�benöausgabe Nr. 345 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 170 BtjussSebingunfwn und«nutaenmth fini> in der Morgenausaabe angeaebe» Nedakttoa: SW. SS. Llnvenstrobe 3 Aerasprecher- VSnhoff 292- 291 rel.-Adresse: Sozialdemokra» SerUo Derlinev VolKsblerkt (iv pkennig) Sonnabend 23. Juli 1927 «erlag and»nzrigenadteilnn», «eschöftszett HVj bis 6 Uhr Verleger: vorwärts. Verlag(9mbf). verlin SW SS. Vlndenslrahe 3 Zernsprecher t Vönhoft 292— 291 Zentralorgan der Sozialdemokratifd�en Partei Deutfcblands 125 Millionen postgewinne! Trotzdem Portoerhöhung auf der ganzen Linie. Am Tage nach der Verabschiedung der Portogebühren in erster ' Lesung legt die Deutsche Reichspost ihre Bilanz für das Rech- nungsjahr 1926 vor. Die Post ist darauf sehr stolz, daß das„schon" jetzt geschieht. In der Oesfentlichkeit hat man ihr vorgeworfen, daß sie die Bekanntgabe ihres Geschäftsberichts absichtlich verzögere. Tatsächlich muß man sich heute fragen, ob die Debatte nicht einen anderen Berlauf genommen hätte, lr«nn eine Entscheidung über die Portosrage erst erfolgt wäre, wenn der Abschluß vorher einer öffentlichen Kritik unterbreitet worden wäre. Das notleidende Unternehmen, das sich Reichspost nennt, leidet nämlich gor keine Not. Es oermochte im letzten Jahre einen Gewinn von 125 Millionen Mark zu erzielen, wovon SS Millionen dem Vermögen zugewiesen, 70 an das Reich abgeführt werden. Das ergibt«ine Verzinsung von S� Prozent— für ein in der Rationalisierung begriffenes Unternehmen, das sich nur schwer von Kriegs- und Inflationsfolgen freimachen konnte, gar nicht so wenig! Allerdings ist der Gewinn wesentlich nie- driger als der Voranschlag annahm. Aber er i st vorhanden, und die Art, wie er zustande kam, läßt darauf schließen, daß der Voran- schlag im vergangenen Jahre sehr reichlich bemessen war! Freilich haben auch die Vorräte der Reichspost um 7S Millionen Mark abgenom- men. Im Geschäftsbericht ist jedoch nichts darüber gesagt, ob diese Verminderung der Vorräte eine wirtschaftlich zweckmäßige Maß- nähme war oder ob sie eine unter wirtschaftlichem Druck vor- genommene Entlastung von überflüssigen Materialanhäufungen darstellt. Die Post selbst bezeichnet das Gesamtergebnis als noch befriedigend. Doch reiche es nicht hin— und hier kommt Schätzels altes Lied — um die Hoffnung zu rechtfertigen, daß die in diesem Jahr vor- gesehenen Mehrausgaben ohne Gebührenerhöhung Deckung finden. Dies« Bemerkung wäre verständlich, wenn zunächst alle Hebel in Bewegung gesetzt worden wären, um die Portoerhöhung zu oer- meiden. Man hat aber durchaus nicht den Eindruck, daß dies der Fall ist. Im Gegenteil: Seit seinem Auftreten hat der neue Post- minister nicht geruht, bis er sein Ziel erreicht hat— unbekümmert um die sachliche Kritik und um die Ablehnung, auf die er im Par- lament und in weiten Kreisen der Wirtschast gestoßen ist. Auch im Juni normaler Postverkehr. Gleichzeitig ist das genaue Ergebnis für den Monat Juni 1927 bekanntgegeben worden, so daß nunmehr auch die Zahlen für das erste Viertel des neuen Rechnungsjahres vollständig vorliegen. Das Ergebnis stellt sich nach den vorliegenden Mit- teilungen wie folgt: Die Einnahmen find um 18,5 Millionen Mark hinter dem Durchschnittssoll für drei Monat« zurück- geblieben. Das ist an sich normal. Der kassenmäßige Fehlbetrag beläuft sich auf 22,6 Millionen Mark. Zu berücksichtigen ist dabei, daß die in Aussicht genommene Anleihe noch nicht aufgenommen worden ist, und daß bei den Ausgaben gegen- über dem Voranschlag mit Rücksicht auf die bisher ungeklärt gewesene Finanzlage der Deutschen Reichspost große Zurückhaltung geübt worden ist. Der nach Berücksichtigung der ausstehenden Aus- gaben sich ergebende rechnungsmäßige Fehlbetrag stellt sich auf 67,4 Millionen Mark. «- Der Vorsitzende des Zentralbetriebsrats der Reichspost, Genosie Bruno Voigt, bittet uns mitzuteilen, daß er als einziges Mitglied der Personalvertretung im Verwaltungsrat gegen die Postgebühren- erhöhung gestimmt hat. Mufruf öer Wiener polizeigewerksthast Gegen die politische Ausschlachtung der Tragödie. Die freie Gewerkschaft der österreichischen Bundesgendarnierie. jene Organisation, die auch den größ. ten Teil der Wiener Polizei umfaßt, veröffentlicht einen längeren Aufruf, den die Wiener„Arbeiterzeitung" mit Recht als eins „würdige Kundgebung" bezeichnet. Darin wird zunächst der Todesopfer aus den Reihen der P 0 l i z e i b e a m t e n ge- dacht— zwei von ihnen waren Mitglieder der freien Gewerk- schaft— sodann aber hinzugefügt: „In unserem Schmerze um die toten und schwerverletz- ten Kollegen, es sind deren 93, wollen wir aber auch der hundert Todesopfer der Wiener Bevölkerung gedenken, von denen ein nicht unbeträchtlicher Teil schuldlos das Leben lassen mußte. Ein unglückseliges Verhängnis wollte es, daß bei der Munitionsausgabe sogenannte E i n s ch i e ß v a t r 0 n e n zur Ver- teiluna gelangten und so gewöhnliche Streif, und Durchschüsse zu entsetzlichen Todeswunden wurden. Der vollkommen über- raschen de Ausbruch der Unruhen traf scheinbar alle in Bc- tracht kommenden Körperschaften staatlicher und privater Natur vollkommen unvorbereitet, und wilde Gerüchte ließen das Entsetzen über die Geschehnisse ins Ungeheure wachsen. So sprach man schon in den Vormittagsstunden des 15. Juli von sechzig gelöteten Wachebeamten. Eine entsetzliche Nerven- b e l a st u n g für unsere Kollegen der Sicherheitswache war es, als das Gerücht verbreitet wurde, daß die Polizeihäuser in Wien ge. stürmt werden sollen und die Familien der Wachebeamten in Lebensgefahr stünden. Die Tatsachen widerlegten die Gerüchte. Heute ist zu erkennen, daß unser Staat, unsere Republik in den Tagen des Entsetzens haarscharf am Rande des Ab- a r u n d e s vorbeiging. Glücklicherweise gelang es allen politischen Parteien, die radikalen Elemente zurückzudrängen und den Bürgerkrieg zu vermeiden, von dessen Schrecken Wien am 15. Juli eine Ahnung bekam. Unsere Aufgabe ist es. allen Kollegen, ohne Unter- schied der Organisationszugehörigkeit, Tatsachen zu übermitteln, die allein geeignet sind Beunruhigung zu vermeiden und die Be- amtcn von salfchen Schlüssen zu bewahren." Sodann wendet sich der Aufruf gegen die Versuche der söge- nannten christlichen Gewerkschaften, aus den blutigen Ereignissen parteipolitische Geschäfte zu niachen. Das sei Leichen- fl edder ei. Gegenüber den verlogenen Behauptungen dieser re- gierungsfreundlichen Verbände erklärt der Aufruf: Als Zeugen der Borfälle müssen wir objektiv feststellen, daß in den entsetzlichen Stunden des Beginnes der Katastrophe die in unmenschlicher Erregung befindliche Volksmasse voll- kommen sührerlos und jedem gütlichen Zureden unzugänglich war. In diesen und den darausfolgenden Stunden fanden unsere Kol- legen der Sicherhcitswache nur bei den Ordnern des Republikanischen Schutzbundes Hilfe und Schutz. Diele verwundele Sollegen versichern. daß sie nur dem Einschreiten dieser Ordner ihr Leben verdanken.«0 wurde der Abteilungsinspektor Friedrich durch Schutz- bllndler aus dem brennenden Justizpalast gerettet, in dem er ansonsten verbrannt wäre. Ein Ordner lieh einem Wachmann seine Kleidung, uni diesen durch die rasend gewordenen De- monstranten bringen zu können, und zog die Hose des Wachmannes an. Der Kollege kam mit dem Leben davon, der Ordner jedocy wurde von der Menge als Wachmann betrachtet und mußte seinen Retterdien st mit dem Leben bezahlen. Un- gezählt sind diese Fälle und beweisen, wie gewissenlos jene sind, die aus parteipolitischen Motiven diese Tatsachen u m l ü g e u. Don den durch kommunistische Agitatoren verhehlen Demonstranten beschimpft und bedroht, versuchten die Führer der sozialdemokratischen Partei, wie Bürgermeister Seih, Dr. Deutsch und andere, den Löschtrain an das brennende Zustizpalais heranzubringen: sie mußten von ihrer Absicht lassen. Ein Beweis, daß dort, wo über- Haupt dos Eingreifen dieser politischen Partei zu bemerken war, dies nur im Interesse der Ordnung und Ruhe geschah." Die dann im Laufe der Nachmittagsstunden ungeheuer gestiegene Zahl der Todesopfer führt d�r Aufruf u. a. auf die Einschuß- Patronen, aber auch auf die unwahren Gerüchte, mit denen die Polizisten— offenbar von gewissen Vorgesetzten— aufgehetzt wurden. „Tatsache ist, daß eine große Zahl Todesopfer zu verzeichnen ist, die ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihrem Altec nach mit den Unruhen in keinem Zusammenhang stehen können. Es ist weiter Tatsache, daß Sanitätsstationen ebenfalls unter Feuer genommen wurden." Die freie Gewerkschaft der Bundesgendarmerie erklärt zum Schluß, ungeachtet dieser Wahrnehmungen, keinerlei Vorwürfe er- heben, sondern den Gang der Untersuchung abwarten zu wollen, denn sie werden„alles daransetzen, um eine r e st l 0 s e F e st- stellung der Schuldigen zu ermöglichen". Die polizeiliche Untersuchung im Gang. Wien, 23. Juli.(WTB.) Die polizeiliche Untersuchung wegen der Vorgänge am 15. und 16. Juli und das Strafverfahren gegen die Verhafteten gliedert sich in zwei Teile: in die Untersuchung der rein kriminellen Dinge, also Brandstiftung, Totschlag, Raub und Plünderung, und in die der politischen Zusammenhänge. Neues Aufflackern des Brandes. Wien, 23. Juli.(TU.) In der Ruine des Iustizpalastes brach an der Rückfront Feuer aus. Zuerst sah man aus dem noch immer nicht aufgeräumten Schutt Rauch aufsteigen, dem alsbald hoch auf- schlagende Flammen folgten. Sofort sammelte sich eine große Menschenmenge an. Nach etwa halbstündiger Arbeit der Feuerwehr konnte das Feuer niedergeschlagen werden. Es war dadurch ent- standen, daß der heftige Sturm die noch immer glimmenden Balken zum Brennen brachte. Dunkle Drohnngrn der Heimatwehren. Innsbruck. 23. Juli.(TU.) Auf Nachrichten über angeblich ge- plante Verhandlungen wegen eines Eintritts der Sozialdemokraten in die Bundesregierung hat die Bundesleitung der a l p e n l ä n d i s ch e n Heimatwehren an den Bundeskanzler Dr. Scipcl ein Telegramm gerichtet, in dem gefordert wird, daß etwaigen aus eine Aufnahme der Sozialdemokraten in die Regierung hinzielenden Ver- suckzen unbeugsamer Wider st and entgegengesetzt werde. Sollte dies nicht der Fall sein, so müßten die Heimatwehren Maßnahmen folgenschwer st er Art ergreisen. Anarchistische Bombenwürfe in Argentinien. Am Fuße des Denkmal George Washingtons in Buenos Aires explodierte eine Bombe. Der Sockel des Denkmals wurde zerstört Eine andere Bombe explodierte vor der Ford-Niederlassung. WTB. nimmt an, daß die Anschläge von Anhängern Saccos und Vanzettis ausgehen. Der Anschluß eine Gefahr! Antivort an Saucrwcin. Die Wiener Unruhen haben in Frankreich anders ge- wirkt als in Deutschland. In Deutschland haben wir es er- lebt, daß maßgebende deutschnationale Organe die Gelegenheit benutzt haben, um in aller Form von der A n- schlußidee abzurücken. Die Deutfchnationalen haben damit nur ihre wahre Gesinnung verraten, über die wir nie im Zweifel gewesen find. Für ihren rückwärts gewandten Geist gibt es nur ein Ideal: das Deutschland, wie es vor dem Kriege gewesen ist. Die kleinsten polnisch gewordenen Nester sind ihnen mehr ans Herz gewachsen als Wien und Graz, Innsbruck und Linz. Die an Polen abgetretenen Gebiete sind Teile O st e l b i e n s, dort fühlen sich unsere Junker zu Hause, Oesterreich aber ist ihnen ein recht unangenehmes Land, in dem es fast nur Schwarze und Rote gibt. In Oesterreich ist der Adel abgeschafft, die Wehrmacht ist republikanisch. Von echtem' Preußengeist mit Hurra und Feste druff ist dort nicht das allermindeste zu bemerken. Franzosenhaß hat es dort nie- mals gegeben, eine Gesinnung, die im deutschnationalen Sprachgebrauch„verweichlichender Pazifismus" heißt, ist in allen Kreisen der Bevölkerung zu Hause. Die Deutschnatio- nalen fürchten vom Anschluß eine pazifistische und republika- nische, eine katholische und sozialdemokratische„Verseuchung" des ganzen Reichs. Darum stehen sie dem Anschluß, obgleich er eine sehr„nationale Idee" ist, reserviert oder ablehnend gegenüber. Träger der Anschlußidee sind in Deutschland die Kreise, die nicht zu fürchten brauchen, was den Deutschnationalen als eine Gefahr erscheint, die entschiedenen Republi- k a n e r und vor allem die Sozialdemokratie. Sie sind aus Prinzip Anhänger des Selbstbestimmungsrechtes und betrachten es als ein Unrecht, daß man einem Volk, das zu Deutschland will, das Recht der freien Entscheidung ver- weigert. Ein Zuzug republikanisch und friedlich gesinnter Elemente ist ihnen im höchsten Maße erwünscht. Sie er- warten aus ehrlicher Ueberzeugung vom Anschluß nicht nur eine Stärkung der deutschen Republik, sondern auch eine Sicherung des europäischen Friedens. Weil sie aber auch nicht. wollen, daß der Frieden Europas durch Mißverständnisse ge- fährdet wird, weil sie wissen, daß ein Bruch der bestehenden Verträge, so ungerecht sie auch sind, eine Gefahr für den Frieden bedeutet, darum wollen sie den Anschluß nicht gewalt- sam, sondern auf legalem Wege vollziehen, soweit dieser legale Weg auch heute noch zu sein scheint. Der legale Weg ist der Weg über den Völkerbund. Soll er frei werden, dann ist es nötig, nicht nur den Anschlußgedanken in den beiden unmittelbar beteiligten Ländern aufrechtzuerhalten, sondern auch die übrige Welt für diesen Gedanken reif zu machen. Otto Bauers pessimistische Auffassung daß der An- schluß erst nach schweren Erschütterungen zustande kommen werde, steht mit der hier vorgetragenen keineswegs in Wider- spruch. Mögen diese Erschütterungen eintreten oder nicht— auf alle Fälle bleibt es notwendig, den Anschluß g e i st i g vorzubereiten. Von mehr ist in diesem Augenblick nicht die Rede. Ganz anders jedoch als dem deutschen und dem öfter- reichischen stellen sich dem französischen Beobachter die Dinge dar. Im„Matin" stellt Herr Jules Sauerwein, wie uns unser Pariser Mitarbeiter telegraphiert, soeben die Forderung auf, die Locarnomächte müßten noch in diesem Sommer zusammenkommen, um die durch die Anschlußfrage drohende Kriegsgefahr zu bannen. Wenn der Anschluß von Deutschland und Oesterreich eines Tages vollzogene Tatsache ist, stünden sofort sämtliche Länder der Kleinen Entente im Kriege, wobei Italien und Frankreich nicht neutral bleiben könnten. Die Anschlußgefahr, so erklärt Sauerwein weiter, sei die Haupt- Ursache dafür, daß Frankreich sich noch immer weigere, das Rheinland zu räumeu. Die Besetzung des Rhein- landes stehe zwar im Widerspruch zum Geist von Locarno, aber sie sei das einzige Druckmittel, um den Anschluß zu ver- hindern. Es spricht gar nichts dagegen und viel dafür, daß die Anschlußfrage einmal zwischen den Locarnomächten unter Zu- ziehung der anderen interessierten Nachbarstaaten in freund- chaftlicher und aufrichtiger Weise erörtert wird. In einer olchen Besprechung würde sich zeigen, daß die Länder der kleinen Entente sehr unrecht täten, wenn sie Oesterreich wegen seiner Anschlußwünsche mit Krieg bedrohen wollten. Es ließe sich in ihr wohl auch Beruhigung darüber schaffen, daß der Anschluß nicht etwa putschartig über Nacht kommen würde. Was allerdings nie verlangt werden dürfte, das ist ein prinzipieller Verzicht Oesterreichs aus den Anschluß an Deutsch- land oder ein Verzicht Deutschlands auf das Recht, Oesterreich auszunehmen, sobald die vertragsmäßigen Bedingungen der Aufnahme erfüllt sind. Man kann von Deutschland und Oesterreich verlangen, daß sie Verträge halten und auch solche Bestimmungen der Verträge, deren Ungerechtigkeit jedermann sieht— aber nicht verlangen kann man von ihnen, daß sie noch auf jenen Rest von Recht verzichten, den ihnen die Ver- träge gelassen haben. Wenn man so die Dinge nüchtern und ruhig sieht, wie sie sind, dann saßt man sich wohl an den Kopf, wenn drüben von einer„Anschluß g e f a h r' und sogar von einer„Kriegs- gefahr", die mit ihr verbunden sein soll, gesprochen wird. Das Verhalten Deutschlands und Oesterreichs in der Anjchlußfrage gibt auf keinen Fall das Recht, eine angeblich bestehende „Kriegsgefahr" ihnen auf das Konto zu schreiben. Ernstlich kann von einer solchen Kriegsgefahr gar nicht die Rede sein. Man verstünde gar nicht, warum sie an die Wand gemalt wird, wenn nicht Herr Sauerwcin zu der Schlußfolgerung käme, eben wegen dieser angeblichen„An- schluß- und Kriegsgesahr" müsse das Rheinland weiter besetzt bleiben. Man darf es einem Sta- tistiker überlassen, die Gründe zusammenzuzählen, die für die Aufrechterhaltung der Rheinlandbesetzung schon vorgebracht worden sind. Uns scheint, weil man keinen Grund hat, der wirklich durchschlagend ist, probiert man es immer wieder mit einem neuen; man versucht, durch Quantität die Qualität zu ersetzen. Eine Zeitlang sollte es das angeblich fehlende„Locarno des Ostens" sein, das die Räumung des Rheinlandes verhin- dere, jetzt ist es zur Abwechslung das fehlende Locarno an der Donau. Nun, wir sind für alle möglichen Lo- carnos und haben gegen eins an der Donau auch nichts ein- zuwenden, vorausgesetzt, daß man dabei Deutschland und Oesterreich nicht noch hinter ihre Vertragsrechte zurückzu- drängen versucht. Auf alle Fälle ist es eine grsteske Situation, daß man von der anderen Seite her Sicherungen gegen die „Anschlußgefahr" verlangt, in demselben Augenblick, in dem die größte deutsche Regierungspartei in ihren maßgebenden Organen dein Anschlußgedaicken den schlichten Abschied er- teilt hat. Käme es zu Verhandlungen, während die deutsche Bürgerblockregierung am Ruder ist, so wäre es Sache der Sozialdemokratie, darauf aufzupassen, daß nicht die D eu t sch n a t i o n a l e n das deutsche Vaterland o e r ra t e n. Ausgeschlossen, ausgeschlossen! Aus der Einheitsfront der KPT. Die„Fahne des Kommunismus", die sich als„Zeitschrift der orthodoxen Marxisten-Leninisten" bezeichnet, weiß über die Einigkeit im Lager der Nichtorthodoxen, d. h. der offiziellen kommunisti- schen Partei, wieder einmal einige Kleinigkeiten zu berichten. Danach wurden in Hamburg sämtliche Funktionäre des Stadtteils Hamm und 17 Funktionäre des Stadtteils Barmbeck des KJVD.(Kommunistischen Jugendverbandes) aus der Jugend ausgeschlossen, weil sie politisch die Ansichten der O p- Position in der Jugend oertraten. Die Jugend-Abteilungen dieser Stadtteile sind damit zerschlagen. Die Gauleitung des RFB. in Ost- preußen schloß den gesamten Untergau Elbing des RFB. aus, weil er die Ausschlüsse gegen die oppositionellen Elbinger Ge- nassen nicht gutheißen wollte. Dazu stellt nun die„Fahne des Kommunismus" folgende In- diskrete Fragen: Warum wird nicht ckieber gegen den 2. Bundesführer, Willy L e o w mit Ausschluß vorgegangen wegen seiner zweifelhasten und sehr kostspieligen Eskapaden mit nicht zweifelhafter Begleitung in noch weniger zweifelhaften Berliner Cafes? Ist ihm das etwa gestattet und finanziell möglich, weil er, wo immer möglich traftmeiert,„man müsse dieoppositionellenFührr» totschlagen wie tolle Hunde"? Herausgeber der„Fahne des Kommunismus" ist kein Geringerer als� Hugo U r b a h n s, der beim Hamburger Auf st and sich „leninistisch" betätigte und bis zu seinem Ausschluß auch der komm». nistischen Reichstagssraktion angehörte. Er kennt die Verhältnisse bei Hey KPD. sicher sehr genau. Und deshalb sind seine Mitteilungen von doppeltem Interesse,., Saperns üilletantische Finanzpolitik. Pfälzische Industrielle und Städte gegen Regierung. Neustadt a. d. h.. 23. Juli.(Mtb.) Der Verband pfälzi- scher Industrieller hat in einem Rundschreiben an seine Mit- glieder zu dem innerbayerischen Finanzausgleich Stellung genommen und die tiefe Erregung zum Ausdruck gebracht, die in den Kreisen Sommertage auf öer Hochalm. Von Dr. Volkmar I r o. Seit einer Woche Hause ich in der kleinen, verwitterten Schnee- grubenalm, achtzehnhundert Meter hoch, der nächste Dorskrämer, das nächste Wirtshaus und Postamt fünf Stunden weit, rings die grünen Älmmatten der Kißbllhler und Mittersiller Berge, die Eis- felder der Tauern und wilden Zacken der Zillertaler Zllpen. Drei Menschen sind in dieser Woche vorbeigekommen: ein Jäger, der in sein Ganisrevier hinaufstieg, ein Hirte von der Nachbaralm und ein alter Kräutersammler. Europa ist hier ferner als Sibirien— ich schwelge in dieser urzeitlichen, nervenstählenden Einsamkeit! 4° Meine Wirtin ist die„Moidl", ein derbknochiges, sonn- verbranntes, wortkarges Bergweib, das den ganzen Tag in bunt geflickten Männerhosen hantiert. Die diplomatischen Verhandlungen wegen Nächtigung im Heu und Verpflegung stießen zuerst aus einigen Widerstand, den ich rasch durch ein für diesen Zweck vorbereitetes Gastgeschenk— ein Pfund verführerisch duftende» Bohnen- kaffee— brach. Inzwischen sind wir schon die besten Freunde ge- morden, am Morgen bringt sie mir einen großen, irdenen Topf voll seiter Milch, Schwarzbrot und gelbe Almbutter, das bescheidene Mittagessen, meist Milchsuppe und Käse, wird durch meinen Kon- seroenvorrat ergänzt, daiiir rauchen am Abend riesige Speckknödel, „Salzburger Nockerl" oder ein honiggelber Schmarrn in der ver- richten Eisenpsanne, ich sitze mit dem blonden Lais, dem ledigen Sohn der Moidl, am Rand der Steingrube, in der das offene Feuer prasselt, schiebe die Latschenäste in die Glut und finde bei dem Ge- danken an Gasherde und elektrische O-fen diese steinzeitliche Art zu kochen einfach prachtvoll— trotz des beißenden Holzrauches, der über die geschwärzten Balken ohne Schornstein durch das Dach ent- weicht. Dann speisen wir gemeinsam, jeder init seinem Blechlöfsel, aus einer Schüssel, sitzen vor der Hütte, bis die Gletscher verglühen und die ersten Sterne aufblitzen. In der Finsternis klettere ich über eine wackelige Leiter auf den Heuboden, breite meine Decke zurccht und vertausche die Lederhose mit dem Pijama, dessen Anblick beim Aus- packen des Ruckjacks bei Moidl einen fassungslosen Lachkramps aus- löste. Eine Weile liege ich noch wach in dem weichen, dustigen Bergheu, höre von draußen das schläfrige Brüllen der Kühe und l-ise Sausen des Nachtwindes und schlafe bald wie in dem schönsten Mssfingbett. * Am zeitigen Morgen eine Wanderung zu dem tiesblauen, kleinen Mittersee, der wie ein leuchtender Saphir zwischen den Ab- stürzen des Schafsiedlkars schimmert. Nach einem köstlichen, eis- kalten Bad liege ich auf den titanenhaft zusammengewälzten Stein- blöcken, genieße Wasser, Hölzensonne, Ozon, blauesten Himmel, wilde Berpsreude und tiefste Einsamkeit, lese den edelsten und unvergleich- lichftcn Naturschilderer, den in Deutschland so wenig gekannten Oesterreicher Adalbert Stifter, und nur das helle Pfeifen der Mur- me-'tiere, Ziegengemecker, mitunter ein Habichtschrei durchbricht die Stille. der Wirtschaft über die Art und Weise herrsche, wie der Finanz- ausgleich in Bayern geregelt worden sei. Das neue Steuergesetz sei gegen den ausdrücklichen Willen der Städte zu- standegekommen, sä sogar a u f g e z w u n g en worden. Der bayerischen Staatsregiernug wird zum Vorwurf gemacht, daß sie, anstatt die vom Reich zugewiesenen Mehreinnahmen in angemessener Verteilung zum innerbayerischen Finanzausgleich zu verwenden, sich die volle Verfügung über die vom Reich erhaltenen Mittel lediglich zugunsten der Staatskasse habe vorbehalten und Kreise, B«- zirke und Gemeinden aus neue Steuerquellen verwiesen habe. Wenn auch die Einführung der K o p f st e u e r rasch beschlossen worden sei, so werde ihre Durchführung praktisch auf dem Papier stehenbleiben. Anders stehe es mit den Realsteuern, deren Erhebung zu- sammen mit den anderen Steuern auf dem einfachen Wege der Zu- schlüge erfolgen könne. Die Hauptlasten des neuen Gesetzes würden auf die Schultern der Kreise gelegt, die heute bereits die größten Lasten im Staate trügen. Der Ausgleich könne nicht erfolgen, da weder von der Staatsrcgierung noch von den Koalitionsparteien den betroffenen Steuerzahlern überhaupt Gelegenheit gegeben wurde, zu den Vorschlägen der Staatsregierung Stellung zu nehmen, trotz zahl- reicher Bittgänge, Vorstellungen, Mahnungen und Proteste. Zum Schluß heißt es: „Die hier geschilderten Vorgänge haben mit erschreckender Deut- lichkeit gezeigt, wie in Bayern zurzeit Finanz- und Steuerpolitik getrieben wird. Die bayerische Wirtschaft, insbesondere die an be- drohter Stelle kämpfende pfälzische Industrie müsse sich jetzt über ihr Verhältnis zur eigenstaatlichen Finanzhoheit Bayerns klar werden, da durch die übereilten u n d ü b« r st ll r z t e n Beschlüsse des Landtages die Frage zur Entscheidung herangereift ist, die in ihrer Bedeutung weit über die materielle Mehrbelastung der bayerischen Wirtschaft hinausgeht. Wir sind jetzt durch die Maßnahmen der Regierung und des Landtags auf einen Weg gedrängt, den zu begehen wir bis jetzt verschmäht haben." Nach einer weiteren Mitteilung sind bereits Verhandlungen auf- genommen, um zwischen Städten und Wirtschast eine einheitliche Kampffront gegen die bayerische Regierung und den Landtag herzustellen. �lt-Simüesrat tzoffmann. Ein Schweizer Politiker, der wegen einer Friedensaktion zurücktreten mußte. Am Freitag verstarb in St. Gallen der siebzigjährige Schweizer Altbundesrat Dr. Arthur Hoffmann. Er war 1914 Bundespräsident, bis Juni 1917 Leiter des politischen Departements der Eidgenossen- schaft. Hoffmanns Name ist mit einer der diplomatisch aufregendsten Episoden des Weltkrieges verknüpft gewesen. Er hat den Versuch gemacht, zwischen Deutschland und Rußland im Sommer 1917 einen Frieden zu vermitteln, und ist bei diesem Versuch gescheitert, so daß er zurücktreten, mußte. Im Mai 1917 hatte sich der Weltkrieg wie zu einer Entscheidung zugespitzt. Der blinde Militarismus der deutschen Obersten Heeres- leitung hatte den unbeschränkten U-Boot-Krieg durchgesetzt: am 6. April erklärten die Vereinigten Staaten den Krieg. Die Engländer versuchten bei Arras die deutsche Westfront zu durchbrechen. Die deutsche Flandernfront wurde auf die Siegfriedstellung zurückge- nommcn. Im französischen Heer brachen vielfach Meutereien aus; General Niöelle trat vom Oberbefehl zurück. Die Alliierten be- reiteten eine neue Offensive an der Flandernfront vor. In Ruß- land war die erste Revolution ausgebrochen: der Zar dankte ab, ein provisorischer Vollzugsausschuß der Duma übernahm die Regie- rung. Der Außenminister Miljukow vertrat zunächst eine Erobe- rungspolitik, mußte sie unter dem Druck des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats aber aufgeben. Lenin kehrte Mitte April aus der Schweiz durch Deutschland nach Rußland zurück. Die Kerenski- Regierung wußte nicht recht, ob sie den Krieg weiterführen könne. In dieser zugespitzten Situation zwischen einem russischen Aus- scheiden aus dem Weltkrieg und dem Eintritt Amerikas in den Welt- Oder ich steige über schmale Wildsteige aus die Spitze des Kröndl- Horns, von der ich den trotzigen Kaiser, Watzmann, Hochkönig, die blinkenden Gletscher— das ganze Panorama der Tauern immer wie ein n«ues, großes Wunder sehe. Die dünne, blaue Rauchsäule über dem Dach der Schneegrubenalm, die tief unten wie ein winziges Spielzeug in der grünen Mulde liegt, ist das Zeichen für den Mittag. In einer knappen Stunde bin ich unten, löffle mit aus der ge- meinjamen Milchschüssel, koche mir eigenhändig ein Konservengulyas oder Wiener Würstchen, welche die Moidl verschmäht, wogegen der Lais die doppelte Portion verschlingt. 4° Heute nachmittag ist der Sohn des Almbauer von Hopsgarten herausgekommen, mit einem schweren Rucksack voll Mehl, Brot, einer Schachtel Zigaretten für Lois und meiner Post. Jetzt sitze ich auf der breiten Bank in dem Vorbau der Hütt« und habe gemächlich die Zeitungen der vorigen Woche gelesen: Nächtliche Totschläge Betrun- kener in den Großstädten, Rekordflüge über Weltteile, erregt« poli- tische Konferenzen, Berichte über Strandfeste, Modeschauen und neu importierte Tänze und diese ganze Well voll Hast, rasender Jagd nach Genuß, toller Ueberbietung bis zum äußersten gesteigerter Kräfte und blinder Anbetung des neuesten— diese große Welt der Tagesfensationen wird hier in meiner hohen Einsamkeit völlig fremd, unbegreiflich und fast ein wenig lächerlich. Ich lege meine Post zur Seite und betrachte andächtig ein un- geheures Schauspiel, das jetzt vor der kleinen, armen Schneegruben- alm beginnt und dennoch herrlicher ist als alle Meisterinszenierungen der letzten 19 Jahre: Seit dem Mittag ballen sich graue Wolkenschwaden im Westen zusammen, in der ersten Dämmerung fliegt jetzt jähes Leuchten über die schwarzen Wände, ferner Donner poltert dumpf herüber, die Moidl schlägt ein Kreuz und meint, daß es ein„schiaches Wetter" gibt. Die graue Eisspitze des Großvenedigers versinkt in Dunst, immer greller leuchtet es auf, der ganze Horizont ist ein feuriges Lodern, Schafe, Ziegen. Kühe drängen sich um die Hütt.', blöken und brüllen in den näherkommenden Donner, die hilflose Angst der Tiere hat etwas Unheimliches. Durch die plötzliche Nacht Blitz auf Blitz. Dann ein wütendes Brausen, das die weißen Nebelfetzen wie riesenhafte, sekundenlang beleuchtete Tücher über die Kämme herüberfegt. Noch immer kein Tropfen Regen. Die schwarze Wand wölbt sich zum Erdrücken herein und speit blaues Feuer. Drinnen in der Hütte flanunt ein Licht auf— die Moidl hat eine Kerze vor das kleine, oerrußte Heiligenbild gestellt und sitzt mit gefalteten Händen daneben.-- Marxistische Silüungsarbeit. In dem Maße, wie das Arbeiterbildungswesen in Deutschland an Umfang und Tiefe gewinnt, gewinnen die Erörterungen über Inhalt und Ziel der Vildungsarbeit mehr und mehr einen aktuellen Charakter. Die Diskussion über dieses Thema hat. in den letzten Jahren eine Reihe grundlegender Schriften gezeitigt. Einen sehr wichtigen Beitrag liefert nun Dr. A. S ch i f r i n in seinem Aufsatz „Der Ideengehalt der marxistischen Bildungsarbeit", der in dem soeben erschienenen Julihest der„A r b e i t e r b i l d u n g" ocrösfent- krieg weilte der sozialistische Nationalrat Grimm in Petersburg, von wo er Hoffmann, den damaligen Außenminister der Schweiz, davon unterrichtete, daß in Ruhland das Friedensbedürfnis allgemein sei: der Friedensschluß werde„an maßgebender Stelle" für dringend notwendig gehalten: eine deutsche Ossensive würde Verhandlungen über einen(Separat-?) Frieden stören. Darauf setzte sich Hossmann mit der deutschen Regierung in Verbindung und ließ am 3. Juni 1917 Grimm mitteilen:„Auch Deutschland wird keine Offensive unter- nehmen, solange mit Rußland eine gütliche Einigung möglich scheine." Deutschland strebe mit Rußland einen„beiderseits ehrenvollen Frieden" an. Er sei überzeugt, daß Deutschland und seine Ver- bllndeten auf den Wunsch von Rußland und seiner Ver� b ü n d e t en in Friedensoerhandlungen eintreten würden. Deutsch- land wolle keine Gebietserweiterungen." Diese chiffrierte Depesche Hofsmanns an die Schweizer Gesandtschaft in Petersburg wurde unbefugt dechrisfriert und im Stockholmer„Sozialdemokraten" veröffentlicht. Nationalrat Grimm mußte darauf Rußland verlassen. Die Ententepresse erhob ein überlautes Geschrei, weil Hoffmann einen Separatfrieden zwischen Deutschland und Ruhland zu vermitteln versucht hätte. Am 19. Juni erklärte Hoffmann seinen Rücktritt. Es-wurde festgestellt, daß er seinen Schritt„aus eigener Entschließung und auf eigene Verantwortung unternommen habe, um ausschließlich für die Förderung des Friedens und damit im Interesse des eigenen Landes zu handeln". Hoffmann schied aus, weil die überwiegende Mehrheit der Schweizer seinen Vermittlungsversuch als nicht vereinbar mit der Neutralitätspolitik des Landes verurteilte. 2ln Hoffmanns Stelle wurde Gustav A d o r- Genf zum Bundesrat gewählt. In der nachfolgenden Debatte im Schweizer Nationalrat wurde von allen Seiten betont, daß fein Rücktritt ohne äußere Einwirkung von anderen Mächten erfolgt sei. Die ententefreundliche öffentliche Meinung hielt daran fest, daß Hossmann einen Separatsrieden zugunsten Deutschlands im Auge gehabt habe, die anderen erklärten, daß er nur einen a l l g e- meinen Frieden gewollt habe. Die Schweiz war in einer wirtschaftlich und politisch äußerst gefährlichen Lage zwischen den beiden kämpfenden Gruppen. In Rußland behielt die triegs- und ententefreundliche Kerenski- Regierung die Oberhand. Der Friedensversuch scheiterte. Am 1. Juli begann Brussilow seine zweite Offensive, die nach an- fänglichen Erfolgen im deutschen Gegenstoß bei Tarnopol zerbrach. Das blutige Ringen ging noch anderthalb Jahre weiter. Um üas Elektrogefetz. Nach dem Einspruch des Staatsrats Zwcidrittcl- Majorität erforderlich. Das vom Landtag noch vor seiner Vertagung verabschiedete C l e k t r o g e s e tz, das die staatlichen elektrowirtschaftlichen Unter- nehmungen und Beteiligungen zu einer Aktiengesellschaft zusammen- schließen soll, wird das Plenum des Landtages nach seinem Wieder- zusammentritt noch einmal zu beschäftigen haben, da der Staats- rat Einspruch gegen das Gesetz erhoben hat. Ein« knappe Mehr- heit hielt die Sicherung gegen Veräußerung oder Verpfändung von Aktienbesitz, die in dem Gesetz ausgesprochen ist, nicht für aus- reichend. Sie forderte, daß nicht ein Landtagsbcschluß oder ein Be- schluß eines Landtagsausschusses genügen dürfe, sondern, daß i n jedem Fall« ein besonderes Gesetz die erforderlichen Kautelen gegen eine Gefährdung des staatlichen Aktienbesitzes bringen müsse. Nach der Verfassung muß, wenn der Staatsrat Einspruch geqen eine Vorlage erhoben hat, eine Zweidrittelmehrheit des Landtages sich erneut für die frühere Entscheidung des Land- tages aussprechen. Neben den Kommunisten, die aus grundsätzlicher Erwägung heraus das Gesetz ablehnen, bringt ihm besonders stark das Zentrum Widerstand entgegen. Angesichts der Stellung der übrigen Parteien ist jedoch anzunehmen, daß die erforderliche qualifizierte Mehrheit erreicht wird. Voraussichtlich wird die end- gültige Entscheidung kurz nach Wiederbeginn der Plenarberatungen, der für den 11. Oktober angesetzt ist, zu erwarten sein. licht ist. Ausgehend von der gegensätzlichen Stellung der Arbeiter- klaffe und des Bürgertums in der gegenwärtigen Gesellschaft, unter- sucht er die grundsätzliche Verschiedenartigkeit' der in diesen Klassen vorherrschenden Ideologien, die auch ihrem Bildungsideal einen be- stimmten Charakter verleihen. Während das Vildungs- und Kultur- ziel des Bürgertums konservativ geworden ist und ein wichtiges Glied in der bürgerlichen Jntereffenpolitik bildet, ist das Ziel proletarischer Bildungsarbeit geistige Befreiung, Zerstörung der Tradition, Formung einer neuen geistigen Welt, einer neuen sozialen Kultur. Bei dieser Arbeit ist der Marxismus die beste und schärfste Masse des Proletariats. Er gibt ihm eine rationale Vorstellung von der Umwelt und führt ihn über die soziale Erkenntnis zur geistigen Be- freiung und zur zweckmäßigsten Berwendung seiner Kraft in dem Mechanismus der großen gesellschaftlichen Kämpfe unserer Zeit. Neben diesem grundsätzlichen Artikel, der viel zur Klärung des unfftrittenen Problems beitragen dürfte, enthält das Juliheft der „Arbeiterbildung" eine Reih« weiterer Beiträge, die namentlich im Hinblick auf die Ausarbeitung des neuen Winterprogramms allen Praktikern des Arbeiterbildungswesens willkommen sein dürften. So behandelt L. S e y l e r aus Grund seiner Ersahrungen in kleineren Orten die Frage des„Ausbaues des Arbeiterbildungswesens": Conrad Broßwitz gibt wichtige Fingerzeige für- die Ber- anstaltung„sozialistischer Kulturwochen": Adolf Johaiinesson schreibt über das„Wesen des Sprechchors": Fritz Karsen über die Ersahrungen, die er in vier Jahren als Leiter der Arbeiter- abiturientenkurse in Neukölln gemacht hat. Eine Rededisposition zur Verfassungsfeier von Otto Landsberg beschließt die reichhaltige Nummer. In der gleichzeitig erschienenen„B ll ch e r w a rt e" feffelt vor allem ein Aufsatz von Pros. Max Adler über die„Vorläufer der Soziologie", mit dem eine Artikelreihe über die verschiedenen Strömungen in der Soziologie eröffnet wird. In den Buch- besprechungen finden wir zahlreiche Hinweise auf wichtige Neu- erscheinungen in der pädagogischen, politischen und erzählenden Literatur. Die„Bücherwarte" mit Beilage„Arbeiterbildung" ist zum Preise von 1 kitz M. für das Vierteljahr durch die Post, die Buchhandlung I. H. W. Dictz Nachf., Lindenstr. 3 und alle„Vorwärts"-Expeditionen zu beziehen. Einzelnummern kosten 75 Pf. Der Reichsaüsschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, stellt Probe- nummern gern zur Verfügung. Die Todesernle der„schwarzen Witwe." Den Schrecken der Pflanzer in Südkollfornien und Arizona bildet zurzeit eine Gift- fliege, die durch Fruchtsendungen aus dem Orient eingeschleppt worden sein muß und von den Pflanzern wegen ihrer Gefährlich- keit die„schwarze Witwe" genannt wird. Daß sie diesen Namen zu Recht trägt, beweist die Tatsach«, daß erst in den letzten Tagen wieder die Fliege zwanzig Todesopfer gefordert hat. Der Stich dieser"schwarzen Witwe" ist unbedingt lebensgefährlich und führt im Verlauf von 24 Stunden zum Tod. Die Panik unter der Be- oölkeruno in dem von dem dunkelfarbigen Infekt lieimgesuchten Be- zirk hat iniolgedessen einen solchen Grad erreicht, daß die Land- leute. sobald sie nur ein« Fliege von dunkler Farbe erblicken, die Flucht ergreifen, aus Furcht, von der„schwarzen Witwe" gestochen zu werden. Das zweite Gpfer von �rensüorf. Freigabe der Leiche nach der Obduktion. heule mittag hat in der Leichenhalle de« Friedhofs Blanke Hölle die Obduktion der Leiche des zweiten Todesopfers aus dem Zlrensdorser Ueberfall stattgefunden. Die Obduktion ergab als Todesursache Blutvergiftung nach Schuhverletzung. Die Leiche wurde nach der Obduktion von der Staatsanwaltschaft freigegeben. Das Reichsbanner veranstaltet die Trauerfeier für den verstorbenen Genossen wollanck morgen. Sonnlag nachmittag Z Uhr in Erkner. Um 12 Uhr werden die Kreisvereine Schöneberg. Friedenau und Wilmersdorf zu einer kurzen Trauerparade am Friedhof zur Blanken Hölle Ausstellung nehmen. Beide Kreisvereine ge- leiten dann den Sarg nach Erkner. Die Gedächtnisrede in Erkner hat der Kamerad Reichstagsabgeordneter Franz Künstler übernommen. Ferner spricht ein Vertreter des Bundesvor- st a n d e s des Reichsbanners. 3m Anfchluh an die Trauerseier findet die Bestattung aus dem Friedhos Erkner statt. Die Kameraden des Reichsbanners treten um 14,30 Uhr am Bahnhofsplah in Erkner an. Immer wieder Motorradunfälle. Ein entsetzliches Motorradunglück, bei dem eine Person getötet, eine weitere lebensgefährliche Verletzungen davontrug, eieignete sich gestern in der Berliner Straße zu Lichtenrade. Gegen Ül Uhr durchfuhr der 43jährige Fritz holzgraber aus der Dorsstraße 6 zu Lichtenrade mit seinem Kraftrad die Ber- liner Straße. Vor dem Grundstück Nr. 6 sah H., der in sehr schnellem Tempo fuhr, plötzlich die Lampe eines Gemüsewagens, der sich auf dem Wege nach Berlin befand, auftauchen. Es war aber bereits zu spät. h. fuhr mit voller Wucht gegen den Wagen. Durch den heftigen Anprall wurde er und sein Begleiter, ein Kauf- inann L. aus der Kaiserstraße zu Bernau, in hohem Bogen auf das Straßenpflaster geschleudert, holzgraber erlitt so schwere Ver- letzungen, daß er wenige Minuten später st a r b. L. mußte durch die Feuerwehr in das Neuköllner Krankenhaus übergeführt werden, wo ein Schädelbruch und innere Verletzungen festgestellt wurden. Sein Zustand ist sehr ernst. Einen schweren Unfall erlitten gestern abend gegen 10 Uhr zwei junge Motorradfahrer auf der Chaussee Carow— Ber- l i n. Vor ihnen her, ihnen in der Dunkelheit aber nicht erkennbar, fuhr ein Wagen mit Baugerät, der unbeleuchtet war. So kam es zum Zusammenprall. Der Führer des Motorrades und sein Sozius wurden heruntergeschleudert und blieben mit schweren Ver- letzungen liegen. Der schuldig« Kutscher des Bauwagens kümmert« sich nicht im geringsten um die Verunglückten, sondern setzte seine Fahrt fort. Erst nachfolgende Autofahrer nahmen sich der jungen Leute an und brachten sie in das Krankenhaus in Buch. Der 23 Jahre alte Techniker Wilhelm Stiefke hat einen schiveren Ilnterkieferbruch davongetragen. Der Partner, der 21 Jahre alte Techniker Erich K u r o w, erlitt außer einem Nasenbeinbruch und anderen Verletzungen einen schweren Schädelbruch. Ob der Bau- wagen mit einem oder zwei Pferden bespannt war, konnten die Ver- unglückten nicht erkennen, sie sahen nur, daß ein Schimmel davor war. Mitteilungen zur Aussindung de» fahrlässigen Kutschers nimmt die Kriminalpolizei des 284. Reviers entgegen. Die Skelette der„Roten Fahne". hundert Skelette sind nach der„Roten Fahne* unter dem Stadtbahnbogen Nr. 315 freigelegt worden.(Nach der„Welt am Abepd" sogar 120i. Unter dem Bogen 316 fand man— wiederum nach der..Roten Fahne*— neuer dings 15 Skelette. Das Kommunistenblatt ist aber überzeugt, daß unter diesen Bogen noch weit mehr Skelett« liegen und daß man bei den Ausschachtungs- arbeiten unter dem nächsten Bogen(Nr. 317) auf ein weiteres Massengrab stoßen wird. Wir werden uns also nach und nach auf 206 bis 300 Skelette einzurichten haben.„Leugnet der „Vorwärts" noch?" fragt entrüstet die„Rote Fahne". Wir fragen zurück:„Leugnet die„Rote Fahne" noch ihre unsterbliche Blamage?— Und wir bitten unsere Leser nur, sich einmal im Stillen klar zu machen, welcher Apparat von Menschen dazu gehört, um 800 Personen, die doch transportiert und bewacht werden müssen, standrechtlich zu erschießen und hinterher die nötigen Massengräber zu bereiten, wozu nicht nur unter drei Stadtbahn- König Michael. Mir war nur wohl in Sand und Matsch, Was hieß da hohenzoller! Ich war ein kleiner Pamperlatsch Und fuhr gern mit dem Roller. Jetzt ist's nun mit dem Spielzeug Schluß, Mit Hottopferd und Kähnchen. Wenn ich nicht grad aufs Töpfchen muß, Regiere ich Rumänien. Ich bin der König Michael— Will Mutti mich versohlen, � Geb' dem Minister ich Befehl, Das Militär zu holen. Ich darf jetzt lärmen auf dem Hof Und trapsen auf den Treppen. Und kommt mir Bubi nochmal doof, Dann lasse ich ihn köppen. Ich bin kein kleiner Hemdenmatz, Ich herrsche auf dem Throne. Es brennt auf meinem Sabberlatz> Die königliche Krone. Hans Bauer. Fünflausend Menschen aus der walsischjagd. Nach einer auf- regenden Jagd, die voll« vierundzwanzig Stunden währte, brachte eine aus fünftausend Köpfen bestehende Menge von japanischen Fischern und Bauern sieben Walfische zur Strecke, die in der west- lich von Tokio gelegenen Kunhaniamura-Bay aufgetaucht waren. Als die seltenen Gäste gesichtet wurden, läuteten die Fischer die Sturmglocken, und aus der Stadt und den umliegenden Dörfern strömten auf das Signal in Scharen die Leute herbei, die durch einen Kordon den Haseneingang absperrten, während die Fischer die Boote bestiegen und die Walsische einkreisten. Dann nahm man mit langen Bambusspeeren, Ackergeräten und alten japanischen Schwertern die Jagd auf. Der Kampf dauerte die ganze Nacht. Auf die Nachricht von der seltenen Beute strömten aus der ganzen Provinz die Leute auf Zweirädcrn, Karren, Automobilen und zu Fuß herbei, um den Fang zu besichtigen. Kr»auffübruv gen der Woche. Dienst. Komödie:„Lilli Grün'.— Ireit LufttpielhauS:„Gase Elettrtt'.— Sonnab. Deutsches K ü n st l e r-'e h:.Du wirst mich deiratnr. M e t r o P o l t h.:„Die Bajadere'. Schlohvarkth.:„Gräfin Maritza'. Zur Förderung der Mufikkultur in den Arbeiterorganisationen berust der Sottalislischc Kulturbund eine Konferenz aller interessierten Genossen- zu M o n t a g. d e n 1. A u g u st. vorm. 3'/, Uhr. nach F r a n k s u r t am Main ein. Die Konserenz findet im Rahmen der Albeitermusik wache statt die anläßlich der Ausstellung„Die'Musik im Leben der Völler' in Franlsurt a M vom 31. Juli bis 6. August durchgeführt wird. Die .Konferenz wird eingeleitet durch einen Vortrag de« Genossen Professor Kcstenberg über.VolkSmusilkultur'. Zur Teilnahme eingeladen find alle intereifierten Genossen, insbel andere die Dirigenten der Arbeiterchöre, die musikalischen Mitarbeiter der Organisationen sowie der Arbeiterpresse. tläbl* Auskünfte erteilt der Sozialistische Kullurbund, Berlin SW 68, ■iubtnpta. Das Unwetter im Reich hält an. Rheinland, Altmark und Spreewald schwer betroffen. Im Mittelelbegebiet haben die ungeheurer» Regenfälle der letzten Tage neue Hochwasserschäden verursacht. Die Karthane und die Stepnitz haben nicht weniger als 1 7 0 00 Morgen Wiesengelönde überschwemmt, so daß fast die gesamte Heuernte verloren ist. Die Wegverbindungen zwischen den einzelnen Dörfern sind unpassierbar, die Anwohner vom Ber- kehr untereinander abgeschritten, und auch nach der nächstgrößeren Stadt Wittenberge hin ist ein Passieren unmöglich. Der Verkehr kann nur mit Kähnen bewerkstelligt werden. heute früh sind unter ungeheurem Wasserdruck die an der Bruchstelle des Dammes an der Schwarzen E l st e r cinge- rammten Befestigungen wieder fortgerissen worden. Die Schließung der Bruchstelle ist dadurch um mindestens 24 Stunden verzögert. Die Fluren werden immer weiter überschwemmt: neue Unwetter mit Hagelschlägen haben die Schäden erheblich vergrößert. In der A l t m a r k sind im Milde-Biese-Aland-Becken über 10 0 0 0 0 Morgen Land überschwemmt. Biel Vieh ist ertrunken. die Rüben und Kartoffeln schauen nur noch mit den äußersten Blattspitzen aus dem Wasser hervor. Die Kreisstadt Osterburg ist vollkommen vor« einer großen Wasserfläche umgeben.— Ein schweres Unwetter wütete in den Gemeinden Niel, Zyfflich und Wyler in den nordwestlichen Teilen des Kreises Cleve. Fast sämtliche Häuser stehen unter Wasser.«--� heute nachmittag gegen 4 Uhr ging über Mülheim und Duisburg ein einstündige« Unwetter nieder. Schlamm- mästen und Wastersluten überschwemmten die Speldorser Unter- führung und machten den Straßenbohnverkehr unmög- l i ch. Di« Duisburger Straßenbahn mußte kurz vor 5 Uhr den gesamten Betrieb auf eine Viertelstunde einstellen, weil der Blitz die Oberleitung durchschlagen hatte. Auch in Velbert richtete ein schweres Unwetter mit wolkenbruchartigem Regen und Wirbelsturm auf den Feldern und in den Gärten großen Schaden an. Bäume wurden entwurzelt und teilweis« wie Streichhölzer umgeknickt. Unwetter im Ruhrgebiet. Mülheim, 22. Juli.(TU.) heute nachmittag yegen vier Uhr ging über Mülheim und Duisburg ein einstündiges Unwetter nieder. Schtammasten und Wasserfluten über- schwemmten die Speldorser Unterführung und machten den Straßenbohnverkehr unmöglich. Die Duisburger Straßenbahn mußte kurz vor 5 Uhr den gesamten Betrieb auf eine Biertelstunde einstellen, weil der Blitz die Oberleitung durchschlagen hatte. Auch in B e l b e r t richtete ein schweres Unwetter mit molken- bruchartigem Regen und Wirbelsturm aus den Feldern und in den Gärten großen Schaden an. Bäume wurden entwurzelt und teilweise wie Streichhölzer umgeknickt, Dächer abgedeckt und Licht- und Telephonleitungen zerstört. In einer Fabrik stürzte ein Kamin ein, durchschlug ein Dach und verletzte einen Arbeiter schwer. Im benach- borten heiligcnhaus wurde ein Arbeiter von einer einstürzenden Mauer schwer verletzt. Hochwasserschäden im Kreise Calau N.-L. Wiederum haben, wie schon im Monat Juni des Vorjahres, die seit etwa 8 Tagen niedergegangenen Rogenmengen Hochwasser- schöben für den Sprecwald, seine Rand- und Zuflußgebiete zur Folge. Das Ausmaß der angerichteten Ber- Herrungen läßt sich zwar zurzeit noch nicht feststellen, jedoch ist damit zu rechnen, daß allein im Kreise Calau mindestens 30 000 Morgen Acker und insbesondere Wiesen davon betroffen sind. Unter Aufwand aller vorhandenen Kräfte versucht die aufs härteste betroffene Bevölkerung'des Spreewaldes und seiner Randgebiete in ununlerbrochencr Tag- und Nachtarbeit durch Auswerten von Dämmen. Anlegen von Abzugsgräben, Schaffung- von Sandsack- Barrikaden das Wasser von den Dörfern und Gärten abzuhalten und zu retten, was noch zu retten ist. Der größte Teil der dies- jährigen Gemüseernte, in vielen Fällen die einzige Cr- werbsnwglichkeit der Kleinbesitzer, muß schon jetzt als völlig vernichtet angesehen werden. Eine große Gefahr für die Viehhaltung bedeutet es, daß es an manchen Orten nicht einmal gelungen ist, den ersten heuschnitt zu bergen. Bis an die Hüsten im Wasser stehend, sind Frauen und Männer damit beschäftigt, die Spitzen des Grases mit der Sichel abmschneiden, um wenigstens den nötigen Futteroarrat für die nächste Zeit zu werben. Vielfach wird es nötig sein, neben grünem Getreide das zu Futterzwecken nicht mehr verwendbare faulige Gras zu verfüttern, wobei gefundheits- schädliche Folgen für das Bieh unausbleiblich sind. Die Rot des Spreewoldgebiets ist groß. Es handelt sich bei den Betroffenen um kleine und kleinste Bauern von vielfach unter 10 Morgen Eigenbesitz oder Pachtlanb. Nur eine großzügige Notstandsaktion unter Aufwand öffentlicher Gelder wird hier die so dringend erfordor- liche Hilfe bringen können. bögen— das heißt auf etwa 500 Quadratmeter Grundfläche bis zur Tief« von zwei Metern— das gesamte Erdreich aus. und wieder zugegraben, sondern obendrein ein starker Zementbelag von gleicher Grundfläche hätte aufgehackt und wieder hergestellt werden müssen. Und die vielen, vielen Menschen, die als Wachen, Exetutionskommando, Erb- und Zementarbeiter daran beteiligt waren nebst ihren mitwissenden Sameraden, haben alle, alle bis auf den heutigen Tag geschwiegen? Eine wunderbare Geschichte! Aber: nicht- ist so dumm, es findet doch sein Publikum. Zum mindesten bei der„Roten Fahne", dauerflug Leipzig-defltou. Nach 19 Flugstunden vorzeitige Beendigung. Leipzig, 23. Juki.(WTB.) Das am Freitag früh zu einem Angriff auf den Langstrecken- und Dauerrekord Chamberlins mit den Piloten Loose und R i st i c z aufgestiegen« Junkers- Flugzeug 133 mußt« heute nacht in der 12. Stunde nach neun zehnstündigem Flug infolge Motorschadens etwa 1200 Meter vom Flugplatz Leipzig-Mockau entfernt in einem Weizenfeld notlanden. Die Piloten sind unverletzt, der Apparat ist leicht beschädigt. Die Landungsstelle wurde von der Polizei abgesperrt. Trotz heftiger Gewitter und starker Regenboen hatte das Junkers- Flugzeug um 22.30 Uhr bereit» 2300 Kilometer zurück- gelegt. Die Strecke Dessau�Leipzig war 23 mal umrundet worden. Der Junkers-Motor war ein gewöhnlicher Serienmotor mit nur 280 bis 310 PL. Die Junkers-Werke erklären, daß st« selbst nicht die Abficht haben, einen Ozeanflug durchzuführen, sie sehen ihre Aufgab« darin, das denkbar beste deutsche Flugzeug herzustellen, mit dem dann deutsche Piloten den Flug wagen können. Ueber den Verlauf und das End« des Fluges erhalten wir folgende Einzelheiten: Nachdem um 8 Uhr abends in störungslosem Fluge mehr als 2000 Kilometer zurückgelegt waren, flog die Maschine auch nach Eintritt der Dunkelheit trotz erneuter Wetterverschlechterung mit großer Regelmäßigkeit zwischen den Flughäsen Dessau und Leipzig-Mockau, die zur besseren Orientierung hell befeuert waren, hin und her. Gegen Mitternacht wurde mit dem Passieren der Wendemarke Dessau die 23. Runde beendet, und das Flugzeug verschwand von neuem in Richtung Leipzig zur 24. Runde. Pünktlich auf die Minute wurde auch in Leipzig-Mockau die Wende- marke umflogen, und das Motorgeräusch entfernt« sich wieder in Richtung Dessau. Plötzlich aber hörten die auf dem Leipziger Flugplatz weilenden Sporlzeugen die Moschine wieder herannahen, der Motor wurde plötzlich abgedrofselt, doch tonnte das Flugzeug den Mockauer Flugplatz nicht mehr erreichen, sondern ging um 12.15 Uhr südlich davon auf freiem Felde nieder. Trotz der großen Gefahr, die eine derartige nächtliche Notlandung auf ungeeignetem Gelände mit einer mit mehr als 3000 Kilogramm belasteten Maschine in sich barg, gelang es der Geschicklichkeit des Piloten, sowohl für die Insassen wie für das Material ernstlichen Schaden zu verhüten. Di« I 33 erlitt beim Aufsetzen auf dem Acker nur leichte Beschädigungen am Fahrgestell und am Motorvorbau. Die vom Flugplatz Leipzig-Mockau zu HIlse herbeieilenden fanden die beiden Piloten völlig unversehrt neben der Maschine stehen. Nach ihrer Darstellung war bis dahin olles glatt verlaufen, ins- besondere arbeitete der Motor mit absoluter Regelmäßigkeit. Kurz nach Mitternacht konnte man an Bord des Flugzeugs feststellen, daß der Inhalt eines Benzintanks aufgebraucht war, so daß eine U m- s ch a l t u ng aus den nächsten Tank zu erfolgen hatte. Dabei er- gaben sich plötzlich Schwierigkeiten, denn die regelmäßige Benzinzufuhr stockt« mit einem Male, so daß der Motor keinen Brennstoff mehr bekam. Anscheinend hatte sich infolge der starken Erschütterungen, denen die I 33 beim Start aus dem durchweichten Desfauer Flughafengelände ausgesetzt war, die betreffende Benzin- lcitung verbogen, ein Schaden, der in der Lust nicht zu reparieren war. Infolgedessen entschlossen sich Loose und Risticz schweren. Herzens zum Abbruch des Fluges. Die Maschine wurde heute Bormittag nach Dessau abgeschleppt und wird in kürzester Zeit wieder startbereit sein. Der Angriff auf den Daucrweltrekord soll bereits in dieser Woche mit der gleichen Maschine und dem gleichen Motor von neuem unternommen werden. Wer ist der Tote? Zwischen Müggelwerder und Röhns- d o r f wurde gestern abend die Leiche eines noch unbekannten Mannes angeschwemmt und in die Köpenicker Halle gebracht. Der Tote hat ohne Zweifel Selbstmord verübt. Er hat seine jchwarzweiß- gestreiste Hose an den Knöcheln zugebunden und sie bis zu den Ober- fchenkeln hinauf mit Sand gefüllt, ostenbar, um den Körper , im �otortiflgn � llaterstctet zn ctoa Zoiü'eomle 30 bis 40 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes haar und einen gestutzten Schnurrbart. Außer den bereits erwähnten Bein- kleidern trug er eine dunkle Weste und einen dunklen Rock. Bei sich hatte er nur ein Bund mit vier Schlüsseln. Juwelendiebstahl im Zentrum Berlins. Von zwei raffinierten Ladendieben wurde gestern nachmittag gegen 3 Uhr eines der größten Juwelengefchäfte im Zentrum der Stadt um 9 Brillantringe im Gesamtwert von über 60 000 M. geschädigt. In dem Geschäft erschienen im Laufe des Nachmittags verschiedene Käufer, darunter auch ein elegant und vornehm auf- tretendes Paar. Bald nachdem diese beiden den Laden verlassen hatten, stellte man fest, daß aus dem Schaufenster ein mit geld-m Samt bezogener Ständer verschwunden war, der neun große Brillantringc getrogen hatte. Wie der Diebstahl im einzeinen ausgeführt worden ist, ist noch unklar. Das Paar, auf das sich böb Verdacht richtet, hatte angeblich für die Dame etwas auswählet�' wollen, sich aber nicht zum Kauf entschließen können und versprochen. noch einmal wiederzukommen. Der Mann war etwa 30 Jahre alt, 1,65 Meter groß, hatte volles dunkles haar, ein hageres glatt rasiertes brünettes Gesicht und trug eine Schutzbrille mit dunklen Gläsern. Bekleidet war er mit einem eleganten grauen Straßen- anzug und einem grauen Schlapphut. Seine Begleiterin war Anfang der zwanziger Jahre, größer als er, etwa 1,75 Meter, hatte hell- blondes haar— ob Bubenkopf, konnte man nicht sehen— ein frisches rosiges, ober hageres Gesicht und schlanke Figur. Auch sie war hellgrau gekleidet, in ein Kostüm mit einer hellgrünen Bluse und einem passenden Topfhut. Trotz der scharfen Kontroll« n?ar es den Dieben möglich, sich unbemerkt des Ständers zu bemächtigen. Der Ladentisch reicht bis an das Auslagefenster heran. Um einige Gegenstände herauszunehmen, schob der Verkäufer das Fensterchen zur Seite. Diese Gelegenheit müssen die Diebe benutzt haben, um die Ringe verschwinden zu lassen. Es handelt sich um neun Ringe, sogenannten Einsteinern, in Platinfassung: die Größe der Brillanten schwankt zwischen zwei und zwölf Karat. Es sind zum Teil Damen-, zum Teil Herrenringe. Auf die Ergreifung der Diebe ist eine Be- lohnung von 2000 M., für die Wiederbeschaffung der Juwelen eine solche von 5 Proz. ausgesetzt. Neues vom Areibad Wannsee. Die Freibad Wannsee G. m. b. h. hatte am Freitag die Berliner Presse zu einer Besichtigung des Städtischl n Freibads W a n s e e eingeladen. Die von der Aboag gestellten Wagen suhreir an der Avus entlang zum Freibad Wannsee. Kurz hinter der Süd- schleife der Avus zweigt eine herrliche asphaltierte, staubfreie Straße, die neu angelegt quer durch den Wald führt, zum Freibad ab. Linker Hand hat man jetzt auch für Radfahrer einen gutgepsleglei'Weg ge- schaffen. Wie der Fußweg ist er von der Autostraße durch hohes Strauchwerk getrennt, so daß man, ohne von den Autos belästigt zu werden, zum Freibad gelangt. Im Freibad fand eine kurze Begrüßung durch Direktor C l a j u s statt, der in kurzen Zügen den Werdegang des städlischen Freibades erläuterte und betonte, daß man im nächsten Jahre den Besuchern ein neues massives Kassen- und Verwaltungsgebäude werde zeigen können. Darauf fand eine Besichtigung der Anlagen statt. Man hat«ine herrliche Promenade geschaffen mit vielen Sitzgelegenheiten. Es ist auch ein Aussichtspunkt vorhanden, wohl der schönste in der ganzen Um- gebung. Das ausgedehnte Restaurant, der Strandkorbvcrleih und die Rulschbahn sollen nicht vergessen werden. Man hat ferner einen Papierverbrennungsofen gebaut, der dem gefährlichen Verbrennen von Papier im Wald ein Ende macht. Man bedenke, daß von morgens um 4 Uhr bis vormittags 10 Uhr acht Wärter da- mit beschäftigt sind, das Papier und sonstigen Unrat zu sammeln. Der Erholungsbedürftige bekommt jetzt alles zu kaufen, er braucht sich nicbts mehr mitschleppen. Es ist jetzt eine Fleisch- und Wurst- Halle, Obst- und Milchstände usw., alles unter städtischer Kontrolle, vorhanden. Man kann nur hoffen, daß das Wetter sich wieder bessert, denn das Freibad kann jetzt eine Besucherzahl von 100 000 Personen beherbergen. Am letzten Sonntag waren es 33 000, Drin- gend ist zu wünschen, daß bessere Berkehrsverbindungen geschaffen werden, etwa indem man die Autobuslinie 20 im Sommer bis Wannsee gehen läßt oder über Zehlendors mehr Verkehrs- erleichterungen einrichtet._ ßahrlWgkeit eines Zollbeamten. Ein Knabe bei der Zollrevision erschosie«. Prag. 23. Juli.(TU.) Gestern vormittag kam es bei der Zoll- revision des Prag— Berliner Schnellzuges in Bodenbach zu einem ledauerlichen Unfall. Ein Fahrgast hatte in seinem Gepäck einen Revolver, mit dem der Beamte so unvorsichtig umging, daß die Waffe losging. Ein daneben stehender Knabe wurde so schwer oerletzt, daß er ball» darauf starb..�Der unvorsichtig« mirde vochasiet. Die Schulung öer erwerbstätigen Zrau. Internationale gewerkschaftliche Bildungsarbeit. Die Bildungsarbeii für die Frauen ist leider bis jetzt immer hinter der für die Männer zurückgeblieben. Angesichts der großen Zahl von Frauen, die mit Lohnarbeit beschäftigt sind und der durch die Rationalisierung bedingten weiteren Zunahme der Frauenarbeit auf allen Gebieten ist dies sehr zu bedauern. Gerade weil die Frauen bekanntlich schwerer zu organisieren sind als die Männer, ist es um so notwendiger, sie im Geiste der Solidarität und der praktischen Gewerkschaftsarbeit zu erziehen. Damit stellt sich von selbst sofort die Frage, ob Frauen und Männer zusammen unterrichtet werden sollen. Im allgemeinen scheinen die Länder des europäischen Kontinents— wenigstens was lange Jnternatskurse betrifft— diele Frage verneinend zu beantworten, während man in den angelsächsischen Ländern den entgegengesetzten Standpunkt ein- niinmt. Die kontinentalen Arbeiterbildungs- organisationen sind der Ansicht, daß körperliche Ursachen die Berufswahl der Frauen beschränken und speziellen Schutz für sie nötig machen, daß ferner ihre individuellen Interessen andere sind als die der Männer, so daß für die Frauen ein spezielles Bildung s- Programm aufgestellt werden müsse und sie sich vor allem auf die Organisierung und den Schutz ihrer Kolleginnen verlegen müssen. Demgegenüber steht das Argument, daß die Frau die Gleich- hcit der Interessen init jener der Männer besser ersaßt, wenn ihr leine Sonde rbc Handlung zuteil wird und daß sie die scheinbaren Unterschiede in der Behandlung der Unterrichtsstoffe eher ineijlern kann. Es ließen sich im übrigen auch leicht Aenderungen im Kursprogramm vornehnien, um die besonderen Interessen der Frauen zu berücksichtigen. Diesen verschiedenen Auffassungen zufolge werden in britischen und amerikanischen Arbeiter- Hochschulen männliche und weibliche Schüler zusammen unterrichtet, während in Uccle, Tinz, Dreißigacker und E s b j e r g spezielle Kurse für Frauen äbgehalten werden. Zur Jllustrierung der Wirksamkeit auf dem Gebiete der Ar- bcitcrbildung für Frauen mögen nachstehend einige Angaben folgen: Ln Wien fanden im Winterseniester 1323— 1926 6 große Frauen- Ciirse statt. Andere Kurse wurden in der Provinz abgehalten. In der Zeit vom Juli bis Dezember 1926 wurden in Wie n nicht ch-niger als 22 Frauenkur sc organisiert. In Belgien wird die Arbciterbildung für Frauen von einer speziellen Sekrerärin or- ganisiert. Im Jahre 1925 wurde in Uccle ein« spezielle Frauen- wocho abgehalten. In der Ts checho slowaker(Bildungsarbeit der sozialistischen Partei) wurde zuerst im Jahre 1923 eine einen Monat dauernde nationale Fraucnschule or, anisiert. Das Experiment v urde im Jahre 1326 wiederholt. Im Jahre 1927 wurden jedoch von der Sozialistischen Schule in Johannisbad männliche und weib- liche Studenten angenommen, wobei festgestellt wurde, daß sich nicht nur keine Schwierigkeiten ergaben, sondern der gemeinsame Unterricht sogar eine angeregtere Lernatmosphäre schuf, die viel zum Erfolg, der Schule beitrug. In Großbritannien sind sich sowohl die Ardeiterbildungsvereinigung wie auch der Nationalrat der Arbeitsrhochschule über die Notwendigkeit der größeren Berück- sichligung der Frauen auf dem Gebiete der Arbeiterbildung klar. Die erste Körperschast bildete schon im Jahre 1325 eilt spezielles Komitee, das sich rnrt dieser Frage befaßte, während der Na- t-unalrat soeben ein nationales Frauenkomitee errichtet hat. Auch die Gilde genossenschaftlicher Frauen, die nahezu 60 000 Mitglieder zählt, rsl aus diesem Gebiete mit Erfolg tätig. Es ist auch bedeutungsvoll, daß die Arbeiterführerin Barbara Wootton im Interesse der Förderung der Bildung unter den Frauen kürzlich zum S t u d i e n l e i t e r des gemeinsamen Komitees von London(Ilm- vcrsität und Arbeiterbildungsvereinigung) ernannt wurde. Daß das Ruskin College in England sowie der Gewerkschastsbund in dicscin Jahre Stspendierr für Frauen zur Verfügung stellten und die britische Landeszentrale ein Stipendium für die Teilnahnre »ma Frauenkurs der sozialistischen Schule in Tinz(Deutschland) gc- Mhrte, drrs ebenfalls als Neuerung begrüßt werden. In D e u t s ch- l a n d werden in der Berliner Gewerkschaftsschule spezielle Frauen- kurse organisiert, bei denen Maria H o d a n n als Kursleiterin eine hervorragende Rolle spielt. Ferner hält der Frauen-Bildungs- klub der Schule monatlich Siiningcn ab, die von 40—50 Frarren besucht werden. Endlich organisiert die sozialistische Bil- dungszcntrale an verschiedenen Plätzen Frauenkurse. Eine im •onhre 1926 in Palästina dura'zgesührte Volkszählung zeigt, daß die Bildungsarbeit unter den Frauen einen sehr hohen Stand erreicht hat. Die Zahl der weiblichen Schüler mit guter Vorbildung ist in den Arbeiterhochschulen höher als jene der Männer und man darf niit Recht hoffen, daß die Bildungsarbeit unter den Frauen auch iveiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. In den Bereinigten Staaten, einem der wichtiosten Länder für die Erziehungsarbeit der Frauen, muß in diesein Zusammenhang besonders die Liga gewerkschaftlicher Fecruen mit dein Sitz in Chicago genannt werden, die Unterrichtsklassen organisiert und die Schüler in der praktischen Organisationsarbeit unter Frauen unterrichtet. Ver- schiedcne Verbände unterhalten Frauenstellen für die weiblichen An- gehörigen ihrer Mitglieder, von denen Bildungsarbeit geleistet wird. Daneben gibt es unabhängige und selbständige Somnierschulen für Frauen, wie z. B. die Bryn Mawr Sommerschule für In- dustricarbciierinnen, das Barnard College(Columbia-Unioersität). Auch Brrokrooed und Commonwealth College umfassen, wie die bri- tischen Schulen, starke Fraucnkonlingente. Aus dieser Uebersicht ersieht man, daß die Gewerkschaften in allen Ländern bestrebt sind, die erwerbstätigen Frauen nicht nrir als zahlend« Mitglieder zu gewinnen, sondern sie durch eine plan- mäßige Bildungsarbeit zu überzeugten Kämpfern und Agitatoren der Arbeiterbewegung zu erziehen. Die gesamte Bildungsarbeit der Gewerkschaften wie der Arbeiterparteien ist stets diktiert gewesen von dein Grundsatz, daß eine Bewegung nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe gehen muß, wenn sie sich ständig vorwärts entwickeln s»ll. Die versthmelzungsfrage üer Nahnmgsmkttewrbeiter Der Bökicherverband für den Zusammenschluß. An der Urabstimmung am Sonntag, dem 17. Juli, beteiligten sich 126 Zahlstellen mit etwa 8100 Mitgliedern. Abgestimmt haben 5245 oder 64 Proz. der Mitglieder. Für den Zusammenschluß mit dem Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter, dem Verband d«r Nahrunos- und Genußmittelarbciter(Denag) und dem Zentral- verband der Fleischer zu einem Jndustrieverband der Nahrungsmittel- mrd G«trSnkeark>eit«r stimmten 4245 oder 80 Proz. Gegen die ver- schmelzung stimmten 985. Zur Vollziehung des Anschlusses ist nach dem Statut des Ver- bandes eine Zweidrittelmajorität notwendig, die bei der Abstimmung nicht nur erreicht, sondern sogar weit überschritten wurde. Der Jasihistenfreunüliche Entgleisungen. „Trud" über die Internationale Arbeitskonferenz. Der„T r u d", das Zentralorgane der russischen Gewerk- fchaften, widmet am 9. Juli der 10. Internationalen Arbeitskonse- renz in Genf einen„kritischen" Artikel. Daß das kommunistische Gewerkschaftsblatt dos ganze Werk der internationalen Arbeits- organisation in Bausch und Bogen verwirft, ist selbstverständ- lich. Die Kritik an der jüngsten Konferenz bietet in dieser Hinsicht nichts Neues. Was aber an dem Aufsatz des„Trud" ausfällt und besonders festgenagelt zu werden oerdient, ist die u n v e r h ü l l t faschistenfreundliche Schilderung des Konfliktes zwi- schen den Vertretern der freien Gewerkschaften und dem Faschistenführer Rossoni. Der„Trud" schreibt: „Zu Beginn der Konferenz ereignet« sich ein bereits traditionell gewordener Zwischenfall. Die„Arbeitergruppe" trat zum fünften Male mit einem Protest gegen die Teilnahme des Vertreters der faschistischen Gewerkschaften, Rossoni, an der Konferenz hervor. „Dieser Protest," schreibt das Organ der faschistischen Ge- werk fchaften,„Lavore d'Italia",„war unterzeichnet von dem ruhmreichen Oudegeest, Sekretär des JGB., auch einem von dem Häuflein der Trottel, um mit Mussolini zu sprechen, und dem Sekretär des Schweizerischen Gewertschaftsbundes, Schuerch, einem erbärmlichen Individuum, das sich im Privatgespräch mit dem italie- nischen Delegierten wegen der traurigen Rolle entschuldigt«, die von ihm in Unterordnung unter die Disziplin gespielt werden mußte." Zur Bekräftigung dieses Protestes ließ Jouhaux seinen Papier- donner los.„Einer der Vertreter der italienischen Regierung," sagte er,„hat unseren Protest eine unanständige Farce genannt, aber diese Farce wird sortgesetzt werden, so lange Freiheit und Recht nicht wiederhergestellt sind. Wir werden uns nie bereit finden, mit denen zusammenzuarbeiten,, die wir nicht als wirkliche Vertreter der Arbeiter anerkennen können." In seiner Antwortrcde verhöhnte Rossoni das Häuslein der Trottel in jeder erdenklichen Weise und erinnerte sie giftig daran, daß derselbe d'Aragona, der früher auf den internationalen Arbeits- konferenzen die italienischen Arbeiter vertrat, sich nunmehr dem Faschismus angeschlossen habe." Der Haß gegen die freien G e w e r k s ch a f te n bringt die kommunistischen Gewerkschaftsführer, wie man sieht, zu einer schmachvollen Geistesverwandtschaft mit den faschistischen Vergewaltigern der italienischen Arbeiterbewegung. Die Juteproöuktion hebt sich. Betriebswiederaufnahme der vauhener Spinnerei. Die Iutespinnerei in Bautzen, ein Zweigbetrieb der Vereinigten Iutespinnereien und Webereien A.-G. in Hamburg, die seit dem 1. April strllgeleat war, soll wieder eröffnet werden. Di« Generaldirektion in Hamburg hat nach zuverlässiger Mitteilung angeordnet, daß sofort alle Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Betriebes in Bautzen zu treffen seien. Damit wäre also der Forderung des Deutschen Textiiarbeiterverban. des, die Arbeitslosen der Bautzener Jute wieder in den Produk- tionsprozeß aufzunehmen, endlich stattgegeben worden. Bautzen verfügt über 6500 Feinspindeln und 350 Webstühle. Vor der Stillegung wurden etwa 1300 Arbeiter und Arbeite- rinnen und 50 Angestellte beschästigt. Bautzen wurde zusammen mit der Jutespinnerei in Oppeln, die derselben Firma gehört und 2700 Spindeln sowie 200 Webstühle umfaßt, stillgelegt. Die seiner- zeit vom Jutesyndikat beschjossene Einschränkung der Produktion um 50 Proz. wurde nicht gleichmäßig auf alle Betriebe verteilt. Man legte Bautzen und Oppeln ganz still und überließ die Arbeiter- schaft einfach ihrem Schicksal. Heute ist die geschäftliche Lage der Iutespinnerei wieder bedeutend besser. Man setzt bereits Prämien aus für die Zuweisung von neuen Arbeitskräften. In Harburg ist man sogar schon zur Einführung des Zweistuhl- systems übergegangen, um trotz des Arbeitermangels die Produk- tron zu erhöhen._ Erfolg üer sächsischen Textilarbeiter. 25 Prozent Uebersiundenzufchlag. Dresden, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In der mittel- und westsächsischen Textilir-dustrie ist ein wochenlanger Arbeitskamps mit einem E r s o l g für die Arbeitnehmer abgeschlossen worden. Der Schiedsspruch, der eine 48stündige Arbeitswoche vorsah, und dem Arbeitgeber das Recht einräumte, darüber hinaus drei Stunden pro Woche bei einem Zuschlag von 25 Proz. arbeiten zu lassen, ist vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Die Unternehmer hatten den Schiedsspruch abgelehnt, die Arbeiter hatten ihn angenommen und die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Bon der Neuregelung werden etwa 200 000 Textilarbeiter betroffen._ Wiedereinstcllttniz englischer Bergarbeiter. London, 23. Juli.(TU.) Zwischen dem Arbeitsministerium und den Kohlengrubenbesitzern ist ein Abkommen über die Wiedereinstellung der Arbeiter in den Bergrverken getroffen wor- den, das eine gradweise Verminderung der Arbeitslosigkeit in den Kohlenbezirken bezweckt. Auf Grund des Abkommens darf keine Wiederein st ellung ersolgen. Lokale Arbeitslosenbureaus werden darüber wachen, daß das Abkommen nicht gebrochen wird. TextUarbeiterstreik in Lodz. Danzlg, 23. Juli.(WTB.) Wie die„Danziger Zeitung" mel- det, ist ein Textilarbeiterstreik in der Wydzewer Manufaktur aus- gebrochen. Die Arbeiter anderer Betriebe schlössen sich dem Streik an. Die Frage des Generalstreiks ist noch nicht entschieden. vir Firma Albert Losch G. m.b. h.. Lindenstraße 101/102, bittet uns, mitzuteilen, daß sie mit der in dem Arrikel„Schund- aehälter im Seifenhandel" in Nr. 341 des„Vorwärts" erwähnten Firma G u st a v Losch G. m. b. H. nicht identisch i st. WirtsiHocst Die Kontrolle üer privaten Versicherung. Eine mangelhafte Statistik. Zum ersten Male seit der Inflationszeit hat das Reichsaufsichts- amt für Prioatversicherung eine Statistik der unter Reichsaufsicht stehenden privaten Bersicherungsunternehmungen herausgegeben. (Veröffentlichungen des Reichsaufsichtsamts für Privatoersicherung, Jahrgang 1925, Nr. 4, Verlag de Gruyter u. Co., Berlin.) Ihr Wert liegt vor allem darin, daß sie nach jahrelanger Unterbrechung 1917 erschien die letzte Statistik— die offizielle Unterrichtung der Oeffentlichkeit über die finanziellen Grundlagen der privaten Ver- sicherurrgsgesellschasten wieder aufnimmt. Die Bedeutung sllr die Praxis und die Forschung wird allerdings stark beeinträchtigt durch das späte Erscheinen und das sehr dürftig gebotene Material. Die Statistik bringt nämlich erst die Uebersicht der Wieder- oufbaujahre 1924 und 1925. Geboten werden die Goldnrarkerösfnungsbilanzen und dann— gciremtt nach Vcrs'we'-ungszweigen— für 1924 und anschließend iur 1925 die Bilanzen und die Prämieneinnahmen und die Zahlungen sllr Versicherungsfälle. Das ist alles. Kein begleitender Text. Keinerlei Versuch, das Zahlenmaterial zu erläutern, wie das z. B. die amtlichen Nachrichten des Rcichsoerficherungsamtes mit graphischen Darstellungen und gemeinverständlichem, die Zusammen- hänge klärendem Begleittext für das Gebiet der Sozial Versicherung so wirksam tun. Für die hier gegebenen Zahlen ist man leider fast versucht, zu sagen, daß d i e Zahlen auffallen, die fehlen. Keine Ziffer verrät z. B. die Zahl der Policen, geschweige denn ihre Gliede- rung nach Größen, so daß man sich kein Bild von den Versicherungs- beständen machen kann. Ferner muß man von einem so großen Gebiet der Privatwirtschaft verlangen, das Ende 1925 rund 567 Mil- lionen(gegen 429 Millionen Ende 1924) Kapitalsanlagen, dazu 364 Millionen(gegen 304 Millionen Ende 1924) Guthaben bei Danken, Sparkassen sowie bei anderen Versicherungsunternehmungen hat, daß seine Statistik den Kreislauf dieses beträchtlichen Teils des Volksvermögens klar übersehen läßt. Aus der vorlrcgenden Zusammenstellung läßt sich nur ganz all- gemein entnehmen, daß die Beweglichkeit der Anlagen gestiegen ist gegenüber dem Verteilungsschema der Varkriegszeir. Für die drei größten Versicherungszweige, die Lebens-, die Feuer- und die Rück- .............~'------- die lang- Versicherung läßt sich sagen, daß bei der Lebensve fristige Kapitalsanlage überwiegt, während die Feuer- und Rück- Versicherung einen sehr umfangreichen Besitz an Wertpapieren und Aktein haben: dabei oermißt man bei den Wertpapierzahlen die Gliederung in mündelsichere und andere Anlagen. Ein Auszug der Tabelle auf Seite 320 mag das Gesagte erläutern: Ende 1925 hatten (in Millionen Mark): Der Posten„Darlehen an öffentliche Körperschaften", der in der späteren Kriegs- und in der Jnslationszeit eine große Rolle in den Bilanzen gespielt hat, ist wieder zu prozentual sehr geringer Be- deutung herabgesunken. .Die Bcschastigung mit diesem Bande Statistik wäre zu einer wichsigen Rolle berufen. In der durch diesen Band möglichen Form aber ist sie leider fast belanglos. Sie kann bei jedem an ihr Jnter- essierten nur den dringenden Wunsch erwecken, daß der heraus- gebenden Behörde schleunigst die Mittel bewilligt werden, die es ihr ermöglichen, eine zeitgemäße, übersichtlich und aufschlußreich grup- pierte, ihr Gebiet erschöpfende Darstellung zu geben. Erst ihr gründ- sicher Ausbau kann für die Oeffentlichkeit jene Kontrolle des privaten Versicherungswesens ermöglichen, die der Gesetzgeber mit der Schaffung des Reichsaussichtsamtes gewollt hat und die bei der heute wieder riesenhaft anwachsenden Bedeutung des privaten Ver- sicherungsgewerbcs in der Volkswirtschaft unentbehrlich ist. A. B. Sport. Siegreiche Russen. Mannheim, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht). Die rulsische Fußball- mairnschast spielte am Freitag abend im Mannbeimer Stadion vor 3 000 Zuichauern gegen die KrcrSmannichasl von Baden-Pialz. Die deutsche Mannichast unterlag mit 12: 2(Halbzeit K: 0). Die Technik der Russen war überragend._ Theater öer Woche. Vom 21. Juli bis 1. Auguft 1927. vir- da? !6.' Eastfpiel Lili Grün.— Thcaie, in der jtöniagrätzer Strab«! Die Si .... Uznach.—«amödienhau,: Weihe Tracht.—«omische Oper: Streng boren!>1— Deutsche««ünstler-Theater: Bis 29. Bitte, wer war zuerst Ab M. Du wirst mich heiraten.— Lustspiclhaus! Bis 28. Die Frau von vierz.g Iahren. Ab 29. Cafe Slcctrik.— Lcfsing.Theater: Israel.— Theater am «ursiirftendamm! Da» bist Du.— Trianan-Theater: Sumpf.— Zentral. Theater: Menschensagd.— Metranal-Theater: Bi- 29. SIti-k in her Liebe. Ab 89. Die Bajadere.— Nenaillanee-Theater: Wenn Frauen reisen.— Walhal-.THc-trr! Der sröhliche Weinberg.- Rasr.Theate- r. Die lustige Witwe.— Theater in der«losterstrahe: Raub der Schlohparl-Theater Steglitz: Bi» 29. Der fideie Bauer. Mariza.— Theater>» de« Variete.—»eichshalen-Tbeater: "> Äi Theater sSartcnbiihne): Sabinerinnen.— Ab 80. Gräfin is 31. Gastspiel Dresdener :ottbusse» To«: Elite. Sänger. biktoria ir: Die kleine SUnderin.— Wintergarten: Bis 31. Gastspiel Dresdener Bik Sänger.— Theater am Rattbusfer Tor: Elite-Sänger. Rachmitragsnarstellunge»: Rale-Theater(Sartenbiihne): Kon- .crt und bunter Teil.— Theater in der Rlastcrstraß«: 24.«leine Sklavin.— »ert uno bunter Ten.—»peaicr in ver uiaiirr,ir» Schlohpaer. Theater Steglitz: 24. D«r Bvgelhändler. 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