Nr. 326 ♦ 44.�ahrg. Ausgabe A Nr. 166 Bezugspreis: WSchkntlich 70 Pfennig, monatlich c,— Reichsmart voran, zahlbar. Unter Kreuzband tür Deutschland, Danzig, Saar» und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Zieichsmari. für das übrig« Ausland SL0 Reichsmarl pro Monat. Der.Vorwärts" mit der illustrier. ren Sonntagsbeilage.Voll und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwclt". .Frauenstimme",.Der Kinder. freund".„Iugend-Vorwärts".„Blick in die Bücherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei» mal. Sonntags und Montags einmal. !». Telegramm-Adresse: � Z »Sozialdemolrat Bettln" Morgenausgabe W Nevlinev Volksvlakt sio Pfennig Anzeigenpreise: Die einspaltige Zlonpareille. geile 80 Pfennig. Rellamezeile S,— Reichsmarl.„Kleine Anzeigen" da» fettgedruckt» Wort 2b Ptennig lzulästig zwei fettgedruckte Worte). fede, weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wert 15 Pfennig, fedes weitere Wert 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Brbeitsmarlt Zeile 00 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi- 4V4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Linden. straßeZ, abgegeben werden EeSffnet von 8', 6 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fehen Partei Deutfchlands Reüaktion und Verlag: S erlin SW. 68, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Mittwoch, den 13. Juli 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. 68, llindenstr.Z Postschecklontor«er«» 87 53«-«anNoato:«aal der Arbeiter,«ngestelten »ad Beamten,«abstr.»5:«islonto-Seselllchast. De»»Iit-nk-st« Lindenstr. 3. völterbunö gegen hochsthutzzölle. Ein Arbeitsprogramm für den Wirtschaftsausschuß� Genf. 12. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im W i r t s cha s t- o u s s chu ß des Völkerbundes, d«r om Dienstag zu feiner Sondertagung für die Vorbereitung der Durchführung der Entschließungen der Wirtschaftskonferenz zu» sammentrat, schlug der deutsche Vertreter Dr. Trendelenburg ein umfassendes Arbeitsprogramm vor, das gutgeheißen wurde und folgende Gruppen von Arbeiten vorsieht:» 1. Beseitigung oder Herabsetzung der Zölle, die einseitig festg. setzt oder erhöht wurden, um den Kriegsfolgen entgegenzuwirken: Abschluß von Handelsverträgen und Beseitigung übertriebener Schutzzoll«: Feststellung der Dauer und Art der gegenwartigen Handelsverträge durch dos Völkerbunds- fekretariot und Prüfung der Frag«, in welchem Zeitpunkt wenigstens di« europäischen Länder technisch in der Lage sein werden/ langfristige Handelsverträge abzuschließen. 2. Untersuchung über die derzeitigen Zolltarife, ihre Bor- und Nochtoile und die verschiedenen Formen der Meist- begünstigungsklausel sowie der geographischen Ausnahmeklausel. Dieses Material würde eine Aussprache gestatten über die Schas- sung eines einheitlichen europäischen Zollregimes oder zum mindesten auf einheitlicher Grundloge für den Abschluß von Handelsverträgen und einer klaren Zluslegung und Anwendung der Meistbegünftigungskloufel dienen. 3. Vereinheitlichung der Zolltarif verzeich- Nisse. Diese technische Arbeit soll in Etappen angestrebt werden: Ausstellung eines allgemeinen Planes. Festsetzung der wichtigsten Worengruppen, Aufftellung eines systematischen Verzeichnisses der Zollgebühren in Verbindung mit den Wirtschoftsverbänden, der Produktion und des Handels. Die Frag« des Ausbaues der Wirtschaftsorganisationen des Völkerbundes soll in der gegenwärtigen Tagung des Wirtschaft?- ausschusses nicht zur Behandlung kommen. Die Wucherzölle ües Rechtsblocks. ,, Weder logisch noch populär," sagt Stegerwald— und stimmt ihnen zu. Herr Adam Stegerwald unterzieht sich im„Deut- scheu", dem Organ der christlichen Gewerkschaften, der Auf- gäbe, die Zustimmung des Zentrums zu den Schiele-Zöllen vor den Zentrumsarbeitern mit folgenden Sätzen zu ver- teidigen: „Im übrigen muß die Politik während des Tagungsobschnittes eines Parlaments im ganzen gesef�n werden. Im letzten Jahre ist das große Arbeitsgerichtsgesetz, das gewaltige Werk der Arbeits- losenoersicherung, das Arbeitszeitnotgesetz geschassen, die Invaliden- Versicherung und das Knappschastsgesetz weitgehend oerbessert worden. Allen diesen Gesetzen haben sast alle Landwirte in ollen Par- teien des Reichstages zugestimmt. Auch auf dem Lande herrscht sowohl beim Klein- als auch beim Mittel- und teilweise selbst beim Großbesitz(bei letzterenl nicht selten wegen Kredit- schwierigkeiten) vielfach bittere Not. Bis Deutschlands Gesamt- Volkswirtschaft wieder in ein normales Geleise gebrocht ist, wird noch manchmal zu Mitteln gegriffen werden müssen, die weder logisch noch populär und trotzdem im ganzen richtig sind." Weil die Großgrundbesitzer bittere Not leiden, müssen die Arbeiter sich einschränken. Weil die Agrarier gegen den Achtstundentag gestimmt haben, muß man ihnen Zollerhöhungen geben. Weil die Sozialpolitik keinen entscheidenden Rückschlag erlitten hat, muß man die Lage der Arbeiter durch Zollerhöhungen ver- schüchtern. Damit sie doch erfahren, was der Bürger- block bedeutet. Die Stegerwoldsche Begründung ist in der Tat weder logisch noch populär. Und richtig? Ja, wenn richtig das ist, was unlogisch ist. Hexeneinmaleins des Bürgerblocks! Die Zollmehrheitz Berichtigung des Abstimmungsergebnifles.— 231 Ja, 1«1 Nein. - Bei der Verkündung des vorläufigen Ergebnisses der Schluß, abstimmung über die Vorloge über Zolländerungen wurde mit- geteilt, daß 272 Abgeordnete für, 134 Abgeordnete dagegen gestimmt hätten. Nach dem jetzt vorliegenden endgültigen Ergebnis dieser Ab- stimmung zeigt sich, daß nur 251 Abgeordnete mit Ja, 161 Abgeordnete mit Nein gestimmt haben. Die Auf- fassung, daß eine Zweidrittelmehrheit für die Zollvorlagen gestimmt Hobe, hat sich also als falsch erwiesen. Vanöervelöe über öie Zrieöensfrage. Genngtuung über Strefemanns Rede in Oslo.— Die Frage der Markbeträge. Brüssel, 12. Juli.(MTB) In der heutigen Kammersitzung hielt der Minister für auswärtige Angelegenheiten Vandervelde bei Beratung des Budgets seines Ministeriums eine Rede, in der er die Politik von L oc a r n o behandelte, deren Ergebnisse, wie er sagte, unbe st reitbar sind. Unter Bezugnahme auf die Worte von Reichsaußenminister Dr. Stresemann beim Empfang des Nobelpreises, daß nämlich die Zeiten seit Locarno Wellen- berge und tiefe Täler gezeitigt hätten, daß aber zurzeit k e i ne Krise bestehe, erklärte Vandervelde, man könne diese Be- merkung mindestens für die allernächsten Jahre und in bezug auf die Länder Westeuropas unterschreiben. Vandervelde gab ferner seiner großen Genugtuung darüber Ausdruck, daß Stresemann außerdem erklärte, es gebe in Deutschland keinen verantwortlichen Menschen, der weder im Westen noch im Osten an einen Reoanchekrieg denke. Aber e» gibt noch sehr viele Meinungsverschiedenheiten über die Aussassung de» Ariedens. Man wird sich dieser Meinungsverschiedenheiten zum Bei- spiel bewußt, wenn man die Sprache Poincar�s mit derjenigen Stresemann» vergleicht. oder wenn man die beträchtlich« Ungeduld eines Teils der öffentlichen Meinung in Belgien und»Deutschland in bezug auf eine Reihe von Deutschland gestellter Forderungen beachtet, die dieses als unabweisbare Wiedergutmachungen ansieht, während andere darin übermäßige Z u g c st ä n d n i s s e erblicken. Man muß hassen, daß der Geist von Locarno schließlich über die noch nicht gelösten Schwierigkeiten triumphieren wird. Im weiteren Verlause seiner Rede kam Vandervelde auf die Frage der Zurücknahme der Markbeträge(die während des Krieges von den deutschen Besotzungsbehörden nach Belgien ein- geführt und beim Zusammenbruch zurückgegeben wurden. R. d. V) zu sprechen, zu der er erklärte, daß Belgien nicht aushören werde. btese Frag« gegenüber Deutschland aufzuwerfen. In der allersüng- sten Zeit Hobe er persönlich di« Aufmerksamkeit der Aieichsbehörden auf diese Angelegenheit gelenkt. Deutschland Hot, so bemerkt er weiter, im Prinzip die ihm aus dieser An- gelegenheit erwachsende Vcrpflichtune, anerkannt. Mehrere Ab- kvmmensentwürse wurden zu dieser Frage ausgearbeitet, ohne je- doch in Deutschland die nötige parlamentarische Zustimmung zu er- halten. Belgien Hot den Wunsch, gegenüber Deutschland eine Poli- tik der Gerechtigkeit und Versöhnlichkeit durchgesühn zu sehest. Es ist überdies überzeugt, daß es keinen wirklichen Frieden in Europa geben wird, bis zu dem Tage, wo noch den notwendigen Wiedergutmachungen die Unterscheidung zwischen siegreichen und besiegten Völkern endgültig ausgegeben sein wird. Aber dos ist Grund genug dafür, daß man aus der anderen Seite Belgien Gerechtigkeit widerfahren läßt, und daß eine Schuld, die im Grundsatz weder bestritten noch bestreitbar ist, nicht dauernd angefochten wird. Aum üeutschen Schritt in Srüjsel. Brüssel, 12. Juli.(Meldung der belgischen Telegraphenagentur.) Der deutsche Gesandte v. Heller hat beim belgischen auswärtigen Ministerium neue Schrille unternommen, um Einzelheiten über die Aeuherungen des belgischen Kriegsministers de Vrocqueville zu erhalten. Das schwierige Reichsschulgesetz. Ergebnislose KabinettSberatiingen. Am Dienstag nachmittag fand die erste offizielle Mi- Nisterbesprechung über den vom Reichsinnen- Ministerium vorgelegten Entwurf des Reichs schul- a e s e tz e s statt. Di« Besprechung dauerte in den späten Abendstunden noch an, was den Schluß zuläßt, daß die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ka- binett» über den Entwurf, wie er jetzt vorliegt» nach wie vor recht groß sind. Jedenfalls wird damit gerechnet, daß erst in fortgesetzten Beratungen, wahrscheinlich nicht vor Ende der Woche, eine Einigung über die Schuloorlage erfolgen wird. Problem Rußland. Ter rusfich-englischeKonflikt und die Befreiung Kauknfiens Von Karl Kauts ky. Der Bruch Englands mit Rußland hat in den Reihen der Kaukasier, die nach der Unabhängigkeit ihres Vaterlandes streben, starke Erregung ausgelöst und lebhafte Diskussionen darüber hervorgerufen, ob und in welcher Weise diese Situa- tion von ihnen auszunutzen wäre. Armenische Revolutionäre haben sich in dieser Angelegenheit an mich gewendet und mich befragt, was ich von einer Teilnahme kaukasischer Revolutionäre ap einer eventuellen Aktion Englands gegen das bolschewistische Ruß- land halte. Manche von ihnen versprechen sich viel von einer derartigen Teilnahme. Wenn ich diese Frage beantworte, scheint es mir zweck- mäßig, das nicht in einem privaten Schreiben zu tun, dessen Schicksale ich nicht kontrollieren kann, sondern öffentlich in einem international gelesenen Parteiorgan. Meine Ansicht über die gegenwärtige Lage in Rußland und die Aussichten, die sie bietet, ist folgende: Ich bin der Ueberzeugung, daß in Rußland das Volk ökonomisch nicht gesunden kann, Bauern und Arbeiter nicht zu geistiger und politischer Selbständigkeit gelangen und die Proletarier nicht zum Sozialismus reifen können, wenn nicht die gegenwärtige Diktatur einer kleinen Clique, die sich auf den kommunistischen Parteiapparat, die Armee und Bureau- kratie und eine allmächtige politische Polizei stützt, durch demokratische Einrichtungen ersetzt wird. $m Gegensatz zu vielen meiner Parteifreunde halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß diese Diktatur, wie so ziemlich jede bisher in der Geschichte, nur durch eine gewaltige E r- Hebung der. Völkermassen beseitigt werden kann. Ich halte es für falsch und gefährlich, jede solche Erhebung von vornherein als konterrevolutionär zu brandmarken und die sozialistische Demokratie der Welt gegen sie zum Schutze des Bolschewismus aufzürufen. Aber nicht minder gefährlich erschiene es mir, jeden Aufstandsverfuch gegen das bol- schewistische Regime von vornherein blind- lingsfreudigzu begrüßen und jedem Gegner Sowjetrußlands wahllos als Verbüildeten die Hand zu reichen. Augenblicklich erscheint mir zunächst die Erregung unter den kaukasischen Revolutionären übertrieben, die der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Eng- land hervorgerufen hat. In England und noch weit mehr in Rußland wird mit dem Säbel gerasselt, aber kein verant- wortlicher Staatsmann denkt hüben wie drüben an Krieg. Rußland ist so verarmt, industriell so wenig leistungs- fähig, daß ein Krieg bald seinen ökonomischen Bankerott voll- enden müßte. Es kann nicht daran denken, einen Krieg zu provozieren. Andererseits hätten weder England noch einer der Nach- barn Rußlands bei einem Angriff auf dieses zu gewinnen. Und in England ist die Zlrbeiterpartei stark genug und ent- schieden entschlossen, jeden Angriffskrieg zu verhindern. Allerdings liegt der konservativen Regierung Englands daran, Sowjetrußland zu schwächen un£ zu beunruhigen, schon um es zu verhindern, in China energischer aufzutreten. Sie dürfte wohl geneigt sein, sich dabei der Hilfe kaukasischer Re- volutionäre zu bedienen. Aber was dabei herauskommt, wenn eine reaktionäre Regierung rcvolu- tionärc Elemente für ihre Zwecke anwendet, hat die Geschichte wiederholt gezeigt. Napoleon Hl. hat polnische und ungarische Emigranten gelegentlich zur Revo- lutiqn gegen ihre Regierungen ermuntert, sie aber stets später im Stiche gelassen. Und ebenso enttäuscht wurden die kau- kasischen Bergvölker, die im Krimkrieg auf Hilfe durch Eng- land rechneten. Diesmal würde es gor nicht zu einem Krimkrieg kommen, um so weniger zu einer Befreiung Kaukasiens durch die eng- lische Regierung. Auf der anderen Seite bedeutet ein Bündnis mit der Regierung Baldwins eine Verbindung mit den b i t t e r st e n Feinden des Proletariats und der Demokratie, nicht bloß in England allein, sondern in ganz Europa. Eng- land ist es, das Mussolini und die Diktatur der ungarischen Aristokratie stützt. Die kaukasischen Revolutionäre, die von der heutigen Re- gierung Englands ihre Rettung erwarten, werden von ihr betrogen werden und gleichzeitig die Mißachtung und Feind- schaft der sozialistischen Internationale erwerben. Ebenso aber auch die Mißachtung und Feindschaft des russischen Volkes, das gegen jeden Angreifer einmütig zu- jammensteht. Jeder Angriffskrieg gegen Rußland führt dazu, die nationale Begeisterung des russischen Volkes zu erwecken und sie zu einer Stütze des schon wankenden bolschewistischen Regimes zu machen. Sicher können die Kaukasier aus eigener Kraft nicht chre Selbständigkeit erlangen, aber chre Bundesgenossen dürfen sie nicht bei reaktionären Regierungen Europas, sondern nur k>e? der Demokratie Rußlands und Europas suchen, vor allem bei der proletarischen, sozialistischen Demokratie. Allerdings sind die reaktionären Regierungen heute stark, die demokratischen Parteien schwach. Aber jene nützen sich zusehends ab, indes die proletarische Demokratie erstarkt. Ihr gehört allenthalben die Zukunft, morgen schon kann sie Eng- land beherrschen. Sich mit einer dem Sturze nahen Regie- rung, wie der Baldwins, zu verbünden, ist reiner Wahnsinn für eine Partei, die für die Zukunft arbeitet. Während in Europa die Sozialdemokratie rasche Fort- schritte macht, verkommt Sowjetrußland ökono- misch immer mehr. Selbst Anleihen können ihm nicht lange helfen— wenn es welche von Belang erhält, was sehr zweifelhaft. Man kann nicht gleichzeitig um das Vertrauen des Kapitalisten und des revolutionären Proletariats buhlen. Man verliert dabei schließlich das eine wie das andere. Und der bureaukratifche Monopolapparat in Handel und Industrie wirkt immer lähmender auf alles ökonomische Leben, auch auf das landwirtschaftliche. Die Lage aller Volksschichten, Bauern, Arbeiter, Intellektuelle, mit Ausnahme einer dünnen Schicht kommunistisch Privilegierter, muß sich in Rußland immer verzweifelter gestalten, immer mehr in Gegensatz zu der Lage der Arbeiter in den demokratischen Ländern geraten, sobald in diesen das Proletariat entscheidende Machtpositionen erringt. Dieser Gegensatz muß schließlich alle Diktaturen über das Proletariat unhaltbar machen, in Italien, in Ungarn, in Ruß- land. Sie werden im gleichen Zeitraum stürzen. Ihr Zusammenbruch naht, ohne daß wir sagen könnten, auf welchem Wege. Wir müssen uns alle Wege öffen halten, die vereinbar sind mit unseren Grundsätzen und Zielen, dürfen uns keinen verrammeln. Es wäre voreilig, von vornherein den Weg des Aufstands zu verurteilen. Nicht minder aber voreilig, den unvermeidlichen Zusammenbruch aus einer allerdings leicht begreiflichen Ungeduld vorzeitig durch Verschwörun- genundBündnissemitreaktionärenMächten beschleunigen zu wollen. Man würde dadurch nichts erreichen als eine Kompromittierung und Schädigung der guten Sache der Demokratie in Kaukasien und in anderen Gebieten, die um ihre Selbstbestimmung ringen. Nachschrift der Redaktion: Genosse Kautsky bemerkt in seinem Aufsatz, daß er sich mit seiner Beurteilung des russischen Problems zu vielen Parteigenossen in Gegen- satz befinde. Er hat dabei wahrscheinlich auch an die Haltung gedacht, die der„V o r w ä r t s" in diesen Fragen einnimmt. Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, möchten wir be- merken, daß die Tendenz des Artikels, die darauf hinausgeht. die kaukasischen Revolutionäre vor Versuchen einer gemalt- samen Erhebung zu warnen, auch nach unserer Meinung vollste. Würdigung verdient. Ebenso besteht volle Ueberein- stimmung darüber, daß die Verhältnisse in Rußland nicht bleiben können wie sie sind, und daß die Diktatur von d e m o- kra tischen Einrichtungen abgelöst werden muß. Was nun die A r t dieser Ablösung betrifft, so genügt es u n s zu wissen, daß für absehbare Zeit gewaltsame Erhebungen nicht in Betracht kommen. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob die Kommunistische Partei Rußlands klug genug fein wird, ihr rechtzeitig die Bahn zu öffnen. Nur dadurch wird sie Rußland vor viel Blut und Elend und sich selber vor einem unrühmlichen Ende bewahren können. Wie alles kam. Deutschnationaler Geschichtsunterricht für die Liquidationsgeschädigten. In der Sonntagsoersammlung der Auslandsdeutschen, die durch den verlorenen Krieg um Hab und Gut gekommen sind und die auf Entschädigung warten, herrschte eine sehr radikale Stimmung. Die deutschnationale Parteikorrespon- denz nimmt das ntit Bedauern auf, aber sie hofft innner noch, „Zreunösthast!" Von Max Eck-Troll. Ich denke immer an ein Erlebnis, das so schön und so erhebend war, daß ich es nie vergessen werde. Wie wenn es gestern erst gewesen wäre, stehen die Bilder dieses Erlebnisses vor mir, und es war, rein äußerlich betrachtet, doch nur eine Kleinigkert. In Wien war's, dieser herrlichen proletarischen Stadt! Im Juli 1926. Wir feierten das große Arbeiter-Turn- und Sportfest. Der Festzug der Hunderttausend bewegte sich an dem glühheißen Hochsommertag durch die Straßen. Die Hitze trocknete unsere Gaumen. Da erschienen wie Retter in der Rot die„Roten Fallen", die Zwölf- bis Fünfzehnjährigen der österreichischen Arbeiterbewegung mit Kannen und Trinkgefäßen angefüllt mit frischem Quellwoster. Wir dankten, und die frischen, munteren Proletariertinder m ihrer schmucken Tracht der„Roten Falken" riefen uns beim Weitergehen ein herzliches, kräftiges, ehrliches„Freundschaft" zu, den in Oester- reich vom Voralberg bis zum Burgenland allgemein gebräuchlichen Gruß des Genoffen zum Genosten. Ein herrlicher Gruß fürwahr! Ich hatte ihn ein Jahr vorher zum ersten Male auf dem Partei- tag unserer österreichischen Genosten zu Salzburg gehört und hatte damals schon im Stillen gewünscht, man möchte diesen schönen Gruß auch in Deutschland von Konstanz bis nach Königsberg in der Partei gebrauchen. Und dann hörte ich diesen Gruß millionenfach von den Spalier- bildenden, von jedem, den ich um Auskunft fragte. Wie ein Schemen verblaßt gegen diesen Gruß„Freundschaft" . das zeitlich bedingte„Guten Tag", das„Guten Abend" oder„Grüß Gott", Grüße, die so gedankenlos oft hingesprochcn und dadurch fast » wertlos werden. „Freundschaft" nötigt uns zum Nachdenken. Es bindet aneinander. Verpflichtet zur gegenseitigen Achtung! Es befiehlt uns, zum anderen höflich und nett zu fein. Freund- lich zu fein. „Freundschaft" nötigt zur sachlichen Freundlichkeit in der Dis- kuffion in unseren Versammlungen, verpflichtet zur Hilfsbereitschaft gegenüber Genossen und Genossinnen. * Richard Wagner, der große Musiker, war auch ein Revolutionär. Wir wissen alle, daß er aus Sachsen flüchten mußte vor den Schergen der Reaktion, wissen, daß die Königlich Sächsische Hermandad einen Steckbrief hinter ihm erlösten hat,„wegtn politischer Umtriebe". Dieser Revolutionär Richard Wagner ichrieb einmal die goldenen Worte: „Es ist die Bestimmung der Menschheit, durch die immer höhere Vervollkommnung ihrer geistigen, sittlichen und körperlichen Kräfte zu immer höherem, reinerem Glücke zu gelangen. -Der einzelne Mensch ist nur ew Zeä be» Ganzen; oeveinzev Ke Geschädigten auf den rechten Weg zurückbringen zu können und erteilt ihnen zu diesem Zweck solgende Belehrungen: Haben sich aber die Geschädigten einmal reiflich und gründlich überlegt, wie alles kam. Die Regierungsparteien sind Rechts- und Mittelparteien. Ihnen eine Schuld am verlorenen Kriege zuzuschreiben, geht nicht wohl an. Dadurch aber wurde ein Zustand geschaffen, durch den alle, nicht nur die Liquidaiionsgeschädigten, rechtlos wurden. Als die Festigung der Mark, das Verdienst Helfferichs, den Boden für den neuen Rechtsstaat gab, war die Zeit des Wiederaufbaus ge- kommen. Der Wiederaufbau ist eingeleitet, seit- dem die Deutschnationalen in der Regierung sitzen, durchgeführt kann er— abgesehen von der Kürze der Zeit — schon deshalb noch nicht sein, weil in manchen Ländern die Linken noch an der Macht sind. Die Liquidations- geschädigten mögen bedenken, daß in der Inflationszeit alles zu- sammengebrochen ist, und daß die meisten nichts gerettet haben, als ihre Arbeitskraft. Gewiß besteht der Wille auf der Rechten und sicherlich auch bei dem in der Versammlung übel geschmähten Finanz- minister allen zu Helsen, aber die Folgen der Nachkriegszeit lasten sich nicht so schnell beseitigen. Auch haben die deutschen Er- füllungspolitiker die Aufwertungspläne stark zuungunsten der Geschädigten beeinflußt. Das ist in seiner Art eine Musterleistung. Selbst einem kommunistischen Redakteur würde es nicht gelingen, so viele Lügen in so wenigen Worten unterzubringen. Denn die Rechtsparteien, die. Schützer des Systems, das uns vor dem Kriege und während des Krieges beherrschte, haben die Schuld am Ausbruch des Krieges und an der Niederlage. Sie haben infolgedessen auch die Schuld an der Inflation, die ihren Höhepunkt unter der Regierung Cuno erreichte, deren Berater H e l f f e r i ch war. Helfferich hat auch kein Ver- dienst an der Festigung der Mark: wohin die„Roggen- Währung", die er vorschlug, geführt hätte, zeigen die Kalami- täten, in denen sich jetzt die sogenannten Roggenschuldner be- finden. Der Wiederaufbau, soweit er vor sich gegangen ist, war nur möglich auf dem Boden der Verständigungs- Politik, die von den Sozialdemokraten betrieben und gefördert wurde, trotzdem schimpft die deutschnationale Korrespondenz noch über die„Erfüllungspolitiker" unter Ver- schweigung der Tatsache, daß die Deutschnationalen selber schon längst unter die Erfüllungspolititer gegangen sind. Oder war die Annahme des Dawes-Eisenbahngesetzes, des Kriegs- gerätegesetzes, die Schleifung der Ostbefestigungen und die Zulassung ihrer Inspizierung durch ausländische Offiziere etwas andere? als Erfüllungspolitik? Und wer hat die Auf- wertung in ihrer bestehenden Form durchgeführt— waren es nicht die D e u t s ch n a t i o n a l e n, die sie mitbeschlosien und die damit alle ihre bei den Wahlen gegebenen Ver- sprechen verleugneten? Nach alledem soll nur das Bestehen der Linksregierungen in einigen Ländern schuld daran haben, daß es den Deutsch- nationalen noch nicht gelungen ist, Deutschland und die Liqui- dationsgeschädigten herrlichen Zeiten entgegenzuführen! Wie dumm muß das deutschnationale Provinzpublitum sein, wenn man ihm solche geistige Kost vorsetzen kann! Rückgang üer Erwerbslosigkeit. Nur noch 341. OOS Hauptnnterstütznngsempfänger. Die Besserung der BeschSstigungslage hat. wie die amtlichen Berichte über die Erwerbslosenstotistik erkennen lasten, auch in der zweiten Hälfte des Monats Juni angehalten. Im einzelnen wird darüber berichtet: Die Zahl der hauptunterstühungsempfänger in der Erwerbs- losensürsorge zeigt auch in der zweiten Zuaihälste einen weiteren Rückgang, und zwar nm rund S7 OOO— 9.5 Proz.. die Zahl der männlichen hauptunterstühungsempfänger ist in der genannten Zeit von 480 000 auf 430 000 zurückgegangen, die der weiblichen von 118 000 aus 111000. die Gesamtzahl von 598 000 auf 541 000. Die Zahl der Zuschlagsempsäuger lunterstühung«berechtigten F amilieu- für sich ist er nichts, nur allein als Teil des Ganzen findet er seine Bestimmung, sein Recht, sein Glück." Ein Wort, das unser großer Friedrich Engels geschrieben haben könnte. Warum setze ich dieses Wort hierher? Unsere Partei, unsere Gewerkschaften, unsere Arbeiterjugend. unsere Arbeitersportler und Arbeitersänger, alle sind sie ein Teil des Ganzen, das wir Arbeiterbewegung nennen. Im Herzen fühlen wir alle den Willen, die Kraft, im Kampf gegen alle Reaktion, im Krieg gegen die Lohnsklaverei, gegen das menschenfeindliche System des Kapitalismus gemeinsam zu mar- schieren. Wir können aber nur dann die bester« Welt erbauen, wenn wir. die proletarischen Kreise, unter uns in Freundschaft leben. * „Freundschaft!" Nur ein Wort. Ein kleines Wort allein aber kann Wunder wirken. „F r e u n d s ch a f t" soll uns zur Liebe zum Gesinnungsgenosten, zu menschlichem Verstehen aller Handlungen unserer Klastengenossen erziehen. „Freundschaft" soll alle kleinüche Kritik aus unseren Reihen verbannen. Nur in Freundschaft der Genosten zum Genossen wird der Komps gegen unsere Klassengegner Erfolg haben! Darum sei unser, Gruß in Partei und Gewerkschaft, in allen proletarischen Vereinen, soweit die deutsche Zunge klingt: „Freundschaft!" was liest der deutsche Arbeiter? Zu der Frage, die im An. schluß an eine Untersuchung von K. Kossow hier in Nr. 265 auf- geworfen war, teilt uns R. Bieler folgende Beobachtung mit, die er in der Gewerkschaftsbibliothek in Bernburg a. d. S.(einem Ort mit etwa 5000 sreigewerkschaftlich organisierten Arbeitern) ge- macht hat: Im großen und ganzen kann man dem zustimmen, wa§ Karl Kossow über die Stellungnahme der deutschen Arbeiter zum Buch ausführt. Die Arbeiterschaft lehnt fast allgemein diejenigen Bücher ab, die ihrer Lebensanschauung nicht entsprechen. Die drei Gruppen, von denen Kossow in seinem Artikel spricht, sind wohl überall wahr- nehmbar. Gerstäckers und Karl Mays Abenteurerromane werden gern gelesen: aber in überwiegendem Maße greift die Arbeiterschaft zu den Selbsterlebnisten von Jack London. Sinclair, Zola, Maxim Gorki, Andersen Nexö werden dauernd verlangt. Sehr gern ge- lesen werden die in der Büchergilde Gutenberg erschienenen Bücher von B. Tranen(„Das Totenschifs",„Wobbly",„Der Schatz� der Sierre Madre") Die große Nachfrage nach Colin Roh. Sven Hedin usw. beweist, daß das Verlangen nach Reisebeschre lrnngen nicht nur auf Befriedigung der Abenteürerlust genchiei ist. Feldens Ebert-Roman„Eines Menschen Weg": Ludwigs„Wilhelm IL" und Henry Fords»Mein Leben und Werk" stehen im Mittelpunkt des Inte«S«», äuge hörigen) hat stch im gleichen Zettnrom von 063000 aus 597 OOff: vermindert. ver Gesamtrückgang in der Zahl der hauptunter-, stützungsempsänger im Alonat Zuni beträgt rund 107000 16, 5i JZroz.(648 000 hauptunterstühungsempfänger am 1. 3uni gegenüber 541 000 am 1. Zuli 1927.) Ueber die Krisenfürsorge liegt eine neue Zahl erst Ende des Monats vor. Das Fehlen der Statistik über die Krisenfürsorge macht dw vorstehenden Zahlen zu einer endgültigen Beurteilung der Lage des Arbeitsmarktes ungeeignet. In den letzten Monaten hat sich zugleich mit dem Rückgang der von der Erwerbslosenfürsorge erfaßten Arbeitslosen auch die Zahl der Krisenfürsorgeempfänger vermindert. Man wird demnach annehmen müssen, daß die zweite Hälfte des Juni eine weitere Entlastung am Arbeitsmarkt brachte. Inwieweit diese durch die Saisonschwankungen oder durch eine bestere Kon- junktur bedingt ist, das wird'erst aus Berichten über die einzelnen Gewerbezweige zu ersehen sem. Eine Erhebung über die Krisenfürsorge. Ueber die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Krisenunterstützten soll eine Erhebung oorge- nommen werden, für die der 15. Juli als Stichtag gewählt worden ist. Man will vor allem ermitteln, wieviel Wochen der Unterstützte innerhalb der letzten 12 Monate vor Eintritt in die Erwerbslosen» fürsorge gearbeitet hat, welches der Beruf des Unterstützten ist. worin die Hemmnisse für eine Unterbringung in Arbeit liegen, ob der Unterstützte Rentenempfänger ist usw. Der Zw e ck der Erhebung besteht also in erster Linie darin, die Krisenunterstützten zu mustern und zu sichten. Das Reichs- arbeitsministexium vermutet, daß sich in der Krisenfürsorge eine Reihe von Unterstützten befinden, die überhaupt nicht mehr für den Arbeitsmarkt in Frage kommen: das Ministerium will sich daher. nachdem sein erster Versuch, die Krisensürsorge abzubauen, miß- glückt ist, neue Unterlagen für eine schärfere Hand- habung der Krisenfürsorge verschaffen. Wieder ein tzochverrotsurteil. Wegen kommunistischer Gesinnung. Leipzig, 12. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Klempner Fritz Enderlein aus Regensburg hatte sich am Dienstag wegen Vor- bereitung zum Hochoerrat und Vergehen gegen das Republikschutz- gesetz vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts zu verantworten. Im vorigen Jahre wurden jn seiner Wohnung einige kommunistische Schriften gefunden, in denen der Oberreichsanwalt eine Auf- forderung zum Hochverrat erblickte. Außerdem soll En- derlein der Vorsitzende der kommunistischen Partei und kommunisti- scher Gewerkschaftsleiter in Regensburg gewesen sein. Gleichzeitig soll er Flugblätter, die zur Verhetzung der Reichswehr und Schupo aufforderten, m Regensburg verteilt haben. In einer kam- munistischen Versammlung, die von der Polizei aufgelöst wurde, soll Enderlein mehrere Polizeibeamte beleidigt haben. � Der Angeklagte bestreitet jede hochverräterische Tätigkeit. Es wäre nur eine Schikane der bayerischen Ordnungshüter, weil er oersucht hätte, trotz des Verbots der KPD. Versammlungen ein- zuberusen: denn in Bayern würden nicht nur die Veranstaltungen der Kommunistischen Partei, sondern auch die von anderen links- stehenden Parteien verboten. Es wäre ein Skandal, daß man gegen ihn ein Verfahren wegen Hochverrats«ingeleitet habe, obwohl er sich keines Verbrechens bewußt sei. Trotz der geringen Beweise ver, urteilte dos Gericht Enderlein wegen Vergehens nach§ 7 des Re-, publitschutzgesetzes und Beleidigung der Palize! zu 1Iahr2Mo- natenFestungshastund 200 Mark Geldstrafe. Die Geldstras« und 2 Monate gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. �' Der Bayrische Landtag nahm am Dienstag mit 59 gegen 3 Strm- MSN der Kommunisten das neue Polizeibeamtengesetz an. Es bezieht auch die Polizeibeamten des Verwaltung s- dienstes in das Gesetz«in. Weiter sollen nicht mehr Anwärter eingestellt werden, als später Verwendung finden können. Auch sonst kommt es den Wünschen der Beamten nach Möglichkeit entgegen. Baden hat einen Polizeistand von 4200 Mann, wovon 1700 kaserniert sind. Die dritte Gruppe, von der Koffow spricht(Erweiterung des geistigen Horizontes), ist leider nur sehr klein. Während politische Bücher stark gefragt sind, werden wissenschaftliche Bücher leider sehr wenig verlangt. Hier ist noch viel zu leisten, denn das geringe Interesse liegt meines Erachtens noch daran, daß die Provinz- bibliotheken meist nur veraltete Bsicher auf diesem Gebiete im Be- sitz haben. Neuere Werke anzuschaffen, verbieten die geringen Geld- mittel dieser meist stiefmütterlich behandelten Einrichtungen. Das Bestreben der maßgebenden Kreise müßte darauf gerichtet sein, für diese Gebiete billige Werte herauszugeben, damit auch hier die Bi- bliotheken ihre Aufgabe erfüllen können. Tolstois vors al« Museum. Die Vorbereitung zur Feier des 100. Geburtstags von Tolstoi, der im nächsten Jahre von der ganzen Welt begangen wird, sind in Rußland bereits aufgenommen, und man hat eine besondere Kommission dafür gebildet, zu der auch Abgeordnete des Heimatdorfes des Dichters gehören. Das russische Dörfchen Iasnasa-Polsana ist ja durch den Genius, der hier die größte Zeit seines Lebens verbrachte, schon bei seinen Lebzeiten weltberühmt geworden. Wie sehr hat er sich bemüht, die Schul« des Dorfes nach seinen Grundsätzen umzusormen, die Bauernkinder zu unterrichten und den Bauern selbst zu einem menschenwürdigen Dasein zu verHelsen Die Sowjetregierung, die das Haus und das Anwesen des Dichters für Staatseigentum erklärt hat, gestaltet das ganz« Dorf zu einer Art Museum im Sinne Tolstois um. So hat sie neben dem eigentlichen Museum hier ein« Musterschule eingerichtet, der ein Waisenhaus und ein Säuglingsheim angegliedert ist. Die Schule von Jasnaja-Poljana gibt 360 Kindern eine hervor» ragende Ausbildung. Eine Werkstatt für Kunsttischler nimmt von diesen Schülern 30 zur Weiterbildung an. Außerdem gibt es dort noch zwei Schulen für Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können, und alle Einwohner des Dorfes haben diese sonst dem russischen Bauern nicht geläufigen Künste erlernt. Ein Krankenhaus und eine Zahnklinik entfalten ebenfalls dort ihre segensreiche Arbeit. Aoloverbok in der Londoner City? Auch in London hat der Autoverkehr beängstigend zugenommen. Nach englischen Statistiken soll die Zahl der Kraftfahrzeuge in London im vergangenen Jahre pro Woche um rund 2000 zugenommen haben. Im selben Ver- hältnis wuchs die Zahl der Verkehrsunfälle. So erlitten in London im letzten Jahr« rund 9000 Schulkinder auf dem Schulwege durch Autos veranlaßt« Unfälle. Da die engen Straßen Zentral-Londons einen dem Berkehrswachstum entsprechenden Umbau nicht zulassen, erwägt man im englischen Verkehrsministerium, den Verkehr von Privatautos im Inneren Londons zu verbieten. Eiileoberg» ErsMng,werk INüvchhaoseo wurde bei der zweiten rbemischen Dichlertagung im Koblenzer Stadttheater in neuer Gestalt uraufgeführt und erzielte lebhaften Beifall. Eine!>eu'!che<6e>atn>aii»gabe der Werke von h.chei»c»de Noina».Menichcn. Göltcru gleich" erössnet dl« Reihe der gc- fnmineiten Werte in Einzelausgaben. Der S. Zulernattonale homöopathische«erztekongreh wird vom 18.-28. Juki w London tagen, zum erstenmal wieder seit 1S1L Auch deutsche. Zlerzte haben vortrüge angekündigt. Sowfetfuftiz gegen Sozialüemokraten. Georgische Tozialisten unter Anklage. In diesen Tagen soll vor dem Obersten Gericht in Charkow ein„sensationeller� politischer Prozeß stattfinden. Zwölf Personen, darunter 11 georgische Sozialdemokraten werden vcr- schiedene gegenrevolutionäre Handlungen zur Last gelegt. Die Anklage weist insofern eine Besonderheit auf, als die in der Sowjetregierung verkörperte russische Kommunistische Partei die angebllche bolschewistenfeindliche Tätigkeit der georgischen Sozial- demokraten künstlich mit polnischer Spionage zu- sammenkoppelt, mit der die Angeschuldigten selbstverständlich nichts zu tun haben. Diese an den Haaren herbeigezogene ver- logene Verbindung zweier völlig unvereinbarer Tätigkeitsgebiete ist wohl dadurch möglich geworden, daß einer der Angeklagten, der georgische Sozialdemokrat Andschiparidse, der von den Unter- suchungsorganen als„Emissär des Auslandsbureaus des Zentral- komitees" der georgischen Sozialdemokratie bezeichnet wird, beim Ueberschreiten der Grenze sich höchst wahrscheinlich eines Konterbandisten bedient hat, in dem die Behörden später einen polnischen Spion zu erkennen glaubten. Die übrigen 10 georgischen Sozialdemokraten sollen einer Organisation angehört haben, die das Bindeglied zwischen der georgischen Sozialdemokratie in Sowjetrußlaill» und dem Auslandsbureau in Paris bilden soll. Daß dieser Prozeß ausgerechnet in diesem Augenblick in Szene gesetzt wird, ist durchaus kein Zufall. Die russischen Kommunisten wollen der Welt zeigen, daß die bösen Sozialdemokraten mit den Feinden Sowjetrußlands, Polen und der Entente nicht allein in engster Fühlung stehen, sondern auch Spionage für sie betreiben. Man denkt unwillkürlich an den Prozeß der Sozial- revolutionäre, der gerade vor fünf Jahren aus dem gleichen Grunde öffentlich ausgetragen worden ist. Die Angeklagten wurden aber danach zu Anklägern. Jetzt wird der Prozeß in Charkow wahrscheinlich unter Ausschluß der Weltöffentlichkeit vor sich gehen. Das angebliche Reich der„Arbeiter- und Bauernmacht' kann dort ungestört jeden verurteilen, der nicht zur bolschewistischen Sonne betet. Der polnische Parlamentskonflikt. Sejm und Regierung gegeneinander. Warschau, 12. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Konflikt, der zwischen dem Sejm und der Regierung seit dem Maiumsturz besteht, hat sich mit jeder Session verschärft und scheint gegenwärtig seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Der Sejm, dessen Mandat in wenigen Monaten abläuft, nimmt sein« verfassungsmäßigen Rechte seit einiger Zoit kräftig wahr und tritt entschieden gegen zahlreiche Maßnahmen der Regierung, die gegen die'gesetzgebende Gewalt des Parlaments sowie gegen parlamentarisch-demvkratische Interessen verstoßen, energisch auf. Die Regierung ignoriert bewußt und ab- sichtlich die Tätigkeit des Sejm, entsendet zu den Sitzungen keinerlei Vertreter und bringt auch keinerlei Vorlagen ein. So soll sogar der Vertrag über die neuz-ustandegekommene Auslands- a n l e i h« dem Sejm nicht vorgelegt, sondern durch Dekret des Staatspräsidenten Gesetz werden. Man erwartet bestimmt, daß die Regierung als Antwort auf die Haltung des Sejm die gegen- wärtige Session schließen wird, man spricht sogar von Auf- lösun g. Der Ausgleich mit Rußland'. Warschau, 12. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Gesandter P at e k wird Ende dieser Woche nach Moskau zurückkehren und den polnisch- russischen Konflikt wegen des Warschauer Gesandtenmordes beizulegen versuchen. Die Instruktionen, die er mitbekommt, sollen weitgehenden Friedenswillen zeigen. In Warschau läßt sich deutlich der Wunsch erkennen, die sowjetrussische Regierung zu versöhnen, wobei man allerdings auch auf ihr Entgegen- kommen hofft. Deutflh-polniflhe verstänüigung. Die geplante Parlamentarlerbcgegnung. Seit einiger Zeit ist eine deutsch-polnische Parlamentarier- konferenz in Berlin geplant, nachdem bereits einige Abgeordnete und Journalisten reichsdeutscher Linksparteien in Warschau polnische Politiker gesprochen haben. Für die Berliner Konferenz haben pol- nische Abgeordnete aller Parteien, natürlich mit Ausnahme der Nationalisten, ihre Teilnahme zugesagt. Bedauerlicherweise hat man bis jetzt ein festes Datum für die Konserenz noch nicht vereinbaren können. Der polnische Abgeordnete T h u g u t t, ein bedeutender Politiker der Linken, hat sich dahin geäußert, daß die Konferenz olle deutsch-polnischen Fragen im Sinne möglichster Annäherung besprechen solle— die Polen stellen nur die eine Bedingung, daß territorial« Fragen nicht einbezogen werden. Klärer aus- gedrückt, sie wollen nicht aufgefordert werden, den Korridor und Ostoberschlesien wieder abzutreten. * Die deutsch-polnischen Verhandlungen über das Nieder- lassungsrecht scheinen günstig zu verlaufen— ober das alles kann nicht zum Handelsvertrag führen, solange die deutschen Großagrarier die Einfuhr billiger Lebensmittel zu verhindern im- stände sind— und das sind sie in der Rechtsblockregierung! Pomcare-Krise oöer nicht? Die Lage ist ernst, aber die Rechte zögert.— Drohung mit einer Währungskrise. Kommt Chamberlain nach Serlin! Möglicherweise Ende August.— Die militärischen Restpunktc. In unterrichteten Kreisen wird versichert, daß außer dem offiziellen Protokoll über die Besichtigung der Ostfestungen die beiden asliierten Offiziere noch einen Sonderbericht für dos Versailler Militärkomitee ausarbeiten, der die genauen Einzel- Helten der von ihnen getroffenen Feststellungen enthält. Man er- wartet, daß die Botschafterkonferenz in den nächsten Wochen zusammentreten wird, um den Bericht des Marschalls Fach über die endgültig« Erledigung dieses Punktes entgegenzunehmen. Daß eine Aussprache über die„noch nicht gänzlich erledig- ten rechtlichen Abrüstungsfragen' stattfinden wirb, liegt durchaus im Bereiche der Möglichkeit. Nachdem der Preußische Landtag das Polizeireorganisationsgesetz, das die ausdrückliche Billi- gung der Botschafterkonferenz gefunden Hot. verabschiedet hat. wer- den sich im Herbst dieses Jahres die Parlamente der Länder mit diesem Punkte beschästigen. Bekanntlich haben die Länder Preußen, als dem weitaus größten Staate, den Vortritt in dieser Frag« überlassen und werden sich nun genau an das preußische Vor- bild halten. Mit dem Abschluß der Ländergesetzgebung ist dann auch dieser Punkt endgültig geregelt. Nicht ganz so einfach Negt die Frage de» Verkaufs und der Verwertung der reichscigenen militärischen Baulichkeiten und Anlagen. Mit der Botschafterkonferenz ist Poris. 12. Zuli.(Eigener Drahtbericht.) Nach der Der- abschiedung der Wahlresorm wird hie letzte Schlacht in der Sommer vor den Ferien über die Nachlragskredite zur Er. HSHung der BeamlengehSller geliefert werden. Die Kammer wird am Mittwoch morgen in die Beratung des Gesetzentwurfes eintreten. 3n den Kreisen des Parlaments hält mau die Lage für ernst, nachdem die Finanzkommission für die Erhöhung der von Poincare vorgesehenen Kredite in höhe von 3 Milliarden um eine halbe Milliarde eingetreten ist. wenn poincare. wie er erklärt, unter Stellung der verkranens- srage aus dieser Summe bestehen bleibt, wird die Regierung jedenfalls damit rechnen müssen, rund 250 Stimmen der Radi- kalsozialisten, Sozialisten und Kommunisten gegen sich zu haben. Die Enlscheidung liegt in diesem Falle bei den Rechtsparteien. Daß diese den Mut finden werden, offen gegen das Ministerium Stellung zu nehmen, ist schon zweiselhasler geworden. Die Blätter gaben am Dienstagabend der Ueberzeugung Ausdruck, daß in letzter Stunde der Marin-Gcuppc der Mut fehlen wird, kurz vor den Ferien eine Kabinettskrise herauszubeschwören. 3a den poin. carö nahestehenden Blättern wird bereits für den Fall einer Kabi. nettskrise eine Finanzkrise vorausgesagt. Aus olle Fälle ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Kammer erst noch dem Rakionolsesl. dem 14. 3ull, in Ferien gehen wird. Die Radikalen für die Regierung.— Die Krise dadurch vermieden. Paris, 12. Juli.(MTV.) Die radikale Kammer- f r a t t i o n hat in einer heute nachmittag abgehaltenen Sitzung nach einem Bericht des Vorsitzenden des Finanzausschusses der Kammer, des Abg. M a l v y, eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck kommt, daß die Fraktion bei aller Berücksichtigung der Interessen der Beamten und Pensionäre keine Regelung verantworten konnte, durch die das Budgetgleichgewicht und die Finanzsanierung des Landes gefährdet würden. Aus dieser Entschließung und der vorangegangenen Diskussion ergibt sich. daß mehr als zwei Drittel der radikalen Fraktion für die von der Regierung in der Frage der Gehaltsaufbesserung gemachten Vorschläge eintreten und bemüht sind, das Kabinett in dieser Frage zu unterstützen. Damit ist die Möglichkeit einer Kabinettskrise, die nach der gestrigen Abstimmung des Finanzausschusses der Kammer gegeben war, aller Voraussicht nach ausgeschaltet. Frankreichs neues Wahlgesetz. Einmänner-Wnhlkreisc und Stichwahlen. Dank der unbeirrbaren Disziplin der Linksparteien ist in der Nacht zum Dienstag die W a h l r e f o r m in der französischen Kammer als Ganzes angenommen worden. Ihre endgültige Verabschiedung ist nur eine Frage der Zeil, da der S e n a t in seiner großen Mehrheit seit jeher für das Kreiswahlrecht gewesen ist, das nunmehr wieder eingeführt werden soll. Es ist nicht anzunehmen, daß der Senat irgend- welchen Abänderungsanträgen zustimmen wird, wodurch die ganze Vorlage wieder der Kammer zugeleitet werden müßte. Die Gegnerschaft des Senats gegen das Verhältniswahlrecht und gegen das Verhältniswahlsystem ist so stark, daß, alz Ende 1912 eine Mehrheit in der Kammer, bestehend aus Sozialisten, einem Teil der bürgerlichen Linken und dem größten Teil der Rechten den Proporz beschlossen hatte, B r i a n d, der als Ministerpräsident die Vorlage vor dem Senat verteidigte, von dieser Körperschaft gestürzt wurde, ein Fall, der sich nur selten ereignet hat. Das ist auch der Grund, weshalb, wie hier schon erwähnt, die Sozialisten in der Kammer auf den aussichtslosen Versuch von vorn- herein verzichtet haben, für das wirkliche Proportional- Wahlrecht einzutreten, das vom Senat doch abgelehnt worden wäre mit dem Ergebnis, daß das gegenwärtige un- mögliche Wahlsystem in Kraft geblieben wäre. Durch das neue Wahlgesetz wird Frankreich in 611 Wahl- kreise eingeteilt, deren Größe sich teils nach der Bevölkerungs- zahl, teils nach der bestehenden Verwaltungsgeoaraphie richtet. Grundsätzlich gibt es einen Abgeordneten für hundert- tausend Einwohner ohne Unterschied des Alters, des Ge- schlechts und der R a t i o n a l i t ä t. Letztere Bestimmung ist sehr stark umstritten worden und ist für die Zahl der Abge- ordneten in Großstädten wie Paris und Marseille, sowie"in den Grenzdepartements von besonderer Wichtigkeit. Im übrigen ähnelt das Verfahren sehr dem frühe- ren deutschen Wahlsystem. Im ersten Wahlgang entscheidet die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen: wird diese aber von keinem Kandidaten erreicht, dann findet 14 Tage später eine Stichwahl statt, bei der re l a t i v e.Mehrheit gestügt. Zum Unterschied von dem alten Reichstagswahlmodus ist die Zahl der Kandidaten im zweiten Wahlgang nicht beschränkt, und es können sogar ganz neue Kandidaturen aufgestellt werden. Die Sozialisten werden beim neuen System wahr- scheinlich in allen Wahlkreisen eigene Kandidaten im ersten Wahlgang aufstellen können, was beim bisherigen angeblichen Proporzsystem in den meisten Fällen nicht mög- lich war. Zwischen der Hauptwahl und der Stichwahl wird in den meisten Fällen eine Verständigung entweder mit den bürgerlichen Linksparteien oder mit den Kommu- nisten erstrebt werden, um die reaktionären Kandidaten zu schlagen. Wenn auch die Meinungen innerhalb der Sozia- listischen Partei darüber nicht ganz einheitlich sind, so wird im allgemeinen angenommen, daß durch die Wahlreform die Aussichten der Sozialisten in der Mehrzahl der Depar- tements gebessert worden sind. Rur in einer kleinen Anzahl von Wahlbezirken dürfte das Gegenteil der Fall sein. Doch noch Verständigung? Die französische Kammer und die deutsch-franzöfischcn Wirtschaftsverhandlungen. pari», 12. Juli.(WTB.) Wie Havas berichtet, ist es möglich. daß das Parlament nicht schon am 13. Juli in die Ferien geht, son- dern noch einige Tage zusammenbleibt, um gewisse wichtige Fragen zur Entscheidung zu bringen, darunter eine, die die deutschen Interessen angeht. Handelsminister B o k a n o w s k i soll die Absicht haben, aus der Zolltarisnovellc die wichtigsten P o- sitionen herauszunehmen, um sie in einem Sonder- g e s e tz von Kammeö und Senat genehmigen zu lassen. Dadurch würde Bokanowski in die Lage versetzt werden, die französisch- deutschen Wirtschastsverhandlungen weiter zu verfolgen und zu Er- gebnissen zu führen. Innerhalb der französiffchen Regierung wird auch die Frage erörtert, ob es nicht angängig wäre, vom Parlament ein Er- mächtigungsgefetz zu verlangen, um das deutfch-stanzösische Hondelsprooisorium ohne direkte Mitwirkung des Parlaments zu ratifizieren. pari», 12. Juli.(WTB.) Havas bestätigt die Nachricht, daß die Befprechungenderdeutschenundderfranzöfifchen Wirtschaftsdelegation über den Abschluß eines zwöli- monatigen Handelsprooiforiums aktiv fortgesetzt werden, und daß beide Delegationen von dem Wunsche beseelt sind, ihre Arbesten so rechtzeitig zu beenden, daß das Abkommen dem Parlament vor 'l den Ferien unterbreitet werden kann. finanzielle Verluste zufügen. Die Schwierigkeit dieser Lage haben die zur Abwicklung der Restpunkte hier befindlichen militärischen Sachverständigen ausdrücklich anerkannt und haben auch zugeben müssen, daß die rasche Erledigung dieses Punktes außerhalb des Willenbereiches der deutschen Regierung liegt. An gut unterrichteter Stelle hält man es— wie der„S o z. Pressedienst' erfährt— für nicht ausgeschlossen, daß Cham- berlain seinen angekündigten Besuch in Berlin noch im Spätsommer dieses Jahres abstatten wird. Es ist nicht das erstemal, daß Chamberlain die Absicht ausspricht, persönlich nach Berlin zu kommen. Schon gelegentlich drt wiederholten Besprechun- gen in Genf hat der englische Staatssekretär die Möglichkeit ange- deutet, persönlich mit den deutschen Staatsmännern in Berlin zu verhandeln. Falls sich Chamberlain entschließt, sei?« Absicht in Bälde zu verwirklichen, so dürfte als nächster möglicher Termin die Woche vor der Septembertägung des Völkerbundes in Betracht kommen- Die persönliche Fühlungnahme mit den.maßgebenden deutschen Stellen wäre gerode in diesem Zeitpurckt besonders wertvoll, da in Genf die Herabsetzung der Truppen zahl im besetzten Gebiet bzw. die vorzeitige Räumung des Rheinlandes im Mittelpunkt der Besprechungen stehen wird. Verhältniswahl stärkt üie(ppposttion. Darum wird sie in Nordirland abgeschafft. condon, 12. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Ministerpräsi- dent von Nordirland, C r a i g, teilte am Dienstag in einer Rede in Belfast mit, daß das System des Verhältniswahlrechts, dos seit 1920 in Kraft ist, wieder abgeschafft werden soll. Es habe in der Praxis versagt. Die Regierung werde im Parlament ein entsprechendes Gesetz einbringen, das die Rückkehr zu den durch einen einzelnen Abgeordneten vertretenen Einzelwahlkreise festsetzen wird. Im weiteren Verlaus sein« Rede gab der Ministerpräsident deutlich zu oerstehen, das Versagen des Derhälmiswahlrechts sei nach seiner Auffassung darin zu suchen, daß es die aus Sozialisten, Republikanern und Unabhängigen gebildete Opposition gegen die konservative Regierung Nordirlands g e st ä r k t hätte. Kritische Lage in Japan. „Wie am Borabend von Revolutionen." Die innerpolitische Lage Japan» ist so kritisch Arbeiterschaft erschüttert»nid die Weigerung des neuen Ministerpräsidenten, die Skandale restlos aufzuklären und die Schuldigen zu bestrasen, hat die stark geladene Atmosphäre mit neuen Spannungen er- füllt. Das Blatt der sortschrittlichen japanischen Intelligenz, der „Porodzu', charakterisiert die Situation folgendermaßen:„Wir befinden uns in der gleichen Lag« wie Frankreich und Rußland vor dem Ausbruch ihrer schrecklichen Revolutionen. Dos Land ist aufgewühlt durch die Skandale des Bordellviertels von Matsushinra und der militärischen Geheimfonds. Revolution ist .der Ruf, der in den Massen heimlich von Mund zu Mund geht. Wer kann wissen, wie bald sie Wirklichkeit wird?' ein Abkommen wie noch nie. Es gärt nicht nur unter der Arbeiterschaft der getroffen, daß bis zum Jahre 1932 die Verkäufe durchgeführt sein� Industriezentren, sondern auch unter den kleinen Bnuern. die samt. müssen. Di« Baulichkeiten sind aber sehr schwer realisier- i liche Lasten der Wirtschaftskrise, der Steuern und des Militär- b a r, da der Interessenlreis durch die allgemeine Geldknappheit sehr i dienstes zu tragen haben. Ein« Reihe von Korruptions._______ beschränkt ist. Eine wüche dem Reiche erhebliche(lajnfealcn Jhak die Autorität der herrschende» Partejeu fstpver.� einem Mchglied im Aussichtsra-t vertreten ist. Staatsrat unö Staatsregierung. Um die preußische Elcktrowirtschaft. Der Hauptausschuß des Preußischen Land- tags beriet am Dienstagnachmittag die Satzungen der für die Zu- sanrmenfassung der staatlichen«lektrowirtschastlichen Unternehmungen und Beteiligungen zu gründenden Aktiengesellschaft. Berichterstatter Dr. W a-e n t i g(Soz.) empfahl die Satzungen zur Annahme. Handelsminister Dr. Schreiber teilte mit, daß der Staats- rat gegen das Gesetz über die Einnchhing der Aktiengesellschaft Einspruch erhoben habe. Der Einspruch richte sich gegen§ 3 des Gesetzes, wonach die Veräußerung und Vervfändung von Aktien lediglich an die Zustimmung des Landtage oder eines Landtags- ausjchusses gebunden sei; der Staatsrot wünsche Bindung durch Gesetz. Der Minister habe sofort erklären lassen, daß eine Veräußerung und Verpfändung der Aktien an da» Ausland indiskutabel sei. Er hoffe, daß der Landtag den Einspruch des Staatsrat» z u- rückweisen werde. Das Aktienkapital sei in der Satzung nach reiflichen Erwägungen aus 80 Mlllionen festgesetzt worden. Der Berichterstatter Dr. W a e n t i g(Soz.) wies noch darauf hin, daß das Bedenken des Staatsrats ja bereits Gegenstand der Verhandlungen bei der Verabschiedung des Gesetzes gewesen sei. Die Bedenken des Staatsrats seien vom Landtag nicht geteilt worden. Es lägen also nicht einmal neu« Gesichts- punkte vor. Der Minister sagte schließlich zu. daß er die Satzungen später nach Verabschiedung des Gesetzes nochmals dem Hauptausschuß vor- legen wolle, falls sich durch ein« ander« Beschlußfassung des Land- tags«ine Aenderung der Satzungen als notwendig erweisen sollte. Der Ausschuß trat darauf in die Einzelberatung der Satzungen«in. Im großen ur»d ganzen werden die Satzungen nach den Vorschlägen der Regierung mit unwesentlichen redaktionellen ober sonstigen Aenderungen genehmigt.— Angenommen wird eine Ent-� ichließung der Wirtschostspartei und der Dspiokraten, der Landtag wolle bei Ausülnrng fernes Vorfchlagsrechtes für den Aufsichtsrat so verfahren, daß möglichst j e d e'F r a k t i o n mit mindestens Um öen Ueberstunöenzusthlag. (Sine Erklärung des RcichsarbeitsministcrA. Die Antwort des Netchsarbeitsministers auf die Eingabe des Deutfchcn Textilarbeiterverbandes zur Spruch- praxi? der Schlich�rngsbehorden ist soeben dem Verband zugestellt worden� An das Ministerium war die Frage gerichtet worden, ob den Vchlichtuygsinstanzen für die S p r u ch p r a x i s über die Be- Zahlung der Mehrarbeif über 48 Stunden hinaus Nicht- Linien dahingehend gegeben worden feien, beim Zuschlag unter 2 5 V r o ,5. zu bleiben, und ob der Reichsarbeitsminister dafür sorgen wolle, daß die ihm unterstellten Schlichtungsinstanzen bei den Zu- schlügen für Mehrarbeit über 48 Stunden hinaus durch Schieds- fprüche keine Berfchlechterungen der Bestimmungen des 8 6» des Arbeitszestnotgesetzes vornehmen, Darauf antwortete der Reichsarbeitsminister: „Wie bereits mein Vertreter auf Ihrem Verbandstag erwähnt Hot, hab� fch den Schlichtungsbehörden Weisungen der gekennzeich- neten Art nicht gegeben. Für die Tätigkeit der Schlichtungsbe- hörhen sind lediglich die gesetzlichen Vorschriften maß- gebend upd es steht mir nicht zu, den Schlichtern Weisungen fachlicher Art über ihre Entscheidung im Einzelfalle zu geben. Hiernach bin ich auch nicht in der Ldge, den zum Schluß Ihres Schreibens ausgesprochenen Anregungen zu entsprechen," Diese Antwort ist kurz und vieldeutig. Der Reichsarbeits- minister erklärt, daß er dsn Schlichtern„Weisungen der gekenn- zeichneten Art" nicht gegeben habe. Er sagt natürlich nicht, daß er den Schlichtern keine Weisungen gegeben hat. Daß der Reichsarbeitsminister die Schlichter von Zeit zu Zeit, bei wichtigen Anlässen,<>ie die Tätigkeit der Schlichter berühren,.zu sich beruft und sie„informiert", ist bekannt und nie bestritten worden. Der Reichsarbeitsminister fügt hinzu, daß es ihm nicht zustehe, den Schlichtern„Weisungen sachlicher Art über ihre Entscheidungen im Einzelfalle zu geben." Das hat kein Mensch vom Reichsarbeitsminifter verlangt. Der Textllarbeiterverband hat nicht gefordert, daß Dr. Brauns die schlichler anweisen soll, bei Schiedssprüchen in der Textilindustrie bestimmte Entscheidungen zu fällen. Es dürfte aber wohl keine un- gesetzliche Beeinflussung der Schlichtungsh�hörden fein, wenn diese auf den Z üa des Arbeitszeitnotgesetzes aufmerksam gemacht werden, der den Zuschlag von 25 Proz. für angemessen erklärt, den Par- teien aber freistellt, einen anderen Zuschlag zu vereinbaren. Weder der angeführte Prozentsatz noch der Zusatz, daß die Par- teien einen anderen Zuschlag vereinbaren können, ist von ungefähr. Das Abkommen von Washington schreibt als Mindest- Zuschlag 25 Proz. vor. Das Arbeitszeitnotgesetz ist beschlossen worden im Hinblick auf die Ratifizierung des Abkommens von Washington. Niemand konnte aber ernsthaft den Arbeitern zu- muten, auch Sonntags- und Nachtarbeit für einen Zuschlag van 25 Proz, zu leisten. Seit, Jahrzehnten wird in Tarifverträgen für solche Mehrarbeit ein höherer Prozentsatz festgesetzt. Des- halb mußte man im Gesetz den Parteien die Vereinbarung eines höheren Zuschlages freistellen. Die anfängliche Spruchpraxis vieler Schlichter war aber derart, als feien die 25 Proz. nicht der normale Mindestsatz, sondern der Höchstsatz, Das stand im Widerspruch zu dem Sinn und Wortlaut des Gesetzes. Darauf hinzuweisen ist nicht nur dos Recht, es ist scgar die Pflicht des Reichsarbeitsministers. Soll man annehmen, daß der Reichsarbeitsminister diesen Tot- bestand anerkennt, wenn er schreibt, daß für die Tätigkeit der Schlich- tungsbehörden„lediglich die gesetzlichen Vorschriften maßgebend" seien? Man könnte das so deuten. Etwas weniger Vieldeutigkeit wäre in einer so wichtigen Angelegenheit ober doch wohl am Platze. Unteenehmer-Soziologie. Für zehn Mark. Im letzten Jahrzehnt hat die Soziologie als Wisienschaft von der Gesellschaft im weitesten Sinn« erstaunliche Fortschritte gemacht; sie oerfügt heute nicht nur über eine außerordentlich große Litera- tur, die die verschiedensten Probleme kritisch dargestellt hat, sie ist auch dabei, sich in den Rahmen der übrigen Wissenschaftszweige einzuklassteren. Bei aller Vielgestaltigkeit der Aufgaben, die zu bewältigen sind, steht im zentralen Mittelpunkt dos Wesen der Geselljchast, die Erforschung der Beziehungen von Mensch zu Mensch, also das Inter- Individuelle, und ferner als zweites großes Problem die Beziehungen des Einzel- menschen zu seiner Umgebung, die Massenpsychologie. Bei der Aktualität und praktischen Notwendigkeit,- die olle dies« Fragen hoben, und die im Volks- und Staotsleben ein« eminent- überragende Rolle spielen, ist es kein Wunder, wenn diese Probleme hier und dort eine spezifische Färbung bekommen, und die jeweils politische oder sozialpsychologische Einstellung des einzelnen mit richtunggebend wird auch für die wissenschaftliche Durchführung. Solch« an sich t«ildenziösen Verfärbungen gibt es nicht allein in der Soziologie. Sie haben auch insofern wissenschaftlichen und auch praktischen Wert, als sie die Diskussion und Aufrollung oller Seiten der Probleme ermöglichen. Einzige Voraussetzung dabei ist ober die wissenschaftliche Ueberzeugung und Gesinnung. Es ist erfreulich zu sehen, daß, von verschwindenden und unwich- tiaen Ausnahmen abgesehen, gerade die Soziologie sich bisher von jeder politischen Einseitigkeit ferngehalten hat. Um so erstaunlicher ist es, wenn neuerdings der Versuch gemacht wird, die Wissenschaft für parteipolitisch« Zwecke zu mißbrauchen und das Ansehen der Soziologie als Wissen- schaft innerhalb der breiten Oesfentlichkeit zu gefährden. Das traurige Verdienst, die Soziologie zu«inem klassenlämpferischen Instrument zu machen, kann Prof. D. D u n k m a n n, ein ehemali- ger Theolog«, jetziger Professor der Soziologie an der Ber- liner Technischen Hochschule und Leiter eines privaten Instituts für angewandte Soziologie, für sich in Anspruch nehmen. Dunkmann figuriert schon seit langem als ausgesprochener Arbeitgeber- Soziologe im„Arbeitgeber". Anders aber verhält es sich, wenn Dunkmann neuerdings den Versuch macht, aus seinem G e» schüft eine Wissenschaft zu machen. Dunkmann gibt seit einiger Zeit Unterrichtsbriese her- aus, deren Serie A„zur Einführung in die Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung" dienen soll. Dem fünften Briefe dieser Serie liegt«ine„Rundsrage an die Arbeiterschaft" bei. So erläßt Dunkmann seine Rundfrage mit dem Titel:„Was hindert den Unorganisierten, sich den Gewerkschaften anzuschließen?" Damit wendet sich das Institut an die Arbeiterschaft, sei sie or. gonisiert oder unorganisiert, mit folgender Bitte: „Jeder Arbeiter, dem dieses Flugblatt in die Hand fällt, wird aufgefordert, seine Meinung über diesen Punkt zu sagen: er soll nicht seine Eigene S t e l l u n g zu den Gewerkschaften etwa darstellen, er soll sagen, wie er das Verholten der Unorganisierten beurteilt, aus welchen Gründen sie hauptsächlich nach seiner Meinung fernbleiben." Dunkmann fügt sofort die ihm erwünschten Antwor- ten hinzu, wenn er sagt: „In Betracht kommen hauptsächlich folgende Gründe: 1. Weil tatsächlich viele Arbeiter kein Verantwor. tungsgefühl haben, also tatsächlich sittlich minder- w« r't i g sind 1 2. weil viel« Arbeiter sich grundsätzlich von aller Poli- tik fernhalten und ihr« Ruhe lieben, sonst aber sehr verantwortungsvolle Menschen sind: 3. weil viele Arbeiter den Ausregunaen und. dem Terror der gewerkschasilichen Agitation aus dem Wege gehen: 4. weil sie grundsätzlich den Wirtschastsfrieden suchen: 5. weil sie aus Gründen religiöser oder anderer w e l t» anschaulicher Einstellung sich zurückhalten. Der Nachdruck liegt auf der Frag«, welche von den genannten Gründen hauptsächlich in Frag« kommen." Für den, dem die Tendenz dieser Fragen noch nicht klar sind, fügt Dunkmann in einer geradezu grotesken Dummheit, wenn man hier nicht von einer Unverschämtheit sprechen soll, hinzu, daß „die besten" Antworten veröffentlicht und mit 16 Mark honoriert werden. Ein solcher Fall steht in der gesamten Wissenschaft einzigartig da. Sehr richtig bemerkt die„Soziale Praxis":„Es muß auch einmal offen gesagt werden, daß nach allem, was in den letzten Monaten geschehen ist, Herr Dunkmann besser täte, zur Theologie zurückzukehren, statt das Ansehen einer un- abhängigen Sozialwissenschast bei Außenstehenden zu gefährden." Wir glauben nicht, daß Dunkmann diesem sehr gut gemeinten Rote folgen wird, sondern weiter im„Stahlhelm" und im „Arbeitgeber" seine Artikel schreiben wird. Die Wissen schaff hat an Herrn Dunkmann, der einmal vorgab, die„soziale Vernunft" zu predigen, nie etwas zu verlieren gehabt, und die „Mass e" der Arbeiter dürste nicht dumm genug sein, wie Dunk- mann annimmt, um aus diesen kümmerlichen Versuch, Stimmen für. 10 Mark zu sangen, hereinzufallen. Dr. Paul Plaut. vreilchichtenspstem in üer Schwerindustrie. Die Unternehmer werden befragt. Essen, t?. Zuli.(Eigener Drahlbericht.) Der Reichsarbeits- minister hat die Unternehmer der gesamten deutschen eisen- schassenden Industrie für Mittwoch nach Berlin eingeladen, um ihre Ansicht zu dem Gutachten de» Rcichswirlschastsrates zu hören, wonach der Reichsarbeitsminister auf Grund der Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923 die r e i n acht- st ü n d I ge Arbeitszeit»n der Großindustrie vom 1. Januar 1928 ab einfühken könne, es sei denn, die wirtschaftliche tage oder die Gefährdung eines Gewerbezweiges lasse die befürchtete hinausschiebung der Verordnung angebracht erscheinen. Natürlich werden die Unternehmer für die hinausschlebung plädieren. Als sie den Achtstundentag beseitigten, brauchten sie zur Umstellung weder K Monate noch 6 Wochen. Bis zum 1. Januar ist mehr als reichlich Zeit zur Beseitigung der Zwölfstundenschich». tzilfe für Sie Reichsbahnbeamten! Ein Vorstost des Einheitsverbandes. Der Einheitsverband der Eisenbahner Hot durch ein Schreiben vom 8. Juli bei der Reichsbahngesellschast beantragt, der steigenden Notlage der Reichsbahnbeamten duizh ein« sofortige generelle Unter st ützungsmaßnahme entgegenzuwirken, nachdem die Aufbesserung der Beamtengehältex van den Vesitzblockporteien wieder hinausgeschoben worden ist. Vom Generaldirektor Dr. D 0 r p m ü l l e r ist bereits im No- vcmbcr»926 in'Aussicht gestellt worden, daß im Jahre 1927 Mittel zur Verbesserung der Loge des Personals flüssig gemacht werden sollen. Diese Zusage ist aber für die Beamten der Reichsbahn bis j«tzt nicht eingelöst worden. Die Erhöhung der Gehälter der Reichsbahnbeamten, die vom Einheitsverband schon zum 1. April 1927 gefordert worden war, ist bisher vielmehr mit der Begründung abgelehnt worden, daß die Bezüge der Reichsbahnbeomten erst bann geändert werden könnten, wenn das Reich die Gehälter erhöhe. Inzwischen hat de� Reichsfinanzminister den Betrog der Unterstützungsmittel für Reichsbeamte um mehrere Millionen« r h ö h t und erklärt, daß dieser Fonds in den nächsten Monaten noch weiter verstärkt werden soll. Damit will man besonders der anerkannten Notlag« der Beamten in den unteren Gruppen abhelfen. Diesem Vorgehen«ntsprechcnd hat auch der Freistaat Sachsen den Unterstützungssonds um 3 Millionen erhöht und aus diesen Mitteln generell allen Beamten und Angestellten sowie den Beamtenversorgungsempfängern eine' einmalige Unter st ützung gewährt Dom Einheitsverbond wird gefordert, in ähnlicher Weise auch den Reichsbeamten sosartige Hilfe zuteil werden zu lassen. Da die Beamten der Reichsbahn vorwiegend den unteren und mitt- leren Gruppen angehören, ist die Notlage allgemein. Es ist daher ganz ausgeschlossen, etwa nach dem Vorbilde des Reiches auf dem Wege der Einzelunterstützung Abhilfe und Be- ruhigung zu schaffen. Notwendig ist vielmehr»ine fühlbare generelle Maßnahme. Angesichts der günstigen Finanzloge der Reichsbahn- kann man verlangen, daß sie der Forderung des Einheitsverbnndes Rechnung trägt und nicht, wie die Besitzblockregierung den Beamten zumutet, um die Aufbesserung, auf die sie schon längst einen Anspruch haben, zu betteln. Die Kämpfe in üer Textiliaüustrie.• Zunahme der Streikbewegung in der Pfalz. Di« Lohnbewegung in der Pfälzer Textil- i n d u st r i e hgt in den legten Tagen neuerdings an Umfang z u g e n 0 in m e n. Die Arbeiterschaft der Speyerer Baum- Wollspinnereien hat die Arbeit niedergelegt, so daß zurzeit im dortigen Bezirk zirka 1000 Personen sich im Streit b«. finden. Die Zlrbeiterfchast der Firma Lühs u. Adler in Lud« w i g s h a f e n, sowie die Textilarbeiter in Kusel haben dl« K ü n- d i g u n g eingereicht. Kommt es heute nicht zur Einigung, dann treten auch hier 500 bis 600 Arbeiter in Streik. Die Erklärungsfrist für den Ludwigshafener Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Ecklöhne von 58 auf 62 und ab 4. Oktober auf 63 Pf. sowie eine Erhöhung der Sonderecklöhne für Ludwigshasen von 61 auf 64 und ab 4. Oktober aus 65 Pf. vorsieht und bis zum 31. März 1928 laufen soll, dauert bis 15. Juli. Der Streik der Hamburger Netzmacher, der fünf- zehn Wochen gedauert hat, ist dieser Tage für die Arbeiter erfolg- reich beendet worden. Lange sträubten sich die Unternehmer gegen die im Schiedsspruch vorgesehene Lohnerhöhung. Nunmehr haben sie sich bereit erklärt, die Differenz zwischen dem alten und neuen Tarif zu zahlen. In der Aachener Streichgarnspinnerei hat die Arbeiterschaft Lohnforderungen angemeldet. Seit dem De- zember 1926'sind dort die Löhne im Rückstand. Die Hochkonjunktur, der sich zurzeit die Streichgarnspinnereien erfreuen, war für die Arbeiterschaft Veranlassung für ihre Lohnforderung. Die Arbeitszeitreglung für die Lausitzer Tuch- i n d u st r i e, deren Verbindlichkeitserklärung von den Unternehmern beantragt, vom Reichsarbeitsministerium aber abgelehnt worden war, ist noch immer offen. Die von den Unternehmern geforderten neuen Verhandlungen, die soeben erst vor dem Reichsarbeits- Ministerium stattgefunden, haben ebenfalls kein Resultat gebracht. Schieüsspruch für Sie Leöerwareninöustrie. Um den Ueberswlldenzuschlag. Di« durch das neue Arbeitszeitgesetz vorgesehene Ueber« stundenbezahlung noch§ 6a war am 24. Juni Gegenstand der Verhandlungen der Parteien in der Lederwarenindustrie, zunächst unter sich und dann vor dem Tarifamt gewesen, ohne zu einer Einigung, noch zu einem Schiedsspruch zu kommen. Der Vertreter der Unternehmer erklärte hierauf, das Reichsarbeits- Ministerium anrufen zu wollen. Statt dessen wurden die be- zirNichen Unterverbände veranlaßt, die zuständigen Schlichter anzurufen. Auf Grund des Tarifvertrages erklärten sich jedoch die Schlichter für nicht z u st ä n d i g, weil der zwischen den Parteien abgeschlossene Vertrag über große Teile von Deutschland sich erstreckt. Inzwischen hatte der Deutsche Sattler-, Tapezierer- und Porte- seuilleroerband das Reichsarbeitsministerium angerufen. In der am 12. Juli angesetzten Verhandlung waren die Unternehmer nicht erschienen. Sie hatten durch eine längere Zuschrift die gesetzlich vorgeschrieben« Ueberstundenbezahlung abgelehnt und be- stritten jetzt die gar nicht bestreitbare, vor drei Wochen von ihnen selbst hervorgehobene Zuständigkeit des Reichsarbeits- Ministeriums._ Nach Anhörung der Arbeitervertreter wurde durch Schiedsspruch verkündet, daß ob 1. Juli bis zum Ablauf des Vertrages auch für die erste Ueber st und« an den fünf ersten Wochentagen 2 5 Prozent Zuschlag zu zahlen sind. Für die weiteren Ueber- stunden ist dieser Zuschlag vertraglich bereits festgelegt. Dieser Spruch gilt fiir den ganzen Geltungsbereich des Vertrages und zwar: Provinzen Hesien-Nassau, Schleswig-Holstein, die Freistaaten Ham- buvg, Lübeck, Bremen, Oldenburg, Hessen, Thüringen, Bayern mit Rheinpfalz. Württemberg, den preußischen Regierungsbezirk Erfurt und den westlichen Teil des Freistaates Sachsen. Zum Streik in der Filmindustrie. Der Streik in der Filmindustrie nimmt seinen Fortgang- Die Stimmung der Streikenden ist sehr gut. Die Unternehmer lehnen ober solange Verhandlungen über eine zwischentarifliche Regelung ab, solange die Streikenden die Arbeit nicht aufgenommen haben. Da der Tarifvertrag in Kraft ist, bestehen die Unternehmer auf ihr formales Recht._ Unternehmersoliüarität. Hilfeleistung für die Kölner Metallindustriellen. Essen, 12. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Mit Rücksicht auf den Arbeitskampf in» der Kölner Metallindustrie haben die Arbeitgeberverbände für die n 0 r d w e st l i ch e Gruppe, der Arbeitgeberverband im Wuppertal und der Arbeitgeber- verband in Benrath ihren sämtlichen Mitgliedern verboten, bis 31. Juli neue Arbeiter einzustellen. Lohnbewegung im Dombrowaer Kohlenbezirk. Sattowih. 11. Juli.(WTB.) Der Zentralverband der Berg- arbeiter des Dombrowaer Kohlenreviers bat eine Lohnerhöhung?. sorderung von 20 Proz. unterbreitet und ein Ultimatum gestellt, die Regelung dieser Lohnsrag« bis zum 15. Juli vorzunehmen. Zngendgr«»»« de» ZMl. Heute Ig'z Uhr linden lolgende Peranstaltunaen statt: Bcsiii Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Bartrag:„Der Lehrling im Beruf"(ftrauß).— Bezirk Zleutölln: Jugendheim Ziogatstr. 53. Heliilbclprcchung.— Bezirk Wedding-Selundbrunnen: Jugendheim Schönstedt- ftrafte 1(Ledigenheim 3 It.). Varlrag:„Bürgerlicher und Arbeitersport" (gehler).— Bezirk Iharlottcnburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bunter Adend. — Bezirk Nordwest: Die Iugeiidmitaliedcr des Bezirks Nordwest beteiligen sich an der Veranstaltung des Bezirks Tharlottenburg. Freie kewerkschast»jngend Sroß-Berlin. Heute Ids- Uhr tagen die Gruppent Reukallu: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29, Hos. Ausspracheabend: „Unsere Mödchenarbeit."— Moabit: Gruppenhcim Lehrter Str.>8/19. Vortrag:„Aus der Geschichte der freien Gewertschaften."— Gharlottenburg: Gruppenheim Jugendheim Deutsches ltrankcntassenhaus. Berliner Str. 137. Bortrag:„Die gemeinsame Grziehung der Geschlechter in unseren Gruppen."— Roidring: Gruppenheim Jugendheim Eherswalder Str. 1#. Wilhelm-Busch- Abend.— Banmschnlenwea: Jugendheim Baumschulenweg, Ärnststr. IS. Unter. Haltungsabend.— Beißensee: Zugendheim Vortsir. ZK. Proletarische Dichtung. — genirum: Jugendheim zehdenilkcr Str. 24(25. Vortrog:„Die Aufgaben der FGI."— Oftkrei»: Spielen im ZriedrichsHain und Treptower Park. Verantwortlich für Politik: Virtor Schiff; Wirtschast:<9. ttlingelhöfer: Gewerkfchaftsdewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz Ztarstädt; Anzeigen: Zh.«loa-; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärls-Berlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u To. Berlin SW 68, Lindenftraße 3. Hierin I Bcilaaea vnd..UaterHaltnna und Wilsen". fTr. 326 ♦ 44. Jahrgang 1« Oeslage ües Vorwärts Mittwoch, 13. Jut! 1427 Raölerwege in Herlin und draußen. War es vor etwa 20 Jahren das Fußwandern, dos, durch die Wandervogelbünde angeregt, die Landstraßen beanspruchte, so ist es heute das Auto, dos di« Landstraße beherrscht und den Fußwanderer von ihr verdrängt hat. Aber nicht nur ihn, sondern auch einen anderen Wandersmann, den man getrost als das Stieskind des modernen Verkehrs bezeichnen kann, nämlich den Radsahrer. Da« Radfahren, richtig und ohne Sportsexerei und Kilometersresserei betrieben, ist ja auch ein Wandern. Das Rad ist aber, zum Unter- schied vom Fußwanderer, zum größten Teil auf gebahnte Wege, also auf Kunststraßen, angewiesen. Wer heute aber an einem Sonn- abendnachmittag oder an einem Sonntag früh den Betrieb aus unseren Chausseen ansieht, der muß zu der Ucberzeugung kommen, daß der Radfahrer schutzlos allen Gefahren, die das Automobil- wesen mit sich gebracht hat, preisgegeben ist. Und wer dann als Fußwanderer aus di« Chaussee verschlagen wird, der wird gleicher- weis« vom Auto und Rad bedroht. So kann es und darf es nicht weiter gehen-. Radler wie Fußwanderer, die zum größten Teil in den minder bemittelten Volksklassen wurzeln, haben ein Recht, mehr als bisher geschützt zu werden. Deshalb geht jetzt' auch nach dem Vorbild anderer Städte in Berlin dos Streben dahin, dem Radfahrer eigene Bahnen, Radfahrwege, zuzuweisen, auf denen er ungefährdet peda- lieren kann. Und es ist ein Verdienst des Berliner Vereins für Radfahrwege(Geschäftsstelle Berlin> Chorlottenburg. Joachim-Friedrich-Str. 2t), daß er nicht nur die Oefsentlichkeit auf diese Mißstände hingewiesen hat, sondern auch energisch die praktische Arbeit zur Abhilfe in die Hand genommen hat. Was aber einst die ver» schiedenen Baterländer in Deutschland waren, das scheinen jetzt in vcrkehrspolitischer Hinsicht in Groß-Berlin die Bezirksämter werden zu wollen. Wenigstens klagt der Verein bitter darüber, daß bei der praktischen Ausführung feiner Aiele, der Errichtung von Rad- fahrerwegcn, gerade durch die Bezirksämter Schwierigkeiten ent- stehen, tie Zentrale DerkehrÄ>eputatIon der Stadt Berlin hat sich kürzlich mit der Frage der Radfahrerwege befaßt und di« Rot- wendigkeit der Anlegung solcher Wege anerkannt. Außer ihr haben aber auch die Bezirksämter noch ein Wörtchen zu der Sache zu reden. An der Frankfurter Allee zum Beispiel, wo äugen- blirklich durch die Untergrundbahn eine völlige Umgestaltung des Verkehrs vorgesehen ist, sind nicht weniger als drei Vezirksbauämter beteiligt, Berlin-Mitte, Friedrichshain und Lichten» b e r g. An jedes dieser Aemter mußten vom Berliner Derein für Radfahrerwege Eingaben gemacht werden. Und jedes Amt handelt trotz des Beschlusses der Verkehrsdeputation auf eigene Faust. Das Amt Friedrichshain hat als erstes geantwortet, daß es keine Möglichkeit sähe— in dieser breiten Ausfallstraß«—, einen Streifen für Radfahrer anzulegen. In der B« l l e- A l li a n c e- Straße, di« noch breiter ist und den Ausfall nach Süden bildet, ist das Amt Kreuzberg derselben Meinung wie sein nörd- licher Amtsbruder. Dagegen ist das Sauamt T e m p« I h o s den Radfahrern durchaus gewogen und baut über das Tempelhoscr Feld einen vier Meter breiten Radsahrweg auf der Ostseit«. Wie schön wäre es, wenn beide Aemter, zusammenarbeitend, diesen Weg gleich bis zur Hochbahn angelegt hatten. Was nützt die schönst« Theorie der Deputation, wenn die Bauämter sie in der Praxis umbiegen? Außerordentlich viel Radsahrerwege hat der Bezirk Zehleudorf auszuweisen. Man hat hier lange vor der Cingemein- dung Radfahrerwege angelegt, die aber wieder den Nachteil haben, daß sie eine einheitliche Rechtsstellung vermisten lasten. Die Rad- fahrer muffen es sich gefallen lassen, daß auch Fußgänger die Wege benutzen. Daraus entstehen �viel Mißverständnisse. Manche Wege wechseln plötzlich von einer Seite der Straße zur anderen hinüber. Dadurch entstehen dem Radfahrer Gefahren, Andere wieder hören plötzlich auf und überantworten den Radfahrer der Straße, der er entronnen zu sein glaubte. So sind hier begrüßenswerte Ansänge, aber keine einheitliche Gestallung zu spüren. Der Berliner Verein für Radsahrerwege will hier und anderweitig Besterungen schaffen. Bereits ist es ihm gelungen, durch den Tiergarten von der Horden- bergstraße nach der Eharlottenburgcr Brücke einen Radfahrerweg anlegen zu lasten. Die Schwierigkeiten aber, die ihm dabei durch di« Tiergartenverwaltung bereitet worden sind, zwingen dazu, wieder einmal das Wort Bureaukratie auszusprechen. Auch in und um Oranienburg bestehen gute Radsahrerwege. Nach Zeuthen und Königs wüster Hausen soll ein Weg angelegt werden. Der Verein hofft, im Laufe des Jahres über ein Reß von lSÜ Kilometern Radsahrerwege in und um Berlin verfügen zu können. Da man die Zahl der Berliner Radsahrer ans 300 000 schätzt, so kann man erniessen, wie notwendig derartige Sonderwege sind. Auch die Autos würden sich freuen, wenn die Radfahrer von den Straßen und Chausseen verschwinden. In zwei anderen, gar nickst weit von Berlin entfernten Städten ist man feit vielen Jahren bemüht, es den Radfahrern so angenehm wie möglich zu machen, und zwar in Magdebur-r'' Stettin. Das Paradies der Radfahrer. Wie in einem außerordentlich interestanten und mit lehrreichen Bildern versehenen Beitrag der„Illustrierten Reichsbannerzeitung" kürzlich ausgeführt wurde, gibt es in Deutschland nur ein« Stadt. die die Frage der Radsahrerwege vorbildlich und großzügig gelöst hat, und die mit ihren ausgedehnten Radfahrerwegen fast einzig dasteht und selbst dem europäischen Dorado der Radfahrer, Kopen- Hagen, nicht nachsteht: Magdeburg. Dort hat sich bereits im Jahre 1898 ein Berein für Radsahrerwege mit damals 50 Mitgliedern gegründet, der aber heute bereits 55 000 Mitglieder hat. Für einen Jahresbeitrag von 1,50 Mark erwirbt man die Mitgliedschaft und einen Jahresring, den man an der Lenkstange anbringt, und der einem erlaubt, die nahezu 300 Kilometer Radsahrerwege der uäheren und ferneren Umgebung Magdeburgs zu befahren. Die Wege find abseits von den Chausseen, liegen neben den Fußgängerwegen in einer Breite von ein bis eineinhalb Metern und find von diesen durch eine klein« erhöhte Bordkante abgeschlossen. Teils gerade, teils sanft sich schlängelnd, bald durch ebenes Land, bald durch Wiesen, bald über Hügel und Hänge, so.ziehen sich die Magdeburger Radsahrerwege dahin und gewähren dem, der sie benutzt, einen unvergleichlichen Genuß. Berlin hat nichts Aehnliches auf, zuweisen, Ein Naöfahrerweg zum pommerfthen Haff. Auch die größte Hafenstadt Preußens, Stettin, von Berlin etwa 135 Bahnkilometer entfernt, hat sehr früh mit der Anlegung von Radsahrerwege« begonnen. Bereits vor 30 Jahren konnte man mit den damals noch üblichen Dollgummirädern die nach dem Westen der Stadt zu dem idyllischen Glambecksee, dem Eckerberger Wald und den Siebenbachmühlen führende Falkenwaldcr Chaussee auf eigens für die Radfahrer angelegten Pfaden benutzen, die alsbald von der Chaussee abführten durch entlegen« Naturschönheiten. Man ist dabei nicht stehen geblieben und hat den Radfahrern auch weiter geholfen. Em ganz großzügiges Projekt wird jetzt ausgeführt. Am Südrand de» Stetüner hafss liegt der idyllische, sehr hübsche Hafsbadeort Zlegenort, von Stettin im allgemeinen mir mit Dampfern zu erreichen. Nunmehr baut man von Stettin aus nach Ziegenort auf den Oderhöhen einen eigenen Radfahrerweg, der zwei Stunden lang durch prächtigen Wald führt. Also auch in Stettin wie in Magdeburg das Bestreben, die Radfahrer von der Chaussee zu lösen, ihnen eigene Wege zuzuweisen und somit die Verkehre- frage auch auf diesem Gebiet zu lösen. Berlin würde gut tun, sich diese beiden Beispiele zur Nach- «iserung zu merken. Es ist keineswegs so, wie der„richtige Ber- liner" immer meint, daß nämlich nur Berlin etwas wert sei, und daß die Provinz von ihm lernen könne. Draußen lacht man nicht selten über die Berliner und schüttelt die Köpfe darüber, mit was für primitiven Einrichtungen die Berliner oft vorlieb nehmen, ohne die Energie zu besitzen, sie zu verbessern. Wenn die Berliner Sport- ler wollen, wenn sie ihren Einfluß in der Stadtoerordnetenversamm- lung zur Geltung bringen, kann es auch hier bald anders werden. Die kommunistische Ueberpartei. Teutschnationalc und Zentrum im Rotfrontbund. Wegen Beschimpfung der Republik. Beamten- beleidigung und Wider st andes hatte sich der illiähxigx Schweißer Max H a ch und der Maschinist Hans Schneegans, beide aus Nowawes, vor dem Potsdamer Schöffengericht zu verantworten. Im Februar d. I. veranstaltete der Rote Frontkämpferbund einen Ausflug nach Nudow bzw. Dre- witz bei Potsdam, an dem auch die beiden Angeklagten teilnahmen. Während in den Dvrfkirchen Andacht abgehalten wurde, versuchten die Kommumsten, Flugblätter zu verteilen und Reden zu schwingen. ! Der Oberlandjäger Baumgarten aus Drewitz verhinderte je- doch diese Bemühungen. Sofort drang die Menge aus den Beamten ein, und der Angeklagte Hoch rief:„Ihr kriegt das Geld bloß vvn der Räubevrepublik, ihr Faulenzer mit den dicken Bäuchen, und di« Arbeiter müsten das bezahlen." Inzwischen mar das Potsdamer Uebersallkommando eingetroffen, und Hoch widersetzte sich bei der Feststellung seiner Personalien. Die Menge wurde iminer rabiater, so daß di« Beamten gezwungen wurden, blank zu ziehen. Nun rief der Angeklagte Schncegans dem Oderlandjäger Baumgartcn zu: „Das ist ja der Mörder von Teltow." In der gestrigen Vorhand- Die Silbers�Wärtne 2] Voll ISiachdruck veriotm ÄntotlfUtf» au* bm Tnglllch»» ven Äopp«! Nach einer Sunde verließen sie die Ebene und fuhren durch eine tiefe Schlucht zum Fluß hinunter, wo sie unter dem lockeren Schnee eine Wegspur fanden, die hart wie Glas war. Vom Meere her kam ein kalter Luftzug. Das Eis des Flusses war uneben, die Eisschollen waren vom Strom über- einandergeschoben. der Weg aber war jetzt so deutlich erkenn- bar. daß sie sich beide auf den Schlitten setzten, während die Hunde die Müdigkeit abschüttelten und rasch und ausdauernd drauflos trabten. Schließlich kamen sie zu einer Stelle, wo der Weg sich teilte, ein Arm bog in einem Winkel ab und führte quer über den Fluß: wahrscheinlich führte er direkt auf Kalvik zu, das, wie sie wußten, auf dem jenseitigen Ufer lag, aber durch die hohen Schneewehen am Ufer noch vor ihren Blicken verborgen war. Diesen Weg schlugen sie ein.-Hier war das Eis so eben, daß beide Männer vom Schlitten svrangen und nebenher liefen, der eine voran, der andere den Schliten von hinten lenkend. Die Hunde liefen in flottem Trab. Plötzlich ober fühlten sie, wie das Eis unter ihnen nachgab, hörten einen krachenden Laut zu beiden Seiten und bevor sie noch einen Warnungsruf für die Hunde ausstoßen konnten, sahen sie, wie das Wasser um sie herum durch das Eis quoll. Emerson schrie, die Hunde sprangen in die Höhe, mit Gekrach aber barst das Eis, und der Weg, der noch vor einem Augenblick so fest und sicher erschienen, war eine wirbelnde Masse von Eisschollen, kämpfenden Männern und Hunden, die in all dem Eis schwarz und unheimlich aussahen. Die vordersten Hunde, die noch festes Eis unter den Füßen hatten, drehten sich fragend um und setzten sich dann, die Zungen lang aus dem Maul. Di« Hunde, die dem Schlitten am nächsten waren. kämpften wahnwitzig, um das feste Eis zu erreichen, wurden aber durch das Zaumzeug daran gehindert. Emerson ver- suchte sich auf den Schlitten zu schwingen, der auf dem Wasser schwamm, um auf der anderen Seite auf das Eis zu gelangen, aber das Eis brach unter ihm, und er sank bis an die Schultern unter Wasser. Noch einmal versuchte er es, das Eis brach aber wieder unter seinen Füßen, diesmal schien es noch dünner zu sein. Auf der anderen Seite, kämpfte Fräser, um festen Fuß zu fassen. Ihre Anstrengungen aber vergrößerten nur das Loch. Die Kälte schnitt ihnen wie Messer ins Fleisch, die Zähne schlugen ihnen klappernd im Munde zusammen, sie keuchten und kämpften ver, zweifelt. während die Hunde sich immer mehr in ihr Zaumzeug ver- wickelten und jämmerlich zu heulen begannen. Emerson schrie Fräser zu:„Schneide die Zügel durch!" Fräser aber spuckte Salzwasser aus und sagt«!:„Ich kann nicht schwimmen!" Darauf schwamm Emerson durch den Brei von kleinen Eisstücken bis ans Vordercnde des Schlitten« und durchschnitt mit dem Messer, das er im Gürtel trug, das Zaumzeug der unglücklichen Tiere. Kaum waren sie frei, als sie auf das Eis hinaufkrochen, sich schüttelten und in dem trockenen Schnee rollten. Darauf oersuchte Emerson den vorderen Teil de« Schlittens auf das Eis zu schieben, indem er dem Rest des 5)undegespanns befahl, anzuziehen. Die Hunde aber wedelten nur mit den Schwänzen und heulten aufgeregt über die un- erwartete Unterhaltung. Jedesmal, wenn er den Schlitten zu heben versuchte, brach er von neuem durch das Eis, und schließlich zog er auch noch di« Hunde mit ins Wasser. Emerson hätte sich aus das feste Eis retten können, wie Fräser es getan, aber es war nicht möglich, das Gespann, das sich jetzt immer mehr in das Zaumzeug verfilzte, zu retten, und er wollte die unglücklichen Tiere, die jetzt vor Angst wahnwitzig waren, nicht im Stich lassen. Einer der Hunde hatte ihm mit der Pfote das Messer aus der Hand geschlagen, und er war fast gefühl- los vor Kälte und Verzweiflung, als er plötzlich durch den Nebel das Geräusch von vier Schellen hörte und hastig be- sehlende Worte, die von einer unbekannten Stimme ge- sprachen wurden. Durch den Schneenebel, aus der Richtung, auf die sie zustrebten, kam ein Hundeschlitten in voller Fahrt. Im nächsten Augenblick bog er nach rechts ab. machte halt und entging auf diese Weise der gefährlichen Stelle. Trotz seiner verzweifelten Lage konnte Emerson nicht umhin, sich über das Hundegespann zu wundern. Auf all seinen Reisen im Norden hatte er ein ähnliches noch nicht gesehen, denn alle zwölf Hunde waren von ganz ausgesuchter Art, unge- wöhnlich groß und gleichartig, wie Wölfe von denselben Wurf, grau, mager und bösartig. Sie liefen vor einem Stroh- fchlitten, der schlank und leicht gebaut und von eine Farbe war, die er noch nie gesehen hatte: innen war er mit weißem Fuchsfell ausgelegt. Die Gestalt, die im Schlitten saß, ebenfalls ganz in weißes Pelzwerk gehüllt, sprach wieder einige aufgeregte Worte, worauf ein langer Indianer das Hundegespann ver-' ließ und schnell auf die Unglücksstelle zulief. Als er näher kam, bemerkte Emerson, daß er eine„Parka" aus Eich- Hörnchenfellen trug, mit wehenden Schwänzen, und gleich- zeitig sah er, daß es kein Indianer war, sondern ein Mischling mit ungewöhnlich Heller kupferfarbener Haut. Der Mann lief bis an den Rand des Eises, warf sich flach auf den Bauch, faßte die Leine des Schlittens, kroch vorsichtig zurück und zog die Leine hinter sich her. Al« er auf sicherem Grund war. wandte er seine ganze Kraft an, und da die Hunde ebenfalls ihr Möglichstes taten, um festen Boden unter den Füßen zu gewinnen, kam der Schlitten näher und näher, bis er schließ- lich auf das feste Eis hinausschob. Daraus streckte der Jndia- ncr seine Arme aus und zog Emerson herauf, und gemeinsam retteten sie die Hunde. Die Gestalt im Schlitten hatte den Vorgang von weitem beobachtet, rief jetzt wieder etwas in einem merkwürdigen Dialekt, und der Mischling übersetzte ihre Worte. Es war eine Frau. „Eine Melle du gehen— Haus von weißem Mann, schnell gehen— du frieren." Er wies in die Richtung, vo» wo die beiden Männer gekommen waren und zeigte auf den anderen Arm des Weges. Fräser war um das Wasserloch herum auf den Indianer zugegangen. Die kalte Luit hatte seine nassen Kleidungs- stücke zu einer rasselnden Rüstung gefroren. Die Zähne schlu- gen ihm klappernd im Munde zusammen, und er fragtec„Hast du nicht etwas trockenes Zeug, unsere Kleider sind durchnäßt." Der Indianer übersetzte wieder die Worte, die die Frau ihm zurief:„Nein, du dich beeilen, hier nicht stehen bleiben. Wir müssen schnell weiter, können nicht warten." Er eilte zu seiner Herrin zurück, rief dem grauen Hunde- gespann„Oonah!" zu und der Schlitten sauste wie die wilde Jagd davon. Der Kutscher stand hoch aufgerichtet auf dem Schlitten und fuhr das Gespann mit großen Bewegungen und heftigen Zurufen, während die vielen Schwänze seiner „Parka" wie Wimpeln im Luftdruck flatterten. Indem sie vorbeisausten, sahen beide Männer im Fluge das Gesicht einer Frau unter der Fellkapuze, im nächsten Augenblick aber war es vorbei. Sie standen und sahen dem verschwindenden Gespann nach, während der kalte Atem des Eismeeres ihre Kleider erstarren machte und ihre Siieselsohlen an das Eis festfror.(Forlsetzung folgt.) Hanöe weg vc Zwischen den zuständigen staatlichen und städtischen Behörden soll die Herausnahme der Straßenbahn aus der Charlottenburger Chaussee beschlossen worden sein. Die neue Linie soll von der Doro- theenstraße aus nördlich am Reichstagsgebäude vorbei über den Platz der Republik durch die Straße„In den Zelten", den Spreeweg und dann quer durch den Belleoue-Park nach der Händelstraße geleitet werden und am Bahnhof Tier- garten, östlich und westlich von diesem in die Berliner Straße«in- münden. Die Bekanntgabe dieser Pläne hat nicht nur die unmittelbaren Anwohner in helle Empörung versetzt, sondern auch weite Kreise der Bevölkerung, namentlich jenseits der Spree, aus dem prole- tarischen Moabit, die an der Erhaltung des nördlichen Teiles des Tiergartens das größte Interesse haben, aufs äußerste beunruhigt. Für sie ist der Tiergarten, wobei man auch die„Zelten" mit ihren Konzertlokalen nicht vergessen soll, eine willkommene Erholungs- stätle. Es ist unbegreiflich, daß die jetzt ganz gerade laufende Linie der Charlottenburger Chaussee auf die merkwürdigsten, um- ständlichsten Umwege geleitet werden soll, auf Wege, auf denen genau lü Siraßenkreuzungen zu überqueren sind. Es ist ja recht schön, daß man uns im Tiergarten spazieren fahren will, wir waren aber bisher der Meinung, daß das oberste Prinzip des Verkehrs die größtmöglich« Schnelligkeit sein müsse, und die ist und bleibt zwischen zwei Punkten nur auf einer gerade verlaufen- den Straße zu erreichen. Und welch' barbarisches Vorgehen gegen die Zdylle des Parks. Der Bellevue-Park mit seinem prachtvollen Baumbestand würde durch die geplante Linienführung quer durchschnitten. Dieser Part war früher selbst ein Teil des Tiergartens. Würde es nicht eine geradezu ungeheuerliche Berschandelung dieser prachtvollen Park- onlage bedeuten, wollte man die von erholungsbedürftigen Spazier- gängern belebten Alleen und Wege durchqueren? Gibt es nicht eine Sunftdeputation, die sich auch der Erhaltung natürlicher Schönheiten widmen sollte? Die Hindurchführung der Straßenbahn durch den Park in gerader Linie auf der Charlottenburger Chaussee als die damals einzig mögliche schnell« Verbindung nach Alt-Charlotten- m Tiergarten! bürg hat man in Kauf genommen. Nicht verstehen würde mal» die jetzt geplante Lösung. Läge es nicht näher, die für ein paar Dutzend feudale Leute hergerichtete Reilallee zu opfern oder zu verlegen? Was für einen Zweck soll denn die neu« Maßnahme haben? Man legt die Straßenbahn, deren Fahrtgeschwindigkeit heute schon sehr zu wünschen übrig läßt, an die Peripherie de» Tiergartens und überläßt die Charlottenburger Chaussee de» Autos. Dadurch haben sowohl die Gäste der Straßenbahn wie die des Tiergartens den Nachteil. Die elfteren würden noch lang- samer vorwärtskommen, und die letzteren hätten noch mehr Lärm als bisher au spüren. Den Dort eil hätten allein die private» Automobilbesiher. und zwar vornehmlich die des Westens. Schon in früheren Jahrzehnten ist zugunsten rücksichtsloser Terrain- und Bauspekulanten Stück um Stück von unseren grünen Flächen geopfert worden. Muß im Zeitalter der sozialen Für- sorge das so weiter gehen? Schon hört man von neuen Plänen, bei deren Durchführung wiederum ein Zipfel des Tiergartens geopfert werden müßte. Von der Joachimsthaler Straße aus soll eine Straßenbahnlinie über den Landwehrkanal nach der Charlotten- burger Chaussee und von dort nach Moabit gesühr« werden. Ueber den Kanal wäre eine neue massive Brücke zu bauen, das Idyll am Kanal würde zerstört. Auf der südlichen Seit« des Parks, an der Tiergartensiraße entlang, will man sogar Kolonnaden mit Kauf- läden errichten. Auch dieser Idee müßten viele hundertjährig« Bäume zum Opfer fallen. Bei der Durchlegung der Tiergarlen- straße durch die Ministergärten würde wieder ein Stück Tiergartea fallen. Was blieb« schließlich übrig? Wir hoben durchaus Verständnis für die Notwendigketten de» Verkehrs, wir wissen auch, daß frühere Fehler der Gegenwart große Schwierigkeiten bereitet haben. Aber es geht nicht an, daß den Hunderttausenden, die ihr Bedürfnis nach frischer ßuft_ und Erholung inmitten de« großen Häusermeeres befriedigen müssen» Stück um Srück der vorhandenen grünen Flächen genommen wird. Man sollte mehr darauf bedacht sein, eine konsequente Grünflächen- Politik zu betreiben. Wann endlich wird z. B. der Wilmersdorser Stadtpark— als Anschluß an den Schöneberger— angepflanzr? Wo bleiben die großen, grünen Ausfallstraßen, die sich nach draußen zu immer mehr verbreitern, bis fle endlich in Park und Wald enden? lung bestritten die Angeklagten jede Schuld und wehrte» fich d» gegen, als Rote Frontkämpfer mit den Kommunisten in einen Topf geworfen zu werden. Vorsitzender Landgerichtsdirettor War- m u t h: Ich denke, Sie sind Rote Frontkämpfer, dann sind Sie doch auch Kommunisten? Angekl. Hoch: Aber, Herr Direktor, das Wort Kommunist ist eine Beleidigung für mich, das lasse ich nicht auf mir sitzen. Vors: Na, was ist denn der Rote Frontkämpserbund? Angekl. Hoch: Das ist eine Ueberpartei, Herr Direktor, die keiner politischen Partei angehört. Zum Roten Frontkämpferbund ge- hören auch Deutfchnattonale und Zentrumsleut«. Vors.: Das ist das erste, was ich höre, das klingt mir sehr unverständlich. Hoch: Ich kann Ihnen dafür Beweise bringen, aber Kommunist lasse ich mich nicht schimpfen. Das Urteil lautete: Der Angeklagte Hoch wird zu einen, Monat Gefängnis und Schneegans wegen Beamtenbeleidigung zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Beiden Angeklagten wurde mit Rücksicht auf ihre bisherige Unbe- scholtenheit und mit Rücksicht darauf, daß die politisch« Leidenschaft mit ihnen durchgegangen ist, eine Bewährungsfrist von drei Iahren zugebilligt unter Auferlegung einer Geldbuße von Sll bzw. 3 0 Mark, die in Raten gezahlt werden darf. Er fühlt sich minüerwertig. Z?ür andere zum Defraudanten geworden. Vor dem erweiterten Schöffengericht Mitte kommt ein merkwürdiger Fall von Banktontounterfchlagung zur Verhandlung. Angeklagt ist der Bankkassierer Ernst Müller, ein junger, gedrückter und dabei doch liebenswürdiger Mensch. Er ist, wie er im Protokoll angibt, der Sohn eines Postschaffners und einer Näherin, und er begann seine Tätigkeit als Laufbursche. Doch Müller ist ehrgeizig. Er kennt keine freie Zeit, jeden Augen- blick nutzt er dazu aus, die Mängel seiner Schulbildung zu füllen und sich auch kaufmännische Kenntnisse zu erwerben. Nachdem er eine kurze Zeit in einem Bankhause eine kleine Hilfsstellung aus- gefüllt hat, rückt er bereits im Alter von 22 Iahren zum H a u p t k a s f i e r e r herauf. Seine Kollegen sehen den Herauf- kömmling etwas über die Schulter an. Aber die Geschäftsführung schätzt ihn als einen Mann, auf den man sich unbedingt verlassen kann. Nein, Müller hat nie Cafes und Restaurants besucht, Müller hat nie mondäne Allüren entwickelt. Er lebt auch jetzt als Arn- vierter still seinem Studium weiter und will sich ausbilden zu einer Art Universalmensch, trotzdem das heute nicht mehr möglich ist. Aber er leidet unter der Mißachtung, seiner Kollegen, die sich seiner pro- minenten Stellung wegen nicht klar äußert, sondern sich nur in ver- hüllten Anspielungen Lust macht. Müller findet nicht den Ausgleich mit dem Leben. Tatsächlich hat er etwas erreicht, aber er weiß, daß ihm trotz seines Wissens k�u l t u r e l l e B o r a u s s e tz u n g e n fehlen. Und da kommt eines Tages ein Grohkaufmann zu ihm, ei» gewichtiger, kultivierter Herr, der das Leben kennt, der kleineren Existenz väterlich auf die Schulter klopft und sich den Anschein gibt, ais ob alle Welt in ihm den Ford in der Westentasche verehrt. Und dieser Kaufmann Arno K ä h l bittet um ein Darlehn, er bittet nicht, er lächelt jovial dabei. Gott, eine kleine Verlegenheit, er überzieht sein Konto, überzieht es immer weiter, bis schließlich ein Defizit von 250 000 M. entstanden ist. Noch immer sieht Müller in dem Kaufmann das große Genie, den Mann aus einer beneideten Welt, deren Genüsse ihm, dem kleinen Emporkömmling, verschlossen sind. Er gibt das Geld weiter, weil er einmal angefangen hat zu geben. Und weil er hofft, durch weitere Kredite den Verlust einzubringen. Und da kommt plötzlich die Revision und entdeckt das Defizit. Man schreit nach dem Kadi und nach anderen Gerechtigkeitsutensilien, und Müller flieht in seiner Herzensangst nach der Schweiz. Köhl hat ihm den Bor- schlag gemacht. Der große Mann verliert selbst jetzt noch nicht an Format. Müller wird dort verhaftet und nach Berlin zurück- befördert. ist nun schuld? Der Angeklagte Arno Köhl, der sich in- zwischen eine Druckerei in Königswusterhausen angeschafft hat, be- haupfet, er hätte geglaubt, Müller sei ein reicher Bankbeamter(gibt es heute noch Vertreter dieser Menschengattung?), der gewisser- inaßen zu seinem Privatvergnügen Gelder ausleiht. Köhl erzählt, er habe sich in Likörstubcn und Cafes mit Müller getroffen, und dort das Geld in Empfang genommen. Müller allerdings hat nie bei dieser Gelegenheit sich ausschweifend benommen. Man fragt sich erstaunt: Hat denn Müller überhaupt keinen Verdacht durch dieses Benehmen geschöpft? Der Gerichtsarzt konstatiert, daß Müller der typische Vertreter von Minderwertigkeitsgefühlen sei. Trotz seiner hohen Begabung hat Müller niemals das Emp- linden seiner Unwertigkeit gegenüber einem Kaufmann in gesicherter Position verlohn. Nun, der Schaden ist nicht groß. Ein erheblicher Teil ist da- durch gedeckt worden, daß die Bankfirma die Druckerei übernahm, und deshalb kommt dos Schöffengericht zu einem menschlichen Ur- teil. Arno Köhl wird wegen Anstiftung, Hehlerei und Begünstt- gung zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis ver- urteilt und Müller kommt mit einem Monat Gefängnis davon. Durch die Untersuchungshaft ist die Strafe gebüßt. Man verzichtet auf Berufung. Beinahe zeigt sich hier die Justiz als milde waltende Weisheit. Und hoffentlich wird einmal der kleine Müller zur richtigen Einschätzung seines Wertes gelangen. Ein Setrügersihicksal. Was das Leben aus ihm gemacht hat. Schöffengericht B e r l i n- M i t t e l Auf der Anklage- dank ein etwa 28jähriger Rheinländer mit intelligenten Zügen und auffallend blassem Gesicht. Seine Sprache ist gewählt, sein Tonfall sympathisch und warm. Sein Strafregister zeigt in der kurzen Spanne von drei Jahren— 1919 bis 1922— zwölf Vorstrafen: wegen Diebstahls, Betrugs, Unterschlagung und Urkundenfälschung. Er, der Angeklagte, klagt an: sein Elternhaus, die liebeleere Kind- heit, die führungslose Jugend. Auch hier haben Milieu und Arttage sich zusammengetan, um«inen Menschen zu zerbrechen. rc.®.tlern' der denkbar unglücklichsten E h e lebend. Das Kind Zeuge von Szenen, die seine Seele von klein au? vergiften mußten. Der Vater entfernt den Jungen aus dem Hause: der Achtjährig« kommt in«in Alumnat.„Statt liebevoller Erziehung fand ich hier schematische Behandlung," sagt der Angeklagte schmerzvoll Sechzehnjährig meldet sich der Knabe freiwillig zum Heeresdienst und verläßt die Truppe als Feldwebel mit vielen Auszeichnungen.„Ich hatte keinen Menschen, der sich meiner liebevoll angenommen hätte: ich kannte nur die Schulbank und das Feld: mit der ganzen Unerfahrenheit der Jugend stürzte ich mich in das Leben. Ich suchte Anstellung und fand keine. Meine Mutter starb. Ich lehnte mich an Menschen an, die meine Jugend mißbrauchten. Und so erhielt ich meine erste Strafe. Eine harte Strafe. Dann folgten die anderen. Als ich nach zweijähriger Haft im Jahre 1924 das Gefängnis verließ, hatte ich den festen Willen, endlich ein anderes Leben zu beginnen. Ich erhielt die An- stellung eines Vertreters bei der Firma Minimax..." Ein jeder andere, durch Anlage und Milieu weniger Belastete hätte nun den Weg ins freie Leben zurückgefunden. Er aber, ein h y st e r i s ch e r Psychopath, innerlich durch Kindheitserinnerungen an häßliche Familienszenen zerrissen, durch Vorleben und Strafen jedes mo- ralischen Haltes bar, mußte fast zwangsläufig in seine alten Gewohnheiten zurückstillen. Die 1200 bis 2000 Mark, die er monat- lich bei Minimax als Vertreter verdiente, reichten für fein luxuriöses Leben— Zimmereinrichtung, teure Lokale, Auto— bald nicht aus. Durch Drohungen und Erpressungen seiner früheren Freunde, der Firma sein Vorleben kundzutun, will er unsicher ge- worden und deshalb dem Trunk und dem Kols verfallen sein. Mit einem Worte: er begeht einen Betrug bei der Autoreifenfirma Kontinental, muß flüchten, um nicht verhaftet zu werden, kehrt darauf nach Berlin zurück, und nun beginnt eine große Serie von Betrüge- reien: etwa sechs oder sieben wurden ihm gestern vom Schössen- gericht Berlin-Mitte zur Last gelegt. Er verstand es, sich bei den Pelzfirmen Pelze zu verschaffen und sie in Geld umzusetzen. Unter seinen Betrügereien ist eine von ganz besonderem Raffinement. Bei der Pelzfirma Mondschein erschien ein junger Mensch und bat im Auftrage des Rechtsanwalts Ludwig Meyer, gemeint war Rechtsanwalt Ludwig Meyer, der in der bekannten Aktensache ver- urteilt wurde, und dessen Bruder den Angeklagten verteidigte, daß man diesem fünf Pelze zur Auswohl in dessen Wohnung schicke: unterwegs solle man aber ihn am Eingang des Amtsgerichts Neue Friedrichstraße abholen. Als Anzahlung gab er einen Scheck auf 600 Mark, der Rechtsanwalt Meyers Unterschrift trug. Herr Mond- schein wählte einige Pelze aus und fuhr im Auto zum Amtsgericht. Hier erwartete ihn der angebliche Rechtsanwalt Ludwig Meyer mit einem Kollegen. Beide gesellten sich zu Herrn Mondschein, um mit ihm in die Wohnung des Rechtsanwalts Meyer zu fahren. Vor dessen Bureau angelangt, sagte plötzlich der angebliche Rechtsanwalt Meyer, er wolle.lein Typfrqulein mit dem billigsten der Pelzmäntel beglücken: Herr. Mondschein möchte sich ins Bureau begeben: er würde mit den anderen Pelzen im Auto bleiben. Herr Mondschein ging ins Bureau, erhielt aber den Bescheid, daß der Rechtsanwalt gar nicht daran gedacht habe, Pelze zu bestellen. Das Auto war aber unterdessen samt den Pelzen verschwunden. In einem anderen Falle gelang es dem Betrüger, einen Maler um seine Bilder im Werte von 10 000 Mark zu begaunern. Der Maler sollte im roma- nischen Cafö auf ihn warten, bis er feine Bilder vertaust habe. Die Bilder fand er später bei Pfandleihern wieder. Der Angeklagte ist geständig. Man mag ihm glauben, daß er den besten Willen hat, ein anderer Mensch zu werden. Das Gutachten von Dr. W o ck e r läßt aber wenig Hoffnung, daß dieser haltlose Psycho- >ath, an luxuriöses Leben gewöhnt, je durch eigener Hände Arbeit ein saures Stück Brot zu oerdienen geneigt sein wird. Das lrteil lautete auf zwei Jahre und zwei Monafe Gefängnis._ örillanten pfunöweife! Vom Tischler zum internationalen Juwclendicb. Das unstete Reifelebsn eines internationalen Juwelen- und Hoteldiebes hat den verschiedensten Strafbehörden des In- und Auslandes schon mancherlei zu schaffen gemacht. Ein jetzt 28 Jahre alter Diomede Dyszliut, der aus Stoupschiene in der Ukraine stammt, übte seinen ursprünglichen Tischlerberuf nicht lange aus, sondern legte sich auf den Juwelen- diebstahl. Ale er von seinen Heimatsbehörden verfolgt wurde, flüchtete er im Jahre 1923 zuerst nach Versailles und Hann nach Nizza, wo er sich den Namen„Dechluk" beilegte. Hier wurde er bei einem Hoteldiebstohl gefaßt und zu einer Gefängnis- strafe verurteilt. Nach seiner Entlassung zog er in ganz Europa umher. All« großen internationalen Kur- und Badeotte und die Hauptstädte boten ihm Gelegenheit zu großen Beutezügen. Schien es ihm zu gefährlich, im Hotel abzusteigen, so betätigte er sich als geschickter'Fassadenkletterer. Im August 1926 kam er auf seinen Streiszllgen auch nach Berlin, und man vermutet, daß mehrere große Hoteldiebstähle, die damals verübt wurden, auf sein Konto zu setzen sind. Es gelang damals nicht, des Diebes habhaft zu werden. Er hatte inzwischen die deutsche Hauptstadt auch schon verlassen und war nach Brüssel über- gesiedelt. Dort verübt« er im November wieder einen großen Ju- welendiebstahl, bei dem ihm die Schmucksachen einer Gräfin Ber- loimont im Werte von 2S0 000 Frank in die Hände fielen. Ende Dezember v. I. wurde der gefährliche Dieb endlich erwischt. Bei ihm fand man � Pfund ungefaßter Brillanten und Saphire, außerdem zwei sehr kostbare Brillanten und eine Reihe von Schmuckstücken. An Hand der beschlagnahmten Schmucksachen ist es nunmehr gelungen, ihn allein in Berlin sieben großer Hoteldiebstähle zu überführen. Riesenjuwelcndiebstahl in New Bork. Ein Juwelendieb st ahl, bei dem den Verbrechern außer- gewöhnlich hohe Werte in die Hände fielen, wurde, wie die New- Porker Kriminalpolizen hierher berichtet, in dem Ritz-Carlton-Hotel verübt. Die Diebe drangen während der Zeit von 1— 6 Uhr nachmittags unbemerkt in ein Zimmer ein, öffneten einen Wandschrank und erbrachen den darin aufbewahrten Koffer, der die Juwelen ent- hielt. Es wurden«ine ganze Anzahl kleinerer Schmuckstücke und außer- dem verschieden« Gegenstände erbeutet, die einzig in ihrer Art sind. Darunter«ine Platinbrvsche mit einem rechteckigen Kristall, der von 116 Brillanten eingefaßt ist vnd einen eigenartigen Halsschmuck, dessen einzelne Teile auseinandergenommen und als Kleideragrasfen ver- ivendet werden können. Dicser Schmuck besteht aus geschliffenen Smaragden. Die New-Porker Behörden oermuten, daß die unschätz- baren Juwelen vielleicht in Europa ganz oder in Teilen zum Kauf angeboten werden und haben daher die kontinentalen Kriminal- Polizeibehörden um Mitfahndung ersucht. Für die Ergreifung der Verbrecher und die Wiederbeschaffung der Juwelen ist eine Belohnung von 10 000 Dollar ausgesetzt. Mitteilungen nimmt in Berlin die Dienststelle C. 1, Kriminaloberinspektor Schlosser, im Zimmer iL des Polizeipräsidiums entgegen._ Drei schlaue Mäüels. Eine Verfolgung, wie man sie vor Iahren nnt Borlied« f» Filmen zeigte, ereignete sich in allem Ernste in Neukölln. I» einem Zigarrengeschäst erschien ein junger Mann, taufte eine Kleinigkeit und zahlte mit einem Zweimarkstück, auf da» die Verkäuferin den Rest herausgab. Noch in der l�adentür stehen!� wandte der„Kunde" sich plötzlich um und erklärte, daß man ihm versehentlich statt eines SO-Pfennig-Stückes nur einen Grafche» gegeben habe. Die Verkäuferin zahlte also die 40 restlichen Pfennige noch aus, folgte aber dem Kunden heimlich, weil ihr die Loche nicht recht geheuer vorkam. Zu ihrem Erstaunen sah sie, wie er i» einen Bäckerladen ging und hier denselben Schwind el in Szene setzte. Die Verkäuferin aus dem Zigarrengeschäst ver» ständigte sich mit dem Fräulein aus dem Bäckerloden und dt« beide» Amokeurdetektwinnen folg»»» dem-Bördächttgen. Zum d»itte»- mal versucht« er st in Hestttsi einem Schanklvkal, so daß«r jetzt zu» scrmmen 1,20 M. erschwindelt hatte. Die dritte Verfolgerin schloß sich an, alle drei machten einen Schupoposten auf den listigen Be, trüger aufmerksam und ließen ihn festnehmen. Der Erwischt«, ei» 18 Jahre alter wohnungsloser ißaul S., gab aus der Wache seine» Schwindel auch sofort zu. Er gibt an, daß er fich i» Rot be-� s un den habe. Die dreimal zu Unrecht geforderten 40 Pfennig« wurden ihm wieder abgenommen und er dem U ulerf uchu ygsrich 1 ec vorgeführt. Gasexplosion auf der Strasie, Eine eigenartige Gasexplosion, bei der zwei Lrbetter durch Brandwunden verletzt wurden, ereignete sich gestern in der Kipe-< nicker Straße. Vor dem Grundstück Köpenicker Straß« 63 (Ecke Brückenstraße) werden gegenwärtig für die im Bau befindliche Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln Rannnarbetten oorge» nommen. Beim Einrammen eines großen Eisenträgers wurde eine Gaszuleitung der Straßenbeleuchtung durchschlagen. so daß größere Mengen Gas ausströmten, die plötzlich explodierten. Zwei Arbeiter, der 34jährige Maschinist L ü b k e aus der Mitten- walder Straße 26 und der 23jährige Fritz I ö ck e l aus der Seume- straße zu Lichtenberg wurden von einer herausschlagenden Stich- flamme erfaßt'und erheblich oerletzt. Beide mußten durch die Feuer» wehr, die mit drei Zügen an der Unfallstelle erschienen war, und die Gefahr beseitigte, in das Urban-Krankenhaus gebracht werden. Ein tödlicher Unfall trug sich gestern nachmittag auf den Gleisen der Vorortbahn, etwa 100 Meter östlich vom Lahnhof Hirschgarten entfernt, zu. Der 20jährige Arbetter Paul B ü ck e r t aus der Treskowallee 6 zu Friedrichsfeld« wollte kurz vor seiner Arbeitsstelle die Gleise überschreiten, als in demselben Augen- blick ein Vorortzug herannahte und B überfuhr. Er erlitt einen mehrfachen Schädelbruch, so daß der Tod wenig« Minuten später eintrat. Die Leiche wurde beschlagnahmt und m die Halle des Köpenicker Krankenhauses übergeführt.— Bei Reparatur. arbeiten auf dem Dach des Hauses Werder straße 13 in Köpenick verlor der 34jShrig« Dachdeckermeister Walter K u h f i ß das Gleichgewicht und stürzte auf die Straße hinab. In besinnungslosem Zustand« wurde der Verunglückte in da» Elisabeth-Hospital ge, bracht, wo eine Nierenzerreißung und mehrere Knochen- bräche festgestellt wurden. Sein Zustand ist hoffnungslos. Tötlich verlaufener Motorradnnfall. Gestern abend um 6 Uhr ereignete sich am Adlergestell zwischen Niederschöneweide und Adlershof ein tödlicher Motor- r a d u n f a l l. Ein Motorradfahrer, der in Richtung Adlershof fuhr, hatte bereits einen Radfahrer überholt und fuhr dabei gegen einen ihm entgegenkommenden Lastwaqen. Der Kotflügel streifte das Motorrad, und der Motorradfahrer stürzt« aus das Pflaster gegen die Bordschwelle. Die sofort alarmierte Feuerwehr von Nieder- schöneweide brachte den Schwerverletzten nach dem Köpenicker Krankenhaus: bei der Einlieferung war er jedoch schon verschieden. Die Personalien des Toten konnten nicht festgestellt werden, da er keinerlei Ausweispapiere bei sich hatte. Nicht einmal einen Führer- schein besaß er. Ein guter ärang. Augenblicklich steht der Fahrraddiebstahl wieder einmal in voller Blüte. Wir berichteten bereits wiederholt über die Festnahme von derartigen Dieben und Schwindlern. Jetzt wurde wieder ein Fahr- radmarder auf frischer Tat am Monbijouplatz ertappt.' Er hatte dort eine Maschine erbeutet und stand iin Begriff, sie in der Münzstrahe zu verkaufen. Dem Festgenommenen, einem gewissen Robert W e h l i s ch, wurde aber auf dem Polizeipräsidium noch viel Aergeres als ein Fahrraddiebstahl nachgewiesen. Cr gehörte zu der Gesellschaft, die vor etwa einem Monat ein junges Mädchen zu einer nächtlichen Autofahrt überredete, sie dann in einem Chausseegrabe» vergewaltigte trab HLflo« liegen ließ. Seine Helfershelfer, ein Schuhmacher,«in Händler und der Führer de» Autos, find schon früher festgenommen worden. Wehlisch gelang es damals. zu entkommen. Nach der Beschreibung, die das mißbrauchte Mädchen von ihm gegeben hatte, erkannte man ihn aber wieder und sagte ihm das Verbrechen auf den Kopf zu. Wehlisch bestritt es nicht und wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. prügelnüe Lehrer in üer Serufsfchule! Ueber die Verwerflichkeit der Prügelpädagogik braucht man kein Wort mehr zu sagen. Längst sind alle Einsichtigen dar- über einig, daß sie aus Schul« und Haus verbannt werden muh. ?Zn der Schule zu prügeln, ist aber in Deutschland noch gesetzlich er- laubt. Auch Berufsschüler dürfen noch„gezüchtigt" werden. Ein Reichsgerichtsurteil hat entschieden, daß Lehrer an Berufs- schulen(Fortbildungsschulen) in demselben Maß« schlagen dürfen, wie das(als Erziehungsmittel!) dem Handwerksmeister, dem Lehrherrn erlaubt sei. Jeder tüchtige Schulmann wird das Prügeln verab- scheuen und die entschuldigende Berufung auf das seltsam« Reichs- gsrichtsurteil nicht nötig haben. Und jeder befähigte Leiter eines großen städtischen Schulwesens muß nachdrücklich dafür sorgen, daß in den ihm unterstellten Schulen der verschiedenen Gattungött nichr geprügelt wird. Er wird seine Meinung über dieses mittelalterliche und verrohende„Erziehungsmittel" so deutlich sagen, daß die Lehrer wissen, was sie zu tun— oder, bester gesagt, nicht zu tun— haben. In Berlin hat. nach der in kränkender Art erfolgten Beseitigung des sozialdemokratischen Stadtschulrats Genossen Paul- sen, der deutschvolksparteiliche Stadtrat Benecke als proviso- rischer Leiter des gesamten städtischen Schul- wesens im Jahr« 1325 in einer Verfügung nur empfohlen, das Prügeln„nach Möglichkeit" zu unterlassen. Daß es in den Schulen nicht verboten sei, stellt die Verfügung ausdrücklich fest. Anscheinend galt dem provisorischen Leiter des städtischen Schul- wesens das Prügeln in der Schule nicht nur als gesetzlich zulästig, sondern auch als notwendig. Auf diesen Erlaß können sich die Berufsschulmänner zum Teil stützen, über deren verwerfliche Anwendung der Prügel als„Erziehungsmittel" kürzlich in der städtischen Fachschuideputation verhandelt werden mußte. Folgende Vorgänge hatten dazu den Anlaß gegeben: In einer Iünglingstlasse einer nahe dem Schlesischen Bahnhos gelegenen gewerblichen Berussschule prallten während des Unterrichts zwei Kirschkerne gegen die Wand- tafel. Der Lehrer stellte fest, daß ein Schüler Kirschen gegessen und auch solch« verschenkt hatte. Zwei Schüler, die Kirschen erhalten hatten, waren dem Lehrer besonders verdächtig. Beide leug- neten. Einem wurde geglaubt, der ander« aber, dem nichts bewiesen werden konnte, der jedoch als„schwieriger" Schüler gilt, erhielt ein« Backpfeife. Die Dinge entwickelten sich dann„lebhaft" weiter. Der gezüchttgte Junge, schmächtig und kränklich, holte seine Mutter. Der prügelnde Lehrer schaffte den Direktor herbei. Dieser, ein schneidiger Mann, erst seit kurzer Zeit Berufsschuldirektor, ist seit langem schon als— Nichtgegner des Prügelns bekannt. In seinen Anordnungen hört man von„Befehlen". Durch ein« mißverständliche und mißverstandene Ausforderung des Direktors kam es zu einem neuen Zusammenstoß zwischen diesem und dem geohrfeigten Schüler. Ergebnis: eine weitere Ohrfeig« zweiter Instanz! Die Mutter war teilweis« Zeugin der Vorgänge. Der„bedrängte" Direktor veronlaßte außerdem noch das Eingreifen des Schulmeisters. Ein netter Schulbetriebl Die Fachschuldeputation stellt« in einem Ausschuß e i n- mütig ohne Unterschied der Parteirichtung gemein- sam mit allen Dezernenten mit Einschluß des Juristen ein schuld- Haftes Verhalten der beiden Schulmänner fest. Und die Folgen? Versetzung des Lehrers,' schwere Rüge für ihn und den Direktor. Androhung des Disziplinarverfahrens gezen beide im * ä i. Wiederholungsfall. Der wackere Stadtrat B e n e ck e hatte empfohlen, Prügeln nach Möglichkeil zu unterlassen. Da brauchten die beiden Schulmänner nur beweisen zu können, daß sie keine Möglichkeit gehabt hätten, ohne Backpfeifen ihre schwer- gekränkte Schulmeisterwürde wiederherzustellen, und sie waren ge- rechtfertigt vor diesem Stadtrat. Der ist aber inzwischen als Leiter des Berliner Schulwesen» glücklicherweise sä acts gelegt worden, und hoffentlich widerfährt dieses Schicksal nun endlich auch seiner Verordnung. Weiter« Berufung auf das Reichsgerichtsurteil wäre auch sinnlos in einem Augenblick, in dem der Entwurf eines Berufsausbitdungsgesetzes vorliegt, das ein Züchtigungsrecht des Lehrherrn nicht mehr kennt. Mit erfreulicher Deutlichkeit hat der Sozialdemokrat, der jetzt Chef der Berliner Schulverwaltung ist, der Stadtschulrat Genosse Rydahl, sogleich bei dem Eintritt in dieses Amt erkennen lasten, daß er das Prügeln und die prügelnden Pädagogen ablehnt. Also fort mit ihnen aus den Berliner Schulbetrieben! Trauerfeier für Karl Tieh in der Wochenschau. Die Opel- Wochenschau zeigt in ihrem dieser Woche laufenden Film eine Reihe Ausnahmen von der Trauerfcier iür den erschossenen Reichs- bannerkameraden Karl T i e tz in Erkner. Die Aufnahmen beweisen, wie stark die Beteiligung an dieser Trauerkundgebung war, die zugleich ein starker Prorest gegen den politischen Mord bedeutete. Ein alter Parteigenoste verschieden. Wilhelm Stenz«! ist am Sonnabend abend im 59. Jahre einem Herzschlag erlegen. Der Tod hat ihn einen Tag nach der Geburts- tagsfeier und der Llhährigen Parteizugehörigkeit seiner Gattin Anna Stenz«! ereilt. Der Verstorbene war 24 Jahre Mitglied unserer Pqrtei und mehrere Jahre Stadtverordneter der Stadtgemeind« Schöneberg. In besonders hervorragender und pflichttreuer Weife hat sich Stenzel als Agitator und Kämpfer auf dem Lande in den Jahren von 1901 bis 1913 be- tätigt. Unermüdlich hat er die Strapazen der Landagitation auf sich genommen und war jederzeit bereit, gerade die schwierige Arbeit der Aufklärung unter den Landarbeitern zu leisten. Die Abteilung verliert in Stenzel einen ihrer alten treuen Genosten, dem sie für immer ein Andenken bewahren wird. Die Arbeilsgemeinschasl für Forstschutz und Naturkunde e. V. veranstaltet am Sonnabend, dem 23. Juli, eine Dampferfahrt von Friedrichshagen nach Müggelheim. Abfahrt nachmittags 4 Uhr Friedoichshagen, Städtischer Park, Waldowstrah« am Tunnel- «ingang, nachmittag- 4H Uhr Köpenick, Rathaus, Städtische Brücke, Luisenhain. Gemeinsame Kaffeetafel in Müggelheim im Gasthaus zur großen Kramp«. Anschließend Waldwanderung, Rück- fahrt abends 854 Uhr. Fahrpreis: Erwachsen« 1 M., Kinder 50 Pf. Gäste willkommen. Vorverkauf in der Geschäftsstelle, Friedrichs- Hagen, Scharnweberstr. 51. „Blumen im Clou." Vom 29. bis 28. August 1927 veranstaltet die Deutsch« Gartenbaugesellschaft im Berliner Konzerthaus Clou eine allgemeine Blumen- und Pflanzenschau, die in Sonderschauen Kakteen, Gladiolen, Dahlien, Sommerblumen und Stauden zeigen wird. Alle Garten- und Pflanzensreunde haben Gelegenheit, in dieser Ausstellung, die wie alle früheren der Hebung der Blumen- liebhaberei in der Großstadt dient, ihre selbstgezogenen schönen Pflanzen zur Schau zu stellen. Anmeldeformulare sind von der Geschäftsstelle, Berlin R. 4, Jnvalidenstr. 42, anzufordern. Wintergarten im Zuli. Die Varietös sparen sich im allgemeinen die großen Programm« für die winterliche Hochsaison auf. Das Sommerprogramm des Wintergartens weist jedoch eine Anzahl wirk- lich erstklostiger Nummern aus, so daß man es getrost als großes Programm ansprechen kann. So sind die beiden D e m o n s Keulen- jongleure höchster Klasse: man wird ähnliches kaum finden. Es ist ein besonderer Genuß, diesen absolut sicher arbeitenden Artisten zuzusehen. Aus einer wild rotterenden Bühne fährt Catalani in Gegenbewegung Rad. Es ist ein tollkühner, nervenerregender Akt, der aber auch wieder durch die Sicherheit des Artisten zum vollen Genuß führt. Eine Augenweide sind diesmal die Tänze. Amerika scheint in der Tat unerschöpflich in schönen Tänzerinnen zu sein. G l e n n E l l v n ist eine entzückend« Vertreterin moderner amerikanischer Tanzkunst, die mit der Bezeichnung Akrobatik-Tanz am besten charakterisiert wird. Nicht minder reizvoll aber ist die Tänzerin Poette Girard mit einer Girltruppe, die, eine sehr belustigende Neuheit, einen geheimnisvoll wirkenden Hampelmänner- tanz ausführt. An beiden Tänzerinnen überraschen sehr viele neue liebenswürdige Nuancen. Antonet und Beby ergehen sich in breitem, drastischem Humor, der ober, so drollig er auch wirkt, eine straffere Zusammenfassung verträgt. Die Boganny- Truppe verfügt über einen brillanten Springer und ist lustig wie immer. Ungeheuer komisch wirkt R o ch e z' köstliches Affen- bzw. Aeffchen- varietö. Di« Billardspiele der B e r n o s bringen mit einem hübschen Endeffekt mancherlei Neuheiten. Der griechisch-römisch« Akt der S e d a t s bringt zwei schöne, kraftvolle Menschen auf die Bühne. M e w u s lebendes Gespenst hat�.inzwischen widersprechende Kritik erfahren, ist aber doch ein sehr wirkungsvoller und angenehm gruseln machender Schauakt. Nur wäre hierbei zu wünschen, daß der Experimentator die Gewähr gäbe, daß sein« Mitarbeiterin keinen Schaden nimmt: sie sieht nach dem Experiment doch recht erschöpft und mitleiderregend aus. 4# i unKxvinMitß� Am Nachmittag hatte die Dichtervereinigung„Der Junge Kreis" das Wort. Sie ist in ltteraturintereffierten Kreisen wohl- bekannt, doch dürfte das große Funkpublikum auch nur einzelne Autorennamen des„Jungen Kreises" kennen. Was sich in ihm zu- sammengefunden hat, ist gewiß längst nicht alles künstlerisch gleich- wertig. Aber die Gesamtbekanntfchaft lohnt. Albert H i r t e be- tonte in seiner Einführung zu der Vortragsstunde die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, die diesen Zusammenschluß junger Dichter er- zwungen haben. Doch das gemeinsame Interesse geht im Grunde über rein wirtschaftliche Zweckhaftigkeit weit hinaus. Durch Arbeit von vier Vertretern des.Lungen Kreises" wurde die Gemeinsamkeit weltanschaulicher und künstlerischer Ideen erwiesen. Das flott spie- lende Hans-Raue-Salonquartett brachte die übliche Nachmittags- Unterhaltungsmusik. Der Abend bot ein Sendespiel Leo Falls Ope- rette„Die Straßensängerin" in guter Ausführung und Besetzung.— Pros. Dr. Georg Wegener, Rektor der Handelshochschule, setzte seine Schilderung der bewegten politischen Entwicklung in China fort. Außerordentlich interessant und amüsant plaudert« Dr. Franz Lepp- mann über„Dichter auf der Kurpromenade". Tes. Die(ppfer üer sächsischen Katastrophe 145 Tote. Dresden. 12. lluli.(TU.) An den Unglücksstätten im Hlüg litz- und Gottleubalal sind seit gestern weitere Tote nicht mehr gefunden worden, so daß man annehmen kann, daß die Zahl von 145 die endgültige Todesziffer ist. Der Sachschaden wird nach vorläufigen amtlichen Schätzungen mit 50 bis S0 Millionen angegeben. Die wiederherstellungsarbeiten, für die man voraussichtlich zwei llahre brauchen wird, werden nach einem Generalbebauungsplan ausgeführt werden, bei dessen Auf- stellung die jüngsten Ersahrungen verwertet werden. Nachdem gestern die ersten sieben Toten in Berggießhübel beerdigt worden sind, wird heute die Beerdigung der übrigen Todesopfer der Katastrophe statt- finden. Die öeisetzung im Erzgebirge. Dresden, 12. Juli.(Eigener Bericht.) Nachdem bereits am Montag nachmittag in Berggießhübel sieben Opfer der Unwetterkatastrophe beerdigt worden waren, fand am Dienstag nachmittag um 4 Uhr auf dem Friedhof der am schwersten heimgesuchten Gemeinde die Beisetzung weiterer 40 Todesopfer in Massengräbern statt. Dazu hatten sich Der- lreter der Reichsregieruug, der sächsischen Regle- r n n g mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze und viele Vertreter der Behörden und Gemeinden eingesunden. Zn Dresden hatten sämtlich« offiziellen Gebäude zum Zeichen der Trauer h a l b m a st geflaggt. Auch in den übrigen vom Unglück betroffenen Gemeinden wie W esenslein, Gottleuba. Glashütte. Pirna usw. sind die Toten am Dienstag nachmittag beigesetzt worden.— Die Ausräumungsarbeiten haben dank der unermüdlichen Tätigkeit der Helfer i.i den letzten Tagen große Forlschritte gemacht. Ganz Oesterreich trauert... Der österreichische Bundespräsident Hainisch hat folgendes Telegramm an Reichspräsident Hindenburg gerichtet: „Anläßlich entsetzlicher Unwetterkatastrophe, von der fruchtbar« Gegenden Deutschlands heimgesucht wurden, und die so vielen Deutschen das Leben kostete, bitte ich Eure Exzellenz den Ausdruck innigsten und wärmsten Beileids entgegenzunehmen. Ganz Oesterreich trauert mit mir über diesen schweren Schlag, von dem das Erzgebirge betroffen wurde und fühlt aufrichtig mit allen deutschen Stammesbrüdern, die Schaden an Leben und Gut er» litten." Der Reichspräsident hat daraufhin an den Bundespräfi» deuten Hainisch gedrahtet: „Euer Exzellenz danke ich herzlich für den Ausdruck innigen Mitgefühls, das Sie selbst wie unsere österveichischen Stamme»- brüder der schweren Unwetterkatastrophe im Erzgebirge entgegen» bringen. Ihre teilnehmenden Worte werden in ganz Deutsch- land mit Dankbarkeit aufgenommen werden." das Erübeben in Palästina. 62 Tote und 256 Verwundete. Jerusalem, 12. Juli.(WTB.) Nach den letzten offiziellen Angaben beziffern sich di« Opfer des Erdbebens auf 62 Tote und 259 Vevwun- dete. Ein Basar in Nablus stürzte ein. Die Toten sind noch nicht geborgen. Englische Fliegerabteffiingen unterstützten wirksam die Hilfeleistungen in den von dem Erdbeben betroffenen Orten. In Hebron wurden vier Personen getötet. Die Städte Gaza, Akros und Berseba sind unversehrt: hingegen sind in Safad und Tiberius �Sachschäden zu verzeichne�. In etwa 29 Städten und Döxsern sind Opfer an Menschenleben zu beklagen.— In Arn man wurde das britische Ämtsg«bäude durch das Erdbeben zerstört. Acht Personen sind dabei u m s Leben gekommen. In Effalt hat sich die Zahl der Opfer auf 85 erhöht. Das Unwetter über Paris. Paris, 12. Juli.(WTB.) Heute nachmittag ist über Paris wiederum ein heftiges Gewitter niedergegangen. Das gestrige Unwetter hat größeren Schaden angerichtet, als an- fangs angenommen wurde, insbesondere in den Telephon- ämtern sind starte Verheerungen angerichtet worden. Ein Abend- blatt spricht davon, daß vier Monate nötig seien, um die entstandenen Schäden auszubessern. Vor allem werden Ueberschwemmungen zahl- reicher Keller und Goschäfte in der Stadt und Umgegend gemeldet. Aus der Provinz wird über ein starkes Ansteigen der Flüsse berichtet. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgeaead tNachdr. verb.) Warm, wolkig, zeitweise heiter. Neigung zu lokalen Gewittern. Schwache Winde aus vorwiegend südlicher Richtung.— Für Venffchlond: Ueberall Fortbestand des herrschenden Witterungscharatters. Zunehmende Gewittertatigkeit Lei(QüAMI&l für wenig JAS ist leicht gesagt. doch schwer getan Jm dllgemeinen steigt mit der Güte einer Ware auch der Preis Wie unsere OVERSTOLZ zeigt, gibt es aber Wege, für wenig Geld viel Qualität zu liefern. Ausser uns Kann niemand eine solche Zigarette für5P£.inden Handel bringen Auch wir könnten es nicht, wenn sich nicht die Qualität auf eine grosse Nachfrage stützte OVERSTOLZ ist heute die meistge rauchte Zigarette Deutschlands und hat erst durch ihre Güte den Raucher anspruchsvoll gemacht. Diese Ansprüche, die wir erweckt haben, wollen wir auch für die Folge erfüllen. Alle Ersparnisse, welche die steigende Nachfrage schafft, Kommen immer wieder dem Tabak unsereRa OVERSTOLZ zugute. Ihre Mischung wird in kurzen Zeitabschnitten-wie auch in den letzten Wochen wieder- fortgesetzt verbessert, ohne dass wir den Preis erhöhen Nicht üas wort, sonöern öle Tat! Von der wachsenden Bedeutung der Arbeitersportbewegung zeugen nicht zuletzt die Verhandlungen de» sozialdemotrati» schen Parteitags in Kiel. Im Segensatz zum Parteitag in Heidelberg ergab sich ein Umschwung der Meinungen innerhalb der Partei, den nur derjenige verstehen kann, der die Bewegung der letzten Jahre genau verfolgt hat. Diesem Beispiel« könnten viele andere angefügt werden. Besonders auch die Regierungen des Reiches und der Länder sowie die Parlamente reden heute eine ganz andere Sprache über den Arbeitersport als noch vor wenig Jahren. Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß wir diesen Um- schwung der Meinungen nicht in erster Linie den üblichen Agitationsmethoden danken. Entscheidend dafür sind die praktischen Leistungen der Arbeiterschaft in den letzten Iahren. So hat bei- spielsweise die Errichtung der Bundesschule Wunder ge- wirkt. Nicht die Tatsache der Errichtung dieser Schule allein, son- dern ihre vorbildliche Einrichtung und ihre nach allen Anforderungen der Neuzeit ausgestatteten Anlagen haben dieses Ergebnis herbei- geführt. Und die Bundesschule wird noch auf lange Jahre hinaus im Mittelpunkt unserer gesamten Werbearbeit stehen, ohne daß wir etwa» Besonderes dazu tun mühten. Alles, was in der deutschen bürgerlichen Sportbewegung einen Namen hat. hat sich bemüht, die neue Anstalt kennen zu lernen, und alle sind voll der Anerkennung und des Lobes über die hier vollbrachte Leistung. Mehrer« parlamentarische Ausschüsse des Reichstages wie auch der Landtage haben die Schule bereits besichtigt, und viele andere werden folgen. Dadurch wird immer von neuem der Ruhm der Arbeitersportbcwe- gung in die Oefsentlichkeit getragen, und die Bewegung bekommt im allgemeinen in der gesamten Oefsentlichkeit eine Wertschätzung, die noch vor kurzer Zeit nicht zu erhoffen war. Was will gegenüber solchen Taten das agitatorische Wort be- deuten? Ganz abgesehen davon, daß oft das Wort mit so wenig Geschick gehandhabt wird, daß daraus eher Nachteile als Vorteile für unsere Bewegung hervorgebracht werden, kann das Wort nie mit solcher Ueberzeugung wirken wie eine vollendete Tat. Soll unsere Bewegung weiter in diesem Tempo an Ausdehnung und Ansehen gewinnen, so wird es bei dieser einen Tat nicht sein Be- wenden haben dürfen. Gewih, vor der Errichtung der Bundes- schule hat unsere Bewegung schon manches geleistet in der Errich- tung von Spiel« und Sportplätzen, Turnhallen, Bädern usw.; aber das alles hatte nur lokale Bedeutung, die Kunde davon drang selten über die engeren lokalen Grenzen hinaus. Unsere Bewegung wird auch in Zukunft— und im gegenwärtigen Augenblick darf da» mit besonderer Betonung gesagt werden— an solchen Werten Vorbild- liches schaffen i aber man möchte doch wünschen, daß auch in anderen Großstädten des Reiches Anlagen errichtet werden, die Zeugnis von der Kraft und Stärke unserer Bewegung in würdiger Form ab- legen. Wie wenig unsere Bewegung an verschiedenen großen zen- tralen Punkten bisher geleistet hat, dafür gibt Berlin ein sehr bezeichnendes Beispiel. Die Arbeitersportbewegung der Reichshauptstadt hat wohl einige kleine Sportanlagen auf er- pachtetem Gelände hervorgebracht, denen kleine Mittelstädte viel Besseres an die Seite zu stellen hiiben, aber sie hat bisher nicht ver- macht, eine monumentale Stätte der Arbeitersport- bewegung zu schassen. Es ist hier nicht der Ort, um unsere Berliner Bewegung zu kritisieren, es muß aber doch gesagt werden, daß Berlin nun auch an der Reihe ist, einmal zu zeigen, was die Bewegung zu leisten imstande ist. wenn sie einig i st in der Förderung des Gedankens der Arbeitersport- bewegung. Das hier von Berlin Gesagte gilt für viele andere Großstädte des Reiches auch. Kleine Ortschaften, Dörfer haben oft unendlich viel mehr geleistet als diese großen Städte, weil die Bewegung dort von einem einheitlichen Willen und von tatkräftigem Unternehmungsgeist getragen war. Unser« größten deutschen Städte müßten Arbeiterstadien haben, die für die gesamte Bewegung einen Kulminationspunkt bilden würden. Ist ein solcher Mittelpunkt der Bewegung vorhanden, dann wächst sie in ganz anderem Maße zu- sammen als das bei der bisherigen Zerrissenheit je der Fall sein könnte. Mit diesen Worten wollen wir nicht einer leichtfertigen und uferlosen Prajektemacherei dienen, sondern unsere großstädtischen Turn- und Sportgenossen darauf hinweisen, daß nicht Worte, son- dern nur Taten uns vorwärts bringen können. Möge man daher einmal ernstlich über diese Frage nachdenken, möge man vor allen Dingen sich enger zusammenschließen in einem einheitlichen Willen. Wenn erst dieser Wille vorhanden ist, werden sich die Wege von selbst finden.________ Fr. W i l d u n g. Berlin. »Menschenleben in Sefahr!� Wie allabendlich, so war auch am Vonnerstag Hochbetrieb im Sommerbad des Vereins„Freie Schwimmer Neukölln" im Freihafen Britz. Aber nicht nur hier, sondern auch rechts und links davon auf beiden Seiten des Kanals. Mensch an Mensch gelagert im Grase, und im Wasser fröhliches Leben——— Plötzlich das Signal „M enschenlebeninGefahrl" Die Arbeiterschwimmer wissen die Kostbarkeit der Sekunden in derartigen Fällen zu schätzen, und unglückten. Bange Sekunden— die Taucher koinmen an die Ober- fläche des Wassers; einer von ihnen meldet:„Hier liegt er!" Sofort wird noch einmal getaucht und ein scheinbar lebloser Körper von dem schwor, zen Grunde herausgeholt. Inzwischen sind all« Vorb>. reitungen sür Wiederbelebungsversuche getroffen. Ruhig und sicher wird von den damit beauftragten Sportlern die künstliche Atmung eingeleitet. In Schweiß gebadet arbeitet der Wackere unverdrossen an seinem Rettungswerk. Da. nach 15 bis 20 Minuten hebt und senkt sich die Brust des Totgeglaubten. Die Augen der Umstehenden glänzen. Em Menschenleben ist gerettet! Arbeiter haben einen Klafsen genossen vom sicheren Tode bewahrt. Heldentum, das nicht besungen wird. Unbarinherzig fordern die Flüsse und Seen Jahr um Jahr ihre L>ps«r. Diese Opfer zu verhüten resp. aus das äußerste Minimum einzuschränken ist«ine Ausgabe, die die Schwimmsportbcwegung sich gestellt hat. Die Arbeiterschwimmvereine sind unablässig bemuht, weiteren Kreisen das richtige Atmen im Wasser, auf das es nämlich in der Hauptsache ankommt, zu lehren. Leider stehen diesen Vereinen in der Viermillionenstadt viel zu wenigBadeplätze ,zur Verfügung, wie es im Interesse der Sicherheit der Allgemeinheit unbedingt notwendig wäre. Jedoch die wenigen zur Verfügung stehenden Badeplätze an der Peripherie von Berlin müssen so gut es geht im Dienste der Allgemeinheit ausgenutzt werden. So hat z.B. der Verein„Freie Schwimmer Neukölln" am Freihafen (Sicoers-Ufsr, Britz> einen Platz vom Magistrat gepachtet, auf dem auch noch ein bürgerlicher Derein untergebracht ist. Die lebhaste Bc- tatignng unlerer Arbciterschwimmer hier besonders in den Abend- stunden zu beobachten, dürfte interessant und lehrreich sein. 10 Pf. für Eintritt wird man gern dafür erlegen. Sechs Mitglieder haben vor Knigen Wochen die S ch w i m m e i st e r p r ü s u n g mit put bestanden. Unter ihrer Leitung werden ohne Unterbrechung(im Winter im Stadtbad) Nichtschwimmer zu Schwimmern, Schwimmer zu guten Schwimmern und diese endlich zu Rettungsschwimmern aus- gebildet. Auch Kinder aus Waisenhäusern, Schulkinder sowie Arbeits- lose wurden durch den Magistrat dem Verein im vergangenen Jahre überwiesen und mit sehr gutem Erfolge in verhältnismäßig kurzer Zeit im Schwimmen ausgebildet.„Dem Volke gilt's, wenn wir zu spielen scheinen!" haben die freien Schwimmer an die Wand ihres Erholungsraumes geschrieben, und es ist ein erhebendes Gefühl, die schlanken, braunen Gestalten bei ihrem heiteren und doch häufig so ernstem Spiel zu beobachten._ die Zwischenrunöe im Stealau-Turnier. Das erste Spiel, Eintracht gegen Berlin X I I, hätte leicht anders enden können. In der ersten Halbzeit sah es für die Steg- l i tz« r brenzlich aus. Der Torwart der Steglitzer spielte sehr un- sicher und brachte durch dieses unsichere Spiel seine Mannschaft auch oft um den Sieg. Kurz vor Schluß kann Berlin dann doch noch zum siegbringenden Tor einsenden.— Das zweite Spiel, Treptower Ballspielklub gegen Stralau, war wohl das Haupttreffen im ganzen Turnier. Die Stralauer oersuchten den alten Ruf zu wahren, wogegen Treptow alles daran >. Schon mit dem ellen Laus WW�WWW zeigt sich aber" allen Situationen gewachsen. Der Sturm der Ball- spieler ist aber auch nicht müßig. Ein schneller Vorstoß führt dann auch zum ersten Erfolg, an dem die Verteidigung Stralaus nicht ganz schuldlos ist. Trotzdem läßt sich Stralau nicht entmutigen. Langsam läßt das Tempo nach. Bei beiden Mannschaften macht sich die Hitze und die Aufregung bemerkbar. Ungefähr 10 Minuten vor der Pause gelingt den Stralauern dann der Ausgleich. Nach der Pause behält Stralau zunächst die Oberhand. Immer gefährlicher werden die Angriffe auf dos Heiligtum der Gäste, bis ein wohl- gezielter Schuh des Mittelstürmers die Anstrengungen belohnt. Treptow stellt nun um. Sehr zu ihrem Nachteil. Dadurch, daß der rechte Verteidiger in den Sturm genommen wurde, erlitt die Hinter- Mannschaft ein« Schwächung. Stralaus Angriffe sehen deshalb auch immer gefährlicher au», als sie in Wirklichkeit sind. Fünf Minuten vor Schluß kann Stralau dann auch zum dritten und siegbringenden Tor einsenden.— Die am 24. Juli stattfindende Endrunde bringt also Berlin Xll und Stralau zusammen.— Von Wacker- Braunschweig, die in Pankow bei Adler 03 weilten, hatte man mehr erwartet al» sie zeigten. Als Kreismeister des zweiten Kreises zeigten die Braunschweiger wirklich keine Meisterleistungen. Das Resultat, 5:1 für Adler, ist für die Braunschweiger sehr schmeichelhaft. Auch vom Berliner Sportverein 22, der gegen Eintracht-Landsberg spielte, hatte man etwas mehr erwartet. Die Berliner wurden einwandfrei mit 4: 1 geschlagen. Hertha 22 hotte Kölau als Gast. Die Lichtenberger gewannen glatt mit 5: 1. Pankow 08 gegen Tegel 24 8: 2. Amateure gegen Charlottenburg 6: 8. Wittenau gegen Weißensee 1: 1. Friedrichhagen gegen Woltersdorf 4: 2. Bernau gegen Helvetia 3:1. Der Radfahrerbund..Zreiheil". Bei dem gesteigerten Verkehr hat sich für den Radfahrer auch die Unfallgesahr wesentlich erhöht. Der Radfahrer hat sich also schon im Interesse seiner Angehörigen gegen Unfälle zu ver- sichern. Nicht nur er selbst kann sich Verletzungen zuziehen, es liegt auch die Möglichkeit nahe, daß andere Personen oerletzt werden, und der Radfahrer sür den Schaden haftbar gemacht wird. Da ist nan der Arbeiterradfahrerbund„Freiheit" die vorteil- hafteste Versicherung. Bei einem Bundesbeitrag von nur 2 5 P f. per Monat und einer Delegierten st euer von 40 Pf. im Jahr gewährt der Bund seinen Mitgliedern: Kostenlose Lieferung der Bundeszeitung:„2>er freie Radler." Bei Radunfall, bei denen die Folgen für das Mitglied Arbeits- Unfähigkeit ist, eine Entschädigung; bei einjähriger Mitglied- schaft 1 M. Entschädigung pro Arbeitstag und steigend bis zu 2 M. pro Tag bei fünfjähriger Mitgliedschaft. Bei Radunfällen mit tödlichem Ausgang kann eine Unterstützung ohne Einhaltung der Karenzzeit in Höhe von 50 Mark gewährt werden. Sterbegeld bei Todesfall bei einjähriger Mitgliedschaft 60 Mark, steigend bi, zu 100 Mark bei fünfjähriger Mitgliedschaft. Kostenlosen Rechtsschutz in Prozessen, die für Rad- fahrer von prinzipieller Bedeutung sind. Zollfreie Grenzüberschreitung von Wandetfahrten, sowie Lieferung von Mittelbachschen Wegekarten an Vereine zum Selbstkostenpreis. Eintrittsgeld in den Bund kostet 60 Pf. Die Beitrittserklärung erfolgt durch die Bundesvereine. Auskunft erteill der KreiÄeiter der Provinz Brandenburg: E. Werner, Berlin N. 65, Hvch» st ä d t e r Straße 5, v. 2 Treppen. Hygiene des Arbeitersports. Der Arbeitersport kennt nicht die Sucht nach dem Rekord. Er weiß, daß Sporl nur dann einen Sinn hat, wenn er mit der körperlichen Ertüchtigung des einzelnen zugleich die Ertüchtigung der Massen erstrebt. So muß die Hygiene des Arbeitersports auch von anderen Voraussetzungen ausgehen als die sogenannte Hygiene des bürgerlichen Sports, muß sie zu anderen Schlußfolgerungen führen als jene. Es ist das verdienstvolle Werk Dr. M a r c u s e s, unter dem obigen Titel im Dietz-Verlag, daß er den Versuch einer solchen Hkrausarbeitung des Unterscheidenden und de« Wesentlichen unternommen hat. Sein Buch, das sich uns in schmucker bildreicher Aufmachung präsentiert, gibt zum erstenmal eine umfassende Darstellung der gesundheitlichen Vorbedingungen, der gesundheitlichen Schranken und der gesundheitlichen Erfolge des- jenigen Sport», der wirftich den Massen des schaffenden Volkes unserer Zeit zu dienen bestrebt ist. Gewiß— vieles davon hat unser Arbeitersport schon längst instinktiv als selbstverständlich, al« seinen Zielen gemäß angenommen. Aber es fehlte doch bisher an einem Buch, das den begeisterten Freund des Arbeitersports und den vorsichtig abwägenden Kenner des menschlichen Körpers und seiner Bedingungen zugleich zu Worte kommen ließ, hier haben wir nun beides: den Wegweiser und den Warner. Hier hoben wir eine auch für den Laien anschauliche Darstellung der hygienischen Bedingungen des Arbeitersports»eben der freudigen Bejahung dieses Sportes als einer der größten Bewegungen unserer Zeit. Keiner, dem es ernst ist um den Arbeitersport und damit zugleich um die Arbeiterbewegung überhaupt, kann an diesem ratenden. mahnenden, warnenden und begeisternden Buche vorübergehen. Schwimmfest in Bielefeld. iu bei Sonntag ut ZUnNahrftier des hier bestedkndc»«rudcrve»ins die Schwimmsoortler»u« m R«lch ein Stelldichein Berlin war durch die Mannschaft der Freien Schwimmer Neukölln, zu der sich zwei Springer vom Verein Vorwärts-Berlin gesellten, gut vertretei«. Bas reichhaltige Programm wurde durck) eine Be- iriigungsansprach« des Rcichstagsabgeordneten Schreck eröffnet. Die Männer- tllfetten wurden durchweg eine Beute der Neutöllner. Dagegen siegte Hildes- feim in sämtlichen niännlichen Iugcndtoiilurrenze» sowie im Frauenbrnst- chwimmen durch gute» Schwimmeu ihrer veranlagten Vertreterin Bode. Waren die Männerdrustsäiwimmcn»der 100 und 200 Meter, in denen Ellermann sBielefeld) besondere Fählikeiten ausweisen lonntc, vom Start vi» zum Atel ein«ampf Kops-n Kopf, so steigerte lich die Erwartung der Zuschauer beim Freistilschwimmen her>. Klaff« mit den vlnmpiakämpfern Gotke sNeulöstni und Werner(Mannheim) am Start, zu denen sich der I»iähr>g- woirao-r (Hilde«heim) gesellte. Beide Male gelang e» letzterem durch krafiigen Endspurt bei 100 Meter in 1,07 Min. und 20« Meier in 2,87 Min. seine beiden Riaale n mit Handschlo die Springer! heim l" Brett._W>> wasserballspiel«....—...—.----------- gelang es, gegen den Kreismeisier Essen einen tz: 0- Torgewinn, Osnavruck gegen Dortmund nach abwechselnd hartem Spiet ein tz:<. Resultat zu erzielen. Zu erwähnen sei noch, daß die Städtische Badeverwaltung mit einem weit- herzigen Entgegenkommen den Veranstalter unterstützte, die Schupo sich im Punkt Absperrungen sür Berliner Verhältnisse vorbildlichen Benehmens er- freute.- Resultate! Männer: 4X50 Meter bes.: 1 Neukölln 2,12; 2 Hil- d-sheim 2. 4X100 Meter Lagen: 1. Neukölln 5,30; 2. Sildesheim o,4S. 4x100 Meter Brust: 1. Neukölln 8,20: 8 Hildeshe.m 8,31. 10» Meter Seite. 1. Behren»(«elsenkirchen) 1,27; 2.«uldrack(Essen) 1,28. 100 Meter Rücken: I. Howe(Neukölln) 1.27; 2. Freder(Hildesheim) 1.23 2. 100 MeterFreisti!. 1. Schräder(Hildeshetm) 1.07; 2. Werner(Mannheim) 1,07.1; 8. fd-lln) 1,07.2. 200 Meter Brust:"""" _ i. Mermann(Bielefeld) 8,18: 2. Moebus (Neukölln) 3,22. 100 Meter Brüst: 1. Krebs(Osnabrück) l.30: 2. Ellerman.r —----------—----- M" der(Hildeshcim) 8,37,4: 2. Sötte ~ r a u t n: 100 Meter i Bielefeld) 1,81. 200 Meter sFreistil): 1. Schräder (Neukölln) 2,38.3: 3. Werner(Mannheim) 2,39.1. J.- 1--—- Brust: 1. Bode sKildesheim) 1,44.2; 2. Winkel(Bielefeld) 1,48.— W-sbllche Jugend: 4x50 Meter Brust: 1. Bielefeld 387; 2. Bremcn.Hastedt 3,47.- Männlich« Jugend- 4X100 Meter Lagen: 1. H>lde»h-im«-H! 2. Essen 8,30. 100 Meter Brust: 1. Nöcher(Hildesheim) 1.4,: 2 Begemann(Bielefeld, 1,43. Springen: 1. Möller(Bremen) 15% Punkte, Pitz. 3; 2. Kl-in-berg (Bielefeld) 10% Punkt«, Pitz. 8.— Männer f p t ,ng e n: 1. Rommel (Essen) 28 Punkte, PI». 4; 2. Beck(Berlin) 22 Punkt-, Pitz. 5. . Kreisfefl in Aravkfurt a. d. O. Für das«reisfest des 18.«reife» de» Arbeiter-Turn- und Spprtbunde, in Frankfurt a. d. Oder vom 18. bis 18. Juli sind die einzelnen Ausschüsse in der F-ststddt schon In regster Tätigkeit Da» neue Ostmarkstadion ist am 28. Mai durch die B-rtreter der städtischen Behörden der Oesfentlichkeit übergeben worden. Da» Kreisfest ist die erste große sportliche Beranstaltung in diesem so herrlich gelegenen Stadion. Es gilt, an diesem Tage Zeugnis abzulegen von der ffiröße und Wucht de« Arbeiter-Turn. und Eportbundes. Bereit, am Sonnabend-------------------•>—-I-.-»'»-" ffinarJen Sech» große sanoMu- n...—,——. Haupttag Ist der Sanntag. Nachdem am Pormittag noch die Ausscheidungs. spiele zu Ende geführt werden, sormiert sich mittags der Fcstzug. Im Stadion finden dann nur noch die Endkämpfe statt. Di« andere gelt ist für Massen» iarbietnngen, wie Freiübungen her Manner, Frauen und Kinder usw., vor» 'ehcn. Am Abend vereiniat»in Festball die Teilnehmer in verschiedenen ilen der Stadt. Wer am Montag noch In Frankfurt bleibt, kann am Vor. mittag an der Stadtbestchtigung teilnehmen. Für Nachmittag ist ein Ausfliiq durch den Eichwald zur Buschmllhle geplant. Eine Tagestour nach dem Echlaubetal ist für di«>«nigen vorgesehen, die am Montag ein« Wanderung unternehmen wollen.__ rtcn. Drr Arbeiterfeoler* teilt un» ein ___ I daß ein Arbeitersegler unter wird geschrieben: Bei dem 1. Schlepp» — M>— n---- tOpet Schwarzwcihrote Wimpel bei den Arbeikerfeglern! Zu unserem Artikel.Propagandafahrt der Leser den sehr«iaenartigen gwischenfa! schwor, weißroten Wimpeln fährt. Un»----.., zug von etwa 40 Booten war nicht ein einziger schwarzrotgoldener Wimpe zu sehen. Dafllr-»er hatte da« erste Segelboot hinter bem Schlepper.Ebitb drei schwaezweißrote Wimpel und mehrere K. K. österreichisch« manarchifttsche Wimpel gehißt. An der Schleuse, wo die Boot--ine Zeitlang warteten, gab -*--...... r---------- derartige Beflaggung ______|___ mihi it zuschauend« Publikum für verrückt zu erklären, isolö öqlich als Propaganda für den Arbeitersport-naesehi Ueberhaupt sollten sich die S-ortuerdändc befleißigen, bei allen Bera die Rexhsfarben zu zeigen oorher da» zuschauend« Pub können unmö�''"'"---- das zusehende Publikum scinkm Unwillen über eine Ausdruck. Darauf zog der Führer des Boote, fein« Wimpel ein. blikum für verrückt zu erklären. Solch« Fa. .......» sehen werden. eranstaltnngcn auch die Reichsfarben zu zeigen. �„. Zu der abigen Notiz wird un» auf Befragen von dem Sportverbond»Freier & Zu der obigen Rotiz wird un« auf Befragen von dem Sportoerband.Freie, iler" mitgeteilt, daß»o» der Leitung der Propagandofahrt der recht eigen ge Flaggenichmuck eines Arbeiters nicht bemerkt war. Erst nachdem vor H «inigen"Ärüeitern auf diesen..Schmuck" aufmerksam gemacht wurde. Leitung da» Notwendige veranlaßt. Wie wir weiter höeeit,.Mird. betreffende Verein, in dem dieser.Sportfreund" organisiert ist, mit Angelegenheit noch beschäftigen. von ck die der leset Sportfest i» Bernau. Di« Resultate de« Sportfeste« f» Bei al» Abschluß einer Werbewoche galt, sind folgende: N ä n» er: I. Grarlitta(Zepernick) 9 BS Meter. Hochsprung: 1. Becker(Se f» Bernau, welche, .bot: Äugclftofecn: (Zepernick) 9« Meter.' Hochsprlina: 1. Becker sW-Ißensee) 1.83. l00.Mct-r.Lauf: 1. Schröck sEchönow) 12,3. AO.Met-r.Lauf: 1. Mebrwa.d (Tegel) 25,3. 1500.M-ter.Lauf: 1. Laweren,(Schiuaw) 4,33,1.. Mannschaft-. Specrwerfea: 1. Schönow 98 BZ. 5000.Met«r. Gehen: 1. Dame», Karl(Sparta), 2544. 4XI00.Meter.St-lctt«: 1. Schönow 48,2; im Laus B 1. Schönow 50,4, 10x% Rund«(150 Meter): 1. Tegel. Olomvische Stafette: 1. Schönow 48.5.— Frauen: Kugelstoßen: 1. Hiemer(Pankow) 6,15. Weitsprung! 1. Ball eis 4,20. 100.Meter.LauI: 1. Hiemer(Pankow) 13,9. 4xl00.Mc:er.Statett-: Lauf A: l. Schönow I 57,4. Lauf B: 1. Schönow II 81,1. lOxlOO-Meter�tafette: 1. Schönow 2,39,2.— Jugend(»= Jahrg. 09(10, b= Jahrg. 11/12): Kugristoßen!«) 1. Frühauf sLckönow) 9.28; b) 1. klemm(Tegel) 8,68. Weit. sprung:*) 1. Breiten selb(Tegel) 58L: b) 1.«ädtke(Dernau) 5,05. tOO-Meter. Lauf:«) j. Breitcnfeld sTeac?) 12,0: b) 1, Gürtler(Pankow) 12,8. 800.M«ter. Lauf: 1. Kurth(Schönow) 2,15,7. tzOgO-Meter-Gehen: 1.«abbe(Tegel) 3047,4. 4X100.Meter.Etafette: Lauf A: 1, Pankow 50,6: Lauf B: X. Bernau 58,9; Lauf C: 1. Pankow 53,1. Schwedenstafelte: l. Tegel 2,21,1. 10 xH Runde: 1. Schönow 5,53,8. Bolksfest i» Schöneberg. Am Sonntag, 17. Juli, veranstalten hie Ratur. freunde gemeinsam mit den Kindersreunden und der Sozialistischen Arbeiter. jugend Im Bezirk Schöneberg.Friebenau«in Bolk»sist. Die Veranstaltung findet aus der Wiese de» Stadtparkes in Schöneberg statt und beginnt um 3% Uhr. Volkstanz und gemeinsame Spiel«, de» weiteeen ein« Gruppe de» Raturfreundebewegungschare» und ein Festspiel werden da» Programm aus» füllen. Am Abend findet ein gemeinsamer Fackelzug durch Schöneberg statt. Es wird ein Unkostenbeitrag von 30 Pf. erhoben. Alle Genossen sind zu dieser Beranstaltung eingeladen. Arbetter-SchwiarnNub Neptun E.B., Weißens»«. Svnntag, 17. ZuN, 15 Uhr, findet in der Seebateanstalt unser diesjährige» Schwimmseft statt. Am Sonntag, 17. Juli, findet auf ~ Sl Straßenrennen der Aebeiter-Radsatee«. der Streck« Spandau— Pausten- Straßenrennen des Arbeiter."" Berliner Abteilungen haben e Ortsgruppen liegen schon Meldungen guter Kräfte vor. über 50 Kilometer für Hauptklass« und Altersklasse: in letzterer starten u Da» Rennen geht a. Annen, Lubasch, Eichler, Müstroph. Auch die Iuaendsahrer werden in einem besonderen Rennen ihr« Kräfte messen könuen. Start und Ziel befinde» In Spandau.Reustadt im Stadtforst am Stein 4,3. Sammclftar'M in Spandau, Lutherplatz, Lokal Subke. Früh 8% Uhr. Arbester-Schsttzenbund, Ortsgruppe Berlin. Die vrisaruppe Berlin»er. »nstaltet aw 31. Juli«in« Dampferfahrt nach Ziegenhal». Der Fabrprei» beträgt 2 R. Karten sind vom Kassierer Buschmann, Berlin O. Langcftr. 53, anzufarhern. Abteilungsleiter den 14. Juli freihalten für wichtige Eißung. Abteilung Schiueberg: trnffelftraße. Stistungsfeft 17. Juli Birkenwäldchcn, Tempelhof, Kartellnerbanb für Sport, und körperpsleg«, 8. Bezirk. Delegiert« zrr Hauptversammlung Montag, 11. Juli. Sitzung bei Reinkc, Grünauer Str. 17, !Ä0 Uhr. Anschließend erweiterte Vorstandssttzung. r n»fv. nrnionin oeraiiiiaiier um l<. villi auf l'em im ichshain um 18 Uhr nationale Freilnftkämpsc. Aus dem sportlich guten >mm ragen die Paarungen Pann«. Jasper-(deutscher Schwergewichts» ;), Ionschker.Ziglarfki, Kriilel-Ruppel(Steltick), Stahlberg-Bolz hervor. IM Turnha Der BfB. Tentnnf» veranstaltet am 17. Juli auf dem Sportplatz im Friedrichshgsn um Ist HMwM' Programm Meister), Berliner Arbeiter-Schachtlnb. Propaganda. Schachwcttlampf. Di« Abteilun. gen Humbaldthain und Reinickendorf de» Berliner Arbeiter.Schachklubs treffen sich am Donnerstag. 14. Juli, 19% Uhr, in Reinickendorf in den Parkanlagen am Seebad zu einem Propaganda-Sä""M'■ 15 Brettern. Gäste find freundlichst gelegenheit bei freiem Eintritt. am Demonstrationsbrett. Räch menfel Mippad Kraffrad Reifen Nr. 32»»»».?ahrga»g 2« ��9 DOttöOtt0 Mittwoch, 13. Juli I»27 /lltes Eisen. Schrott wird immer wichtiger.— Kämpfe um den Schrott.— Die Ausfuhrverbote. Altes Eisen ist für die Eisenerzeugung heute ebenso wichtig wie Erz. Als Rohstoff wird es ebenso auf- den Märkten gehandelt wie umkämpft. Vor dem Kriege war in Deutschland das sogenannte Thomas-Verfahren in der Eisenerzeugung vorherrschend. Das lothringische phosphorhaltige Erz bildete die Grundlage dazu. In Hochöfen vom Sauerstoff und anderen Beimischungen b«- freit, aber mit Kohlenstoff belastet, ging das phosphorreiche „Thomas-Roheisen* in die mit Kalk ausgelegten„Thomas-Birnen" über. Dort verbrannte der Kohlenstoff im deihen Luftstrom, der Phosphor verband sich mit dem Kalkbelag(„Thomas-Mehl", das wichtige Düngemittel!) und als Endergebnis entstand der Thomas- Stahl, die damals in Deutschland oerbreitetste Form des Roh- stahls. Krieg und Nachkriegszeit brachten den Siegeszug einer anderen Methode, indem verhältnismäßig geringe Mengen des aus nicht phosphorholtigen Erzen hergestellten Roh- eisens mit Schrott in»Siemens-Martin-Oefen" zu Stahl verarbeitet werden. vor und nach dem Kriege. Nach amtlichen Zahlen wurden 1913 in dem damaligen deutschen Reichsgebiet in Thomas- Birnen rund 9,2 Millionen Tonnen, in Martin- Oefen(unter Ausschaltung von Edelstahlsorten) rund 7,4 Millionen Tonnen erzeugt. Zieht man die ver- lorenen lothringischen Eisenwerke ab, so machte in dem übrigen Ge- biet die Martin-Produktion schon damals mehr als die Hälfte aus. 1324 war aber die Produktion von Rohstahl aus Martin-Oefen auf 5,4 Millionen Tonnen gestiegen, gegenüber einer Thomas-Stohl- menge von nur 4 Millionen Tonnen. Die Ursachen für dieses Fortschreiten des Schrotwerbrauchs liegen zunächst in den besonderen Bedingungen der Kriegs- und Nachkriegszeit: intensives Sammeln aller Eifenabfälle in der Kriegszeit, Verlust der lothrin- gischcn Eisenerze und die Notwendigkeit der Koksersparnis in der Zeit unmittelbar nach Friedensschluß, endlich intensive Abwrack- tätigkeit auf den Wersten(Abwrackung der russischen Flotte in Deutschland!). In der Krisenzeit(Sommer 1925 bis Sommer 1325). gewann der Thomas-Stahl vorübergehend wieder an B e d e u- t u n g. Denn die Martin-Oefen werden leichter außer Betrieb ge- setzt, als die riesenhaften Hochösen, die zudem als Gaserzeuger eine wichtige Energiequelle bilden, deren Tätigkeit nicht unterbrochen werden kann. Es zeigt dementsprechend das Kalenderjahr 1925 ein gewisses gegenseitiges Angleichen der beiden Verfahren in ihrer relativen Bedeutung: Es wurden 5,1 Millionen Tonnen Thomas- Stahl und 5,4 Millionen Tonnen Martin-Stahl erzeugt. Noch stärker war der Rückschlag, den die Schrott verbrauchenden Oefen im Jahre 1326 erlitten. Die Martin-Produktion war gegenüber dem Vorjahr sogar etwas gesunken, während die Thomas-Prodpk- tion(nach Verbandsangaben) um 0,4 Millionen Tonnen gestiegen war. Die Konjunkturbesserung in der zweiten Jahreshälfte war stärker den Hochöfen und Thomas-Birnen zugutegekommen: sie nahmen nämlich vom Herbst 1926 ok� wieder große Mengen loth- ringischer Erze auf, als die deutsche Schwerindustrie nach dem Zu- WM samnienschluß in der Rohstnhlgemdnschoft die.früheren ermäßigten Crsaßtorije auf der Lothringen-Ruhr-Strecke wieder zur.Anwen- dung gelangen ließ. Die gesamte, dem Schrotwerbrauch günstig« Tendenz ist jedoch dadurch nicht aufgehoben: fie lst durch die tech- nischen Anforderungen der Neuzeit bedingt. In den ersten fünf Monaten 1927 verhielt sich die Martin- zu der Thomas-Produktion wie 4.7 Millionen zu 2,8 Millionen Tonnen. Dazu kommt noch die steigende Bedeutung des Edelstahls, der ebenfalls den Schrott zum Rohstoff hat. Und die fortschreitende Erschöpfung der phos- phorreichen Erz betriebe wirkt auf die Dauer in der gleichen Rich- tung. Erst neuerdings bei den Vernehmungen des En- quete-Ausschusses haben das Vertreter der Eisenindustrie ausdrücklich bestätigt. Der größte Schrottverbraucher bleibt selbst- verständlich das Ruhrgebiet, obwohl Mittel- und Ostdeutschland fast ausschließlich auf Schrott angewiesen sind. Deu Rohstofftämpfen der Eisenwirlschaft ist in der kommenden inneren und äußeren Wirtschastspolttik noch eine große Rolle beschieden. Bei den Erzen sind es innenpoli- tisch die Kämpse um staatliche Subventionen der heute den Ruhr- konzernsn gehörigen Erzgruben, außenpolitisch die Frage der halb- monopolistischen Bedeutung des schwedischen Erztrustes auf dem«u- ropäischen Markt. Bein» Schrott sind es innenpolitisch die Kämpse zwischen der schrotwerbrauchcnden Eisenindustrie und den Schrott- lieseranten. Außenpolitisch sind es Kämpfe der Länder mit Schrott- Mangel(Polen, Italien) gegen die Länder mit— wenn auch nur gebietsweisem— Schrottübersluß(Frankreich, Deutschland) sowie das im Krieg eingesührt« und bis heute nicht aufgehobene Regime der staatlichen Ausfuhrverbote. Von den rund 6— 7 Millionen Tonnen Schrott, die die deutsche Eisenindustrie jährlich verbraucht, werden rund 2— VA Millionen Tonnen im Prozeß der Eisenerzeugung selbst als Abfall gewonnen: sie treten also auf dem Markt überhaupt nicht auf. Die restlichen Mengen stammen teils aus den unzähligen Quellen des Alteisen- Handels— bei der Landwirtschaft, beim Handwerk, bei der Eisen- bahn werden von kleinen und großen Schrotteinkäufern dies« Mengen aufgespürt und dem Großhandel zugeführt— und heißen dann A l t s ch r o t t, teils sind sie als sogenannter N e u s chr o t t Abfallprodukt der eisenverarbeitenden Industrie. Die ZIlachtverieilung auf dem Schrollmarkt Ist sehr ungleich. Als Käufer tritt die geeinte und mächtige Eisen- industrie aus: im Westen die seit Herbst 1926 bei den Vereinig- ten Stahlwerken tätige Dortmunder Schrott-Einkaufs-Gesell- schaft, die zwei Drittel wis drei Viertel der Schrottmenge bei sich konzentriert: sür den Osten und Mitteldeutschland die Berliner Ein- kaufo-Gesellschast, die mit geringen Ausnahmen(sogenannter freier Handel) den gesamten Großhandel sür sich zu festen Provisionen arbeiten läßt. Dem starken Käuser tritt also«ine zersplitterte Verkäuferfront entgegen, in der die Kleinen ein äußerst schwaches, bei jeder Konjunkturwendung ausscheidendes Element bilden, während die großen Firmen zum Teil selbst zu Bestand- teilen der Eisenkonzerne gemacht werden. Ja. es scheint sogar vor- zukommen, daß die Einkaufs-Gcsellschasten den mit ihnen konzern- mäßig verbundenen Händlerfirmen in Wirklichkeit höhere Preise zahlen aw die von der gleichen Gesellschaft für den Gesamtmarkt offiziell, festgesetzten Richtpreise. Wir haben hier wieder einen Fall vor uns, wo_ wie im Braunkohlen-, Steinkohlen- und Eisen- Handel— die mächttgen Produzentenkonzerne einen Teil ihrer Gewinne ihren eigenen Händler- firmen zuschieben: die Bilanz der Produktionsfirmen er- scheint dann ungünstiger, als sie in Wirklichkeit ist, ein Umstand, an den man sich bei den Diskussionen über den E i s e n p re i s wird erinnern müssen. Auch die eisenverarbeitende Industrie, die, wie der Schrotthandel, an höheren Schrottpreisen interessiert ist, scheint in dem Marktkampf mit der eisenschaffenden Industrie der schrr-ächere Partner zu sein. Die Aufhebung der Schrotlausfuhrverbotc. vor ein paar Tagen wurde im Enquete au sschuß die grundsätzlich wichtige Frage des Schrottausfuhrverbots wieder auf- geworfen. Es besteht in fast sämtlichen Ländern Europas und be- deutet, daß z. B. anstatt das deutsche Ruhrgebiet mit franzö- sischem und �belgischem Schrott, Polnisch-Oberschlesien mit oft- deutschem Schrott, Norditalien mit nahem französischem .Schrott zu versorgen, groß« Schrottmengen von Ostpreußen nach Westfalen, von Sizilien nach der Lombardei spazieren fahren und unnötige Transportkosten verursachen. Im Innern der einzelnen Länder aber profitiert die einheimische, überall einfluß- reiche upd wegen der militärischen Rüstungsnotwcndigkeiten von den Regierungen verwöhnte Eisenindustrie auf Kosten der eisen- verarbeitenden Industrie, der Schrott abliefernden Landwirtschaft, der Eisenbahnverwaltungen, des Handwerks ufw. Die gleichzeitige Aushebung der Ausfuhrverbote in allen Län- dern im Sinne der Beschlüsse der Genfer W e l t w i r t s ch a f t s- Konferenz würde die unnötigen Transportunkosten und die Uebergewinne der Eisenindustrie au- der Welt schaffen und zugleich die Eisenproduktion verbilligen. Die Erlöse, die der deutschen Volks- Wirtschaft aus der Schrottausfuhr zufließen würden, würden zum Einkauf von Erz oder von frachtmäßig am günstigsten liegenden Auslandsschrott verwendet werden. Die Aufhebung des Ausfuhr- Verbotes für ein einzelnes Land bedeutet freilich die Preis- gäbe einer wichtigen handelspolitischen Waffe. Für Deutschland spielt dabei der Zollkampf mit Polen eine� besondere Rolle, das seit dem 15. Juni d. I. überhaupt keinen Schrott mehr von uns erhält(bis dahin waren noch unsere Kontingentsoerpflichtungen aus dem Oberschlesischen Abkommen von 1922 in Kraft). Polen gegenüber gelten besonders, scharfe Vorschriften, so z. B. das Aus- fuhrverbot auch für Schiffsschrvtt, der anderen Ländern gegenüber, soweit er von Auslandsschiffen stammt, in der Ausfuhr frei- gegeben ist. Wer den inneren Schrottkampf vom gesamtwirtschaft- lichen Standpunkt aus beurteilen will, wird sich weder der Eisenindustrie noch ihren Gegnern ohne weiteres anschließen. Die Schrott-Einkaufsgesellschaften stellen zweifellos einen Fortschritt dar gegenüber einem Zustand, in dem der Schrott unorganisiert und planlos, mit großen, volkswirtschaftlich überflüssigen Zwischen- Handelsspesen und spekulativen Schwankungen belastet, gehandelt wurde. Doch ist es volkswirtschaftlich nicht zulässig, daß die Schrott- Einkaufsgesellschosten dank der Ausfuhrverbote als un- umschr'änkte P r i v a t m o n o p o l i st e n auf dem deutschen Markt auftreten und'tsie Gchrvtiäb l i efe r«lfs'lwn. Maschinenbau, das Handwerk, die Sandwirtschaft. dieEijenbahnufw.«- unbillig belasten. Denn das äußert sich schließlich in den Mafchinenpreisen, in den Eisenbahnfrachten usw.. die auf einer günstigeren Schrott- Preislage ihre Produkte und Leistungen billiger berechnen könnten. Dazu kommen noch, wie gezeigt, die überflüssigen Ausgaben durch unnötige Schrott-Transporte. Auch als handelspolitische Waffe ist das Ausfuhrverbot zweischneidig. Di« Wirt- schaftsdiplomatie wird sehr darauf zu achten haben, ob nicht durch das starre Festhalten an diesen Verboten Zollkriege und„Vertrags- lose Zustände" verschärft und verlängert werden und dadurch volks- wirtschaftlich mehr Schaden als Nutzen gestiftet wird. I. M. Siemens-Schuckert wird /lktiengesellschast. Im nächsten Jahre kann die Siemens-Schuckert G.m.b.ch. auf eine 25iährig« Tätigkeit zurückblicken, die sie im Jahre 1303 nach dem Abschluß des Vertrages zwischen Siemens und Halske und Schuckert aufnahm. Siemens und Halske. die sich bereits 1897 in eine Aktiengesellschast umgewandelt hatten, gaben auf Grund dieses Vertrages ihre S t a r k st r o m- abteilungen an Siemens und Schuckert ab, die mit der Elektrizitäts A.-G. vormals Schuckert u. Co. in Nürnberg ver- schmolzen wurden. Im Gegensatz zu Siemens u. 5)alske blieb Siemens-Schukert eine G. m b. H. bis zum heutigen Tage. Das hört jetzt auf. Wie Generaldirektor Haller erklärte, liegt der Hauptgrund für die Umwandlung in den Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung für eine G. m. b. H., die entweder nur durch die Ausgabe festverzins- lichcr Schuldverschreibungen oder von Anteilen stattfinden kann. Eine Aktiengesellschaft dagegen kann sich bei Kapitalerhöhungen direkt an das kapitalanlegende Publikum wenden, und diesen Weg will, sich Siemens-Schuckert für die Zukunft öffnen. Auch Zusammenschlüsse lassen sich bei einer Aktiengesellschast durch Hergabe von Aktien viel leichter durchführen als bei einer G. m. b. H., die zu solchen Zwecken bares Geld flüssig halten muß. Schließlich soll die Aktiengesellschaft zur Rationali- sierung der Verwaltung dienen, indem die Siemens- Schuckert-Werke acht Tochtergesellschaften in die jetzt gebildete Siemens-Schuckert-Werke A.-G. Berlin aufgehen lassen. Das G e- samtkapital der neuen Gesellschaft wird 120 Mil- lionen betragen, von dem auf Siemens u. Halske 61,9 und auf Siemens u. Schuckert 58,1 Millionen entfallen. Bemerkenswert waren die Ausführungen über die Größen- Verhältnisse der beiden Siemens-Konzerne. Trotz starker Rationalisierung und des entsprechenden Abbaus beschäftigt'Siemens- Schuckert etwa 53 000 Mann, zusammen mit Siemens u. Halske aber über 100 000 Mann in eigenen Betrieben. Die Siemens- Schuckert-Werke stellen das größte elektrotechnische Unternehmen Deutschlands dar und erreichen mit ihren Belegfchastszistern auch das größte amerikanische Elektrounternehmen, die General Elektric Eompanp. Wenn die Umsatzziffern dieser amerikanischen Gesellschaft bedeutend höher sind, so sei das nicht auf die umgesetzten Mengen, sondern aus die säst doppelt so� hohen Preis« sür elektrotechnische Produkte in den Vereinigten«taaten zurückzuführen. Hochbetrieb auf üen werften. Ueber 800 000 Tonne« Schiffsnenbautcn in Arbeit. Seit den letzten Veröffentlichungen vom Schluß des Vorjahres und des ersten Quartals 1927 über den Umfang des deutjchen Seeschiffneubauprogramms ist bis heute eine weitere nennens- wertere Steigerung der im Bau bzw. im Auftrag befind- lichen Neubautonnag« eingetreten. Während, sich die Zahl im Januar dieses Jahres auf etwa 300 000 und im April auf etwa 600 000 Bruttoregistertonnen belief, hat sie sich jetzt auf über 800 000 Bruttoregistertonnen erhöht. Es handelt sich hier, worauf besonders hingewiesen wird, um alle- vorliegenden Aufträge. im Gegensatz zu den vom Lloyds Register os Shipping regelmäßig veröffentlichten Zahlen, die nur die jeweils im Bau befindlichen Zahlen umfassen. Diese Summe oerteilt sich auf die einzelnen Wersten wie folgt: 90 000 1. Deschimag, Bremen... „ Wesermünde. „ Hamburg.. 2. Blohm& Voß. Hamburg. 3. Deutsche Werft, Hamburg... 4. F. Schichau. Elbing..... 5. Bremer Vulkan, Vegesack.... 6. Deutsche Werke. Kiel...... 7. Flensburger Schiffsbaugesellschoft 8. Germaniawerft. Kiel..... 9. Marinewerft, Wilhelmshaven.. 10. Frerichswerst, Einswarden... 11. Stettiner Vulkan. 47 000 49 000 186 000 Br.-Reg.-To. ... 145 000 ... 110 000 ... 106 000 91350 43 000 39 000 30 000 25 000 12 700 11 000 12. Howaldtswerke, Kiel 9 800 13. Nüscke& Co., Stettin...... 8 000 14. A.-G. Neptun, Rostock...... 7 500 15. Unterweser A.-G., Wesermünde.. 6 500 16. Ostseewerft A.-G., Stettin.... 6 000 17. Lübecker Maschinenbau A.-G., Lübeck 5 800 18. G. Seebeck A.-G., Wesermünde... 4 500 19. Stettiner Oderseewerke, Stettin.. 2 100 20. Union-Gießerei, Königsberg.... 1 900 21. Schiffswerft von Henry Koch, Lübeck 520 22. Danziger Werft, Oanzig..... 550 23. Reiherstieg- Deutsche Werft, Hamburg 500 24. Janßen& Schmilinsky, Hamburg. 300 25. Flenderwerft, Lübeck...... 300 26. H. C. Stülcken.Sohn, Hamburg.. 200 27. Norderwerft, Hamburg..... 200 Zusammengestellt nach den verschiedenen Städten ergibt sich folgendes Bild: Hamburg.. Elbing... Vegesack... Bremen... Kiel.... Wesermünde, Flensburg., Stettin... Wilhelmshaven Einswarden. _ Rostock.>. - Lübeck. Königsberg. Danzig... Von den Hauptsächsich beteiligten Großreedereien haben hiervon in Auftrag gegeben: der Norddeutsche Lloyd.. die Hamburg-Amerika-Linie die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsges.... die Hansa-Linie...... die Standard-Oil-Company die Bremer» Oel- Transport« Gesellschaft........ 27 000 - und die Reederei H. C. Horn, Flensburg 17 000, Insgesamt sind bestellt worden für inländische Rechnung rund 700 000 Bruttoregistertonnen, für ausländische Rechnung rund 150 000 Bruttoregistertonnen. Schließlich seien die Neubauten nach der Art der Fahr- zeuge gesichtet. Danach entfallen auf rund 217 000 Br.-Reg.-To. . 238 000 45 000 44 000 36 000 rund 400 000 Br.-Reg.-To. . 254 000 „ 100 000 80 000 29 000 1 000 mit den jetzt vorliegenden De- Bauprogromm im wesentlichen Dompferneubauten.. Motorschiffsneubauten. Tankschiffsneubauten.. Kriegsfahrzeuge.... Docks....... Segler......» Es hat den Anschein, als ob ftellungen die Großreedereien ihr vorläufig abgeschlossen haben, so daß die Wersten in der nächsten Zeit auf neue große Aufträge kaum werden rechnen können. Unzweifelhaft hat sich aber auch mit dem jetzigen Auftragsbestand die wirtschaftliche Lage des deutschen Schiffsbaues gegen- über den noch zu Anfang des letzten Quartals 1926 herrschenden Verhältnissen ganz gewaltig und in einem Maße ge- bessert, wie es sich die Werften bis vor kurzem nicht hapen träumen lassen. ?a üer MaschineninSustrie weitere öesserung. Inlandsauflrüge geben den Ausschlag. Wie der Verein Deutscher Maschinenbauanstalten mitteilt, zeigte das Moschincngeschäft auch im letzten Monat des ersten Halbjahres 1927 im Durchschnitt eine ruhige Weiterentwicklung. Der Auftragseingang der Jnlandskundschrst war etwas stärker als im Vormonah die Auslandsaufträge nahmen dagegen auch im Juni nicht zu. Die fortschreitende Arbeit an der Erledigung des Auftragsbestandes bewirkte ein weiteres Steigen des Beschästigungs- grades, so daß nur noch etwa 16 Proz. der Betriebe über schlechte Beschäftigung zu klagen hatten, dagegen 25 Pro.z. gut und die übrigen, 59 Proz. genügend beschäftigt waren. Die Belegschajt konnte im Juni wieder um einige Prozent erhöht werden. Nur noch bei 4 Proz. der Betriebe war in geringem Maße Kurzarbeit anzutreffen. Andererseits haben sich die geschäsllichen Schwierigkeiten durch Ver- r die Reise Clilorodont-Zahnpaste die herrlich erfrischend schmeckende PfeHennlnz-Zahnpaste. Chlorodont-Mundwasser mit gleichem köstlichem Pfekferminz-Aroma. Reise-Spritzflasche 1.23 Mark. Chlorodont-Zahnbürste Spezialburste mit gezahntem Dorsfenschnrtt. 70 Pf. u d 1.25 Mark. Tube 60 Pf. und 1,— Mark. / löngerung der Lieferzeiten insbesondere für Bleche Profileisen tühlbar erhöht, was auf eine gute Beschäftigung der Rohstosfindustrie schließen läßt. Die Kreditschwierigkeiton haben sich nicht vermindert: im Gegenteil hat die bekannte Stellungnahme der R e i ch s b a n k den Finanzverkehr ungünstig beeinflußt und an manchen Stellen geradezu eine gewisse Stockung des Zahlungs- einganges zur Folge gehabt. Die Aredittosten seien besonders in der Provinz vielfach außerordentlich hoch: auch werde d'e Rational!- sierung der Betriebe durch die Höhe der öffentlichen Abgaben ge- hemmt, so daß es schwer sei, die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Welt- markt über das bislang erreichte Maß zu steigern. Der Verlauf der Wirtschaftskuroen der Moschinenindustrie zeigt feit Anfang des Jahres«ine im ganzen gleichmäßige, wenn auch langsame Aufwärtsbewegung. Während im Januar noch SO Proz. aller Maschinenbaubetriebe unter schlechter Beschästiguno litten, waren es im Februar nur noch 40, im März 34, im April 24. im Mai IS und im Juni 16. Die Besserung entfiel zum weitaus überwiegenden Teil auf das 3 n l a>r d s g e s ch ä f t. Die Zunahme der Auslandsaufträge im Verlauf des Halbjahres befriedigte noch gar nicht und kam im zweiten Vierteljahr fast völlig zum Stillstand. Bei den meisten Firmen dürfte am End« des Halbjahres der Auftragsbestand die B e s ch ä f- tigung aus einige Monate für die derzeit, vorhanden« Be- legschast sichern. Der Arbeilsmarkl im ersten llulidritlel. Die Besserung auf dem Arbeitsmarkt schritt auch in der Berichtswoche vom 4. bis S. Juli noch den Erhebungen der Landesarbeitsämter fort. Von der Landwirtschaft abgesehen, die gesteigerten Bedarf zur Ernte aus- wies, wurde sie vor allem getragen von der Metall-, Maschinen- und Textilindustrie. Auch im Baugewerbe und den Nebenzweigen hat sich das Tempo des Ausstieges wieder erhöht. Im Bekleidungsgewerbe beginnt die durch Saisonabschluß hervorgerufene ungünstige Loge den Arbeitsmarkt in einigen Be- zirken zu belasten. Die Aulosleuer vor dem Reichswirtschaflsrat. Der wirtschafts- politische und finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrate» be- rieten in ihrer heutigen Dienstagssitzung über die Neuregelung der Kraftfahrzeugsteuer. Die Ergebnisse sind folgende: Die Besteuerung der Personenwagen nach Maßgabe der Wegbenutzung, insbesondere der Weg einer Reifen- oder Treibstoffsteuer erscheinen gegenwärtig noch nicht gangbar. Der Arbeitsausschuß empfiehlt zunächst an einer Pauschal st euer fe st zuhalten. Sobald sich die Möglich- kcit ergibt, die tatsächliche Wegebenutzung mit hinreichender Sicher- heit und Einfachheit zugrunde zu legen, wird«in« Aenderung der Pauschalsteuer für notwendig gehalten. Bei Lastkraftwagen, Omnibussen und Zugmaschinen ist als Steuermaßstab das Gewicht beizubehalten. Kombinationswagen find nach höherem Tarif zu be- steuern. Krafträder sollen de» Personenkraftwagen gleichgestellt werden. Für die Zahlungsweise sind ErleiHterungen einmal dadurch zu schaffen, daß mehrer« Zahlungstermine eingeführt werden und zweitens dadurch, daß das Fahrzeug unter erleichterten Bedingungen vorübergehend abgemeldet werden kann. Der Tarif im einzelnen ist nicht erörtert worden, weil zunächst die Ergebniste der Automobil- statistik abgewartet werden sollen. Reparationen im' 3uni. Der Juni-Ausweis des Agenten für Reparationszahlungen weist Einnahmen in Höhe von 111,6 Millionen Mark auf, denen Ausgaben in Höhe von 108,6 Millionen Mark gegenüberstehen. Von den Ausgaben sind 93,4 Millionen Zahlungen an die Mächte: der Rest verteilt sich auf andere Erfordernisse(Zinsen- dienst der deutschen Ausländsanleihe usw.). Die Sachlieferungen erforderten 63,3 Millionen upd die Zahlungen auf die Einfuhrabgabe lRecovery-Act) 23,9 Million?». An Amerika wurden 1,8 Millionen in bar auf Grund des besonderen Abkommens abgeführt. Die Deoisenauszahlung an Amerika erreichte im Monat Juni die Höhe von 4 Millionen. Die' große Landwirtschaftsanleihe in New Jork sofort über- zeichnet. Die vorgestern zu 36 Proz. zur Zeichnung aufgelogte sechs- prozentige 30-Millionen-Dollar-Anleiho der Deutschen Rentenbant- Kreditanstalt wurde erheblich überzeichnet. Die Zeichnungslisten könnten unmittelbar nach Eröffnung geschlossen «erden. Erhöhung der Zutepreise. Bor kurzem hat die Iuteindustrie noch bestritten, daß sie die Preise erhöhen will. Jetzt hat die Interessen- gemeinschaft Deutscher Juteindustrieller wegen der weiteren Befestigung am Rohjutemarkt und der anhaltend lebhaften Noch- frage nach Juteerzeugnissen beschlossen, die Preise für Jutegewebe von 1,30 M. pro Kilogramm auf 1,32 M. zu erhöhen. Der neue Preis tritt mit dem 11. Juli in Kraft. parteinachrlchten für Groß-Serlia Vlastoduage»(fix dies« Rubril sind «»rli» CS 88. Lindeostrab- 3, Pete os 60»«ejirteltlrctotiat i. Hol, i Step, rechte. ,» richte» 3. Peel» IBrbtiai sichligung de» Nonradshdhe «ebeiteewohlfahet!?»nner»tag, lt. '"' M~ ncabegdde Ursargeerziehungst 'altvlatz. Straßen! »PI osti »tf. einte» Panc ofinlmie 28 bzw. 28E Richtung Segeioet. nteressieete(Senoffinnen und ffienoffeu sind eingeladen. lull,»7 B reffpunft U T Uhr, 1«% »e- Ubr tei« Reinickendorf. Die Genossinnen beteiligen sich recht zahlreich»n de, Ponsumperanstaltung heute, Mittwoch, IS. Juli, nachmittags, im Schloßpark Tegel. heute, Mittwoch, IZ. Juli: 27. Abt. gahlabend bei Woohmnann,«leimstr. 1V.«ortrag!.Senosien. fchaftsbewegung." Referentin Marie Punert, M. b. L. Wir bitten um recht zahlreiches Erscheinen. Zsi. Abt. Die Zablabende Nmd Mitgliederversammlung fallen au«. 81. Abt. ilharlottenburg. Zahlabend und Abteilungspersammlung fallen im Juli au». 74. Abt. Zeklendarf. W. im«arteilolal Mickleg,«otedamer Str. Die Mitgliederversammlung fällt aus. Reuanmeldungen M. Abt. Sch-neberg. Juli aus. tl- Abt. Ctegliß. Bezirke 1— t>, S und 1«?. Der Ferien wegen fällt die Abteilungspersammlung im S Zahlabend« rn bekannten Lakaien. 1.. 2.. 7. Bezirk bei Reumeier. _____.. an der Riviera(Seife mit dem BildungsarheitZ. Referent Otto Biinther. ahausseeftr. Ib. Revolutionäre Dichtungen. ..._____ 8. bi» 10. Bezirk: Schräder, Friedenstraße. �ortrag:„Berkebr». und Wohnungspplitik." Referent Friedrich Binte. Abt. Neukölln. IDVi Uhr Mitgliederversammlung int Idealkafln», Weichsel, raße 8. Bortrag:„Das Arbeitsrecht." bt. Baumsckmlenweg. Die Abteilungsversammlung fällt au». Dafür Der Zahlabend de» 7. Bezirk» fällt aus7 88. Abt. N-riendarf. Ibfz Uhr Z-HIabende. Paiserstraße. Bortrag:„Reiseeindrücke' Reich»uu»schuK für sozialistischl Z. bis 0. Bezirk: Niendorf.' Referent Genosse Hentfchel. Vortrag:„Verkehrs-«ch Wi jlln. Igfi Uhr Mitgliederversammlung im Ibeolkasin«, Weichfei, Vortrag:„Das Arbeitsrecht." msckulenwea. Die Abteilungsversammlung fällt____ treffen sich alle Genossinnen und Genossen ISbj Uhr an der Woldecke zum gemeinsamen Abendfpaziergang»ach der Pönigsheide. Wir erwarten reft. lose Beteiligung. >18. Abt. Lichtenberg. Die Zohlabende lallen im Juli au». 138. Abt. cheimsborf. 20 Uhr im Lokal Okrent. Bahnhof. Ecke Berliner l MitgUederversaimulung. Vortrag:„Die Pulturaufgaben der Partei ferent Waldemar von Puttkamer. Alle Genossinnen und Genossen gebeten, bestimmt zu erscheinen. Abt. Tegel. Die Abteiiung»versommlung fällt»u». Wittenau. Der Zahlabend fällt au«. Straße, werden IIb. Abt. 140«. Abt. Morgen. Donnerstag, 14. Juli: 188. Abt. Abletehof. 20 Uhr bei Bogel. Btemaeckstr. 74, Mitgliederveeiainm. lung. Bortrag: �humor im Plassenlompf," Referent Hann» Pomm. Wir erwarten restlose» Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreuade. »,el» Preuzterg. Gruppe Lüdwest: Sonntag, 17. Juli, Vii Uhr. Jorck, Ecke Belle. Allianee. Straß«. Treffen zum Waldfest in Spandau. Für die Nacht vom 18. zum 18. Juli muß der Prei» Preuzberg 20 rote Falken aus Wien auf- nehmen. Genoffen, die ein sind aufnehmen können,«ollen ihre Adresse auf- geben bei Lotte Pr:"" Prauer, SW 47, Hagelberger 6t,. 8. Sterbetafel üer Sroß-öerliner Partei-Grgantfatton Z. Abt. Unser Genosse, der Tischler Han, P u b s e l d, Engelufer 28, ist plötzlich verstorben. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Ein. älcherung heute, Mittwoch, lg. Juli. 13 Uhr, im Premalorium Boumschulenweg. Wir bitten üm recht zahlreiche Beteiligung. 13. Abt. Unser langjähriger Genosse Munter, Stendaler Str. 20, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung hat bereit» stattgefunden. 79. Abt. LchSueberg. Unser alter Funktionär und pflichteifrige» Mitglied Wilhelm S t e n z e l(ft im 59. Lebensjahr plötzlich verstorben. Wir«erden ihm ein stetes Andenken bewahren und feine nimmer rastende Tätigkeit nie vergessen. Einäscherung am Donnerstag, 14. Juli, lO� Uhr, im Prematorium Serichtstraße. Die Genossinnen und Genossen treffen ssch zur gemeinsamen Beteiligung 18 Uhr bei Groß, Eedanstr. 17. Wir erwarten zahlreiche Be. teiligung. Sozialistische flrbeiterjugenü Sroß-öerlin. Achtxag, Abteilnng,k-ssiere»! Heut« Abrechnung der Beiträge. Achtnag, Abteilungsleiter! Liefert die Augustprogramme und die Frage. bogen umgehend ab. heule. Mittwoch. IZ. Zuti. 19% Uhr: de» Natur, Bortrag: Str. 08 i Feuerwehr). Mitgliederversammlung.— Westen II: Jugendheim Wllowstr. 88. Voetrag:„Unsere Stellung zur klassischen Literatur."— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Bortrag:„Mädel und Bursche in der Arbeiterjugend."— Tempel. hos-Mariendorf: Jugendheim Tempelhof, Germaniastr. 4 6. Vortrag:„Pro. letarifche und bürgerliche Jugendbewegung."— Friedrichwlelde- Jugendheim Schloß. Ecke Berliner Straße. Diskussionsabend.— Ren-Lichtenb«rg! Jugend- heim Schule Prinz-Alheri-Straße. Biographie Lassalle».— Lichtende eg-Mitte: Abendspaziergang. Treffpunkt 20 Uhr am Jugendheim.— Lichtende rg-Roed: Jugendheim Parkaue 10. Reuter.Abend.— Lichtenberg. West: Disiusstonsabend im Freien. Treffpunkt 19 Uhr Sparkasse.— Rofenthale« vorfiabt: Der Seim- fällt au». Treffpunkt zur Parteiveranstaltung�um 19W Uhr Rofenthe Normaluhr." Partei im punkt 18% Vorträge, vereine und Versammlungen. W Reichsbanner.Schwarz- Rok-Gold". ««fchälisstelle: Berlin S 14. Sebastianstr. 37/88. Hol 2 Tr. Prenzlauer Berg: Pameraben, bi« an dem Ausflug am Z3./Z4. Juli teilnehmen, treffen sich am Ig. Juli, 20Vj Uhr. in der Turnhalle .......- Sharlattenburg: Do., d. U..Jßn�, Kflichtperanstaltung. Nachzügler am Pferdemarkt. Neukölln. Britz: 18 Uhr Treffen Schlltzenhaus Neukölln.— Tiergarten: Mi., d. IZ., Pameraoschast Stephan 19% Uhr Pomeradschaitsverfammlung bei Bogafch, Lübecker Str. 3. Vortrag des Pameraben Dr. Misckler:„Die politifche Situation und die Aufgabe des Reichibanners."— Preuzberg: Arbeitsdienst fällt bis auf weitere» au». Arbeiter-Abstinentenbunb. Gruppe Webding. Jugendheim Schönstedt. Ecke Orthstraße. Gruppenabend. Genosse Sohei über:„Worum ist der Alkohol ein Feind der Arbeiterklasse?" Gäste wi Freie Schwimmer Charlottenburg, Panuabteilung. Monatsversami Donneritag, 14. Juli. 20 Uhr, Genosse Soheisel spricht |" M willkommer. 30 Uhr. bei O. Naß, Maxstr. 12, wichtige Bezirksvorstandssitzung. Berliner Gruppen müssen unbedingt vertreten sein. Alle Groß. Sport. Rennen zu Hoppegarleu am Dienslog, dem IZ. Aull. I. R e n n e n. 1. Comtesia Maddalena(Williams), 2. Concordi» (Vwzrnz), 3. Paftrana(TarraS). Toto: 10:10. 2. Rennen. 1. Sswvsr ickvm(Behrens), 2. MIgnon(Zieher), 3. Mvhrenglück(Visek). Toto: 38:10. Platz: 17,19, 45:10. zerner liefen: Goldalma, Südkap, NlcodemuS, Blumenmädchen, L» Margna, Gute Sitte, Marchesa. ».Rennen. 1. Majesta(Dajdik), 2. Postmeister(Hahnes), 3. Leichte Jsobell(Grabsch). Toto: S7S: 10. Platz: 84. 16, 16: 10, Ferner liefen: Cocklall. Ordensschwester. Quelle. Hektar, Krautjunker. 4. R e n n e N. 1. Habicht(Janek), 2. Panier(Huguenln), 3. Gladbeck (HayneS). Toto: 110: 10. Platz: 39, 23, 46: 10. Ferner liefen: Jack London, Rosenwange, Silberfasan, Aveo Dieux, Cardinal II, Mission 5. Rennen. 1. Schneeberg(Schröder), 2. Eelduls(Hälletn), 3. Licht Zllberich(HahneS). Toto: S5: 10. Platz: 28, 31, 43: 10. Ferner Uesen: heiliger Narr, Konradin, Finsteraarhorn, EScorial, Perlenstscher, Sigurd, 6. R e n n e n. 1. Fürstenbrauch(Williams), 2. RofaiWra(O. Schmidt). 3. Eleazar(HahneS). Toto: 23: 10. 7. Renne». 1. Tuor(Williams). 2. Arndt(Zehmisch), 3. Opponent (Kofina). Toto: 203: 10. Platz: 100. 62, 35: 10. Ferner liefen: Jo4, Osiris, Märchen, Amandus, Bachelors Ouarter. MeneS, Irrlicht, Herbert, Labors. Seeifenhagener Straße Pameradfchaft Zoo Be Biaterfportabteiluag: hinteren Funkmast" Pameradfchaft Zoo Berfammlung bei Arendt. Pantftr. 51.— Freitag. 18. Juli: «ilung: Zusammenkunft im Flughafen. Treffen ad 18 Uhr am Chaelottenburg! Antreten 19), Uhr bei Etrunck, Lpreestraße. Berlin», fetzt seine Wanderungen fort. Man darf sagen, daß seine Aussprüche den Berliner genau so interessieren, wie den Berliner Raucher die Zigarette. für die der Bär wirbt. Man beachte �die Anzeige der Zigarettenfabrik„Fosetti". ~"*...... MM' hlbefinden teinveife dem regelmäßigen .ssers" zu. Besonder» bei Ltoffwechsel. "litt.....~' Bit. eine längst populär gewordene Figur im - fort.—""**" »leben Viele alte Leute schreiben ihr Wo! Genuß de» natürlichen„Fachinger Wa krankheiten leistet e» unschätzd, reinigt. are Dienste, indem e» das Bltt von Grund auf �lvas sagt der Bür? «OM tINON •v Wm :|V n Ä—...--------- rni) /fiVJ WM \v>-" Srholung für Körper und Gcisi ist dem Berliner das fröhliche Tummeln im Bade. Dann übenläßi ersieh behaglicher Ruhe Mur Eine bietet mir Gleiches, JLose±ii«Tuno Berlins meisigerctuchie 4$ Cigareüe. ffcbadaM&ülü ~ Unterhaltung unö Gn ver Jall Domela. Setlage ües vorwärts ,die Stiebelwicbfe kenn' ich- ein echter tzohenzoller!" Der galante König. von Paul vtochmann. Im A»alun>Derlag in Hellerau ist letzt in neuer Ueberletzung tvon Otto Brandt) ein Buch wieder ausgelegt worden, dos nach seinem ersten Erscheinen(17Z4) überall in Europa geradezu ver. schlungen wurde. Es betitelt sich„Das galant« Sachsen" (La Saxe Galante) und erzählt mit viel Behagen das Liebesleben Augusts des Starken. Der Verfasser ist ein turtölnischer Edelmann, Karl Ludwig von P ö l l n i tz, wie Casanova ein Abenteurer und Glücksritter, der noch seinen eigenen Angaben in Berlin, Braun» schweig und Versailles Kammerherr, in Weimar Fähnrich, in der kaiserlichen Armee Rittmeister, in Spanien Oberst war. Ob alles . stimmt, ist zweifelhaft. Auch durch andere Zeugnisse aber beglaubigt ist, daß er als Knabe Spielgefährte des späteren Soldatenkönig» Friedrich Wilhelm I. war, sich lange in der Welt herumtrieb, später unter dem Titel eines Kammerherrn als Spaßmacher für da» Tabcckskollegium in Potsdam diente und von Friedrich II. 1740 zum Oberzeremonienmeister ernannt wurde. 177S starb er, nach des Königs sarkastischem Wort von niemandem betrauert als von seinen Gläubigern. Ais Schriftsteller hat Pöllnitz sich wiederholt betätigt: natürlich , schrieb er französisch. Sein erster großer Erfolg war„Das galante Sachsen", das nach Augusts Tode erschien. Um jedoch den neuen Kurfürsten günstig zu stimmen, verfaßte er noch im selben Jahre eine Schilderung des sächsischen choses, die von Ehrfurcht triefte. Später in Preußen gab er vielbändige Memoiren heraus: in Form von Reisebriefen erzählte er seine Fahrten durch Europa und sein« Erlebnisse in preußischen Diensten. Auch diese Bücher wurden viel gelesen. Mit der Wirklichkeit nahm er es nicht sehr genau, er mischte Ächtung und Wahrheit. So ist auch sein.galantes Sachsen" gewiß keine lautere historische Quelle. Immerhin— ihn deshalb einfach beiseite zu schieben, wie es manche Wissenschaftler tun wollen, geht auch nicht an. Seine Darstellung erschöpft das Wesen des Königs nicht, zeigt es aber von einer besonders charakteristischen Seit«. Keineswegs darf Pöllnitz die Absicht unterschoben werden, die Gestalt Augusts zu verkleinern. Im Gegenteil! Sein Buch ist viel eher eine Art Apotlieofe.» Der galante König bedeutet hem kleinen Edelmann ein Ideal, und feine eigenen ungestillten Sehnsüchte be< friedigen sich in den Schilderungen, die er von den vielfachen Aben- teuern des gekrönten Liebhabers gibt. Kein Wort ernsthafter Kritik fällt. � Es erscheint selbswerständlich, daß August hemmungslos seinen Neigungen folgt und dabei olle Vorteile nutzt, die ihm seine hohe Stellung gibt. Daß ein Fürst doch auch noch schließlich andere Aufgaben habe, als Frauen zu erobern oder oft bloß zu kaufen und mit den Geliebten rauschend« Feste zu feiern, das scheint Pöllnitz nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein. Es gilt ihm auch als selbst» verständlich, daß August das Vermögen des Landes besinnungslos zur Befriedigung seiner kostspieligen Launen verschwendet. Vom Volk ist in diesem Buch nicht einmal die Rede, von seiner Aus» ibeuwng, von seinen Nöten schon gar nicht. Die Menschheit beginnt erst beim Adel, der hauptsächlich dem König seine Mätressen liefert. An dem Treiben dieser Herrschaften von und zu nimmt Pöllnitz keinen sittlichen Anstoß. t Mögen im einzelnen die Erzählungen von Pöllnitz unzuverlässig sein, al» kulturhistorische Dokument« haben und behalten sie ihre Bedeutung. Kein eisernder Moralist, kein sarkastischer Spötter hat diese Sitten- und Unsittenbilder gezeichnet, sondern einer, der seine Zeit und ihre Verrottung fröhlichen Herzens bejaht und höchstens da» ein« an ihr auszusetzen hat, daß sie ihm nur erlaubt, in der Borstellung, nicht aber in Wirklichkeit wie ein August der Starke zu leben. Den Spiegel, den der Autor in seinen Büchern der Gesell- fchaft vorhält, soll sie nicht schrecken oder beschämen, er soll ihr eher «in Vorbild, einen Helden zeigen, in dem das barocke Lsbensgefühl feinen reinsten Ausdruck gefunden hat. Da» Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben. Man kann ie» noch heute mit Nutzen lesen, wenn man sich stets bewußt bleibt, nicht mit einer wissenschaftlich zuverlässigen CharakterstUbie, sondern mit einer Halbdichtung zu tun zu haben, in welcher aber der Zeitgeist sich rücksichtslos zu sich selber bekennt. Als wertvoll« Ergänzung bringt die Avalun-Ausgabe übrigens die fast zweihundert Jahr lang verschollen gewesenen Aufzeichnungen Flemmings über August den Starken, die den König von den verschiedensten Seiten beleuchten. Des vieljährigen Günstlings Urteil ist umfassender, aber durchaus nicht schmeichelhafter als das des kurkölnischen Abenteurers. Nach Flemming erscheint der König durchaus nicht als Don Juan oder Easanovo, er ähnelt vielmehr verzweifelt dem reichen Spieher, der sich Geliebte hält, weil er sie zahlen kann. Flemming schreibt: Unter den Vergnügungen hat es ihm die Liebe am meisten angetan. Er hat jedoch nicht so viel Wonne darin gefunden, wie er anderen gern einreden möchte. Zwar hat er Aufsehen erregende Liebschaften gehabt, die er, namentlich am Ansang, gern mit dem Schleier de» Geheimnisse» umgab, aber er ist nicht der Kühnste in der Liebe gewesen, wie er selbst sagt. So hat er sich kaum je der Gefahr ausgesetzt, zurückgewiesen zu werden. Wohl hat er mehrere Aben» teuer gehabt, von denen dw meisten sehr zahm waren, er selbst aber hat darin imnvr romantische Schwierigkeiten vorgegeben. Er hat getan, als ob er eifersüchtig sei: aber tatsächlich ist er nicht sehr wählerisch in seinen Liebschaften gewesen. Er hatte sie gewöhnlich mit Frauen, die schon durch andere Hände gegangen waren. Ja, er hat nicht einmal Kurtisanen, sogar bis zu den gemeinsten, ver- schmäht.— Y Unbegründet ist also eigentlich selbst der fragwürdige Ruijm. den August— wohl zum größten Teil dank dem Buche von Pöllnitz im Volke noch hat. Gewiß, er besaß«ine lange von Mätressen. Aber abgesehen davon, daß August damit seine.könig- lichen Vettern aus Frankreich nachahmte, sehr häufig ging der Anstoß zur Liebschaft nicht einmal von ihm, sondern von den Frauen «der ihren Familien aus. Denn fürstlicher Bettschatz, wenn auch nur zur linken Hand, zu sein, galt vielleicht beim niederen Volk, nicht aber in den höheren Gesellschaftsschichten als Schande, viel eher al» Ehre. Und überdies bedeutete es ein gutes Geschäft, denn da» ist wahr: August der Stark« ließ sich seine Amouren etwas kosten. Er zahlte mit vollen Händen, nicht bloß, wenn die Liebschaft begann. sondern auch bei der Abdankung. Dorum darf man auch wohl an» nehmen, daß die Jahrzehnte währende Inhaftierung der Gräfin Cosel in Stolpen politische Gründe hatte und nicht etwa erfolgte, weil der König sich seiner Geliebten, deren er überdrüssig war, ent- ledigen wollte.— Zu den Geschenken an die Mätressen kamen die Standeserhöhnngen, die August für sie durchsetzt«, dann da» Ansehen und der Einfluß, die mit der Stellung einer königlichen Leibhure verbunden waren und die sich auch auf die Angehörigen der jeweiligen Geliebten erstreckten. Kein Wunder also, wenn regelrechte Intrigen gesponnen wurden, um die gerade regierende Mätresse zu stürzen und entweder selber an ihr« Stelle zu rücken oder die Tochter des Hauses dahin zu bringen. Von solchen Anstrengungen erzählt dos Buch von Pöllnitz oft. Und daß er hierin nicht übertreibt, wissen wir auch aus anderen Zeugnissen. Geradezu grotesk ist es, wie die Gräfin Cosel abgesägt und dem Könige dafür eine Polin, die Gräfin Dönhoff, unter- geschoben wurde. Zu diesem schwierigen Werk verbanden sich Fürst von Fürstenberg und Graf von Flemming, mit dessen Eousin«, Frau von Bebentau. Sehr bezeichnend heißt es bei Pöllnitz: es kam jetzt nur darauf an, den König in Brand zu fetzen und die Bedenken der- Dame zu überwinden. Dieses war nicht schwer: Frau von Bebentau übernahm es, die Gräfin von Dönhoff zu gewinnen.„Wenn sie sich, sträubt," sagt« sie,„so werde ich sie d u r ch i h r e Mutter, die Grohmarschallin, meine beste Freundin, zur Vernunft bringen lassen. Diese wird gern die Gelegenheit ergreifen, die schlechte Lage zu verbessern, in die sie nach dem Tode des Groß- Marschall» geraten könnten."— Die Dönhoff machte keine Schwierig- leiten, um fo mehr ober der König. Die Gräfin war nicht fein Typ, und es war notwendig,»hm politisch zu kommen. Man mußte ihm sagen, die Polen verargen es ihm, daß er sie nicht der Ehre würdigte, auch eine Mätresse ihrer Nationalität zu nehmen. Die Gimst des Volkes aber, dem August sein« Krone verdankte, wollte er sich nicht verscherzen, und so ließ er sich herbei, der Gräfin den Hof zu machen. (Schluß folgt.) Das örot. Don Peter Polier. Nachdem ich wieder einmal etwas ungebührlich lange gefastet hatte, empfand ich plötzlich, da doch etroas geschehen niuhte, das dringende Bedürfnis, ein Brot zu stehlen. Die Versuchung war zu groß. Es war frühmorgens. Die Straße menschenleer. Dort stand«in Wagen, hochbepackt mit Broten, die köstlich dufteten. Und ich stand zwanzig Schritte davon entfernt, mit bellendem Magen, und betrachtete die Herrlichkeit. Ich zählte bis zehn und sagte mir dabei: Wenn der Kutscher, der zu dem Wagen gehört, bis zehn nicht kommt, dann nehme ich ein Brot und haue ab!— Der Kutscher kam nicht.— Ich näherte mich langsam ei» paar Schritte und zählte nochmals bis zehn. Er kam noch immer nicht. Da wollte ich meinen Entschluß ausführen und ging klopsenden Herzens aus die Brote los. In diesem Augenblick legte sich eine schwere Hand auf meine Schulter, und ein« tiefe, ruhige Stimme sprach mich an. „T»'s lieber nicht... Tu's lieber nicht, mein Junge! Sieh mal, wenn du es tust, muß ich dich arretieren, und du wirst es dein Leben lang nicht wieder los!" Ich sah mich erschrocken um und erblickt« einen Schutzmann in seiner blauen Uniform, mit einem kurzen Eschenknllppel in der Hand. Er war breitschulterig, groß und wohlbeleibt wie die meisten New Porker Schutzleute, und er sah weder gut noch böse aus, während er mich warnend anblickte und den dicken Kopf dazu schüttelte. Ich schlug die Augen nieder vor diesem Blick und schwieg. Hunger und Diedesgelüst waren mir vergangen. Doch ein« müde Apathie überfiel mich an ihrer Stelle, so daß es mir nicht einmal ein- siel, mich zu verteidigen. Ich hätte ja nur dem Bobby sagen brauchen, daß ich gar nicht die Absicht gehabt hätte, ein Brot zu nehmen! Ich hatte es ja noch nicht einmal angerührt! Aber da es mit dem Brot sowieso vorbei war, hätte ich gar nichts mehr dagegen einzuwenden gehabt, wenn ich jetzt verhaftet worden wäre. Denn auf der Wache hätte ich wenigstens ein paar Stunden schlajen können und ein« Tasse heißen Tee bekommen. Aber der Schutzmann dachte gar nicht ans Arretieren. Er sprach mit derselben ruhigen, tiefen Stimme weiter: „Du wolltest doch ein Brot stehlen, nicht wahr? Gib es nur ruhig zu, es hat nicht viel zu sogen. Ich habe dich nämlich schon ein« ganze Weile beobachtet und jeden Augenblick gedacht: Jetzt tut er es.— Aber du verstehst das Handwerk nicht, mein Junge. Du hast zu lange gewortet mit dem Zugreifen... Sage einmal, warum hast du eigentlich so lange überlegt, wenn du doch Hunger hattest?" „Ach, geh' zum Teufel," erwiderte ich verzweifelt.„Was geht Mf da» alles«nl Entwich« nimm mich mit oder laß mich laufenl Dann stehle ich mir an der nächsten Ecke was zu essen! Ich halte es nicht mehr aus!" „Aber Nicht doch," rief der Schutzmann unwillig.„Das wäre die größte Dummheit, die du machen könntest! Sie mal, mir ist es auch einmal so ähnlich gegangen wie dir. Da habe ich wie du an der Ecke gestanden und überlegt, ob ich ein paar Aepsel mausen sollte... Na, ich hob's nicht getan, sondern bin zu dem Krämer hineingegangen und habe ihn gefragt, ob er mir nicht was zu essen geben wollte. Das hat er dann getan. Und so habe ich mein« sauberen Papiere behalten und bin später bei der Polizei an- gekommen. Seitdem geht es mir gut!" „Schön! Aber was nutzt mir das?" heulte ich ihn an.„Soll ich etwa deshalb weiter hungern?" „Sicher nicht. Deshalb rede ich doch mit dir, du Schgj�sops!" sagte der Schutzmann.„Komm einmal mit." Wir traten zu dem Brotwagenkutscher, der inzwischen aus dem Hause gekommen war und uns neugierig betrachtete., „Hallo, Andy," sprach ihn der Schutzmann an.„Hier ist ein junger Kamerad, der nichts zu essen hat. Er wollte dir eben ein Brot wegnehmen, hat sich's aber überlegt. Hast du nicht einen kleinen Hoppen für ihn übrig?" Der Kutscher bruminte und sah mich ungnädig an. Aber mein Beschützer ließ nicht locker.„Wcnn's auch nur altbacken ist, Andy, wir sind nicht verwöhnt," redete er ihm zu.„Es kann uns allen mal schlecht gehen, nicht wahr? Da müssen wir uns eben gegen- jeitig Helsen." Da langte der Kutscher schweigend in den Korb und warf mir einen kurzen, dicken Brotlaib herüber, den ich mit beiden Händen auffing. Der Bobby aber knuffte mich lachend mit seinem Stock in die Rippen und sagt«:„Na siehst du, es geht auch so! Immer nur dreist fragen! Einer gibt schon was!"— Dann ging er breitbeinig davon und lieh mich stehen. Seine Logik wollt« mir zwar nicht einleuchten, aber ich kümmerte mich nicht weiter darum. Ich biß verhungert in mein Brot hinein und begann zu kauen, daß die Kinnbacken knackten. Erst als ich satt war, dachte ich wieder an den Schutzmann und seine Reden. Ilud da kam ich zu den, Resultat, daß er doch ein außerordentlicher Mensch war, obwohl er die unbeliebte Uniform trug. Aber ob er sich wohl auch so menschlich gezeigt hätte, wenn die Strotze voller Menschen gewesen oder ein Vorgesetzter dabei gestanden hätte?— Ich weiß nicht recht. Die Leute sind darin so sonderbar... Elben-Gärlen. Der Eibenbaum, der heut« zu einem Einsiedler im deutschen Walde geworden ist, hat mit seinem gewaltigen Unter» holz da? Bild des germanischen Urwaldes bestimmt, und seine schwarzgrünen Nadeln gaben den römischen Geschichtsschreibern«*» Anlaß, oan den düsteren Wäldern zu reden, die das Land der Ger» manen bedeckten. Wie häufig die Eibe noch im Mittelalter war, zeigen»och die zahlreichen Ortsnamen, die aus dem Namen dieses Baumes gebildet sind. Aber seit langem paßt die Eibe nicht mehr in die moderne Forstwirtschast, und so ist sie denn allmählich zu einem Denkmal der Vergangenheit geworden, das sich nur noch selten in deutschen Landen findet. Der größte Eibenbestand Deutschlands, der sogenannte„Ziesbusch" in der Tucheler Heide, ist uns mit der Abtretung weftpreußischen Landes verlorengegangen. Es gibt aber immer noch einige große„Eibengärten" in Deutschland, von denen im„Naturforscher" berichtet wird. Die größten Eibenbestände mit zusammen über 7000 Bäumen finden sich in Hessen, und zwar im W e r r a g e b i e t. Die mächtigsten dieser alten Bäume stehen an dem Badcnstcin, einem Muschclkalkberg bei der niederhessischen Kreisstadt Witzenhausen. Hier gibt es ein Dutzend Eiben, von denen die stärkste 2.40 Meter Stnminumfang besitzt. Ihr hohes Alter, das weit über 1000 Jahre hinausgeht, wird durch die Muschelkalkschichten erwiesen, die zwischen den Wurzclanläufen liegen und heute etwa % Meter höher sind als der vom Wasser abgetragene Hang. Kleine Eibenwälder befinden sich außerdem im oberbayerischen Paterzell, im Dodetal und in der Vorderrhön. Hier liegt der berühmte „I b e n g a r t e n" von Gladbach-Derbmach im Eisenacher Oberland, dessen Besuch Dr. Minna Lang jedem Rhönwandcrer empfiehlt. In diesem staatlich geschützten Eibenwaldrest stehen über 400 prächtige Bäume aus dein Muschelkalk mitten im Buchen- und Lörchcnwai? Die Eibe ist ja aus den Halbschatten anderer Holzarten angewiesen. Auch sind die 70 ältesten Exemplare Zeugen einer uralten Ber- aängcnheit, die wohl über 1000 Jahre zurückreicht. Die Bäume sind m einem tresflichen Zustand; junger Nachwuchs ist reichlich voi fanden, so da�ar�ein« Abnahme der Eibenbestände für die nächste Bis zur Hälfte jNodevnc#% qa mtibtty" aas gaten Wasch stotfen, gato ▼ererb«! taug, kleidsame Formen....................... kleidsame Formen dplItWlfc- m QA S«MP««U mit langen Aermeln und Kragen» festgeeteppten Däumchen, nett verarbeitet................... Öäumchen, nett verarbeitet waschbar aparte Drackmnster...................... Meter FrOttB für Kleider solide Master für Hauskleider.................. Meter 95 Kunstseide Pf. BCmba*ff*'Kanstseide V 4S gestreift und kariert, Garantie-WaeAkunstseide.. Meterdm Wollmusseline Vss schöne Drackmaster............................. Meter Samen ötrümoft la Kunstseide, m. Doppels, u. 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Theat. a.Kolleniiorfpl. Kurfürst 2091 Täglich»>/. Uhr Der stürmische Lacherfolg > Der Fußbalikönig TUaita-Theater Täglich 8 Uhr Wenn der junge Wein blüht Waibaua- Theat. Täglich 8V. Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Ueber'SOOmal mit beispiellos. Erfolg aufgeführt. Bose-7heater Oartenbühne 5Vi Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Die tntttfteWUwe 8>/, Uhr: Taler werden i*t nftlii schwer MMM FÜR DIE PRÄMIERUNG DER ORIGINELLSTEN ZILLEKOSTOME AUF DEM «ÄWS UNT. FERS. MITWIRKUNG DES MEISTER ZILLE SONNABEND, 16. JULI ma, 64 Volksbühne Ilieater am Bülowplati Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock Lustsp'ielliaus 8'/, Uhr; Die Frau von| 40 Jahren Theater am Kottb. Tor Kottb. Str. 6 Tägl.8 Uhr: ElMpr I Neues Programm backafen auc& gegen ���monfUf'XaJen ßaddaktCr. Komische Oper 8V, Uhr: 8'/, Uhr: Berlins einzigste Revue: Slrcng veriloten!!! Dil Rnae der verbolenen Uidessihattes! Ucbcr ZOO Mitwirk./ 8 Balletts. Vorverkauf a. d. Theaterkasse ab IC Uhr ununterhr Th.König&rätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Oie Schule v.Uznatti ifomOdlenhaiis Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Sailenbiirg-Bibnee Ots. Künstler-Tb S'/s Uhr Bitte, wer war zuerst da 7 Lessing-Theiter 8'/, Uhr: Eugen Klijpfermit seinem Ensemble Abgemadit-KuSI WINTERGARTEN CATALINi der Tollkühne I und die 11 Jüli-Novitäten 11 { Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet| Reic h»hellen-Theater Sfefflner Sänger Eine Hochzeit in derMüllcrsir. 16. 7.— 31. 7. Gastspiel der berühmten Dresdner Vthloria-SAnder Dönhoff- Brett'l: Variete, Konzert, Tanz Köstlich erfrischend unb nabrbafi sind kühle Limonaden, selbftbereilet aus Reichels Limonaden-Sirup-Exlralien Das gesündeste unb billigst« Bausgetränk. Eine Flasche ergibt SV Pwnd haltbaren Limonaben- 6irup in Kimbeer-, Kirsch-, Ci fronen-. Orangen-, Erbbeer- etc. Seschmadl. Vorzüglich auch als Deiguh zu sühen Speisen. In Drogerien u. Apotb.«rbäitlich sonst bei Ott. Reichel, Berlin 60., Eiseubahnstrake 4 8. 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