Üe. 344 ♦ 44. Jafytg. Ausgabe A Nr. 176 Bezugspreis: ZSSchentlich 70 PfevniS. monatlich ß,— Reichsmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband filr Deutschland. ü'anzig, Saar- und Memelgediet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg «,50 Reichsmark, kür das übrig« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts� mit der illustrier» ieu Sonntagsbeilage»Boll und Zeit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen�,.Aus der Filmwelt". .Frauenstimme",»Der Kinder. freund".„Iugend-Borwärts",»Blick in die Bücherwelt" und»Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adress«: »Sozialdemokrat Serlla- Morgenausgabe CÜL ) or Nerlinev VolKsbl�tt Anzeigenpreise: Di«»inspalttg, Nonpareille- >eil« SO Bkcnnig. Reklamezeile Reichsmark.»Kleine Anzeigen" da» lettgedruckte Wort 25 Piennrg lzuläffig zwet tettgedruckte Worte), sede» weiter« Wort 12 Psrnnig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buch» stoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 00 Pfennig. Familienan, eigen für Abonnenten steile«0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis iVt Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EWOL, Linden» ftraßeS, abgegeben werden. Geöffnet von S'-t Uhr früh bis 5 Uhr nachm. K t Zentralorgan der Sozlaldemohratifdien partes Deutfchlands Reöaktion und Verlag: Lerlin SW. H8, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Sonnabend, den Ä3. Juli 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., Gerlin EW. öS, �inöenstr.3 Boftfcheckkent»! Berli»»7 520— Bankkonto: Baak der Arbeiter. Angestellt,� und Beamten,«allst,. OS: Diskonto-Sef-IIchoft. Depalltenkaste Liadenftr. 5. Die Posttarife werben erhöht. Beschlüsse des Verwaltnngsrats der Reichspoft: Fernbrief 13, Ortsbrief � Pfg. Der neue Umfall der Wirtfchaftsvertreter. Die Erhöhung der vriefporkogebühr ist gestern vom Verwalkt ngsral der Reichspost in erster Lesung beschlossen worden. Der Llntrag auf Aestsehunz des Aernbriefsahes auf lS Pf. wurde angenommen. Das Orlsbriesporto wird, entgegen dem Zln- trag des Arbeilsausschusfes, S Pf. betragen. Dieser hatte den Sah von 10 ps. vorgeschlagen. Po st k a r l c n kosten im Fernverkehr S. im Vrlsvcrkehr S Pf. Für Drucksachenkarken, denen auch Antworl- karten angehöngl werden können, wurde ein billigerer Sah von Z Pfennigen seslgelegl. Die Verhandlungen über die übrigen Ge- bührcnsahc sind gestern noch nicht zum Zlbschluh gekommen. Sie werden heute sortzeseht. Dann wird auch die zweite Lesung der Vorlage erfolgen. * Den Verhandlungen ging eine ausgiebige Debatte voraus, die sich bis in die Abendstunden erstreckte. Reichspoftminister Schätzet wußte seinen bisherigen sachlich längst widerlegten Aussührungen keine neuen Gründe für diese einschneidende Mahnahme hinzuzu- fügen und beschränkte sich darauf, den Standpunkt des Postfiskus noch einmal vorzulegen. In der Debatte brachte Genosse Schumann den Protest der Freien Gewerkschaften, den wir gestern veröffentlichten, dem Verwaltungsrat zur Kenntnis und gab die Erklärung ab, daß die jrsigewcrtschastlichen Vertreter der Vorlage nicht zustimmen würden. Genosse S t e i n k o p f machte bei der Ablehnung der Por» schlage des Postministers die Einwendungen der Wirtschast, ins- besondere des Industrie- und Handelstages geltend, die sich gegen die Portoerhöhüng wandten und im Falle ihrer Durch- sührung eine spätere Herabsetzung der Gebühren verlangten. Der Elcktrizitätsintercssent Solomon vom Lohmeyer-Konzern erklärte daraus, daß die Stellungnahme des Jndustriehandelstages nur die Meinung einiger Herren von der Wirtschaft sei. Ein Antrag der sozialdemokratischen, demokratischen und wirtschaftsparteilichen Parlamentarier im Verwaltungsrat, die Vorlage vorläufig zu vertagen, wurde abgelehnt, ebenso ein kommunistischer Antrag auf Ablehnung des ganzen Entwurfes. Auf die Frage, ob auch der Neichswirtschaftsminister C u r t i u s der Postgebührencrhöhung zugestimmt habe, erklärte Postminister Schätzet, daß dieser weder im Reichskabinett noch persönlich dagegen proiestiert habe. Auch von einem schriftlichen Protest sei ihm nichts bekannt. Die Mehrheit, die die Postgebührcnerhöhung im Verwaltungs- rat beschloß, setzte sich zusammen aus Parlamentariern von den Deutschnationalen, des Zentrums, der Bayerischen und der Deut- schen Volkspartei, aus der Personalvertretung und einigen Vertretern der Wirtschaft. Unter ihnen besand sich auch der Vertreter des deutschen Einzelhandels, G r ü n s e l d. Die söge- nannten Wirtschastsvertreter scheinen überhaupt nicht zu wisien, welche Stellung sie zu den Postgebühren einzunehmen haben, und infolgedessen stimmen sie im Zweiselsfalle mit den Geheimräten. Auch einige Vertreter des Reichsrats im Verwaltungsrate der Post waren für die Portoerhöhung, die preußische Regierung jedoch lehnte sie entsprechend ihrer bekannten Stellungnahme ob. Der von dem deutschnationalen Abgeordneten B r u h n gestellte Antrag auf Erhöhung der Ortsbriesgebühren auf 1l) Pf. wurde mit einer geringen Mehrheit abgelehnt. Ebenso verfiel ein Vorschlag Preußens der Ablehnung, der dahin ging, die Korten» briefe wieder einzusühren. In seiner heutigen Sitzung wird der Verwaltungsrat der Reichspost die erste Lesung der Vorlage vollenden und dann die zweite Lesung vornehmen. Dabei wird auch ein Vorschlag zur Be- ratung stehen, der im Arbeitsausschuß einstimmige An- nähme gefunden hat, und der dahin geht, eine Friedrich- Ebert-Markc zu schassen. Außerdem ist beabsichtigt, Wohl- sa h r t s m a r k. e n zu höherem Preise mit dem Bildnis H i n d e n- b u r g s und des Reichspräsidentenpalais au» Anlaß des 80. Ge- burtstages Hindenburg» zum Lerkauj zu bringen. * Entgegen dem eindeutig bekundeten Willen des Reichstages und weiter Wirtschaftskreife hat also der Derwaltungsrat der Reichspoft die Erhöhung des Portos be- schloffen. Die Beschlüsse werden wahrscheinlich auch in der zweiten Lesung nicht abgeändert werden, da die M e h r h e i t für die Gebührensteigerung recht stark war. In entscheiden- dem Maße wurden die Abstimmungen beeinflußt durch die Haltung der Wirtschaftsvertreter, deren Verbände vorher in der Oeffentlichkeit laut« Proteste gegen die geplante Maßnahme erhoben haben, die dann aber für den Postminister eingetreten sind. Auch die Haltung der Personalver- t r e t e r, die nach den Instruktionen der Rechtsblockregierung gehandelt haben, trug zu dieser Entscheidung bei. Der Reichstag wird sich jetzt darüber schlüssig werden müssen, ob der Reichspost noch weiter eine Sonderstellung gelassen werden kann, die es der bureaukratischen Verwaltung gestattet, sich über die Mitbestimmung des Parlaments bei der Entscheidung derart weitgehender Maßnahmen hinwegzusetzen. So wie es bisher gewesen ist, geht es jedenfalls nicht weiter. Debatte im Wiener Gemeinöerat. Ruhiger Verlauf.— Vcrtrauenskundgebung für Scitz. r. bn. Wien. 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Gemeindcrat von Wien begann heute unter großem Andrang und höchster Spannung die Besprechung der blutigen Tag«. Ein Dringlichkeitsantrog der Sozialdemokraten fordert die Einsehung eines Untersuchungsausschusses, der auch die Schuldigen feststellen soll. Die Christlich-Soziolen bringen zwei Dringlichkcitsanträge ein, von denen der eine die Auflösung der Stadtschutzwache verlangt und der zweite eine Untersuchung darüber fordert, ob nicht aus dem Rathaus auf die Polizei geschossen worden sei. Ganosse Stadtrat Weber begründet den sozialdemokratischen Antrag und erklärt, selbst in der Zeit des schwärzesten Absolutismus sei es nicht vorgekommen, daß ein Kommandant den Befehl gegeben habe, blindwütig in die Menge mit abgeplatteten Ge- schassen zu schießen. Das besonders Tragische ist, daß diese Er- eignisse in einem demokratischen Staat möglich gewesen sind. Der Untcrsilchuiigsausschuß müsse feststellen, ob die Protestkundgebung, die aus dem edlen Rechtsgefühl des Volkes entstanden war, i m B l u t erstickt werden mußte. Ferner müsse der Ausschuß feststellen, ob es notwendig uxir, die Polizei mit solchen Geschossen auszurüsten und ob sie, nachdem schon die erste Salve so unheilvoll gewirkt hatte, noch weitere Salven abgeben mußte. Nachdem die Straßen bereits von Menschen geräumt waren, wurde immer wieder auf Menschengruppen geschossen. Genosse Weber hob andererseits her- vor. daß man selbstverständlich nicht vergessen dürfe, daß unter den Polizisten auch anständige Menschen sind.(In diesem Zu- sommcnhange sei erwähnt, daß ein großer Teil der Wiener Polizeibcamten sozialdemokratisch und srcigeweik- schaftlich organisiert ist. Anmerkung d. Berichterstatters.) ' Der christlich-soziale Stadtrat Rummelhardt erging sich in gehässigen Angriffen auf die städtischen Angestellten. die er sogar beschuldigte, an der Brandlegung des Iustizpalastes teil- genommen zu haben. Bürgermeister Genosse S e i tz, der den Vorsitz führte, wies diesen Angriff in seiner Eigenschaft als Chef der städtischen Verwaltung sofort zurück. Der chrisllich- soziale Führer K u n s ch a k verlangte die Auslösung der Gemeindeschutzwach«. Stadtrat Genosse K. Richter brachte ein Rechtsgutachten der Mo- gistrotsdirektion zur Kenntnis, wonach die Errichtung der Gemeinde» schutzwoche weder der Bundes- oder der Landes-, noch der Gemeinde- Verfassung und auch nicht dem Friedensvertrag widerspreche. Das letztere behaupten die Christltch-Sozialen auch noch. Bürger- meister Genosse Seitz stellte fest, daß die Gemeindeschutzwach« nicht mit Gewehren oersehen sei. Nach weiterer Debatte wurde ein sozialdemokratischer Antrag, dem Bürgermeister Seih Dank und VerKauen miezusprechen und sein Verhalten während der Katastrophe und da- nach zu billigen, mit großer Mehrheit angenommen. Mit ebenso großer Mehrheit wurde die Einsehung des Untersuchungsausschusses beschlossen. Der christlichsoziale Antrag auf Aufhebung der Gemeindeschutzwache und auf Unter- suchung darüber, ob aus dem Rathaus geschossen worden sei, wurde abgelehnt. Selbstverständlich wird der Untersuchungsausschuß seine Arbeiten auch auf diese Behauptung ausdehnen. Mit dieser Abstimmung war die vielstündige Sitzung, die übrigens ruhig ver- lief, beendet. Die Debatte mochte den Eindruck, daß die Christ- lichsozialen sich von einer weiteren agitatorischen Ausnutzung der schrecklichen Vorfälle keinen besonderen parteipolitischen Nutzen ver- sprechen. Tic Lügen der Hugenberg-Preffe. r. bn. Wien. 22. Juli.(Eigener Drahtdericht.) Die Berichterstattung gewisser reichsdeutscher Reaktionsblätter, insbesondere die eines Herrn F. Lücke im„Berliner Lokal- Anzeiger", wird von der„Arbeiter-Zeitung" scharf gegeißelt. Wie unwahr alle dies« Behauptungen von einer Massatrierung mehrerer Polizisten ist, ergibt folgende einfache Berechnung: Bisher sind vier Polizisten gestorben, davon war der eine Kriminal- beamter, der also sicher von der Polizei erschossen worden ist. Am Sonnabend sind bei dem schweren Zusammenstoß in Hernals, Rosensteinqasse, zwei Polizisten und sechs Zivilisten getötet worden. Diese zwei Polizisten sind unter den vier gestern Begrabenen, bleibt also nur einer, der am Freitag gefallen ist! Kolonie öapern. WieLerauferstchung der mittelalterlichen KopfsteucL Der große englische Nationalökonom des achtzehnten Jahrhunderts, Adam Smith, hat für die Steuerpolitik vier Regeln aufgestellt: Steuern sollen nach der L e i st u n g s- f ä h i g k e i t aogeftust fein, in einer bestimmten Höhe festgefetzt werden, für den Pflichtigen bequem zu entrichten und billig in der Erhebung sein. Sowohl die Steuer- theorie als auch die Steuerprazis haben diese Regeln in vollem Umpfange anerkannt, so daß jetzt viel die Rede ist von „Steuergerechtigkeit". Seit dieser Zeit ist in allen modernen Staaten die Einkommensteuer die Grundlage des Steuer- fysteins geworden, und zwar eine Einkommensteuer, die die Leistimgsfähigkeit berücksichtigt, inso'zedessen mit der Höhe des Einkommens ansteigt. Seitdem es Einkommeli steuern gibt, find die sogenannten Kopfsteuern verschwunden. Als Kopffteuern bezeichnet man solche Steuern, bei denen von jedem Steuerpflichtigen der gleiche Betrag entrichtet wird. Diese Kopffteuern,'die in früheren Zeiten häufig vorkamen. sind sehr roh und ungerecht, weil sie auf die Ver- schiedenheiten und Abstufungen des Einkommens keine Rück- ficht nehmen. Sie entsprechen daher weder den primitivsten Anforderungen an Gerechtigkeit, noch berücksichtigen sie die Leistungsfähigkeit oder gar die persönlichen Berhältnifse des Steuerpflichtigen. Kopfsteuern sind also eine völlige Preisgabe der sozialen Gedanken, die sich in der Einkommensteuer befinden, und stellen somit einen Rückschritt in läng st verflossene Zeiten dar. Zu einem solchen Rückschritt ist es in diesen Tagen in Bayern gekommen. Die bayerische Regierung hat, gestützt von den Regierungsparteien— Bayerische Volkspartei und Deutschnationale—, ein Gesetz verabschiedet, durch das die Gemeinden das Recht erhalten, von allen über achtzehn Jahre alten Personen mit eigenem Einkommen eine Kopfsteuer in Höhe von bis zu sechs Mark pro Kopf und Jahr zu erheben. Die Kopfsteuer des Mittelalters lebt also wieder aus: der ganze Fortschritt, der sich in einer jahrhundertelangen Entwicklung in allen modernen Staaten der Welt durchgesetzt hat, wird für Bayern beseitigt. Von den europäischen Groß- staaten war R u ß l a n d der letzte Staat mit einer Kopffteuer. Aber auch hier fft sie bereits im Jahre 1885 beseitigt worden» Im zwanzigsten Jahrhundert finden sich Kopfsteuern über- Haupt nur noch in Kolonien, obwohl sie auch hier nach und nach abgeschafft werden. Nichts kennzeichnet die politi- schen Verhältnisse Bayerns besser als die Tatsache, daß seine reaktionären Machthaber es selber sind, die jetzt Bayern zu einer Kolonie degradieren. Welche Wirkung aber wird diese baye- rische Kopf st euer im einzelnen haben? Nicht das Land soll sie erheben, sondern die Gemeinden sollen zu ihrer Erhebung berechtigt sein. Die bayerische Reaktion ist also nicht nur brutal, sie ist auch feige. Sie will die Verantwortung für die ungeheuerliche Kopfsteuer den Ge- meinden aufbürden, die durch die Finanzpolitik des Landes in katastrophale Schwierigkeiten gestürzt worden sind. Die Kopfsteuer macht den letzten A l m o s e n e m v f ä n g e r tributpflichtig, denn sie ist nicht an ein Mmdestein- kommen gebunden, sondern wird von jedem, auch dem kleinsten Einkommen erhoben. Was schert es, daß eine derartig brutale Steuer, falls sie überhaupt eingezogen werden kann, u n- geheure Kosten verursacht? Die Hauptsache ist den bayerischen Gewalthabern, daß ihre eigenen Wähler, die Bayern, st e u e r f r e i sind. Und das wird man in größtem Maße erreichen, weil die bäuerlichen Familienangehörigen nicht von der Steuer betroffen werden, auch wenn sie über achtzehn Jahre alt sind. Aber ist eine solche Kopf st euer überhaupt zulässig? Wir möchten diese Frage verneinen, ob- wohl wir fürchten, daß der oberste Gerichtshof in Steuer- fachen, der Reichsfinanzhof in München, sie für zulässig halten wird, und das Reichssinanzministerium sich ver- mutlich vorher bereits mit solchen Plänen einverstanden er- klärt haben dürfte. Bayern ist bisher immer alles erlaubt gewesen, was nach dem Reichsrecht verboten war, und was änderen Ländern nicht gestattet wurde. Weshalb sollten nicht auch in diesem Fall findige� Juristen klare Gesetzesbestimmun- gen„bayerisch" auslegen können? Die reichsgesetzliche Grundlage für die Steuerrechte der Länder gibt' das Finanzausgleichsgesetz. Die volle Steuerhoheit steht nach ihm nur dem Reiche zu. Die Länder und Gemeinden dürfen Steuern nach Landesrecht nur erheben, soweit nicht die Reichsversasiung und die in ihrem Rahmen erlaffenen reichsrechtlichen Vor- schriften entgegenstehen. Solche Einschränkungen befinden sich in den§§"2 und 3 des F i n a n z a u s g l e i ck s g e- s e tz e s. Nach Z 2 schließt die Inanspruchnahme von Steuern für das Reich die Erhebung gleichartiger Steuern durch die Länder und Gemeinden aus. Das bedeutet, daß die Länder und Gemeinden keine Einkommensteuer erheben dürfen, da das Reich die Einkommensteuer für sich in Anspruch nimmr. Da der Gesetzgeber ausdrücklich jede„gleichartige" Sieüe?»crMett ün5 nW mtr]c5e„cfct�e*, so P! damit zweisellos jede Besteuerung durch die Länder und Gemeinden untersagt, die einen ähnlichen Charakter hat wie die Einkommensteuer. Im übrigen müßte man auch den 8 3 als eine Schranke gegen eine Kopfsteuer ansehen. Er bestimmt, daß Landes- und Gemeindesteuern, die die Steuer- einnahmen des Reiches zu schädigen geeignet sind, nicht er- hoben werden sollen, wenn überwiegende Jnter- essen der Reichsfinanzen entgegen st ehe n. Die Erhebung einer Kopfsteuer selbst von dem allerkleinsten Einkommen aber schädigt das Interesse der Reichsfinanzen. Aus wohlerwogenen Erwägungen läßt das Reich alle Ein- kommen unter 12VN Mark steuerfrei. Wird von anderer Seite dieses steuerfreie Einkommen besteuert, so schädigt das die Reichsfinanzen, da es zur Erhöhung der steuerfreien Grenzen zwingt. Wenn dem gegenüber der Standpunkt vertreten wird, daß Kopfsteuern nur verboten feien, wenn auf die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen R ü ck s i ch t genommen wird— weil dann die Kopfsteuer eine Art Einkommensteuer sei—, so ist dos in keiner Weise berechtigt. Bei der Schaffung des Finanzausgleichsgesetzes hat kein Mensch daran gedacht, daß in unserer Zeit irgendein Land sich zur Einführung einer Kopfsteuer entschließen könnte. Würde man den reaktionären Bayernkurs haben vorausahnen können, so hätte sicherlich 192l) niemand dem Verlangen Widerstand geleistet, Kopfsteuern grundsätzlich zu verbieten. Man muß deshalb verlangen, daß die R e i ch s r e g i e- r u n g gegen die bayerische Kopfsteuer gemäß � 4 des Fknanzausgleichsgesetzes Einspruch erhebt. Geschieht das nicht, so wird sich die Sozialdemokratie gezwungen sehen, im Reichstage eine Abänderung des Finanzaus- gleichsgesetzes zu beantragen. Es wird ein lustiges Schau- spiel werden, wenn dabei diejenige.n bürgerlichen Parteien, die dauernd von„Steuergerechtigkeit" reden, eine Kopstteuer decken, die das schlimmste Attentat auf die steuerliche Gerech- tigkeit darstellt. Die Einführung der Kopstteuer in Bayern aber zeigt schließlich auch, daß Bayern nicht nur das politisch reaktiv- närste Land ist, sondern daß auch jeder soziale und wirtschaftliche Fortschritt bedroht ist. Schon seit langem hat die Reaktion in Bayern gegen die hohen steuerfreien Grenzen im Reiche gewettert, soweit sie die Lohnsteuer betrafen. Gegen die Befreiung der Land- wirte durch hohe Freigrenzen bei der Einkommensteuer haben dieselben Herrschaften nie etwas einzuwenden gehabt. Man will eben, daß die Arbeiter, Angestellten und Beamten, die nun doch einmal keine absolut zuverlässigen Stützen der Reak- tion sein wollen, bis zum äußersten geschröpft werden. Aber wir zweifeln nicht daran, daß dieses Vorgehen auch seinen Nutzen haben wird. Denn jetzt wird jedermann in Bayern klar werden, daß der bayerische Partikularismus nur lebensfähig ist, wenn er die Not des Volkes vergrößert. vis Kopfsteuer beschlosten. Der Bayerische Landtag hat den heftig umstrittenen innerbayerischen Finanzausgleich, der eine starke Belastung der Gemeidcn und vor allem der städtischen Bevölkerung bringt, mit 66 gegen SO Stimmen endgültig verabschiedet. Die Spitzenvcrbände von.Handel, Industrie und Gewerbe hatten sich noch einmal in letsier Stunde in einem Telegramm an die Regierung und diec Regierungsparteien gewandt rmd die schwersten Bedenken gegen die geplante Regelung Ausgesprochen. Dennoch ließen sich die Regierungsparteien nicht abhalten, geschlossen für das Gesetz zu stimmen. Durch das Finanzausglcichsgesetz wird vor allem auch eine allgemeine Kopf st euer in höhe bis zu 6 M. eingeführt. Die befehlen Gebiete des preußischen Staate». Nach dem Stande vom lsi. Juni 1925(Volkszählungstag) liegt nunmehr die genaue Einwohnerzahl der besetzten Gebiete Preußens vor. Sie betrug zur gleichen Zell insgesamt 4 893 090 Personen. Statt karten! Euch, werten Freunden und Bekannten, Die liebend meiner sonst gedacht, Sei ösfentlich hier kundgemacht: Ich schreibe weder noch erwarte Von irgendwelchen Gratulanten Die hergebrachte Glückwunschkarte. Item; so Gott euch Gunst erweist Und ihr in diesem Jahr verreist— Daß keiner Ansichtskorten schickt Von Orten, wo er pickgenickt! Die Berge mit Ruinenaufsatz, Das Meer nebst Strandkorbgarnitur, Das heim ain Walde(steier Bauplatz), Der Aussichtsturm— nee, laßt es nur! Ich gönne jedermann sein Plätze!, Wo(manchmal) ihn die Sonne brät. Im Schreiben aber schuf uns Schätze! Di« schönste Hungerkur-Diät. Bei diesem Porto Briefe schreiben? Ich, wert« Freunde, laß es bleiben! Was ich beim Jn-den-Umschlog-stecken Und Markeiikleben unterlasse, Das kann zugunsten ihrer Kasse Die Post tun! Mich, von Liadenhecke». Schönlanks Sprechchorwerke. In einer Zeit, in der das Volk seine seelische Spannung in poli- tischen Revolutionen entlud, gewann die Sehnsucht nach neuen Kunst- formen, nach neuen Kunstmitteln Gestalt. Nicht die Gefühle und Empfindungen d>s einzelnen, des Individuums, suchten mehr künstle- rischen Ausdruck, sondern das, was an hoffen und Verlangen die Waffe bewegte. Für alles, was im politischen Kampf erstritten werden sollte, ersehnte man Gefühlsausdruck in der Kunst. Aber auch den Opfern, die dieser Kampf forderte, sollte sie Trauerklage sein. Ueber- lieferte Kunstformen mußten angesichts dieser neuen Aufgaben ver- sagen. Denn bisher hatte der Künstler sich selber in seinem Werk aus- gedrückt. Jetzt sollte er sich mit der Masse so identifizieren, daß er in der Masse aufging. In jenen Tagen verschwand aus der bildenden Kunst das Porträt, soweit es nicht zum Symbol wurde Damals verlor auch die überlieferte Tradition der Bühnenkunst und der Bühnenwerke ihre Bedeutung. Selbst der Roman, der ihr an sich als Kunstmittel durchaus nicht widersprach, tonnte nicht gedeihen. Denn denen, deren Ertebnmeichtum ihn hätte formen können, fehlt« die die J>ehe gegen �orftng. Ein Ablenkungsmanöver des Bürgerblorks». Herr v. K e u d e l l überlegt immer noch seine Antwort auf die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten Otto B r a u n im Reichsrat. Er ist zurzeit immer noch nicht in der Lage.... Um ihn aus der Bedrängnis zu befreien, hat das Reichskabinett eine Ablenkung unternommen, und die g e- s a m t e Presse der Bürgerblockparteien— ohne Ausnahme! — sekundiert nach Kräften. Der Zielpunkt für die Diversion ist Genosse H ö r s i n g, der Oberpräsident und erste Bundesvorsitzende des Reichsban- ners. Die Erklärung der Reichsregierung und der einheitliche Feldzug ihrer Presse— es sieht nach Generalsturm aus. In- dessen kann solche Diversion leicht zum Stoß in die Luft werden. Die Personalunion zwischen dem Oberpräsidenten der Provinz Sachsen und dem Bundesvorsitzenden des Reichs- banners ist von der Rechten mit großer Regelmäßigkeit als Angriffspunkt benutzt worden, wenn es galt, eine Gegen- rechnung für republikfeindliche Kundgebungen rechtsstehender Beainter oder für Entgleisungen deutschnationaler Minister aufzumachen. In solchem Falle hat sich immer großes Ge- schrei darüber erhoben, daß der republikanische Beamte Hör- sing sich mit großem Temperament und kräftigen Worten gegen alle jene gewandt hat, die die Republik nicht lieben— selbst wenn sie republikanische Minister geworden sind. Als Herr.h e r g t seine landesgefährliche Rede vom Ritt nach Ostland hielt, ging der Sturm nicht gegen ihn los, sondern gegen h ö r s i n g, der diese Rede scharf kritisierte. Nun ist ein allgemeiner Stnrm im Gange wegen seiner Kundgebung zu den Wiener Vorgängen. Genosse H ö r s i n g aber gehört glücklicherweise wicht zu den Leuten, die sich den Mund verbieten lassen und die Wahr- heit herunterfchllicken. Er wird immer mit jenem Tempera- ment, das die Reichsbannerkameraden lieben und wir mit ihnen, für die Republik und gegen die Reaktion kämpfen. Wenn die Herrschaften von rechts glauben, daß sie mit dem Geschrei nach dem Disziplinarverfahren einen unbequemen Kritiker einschüchtern und ihm den Mund stopfen können, so kennen sie O t t o H ö r s i n g schlecht. Er gehört nicht zu dem im deutschnationalcn Lager weit verbreiteten Beamtentypus, dem die Beamtenposition über die Ueberzeugung geht. Er hat es gesagt und wiederholt: LieberalsOberpräsident zurücktreten, als auf freimütige Kritik seinem Temperament gemäß verzichten. Das Reichsbanner, diese machtvolle Organisation der Re- publikaner, die starke Stütze der Verfassung, ist das Werk H ö r s i n g's. Mit seiner Arbeit für das Reichsbanner hat er der deutschen Republik einen Dienst von geschichtlicher Bedeutung geleistet. Die Volkstümlichkeit, die Offenherzigkeit, das Temperament, die ihm den Haß der Reaktion eingetragen haben, sind ebensoviel? Momente für das Wachstum und den Erfolg des Reichsbanners gewesen. Das wiegt schwerer als die bureaukratische Korrektheit. Wir bestreiten den Herrschaften um Herrn v. Keudell das Recht, sich über Inkorrektheiten des Oberpräsidenten H ö r s i n g zu entrüsten. Ihre Korrektheit— Beispiel Haltung Keudells im Kapp-Putsch— ist Reserve, ja Sabotage gegen die Republik. Die Hörsingsch«„Inkorrektheit" aber ist geboren aus der heißen Liebe zur repubsikanilchen Perfassung, geboren aus tief empfundenen Freiheitsgesilyl. •'•:■*;'~''"" Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hält am Sonntag in Magdeburg eine Reichskonfcrmz ab. Die Konferenz wird mit einer bedeutsamen Rede des Genossen H ö r s i n g eröffnet werden. darf danzig Flugzeuge bauen? Genf, 22. Juli.(Eigener Deahtbericht.) Der Völterbundsrat hatte in seiner letzten Tagung den Ausschuh für Luftschiffahrt der Ständigen Miiitärkommission beaustragt, ein Gesuch der Freien betrachtende Ruhe, es zu tun. Ausdrucksmittel der Dichtkunst wurde damals wieder die L y r i k, und aus ihr entwuchs der Sprechchor in seiner heutigen Gestalt und Bedeutung. Bruno Schönlank, dessen Sprech- und Bewegungschor- werk„Der gespaltene Mensch"» jetzt mit so großem Erfolg im Rahmen des Magdeburger Bolksbühnentages aufgeführt wurde, begann damals seine proletarischen Sprcchchorwerte zu schreiben. Man kann seinen Erstlingsarbeiten auf diesem Gebiet nur ganz gerecht werden, wenn man diesen Boden begreift, aus dem sse er- wachsen sind. Abwägung wirksamer Kunstmittel war damals un- möglich. Ueber die Form ging der Sinn. Die Sprechchöre des Dichters liehen der Masse und dem, was sie bewegte, Ausdruck. Die letzten Worte in dem Werk„Erlösung":» „Wir bau'n und sind Ein Stein der Ewigkeit. So jauchzen wir' Dem Kommenden entgegen. Wir wirken, bau'n, Und unser Tun Sei Segen" bezeichnen— aber durchaus im dichterischen Sinn— ein proleta- risches Programmwerk. Dann folgte„G r o ß st a d t", die Sprech- chordichtung aus der Inflationszeit: „Der Dollar steigt. Der Dollar steigt! Der Teufel geigt, Der Teufel geigt: Devisen, nur Devisen. Die Sündflut steigt und steigt mit Macht. Der Zeiger rückt auf Mitternacht." Mit den Dichtungen„An die Erde" und„Moloch"— die erste «in Bekenntnis proletarischer Notursehnsucht und proletarischen Ge- meinschaftsgefiihls, die andere in logischem Zusammenhang mit dieser ein Werk der Auflehnung gegen den Kapitalismus— schließt der erste Abschnitt der Sprechchordichtungen Bruno Schönlanks. Zwei Sprechchorwerke„I u g e n d t a g" und„Seid geweiht" für Iugendfeste und Jugendweihen müssen bei dieser Betrachtung aus- geschaltet bleiben, da sse für bestimmte Zwecke geschrieben sind und sich daher nicht zeitlich einordnen lassen. Diese ersten Werke wurden von proletarischen Sprechchören begeistert aufgenommen, denn man fühlte: dos sind wir. Aber— das darf nicht verschwiegen werden— die Kritik fand vom künstle- rischen Standpunkt noch manches, was unbefriedigt ließ. Wesentliche Gedanken, die vom Sprechchor getragen wurden, blieben unklar, besonders dann, wenn es sich nm eine Massenaussührung auf freiem Platz oder in einem riesigen Theater-aum handelte. Denn die Eigen- ari des Sprechchors war»och nicht genüaenh berücksichtigt. D>? Werke wirkten bei der Lektüre st-llenweist stärker als in der Aui- siihrung. Bei dieser ahnten die Zuschauer wohl immer den Sinn, verstanden aber oft die von der Masse gesprochenen Sätze nicht. Was packt«, war da««rchadeo« Bühnenbild und der Worttoa. NoK DanzsK flkr«te Werijsiw L«r?«rtiodbH!dnm«»ge» VS« den Luftfahrzeugbau zu begutachten. Der Ausschuß beriet darüber in den letzten Tagen und gelangte nach starkem Widerstand nament- lich der polnischen und französischen Vertreter schließlich zur An. nähme eines englischen Vermittlungsantrages, der im wesentlichen wie folgt lautet: „Der Ausschuß erkennt an, daß sich die Verhältnisse für Flug- zeugbau in Danzig seit 1921 geändert haben. Di- Flugzeugfabrikation soll aber, um«ine Kontrolle zu ermöglichen, nur mit staat- licher Subvention unternommen werden. Wenn e» Danzig gelingt, die dazu erforderlichen Finanzmittel aufzubringen, so soll der Völkerbundsrat prüfen und darüber entscheiden, ob keine poli» tischen Bedenken gegen die Bewilligung des Nugzeugbaue» in Danzig vorliegen. Ist das nicht der Fall, so wird dem Völker- bundsrat empfohlen, den Ausschuß nochmals mit der Ausarbeitung der neuen Bestimmungen zur Regelung de? Frage zu beaustragen.' Niedriger hängen! Di« Kampfesweise des Stahlstelmgesindels. In der„Standarte" vom 24. Juli d. I., dem in Magdeburg erscheinenden Organ des radikalen Stahlhelmflügels, ist folgende Brieftastennotiz zu lesen: „Sie dürfen den preußischen Innenminister Grzesinski nicht als zugewanderten Ostjuden oder Pollaken beschimpfen. Er ist nach unseren Ermittlungen ein Sohn der unverehelichten Tochter des Ratsdieners E h l e r t in Treptow a. d. Tollense, die damals bei dem Kaufmann Cohn in Stellung war. Erst mehrere Jahre später hat seine Mutter den Schnitter Grzesinski geheiratet. Es dürfte dimich anznnehmcn sein, daß der jetzige preußische Innenminister kein polnisches Blut in den Adern hat." Zweck und Absicht dieser in das Gewand einer harmlosen Aus- tunft gekleideten Persidie ist jedem, der die Einstellung der Leser- kreise der„Standarte" kennt, ohne weiteres ersichtlich. Um den politischen Gegner zu treffen und zu beschmutzen, unterstreicht man nach„sorgfältig angestellten Ermittlungen" die uneheliche Geburr des Genossen Grzesinski, die ja in diesen Kreisen als schwerer Makel empfunden wird. Man hosst so, in der Oeffentlichkeit den Gegner zu erniedrigen. Diese Kampfesweise richtet sich für jeden Menschen, der Gefühl für Sauberkeit hat, von selbst. Der Genosse Grzesinski hat vor mehr denn Jahresfrist, solche Angrisse voraussehend, seiner im-Mai 1926 verstorbenen und in Spandau beerdigten Mutter aus den Grabstein folgende Inschrift setzen lassen: Hier ruht nach einem arbeitsreichen Leben meine liebe Mutter Bertha Gienholdt geb. Ehlert verw. Grzesinski. Berlin, am 21. Mai 1926. Grzesinski. Polizeipräsident von Berlin. Mit voller Absicht hat er, der Sohn einer Proletarierin, sich dadurch mit Slolz zu seiner Herkunft bekennen wollen. Dem reak- tionären Stahlhelmgesindel bleibt es überlassen, daraus Waffen zur Bekämpfung des politischen Gegners zu machen. Pfui Teufel! Die roten Papageien. Die Leipziger Kommunisten über Wie«. In dem Leipziger Kommunsstenorgan, der„Sächsin s ch e n Arbeiter-Zeitung", tonnte man am ver� gangenen Sonnabend, also am Tage nach dem Ausbruch der Wienxr Unruhen, folgendes Urteil lesen: „Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß dl« kämpfenden Arbeiter in kürze geschlagen sinn werden. Es ist gar keine Rede davon, daß der Kampf zn einer Eroberung der politischen Macht durch die Arbeitersihafi führen könnte. Dazu fehlen im gegebenen Augenblick in Oesterreich alle vor- aussehnngen." Diese durchaus richtige Betrachtung stand, wie gesagt, am vergangenen Sonnabend im Leipziger Kom- munistenblatt. Aber schon am Montag konnte man m derselben „Sächsischen Arbeiter-Zeitung" lesen: Mit dieser Erkenntnis begann Bruno Schönlanks zweite Epoche als Sprechchordichter. Das„F r ü h l i n g s m y st e r i u m" bezeichnet den Uebergang. Mehr als in den voraufgegangenen Werken sind hier die Chorstellen auf Wortklang und Wortrhythmus gestellt. Aber die letzte, völlige Einheitlichkeit fehlte noch. Sie erreichte Schönlank erst in der Dichtung„Der gespaltene Mensch". Dieses Werk ist, wie bereits das„F r ü h l i n g s m y st e r i u m", von einer starken dramatischen Tendenz erfüllt, dabei aber ganz als Ausdruckskunst geformt. Und nur durch diese kann die Masse auf die Masse wirken. Dabei ist aus dem Sprechchor der bewegte Sprechchor ge- worden, der den Rhythmus und den Ausdruck des Wortes durch den Rhythmus und den Ausdruck der Geste ergänzt. An Stelle der Logik der Sätze ist die prägnantere Logik der Worte getreten. Das ist das künstlerisch völlig Neue, das hier zum ersten Male bewußt im Sprechchor gebracht wurde. Wer eine Aufführung dieses letzten Schönlankschen Werkes erlebte, weiß, daß der Dichter damit auf dem richtigen Wege ist. Ihm sind im Sprechchor nun Inhalt und Kunst- sonn zur völligen Einheit geworden. Und wenn man von Bruno Schönlank sagen darf, daß er vor Iahren durch seine Werke einer der fruchtbarsten Förderer der Sprechchorideen war, so gebührt ihm jetzt der weitere Ruhm, dieser Idee ihr erstes wirklich eigenes Werk geschenkt zu haben. Trud« E. Schulz. Ein Märchenbuch für das Arbeilerhaus. Der Verlag I. H. W. Dietz Nach flg. bereitet die Ausgabe eines„Sagenbuches der Arbeit" vor. Da das Buch gleichzeitig ein Weihnachtsbuch für jung und alt sein soll, ist an der Ausstattung nicht gespart. Trotzdem soll der Preis nur etwa S,75 Mark betragen. Das Buch wird eine stattliche Reihe von Märchen und Sagen aller Völker bieten, deren Inhalt Beziehungen zur Arbeit und zur politischen und kulturellen Ideenwelt des arbeitenden und unterdrückten Volkes aller Zeiten hat. Genosse Friedrich Wendel, der unter Wahrung der alten Texte die geschichtlichen und oolkskundlichen Erläuterungen der einzelnen Sagen geschrieben hat, ist bemüht gewesen, ein Volks- buch im besten Sinne zu geben. Ist es das erste Mal. daß das kostbare Volksgut der Sagen und Märchen unter klassengeschichtliche Beleuchtrmg genommen wird, so füllt das„Sagenbuch der Arbeit" zumal auch eine oft empfunden« Lücke in der Jugendliteratur des sozialistischen Schrifttums aus. Wir werden bei Erscheinen des Werkes auf seinen Inhalt zurückkommen. Vorausbestellungen auf das„Sagenbuch der Arbeit" nimmt die Buchhandlung I. H. W. Dietz, Lindenstraße 2, entgegen. Deutsche Forschungsreise in da» Rordpalarmeer. Der deutsch« Reichsforschungsdampfer„Poseidon" hat Cuxhaven verlassen, um ozeanographische und sischereibiologische Untersuchungen im Barents- meer auszuführen. Es ist beabsichtigt, außer den rein Wissenschaft- lichen Zielen der Resse auch unserer Fischerei dienende Arbeiten auszuführen. Man wird versuchen, neue Fanggründe an der Murmnnküste zu finden, au» denen die deutschen Fifcbdarnpfer er. solgreich arbeiten könnten. Die Expedition wird durch die deutsch« wisseuschastliche Kommission sür Mecressorjchung, deren Vorsitzender Staatssekretär a. D. Dr. Heinrici ist. ausgeführt und von den Ge- fehrta» der Deutsche» Seewart« i» Hamburg geleitet. »Vannn fordert die Kommunistische Partei Oesterreichs die sofortige Einberufung eines Letriebsrätekongref. se s für ganz Oesterreich, der die notwendigen politischen Abwehr. maßnahmen zu beschließen hat, serner die Bewaffnung der Arbeiterschaft und Entwaffnung der Polizei und faschistischen Organisationen, die res! lose Fortführung des Generalstreiks bis zum Sturze der reaktionären S« i p e l- R e g i e r u n g, die für die sasthistischen Verbrecher und ihre Zustiz voll verantwortlich ist, schließlich die Errichtung einer Arbeiter- und Banernregierung!" Also: Am 16. Juli steht die Sache der Arbeiterschaft aussichtslos, von einer Eroberung der politischen Macht kann keine Rede sein, weil dazu alleAoraussetzun- gen fehlen— und am 18. Juli soll dieser aussichtslose Kamps mit den Waffen in der Hand bis zur Errichtung einer So« j et r e g i e ru n g in Oesterreich geführt werden! Was ist zwischen Sonnabend und Montag geschehen? lPchts anderes, als daß inzwischen in Moskau die ,„.Prawda" die Parole ausgegeben hat:„Bürgerkrieg, Bil- dung von Arbeiter- und Soldatenrätsn in Oesterreich, Errich- tung der Diktatur des Proletariats!" Sofort plappern die Leipziger roten Papageien diesen Irrsinn nach, obwohl sie zwei Tage zuvor sehr deutlich erkannt und erklärt haben, daß es ein Irrsinn ist. Die Führer der Wiener Sozialdemokratie haben so ge- handelt, wie es eine nüchterne Betrachtung der tatsächlichen Lage erforderte: sie haben die Arbeiterschaft nicht bewaffnet und die proletarische Diktatur nicht erstrebt, weil die Voraus- fetzungen dazu fehlten— g e n a u f o, wie es die Leipziger Kommunisten z u n ä ch st richtig erkannt hatten. Dafür werden sie jetzt von der gesamten internationalen kommulnlistischen Presse— einschließlich natürlich der g«- sinnungstüchtigen„Sächsischen Arbeiter-Zeituna"— maßlos beschimpft In M o s k a u hat man von den tätsächlichen Ver- Hältnissen in Europa keine blasse Ahnung, man hat diese Ahnungslosigkeit gegenüber allen Ländern schon Dutzend Mal« bewiesen und viele Tausende irregeführter kommuni- stischer Arbeiter aller Länder haben die katastrophalen Irr- tümer der hochmütigen Moskauer Diktatoren mit ihrer Frei- heit, ihrer Gesundheit oder gar ihrem Leben bezahlen müssen. Als diese Irrtümer endlich eingestanden, wurden sie durch neue Parolen und neue„Thesen" abgelöst, die ebenso hoch- mutig und unfehlbar verkündet wurden und sich bald als ebenso katastrophal erwiesen. Und trotzdem finden sich immer noch rote Papa- geien, um die Moskauer Befehle weiterzugeben, immer noch Dummköpfe, um diese Befehle auszuführen. �, Wie lange noch?__ Tagung üer Krankenkassen. Zum 31. Deutschen Krankenkassentag. Am Sonntag, dem 24. Juli, beginnt in Königsberg der ?1. Deuts che Krankenkassentag, veranstuitet rem Haupt- verband deutscher Krankenkassen, der größten Organisation der Träger der Krankenversicherung. Unter allen Zweigen der deutschen Sozial- Versicherung ist die Krankenversicherung von der g r ö ß t e n B e- den tung. Ihre Leistungsfähigkeit ist nicht zuletzt in der Tatsache begründet, daß die Versicherten einen entscheidenden Einfluß in der Selbstverwaltung besitzen. Unter allen Wechselfällen de» Lebens' ist der Krankheitsfall der häufigste, so daß die Not- wendigkeit der Krankenversicherung und ihr Ausbau fast zur, tag- täglichen Erfahrung des Arbeiters und Angestellten gehört. Bei der Durchführung der Aufgaben der Krankenversicherung zeigt sich aber auch, wie eng sie mit jll den übrigen Zweigen der Sozialversicherung verbunden ist. Aus all diesen Gründen sind die Tagungen de« Hauptverbandes deutscher Krankenkassen für die gegenwärtigen und künftigen Aufgaben der gesamten Sozial- Versicherung von wegweisender Bedeutung. Die diesjährig« Tagung'beschäftigt sich neben den üblichen Derbandsangelegenheiten, wozu man auch die bevorstehenden Neu- wählen bei den Krankenkassen und die Arztsrage in der Kranken- Möllere und die japanische Tugend. Bor kurzem hat die japa- msche Zensur, die sonst in den Fragen der Kunst und Literatur ziem- lich tolerant ist, die Aufführung sämtlicher Stücke Molidres untersagt. Zur Begründung des Verbots wird angegeben, daß Maliere die Autorität der Eltern schädige, daß er im Streit mit den Alten stets die Partei der Jungen nimmt, daß er sich über die alten Leute lustig mache, sich für die Emanzipation der Frauen ausspreche, unhöfliche Dienerschaft auftreten lasse und über die Gelehrten spotte. Die Ver- ordnung ist aus der japanischen Theaternusfasiung zu verstehen, die die Bühne als„Schule der Tugenden" betrachtet. Wie Esjad-Bey, der von dem Verbot in der„Lit. Well" Mitteilung macht, mit Recht meint, ist Maliere allerdings kein vorbildlicher Lehrer der japanischen Tugend. Die unhöflichste Ration. Der amerikanische Globetrotter Wärter hat sehr interessante Studien über die internationale Gültigkeit des internationalen Sprichwortes„Mit dem Hute in der Hand, kommt man durch das ganze Land" gemacht. Sein kürzlich im„St, Gallener Tageblatt" veröffentlichter Bericht gibt die Zahl der UnHöflichkeiten an, die ihm in den verschiedenen besuchten Ländern vorgekommen sind. Die Nation ohne jeden völkischen Schneid scheint danach die chinesische zu sein: in China ist man Warier nur ein ein- ziges Mol unhöflich begegnet. Spanien folgt mit 19 Unhöflich- teiten, Schweden mit 22, Dänemark mit 28, England mit 31, Schweiz mit 33, Belgien mit 61, N i n d e r l a n d e mit 61, Oesterreich mit 110, Italien mit 139 UnschlSlichkeiten gegen Fremde.— Den Rekord in diesem sonderbaren Wettbewerb muß Warier unserem gebliebten Baterlande mit 181 Ungezogen- hellen gegen Ausländer und Fremde überhaupt zuerkennen. Leider iaht Warier« Feststellung nicht erkennen, woher das kommt, ob es sich um atavistische Rückwirkungen aus der großen kaiserlichen Obrigkeitsstaats-Herrlichkeit handelt oder um einen Erfolg der völkischen Propaganda unserer Tage, Zu ihrer Ehre möchten wir annehmen, daß die letztere Deutschland zu diesem Unhöflichkeitsrekord verHals. Sie könnt« dann wenigstens einen international ge- würdigten Erfolg buchen._ Nansen Mlglied der preußischen Akademie der wisienschaften. Die Akademie der Wissenlchasten bat den Prosesjor für Ozeanographie an der Universität Oslo, Fridtjol Nansen, und den Prosessor sür allgemeine Botanik an der Universität Hamburg, HanZ Winkler. zu korrespondierenden Mit- gliedern ihrer physilalisch-mathematischen Klasse gewählt. Der Großsr'.esische Kongreß, der am 1. und L. Seplember in der hol- l indischen Stadt Leuwarden siatlsiiiden toll, wird die Arbeiten forlfeben, die vor»wei Jahren aus dem erben Kongreß dieser Art in Jever(Ost- friesland) begonnen wurden. Er wird Lortrage zahlreicher sriesischer Geschicht». und Sprachlenner über den gegenwärtigen Stand der Forschung bringen. Serrlv«, Raüonallasie' und der Völkerbund. Der Gesetzentwurf Herriots durch den eine Natlonciltasse für Wissenichast, Literatur und Kunst geschaffen werden soll, winde dieser Tage der vom Völkerbund eingesedien internationalen Kommiision sür gnilige Zusammenarbeit»ssiziell vorgelegt. Die Kommiifion siellle seil, daß der Entwurf einer von ihr»n Jahre lW gegebenen Anregung eni spricht: es scheint, nicht ausgeschlassen, daß dem Völkerbund eine Empsehlung vorgelegt vlrd, ähnliche Ernnchtuugeu auch, i» all« übrig« Staat««nzuteg«. Versicherung rechnen kann, vor ollen Dingen mit den vor- beugenden Aufgaben der Sozialversicherung. Es ist«ine alte Erfahrung, daß es wichtiger und auch billiger ist, Schaden zu verhüten, als eingetretenen Schaden zu vergüten. Das ist eine gemeinsame Aufgabe aller Zweige der deutschen Sozialversicherung. Je'mehr sich ihre Kräfte auf diesem Gebiete vereint einsetzen werden, um so erfolgreicher wird ihre Arbeit sein. Es ist zu begrüßen, daß die Krankenkassen noch mehr wie bisher die Initiative dazu ergreifen. In dieses Aufgabengebiet fällt auch der Beratungsgegenstand: Sozialhygienische Bolksbc- lehrung. Es ist zu hoffen, daß die Krankenkassen durch die Behandlung dieses Themas neue Slnregungen für eine großzügige Volksausklärung erhalten. Soll jedoch die Krankenversicherung die ihr hier gestellten Aufgaben befriedigend lösen, dann ist es Pflicht jeder Regierung, für die genügende Bewegungsfreiheit zu sorgen und mit Entschiedenheit den gehässigen Angriffen, namentlich gegen die Ortskrankenkassen, entgegenzutreten. Die Tagung wird sich außerdem noch mit den Ergebnissen der Jniernationalen Arbeitskonferenz zur Krankenversicherung be- schäftigen. Nach langen Beratungen ist auf der letzten Jnternatio- nalen Arbeitskonferenz ein internationales Ueberein- kommen zustande gekommen. Wir hätten uns dieses Ueber- einkommen in vielen Punkten besser gewünscht. Dennoch muß seine baldige allgemeine Ratifizierung gefordert werden, damit wenigstens aus dem Gebiete der Krankenverstchening«ine bescheidene internationale Mindestgrundlage vorhanden ist. SömarA verhastet. Ebenso der stellvertretende Sekretär der 51PF. Der sranzösische kommunistische Parteisekretär S 6 m a r d, der zusammen mit Daudet befreit worden war, sich zunächst der Polizei zur Verfügung stellte, sodann aber die ihm gegebene zehn- tügig« Frist verstreichen ließ, war bisher unaufsindliar geblieben. Vor zwei Tagen trat er in einer öffentlichen Kundgebung der KPJ. auf, konnte jedoch entweichen. Gestern ist er im Parteiburcau ver- haftet worden, ebenso sein Stellvertreter Bernard. Die sllhrung ins Sante-Gefängnis vollzog sich ohne Zwischenfälle, Daudet bleibt nach wie vor unauffindbar. Englische Negierung für Genfer Seschiüsse. Eine Mahnung an Fratzkreich. London, 22- Juli.(TU.) Im englischen Unterhaus legte Cun- lifse Lister die Stellungnahme der Regierung gegenüber den Resul- taten der Genfer WeUwirtschaftskonferenz dar. In seinen Aus- führungcn betonte er die historische Freihandelspolitik Englands. Unter Hinweis auf das von der französischen Regie- rung trotz' der Genfer Richtlinien erlassene Kohleneinfuhrverbot gab er der Hoffnung Ausdruck, der neue französische Zolltarif und die französisch-englischen Verhandlungen möchten vom Geiste der Genfer Konferenz erfüllt sein.. JürMche und andere Kenten« Depossedierte und Standesherren fordern!— Verbriefte Rechte von vor hundert Iahren. Auf eine Anfrage im Preußischen Landtag nach den Entschädi- gungsansprüchen der Depossediertcn und Standesherren gibt die preußische Staatsregierung eine umfangreiche Liste dieser Forderungen bekannt. Man muß die List« genau lesen, um zu sehen, wie die Fürsten und Standesherren zum Teil feit einem Jahrhundert und noch länger vererbliche Pensionen be- zogen für die Preisgabe mittelalterlicher Recht«, für politische Ver- änderungen usw. Hunderttausenden von Rentnern, Sparern, Liqui- dationsgeschädigten gegenüber hat die Regierung sich berufen auf die höhere Gewalt des Krieges. Preußen aber trägt heute noch die Kosten für die Depossedierung von Fürsten, sür die Kriegs- Verluste, für MäfzMMMz'tt. ä. m. M'JähTeÄenten, die nach überalterten Rechtsvorstellungen zu zahlen sind, setzen sich folgender- maßen zusammen: hoheiksrenlen, zugesichert süc bea Verlust der candeshohei«: P-rpi-rm-rk dem Chef des Hauses Hessen-Rum Penheim, der jetzigen Hauptlinie de« vorm. reg. knrhessischen Fürsten- Hauses(Verlrag mit Preußen vom 26 3. 1873)... 60« 720 dein Chef des Hauses Hessen-Philippsthal, einer Nebenlinie deS vorm. reg. kurhessischen Fürstenhauses iV. mit Preußen v. 13, 12. 1880. preuß Ges. v. 16. 3 1331) 300 000 dem Fürsten vom Hohenzollern(V. mit Preußen vom 7. 13. 1849).............. 76 000 Skandesherrliche Renken. Zugesichert sür den verzlch! ans den durch Art. XIV, der Dien er Vundesakt« vom S. ß, ISIS'gewährleisteten und im Anschluß daran in den dentschen Ländern durch Landeagesetze gercgetteü .Standesherrlichen Zustand': dem Fürsten zu Salm-Horstmar(B, mit Preußen vom 8. 2. 182g)............... 60 000 dem Fürsten zu S a l m- S a l m(V, mit Preußen vom 28. 10. 1824 und 28. 6. I83li.......... 53 170 dem Herzog von Arenberg(V.mii Preußen».29. 11.1824) 40 600 dem Herzog von C r e ynt»rhcln>scher ho- hrilsgediete an Frankreich im �ahre 1801 durch den Reichsdepulalianshaupischluß vom 25. Februar 1S0Z: dem Fürsten zuSahn-Wittgenstein-Berleburg 26 700 dem Grafen von Leiningen-Westerburg j. L.. 11300 RegaUen-Renlen. zugesichert sür den verlnii nußbarer Kegalien(j. v. der Post. Hoheit, der Zollhoheit, de« Recht« aus Abgaben und vtenste der Untertanen, de»Fudenschntze», der paNimomatgericht»- barkett, der Letbeigenschas» at» solcher, de, R e ch t» z u m Sammeln von Lumpen); dem Fürsten zu Wied(23. mit Preußen vom 19. 8. 1820 und 29. 11. 1821).............. 46 000 dem Fürsten zu Wied und dem Erzherzog Stephan von Oesterreich L i ch.... 8 050, 54 Grat zu Al t- L e i n i ng e n-W e st er b u r g... 21 32t, SÜ Fürst zu D a y n- Wöttg eu si e i ft- B c r t.e b u r g. 48 527,12 Fürst zu S a y n-'W r i t g e"n st e i n- H'ä che n st'e i n, 23 625— 2 239 528,61» lieber die Regelung der Auswertungsfrage, die eines Reichsgesetzes bedarf, schweben seit längerer Zeit Per- Handlungen mit dex Reichsregierung, Preußen will bekannllich nur die. Aufwertung entsprechend der Aufwertung der Staats papiere bewilligen. Ob die R c ch t s r c g i e r u n g, die gegenüber nichtfürstlichen Sparern sehr hartherzig sein konnte, den Nutznießern feudaler Ansprüche die gleichen Rechtsgrundsätze aufzwingen wird, das steht noch immer nicht fest. Nächst dem baye- rifchcn Staatsministerinm sind ja diese hohen Herrschaften Ken- dells treueste Republikaner. Aber dos Loik kann nicht dulden, daß das Reich für so teuere Freundschaften sein Geld hergibt. * In dem»Parlamentarischen Dienst" der Zentrumspartei lesen wir über die unverschämten Ansprüche der Standesherren: „Man kann sein Erstaunen nicht unterdrücken, daß im alten Staate diese Abfindungen lustig weiter bezahlt worden sind, ohne daß eigentlich irgend jcniand sich darum bekümmert hat, ja wie viele mögen überhaupt davon gewußt haben. Sicherlich bedeuteten diese Zahlen des Preußischen Staates, also doch d i e Arbeit der preußischen Wirtschast, im Lause der Jahrzehnte eine ungeheure Bereicherung gewisser Häuser, denen Hunderttausende und Millionen zugewandt worden sind, ohne daß man eigentlich die rechtliche Beanspruchung hätte ohne weiteres anerkennen können. Denn selbst die Standes- Herren werden es kaum angenehm empfinden, wenn man einmal darlegt, aus w e l ch e n„R e ch t e n" sie ihre Ansprüche herleiten: sie sind teilweise derart, daß es genügen würde, sie einem breiteren Publikum zugänglich zu mache», um eine Volks in«inung zu e n t s e ss e l n, die wahrscheinlich nur schwer sich selbst zu einer„billigen" Regelung entschließen würde." Wir haben dem nur das eine hinzuzufügen, daß die Schuld an der Berzögerung einer schnellen Behebung des ganz richtig ge- schilderten Skandals im neuen Staate ausschließlich bei der Reichsregierung liegt, in der unseres Wissens auch das Jen- trum maßgebend oertreten ist. 181 000 141000 64 00n 1331520 Karat darf nicht zur Beerdigung seines vaicr». Den in Paris vorliegenden Meldungen zufolge dürste— wie uns vor dort ge» meldet wird— das Ersuchen des Prinzen Karat von Rumä- nien, cn» den Trauerfeierlickkeiten für seinen verstorbenen Bater teilzunehmen, abschlägig beschieden werden. Poincare« kabinettssubiläum. Im Anschluß an den am Freitag abgehaltenen Ministerrat fand in einem vornehmen Restaurant im Bais de Boulogne ein Frühstück zur Feier des einjährigen Be- stehens der Regierung Poincarss statt. Zl l l e Minister, auch Briand, waren anwesend Tischreden wurden nicht gehalten. Die Minister sdzenkten Poincare ein sehr seltenes Exemplar eines Romans mit Widmungen von allen Kabinettsmitgliedern. Das Unterhaus hat gestern nachmittag mit 338 gegen 86 Stim- men das Finanzbiidget gutgeheißen. Aufsallenderweise bekämpsten mehrere einflußreiche konservative Abgeordnete die Vorlage und auch Ehnrchills Finanzpolitik im allgemeinen. Das englische Kabinett hat die Haltung Lord Cecil« und Bridgemans bei den Genfer Berhandlungen über die Frage der Seerürswngen einstimmig gutgeheißen. Lord Eecil und Lridgamm kehret» sofort müh Genf paüO. Streik öer Cisenkonftruktionsarbeiter. Tic Arbeitsniederlegung fast einmütig beschlossen. Die gestern in den Verliner Eisenkonstruktionsbetrieben durch geführte Urabstimmung hat mit erdrückender Mehrheit den Streikbeschluß ergeben. Bon tb2t> Abstimmenden sprachen sich 1Zg6 sür Streik und nur IM für Weiterarbeit aus. Die nach gestern abend von den Funktionären gewählte Streikleitung scßte den Streikbeginn für heute, Sonnabend früh, fest. Bestreikt werden die Firmen Trägerlogergcmeinschaft, Steffens u. Nölle, Braß u. Herzlet, chirfch, Hein u. Lehmann, Rota, Drucke>nüller, Breeft u. Ca. und Gossen. Die Firma Kalle u. Henscl wird nicht bestreikt, weil eine Zulage von 5°— 12 Pf. pro Stunde bewilligt ist. Die Forderung, um die der streik entbrannt ist, ist bekanntlich eine generelle Zulage von 15 Pf. pro Stunde. Die Streikleitung macht besonders darauf aufmerksam, daß die Arbeiter auf den Baustellen vorläufig weiterarbeiten können. Diese Arbeiter werden eine Arbeitsberechtigungskarte van der Oigonisation ausgestellt bekommen. Die Streikleitung ist tele- phonisch zu erreichen unter Norden KZSS. Mderftunöenbezcchlung im Hankgewerbe. Unhaltbare Auslegung des ArücitszeitnotgcsetzeS. Gestern ist im Neichsarbeitsministerium ein Spruch über die Ilcberstundenbezahlung der Bankangestellten gefällt worden, der beweist, daß dos Neichsarbeitsministerium sich nunmehr in vollem Umfange auf die ungünstigsteAuslegung derArbeits- Z e i t v e r o r d n u n g vbm 14. April d. I. festgelegt hat. Trotzdem es in der Arbeitszsitoerordnung heißt, daß den Arbeitnehmern für Mehrarbeit eine angemessene Vergütung über den Lohn für die regelmäßige Arbeitszeit hinaus gezahlt werden fall, und trotzdem der Reichstarifvertrag für das Bankgewerbe vorsieht, daß die regel- mäßige Arbeitszeit an Werktagen acht und am Sonnabend sechs Stunden betragen soll, hat der vom Reichsarbeitsministerium ein- gefetzte Schlichter denncch am 21. Juli seinen Spruch dahin gefällt, daß die Bankleitungen wöchentlich bis zu 51 Arbeitsstunden ihr« Angestellten beschästigen können, ohne sür die Mehrarbeit über 4g Stunden hinaus mehr als den vierten Teil des normalen Stundenlohnes pro Sttrbeitsstunde zahlen zu brauchen. Der Schlichter kommt zu diefem unverständlichen Re- fultat. weil d«r Banktarif bisher den Bankleitungen gestattete, in Ausnahmsfällen die Angestellten bis zu 51 Stunden in der Woche zn beschäftigen, ohne ihnen für diese Mehrarbeit eine besondere Be- Zahlung zu gewähren. Die neue Arbeit-zeitverordnunq sollte aber gerade derartigen Zuständen«ntgegenwirken. Die Abhilfe, die der vom Arbeitsminister eingesetzt? Schlichter nunmehr schafft, ist mehr als l ä ch e r l i ch. Sie besteht darin, daß die Bankleitungen auch i» Zukunft einem Angestellten, der beispielsweiie monatlich 250 Mark verdient, an sämtlichen Tagen in der Woche außer Sonnabends neun statt acht Stunden beschäftigen können, um ihm für diese Mehrarbeit dann am Wochenend? 1,50 Mark, in Worten: einhundertfünszig Reich spfennige auszu- händigen. Es ist wohl selbstverftändlich, daß dieser Spruch, wie so viele andere unverständliche Maßnahmen des Ardeitsniiniftcriums, nicht das letzte Wort im Kampfe des Allgemeinen Ver- band«? der Deutschen Bankangestellten gegen die Uebcrarbcit im Vankgewerbe bedeuten. Das Aibeitszeitxefctz vom April d. F. war schlecht und fand nicht die Zustimmung der Arbeiterpartei"« im Reichstage. Schlechter noch aber als das Gesetz sind die Aus- l eg u n g s m s t h o d?N, nach denen die vom Reichsärbeits- Ministerium beeinflußten Schiichtungsinstanzen dieses Gesetz Hand- haben. Der firbeitszeitkonftikt in Köln. Die Verhandlungen in Berlin gescheitert. Das Reichsarbeitsministerium hatte die Parteien für Freitag vormittag zu einer Aussprache geladen über den Schiedsspruch für die Kölner Rletallindrstrie, der am Sonnabend voriger Woche van dem Sonderschlichter, Oerregierungsrat(blassen gefällt worden war. Die Aussprache sührle zu keinem Ergebnis. Die Verhandlungen scheiterten an dem halsstarrigen Festhalten der Unternehmer an der biskündigen Arbeitswoche. Die Unternchmervcrireler behaupteten, daß das eine Arbeitszeit wäre, die nirgends vorhanden ist, soweit d'e weltcrverarbcitende Industrie in größeren Städten in Frage lammt. Die Arbeitervertreler dagegen mußten an ihren alten Vcr- schläzen festhalten, so daß die Vertreter des Reichsarbeitsministe- rtums schließlich erklären muhten, daß die Einigungsvcrhandlungen gescheitert seien. Run Hot der Reichsarbeitsminister das Wort. Es wäre eine Ungeheuerlichkeit, wenn der Schiedsspruch, der das Arbeitszeitnot' gcsetz aus den Kops stellt, sür verbindlich erklärt würde. Streik uod Aussperrung bleiben solange bestehen, bis eine Klärung in der Angelegenheit erfolgt ist. öranchenkonferenz öec Mechaniker. In der Branchenkopferenz der Mechaniker om Donnerstag im Gewerkschaftshaus gab der Genosse H a r t m a n n einen Bericht über die Verwaltungssitzungen de? Deutschen Metallarbeit«rverban- des. Er führte aus, daß jetzt in jeder Verwattungsjitzung eine er- heblichs Anzahl von Anträgen zur Erteilung der Streiksank- t i o n e n vorliegen, wo? sür die Metallarb«iterbewegur>g ein er- treuliches Zeichen ist. Weitsrhin Hab« man sich mit der Möglichkeit des Abschlusses eines Lohntorifvertrages für die VBMJ,- Betrieb« beschäftigt. Der Branchenleiter Genosse K o h m o N n ergänzte diesen Bericht und kritisierte die falsche Berichterstattung der„Roten Fahne" über den Streik bei der Firma„Radio-Frequenz". Im ersten Ab- satz dieses Berichtes fordert sie auf, sich restlos dem DMA. anzu- schließen, im zweiten Absatz dagegen wird die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandez heruntergerissen und beschuldigt, keinen Vertreter in die Bclegschaftsveriammlung entsandt zu haben, die zum Streik Stellung nahm. Die Branchenkommission hat sich mit dieser Notiz beschäftigt. Es war nicht seitzustellen, wer der Artikelschreiber war. Es wurde festgestellt, daß in diesem Artikel die Tatsachen vollständig aus den Kopf gestellt waren.(Was bei der„Roten Fahne" nichts Neues mehr ist.l Ein Vertreter des Metallarbciterverbandes war in der betreffenden Versammlung anwesend, wie auch bei den Verbar>dlunaen, die mit der Firma geführt wurden. Unter Branchenangelegenheiten teilte Kahmann mit, daß die Erwerbslosen zahlen in der Branche im Laufe des Monats wieder stark zurückgegangen sind. Am 16. Juni waren in Berlin arbcitlos gemeldet: 1959 Mechaniker, 92 Optiker und 169 Uhrmacher. Am 16. Juli dageaen waren es 1699 Mecha- niker, 79 Optiker und 175 Udrmacher. Er berichtete dann von der Lohnbeweaung in den Stempelbetrieben. In Helles Gelächter brachen dl" Ztnwesenden aus, als Kahmann folgende Annonce aus dem „Ardeitsmarkt der Uhrmacherkunst" bekannt gab: „Junger Mann, 2.6 Jahre alt, mit allen Werkzeugen des Uhr- mackers ausoerüstel sucht zwecks weiterer Tlusbildung bei einem tüchtiaen Meister Stelluna als Gehilfe. Vollständig« Verpflegung im Hause erwünscht(Antialkoholiker). Lohn ist Reben- s a ch e." Daß im Jabre 1927 Facharbeiier noch vorhanden sind, bei denen der Lohn Nebensache ist, ist ein Zeichen dafür, wie notwendig eine strasfe gewerkichaftliche Organisation ist, um solche Lohndrücker nicht auskommen zu lassen. Aus den Sicmens-Betrieben konnte von einem Auf- schwung der Organisation berichtet werden. Allerdings wurde die Lohnpolitik der Firma Siemens stark bemängelt. In der D i s k u s s> o n kam zum Ausdruck, daß es notwendig sei, daß sich gerade organisierte Mechaniker nach den Siemens- Werken vermitteln lassen sollten, um in diesen Betrieben die Orga- nisation zu stärken und der augenblicklichen Lohnpolitik dieser„Welt- sirma" ein Ende zu bereiten. Kongreß ües Sritischen Gewerkschastsbunöes. In der Woche des 5. September wird in Edinburgh der 59. Kongreß des Britischen Gewerkschaftsbundes(TUE.) tagen. Bon den 76 bereits vorliegenden Resolutionen besaßt sich ein großer Teil mit dem Antigewerkschaftsgesetz. Der Generalrat selber unterbreitet eine Resolution, in der gegen den Angriff der Regierung auf die Gewerkschaften protestiert wird, so u. a. deshalb, weil das Gesetz durchgevxitscht wurde, ohne daß vorher eine unparteiische Untersuchung vorgensmmen worden ist. Ferner wird der Ar- beiterpartei für ihre große Kampagne gegen das Geseß der Dank des TUE. ausgesprochen. Der Generalrot verspricht, alles zu tun. um tür die?lbschafsunq der vom Gesetz vorgesehenen inquisito- rischen Maßnohmen zu lämpsen. Die Entschließung fordert die Arbeiterklasse Großbritanniens auf. ihre ganze politische Macht auszuüben, um die gegenwärtige, vom organisierten Kapital beherrschte Regierung zu stürzen. Weitere Resolutionen betreffen die von Mitgliederorganisationen des TUE abgespaltenen Organisationen, deren Anerkennung vom TUE. verweigert werden soll, serner die Organisation der Frauen und Jugendlichen, die Arbeitslosigkeit, die Notwendigkeit einer besseren Fabrikgesetzgebung, die Rattsizlerung der Washingtoner Konvention über den Achtstundentag, die Verkürzung der Arbeits- zeit usw. Der„Notionalverband der ungelernten und Gemeinde- arbeiter" unterbreitet ein« Resolution zur Schaffung des großen Einbeitsverbondes(One Big Union). Was internotionole Fragen betrisft. so liegen(Eilt- lchließunaen vor über die ungünstige Folgen des Abbruches der diplomatischen Beziehungen mit Rußland, die Einleitung einer Untersuchung durch die Arbeiterorganisationen über den Import von Gütern, die unter Schwitzsystem Hergestellt werden, Ne Durchs ührunq einer Erhebung des Generalrates über die Zölle, die Wichtigkeit der Vornahme einer Untersuchung über die Entwicklung der inter- nationalen Organisation des Kapitals und ihrer Folgen für die Ar- beitsbedingungen, die Anbahnung einer Politik, die die Bearbeituniz der öffentlichen Meinung zugunsten der Ausgestaltung Europas zu. einer wirtschaftlichen Einheit bezweckt. � Der Verband der Maschinenbauer schlägt die Durch» führung einer Abstimmung unter �den angeschlossenen Orga- nisotionen über die Erl>ebung von 1 Schilling pro Mitglied zur Schaffung einer nördlichen Ausgabe des„Daily Herald" vor._ Zum Konflikt in öer Nheinschiffahrt. Die Unternehmer auf dem Dummenfang. Duisburg. 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Das RHeinschissi sohrtspersonal befindet sich seit Mai im tariflosen Zustand. Dos starr ablehnende Verhalten der Unternehmer gegenüber den geringen und nur allzu berechtigten Forderungen des Personals, sowie die völlig unzulänglichen Schiedssprüche der staatlichen Instanzen sind die Ursache, warum auf dem Rheinstrom der A r b e i t s f r i e d e n noch immer nicht eingekehrt ist. Er wird glicht eher eintreten, bis das Schiffspersonal im Wege der Selbsthilfe den Konflikt gelöst hat. Denn die Unternehmer denken nicht dapan, nachzugeben. Sie haben sich jetzt aufgemacht, Dumme einzusaugen. So hat der Stahlhelm, Kreisgruppe Unterweser, sämtliche Maschinisten und Heizer, vor allem Unoerheiratete, zu einer Versamwlung zur Ar- beitsbeschaffung eingeladen. Wie verlautet, chandelt es sich dabei in der Hauptsache darum, möglichst willsährigÄ Leute in der Rheinschiffahrt unterzubringen. Diese Bestrebungen der Unternehmer und ihrer Helfershelfer im Stahlhelm müssen im ZHige behalten werden. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer erwartet von den Berufskollegen und Freunden der Ar- beitersache, daß Aufklärung geschaffen und Zuzug nach dem Rhein- ström ferngehalten wird. Streik in einer polnischen Munitionsfabrik. Warschau, 22. Juli.(Mtb.) In der Munitionsfabrik Pocisk in der Vorstadt P r a g a ist ein Streik ausgebrochen. Es streiken 2700 Arbeiter. Di« Arbeiter verhangen vor allen Dingen eine ständige Arbeiterdelegation in der Fabrik, um selbst an der Ueberwachung ihrer Sicherheit Anteil haben zu können. Nahrungs- unö Genußmittelarbeiter. Nachdem von den Vertrauensmännern und der Generalver. fammlung die Kandidaten zum Berbandstog ausgestellt worden sind, finden nun am Sonntag, dem 24. Juli, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr die Ur wählen in den einzelnen Bez-rkm in den bekannten Wahllokalen statt. Wie bei allen Anlässen hatten auch hier wieder die Kommunisten versucht. Kandidaten zu prä- sentieren, die nicht die geringste praktische Tätigkeit in der Orga- nisaiion oder besondere Kenntnisse ausweisen konnten, sondern ledig- lich als Beauftragte der KPD. getreulich die Befehle der Partei- zentrale befolaen. Trotzdem die Generalversammlung solche Kcrndi- daturen abgelehnt hat. werden die Kommunisten bei der Wahl doch ernsthaft versuchen, ihren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Es haben deshalb alle Mitglieder des Denog. die Anhänger der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung sind, die Pflicht, nicht nur ihr Wahlrecht auszuüben, sondern auch dafür zu sorgen. daß alle anderen Mitglieder ebenfalls für die Amsterdamer Kandidaten stimmen. kcmditoreisperre! Wie uns der Verband der Nahrpngs- unÄ Genußmittelarbeiter, Zahlstelle Berlin, mitteilt, ist wegen Richtein. Haltung des Tarifes für seine Mitglieder die Konditorei Otto", Berlin O, Landsberger Allee 138, Ecke Elbinger Straß«. gesperrt. Achtung, Maurer und Kilfaarbciter bei de» Pateutsteiuuiäude»! Am Mo». tag. 25. Juli. 17�3 Uhr, finiet im Scwertschaftshaus, Saal 11, eine gemeinsame Betriebsversammlung der Firmen Holmsche Steinwlinde und Huga A. Etnger statt. Tagesordnung:„Stellungnahme zum Äkkordtarifvcrtrag." Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. Deutscher Daugewertsbuud. Baugelvertsch. Berti». Der Vorstand. Verband der Lebensmittrl. und Seträukrarbeitcr Dentschlaud». vetauerei» «andi. _____________________________._ Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitglielisbuches oder der kleinen ttontrollkarte gestattet. Freie Gewerkschastsjugend Kroh-Berlin. Hente 1914 Uhr tagt die Gruppe Baumschulenweg: Gruppenheim Jugendheim Ernststr. 16. Unterhaltungsabend. — Eildwesten: Fahrt nach Michendorf.— Rordkrei«: Wochenende am Grabows«. Verantwortlich für Volitik: Victor Schiff: Wirtschaft: S. ltlingelhöfer: Gewerkschaftsbeweguna: O. Sä'indler: Feuilleton: Dr. Zoh» Schikowsli, Lokales uud Sonstiges: Feig Karftädt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag D. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsanftalt Paul Einger u Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Li«»» 1 Beilage und„Unterhaltung und Wiste»". 99 yorwärts"-Aysgabestellen u. Inseraten-Annahme Hauptcxpcdition: Berlin. Lindcnstratzc 6, Laden. Tön- hoff 292—297. "Zentrum: Ackerstr. 174, om.Ztoppenpiaß. Nord. 121 35. „ N e u m a n n. Grünstr. 21(Ausgabe: Kleine Kurstr. 1») „ Waller. Wwe., Kroncnstr.!!. Westen: Steglitzer Str. 37, Ecke Magdeburger Straße. "Süden: Bärwaldstr. 47, a. d. Gneisenaustraße. Hasen- beide 6918. „ Prinzenstr. 31, Hos rechts parterre. "Osten: Markusstr. 36. Alex. 9733. "„ Petersburger Platz 4. Alex 9734. "Südosten: Lauscher Platz 14/15. Mpl. 894. "Nordosten: Juimanuellirchstr. 24. Alex. 9736. „ Carnien-Svlva-Str. 57, G i l I m a n n. "Moabit: Wilhelmshavener Str. 48. Hansa 4995. „ Huitenstr. 67. bei Bitterling. "Wedding: MüNcrstr.. 34, Ecke Utrechter Str. Hansa 4994. "Rosenthalcr und Oranienburger Borstadt: Wattstr. 9. Humboldt 7875 "Gesundbrunnen: Bastiaustr. 7. Humboldt 7874. "Schönhauser Vorstadt: Grciscnhagcncr Str. 22. Hum- boidi 7895. Ablershof: Frau Walter, Gcnosienschaftsstr. 6, Part. Alt-Glienickc: Frau N o ck a, Wcndenstr. 34. "Baumschulenweg: Strahl, Kiefholzstr. 179. Ober- schönewcide 1973 Bernau, Röntgeutal, Zepernick, Schönbrück, Karow und Buch: Heinrich Brase, Bernau, Mühlenstr. 5. Bergselde: T i l ch. Hohenneuendorser Straße Bieddors-Nvrd: W. Ton neberg, Viktoriastr. 11. Biesdors-Süd: Georg Winkler, Fortnno-Allce 49. Virkenwerdcr: Frau Z o o r, Bcrlselder Str. 6. Bohnsdorf: Karl K u s k e, Eichbuschstr. 9. Borgsdorf: Oswald Börner, Siedl. Borgsdars 36. Borsigwalde: Gebauer. Schubertstr. 32, v. 3 Tr. "Buchholz-Blankenbarg: Wagner. Burgwallstraße 63. Pankow 333. Eablow. Neue Mühl«: Jäkel, Eablow, Mühlenweg 59. Caputh: Fritz Tau. Krughofstr. 23. Charlottenburg l: Sclenbeimer Str. 1. Stcinpl. 4156. "Charlottenburg II: Eisfeld, Tauroggener Str. U. Wilhelm 7798 »Charlottenburg m: Joachim«, Kaiserdamm 95, Ein- gang Rognitzstraße. Westend 3154. Charlottenburg IV: P u s c n i a k, Augsburgcr Str. 47, Portier. Charlottenburg V: Schulz, Drohsenstr. 12, l. Garten- Haus 3 Tr Charlottenburg VI: Treptow. Kantstr. 128, Laden, geöffnet 2— 6 Uhr. Tabendors: Walter Hohls, Dabendorf, Provinzial- Chaussee. Töberitz: D i t t s c l d, Buchhandlung am Bahnhos. Eichwalde: H o n s D ü l l. Waldstr. 24/27, Siedl. DBB. Erkner: P o i i e, Flakenstr. 9. Fichtenau: K r a e ß k e. Bismarckstr. 1. F-lkenberg: Salzmann, Jolkenbcrg, Gartenstadt- straße 19. Fredersdors-Petershag««: Otto WiltnSki, Jreders- darf, Arndtstraße. Friedenau: Petermann, Rbeinstr. 28 Ecke Rönne- bcrgstraße. Rheingau 9954 und 3927 und Wilmcrs- dorf, Lauenburger Str. 23, Laden. Friedrichshagen: Mittenzwei, Lindenallee 14. Frohnau: Adolf Zurlies, Hermsdorf, Schloßstr. 8. Glienicke a. d. Nordbahn: Willi Engler, Hohen- zollcrnallce 298. Grätzwalde: M ü h l b a ch, Fichtenau, Mittclstr. 14. Grünau: P i ü tz n e r, Köpenicker Str. 195. Holense«. Grunewald, Eichkamp: Frau R o a ck, Kiosk Henriettenplatz. Privatwohnung: Katharincnstr. 4. Heinersdors: Schulz, Hildcftr. 28. Hennigsdorf: Frau Korbosinski, Ratbenaustr. 3. Hermsdorf: Gustav Schien, Moltkestr. 11. Hoyeuneucudors: Frau Ncucndors, Berliner Str. 28. Hohenschönhausen: Margarete Stessen, Freien- walder Str. 6, Hof 2 Tr. Hoppegarten: Rausch, Hoppcgarten-Birkcnstein, Par- zelle Nr. 119. Johannisthal: Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 6. Karlshorst: Bernd«, Kiosk, Bahnhossplatz. Kaulsdors: Bogt, Bredereckstr.>3. Äönigswusterhausen: E. Meyer. Potsdamer Str. 9. Köpenick, Hirfchgartru, Mahlsdorf-Süd: Schlag, Kö- penick. Kietzer Str. 6(Laden). "Lichtenberg I:.?ichtenberg, Wartenbergstr. 1. Lichten- Boxhagencr 185. Alle« "Lichtenberg N, Rummelsburg, Stralau: Straße 62. Tel.: Andreas 733. Lichtenberg III, Friedrichfelde: Frankfurter Laden. Lichterselde-Ost, Lankwitz: H. Wenzel, Lankwitz, Zietenstr. 15. Tel.: Lichterfeldc G. III Nr. 2793. "Lichtenrade: Brink, Bahnhosstr. 24». Lichtenrade 131. Lichtenrade Ost.West: Frau Jonas, Angermünder Straße 19. Lichterselde-West: Höhn, Zehlendors. Tcltower Str. 3. Telephon: Zehlendors 1853. Mahlsdors: Wilhelm Kurz, Hönower Str. 177. Maricndors: August Leip, Chaussecstr. 29. Maricuselde: Greulich, Berliner Str. 143. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. G i m p e r- lein, Landsberger Chaussee 39o, Block l, Wohnung 4. Neuenhagen: Wenzke, Zicgelstr. 71. "Neukölln I: Neckarstr. 2. Neukölln 5797. "Neukölln II: Siegsriedstr. 28/29. Neukölln 579«. Neukölln III: W i n k l e r. Sobrcchtstr. 49, v. 1 Tr. Neukölln-Britz: Mittag, Britz, Chaussecstr. 82. Neu- kölln 2559.' Rcu-Schulzeudors: Wilhelm Kühl, Brunostr. 77. Niederschöneweide: FriedrtchStankewitz, Spree- straße 4. v. 3 Tr. Riederschönhausen-Ost: Frau G o l d b a ch, Schloß- allee 45. v. 3 Tr- Rowawes: Karl Krähnberg, Eisenbabnstr. 19. Oranienburg: Hcinr. Leonhardt, Stralfunder Straße 6. "Oberschöncweide: Paul, Wilhelminenhofstraße 44». Oberschöneweide 4321. Pankow: R i ß m o n n. Mühlenstr. 79. Potsdam: Gebr. Schubert, Breite Str. 4. RahnSdors: llrbaniak, Rahnsdorf Mühle. Hohen- zollcrnstr. 136. Reinickcndors-Lst: Wahle, Provinzstrotze 56. Ge- öffnet 2— 6. Remickendors-West: B e n d t, Scharnweberstr. 114, Volks- haus. Rosenthal: Max Dehmes, Schillerstr. 13. Rudow: Otto Kaiser, Walteridorser Chaussee. Rüdersdorf. Kalkberg«, Tasdorf: Adolf G o e r k e, Kalk- berge, Rhedenftr. 15. Sadowa,«aulsdors-Süd: Henschke, Kanlsdors-Süd, Waldstraße 66. "Schmargendorf l: N e h a d, Breite Str. 3. Pfalz- bürg 3541. Schmargeudors N: Frau Schröder, Cunostr. 69. "Schöneberg: Belziger Str. 27. Stephan 7499. Senzig: Friedewald, Chausseestr. 54. Siemcnsstadt: S t e n z e l, Brunnenstr. 6, v. 1 Tr. Steglitz: Frost, Schadenrute 2. Südcnd«: Ludwig, Halskestr. 36. Tegel, Tegelort: Spieß, Tegel, Schlieperstr. 52. Teltow: Hösel, Ritterstr. 29.' Tempelhof: Harsdorf, Werdcrstr. 31 V. Part. Neutempelhos: Rindfleisch, Fidicinstr. 35, v. ptr. Trebbin: Göring, Bahnhosstr. 62. "Treptow: Meckelburg, Grätzstr. 59. Mpl. 8943. Waidmannslust: R o h d e, Oraniendamm 19. Wannfee: Wolter, Glicnicker Str. 29. Weißense«: R e i n! n e ch t, Rölckestr. 175, v. 1 Tr. Weißensce 973. Wildau, Hoherlehme: Rud. Lcttow, Hoherlehme. Chausseestr. 66. Wilmersdorf I: Schubert, Wllhclmsaue 27, Hos I. Wilmersdorf II: Friedrich Bauer, Paulsborncr Straße 22. l. Stfl. IV. Wilhelmshagen, Hesienwinkel: Schulze, Wilhelms-- Hägen, Wilhclmstr. 31. Wittenau: Z i b c l l, Hauplstr. 65. Woltersdorf: Fritz Erdmann, Schleusenstr. 24. "Zehlendors, Schlachtense-. Nikolassee: Höhn, Zehlen" dorf. Teltower Str. 3. Zchleudorf 1853. Zernsdorf. Niederlehme: Otto Liefcgang, Zerns- dorf, Aue 18. Zeuthen. Miersdorf: Alb. Behling, Bahnstr. 2. Zossen: Witt. Baruther Str. 12. Sämtliche Literatur sowie alle wisscnschastlichen Werke werden geliefert. Eountagg sind die Geschäftsstellen geschloffen. Di« mit einem" versehenen Ausgabestellen find nachmittags von 2— 6 Uhr unter der angegebenen Num- mer telephonisch zu erreichen. Nr. 344 ♦ 44.Iahrgattg 1. Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, 23. Juli 1427 Eine Ferienwanderung durch die Mark. Die Zeit der Ferien ist wieder herangekommen. Groß ist die Zahl derer, die an die See oder in das Gebirg« reisen, um hier einige Tage ausruhen zu können. Biel größer ist jedoch die Zahl jener, deren Geldbeutel auf so große Ausgaben nicht eingerichtet ist. Zum Glück bietet die Umgebung der Reichshauptstadt ebenfalls landschaftlich schöne Bilder und geschichtlich beme»kenswerte Ort«, die an den Geldbeutel nicht so hohe Ansprüche stellen. Ein solches Gebiet ist der nordwestliche Teil der Mark Brandenburg, die Prignitz. Kprltz— Vittstock. Vom Lehrter Bahnhof bringt uns der Hamburger Zug nach Neustadt an der Dosse. Wir wandern vom Bahnhof sogleich xen Nord nach Kampehl. Ein Seitenbau der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Feldsteinkirche birgt die wohlerholtene Mumie des 1702 verstorbenen Gutsbesitzers Kahlbutz. Die Ursachen der Mumisi- zierung konnten noch nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Der Weg bringt uns zur Hamburger Chaussee, auf der wir links nach Wusterhausen gelangen. Die Stadt, bereits 1232 genannt, wird von zwei Armen der Doste umflossen. Durch das Kyritzer Tor und über die Dostebrücke geht es weiter aus der Chaussee nach kyrih, der Hauptstadt des Kreises Ostprignitz, die in dem westlich vom Dossetal verlaufenden Jäalitztal liegt. Weglänge von Neustadt etwa 13 Kilometer. Das Dossetal trennt die Ruppiner Hochfläche im Osten von der Hochfläche der Prignitz im Westen. Ein Teil der Stadtmauer, Reste des Franziskanerklosters, und einig« Fachwerk- Häuser haben die Kriegszeiten und Feuersbrünste überdauert. Die Marienkirche auf dem Markt ist in ihren ältesten Teilen romani- schen Ursprungs: Ihre Anfänge gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Am Ober- oder Stolper See, Salzsee und Borker See entlang geht es über Bork und Herzsprung gen Nord nach Wittstock. Weglänge von Kyritz etwa 28 Kilometer. Der Amtsturm, das Wahrzeichen der Stadt, liegt auf dem Gelände der elzemaligen Bischofsburg im Süden der Stadt, auf der Landspitze, die die Dosse und Elinze' bilden. In ihm ist die Jugendherberge untergebracht. Wittstock ist ein alter Ort, der zum erstenmal in einer Urkunde von VIS erwähnt wird. Der Bischof von Havelberg hott« hier zeitweilig seinen Sitz. Die alte Stadtmauer mit ihren Weichhäusern, Türmen und Toren ist noch zum großen Teil erhalten. Das Stadtbild ist ein ziemlich einheitlich geschlossenes, wie wir es in der Mark Bran- denburg nicht allzu häufig antreffen. Die Wälle und Gräben sind in Ansagen umgewandelt worden. Auf dem Gelände südlich der Stadt wurden 1636, während des Dreißigjährigen Krieges, die ver- einten Sachsen und Kaiserlichen von den Schweden geschlagen. Die Stadt zeigt heute ein« sich allmählich entwickelnde Industrie, die durch «ine noch nicht allzu lange bestehende Bahnverbindung mit Berlin (über Kremmen) gefördert wird. tzeiligengrabe— JrmnJkm. Auf der Pritzwalker Chaustee wandern wir bis kurz hinter die Abzweigung des Weges nach Jabel. Gen West über die Bahn durch hügeliges, teilweise bewaldetes Gelände mit schönen Rückblicken auf Wittstock. Nach etwa 6 Kilometer(von der Chaussee aus) links ab nach Tcchow. Am Westende des Dorfes liegt Kloster heiligengrab. (Entfernung von Wittstock etwa 12 Kilometer.) In stiller Ruhe und Weltabgeschiedenheit spiegeln sich die alten Baulichkeiten in den Fluten der Klostertciche. Das Kloster zum Heiligen Grabe wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts gegründet. Im Elisenhain,. der das Kloster in weitem Bogen umzieht, stehen viele alte Eichen von beträchtlichen Ausmaßen. In nördlicher Richtung wandern wir nach Maulbcerwalde, eine Siedlung aus der Zeit um 1766. Weiter geht es über vlefendorf und T.shendorf nach Freienstein, im nörd- lichsten Teil der Brignitz, nahe der mecklenburgischen Grenze.(Ent- sernung von Heiligengrab etwa 18 Kilometer.) Selten sucht ein Wanderer diesen Flecken an der Nordgrenze der Mark auf, obwohl jetzt durch die Eisenbahn die Verbindung mit der Welt hergestellt ist. Die Feste Vrigenstene war ursprünglich eine starke Grenzfeste oberhalb der wald- und sumpfreichen Dostenniederung. Hier stießen die Bistümer Havelberg und Schwerin aneinander, hier verlief che Grenze zwischen dem slawischen Mecklenburg und Brandenburg. Die Ruine des alten Schlosses liegt wahrscheinlich auf der Stelle der mittelalterlichen Feste. Das neue Schloß, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut, wird noch bewohnt. königsgrab— Seüöia. Wir wandern über Schmoldc, besten Kirche eine der wenigen in der Mark ist, die einen schwebenden Taufengel besitzt, nach Meyenburg.(Entfernung von Freienstein etwa 9 Kilometer.) Hier endet die Bahn von Berlin über Kremmen, Neuruppin und Witt- stock. Am Südufer der Stepenitz geht es weiter über Krempendorf nach Stepenitz mit dem Kloster ManensUeß. das um 1230 gestiftet wurde. Gen Südwest wandern wir über TÄchow nach dem Slädt- chen putlitz, von Meyendorf etwa 17 Kilometer entfernt, das be- reits in der Westprignitz liegt, während wir bisher die Ostprignitz durchwanderten. Der Ort wird anscheinend schon in einer Urkunde von 918 erwähnt. Jedenfalls bildet die von der Stepenitz um- slossene Sumpsfeste, die„Gänseburg", vom 13. Jahrhundert an den Mittelpunkt der Herrschast Putlitz; sie ist der Stammsitz des Ge- schlecht? der Edlen Gänse von Putlitz. Die Wanderung führt uns über Mansseld, Lockstedt, einer alten Zollstätte, und Tacken nach Seddin.(Entfernung von Putlitz etwa 13 Kilometer.) Eine halbe Stunde südwärts vom Dorf liegt das„Königsgrab", das größte Hünengrab Deutschen, ds. Der mächtige Hügel ist 11 Meter hoch und mißt 366 Schritt im Umfang. Der Grabinhalt befindet sich im Märkischen Museum in Berlin. Das Grab gehört der jüngeren Bronzezeit(etwa 1666 v. Chr.) an. Als Beigaben enthielt es auch einige kleine Geräte aus Eisen, die das älteste Eisen in der Mark darstellen. Nach Perleberg. Gen Südwest wandern wir weiter über Groß-Linde und am Weinberg vorüber nach Berleberg, das ebenfalls an der Stepenitz liegt.(Weglänge von Seddin etwa 26 Kilometer, Jugendherberge im ehemaligen Bezirkskommando.) Der Ursprung des Ortes ist wahrscheinlich um die Wende des 13. Jahrhunderts zu suchen. Perle» berg ist die Hauptstadt des Kreises Westprignitz. Ehemals erfreute sich die Perleberger Glanzwichse großer Berühmtheit. Perleberg ,freienst*in\ war ein wichtiger Platz an der Handelsstraße von Havelberg nach den Ostseehäfen Wismar, Rostock und Lübeck. Di« Stadt machl einen netten und sauberen Eindruck. Schöne Fachwerkhäuser stehen am Markt und bei der Kirche: auch eine Rolandsäule befindet sich auf dem Marktplatz. Die Kirche, ein gotischer Backsteinbau, dessen ältesten Teil« auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück- gehen, zeigt nach ihrer Wiederherstellung in überraschender Weise die Schönheiten der alten Baukunst. Man hat es vorbildlich ver- standen, die ursprünglichen Ausdrucksformen der alten Kunst von allem unnützen Beiwerk späterer Zeiten zu befreien, so daß das Bauwerk wieder in kunstvollendeter Schönheit und Reinheit empor- strebt. Hier könnten manche Baumeister, denen die Wiederher- stellung alter Bauten übertragen wird, lernen. Wilsnack— Havelberg. Bon Perleberg wandern wir südlich durch die Perleberger Stadt. sorst über Forsthaus Böllbrück am Ieetzbach und dann südöstlich nach Wilsnack.(Bon Perleberg etwa 16 Kilometer entfernt, Jugeno- Herberge im alten Schulhaus an der Kirche.) Das Städtchen liegt an der Karthane, der Name erinnert an die slawische Bölkerschast der Wilzen, die um 866 in der Prignitz sah. Berühmt war das „Wunderblut von Wilsnack", dem der Ort so viel Zuspruch von Gläubigen aus aller Welt verdankte, daß ihm 1398 Stadtrechte ver- liehen wurden. Auch eine prächtig« Wallfahrtskirche wurde er- richtet, die in ihrem Innern noch eine Mauer vom Turm der alten Dorskirche enthält. Bon Wilsnack wandern wir südöstlich über Legde(an der Dorfstraße ein Denkmal für den am Ende des 16. Jahrhunderts hier ermordeten Ritter Dietrich von Quitzow auf Rühstedt), Lennewitz und Ouihöoel zum Fährhaus am Haoel- deich. Wir lassen uns über die Havel setzen und wandern nun auf dem Deich zwischen Havel und Elbe weiter. Auf dem jenseitigen Elbufer liegt Werben. Di« Deichwanderung bringt uns an der Räbelcr Fährstelle zum Mühlholz, einem schönen Laubwald mit zahlreichen alten Eichen. An den Bäumen sind Wasterstandsmarken angebracht, die anzeigen, welche Höhe das Wasser in den einzelnen Jahren erreicht hat. Eigenartig war die Deichwanderung im Som- mer 1926, als die Hochwasser die Talniederung weithin überflutet hatten, so daß der Deich nur etwa einen Meter di« Fluten.über- ragte. Die Wanderung durch die weite Wasferwüste wirkte be- drückend wenn nicht beängstigend. Durch das Mühlholz und auf der Chaussee vermittelten Kähne den Verkehr mit Haoelberg. Havel- berg haben wir erreicht!(Bon Wilsnack etwa 21 Kilometer ent- fernt, Jugendherberge in der alten Domkaserne, Ritterplatz 5.) Die alte Bischofsstadt bildet den Schluß unserer Ferienwanderung durch die Prignitz. Schmal und winklig sind die Straßen der Jnselstadt: die Arme der Havel bildeten die natürlichen Grenzen, in denen sich die Stadt nur ausdehnen konnte. Auf dem hohen Ufer nördlich der Stadt erhebt sich der Dom, ein gewaltiges Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert. Von dem mächtigen Turm überschauen wir die Stadt, die Elb- und Havelniederung sowie einen großen Teil unseres Wandergebiets. Rauchfahnen, von Dampfern herrührend, stehen über der Elbe, eine gewaltig« Himmelsfchrift, von Arbeit uno Verkehr erzählend. Gen West neigt sich der Sonnenball dem Dun'k des aufsteigenden Abends zu. Und wir denken daran, daß uns die Großstadt zurückruft aus Feld und Wiese und Wald, zurück in ihren Rauch und Lärm. Die schönen Ferientage sind vorüber! Die Länge der Fußwanderung, die uns durch die schöne ob- wechslungsreiche Prignitzlandschaft führt und an Stätten reicher Geschichte bringt, beträgt etwa 176 Kilometer. Sie läßt sich in acht Tagen bewältigen. Wer weniger Zeit zur Verfügung has, iann die Wanderung beliebig abkürzen, da fast jeder Wandertag zu einer Eisenbahnstation führt. * Eine Wochenendfahrt in den Oberspreewald veranstaltet am 36./31. Juli der Touristen-Verein„Die Naturseund e", Zentrale Wien. Die Fahrt geht am Sonnabend nachmittag 14,55 (2,55 Uhr) vom Görlitzer Bahnhof nach Raddusch. Von hier aus Kahnfahrt durch die Radduscher Kaupen zum„Erlkönig"(Logis Betten). Am Sonntag früh Spaziergang nach Burg zum Kirch- Die Silbersrf)W3rnie JJJ Voll iKcgr BeaG IN-chdruck o«6otm ÄBlorffUrt« oa» htm E-gNIchr» vonm Rohbau vollendet worden. Schon im Jahre 1907 hatten nach den Messelschen Plänen Geheimrat Hoftmann und Regierungs- und Baurat Wille den Bau begonnen, der dann durch Krieg und Inflation jäh unterbrochen wurde. Die Neubauten gruppieren sich um ein riesiges Forum, das vom Kupfergraben aus durch eine Brücke zu- gänglich gemacht werden soll. Die beiden Flügelbauten enchalten da,..Deutsche Museum" und die„Vorderasiatische Abteilung". In dem Rückenstück wird die antike Abteilung untergebracht, mit dem Pergamon-Altar als Miftelstück. An dem U e b e r g a n g über die Stadtbahn, der in Form einer Brück« das Deutsche Museum im Nordflügel mit dem Kaiser- Friedrich-Museum verbinden soll, wird zurzeit emsig gearbeitet: nach Ueberwindung der sehr erheblichen Fundierung-schwierigkeitcn ist mit der Fertigstellung im S p ä t h« rb st zu rechnen. Die Eröffnung der Gesamtanlag« findet 1930 statt. Die Untersuchung üer slrensüorfer Sluttat. Beisetzung voraussichtlich Sonntag. Heute vormittag wird die Leiche des Kameraden Wollanck, der außer dem Kameraden Tietz den feigen Mördern von Arensdorf zum Opfer gefallen ist, obduziert. Die Staatsanwaltschaft in Frank- furt a. d. Oder hat den Staatsanwaltschaftsrat Borchardig zu diesem Zweck nach Berlin entsandt. Im Beisein dieses Bcrtreters der Untersuchungsbehörde wird die Odduktton heute um 11 Uhr in der Leichenhalle Blanke Hölle zu Schöneberg stattfinden. Durch die Untersuchung soll zunächst genau festgestellt werden, aus welcher Entfernung der Schuß abgegeben fein muß und in welcher Lage der Tote von dem Geschoß getroffen wurde. Es kann für die Unter-- suchung von ausschlaggebender Bedeutung sein, ob die Angaben der Reichsbannerl«ute bestätigt werden, nach denen der größte Teil von ihnen in dem Augenblick, als die Schüsse abgegeben wurden, schon wieder auf dem Lastwagen gewesen sein soll. Der Zeitpunkt der Trauerseierlichkeiten konnte noch nicht festgesetzt werden, weil noch nicht bekannt ist, ob die Leiche morgen schon frei« gegeben werden kann. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt a. d. Oder hat bei den mehrfachen Nachfragen des Reichsbanners wenig Eni- gcgenkommen gezeigt. Sie hat nicht einmal Auskunft gegeben, ob nach der Obduktion die Leiche sofort freigegeben wird, falls es durch das Untersuchungsergebnis möglich sein sollte. Sollte die Freigabe morgen erfolgen, so finden die Trauerfeierlichkeiten am Sonntag statt. Geplant ist vom Reichsbanner, die Hauptfeier in Erl- n e r zu veranstalten. Zwei Kreisoereine werden den Toten auf Lastkraftwagen bei der Ueberführung von Berlin nach Erkner be- gleiten. In Erkner werden die übrigen Kreisvereine in den Straßen bis zum Marktplatz Spalier biliKn, dort wird die Leiche aufgebahrt, dort erfolgen auch die Ansprachen. Reichstaasabgeordneter Genosse Künstler wird die Trauerrede halten. Das zweite Opfer der Arensdorfer Bluttat wird neben der Grabstelle des Kameraden Tietz beigesetzt werden. Das Reichsbanner wird einen Gedenkstein für beide gemeinsam erichien. Sollte die Leiche heute nicht freige- geben werden, so wird die Trauerfeier am Dienstag nachmittag statt- finden. Die Beisetzung wird dann mit einem Fackelzug für beide Opfer verbunden. Drei Frauen bei einer Gasexplosion verletzt. In der Kösliner Straße 20«r«ignete sich gestern abend gegen 9 Uhr eine schwere Gasexplosion. Unter lautem Krach explodierte plötzlich aus bisher noch völlig ungeklärter Ursache ein Gaskocher. Durch die Gewalt des Druckes und eine hervor- schießende Stichflamme wurde die 31jährige Wohnungsinhaberin Charlotte Wendzeck an den Händen und Füßen schwer ver- brannt. Zwei weitere Frauen, die bei Frau W. zu Besuch weilten, zogen sich gleichfalls erhebliche Verletzungen zu. Es handelt sich um eine 27jährioe Luise Schiemanski aus der Sparrstroße 21 und eine 20jährige Else Rätry aus der Kösliner Straße 20. Die Verletzten mußten durch das Städtische Rettungsamt in das Birchow-Kranken- Haus gebracht werden. Die Verletzungen der letztgenannten sind be- sonders schwer. Gefängnis im Spritweberprozeß beantragt. Im Prozeß gegen die beiden Brüder W e b e r, der seit 8 Wochen verhandelt wird, und bei dem«s sich um die Berschiebung von mehr als einer Million Liter Sprit handelt, beantragte der Staatsanwalt am Freitag gegen Hermann Weber 9 Monate Gefängnis und 100000 Mark Geldstrafe, gegen Heinrich Web«r 6 Monate Gefängnis und 2 0 0 0 0 Mark Geldstrafe. Den Mitangeklagten drei Zoll- b e a m t e n konnte eine Bestechung nicht nachgewiesen werden. Der Hauptschuldige, der Apotheker Rüben, der durch Täuschung?- manöver von der Monopolverwaltung den Sprit zu gewerblichen Zwecken erhalten und ihn dann mit gewaltigem Gewinn als Trink- branntwein weiterverkauft hatte, ist mit seinen Millionen ins Aus- land entkommen. Das Autobus als„Sommerfrische". Jedesmal, wenn irgendein Autobusunfall gemeldet wird, steigt im Publikum die Frage auf, wann denn nun endlich die verheißenen neuen Wagentypen in größerer Zahl in den Verkehr gebracht wür- den. Diese Wagen haben einen tieferliegenden Schwerpunkt und sind dadurch weit weniger der Gefahr ausgesetzt, bei irgendeinem Anprall umzuwerfen. Es ist also gewiß verständlich, wenn die Fahrgäste diese sicheren Wagen oerlangen. Wer aber täglich selber den Auwbu» benutzen mutz, macht eine überraschende Beobachtung: die Fahrgäste bevorzugen nämlich ganz offensichtlich gerade die alten Wagentypen, wenigstens im Sommer bei schönem Wetter. Die alten Wagen- typen— und nur die alten— haben nämlich das offene Verdeck, und bei freundlichem Sonnenschein nehmen zahltose Fahrgäste hier oben einen Vorschuß aus die Sommereise. Diese kurze Fahrt, von und zu der Arbeitsstätte, ist vielleicht oft das einzige.Luftschnappen". das ihnen in der Arbeitswoche vergönnt flt. Und so recken sich auf dem Dach Männlein und Weiblein behaglich eine halbe Stunde im wärmenden Sonnenschein, ohne sich von der größeren Unfall- Wahrscheinlichkeit von diesen bevorzugten Plätzen abschrecken zu lassen. Warum aber baut man nicht auch die neuen Typen mit diesem„Sommersrischenersa tz"? Es wäre gewiß ein leichtes, sie im Winter nach Art der offenen Autos völlig zu überdecken, so daß diese Plätze auch in der kalten und nassen Jahreszeit durchaus benutzt werden könnten. Zahlreiche Fahrgäste aber würden diesen sicheren und angenehmen Wagentyp mit großer Freud« begrüßen._ Ein Lichtblick. Das lockende Kleid'. Ein Lichtblick in der traurigen Mdnnigfaltigkeit Moabiter Ge- richtssäle. Ein achtzehnjähriges Mädchen oerläßt trotz eingestandenen Diebstahls makellos das Kriminalgebäude. Richter, Staatsanwalt, Referendar, Justizwachtmeister und Zuhörer fühlen sich wie befreit: wie l«icht hätte es anders kommen können... Eines der größten Konfektionshäuser Berlins. Auf den Der- kaufstischen Haufen von Kleidern. Grau, braun, grün, violett, in allen Farben schimmern sie und locken den Käufer: kommt und nehmt un». Wenig Bedienung, viel zu wenigl Kaufqierige Fii'ger, junge und alte, dicke und dünne wühlen in den Kleidern. Von irgendwo her gleiten über diese Finger Augenpaare. Detektive! Ein achtzehnjähriges Mädchen steht vor einem dieser Tische. Es hat bereits ein« Kleinigkeit gekauft. In seinem Besitze sind noch 20 Mark, für ein Kleid bestimmt. Es hebt eines nach dem anderen auf, schaut sie sich an, legt sie wieder fort, wühlt im Haufen. Nun hat sie, was ihr Herz begehrt. Dieses Kleid würde ihr gut zu Gesicht stehen. Was mag es kosten? Wo bleibt nur die Verkäufe- rin? Kommt sie nicht bald? Es vergehen Minuten. Noch immer keine Verkäuferin. Wie schön das Kleid doch passen würde. Ob sie es nicht mitnehmen soll? Sie muß doch bezahlen? Wo bleiben die Verkäuferinnen? Ein schneller Ruck, das Kleid ist zusammengeballt, eingewickelt, das Mädchen begibt sich vom Tisch zur Tür. Leise be- rühren sie am Ellenbogen fremde Finger.„Fräulein, was haben Sie da?"„Nichts!"„Zeigen Sie mal her!" Das Kleid kommt zum Vorschein, der Name der Kleinen wird festgestellt... Nun steht sie vor den Richtern. Ein Zweifel ist nicht möglich, sie hat das Kleid stehlen wollen.„Nein, ich habe es nur in der Toilette anprobieren wollen."„Das glaubt Ihnen niemand, sagen Sie doch besser die Wahrheit." Der Richter redet dem Mädchen gut zu. Zwischen ihm und dem Staatsanwalt besteht eine Uebereinkunst, wegen des geringen Objektes das Verfahren einzustellen. Dazu be- nötigen sie das Geständnis der Angeklagten. Dies« bestreitet aber hartnäckig den Diebstahl. So müssen Zeugen geladen werden. Die Verhandlung wird vertagt. Aus dem Korridor bricht die Achtzehnjährige neben der Gerichts- Helferin zusammen. Schluchzen durchschüttelt ihren Körper.„Ich muß gestehen, ich habe es genommen. Nun ist es von mei- ner Seele herunter." Die Gerichtshelferin tröstet sie, geht zum Richter und bittet, erneut in die Verhandlung einzutreten. Mit rührend gefalteten Händen nähert sich die Angeklagt« dem Richtertisch und sagt:„Herr Richter, seien Sie nicht böse, ich habe Sie belogen, ich hatte solche Scham." Der Staatsanwalt beantragt, das Verfahren wegen des geringen Objektes einzustellen: das Kleid hatte blas acht Mark gekostet. Das Gericht beschließt demgemäß Die Achtzehnjährige kann makellos in ihre Stellung zurück- kehren, wo sie als Haustochter lebt. Ein Lichtblick in der traurigen Mannigfaltigkeit der Moabiter Gerichtssälel_ Ein gutgemeinter Antrag. Die Abgeordneten Dr. Qua atz(Dnat.), Dr. Kahl(D. Vp.) und Frau Weber(Z.) haben kurz vor der Bertagung des Reichs- tags einen Antrag eingebracht,„die Reichsregierung zu ersuchen, dem Reichstag so rasch wie möglich zwecks Eindämmung der mit der Verschuldung infolge von Zechschulden verbundenen sozialen und sittlichen Schäden ein Gesetz vorzulegen, wonach Verbinolich- leiten aus kreditweiser Derabfolgung von alkoholischen Getränken in öffentlichen Scharckstätten nicht klagbar sind". Dieser Antrag ist gewiß gut gemeint. Aber ob die Regie- rungsparteien, aus deren Reihen er stammt, ihm zustimmen wer- den, ist noch sehr ungewiß. Denn bis zur endgültigen Verabschie- dung erst im Rechtsausschuß und dann im Plenum des Reicbstags wird sicherlich die Gegenaktion der am Alkoholkapital interessierten Kreise einsetzen. Außerdem greift dieser Antrag nur ein besonders sichtbares Uebel— und noch nicht das schlimmste— an; die Ursachen des immer mehr überhandnehmenden Alkoholismus läßt er unberührt. Die tVajsersthäöen in Rosenthal. Ein Appell an den Magistrat. Seit Iahren haben die im Norden Berlins gelegenen Lauben- kolonien unter Wasserschäden schwer zu leiden. Die Gewitter der letzten Wochen hoben die Not der Kolonisten vergrößert. Am schwersten wurde die Kolonie Blankenfelde und die neuentstandene Kolonie Kissingen II betroffen. Die Siedler dieser Kolonien hatten zu Donnerstag eine Versammlung einberufen, die nach einer ausgedehnten Aussprache eine Entschließung annahm, in der verlangt wird, daß Vorsorge getroffen wird, um die Wasser- massen schnell abzuleiten. Die Versammelten appellieren an die Bezirksverordneten und die Presse, sie in ihren Bestrebungen um Abhilfe zu unterstützen. Sie fordern: kein Flickwerk, sondern endgültige dauernde Maßnahmen, die eine Wiederkehr derartiger Katastrophen verhindert. Eine sofortige Weiterführung und Fertig- stellung der Kanalarbeiten. Regulierung und Tieferlegung des Zingergrabens bis zu seiner Mündung in die Panke. Den Abwässern der Stadt Berlin, die von den Riesel- feldern bei eintretenden starken Niederschlägen in den Zingergraben geleitet werden, eine andere Richtung zu geben. Eni- s ch ä d i tz u n g aller von dem Hochwasser Betroffenen aus dem von der Regierung zur Verfügung gestellten Fonds. Erlaß der Grund- und Hauszinssteuer, bis der Schaden ausge- glichen ist. In diesem Bezirk fehlen Abzugskonäle für das sich sammelnde Wasser. Der Bezirk Pankow hat zunächst versucht, einen Abfluß zum Zingergraben zu schaffen. Zur Beseitigung der Wasser- schäden ist es notwendig, den Zingergraben zu verbreitern und zu vertiefen. Der Bezirk ist mit Vorschlägen an die Zentralstellen herangetreten, die geeignet sind, in den ersten Iahren das bedrohte Gebiet vor Wasserschäden zu schützen. Der Magistrat Berlin hat die ernste Verpflichtung, hier schleunigst helfend einzugreifen. Die Ersahkassen in Not. Die Ersatzkassen, jene von den rechtsstehenden Parteien propagierte Art der 5krankenv«rsicherung, sind durch den Erlaß des preußischen Wohlfahrtsministers, der ab 1. Ja- nuar 1927 die 20 Proz. Arzthonororrabatt aufhob, in arge Bedrängnis geraten. Die Barmer Ersatzkasse muß ein Rundschreiben an ihre Mitglieder richten, das von den Aerzten sehr wenig anerkennend spricht. .Die Aerzte haben es," sagt dos Rundschreiben,„ausgezeichnet Derstailden, ihre Praxis so«inzustellen, daß sie trotz des Abschlages saemeint sind die 20 Proz. D. Red.) ihre Einkommensbasis nicht nur unverändert erhielten, sondern sogar nicht unwesentlich verbesserten! Darüber hinaus bedeutet der Erlaß des preußischen Wohlsahrts- Ministers ein« weitere Steigerung der Arzthonorare um etwa 60 bis 70 Millionen Mark, wovon allein die Varmer Ersatzkasse etwa 2 Millionen Mark je Jahr ausbringen muß. Das Ungerechtfertigte dieser Maßnahme der Aerzteschaft begreiflich zu machen, ist den Ersatzkassen nicht g«. lungen. Nach dem Wortlaut des bis zum Jahresschluß noch laufen- den Vertrages müssen wir uns die 2 S Prozent ige Ver- teuerung der ärztlichen Versorgung unserer Mitglieder gefallen lassen." Weiter unten heißt es dann: „Die Aerzteschaft befindet sich in einem gewaltigen Irrtum, wenn sie die Verantwortung für die bei vereinzelten Äerzten etwa wirk- lich noch vorhandene wirtschaftlich« Not auch der Honorarpolitik der Ersatzkassen zuschieben und nicht erkennen will, daß sie lediglich die Folge der ungesunden Ueberfüllung des ärztlichen Berufsstande, ist. In j«dnm Erwerbszweig, auch in allen anderen akademischen Berufen, ist die Wirtschaft ein automatischer Regulator für das Verhältnis von Angebot und Nachfrage." Mit diesen Ausführungen begründet die Barmer Ersatzkasie die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ab 1. Apris 1927. Sie bemerkt dazu in ihrem Rundschreiben:„Wohs keiner. Kgsse bleibt ein« Erhöhung der Beiträge erspart, weil sie alle in gleicher Weis« getroffen werden." Hier weicht sie aber von der Wahrheit ab, denn bei den im Berliner Kassenverband zusammenge- schlofsenen Kronkenkassen braucht trotz des Hirtsisfer- Erlasses keine Beitragserhöhung einzutreten, da dies« je Mitglied und Jahr eine Pauschale an die Aerzteschaft zahlen. Trotz ihrer angespannten Finanzlage sind aber die Ortskrankenkassen im- stände gewesen, ohne Beitragserhöhung die allseits als vorzüglich anerkannten Ambulatorien einzurichten und die F a m i- lienversicherung einzuführen, die den Angehörigen die gleichen Vorteil« hinsichtlich ärztlicher Versorgung usw. gewährt. Die Berliner Krankenkassen brauchen deshalb nicht, wie die Barmer Ersatzkasse es in ihrem Aufruf tut, an das„Gemeinschaftsgefühl" der Mitglieder zu appellieren, damit sie sich bei der Jnanspruch- nähme von ärztlicher Pslege, von Arzneien. Heilmitteln usw. be- scheiden und auf die physikalischen Behandlungs- Methoden(Licht-, Wörme-,«trombehandlung u. dgl.) verzich- ten, die der Aufruf als„so häufig, auch vollständig entbehrlich" be- zeichnen zu dürfen glaubt. Wenn jetzt ein Teil der Berliner Versicherten trotz Lohnabbau b«i den Ersotzkasien höhere Beiträge zu entrichten hat, so werden diese Versicherten sich„in Dankbarkeit" jener Aerzte erinnern, die während des Aerztestreiks in ihrer Sprech st unde Auf- nahmescheine zum Eintritt in die Ersotzkassen verteilten._ Der Raubmörder von Bugk. Die Obduktion der Leiche der ermordeten Frau Laurisch, die gestern vorgenommen wurde, hat ergeben, daß der Mörder seinem Opfer S wuchtige Hiebe über den Kopf versetzte, so daß der Schädel zertrümmert wurde. Nach dem Ergebnis der weiteren Nachforschungen scheint der Urgrund der entsetzlichen Tat in einer Liebesgeschichte zu liegen. Philipp stand im Begriff, sich in Berlin mit einem Mädchen zu verloben und hatte ihr in prahlerischer Weise von dem vielen Gelde erzählt, daß ihm seine früheren Pflege- eltern sicher geben würden. Um sich nicht selbst Lügen strafen zu müssen, beschloß er den Raub. Wie jetzt feststeht, hatte er schon am Mittwoch voriger Woche die Fahrt nach Bugk gemacht, war aber durch Zufälle an der Aussühruna seines Planes gehindert worden. Am Sonnabend, dem l6. Juli, fuhr er dann abermals hinaus und hielt sich, wie schon berichtet, bis zum Dienstag verborgen. Um jeden Verdacht von sich abzulenken, rief er am Tage nach dem Morde bei dem Bruder der Frau Laurisch an, erzählte, daß er von dem Verbrechen in der Zeitung gelesen habe und fragte scheinbar sehr be- sorgt, ob es denn wirklich wahr sei. Er drückte dem Bruder sein Beileid aus und fragte an, ab man ihm gestatten würde, zur Bei- setzung zu kommen. Man solle ihm doch seine früheren Verfehlungen — angespielt war damit aus seine Diebstähle— in Anbetracht seiner Trauer nicht nachtragen und ihm«rlauben, seiner ehemaligen Pflegemutter auch diele tzteEhre zu erweisen. Dieses Telephgn- gespräch kennzeichnet zur Genüge den Charakter des Mannes, der erwiesene Wohltaten mit Raub und Mord vergalt. Die letzte Tasse Kaffee. Durch eigens Unvorsichtigkeit den Tod gesunden hat in der Donnerstacnocht der 54 Jahre alte Buchbinder Richard Sucke in der Fuldaslrahe zu Neukölln. Er war gegen Mitternacht nach Hause gekommen und wollte sich n o ch eine Tasse Kaffee wärmen. Während«r wartend auf einem Stuhle neben dem Herd saß. muß er eingeschlafen sein und durch eine unoorsich- tig e Bewegung den Gasschlauch herabgerissen haben. Seine Mutter fand ihn morgens t o t in der Küche sitzen. schlechtliche rrnd mit dem Geschlechtsleben im Zu- sammenhang stehende Handlungen verössentlicht(im Verlag der Neuen Gesellschost, Berlin-Hessenwinkel, Preis 2 M.). D«r Gsgenentwurf behandelt 30 Paragraphen der bekanntlich ge- rade in sexualkriminalistischer Hinsicht äußerst rückständigen Reichs- tagsvorlag«, und enthält jeweils Gegentext und prägnante Begrün- dung. Dem Kartell, das diesen Gegenentwurf herausgibt, gehören von führenden sexualreformerischen und kulturpolitischen Organisa- tionen Deutschlands an: das Wisienschaftlich-Humanitäre Komitee. der Bund für Mutterschutz, die Gesellschaft zur Sexualreform, die Deutsche Liga für Menschenrechte, das Institut für' Sexualwissen- schaft und ander«. Die Redaktion lag in den Händen von: Pros. Felix Halle, Dr. Kurt H i l l e r, Sanitätsrot Dr. Magnus Hirschfeld, Dr. meck. et pbii. K r o n f e l d, Richard Linsert, Dr. Heinz S t a b e l, Dr. pbii. Helene Stöcker, Dr. Felix T h e i l- Haber, Dr. S. W e i nb e r g(Mitglied des Preuß. Staatsrates), Iustizrat Dr. Ioh. Werthauer. Als verantwortlicher Endredok- teur zeichnet Dr. Kurt H i l l e r. ?n zwei Minuten. verheerende Aolgen einer Windhose. Am Freitagmorgen kurz nach 7 Uhr ging über die Orte Stregda und Hötzelsroda in Thüringen eine Wind- hose nieder, durch die innerhalb zwei Minuten große Verwüstungen angerichtet wurden. In Stregda wurde der 40 Meter hohe Schornstein einer Ziegelei umgerissen und ein Neben- gebäude dabei zertrümmert. An über 50 Häusern wurden die Dächer abgedeckt. Groß ist der angerichtete Schaden auf den Feldern und in den Gärten. vempsep schlägt Sharkep. Am Donnerstag hat in New Dork der Kampf zwischen D e m p- sey und Sharkey stattgefunden. In der siebenten Runde konnte der frühere Weltmeister Dempsey mit einem gut gesetzten Kinnhaken seinen Gegner über die Zeit zu Boden schicken. Die Zeitungen nieldeten zunächst, Dempsey hätte erst einen Tiefschlag gelandet, und als Sharkey darauf den Arm erhob um zu rekla- mieren, hätte Dempjcy seinen Kinnhaken gelandet. Eine o s s i z i e l l e Zeitlupenaufnahme des Boxkampses Dempsey— Sharkey, die dann Vertretern der Presse vorgeführt wurde, zeigte jedoch, daß der beanstandete Schlag Dempseys ganz regelrecht ausgeführt wurde. Dempsey hat bei dem Bexmatsch 400 000 Dollar und Sharkey 2 50 000 Dollar gewonnen. Dempsey hat bis- her 68 Boxkämpfe ausgefochten, davon 58 gewonnen, darunter 47 durch knock out. Sharkey hat 33mal gekämpft und davon 26mal gewonnen, darunter neunmal durch knoch out. Das Kartell zur Reform des Sexuolstrasrechls hat jetzt einen lenentwurf zu den Strafbestimmungen des amtlichen Eni- s eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches über ge- Eoolidge und die Honoluluflieger. Staatssekretär Kellogg über- reichte in Vertretung des Präsidenten Coolidge den beiden Hono- lulufliegern Hegenberger. und M a i t l o n d das Kreuz für hervorragend« Flugleistungen. Registrierung eines Fernbeben». Di« Instrumente der Reichs- anstalt für Erdbebenforschung in Jena verzeichneten gestern 5,02 Uhr ein Fernbeben in 5500 Kilometer Entfernung. Ueber die Herdlage läßt sich noch nichts Näheres sagen. Ilalermord im Einvernehmen niit der Mutter. In einem Dorf in der Nähe von Neudek(Böhmen) war vor einigen Tagen ein Besitzer mit fünf Beilhieben ermordet ausgefunden worden. Die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß die l 9 j ä h r i g e Tochter auf Anstiften der Mutter ihren Vater, der wegen einer schweren Verletzung im Haushalt lästig wurde, er- schlagen hatte. Die Tochter hat bereits ein Geständnis abgelegt, versucht aber, ihre Wutter zu entlasten. tzlohkonzerl auf der großen' Sxlekwiese In Treptow.?ün Sonntag, dem 24. Jutl 1927, vcranitaltet die Schutzvobzeitapelle Nr. 3(Dirigent Hermann Nichtcr) miltagZ von 12— 13 Uhr aus der grohen Spielwiese im Treptower Part ein Platzkonzert. Vorträge, vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz Rok Gold". GelchZttslielle: Berlin E t«. Cebostianstr. S7/S8. Hot 2 Tr. Souvabend, 23. Juli: Xittgoticn: Die Ztamcradschastcn Arminius, Westen I und II nehmen a» dem Ausflug der Nameradfchast Hansa teil. Antreten IT/j Uhr Bhf. Bellevue bzw. 15-, i Uhr Bhf. Friedrichshagen. Kreuzbera: Heute letzter Tag zur Meldung ftir Leivzig-Fohrcr. gahraeld tu» 2. August entrichten. Tempclhof: 18 Uhr Arbeitsdienst Neulöllner Schützen. nicht am Tagcsausflug beteiligen, trcfscn sich SZt Uhr Marktplatz Pankow. Rückkehr gegen 18 Uhr.— Wontag, 25. Juli! Pankow(ftcis): l9Vi Uhr bei Mees, Berliner Straße Ecke Lindcnpromenade. erweiterte Krcisvorstandssttzung. All« Kassierer müssen unbedingt erscheinen. 21) Uhr sämtliche SpieUcuic Turn» Holle Grunowstraße. Erscheinen Pflicht. Wcdding: lg-,-. Uhr ausserordentliche Mitgliederversammlung. Die Block» und Strassenleiter sind vcrpsiichiet, restlos einzuladen. All« aktiven und passiven Kameraden treten an bei Müller, Ufer- strassc 12(Dienstanzug). Kreuzberg! 20 Uhr Sitzung der Funktionäre mit er» weitertcm Kreisvorstand be! Erllndler, Fimmerstr. 30. Kameradschaft I 20 Uhr Diskussionsabcnd im Jugendheim Porckstr. 10. tiameradschasl III 20 Uhr Der» fammlung bei Siedeniops, Muskaucr Str. 35.— Königswnstcrhause»: Sonntag, 24. Juli, Fahnenweihe. Antreten 14 Uhr Bhf. Kijnigswustcrhauscn. Fest. redner: Polizeisckrctijr Käthe. Berliner Esprrantovereinigung. Der Esperantovorkongreß in Berlin findet vom 24. bi» 26. Juli statt. Am Dienstag, 26. Juli, 20 Uhr, ersolgi in der Aula des Toroiheenstädiischen Rcalgnmnasiums, Dorothceustr. 12, die iisfchtiichc Begrüßung des Vorkongresses, de! der Berireter der siiidiischen und anderer B-Horden, Vertreter deutsche Esperanloorganisationen und AngehSrige sremdcr Nationen sprechen werden. Alle Porträge werden übersetzt. Diese Veranstal- tun ist Ssscntlich und frei zugänglich. Gäste und Interessenten willkommen. Ardeiter-Samariterkolonne Berlin e.V. Geschäftsstelle: R 4, Schröderstr. 0. Telephon Norden 3340. Abteilung Neukölln: Alarm der gesamten Abteilung am Eonnabend, 23. Juli. Um lOZtz. Uhr Treffpunkt Lokal von Wille, Lcnau» Ecke Reuierstrosse. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Vereinigung sozi-ldemokr-tischer Studierender lSoz!al!stis»er Student-n» bnnd), Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, 23. Juli, Semesierschlussfeier mit politischem Kabarett, Tanz usw. Eintritt frei. Gäste willkommen. Adele Schreiber schilderte in ihrem Zyklus„Frauen von heute— in vielen Ländern" die Deutsch-Oesierreicherinnen im Spießet der historischen Entwicklunp. Früher als in den meisten anderen Ländern, machten sich in Oesterreich ßeistipe Emanzipations- bestrebunpen und damit auch Emanzipationsbestrebunßen der Frau ßeltend. Aber immer wieder kamen Reaktionen, bis endlich mit Kriepsende den Frauen wirklich ihre Rechte im Staate wurden.— E. G. Bree, Pressechef der Deutschen Lißa für Völkerbund, gab eine Uebersicht„Aus der Geschichte der Völkerbund-Veweßunß". Er zeißte, wie schon viele Jahrhunderte sich mit Ideen beschäftißten, die man als Vorläufer zur Völkerbund-Veweßunß bezeichnen kann, obwohl sie zum Teil natürlich von wesentlich anderen Grundßedanken ausgingen als die heutige Völkerbund-Beweyung.— Ueber„Die Einwanderung in Chile" sprach Dr. Walter Knoche.— Studicnrat D r. Alfred John berichtete über„Eine Besteigung des Fuji- yama.— Dr. Max Apel beendete seine interessante Vortragsreihe über„Weltanschauungen großer Denker" mit Darlegungen über die Lehre Kants und dem geistigen Boden, aus dem sie erwuchs.— Das von Emil Vohnke geleitete schöne Abendkanzert des Berliner Sinfonie-Orchesters wurde bereichert durch die Mitwirkung des Baritons Eugen Mossakowsky.— Auch das Nachmittagskonzert von Dr. Becces Kommerorchester war recht gelungen. Es brachte ein geschmackvolles, noch wenig abgespieltes Programm von kultivierter Unterhaltungsmusik._ Tes. Einsendungen für diese Rubrik sind verli» EW 68, Lindenstrasse 3. partemachrlchten für Groß-Serlin iiet» an da, Bezirkssekrctariat. 2. Hos. 2 Trcp. rechts, zu richte». Krci» Edarlotteniurg. Treffpunkt zur Führung durch den Botanischen Garten Sonntag. 24. Juli, 0 Uhr, Wilhelmplatz(Autobus 20). Karten bei den Mitgliedern des Bildunasausschusses und beim Genossen Ahlseld. Krumme Str. 62.— Die Genossinnen und Genossen, die sich am Sammel- tag de» Arbeiter-Samariierbundes zur Verfügung stellen wollen, tressen sich im Jugendheim Rossncnstr, 4. Daselbst Ausgaoe der Sammelbüchsen am Sonnabend, 23. Juli, 18—20 Uhr, und Sonntag, 24. Juli, ob 8 Uhr. Rege Beteiligung ist erwünscht. Mitgliedsbuch ist als Legittmalion mitzubringen. 13. Krci» Tcmpelhof, Maricnd»rf, Rarienfcldc, Lichtenrade. Sonn- tag, 24. Juli, Eommersest im Birkcnwäldchon Tcmpelhof. Manteuffrl. iirasse 11/12. Konzert, Ehorgcsang, gymnastische und turnerische Bor. ührungen, Wintergarten» und Ecala-Daricte, Preiskegcln, Kinder. leluftigungen, Kaffcckochcn, Tanz. Eintritt ö0 Pf. Arbeitslose und Kinder frei. Der Umzug beginnt 14 Uhr am Bahnhof Tempelhvs. Die Helfer und Mitglieder de» Bildungsausschusses treffen sich zur Bus» schmückung Sonnlag, 24. Juli, pünktlich 0 Uhr, im Birkenwäldchen. Die mit dem Kartenverkauf betrauten Genossen müssen am Sonntagnach» mittag bestimmt abrechnen. 14. Kre!» Neukölln. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, sich am Sonntag den Arbeiter-Samaritern für die Sammlung zur Verfügung zu stellen. Treffpunkt 7 Uhr im Lokal Wille, Lenau» Ecke Reutcrstraße.— Achtung! Montag, 2S. Juli, 19 Uhr. im.Parteibureau Neckarstr. 3 Besprechung de» engeren Krcisvorsiandes mit sämtlichen Abteilungsleiter». Niemand darf fehlen. 18. Kreis Weissenseo. Am Sonntag, 31. Juli, veranstaltet die Sozialistische Arbeiterjugend eine Moiorbooifahrt nach Ncu.Herinosdorf. Abfahrt 7>/z Uhr von der Waisenbrücke, Eingang Brandenburger Ufer. Erwachsene 1,50 M., Kinder 75 Ps. Wir bitten um recht rege Beteiligung. IS. Kreis Pankow. Arbeiterwohlfahrt: Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, sich am Sonntag, 24. Juli, 8 Uhr. im Lokal Schylo, Pankow, Berliner Str. 118, zum Sammeltag des Arbeiter-Samariterbunocs zur Verfügung zu stellen. Materialausgabe erfolgt im Lokal. Um recht zahl. reiche Beteiligung wird gebeten. Morgen. Sonntag. 24. Juli: 5. Abt. Die Portie nach Birkenwerder fällt aus. Dafür beteiligen sich die Mitglieder am Eommersest der 6. Abteilung bei Büttner, Schwedier Sir. 23. 40. Abt. Die Fahrt nach gössen fällt aus. Die Mitglieder beteiligen sich an der Sammlung für den Arbeit«r»Samariteibund und treffen sich 7 Uhr bei Buhr, Blücherstr. 38. 46. Abt. Die Bücher vom Büchcrkrei» können vom Genossen Urban abgeholt werden. Schöneberg. 77. Abt. All« Genossinnen und Genossen beieiliaen sich an der Sammlung für den Arbeiter-Eamariterbund. Trefspunki Eonnabend, 23. Juli, 20 Uhr. und Sonntag. 24. Juli, 7 Uhr, bei Nosenthal, Ebers» sirajje 66.— 79. Abt. An dem am Sonntag staitsindenden Kreisfvmmcr. fest des 13. Kreises Tcmpelhof im Birkenwäldchen ersuchen wir die Ge» nossinnen und Genossen, sich vollzählig zu beteiligen. Abmarsch von Groß, Seoanstr. 17, um 13>u Uhr zur Bcleiligunz an der Demonstration. 83. Abt. Lichtcrsclde. Alle Genossinnen und Genossen, die sich an der Somm» lung des Arbeiter-Eamoritcrbundes beteiligen wollen, treffen sich früh 8 Uhr bei Schmidt, Hiudcnbnrgdamm Ecke Roonsteafje, 84. Abt. Lankwitz. Sammlung des Arbeiter-Samariterbunde». Helfer melden sich 7 Uhr im Lolal Schmidt, Lichterfelde, Roonstr. 39. 88. Abt. Lichtenrade. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich am Sonntag an dem Kreissommerfcst in Tcmpelhof, Birkenwäldchen, restlos zu beteiligen. Anfang 15 Uhr. Vorher um 14 Uhr ab Bahnhof Tcmpclhnf Umzug. Eintritt 50 Pf. Karten bei dem Abicilungsieitcr in der Konsum» Verkaufsstelle. 8». Abt. Neukölln. Genossen und Genossinnen, die sich am Sonntag, 24. Juli, als Sammler für den Arbeiter-Eamartterbund zur Verfügung stellen, melden sich morgens 7 Uhr bei Wilke, Lenau» Ecke Reuterstrasje. 91. Abt. Neukölln. Grosses Eommersest im Lokal Bergschlosshöhe, Äarlsgartcnstr. 1/11. Festrede Hermann Harnisch. M. d. L. Mit. wirkende: Freie Turnerschaft Gross-Berlin, Sozialistische Arbeiterjugend, artistische Vorführungen. Prciskcgcln, Tombola, Tanz. Alle Genossinnen und Genossen sind»ui ihren Angehörigen nebst Freunden und Bekann- ten herzlichst eingeladen. Verlosungsgegcnstände{~■ noch entgegengenommen. zur Tombola werden 103. Abt. Obcrschönewcid«. Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, an der Bannerweihe in Köpenick teilzunehmen. Die Genossinnen und Genossen tressen sich an der Endhaltestelle Lindenstrasse um ldld Uhr in Köpenick. 109. Abt. Fricbrichshagcn. Die Mitglieder beteiligen sich an der um 14 Uhr -auf- dem-Mardiplotz»in.-Köpenick stattfindenden Bannerweihe der Ablei»■ lung Köpenick Abfahrt 13 Uhr vom Bahnhof Friedrichshagsn. Nach» mit tag« Im Rcffaurdn,-Wendenschloss. 1Z3a. Abt. Kaulsdorf.Eüd. Di« Genossinnen und Genossen, die an de« Banner» weihe der Abteilung Köpenilk teilnehmen, treffen sich pünktlich 12� Uhr. im Lokal Sanssouci mit Bonner und Fahnen zum Abmarsch. Rege Be» teiligung wird erwartet. 125. Abt. Weissensce. Tie Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der Sammlung für den Arbeiter-Eamariterbund. Trcfspunit Ä Uhr im Lokal Stärke, Tassostr. 1. Zungsozialisten: Gruppe Schöneberg: Heute, Sonnabend, 23. Juli, Fahrt nach Meschov.. Treftounkt 1744 Uhr Kaiscr.Wilhclm.PIatz. Nachzügler Sonntag früh ebenda 744 Uhr. Sonntagsrückfahrkarte 1,40 M. Stettincr Borortbohnhof. Sozialistische firbeiterjugenö Groß-Serlin. Vorsitzendenkonferenz heute, Sonnabend, pünktlich 18 Uhr, im Lindenheim. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Zutritt. Achtung? Alle über l8 Jahre alten Genossinnen und Genossen bitten wir, morgen, Sonntag, 24. Juli, bei der Sammlung des Arbeiter-Samariterbundes zu helfen. Treffpunkt ab 7 Uhr in folgenden Lokalen: Mitte: Lokal von Gericke, Manteuffclstr. 37. Abteilgl. Max Vrpnzel, Stralauer Allee 47. Tiergarten: Lokal von Lausch, Bredow. Ecke Wiclesftraße. H. Ltarbatti, Zwingt lstr. 89. Wedding: Lokal von Belli», Cchulftv. 12. E. Grundmann, Schulstr. 77, Prenzlauer Berg: Lokal von Mielke, Lnchener Str. 2/3. Jg. Siednor, Pappel. allee 59. Kriedrichzhain: Lokal von Bartnfch, ssriedenstr. 88. M. Hecht, Goßlei:. strafte 27. Kreuzberg: Lokal von Buhr, Blücherstr. 38. W. Hagemänn, Simeon» strafte 5. Charlotteubura: Jugendheim Bosincnstrahe. W. Schönemann, Waitz» strafte 23. Schöneberg: Lokal von Rosenthal, Ebersstr. 66. K. Brüning, Göben» straße 16. Steglitz: Lokal von Schmidt, Lichterfelde, Roonstr. 39. A. Eichel» kraut, Lichterfelde-W., Karsten str. 3. Tempelhof: Lokal von Lindisch. Marien» darf, Königftr. 44. O. Weiß, Martendorf, Chansseestr. 289. Neukölln: Lokal von Wilke, Donau- Ecke Reuterftrafte. A. ssischer, Kerfurthstr. 3. Treptow? Lokal von Gruhn, Grätzstr. 2. R. Zudewenz, Ratiborstr. 1. Lich'enberg: Lokal von Nothorf, Rigacr Str. 9.',. Treiber. Landsberger Allee 47. Weihen. see: Lokal von Stärke. Charlottenburger Ecke Tassostrafte. R. Libowski. Wil- helmstr. 26. Pankow: Lokal von Ehpla, Berliner Str. 118. O. Mobs. Schulze» strafte 14. Hermedorf: Turnhalle Roonstrafte. M. Echallamach, Albrechtstr. 16. heute. Sonnabend: Tempelhos-Marieoboef: Fahrt. Treffpunkt 20 Uhr Bahnftost— Reukölla V: Neuköllner Ferienfahrer treffen sich 1731 Uhr am U-Bahnhof Hermannplotz. Liederbücher nicht vergessen. Wcrbcbczirk Lichtenberg: Treffpunkt zum Geländespiel 204h Uhr Bahnhof Etra>au»RnmmeIsburg, Unkosten I M. Wcrbcdczirk Pankow: Werbcdemonstration durch Buchhvlz. Admarsch 19 Uhr Pankow, Marktplatz. Morgen, Sonntag, Wcrbctag in Buchholz. Treffpunkt l2>h Uhr Wühlen» Ecke Berliner Sirasse. 13 Uhr gemeinsamer Abmarsch mit den einzelnen Wcrbcbezirkcn. Nachziialcr 15 Uhr Buchholzer Park. Zu beiden Veranstaltungen Fahnen und Musikinstrumente mitbringen. Morgen, Sonnlag: Nosenthaler Vorstadt: 15 Uhr Rosenthaler Platz. Normaluhr. Treffpunkt zum Eommersest der 6. Abt. in Bültners Festsälen. Schwedter Strasse. Montag Beteiligung an der Beranstaliuug der Kindcrfreunbe Mitte. Zehdenicker Strasse 25, 19>6 Uhr.— Schöneberg III: Heim Haupistr. 15. Heimabend.— Nenkölln I: Spielen in der Königsheide. Treffpunkt l3 Uhc am Polizei- Präsidium.— Südwest: Interessierte Genossen trelfcn sich zur Fahrt nach Zossen 6% Uhr Bahnhof Porckstrasse. Fahrgeld 80 Pf. Weissensce: Pklichtvcranstaltung des Werdebezirk». Treffpunkt lZ Uhr Antonplatz. Musikinstrumente stnd mitzubringen. Werdebezirk Prenzlauer Berg: Beteiligung an der Wcrbekundgebung des Werbedrzirks Pankow in Buchholz. Sämtliche Olruppcn treffen sich mit ihren Fahnen und Musikinstrumenten li'.i Uhr Schönhauser Allee Ecke Danziger Sir. Wcrbcbczirk Neukölln: Für das vom Jugendamt veranstaltete Kinderfest stellt fede Gruppe 10 Helfer. Treffpunkt 1g>d Uhr Volkspark, Tennisplätze. Werdebezirk Müggclfc«: Alle Abteilungen teieiliaen sich an der Bannerweihe der Partciabteilung Köpenick. Treffpunkt IZ Uhr Bahnhof Köpenick. Wetterbericht der iffcnINchen wetieldienstsielle für Berlin und Umgegend iRachdr. verb.l Temderatiiren wenig verändert. Wolkig. Zunebniend« Mewiiiiriieitmyfl, mützine Winde aus fsidivesilicher bis westlicher Rickftunz. .Für Veutschlond: Im Westen und Südwesten viclsnch Gewitter, im übrigest Deutschland warm und vorwiegend trocken. Im Süden ziemlich heiter. Eine Geschäftscröfsnung, abseits von den sonstigen Ncufchöpfungen de» Sandel«, vollzoa sich dieser Tage im Hause Leipziger Dir. 120. Die bekannte Gocthebuchhandlung, seit 20 Iahren im Hause Friedrichsir. 105 ansässig, hat ihre Verkaufsräume nach der Leipziacr Strasse verlegt und sie von Künstler» hond mit vornehmer Sorgfalt ausstatten lassen. Erlesener Geschmack waltet in diesen Räumen, denen im Herbst in: ersten Stock ein Auktionsraum anacgliödcrt wird. Die erste Auktion wird illustrierte Bücher des 16. bis 19. Jahrhunderts, Inkunabeln und Pveffedruckc umfassen, also Vitch-r, die auch der Bücherfreund, der sie niemals wird erwerben können, mit Bewunderung betrachten wird. Im übrigen trägt die Goethebuchhandlunq ihren Namen> nicht umsonst. Goethe- literatur findet man reichlich. Im ersten Stockwerk findet man ein ungcwöhn- lich reichhaltiges Lager ausläudischer Literatur. Jorfthung oöer Schlagwortfabritation? Untersuchungen über Arbeitslosigkeit.— Ein Mißgriff des Instituts für Konjunkturforschung. »Der Paradoxa gibt?s aber in der Wissenschaft vom Wirtschafts- leben nur allzu viele. Leider! Denn sie machen diese nur immer noch unbeliebter, je ehrlicher sie es meint und je gerader und unbeugsamer sie die Wahrheiten cnthllllt, die den turzsichtigen Laien nicht eingehen wollen, weil sie nicht bequem sind" Professor von Zwiedineck-Südenhorst, MUnchen, im ErgSnzungsheft l der„VIcrtcljahrczhcftc zur Konjunkturforschung." Als di« Enqueteknmniission zum ersten Male zusammentrat. hielt der Reichstvirtschaftsmimster T u r t i u s eine feierliche Rede, in der im besonderen betont wurde, daß der Zweck der neueinzu- leitenden Untersuchungen sei, von den Denkschriften der Verbände und den Schlagworten zur wissenschaftlichen Wahr- h e i t vorzudringen.?e weniger man seither von dieser Arbeit der Cnquetekommission hört, um so mehr macht sich das Institut für Konjunkturforschung bemerkbar, das ja ebenfalls nach „der Wahrheit in der Wissenschaft vom Wirtschaftsleben" strebt. Nach unserer Auffassung wird es nun langsam Zeit, daß öffentlich energisch darauf hingewiesen wird, wie sehr sich dies« neuen Jnstitu- tionen der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung von ihrem programmatischen Ziel entfernen. Kein Verständnis für Selbstbeschränkung. Sicher ist Konjunkturforschung nicht nur nützlich, son- dern auch notwendig, obwohl sie auch etwas zur Mode geworder» ist. Den größten Erfolg wird sie wohl immer dann haben, wenn sie an jedem neuen Tage mit erneuter Vorurteilslosigkeit an das statistisch« Rohmaterial herangeht, und wenn sie den Mut hat— und den nötigen Mutterwitz—, um aus der Wirtschaft durch geschickte Griffe die Ziffern herauszunehmen, di« dort an den Knoten- punkten der Produktion automatisch immerfort sich ansammeln, ohne daß sie bisher für die Gesaintwirtschaft verwertet wurden. Unsere ofsizielle Konjunkturforschung geht andere Wege, sie will Prognosen stellen, das heißt, sie möchte das Wirtschaftwetter voraussagen. Zum Ueberfluß gibt sie wahllos in Ergänzungs- heften den bizarrsten und merkwürdigsten Einspännern Gelegenheit, ihre Ideen gedruckt zu sehen. So erlebte die erstaunte Oesfentlichkit vor kurzem, daß das Institut für Konjunkturforschung eine Arbeit des Prof. Schmidt, Frankfurt a. M., herausgab, in der dargestellt wurde, daß eigentlich nur ein Rechenfehler die Ursach« zur Konjunktur sei, nämlich die Nichtbeachtung des Wieder- beschassungspreiscs— den wir seit der Inflation schon gestorben wähnten. Jetzt hat nun wieder das Institut für Konsunktursorfchung ein Ergänzungsheft herausgegeben: in ihm wird auf über kl) Quart- feiten die„strukturelle" Arbeitslosigkeit«'.klärt. Der Bearbeiter dieses Problems ist der oben erwähnte Professor v. Zwiedineck-Südenhorst, München. Sleigt die Arbeikslosigkeil bei höheren Löhnen und kürzerer Arbeit? Sicher gibt es kaum ein interessanteres Problem zur Durch- forschung als das über die Ursachen der Arbeitslosigkeit. Was läßt aber statt dessen das Institut für Konjunkturforschung zu? Der cherr, Professor spitzt sein« Arbeit daraus zu und„stellt unter Bs- weis", daß die Steigerung der Löhne die Arbeits- losigkeit oermehr«, daß durch individuelle Steigerung der Produktivität, also durch Mehrarbeit, die Arbeits- losigkeit sinke, und daß die Arbeitszeitverkürzung auf dein Umweg über Arbeitskostenverteuerung wiederum den Arbeitsmarkt in Gefahr bringe! Der Herr Professor schließt mit der Bemerkung, so paradox es auch scheine, es bleibe doch richtig, daß bei zu geringer Kaufkraft nicht die Lohn- und Gehalts- fteigerung, sondern gerade die Verringerung der Arbeits- kosten das geeignete Mitt-.l zur Kaufkraftoermehrung und damit zum Abbau der Arbeitslosigkeit sei. Weil er wohl schon voraus- geahnt hat, daß ihm das so leicht keiner glauben wird, schließt er dieser Erkenntnis jenen Stoßseuf.zer an. der diesen Zeilen als Motto vorgesetzt wurde. Bei dem wissenschaftlichen chochinut, der in den Schlußfo�gerun- gen jener Studie des Instituts für Konjunkturforschung über die Ursachen der Arbeitslosigkeit besonders zum Ausdruck kommt, muß es sehr schwierig erscheinen, auch nur eine Diskussionsbasis zu Ichaffen, ganz zu schweigen von einer sachlichen Verständigung. Des- wegen sei hier nur an einem Beispiel der Versuch gemacht, den Herrn Professor aus dem Gestrüpp seiner eigenen Argumente herauszuziehen. Professor v. Zwi edi ncck-Südenho rst nimmt als praktischen Be- weis für seine theoretische Behauptung, daß steigende Löhne zur Arbeitslosigkeit führen, die Gestaltung des Vcruarbeilermarktes. Er schreibt wörtlich:„Schon im Jahre k924 waren im Baugewerbe im April und Mai mit der Belebung des Geschäfts Lohnerhöhungen eingetreten, denen alsbald Steigerungen d er Arbeits- losigkeit folgten. Dann folgt ein gewisser Stillstand in der Lohnentwicklung, und die Wirtschaft scheint sich in die neue Sachlage hineinzufinden, der Beschäftigungsgrad steigt. Mit der Belebung des Baugewerbes, die schon im Februar einsetzte, ging die Arbeitslosigkeit auf dem Lauarbeitermarkte scharf zurück. Da folgten zunächst April-Mai die ersten beträchtlichen Lohn- e r h ö h u n g e n. di« sich Juni und Juii fortsetzten, obgleich schon im Juli eine Steigerung der Arbeitslosigkeit eintrat, die sich von da ab bald mit großen Sprüngen ent- wickelte." Der Herr Professor behauptet, daß dieselbe Folge auch in ande- ren Gewerben zu beobachten sei, wie Spinn- und Metall- Industrie einschließlich Maschinenbau. Weiter findet er die Bestätigung seiner Argument« rückschließend in der Tatsach«,„daß das vergleichsweise Stagnieren und schließliche Sinken des Lohnniveaus 1926 von der starten Vermehrung der in Arbeit stehenden Arbeiter, vom Rückgange der Arbeitslosen- ziffer begleitet war".(Bei dieser Behauptung sind sogar die Tatsachen falsch, wie weiter unten die Zahlen zeigen!) Die Klogen über die hohen Vauarbeiterlöhne und die Witze über den teuren Maurerschweiß sind nicht nur alt, man sieht, sie erscheinen in abgewandelter Form sogar dann wieder, wenn ein Institut fiir Konjunkturforschung Professoren ihre Theorien«nt- wickeln läßt. Wir stellen deswegen als Antwort einmal fest, was für seinen„gestiegenen" Lohn der Berliner Istaurer heute leistet. Nach den Feststellungen des Verbandes der Baugeschäfte von Groß-Berlin(Unternehmerorganisation!) leistet heute der Lohn- maurer täglich etwa 629 Stein«, der Akkordmaurer 1399 bis 1299 Steine. Nach den Untersuchungen über die Arbeitsleistung der Maurer in den Bereinigten Staaten wurden dort im Acht- ltundentage durchschnittlich für den Mann 1364 Steine festgestellt. Dabei ist aber zu beachten, daß der amerikanische Normalsiein 2,2 mal 19 mal 20 Zentimeter mißt, der deutsche Normalziegel hat die Abmessungen von 6,2 mal 12 mal 22 Zentimeter. Ein Kubikmeter Mauerwerk sind in Amerika etwa 799 Steine gegenüber den bei uns üblichen 499 Steinen. Berücksichtigt man also Inhalt und Gewicht der Steine beim deutschen Maurer, so beträgt die Durchschnittsle-stung im Lohn und Akkord zusammen etwa fünf- zig Prozent mehr als die des amerikanischen Maurers. Diese Arbeitsintensität wurde erst mit Abschluß der Inflation in rascher Folge erreicht. Die Löhne sind nicht in diesem'Maße gestiegen. Also müßte eigentlich die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe aus ,zu fleißiger Arbeit und aus nicht zureichend gestiegenen Löhnen entstanden sein. Nebenbei sei erwähnt, daß der amerika- nische Maurer in seinem Lohne eine ganz andere reale Kauskrast besitzt als der deutsche Maurer. Die Leistungssteigerung gerade im deutschen Bau- gewerbe ist ganz wesentlich größer als die Lohnerhöhungen, die dabei zum Teil nur nominale sind. Das gilt auH für alle"anderen Berufe in Deutschland. Der Halbjahresbericht der Reichskredit- g e s e l l s ch a f t zeigt, daß seit Anfang 1926, also in einundeinhalb Jahren, die Löhne der gelernten Arbeiter von 139.2 auf 132,9 0913 gleich 100), die der ungolennten Arbeiter von 144,9 aus 123,1 gestiegen sind, daß demgegenüber aber die Lebenshaltungs- k o st e n in der gleichen Zeit von 139 auf 146,4 ange- wachsen sind. In die gleiche Zeitperiode fällt ungeheure Ar- beitslosigkeil. ebenso aber auch riesenhafteste Produktionssteigerung! Die Arbeit des Herrn Professor v. Zwiedineck-Südenhorst mag unter Theoretikern und für Theoretiker ihr« Verdienste haben. Denn das heißt schließlich nicht allzu viel und ist, wenn die Schlüsse falsch sind, auch ohne größere Gefahr. Aber als Ver- öffentlichung des Instituts für Konjunkturforschung wird sie von der breiten Oesfentl'chkeit als Stellungnahme des Instituts gewertet, und zwar auch dann, wenn die Veröffentlichun- gen formell unter der Verantwortung der Verfasser gehen. Geht das so weiter wie bisher, so werden die Veröffentlichungen des Instituts in der öffentlichen Meinung bald auf das Niveau von Interessenten- denkschriften herabgewürdigt sein. Hier liegen Gefahren, denen zu begegnen es inzwischen hohe Zeit geworden ist. Kurt H e i n i g. Die Macht öes Stahltrusts. 1250 Mill. Umsatz.— lOOprozentige Leistungssteigerung.— Die neue Anleihe. Der Ruhrmontantrust verrät über seine inneren Produktions- Verhältnisse im allgemeinen recht wenig. Wenn er aber Geld braucht, muß er etwas gesprächiger werden. So erfährt die deutsche Oeffentlichkeit jetzt auch wieder einiges über die Beschäftigung und Entwicklung der Werke, weil der Stahltrust in New York eine 39-Millionen-Dollar-Anleihe aufzunehmen gedenkt. Die Belegschaft der Vereinigten Stahlwerke-A.-G., die im ersten Vierteljahr 1927 191 261 Mann betrug, ist im zweiten Viertel- jähr auf 192 992 Mann ge st fegen. Die Kohlenproduktion hat sich von 6,66 auf 6,19 Millionen Tonnen vermindert, die Kokserzeugung ist von 2,94 auf 2,98 Millionen, die Roheisenerzeu- gung von 1,26 auf 1,63, die Walzelfenproduktion von 1,22 auf 1,22 Millionen Tonnen erhöht. Die Rohstahlerzeugung ist gegen- über dem 1. Quartal d. I. mit 1,72 Millionen Tonnen gleich ge- blieben. Nur in der Kohlensörderung zeigt sich also im zweiten Vierteljahr ein kleiner Rückgang. Außerordentlich groß sind die Produktionsunterschiede gegenüber dem ersten Vierteljahr der Gründung des Trusts. Seit April 1926 ist die Kohlenförderung um 13,8, die Kotserzeugung um 37,9, Roheisenerzeugung um 62,9, die Rohstahlerzeugung um 64,4 und die Walzeisenerzeugung um 22 P r o z. g e st i e g e n. Dem- gegenüber zeigt jedoch die Belegschaft eine Vermehrung von insgesamt nur 13 Proz. Während im Durchschnitt die Gesamterzeugung um 47,4 Proz. erhöht wurde, erweiterte sich die Belegschaft um fast nur ein Viertel dieser Steigerung. Der U m- s a tz der Vereinigten Stahlwerke betrug in den ersten 12 Monaten � ihres Bestehens f a st 1220 Millionen Mark, wovon rund 489 Millionen auf den Export fallen. Nicht weniger als 42 Proz. der deutschen Eisen- und Stahlausfuhr entfielen damit auf den Ruhrmontantrust. Noch überraschender als die Ent- Wicklung des Gesamttrusts ist die der August-Thyssen-Hütte, Hamborn. Während die Belegschaft gegenüber April 1926 gleich- geblieben ist. halte sich die Roheisenerzeugung im März 1927 um 99.1 Proz., diejenige an Rohstahl um 113,1 Proz. und an Walzelsen um 113,8 Proz. gesteigert. In so schlagender Weise und mit so großer Beweiskraft, wie es hier geschehen ist, ist festen die Steige- rung der Produktivität durch die Erhöhung der Arbeitsleistung pro Kopf erkennbar geworden. Daß der Ruhrmontantrust in diesem Falle gesprächiger ge- worden ist als sonst, Hot auch noch einen besonderen Grund. Die geplante 39-Millionen-Anleihe mußte nämlich, da die Vereinigten Stahlwerke schon für frühere Auslandsanleihen ihren g e s a m t en Werksbesitz verpfändet haben, gegenüber den Geldgebern durch die besonders große Leistungsfähigkeit der Werke empfohlen werden. Ohnehin befinden sich die Vereinigten Stahlwerke mit ihrem Geldbedarf jetzt in einer unangenehmen Lage. Weil für frühere Anleihen die Werke schon voll verpfändet sind, mußte der Trust von seinen Einzelgesellschasten jene 129 Millionen G e- nußscheine zurückerwerben, die bei der Gründung des Stahltrustes über das Aktienkapital hinaus ausgegeben worden sind. Der Gegenwert dieser 129 Millionen wird von den Genußschein- inhabern g e st u n d e t werden und unter den Verpflichtungen des Stahltrusts erscheinen. Man darf daraus zum mindesten den Schluß ziehen, daß die Vereinigten Stahlwerke nicht in der Lage sind, wie es sicher ihre Absicht war, die großen Neuanlagen aus laufenden Einnahmen zu sinanzieren. Darüber hinaus aber wird die von uns stets vertretene Ausfassung bestätigt, daß die Vereinigten Stahlwerke llberkapitalisiert sind. Nicht mit Unrecht wird man in diesen Zusammenhängen einen der entscheidenden Gründe dafür zu suchen haben, daß die deutsche Schwerindustrie in den letzten Monaten so hartnäckig um Eisen- und Kohlenpreiserhöhungen gekämpft hat, die dem Ruhrmontantrust bei weiterer Fortdauer der guten Kon- junktur die keineswegs angenehme Anleihe vielleicht erspart hätten. Oer überwundene klasienegoismus. Ein Kapitel praktischer Faschismus. Aus San Remo wird uns geschrieben: Italiens Vertreter beim Völkerbünde erklärte in einer der letzten Sitzungen:„Der Faschismus hat den Klassenegoismus in Italien überwunden" Danach hätte der Gemeinsinn gesiegt: der Fabrikant, der Händler verzichtet auf übermäßigen Gewinn, der Hauswirt auf erhöht« Mietspreise und der Arbeiter und der Angestellte willigen in Lohn- und Gehaltsabzüge. Im gleichen Sinne äußert« sich unlängst der Generalsekretär des Faschistenbundes: er lobte römische An- gestellt«, die, obgleich sie hauptsächlich von-Cafälaste(Milchkaffee) leben, dennoch einen Teil ihres Gehaltes zugunsten der Wledex» Herstellung der italienischen Lira opfern. Diesem Beispiele folgten die Oelerzeuger. Sie setzten den Kilopreis für das allerfeiaste Olivenöl von 12 Lire auf 11,72 Lire herab. Es gibt in der Welt nichts Besseres als dieses Oel: es ist vom besten Geschmack, übertrifft beim Kochen und Braten die Butter, ist also in jedem Haushast un- entbehrlich und die Ausgaben hierfür fallen ins Gewicht. Aber man muh näher zusehen: Im Jahre 1926 kostete das Kilo Oel beim Kurse van 6 Lire— 1 Mark 19 Lire oder rund 1,79 Mk. Die italienische Lira wurde weiter im Kurse gesenkt und die Oel- erzeuaer brachten den Kilopreis von 19 auf 12 Lire:= 1,69 Mk. beim Kurse von 7,29 Lire— 1 Mk. Seit einigen Monaten bewegt sich der Kurs der italienischen Lira zwischen 4,19 und 4,29 Lire für 1 Mk. Bei dem heutigen gesenkten Preis von 11,72 Lire kostet also das Kilo Oel 2,79 Mk. oder gegen früher etwa 49 Proz. mehr! Nicht weniger wichtig im Haushalte ist der Z u ck e r. Bei einem Kurse von 6 Lire für 1 Mk. kostete das Kilo 6,39 Lire= 1,92 Mk. Dieser Preis wurde erhöht auf 7,29 Lire beim Kurse von 7,29 Lire für 1 Mk Man zahlt aber jetzt bei dem niedrigen Kurs: von 4,39 Lire für 1 Mk. 7,29 Lire für 1 Kilo, in Konsumvereinen 6,69 Lire oder in Mark 1,69 bezw. 1,23. Der Zuckerpreis hat also eine Erhöhung erfahren von mehr als 60 Pfg. für das Kilo. Anders scheint es nur mit dem Brotpreis zu sein, der durch den Regierungsdruck um fast 29 Proz. heruntergebracht und normal ist. Das Kilo Brot kostet jetzt in ganz Italien 2,19 Lire oder rund 29 Pfg., aber die Qualität des Brotes ist schlechter. Man hat sich freilich g?gen die Preissenkung zu helfen gewußt: es wird teueres Spezialbrot gebacken: einmal Brot mit Oel das Kilo für 3,29 Lire, dann Brot für den zarten oder kranken Magen zu ähnlichem Preise. Im ganzen ist das Brot, wie es früher war, beim besseren Kurs der Lira teurer als beim schlechten. �. Die italienischen Hauswirte sind für den„sacro Egoismus, sie erhöhten die Mieten, kündigen oder verlangen den Kauf der Wohnung bis 1. Oktober d. Is. Man sucht zu begütigen oder droht mit Zwangsmaßnahmen: doch die Hausbesitzer lassen nicht locker: auch sie sind für die„Ueberwindung des Klassenegoismus, aber nur bei den Mietern. Die Mieter sollen die erhöhten Preise weiter zahlen, wenigstens solange, als Eisenbahnsahrpreise und Pnrtokosten nicht im gleichen Verhältnis ermäßigt worden sind. Der vom Faschismus angeblich überwundene Klasienegoismus ist ein politisches Märchen: erfunden von den Hütern des Faschismus, um die nur stärker ausgebeuteten Arbeiter und Kon- sumentenmasssn zu übertölpeln. Oer lthemietruft in öer Iilmmöusirie. Kürzlich hat die T e r r a- F i l m A.-G., Berlin durch Beschluß ihrer Generalversammlung ihr Aktienkapital um 1,2 auf 2,2 Millionen Mark erhöht, nachdem schon früher eine Erhöhung von 9,38 auf 1.9 Millionen Mark erfolgt war. An dieser neuen Kapitalerhöhung ist besonders interessant, daß die IG. Farbenindustrie, der deutsche Ehemietrust, die Hälfte der neuen Aktien übernommen hat. An sich läge nicht viel daran, weil die IG. Farben über ihre Berliner A.-G. für Anilinfabrikation starke Interessen als Filmlieferant hat. Dabei muß aber auffallen, daß die Beteiligung gerade bei der kleinen Terra- Film A.-G. erfolgt, während zum Beispiel die Ufa ein bedeutend größerer Abnehmer des Chemietrusts für Filmrohstoffe sein könnte. Pikant wird die Sache dadurch, daß an der Terra-Film A.-G. schon der U l l st e i n- V e r l a g beteiligt ist, und daß der Chemietrust jetzt mit Ullstein zusammen die Terra-Film A.-G. beherrscht. Man braucht daraus zunächst noch keine weiteren Schlüsse zu ziehen. Aber wenn man überlegt, daß es Hugenk g und damit die Scherl- presse ist, die heute die Usa b.; rrscht, so ergibt sich eine immerhin recht interessante Konstellation. Man wird diese Zusammenhänge für die weitere Entwicklung des deutschen Filmwesens im Auge behalten müssen._ 30 proz. Umsatzsteigerung bei öer HEG. Wie die Großeinkaufs gesellschaft deutscher Kon- sumvereine Hamburg mitteilt, hat sich ihr Gesamtumjatz im ersten Halbjahr 1927 auf 169,46 Millionen Mark er- höht. Im ersten Halbjahr 1926 belief sich der Gesamtumsatz auf 123,26 Millionen. Es ist insolgedessen gegenüber dem Jahre 1926 eine Umsatzsteigerung von nicht weniger, als 39,1 Proz.� zu verzeichnen. Ein wertvolles Zeichen aber sür die L e i st u n g s s ä h i g k e i t der eigenen Fabriken ist der große Anteil, der der Absatz von eigenen Erzeugnissen an der Unisatzsteigerung hat. Gegenüber dem ersten Halbjahr 1926 wurden bis Juni d. I ie Verkäufe selbst er- zeugt er Waren von 20,28 auf 22 I Millionen Mark oder um 22,86 Proz. erhöht. Der Absatz der eigenen Erzeugnisse hat also das Verhältnis der allgemeinen Umsatzsteigerung fast erreicht, und es stt sicher nur der übergroßen Erweiterung des Gesamtumsatzes zu- zuschreiben, wenn bei voller Ausnutzung der eigenen Erzeugungs- betriebe der Anteil der GEG.-Fabriken an der Umsatzerweiterung nicht ebenso hoch ist._ Große österreichische Clektrizilätsprojekle. Zwischen dem R h e i- nisch-We st sälischen Elektrizitätswerk und der Tiroler Landesregierung finden gegenwärtig wichtige Verhandlungen über den Austausch elektrischer Energien statt. Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk hat bekanntlich seit längerer Zeit sein eigenes Kraftnetz mit dem der süddeutschen Wasserkraftwerke durch Hochspannungsleitungen verbunden, um eine gleichmäßigere und rentablere Ausnutzung seiner Anlagen zu erzielen. Diese Bestre- bungen erfahren jetzt durch die Verhandlungen mit der Tiroler Landesregierung einen weiteren Ausbau. In Tirol ist geplant, eine große Kraftzentrale in der Nähe von Imst zu errichten, um mittelst einer 229 999 Voltleitung von dort den Strom nach Deutsch- land auszuführen. Auch die st e i e r m ä r k i I ch e Landesregierung baut ein großes Kraftwerk an der Enns, für das die Deutsche Kredit- anstalt für Perkehrsmittel in Berlin die Konzession und die AEG. sowie die Siemen S-Schuckertwerke wahrscheinlich die Ausführung erhalten. Wie gemeldet wird, ist für die Arbeiten eine Zeit von 2— 6 Jahren vorgesehen, wobei der Gesamtaufwand auf 199 Millionen Dollar geschätzt wird. Allerdings dürfte an diesem Betrage mindestens eine Null zuviel sein. Di« preußischen Sparkassen im erslen Quartal 1927. Im preu- ßischen Staatsgebiet hat sich der Gesamtspareinlagenver- kehr im Januar um 189,9 Millionen Mark gleich 9 Proz., im Februar um 129,9 Millionen Mark gleich 2,2 Proz., im März um 99,2 Millionen Mark gleich 3,9 Proz. vermehrt und betrug somit im ersten Vierteljahr 1927 392 Millionen Mark gleich 19,4 Proz. Der absolute Zuwach- war um 172,8 Millionen Mark oder um 81,3 Proz. höher als im ersten Vierteljahr von 1922 und um 139,7 Millionen Mark oder um 29 Proz. höher als im ersten Vierteljahr 1926. Im Giro-, Scheck- Kontokorrent- und Depo- sitenverkehr betrugen im ersten Vierteljahr 1927 di« Einzahlungen 2296,1 Millionen Mark, die Auszahlungen 2224,8 Millionen Mark und die Guthaben am 1. Zlpril 828 Millionen Mark. Die Vorschüsse beliefen sich zu dem gleichen Zeitpunkt auf 1978,2 Millionen Mark. Der Rudols-Karstadt-Konzcrn hat bekanntlich sein Aktienkapital um 22 Millionen Mark erhöht. Bei der Veröffentlichung des Zu» lajsungsprospektes wird mitgeteilt, daß sich das Gesamt» personal gegenwärtig auf 19900Köpsestellt. Im Jahre 1926/27 betrug der Umsatz 174,6 Millionen Mark. Baldige Auslegung der harztalsperreu-Aaleihe. Die Ve» r a t u n g s st e l l e sür Auslandsanleihen hat von der 3- bzw. 6-Millionen-Dollar-Anleih« der Weftharztalfperren, die durch die Provinz Hannover aufgenommen werden, zunächst nur einen Teilbetrag von 1 Million Dollar genehmigt. Voraussichtlich wird diese Teilanleihe in Bälde ausgelegt werden. Der Zeichnungskurs soll auf 92 Proz„ der Zinssatz auf 6 Proz. fest- gesetzt werden. Der Anleihevertrag wird demnächst unterzeichnet werden. Soattabenö 2Z.�ull 1927 32Xazmou Der Habicht schreit aar �Marmorbrach. Da ist Sonne nnd Ä�ind nnd Freiheit genug. V5ir lieben dich— kühner Habicht! S)er �Meißel klirrt, der Schlegel schwingt— Und der jüngste der'Werker, der lacht nnd singt. Da ist Sonne nnd'Wind und der Habicht. Doch der alte �Werter» schon schies und kruiuin, Der ist ernst nnd bitter, sein ÄNund bleibt stumm— Er hört nicht den Schrei des Habichts. Die Schleiserei, ra— ri ra— rank, Ei, wie wird der �Marmor blank— Herr TInternehmer rechnet. Die groKe Stadt, das seine Eas6, Der ÄNarmortisch, nnd dann uijehl, 3Xms Tischchen die saubereu Damen. Ligenuermnsik— nnd Psropseukuall— Der 5Xelche genießt— so ist's überall. Doch am Steinbruch schreit kühn der Habicht! üZta* Dort». Paul. Bon Joses pagfoc. (Auto, i j i � r t e Uebersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mezei, Wien.) Mich hat �in Kind, ein xanz unscheinbarer Fratz davor b«- wahrt, meine Frau zu betrügen, erzählte ein Mann. Damals kam auch meine Frau manchmal mit mir in mein Stammkaffeehaus. Und es tvar für mich immer eine große Freude, wenn �fie mich mit ihrem Erscheinen an meinem Tische beehrte. Paul, das magere, schmächtige Bürschlein, war dort Zeitungs. hinge. Sei�e blaffe Gesichtshaut, feine traurigen, verträumten Augen und fein nachdenkliches Gesicht, dann der in dem schwarzen Ai�zug noch hagerer scheinende Körper erinnerte mich immer an Dickens Oliver Twist, an den vor dem Leichenzug dahinschreitenden trauri- gen kleinen Oliver, der in dem Sarggeschäft allnächtlich in einem Sarg einschlief. Die meisten Zeitungsjungen warfen binnen weniger Monate den Blütenstaub ihrer Familie von sich ab und mausern sich zu scharfäugigen, dienstbeflissenen. Gaunern. Paul ändert« sich nicht so leicht. Paul war eine Individualität. Er war aufrichtig und des- halb sah ich manchmal in seien Augen auch Tränen erglänzen. Aber die Tränen verließen nicht die Augen. Obwohl er noch ein Kind war, preßte er doch den Mund zusammen und weinte nicht. Paul war noch niemals verliebt gewesen. Er mußte den müden Herren mit halb erloschenen Herzen pikante, frivole Blätter >utragen, aber sein Blick Llitt über die nackten Zeichnungen hinweg, als würde er noch immer an ein längst abgenutztes Hutjchpfero denken, das zu Haufe irgendwo auf dem Dachboden herumliegt. Paul log nie. Einmal beschuldigte ich ihn scherzhaft einer Lüge. Darauf schaute er mich traurig an und fragte mich mit bebender Stimme: „Warum sagt das der gnädige Herr? Ich lüge nie." Als meine Frau das erstemal ins Kaffeehaus kam, bemerkte ich, daß Paul plötzlich aufgeregt wurde. Er war immer dienstbe- flissen, jetzt aber legte er alles so auf meinen Tisch, als wäre es aus feinstem Glas gewesen. Er hätte meiner Frau nicht um die Welt ins Gesicht geblickt, aber ich bemerkte, wie er sie hinter einer Säule hervor, sich hinter einer Zeitung verbergend, voller Entzück'en betrachtet«.' Ich lächelte natürlich. Eine Huldigung tut einem stets wohl und komme sie auch von wem immer. Um so frischer, rührender war diese Sache, weil ich wußte, daß Paul noch niemals an eine Frau gedacht hat. Als ich am nächsten Tag ins Kaffeehaus kam, tat er sehr ge. schästig um mich herum. Ich bemerkte, daß er etwas sagen will. Sch ueßlich fragte er mich, auf meinen Tisch gestützt, mit kindischer Selbstvergessenheit und leicht gerötetem Gesicht: „War das die Gemahlin des gnädigen Herrn, die gestern hier mar? Nicht wahr, Ihre Gemahlin?" Er sah mich mit offenem Blick an. „Wer sollte es denn sonst sein, Paul?" Paul seufzte. Seine Hand bewegt« sich plötzlich auf dem Tisch, und mit ausleuchtenden Augen, sin wenig lächelnd, sagte er: „Ich möchte sehr gern wissen, welche Blätter die gnädige Frau gerne liest, damit ich diese, wenn sie kommt, gleich bringen kann." Ich blickte ihm in die Augen. Pauls Gesicht wurde schöner. „Du! Dieses Kind aus dem Kaffeehaus ist In dich verliebt," , ruch ich zu Hause zu meiner Frau. Die Frau lachte leicht, fröhlich. Slls sie das nächste Mal wieder ins Kaffeehaus kam, betrachtete sie den Jungen genauer. Einmal begegneten sich auch beider Augen. ch.aul wendete verlegen rasch den Blick ab und meine Frau lächelte, sich plötzlich zu mir wendend. Ich verlangt« von ihm irgendein Blatt. ' Er antwortete kühl, so daß ich betroffen wurde. „Nun, was ist das. Paitzl?" Meine Frau blickte verwundert auf den Jungen, dann ent- nahm sie ihrer Handtasche plötzlich eine Konfitürentüte und reichte sie Paul. Und sanft, freundlich sagte sie: .Nehmen Sie, Paul... weil Sie so aufmerksam waren..." !siaul stand verlegen, die Hand zurückziehend, zusammenge- krümmt vor uns. Er senkte den Blick und flüsterte bloß: „O. gnädige Frau!" � „Nun!" ermunterte ihn meine Frau. Endlich griff er mit zitternden Fingern in die Konfitürentllte. Und plötzlich fragte er dankerfüllt, mit strahlende, n, gerötetem Gesicht: „Wünscht die gnädig« Frau nicht dos„Chic Parisienne"? Es ist ein« ganz neue Nummer." Und sich zu ihr neigend, fügte er leise hinzu: „Wenn irgendein Modell der gnädigen Frau gefallen sollte, Der Ertappte. Lehrer Braun:„Also, Schüler Kendell, wiederholen Sic, wie sich die Beratung der Berfassungsseier im Reichsrat wirklich abgespielt hat." Schüler Seudell:„Herr Lehrer.... ich... ich... bin henke nicht präpariert!" nehme ich es aus dem Blatt heraus... die Damen stehlen sie ja ohnehin." Als er fortging, sagte ich zu meiner Frau lachend: „Er stiehlt auch schon für dich!" Meine Frau blickte nachdenklich vor sich hin: Laß' den Armen!... Bielleicht hat er niemals seine Mutter gekannt... Bielleicht hat ihn niemals sanft eine Frauenhand ge- streichelt... Es verging etwa eine Woche, bis meine Frau wieder ins Kaffeehaus kam. Ein kleiner Bub brachte Rosen in das Kaffeehaus. Ich kaufte einige und stellte sie in das Glas meiner Frau. Ich sah, wie Paul selbe lange betrachtete. Meine Frau nahm die Rosen aus dem Glas und roch an ihnen. Paul tat geschäftig um uns herum. Plötzlich blieb er stehen. Er legte irgendeine Zeitung auf unseren Tisch und betrachtete die Rosen. „Schöne Rosen," sprach er leise.„Sie müsien sehr gut riechen." Dann glühte plötzlich sein Gesicht. Seine Augen wurden von kindlicher Sehnsucht erfüllt, als die Worte feinen Lippen ent- schlüpften: „Gestatten Sie es, daß ich an den Rosen rieche?" Meine Frau reichte ihm die Blumen. Paul nahm das Glas und hob es mit seiner kleinen, schmalen Hgnd an die Nase. Er schloß die Augen, sein« Nasenflügel senkten sich auf die Blumen, wie eine nach Blütenstaub dürstende Biene, und er sog langsam den �ttift der Rosen ein. Er stellte das Glas nieder. Er sprach kein Wort. Erst als er schon einige Schritte von unserem Tisch entfernt war, drehte er sich um und sagte verlegen: „Ich danke!" Auf Pauls Stirn« strahlte irgendein kindlicher, lächelnder Stolz. Seine Schritte wurden flinter. Er kam nicht zu unserem Tifche, nur manchmal blickte er zu uns herüber. Man sah ihm an, daß er am liebsten herumgesprungen wäre. Er warf eine Ansichtskarte in die Höhe, fing sie geschickt auf und blickte triumphierend auf meine Frau.... Dann verreiste meine Frau auf längere Zeit und so kam sie nicht ins Kaffeehaus. Als ich eines Tages wieder ins Kaffeehaus kam, war ein neuer Zeitungsjunge dort. Ich fragte den Oberkellner. „Wir mußten ihn weggeben," entgegnete dieser,„denn er war sehr zerstreut. Er grübelte in einem fort und starrte in die Luft. * Es war zu Frühjahrsbeginn. Meine Frau war verreist. Ich kam in der Au auf einer von der Sonne beschienenen Bank neben eine Frau zu sitzen. Die Frau lieh die Handtasche fallen, ich hob sie auf und übergab sie ihr. Ich lächelte und sie blickte zurück. Ich sprach sie an und sie antwortete freundlich. Zuerst spielte ich nur mit den Worten. Es reizte mich, zu erfahren, was ich kann. Das interessiert uns Männer eigentlich stets mehr als das Abenteuer selbst. Dann ein« Einladung aus eine Tasse Tee in das nächst- gelegene Kaffeehaus, das doch ohnehin schon am Ende der Welt ist. Die Frau weigert sich, schließlich geht sie aber darauf ein. Kaum hatten wir uns im KoifeeHaus niedergelassen und etwas bestellt, stand, wie aus der Erde emporgeschossen, plötzlich Paul vor mir. „Paul," sprach ich ihn an,„hier bist du also jetzt?" Und ich fühlte, daß ich bis über die Ohren errötete. Paul starrte mich zuerst verwundert an, dann warf er einen! Vellage des vorwärts verachtungsvollen Blick auf die Dame, die sich anmutig» erwar- tungsooll und mit grüßt« Ruhe an dem Tisch niederließ. Paul antwortet« nicht auf mein« Frage, aber er warf mir einen tiefen, vorwurfsvollen Blick zu. Und mit herausfordernder Kälte sagte er bloß soviel: „Abendblätter oder illustrierte Blätter?" Ich maß Paul von Kopf bis Fuß und versuchte, meine Ruhe zurückzugewinnen. Es gelang mir aber Nicht. Die Frau tauchte den Löffel in die Schal«, machte einen Schluck und wendete sich dann mit gewählter Liebenswürdigkeit an den Jungen: „Irgendein Modeblatt." Paul maß die Frau und entfernte sich. Ich nahm die Frau erst jetzt näher in Augenschein. Sie war ganz hübsch, aber gegen ihren Geschmack und ihre Eleganz wäre viel einzuwenden gewesen. Ich blickte aus Paul, ich schämte mich. Paul blinzelte mir traurig zu, aber Blätter bracht« er keine. Ich nahm mich zusammen und schrie den Jungen zornig an: „Blätterl" Er nickt« ein wenig mit dem Kopfe und maß von der Seite die neben mir sitzende Frau. Sein Blick stach und brannte. Auch die Frau bemerkte es. Sie wurde unruhig und bemerkte affektiert: „Ist das aber ein frecher Fratz!" Ich weiß nicht, warum, plötzlich schnürte mir aber etwas die Kehle zusammen. Ich fieberte und ich hätte in meiner Wut am liebsten auf den Tisch geschlagen. Paul näherte sich uns mit trägen Schritten. Er schob wortlos einige Blätter auf unseren Tisch und wendete sich ob. „Paul," sagte ich ruhig und preßte den Mund zusammen. Paul dreht« sich um. Jetzt hätte ich etwas sagen sollen. Mem Gesicht brannte. Ich sprang auf. „Paul," sprach ich aufgeregt,„wo ist hier das Telephon?" Paul deutete mit abgewandtem Blick in die Richtung der Telephonzelle. „Zeige es mir," sprach ich zu ihm streng. „Verzeihung!" sagte ich zu der Dame und folgte Paul, der wortlos vor mir einhertrollte. Wir traten in die Telephonzelle. Ich blickte auf Paul, der auf das Telephon zeigte. Bebend, gepreßt brachen die Worte aus mir hervor: „Paul! Du sprichst also kein Wort zu mir? Paul? Du sagst mir nicht einmal, seit wann du hier bist? Wie es dir geht?" Paul senkte beschämt den Kopf und murmelt«: „Gnädiger Herr..." Ich fuhr mir über die Stirn. Paul schaute mich an. Vor- wurfsvoll und beschämt. Dann fragte er mich plötzlich in schmerz- lichem Ton: „Wie hat sich der gnädige Herr hierher oerirrt?" Ich konnte mein« Scham nicht loswerden. Ich hätte am lieb- sten mit den Füßen gestampft oder den Jungen geschlagen, aber er war so dünn, so mager und ttaurig. Ich trat zu dem Jungen. Ein wenig zögerte ich. Dann aber griff ich plötzlich in die Tasche und als hätte mir der Mund ge. brannt, so entströmten ihm die Worte: „Mein Junge..." Ich legte meine Hand auf seine Schulter. „Hier sind drei Schilling, gehe hinein und übergib sie dem Ober- kellner. Bezahle damit, was wir verzehrt haben.... Was von dem Geld« übrig bleibt, gehört dir.... Der Dam« sage, daß ich telephoniert habe und daß ich fort muß, da man mich dringend zu sprechen wünscht...." Ich schaute mich um und blickte auf Paul. „Sag', wo ist hier ein rückwärtiger Ausgang? Zeige ihn mir." Pauls Gesicht heiterte sich plötzlich auf und fein Antlitz strahlte. „Hier, gnädiger Herr, hier!" sagte er fiebernd.„Ich werde schon alles erledigen, gnädiger Herr. Hier kann man hinausgehen, gnädiger Herr. Sie kommen in eine kleine Gaffe, aber in einer Minute sind Sie bei der Haltestelle." Dankerfüllt, beflügelt von irgendeiner plötzlich entstandenen Freude blickte er mich an und sagte glücklich: „Es geht mir ganz gut, gnädiger Herr. Sie beliebten vorhin zu fragen. Es geht mir ganz gut." Er senkte den Blick und verstummte plötzlich. „Nur um den gnädigen Herrn tut es mir leid," flüstert« er. „Nur um den gnädigen Herrn... und um die gnädige Frau..." Ich nahm ihn beim Kinn, hob seinen Kopf in die Höhe, streichelte seine Haare und sagte mit einer schon lange nicht empfun- denen Rührung: „Lieber, guter Paul... ich wepde manchmal zu dir kommen ... wenn es einmal wärmer sein wird, wir werden mit dem Auto herauskommen.... Und auch im Sommer...." Ich trat auf die Straße hinaus und blickte nicht zurück Aber ich fühlte, daß Paul in der Tür steht und mir seinen Blick nach- schickt. Ich seufzte und eilte davon. Ich flüchtet« vor einer Dummheit. die ich später sicherlich sehr bereut hätte. Ich schämte mich noch ein wenig vor mir selbst, aber das verging bald. De? Mann lächelte und fügte nur das eine noch hinzu: „So hat mich Paul vor dem Fall errettet...." Ein königlicher Vielfraß. Bekannttich fand man nach dem November- Umsturz im Berliner Schloß derartige Mengen von erstklassigen Lebensmitteln, daß Wilhelm II. aus Furcht vor dem Verhungern ganz gewiß nicht geflohen sein konnte. Er hätte noch jahrelang aus leinen Vorratskammern einen Appetit pflegen können, wie ihn sein erlauchter Standesgenosse in Frankreich, Ludwig I X., zeitlebens bewiesen hat. Kardinal Dubois erzählt davon in seinen Memoiren erbauliche Dinge, so z. B.. daß Ludwig bereits zum Frühstück min- bestens drei verschiedene Gerichte verzehrte, die massenlmft ge- nossenen Früchte der Saison nicht mit eingerechnet. Zum Souper futterte der König allein soviel wie eine normale Arbeitslosen- samilie in vierzehn Tagen. Es war nicht selten, daß er vier Teller verschiedener Suppen aß, sich dann einen ganzen gebratenen Fasan einverleibte, zwei Salate daraus setzte, eine gehörige Portion Lamm- fleisch folgen ließ und das Ganze mit zwei großen Schinkenscheiben bedeckte. Zwischendurch wurde dann noch eine Portion harter Eier vertilgt und zum Beschluß ein Nachttsch von zahlreichen Obstsorten. Törtchen und Konfitüren genommen. Zu dieser Esserei paßte dann sehr gut ein ausgedehntes Gerülpfe und Geschmatze, das bei Ludwig IX. das Tischgespräch vertrat. Im übrigen war der König so besorgt um seinen Magen, daß er auf Reisen ungeheure Mengen Proviants mitnahm. Passierte ihm dann unterwegs etwas Natür- liches, stieg er einfach aus seinem Wagen und überließ es den be- gleitenden Hofdamen, nach der anderen Seite zu schauen!— Die Beziehungen dieses königlichen Vielfraßes etwa zu den Gesinnungen königlicher Häupter im letzten Kriege erhellen aus der Tatsache, daß zu Ludwigs IX. Zeiten wie denen des Krieges die breiten Masien des Volkes nicht wußten, wie sie ihren Hunger stillen sollten! % Arbeits rsp�rt. Verbanösrvochs 6er»IreZen Segler'. Zu der in der Zeit vom 10. bis 17. Juli stattgefundenen offi- Miellen Verbondsipoche lagen 178 Boots mit etwa 600 Meldungen vor. Di« von Jahr gu Jahr langsam aber ständig steigende Be> teiligung ist Beweis, daß unsere Arbeit für den freien Segelsport von Erfolg gekrönt wird. Sogar unser Bruderverein ICH. Lübeck schickte drei Boote mit Mannfchasten nach Berlin. Ein kräftiger und tanganhalteyder Regenguß bealeitet» das Gros der Flott« nach dem TSV fT«gel> und tür.st« die vorbereitenden Veranstaltungen des Tags. Am Sonntag, dem 10. Juki, eröffnete der Starter a.3st Uhr di« Verbandswnch« bei gutem Wetter— Wolken und Wind aus WSW. 5'A bis K Sekunden, in den Böen stärker, mit dem Rennen um die Meisterschaft der Ib�uadrotmeter-Rennjollen, deren Veranstalter der«Verein Spandauer Jollensegler" ist. Nicht, um die sogenannten Kanonen züchten, sondern um den besten und sleißigsten Mannschaften Gelegenheit zu einwandsreien seg» lerischen Kämpfen zu geben, veranstalteten wir diese sogenannten Einzelrennen. Der Start vollzog sich, der Qualität der Mannschaften ent> sprechend, mit dem Schuß. Voran log der vorjährige Meister E. Winzer„Freie Segler Müggelsee" mit seinem.Segelfattcr". Er mußt« es sich jedoch gefallen lassen, daß Freiheit II. LSI. „Diana", unser Lübecker Sportgenosse, sowie„Fridolin" zunächst vorbeizogen. Nach einem seglerisch hochwertigen Rennen passierten „Freiheit",�.Segelfalter".„Fridolin"(WSVN.) und„Diana" in der angeführten Reihenfolge die Ziellinie. Da„Freiheit" sowie „Segelfaltsr" wegen Verstoßen gegen die Wettsegelbestimmungen distanziert wurden, belegten„Fridolin" den ersten und„Diana" den zweiten Platz. v«:b«td, woche. Ilm 11.15 Uhr starteten wieder 170 Jachten bei Wind aus WSW., 5% bis 6 Sekunden Durchschnitt. Es zeugt gewiß von guter Technik, wenn in derartig großen Feldern(zu 30 Booten ein Start) Havarien selten sind. Schnellstes Boot der großen Klasse wurde die �Quadratmeter. Rennjacht„Rarziß" mit 1.48.56 Sekunden."Bum.Bum segelte gleichfalls eine gute Zeit heraus, mit welcher er seinen einstigen Konkurrenten, dem Favoriten des„DSL." zu schaffen machen würde. Die 20-Quadratmet«r-Kielboote führte„Windspiel". Hervor. ragend war„Rucki" an allen Tagen als M-Quadratmeter-Wander- jolle. Die IK-Ouadratmeter-Remisollen zeigten ein« gewisse Heber- anstrengung. Erster war«Segelsaiter". ihm folgte„Diana" unserer Lübecker Sportgenossen in vollgeschlagenem Aoöt.„Kühlerborn" als V-Quadratmeter-Rennjolle belegte den zweiten Platz, zeigte gute Ruder- und Schootführung. Die„Wetterhexe" lief ihrem Feld gleichfalls davon. Unsere neue IS-Ouadratweter-Wanderiollenklasse findet stetig neue Anhänger? trotzdem gute Konstruktionen(Drewitz) liefen, ließ sich„Ronchi" seinen ersten Platz nicht nehmen. Die lü-Ouadratmeter-Rennjolle brachte„Schnucki" als Sieger, da„Ahoi" zu früh gestartet hatte und distanziert wurde. Am Sonnabend, dem 16. Juli, starteten die Boote um 15 Uhr bei Wind NNW. 1 bis 3 Sekunden Durchschnitt. Während beim Start der Wind durchstand, so daß„Falke",„Elli",„Mai- käfer",„Genna",„Bum-Bum",„Heidy III",„Ronchi" und„Ahoi" ihre Klassen bis zur ersten Tonne führen konnten, schlief er im Verlauf der ersten Runde ein. Jetzt fanden die Leichtwetterboote ihr Wetter, sie gingen langsam aber stetig vor. Der„Maikäfer" führte al» erste» Boot, wohl kam ihm„Falke" näher, doch langte der Wind nicht aus. um ihn vorbeiziehen zu lasten. Nach Ver- kürzung der Bahn frischte der Wind etwas auf. Der erlangte Vor- sprung der Flautenläufer genügte, um sie„heil durchs Ziel" zu bringen. Bei totaler Flaut« starteten am Sonntag, dem 17. Juli, dem Schlußtage der Verbandswoche, 10.45 Uhr Klaste auf Klaste. Ein interessantes Bild, 150 Segeljachten an einer Tonne zusammen- geballt liegen zu sehen. Sportlich jedoch wertlos. Di« einzelnen Hauch«(Wind war es nicht zu nennen) vern, achten es nicht, ein- wandfreie Resultate«rseaeln zu lassen. Infolge der vorgerückten Zeit mußte auch dies« Wettfahrt nach einer Stunde abgebrochen wachen. Konnte» wir infolg« de» ungünstigen Wetters nur an einem Tage unser sportliche» Können richttg entwickeln, so beweist die beachtenswerte Teilnehmerzohl, daß der„Freie Seglerverband" be- strebt ist, den Segelsport unter die Arbeiterschaft zu bringen. Um M. galt! Dond-rN-ffe: 1. Falle, STF., 1: 53: 17; M-Quadratmeter. Zieunjachten, Älafff A: 1. Narziß, TSD., 1: 48: 22; Klasse B: 1. Windhund, TSD.. 1: 51 1«4; Nationale Jolle u: 1. Bum-Dum, SC. 1898, 1: 51:58; 20i>Q«odrBt»ct»».4Mell»»t»: l. Windspiel, TSD., 2: 08: 14; 20.2uadratMiter. Ziennjalen, Klasse A: 1. Dernia, TSV., 1:47: 52; Klasse B: 1. Olala, TSV., 1:»:48;«�nadratmetrr.Sani.ersolw': 1. Nu«. TS®., 1; 58: 38; 15.QU-. 18. Klass,: U Lud-rch-n. S«N.. 1: 59: 00; 19. Klasse: 1. Fraternitas lIugend. da-tz, SCF„ 1; 09: 88: 20.»lasse: 1. Windsbraut,£3301., 1: 52: 37; 21,«ioiic: 1. NacMtörnärm«, S.-v""i" Lübeck, 2: 26: 00;«lasse B: 1. Etuhla, TSV., 2:29:13; lö-Ouadratniete-. Rennjollen; 1. Heidn IN. WSBN,. 2: 25: 02; lS.Quadraim-ter.Halbr°nnIoll-:M 1. Cot II, TM!., 1:39: 25:>...~--- . o», 15.OvadratUle ter-Wanderjollen I 1. Ronchi ll, WEB«., 2:29: 22:' lO.Ouadratm-t-r.Renniollen: 1.«h-i III, WSVN, 1: 57: 22; Flosscnkieler: 1. La-rido, WSVN., 2: 32: 48: 2S.Quadratmctrr. Iollcnlreuzer: 1, Thul, IN, SV St.. 2: 37- 47.—«n�lleichsjoll-n: 18. Klasse: 1. Albatros, SC F.. Z: 38: 44; 17. Klasse: 1. Teufel, SVR.. 2: 29: 11; Sonntas, 17. z»l>: 8.M«t«r»Rennjachtrn: 1. Mailaser. TSD., 1:35:05; 30-Ouadratmeter.RrnnIachten,«lasse A: 1. Orion, TSD., 1: 50: 42; Klasse B: 1. Elli, TSD., 1: 5«; 58: Rationale Jossen: 1. Flirt, TSD., 1: 51: 33; TO-Ouadratirrter-Kirlboate: 1. Hohih», TSD., 2: 15: 30: 20.Ouadrot>n-tcr. Wandcrjollcn: 1. Rucki, TSD.. 1: 51: 22: 20.Quadratmct-r.RennioIlen, Klasse A: 1. Tibi». TSD.. 1:3,: 40;«lasse B:». Elise n, TS»., 1 s 51: 57; 15.2uadrat. i Fl-ssenlieler: 1. horrido, WSVN., 2; 18.2.3; 21. Cuadtatmt tct. Sollen tceuzcr: 1. Thüle m, SVSt,, 2:_48:#4.— Auogleichsjolleie: 1. Albatros, STF., 1. Windsbraut, EVEt., 2: 20: 28: 21.«lasse: 1. Nachts-dwiirmer, STF., 1: 55: 07; 22. Klasse: 1. Hete, SC. 1919, 2: 39: 13; 23. Klasse: L Siuii, SC. 1919, 2: 41; 43. Bei Sonnenbraid Creme I> \ Theater, Lichtspiele usw.j Volksbühne Ulli« im HölowQlatl Täglich 8 Uhr: Zu eboncr Erde «od erster Stock Th.KSoifcräli.St. Hasanheide 2110 8 Uhr: Die Sduiev.lU «•monienMii» Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht J?osc-7h8ater Cartenbähne S1/, Uhr: Konzert and Carter Teil 8 Uhr: Die icsiläewuwe fwosusisi man «Ol n.Mlltg? N tl r Gro3- Berti Alexanderplat 3 sSSMi sWlwo vZittllllssZ-.IissVSlI «.Sehlzmeisszrkev gegen Nachahmung geseni.. esch. t»rt!8>»e>l4»dat,r. als SpealnliiZt Coursi!»vUer halplig> bchiteuaiit i»Ii>i>d,r7-Ui>«er ill». kiuistler-Th R'U Uhr- Bitte, wer war znerst de 7 Lesslng-Theater 8'/, Uhr Israel Lustspiclhaus 8'/, Uhr Die Frau von 40 Jabrcn OeolsijigtM Morden 10334— ,17 : U. Ende Xp/, U. Der Hexer «"Bltialio- TDeat. Täglich 8V, Uhr: &er fröhliche Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zockmayer Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur«0 W. Die Komödie Bismarck 2414/7516 ♦'/* Endernii 10 Uhr Oer k«u3cli8 Lebemann Sommerpr.3— 10 M. Tisatcr am iDttti. Tor §Kettb. Str.« TägLSUhr> M-MW Heues ■ Programm. Juergens Alexander plfl� HEUTE SeMWIkBEWP WVSlK&mCMES WOCHENENOSE >NT ER NATIONALE KOMPONISTEN-REVUE ISv MUSIKER Aloxandor Egtessy v. 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