flr. Z28» 44» Wahrer. Ausgabe M Nr. 167 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3,— Rcichsmarl voraus zahlbor. Unter Äreuzband für Deulfchland. btanzig, 3aac- und Memclgebiet, O-jtcrreich. Litauen, Luxemburg 4. zu Reichsmark, für das übrige Ausland o,öU Reichsmark pro Monat. Der„Borwärts" mit der illustrier» ren Sonntagsbeilage„Bolk und zeit" fowic den Beilagen„Unterhaltung und Wissen",„Aus der ffilmwslt", „Frauenstimme",„Der Kinder» freund".„Iugcnd.Vorwiirls",„Blick in die BÜchcrwclt" und„Kulturarbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: „Sogiaidemotcai Berlin" Morgenausgabe Derliner Volksvlsti �10 pksnnis) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- zeile 80 Pfennig. Rcklamezeile Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worts über 15 Buch» staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Feile 00 Pfennig. Familicnanzcigen für Abonnenten Feile«0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4)5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 08, Linden- ltrahelt, abgegeben werden. Geöffnet von 8'b Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen partei Deutfchlands Heitaftton und Verlag: öerlin SW. 68, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Donnerstag, den 14. Juli 1937 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SV). 68, Linöensir.Z Postfcheckkoato: Berlin 37 53«— Bankkonto: Baak der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Walls«.«5; Disko ato-Geselllchaft. Denosstenkasse Liadcnftr. 3. Das Reichsjchulgesetz fertiggestellt. Der Entwurf ist da- aber auch der Krach. Amtlich wird gemeldet: Die mchrläkigen Beratungen des Reichskabinetts über den Entwurf des Reichsschulgefetzes find heute zum Abschluß gelangt. Die Vorlage fand die einmütige Zustimmung des Kabinetts. Bezüglich der Behandlung der füd- wzfldcutfchcn Simultanfchulen(Artikel 174 der Reichsver- faffung) erklärten die Reichsminifter Dr. C u r t i u s und Dr. Strefemann nach Ablehnung des von ihnen dazu gestellten Antrages, ihren Standpunkt in dieser Frage aufrechtzuerhalten. Die Veröffentlichung des Gesetz- cntwurfes wird noch in dieser Woche erfolgen. * Das Reichsschulgcfejz des Bürgcrblocks ist also da, zu gleicher Zeit aber auä) der Krach. Etwas jammervolleres und Blamableres wie diese amtliche Erklärung läßt sich kaum denken. Die_ Herren sind sich einig, vollkommen einig über das Schulgesetz, nur erlaubten sich die Herren Curtius und Strefemann der entgegengesetzten Ansicht wie ihre Ministerkollegen zu sein und diesen Standpunkt aufrechtzuerhalten. Zustande! Was nun? Wird die Oppositionshaltung der Curtius und Strefemann von Dauer sein? Werden sie umfallen? Wird der Nationalliberalismus der Volkspartei vorhalten? Was ihr zugemutet wird, ist nicht gerade von Pappe. Artikel 174 der Reichsvcrfassung lautet:' „Bis zum Erlaß des im Artikel 146 Abs. 2 vorgesehenen Reichs- a.esetzes(Reichsschulgesetz) bleibt es bei der bestehenden Rechtsloge. Dos Gesetz hat Gebiete des Reiches, in denen eine noch Bekenntnissen nicht getrennte Schule gesetzlich besteht, besonder» zu berücksichtigen." Hat die amtliche Notiz einen Sinn, so beabsichtigen die Bürgerblockfreunde der Volkspartei nicht mehr und nicht minder, als die Verfassung von Weimar zu- gunstcn des kirchlichen Bekenntnisses umzuk rempeln. Das wäre ein voller Sieg des Zentrums. Die sauer ver- diente Belohnung sür Bewilligung der Wucherzölle. Aus Kosten der volksporteilichen, Kosten der„liberalen" Weltanschauung. Man darf neugierig sein, ob die Volks- Partei den von Strefemann und Curtius vertretenen Stand- punkt bis zur letzten Konsequenz aufrechterhalten wird, darf begierig daraus sein, ob das ausrechte Fähnlein der deutschnationalen Protestanten ebenso apporticrcn wird wie im Fall Kriegsgerätegesetz. Beim Reichsschulgcsctzcntwurf Nr. 1 der Aera Schiele genügte der deutschnatjanal-oolkspartciliä)e Protest, um den Rcgierungsentwurf in einen belanglosen Re- ferentenentwurf zu verzaubern, der in der Versenkung eines Papierkorbs verschwand. Wie stehen oder liegen die pro- testantischen Protestler heute? Wie sie es meinen. In der nationalistischen„Politischen �lVochcnschrist" versucht der deutschnationole Reichstagsabgeordnete Dr. E l l e n b e ck den deutsch- nationalen Wühlern das beabsichtigte Reichsschulgesctz mundgerecht zu machen. Auch er kann nicht leugnen, daß der tiefere Sinn des Entwurfs die Entrechtung der Simultan schule zugunsten der Bekenntnisschule ist. Aber— so sucht er über die Tatsache hin- wegzutäuschcn, daß dadurch lediglich die Wünsche der k a t h o l i- s ch e n K i rch e in einem Ausmaß verwirklicht werden, wie es sich das Zentrum in den Tagen der großen Koalition kaum hat träumen lassen.— Bekenntnisschule hin, Bekenntnisschule her, wenn wir Bekenntnisschule sagen, so meinen wir die nationale B c w e- gung. Die nationale(lies: deutschnationale) Bewegung stagniert, das Reichsschulgesctz soll ihr zu neuem Leben verhelfen: „Minister v. K e u d e l l führt heute die kulturpolitische -Gegenrevolution auf der legten Wegstrecke zum Ziel." Das klingt sehr gefährlich, ist aber nur eine leere Phrase. Dos einzige, was sich dank der deutschnotionolen Hilfeleistung ändert, ist die Stel- lung der katholischen Schule. Daß von dieser Seite eine Gegenrevolution einsetzen wird, die den Evangelischen noch sauer aufstoßen wird, läßt sich allerdings kaum bezweifeln. Aber— Wucherzölle sind den Deutschnationole n schließ- lich eine römische Messe wert. Neuer Staatsstreich piSfuöftis. Senat und Sejm davongejagt. Marschau, 13. Juli. 12 M Uhr nachts.(Eigener Drahtbericht.) 3n der heutigen Sitzung des Senats, der den Antrag beriet, das Selbflauflösungsrechl des Sejm wiederherzustellen. durch den dem Sejm eine gewisse Selbständigkeit gegenüber den Regierungsmaßnahmen wiedergegeben werden sollte, erschien überraschenderweise der Aiinisler des Innern, Skladkowfki, auf der Rcdneriribünc. Er verlas ein iu außerordentlich scharfem Tone gehaltenes Dekret des Staalspräsidenlen, wonach die gegenwärtige Senatssessian sofort xefchlosien wird. Der Präsident des Senats schloß sofort die Sitzung. Unter den Senatsmikgliedern wurde so- forl die Sammlung von Unterschristen begonnen, damit die ver- sassungsmähige Wiedereinbcrusung des Senats vom Staatspräsidenten verlangt werden kann. Pilsudfki ließ auch dem Sejmmarschall ein Dekret des Staats- Präsidenten zustellen, worin die Schließung der Sejm- Session an- «gcordnet wird. Diese Regieningomaßnahme Pilsudskis richtet sich gegen die parlamentarischen Beratungen, die in letzter Zeit gegen den Willen Pilsudskis gepflogen wurden. Durch die plötzliche Schließung des Parlaments ist es nicht mehr möglich, z. V. die berüchtigten Pressedekrete zur Aushebung zu bringen, trotzdem der Aus- schuh des Sejm ihre Aushebung bereits beschlossen hatte und eine Bestätigung dieses Beschlusses durch das Plenum unmittelbar bevorstand. Die neueste Tat Pilsudskis rief in Warschau ungeheure Erregung hervor. Sie zeigte deutlich, daß Pilsudski das Parlament nur solange arbeiten lassen will, als es seinen Millen tut, aber jede ernst- hasie Opposition oder gar porlamentarische Kontrolle der Rcgicrungs- handlurgen vollständig unterdrücken will. Die außen- und innen- pälitischcn Aolgen dieses Staatsstreichs lassen sich im Augenblick noch gar nicht übersehen._ Sie Rechte geht mit poincarö. (Ärosic Mehrheit für seine Besoltmnasreforrn. Paris, 13. Zuli.(MTB.) Die Kammer hat heule abend unter Ablehnung verschiedener Gegeuauiräge den Artikel 1 des Ge» jehentwvrfcs über die Besoldungsreform in der von der Regierung gewünschten Aafsung mit 347 gegen 200 Stimmen au» genommen. Ebenso Artlkel 2 mit 325 gegen lSS Stimmen. Mit entsprechenden Mehrheiten erfolgte auch die Abstimmung über die beiden letzt c n Artikel und den gesamten Gcschcntwiirs. Gegen die Regierung stimmten die Sozialisten, die Kommunisten, einige Radikale und die Sozialrepublikaner fowic einige rechtsstehende Abgeordnete. Senatsmehrheit für üie Wahlreform. Paris, 13. Zuli.(MTB.) Der Senat hat in der öffentlichen Schlußabstimmung das Gesetz über die Wiedereinführung der Kreis- wahlen mit 213 gegen K7 Stimmen b?i. keiner Stimmenthaltung angcno mmcn. »Stürzen Sie mich sofort!" Pari«, 13. Juli.(Eig. Drahtber.) Die Beratung der Nachtrags- krediie zur Erhöhung der Bcamtcngchälter und Militär- und Zivil- Pensionen wurde am Mittwoch vormittäg begonnen und in der Nachmittaessitzung fortgesetzt. Der Sozialist Canavelli bc- kämpfte im Namen seiner Gruppe den Regierungsantrag, der nur drei Milliarden für diesen Zweck auswerfen will. Noch nie seien, so erklärte er, die Beamten gerecht behandelt worden. P o i n c a r ö antwortete in einer mehrstündigen Rede, in der er bedauerte, den Wünschen des sozialistischen Redners nicht ent- gegenkommcn zu können. Er sei verpflichtet, das Gleichgewicht im ch a u s h a l t aufrecht zu erhalten und werde sich deshalb unter Stellung der Vertrauensfrage jedem Antrag widersetzen, der dieses Gleichgewicht stören könnte. Dazu rechne auch eine lleberschreitung der vorgesehenen Kredite von drei. Milliarden für die Angleichung der Bcamtengehälter. Der Ministerpräsident suchte dann nachzu- weisen, daß die Beamten feit 191!> zum Teil außerordentlich g ü n st i g behandelt worden seien. Er kam allerdings der sozia- listischen Forderung insofern entgegen, als er versicherte, daß die Frage der Aufbesserung der Bamtengehälter am Ende des Rech- nungsjahres einer neuen Prüfung unterzogen würde, wenn Ueberschüsse im Hausholt vorhanden wären. Zum Schluß wandte sich Poincare an die Rechte der Kammer und forderte sie auf, sich klar zu äußern. Stimmenthaltungn sei sür die Regierung gesähr- licher als Ablehnung.„W cnn Sie mich stürzen wollen," rief Poincare nach rechts gewendet,„dann tun Ste es sofort.. Aber sagen Sie«s klar und deutlich!" M Amerika! Mut zur Gerechtigkeit für Tneeo und Vanzetti. Die kühnen Flüge der Lindbergh, Chambcrlin, Byrd' haben zweifellos eine große Welle des Enthusiasmus für Amerika in den europäischen Staaten ausgelöst. Wir alle zollen Bewunderung einer jungeiz Generation, die Leib und Leben für die Lösung technischer Zukunftsprobleme einsetzt. Wir sehen in den Ozeanfliegern die beherztesten und wage- mutigsten Exponenten einer Gesinnung, die sicher ein Cha- rakteristikum der Jugend und des Volkes bildet, aus denen die Mutigen entstammen. Doch bei der herzlichsten Anerkennung dieser Leistungen sollte hüben und drüben nicht vergessen werden, daß es noch eine andere Art von Mut gibt, die zwar weniger effektvoll und sensationell in die Erscheinung tritt, auf die Dauer aber den nachhaltigeren und tieferen Eindruck in den wertvollsten und edelsten Menschen aller Nationen hinterläßt: das ist d e r Mut großer Geister zu Gerechtigkeit und Wahrheit, der gerade dann am hellsten leuchtet, wenn er nicht unter jubelnder Anerkennung begeisterter Massen, son- dern gegen Vorurteil und Verdächtigung sich Bahn bricht. Die Unschuld eines Unschuldigen gegen das tobende„Kreuziget ihn" betörter Mitmenschen verteidigt zu haben, gilt als das größte Verdienst erleuchteter Geister. Das Eintreten eines V o l t a i r e für die Unschuld des Calas, eines E m i l e Z o l a für die Unschuld des Hauptmanns Dreyfus gilt allen heutigen Europäern als Mahnung und leuchtendes Beispiel. Wir können uns nicht denken, daß es in Amerika anders sein sollte. Ein Volk, das wir wegen seiner vielerlei Lei- stungen auf kulturellem und technischem Gebiet lieben und schätzen, kann— dessen sind wir gewiß— in der Frage des Gerechtigkeitssinnes nicht anders organisiert sein als die europäischen Nationen. Wir wissen nicht, ob das 150 Jahre alte Wort unseres großen Philosophen Kant, daß ohne Ge- rechtigkeit das Leben wertlos ist, als solches drüben Verbrci- tung bat. Der Geist dieses Wortes aber lebt zweifellos auch in unzähligen Amerikanern, die seinen Ursprung nicht kennen. Nichts liegt uns ferner, als uns pharisäerhaft in die Brust zu werfen und das gewaltige Unrecht ableugnen zu wollen, das vor und nach dem Kriege die europäische, speziell die deutsche Justiz in Parteihaß und Parteiverblendung be- gangen hat. Wir bekennen, daß namentlich in politisch aus- geregten Zeiten auch unsere Richter oft genug die Stimme des Gewissens vom wütenden Schrei des Hasses haben über- tönen lassen. Aber bescheiden möchten wir darauf verweisen, daß diese Fehlurteile Gegenbewegungen von immer stärker werdender Kraft ausgelöst haben, die oftmals zzim Siege führten, daß Deutschland ebenso seinen Fall F ckch c n b a ch wieder gutgemacht hat, wie Frankreich seinen Fall Drei)- f u 5. Das Bewußtsein, in zahlreichen Fällen die Sache der zu Unrecht verurteilten Unschuld vertreten zu haben, gibt uns den Mut, in Sachen Sacco und Banzetti an das öffentliche Gewissen Amerikas zu appellieren. Der üblichen Verdächti- gung, daß eigenes unsachliches Parteiinteresse die Triebkraft solcher Intervention sei, sehen wir um so ruhiger entgegen, als die anarchosyndikalistischen Bestrebungen der beiden Per- urteilten zu unserer sozialistischen Auffassung durchaus im Widerspruch stehen. Wir kennen nun aber die Gefahr, auf die ein solcher Appell stößt: die Diskussion über die Uckschuld der Verurteilten verliert sich gar zu leicht in kleinlichen Zänkereien über den Wert einzelner Indizien, bestimmter Folgerungen des Ur- teils usw. Wir wollen deswegen uns mit der Feststellung begnügen, daß nach dem eigenen Tenor das Urteil des Richters Thayer ein Spruch ist, der sich nicht auf klare Wissen- schaft der Schuld, sondern auf ein„Bewußtsein der Schuld" (Oonsdousncss of Guilt) gründet. Oder, wie wir in Deutschland sagen, auf einen Indizienbeweis. Daß der Indizienbeweis gegen Sacco und Banzetti zahllose schwache Momente und anfechtbare Schlüsse enthält, ist in den öffentlichen Diskussionen über das Urteil so oft hervorgehoben worden, daß wir uns schon aus diesem Grunde ein Eingehen auf die Einzelheiten sparen. Aber vielleicht wird es in Amerika interessieren, daß die Regierung des größten deut- scheu Landes, die Regierung Preußens, seit 1918 grundsätzlich kein Todesurteil mehr voll- st recken läßt, das lediglich auf einem In- dizien beweis aufgebaut ist. Schon wegen der Jrreparabilität der Todesstrafe vertritt die republikanische preußische Regierung nunmehr seit fast einem Jahrzehnt den vernünftigen Standpunkt, daß die Todesstrafe nur dann voll- zogen werden darf, wenn nach jedem menschlichen Ermessen ein Zweifel an der Täterschaft des Verurteilten ausgeschlossen ist. Deshalb hat sie selbst in solchen Fällen mehrfach Begnadigung eintreten lassen, wo die erregte Oeffentlichkeit diesen Gnadenakt wegen der Schwere der Tat keineswegs günstig aufgenommen hat. Aber die preußische Regierung meint mit Recht, daß die NichtHinrichtung von zehn Schuldigen weniger dem Ansehen der Justiz schade als die Hinrichtung eines einzigen Unschuldigen. Es würde also -bei uns das Todesurteil gegen Sacco und Banzetti allein Schätzels neuester Plan. Beseitigung des Ztadtportos in den Großstädten. Dos„Berliner Tageblatt" veröfsentlicht folgende alarmierende, aus einer sehr zuverläisigen Quelle stammende Mitteilung: „In führenden wirtschaftlichen Kreisen wird bekannt, daßx außer den von der Reichspostverwaltung der Presse bekannt- gegebenen Aenverungen der ersten Vorlage noch weitere vor- gesehen sind, von denen eine besonders geeignet ist, den Verkehr der Großstädte ganz erheblich zu belasten. Nach dem neuen Gnt- wurf sollen nämlich inallenOrtenmit mehrals Ist OOtl Einwohnern die besonderen Ermäßigungen des Orts- partes für Briefe und Postkarten wegfallen." Das Reichspost Ministerium bestätigt vorstehende Meldung im vollen Umfange. Es behauptet, daß in den großen Städten der Verkehr von Briefen und Postkarten innerhalb der Ortsgrcnzen f a st ebenso teuer sei wie der nach außerhalb. Deshalb wird geplant, in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern das ermäßigte Ortsporto aufzuheben. Wie man sieht, will Herr Schätzet ganze Arbeit machen. Wo nur irgendetwas zu holen ist, sollen die Gebühren erhöht werden. Der Fiskalismus der Reichspost geht so weit, daß sie sogar die notwendigen wirtschaftlichen Folgen einer derartigen Radikalkur übersieht. Zeigten schon die bisherigen Vorschläge des Reichspost« minister?, daß man den Kleinverkehr besonders stark belosten will, so tritt das bei diesem neuen Projekt noch deutlicher zutage. Sieht man von dem übrigen Publikum ab, so ist es in erster Linie der Handel und Gewerbe treibende Mittelstand, der von einer derartigen Gebührenpolitik betroffen wird. Sonst aber kann sich der Rechtsblock in F r e u n d s ch a f t s/b e k u n d u n g e n stir den Mittelstand nicht überbieten. Es fehlt nur noch, daß man jetzt diese Postgebühren annimmt, die eine Sonder st euer großen Stils bedeuten, um hcrnaA im Reichstag Anträge zu stellen, die besondere H i l f e l e ist u n g e n für die betroffenen Kreis« verlangen. Wir zweifeln nicht, daß das früher oder später eintreffen wird. Wir zweifeln aber ebenso wenig daran, daß die Schädlichkeit dieser Treisierien der Rechtsblackregierung sehr bald bis weit in die Kreise des Bürgertums hinein erkannt wird. Die Rebellion gegen üen Lanöbunü. Auch Listprcußcns Bauernschaft fällt von ihm ab. Ueberall im Reiche regt sich das selbständige Bauerntum zum Widerstand gegen die Ansprüche des Großgrund- b e s i tz e s auf Führung in der Landwirtschaft. Die Bewegung, die durch die Gründung der Deutschen Bauernschaft einen kräftigen Anstoß erfahren hat, breiter sich selbst in O st preußen aus. So haben sich kürzlich in dieser Domäne des Großgrundbesitzes mehrere Bauern-, Siedler- und Pächtcrverbände zu einer„Oftpreuhischen Bauernschaft" zusanunengelchlossen. Auf der Gründungsversamm- lang, die in K o r s ch e n smttsand, gelangt« ein« Entschließung zur Annahme, die im allgemeinen die bekannten Forderungen der Bauernschaft enthält. Von besonderem Interesse ist aus der Reso- lution der folgende Absatz: „Auf dem Gebiete der ländlichen Siedlung fordern wir, daß an Stelle der provinziellen gemeinnützigen Siedlungsgesellschasten der Staat als Sied'ungsträger auftritt. Private Siedlungsgesellschasten ruhrn in Ostpreußen in den Händen des Großgrundbesitzes und wir können uns mit den Ausführungen des Herrn von Gayl auf der Tagung.des Deutschen Landwirt- Ichastsrats S» Stettin nicht einverstanden erklären. Wir sind nicht der Auffassung, daß Siedlung in den Bezirken erfolgt, wo der Landliefcrungsverband Grund und Boden, der an sich viel zu wünschen übrig läßt, hergibt, auch darf das S'.ediungsgeld keinesfalls dazu verwendet werden, den verschuldeten Großgrundbesitzern finanziell zu helfen. Wir erwarten, daß der Staat die Siedlnngsfrage mit Heranziehung der Bauernorganisalionen für- der», und daß jede unberechtigte Einmischung von Genossenschaften unterbleibt." Das ist eine deutliche Sprache. Herr v. Gayl, Reichsratver. ireter und Kandidat für ein von ihm propagiertes Reichs- Ministerium für Oft preußen, wird über die Absage der Bauern nicht übermäßig erfreut sein. Wird ihm,, der aus lauter deutschnationoler Ueberzeugungstreue die Interessen ferner Provinz bereits auf das Empfindlichste geschädigt hat, doch ein klares Mißtrauensvotum ausgesprochen— und nicht nur ihm! Denn die Kundgebung richtet sich in gleichem Maße gegen die ganze reaktionäre Clique von Großagrariern, die es als Staatspolitik anfchen, wenn sie auf Kosten der werktätigen Bauern und der Verbraucher erst einmal ihre eigenen Taschen füllen. Das neue Strafrecht. Borbercitnngcn auf die Parlamentsarbcit. Die Vorbereitungen der Ausschußberatungen über das n e u s Strafgesetzbuch haben jetzt begonnen. Der Ausschuß hat die Referate zum allgemeinen Teil des Strasgesetzbuches verteilt, uns dabei sind auf die Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion je zwei Referate und Korreserate entfallen. Genosse L a n d- b e r g hat das Referat über die Strafen, Genosse Rosen- selb das über die Strafbemessung übernommen, während Genosse Sa enger das Korreferat über das Kapitel van den strafbaren Handlungen und Genosse L e v i das Korreferat über Strafmilderung und Strafschärfung hat._ Der verfafsungstag in Daüen. Reaktionärer Aufhebungsantraft abflelehnt. Karlsruhe, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Badische Landtag beschäftigte sich am Mittwoch mit einem Antrag der Deutschnationalen, die Verordnung der Regierung, wo- nach der Vcrfassungstag in Baden ein gebotener. Feiertag ist, auszuheben, sowie mit einem Eventualantrag, die Verordnung dahin abzuändern, daß kein Badener behindert ist, am 11. August seinem Beruf nachzugehen. Der Landtag lehnte beide Anträge mit 45 gegen 10 Stimmen ab. Für den Antrag stimmten die Deutschnationalen, der L a n d b u n d, die Deutsche V o l k s p a r t e i und die Kommunisten. Bezeichnend war das Verhalten der Deutschen Volkspartei. Im Ausschuß stimmte sie für Ablehnung des deutschnationalen Antrages, in der Vollsitzung fiel sie um und stimmte für den Antrag, also für die Abschaffung des Verfassungstages in Baden._ vsrletzte tzöfiichkeit. Wo bleibt daS internationale Beileid für das Sachfenunglück? Die Hochwasserkatastrophe in Sachsen dürfte bei weitem das furchtbarst« Unglück sein, das seit Kriegsende ein europäisches Land heimgesucht hat. Ihr Umfang, insbesondere die angeführte Zahl der Todesopfer, stand bereits am Sonntag fest. Es ist in der internatio- nalen Diplomatie Sitte, daß die fremden Regierungen durch ihre diplomaiischen Vertreter der Regierung des betroffenen Landes ihr Beileid aussprechen lassen. Das ist zwar nur eine F o r m a l i- t ä t, aber sie ist nun einmal herkömnilich, und sie wird, nicht zuletzt von den Deutschen, bei weit geringeren Anlässen erfüllt. Bisher hoben aber zu dem Unglück im Erzgebirge nur die Berliner Vertreter der kleineren Staaten dieser traditionellen Anstandspflicht ge- nügt, ebenso der Vertreter der Vereinigten Staaten. Die Repräsen- tonten Frankreichs, Englands und Italiens hoben dies bisher nicht getan. Wenn der italienische Diktator einem Attentat ent- rönnen ist, dann drahten die Staatsoberhäupter und laufen die Bot- schaster, um zu protestieren, obschon sie genau wissen, daß es sich um bestellte Arbeit handelt. Wenn aber eine Naturkatastrophe 200 deutsche Proletarierleben vernichtet, dann halten sie es nicht für nötig, die Formen des internationalen Anstandes gegenüber dem deutschen Volke zu wahren. Wir stellen das fest. Genosse Konrad s�nkelmcier, Redakteur des„Volk" in Jena, hat gegen den Staatsanwaltschaftsrat Floel, der aus dem Loeb-Prozeß und'dem Meineidsprozeß gegen den Oberstaats- anwalt Frieders bekannt ist, und die rechte Hand der Ordnunes- regierung und der Staatsanwaltschaft war, iv trafanzeige wegen Meineids beim Oberstaatsanwalt in Weimar ein- gereicht. schon wegen des zweifelhaften Schuldbeweises nicht vollstreckt werden. Aber unser Appell geht in der Hauptsache nach einer anderen Richtung: Das Urteil gegen Sacco und Vanzetti ist vor nunmehr sieben Jahren gefällt worden. Seit sieben Jahren schwebt über den Verurteilten die Ungewißheit der entsetzlichen Frage:„Werde ich morgen hingerichtet oder nicht?" Das ist mehr als Todesstrafe, das ist Folter einer so entsetzlichen Art, wie sie selbst dos Mittelalter nicht gekannt hat. Schätzungsweise zwcitausendundfünf- hundert Tage sind seit der Verurteilung Saccos und Vanzettis vergangen. An zweitausendfünfhundert Morgen sind die Verurteilten von ihrem Lager aufgestanden, an zwei- tausendfünfhundert Abenden haben sie sich niedergelegt mit dem Gefühl: über ein kleines werde ich vielleicht zur Hin- richtung abgeholt. Wir grundsätzlichen Gegner der Todes- strafe erklären schon die kurze Zeit, die normalerweise zwischen Richterspruch und Bollstreckung vergeht, für eine so entsetzliche Holter, daß wir allein aus diesem Grunde diese Strafart be- seitigt sehen möchten. Aber nun sehen wir im Falle Sacco und Vanzetti diese Folter verhundertfacht, oer- t a u s e n d f a ch t, und fragen uns schaudernd: ist dies in einer Kulturnation überhaupt möglich? Es handelt sich gar nicht mehr um die Frage, ob Sacco und Vanzetti schuldig oder unschuldig sind. Es handelt sich darum, ob irgendein Staat, ob irgendeine Gesellschaft dos Recht hat, na ch sieben Jahren das über den Häuptern der Verurteilten aufgehängte Damoklesschwert der Hinrich- tung noch niedersausen zu lassen. Das verneinen wir und wissen uns darin sogar einig mit den europäischen Anhängern der Todesstrafe. Wir erklären aus bester Kenntnis der Dinge für unmöglich, daß in Deutsch- land ein überzeugter Anhänger der Todesstrafe, der zugleich von der Schuld der Verurteilten überzeugt ist, noch für den Vollzug der Todesstrafe nach siebenjährigem Hinzögern ein- treten würde. Und hier ist das Rätsel, vor dem wir stehen. Wir ver- stehen es, wenn aus Bolfchewistenangst und Parteivoreinge- nommenheit heraus ein Teil der amerikanischen Oeffentlichkeit an der Schuld Saccos und Vanzettis festhält. Nicht aber ver- stehen wir, wie selbst dieser Teil noch einer Hinrichtung nach siebenjähriger Folterzeit des Wortens das Wort reden kann. Am wenigsten verstehen wir, wie es Organe der I u st i z, wie es einen Richter geben kann, der eine Handlung vorschlägt und verantwortet, die nicht nur jedem Gesetz der Menschlich- keit, sondern auch der Gerechtigkeit Hohn spricht. Sollte das Entsetzliche und Unausdenkbare wirklich zur Tat werden, so stehen wir nicht an zu erklären: Hier würde eine Enttäuschung über das Rechtsgesühl und Verantwor- tungsbewußtsein einer großen Nation geschaffen werden, die keine Heldentat eines Lindbergh oder Chamberlin wettmachen könnte. Die Vollstreckung eines Todesurteils nach sieben- jähriger Wartezeit würde einen unauslöschlichen Schatten auf den Charakter eines Volkes werfen, das etwas derartiges zuläßi. Aber noch vermögen wir daran nicht zu glauben. Wir hoffen und vertrauen auf das starke Gerechtigkeitsgefühl eines Volkes, das so oft Zeugnis davon abgelegt hat, daß für sein Empfinden Recht und Menschlichkeit keine leeren Warte sind. Per'"preußische Kultusminister hat angeardnet, daß an dcn preußischen Schulen� am Veriassnngstage schulfrei ist. Am Ver- fastünasiage sind Schulfeiern zu veranstalten, bei denen die geschichtliche Bedeulung des Tage- gewürdigt wird. Den einzelnen schulen ist volle Freiheil bei der Ausgestaltung der Feiern im einzelnen gelassen, doch erwartet der Minister, daß' alles getan wird, um den inneren Gehalt und den äußeren Rahmen der Schulfeiern iv ii r�d i g zu gestalten und die hervorragende Bedeutung des Tages den Schülern nahezubringen. Loeb gegen Thüringen. Nach einem Beschluß des Weimarer Landgerichts iü die Entscheidung über den Prozeß des Staatsbank- präsidenlen£. D., Genossen Loeb, gegen das Land Thüringen aus den 20. September verschoben worden.. Ein /lufsthrei ües ruPjchen Schrifttums. Auf geheimen Wegen liat eine Gruppe russischer Schriftsteller ein Manifest ins Ausland geleitet, das an die Schriftsteller de? ganzen Welt geri6)t«t ist. Wir entnehmen dem Manifest, das der„Neimsdienst" verbreitet, folgende tatsäcyli6?e Angaben: Der Idealismus, diese mächtige Strömung der russischen Li- teratur, wird als Staatsverbreche» gebrandmartt. Unsere Klassiker dieser Richtung sind von allen öffentlichen Bibliotheken verbonm. Dasselbe Schicksal trifft die Werke der Historiker und Philosophen nicht materialistischer Weltanschauung. Spezielle Instruktoren kon- iiszieren, bei plötzlichen Revisionen öffentlicher Bibliolheken und Buchhandlungen, alles, wgs zu der vorrevolutionären Kinderliterotur und zum Bolksepos gehört. Die gegenwärtigen Schriftsteller, die als idealistisch Gesinnte verdächtig erscheinen, sind jeder Möglichkeit, sogar jeder Hoffnung beraubt, ihre Schöpfungen jemals herauszugeben. Und sie selbst werden, als Feinde und Zerstörer der geltenden Staats- ordnung, van allen Aemtern verstoßen und kommen unis tägliche Brot. Dies ist di« erste Mauer des Gefängnisses, in welchem das freie Wort gesangengehalten wird. Ihr folgt eine zweite Mauer. Jedes zur Veröffentlichung bestimmte Schriftstück muß in zwei Exemplaren zuerst der Zensur vorgelegt werde». Noch erfolgtem Abdruck kehrt das Schriftstück daselbst zur zweiten Lesung wieder zurück. Es kam vor, daß einzeln« Sätze, ein Wort, sogar ein Buch- stabe(z. B. der Anfangsbuchstabe im Worte„Gatt"), die vom ersten Zensor, Verfasser, Herausgeber und Korrektor übersehen wurden, bei der zweiten Zensuriening zu erbarmungsloser Konfiskation der gesamten Zluflage führten. Der Genehmigung des Zensors sind all« Werke, sogar auf dem Gebiete der Chemie, der Astronomie und Mathematik unterworfen. Eine ergänzende Verfasserkorrektur kann nur mit besonderer jeweils bestätigten Bewilligung des Zensors erfolgen. Ohne dieselbe darf die Druckerei keinerlei Berichtigung im Satztext eintragen. Ohne präventive Genehmigung der Zensur, ohne spezielles mit Stempelmarken versehenes Gesuch, ahne langes Warten, bis der mit Arbeit überhäufte Zensor zur Prüfung eines Papierstückes übergeh,, wo nur Namen und Vornamen verzeichnet sind, kann unter kam- munistischer Herrschaft keine Visitenkarte gedruckt werden. Die Herren Duhamel und Durten könnten leicht bemerken, daß sogar Theater- plakatc mit Inschriften„nicht rauchen",„Nebenauegaiig", mit dem sakramentalen Visum der Zensur, die den Druck der Plakate ge- nehlyigt, verschen sind. Daneben steht noch eine dritte Gesängnismauer, die dritte Linie von Drahtzaun und Wolfsgruben. Zur Eröffnung eines privaten oder öffentlichen Verlages ist eine spezielle aintlichc Genehmigung erforderlich, die sogar für rein ü'"'«Nif«nie Frist von zwei Jahren ereilt werden kann. Auch find solche Genehmigungen sehr schwer erhältlich. Nicht staatliche Berlage lnlde» überhaupt eine Seltenheit. » Die Tätigkeit eines Berlages kann sich nur im Rahmen eines von der Zensur zeiichmigtcn Programms entwickeln. Die Verleger find deshalb verpflichtet, der Zensur ein Halbjahr voraus genaue Ver- zeichnisse zur Veröffentlichung sämtlicher vorgesehenen Werke, mit ausführlichen Lebettsbeschreilmngen der Verfasser vorzulegen. Der Verlag darf außer einem solchen von der Zensur ge- nehniigten Verzeichnis, soweit es von der Zensur bestätigt wurde, nichts anderes herausgeben. Unter solchen Bedingungen wird solches'Material zum Abdruck ausgenommen, welches der koinmunifti- jchen Zensur gefällt. Gedruckt wird nur, was von der für alle obti- gatorischen konmiunistischen Weltanschauung nicht abweicht. Das übrige, so bedeutend und talentvoll es auch sein mag, kann nicht herausgegeben werde» und mutz verborgen bleiben: das bei Haussuchungen Vorgefundene führt zur Verhaftung und Verbannung, so- gar zum Erschießen. Proiessor Lazarevsky, einer der bedeutendsten russische» Staotsrcchller, wurde lediglich deshalb hingerichtet, weil bei einer Haussuchung sein Entwurf einer neuen russischen Staats- Verfassung vorgefunden wurde. Ist euch, Schriftstellern, dies alles unbekannt geblieben? Wißt ihr dies alles? Fühlt ihr nicht das Entsetzliche der Lage, zu welcher unser Wort, unsere Sprache, unsere Literatur verurteilt sind. Dies Schreiben wirkt wie aus einem verborgenen Kerker ent- sendet. Unter großer Gefahr wurde es abgefaßt, mit Lebensgefahr brachte man es über die Grenze. Auch wissen wir nicht, ob unser Schreiben erscheinen wird. Sollte dies aber gelingen und unsere Grabesstimme euch ertönen, st> flehen wir euch: Höret, leset und überlegt das Schreiben. Der Herzensschrei unseres großen verstorbenen Leo Tolstoi, der seinerzeit sein„Ich kann nicht schweigen" der ganzen Welt zurief, wird dann auch die Richtschnur für euch selbst werden." Rußland, Mai 1927. Eine Gruppe russischer Schrift st eller. Alenelekel! Auf den hohen Sätteln des Riesengebirges, Erz- gebirges, Harzes usw. liegen ausgedehnte Moore, Schwämmen gleich, die enorme Wasiekmengen nuizunehmen und allmählich abzugeben fähig find. Diese nalllrlichen Regulatoren hat der Mensch im Lause der letzten Jahrzehnte durch Grabeniysteme entwässerl. Seitdem häufen sich die Katastrophen am Fuße der Gebirge. Was der Mensch hier gesündigt hatte, sucht er durch Do, umbaute» nachträglich wieder gutzumachen. Aber die zahme Gottleuba durchbrach in der Erzgebirg�-Katastroph« einen eben fertiggestellten Betondamm in wenigen Sekunden. Um auch nur an den gefährdesten Stellen über- all wirtlich ausreichende Dämme zu bauen, fehlt es an Geld. Das wahre Uebel, die Zerstörung eines von der Natur selbst im Gleich- gewicht erhaltenen Berieselungssystems, wird damit nicht beseitigt. Wenn es möglich war, nach der Insel Sylt eine Bahnbrücke zu bauen, dann sollte es auch möglich sein, nach dem Vorbild holländi- icher Unternehmungen seichte Mceresstellen abzudämmen und dem Menschen Land zu gewinnen. Di« Moore aber sollte man wieder- herstelle» und all« erreichbare» Osdländer austorstsn, den« die Em- wakdimg ist eine der anderen Ursachen dieser Katastrophen. Auch die Wälder wirken ausgleichend im höchsten Maße. Ohne die riesigen Wälder Sibiriens und Rußlands, die wie ein Schutzwall wirken, märe Mitteleuropa vielleicht längst wieder versteppt. Arbeitet der Mensch an der ,. Rationalisierung" der Natur, von der er nicht den millionsten Teil so viel versteht wie von Technik und Industrie, so weiter wie bisher, dann wird diese Bersteppung reißende Forlschritte machen. R i p. Für die Biochemie. Der Verein Deutscher Chemiker hat be- schlössen, dahin zu wirken, daß die Biochemie(physiologische Eherne) an unseren Hocisichulen mchr gepflegt werde. Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten die Führerschaft, die es sich auf diesem Gebiete erworben hatte, eingebüßt. Die neuen, für Chemie, Medizin und Industrie gleich wichtigen Fortschritte in der Ersorschung der Vitn- mine und Hormone verdankt man fast ausschließlich der Arbeit angelsächsischer Gelehrter. An dem Niedergang dieser Forschung�- richtung in Deutschland trägt die Hauptschuld die Geldnot der Nach- kriegszeit, aber nicht minder das mangelnde Verständnis der maß- gebenden Kreise. Es gibt in Deutschland kein einziges Institut, das den jungen Gelehrten die Erfahrungen der Vitamin- und Hormon- Forschung vermitteln und sie mit den neuesten und besten Methoden des Tierversuchs bekannt machen könnte. Es hat keinen Sinn, etwa viele kleine und notdürftig ausgestastste biochemische Justitutc zu schaffen: Die moderne Biochemie braucht sehr große Hilfsmittel. Wir brauchen biochemische Forschungszentren, wo bedeutende Ge- lehrte chemischer, physikalischer und medizinischer Richtung sich zu gemeinickwstlicher Arbeit zusammenschließen und einen Nachwuchs heranbilden, der Chemie, Medizin, Botanik, Zoologie und» Bakteriologie mit biochemischen Gedankengängen befruchten kann. Bersuchsbauten in Dessau. Der Vcrwnltungsrat der Reichs- sorschungsgesellschast für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen hat beschlossen, aus dem vom Neichsarbeitsministerium für Wohnungsvorzugsbauten zur Verfügung gestellten Stock von zehn Millionen Mark der Stadt Dessau für Versiichsbaurcn unter der Leitung des Direktors des Dessauer Bauhauses, Professor Gropius, den Betrag von 300 000 M. zur Verfügung zu stellen bei einem Zinsfuß von l Proz. Diese Zuwendung ist bemerkenswert, weil aus den vom Reiche bereitgestellten Mitteln außer Dessau bisher nur die Städte Frankfurt a. M. und Stuttgart Beiträge für Ver- suchsbnuten erhalten haben. Die Stadt Dessau will von dem Geld weitere 150 Einfamilienhäuser in Angriff nehmen. Ferner erhielt das Bauhaus aus dem gleichen Stock 50 000 M. zur Ausprobierung besonderer Baumaschinen._ Unfere Staatliche Hochlchule für INusik ha! für ihre Beteiligung aus der Jolrrnalionalen Mufikairsslellung in(Senf eine ehrenvolle Anerkennung er- halten Tie Inslrumentensam ml u n g der.Hochschule hatte einen eiadruckSvollen, den Werdegang des deutschen Instriimentenbaircs ver- aiiichaulichenden Raum ansgebaul. Ein japanisch-denlsche« ku'Iariii'iltul. Vor kurzem wurde daS sapanüch- devtiche.äliiUirmitiiiit in Tokio ei öffnet. Neben dem Inslitiltsdtrektor Pro'. Takaduo hielien der Biäliöcnl(Solo, der Preiyierminister Tanala. t-r llnterrilhtsminiirer, der Akademlevräsident, der deutsche BolschaNer To!'. der Berliner Miuerlmsdirektor Otto Thümmel und der deulschc Leiler des neuen IniliUUS(Kundert Ansprache». Ssperisther Finanzausgleich. Auf Kofteu der Gemeinden. München, 13- Juli.(Eigener Drahtbericht.) Nach langwierigen Verhandlungen im Schatze der Regierungsparteien ist dcm bayeri- ichen Landtag nun endlich der Gesetzentwurf über den vielum- strittencn innerbayerischen Finanzausgleich zuge- gangen. Die Vorlage, die schon im Laufe der nächsten Woche vom Parlament verabschiedet werden soll, enthält folgende Bestimmungen, durch die den Gemeinden, Bezirken' und Kreisen neue Mittel zu- fliehen: Die Gemeinden erhalten die Ermächtigung, von allen im Gemeindebezirk wohnenden Personen, die selbständig auf eigene Rechnung leben, eine sogenannte Verwaltungskostenab- gäbe in der Höhe von höchstens K M. jährlich zu erheben. Von dieser Abgabe sind die Schwerkriegsbeschädigten und Klein- und Sozialrentner befreit. Für die Rechnungsjahre 1927 und 1928 wer- den ferner 5 Proz. des Anteils der Gemeinden und Kreis« an der Einkommens- und Körperschafts st euer einbehalten und diese Gelder nach dem Verhältnis der Fürsorgelasten und der Aufwendungen für die Straßen vom Innenministerium verteilt werden. Weiterhin werden die Gemeinden ermächtigt, ihre Umlage bis auf 499 Proz. zu erhöhen, die Bezirke bis auf 2Z0 Proz. und die Kreise bis auf 60 Proz. Aus diesen Bestimmungen crsieht man, daß die finanziell« chklfe für die in schwerer Rot be- i-ndlichen Selbswerwaltungskörper in Bayern nicht vom Staat ge- oährt wird, sondern ausschließlich zu Lasten der Gemeinden selbst geht._ Cin Waffenlager ües Stahlhelm. Bei Sprottau ausgehoben. Görlitz, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag wurde dem Reichsbannervorsitzenden von Sprottau mitgeteilt, daß sich in einem Schuppen des Gutsbesitzers Weiß, eines Stahlhelm- mannes, ein großes chandgranatenlager bcsinde. Die Bolizei wurde benachrichtigt und nahm am Dienstagmorgen eine Haussuchung vor. Der Gutsbesitzer bestritt alles. Schnurstracks gingen nun die Beamten in den Schuppen. Dort fanden sie mit Zeltplanen und Decken vernagelt 4 3 volle Kisten Stiel- Handgranaten, 1039 Stück. Jetzt erklärte der Gutsbesitzer. diese Munition sei wohl vor achr Jahren zu ihm gebracht worden und sei ins Bergesien geraten. Sie wurde beschlagnahmt und sofort im Munitionsdepot der Reichswehr untergebracht. Der Gutsbesitzer Weiß, sein Sohn und sein Sekretär sind Mitglieder des Stahlhelm und hervorragend tätig. Unglaubliches Unheil hätte mit dieser Munition in den Händen des Stahlhelm angerichtet werden können gegen die andersgesinnt« Bevölkerung. Ein Brand hätte zu einer Katastrophe führen können. Rücksichtslose Unter- suchung und Bestrafung ist in diesem Falle am Platz«. ?wan Kutisker gestorben. Infolge einer plötzlichen Lungenembolie. Zwan Sutisker ist gestern mittag gegen 1 Uhr in der Charite plötzlich gestorben. Die Berufungsverhandlung im Kutisker-Prozeß hat mit dauern- der Anwesenheit eines Assistenzarztes der Eharite stattgefunden, und noch am 7. Juli hat Geheimrat Professor Dr. His die Verhand- lungsfähigkeit Kutiskers vor Gericht erneut f e st g e st e l l t. An- scheinend ist der Tod durch ein« jäh aufgetretene Lungenembolie herbeigeführt. Ueber das Ergebnis einer bevorstehenden ein- gehenden ärztlichen Untersuchung wird morgen dem Gericht Bericht erstattet werden. Die letzte Verhandlung gegen Ku- tisker hat am Montag stattgefunden. Der Tod Iwan Kutiskers ist sehr überraschend gekommen. Iwan Kutisker unterhielt sich gerade mit einem seiner Wärter über iie Aussichten des heute erfolgenden Urteils, als er, wohl infolge der Erregung über die letzten Verhandlungsiage und den bevor- stehenden Richterspruch, plötzlich tot zusammenbrach. Der von dem Wärter sofort hinzugezogene Arzt konnte ihm nicht mehr helfen. kutiskers EnSe. Heute sollte das Urteil in der Berufungsverhandlung gegen Kutisker verkündet werden. Gestern vormittag verstarb er plötzlich, ohne den neuen Richterspruch abzuwarten. Der Staats- anwalt hatte eine Herabsetzung der Straf« beantragt. Wie erinnerlich, lautete das Urteil der ersten Instanz auf 5 Jahre Jucht- haus und 10 Jahre Ehrverlust. Man wird dem Kaufmann Kutisker keine Träne nachweinen. Mit ihm scheidet aus dem Leben ein Mensch, der gewissermaßen die schlimmste Erscheinung in der Nachkriegs- und Inflationszeit, mit ihrer Raffgier und ihrem Spekulalionsgeist, verkörperte. In der Oeffcnllichkcit gab es keine zwei Msinungen über das Gemein- gefährliche der ihm zur Last gelegten Handlungen. Seine Gaunereien haben der Preußischen Staatsbank, wenn auch nicht ohne ihre eigene Schuld, etliche Millionen gekostet, Im Augenblick seines Todes entsteht jedoch für die Oeffentlich- keit die Frage: haben die Justizbehörden recht gehandelt, daß sie den ungezählten Anträgen der Verteidigung über die Verhandlungs- und Haftunfähigkeit des Menschen Kutisker kein Gehör schenkten? Es kann nicht Aufgabe des Gerichts sein, einen Ange- klagten in den Tod hineinzuprozessieren. über einen Menschen indirekt ein Todesurteil wegen eines Verbrechens zu ver- hängen, auf das laut Gesetz nur Freiheitsstrafe steht. Das ist aber in diesem Falle, allem Anscheine nach, geschehen und wird in so und so vielen Fällen, die weniger sensationnell sind als der Fall Kutisker, bereits vorgekommen sein. Auch fordert es zu schärfster Kritik heraus, daß ein Mann für verhandlungsfähig erklärt wurde, der nur mit Einspritzung von Medikamenten wachgehalten wurde. Gegen einen derartigen Mißbrauch der Untersuch ungs- Haft muß aber ganz entschieden Einspruch erhoben werden. Die, Verteidigung hatte die Hinzuziehung eines Gerichtsarztes beantragt, damit dieser die Entscheidung über die Haftunfähigkeit Kutiskers treffe. Das Gericht begnügte sich aber mit dem Gutachten des Eharitearztes Prof. His, das immer wieder lautete: es besteht keine Lebensgefahr. Selbst vor wenigen Tagen wiederholte er diesen stereotypen Satz. Bestand also Lebensgefahr, oder bestand keine? Diese Frage wird nicht so sehr im Interesse Kutiskers, der ja, trotzdem er außer Lebensgefahr war, die Unvorsichtigkeit hatte, zu sterben, als im Interesse der vielen Namenlosen, die unter Um- ständen gleich Kutisker in den Tod hineinprozessiert werden können, zu stellen sein. Der Geist Höfles, der unter ähnlichen Umständen verschied, geht immer noch um. Ein neues Dominion? London. 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die britische Re- gierung hat beschlossen, eine königliche Kommission nach Ost- afrika zu entsenden, um' die Frage der Bildung eines o st afritani- jchen Bundesstaates, welcher die Kolonien Kenya, Ugala, Das Reichsgericht in Stuttgart. Hintergründe des politischen Prozesses.— Kommunistische Prahlereien. „Schwarze Polizeiwehr." Slulkgart. 13. Juli.(Eigener Bericht.) Seit einem Monat tagt nun in Stuttgart der 4. Strafsenat des Reichsgerichts in seiner Eigenschaft als Staats- gcrichtshof, um Straftaten von Angehörigen der Kommu- nistifchen Partei abzuurteilen, die im November 19 2 3 begangen wurden. Damals hatten die Jnflationswirren ihren Höhe- punkt erreicht, in München hatte sich im Hitler-Ludendorff- Putsch das Regiment des Allgewaltigen Kohr totgelaufen, und General Seeckt, in dessen Händen die Befehlsgewalt lag, hatte das politisch völlig oerfehlte Verbot der Kommunistischen Partei erlassen. Oer Hochverrat. Die Versuche der kommunistischen Agitatoren, ihre Anhänger trotz des Verbots zusammenzuhalten, werden, da die Ziele auf einen mit verfassungswidrigen Mitteln angestrebten Umsturz der Staats- ordnung hinauslaufen, juristisch als Hochverrat angesehen, woraus sich die Zuständigkeit des Staatsgerichtshofes ergibt. In Verbindung damit sind zwei Straftaten abzuurteilen, die im Zusammenhang mit jenen Vorgängen erfolgt sind. Damals waren die Räume des Stuttgarter Kommunistenblattes, der„Süddeut- scheu Arbeiterzeitun g", in der Geiststraße von Polizei- beamten besetzt, um das Erscheinen des Blattes zu verhindern. Gegen diese Besatzung wurde in der Nacht des 26. November 1923'ein Bombenanschlag verübt, der jedoch infolge glücklicher Zufälle nur Materialschaden anrichtete. Die Anklage lautet aber aus versuchten Mord. Am Tage daraus war die Polizei bei der Recherche nach einem Einbrecher im Nebenzimmer eines übel beleumdeten Lokals in der Leonhardstraße aus die kommunistische Kurier- zentrale gestoßen, dre sie sofort aushob und deren Material sie beschlagnahmte. U. a. fand sie dort die Einladung zu einer G e- h e i m s: tz» n g, die am gleichen Abend in der Alfredstraße in Ost- heim stattfand, und das Stichwort, unter dem man dort Zutritt erlangte. Der Kriminaloberwachtmeister T s ch i e r s ch drang mit* noch einem Beamten dort ein und wollt« di« Anwesenden mit vor- gehaltenem Revolver dort so lang« festhalten, bis sein Kollege Ver- stärkung herbeiholte. Als diese nach einigen Minuten kam, lag Tschierisch mit durchschossener Brust st erbend im Hausgang, und von den Sitzungsteilnehmern war niemand mehr anwesend.— Der Teilnahme an diesen beiden Verbrechen ist eine größere Anzahl von Mitgliedern der kommunistischen Partei beschuldigt. von denen mehrere flüchtig sind und sich vermutlich in Rußland auf- hallen. Auf der Anklagebank selbst sitzen Werkmeister Otto B a i k- Hardt, Redakteur Otto L ä m m l e,'Tabakschneider Emil G ö ck e- ler, Mechaniker Hermann Ruoff und Max Stauß, Friseur August Groß, Schlosser Otto Braune, Schneider Franz Steg- m a i e r, Bäcker Eugen Klopfer, Bautechniker Richard Daniel, Hilfsarbeiter Hermann Hep perle und Paul Kuhnle. Die Verhandlungen werden geleitet von dem schon aus früheren Prozessen ähnlicher Art bekannten Präsidenten R i e d n e r, die An- klage vertritt Reichsanwatt R e u m a n n mit seinem Hilssarbeitex, Amtsrichter W e i n k a u f, die Verteidigung führen die Anwälte von B a g n a t o und Heinz aus Stuttgart, Dr. H e r z f e l d und der preußische Landtagsabgeordnete O b u ch aus Berlin. In den zurückliegenden vier Verhandlungswochen ist es mehrfach zu sehr erregten und, teilweise persönlich verletzenden Auseinandersetzungen zwischen der Verhandlungsleitung, der Reichsanwallschaft und der Verteidigung gekommen, ohne daß jedoch bisher einer dieser Konflikte die Fortführung des Prozesses ernstlich gefährdet hätte. Ungemein schleppend zog sich die Vernehmung der zahlreichen Angeklagten hin, die ihre Schuld bestreiken. Roch ihrer Darstellung ist der tödliche Schuß aus den Oberwachkmeister Ischiersch von dem jetzt in Rußland befindlichen Ferdinand Metsch abgegeben worden, der zur Zeit der Tat aber erst 18 Jahre alt war! Die An- geklagten werden jedoch stark belastet durch Notizbücher und Briefe, die van ihrer eigenen Hand stammen und teils in Stirfl- gart, teils in Mannheim bei dem dortigen Kampfleiter, teils in Berlin im kommunistischen Frokttonszimmer des Preußischen Land- tags und in der Paßfälicher, zentral« in Neukölln beschlagnahmt worden sind. Daraus ist zu entnehmen, daß Anschläge geplant waren auf die Schupokaserne im hinteren Flügel des Residenz- schlosses und auf die Bergkaserne in Stuttgart Ferner wird insbesondere dem Angeklagten Baikhardt die Beteiligung an einem Anschlag auf das Leben des Generals Seeckt zur Last gelegt, der sich damals in Baden-Baden aufhielt. Bon dem Angeklagten Stauß wurde in Berlin ein umfangreiches Schreiben an die Leitung der„Roten Hilfe'" vorgesunden, in dem er selbst seine Beteiligung an dem Bombenattentat, sowie an der Erschießung des Polizeioberwachtmeisters, an verschiedenen Einbrüchen in Stuttgarter Studentenhäusern und an dem Plan eines weiteren Attentats auf eine Polizeiwach« darstellte. Die auf diese und ähnliche Art belasteten Angeklagten suchten sich auf eme für sie persönlich wie für den ganzen Parteibctrieb bei den Kommu- nisten wenig schmeichelhafte Art herauszureden. Diese Angaben seien flogen und von ihnen nur gemacht worden, um sonst nicht erhältlich gewesen« Unterstützungen und gejälschtc Pässe zu bekommen, mit denen sie hätten ins Ausland gehen können. Der Angeklagte Braune, der schon in der Voruntersuchung einen Hungerstreik inszenierte und sich in der Verhandlung mehrfach sehr rabiat benahm, hat sich durch üble Renommistereien hereingeritten. Er hat nach dem Bombenattentot dritten gegenüber sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß di« L u m p'e n dabei nicht„ver reckt" seien, versprach dritten nach der„Revolution" Vertrauens st ellungen, da er dann selbst„Roter General" sein würde. Und was dergleichen Beweise für die politische Unreife der m der kommunistischen Bewegung führenden Personen mehr waren. Von.allgemeinerem politischem Interesse waren bisher einige Einzelheiten aus den Zeugenvernehmungen, Ein Diplomlandwirt Schönleber war zu der kritischen Zeit bei der Polizei eingezogen und verweigerte auf Grund einer Anweisung des Stuttgarter Polizeipräsidenten die Aussage über die Art und Dauer seiner Beschäftigung bei der Polizei. Da Schönlebcr kein Beamter war, focht die Verteidigung die Rechtsgültigkeit dieser Dienst- anrveisung an. Ihre Anträge auf Ladung des Polizeipräsidenten. des Innenministers Bolz und des Staatspräsidenten Dr. Hieber wurden jedoch vom Gericht abgelehnt. Es scheint also trotz der entgegengesetzten Erklärung des Ministers Bolz im Württembcrgischen Landtag zu jener Zeit doch so etwas wie eine ..Schwarze Polizeiwehr" bestanden zu haben. Die Vernehmung des früheren kommunistischen Wgeordneten Hans Stetter, der später aus seiner Partei aus- geschlossen wurde, ergab, daß ihm von der Leitung der Partei der Vorwurf der Feigheit gemacht worden war, weil er, als die Polizei in eine von ihm geleitete Sitzung im Stuttgarter Theater- restaurant eindrang, keinen bewafsnctcn Widerstand(!) geleistet habe. Das Verhalten in der Sitzung in Ostheim, wo der Oberwachttneister Tschiersch erschossen wurde, ist in dieser Rüge von der Partei ausdrücklich als maßgebend für solch« Fälle bezeichnet worden. Bei einigen Zeugen, die Mitglieder der Kommu- nistsschen Partei sind, fiel es auf, daß sie keine Aussagen machen wollten. Einer sagte direkt, er werde sich als Mitglied der KPD. „hüten", Aussagen zu machen. Die Verteidigung bestritt mit graßer Leidenschastlichkeit, daß die KPD. ein allgemeines Schweigegebot für ihre Mitglieder erlassen habe, aber die Reichsanwattschasi brachte eine Anzahl Dokumente bei, die doch erkennen ließen, daß hinter den Kulissen mindestens der Versuch unternommen worden ist, einen Gewissenszwang auszuüben. Den Höhepunkt der Verhandlung bildeten bis jetzt, die Vernehmungen der früheren kommunistischen Parteimitglieder' D i e n e r und König, die schon früher in anderen Hochomatsprozessen zu mehrjährigen Zuchthausstrajen ver- urteilt worden sind, aber von den Angeklagten und der Verteidigung jetzt als Polizeispitzel, teilweise sogar als Lockspitzel be- zeichnet werden,'da ihre Aussagen sehr belastend, ja gewissermaßen das Fundament der Anklage sind. Die Verteidigung gab sich große Mühe, den moralischen Wert der Persönlichkeiten dieser Zeugen herabzusetzen, aber der unbefangene Beobachter muß fest- stellen, daß ihre Bemühungen keinen sehr großen Ersolg hatten. Der Zeuge Diener ist überhaupt erst nach den unter Anklage stehenden Straftoten R a ch r i ch t e n l e i t e r in der Partei gc- worden. Er erklärte, über die Instruktionen, die er in dieser Eigen- schaft erhielt, in Empörung geraten zu sein, da er vorher die Kmnpftnethoden der Partei nicht so gekonnt hätte.» So sollte er bei einer Erwcrbslosendemonstration einen Angriff aus die Schutzpolizei durch Dachschützen und andere Gewaltmittel organisieren. Das hätte niemals seiner Ueberzeiignnq entsprochen, und darum hätte er sich entschlossen, der Polizei erst indirekt und dann auch direkt Mitteilungen zukommen zu lassen, um die geplanten Verbrechen zu verhindern. Er habe niemals eine Bezahlung erhalten, nach Borteile andere Art empfangen.— Die Vernehmung der Zeugen gewährte einen er- schreckenden Einblick in die moralische Verwilderung, die von der kommunistischen Partei durch die von ihr angewendeten politischen Sampfmethoden unter ihren Mitgliedern ongerichlel wird. Durch diese Zumutungen, die sie an alle Mitglieder stellt, gleich- viel, welches Temperament und welchen Grad von Intelligenz sie haben, trägt sie wohl den stärksten Teil der Schuld daran, daß die Begriffe von Recht und Unrecht, Moral und Unmoral bei ihnen in Verwirrung geraten, und ihnen zuletzt jeder innere Halt und jede moralisch? Hemmung verloren geht. Eine Partei, die Ver- schwörer züchten will, zieht damit auch gleichzeitig die Ver- rät er an den von ihr angezettelten Verschwörungen groß! Sansibar, Tanganyka und wahrscheinlich auch Rord-Rhodesien und Ryassalond einschließen wird, zu studieren. Dies ist eine erste Frucht der vor kurzem in London abgehaltenen Kolonialkonferenz. Die zahlreiche indische Bevölkerung ist diesen Plänen gegen- über durchaus feindlich eingestellt, da sie als Resultat der Bil- dung eines solchen ostasrikanischen Bundesstaates ein« hoffnungslose Unterdrückung und Ausbeutung durch di« kleine re- gierende Schicht britischer Siedler befürchtet. t Frankreich will üen Zolltarif änüern. Zn v-rwartung des Vertrages mit Deutschland. Paris, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In der Vormittags- sitzung der Kümmer brachte der Sozialist Barth« eine Interpellation über den Stand der deutsch-französischen Wirtschasts- Verhandlungen ein. Handelsminister Bokanowski forderte die Kammer aus, die Interpellation zu o e r t a g e n, da man zur Stunde nicht wisse, ob die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen werden oder nicht. Von Frankreich sei alles geschehen, um ein Zustande- kommen eines Abkommens zu ermöglichen Er werde der Zoll- kommission die Abänderungen vorlegen, die in letzter Stunde noch am französischen Mindesttaris vorgenommen worden sind, um den Abschluß eines Abkommens zu erleichtern. Falls trotzdem kein Abkommen zustandekommen sollte, so könnte di« Kammer für die Fortführung der Verhandlungen während der Parlamemsferien der französischen Delegation vielleicht ähnliche B o l l m a ch t e n erteilen. wie sie die deutsche Reichsregierung vom Reichstag erhalten habe. Der Antrag Barth« wurde daraufhin mtt 295 gegen 260 Stimmen vertagt. Die Aeüßerungen Bokanowskis wurden im Laufe des Rachmit-! tags durch eine anscheinend offiziöse Mitteilung bestälizi, daß noch; keine Antwort aus Berlin auf den Entwurf des vorläu- 1 figen Handelsvertrages eingetroffen sei, zu dem die deutsche und fron- zösische Delegation am Dienstag gelangt waren. In den Kreisen des.Parlaments oerlautet, daß die Kammer aller Voraussicht nach vor Sessionsschluß der französischen Delegation die von Bokanowski angeregte Verhandlungsoollmacht erteilen wird. völkerbunü uttü Naturkatastrophen. Abschluß der Ttaatcnkonfcrcnz. Gens, 13. Juli.(Eigener Drahtbcricht.) Die S t a'a t e n- k o n f e r e n z für die Gründung des Welthilssverbandes gegen Schädigungen durch Naturkatastrophen ist am Dienstag nach neuntägiger Dauer beendet worden. Der Schlußakt der Konvention wurde von einem Teil der Delegierten unterzeichnet (darunter Deutschland, Belgien, Italien, Spanien und Bul- gorien). Der Konferenzpräsident, ehemaliger Miyister K ü l z. schloß die Konferenz mit einer Rede, in der er dem italienischen Senator Circaolo, dem Intendanten des Hilfswerks, für seine Anregung dankte, ferner den Wullsch äußerte, daß die internationale Rote- Kreuz- Organisation sich bald wieder einheitlich gestalten möge, und die Hoffnung aussprach, daß die Institution in ihrer weiteren Entwicklung herauswachse über ihre ursprüngliche Bedeu- tung als Welthilfsverband in Notfällen und zu einem neuen Instrument der im Geiste und in den Werken des Friedens und der Versöhnung ssch oerstehenden und gegenseitig achtenden Völker der Welt werde. In der Schlußsitzung war aus der Mitte der Versammlung das Beileid der Vertreter der Länder an Deutschland aus Anlaß der sächsischen Ileberschwemmungskatastrophe zum Ausdruck gebracht worden. Die bulgarische Polizei beschlagnahmte abermals das Arbeiter- l blatt„Rowini" und verhaftele die gesamte Redaktion wegen„Aufwiegelung der Bevölkerung gegen die Staatsgewalt". Um öie DreWicht in öer Schwermöustm VcrschlcPPungsmanövcr der Unternehmer. In großer Aufmachung fand am Mittwoch im Reichs- arbeitsministerium eine Besprechung mit den Vertretern der Unternehmer und Arbeiter der Großeisenindustrie über die Einführung des Achtstundentages in den Hütten- und Walzwerken statt. Der Reichsarbeits- minister und der Reichswirtschaftsminister waren mit ihren Sachreferenten erschienen und die Eisenindustriellen hatten ihre namhaftesten Vertreter zur Besprechung entsandt. Als Wortführer der Unternehmer trug der General- direktor der Vereinigten Stahlwerke Düsseldorf. Herr P ä n s g e n, noch einmal die bekannten Klagelieder über die Untraybarkeit des Achtstundentages in der Großeisenindustris vor. Er wies auf den Wettbewerb Nordamerikas und vor allem auf die angeblich sich auf schlechtere Löhne stützende Konkurrenz Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs hin. Wieder marschierten die bekannten Zahlen über schlechte Preiskonjunktur, schmale Gewinnspannen und dergleichen vorüber. Schließlich legte Pänsgen einen Antrag der Unternehmer vor, wonach sie bereit sind, für gewisse Gruppen der Hütten- und Walzwerkarbeiter in großen Abständen den Achtstundentag nach und nach einzuführen, so zum Beispiel für die Gruppe der Thomasstohlwcrke ab 1. April 1928, für eine weitere Gruppe der Walzwerkarbeiter ab 1. Ok- tober 1928 und so fort, so daß schließlich im Laufe von drei Iahren dem Gutachten des Arbeitsausschusses entsprochen wäre. Gegenüber diesen Unmöglicbkeiten forderten die Ar- beitervertreter, daß der Achtstundentag in den Hütten- und Walzwerken nicht erst am 1. Januar, wie es das Gutachten des Reichswirtschaftsrots vorsieht, s o n- dern viel früher eingeführt werden müsse. Der 1. Januar könne lediglich als äußerster Termin in Frage kommen. Ferner müsse der Geltungsbereich des Acht- stundentages weitergezogen werden. Hierfür wurde eine Reihe von Arbeitergruppen, so Hochöfenarbeiter, Appa- ratearbeiter usw. namhaft gemacht. In der Frage, ob der Achtstundentag für die Großeisenindustrie tragbar sei, er- innerten die Arbeitervertreter nochmals daran, daß die G e z stehungskosten infolge der Steigerung der Produktion, der Leistungssteigerung des einzelnen Arbeiters und der Kür- zung der Belegschaftsziffer— alles unbestrittene Tatsachen— geringer geworden sind. Wozu dieser ganae Beratungsauswand? Glaubte der Reichsarbeitsminister, daß neue Argumente vorgebracht wür- den? Mit dem Gutachten des Reichswirtschafts- r a t s mußte für die ReichGreaierung die Situation bereits klar fein. Dieses Gutachten ist von Arbeitern und Unter- nehmern einstimmig angenommen worden. Daran ändern auch nachträgliche Erklärungen des Generaldirektors der Vereinigten Stahltberke nichts. Die Vertreter der Arbeit- geber im Ausschuß des Reichswirtschaftsrats wußten doch schließlich ebensogut wie Herr Pänsgen. wieweit sie gehen durften. Das Reichskabinctt, das sich nunmehr zu ent- scheiden hat, muß daher jetzt endlich kurzen Prozeß machen und den Hütten- und Walzwerk- arbeitern den sanitären Achtstundentag geben. Er ist längst fällig* Wir wiederholen: Als die Unternehmer in der Schwer- industrie den Achtstundentag beseitigten, haben sie auch keine längere Frist dazu gebraucht. Es liegt kein technischer noch wirtschaftlicher Grund vor, die Schande der Zwölfstunden- schicht noch weiser aufrechtzuerhalten. Russische Arbeitsverhältnisse. Wie es in Moskaus Schlächtereien aussieht. Dem„Trud" vom 29. Juni entnehmen wir folgende Mittel- lungen, die unglaublichen Zustände schildein, die in der Haupt- stadt des„einzigen Arbeiter st aatcs" kommunistischer Prägung herrschen: „Auf Veranlassung des Verbandes der Lebensmittel- a r b e i t e r wurde kürzlich eine Untersuchung der Arbeits- bedingungeir in den Moskauer Schlächtereien vor- genommen. Die Untersuchung zeigte einen erschreckenden H u n d e r t s a tz der U n s ä l l c. In den letzten zehn Monaten wurden Z3K7 Unfälle festgestellt: Messer- und Knochenstiche, Biß- und Stoßwunden usw. Die Arbeit selbst wird unter äußer st Ungünstigen und sanitär unzulässigen Bedingungen geleistet. Die Räuine sind feucht, dunkel und kalt, ein Abfluß des Blutes ist nicht genügend ge- währleistet. Schutzvorrichtungen sind nicht vorhan- d c n. Die Arbeiter werden dauernd von der großen Schlächterei in die Schweincschlächterei, in die Därmefabrik lisw. versetzt, was natürlich die Zu n a hjii c der Unfälle fördert. Der Genuß rohen Fleisches ist bei den Schlächterei. arbeitern zur Gewohnheit geworden. Das Fleisch wird gleich nach dem Abschlachten des Viehs, vor der tierärztlichen Beschau, beiseite geschafft. Das Ergebnis sind Erkrankungen an Bandwürmern, /"die unter den Arbeitern sehr weit verbreitet sind und einen rapiden Kräfteverfall hervorrufen. Der Kampf gegen diese BerusskrankHeit ist unter den gegebenen Verhältnissen u n- m ög l i ch." Geradezu tragisch klingt die resignierte Schlußfolgerung. Es ist also nicht möglich, unter den in Sowjetrußland lzerrschenden Ver- Hältnissen den Kamps gegen die Berufskrankheiten zu führen. Die hohe Sowjetbureoukratie Hot offenbar mit der Verfolgung Andersdenkender soviel zu tun, daß ihr sür den Arbeiterschutz keine Zeit übrig bleibt. Und die Gewerkschaften sehen gegenwärtig nach den Anordnungen des Zentralrats der russischen Gewerkschaften ihre „vornehmste" Aufgabe in der O r g a n i s i e r u n g von Schützen- vereinen. Die Arbeiter können verkommen. Um so leichter es es dann, die Sozialdemokraten als Verräter' zu beschimpfen, weil es ihnen noch nicht gelungen ist, in den kapitalistischen Staaten alle Miß- bräuche zu beseitigen. Geheimklausel öer �rbeitsminifter. Arbcitszeitdebatte im Unterhaus. London, 13.Juli.alb der Gewerkschaft nur auf die Vertretung der Interessen seiner Benisskollegen beschränkte und sich an den Statuten und Beschlüssen seiner tZeroerkschast hielt, wurde ihm von der KPD. Dreher als Gegenkandidat entgegen- gestellt. Diesem wird es aber genau so gehen, wenn er, statt der Politik der Münzstraße, reine Gewerkschaftspolitik betreibt — sofern er dazu fähig ist._ Die Krankenversicherung öer Seeleute. Bis zum Herbst verlagt. Der Entwurf zur Krankenversicherung fürdie See- l e u t e. der so gut wie fertiggestellt ist. wurde, wie wir hören, nur deshalb vor den Sommerfcricn nicht mehr dem Reichstag vorgelegt, weil der Sozialpolitische Ausschuß erst die Arbeitslosenversicherung zum Abschluß bringen sollte. Aus dem gleichen Grunde sind auf Anweisung des Ministers auch eine Reihe anderer sozialpolitischer Entwürfe bis jetzt noch nicht dem Reichstag zugegangen. Streik öer Mannheimer Mühlenarbeiter. Mannheim. 13. Juli.(Mlb.) Der in Mannheim gestern aus- gebrochene Streik in der Mühlcnindustric hat nun auch auf die Walz mühle Ludwigshafen übergegriffen, wo die Arbeiter heute Morgen in den Streik getreten sind. In Mannheim streikt die Llrbeiterschast der Pfälzischen Mühlen werke, der Rhcinmühlenwerke, der Kaiscrmannsniühlc und der Heymannmühle. Der Streikbeschluß erfolgte in einer Urabstimmung am Sonntag, in der der vom Schiedsgericht ge- fällte Schiedsspruch mit großer Mehrheit abgelehnt worden ist. Die Mühlenavbeiter sordcrn einen Wochenlohn von 53 M. gegenüber dem bisherigen von 46,54 M. Der Spruch des Schlichtungsausschusses sah eine Lohnerhöhung auf 49,92 M. vor. Die übrigen Differenzen beziehen sich aus die Arbeitszeit. Zum internationalen Gewerkschaftskongreß. Stellungnahme der holländischen Gewerkschaften. Amsterdam, 13. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Eine Vor- st ä n d c k o n f e r« n z des Niederländischen Gewcrkschaftsbundcs sprach sich bei der Erörterung der Richtlinien für den Pariser Gewerkschaftskongreß mit aller Entschiedenheit gegen die Ver- leg-ung des Sitzes des Internationalen Gewerkschastsbundes und gegen den österreichischen Antrag aus, der den ZGB. auf den Verufssckrctariaten aufbauen will: die Konscrcnz verblieb jedoch bei dem niederländischen Antrag auf V c r d o p p c- lung der Beiträge.'_ Achtung! SPD.- Schuhmacher! Heute ist die Wahl des Dele- gierten zum internationalen Kongreß. Alle SPD.-Kollegen geben ihre Stimme dem Kandidaten Rudolf Weife(Dresden). Wir erwarten desgleichen, rege Propaganda für die Stichwahl zu entfalten. Es kommt auf jede einzelne Stimme an. Versäume nie- mand die Wahl. Achtung, Einsetzer! Wegen Vertrags- und Lohndisfercnzen sind die Bauten der Firma Peul und Heuer aus Frankfurt a. d. O. gesperrt. In Betracht kommen die Bauten der Bauhütte Zohlcndors und Attilastraße in Tempclhof. Deutscher Holzarbeiter-Derbanä. Die Sparkasse der Dank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G.. Berlin. Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Achtung, SPD.-Angcttclltc de« Bezirbamt« eharlottcnbuig! Am Ereitag. tS. Juli, 20 Uhr, Siingortluuse, Kaiscrin-Augusta-Mre 02, wichtige gruktionsversammlung. chenoslr Ernst Zlnbrn spricht ilbcr „Das Arbcitsgcrichtsgcsetz." Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Araltionivorftand. Echillcrpart. Rajenspicle, Volkstänze, Ballspiele. Freie Gewerklchaftsjngcnd G roh. Berlin. Heute 19% Uhr tagen die Gruppen: llöpenick: Gruppenhkim Jugendheim Grünauer Etr. 5. Vortrag:„i-in Gang durch die Wirtlchaftsgcschichtc."— Neukölln und Hcrwaunglag: Ah 18 l'.qr im Volkspark Hasenheide, Ileinc Spielwiese, Spielabcnd.— Lichtenberg: Gruppen. heim Jugendheim Parkaue IN. Liederaheud.— Tempclhof: Gruppenheim Lhzemn Germaniastr. 1,5. Vortrag:„Wirtschaftsgeschichte.— Südosten: Gruppenheim Rcichenbcrgcr Str. SS(Fcucrwehrhausl. Bortraa:„Berufsschule und Gewerkschaften."— Süden, Südwesten: Jugendheim Borckstr. l I lgadrik. gebäude). Volkstanz- unh Epielabend.— Bruunenplatz: Iua-ndheim Turincr Eike Scestraßc. Heiterer Abend.— Sefiindbruuncn: Gruppenheim Note Schule, Gotenburaer Strohe. Vortrag:„Körperpflege— Sport— Werksport."-- geppelinplag: Jugendheim Tnrincr Eike Seestrahe. Vortrag:„Die deutsche Jugendbewegung.— Humboldt: Jugendhe'M Graun. Ecke Lorhingstrassc. Lich:» bildervortraq:„Der Eefundbrunnen."— Plnabit: Spielen auf der Vogelwiese. — Baumschulcnwcg: Spielen auf dem Metallaroeitersportplah. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: G. ZUmgelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotalcs und Sonstiges: Friß Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Lorwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstait Paul Singer v Co. Berlin EW K8. Linbenstraßc 3. Hierzu 1 Beilage und„Unterhaltung und Wiffeu". RttttatöNc unseres Sälsonünsfcrhsnis Herren-Sportanzüge mit hreechen oder langer Hose 21 00 Herren-Sakkoanzuge. 22°° Blaue lakettanzüge......... 32®° i rosten tfanckester-Soortanzuge 995o tflr Herren, ganz(eiöttert...... Serie 1 29,30« Serie II dfeadto 4 teil. Sportanzüge mi.l'n.c"r.ord 36°° Impr. Herren-Windjacken 450 Impr. Damen-Windjacken u»;» 50 850 Ein Posten KnabenanzSge aus farbigen Stoffen Gr, 1— 6 Serie 1 6.25 Serie II 9.— Serie III 12»— Gr, 7— 10 Serie I 10.50 Seriell 14.— Serie III 18.— KaaabenwaascBacanstft&e w. ML 5C.SO an 50 Hotorrad-Kombinalionen Ledersportjacken imprägn. 22.—. 17.— 6UIHni8fil95ltßi iür Damen 13.50, ffir Herren••• 9 Herrenreisemäntel f.*. 21 03 Damenmäntei Kunstseide in entzückenden Formen 13® Wettermäntel-r&���r.'v�rr.is50 Herrensommerfiiosen che™».. lö50 braun, f. Damen 79, f. 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Es ist, als ob sie aus einer tiefen Betäubung ausgewacht sind und sich jetzt endlich darauf besinnen, daß sie sehr wohl neben der Riesenstadt Berlin bestehen können. Früher konnten und dursten sie es gar nicht riskieren, sich zu rühren. Da gab es eben Berlin, und natürlich auch noch oder erst recht Potsdam, und dann war es aus. Heute, in der Repu- blik, ist man selb st bewußter geworden in dem Matz, wie der Nimbus der„Kaiserstadt" verblaßt ist. Die Ostmark Urüeutschlanüs. So hört man Namen wieder und wieder nennen, die man früher nur noch aus der Geographiestund« in nebeliger Erinnerung hatte, und selbst weiter entfernt liegende Städte unternehmen es, die Auf- merkfamkeit der Oeffentlichkeit auf sich zu lenken. Auch die Alt- mark, politisch schon zur Provinz Sachsen gehörig, ist sür uns nur ein unklarer geographischer Begriff. In ihr liegen die Städte Stendal, Gardelegen, beide an der großen Schienenstrahe Berlin— Hannover, ferner Salzwedel, Tan- permünde und die kleinen Seehausen und Arneburg. Dieser Altmark genannte Strich hat eine rühmenswert« Vergangen- heit. Vor rund 1000 Jahren war er die deutsche Grenzmark gegen die Slaven, die in unermüdlichem zähen Kampf immer weiter zm-ückgedröngt wurden, über die Elbe, über die Oder, über die Weichsel. Aus der Altmark kam Bismarck, dessen ursprüng- lich bürgerliches Geschlecht dort heimisch war. Don Otto von Bis- marck ist in der natürlich nationalen Altmark auch heute noch viel Rühmens. Allgemach kommt man nun aber doch von der seit Jahr- zehnten beliebten romantischen Betrachtungsweise ab, und es inter- essiert den Menschen unserer Zeit weit mehr die neue und die kom- mende, als die alte Zeit, wiewohl nicht geleugnet werden kann, daß die alte Zeit gerade in der Altmark sich in vielen ehrenhaften Zeugnissen erhalten hat. Den Dom zu Stendal zum Beispiel nicht gesehen zu haben, ist für den norddeutschen Kunst-, Geschichte- und Altertumsfreund unverzeihlich. Derselbe Künstler aber, der der Kirche so trefflich zu dienen wußte, verstand es auch, den stolzen Willen des patrizischcn Bürgertums zum Ausdruck zu bringen. Das llenglinger Tor in Stendal, das er schuf, ist ein ungewöhnlich schönes prächtiges Beispiel der niederdeutschen Backsteinarchitektur. Aber in diese Hauptstadt der Altmark, die mit ihren 30 000 Einwohnern wirtschaftlich sehr abhängig ist von dem sie umgebenden Groß- und Mittelgrundbesitz, hat die neue Zeit ihren Einzug gehalten. Man sieht gut asphaltierte Straßen, und unvermutet grüßt uns ein wohlbekanntes Zeichen an einem geschmackvollen Fabrikgebäude: GEG. Die Hamburger Großeinkaufsgesell schast der Konsumgenossenschaften hat in Stendal eine Konservenfabrik. Die von Stendal weiterführende Bahnstrecke schneidet das riesige Waldgebiet an, das sich aus Jävenitzer, Burgstaller, L e tz l i n g e r und Kolbitzer Forst zusammensetzt. Gardclegen hat seltenen Ruhm in unserer Zeit erworben. Ihr berühmter Sohn ist der H u m o r i st Otto Reuter, der ober richtig Fitzenreutter heißt. Er hat seiner Heimatstadt die Treue bewahrt, denn dort hat er sein Ruhe- heim sich errichtet. Außerdem war Gardclegen im Krieg die R e- sidenz Knüppel-Kunzes. Der Biedere war dauernd un- abkömmlich, betreute mit unvergleichlichem Heldenmut das Garde- legener Gefangenenlager und hat' denn auch erfolgreich die bzw. seine Stellung gehalten. Die Stadl hat ein imposantes altes Torwerk, das Salzwedeler Tor, das mit seinen vorgezogenen Rundbastionen wie ein wuchtiges altes Werk aus Flandern aussieht. Detflschnatio- nale. Völkische und Stahlhelmer haben die Vormacht in der Ge- meinde, aber sie werden von unserer Partei hart bedrängt. Dafür ist der Gardelegener Landrat Buer ein aufrechter Demokrat: er hatte, als die Presse die Altmark besuchte, sein übrigens recht be- scheidenes Landratsamt in Schwarzrotgold flaggen lassen, und das war, mir Ausnahme von Seehausen, die einzige Reichsslaage, die man in diesem Land zu sehen bekam. Die dritte größere Stadt ist Salzwedel, und die Salzwedeler ärgern sich, daß man von ihrer Stadt nur weiß, daß in ihr die Baunikuchenfabrikation ihren Sitz hat. Der Salzwedeler Turm der Marienkirche wetteifert mit seinem berühmten Kollegen in Pisa in Schiefheit. Dann aber birgt das Städtchen eine Menge köstlicher weltlicher und kirchlicher Aller- lümer, die bei sachkundiger Führung zu einem bemerkenswerten Er-' lebnis sich zusammenfügen. Zwei Wässerchen, Dumme und Zeetze mit Namen,„durchströmen" in vielen Armen das Städtchen, das man mit einiger Vorsicht als altmärkisches Venedig bezeichnen könnte. Zuckerfabrik und Gärtnereien weisen auf den agrarischen Charakter der Gemeinde. Nirgends aber in der Altmark kann man einen so offenkundig lebensfrohen, genießerischen Zug bemerken wie in Salzwedel. Aber auch hier sind, sehr zum Leidwesen des Bürger- tums, eine Menge sozialistischer Hechte im kommunalen Karpfenteich. vie sozialististhe Hochburg des Mtmark. Dann ist da noch die Stadt Tangermiind«, die, was die Berliner kaum wissen werden, vor nahezu 600 Jahren nahe daran war, des Deutschen Reiches Hauptstadt zu werden. Kaiser Karl IV., durch den die Stadt zu Ruhm kam und von dem bis auf den heutigen Tag sich großartige vurgbauten erhalten haben, hatte in der Tat die Absicht. Tangermünde zur Hauptstadt des Deutschen Reiches zu machen. Außer den kaiserlichen beherbergt Tangermünde aber auch eines der schönsten bürgerlichen Bauwerke, das Rathans. Man wurzelt vor diesem wunderbaren Backsteinbau unwillkürlich fest am Boden und kann den Blick nicht losreißen. Mit unaufhaltsamer Kraft aber hat die neue Zeit sich hier durchgesetzt. Tangermünde ist eine Arbeiterstadt wie keine andere in der Altmark. Ein« angesehene große Zuckerraffinerie mit Kandisfabrik und Schokoladenfabrik gibt Hunderten Arbeit. Der Kommunismus ist trotz wirtschaftlicher Not der Arbeiter und Arbeitslosen hier bedeutungslos. Die Stadt ist die sozialdemokratische Hochburg der Altmark. Was ist weiter noch zu melden? Abseits liegende Städtchen wie Seehausen, Arendsee, Arneburg und Werben laden zu sommcrfrischlichem und fröhlichem Verweilen ein. In dem reizenden Städtchen Arendsee haust gustav nagel, der ehrpusselig den rousseauschen Naturschwärmer mimt, aber in seinem selbstgebauten Tempel— er ist auch danach— die Schreiben der Hausmarschälle des Exkaisers mit den Grüßen Wilhelms und Herminens an die Wände geklebt hat. Rings um sein Haus wehen schwarzweißrote Fähnchen, gustav ist so etwas wie das Schreckenskind der guten Gemeinde Arendsee, die sich ehrlich bemüht, an den Verkehrsstrom angeschlossen zu werden. Der Arendsee ist in der Tat ein Idyll, an dem sich wohl sein läßt. Im alten Wasserschloß Flechtingen, denen von Schenk gehörig, konnte man mit Bewunderung feststellen, wie kunstsinnige Sammler und Besitzer seltene Gemälde, Plastiken und Kunstgewerbe zu lebendiger Einheit verbanden. Im alten Wilhelm i- nischen Zagdschloß Lehlingen aber grüßte uns die neue und die kommende Zeit. Dort befindet sich fern dem Getöse der Welt unter Leitung des Resormpädagogen Ufsrecht die Freie Schul- und werk- gemeinschäst Leßlingen. Der Leiter Usfrecht hatte den erfreulichen Mut, den Pressevertretern, die tagelang hoffiert worden waren, einmal die Wahrheit zu sagen, nämlich daß es gerade die viel- gerühmte Presse war, die ihm seine Arbeit durch verdrehte und ent- stellte Berichte unerhört erschwert hatte und die dann nicht so viel Gerechtigkeitsgefühl aufbrachte, seine Berichtigungen abzudrucken. Wie sehr Ufsrecht im Recht war, lehrt ein Beitrag des Rck- fors Lehrmann in Osterburg in der Zeitschrift„Deutsches Land" über die Letzlinger Heide. Dieser ehrenwert« Herr schreibt: „Das Schloß wurde' von einer jüdischen Gesellschast übernommen, die in dem ehemaligen Kaiserschloß ein Erholungsheim für Kinder ihrer Religion einrichtete." Diesen Unsinn schreibt ein Mann, der selber in der Altmark sitzt und deshalb, dann aber auch als Pädagoge wissen müßte, daß seine Worte nicht der Wirklichkeit entsprechen. Ufsrecht betonte ausdrücklich in seiner Ansprache, daß auch dieses wie alle deutscben Landschulheime auf die Ideen und Schulen des Dr. Llch, des Gründers der deutschen Landschulbeime, zurückgebt. Ueber den vielen reizvollen Städten und Städtchen mit ihren Schlössern, Burgen, Kirchen, Tortürmen und Rathäusern darf man aber nicht das Land vergessen, dieses ein wenig ernste und schwer- mütige Land. In Arneburg, Werben und S e e h a u s e n hat man die gewallige Elbniederung, die Wische vor sich, südlich von Stendal und Gardelegen unermeßliche Forsten. Alles andere ist Acker- und Weideland, guter, zum Teil fruchtbarer Boden. In der Wische gibt es Striche, die man jahrelang nicht zu düngen braucht.- * Der ungemein rührige und geschickt arbeitende A l t m ä r k i s ch e Verkehrsverband in Stendal, der die Alimark dem Touristen-, Fremden-, Wanderer- und Wochenendverkehr erschließen möchte, verdient alle Unterstützung der reise- und wanderlustigen Berliner. Der Verein hat sich bereit erklärt, jeden, der sich näher unterrichten will, zu beraten. Nur hätte die Reichsbahn ein übriges zu tun und im Benehmen mit den vielen Kleinbahnen, die Die Silbers�wärtne 3J Von SRc-E BeaG ZN-chdruck v-rdotcn XCc&erfefetmg an» btm Englischen von Inlla-Koppel „Hast du gesehen?" rief Fräser.„Großer Gott, es war eine Frau! Ein weiße F r a u." „Unsinn," sagte Emerson,„es muß ein Mischling ge- wesen sein." „Mischlinge haben kein blondes Haar," erklärte der andere. Schnell spannten sie jetzt die befreiten Hunde wieder vor den Schlitten und peitschten auf sie ein, bis sie davonsausten. Sie fühlten eine tödliche Kälte in ihren Knochen, und statt zu fahren, liefen sie neben dem Schlitten her, bis das Blut in ihren Adern klopfte. Ihre äußeren Kleidungsstücke waren hart wie Schalen, ihr Unterzeug war durchweicht, und obgleich sie sich nur mühsam bewegen konnten, wagten sie sich keinen Augenblick Ruhe zu gönnen. Zehn Minuten später hatten sie das Flußufer erreicht und fuhren an einigen großen öden Gebäuden vorbei, die undeut- lich durch den Schnee auftauchten. Sie steuerten auf eins Hütte zu, aus deren Schornstein sie Rauchwolken in die Höhe steigen sahen. Die Hunde bellten, und ihr Gebell wurde von vielen anderen ringsum aus den Wohnhöhlen beantwortet. Die beiden Männer waren jetzt ganz erschöpft und konnten sich nur noch mühsam vorwärtsbewegen. Noch eine Viertel- meile und sie wären verloren gewesen. „Geh' ins Haus und sage dem Besitzer, daß wir durch- näßt sind, ich will inzwischen die Hunde ausspannen." Nachdem Fräser im Hause verschwunden war, wollte Emerson den Hunden das Zaumzeug abnehmen, es war aber an ihren Pelzen festgefroren. Die Knoten und Spangen waren zu Eisklumpen gefroren, darum schnitt er sie durch. Darauf löste er die Riemen, die um den Schlitten geschnürt waren, nahm die durchweichten Schlafsäcke und ging damit zum Hause. Der erste Gedanke des Reisenden gilt seinen Hunden, der zweite seinem Bettzeug. Bevor er noch die Tür der Hütte erreicht hatte, wurde diese geöffnet, und Fräser erschien mit einem seltsam erstaun- ten Ausdruck auf der Schwelle. Ihm folgte ein großer Mann mit einem groben und griesgrämigen Gesichtsausdruck. „Wir können hier nicht bleiben." sagte Fräser,„der Mann will uns nicht aufnehmen." Emerson blieb stehen und ver- gaß vor Staunen die Kälte. „Was ist denn los, ist jemand krank?" „Ich weiß nicht. Dieser Mann sagt nichts anderes als:„Rix." Der Mann, offenbar ein Angestellter der Lachskonserven- fabrik. nickte und brummte::„Ich habe kein Zimmer." „Mensch, begreifen Sie denn nicht, daß wir naß sind-, wir sind durchs Eis gebrochen. Ein Zimmer brauchen Sie uns nicht zu geben, wir können uns auf andere Weife be- helfen." Emerson wollte mit den Schlafsäcken, die er zu- sammengerollt unter dem Arm trug, ins Haus gehen: der Mann aber stand unbeweglich und verweigerte ihm den Zutritt. „Ihr könnt nicht hier einkehren, Ihr kommt zu anderem Haus, dreiviertel Meilen von hier." Auf diese Worte aber nahm Emerson ganz und gar keine Rücksicht: er machte einige Schritte, warf sein Bündel über die Schulter und hielt es so, daß es dem Aufseher geradenwegs ins Gesicht stieß. Dieser zog sich unwillkürlich zurück, worauf der unwillkommene Gast sich an ihm vorbcibohrte und den ungastlichen Wirt lachend beiseite schob; in seinem Lachen aber war ein gefährlicher, metallischer Klang. Durch seine rasche Handlung hatte er sich Zutritt verschafft, und Fräser folgte ihm auf den Fersen in das Zimmer, wo eine breitnasige „Sauaw" sich zurückzog. Emerson warf seine Last auf den Boden und sagte befehlend zu ihr:„Leg mehr Holz auf das Feuer und gib uns etwas zu effen, aber schnell!" Und indem er sich an den Besitzer des Hauses wandte, der hinter ihnen hereingeschlendert war, sagte er, ohne auf die bösartige Miene des Burschen zu achten:„Hier ist ja Plätz genug, mein Fmmd! Wir bezahlen gut! Sei so freundlich und schaff mehr Holz herbei, wir sind bis auf die Knochen erfroren." Seiner freundlichen, aber befehlenden Stimme konnte so leicht nie- mand widerstehen, und der Mann gehorchte verdrießlich. Die beiden Reisenden entledigten sich ihrer äußeren Bekleidung, nnd im nächsten Augenblick hing der kleine Raum voll von dampfenden Kleidungsstücken. Sie nahmen das Haus in Be- fitz und kommandierten den Hausherrn und seine„Sguaw", bis das Paar sich in den Nebenraum zurückzog und mit leiser Stimme zusammen sprach. Fräser, der den Mann beobachtet hatte, sagte jetzt zu Emerson:„Was fehlt dem Esel eigentlich?" Boyd Emerson antwortete und seine Stimme klang jetzt alles andere als freundlich:„Ich habe in meinem Leven noch nicht gehört, daß man frierenden Menschen Obdach verwehrt. Dahinter steckt etwas. Ich wünsche keinen Streit, aber—." Im selben Augenblick wurde die Tür zum Nebenraum geöffnet, und der Mann erschien wieder. Offenbar hatte sein langsam arbeitendes Gehirn einen Entschluß gefaßt.„Ihr könnt nicht bleiben," sagte er,„ich habe meine Befehle." Emerson stand vor dem Feuer, rieb emsig seine erstarrten Arme und antwortete nicht. Da auch Fräser den Mann igno- rierte, wiederholte dieser seine Worte, diesmal lauter. „Heraus aus meinem Haus, sofort!" Sowohl Emerson wie Fräser fuhren fort, ihm den Rücken zuzukehren und ihn zu ignorieren, jetzt aber ging der Mann mit schweren Schritten auf sie zu und drohte ihnen mit grober, heiserer Stimme, die vor Wut bebte:„Zum Teufel, ich werfe euch binaus" Er beugte sich herab, nahm die Kleidungsstücke, die ihm am nächsten lagen, und ging zur Tür; bevor er aber seine Drohung ausführen konnte, hatte Emerson sich mit der Ge- schwindigkeit eines Eichhörnchens herumgedreht, seine tief- liegenden Augen waren dunkel vor Zorn. Er packte seinen Wirt im Nacken und schleuderte ihn so heftig zurück, daß die nassen Kleidungsstücke nach allen Seiten auf den Fußboden flogen und der Mann ein Gebrüll ausstieß. Emerson aber schlug ihm mit der offenen Hand so heftig auf den Mund, daß er schwankte und gegen die Wand fiel. Der Mann wollte sich auf ihn stürzen, Emerion aber schleuderte ihn von sich, und indem er wieder auf die Feuerstatt zuging, sagte er:„Bisher habe ich nur mit dir gespielt— aber hüte dich!" „Heraus aus meinem Haus, ich habe meine Befehle," rief der Mann wild und wollte' sich wieder auf Emerson stürzen. Jetzt aber verlor Emerson die Geduld, es war, als ob ihn die mühsam erkämpfte Selbstbeherrschung vieler Wochen verließ. Mit einem einzigen Schlage streckte er den Mann zu Boden. Dia„Sguaw" in der Türfüllung schrie laut auf. Emerson schleppte sein Opfer bis an die Türschwelle, riß die Tür auf und stieß ihn mit den Füßen in den Schnee hinaus, verriegelte die Tür und kehrte zu der Wärme des Herdes zurück. Sein Gesicht war verzerrt und feine Lippen bebten. Fräser sah ihn an, als ob er ihn zum erstenmal sähe, und saqte darauf gedehnt und mit einem schlauen Auflachen: „Sanft bist du nicht, das kann man nicht behaupten. Das hätte ich dir nicht zugetraut." Als Emerson nicht antwortete, zog er eine Pfeife aus seinem dampfenden„Mackinaw" und' füllte sie aus einer Tabakdose, die auf der Fensterbank stand, lehnte sich in seinen Stuhl zurück, legte die Füße auf den Tisch, seufzte voller Be- Hägen und murmelte:„Ich kann solche heftigen Szenen nicht vertragen, sie gehen mir auf die Nerven." (Fortsetzung folgt.) das©cbiei durchziehen, einen Wochenend-TchneNverkehr zii organisieren. Uebrigens soll nicht unvermerkt bleiben, daß die Pressesahrt, der diese hier wiedergegebenen Eindrücke zu verdanken sind, nicht weniger als drei Landräte mitmachten, die sich in anerkennenswert liebenswürdiger und bereitwilliger Weise um die Aufklärung über ihre Landkreise bemühten. Wann wäre ein so erfreu-lich zeitgemäßer Konnex ober st er Beamten mit der Presse in der Zeit der Könige von Preußen möglich gewesen? Dem schönhetts- und wissensdurstigen Sozialisten und Proletarier aber geziemt es, sich auch um dieses annoch unbekannte Stück Deutschland, das vor tausend Jahren Urdeutschlands Ostmark war, zu bemühen, um es kennen und auch lieben zu lernen. Der Morö am �trnswalüer platz. Das Geständnis des TätcrS. Im Laufe des gestrigen Tages wurde der Mörder der Elisabeth Stangierski, der Former Oppenkowski, im Beisein des Polizeipräsidenten Dr. Weiß und des stellv. Chess der Kriminal- polizei, Regierungsrat Scholz, von den Kriminalkommissaren Johannes Müller und L i p i k eingehend verhört. Oppenkowski ist völlig niedergebrochen und erklärt, daß er sich aller Einzelheiten nicht mehr entsinnen könne. In der kritischen Nacht hatte er mit einem Bekannten mehrere Lokale auf- gesucht und reichlich getrunken. Sein Freund trennte sich dann von ihm, und Oppenkowski, der damals noch in der Molden- berger Straße wohnte, machte sich ebenfalls auf den Heimweg. Am Arnswalder Platz hörte er ein Geräusch im Gebüsch, trat hinzu und entdeckte ein Liebespärchen. Der junge Mann machte sich eilig davon, während das Mädchen— es war Elisabeth Stangierski— unter Tränen erzählte, daß sie vergewaltigt sei. Oppenkowski redete ihr gut zu. Als Oppenkowski zu dem Mädchen zärtlich wurde, wehrte sie sich nicht. Zu seinem größten Enisehen mußte er dann feststellen, daß das Mädchen regungslos dalag. Alle feine Versuche, sie ins Leben zurückzurufen, blieben ohne Erfolg. Voll Slngst nahm er die Handtasche der Toten und ging, so schnell er konnte, davon. Die Tasche enthielt außer einer unechten Halskette und 29 Pfennigen ein Schlüsselbund. In seiner Wohnung ver- steckte O. die Schlüssel im Klosettkasten. Am nächsten Morgen warf er aus der Janowitzdrücke die Tasche in die Spree. Aus welchem Grunde er die Schlüssel heraiisgenommen und nicht mit beseitigt hat, ist ihm selbst ein Rätsel. Die Trunkenheit hatte ihn, wie er er- klärt, in der verhängnisvollen Nacht jeder klaren Ueberlegung beraubt. Die Steglitzer Schülertragööie. Paul Krantz des zweifachen Mordes verdächtigt. Auf Antrag des Oberstaatsanwalts beim Landgericht II ist gestern gegen den Schüler Paul K r a n tz die Voruntersuchung er- össnet worden, und der Untersuchungsrichter, Londgerichtsdirektor Birnbach, ist mit deren Führung beauftragt worden. Die Eröfs- nung der Voruntersuchung gegen Krantz ist erfolgt wegen des Ver- dachtes des gemeinschaftlichen Mordes an dem Koch lehr- l i n g Hans Stephan, den er zusammen mit dem toten Schüler Günther Schöller begangen haben soll. Im Auftroge des Kaufmanns Otto Schöller, des Vaters, hat Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt bei der Staatsanwaltschaft Kaan- tragt, gegen Krantz die Voruntersuchung, auch wegen Mordes an Günther Schöller auszudehnen. In einem umfangreichen Schrift- satz wird begründet, daß Günther Schöller unmöglich Selbstmord verübt hoben könne. Die Schüsse sind in ganz kurzer Reihenfolge hintereinander erfolgt, so daß«s unmöglich er- fjfcfichLjiwß Günther Schöller/ wie es Krautze barstestt, in der raschen �eiheiiiolge erst die beiden Schüsse auf Stephan abgegeben und dann sich selbst getötet höben kann. Weiterhin aber wird behauptet, daß Günther Schöllex Linkshänder war, und daß nach dem Obduktionsbefund der Schuß sich in der rechten Schläfe de- findet. Hinzu kommt noch, daß Günther Schäller ohne Glas nicht gut sehen konnte, daß aber an jenem Tage seine Brills in der Wohnung in Mahlow sich befand. Daraus wird ge- folgert, daß Günther Schöller aar nicht imstande gewesen wäre, ohne Glas richtig zu zielen. Im Widerspruch mit der Darstellung von Krantz soll auch eine Hildegard Schöller gegenüber getane Äeuße- rung stehen:„Das war ein guter Schuß." Für den Dater des Schöller hat Rechtsanwalt Dr Arthur Brandt feine Zulassung als Nebenkläger in dem Verfahren gegen Krantz beantragt, da in den Worten Krantz', daß noch zwei Kugeln im Lauf des Revolvers steckten, ein« Bedrohung der minderjährigen Hildegard zu sehen sei. Es ist ferner noch von den Eltern des taten Schülers gegen Krantz Strafantrag wegen Beschimpfung des Günther Schöller durch die Beschuldigung, der Mörder des Stephan zu sein, gestellt worden. Auch nach dieser Richtung hin hat der Rechtsbeistand die Aus- dehnung der Voruntersuchung gegen Krantz beantragt. Gestern mittag sollte der von dem Verteidiger des Krantz, Rechtsanwall Dr. Frey, beantragte mündliche Hastprüfungstermin stattfinden. Durch die neu« Wendung und insbesondere die Eröffnung der Vor- Untersuchung wurde dieser Termin in letzter Stunde ausgehoben. � wer war der Vater! Ein nicht alltäftlichcr McineidSProzeft. Eines Tages wurde die 20jährige H. Mutter eines un- ehelichen Kindes. Als Vater bezeichnete sie den Arbeiter lll. Dieser bestritt oder vor Gericht, Vater des Kindes zu sein: der Verkehr mit der H., behauptete er, habe o o r der in Frage kommenden Zell stattgefunden. Die junge Mutter beschwor, daß er d o ch der Vater sei. Auch der 20jährige Schweizer K., der vom Beklagten als mut- maßlicher Vater angegeben war, bezeugte unter Eid, nie mit der H. verkehrt zu haben. N. wurde darauf zur Unterhalts- Zahlung verurteilt. Einige Zeit darauf heiratete er. Als die Ehe kinderlos blieb, ließ sich das junge Paar ärztlich untersuchen. Es ergab sich, daß die junge Frau wohl Mutter werden konnte, der junge Mann aber unfähig war, je Vater zu werden. Also konnte er auch nicht Vater des Kindes sein, für dessen Unterhalt er laut Gerichtsurteil sorgen mußte. Die H. hatte, wie es schien, falsch ge- schworen: jemand anders mußte Vater ihres Kindes sein. Allem An- scheine nach niemand anders als K., der im Alimentenprozcß ge- schworen hatte, daß er nie mit der H. oerkehrt habe. Die junge Frau N. erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft: so mußten sich die H. wie auch der 20jährige K. vor dem Land- gericht II wegen Meineide�. oerantworten. Die Verhandlung ergab nicht mit vollkommener Klarheit, ob N. in der fraglichen Zeit mit der H. verkehrt hob«. Dagegen gab die Angeklagte zu, daß sie gerade um diese Zeit zwar nicht mit ihrem Mitangeklagten K., dagegen aber mit dessen Bruder einmal oerkehrt hatte. Das Gutachten des Sach- Die Ursachen öer sächsischen Katasirophe 77 Brücken und 30 Häuser zerstört. lieber die Entstehung der Hochwasserkatastrophe in der Nacht vom?. zum S. d. AI. teilte Aklnisterpräsident heldt in seiner gestrigen Rede im Zwischenausschuß des Land- t a g e s unter anderem folgendes mit: Die infolge der Gewitter und Wolkenbrüche auf dem Gebirgskamm niedergegangenen un- geheuren Wassermassen kamen in zwei unmittelbar aufeinander sol- genden Perioden zu Tal, so daß auf die kleinere V o r w e l l e die Katastrophenwelle aussetzte. Ein Hochwasser- d i e n st mußte also vollkommen versagen Da bereits im Oberlaus die Hochflut alle hotzteile mitschwemmte, wurden hierdurch an Brücken und engen Stellen versehungen und Anstauungen er- zeugt. Beim Durchbruch dieser Versetzungen, welche Stauseen bis zu acht Meter höhe bildeten, ergoß sich die vielfach oerstärkte Flut weiter ins Tal. alles mit sich reißend. Dieser vor- gang wiederholte sich talabwärts immer wieder, wodurch sich die Schwere der Katastrophe erklärt, die olles bisher Erlebte in den Schatten stellt. 3m Müglitztal sind 2 7, auf den anderen Bahnlinien neun Eisenbahnbrücken weggeschwemmt worden. Außerdem im MüglitztalZl, im Gotkleubatale zehn so n st ige Brücken. Die Stadt Berggießhübel ist längs der Gottleuba und der Staatsstraße vollständig vernichtet. Ferner gab der Ministerpräsident eine kurze Schilderung der Lage im Unwettergebiet. Etwa Z0 Häuser seien gänzlich ver- schwunden und über hundert in einem solchen Zustande, daß sie abgebrochen werden mühten. Es sei zu hoffen, daß die Wieder- aufbauarbeiten in etwa 12 bis 14 Tagen soweit gefördert würden, daß ein Notverkehr auf den zerstörten Straßen wieder auf- genommen werden könnte und die Elektrizitäts-, Gas-, Wasser- und Telephonanlagen sowie die Verbindungen zwischen den einzelnen Ortschaften wieder hergestellt sein würden. Er teilt« ferner mit, daß aus staatlichen Mitteln sofort 266 000 M. zur Verfügung ge- stellt wurden. Das Reich habe 15 Millionen bewilligt. Außerdem sei eine großzügige private Sammlung eingeleitet worden, die im sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministerium zentralisiert sei. Der Ministerpräsident gab sodann bekannt, daß. die sächsische Regierung heut« beschlossen habe, weitere 10 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, und bat den Ausschuß um seine Zustimmung. In der Aussprach« wurde u. a. auch die Frage der Notwendigkeit von Talsperren erörtert, jedoch dürfe man nicht alles Heil von den Tal- sperren erwarten. Bei dem Wiederaufbau müsse dafür gesorgt werden, daß die Brücken uud Wehre lelslungs- und widerstandsfähig hergestellt und daß die Häuser nicht so nahe an das Flußbett herangesetzt würden. Bei der ganzen Katastrophe handele es sich um eine Angelegenheit, welche die Hilfskraft des sächsischen Staates weit übersteige. Liier müsse unbedingt das Reich eingreisen. Ministerpräsident Heidt teilte dann noch mit, daß gestern der Reichswehrminister Dr. Geßler und drei Reichskommissare aus Berlin im Unwettergebiet eingetroffen seien. Sie würden die Schäden besichtigen, um Unterlagen für ein Eingreifen des Reiches zu gewinnen. Bestattung der letzten Opfer. Dresden, 13. Juli.(MTB.) Im M ü g Ii tz- und Gotkleubatale find weitere Tote nicht mehr gefunden worden, so daß man annehmen kann, daß die Zahl von 145 die end- gültige Totenzisser ist. Die Wiederherstellungsarbeiten, für die zwei Jahre vorgesehen sind, werden nach einem General» dedauungsplan durchgeführt werden. Die letzten Opfer der Katastrophe wurden am Mittwoch beerdigt. Zur Seuchenbekämpfung im Notstandsgebiet hat der Staats- kommissar einen Regierungsmedizinalbeamten mit der Wahrnehmung der allgemeinen Gesundheitspflege im Ueberschwemmungsgebiet beauftragt. Die Hilfsaktion für Sachsen. WTB. meldet: Auf zahlreiche Anfragen teilt die Reichsgeschäfts- stell« der Deutschen N o t h i l f e, Berlin W. 8, Wilhemsstr. 62, init, daß die Sendung von Kleidungsstücken unh haltbaren Lebensmitteln für die Opfer der sächsischen Hochwasserkatastropha dringend erwünscht ist. Es wird gebeten, derartige Spen- den unmittelbar an das Sächsische Arbeits- und Wohlfahrts« Ministerium, Dresden-N. 6, Düppelstr. 1, zu senden. Die zur Verfügung gestellten Reichs- und Staatsmittel können selbst zur Linderung der ersten Not nicht ausreichen, da der Gesamt- schaden auf 90 bis 100 Millionen Reichsmark geschätzt wird. Die Deutsche Nothilfe bittet erneut jeden, der die erschütternden Berichts aus dem Unglücksgebiet gelesen hat, nach seinen Kräften dazu bei- zutragen, den von der Katastrophe Betroffenen zu helfen. Schwere Unwetter anch in Schlesien. Breslau, 13. Juli.(WTB.) Die Unwetter der vergangenen Tags haben, wie sich erst nachträglich ergibt, abgesehen von Verheerungen im Niesengebirge, auch sonst in der Provinz viel Unheil durch Blitzschläge, Hagelschauer und Wolkenbrüche angc- richtet. Auch Menschenleben fielen ihnen zum Opfer- U. a. fuhr in Herrnstadt ein Blitz in einen Heuwagen, tötete einen Knaben und betäubte den Besitzer. An anderer Stelle wurde der Fahrer einer Heumaschine vom Blitz schwer verletzt. Ein Ofensetzermeister aus Annaberg wurde vom Blitz erschlagen, als er in einem Neubau einen Ofen setzte. Heute ging in den Vormittagsstunden über Breslau ein außerordentlich heftiges wolkenbruchartiges Gewitter nieder, das durch Ueberschwemmungen teilweise beträchtlichen Schaden anrichtete. Wolkcnbrüchc im Rheinland. Aachen, 13. Juli.(WTB.) In der vergangenen Nacht ging übe? Heinsberg und Umgebung ein Wolkenbruch nieder, von dem. besonders die Ortschaften Aphoven, Laffeld und Straeten heimgesucht wurden. In Aphoven mußten mehrere Häuser wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Menschen sind nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen nicht zu Schaden gekommen. Kein Verfahre» im Harzbahnunglück? Halberstadt. 13. Juli.(WTB.) Zu den Nachrichten, daß dis Staatsanwaltschaft eine Untersuchung in der Angelegenheit des Harzbahn Unglücks eingeleitet habe, wird mitgeteilt, daß es sich nur um die in solchen Fällen üblichen Ermittlungen han- delt, ob ein Vorverfahren einzuleiten ist. Man neigt jedoch zu der Ansicht, daß es sich lediglich um eine Naturkatastrophe han, delt und ein persönliches Verschulden n i ch t in Frage kommen dürfte- verständigen Dr. F r ä n k e l lieh keinen Zweifel über die Zeugungs- Unfähigkeit des N. Aus dem Gutachten des Medizinalrots Dr. Dyren- furch ging aber hervor, daß die Angeklagte in hohem Grade schwachsinnig ist. Er ließ durchblicken, daß erst«ine iwchmalige Untersuchung Klarheit zu schaffen imstande wäre, ob nicht der§ öl für sie in Betracht käme. Nun kam die unerwartete Wendung: der Staatsanwalt selb st plädierte auf Freispruch. Die Angeklagte, erklärte er, habe eigentlich nie behauptet, daß sie in der fraglichen Zeit mit niemand anders als mit N. verkehrt habe. In der Zeit könnte sich ober N. irren. Sie habe auch mit ihm verkehrt haben können. Das Gericht sprach beide Angeklagte frei. Damit ist die Angelegenheit jedoch nicht abgeschlossen. N. wird auf Grund des ärztlichen Gutachtens die Wiederaufnahme des Zivilprozesses beantragen miissen, um von der Ver- pflichtung der Alimentenzahlung befreit zu werden. Er kann vom Glück im Unglück sprechen: denn wäre hier nicht der verhältnismäßig seltene Fall der Zeugungsunfähigkeit gegeben, so wäre er außerstande gewesen, den Nachweis zu führen, daß er nicht der Vater des Kindes ist, und hätte jahrelang für das fremde Kind auf- kommen müssen. Die Erfahrungstatsache, daß Mädchen leichtfertig in der Bestimmung der Väter ihrer unehelichen Kinder sind, hat hier durch ein eklatantes Beispiel neue Bestätigung gefunden. Der Unglücksfall auf üer„Schlenke*. Lehrer David in zweiter Instanz freigesprochen. Mit dem traurigen Unglücksfall vom 25. Februar dieses Jahres, bei dem drei Freienwalder Schüler anläßlich eines Turnmarsches beim Schlittschuhlaufen auf der Schlenke, einem Gewässer bei Freienwalde a. d. Oder, den Tod gesunden hatten, be- schäftigte sich gestern in zweiter Instanz die Strafkammer Eberswalde. Lehrer David hatte den Schülern das Schlitt- schuhlaufen auf der Schlenke erlaubt, obwohl starkes Tau- weiter eingetreten war. Ein Schüler war eingebrochen, und bei dem Rettungswerk versanken noch zwei Schüler in dem moorigen Untergrunde. Vor dem Schöffengericht hatte der Staatsanwalt ein Jahr Gefängnis beantragt, das Gericht hatte den Lehrer ober zu 600 M. Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung ver- urteilt. Gegen das Urteil war von beiden Seiten Beru- s u n g eingelegt worden. Der Staatsanwalt betonte, daß der An- geklagte fahrlässig gehandelt hat, weil er ein gefährliches Moorloch für eine harmlose Wiese gehalten habe. Di« Strafkammer schloß sich aber der Darlegung von Rechtsanwalt Müller-Stromsyer an, daß die gesamte Freienwalder Bevölkerung einschließlich des Bürgermeisters und sämtlicher Lehrer sich in demselben verhängnisvollen Irrtum befunden haben, daß die Schlenke ungefährlich sei. Ein Verschulden könne nur festgestellt werden, wenn eine Voraus» lehbarkeit des eingetretenen Unglücksfalles vorgelegen hätte. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Lehrer David wurde auf Koste» der Staatskasse freigesprochen. Der Haushaltsplan angenommen. Für 33 Millionen Ausgaben aus Anleihemitteln zurückgestellt. Der Magistrat hat den von der Stadtveroichnetenversamm» lung zum Hausholt 1927 beschlossenen Aenderungen zugestimmt und den Haushaltsplan endgültig verabschiedet. Dis Beschlußfassung über die Freigabe der Mittel für die außerordentliche Verwaltung war ausgesetzt, und einem Magistratsausschuß zur Prüfung überwiesen worden. Diese Frage ist nunmehr, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, in der gestrigen Sitzung des Magistrats eingehend behandelt worden. Nach einem Bericht: des Känimerers über die voraussichtliche Entwicklung der Haus» Haltswirtschaft stimmte der Magistrat seinen vom Ausschuß geprüfter« Vorschlägen zu, nach welchen eine größere Anzahl voir Ausgaben der außerordentlichen Verwaltung vorläufig zurückgestellt werden. Diese Maßnahme sei nötig aus Gründen einer gesunden Finanzwirtschost, weil unbedingt vermieden werden müsse, daß die schwebenden Schulden der Stadt im Laufe des Jahres zu sehr anwachsen und der Stadt bei irgend- welchen unvorhergesehenen Veränderungen im allgemeinen Geld- markt Schwierigkeiten entstehen. Von entscheidendem Einfluß war dabei auch die Kürzung der englischen Anleihe der Stadt Berlin durch die Beratungsstelle um 30 Millionen. Die Ausgaben sind nicht endgültig gestrichen worden. Wenn sich nach Verlauf von 2 bis 3 Monaten je nach der weiteren Entwicklung des allgemeinen Geldmarktes übersehen läßt, ob und in welchem Umfange Anleihe- betrüge im In- oder Auslande aufgenommen werden können, wird der Magistrat erneut zur Freigabe der jetzt zurückge- stellten Ausgabeposten Stellung nehmen. Die zurückge- stellten Ausgaben betragen im ganzen rund 35 Millionen und ver- teilen sich auf die meisten großen Verwaltungszweige. Sie betreffen außer einigen Verwaltungsgebäuden verschiedene Bauten an Schulen und Krankenanstalten, Brücken- und Straßenbauten, Bauten de? Etadtentwässerung usw. Von den Schnellbohnbauten sind die Ver- längerung über die Station Nordring hinaus und der Bau der Strecke vom Stadion bis zur Heerstraße vorläufig zurückgestellt. Es handelt sich in allen Fällen um Bauten, die noch nicht begonnen sind. Die Mittel für die Fortsetzung bereits vorgeschrittener Bauten. sowie für die Ausgaben, die aus anderen Gründen unaufschiebbar sind, sind freigegeben. M öer Suche nach üem Denkma!fchänöer. Eine genaue Beschreibung. Zu der Besudelung des Denksteins an der Christuskirche erfahren wir. dah die Personalbeschreibung des mutmaßlichen Atten- täters eine wichtig« Ergänzung gefunden hat. Ein Kraftdroschken- führer sah in der fraglichen Nacht in einer Haustürnische des Grund- stücks Köwggrätzer Str. 95 einen jungen Mann stehen, der ihm verdäästig vorkam. Der Fremde war etwa 20— 25 Jahre alt, hatte blondes, glatt nach hinten gekämmtes Haar,«in blasses Gesicht und trug ein farbiges Sporthemd und eine bastfarbene Hose. Dem Chauffeur fiel besonders seine krumme und nachlässige Körperhaltung auf. Als«r am nächsten Tage von der Bs- schmutzung erfuhr, begab er sich sofort zur Kriminalpolizei. Noch nicht gemeldet hat sich dagegen der Chauffeur, der nach Aussage anderer Zeugen den jungen Mann mit der grünen Mütze nach dem Halleschen Tore zu fuhr. Er wird nochmals ersucht, sich auf dem Polizeiamt Kreuzberg am Belle-ALiance-Platz 6 bei Kriminaloberinspektor Klinghammer zu melden. Die Iuwelenüiebe vor Gericht. Schwerverbrecher unter sich. Mr berichteten seinerzeit über die internationalen Juwelen- diebe, die im Geschäft von R o s e n t h a l in der Friedrichstraße eingebrochen waren. Die beiden Verhasteten M e s z und Schwarz hatten sich nun gestern wegen der Teilnahme an dem Verbrechen zu verantworten. Mesz und Schwarz wollten sich beide nicht kennen und b e- stritten ihr« Schuld. Mesz gab nur zu, daß Gerlak ihn auf- gefordert hätte, mitzumachen: er habe aber abgelehnt, da er krank war. Bei Schubermann habe er gewohnt und Gerlak war auch da. Diese beiden sind inzwischen nach Afrika geflohen. Morgens um ö Uhr gingen sie abermals weg und kamen erst abends wieder mit zwei dickgefüllten Aktenmappen. Wo sie gewesen sind, haben sie nicht gesagt. Ich hatte auch kein Interesse zu fragen. Vors.: Cr- regten zwei Aktenmappen mit Gold und Silber nicht Ihr« Neugierde? Angekl.: Nein. Vors.: Haben Sie nicht etwas abbekommen? An.gekl.: Ich sollte Schweigen bewahren und die Hälfte abbekommen. Vors.: Was wurde nun aus der Sore? An- gekl.: Die hat ein gewisser Schecker an einem Juwelier für 3500 Dollar verkauft. Zunächst wurde als Zeuge eine„große Kanone" aus der Verbrecherzunft, der Schlosser Karl F u e ch t e r, aufgerufen, der wegen Cintmuchs bereits abgeurteilt ist. Als er gefragt wurde, ob er Mesz kenne, setzte er sich«inen Kneifer aus, schüttelte den Kopf und erklärte: Ich kann mich nicht besinnen. Vors.: Kennen Sie den Angeklagten wirklich nicht? Er hieß doch immer M o i s ch e. Zeuge: Man kennt so viele Moisches in der Grenadierstrabe. lHeiterkeit.) Anders war es mit der Aussage des Zeugen Karl M i s ch i ck, der beide Angeklagte schwer belastete. Dieser verhält- nizmäßig noch jung« Mann büßt gegenwärtig ein« fast f ll n s- jährige Gefängnisstrafe ab wegen zehn Fällen von Einbruchdiebstahls. Mit Stolz bezeichnete er sich als den Mann, der immer durch Decken und Wände geht. Deshalb sollte er auch in diesem Falle mitmachen. Ebenso ein gewisser E ck a r d t, der den Namen»,D o l l b r ä g e n k a r l" führt. Mesz und Gerlak hätten ihn zur„Besichtigung" eines Nachts mitgenommen. Nachher sagte Gerlak: Das Geschäft passiert richtig, ohne dir machen wir et aber nich. Der Zeuge ist dann wütend gewesen, daß Mesz und Gerlak ihr.Ehrenwort" gebrochen und das Geschäft ollein gemacht haben. Di« Rechtsanwälte Dr. Herbert Fuchs und Dr. Puppe be- zeichneten die Angaben des Mischick als einen Racheakt unh hielten eme Verurteilung auf ein derartiges Zeugenmaterial hin nicht für angängig. Das Schöffengencht konnte sich nicht entschließen, allein auf die Beschuldigung eines gewerbsmäßigen Ein- b rechers, der selbst unter dem Verdacht der Teilnahme steht, zu einer Verurteilung zu kommen. Mangels ausreichenden Beweises wurden die Angeklagten daher freigesprochen. Der Hastbefehl gegen Mesz, der inzwischen fein« Zuchthausstrafe oerbüßt hat, wurde ausgehoben._ Schulfeiern am Verfassungstag. M« der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat im Rahmen der kürzlich vom Preußischen Staatsministerium erlassenen Bestimmungen Kultusminister Dr. Becker angeordnet, dah an den preußischen Schulen am Verfassungstage schulfrei ist. Am Verfassungstag« sind Schulfeiern zu veranstalten, bei denen die geschichtliche Bedeutung des Tages gewürdigt wird. Den einzelnen Schulen ist volle Freiheit bei der Ausgestaltung der Feiern im einzelnen gelassen, doch erwartet der Minister, daß alles getan wird, um den inneren Gehalt und den äußeren Rahmen der Schulfeiern würdig zu gc- stalten und die hervorragende Bedeutung des Tages den Schülern nahezubringen. Am Sonnabend wieder Wochenendfahrten. Die beiden Wochenendsonderzügc an die Ostsee und in den Harz, die die Reichsbahndirektion Berlin jetzt bis auf weiteres regelmäßig verkehren läßt, fahren auch an diesem Sonn- abend wieder zur gewohnten Zeit am Sonnabend nachmittag vom Stettiner bzw. vom Potsdamer Bahnhos(nicht, wie vergangene Woche, von der Stadtbahn aus!) ab. Die Züge führen die 2. bis 4. Wogenklass«. Di« Fahrpreisermäßigung beträgt 3Z'ch Prozent. Zu dem Sonderzuge nach dem Harz werden Fahrkarten ausgegeben noch: Quedlinburg, Thale, Gernrod», Alexisbad, Blankenburg(Harz), Elbingerode, Rübeland, Tanne, Wernigerode, Jlsenburg, Schierke, Elend, Benneckenstein. Sorge, Bad Harzburg. Goslar: zu dem Sonderzuge naä) der Ostsee nach: Swinemünde Hauptbahnhof oder Bad, Ahlbeck Seebad, Heringsdorf Seebad, Bansin Seebad, Uecke- ritz, Kölpinsee, Koserow, Zempin, Zinnowitz, Carlshagen- Trasien- Heide, Binz, Sellin. Göhren, Lauterbach, vaßnitz, Zingst und Pre- row. Die Fahrkarten werden bei den Fahrkartenausgaben Pots- damer bzw. Ststtiner Bahnhof und den bekannten Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus verkauft. »Ich bin Wohnungsembrecher � Er will aber nur ein Glas Wasser. Mit dem Schrecken davongekommen sind gestern nachmittag zwei Damen in der G r o ß b e e r e» st r a ß e 17 a. Hier wohnt im ersten Stock eine siebzigjährige Frau mit ihrer Tochter. Diese hörte gegen 1 Uhr, daß jemand sich an der Flurtür zu schassen machte. Sie trat aus den Korridor hinaus und sah sich zu ihrem Schrecken einem Mann gegenüber, der sie packte und sagte:„Seien Sie ganz ruhig, ich bin Wohnungseinbrecherl" Die Mutter, die ebenfalls hinauskam, wurde mit Erschießen bedroht, wenn sie um Hilfe rufe. Noch einem sachverständigen Umblick erklärte dann der Mann:„Ich sehe, daß Sie nicht viel besitzen, so will ich Ihnen nichts nehmen, ober bitte, geben Sie mir ein Glas Wasser." Die alte Dame beeilte sich, seinen Wunsch zu erfüllen. Der Einbrecher trank das Wasser aus und entfernte sich dann, ohne etwas angerührt zu haben. Als die Frauen aus dem Fenster sahen, entdeckten sie ihren Besucher, der in Richtung Porckstraße davonging. Jetzt erst machten sie auf dem zuständigen Revier Anzeige. Der genügsame Einbrecher wird beschrieben als ein Mann von etwa 25 Jahren, der 1,70 bis 1,75 Meter groß und schlank war. Vor der Wohnung der Braut erstochen. Ein aufregender Vorfall spielte sich gestern nachmittag vor dem Hause Rheins berger Straße 4 4 ab. Ein junger Mann, der auf dem Bürgersteig aufgeregt hin und her ging, zog plötzlich einen Dolch hervor und brachte sich einen Stich in die Herzgegend bei. Er sank blutüberströmt und bewußtlos zu Boden. Polizeibeamte und Passanten nahmen sich des Schweroer- letzten an und sorgten für seine Uebersührung in das Lazarus-Kran- kenhaii». Nach den polizeilichen Feststellungen handelt es sich um den achtzehnjährigen wohnungslosen Otto Klewe. Aus hinter- lassenen Briese« an seine Braut, die im Hause Rheinsberger Straße 4-, wohnt, und an die Polizei geht hervor, daß Liebes- kummer der Grund zu dem Verzweiflungsschritt ist. Voltsfest in ZNahlsdorf. Die Siedlungsgenossenschaft.Lichten- berger Gartenheim" hotte kürzlich zu ihrem ersten Volksfest ein- geladen. Mit Unterstützung des Arbeitergesangvereins„Freiheit", Kaulsdorf-Mahlsdorf, des Arbeiterturnvereins„Eintracht". Mahls- darf, des Arbeiterrodfahrervereins„Solidarität", Gruppe Mahls- darf, und des Fußballklubs war ein ausgezeichnetes Programm zu- fammengestellt worden. Nachmittags 3 Uhr begann dos Volksfest mit einem Festzug, an dem außer den vorgenannten Vereinen weit über 1000 Personen teilnahmen. Im Festzug wurden Festwagen mitgeführt, auf denen mit lustigen Inschriften auf die vorhandenen Nöte der Siedler hingewiesen wurde. Ein Wagen war betitel:„Des Siedlers Leid und Freud." Mit dem Leid wurde auf die vorhandene Wassernot der Siedlung hingewiesen. Ein anderer Wagen zeigte das „Großkraftwerk Klingenberg", das die Siedlung nur mangelhast mit Licht versorgt. Der schönste Wogen stellte„Die vier Jahreszeiten" dar, die von Kindern der Siedler gestellt wurden.„Die neue Wohnung" frei erfunden nach Taut, zeigte«in anderer Wagen. maamm §—m M fun Am Abend brachte das Funkorchester unter Selma M e y r o- witz' Leitung eine prächtige Folge alter Musik, darunter das außerordentlich schöne, heute nur selten gehörte Konzert ll-Dur für zwei Vläserchöre und Streichorchester von Händel. Werke von Sibaldin, Bach, Mozart und anderen Komponisten des 18. Jahr- Hunderts vervollständigten das schöne Programm. Alice Ehlers bewährt« ihre Kunst am Cembalo, dessen Klangcharaktcr im Mikro- phon hervorragend gut, weit besser als der des Klaviers, zur Wir- kung kommt.— Das Kinderfest am Nachmirtag führte in den Zoo und gab hier recht instruktiv besonders den Gesang der heimi- scheu Waldvögel. Aber wo blieben Frage und Antwort, die dem kleinen Funkhörer die Sänger auch ihrem Aeußeren nach schilder- tcn? Hier lag ein Fehler in der sanft recht glücklich inszenierten Veranstaltung.— Anschaulich erzählte Emst L u b i t s ch von der Filmstadt Hollywood, die ihm Vinn seit füns Jahren zweite Heimat wurde.— Rechtsanwalt Dr. Fritz Weinberg machte die Funk- Hörer mit der neuen Vergleichsördnung zwischen den Gläubigern und Schuldnern bekannt, die vom l. Oktober d. I. ab in Krast tritt. — Gegen den Vortrag„Deutscher Wein" von Rcgierungsrat Dr. Diehl muh Grundsätzliches gesagt werden. Gewiß kann und soll durch den Rundfunk für den Verbrauch deutscher Waren Propa- ganda gemacht werden. Dr. Diehl aber überschritt die Grenze» der zulässigen Form bei weitem. Er pries den Wein als den Trank „für Gesunde und Kranke", als„die schönste Gottesgabe, die die Erde hervorbringt". Weniger schwungvoll ausgedrückt, heißen dies« Sätze zusommengesaßi: Deutsche, trinkt! Der Rundfunk sollte sich seiner Aufgabe als Volksbildungsmittel zu bewußt fein, um solche unzweideutig« Alkoholparole auszugeben. Tes. (Bruno Taut hat 270 Wohnungen und das vor kurzem fertiggesteUle Genossenfchaftsgebäude entworfen.) Nach kurzer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Genossenschaft, des Genossen G i e r s ch n e r. hielt Genosse Stadtverordneter Binde, Tempelhof, eine Ansprach«, in welcher er auf die Bedeutung diese» Tages für die Genossenschaft und die Stellung des Proletariats zur Genossenschaft hinwies. Die Arbeitersport- und Gesangvereine zeigten in ihren Leistungen Vor- zügliches. Den Schluß des Volksfestes bildete ein großer Fackelzug der Kinder, der, begleitet von Fackelträgem aus Kreisen der Siedler, durch die Straßen der Siedlung zog. Nach Abbrennen eines Holz- stoßes fang der Arbeitergesangverein„Freiheit" sehr wirkungsvoll. Das schöne Volksfest klang aus mit dem Gesang„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit". vi« Funde von Leichen neugeborener Sinder mehren sich seit einiger Zeit in erschreckender Weise. Gestem, Mittwoch, wurde auf einem Grundstück in der Emdener Straße im Müllkasten die bereits stark verweste Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Sie wurde dem Schauhause zugeführt. Cin vatermorü im Elsaß. Die Folgen der Kriegsverderbnis. Solmar, Elsaß, 13. Juli.(Mtb.) Vor dem Schwurgericht stand gestern die Ehefrau Maria G r o H e n s und ihr 18 Jahre alter Sohn, der wegen Aatermordes angeklagt war, wozu feine Mutter ihn angestistet und Beihilfe geleistet hatte. Die Verhandlung ent- rollte ein entsetzliches Familienbild. Die Ursache des zerrütteten Familienlebens lag in den Kriegsereignissen. Während der Ehemann Grohens zum Militär eingezogen war, führte die Ehefrau einen unsittlichen Lebenswandel. Die älteren Töchtep folgten bald dem schlechten Beispiel der Mutter, und die deutsche Militärbehörde mußte den Soldaten den Zutritt zum Hause Grohens o e r b i« t e n. Als der Mann aus dem Felde nach Haus« kam. ergab er sich in seiner Berzweistung dem Trunk«. Es kam zu wiederholten Streitigkeiten, die in der Frau den Wunsch entstehen ließen, ihren Mann beiseitezuschcrfsen. Sie verstand es, den Sohn gegen den Vater aufzuhetzen, so daß er in der Nacht vom'26. zum 27. Dezember vorigen Jahres dem schlafenden Vater mit einem Knüppel mehrere Male mit großer Wucht aus den Kops schlug, so daß der Schädel gespalten wurde und Grohens nach kurzer Zeit starb. Das Urteil lautete auf sieben Jahre Zwangsarbeit für den jugendlichen Täter und fiir seine Mutter wegen Anstiftung und Beihilfe zu 12 Iahren Zwangsarbeit. Das Erübeben von Palästina. Die ersten Augcnzeugenberichte. London. 13. Zull.(TU.) Nach Meldungen ans Sa i r o konnten jetzt Augenzeugen des Erdbebens in Palästina ein genaue« Bild von den angerichteten Verwüstungen geben. Zn den von dem Erdbeben heimgesuchten Orten bilden die noch stehen gc- bliebcnen, aber schwer beschädigten Häuser eine große Gefahr, da auch mit ihrem Einsturz gerechnet werden muß. Die Behörden haben deshalb einige Häuser bereits in die Luft sprengen lassen, um weiterem Unheil vorzubeugen. Die Tolenzifser von l000 wird b e st ä t I g t. da allein in Maan 300 Personen, in Lydda 80, in vamleh 72 und In Amaan 36 Personen getötet worden sind. Die Zahl der Verwundeten geht in die Tausende. Zn Palästina herrscht jetzt eine ungeheure Not an kranken- barocken und Medikamenten. Aus Aegypten wird das Sanitäts- Material auch mit Flugzeugen herangebracht. Sozialistische firbeiterjugenü Groß-öerlin. Kkiltr zviamm-nlllnft»« Spieler ffie unsere zentralen Feste im Iugcnt- Helm Lindenftr. Z, Uhr. heute. Donnerstag. 14. Juli. ISIH Uhr: Kermrdorf: Iuqrndheim bei Neunzig, Reue Biemarckstr.<1, Mitglieder- Versammlung.-- Schönhanler Varstndt: Jugendheim Dricfener Sir. 22(ffl- zimmert. Fortsetzung der Mitgliederversammlung.— Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3. Vortrag:..Allahal und Jugend." Ferner mutz die Anzahlung für da? Wockienendtrefsen geleistet werden.— Bcißense«! Jugendheim Vark- stratze 33. Lichtbildervortrag:„Der Faschismus." Frieden«»: Jugendheim Osfenbacher Str. 3s. Vortrag:„Kibt es einen Gott?"— Lankwitz: Jugendheim Semeindeschuie Lchulftratzc. Arbeilsgemeinschast.— iichtcrlelde: Jugendheim Albrechlstr. 14a. Besuch des Films„Dir Weber."— Steglitz: Jugendheim Aldrechtstr. 47. Vortrag. �___ Sport. vktchard, oßmella, Scldow, vllquel, vartfol, Dholl emdeeck, vewols und lonani am Freitag abend aus der Rüli-Vrena. Die Rütt-Arena bietet am Freitag abend ihren Anhängern wieder«in ganz bervorragendeZ Pro- gramm, das drei Haubtnilnimern vorlieht, und zwar zunächst den mit arohcr Svannung erwarteten Zweikampi zwischen den DcltmeisterfchaslS- Favoriten Michard und unserem Klaslcniprintcr Paul Dszmella-Aöln. Neben diesem scnlaiioncllcn Match, da» au§ mehreren Wettbewerben besteht, findet der Heraussorderuiigdtamps Dewois gegen Tonani(4 Wettbewerbe) statt. Man' darf gespannt sein, ob der italienische Dahnmatador der Rütt-Arena hier durchhalten wird. Dann werden auch wieder einmal die Motoren aus der Rütt-Arena knattern, aber die diesmaligen Steherrennen stellen in vunkto Besetzung alle bisherigen der Rütt-Arena weit in den Schatten. Saldo« tritt gegen starke Wegner. wie Miguel, Parisot und den Belgier Tbollcmbecck an. Tie vier Klasscsteher tressen sich in 3 Läusen über 1», 15 und 20 km. Ein 10 km-Einradsahren siir Beruszsahrer und zwei Amateur- rennen vervollständigen das Programm. Rennbeginn 7'/. Uhr. Wetterbericht der öffeullichen Wetterdienststelle für verlin und Umgegend sNachdr. verb.) Warm, wolkig, zeitweise heiter. Fortbestehende Neigung zu totalen Wewittern.— Für Deutschland: Roch keine wesentliche Aenderung der bestehenden WitlerungSverhältnisse. Gewitter besonder« in der östliche» Hälfte Deutschlands. 9Qit dr@i Generationen Lei La KONIGIN VON SABA (9-ije, utrn Kmnjßm am Qualitäteziqarette. 'IhnJLWxwbwjnq njinS- von öktamcKuag dv/och (&eJbzq$choif£-yichJZ/ct: Si&ttAs ZiqcwäiiL, ilvis, Beliebtheit in Berlin 4D3 Psftgebührm und Preisniveau. Der Wirtschafts- gegen den Postminister.— Schacht und üie Portoerhöhung. In der grundsätzlichen Erklärung, mit der der Reichswirtschafts- minister die Anträge auf Kohlen Preiserhöhung ablehnte, heißt es wörtlich: 1. Kohlenpreissteigerungen wirken erfahrungsgemäß auf die Kefamtwirtschaft preistreibend, sei es durch tat- sächliche Belastung der weiteren Produktionsstusen, sei es durch Beispiel und Tendenz.... Die Entwickelung des Binnen- Markts und des Exports wird durch weitere Erhöhung des Preisniveaus beeinträchtigt. Im Rahmen gemeinwirt- s ch a s t l i ch e r Regelung muß hierauf Rücksicht genommen werden. 2. Die Anträge auf Preiserhöhung werden zum Teil mit Absatz- und Erlösrückgang begründet. Solche Begründung ist privat- und volkswirtschaftlich verfehlt. In dieser Erklärung �braucht man statt.Lohlenpreise" nur „Portogebühren" einzusetzen, um ein zutreffendes Urteil über die neue Vorlage des Reichspostminisiers über die Portogebühren- -rhöhung zu gewinnen. Die Gewinne früherer Jahre. Aber in der Argumentation des Reichswirtschaftsministers fehlt noch ein wichtiger Hinweis. Bekanntlich werden an der Ruhr jetzt überall fieberhaft neue Kokereien errichtet, ge- miß zu einem Teil, um die Nebenprodukrencrzeugung zu steigern und zu rationalisieren, zu einem größeren Teil aber, um bei der bevorstehenden Neubildung des Kohlcnfyndikats hohe Koksquoten zu erringen. Zu einem großen Teil werden diese Kokereien mit den Gewinnen des Vorjahres errichtet, die eine Folge des englischen Bergarbeiterstreiks und der erhöhten Leistungen der Belegschaft waren, anstatt diese Gewinne zum Ausgleich der jetzigen ungünstigeren Gewinnverhältnisse zu benutzen. Hier hätte nach unserer Meinung die Kritik des Reichswirtschaftsminislers an den Anträgen auf Preiserhöhung noch eine weiter« sehr berechtigte Stütze gefunden. Diese Kritik gilt aber auch voll und ganz für die R c i ch s p o st und für die Tarifpolitik des Rcichspoftministers. In den ersten beiden Geschäftsjahren der Deutschen Reichspost ist es dieser möglich gewesen, nicht weniger als rund eine halbe Milliarde aus lausenden Mitteln zum Ausbau der produktiven Anlagen zu verwenden. Auch in dem ungünstigen Ge- schäftsjahr 1926/1327, für das seltsamerweise ein« Bilanz von der Reichspost noch immer nicht vorgelegt worden ist, scheint ihr eine solche Verwendung laufender Mittel für Anlagezwecke möglich ge- wesen zu sein. Ein Teil dieser Investitionen ist nicht als produktiv zu bezeichnen: insbesondere scheint der Postautobusverkehr weit- gehend unrentabel zu sein, wenn auch einzelne ertragreiche Linien den Verlust der vielen unrentablen Linien ausgleichen mögen, so daß vielleicht insgesamt sich ein kleiner Ueberschuß ergibt. Auch bei der Post muß jetzt verlangt werden, daß die Gewinne vergangener Jahre zum Ausgleich herangezogen werden. Anleihen oder Einschränkung. Für 1927/1923 sind Investitionen aus laufenden Mitteln nur noch in kleinem Umfange möglich. Darum sollte die Post den Anleiheweg benutzen und, wenn dieser nicht gangbar ist, ihr Ausbau- Programm verkleinern. Eine Gebührenerhöhung bringt alle die Gefahren mit sich, die der Reichswirtschaftsminister dem Kohlen- bergbau gegenüber betont hat. Was der Kohle recht ist, muß der Post billig sein.„In einer gemeinwirtschastlichen Regelung" muß auf die Rückwirkungen einer Gebührenerhöhung aus das allgemeine Preisniveau Rücksicht genommen werden: sie kann nur preissteigernd wirken. Nach der Erklärung des Reichswirtschaftsministers muß der Reichspostminister sich entweder dem Borwurf aussetzen, daß ihm gemeinwirlschaftliche Gesichtspunkte, wie sie der Reichswirtschafts- minister dem Kohlenbergbau gegenüber geltend gemacht hat, gleich- gültig sind, oder er muß seine Vorlag« zurückziehen. In der Sitzung des Haushaltsausschufses des Reichstags, die sich mit der Frage der Portogebührenerhöhuug befaßte, hat nun der Reichspostministers einen Brief des Reichsbankpräsi- d« n t e n verlesen, in dem dieser sich gegen eine Anleihe der R e i ch s p o st ausspricht, wohl weil die Post kein produktiver Be- trieb sei. Die Begründung dieser Auffassung wäre für die Ocffent- lichkeit außerordentlich interessant, und es ist unverständlich, warum weder die Reichsbank noch der Herr Reichspostminister diesen Brief bisher veröffentlicht haben. Ist der Brief für Herrn Dr. Schacht etwa so blamabel, daß man nicht wagt, sein Ansehen durch eine Veröffentlichung des Brieses aufs Spiel zu setzen? In jedem Fall muß man annehmen, daß sich Herr Dr. Schacht, der sich wiederholt für die Aufrechterhaltung eines niedrigen Preisniveaus in Deutsch- land eingesetzt hat, der Konsequenzen seines Briefes nicht bewußt, d. h. daß er sich nicht darüber klar gewesen ist, daß die Folge dieses Briefes eine Erhöhung der Portogebühren und damit möglicherweise der Preise ist. Daher muß man fordern, daß dem Reichsbankprästdenten noch einmal Gelegenheit gegeben wird, sich zu der Frage einer Postanleihe zu äußern, d. h. daß man mit der Erhöhung der Porto- gebühren wartet, bis Schacht nach Deutschland zurückgekehrt ist und seine Aeußerung vorliegt. Inzwischen muß aber der erste Brief veröffentlicht werden, damit der Reichsbankpräsident auch die Möglichkeit hat, sich bei seiner zweiten Aeußerung, die ebenfalls in der Oeffentlichkeit erfolgen muß, auch seinen Kritikern gegenüber zu äußern, falls er an seinem unverständlichen Standpunkt festhalten sollte. Cm Anschlag gegen öen Mittelstanü. Eine besondere Rolle in der geplanten Erhöhung der Post- gebühren spielt das Projekt, neue Gebühren für die Be- förderung von Poftscheckbriefen und für die An- fertigung des Kontoauszuges einzuführen. Diese Maß- nahmen, zu denen weitere Verteuerungen im Postscheckverkehr treten, stellen eine starke Belastung für den bargeldlosen Geldver- kehr im kleinen dar. Dieser hat während des Krieges und später einen gewaltigen Aufschwung genommen, weil jeder kleine Geschäftsmann, viele Gewerbetreibende und Angehörige von freien Berufen für ihre laufenden Zahlungen sich an den lieber- Weisungsverkehr gewöhnt haben und dabei auf die Zinsen für ihr eingelegtes Geld gern verzichteten, solange der Postscheckverkehr sich reibungslos abwickelte. Jetzt treten diese als Steuer wirkenden Belastungen hinzu, die gerade den Inhaber kleinerer Konten besonders heranziehen, da er in der Regel eine große Zahl von Buchungen an vielen oerschiede- nen Tagen vornehmen lassen und dazu Postscheckbriefe benutzen muß. In ihrer Begründung verweist die Reichspost darauf, daß trotz der neuen Berteuerung sich der Poftscheckverkehr in Zukunft billiger stellen würde als der bankmäßige Ueberweisungsverkehr. Hierbei übersieht ober die Postverwaltung offenbar, daß der Bankverkehr für den kleinen Gewerbetreibenden Borteile hat, die der Postscheck- verkehr nicht bieten kann. Es gibt nur wenige Postscheck- ä m t e r, bei denen das Geld unmittelbar am Schalter erhoben wer- den kann, alles andere spielt sich brieflich ab. Dagegen haben die Bankinstitute an allen Orten und in Großstädten selbst in den ver- schiedensten Stadtteilen ihre Filialen, die den Kunden ohne weiteres zur Verfügung stehen. Wird der Poftscheckverkehr nun ver- leuert, so ist damit zu rechnen, daß mancher kleine Gewerbetreibende auf sein Postscheckkonto verzichtet und zur nächsten Bankstelle geht. Die Erhöhung der Postscheckgebühren wirkt sich dann wie ein Binnenzoll zugunsten der privaten Banken aus. Dadurch entsteht aber auch die Gefahr eines erheblichen Rückganges der Umsätze beim Postscheckamt und damit eine Verteuerung der Kosten, vielleicht sogar eine Zurückdrängung des bargeldlosen Ver- kehrs. Die volkswirtschaftlichen Folgen einer solchen Entwicklung wären durchaus unerwünscht und es muß frag- lich erscheinen, ob die Post daraus dauernden Vorteil zieht. Daher sollte es sich der Verwaltungsrat der Reichspost überlegen, ob er den fiskalischen Interessen der Postverwaltung oder den Volkswirtschaft- lichen Bedenken gegen derartige Maßnahnien den Vorrang gibt. Ein Die»Volksfürsorge" im Jahre 192H. Die Versicherung der deutschen Arbeiterschaft. Jahr des Erfolges. Das Geschäftsjahr 1926 war für die Versicherungsgesellschaft der deutschen Arbeitnehmerschaft einJahrdesErsolges. Es gingen im Jahre 1926 insgesamt 2S1 371 Versicherungsanträge ein. Ende 1926 hatte die Volksfürsorge einen Versicherungsbestand von 733 738 Versicherungen mit 246 713 017 M. Versicherung-- s u in m e. Die Prämieneinnahme betrug 11455 277,11 M., die Einnahme aus Zinsen und Mieten 1 246 837,76 M. Für Regulie- rungssälle sind 757 725,41 M. ausgezahlt worden. Die Gewinn- und Verlustrechnung ergibt einen Ueberschuß von 2 523 785,65 M. Dem Vorschlage von Vorstand und Aufsichtsrat fol- gend, beschloß die Generalversammlung, nach Zuweisungen an die notwendigen Reserven auf die für die Gewinnverteilung in Betracht kommend« Iahresprämie 25 Proz. in der Volks- und Lebensoersicherung zu verteilen. Dys bedeutet eine ganz beträchtliche Erhöhung der tarifmäßigen Versicherungssumme. 25 000 M dienen der Verzinsung des von den Gewerkschaften und Genossenschaften aufgebrachten Aktienkapitals, das 500 000 M. be- trägt und nur mit höchstens 5 Proz. verzinst werden darf. Die Bilanz für den Schluß des Geschäftsjahres 1926 schließt in Aktiva und Passiva mit 22 583 264,80 M. ab. Die Volksfürsorge verfügt über einen Grundbesitz im Werte von 1 376 195,46 M. Die Hypotheken, die den wirtschaftlichen Unternehmungen der deutschen Arbeitnehmerschaft gewährt wurden/machen eine Summe von 12 745 805.25 M aus. An Wertpapieren und K o m m u- naldar on ihrer verheirateten Schwester, einer Frau von Löwenhaupt, ,.zur Vernunft gebracht" werden, ehe sie einwilligte. Eine ganz besonder« Nummer war die Gräfin E st e r l e, welche die Königsmark ablöste. August lernte sie in Wien kennen nid eroberte ihre Neigung mit einem Brief, dem ein paar Ohr- > nge im Wert« von ällOM Gulden beigelegt war. Eines Tages mir er bei ihr und blieb auf ihre Bitten auch über Nacht. Pöllnitz «"zählt nun weiter: „Die beiden hatten sich soviel zu sagen, daß der Tag sie übxr- nschte, bevor sie eingeschlafen waren: endlich aber sanken sie in 'efen Schlummer. Es war 1l> Uhr morgens, und sie schliefen noch imer. Ohne Zweifel hätten sie noch länger geschlafen, wenn der Graf von Esterle sie nicht gestört hätte. Er wollte seiner Gemahlin e was mitteilen und begab sich deshalb zu ihr ins Schlafzimmer. "'ls die Tür verschlossen war, öffnet« er sie leise mit seinem Gchlüsscl, um sie zu überraschen. Wie sehr aber war er selbst überrascht, als er den Kurfürsten in den Armen seiner Gemahlin nh! Ein Wutschrei weckte die beiden Liebenden. Der Kurfürst i'rang aus dem Bett, nahm seinen Degen und jagte damit dem trafen solche Furcht ein, daß er die Flucht ergriff. In ihrer ?rzweiflung wußte die Gräfin nicht, was sie tun sollte. Sie f irchtete die Rache des Grafen. Der Kurfürst begriff ihre Angst ' nd sann über ein Mittel nach, die Gräfin vor Mißhandlungen zu stützen. Er hielt es für das geratenste, sie in das Haus seines Gesandten zu bringen, das nach dem Völkerrecht ein unverletzliches "Isyl war. Die Gräfin konnte sich zunächst nicht dazu entschließen, aber der Kursürst stellte ihr vor, daß sie, da ihr« Beziehungen "erade dem bekannt geworden waren, der am wenigsten hätte �-ivon erfahren sollen, auch kein« Rücksichten mehr zu nehmen '-Kiuchte. Sie willigte also ein. nahm ihre Kasteite mit den diamanten und stieg mit dem Fürsten in einen Mietswagen, um sich zu dem Gesandten zu begeben. Während Frau von Ester l« vor ihrem Gemahl floh, stand �cser im Borzimmer des Kaisers, und wie Vulkan verkündete er ''er seine Schande und seine Verzweiflung. Seine Freunde trösteten '!n, und sagten, das fei kein Grund, sich so aufzuregen. Sie nannten Beispiele aus der Mythologie und aus der alten und neuen Ge- schichte.„Amphitryon", sagten sie,„war ebenso entsetzt wie Sie, r!s er Alkmenes Untreue erfuhr, und doch beruhigte er sich bei dem Gedanken, daß er Jupiter zum Nebenbuhler gehabt habe. Wie viele Männer im alten Rom haben ihre Frauen den Cäsaren über- l-sten! In Frankreich hat Herr von Montespan sein« Gemahlin '"dwig XIV. abgetreten, und wie viele Männer haben in England, •0 die Könige weniger unumschränkt sind, geduldet, daß Karl II. ihre Frauen besuchte!" „Alles, was Sie mir sagen, ist richtig," erwiderte Herr "an Esterle treuherzig,„aber Amphitryon hat sie einem Gott über- lassen, und die anderen ihren Herrschern." „Nun," versetzt Graf von Martinitz, später kaiserlicher Ge- laudier in Rom,„wenn Sie es den Männern gleichtun wollen, die "ur Ihnen genannt haben, so treten Sie in den Dienst des Kur- i rsten von Sachsen, er kann dann mit Ihrer Gemahlin schlafen, ohne daß jemand etwas dagegen einzuwenden hat." Alle Anwesenden billigten diesen Vorschlag, und der arme Graf "an Esterle fand den Rat so gut, daß er selbst Herrn von Beich- ling aufsuchte, und ihn um seine Verwendung im Dienste des Kur- fürsten bot. Der Kurfürst war nicht wenig erstaunt, als Herr von Beichling il m das mitteilte. Aber dieser Günstling versichert«, im Austrage des Herrn von Esterle zu sprechen. Der Kurfürst schrieb sofort der Gräfin und teilte ihr diese Neuigkeit mit. Sie bat ihn, Herrn von Esterle nicht in seine Dienste zu nehmen, ihm aber ein Jahres- -Wialt zu bewilligen unter Bedingungen, die sie stellen würde. �er Kurfürst antwortete, sie könne diese Angelegenheit nach ihrem Gutdünken regeln: er setzte dem Grafen«in Jahresgehalt von "vanzigtausend Gulden aus. Daraufhin schloß die Gräfin einen regelrechten Vertrag mit ihrem Gemahl. Die Liebschast mit der Esterle nahm übrigens ein. für August wenig schmeichelhaftes Ende. Die Gräfin betrog ihn nicht bloß Mit dem Herrn von Flemming, den der nichtsahnende König auf nre Veranlastung zum Generalleutnant, Kabinettsminister und �bsrstallmeister von Litauen machte, sondern auch mit anderen. Ginmal überraschte August sie aber und befahl ihr, aus der Stelle das Land zu räumen Sie gehorchte, wurde jedoch unterwegs von " nem Offizier eingeholt, der nachgeschickt worden war, die ihr von �nn freigebigen Geliebten verehrten Diamanten zurückzufordern. D'e Esterle händigte dem Boten sogleich eine oersiegelte Kassette "ebst einem Schlüstel ein, als aber der König später das Kästchen nfnete, waren bloß wertlose Flitter drin. Die Frau hatte August auch diesmal hintergangen. Pöllnitz erzählt, daß August lachte, als er den Betrug entdeckte. rr konnte lachen. Was kümmerte ihn der Verlust der Kost- ''arkeiten, was der Verlust der Frau?— Das Geld zu neuen Ge- denken, zu neuen Festen preßten seine willfährigen Minister aus d-m Volke oder sie machten Schulden, die dem Staat zur Last ge- lchrieben wurden. Und Mätresten, soviel er wollte, lieferte ihm der Adel. Er braucht« schlimmstenfalls nur anzuklopfen, und man beeilte sich, ihn zu bedienen. In einer Zeit, da eine Proletarier- . t'uu in Bremen zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wird, weil i'e ihre Tochter, die von Liebhabern Geld annahm, nicht aus dem ■'lause gestoßen hat, liest man folgendes mit besonderen Gefühlen: Gjnige Tage verstrichen, ohne daß der Monarch erfuhr, ob seine Wünsche dem Mädchen(Fräulein von Dieskau) angenehm waren oder nicht. Da er nicht länger warten wollte, wandte er sich an t ie Mutter des jungen Mädchens... Frau von Dieskau fühlte s-ch durch dieses Vertrauen hochgeehrt und... versprach, alles iaran zu setze», daß ihre Tochter den Gefühlen seiner Majestät entgegenkäme. Da sie gern Klarheit hatte und eine offen« und ebrliche Frau war, verlangte sie zunächst ein« beträchtliche Summe als Aussteuer für ihre Tochter. Das Geld wurde ihr bewilligt "nd._. ausbezahlt.— Und bald darauf wärmte Fräulein von Dieskau das königliche Bett, nicht allzulange allerdings: ein Fräulein von Osterhausen verdrängte sie. Die Dcrslosiene wurde an den Hofmarschall von Laos verheiratet. Das alles ist mehr als Klatsch, das sind Beiträge zur Sitten- geschjchte einer Kaste, die noch heute, in der„demokratischen" Republik Deutschland, Ahnenkult treibt und sich unter Berufung aus ihre Vorsahren für mehr und Besseres hält als das„gemeine" Volk. Und unbewußt liefert Pöllnitz auch Material zu der bis auf weiteres leider geregelten Abfindung der Fürsten. Hätte das an- geblich souverän gewordene Volk Zurückerstattung tklles dessen«erlangt, was von seiner Arbeitskrast. von seinem Gute der einzige August vergeudete, nur um seine Launen zu befriedigen, den Wettinern wäre nicht das Hemd auf dem Leibe geblieben. Niobe Volkspartei. „verschont mein letztes Kinü, das noch Zeugnis davon ab- legt, daß ich einmal mit dem Liberalismus vermählt war!" das Pferd. Bon Fritz Müller, Partenkirchen. Es ist jetzt viele Jahre her, daß durch die Bahnhofstrah« das letzte Pferd getrabt ist. Das unwiderruflich letzte Pferd. Vorher waren schon, in Zwischenräumen, amtlich angezeigte letzte Pferde durchgeleitet worden, feierlich bekränzt mit Blumen, auf der Straß« mit Hallo begrüßt und mit Elegien in der Zeitung. Aehnlich wie der letzte Postillon gefeiert wird auf Strecken, die von morgen ab die Eisenbahn beherrscht. Aber andere Pferde, die davon nichts wußten, sind dann auch noch durchgekommen. Unbegrüßt und' ungefeiert schließlich eins, das wirklich Letzte. Hinter ihm brach stählern mit Geheul die Autoflut herein, trompeteten Motore, wurde höchstenfalls ein scheuer Radler noch gelitten. Unbestrittner Herrscher war und blieb Benzin. Möglich, daß in einem Kaffeehaus an dieser Straße noch ein Weißbart solch ein Pferd erwähnte.— „Fevd?" unterbrach man ihn mit hochgezogenen Augenbrauen, „Ferd, was ist das?" Er beschrieb es mit Gefühl aus seiner Kindheit Tagen.' Man zwinkerte sich zu: Der Alte flunkert—„Laßt ihm sein Bergnügen, solche Fabelwesen gab es nie." „Wenn ich mich recht erinnere," sprang ihm«in Monokel bei, „soll immerhin ein solches— solches— Ferd, sagten Sie, nicht wahr.—" „Pferd." „Sagt' ich doch."— „Sie sagten Ferd. Pf— erb heißt's." „Pf— Pf— das klingt verdammt nach Dampf," mischte sich ein anderes Monokel«in. „Ne, ne, es stimmt, vor Jahren hat man mal ein solches Ding, noch ziemlich gut erhalten, im Sibirieneise bloßgelegt." „Das war ein Mammut," sagt« der Weißbart. „Wohl von Ihrem Ferd'ne Spielart, was?"—„Seht mal, was die Straße dort heraufkommt!" „Vielleicht ein Reklamevieh aus der Hagenbeckschen Tierschau?" „Ein Pferd, meine Herren." „Wie— was— ne, so sieht also so'n Ding aus!" Es war ein altes Pferd. Es zog eine alte Kutsche. In der Kutsche saß eine alte Klosterschwester. Der Tracht nach eine arme Schullchwester vom Lande. Neben ihr saß eine junge Schwester. Sie lenkte. Das alte Pferd ging Schritt. Zwischen ihm und den rasenden Autos vorn entstand ein leerer Raum. Hinter ihm tutete es, schrillte es, heulte es. Das Pferd hielt seinen Schritt. Man suchte vorzufahren. Aber das Pferd hatte sich quergestellt. Jetzt sah es um. Sah mit seinen großen Kohlenaugen ruhevoll hinein in das Tosen des aufgehaltenen Verkehrs, aus dem sich wütende Arme reckten, sich die Fäuste ballten:„Schutzmann, he Schutz—!" Sie schrien nicht mehr. Sie hatten in den stillen Augenglast des alten Tieres geschaut. Di« Hände sanken ihnesi von den Äuto- hebeln. Es wurde ihnen unbehaglich. Der Vorfahr wachte auf in ihrem Autoblut Der Vorfahr, der auf grünen Wiesen noch gesehen hatte, wie die Pferde weiden. Hinten schrie«in angetrunkener Autofahrer:„Ueberrennt den Karren!" Die alte Klosterschwester schaute angstvoll Die ginge stieg aus. griff dem alten Vfe de in die Zügel, riß sich ar der Trense blutete. Junge Herren sprangen aus den Autos, wollten ihre Dienste anbieten, lächelten verlegen vor den feierlichen Kohlen in dem alten Pferdeschädel und besannen sich, daß sie mit tausend toten Hebeln, aber nicht mit einem Pferde umzugehen wußten. Jetzt hatte die junge Schwester den Wagen schräg über die Straße geführt und hielt. Die alte Schwester stieg aus. Mit einer großen Tasche verschwand sie unter einem Tor. Es war die Reichsbank. Die junge Schwester stand beim Pferd. Viele Leute sammelten sich an. Alle wollten das Pferd sehen. Einige schüttelten den Kopf. Einige nickten gedankenvoll. Einige wollten einen Witz machen. Aber wie das Pferd sie ansah, blieb er ihnen stecken. Es hatte sich ein großer Kreis gebildet. Aus den Fenstern der Reichsbank starrten die Beamten. Der Reichsbankdirektor selber kam heraus und streichelte das Pferd:„Ah," sagten die Leute. Auch der jungen Schwester schien er ein Wort sagen zu wollen. Aber die beachtete ihn nicht. Ihre Hand blutete noch. Sie sah das Pferd an.„Miftviech, elendigs," sagte sie. Worauf beruht öie Macht öer Musiki Der geheimnisvolle Zauber der Töne jst seit uralten Zeiten be- wundert und besungen worden, aber erst in jüngster Zeit nutzt man diese Mach: über die Stimmungen des Menschen auf Wissenschaft- licher Grundlage aus. Edison, der Ersinder des Grammophons, ist auch der erste gewesen, der auf den Gedanken kam,„Rezepte" für die Musik, deren man gerade bedarf, auszuarbeiten. Wie Edgar C. Wheeler in einem Aufsatz mitteilt, den„Die Auslese" wieder- gibt, setzte sich Edison mit dem Psychologen Dr. Walter B. Bingham vom Carnegie-Jnstitut in Verbindung, der eine Reihe von Per- suchen aussührte. Es wurden SL9 verschiedene Musikstücke ausge- wählt, vom Jazz bis zur großen Oper, und bei einer Anzahl von Hörern, die Erfahrung in der Selbstanalyse hatten, erprobt. Die Ergebnisse wurden sorgfältig aufgezeichnet, jeder Wechsel in den Stimmungen und Gefühlen der Zuhörer oermerkt. Nachdem die Versuche mehrere Monate gedauert hatten, waren die Hörer schließ- lich imstande, 135 Musikstücke, die bei allen aus Geist und Stimmung einen unzweifelhaften Eindruck gemacht hatten, zu klassifizieren, und diese Listen werden nun den" Platten beigegeben, so daß der Gram- mophonbesitzcr sofort weiß, welche Stimmung ein Musikstück her- vorruft. So wird z. B. zur„Aufheiterung, wenn das Leben mono- ton ist", empfohlen: das Toreador-Lied aus„Carmen" oder die „Marseillaise".„Wenn man Sorgen hat, um dem Gemüt Frieden zu verschassen", sollen Platten aufgelegt werden, wie die„Medita- tion" aus„Thais" von Maffenet, von einem Geigenkünstler ge- spielt, oder„Home, Sweet Home". Wie deutlich die Musik die Phantasietätigkeit beeinflußt, er- wiesen Versuche, die mtt Studenten in einer Zeichentlasf« der Columbia-Universität vorgenommen wurden. Die Studenten muß- ten schnell die Eindrücke auszeichnen, die sie beim Hören einer Reihe von Musikstücken empfanden, und es war auf den ersten Blick zu erkennen, welche Skizzen beim Spielen der Mondscheinsonat« und welche beini Anhören eines Jazz entworfen waren. Alle diese Beobachtungen haben gezeigt, daß die Macht der Musik hauptsächlich in ihrem Rhythmus liegt und daß der Rhythmus wieder in enger Beziehung zu dem Pulsschlag unseres Körpers steht. Der normal« menschliche Puls hat 70 Schläge in der Minute. Ein« lebhafte Melodie, deren Rhythmus schneller ist als der Herz- schlag, also«tw-- 80 Taktschläge in der Minute, hat fast stets eine aufheiternde Wirkung. Der entgegengesetzte Einfluß wird durch eine Musik hervorgebracht, deren Rhythmus langsamer ist als der Herzschlag: diese kann uns beruhigen, aber auch traurig machen. Daraus erklärt sich, warum uns in Augenblicken höchster Er- regung schnelle rhythmische Musik völlig mitreißt, während ums in Momenten des Niedergedrücktfeins langsame Musik zur Verzweif- lung bringt. Die Musiker haben natürlich diese Beziehungen un- bewußt immer verwertet, aber mancher hat sich auch schon mit Absichr ihrer bedient. So wird von dem Leiter des berühmten Kneisel-Streichquartetts, Franz Kn�jfel, berichtet, daß er den Rhyth- mus- seiner Darbietungen wohl überlegt etwas üher dem Tempo des normalen Herzschlages ansetzte. Bei der Verwertung von Musik in den Fabriken, die in den Vereinigten Staaten eingeführt wurde, muß die Musik dem Rhythmus der Maschinen folgen, sonst kann sie mehr Schaden als Nutzen stiften. Was die Sterne heiß hält. Die Materie in der Sonne und den Sternen wird beständig zerstört und in Licht, Hitze und andere Energieformen verwandelt, die diese Himmelskörper zu uns senden. Ueber die Art dieser Umwandlung der Materie hat man sich lange vergebens den Kopf zerbrochen. Erst in neuester Zeit ist durch die moderne Atomtheorie einige Klarheit darüber geschaffen. In einer preisgekrönten Abhandlung„Die Quelle der Sonnenenergie" hat sich der amerikanische Astronom Dr. Donald H. Menzel von der Lick- Sternwarte darüber ausgesprochen,„was die Sterne heiß erhält". „Die Erde ist etwa eine Milliarde Jahr« alt," führt er aus,„und während dieser ganzen Zeit hat uns die Sonne von jeder Unze ihrer Substanz genug Hitze gesandt, um 750 Tonnen Wasser von der Temperatur schmelzenden Eises bis zu der kochenden Wassers zu erhitzen. Das ist weil mehr, als durch irgendeinen Verbrennungs- prozeß, durch die ursprüngliche Hitze der Sonne, durch Meteor- regen oder sogar durch den Zerfall des Radiums hervorgebracht werden kann. Nur wenn man annimmt, daß die Substanz selbst in den Sternen sich tatsächlich in Energie verwandelt, wie dies der englische Astronom Jeans zuerst ausgesprochen hat, kann man die Entstehung der Hitze erklären, die die Sonne und die Sterne in so unendlichen Zeiträumen abgegeben haben. Diese Theorie stimmt überein mit den modernen Anschauungen von dem Bau der Atome, aus denen alle Substanz besteht. Danach besteht das Atom aus Ladungen von negativer und positiver Elektrizität: wenn diese beiden gegensätzlichen Ladungen zusammenkommen, vernichten sie einander und erzeugen so einen„Energieblitz". Diesen Vorgängen entspricht auch die merkwürdige Strahlung, die aus dem Weltraum zur Erde gelangt und in der letzten Zeit von Kohlhörster und Millikan ein- gehend studiert worden ist." Nach den Ausführungen Dr. Menzels werden durch diese Theorie alle bekannten Tatsachen über die Sterne gut erklärt, womit freilich nicht gesagt ist, daß diese Anschauung nun endgültig ist. Strohwitwer— Strohmann. Das Heer der Strohwitwer ist nach Beginn der großen Ferien wieder recht zahlreich geworden, und dieser von den Witzblättern so sehr beachtete Menschenschlag kann wieder seinen besonderen Vergnügungen und Streichen nachgeh>n. Warum die Männer verreister Frauen und ebenso die zeitweilig des Gatten beraubten Hausfrauen den Namen Strohwitwer und Stroh- witwe erhalten haben, ist lange Zeit unbekannt geblieben. Die Wortforscher haben die allerunmöglichsten Beziehungen, die das Stroh in der Volkstunde besitzt, zur Deutung der rätselhaften Be- Zeichnung herangezogen. Aber auch hier erweist sich das Einfachste als das Einleuchtendste. Der bekannte Germanist, Professor Otto Behaghet, l)at das„Ei des Kolumbus" gefunden, indem er den Strohwitwer aus dem„Strohmann" erklärte. Wie er in der soeben erschienene» Sammlung seiner Aufsätze„Van deutscher Sprache" aus- führt, ist der Strohwitwer kein wirklicher Witwer, so wie der Mann aus Stroh kein wirklicher Mann ist. Ebenso jst die Strohwitwe nur eine scheinbar? Witwe. Es liegt cm ähnlicher Sprachvorgang zu- gründe, wie bächig bei der Entstehung solcher rl'-sammensetzungen, deren e.stes G'ied eine S eieerung anzeigt. Blutrot enthält ein Gleichnis, da? gewählt ist, uni die Stärke der Färbung zu bezeichnen, ist also soviel wie sehr rot: daher sagt man denn auch blutarm, blutwenig Ebenso ist steinhart, d. h. hart wie Stein, also sehr hart, das Vorbild für steinreich. Nach„himmelhoch" ist dann„Himmel- angst" gebildet, nach„stockdürr" und„stocksteif" stockdumm und sisck- finster Rielengröße. Riesenstärke geben Anlaß zu Bildvnaen«s? Riesenflr'ß. Ricsengeduid. P. / Parteinachrichten emtcntmngco für diese Rubrik sind verliu S W«8. Lindenitrasie 3, für Groß-Serlin stets au da» Be�irkssekrftariat. ?. Hof, 2 Trep. recht», zu richten 2. Kreis Tiergarten. Freitag, 15. Juli, 20 Uhr, erweiterte Kreisvorstand»- sißung bei Krüger, Putlitzstr 10. Die Geschäftslcitung des Kreise» trifft sich bereits um 19 Uhr ebenda. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Arbeiterwohlfahrt: Heute, Donnerstag, 14. Juli, 19 Uhr. an bekannter Stelle Aktenumtausch. 13. Kreis Tcmpclhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Freitag. 15. Juli, 19 Uhr, Sitzung des Kreisoildungsausschusses im Lokal Birkenwäldchen, Tcmpelhof, Manterlffelftraße. heute. Donnerstag. 14. Zuli: 3b. Abt. Karten zur Dampferfahrt am 5. August sind zu haben bei der Genossin Dohm, Tilsiter Str. 78. Morgen. Freitag. 15. Iuli: IZ«-.«M. Ma!»l»d»rs-Sj>d. 20 Uhr im Lokal Mich. Uhlandstr. l«, Bortrags. abend. Vortragender Theo Maret. Gäste, Freunde und Bekannte sowie „Porwttrts".Lcser sind freundlichst eingeladen. Frauenveranstalwngen. 8k. Abt. Friedenau. Hellte, Donnerstag, lt. Juli, Saffeekochcn der Konsum. ncnosseuschaft der lli. Abteilung< statt des Fra»enabc»ds> im Lokal.Wald» frieden" in Dahlem(Endhaltestelle der Linie 43 und llntcrgrundbahnhof Dahlem-Dorf). Ansang lSN, Uhr. Kuchenmarken mllsscn vorher in der Konsumvcrlaufsstellc t"r—*----"—— 57. Abt. Sharlaktcnbnrg Konsumocrlaussstclle besorgt werde». Gäste sind eingeladen. Abt. Aharlottcnbnrg. Achtung, Voranzeige! Montag, l8. Inn, irinrn steh die Genossinnen am Bahnhof Iungfcrnheide, Eingang Volkspark, Kaffcckoche». Freunde und Bekannte sind eingeladen. pllnltlich 15 Uhr zum Zungsozialisten, heute, Donnerstag, 14. Juli: iger S echänebeio: Gruppe Prenzlauer Berg: 20 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 02 Bc- !ch»,g wichtiger organifalorischer Fragen.— Gruppe Schönebirg! Die Grup�tleiter werden gebeten, die Monatsprogrammc für August lpäteftens bis 10. Juli an den Genossen K. Zingelmann, Gchöneberg, Fritz-Rculcr-Str. 3, einzusenden. hiudersreunde Groh-Berliu! Sondcrzug zur ktiobcrrcpublik Niel fahrt pllnktlich 12LZ Uhr vom Lehrter Bahnhos ab. Möglichst 1—2 Stunde» vor Abfahrt an der Bahn sein! Eltern haben erst kurz vor Abgang des Fuges Zutritt. Freitag, 15. Juli, nochmals Sprechstunde in der Geschältsftelle von 18 Uhr ab. Feldmarken und Feld» Zeitungen abrechnen, da wir bei Eintreffen in Kiel Schulden bezahlt haben müssen! Sterbetafel her Groß-öerliner Partet-Grganisatton 10. Juli, verstarb unser Genosse Wilhelm Stolz» Ehre seinem Andenke». Dir Beisehung findet 14. Abt. Am Sonntal m a n n im 68. Lebensjahre.._ heute, Donnerstag, 14. Juli, 151. Uhr, auf dem 3. Pankowcr Gemeindefried- Hof in Pankow-Schönholz. Bahttbasstraße, statt. Die Genossinnen und Genossen, die daran teilnehmen, treffen sich um 14 Uhr bei Sottschalk, Putbusscr Str. 24. 44. Abt. Unser Genosse Otto Krüger, Reichenberger Str. 28, ist ver- storben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung heute, Donnersiaa, l4. Juli, 11 Uhr, im»remalarium Banmschulcnweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 57. Abt. Eharlottendn Bleibtrcustr Andenken. Wilmersdorf. Wir erwarten zahlreiche Unser alter treuer Genosse Franz G r o t h, im an einem Herzschlag verstorben. Ehre seinem icutc, Donnerstag, 14. Juli, 13 Uhr, im Krematorium innen und Genossen treffen sich am Krematorium. "' tiligiing. Vorträge, vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz Rok Gold-. Gefchästsstelle: Berlin S 14. Sebaftianstr. 37/38. Hai 2 Dr. Donnerstag, 14. Znli: Steglitz: 20 Uhr bei Schulz, Virkcnsrrotze. Borstandssitzung mit Funktionären.~ Freitag, � 3»«: Pa»to o (Kreis): Ad 18 Uhr Sportplatz Andrcas.Hofer-Platz. Tempelhas: 19 Ul�r Antreten Nennbahn Mariendors zum Ueben.— Sonnabend, 16. Inn: Pankow ___ n___ ,'____ f_____ k-i et vi»-». f rli««.-. 2flt (Krei b utosahrt nach Spreenhagen. Hcnnigchors: Pflichtvcranstaltung! Kreistress. II etzin. Autofahrt OZI Uhr ab Bcreinsheim. Fahrgeld 1 M.— Reulolln-Briz: ie Einäscherung unseres Kameraden Alberl Drnict» von der 1. Kameradfcho't im So, d 16, 15 Uhr, Krematorium Baumschulenwra statl. Pflicht- I 1414 Uhr Bhf. Vaumlchulcnwca mit Fahnen und Musik— Tiergar. cn: g, d. 17., Dampferfahrt nach Ärdlitz. Abfahrt 014 Uhr �>ordcsrate-' ..., �>»..1.,.. Charlottenburger schleuse. Abrechnung Autofahrt «etzin. Ai------- Die Einäscherung findet am antreten l' Sonntag, u. ii.,■" user, Lessingbrllckc. Nachzügler 10...------ i., der Karten bis So., d. 10., bei Kamerad Paietro, Waldstr. 22. Nicht abzerca,. nett Karten gelten als behalten. Fahnen und Fahnentücher Mitdr.ng.'.i. Vundeskleidung. Fahrpreis 1,80 M. vrtsorrein««Hin im verband«olisgesundheit Freitag. 15. Juli. 10-, Uhr. Dotzlerstr. 01, Leseaber Freitaq. 15. Juli. 10-, Uhr. Zicukolln. Schierkeslr. ____. ü. äu.....,"wir tf.tm nni Gaste willkommen. hrit- Ingen ,d.— Inpc» . 44, Diskusi »dgruppe Osten: »dgrul-pe Süden: skussionsabend über "Vlirgerliche Ehe ober"freie Liebe?"(Fortsetzung). Ardeitcr-Radiobnud. Gruppe Shartottenburg: Wielandstr. 4. Bau eine Dropadone für die Gru 15. Iulr, Vortrag:„Der mit Vor Beratum,.!______-------- Arbekter Samariterlolonne Berlin«. B. Gruhn, Grätzstr. 20.— Prenzlauer Berg: Sitzung ' 2/3. Beginn 10Zz Uhr. ie—«eulölln: Prinz-Saiidiern.Slr. 72. Freilag. 'stlM»la>or" Volksbühne riisater an Bfllowplati Täglich 8 Uhr: Za ebener Erde und erster Stock Msmeater Nor�n 10134—37 8 U, EridFl0*/2U. 9er jtexer Die Komödie Bismarck 2414/7516 S'/� Ende nadi 10 Uhr Der keusche Lebemann Sommerpr. 3— 10 M. Tbeat. a. Noilendorfplati Kurfürst 2091 Nur»och heute und morgen: Der stfirmische Lacherfolg Der Fußballkönig Waitialio- Tneai. Täglich«>/, Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Ucber 500 mal mit beispiellos. Erfolg saufx&iihtt ■ Wo speist man i gm uMiiipr Nur aroB-Berlin Alexander platz. Saltanbure-Siinnw Dt*. KUnstler-Th S'l, Uhr: Bitte, wer war zuerst daT Lesslng-Thealer 8'/, Uhr: Eugen Klöpfermit seinem Ensemble Absemartit-KüBl Sonnsteni Premlere Israel rh.K&nigrrälz. Si. Hasenheide 2110 8 Uhr; OieSdiule v.Uznadi Komöillenhaus Norden 6304 8 uhr- Weiße Fracht Etmaa-Ttiootcr Täglich 8 Uhr Wenn der junge Wein blüht Lustspielhaus 8'/, Uhr: Die Frau von 40 Jahren Kose-7heater Garlenbühne 5'/, Uhr: Konzerl und Bunter Teil 7 Uhr Die iu«tl«ewuwe 8>/, Uhr Taler werden ig» nlA» stliwer Theater am Kottb. Tor 9 Kottb. Str. 6 lä| Tägl. 8 Uhr WiElite-Sänger |W leues vH- Proflramni Wä zur Miete WöO.Antbacherstr.l zue i [äffte [deebmedgen Vylusveckäufi � SPcetseL -MM cfi' L ve Besonders geeignete Stoffe für Wäsche, Kleider, Gardinen Reich shaiien»Theater Stetttnor Sänger Eine Hochzeit In dcrlHUIUrttr. 16. 7.-31. 7. Gastspiel der berühmten BrCSdaer Viitloria Dönhoff-Brett'li Variete, Konzart, Tanz Donnerstag, den 14. Juli nachmittags 3 Uhr Jdleiai Billig, modern schick, gesund angenehm<( praktisch CKEPE'SCIÜLEM .•«k.a.CS'T-ipCA C4J T T TV s»vi r< U- Said sparsam und klug, verlangt nur dl« sehten auf der Plantage eetbat fertig hergaaleltten SP B«; n|WI /% P d«r B3IE Pie»«RCl IH« IAI Barackenverkauf Auf dem Pionicrübungsplatz Spcrenberg sollen vier für die Mannschahsunterbringung nicht mehr verwendbare Wellblechbaracken(Nr. I und 2 je 5,60X52,80 m, Nr. 3 und 4 je 5,60X38,40 m groß) auf Abbruch verkauft werden, Kaulangebote sind b. zum Mittwoch, dem 20. Juli 1027, auf dem Geschähszimmer des unterzeichneten Amts abzugeben. Angebotslormulare können gegen Einsendung von 40 Pfg. SchreibgchOhren nebsi Rückporto von hier bezogen werden. Zuschlagsfrist 3 Wochen. BanleUunD lilauidori(Truppenübungsplatz). Der Höhepunkt der Saisonl Berlins erstes großes KosICmfes1: im Freien. Das Rendezvous aller Ziiie-Ballbesucher unter persönlicher Anwesenheit des Meisters Zilie. SONNABEND, 16.IULI 1000 MARK PRÄMIE FÜR DIE ORIGINELLSTEN ZILLEKOSTUME Berlins größtes Festprogramm aller Zeltern Eröffnung der Zille-Wochenend-Koionio I Tanz im Freien auf dem Zille-Tanzhof mit den bildschönen 18 Zille-Girla I Eröffnung der Zille-Qiftbude/ Treffpunkt der Wochenend-Stroh- wltwsr Berlins auf dem Witwenball I Apachentänze aus dem dunkelsten Norden Berlins I„Zille-Triumph- Fox", dirigiert von Olly Stüwen von der Komischen Oper Berlins als„Miß Meschugge1'/ Freilicht-Theater; Zilles Film-Parodie„Die Verrufenen". 34. Teil I Polonäse der Preisbewerber vor Meister Zille I Zille-Luftkünste auf der Wäscheleine in 25 m Höhe/ Gala-Feuerwerk mit Zille-Apotheose I Preisverteilung durch Meister Zille I„Weekend im Grunewald" Original-Zillo- Szenen der Komischen Oper Berlin mit den Original-Darstellern Olly Stüwen und Georg Erich Schmidt I„Klamauk im Wellenbad" durch die schwimmenden Zille- Gören. Alfrad Braun funkt— Richard Oswald filmt Paul Grätz mimt— Das Publikum wirkt mit! Eintritt 1.50 M. Vorverkauf an den Theaterkassen Wertheim und den Kassen des Lunaparks. Kein Kostümzwang. 65 NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN einzige deutsche Linie, mit regelmäßigen direkten aAbfahrten für Reisende und Auswanderer von Bremen nach CANADA Nähere Auskunft über Einreisebcdingungen u.Abfahrten erteilt Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin G.m.b.H., Unter den Linden I(Hotel Adlon) „ F. Montanas, Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd, Invalidenstr. 93(zwischen Lehrter u. Stettiner Bahnhof) Weltreisebureau„Union", Unter den Linden 22. GewInndttSzug 4. ZNass« 29. Prcvblsch-Eiiddeullche Kldlten Lollerlk. Ohne Dewähr Nuchdiuck oerboirn Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich bohe Gewinne gesellen, und zwar se einer aut die Lot« gleicher Nummer in den beidg» Adleilungen I und II ] 1. glebungstog la- STuIi 1927 Q» der Vormittagsziehung wurden Gewinne übet 150 M. gezogen 2 Gewinn« in 50000 M. 15K925 4 Gftotnn« tu 3000 M. 101352 165390 3 Gewinn»|s 3000 911. 0971 7 4 Sswinn« p. 1000 M. 3474 106366 s Gewinn« es 600 M. 141130 277273 30645? 31 0866 24 Geaüsn« zu 500 W. 26901 39126 56981 63151 78687 88426 94997 134060 134104 201363 285315 295033 116 Gewinn ,» 400 W. 8292 17893 18926 10685 20025 22389 32770 38711 44416 45263 48178 47483 47508 49732 61644 52271 55996 66105 77217 84150 85540 92593 101978 114370 116144 124020 127120 142498 151285 151332 158218 157707 161807 164517 165423 170777 172154 175167 185321 188171 193047 198885 206815 218214 234686 236173 261195 278431 205618 289371 292514 294210 299861 300262 310672 310900 327129 338077 225«»Winne ,s 300 W. 13904 22972 24515 30243 30379 32070 34372 34670 33617 29887 43607 47974 43173 52701 56620 59218 59664 60834 65323 69223 74349 75010 75213 88392 91581 91958 954689594496297 101603 104650 105033 107353 107673 110293 112378 113479 115088 115504 115688 116528 128628 128399 130345 131211 138595 I3S776 149795 166020 161361 161475 162907 163728 165518 166904 168536 177136 179516 182116 184221 199663 200386 200810 205033 205275 205501 206862 208941 209910 21 5805 221757 229223 233839 234498 235216 240668 241769 244724 245763 2491 10 250090 255129 265978 261590 263549 265061 267635 269273 275864 275897 276262 276281 280318 280849 288033 286417 289253 289277 292375 292996 295028 300192 301086 308248 313665 313669 316093 327776 328197 330387 336790 338016 338137 349769 I« der RachmittagSziehung wurden Gewinn« über ISO M. gezogen 2 Gewinn,|a 6000 98. 343620 ,2 Gewinn, m 3000 M. 65709 4 Gewinne zu 2000 98. 314561 347978 4 Gewinne|U 1000 98. 126261 237983 12 Gewinn« m 800 98. 1798 4697 24910 36889 64359 141873 28 Gewhnu n 500 98. 16202 17707 83842 93006 122214 148721 »86055 186655 220478 237211 294165 308904 310468 327527 82 Gewinne ,» 400 98. 12518 17344 18101 20065 20271 37704 73201 73961 75617.76931 88308 96389 103982 133462 137372 138173 147013 157314 161192 170964 179000 186789 201142 201395 209070 231409 236516 236977 257882 262108 270838 271776 274977 282287 232306 290408 298392 299296 300004 229705 349127 246 Gewi»»« ,n 300 9N. 8313 9422 II640 13254 17068 20113 20200 21702 23768 24701 27728 32065 34642 38191 41652 43478 44706 54009 64093 81574 86004 72318 80548 81743 84011 84868 88523 89781 90226 90631 91330 94945 97294 100976 105572 112080 118902 117630 119333 126861 126997 127874 128608 129067 130117 133216 1370-18 138626 142426 144403 146287 146957 153164 160770 163030 166307 176482 177735 183926 184891 187003 188071 192929 196040 196940 204932 220183 220324 221296 226502 227829 229706 235689 237815 239439 239511 241672 241911 242760 249932 201789 262624 253733 256921 256440 257266 257677 258736 259914 265162 269885 278445 279230 279706 283226 287855 288613 291383 292030 294850 295474 296662 299693 303759 303802 304102 304670 306731 310395 319969 314896 317250 326626 329028 331909 334998 338182 336429 336470 339477 340876 344530 346901 Verkäufe Znfelwagen. 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