste vom Tollen 60 Parkett statt 4 Mk. einschl. Nachmittags- Kaffee und Kuchen. nur 60 Pig, auch Sonntags. Eintritt Reichshallen- Theater 8 Uhr. 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