Nr. 334 a ♦ 44.?ahrg. Musgabe A Nr. 171 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Ptennig. monatlich B,— Zieichsmart voraus zahlöar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelzeblet. Oesterreich, Litauen, Luremburg 4,Z0 Zieichsmart, lilr das itdrige Ausland SL0 Zieichsmart pro Monol, Der.Vorwärts' mit der Illustrier. ten Sonntagsbeilage.Soll und Zeil' sowie den Beilagen.Unterhaltung lind Wissen',.Aus der Filmwelt". .Frauenstimme',.Der Kinde:. sreund'. �sugend-Vorwärt,',.Blick in die Bllcherwelt' und»Kultur. arbeit' erscheint wochentäglich zwei. pial. Sonntags und Montags einmal. i. Telegramm-Adrelse: j »SozialSeiaotrot Berlin" Morgenausgabe Nerlinev VolksblÄkt �10 Nksnn's) Anzeigenpreise: Die»tnspalttoe?oa»»rcille. geile 80 Btenntg Zietlamezetle d.— Reichsmart.Kleine Anzeigen' da» tettgedruckte Wort 2d Dicnnig lzulässig zwei tettgedruckte Worte!. sedes weitere Wort 12 Piennig, Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, ledes weitere Wort 10 Pfennig. Worte liber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 00 Pfennig. Familicnanzeigen Mr Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen Mr die nächst« Nummer mUffen bis 4ifi Uhr nachmittags im Sauptgefchäst. Berlin EW 08, Linden. straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8lh Uhr früh bis S Uhr nachm. ZentraXorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ueöaktion uns Verlag: Serlin EW. SS, Linüenftraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. HS, Linüenstr.Z Posifchecktonto: Berli»»7 03«—«avNonto: Baal der Arbeiter. Augeftelllc» uad Beamten. Wallstr. 00: Distonto-Sesellschast, Devosttentaste Lindenstr. 3. Noch keine Lösung in Wien Ruhiger Tag— aber kein Fortschritt der politischen Verhandlungen. Generalstreik beendet, Verkehrsstreik dauert an.- Die Gemeinde- schuhwache im Dienst.- Die groste Vertrauensmännerkonferenz fordert Bestrafung der Schuldige». Wien war gestern ruhig. Der Generalstreik ist Programm- mäßig eingestellt, der Verkehrsstreik dauert programmäßig fort. Die neue Gemeindeschutzwache ist vereidigt und hat ihren Dienst aufgenommen. Neben ihr funktioniert die Polizei. Eine Sitzung des Parteivorftalldes und der Gewerkschaften fand statt. Man war der Auffassung, daß eine Aenderung des bestehenden Regimes unvermeidlich sei. Forderungen auf Rücktritt bestimmter Personen werden nicht erhoben. Es wird eine Stärkung des Parlaments gegenüber der Regierung gewünscht und dabei vermutlich daran gedacht, dem Hauptausschuß des Nationalrats exekutive Vollmachten in irgendeiner Form zu verleihen. Ein Ergebnis, das zur Lösung der politischen Krise führen könnte, ist bisher nicht erzielt. Nach offiziösen Meldungen will die Regierung den Nationalrat einberufen, wenn der Streik beendet ist. Die große Pertrauensmännerversammlung der Partei und der Gewerkschaften tagte gestern nachmittag. Genosse Ba u e r beantragte eine Entschließung, in der eine Unter- snchung unter Mitwirkung von Arbeitervertretern und strenge Bestrafung der schuldigen Polizeibeamten gefordert wird. Die Entschließung wurde nach stürmischer Debatte an- genommen. Sitzung öes parteivorstanües. Beschlust mit Jeipel weiter zu verhandeln. r. bn. B i c n, 17. Juli. 16 Uhr. heule gegen AUliag ist der P a r l e i v o r st a n d mil Zuziehung der Vertreter der großen Gewerkschaften zusammengetreten. Die Besprechung ergab die Beauftragung der Genossen Bürgermeister Seih und Dr. Otto Bauer zu neuqp Verbandlungen mit dem Bundeskanzler S e i p e l. Grundlage der Verhandlungen soll die in der Konferenz allgemein vertretene Auffassung sein, daß dos bis seht geführte Regime in einem Blutbad, in Anarchie und Zerstörung zusammengebrochen sei. daß also ein anderes Regime kommen müsse, und daß man vom Bundes- kanzler Vorschläge erwarte, wie dieses Regime aussehen soll. Es ist damit keineswegs gesagt, daß die Sozial- demokratische Partei irgendwie gegen die Zorlsührung der parlamentarischen Demokratie auftreten würde. Es kann sich also nur um eine neue Abgrenzung der Zuständigkeit des Parlaments, insbeson- dere seines hauplausschusses und der Regie- r u n g handeln, wobei zu beachten ist. daß nach der deutsch- österreichischen Bundesverfassung die Regierung vom Rationalrat gewählt wird. Besprechungen, die später mit Seipel geführt wurden. blieben zunächst ohne Ergebnis. Die große Konferenz. Einmütiger Beschlust nach stürmischem Verlauf. t. bn. Dien. 17. Juli, 23 Uhr. Im Großen Saal des Arbeiterheims Favoriten, der Stätte so vieler historischer Versammwngen und Parteitage, haben heut« nach- mittag über ISOll Funktionäre und Vertrauensmänner der Sozial- demokratischen Partei Oesterreichs, der Gewerkschaften und Betriebe Wiens Stellung zu den furchtbaren Vorkommnissen des Freitag und Sonnabend genommen. Die Kontrolle am Eingang war überaus streng, der Saal selbst in ungeheurer Weise überfüllt. Gewaltige Menschenmengen warteten auf der Straße das Erscheine? der be- kannten Führer und das Ergebnis der wichtigen Versammlung ab. Nationalrot Genosie Sevo« eröffnete die Versammlung, die sich in erm'tew Schweigen erhob, mit einem ergreifenden Nachruf jüx dt»?gde»oxj«r. Er kündigt« an, daß neben der hilss- ch-~•' aktion der Stadt Wien auch die Arbeiter selbst die Angehörigen der Opfer vor Not bewahren werden. Zurufe oerlangten auch eine Be- teiligung des Bundes Oesterreich an dieser Fürsorge. Genosse Dr. Otto Bauer, der dann das Referat erstattete, betonte wiederholt, daß man nicht verallgemeinern dürfe. So brutal, ja bestialisch das Vorgehen eines Teiles der Polizei war, so verhielt sich doch ein anderer Teil rück- sichtsvoll. Bauer hob mehrmals hervor, daß auch ein Polizist, dessen Leben bedroht wird, selbstverständlich alle Mittel zu seiner Per- teidigung anwenden könne und müsse, ober von einer derartigen Bedrohung tonnte nur in wenigen Fällen die Rede sein. Eine Be- kannimachung der Bundesregierung, die das Vorgehen der Polizei rechtfertigt, kritisierte Bauer auf das schärfste, weil diese Bekannt- machung dem lesenden Publikum verschweigt, daß es der R e p u. blikanifche Schutzbund gewesen ist, der der Feuerwehr den Weg zum brennenden Justizpalast geebnet Hot, so daß sie mit dem Löschwerk auch schon beginnen konnte. Da begann plötzlich die Polizei ohne jeden Anlaß Schnellfeuer, und dadurch wurde in seiner weiteren Auswirkung das Läschwcrk erst wirklich oerhindert. Bauer wandte sich dann der Stimmung des Bürgertums zu und erklärte, soweit man diese Stimmung ergründen und feststellen könne, stünden sich zwei gegensätzliche Auffassungen gegenüber. Die eine will möglichst bald wieder Ruhe und Ordnung und ungestörte Produktion haben, damit Handel und Wandel und Profit gedeihen. Die anderen aber glauben, nun die Gelegenheit gefunden zu haben, um die Arbeiler zurück- und nieder- zuwerfen. Die das glauben, täuschen sich, und um ihnen das nach- drücklichst zu Gemllte zu führen, ist neben dem nur aus ,21 Stunden erklärten Generalstreik, der zum Protest dienen sollte, der t e ch- nische Streik proklamiert worden, der das gesamte wirtschast- liche Leben aus das empfindlichste trifft. Di« leitenden Instanzen der Arbeiterbewegung sind sich vollkommen klar über die schweren wirt- schaftlichen Folgen des technischen Streiks, die sie außerordentlich bedauern. Aber sie können diese Folgen nicht von dem Lande nehmen, solange die Arbeiterschaft nicht darüber beruhigt sein kann, daß ihr nicht ein neuer Ueberfall der reaktionären Mächte mit dem Ziel droht, den Arbeitern eine entscheidende Niederlage zu bereiten. Die österreichische Sozialdemokratie will den Bürgerkrieg nicht. sie hat deshalb auch nicht das Proletariat bewaffnet, sie will den Bürgerkrieg verhüten, so lange es nur irgend möglich ist, und sie will ihn überhaupt vermeiden. Es liegt an den anderen, ob sie durch Vergewaltigung der Demokratie es zum Bürgerkrieg treiben. Zwar ist nicht das Proletariat bewaffnet, aber bewährte disziplinierte Proletarier sind in der Gemeindeschugwach« zu bewaffneten Hütern der Ordnung und Ruhe in Wien bestellt worden. Jede Gemeinschaft mit den Brand st islerv Im Zustizpalast, mit den Leuten, die einzelne Polizisten oder Polizei- wachtstuben überfallen haben, oder die bei den gestürmten antisozialistischen Zeltungen sogar Kleider mitgenommen haben, weist die organisierte Arbeiterschaft weit v o n s i ch. Sie lehnt es auch ab. die faschistische Methode der Zer- störung gegnerischer Zeltungsbetriebc zu der ihrigen zu machen. Bauer unterbreitete dann der Versammlung die Vorschläge des Parteivorstandes und der Gewerkschaftskommissian: Diederausnahme der Arbeit morgen. Montag. S Ahr früh, in allen Betrieben mit Ausnahme des Verkehrs- wesen». Einsetzung von Arbciterzügcn aus den Eisenbahnen, aus denen bisher nur die Leben smittelzügc nicht stillgelegt worden sind. Fortsetzung des Streiks in der Post, dem Telegraph- und Telephonwefen. aus der Eisenbahn und der Schiff- fahrt. Hilfsaktion für die Opfer durch organisierte Geld- sammiung in der Arbeiterschost. Strenge Untersuchung unter Mitwirkung der Vertreter der organisierten Arbeiterschaft. - Strenge Bestrafung der schuldtragenden Polizeibeamten. Es folgte eine überaus lebhafte, zum Teil sehr stürmische Debatte, in der es wiederholt so, aussah, als ob die Hälfte, vielleicht sogar die Mehrheit der gewaltigen Versammlung sich gegen die Taktik der leitenden Instanzen aussprechen wollte. Es wurde insbesondere verlangt, daß die G c m e i n d e s ch u tz- wache mit der Staatspolizei nicht zusammenwirken solle. Stürmische Zustimmung fand die Forderung nach Berstadt- lichung der Polizei.— Von ungeheurem Beifall begrüßt, ergrisf um Schluß der DiskussiP, der Sekretär der Internationale Genosse Dr. Friedrich Adler das Wort. In überaus eindringlichen, leicht faßbaren und wirkungs- sicheren Sägen forderje Adler die Wiener Arbeiterschaft auf, ihre oft bewährte Disziplin zu wahren. Das Schlußwort hielt! Otto Bauer, der auf eine direkte Anfrage erklärte, daß bei den wiederholten Ge- legenheiten. wo er und Bürgermeister Seih in den letzten lagen mit dem Bundeskanzler Seipel zusammengewefen sind, selbstver- ständlich auch über die Frage gesprochen wurde, durch welche politi- schen Maßnahmen sür die Zukunft derartige Katastrophen verhindert werdcn könnten; Verhandlungen von Partei zu Partei seien aber bis jetzt nicht geführt worden. Aus diesen Worten hatte man den bestimmten Eindruck, daß diese außerordentlich wichtigen Besprechungen heute nicht vpr. wärt? geführt haben. Bauer betonte auch, daß man noch nicht übersehen könne, wann auch der technisch« Streik beendet werden soll. Schließlich wurde die Resolution Bauer einstimmig ange- nommen. Es wird also morgen früh 8 Uhr die Arbeit wieder be- ginnen, es werden morgen nachmittag auch die Zeitungen zum ersten Male wieder erscheinen. Nach der Annahme der Resolution Bauer sprach im Namen eines vom Parteivorstand eingesetzten Komitees der Leiter des städtischen Gesundheitswesens, Stadtrat Universitätsprofesior Genosse Dr. T a n d l e r über die Bestattung der Opfer. Sie werden am Mittwoch nachmittag 2 Uhr in Einzelgräbern, jedoch aus einem gemeinsamen Platz im Zentralfriedhof bestattet. Auch die Asche der- jenigen, deren Verbrennung die Angehörigen wünschen, wird dort beigesetzt und ein großer Denkstein mit allen Namen der Opfer und einer entsprechenden Widmung errichtet werden. Die Bestattung geht— selbstverständlich sagte Professor Tandler— auf Kasten der Stadt Wien. An der Trauerfeier werden außer den An- gehörigen nur die Funktionäre und Betriebsvertrcter teilnehmen. Ein Aufmarsch wird dadurch vermieden. In sämtlichen Betrieben wird Mittwoch um 2 Uhr nachmittag eine Trauerpause van IS Minuten eingelegt werden. Zlug nach Wien. Erste Eindrücke nach der Ankunft. Bon Richard Bernstein. Dien, 17. Juli, 14 Uhr. In größter Spannung näherten sich die Berliner Pressevertreter in mehreren Sonderflugzeugen am gestrigen Tage Wien. In Prag erreichte uns die Bestätigung, daß wir nicht nach Wien- Aspern fliegen können— warum wußte niemand. In Wien- Aspern, so hieß es, hätte man reichsdeutsche Flugzeuge und Flieger festgehalten. Auch das planmäßige Flugzeug Wien— Prag war dort nicht eingetroffen. Die tschechischen Flieger, die in früher Morgenstunde von Wien eingetroffen waren, wußten von einer Be- Hinderung des Flugverkehrs nichts und wallten sich für ipine Wiederherstellung einsetzen. Sie vermuteten, daß in Aspern die dort anwesenden Genossen und die Flugplatzleitung gegenüber einem großen Ansturm von Flugreisenden aus Material- und Sicherheitsgründen die Beförderung unterbunden hätten. Dabei kann möglicherweise auch das Gefühl mitgespielt haben, daß es dem Gedanken des Generalstreiks im Verkehrswesen zuwiderlaufen würde, wenn die zahlungsfähigen Leute fortfliegen könnten. Uebri- gens begegnete uns später ein kleines Flugzeug, das von Wien nach Prag unterwegs war und vermutlich Nachnchtenmaterial der offiziösen Korrespondenz dorthin brachte. In Preßburg-Bratislawa bringt uns die dortig« Zollaberfertigung leider einen äußerst schmerzhaften Zeitverlust, der noch durch mehrere überflüssige Paß- und Gepäckkontrollen des per- sönlich sehr entgegenkonimenden, aber bureaukratischen Direktors der tschechischen Grenzst.'tion arg vergrößert wird. Wir waren gegen 13� Uhr von Berlin-Tempelhof abgeflogen, hatten in Dresden wegen Gewitter im nördlichen Böhmen längere Zeit warten müssen und waren erst in der achten Abend- stunde in Preßburg angekommen. Es war 22M Uhr, als wir endlich mit dem Automobil weiter konnten. Dabei entstand an der nahen Grenze wiederum ein längerer Aufenthalt, zumal nur acht Preßburger Chauffeure die Erlaubnis zur Grenzüberfahrt haben. Auf deutsch-österreichischem Boden nach der Paßkontrolle mehrere Schutzbundmänner auf der Landstraße:„Was? Vom Berliner „Vorwärts?" Bitte Ausweis— Ja, Freundschaft, Genoss e!" Sie wissen hier draußen natürlich nicht genaues: übertriebene Ge- rüchte sind in dieser verkehrsarmen, von der Großstadt abgelegenen Gegend gedrungen. Tag und Nacht halten sie in Sonnenglut und Gemitterregen in unbegrenzter Aufopferung Wache und Bereitschaft, zumal das Burgenland und Horthy-Ungarn in der Nähe sind. Das Verhältnis der Schutzbündler zu den staatlichen Organen, den Gendarmen und Finanzwächtern, ist durchaus gut. Endlich— Meni Die Straßen normal beleuchtet, das heißt in dem verstärkten Maße, das der roten Gemeindeverwaltung zu verdanken ist. Verschiedene Gast- und Kaffeehäuser find noch offen, aber ein heftiger Gewitter- regen hatte gegen Mitternacht die Straßen leergefegt. Ab und zu Schutzleute mit Gewehr bei Fuß— zum ersten Male wohl fest Jahrzehnten in Wien zu sehen. Auch ein« Abteilung Wehrleute des Bundesheeres im Stahlhelm mit auf- gepflanztem Bajonett auf dem umgehängten Gewehr überholen wir. Sie marschieren ober nur, um die Absperrung des Iustizpalastes zu verstärken. Vor dem Parteihaus Schutzbüwdlcr und Autos: alles ist noch um 1 Uhr überfüllt von Menschen. Eben wird die dritte Nummer' des„M itteilungsblattes der Sozialdemokratie Deutsch-Oesterreichs" im Format der„Arbeiter.Zeitung" und vier Seiten Umfang fertiggestellt. Die erste Nummer am Sonnabend- morgen wurde in 7lX10l)l) Exemplaren hergestellt, die Sonntag- Morgennummer wird in mehr als der doppelten Auflage verbreitet. Di« Partei läßt sich diese Zeitung von den Abnehmern, die sich darum reißen, nicht bezahlen, sondern man hat lediglich 4 Groschen (2,4 Pfennig) für den Kolporteur zu entrichten. , Am Heuligen Sonnlagmorgen bietet Wien im Straßenleben ein durchaus ruhiges Bild. Die Straßenbahn ist heute in aller Frühe wieder ausgefahren und die Befürchtungen, daß in einigen proletarischen Bezirken die Auefahrt der Straßenbahn gehindert werden würde, hat sich nicht erfüllt. Auch die Taxameterautos sind wieder in vollem Be- trieb, ebenso die elektrische Stadtbahn und die Autobusse. Dagegen bleibt der Streik bei der Eisenbahn, dem Telegraphen- und Telephonwesen sowie für Lastkraftwagen der Behörden und der Industrie noch weiter ausrecht.— Die Kampfzone, namentlich die Gegend zwischen der Votivkirche und dem früheren Hofpark, ist am heutigen Sonntagoormittag das Ziel einer wahren Massenwande- rung. Die Leute stehen und betrachten die Spuren der furchtbaren Vorgänge vom Freitagvormittag, in erster Linie natürlich die schauerliche Brandruine des Iustizpalastes. Noch immer spürt man in der Gegend einen Brandgeruch, noch immer ist die Feuerwehr mit Unterstützung von Wehrleuten bei der Aufräumungsarbeit. Di« nächste Umgebung des gewaltigen Palastes ist wegen der Aufräumungsarbeiten und wegen der immerhin denk- baren Möglichkeit eines Einsturzes von Polizei und Militär ab- gesperrt. Die Fensterhöhlen sind leer, das Dach zum größten Teil abgebrannt, nacktes Eisengerüst ragt in die Luft, ja von einer Seite bietet der Iustizpolast sogar einen Anblick, der an die Heidel- berger Schloßruine erinnert. Inmitten all dieser Zerstörung steht in der großen Kuppelhalle des grandivsen Meisterbaues die tzarrp S. Mbaöer. Ein Brieffragment. New Port, den 17. Februar 1343. ... konnte in keinem günstigeren Zeitpunkt angekommen sein, denn ich traf die Stadt in einem unbeschreiblichen Taumel der Kunstbegeisterung, der bis zur Spitze des neuerrichteten 214stöckigen Everest-Vuilding emporzittert«. Der Enthusiasmus galt dem gestern noch gänzlich unbekannten Dramatiker Harry S. Albader, der durch die Aufstellung eines neuen Dramenrekordes über Nacht zur popu- lärsten Persönlichkeit der U. S. A. geworden ist. Harry S. Albader startete am IS. Februar um 4 Uhr früh in einem Pannofix-Dreidecker, nahm dem 73. Längengrad folgend genauen Kurs nach Süden und erreichte Punkt 21.33 Uhr den Aequa- tor, den er in der Richtung Oft-West zu umkreisen begann. Immer genau der Linie des Aequators folgend, hatte Harry S. Albader am IS. Februar uy, 23.27 Uhr die Umfliegung der Erdkugel und gleichzeistg ein fünfaktiges Drama mit dem verheißungsvollen Titel 'V 521(271'+ V 27) vollendet. Das Drama, nunmehr das größte Wert der Literaturgeschichte, wurde von Adolphus I. Moneymaker zur Uraufführung im Gigant- ftadion gegen 2 431 333 Dollar erworben. Das Stadion faßt 133 333 Zuschauer und ist, obwohl der billigste Ptatz 23 Dollar kostet, bereits für 23 Ausführungen im voraus ausverkauft. Die Hauptdarstellerin erhält 13 333 Dollar für jedes Auftreten, ihr männlicher Partner 3333 Dollar. Um die Verfilmung streiten sich zwei Gesellschaften, deren eine, die Parfümpipi, dem Dichter eine Lebensrente von 133 333 Dollar jährlich, die andere, die Famospopo, eine Barzah- lung von 2 333 333 Dollar bietet. Für die Aufnahme soll in der Salt-Luke-Wüste eine besondere Filmstadt von 53 333 Einwohnern gegründet werden. Ueber den Inhalt des Dramas berichtet die Presse einstweilen folgendes: dos Nationalwerk umfaßt auf 231 Manuskriptblättern 6211 Zeilen. 32373 Worte. 169 217 Buchstaben. Es treten 217 Personen aus, alles hundertprozentige Amerikaner. Im ersten Akt werden auf offener Bühne 67 230 Dollar verdient, im zweiten das Doppelte, im dritten das Dreifache usw. An weniger aufregenden Vorkommnissen werden noch erwähnt: 23 Morde, 39 Raubüber. fäll«, 18 Ehescheidungen. Die Ursachen der letzteren sind aus Schick. lichkeitsgründen im Drama fortgelassen, nur erfährt man an einer Stelle, daß«in widerlich-brutaler Ehemann seiner gemarterten Gattin statt 27 333 nur 23 333 Dollar zum Ankauf eines Bade- kostüms aus gesponnenen Diamanten bewilligen will. Die Presse oerlangt aber kath�gorisch die Fortlassung dieser Szene, die geeignet Statue der Iustitia, der Gerechtigkeit, deren Mißbrauch zu all den fürchterlichen Schrecknissen geführt hat.... Die neue Gemeindeschutzwache, deren Errichtung heute früh durch das Mitteilungsblatt und in der Mittagsstunde auch durch viele tausend Flugblätter vom Bürger- meister S e i tz den Wienern bekanntgegeben wurde, ist hauptsächlich in den äußeren Bezirken in Dienst gestellt worden. Ueber die Vereidigung dieser neuen Arbeiterpolizei im Gemeindedienst be- richten wir an anderer Stelle. Die Schutzbündler im Polizeidienst sind aus den Beständen der Staatspolizei mit Säbeln und P i st o l e n ausgerüstet worden. Die Aufstellung der Gemeinde- schutzwache ist im Einvernehmen mit der staatlichen Polizeidirektion, also mit Schober, erfolgt— die Bundesregierung hat man um ihre Genehmigung dazu um so weniger gefragt, als die Gemeinde nach der Gemeindeverfassung zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit verpflichtet und darum zu entsprechenden Maßnahmen berechtigt ist. Uebrtgens hat die Bundesregierung des Herrn S e i p e l sich den ganzen Freitag über und auch noch einen Teil des Sonn- abends geradezu tot gestellt und dadurch den Anspruch verloren, noch als Repräsentantin des österreichischen Volkes angesehen zu werden. Das ist die Meinung der erdrückenden Mehrheit des Volkes von Wien. Es ist selbstverständlich, daß nicht nur die Führer der öfter- reichischen Sozialdemokratie, sondern auch all die Hundertausende organisierter Genossen die Barbarei der Verbrennung des Iustizpalastes und auch der anderen, wenn auch geringeren Zer- störungen weit von sich weisen. Diese Taten, wie auch die grauen- haften Totschläge, die an einigen Schutzleuten verübt wur- den, fallen jungen Leuten zur Last, von der Sorte, die es in jeder Großstadt gibt— wieviel mehr erst in diesem Wien, das als über- große Hauptstadt eines zur wirtschaftlichen Selbständigkeit unfähig gemachten Staates unglaubliches Leid Jahr für Jahr ertragen muß. Die furchtbare Erbitterung d'e in diesen Gewaltakten ausartete, und deren hoffentlich letzter Ausläufer der Angriff auf die Polizei- wachtstube am Sonnabendabend in H e r n a l s gewesen ist, er- klärt sich nur aus dem unverantwortlichen und ungeheuerlich brutalen vorgehen der Polizei am Freitag vormittag. Ruhig demonstrierende und bei aller inneren Erregung sich jeder Gewalttätigkeit enthaltende Arbeiter waren die Opfer. Das Schlimmste, was bis dahin von den Demonstranten verübt worden war, war ein Versuch, in die Universität einzudringen, der mißlang, dem aber zahlreiche Fensterscheiben zum Opfer sielen. Durste dos Grund genug sein, auf eine Ver- sammlung unter freiem Himmel, ja auf die zur Absperrung, und Er- Haltung der Ruhe aufgestellten Schutzbündler ein wildes Feuer aus Pistolen und Karabinern zu eröffnen?— Unsere Genossen empfinden es natürlich sehr schwer, daß das Hauptwerk der Zerstörung, die Anzündung des Justiz- palastes, gerade in jener Zeit am Freitag vormittag erfolgte, als die Polizei auf Veranlassung des Bürgermeisters, der die Ver- antwortung dafür glaubte übernehmen zu können, z u r ü ck g e- zogen worden war... Von welcher Art die Leute waren, die dieses Werk vollbrachten, geht u. a. auch daraus hervor, daß der Versuch des allbekannten Bürgermeisters Genossen S e i tz und des beliebten Genossen B r e i t n e r, durch ihre persönliche Begleitung die Feuerwehr an den Iustizpalast heranzubringen, mii einem Steinhagel und wüstem Geschrei aufgenommen und verhindert wurde. Wenn man eben aus Deutschland kommt, fragt man die Wiener natürlich, warum sich denn die Feuerwehr nicht durch kräftige Strahlen kalten Walsers den Weg freigemacht habe. Aber es ist bei der Wiener Feuerwehrleitung eine jahrelange Tradition, die man selbst jetzt nicht durchbrechen wollte, daß die Feuerwehrspritze nicht gegen Menschen anzuwenden sei und daß die Feuerwehr sich überhaupt neutral zu oerhalten habe und sich nicht in den poli- tischen Parteikampf einmischen dürfe, um das allgemeine Vertrauen nicht zu verlieren. Die Stadt Wien hat heute zur Milderung der ersten Not den Familien der Opfer vom Freitag und Sonnabend 133 333 Schilling, gleich 63 333 M., als erste Rate zur Verfügung gestellt. Die Gesamtzahl der Toten beziffert sich bis zur Stunde auf 67. fei, den amerikanischen Nationalcharakier in ein schlechtes Licht zu setzen. Man fürchtet auch den Protest der Frauenbünde, deren her- vorragendst« schon erklärt haben, daß die Vorführung derartiger Scheußlichkeiten für das Gemüt der amerikanischen Frau unerträg- lich sei.— Sehr befriedigend nimmt die Presse davon Notiz, daß an jedem Aktschluß ein Neger gelyncht wird und schlägt vor, die Verbrennungen nicht nur als Theatertrick, sondern in natura, zu vollziehen, was bei 133 Aufführungen immerhin zur Verbrennung von 533 Negern führen würde. Du siehst also, lieber Freund, daß die Kunstbegeisterung keines- wsgs, wie altmodische Leute behaupten, im Abnehmen begriffen ist, sondern sich mit steigender Kultur zu immer lebhafteren Formen entwickelt. Der„New Pork Spektakler", ein Blatt von 2333 333 Auflage, führt den ziffernmäßigen Beweis, daß kein Volk soviel für die Kunst tut wie das amerikanische: der Dichter Harry S. Albader erhielt innerhalb 24 Stunden: 4617 Telegramme, 3 681333 Briefe, 71 261 Blumenspenden, 563 296 Heiratsanträge, 4716 En- gagenientsangebote über zusammen 216333 333 Dollar. Sein Ma- nager Adolphus I. Moneymaker konnte bereits an der heutigen Börse die Mehrheit im Abführmitteltrust erwerben und kontrolliert von dort aus vier Eisenbahnlinien sowie die Akttengesellschaft zur Verlegung der Sächsischen Schweiz in den Pellowstonepark. Die Kau- gummimarke, die Harry S. Albader bevorzugt, soll nach ihm be- nannt werden, wovon man sich«ine Erhöhung des Absatzes um 233 Proz. verspricht. So durchdringt die Kunst noch und nach das gesamte merkantile Leben. Di« Tage der nüchternen Dollarjagd sind auch für U. S. A. vorbei.... Mich, von Lindenhecken. Der geheimnisvolle Kasten der Prophetin". Seit einiger Zeit beschäftigt sich die englische Oeffentlichkeit mit einem merkwürdigen Kasten, den ein« im Anfang des 19. Jahrhunderts berühmt«„Pro- phetin", Ioanna Southcott, hinterlassen hat, der wundersame Ossen- barungen bergen sollte und seit III Jahren fest versiegelt war. Nachdem man bereits mit Röntgenstrahlen dem Kasten zu Leibe gegangen war. ist er jetzt in Gegenwart einer großen neugierigen Menge in der Geöächtnishall« des Gemeindehauses von Westminster durch Mitglieder der Gesellschaft für psychische Forschungen feierlich geöffnet worden. Der Bischof von Grantham beschrieb den Zu- schauern alle Gegenstände, die aus dem Kasten ans Tageslicht kamen. Für die Anhänger der Prophetin, die es noch heute in England gibt, war ober das Ergebnis sehr enttäuschend, denn es kamen allerlei sehr weltliche Dinge aus dem Besitz der srommen Dienstmagd zum Vorschein So fand man«in Lotterielos von 1796, eine Büchse mit Würseln, eine alte Reiterpistole, ein Paar goldene Ohrringe, einige Münzen und eine feingestickte Haube, die von den einen als Nachthaube der Prophetin erklärt wird, während andere Ungefähr 933 Verwundete sind in der Pflege der Spitäler oder ztt Hause im Krankenbett. Die Zahl der Verhafteten beträgt nach Angaben der Regierung 252. * Unter den Fluggästen, die am Sonnabend nachmittag mit den Flugzeugen der Lusthansa in Berlin abgeflogen und in der Nachk über Prcßburg angekommen waren, befand sich auch der Berliner kommunistische Landlagsabgeordnete Pieck.— Auch der Berliner Polizeioberst Heimansberg, der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, ist im Flugzeug in Wien angekommen. Der Schwur auf Sie Republik. Aufstellung und Vereidigung der«Aemeindeschutzwache. r. da. Wien, 17. Juli morgens. Am Sonntag HS Uhr früh marschieren die ersten Züge der nett aufgestellten Gemeindeschutzwache durch die stillen Straßen des Rathausoiertcls. Um 5 Uhr ist der Arkadenplatz von den Ab- teilungen gefüllt. Major D e r n a tz ordnet die einzelnen Züge. Er erklärt den Zweck der Gsmeindewache: Zehn Tage Dien st zur Bewachung des Gemcindeeigcntums und zur Wiederher- stellung der Ordnung. Di« Angemusterten werden in Re- gifter eingetragen und erhalten Pistolen und Säbel. Frühstücks- menage und Rast gibt es in der Volkshalle. Viele von den Leuten sind ununterbrochen 48 Stunden unterwegs und im Dienst. Um 13 Uhr vormittags kommt Bürgermeister Genosse Seitz, mit ihnr die Stadträte B r e i t n e r, Speiser und andere und Magistrats- direktor H a r t l. Genosse Dr. Deutsch spricht: „Wir haben eine sehr schwere und sehr ernste Aufgab« übernommen. Wir wollen dos, was die Gemeinde Wien geschaffen hat und was nun bedroht ist, schützen. Darüber hinaus W i e n z u r O r d n u n g, zur Ruhe und zum Frieden zurückzuführen Wir geloben Ihnen, Herr Bürgermeister, diese Ausgabe Ihrer Weisung ge- mäß zu erfüllen." Nun hält der Bürgermeister folgende Ansprache: „Wir stehen in ernster Zeit, es war ein schwere rEnt- schluß, diese Gemeindeschutzwache ins Leben zu rufen. Wir ver- langen von Ihnen Treue, Gehorsam und unverbrüchliche Disziplin. Es ist nur eins einfache Gelöbnisformel, die Sie hier abzulegen haben. Aber es ist doch zugleich ein heiliger Eid, hinter dem Sie als ganze Männer stehen müssen. Es gilt die Verteidigung der Republik und der freien Gemeinde, es gilt uns«ntgegenzuführen dem. was wir alle als das höchste Ziel der Menschheit ersehnen. Darin dürfen wir uns aber nicht irre machen lassen. Die Republik muß sich auf Sie verlassen können. Tie müssen nach rechts und nach links gleich stramm ihre Pflicht erfüllen. Möge jeder ein- zelne die Verantwortung fühlen, die auf ihm ruht. In diesem Sinne begrüße ich Sie und fordere Sie auf, das Gelöbnis zu leisten." Nun verliest Stadtrat Speiser das Gelöbnis, das von vielen Hunderten Kehlen nachgesprochen wird: „Ich gelobe, der Gemeinde Wien und der Republik Oesterreich unverbrüchliche Treue zu halten und sie mit allen meinen Kräften nach den Anordnungen d«s Bürgermeisters oder der von ihm beauf. tragten Organ« zu schützen." Mit dem Ruf:„Es lebe die Republik!" geht die neue Ge- meindeschutzwache an ihre schwere und verantwortungsreiche Arbeit, Seipel erwarte» ein»politisches /lbkouimen"'. Innsbruck, 17. Juli.(WTB.) Sonntag vormittag ist ein Ministerialrat als Vertreter der Bundesregierung im Flugzeug aus Wien hier eingetroffen und hat der Landesregierung von der Bun- desregierung Bericht erstattet. Darin heißt es: Bei den Bunde?, bahnen wickelt sich der Verkehr der L e b e n s m i t t e l z ü ge rei- bungslos ab. Unter dem Personal herrscht vollkommene Ruhe, und es besteht die Vereitschaft, den Betrieb sofort wieder aufzu- nehmen, wenn die Wiederkehr der Ruhe durch ein politische? Abkommen gesichert sein wird. In Tirol selbst ist alles ruhig. Trotzdem reisen die meisten Fremden ab. Für ihre Beförderung ist«in besonderer Autodienst eingerichtet worden. Das Telephon funktioniert in ganz Tirol, man kann auch mit dem Ausland nach allen Richtungen sprechen. Der Verkehr ist nur nach den übrigen Bundeslän- dern unterbrochen� Die Postbeamten und Eisenbahner streiken jedoch auch hier. Es werden nur die Lebensmittelzüge und die zwischen Deutschland und Italien durchsah- renden Güterzüge weiterbefördert. darin ein Kinderhäudchen erblicken wollen, das Ioanna für das von ihr erwartete Kind, den künftigen Messias, bestimmt hatte. Neben einigen frommen Büchern entdeckte man sogar einen Roman „Ucberraschuckgen der Liebe oder ein Abenteuer im Greenwich- Park". Kein Wunder, daß die Anhänger der Prophetin den Kasten für unecht erklären und behaupten, der echte Kasten mit den großen Geheimnissen werde noch verborgen gehalten. Entwurf zum Genfer VSlkerbundspalast. Die Architekten Prof. Paul Bonatz und F. E. Schaler in Stuttgart, die im Wettbewerb für den Bölkerbundspalast in Genf einen zweiten Preis erhalten haben, sind bei ihrer Arbeit von den, Grundsatz ausgegangen, die liebliche Parklandschaft nicht durch allzu groß« geschlossene Bau- »nassen zu beeinträchtigen. Sie wollten ihren Bau möglichst zurück- schieben, auflösen und horizontal lagern und sie haben daher_nach dem Ufer zu den Parkbestand nach Möglichkeit geschont. Die Stutt- garter Architekten haben die Baumasse in zuxi Teile zerlegt, den Saalbau, der sich in seiner Hauptsorm deutlich ausdrückt, und in das Sekretariat. Der Saalbau liegt an einem Anfahrthof, der starke Plastik in Bor- und Rücksprüngen hat und von den Delegierten von der Seeseite her betreten wird. Ihr Saal hat die Grundform eines etwas gestelzten Halbkreises mit großer Nische für das Präsidium, eine akustisch und räumlich bewährte Form für große Parlaments- säl«, bei der von jedem Platz alle anderen zu sehen sind. Seiten- galerien waren in drei Geschossen vorgeschrieben. An den Saalbau stößt an der einen Seit«, mit der Front nach dein Anfahrthose zu, der große Bau für das Sekretariat des Völkerbundes, um drei Lnnenhöfe gruppiert. Dampfer oder Motorschissi Lloyds Schiffahrtsburcau hat am 12. Juli den neuesten Bericht über den Stand des Schiffbaues der Welt im 2. Quartal des laufenden Jahres herausgegeben. Es lvaren im Bau 1 233 595 Tonnen Motorschiffe urüz 1 366 809 Tonnen Dampfer. In England überwiegt allerdings der Dampfcrsckiffbau noch den Motorfchiffbou.— Dt« Zeitung„Shipbuilding and Shipp- ing Record" ist der Ueberzeugunq, daß sür Frachtschifse mittlerer Größe, die für lange Fahrten bestimmt sind, die Verwendung des Oelmotors wirtschaftlicher ist alz die Dampfmaschine. Allerdings übersteigen die Baukosten eines Motorschiffes jene des gleichgroßen Drnnpffchiffes um 30 Pro,;, und das ist offenbar noch ein Nachteil. Es mag erwähnt werden, daß Motorschiffe z. B. auf der Fahrt Ostasien-Europa und zurück sür den Hin- und Herweg nur einmal Oel«irizunehmen brauchen. Auch ist die Uebernahme von Oel wesentlich reinlicher und einsacher als das bekanntlich sehr schmutzige Kohlen der Dampfer. vle soziallstlscke Arbelierjugcnd Im Film. Mus vcranlaisunz der .SozialiMlche» Arbeiterjugend' wird demnächst in H a n n o v c r ein Film vorgefahrt werden, der anläßlich deS großen inlernaiionalen IugcndtageS in Amsterdam ausgenommen worden ist. Der Film zeigt den impo- santcn Nufmarsch der lozialiftischen Jugend, die Vegrüßungsseicrlichkeilcir. das riesige Feldlager, iowi« sonstige Einzelheiten des großen JugendfesteS. Der Film selbst ist holländischen Ursprungs. Stäötetag gegen Portoerhöhung. Die unmögliche Abschaffung des Ortsportos. Der Deutsche Städtetag hat erneut gegen die beabsichtigt« Portaerhöhung beim Verwaltungsrat der Deutsdien Reichspost und beim Rcichspostministerium Stellung genommen. Insbesondere Hot er die geplante Schlechterstellung der Orte mit llber 100000 Einwohnern hinsichtlich der Taxen im Ortsverkehr als untragbar für die Städte und die städtischen Wirtschafts» kreise bezeichnet. Auch eine Reihe von Wirtschaftsorganisationen hat gegen die Pcrtoerhöhung Stellung genommen. Diese Proteste dürften jedoch kaum von der Post ernst genommen werden, solange die beauftragten Vertreter der Wirtschaft im DerwÄtungsrat der Reichspost entgegen den Kundgebungen ihrer Organisationen den Rrichspostniinister decken. Der Auftakt zum Stuüententag. Abgeschmackte Scharfmacherei. Die Vollversammlung des Deutschen Studententages wurde gestern mit einem Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Edgar Jung- München in Würzburg eröffnet. Der Vortrag, der das Thema„D i e geistige Wende" behandelte, bewegte sich auf dem Niveau von Reden, die sonst auf Stahlhelmtagen gewöhnlich gehalten werden. Wieder war viel vom Fronisoldatengeist die Rede, obwohl die wenigsten von den heutigen Studenten überhaupt je die Front gc- sehen haben, weil sie zur Zeit des Krieges noch die Schulbänke der untersten Vor- und Mittelschulklassen drückten. Das Geschlecht, das nicht nur den Krieg, sondern auch die Gegenrevolution geistig ge- tragen habe, sei heute vom Staatsleben so gut wie ausgeschlossen. Mit tönenden Worten verwahrte man sich gegen den Vorwurf der Staatsfeindlichteit. Doch bezeichnete der Redner die in dem heutigen Staat wirkenden Kräfte als den Geist der Zer- s e tz u n g, dem durch die Revolution alle Schranken und Tore weit geöffnet worden seien, und der heute nicht nur das deutsche Volk in seinem Dasein bedrohe, sondern die gesamte abendländisch« Welt in krankhafte Zuckungen oersetzt habe.(!) Der Geist der Frontkämpfcrgeneration müsse in die Führung des deutschen Volkes und States einziehen. Mit der letzten Kraft würden die Studenten gegen den Strom der Zeit schwimmen. Die Rede war ein mteressanter Auftakt zu der Aussprache des Studententages, der sich bekanntlich mit den Rechten der Studenten im Staate befassen soll. Sie bewies, daß in der Führung der Deutschen Studentenschaft noch immer der reaktiv- n ä r e G c i st dominiert, der die Studentenschaft zum Werkzeug der Nationalisten im Kampf gegen das übrige Voll machen will. Reichswehr und Domelakaien. Eine Erklärung des Rcichswehrminifteriums. Gegenüber der Darstellung Domelas, daß auch hohe Reichs- wehrostiziere mit dem falschen chohenzollernprinzen freundschaftlich verkehrt und ihn begünstigt haben, bittet uns das Reichswehr- Ministerium als Ergebnis feiner Untersuchung folgendes mitzuteilen: „Ein Verkehr von Reichswehroffizieren mit dem„falschen Prinzen" oder eine Teilnahme von Reichswehroffizieren an Ver- anstaltungen, an denen dieser teilnahm, hat nirgends statt- gesunden. Die Behauptungen, der Kommandeur des 16. Reiterregiments und sein Adjutant hätten zum Empfang des angeblichen Prinzen sämtliche Orden angelegt, der Kommandeur habe ihn zum Tee eingeladen und eine Ein- Wirkung auf die Presse zugesagt, mit dem Zweck, zu verhindern, daß sich die Presse mit dem angeblichen Prinzen beschästige, sind unwahr. W a h r ist vielmehr, daß der angebliche Prinz auf seine Bitte von dem Kommandeur des 16. Reiter-Regiments empfangen wurde, als dieser im Begriff war, mit einem anderen Offizier zu einer gesellschaftlichen Veranstaltung in einen anderen Ort zu fahren,' daß er deshalb sehr kurz abgefertigt wurde, und daß mit keinem Wort eine Bitte um Einwirkung aus die Presse und dementsprechend auch keine Zusage erfolgte." Wir geben von dieser Darstellung Kenntnis, halten es gleichwohl für bezeichnend, daß Domela vom Regimentskommandeur des 16. Reiter-Regiments empfangen wurde. Außer Zweifel steht doch wohl, daß ein gewöhnlicher, nicht gerade prinzlicher St erb- l i ch e r sicherlich nicht so ohne weiteres vorgelassen worden wäre. Reichswehr und Regimentsfeiern. Kaiserbüsten in der Kaserne. Von einem Regimentsappell der ehemaligen 56er läßt sich das katholische„Westdeutsche Volksblatt" aus Cleve u. a. folgende« schreiben: „Gewiß, die Haltung der 56sr Gäste war im ollgemeinen takt- voll, aber die republikanischen Gastgeber taten mehr als ihr« Pflicht, wenn sie ihre Farben für einen Tag verleugneten und mit einer sthwarzweißroten Ehrenkarte versehen in die Kompagnien der Gäste einschwenkten. Daß die Festschrift— wie es hieß irrtümlich— ein« große Reklame des Lichtspielhauses enthielt:„Aus Anlaß des Regi- menlsappells der S6er„Die Weber nach Gerhart Hauptmann", dos war kein schlechter Witz. Ein schlechter Witz war es aber, nach einer Gedächtnisfeier für tausende oerblutete Brüder das Gedicht aus der Festschrist vorzutragen:, „Seht die Fahnen, wie sie trutzig Gegen eine Welt geflattert, Ob auch Weiber, feigheitsschmutzig, Ihr„Nie wieder Krieg" geschnattert." In wohltuende Schlichtheit gekleidet, nahm ein« stattliche Abordnung der 10. Kompagnie des Reichswehr. Infanterie-Regiments 17 an den Feierlichkeiten teil. Wenn man hört, welche Sprüche und Reden diese frischen, politisch ungeschulten Jungens, die Soldaten der deutschen Republik, bei salchen Gelegenheiten über sich ergehen lassen müssen, dann kann man wahrhaftig die Besorgnisse der Sozial- demokraten verstehen. In Kümmernis und Dunkelheit stehen sie zum Schutz einer Verfassung da. der sie Treue geschworen, die sie aber nicht lieben gelernt haben. Die Festschrift sagt u. a.: Das Lesezimmer der Kompagnie(gemeint ist die Reichswehr-Kom- pagnie. D. Verf.) istgeschmücktmitdenBüstenderdrei Kaiser. Vermutlich sind es die drei letzten Kaiser, unter denen sich ein sahnenflüchtiger befand, die in den Räumen einer republi- kanischen Wehrmacht Verehrung genießen." Starker Flugverkehr ab Wien. Obwohl sonst im internationalen Flugverkehr am Sonnlag nicht geflogen wird, sind heute vom Flug- platz in Aspern zahlreiche Sonderflugzeuge noch den Hauprstädten der Nachbarländer abgegangen, Wien im berliner Spiegel. Kommunistische Parolenschnster au der Arbeit.— Reaktionäre Verdrehungskünste Die„Rote Fahne" bekannte gestern morgen, daß ihr und damit auch dem Zentralkomitee ihrer Partei alle eigenen Nachrichten aus Oesterreich fehlen. Das ist weiter keine Schande, hätte aber vernünftige Menschen in der Beurteilung der Lage zu einiger Zurückhaltung veranlassen müssen. Nicht so das berühmte ZK. der KPD. Dieses erläßt einen Aufruf „An die deutsche Arbeiterschaft", der all« ihm in den Kratn passenden Falschmeldungen der bürgerlichen Presse kritik- los zu einem wüsten Sammelsurium zusammenwirft, auf die deutsche und die österreichische Sozialdemokratie, natürlich auch auf den„V 0 r w ä r t s fürchterlich schimpft und den öster- reicbiscben Genossen die volle Sympathie ausdrückt. Mit diesen „Genossen" sind natürlich nicht die österreichischen Sozialdemo- traten gemeint, sondern die Wiener Kommunisten, die der Bewegung in der niederträchtigsten Weise in den Rücken ge- fallen sind, und Taten verübt haben, die kein anständiger Mensch billigen kann. Natürlich soll der Kampf gesteigert und auch auf Deutschland übertragen werden. In diesem Zusam- menhang fallen dann folgende politische Kernworte: Wenn die Kämpfe sich steigern, dann werden die u n g a- ri s ch e n, i t a l i e n i s ch en und bayerischen Fa s ch i st e n, die an den Grenzen Oesterreichs lauern, mit Intervention drohen. Darum muffen sich die deutschen Arbeiter bereit halten, ihre österreichischen Klosscngcnossen mit allen M i U e l n z u unterstützen. Mit welchen„Mtteln" die KPD. die österreichischen Arbeiter„unterstützen" will, wenn Italiener und Ungarn einmarschieren, wird nicht verraten. Zu nächst sollen die Dinge nur so weit getrieben werden, daß einmarschiert wird und— wie sich Wilhelm II. einmal aus- drückte, als vom Einmarsch in den Sandschak die Rede war —„der Klamauk fertig ist". Ist das geschehen, so wird das ZK. der KPD. Oesterreich„unterstützen', indem es sein Maul noch weiter aufreißen wird als zuvor. * Mit Ausnahme des„V 0 r w ä r t s" war die Berliner Preffe seit Freitag abend ohne direkte Verbindung mit Wien. Sie ist auf Nachrichten angewiesen, die teils ihre Wiener Korrespondenten, teils die"Nachrichtenagenturen auf Um- wegen und daher mit Verspätung übermitteln. Je weniger man in gewissen Berliner Redaktionen über die eigentlichen Vorgänge weiß, desto eifriger kombiniert man. Und für die Leitartikler der reaktionären Presse ist in solchem Fall Kam- bination gleichbedeutend mit einer wilden Hetze gegen die Sozialdemokratie. Wie immer marschierten dabei die Hugenberger an der Spitze der Verleumder. Nur ist diesmal ihre Wühlarbeit so plump, sie verrät eine derartige Unwissenheit der ein- sachsten politischen Tatsachen, daß sie mehr komisch als auf- regend wirkt. Da gibt es z. B. im„Tag" einen Herrn, der die österreichischen Sozialdemokraten beschuldigt,„ihre Ziele auf dem Wege des Umsturzes erreichen zu wollen, da ihnen das Glück bei den Wahlen nicht hold war": „Für die Wahlniederlage hat sich die Sozialdemokratie bereits ausgiebig gerächt." Wahlniederlage der österreichischen Sozialdemokratie?! Unsere Partei hat eine halbe Million Stimmen gewonnen, sie hat die Zahl ihrer Mandate um vier erhöhen können. während Seipel gehofft hatte, durch Bildung einer„Einheits- liste" die Arbeiterschaft wesentlich zu schwächen— und da wagt man den Lesern vorzugaukeln, daß die Sozialdemokratie eine„Niederlage" erlitten hat, für die sie sich„rächen" wollte! „Die österreichische Linke hat wiederholt zu erkennen ge- geben, daß sie m i t G e w a l t das Ergebnis der letzten Wahlen korrigieren wollte." W a n n u n d w 0 hat sich auch nur ein verantwortlicher österreichischer Sozialdemokrat so geäußert? Die Führer unserer Bruderpartei haben umgekehrt immer wieder betont, daß sie es mit der Eroberung der Macht gar nicht eilig hätten, daß die Zeit für uns arbeite, daß ihnen"die Aus- Übung der kommunalen Gewalt in der Gemeinde Wien vorläufig vollkommen genüge, daß sie sich streng auf den Boden der Demokratie stellen, und daß sie an einen gewalt- samen Kampf nur für den Fall denken, daß die Bourgeoisie von sich aus zum Angriff gegen die Arbeiterklasse übergehen würde. Das ist der Tenor aller Reden und Beschlüffe des letzten Parteitages in L i n z gewesen, das dort angenommene neue Parteiprogramm bekennt sich grundsätzlich und unzwei- deutig zur Demokratie— und daran hat sich seit den Wahlen vom 24. April d. I. um so weniger etwas geändert, als ihr Ergebnis für die Sozialdemokratie einen neuen hoff- nungsreichen Sieg bedeutet hat. Das braucht aber ein Soldschreiber Hugenbergs nicht zu wissen, besonders wenn er s 0 ignorant ist, daß er das öfter- reichische Parlament noch immer als„R e i ch s r a t" bezeich- net, ein Name, der ebenso aktuell ist wie etwa„Bundesrat" und„H e r r e n h a u s" in der deutschen Republik. Sein Kollege vom„Lokal-Anzeiger" beschränkt sich Haupt- sächlich darauf, spaltenlana die demokratische Presse zu de- sudeln, weil diese auf den Anlaß der blutigen Wiener Ereig- nisse, nämlich auf den F r e i s p r u ch der Schattendorfer Arbeitermörder, hingewiesen hatte. In den Augen der Reaktionäre ist es also ein Verbrechen, aus dem elementaren Ausbruch des Volkszornes gegen dieses Fehlurteil mahnende Schlußfolgerungen zu zi«h«n, die auch von den deutschen Richtern beherzigt werden sollten. Das scheint überhaupt die Parole der deutschen Reaktion zu sein: während der„Lokal-Anzeiger" nun erst recht die Fortsetzung des bisherigen Kurses in der politischen Justiz wünscht, wirft die„Tägliche Rundschau" der Sozialdemokratie vor. sie untergrabe systematisch das Vertrauen des Volkes zur Justiz und versuche, den Massen„von vornherein ein Urteil über Schuld oder Unschuld von Angeklagten je nach ihrer Parteizugehörigkeit zu bilden". Umgekehrt: wir stehen vor der einfachen, statistisch nachzuweisenden Tatsache, daß alle Revublikanermörder bisher systematisch freigesprochen wurden. Daß das so nicht weitergehen kann, wenn nicht das Vertrauen zur Gerechtigkeit bei den Massen völlig verlorengehen soll, müßte jedem objektiven und ordnungsliebenden Bürger ein- leuchten. Statt dessen versuchen die Rechtsblättcr aus den Er- eigniffen, die sich im Anschluß an den Schattendorfer Freispruch in Wien abgespielt haben, Kopital zu schlagen: sie treiben schon jetzt eine deutliche Scharsmacherpropaganda für den Freispruch der Arensdorfer Mörder! Interessant ist der kaum verhüllte Appell der„Deutschen Tageszeitung" an die Entente: Hoffentlich haben sich auch die Austromarxisten in Wien überzeugt, daß die europäischen Mächte keinessalls gewillt sein werden, ein neues halbbolschewistijches Experi- m e n t im Herzen unseres Kontinents zu dulden. Die österreichischen Sozialisten haben nicht auf die Rat- schlage des preußischen Agrarisrblattes gewartet, um in ihrem Aufruf am Sonnabend auf die außenpolitischen Gefahren eines Bürgerkrieges hinzuweisen. Bezeichnend ist es aber, wie die„D. T." ein solches Eingreifen„der Mächte", ,zu denen ja neuerdings auch Deutschland gehört, in Aussicht stellt. Lieber noch sich mit allen möglichen„Erbfeinden" verbünden, als dem dcutschösterreichischen Proletariat zu gestatten, ein „halbbolschewistisches Experiment" im eigenen Hause zu unter- nehmen. Da zeigt sich wieder die„nationale" Gesinnung' unserer Ostelbier in ihrer ganzen Unaufrichtigkeit. Daß die österreichischen Sozialdemokraten im übrigen in keiner Weise mit dem Gedanken solcher Experimente spielen, geht nicht nur aus ihren Aufrufen und Maßnahmen, sondern auch aus den Telegrammen des Sonderberichterstatters der „Deutschen Tageszeitung" aus Preß bürg hervor, der fest- stellen muß, daß die sozialdemokratischen Führer„von dem Ausbruch der Revolte überrascht" wurden. Damit bricht auch die ganze Luge der sonstigen deutschnationalen Blätter zusammen, die die Wiener Sozialdemokraten als die Urheber der Unruhen hinzustellen oersuchen. Alle demokratischen Blätter, ebenso das Berliner Zentrumsorgan, die„Märkische Volkszeitung", stellen übereinstimmend fest, daß sowohl die österreichische Partei wie der Republikanische Schutzbund ehrlich und auf- opfernd bemüht sind, die Ruhe wiederherzustellen, weite- res Blutvergießen zu verhindern, und daß sie rücksichtslos Front gegen alle linksradikalen oder linksstehenden Ele- mente machen, die sich verbrecherische Exzesse zuschulden kam- men ließen. Irankreich in Sorge vor Sem Anschluß. Paris. 17. Juli.(WTB.) Die gesamte Morgenpreffs besckMigk sich mit den Ereigniffen in Wien. Sie betont allerdings, daß die vorliegenden Nachrichten mit außerordentlicher Vorsicht aufzu- nehmen sind, glaubt aber trotzdem in ihrer Mehrheit feststellen zu können, daß der Freispruch wegen Schattendorf nur den äußeren Anlaß zu dem Brand gegeben hat, der unter der Oberfläche be- reits seit einiger Zeit, namentlich seit den letzten Wahlen, glimmte. Es kommen ernste Besorgniffe über die Ereignisse zum Ausdruck, die möglicherweise noch eintreten könnten.„E r e N 0 u v e l l e" schreibt: Wir wissen zur Stunde noch nicht, ob es sich um eine Be- wegung ohne weiteren Folgen handelt oder im Gegenteil um eine Revolution mit tiefgehenden Folgen. Jedenfalls erleben wir ein Phänomen, das in weitem Ausmaß dazu beitragen wird, Oester- reich dem Anschlußgedanken zuzuführen, das heißt, Deutschland territorial und ethnisch zu stärken.„Oeuvre" seiner- seits befürchtet ebenfalls, daß die Ereigniffe den Anschlußgedanten fördern könnten.„Petit Journal" dagegen erklärt, daß der Aufstand mit dem Problem des Anschluffes nichts zu tun hat, hätten doch die Aufständischen die Zeitung geplündert, die für den An- schlußgedanken eintritt. Wenn man�aber vermeiden wolle, daß der Aufstand sich wiederhole und der Einschluß unvermeidlich werde, werde der Völkerbund sich entschließen müssen, dringlich die wirt- schaftliche Sanierung eines Landes in Angriff zu nehmen und zu vollenden, dessen Existenz eine der Garantien des Fric- dens sei.„Echo d e Paris" sieht in der Bewegung dagegen eine rein sozialistische, dem Anschluß günstige Bewegung. Im„P 0 p u l a i r e" erklärt Leon Blum, man müsse wach- s a m bleiben, denn schon erkläre die reaktionäre Preffe, bei der Vc- wegung habe eine Art kommunistischen Komplotts eine' Rolle gc- spielt, während es in Oesterreich zwar vereinzelt Kommunisten gebe, aber weder eine kommunistische Partei noch eine kommunistische Organisation, mit der man rechnen müsse. Nicht ohne Absicht werde diese Verwirrung geschassen, denn sie solle vielleicht eine e t wa i g e Intervention des Auslandes vorbereiten.„Peuple", das Organ Iouhaux', will in der Aufstandsbewegung lediglich eine Bewegung gegen faschistische Bedrohungen erblicken. Der ausgebrannte Iuftizpalast. Das folgend« Stimmungsbild des von WTB. nach Wien ent- sandten Bsrichterstatters gibt eine Ergänzung unserer eigenen Schilderung: Das äußere Bild der Stadt Wien ist in den meisten Teilen wieder nomol. Die Tatsache, daß di« städtischen Verkehrsmittel wieder in Betrieb sind, wirkt sich, wie erwar- tet wurde, beruhigend auf die allgemeine Gemütsverfassung aus. Auch die Gasthäuser und Cafes sind geöffnet, doch besteht das Alkoholverbot für heute weiter. Schon in den frühen Vormittagsstunden zogen große Scharev Wiener durch die innere Stadt, um sich die Z e r st ä r u n g 0 n an- zusehen, die die letzten Tage gebracht haben. Am meisten ist natür- lich der I u st i z p a l a st umlagert, der innen und außen ein g r a u- sige» Bild der Verwüstung darstellt. Es stehen nur noch die Grundmauern, die Fensterhöhlen sind ausgebrannt, in den blauen Sommerhimmel ragt das Eiscngerüst der rechten Kuppel nzie ein Skelett empor. Die Türen sind verbrannt, die eisernen Gitter — kunstvolle Renaissance-Schmiedearbeiten— verbogen und zerstört. Das Innere zeigt kahle Mauern, von denen der Kalk abgefallen ist. Der Parkettbelag ist ausgebrannt, nirgends mehr sieht man«in Möbelstück. Haufen von Geröll und Schutt liegen in den Räumen umher. Auf der Erde liegen verkohlte Akten verstreut. Postenketten sperren das Viertel des Iustizpalastes. Der Verkehr zwischen der Bevölkerung und der Polizei voll- zieht sich in durchaus freundlichen Formen. An einigen Straßen- ecken sieht man Autozüge mit Reservemannschaften. Die Stimmung ist nach den Exzessen der letzten Tage natürlich gedrückt. Für den Wiener sind die Ereigniffe noch jetzt unfaßbar, was durchaus ver- ständlich ist, wenn man hört, daß die T 0 t e n z a h l dieser beiden Tage dreimal so hoch ist wie die Zahl der Opfer, die die Revolution vor acht Jahren in ganz Oesterreich gefordert hat. Die Regierung hat heute eine Kundmachung anschlagen lassen, in der sie ihre Hol- tung und dos Dorgehen der Polizei verteidigt und weiter die Be- völkerung zur Aufrechterhaltung der Ruhe mahnt. In einem Strahenbahndepot kam es zu kleineren Differenzen mit den Kommunisten. Fünf kommunistische Straßen- b a h n e r, die die Ausfahrt verweigerten, sind vom Dienst suspen- diert worden. Bei einem anderen Depot versuchte ein komnlUnisti- scher Trupp, die Ausfahrt zu oerhindern, die Straßenbahner ver- trieben ihn aber. Ein verhängnisvoller Rohrbruch. Einsturzgefahr in der Reichenberger Straße.— Die gestrigen Gewitterschäden. Vor dem Grundstück Reichenberger Strohe 1 entstand gestern abend gegen S Uhr infolge des Unwetters ein kanalisatious. rohrbruch, der schwere Aolgen nach sich zog. Ein Teil de» Bürger st eigs stürzte plötzlich ein und riß zwei Pas. sanken mit in die Tiefe. Zum Glück konnten beide unverletzt geborgen werden. Das Wohnhaus Reichenberger Strohe 1, das von zahlreichen Mietern bewohnt wird, geriet infolge der llnterspülung in Einsturzgefahr. Die Feuerwehr muhte umfangreiche Absteifungen vornehmen, hierzu werden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: In der Reichenberger Srratz« werden gegenwärtig A u s s ch a ch- tung»arbeiten für die im Bau befindliche Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln vorgenommen. Durch den mehrere Meter tiefen Schacht führt ein starkes Kanalisationsrohr hindurch. Den starken Wassermengen, die dem Rohr durch den heftigen Wolkenbruch zugeführt wurden, hielt es an der Stelle nicht stand und platzte. Ein Sturzbach ergoß sich in den Schacht und riß ein viele Meter tiefes Loch auf. Die Wasser in engen überfluteten die ganze Baugrube und unterspülten teilweise die Haus- fundamente. Plötzlich gab der Bürgersteig in einer Länge von etwa lftMeternnach und versockte in die �iefe. Zwei Vorüber- gehende verloren plötzlich den halt unter den Füßen und v e r- sanken im weichen Sande. Glücklicherweis« konnten beide von herbeieilenden Passanten völlig unversehrt geborgen werden. Die ausströmenden Massermengen hatten sich inzwischen in gefahr- drohender Weise imnvr höher angestaut. Die Feuerwehr erschien mit mehreren Spezialfahrzeugen unter Leitung der Branddirektoren Runge und Sauer an der Unfallstelle, um die notwendigen Hilfsmaßnahmen zu ergreifen. Der ganze Strahenabschnitt wurde zunächst sowohl für den Fußgänger- wie auch für den Straßenbahn- verkehr gesperrt. Die Bohnen mußten sämtlich umgelenkt werden. Ein starkes Polizeiaufgebot nahm umfangreiche Absperrungen vor. Mehrer« Pumpen wurden sofort in Tätigkeit gesetzt, um die Wasser- mengen aus dem Schacht zu entfernen. Wegen der drohenden(Ein- fturzgesahr wurde«ine Räumung des Vorderhauses in Erwägung gezogen. Man konnte abor von dieser Maßnahme Abstand nehmen, da durch eine größere Arbeiterkolonne schwere Balken zum Absteifen angebracht wurden, die der Einsturzgefahr begegnen sollen.— Das Kanalisationsrohr wurde durch Arbeiter der Städti- schen Wasserwerke abgestellt. Im Laufe des heutigen Vormittags soll der Schaden behoben werden. Größere Sondmengen wurden nach an der Gesahrenstätte in die Ties« geschüttet. Zu beiden Seiten des abgesperrten Straßen- zuges hatte sich ein« große Mechchenmenge angesammelt. Die Feuerwehr war noch bis in die späten Nachtstunden hinein mit einem großen Ausgebot von Beamten an der Unglücksstätte tättg. das übliche Sonntagswetter... In den gestrigen Abendstunden ging über Groß-Berlin, vor- nehmlich über di« südlichen und östlichen Stadtteile, wieder ein starkes Gewitter nieder, das von einem langanhaltenden, wolkenbruchorttgen Regen begleitet war. Gegen 7 Uhr schoben sich van Westen langsam schwarze Wolkcnmassen heran, die starke Nieder- schlage brachten. Schon in den Nachmittagsstunden war über die nördlichen Vororte Tegel, Heiligensee, Tegelort, Froh- nau, Birkenwerd'er usw. ein heftiger Gewitterregen nieder- gegangen, der aber keinen großen Schoden anrichtete. In Berlin gingen dagegen erheblich größere Regenmengen nieder. Aus dem Südwesten, Osten und Südosten liefen bei der Feuerwehr unausgesetzt Meldungen über Wasserschäden ein. Große Regenmengen, die besonders in tieserliegenden Straßen keinen ge- nügendcn Abfluß fanden, stauten sich hier, überfluteten die Bürger- steig« und drangen in die Kellerräume ein. Innerhalb einer Stunde wurde die Feuerwehr 60mal um Hilfe an- gerufen. Das Unwetter zog in östlicher Richtung weiter und suchte die Lororte heim. Zahlreiche Ausflügler wurden von dem Wolkenbruch überrascht und kamen, soweit sie nicht irgendwo Schutz vor dem Wolkenbruch fanden, völlig durchnäßt auf den Bahn- Höfen an. Neichsbanner rettet Motorbootinfassen. Durch die Entschlossenheit und Geistesgegenwart einiger Kameraden der Wassersportabteilung' des Rei ch s- b a n n e rs wurden gestern abend gegen(5,Zg Uhr drei Insassen eines brennenden Motorbootes auf der Großen Krampe vor schwerem Unheil bewahrt. In dem Motorboot war ein Vergaserbrand entstanden. Die Flammen breitete sich aus das ganze Boot aus und die Insassen drohten in den Flammen um- zukommen. Von den Insassen eines Motorbootes der Wassersport- abteilung des Reichsbanners war der Unfall beobachtet worden, die mit höchster Geschwindigkeit sofort an die Unfallstelle eilten. Den beherzten Reichsbannerleuten gelang es, die Gefährdeten im letzten Augenblick zu retten. Das Boot brannte vollständig aus. Dos sonnige und warm« Wetter hatte wieder viele Tausende an die Flüsie und Seen in der Umgebung Berlins hinausgelockt. Die Freibäder waren überaus stark besucht, aber auch an„ver- botenen Stellen" wurde trotz der Gefahren viel gebadet. Leider sind auch wieder zahlreiche Personen ertrunken. Wöhrend es, soweit bisher bekannt geworden ist, im Gebiet der Spree bis hinauf zur Müggel nirgends zu Badeunfällen gekommen ist, haben in der Havel und im Tegeler See allein sechs jugendliche Ausflügler den Tod gefunden. In der Havel am„Großen Fenster" ging der IKjährige Hans Badermann aus der Krumme Str. Sk zu Berlin plötzlich unter. Alle Rettungsversuche blieben erfolglos, bisher war es auch nicht möglich, seine Leiche zu bergen. Bei Konradshöhe ertrank der Ahährige Kurt Keller aus der D o l z i g e r Str. lt>. Die Leiche werde nach der Tegeler Friedhofshalle gebracht. In der Nähe dieser Unfallstelle ereignete sich in den gestrigen Vormittagstunden ein weiterer Badeunfall. Der Ikjährige Fritz Müller aus der M a x i m i l i a n st r. Iis. zu Pankow ging vor den Augen zahl- reicher Badender plötzlich unter und ertrank. Die Leiche des Er- trunkenen wurde geborgen und beschlagnahmt.— In der Nähe der Insel Schorfenberg wurde von dem patrouillierenden Boot des Reichs wasserschutzes die Leiche eines nur mit einer Badehose be- kleideten jungen Mannes geborgen. Die polizeilichen Feststellungen haben ergeben, daß es sich um den ltzjährigen Herbert Friedrich aus der Waßmannstr. 15 zu Berlin handelt, der beim Schwimmen unbemerkt ertrunken war.— Infolge Herzschlags ertrank im Stößensee der 15jährige Hans T i l l e ck aus der D a n ck« l- mannstr. 45. Die Leiche wurde vom Reichswasserschutz geborgen und nach der Friedhofshalle in der Gatower Straße gebracht. Bei Pichelsdorf ertrank in den späten Nachmittagstunden ein jüngerer Mann, dessen Personalien noch unbekannt sind. Die Leiche konnte noch nicht gefunden werden. der Ausflugsverkehr an den Sonntagen wegen der schlechten Witte- rung meist hinter den sonst üblichen Soinmerzisfern zurückblieb. Ebenso litt der Abendausslugsoerkehr in den Wochentagen hierunter. Zu dem Unfall in der Rlafchinensabrik Eckert in der Frank- furter Allee l3ß wird uns vom Betriebsrat mitgeteilt, daß der bei dieser Fabrik beschäftigte Arbeiter Kurt G. au- der Gürtelstr. 31 in Lichtenberg— entgegen anderslautenden Meldungen— beim Abladen von Biech sich nur eine leichte Fleischwunde am Kopf, zugezogen hat. Neue Erdbcbenftöße in Jerusalem. Zerusolem. 17. Juli.(WTB.) Zwei leichte Erdbeben- st ö ß e sind heute morgen hier verspürt worden, jedoch haben sie, wie oerlautet, keinen Schaden angerichtet. In verschiedenen Teilen der Stadt flüchteten die erschreckten Bewohner aus den Häusern auf die Straßen. Sport. Der Klöröer üer Else slrnüt. Der Täter verhaftet? Unter verschiedenen anderen Männern, die des Mordes an der früheren Hausange st eilten Else Arndt verdächttgt wur- den, wurde in der Nacht zu Freitag auch ein Mann festgenommen. der sich bei seiner Vernehmung in so viele Widersprüche verwickelte, daß seine Angaben noch genau nachgeprüft werden müssen. Er be- streitet u. a., die Ermordet« gekannt zu haben. Einige Zeugen wollen in ihm den Begleiter des Mädchens erkennen, andere glauben ihn in der Mordnacht an anderer Stelle gesehen zu haben, können sich ober nicht genau entsinnen. Dem Gastwirt, in dessen Lokal dos Paar zuletzt war, und dem Hotelbesitzer ist er noch nicht gegenüber- gestellt worden._ Waffenbejchlagnahme bei Stahlhelmern. Am Sonnabend gegen 12 Uhr trai�auf dem hauptbcchnhof in Spandau eine größere Schar von Stahlhelm ern ein, die in Richtung Seegefeld vermutlich zu einer Nachtübung weiter- marschieren wollten. Der Bahnhos war schon vorher von einem starken Schutzpolizeiaufgebot besetzt worden, um, wie es in letzter Zeit wiederholt geschehen ist, die Stahlhelmer a u f Waffen zu durcbsuchen. Das Ergebnis der Durchsuchung war geradezu überraschend. Es wurden sieben Gummi- knüppel, acht Dolche, drei Schlagringe. Scheintodpistolen, zwei Stahl ruten, ein fänger, ein Trommelrevolver mit vier Schuß Muni- tion gefunden und beschlagnahmt. Insgesamt wurden 21 Angehörige des Stahlhelms verhaftet und der Abteilung Is im Polizeipräsidium zugeführt.__ Feuer auf Gut Seehof. In einem etwa 30 Meter langen Stallgebäude des Gutes See- Hof, das an der Teltower Chauflee etwa 2 Kilometer von Lichterfelde entfernt liegt, brach gestern abend gegen Vi? Uhr aus bisher noch unbekannter Ursache Feuer aus, das bald größeren Um- fang annahm. Auf den Feueralarm eilten die freiwilligen Feuer- wehren der Umgebung heran. Gleichzeitig wurde Berlin um Hilfe- leistung ersucht, worauf die Motorsvritze 15(Lichterselde) unter Lei- tung des Baurates Braun und des Oberbrandmeisters F r ö h- l i ch ausrückte. Das Feuer hatte das Gebäude in gesamter Aus- zwei Nick- dehnung ergriffen. Während es gelang, das Großvieh zu retten, kamen über 100 Gänse und Hühner in den Flammen u m. Zum Glück gelang es den vereinten Anstrengungen der Wehren, ein Uebergreifen auf die anschließenden Wirtschaftsgebäude zu verhindern. Von dem Stallgebäude selbst sind nur die Um- sasiungsmauern stehengeblieben. Unter Zurücklassung einer starken Brandwache rückten die Wehren gegen 10 Uhr wieder ab. berliner verkehr im Firni. Die Auswirkungen des Einheitsfahrfchcines. Seit dvei Monaten benutzen di« Berliner den Einheit»- f a h r s ch e i n. Die ersten Erfahrungen sind nunmehr gesammelt. Man kann feststellen, daß die Bewohner der Reichshauptstadt sich überaschend schnell an die neuen Beförderungsbedingungen gewöhnt haben. Die Umsteigemöglichkeiten werden sehr stark aus- genutzt. Genauere Einzelheiten sind leider nicht bekannt, da die eigentliche Umsteigeziffern aus betriebstechnischen Gründen nicht ver. ösfentlicht werden können. Einen gewissen Anhalt gewinnt man durch die monatlichen Veröffentlichungen der Verkehrsziffern. Hierbei sind nämlich auch die zweiten Fahrten berücksichtigt, die von den Fahr- gästen durch Umsteigen von den Wagen der einen Gesellschaft zur anderen Gesellschaft gemacht werden, dagegen nicht die zweften Fahrten auf den Wagen derselben Gesellschaft. In den drei Monaten, in denen der Einheitssahrschein in Betrieb ist, ist gegenüber dem Vorjahre regelmäßig pro Monat ein Zuwache von 10 Mil- lionen Fahrgästen festzustellen. Nach den soeben zusanimen- gestellten Verkehrsziffern für Juni ergibt sich für die drei Ge- sellschaften— Straßenbahn. Aboag und Hoch, und Untergrundbahn— zusammen eine Frequenz von 98 Millionen Per. s o n e n gegenüber 88 Millionen im gleichen Monat des Vorjahres. Im Monat Mai d. I. betrug die Gefaintzsifer 103 Millionen. Da der Mai einen Tag mehr hat als der Juni, so ist ungefähr täglich dieselbe Beförderungsziffer erreicht worden. Für die ein- zelnen Gesellschaften ergibt sich folgendes Bild: Die Straßen- bahn beförderte im Juni 66 Millionen Fahrgäste gegenüber 69'.L Millionen im Mai, dieHoch-undUntergrundbahn 18 Millionen Personen gegenüber 19,3 Millionen im Mai und die Aboag 13J,4 Millionen gegenüber 14,2 Millionen im Mai. Die Ziffern sind als mäßiger Durchschnitt zu bezeichnen, da im vergangenen Monat die Raö-weltmeisterfihasten. Rur Sawall und krcwer werden die deutschen Aarben im | Kampf um die Weltmeislerschasl der Sleher in Elberfeld vertreten? So beschloß der Kongreß der Union Cycliste Inter- nationale in seiner Erösfnungssitzung. Der deutsche Dele- gierte, der Lorsitzende des Bundes Deutscher Radfahr:r, Eggert, hatte beantragt, sür Deutschland süns Steher und zwar Sawall. Möller. Kremer. Lewanow und S a l d o w zuzulassen. Der Antrag wurde jedoch nicht zum Be- schluß erhoben, da die Satzungen der UCJ. jedem Lande eben nur zwei Fahrer die Teilnahmeberechtigung an der Weltmeister- schast zusprechen. Für Deutschland starten also im 100-Kilometer- Meisterkampf Sawall und K r e w« r. Im ganzen werden 12 Fahrer am Start erscheinen. Besetzung der Vorläufe: 1. Vorlauf: Sawall, Linart, Parisot, Vay, Leddy und Lauppi. 2. Vorlauf: Krewer, Suter, Snoek, Vauderstuyft, Brünier und Toricelli. Der Entscheidungslauf vereinigt die vier ersten Fahrer eines jeden Vorlaufs, also acht Fahrer. 19 2 8 findet die Weltmeisterschaft in Ungarn, 1929 in Amerika und 1930 in Belgien statt. Zur Amateur- frage beschloß der Kongreß, daß ein Amoteurfahrer nie um Geldpreise fahren darf. Auch die Industrie darf er n i ch t in Anspruch nehmen. Amateure dürfen serner n i e gegen Berufs- sahrer starten, nur Wohltätigkeitsveranstaltungen sind hiervon b e- dingt ausgenommen. Die sogenannten unabhängigen Fahrer — die Klasse zwischen Berufs sahrer und Amateur sahrer— wurden von dem Kongreß anerkannt. Gleichzeitig ge- langte ein Antrag Hollands zur Annahme, wonach Amateure gegen unabhängige Fahrer nicht starten dürfen. Erwähnt sei noch, daß Deutschland gegen die Anerkennung der„Unabhängigen" stimmte, Holland übte Stimmenenthaltung. Die erste international« Angelegenheit, die in Köln zum Austrag gelangt, ist die Weltmeisterschaft der Herren- sahrer. Für Deutschland starten Engel, Steffes, Graue und I o k s ch. Als Ersatzleute stehen B e i n e r t und Ein- s i e d e l zur Verfügung. Engel-Köln Amaleur-Wettmeistert Am Sonntagnachmittag wurde im Kölner Sta- dion die Meisterschaft der Welt für lierrensahrer ausgefahren. Weit über 20 000 Besucher hatten sich hierzu ein- gefunden. Nach Erledigung der Vorläufe, Ausscheidungsläuse und Hoffnungsläufe trafen sich im fnannend erwarteten Endlaus der Kölner Engel und der Däne Falk-Hansen. Eine Runde vor Schluß hatte Engel die Spitze, die er trotz des zähen Falk- Hansens sicher zu verteidigen wußte! Diamand-verlin fährk Rekord? Als erster nationaler Wettbewerb gelangte in Köln die Meisterschaft von Deutschland im Vereinsmann- schaftssahren über 100 Kilometer zum Austrag. Die Berliner Diamand-Monnfchaft konnte den Sieg des heiß umstrittenen Rennens in Rekordzeit für sich buchen. Sie fuhr di« 100 Kilometer in2Stund«n.41 Minuten, 19,5 Sekunden. Den zweiten Platz belegt« der RC. Opel-Rüffelsheim in 2 Stunden, 41 Mimiten, 42 Sekunden vor RE. Diomand-Chemnitz (2 stunden, 44 Minuten,'/m Sekunden), RC. Diamand-Köln l2 Stunden, 47 Minuten. 10 Sekunden). Die verteidigende Mann- schaft RV. Wanderfall-Dresden folgte als fünfte Mannschaft mit 2 Stunden, 47 Minuten, 58 Sekunden. 19 Mannschaften waren am Start erschienen._ Rennen zu Grunewald am Sonniag. den 17. Zull. 1. Rennen. 1. Faro(O. Schmidt), 2. Mumm(Bleuler), 3. Contesie Nancy(Vinzenz). Toto: 26:10. Platz: 13. 20. 13:10. Ferner liefen: Rubico, Lykaste, Parade, Marconi, Forelle. 2. R e n n e n. 1. Silberfasan(Albers), 2. Manlius(Sajdik) 3. Palamedes(O. Schmidt). Toto: 68: 10. Platz: 28. 35, 22: 10. Ferner liefen: Malatefta, Heidjer, Senow, Orlandus, Panna, Gerber, Taugenichts, Amersfoort. 3. R e n n e n. 1. Teerose(Williams), 2. Postenkette(Hayncs). 3. Lohneck(W. Tarras). Toto: 81: 10. Platz: 19, 16. 17: 10. Ferner liefen: Madame Pompadour, Augenweide, Orqcl, Burg- brohl, Silberkatze, Portland. 4. Rennen. 1. Oberwinter(W. Tarras), 2. Indigo(G. Ianek). 3. Fürst Emmo(Grabsch). Toto: 17:10. Platz: 12. 13:10. Ferner liefen: Theoderich, Bundschuh. 5. R e n n e n. 1. Oran(Biedermann), 2. Kadewitt(Vinzenz), 3. Oktavio(Klotz). Toto: 49:10. Platz: 30, 55. 68:10. Ferner liefen: Alsterlust, Penelope, Irrlehre, Georgiritter, Sans Aiout, Schaumschläger, Kronprinz. 6. Rennen. 1. Eontessa Maddalena(Williams), 2. Otis (O. Schmidt). Toto: 11: 10. 7. Rennen. 1. Verona II(Biedermann). 2. Sea Lotti (Haynes). 3. Lockenkopf(O. Schmidt). Toto: 59:10. Platz- 18 18, 17: 10. Ferner liefen: Ofiris, Ignatia, Die Königin. Grosa� Ruwenzori, Andovera, Lanz. Verantwortlich tllr Politik: Eewerkschaitsbeivegu iin- .....—"■ v--yrua;«orwarts.ütuilivruckeret und Derlagsanstalt Paul Singer u So., Berlin EW KS, Lindenstraße 3. Z�lchatt: Sl.,g.lhöi°.: IXII'WIMslll!"■»» MWOIm. Volksbühne kliiiw>0 Bülowplah TJjlich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock WM NM Norden 10334—37 8 U. pndelO'/j U. flerjtaer Die Komödie Bismarck 2414/7516 S'/j, Ende udi 10 Uhr Oer keusche 'je bemann Sommerpr.3— 10 M, Thist. l Hollenioilplati Kurfürst 2091 Nur noch wenige Vorstellungen. Der stürmische Lacherfolg Der Fußballkönio Lustspielhaus 8>/. Uhr Die Frau von 40 Jahren kluilla-TItealer Täglich 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht Wallum■-tu eot Täglich 8-/. Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk. tägl.auch Sonntags nur 60 PS. Sallmhirg-Bihm Dls. Künstler-Th. 8>/. Uhn Bitte, wer war eneni da? Lessing Theater 8'/, Uhr Israel Relchshalien-Theater Gastspiel Icito Vlktoria-Sigei Völlig neues Programm! Anfang 8 Uhr, Dönhoff- Brett'l: Varietö, Konzert, Tanz Saal und Garten. BcrHaer llUi-TriO Neukölln, W Ubostr.li'Ifil. Th. Könlggrätt. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: DieSdinle i-Uznadi Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht Hose-Theater Gartenbohne SVi Uhr; Konaert und Bunter Teil 8 Uhr Die lustige Witwe 8V, Uhr: Toter werden ist nimt sawer WINTERGARTEN CATALINI der Tollkühne I und die 11 Juii-Novitäten 11 I Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet| Holzhäuser WodteaendhäuseT- Prospekte drattsl WaU- d. WasscrpaneUen-Naaireb. Theater am Xotth. Tor §Kottb. Str. 6 Tägl. 8Uhr: M-Mm Neues Programm. 100 nnTO QuiUangs-.Rabstf- a.ReklamemarkeD legen Nachahmung gesetzl. gcsch. iertigt seit 45 Jahr. als Spezialität Conrad Nfiller Leipzig-Schkeuditz A PBEI T ER-SPORTLER! SOEBEN ERSCHEINT: Dr. Julian Marcuaa Die Hygiene des Arbeitersports Aus dem Inhalt; Einführung— Was ist Gesundheit?— Im Pulsschlag des Lebens— Wozu Muskeln?— Mensch und Sport— Was erreichen wir durch den Sport?— Methodik und Hygiene der Leibesübungen— Schlußwort Kartoniert 2,75 Mark Zu beziehen durch jede Volksbuchhandlung oder direkt vom Verlag J. H. W. Oietz Nacht., Bariin SW 68, LlndanatraSa S. f nfcEQte im Vorworts! sichern lLrfolgis 1 jdioftäa Verkäufe " Bekleidungsstücke. Wäsctie dsw ucn bodieUganten Sesell» en. Siosentbulrrstrcbe 4. �utawan-Anzüge TuillenmSntel. für lese ssigur puffend. Spezialität: Bauch. anzüge, spattbiHig. Holpern. Sojen. tbaierftraße 4, erste Etage._• Sintpiaaos, überaus preiswert. Piano- kabrik Link, Brunuenstrage 86.» Drei Mark Wochenrate, 16 Mark An- »ablung. für ein erstNafstae, Marlen. rud. gabrradbaus Zentrum. Linien- straäe neunzehn.• Patentmatragea.Primifstma", Me. tallbetten, Aufiegemalratzen, Chaise. fongues. Waller, Stargarderstraße acht. zehn, Epezialgefchäft.» Kaufgesuche aehnariinc, Lilherfachen. 8inn, Blei, QuedRIbet. Goldschmelze GhtistionaL ÄöpenidenTtaÄc 39(Adalbcrtltratel.«