Nr. 332 44. Jahrg. Ausgabe A nr. 169 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar. und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" fowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen"," Aus der Filmwelt", Frauenstimme",„ Der Kinder freund". Jugend- Borwärts",„ Blid in die Bücherwelt" und Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die eini paltige Nonpareille. geile 80 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwet fettgebrudte Morte). jebes weitere Wort 12 Pfennig. Etellengesuche bas erste Wort 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Pfennig. 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Juli, 7 Uhr abends.( Eigener Drahtbericht.)| erhielten. Wir wiederholen kurz den Inhalt und fügen daran| Beitertagung des Barlaments faum möglich sein Die Zahl der Toten, die bisher festgestellt ist, beträgt über die seither eingetroffenen Meldungen. 40, die Zahl der Verwundeten über 200. Generalstreik proklamiert. Prag, 15. Juli.( WIB.) Meldungen, die aus Wien hier eingingen, bejagen: Das Präsidium der österreichischen Sozial. demokratischen Partei trat heute mittag zufammen und erFlärte fich in Permanenz. Auch das ganze Plenum des Ausschusses der Gewerkschaftszentrale wurde zur Mitarbeit eingeladen. Ueber bieje Tagung wurde bisher kein offizieller Bericht ausgegeben, doch berlautet, daß beschloffen wurde, für Wien und Umgebung den Generalstreit der gesamten Arbeiterschaft zu proflamieren. Det Streit joll auch auf die Buchdrudereibetriebe ausgedehnt werden. Bon den Wiener Blättern wird morgen nur die Arbeiferzeitung erfcheinen. Die Straßenbahnangestellten und die Beamten des Boft- und Telegraphendienstes haben sich mit der Arbeiterschaft solidarisch erElärt. Bisher ist es ungewiß, ob auch die Eisenbahnangestellten den Dienst einstellen werden. Nach einer um 19 Uhr eingegangenen Meldung soll das Präfidium der österreichischen Sozialdemokratischen Partei beschlossen haben, eine Deputation zum Bundeskanzler Dr. Seipel zu entfenden, um ihn zum Rüdfritt aufzufordern. Ruhigere Lage am Abend. Preßburg, 15. Juli.( WIB.) 22.20 Uhr. Die letzten Nachrichten über die Ereigniffe in Wien, welche von der Grenze hier nach 22 Uhr einlangten, laufen noch immer sehr unbestimmt. Bei den heutigen Unruhen sollen 40 personen getötet und 700, darunter 13 Polizisten, verwundet fein. Gegenüber den Nachrichten, welche in Preßburg um zirka 20 Uhr eintrafen, und die bejagten, daß sich die Lage in Wien zugespitzt hätte, heißt es jetzt, daß es in den Abendstunden in Wien ruhiger zuging, und daß die Polizei und der Republikanische Schuhbund Ordnung machen. In verschiedenen Straßen feien noch Plänteleien im Gange, aber nur mehr zwischen dem plündernden Mob und der Polizei. Telephonstreik. Als morgens die Arbeiter von Wien das freisprechende Urteil der Geschworenen über die Arbeitermörder von Schattendorf erfuhren, bemächtigte sich ihrer stürmische Empörung. Das Personal der städtischen Straßen- und Stadtbahn stellte den Verkehr von 8 bis 9 Uhr morgens still. Eine Parole zu irgendwelchen Demonstrationen oder sonstigen Aktionen ist von der Sozialdemo fratischen Partei nicht ausgegeben worden. Eine Reihe von Betriebsversammlungen beschloß, sofort die Arbeit niederzulegen und auf die Ringstraße vor das Parlament und das Rathaus zu ziehen. Gegen halb 10 Uhr morgens trafen die ersten Züge vor dem Parlament ein. Es wurde eine Abordnung testieren. Die demonstrierenden Arbeiter warteten in Ruhe. in bas Parlament entfendet, um gegen das Urteil zu protestieren. Die demonstrierenden Arbeiter warteten in Ruhe. Inzwischen aber war von der Polizeidirektion auf dem Schottenring ein Trupp berittener Polizisten zum Parlament entfandt wor den. Der Führer der Berittenen wußte offenbar nicht, worum es fich handelfe und gab seiner Mannschaft ohne ausreichenden Grund den Befehl, die Straße vor dem Parlament von den Demonstranten zu räumen. Dem Vorgehen der Polizei wurde Widerstand entgegengesetzt. Dies hatte wieder zur Folge, daß Polizeitrupps aus allen Stadtteilen herbeigeschafft wurden. Es entspann sich vor dem Parlament ein Hin und Her zwischen der Polizei und den Arbeitern, wobei wahrscheinlich auch Demonstranten dem gewaltsamen Borgehen der Bachleute gewaltsame Abwehr entgegenfeßten. Es follen gegen die Bache Steine geworfen sein. Die Polizei schießt. Nun hieb die Polizei mit Säbeln ein, bald fielen auch Schüsse der Polizei. Die Rettungsgesellschaft war andauernd mit der Bergung der Toten und Bermundeten auf dem Kampfplatz beschäftigt. Inzwischen hatten sowohl die Straßen- und Stadtbahn als auch die Autobusse ihren Betrieb wieder eingestellt. Der Waffengebrauch der Bolizei stachelte die Er regung der Demonstranten zur hellen ut an. Der Justizpalast in Brand gesteckt. Der Abzug der Polizei. Biel schlimmer aber ist die Situation gegenüber dem Parlament: Da unter den Massen sich die Meinung rasch verbreitete, daß die Bolizei aus dem Justizpalast geschossen habe, wurde dieses Gebäude, in dem sich die Obersten Gerichte befinden, gestürmt. Viele Atten wurden in die Borhalle geschleppt und ein großer Scheiter haufen daraus errichtet, der angezündet wurde. Das Feuer griff rasch um sich, da es an den Holzmöbeln, Tuchbelagen usw. Nahrung fand, so daß der Justizpalast ein Feuerherd wurde. Die Feuer In der achten( 20.) Abendstunde hat Wien den Fernwehr konnte die Löschungsarbeit nicht aufnehmen, da sie von den sprechverkehr über die Grenzen Deutschösterreichs eingestellt, Demonstranten behindert wurde, nahe genug an den Justizpalast auch wir fonnten seither nicht mehr mit Wien sprechen. Die heranzukommen. Einstellung ist zweifellos das Werk der Organisation des Fernsprechpersonals, denn die Bundesverfassung Deutschösterreichs gibt der Regierung feinerlei Möglichkeit irgend welcher Ausnahmeverfügungen. Wiederholt ist als äußerstes Drudmittel bei Lohnbewegungen des stramm organisierten Personals diese harte Maßnahme angewendet worden. Gerade jetzt ist aber eine Lohnbewegung nicht im Gange, und darum wird man in der Stillegung des Drahtverkehrs eine Bestätigung der Meldungen zu sehen haben, daß die Gemertschaften in Wien den Generalstreit proflamiert haben. Dies aber würde beweisen, daß den Arbeitern denkbar schwerstes und aufreizendes Unrecht zugefügt worden sein muß. Denn leichten Herzens und ohne genügenden Grund beschließen erprobte alte Gewerkschaftsführer, die in Wien ebenso in der Leitung sigen wie in Berlin, den Generalstreit nicht! Freilich sollten gerade die Genossen am Klappenschrank bedenken, daß die Unterbindung des Auslandsverkehrs gerade auch der Arbeitersache sehr nachteilig sein kann! Der sozialdemokratische Parteivorstand mar inmitten des Sturmes auf der Ringstraße im Parlament zusammengetreten und hatte sich sofort mit der Bundesregierung und dem Polizeipräsidenten in Berbindung gefeßt, mit dem Ergebnis, daß die Polizei aus dem Kampfviertel zurüdgezogen worden ist und starte Abteilungen des Republikanischen Schuhbundes und uniformierte Straßenbahner den Ordnungsdienst in der Gegend des Barlaments übernommen haben. Da auch die Zeitungsseger und Druder in den Proteststreit getreten find, fonnten die Mittagsblätter und Abendblätter nicht erscheinen. Die Kämpfe beschränkten sich auf die Gegend des Parlaments, sonst ist in der Stadt nichts vorgekommen. Auch in BienerNeustadt kam es infolge der Schattendorfer Freispruchs zu großen Demonstrationen der Arbeiter. Sämtliche Parlamentsausschüsse auf Dienstag vertagt, allgemein herrscht die Auffassung, daß eine Das Reichsschulgesetz. In einem Teil unserer geftrigen Abendausgabe haben mir Die Reichsregierung hat gestern abend den bie Agenturmeldungen über die blutigen Zusammenstöße in Bien durch einen eigenen Bericht ersetzen können, den mir Entwurf des Reichsschulgesetes veröffentlicht. am 2 Uhr nachmittags pon umjeren Wiener Barteigenoffen Wortlaut 3. Seite des Hauptblattes. mird. Die fozialdemokratischen Abgeordneten beschlossen, dahin zu wirken, daß der Zuzug von Arbeitern aus den Vorstädten zum Parlament aufhört. Gegenangriff der Polizei: Einige Zeit nach ihrem Abzug erschien die Polizei, vom Präfidenten Schober auf Betreiben der bürgerlichen Parteien mit Rarabinern bewaffnet, wieder und beschoß die Schutz= bündler und Demonftranten mit Galvenfeuer. Selbst das Rathaus wurde getroffen und im Rathaus Personen tödlich getroffen oder verlegt. et Die Polizei hat das Feuer eröffnet! Entgegen der Weisung des Landeshauptmanns! Wien, 15. Juli.( TU.) Kurz vor 14 Uhr hörte man vor dem Barlament aus der Richtung des Bezirks Josefstadt Gewehrschüsse, mas eine allgemeine Panit hervorrief. Der Polizeipräsident hat dem Drängen bürgerlicher Polititer, darunter des Präfidenten des Nationalrats, nachgegeben, und stärkere Polizeiabteilungen, mit Karabinern ausgerüstet, zum Justizpalast und zum Ra! haus gesandt. Inzwischen war unter den Demonstranten das falsche Gerücht verbreitet worden, daß Militär von außerhalb Wiens anrüde. Infolgedessen begannen die Demonstranten das Rathaus mit Barrikaden zu umgeben, in der Annahme, daß das Militär zunächst dieses Gebäude besezen werde. Die Feuerwehr fonnte endlich bis in die nächste Nähe des brennenden Justizpaloftes vordringen und mit dem Löschen beginnen. Gegen 14 Uhr gab die Polizei gegen das Rathaus und die umliegenden Straßen, in denen Schutzbündler Aufstellung genommen hatten, Salven ab. Im Rathaus wurden ein Magistratsbeamter und ein Arbeiter erschossen und fünf weitere schwer verletzt. Die Polizei feuerte ununterbrochen. Auf die Nachricht von den blutigen Borgängen in Wien find aus der Provinz 3üge mit Schußbundmannschaf= ten abgegangen. In den Beratungen der Barlamentarier spielt das Wort Bürgerkrieg bereits eine große Rolle. Auch die gemäßigteren Sozialdemokraten glauben, daß man ohne Proklamierung des Generalstreits nicht zu Ende kommen werde, zumal die feste Absicht besteht, die Regierung zur Demission zu zwingen. Zweifellos wird auch der Polizeipräsident von Wien, Schober, seinen Posten faum behalten können. Der Polizeipräsident untersteht nämlich dem Bürgermeister von Wien in dessen Eigenschaft als Landeshauptmann. Es herrscht nun in sozialdemokratischen Kreisen helle Empörung darüber, daß der Polizeipräsident sich dem ausdrücklichen Befehl des Bürgermeisters widersetzt hat, wonach die Polizei nur zur Abwehr eigener Lebensgefahr von der Wasse Gebrauch machen solle. Sturm auf bürgerliche Zeitungen. Wien, 15. Juli, 3 Uhr nachmittags.( Eigener Drahtbericht.) In der Menge, die den brennenden Justizpalast umgab, hörte man plöglich den Ruf: Zu den bürgerlichen Zeitungen, die find an allem schuld, die sollen für Schattendorf büßen!" Einige Gruppen lösten sich aus der Menge, die den Justizpalast umgab, und zogen zu der christlichsozialen„ Reichs post", die von einigen Polizisten bewacht wurde. Die Polizisten zogen sich zurück. Nun praffelten Steine gegen das Haus. Nieder mit der Heßpresse, Rache wurde zertrümmert und eingestoßen. Cinige Demonfür Schattendorf!" erklangen die Rufe. Das schwere Tor stranten drangen in das Gebäude ein und begannen die Zeitungen in großen Stößen zum Fenster herauszuwerfen. Man las die Aufschrift der heutigen Frühnummer Ein flares Urteil", die wie der folgende Artikel das Schattendorfurteil verherrlicht. Die Empörung der Menge wuchs. Einer hielt ein brennendes Holzscheit an das Bapier und im nächsten Augenblick schlugen die Flammen empor. Ebenso ging es der reafiionären Deutschösterreichischen Tageszeitung". Sie wuchsen und hüllten balb bas ganze Gebäude ein. Als einer den Borschlag machte, die Maiginen au geritören wurde er zurückgehalten mit dem Rur: n s trifft vor allem die Arbeiter!" Aehnlich wie der„Reichsposl" erging es den„Wiener Neuesten Nachrichten". Vcrwundctc Polizisten. Wien, 18. Juli.(TU.) Soweit bisher festgestellt ist, sind 5 0 verwundet« Schutzleute, darunter Schwerverwundete mit Kopfschüssen zu verzeichnen, an deren Aufkommen gezweifelt wird. Was Bndapcst meldet. Budopesi, l5. Juli, kl Uhr abends.(Eigener Drahtbericht.) Auch Budapest ist seit 8 Uhr abends von Wien abgeschnitten. Die letzten hier eingetroffenen Meldungen wollen wissen, daß die Zahl der Toten bereits 100 übersteige. Die Verhandlungen der Sozial- den'.okratcn mit S« i p e l sollen mit dem Ziel geführt worden sein, ihn zur Entlassung des Polizeipräsidenten Schober und zum eigenen Rücktritt zu veranlassen. Beides soll Seipel abgeschlagen haben. Die Unterbrechung der drahtlichen Verbindung mit Wien wird auf einen Generalstreik zurückgeführt. Graf B c t h l e n erklärte auf Befragen, die ungarische Regie- rung betrachte die Wiener Ereignisie als eine innere Angelegenheit Oesterreichs, in die sie sich auf keinen Fall einmischen wolle. Polizeipräsident Schober gibt bekannt: Men. 15. Juli.(WTB.) Die Wiener Polizeidirektion ver- össcntlicht eine Bekanntnuichung, in der darauf hingewiesen wird, daß die Ereignisse, deren SäMiplatz heute Wien war, das schärfste Einschreiten der Sicherheitsmache zur Wiederherstellung der ge- stärlen öffentlichen Ruhe und Ordnung erheische. Es werden daher auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen zur Ausrechterhalbung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit alle Ansammlungen und Zusammenrottungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen, alle gegen die Behörden und deren Organe gerichteten Kund- gedungen, jede N i ch t b e f o l g u n g der gesetzmäßigen Anordnun- gen der Sicherheitsorgane und jede Störung des Verkehrs überhaupt verboten. Uebertretnngen dieses Verbots werden bei Vorliegen eines strafgerichtlichen Tatbestandes unverzüglich der Ahndung durch die Strafgerichte, zugeführt. Di« Sicherheits- wache ist angewiesen, gegen Gesetzesübertreter mit aller Strenge vorzugchen und die behördlichen Anordnungen nötigenfalls mit ollen ihr zur Verfügung stehenden gesetzlichen Zwangsmitteln durch- zusetzen. Die Polizeidirektion richtet an all« Kr«is« der Bevölke- rung die dringende und ernste Mahnung, sich im Jnter- esse des Gemeinwohls streng auf den Bolxm des Gesetzes zu stellen und nicht zuzulassen, daß verbrecherische Elemente ihre lichtscheuen Ziele erreichen und die Ruhe und Ordnung in der Republik Oester- reich zu stören versuchen. * Di« Bundesverfassung kennt weder Ausnahmezustand noch Belagerungszustand: die Regierung kann keine Berfossungsbestim- mung, kein Staatsbürgerrecht außer Kraft setzen.(Red.) Yscwcrksrsmftsfordcrunft:!?ort mit Schober! München, 15. Juli.(WTB.) Nach Meldungen, die unmittelbar vor Abbruch der tclephonischen Verbindungen hier eingegangen sind, haben heute nachmittag Verhandlungen zwischen Bundeskanzler Dr. Seipel und der Gewerkschoftskommissinn stattye- funden, in denen die letztere den Rücktritt des Polizei- Präsidenten Schober forderte. »'».,.■ my«!«!'.....»Oö'' m Das Wiener Schwitstgericht. das die rechtsradikalen Tat- fchläger von Schattendclrf freisprach, dürste die Kata- st r o p h e. zu der sein Spruch den Anstoß gab, kaum vor- ausgeahnt haben. Wissen freilich mußte es, daß es einen Sturm der Entrüstung in der Arbeiterschaft heraufbeschwor, wenn es die hinterhältige Bluttat an Republikanern ohne Sübne ließ und nachträglich noch sanktionierte. Wir in Deutschland haben nach all dem Bitteren, das wir in ähnlicher Weise von unserer Justiz erfahren mußten, kaum nötig, die Erregung über einen solchen Spruch noch besonders zu er- klären. Die Empörung begreifen heißt aber keineswegs, den explosiven Ausbruch gutheißen, der zu einer sinnlosen Re- völte führte. Der Volksmund bezeichnet die Leidenschaft als blind. Die Wiener Vorgänge bestätigen, daß entflammte Aufgeregtheit, die ohne Ziel und Programm zu Werke geht. statt des vermeintlichen Guten nur eine Vermehrung des Uebels schafft- Wozu hat der Ausbruch der Leidenschaft geführt? Zu den zwei Toten von Schattendors haben sich weitere 40 Tote gesellt, außerdem viele Verwundete. Etwa die Schuldigen des Fehlspruchs, etwa die Personen, die das Recht gebeugt haben? Ganz äbgesehen davon, daß man bei der Vertraulich- keit der Gerichtsberatung gar nicht weiß, wer von den Geschworenen für, wer gegen den Freispruch gestimmt Hot— die Toten dürften zu 99 Proz., wenn nicht zu 100 ProZ. Per- sonen sein, die dieses Urteil auf das schärfste verurteilten. Es sind Demonstranten und Wachmannschaften, die bei der bekannten republikanischen Einstellung der österreichischen Sicherheitsorgane ebensowenig wie die ersteren mit dem Frei- spruch der faschistischen Täter einverstanden gewesen sein werden. Der Iustizpalast ist angezündet. Akten sind verbrannt worden, was immerhin als eine Demonstration gegen die Justiz gedeutet werden kann. Aber auch diese Demonstration ist in ihren Folgen sinnlos. Nach den Meldungen scheint es ja, als ob die Demolierung des Justizgebäudes nur dadurch verursacht wurde, daß sich eine größere Abteilung Wachmann- schaften in ihm festgesetzt hatten, also nur mit Absichten gegen diese, nicht gegen die Justiz. Doch selbst das letztere ange- nommen— wem ist damit gedient, wenn die Akten von tausend für die Oeffentlichkett gänzlich gleichgültigen, für die Beteiligten aber schicksalsentscheidenden Zivilprozessen, oder wenn die Personalakten von einigen Hunderten Aktuaren und Iustizanwärtern sich in Asche verwandeln? Am klarsten aber ist die politische Sinnlosig» keit der Vorgänge. In Oesterreich, dessen Wehrmannschaft — Offiziere wie Soldaten— zu drei Viertel sozialdemokratisch organisiert, in dem die Arbeiterschaft wie in keinem anderen europäischen Lande einheitlich in der Sozialdemokratischen Partei zusammengeschlossen ist, dessen.stauptstadt unter einer erst eben wieder vom Volk bestätigten rein sozialdemokratischen Verwaltung steht— in diesen, Oesterreich besteht eine aktuell« faschistische Gefahr nicht. Sie könnte erst durch Borgänge wie die gestrigen hervorgerufen werden. Denn was ist weiter erreicht, als daß treurepublikanische Staatsorgane gezwungen wurden, zur Aufrechterhalmng der Ordnung oene;, Volksmäsien vorzugehen, deren republikanische Einstellung sich von der ihren kaum unterschied? Gewiß smd bei diesem Borgehen schwere Fehler ge- macht worden, die zur Steigerung der Erregung beige- tragen haben. Man könnte vielleicht daraus verweisen, daß Wien viel größere Demonstrationen seiner Arbeiterschaft ge- sehen hat, die in völliger Ruhe und Disziplin trotz gewaltig- sten Umsangs verliefen. Aber dies waren Demonstrationen, die von der Sozialdemokratischen Partei aufgerufen und geleitet waren. Die gestrige De- monstration war wild. Ihre Urheber, falls es solche gibt, kennen wir bisher nicht. Die Sozialdemokratische Partei ist jedenfalls selber an der Entstehung der Bewegung völlig unbeteiligt, und dieser Unterschied des Ursprungs dürste denn auch hinlänglich den Unterschied des Ver- ! a u f e s erklären. Es fehlte die Selbstdisziplin der früheren geordneten Massenaufzüge, und dieser Mangel hatte wiederum das schärfere Einschreiten der Staatsorgane zur Folge. Wäre allerdings nach den Anordnungen des sozialdemokrati- scheu Bürgermeisters S e i tz verfahren worden, so hätten sich wohl die traurigen Menschenverluste vermeiden lassen. Man begreift daher die Erbitterung der Arbeiter gegen den Po- lizeipräsidenten Schober. Wenn der Hugenbergsche„Tag" mit verdächtigem Eifer bereits eine„Schuld der Sozialdemokratie" an den Vorgän- gen zu konstruieren sucht, so ist hier lediglich der Wunsch der Vater des Gedankens. In Wirklichkeit haben die sozialdemo- kratischen Führer, nachdem ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen das Unheil begonnen hatte, ebenso wie der.'.Republikanische Schutzbund" alles versucht, um die Massen von weite- rem unüberlegten und undisziplinierten Vorgehen und von sinnlosen Zerstörungsakten abzuhalten. Der bei den Bürger- lichen bestgehaßte Stadtrat B r e i t n e r war es. der perfön- lich der Feuerwehr Bahn nach dem brennenden Iustizgebäude zu verschaffen suchte. Die Stellung unserer österreichischen Parteigenossen konnte auch keine andere sein, denn was sollte sich schließlich ein Sozialdemokrat als positives politisches Ziel einer solchen Bewegung vorstellen? Selbst in der österreichi- schen Arbeiterschaft gibt es nur ein verschwindendes Häuflein, das an die Möglichkeit einer bolschewistischen Diktatur glaubt. Klägliche zehntausend Stimmen, kein einziges Mandat haben die Kommunisten bei den letzten Wahlen in Wien errungen. Nichts spricht auch dafür, daß die gestrigen Demonstranten in ihrem überwiegenden Teile auf kommunistische Ziele ausgingen, wenn natürlich auch sofort die Kommunisten den Strom der Erregung auf ihre Mühlen zu leiten suchten. Eine R-volte. wie die gestrige, muß verflackern, weil Zorn und Empörung über ein verdammenswertes Fehlurteil nicht die positiven Ziele einer Massenbewegung ersetzen können. Damit ist aber nicht gesagt, daß man eine Erregung. die sich in so katastrophalen Farmen Bahn bricht, vom poli- tischen Standpunkt ignorieren oder mit einer Hand- bewegung abtun soll. Der gestrige Tag bedeutet ein Menetekel für die Justiz, und nicht allein für die Justiz in Oesterreich. Dieser vulkanische Ausbruch sollte auch der deutschen Justiz und ihren berufenen Hütern zeigen, wohin es führt, wenn die arbeitende Bevölkerung eines Landes ihr innerstes und heiligstes Rechtsempfinden von einer verständnislosen Rechtsprechung täglich mit Füßen ge- treten sieht. Gerade unsere rechtsgerichteten Gegner stellen sich und anderen die Arbeiterschaft mit Vorliebe als eine materia- listische, nur von niedersten Instinkten getriebene Masse dar. In ihrem Ringen und Aufbäumen sehen sie nichts weiter, als Begehrlichkeit imd Reib auf die Bessörgestellteb. Die Wiener Tumulte aber höben mrt Brotsrogel, nichts zu tun. Rur weil die ganze Masse der sozialistischen Arbeiterschaft sich in ihrem Rechtsgefühl verletzt fühlte, konnte in ihr jene a l l g e- meine Empörung entstehen, der ein Teil von ihr auf gewaltsame Weise Ausdruck verliehen hat. Das Rechtsgefiihl eines Volkes ist sein höchstes sitt- liches Gut. Letzten Endes tragen die moralische Berank- wortung für Borgänge, wie die gestrigen, die Kreise, die höhnend und stolz geglaubt haben, daß richterliche Unabhän- gigkeit und Unabsetzbarkeit auf die Dauer mit dem Rechts- empfinden des Volkes Schindluder treiben könnten. Je drin- gender wir wünschen und je mehr wir bereit sind, was an uns liegt, zu tun. daß sich die Wiener Vorgänge nicht eines Tages in Berlin oder anderswo in Deutschland wiederholen, desto dringender fordern wir, daß die unge- heure Warnung, die in diesen Vorgängen liegt, rechtzeitig in Deutschland beachtet wird. Schließlich war es der deutsche Philosoph I m m a- n u e l K a n t, der den Satz geprägt hat. daß ohne Gerechtig- keit das Leben wertlos sei. Das gilt für Einzelmenschen, das gilt für Völker. Gewiß,' Unrecht wird nicht durch Unrecht aus der Welt geschafft. Aber das gilt auch von der Justiz selbst. Fügt sie zum Unrecht der Tat das Unrecht des Urteils, so gibt sie dem Fluch der bösen Tat Macht, die fortzeugend Böses ge- bären muß. vie Lüge üer �Notwehr�. Aus der Anklagerede des Wiener Staatsanwalts. In der Hugenbergschen Nachtausgabe wird in«wem Bericht aus Wien die Vorgeschichte der gestrigen Unruhen mit folgendem Satz geschildert: „Zehn Tage lang hatte die sozialistische Presse von„Arbeiter- mördern" gesprochen, weil Frontkämpfer in der Notwehr non der Waste Gebrauch gemacht hatten. Gestern nacht waren sie freigesprochen worden." Diese Darstellung ist eine grobe Irreführung, die aller- dings durchaus dem verlogenen System eMspricht, nach dem auch bei uns die schwarzweißroten Mörder von Republikanern von der nationalistischen Presse in Schutz genommen und von den Gerichten sodann freigesprochen werden. Dog bei den schießlüsterncn„Frontkämpfern" in Schatten- dorf von Notwehr keine Rede sein konnte, ergibt sich klar aus den Ausführungen des Staatsanwaltes, Hofrat Dr. S a ch e r. in feinem Plädoyer am Schluß der mehrtägigen Prozeßoerhandlungen. . Der Anklagevertreter führt« am Schluß feiner Red« u. a. aus? „Es find Ihnen, Meine Herren Geschworenen, auch Fragen ge- stellt worden, ob die Angeklagten in einer Art von ltlotwehr gehandelt haben. Da muß man sich fragen, ob in dem Augenblick, wo die Tat einsetzte, überhaupt ein Angriff erfolgte. Da ist zu lagen, daß von einem Angriff überhaupt nicht die Rede sein kann. Selbst«ine Demonstration, mag sie auch noch so scharf sein, mögen auch noch so scharfe Schimpfwort« fallen, ist kein An- » r i f f. Aber die Situation w ir- g a n z anders. Die Schutzbündler waren durch die ersten Schiisie bereits in V c r � w i r r u n g gekommen, und es war ein A u s lauf entstanden. Feuilleton flehe 2. Lette der 1. Vellage. Da gab es Schreie und Sleinwürfc, die die Folge de,»ustrrtens der Angeklagten waren und nicht ihre Ursache! Nun die Frage, ob die Angeklagten sich in dem Irrtum befanden, sie müßten sich wehren. Der Kommandant der Frontkämpfer ist nach Rohr- buch gegangen; das hätte er bestimmt nicht getan, wenn er befürchtet hätte, daß es zu etwas kommt. Die Front- kämpfer sind ruhig im Zimmer gesessen und haben Karten gespielt. Und die Angeklagten haben von einem vcrgilierten Fenster aus geschossen, durch eine verschlossene Tür, vor Angrissen geschützt. Ein Schritt vom Fenster weg hätte sie in absolute Sicherheit gebracht! Auch der Irrtum, es seien die Freunde im Gastzimmer bedroht gewesen, kann nicht vorgeherrscht hoben. Das Tor war nicht angegriffen, und dorthin wurde auch nicht geschossen! Das Verhalten der Schutzbündler war gewiß nicht einwandfrei, es war provokant, aber das war kein Grundzum Schietzen. Die Rechlseriigung der Angeklagten anzuerkennen hieße sür solche Fälle das Recht vollständig ausheben. Ich habe den Lauf der Verhandlung mit großer Spannung verfolgt und selbst den Wunsch gehegt, die Beweisergebnisse mögen Veranlassung geben, von meiner ursprünglich hart scheinenden Anklage ab- zugehen. Aber ich habe nichts gefunden, was einen solchen «chrstt rechtfertigen würde. Deswegen muß ich Sie bitten, sprechen Sie, mein« Herren Geschworenen, die Angeklagten schuldig." Es ist also der Staatsanwalt selber, der ein freisprechendes Ilr. teil wie es dos Schwurgericht nachher gefällt hat— als eine „völlige Aufhebung des Rechts" im voraus bezeichnet hat. Ist es ein Wunder, daß diese Rechtsverneinung nunmehr von den republikanischen Massen Wiens mst heller Empörung auf- genommen wurde? Ebenso selbstverständlich ist es allerdings, daß man die Hugen- brrgpresse auf der Seite derer findet, die eine völlige Rechtsauf- Hebung zugunsten reaktionärer Mörder gutheißen. Das Reichsschulgesetz. Ciite vcrfnssungsanderndc Vorlage.— Kampfansage der Bolkspartei. Die Reichsregierung hat nun endlich den so lange um- strittenen Entwurf eines Reichsschulgesetzes veröffent- licht. Wir geben ihn im Wortlaut wieder, weil weiteste Kreise des deutschen Volkes ein brennendes Interesse daran haben, zu erfahren, welches die wahren Absichten des Bürgerblocks bei diesem Gesetz sind. Schon in seiner Bezeichnung als Gesetz „zur Ausführung der Reichsverfassung" stellt es einen Irr- tum, wenn nicht eine Irreführung dar. Den Boden der G e- m e i n s ch a f t s s ch u l e. der im ersten Reichsschulgcsetzent- wurf beschritten worden war, hat man bewußt verlassen. Die Bekenntnisschule erhält den Vorrang vor allen übrigen Schularten. Die Gleichberechtigung, die nach außenhin pro- klamiert wird, ist, wie die genaue Lektüre der Vorlage zeigt. tatsächlich n i ch t vorhanden. Der Einfluß der Kirche auf die Schulen ist in weitem Umfange sichergestellt. Die Trennung der Kinder nach Bekenntnissen ist in einem Maße durchge- führt, wie man es vorher auch nach den Ankündigungen kaum erwarten konnte. Dabei trägt der Entwurf alle Spuren eines Kom-- p r o m i s s e s mit den liberalen Anhängern der Simultan- schule. Man will den süddeutschen Staaten wenigstens für- die ersten Jahre größere Bewegungsfreiheit lassen. Dann jedoch sollen die Simultanschulen auch dort, wo sie sich be-- währfhaben, dürch die Bekenntnisschule verdrängt werdendem' Wllttder, daß die beiden' volkspavteilichen Ml- n ist er in der Rechtsregierung in Sorge um die einzige Wahlparole der Deutschen Bolkspartei der Borlage ihre Zustimmung versagt haben. Die Presse bringt dazu bereits ein lebhaftes Echo. So schreibt der volksparteiliche Abgeordnete Buchhorn im„Hannooerscheu Kurie r": „Die Schule ist dazu da, um das deutsche Volk zusammcnzu- führen, nicht tonsessionell zu zerklüften. Wenn also die„Deutsche Tageszeitung" meint,! daß„es möglich sein müsse, hier noch eine Fassung des Gesetzes zu finden, die zu einer vollen Einigung über diese Restpunkte innerhalb der Koalitionsparteien" führt, so mag sie auf ihre Freunde hinwirken, daß diese einige Pflöcke zurück- stecken. Denn die Deutsche Volkspartei wird es nach unserer Kennt- nis der Dinge nicht mit dem Einspruch der beiden Reichs- minister Dr. Stresemann und Dr. C u r t i u s bei der Berod- schiedung der Vorlage im Kabinett bewenden lassen, sondern den Kampf aufnehmen, der ihr vom Zentrum und den Deutschnattonalen aufgezwungen worden ist. Ob der Entwurf ver- fassungsändernden Charakter hat oder nicht, soll vom Reichskabinett ofsengelossen worden sein. Aber nach der Ansicht der Deutschen Volkspartei, der zweifelsohne auch die Demokraten und die Sozialdemokraten beitreten werden, wird sich für die Annahme des Entwurfs im Parlament eine Zweidrittelmehrheit nicht umgehen lassen." Unter dem Titel„Das Geheimnis des Reichsschulgesetzes" betont die„Kölnische Zeitung", daß in den Beratungen der Kabinettsmitglieder und der Sachverständigen der Fraktionen unzweideutig die weltanschaulichen Gegensätze über das Schulproblem zum Ausdruck gekommen seien. Das volksparteiliche Blatt wendet sich dann gegen die Versuche der Berliner Rechtspresse, die Paragraphen 146 und 174 der Reichsverfassung über die Schaffung des Reichsschul- gesetzes im Sinne der Zentrumsforderungen umzubiegen. Ehe man sich nicht von den parteipolitischen Nebenabsichten frei- zumachen vermag, und ehe man nicht die Verfassung hin- nimmt, wie sie von der Nationaloersammlung nach Sinn und Ziel geschaffen worden ist, wird auch die Kritik am Reichs- schulgesetz infolge Mangels an einem zuverlässigen objektiven Maßstab in die Irre gehen müssen. Die Fraktionen, so schließt die„Kölnische Zeitung" ihre Betrachtungen, legen aus jeden Fall Wert darauf, sich ihre völlig freie Stellungnahme und Entscheidung vorzubehalten. Bleibt die Volkspartei bei ihrer Haltung, so wird für das Reichsschulgesetz ohnedies im Reichstag keine Mehrheit zu finden sein. Das wissen sicherlich auch die Deutsch- n a t i o n a l e n, die trotzdem dem Entwurf zugestimmt haben. Das Zentrum fordert eben die Gegenleistungen für seine Zoll- Zugeständnisse an den Großgrundbesitz. Es bat feinen Schein. Ob er je eingelöst werden wird, ist fraglich. Jedenfalls werden die Oppositionsparteien und an ihrer Spitze die Sozialdemo- kratie alles tun. um zu verhindern, daß die Vorlage in dieser Form zum Gesetz wird._ Der Oberreichsanwalt hat wegen eines Artikels im komnru- nistischsn„Echo des Ostens" nicht--nur gegen den oerantwnrt- lirl'e» Redottenr des B'ottes, sondern auch gegen den Geschäfts- fuhrcr der Königsberger P e u vo g> Druckerei Untersuchung ein- geleitet, eine gairz willkürstche Maßnahme, die einen Sinn nur haben kann, wenn man die Justiz zu politischen Zwecken miß- braucht. Der Entwurf des Reichsschulgesetzes. Die Vorlage des Rechtsblocks. Die vom Kabinett verabschiedete Schulvorlage führt den beschei denen Namen Entwurf eines Gesezes zur Ausfüh rung der Artikel 146 Abs. 2 und 149 der Reichsver fassung und hat den folgenden Wortlaut: Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, das mit Zustimmung des Reichsrats hiermit verkündet wird. I. Abschnitt. Aufgaben, Formen und Kennzeichen der deutschen Volksschule. § 1. Aufgabe und Ziel der deutschen Volksschule. Alle deutschen Volksschulen haben die gemeinsame Aufgabe, die schulpflichtige Jugend durch Unterricht auf der Grundlage des deutschen Kulturguts zu förperlicher und geistiger Tüchtigkeit heranzubilden und sie in Unterstügung, Er gänzung und Fortführung der elterlichen Erziehung zu fittlich wertvollen Menschen und zu Staatsbürgern zu erziehen, die fähig und bereit sind, der deutschen Volksgemeinschaft zu dienen. Die besonderen Aufgaben, die einzelne Schulformen (§ 2) nach den Bestimmungen dieses Gesetzes erfüllen, bleiben hier durch unberührt. In allen Volksschulen ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die Empfindungen Andersdenkender nicht verlegt werden( Artikel 148 Abs. 2 RV.). RB. § 2. Die Formen der deutschen Volksschule. Es gibt folgende Formen, der deutschen Volksschule: a) die nach Bekenntnissen nicht getrennte Boltsschule ( Gemeinschaftsschule), b) die Bekenntnisschule, II. Abschnitt. Einrichtung und Umwandlung der Schulformen. § 6. Begriff der Gemeinde. Unter Gemeinden im Sinne des Artikels 146 RB. und im Sinne dieses Gesetzes sind die öffentlichen Verbände zu verstehen, die zur Errichtung und Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen für die ihnen zugewiesenen Einwohner bestimmt sind. § 7. Das Antragsrecht. Innerhalb einer Gemeinde ist zur Stellung eines An= trags auf Einrichtung der in§ 2 genannten Schulformen oder auf Umwandlung einer Schulform in eine andere je der deutsche Reichsangehörige berechtigt, dem die Sorge für die Kindes zusteht. Das Antragsrecht ruht, folange der Antrags Perfon eines volksschulpflichtigen und die Volksschule besuchenden berechtigte geschäftsunfähig oder nur beschränkt geschäftsfähig ist oder sich nicht im Befihe der bürgerlichen Ehrenrechte befindet. Steht Eltern die Sorge für die Person des Kindes zu, so genügt es, wenn der Antrag von dem einen Elternteile gestellt wird, es sei denn, daß der andere Elternteil ausdrücklich widerspricht. In diesem Falle kann die Vermittlung oder Entscheidung des Vormundschaftsgerichts beantragt werden. Auf dessen Verfahren findet § 2 2bf. 3 des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung vom 15. Juli 1921( Reichsgesehblatt S. 939) Anwendung. Steht die Sorge für die Person des Kindes neben anderen Bersonen einem Vormund oder einem Pfleger zu, so gilt im Falle einer Meinungsverschiedenheit zwischen Bater oder Mutter einerseits und Vormund oder Pfleger andererseits der Grundsatz des§ 3 Abs. 1 des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung. Die Länder sind befugt, in besonderen Fällen auch solchen Ber figen, das Recht zur Stellung von Anträgen zuzuerkennen. Das Antragsrecht tann nur in der Gemeinde ausgeübt werden, in der das Kind die Volksschule besucht. c) die bekenntnisfreie Schule( weltliche oder Weltansonen, welche die deutsche Reichsangehörigkeit nicht be schaungsschule). Diefen Schulformen ist unbeschadet des Artikels 146 Abs. 1 im Rahmen der Bestimmungen dieses Gesetzes freie Ent wicklungsmöglichkeit zu geben. Die Landesgesetzgebung fann Bestimmungen treffen über die berechtigten auf, die Vorstände von Erziehungsanstalten und solche Personen, die fremde Rinder in Pflege haben. § 3. Die nach Bekenntnissen nicht getrennte Volksschule( Gemein- ebertragung des Antragsrechts der Erziehungsschaftsschule). Die Gemeinschaftsschule steht grundsäßlich allen Dolfsschulpflichtigen Kindern offen. Sie erfüllt die Unterrichts- und Erziehungsaufgaben der deutschen Volksschule auf religiös- fittlicher Grundlage ohne Rücksicht auf die Besonderheiten einzelner Bekenntnisse und Weltanschauun gen. Die aus dem Christentum erwachsenen Werte der deutschen Volkskultur sind im Unterricht und in der Erziehung lebendig zu machen. Der Religionsunterricht ist für alle Klaffen ordentliches Lehr fach. Er wird nach Bekenntnissen getrennt erteilt. Bei der Anstellung der Lehrer ist die Gliederung der Schüler nach Bekenntnis und Weltanschauung tunlichst zu berüdfichtigen. § 4. Die Bekenntnisfoule. Boraussetzung für die Einrichtung einer Boltsschule eines bestimmten Bekenntnisses( Be tenntnisschule) ist, daß für die gemeinschaftliche Pflege dieses Bekenntnisses eine Religions. gefellschaft besteht, melche die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts befißt( Artikel 137 Abs. 5 RV). Die Bekenntnisschule dient zur Aufnahme von Kindern eines bestimmten Bekenntnisses, sowie von Kindern eines vermandten Bekenntnisses( Abf. 8); doch fönnen aus besonderen Gründen auch andere Kinder eingeschult werden. Durch die Auf nehme folcher Kinder verliert die Schule nicht den Charakter als Bekenntnisschule. 1903 Die Bekenntnisschule wird nach dem Befenntnis näher bes zeichnet als evangelische, fatholische, jüdische Volfs schule. Sie erfüllt die Unterrichts- und Erziehungsaufgaben der deutschen Volksschule gemäß dem Glauben, in dem die Kinder erzogen werden. Lehrpläne, Lehr- und Cernbücher find der Eigenart der Schule anzupassen. Im Leben der Schule sind, unbeschadet der Bestimmungen der Artikel 136 Abs. 4 und 149 Abs. 2 der Reichsverfassung, die dem Bekenntnis eigenen religiöfen Uebungen und Gebräuche zu pflegen und die dem Bekenntnis eigenen Feier. und Gedenktage zu berücksichtigen. Der Religionsunterricht ist für alle Klaffen orden tliches Lehrfach. Un der Bekenntnisschule dürfen( abgesehen von den Ausnahmen der Abfäße 6 und 7) nur solche Lehrkräfte hauptamtlich angestellt werden, die dem Bekenntnis der Kinder, für welche die Schule bestimmt ist, oder einem verwandten Bekenntnis angehören. Vorübergehende Berwendung anderer Lehrkräfte ist aus besonderen Gründen zulässig. Zur Erteilung von gesondertem Religionsunterricht an Kinder eines Minderheits befenntnisses(§ 14 Abs. 2) fann eine dem Minderheitsbekenntnis angehörige Lehrkraft angestellt werden, wenn die Beschaffung dieses Unterrichts auf andere Weise nicht möglich ist. Diese Lehrkraft kann auch mit anderem Unterricht betraut werden. Die Vorschrift des Absatzes 5 Satz 1 bezieht sich nicht auf diejenigen Lehrkräfte, die zur Erteilung des technischen Unterrichts verwendet werden. Bekenntnisse sind verwandt, wenn die obersten Stellen der zuständigen Religionsgesellschaften dies gegenseitig anertennen. § 5. Die bekenntnisfreie Schule( weltliche oder Weltanschauungsschule). Die bekenntnisfreie Schule ist für solche Kinder bestimmt, die feinem Bekenntnis angehören oder, soweit sie einem Bekenntnis angehören, nach dem Willen der Erziehungsberechtigten nom Religionsunterricht abgemeldet sind und nicht an einer Gemeinschafts- und Bekenntnisschule erzogen werden sollen. Sie steht jedoch aus besonderen Gründen auch anderen Kindern offen. Durch die Aufnahme folcher Kinder verliert die Schule ihren Charakter als bekenntnisfreie Schule nicht. Sie erfüllt die Unterrichts- und Erziehungsaufgaben der deutschen Volksschule auf allgemein fittlicher Grundlage ohne bekenntnismäßige oder weltanschauliche Bindung. Religionsunterricht wird nicht erteilt. § 8. Voraussetzungen des Antrags. Ein Antrag muß von den Erziehungsberechtigten von mindestens 40 schulpflichtigen Kindern gestellt werden. Sind in einer Gemeinde weniger als 200 schulpflichtige Kinder vorhanden, so fann nach näherer Bestimmung des Landesrechts von diesem Erfordernis abgesehen werden. § 9. Bollzug des Antrags auf Einrichtung von Bolfsschulen. Einem vorschriftsmäßig gestellten Antrag auf Einrichtung einer der in§ 2 genannten Schulformen ist stattzugeben, wenn die beantragte Schulform nicht oder nicht in einer ausreichenden Anzahl in der Gemeinde vertreten ist, und wenn die einzurichtende Schule. einen geordneten Schulbetrieb auch im Sinne von Artifel 146 Abs. 1 RB. gewährleistet. Ein geordneter Schulbetrieb ist gewährleistet, menn a) die in§ 1 Abs. 1 und 2 aufgestellten Bildungsziele erreicht werden können; b) die Schule nach Aufbau und Zahl der Klassen und Unterrichtsabteilungen nicht hinter derjenigen Mindest= höhe der Organisation, zurückbleibt, die am 1. Januar 1927 in der Gemeinde rechtlich zulässig war. In Ausnahmefällen fimb gume Schuhe von Minderheiten von Erziehungsberechtigten nady näherer Bestimmung der Länder Abweichungen von der Bestimmung b) zuzulaffen. § 10. Bollzug des Antrags auf Umwandlung von Schulformen. Einem rechtsgültig gestellten Antrag auf Umwandlung einer Schulform in eine andere ist stattzugeben, wenn die Erziehungsberechtigten von wenigstens zwei Dritteln der die Schule besuchenden Kinder sich dafür aussprechen. § 11. Anfechtung der Entscheidung. Die Entscheidung über einen Antrag ist nach näherer Beftimmung des Landesrechis in einem verwaltungsgerichtlichen Berfahren anfechtbar. Gegen die Entscheidung des Berwaltungsgerichts findet die Rechtsbeschwerde an dem Reichsverwaltungsgerichte nach Maßgabe eines besonderen Reichsgesetzes statt: Bis zum Erlaß diefes Gesetzes steht die Entscheidung im letzten Rechtszug den obersten Verwaltungsgerichten der Länder zu. § 12. Zeitpunkt für die Stellung von Anträgen. Anträge gemäß§ 5 Abs. 3 und§ 7 fönnen jederzeit gestellt werden. Ein rechtswirksam abgelehnter Antrag fann frühestens nach drei Jahren wiederholt werden, es sei denn, daß wesentliche Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung der Gemeinde eingetreten sind. III. Abschnitt. Schulaufsicht und Schulverwaltung. § 13. Die Aufsicht über alle Volksschulen führt der Staat. Bei der Besetzung der Stellen der unmittelbaren fachmännisch vorgebildeten Schulaufsichtsbeamten ist auf die Art der ihnen unterstellten Schulen Rücksicht zu nehmen. In die örtlichen Schulverwaltungskörper, denen Schulen unterstehen, an welchen Religionsunterricht ordentliches Lehrfach ist, ist je ein Vertreter der entsprechenden Religionsgesellschaft( evangelischer Pfarrer, katholischer Pfarrer, Rabbiner) mit Sig und Stimme aufzunehmen. Den Bertreter der Religionsgesellschaft beruft die Schulauffichtsbehörde auf Borschlag der betreffenden Religionsgesellschaft. Im Falle des§ 5 Abs. 3 ist entsprechend zu verfahren. IV. Abschnitt. Der Religionsunterricht in den Boltsschulen. § 14. Allgemeines. Der Religionsunterricht wird von einem Angehörigen der betreffenden Religionsgesellschaft in Uebereinstimmung mit ihren Grundsäßen unbeschadet des Aufsichtsrechts des Staates erteilt. Be fenntnisverwandte können zur Erteilung des Religionsunterrichts zugelassen werden. An der bekenntnisfreien Schule ist als ordentliches Lehrfach Unterricht in einer bestimmten Weltanschauung In den Gemeinschafts- und Bekenntnisschulen zu erteilen und auch im übrigen Unterricht auf diese Weltanschauung Rücksicht zu nehmen, wenn für die Pflege dieser Weltanschauung eine ist für Bekenntnisminderheiten Religionsunterricht als ordent Vereinigung besteht, der die Rechte einer Körperschaft des öffentliches Lehrfach einzurichten, wenn durchschnittlich min. lichen Rechts gemäß Artikel 137. Abf. 7 der Reichsverfassung gewährt beftens 12 Kinder des betreffenden Minderheitsbekenntnisses find, und wenn die Erziehungsberechtigten von wenigstens zwei in der Schule vorhanden sind, die am Religionsunterricht teil: Dritteln der die Schule besuchenden Kinder dies beantragen. Zur Teilnahme an dem besonderen Weltanschauungsunterrichte fann tein Kind gegen den Willen der Erziehungsberechtigten gezwungen werden. An der bekenntnisfreien Schule können Angehörige jebes Bekenntnisses sowie Bekenntnislofe als Lehrer angestellt werden. Lehrer, welche die Voraussetzung für die Anstellung an einer Belenntnisschule erfüllen, dürfen nicht gegen ihren Willen an einer befenntnisfreien Schule verwendet werden. Bei nur vorübergehender Verwendung find Ausnahmen aus besonderen Gründen zulässig. Im Falle des Absages 3 ft bei der Anstellung der Lehrer die weltanschauliche Gliederung ber Schüler tumlichst zu berüdfichtigen, nehmen. den Religionsunterricht werden im Einvernehmen mit der ReligionsDie Bestimmungen über Lehrplan, Lehr- und Lernbücher für gesellschaft erlassen. Auch bei der Festlegung der Bahl ber biefem Unterrichte zur Verfügung stehenden Wochenstunden wirkt die Religionsgesellschaft mit. § 15. Privater Religionsunterricht. reitzustellen. Die meiteren Voraussetzungen und den Umfang der Bereitstellung bestimmt das Landesrecht. Für Kinder, die einem Bekenntnis angehören und eine bekennt nis freie Schule besuchen, ist auf Wunsch der Erziehungsberechtigten in gleicher Weise ein privater Religionsunterricht zu ermöglichen, es sei denn, daß innerhalb der Gemeinde die Möglichteit zum Besuche des Religionsunterrichts in ihrem Bekenntnis an einer Gemeinschafts- oder Bekenntnisschule besteht. § 16. Einsichtnahme in den Religionsunterricht. Zur Einsichtnahme in den Religionsunterricht bestellt ter Staat im Schulmesen erfahrene Beauftragte, die von der Remerden. ligionsgesellschaft vorgeschlagen Den obersten Stellen der Religionsgesellschaften ist Gelegenheit zu geben, sich davon zu überzeugen, ob der Religionsunterricht in lleber einstimmung mit den Grundsägen der Religionsgesellschaft erteilt V. Abschnitt. Rechtsmittel. wird. § 17. Entscheidungen von Behörden, durch die Rechte non Erziehungsberechtigten berührt werden, die ihnen auf Grund der Reichsperdes Landesrechts im Wege eines vermaltungsgerichtlichen Berfah fassung oder dieses Gesezes zustehen, sind nach näherer Bestimmung rens anfechtbar.§ 11 2b. 2 findet Anwendung. VI. Abschnitt. Uebergangs- und Schlußbestimmungen. § 18. Charakter der bestehenden Schulformen. Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes bestehenden, nach Bekenntnissen nicht getrennten Boltsschulen mit Religionsunterricht gelten als Gemeinschaftsschulen im Sinne des§ 3. Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes bestehenden evangelischen, fatholischen und jüdischen Volksschulen gelten als Bekenntnis. chulen im Sinne des§ 4. Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes bestehenden Volks schulen ohne Religionsunterricht( Sammelschulen) gelten als bekenntnisfreie Schulen im Sinne des§ 5 Abs. 1 und 2. Sämtliche bei Inkrafttreten dieses Gesetzes bestehenden Schulen( Abs. 1 bis 3) gelten in ihrer Schulform als beantragt im Sinne des§ 7, wenn nicht rechtsgültige Anträge auf andere Schulformen gestellt werden. Die bestehenden, als beantragt geltenden Schulen sind unverzüglich in Uebereinstimmung mit den Vorschriften der§§ 3 bis 5 zu bringen, sofern sie diesen noch nicht entsprechen. § 19. Bollzug des Gesetzes. Die Länder haben die zur Ausführung dieses Gesezes ers forderlichen Vorschriften so rechtzeitig zu erlassen, daß spätestens zwei Jahre nach seiner Verfündung mit der Durchführung begonnen werden kann. § 20. Gebiete des Reichs, die nach Artikel 174 der Reichsverfaffung besonders zu berüdfichtigen find. In den Ländern Baden und Hessen sowie in dem che maligen Herzogtum Nassau tritt das Gesetz erst 5 Jahre nach einer Verkündung in Kraft. Für diese Gebiete bleibt die Zulassung von Ausnahmen von der Bestimmung des§ 9 Abs. 2 letter Sah auf meitere 5 Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes dem Landesrecht überlassen. Zum Verfassungstag. Verfassungsfeiern in Fach- und Berufsschulen. a u s. Für die Schulfeiern zum Verfassungstage hat der preußische. Fandelsminister, angeordnet, daß in den Fachschulen gemeinsame verbindliche Feiern für Lehrer und Schüler mit einer der Bedeu tung des Tages entsprechenden Ansprache, unh möglichst auch mit mufifalischen und sonstigen Darbietungen, wie Sprechchören, Auf führungen usw., zu veranstalten sind. Der Unterricht fällt In den Berufsschulen sind gemeinsame Feiern ebenso zu veranstalten oder, wo dies nicht durchführbar ist, gemeinsame Feiern für die Klassen, die am Verfassungstage Unterricht haben, für die anderen Klassen am nächsten Unterrichtstage in der ersten Unter richtsstunde, oder, wenn der Verfassungstag in die Schulferien fällt, entsprechend nach Wiederbeginn des Unterrichts. Außerdem sollen andere Veranstaltungen festlicher Art, wie Ausflüge, turnerische oder sportliche Borführungen und dergleichen, abgehalten werden. Die Feiern haben den Zweck, den Gedanken des Bolts. staats der Jugend verständlich, lebendig und wertvoll zu machen. Sie dürfen nicht für parteipolitische Zwecke ausgenutzt werden. Es ist Wert darauf zu legen, daß die Jugend angehalten wird, auch dem Hoheitszeichen der Republif die gebührende Ach tung und Ehrerbietung zu erweisen. Es sollen der Jugend über den bürgerkundlichen Unterricht hinaus nachhaltige Eindrücke, vermittelt werden, die geeignet sind, die jungen Menschen innerlich mit dem Staate zu verbinden, dessen Träger sie in Zukunft sein sollen. * Der Deutsche Republikanische Reichsbund teilt mit: Der engere Vorstand des Deutschen Republikanischen Reichsbundes hat in seiner letzten Sigung seinem tiefen Bedauern darüber Ausdrud gegeben, daß in diesem Jahre eine reichsgefehliche Regelung des Verfassungstages noch nicht gelungen ist. Der Borstand erwartet von allen, feinen Mitgliedern und Freunden, daß sie sich restlos an den in Stadt und Land stattfindenden Verfassungs feiern beteiligen bzw. dabei mitwirken, damit auch in diesem Jahre die Bedeutung des 11. Auguft entsprechend zum Ausdrud tommt. Thüringen und der Verfassungstag. Was tun die Demokraten? Weimar, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bekanntlich hat der Bertreter Thüringens im Reichsrat gegen die Einführung des 11. August als Nationalfeiertag geftimmt. Die thüringische Regierung hat ihren Standpunkt durch eine gemundene Erklärung der Bevölkerung flarzumachen versucht, aber selbst die Gesinnungsfreunde der demokratischen Mitglieder des Kabinetts sind nicht von der Richtigkeit des thüringischen Standpunktes überzeugt gewesen, In der demokratischen Presse des Landes sind zahlreiche Stimmen des Unmuts über die schwächliche Haltung der demokratischen Regierungsmitglieder in dieser Frage laut geworden. Der Hauptunumwunden den Austritt der beiden demokratisch cit schriftleite: der Sonneberger Zeitung", Dr. Feddersen, fordert Bertreter in der Regierung. Wie tief die Krise innerhalb der zahlenmäßig nicht bedeutenden, aber bei den Mehrheitsverhältnissen Thüringens ausschlaggebenden Partei ist, erhellt aus der Tatsache, daß einer der demokratischen Staatsräte, der Enndifus Glödner aus Sonneberg, gegenüber Falls in einer Gemeinschafts- oder Bekenntnisschule für die Bekenntnisminderheit wegen zu geringer Schülerzahl Religions: Feddersen erklärte, die Demofroten fonnten doch keinem Bhantom nachjagen. Die Parteileitung der DDP. weiß ihre Mitglieder unterricht nicht erteilt wird, sind auf Wunsch der Erziehungsberech tigten zur Ermöglichung eines privaten Religionsunterrichts Schul nur mit der Mitteilung zu beruhigen, daß die Instanzen der Partei räume nebft Heizung und Beleuchtung unentgeltlich bezu dem Konflitt noch in diesen Tagen sprechen würden. Die Tätigkeit des JGB. Der Bericht an den Internationalen Kongreh. 3um Internationalen Gewerkschaftstongreß in Paris veröffentlicht der Internationale Gewerkschaftsbund einen ausführ lichen Tätigkeitsbericht. Aus ihm geht hervor, daß infolge des Rüdgangs der Mitgliederzahlen in den angeschlosse nen Organisationen dem JGB. finanzielle Schwierigkeiten entstanden sind. Bemerkenswert ist allerdings, daß der Eingang aus Mitgliedsbeiträgen seit 1923 stieg, obwohl die Mitgliederzahlen zurückgegangen sind. Während im Jahre 1922 bei einem Mitgliederstand von rund 22 700 000 nur etwas über 100 000 Gulden an Mitgliedsbeiträgen eingingen, find im Jahre 1924 bei einem Bestande von 13 133 000 Mitgliedern 168 504 holländische Gulden an Beiträgen eingegangen. Im Jahre 1925 gingen allerdings um rund 4000 Gulden weniger Mitgliedsbeiträge ein, obwohl der Mitgliederbestand um rund 233 000 zugenommen hatte. Diese Schwankungen erflären sich aus den Inflationserschei nungen. Daher fommt es auch, daß im Jahre 1922 nur 90 000 Guíden und im Jahre 1923 jogar nur 77 000 Gulden an Mitgliedsbei trägen eingingen. Mit der fortschreitenden Stabilisierung der Währungen dürfte hier eine durchgreifende Besserung zu erwarten fein. nicht ausreichen. Wenn man also für die Zukunft mit einer größeren Stabilität der Einnahmen des JGB. rechnen fann, so dürften doch diese Einnahmen, die auf einem Mitgliedsbeitrag von 2 Pf. pro Jahr und Mitglied beruhen, angesichts der wachsenden Aufgaben des JGB. Entweder muß die Tätigkeit des JGB. eingeschränkt werden, oder man muß die Beiträge wesentlich erhöhen. Es ist eine Verschwendung, wenn ein so mich tiger Bericht, wie der über die internationale Wirtschaftslage nicht peröffentlicht werden kann, weil es dazu an den nötigen finanziellen Mitteln fehlte. Gerade in dieser Beziehung muß sich eine falsche Sparjamteit rächen. Es wird zu erwägen sein, ob nicht den Verbänden zu empfehlen wäre, eine internationale Beitragsmarte einzuführen, die sowohl den Beitrag zu den internationalen Berufsfekretariaten, wie den Beitrag des JGB. enthält. Bei den im all gemeinen sehr niedriggehaltenen internationalen Beiträgen dürfte dazu eine Beitragsmarte von 10 Pf. pro Jahr ausreichen. Dieser minimale Beitrag dürfte ohne Schwierigkeiten in den meisten Ländern, besonders aber in den Ländern mit großen Mitgliederzahlen leicht zu erheben sein. Ausführlich beschäftigt sich der Bericht mit dem Verhältnis Amsterdam- Moskau. Alle Versuche, die vom Vorstand und Ausschuß des JGB. gemacht wurden, um die russischen Gewerkschaf ten zum Anschluß zu bewegen, find, wie aus dem veröffentlichten Briefwechsel mit Eindeutigkeit hervorgeht, daran gescheitert, daß die russischen Gewerkschaften nicht dem JGB. beitreten wollen, sondern diesen im bols chemistischen Sinne umgestalten möchten. Der JGB. soll unter Führung Mostaus genau so ein poli. tisches Instrument der bolichemistischen Politit merden, wie die sogenannte Rote Gewerkschaftsinternationale es zu sein versuchte. Allerdings ist nach den gescheiterten Spaltungsversuchen, die nur in einigen Ländern zur Schaffung von bedeutungslosen Orga: isationen führten, die Tätigkeit der sogenannten Roten Gemertschaftsinternationale ziemlich eingeschlafen. Offenbar ist dem Lo. sowski von der herrschenden Clique in Moskau auch der Brotforb höher gehängt worden. Auch der mit soviel. Selbstverleugnung unternommene Bersuch der englischen Gewerkschaften endete, mie vorauszusehen war, mit dem üblichen Entlarvungsmanöper". Da die englischen Ge merkschaften der Auffassung sind, daß sie ihre Kämpfe so zu führen haben, wie sie es für richtig halten und entsprechend den Bes schlüssen der englischen Gewerkschaftsorganisationen, da sie es, zwar sehr höflich, aber nicht weniger bestimmt, ablehnten, in England russische Politik zu treiben, sind sie nunmehr von den russischen Bolschewisten genau so zu„ Verrätern" gestempelt worden, wie es die Gewerkschaften in den anderen Ländern schon vorher maren. Der Internationale Gewerkschaftsfongreß wird in diesem Bunfte nichts anderes tun können, als die Tatsachen zu registrieren. Etwas anderes ist es, wenn es sich um die Gewinnung der amerikanischen, australischen, indischen, finnischen und noch anderen Gewerkschaften handelt. Soweit die merikanischen Gewerkschaften in Frage fommen, scheint durch das selbstherrliche Vorgehen von Brown mehr verdorben als gutgemacht worden zu sein. Jeden falls muß auf die Gewinnung der Gewerkschaften noch nicht angeschlossener Länder mehr 3eit und Arbeit als seither per= wendet werden. Aber auch das ist im wesentlichen eine Finanz frage. J.-S.-J. Die Notlage der Beamten. Unhaltbare Zwischenlösung der Besoldungsreform. Sofort nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Beamtenbesoldungsfrage im Reichstag hat der Allgemeine Deutsche Beamtenbund sich für eine Mobilisierung der 1Interſtügungsfonds eingesetzt. Die Beratungen im Reichsfinanzministerium, bei der Reichspost und der Reichsbahn über die 2 u ss Schüttung von Unterstützungen find nunmehr abgeschlossen| Stimmen im Ortsbereich Berlin 10 500 auf den Einheitsverband und die Richtlinien für die Berteilung vereinbart worden. entfielen. Wie der Reichspóstminister in einem Erlaß an die Oberpostdirektionen bestimmt, jollen die Mittel mit Rücksicht darauf, daß die Besoldungen erst ab 1. Oktober erhöht werden können, in Form von Unterstützungen solchen Beamten zugute. tommen, deren wirtschaftüche Lage in den nächsten Monaten schwierig ist und denen aus laufenden Unterstüßungsmitteln im laufenden Bierteljahr nicht genügend geholfen werden fann. Zu diesen Beamten werden in erster Linie die Beamten der unteren Befol. dungsgruppen( etwa bis einschließlich Gruppe VI), namentlich solche mit großer Kinderzahl, gehören; ihnen werden daher die Unterftügungen im wesentlichen zuzuwenden sein. Der Hinweis, daß der Unterstügungsfonds in erster Linie den unteren Besoldungsgruppen zugute fommen soll, fehlt bei der Reichsbahn. Das ist angesichts der an sich schon überaus mageren Hilfe eine bedauer liche Berschlechterung der Unterstützungsregelung für die Reichsbahn beamten. Im übrigen geht die Regelung bei der Reichsbahn und ebenso bei den Reichsbeamten in ähnlicher Weise wie bei der Post vor sich, das heißt: die Vorgesetzten fuchen sich die Beamten aus, denen eine Unterſtügung zukommen foll. Wir haben also wieder die Unterstüßungsgrundsätze des wil helminischen Systems. Wer oben gut angeschrieben ist, der bekommt etwas; die anderen haben das Nachsehen. Warum hat man nicht, wie es der ADB. gefordert hat, allen Beamten der unteren und mittleren Gruppen ohne besonderen Antrag eine einmalige Unterstügung gemährt? Wenn die Vorgesetzten die Unterstügungsbedürftigen aussuchen, so muß das innerhalb der BeamtenSchaft viel Merger, Verdruß und Verbitterung hervorrufen; denn bei der jegigen Regelung sind ungerechtigteiten nicht zu vermeiden. War es wirklich so völlig unmöglich, allen Beamten der unteren und mittleren Gruppen eine einmalige Unterstügung zu geben? Wenn bei dem Aussuchen der Unterstützungsbedürftigen gerecht und weitherzig verfahren würde, dann wird die Differenz zwischen der Gesamtsumme der ausgeschütteten Unterstützungen und der Summe, die durch eine generelle Unterstützung notwendig gemorden wäre, bestimmt verschwindend klein. Aber eine durchgreifende Unterstügung ist natürlich gar nicht beabsichtigt. Nur einzelne wenige unter den Beamten, vor allem diejenigen, die es verstehen, sich Liebkind zu machen, werden herausgefischt, damit die Beamtenschaft nicht sagen soll, man habe in der Zeit bis zum Herbst für sie überhaupt nichts getan. Glaubt die Reichsregierung, glauben Reichsbahn und Reichspoft mit ein paar Bettelbrocken die Beamtenschaft zu beruhigen? Die Beamten wollen feine Gnadengeschenke, sondern Berbesserung der Bezüge, wie sie ihnen von rechtswegen zusteht. Auch die untere und mittlere Beamtenschaft hat ein Recht zu leben. Wenn man von ihr als selbstverständlich voraussetzt, daß sie im Gegensatz zu den Beamten anderer Länder für die Korruption unzugänglich ist, dann sollten die maßgebenden Stellen auch soviel Noblesse befizen und eine anständige Bezahlung für eine Selbstverständlichkeit halten. Verhandlungen im Kölner Streik. & öln, 15. Juli.( Mtb.) Wie die„ Kölnische Bolkszeitung" meldet, find auf Grund des vom ständigen Schlichter für den Bezirk Rheinland, Oberlandesgerichtsrat Dr. Joetten, beim Reichsarbeitsminifterium geftelten Antrages für Sonnabend 10 Uhr neue Verhandlungen zwischen Urbeitern und Unternehmern der Kölner Metallindustrie anberaumt worden. Diese Verhandlungen werden von einem vom Reichsarbeitsminister beftellten Schlichter durchgeführt werden. Sonderschlichter ist Oberregierungsrat Dr. Claßen vom Reichsarbeitsministerium. Der Eisenbahnerverband in Berlin. Finanzieller Aufstieg und Mitgliedergewinu. Am Donnerstag fand im Gewerkschaftshaus die zweite Quar talsverfammlung des Einheitsverbandes der Eisenbahner bericht ging hervor, daß die Ortsverwaltung nichts unversucht Deutschlands, Ortsgruppe Berlin, statt. Aus dem Geschäfts. gelassen hat, die 2ohn- und Arbeitsverhältnisse der am schlechtesten bezahlten Nicht- Tarifarbeiter, das sind die Zeit- und Aushilfsarbeiter und die Reinemache und Scheuerfrauen, an die der Tarifarbeiter anzugliedern. Für die letzte Gruppe wurde eine vorläufig befriedigende Regelung getroffen, für die Zeitund Aushilfsarbeiter dagegen nicht. = Wenn die Arbeitseinschränkung an den Festtagen deswegen, weil die Dienst vorsteher rücksichtslos jede Arbeitsimmer noch im geringen Umfange durchgeführt wird, so befreiung ablehnten troz Tarifbestimmungen, Verfügungen und wiederholter Anweisungen der Direktion. Daß die neuen Gemeinschaftsordnungen der Gepäckträger nicht im Sinne der von der Ortsverwaltung der Direktion unterbreiteten Verbesserungsvorschläge abgeschlossen wurden, ist ein besonderes Verdienst des gelben Eisenbahnerverbandes. Nach dem Kassenbericht betrug die Gesamteinnahme für die Hauptfasse 45 944,50 M., die der Ortstaffe 28 535,71 M. Ein erfreuliches Zeichen ist das stete Anwachsen des Ortstassenbestandes. Der Zugang an Mitgliedern im Berichtsquartal betrug 682, dem, infolge der großen Fluftuatien, hervorgerufen durch die Personalpolitik der Reichsbahn, ein Abgang von 396 gegenübersteht. Die Ortsgruppe hatte am Quartalsschluß einen Bestand von 6822 Mitgliedern und wird infolge des fortwährenden Ansteigens in fürzester Zeit 7000 überschreiten. In der Diskussion fonnte die Opposition wieder einmal nicht umhin, eine Erklärung abzugeben, nicht für die Entlastung des Kassierers stimmen zu fönnen. Sie begründete ihr Vorgehen damit, daß sie von den wichtigen und einflußreichen Funktionär posten ausgeschaltet sei. Trotzdem aber wurde die Entlastung zum Geschäfts- und Kassenbericht einschließlich der Opposition bei nur einer Stimmenthaltung erteilt. Die vorliegenden Anträge über Arbeitszeit und Dienstdauervorschriften, Besoldungsreform, Ortslohnzulage, Veröffentlichungen, Einstellung und Urlaub und Lohntarifvertrag( Gepäckträger) wurden einstimmig angenommen. Abgelehnt wurde der Antrag auf Beseitigung der Schiedsgerichte bei Lohnstreitigkeiten. Zum Konflikt im Berliner Gastwirtsgewerbe. Am Montag fällt die Entscheidung. Die Funktionärperjammlung des Zentralverbandes der Hotelangestellten, die gestern vormittag im Berliner Gemertschaftshaus zum Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses Stellung nahm, hat ihre Auffassung in einer Entschließung niedergelegt, in der es u. a. heißt, daß der Schiedsspruch ein glatter Fehlspruch sei. Angesichts der Tatsache, daß die Löhne der gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer feit Oktober 1925 feststehen, mußte unbedingt eine Lohnerhöhung herauskommen. Die Versammlung verfennt jedoch andererseits feineswegs, daß die augenblickliche Situation taftisch die denkbar ungünstigste iſt. Die Entschei= dung über den Schiedsspruch wird daher den gastwirtschaftlichen Arbeitnehmern Berlins durch die Urabstimmung am 16., 17. und 18. Juli in den Betrieben überlassen. Falls eine Zweidrittelmehrheit für Ablehnung des Schiedsspruches zustande kommt, ist mit einem Streit der Berliner gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer zu rechnen. Die Abstimmung foll spätestens bis Montag 12 Uhr beendet sein. Die bis dahin nicht eingelaufenen Stimmzettel gelten als Stimmenthaltungen. Schiedsspruch für die Tapetenindustrie. Für Ueberstunden 25 Proz. Zuschlag. In der Streitfache zwischen dem Arbeitgeberverband der papierverarbeitenden Industrien, Fachgruppe Tapeten und Bunt glaspapierfabriken, und dem Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands, dem Zentralverband christlicher Fabrik- und Transportarbeiter über die Höhe des festgesetzten Lohnzuschlages wurde folgender Schiedsspruch gefällt: Der Ueberstundenzuschlag gemäß den Bestimmungen des Reichstarifvertrages für die Tapetenindustrie beträgt 25 Proz. Er gilt nicht bei Arbeiten zum Verschieben von Eisenbahnwagen, soweit die Mehrarbeit zur Bermeidung oder Beseitigung von Berfehrsstockungen oder zur Innehaltung der gefeßlichen Ladefristen notwendig ist und ebenso nicht bei der Beaufsichtigung der vorstehenden Arbeiten. Drohender Winzerstreik in der Pfalz. Neustadt a d. H., 15. Juli,( Mtb.) Der Zentralverband der Landarbeiter hat für Sonntag feine Drtsgruppenvertreter einberufen, um zu der Entscheidung des Landesschlichters, der die Lohnzulage von 1 Pf. für die Stunde im Weinbau nicht für verbindlich erklärt hat, Stellung zu nehmen. Die Verhältnisse zwischen Unternehmern und Arbeitern sind so gespannt, daß ein Winzerstreit nicht ausgeschlossen ist. Der Mannheimer Mühlenarbeiterstreik beigelegt. Mannheim, 15. Juli.( Mtb.) Die Berhandlungen im Lohnstreit der Mühlenarbeiter vor dem Landesschlichter in Karlsruhe haben zu einer Einigung geführt. Die Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen. Achtung, Bauarbeiter! Die Baustelle Reichsstr. 95-99, Ge= meinnügige Wohnungsbau Genoffenschaft, ist für Rotsaschepuzer, Rabigfirma Neufert( Holzmann) wegen nichteinhaltung des Tarifvertrages gesperrt. Baugewerksbund, Fachgruppe Stud- und Gipsbau. Freie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Heute find folgende Beranstal Deutschen Verkehrsbundes: Wanderung nach Biesenthal- Mittelfee. Treffen Jugendabteilung des tungen: Rreis Oberspree: Kreistreffahrt am Fraunsee. 19% Uhr Stettiner Borortbahnhof. Gruppe Landsberger Plaz: Wir fahren mit der Berkehrsbundjugend nach Biesenthal. Jugendabteilung des BeBahnhof. Die Erhöhung der Ortslohnzulage scheiterte an dem waltung. Diese Frage wird aber in fürzester Zeit erneut aufbeharrlichen Widerstand der Reichsbahndirektion und der Hauptver- eibungsarbeiterverbandes: Wanderung nach Tiefensee. Treffen 18 Uhr gerollt werden. In der Frage der Neuregelung der Besoldung für die Gehaltsempfänger fonnten feine Erfolge erzielt werden, obwohl die in Frage fommenden Organisationsinstanzen fein Mittel unversucht ließen. Ein wesentlicher Fortschritt wurde bei den Betriebsrätemahlen erzielt, bei denen von 14 500 abgegebenen Volksbühne Die Komödie Deutsches Theater Bismarck 2414/7516 Theater, Lichtspiele usw. Theater am Blowplatz/ Ende sad 10 Uhr Thalla- Theater Täglich 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht Lustspielhaus 8 Uhr: Die Frau von 40 Jahren Walhalla Theat. Täglich 8, Uhr: Komische Oper 8 Uhr: 8 Uhr: Berlins einzigste Revue: Streng verboten!!! Die Revue der verbotenen Leidenschaften! Ueber 200 Mitwirk. 8 Balletts. Vorverkauf a. d. Theaterkasse ab 10 Uhr ununterbr. Theat. a. Nollendorfplatz| Theater am Kottb. Tor Kurfürst 2091 Nur noch wenige Vorstellungen. Der fröhliche Der stürmische Weinberg Lacherfolg Lustspiel in 3 Akten Der v. Karl Zuckmayer Fußballkönig Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur 60 Pt. Rose- Theater Gartenbühne 5% Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr: Die lustige Witwe 8 Uhr: Vater werden ist nicht schwer Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr: Elite- Sänger Heues Programm Hackepeter zum „, Guten Happen“ Norden 10334-37 U. Ende 10% U. Täglich 8 Uhr: Der keusche Der Hexer Zu ebener Erde Lebemann und erster Stock Sommerpr. 3-10 M. WINTERGARTEN Glenn Ellyn amerik. Tänzerin und die 11 Juli- Novitäten 11 Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet Reichshallen- Theater Gastspiel Dresdner Viktoria- Sänger Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr: Bitte, wer war zuerst da? Lessing- Theater Heute 73 Uhr Premiere Israel Fein, Valentin, Jordan Th. Königgrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Völlig neues Programm! Die Schule v. Uznach Anfang 8. Uhr. Dönhoff- Brett'!: Varieté, Konzert, Tanz Saal und Garten. Etablissement Strauchwiese Inhaber: Wilhelm Lubosch Niederschönhausen, Schloßallee1-2 Jeden Sonntag Neukölln, Hermannstr.160 Riesen- Feuerwerk Tel.: Neukölln 648 [ 37 Konzert Tanz Komödienhaus Norden 6304 8 Uhr: Weiße Fracht GESCHICHTE BENNET Berantwortlich für Politit: Bictor Schiff: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Friz Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Singer u Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". DIE ZEING Das Papier EPARBEITUNG Jahresschau DRESDEN 1.Juni- 30.September 1927 Krokodil- Restaurationsbetrieb Brunnenstraße 17 [ 89 Eigene Schlächterei Kleinen Preisen raschungen. Volksbelustigungen- Kasperle- Theater 174 Großer Mittag- und Abendtisch zu Stimmungsmusik mit groken UeberÖkonom Karl Haase. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108-114 Sonnabend, 16. Juli 1927: Sommernacht der Funkfreunde veranstaltet v. d. Gesellschaft d. Funkfreunde 1000 Mark in bar der schönsten Rundfunkhörerin nach Entscheidung des Publikums InternationaleVarieté- Schau u. Kabarett unter Mitwirkung von Willi Weiß, Karl Jöken( Staatsoper), Käthe König ( Staatsoper) u. Edith Karin. Außerdem: Riesen- Feuerwerk u. Sommernachtsball im Freien und in den Sälen: 4 Kapellen Einlaẞ 4Uhr. Eintritt 1 Mk. Anfang5 Uhr Anmeldung zur Prämiierung am 16. Juli von 4 bis 9 Uhr nachm. a. d. Tageskasse. Vorverkauf der Karten in den Warenhäusern A. Wertheim und H. Tietz, Neue Welt, sowie Gesellschaft der Funkfreunde, Am Weidendamm 1a, Freikarten aufgehoben. Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und trotzdem billig! üt. 334 ♦ 44.7ol»t0(M«j ÖC0 ÖOÜtDOttd Soi»>»be»S, 1».?ull I»27 Rund um öen plessower See. Schön ist's in Werd«r am Wochentag, ober wer Hot dann Zeit? Sedoch gibt es Mittel und Weg«— Wege im wahrsten Sinne des Wortes—, um auch am Sonntag Werder und seine Schönheit zu genießen, ohne von den Massen gestört zu werden, die da glauben, Freuds und Erholung uns mit Rrach und Lärm verleiden zu müssen. Dom Bahnhof Werder geht man die Straße, die parallel zur Bahn führt, entlang und dann rechts ab über die Bahn- Überführung auf die Chaussee nach Phöben, die von Autos nicht wesentlich belästigt wird. Nach kurzer Wanderung hat man die Häuser hinter sich und ein Rückblick auf die zur Magdeburger Bahn abfallenden, reich mit Obstbäumen bestellten Nordhänge der Derderschcn Berge ist lohnend. Man geht gen Phöben etwa eine Stunde. Zur Rechten hat man Obstsiedlung an Siedlung und darüber hinaus das Wasser des kleinen Icrnfees. Diese Siedlungen sind erst nach dem Kriege entstanden und umfangreiche Waldungen haben ihnen weichen müssen. Es ist sehr interessant festzustellen, wie sich hier und rings um Werder, angeregt durch das Werderfche Beispiel, die kleine Obstsiedlung ausdehnt. Auch in nächster Nähe des Dorfe» Phöben, geologisch berühmt durch seine Tongruben, hat man zur Rechten d-n Wald abgeholzt und Obstgärten angelegt. Bon Phöben kann man sich nun auch nach Alt-Töplitz übersetzen lasten, um von dort über Grube und Bornim nach Polsdam zu gehen. Diesmal aber geht es in umgekehrter Richtung. Dicht bei dem Dorf erheben sich die Berge der Phöbener Heide, die zu besteigen sich lohnt. Bon der höhe hat man einen überraschend schönen Blick auf die weite Niederung mit dem an wolkenlosem Tag tiefblauen Band der Heimat- lichcn Havel. Im Hintergrund die Türme von Potsdam, zur Linken di« erheblichen höhen der Göher Berge, die den Anblick der Türme von Brandenburg verdecken. Man geht, und muß sich daher ein wenig von seinem Richtungsgefühl leiten lassen, den Höhenrücken gen Süden entlang, durchschreitet eine Einsattelung und kommt abermals auf eine höhe, die wieder eine neue Ueberrafchung birgt. Zu Füßen ein langgestreckter See, der P l e s s o w e r, umrahmt von den Werder- scheu. Glindower und Plötziner Obstbergen. In kurzem ist man in dem Sulsdorf Semnih, an dem die Magdeburger Züge vorbeirauschen und das mit dem Schloß derer von Brietzke und mit bescheidenem Kirchlein ein freundliches, bisher kaum noch von Auto- und Touristen- lärm gestörtes Idyll ist. Nun wandert man auf ebenen Wegen um das Nordende de» Plestower See» herum und steht, nach einer guten halben Stunde völlig überrascht vor einem verfallenen hau», der Schlohruine Jolchow. Bor dem Krieg konnte man sich von Kemnitz nach der Ruine übersetzen lassen, heute ist das nicht mehr möglich. Man muß sich, und das ist beinahe noch schöner, dieses Erlebnis erwandern. Mit nicht unberechtigtem Mißtrauen betrachtet man das Innere. Auf den morschen Balken und Decken turnt trotz Verbots allerlei junges Boll herum. Ruine Zolchow unü Schloß Plessow. Man ist, vollkommen unvorbereitet, in der Tat überrascht, wenn man eine Bahnstunde und«in« Wanderstun-de von Berlin entfernt auf das melancholisch stimmend« Gemäuer stößt. Wer weiß auch euvas von der SchloßruineZolchow, die nach den Ausniaßen keineswegs wie die Reste eines einst stolzen Schlosses anmuten. Der ehemalige hofrat Schneider hat die Vergangenheit des Schlosses erforscht und er nennt den Königlichen Amtsrat v. Kähne auf Petzow, den Bater des heutigen Schieß-Kähne, als einen Augen- zeugen dafür, daß das Schloß einst von einem hohen Wall und tiefen Graben umgürtet gewesen sei und daß eine Zugbrücke hin- übergeführt habe 1806 sollen Wall und Graben eingeebnet worden sein, und tatsächlich läßt der heutige Zustand der näheren Umgebung nicht oermuten, daß irgendwie bedeutende Schutzanlagen bestanden haben. Man darf sogar annehmen, daß über Wall und Graben allerhand fabuliert worden ist, denn die ganze Anlage läßt kaum daraus schließen, daß irgend eine ernst zu nehmende Umwehrung je bestanden hat. Zum erstenmal wurde Zolchow im Jahre 1290 genannt, und hundert Jahre später galt es bereits als vorwert zu Plessow. 1S28 erwarb es der märkische Junker von Rochow auf Plessow, und im Besitz dieser Familie, die das alte Schloß keineswegs pfleglich behandelte, ist es noch heute. Nicht lange mehr, dann sind die noch vorhandenen morschen Balken weggesault und die kahlen Mauern bleiben übrig. Aber es ist«in in seiner Derstecktheit idyl- lisches Plätzchen, an dem sich gut rasten läßt. Nicht gar weit ist es von hier nach Plessow, der alten Residenz des sehr alten märkischen Geschlechts von Rochow(Eberhart von Rochow auf Reckahn bei Brandenburg— 1734 bis 1805— hat übrigens einen ehrenvollen Ruf in der Geschichte des preußischen Erziehungswesens als Resor- mator und Förderer des preußischen Volksschulwesens). Schloß und Schloßpark sind nicht zugänglich. Das Schloßarchiv birgt wertvoll« Urkunden zur märkischen bzw. brandenburgisch-preußischen Ge- schichte. Zur Zeit der Fliederbiüte ist es in Plessow besonders schön. In Plessow hört der Wanderer bereits das Toben der Motore und das Schrillen der hupen, denn unweit geht die Berlin— Brandenburger Chaussee vorbei. Bei einigermaßen trockenem Wetter geht man links unmittelbar hinter dem Gut einen Feldweg bzw. Wiesen- weg entlang, der die üble Chaussee oermeidet und erst kurz vor Glindow an sie herankommt. Man biegt um die Südspitze des Plessower Sees herum, gelangt auf die Südwestseite der Werder- schen Obstberge und ist jetzt mitten drin im Obstparadies, gerät nunmehr auf kurze Zeit in hie Massen der Ausflügler und kann, um das Eintrittsgeld der Berglokale zu vermeiden, durch den wunder- schönen Kesselgrund abwärts zum Bahnhof Werder traben. Urkunüenvernichtung�mtsunterschlagung! Zuchthaus um zwei erbrochene Briefe. Ein für allemal hat das Reichsgericht entschieden: Erbricht ein Postbeamter einen Einschreibebrief und entwendet den Geld- inhalt, so ist der Tatbestand der Urkundenvernichtung zwecks Erlangung von Bermögensoorteilen gegeben. Der§ 349 RStrGB., der hierfür zuständig ist, kennt aber nur Zucht- hausstrafe: mildernde Umstände läßt er nicht gelten. Mag die entwendete Summe noch so gering sein, ein Jahr Zuchthaus ist Mindest straf«. Eine Bewährungsfrist kann unter solchen Um- ständen nur nach Berbüßung eines Teiles der Strafe zucr- kannt werden. Diese Rechtsprechung ist neueren Datums; früher erkannten die Gerichte in ähnlichen Fällen auf Gefängnis, weil sie im Einschreibebrief kein« Urkunde im Sinne des§ 349 sahen. Der Gesetzgeber hat sich wohl nicht träumen lassen, daß die Rechtspraxis auch in eingeschriebenen Briefen Urkun- den erblicken würde, sonst hätte er vielleicht ebenso, wie der Ent- wurf dies tat, bei Urkundenvernichtung die Zuerkennung mildern- der Umstände ermöglicht. Mehr als einmal sind bereits interessierte Stellen wegen der Ungeheuerlichkeit dieses Paragraphen im Reichstag vorstellig geworden. Erst das neue Strafgesetzbuch wird die ersehnte Milderung bringen! Die Härte des Paragraphen sollte vor einiger Zeit auch ein Beamter in einem Berliner Vorort oerspüren. 21 Jahre lang hatte er als Postbeamter treu seine Pflicht erfüllt. Bater von vier Kindern, von denen zwei krank sind. Mann einer Frau, die nach einer Fehlgeburt siech darniederliegt, kam er mit seinem Ge- halt nicht mehr aus. Die Bereinsdarlehnskasse half ihm zeit- weise aus größter Not: die entliehenen Summen wurden von seinem Gehalt abgezogen. Da vergriff«r sich an einigen eingeschriebe- ncn Briefen, deren Beförderung er als P o st a s j i fte n t zu über- wachen hatte. Die Anklage legte ihm zwei Fälle zur Last: es be< stand der Verdacht, daß es noch mehr gewesen seien. Das Gericht erster Instanz ging über die Mindeststrafe hinaus und verurteilte ihn zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus. Für den Rest der Strafe nach Berbüßung von 9 Monaten wurde ihm Bewährungsfrist zugebilligt. In der Berufungsverhandlung, die unter dem Borsitz ds« Landgcrichtsdirektors Pe l t a j o n stattfand, versuchte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Bäcker, die recht- lichen Grundlagen der berüchtigten Reichsgerichtentscheidungen, die in Einschreibebriefen amtliche Urkunden erblickt, zu erschüttern: es liege allein ein« Amtsunterschlagung vor, meinte er: dies sei früher auch die Ansicht der Gerichte gewesen. Die Kammer machte sich jedoch den Standpunkt des Reichsgerichts zu eigen und verwarf die Berufung. Die Strafe milderte sie aber auf zw e i Monate herab. Für einen nicht vorbestraften Wen- schen, sagt« Landgerichtsdirektor Peltason, i st s e l b st die Min- de st st rase als erheblich hart zu bezeichnen. Das ist es eben: auch die Richter haben das Bewußtsein, daß die im Gesetz festgelegte Strafe in keiner Weise den Umständen entspricht: sie sind aber nicht dazu zu bewegen, durch Auslegung ein milderes Gesetz in Anwendung zu bringen. Di« Postbeamten sollten sich dies merken und sich selbst in der größten Not nicht an den ihnen anvertrauten Geldern vergreisen: sie gefährden dadurch nicht allein ihre Freiheit, sondern setzen auch ihr« eigene und die Existenz ihrer Familien aufs Spiel. Äie Silberschrvärme 5] Von SRczt BeaG INach druck verb-t» Ttebersetz�ng btm Gaglischr» voa QnCla Goppel Sie stiegen die Stufen zu dem vorderen Haus hinauf, öffneten die Tür ohne anzuklopfen, traten ein und warfen ihre Bündel auf den Boden. Eine Indianerin erschrak fo sehr bei ihrem unerwarteten Erscheinen, daß sie einen Topf, den sie in den Händen hielt, verlor, und sie entgeistert anstarrte. „Diesmal scheinen wir an den richtigen Ort gekommen zu sein," bemerkte Emerson, indem er sich umblickte,„es ist ein Kaufladen!" Darauf befahl er der Frau kurz und barsch:„Wir wollen ein Nachtlager und etwas zu essen." Längs der Wände waren Borde mit Waren, während auf dem Ladentisch Kleidungsstücke, Felle und alles Mögliche lagen. Ein großer Ofen verbreitete Wärme und einen röt- lichen Schein im Raum. „Was du wünschen?" fragte die Indianerin, indem sie auf sie zuging. Boyd Emerson, der im Begriff war, seinen Pelz auszu- ziehen, sah, daß sie kaum mehr als ein Kind war, ohne Zweifel eine Eingeborene, aber sauber gekleidet, ihre Haut war hell und das schwarze Haar war hübsch ordentlich im Nacken aufgesteckt. „Etwas zu essen und ein Lager zum Schlafen!" ant- wartete er auf ihre Frage. „Ihr nicht könnt hier bleiben," antwortete das Mädchen bestimmt.. �. „Doch, doch, sagte Emerson,„hier ist Raum genug und Eßwaren die Hülle und Fülle," er zeigte auf die Borde mit den Konserven. Ohne zu antworten, rief die Indianerin jetzt mit lauter Stimme:„Constantine, Constantine!" Eine Tür zum Nebenzimmer wurde geöffnet, und ein groß gewachsener Mann erschien auf der Schwelle, der schnell und lautlos näher kam.„ „Ah, das ist ja unser Freund mit den Eichhornchen- schwänzen," rief Fräser.„Guten Abend, Eonstantine!" Es war der kupferfarbene Eingeborene, der sie aus dem Flusse gerettet hatte. Obgleich er sie sicher wiedererkannte, war kein Entgegenkommen in seinem Wesen. Das Indianer- Mädchen redete mit einem aufgeregten Wortstrom, den die Männer nicht verstanden.. �... „Sie nicht können hier bleiben," sagte Constantine schließ- lich, riß die Tür aus und zeigte in die Dunkelheit hinaus. „Wir kommen von weit her und sind müde," versuchte Emerson friedlich zu verhandeln, indem er sich mühsam be- herrschte,„und wir werden euch eure Mühe gut bezahlen," „Nein," antwortete Constantine unerbittlich. Emerson stellte sich vor dem Indianer auf und sagte mit einem Klang in der Stimme, der nichts Gutes ahnen ließ: „Wir sind müde und wir bleiben hier, verstehst du! Soge deiner Squaw, daß sie uns etwas zu essen geben soll. Schnell!" Das Gesicht des Eingeborenen glühte vor Zorn. Ohne die Tür zu schließen, ging er auf die Fremden zu. Seine drohende Haltung war nicht mißzuoerstehen: bevor er aber seinen Angriff zur Ausführung bringen konnte, wurde er von einer weichen Stimme aus dem Hintergrund des Zimmers zurückgehalten:„Constantine!" Die Reisenden drehten sich hastig um. Dort stand wie ein Relief, das sich von dem dunklen Hintergrund abhob, die blonde Frau, der sie ihre Rettung verdankten. Sie ging ihnen freundlich lächelnd entgegen, indem sie sich offenbar über ihr Erstaunen amüsierte. „Was gibt's hier?" fragte sie Constantine. „Diese Männer nicht hierbleiben können," rief Eonstan» tine heftig,„du sprechen, ich sie hinauswerfen." „Ich bitte um Verzeihung," begann Emerson,„wir hatten nicht die Absicht, hier mit Gewalt einzudringen, aber wir sind ganz erschöpft vor Hunger und Müdigkeit, und überall hat man uns Obdach verwehrt. Wir waren so verzweifelt..." „Sie sind bei den Fabriten gewesen?" fragte die Dame. „3a. „Und man hat Sie an den Missionar verwiesen?" „Allerdings." Sie lachte leise, mit einer weichen Altstimme. „Der Pater ist seit einem Monat fort, und wenn er da- gewesen wäre, hätte er Sie auch nicht aufgenommen." Sie richtete einige Worte auf Aleutisch an das Indianer- mädchen und macht« Constantine ein Zeichen, worauf die beiden Eingeborenen sich zurückzogen, Constantine wider- strebend, wie ein Hofhund, dessen Mißtrauen noch nicht ganz geschwunden ist. „Es freut uns, daß wir Gelegenheit haben, Ihnen für Ihre Hilfe heute nachmittag zu danken," sagte Emerson. „Hätten wir geahnt, daß S i e hier wohnten, würden wir nicht auf so ungeziemende Weise eingedrungen sein." Er fühlte sich durch die Lage bedrückt, die Frau aber ersparte ihm weitere Entschulhigungen, indem sie sagtet „Ach, das hat nichts zu sagen: ich habe Sie schon seit mehreren Stunden erwartet. Sehen Sie, Constantines kleiner Bruder hat Masern, und darum mußte ich zu ihm eilen, bevor die Eingeborenen dem kleinen Burschen ein rufsi- schez Bad gaben und darauf in den Schnee hinausstellten— bei den Eingeborenen gibt es für alle Krankheiten nur diese eine Art der Behandlung. Das war der Grund, weshalb ich heute mittag nicht verweilen und Ihnen ausführliche Er- klärungen geben konnte." „Wenn Ihr... Bater..." Die Frau schüttelte den Kopf. .. oder Ihr Mann— zugegen ist, würde ich gern mit ihm verhandeln und für einige Tage ein Zimmer mieten. Was die Bazhlung anbelangt..." Abermals kam sie ihm zu Hilfe. „Ich bin hier der Herr im Hause: diese ganz« Herrlich- keit gehört mir!" Sie machte eine scherzhaft majestätische Be- wegung mit ihrer schlanken, weißen Hand und zeigte auf die primitive Umgebung, während sie so lustig lächelte, daß Boyd Emerson alle Feierlichkeit und Gedrücktheit vergaß. „Bleiben Sie so lange wie Sie wollen: Sie sind mir als Gäste herzlich willkommen. Constantine schätzt meine Gast- freiheit allerdings nicht, er behandelt alle Fremden gleich, ohne Ansehen der Person, weil er fürchtet, daß sie zur Gesellschaft gehören. Als Sie bei Anbruch der Dunkelheit noch nicht ein- getroffen waren, dachte ich, er habe diesmal wirklich recht ge- habt, und daß einer der Aufseher Sie aufgenommen habe." „Wir haben einen von ihnen beim Kragen genommen und aus seinem eigenen Hause herausgeworfen! erklärte Fräser, indem er sich brüstete. „Die Aufseher haben den Befehl, daß sie keine Fremden aufnehmen dürfen," erklärte die Dame,„wer dem Befehl zuwiderhandelt, verliert seine Stellung. Darf ich Sie jetzt aber bitten," fuhr sie mit einer allerliebsten Hausfrauenmiene ort,„es sich bequem zu machen. Constantine kann inzwischen ür Ihre Hunde sorgen. Das Mittagessen wird bald fertig sein. Ich hoffe, Sie werden mir das Vergnügen machen, mir dabei Gesellschaft zu leisten," schloß sie mit einer Liebens- Würdigkeit, die Emerson von neuem in Verlegenheit brachte. Er murmelte:„Mit Vergnügen!" während er darüber nach- sann, wer diese Frau sei, die, mit soviel Sorgfalt gekleidet, in solcher Umgebung lebte. Sie war ungewöhnlich hübsch und bewegte sich mit Anmut und Würde. Wer konnte sie sein? Woher kam sie und was in aller Welt machte sie hier? (Fortsetzung folgt.) Eine gemeingefährliche Gaunerin. Sie brachte alte Frauen um ihr Letztes. � Man mußte unwillkürlich an Liebermanns Wld Altfrauenstift denken: Auf der Zeugenbank etwa fünfzehn verrunzelte Weiblein. Es wären noch viel mehr gewesen, wenn die einen inzwischen nicht verstorben wären, die anderen ihr Fernbleiben nicht entschuldigt hatten. Stundenlang sitzen die alten Frauen nun so im Korridor. Die Angeklagte Margarete Schulz soll sie alle bestohlen haben. Sie ist im großen ganzen geständig. Bereits als Achtzehnjährige erhielt die Angeklagte die erste Gefängnisstrafe von einer Woche: die Zwanzigjährige sollte ein Jahr sechs Monate Zuchthaus verbüßen. Die Strafe wurde ihr auf Grund der Amnestie erlassen. Aber noch früher hatte sie sich ein Jahr drei Wochen Gefängnis zugezogen. Dann fand sich«in Gericht, das entgegen dem Gutachten des Arztes den erfreulichen Mut besaß, die Angeklagte aus dem 8 61 freizusprechen: sie wurde der Irrenanstalt überwiesen. Nach ihrer Entlassung arbeitete sie und heiratete im Jahr« 1926. Und eines Tages stellte es sich heraus, daß sie bereits vom Jahre 1926 an wieder alte Frauen heimgesucht und sie auf die raffinierteste Weis« um ihre paar Mark Rente oder Ersparnisse gebracht hatte. Sie spielte die gute Fee und verstand es vorzüglich, sich an die alten Damen Heranzumachen. Bald erschien sie in der Gestalt einer sozialen Pflegerin, bald als Schwester der Heilsarmes, bald als Abgesandte des Armenvorstehers oder als Bekannte einer guten Bekannten. Sie wußte auch, wie dankbar die alten Damen für jede Aufmerk- famkeit find. So brachte sie einen Blumenstrauß mit oder eine Flasche Wein, Butter oder sonstwas. Sie verstand es vorzüglich, die alten Frauen für sich zu gewinnen und dann hinterging sie sie— immer aus die gleiche Weise: Sie habe ihnen ein paar Mark Geld mitgebracht und müsse den Fünf- oder Zehnmarkschein wechseln. Die alten Damen entnahmen das Geld aus den Be- hältern: die gute Fee bat um ein Glas Wasser oder, um den Toilettenschlüssel,. wollte Kuchen oder Apfelsinen holen' und ver- schwand: mit ihr war auch das Geld dahin. Nicht selten ließ sie Kaffee kochen, erzählte dabei hübsche Geschichtchen— wer wollte da an eine Gaunerin denken. Die Angeklagte war bereit, alle Fälle zuzugeben, selbst die, wo sie nicht wiedererkannt wurde und bei denen es sich zweifels- ohne um eine Gaunerin gleicher Art handeln mußt«. Sie weinte immerzu und machte den Eindruck eines Menschen, der zweifelsohne schwer psychopathisch ist. Dr. Hirsch stellt wohl ihre geistige Minderwertigkeit fest, will aber Z 51 für sie nicht gelten lassen. Staatsanwaltschaftsrai Zimmermann wollte sie auf 2% Jahre ins Zuchthaus schicken. Das Schöffengericht Berlin-Mitt« war der Meinung, daß bei der gewissenlosen Art, in der die Angeklagt« hilflose Frauen um ihr Letztes gebracht habe, kein Bedenken be- stehen würde, sie ins Zuchthaus zu schicken. Da die Angeklagte aber geistig minderwertig ist, wurde davon Abstand genommen. Di« Allgemeinheit, und insbesondere die alten alleinstehenden Frauen mühten auf möglichst lange Zeit vor dem Treiben der An- geklagten gesichert werden. Deshalb habe das Gericht die Schulz zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Nordsüdbahn über den Südring hinaus! Zurzeit werden von der Berliner Nordsüdbahn- A k t.- G e s. folgende Notstandsarbeiten ausgeführt: 1. Berlänge- rungestrecke der Nordsüdbahn in Neukölln bis zur Grenzallee, 2. Ver- längerungsstrecke der Nordsüdbahn über das Tempelhofer Feld. 3. Schnellbahn Geskindbrunnen— Neukölln. Die Zahl der hierbei beschäftigten Arbeitskräfte beträgt zurzeit 4260, wovon 2600 Not- standsarbeiter sind. Die rund 1,7 Kilometer lange Strecke vom Bahnhof Boddinstraße in der Hermannstraße bis zum Bahnhof Schönleinstraße im Kottbuser Damm ist fertiggestellt und wird a m Sonntag, d-em l.T-.'Ö« ti/ btW a&etflÄfe WÄtgeben. Der Bau für die Untergrundbahn Alexander- l a tz � F r> e d r i ch s f'e l b e soll'demnächst begonnen werden. Die läne hierfür, aith für das Polizeiamt Lichtenberg, sind, wie der Polizeivrösident mitteilt, während der Zeit vom 18. Juli bis ein- schließlich 31. Juli 1927 zu jedermanns Einsicht beim P o l i z e i a m t Fstiedrichshai», Friedenstraße 2, 1. Stockwerk, Zinimer 5, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags offen ausgelegt. Jeher Beteiligte kann im Umfang seines Interesses Einwendungen schriftlich bei der Abteilung II, Magazinstraße 3—5, oder der vorbezeichncten Dienststelle einreichen bzw. bei vorbezeich- neter Dienststelle zu Protokoll geben. Diese Einwendungen können nur insoweit erörtert werden, als sie sich auf die B e n a ch t e i l i- faschistische Lanöesschäöigung. Aernhallung des Fremdenverkehrs. Die Weisen des Abendlandes, die 1919 Europa neu teilten, haben in ihrem unerforschlichen Ratschluß bestimmt, daß ein Flüßchen, das die Stadt Flume zum Adriatifchen Meer durchläuft, die Grenze zwischen den Königreichen Italien und Südslawien zu bilden habe. Der östlich von diesem Wässerlein liegende Stadtteil Fiumes heißt S u s ch a k und ist nun Ausgangspunkt der beiden südslawischen Dampferlini»» und südslawische Bahnstation. Täglich vormittags um 11.20 llD kommt in Suschak ein großer südslawischer Personen- dampfer mit vielen Reichsdeutschen, Deutschösterreichern, tschecho- slowakischen und sonstigen Staatsbürgern. Sie sehen schon aus der Fahrt Fiume und westlich von ihm die Seebadeorte Abbazia, Lovrana u. a. m. liegen und viele dieser Reisenden, die Ferientage in Dalmatien verlebt haben, würden gern noch ein oder zwei Tage auf diesem Stück jetzt italienischen Bodens oerbringen, ehe sie den Zug nach Norden besteigen. Die Leute hatten vor ihrer Reise daheim nicht die Absicht gehabt, italienisches Gebiet zu betreten und sich das italienische Visum nicht besorgt, das übrigens für Reichs- deutsche unverschämt teuer ist, 15 oder sogar 19 M. kostet. An anderen Grenzen, z. B. in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, erhält man zu kurzem Besuch des„drüberen" Gebiets für geringes Geld einen Grenzschein. Den soll es auch in Suschak gegeben haben: aber das hat offenbar seit der albanischen Verschärfung des italienisch- südslawischen Dauerkonslikts aufgehört, den die Aufschrift auf den Monopolzündholzschachteln in Dalmatien„Halten wir unser Meer!� fchon genügend dartut. In Suschak ist überhaupt keine italienische Paßstelle mehr und den Fremden, die nach einer Visummöglichkeit fragen, wird die vier Dampferstunden entfernte südslawische Insel Lrk(italienisch Vela oder so) als nächster Pahamtssitz angegeben, wovon natürlich kein Mensch Gebrauch macht. An dem Tage, wo wir da waren, sagte der italienische Grenz- Posten am anderen Ende der Flußbrücke den Einlaßheischenden, er lasse sie auch ohne Visum ein. aber er machte sie anständigerweise aufmerksam, daß sie ohne Visum nicht wieder herauskämen. Das heißt praktisch, sie müßten sich erst durch ein ordentliches Lösegeld von Mussolinien loskaufen, worauf natürlich auch jeder gern verzichtet. So bringt der Faschismus Fiume und seine Nachbarorte lagtäg- lich um viele Dutzende fremder Besucher und schädigt Gastwirte und Geschäftsleute jenes neugewonnenen,„erlösten" Gebiets, das ohnehin durch die Abtrennung von dem kroatischen Hinterland des Hafens Fiume ebenso dauernd auf da« schwerste getroffen ist, wie Trieft durch die Loslösung von seinem slowenischen Hinterland. Kein Wunder, daß in Trieft vor kurzem in einem viel begangenen Straßentunnel plötzlich das Bild Franz Josephs mit einem großen Brot im Arm und daneben Mussolini mit einem winzigen Brötchen nebeneinander hingen, um so darzutun, wie schlecht die„Erlösung gusg oder Gefährdung des öffentlichen Inter- efses oder der Interessen des benachbarten Grundeigentums be- ziehen,_ flchtet auf üen Nlesierstechsr! Der gefährliche Messerstecher, über den wir wiederholt berichteten, ist trotz aller Beschreibungen noch nicht ergriffen. Wie sicher er sich fühlt, geht daraus hervor, daß er es nicht nötig fand, andere Stadtteile aufzusuchen. Neuerdings sind wieder zwei Fälle bekanntgeworden, in denen er in der gleichen Weise wie bisher feine Opfer anfiel. Stets hat er ein Rad, mit dem er nach verübter Untat schleunigst davonfährt und sich so der Verfolgung ent- zieht. Er fährt unauffällig an junge Mädchen heran, springt blitz- schnell von der Maschine, zieht ein Messer und sticht das ohnungs- lose Opfer in den Oberschenkel, meist in den linken, da er seine Waffe mit der rechten Hand führt. Erst neuerdings brachte er einem Mädchen am Weigandufer einen 10 Zentimeter langen und 2 Zentimeter tiefen Stich bei. Aehnlich wütete der Unhold in der F r a m st r a h e. Seine Personalbeschreibung sei wiederholt: Er ist etwa 36 bis 40 Jahre alt, mittelgroß und trägt einen Sport- anzug mit Leder- oder Stoffgamaschsn. Mitteilungen nehmen Kriminalkommissar S t r e w e im Polizeipräsidium oder das Polizei- amt Neukölln entgegen._ Unerfreuliche Glaserarbeit. Auf einen besonderen Trick ist ein Schwindler verfallen, der neuerdings, besonders im Südosten, auftritt. In Häusern, die aus- gebessert werden und deshalb mit Gerüsten verkleidet sind, erscheint ein jüngerer Mann, der den dort arbeitenden Handwerkern erklärt, daß er Glaser sei und nachsehen müsse, ob die Fensterscheiben noch genügend verkittet seien. Er geht durch die Wohnungen und nimmt hier und dort einen ganzen Fensterflügel aus den Angeln, angeblich, weil er die Reparatur nur in seine rWerk- st a t t erledigen könne. Er pflegt dann die Fensterflügel aus einen Handwagen'zu laden und damit zu verschwinden. Man sieht ihn niemals wieder, und es müssen neue Fenster eingesetzt werden. In«inigen Fällen hat er auch hier und da etwas eingesteckt. Bis- her ist er in der Prinzenstraße, Köpcnicker Straße, Jnselstraße, Wusterhausener Straße und Winterfeldtstraße aufgetaucht. Der „Glaser" wird als ein etwa 25 Jahre alter, kräftiger Mann be- schrieben, mit vollem Gesicht und dunkelblondem Haar. Mitteilungen nimmt die Dienststelle C6 Polizeipräsidium entgegen. Ein revidiertes Urteil. Mit einem Fveispruch des Schöffengerichts Schöneberg hatte sich gestern auf die Berufung des Staatsanwalts hin die Große Ferien st rafkammer des Landgerichts II zu be- fassen. Der Nationalsozialist Seidel war von der Anklage der Beschimpfung der Reichsfarben freigesprochen worden. In dem Vereinslokal seiner Partei waren eines nachts vier Mitglieder des Reichsbanners erschienen, wie sie vor Gericht sagten, ohne Kenntnis von dem Charakter des Lokals zu haben. Am Schanktisch bestellten sie eine Lage Bier und stießen mit dem Reichs- bannerruf an. Der danebenstehende Seidel rief darauf: „Schwarzrotgold ist Schwarzrot...!" So behaupteten die vier Zeugen unter Eid. Der Angeklagte b e st r i t t, damit die Reichssarben gemeint zu haben und behauptete, daß sich die Worte auf das Reichsbanner bezogen hätten.„Das Reichsbanner beleidige ich immer so, so oft man nur will." Ein zweiter Nationalsozialist hatte im Gegensatz zu den Reichsbannerleuten eben- falls die Auffassung des Angeklagten, daß nicht die Farben der Republik gemeint gewesen seien. Di« Strafkammer kam zu der Er- kenntnis. daß in der Aeußerung des Angeklagten unter allen Um- ständen eine Beschimpfung der Reichssarben liege und verurteilte diesen zu einer Woche G s föngitiS.', die in 100 Mark Geldstrafe umgewandelt wurde. Auch dieser Spruch ist immerhin noch außerordentlich milde. Ein schweres Nutobusunglück verhütet. Von einem Achsenbruch, der leicht verhängnisvolle Folgen hätte nach sich ziehen können, wurde gestern abend kurz vor?i7 Uhr ein vollbesetzter Autobus der Linie 11 am Brandenburger Tor betroffen. Der Führer bog, von Moabit kommend, in lang- s a m e r Fahrt in die Durchfahrt des Brandenburger Tores ein, als die Achse bzw. die rechte Federung des Vorderradgestells brach. Der Führer konnte zum Glück den Wagen sofort zum von Oesterreich" dem Großhafen Trieft angeschlagen hat. In Fiume, Abbazia, Lovrana wird die Stimmung nicht anders fein. Rohkost als ideale Sommernahrung. Während die Rohkost in Europa noch wenig geschätzt wird, erfreut sie sich einer großen Be- liebtheit in Südamerika, besonders in Chile. Eine dänische Dame. die in Valparaiso verheiratet und selbst eine begeisterte Änhängerin der Rohkost ist, teille ihre Erfahrungen einem dänischen Jounalisten mit.„Die Rohkost hat meine Kinder," erklärte sie,„vor den tropi- schen Krankheiten bewahrt. Die Rohkosttheorie stammt eigentlich aus Südamerika. Sie wird dort wissenschaftlich erforscht und hat zwei energische Vorkämpfer: Professor Dr. Josä Gastro und Dr. Ramuclares, die beide an der Spitze der Rohkostbewegung stehen. Auch pädagogische Kreise interessieren sich für die Sache und treiben in den Schulen eifrig Propaganda. Es ist unter den jungen Damen der chilenischen Gesellfchaft Mode geworden, nur Rohkost zu ge- nießen. Sie haben erkannt, daß sie dadurch— die Südamerikanerinnen neigen, wie bekannt, zur Körperfülle— ihre schlanke Linie bewahren können, was ihnen sonst sehr schwer fallen würde. Ein vor kurzem eröffnetes und luxuriös ausgestattetes Rohkost-Restau- rant in Valparaiso ist unerhört populär geworden. Der größte Philantrou Santiagos, Don Jsmacl Baldes Alphonso, gab vor einigen Wochen eine Garden Party für mehrere hundert Personen, wobei ausschließlich Rohkost serviert wurde. Die Versammlung bot ein glänzendes gesellschaftliches Bild. Die Tische, die mit Rohkost bedeckt waren, boten ein farbenprächtiges Bild. Blumen und Früchte in allen möglichen Nuancen schimmerten in der Sonne, Früchte, die man auch in Europa kennt, die aber hier viel schöner und größer sind, sowie Früchte, die zu den exquisitesten Herrlichkeiten Süd- amerikas gehören. Salate wurden in unzähligen und ungeahnten Variationen serviert. Als Getränke wurden Fruchtsäfte kredenzt. Das Essen war schön und poetisch. In Paris ist übrigens die Rohkost auf dem besten Weg, sich durchzusetzen: das gleiche gilt von Italien. In Schweden wird der Versuch gemacht, in einigen Sana- torien und Pensionen den Gästen Rohkost zu servieren. Im däni- schen Modcbad Scodsborg ist die Rohkost bereits in vielen Pensionen eingeführt. Mindestens sollte man im Sommer von Rohkost leben: der Körper würde die Wohltaten dieser Lebensweise bald zu schätzen wissen!" Zrauen als Slierkämpferwnsn. Spanien verfügt mit 45 Pro- zent seiner Bevölkerung nicht nur über das stärkste Analphabeten- tum in Europa, sondern zugleich auch über einen Diktator und die Volkssitte der Stierkämpfe. Ob diese Tatsachen in einem kulturellen Zusammenhange stehen, soll hier nicht untersucht werden. Wir kämen sonst zu einer moralischen Betrachtung, obwohl die genannten drei Dinge mit Moral nichts zu tun haben. Ihr Dreiklang aber hat es gewiß möglich gemacht, daß nun das spanische Stierkamps- Publikum auch Frauen als Toreadoren erträgt. Das ist also so: ein Stier wird mit Lanzenstichen und roien Tüchern zur weißglühenden Wut gereizt, die alles, was sich regt, als Feind ansieht. Dann kommt er, siegesbewußt, Mut in der Brust, mit spitzem Degen, der Toreador, der Stierkämpfer, und versucht dos Gasende Tier mit geschicktem Stich zu töten. Manch- mal geht es schief, meistens glückt es. Und der Held der Sagen Halten bringen, so daß großes Unheil verhütet wurde. Die Fahrgäste mußten das Auto schnell verlassen, da ein Umstürzen—- der Wagen neigte sich auf die rechte Seite— befürchtet wurde. Der beschädigte Wagen wurde einige Zeil später abgeschleppt.— Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, wie berechtigt die Forderung ist, die alten Wagen endlich und so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen und durch moderne Niederwagen zu ersetzen. Noch ist das Schöneberger Autobusunglück mit seinen schwe- ren Folgen in aller Erinnerung. Hätte sich der Bruch am Vorder- radgestell bei schneller Fahrt auf freier Strecke ereignet, wären die Folgen unabsehbar gewesen._ vor einer neuen Anleihe. Die das Ri�chrlchkeaamt der Skadt Berlin mitteilt, hat sich die I I n a n z- und S l e u e r d e p u t a ti o u am gestriger, Freitag eingehend mit den Beschlüssen des Magistrats übe? die vorläufige Zurückstellung einer Reihe von Ausgaben der außerordentlichen Verwaltung beschäftigt. Die Deputation war in der Mehrheit der Ausfassung, daß die Z u r ü ck st« l l u n g n i ch t notwendig sei, da in einigen Monaten mit der Aufnahme einer weiteren Anleihe gerechnet werden könne. Sie bo schloß deshalb, den Magistrat zu ersuchen, sämtliche Ausgaben der außerordentlichen Verwaltung freizugeben. Warnung vor falschen Tammelliften. Unter der Aufschrift„Spartakus- Kinderfreunde' zir. kulieren Sammellisten, mit denen oersucht wird, von u n i e r e n Parteigenossen Beiträge zu erhalten. Es wird dabei der Anschein erweckt, als handle es sich um eine Sammlung zugunsten der Kindersreunde, was natürlich nicht der Fall ist. Niemand weiß, wohin die Gelder stießen. Die kindersreunde haben irgendwelche Sammellisten nicht herausgegeben. Es ist also eine grobe Irreführung, die offenbar von kommunistischer«eite versucht wird, unter Mißbrauch des in Arbeiterkreisen bekannten Namens der Kindersreunde. Wir warnen daher alle P a r t e i- genossen vor diesen Sammellisten und bitten, die Arbeiter in den Organisationen, Betrieben usw. über dieses Täuschungsmanöver aufzuklären. Zwei Fliegerstra�en. Der M a g i st r a t hat in seiner Sitzung vom 13. Juli vorbei haltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden beschlossen, im Bereiche des Berliner Zentralflughafens in Tempelhof folgende Straßen- benennungen vorzunehmen. Die Friesen st rahe, deren Name in Berlin jetzt viermal vorkommt, soll einschl. ihrer Verlängerung zum Flughafen„C o l u m b i a st r o ß e" heißen. Die demnächst zu eröffnende nördliche Zufahrt st raße vom Kaiser- Friedrich-Platz durch die Hasenheide zum Venvaltungsgebäude des Flughafens soll zu Ehren des Erfinders des Flugzeuges. Oito Lilienthal, der in Berlin feine ersten denkwürdigen Flugversuche unternahm,„L i l i e n t h a ist r a ße" heißen. Di« ostroestliche Zufahrtstraße zum Flughasen von der Berliner Straße in Tempelhof bis zur Berliner Straße in Neukölln soll unter Fortfall der jetzigen Bezeichnungen: Verlängerte Paradestraße, Wanzlikstraße und Münchener Straße in Zukunft„F l u g h a f e n st r a ß e" heißen. Kommt der deutsche Ozeanflug? Zu den zahlreichen Meldungen über einen bevorstehenden T ra n s o z e a n s l ug mit einem deutschen Junkers- f l u g z e u g wird, wie eine Berliner Korrespondenz meldet, bekannt: Es ist Tatsache, daß bei den Junkers-Werken in Dessau eine Spezialmaschine ausgerüstet ist, die im Lause� des Sommers von Dessau ohne Zwischenlandung nach New Pork fliegen soll. Die Dementis der Junters-Werke, wonach diese Uug» zeugfirma keinesw'egs ein derartiges- Unternehmen plane, sind inso- weil zutrefsend, als die JunkersMerk« nicht Unternehmer dieser Atlantiküberquerung sein werden. Die Ausrüstung dieser Maschine erfolgt vielmehr im Auftrag einer we st deutschen Industrie- firma, hinter der auch eine der bekanntesten deutschen Schiffahrtsgesellschaften stehen soll. Die Namen werden vorläufig noch geheim gehatten. Nach dem Vorbild Lindberghs und Chamberlins hat man für diesen Flug eine einmotorige Landmaschine gewählt. Die Namen de? beiden Piloten, die das Iunkers-Flugzeug steuern sollen, stehen noch nicht fest, genannt werden u. a. der Chefpilot der Junkers-Werke, Zimmermann, sowie der Flugzeugführer Schnäbele, einer der an der Ostasien- ........« und Gesänge ist fertig. Meist auch ein Pferd seiner Helfer: es wird mit nachschleifenden Gedärmen aus der Arena gezogen. Die Geschichte weiß nicht zu berichten, daß je bei solchem An- blick eine der zuschauenden Damen der Gesellschaft in den vorderen Logen ohnmächtig geworden wäre. Die Spanierinnen scheinen also aus jeden Fall starte Nerven zu haben. Auch Sennorita Elseneda. Sie ist Toreadorin geworden, Stierkämpferin, und sticht den rasen- den Stier, das legendäre Urbild aller Männlichkeit, mit Grazie und einem scharfen Dolche nieder. Sicherlich ein Stoff für Psychoanalytiker! Verdrängung und so! Aber wir beherrschen uns und beschränken uns aus die Mit- tellung der Tatsache, daß die reizende Elseneda etwa 20 000 Emm- chen pro Saison für ihre echt weibliche Peschäftigung bezieht. In der Königsloge thront Alfons von Spanien und klatscht der neuen Nationalheldin ermunternd und begeisternd zu. Spanien hat sicherlich Grund, auf Sennorita Elseneda stolz zu sein. Das Oberschlesische Landeslhealer. Die oberschleflsch« Theater- krise hat jetzt ihre endgültige Lösung gefunden. Trotz vieler Be- kämpfung hat sich die Idee des Gemeinschoststheaters erneut durchgesetzt. Die Stadt Gleiwig ist zwar aus der Theatergesellschaft, die sich jetzt die Bezeichnung„Oberschlesisches Landestheater" zugelegt hat, ausgeschieden, wird aber trotzdem von dem Gemeinschasts- theaier in der kommenden Wintersaison bespielt werden. Von ös- sentlichen Zuschüssen werden für das Oberschlesisch« Landestheater gewährt: vom Staat 100 000 M., von der Stadt Beuthen 80 000 M., von der Stadt Hindenburg 25 000 M. und von der Oberschlesischen Provinzialoerwaltung 20 000 M. Das Oberschlesische Landestheater wird neben dem deutsch-oberschlesischen Jndustriebezirk auch die polnisch gewordenen Städte Kattowitz, Königshütte, Tarnowitz, Rybnik und Pleß noch wie vor mit deutschem Theater versorgen. Zum Leiter ist Intendant Illing(Berlin) bestellt worden. Das Oberschlesisch« Landestheater wird Spielkörper für Schauspiel und Opern und Operetten umfassen. Man stiehlt schon Flugzeuge. Während in der Alten Welt der Besitz von Autos noch als Reichtum gilt und Autodiebstähle nicht wie in Amerika zu den Alltäglichkeiten gehören, ist man in der Neuen Welt fortgeschrittener. Hier stiehlt man schon Aeroplane. Auf dem Walter-Meyer-Fiugfeld bei Chicago erschienen kürzlich um 2 Uhr niorgens zwei Männer und unterzogen die dort aufgestellten Mo- schinen einer eingehenden Besichtigung. Der Wächter ließ sie ge- währen, da er sie wegen ihres ungenierten Auftretens für Flugzeug- führer hielt. Die beiden„Flieger" probierten an verschiedenen Flug- zeugen herum, konnten sie aber nicht in Gang bringen, bis ihnen dies bei einem Jagdflugzeug gelang. Das Flugzeug wurde bestiegen und fort ging die Reise. Nach drei Stunden stellte es sich heraus, daß es sich um einen Diebstahl handle. Das Gesamtgebiet der Union wurde alarmiert. Schließlich fand man das Flugzeug in einer Ent- fernung von vier Stunden von Chicago, zertrümmert neben einem Baum liegen. Es hat jetzt nur noch einen Altmaterialwert von 1000 Dollar. Die Diebe waren verschwunden, wurden aber schließlich eruiert. Es waren Herren der„anderen Fakultät", nämlich Auto- chauffeure, die gern Luftchauffeure werden wollten, heimlich theore- tische Studien gemacht und in angeheitertem Zustand das Flugzeug bestiegen hatten. Expedition der Deutschen Lufthansa beteiligten Piloten Man kann sagen, daß nach dem Stand der Vorarbeiten dieses Unternehmen eines deutschen Ozeanfluges von allen zurzeit schwebenden Projekten am dichte st en vor seiner Verwirklichung steht. Unerfreuliches an der Hochbahn. Die Vereinheitlichung des Fahrpreises und Erweiterung des Umsteigeoerkehrs hoben der ch o ch b a h n- G e s e l l s ch a f t die Möglichkeit zu einigen Seltsamkeiten gegeben, die den tiblen Beigeschmack stiller Nepperei haben. Aller- dings haben darunter nur die nichtumsteigenoen chochbahnsahrgäste, sozusagen die Stammgäste, zu leiden.'Die Fahrkarlen siir Nur- chochbahn— daß e- die überhaupt noch gibt, da sie doch nicht billiger sind, ist schon verdächtig!— werden wohl zum Ausgleich für die Preiserhöhung jetzt aus ganz elend dünner Pappe herge- srellt. Nun kaufen viele Leute, der bekannten Aufsordernng ent- sprechend, Zehnerblocks. Sie sparen dadurch Geld nur noch in der Form von Zeit, ober sie kousen diese Blocks, zumal es unbe- greiflicherweise Zehnerblocks von Straßenbahn- und Hochbahn- karten nicht gibt.(Die Wiener Straßenbahn hat das langst!) Die dünn« und dabei auch ungleich starke Pappe führt nun nicht selten dazu, daß in der Eile statt einer Karte zwei abgerissen und aus Versehen auch gelocht werden. 20 Ps. Verlust für den Fahrgast, ebensoviel Gewinn sür die Gesellschaft. Oder es taust jemand, der in den nächsten Stunden mehrere Hochbahnsahrten machen muß, gleich mehrere Fahrkarten. Dann wird er plöglich an der Eingangssperre angehalten:„Ihre Karte ist vor mehr als 1� Stunden gekauft, gilt nicht mehr! Wohlgemerkt, bei noch unbenutzten, zum Umsteigen nicht benutzten und gar nicht benutzbaren Karten! Ja, es kommt sogar vor, daß Korten zurückgewiesen werden, manchmal sogar nach Knipsung, weil sie von einer anderen Station sind. Da bleibt einem die— Sprache weg. Bei dieser Gelegenheit sei auch festgestellt, daß auf der Hoch- bahn dos F a l s ch z i e h e n wieder größeren Umfang annimmt. Es steigen z. B. am Gleisdreieck Leute in einen Zug, für den das Richtungs child„Breitenbachplatz" aufgezogen ist, und sind plötzlich — am Z o o I Man führ« entweder ein Ausrufen der Zugrichtung an den Kreuzungsstationen— besonders am Wittenbergplatz!— ein oder mache im Wageninnern ersichtlich, wohin der Zug fährt!' Seit längerer Zeit wird man auch gespannt gemacht auf die gepolstert« Einheitsklasse. Es scheint damit noch gute Weile zu haben, denn man sieht einstweilen in der Hauptsache immer nur noch die ehemaligen Wagen zweiter Klasse. Eine recht üble und vollkommen ungerechtfertigte Bevorzugung der Raucher ober ist es, daß man diese gepolsterten Wagen, besonders auf der Nord-Südbahn, auch noch als„Raucher" reserviert hat. während die ungepolsterten Nichtraucher sind. Dann wäre es schon besser, man zöge sämtliche alten Polsterwagen heraus und stelle sie zu Zügen zusammen, die nur Polsterwagen sahreu. Die Bevorzugung der Raucher sollte man unterlassen. Polizei und Reichsbanner. Der»Allgemeine Preußische Polizeibeamten- Verband�. Ortsgruppe Berlin- Steglitz, hatte zu seiner am 12. d. M. veranstalteten Versammlung auch den Örtsverein des - Reichsbanner» eingeladen. Dr. Schützinger, der bekannte Reichs- bannsrkamerad und Polizeioberst a. D. sprach über:»Polizei, Publikum und Reichsbanner". In seinen Ausführungen setzte er zunächst den Wert der Zusammenarbeit zwischen Polizei, Publikum und Reichsbanner auseinander, um klarzulegen, welche Er- folge für das Staatsinteresse dadurch erzielt werden können. Wenn auch die preußische und schließlich die gesamte deutsche Polizei«inen starten militärischen Einschlag Haben im Vergleich zu den Polizeien des Auslandes, so dürfe das kein Hinderungsgrurld' sein. Anderer- seits jedoch ist der starke militärische Einschlag d«r preußischen Po- lizei ein Hind«rungsgrund dafür, daß weite Kreise der Bevölkerung nicht immer das notwendige Vertrauen zur Polizei haben. Auch das alte Polizeirecht, das jedem demokratischen Einschlag vermissen läßt, ist nicht geeignet, die Polizei im weitesten Sinne populär zu machen. Die Bevölkerung müsse auch hier ihren Zeil zu beitragen, daß«ine Republitanisierung der Polizei erreicht wird. Die gleiche Aufgabe fällt dem Reichsbanner zu, denn es- genügt nicht, nur mit den schwarzrotgoldenen Fahnen zu schwenken. Gerade die Polizei müsse staatspolitisch sein und f«st zur Republik stehen. Der Reichs- bannerkamerad und Verbandsvorsitzende B et na reck sprach über polizeiliche Tagest ragen. Er betonte, daß die Gehalts- bezüge keineswegs eine Abgeltung für den schweren und gesahr- vollen Dienst darstellen. Am Schluß seiner Ausführungen wies er noch auf die Hauptpunkte des Programms des Allgemeinen Preu- ßischen Polizeibeamten-Verbandes hin, der als Beamlengewerkschasl auf diesem Wege bemüht, ist. den Weg zu der erwerbstätigen Be- völkerung und den Republikanern zu finden. Der Kreisvorsitzende des Reichsbanners, K i r ch m e i e r, stellte mit besonderer Freude fest, daß sich der republikanische Gedanke bei den Mitgliedern des »Allgemeinen Preußischen Polizeibeamtcn-Verbandes" so stark vcr- breitet und durchgesetzt hat. Er versichert, daß die Reichsbanner- kameraden im besten Einoernehmen zu den fortschrittlich eingestellten Polizeibeamten stehen. Als besondere Ehrung wurde vom Reichsbanner den Polizeibeamten eine schwarzrotgoldene Fahne überreicht. Mit warmen Worten des Dankes versicherte der Borsitzende der Polizeibeamten, daß diese Fahne schon am 11. August neben der amtlichen B-siaggung die Unterkunft schniücken wird. Mit einem dreifachen Hoch aus die Republik wurde die 2Z«r- sammlung geschlossen. Unfall ües Mostau-'Serlmer Zluazeuges. Königsberg i. Pr., 15. Juli.(WTB.) Wie die Direktion der Deru-Luft mitteilt, wurde dos auf der Strecke Moskau— Berlin verkehrende Flugzeug der Deru-Luft am 15. Juli bei Plllk allen zu einer Zwischenlandung gezwungen und wurde nach dem er-Veuten Start beschädigt. Ernste Verletzungen der Passagiere sind nicht erfolgt, ebenso ist die Beschädigung des Flug- zeuge» keine schwer«. Beginn der Gerichtsferien. Zlm gestrigen Tage haben die Gerichtsferien begonnen. Sie dauern bis zum 13. September. Die Gerichtsferien bedeuten nur einen Stillstand der Justiz auf dem Gebiet der Zivilrechtspflegc. Bei den Land- und Amt-aerichten werden während der Ferien nur be- sonder? eilige Sachen erledigt, während die Zioilprozess« ruhen. Anders ist es bei der Slrafsustiz Hier findet nur«ine gewisse Einschränkung statt. Die Zahl der Berufungsstrafkammern ist aus die Hälfte herabgesetzt, die als Ferienstrafkammern weiter- tagen. Auch bei den Schöffengerichten sind immer zwei Abteilungen zusammengelegt. In der Hauptsache sollen nur Hastsachen verhon- delt werden. Bei der Belastung der Justiz ist man ober genötigt, auch«ine Reihe weit?' er Fälle, bei denen die Angeklagten nicht in Haft sind, zur Erledigung zu bringen. Die Besetzung der Gericht« ist eine ferienmäßige, da die Richter in der einen oder anderen Hälfte der Ferien ihren Urlaub erhalte». Zum Teil erscheinen daher in Moabit auch nur gegenwärtig Richter, deren Namen aus frühe- ren Sensationsprozessen als Verhandlungsleiter sehr bekannt ge- worden waren, die jetzt aber längst bei Zivilkammern fungieren. Schwerer Sturz auf der Rütt-Arena. Bei den gestrigen Abendrennen ereignete sich im letzten Rennen ein schwerer Sturz, in den der Rennfahrer Jensen ver- wickelt wurde. Er trug Gehirn- und Kopfverletzungen davon und mutzte von einem Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Urbankrankenhau« gebracht werden. Dampferfahrt der Alten. Im Verwaltungsbezirk Treptow nimmt Man sich mit anerkennenswertem Eifer auch außerhalb der gesetzlichen Fürsorg« der Alten an. Die bereits als solche bekannte und all- gemein beliebte„Dampferfahrt der Alten", die den Vcteiligtcn immer so viel Freude macht, ging diesmal bei Pracht- voller Witterung nach Rauchsangswerder. Etwa 3 00 Personen wurden dort mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Dazu gab es Musik, für die Männer Rauchbares und für die Frauen Schokolade. Das Große und Schöne an der Sache aber war, daß keiner diesen Freudentag, der es wohl für alle wieder war, als Almosen entgegen zu nehmen brauchte, sondern die Alten hatten sich dieses Fest selbst mit erarbeitet. Neben einigen geringen Spenden wurde es nämlich finanziert aus der vorjährigen Rück- Überweisung und dem diesjährigen Ertrag der Wohl- fahrtsbriefmarken. Den stärksten Umsatz hatten aber im letzten Winter im Bezirk die Organisationen Arbeiterwohl- fahrt, Kleinrentnerbund und Zentralverband der Invaliden, also die Vertreter der Hilfsbedürftigen selbst. Die das Fest veranstoltenbe Arbeitsgemeinschaft der ösfent- lichen und freien Wohlfahrtspflege hatte aber, das war das Urteil von rechts bis linke, mit dem Ertrag nichts Besseres tun köniien, als wie hier einer großen Mass« von alten Mitgliedern einen Tag Sonnenschein ins Leben zu werfen. Waren diesmal doch allein 15 Personen, die über 80 Jahre alt waren, dabei beteiligt. Nicht wenige hotten seit ihren jungen Jahren solche Fahrt auf den märkischen Gewässern nicht mehr erlebt. Regierungsboumeister Profesior E. Fader beendete seinen Doppelvortrag:„Kommen wir zu einem neuen Bau st i l?" Er betonte die absolute Neuheit des Eisenbetonbaues, der den moder- nen Bauwerken ihr chorakteristsches Gepräge gibt, und wies daraus hin, daß heute Entwicklung von Bauform und Entwicklung von Staatsform Hand in Hand gehen. Die neue Menschheit schuf den neuen Staat wie die neue Bauform zwangsläufig aus den ihr inne- wohnenden Gesetzen heraus. Ebenfalls mit dem„Neuen Weit- b i ld", aber von der rein philosophischen Seile, beschästigte sich K. W. G o l d s ch m i d t, Dozent an der Humboldt-Hochschule. Er kam zu- sammensassend zu dem Ergebnis, daß sich aus den widerstrebenden Strömungen, die unsere Zeit hervorgebracht hat. schließlich eine neue einheitliche europäische Kultur herauskristallisieren werde.— Der amüsant belehrende Dialog zwischen Gartendirektor Ludwig Lesser und einem Gartensreund dürfte sogar Nicht-Garten- besitzern Freude bereitet haben.— Wolsgang 58 o r b a ch sprach über „Framiois Billon", den französischen Vagabunden. Landstreicher, Straßenräuber und unerhört gefühlsstarken Dichter des lö. Jahr- Hunderts und rezitierte einige seiner Dichtungen.— Am Zlbend wurde den Funkhörern ein schöne» Orchesterkonzert geboten, das Bruno Seidler-Winckler leitete. Tes. Der Film des Sieler Parteitages der Sozialdemokratische it Partei Deutschlands„D i e K i e l e r rote Woche" läuft von heute bis Dienstag nächster Woche in den„U h u- L i ch t s p i e l c n", Neue Schönhauser Straße 10. Der Besuch dieses Films lohnt sich um so mehr, als als Hauptfilm der Film der sranzösischen Revolution „Danton" und als K u l t u r s i l m e.Kannibalen" läuft. Allen Genossen und Gesinnungssreuaden sei daher der Besuch empfohlen. Bei einer Spiritu-explaslon schwer verletzt. Durch die Leicht- sinnigkeit einer Hausangestellten wurde gestern nachmittag geg>-n shk fihr im Haus« Elsasser Straße S eine folgenschwere Spiritus- e r p l o s i o n verursacht. Di« 20jährige Hedwig K. war mit Feueranmachen beschäftigt, wozu sie in beispielloser Leicht- sinnigkeit Spiritus verwendete. Die Flamme schlug in die Flasche, die laul krachend explodierte. Das Mädchen zog sich schwere Brandwunden am ganzen Körper zu. Die Unwetterpel'zoöe. Die Unwetter halten an! So ging in der Gegend von Münster am Stein ein starkes Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder, der zwischen Bad Münster und Norheim großen S ch a d en anrichtete. Der Regen überschwemmte die Land- straß«. Der Straßenbahn- und Personenverkehr war gesperrt. Auch der Eisenbahnverkehr wurde zum größten Teil in Mitleidenschast gezogen. Wie die Reichsbahndirektion Dresden mitteilt, wurden bei den in der Sächsischen Schweiz niedergegangenen großen Regen- mengen durch die Wassermassen des Dorfbachos von Naundorf zwischen Pötzscha— Wehlen und Obervogelgesang beide Gleise der Linie Bodendach— Dresden mit Geröll überschüttet und teilweise unterspült. Der Vorgang war rechtzeitig bemerkt worden, so daß die Züge in Schandau und Pirna zurückgehalten werden konnten. Die Schäden waren in den Abendstunden wieder behoben. Ein schweres Gewitter hat auch in der V o r de r p s a l z wieder erheblichen Flurschaden angerichtet. Aehnliche Meldungen kommen aus Oppau und Frankenthal. In den Weinbergen von Bad Dürkheim wurde durch den Regen die Erde weggeschwemmt und die Stöcke unterspült. Weiter ging über Essen ein Wolkenbruch nieder, der von einem H a g e l s ch l a g begleitet war. Auf den Feldern und in den Gärtern wurde großer Schaden angerichtet Teilweise kam es in der Stadt zu Verkehrsstockungen, da der Straßen- bahn- und Autoverkehr völlig in Unordnung geriet, weil an den Eisenbahnunterführungen das Wasser sich meterhoch staute.___ Flieger Bäumer tödlich abgestürzt. Kopenhagen, 15. Juli.(TU.) Heute abend»m 10,30 Uhr ist der bekannte deutsche Sportflieger D ä um e r aus 3000 Meter Höhe. zwei Kilometer von der Küste von Oerssund entsernt, tödlich g b- gestürzt. Auch bei seinem Todesfluge hatte er ein kleine? Rohrbach- flugzeug geführt. Neben Udet war Bäumer der beste deutsche Kunst- und Retordflieger. Nungessers Flaschenpost eine Mystifikation? 2ln zuständigen deutschen Stellen hält man die am Strand van Wangerooge gesunden« angebliche F l a s ch e n p o st der fxanzösischen Ozeanslieger R u n g e s s e r und Coli sür eine M y st i s i k a t I o n. Zunächst muß ausfallen, daß die in französischer Sprache geschriebe- nen Worte einige orthographische Fehler aufweisen. Beispielsweise ist statt„eau" nur„au" geschrieben, ein Fehler, der einem srnn- zösischen Fliegerossizier auch in der größten Erregung kaum pafsie- ren könnte. Die Kartenskizze ist in Verbindung mit der Angabe »kleine Insel im Attantik"-völli g unverständlich, denn in der bezeichneter Gegend)«llem Anschein nach.östlich der B e r m u- das, befinden sich überhaupt keine kleinen Inseln. Hinzu kommt schließlich, daß die beiden Flieger wohl kaum ihre linterschrift in D r u ck- buchstaben vollzogen haben würden. Schließtich soll auch fest- stehen, daß der„Weiße Vogel" lediglich Thermosflaschen mit- sührte, keinesfalls aber eine Likörflasche wie die, die bei Wangerooge angespült ist. Vermutlich wird man in Frankreich, wohin die angebliche Flaschenpost sofort wcitergeleitet ist, ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, daß es sich hierbei lediglich um groben U n f u g handelt. Wenn hier tatsächlich eine Mpstisikation vorliegt, so kann solche roheFlegelei nicht scharf genug verurteilt werden. Notlandnnft des Honolulufliegers« SanFranzisco, 15. ZuN.(DIv.) hier wurden„50K". Signale der Honolulu-Flieger ausgenommen. Ein neuer Funkspruch„Smith" besagt, daß das Flugzeug um 7.Z0 Uhr vormittags pazifischer Zell auf dem Wasser niedergegangen ist. Wie aus Honolulu gemeldet wird, hat der Dampfer„W i 1- helmia" etwa 700 Meilen östlich von Honolulu Notrufe des Eindeckers Smiths aufgenommen, der mitteilte, er lzade nur noch für eine Stund« Benzin, und um Hilse bat. Trauer bei Dänemark» Mädchen. In der dänischen Mädchen- weit herrscht Verzweiflung! Aus der Suche nach nordischen Frauen- schönheiten, die das blonde Ideal in einer internationalen R e n u e in New Dort verkörpern sollen, war der Vertreter von Ziegfeld Fnllies in Kopenhagen, um Kontrakte abzuschließen. Er ließ sich einige Hundert d?r schönsten dänischen Mädchen präsentieren, traf eine Zluswahl, hat aber jetzt erklärt, daß keine einzige von den Damen, selbst die schönste nicht, für Amerika genüge. Dänemarks zukünftige Divas sind untröstlich. v«nen-Lade• Siegfpangen- tefaub mit Komteb- Absatz unseres Saison- Ausverkaufs sfehi bevor Noch Ist es Zeit, von dieser ungewöhnlich günstigen Gelegenheit Gebrauch zu machen. Aber zögern Sie nun nicht mehr! Grau und braun Spangenfchuhc Brauner Herren-Halb-... mit KomieS- u. amer. Abfatz 6.90 Cchuh, Rindbox, Original- V�" Dam.- Spangenfdiuh, rosenholz Goodyear- Welt, gedoppelt V mit amerik. An/atz... 7.90 in braun Kroko-Kalbleder. 7.90 Halbfchuh für Herren,. Grau Boxcalf'SpangenTcfauhe Ichwarz Rindbox: in guter k"" mit Trotteur-Ablalz... 8.90 Verarbeitung..... Ü ßCSf- IL Einzelpaare ZU ungewöhnlich niedrigen Preisen Lack- Halbschuh für Herren. elegante Form 130 eigene Verkaufsstellen, davon 20 In Grob-Berlin und Potsdam: £Xie A-.6. C, Spiftelmarkt 15 C, Rosanthaler Str. 14 w, Schillstr. 16 W. Potsdimer Str. Sft (an der Kurförttenstr.) NW, Turmstr. 41 NW, Wilsnacker Str. 22 NW, Beusselstr. 2» Brandenburger Strafte 54 Ourtoaeaburg. Wiltnersdorter Strafte 12�23 Pnedeaan, Rheins tr. 47 N, Friedrichs tr. 150 N, Müllers tr.» N, Brünnenstr. 57 N, Oanziger Str.] O, Andreasstr. 50 O, Frankfuttar Allee 22 SO, Oranienstr. 2a SO, Wrangelstr. 44 SW, Friedrichstr. 240/41 Neukölln, Bergstr. 50(31 Das Fleisch der armen Leute. Europäisch- Amerikanische Wirtschaftsprobleme. Wie Hoovers Mitarbeiter Europa sieht. Der Leiter der Abteilung für inländischen und ausländischen Handel im Handelsministerium der Bereinigten Staaten, Dr. Ju lius Unerhörter Gefrierfleischwucher vom Enquete- Ausschuß aufgedeckt.- Platonische fins ein, sprach sich gestern in einer Pressekonferenz einVersprechungen. Als im Jahre 1925 die Rechtsregierung dem Volte den neuen| auf der andern Seite das Kontingent auf den Stellen, an denen Solltarif bescherte und an die Stelle der jahrelangen Zollfreiheit der es am nötigsten wäre, und an denen die Konsumenten vor jeder wichtigsten Massennahrungsmittel ein lückenloser Bollschuß geschaffen Ausbeutung völlig gesichert sind, nämlich bet den Konsumver wurde, sollte auf Berlangen der Agrarier auch das Gefrierfleisch einen. Der Bertreter der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Roneinen Zoll bekommen. Angesichts der scharfen Opposition der Ar- fumvereine, Genosse Senator Eberling- Hamburg, teilte mit, daß das beiterschaft unter Führung der sozialdemokratischen Partei und der Kontingent der GEG. völlig unzureichend wäre. freien Gewerkschaften gegen diese neue Aera junterlicher Lebensmittelverteuerung wurde damals wenigstens für jährlich 120 000 Tonnen Gefrierfleisch Zollfreiheit erreicht. Dieses Kontingent erwies sich schon nach einigen Monaten als zu klein, weil die bald einsetzende Massenarbeitslosigkeit und die eingetretene Bollteuerung bei anderen Lebensmitteln weite Kreise des Volkes zwang, auf den Frischfleischgenuß zu verzichten und auf Gefrierfleisch überzugehen. Damit war die unmittelbare Ein besonders traffer Fall ist bei einem Konsumverein im rheinisch- westfälischen Industriegebiet festgestellt worden, der nicht zum Zentralverband deutscher Konsumvereine und zur GEG. gehört, und der deshalb völlig auf den privaten Großhandel angewiesen ist. Dieser Konsumverein wird jahrein, jahraus von einer Großhandelsfirma beliefert, die in einer anderen Stadt ihren Siz hat und die auf Grund der bloßen TatGefahr gegeben, daß hier ein ausbeuterisches Monopol entstand, sache, daß sie im Befig eines Kontingentfcheines ist, dem Konsum verein das Gefrierfleisch 10 Pf. pro Pfund teurer und es wäre ein unbedingtes Gebot gewesen, die Verwaltung des Kontingents in Hände zu legen, bei denen die Ausbeutung der Ber- pertauft, als es ihm direkt vom Importeur angeboten worden ift. Die Kundschaft dieses Konsumvereins, die durchweg aus brauchermassen ausgeschlossen war. Die Regelung, die vom Reichs- ift. Die Kundschaft dieses Konsumvereins, die durchweg aus ministerium für Volksernährung und Landwirtschaft geschaffen wurde, wenig bemittelten Arbeitern besteht, muß also für jedes Pfund Gefrierfleisch, das in den Rochtopf wandert, dieser Großwar jedoch genau das Gegenteil davon. handelsfirma einen Tribut von 10 Bf. bezahlen. Hier ist einmal wieder der Beweis erbracht worden, wie sehr Genossen Hilferding in Kiel, und wie sehr auch in der wichtigen Gedie Lebensmittelpreise politische Preise" sind nach dem Wort des frierfleischfrage größere Macht erst eine vernünftige und gerechte Ordnung schaffen kann. Die Forderung der Sozialdemokratie zur Gefrierfleischfrage hat stets auf Bollfreiheit ohne Kontingentierung gelautet. Zum mindesten ist eine sofortige Herauffeßung des Kontingents auf die Höhe des wirklichen Bedarfs erforderlich, sowie schärfste Untersuchung der bestehenden Mißstände. Wenn der Ernährungsminister der Landwirtschaft, Herr Schiele, Dor furzem im Reichstag Vorschläge entwickelt hat, die dem Gefrier. fleischskandal einige Giftzähne ausbrechen wollen, so ist das gut und schön. Die Verbrauchermassen warten aber nicht auf Vorschläge, sondern auf Taten. Die einzelnen Anteile an dem Kontingent wurden nämlich nicht den Konsumvereinen und Ladenfleischern gegeben, auch nicht den großen Importfirmen, die als einzige die Einfuhr an Gefrierfleisch rach Deutschland vornahmen, und die man verhältnismäßig leicht hätte kontrollieren können, sondern man hielt es für nötig, zwischen die Importfirmen und die Kleinverfäufer etwa 200 Groß. händler einzuschalten und diesen die Kontingente auszuhändigen. Während man nun in den meisten Städten wenigstens eine scharfe Kontrolle der zum Gefrierfleischverkauf zugelassenen Ladenfleischer durchführte, um Mißbräuche, und vor allem übermäßige Preisaufschläge beim Verkauf von Gefrierfleisch zu verhindern, hat man zur Ueberwachung dieser Großhändlerfirmen fast nichts getan. Die Folgen einer derartigen Regelung waren vorherzusehen. Das Gefrierfleisch wurde zu einem felfenen und sehr gesuchten Artikel, Absatzschwierigkeiten gab es nicht, die Ware wurde ihnen aus den Händen gerissen, und der Besitz eines Kontingentanteiles wurde für die damit ausgestatteten Händler zu einer mühelosen Gewinnquelle. Schon sehr bald wurden in der Deffentlichkeit Klagen über die großen Preisaufschläge laut. Vom Reichsernährungsministerium wurde eine Abstellung dieser Mißstände verlangt. Tatsächlich geschah jedoch nichts. Dies war die Sachlage, als der Enquete- Ausschuß sich im landwirtschaftlichen Produkte auch mit der Frage des Absatzes von Rahmen seiner Untersuchungen über den Absatz der verschiedenen Bieh und Fleisch und in diesem Zusammenhang mit der Gefrierfleischfrage zu beschäftigen hatte. Bon der mündlichen Bernehmung von Sachverständigen wurde eine Reihe von eingehenden schriftlichen Gutachten aus den verschiedenen Zweigen der beteiligten Wirtschaftsfreise eingefordert, und vom Enquete- Ausschuß durchgearbeitet. Die mündliche Sachverständigenvernehmung war zunächst wenig aufschlußreich Obwohl aus einigen der vorher eingereichten Gutachten ganz deutlich hervorging, daß schwere Mißstände vorliegen müssen, war die Stellungnahme der Sachverständigen zunächst sehr zurückhaltend. Selbst die Bertreter der Großhändler beklagten sich über die gegenwärtige Regelung, die ihnen mehr Nachteile als Vorteile bringe. Das Vorliegen übermäßiger Preisspannen im Großhandel wurde bestritten, es wurde energisch betont, daß ein Handel mit Kontingenten zwar häufig behauptet, aber noch niemals nachgewiesen sei. Die Funktion des Großhandels sei auch volkswirtschaftlich gar nicht zu entbehren, da der Bedarf in den verschiedenen Gebieten wechselnd ist, und der Großhandel vorübergehende Ueberschüsse des einen Gebietes mit dem Mehrbedarf des anderen Gebietes ausgleichen müßte. Ein Vorstoß des Ausschußmitgliedes Genossen Dr. Baade brachte an diesem Punkte eine überraschende AufPlärung. Er fragte, in welcher Weise dieser örtliche Ausgleich vorgenommen würde, und es wurde festgestellt, daß in solchem Falle der Großhändler, der beispielsweise in Köln sitzt und einen Ueberschuß nach Sachsen abgibt, von dem Leipziger Großhändler denjenigen Preis vergütet bekommt, den er sonst von den Kölner Kleinhändlern erhalten hätte, d. h. er erhält seinen vollen Handelsverdienst, ohne die Ware jemals zu sehen und in die Hand genommen zu haben. Genosse Baade stellte fest, daß damit der volle Tatbestand des Handels mit Kontingent scheinen gegeben ist, denn gerade darin liegt die ungerechtfertigte Bereicherung, daß ein Großhändler an einer Ware verdient, ohne selbst mit dieser Ware etwas zu tun zu haben, lediglich auf Grund seines Kontingents. Diese Aufklärung wurde bald noch durch die Feststellung gerade zu skandalöser Preisspannen ergänzt. Während die wirklichen Untoften des Großhandels, einschließlich eines angemessenen Verdienstes auf etwa 5 Pf. beziffert werden, beträgt die durchschnittliche Preisspanne des Großhandels etwa 15 bis 16 Pf. pro Pfund, d. h. dem Großhandel ist es gelungen, sich auf Grund seiner Kontingent scheine an jedem Pfund Gefrierfleisch, das auf den Tisch des minder. bemittelten deutschen Verbrauchers tommt, einen Sonderverdienst von 10 Pf. aufichern. Genosse Baade stellte unter lebhafter Bewegung der Bersammelten fest, daß an den 120 000 Tonnen Gefrierfleischtontingent durch das Monopol der privilegierten Großhändler ein ungerechtfertigter Gewinn von etwa 10-12 Millionen Mr. dns Mayjährlich eingeffect wird. Nachdem einmal durch diese Borstöße der Wille des Ausschusses zum Ausdruck gekommen war, unbeirrt und geftüßt auf eingehende vorherige Kenntnisnahme der Materie, die Wahrheit festzustellen, nahmen die Berhandlungen eine überraschende neue en. dung, da ein anwesender Zuhörer, der nicht vom Ausschuß geladen war, plötzlich den Wunsch äußerte, vom Ausschuß vernommen zu werden, um die Wahrheit über die Mißstände völlig ans Licht zu bringen. Es wurde sofort die Vernehmung dieses Sachverständigen, eines Großschlächters aus Köln, beschlossen, und es wurde in öffentlicher Verhandlung festgestellt, daß ganz zweifellos ein erheb licher Teil der mit Kontingent scheinen ausge. statteten Großhändler den diretten Berfehr mit dem Kleinhandel völlig aufgegeben hat, und sich damit begnügt, sein Kontingent durch andere Großhändler abfeben zu lassen, und den mühelosen 3wischenverdienst einzusteden. Während hier Großhändler Koningente besigen, ohne selbst in der Berteilung des Gefrierfleisches eine voltswirtschaftliche Funktion auszuüben, fehlt Die Erntestatistik des Jahres 1926. Sind die Klagen über Verluste durch die schlechte Ernte berechtigt? In dem neuesten Bierteljahrsheft zur Statistit des Deutschen Reiches ist die seit langem erwartete Erntestatistik für das Jahr 1926 bekanntgegeben worden. Die in dieser Statistik für Roggen, Weizen, Sommergerfte, Hafer, Kartoffeln registrierten Mengen, den jenigen für das Jahr 1925 gegenübergestellt, ergeben folgendes Bild: Abnahme für 1926 20,6 Proz -19,3 bei 9 1926 6 405 905 2597 185 1925 8 062 882 8 217 266 2 130 949 6 324 555 30 030 686 2 281 916 5 584 545 41 718 360 6,6 +13,3 28,0 " gehend über europäisch ameritanische Wirtschafts. fragen und die Ergebnisse der Genfer und Stockholmer Konfe renzen aus. Dr. Klein, der als enger Mitarbeiter des weltbekannten Hoover ein ausgezeichneter Renner der europäischen Verhältnisse ist, betonte in seinen Ausführungen besonders start die Notwendig. feit einer weiteren Verflechtung der Weltwirtschaft. Er versuchte dabei die angebliche harmlosigkeit der amerikanischen Hochschutzölle( befanntlich die höchsten in der Welt. Red, d. B.") nachzuweisen, indem er einen ansteigenden Güteraustausch zwischen Europa und den USA. feststellte. So sei die Ausfuhr der fünf führenden Länder Europas nach Nordamerika um 75 Prozent gegenüber 1914 gestiegen. Im besonderen sei die Ausfuhr Englands nach den Vereinigten Staaten, die 1913 mur 5,4 Prozent von Englands Gesamtausfuhr betrug, jetzt auf 9,7 Prozent gestiegen. Mit besonderer Betonung wies der Vortragende auf den Wiederaufbau Deutschlands hin, der die hervor. ragendste wirtschaftliche Erscheinung in dem Jahrzehnt nach dem Kriege bleibe. Unter den allergrößten Schwierigfeiten sei hier der tote Punkt überwunden worden und heute zeige sich in der aufsteigenden Wirtschaftskurve und der verbesserten Lebenshaltung der erste Erfolg. Die wirtschaftlichen Aussichten Europas seien heute besser als zu irgendeiner Zeit nach dem Kriege. Diese Besserung fönne aber nicht allein an Produktionsstatistiken, steigenden Spareinlagen, Währungsstabilisierung und erhöhtem Warenverkehr gemessen werden, sondern greife auf die internationalen Bezie hungen zwischen den einzelnen Staaten über. Der in Genf und Stockholm zutage getretene Wille, die bestehenden Hemmungen durch rückhaltslos offene Aussprache aus der Welt zu schaffen, bedeute ein vorläufig noch nicht abzuschäßendes Plus für die fünftigen internationalen Beziehungen. Die Ausführungen Dr. Kleins waren ihrem ganzen Charakter nach auf Förderung und Erleichterung des Weltwirtschaftsverkehrs gerichtet. Wir müssen jedoch feststellen, daß die theoretischen Ausführungen amerikanischer Regierungsorgane nicht in Einklang zu bringen sind mit der Zoll pragis der Vereinigten Staaten, die der europäischen Egportindustrie die Einfuhr auf jede erdenkliche Weise erschwert. Profite des Rußlandhandels. Die Rawad- und GrünfeldA.- G.- Berlin- Beuthen, die als Rohstofflieferant für die deutsche und polnische Eisenindustrie einen Liefervertrag mit dem Süddeut schen Manganer& trust abgeschlossen hat, fann aus den Ge winnen dieser Geschäfte statt der 12 Proz. Dividende in den beiden Vorjahren für 1926 die enorme Dividende von 18 Proz. auszahlen. Bei dem starken Materialbedarf der Eisenindustrie haben sich die Vorräte von 1,1 auf 0,3 Millionen Mart ermäßigt, während die Forderungen von 9,9 auf rund 10,9 mill. M. gestie gen sind. Die im Vorjahr mit 10,4 Mill. M. ausgewiefenen 150 000 m. für die Pensionskasse enthalten sind, so daß die BeSchulden wurden auf 9,7 Mill. M. gesenkt, in denen noch triebsschulden noch niedriger find. Mit dem Vertragsver= hältnis mit den Russen ist der Geschäftsbericht sehr zu frieden. Danach kommt der Südrussische Erdztrust seinen übernommenen Lieferungsverpflichtungen in jeder Hinsicht nach, was um so mehr hervorzuheben ist, als der Schwerpunkt des südrussischen Erzabsatzes fich mehr und mehr auf den Landweg verschoben hat. Obwohl der Bahnversand jetzt etwa die fünffache Höhe gegenüber dem ersten Halbjahr 1926 hat, fonnten diese Mehrfrachten von der russischen Bahn glatt bewältigt werden. Der mit dem Erztruft verlängerte Liefervertrag sieht für 1927 eine Gesamtliefe für die das Unternehmen den Russen bereits eine Anzahlung von über sechs Millionen Mark geleistet hat. Auch bei diesem Unterneh men fällt die sehr hohe Belastung der Unkosten durch Aufsichtsratstantiemen auf, die über 5 Pro3. der gesamten Untoften, Steuer- und Soziallaften beträgt. Für den aus neun Mitgliedern bestehenden Aufsichtsrat ist die Tantieme von 70 000 auf 105 000 m. erhöht worden, so daß jedes Mitglied für diese nicht sehr belastende Nebenbeschäftigung rund 12 000 m. einsteckt. Roggen Weizen Sommergerste Hafer Kartoffeln Mit diesem Zahlenbild ist das bestätigt, was nach den über die Ernte des Jahres 1926 erstatteten Borberichten erwartet werden tonnte: Die Erntemengen find bedeutend kleiner als die des Vorjahres. Diese fraglos bedauerlicherung von etwa 850 000 Tonnen Mangan- und Eisenerzen vor, Tatsache führt viele landwirtschaftliche Unternehmer zu der Behauptung, das Wirtschaftsjahr 1926/27 habe der Landwirtschaft weit weniger gebracht als das vorhergehende 1925/26. Trifft diese Behauptung zu? Wir haben zunächst den Durchschnittspreis berechnet, mit dem das im vorigen Jahr geerntete Getreide gegenüber dem im Jahre 1925 geernteten verkauft wurde. Die Berechnung, bei der wir den 1. September, 1. Oktober, 1. Dezember, 1. Februar und schnittliche Breis im Wirtschaftsjahr 1926/27 betrug: für Roggen 1. April als Stichtage zugrunde gelegt haben, ergibt: Der durch228 M., für Weizen 266 M., für Gerste 192 M., für Hafer 183 m. die Tonne. Der Durchschnittspreis im Wirtschaftsjahr 1925/26 betrug dagegen: für Roggen 157 M., für Weizen 239 M., für Gerfte Parteinachrichten 162 M., für Hafer 156 m. die Tonne. Der Unterschied be= trägt zugunsten des Wirtschaftsjahres 1926/27 bei Roggen 71 m., bei Weizen 27 m., bei Gerste 30 M., bei Hafer 27 m. die Tonne. Dieser Berechnung haben wir eine zweite, und zwar über den Gesamtwert der Getreideernte des Wirtschaftsjahres 1926/27 und den des vorhergehenden Vierteljahres 1925/26 folgen lassen. Wir sind dabei zu nachstehenden Feststellungen gekommen: Im Wirtschaftsjahr 1926/27 wurden 6 405 905 Tonnen Roggen geerntet. Der Durchschnittspreis beträgt wie gesagt 288 M. die Tonne, gleich Gesamtwert 1460 Millionen Mark. Weizen 2 597 185 Tonnen bei einem Durchschnittspreis von 266 M. die Tonne, gleich Gesamtmert 691 Millionen Mart. Sommergerste 2130 949 Tonnen bei 409 Millionen Mart. Hafer 6 324 555 Tonnen bei einem Durch einem Durchschnittspreis von 192 m. die Tonne, gleich Gesamtwert schnittspreis von 183 M., gleich Gesamtwert 1157 Midionen Mart. Der Gesamtwert des Roggens, des Weizens, der Gerste und des Hafers vom Wirtschaftsjahr 1926/27 zusammengerechnet ergibt: 3717 millionen Mart. Im Wirtschaftsjahr 1925/26 betrug der Gesamtwert: des Roggens 1266 Millionen Mart, des Weizens 769 millionen Mart, der Sommergerste 368 Millionen Mart und des Hafers 871 Millionen Mart, zusammen: 3274 Millionen Mart! Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 6. Kreis Kreuzberg. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich am Sonntag, 17. Juli, am Kreisfest in Tempelhof. Treffpunkt 14 Uhr am Bahnhof Tempelhof. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Die Rinder der Ferienkolonie treffen fich ab Montag, 18. Juli, Belziger Ede Martin- Luther- Straße. Abfahrt pünktlich 9 Uhr. Die Rinder der Friedenauer Genossen steigen am Schöneberger Rathaus zu. 13. Kreis Tempelhof, Marienborf, Marienfelbe, Lichtenrabe. Achtung! Sonntag, 24. Juli, treffen sich fämtliche Genoffinnen und Genossen zur Sammlung für den Arbeiter- Samariterbund im Lokal Sur Linde", Mariendorf, Rathaus Ede Rönigstraße. Heute, Sonnabend, 16. Juli: 123a. Abt. Raulsdorf- Eüb. Die Mitgliederversammlung fällt aus. Dafür findet heute 20 Uhr ein luftiger Unterhaltungsabend im Lokal Sanssouci, Moltte ftraße, statt. Wir bitten die Genoffinnen und Genossen, recht zahlreich nebst Gäften und Vorwärts" Lesern zu erscheinen. * Teltow. Am Sonntag, 17. Juli, großes Familienwaldfeft mit Kinderbeufti. gung. Mitwirkende: Bandoniumtlub, Sozialistische Arbeiterjugend, Gesang und Turnverein. Fahrverbindung von Groß- Lichterfelde mit Linie 100 bis Biomalzfabrit. Frauenveranstaltungen. 6. Kreis Kreuzberg. Morgen, Gonntag, 17. Juli, Kreiswaldausflug der Genoffinnen nach Spandau- Stadtpart. 10 Uhr mit der Straßenbahnlinie 154 bis Endstation, den Waldweg rechts, dann nur 5 Minuten nach Rarlsluft, Jnh. Loebel. Da das Commerfest im Kreis ausfällt, wäre es erwünscht, daß sich auch die Genossen beteiligen. 44. Abt. Die Genofsinnen werden gebeten, sich mit ihren Familien am Waldfeft am Sonntag, 17. Juli, in Spandau- Stadtpark zu beteiligen. Treffpunkt 15 Uhr Rottbuffer Tor, Straßenbahnlinie 154. 46. Abt. Wir bitten die Genoffinnen und Genossen, sich recht zahlreich am Conntag, 17. Juli, am Kreiswaldausflug nach Spandau- Stadtpark zu be teiligen. Somit tann behauptet werden: Allein der Gesamtwert der Getreideernte des Wirtschaftsjahres 1926/27 ist troy des des schlechten Ernteausfalles um fast 500 Millionen Mart höher, als der des vorher= gehenden Wirtschaftsjahres. Angesichts dieser Feststellung ist die Behauptung der landwirtschaftlichen Unternehmer völlig unzutreffend, daß die schlechte Borjahrsernte schwere Verluste gebracht habe. Das Wirtschaftsjahr 1926/27 gibt den Gelderträgen berg zum Boltsfeft Sonntag, 17. Juli, auf der Wiese Stadtpark Schöncheng nach im Durchschnitt trotz der geringeren Ernte den vorhergehenden( nahe Rudolf- Wilde- Play) eingeladen. Beginn 15% Uhr. durchaus nichts nach. Es darf ebenfalls zu denjenigen gezählt Better im Bürgersaal des Rathauses am Rudolf- Wilde- Play. werden, mit denen die landwirtschaftlichen Unternehmer durchaus zufrieden sein können. Das Anwachsen der Motorschiffstonnage. Wie Lloyds Schiffs register meldet, überſtieg in dem am 30. Juni endenden Jahres viertel zum erstenmal die Weltonnage der Motorschiffe diejenige der Dampfer. Die Tonnage der Motorschiffe betrug 1459 595 Tonnen, diejenige der Dampfer 1366 809. Die Motorschifftonnage von Großbritannien und Irland betrug 82 Broz. der Dampfertonnage. Die zurzeit in Danzig, Dänemart, Holland, Frankreich, Italien und Schweden in Bau befindlichen Motorschiffe um. faffen 561 135 Tonnen; die im Bau befindlichen Dampfer in den genannten Staaten umfassen eine Gesamttonnage von 152 055 Tonnen. Die Welttonnage der Motorschiffe verteilt sich auf 84 Schiffe zwischen 6000 und 10 000 Tonnen, 17 zwischen 10 000 und 15 000 Tonnen, 9 zwischen 15 000 und 20 000 Tonnen und eins über 30 000 Tonnen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Alle Helfer und Kinder ber Berliner Gruppen sind von Gruppe SchöneBei schlechtem D. 2. 81. Briefkasten der Redaktion. 1. Das zuständige Bezirksschulamt. 2. Ja. 3. Stundenlohn 8. 2. A. III. Nicht genau richtet sich nach dem Alter. 57 Pf. aufwärts. richtig sein. festzustellen, ba vielfach Angaben darüber fehlen. Ihre Bermutung dürfte aber Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb.) Wolfig, heiter und warm, vereinzelt Gewitter. Für Deutschland: Wolfig und ziemlich warm, strichweise Gewitter. Die deutsche Wohlfahrtslotterie, beren Lofe 1 M. das Stüd toften, und deren Ergebnis für die Zwecke des Deutschen Landpflegeverbandes e. B., BerlinSangerhausen bestimmt ist, weist als Höchstgewinn einen Treffer von 30 000 0. auf. Es gelangen in der Riehung vom 20. bis 22. Juli 9061 Gewinne und werb eines Loses, deffen Preis nur 1 M. beträgt, kann der Räufer nicht allein fein haben, durch sein Scherflein eble und fegensreiche Einrichtungen zu unter. einen von den zahlreichen Treffern erhalten, sondern er fann auch das Bewußtfügen, die dem ganzen deutschen Bolle zugute kommen. 3 Brämien im Gesamtwerte von 80 000 M. zur Entscheidung. Durch den et Unterhaltung unö �Vissen Vellage des vorwärts Sonnabenä IH.�oll im Der lange Weg. Don Otto Dielen. Zlls der alt« Stefan mi� feinem Gespann in die nächste Furche einbog'imd den holpernden Pflug mit dem ganzen Gewichte seines ftörpers- in den harten Stoppelboden drückt«, damit er tief genug in die lehmge Erde schneide, geschah«q, daß die eiserne Pflugschor an einem Steine festrannte und steckenblieb. Die starken Gäule, die hart /m Geschirr lagen, sprangen ungestüm vor, rissen an den Strängen, daß der schn»ere Wender jäh« umkippte. Und während der alte Knecht, die prellenden Felggriffe in den Fäusten, alle Kraft anstrengte, den Pflug in der Furche zu halten, seinen hageren Körper ganz übvr dos Eisen liegte und sich entgegenstemmte, schlug ihn der lchieudemde Eisenblock, mit aller Wucht gegen die Brust. Der Alte siel mit einem Schrei hin in die Schollen, Blut brach aus seinem Aunde. Bon den anderen. Pflügen sprangen Männer herzu und hoben den alten Knecht oull. Er war sehr bleich, stand gebückt da, mit zitternden Knien. Endlich faßt« er sich, schüttelte«in wenig den Kopf, sah �gegen seinen Pflug hin, der umgeworfen in der Furch« lag, versuchte zu lächeln. Wischte mit dem Handrücken das Blut aus seinen.Mundwinkeln upd tat einen Schritt gegen seine Pferde hin, die unruhig in die Lust schnoben. Aber da packte es ihn plötzlich, daß er zu wanken bctgann und in die Knie brach. Au» seinen fest- geschlossenen Lippen stckerte dünnes, rotes Blut. Die Männer um ihn standen ratlos, erschreckt. Sahen auf den Alten nieder, der sich mit den Händen gegen die Schollen stemmte und an allen Gliedern zittert«. Dann hoben sie ihn wieder auf, faßten ihn unter den Armen und trugen ihn, der mit hängenden Füßen über die aufgeworfen« Erde schleift«, an das Ende des Ackers. Dort legten sie ihn vorißchtig in das spärlich« Gras. Einer sagte:„Wasjerl... Man muß Wasser holen---- ," und rannte davon, quer üb«- das Feld, gegen den Gutshof hin. Auf den anderen Feldern, die noch im Korn standen und eben gemäht wurden, stockt« die Arbeit. Alles sah zu der kleinen Gruppe um den Verunglückten hin, rief und gestikulierte. Endlich kam der Inspektor vom Gutshofe. Trat, noch vom raschen Gehen außer Atem, zu den Knechten hin, beugte sich nieder, faßte den Liegenden an der Schulter und sagt«:„Na, wo« ist, Stefan..., he?" Der Alte hob mühsam den Kops, stützte sich auf seine Ellen- bogen, langt« mit der Hand an die Brust, röchelte:.Lch... e» sticht so..., da." Dann trank er gierig Wasser und sagt«:.Laßt mich ein bißchen so liegen..." Und fiel wieder zurück. Der Inspektor sah ihn unschlüssig an, suchte mit der Hand m den Taschen herum, räusperte sich, schickt« dann die Männer mit einer Handbewegung wieder an ihre Arbeit, murmelte endlich:„Na, bleib halt ein bißchen liegen... vielleicht...", ging langsam zu dem leeren Gespann hinüber, da» still in der Furch« stand, hob den umgeworfenen Pflug auf, faßte die Pferdeleine und sing an zu pflügen.... Der alte Stefan war allein. Lag da am Ackerrand und dachte: toenn ich nur richig liegen bleibe, wird das Stechen schon aufhören.... Und er sah einstweilen gegen die Weizenfelder hinüber, diq, erst zum Teile gemäht, hoch im Halm standen, mit schweren, nickenden Aehnen,«in leise bewegte», gelbes Meer, da» zu beiden Seiten de» staubigen Feldwege, hinfloß: sah die Schnitter, die braunen Nacken der Sonn« zugekehrt, gebückt arbeiten und mit jedem Sensenschwung einen halben Schritt tiefer in da» Korn kommen, derweilen die Weiber und Kinder die gemähten Halm« hinter ihnen austafsten und banden und Garbe um Garbe zu Mandeln schlichteten. Aber als er dann nach einer Weile meint«: nun wird das Stechen ausgehört haben..., und sich langsam aufrichten wollt«, sing es wieder an in feiner Brust, stach und stach, bei jeder Bewegung. Und gegen Abend wurde es erst recht schlimm. Er fing an. zu fiebern und allerhand wirres Zeug zu reden. Man brachte ihn zuerst auf seinen Platz in der großen Knechte- stub«, die feucht und dumpfig war; aber er stöhnte und hustete die ganze Nacht durch und atmete in der dicken, tabakgeschwängerten Lust so gequält, daß man ihn am anderen Morgen in eine kleine Geschirrkannner neben dem Pferdestall bracht«, darin rasch und notdürftig ein Bettgestell aufgeschlagen wurde. Da log er nun eine Woche lang in seiner kleinen Kammer und wurde immer trauriger und stiller. Wenn man trank ist, kommen allerlei Gedanken____ Und er ärgert« sich, daß er noch immer nicht an die Arbeit gehen konnte. Bei der Arbeit vergißt man, oder man denkt wenigstens nicht daran---- Endlich aber war es doch so weit besser mit ihm, daß er aus- stehen tonnte und umhergehen. Langsam freilich nur und auf einen Stock gestützt. Aber er tonnte noch immer nicht arbeiten. Nicht die kleinste, leichteste Arbeit tun. Sobald er es auch nur versuchte, sing das Stechen wieder an Er sagt« zu ssch: nur da» dunzme Stechen ist schuld..., der Schmerz. Nur das läßt dich nicht arbeiten.... Wenn man das wegnimmt, ist alles wieder in Ordnung---- Du wirst zum Doktor gehen! Also fuhr«r am nächsten Morgen mit dem Wagen, der immer die Milch vom Gute zur Bahn bracht«, in den Marktflecken, zum Arzte. Der Weg war sehr lang und sehr schlecht. Der alt« Leiter- wagen stieß mit seinen plumpen Rädern hart in alle Gruben und an alle Steine, daß mit jedem Holpern und Stoßen da. Stechen in seiner Brust ärger und ärger wurde. Endlich kamen sie in der kleinen Stadt an, fanden da» Haus des Arztes. Stefan stieg vom Wagen. Der Knecht fuhr weiter: derweilen Stefan beim Doktor ist, wird er die Milch zur Bahn bringen und ihn hernach wieder abHolm. Alz der Fuhrtnecht aber nach einer halben Stunde zurückkam, fand er den Alten auf der Schwelle des Doktorhauses sitzen: der Doktor war nicht zu Haufe, war weggefahren. Der Knecht wollte mit dem Gespann warten. Aber Stefan, der noch immer da» Holpern und Stoßen des elendm Fuhrwerkes spürte, sagte:„Fahre nur. man braucht dich zu Haus«.... Ich werde zurück lieber gehen.... Der Doktor wird mir schon etwas geben. damit es gut ist----* Der Wagen fuhr sort. Stefan war ollein. Sah auf seiner Schwelle in der blanken Sonne und freute sich, daß es so schön warm war und daß er nicht mit dem Wagen fahren brauchte. Und wartete____ Dann, nach einer geraumen Zeit, kam endlich der Dostor und führte ihn in ix» Ordinationszimmer. Und Stefan erzählte von dem Stechen in der Brust und wie alles gekommen war. Dann wurde er lange untersucht, von allen Seiten abgehorcht und ab- geklopft und dies und das gefragt. Endlich war der Doktor fertig. Stefan sah ihn ganz ängstlich an und wartete beklommen, was er nun sagen werde. Und dann hörte er, daß er ganz ernsthaft krank sei und sich sehr schonen müsse und pflegen: daß er nicht arbeiten dürfe, noch lange nicht, einige Monate lang nicht... und vor allem keine schwer« Arbeit, dazu sei er überhaupt schon lang« zu alt, und gegen die Schmerzen sei hier eine Medizin: dreimal täglich zehn Tropfen, aber ja nicht mehr, denn das sei gefährlich. Damit drückte ihm der Doktor ein kleines Die wanöelnöe Glocke. Das arme KittS, im Schrecken» Es laust unö laust als wie im Traum. dle Glocke wirü es decken! Fläfchchen mit einer gelben Flüssigkeit in die Hand, murmelte etwas von: das übrige werde er schon mit dem Inspektor abmachen... und schob den Alten sachte zur Türe hinaus. Stefan stand auf der Straße und war auf einmal ganz bedrückt. Und während er nun langsam und mit müden Schritten aus der steinen Stadt ging und in die Fahrstraße einbog, die lange gerade- aus lief zwischen Aeckcrn und Wiesen, dachte er an alle die lange Zeit, die hinter ihm war und an die Zeit, die nun vor ihm lag. Nicht arbeiten, hatte der Doktor gesagt, lange nicht arbeiten, einen Monat lang nicht.... Ja, weswegen war er denn zu ihm gekommen? He?... Wenn er nicht arbeiten darf..., wozu hat er ihn dann gebraucht?... Nicht arbeiten!... Wie denn dann leben?... Wird man ihn füttern, wenn er nicht arbeitet?... Stefan lächelte: nein, das verstand der Doktor nicht. So ging er eine Weile zwischen den Feldern hin und seine Gedanken kreisten immer um denselben Punkt. Aber die Sonne, die heiß und stechend niederbrannte, und der staubige Weg, der immer länger zu werden schien, drückten seine Gedanken allmählich nieder, daß er endlich stumpf und schweratmend nur mehr an das Gehen dachte, das von Schritt zu Schritt mühsamer und mühsamer wurde. Er mußte sich niedersetzen und dachte: vielleicht hat der Doktor doch recht?... Du bist alt____ Das bißchen Weg... und du kannst schon nicht mehr____ Und das Stechen ist auch wieder da... Er schloß die Augen und dacht« an den langen Weg, der vor ihm lag und weit hinausführte, immer zwischen Feldern und Wiesen entlang, ohne Ende. Und auf einmal begriff er, daß wirklich alles aus war mit ihm Er war alt. Verbraucht. Ohne Kraft.... Da rafft er sich auf und fängt an zu laufen... nur fort... nach Hause..., bis er nicht mehr kann und keuchend hinfällt auf den grasigen Wegrand. Alles ist wie Feuer m ihm und in seiner Brust sticht es wie toll. Da» verfluchte Stechen! Nur das ist es!... Dos zwingt ihn nieder!... Er greift nach dem kleinen Fläschchen und trinkt es auf einen Zug aus---- O, er wird es schon vertreiben, das Stechen!... Dann lehnt er sich zurück und liegt still. Wartet ein bißchen. Schließt die Augen, die so müde sind und läßt die warm« Sonn« auf sein Gesicht strahlen. Und wird ganz froh, daß die Schmerzen wirstich nachlassen und immer linder werden und linder..., kaum, daß er sie noch spürt. Und er denkt, daß die schreckliche Zeit nun bald hinter ihm liegen wird und daß er dann wieder in den wogenden Feldern stehen wird, über die der laue Wind streicht und die Behren schaukelt____ Und dann wird auf einmal alle» so schwarz um ihn her.... Zwerge im Urwalö. Trümmervölker der Vorzeit. Zwergvölker leben noch vereinzelt als Trümmer au» alters- grauer Borzeit in fast allen Erdteilen. Man findet sie in Zentral- afrika, auf den Andomaneninseln, auf den Philippinen und auf der Halbinsel Malakka in Hinterindien. Paul Schebcsta, ein deutscher Forscher, war viele Monate Gast und Rcisegenosse der Zwerg- Völker auf den Waldpfaden Malakkas. Er hat ihr hartes Leben geteilt und lies in ihr Seelenleben geschaut. Da» Ergebnis seiner Forschungsreise liegt in einem reizvollen Buche vor, das erzählt von den Zwergvölkern aus Malalka und von dem dunklen, erhabenen Urwald(Bei den Urwaldzwergen von Malaya, Leipzig, F. A. Brockhaus). In der großartigen Stille des Urwalddunkels, in dem Wirrwarr von Dornengestrüpp, Lianen und Schilfgewächs wandert unhörbaren Trittes der Orang-Utan, dos ist nicht der Menschenasse, wie wir hierzulande diesen Ramen meist deuten, sondern das ist der Zwerg- mensch, das Rätsel der menschlichen Urzeit. Im Urwald ist seine Heimat. Hier ist er Herrscher, hier im dichtesten Waldesschatten fühlt er sich wohl. Er meidet die Sonne, weil sie ihm weh tut. Ueber die Verbundenheit des Zwergvolkes der Orang-Utan und der Semang mit dem Urwald erzähst Paul Schebesta:„Die Urwald- kinder sind scheu, still und nachdenklich. Di« Größe der Natur be- wundert man auf dem Meer oder im Hochgebirge, im Urwald über- wältigt sie. Im Urwald ist man das reine Nichts, man schaut kaum fünf Meter weit vor sich, man ist hier umklammen wie von lebenden Kerkermauern, die bald in lispelnden Tönen des säuselnden Windes flüstern, bald rufen und schreien, wenn der Orkan in die Wipfel der'Riesenbäume greift und sie zerzaust: das sind dann Augenblicke des Schreckens für den Orang-Utan. In sich zusammengekauert sitzt er und bangt und zittert ob des Zornes der Gottheit, die rn Donner- rollen und Sturm über seinem Haupte rast. In der Npt seiner Seele greift der winzige Urwaldmensch zum Bambussplitter und glaubt, mir seinem Blut, dos er sich aus der Wade schneidet, den erzürnten Gott zu versöhnen und seinen Unmut zu besänftigen, ihn, der die Donnerkeil« schleudert, die Bäume fallen macht und die Menschen tötet. Der Urwald hat den Semang zu dem erzogen, was er ist, zum stillen, scheuen, sanften, sinnenden Urmenschen. Dem oberflächlichen Beobachter mag der Semang ungeschlacht, roh, tierisch, gedanken- und empfindungslos erscheinen. Das ist er bestimmt nicht. Der Urwald vertieft, ja, er macht vielleicht tiessinnig und menschenscheu; er erdrückt einerseits, erhebt aber andererseits; er bewahrt vor allem vor Flachheit und erzieht zur Stetigkeit. Er erdrosselt des Menschen Stolz, seine Herrsch- und Habsucht und weckt dagegen stilles und inniges Wesen. Er macht seine Bewohner überlieferungstreu und darum glücklich. Warum liebt der Semang so seinen Urwald, daß er immer wieder zu ihm zurückflieht? Warum scheut und meidet er sc» sehr den Fremden? Weil ihm der Urwald den seelischen Frieden verbürgt, den ihm der Fremde mit seinem Kulturtand raubt: er sogt nicht nach irdischer Bequemlichkeit: lieber, tausendmal lieber fristet er ein armseliges Urwalddosein in stillem Herzensfrieden, als daß«r es mit den Sorgen und den beunruhigenden Gütern der Kultur vertauschte. Der Semang ist kein Sklave, sondern ein Kind de« Urwaldes, dem er dankbar ist und den er tief verehrt. Dem Urwald verdankt der Orang-Utan seine Armseligkeit, aber auch seinen seelischen Adel. Mir ist kein Volk auf Erden bekannt, das so armselig sein Dasein fristen würde, wie es die Semang tun. Di« Andamanen, die Aätas, die Pygmäen Afrikas besitzen alle ein größeres und besseres Inventar äußerer Kulturgüter als die Se- mang, an deren Rückständigkeit der Ilrwold schuld ist. Die Steinzeit hat den Bewohner des Urwalds nicht erreicht. Er versteht es nicht, Werkzeuge aus Stein zu formen, nicht etwa, weil der Urwald kein passendes Gestein beherbergt. Es ist und bleibt ein Rätsel, worum der Semang keine Steininstrumente erfunden hat. Eisen und seine Bearbeitung kennt er noch viel weniger. Da steht er nun, der win- zige Zwerg, dem riesengroßen Urwald gegenüber und soll ihn? meistern! Wie kann er dos? Legt er Feuer an, so brennt der Wald nicht nieder, vielmehr erstickt die Flamme bald in der üppigen Tropenvegetation. Niemals kann er mit dem Bambusmesser den Wald roden, und ein anderes Instrument steht ihm nicht zur Ver- sügung.„Schone mich, und ich ernähre dich," spricht der Urwald zum Urwaldmcnschen. Der Semang folgt der Ausforderung und durchwandelt den Wald, nach Nahrung suchend, nach Wurzeln, Pflanzen, Frücküen und eßbaren Tieren.' Was er an primitiven Werkzeugen benötigt, dos spendet ihm der Wald in verschwenderischer Fülle. Alle seine Werkzeuge sind ia aus Bambus hergestellt. Ursprünglich kennt er keine anderen Werkzeuge, jn selbst sein Holz- bogen beweist noch, daß er aus einem Bambusbogen hervor- gegangen ist. So stellt sich der Semang uns als ein Ueberbleibscl aus einer uralten Zeit, der Bambuszeit, dar.'' Der veränderliche Siütenöust. Die Düfte, die unseren Blumen entströmen, stehen fast immer in einem gewissen Zusammenhang mit der Farbe oder dem Gerbstoff- ' geholt der betreffenden Blüte, können aber andererseits auch durch die jewellige Temperatur, sowie durch Licht und Feuchtigkeit be- einflußt werden. Nach den Untersuchungen Reinhardt vermindert sich die Intensität des Duftes mit der lebhaften Farbe und dem Gerbstoffgehalt der Blüte, so daß stark gefärbte und stark gerbstoff- haltige Blüten immer weniger stark duften als weiß- rder zart gefärbte und gerbstoffarme Blüten. Rein weihe Blumen duften z. B. oft sehr stark, um die Aufmerksamkeit der in der Dämmerung und Nacht fliegenden Insekten aus sich zu ziehen, aus deren Be- sruchtung sie angewiesen sind. Mit der Zunahme der Färbung nimmt dann in der Regel der Dust mehr und mehr ob. denn die lebhast bis starkgcfärbten Blumen, die von Tagfaltern befruchtet werden, brauchen den Duft nicht, um die Falter anzulocken Die gelben, roten und biauen Blumen wollen also Hauptsäckstich durch ihre Farben auffallen. Völlig geruchlos sind alle grünlichen und grünen Blüten, wie denn auch eine ziemlich sicher begründete An- nähme besagt, daß die ersten Blumen, die in der Natur— in der oberen Kreide- und Tertiärzeit— austraten, grün oder grüngcfärbt und dustlo» waren, da die bis zu dieser Zeit lebenden Insekten noch kein« Blumenbesucher waren, sondern sich von organischen Stoffen nährten, weshalb eine Leuchtfarbe für die Blumen keinen Zweck gehabt hätte. Blumen mit bräunlichen oder schmutzigroten Farben, deren Befruchtung ausschließlich durch Aosfliegen erfolgt, sind zwar nicht ganz geruchlos, haben aber Düfte, die unserer Nase wenig zusagen. Entwickeln sich Blumen unter sehr starker Sonnenbestrahlung, so wird dadurch die Dustmengc wesentlich erhöht, doch gleichzeitig auch die Feinheit des Duftes beeinträchtigt. Daher kommt es, daß die Duftstoff« von Blüten, die in nördlicheren Gegenden wachsen, oft»iel feiner sind als die der gleichen Blüte, wenn sie im Süden wächst. Beispiele hierfür sind die besonders feinen Düfte des in England wachsenden Lavendels und der englischen Pfefferminz« so- wie der ungleich feinere Duft der in Deutschland gezüchteten Oel- rose im Vergleich zu den bulgarischen und türkischen Rosen. Mit dem Einfluß der Temperatur auf die Dustentwicklung hängt es auch zu- sammen, daß Rosen bei kühlem oder feuchtem Wetter viel seiner duften als bei großer Hitze: für Nelken beträgt z. B. die Temperatur. in der sie am stärksten duften, 18 bis 20 Grad R. Ueber und unter dieser Temperatur sst ihr Duft weniger stark und auch weniger aromatisch. In genügend feuchter Lust wirkt das starke Sonnenlicht weniger ungünstig auf die Duftentwicklung, weil Feuchtigkeit den Einfluß de» starken Lichtes vermindert. Daher duften die Blumen in licht- hellem und zugleich feuchtem Klima weitaus intensiver und feiner als die Blumen, die sich in warmer, ober gleichzeitig trockener Luft entwickeln. Diese Erscheinung zeigt sich besonders an stark ölhaltigen Gewächsen, wie an den Minzen-, Dost- und Gamanderorten, deren Duftenwicklung, wenn sie an heißen trockenen Stellen wachsen, viel geringer ist als an feuchten, ja sogar schattigen Plätzen. Aus allen diesen Ursachen heraus erklärt es sich auch, daß manche Blüten zu verschiedener Tageszeit verschieden stark duften. So z. B. die bekannte Wunderblume(dkiradilis), die am Tage fast geruckstos ist, bei Nacht jedoch intensiv duftet, eine Erscheinung, die man auch an Stech- apfelblüten und Tabatblüten wahrnehmen kann, wogegen, wie seiner- zeit Strasburger festgestellt hat, andere Blüten, so beispielsweise Seerosen, Kürbisblüten und Ackerwinden, nur während des Tages duften. Auch an frischen Deilchen hat man die Beobachtung gemacht, daß sie regelmäßig zu gewissen Tageszeiten stärker oder weniger stark duften. Was die Duststoffe der Blüten betrifft, so ist ihre chemische Zusammensetzung noch nicht ganz geklärt. Sie sind in Form ätherischer, also flüchtiger Osle meist in den Zellen der Blüten- kronenblätter enthalten und scheinen ohne Mitwirkung besonderer Organ« in den Pflanzen gebildet zu werden. Trotz des starken Dustes mancher Blüten sind die Oeimengen. die sie enthalten, fast verschwindend klein, so daß z. B. aus 10000 Iasminblüten nur ungefähr 0,5 Gramm Oel gewonnen werden können. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Ferienfahrt Erzgebirge: Treffpunkt der gemeldeten Zeilnehmer 15% whe Anhalter Bahnhof( Sperre). Wochenendtreffahrten am 16./17. Juli: Werbebezirk Kreuzberg nach Brieselang. Treffpunkt 19% Uhr Behrter Bhf. Unfosten 1,60 M. Fahnen und Musikinstrumente mitbringen. Sonntagsfahrer, Eltern und Parteigenoffen treffen sich um 9 Uhr am Lehrter Bahnhof. Fahr. geld hin und zurüd 1,60 m. Werbebezirk Neutöln nach Königswußterhaufen und Frauenfee. Treffpunkt 15, 17% und 19% Uhr Bahnhof Neukölln. Nachtquartier Jugendherberge Dubrow Berg. Bälle. Fahnen und Musikinstrumente mitbringen. Werbebezir! Diten: Morgen, Sonntag, Werbeveranstaltung in Hohenschön. hausen. Treffpunkt 13% Uhr Ringbahnhof Landsberger Alee. Fahnen und Sportgeräte find mitzubringen. Abt. Sumannplag. Sonnabend Fahrt! 18 Uhr Treffpunkt Prenzlauer Allee zur Fahrt Magfee. Fahrgeld 80 Pi Abt. 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