Menöausgabe Nr. 339 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 167 Bejuastuftinminntn und Anzeigen pr«If, find in der Morgenauignbe angegeben Nedatlion: sw. SS, cwdeaftratz« 3 Secnfpredjct> vönhoft 202— 202 rel.-Zldrefse: Sozloldemotra« verU« siö ) r*% Derlinev VolkcslrlÄkt Mittwoch 20. Juli m? «erlag und Anzeigenadreilua», Geich ästszeil 8� bis 6 Uhr Verleger: vorn» Srls. Verlag Gindh. verlin Slv. SS. Llndenftrohe» Fernsprecher I VSnhoft 202— 297 Zentralorgan der Sozialdemokratlfchen Partei Deutfcblands Leichenfeier in Wien. Schwarze Trauerfahnen auf den Gemeindegebänden. r.bn. Wien, 20. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Für die heutige Leichenfeier im Zentralfriedhof wurden große Vorbereitungen getroffen. Es wurde ein großer Katafalk ausgestellt, der für 100 Särge Platz hat, der aber heute nicht voll ausgenutzt wird, da heute erst 60 Leichen gemeinsam bestattet werden. Von allen Korporationen wurden reichlich Blumen und Kränze gebracht. In den Arbeiter- bezirken haben die Arbeiter rote Fahnen mit Trauerflor heraus-� gehängt. Auf allen Gemeindegebäuden wehen schwarze Trauer. sahnen. Die Bestattung wird um 2 Uhr nachmittags stattfinden. Die Wiener„A r b« i t e r- Z e i t u n g" bringt heute einen Leit- artikcl„Das Vermächtnis der Toten". In dem Artikel wird ge- fragt, wofür diese Toten gefallen seien. Sie seien gesallen als Revolutionär«, in dem Gefühl, durch ihr vergossenes Blut ein Opfer sür die Zukunft gebracht zu haben. Aber das Tragische und S i n n- lose sei, daß dieser Kampf kein revolutionärer Kampf cewesen sei, sondern eine Treibjagd, ein planloses Gemetzel, in der Menschen zugrunde gingen. Das sei das schauerliche Gefühl, das alle«rsülle. Das Bürgertum s»eilich denke auch in diesem Augen- blick nur an sich, die Störung seiner geschäftlichen Transaktionen und die Sorge um den Fremdenverkehr seien ihm wichtiger als das Andenken der Toten. Streikabbruch— eine Tat republikanischen Verantwortungsgefühls. Die Wiener„Arbeiterzeitung" schreibt zum Abbruch des Berkehrsstreiks: „Wißt ihr, warum den cherren so völlig das Verantwor- tungsgefühl fehlt, das uns leitet? Weil diese Republik, die sie regieren, ihnen einfach wurst ist! Was liegt denen daran, wenn die Republik zugrunde geht? Uns aber ist diese Republik, so geschändet sie auch ist unter der Regierung derer, die sie im Herzen hassen, uns ist diese Republik trotz alledem das künftige Erde der Arbeiterklasse. Darum machen wir uns Sorgen um ihren Bestand und ihre Sicherung. Darum denken wir selbst in den Stunden wildester Erregung daran, unseren Kampf mit Mitteln zu führen, die die Republik nicht in Gefahr bringen. Darum treiben wir nicht Prestigepolitik in ernsten Stunden. Darum leitet uns das Verantwortungsgefühl, das denen fehlt, die die Republik regieren, aber hassen. Der Abbruch des Verkehrs st reiks— er ist eine Tat republikanischen Verantwortungsgefühls. Und weil dieses republikanische Verantwortungsgefühl unsere breiten Massen erfüllt, darum werden sie den Beschluß des Parteivorstandes ii-nd der Gewcrkschaftskommission in geschlossener Einheit vollziehen. Ein Zirkulartelegramm— sie sind in den Streik getreten. Ein anderes— sie werden die Arbeit aufnehmen. So handelt ein von Verantwortungsgefühl und Disziplin erfülltes Heer! Und solange es so handelt, bleibt es unbesiegbar. Sein Verantwortung s- gefühl wird uns die Republik erhalten." bewaffnete Faschisten. Hcimwehr-Putsch in Steiermark. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" deckt die Bc- waffnung der Faschisten in Steiermark und ihre putschistischen Absichten auf. Er läßt sich aus Graz berichten: „Die schwächliche Haltung d«s Landeshauptmanns gab zu einem schweren Konflikt in der Landesregierung Anlaß. Der christlich-soziale Landeshauptmann-Stellvertreter, Riegler, und Landesrat Pfarrer Zenz, verließen ihren Sitz in der Landes- regierung in Graz und errichteten in Feldbach eine provisorische bürgerliche Landesregierung, der auch von der Großdeutschen Partei Abg. Dr. Minarit und vom Landbund Nationalrat Zangel an- gehörten. Diese Nebenregierung erließ einen Ausruf der Heimwehren. Bis Sonntag vormittag war ganz Untersteier- mark, Mittel- und Weststeiermark bis auf die Jndustrieorte Voits- berg und Koeflach im Besige der Heimwehren. Im Nordosten von Graz waren die Heimwehren im Räume von Kainbach. zwei Kilometer von Graz, versammelt. Alle waren bewassnet und mit Maschinengewehren versehen. Gegen Abteilungen des Republikanischen Schutzbundes im republikanischen Industriegebiet errangen die Heimwehren großen Erfolg. Heimwehrführer Dr. Pfriemer sammelte im oberen Murtal 7000 Mann mit 200 Maschinengewehren und besetzt« Sonntag früh Judenburg. Die Heimwehr kontrolliert heute in ganz Steiermark die Durch- führung der vollständigen Arbeitsaufnahme und wird morgen ab- rüsten. Insgesamt waren 17 000 Heimwehrmänner unter den Massen." Selbstverständlich beschuldigt der„Lokal-Anzeiger" nicht die bewaffnete Heimwehr, sondern den unbcwafsneten Schutz- bund des Putschismus. Frage: Wieviel Waffen besitzt der Stahlhelm in Deutschland? Untersuchung öer Fustizpalaft-Nuine. Wien. 20. Juli.(WTB.) Der Justizpalast wurde durch eine Kommission besichtigt, die aus Vertretern der städtischen Baupolizei, des Ministeriums für Handel und Verkehr und des Bundeskanzler- emtes bestand. Während man ursprünglich angenommen hatte, daß die Grund- und die Außenmauern noch so gut erhalten seien, daß das Gebäude restauriert werden könnte, neigt man nach dem Crgeb- nis dieser Untersuchung mehr der Ansicht zu, daß die Beschädigungen des Mauerwerkes durch die große Hitzeentwicklung so schwer sind, daß die Wiederher st ellung mehr als fraglich erscheint. Es dürfte nunmehr damit zu rechnen sein, daß das Gebäude a b- getragen werden muß. Nach der heutigen Untersuchung ist zu- nächst angeordnet worden, daß innerhalb der nächsten 24 Stunden die Gebäudeteils, für die Einsturzgefahr besteht, abgerissen werden. Das gilt namentlich für die G i e b e l a u f b au t e n und Gesimse, deren Verankerung und Stützung durch das Feuer ver- nichtet oder beschädigt ist. Auch die Schornsteine stehen vor dem Ein- stürz; an vielen Stellen hängen meterlange Blechstücke herab. Aus Gefahrgrllnden mußte die A b s p e r r u n g des Justizpalastes und die Umleitung des Verkehrs weiter aufrecht erhalten werden. Der Gemeinüerat tagt morgen. Wien, 20. Juli.(WTB.) Bürgermeister Seitz hat den Wiener Gemeinderat für Donnerstag nachmittag zu einer Sitzung einberufen. Diese Sitzung wird die erst« parlamentarische Aus- spräche über die Ereignisse der letzten Tage darstellen. Schober über Sie Wiener Vorgänge. Der Wiener Polizeipräsident Schober hat einem Wiener Journalisten eine Darstellung der Vorgänge gegeben, die in der „Vossischen Zeitung" wiedergegeben wird. Schober führt den Angriff auf den Justizpalast darauf zurück, daß die Massen, die sicher nur zu einer Demonstration gekommen waren, ohne Führung blieben: nicht einmal Ordner seien mitgegangen. So wurden die vielen Tausende in den Augenblicken, da sie dringend des Rates ihrer Führer bedurften, allein gelassen, und diese gefährliche Situation benutzten unverant- wortliche kommunistische Elemente, um sich an die Spitze der Be- wcgung zu stellen und die Menge zu jenem Ziel zu führen, das ihnen erstrebenswert schien. Der Befehl, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, sei erst gegeben worden, nachdem Bürgermeister Seitz ihm mitgeteilt habe, daß seine Intervention zum Zwecke der Feuerwehraktion bei der zügellosen Menge fruchtlos gewesen sei. Der Bürgermeister habe ihm gesagt:„Ich bitte Sie, Herr Polizeipräsident, versuchen Sie es noch einmal mit anderen Mitteln." Er habe erwidert:„Jawohl, das verspreche ich Ihnen, aber wenn es nicht anders geht, dann muß ich die Kommandanten instruieren, von der Waffe Gebrauch zu machen. Es steht alles auf dem Spiel" Die Schuld liege also nichtbei derWiener Arbeiter- s ch a f t. Die Erregung der Massen nach dem Urteil von Schatten- darf sei wohl sehr groß gewesen, aber die Menschen, die sich zu solchen Unruhen fortreißen ließen, Gebäude anzündeten, Wachtleute massakrierten usw., das waren keine Wiener, und das waren auch keine Wiener Arbeiter. Der Mob, die Hefe des Volkes, verant- wortungslose Gesellen, hätten sich der Bewegung bemächtigt. Zum Schluß sagte Schober, es sei gut und klug gewesen, den Verkehrs st reik rasch zu beenden; denn er hätte, wenn er auch nur kurze Zeit angedauert hätte, zu den schwersten politischen Folgen sür Oesterreich führen können. Toö eines tzohenzollernkönigs. Ferdinand I. von Rumänien gestorben. Am gleichen Tage, an dem das neugewählte rumänische Par- lament sich endgültig konstituierte, starb König Ferdinand. Während eine allgemeine Nachrichtensperre über Rumänien verhängt wurde. berichtete die amtliche Nachrichtenagentur von seinem plötzlichen Ende in Sinaia. Ferdinand entstammt der Sigmaringer Linie des Hohenzollern- Hauses. 1865 geboren, wurde er von seinem kinderlosen Onkel Karl von Rumänien schon 1889 zum Kronprinzen ernannt. Er trat die Regierung im Oktober 1924 an, erklärte Deutschland den Krieg und wurde im Frieden von Bukarest 1918 von den deutschen Hohenzollern tief gedemiitigt, bis der Sieg der Entente auch seinem Lande mächtigen Gebietsgewinn brachte: Bsssarabien, Bukowina, Transsylvanien und das Bauat wurden von Rußland, Oesterreich und Ungarn losgerissen und dem Stammlande einverleibt. In sozialer Hinsicht war die Zeit seiner Regierung durch die Agrarreform bemerkenswert, die er durch- führte, um seine Dynastie vor der Agrarrevolution zu retten. Das allgemeine Stimmrecht, das ebenfalls eingeführt wurde, ist nur eine Fassade, hinter der sich das faschistenähntiche Terrorregiment der herrschenden Großgrundbesitzerklasse vergeblich verbirgt. Sein Name bleibt verknüpft mit fürchterlicher Klassenjustiz gegen Sozialisten und Kommunisten. Ob de Tod Ferdinands sofort ernste politische Folgen auslöst, steht noch dahin. Da er seit Jahren krebsleidend war, hatte man sich auf sein Ende vorbereitet. Ein Negentschaftsrat ist bereits ein- gesetzt, der für seinen unmündigen Enkel die formelle Herrschaft ausüben soll. Die eigentliche Machtausübung bleibt in der Hand der „Liberalen Partei", also Bratianus. Schwerste Komplikationen können allerdings sofort einsetzen, wenn der wegen seiner Liebes- abenteuer und unsauberen Lieferungsgcschäfte geschaßte E x- Kronprinz Carol den Einfall haben sollte, Paris mit Bukarest zu tauschen. Da die Diktatur ihm mehr liegt als„unfruchtbare parlamentarische Kämpfe", hat Bratianu zunächst einmal den B c- lagcrungszustand erklärt:„Das Land hat Ruhe, Einigkeit und Eintracht notwendig." Die teure Post. SchätzelS Politik, das Parlament und die Arbeiterschaft. Uebermorgen, Freitag, findet die Sitzung des Berwal- tungsrats der Reichsost statt, die über die hart umkämpfte Gebührenvorlage des Herrn Schätze! zu entscheiden hat. Der Arbeitsausschuß, dem die Vorbereitung der Be- schlußsassung oblag, hat die Erhöhung der Porti gebilligt: die Abstriche, die dabei am Entwurf vorgenommen wurden, sind ganz unwesentlich. Ueberreichlich ausgeglichen werden sie durch die Verdoppelung des Posttarifs für den O r t s v e r- kehr, die sogar im Widerspruch zu den früheren Beschlüssen desselben Verwaltungsrats steht. Weder die Proteste aus derWirtschaft, noch der Einspruch des Parlaments vermochten Herrn Schätze! zu bestimmen, seine Forderungen zu revi- dieren. Mit bajuoarischer Hartnäckigkeit hielt er an der Vor» läge fest, die in diesen Tagen zur Entscheidung steht. Nichts wäre verfehlter als der Glaube, daß die Porto- erhöhung ja nur eine Angelegenheit derjenigen sei, die viel Briefe schreiben, Geld, Pakete, Telegramme und Drucksachen versenden. Bankier, Kaufmann, Fabrikant Landwirte, die Behörden— keiner von ihnen zahlt den Aufwand für die nun einmal notwendige Inanspruchnahme der Post aus irgendwelchen Reserven oder Sondereinnahmen. Sie alle be- zahlen sie mit dem Geld, das ihr Kunde für Spesen und' Leistungen hergeben muß. Die 208 Millionen Mark, die selbst nach dem Eingeständnis Schätzels der Post neu zufließen sollen, belasten den Verbrauch, werden von ihm in erhöhten Preisen getragen, ganz gleichgültig, wer zufällig die Brief- marke klebt. Aber in Wirklichkeit sind es nicht nur 208 Mil- lionen, es sind weit mehr. Man wird das Richtige treffen, wenn man die Neubelastung der Wirtschaft durch die Portoerhöhung auf 250 Millionen Mark schätzt. Eine Viertelmilliarde Mark, zu deren Tragung das ganze Volk herangezogen wird, das ist kein« Kleinigkeit. Bei jedem Pfennig Lohnerhöhungen, bei j»der Neuregelung der sozialen Abgaben, bei jeder Steuerdebatte schallt es aus allen Kreisen der Wirtschast, daß die Unternehmungen keine Neubelastung mehr oertragen. Auch bei dieser Borlage hat eine große Zahl von Verbänden ihren Einspruch gegen das Postgesetz mit diesem Hinweis begründet. Deshalb muß einmal klargestellt werden, wen die p o l i t i f ch e V e r a n t w o r t u n g für ein« Aktwn trifft, deren Schädlichkeit von allen Bevölke- rungskreisen, von Arbeitnehmern wie Arbeitgebern, von Par, lamentariern aller politischen Richtungen und von unabhän- gigen Sachverständigen erkannt wird. Nach dem Postfinanzgesetz trägt die Verantworhmg in erster Linie der Verwaltungsrat der Reichspost. In ihm sind neben den Behörden das Personal und die führen- den Unternehmergruppen vertreten. Die Haltung dieser Wirtschaftsführer trägt die Hauptschuld daran, daß Schätze! mit seinen Plänen nicht schon in seinem eigenen Hause scheiterte. Entgegen der öffentlich bekundeten Auf- fassung ihrer Verbände haben diese Unternehmer den Mut gefunden, den Postminister zur Einbringung der neuen Vor- läge geradezu anzuflehen. Man fragt vergeblich nach den Gründen für dieses Verhalten, das die Mitwirkung der Wirtschaft an der Verwaltung der Reichsbetriebe zu einer jämmerlichen Groteske herabwürdigt. Verstehen kann man es, wenn die Interessenten an den Aufträgen der Post, von eigenem Profitstreben beherrscht, die Sache seines Unternehmens für die Sache des Volkes an- sehen. Man kann es verstehen, obwohl man diese Ver- quickung von Politik und Geschäft als eine Quelle übelster Korruption großen Stiles eher heute als morgen unmöglich machen sollte. Unverständlich aber ist es, wenn ein führender Vertreter des Einzelhandels sogar entgegen den Wünschen der von ihm geführten Verbände sich im entscheidenden Augenblick hinter den Postminister stellt, seine Berufsgenossen und die volkswirtschaftlichen Interessen preisgibt. Man muß gespannt sein, ob diese famosen Wirt- schaftsführer auch am Freitag den Mut zu einer solchen Ko- mödie finden. Tun sie es, so wird man ihre politischen und wirtschaftlichen Gutachten in Zukunft werten müssen als das, was sie sind, als eine leere G e st e, für die im Augenblick der Tat niemand, sie selbst am wenigsten, einzustehen wagt. Die Post ist aber ein Betrieb des Reiches. Niemals könnte der noch immer dem Parlament verantwortliche Mi- nister sich zu derartig einschneidenden Maßnahmen bekennen, wenn ihm auch nur eine der Regierungsparteien die Gefolgschaft versagt. Die Koalitionsparteien des Rechts- blocks trifft also die volle politische Verantwortung dafür, wenn die Postgebührenerhöhung erfolgt. Die Verantwortung ist doppelt schwer, da ja der Reichstag selbst in seinem Plenum die Regierung ersucht hat, von er Portosteigerung Abstand zu nehmen. Es ist also eine leere Ausflucht, wenn der Post- minister sich auf eine Stimmung im Haushaltsausschuß, die er obendrein nach seiner Art falsch gedeutet hat, oder aus Be- sprechungen der Koalitionsparteien beruft. Vertrauliche Par- lamentarierunterredungen entbinden die Regierungen nicht von der Pflicht, sich an Beschlüsse des Reichstags zu halten. Im Haushaltsausschuß aber lagen die Dinge so, daß die Opposition mit ihren Argumenten starken Ein- druck gemacht hat. Ein Beschluß war überflüssig, nachdem das Plenum in gleichem Sinne geurteilt hatte. Ein Antrag hätte nur dann einen Zweck gehabt, wenn der Haushaltsausschuß das Parlament in letzter Stunde hätte umstimmen wollen. Das war nicht der Fall. Weder die Regierungsparteien, noch auch die Opposition hatten einen Anlaß dazu, da man nach dem Verlaus der. Debatte annehmen müßte, daß Schätze!, ge- Kunden an den Reichstagskeschluß� eine sorgfältige P r ü- f u n g der von der Opposition vorgebrachten starken Ein- wände vornehmen würde. Das ist nicht geschehen; die alten Vorschläge mit geringen Abänderungen wurden erneuert. Alle sachlichen Gründe sprechen, wie hier wiederholt dargelegt wurde, gegen die Portoerhjihung. Schätzet selbst beruft sich bei seinem neuen Entschluß auf die Regierungs- Parteien, belastet also diese mit der vollen Verantwortung für seine politische Haltung. Von dieser politischen Verantwor- tung werden sie auch dann nicht frei, wenn sie sie auf den Verwaltungsrat der Post abzuwälzen suchen. Es ist nicht nur Angelegenheit der Post, es ist eine Angelegenheit der politischen Führung des Reiches, wenn jetzt dem Volke eine Viertelmilliarde Mark neu er Abgaben auf- erlegt wird, während das Reich sich wichtigen sozialen Auf- gaben versagt, die Länder und Gemeinden zu äußerster Spar- samkeit zwingt und schließlich noch die Wirtschaft selber nach einem Abbau der Realsteuern ruft, weil sie angeblich über- bürdet ist. Eine solche Finanzpolitik ohne Sinn und Ziel muß sich am ganzen Volke rächen. Hier zeigt sich, wie wenig die Sonderstellung der Post sich mit der Demokratie verein- baren läßt. Die parlamentarische Kontrolle über sie muß verschärft werden. Beschließt der Verwaltungsrat die Portoerhöhung, so wird diese Frage dringend. Die Schädi- gung dr gesamten Wirtschaft aber, die oyn einem solchen Be- schluß zu' befürchten ist, fällt auf die Rechtsblockregierung zurück, die sich über parlamentarische Rechte und sachliche Ein- wände mit der größten Ruhe hinwegsetzt. Schulkampf auf �ahre hinaus! Westarp proklamiert den Kulturkampf. In der„K r e u z- Z e i t u n g" schreibt Graf W est a r p zum Schulgesetzentwurf: „So sorgfältig der Entwurf sich in den Grenzen der Ver- fassung hält, und so wenig die Vorwürfe kulturfeindlicher Reaktion und herrschsüchtiger Intoleranz sachlich gerechtfertigt sind, darf man sich doch keiner Täuschung darüber hingeben, daß der Kampf um das Gesetz auf der ganzen Linie entbrannt ist und noch immer heftigere Formen annehmen wird. In ruhiger sachlich ernster Arbeit des Kabinetts und der Regierungsparteien, wie sie bisher geleistet worden ist, wird er einem guten Ende zu- geführt werden können. Auch wenn es gelingt, das Reichsschul- gesetz zu verabschieden, ist der Wcltanschauungskampf, der durchgeführt werden muß, nicht beendet. Es kommt alles auf die Durchführung des Gesetzes an. für welche in den darauf folgenden zwei Jahren die Aus- führungsgesetze von den Ländern Erlassen werden müssen, und das kann wohl einer der Gegenstände werden, die bei dem p r e u ß i- schen Wahlkampf im Jahre 1S28 mit in vorderster Reihe stehen werden. Sind dann die Gesetze in Reich und Ländern ent- sprechend den Absichten des Entwurfes zustande gekommen, so legen sie der christlichen deutschen Elternschaft ein hohes Maß eigener Ver- antwortung für die christliche Schule auf. Aus ihr ergeben sich große Aufgaben für die Kirchen und die Träger und Vertreter des Gedankens eines lebendigen Christentums, die nur in Frieden und Zusammenstehen der christlichen Konfessionen und in gemeinsamer Abwehr der Religionslosigkeit und Religionsseindschaft zu lösen sind." Die Absicht, den k o m m e nden Wahlkampf um das Schulgesetz zu führen, wiro beim Zentrum wenig Beifall finden— ebensowenig wie der Plan, durch die Entfesselung eines jahrelangen Schulkampfes das Zentrum in der Bürger- blockbindung zu halten. Lehrerorganisationen gegen Keudcll. Die Lchreroereine Leipzig-Stadt und»Land erheben in folgen- der Entschließung den schärfsten Einspruch gegen den neuen Reichs- schulgesetzentwurf: »Der Entwurf zerstört durch die verfassungswidrige Gleichstellung der drei Schularten die allgemeine Scheibenschießen. Von Jodok. Man wird nicht sogen dürfen— und auch der radikalste Pazifist darf das nicht tun—, daß der Umgang mit Feuerwaffen unter ollen Umständen verwerflich ist. Zunächst einmal müsicn selbstverständlich die Organe der öffentlichen Sicherheit, deren kein Staatswesen der Welt entraten kann, mit Gewehr und Revolver zu hantieren ver- stehen, aber darüber hinaus ist es auch nicht unverständlich, wenn diese oder jene Privatperson am Schießen als solchem, an dem rein physikalischen Vorgang, Gefallen findet. Schießen kann ein Harm- loses Spiel fein, wie Fußball, Tennis, Billard, ein Sport ohne Ten- denz, eine Gefchicklichkeitsübung. Aber was in der Theorie immer- hin möglich ist, straft die Praxis Lügen, und die alte Weisheit be- wahrheitet sich auch hier, daß es die Gelegenheit ist, die die Diebe schafft. Das Gewehr hat Eigenleben. Es strahlt den Willen zu seinem Mißbrauch auS, und wer mit dem Gewehr spielt, mit dem spielt eines Tages das Gewehr. Da haben sich in diesen Tagen die deutschen Schützenbünde in München versammelt und ein 18. Bundesschießen abgehalten. Man muß schon sagen, daß von dieser ganzen Veranstaltung jener muffige Geruch vollbärtiger Kraftfexerei ausgegangen ist, der nun einmal von dem deutschen Spießbürger nicht wegzukriegen ist. Vereine sind gewiß nichts Schlechtes an sich, und auch im sozialistischen Lager haben wir ja genug, aber während hier— und diese Feststellung entspringt keiner Voreingenommenheit— der Vereinszweck in der Regel durchaus richtig gewürdigt wird als kleiner Ausschnitt des Gesamtlebens, als untergeordneter Bestandteil des Weltanschauungs- komplexes, kennt der richtige bürgerliche Vereinsmeier überhaupt nichts über seinem Verein. Wenn man den Festzeitungsartikeln und Festreden der deutschen Schützen glauben könnte, käme nichts auf Erden dem Scheibenschießen gleich.„Meister im Schuh" ist für diese Leute„die beste Empfehlung",„brav sein wie Hubertus" ist die„beste Frömnügteit", und nichts steht ihnen über der„Schützen- brüderjchaft". Sie, ja sie allein lassen„in der lauen Luft einer weichlichen Zeit die Schützenkunst als Wahrzeichen männlicher Ge- sinnung ragen", sie und sie allein sind es, die„das nationale Be- wußtsein stärken". Der Weihrauch steigt, und auch dies lassen sie sich von einem ihrer Vorsitzenden in holperigen Versen bescheinigen, daß bei ihnen„noch Männlichkeit und Ehre gelten", und daß „Deutschland stolz sein kann auf seine Schlltzenschast". Natürlich dürfen bei dem Festbankett solch einer Schlltzenschast Rupertus Rex und die diversen Prinzen und Prinzessinnen einer abgehalfterten Fürstenmischepoche nicht fehlen, denen man stürmische Ovationen bringt. Um die Inszenierung der rechten Begeisterung in den besseren Bürgerstraßen ist die Festleitung besonders bemüht ge- wcscn. Sie hat für die„Bestellung" von Wurssträußen Sorge ge- tragen und offiziellen Fensterschmuck vertrieben, der aus achtzehn vevjchiedenjarbigeM Tüchern bestand, die ja aufsteigender Skala eine Staatsschule und zerschlägt unter dem Deckmantel des Elternrechts unsere Volksschule, er verewigt den S ch�i l k a m p f in den Gemeinden, er verankert die Konfessionsschule als Regelschule in großen Gebietsteilen des Reiches. Die st a a t l i ch e S ch ul h o h e i t wird ausgehoben und'die Volksschule erneut kirchlichen Mächten ausgeliefert. Er stellt die Lehrerschaft wieder unter die Herrschaft schulfremder Mächte und bürdet Staat und Gemeinden, die heute schon dringend« soziale Aufgaben nicht erfüllen können und unter den Reparationslasten leiden, neue große Verpflichtungen auf. Und all das nicht für eine Hebung. sondern für eine Zerschlagung der Volksschule, durch die ihre Leistungsfähigkeit herabgedrückt wird. Der Entwurf ist in einer Sprache reHalten, die über den reaktionären Inhalt hinwegzutäuschen sucht, er enthält Wendungen, die unaufrichtig wirken. Auf diese Weise soll vor allem die Auslieferung der Volksschule an kirchliche Mächte verschleiert werden. Wir bekennen uns erneut zu einer für alle Volkskreise gemeinschaftlichen Volksschule, der Staatsschule aus wisienschaftlicher Grundlage, und sehen in der staatlichen Schul Hoheit die sicherste Gewähr für die Zukunft unseres Bil- dungswesens und die Gestaltung einer wahren Bolksgemeinschaft. Wir rufen die gesamte Bevölkerung auf, alle denkenden Männer und Frauen des Volkes, die Elternschaft und alle Freund« einer fortschrittlichen Schulgesetzgebung: Stellt euch vor die bedrohte Volksschule! Dieser Entwurf darf nicht Gesetz werden!" Die öenülerftraße setzt ihren Willen durch! Wir bekommen Mieder Militär- und Marineattach�s. Die Erwägungen über die Entsendung von Militär- und Marineattaches haben zu einer prinzipiellen Eini- gung darüber geführt, den Botschaften und Gesandtschaften militä- rische und maritime Sachverständige beizugeben. Trotz gewisser politischer Bedenken hat man sich dem Standpunkt des Reichswehrministeriums angeschlossen, das die Entsendung von Militär- und Marineattachös im Interesse der deutschen Wehrmacht als unumgänglich notwendig bezeichnet hat. Wie der„S o z. P r e s s e d i e n st" erfährt, wird je ein Militär- und Marineattachö bei den Großmächten akkreditiert werden. Auch mit den durch die Friedensverträge neu entstandenen europäischen Staaten sind Verhandlungen darüber im Gange, ob die beiderseitigen diplomatischen Vertretungen durch Militärattaches ergänzt werden sollen. Gegenstand von Erwägungen bildet u. a. auch noch die Abgrenzung des Wirkungskreises dieser Sachverständigen, wobei be- sonders zu entscheiden sein wird, ob sie ihre Instruktionen vom Auswärtigen Amt oder vom Reichswehr- Ministerium flnpsangen sollen.(Die ungleich nützlichere Ein- richtung von Soßjal- oder Handelsattaches ist nach schwachen An- sängen aus„Sparsamkeitsgründen" längst wieder ausgegeben worden. Red. d.„V.".)_ Gegen die ärztlichen Ehrengerichte. Kritik der ärztlichen Sezession. Der Kampf um die Befreiung der Aerzteschaft aus den Fesseln der Ehrengericht« und der Standcsordnung geht weiter. Di« Aerztliche Sezession hat den Kampf auf Grund des§ lüö der Reichsversassung aufgenommen, der Ausnahmegerichte jeder Art verbietet. Sie betont, daß die letzte Entscheidung über eine verfassungsrechtliche Zulassung von ärztlichen Ehrengerichten nicht durch einen Medizinalbeamten des Wohlsahrtsmimsteriums, sondern nur durch eine juristisch vorgebildete Person gesällt werden kann. Vollkommen absurd sei der Standpunkt des Wohlfahrts- Ministeriums, daß die ärztlichen Ehrengerichte nicht gegen die Reichsverfasiung verstoßen würden, da sie ja in ihr nicht besonders aufgeführt seien. Mit der gleichen Logik könnten dann einzelne Länderregierungen verlangen, daß di! Aerzte Uniform trogen müssen, da das ja gleichfalls nicht besonders verboten ist. Auch die Novelle zum Ehrengerichtsgesetz sei kein Beweis für seine Recht»- gültigkeit. fortgesetzte Farbensinfonie" aufwiesen. Doch mal was Aparteres und Manierlicheree als das oft ungezügelte Durcheinander prole- tarischer Begeisterungssymbole! Selbstverständlich, daß auch der animierende Rummelplatzspruch „Ueb' Aug' und Hand fürs Vaterland!" unzählige Male variiert worden ist. Einer der stellvertretenden soundsovielten Vorsitzenden hat sich noch im besonderen darüber ausgeweint, daß das Kultus- Ministerium jungen Leuten unter 18 Iahren die Mitgliedschaft bei Schützengesellschaften verboten hat. Ja, natürlich: was soll auch einmal aus einem solchen Burschen werden, der am Ende gar, weil er es mit der Knarre noch nicht tun darf, aus den Gedanken kommt, zum Ersatz dafür ein Mädel an die Backe zu drücken. Das ist ja doch Unnatur! Im Scheibenschießen allein steckt prima Männlichkeit, und wenn es auch eine ist, mit der man in kommenden Kriegen nicht ohne weiteres siegreich den aus Flugzeugen geschleuderten Gist- schwaden trotzen kann, so dürste sie doch wenigstens gelegentlich innerer Wirren zur fachgemäßen Pflichterfüllung in Exekution-- kommandos ertüchtigen. 5rauenrecht unü Sslbsimorü. Der Selbstmord ist bei den Männern viel häufiger als bei den Frauen. Schon die früheste Statistiken stimmen darin überein, daß auf 300— 400 männliche Selbstmörder etwa 100 Frauen kommen. Soweit neue Statistiken vorhanden sind, bestätigen sie diese Tatsache. In allen Landern sind die Selbstmorde bei Männern zahlreicher als bei Frauen, mit alleiniger Ausnahme von Indien. Vor dem Krieg« entfielen in Deutschland auf 100 männliche Selbstmörder 34,2 weibliche, 1020 53,9 1024 37,3. Die Beteiligung der Frauen am Selbst- mord hat in den letzten Jahren wieder abgenommen. In Hamburg kamen 1009 auf 10 000 Einwohner 5,5 Selbstmorde bei Männern, 1,4 bei Frauen: 1023 waren die entsprechenden Zahlen 5 und 2,6. Die höchste Beteiligung der Frauen am Selbstmord weisen in Deutsch- land Lübeck mit 57,1 Selbstmörderinnen auf 100 Selbstmörder, Berlin mit 75,7>md Sachsen mit 47,3 auf. Zweifellos hat sich die Zahl der weiblichen Selbstmorde vermehrt und ist der der männlichen nähergerückt. Die Gründe dafür erörtert Prof. Hanauer in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" und kommt zu dem Er- gebnis, daß die stärkere Beteiligung der Frau an, Wirtschaftsleben die Selbstmordhäufigkeit begünstigt. Mit der Gewinnung der Frauen- rechte scheint sich die Frau auch das Recht zum Freitod in steigendem Maße zu erobern:„sie zahlt also einen teuren Preis für ihre büraer- liche Gleichberechtigung". Besonders deutlich ist das in Rußland zu verfolgen. Dort verhielt sich vor dem Kriege die Beteiligung der Männer und Frauen am Selbstmord wie 4: 1. Nach dem Weltkrieg, als den Frauen die Gleichberechtigung im sozialen Leben eingeräumt wurde, stieg der Prozentsatz der Frauenselbstmorde um das 2,3fache. Auf 587 männliche Selbstmörder kommen 413 Frauen. Dieser allgemein beobachteten Entwicklung widerspricht freilich die indische Selbstmordstatistik, die ein Ueberwiegen der weiblichen Selbst- morde über die männlichen zeigt. Hier aber liegen besondere Ver- hältnissz vor, die in der überaus niedrigen Stellung der Frau und auch in religiösen Anschauungen begründet sind. Die Frau fühlt sich » Indwn metjach als das xerjontiche ErgentrM des Mannes, dem jch Wahlerfolge der lsländischenpartelgenosfen Niederlage der regierenden Konservativen. Kopenhagen. 20. Juli.(Eigener Bericht.) Die isländischen Parlamentswahlen haben nach den bisher vorliegenden Er- gebnisien der jetzigen Regierungspartei, den Konservativen, eine Niederlage gebracht. Die durch ein Wahlbündnis vereinigte Bauerpartei und Sozialdemokraten können dagegen erfreuliche Erfolge aufweisen. So haben in den beiden Städten I s a f j o r d und Akuereyri di» Sozialdemo- traten je ein konservatives Mandat erobert und in der Haupt- stadt R e j k j o v i k der sogenannten„Unabhängigkeitsgruppe" ein Mandat abgewonnen. Die Bauernpartei hat ebenfalls ein Mandat gewonnen. Während weitere sozialdemokratische Erfolge in den Landbezirken nicht zu erwarten sind, dürfte die Bauernpartei hier gegen die Konservativen gut abschneiden. Vorläufig stehen die Er- gcbnisse aus den Landbezirken noch aus. Sacco und Vanzetti an die Kulturwelt. Dank aber zugleich Warnung vor Illusionen. Paris, 20. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Profesior Dana von der amerikanischen Universität Cambridge, der sich gegenwärtig in Paris aufhält, hat«inen Brief von Vanz«tti erhalten, den die Französische Liga für Menschenrechte veröffentlicht. Vanzetti dankt darin allen Freunden in Europa für die Ermutigungen, die ihm und seinem Leidensgenossen im Gefängnis zugegangen seien. Cr warnt aber davor, in bezug aus die Begnadigung zu optimistisch zu sein, denn er befürchtet, daß man da eine Enttäuschung erleben werde. Man möge sich keine Illusion über das angebliche Entgegenkommen der staatlichen Behörde von Massachusetts machen. Sie hätte immer so gehandelt, um in letzter Minute ihn und seine -Leidensgefährten um so besser erdolchen zu können. Der Brief schließt mit dem Dank an die Freunde in Europa und die europäischen"Heina- kratischen Völker, denen er und seine Leidensgenossen die sieben letzten Jahre ihres Lebens verdankten. Zuwachs der französischen Fraktion. Ausgeschiedene Kommunisten wieder aufgenommeu. Paris, 20. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die sozialistisch- kommunistische Parteiorganisation des Departements Loire, die sich nach dem Parteitag von Tours von der Partei getrennt, später aber sich von den Kommunisten getrennt und selbständig' gemacht hatte, hat jetzt in einem Schreiben an die sozialistische Parteileitung um W i e d e r a»f n a h m e in die Partei gebeten. Diesem Ersuchen ist stattgegeben worden. Das Departement Loire stellt in der Kammer drei Abgeordnete: Ferdinand.Faure, Laffont und Iouhannet. Demonstrationen gegen öle Nilitärübuogen. Paris, 20. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In Cherbourg ist es am Aiontag zu schweren Zwischenfällen gekoiftmen. Etwa 600 So- zialiften, die im Hafen von Therbourg zur Ableistung einer U e b u n g eingetroffen waren, durchzogen, die Internationale singend, die Straßen der Stadt. Die Polizei nahm niehrere Verhaftungen vor. Aehnliche Zwischenfälle haben sich av> Sonntag und Montag im Militärgesängnis in Toulon ereignet. Eine größere Anzahl Ge- fangener meuterten und sangen ebenfalls chie Internationale. Die städtische Polizei hat das Miiitärgefängnks besetzt. Zu ernsteren Zwischenfällen ist es bisher nicht gekommen. Der deutsche Studententag in Würzburg schloß am Dienstag- abend mit der Annahm« eines Antrages des Vorstandes, der besagt: „Der Swdententag hält an der völkischen Würzburger Verfassung von 1922 unbedingt fest." Damit haben die Rechtsradikalen in der Studentenschaft ihre Auffassung durchgesetzt und es wird nunmehr zu einem Kampfe mit dem preußischen Kultusministerium kommen. in den Tod folgen muß, oder ihre Lage ist so verzweifelt, daß sie nicht selten ihrem Leben ein Ende macht. Daher ist in Indien der Selbst- mord der Frauen doppelt-so häufig wie der der Männer. Psychologisch interessant ist es, daß die Frauen an S c l b st- Mordversuchen verhältnismäßig stärker beteiligt sind als die Männer. Die Männer kommen also beinr Selbstmord ehex zum Ziele, während die Frauen häusiger Mittel anwenden, die die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit der Rettung zulassen. Feuer- wasfen, Strick und Messer treten bei ihnen zurück, dagegen werden mit Vorliebe Wasser und Gtst gewählt, bei denen eine Rettung eher möglich ist. �_ Schatz den aussterbenden Tierarkenk Von den beiden Wild- rindern, die einst in Europa heimisch waren, ist der Auerochse längst ausgestorben. Nach dem Krieg ist auch die Zahl der Wisente. von denen es noch vor 15 Iahren weit über 1000 Exemplare gab, auf 60 bis 70 Tiere zusammengeschinolzen. Für die Erhallung dieser mächtigen Rinderart, die den Stolz unserer Zoolopiseh�n Gärten in Deutschland bildet, hat sich ganz besonders der Direktor des Berliner Zoologischen Gartens, Dr. Heck, eingesetzt. Schon vor drei Jahren wurde die„Internationale Gesellschaft zur Erhal- tung des Wisents" gegründet, die auch wissenschaftliches Material über das letzte europäische Wildrind sammelt. Mit Unterstützung der staatlichen Stelle für Raturdenkmalspslege, des preußischen Londwirtschastsministeriums und des Finanzministeriums, besonders der Herren Professoren Schönichen und Landessorstmeister©cm» lein, ist«s nun auf Anregung des Berliner Zoologischen Gariens gelungen, einen Teil des Sauparks Springe in der Nähe von Hannover zu einem Naturschutzpark für Wisente auszugestalten. „In kurzen Abständen fahre ich nach Springe hinüber," erklärte Dr. Izeck.„um die Arbeiten zu beaufsichtigen. In ungefähr zwei Monaten werden die Wisente nach Springe übergeführt, und dann soll der Park feierlich erössnet werden. Um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, die Tiere ohne jede Gefahr zu beobachten, wird«in großes' Wildgatter aufgestellt." Da der Bestand der deut- scheu Wisente durch die ständige Inzucht sehr bedroht ist> sollen außerdem zwei Bisonkühe in dem neuen Naturschutzpark ausgesetzt werden, um«ine Blutaufsrischung zu ermöglichen. Dr. Heck plant, die Errichtng anderer Schutzparks nnzuvegen, um eine Anzahl eben- falls im Aussterben begriffener Tierarten vor dem Untergang zu schützen. Doch will er darüber nicht eher genauere Angaben machen, als bis die Arbeiten für diese Gebiete im Gang sind. Da» Drama in Rußland. Der vom Leningrader Dra- matikerverband ausgeschriebene Wettbewerb für zeit- genössische sowjetrussisch« Bühnenstücke hat ein völlig negatives Re- sultat ergeben. Keine der Einsendungen wurde prämiiert: nur ein Stück„Der Rauch de» Vaterlandes" fand lobende Erwähnung. Dieses Ergebnis dürste, den unparteiischen Scharfblick des Preis- richterkollegiums vorausgesetzt, die öfters von verschiedenen Se.iten geäußerte Atzsicht bekräftigen, daß die neurussische dramatische Pro- duktion einen Stillstand zeigt, der beinahe chronisch zu werden droht. ciebermonn. Ehrungen. Der Reichspräsident hat May Liebermann zu feinem 80...■" Raubmord l Eine kranke Frau Ein furchtbarer Raubmord wurde gestern nachmittag gegen 5 Ahr in dem Dorfe Bugk bei Storkow sBrandenburg) verübt. Während der Abwesenheit des Mannes und der Familienangehörigen wurde die övsährige Frau des Gemeindevorstehers Laurich. die krank im Bett lag, von einem oder mehreren unbekannten Tätern ermordet. Den Mördern fiel ein betrag von 500 M. in die Hände. Folgende Einzelheiten werden zu dem scheußlichen Berbrcchen noch bekannt. Frau L., eine für ihr Alter noch sehr rüstige Frau, war seit einiger Zeit bettlägerig. Gestern begab sich der Ehemann mit den Angehörigen und dem Dienstmädchen auf das Feld, um den Acker zu bestellen. Eine Tochter blieb zurück, um für die kranke Mutter zu sorgen. Gegen 4 Uhr entfernte auch sie sich, um den auf dem Felde Arbeitenden Kaffee zu bringen. Als sie nach einiger Zeit zurückkehrte, bot sich ihr ein schreckliches Bild. Die Mutter lag mit zertrümmertem Schädel in dem blutbesudelten Bett. Schränke und Behältnisse waren durchwühlt und der Inhalt lag auf dem Fußboden zerstreut umher. Wie ein Lausfeuer durcheilte die Kunde von der Bluttat die kleine Ortschaft. Der entsetzte Ehemann eilte herbei. Die Gen- darmerie wurde sofort benachrichtigt, die an der Mordstelle die not- wendigen Ermittlungen ausnahm. Auf dem Hofe log der große Hund vor seiner Hütte erschlagen. Aus einem Kasten waren 5 00 Mark geraubt; es war der Erlös, den Laurich vor einigen Tagen bei dem Verkauf einer Kuh erzielte. Außerdem hat der Täter ein Fahrrad und eine Männerjacke entwendet. Nach den Erhebungen hat es den Anschein, daß es sich bei dem Täter nux um jemand handeln kann, der mit den Verhältnis je n im L. schen Hause genau vertraut war. Der Möydcr hat den günstigen Augenblick abgewartet, als sich auch die Bewohner des Nachbarhauses auf dem Felde befanden, und ist dann zu der Tat geschritten. Die Vermutung ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, daß der Täter ein L and st re i ch er oder Wanderbursche ist, der, als er betteln wollte, Frau L. allein im Bett vorfand und die Gelegenheit benutzte, um zu stehlen. Frau L. hat dann wahr- scheinlich um Hilfe gerufen, so daß der Hund anschlug. Leider wur- den die Hilferufe von niemand gehört. Um sich zu sichern, erschlug der Täter zuerst den Hund und tötete Frau L. durch mehrere wuchtige Hiebe aus den Kopf, die mit eipem stumpsen Gegenstand geführt sein müssen. Es besteht die Möglichkeit, daß der Täter mit dem Rade die Flucht ergrissen hat und versuchen wird, in Berlin unterzu- Turmhaus am Anhalter Sahnhof. 13 Stockwerke.' Auf dem Gelände zwischen dem ehemaligen Kunstgewerbe- museum und den Prinz-Albrecht-Gärtcn am Anhalter Bahnhof, wo sich bisher das als Randbebauung im Zuge der König- größer und Anhaltstraße erst kürzlich errichtete„Europa-Haus" mit seinen Geschäftsläden und verschiedenen Rcstaurationsbetrieben be- findet, soll jetzt auch von der Großbauten-A.-G. ein t 3 g e- schössiges Turmhaus erstehen. Dieses Gebäude soll, nachdem die Fundamente jetzt schon fertig- gestellt sind, noch Ende dieses Jahres im Rohbau vollendet, und die weitere Ausgestaltung bis Frühjahr 1928 zu Ende geführt werden. Dos Turmhaus wird auf dem Westflügel im Anschluß an die bereits sertiggestellts Randbebauung des „Europa-Hauses" hinler der Königgrätzer Straße errichtet werden und durch einen besonderen Zugang, i» dem sich zurzeit provi- sorischerwcise ein Autogeschäft befindet, mit der Königgrätzer Straße verbunden werden. Es ist beabsichtigt, in dcm neuen Gebäude, das die bisberigen ein- bis zweigeschossigen Läden und Restaurations- räume des Hofbräuhauses usw. erheblich überrage» und einen archi- tettonisch sehr interessante» Mittelpunkt dieses starken Verkehrs- zentrums bieten wird, etwa 8 0 0— 1000 Räume zu schassen, die entweder für Bureauzwecke, oder, was noch wahrscheinlicher ist, für ein großes modern eingerichtetes Hotel Ver- Wendung finden sollen. Außer diesem Hochhaus, das ursprünglich sogar 17 Stockwerke umkässen sollte, aber zur Erlangung der bau- polizeilicheil Genehmigung in der Höhe etwas vermindert wurde, wird der Baukomplcx des„Europa-Hauses" in Fortsetzung der bis- herigen flachen Randbevauung nach dein Kunstgewerbemuseum zu einen neuen Tanzpalast� erhallen, der bereits zum Herbst von dem Oekonomen des Hofbräuhauses in Betrieb genommen werden wird. Ferner will man dort einen großen Saalbau schaffen, in dem sich Konzertsäle und umfangreiche Räume für Tagungen und Kongresse befinden werden, da die Gegend des Anhalter Bahnhofes trotz des starken Bedürfnisses keine derartigen Räumlichkeiten ausweist. Das Hochhaus wird sich in seiner Architektur den, modernen Stil der bis- herigcn Randbebauung anpassen. Die Dauherren crmarten, daß die Genehmigung des Baues in einigen Tagen von der Bau- polizei des Bezirksamts Mitte erteilt wird, das übrigens dem Prosekt mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notwendigkeit wohl- wollend gegemiberstcht. Mit den Bauarbeiten wird dann sehr schnell begonnen werden, da zu einem Teil schon die Eisenkonstniktian auf- gestellt worden ist. so daß das neue Hochhaus Mitte des nächsten Jahres bezogen werden dürfte. Dachftuhlbrand in Berlin R. Mehrere Löfchzüge- der Feuerwehr wurden heute vormittag gegen vi 11 Uhr nach der Ackerftr. 44 alarmiert, wo in einer Boden- kammer de» Dachstuhles Feuer aüsoebrochen war. Die Flammen breiteten sich mit großer Schnelligkeit aus und ergriffen die Dach- konstmktion. Ale durch die starke Rauchentwicklung Straßenpasfan- ien aufmerksam wurden, stand bereits der größte Teil des Dach- stuhles in hellen Flammen. Die Feuerwehr ging über ein« mechanische Leiter und über die Treppenhäuser mit drei Schlauchleitungen großen Kalibers gegen den Brandherd vor. Nach längerem Wassergeben konnte das Feuer»ievergetämpst werden. Große Gefahr bestand eine Zeitlang für das Dach des an- grenzenden Grund st ückes. doch wurde ein Uebergreisen glücklicherweise verhindert. Die. Entstehungsursache konnte— da die Feuerwehr schon bei ihrem Eintreffen einen ausgedehnten Brandherd vorfand— noch nicht einwandfrei ermittelt werden. Volksfest der Schöneberizer Jugend. Die Sozialistische Arbeiterjugend, die Natur- freunde und die Kinderfreundc hatten zum Sonntag die Bevölkerung zu einem Volksfest auf der Spielwiese in Schöneberg eingeladen. Nach den farbenprächtigen Einmarsch entwickelte sich schnell ein buntes Treiben. Freude und Bewegung standen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Volkstänze und Spiele mit den Kindern in allen Variationen brachten Abwechslung und Freude auch für die zahlreichen Zuschauer. Fast wurde es des Guten zu viel, denn auch Volkstanz und Spiele dürfen für unsere Jugend nicht Selbstzweck werden. Die Darbietungen fanden im Schöneberger Rathaussaal ihren Fortgang. Besondeite Beachtung verdienten hier die Gruppentänze der Schüler für Martin Gleißner» Bewegungschor nach Laban. Hier lag Rhythmus und Schwung in da» Tanz, der iebeii0,gjtes Gtced rieuet gefällter zu wabttk.pet£ ei Storkow. im Bett erschlagen. tauchen. Von der Staatsanwaltschaft ist im Laufe des heutigen Vormittags Kriminalrat Ge m nat nach Bugk gebeten worden; in seiner Begleitung befindet sich Kriminalkommissar Johannes Müller. Die Leiche der Ermordeten ist von der Staatsanwalt- fchaft beschlagnahmt worden. Die geheimnisvolle§rauentragööie. Die Ursachen bisher nicht ermittelt. Zu der Tragödie im KdW., über die wir bereits berichteten, er- fahren wir, daß trotz dtr Nachforschungen und Zeugenvernehmungen, die die Kriminalbeamten des 127. Reviers anstellten, ist es bisher nicht möglich gewesen, das Dunkel, das über der Tragödie liegt, zu klären. Die beiden Frauen sind vorher durch die Räume des Kauf- Hauses gegangen und von mehreren Zeugen und Zeuginnen gesehen worden. Niemand hat an ihnen etwas Auffälliges wahrgenommen, man hat auch keinen Streit gehört. Da bei den Verunglückten keine Kassenzettel gesunden wurden, so hatten sie wohl noch nichts gekaust. Widersprechend sind die Aussagen der Passanten, die den schrecklichen Vorgang von der Straße aus beobachteten. Während einige behaupten, daß Frau Otto ihre Tochter.mit sich hinabgerissen habe, wollen andere gesehen haben, daß die Tochter der Mutter freiwillig gefolgt sei. Es wird auch kaum möglich sein, über diese Frage restlose Klarheit zu schassen. Frau Ott» stieg in dem Toilcttenraum plötzlich aus den Heizkörper und st ü r z t e s i ch aus dem offenen Fenster in die Tiefe. Es ist sehr wohl möglich, daß die Tochter, als sie die Mutter retten wollte, auch das Gleichgewicht verloren hat und so ihren Tod sand. Die Ver- nehmung des Gatten und Vaters, des Buchbindermeisters Otto, konnte ebensalls nichts zur Klärung der Tragödie beitragen. Der gänzlich niedergebrochene Mann erklärt, daß das Familien- leben ein durchaus ungetrübtes gewesen sei. Auch an dem verhängnisvollen Dienstag war nichts vorgefallen, was feine Frau zu dem grauenhaften Entschluß hätte treiben können. Er erklärt, daß er selbst vor einem Rätsel stehe. Offenbar sprechen bei dieser Tragödie aber noch andere Umstände mit. So soll die Mutter noch im Sterben geröchelt haben:„Die Schande... mein« Tochter... das überlebe ich nicht." Eine Berliner Frühmittagszeitung will sogar ermittelt haben, daß eine Korrespondenz eines anscheinend sich in hoher Stellung be- sindlichen Akademikers mit der Ehefrau über die Tochter vorhanden ist, aus der hervorgehen soll, daß die Tochter von diesem Herrn betrogen und die Mutter, die wohl sür ihre Tochter eingetreten ist, von ihm chrenkränkend behandelt worden ist. spricht. Eine ernste Sprechszene von Bruno Schönlonk und die Schlußworte des Vorsitzenden des SAJ., Ludwig Diederich, brachten die Ueberleitung zum Ernst des Lebens. Wohnungen ohne Aufsicht. Hochkonjunktur für die Klingclfahrcr. An fünf verschiedenen Stellen arbeiteten gestern vormittag die Klingelsahrer, die allmählich ,zu einer wahren Landplage werden. Diese Spezialisten bedienen sich der verschiedensten Masken, um unauffällig ausztikundiäzasten, wo eine Wohnung ohne Aufsicht steht. Di« besser Gekleideten spielen z. B. den Vertreter sür eine» Haushaltsartikel, während andere mit Postkarlen und Schnürsenkeln hausieren oder betteln. Da sie jeden Augenblick darauf gefaßt sein müssen, von der heimkehrenden Hausfrau über- rafcht zu werden, so stehen ihnen nur wenige Minuten zur Ver- fügung. Blitzschnell öffnen sie mit R a ch s ch l ü s s e l n»die Vordertür, schkieße» sie wieder hinter sich ab und halten sich den Rückzug frei, indem sie durch die Räume eilen und die Hinter- t ü r ausmachen, lim keine Zeit zu verlieren, schlagen sie rück- sichtslos die Behältnisse, die verschlossen sind, mit Stemmeisen ein und richten so oft einen Sachschoden an, der den Wert der Beute um ein Vielfaches übersteigt. So stahl ein Klingelsahrer gestern zwischen 11 und 1 Uhr vormittags in einer Wohnung in der Albrecht st ratze bares Geld, eine mit Brillanten besetzte goldene Damenuhr mit der Nummer 213 018, Silberzeug, das K. E. gezeichnet ist und einen Militörpaß aus den Namen„Ernst Braun". ~ In der Chaussee st raße rafften die Diebe innerhalb einer Stunde einen großen Posten neue Wäsche, Stöfs sür zwei Anzüge und ein« goldene Damenarmbanduhr zusammen.— In der Hannoverschen Straße drang ein Klingelsahrer in die un- beaufsichtigte Wohnung eines Gastwirtes«in und erbeutete für 2000 Mark Gold- und Silber jachen.— Aus der Woh- nung eines Bankbeamten in der U h t a n d st r a ß e wurden für 2500 Mark Silberzeug und Schmucksachen gestohlen und in der G o l tz st r a ß e sür 110 0 Mark S i l b e r s a ch e n. In den meisten Fällen beschränken sich die Spezialisten aus den Diebstahl an Silber und Schmucksachen. Unwissentlich leisten die Wahnungs- Inhaber den Dieben insofern Vorschub, als sie bei kurzem Ausgang die Tür nur einsach ins Schloß ziehen und darauf verzichten, das Sicherheitsschloß anzuwenden. Der Aiim des Sieler Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands„Die Kieler rote Woche" läuft bis ein- schließlich Donnerstag in den„Uhu-Lichtspielen", Reue Schönhauser Straße 12. Daneben wird noch„Der rote Pirat" und die vor- zügliche Bühnenschau gegeben. Allen Genossen und Gesinnungsfreunden sei daher der Besuch empsohlen. Zu den Zuwelenschiebungen in der Friedrichsiadt erfahren mir, daß es trotz aller Bemühungen noch nicht gelungen ist, den flüchtigen Bruno Straczewski festzunehmen. Die Grenz- behörden sind benachrichtigt und mit der Beschreibung des Ver- folgten oersehen worden. Man vermutet aber, daß er sich noch in Berlin— vielleicht unter falschem Namen— verborgen hält. Die Untersuchungen zur völligen Klärung sind noch nicht abgeschlossen. Mord bei Königstein i. Sa. Dresden. 20. Juli.(MTB.) Wie das Kriminalamt mitteilt. ist gestern nachmittag unweit K ö n i g st e i n im Waide die Leiche eines unbekannten 20 bis 2 ö. Jahre alten Mannes ausgesunden worden, der offenbar mit einem etwa arm- starken H o l z k n ü p p e l auf den Hinterkopf erschlagen worden war. Es handelt sich anscheinend um einen tschechoslowa- tischen Staatsangehörigen, der seinen Wohnsitz jenseits der Grenze haben dürfte. In seinem Besitz befanden sich nur eine tschechoslowakische Eiscnbahnkarte und ein Abzeichen eines Jugend- Sotolfestes im Gau Bresnitz. Die 3S. Zohresversammlung des Deutschen Guilemplerordens (JOGT.) fand vom S. bis 20. Juli zum ersten Male im deutjchcn Ausland, in Donzig statt. Die Beamtenberichte ergaben einen all- gemeinen Fortschritt; die Mitgliederzahl ist um 1400 gestiegen, so daß der Orden heute 37 000 Erwachsene und 11000 Jugendliche zählt. Der Präsident Blume legte sein Amt als 1. Vorsitzender nach 26jährig«r Tätigkeit nieder. Auf seinen Vorschlag hin wählte die Grohloge« i n st i m m i g Präsident Pros. Dr. S t r« ck e r- Berlin zu seinem Nachfolger. Zum nächste» Tagungsort wurde Meiaeafefc. HMwwt, � i Wieüer vier Nillionen im /ldGS. Aus dem demnächst erscheinenden Jahrbuch des ADGB- für 1926 bringt die kommende Nummer der„Gewerkschaftszeitung" eine Darstellung des organisatorischen Bestandes des Allgemeinen Deuischen Gewerkschaftsbundes und der Finanzgebarung der ein- zelnen Verbände und Ortsausschüsse. Das Jahr 1926 unterwarf, wie diese Darstellung zeigt, die deutschen Gewerkschaften einer un- gemein schweren Belastungsprobe. Kaum war das Währungselend vorüber, als die Gewerkschaften von der Wirtschaftskrise heimgesucht wurden. Die Krise verminderte die Mitgliederzahl und brachte schwere finanzielle Belastungen. Diese Merkmale geben der Statistik der Verbände für 1926 ihr Gepräge. Der Aufschwung der Mitgliederbewegung, der hoffnungsvoll eingesetzt hatte, wurde wieder jäh unterbrochen. Wenn jedoch im Jahre 1926 der Ausstieg der Mitgliederzahl sich nicht in dem erwarteten Umfang vollzog, so ist andererseits auch der Rückschlag im Berichts- j a h r n i ch t in dem Maße eingetreten, wie er befürchtet wurde. Die rückläufige Bewegung hat genau ein Jähr angedauert. Sie setzte bereits beim Beginn der Krise, im vierten Vierteljahr 1925, mit einem Verlust von 31 006 Mitgliedern ein und schloß im Berichtsjahre Ende September mit einer Schlußabnahme von 9710 Mitgliedern gegen das vorausgegangene Quartal. Am Schluß des Jahres ist bereits gegen den tiefsten Stand(im Sep- tember) wieder eine Zunahme von 48 387 Mitgliedern zu verzeichnen. Di« gesamte Mitgliederzahl der Verbände betrug am Ende des Berichtsjahres 3 933 931 gegen 4 182 445 im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die günstigere Entwicklung des Mit- gliederbestandes setzt« sich auch im neuen Jahre fort. Nach der ovr- läufigen Mitgliederstatistik war die V i e r mi ll i o n e n z a h l a m 31. März 1927 wieder erreicht. Die Streikbewegung bei Siemens. Wie wir bereits berichtet haben, befinden sich die Kernmacher, Gipsformer und Schlosser der Eisengießerei der Siemens u. chalske Sl.-G. im Streik. Die Firma versuchte mit allen Mitteln den Betrieb aufrechtzuerhalten. Unter anderem Ist es ihr auch gelungen, sieben gelbe Schlosser einzustellen. Die übrige Belegschaft nahm zu den Einstellungen Stellung und beschloß in einer Betriebsversammlung heute morgen, mit diesen Gelben nicht weiter zu arbeiten und verließ mit Ausnahme der Hilfsarbeiter den Betrieb. Zluf die Notwendigkeit, Zuzug von außerhalb fern- zuhalten, brauchen wir nicht besonders noch hinzuweisen. �rbeitszeitverorönung unö Verkehrsgewerbe. Zur Entscheidung der Frage, ob das Verkehrs- oewerbe unter den 8 6a der Arbeitszeitverordming in der Fassung vom 14. April 1927 fällt oder nicht, hat der Verein Berliner Spediteure eine Feststellungsklage gegen den Zentralverband der Angestellten angestrengt, die diese Woche zur Verhandlung kommt. Von großem Interesse ist daher ein soeben vom Reichsarbeitsminister an den Reichsarbeitgeberverband Deut- scher Gemeinden und Kommunaloerbände gerichtetes Antwort- schreiben, das ebenfalls zu der Frage Arbeitszeitnotgesetz und Der- kchrsunternehmungen Stellung nimmt. „Bei den Verhandlungen über das Arbeitszeitnotgesetz, ins- besondere im Reichstag, ist,' so hebt das Antwortschreiben des Reichsarbeitsministeriums hervor,„niemals davon die Rede gewesen, das Derkehrsgewerbe vom 6a auszunehmen. Im Gegenteil ist bei den Verhandlungen im Reichstag angeregt worden, die Ziffer III der Anordnung vom 23. November 1918 überhaupt zu streichen. Die Anregung wurde mir deshalb nicht weiter verfolgt, weil sich seinerzeit die Auswir- kung einer Streichung nicht sofort übersehen ließ und keine Zeit für eine nähere Prüfung zur Verfügung ftanbi Schließlich will auch der. Entwurf des Arbeitsschutzgefetzes dem Verkehrsgewerbe nach dieser Richtung keine Sonderstellung einräumen.' Das Reichsarbeitsministerrum ist also der Auffassung, daß der 8 6a auch auf das Verekehrsgewerbe Anwendung zu finden Hot. Kommunlstische Mache. Die„Rote Fahne' bringt heute unter der Ueberschrift„Die Ve- triebe für Solidaritätsaktion' eine Notiz, wonach im Siemens- Wernerwerk der Betriebsrat geschlossen für die viertelstündige Arbeitsruhe eingetreten sei. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates habe den Auftrag erhalten, zum ADGB. zu gehen und diesen zur Anordnung der allgemeinen Arbeitsruhe aufzufordern. Außerdem soll der Gesamtbetricbsrat einstimmig beschlossen haben, ein Soli- daritätstelegramm an die Wiener Arbeiter abzusenden. Welcher Betriebsrat des Wernerwerks ist geschlossen für die Arbeitsruhe eingetreten? Welcher Gesamtbetriebsrat der Siemens-Werke hat einstimmig beschlossen, ein Solidaritätstelegramm an die Wiener Arbeiter abzusenden? Und welcher Dorsitzeirde des Gesamtbetriebsrats hat den Auftrag erhalten, zum ADGB. zu gehen? Zur Steuer der Wahrheit wollen wir feststellen, daß am Montag abend eine allgemeine Funktwnärversammlung des Siemenskonzsrns stattfand, in der auch die KPD.-Funktionäre anwesend waren, die aber noch nichts von dar neuesten Parole der Mürustraße wußten. Erst am anderen Morgen, als die„Rote Fahne' erschien, wußten sie, daß sie für eine Arbeits ruhe am Mittwoch einzutreten haben. Die falschen Behauptungen der„Rolcn Fahne' zeigen wieder einmal, wie es mit ihrer Wahrheitsliebe steht. Auf eine Handvoll inehr oder weniger kommt es ihr nicht an, wenn sie Verwirrung in die Arbeiterschaft tragen will. Gehaltsregelung ln See Zlgarettenknöustrke. Besonderes Abkommen mik der Airma Garbaly. Das Fehlen eines gültigen Tarifvertrages für die Zigaretten- induftrie veranlaßte die Reichsarbeitsverwaltung, an die Ange- stelltenverbände heranzutreten mit der Anfrage, ob die Orgarri- sationen an der Aufrechterhaltung der Verbindlichkeit des Gehalts- abkommen? vom 19. November 1925 interessiert seien. Im anderen Falle soll die Verbindlichkeil gelöscht werden. Ein Interesse an dem Abkommen von 1925 dürfte bestimmt nirgends mehr bestehen, da diese Sätze in der Praxis lange überholt sind. Es wird jetzt die Ausgabe des Zentralverbandes der Angestellten sein, die Voraussetzungen zu schafskn für ein neues Abkommen, dock) besteht beim ZdA. die Absicht, erst dann Forderungen einzureichen, wenn die große Zahl der noch unorganisierten Angestellten in der Berliner Zigarettenindustrie ganz erheblich kleiner geworden ist. In der Zwischenzeit bemühte sich der ZdA., durch Verhandlungen mit einzelnen Betrieben die größten Härten in der Bezahlung der Angestellten der Zigarettenindustrie zu beseitigen. Hierbei kam mit der Firma Garbaty, Pankow, ein Abschluß zustande, dem- zufolge Garbaty fast sämtliche Gehälter als Provisorium um 10 bis 30 Mark erhöhte. Im September, eventuell Oktober, soll nach der Vereinbarung ein endgültiges Abkommen ge- troffen werden. Damit haben die Verhandlungen vorläufig zu einem befriedigenden Abschluß geführt. Mit diesem Abschluß gelang es. einem weiteren nicht unerheblichen Teil der Angestellten der Industrie die Gehaltssätze einigermaßen zu erhöhen. Von jeder Angleichung der Gehälter an die fortschreitende Teuerung sind absolut ausgenommen I o s e t t i und Abdullah. Beide Unter- nehmungen dürfen bestimmt für sich in Anspruch nehmen, mir die schlechte st bezahlenden Betriebe der gesamten Genuß- mittelindustrie zu sein— sie„dürfen"— weil ihre Angestellten bisher den Beitrag für die Organisation ersparten und dafür gerne auf eine anständige Bezahlung' verzichteten. Auch ihnen kann geholfen werden, sobald sie den Weg zur Organisation gesunden haben und selbst die Firma I o s e t t i wird aus die Dauer nicht die Ange- stelltenratskandidaten hinauswerfen und ihren Angestellten Hungv- löhne zahlen dürfen, wenn sie Wert daraus legt, daß die arbeitende Bevölkerung ihre Erzeugnisse verbraucht. Der ZdA. wird demnächst erneut zu den Unternehmungen Stellung nehinen. Füm Kampf in öer Kölner Metallindustrie. Auch die Christlichen lehnen den Schiedsspruch ab. Köln, 20. Juli.(WTB.) Die Generalversammlung des christ- lichen Metallarbeiterverbandcs am gestrigen Dienstag lehnte den am 16. Juli von dem Sonderschlichter, Oberregierungsrat Dr. Elasten, gefällten Schiedsspruch ab, da der Lohnausgleich zu sehr verklausuliert und für die Arbeiter untragbar sei. Streik öer pfälzischen Minzer. Neustadl a. d. h., 19. Juli.(Mtb.) In Haardt und Gimmel- dingen streiken sämtliche Winzer, insgesamt über 150. In Deides- heim sind bei der großen Weinfirma von Buhl u. Bastermann Dienstag früh nur einzelne Arbeiter zur Arbeit erschienen. Etwa 250 streiken. In Neustadt und anderen Orten im oberen Haardt- gebiet ist die Streikporole noch nicht völlig durchgedrungen. Nachdem die Lohnerhöhung um einen Pfennig pro Stunde abgelehnt worden war, fordern die Winzer jetzt eine Lohn- erhöhung von 20 Proz., das ist ein Stundenlohn von 5 8 Pfennig. Sie berufen sich darauf, daß teilweise schon jetzt von Weingutsbesitzern 55 Pfennig gezahlt werden. Der Regierung?- Präsident oer Pfalz, Dr. Matheus, sucht die Beilegung des Streiks zu erreichen._ Schiedsspruch für die OSnnbrüikcr Metallindustrie. Der Schlichter für den Bezirk Hannover gab am 16. Juli über die Vergütung der Mehrarbeit folgenden Schiedsspruch ab: „Die unter 6s Abs. 1 der Arbeitszeitvcrordnung fallende Mehr- arbeit wird, soweit sie in der einzelnen Woche über48Stunden hinaus bis zur Dauer von 54 Stunden geleistet wird, mit einem Zuschlage von 12'A Proz. und soweit sie darüber hin- aus bis zur Dauer von 60 Stunden geleistet wird, mit einem solchen von 2 0 Proz. des tatsächlichen Stundenverdienstes vergütet. Der Stundenoerdienst wird errechnet aus dem innerhalb der Lohnperiode von dem betreffenden Arbeiter tasächlich verdienten Gesamtlohn ohne die sozialen Zulagen geteilt durch die darin ge- leisteten Arbeitsstunden. Die vorstehende Regelung gilt mit Wirkung vom 1. Juli 1927 bis zum 31. Juli 1928._ Generalstreikgefahr in Loöz. Lodz, 20. Juli.(Mtb.) Die Lodzer» Arbeiterorganisationen haben beschlossen, zur Unterstützung der Forderungen der Bau- a r b e i t e r in einen Sympathie st reik einzutreten. Gleich- zeitig habe! sich die Verbände die Forderungen der Bauarbeiter auf 25prozentige Lohnerhöhung selbst zu eigen gemacht. Der Streik soll auch auf die städtischen Betriebe ausgedehnt werden. Ter Streik der Handclsmarincoffiziere in Schanghai. Schanghai. 20. Juli.(WTB.) Der Streik von 500 britischen Handelsmarineoffizieren und Ingenieuren, der am 29. Juni aus- brach, dauert noch immer an. Die China-Schfifahrtsgelellschast, deren Küstenhandelsflotte von 75 Schiffen in Mitleidenschaft gezogen worden ist, hat neue Offiziere«ingestellt, um einen Rumpfdienst aufrechtzuerhalten, und hat die Streitenden benoch- richtigt, daß sie sich als entlasten zu betrachten haben. Anlaß des Streits war eine zehnprozentige Lohnkürzung. Also trotz der Streikbrecher dauert der Streik fort. Wirtschaft; Zollteuerung für Setleiöung? Die Vcrarbeiter gegen Spinner und Weber. In dem Kampf gegen die Textilzölle steht die Sozialdemokratie als die Partei, welche die Interessen der Konsumenten in erster Linie vertritt, durchaus nicht allein. Der Handel und die Kon- f e t t i o n stehen in der Zollfrage ebenfalls im bewußten Gegensatz zu den einseitigen Forderungen der S p i nn e r und Weber, die auf weitere Erhöhung der Zölle hinarbeiten und die in manchen Fällen trotz des jetzigen hohen Zoll- schutzes noch teurer sind als die ausländische Konkurrenz. Sie wür- den von den tschechischen und englischen Webereien, was buntgewebte Ware anbetrifft, vollständig verdrängt werden, würde der Zoll hier nicht den Ausländern einen Riegel vorschieben. Man versucht, den Zollfordcrungen oft damit leichter Eingang zu verschaffen, daß man die Interessen der Textilarbeiterschast vor- schiebt, die ohne den Schutz der deutschen Industrie Arbeit und Brot verlieren würde. Diese Begründung ist zum mindesten, was buntgewebte Ware anbelangt, absolut falsch, denn Spinner und Weber sind bis zum Novcmber hin ausoer- kauft. Die Webereien waren in diesem Frühjahr bereits schon sehr gut beschäftigt und mußten es daher zulassen, daß die Hälfte aller Popelinegewebe zu Hemden- und Kleider- st o f f e n aus der Tschechoslowakei und England bezogen wurde. Bei einfacheren Qualitäten sind die Tschechen trotz des Zolles immer noch billiger als die deutschen Buntweber: auch liefern sie pünkt- sicher, was von den Abnehmern immer hervorgehoben wird. Heute kostet das billigste Popelinegewebe in Deutschland ungefähr 1.25 M. §ro Meter, die Tschechen bringen aber schon Ware zu 1,04 M. pro leter heraus, aus die die deutschen Abnehmer 20 Pf. Zoll zu zahlen haben. Englische Webereien offerieren glattgewcbte Jacquard- Popeline zu 0,95 M. pro Meter(der Zoll beträgt bei glattaewebten Baumwollwaren 15 Pf., bei Buntware 20 Pf.) und sind also gleich- falls wesentlich billiger als die deutsche Konkurrenz. � Da nun die deutschen Webereien für mehrere Monate hin beschäftigt sind, kann ihnen im Augenblick gar nichts daran liegen, daß ihre Abnehmer Mich bei den billigeren ausländischen Lieferanten bestellen, und die Konsumenten hätten jedenfalls einen Vorteil davon. Die Herren Buntweber fürchten aber scheinbar, daß sich die Kon- fektionsindustrie an das Ausland gewöhnt und forderten auf der letzten Tagung des Deutschen Buntweberverbandes in Kastel erneut stärkeren Zollschutz. Die verarbeitende I n d u st r i e hat sich dieser Tage auf einer Sitzung des Württembergischen Industrie- und Handelsaus- schustes energisch gegen eine neue Zollerhöhung für Baumwollgarne und-gewebe ausgesprochen. Besonders stark war hier die Wirkerei- und Trikotagenindustrie vertreten, deren große Exportinteressen durch die Rohstoffteuerung gefährdet werden. Der Württembergische In- dustrie- und Handelstag forderte daher entschieden eine Ermäßi- gung der Zölle und Garne bis auf die Sätze der Vorkriegs- zeit. Es mag noch nebenbei erwähnt werden, daß gerade Spinner und Weber, wie die Bilanzen für das vergangene Jahr gezeigt haben, oft Dividenden von über 8 Proz. verteilt haben und drei Jahre lang neben den Ausschüttungen an die Aktionäre noch erhebliche Reserven schaffen konnten. Der Lebensnerv dieser Industrie ist also durchaus nicht so ge- sährdet wie sie glauben machen möchte, wenn sie auch bei allen Handelsvertragsvorhandlungen besonderen Schutz gegen das Dum- ping der anderen Staaten verlangt. Die Textilverarbeitung ist nicht nur wichtig für den inländischen Konsum, der um so teurer bedient wirdzum Nachteil aller anderen Industrien, je höher die Roh- und Halöstoffzölle sind. Sie Ist auch eine der wichtigsten Veredlungs- Industrien für den Export, und wenn heute die Außenhandelsbilanz Sorgen macht, so könnte ihrer Passwität sehr stark dadurch vorge- baut werden, daß die Spinner- und Weberzölle, statt sie weiter zu erhöhen, gesenkt würden. Dazu müßten allerdings die Verarbeiter stärker, als es bisher geschah, ihre Interessen als Konsumgüter- industrie gemeinsam mit den Vertretern der breiten Verbraucher- Massen in der Oeffentlichkeit betonen. kommt die Brüsseler Zuckerkonvention wieder? Wie aus Brüssel gemeldet wird, will die belgische Regierung die sogenannte Brüsseler Konvention durch Aufnahme der Genfer Beschlüsse wieder ins Leben rufen. Die Brüsseler Konvention war eine internationale Vereinbarung aus der Vorkriegszeit, die das Prämiensystem beim Rllbenzuckerexport verbot. Wie wir kürzlich in einem insormatori- schen Artikel ausführten, hat die Regierung von Kuba, des Haupt- Produzenten von Rohr zucker, zu einer internationalen Zucker- konserenz eingeladen, die dasselbe Ziel verfolgt. Es wäre möglich. daß der Präsident von Kuba die Initiative der belgischen Regierung angeregt hat. Der schwedische Zündholztrust dehnt sein Interessenbereich immer weiter aus. Der ihm nahestehende tschechische Solokonzern hat jetzt mit dem ebenfalls tschechischen Zündhqhzkonzern Schell und Nesse die Errichtung eines gemeinsamen Verkaussbureaus beschlosten und zugleich mit den übrigen Fabriken eine Absagregelung auf dem Markte in den östlichen Teilen der Tschechoslowakei getroffen. Auf diese Weise hat sich der schwedische Zündholztrust, der bekanntlich in Deutschland und anderen Ländern eine ausschlaggebende Rolle spielt, auch auf die tschechische Industrie einen maßgebenden Einfluß er- zwungen. veraalworNich tllr?6Ntik:«>-!»» Vchrft! W!rtsch»si:«.«lwgelhSI»! ©coerfldjeftsbcocsuna: fft. CWotn: EniiUeton:®'. Zohn Lchii«w»ti: Lokale» und Sonstiges: ssriH Karstadt! Änzeiaen: Th. Slocke: samtlich in Berlin. «erlag: Borwärts-Perlag». m. k>. H.. Berlin. Druck: BorwSrts.Buchdrnckeret und Bcrlagsanstalt Paul Singer u So. Berlin EW 88, Lindcnstraste 3. Nachruf. Am Monta? abend verschied plötzlich nach kurzem Krankenlager unsfcr lieber langjähriger Mitarbeiter, der Korrektor Max Pohl im 67. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 21. Juli, nachm. 6 Uhr, im Krematorium Baum- schulenwcg statt Personal der Bnctadruckerel C. Janiszewski. Am 18. Juli verstarb unerwartet unser Korrektor, Herr Max Pohl im 67. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene hat fast 33 Jahre seines von rastloser Arbeit erfüllten Lebens unserem Betriebe gewidmet und erfolgreich mitgewirkt Wir werden dem Verstorbenen, der in seiner Treue und Pflicht- erlüilung unermüdlich geblieben ist, ein ehrendes Andenken bewahren. Berlin, den 19. Juli 1927. Die aeschättsleltung der Bncbdruckerel C. Janiszewski. Nach kurzem schweren Kranken» Iqger verstarb am 17. Juli, vormittags >, l Übt meine liebe Frau, unsere liebe Schwägerin, Schwester und Tante, Frag Ldsriotte pklsumer Dies zeigen mit tiejer Beiriibnis UM stilles Beileid bittend, ergebenst an Bio flinterdliedenen Reinhold Pflaumer, Arthur Pflaumer nebst Familie Bln.»Lichtenberg. Margaretenstr. 4 Die Einäscherung findet am Donners» tag, den 21 Juli, nachmittags 7 Uhr im Krematorium GerichtstraKe statt. Wp, I Q IfrV s Mm. filier, I iCift'Miilltli jrrli: � Roölankc!,. Pumpenfabrik Berlin N 65, Reinidtcndorfer Str. 95 Küchen letit bedeutend billiger ni iBiilliin .triki"-ilOdin...... 38«. 10«. tirkMi-IIüilii..lnu"... 10 M. 1101. Iirlrkti-Xüdu„Berta".. OS M. 145 M liridite-NidHn„Xir..125 11. 110 M Iliidmdiriake, 90 es., 38 M. 48 I. Aiisstellüni feiner Rheinisdier Rüdien. Hddienmöbel'Haas Laf erslein, Ludiauer Straße 1 Ecke Oranlenstr., nahe Moritzplatz Blutnenspenden teder Art leiert preiswert I*anl GoIIctz. vorm. Heden Hirn Mariannenstralle 3. Ecke Naunynitrase Amt Morirtpl. 103 03 Qaittungs-.Rabkit- u.Seklamemirken jegenNachahmung gesetzt gesch'. fertigt selt4S Jahr. als Spezialität Conrad Httiler Leipzig- Schkeuditz h»»——«ebacao»»»— oobb— o— i Rudolf Fink.VASrT 9 vis-ä-vis Kriminalgericht AU-PlooliU 83 und litiieieastraKe 100. | Aus eigen. Spezial-Rästerei stets(rischgcrösieter Kaffee: Pfund 2,50 3.— 3,80 4,20 4,60 Rtn. ' von bekannter Güte, Aroma und Ergiebigkeit. Echt indischer und chinesischer Tee, Schokoladen, Kakao, Keks, Pudding, ff.Himbeer- u. Kirschsaft, ff. Olivenöl. Feialioniwareii. feine l.lhöre and Spirituosen J Gut gepflegte gelagerte WetIK Kot- und SüOweloe. I Echte Rraunschw.,Thür. u. Weslf.Wurst- u. Fleischwaren, j Frisöie Eier, Käse- und Bnlter-HnndinnO J zu billigsten Tagespreisen. Sehr preiswert:| Prima Dancr-äei veiaiwunr Pfund. 2,50 nm. J »•©«««©©«»»•©»»©©©««©©©♦«••••et Korbtnäbel! Sonderangekotl »An Private zu Entirospreise«. Eicene Fabrikate in gedic erusn Ausführungen kaufen Sie in �rOk-er Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Monbijouplatz iZ, Bot pari. Nähe Hackcscher Markt Zafalansser,e'c>lter,1I,X relephon; Alexander 411 2 Garantie leiste ich als Selbstherstoller auf die bei mir gekonften Trauringe (Fugenlos) zu billigsten Preisen in den gediegeDiten AostOhrongen Ges. gesrhOtzt:: Ständig c». 3000 t. auf Lager:: Hermann Wiese, Berlin w'poSV�sei" | Set Untlaasth»enl-tt die ron mir gekauflcit St,,, inerlialg eines lettre, rem teile« Stets, rar Beleuchtungskörper und jeden elektrischen Gebrauchsartikel bekommen Sie am billigsten bei bequemer Teilzahlung ip unseren Ausstellungsräumen, Elsässer Straße 78 ■ Elektrische Anlagen während der Sommermonate■ einfache Brennstelle 10.— M. bei sauberster Ausführung. Berliner EHeklriker-Genossenschaft EG.nLb.9. Elsässer Str. 86-88/ Alezanderstr. 39-40/ Wilmersdorf, Landhnusstr.4