5lr. 316 ♦ 44. �ahrg. Ausgabe& Nr. 161 Bezugspreis: WSch-ntllch 70 Ps-nnig. monatlich B,— Reichsmarl voraus zahlbar. Anter Kreuzband für Deutschland. Tanzig, Saar» und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmark, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmarl pro Monat. Der.Borwürts' mit der Mustrier. tcn Sonntagsbeilage.Boll und Zeit' sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen",.Aus der Filmwelt", .Frauenstimme"..Der Kinder- freund",„Jugend-Lorwitrts",.Blick in die Bllcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. val, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sozialdemokrat verlia- Morgenausgabe lr � f> Verlinev Volksblalt (10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Ronpareisse- »eile 80 Pfennig. Reklame, eile 5,— Reichsmart..Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 25 Piennig tzulässig zwei fettgedruckte Worte». jedes weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort »5 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 00 Pfennig. Familienanzcigen für Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4lb Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Linden. straheZ, abgegeben werden. GeSffnet von 8lb Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratsfchen parte« Deutfchlands Reüaktion und Verlag: Serlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Donnerstag, den 7. Juli 19Ä7 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Lindenstr.Z Postscheckkonto:«erlin 57 554— Bankkonto: Baak der Arbeiter, AagesteStea nad Beamte». W allste. 55: Biokoato-Heselschaft, Deoosttenkasse Liudenftr. S. Macöonalös wieöeraustreten. Scharfe Kritik der Oberhausreform, Rückzug Baldwins, das Mißtrauensvotum abgelehnt. London. K. Zuli.(Eigener Drahlbericht.) Das Al i h- krauensvotum der Arbeiterpartei gegen die Regierung wegen ihrer Oberhaus- Reformpläne stand im Dlittelpuakt der Unterhaussihung vom Mittwoch, der alle Anzeichen eines„großen Tages"— übersüllke Abgeordnetenbänke und Tribünen— an sich trug, llebcrdies war der Tag noch durch die Rückkehr Ramsay Rlacdonalds, welcher dos Mißtrauensvolum der Arbeiterpartei einbrachte, und durch seine wiederaufgenommene parlamentarische Tätigkeit gekennzeichnet. Mocdonald, in dessen Antlih die Spuren seiner schweren Erkrankung noch immer deutlich geschrieben standen, wurde bei seinem Eintritt lebhaft gefeiert und seine ironische Rede dauernd von Beifallskundgebungen seitens der Arbeiterporlei unterbrochen. Macdonald ironisierte ein- gangs die von der Regierung im Oberhaus mitgeteilten Reform- piäne. wobei er feststellte, daß eine Durchführung dieser Pläne die politische Atmosphäre Großbritanniens aufs ungünstigste beeinflussen und das vertrauen des Volkes zum parlamentarischen Regime erschüttere. Es heiße, daß der wahre Grund für die Reformpläne die I u r ch t fei. daß eine zukünftige Arbeiterregierung übereilte Reformen durchführen werde. Die Gefahr, in der aber England heute schwebe. läge nicht in der llebereilung. sondern in der Verzögerung seglichen Fortschrittes. Macdonald schloß mit der Zeststellung, die Vorschläge der Regierung seien r e v o l«« i o. närer Ralur und gingen daraus hinaus, den konservativen die Macht dauernd in die Hände zu spielen, wer immer auch in England offiziell regiere. Auf Macdonald folgte der Ministerpräsident Baldwin, dessen Erklärungen mit größler Spannung erwartet worden waren. da die Ausklärung über das Ausmaß der Revision gehen muhte. welche die Regierung in ihren Plänen notifiziert hat. Baldwins Erklärung bedeutet, wenn auch nicht in der Zorn», so doch in der Sache das Eingeständnis des Rückzugs der Regierung unter dem Druck der ösfentlichen Meinung. Die Re- gierung betont zivar nach wie vor die R o t w e a d i g t e i t einer Oberhausreform. Es kaun jedoch nach der Erklärung Baldwins als sicher gelten, daß die am 20. Zum im Oberhaus mitgeteilten Pläne. deren Gefeheswirkung Lord Birkenhead bereits für das kommende Hahr angekündigt hatte, dem Parlament in ihrer allen Zorm nicht unterbreitet werden. Baldwin gab am Schluß seiner Ausführungen Meinungsdifferenzen im konfer- valiven Lager zu und erklärte, die Regierung werde im Lichte der Unterhaus- und Oberhausdeballe sowie der öffentlichen Kritik versuchen, neue Pläne zu formulieren und zur Durchführung zu bringen. Wird die Regierung hierbei scheitern, müsse man zweifeln. ob für die nächste Zeit irgendeine Reform des Hauses der Lords überhaupt möglich fei. Mehrere Abgeordnete der Arbeiterpartei und der Staatsrechts- tehrer Lee Smith, welche nach dem Ministerpräsidenten sprachen. meinten. Baldwin hätte wie ein geschlagener und in Mißkredit ge. brachler Mann den Rückzug angetreten. London, ö. Zuli.(MTB.) Das Unterhaus hat den Miß- lranensantrag der Arbeiterpartei mit ZSZ gegen«07 Stimme n a b g e( c H n(. London. 6. Juli.(WTB.) Lloyd'George erklärte im Unterhaus, bis jetzt habe jeder Versuch, das Oberhaus zu refor- inieren, zu einem Mißerfolg geführt. Was die Frage der Erb- lords anbetrifft, fragte Lloyd George, ob es ziveihundert Lords gäbe, die infolge ihrer Ausildung. ihrer Erfahrung und ihrer Klugheit die nötige Fähigkeit besitzen, um die Gesetzgebung abzuändern. Irgend- welche Reform des Oberhauses wäre lächerlich, wenn sie den Liberalen und der Ardeilerpariel keine Möglichkeit einer entsprechenden Vertretung böte. Lloyd George sagte, er zöge das jetzige Oberhaus vor. Annäherung Lloyd' Georges und Grcys. London, 6. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Gemeinsame Gegner- schaft gegen die geplante Oberhausrcform der Regierung führte zum gemeinsamen Erscheinen Lloyd Georges und Lord Greys auf derselben Tribüne anläßlich einer vom Rational Liberal Club veranstalteten Demonstration. Es handelt sich hier um ein deutliches Anzeichen der inneren Konsolidierung der liberalen Partei und ist insofern überaus bedeutsam, als es dos erste gemeinsame Auftreten der beiden liberalen Führer seit vier I a h r e n i st. Der Beschluß öer Manüatskommisiion. Ernste Widerstände gegen einen deutschen Sitz. Gens, 0. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In dem Beschluß über die Wahl eines deutschen Mitgliedes stellt die Mandatskommission des Völkerbundes einmütig sest, daß sie über die politischen Gesichtspunkte der Frage sich nicht zu äußern habe. Was die technische Seite der Angelegenheit anbelangt, sehe sich die Kam- Mission in eine Mehrheit und in eine Minderheit gespalten, wovon die ersterc erklärt, daß der Wahl eines solchen nichts im Wege stehe, während die Minderheit, die sich aus dem französischen, dem belgischen und dem englischen kommissionsmilglied zusammenseht. auch dazu keine Meinung äußern will. Ramentlich der Z r a n- z o s e und der Belgier sollen dabei, wie wir erfahren, den Standpunkt vertrelea haben, daß die politischen und technischen Ge- sichlspunktc voneinander uicht getrennt werden können. während der E n g l S n d e r zu der Aussassung hinneigte, daß eine vermchrung der Zahl der Kommissionsmitglieder nicht zu empfehlen fei. -8 Mit diesem aufsehenerregenden Beschluß der Mandats- kommijsion tritt das ganze Problem des deutschen Sitzes in eine überaus heikle Phase ein. Man hatte geglaubt, daß der eingeforderte Bericht der Mandatskommission nur eine Formalität sein würde. Jetzt stellt sich aber heraus, daß die Widerstände gegen eine auch nur indirekte Rückkehr Deutschlands in die Kolonialpolitik so stark sind, daß keine einheitliche Stellungnahme erfolgen konnte, sondern daß, was in Genf nur selten vorkommt, eine Spaltung eingetreten ist, und zwei verschiedene Berichte dem Völkerbundssekretariat überreicht wurden. Schon diese bloße Tatsache ist für Deutschland sehr peinlich. Theoretisch kann man sich zwar auf den Standpunkt stellen, daß der Bericht der M e h r- heit allein maßgebend sei: praktisch läßt sich ober ein solcher Standpunkt um so schwerer aufrechterhalten, als der Minderheitsbericht gerade von den Vertretern der wich- tigsten Kolonialmächte abgegeben worden«st, Mächte, mit denen wir sonst alles Interesse haben, uns zu perständigen. � Man wird sich über dieses mehr oder minder direkte negative Votum des französischen, des belgischen und des britischen Kommissionsmitgliedes um so mehr wundern können, als ja die A u ß e n m i n i st e r dieser Länder auf der letzten Tagung des Völkerbundrates scheinbar ihre Zustimmung zum Eintritt Deutschlands in die Kammission gegeben hatten. Die Lösung des Rätsels— wenigstens nach der formalen Seite hin— liegt darin, daß die Mitglieder der Koinmission nicht Beamte ihrer Regierungen, sondern Beamte des Völker bundssekretoriats sind und„selbständig" entscheiden. Aber das ist natürlich nur Theorie— und wahrscheinlich sogar nur B o r w a n d. Offenkundig haben diese Bertreter nicht gegen den Willen der Regierungen ihres Landes gehandelt, sondern wahrscheinlich sogar auf Grund bestimmter Wei- sungen Hier wurde also ein doppeltes Spiel gegen Deutschland getrieben. Das Bedauerliche und das Bedenkliche zugleich an dieser Wendung der Dinge ist, daß die Gefahr besteht, daß nunmehr die Frage des deutschen Kommissionsmitgliedes zu einer Prestigefrage für Deutschland und vielleicht auch für die anderen Mächte wird. Sie droht sogar zur wichtigsten Streitfrage auf der Septembertagung des Völkerbundes zu werden, wobei wieder einmal, die Hauptprobleme, die Deutsch land interessieren— Rheinlandräumung usw.— ebenso wie im Juni völlig unter den Tisch fallen würden. Das war aber die Zulassung Deutschlands zur Mandatskommission, gegen die sich gerade vom Standpunkt des deutschen Interesses aus vieles einwenden läßt, wahrhaftig nicht wert. Der einzige konkrete„Erfolg", den Dr. Stresemann zur Besänftigung der Deutschnationalen noch in letzter Stunde in Genf heraus� geholt und heimgebracht hat, könnte Deutschland noch teuer zu stehen kommen!___ Der deutsche Botschafter in Paris,».hoesch. wurde am Mi» wochoormittag in einer Münchener Privatklnnk einer Halsope- ratio«(Mandeiabszeß) unterzogen, die nach den Mittellungen der Aerzte glücklich oerlaufen ist. Es steht in Aussicht, daß der Potschafter in nächster Zeit die Älrnik schon wieder verlassen kamt. die demokratie in Gefahr! Die Oberhausreform— eine Schicksalsfrage für Europa. K W. London. Anfang Juli. Die Regierung Baldwin hat von jeher, auch in ihren harmlosen ersten beiden Jahren, die Ueberraschungen geliebt. Freilich äußerte sich diese Neigung zum Unerwartc- tcn anfänglich nur im kleinen: der Ministerpräsident ließ etwas plötzlich, in irgendeiner gleichgültigen Rede neben- sächlich eine Bemerkung fallen, die politische Entschlüsse von größter Tragweite anzuzeigen schien. Sturm im Parlament, Aufruhr im Blätterwaldc, Verwirrung der Oeffentlichkeit. Aber Roß und Reiter sah man, in aller Regel, niemals wieder: der jeweilig beiläufig geäußerte Plan wurde nicht mehr wieder erwähnt und von der Oeffentlichkeit Groß- britanniens— jener Oeffentlichkeit mit dem kürzesten Ge- dächtnis der Welt— wieder vergessen. Man hatte sich daran gewöhnt, diese periodischen Ueberraschungen als„Bald- wins lautes Denken" zu bezeichnen und ironisch obzutun. Die Ankündigungen Baldwins zerfielen schließlich geradezu in solche, hinter denen wirklich ein Entschluß der Re- gierung stand, und in solche, deren Ankündigung auf eine Eingebung des Augenblicks, auf eine„Improvisation" Baldwins im Fluß seiner Beredsamkeit zurückzuführen waren. In letzter Zeit hat nunmehr die Regierung als ganze diese Methode der überraschenden Entschlüsse zu einem R e- gierungssystem entwickelt. Sie konnte es, da eine sklavisch folgsame parlamentarische Mehrheit ihr anscheinend kritiklos eine Blankovollmacht für alles gewährt hatte, was sie gesetzgeberisch zu verwirklichen wünschte. Nach- einander wurde der Entwurf des Gewerkschafts- knebelungsgesetzes, die Mitteilung der A u s d e h- nung des Frauen Wahlrechtes und zuletzt die Pläne für eine„Reform" des Oberhauses solcherart einer unvorbereiteten Oeffentlichkeit zuin Frühstück serviert. Aber hier wußte sich Baldwin mit allen Spießbürgern und Reaktionären der Vereinigten Königreiche ein Herz und eine Seele. So blieb die Regierung fest und triumphierte über ihre Widersacher— freilich mehr im Parlamente selbst als draußen in Stadt und Land, wie die Nachwahlen unzwei- deutig bewiesen. Als die Regierung die Ausdehnung des Frauenwahlrechts verkündigte, ballten sich recht ansehnliche Wolken um Whitehall, das Regierungsviertel. Der Wider- stand kam hier von der anderen Seite, von den Ewig- Gestrigen im eigenen Lager. Hier fand Baldwin den be- quemen Ausweg, ganz einfach nicht mehr darüber zu sprechen, und kein Mensch vermag heute zu sagen, ob dieser Plan der Regierung heute überhaupt noch besteht oder nicht. Bei der Verkündigung der Oberhausreform begann es allerdings zu blitzen und zu donnern: das eigene politische Hinterland der Regierung zeigte sich weniger gefügig als jemals vorher— es begann im eigenen Lager zu gären. Die konservative Parteimaschine gab zwar den Ober- Hausplänen der Regierung ihren offiziellen Segen, aber gerade die Diskussion, welche dieser frisierten Vertrauens- kundgebung des„Zentralausschusses der Landesorganisation der konservativen Partei" vorausgegangen waren, scheinen der Regierung gezeigt zu haben, daß sie diesmal in ein Wespennest gegriffen hatte. Und es ergab sich die Tat- fache, welche der Ironie nicht entbehrt, daß es gerode eine äußerliche Vertrauenskuudgebung war, welche die Regierung zu einer Revidierung ihrer Absichten veranlaßt?. Es ist im Augenblick nicht ganz klar, was die Regierung mit ihren Reformplänen für das Oberhaus nunmehr tun wird— es hieße jedoch— nach den Erfahrungen mit dein Gewerk- schaftsgesetz— unberechtigt optimistisch sein, wolle man sie schon jetzt als abgetan betrachten. Es wäre einfach, das verstärkte Ausschlagen des Pendels gegen die Regierung daraus zu erklären, daß eine Häufung von Mißgriffen und eine dauernde Verkennung der Stim- mung im Lande schließlich und endlich einmal eine stärkere Reaktion hervorrufen muß. Diese würde die jüngsten Vor- gänge nur halb erklären. Ebenso, wie die Feststellung, daß auch die konservativen Bevölkerungskreise keine Macht- erweiterung der Lords wünschen, nur eine halbe Wahrheit darstellen würde. Es handelt sich bei diesem Widerstand, auf den die Regierung unerwartet im Herzen ihrer eigenen Partei, in der Unterhaussraktion der konser- vatiocn Partei gestoßen ist, uin etwas grundsätzlich weitaus Bedeutungsvolleres und Bezeichnenderes. Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als das A u f b c g e h- ren des tiefen demokratischen Instinktes einer ganzen Nation, die nicht ohne Grund früher als die übrigen europäischen Völker den politischen Feudalismus zerbrochen und sich die bürgerlichen Freiheiten errungen Hot, dagegen, daß unter der Maske der Demokratie ein durch und durch undemokratischer Zweck verfolgt wird. Mag auch, wie das Schicksal des Gewerkschaftsgesetzes beweist, das Anftands- gefühl demokratisch gewählter Abgeordneter geschwächt sein, sobald sich ein soziales Problem zwischen ihre Klassenvor- urteile und ihre Pflicht als Volksvertreter schiebt— dieser demokratische Instinkt ist selbst im konservativen Lager und d*- tn elner Fraktion willfähriger Eunuchen nicht so weit ge- schwächt, daß ein S t a a t s st r e i ch, wie die Oberhaus- reform ungefragt, wie etwas Selbstverständliches Hingenom- men würde. Hier liegt die ungeheure, in ihrer grundfätz- lichen Bedeutung bisher kaum richtig erkannte Bedeutring des Kampfes, der"um die Oberhausreform gegenwärtig ent- brannt ist. Siegt die Regierung und gelingt es ihr, im Sinne und Geiste ihrer durch Lord Cave im Unterhaus ver- kündeten Absichten, das Oberhaus als ein Bollwerk gegen die Souveränität des Unterhauses und damit des Volkes aufzurichten, so bedeutet dies, daß die Demokratie im Augen- blick auch in England dem Geiste des Faschismus unterlegen ist— mag dieser auch, der angelsächsischen Geistesverfassung angepaßi, sich hier weniger theatralisch gebärden und in pseudodemokratischem Gewände einher- schreiten. Siegt der ursprüngliche Gedanke der verfassungs- mäßigen Entrechtung des Unterhauses(und er ist bisher von der Regierung nicht widerrufen worden) so bedeutet das, daß die demokratisch gewählten, wenn auch tonser- vativen Vertreter des Bürgertums die Verteidigung ihrer Klassenvorrechte und Interessen für wichtiger halten als ihre eigene Machtgrundlage und Würde. Me Folgen wären unübersehbar: eine solche Verriegelung jeder fort- schrittlichen und sozialen Entwicklung müßte die auch auf der andern Seite, wenn auch heute nur in schwachen Ansätzen vorhandenen antidemokratischen Tendenzen über Nacht zur Reife bringen und— in allem Ernste sei es gesagt— England zum ersten Male seit Jahrhunderten an den Rand einer revolutionären Situation führen. Entwickelt sich jedoch der Widerstand gegen die Staats- streichpläne im konservativen Lager zu solcher Stärke, daß die Regierung ihre Reformpläne und damit den hinter- listigsten Anschlag, der in England seit dem Anbruch des bürgerlichen Zeitalters gegen die Demokratie erdacht worden ist, liquidieren oder wenigstens ihres Staatsstreichcharakters berauben muß, so ist damit nicht etwa nur das demokratische Prinzip gerettet, sondern England vor einer Krise bewahrt, die unübersehbar zu werden verspricht. Die Oberhausreform, die so harmlos, mit der Geste der Beiläufigkeit und Zufällig- keit angekündigt wurde, ist damit zu einer ganz großen Entscheidungsschlacht um das gegenwärtige Schick- sal der Demokratie in ganz Europa geworden. Sie geht deshalb, nicht nur in England, sondern auch in Europa einen Jeden an. Noch ist das Schicksal des geplanten Staats- ftreiches in der Schwebe. Aber die Lethargie ist zerbrochen und die Nation zur Erkenntnis erwacht, daß England nicht vor eine parlamentarische Entscheidung, sondern vor eine Schicksalsfrage erster Größe gestellt ist. öapern unü öie Reichsfinanzpolitik. Um das Stenervcrcinfachungsigcsetz. In diesen Tagen werden in Berlin Besprechungen zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Heidt, dem Finanzminister Dr. S ch m e l z l e, dem Innenminister Stütz! und der Reichsregierung über die schwebenden finanzpolitischen Fragen stattfinden. Es handelt sich dabei vor allem um das geplante Steuerver- einheitlichungsgesetz, von dem Herr Dr. Schmelzte in seiner Etatsrede im bayerischen Landtag gesagt hat, er hoffe und wünsche inständig, daß dieser Gesetzentwurf niemals die Billigung des Reichskabinetts finden möge. Bei dem geplanten Gesetzentwurf handelt es sich um den Versuch, die Realsteuern der Länder und Gemeinden.ein- h e i l l i ch für das ganze Reich zu regeln, dasselbe für die Hauszins st euer zu tun und eine wesentliche Verein- fachung der Finanzverwaltung in Reich und Ländern und Gemeinden herbeizuführen. Seit vielen Wochen berät das Reichskabinett darüber. Infolge der Widerstände Bayerns und des bayerischen Vertreters in der Reichsregierung hat sich aber bisher keine Einigung erzielen lassen, so daß Die Diphtherie in öerlin. kein Grund zur Beunruhigung— aber ernste Beachtung! Von Stadtarzt Dr. Alfred K o r a ch. Die Diphtherie ist im Laufe dieses Jahres in Berlin erheblich häufiger ausgetreten als in früheren Jahren� durchschnittlich doppelt so ost wie im Vorjahr. Allerdings ist hierbei zu beachten, daß das Jahr tS2K den bisher tiefsten Stand der Diphtheriefälle aufwies und daß die Zahl der Diphthcriefälle im letzten Jahrzehnt— etwa vom Jahre 191k ab— gegenüber früheren Iahren in Deutschland dauernd stark gesunken ist. Mit um so aufmerksamerem Auge muß man das Wiederau st eigen der Diphtherie kurve betrachten, die sich freilich jetzt im Hochsommer, wie stets, etwas senkt, dafür aber erfahrungsgemäß vom September ab ein weiteres Aufwärtsgleiten erwarten läßt. Unter den in diesem Jahre auftretenden Diphtheriefällen find« man verhältnismäßig häufig schwere Erkran- k u n g e n, nicht selten ganz stürmisch verlaufende, gleich zu Beginn der Krankheit fast hoffnungslos erscheinende und dann auch tödlich endende Leiden. Eine Reihe von Aerzten führt viele dieser schweren Erkrankungen auf sogenannte„Mischinfektionen" zurück, die dadurch entstehen, daß nicht nur Diphthericbazillen, sondern auch gleichzeitig andere giftige Bakterien den Körper befallen. Es handelt sich in Berlin um eine Diphtherie, die sowohl in Hinsicht auf die Krankhcitshäufigkeit wie auch in bezug auf den schweren Charakter mancher Ertrankungen zu deiiten gibt. Von einer Diphtherieepidcmie kann jedoch keine Rede sei» und wir sind glücklicherweise immer noch weit von jenen Krankheits- und Todssursachenziffern entfernt, welche die Diphtherie vor Einführung der � Beringfchen Diphtherie-Heilserum- Einspritzungen— also in der Zeit vor 3l> und inehr Jahren— verursachte. Das Ansteigen der Zahl der Diphtherieerkrankungen und das Auftreten der verhältnismäßig vielen schweren Fälle in London, in New Bork und in anderen amerikanische» Großstädten während der letzten Jahre— trotz eifriger Anwendung der Serumeinspritzung!— erheischt auch hier ernste Beachtung, um so mehr noch, als in diesem Jahre nicht nur in Berlin, sondern auch in Paris die Diphtherie wieder häusiger und schwerer aufgetreten ist. Der Stand der Berliner Diphtherie— die leider auch unter„normalen" Verhältnissen alljähr- lich zahlreiche Menschen, Kinder und auch Erwachsene dahinrafft— bietet jedoch keinen Grund zu einer besonderen Be- unruhigung. Es gilt aber, dem Diphtherieproblem jedenfalls erhöhte Aufmerkf.tmkeit zu schenken. Mit Rücksicht auf die in legier Zeil in Berlin ausgetretene» zahlreichen Diphtheriefällc und mit dem Ziele, die Zahl der Er- krankungen durch Aufklärung der Bevölkerung über die Entstehung und die Art der Erkrankung nach Möglichkeit herabzumindern, hat daher auch der Berliner M agistrat vor kurzem angeordnet, die ursprüngliche Absicht, den Entwurf noch vor den Sommer- ferien des Reichstags zu verabschieden, fallen gelassen werden mußte. Die Stellung Bayerns in dieser schwierigen Frage ist um so auffallender, als gerade die parlamentarischen Ver- treter Bayerns die Vorlage gewünscht haben. Jetzt ist es die Bayernregierung, die dauernd Protest erhebt und die Verabschiedung des Gesetzes im Kabinett bisher mit Erfolg verhindert. Auch vom sozialistischen Standpunkt sind gegen die Regierungsabsichten schwere Bedenken zu erheben. Nißtrauensantrag gegen Regierung tzelü. Vom sächsischen Landtag bei Stimmengleichheit abgelehnt. Dresden, K. Juki.(Eigener Drahtbericht.) In der heutigen Sitzung des sächsischen Landtags standen ein kommunisti- scher und ein sozialdemokratischer Mißtrauens- a n t r a g gegen die Regierung Held zur Beratung. Der sozialdemokratische Antrag wurde von dem Genossen Arndt be- gründet, der recht gründlich mit den Parteien abrechnete, die Schuld an dem Zustandekommen der Bürgerblockregierung tragen, besonders mit der ASPS. Der Nationalsozialist v. Mücke er- klärte, daß er und sein Freund für das Mißtrauensvotum stimmen würden, weil die Regierung Held der nationalsozialistischen Idee nicht genügend Spielraum gelassen habe. Bei der Abstimmung wurden 47 Stimmen für das Miß- trauensvowm und 47 Stimmen gegen den Mißtrauensan- trag abgegeben. Für den Mißtrauensantrag stimmten Sozial- demokraten, Kommunisten und die zwei dem Landtag angehörenden Nationalsozialisten. Dagegen stimmten die Abgeordneten aller bürgerlichen Parteien und die vier Abgeordneten der ASPS. Zwei demokratische Abgeordnete hatten vor der Abstimmung den Saal verlassen. Da nach der sächsischen Verfassung zu dem Zu- ftandekommen eines Mißtrauensvotums mindestens mehr als die Hälfte all« Abgeordneten, also mindestens 49 Stimmen notwendig sind, gilt der Mißtrauensantrag als abgelehnt. Neue Sürgerblockstblappen. Zentrum gesten Bürgcrblock im Haushaltsausschusi. Täglich aufs neue zeigen sich im Bürgerblock Risse und Un- stimmigkeiten. Nicht nur in den großen entscheidenden Fragen, sondern auch in unbedeutenden klaffen die Meinungen der Re- gierungsparteien auseinander. In der Mittwochsitzung des Aus- s ch u s s e s für den R e i ch s h a u s h a lt holte die Bürgerblock-. regierung sich gleich zwei Niederlagen von ihrer eigenen Gefolgschaft. Das Auswärtige A m t hatte mit einer Vorlage vom Haus- Haltsausschuß die Genehmigung erbeten, das Konsulatsgrundstück in Alexandrien zu verkaufen und aus dem Verkaufserlös zwei Grund- stücke, eins in Kairo, eins in Alexandrien zu erwerben. Der Referent für den Haushalt des Auswärtigen Amtes, Abg. Dr. hoehsch(Dick.), setzte sich mit den Regierungsvertretern sür die Vorlage ein und wurde dabei vom Abgeordneten Dr. Crem«(D. Vp.) unterstützt. Die Genossen Stückten und Heimann sprachen scharf gegen die Vor- läge und ihre Gründe fanden die Zustimmung des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei. In der Abstimmung wurde die Vor- läge mit großer Mehrheit abgelehnt. Nicht besser erging es dem Reichsverkehrsmini st er, der die Ermächtigung zur sofortigen Einstellung von zunächst 150 Polizeianwärtern für den Reichswasserschutz erbeten und zur Verteidigung seiner Vorlage sich selber in den Aus- fchuß bemüht hatte. Die Vorloge wurde außer vom Minister und seinen Räten nur von den Deutschnationalen verteidigt. Zentrum und Sozialdemokratie erklärten sich gegen sie und auch hier wurde mit großer Mehrheit die Ablehnung beschlossen. Zum Schluß nahm der Haushaltsausschuß bezüglich der Ein- stellung von Warte st andsbeamten eine Entschließung an, worin die Reichsregierung«sucht wird, die Besetzung zweiter besetz- barer Stellen mit Wartestandsbeamten schärfer als bisher durchzu- daß in Bälde ein besonderes Merkblatt an diejenigen Eltern oerteilt werden soll, deren Kinder eine Schulklasse besuchen, in der ein oder mehrere Diphtheriefälle sich bereits ereignet haben. Gottes Wort im propellerbrausen. Behaupte noch einer, daß der Protestantismus stagniere. Ganz und gar nicht— er amerikanisiert sich. Seine Verkünder haben das Zeitalter der Lindbergh, Chamberlin, Dr. Pelzer und Sch>nehling begriffen. Rekord ist alles! Der Pfarrer entsteigt dem Talar und zieht die karierten Breeches des Leibesertüchtiaten an. Er bricht Trauungsrekorde im Flugzeug. 300 Meter über Normal- Null, die Spitze der Gedächtniskirche(auch Taufhaus des Westens genannt) umkreisend, statt des Organisten sekundiert von einer Choräle krächzenden Grammophonplatte, segnet er junge Paare ein und schließt Ehen. Wie schnell ändern sich die Menschen! Im Kriege erzählte man von einem Divisionspfarrer, der im Kasino von ein paar junge Leutnants angeulkt und aufgefordert wurde, einmal den vordersten Schützengraben zu besuchen..Lieber nicht", winkte der fromme Mann ab,„da vorne steht man zu sehr in Gottes Hand!" Dieser Typ ist gänzlich veraltet. Die nächste Pfarrergeneration wird grundsätzlich nur noch auf Rodelbahne», in Flugzeugen, während eines kessen Looping, oder beim Langstreckenlauf kirchliche Handlungen verrichten. Wer wird beispielsweise noch einem Ster- benden in vulgär herkömmlicher Weise am Bett die legte Oelung erteilen? Wir sehen folgendes Programm voraus: Man schafft den Sterbenden mittels Drahtseilbahn auf die Zugspitze, wo ein schnittiger Bobsleigh bereit steht. Der Sterbende wird auf den Rennschlitten gebettet. Der Pfarrer setzt sich hinter ihn, zwei be- kannte Sportsleute übernehmen Steuerung und Bremse und mit dem Augenblick, in dem das Gefährt zu Tale saust, setzt die kirch- liche Handlung ein. Dieweilen harren unten in Garnüsch Tausende und aber Tausende mit fiebernder Spannung, ob der Pfarrer seine Geschäfte beendet haben wird, noch ehe der Schlitten das Ziel- band passiert. Der Sterbende schließt glücklich in dem Bewußt- sein, daß morgen seine letzte Talfahrt mit Schlagzeilen und Illu- strationen die Presse füllen wird, seine Augen. Gleichzeitig erfährt die jubelnde Menge, daß soeben ein neuer Zugspitzenrekord aus- gestellt wurde. Die Reichsstatistik verkündet ein paar Ziffern, die der Kirche sichtlich unangenehm sind. Anderthalb Millionen haben i» den legten Jahren ihren Austritt erklärt. In B«rlin hat die Zahl der Protestanten trotz einer Bevölkerungszunahme von mehreren Hunderttausenden um 30 000 abgenommen. Tut nichts! Der tüchtige Flugzeugpfarrer über der Gedächtniskirche hat den Weg erkundet, auf dem die Kirche die Herzen einer sportbegeisterten Menge zu- rückgewinnt. Altmodische Faselanten sprechen noch von Verinner- lichung der Religion, von neueni Geist, von sozialer Deutung des Christentums. Hoffnungslose Schwärmerei! Dies Zeitalter will kein Gefühl, es will Rekorde! Naturvölker mochten Gottes Stimme im Sturmgebraus hören. Die heutige Generation hört sie im Pro- pellerbrausen mtt Grammophonbegleitung. Und so bleibt denn der einzige Weg: Sportliche Ertüchtigung der Kirche! Iouatlzaw_ führen und eine Nachweifung üb« die Zahl der in d« Zeit vorrt 1. April 1927 bis zum 30. September 1927 sreigewordenen und der davon mit Wartestandsbeamten besetzten Stellen dem Haushaltse ausschuß vorzulegen._ Rbrüftungsforöerungen Srouckeres. Kurze Dienstzeit, kleine Ausgaben, Kontrolle.— Teck Kriegsminister wiederholt feine Reichswehrgeschichten. Brüssel. 6. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Senat wurde am Mittwoch die Debatte über den Heeresetat fortgesetzt. Ge- neffe de Vrouckere hielt dabei eine großzügige Rede zugunsten der Abrüstung. Er wies auf die Bestimmungen des Friedensvertrages von Bersailles hin, wonach die Entwaffnung Deutschlands ein- Vorbedingung der allgemeinen Abrüstung sein soll. Deutschland fordere jetzt mit Recht die Einhaltung des Versprechens d« Ab, rüstung, die eine moralische Verpflichtung der Siegerftaaten sei. Als eine wesentliche Form der Abrüstung bezeichnete de Brouckais die Berkürzung der Dienstzeit, die zweite Form sei di- Herabsetzung der M i l i t ä r a u s g a b e n und die dritts die öffentliche Kontrolle der Rüstungen. Belgien brauche die sechsmonatige Dienstzeit: deswegen habe es keinen Zweck, erst mit einer Dienstzeit von acht oder neun Monaten zu erperi- mentieren.. Kriegsminister Brocqueville erklärte dann auf die zzrage. die ein sozialistischer Senator am Dienstag wegen d« vorzeiugen Erneuerung der deutschen Reichswehr gestellt hatte, er könne ieine Informationsquelle nicht bekannt geben, ab« sie sei absolut zuver- lässig. Er besitze über die Rüstungen Deutschlands An- gaben, die für die Zukunft beunruhigend seien. Er könne die Zahl der Mannschaften, die die Reichswehr alle sechs Monate entlasse— es handle sich namentlich um Intel- lektuelle—, angeben und ebenso die Zahl derjenigen, die nur diei, fünf und acht Jahre unter den Massen gehalten werden. Die Zahl der deutschen Divisionen sei ihm ebenfalls bekannt. Daratifhin wurde der Heeresetat vom Senat angenommen. Chambcrlain gegen Erörterung der Räuinungsfragc. London, 6. Juli.(WTB.) Im Unterhaufe fragte Harris, ob Chamberlain jetzt in der Lage sei, ein D a t u m f ü r d i e B- e n d gun g der Besetzung deutschen Gebietes durch die alliierten Truppen anzugeben, und ob diese Angelegenheit in Genf er- ö r t e r t worden sei oder erörtert werde. Chamberlain erwiderte:„Die Frage der Festsetzung eines Termins für die Beendigung der Besetzung des Rheinlandes durch die alliierten Truppen wurde In(tzens nicht erörtert. Die Bestimmungen, nach denen das Rheinland geräumt werden soll, sind in den Artikeln 428 bis 431 des Vertrages von Versailles niedergelegt." H a r ri z fragte weiter, ob Chamberlain nicht glaube, daß ein neunjähriger Zeitraum nach dem Wasseustillsland ausreichend sei, um diese militärische Besetzung, die Europa daran hindert, zu fühlen, daß die Frieden satmofphäre sich Bahn gemacht hat. zu blenden. und ob Chamberlain nicht glaube, daß diese Frage«ört«t werden müßte. Chamberlain erwiderte:„Bein, ich glaube nicht, daß irgendeinem nützlichen Zweck gedient wäre, wenn sie gegenwärtig in Genf erörtert würde. Sie wurde von niemand sonst ausgeworfen, und ich nehme an. daß andere derselben Meinung waren." Harris stellte weiter die Frage, ob die Befestigungen in Ostpreußen zur Zufriedenheit der Militärkontrollkommission zerstört worden seien.# Chamberlain entgegnete, daß die Besichtigung der in Fraga kommenden deutschen Ostbefestigungen noch nicht abge-r, schlössen sei. Er sei daher nicht in der Lage, irgendeine Mitteilung über die Zerstörung dieser Werke zu machen. Abschiedsseier für Hildenbrand. Der R e i ch S r a t veranstalteis am Mittwoch abend eine Abschiedsfeier zu Ehren seines ausjchei- denden Mitglieds des Gesandten, Genossen Hildenbrand, der ursprünglich den Freistaat Württemberg und zuletzt� die beiden Lippe vertreten hat. Die stimmführendcn Bevollmächtigten der Länder waren vollzählig vertreten. Von der Reichsregierung war der Finanzminister Dr. Köhler erschienen. der preußische Inuenminister über»Theaterrevuen'"« In sein« Sitzung vom K. April beschloß der Landtag, das Staatsministerium zu ersuchen, in Erkenntnis der außerordentlin» großen Gefährdung unseres kulturellen und sittlichen Lebens durch die„in keinerlei Kunstinteresse begtündete Aufführung der sogenannten Theaterrevuen mit sehr ausgiebigen Nacktdarstellungen di: geeignet erscheinenden behördlichen Maßnahmen zu veranlassen". Ferner wurde das Staatsministerium unter Hinweis auf die Tel- fache, daß sehr eindeutige Schlager, Couplets usw. durch Verbreitung von G r a m m o p h o n- S ch a ll p l a t t e n bis in die kleinsten Dörfer und damit bei der städtischen wie ländlichen Schuijugend Ei!'.- gang finden und so eine unberechenbare Vergiftung der Voltssecle bewirken, ersucht, die Verbreitung solcher„Kunsterzeugnissc" mit allen geeignet erscheinenden Maßnahmen zu verhindern. Nachdem der preußische Minsster des Innern bereits in einem Runderlaß aus dem Jahre 1923 über Mißstände im Theater- we s e n darauf hingewiesen hat, daß auch nach Beseitigung der sog. Vorzensur die Polizei zum Einschreiten gemäß§ 10 II ALR. verpflichtet ist, sobald der Inhalt eines Theaterstücks oder die Art seiner Ausführung geeignet ist. die öffentliche Sittlichkeit zu gefährden, bringt der Minister den erwähnten Runderlaß sämtlichen Polizeibehörden zur Beachtung erneut in Erinnerung. Was die im Beschluß des Landtags«wähnten Grammophon- platten anlangt, so weist der Minister, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge, darauf hin, daß nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts Lautübertragungen durch Grammophonplntten unter den Begriff der Darstellungen im Sinne des§ 184 Nr. 1 StGB, fallen, wenn dessen sonstige Tatbestands rnerkmnlo vorliegen. Die Polizeibehörden werden daher ersucht, auch diesen Uebelständen besondere Ausm-rrksamkeit zuzuwenden und gegen sie mit allem Nach- druck ciuznschreiten._ Zur Aknslik im Rundfunk. Eine Gruppe englischer Sende- stationen hat vor kurzem erneut Untersuchungen angestellt über die Frage, welche Musikinstrumente und Stimmen sich am besten für die Verbreitung durch den Rundfunk eignen. Unter den Musik- instrumenten wurde dabei die Glocke bzw. Gong als das beste be- zeichnet: an zweiter Stelle kommen Saiteninstrumente, vor allem Cello und Mandoline. Unter den Singstimmen sind Baß und Bariton am besten geeignet, während unter den Sopran- sänget innen es nur wenige gibt, die überhaupt im Rundfunk singen sollten. Als Kurisorium sei noch erwähnt, daß die Radio- wiedergäbe einer Schallplatte mit Aufnahmen einer amerikanischen Mandolinenkapelle als ganz besonders klangschön bezeichnet wurde. Kitt nrorr Znlcndan» In Aachen. Nut Vorlchlaq der Aachen« Stad'< yeiwnltuiiq dabe» die«uftändil,«» ftädlijcheii»luSschillse den Leiter Cci J?fli jhiui)tc Sladlibcalers HeinZ Kart Stroh m zum Nachfolger de* Iute.idanien Cito Äaurenbrechcr gewählt. Neuzeit tu Zudien. Wie die.Time»" aus Burma(Britisch-HinterindiinI erfahren, hat der gesetzgebende Rat van Burma beschlossen, die Einrichtung der RickschaZ Ivo« Kuli« im Laufschritt gezogene, zweirädrige Wagen für den Personenverkehr) abzuschasse». da e« der Menschenwürde widerspreche, daß sich ein Mensch von einem anderen, wie vo» einem Zugtier ziehen lasse. s lu ltg a r k. 6. 3uli.((Eigener Drohlbericht.)(Benofle D l l h e l m Bios Ist am Mittwoch nachmittag 5 Uhr im Krankenhaus Sluttgarl an den Aolgen eines Gehirnschlages. den er am Donnerslag vor Ostern erlitten hal, verstorben. Mit Wilhelm Blas ist einer der letzten dahingegangen. deren Leben säst die ganze Geschichte der Sozialdemokratischen Partei umspannt. Blas war am 5. Oktober 1849 in dem badischen Städtchen Wertbeim als Sohn eines Arztes geboren. Seine Volksschul- und Gi)mnasialzeit spielte sich in seiner engeren Heimat ab, dann bezog er die Universiät Freiburg, um Philologie und Geschichte zu studieren. Süddeutscher, schwarzrotgoldener Demokrat sozusagen von Geburt und, wie viele seiner Lands- leute von Hause aus literarisch begabt, fand er mühelos den Weg zur Journalistik. Er war, einundzwanzig Jahre alt, Pedakteur am„Schwarzwälder Boten" in Oberndorf am Neckar, als der Deutsch-Franßösische Krieg ausbrach. Da bekam der Herausgeber des Blattes nationalliberale Neigungen, denen der junge Redakteur keineswegs zu folgen vermochte. Er hielt sich lieber an den Maschinenmeister des Blattes, K i e ß l i n g, der im Jahre 1870 auf dem Stuttgarter Kongreß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Delegierter gewesen war. Durch ihn wurde Blas zum Sozialdemokraten. Später waren es wieder in Nürnberg zwei Arbeiter nicht unbekannten Namens, die den jungen Akademiker und Journalisten in seiner sozialdemokratischen Gesinnung befestigten: G r i l- lenber ger und S ch e r m. ' Im Sommer 1872 übernahm Blas die Redaktion de?" .Volksfreund" in Braunschweig. Damit begann die überaus fruchtbare journalistische Tätigkeit, die er im Dienste der Partei Jahrzehnte hindurch entfaltete. 1877 kam er auch, als Ge- wählter von Gera, zum erstenmal in den Reichstag, dem er dann mit einigen Unterbrechungen bis zum Herbst 1918 an- gehörte. In Braunschweig hatte er in Bracke einen aus- gezeichneten Kameraden gefunden, bald lernte er auch Bebel und Liebknecht kennen und knüpfte mit Marx und beson- ders mit Engels, mit dem er einen umfangreichen Brief- Wechsel führte, Beziehungen an. Als das Sozialistengesetz über die Partei hereinbrach, gehörte der Dreißigjährige schon in die vorderste Reihe ihrer Vertrauensmänner. Er blieb in Deutschland, wo ihn seine journalistische Geschicklichkeit der Partei mehr und mehr unentbehrlich machte, und die Her- ausgäbe von Presseerzeugnissen, die für die Häscher des Sozialistengesetzes unfaßbar blieben, wurde seine Spezial- aufgäbe. Daß auch seine Gewandtheit dieses Problem nicht ganz zu lösen vermochte, versteht sich von selbst und so wurde Blas der Gegenstand zahlloser behördlicher Verfolgungen, die er mit Tapferkeit und gutem Humor ertrug 1880 wurde er aus Hamburg ausgewiesen. Im Jahre 1884 wurde dann in Berlin aus Mitteln, die Paul Singer hergegeben hatte, das „Berliner Volksblatt", der Vorläufer des„Bor- w ä r t s", gegründet und seine Leitung Blos anvertraut. Das Blatt steuerte, in ständiger Gefahr, verboten zu werden, an der Grenze des gesetzlich' Möglichen dahin. Hasenclever lieh Bios seine tätige Hilfe, Ewald besorgte die Expedition der 2400 Exemplare betragenden Auflage. Als aber die Reichstagssession von 1884 zu Ende war, mußte Bios aus der Redaktion ausscheiden, weil er sonst unfehlbar ausgewiesen worden wäre. In Hamburg hatte er den Buchdrucker I. H. W. D i e tz kennen gelernt, der gleichfalls ausgewiesen wurde. Dietz übersiedelte nach Stuttgart und gründete dort seinen berühmt ge- wordenen Verlag, für den Blas in reichem Maße tätig war. Er wurde nicht nur Mitarbeiter des„Wckhren Jacob", sondern ließ auch eine„Geschichte der Französischen Revolution" und eine„Geschichte der Deutschen Revolution" vom Jahre 1848/49" erscheinen, die zu wichtigen Propagandaschriften der Partei wurden. Enge Freundschaft oerband ihn auch mit dem genialen ersten Chefredakteur der„Leipziger Volkszeitung", Bruno Schoenlank, zu dessen fleißigsten Mitarbeitern er gehörte. Von da aus machten seine Aufsätze die Runde durch die deutsche Parteipresse. So gab es in ihr kein einziges Blatt, das ihm nicht vieles zu danken gehabt hätte. Blos halte, als Journalist und Abgeordneter immer in den Sielen, die Grenze des biblischen Alters erreicht, als ihn die Revolution von 1918 in.Wiirtleinberg zu neuer, historisch bedeutsamer Tätigkeit berief. Es gelang ihm, die Bewegung auf den sicheren Boden der Demokratie zu führen, und Württemberg wurde das erste Land, das sich nach dem Um- stürz eine freistaatliche Verfassung gab. Es wählte Wilhelm Blos zu feinem ersten Staatspräsidenten. Als solcher hat Blos im März 1920, während des Kapp-Putschcs, die Reichsregie- rung und die Nationalversammlung unter seinen Schutz genommen: von Stuttgart aus wurde die Rückkehr zu vcr- fasiungsmäßigen Zuständen eingeleitet. Den Idealen feiner Jugend hat Blos sein ganzes Leben hindurch gedient. Verfolgungen und Entbehrungen ver- Kundgebungen gegen die Zollvorlage. Massenversammlungen der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratie hatte zu gestern abend ihre Anhänger auf- gerujen, um zu protestieren gegen die Zollgesetzgebung, die von der Bürgerblockregierung in brutaler Mißachtung der einsachsten Lebens- bedürfnijse des arbeitenden Volkes betrieben wird. Vier große Säle der Hauptstadt der deutschen Republik oereinigte Tausende von An- hängern der Partei und auch von Gegnern des Zollwuchers Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Masse der in den Groß- städten schaffenden Volksteile allerschärfften Protest erhebt gegen das Spiel, das mit ihren Lebensinteressen durch die gegenwärtig amtierende Reichsregierung getrieben wird. Ueberall fanden die Redner stürmische Zustimmung, überall sagte man ihnen, daß die Sozialdemokratische Partei recht hat. wenn sie mit aller Krast und aller Energie ankämpft gegen diese neuen oolksseindlichen Maß- nahmen der Bürgerblockregierung. Und überall kam das Bewußt- sein zum Ausdruck, daß ohne Zweifel bei den nächsten Wahlen mit diesen Leuten auf das gründlichste abgerechnet werden würde. Die Entschließung, die in allen Versammlungen zur Annahme gelangke, hat folgenden Wortlaut: .Die am tz. Zuli t9Z7 von der Sozialdemokratischen Partei einberufene Massenversammlungen erheben schürf st en Protest gegen die von der Reichsregierung geplante Erhöhung der bereits bestehenden überhöhen Zölle aus die nnenlbehrlichsteu Lebensmittel. Sie erblickt In der einseitigen vertrelunggrohkapita. l i fl i s ch e r Interessen eine Provokation der notleidenden Masten und fordert sofortigen Abbau der landwirtschaftlichen und industriellen Zölle, da diese eine schwere Gefährdung der gesamten deutschen Wirtschast bedeuten. Sie verlangt, daß der Reichstag die neue Zollvorlage, deren Annahme Rot und Hunger des arbeilenden Volkes noch steigern würde, zu Fall bringt." Heber die einzelnen Versammlungen ist folgendes zu berichten: ?n Kliems Iestfalen referierte Genosse Georg Schmidt. Er führte aus: Die Deutschnatio- nalen rechnen bei ihrer Zollpolitik mit der Tatsache, daß der deutsche Arbeiter noch viel zu wenig wirtschaftlich denkt. Das Schauspiel, das der Reichstag morgen oder übermorgen trotz des Protestes der Bevölkerung durch Annahme der Zollvorlage» erleben wird, ist nur möglich, weil das deustche Volk noch Immer nicht feinen Stimmzettel richtig benutzt. Durch den Willen der Arbeiterschaft muß es gelingen, die Mehr- heitsverhältnisse im Reichstag zu ändern. Solange das nicht gelingt, wird die Arbeitersck>aft immer wieder die Lasten des Wirtschafts- kampfes tragen müssen. Was der Arbeiter an Lohnerhöhungen er- bält, wird durch die steigende Teuerung immer wieder aufgehoben. Wir erleben in Deutschland das Wechselspiel, daß bald die Industrie, bald die Landwirtschaft nach höheren Zöllen schreit. Die Land- Wirtschaft müsse hungern, so behaupten die Landbündler. Herr Schiele aber, der Ernährungsminister,. der doch die besteren Statistiken hat, behauptet, daß der Viehbestand genau so groß sei, wie vor deni Kriege. Die Verbilligung der landwirtschaftlichen Erzeug- nisse wird nur durch die Vereinigung von Erzeugern und Verbrau- ebern möglich werden. In- seinen weiteren Ausführungen betonte Genosse Schmidt, daß es immer wieder darauf ankäme, das deutsche Volk wachzurütleln und ihm zu zeigen, welche Parteien für das schaffende Volk ein- treten. Das Volk selbst hat es in der Hand, den Einfluß der bürger- lichen Interessenvertretungen zu vermindern. In der Diskussion svrach u. a. auch der linke Kommunist Urbahns, der mit seinen Ausführungen wahre Lachsalven entfesselte. ?n üen Germaniasälen sprach nach einleitenden Worten des Genossen Otto Frank Ge- nasse Reichsminister a. D. Roberl Schmidt. Er begann damit, daß es keine Ehre für die Republik sei, wenn heute der deutschnatisnalc Einschlag in der Regierung so stark ist. Die nächsten Wahlen müssen eine Lintsmajorität bringen. W i r t h hat recht, wenn er der Rechten ZO wandale abnehmen will. Die Rückwirkung des monarchistischen Ein- schlag» sieht man in der Außenpolilik. Aber wir brauchen zum Ausland gute Beziehungen! Im Innern ist die reaktionäre Strö- mung bei der Arbeiterschutzgeletzgebung unverkennbar. Ebenso ist es bei der Handhabung der M i e t e r skh u tz ge s e tz e. Wie töricht handeln die Kleinbürger, wenn sie noch immer der Wirtschastsparset nachlaufen! Und wie sehr sie sich getäuscht haben in den Ver- sprechungen der Deutschnationalen und der Wirtschastspartei, das sieht man in der Frage der Auswertung, wo alle Versprechungen nicht ge- halten wurden. In der Frage, die uns heute beschäskigi, der Zoll- frage, liegt es so. daß man über die Borkriegsverhältnisse hinausgehen will. Gewiß bildet die Zerristcnhcit Europas eine Hauptschuld. Unsere Nachbarstaaten umzäunen sich zum großen Teil mit hohen Schutzzöllen, aber es geht auf Kosten der Arbeitnehmerschast. heute ist es so. daß in Deutschland die Interessen der Agrarier rücksichtslos vertreten werden sollen. Warum hat uns Amerika überholt? Weil es höhere Löhn« zahlt! Die Genfer Weltwirtschaftskonferenz hat leider nicht gebracht, was man erhoffte. Aber Schuld der Bürgerblockregierung ist es. wenn wir heute mit den meisten Staaten nur Handclsver- träge auf kurze Zeit haben. Auch gegenüber Polen hat man auf die Interessen der Agrarier übermäßig Rücksicht genommen. Schiele bestreitet, wds Stresemann und Curtius sagen. Besonders scharf ist das Verhalten Bayerns zu verurteilen, das immer über. mäßig fordert. Daß die Landwirtschaft schon seit dreißig Iahren un- unterbrochen Not leidet, wisien wir alle. Gegen die Zollerhöhungen, die einzig dazu führen, die Preise der wichtigsten Lebensmittel weiter in die Höhe zu treiben, muß schärfster Prolest erhoben werden. Die Sozialdemokratie wird in diesem Kampfe Führer sein! In üen Eomeniussälen sprach Genossin Mathilde Wurm über die geplanten neuen Wucher- zölle des Bürgerblocks. Unter starker Zustimmung der Versammelten bezeichnete die Rednerin die neuen Zollpläne als eine unverantwortliche Belastung des deutschen Volkes. dessen wirtschaftliche Situation keine derartige sei, daß es sich den Luxus eines Riesengeschcnks an Schmerindustrie und Großagrarier- tum leisten könne. Kurz, nachdem die Regierung von der Wirt- schaftskonferenz in Genf, auf der der Zollabbau beschlossen wurde, gekommen ist, werden neue Zollerhöhungen ins Werk gesetzt. Es ist selbstverständlich, daß dies inkonseguente Vorgehen überall im Aus- lande als unfreundlicher Akt empfunden werden wird. Als man im Jahre 1SZS die ersten Zölle unter Dach brachte, hol man sie als Kampfzölle zum Abschluß von Handelsverträgen bezeichnet. Das Zentrum, das bekanntlich damals die Zölle nur für zwei Jahre aufrechterhalten wollte, hat sein Wort nicht gehalten. Es stimmt den erneuten matzlosen Forderungen der Großagrarier zu, um von den Koalitionsgenossen Konzessionen in der Richtung einer reaktionären Kulturpolitik zu bekommen. Genossin Wurm behandelte die gefährlichen Folgen der Zölle für die arbeitenden Massen im Ausland und nannte sie einen Betrug am Konsumenten. Besonders empörend ist der Kar- tofselzoll, der natürlich die arbeitende Bevölkerung am allerschwersten belastet. Herr Schiele hat Mittwoch vormittag im Ausschuh be- hauptet, daß der Kanosselzoll nicht vom Konsumenten getragen werde. Das ist beinahe als schlechter Witz zu betrachten. Es ist so weit gekommen, daß man nie von den Interessen der Konsumenten, aber immer wieder von denen der Produzenten spricht. Für die Arbeiterparteien besteht leider keine Möglichkeit, die Durchpeitschung der Zollwucherpläne zu verhindern. Das deutsche Volk hat jedoch im nächsten Jahr Gelegenheit, mit dem volksfeindlichen Verhalten der Bürgerblockpartcien bei den Reichs- tagswahlen Abrechnung zu halten. Wie unerhört ein- schneidend die Zollbelastung für den Arbeiterhaushalt ist, geweift die Tatsache, daß allein der Zoll auf Mehl, Kartosfcln und Fleisch eine Mehrbelastung von 44 Mark für die Familie ausmacht. Die Rednerin fand stürmischen Beifall. Im Moabiter Gesellschastshaus sprach Genossin T o n i S e n d e r. Sie erinnerte an di« Genfer Weltwirtschaflsko»feren.z, auf der man sich mit der günstigen wirt, schastlichen Lage Amerikas bei gleichzeitiger völliger Verarmung Europas beschäftigt hatte. Die von den einzelnen Staaten errichte ten Zollmauern wurden auf der Konserenz— auch von Deutschland— als Ursache dieses Zustandes bezeichnet. Doch beweist die Gegenwart, daß die deutsche Regierung im Widerspruch zu dieser Erkenntnis eine Politik treibt, die einen Aufbau der Z o l l- mauern bedeutet und damit eine unabsehbare Preissteigerung gerade her Volksnahrungsmittel nach sich zieht. Die Folgen dieser Politik, für die vor ollem die Deutschnationalen, die früher als die gehässigsten Gegner der Erfüllungspolitik aufgetreten waren, die Verantwortung tragen, ist, daß durch die Zolleinnahmen eine glänzende Voraussetzung für eine Erfüllung des Dawcs-Vcr- träges gegeben ist. Unwahr ist die Behauptung von der Stabil!- sierung der Preise, wahr ist nur. daß die Zollvorlage dem Schutze des Profils dient. Mit einem ausgezeichneten fachlichen Material belegte Genossin Toni Sender ihre Ausführungen. In diesem Zusammenhang ist es über- aus interessant, zu wissen, daß die Regierung in ihrer Vorlage selbst zugeben muß, daß den Konsumenten durch die Zölle keinerlei Vor- teile geboten werden. Ungeheures Elend wird durch die skrupellose Politik des Bürgerblocks hervorgerufen werden Durch Einigkeit, Geschlossenheit und unermüdlichen Kampf die Feinde einer sozialen Republik und die Anhäimer engstirniger Raiionalwirtschast niederzuringen— das ist die große Aufgabe des Proletariats! Die kommenden Wahlen müssen darum zeigen, daß diese Erkenntnis der arbeitenden Bevölkerung ins Bewußtsein gedrungen ist. Mit be- geistertem Beifall bewies die Versammlung ihre Zustimmung zu den Ausführungen und nahm die vorgelegte Entschließung einstimmig on. mochten ihn in seiner Treue nicht zu erschüttern, sie vermochten auch nicht die Lebensfreude zu zerstören, die zu den Grund- zügcn seines Wesens gehörte. Als Freund und Kamerad hat er sich in allen Situationen bewahrt. So war er einer von jenen, ohne die sich die ruhmreiche Geschichte der deutschen Sozialdemokratie nicht denken läßt. Ein ehrenvoller Platz in ihr ist ihm für alle Zeiten gesichert. Der Schattenüorfer Norüprozeß. Die reaktionären„Frontkämpfer" waren auch ungarische Jrrcdcntistcn! Wien, 6. Juli.(Eigener Drohlbericht,) Im Frontkämpfer» prozctz wurde om Mittwoch zunächst der sozialdemokratische B ärger m ei st er von Schattendors vernommen. Er gab an, daß sich in der letzten Zeit eine lebhaste irredentistische Bewegung bemerkbar mache, die das Burgenland wieder von Oesterreich loslösen und zu Ungarn zurückführen will. Bis zur Gründung einer Ortsgruppe der„Frontkämpfer" seien die Ver- hältnisse in der Gemeinde Schattendors ganz ruhig gewesen, seitdem aber sei das Verhältnis zwischen de» patttischen Parteien sehr ge- spannt. Ueber den Republikanischen Schutzbund gab der Zeuge an, ihm sei nichts daoon bekannt, daß seine Mitglieder jemals bewaff- net ausgerückt seien. Dan den.Frontkämpfern", die dann ats weiter« Zeugen vernommen wurden, behaupteten manche, daß die Schutzbündler geschossen hätten. Ihre Aussagen sind allerdings sehr widersprechend. Der Reichsral nahm am Mittwoch einen Gesetzentwurs der Reichsregierung an, durch dA, die Geltungsdauer des Steuermll- derungsgesetz zur Durchführung der Rationalisierung um«in Jahr, bis zum 30. September 1928, verlängert wird. Desuch bei Sacco und vanzetti. Die Macht der öffentlichen Meinung. Der Berichterstatter des„Manchester Guardian" hat die zum Tode verurteilten Sacco und Vanzetti im Gefängnis h c- sucht. Da die Vollstreckung der Todesstrafe ausgeschoben ist, sind sie augenblicklich in eine norniale Zelle übergeführt. Die Gefängnis- Verwaltung soll sich den beiden Anarchisten aegenüber wobl- wollend oerholtcn und bestrebt sein, ihren Aufenthalt im Ge. fängnis nach Möglichkeit zu erleichtern. Sie dürfen jetzt auch Be- sucher in einem Zimmer ohne Gitter empfangen, allerdings unter Aufsicht eines Beamten. Es wird ferner behauptet, doß Psychiater sich geäußert hätten, daß der lang« Aufenthalt im Gefängnis in Erwartung des Todes den psychischen Zustand der Angeklagten beeinträchtigt habe. Der Berichterstatter will hicroon nichts bemerk« haben. Diese Mitteilungen sind erfreulich. Roch vor wenigen Wochen mußte man mit der Möglichkeit rechnen, daß der Justizmord on den beiden Italienern vollendet werde. Jetzt ist es die Ausgabe der öffent- lichen Meinung d-r ganzen Welt, die diesen Ausschub und damit auch die erwähnten Milderungen erwirkt hat, auch die o o l l i g e Freilassung der beiden zu Unrecht Angeschuldigten zu erzwingen. Der Slrasrechlsausschuß des Reichstags zur Beratung de» neuen Strafgesetzbuches hielt am Mittwoch seine konstituierende Sitzung ab. Zum Borsitzenden wurde Abg. Dr. Kahl(DBp.), zum stellvertretenden Vorsitzenden Abg. Dr. Bell(Ztr.) gewählt. AI» Berichterstatter wurden die Abgg. Frau P s ü l f(Soz.) und Di". Schaciscr(Dnat.) bestellt Mit der Beratung des Entwurfs des neuen Strafgesetzbuches wird der Ausschuß am 21. September beginnen. Brieftaube oder Enle? Die„Aetion Francoise" veröfientlichte am Montagmorgen einen weiteren Artikel Läon Daudet», den sie durch eine Brieftaube(?) erhatten haben will. Der?ld6. zur Negierungspolitik. Protest gegen Verschleppung der Besoldungsreform. Am Mittwoch befaßte sich der erweitert« V o r st a n d des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes mit der durch Ableh- nung einer Besoldungserhöhung geschaffenen Lage� Heber- einstimmend mit den zahlreichen Auschristen und Kundgebungen aus dem Lande wurde von allen Berbandsvertretern der starken Mißstimmung und Erregung der Beamtenschaft Aus- druck gegeben. Die Beamten der unteren Besoldungsgruppen wissen nicht, wie sie bei den steigenden Preisen und ihrer großen Ver- schuldung sich und ihre Familien bis zum Herbst ernähren sollen. Besondere Empörung herrscht jedoch in der Beamtenschaft dar- über, daß zur selben Zeit, wo ihr jede Ausbesierung oerweigert wird, aufs neue die Zölle für Kartoffeln und Schweine, zwei der wichtigsten Volksnahrungsmittel, erhöht werden sollen. Der erweiterte Bundesvorstand faßte folgende Entschließung: „Der erweiterte Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hat mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß die Regierungsmehrheit der Reichstagsparteien in Ueberein- stimmung mit der Haltung der Regierung eine sofortige Besoldungs- aufbesserung für die Beamten, selbst in der bescheidensten Form. abgelehnt hat. Er weiß sich mit den Mitgliedern des ADB. einig in der Erklärung, daß die Frage einer vor dem 1. Oktober in Kraft tretenden Erhöhung hiermit nicht abgeschlossen sein kann. Bei der für den Herbst in Aussicht gestellten Besoldungsreform muß vielmehr die Rückwirkung der Erhöhung gemäß den Anträgen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes unbedingt gefordert werden, weil ohne ein« solche die Beamtenschaft der gering besoldeten Gruppen nicht aus ihrer Rot befreit werden könne. Ferner muß jetzt schon zum Ausdruck gebracht werden, daß eine Erhöhung von nur„wenig über lö Prozent", wie sie der Reichsfinanzminister angekündigt hat, keinesfalls als aus- reichend für die Beamten in den unteren und mittleren Grup- pen angesehen werden kann. Mit Trinkgeldern und Weihnacht?- oeschenken in Höhe von ein paar Mark kann sich die Beamten- schast nicht wieder abspeisen lassen. Im übrigen beweist das Vorgehen in Sachsen, daß sehr wohl die Möglichkeit zu einer sofortigen Hilfe besteht. Der ADB. ist nach wie vor der Auffassung, daß die notwendigen Mittel hierfür verfügbor sind. Der erweiterte Bundesvorstand verlangt daher, daß, unbeschadet der endgültigen Besoldungsresorm, nach dem Beispiel in Sachsen auch allen übrigen Beamten eine sofortige Hllfe gewährt wird. Für die Erregung in der Beamtenschast und für die Folgen, die aus einer Nichtberücksichtigung ihrer Forderung erwachsen, fällt die Verantwortung einzig und allein auf die maß- gebenden Instanzen und die sie stützenden Parteien." Der Konflikt im berliner Gaflwirtsgewerbe. Die Arbeiterschaft kampfentschlossen. Der S ch l i cht u n s a u s s ch u ß hat die Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberoerband im Gastwirtsgewerb« und dem Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafc-Angestellten auf Donnerstag, den 14 Juli festgesetzt. Die Entscheidung des Schlichtungsausschusses wird von großer Tragweite für das Bsr- liner Gastwirtsgewerbe fein. Um Falschmeldungen, wie sie in der Presse erschienen sind, cnt- gegenzutreten, sei nochmals darauf hingewiesen, daß die F o r- derungen der Arbeitnehmer dahin gehen, die Löhne der Köche, de» weiblichen Küchenpersonals, des Büfett- und Aufsichtspersonals, Etagenpersonals, männlichen und weiblichen Hilfspersonals, sowie der Arbeitnehmer in den Wäschereien um b Mk. pro Woche zu er- hohen. Die Garant ielöhne de r Kellner, die im Augen- Mick, und zwar feit Oktober 192Z, für die große Mehrheit der Kellner 174 Mk. pro Monat betragen, sollen um 32 Mk. pro Monat erhöht werden. Die Arbeitnehmerschaft im Gastwirtsgewerbe kann sich den völlig ablehnenden Standpunkt der Arbeitgeber auf keinen Fall gefallen lassen. Die Verbandsleitung des Zentraloer- bandes hat deswegen beschlossen, die gesamte gostwirtschoft- liche Arbeitnehmerschaft Berlins, etwa 15 000, am 16. und 17. Juli über den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses durch U r- ab stimmung in den Betrieben entscheiden zu lassen. Die Entscheidung des Schlichtungsausschusses am nächsten Donnerstag ist nicht nur für die Gastwirtsgehilfen von Bedeu- tung, sondern auch für die Berliner Bevölkerung. Nach der Stim- mung der in den Gastwirtsbetrieben Beschäftigten ist damit zu rechnen, daß sie in der Urabstimmung den Streik beschließen wer- den, wenn der Schiedsspruch ihren Forderungen nicht Rechnung tragen sollte. Die Erregung unter den Gastwirtsangestellten ist schon dadurch ziemlich ge st tigert worden, daß die Unter- n e h m e r jedes Entgegenkommen vermissen ließerl, obwohl sie seit fast zwei Jahren, in welcher Zeit die Lebenshaltungskosten nicht unerheblich gestiegen sind, keinen Pfennig Lohnzu- läge gewährt haben. Ein Fehlspruch des Schlichtungsausschusses müßte bei der ohnehin schon gespannten Situation wie ein Funken ins Pulverfaß wirken. Wie schon angeführt, hat aber auch die Berliner Bevölkerung ein Interesse daran, daß nicht durch die B o ck b e i n i g k e i t der Unternehmer ein so lebenswichtiges Gewerbe, wie es das Gast- wirtsgewerbe ist, stillgelegt wird. Es sind in Berlin Tausende van Arbeitern und Angestellten, die auf die Gastwirtschaften an- gewiesen sind. Nicht zuletzt hat Berlin bei einem eventuellen Streik der Gastwirtsangestellten aber auch seinen Ruf als F r e m d e n st a d t zu verlieren. Wenn nun die Unternehmer des Berliner Gastwirtsgewerbes keine andere Rücksichten als die auf ihren eigenen Geldbeutel kennen, so ist doch zu erwarten, daß sich der"Schlichtungsausschutz bei seiner Entscheidung über Krieg oder Frieden seiner Verantwortung gegenüber der Gesamt- heit bewußt sein wird. Die Forderungen der Berliner Gast- wirtsgehilfen sind keinesfalls uberspannt und auch keine Kon- junkturforderungen. Weil aber die Forderungen nur als Ausgleichforderung für die seit der letzten Lohnfestsetzung einge- tretene Teuerung gestellt wurden, sind die Gastwirtsgehilsen auch e nt s ch l o s s e n, sie gegebenenfalls durch den Kampf durchzu- setzen.__ verhanülunaen im Kölner Konflikt. Köln. K. Juli.(DTB.) Die Regierung hat im Kölner ZNelallarbeilerkonslikt beide Parteien zu Einigungsverhandlungen vor dem Schlichter eingeladen. Arbeilgeberverband und Gewerk- schaften hoben ihre Teilnahme zugesagt. die verhanölungen bei üer Straßenbahn. Immer noch kein Ergebnis. In der gestrigen Verhandlung über den Mauteltaris wurde der von den Organisationen eingereichte Tarifentwurf einer eingehenden Durchsicht unterzogen und verschiedene Punkt« näher erläutert. Wegen Abwesenheit maßgebender Vertreter der Direktion der Straßenbahn konnte jedoch ein endgültiges Ergebnis wieder nicht erzielt werden. Im Laufe der nächsten Woche sollen die Verhandlungen weiter geführt werden. Die Arbeitszeit in der Textilindustrie. Schiedsspruch für Wcstsachfen. Dresden, 6. Juli. lEigener Drohtbericht.) Für die westjächsische Textilindustrie ist in Dresden ein Schiedsspruch gefällt worden. wonach die rrgelnüißige wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden beträgst Vom Arbeitgeber können pro' Woche drei Ueber- st u n he n angeordnet werden, die mst 2 5. P r.o zr Z u s ch l a g zu entlohnen sind. Weitere Ueverstunden können nur im Einver- ständnis mit der Betriebsvertretung angeordnet und geleistet wer. den, und auch diese sind mst 25 Proz. Zuschlag zu eMlohnen. Die Erklärungsfrist für den Schiedsspruch läuft bis zum 8. Juli. Dieser Schiedespruch gilt auch für die Textilbetriebe M i t t w e i d a s. Dort hatten nach dem Eintritt des tariflosen Zu- standes ab 1. Juli die Funktionäre beschlossen, bis zur neuen tarif. lrchen Regelung nur 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Die Ar- bester haben in Uebereinftimmung mit diesem, auf das Arbeits- zeitnotgefetz sich stützenden Beschluß in den letzten Togen nach acht bzw. achteinhalb Stunden Arbeit die Betriebe oerlasien. Konflikt in See Lauflher Tuchinönflrie. Ilm den Achkstundenkag. Für die Lausitzer Tuchindustrie war am 3. Juli vom Schlichter Wissell ein S ch i e d s s p r u ch zur Regelung der Arbeitszeit gefällt worden, dessen Berbindlichkeitserklärung von den Ar- beitgebern beantragt, vom Reichsarbeitsministerium aber a b g e- lehnt worden war. Daraufhin hat eine Funktionärkonferenz für Kottbus beschlossen, Mehrarbeit über 48 Stunden hinaus abzulehnen._ § Nahrungs- und Genußmittelarbeiter! Die Mitglieder des Nahrungs- und Genußmittelarbeiter-Ver- bandes werden darauf aufmerksam gemocht, daß heute abend um 7 Uhr im Gewerkschaftshaus die Mitgliederversammlung Stellung nehmen wird zum Lerbandstag und zugleich die Aufstellung der Kandidatenliste zur Delegiertcnwahl für den Berbarchstag erfolgt. Die Kommunisten machen die größten Anstrengungen, um ihre verbandsschädigenden Tendenzen durchzusetzen. Dem gegenüber ist es die Pflicht aller Anhängcreiner unabhängigen Gewerkschaftspolitik, auf dem Posten zu sein. Auch wer sonst behindert ist, muß mindestens soviel Zeit ausbringen, um seine Stimme abzugeben. Das Mitgliedsbuch muß selbstverständlich mitgebracht werden. Frei«: AB•I.JULI WIRK- Ulf» STRICKWARE N SB« HERRENKlElDUSe D A MENKLEIPCNC Badeanxnj »chwarzT rlkot, wß. Kant* ErmäOiffte Preise Größe 65-80 0.9O 85-95 1,35 Damen- Sportanzug „Qoldfisch" schwarz Trik. fk—— (Steigerung 0.20) Gr. 42 PIA Ermafliffter Preis md»0" Hemdhose für Damen, echt Mako, feingerippt(Steig. 0.15) Gr. 4 Ermaß. Preis Schlupfbcinkleid für Damen, gestreifter � kunstscidenerTrikot»D ErmäßigterPreis ad.OU 1.45 Uberjäckchen für Damen, reine Wolle, feingestrickt, weiß oder farbig*�£tfi ErmäßigterPreis Herrenbeinkleider. Knieform, farbig"! ErmäßigterPreis JL.f O Badelaken weiß Jacquard» mit färb. Kante 140x200 � ErmäßigterPreis fJ.t/O Bademantel f. Dam.,gem.FrottlerstoH O WBT ErmäßigterPreis O.a 0 Stuben Handtuch Reinleinen Jacquard od. Gerstenkorn, 48x100 ErmäßigterPreis Küchenhandtuch. Reinleinen wß. Oerstenk. AfT ErmäßigterPreis 1.25 Tischtücher einzeln, vollweiß, Jacqu., � mercerisiert, 130x160 cm TP J ErmäßigterPreis tl.slO Reinleinen Jacquard, Windenmuster w ACT 160x160 Ermäß.Preis 4«t/O Sakko-Anzug statt bis 72.00'±O.0U Jünglings- Sakko-Anzug Größe 38—43 9 AA statt bis 36.00 OV.UU Jumperbluse aus weißem VoUvoile mit bulgarischer Stickerei statt bis 14.00 Mäntel aus einfarbigen oder melierten Stoffen statt bis 82.00 7.75 9.75 Seidenkleider einfarbig od. bedruckt-jj A s-rw statt bis 48.00 1 U.Oiß Hauskleider aus einfarbigem oder gestreiftem Zephir-f AA statt bis 2.90 J.. V'U FROTTIER- HAUS- UNP TISCHWASCHE gSr* KLEIDER-. SEIREIV- PAP WASCHSTOFFE K r e p e l 1 a reineWollc, aparte Druck- iä AJ? muster statt 1.95 V.J/O Seiden-Marocain mit Wolle, vorzüel. Qual., in Pastellfarb., 100 cm br. statt 8.50 3.90 Bas tseide reine Seide, bedruckt 9n_ viel. Must., ca. 80 cm br. � � statt 2.90-3.40 fiJ.TtO Schotten u.Streifen Surah K'seide. und Taft, gh x\/v reine Seide, ca. 85cm br. rC Ali I statt 7.80-11.00 Crepe Marocain einfaro. in reich. Farben- � auswahl, ca. 95 cm breit ß| /»■- statt 1.60 V.D«) V o I 1 v o i 1 e bedr. in mod. neuen Must.'I(1 f— ca. 100 cm statt bis 2.90 JL.0(1 TEPPICHE CSD 6ARDIIVE1V HERREX-ARTIKEL ZUs HERRENWÄSCHE KORSETTE DAMENWÄSCHE Posten: Axminster, Velours, Tournay-Velours, Bettvorleger »owieHalbstores, Garnituren, Bettdecken inTüll u. Etamine Herren hut H a a r f i I z �»TA ErmäßigterPreis tr.Ol/ Krawatten Selbstbinder- reine SeideHlpssr ErmäßigterPreis Vf.tf 0 Oberhemd gestr. od. gemust. Perkai, m.Krag.u. Klappmansch,»g P* f— ErmäßigterPreis M.l Ö VVeiß.Oberhemd Batisteinsatz u. Umlege- m mansch., gew. u. geplätt. AJT Ermäßigter Preis Büstenhalter weiß oder rosa Trikot /K /»p» ErmäßigterPreis".00 Strumpfhaltergürtel mit 4 Haltern APJ Ermäßigter Preis"."O Hemdhose mit Stickerei-Ansatz-f ErmäßigterPreis- X ,0f) N ac hth emd mit Stickerei-Ansatz Aap. ErmäßigterPreis m B k I N § P A fei D A U § T B A S§ E K 0 � I Q Q R Ü N Nr. 316 ♦ 44.?ahrgang 1. Heilage öes Vorwärts vonnerstag, 7. �uli 1927 Im Faltboot von Passau nach Wien. Grau und schäumend rauscht die Donau dahin, crfs wir in der Frühe unser Faltboot besteigen. Das Hochwasser ist in den letzten Tagen noch gestiegen, weit sind die Ufer überschwemmt, nur einige Baumkronen ragen aus dem Wasser.„Heut wird's zünfti", meint mein Begleiter und verpackt, gefühlvoll den Walzer von der„schönen blauen Donau" pfeifend, ein Wäschebündel in den Gummisack, während ich mit gemischten Empfindungen die schäumenden Wellen- kämme betrachte. Ein paar Paddelschläge, und schon fliegt das leichte Boot in der Strömung dahin. Wellen und Wirbel, teils zart und hell klingend, teils dunkel und gedämpft tönend, schlagen leise an die Gunnnihautwönde. Waldige Höhen, noch mit feinem Nebelgespinst überdeckt, gewaltige Raubritterburgen, Viechtenstein und Krempel st ein, grüßen an den Ufern hernieder. lieber öie Grenze. Da schäumt es plötzlich wild auf: die brausenden Wirbel des Zochenflein«, des„österreichi-schen Loreleiseisens" an dem wir vor- sichtig vorüberfahren. Dann ein kurzer Aufenthall an der öfter- reichischen Grenze, wo freundliche österreichische Zollbeamte Nam' und Art der beiden Wasiervögel feststellen und uns dann mit frohem Scherzwort und vieten guten Wünschen entlassen. Wo die Donau ihre erste gewaltige Schleife zieht, ragt Ruine haichenbach düster aus dunklen Tannen. Wenige Kilometer weiter, und Ruine Rephaus zeichnet sich am Himmel ab. Immer wilder und grandioser werden die Eindrücke, immer steiler und schroffer stürzen die Felsen gegen die Ufer ab. Am schäumenden Aschacher kachlet vorbeifahrend, ge- denken wir der Erzählung im Nibelungenlied, wie Kriemhild in E f« r d i n g rastete auf ihrer unheilvollen Brautfahrt ins Land der Hunnen. Di« ein schmerzvoller Rückblick tönt«ine alte, längst ver- wehte Klage vom Kürnberg zu uns herüber, des Sürenbergers, des österreichischen Minnesängers Liebeslied vom Falken, den er gezogen imd lieb gewonnen hatte, und der ihm auf immer entflog. Wir haben die Paddel vor uns hingelegt und Lberlaffen uns der Strö- mung und dem Abendwind, die uns langsam dahintreiben. In der Fern« tauchen schimmelnde Lichter aus. Es ist Linz, die Hauptstadt Oberösterreich«. unsere erste Wanderrast. Wir landen gegenüber, in Urfahr, und bringen unser getreues Fahrzeug und uns selber in dem allen Wosserwondeoern bekannten Gasthaus Emstaler unter. Der erste Gang frühmorgens führt uns auf den Pöftlingberg mit seiner Wallfahrtskirche, von der man einen herrlichen Blick über Donau und Alpen genießt. Einige Schritte nach rechts, und wir finden uns zu unserer Ueberraschung im Land der Sagen und Märchen wieder. Eine Reihe wunderhübscher Dioramen ist aufgestellt, Hänsel und Gretel, Dornröschen, Rübezahl und endlich ein köstliches Bildchen vom Schlaraffenland, das von jung und alt umdrängt ist. Es berührt nicht als Gegensatz, daß sich dieser Ausdruck schlichten Volts- rums neben einer katholischen Wallfahrtskirche findet. Denn überall spürt man in Oesterreich den mitunter sehr starken Zusammenhang zwischen Volkstum und religiöser Ueberzeugung, sei es bei der Durch- fahrt einer Brück«, von der ein steinernes Bild der Jungfrau oder ein Kruzifix herniederblickt, sei es in den bäuerlichen Herbergen, in denen das Gesinde den uralten, seltsam klingenden Abendsegen betet. Noch eine kurze Wanderung durch Linz mit seinen altertümlichen Winkeln und Gasten, ein rascher Besuch der Marienkirche, deren 128 Meter hoher Turm die Stadt weithin überragt, dann geht es im Laufschritt zum Landungsplatz, um die Weiterfahrt vorzubereiten. Das Hochwasser ist stark zurückgegangen, und heute herrscht auch schon wieder ein lebhafter Verkehr auf dem Strom. Eine ganze Anzahl von Frachtschiffen und Personendampfern begegnen uns, deren Pasiagiere uns mit lebhaftem Tücherschwenken und Zuruf be- grüßen. Mitunter allerdings übergießt eine besonders hohe Welle nicht nur die Spritzwasterdecke des Boots, sondern auch uns selbst, vor allem meinen vorn sitzenden Begleiter, der diese naste Begrüßung mit„Malesiz" und.�immiherrgottkreuzsakva..." abschüttelt. Die warme Sonne trocknet uns rasch, und bald hat uns die herrliche Landschaft wieder ganz in ihren Bann gezogen. Der wundervolle Strudengau beginnt, eine zerklüftete, wildromantische Gegend mit steil emporragenden Felsen, waldigen Höhen und olmenartigen Wiesen, an die sich einige an den Berg gelehnte Hütten schmiegen. Vorsichtig steuern wir am tobenden Greiner Schwall und der Insel Wörth, einer auch heute noch nicht ganz ungefährlichen Stelle, vor- bei, dann wendet sich der Blick wieder hinauf zu den Wäldern und Bergen, die von den Trümmern mächsiger Burgen gekrönt sind. 3n See golSenen Wachau. Da steigt plötzlich überraschend und gewaltig ein Riesenbau auf. Immer großartiger und erdrückender wird der Eindruck, je näher wir kommen. Es ist das Venediktinerkloster Melk. Wie eine grandiose Schöpfung der Natur selbst scheint e» aus dem stellen Granitfelsen herausgewachsen zu sein, auf dem es ruht. Eine mächtige Kumpel und zwei Türme überragen die wenigstens 360 Meter lang« Süd- front, an der sich mehrere hundert Fenster besinden. Langsam steuern wir dem Ufer zu, befestigen unser Boot und steigen durch die altertümlichen Gasten de« kleinen Ortes hinauf zum Kloster. Eine unvergleichliche Kühnheit der architektonischen Phantasie beherrscht den ungeheuren Barockbau, der mehr Palast ist als Kloster. Vom Marmorsaal mit seinen herrlichen Deckengemälden treten wir auf die Altane, wo die Höhen des Pielach- und Traifenials der Ennstaler Alpen uns grüßen, dann verweilen wir bei herrlichen alten Hand- schriften des Mittelalters in der Bibliothek. Noch einen letzten Blick in die Kirche mit ihren herrlichen Fvesken, dem marmornen Hoch- altar, dann gehen wst durch den Klostergarten abwärts zur Donau. Mittag ist es geworden. In leuchtender Sonne, von einem leisen Windhauch bewegt, liegt der Strom vor uns. Und weiter geht die unvergeßliche Fahrt durch ein wahres Wunderland romantischer Landschaftsbilder. Immer schluchtenartiger wird das Flußtal, zer- klüftete Felsen wechseln ab mit dunklem Tannenwald, und überall schweift der Blick in liebliche Seitentäler. Wunderhübsche Dörfchen, ein paar Wohnhäuser um eine uralte Kirche gruppiert, im Hinter- grund waldige Berge, und das Ganze von Weinrebsn umschlossen. die gelb und grün im Sonnengold leuchen. Wir besinden uns in der herrlichen, der..goldener/ Wachau". Wenige Kilomeier an mächtigen Felsmassen vorbei, da leuchtet uns der„Wächter von Dürnstein", ein hoch emporragender Fels, entgegen. Auch hier landen wir und ersteigen auf felsigem Fußpfad die Burg, die Ueber- resle eines Riesenbaues. Wie ganz anders, als über Bucher und Handschriften gebeugt, erleben wir hier Geschichte! Wie nahe ist uns das zwölfte Jahrhundert, die Zeit, in der Richard Lowenherz hier oben gefangen faß, wie heimatlich berührt uns die Sage von seinem Stein a. d. Donau. \ getreuen Blondel, der vor der Burg sein Minneked erklingen ließ. Durch uralle Torbogen der Festungsmauern kehren wir zurück. Sie bilden den Rahmen für stets neue, reizvolle Straßen- bilder, die in ihren hellen Farben, ihren malerischen Winkeln fast italienischen Charakter tragen. Die goldene Wachau fand in dem österreichischen Rizza, in dem altersgrauen Krems, einen Herr- lichen Abschluß. Sonst gewellte Hügel und das weite Flachland des Tullner Felde» mit seinen Inseln und dem dunkelgefärbten Zufluß Zu stark für dies Leben. 11] Don Iwan heilbuk. Im Innern gereizt, aber äußerlich still, seinen Kummer sowie die Ursachen heimlich verschweigend, saß Grahl in seiner Stube, wo Gertrud, ihm gegenüber, mit langsamen regel- mäßigen Zügen Brief um Brief und dazu die Adressen schrieb. Neben ihr lag die Abendzeitung, in welcher sie mehrere In- serate unter der„Zimmer"-Rubrik mit Kreuzen bezeichnet hatte.— Hermann war wohl zu einem Vortrag gegangen. Plötzlich schellte es an der Wohnungstür. Beide er- schraken. Gertrud ging: Grahl preßte die Hand auf die Brust... Es war Herr Uri. Er konnte nicht umhin, gleich beim Eintritt einige sehr lustige, freundliche Sachen zu Gertrud zu sogen. Er komplimentierte die Farbe des Kleides und fand noch mehr zu bewundern. Gertrud legte eilig die fertigen Briefe zusammen, sie begab sich in die Küche, um für den Gast ein Abendbrot zu bereiten. Als Herr Uri sich mit Grahl allein in der Stube befand. wurde der Ausdruck seines Gesichts nachdenklich ernst. Und dann— mit wenigen Worten unterrichtete er Grahl von dem neuesten Schlag, zu welchem man gegen ihn ausholte. Baaß und jenes Ausschußmitglied, das vor dem Arbeitsgericht mit Baaß zusammen als Zeuge der Firma erschienen war— diese beiden hatten in einer Versammlung, die eben beendigt war und sowohl alle Ausschußmitglieder, mit Ausnahme von Gralu. als ancb eine Anzahl von Angestllten vereinigt hatte, den folgenden Antrag gestellt: Nach den beleidigenden Aus- fällen Grahls vor dem Arbeitsgericht gegen eines der Aus- schußmitglieder, Herrn Baaß, sei eine nutzbringende Gemein- schaft zwischen Grahl einerseits und den übrigen Mitgliedern andererseits zu bezweifeln. Unter Verzicht auf eine Entschul- digung seitens Grahls werde dieser ausgefordert, von seinem Posten als Ausschußmitglied zurückzutreten. Grahl sprang auf, fiel rn den Stuhl zurück, stemmte eine Faust auf das Herz und stöhnte.„Ich werde nickt!" rief er aus,„ich habe keine Veranlassung, von meinem Posten zurück- zutreten. Wer kann mich zwingen? Mich deckt nicht mein Recht allein— mich schützt das Gesetz auf zweifache Weise." „Lieber Grahl," sagte Herr Uri,„ich habe Ihnen mit dieser Nachricht nichts Gutes gebracht. Aber nun wird jene Aufforderung, welche Sie höchstwahrscheinlich schon morgen treffen wird, nicht mehr vermögen, Sie zu einem unbesonne- nen Entschluß zu verleiten." „Mich verleiten?" rief Grahl.„Zu einem Entschluß? Ich hahe keine Veranlassung... Was? halten mich meine Kolleaen für schwachsinnig— wie?" Gertrud, ein Tablett vorsichtig in Händen tragend, kam an die Tür. Herr Uri sprang auf, um ihr behilflich zu sein. Und während der Stunde, für die Herr Uri noch blieb, konnte er solch ein gutmütiges frohes Geplauder mit der Tochter feines Kollegen treiben, als wäre an diesem Abend von gar nichts Ernstem die Rede gewesen. Neuntes Kapitel. Am nächsten Morgen fand Grahl, wie erwartet, den Brief. Er hatte bereits ein kurzgehaltenes Antwortschreiben verfaßt, in dem er erklärte, es gäbe für ihn leine Veran- lassung, von dem Amt, zu welchem die Stimmen der Wähler ihn b/rufen hatten, zurückzutreten.— Er ersuchte einen Boten, dies Schreiben zu überbringen, und blieb in einem Gefühl von Befriedigung und Verzweiflung zurück. Um fein laut klopfendes herz zu beschwichtigen, wiederholte er sich mit ge- murmelten Worten, daß das Gesetz seine Stellung auf zwei- fache Weife schützte. Aber die innerliche Empfindung von dennoch nagender Angst entsprang der Gewißheit von einem dunkel sich näher gegen ihn wälzenden Ende. Er hörte die triumphierenden hörner der Jäger, das Kläffen der Hunde. Seine Stirne nickte kaum merkbar, nickte unaufhörlich nach dem unaufhörlichen Takt seines klopfenden Herzens. Am Nachmittage wurde ihm ein Schreiben gebracht, des Inhalts, daß sämtliche Ausschußmitglieder von ihrem Amte zurückgetreten wären, um einen �vom Personal neu zu wählenden Ausschuß zu ermöglichen und somit das uner- wünschte Nebeneinander mit Grahl zu lösen.— Grahl, ohne merkbar mit einer Miene zu zucken, steckte den Brief in die Tasche. Nun wußte er auch, daß es eben diese Maßnahme war. die er gefürchtet hatte, als die Empfindung von Angst in ihm zu klopfen begann. Für eine halbe Stunde und länger war sein Dcnken gelähmt. Dann schrieb er mit fiebernder Hand einen Brief: Er protestierte: er verlangte Gehör. Die Erregung in ihm, die nach entscheidender Aussprache drängte, trieb ihn, mit eigenen Händen den Brief in die Re- Visionsabteilung Herrn Baaß zu bringen. O, er kannte sie wohl, seine Kollegen vom Ausschuß. Sie standen nun alle unter dem Einfluß von Karst, dem sie gut zu gefallen suchten: der selber nun wohl eine Gunstbezeugung für die Dollstrecker seines Willens daran wenden mußte, nachdem dieser sein Wille, in unmittelbarem Angriff auf Grahl, sein Ziel nicht hatte erreichen können... Als er in dem langen Flur, dicht bei der Kantine, an der Tafel vorbeigehen wollte, wo für die Angestellten wichtige Mitteilungen zu finden waren, blickte ihn die Ueberschrift eines Aufrufs an:„Neuwahl zum Ausschuß am 29. Oktober". — Grahl blieb stehen. Sein herz stand still. Es war schon zu spät. Nun hieß ein Versuch, die Gegner von ihrem Un- reckt?u überzeugen, sich vor ibnen zur Erde beugen... um- sonst sich zur Erde beugen.— Er wendete sich mit schurrenden Sohlen und kehrte den Weg über den langen Flur, sich nah an den getünchten Wänden haltend, zurück. Das Oktoberwetter umpfiff ihn, als er den Weg nach Hause ging. War er vogelfrei? Mit seinem Mandat ging seine Immunität verloren. Ein.Versuch zu erneuter Kandi- 1 datur wäre sinnlos. Aber dann blieb noch ein anderes Rechts Er konnte noch qls einfacher Angestellter den bald neugebilde- ten Ausschuß zum Einspruch gegen die Kündigung aufrufen, die ihn voraussichtlich am letzten Tage des Monats traf. Zlber die Hoffnung, die ihn auf diesem Wege begleiten konnte, war lächerlich winzig. Denn sicherlich würde die Mehrzahl der alten Ausschußmitglieder den neu zu wählenden Ausschuß bilden. Die Auflösung samt der folgenden Wahl— dies war ein taktischer Zug, wahrscheinlich betrieben von Karst, den Buchhalter Jakob Grahl aus dem Amt zu entfernen. War er nicht vozelsrei? Am 29. Oktober wird ihm ein Brief von seinem erloschenen Mandat in Kenntnis fetzen, am 31. ein anderer von seiner Entlassung am 1. Dezember. Dann kann er noch einmal zum neuen Ausschuß gehen, der sich im besten Fall aus anderen Untertanen zusammensetzt als der alte— das kann er, als der gekündigte Buchhalter Grahl.., aber er wird es nicht tun. Er hüpfte von einem Fuß auf den andern. Obgleich ihm der Wind ins Gesicht pfiss, glühte die Stirn. Nur die Finger, in seinen Manteltasä)en, und die hüpfenden Füße waren eiskalt. Aber es kam noch anders, als er erwartet hatte. Am Morgen des Neunundzwanzigsten war an Stelle des Aufrufs zur Wahl eine Mitteilung an die Tafel geheftet: Aus Mangel an Kandidaten konnte die Wahl nicht'vonstatten gehen.— Es gab also keinen Ausschuß mehr.— Niemand wünschte durch die Eigenschaft als Führer des Personals in einen etwaigen Konflikt mit der Leitung der Firma zu geraten. Man hatte ja wohl bemerkt, wie wenig Sicherheit eine Immunität bedeutet, wenn sie Herrn Karst nicht gefällt,.* Mit der Kündigung, welche Grahl erwartungsgemäß am Vormittag des 31. Oktober(zum 1. Dezember) erhielt, wurde ihm fein Gehalt für den vergangenen Monat verabfolgt. An der Summe fehlte beinahe ein Drittel zu feinem Monatssalär. Er wandte sich an den Kassierer, der ihm erklärte, daß für den vergangenen Monat der Gehaltstarif für Boten und Packer, nach welchem der Vorgänger auf feinem Posten ge- lohnt Porden war, auch für i h n Geltung hätte.— Ohne zu merken, daß er gegen Böcke rannte, und Menschen, die ihm im Wege standen, beiseite stieß, lief Grahl durchs Kontor und trat in den„Glaskasten" ein, wo Herr Karst, einen Brief diktierend, am Schreibtisch saß. Che Grahl den ersten Satz mit hastiger, oft versagender Kehle zu Ende gesprochen hatte, hielt ihm Karst einen geschlossenen Umschlag entgegen. Er trug eine Aufschrift:„Zeugnis für Jakob Grahl".— Grahl hörte Herrn Karst noch die Worte sagen:„Sie können nach Hause gehen. Die Firma verzichtet auf Ihre Tätigkeit, otr- gleich das Dienstverhältnis bis zum 1. Dezember geht. Sie brauchen nicht wiederzukommen. Trotzdem wird Ihnen am Letzten des kommenden Monats das Gehalt für einen Bote« bezahlt� Adieu."(Fortsetzung folgt.) Kamp, ehtetn Lkblingsflüßchen dar Man«, folgen. Wka ein letzter Gruß schaut unmittelbar vor der österreichischen Hauptstadt Lurg Greisenstein zu uns herab. Und dann ziehen wir endlich, unser abgebautes Boot im Rucksack, in Wien ein. * Wer mit Faltboot und Zelt die. Welt durchreist, dazu seinen Spirituskocher zu bedienen weiß, wird herrliche Fahrten für billiges Geld erleben können. Manchen Arbeiterpaddler trafen wir unter- wegs. Sie alle zogen frohen Sinnes ihre Straße. Und in uns wuchs die Erkenntnis: Unser ist die Welt, die schöne Welt, trotz alledem! verbilligung im berliner Vorortverkehr. Ausdehnung der Nahzone von 7� auf 12 Km. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft hielt vom 2. bis 4. Juli in Dresden eine seiner regelmäßigen Tagungen ab. Unter anderem stimmte der Verwaltungsrat dem Vorschlage zu, im Berliner Stadl- und Vorortverkehr die Rahzon«(15-Pfennig- Zone) von 7,5 Kilometer auf rund 1? Kilometer hinauszurücken. Außerdem soll der Uebergangsverkehr zwischen Stadt- und Ring- bahn und der bisherigen Nahzone verbilligt werden. Es bleibt zu hoffen, daß diese Tarifmaßnahmen sich verkehrswerbend auswirken werden, damit trotz der zu erwartenden Erhöhung der Personal- ausgaben auch bei einem künftigen Rückgang der Wirtschaftskon- junktur und des Verkehrs die den Wünschen der Wirtschaft ent- gegenkommende und insbesondere die Arbeitsbeschaffung fördernde Tarif- und Beschafsungspolitik von der Reichsbahn aufrechterhalten werden kann. Da sich die Finanzlage besonders infolge günstiger Entwicklung des Güterverkehrs befriedigend gestaltet hat, beschloß der Verwaltungsrat die Wiederaufnahme des ur- sprünglich aufgestellten Beschasfungsprogramms, das aus finanziellen Gründen Anfang des Jahres hatte gedrosselt werden müssen. Der somit bewilligte Rest des Programms beträgt etwa 12l) Millionen Mark, die sich folgendermaßen verteilen: Für die Unterhaltung und Erneuerung der baulichen Anlagen ein- schließlich des Oberbaues und Verstärkung der Brücken sollen 43 Millionen Mark mehr aufgewendet werden; für die Unterhaltung und Erneuerung der Fahrzeuge und maschinellen Anlagen weiter« 3 4 Millionen Mark, für den Ersatz von Fahrzeugen öü Millio- n e n Mark. Außerdem beschloß der Verwaltungsrat nach An- trag der Hmiptvsrwaltung auf Gnind der Vorschläge der Ständigen Tariskommission und des Ausschusses der Verkehrsinteressenten die Beseitigung von Härten in den Gütertarifen durch folgende Maß- nahmen: Einführung einer neuen Horizontalstaffel der Ladungs- klaffen A bis H mit Senkung der Streckenfrachtsätze bis zu 7 Proz.; Einführung einer neuen Ladungsklasf« zwischen den Klassen V und E; Senkung der Abfertigungsgebühren in den Ladungsklassen U und C; Senkung der Abfertigunasgebühren bei Entfernungen bis 100 Kilometer in den Ladungsklassen A bis K; Ermäßigung der prozentualen Zuschläge zu den Frachten der Hauptklassen für die 10-Tonnen-Nebenklassen._ �wei Sonöerzüge zum lvocbenenüe. Jeden Sonnabend an die Qstsee und in den Harz. Zlm Doimerstag, dem 7. Juli, beginnt der Fahrkartenverkauf für die erstmalig am Sonnabend, dem 9. Juli, verkehrenden Wochenendzüge nach dem Harz und nach der Ostsee. Die Züge führen die 2. bis 4. Wagentlasse. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 33'/! Proz. Der Wochenendzug nach der Ostsee oerkehrt vom Stettiner Bahnhof, der Wochenendzug nach dem Harz am 9. Juli ausnahmsweise von der Stadtbahn, in Zukunft vom Potsdamer Bahnhof(Rückfahrt dieses Zuges ebenfalls am 10. Juli nach dem Potsdamer Bahnhof). Die Abfahrt der Züge von Berlin erfolgt am Sonnabendnachmittag, die Ankunft in Berlin in der Nacht vom Sonntag zum Montag. Wie wir von der Reichsbahndirektion Berlin erfahren, verkehren beide Züge bestimmt bis auf weiteres. Zu dem Sonderzug nach dem Harz werden Fahr- karten ausgegeben nach: Quedlinburg, Thal«, Gernrode Alexis- bad, Blankenburg(Harz) Elbingerod«, Rübeland, Tanne, Wermge- rode, Jlsenburg, Schierke, Elend, Benneckenstein, Sorge, Bad Harburg, Goslar. Zu dem Sonderzug nach der Ostsee nach: Swinemllnde Bahnhof oder Bad, Ahlbeck Seebad, Heringsdorf See- bad, Bansin Seebad, Ueckeritz, Kölpinsee, Koserow, Zempin, Zinno- witz, Carlshagen-Trassenheide, Binz, Sellin, Göhren, Lauterboch, Saßnitz, Zingst und Prerow. Die Fahrkarten werden bei den Fahr- kartenausgaben Potsdamer bzw. Stettiner Bahnhof und folgenden Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus oerkauft: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens, Reisebureau Unter den Linden 57/58. Die Fahrvläne und Fahrpreise enthalten die auf sämtlichen Bahnhöfen aushängenden Bekanntmachungen. Kindergarten Johannisthal. Im Verwaltungsbezirk Treptow hat das Bezirksjugendamt den im Ortsteil Johannisthal eingerichteten Kindergarten in einer durchgreifenden Umgestaltung erneuert. Das auf dem Hinter- land des städtischen Grundstückes Kaiser-Wilhelm-Strahe 4 und 5 stehend« Häuschen, das dem Kindergarten bisher als Unterschlupf gedient hatte, bietet jetzt dem überraschten Besucher ein freundliches und anheimelndes Bild. Als am Dienstag das Bezirksjugendamt einem Kreis geladener Gäste das fertige Werk zeigte, fand das nun so gemütliche Heim allgemeinen Beifall. Stadtrat Peters dankte dem Architekten R e ck e t a t und dem Maler Garbe, die den Umbau und die Neuherrichtung ausgeführt haben. Sie haben miteinander gewetteifert, das alte Häuschen außen und innen so umzugestalten, daß es den Besuchern, den Kleinen und den Großen, Freude machen kann. Auch arbeitslos« Jugendliche des Bezirkes haben mitgewirkt und in dem für sie eingerichteten Werklehrgang die nötigen Möbel zurechtgezimmert, Spinde für Beschästigungsmittel der Kinder und widerstandsfähige Stühlchen und Tische. Das Häuschen hat zwei mit hübschen Wandmalereien geschmückt« Räume für die Kleinkinder des Kindergartens, außer- dem einen besonderen Raum als Hort für Schulkinder, dazu die erforderlichen Nebenräume(Küche, Aborte), auch ausreichende Wascheinrichtunzen. Luft und Licht haben überall Zutritt. Zu dem Häuschen gehört eine beträchtliche Gartenfläche, die von den Kindern bei ihren Spielen benutzt wird. Das ganze Grundstück ist in gartenreicher Umgebung sehr günstig gelegen. An der erneuerten Stätte liebevoller ftinderbetreuung wird mm bald wieder die fröhliche Schar der Kleinen sich tummeln. Diebstahl in der Ortskrankenkasse Neukölln. Ein Diebstahl, dessen Ausführung in seinen Einzelheiten noch völlig rätselhast ist, beschäftigt die Neuköllner Kriminalpolizei. In der Geschäftsstelle der Ortskrantenkasse waren nach Schluß der Dienststunden alle Schalter geschlossen worden. Der Kassierer, dessen Schalter durch eine von innen oerschließbare Scheibe gesichert ist, hatte seinen Raum auf einen Augenblick verlassen, nachdem er das Fenster ordnungsmäßig herabgelassen und verschlossen hatte. Bei seiner Rückkehr sah er zu seinem Erstaunen, daß die Scheibe empor- geschoben war. Er stellte fest, daß aus seiner Kasse 8 0 0 Mark entwendet worden waren. Es ist ganz unerklärlich, wie der Dieb sich hat einschleichen und angesichts der anderen Beamten das Fenster hat öffnen und die Kasfe berauben können. Alle Nach- forschungen haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. Auf- klärende Mitteilungen, die vertraulich behandelt werden, werden im Zimmer 50 des Polizeiamts Reuckölln entgegengenommen. Strasier zweimal zum Toüe verurteilt. I Und doch Begnadigung beantragt. Gestern nachmittag wurde im Skrasser-Prozeß das Urteil gefällt. Der Angeklagte David Strasser wird wegen Mordes in zwei Fällen und wegen eines vollendeten und eines versuchten Versicherungsbetruges zweimal zum Tode, ferner zu zwei Jahren Zuchthaus ur.d außerdem zu dauerndem Ehrverlust verurteilt. Gleichzeitig beschloß das Gericht einstimmig. beim Staatsministerium die Begnadigung des verurteilten zu beantragen. In der Begründung hieß es unter anderem: Das Gericht hat die feste Ueberzeugung gewonnen, daß Strasser den Mord an seiner Frau wie an seinem Sohn begangen hat. Die Beweisaufnahme hat eine Unmenge von belastendem Tllaterial zusammengebracht. Hinzu kamen noch die Gutachten der Sachverständigen, die einen Selbst- mord und Unglücksfall bei Frau Straffer, wie auch einen Unglücksfall bei dem Knaben Kurt für ausgeschlossen hielten. Weder bei der Frau noch bei dem Jungen konnte der Schuh aus dem Revolver in der Weise erfolgt sein, wie Strasscr es geschildert hat. Das Motiv zur Tat liegt auf der Hand. Es war dies die schwierige Ber- mögenslage des Angeklagten. Deshalb hatte er sich entschlossen, die Versicherungssummen zu erheben. Es lag in beiden Fällen Mwö vor und da konnte nur auf Todesstrafe erkannt werden. *. Das Urteil im Prozeß Strasser kam nicht unerwartet. Selbst zugegeben, daß nichts in> Leben so grotesk sein kann, wie der Zufall, schien es doch wenig glaubhaft, daß hier der Zufall in der Gestalt von unglücklich losgegangenen Schüssen hintereinander Frau und Sohn Strafsers dahingerafft haben konnte. Ein Unistand mußte jedoch stutzig machen: Die Aussage des 14jährigen Kurt vor seinem Tode; er sprach von einem Unglücksfall Es ist schwer zu sagen, welche Gedankengänge die Richter oeranlaßt haben, die Begnadigung des zum Tode Verurteilten zu beantragen. Es wird auch niemals bekannt weiden, ob es die Laien oder die Be- russrichter gewesen sind, die hierin die Initiative ergriffen hatten. Vielleicht kommt aber in diesein Antrag die Tatsache zum Ausdruck, daß letzten Endes hier ein Mensch nur aus Grund von Indizien zum Tode verurteilt werden mußt e. Die Möglichkeit eines Justiz- irrtums bleibt unter diesen Umständen nie völlig ausgeschlossen. Nicht umsonst verlangen selbst Anhänger der Todesstrafe, daß diese nie aus Grund eines Indizienbeweises vollstreckt werden solle. »Not �ront!" Von einem Leser unseres Blattes wird uns mitgeteilt, daß auch Mitglieder des Roten Frontkämpfer-Bundes an der Trauerfeier für den erschossenen Reichsbannerkameraden Karl T i e tz teilgenommen haben. Es ist nicht festzustellen, wie weit die Teilnahm« der RFB.- Mitglieder aus Agitationsgründen erfolgt ist. Wir wollen aber an- nehmen, daß die einzelnen Mitglieder durch ihre Teilnahme einen toten Kämpfer für Freiheit und Recht ehren wollten. Im schreienden Gegensatz hierzu steht, was uns von einem anderen Reichsbanner- kameraden mitgeteilt wird, daß sich RFB.-Mitglieder bei der Reichs- bannerveranstaltung in Pankow durch eine Gefühlsroheit auszeich- neten, die kaum zu übertreffen ist. Wir geben den Bericht des Kameraden ungekürzt wieder: „Einen Tag nach der Beisetzung unseres in Arensdorf ermor- deten Kameraden Tietz veranftaliete der Kreisverein Pankow einen Republikanischen Tag, der mit der Weihe des Kreisbanners ver- bunden war. Als Kamerad Stelling der Toten der Republik, be- sonders des ermordeten Tietz gedachte, entblößte die Menge die Häupter. Nur einige junge Burschen hielten es für richtig, ihre Hüte aufzubehalten, die ihnen aber ziemlich unsanft heruntergeholt wurden. Sehr groß war mein Erstaunen, als man an den An- zügen dieser� Provokateure Abzeichen des Roten Frontkämpfer- Bundes und des Arbeiter-Turn- und Sportbundes sah. Zur Rede gestellt, antworteten diese wackeren Herren, daß sie auch Steuern bezahlen und machen könnten, was sie wollten. Dann bezeichneten sie das Reichsbanner als„Lumpenpack und Halbfaschisten", als Arbeiterverräter usw. Vielleicht wenden die Kommunisten diese Notiz wieder als Schwindelnachricht der„verräterischen" Führer bezeichnen, aber der Schreiber dieser Zeilen ist ein ganz„gemeiner" Reichsbannermann. Wir werden uns dieses Betragen für die Zu- kunft merken und werden die irregelesteten Mitglieder des RFB. aufklären über das schändliche Spiel, das die jeweiligen„Führer" mit ihnen treiben. Eine Hand wäscht die andere!" Selbstverständlich, das brauchen wir nicht erst besonders be- tonen, wird die„Rote Fahne" den Bericht für erlogen und erstunken halten. Der Vorfall hat sich aber im Beisein von Hunderten von Reichsbannermitgliedern und Einwohnern von Pankow abgespielt. Bevor die„Rote Fahne" den Bericht bestreitet, emp- fehlen wir, einmal in den Kreisen ihrer Mitglieder in Pankow genaue Recherchen anzustellen._ Waffen- und Munitionsfunde in der Panke. Von badenden Kindern wurden gestern in der Panke bei Buch- holz in der Nähe der Pasewalker Straße zwei Karabiner 08 und mehrere dazu gehörige Patronen aufgefunden. Polizei- beamte nahmen die Fundstelle in Augenschein, ohne jedoch weitere Waffen zu entdecken.— Einige Zeil später wurden von einem Schüler, der bei Pankow die Panke durchwatete, mehrere Eier- Handgranaten gesunden. Der Junge übergab seinen Fund dem zuständigen Polizeirevier, das ebenfalls mehrere Beamte an die Stelle entsandte. Beim Absuchen des Flußbettes stießen sie auf ein großes verschnürtes Paket, das über 100 Eierhand- g r a n a t e n enthielt. Außerdem lagen auf dem Boden zahlreiche Eierhandgranaten verstreut. Die Polizei ist bemüht, sestzustellen, wer die Munition in das Wasser geworfen hat. Offenbar handelt Aus Anlaß von Käthe Kollwih' 60. Geburtstag sprach Luise D i e h l über das Leben und Schaffen der Künstlerin, deren ganzes Werk aus Mitleid und Menschenliebe geboren ist. Alle Anerkennung, die ihrer Kunst seit Jahrzehnten zuteil wird, hat aus Käthe Kollwitz nichts anderes gemacht, als was sie immer war: ein gütiger, mit- fühlender Mensch. Die Vortragende fand warme Worte für diese wertvolle Künstlerin und Frau.— Der Abend brachte Hans I. Reh- fischs Tragikomödie„W er weint um Juckenack?" Es wurde einer der stärksten Eindrücke, den die Sendebühne je vermittelt hat. Das Werk, das als Hörspiel sehr geeignet ist, war hervorragend gut besetzt. Paul Graetz war als Juckenackwon erschlltternoer Größe. Er durchlebte diesen um sein Recht auf Leben und auf Tod kämpfen- den Juckenack in jedem Wort. Und wurde kürzlich an dieser Stelle auf einige sprachliche Mängel hingewiesen, die sich bei Paul Graetz scheinbor aus dem langjährigen Bühnengebrauch des Berliner Dialekts entwickelt halten, so war diesmal kaum noch etwas von dem Uebelftand zu meiken. Ausgezeichnet wurde auch Staatsanwalt Dr. Lotzsch durch Alfred Braun verkörpert. Braun hat ohne Frag« für diese Rollen eine starke Begabung Elsa Wagner, Till Klockow, Erich Riem«, Albert Florath vervoll- ständigten die Darstellerschar dieses schönen Abends.— Das erste Kinder fest des Sommers ließ noch manche Wünsche offen. Krambombuli, der Ebner-Eschenboch tragische Hundeaeschichte, war für solche heitere Kinderveranstaltung zu schwer. Und Kasperle fei gebeten, nicht immer durch Prügelei Heiterkeit heraufbeschwören zu wollen. Ei kann in Zukunft als kluger Kerl seine kleinen Zuhörer gewiß auch auf andere Art erheitern. tes. es sich um Munition, die ht den Jahren 1918119 von irgendein« Seite in den Lauf der Panke geworfen wurde. 1920 wurden in der Panke am Gesundbrunnen an der Travemünder und Gregius-- straße ähnliche Funde gemacht, die aus den Unruhen von 1919 herrührten._ Die Skelettfunüe am lllap. Das Gutachten des Professors Strauch. Um den unsinnigen Gerüchten über die Skelettfunde am Ulap entgegenzutreten, die von den Kommunisten, trotz der inzwischen ver- öffentlichten verschiedenen medizinischen und geschichtlichen Gutachten aus durchsichtigen Agitationsgründen immer noch hartnäckig ver- breitet werden und denen zufolge die aufgefundenen Menschen- knochen aus dem Jahre 1919 stammen sollen, veröffentlicht der Berliner Polizeipräsident das von dem Gerichtsarzt Professor und Medizinalrat Dr. Strauch erhaltene Gutachten. Professor Dr. Strauch äußert sich folgendermaßen: Ich wurde als Mitglied der Mordkommission am 1. Juli 1927 vormittags an die Fundstelle gerufen und sah dort genau, wo ein Teil der Knochen gesunden war, wie weitere Skelette und Skelett- reste freigelegt wurden und untersuchte am Fundort selbst sogleich die Knochen. Am 2. Juli und 5. Juli hatte ich erneut Gelegenheit,. weitere Ausgrabungen zu beobachten und die auch hierbei zutage geförderten Knochen zu untersuchen. Aber, abgesehen von diesen eigenen Wahrnehmungen an Ort und Stelle, habe ich die auf meinen Wunsch in das Leichenschauhaus überführten Knochenreste noch besonders eingehend untersucht. Nach alledem handelt es sich, wie ich sogleich am 1. Juli erklärt hatte, um ganz alte Knochen, von denen ich damals annahm, daß sie mindestens 50 Jahre in der Erde gelegen hätten. Ich hatte geäußert, daß dies aber die untere Grenze sei, sie könnten ebenso gut 100 oder 150 Jahre alt oder noch älter sein. Zu dieser Ansicht kam ich�jveil die Knochen voll- ständig die Beschaffenheit der alten Knochenreste auswiesen,«ie waren ausfallend leicht und wiesen zum Teil charakteristische Striche und seine Einrisse an der Knochenlasel aus. Sie waren größtenteils von grauer Farbe. Es fehlten jegliche Weichteile und organische Substanzen. Weder Lederleimsubstanz, Fett noch Knorpel waren mehr vorhanden. Die Knochen waren vielfach so brüchig, daß man Teile der Schädeldecken mit dem Fingernagel eindrücken konnte. Neben vollständigen Schädeln wurden nur Bruchteile gefunden, an welchen die abgebrochenen kleineren Knochenvorsprünge ganz alte Bruchflächen darstellten. Nur die Zähne waren wie bei vielen Jahr- Hunderten und Jahrtausenden alten Schädeln sehr gut erhalten. Manche der Schädel waren von pslanzenwurzeln durchwachsen. Solche fanden sich auch zum Teil in inneren Gehirnteilen. Die Schädel glichen vielfach ganz deutlich denen, die man in prähistorischen Ausarobungen zutage fördert. Dies nimmt nicht Wunder, denn Schädel, die einmal vollständig jede organische Substanz durch das Alter und durch Erdeinflüsse verloren haben, halten sich, nur noch aus Kalksalzen bestehend, unbegrenzt. Deswegen war es schwer. ein genaues Alter anzugeben, und man mußte die Altersgrenze nach obenhin offen lassen. Üeber 50 Jahre sind sie meines Erachtens bestimmt. Räch diesem Untersuchungsergebnis muß ich mein Gutachten so bestimmt wie selten dahin abgeben, daß die Knochen mit Sicher- hei» nicht von Leichnamen herrühren können, welche erst 10 oder 11 Jahre in der Erde gelegen haben. Was sonst aus der Lage der Skelette selbst und des Fundortes hervor. geht, ist das, daß es sich hier offenbar um Leichname handelt, dl« z. T. ordnungsmäßig ausgestreckt bestattet wordeu sind. Daneben aber auch wohl sicher schon als verwitterle Knochen an diese Stelle von irgendwo anders gebracht wurden. Es form diese Stelle nur als ein Friedhof, mehr noch als eine Schadelstätte ange» sehen werden. Von den an dieser Stelle tätigen Leitern der B«n»> arbeiten wurde mir.gezeigt, wo die Sohle für die Pfeiler der Stadt- . bahnbogen sich befand und ich konnte feststellen, daß unter di�er Sohle bei einzelnen der Knochen erst ein« Schicht Said) kam, dann eine Schicht allen Kalks und unter dieser die Knochen hervorgezogen wurden. Ich fasse mich in bezug auf die Hauptfrage dahin zusammen: nach wissenschaftlicher Ueberzeugung und Erfahrung stammen die Knochen sicher nicht von Leuten, die vor 10 bis 15 Jahren dort b» stattet wurden."_ Verunglückte Polizeibeamte. Anläßlich einer kommunistischen Kundgebung im Sportpalast in der Potsdamer Straße war gestern ein starkes Schupoaufgebot nach dort beordert worden. Aus einem Fenster des zweiten Stockwerks stürzten plötzlich drei große Biergläser hinab und trafen den Oberwachtmeister M u s i ck so unglücklich am Kopf, daß M. schwerverletzt zusammenbrach und in einem Sanitätsauto in das Staatskrankenhaus gebracht werden mußte. Die Ursache dieses außer- ordentlich merkwürdigen Unfalls konnte noch nicht festgestellt wer- den.— Beim Schwimmunterricht im Deutschen Bad in Treptow ging der Schupowachtmeister Paul Siebert von der Inspektion Neukölln vor den Augen seiner Kameraden plötzlich unter. S. konnte sofort gerettet weiden, doch hatte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende gemacht. Themal-Marschner-Prozeß vor dem Reichsgericht. Die Beleidigung des Landgerichtsdirektors Dr. Marschner wird auch noch das R e i ch s g e r ich t beschäftigen. Sowohl Ober- staatsanwalt T e tz l a f f aus auch Landgerichtsdirektor Dr. M a r f ch n e r als Nebenkläger haben gegen das Urteil der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts I, soweit es die Freisprechung des Rechtsanwalts Themal betrifft, Revision beim Reichsgericht eingelegt. In der Revistonsschrift der Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Gollnick wird insbesondere die Zubilligung des fj 193 bemängelt. Nachwahl im Freiden?erverband. Achtung, Mitglieder. 5. Bezirk F r i« d r i ch s ha i n. Am Freitag, dem 8. Juli, 19 Uhr, finden im Saalbau Friedrichshain die Wahlen zur Unterbezirksleitung bzw. Bezirksgeneraiversammlungs- delegierten statt. Die Wahlvorschläge werden in der Versamnilung entgegengenomnien. Das Mitgliedsbuch ist zur Abstempelung vor- zulegen. Mitglieder, die mit den Beiträgen über drei Monate im Rückstand sind, haben kein Wahlrecht. Für die korrekte Durchführung der Wahl ist der Kontrollapparat entsprechend eingerichtet. Jedes Mitglied niuß seine Wahlpflicht erfüllen. Hinein in die Bersaiinnlungl Die gemordete„Sittendirne". Infolge des tragischen Hotel- mordes befinden sich an allen Anschlagsäulen Plakate des Polizei- Präsidiums, die unter der obigen Ueberschrift eine Belohnung für die Auffindung des Mörders versprechen. Wir können nur an- nehmen, daß diese Geschmacklosigkeit von einem Beamten herrührt, der sich selber nicht klqr über die Beschimpfung ge- worden ist, die auf diese Weise einer Toten zugefügt wird. Ihm scheint ebenfalls nicht bekannt zu sein, daß am l. Oktober d. I. ein Gesetz in Kraft tritt, das ein Ende machen soll mit der Ver- femung und Bestrafung der traurigen Opfer unserer Gesellschafts. ordnung, die ihren Körper für Geld verkaufen. Wir nehmen an. daß dieser Hinweis genügt, um den zuständigen Beamten des Poll- zeipräsidiums klar zu machen, daß derartige Kennzeichnungen für Frauen, ganz besonders aber sür Tote, in unserer heutigen Zeit nichts zu suchen haben. Billige Fischtage. Vom Donnerstag bis Sonnabend kommen zum Verkauf: frische Makrelen pro Pfund 40—45 Pf., l e» bendfrische Schollen Psund 40--45 Ps. Die Verkaufsstelle« sind durch Plakate kenntlich gemacht. $ßc üie dezentralifation der Freibank. Eine Forderung der Sozialdemokratie. In der Märznummer der vom Bezirksverband der SPD. herausgegebenen kommunalen Blätter erschien vom Genossen Mariin F a e r b e r unter dem Titel„Die Freibank für Alt- Berlin" ein Aufsatz, in dem die sozialdemokratische Stellung- nähme zu einer Wiedereinführung von Filialen behandelt wurde. Unsere Genossen haben bekanntlich die Gründung einer„B e r- liner Freibank G. m. b. ch." erreicht, bei der die Stadt Berlin(ohne finanzielle Beteiligung) von sieben Aufsichtsratsmit- gliedern drei stellen darf. In dem Aufsatz wurde ferner ausgeführt, datz diese bis zum Kriege vorhandenen Filialen nur wegen Materialknapphsit ge- schlössen wurden, daß aber bis dahin täglich in ihnen 30 Zentner Freibankfleisch verteilt wurde und daß jetzt unter Umgehung des Fleischbeschaugesetzes und der hieraus bezüglichen polizeilichen Be- sitimmungen erhebliche Teile des Freibankfleisches in den Handel kommen oder in Speisewirtschaften endigen. Vertragsmäßig kann von der Pächterin, die den Betrieb schon seit mehr als zwanzig Iahren inne hat, die Wiedereinführung der früher betriebenen Filialen gefordert werden. Wie groß das Interesse für dieses Frei- dankfleisch bei bestimmten proletarischen Schichten ist, kann man unschwer aus der Zahl der täglichen Kunden in der Thaerstraßc ersehen, deren Zahl täglich weit über tausend beträgt. Wie in dem zitierten Artikel, ausgeführt wird, geht eine Menge des Freibank- fleisches in den Schleichhandel. Damit muh jetzt endgültig Schluß gemacht werden. Wenn auch der Schleichhandel nicht immer vollkommen zu unterbinden ist, so wird er doch nach Er- öffnung der Filialen sehr erheblich eingeschränkt werden. Die Verwaltung hat bisher auf die angebliche Verteuerung des Frei- bankfleisches nach der Errichtung von Filialen hingewiesen, die dnrch die Transportkosten entstehen sollten. Dabei sind jedoch diese .»osten schon in der Vorkriegszeit der Pächterin nicht erspart gc- blieben. Wenn serner die Vorteile der heute' bestehenden cinheit- iichen Verkaufszentrale hervorgehoben werden, mag dies vom rein geschäftlichen Standpunkte aus gesehen, richtig sein. Es darf hier aber nicht auf den Gewinn ankommen, da die Freibank ja eine Art von Wohlfahrtseinrichtunq sein soll. Es ist nunmehr an der Zeit, der sozialdemokratischen Forderung zu entsprechen und die angeb- lichen oder wirtlichen Schwierigkeiten, die bisher der Wiederher- ftellung der Filialbetriebe im Wege standen, zu beseitigen. Die beutige Sitzung der Deputation für den Bich- und Schlachthos hat auf ihrer Tagesdrdnung die„Wiedereinführimg der Freibank- filialen" zu stehen. Man darf die Erwartung aussprechen, daß sie der seit Jahren von der Sozialdemokratie geforderten Einrichtung der Freibanksilialen zustimmt. Schweres Eisenbahnunglück im ffarz. Zahlreiche Tote. Ikach einer ZNIllcilung der Reichsbahndirektion Berlin hat sich heute nachmittag um lS Uhr aus der Harzquerbahn bei Hasserode ein schweres Eisenbahnunglück ereignet. Infolge einer Gleis- unterspülung, hervorgerufen durch einen Wolkenbruch, stürzte ein Zug der harzquerbahn ab. Räch den bisher vorliegenden Berichten sind der Lokomotwsührer und eine Anzahl vou Reisenden gelötet worden. Die Lokomotive und einiga Wagen des Zuges liegen im Wasser. Räch einer weiteren Meldung ist infolge des Wolkenbruches bei Harzgerode eine Brücke fortgerissen worden. Die Reichsbahndircktion Magdeburg hat Hilfe gesandt. Nerabischwili und tvefchapeli. Ein Georgierprozeh in Paris. Am 10. Juni v. I. verletzte der 24jährige Georgier Merabischwili löblich seinen Landsmann Weschapeli in der Nähe des Iustizpalastes in Paris. Wefchapeli hatte soeben das Gebäude verlassen, nachdem er einen Prozeß gegen sechs seiner Landsleute, die von ihm wegen tätlicher Beleidigung angeklagt waren, verloren hatte. Dem Pro- zeß lag eine Schlägerei zugrunde, die am 9. August 1926 in einem Pariser Cafe während einer von Weschapeli organisierten Ber- sammlung sowjetfeindlicher Georgier stattgesunden hatte. Merabischwili war im Jphre 1924 von der Sowjetregierung nach Berlin geschickt, um hier sich der Kinematographie zu widmen. Nach der blutigen Niedermetzelung des Ausstandes in Georgien wies er das Stipendium zurück, siedelle nach Paris über und arbeitete hier als einfacher Arbeiter. Aber noch vor seiner Uebersiedelung nach Poris, bereits in Berlin, hatte er beschlossen, sich an Weschapeli zu rächen. Weschapeli, einstmals ein begeisterter Anhänger der georgischen Unabhängigkeit, Mitglied der Georgischen Konstituieren- den Bersammlung, war nach Eroberung Georgiens durch die Bolschewisten ins' Ausland geflüchtet und wurde bei der früheren georgischen Regierung, die sich gleichfalls in Paris niedergelassen hatte, Vertreter des Zentralkomitees der Nationaldemokratischen Partei Georgiens. Nach dem georgischen Ausstand ging er aber zur Sowjetregierung über und versuchte in Paris die Georgier auf die Sowjetplattform zu vereinigen. Merabischwili kaufte sich am 9. Juni einen Revolver, lauerte am nächsten Tage Weschapeli auf und schoß aus ihn. Der Prozeß begann gestern. Der Nebenkläger Henry Torr es beabsichtigt die Gerichtsverhandlung zu einem großen politischen Prozeh zu gestalten. Er will die moralische Schuld an der Tat des jungen Merabischwili der georgi- schen Vertretung in Paris in die Schuhe schieben. Allerdings ein aussichtsloses Unternehmen. Der Prozeß ist aus vier Tage berechnet. Tagung der Landesversicherungsanstalten. Der Verband der Landesversicherungsanstalten, also der Träger der Invalidenversicherung, hielt am 4 und 5. Juli in Godesberg am Rhein seine diesjährige Jahresversammlung ab. Anwesend waren etwa 159 Delegierte und Gäste, darunter Vertreter aller interessierten Reichs- und Landes- behörden. Der Vorsitzende, Geheimrat Dr. Schröder- Kassel, erstattete den Geschäftsbericht: Mit der Aufwertung der Invaliden- renten und der Stabilisierung der Invalidenversicherung wurde im Jahre 1926 begonnen und beides wurde im Jahre 1927 zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. Im Jahre 1927 wird die Beitragseinnahme um rund 26 Proz. steigen. Wenn im Jahre 1928 die neue siebente Lohnklasse ins Leben tritt, wird noch eine weitere Aufbesserung der geldlichen Lage der Bersicherungs- anstalten eintreten. Schröder behandelt dann Vorgänge im Sozial- politischen Ausschuß des Reichstags, wo behauptet worden war, daß etwa«in Viertel der Beiträge, die entrichtet werden sollen, nicht entrichtet werden. Das ist, wie Schröder betont, eine starke Uebertreibung. Wenn auch nicht alle Beiträge restlos ein- gehen, so sind doch die Unterschleise nicht größer als in anderen Ber- sicherungszweigen. Die Reibungsflächen zwischen der Invaliden- und Angestelllenversicherung haben eine G l ä t t u n g insofern erfahren, als jene von dieser eine Abfindung erhält für Renten, die nach sachlichen Erwägungen die Invalidenversicherung zu Unrecht für Angestellt« zahlt. Weiter sind durch die neue Zollgesetzgebung der Invalidenversicherung jährlich 49 Millionen Mark aus Zollüberschüssen zugewiesen worden, die zur Gesundheitsfürsorge(Heilverfahren usw.) verwandt werden sollen. Bei den E i n z e l f r a g e n behandelt Landesrat G ö r l i n g (Berbandsfyndikus) die finanzielle Lage der Träger der Invaliden- Versicherung und betont, daß an dem gegenwärtigen Begriff der Invalidität nichts geändert werden dürfe. Es würden nur ver- hältnismäßig wenig Rentenanträge abgelehnt. Zu fordern sei die Beseitigung der„U n t e r o e r s i ch e r u n g", die darin bestehe, daß wir nicht genügend hohe Lohnklassen besitzen, die auch die höheren Arbeitsverdienste entsprechend ver- sichern. In der Aussprache äußert sich zunächst Gewerkschafts- sekretär Welker- Berlin, der sich über die Beitrags- einHebung»erbreitet. Es wäre wünschenswert gewesen, daß die Einhebung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung den Landes- Versicherungsanstalten mitübertragen worden wäre. Voraussetzung wäre allerdings eine U e b e r e ist st i m m u n g der Lohntlassen in beiden Versicherungszweigen gewesen. Die Versichertenvertreter wünschen das: die Regierung lehnte es aber ab. Als Wortführer der Unternehmer, die in einer Barver- sammlung beschlossen hatten, sich gegen die„hohen Beitragslasten" und gegen die Ausgestaltung der Selb st Verwaltung in der Invalidenversicherung energisch zu wenden, erklärt Dr H ö p p e, eine Erhöhung des Einflusses der Versicherten müßten die Arbeitgeber ablehnen. Arbcitersekretär H a u ck- Düsseldorf be- tont demgegenüber, die Versicherten seien Objekt, müßten also auch Subjekt der Invalidenversicherung sein. Vizepräsident A p p e l i u s> Düsseldorf sprach über die Wiedereinführung einer„Vorbelastung" der Ber- sicherungsanstalten. Man versteht darunter eine Abänderung des heutigen Zustandes, nach dem alle Renten aller Bersicherungs- anstalten gemeinsam getragen werden in der Form, daß wieder die einzelnen Anstallen gewisse Lasten(Rententeile) selbst über- nehmen, natürlich auch unter entsprechender Ueberlassung von Ein- nahmeteilen. Der heutige Zustand begünstigt die Anstalten mit landwirtschaftlichen Versicherten und benachteiligt die mit indu- striellen. Gewerkschaftssetretär Welker- Berlin hält den Zeitpunkt für gekommen, die stüher vorhandene Sonderbelastung der einzelnen Anstalten wieder einzuführen. Er schlage eine solche von 19 Proz. vor. Die Versicherungsanstalten dürften nicht ein Eigenleben auf Kosten der Solidarität der gesamten Anstalten führen. Nach leb- hafter Aussprache ergibt die Abstimmung, daß die übergroße Mehr- zahl der Anstalten grundsätzlich für die Borbelastung ist. Ueber das Verhältnis der Invalidenversicherung zur Angestelltenversicherung sprechen Präsident Neu- mann- Darmstadt und Regierungsdirektor W e ck l e r. Die Gesetz- gebung habe mehrfach die Invalidenversicherung zugunsten der An- gestelltenversicherung belastet. Die(oben schon erwähnte) Abfindung an die Invalidenversicherung von 33 Millionen Mark genüge nicht. Diese forderte 129 Millionen Mark. Ueber die Aufwendungen der Bersicherungs- anstalten für Heilverfahren sprachen Präsident D i e t l- Weimar und Stadtrat Genosse Schneider- Nürnberg. Es handelt sich hierbei um zweckmäßige Verwendung der oben schon erwähnten 49 Millionen Mark Zollüberschüsse. Von Bedeutung war dann noch die Erörterung einer durchgreifenden Beitrags- Überwachung. Es soll eine bestimmte Anzahl Ueberwachungs- beamter angestellt werden. Nach einem Vortrag des Universitäts- Professors von R o m b e r g über die Bekämpfung der Tuberkulose werden zum Schluß die fälligen Wahlen des Vorstandes im Hinblick auf das Gesetz über das soziale Wahljahr auf nächstes Jahr verschoben. lkinkgung in der Nürnberger Metallindustrie. Rürnberg, 6. Juli.(WTB.) Bei den Vorverhandlungen über die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches in der Groß- st a d t m e t a! l i n d u st r i e, die am Montag unter dem Vorsitz des Staatsrates Gasteiger vom Sozialministerium in Nürnberg be- gannen, kamen die Verhandlungen über den Tarif erneut in Fluß und wurden gestern abend zum Abschluß gebracht. Von Arbeitgeberjeite wurden mehrere weitere Tarifverbesse- r u n g e n zugestanden, so daß der neue Tarif noch gestern abge- schlössen werden konnte. Die Maßnahmen der beiden Parteien hin- sichtlich der Arbeitszeit, die Differenzen in den Betrieben hervor- gerufen hatten, wurden zurückgenommen. Damit finden auch die Aussperrungen in Nürnberg ihre Erledigung. Ausdehnung des Kölner Mühlenarbeiterstreiks. Köln, K. Juli.(WTB.) Die Belegschaft der Germaniamühle Werner u. Nikolai in Duisburg ist gestern infolge der Lohnstreitig- keiten, die bereits zu einem Streik in drei Großmühlen in Deutz und Mühlheim führten, ebenfalls in den Ausstand getreten. Auch in Düsseldorf sind die Belegschaften verschiedener Mühlen aus dem gleichen Grunde in Streik getreten. Schiedsspruch für das Buchbindcrgcwerbc. Für den Abschluß eines neuen Manteltarifvertrages zwischen den Buchbindern und dem Arbeitgeberoerbond für die papierverarbeitenden Industriellen wurde im Reichsarbeitsministe- rium«ine Schiedsspruch gefällt.-Für die U e b e r st u n d e n sieht der Schiedsspruch einen Zuschlag von 26 Proz. für die über 48 Stunden hinausgehende Mehrarbeit vor. Kampfmastnahmcn der westfälischen Strastenbahner. Eine von 199 Delegierten der am Tarifvertrag für die Straßen- bahnen beteiligten Organisationen besuchte Konferenz nahm am 6. Juli in Kettwig a. d. Ruhr im Gewerkschastshaus zu dem vom Schlichter gefällten Schiedsspruch Stellung. Einmütig be- schloß die Konferenz die Ablehnung des Schiedsspruches, da dieser in seiner Höhe und seiner Befristung bis Ende Mai 1928 völlig untragbar sei. Die Konferenz brachte zum Ausdruck, daß nunmehr vom Arbeitgeberoerband auch einmal den wirtschaftlichen Forderungen der Arbeitnehmer Rechnung getragen werden müsse, nachdem die Betriebsangehörigen jahrelang sich mit schlechten Löhnen und Arbeitsverhältnissen begnügt und so den Betrieben es möglich gemacht haben, sich wirtschaftlich zu erholen. Die S t r a- ßenbahner sind, wie der Verlauf der Konferenz zeigte, nicht mehr gewillt, sich ihre Löhne und Arbeitsbedingungen vom Arbeit- geberverband vorschreiben zu lassen: sie sind entschlossen, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln eine Verbesserung ihrer Lage herbeizuführen._ Die Internationale der Textilarbeiter. Auf der Konferenz der Textilarbeiter-Internationale, die vor kurzem in Stockholm stattgefunden hat, wurden die Vor- bereitungen für den im Oktober in Gent(Belgien) stattfindenden internationalen Textilarbeiterkongreß besprochen. Aus dem Kon- greß wird, wie wir hören, die Lage der Textilarbeiter in Indien im Mittelpunkt der Beratungen stehen. Sozialiftische Arbeiterjugend Groß-öerlin. All« Senosien, welche mitwirken wollen bei unseren Festen, kommen heute, 19 Uhr, in der BUcherstube des Jugendheims Lindenstr. 3 zusammen. Ableilungsmilgliederversammlungen. Donnerstag, 19M Uhr: Sstdwest: Heim Livdrust». �..Neuwahl des, Echuistraßc.— Lichtcrscldc! Lichterfeldc-Welt, Steglitz II: Heim Albrechtftr. 47.— jlendo Lankwitz: Schul« Ibrechtstr. 14. Ausspracht.— itfi Stldlchpl-, Wilh-lmstratze.— nsee Vorstadt: Schule Driestner dorst Schule Roonstraße.— Straß« 22. Mitgliederversammlung. Faltplatz: Schule Eberswaldcr Str. 19, Zimmer 11.„Jugend und Eltern» Haus." Die Eltern sind herzlich eingeladen.— Schijneberg Iii: Heim Haupt- 'ze IS.„Ziele und Bestrebungen der gegnerischen Iugendverbiinde." lerbebczirk.Rcutölln: Der Bildnngsaussdmß trifft sich ISlh Uhr beim Se» nassen Lange, Wissmannstr. 10.—, Sonntag, 10. Juli, Waldscst in der Königs- Heide. Treffpunkt WA Uhr Hcrtzbergplatz. Neukölln V! Alle Genossen, die vom 23. bis 27. Juli eine Ferienfahrt planen, treffen sich Montag abend 20 Uhr im Heim Nogatftr. S3 zur Ziclfcst- fctzung. Wer mitkommen will und am Montag keine Zeit hat, melde sich bei Ed. Lautcnbach, Marefchstr. 12. öriefkaften der Redaktion. M. 13. 1. Zahlen Sic Kosten. 2. Bekleidungsarbeiterverband, Berlin, Wusterhaufener Str. 15, Die Bestimmungen des Tarifvertrages sind uns nicht bekannt.—«. H. 33. I. Nein, 2. Ja. der Sauswirt ist berechtigt, das Waffer. gcld auf die Mieter umzulegen.— F. G. Sie müssen gegen Ihren geschiedenen Mann Klage auf Herausgabe der von Ihnen in die Ehe eingebrachten Sachen erheben,— O. s. 86. Der Hanswirt ist berechtigt, das Wassrrgeld und den Gemcindezufchlag zur Grundvcrinögcnsftcucr, soweit er 100 Proz. der staat. lichc» Steuer Übersteigt, auf die Mieter umzulegen. Im Falle der Umlage des Waffcrgeldes vermindert sich die gesetzliche Miete um 3 Proz. der Friedens» miete. Die Umlagen haben nach dem Verhältnis der Fricdensmicte auf die einzelnen Mieter zu erfolgen.— K. R. 777. Sir und Ihre Schwester sind Erden nach Ilhrcr verstorbenen Mutter.— I. Z. 101. Ja, ersuchen Sie um Mitteilung einer Berechnung der Kosten. Eine angenehme Wochenendfahrt nach der Insel Rügen via Stettin ver- anstaltet das Reiseburcau Gertheim. An jedem Sonnabend— die Abreise kann schon von mittags 12 Uhr an erfolgen— führt das Programm die Teil- nehmer nach Stettin, von wo aus der große neuerbaute Salondampfer..Äugard' _.„« �......... _____ eßlich voller Pcrpflcgüitg auf dem Dampfer und in ersten Häusern, Führ_ und Trinkgelder beträgt 24 M. Ausführliche Prospekte und Tcilnehyierkarten im Reiseburcau Wertheim. 1 " r''' 2. £juni)crttüufmöe, Jwhm-MchÄiherz£agJrtxi� MynAer� KÖN IG. V. SAB A- 44 oua lün�siei: Ernte, frisch manipuliert, die wohlschmeckendste bekomme Mchsii�nd- leichteste�-ÄHarette, istj die Eur' Ac/vmecAe��hohzrL werden kann U S ATY WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-AbL) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Badeutende Preisherabsetzung SYEIRIKAUF Beginn 1. Juli ummiiiiiUiuiiiiniDiiiuiiiiKiHmitii AuBerordentiich billige Warenposten, darunter: Crepe marocain bedr., neue Must., früher 0.90, jetzt Bedruckt. V ollvoiSe letzte Neuh., früh. b. 3 M, jetzt Mtr. Rcinwoll. Karos viele Muster, früh. b. i.7S, jetzt Mtr, PrtT4 Waschanzüge für Knaben Jq« Zephir, Rips und anderen Stoffen Sporthose marine Satin"fl qa.\ für ca. 5 bis 14 Jahre, für 5 Jahre Damen-Jumper Q q0 aus Waschstoffen, mit langen Act mein Damen-Jumper f versdi. Ausführungen, darunt. Cr£pe de Chine, M JSsm M Bastseide, Vollvoile mit eleganter Stickerei Damenstrümpfe f15 70». < Aunstseide, schwarz oder farbig mm 1 u. 1, schwarz od, farbig, verschied. Größen -< Garnierte Damen-Hüte 2 90 dso 675 Damenhemd mit Stickerei Iso Beinkleid dazu passend.. 2 10 Nadithemd m-ÄSSwäie 3l0 Frottierhandtuch 68 Pf farbig gestreift Badelaken weiß, Krausei- D Stoff, Größe 125/150 35 Pt 95pt. 175 245 190 Küchenhandtuch 48 PI gesäumt und gebändert WiSChtudl rot kariert 18 Pf. gesäumt und gebändert Kragen CrSpe de Chine, gerade Form, in vielen Farben Voile- Weste mit Falten und Knöpfen garniert Voile-Garnitur � u. Mansch., handgestickt, weiß, färb. o J._| Cräpe de Chine, in �CUai großer Farbenauswahl Kr. ca. 50 cm 5.90, 32 cm J.90, 25 cm Gartendecke bunt kariert, Größe 110/110 y Mod. Hutband Meter 45Pt Libcrtyband 5 8 PI Blusenband b�nt � 58 Pf. Damenkleider Damenmäntel Serie/ aus bedruckter Waschkunstseide mit fabots garn. fugendl. formen, verschied. Stoffe 5bo 975 Serie II reinseid. Bast, bedruckt Vollvoile, lange Aermel oder Waschkunstseide Rips, sheflandart. u. imprign. Stoffe 975 U75 Serie III rebtsd. Bast, Jumper- form.SAumdienweste oder Wollmusseline imprägn. Herrenstoffe, verschied. Ausführungen... 1575 2750 Dürkow-Rähmaschinen gegen Z.Mark. äBoiljcntaten. Wlofit, Srunnenfteafie 185, zwischen ZiasenthalerviaZ und Invali- denstraße.?!orden 118 Taselwagen, Dezimalwaze». Gewichte reiswerl. Georg Wagner, AäpeniSer- Hraße»ue 71, Hof. klein Loden, dafilr illigere Vreise.' Geschdftsir erkaufe ffnMetniiltel.Gefdjäft,«artasfelschalen. Handel, gute Existenz, preiswert für 1500 Mark zu verkaufen. Kenntnisse nicht erforderlich, Käufer wird angelernt. Eventuell Teilzahlung. Braemer, Lich. tenberg, Berlinerstraße 71. , Bekleidungssiupke. tfisrheatsw Wenig getragene ffrackanzllg«, Smo- kinganzüge. Gehrockanzilge, Iacketlan. »llge. Gabardinemäntel, Gummimäntel, ?utaway-A»zllIe Taillenmäntel, für jede ssigur passend. Epezialität: Bauch» anziige, spottbillig. Halper». Rosen. thaleestraße 4. erste Etage.' Bettenverkouf! Neue 9,75! 15,—! Prachtvolle 22,50! 27,50! Bettwäsche! Steppdecken! Tlllldecken! Inletts! Alles spottbillig! Keine Lombardware! Leih- bans, Brunnenstraß- 47' Getragen« Herrengarderobi. Evezia». iät Bauchfiauren, Ivottdillta. Rah, Gor» amnnstrahe 25/28. krlibe- Mulackstrahe.' ' Wenige getragene Kavalieraarderode oon Millionäre» Aerzten. Anwälten. stabelhaft billig« Preis«. Empfehle Taillenmäntel. Paletots. Pracks Emo- kings, Gehrockanzstge, Hasen. Gelege». heitokäufe in neuer Garderobe. Weite. »er Weg lohnend. Lothringerftraße 50, 1 Treppe, Rosenthaler Plag.* San Aaseliceen wenig getragene ss- wfc neue Herrengarderobe verkauft spottbillig Leihhaus Friedrichstraße 2. Kein« Lombardware..____* ' Bttlett lchgftsanzllgen. Norden 6898. hocheleganten Gesell- Rolentbalerstraße 4, iwuyuca. wuisss/ wtu zehn. Spezialgeschgst. »leiser-MSbel, Alexanderplatz, sind ße» biegen und dach preiswert! Ständige Ausstellung von 400 modernen Zimmer. Einrichtungen silr Kleinwohnungen, Siedlungen und gutdllrgerliche Räume. Sämtliche Eiiizelmädel. Illustrierter Prachtiatalog 88 tgstenlos. Albert Glet. ser Mäbelfabrik Akt.»Ges., Alexander» platz, Alexgiiderftraße 41, 42, 48.• Roebel-Boebel, Moritzplatz. Sttfauf im ssabritgedäude. Riedrizsle Preise. Eichene Cchlaszimmee 495.«veisczimmer. mo- dernes BUsett, große Anrichte, 855. Standuhren 95. Lebt''".ihle 18. Schreib. tische 95. BUcheesäiränie 54—80. Runde Tische 49. Besichtigung erbeten�___' Zweiundsiiafzig Anrichtetllchen, Besen schränke, Abwaschtische. Herabgesetzte Preise. Zahlungserleichterung. Kamer. ling, Kastanienallee 56.___• Ankleideschränke, bequem« Zahlung. Nußbaum. Eiche. 119, 129, 189, 150, >80 Zentimeter, Krislallspirgel. Anzahlung 29 Mark an, Wochenrate 8 Mark an. Englische Bettstellen, Metallbelten, Waschkommoden, 8..... Sofas und andere lung 19 Mark an, W an. Freilieserung, Garantie. Möbel» schätz, Brunnenstraße 169, Eingang An» klamer Straße.______ Röbelfachhau», beste und billigste Bezugsguelle für Qualitätsmöbel. Stän, dige Ausstellu»! gen und Einzel In 5 Stockwerken.______ W welle. Möbelfachhaus Schümann, Zionskirchstraße 89, Ecke Templiner. straße,* | Ohne Anzahlnng. Piano« in großer> Auswahl, neue und gebrauchte, mit Herr» licher Tonfülle. Langjähriger Garantie. schein, kleine Ratenzahlung. Serer, Brunnenstratze 191. 1 Trepp«, am Rolk!'. thalerplatz.• Fahrräder Drei Mark Wochenrate. 1! Mark An> zabluna, für ei»«rstklasssgeo Marken» rad. ffahrradhaus Zentrum Linien. straße neunzehn.___* Fahrräder, Rennmaschinen, Halb» eenner, Touren» und Bezetträder, erst. klassig. Niedrige Anzablung. kleinste Raten. Niederlage der Baltia-Fahrrad- werke, Dresbenerstraße Iii! R. Prenz- lauerallee 88. ssmsm Linkpianos, überaus preiswert. Piano- ladrik Link. Brunnenstraße 85.' Saison-Ausverkauf Beginn am 1 Juli 1027 Preise x. T. ßerabgeseizl auf SO o/o JtaUdatz t£ Co. CeipsiQGT Straße 122- 23 c Teilzahlung. Riesenauswahll Dia- manträder, Görickeräder, Opelfabrräder, Triumphräder, Multipleiräder, Bittler- räder, Monopolräder, bildschöne Renn» Maschinen, entzückende, schnellausende Etraßenrenner, sechsjährige Garantie, kauszwangloser Lagerbesuch. ffahrrad- rahmen 18,—, Kassariiter 88,—. Echlawe. Weinmeisterstraße vier.' Käuffgesuche Z-Hngebiff«, Silbersachen. Zinn. Blei Quecksilber. Goldschmelze Ehristionat Kövenickerstraße 89 sAdalbeetttraiie).' Unterricht irtel, Einzelunterricht, Kurz. Maschineschreiben. Buchführung ücherrevisor Aulich. Seqdelftraße l, Epittelmarkt.' Vermietungen itachstude billig vermietbar. Meirich, Potsdamerstraße 45.* Möblierte« Zimmer zu oermieten. Breuer, Ckalitzerstr. 129, vorn 8. Stock. Gastwirtsckast Bentfeldt, Tadel in Mecklenburg, herrlich an Wald und Wasser gelegen, nimmt noch für Mitte Juli und August Sommergäste auf. Pensionspreiz 4 Mark. iieillö Million liier Weioe leiir Bondern aar noch einige hund: erhöhung trotz großer ProlsstcJ PriM Maitoiie..... Liter 0 FslBflcr Apfel vela«an. isi u«. 0. Editekloiunmiiiieorvreillu; ur. 0. Feiutor Kirsthwcin. u j Ltr. 1- Editsr Erdbeonreis. 14 1 ur. 1 Edller Apfstwein enrBowle.Ltr. v ?rttauoenci Liter gelangen ohne Preis- igerung bis 10. Anglist 1927 z zum Verkaal 95 Prini Erilbecriiolsle... iat«r l.ZV 75 LrÄor lärrilgslis«ii».... Ltr.».ZV 65 r.cüler Griechenveifl eaa.. Ltr. 1.40 »0 Bclrtar Mi'.nßo«Uli..... Ltr. 1.50 45 Editor Insel Samos«ob.. Ltr. 1.90 50 Editor SeaatOmacht mich frBhl L. 1.90 Smider-Äfi�eb©8 k Spaniacber Eotvein.... nü.7S Ecbie Bordeam-Weine.. fl 1.50 BaDtSanters.I911Bordeaiu fi. 2.25 CeUtSülle U'piijsveine...Fi 0.25 IlelllZdie 1922 Weißwoiiie. fl 1.25 Benlscbe HllerWeiSiueine fi. 1.65 Trotz bedeutender Spriterhöhung kommen bis aut weiteres meine Spirituosen ohne Prels- erhöhunß bis 15. August 1927 zum Verkaut. Felaster Aquavit»r Kenner.......-ss FI. 2.10 Liter 2.65 Fclnsler Waisbrand Vcrscha.— sten. Fi. 2.35 Liter 2.95 Echtar deutscher Weinbrand— surn, rc 3.10 Lit«r 3.95 AUa BdeUikAre bis 38 u/„....... fi 3.10 Liter 3.95 ■ Kostproben gratis« Aussdisnk direkt vom Faß.■ Eduard Süsskind Hauptgwschäf i: BrunnensSraSe 42.43 Sieglitz, SehloBdr. 121 Uerlln, Pelersünrccr Sir. CO Neukölln. Berliner Sir. 13 Berlin, Clieanscestr. 7S Moabit, WilsnackerSlr. 23 Berliu, Mhllerzlr. 144 Berlin, Grünauer Str. 13 Berlin, Uopnonalr.»7 Cbarlotlenburg, WUmersdorEer StrnUo 137 Liefemngen nach aosv&xt« von Hark 10.— na. Korbflanchen. Krnken und Flueheo worden geliehen. Luftkueort Tön Neeberg i. Oderpfalz, Station Nabbueg. Zug Berlin— Mlln- ». Eilzüge halten. Pension Villa hloßberg. InHabe» Genosse Drieb. Im Heimatstil kllnstlerlsch-behaglich ein- lerichtet. Herrliche, waldreiche Land- chaft. Gute, reichliche Verpflegung. �ier Mahlzeiten. Bollständige P-nsson ab Mitte August 4 Mark. Prospeit auf Verlangen.» Geldverhehr Psandlekhe. Söchllb-Ieibnna. Moritzpla». Uschina erhaus. Sana« Arbeitsmärkt Lehrling zur Ausbildung ais Hsizungstechntler gesucht EchrifIiche Bewerbungen an FrUz Kaefcrle Q. m. b. H. »reite SV 48, Wichelmstraße 22. Nr.3I«»4».7<>h-g-<>s 2* l�OCtDOtrtd d-aner-wg, T.Juli 1927 /lbjlimmungen im Reichstag. Arbeitslosenversicherung und Kriegsgerätegesetz.— Die Deutschnationalen müssen Farbe bekennen. Der Reichstag überwies gestern- einen Antrag auf Ein- stellung eines Strafverfahrens gegen einige kommunsttifche Mit- Glieder des Reichstages dem Gefchäftsordnungsausfchuß. Die Berichte des Rechnungsausschusses über die Bericht« des Reichsschuldenausschusses 1924 und 1925 und die Rechnungen der preußischen Oberrechnungskammcr über Einnahmen und Ausgaben des Rechnungshofes des Reiches werden debattelos zur Kenntnis genommen. Das Haus setzt dann die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Arbeitslosenversicherung fort. Abg. Thiel(D. Bp.) begründet einen Antrag der Angestellten- Vertreter aus den Reihen der bürgerlichen Parteien auf Zulassung der Arbeitslosenoersicherungseinrichtungen der Angestelltenverbände und deren Arbeitsnachweise. Beim nächsten Abschnitt der Vorlage wendet sich Abg. Schmidt-Köpenick(Soz.) entschieden dagegen, daß dielandwirtschaftlichenArbeiter mit langfristigen Verträgen und das sogenannte Gesinde aus der Versicherung ausgeschlossen bleiben sollen. Immer wieder sehen wir, daß die Landarbeiter unter Ausnahmebestimmungen gestellt werden. Es ist überhaupt erst der Regierung der Vollsbeauftragten zu ver- danken, daß die Gesindcorvnungen ausgehoben wurden. Es ist eine ganz falsche Auffassung, wie früher immer behauptet wurde, daß es in der Landwirtschast gar keine Arbeitslosigkeit gebe. Wir verlangen, daß auch die sogenannten Fahrtenfischer, die zwar keinen eigentlichen Arbeitslohn erholten, aber trotzdem als Arbeitnehmer anzusehen sind, in die Bersicherung einbezogen werden. Wenn unsere Forderung, daß die Landarbeiter allgemein in die Versicherung ausgenommen werden, also auch die mit lang- sristigen Verträgen, nicht erfüllt wird, so müssen zum mindesten die landwirtschaftlichen Arbeiter, wie unser Antrag will, vor r i g o- roser Entlassung geschützt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch das sogenannte Gesinde muß durch eine sechs- monatige Kündigungsfrist geschützt werden. Mit Recht wird in einem bayerischen landwirtschaftlichen Organ gesagt: Be- bandelt und bezahlt eure Arbeiter anständig, dann habt ihr keine Leutenot! Dort wird auch festgestellt, daß das Angebot von Arbeits- kräften die Nachfrage weit übersteigt. Das bayerische Ministerium hat 1925 einen Aufruf erlassen, in dem gesagt wird, daß häusig i m chcrbst die Landarbeiter entlassen werden, weil die Besitzer den Lohn sparen wollen. Aus den vielen Bei- spielen dieser Art«gibt sich, daß es ganz falsch ist, daß die land- wirtschaftlichen Arbeiter aus der Arbeitslosenversicherung heraus- gelassen werden. Denn viele Gutsbesitzer haben wohl Geld für Stimmenkauf, für politische Beeinflussung der Landarbeiter, für die Bekämpfung des Landarbeiterverbandes übrig, aber wenn es sich um die Einbeziehung der Landarbeiter in die Erwerbslosenversiche- rung handelt, dann ist kein Geld da. Aber verlassen Sie sich darauf, rief der Redner zum Schluß der Rechten zu, wir werden den Land- c-rbeitern draußen sagen, wo ihre Feind« sitzen�(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Freiherr v.' Sinussen berg(Dnat.)- behauptet, in der Land- Wirtschaft bestehe Mangel an Arbeitskrästen, so daß ein Bedürfnis nach Arbeitslosenversicherung nicht vorhanden sei. Die Vers ich e- rungsbefreiung sollte sich auch auf die rein landwirtschaftlichen Gärtnereien erstrecken. Geheimrat Dr. weiger vom Reichsarbeitsministerium erklärt dazu, die Begriffsbestimmung der Gärtnereien sei ziemlich schwierig. Die Erwerbslosensürsorge rechne den seldmäßigen Gemüsebau zur Landwirtschast, aber nicht diejenigen Gärtnereien, in denen Blumen- zucht, Pflanzenveredelung usw. getrieben wird. Eine weitere Ab- grenzung werde sich aus der Spruchpraxis der Arbeitsämter ergeben. Abg. Obendlek(Komm.) verlangt die Einbeziehung aller Land- und Forstarbeiter und der Kleinbauern und Kleinsischer in die Der- sicherung. Abg. Grothewohl(Soz.): Der nackte Erhaltungstrieb von Staat und Wirtschaft zwingt dazu, den Schutz der Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit zu sichern. Würde die Arbeitslosenunterstützung verschwinden, so würde nicht nur das Gesamteinkommen der Arbeiterschaft sinken, sondern auch das Lohnniveau der einzelnen Arbeiter gesenkt werden. Uns genügt die Suboentionierung des Reichs an die Erwerbslosenversicherung in der bisherigen Höhe nicht. Wie hoch sie sein soll, wird freilich in klassenmäßiger Weise entschieden, und je nachdem, ob die Der- sicherung jetzt mit oder gegen die Arbeiterklasse verabschiedet werden soll, wird sich ihr Gesicht gestalten. Außerordentlich schwierig ist die Auslegung des Begriffs der Arbeitswilligkeit. Unsere Bestrebungen, die vorgesehene Strafzeil bei Arbeitsunwilligkeit herabzusetzen, sind leider sehlge- schlagen. Wir wenden uns auch gegen den Zwang zur Pflichtarbeit und beantragen die Streichung des entsprechen- den Paragraphen. Es gibt keine Arbeit, die nicht im ordentlichen Arbeitswege erledigt werden könnte. Aus solcher Pslicht können Arbeitsverhästnisse entstehen, die dem Gedanken der modernen Arbeitsverfassung widersprechen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Eine der am meisten umstrittenen Frage in ollen Ländern ist die Behandlung des Streiks. In dieser Frage stehen wir uneingeschränkt auf d'er Seite der Arbeiter und der Gewerkschaften. Der Versicherte soll gegen jede ohne sein Zutun und ohne seinen Willen entstandene Arbeitslosigkeit geschützt werden. Das mutz also auch in den Fällen geschehen, wo der Versicherte gar nicht an Arbeits- streitigkeiten beteiligt ist. Für die Erwerbslosenunterstützung bei Streik oder Aussperrung darf niemals die Betriebsgcmeinschaft als das entscheidende angesehen werden. Der Staat hat auch hier die Verpflichtung, sich des wirtschaftlichen Schwächeren, also des Arbeiters anzunehmen. Gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutet die Herauf- s e tz u n g der Wartezeit von 13 auf 26 Wochen eine außer- ordentlich« Verschlechterung. Die Bezugsdauer muß auf 52 Wochen heraufgesetzt werden. Was aber soll mit den A u s g e- st-euerten geschehen, wenn die Krisensürsorge beseitigt wird? Im vorliegenden Gesetz sind die Bestimmungen darüber sehr dehnungs- fähig, wir beantragen eine ganz präzise Fassung. Die augenblickliche Krise zeigt uns, daß die Unterbringung langfristiger Erwerbsloser außerordentlich schwierig ist. wir müssen einen Damm gegen die Verelendung dieser Volksgeuossen errichten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach langen Erwägungen hat sich die Sozialdemokratie auf den Boden der Staffelung der Unterstützung ntfchLohnklassen gestellt. Einmal ist diese Staffelung bei ollen anderen Bersiche- rungszweigen durchgeführt, außerdem zahlen die Arbeiter ja auch gestafselte Beiträge und schließlich ist auch unter den Arbeitern die Lebenshaltung noch ganz verschieden. Aber wir verlangen, daß in den unter st en Klassen die Leistungen wesentlich erhöht werden. Di« Zahl der von den niedrigen Unterstützungen betroffe- nen Arbeiter ist gar nicht so gering. Aber die Arbeitslosen wollen nicht allein ein gutes Versicherungsgesetz, sondern sie verlangen letzten Endes Brot.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Frau Arendsee(Komm.) lehnt die Einführung von Lohn- klasien ab und beantragt einen einheitlichen Unterstützungssatz, der auch bei Streiks und Aussperrungen gezahlt werden soll. Abg. Schneider-Berlm(Dem.) bezeichnet die Leistungen als un- befriedigend und beantragt die Erhöhung der Hauptunterstützung um 5 Prozent. Abg. Andre(Z.) begründet gegenüber der Kritik der Linken di« Sätze der niedrigsten Lohnklassen damit, daß«in« Ueber- schreitung der Lohnhöhe durch den Unterstützungssatz vermieden wer- den sollte. Einzelabstimmungen. Die Aussprache wird hier unterbrochen durch die Abstimmungen über die bisher erörterten Abschnitte. Während der Abstimmungen erläutert der Reichsarbeitsminister Dr. Vraun» den§ 22a dahin, daß bei der Stellenbesetzung für die Arbeitsämter die Inhaber eines Bersorgungsscheines nicht ousge- schlössen, aber auch mcht bevorzugt werden sollen. Die er st en beiden Abschnitte des Gesetzes werden in der Ausschußfassung unter Ablehnung der Aenderungs- anträge angenommen. Unterstützungsverfahren— Aufbringung öer Mittel Es folgt die Beratung der nächsten Abschnitt«, die das Unter- stützungsoerfahren und die Ausbringung der Mittel betreffen. Abg. Zanschek(Soz.) weist auf die ungenügende Regelung des Unterstützungsverfahrens bei Arbeitern hin, die von Still- l e g u n g e n betroffen werden. Der Redner kritisiert dann die in der Vorlag« getroffenen Bestimmungen über die Verteilung und Verwendung der Mittel. Leider sind die Verbesserungsanträge der Sozialdemokraten im Ausschuß abgelehnt worden. Die Geld- strafen, die bei Fortsetzung der gewerblichen Arbeitsvennittkung angedroht werden, sind nicht ausreichend. Abg.- Derh(Komm.) begründet eine Reche von Aenderungs- onträgen zu den einzelnen Paragraphen. Der Redner' wird zur Ordnung gerufen, weil er den Abg. Aufhäuser der Lüge bezichtigte. Der Rest der Vortage wird unter Ablehnung der von den Sozialdemokraten gestellten Anträge in der Fassung des Aus- schufses mit geringen Aenderungen angenommen. Dem damft verbundenen Gesetzentwurf zur Aenderung der Reichsversicherungsordnung wird ohne Aus. spräche zugestimmt. Das Kriegsgerätegesetz. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über Kriegs- gerät. Ein nationalsozialistischer Antrag, die Vorlage zurückzu- stellen, bis die vor zwei Jahren versprochene Räumung durchgeführt ist, wind gegen Völkische und Kommunisten abgelehnt. Ueber die Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses, der die unveränderte Annahme des Gesetzentwurfs beantragt, berichtet Abg. Dauch(D. Vp.) und gibt dann im Namen der Regierungs- Parteien eine Erklärung ob, wonach sie trotz aller Bedenken für das Gesetz stimmen würden. � Präsident Lobe teilt mit, daß von der sozialdemokratischen Fraktion namentliche Abstimmung über das Gesetz be- antragt worden ist. �lbg. Stampfer fSoz.) Im Dezember vorigen Jahres erreichte die Regierung in Genf die Zurückziehung der Militärkontrollkommission. Dafür muhten die Schleifung der Ostfestungen, ihre Inspizierung durch alliierte Ossi- ziere und die Schaffung eines neuen Kriegsgerätegesetzes zugestanden werden. Das Gesetz dient dem Zweck, den der Minister Strejemonn mit den Worten ausgedrückt hat:„Entwassnung bis zu: Nacktheit." Dabei spielen auch wirtschaftliche Konkurrenzgründe mit. Man hätte uns gewiß auch die Herstellung von Pfeil und Bogen verboten, wenn das noch Exportartikel wären, an denen man verdienen kann. Ein Abrüstungsgesetz, das gleiches Recht für olle Völker schafft, würden wir mit Freuden annehmen, dieses Gesetz ist aber einseilig, ungerecht und unhaltbar. Unhaltbar, weil die Entwicklung sortschreftet, aus Feinden Freunde, aus Konkurrenten Kompagnons werden. Ich kann mir Umstände denken, unter denen die Vertragsgegner auf dl« Ausführung dieses Gesetzes nicht niehr den geringsten Wert legen würden.(Sehr richtig! links.) Niemand würde hier einem solchen Gesetz zustimmen, wenn wir nicht in einer Zwangslage wären. Die realpolitisch« Einsicht hat ja hier im Haus« rasende Fortschritte gemacht. Selbst die Völkischen wollen, wie ich aus ihrem Antrag schließe, der völligen Entwaffnung zustimmen, sobald dos besetzte Gebiet geräumt wird. (v. G r a e f e: Das ist doch nicht Ihr Ernst?) Ja, ich kann nicht annehmen, daß Sie ihren Abänderungsantrag nur gestellt haben, um den Deutschnationalen eine Verlegenheit zu bereite». Einen solchen jüdischen Dreh kann ich Ihnen doch nicht zutrauen. (Hefterkeit links.) Mit der realpolitischen Einsicht war es nicht immer so. vor fünf Jahren wurde Ralhenaus Leiche aus diesem Saal getragen. Am 24. Juni war er ermordet worden. Am 23. Juni hatte H e l f s e< rich gegen ihn die große Anklagerede gehalten, die chn moralisch und politisch vernichten sollte. Und was war der Gipfelpunkt seiner Anklage? Jene Note vom 9. Mai 1922, in der Rathenou sich bereit erklärt hotte, sich über zu ergreifende gesetzgeberische Schritte mit der Reparationskommission zu verständigen. In höchster Entrüstung und unter Entrüstungsstürmen seiner deutschnationalen Freunde rief er damals aus: .Das ist die schwerste Verletzung der Souveräniläl, die ich mir überhaupt denken kann, wenn eine Regierung einer fremden Kommission die Zusage macht, daß sie sich mit ihr über ihre Gesehesprojekte zuvor verständigen will. So damals Helfferich.(Stürmisches Hört, hört! links.) Tags darauf war Rathenau eine Leiche. Was Helfferich damals sagte, trifft genau auf den vorliegenden Gesetzentwurf zu. Er bedeutet den Verzicht auf die Souveränität in militärischen Ange- legenheiten. Lächerlich, jetzt darüber zu reden, ob wir Militärattaches im Ausland haben dürfen«der nicht. Gewiß dürfen wir. Aber man muß dach nicht jede Eselei begehen, zu der man juristisch berechtigt ist.(Leb- hafte Zustimmung bei den Soz.) Die Annahme des Gesetzes erfolgt nur unter Zwang. Die Ablehnung führt nicht ins Freie. Ins Freie führt nur die gleichmäßige Beschränkung der militärischen Souveränität aller auf dem Weg von Verhandlungen über die Ab- r ü st u n g. Mit dem Blick aus dieses Ziel haben wir der Politik der Erfüllung, von der dieses Gesetz«in sehr schweres Stück ist, schon früher zugestimmt. W i r(zu den Deutschnationalen gewandt) ändern unsere Haltung in Lebensfragen der Nation nicht nach wechselnden inneren parteipolitischen Konstellationen. Dorum werden wir für die Vorlage stimmen.(Lebhafter Beifall links). Abg. Schneller(Komm.) macht den deutschen Rüstungsindu- striellen dem Vorwurf, daß sie Tschangsolin mit Waffen versorgen. Abg. Freiherr v. Richthosen(Dem.) nennt dos Gesetz ein überaus bedauerliches Resultat der gepflogenen Verhandlungen. Es gehe noch hinaus über die Bestimmungen des Versailler Vertrages. Auf der anderen Seite sei dieses bedauerliche Gesetz eine Notwendigkeit zur Fortführung der Ver- ständigungspolitik. Di« Demokraten würden diesem Gesetz zu- stimmen, in der Hoffnung, daß das schwere Opfer nicht umsonst gebracht sein wird. Abg. Graf Reventlow(Natsoz.) bezeichnet das Gesetz als die zwangsläufige Folge der Verständigungspolitik. Diese Politik hätten die Nationalsozialisten stets bekämpft(Abg. Kahl(D. Vp.) Ohne je zu sagen wie man es besser macht.) Abg. Henning(Völk.) lehnt gleichfalls das Gesetz ab. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Lesung mit den Stimmen der Regierungsparteien, der Sozialdemokraten und der Demokraten angenommen. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich wieder einmal die Feigheit und die politische Doppelzüngigkeit der Deutsch- nationalen. Obwohl Dauch im Namen der Regierungsparteien deren Zustimmung erklärt hatte, schielte die deutschnationale Fraktion erst zu den Sozialdemokraten hinüber, ob deren Fraktion sich erhebe. Als sie merkten, daß die Sozialdemokraken dem Gesetz zustimmten, blieben ganze Reihen der Deutschnationalen sitzen, weil sie die Annahme des Gesetzes gesichert glaubten. Aus. geregt eilte der deutschnationale Führer Schulz durch die vänkc seiner Fraktion und forderte zum Aufstehen und zur Annähme des Gesetzes auf. Trotzdem konnte er m i n d e st e n s zwei Duftend deutfchnalionale Abgeordnete nicht zur Zu st im- mungbewegen. Etwa eine noch größere Anzahl deutfchnatioualer Abgeordneter hatten sich schon vor der Abstimmung gedrückt. Der völkische Antrag, daß die Vorlage erst nach Räumung de» besetzten Gebietes in Kraft treten soll, wird abgelehnt. Die von den Sozialdemokraten beantragte namentliche Schlußabstimmung wird auf Donnerstag vertagt. Um 2aft, dad?>rch steigen Grundrente und Boden- preise??nd dann werden diese gestiegene??„K o st e n" als Beweis für die Notwendigkeit neuer Schutzzölle angeführt. Aus den Slussührungen feien zur Kennzeichnung des geistigen Niveaus des kaiserlichen Agrarsachverständigen zwei Punkte heraus- gegriffen. Einmal die Löhne: Der kaiserliche Artikelschreiber, der Amerika gut kennen sollte, da er dort tätig war, scheint nicht zu wissen, daß die Löhne in unseren? größten Gctr«idei?>?portland Amerika wesentlich höher sind als in Del>tschloi?d, sonst hätte er diese Frage doch wohl nicht berührt. Daß trotzdem die Arbeits- kosten pro Hektar dort geringer sind, als in Deutschland, ist bei der amerikanische?? Landwirtschaststechnik nicht verwunderlich. Auf dem großen Maschinenpark, dessen Kosten bei einen? Vergleich zu denen des Lohnes dozugezählt werden nmiffen, beruh? auch die größere Produktivität der einzelnen Arbeiter drüben. Außerdem wird die überseeische Landwirtschaft viel intensiver betrieben als die deutsche. Das muß gesagt werden: denn wenn in den? Artikel geschrieben. wird, daß der nordamerikanische Landarbeiter eine 2!--. teilweise ein« 7!t-mal größere Leistung a?!i'weist als der deutsche, so könnte vicse Behauptung noch zu dein falschen Schli?h führen, daß unsere Landarbeiter weniger arbeiten, als ihre amerikanischen Kollegen. Geradezu ei??pöre??d?st aber, wenn die Anspruchslosigkeit d«\ Lnndorbeiter in Dakota, die sich a>?geblich zu gäi?z!icher Alkohol- und Tabakenthaltsamkeit verpslichlen müssen, den gesteigerten Lebensansprüchen?> 89 Mars pro.stektar y??gesetzt werden Gas würde einen drei- bis r-eriral so hohe?? Kunstbiingerverbrauch bedeuten als wir ihn tatsächlich in Deutschland haben!), cbei?salls die deutsch« Landwirtschaft im Gegensatz zur ausländischen Konki?rrenz schwer be- lasten. � Daß die Intensivierung und ganz besonders auch gerade der Kunstdüngeraufwand die Erträge und damit di« Einnobmen der deutschen Landwirtschaft in beträchtliche?» Maße gesteigert hoben, wird wohlweislich verschwiegen. Die M e h r e r t r ä g e der de?it. schen Landwirtschaft betrugen aber z. B. im Jahre 1923 pro Hektar aeaenüber Roggen" in Weizen in gegenllver Dzlr. Mark Argentinien.... 11.2 268,80 14.0 332.9 Vereinig« Staaten. 9.6 230,60 12,1 200.4 Bei dieser Gegenüberstellung si?ch di« Preise für In- u??d Aus- land gleich angenoinmen. Würde man die Erzeugerpreise einsetzen, so ergäbe sich noch ein bedeutend größerer Cinnahineüber- schuß der deutschen gegenüber der ausländischen Landwirtschaft. Er- gcbnis: einer wissenschaftlich unhaltbaren Berechnung der deutschen Mehrkosten von 200 Mark steht«ine Mehreinnahme von 230 bis 330 Mark gegenüber! Nach dieser Berechnung wäre also nicht nur jeder Zoll überflüssig, sondern die deutsche Landwirtschaft könnte sogar unter Weltmacklspreis produzieren! Hätte der „katseriichc Landwirtschaftssachverständige" nicht„agrarisch" gedacht, so hätte er nach seiner tiefschürfenden Untersuchung viel eher für völlige Zollaufhebung eintreten dürfen. ver Nlunüschenk üer Könige in Konkurs. Zum Zusammenbruch der Firma F. w. Borchardt. Konkurses sind immer unerfreulich, denn sie werfen unschuldige Arbeiter und Angestellte auf die Straße. Wenn aber eine Firma, die sich rühmen konnte, Lieferantin fast aller Höfe und feudalen Kreise zusein, um sie mit den ausgewähltesten Delikatessen zu ver- sorgcn, IjEite zusammenbricht, so tai.n mlch die Arbeiterschaft solchem j Ereignis keine Trän,»ochmeinen. Ist doch der Zusaimnenbruch der Feinkosthandlung F. W. Lorchardt fast wie der Urteilsspruch einer Zeit, die m?ch feudale?? Schlemmereien ein Ende sehen will. Die Firma hat über 300 000 Mark Schulden und braucht 700 000 Mark zu ihrer Sanierung. Aber niemand will sie bereitstellen, denn wer glaubt heute noch an das Wiederaufleben eines Geschäftes, daß Austern Kaviar, 5??? m in e r n i?nd Champagner nur im große» vertreiben will? Die bürgerliche Presse erzählt davon, daß die Bor6)ardts in der Zeit des Kaiserreiches steinreiche Leute gewesen sind. Dort frühstückten Bismarck, Holstein und andere Diplomaten, aber a?ich der König von England und viele große Fürstlichkeiten versagten den Borchardtschen Weinstuben niemals ihren Besuch. Eine Gesellschaft am Hofe des Exkaisers oder des Exzaren war nicht möglich, wemt nicht Borchardt„Nektar und Am- brosia" schickte. Die feinen Adligen zahlten nicht gegen Kasse, wem? sie etwas kauften und durften auch nicht gemahnt werden: das galt in diesen Kreisen als anstößig. Nur einmal im Jahre, am 1. Januar, schickte Borchardt seinen Kunden die Rechnung ins Haus. Es l?t klar daß ein Geschäft mit derartigen Prinzipien und wit einer derartigen Kundschaft heute leicht gefährdet wird, wo die Kundschatt zwar noch die allen Neigungen hat, aber nicht mehr so bc? Kasse ist wie früher._"•®' Automobil, nöuftrie unü krafifahrzeugfteuer. Die aus der K r a s t f a h z e u g st e u e r erziellen Einnahmen, vom Frühjahr 1924 an gerechnet, geben einen gewissen Anhalt für die Entwicklung des deutschen Automobilverkehrs. Die«teuer- einnahmen betrugen in den Jahren(gerechnet vom 1. April bis 31. März): 1924/23..... 51,6 Millionen Mark 1923-26..... 58,4 1926 27..... 105,1 Danach haben sich die Einnahmen im letzten Steuerjahr gegen- über 1924/25 mehr als verdoppelt, roos. abgesehen von dem Kauf auslä n bischer Wagen, in Deutschland auch auf eine entsprechende Belebung in der Automobilindustrie schließen läß?. Besonders stark war die Aufwärtsbewegung in den letzten Mo« n a t e n dieses Jahres. Die Steuereinnahmen betrugen: 1924 1925 1926 1927 April... 2.5 4.3 5,3 12,7 Millionen Mark Mai... 2.8 5,0 6,0 14,0 Das Aufkommen aus der Kraftsahrzeugsteuer in den beiden letzten Monaten dieses Jahres hat sich also gegenüber April Mm 1926 weit mehr als oerdoppelt und gegenüber den enl» sprechenden Monaten 1924 sogar verfünffacht. Der kaliobsah im Monat Tun>. Der Absatz des Deutschen Kalisyndikats G. m. b. H. im Juni 1927 betrug K29 488 Doppel- Zentner Reinkali gegen 828 389 D o v p e l Z e n t n e r i m gleichen Monat des Vorjahres. Der Gejamtabsiitz»n den beiden ersten Monaten(Mai und Juni) des lausenden Dunge- jahres beträgt 1239 969 gegen 1246 469 Doppelzentner Reinkali m den ersten beiden Monaten des Düngejahres 1926/27. Dfr Absatz in den ersten 6 Monaten des lausenden Kalenderjahres betragt 7 149 693 gegen 6 014 248 Doppelzentner Reinkali in den«rsten 6 Monaten des Kalenderjahres 1926. Der große bisherige Mehr- absatz des Jahres 1927 von weit über einer Million Tonnen ist also auch im Monat Juni noch um eine Kleinigkeit erhöht worden. Die Reichsbahn führt ihr Programm durch, verbilligung auf der Berliner Stadtbahn. In der Dresdener Verwaltungsratssigung der Deutschen Reichsbohngesellschaft wurde beschlossen, das ursprünglich aufgestellte Beschaffungsprogramm, dos Anfang dieses Jahres aus slnanziellen Gründen abgedrosselt wurde, wieder aufzunehmen, weil insbesondere der Güterverkehr sich sehr günstig entwickelt habe. Für die Durchführung des restliche» Programm«« sind damit etwa 120 Millionen Mark bewilligt, von denen 43 Millionen für die Erneuerung der baulichen Anlagen, 34 Millionen für Fahr- zeuge und maschinelle Betriebe und 30 Millionen für den Ersatz von Fahrzeugen oerwendet werden sollen. Außer«inigen Güter- tarifermäßigungen wurde dem Vorschlage zugestimmt, im L e r- l i n e r Stadt- und Vorortverkehr die IZ-Pfennigzone von 7,3 auf 12 Kilometer hinaus zurücken. Außerdein soll der Ilebergangsoerkehr zwischen Stadt- und Ringbahn in der bisherigen Nahzone verbilligt werden. Dies« Maßnahmen werden getrossen trotz der zu erwartenden Erhöhung der Per- sonalausgaben.— Unsere Kritik der Reichsbohnfinonzen ist also in jeder Hinsicht zu Recht erfolgt. Die Reichsbahn ist nicht nur in der Lage, aus den laufenden Einnahmen die Tarife zu senken. sondern darüber hinaus auch noch das Beschofsungsprograinin voll durchzuführe», wobei mit größter Wahrscheinlichkeit auch jene Re- seroen nicht angegrifseu zu werden brauchen, die die Reichsbahn- gefellschaft nach ihrem letzten Abschluß neu gebildet hat. verlin-Gubener hulsabrik hat wieder mächtig verdient. Wir hatten bereits kürzlich mitgeteilt, daß die B e r l i n. G u b e n e r H u t i a b r i k A.- G., Guben, für das Jahr 1026 16 Prozent Dividende zahlt. Aber die 16prozentige Dividende umfaßt osfcnbar nur einen Teil der tatsächlich erzielten Gewinne. Zunächst konnten nach dem Geschäitsbericht sämtliche Aufwendungen zur Rationalisierung der Betriebe au? lausenden Einnahmen gedeckt werden, so daß der i?n Vorfahr zu diesem Zweck ver- doppelte Dispositionsfonds nicht angegriffen zu werden braucht. Trotzdem werden auch jetzt aus dem Reingewinn wet- tere 100 000 Mark diesen? Fonds zugeführt. Die bisherigen Ein- nah?nen im Jahre 1927 sind gleichfalls io beträchtlich, daß die Geiell- schast hofft, all« weiteren Rationalisierungskosten g l e i ch i a l l s daraus zu sinonzieren. Doinit nicht genug, wird aus dem Reingewinn noch eine Sondcrrücklage von 100 000 Mark geschaffen, die. wie im Geschäftsbericht verraten wird, bei den noch immer nicht völlig übersehbaren wirtschaftlichen Verhältnissen als Rückstellungen für eventuelle Schuldnerpleiten dienen sollen. Nötig ist das keines- wegs. Wie man ans den Bilanzen schließen darf, sind die Ein- Zahlungen so prompt erfolgt, daß die Bankauthaben i»n den vier zehn fachen Betrag(von 110 000 Maick aus fast l,3 Mill. Mark) augeichwollen sind, i�o ist auch wohl die Sondcrrücklage nur von dem Standpunkt aus zu betrachten, daß die Gewinne irgendwo untergebracht werden mußten. Einschließlich des gesetzlichen Reserve- fonds von 600 000 Mark betragen die erkennbaren R e s e r- v e n jept 1,3 Millionen Mark, das sind 25 Prozent des Aktienkapitals. Das neue Geschäftsjahr beschäftigte bisher die Betriebe bis zur Grenze ihrer Leistungssähigkci!. So wird auch für 1927 eine große Ernte winken. Reue 106-Rlillionen-Anleihe der Rentenbankkreditanstall. Seif längerer Zeit ist bekannt, daß die Deutsche Rentenbankkreditanstalt eine zweite große Auslandsanleihe für die Landwirtschast aufzunehmen beabsichtigt. Jetzt steht fest, daß der Anleihebetrag min- bestens 25 Millionen Dollar, also mindestens ebensoviel wie die erste Anleihe betrage» wird. Die Beratungsstelle für Auslaichs- anleihei, hat die Bedingungen für die geplante Dollaranlcihe geprüft und die Borgenehtnigung erteilt. Die endgültige Genehmigung muh von der Reichsregierung erteilt werde». Sehr Günstiges aus der Maschinenindustrie berichtet die Der- waltung der Frankfurter Maschinenbau A.-G., vor m. Pokorny Sc Wittekind. Im neuen Jahre liege ein Auftrags- eingang vor, der rund 7 5 Prozent höher liege als im Jahre 1926. Der Bestand an Aufträgen reich« für drei bis vier Monate aus, die Belegschaft sei um etwa 70 Prozent höher wie zur gleichen Zeil des Vorjahres. Die Forderungen aus dem laufenden Geschäft seien etwa zweieinhalbmal so groß wie die Der. pflichtungen gegenüber den Lieseranten. Gute Konjunktur im Schuhhandel. Umstellung auf Luxus- Produktion. In der Generalversamnilung der Konrad Tack u. Cie. A.-G. Berlin und Burg bei Magdeburg" teilte die Verwaltung mit, daß sich die diesjährigen Umsätze gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um rt>iid 3 0 Proz. erhöht haben, ohne daß diese Umsatzsteigeruug die Jnanlpruchnahme des Bank- kredits erfordert Hobe. Es wurde also nicht nur prompt bezahlt, sondern auch ofseiibar gut verdient. Bemerkenswert ist die Mitteilung, daß die Fabrikation au' Luxus umgestellt werde, was sich schon im Herbst auswirken dürfte. Guter Fortgang der deutsch-französischen Verhandlungen. Abbruch zwischen Belgien und Frankreich. Die offiziöse Havas-Korre- sponoenz teilt mit, daß die deutsch-sranzösischen Verhandlungen zu?» Abschluß eines langfristig«» H a n d e l s p r o v i s o r i i? in s günstig fortschreiten. Neb er die belgisch-französischen Handelever- tragsverhandliingei? wird zedoch von anderer Seite gemeldet, daß es wegen des Widerstandes der belgischen Industriellen gegen den hohen französischen Zolltarif zu einer Unterbrechung gekommen ist, i die voraussichtlich lange dauern wird. Vonnerstag 7. Mi 1927 Unterhaltung unö ANissen öellage öes vorwärts Der Großvater unö Sie Läufe. Von Zlustiu Speer. (Schluß.) Vir schulfreie Nachmittag, an dem mein« unrühmliche Noll« in der kuriosen Geschichte von meinem Großvater beginnen sollt«, sah uns In der Wildnis der„Türkenschanze" dem Räuber- und Gendarm- spiel obliegen. Die halbe Prima war allda versammelt und andere tlausbuben, die wir unter uns nur litten, wcil sie im Ausdenken von Streichen und Anschlägen unübertrefflich waren. Darunter befand sich der Schandler Pepi, auch„Sonnenstrahl" genannt, weil er so lang und dünn war, daß er durch die engste» Zäun« und über die höchsten Mauern dringen und die besten Aepfcl stehlen konnte. Dieser Schandler Pepi war«in verkommener aber geriebener Bursche. Wir beide waren gerade Räuber und saßen in einem feinen Versteck, die Bewegung der Verfolger beobachtend. Da griff sich der Pepi in den Nacken, faßte dort einen unsichtbaren Gegenstand, knurrt«:„chab" ich dich, verfluchter Haarhund!" und haute ihn kräftig auf die Erde. Mir war der Vorgang nicht gleich klar und ich fragte:„Was ist das,«in .Haarhund?"—„Na, eine Laus halt," erNärte der Pepi.„Kennst du leine Laus nicht?" Er hat Läufe! durchfuhr es mich wie Wonne- schauer, wieviel Gulden könnte er sich da beim Großvater verdienen! „Warum nennst du sie Haarhunde?'—„Weil sie über den Schädel rennen und beißen." Auf so etwas konnte nur der Sonnenstrahl ver- fallen Da wurde ein schwarzer Gedanke in mir wach, der die Wöhr- heit der Sprichwotte beweist: Gelegenheit macht Dieb«! oder: Schlechte Beispiele verderben gute Sitten! „Höre, Sonnenstrahl." sagte ich..chu darfst deine Haarhunde nicht auf die Erde hauen. Ich taufe sie dir ab." Der Pepi war viel zu gerieben, als daß er sich nach dem Grund meines Bedarfes erkundigt hätte. Er dachte sich wohl: wenn einer Läufe kaufen will, muß er sie dringend brauchen, und fragte darum nur:„Wieviel zahlst d'?"— „Für das Stück ein Fünferl: ober du mußt sie zuerst umbringen, auch darfst du meinem kleinen Bruder nichts sagen." Er überlegte eine Weile, als könnte er sich um ein Fünferl für das Stück von feinen Haarhunden nicht trennen. Dann versprach er mir noch heute ein Stück auszufolgen. Richtig trug ich am Abend einen umgebrachten Haarhund, sorgfältig in Papier gewickelt und in der Rocktasche verwahrt, nach Hause.„Soll ich dir wieder auf dem Kopf nachschauen. Groß- vater?" fragte ich am nächsten Tag. Der Großvater war gleich da- bei und setzte sich nieder...Bekomme ich auch einen Gulden, wenn ich eine Laus finde?"—„Ja, den bekommst du." Nun begann ich, die Laus zwischen den Fingerspitzen hallend. Großvaters schönes Haar zu durchwühlen. Mein kleiner Bruder war auch da und half dabei. Wir suchten eine Weile, bis ich mit dem Geschrei:„Ich Hab schon eine! Ich Hab schon eine!" den umgebrachten Hoarhund des Echandler Pepi dem Großvater vor die Augen hielt. Der alte Herr war weder erschreckt noch erstaunt. Für ihn stand es fest, daß er über und über verlaust sei, und er empfand es daher als Genug- tuung, mit der ersten Strecke des Ungeziefers zu Vater gehen zu können, der noch gestern versucht hatte, ihm die Läuse auszureden. Ich bekam meinen Gulden und rannt« schleunigst zum Sonnen- strahl, um neue Ware einzukaufen. So ging es ein paar Tage lang; ich hatte schon sechs Gulden in der Sparkasse. Da schlich mein klemer Bruder zu mir und sagte:„Wie kommt«s, daß immer nur du die Läuse findest? Ich möchte auch einmal eine Laus fin- den."—„Kränke dich nicht," versucht« ich ihn zu trösten,„ich werde dir zwei Gulden schenken, damit du auch etwas hast."—„Die zwei Gulden mag ich nicht," weinte der Kleine,„ich möchte lieber ein« Laus finden. Der Großvater sagt, ich sei ein Dummkops und tauge nicht fürs Leben, weil ich noch keine gefunden habe." Er tat mir leid und da ich seinen Ehrgeiz, in nichts hinter mir zurückzustehen, wohl kannte, weihte ich ihn in mein Geheimnis ein. „Der Großvater hat gar keine Läuse," erklärte ich,„er bildet es sich bloß ein. Weil es ihm aber Freude macht, müssen wir ihn dabei lassen. Ich verkaufe dir zwei Läuse, jede um ein Zehnerl. Du mußt sie zwischen die Fingerspitzen nehmen, so, daß es der Groß- vater nicht merken kann, und erst eine Weile suchen, ehe du schreist. Berstehst du das?" Er geriet über mein« Kühnheit ganz außer sich und meinte, was Vater wohl dazu sagen würde. Schließlich aber drängte Ihn der beleidigte Stolz, dem Großvater seine Lebenstaug- llchkeit zu beweisen und er oerlangte sofort eine Laus zu bekommen. Da er jedoch kein Zehnerl besaß, mußte ich sie ihm kreditieren. Bei der nächsten Kopsbeschau war er rot und ausgeregt. Er gab unentwegt acht, wie ich es machte, und hielt die Laus, obwohl sie un, gebracht war und sicherlich nicht ausgerissen wäre, krampf- hast zwischen de» Fingerspitzen, so daß er sich jeden Augenblick ver- raten konnte und alles auf dem Spiele stand. Plötzlich kroch er wie ein Krebs aus dem Fußboden und unter Großvaters Stuhl herum.„Was suchst du denn da?" fragte der Großvater.„Meine Laus ist mir heruntergefallen," erwidert« mein Bruder,„aber ich werde sie gleich finden."-„So. so?" weite der Großvater, schöpfte jedoch weiter keinen Verdacht, als die Laus wirklich gefunden war und er mit ihr zu Vater gehen konme. Am nächsten Tag kam es zur Katastrophe. Großvater war zur gewohnten Zeit der Kopsbeschau ausgegangen und erst abends zurückgekehrt. Niemand hatte eine Laus zur Hand, denn es stand nicht zu erwarten, daß er sich noch würde nachschauen lassen. Da rief er unvermittelt:„Heute beißt es mich fürchterlich! Kommt schnell, da hinten muß eine sitzen!" Mein Bruder nun, der solchen Logen nicht gewachsen war, sagte in seiner Herzenseinsalt:„Ich habe meine Laus nicht bei mir, ich muh sie erst holen."—„Erst holen? Ja, woher holst du sie denn? Ich glaub? gar, ihr zwei Lausbuben..." So wurde olles entdeckt. Was nun solgte, sei verschwiegen. Eine gute Folge aber hatte mein Streich doch gehabt: der Groß- vater war geheilt. Die sechs Gulden nahm er mir wieder ab, um sie einem„würdigen Knaben" zu schenken. Dafür gab er mir sechs Fünserln— das war der Selbstkostenpreis jür des Schandler Pepis Loarhunde— denn er brachte«s nicht über sein gutes Herz, daß ich nebst dem Spot, auch noch den Schoden haben sollte. Das ist die Geschichte vom Großvater und den Läusen. pans Vermächtnis. Kulturgeschichtliche Plauderei über die Flöte. In der ersten Ausführung des sinfonischen Ehorwerks„Der Sonnegeill" von F. Klose, die in Wien im Juni llllS stattfand, war der Zuhörer überrascht, unter den Blasinstrumenten ein« Flöte von ganz eigentümlicher Klangwirkung zu boren. Es war das Albisiphon eine Baritonslöte, deren Konstruktion von dem Jnskrn- mentenmacher Albisi in Mailand verfertigt war. Eine seltsame. fremdarttge Stimmung gm« von ihren Klängen aus. es Map, wie Hamlet, /lkt V, i. Hamlet:»Wie lange liegt wohl einer ln öer Eröe, ehe er verfault!' Erster Totengräber:»Mein' Treu, wenn er nicht sthoa vor üem Toöe verfault ist, fo üauert er Euch ein acht bis neun?ahr aus. hier ist ein Schäöel, öer Euch öreiunözwanzig Fahr in öer Erüe gelegen hat.' Inspizient(hereinstürzenöl:»halt, nicht weiterfpielen! der Serichterstatter öer»Roten Zahne' notiert bereits öle Knochenfunöel' wenn in weiter Ferne ein fremdes Land aufsteige, das heute nur noch in der Geschichte lebendig ist, das aber einst, vor Jahrtausenden, blühte und leuchtete. Aeltest« Menschheitsgeschichte wurde zur Gegenwart, an Stelle Europas herrschte der ferne Orient, die Sphinx Asien. Und während modernste Instrumentalmusik vorüberrauschte, zwangen die geheimnisvollen Flötentöne den Menschen des 20. Jahr- Hunderts immer stärker in ihren Bann. In der seltsam verzweigten geschichtlichen Entwicklung fingen die Stimmen untergegangener Völker an zu sprechen, wiederholte sich das ewige Naturgesetz vom Werden und Vergehen der Kulturen. Osiris, der Herrscher über Leben und Tod, der Gott des Ge- sanges und der Mufik, brachte der Sage nach die ägypttsche Flöte auf die Erde. Aus Schilsrohr oder Tierknochen, bald in längerer, bald in kürzerer Gestalt, als Lang- und Querflöte ist das Instrument auf den allen Grabdenkmälern abgebildet. So zeigt das Grabrelies von Gizeh 8 Flötenspieler, die bei den Klängen ihrer langen, schief zu Boden gehaltenen Instrumente einen Toten zur letzten Ruhe- stätt« begleiten. In einer Fülle von Gestalten kennt Japan und Ehina, Persicn und Arabien, Phönizien und Phrygien das Jnstru- meni der Trauer. In Griechenland erzählte der Volksglaube, die Göttin Athene habe aus einem Hirschknochen die erste Flöte ver- fertigt. Es war eine Langfläte, deren eines Ende als Mundstück diente. Pan aber, der Gott der Träume und Weissagungen, der Beschützer der Jäger und Hirten, schuf die Panflöte, das Lieblings- inftrument des griechischen Hirten. Auch die Querflöte wurde in den griechischen Kutturkr«is aufgenommen, aber sie spielte im Ver- gleich mit anderen Flötenarlen eine untergeordnete Rolle. Erst nachdem das römische Weltreich zerschlagen war, erscheint die Flöte im byzantinischen Kulturkreis. In Deutschland, wo sie jedenfalls durch die Kreuzfahrer bekannt geworden war, ist sie«ins der vor- nehmsten und beliebtesten Instrumente der Renaissance. Präto- r i u s, der Theoretiker des 17. Jahrhunderts, erzählt von Diskam-, Tenor-, Alt- und Baßslöten, die damals im Gebrauch waren. Ja- Hann Sebastian Bach Hot die Schnabelflöte, die nach Art unserer Klarinette geblasen wurde, in seinen Brandenburgischen Konzerten verwendet, wie sie auch Händel in seiner Kammermusik heranzog. Die Ouerslötc trat dagegen bis um die Wende des 17. Jahrhunderts hinter ihrem Schwesterinstrument zurück. Es ist wohl nicht zuletzt dem Einfluß des berühmten Flötenlehrers Friedrichs II. zu danken, daß das Spiel der Querflöte im 18. Jahrhundert zu hohen Ehren kam. O u a n tz war ein ausgezeichneter Musiker, der das Jnstru- ment wesentlich oerbesserte. Der König ließ zur Herstellung seiner eigenen Flöten, die nach dem Prinzip seines Lehrers gebaut waren, eine Anzahl von Ebenholzstämmen aus dem Ausland kommen. Für jede Flöte bezahlte Friedrich 100 Dukaten. Sein kostbarstes In- strument bestand aus Bernstein mit goldenen Beschlägen. Ouantz ist als der eigentliche Begründer der'Flötenliteratur zu betrachten. Außer seinen vielen Sonaten hat er gegen 800 Konzerte geschrieben. Auch Haydn schätzte die Flöte außerordentlich. Sehr seinsinnig ist der kleine Satz für drei Flöten in der„Schöpfung", w!« auch die Nachahmung des Zirpens einer Grille durch das Zusammenspiel zweier Flöten in den„Jahreszeilen". Zu den schönsten Flöten- kampositioncn aber gehören die beiden Flötenkonzerte von Mozart mit ihrem Melodienreichtum und ihren herrlichen Mittelsätzen. Ebenso hat Mozart in seinen Orchesterwerken der Flöte einen be> deutsamcn Platz angewiesen. In unserer heutigen Zeit stellte vor allem Richard Strauß der Flöte als Orchesterinstrument inter- essante. aber auch technisch schwierige Aufgaben. Bemerkensirett Ist endlich, daß Felix Weingartncr die AUflöte des 17. Jahr- Hunderts zu neuem Leben erweckte, indem er sie in seiner Sinson!« „Die Gefilde der Seligen" erfolgreich verwendete. So ist das äußerlich so bescheidene Instrument das Ergebnis einer Fülle von Emwicklnngsstusen. An seinem Werdegang haben viele Völker, haben unzählige einzelne mitgearbeitet. Aus seiner technischen Vervollkommnung spricht die Geistesarbeit der Jahr- tausende, in der weichen Tongcbung klingt die Totenkloge Aegyp- tens, das Hirtenlied der Antike, die Sehnsucht Europas. Dr. E. L. M ö b u s. Straße im Arbeiterviertel. Van Albert Zimmer. Ein verknorpeltes, dürres, schwindsüchtiges Bäumchen versucht gequält die Existenz des den Augen wohltuenden Grüns zu demon- strieren. Wie ein verhungertes rachitisches Proletarierkind streckt es seine dünnen Aermchen zum satten Blau des Himmels, bittend und fluchend. Eingekeilt.zwischen grau getünchten Mietskasernen vermag es kaum Lust zu erhaschen zum Atmen. Ausgetrocknet von Hitze ist der krochig-briichige klein« Kreis Erde, den man den absterbenden Wurzeln lassen zu müssen glaubte. Mitleidslos legt sich der Asphalt- boden mit herzlosem Griss um die kaum tellergroße erdene Lebens-' das!?. Hunde kommen ab und zu und verrichten ihre Bedürfnilsc am Stchmnchen, das etwas auszuatmen scheint bei solcher Huldigung. Wie das Böumchen bat die Straße ein sterbendes Antlitz. Dokumente des Elends scheinen die aus nüchtern zementierten, Ballonform anstrebenden Vorsprünge» schlaff herunterbaumelnd«» knollig bunten Wüschestücke. Melancholisch schaukeln sie und singen die Elegie vom marternden Kampf ums tägliche Brot, wenn ein wenig Wind sich erbarmt, die aus kleinen Fenstern und Türen dringende muffige, verbrauchte, schweißige Luft weiter in die Stadt hinein, zu den schönen Häusern und blumenbepslanzten Vorgärten zu befördern. In Sonnenglut wölbt sich der Asphalt, wird weich und riecht wie verbranntes Gummi. Plackiggelbe Plakate wirft die Sonne darauf. Zerlumpte Kinder watscheln barfüßig mit sichtlichem Behagen aus der slimmernden Teermasse, lachend, wenn die Füße frei- zubekommen ihnen nur mit Mühe gelingt, wobei sie sich gegenseitig umzustoßen trachten. Sind sie dieses Spiels müde, so setzen sie sich nebeneinander auf den Bandstein des schmalen Trottoirs und lasten die knochigen Körpcrchen von trockener Steinhitze durchrieseln und schauen ver- langend zu den gelben und roten Limonadenflaschcn im gegenüber- liegenden Gemüseladen. Manchmal geht eine gutgekleidete Frau vorüber. Dann erst sehen die Kinder deutlich die billigen Kattunröck« und Wallbluse, 1 ihrer Mütter, und nebenbei kalkulieren sie insgeheim, wieviel Limo- naden wohl die Kinder der reichen Leute am Tage trinken können. Hat einer ein paar Pfennige in der Tasche, so beraten sie minutenlang, was zu kaufen am varteilhaftesten sei. Meist«inigen sie sich auf billige Dropsbonbons, die sie sehr ökonomisch und ge- nießcrisch ganz langsam abschlecken. Dabei macht es gar nichts aus, wenn ein Bonbon auf hen Boden fällt und eine Schicht grauen Asphaltstaubes mit in den Magen kommt. Ab und zu ruft eine Mutter ihr Kind herauf. Alle Kinder haben eigenartig klingende Namen. Die verschiedenartig« Dehnung meist nur eines hörbaren Pokals, die Höhe der rufenden Stimme, das Herrisch-Verbitterte oder Klagend-Weiche, das Schrill-Kurze oder Warncnd-Unheilvolle und das Ziehen der einzelnen Silben lasten die Kinder sofort erkennen, welches von ihnen gerufen wird. Sie haben dafür ein feines Gehör. Halten es die Kinder vor Hitze nicht mehr aus, so erbettelt sich einer, der durch Sttmmenmehrzahl dazu ausersehen ist, von irgend- wem fünf Pfennige und holt beim Gemüsehändler gegenüber dafür eine Stange Lakritzc. Schnell wird eine Flasche aufgetrieben, mit Wasser gefüllt und der komprimierte Süßholzsast darin ausgelöst, bis sich das Wasser dunkelbraun gefärbt hat. Dann nimmt sedes «inen kräftigen Schiuck. Vorher wird die Flasche solang« geschüttelt, bis dicker braungelber Schaum stch bildet, der alle Süße in sich auf- nimmt. Haben die'Kinder stch sattgetrunken am braunen Saft und ist noch ein Pfennig übrig, so springt eines hinüber in den Laden und kaust dafür eine Spinnschlangc, die Farben hat wie ein Regen- bogen. Ehrlich wird sie in gleiche Stücke geteilt. Dann werden Zeigefinger und Daumen mit Speichel befeuchtet, und durch geschickte Manipulation der Finger entstehen seidenartig« Fäden, die um den Nagel des Daumens der anderen Hand gelegt werden, bis er ganz überzogen ist von einer schillernden, dicken Schicht Fäden. Ist diese Spinnerei beendet, so leckt jedes seinen Daumen, wie ein Säugling behaglich schmatzend, ab. denn die flachsartige Mäste schmeckt süß wie Honig. Es ist eine weise Ockonomic in den Proletarierkindern. eine Methode für spätere restlose Ausnützung aller Dinge und ein Wissen um den Wert des Kleinsten. Abends, wenn die Sonne lange Schatten auf den Asphalt legt, wenn die Väter heimgekommen sind mit ihren Eßbehältern und Hacken und Hölzern, wird ein Kind nach dem anderen heraus- gerufen. Und tot liegt die Straße da. Dos Bäumchen beginnt zu frösteln. Die Wäsche wird hereingenommen. In den Häusern wird allmählich alles ruhig. Der Schlaf beginnt. Manchmal sitzt noch ein Arbeiter am Fenster und trinkt ein Glas Bier und träumt von Lohnerhöhung und besseren Möbeln. Und ein Grammophon plärrt aus irgendeinem Loch niiÄ mehr anzuhörende, alte Schlager. Ein Kind heult auf, das Prügel bekommt für die von der Mutter dem Bater gemeldeten Vergehen während des vergangenen Tages. Dann ist alles dunkel auf der Straße. Nur eine Goslaterne flackert neben dem verkrüppelten Bäumchen. Ein Liebespaar wan- delt Arm in Arm ins nahe Feld. Früh ist sür das Arbeiterviertel die Nacht da. j?rüh beginnt der Tag, das Schuften, Hoffen und Träumen, das Spiel der Kinder, das immer gleiche graue Bild. Gerüche der Städte. In Paris ist gegenwärtig eine von der Regierung eingesetzte„Kommission der Gerüche" an der Arbeit: sie hat Luftproben aus den einzelnen Vierteln der Stadt entnommen, die jetzt im Laboratorium auf die Berunreinigungen, die sie ent- halten, untersucht werden. Zu Beginn ihrer Arbeit hat die Koni- Mission die Vorarbeiten auf diesem Gebiet, die ,in anderen Stödten geleistet worden sind, geprüft»nd dabei u a. festgestellt, daß z. B. Leningrad ebenso wie dos alte St. Petersburg hauptsächlich noch alten Stieseln riecht, Rom nach Käse, Venedig nach faulem Wasser. Im erfreulichen Geruch steht Sevilla, dessen Luft fast dos ganze Jahr nach Ovcmgenblüte» duftet. Einsendungen für diese RnbrU sind vrrli» SW 6». Lindenstraße 3, parteinachrkchten für Groß-Serlin Net» an da» Bezirk-seireturtat. t. Hos, i Zre». recht», jn richte». S. Arei» Wcdding. Freitag, 8, Juli, punktlich 19 Uhr, Sitzung de» erweiter- ten Krcisvorstandcs an bekannter Stelle.— Arbeiterwodlfahrt: Freitag, 8. Juli, findet die Besichtigung des Altersheims, in Buch statt. Die Ge- nossinne» und Eenossen, die daran teilnehmen, treffen sich zwischen und U Uhr aus dem Bahnhos Buch unten. Die Besichtigung ersolgt durch die Bezirksarbeitsgemeinschaft. 9.»reiz Srcnzberg. Freitag, 8. Juli, 20 Uhr, bei Krüger, Grimmstr. 1, Sitzung des erweiterten Krcisvorstandes. 7. tircis Sharlottenburg. Freitag, 8. Juli, 19� Uhr, im Jugendheim Rosinen- straße 4. Sitzung des Bildungsausschusies. N. Krci» Schönebcrg.Fricdenau. Heute, Donnerstag, 7. Juli, l9lh Uhr, findet im Stadtpark ein B e r b e g e f a n g der Arbeitersiinger de» gesamten Bezirks Westen statt. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich an der Bcranstaltung zu beteiligen. 14. Kreis Neukölln. Bor dem Fahlabend findet eine erweiterte Kreisvor- standsützuna n i S) t statt. 20. Kreis Reinickendorf. Sonnabend, 9. Juli, feiert die 189. Abt. Tegel das Fest des lläjährigcn Bestehens des Wahlvcreins Tegel im Lokal»Alter Krug", Hauptstr. 14. Der Kreisvorstand wie auch die übrigen Abteilungen des Kreises sind hierzu eingeladen»ird bitten wir um recht rege Beteiii. gunq. Anfang 20 Uhr.— Die nächst« Sitzung des erweiterten Kreis- Vorstandes findet am Montag, 10. Juli, 19 statt. Heute. Donnerstag. 7. Zuli: 21. Abt. 191? Uhr bei Kroll, Utrechtcr Str. 21, Kassenrcvision. Morgen. Arellag. 8. ZuN: 38.„ zirksführer müssen erscheinen, da Materialausgabe erfolgt. Renköllu. 89. Ab». 191h Uhr bei Drommeck, E-nderstr. 10, Vorstands- und Funktionärsitzung.— 99. Abt. 191? Uhr bei Schabeiko, Weichselstr. S, � Funktionärsitzung.— 93. Abt. 191h Uhr bei zimmermann, Treptower Straße 41, Funttwnärsitzung. Jeder Bezirk muß unbedingt vertreten sein.— 97. Abt. Iglh Uhr bei Krüger, Emser Str. 80—87, Ecke Neiße- straße, wichtige Sitzung sämtlicher Funktionäre. 103. Abt. vberschöneweide. 191h Uhr bei Imberg, Wilhelminenhofstr. 34, wich. tige Funktionärsttzung. 0 128./130. Abt. Pankow. Die angesetzte Funktionärsitzung am Freitag fällt aus. Jungsozialisten. Gruppe Prenzlauer Vera: Heute, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim Danziger Str. 02, österreichischer Dichterabend. Vortragender Genosse Herrling. 4c Arbeitsgemeinschaft der Klndersrennde, Gruppe Spaelnfer: Sonntag, 10. Juli, Wanderung nach Teltow— Neubabelsdcrg. Treffpunkt um 714. Uhr vor dem Gcwerkfchaftshaus. Kinder der Parteigenossen willkommen. Sterbetafel üer Sroß-Serliner Partei.-Grganlfatton 47. Abt. Unser langjähriger treuer Genosse Fritz Neubecker, Köpe- nicker Str. 160, ist am Montag, 4. Juli, nach langem schweren Leiden ver- storben. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Einäscherung heute, Donnerstag, 7. Juli, 19 �Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Sief- hol, straße. Wir bitten alle Grnossinnen und Genossen Beteiligung. Die aumschulenweg, Kief- um recht zahlreiche Abteilungsleitung. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Cebastianstr. 87/88, Hof 2 Tr. reitag, 8. Juli. Weißens«: 20 Uhr lieben der Spielleute Grüner >aum. Baumschulenweg: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Borg- mann. Vortrag des Kam. Dr. Nierendorf. Hermsdors: 20 Uhr Versammlung, Scharfe Ecke, Berliner, Ecke Bahnhosstraße. Erscheinen unbedingt notwendig. Friedrichsselde: 20 Uhr bei Schwarz, Capriviallee 42, Monatsversammlung.— Sonnabend, 9. Juli. Pankows): Erweiterte Vorstandssitzung 16 Uhr bei Mees, nicht am Freitagabend. Rosenthal: 20 Uhr Versammlung bei Möller am Bahnhof. Erscheinen ist Pflicht.— Soantag, 10. Juli. Wedding: 121h Uhr Antreten Bhf. Gesundbrunnen. Fahrt nach Frohnau. Teilnahme an der Fahnenweihe in Hermsdorf. Die Teilnehmer an der Berfassunasfeier in Leipzig melden sich umgehend beim Kam. Müller, Uferstr. 12. Fahrpreis 8 M. Pankow (fticis): 12 Uhr Nordbahnhof Pflichtantreten mit Tambourkorps zur Fahrt nach Frohnau._ Arbelter-Abstlnenten-Bnad, Grnpp« Wcdding. Donnerstag, 7. IuN, 8 Uhr, Anfänger-, Fortgeschrittene-, Echloßstr. 27 1. Rcbefchrift-Lehrgänge, Siemenz-Oberrealschulc, wetlerberichl der issenlNchea wetlerdieaststelle für Berlin und Umgegend iNachdr. verb.) Wolkig big heiter und weiterhin warm mit Gewitterneigung. Für Oeulschland: Ueberall Gewitterneigung bei wenig geänderten Tempe- ickturen. Keginn L Juli Bis zw öitvvdtittn 11 Satin, zweiseitig............... B B laerabgesetzt sind die Preise vieler Waren In den bekannt guten Qualitäten mtmm gn Urösse ca. 45x90 cm........ Pf. PMursMcIi Teheran TeppICil grosse Mustersns- wähl, GrOese es. 170 X 240 cm. Jetzt 00 c. 260X800 jetzt extra schwer, Maschlnensmyrna, m. Fransen Gcösse ca. 2(X) X 300 cm, Jetzt 4S| I64ü ca. 250X350 jetzt 72 96 00 rz. 250X850 Jetzt 00 300X400 jetzt 115°° 128~ 5n.S0OÖ)8füift«aueii! 1 schone Muster, 100 cm....... Meter B 95 MMMnQR abgepasat, Gr. 60x90 cm, Stück Kinder-Kleidung Damen-Kleidung Herren-Kleidung IQ,* C** fs r-*|||�� I I Hur; Lelpzlger Str.,«leianderplatz, Frankfurter Alle«, Wilmer�dorfarnr. ms gutem Wa.chris, M,m,«r X tin chchÄznKsi»«,aschhrepp, ÜSrren-�nzuge 4 labre............................................ rikrt Dnctao« w MM ärmellos, in mehreren larben, g30.. M in guten Strapasterqualltaten, flotte Mnster, zum. m Elnknopfanzüge Q95 3' Mädclten-Klelder d90 aus gutem Waschrius, in Scheven Farben, Ar 2-4 Jahre, Kinder-Kleider tl90 aus bedrucktem Yollvoile, hübsch garniert, für 2—5 Jahre............................................ aus WaschkunBtieide, reizend verarbeiUt, für 5—8 Jahre............................................ 4 Posten nberu. w I.Ol p-st-n DpattttMvev Ein<�5 Bastseide, d%75 Posten " tz50 ServieMewev A25 mit weissem Kragen und Aermelansatz......... ttttd 4995 Gavteuvleid«!> 390 5! 9' aus dvLpe de EHwe IQ' in schönen Farven, fesche Form.................. B ÖP SsSSis50 Nur: Leipziger Str., tzluanderpl Herren-Anzüge in guten Strapazierqualitäten, flotte Muster, zum Teil auch Sportanzüge.................... Jetzt Gummimäntel 4�50 für Herren, mit Stoffbezng, gute Qualität, Muster, elegante Eagianform.............. j Windjacken sar gute, Imprägnierte Qnallt&t, moderne Sportfom, Jetzt Ein Posten In reinwollenen Qualitäten yaNa�atwatzfai wi■ um HNunonnsa«»!»tn»jcnknjo« Tliealefiiispieleiisw. »a oc�Lturj Staats- Tlieater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7»/a Uhr: Die Macht des Schicksals Deetsdi« Theater Norden 10334—37 8 11. Ende lO'/jlh Der Kexer Die Komödie Bismarck 2414/7516 S'/i, Ende nadi 10 Uhr Der keusche Lebemann Sommerpr. 3—10 M. Tbeat. LKillcndortpl. Kurfürst 2091 Täglich»>/, Uhr. Der stürmische Lacherfolg Her Fußballkönig fietropol- neai. Täglich 8'/. Uhr Glück in der Liebe TkuUla-TncAier Täglich 8 Uhr: Wenn der jnnge Wein blüht LusUplelhau» 8-/. Uhr. „Der Aplel' Volksbühne ibMtir an Bllo«plati Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock Salhnlwnj-BühMD Dts. KUnstler-Th. 8>/< Uhr: Bitte, wer war zuerst d«T l-essing Theoler 8V. Uhr: Eugen Klöpfermit seinem Ensemble Ibgemadit-KaBI Th.KSaiggrätz. Sl. Hasenheide 2110 8 Uhr; DieSdiüle?. üznadi HornDdienhaus Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Theater desVestens Nur noch 4 Tage 8>-, Uhr: Zum SO. Male Beinrieb Heines erste Liebe Theater am Hottb. Tor Kottb. Str. 6 Tägl.8 Uhr: iEMöger Henes Proinuam Komische Oper 8V4 Uhn 8>/, Uhn Berlins einzigste Revue: 1 Slrcnü vcriiolcn!!! Dil Revui der verttlenen Lcidensdiaftcn! 1 Ucber 200 Mliwirk./ 8 5allelts. ] Vorverkauf a. d. Theaterkasse ab 10 Uhr ununterbr. Reichshallen-Theater Stelliner S&nitr Eine Hochzell In derMQIIerstr. 16. 7.— 31. 7. Gastspiel der berühmten Dresdner vikiori«' sander Dönhoff-BrettM: Variete, Konzert, Tanz Wallialia• Theai G WerDelaöe ♦ Täglich SV« Uhr: Adam auf Abwegen Schwank in 3 Akten von Otto Söhnel Das Tollste toid Tollen Parkett statt 4 Mk. nur 60 Pfz. auch Sonntags. WINTERGARTEN Yvette Girad mit dem Karikaturen-Ballett und die 11 Joli- Novitäten 11 ■ Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet| Hose-Theater Gartenbohne 51/« Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Die indiHeWUwe 8V, Uhr: Vater werden ist nimi schwer Donnerstag, den 7. Juli nachmittags 3 Uhr Berlfner Ulh-TriO Neukölln. W Lahnstr.74'TS l „Gewobau" Qemeinnüizlge Wohnungsbaugenossenschaft für Berlin u. Vororte e.G.m.b H. Generalversammlung 13. Juli 1927. nachm. 5Uhr, im Lehrer Vereins- haus(Weiller Saal). + Ihr Bruch 4h wird immer größer, wenn Sie ein schlechtsißendes und lästiges Federbruchband adei Gummiband tragen. Durch solche Bänder verschtinimert sich das Leiden und tann zur Todesursache werden.,n 10— 5/ Sonntag» von 11—2 Uhr. K. Ruffing, Spezial-Bandagist Köln, Sonner Straß« 24». Am 3. Juli verstarb plötzlich nnscr verehrter Chef, der Lederwaxenfabrikant Herr OtfO WOnsdl in voller Rüstigkeit im Alter von 50 Jahren. Wir verlieren in dem Toten einen Arbeitgeber, der sich in unserer langjährigen Zusammenarbeit unsere Achtung eiworben hatte. Tief erschüttert stehen wir dem traurigen Ereignis gegenüber. Die Arbeiler und Arbeiterinnen der Firma Karl Wünsch. Am 5. Juli erlag den Folgen eines Schlaganfalles der Werkführer, Herr Heinrich Sommer im 67. Lebensjahre. Seit dem Jahre 1882 in meinem Hause tätig, wurde er mir im Laufe der Jahre ein wertvoller, des Vertrauens würdiger Mitarbeiter. Sein Scheiden berührt mich schmerzlich. Ich werde des treuen Mannes stets gedenken- Carl Heckeri Schilderfabrik, S. 42, Prinrenstr. 32 Die Einäscherungfindet statt am Freitag, dem 8. Juli, mittags 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. ■ Wo speist Rum' gDl U.VMiL? Nur GroB-Berlin Alexander platz. zur Miete WSO.Ansbzcbcrstr.l OentsdiHitiailieMiiM «chtun»! MieösMe Achtung! Die Betriebsräte- Jeitschrift Nr. 18 ist erschienen und tann gegen Vorzeigung der L-gitimalionskart« de« Betriebsrats- obmannts in unserem Bureau, Zimmer S. oder nach 4 Uhr im Zimmer 4 entgegen» genommen werden. flEhtiiog! Benoflllöngsmllgiimil Fteilag, den 8. Juli, abends 7 Uhr ■ip Sitzung der Mittleren Otfsoerroaltung. Sie Ort» Derma Haag.