flbenöausgabe Nr. 335 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe k Nr. 745 e>x,ugs!b«dinM-ng«» und«n«kgenur«tt, sind in d«r Morzenousgob« ong�itben «edattioa: Sw. SS. cindenstrob» S .-sernsprecher i VSnhoft 292— 297 XeL-aidcefie: SozialdemotralverU» Derlinev VolksltlAkt (10 pksnnZg) Montag IS. Juli 7927 «erlag und Anzeigenadteilua», «eschäftszett 8.� dt» S Uhr Verleger: vorwSrls. Verlag Ginbh. verlia SW. SS, Liydenstrahe s Fernsprecher, VSahoft 292— 297 Zcntmlorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Verhandlungen in Wien. Der Bundeskanzler Seipel macht keine Zugeständnisse und fordert Beendigung des Verkehrsstreiks. r.bn. Wien. 18. Iuli.(Cigencc Drahtbericht.) Die Führer der Sozialdemokratie und der freien Geiverkschasien verhandeln im Augenblick mit Bundeskanzler Seipel über die Frage der Beendigung des Verkehrsstreiks. Der gestrige Be. schluh sagt, daß der Verkehrsstreik sorlgesehl werden soll, bis die Arbeiterschaft Sicherheiten habe, daß die durch die Katastrophe ge- schassene Situation nicht für reaktionäre Schritte ausgenutzt wird. Zu diesen Befürchtungen gibt es Anlaß genug: man hat die sozialdemokratischen Soldaten, die!>lZ Proz. der Wehrmacht bilden, in den Kasernen nicht nur zurückgehalten, wogegen an sich nichts einzuwenden wäre, sondern man macht der Soldatengewert- schaft die Verbindung mit den Soldaten unmöglich. Inzwischen sind mehrere Attacken aus die Arbeiterbewegung erfolgt. So haben in Tirol die heim- wehren mit Unterstützung der christlich-sozialen Landesregierung eine Terrorherrschast ausgerichtet und die Wiederaufnahme des Verkehrs erzwungen. In Graz haben die heimwehren ein Ultimatum bis heute mitlag gestellt:„Entweder Aushebung des Ver- kehrsslreiks oder wir marschieren.� In anderen Orten sind VerHand- langen der heimwehrcn mit der Gendarmerie, die zum größten Teil srcigewerkschastlich organisiert ist, angeregt worden. In Waidhosen an der Zbbs in Biederöslerreich haben die Arbeiter die heimwehren entwaffnet und 600 Gewehre dieser reaktionären Truppe, dieses österreichischen Stahlhelms, der Polizei übergeben. Seipel fordert Beendigung des Verkehrsstreiks als V o r b e- d i n g u n g eines Zusammentritts des Bationalrates. Er erNSrt. daß über eine politische Neuordnung nur der Nationalrat entscheiden könne. Es besteht kein Zweifel, daß der Bundeskanzler von ge- wissen Freunden beraten wird, die tatsächlich die furchtbare Kala- slrophe zu einer Zurückwerfung der Arbeiterbewegung ausnuhcn wollen. Die Gesamtzahl der Todesopfer in Wien ist auf 87 gestiegen. Tirol sucht üen verkehrsstreik zu brechen. Militär und Heimatwehr besetzen die Bahnen. Technische Nothilfe eingesetzt. Innsbruck. 18. Zuli.(WTV.) Die Tiroler Landes- regieryng hat heute zwischen 2 und 4 Uhr morgens sämtliche Bahnhöfe in ganz Tirol durch Militär. Gendarmerie und die als Notpolizei legalisierte heimatwehr besehen lassen. Ueberall sind die von den Eisenbahnern eingesetzten Streik- l c i t u n g e n und die sozialdemokratischen Ordnungsmannschaften der Eisenbahner, die mit roten Armbinden versehen, die Bahnhöse abgesperrt halten, ohne Widersland zu leisten, abgezogen. Auch sämtliche Eisenbahner haben die Bahnhöfe und andere Bahnobjekte verlassen. Es ist nirgends zu einer Gewaltanwendung, gekommen. Im Lause des Tages wird durch eine Technische Nothilsc und durch arbeitswillige Eisenbahner ein Notvcrkehr ein- gerichtet werden. Die Tiroler Reaktion am Werke. Innsbruck. 18. Juli.(WTB.) Die Bundesbahndirektion Innsbruck hat an die Eisenbahnangestellten einen Dienstbefehl erlassen, in w.llchem diese ausgefordert werden, den Dienst sofort ordnungsmäßig wieder aufzunehmen. Jede Dienstoerweigerung würde für den Betreffenden von schweren Folgen begleitet sein. Der Augverkelzr wird nach Maßgabe des Möglichen in volle.m Umfange(!I) aufgenommen. Wie die Blätter melden, ist die M i t t e n w a l d b a h n vor- läufig ohne elektrischen Strom: man vermutet einen Sabo Die Wahl zum Heidelberger Studenlenausschuh. Die Wahlen! zum allgemeinen Studentenausschuß an der Universität Heidelberg ergaben, daß 16 Grohdeiitsche. 4 Finken, 6 Freie Hochschulgruppe, 4 Katholiken und zwei«ozialisten in den Ausschuß gewählt wurden. Die Rechte verfügt über 20 Sitze, die Linke über 12. Im alteul Ausschuß war das Verhältnis 9! 20. Da die Rechte die Zwei, drittelmehrheit nicht wieder erreicht hat, so kann des von ihr beabsichtigte Wiedereintritt in die Deutschs Studentenschast nicht durchgeführt werden. Antisowjetislische Fälscher, entrale ln Paris. Auf Beranlassung des Sowjetbotschafters wurden zwei Fälscher verhastet, die versucht hatten, gefälschte Dokumente, aus denen revolutionäre Umtriebe der russischen Auslandsvertretungen hervorgehen sollten, bei einer An- zahl Pariser Botschasien und Gesandtschaften zu verkaufen. Eine Reihe von Auslandsvertretungen in Paris soll auch hohe Preise sür diese Dokumente gezahlt haben. 18 000 amerikanische Legionäre besuchen Frankreich. Der in: Cherbourz angekommene Generalsekretär der Amerikanischen Legion erklärte, daß im September 18 000 amerikanische Legionäre zu einer Besuchsreise nach Frankreich kommen würden. mit den Augen und verkörpert schwere Tragik durch Übermensch- liches Brüllen. Maria Fein und Hermann B a l l e n t i n dagegen gelingt es, das dick ausgetragene Pathos zu vermenschlichen. Ihr schmerzlicher Aufschrei klingt leise und verhalten und greift gerade dadurch ans Herz.___ Ernst Degner.. Sabplon. Die?lf>endzeit zog näher schon.... Der Richter Knorts sprach voller Hohn: Heut' hatt' ich vor der Kammer 6 Mal wieder so'nen roten Fex. Ich Hab' den Kerl nichl schlecht verknackt. .Acht Jahre Hab' ich aufgepackt. Dann stand auch eine Sache an: Totschlag durch einen Stahlhelmmann. Da hat sich aber rausgestellt, Daß Schuld nur auf den Toten fällt. Es schlug der Knorks sich aus das Knie: Ja, die Justiz, die pendelt nie, Da weiß der Bürger, was er hat.... Da bringt Frau Kyorks das Abendblatt. Darinnen steht, groß ausgemacht: Slusruhr in Wien! Die Straßenschlacht! Großseuer im Justizpalast....! Herr Knorks war daraus nicht gefaßt. Er liest die Spalten drei-, viermal. Die Knortsen sagt: du wirft recht saht? Od ihm nicht wohl im Magen sei? Es lächelt Knorks: Das geht vorbei! Tags draus geht er dann zum Termin. Ein Murr'n im Koos beoleitet ihn: diene rekel«pharsin.' Hans Bauer. Säte kollrÄh-Feier in Zlottstelle. Im idyllisch gelegenen Flott- stelle bei Kaputh am Schwielowsee brachte auf die Nachricht von der Anwesenheit von Käte Kollwitz der Arbeitergesangverein„Eiritrachl Kaputh am Sonnabend bei eintretender Dunkelheit ein Ständchen. Es war eine unvergeßliche ergreifende Feier des Landvolkes, das seiner unmittelbaren Verehrung für eine der Ihren und Großen mit Herz und Stimme Ausdruck oerleihe» wollte. Obstzüchter, Land- arbeitet und Arbeiterkinder überbrachten die frischgepflückten Blumen und Früchte, und als die vielen halbumschalteten Köpfe, welche den ganzen Hos des Hauses ausfüllten, ihre schönen Lieder in die Stille der Nacht und des Sees hinaussangen, war es eine feierliche Stimmung. Max Immanuel feierte in einer Ansprache den Menschen und die Künstlerin Käte Kollwitz, welche ihre Zeit in zeitlosen Werken gestalte» hat. Karl und Käte Kollwitz stellte er als ein leuchtendes Beispiel der Hilfe für ihre Milmenschen hin. Richard vehmel» Müller 95 Jahre. Am 18. Iull begeht die Mutter Richard Dehme!?, Frau Luise Dehme!, die in Bad FlinSbcrg bei ihrem zweiten Sobn wohnt, in voller geistiger und lörpeclicher Frische ihre» 96. Geburtstag. Sie ist am 18. Juli 1832 w Bingen geboren.• Kinöerrepublit am Gftseeftranö. Ein Riesenzeltlager für 2OVV Kinder. kiel. 17. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Ein Ferienzeltlager für Kinder, das den hübschen Namen „Kinderrepublik Seekamp" erhalten hat— die erste Mitteilung darüber erfolgte in der Sonnabend-Abendausgabe d.'s„Vor- wärts", ist Sonntag bei Kiel durch einen Weiheakt eröffnet worden, der allen Beteiligten, den Kindern wie den erwachsenen Helfern, unvergeßlich sein wird. Mehr als 2000 Kinder aus allen Teilen Deutschlands find von der Arbeitsgemeinschaft der Kin- derfreunde und dem Hauptausschuß der Arbeiter- wohlfahrt nach Kiel gebracht worden, um hier an der See vier Wochen Erholung zu finden. Diese Erholung aber soll erfolgen innerhalb einer Zeltstadt, die auf einer großen Koppel eines der Stadt Kiel gehörigen Gutes errichtet wurde, und die in ihrer Eigenart eine Sehenswürdigkeit, ist. Mehr als 1S0 Zelte find auf dem großen Platze aufgeschlagen, der von Buschwerk, dem be- kannten holsteinischen Knick, umrahmt und von einigen uralten Bäumen überschattet wird. Die Eigenart dieser Veranstaltung liegt darin, daß die Kinder nicht nur Verpflegung unter Obhut von Erwachsenen im landläufigen Sinne bekommen, sondern daß sie für die vier Wochen ihres Aufent- Haltes eine Art Selbstverwaltung für ihr Lager ein- gerichtet haben und ausüben sollen. Sie haben ein Lagerparla- m e n t, zu dem die Dorfgemeinschaften ihre Vertreter wählm, und sie haben außerdem für jede Dorfgemeinschaft eine Art D o r f p a r l a m e n t, das auf dem Platze die notwendigen Vorschriften in freier Beschlußfassung treffen soll. Zurzeit herrscht auf dem Platze ein buntes Leben: überall wehen die roten und schwarzrotgoldenen Wimpel der Kinderfreunde, der Roten Falken und der Jungfalken ,die gemeinsam an diesem Betrieb? beteiligt sind. Zur Eröffnung des Lagers hatten die Kieler Partei- genoiien in Verbindung mit der Organisation der Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde am Sonntag vormittag eine Eröfsnftngs- und Begrüßungsfeier in der großen Nordostseehalle, in d?r seinerzeit die Er- öfsnung des Parteitages stattfand, abgehalten. Bei dieser Feier, die von Tausenden von Kieler Genossen und Freunden der Kindersache besucht war, wurde zunächst eine Trauerkundgebung für die Opfer in deu Wiener Slraßen- kämpsen veranstaltet. Der Genosse Tissarek aus Wien, der Führer der Roten-Falken-Gruppe aus Wien, die als Gast an der Kinderrepublik teilnimmt, sprach Worte, die die Vorgänge in Wien erklärten und verständlich machten. Ein Schülerchor der Kieler Arbeiter- t u r n? r verschönte die Feier durch seine Darbietungen. Genosse Eggerstedt, der Abgeordnete für Kiel, begrüßte Kinder und Helfer im Namen der Sozialdemokratischen Partei und der Gesinnungsfreunde der Jungen und Mädel, die aus allen Teilen Deutschlands zusammengeströmt waren. Er erinnerte die Kinder daran, daß sie die Absicht haben, während ihres Aufenthalts ihren Kinder st aat nach ihr?n eigenen Idealen aus- zubauen und setzte in Vergleich dazu, daß auch die erwachsenen Sozialdemokraten den Staat nach ihren Wünschen ausbauen möchten, daß sie aber dabei auf die Gleichgültigkeit und die Denk- faulheit jener Schichten stoßen, die noch immer der Meinung sind, der Staat könnte nicht ohne die früher herrschenden Schichten auskommen, weil nach ihrer Ansicht die Arbeiter zu aufbauender Slrbeit nicht fähig wären. Diese Meinung zu bekämpfen, ist die Aufgab« jedes vorwärtsstrcbenden jungen Menschen aus der Arbeiter- klasse. Wenn diese Gleichgültigkeit und die Ueberheblichkeit der früher bevorrechteten Schichten beseitigt wird, wird es möglich sein, auch den großen deutschen Erwachsencnstaat zu einem freien Staate der Arbeit und der Selbstverwaltung umzugestalten. Außer Eggerstedt sprach Genosse G a y k, der die Kinder im Namen der Kieher Klnderfreundegemeinschaft begrüßte und darauf hinwies, mit wieviel Mühen und Opfern die vorbereitende Arbeit für das Zeltlager von den Kieler Genossen und Genossinnen verbunden war. Zahlreiche Kieler Arbeiterfrauen und- männer haben sich mit großer Liebe in den Dienst der Sache gestellt: sie sind bereit, auch weiter zu arbeiten. Etwa 30 Frauen arbeiten allein in der Küche für die Kinderrepublik. Diesen Arbeitswillen muß jedes Kind und jeder Helscr, die als Teilhaber an der Kinderrepublik gekommen sind, ergänzen und ausfüllen durch eigenen Arbeitswillen und durch freiwillige Einordnung in den Ge- samtcharakter des Zeltlagers. Der Genosse Gayk teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß als„erster Präsident der Zeltrepublik" der Genosse Kurt Löwen st ein gewählt sei, der Vorsitzende der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kindersreunde. Nach dieser Eröffnungsfeier veranstalteten die Kieler Genossen unter Vorantritt sämtlicher Banner und Wimpel der herbeigeeilten Kindersreundegruppen einen Umzug durch die Stadt, der im Gewerk- schaftshaus endete. Hier wurden die Kinder von dem neu gewählten Präsidenten, Genossen Kurt Löwenstcin, begrüßt, der den Dank aus- sprach für alle die freiwilligen Helfer, insbesondere auch denjenigen, die durch Sammlungen und durch Opfer aller Art den Kindern die Möglichkeit geschaffen haben, diese vier Wochen Erholung an der See zu genießen. Er dehnte den Dank aus auf die Staats-, Reichs- und Kommunolbehörden, die dem Unter- nehmen Unterstützung zuteil werden ließen. Mit einem Hoch auf die junge Kinderrepublik, die feierlich auszurufen er beauf- tragt sei, schloß Genosse Löwenstcin diese Ansprache. Die Kinder, etwa 2400 an der Zahl, wurden sodann im Gewerk- schastshous zum ersten Male abgespeist, nachdem sie in der Nacht vorher in Privatquartieren untergebracht gewesen waren. Die Orga- nisation der Kieler Genossen zeigte sich auch hierbei im besten Lichte. Die Veranstaltungen klappten ausgezeichnet, und die Kinder wie die Erwachsenen werden den Kieler Genossen dankbar sein für das, was sie ihnen hier am Strande zu bieten bereit sind. Wasserschäden auf den vorortftrecken. Folgen des gestrigen Unwetters. Das schwere Unwetter, das gestern über Groß-Berlin und Vororte niederging, hat, wie jetzt bekanntgeworden ist, auch den Vorortverkehr auf der Reichsbahn stark beeinträchtigt. Auf den Bahndämmen stauten sich große Wassermengen an, so daß an den gefährdeten Stellen mit großer Vorsicht gefahren werden mußte Einige Bahndämme außerhalb Beilins wurden derart unterspült, daß sie zeitweise für den Zugverkehr völlig g e- sperrt werden mußten. So gab es auf der Oranienburger Strecke gegen 6 Uhr abends zwischen Birkenwerder und Hohenneuendors eine Verkehrsstörung von über einstündiger Dauer. Infolge des Wolkenbruches trat im Starkstromkabel eine Störung ein, so daß der Zug mitten aus der Strecke liegen blieb. Der Scha- den tonnte erst nach ziemlich einstllndiger Tätigkeit wieder behoben werden. Eine zweite Störung, die auf dieselbe Ursache zurllckzu- sühren war, ereignete sich gegen lü Uhr abends auf dieser Strecke lurz vor Reinickendorf-Rosenthal. Es gab plötzlich Kurzschluß in der Steuerstromleitung, so daß der Zug stehen blieb. Durch den neuerlichen Fall trat abermals eine empfindliche Störung ein. Die Vorortzüge hatten große Verspätungen. Stark gefährdet waren zeitweise die Gleise der Stadtdahn auf dem Bahnhof W a n n s e e. Die Wassermassen stauten sich zu einem großen See und unterspülten den Bahndamm. Als die Lo- tomotioe eines herankommenden Vorortzuges die Unfallstelle pas- sierte, gab der Bahndamm plötzlich nach, und die Maschine en7- gleiste. Es trat eine Verkehrsstörung von ziemlich IVi Stunde ein. Personen find zum Glück nicht zu Schaden gekommen. Von einem ähnlichen Unglücksfall wurde der Bahndamm der Industriebahn Neukölln-Brig der Stadt Berlin be- troffen. Die Regenmengen hatten den Damm der zweigleisig r»- führten Bahn in einem solchen Umfange unterspült, daß der g'e- jamte Verkehr gesperrt werde mußte. Unter der Grenzallee-Brücke in Neukölln platzte gestern nacht gegen 12 Uhr ein Hauptwasserrohr. Die Wassermassen ergossen sich in den Neuköllner �vchissahrtskanal und unterspülten die Brückenfundamente derart, daß' die Brücke e i n z u- stürzen drohte. Die Wasserwerke wurden benachrichtigt, die mehrere Arbeiter an die Unfallstelle entsandte, die das schadhafte Rohr abstellten. Die Brücke wurde für den gesamten Verkehr p o l i- zeilich gesperrt. Ueberschwemmung im Flughafen Tempelhof. Die Berliner F e u« r w e h r, die in den gestrigen Abendstunden, wie wir heute früh bereits mitteilten, in zahlreichen Fällen um Hilfeleistung bei Ueberfchwemmungen alarmiert wurde, war noch die ganze Nacht bis in die Morgenstunden hinein mit Pump- arbeiten beschäftigt. Immer neue Alarme liefen ein.— Aus dem Flughafen Tempelhos bildeten die Wassermassen, die in den Gully, nicht genügend Abfluß fanden, vor den Flugzeug- hallen einen großen See von über einen halben Meter Tiefe. Beide Hallen waren stark gefährdet. Die Feuerwehr wurde noch in der Nacht alarmiert. Mehrere Motorspritzen waren stunden- lang mit Saugarbeiten tätig, die in den heutigen Vormittagsstunden noch immer nicht beendet sind.— Für das Wohnhaus Reichenberger Straße 1, das, wie wir berichteten, durch den Bruch eines Kanalisationsrohres in Einsturzgefahr geriet, bestehen leine Besorgnisse mehr. * Auf der Strecke nach Frankfurt a. d. Oder wurde bei R o f e n g a r tje n der Bahndamm völlig unterspült. Der Zugver- lehr war derart gefährdet, daß die Strecke heute früh gegen 1-7 Uhr gesperrt wurde. Eine größere Arbeiterkolonne wurde an die Un- sallstelle beordert, die umfangreiche Aufschiittungsarbeiten vornahm. Gegen 8 Uhr konnte der Betrieb in Richtung Berlin eingleisig wieder aufgenommen werden. In jjiichtung Frankfurt a. d. Oder wird der Betrieb durch Umleitungen aufrecht er- halten. Die Züge erlitten durchweg große Verspätungen. Durch üen Ofen in öle ßreiheit. Ein Ein- und Ausbrecher wieder erwischt. Ein bewegtes Leben hat ein 28 Jahre alter gebürtiger Schweizer namens Karl Schill hinter sich, der jetzt von neuem ergriffen wurde. Schill war in seinem Heimatland wegen schweren Einbruchs und anderer Straftaten nicht weniger als achtmal, darunter mit Zuchthaus destraft. Nach seiner letzten Entlassung kehrte er der Schweiz Anfang 1927 endgültig den Rücken und kam nach Deutschland. Hier betrieb er sein altes„Handwerk", den Einbruch, von neuem, wurde aber bald ergriffen und zu 21b Iahren Gefängnis verurteilt, die er in Tegel oerbüßen sollte. Da gefiel es ihm gar nicht. Eines schönen Tages, als er seine Zelle streichen sollte, nahm er auch schwarze Farbe, um den Raum mit einem hübschen Fries zu verzieren. Aber nicht nur sein Schönheitssinn veranlaßt« ihn dazu. Die schwarze Farbe sollte ihm noch einen anderen, wichtigeren Dienst leisten. Er hatte es verstanden, das Kitter seines Fensters zu durch- sägen und die Stäbe durch eine Pappatrappe zu ersetzen. Damit deren heller« Farbe nicht auffiel, strich er sie schwarz an. Bei seiner Arbeit in der Schuhmacherei der Anstalt hatte er sich, wie er selber sagt, nach und nach eine Menge festen Schustergarns angeeignet. Daraus verfertigt« er sich eine Strickleiter, mit deren Hilfe er in einer regnerischen Mainacht entwich. Nach Berlin traute er sich nicht zurück, und so wandte er seine Schritte nach K ü st r i n und verübte hier im Juni drei große Einbrüche. Beiin letzten wurde er wieder ertappt und aufs neue hinter Schloß und Riegel gesetzt. Er befand sich in einer sogenannten Gemein- schaftszelle, einem großen Raum, den er mit 14 anderen Männern teilte. Bald sann er auch hier wieder aus Flucht. Der Weg, den Schill diesmal wählte, war ungewöhnlich und nicht un- gefährlich. Aus dem großen Ofen, der in der Zelle stand, brach er ein Stück heraus, kroch hinein, im Inneren des Schornsteins empor, bis er auf das Dach gelangte und über dieses hinweg fliehen konnte. Er ging nicht allein, zwei seiner Zellen- genossen nahm er mit. Die anderen zwölf beteiligten sich nicht an der Flucht, nicht, weil sie die Freiheit nicht geschätzt hätten, sondern weil sie ohnehin nach zwei Tagen zur Entlassung kamen. Da lohnte für sie die Anstrengung nicht mehr. Di? drei Entwischten fuhren— wie Schill behauptet— In ihrer Anstaltskleidung bis zum Görlitzer Bohnhoi, ohne irgendwie auf- zufallen oder angehalten zu werden. Zum Dank für die Befreiung beschenkten die beiden Mitslüchtlinge Schill in der Brunnenstraße mit neuen Kleidern und trennten sich dann von ihm. Schill wandte seine Aufmerksamkeit nun den Berliner Vororten zu und begab sich zu- nächst nach Biesdorf. Er drang durch das offene Toilettenfenster in eine Villa ein, wurde aber überrascht und mußte flüchten. Eine Motcrradstreise der Schutzpolizei holre Schill aber aus der Chaussee ein und nahm ihn wieder fest. Der unverbesserliche Ein- und Aus- brecher wird.wieder nach- Tegel zurückgebracht werden. D-Zug der Luft. Wie alle Veranstaltungen des Sanntags hatte auch die Fliegerveranstaltung in Staaken unter dem Gewitter- regen stark zu leiden. Das zahlreich erschienene Publikum hatte nicht einmal die Möglichkeit, vor dem Regen Schutz zu finden. Nur einige kleine Nebengebäude konnten einem Teil der Zuschauer Unterschlupf bieten. Etwas verspätet, gegen 4 Uhr. erhob sich das gesamte Flug- geschwader und kreiste um das Feld. Eulfervorts und K a tz e n st e i n zeigten im Segelkunstflug ausgezeichnete Leistungen. Obwohl schon bei diesen Flügen der Regen stark einfetzte, zeigten Heidt und Gröhedinkelein Ballonrammen, das beim Publikum reichen Beifall fand. Es gehört ein« seltene Geschicklich- keit dazu, mit kurzen Kurven um die Ballons zu kreisen, bis- Flügel oder Propeller richtig trafen. In kurzer Zeit war es gelungen, eine Anzahl kleiner Ballons zum Platzen zu bringen. Als die Flugzeuge zum Fallschirmabsprung starteten, setzte ein Wolkenbruch ein, der die Flugzeuge zur Landung zwang. Das Publikum harrte trotz des Regens aus und bekam dann doch wenigstens zum ersten Male in Berlin den ,.V-Zug der Luft" zu sehen. An einem Sportflugzeug wurde ein Segelflugzeug mit einem etwa hundert Meter langem Seil befestigt. Dos Flugzeug zog seinen Anhänger mit in die Luft. Mehrmals kreiste der D-Zug um den Platz, dann löste sich der An- Hänger und landete im Gleitflug. Die Leistungen der Piloten fanden freudige Anerkennung. Alle übrigen Veranstaltungen beendete ein erneuter Wolkenbruch, der auch die ausdauernden Zuschauer zum Bahnhos trieb._ Landjäger erschießen einen Falschspieler. Ein teuer bezahltes Kümmelblättchen. Gestern wurden drei Kümmelblättchenspieler in Briesethal bei der Kolonie Briese von Landjägern überrascht. Um einer etwaigen Ucberraschung vorzubeugen, hatten sie als sogenannte „Schnarrposten" zwei junge„Damen" ausgestellt, die aber das Herannahen der Beamten nicht bemerkten. Der Unternehmer wies sich, als er festgenommen wurde, mit Papieren aus, die offenbar nicht feine eigenen waren. Er sollte daher den Weg nach der Polizei- station in Birkenwerder antreten. Unterwegs riß der Ertappte sich plötzlich los und suchte quer in den Wald hinein zu flüchten. Da er auf wiederholten Anruf nicht stehen blieb, so schössen die B e a in t en hinter ihm her. Eine Kugel traf ihn so schwer am Halse, daß er ver- st a r b, noch ehe ärztlich« Hilfe zur Stelle sein konnte. Der Tot« wurde erkannt als ein 26 Jahre alter Walter Bewersdorf, der in feinen Kreisen den Spitznamen„Dollbrägen" führte. Die Leiche wurde beschlagnahmt und Nach der Halle in Birkenwerder gebracht. Die Ausgabe der Schutzpolizei kann e» doch wohl nicht sein, «inen Ausreißer sofort mit dem Tode zu bestrafen. Der Fall bedarf dringend der Ausklärung. Eröffnung der Luftverkehrsftrecke Berlin— Oslo. Am heuttgen Montag ist der deutsch-norwegische Luftverkehr eröffnet worden. Damit ist auch der dritte Staat Skandinaviens in das mitteleuropäische Luftverkehrsnetz eingeschlossen, nachdem nach Kopenhagen(Dänemark) und nach Stockholm (Schweden) seit langem Luftweg« von deutschen Lufthäsen aus führen. Die Deutsche Lusthansa betreibt diese Strecke Berlin— Steltin— Kopenhagen— Gothenburg— Oslo in der Weise, daß zwischen Berlin— Stettin Landslugzeuge und zwischen Stettin und Oslo, mit Zwischenlandungen in Kopenhagen und Gothenburg, Dornier-Wal-Flugboote verkehren, die auch auf der ersten dcut- schen Seeflugstrecke Stettin— Stockholm«ingesetzt sind. Die 93 2 Kilometer lange Streck« Berlin— Oslo wird in einer Reisezeit von 9% Stunden zurückgelegt, wobei zu berücksichtigen ist, daß zwei Stunden auf Aufenthalt in den Zwischenhäfen entfallen. Trotzdem wird immer noch ein Zeitgewinn von etwa 18 St u n d e n gegenüber den anderen Verkehrsmitteln erzielt. Täglich 5 Liter Milch vom Schaf. „Die Milch ist das wichtigste Nahrungsmitel für Kinder", aus dieser Erkenntnis heraus ist an der Peripherie der Millionenstadt Berlin eine umfangreiche Zucht kleiner Milchtiere entstanden. Don ist es den Laubenkolonisten, den Gartenbesitzern und den Siedlern möglich, eine Ziege oder ein Milchschaf in der Hauptsache von eigenen Gartenabfällen zu ernähren. Das ist von großer Be- deutung, denn so wird bei Arbeitslosigkeft des Familienoberhauptes die Milchverjorgung der Kinder nicht gefährdet. Zudem sorgt der kleine Mann bekanntlich mit Liebe für seine Tiere, er zimmert ihnen luftiae Ställe, er macht Grasplätze und Wegränder ausfindig, wo seine Tiere Weide- und Bewegungsmöglichkeit haben. Eine solche Haltung lohnt sich, kein Tier wird tuberkulös. Aus all diesen Gründen machte auch die Groß. Berliner Ziegen. und Milchschaj-Ausstellung, die im Garten des Gast». Hauses„Zum Pankgrafen" in Pankow stattfand, einen sehr guten Eindruck. Ausgestellt waren Ziegen der Märkischen Saanenrasse und Oftfriesische Milchlchaf«. Es waren durchweg Mustertiere und man übertreibt vielleicht nicht, wenn man die Behauptung ousstellt, die hier in Berlin gezogenen Tiere sind dem von auswärts bezogenen Durchschnittstier überlegen. Waren doch beispielsweise Schafe vorhanden, die, frisch melkend, t ä g- l i ch fünf Liter Milch geben und dabei im Bau und Fell Prachtiere blieben. Denen, die es noch nicht wisien, sei gesagt. daß die Schafmilch außerordentlich fett und wohlschmeckend ist.''? � Zwei Arbeiter verschüttet. Auf dem Neubaugrundstück Reichsstraße 199 zu ChaAottenbure, ereignete sich heute früh gegen 8 Uhr ein Schachteinsturz, bei dem zwei Arbeiter verschüttet wurden, und zwar der 26jährige Johann Römer aus der Eosanderftr. 8 und der 29jährige Erich Kraus« aus der Pfalzburger Str. 81. Der Feuerwehr gelang es, die beiden Verunglückten nach ziemlich dreiviertel stündiger Tätig- keit zu bergen. Sie mußten sofort in das St.-Hildegard-Kranken- haus übergeführt werden. Die Ursachen des Einsturzes sind wahr- scheinlich in den Regengüssen des Sonntags zu suchen. Hluttat in Sorkum. Ein Kellner von einem Reichswehrgcfreiten erstochen. Borkum. 18. Zu«.(WTB.) Heute früh 4 Ahr wurde der hier im Zägerheim als Aushilfskellner tälige Peter Acker- m o n n, als er auf dem Heimwege begriffen war. von dem Ober- gefreiten Oertel vom Reichswehr- Infanterie- regiment Nr. 16 erstochen. Ueber das Motiv zur Tat ist noch nichts genaues bekannt.— Borkum ist bekannt als das„rassenreine" Nordscebad, in der eine Zeitlang der übelste Radauantlsemitistrois blühte. Levines Ruckflug nach Amerika. Paris, 7. Juli.(EP.) Nach einer Meldung der„Chicago Tribüne" erklärte L e v i n e, falls die zurzeit auf der Ueberfahrt nach Amerika begriffene deutsche Fliegerin Thea R a f ch e im nächsten Jahre noch die Absicht habe, einen Transozeanflug zu unternehmen. werde er ihr ein Bellanca-Flugzeug.zur Verfügung stellen. Der von Levine für den Rückflug nach Amerika gewonnene französisch« Flieger D r o n h i n hat zusammen mit den in Paris eingetroffenen amerikanischen Spezialisten mit der Nachprüfung des Motors der„Columbia" begonnen. Der ersetzte Propeller sowie ein neuer Motor sind bereits angekommen. Gestern nachmittag unternahmen Drouhin und Leoine«in Versuchsflug über den Flugplatz von Le Bourget, wobei der Apparat befriedigend arbeitete. Ende der Woche werden weitere Probeflüge mit zunehmender Belastung unternommen werden. Falls diese gut ver- lausen werden, ist damit zu rechnen, daß die„Columbia" in etwa 8 Tagen den Flug Paris— New Jork antreten kann.. Sport. Länderwettstreit im Melropol-Variet�. Nachdem, was dieser Wettstreit an statten kurzen Sämpsen, sowie gut Technischem gezeigt hat. lägt siS> das ganze schon als ein Lchritt nach vorwäris werten. Rur noch eis Ringer stellen sich allabendlich dem Schiedsrichter. Omelczenio. Ukraine und T u r o s s. Rußland standen gestern im Eni. scheidungskampf gegenlibcr. Diese statten Mittetgcwichtlcr waren höchst gleich. wcrtig, beide gaben ihr bestes her, so daß der gebotene Sport alles voll befriedigte. Dem Rüsten gelang es nach Ni�Minuten blifcschnell, mit Ober. armilammer, da« Treffen an sich zu bringen. Im Protest.sntscheidungskampf Willing- Berlin gegen Grunewald- Westfalen konnte erster«! nach Ig Minuten Uber seinen Bezwinger durch einen Oberarmgriff mit Schleuder triumphieren. Der Berliner Pietro Scholz war gegen Räber- Ost- prcußen Überlegen, beide mußten aber nach zwei Gängen ohne Resultat scheiden. Dieser Komps zeigte, daß man schari aus die neuen verschärften Kampsdestimmungen achtet und gewillt ist, gegen Uebergrisse scharf vor. zugehen. R e st r ö m. Estland und R o m a n o s f. Rußland gingen ebenfalls ilbcr die Distanz, ohne Resultat. Nach zwei flotten Sängen trennten sich am Gonnabend der Finne? a r n o n s und Menerjanz- Dortmund ohne Resultat, Der besonders lebhaste Estländcr R e st r L m— erhielt abermals einige Berwarnungcn— blieb dennoch nach l Stunde 13 Minuten Uber G r ii n e w a l d- Westfalen Sieger. Wegen Eintritt der Polizeistunde— die auf 12 Uhr festgesetzt ist— mußten Scholz- Berlin und T u r o f f- Rußland ihren sehr interessanten Kamps unterbreche». Streik in öer Eisengießerei von Siemens. Iii der Eisengießerei der Siemen- u. Halske A.-G. hatten die Gipsformer und Schlosser«ine Lohnerhöhung von 10 P r oz. und die Kernmacher eine solche von 7 Proz. gefordert. Der bisherige Durchschnittsverdienst betrug bei den Gipsformern 1,27 M., bei den Schlossern 1 M. und bei den Kern- machern 1,04 M. pro Stunde. Die Verhandlungen zwischen der Firma und dem Deutschen Metallarbeiterverband führten zu folgen- dem unzureichenden Zugeständnis: Bei den Gipsformern und Schlossern sollten die- jenigen, welche unter 1 M. pro Stunde verdienten, eine Zu- läge von drei Pf., und solche die über 1 M. Stundenverdienst Hachen, eine Zulage von zwei Pf. erhalten. Den Kern- machern wurde eine Erhöhung von etwa 1,6 Pf. pro Stunde zugesagt. Die drei Gruppen nahmen in einer Versammlung zu dem Berhandlungsergebnis Stellung, lehnten es einstimmig ab und traten am Sonnabend in den Streik. Sämtliche Kollegen sind im DMV. organisiert. Die Firma will unter allen Umständen den Betrieb aufrecht- erhalten und hat schon versucht, Arbeitskräfte von dem gelben Nach- weis zu beziehen. Es ist daher notwendig, den Zuzug von außerhalb abzuhalten. Die noch im Betriebe verbliebenen Gruppen sind eben- falls zum Kampf entschlossen. Dieses Ereignis mag der Firma Siemens eine heilsame Lehre sein. In den übrigen Werken herrscht infolge ihrer Lohnpolitik eine ziemlich große Unruhe unter den Belegschaften, so daß mit weiteren Kämpfen in allernächster Zeit zu rechnen ist. Die dauernde'Steigerung der Lebenshaltungskosten, verbunden mit dem Standpunkt der Firma, jegliche Lohnerhöhung aus prinzipiellen Gründen abzulehnen, läßt noch weitere Ausbrüche obiger Art er- warten. Darüber hinweg hilft der Firma selbst der gelbe Nachweis nichts und selbst, wenn einige Gelbe und Hakenkreuzler Andersgesinnte mit dem Schießprügel bedrohen, oder ein Roll- kommando von 25 jungen Bengels freigewcrkschaftliche Arbeiter nach Schluß der Arbeitszeit überfallen, wie es erst kürzlich im Kabelwerk passierte, wird die organisierte Arbeiterschaft sich nicht dem Diktat der Firmenleitung beugen. Die osterreichifthen Gewerkschaften 1H2H. Nngünstigcr Einfluß der Dauerkrise. Die Gewerkschaften Oesterreichs zählten Ende 1926: 7 6 Z Z 9 2 Mitglieder. Im Vergleich zum Stand des Vorjahres ist ein Rückgang von 6,33 Proz. eingetreten. Schon in früheren Jahren war eine Abnahme des Mitgliederstandes zu verzeichnen, die jedoch weit größer war und im Jahre 1923: 7,63 Proz. und im Jahre 1922: 14,39 Proz. betrug. In 52 Organisationen sind 388 473 männliche und 176 919 weibliche Mitglieder oder 77,8 Proz. Männer und 22,2 Proz. Frauen vorhanden. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist im Laufe der Jahre fast unverändert geblieben. Einige Organisationen haben achtungswerte Gewinne zu verzeichnen, denen aber leider bei anderen Organisationen infolge der andauernden ernsten Wirtschaftskrise Abnahmen gegenüberstehen. Gruppiert man die Mitglieder nach Arbeitern und Angestellten, so ergibt sich, daß in den Gewerkschaften rund 6 4 Proz. A r b e i- t e r und 36 Proz. Angestellte vereinigt sind. Die Mehr- zahl der Gewerkschaftsmitglieder Oesterreichs ist in Wien tätig, und zwar 35,76 Proz. Werden die österreichischen Gewerkschaften nach ihrem zahlen- mäßige,, Mitgliederstand geordnet, so ergibt sich, daß die Metall- arbeit er mit 114 389 Mitgliedern als die stärksten obenan stähen. Ihnen folgen die Eisenbahner mit 87 923, die Bau- a r b e i t e r mit 36 123, die O e f f e n t l i ch e n Angestellten mit 50 618 und die Lebensmittelarbeiter mit 41 150 Mit- gliedern. Zwei Organisationen haben sast nur Frauen als Mitglie- der, in acht weiteren sind sie in der Mehrheit. Sechs Gewerkschaften zählen nur Männer und drei fast nur Männer zu Mitgliedern. Eine seit einigen Jahren eingetretene Besserung der finanziellen Verhältnisse machte sich erfreulicherweise auch m diesem Jahre bemerkbar. Die 5lopfquote des Gesamtoer-' niögens der Gewerkschaften lohne Widerstandsfonds) betrug 22,62 Schilling. Die Gewerkschastspresse ist in erfreulicher Entwick- lung begriffen. Es gibt in Oesterreich zurzeit über 34 Fachorgane. Oer Hllgemekne Cifenbahner-verbanö. In Nr. 332 des„Vorwärts" brachten wir einen Bericht über die Entwicklung der Berliner Ortsgruppe des Einheitsverbandes der Eisenbahner. Dieser Bericht enthielt auch folgenden Sag: „Daß die neuen Gemeinschaftsordnungen der Gepäckträger nicht im Sinne der von der Ortsverwaltung der Direktion unter- breiteten Verbesserungsvorschläge abgeschlossen wurden, ist ein be- sonderes Verdienst des gelben Eisenbahnerverbandes." Der Allgemeine Eisenbahnerverband schreibt uns hierzu: „Da neben dem Einheitsverband der Eisenbahner an den Ver- Handlungen über die Gemeinschaftsordnungen der Gepäckträger nur unser Verband beteiligt gewesen ist, soll mit der Bezeichnung„gelber Eisenbahneroerband" unser Verband gemeint sein. Wir müssen Sie daher um die Aufnahme folgender Berichtigung ersuchen: Es ist unwahr, daß der Allgemeine Eisenbahncrverband ein„gelber", d. h. wirtschastsfriedlicher Verband ist. Wahr ist, daß der Allgemeine Ersenbahnerverband dem Gewer kschastsring deutscher Arbeiter-, Angestellten, und Beamtenverbände ange- schlössen ist und derselben Tarifgemeinschaft angehört wie der sreie gewerkschaftliche„Einheitsverband der Eisenbahner". Aus dem angeführten Satze ging nicht hervor, daß mit der Be-- Zeichnung„gelber Eisenbahnerverband" der Allgemeine Eisen- bahnerverband gemeint sein sollte. Es lag uns fern, diesen Eisen- bahnerverband der christlichen Gewerkschaftsrichtung als einen „gelbe n" Eisenbahneroerband zu bezeichnen. Die Sparkasse der Dank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G„ Berlin. Wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Khr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Verantwortlich kür Politik: Victor Schiff! Wirtschaft: H., Berlin� Druck: und Vcrlagsanstalt Paul Einger u Co., Berlin EW KS, Vorwärts-Buchdruckeret Lindenstratze Z. vis KomSäie Bismarck 2414/7516 S1/* Ende nadi 10 Uhr Oer keusche Lebemann Sommerpr. 3—10 M. WM MM Norden 10334— 37 s u. Ende ,0'/sU 3er toer Hose-Theater Gartenbühne SVj Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr: Die instlOeWilwe I �Üs» 1 RBhren, Filtar, Ersatzteile 'rjülhts gratis IMIankc'. Pumpenfabrik Berlin N 65, Rsinitodorler Str. S5 Blumeospenien sebec Art liefert preiswert I'mzl Gollctz. "oortn. Robert Key«r Mariannenstraße 3, Ecke Naunynstrahe Amt Morit;pl.l0Z 03 Ziehung: s.u. 6. Au�usf-1927 UsMmiJbÄe Automobil- P /rxijtva und Pferde- isOTCS1 M -lö&bm 5Mk ,l anA wncAudßnzn lenzer Jim PORTO u U5T« 30 PF. EXTRA Im Gesemtwertevon Mark CSC® C& ÄW CA 1 A. torr obll. Ptorde und 3 Wagen Im Wert#»on Mar« aowie/DtiO Gewinne Im Werte yon Mark i. Hauptgewinn: 1 Automobil Im Warte yon Mar« J.€�000 2. Hauptgewinn. I Vierapänner Im Worte*on Mar* US wa. uSvv I zu haben infeilen durch Plakate kennt» liehen Verkaufsstellen, sowie durch Genera Guit. 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