Mbenöausgabe Nr. 323 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 154 B«,ug-»edlnzung«a trab«njriantprrtlb lind in det Morgenausgab« cnatfltbe« Hcdaflion: STD. 6«. Cinöcnffcofee 3 Fernsprecher i VSnhosf ZSZ- Zg7 I«l..«»r«Ise: Sozinldemotral vrrli» Derlinev Volkesktl�kk (lO Pfe»nig� Montag 11. Juli 1427 «erlag and«naetgtnabtttlnn» (Sefdiaflsjett SM, bis 5 Uhr Verleger: vorinSris-verlag GmbH. Verlin Slv. Lg, Llnvenstrohe 3 Fernsprecher> vSnhoss 292— 292 �entralorgan der Sozialdemokratifcbcn parte» Deutfchlands 9er„Zollernprinz" von Gotha. Die blamierten Monarchisten.- Verhandlung in Köln. Köln, 11. Juli.(VDZ.) Vor dem erweiterten Kölner Schöffengericht begann heute vor- mittag 3 Uhr der Prozeß gegen Harry Domela, den„falschen.Prin- zen". Wegen des starken Andranges von Publikum und Presse mußte die Verhandlung im letzten Augenblick in den großen Schwur- gerichtssaal verlegt werden, denn der ursprünglich vorgesehene Ber- Handlungsraum hätte das Publikum nicht fassen können. An vierzig Pressevertreter aus ganz Deutschland hatten sich eingesunden. Der Angeklagte Domela macht einen sicheren, ruhigen und ge- faßten Eindruck. Mit leiser, aber deutlicher Stimme gab er aus die Fragen des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Neuwinger, Antwort. Die Verhandlung setzte sofort recht lebhast ein. In ziemlich scharfen Worten protestierte der Verteidiger des AngeNagten, Rechtsanwalt von der Heyden, gegen die Vernehmung des Polizeirats B u z i k als Zeugen. Rechtsanwalt von derHeyden verlangte, wenn Buzlk als Zeuge vernommen werde, müßten auch eine Anzahl Herren aus Heidelberg und Mitteldeutschland vernommen werden, die nachweisen würden, daß das von Polizeirat Vuzik aufgenommene Protokoll Unrichtigkeiten enthalte. Daraufhin wurde der Zeuge vorläufig von Staatsanwalt Hopp zurückgezogen. Weiter protestierte Rechts- anwatl Dr. von der Heyden gegen den Sachverständigen. Er habe eine anerkannte Autorität zur Beurteilung der Charakteranlagen Domelas verlangt und statt dessen sei ein jüngerer Sachverständiger, der nicht die genügenden Erfahrungen zur Beurteilung des Falles haben könne, vom Gericht bestimmt worden. Dann begann die Ver- nehmung des Angeklagten. Der Vorsitzende stellte zunächst die Perso- nalien fest und verlas die bisher verbüßten Strafen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung gab Domela eine Schilde- rung seines Lebens. Er kam dabei auch auf seine Bemühungen, sich Arbeit zu verschaffen, zu sprechen. Er schilderte, wie er nach längcrem Vagabondieren bei einem Schriftsteller Arbeit erhalten habe. Vors.: Warum haben Sie diese Stellung nach kurzer Zeit wieder ausgegeben? Angekl.: Ich hatte mich schon an dasVaga- bundenleben gewöhnt. Hätte ich bei einer Arbeit beweisen können, was ich leiste, so hätte mir das Freude gemacht. Aber die untergeordneten Botendienste, die ich besorgen sollte, machten mir keine Freude. Vors.: In der Rot nimmt man doch jede Arbeit an. Sie fühlten sich aber wohl zu Höherem geboren? Angetl.: Vorher hätte ich einfach gearbeitet, um zu leben. Inzwischen hatte ich aber einen tieferen Einblick in die Dinge des Lebens bekommen. Ich hatte auch einen Menschen kennengelernt, der mir an Bildung weit über- legen war, und der auf mich einen sehr großen Einfluß ausübte. Was ich unter dem Einfluß dieser Bekanntschaft aus der Straße bemerkte, das wurde mir näher gebracht in der reichhaltigen Bibliothek des Schriftstellers, die ich benutzen durfte. Der Vorsitzende wirst Zeichner hinaus. Hier komm! es zu einem Zwischenfall. Der Vorsitzende bemerkt, daß am Pressetisch gezeichnet wird. Er läßt daraufhin den Zeichner durch den Justizwachtmeister aus dem Saale führen und gibt Anweisung, daß er nicht wieder«in- gelassen wird. Als der Zeichner darauf aufmerksam machen will, daß er zugelassen ist, schneidet ihm der Vorsitzend« barsch das Wort ab. Verteidiger v. d. Heyden: Ich bitte, einen Ge- richtsbeschluß darüber herbeizuführen. Vors.: Rein, ich führe die Ver- nehmung fort. Sie haben zu einem solchen Antrag kein Recht, höch- stcns der betreffende Herr, verleidiger: Den haben Sie ja hinaus- führen lassen. Ich beant«>ge einen Gerichtsbeschluß darüber, ob das Gericht die Ausweisur-g des Zeichners aus dem Saale billigt.— Der Vorsitzende fährt dann in der Vernehmung des Angeklagten fort. Oes Schwinüelprinzen Werdegang. Der Angeklagte Domela schildert, wie er nach dem Fortgang von dem Schriftsteller zunächst versucht hat, durch die baltischen Hilfs- kamitees eine angemesiene Arbeit zu erhalten. Woran mein dauernder Mißerfolg lag, das wurde mir bei einem Erlebnis in Hamburg klar. Der Leiter der dortigen Hilfsstelle begrüßte mich mit ausgesuchter Höflichkeit, als Herr von Thünen. Als ich ihn ausNSrte, daß ich einfach Domela heiße, änderte sich sein Ton überraschend, und er erklärte, nichts für mich tun zu können. Es war ja allgemein bekannt, daß für einen baltischen Baron überall Hilf« und Unterstützung vorhanden war, während der Bürgerliche überall auf Ablehnung stieß. Daraus zog ich meine Lehren. Ich ernährte mich zunächst in Berlin davon. daß ich in Restaurants gegen ei» paar Mark mehr oder weniger ähnliche Porträts der Gälte zeichnete. Ich lernte dann einen Herrn von B a h l s i e ck kennen, von dem ich später erfuhr, daß er ein Schwindler war. Er veranlahte mich, für einen Flugsportverband zu sammeln und bewilligte mir 20 Proz. des Ertrages. Ich wurde aber mißtrauisch und sragte Herrn v. Tschudi vom Aeroklub, der mir sagte, daß die Sache Schwindel sei. Ich gab ihm die Listen, fand aber später zu Hause noch mehrere Listen, die ich vergessen hatte. Als ich nachher in Rot war, sammelte ich niit diesen Listen Geld. Der Ertrag hatte aber kaum 100 Mark erreicht. Ich nannte mich damals Grrs Pohlen. Das war das Ergebnis der schlechten Erfahrungen, die ich unter meinem bürgerlichen Namen gemacht hatte. Der Vorsitzende erinnert daran, daß der Angeklagte da- mals in Potsdam wegen eines Betruges an einem Chausseur verurteilt wurde. Domela erwidert, das sei ein Fehlspruch, talsächlich habe der Chauffeur ihn betrogen, indem er vielmehr Kilometer berechnete. als tatsächlich gefahren waren. In Berlin war Domela später bei einem Dr. Pape in Stellung. Er arat damals als Baron von Korsf auf. Während einer Reise Dr. Papes erzählte Domela der Sekretärin Fräulein Iakobi, lein Freund Graf Meerseldt sei schwer ertraatt. Ich hatte, so erklärt Dome'a, tatsächlich damals einen Bekannten, dem es schlecht ging. Schließlich bot mir Fräulein Iakobi 150 M. an, mit denen ich nach Dresden fuhr. Als mir das Geld ausging, telephonierte ich nach Berlin, der Freund sei gestorben und erhielt weitere 100 M. von Fräulein Iakobi. In Dresden wohnte Domela im„Europäischen Hof", wo infolge mangelnder Geldmittel die Hotelrechnung in Höhe von 57, 9S Mark unbezahlt blieb. Dr. Pape stellte mich nachher zur Rede, und ich gestand ihm, woraus ich sein Haus verlassen mußte. Er sagte aber noch ausdrücklich, daß er mir keine Schmie- rigkeiten mit der Polizei machen wolle und die 260 Mark als B e- lohnung für meine Tätigkeit bei ihm ansehen wolle. Domela wurde dann in Potsdam Zigarette»reisender. Im Winter, so fährt der Angeklagte fort, konnte ich nüt meinem Rade nicht vorwärts kommen. Das Geschäft ging schlecht, und mein Chef drohte mir mit Entlassung. Ich griff nun zu meinem alten Mittel und nannte mich von der Reck». Sofort änderte sich meine Lage, ich wurde in Potsdam überall mit offenen Armen empfangen. Man kaufte mir nicht nur Zigaretten ab, sondern lud mich auch ein. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) der französifch-üeutsche vertrag verzögert. Ergebnislose Verhandlungen. Paris, 11. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend halte man im französischen Handelsministerium den Eindruck, daß der Abschluß eines vorläufigen Handelsäbkommens zwischen Deutschland und Frankreich bevor st ehe: man hatte sogar geglaubt, daß das Abkommen in einer Sitzung am Sonntagvormittag unterzeichnet werden könne. Dieser Optimismus hat sich nicht bestätigt. Die beiden Delegationen hielten am Sonnabendabend noch einmal eine Sitzung ab, die zunächst bis 1 Uhr morgens dauerte. Inzwischen hatten die deutschen Delegierten neue Znstruktlonen aus verlin vorgelegt, auf die die fron- zösische Delegation, wie erklär» wird, nicht eingehen konnte. Trotz- dem die Sitzung bis S Uhr morgens andauerte, war es unmöglich. zu einer Einigung zu gelangen. Handelsminister vokonowski begab sich dann sofort zum Ministerpräsidenten, um ihn über den Stand der Verhandlungen zu unterrichten. Gleich daraus empfing er die Vertreter der Presse und erklärte, daß es trotz aller Bemühungen auf beiden Seiten nicht gelungen sei, ein Abkommen zu er- zielen. Die französische Delegation sei in ihren Zugeständnissen so weit als möglich gegangen. Die Ursachen für das Scheitern lägen zum Teil darin, daß mehrere Mitglieder der deutschen Delegation seit einigen Tagen erkrankt seien, darunter auch der Führer. Dr. Paste, und die andern von verlin veränderte Instruktionen erhalten hätten. Der Handelsminister schloß mit der Erklärung, daß es nach seiner Auffassung kaum möglich sein werde, vor Ab- schluh der gegenwärtigen Session der französischen Kammer am 14. Juli zu einem Handelsvertrag mit Deutschland zu gelangen. 4- Gegenüber den Mitteilungen Bokonowskis versichern die beut- schen zuständigen Stellen, daß die Schuld am Abbruch der Ver- Handlungen nicht aus deutscher Seite liege. Die Unter- Händler Deutschlands hätten keinerlei neue Instruktionen in letzter Zeit erhalten, die Linie ihrer Vorschläge und ihres Borgehens bei den Unterhandlungen sei bis zum letzten Augenblick dieselbe geblieben. Sieg üer Linken in ßinnlanü. Die Reichstagswahlen in Finnland haben folgendes Resultat ergeben: Schwedische Volkspartei 24(1 Mandat Gewinn) Sammelpartei 30(Verlust 4) Fortschrittler 9(Verlust 8) Landbund 52(Gewinn 8) Sozialdemokraten vi(Gewinn 1) Kommunisten 20(Gewinn 2). Dos Ergebnis stellt einen Ruck nach links dar. Die Regie- rungspolitit der letzten Jahre, vor der Bildung der jetzigen sozial- demokratischen Regierung T a r n e r, war stark nationalistisch, worunter besonders die schwedische Minderheit zu leiden hatte, die ein Zwölftel der Gesamtbevölkerung darstellt. Die Niederlage der konservativen Sammclpartei und auch der Fortschrittspartei, die die nationalistische Maßnabme mitgemacht hatte, wird auf die Auf- lehnung gegen diese Politik zurückgeführt. Die Stärke des Land- bundes ist nicht erstaunlich, da die Landbevölkerung 70 Proz. um- saßt. Man glaubt, daß die jetzige sozialdemokratische Regierung sich mit Unterstützung der Kommunisten und des Landbundes a m Ruder erhalten werde._ ?rlonös Iuftizminifter ermordet. Eine neue Bluttat des Sinn-Fein. Der irische Iustizminisler 0' h i g g i n s ist am Sonntag in Dublin durch drei Männer erschossen worden. Das Attentat geschah in ähnlicher Weise wie der Mord an Rathenau: Uebcrholen des Autos des Ministers durch das Auto der Mörder. Die Attentäter sind entkommen. Es handelt sich offenbar um einen Racheakt der Sinn- Feiner, der irischen Nationalisten, denen der Ermordete einst nahestand. Später war er zur gemäßigten Richtung übergegangen und in seiner Ministerzeit sollen insgesamt 7 7 Ausständische hingerichtet worden jein. Schätzels neuer Stoß. Er will trotz Reichstagsbcschlnh Gebührenerhöhung erzwingen. Der Reichspostminister hat seinem Verwaltungsrat soeben neue Vorlagen über die Erhöhung der Post-, Postscheck- und Telegraphengebühren unter- breitet und den Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats zur Vorberatung zum 18. Juli einberufen. Das Plenum des Verwaltungsrats soll am 22. Juli tagen, so daß, wenn dieser den Vorlagen zustimmt, die Erhöhung der Gebühren am 1. August in Kraft treten sollen. Die Vorlagen lehnen sich im allgemeinen an die Be- schlüsse des Verwaltungsrats über die Borlagen vom Mai an. Darüber hinaus bringen sie eine Erhöhung auch der Gebühren für Pakete und den Zeitungsvertrieb. In der Begründung wird gesagt, daß mit den Vorlagen einer Entschließung des Verwaltungsrats entsprochen wird, die dieser nach der Zurückziehung der früheren Vorlagen gefaßt hat. Das mag richtig sein. Wir vermissen aber, daß der Reichspostministe? der Willenskundgebung des Reichstags in gleicher Weife Rechnung trägt. Der Reichs- tag hat bekanntlich den Beschluß gefaßt, den Postminister zu ersuchen, die Gebührenvorlage zurückzuziehen. Dies hat der Postminister auch getan. Damit hätte die Sache zunächst auch erledigt sein müssen. Es heißt den Beschluß des Reichstags auf den Kopf stellen, wenn der Minister die Vorlage nach so kurzer Frist wieder einbringt. Nichts ist inzwischen geschehen, was dem Postminister hierzu das Recht gäbe. Der Beschluß des Reichs- tags besteht nach wie vor unverändert fort. Kein Anzeichen ist dafür vorhanden, daß der Reichstag seine Meinung über die Erhöhung der Postgebühren irgendwie geändert hat. Im� Gegenteil sind die ablehnenden Aeußerungen in der kürzlich stattgehabten Aussprache im Häushaltsausschuß des Reichstags über Postangelegenheiten in verstärktem Maße wieder. holt worden. Und nicht eine einzige Stimme hat sich erhoben, die den Postminister zur sofortigen Wiedereinbringung der Vorlage ermunterte. Wäre es anders gewesen, so hätten die Regierungsparteien es sicher nicht versäumt, dies in einer Entschließung zum Ausdruck zu bringen. Man hat es aber nicht getan, weil die Stimmung ganz allgemein gegen eine Gebllhrenerhöhung im jetzigen Augenblick ist. Wenn der Reichspostminister trotzdem geglaubt hat, seine Vorlagen wiederholen zu sollen, so kann man dies nur als eine Brüskierung des Reichstags auffassen, die selbstverständ- lich nicht ohne Folgen bleiben wird. Gewiß liegt die Entscheidung über die Gebührenerhöhung formell beim Verwaltungsrat der Reichspost, jedoch in allen Parteien besteht kein Zweifel darüber, daß der Reichstag mindestens ebensoviel Rücksichtnahme zu beanspruchen hat wie der Verwaltungsrat. Falsch ist es, wenn sich der Verwoltungs- rat für„souverän" erklärt, wie ez vorgekommen ist, und glaubt, tun und lassen zu können, was ihm beliebt. So liegen die Dinge denn doch nicht. Genosse Dr. Hilferding hatte voll- kommen recht, als er diese Selb st Überschätzung des Verwaltungsrats mit dem Hinweis beantwortete, daß einzig und allein der Reichstag als die Vertretuna des deut- schen Volkes souverän ist. Dem deutschen Volk ge- hört die Reichspost und nicht dem Verwaltungsrat. Und der Reichstag ist schließlich doch derjenige, der helfend eingreifen muß, wenn die Dinge einmal schief gehen. Auch nur ihm und nicht dem Verwaltungsrat ist der Reichspost- minister verantwortlich. Jederzeit könne er auch das Reichs- vostfinanzgesetz und damit den Verwaltungsrat aufheben. Die Stellung des Verwaltungsrats wird am besten als die einer > vom Reichstag beauftragten Hilfseinrichtung gekennzeichnet, i wie Genosse Schumann-Frankfurt a. d. O. es getan hat. Das diese Auffassung auch in anderen Parteien geteilt wird, beweisen am besten die Aeußerungen der Abg. Dr. Q u a a tz(Dtn.) und Dr. C r e m e r(D. Vp.). Dieser nahm allein für den Reichstag das Recht in Anspruch, die Höhe der Ablieferung der Reichspost an das Reich festzusetzen, während jener auf die letzte Verantwortlichkeit des Reichs hinwies, von der es auch durch das Reichspostfinanzgesetz nicht befreit werde. Wenn das Reich und somit der Reichstag aber die alleinige ausschlaggebende Verantwortung trage, so sei selbstverständlich, daß er auch bestimmend mit zu- reden habe. Auch die Tatsache, daß diese beiden Ab- geordneten die Anregung gaben, den Reichssparkommissar mit einer vollständigen Durchprüfung der Postverwaltung zu beauftragen, und der Postminister sich dem widerspruchslos fügte, bezeugt, daß der Reichstag die letztlich maßgebende Instanz für die Reichspostverwaltung ist. Deshalh durfte erwartet werden, daß der Reichspostminister den Willen des Reichstags respektiert, auch wenn dieser sich vertagt hat. Erschwerend fällt ins Gewicht, daß die deutsche Reichs- bahn verschiedene Personen- und Gütertarife um zusammen 70 Millionen Mark gesenkt hat. Will der Reichspostminister diese Tendenz mit seiner Gebühren- erhöhung zunichte machen? Daß die Erhöhungen jetzt nicht notwendig sind, ist von den verschiedensten Seiten und so oft dargelegt und nachgewiesen worden, daß wir es uns versagen können, die Gründe noch-mals aufzuzählen. Der P o st m i n i st e r bleibt aber unbelehrbar. Er erklärt, Anleihen nicht bekom- men zu können, und verschanzt sich dabei hinter den Reichs- bankpräsidenten, Richt einer der führenden Wirtschaftler im Reichstag, ja nicht einmal der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius teilt diese Meinung. Doch man will bei der Post im Grunde ja gar keine An leihen haben, weil man eben nicht zu wirtschaften versteht. Wenn die Begründung zur jetzigen Vorlage sagt, daß man zur Investierung für neue Fernsprechanschlüss«, für Bauten alz Substanzvermehrung und für Bahnpostwagen Kraftwagen usw. im Gesamtbetrag von jährlich 150 Mil lionen Mark keine Anleihen aufnehmen dürfe, so beweist dies nur unsere Behauptung. Es gibt kein Anlagegeschäft, das sicherer wäre, als die Investierung von Anleihekapital in neuen Fernsprechanschlüssen. Diese rentieren und amorti sieren sich glänzend. In a u sl ä n d i s ch e n Telephonver waltungen, die ihren Betrieb vollständig automatisiert haben, sind die Einnahmen derart groß, daß sie nicht wissen, wohin mit dem Geld, und zu einer Gebührenermäßigung nach der andern schreiten. Die Deutsche Reichspost dagegen de hauptet, daß sich Ersparnisse aus dem automatischen Telephon betrieb erst nach vielen, vielen Iahren ergeben werden. Zu nächst koste die Sache noch unheinlich viel Geld, und dies müsse aus den laufenden Einnahmen genommen werden. Der Kern fehler der Reichspost ist, daß sie in ihrer Spitze keinen Menschen hat, der wirtschaftlich denken und handeln kann. Die Beamten des Postministeriums mögen brave Menschen und auch gute Beamte sein: es sind und bleiben aber eben Beamte und Bureaukraten. Da gibt es eine große Wirtschaftsabteilung mit einem Ministerial- direktor an der Spitze und acht oder mehr Referenten. Was die cherren bis jetzt zusammcngewirtschaftet haben, erfährt kein Mensch Wöchentlich erscheint nur die Wirtschafts- beilage einer amtlichen Postzeitschrift, in der man die Arbeit der cherren in der Zusammenstellung von Wirtschaftsmeldun gen der— Tagespresse bewundern kann! Unvergeßlich wird bleiben, als der Etats- und Gelddirektor des Postministeriums seinerzeit einmal erklärte, daß er über Banken, Firmen und Kreditwesen überhaupt keine blasse Ahnung habe, weil er als Beamter mit derartigen Dingen keine Berührung gehabt habe. Deshalb ist es die allerhöchste Zeit, daß die ganzen Finanz- und Wirtschaftsfragen der Post in andere und fach- verständige Hände gelegt werden. Die bisherige Wirtschaft geht nickt mehr so weiter. Die leitenden Beamten der Reichs- vost stellen ein Programm auf, daß ihren Neigungen und Plänen entspricht, und das muß durchgeführt werden, gleich- viel woher das Geld kommt. Ist kein Geld da, so werden die Gebühren erhöht. Das kann jeder andere auch machen. Das ist aber keine Wirtschaft, vor allem keine kaufmännische Wirt- schaft. Man hole sich einmal einen routinierten Kaufmann und Finanzsachverständigen ins Haus und sorge dafür, daß die leitenden Beamten seine Arbeit und seine Absichten nicht durchkreuzen, auch wenn er kein Beamten ist, und vielleicht auch nicht Korpsstudent war oder das Abiturium hat. Man wird nach kurzer Zeit sehen, daß es auch anders geht. Es scheint uns, daßl jetzt der geeignete Augenblick hier- zu gekommen ist. Natürlich gehört ein starker Wille und«ine starke Hand dazu. Wenn aber der Postminister, dem all die unerquicklichen Dinge eigentlich nicht zur Last fallen, der viel- mehr eine vollkommen verfahrene Sache als böses Erbe übernommen hat und ausbaden muß, die Energie. die er jetzt dem Reichstag glaubt zeigen zu müssen, seinen leiten» den Beamten gegenüber aufbringt, so könnte er die Dinge noch retten, ohne daß große Gebührenerhöhungen notwendig werden. Das Reichspostfinanzgesetz muß aber schleunigst und gründlich revidiert werden. Ein geplatzter l o-Millionen-Schwinüel. Gelb-kommunistisches Ausammenspiel. Am 9. Juli hielt der Kommunist K o e n e n im Reichstag eine Rede, in der er seine Partei als die einzig zuverlässige Oppositions- parte! bezeichnete und gegen die Sozialdemokratie die betonnten Beschuldigungen erhob. Da kam ein Ruf von rechts:„Dafür haben sie auch 19 Millionen bekommen." Koenen griff diesen Zuruf begierig auf. unterstrich ihn und bat den Zwischenrufer um nähere Angaben, die allerdings ausblieben. Am Tage daraus stellte dann Genosse Ludwig im Reichstag fest, daß ihm als sozioldemo- kratischen Parteitassiercr von den 10 Millionen, die die Partei von der Regierung bekommen haben sollte, nicht da» allergeringste bekannt sei. Run meldet sich der Zwischenrufer in der„Deutschen Tages- zeitung" zum Wort. Es ist kein anderer als der bekannte Führer der Gelben und deutschnationale Abg. Johannes Wolf. Cr klärt die 19 Millionengeschichte dahin auf, daß es nicht die Sozial- demokratie sondern die Gewerkschaften seien, die die ver- schiedenen Millionen bekommen haben sollen. Da aber„Sozial- demokratie und Gcwerkschasten ein»" seien, kommt das nach seiner Meinung aus dasselbe hinaus. Um was handelt es sich? Um nicht mehr und nicht weniger als um eine Hilfsaktion der Regierung für Arbeiter an Ruhr und Saar, die durch die stürmischen Ereignisse der legten Jahre wirtschaftlichen Schoden erlitten haben. Die Durchführung dieser Hilfsaktion ist den Gewerkschaften aller Richtungen anvertraut, die Hilfeleistung erfolgt ohne Rücksicht darauf, ob der Geschädigte irgendeiner Organisation angehört oder nicht. Die Gewerkschaften haben vom Ganzen nicht» als die Mühewaltung. Dagegen stänkert nun der Herr Wolf, dem es natürlich lieber wäre, wenn die Hilssgelder den Gelben übergeben würden— nun das ist die ganze Geschichte an der Korrumpierung der Sozial- demokratie mit 19 Millionen Mark. Nicht immer ist e» möglich, einen Schwindel so rasch und so reslos aufzuklären. Trotzdem darf man Gift daraus nehmen, dah unsere Gegner bei den nächsten Wahlen weiter mit ihm hausieren werden. Wem nutzt öer Sürgerblock! Gi« Geständnis. In einem Leitartikel würdigt das führende Organ der Großagrarier, die„Deutsche T a g e s z e i t u n g", die Verabschiedung der neuen Zollvorlage mit folgenden Worten: Auch das jetzt vorliegende Ergebnis wäre schwerlich für die Landwirtschast erreicht worden, wenn nicht die Deutschnationale Volkspartei und insbesondere noch der Reicheernährungs- minister Schiele mit einer Klarheit und Festigkeit die Lebensinteressen der Landwirtschaft vertreten hätte, die Anerkennung und Dank verdienen. Wir machen diesen Hinweis niemandem zulieb« und niemandem zuleide: ober wir können und wir müssen als Tatsache feststellen, daß durch den Regierungsein- tritt der Deutschnationalen für die parlamentarische Stellung der Landwirtschaft eine günstigere Lage geschassen worden ist. als sie aus sehr naheliegenden Gründen ohne diese politische Wendung vorhanden wäre. Mehr hierüber zu sagen, holten wir im Augenblick nicht für zweckmäßig: um so weniger, als Anlaß zu der Hoffnung gegeben ist, daß bei dem weiteren Zusammen- wirken der gegenwärtigen Regierungsparteien das Verständnis für die Landwirtschaft und der Wille, ihr gerecht zu werden, auch in den Teilen de« Regierungslogers sich nachhaltig durchsetzen wird, die von Natur der Landwirtschast und ihren Lebensbedingungen ferner stehen als andere. Hier ist mit erfreulicher Offenheit gesagt, wo die N u tz» n i e h e r der Rechtsblockpolitik zu suchen sind. Die Groß- agrarier triumphieren ob ihre» Sieges über die Interessen der schaffenden Bauern und der Verbraucher; sie wiegen sich bereits in neuer Hoffnung auf spätere, weitere Zoll- e r h ö h u n g e n. Das Volk kann zahlen. Es wird bald einsehen, daß die Rechtsregierung die teuerste ist, die es je gehabt hat. Und dann wird sich die Abrechnung wenigstens lohnen. die Internationale öer Kriegsteilnehmer. Kongrest in Paris.— Aufnahme des Reichsbanners pari«. 11. Juli.(EP.) Im Palais Luxembourg wurde gestern der internationale Kongreß aller Kriegsteilnehmer. verbände zur Gründung einer Friedensinternationale der früheren Frontkämpfer eröffnet. Den Vorsitz führte der Franzose Marcel H e r a u d, Präsident des Internationalen Frontkämpfer- bundes. Zu dem Kongreß sind Vertreter der Frontkämpfcrverbände Frankreiche, Englands, Italiens, Belgiens, der Ver- einigten Staaten, Polens, Rumäniens, der Tschechoslowakei, Süd- flawien», Deutschlands und Oesterreichs erschienen, dagegen fehlen wenigstens vorläufig Verireter Ungarns, Bulgariens und der Türkei. In der Eröffnungsrede erklärte Höraud. der Internationale Fronikämpferbund erblicke sein Ideal m der Vcsriedung Europos. Mit Politik befasse sich der Bund nicht, sondern überlasse dies den Regierungen, doch gehe er von dem Prinzip aus, daß die Friedensverträge nicht durch Gewalt abge- ändert werden dürsten. Dieses Programm könne von allen ehe- mals feindlichen Frontkämpfern unterschrieben werden. Die gc- ineinsam ausgeslanöenen Leiden hätten zwischen ihnen eine Solidarität geschaffen, die durch noch so große Meinungsverschiedenheiten nicht mehr aus der Welt geschaffen werden könnten. Der Vertreter des Reichsbanners, Crohn, erklärte. daß niemand, der an das Unglück und Elend denke, das der Welt- krieg im Gefolge hatte, einen anderen Willen und ein anderes Lebensziel haben könne, als- der Welt einen neuen Krieg zu er» sparen. Die Kriegsleiden konnten nur den«inen Zweck gehabt haben, die Kriegsidee zu töten und der Fricdensidee zum Siege zu verhelfen. Aus diesen Gründen müßten die früher feindlichen Lager zusammenarbeiten, um die Mißverständnisse zwischen den Völkern au» der Welt zu schassen. Diese» Ziel könne aber nur er- reicht werden, wenn die Rechte und Freiheiten jedes Volte» anerkannt und respektiert würden. Di« deutsche Republik Hab« nur den«inen Wunsch, daß Deutschland in Frieden mit der ganzen Welt lebe und daß Freundschaft zwischen den Völkern herrsche. Beide Reden wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Darauf wurden die verschiedenen Programmpunkte der Tages- ordnung zur näheren Prüfung und Berichterstattung an die Kam- Missionen verwiesen. Tie Entschliestung gegen die gewaltsame Revision.— Anschlnstdcbatte. Pari». 11. Juli.(EP.) Der Kongreß der früheren Kriegsteil- nehmer Hai einstimmig folgend« Entschließung angenommen:„Der Kongreß ist überzeugt, daß die historische Ausgabe der früheren Kriegsteilnehmer darin besteht, die Völker über die Schrecken de» Kriege, aufzuklären. Der Kongreß, der alle früheren Kriegsteilnehmer umfaßt, erklärt, daß der Respekt vor den Friedensverträgen die fundamentale Grundlage der inter- nationalen Beziehungen darstellt. Demzufolge mißbilligt er jeden Versuch, zu Angrissszwecken zu den Massen zu greisen." Die deutschen Delegierten hatten gegen diese Entschließung zu- nächst starke Bedenken geltend gemacht. Da» Präsidialmitglied des Reichsbundes Crohn erklärt«, daß, solange dos Rheinland besetzt sei, die Friedensfreund« in Deutschland nicht die«rwünschien Fortschritte machen können. Der Präsident der österreichischen Kriegsverwundeten. Brandeis, erklärte, daß 99 Proz. aller Oester- reicher Pazifisten seien. Diese» Verhältnis wäre noch günstiger, wenn die Länder der Entente sich nicht dem Anschluß Oester- reich» an Deutschland widersetzen würden. Der Anschluß an Deutschland würde der Sache des Friedens dienen. Der französische Delogiert« Cassin suchte di: Bedenken der deutschen Delegierten zu zerstreuen. Der italienisch« Delegierte Deselles protestiert« zunächst gegen den Gedanken de» Anschlusses Oesterreichs an Deutschland, unterstützte dann aber den Standpunkt der Deutschen mit Bezug auf die Friedensverträge. Der Fortschritt könne nicht eingedämmt wer- den. Nach längerer Diskussion erklärten sich die deutschen Dele- gierten mit der Unterzeichnung der Entschließung einverstanden. Heitere Musik. „Barbier von Bagdad- und Anna Sogorjkaja. Des Peter Cornelius komische Oper ist von dem tragi- schen Geschick versolgt, den Besten unter den Zuhörern immer wieder zu gefallen. Da diese» Geschick gleichzusetzen ist einem ehrenhaften Halbersolg, der sich olle Jahre nach dem Ganzen sehnt, so bleibt das Werk selten auf dem Repertoire. Und doch ist der Bagdader„Bar- bier" Spiegelbild einer der begabtesten, reinsten, gelockertsten Must- tantennaturen, die in Deutschland groß wurden, einziger, lebendiger Beweis, dah Wagner» Einfluß auch einmal ausbauend, nicht zer- setzend werden konnte. Die Liebe zu dem Meister, durch Liszt noch glutvoller übertragen als durch da» eigen« Erleben des romantischen Liedkomponisten, klingt nicht nur musikantisch, formal, in kecken und pathetischen Bemühungen der Instrumente, im Gesanglichen nach, sie bestimmt auch die Szene. Wer dächte nicht im Werk einmal an die Prügelszenen der„Meistersinger", an da» Lohengrin-Liebes- duett, an Elisabeth» Hallengruh! Der Humor aber ist Cornelius' eigene, besondere, orginale Domäne. Er ist weit entsernt von galli- scher Grazie, von allem leicht federnden Esprit, von psychologischer Delikatesse. Er ist deutsch bis in Mark und Knochen, breit, behäbig, lachend, saftig, gespreizt wie dieser köstliche, atemlos schwatzende Abul Hassan Ali Ebu Bekar selber. In der Suada dieses Universal- Genies liegt der ganze Witz des Stückes, dem als Kontrast sonst nur Lyrismen beigefügt sind. Di« sogenannte Handlung ist so primitiv, daß dem Werk eine Konzentration auf einen einzigen Akt gut täte. Beinahe ist die ausgesucht pointenreiche Instrumentierung, selbst wenn sie den Ballast der Mottl-Levischen Ueberarbeitung abgeworsen hm, noch zu dick und schwer für den zerbrechlichen Boden de» Stück». Aber die Heiterkeit des Stosss überträgt sich aus alle, denen die Lauterkeit der Musitsprache, die Zartheit der Liebeslieder, die Charakteristik der Themen, das Schwebend« der Lustspielouvertüre Besitz wird. Die Zwischen ouvertüre könnte dagegen fortfallen, und der Schluß des ersten Aktes ist weniger komisch, als ein banaler Notbehelf. Die Neueinstudierung bei Kroll, an das Ende der Saison gestellt,, zeigt, wie wenig der„Barbier" Kassenslück ist. Aber selbst wenn man sich eingescist fühlt, so bleibt e» doch eine Tat, diese komische Oper auf neu frisiert zu haben. Kleiber nimmt das Werk massiver als es gedacht ist. Diese unkomplizierte Lustigkeit liegt Ihm nicht. Vor allem hätte das gutstudiert« Werk um die Hälfte leiser klingen können. Und auf der Bühne etwa% Ton höher. Sondererfolg für den Dirigenten nach der zweiten, effektvoll hin- gelegten Ouvertüre. Stieber- Walter quälte sich mit seiner Rolle sehr ab. seinem Tenor hört man neben guten Noten die liebe Not de» Klingenlassens an. Maria Müller gab ihm gleichsam eine Unterrichtsstunde aus osfener Bühne: so leicht, so weich, so tragend, beseelt, innig und herb zugleich muß eine Stimme sein. H e l g e r s hat die Lacher aus seiner Seite, und man freut sich seines quellenden Humors, wenn man sich an die ewig ungedeckten Töne gewöhnt hat. Die B r a n z e l l ist von Haus au» nicht lustia und quieklebendig, aber sie tut wenigstens so. Gut disponierte Chöre mischten sich bewegt in das solistische Treiben. So kam ein schöner Gesa-mteindruck und eine slott« Stimmung zustande. Mit wesentlich geringerer Kunst kam wesentlich stärkere Stimmung zustande, als die Russin Anna Sagorskoja' Volkslieder von Landsleuten sang. E» war ein Abend de» erhöhten Kabaretts. Der Schwerpunkt der Leistung liegt bei der Sagorskaja nicht im Besang- lichen. Die Stimme ist ungepflegt, hart, plärrend, brutal. Wo» aber an Vortrag und Darstellung geleistet wird, ist genialisch. Jede Idee eines Volksliedes, jede Bewegung der Lustigkeit, des Leidens, der Betrunkenheit, Ausgelassenheit, Frömmigkeit, Schelmerei erhält ihre besondere Prägung. Auch ohne die Worte zu verstehen, locht man mit, seuszt, grübelt, denkt, weint. Die Suggestion der Frau ist ungeheuer. Eine russische Pvette Guilbert. Auch musikalisch war der Abend ein Gewinn, indem neues Volksgut aus Armenien, Klein- rußland, aus dem Schatz jüdischer, kirgisischer, turkmenischer Melo- dien erschlossen wurde. Der Abend müßte im Winter wiederholt werden, wenn die Gefahr ausgeschlossen ist, daß aus einem rufsi- schen Musikabend ein russisches Bad wird. Frau Sagorskaja wurde ja hoch gefeiert, wie da» Thermometer der Saaltemperatur und des Temperaments der Zuhörer stieg. Kurt Singer. Heiße Sommer. Die„lange Dürre" von 1911.— Da»„Backofenjahr" von 1549, Sommer von ungewöhnlich großer Hitze und langer Trockenheit kommen fast in jedem Jahrhundert einmal oder mehrere Male vor. Der heutigen Generation sind noch die Sonimer 1911 und 1921 in„warmer" Erinnerung. Das Jahr 1911 war das Jahr der „langen Dürre". Es gab wochenlang keinen Tropfen Regen, was zur zzolge lxilte, daß in den Gärten und auf höher gelegenen Punk- ten viele Gemüsesorten und Beerensrücht« verdorrten. In jenem Jahre der langen Dürre hatten sich viele Flüsse in träge fließende Rinnsel oerwandelt. Bei Dresden war die Elbe in ihrer Breite von über 599 Metern soft ganz ausgetrocknet. Durch das Versickern der Elbe im Jahre 1911 bekam man auch das„Hungerntännlc" an der alten Elbbrücke in Dresden zu sehen, das zur Erinnerung an sine frühere Dürre wenige Meter über der Flußsohle am Brückenpfeilsr angebracht war. Nachdem e« jähr- hundertelang unter Wasser gewesen war, kam e» plötzlich wieder ein. mal ans Licht des Tages und wurde von der aufs neu« ausgetrock- neten Menschheit gebührend bestaunt. Diese„afrikanischen" Sommer werden aber weit übertroffen vom Jahre 1549, dem„Backofenjahr". Der Reformator Heinrich B u l l i n g e r gibt in seinen Tagebüchern, die die Zeit von 1594 bis 1574 umfassen, eine anschaulich« Schilderung von diesem Rekord- jähr der Iropensonne und Trockenheit in unserer Zone. Schon am letzten Februartage setzte starke Sonnenhitze unter einem Himmel von italienischer Blaue«in, und diej« Hitze währte 29 Wochen lang, d. h. also bis zum 19. September. In dieser ganzen Zeit regnete es nursechsmal, und zwar Ende April, Anfang Mai und End« Juli. Aber niemals regnete es einen ganzen Tag oder eine Nacht hindurch, ja kaum«ine halbe Nacht lang. Die Folge dieser in tinserem Breitengrad einzigartigen Natur- erscheinung zeiligte auch«ine völlige„Unnr-ertimg aller Werte" in der Vegetation, So gab es im Wonnemonat Mai, in dem sonst die Kirschen meist erst zu blühen pflegen, Vollreife Frücht«: Birnen und sogar Gerste konnte man auf dem Züricher Markt schon am 18. Juni kaufen. Bullinger erzählt in seinem Tagebuch, daß er selbst gute Trauben Anfang Mai genoß und Ansang August süßen Wein trank. Bereit, am 24. Juni war die Ernte schnittreif. Der Ertrag an„überaus köstlichem Wein" war erstaunlich. Diesem Segen a» Frucht und Wein stand auch hier der Schoden gegenüber, den die lange Hitze und Trockenheit oerursachte. Wiesen und Wälder welkten, der Boden bekam Risse, da und dort trockneten die Trauben«in. Baum, Dächlein und Gießbäche hatten kein Wasser mehr, lieber den Rhein konnte man an etlichen Orten waten, die Mühlen standen still. Um da» Vieh zu retten, mußt« in jenem Jahr« das Wasser au» Entfernungen von vielen Meilen herbeigeschaist werden. Mord- brenner vergrößerten noch die Plag« der Bevölkerung. Die ange- steckten Gebäude brannten wie Zunder. So sielen in Tübingen am 21. September 99 Häuser einer BrandstisVng zum Opfer. Diese infernale Glut dauerte bis in den Oktober hinein, die Trockenheit bis Weihnachten. Ihr Mitteleuroväer des 29. Jahrhunderts, die ihr an einem Sammertag« mit 29 bis 25 Grad Wärme seufzt:„Man schmort heute am lebendigen Leibe." denkt daran, was die Menschheit im „Backofcnjahr" 1540 hat durchmachen müssen. A. I. Die MoraNstin im qesährlichen Aller. Der Drciakier des Wieners Sil Bora,„Die Frau von vierzig Jahren" ist, obwobl er im L u st s p i e l h a u s herauskommt, kein Lustspiel, sondern ein von Lebensweisheiten beschwertes Schauspiel. Es be- handelt die(uns allerdings nicht unbekannte) Tragik der immer noch schönen, ober alternden Frau, die noch nicht von der Liebe gekostet hat. Bei Sil«ara Hot sie«ine äußerst komplizierte Seelen- Verfassung. Sie ist von der fixen Idee besessen, einem 29 Jahre langen Mann ständig etwa, aufzuzwingen. ihre Morallehren, b) ihre Lieb«, und c) fogar ihre junge Nichte, durch die sie notür- lich den Geliebten verliert. Zlus welchen Gründen sie, als sie ihr Glück wanken sieht, ausgerechnet das hübsche Mädchen ins Haus holt, ist schon vor drei Jahren, al» die„Tribüne" das Stück her. ausbrachte, nicht klar gewesen. Die Zeit hat die Sache inzwischen auch nicht ausgeklärt. Die Titelrolle spielt Gertrud deLalsky. Sie ist«ine betuliche Hausfrau mit allen Vorzügen einer biederen Bürgerin. Da dem Verfasser für die Rolle aber eine mondaine und höchst reizvolle Erscheinung vorgeschwebt hat. so wird da» Schau- spiel noch unglaubhafter al» e, an sich schon ist. Andre Mattoni siel schon damals durch seine jugendlich«, forsche Un- beholsenheit aus. E» ist sonderbar, daß er in dieser langen Zeit weder diese Unbeholfenheit verlernt noch Sprachkultur gelernt hat. Einen Erfolg aus der ganzen Linie erzielte dagegen Vera S i d e l» k i mit ihrer Munterheit, Frisch« und ihrem unermüdlichen Plappermäulchen. Dgx. «ymiiasiit-nd»nftlertscher Ion,. Die au» der Jutta Klamt-Schul« beroargeaangenen Lehrer»nd Lehrerinnen für ttvmna'Iik und künsllerischen Tan» haben sich zweck« Förderung der erzieherifchen Bedeutung dieier®e» biete und gemeinsamer, lyiiematifcher.WichungSIütigleit m Jutta «la«t>S,met»Ichojte.B. zusammengejchlojjeu. Aehntausenö fordern ihr Recht! Protestkundgebung im Zirkns Busch. In einer von vielen Tausenden besuchten Prot« st kund- gebung der Arbeitsgemeinschast der Liquida- tionsgeschädigten und Verdrängten, die am Sonn- tag vormittag im Zirkus Busch stattsand, wurde erneut leiden- schaftlicher Protest gegen die Veschleppungsmethodcn der Bürgerblockregierung erhoben. Die Stimmung der Erschienenen war derart erregt, daß es mehrfach zu schweren Tumultszenen kam. Gcheimrat Grosse, der Redner des Bundes der Auslands- deutschen, wies aus die allgemeine Besserungsklausel in ß 1 des Reichsentlastungsgesetzes hin, die eine anderweitige Regelung der Liquidationeentschädigung nach Wiederherstellung der Leistungs- fähigfeit des Reiches vorsieht. Diese Besserungsklausel war bis- her die einzige Hoffnung der Geschädigten. Durä) den neuen Entschädigungsentwurf wolle man anscheinend diese Besserungsklausel stillschweigend verschwinden lassen. Geschehe dies, so bedeute es einen schweren Vertrauensbruch. Die Geschädigten verlangten nichts als ihr Recht. Der Vorsitzende der Arbeitsgemein- schaft, G i l g, wies unter stürmischen Zurufen der Bersammeltea auf die wachsende Erbitterung der Geschädigten hin, die sich nomenlos betrogen fühlten. Herr Picht beleuchtet« die finan- zielle und wirtschaftliche Seite der Entschädizungsgesetze. Für 10K Milliarden Schäden verlange man nur 2,8 Milliarden Eni- schädigung und diese mit verzögerten Zahlungsterminen. Der Regierungsentwurf sehe angeblich nur eine Gesamtsumme von 800 bis 900 Millionen bei langfristigen Zahlungen, jährlich etwa 5,°> Millionen Mark, vor. Der Redner bedauerte, daß das Parlament in die Ferien gegangen sei, ohne das Entschädigungsgefetz zu ver- abschieden. Die Regierung habe nicht Wort gehalten mit ihren Versprechungen. Für den Hilfsbund der Llsaß-Lothringer sprach Rechtsanwalt Was tut der Finanzminister, was tut der Herr Rcichsinnenminister Dr. Weil, der im Namen des ollgemeinen Rechtsempfindens eine menschenwürdige Entschädigung sür die Vertriebenen verlangt«. im Interesse der verelendenten Vertriebenen?!(Stürmische Psui- rufe). Wie ist es mit der Gleichheit aller Volksgenossen, Herr Innen- minister?(Zurufe: Der liest die Reichsverfassung n ich t.) Wo bleibt der Wirtschoftsminister?(der hat Schutz- zoll sorgen!) Es ist«in unglaublicher Skandal, daß man die berechtigten Ansprüche von Hunderttausenden derart mit Füßen tritt. Nach Herrn B u m e vom Verein„Wiederaufbau im Au»- lande" gab Bundesdirektor G i u b h e l vom Ostbund Einzelheiten der Vertriebenennot. Schnellste Hilfe sei notwendig, um die Ge- schädigten vor dem Aeußcrsten zu schützen. Die zustimmende Er- regung der Versammlung schwillt zeitweise so an, daß der Redner nur schwer weitersprechcn kann. In der Diskussion sprach der Gouverneur a. D. Dr. Schnee von der Deutschen Volkspartei, der mehrere Zurufe wie„Gehen Sie doch zu Wilhelm" und„Sagen Sie das Ihrem Parteifreund Eurtius" einstecken mutzte. Leim Kommu- nisten Holl ein, der die Schuld des Bürgerblocks an der Entschäd!» gungsoerschleppung feststellte, gab es Beifall und mächtigen Krach. Ein« etwas hysterische Frau mußte durch Polizeibeamt« entfernt wer- den. Schließlich sprach noch Th. H e u ß von den Demokraten. Ein« Entschließung, die die Forderungen der Vertriebenen zu- fammcnsaßte, wurde angenommen und nach Schluß unter drei verschiedenen Fahnen in den Straßen demonstriert. Vie Knochenfunöe im Ulap. Eine Erklärung des Venoffen Tittmann. Zu dem kommunistischen Reklameseldzug mit den Knochenfunden unter dem Stadtbahn bogen teilt un» Genosse D i t t m a n n mit: Die„Rote Fahne" behauptet in ihrer Sonniagsnummer, ich hätte bei der Besichtigung der ausgestellten Schädel und Knochen im Reichstag erklärt, daß ich„zum Teil vor neuen Tatsachen" stände. Die Schlüsse, die daraus zu ziehen seien, müsse man sich „vorbehalten". An dieser Darstellung ist kein Wort wahr! Ich habe im Gegenteil gesagt:„Na. Kinder, die Schädel. dt« Ihr hier habt, sind älter als zehn bis zwölf Jahre, die sind dach sehr morsch und all." Daraus antwortete die stellvertretende kam- munistische Fraktionssekretärin:„So wird verschieden ge- urteilt: eben war eine Abgeordnete hier, die sagte, dieser Knochen hier sähe noch sehr neu aus," woraus ich noch einmal bemerkte, die Schädel wären sicher älter als zehn bis zwölf Jahre. Irgend etwas von„neuen Tatsachen" und von„vorbehalten" habe ich überhaupt nicht geäußert. Im übrigen dauerte meine �Besichtigungstätigkeit" nur zwei bis drei Minuten. Nelchsbunötriegersieöiung �neönchsfelüe. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinlerbliebencn hat als erste Siedlung die in der Verwaltung des Reichsbundes bleibt, am vergangenen Sonntag seine Reichsbundkrieger- siedlung Friedrichsfelde geweiht. Die neue Siedlung, die ein ersr«ulicher Beweis sür die Wirksamkeit des sozialen Selbsthilfe- gedanken» ist, liegt unweit der großen Oueroerdindungsstraße, die von Frledrichsselde nach Karlshorst und dann weiter nach Ober- und Niederschöneweide führt, inmitten sreundiicher Gärien mit den hübschen und schmucken Sechsfamilienhäusern wie eine kleine gemüt- liche Stadt für sich. Am Sonntag strahlte diese neue Siedlung im Schmuck von vielen hundert schwarzrotgoldenen Fahnen, eine wahre Augenweide. Schon von weitem horte nian in den bleiernen schweren Morgen hinein fröhlich ermunternde Marschweisen. E» stellte sich heraus, daß es die wackere Lichten- berger Reichsbannerkapelle unter Leitung des Kameraden Timm war, die so erfreulich stimmungsördernd wirkt«. Auch das Lichtenberger Tambourkorps tat sich hervor. Dann eröffnet« mit „Krönt den Tag" der Lichtenberger Arbeiter-Sänger- chor„Bruderbund" unter Leitung de» Genossen Rohr- moser den feierlichen Weiheakt. Wahrhast symbolisch wirkte die Liedstelle:„Hier sproßt der Frohsinn, hier keimt die Tugend!" Als der Geschäftsführer der Reichsbundkriegcrsiedlung, Andres, die mit schwarzrotgoldenen Farben geschmückte Redner- tribllne bestiegt, scharten sich ihn die Banner der erschienenen Ver- tretungen aus Neukölln. Pankow, Schöneberg. Westen. Norden It und Südost des Reichsbundcs. Für die versasiungstreue Einstellung des Bundes ist bezeichnend und aller Anerkennung wert, daß aus keinem der prächtigen Banner die neuen Reichssarben fehlten. Mit Worten berechtigt en�Stolze» konnte der Redner die Siedlung weihen. Bietet sie doch t38 Familien ein neues Heim. Es wurden 20 Zwei- zimmerwohnungen ohne und SO mit Kommer sowie 49 Dreizimmer- Wohnungen fertiggestellt. Dazu mußten Idz Millionen Mark aufgewendet werden. Bei dem Bau ist zum erstenmal in Deutschland die neue holländische Plattenbauweise Bron ange» wandt worden. Sie gestattet, ganze Hauswönde plattcnweise zusammenzustellen und sie mittels größere Krane auszurichten. Es kosten bei dieser Bauweise die Zweizimmerwohnungen ohne Kammer monatlich SO M. die mit Kammer 62, die Z�-Zimmerwohnungen etwa 86 M. Sämtliche sehr geräumigen Wohnungen haben auch äußerst geräumige Badezimmer, außerdem Keller, Bodenkammer und Garten. Der eindrucksvollen Feier wob»- ten Regierungsrat Förster vom Reichsarbeilsm'inisterium, Stadtrat G r ö f f n c r vom Bezirksamt Lichtenberg und Genosse S ch u, hart al» Vertreter der SPD.-Lichtenberg bei. vorläufig 745 Tote in Sachsen. Erhöhung aber nicht ausgeschlossen. Dresden. 11. Juli(HJXB.) Nach amtlicher Jeff- stevung beträgt die Zahl der Toten im Vereich der Amtshauptmannschast Pirna 113 und im Bereich der Amtshauptmannschot Dippoldiswalde 32. Insgesamt sind demnach dem Unwetter am vergangenen Areitag im Gottleuba- und Müglitztal 14S Menschen zum Opfer x>esallzn. Es ist zu hoffen, di'z diese Verlustliste keine wesentliche Erhöhung mehr erfahren wird. Zn der schwer heimgesuchten Stadt vergiehhübel waren mittag 8b Leichen aufgebahrt. Doch steht die Zahl der vermißten auch hier noch nicht fest. Es ist leider damit zu rechnen, daß die Menschen vertust« in dem gesamten Unwettergebiet die Zahl 100 weit übersteigen werden. Der Stadlrat von Berggießhübel Hot am Sonnlag die erste amtliche L i st e der bei der Unwettertalastrophe ums Leben ge- kommencn Personen ausgestellt. Nach dieser Liste sind bisher 82 Einwohner von Berggießhübel, drei Sommergäste und 8 orlssremde kadclarbeiter ais tot festgestellt, also insgesamt in Berggießhübel SZ Todesopfer. Doch ist es immer noch nicht ausgeschlossen, daß diese Liste sich noch vergrößevt. lvie die Amtshauptmannschast Pirna mitteilt, sind bis Sonntagabend in den Ortschaften ihres Bezirks, in der Hauptsache den Ortschas- len de» Gottleuba, und des Seidewihtoles. ttZ Tote sestge- stelll worden. Darunter befinden sich auch 10 Tote aus den Ortschaften des Müglihtales. Zn Gl a s h ü l t e sind bis Sonntag abend 18 Totes« st gestellt worden, die zu der Pirnaer Zahl noch hinzugerechnet werden müssen. Bis jetzt wurden allein in Berggießhübel 82 Tote g e- borgen. Drei Sommergäste und acht auswärtige Kabelarbeiler werden noch vermißt. In Gottleuba werden neun Personen ver- mißt. Gesunden wurden bisher vier. In Weesenstein sind sechs Tote gesunden worden, in Hartmannsbach zwei Tote, in Pirna drei Tote. In Glashütte sind bis jetzt acht Tote gefunden, fünf Personen werden noch vermißt. Die Gesamtzahl aller Toten steht noch nicht fest. Nach Mitteilungen Schönwalder Einwohner, sind dort 26 Häuser teilweise ganz zerstört, teilweise stark beschädigt. Der Oelsengrund ist mit Geröll und starken entwurzelten Bäumen angefüllt. Das Wasser hat Steinbtöckc von 17 Zentner Schwere sortgewälzt. Die im Februar abgebrannte und wieder aufge- baute Kählcrmühle im Oelsengrund wurde vollkommen zerstört, wobei Mauern von einem Meter Stärke umgelegt wurden. Die schweren Ersenträger wurden von der Flut mit fortgerissen. Das Wirtschaft»- gebäud« der Meiflelmühle wurde ebenfalls mit fortgeschwemmt. Dabei kamen die Ehefrau und ein Kind des Waldarbeiters Iakobafch ums Leben. Der Mann selbst wurde auch mit fortgespült, konnte sich aber retten. Er hat schwere Verwundungen davongetragen. Fast ebenso schwer wie Berggießhübel Hot der kleine Ort Zwiesel gelitten. Zwei Gebäude sind hier vom Wasser glatt weggeschwemmt, während ein drittes derart zerstört wurde, daß es niedergerissen werden mußte. Auch hier sind sieben T o t e zu beklagen, darunter zwei Sommersrischler. Die Zwieselmühle ist bi» ins Erdgeschoß verschlammt. > Leipzig. 10. Jllll.(WTB.) Auch in W e st s a ch s e n und den angrenzenden Teilen von Thüringen wütete in den Nachmiltagsstunden des Sonnabends ein heftiges Unwetter. Di» Flüsse schwollen in kurzer Zeit a n und traten über die User. Besonder» schwere Hochwässerschäden werden au» dem Gebiete der Zwickau er Mulde gemeldet, wo das Wasser um mehrere Meter stieg und ungeheure Ver- w ü st u n g e n anrichtete. Namentlich in der Gegend von Burg- städt bis Rochsburg. Auch die Elster und die Plciße sowie ihre Zuslüss« führen Hochwasser, so daß viele Orte an den unteren Flußläusen bedroht sind. Die Bahnstrecke Leipzig-Hof war durch einen Dammbruch hinter Zlltenburg mehrere Stunden gesperrt. Der Zugverkehr konnte nur durch Umleitung der Züge mit großen Verspätungen aufrechterhalten werden. Rettend« Jeuerwehrleute ertrunken. In Bärenstein sind bei den Bergungsarbeiten drei Feuerwehrleute ertrunken. Beim Ueberschreiten einer Brücke brach eine Bohle, und alle drei wurden von den Fwten weggerissen.> Erste Gelöhilfe. Zur ersten Hilfe für die Gebiete der Hochwaffer- schaden in Sachsen und Preußen hat der Reichs- finanzminister zunächst 1 Million Mark außer- planmäßig zur Verfügung gestellt. woltenbrüche über Bielefeld. Bletefeld, 11. Juli.(Eigener Drahtbsricht.) Am Sonnabend nachmittag ging über Bielefeld und Umgebung ein schwerer Wolkenbruch nieder. Die Straßen der Stadt waren so überschwemmt, daß sie vielfach kleinen Seen glichen. Schon in den Nachmittogsstunden mußte die S t r a ß e n b a h n den Betrieb st i l l e g e n. Die Keller der Backpuloersabrik Oetker« wurden völlig unter Wasier gesetzt, so daß im Waren- lager unermeßlicher Schaden ang-erichtet wurde. Die Feuerwehr mußte in 50 Fällen alarmiert werden. Ihre Tätigkeit dehnte sich bis Sonntag abend 7 Uhr aus. Das Wasser drang teil- weise bis in die Wohnungen«in, eine ältere Frau wurde von den Wassormassen im Bett überrascht, verlor das Be- wußlsein und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der durch die Uebcrschwemmung der Felder angerichtete Schaden ist sehr groß. In der Umgebung waren die Regengüsse so stark, daß der Eisen- b a h n o e r k e h r auf der Strecke Bielefeld— Hameln eingestellt werden mußte. der unterwascbene Bahndamm im Harz. ZI Jahre auf Geröll. Ueber das Unglück auf der HarzguerbafTn wird offiziös mitgeteilt, daß die Direktion dieser Privatbahn den Unglücks- zug durch zwei ihrer Angestellten auf der Lokomotive hat begleiten lassen, die beauftragt waren, das Lokoniotivpcrsonal zu überwachen, damit langsam und vorsichtig gefahren und nötigenfalls gehalten werde: das Halten fei aber etwas zu spar erfolgt und dadurch das Unglück geschehen. Nach den bisher getroffenen Feststellungen der Reichsbahnbehörde sei eine vorher nicht sichtbare Unter- Waschung die Ursache des Unglücks gewesen. Sollten sich andere Ursachen noch ergeben, für die Menschen verantwortlich zu machen wären, so würde das gerichtliche Verfahren veranlaßt werden. Danach scheint es, daß das schwere Unglück für sich allein die zuständige Staatsanwaltschaft noch nicht zur Einleitung einer Unter- suchung veranlaßt hat. Es wird bestimmt behauptet, dnß Stolbcrgschc Forstbeamte schon vor mehreren Jahre» darauf hingewiesen hätten, daß der Unterbau nur aus Geröll, mit etwas Erde bedeckt, bestehe, so daß wohl schon in früherer Zeit bedenkliche Unterwnschungen vorgekommen sind.„Sachverständige" sollen Personen, die aus die Ilnfallgesahren hinweisen, bedeutet haben, der Bahndamm stehe schon 31 Jahre, da werde er auch weiter stehen! Die Potsdamer Explofionskatafirophe. Wie das Unglück geschah. Die wir bereits in der Sonnlagausgab« mitteilten, entzündete ein Blitzschlag bei dem Unwetter, da» am Sonnabend über Pot»- dam tobt«,«in große, Karbidlager der Eisenbahnhouptwerkftätt« in der Alten Königstraß« 23. Hier lagerten in den Kellerräumen eines zwöli Meter langen Baue», der auf den. Hos direkt an ein von fünf Familien be- mohntes Mietshaus grenzt, etwa 140 Zentner Karbid. Durch das Unwetter wurde das Dach so beichädigt, daß das Wasier in die Kellerräume eindringen konnte. In kurzer Zeit entwickelten sich hier starke Acethylengaie, die durch einen Blitzschlag gegen 8 Uhr abends unter starker Detonation entzündet wurden. Die Folgen waren verheerend. Der Gewali des Luftdruck«» hielten die Wände de« Halbmassiven Gebäudes nicht stand: iie wurden nach ollen Seiten geschleudert, da» Dach zerbrach m tausend Teile. Auch da» Itzohnhou» wurde stark in Mitleidenschait gezogen. Eine Giebel- seife slürzke in sich zusammen und begrub Möbel und andere» Haus- gerät unter sich. Der Feuerichei» und die Detonation riefen eine Panik in der Nachbarschaft hervor, vie Bewohner der umliegenden Häuser stürzten auf die Straßen. Kurze Zeit nach der Explosion traf die Poisdamer �Feuerwehr mit mehreren Löschzügen an der Unfall- stelle ein. Sieben Bewohner des Hauses Alte Königftraße 23, die sich zum Glück keine lebensgefährlichen Verletzungen zugezogen hatten, erhielten von den Rettungsmannschaften erste Hits«. Dann aing man daran, den Brandherd einzudämmen. Erst nach mehr- ständiger Tätigkeit mar jede weitere Gefahr beseitigt, und erst am Sonntag mittag waren die Zlufräumungsarbeiten beendet. Da» Hau», in dessen Kellern da» Karbid lagerte, ist dem Erdboden völlig gleichgemocht. Auch das angrenzende Wohnhaus bietet einen trostlosen Anblick. Der stehengebliebene Teil weist so bedenkliche Risse auf, daß jeden Augenblick ein Einsturz befürchtet werden muh. Das Grundstück wird vermutlich der Hacke zum Opfer fallen.— Der langanhaliende Regen hatte auch sonst in den Straßen Pots- .dam» erheblichen Schaden angerichtet. Die Kanalisationsrohr« konnten die Wassermengen nicht mehr ausnehmen, und so kam es vornehmlich in den tieferliegenden Straßenzügen zu katastrophalen Wasferonstauungen. Zahlreiche Keller wurden überflutet, so daß die Potsdamer Wehren ununterbrochen um Hilfeleistwug angerufen wurden und bis in die späten Nachtstunden hinein beschäftigt waren. Gasexplosion in Lichtenberg. Im Laboratorium des Arbeitshauses in der H a u p t st ra ß« 8 zu Rummelsburg ereignete sich gestern nacht gegen?U2 Uhr«ine folaenjchwere Gaserplosion. Zwei starke Mauer» wurden durch den Luftdruck nach dem Flur und dem Verbandslaaer«ingedrückt. Die Feuerwehr löschte da? entstandene Feuer nach kkffzcr Zeit und nahm die Ausräumungsarbeiten vor. Der Sachschaden ist sehr erheblich, i Menschen sind zum Glück nicht zu Schab m gekommen. Die Ur- lach« der Explosion ist vermutlich auf Unvorsichtigkeit zurückzu» führen.___________ Fnns Todesopfer beim Baden. Im Lause des gestrigen Sonntags ereignete sich wieder eine größer« Zahl von tödlichen Badeunfällen. Beim Durchschwimmen der Spree am Restaurant Müggelschläßchen ging der 27jährige Arbeiter Gustav D a l l o w aus der Hermannstraße 220 zu Neu- kölln plötzlich unter. Obgleich sofort Rettungsversuche unternommen wurden, kannte D. nicht geborgen werden.' Der Reichswasserschutz sucht« bisher vergeblich nach der Leiche des Ertrunkenen.— Bei Glienicke oersank beim Boden infolge Herzschlages der läjährige Goldschmiedelehrling Gerhard Schulz aus der Grünauer Str. 65 zu Alt-Glienick« in der Havel. Seine Leiche konnte gebargen wer- den.— In der Lichtenberger Flnßbadeanstalt ging hin Sonntag nachmittag ein etwa 18- bis lOjähriger junger Mann, dessen Peisönalien noch nicht festgestellt werden konnten, unter. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Nach vorgefundenen Papieren scheint es sich»in eirten Arbeiter Weiland zu han- dein.— Im Freibad Oberschöneweide und in der Müggel bei Friedrichshogen ertranken beim Baden ebensall» zwei Per- sonen, deren Personalien noch nicht festgestellt sind. Auf dem Tegeler See kenterten mittags zwischen 12 und 1 Uhr bei einer plötzlich auftretenden Bö mehrere Segel- und Paddelboote. Glücklicherweise konnten die ins Wasser gestürzten Insassen durch hinzueilende Wassersportler und ein patrouillierendes Boot des Reichswafserschntzes in Sicherheit gebracht werden. Rettung ans Seenot. Stralsund. 11. Juli.(Eigener Drohtbericht.) Heute vormittag strandete in der Nähe der Insel Rüden aus dem Swinemünder Hasen die M o t o r s e g« I j a ch t„Kiwitt" vom Segelklub Lineta au» Potsdam. Den Lotsen der Lotsenstation der Insel Rüden gelang e», die Insassen au» höchster Gefahr zu retten. Thea Rosche in London. Die deutsch« Fliegerin Fräulein Thea Rasche, die wegen schlechten Wellers ihren Flug nach London bei Berck an der französischen Küste unterbrochen hatte, ist gestern um 21,35 Uhr auf dem Flugplatz von London eingetrossen. Rücktransport de» Flugzeuges„America". Der aus Amerika nach Europa gekommene Ingenieur Kinkade der Motoreniabrik W r i g h t hat mitteilen lasten, daß das Flugzeug„America" am Dienstag auf dem„L e v i a t h a n" zum Rücktransport nach Amerika perladen iverde. Potsdamer Justiz. Gelehrte Richter heben das Koalitionsrecht auf. Wir berichteten seinerzeit über die einstweilige Ver- fiigung des Potsdamer Landgerichts gegen den Deutschen Textil- arbeiterverband, die diesem verbot, die ausgesperrten Spinnerinnen der Fein-Jute-Garn-Spinnerei in Brandenburg m d. H. zu u n t e r st ü tz e n. Gegen diese Verfügung beantragte der Deutsche Textilarbeiteroerband richterliche Entscheidung. Die Der- Handlung fand am 5. Juli vor der 2. Zivilkammer des Landgerichts Potsdam statt. Am 8. Juli wurde das Urteil verkündet und die vor- läufige Verfügung b e st ä t i g t. Dieses ungeheuerliche Urteil nötigt uns, zunächst die Tatsachen nochmals in Erinnerung zu rufen. In einer Verhandlung vor dem Schlichter Wissel am 11 April kam zwischen den Tarifkontrahenten eine Vereinbarung zustande, daß in gewissen Ausnahmefällen eine öZstündige Arbeitswoche geleistet werden könnte, wenn die Betriebs- Vertretung der Arbeiterschaft die Mehrarbeit für notwendig hält. Er- folge keine Einigung, dann entscheide ein örtliches Schiedsgericht. Äach dieser Verhandlung verlangte die Firma die Zustimmung zu einer Wochenarbeitszeit von 54 Stunden, was von der Vertretung der Arbeiterschaft abgelehnt wurde. Das Schiedsgericht kam mit 3 gegen 2 Stimmen zu einem Spruch, der die ö4-Stundenwoche für 3 Monate festsetzte. Die Spinnerinnen waren durch fortwährende Lohnabzüge schon gereizt und verweigerten am 1. und 2. Juni länger als 51 Stunden die Woche zu arbeiten, niachten also täglich eine halbe Uebcrstunde. Am 3. Juni wurden sie f r i st l o s entlassen. Die Firma lehnte jede Verhandlung mit dem Textilarbeiterverband ab, erwirkte gegen diesen die eingangs erwähnte vorläufige Verfügung, die nunmehr durch das Urteil der 2. Zivilkammer des Potsdamer Landgerichts ausdrücklich bestätigt wird. Von den Unternehmern sind die Aus- gesperrten auf die schivcrrze Liste gesetzt. Kein Betrieb darf die Arbeite- rinnen einstellen. Die Organisation darf die ausgesperrten Arbeiterinnen aber auch nicht unterstützen. Es verdient noch erwähnt zu werden, daß das Schiedsgericht mit dem 1. Juni in Wirksamkeit trat, seinen Spruch, der gegen den Geist und den Wortlaut des Abkommens verstietz, jedoch bereits am 2!). Mai fällte. Schon deshalb kann dem Spruch des Schiedsgerichts keine rechtliche Kraft zuerkannt werden. Es versteht sich von selbst, daß die organisierte Arbeiterschaft die 275 ausgesperrten Spinnerinnen von Brandenburg über Wasser halten wird. Es versteht sich von selbst, daß der Deutsche Textil- arbeiterverband sich dieser Potsdamer Justiz nicht unterwerfen, sondern mit allen Rechtsmitteln seine Rechte, die Rechte der Arbeiter auf sreie-Koalition bis zur letzten Instanz durchfechten wird. * Dem preußischen Justizminister, der der Vorgesetzte dieser Pots- damer Richter ist, wäre aber dringend zu empfehlen, sich einmal die Akten über diesen Gerichtsbeschluß kommen zu lassen. So kann es nicht weitergehen. Entweder die Arbeiterschaft h a t das frei« Koalitionsrecht, dann darf man ihr nicht auf zivilrechtlichem Wege die Ausübung unmöglich machen. Oder aber, sie hat es nur insofern, als es de» Unternehmern keine Ungelegenheiten bereitet. Dann soll man den-Versuch machen, die bestehenden Gesetze zu ändern. Aber auf zivilrechtlichem Umweg den Arbeitern, und seien es auch nur ausgesperrte Arboiterinncn, den Gebrauch des Koalitionsrechles unmöglich zu machen, das geht nicht. Mit diesem Mißbrauch der Justiz muß Schluß gemacht werden I sucht, in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung bestimmt und piinlllich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe kein gutritt.__ Die Fachgruppenleituag. Sport. Vor einem Streik der Wiener Hotelangestclltcn. Wien, 10. Juli.(TU.) Die Wiener Hotelangestellten haben in einer Bcrirauensmännerverfammlung beschlossen, im Laufe der nächsten Woche in Streik zu treten, falls ihre befristete Forderung nach einer 15prozentigen Lohnerhöhung von den Hotelbesitzern nicht erfüllt wird._ Verbandstag der holländischen Polizeibenmten. Amsterdam. 9. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Allgemeine Niederländische Polizeipersonal-Verband nahm auf seiper General- Versammlung, die dieser Tage i m Haag stattfand, auch zu der Frage des Anschlusses an den Niederländischen Gewerkschaftsbund Stellung. Ein Antrag Amsterdams ersucht« den Haupt- vorstand, eine für jedes Mitglied klare und deutliche Taktik zu befolgen, wobei unter Umständen Fühlung mit bestimmten politischen Fraktionen gesucht werden müsse. Der Amsterdamer Sprecher führte begründend aus, daß die Fraktionen der Sozial- demokratischen Arbeite>rp artet jederzeit die Schutz- leute unterstützt hätten. Wenn der Verband auch nicht dem Nieder- Rennen zu Grunewald am Sonnlag. dem 10. Zuli. l. R en ne n. Z. Mallorka(O. Schmidt), 2. Drachenschlucht(Vinzenz), 3. Heidelerche(®rab|ch). Ferner lief: Anton. Toto: 15: 10. Play: 10, 11: 10. 2. Rennen. 1. Forno(Grabsch). 2. PalamedeZ(O. Schmidt), 3. Waldprinzefsin tZehmiichs. Ferner liesen: Ordonno, Lieserer, Cap der Hoffnung, Sange d'Or. Toto: 23:10. Platz: lt, 11, 1t: 10. 3. R e n n e n. 1. Wachholder(Barga), 2. Tcutone(Grabsch), 3. Mai» fahrt(Bleuler). Ferner liejen: Graue Theorie, Palü. Prospers, FürstEmmo, Euracao. Stammhcrr. Toto: 48:10. Platz: 23, 20, 29:10. 4. Renne n. 1. Mah Jong(Varga), 2. LampoZ(O. Schmidt), 3. Indigo(Janek). Ferner liefen: Eifenkanzler, Ferro, Ausbund, Torero. Toto: 85: 10. Platz: 21, 16, 23: 10. 5. Rennen, l. Bcrgmeister(W.Tarras), 2. Schattenmorclle(Zehmssch), 3. Tagora tBIculer). Ferner Itcjen: Spekulation, Foxtrott, Fürstenrus. Toto: 24: 10. Platz: 14,14:10. 6. Zt e n n e n. 1. Favorit(Bökelke), 2. Original(Varga), 3. Alida(HayneS). Ferner liesen: Islam, Acoins, Orgel. Toto: 30: 10. Platz: 16, 15: 10. 7. Rennen. 1. Helgoländer(Zehmisch, 2. Labneck(Huguenin), 3. Schneeberg. Gehrle, Ferner liefen: Panna, Teerose, Oran, Persephone, Formosus, Tarzan, Doniinikus, Casanova, Adjantum, Nostra, Naute. Toto: 172: 10. Platz: 48, 23, 51:10. Länderwettstreit im Zsiekropol-Varielä. Bor sehr gut besuchtem S>aui nahm gestern Abend der intereffante Ringer- Weit st reit seinen Fangang. Der Dortmunder Meyerhanz und Pietro Scholz- Berlin lamen nach 25 Minuten schweren Kampfes zu teinem Ergebnis. AI» niichste» Paar Ireuzten N a b e r- Ostpreuhen und Romanois- Ruhtand die Hände. Letzterer, der immer noch zu de» besten Ringern gezählt werden mutz, legte den Ostpreußen durch jähen Schntterdrehgriff, nach IS'/j Minuten, auf die Malte. Im Treffen R e st r ä m- Eftland gegen O m l e cz e n l o» Ukraine siegte die Kraft Uder die Technik Nach 15 Minuten erlag der schlanke Ukraine durch Em- drucken der Brücke. T» r o st- Ruhtand und der Kolner Kochhanski lieserten den erwartet sehr tntereffanten Entscheidungstampf. Der Russe, der alle Ringillnfte anwenden mutzie. um den getährlicheu Angriffen des starten Kölner» zu entgehe», legte diesen durch plötzlichen Oderarmgriff mit Schleuder aus die Schultern Gesamt- zeit: 55 Minuten— Pom Sonnabend tei nachgetragen. Der Finne Tornow ent edigte sich des Ostpreuhe» Räder durch Untergriff von vorn. Ringzelt: 2t Minuten. Durch einen Stiftschwung erlag A t> am sch a ck» Berlin nach t4 Minien Kamptdauer gegen Pietro Scholz. Der Estländ» R e st r ö m wieh den leichten Eharlottendurger Philipp»ach>7 Minuten mit Untergriff von vorn zu Boden. T u r o ff--Rußland tonnte im Entscheidungstamps unerwarteter Weise den schweren Dortmunder Meyerhanz»ach 44 Minuten mit plötzlichem Uederroller testlegen. A d a m s ch a ck- Berlin und S ch o p p e- Hannover sind bereits mit je 5 Riedcrlaoe» ans dem Länder-Wettstrcit ausgeschieden. Die Kämpft beginnen jetzt bereits um 2ll3U. Außballwettkämpfe bei der Schuhpolizei. Der Reichsausfchuß für Potizei spart hatte am Sonntag nach dem Stadion an der Chauffeestratze eingeladen. In Beginn öer Wetttäuipse hatte sich eine große Anzahl von Zuschauern eingeftmden. Da» Spiel begann kurz nach 5 Uhr. Die Preuße» griffen soiorl an. tonnten adcr leinen soiorttgen Ersolg erzielen. Nach einem deftigen Kampl erzielte die Berliner Mannschalt nach 35 Minuten da» eesti Tor. Zwei Minuten nach Halbzeit tonnle Bertin mit einem abermaligen Torschuß die Sachjen Uderraschen. E» gab emen harten Kamps, bei dem leider aus beiden Seiten nicht ganz täte gespielt wuroe. Noch ein« Winnie vor Schluß de» Spiel» loimtcn die Sachsen bei einem harten Kampf NM den Ball au» einem Knäuel her- au» in da» Berliner Tor landen. Sie hatten so das Ehrentor gerettet. Das Soiel endete mit dem Siege Berlins mit 2: l>l: 0). Bedauerlich ist nur, daß der schön angelegte Spielplatz nicht mit Rasen belegt ist. Der Kiesdclag beeinträchtigt sichtlich die Leistungen einzelner Fußballspiel er. Verantwortlich für Politik Gewerkt"' I Victor Schiff! Wirtschaft: ffi. KlingelhSfer; Verlag und Berlagsanstatt Paul Singer u Co, Berlin EW S«, Lindenstraße 3. Zwte- teter Opernhaus a. 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