Nr. 346 ♦ 44»?ahrg. Ttusoobc A Nr. 177 Bezugspreis: WSch-ntlich 70 Pfennig. monaMch S,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. Saar, und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmark, für das übrige Äusland 5A0 Reichsmark pro Monat. Der„Sonvötts* mit der illustrier. ien Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",„Aus der ffilmwelr. „Frauenstimme".„Der Kinder- freund",„Iugend-Vorwärts",»Blick in die Bücherwelt" und»Kultur. arbeit" erscheint wochentaglich zwei- mal. Sonntags und Montags einmal, Telegramm-Adresse: „Sozialdernotcof Berlin"* Sonntagsansgabe Nerlinev Volksvlati �entralorgan der Sozialdemokrat! feben partei Deutschlands (15 Pfennig) Anzeigenpreise: Die«inspalttg« Ronpareille- zcile 80 Pfennig, Rcklamezeile Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig (zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort lZ Pfennig, scdes weitere Wort 10 Pfennig, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen wr die nächste Nummer müssen bis V-k Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden» siraßeZ, abgegeben werden. Geöffnet von 8'b Uhr irüh bis 5 Uhr nachm. Reüaktion unü Verlag: öerlin SW. S8, Linüenstraße 2 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— SS7. Sonntag, den 24. Juli 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. 68, Linöenstr.Z Posifcheckkonto: Berlin 37 56»— Bankkonto: Bank der«rdeiter.«ngeftelten Parteikonferenz in Wien. Einstimmige Beschlüsse: Untersuchung, Staatshilse und Amnestie gefordert. t. bn. Wien, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Heute vormittag trat unter dem Vorsitz des Parteivor- sitzenden Bürgermeister Genossen S e i tz im großen Saal des Arbeiterheims in Favoriten die Parteikonferenz für den ganzen Staat zusammen. Den einleitenden Bericht er- stattete Otto Bauer. Daran schloß sich eine durch eine l�stündige Pause bis acht Uhr abends währende Debatte, in der 23 Redner sprachen. Nach einem Schlußwort Otto Bauers wurden die folgenden Resolutionen an- genommen: „Die Parteikonferenz nimmt den Bericht des Parteioorstandes über die letzten Ereignisse zur Kenntnis und billigt die Beschlüsse, die Parteivorstand und Gcwerkschaftskommission in den entscheiden- den Stunden gesaßt haben. Die Parteikonferenz fordert die par- lamentarische Fraktion aus, im Nationalrat folgende For- derungcn zu erheben: I. Strenge Untersuchung darüber, wie es zu dem Blutbad in den UZzener Straßen gekommen ist. 2. Amnestie für die verhasleten des lS. und tö. Zuli. Z. S t a a l s h i l f e für die Hinterbliebenen der Opfer. 4. Niederschlagung der Prozesse gegen die Schuh- bündler, die wegen der Schaltendorfer Vorfälle angeklagt sind. Im übrigen läßt die Parteikonferenz der Sozialdemo- kratischen Fraktion freie Hand für ihre politischen Entschließungen. Ferner wurde folgende Resolution angenommen: „Der Parteivorstand wird beaustragt, einen Aufruf über die Ereignisse an die arbeitende Bevölkerung'in Stadt und Land auf kürzestem Wege herauszugeben, um den L ü g e n m a ch i n a- t i o n e n der Reaktion entgegentreten zu können. Beide Resolutionen wurden einstimmig angenommen, worauf Seitz um 8 Uhr abends die Konferenz schloß. Die österreichische Regierung und die zivile Traucrfcicr. Die Abwesenheit von Mitgliedern der österreichischen Re- gierung bei der Beerdigung der zivilen Opfer der Wiener Un- ruhen am Mittwoch ist um so mehr aufgefallen und kritisiert worden, als sie aM Tage darauf geschlossen an der Beerdigungsfeier für die gefallenen P o l i z i st e n teilgenommen hatte. Das Wiener Mittags- blatt„Die Stunde" will nun von unterrichteter Seit« erfahren haben, daß Bundespräsident h a i n i s ch sofort, als die Leichenfeier von der Gemeinde angesetzt wurde, seine Absicht mitgeteilt habe, daran persönlich teilzunehmen. Ist diesem Falle hätten sich, so teilt „Die Stunde" weiter mit, gewiß auch die Mitglieder der R e- gierung dargn beteiligt. Es sei aber von der Stadt dem Bundespräsidenten nahegelegt worden, von seiner Absicht Abstand zu nehmen, weil trotz aller Vorkehrungen ein ruhiger Verlauf in Gegenwart der Regierungsvertreter nicht gesichert gewesen wäre. Die politische Hetzred« des Kommunisten Koplenigg habe übrigens bewiesen, daß diese Bc- denken berechtigt gewesen seien. Wie wir nun aus Wien hören, entspricht die Meldung der „Stunde" den Tatsachen. Damit fällt ein großer Teil der Vorwürfe, die auch hier in diesem Zusammenhang gegen die österreichische Bundesregierung erhoben wurden, fort. Indessen er- klärt das noch immer nicht, warum die Regierung nichts wenigstens durch Kränze zum Ausdruck gebracht hat, daß ihre Teilnahme nicht nur dem Schicksal der gefallenen Polizisten, sondern auch der gefallenen Arbeiter galt. Oder hat sie diese versöhnende Geste aus Angst vor den wild gewordenen Heimwchrleutcn in Tirol und Steiermark gescheut? Auflösung in Sicht! r. bn. Wien, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Nach dem gestrigen ruhigen Verlaus der Gemcinderatssitzung wird ein ebenso ruhiger Verlauf der Nationalratsoerhand- lungen erwartet. Gerüchte über eine bevorstehende Auslösung des Nationalrates und Neuwahlen wollen nicht verstummen. Die Mehrheit kann die Auflösung allein beschliehen. Die Sozial- demokraten denken auch nicht daran, sich gegen eine Auslösung zu sträuben. Es wird vielfach angenommen, daß S e i p e l und seine Leute den Versuch machen wollen, der Sozial- deinokratie durch Ausnutzung der jüngsten blutigen Ereignisse und insbesondere der Einäscherung des Justizpalaftcs einige Mandate abzunehmen. Noch ein Todesopfer. r. bn. Wien, 23. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Heute forderte der Tod unter den Verwundeten nach ein Opfer. Ein 42iähriger Arbeiter ist an den Folgen eines Bauchschusses gestorben. Pieck wird gegen Kaution freigelassen und abgeschoben. Wien, 23. Juli.(WTB.) Nach einer Korrespondenzineldung hat das Landgericht Wien den Beschluß gesaßt, den hier verhasteten kom- munistischen Landtagsabgeordneten Pieck gegen Erlegung einer Kaution van 3000 Schilling(1R00 M.) auf freien Fuß zu setzen. Der Rechtsanwalt des Verhafteten hat sich sofort an die kommunistische Londtagssraktion in Berlin gewandt, die, wie telegraphischer Bericht besagt, den Betrag sogleich flüssig machte. Äbg. Pieck dürfte noch heute abend aus der Haft entlassen werden. Nach derselben Korrespondenz wurden heute in allen Wiener Bezirken bei kommunistischen Vertrauensleuten Haussuchungen durchgeführt und wieder zwölf Verhaftungen vorgenommen. Portoerhöhungen beschlossen. Eine Ebert-Marke neben einer Hindenburg-Marke.— Statt Fridericns Beethoven. Der Verwaltungsrat der Reichspost hat gestern die Erhöhung der Postgebühren endgültig beschlossen. Die neuen Gebühren treten bereits am l. August in Kraft. Bei der Schlußabstimmuna über die Gesamtvorlage, die am Sonnabend stattfand, ergaben sich nur 7 Stimmen gegen die Vor- tage. Es handelt sich dabei um die linksstehenden Parlamentarier, den Borsitzenden des Zentralbetriebsrats und den Vertreter der preußischen Staatsregierung. Die Vertreter der W i r t f ch a s t fielen gänzlich u m und stimmten jetzt für die Vorlage, gegen die ihre Verbände so heftig öffentlich Sturm gelausen waren! Statt Fridcricus— Beethoven. Infolge der Portoerhöhungen ist die Herausgab« einer Achtpsennigmarke notwendig geworden. Der Reichspostminister Schätzet teilte dem Verwaltungsausschuß mit, daß er eine neue Marke mik dem Kopf Beethovens herstellen lassen werde. Dos mißfiel dem deutschnotionalen Reichstagsabgcordneten B r u h n, der beantragte, die Achtpsennigmarke als Fridericus-Marke auszugeben. Die Zehnpfenigmarke mit dem Fridericus-Kopf wird mit der neuen Gebührenregelung aus dem Verkehr verschwinden, daher der Schmerz der Deutschnationalen. Der Antrag B r u h n wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, es bleibt also dabei: statt Fridericus Beethoven.- Die Präfidenten-Marken. Der Reichspostminister teilte weiter mit, daß er die Absicht hab� «us Anlaß des sechzigsten Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg eine.«Hindenburg-Wohlfahrtsbrief- marke" m den allgemeinen Verkehr zu bringen. Er wolle des weiteren einer Anregung aus dem Arbeitsausschuß des Verwaltungs- rates Folge geben, die dahin gehe, mit der„5)indenburg-Briesinarke" auch eine„E b e r t- B r i« s m a r k e" einzuführen. Die Brief- markenausgab« sei zwar an sich Angelegenheit der Verwaltung: er wolle aber von seinem Borhaben dem Vcrwaltungsrat hiermit Kenntnis gegeben haben. Das war der zweite Schmerz für Herrn Bruhn und seine Freunde. Nur Bruhn wollte die Ebert-Marke vertagt wissen. D�r Berwaltungsrat billigte jedoch mit großer Mehrheit die Absicht des Postministers, eine Ebert-Marke und eine Hindenburg-Marke herauszugeben. Er folgte damit die Anregung des Genössest S t e i n k o p f, die seit längerer Zeit gegeben und zu einem Antrag verdichtet worden ist. * Die Gebührenerhöhung belastet das Volk mit einer V i e r t e l in i l l i a r d c Mark. Die Sozialdemo- k r a t i e und die freien Gewerkschaften haben da- her zusammen mit den übrigen Linksparteien und mit einem großen Teil der Wirtschaft gegen die Erhöhung der Ge- bühren Wider st and geleistet. Ihre Vertreter stimm- ten auch im Verwaltungsrat der Reichspost gegen die Vorlage. Der Erfolg, der der Opposition beschieden war, war jedoch gering, da eine geschlossene Mehrheit der Beamten- Vertretung, der bürgerlichen Rechtsparteien sowie des Zentrums, einiger Wirtschaftsführer und einiger Reichsratsvertreter für den Postminister stimmte. (Den neuen Gebührentarif der Reichspost veröffentlichen wir im Lokalen Teil.) Reaktionäre Hoffnungen. Zerstört sie— denkt an die Wahlen! Die deutsche Reaktion ist in Ä a m p f e s st i m m u n g.* Schon lange nicht hat sie sich so angriffslustig gezeigt, wie gerade in diesen letzten Tagen. Seit die Deütschnationalen durch die Annahme des Eisenbahngesetzes dem D a w e s- Plan Leben und Blut verschafft, seit sie, um in ihrer Sprache zu reden, die„Versklavung Deutschlands" damit eingeleitet hatten, sind sie von Stufe zu Stufe geklettert, bis sie durch»Verlängerung des Antikaiserg efetzes ihrem monarchischen Bewußtsein das letzte Zugeständnis abgerungen hatten. Jetzt glauben sie ins republikanische Lagrr vorstoßen zu können. Zunächst muß Herr v. Keudell versuchen, mit Preußen anzubändeln. Seine Presse leistet die Arbeit der Claque in einer schlechten Erstaufführung. Aber die Haltung des Reichsinnenministers aus der Kapp-Zeit ist wirklich nicht die eines ragenden Recken, für den sich die Knappen besonders in Aufregung bringen lassen könnten. Was sich da im Reichsrat abspielte, war schon kein Turnier mehr, das war nichts anderes, als die glatte Erledi- gung eines Junkers durch den alten Haudegen Otto Braun. Es fällt selbst dem Verwegensten schwer, für diesen Keudell eine Lanze zu brechen, der mit einem Stoß aus dem Sattel der Selbstgerechtigkeit geschleudert wurde. Mau mußte sich schon ein anderes Objekt der Aufmerk- samkeit suchen. Es war bolid gefunden in Otto H ö r s i n g, dem Gründer und Führer des Reichsbanners©chwarz-Rol- Gold. Seit langem ist er Gegenstand giftigsten Hasses. Schon daß er als Arbeiter und Sozialdemokrat in dasselbe Ober- Präsidium gesetzt wurde, in dem vor ihm nur abgestenipelie Konservative alten Schlages heimisch waren, gab Grund ge- nug, ihm den ganzen Zorn der Gestrigen zuzuwenden. Aber daß er in kritischsten Stunden zusdmmensaßte,' was in allen Gauen Deutschlands M Vorbereitung war, daß er die versprengten Anhänger der Revublik zusammenschloß im „Reichsbanner", daß er ihnen Schlagkraft in einer Kampf- organisation von wundervollem Schwünge gab— das konnten ihm dkb Getreuen des Stahlhelms, des Werwolfs, des Wiking nicht verzeihen. Deshalb seit Iahren die persönlichste Hetze — immer mit dem Blick aus Preußen: Wie lange soll der Vorkämpfer der republikanischen Farben noch* Ober- Präsident bleiben? Diese Angriffe waren in ihrer Zielrichtung so durchsichtig, daß sie keinen Erfolg haben konnten. Die Millionen, die sich aus dem Loger der Verfassungsparteien um das Reichs- banner geschart hatten, waren zu einem politischen Faktor geworden, gegen den Verleumdung imd Gekerfe nichts aus- richten konnten. Ihren Bundesführer a�er zeichnete aus, was anderen ein Greuel ist: Die frische Art, oas temperamentvolle Zupacken in gefährlichen Augenblicken, die völlige Abwesenheit „diplomalischen" Leisetretens. Wir sprechen kein Geheimnis aus, wenn wir sagen, daß Hörsing auch im„Reichsbanner" selbst nicht immer einen leichten Stand hatte. Nicht alle unler?' Parteigenossen, die doch den festesten Stanitzl dieses republi- konischen Schutzbundes bilden, sind immer mst allem einver- standen gewesen, was im Interesse der Ueberparteilichkeit geduldet werden mußte.—- Die gleichen sozialdemokratischen Massen, die bei der Präsidentenwahl für den Kandidaten Dr. Marx unter den Farben des Reichs warben, mußten auf das tiefste enttäuscht worden, als sich Dr. Marx zum Kanzler des Bürgerblocks machen ließ. Es hat an bitteren Stimmen nicht gefehlt. Aber' der Bundesführer Hörfinq ließ sich durch solch? Stimmungsmomente nicht bc-' einflussen. Hätte er eine sozialdemokratische Partei- truppe haben wollen— wie etwa den deütschnationalen Stahlhelm oder den kommunistischen Rotfrontbund— kein Zweifel, daß auch dieser ein Faktor von nicht zu unter- schätzender Stärke sein würde. Aber Hörsing hielt mn„Reichs- banner" fest. Ihm, dem Sozialdemokraten, galt es zunächst, die Republik im Herzen des Volkes zu verankern, den Farben und Symbolen des Reiches Achtung zu verschaffen. Die Rücksicht auf die ekgene Partei stellte er angesichts dieser Gegenwartsaufgabe gern zurück. * Das danken ihm nicht alle. Er muß jetzt erleben, daß sein letzter Aufruf an das„Reichsbanner" aus Anlaß der Wiener Unruhen— bestimmt, zur Besonnenhe-it und über- legenen Ruhe zu mahnen, vor Spitzeln und Provokateuren zu warnen—, der Bürgerblockregierung des Reiches den Vor- wand zu einem neuen Vorstoß gegen ihn liefert. Und daß auch Zentrumsblätter aus Solidarität mit Seipel dem Bannerträger der deutschen Republik bitterste Vorwürfe machen. Die Presse der Reaktion jiff>elt. Sie sieht schon das „Reichsbanner" zerschlagen, sie hofft, daß Hörsings Tage gezählt seien. Der Silberstr eisen der Hitler-Tage taucht an ihrem beschränkten Horizonte auf. Noch zittert in den Herzen der Republikaner der Zorn über den Mord von Arensdorf nach, den vorläufig letzten in einer langen Reihe. Noch ist das zweite Opfer dieses Stahlhelmüberfalls auf friedliche Reichsbemnerieuie nicht der Erve übergeben. Noch hat der Mord nicht den Schein einer t Sühne gefunden Und schon glaubt die Presse der Rechten frohlocken zu dürfen, in der Hoffnung, daß Hörsing erledigt sei und mit ihm der Schußbund der Republikaner! Sie wird sich täuschen. Gewiß ist Hörsing kein Mann, der an seinem Amte klebt. Er wird leichter auf Amt und Würden eines Staatsdieners verzichten, als auf politisches Wirken im Dienste der republikanischen Idee, sei es in dieser, sei es in jener Form. Es wird nicht gelingen, das„Reichsbanner" zu.zerschlagen. Und selbst, wenn der heute vom Vertrauen der Millionen ge- tragene Bundessührer eines Tages zurücktreten sollte, so wird die Organisation weiter wirken, trotz alledem. Der Jubel der Reaktion kommt zu früh. * Aber es wäre falsch, aus den Bestand des Bestehenden allein zu vertrauen. Es gilt, der Zukunft vorzuarbeiten. Wir sehen die Kräfte am Werke, die die Schule zurück- schrauben möchten m die Zeit des westfälischen Friedenz, die in den Tagen der Großindustrie und der Massenstädte Schulsysteme vergangenster Zeiten wieder einschmuggeln möchten. Der Bürgcrblock arbeitet geräuschlos, aber zielstrebig. Di« Deutsch- nationalen wissen, daß nicht Zölle allein ihr Heil ausmachen, daß sie auch die übelste kirchliche Orthodoxie und ihren Einfluß auf die Schule brauchen, um die Republik von innen zu zer- stören., Wie lange darf diese deutschnationale Vorherrschaft in der Reichsregierung andauern? Rur so lange, bis die n ä ch st e n W o hl e n eine andere Zusanrmensetzung des Reichstags bringen. Daraus gilt es jetzt zu sehen! Das Jahr 1928 wird ein Großkampfjahr werden, das für die volitifche und soziale Gestalttmq unseres Landes auf lange Zeit richtung- gebend sein�wird. Mit wenigen Ausnahmen werden die preußischen Städte und Gemeinden ihre Vertretungen neu zu bestimmen haben. Im Vergleich zum 4. Mai 1924 sind erhebliche Umwandlungen sicher zu erwarten. Aber auch die Neuwahlen zum Preußischen Landtag sind fällig. Noch ist kein Termin dafür in Aussicht genommen. Aber vor- bereitet müssen sie werden. Und schließlich neiat auch dieser Reichstag sich seinem Ende zu. Ein neuer Reichstag, der dem Willen des Volkes mehr entspricht, muß gewählt werden. Und mir alle haben daran mitzuarbeiten. Vergessen wir nicht, daß seit 1924 die Ding« sich in vielem geändert haben. Aber vergessen wir vor allem nicht, daß bei allen Wahlen ausschlaggebend war das Heer der Nicht- Wähler. Es umfaßte bei den letzten Dezemberwahlen mehr als acht Millionen der Stimmberechtigten. Diese Lauen und Gleichmütigen gilt es zu mobilisieren. Nicht erst in den letzten Wochen vor der Wahl, sondern in langer und mühseliger Kleinarbeit von Mund zu Mund, von Haus zu Haus. Der Wahlkampf darf nicht beschränkt sein auf wenige Tage. Er beginnt sofort, wenn die Ueberzeugung sich Bahn gebrochen hat, daß die Entscheidung über unsere poli- tische, soziale und kulturelle Zukunft im demokratischen Staate in die Hand jedes einzelnen gelegt ist. Den Wahl- kämpf vorbereiten, heißt die Bahn freimachen für eine wirklich republikanische und soziale Politik In der deutschen Republik! Mag die Reaktion heute sich angriffsfreudig gebärden. Sie wird in die hoffnungslose Abwehr gedrängt, gegenüber dem Bewußtsein der breiteb Volksmassen, daß sie selbst Gestalter ihrer Geschicke am Wahltage sind. Sozial- demokraten. Parteigenossen— über die Gegenwart hinweg denkt an die Zukunft: Denkt an das Wahlsahr 1928! Bereitet den K a m p f schon jetzt vor. Ihr sorgt damit für den Si e g? Zn Buenos Aires wurden zwei Bombenattentate verübt, eines auf das dortige'Washington-Denkmal, das ander« auf die Ford-Niederlafsung. Die Polizei vermutet anarchistische An- schlage als Protest gegen die neuen Nochrichten über die drohende Vollstreckung der �Todesurteile an Sacco und V an z e t t i. Hoffentlich wird das Schicksal dieser beiden unschuldigen Opfer der amerikanischen Klassenjustiz dadurch nicht ungünstig'beeinflußt. Ihre Begnadigung und Befreiung muß unabhängig von solchen Dmonstrationen erfolgen. klationalliberale unü Schule. Stresemann zur Erinnerung. Man weiß, daß Herr Stresemaun Wert darauf legt, den Zusammenhang der Deutschen Volkspartei mit der ehemaligen Nationalliberalen Partei zu betonen. Gewiß, es hat ja im Grunde auch nur ein N a m e n s w e ch s«l stattgefunden. Nach dem Zusammenbruch wollte eben jede Partei ihre Bodenständigkeit im Volke hervorheben, die Junker wie die Herren von„Besitz und Bildung", und an Deutschtum wollte sich keine bon der anderen übertreffen lassen. Im" übrigen blieben die Parteien der Herren Westarp und Strese- mann genau das, was sie vor dem Kriege waren. Run hat ja auch die Nationalliberale Partei ihre Wand- l u n g e n durchgemacht. De preußischen Liberalen aus dem Anfang der sechziger Jahre hatten immerhin noch poli- tische Grundsätze demokratischer Art, die sie mit Mut und Entschiedenheit durchzusetzen oersuchten. Allerdings dauerte ihr Mut und ihre Entschiedenheit nicht lange, urtd beides hörte auf. als es auf die Tat ankam. Der recht« Flügel der Liberalen kapituliert« vor Bismarck, tat sich nach 1866 als Nationalliberale Partei auf und glaubte, damit den Weg ins gelobte Land des liberalen Zeitalters geöffnet zu haben. Aber trog Indemnität, trotz Norddeutschem Bund und allgemeinen Wahlrechts zum Bundesparlament blieb in Preußen alles beim alten. Am 14. September 1868 schrieb Wilhelm Wehren- Pfennig, Herausgeber der„Preußischen Jahr- b ü ch e r", an Heinrich v. T r e i t s ch k e, seinen Mitheraus- geber, einen Brief, worin er sich über den„ebensofrechen wie dummen Bureaukratismus" in der Berwal- tung und die„Nichtswürdigkeiten der Herren Geheimräte im Kultusministerium" beklagte. Dann heißt es weiter: Ist es nicht ein Skandal,, daß, während man von der Selbstverwaltung schwätzt, die Städte ihre Schulanslallen leer stehen lassen müssen, falls sie zu verständig sind, gansessionsschulen daran» zu machen... Wo soll das alles hin? Wenn trotz der Annexionen dieses ganze Bcvormundungssystem bleibt, wenn in Kirche, Schule und Verwaltung immer mehr die schroff st en Systeme oben aufkommen, wann sollen wir dann zu einem Anfang mit der Freiheit und Selbständigkeit kommen? Ich bin doch ein ziemlich ruhiger Mensch, aber der Ge- danke, daß ein ha l b Dutzend G e h e i m r ä t e: Wiese, Stiehl, Nottcbohm, Lindewald und wie das Gesindel weiter heißt, den Vorsatz haben und ausführen können, die geistige Entwicklung eine» der edelsten und gebildetsten Völker der Erde nach ihren nichts- nutzigen, bornierten Zdeen zu reglementieren, und das alles zwei Jahre nach der Schlacht bei Königgrätz, daß sie in Schul- und Kirchenleitung in sämtlichen Provinzen auf den Gesetzen her- um trampeln wie ungezogene Buben: dieser Gedanke kau» mich in kochende Wut versetzen. Nein, teuerster Freund, ich würde Bismarck als Abgeordneter sagen: Für deine Politik bezüglich der Armen, für jeden Zug, den du in aus- w ä r t i g e n Dingen machst, für jedes Geldopfer, das du verlangst, verschreibe ich mich dir blindlings. Aber das Gesindel, das an dir hängt, gegen deine eigenen Interesten an dir hängt, m u ß ich bekämpfen und werde ich bekämpfen. Ja, wären Sie hier und wären Sie Abgeordneter, ich bin überzeugt, Sie würden Reden dagegen halten, gegen die meine flüchtigen Bemerkungen nur kaltes Waster wären. Wehrenpfennig wie Treitfchke gehörten beide dem rechten Flügel der Nationalliberalen an. Der Briefschreiber wandte sich gegen die Beibehaltung bestehender Zustände im Schulwesen. Was heute, angesichts des Reichsschulgesetzentmurfs, zur Debatte steht, ist etwas viel: es handelt sich um die Verschlechterung eines durch die Berfas- sung vorgeschriebenen Zuftandes. Die l>e kenntnisfreie Grundschule soll, statt als Regel, nur noch als Ausnahm« gelten, die in einigen süddeutschen Staaten bestehenden Simultan schulen sollen beseitigt, und die geistliche Mieze. Bon Wilhelm Plog. Hamburg. Gaslampen flackerten: es tropfte von den Bäumen, und nasses Laub wirbelte durch die � Straßen lieber den Dächern heult« es in den Drähten. Von 3Ji zu Zeit knallte ein Dachziegel auf das Pflaster. � Cs war nach Mitternacht: der Bohnhofsplatz war leer. Nur selten huschte ein Mensch eilig darüber hin. Zwei Droschkenkutscher froren hinter ihren Wagen. Noch war die Bahnhofshalle hell. Etliche Obdachlos« standen herum: sie suchten Wärme. Aber schon waren Frauen dabei, mit riesigen Besen die Hülle zu fegen. Der letzte Zug kam— ein paar Reisende, dann wars oordei. Di« Bogenlampen wurden ausgeschaltet: man schob die Obdachlosen vor die Tür. Verfroren, mißmutig, die Hände tief oergvoben in den leeren Taschen, trollten sie ab... Die Droschken waren weg. Drüben am Häuserblock, wo sonst die Straßendirnen promenieren, war alles leer Die Restaurants geschlossen. Ein Kaffeehaus nur hatte Licht. Der Sturm zerrte an einem riesigen Gerüst, das wie ein Galgen hochragte. Es knarrt« ganz bedenklich in den Balken. Manchmal fiel drinnend polternd etwas in die Tiefe— ein Stein, ein Brett oder was sonst. Da— ein Betrunkener trollte an der Planke hin. .valt— nein, ein Mädchen ist's. Jetzt bleibt sie stehen mit dem Rücken an der Planke und hält mit beiden Händen ihren Hut fest, der ganz schief sitzt. Es ist eine der Straßendirnen, die hier nächtlich hausen— Mieze wird sie genannt. beschwippst. Seit zwei Wochen ist Mieze jeden Tag „ kchwippsti denn ihr Geliebter hat sie-verlassen. Und feit dies Unglück chr geschah, hat Mieze Pech: die anderen schnappen ülitB weg. . � ��/P,4elt nach der Bahnhofshalle hin; sie sieht es nicht, daß dort geschlossen ist. Da faßt der Sturm sie unter ihre Röcke und wirft sie an die Planke. v und geht dann weiter in jenem tänzeln- ™ � uväewöhnt hat,»m den Männern zu ge- 'fallen. Wohin soll sie noch gehen? Kein Mensch ist aus der Straße. Nach Hause— och, gleich um die Ecke hat sie ihre Wohnung—, J1 9eht, dann kann sie nicht die Semmel kaufen zu d-ni Morgenkaffee: denn keinen Groschen hat sie in der Tasche. Darum auch bleibt sie«n der Ecke stehen, zu warten, ob noch lemand kommt Aber der©turnt wirst ihr das Röckchen hoch und drängt sie m die enge, düster« Gasse vor der ihr graut Vor ihrer Haustür bleibt sie stehen. Sie fürchtet sich, die Treppen bochzugehen. Vielleicht komm! noch ein Me— der mit ihr gehl. Dicht an der Mauer geht sie aus und ab.. Da—«n der Ecke: ein Mensch— ein Mann! Er hat den Momelkragen hochgeschlagen und geht ganz krumm eng«m der Mauer hin. alz ob«Hb fnea. Mieze trippelt schnell auf ihn.zu. Sie sprichi ihn»n, doch er geht langsam weiter, als ob er sie nicht hört. An seiner Seite hält sich Mieze. „Mein Herr," spricht si«,„mein Kleiner— du, komm mit." Da wendet der Mann den Kops zur Seit« und lacht. „Geh nur— geh nur," sagt er. Er lieht nicht aus wie einer von den Reichen. Obwohl es dunkel ist, kann man sehen, daß er viel eher einem Landstreicher gleicht. Doch Mieze ist es einerlei. „Willst du, ja? Komm, in diesem.Hause gleich," spricht si« und saßt seinen Arm. „Du. Lieber— hier." spricht sie vor ihrer Tür und zerrt ihn in den Eingang. .Und dann steigt sie, ein Streichhölzchen anbrennend, die Treppe hoch— glücklich— eilig— ach, Mieze rechnet schon: ein Ei wird sie zum Morgenkaffee nehmen, vielleicht auch Schinken— essen mag sie gern; denn sie ist in der Jugend selten satt geworden. In ihrem Zimmer steht sie dann beim Schein der Ampellompe. Zum Lachen sieht sie au«, ihr Hütchen sitzt schief auf dem Kopf. Erwartungsvoll sieht sie den Mann an, der setzt eintritt.' Etwas betroffen ist sie von dem Anblick. „Me siehst du aus?" entfährt es ihr, aber dann fügt sie schnell hinzu:„Das macht nichts, Junge. Du hast doch Geld?" Der Bursche zuckt die Achseln und lacht— ein breite», ge- sundes Lachen. Em hübscher Bursche ist's, kaum neunzehn Jahre alt, mit einem Gesicht wie Milch und Blut, aber entsetzlich un- rasiert. Am Ende ist er einer von den Obdachlosen, die aus dem Bahnhof ausgewiesen sind. „Geld Hab' ich nicht,*' sagt er in tiefem Baß und lacht dabei. „Du hast kein Geld, du?" zischt ihn Mieze an. Er schüttelt seinen hübschen zottigen Kopf. „Bist du verrückt? Was gehst du dann mit mir nach oben? Kein Geld! So ein Kerl! Und wie er dreckig ist! Du, mach nur. daß du rauskommst, sonst ruf' ich mein« Wirtin, die schläft hier nebenan!" Si« lügt, Mieze, die Wirtin sst verreist. Sie wohnt hi«r ganz allein. Darum auch fürchtet sie sich Wütend geht sie vor dem Burschen aus und ab. „Meinst du, ich will mir Läuse von dir holen? Du Dreckspatz du!" Der Bursche hält etwas in der Hand und sieht darauf hinunter. Ein Kcttchen ist's, ein kleines, niedliches fiorollenkettchen. „Willst du die Kette haben?" fragt er Mieze mit leiser Stimme. Kindlich klingt e«, wie er da- sagt. „Du bist verrückt! Was soll ich mit dem Dreck!" fährt Mieze ihn an. Sie wendet ihm den Rücken und sieht aus dem Fenster. Der Sturm wütet ganz fürchterlich da draußen: die Scheiben klirren, und aus dem Dach klappert es. „Du," sprich! der Bursche und komm: laugsam näher,„du. laß mich hier, laß mich da schlasen." Er deutet in die Ecke hinter der Tür.„Ich bin so müde." „Raus sollst du!" »Nimm die Kette— htt." t mSac Polizei gehe ich— eckt att dir Heye», taf Schulaufsichk soll auf llinwegea«keßer«togefUHii. werden. Wie müßte diesen Gefahren gegenüber sich Herr Stresemann, der politische Erbe Bennigsens und Hüter der nationalliberalen Ueberlieferung, verhalten? Wird der Ge- danke, daß das konfervativ-klerikale Reichsschulgesetz zu- stände kommt, auch ihn, wie den biederen Wehrenpfcumg „in kochende Wut versetzen"? Herr Stresemann ist nicht nur Abegordneter, sondern auch Reichsminister. Wird er tun, was Wehrenpfennig von Treitfchke, wenn er Abgeordneter wäre, erwartet: Reden dagegen halten, gegen die die flüchtigen Be- merkungen des alten Nationalliberalen von 1868„nur kaltes Wasser" sind? Begnügen wir uns mit der Anfrage: Müßte nicht Herr Stresemann wenigstens mit der für einen Minister gebotenen Höflichkeit in der Form, aber mit der für einen Parteiführer anderseits gebotenen Entschiedenheit in der Sache den Reichs- fchulgefetzentwurf in der vorliegenden Beschaffenheit bekänip- fen, wie es sich für einen Hüter der nationalliberalen Heber- lieferung geziemt? Sazille unü üie Aufwertung. Eine Anfrage an das Reichsfiuanzministcrinvt. � Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Keil hat ein« Red«, die der württembergische Staatspräsident Bazill« im Würt. tcmbergifchen Rentnerbund gehalten hat, zum Anlaß einer Anfrage an den Reichsfinanzminister genommen. Bazill« hatte in seiner Rede u. a. ausgeführt: „Wie ernst es der württembergischen Regierung mit ihrer Haltung ist, geht nicht nur daraus hervor, daß sie im Reichs- rat den förmlichen Einspruch gegen das Aufwertungs- gesetz eingelegt hat, sondern vor allem aus folgender bisher nicht bekannter Tatsache: Nach dem Erlaß der Auswertungsgesetze sucht« die Reichsregierung eine Vereinbarung der Landes- regierungen dahkn zu bringen, daß sie sich oerpslichteten, auf dem Verwaltungswege dafür zu sorgen, daß den Gemeinden bei Ab- lösung ihrer Anleihen dl« Freiheit höherer Answer- tung genommen werde. Diesem Plan stimmten die Regie- r u n g e n, in denen die Sozialdemokratie vertreten ist, zu. Er scheiterte lediglich an dem Widerspruch der württember- gischen Regierung, die von ihrem Standpunkt trotz vielfacher Einwirkungen nicht abging." Dazu schreibt Abgeordneter Keil in seiner Anfrage an den Reichsfinanzminister:„Bei den häufigen Beratungen der Reichs- tagsausschüsse über die Durchführung der Aufwertung der Gemeinde. onlelhen, an denen ich stets teilgenommen Hobe, ist mir nichts davon bekannt geworden, daß die Reichsregierung im Jahre 192S einen Versuch der vom württembergischen Staatspräsidenten Bazille bezeichneten Art gemacht hätte. Ein solcher Versuch würde auch gegen§ 43. Abs. 2 des Anleihe-Aufwertungsgesetzes verstoßen haben. Die Parteien des Reichstages sind seit dem Erlaß des ge- nannten Gesetzes übereinstimmend bemüht gewesen, entsprechend dieser Bestimmung die Gemeinden zur Auswertung ihrer Anleihen nach Maßgab« ihrer Leistungsfähigkeit zu veranlassen. Ich kann mir schwerlich denken, daß der damalige Herr Reichsfinanzminister von Schlieben, dem die Durchführung des Ankeihe-Ab- lösungsgesetze» oblag, den Versuch gemacht hätte, eine eindeutige wichtig« Vorschrift dieses Gesetzes zu verletzen und damit zugleich den Absichten sämtlicher Parteien, auch der seinigen, zuwiderzuhan- dein. Es muß also wohl ein Irrtum oder eine falsche Information des württembergischen Staatspräsidenten vor- liegen. Bei der großen Wichtigkeit dieser Angelegenheit ersuche ich deshalb um-ine Benachrichtigung darüber, ob die Darstellung des Herrn Staatspräsidenten den Tatsachen entspricht oder ob ihr überhaupt«ine Handlung der Reicheregierung zugrunde liegt, die zu einer solchen Darstel- lung Anlaß geben konnte." Der deutsch-belgische Nolenkrieg. Rur um da» letzt« Wort zu behalten, hat die belgische Regierung schon wieder eine N°te über- reicht. Sie sst zwar kurz, aber nichtssagend. Deutschland wird darauf nicht mehr antworten und tut gut daran. „Ich stör' dich gar nicht, ich lieg' ganz still. Katt Ist e» draußen. und ich Hab' kein Obdach." „Geht mich'- was an? Raus oder ich hol' die Polizei?" „Ich leg' mich doch da schlafen." spricht der Bursche. „Das wollen wir sehen, du! Wort' nur!" Mieze läuft aus der Tür. Kaum sst sie fort, da läßt der Bursche sich am Boden nieder— und schnarcht sofort. Daz Kettlein.häsi er lest in seiner Hand. Der Kopf liegt auf dem braunen Kofser. Ganz wie ein Knäuel kriecht er in sich zusammen. Zlber es mag zu hart sein: denn er wälzt sich öfter herum. Endlich schlägt er die Augen wiedsr auf. Er sieht das Bett. Schlaftrunken, mit weitaufgerifsenen Augen sieht er dort hin. Em Bett! � Langsam erhebt er sich, taumelnd tappt er dorthin und laßt sich in die Kissen sollen. Er schläft sofort, er ist wohl kaum erwacht... Und Mieze? Sie sitzt aus der Treppe— gleich oben— sitzt und�weint.. Was soll sie bei der Polizei? Die Hilst ihr nicht. Sie weint über ihr Unglück, weil sie einsam ist und niemand mehr sie liebt Den Burschen— ach. den hat sie fast vergessen. Zusammengekauert sitzt sie da. ihr Taschentuch ist naß vom Weinen. SI« spricht sich ihren ganzen Kummer her. Zuletzt sängt sie sogar zu beten an: .Du lieber Gott, bring' du ihn mir zurück, allein trag' ich das nicht. Er muß mich liebhaben— o Gott!" Kalt zieht der Wind durchs Treppenhaus. Mit einem Seufzer erhebt sich Miez- endlich, reckt ihre steif- gewordenen Glieder und geht langsam wieder in ihr Zimmer. Ur» sie erschrickt auch kaum, als sie den Burschen dort in ihrem Bette liegen sieht. Rur traurig ist sie. Den Hut wirft si« auf» Bett— und gähnt— und sieht dem Burschen in» Gesicht. Fast lächelt sie.«in sonniger Schimmer huscht Über thr Gesicht. Behutsam trägt si« einen Stuhl heran und hebt des Burschen Bein«, die aus dem Lette hängen, darauf. Dann kleidet sie sich langsam au», klettert im Heindchen über den Burschen weg und legt sich neben ihn. Das Bett sst warm, sie kuschelt sich wohlig ganz lief hinein. Dann beugt sie sich über den Burschen und sieht ihn lange an— und lächelt glücklich. Er hat die Kette in seiner breiten Faust: ein Endchen sieht daraus hervor. Langsam und sacht zieht Mieze ihm die Kette weg, besieht sie lange, legt sie auf den Nachttisch und streckt sich zum Schlafen hin. Will» heust der Sturm: er rüstest an däw Dach. Der kleinen Mieze ist im Schlaf das Hemdchen von der Schulter geglitten. Es friert iie. Da streckt sie die nackten Arme au», umhalst den Burschen und drück« ihn sest an sich, thr schwarzes Köpfchen an seine Brust legend. ♦ Der Bursche muh die fremde Wärm« fühlen, er dreht sich um, legt semen breiten Arm um Mieze und drückt sie sest. So liegen beide still und schlafen einen süßen, tiefe« Schlaf. Horch« Fenster steht dar Mond und Scheit--. Das Wahlergebnis in Jinnlanö. Eine Niederlage der drohenden Reaktion. Heisings ors. 20. Juli. Von Karl h. Wiik, Sekretär der Sozialdemokratischen Partei Finnlands, wird uns geschriesen: Seit dem Krieg«, d. h. seitdem Finnland ein selbständiger Staat wurde, hatten dort bis in die letzte Zeit immer nur bürgerlich- fortschrittliche und bürgerlich-reaktionäre Re- gierungen sich gegenseitig abgelöst, bis im Dezember 192f> eine rein sozialdemokratische Regierung entstand. Sie wurde auher von der sozialdemokratischen Fraktion auch von den Kommuni st en und von der Schwedischen Partei gestützt, versügte aber bis setzt nur über 101 Reichstagsmandate von insgesamt 200. Bei den jetzigen Neuwahlen galt es für die Regierungskoali. tion, ihre parlamentarisch« Grundlage zu verstärken. Für die Opposition» d. h. für die um die Fahne des Chauvinismus geschartcn bürgerlichen finnischen Parteien, galt es, unter Aufwiege- lung der nationalen Leidenschaften den„unnotionalen* Elementen die Mehrheit zu entreißen, hinter den nationalen Parolen ver- barg sich aber die soziale Reaktion! der Sturz der sozial- demokratischen Regierung hätte die Unterbrechung der von ihr be- gonnenen Resormarbeit bedeutet. Wurde ja auch der Feldzug gegen die Sozialdemokratie von der konservativen, der sogenannten„n a. tionalen Sammlungspartei' geleitet, die schon während der letzten Reichstagsscsfion dreimal den Versuch gemacht, die Re» gierung zu stürzen— und sich dadurch bei den Wählern kompro- mittiert hatte. Die Wähler haben die Gefahr begriffen und der reaktionär« Versuch ist auch bei den Wahlen mißlungen. Die Mehrheit der hinter der Regierung stehenden Parteien vergrößerte sich sogar u m drei Mandat«, von 101 zu 104. Die Hoffnung, daß die Sozialdemokratie die Anzahl ihrer eigenen Mandate würde erhöhen können, jst zwar nicht in Erfüllung gegangen, denn sie hat genau dieselben 00 Mandat« wie vorher er- halten. Die Schwedische Partei hat aber ihre Mandaten- zahl um eins, die K o m m u n i st e n die ihrige um zwei, was aber keineswegs einen wirklichen Zuwachs der kommunistischen Bewe- gung in Finnland bedeutet. Dieses Resultat muß nämlich unter Berücksichtigung der Wahlen von 1S24 bewertet werden, die in anormalen, sür die Kommunisten durchaus ungünstigen Verhältnissen stattfanden. Seit den vorletzten Wahlen aber, seit denen von 1SZZ. hat sich die Anzahl der kommunistischen Mandate von 27 auf 20 per. mindert, diejeuigc der sozialdemokratischen sich von S2 auf 60 ver- größert. Tatsächlich nimmt die Bedeutung der kommunistischen Bewegung in Finnland ab. Rur die gewerkschaftliche Bewegung wird noch zum größeren Teil von den Kommunisten beherrscht. Aber die Arbcitersportbewegüng, die in Finnland sehr bedeutend ist, wird seit dem Verbandstag des Sportverbandes im Mai d. I. ganz von den Sozialdemokraten geleitet, ebenso wie die übrigen Zweige der proletarischen Bildungsarbeit in Finnland. Unter den Landarbeitern und den kleineren Bauern ist die Sozialdemokratie vorherrschend und sie hat sich auch ihre Sache zu eigen gemocht. Die Verbesserung der Lage der Kleinbauern, u. a. der che- maligen, vor kurzem befreiten Kleinpächter, ist vielleicht die größte aller Tagessragen der finnischen Politik! Die sozioldemo- kratische Regierung hat schon sür ihre Lösung bedeutendes geleistet. Andere brennende Fragen betresfen die Reformierung des einseitig schutzzöllnerisch entwickelten Steucrwesens, die Herabsetzung der mili- tärischen Dienstzeit und die Schaffung einer Sozialversicherung. Auf vielen von diesen Gebieten hat die sozialdemokratische Regierung schon Vorarbeiten geleistet, deren künftiges Schicksal jedoch noch ungewiß erscheint. Denn, wie gesagt, die Regierungskoalition ist bei weitem nicht einheitlich oder in allen ihren Teilen zuverlässig. Die S ch w e- d i s ch e Partei ist zum Teil sehr konservativ und unterstützt die sozialdemokratische Regierung aus nationalen Gründen, d. h., weil sie mit Recht in der Sozialdemokratie die Verteidigerin der Recht« der nationalen Minderheiten erblickt. Andererseits ist auch die Opposition nicht homogen. In ihrer Mitte haben die Wahlen eine bei weitem nicht wünschenswerte Verschiebung in konservativer Richtung herbeigeführt: die sogenannte Fort- fchrittspartei hat das Schicksal der liberalen Parteien mehrerer anderen Länder geteilt und ist bis auf zehn Mandate reduziert worden, wogegen der protektionistisch und chauvinistisch orientierte Bauernbund angeschwollen ist. Jedenfalls dürste in absehbarer Zeit ein rein reaktionäres Regime in Finnland nicht zur Macht gelangen können. Dazu ist die Arbeiterbewegung zu stark. Vorstoß gegen üen Trianon-Vertrag. Offener Brief RothermereS an Benesch. Mitten während der blutigen Wiener Ereignisse ist im Budapester Blatt„Slz Est' ein offener B r i e f des erzreaktionären englischen Zeitungsmagnaten Lord Rothermere an den teschechoslo- wakischen Außenminister Dr. B e n e s ch erschienen, der unter sämtlichen Sukzessionsstaaten der früheren k. u. k. Monarchie unge- hcures Aufsehen erregt Hot. Der Bruder und Nachfolger North- cliffes, der durch den Besitz mehrerer großer Blätter(„Daily Mail", . Daily Mirror".„Evening News' und vieler Prooinzzeitungen) auf die englische öffentliche Meinung zweifellos einen nicht und«- nächtlichen Einfluß auszuüben vermag, hat sich in diesem offenen Brief unter heftigen Vorwürfen gegen die schlechte Behandlung der madjarischen Bevölkerung in der Tschechoslowakei sehr deutlich für eine Revision der territorialen Bestimmungen des Trianon- Vertrages ausgesprochen. Die Gründe dieses. sensationellen Vorstoßes R o t h e r- m e r e s sind nicht schwer zu erkennen. Es handelt sich in der Haupt- fache um ein« Kundgebung der internationalen Klassensoli- darität: die feudalen Großgrundbesitzer Un- g a r n s erfreuen sich der Gunst der englischen Aristo- kratie. Ungarische Adelige sind schon seit Jahren sehr lebhast und erfolgreich in London tätig. Sie haben bereits durchgesetzt, daß Ungarns Abrüstung nicht nur sehr milde kontrolliert, sondern, daß sogar über die offenkundige Aufrüstung des ungarischen Staates beide Aug«n zugedrückt wurden, obwohl die Tschechoslowakei immer wieder versucht«, die Aufmerksamkeit der Westmächte daraus zu lenken. Rothermeres wachsende Sympathie für den italienischen Faschismus erstreckt sich auf das Ungarn horthys und Bethlens. Die Behandlung der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei ist für ihn natürlich nur ein D o r w a n d. Denn gegen die Unter- drückung der deutschen Minderheiten in verschiedenen Ländern, insbesondere in Südtirol durch die faschistischen Behörden, hat er nie einen Finger gerührt. Gegen das Prinzip der Revisionsbedürftigkeit der ver. fchiedenen Friedensverträge, einschließlich des Vertrages von Trianon, läßt sich vom sozialdemokratischen Standpunkt aus um so weniger etwas einwenden, als die Internationale feit 1913, also lange vor Rothermere, unablässig für dos Selbst- bestimmungsrecht der Völker und für die friedliche Revision der ungerechtm Friedensbestimmungen eingetreten ist. Es hieße aber,«ine gefährliche Prämie für den Faschis- mu» und den Militarismus schaffen, wollte man mit einer solchen Revision gerade bei horthy-Ungarn den Anfang machen, zumal aus den rein reaktionären Motiven heraus, die Rothermeres Vorstoß ver- anlaßt haben. Dr. Benesch hat dem neuen„ungarischen Nationalheiligen', der in der Budapester Presse seit Tagen in den höchsten Tönen ge- feiert wird, mit einem Telegramm erwidert, in dem er einerseits die Richtigkeit der Angaben Rothermeres bestreitet und andererseits betont, daß es ihm als Außenminister unmöglich sei, ohne diploma- tische Komplikationen hervorzurufen, öffentlich und eingehend den offenen Brief zu beantworten. In demselben Maße wie die ungarische Presse Rothermeres Borstoß feiert, ist die tschechoslowakisch« Presse darüber empört. Indessen sollte dieser Zwischenfall der Prager Regierung zu denken geben, daß der bisherig« Kurs, der gegenüber den Minderheiten im lschechoflowakischen Rationalitätenstoate verfolgt wurde, auf die Dauer unhaltbar ist. Das gilt übrigens für die D eutfch-en in der Tschechoslowakei mindestens ebenso sehr wie für die Madjaren. Ein«irklicher Ausgleich tut not und deshalb muß sich endlich die tschechische Regierung von den nationalistischen Ein- flüssen befreien, die diesen Ausgleich bisher verhindert haben. Das n'chechische Volk sollte den Präsidenten Masaryk nicht nur ver- ehren, sondern auch seine versöhnliche Ratschläge befolgen. Neuer deutscher völkerbundsbeamler. Zum Mitglied der In- formationsabteilung des Völkerbundssetretariats ist Dr. Max Beer ernannt worden. Er war früher Vertreter des MTB. und feit mehreren Jahren Genfer Berichterstatter der„Kölnischen Zeitung'. himmlisthe heerstharea zu pserü! Meldung aus Bukarest: Bevor die Königin»Witwe Maria in dem goldenen Saal, wo der Katafalk des Königs steht, erschien, fand ein alter Kammerdiener in der Kleidung de» verstorbenen Königs eincn Zettel, auf dem der Verstorbene den Wunsch ausgesprochen hatte, daß man ihm. wenn es die Sitten gestatteten, Kavallerieuntform anlege. Der Kammerdiener übermittelte den Wunsch sofort der Koni- am, die Befehl gab. den Wunsch des Toten zu erfötkn, worauf diesem sogleich kie Uniform angezogen wurde. Offen gestehe ich: die Sorgen der Könige sind mir fremd. Ich besitze keine eigene Erfahrung darüber, aus welche Gedanken jemand kommt, der den ganzen Tag auf dem Throne sitzt und zusehen itruß. wie sein Minister mit liebevoller Unterstützung der königlichen Ehehälfte unumschränkt regiert. Warum null der Gebieter über so viele Millionen Lei und Leute ausgerechnet ein« Kavallerieuniform mit ins Grab nehmen? Freilich, er war ein chohenzoller. Und im Stammlande der .ffohenzollern, in Preußen, bestand, so long« es eine Monarchie gab, die Borschrist, daß nur Monarchen ein Denkmal zu Pferd, andere Sterbliche bloz eines zu Fuß erhalten durften. Ein General wie Blücher durfte bestenfalls ein Bein trotzig auf ein Kanonenrohr stellen, dem toten Bismarck wurde— finniges Kompromiß— die Beigabe eines Hundes zum Denkmal gestattet. Aber dos Pserd blieb alleiniges Attribut des Monarchen.(Ost genug das einzig Wertvoll« an ihm.) Aber daran kann der verstorbene Rumänenkönig eigentlich nicht gedacht haben. Es ist doch nicht üblich, daß Monarchen nach dem Tode zu ihrem Denkmal noch Modell stehen müssen.— Aber halt: Er dacht« an seine Einreihung in die himmlischen Heerscharen. Ein ehemaliger Monarch kann selbstverständlich im Himmel nicht so mir nichts, dir nichts unter die himmlische Infanterie, etwa gar unter das Posaunenbläsertorps mit Schalbennestern gesteckt werden. Zweifellos muß«s auch da oben ein feudales Kavallerieregiment — nach Art her Gardes du Eorps— geben, dessen Offizierstcllen dem höchsten Adel vorbehalten sind. Und nun denke man sich den Schrecken, wenn der weiland König von Rumänien vom Erzengel Michael ersucht wird, sich an die Spitze seines Leibregiments zu setzen, und zum allgemeinen Gaudium sich ein Mann im Hemd auf sein himmlisches Streitroh schwingt. Aber di« Uniform bleibt doch im Grab« liegen und dient schließ- lich nur dazu, ein vermorschendes Gerippe zu umhüllen. Uniform und Knochen— hallo, jetzt wird plötzlick, Lichtl Zweifellos sind dem rumänischen König vor seinem Ableben gewiffe Knochenstind« in Berlin nicht unbekannt geblieben. Er hat sich ausgemalt: Eines Tages— in sünszig, in hundert Iahren— stößt man bei einem Neubau auf mein längst vergessenes Gerippe. Und schon meldet die „Rot, Fahne', daß wieder ein bestialisch ermordeter revolutionärer Kämpfer aufgefunden sei. Da« mußt« vermieden werden. Deswegen Kavallerieuniform mit ins Grab. Da gibt es nichts zu tippen.— Es geht halt nichts über die weise Voraussicht eines Landesvaters! Mich. o. Lindenhecken. SevStkenm- der Sowjetantoa. Di« Stattstisch« Zentralverwaltung in llWkau bearbeitet die Ergebnisse der?alks,lb'.m,g der Sowjetnnion für toi Jahr laaa. Dia BevStlerungSzahle» ergebe» roh Iiill. Smwohuer. das englische Antistreikgesetz. Ein vernichtendes Urteil. Im neuesten Heft des„Deutschen Volkswirt" schreibt Prof. Harold I. Laski von der Universität London über Baldwins Antigewerkschaftsgesetz: „Mit einem Wort, das Gesetz wird bis zu seiner Widerrufung jede Besserung des Verhältnisses zwischen Kapi- tal und Arbeit unmöglich machen. Es wird jede wohl- tätige Regierungsintervention in Arbeitsstreitigkeiten verhindern. weil der g u t« G l a u b e der Regierung von den Gewerkschaften angezweifelt werden wird. Wenn unter der Herrschaft dieses �Gesetzes Leute" ins Gefängnis kommen oder Gewerkschaften zu schweren Schadenersatzleistungen oerurteilt werden, so wird die E r- bitterung der Streiks in gefährlicher Weis« verschärft werden. Es wäre leicht, die Entrüstung zu übertreiben, di« das Gesetz bisher erregt hat. Mein« eigene Ansicht ist, daß sie unter den Gewerkschaftsbeamten tiefer ist als in der Masse der Gewerk- schafter. Aber wenn einmal ein Streik unter dem Gesetz als un- gesetzlich erklärt worden sein wird, wird ein Strom von Stnn- men der Labour Party zufließen wie im Jahr 1306 nach der Taff- Vale-Entscheidung.(Durch dies« Entscheidung von 1301 wurden die Gewerkschaften für Schaden hastbar gemacht, der durch Streikposten angeri�tet worden war. Die Gewerkschaften verlangten gegen diese Rechtsauslegung Schutz, und die daraus entstandene Bewegung der Arbeiter, die erst mit dem Gesetz über Arbeitsstreitigkeiten vom Jahre 130« ihr Ziel erreichte, trug wesentlich zu der konservativen Niederlage bei den Wahlen vom gleichen Jahre bei.) Das Gesetz verletzt das lebendige Grundgesetz der englischen Politik: Quirta non movere(Das Ruhende nicht bewegen.). Wenn es teilweise an- gewendet wird, wird es trotzige Unzufriedenheit er- zeugen. Wenn es g a n z ins Werk gesetzt wird, wird es einen Haß gegen das bestehende Ordnungssystem heranzüchten, der der ge- fährlichsten Folgen trächtig wäre.' Das Urteil ist vernichtend— aber die englischen Diehards find durch Vernunftgründe nicht von ihrem reak- tionären Willen abzubringen. Helmagnaten gegen Sowjetrußlanü. Oeffentlicher Aufruf zum Kampf. Amsterdan, 23. Juli.(WTB.) Auf Grund der von der Standarb Oil Compagny of New-Yerfey in Amerika und der Shell Trans- port and Trading Co. in England abgegebenen Erklärungen in der Angelegenheit der von Standard Oil Eompagny of New-Iork mit dem Russischen Naphthasyndikat geführten Unterhandlungen richtet die Direktion der Königlich Niederländischen Petroleumgesellschaft Herne in den Blättern«inen Aufruf an das niederländische Dolk, in dem sie um die U n t e r st ü tz u n g« n und Mitwirkung des Publikums im Kampfe gegen den Bolschewismus ersucht. In dem Ausruf heißt es u. a.: Die Zeit sei jetzt gekommen, daß die großen Gesellschaften di« Inioiative ergriffen, um gegen die bisher von den Sowjets befolgte Wirtschastpolitit energisch zu pro- testieren. Die Billigung dieser Sowjetmethoden würde industriellein Selbstmord nahekommen und zur Folg« haben, daß der Lebens- standaid anderer Länder aus dasselbe niedrige Niveau wie in Sowjetrußland zu sinken käme. Die Königlich Niederländische Petroleumgesellschaft habe von dem Bolschewismus nichts zu be- fürchten, wenn sie von der Regierung und dem Publi- kum in ihrem Kampfe unter st üfit werde. « Wir haben diesen Komps ausführlich im Wirtschaststeil dieser Ausgab« gewürdigt. f drei(Todesurteile in Moskau. Wegen Unterschlagung. Moskau, 23. Juli. Das Oberste Gericht in Moskau oerurteilte die Buchhalter der Staatsbank Grischin und Koschuchow und den Buchhalter des 1. Moskauer Kreditvereins wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung von 700 000 Mark zum Tode. Die Angeklagten standen bereits einmal, xätwrtch nm 17 Mai stt der gleichen Sache vor Gericht und wurden damals zu 10, 8 und 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt der Republik Krylenko hatte aber gegen dieses Urteil Revision eingelegt, die Erfolg hatte. Es ist dies in wenigen Tagen der zweite Fall, daß das Gericht nach erfolgreicher Revision der Staatsanwaltschast an Stelle einer Gefängnisstrafe auf Todesstrafe erkennt. Erst vor einer Woche wurde unter den gleichen Umständen die Frau des bereits erschossenen Klepikow zum Tode verurteilt. Neue Gjfiziersrevolte in Spanien. Strenge Maßnahmen des Kriegsministers. Paris, 23. Iull.(Eigener Drahtbericht.) Aus Madrid wird ge- meldet, daß in der Artillerieschule in Segovia eine Meuterei ausgebrochen ist. Ihren Ausgang hat die Bewegung angeblich in einem Protest gehabt, den die Artillerieschüler gegen eine von der Regierung befohlene Wohltätigkeitsveranstaltung zu- gunsten des Marokko-Feldzuges erhoben. Der spanische Kriegsminister hat, u?ie gemeldet wird, sofort die strengste n Maßnahmen ergriffen, um die Meuterei im Kenn« zu erstick««. Di« neue Bewegung unter den spanischen Artillerieoffizieren scheint jedoch ein Zeichen dafür zu sein, daß die Unzufriedenheit der Ossi» ziere trotz der Beilegung der letzten großen Meuterei noch lange nicht behoben ist. Gefälschte Sowjetüokumente. Verhaftungen in Paris. Die Dummen werden nicht alle. Für gefälscht« Sowjet- dokumente gibt es immer noch guten Absatz. Die Nachtrage hierfür machen sich aber verschiedene dunkle russisch« Emi- grantenexistenzen zunutze und fälschen lustig darauf los. Solche Dotumentenfälscher gab es schon vor Druschilowski und wird es wohl auch nach ihm geben. Ueber die neuesten Berhaftungen von Dokumentenfälschcrn in Pari- ist bereits berichtet worden. Die Einzelheiten jedoch, die jetzt bekannt werden, zeigen aufs neue, in welchem Ausmaß solch« Fälschungen mit Erfolg betrieben werden könnlin. Nach den Au»- sagen des oerhafteten S o l o w s k i, der Mitglied einer Fälscherbande war, an deren Spitze ein früherer Kommunist und Sowjetangestellter Matinjan gestanden haben soll, ge- hörten zu den Klienten dieser Fälscher sowohl die spanische, italienische und englische Gesandtschaft als aiich die serbische, rumänisch«, griechische, holländische, kubanisch«, chilenisch«, argentinische, mexikani- s ch e und paraguayische Vertretung in Paris. Am teuersten sollen die gefälschten Dokumente den Spaniern zu stehen gekommen sein: sie ließen sich die Sache 180 000 Franken kosten. An zweiter Stelle steht Chile mit 12000 Franken, an dritter Kuba mit 8000 Franken. Die Dokument«, di« in der Haupt- fache die Unterschrift des Sowjetgesandten in Pari», R a k o w s t i. und dessen ersten Legationsrats, D a w t j a n. trugen, hatten den verschiedensten Inhalt. Bald waren es Dokument« und Personal- ausweise der Komintern, bald solche eines„revolutionären Komi- tees' der„terroristischen Sektion' bei der Sowjetvertrctung in Pari» oder der„Aktionskomitees' in verschiedenen Ländern, bald stammten sie angeblich von den�Sowjetkonsulaten in Paris. Neapel. Marseille oder von einem„Militärattache", dann trugen sie wieder die Unter- schriften verschiedener hoher Sowjetbeamter usw. Die„Humanitä' behauptet, daß«in großer Teil der Schriftstück« anscheinend von pali- tischen Analphabeten hergestellt sein wußte. Wie eine demokratische russische Zeitung in Pari» berichtet. soll auch die Sowjetvertretung, auf deren Veranlassung. übrigens der Fälscher Solowski verhaftet wurde, mit 3000 Franken hereingefallen fem. di« sie sür„wei ß g a r di st i sch«' Dokumente gezahlt hat. Dem Untersuchungsrichter soll Solowski gesagt haben, daß er den Inhalt dieses.weißgardistischen' Dokument» der„Humanitö' vom 16. Juni 1327 abgeschrieben hat. Flugplatz am Sitz des Völkerbundes. Das«ochverständigen« komitee, da» beauftragt ist. die Möglichkeit für die Schaffung eines Flugplatzes am Sitze des Völkerbundes zu prüfen, wird am päM«, Montag eine Sitzung abhalten, Der Kölner Schiedsspruch verbindlich. Tic Metallarbeiter müssen 52 Stunden arbeiten. Köln. 23. Zuli.(XU.) wie der Ztrbeiigeberverband mitleili, Ist der für die Kölner UTelcllinduslrie ergangene Schiedsspruch zur Neuregelung der Ar. beilszeil und Jesiseizung der Zuschläge für ZNehrarbeil und Arbeils- stunden, der von beiden Parteien, voin Arbeilgcberverband und den Gewerkschaften, abgelehnt worden war, heute vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt worden, hierdurch ist ein neuer, für beide Parteien rechtsverbindlicher Tarifvertrag zustande ge- kommen. Es ist zu erwarten, daß am kommenden Montag in den betrieben der Kölner Metallindustrie die Arbeit wieder aufgenommen wird. Das Unglaubliche ist Tatsache geworden. Die Kölner Metall» arbeiter sind durch die Entscheidung des Reichsarbeitsmmrfteriums verurteilt worden, ihren feit vier Wochen mit bewunderungswerter Einmütigkeit geführten Kampf ohne einen nennen?» werten Erfolg abzubrechen. Wenn ste den am 29. Juni vom Kölner Schlichtungsausschuß gefällten Schiedsspruch angenommen hätten, wären sie zu dem jetzigen„Erfolg" billiger gekommen. Mit Recht lehnten die um den Achtstundentag kämpfenden Kölner Metallarbeiter damals den Schiedsspruch ab, der den Unternehmern gc- stattete, bis zum 1. November d. I.«ine Verlängerung der wöchent» lichen Arbeitszeit bis zu 52 Stunden und dann bis zum 1. Februar 1928 eine Verlängerung bis zu S1 Stunden anordnen zu können. Dieser Schiedsspruch sah fiir die Mehrarbeit einen Zuschlag von 20 Proz. vor, allerdings keinen Lohnausgleich. Der am 16. Juli gefällte und nunmehr für verbindlich erklärte Schiedsspruch des Sonderschlichters, Oberregierungsrats Dr. Cloßen, ist im wesentlichen ein Duplikat des ersten in Köln gefällten Schieds- spcuches. Er gestattet im Gegenteil den Unternehmern, bis zum 1. Februar 1928 ohne Zustimmung der gesetzlichen B c t r i e b s v e r t re t u n g eine Verlängerung der regelmäßigen Arbeitszeit bis zu 5 2 Stunden anordnen zu können. Wenn auch in dem verbindlich erklärten Schiedsspruch ein Lohnaus- gleich vorgesehen ist, so ist dieser jedoch so verklausuliert, daß er nach Auffassung der Funktionäre der Kölner Metallarbeiter fast für keinen Arbeiter in Frage kommen würde. Der Schiedsspruch stellt jedenfalls das gesamte Arbeits- zcitnotgesctz auf den Kopf und ist, wie die Kölner Metallorbeiter bei seiner Ablehnung erklärten, der erste Versuch, das Arbeits- zeitnotgefetz zu durchkreuzen. Das Reichsarbeitsmini st erium hat durch feine gestrige unverständliche Entscheidung die weitere A k t i o n s- f ä h i g k e i t der Kölner Gewerkschaften lahmgelegt. Die Kölner Metallarbeiter werden nicht mit gebeugtem Rücken, aber dennoch zähneknirschend in die Betriebe zurückkehren müssen. Die Unternehmer haben im Reichsarbeitsministerium einen Vor- kündeten gefunden, der stärker war als ihr und ihrer Ge- werkschast Will« zum Sieg. Die Arbeiter, und nicht nur die Kölner, werden aus diesem, nicht durch ihre Schuld fast ergebnislos ver- laufenen Kampfe in der Erkenntnis gestärkt werden, daß die Eni- scheidungen bei politischen Wahlen zugleich auch Entscheidungen über die zukünftige Gestaltung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind. Generalversammlung üer Sattler. Ter frühere 1. Vorsitzende Müller ausgeschlossen. Die Berliner Oistsoerwaltung des Verbandes der Satller, Tapezierer und Portefeuiller hatte am Donnerstag im Gewerkschaft»- . Haus ihre ordentliche Generalversammlung. Der 1. Vorsitzende, Genosse Blume, gedachte zunächst der Vorgänge in Wien, worauf die Versammlung die Toten durch Erheben von den Plätzen ehrte. Ein Antrag der Kommuni st en. der eine Beteiligung an den kommunistischen Demonstrationen am z. August gegen den Krieg sordert«, wurde abgelehnt. Anschließend gab Genosse Blume den Geschäftsbericht für das 2. Quartal. Er tellte mit, daß nunmehr in sämtlichen Branchen die Lohnbewegungen beendet seien. Die bei verschiedenen Firmen ausgebrochenen Streiks wurden alle erfolgreich zu Ende gefiihrt. Auch der Streik der Linoleumleger hatte einen erfolgreichen Ausgang. In der Lederwaren- und Treib- riemen brauche wurde der Zuschlag für Uebcrstunden wieder auf 25 Proz. festgesetzt. Im Karosseriegewcrbe erklärten sich die Arbeiter leider mit dem bisherigen Satz van 15 Proz. weiter einverstanden. Die Mitgliederbewegung weist eine klein« Steigerung auf. Jedoch ist di� Fluktuation leider immer noch sehr groß. 571 Aufnahmen und Nachzahlungen stehen 549 Au»- schlüsse gegenüber. Die Ortsverrvalhmg zählt zurzeit 4147 Mitglieder. Aus dem Kassenbericht, den der Genosie Weyher gab, ist zu entnehmen, daß die finanziellen Verhältnisse sich hier weiter günstig entwickelt haben. Für die Hauptkasie wurden vereinnahmt 43 026,10 M. Der Bestand der Lokalkasse er- höhte sich um 7345 M. und beträgt jetzt 57 281 M. Um anscheinend das Interesse für den folgenden Tagesordnungs- punkt, den Ausschluß des früheren I. Vorsitzenden, Max Müller, ihres ehemaligen Parteigenossen, abzulenken, schnitten die Kommunisten das Thema der Angestelltengehälter an. Solange Müller angestellter 1. Vorsitzender war, Hot diese Frage nie eine Versammlung beschäftigt. Ein« Resolution, die gegen die Re- gelung der Gehälter durch die Verbandsinstanzen protestiert und eine Inhibierung verlangte, wurde angenommen. Dann begründete Genosse Blume den Ausschlußantrag des Vor- standes gegen Max Müller. Nach der NichtWiederwahl am 5. März d. I. wurden Unregelmäßigkeiten entdeckt und Müller aufgefordert, diese zu begleichen. Dieser Aufforderung ist Müller nicht nachgekommen. Der Kommunist Gronwald konnte Müller zwar nicht verteidigen, versuchte jedoch, ihn zu entlasten, indem er Mitschuldige in den Kreisen der SPD.-Mitglieder sucht«. Es wurde festgestellt, daß von Unregelmäßigkeiten dieser Mitglieder keine Rede sein könne und daß die Ursachen, die zum Zusammen- bruch Müllers führten, im April und Mai d. I. bekannt wurden. Die V e x s a m m l u n g lehnte die lendenlahmen Ent- lastungsoersuche Gronwalds ab und beschloß einstimmig den Ausschluß Müllers. Nebenbei sei in diesem Zusammenhang noch er- wähnt, daß Müller auch aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde. Anlaß hierzu waren eben- falls finanzielle Unregelmäßigkeiten, die in dem ihm von der Partei übertragenen Chrenamte vorgekommen sind. Infolge der ausgedehnten Debatten mußte der vorgesehene Vortrag des Genossen cheßler vom Ortsausschuß über„Berufs- schule und Gewerkschaft" abgesetzt werden. Vertrauensmännerwahlen bei üer Reichsbahn. Am 1. August findet die Neuwohl der Vertrauens- männcr der Sachverständigen im Reichsbahnbetrieb statt. Di« Werke und Dienststellen sind angewiesen, die schwerbeschädigten Ar- beiter ihrer Betriebe zu veranlassen, die Neuwahl des Vertrauens- mannes vorzunehmen. Di« Wahl eines Vertrauensmannes kommt nur bei den Werken und Dienststellen in Frag«, bei denen min- destens 5 Schwerbeschädigte beschäftigt werden, die Arbeiter im Sinne des Betriebsrätegesetzes sind. Wenn auf diese Wahl besonders hingewiesen wird, so des- wegen, damit die Schwerbeschädigten ihre Nach langen Kämpfen er- zwungenen Rechte auch re st los ausnutzen. Erinnert sei nur an die Verpflichtung zur Beschäftigung von schwerbeschädigten an geeigneten Arbeitsplätzen nach dem Schwerkriegsbeschädigtenge- setz und die Beachtung der Vorschriften über Kündigung oder srist- lose Entlassung, die eine Anzahl von Dienstvorstehern wiederholt zu umgehen versuchten mit der Begründung der mangelnden Eignung. Nicht vergessen dürfte auch der unermüdliche Kampf gegen eine Anzahl Aemter und Dienststellen sein, die angeblich wegen unge- nügendcr Leistungen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln Lohn- kürzungen durchführten oder Umstufungen in niedrigere Lohngrup- pen beantragten. Die Behandlung der Schwerbeschädigten läßt jedenfalls noch sehr viel zu wünschen übrig. Es liegt daher im ureigensten Interesse der Schwerbeschädigten selbst, am 1. August restlos zur Wahl zu gehen und nur die Kandidaten zu wählen, die gewillt sind, im Interesie sämtlicher Schwerbeschädigten zu handeln. Das sind nur die Kandidaten des Einheitsverbandcs der Eisenbahner Deutschlands. der wieöeraufbau im sächsischen Unwettergebiet. Es kommen nur Itotstandsarbeiter in Frage. Der Präsident der R« i ch s a r b e i t s o e r w a l t u n g, Dr. S y r u p, weilt zurzeit mit einem Sachreferenten für die pro- duktive Erwerbslosmsürsorge im sächsischen Unwetter- gebiet. Das Gebiet der Unwetterkatastrophe im Erzgebirge ist zu einem Feld reicher Arbeitsgelegenheiten geworden. Die zuständigen öffentlichen Arbeitsnachweise in Pirna, Heidenau, Glas- Hütte und Geising haben im Einvernehmen mit den Notbauämtem und den beteiligten Baufirmen eine strenge Ueberwachung der Einstellung vorgenommen. Planloses Z u re i s e n ist daher zwecklos. Agrarische Blätter wie z. B. die.Deutsche Tageszeitung" bombardieren die Oefsentlichkeit mit Alarmmeldungen über Streiks van Notstandsarbeitern im Ausräumungsgebiet: die Agrarier können sich beruhigen Die Landwirtschaft wird keinerlei Arbeitskräste ein- büßen. Alle Arbeiter, die ihre Arbeit in der Industrie oder Land- Wirtschaft aufgeben, um bei den Aufräummigsarbeiten Beschäftigung sollen imWegederpi.----------- losensürsorge durchgeführt werden. Also müsien die Not- standsarbeiter genau wie reguläre Arbeiter bezahlt werden.. Die Reise des Präsidenten der Reichsarbeitsverwaltung wird hoffentlich dazu beitragen, daß Arbeitsvermittlung und Arbeits- bedingungen befriedigend geregelt werden, damit die Wiederaufbau- arbeiten rasch vonstatten gehen können. Unsicherheit in den amerikanischen Gruben. JGB. Den offiziellen Berichten des Grubenbureaus des amen- konischen Handelsdepartements zufolge verlieren in Amerika in den Kohlengruben in zehn Kalendertagen durchschnittlich 63 Menschen das Leben. Die entsprechende Zahl in den Metall- bergwerken beträgt 14. Gesperrte Gastwirkebetriebe. Wegen Tarifbruch und Nicht- benutzung des öffentlichen Arbeitsnachweises sind folgende Betriebe vom Zentralverhand der Hotel-, Restaurant- und Caseangcstellten für sein« Mitglieder gesperrt: Berlin:.Zum H e i de r e i t e r", Hasenheide, Ecke Kamphausenstraße: Treptow: Kaiserbad- garten, Jnh. Iauernik, Knappe, früher Zenuer, Jnh. Dr. Körner, Sonnenwende, Jnh. Nischick, Paradies- garten, Jnh. Kahl: Friedrichshagen: G« s e l l s ch a s t s h a u s, Bellevu«, Müggelseekajino, Seeschlößchen. Ra- ven st einer Mühle, Restaurant Müggelhort, Para- diesgarten, Rahnsdorfer Mühle, Restaurant Bären- Höhle Bahnhos Rahnsdorf, Zentrolre st auran t, Jnh. Dütt- ner, Cafe Mignon, St. Hubertus, Friedrichshagen: Grünau: Restaurant R i v i e r a, Restaurant Halte st elle Userbahn: Erkner: Bürgergarten: Grünheide: Restaurant Matschke: Woltersdorfer Schleuse: Restaurant Kranichsberg, Jnh. Dinter, Restaurant Zum Liebesquell, Jnh. Sträbel, Wilhelms- bad. Achtuilg, s-orrbrems«! Am Dienstag, 2«. Juli, 16 Uhr, im Lokal von Siewert, Lichtenberg, Kant. Ecke Schillerstraße, Fraktivnsversamni. lung der SPD.-Genossen. Wichtige Tagesordnung. Regen Besuch er- wartet Der Fraktionsvorstand. Achtung, Werner A.-G., Marienfeldc? Am Dienstag, 26. Juli, 16*5 Uhr. im Lokal Wildgrube, Morienfelde. wichtige Fraktion s- Marienfcldc? W.W dgrube, Morienfelde, wichtige„ Versammlung der SPD.-Genossen. Erscheinen aller Genosten ist Pflicht. Sympathisierende können eingeführt werden. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Baudelcgierte und Betriebsleiter des Deutschen Baugewerksbundes, Baugcwerkschaft BerUn. Montag, 25. Juli, 17 Uhr. findet im Gewerkschafts- haus, Saal 1, eine Baudelegiertenversammlung des Hoch-, Beton- und Tiefbau- gcwerbcs statt. Tagesordnung:„Was sagt der Reichstarifoertrag zur lieber- Stundenleistung?" Referent Kollege Drilgemüller. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung worden die Kollegen Baudeleaierten und Betriebsleiter ersucht, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Jede Baufirma muß vertreten sein. Der Pereinsvorstand. Deutsche? Bougewerksbund, Fachgruppe Stuck- und Gipsbau. Montag, 25. Juli, 17� Uhr, also gleich nach Arbeitsschluß, ist im Gewerkschaftshaus, Saal 3, eine Versammlung der Baudelegierten und Betriebsräte der Fach- gruppe. Tagesordnung: Bericht von der Reichskonferenz in Weimar. In dieser Versammlung gelangen die Fragebogen zu der Zählung am Donnerstaa, 25. Juli, zur Ausgabe. Jede Baustelle und Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Fachgruppenleitung. Deutscher Bangewerksbund, Fachgruppe der Putzer. Am Dienstag,-26. Juli, 17 Uhr, ist im Saal 11 des Gewerkschaftshaufes eine Versammlung der Bau. delegierten unserer Fachgruppe. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Schade über das Arbeitsgerichtsgesetz. 2. Unsere Bautenkontrolle und Aus� gäbe des Materials dazu. Jede Arbeitsstelle, auch die kleinste, muß duräz einen Delegierten vertreten sein. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Die Fachgruppenleituug. Achtung, Maurer uud Hilfsarbeiter bei den Patentsteinwänden! Am Mon» ««r e* r««««._ Ä---- trju-ti-x.— �— r n gemeinsame WWW Ihme zum Akkordtarifvertrag." Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. deutscher Baugcwerksbund. Baugewerkfch. Berlin. Der Vorstand. Gemeinde- und Staatsarbeiter de« Z. Bezirk«. Dienstag, 26. Juki, 19. im Lokal von Mecklendurg, Raven�str. 5, Bezirksverfammlung des 3. Bezl �~ � � Mitteilungen.a .Tagesordnung-:-1?>Der i�beiterrnnenschirtz, eme F�oge der Volkögdimdyeit." Reforentin Kollegin Frau Dr. Hamann, Fürsorgeärztin. 2. Mitteilungen ,auö dem Verbandsleben. 3. Verschiedenes. Wir bitten vor ollem d:e Kolleginnen um vollzähliges Erscheinen und ersuchen die Kollegen, ihre Frauen zu diesem wichtigen Vortrag mitzubringen. Die Dezirksleitung. Zeutralverbaud der Schuhmacher. Quartalsgeneralversammlung am Mitt. woch, 27. Juli, 17 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshaufes, Enaelufer 25. Tagesordnung: 1. Die neuen Arbeitsgerichte. 2. Kassen, und Geschäftsbericht für das 2. Quartal 1927. Mitgliedsausweis mitbringen, sonst keinen Zutritt. Zugeudgruppe de« ZdA. Morgen, Montag, 19� Uhr, sind folgende Ver. anstaltungen: Bezirk Südost. Treptow: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Literarischer Abend Sinclair iLewtnski).— Bezirk Rordeu: Jugendheim Schule eutsche Reims?'~ 5chu Eingang Elbinger Straße. Rafenspcele, Volkstänze, Ballspiele. Verantwortlich für Poliyk: Victor Schiff; Wirtschaft: G. Kliugelhöfer und Verlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen.„Unterhaltung uud Wissen' uud„Aus der FUm-Delt". SEIBENSTOFFn:: 8»hotten WaRehk'eelde Sportstofl e PhantssiegtoMe W o 1 1 m ii b s e I i n bedruck t Roekstolte Wollkre pp bedr. Waschk'selde bedr. Meter K• 8 h a' Kammgarne ReinwoU. Karos Woll b at ist KoBtttmstotle' Gabardine Bips-Popeline Eolienne Meter WA S C H S T O F WÄSCHESTOFFE: Ifflr Leibwäsche Meter kür Bettwisehe Meter Wasch etnch 0.38 Linon gi«tt wem 0.ZZ Wäschebatist Ö.60 Zephir 70 cm breit Unmoll. Musselin Krepp kariert Krepp bedruckt P n 1 1 o t e r s t o 1 1 Kreppgemust.,PerkaI Rmwoll. Musselin K r e p p II n C'repe Marocain 100 cm breit......... Meter Voll-Voile bedruckt' Uemdenzephir Seidenbatist Hemden- und Blasenflanelle Voll-Volle bedruckt u. einfarbig Trikolette Hemdenzephir Traehtenstoff Fonlardinp Waterschdraenstoff 1.60 Meter 2.75 F JE: flfletcr 0.95 M e s s a'I I n e reine Seide, glattn.kar. Bastseide reine Seide, naturfarb. Dam a s t K'seide mit B'mwolle R i W a p 8 I ehe i m t o r d Meter 1.35 Meter Kleiderseide gestr.| A„_ Bastseide gemust.-■|1 Mantelseidogem.J JL• Kleidertakt ss cm, schwarz und farbi Arm nref aconn 85 cm, mod. Farben Bastseide farbig, 80 cm Crepe de Chine reine Seide, ca. 100 cm F o u 1 a r d reine Seide, 85-100 cm Tafts c h o 1 1 e n reine Seide, dopp. br. Meter CiAKDIAEASTOFFEt Mull (arbig kariert, Spann elfenbein, 125 cm Meter srt, 120 cm I dui «totfef JL. äO 51 M a d r a 8 1 Meter dunkeigrundig, Zfarb.| ad r a s| hei Ig rund ig, 130cm J Meter 2.50 Meter 1.30 Kissenreste K u nstseide brokatartig, 60x 60cm Gobelinstotf Verduremust., 130 cm Dekorationsstolf Kunstseide, 120 cm Meter STICKEBEIESr HÖBEL.STOFFE Meter 1 30 cm breit 0.95 •- o."«««äs � 1 0 0 n 130 cm breit 1»70 ÖERLINC2• SPANDAUER STRASSE-KÖNIQ« STRASSE• GEGRÜNDET löld ttr. 346 ❖ 44. Jahrgang 1. Heilage des Vorwärts Sskotag, 24. Mi IH27 Die Wetterkatastrophen haben in diesem Jahre einen Umfang angenommen, wie er„seit Menschengedenken" nicht mehr sestgustellen «ft So ist es denn kein Wunder, wenn das Interesse an der Eni- stehung des Wetters, an den Kräften, die hier zusammenwirken, wächst. Die Vorausbestimmung des Wetters wird so zu einer wichtigen Angetegenheit, und sicherlich wünscht wohl jeder, daß die Wettervorhersage mit hundertprozentiger Sicherheit durchgeführt werden könnte. Trotz zahlreicher Arbeiten und vieler Erkenntnisse aus diesem Gebiete ist die Meteorologie bis heute noch nicht so weit, daß sie alle wetterbildenden Einflüsse erkennen und für ihre Voraus- sagen benutzen könnte. Immerhin ist es als ein Erfolg zu oerbuchen, daß die Voraussagen in den letzten Jahren viel präziser geworden sind, und daß sich die Zahl der Treffer auf etwa SO Proz. im Durchschnitt erhöht Hot. Wolken unü Regen. Die Veränderungen der Wetterlage ergeben sich aus der ungleich- »näßigen Erwärmung der Luft. Die Kraft der Sonnenstrahlen hebt ungezählte Myriaden von Wasserteilchen in die höheren atmosphäri- sschen Luftschichten empor. Jede Abkühlung formt diese gasartigen Waffermengen zu Regentropfen um. Kälte läßt sie zu Eiskristallcn erstarren. Unsere atmosphärische Luft vermag aber nur bei einer ganz bestimmten Temperatur eine genau festgelegte Menge von Wasserdampf aus, zunehmen. Die überschüssige Menge fällt in Form von Regen zur Erde. Also, Wärme bedingt Wolkenbildung, der Ueberschuß an Wosserdamps bringt Regen. Der Wctterkundige schließt aus der Wolkenform auf die W-itternng der nächsten Stunden. Nach internationaler Uebereinkunft sind folgende Wolkensormen fest- gesetzt: 1. Obere Wolken, mittlere Höhe 9000 Meter(Federwolken, Schleierwolten). Diese beiden Wolkenforme» bauen sich aus seinen Eisnadeln auf, im Gegensatz zu den sonstigen Wolkenformen, den Wasserwolken.— 2. Miltelhohe Wolken, mittlere Höhe 3000 bis 7000 Meter(Schäfchen, grobe Schäfchen, hohe Schichtwolken).— 3. Untere Wolken, mittlere Höhe 1000 bis 2000 Meter(ausgebreitete Haufen- wölke, Regenwolke).— 4. Wolken aus den untertags aufsteigenden Lufkströmen(Haufenwolke, Gewitterwolke).— 5. Gehobener Redet, Höhe weniger als 1000 Meter. Rasch fortschreitende Abkühlung in den Wolken führt zu den Niederschlägen. Damit dos ausgeschiedene Wasser als Regen zu Boden fallen kann, ist es erforderlich, daß mehrere Wassertröpfchen.zusammenfließen und dadurch so schwer werden, daß sie nicht mehr schwebend erhalten werden können. Man unterscheidet mehrere Arten von Niederschlägen: Regen, wenn sie als Wasiertropfen, Schnee, wenn sie als Eiskristalle, Hagel uad Graupen, wenn sie als nichtkristallinifchs Eisklümpchen niedergehen. Die Niederschläge sind dort am ergiebigsten, wo warme, wasserdamps- reiche Lust zum Aufsteigen gezwungen ist. Gebirge sind im allqe- meinen reicher an Niederschlägen als die Ebene. Die Nisderichläge spielen im Pflanzenleben«ine große Rolle und sind daher für die Londwirtschast von größter Bedeutung. Nicht nur die Formen der Wolken, sondern vor allem die Vewegungsvorgänge geben Aufschluß für die Wettervorhersage. Di« Ortsveränderunqen der einzelnen über» einander sichtbaren Wolkenjchichten zeigen nicht nur d.e Richtung, sondern auch die Geschwindigkeit in den verschiedenen Höhenlagen an. Die Wetterkarte. Die Verbindungen der Orte mit gleichem Luftdrucke durch Linien, Isobaren genannt, zeigen an, daß über mehr oder weniger kreis- sörnngen Gebieten der Erdoberfläche der Barometerstand ein ganz niedriger ist, während zur gleichen Zeit andere Stellen hohen Luft- druck aufweisen� dazwischen finden die mannigfachsten Uebergänge statt. Die Gegenden mit dem hohen oder dem höchsten Luftdruck werden als Hochdruckgebiet oder barometrisches Maximum, diejenigen mit tiefem, oder dem glleriiefsten Drucks als Tiesdruckgebiet, Depression oder barometri'ches Minimum bezeichnet: Auf der Karte wurden die genannten Dnickgebiete als Hoch bzw. Tief gekenn- zeichnet. Zur Erforschung der oberen Atmosphäre benutzte man früher allgemein große Ballons, in denen die Beobachter aufstiegen. Heute arbeitet man in allen größeren Beobachtungsstationen, beispielsweise in dem Aeronautischen Observatorium tindenberg bei Verlin mit selbsttätig aufzeichnenden Instrumenten, den sogenannten Meteoro- graphen. Diese enthalten in einem horizontalen Ventilatorrohr einen windmühlenariigen Windmesser, ein Metollthermometcr und ein Frauenhaar, das aus jede Aenderung der Luftseuchtigkeit seine Länge ändert; außerdem ein Aneroidbarometer zur Messung des Luft- druckes, sowie eine berußte Trommel, die durch ein"Uhrwerk in Umdrehung versetzt wird. Die mit den einzelnen Instrumenten verbundenen Federn zeichnen aus die berußte Trommel selbsttätig die in immer größerer Höhe eintretenden Aenderungen der Witte- rungsverhältnisse auf. Diese Registrierapparate werden meistens durch große Drachen in die höheren Luftschichten getragen. Wie öer Winü entsteht. Wind ist bekanntlich nichts weiter als bewegte Luft. Seine Richtung ist abhängig von der wechselseitigen Lage der hoch, und Tiesgebicke und seine Stärke von ihren Druckuntertchieden. Die Lust fließt ähnlich wie das Wasser vom Bergabhange von den Orten mit höherem Luftdruck zu denen mit niedrigerem und zwar mit um so größerer Geschwindigkeit, je rascher sich der Luft- druck von einem Ort« zu einem benachbarten ändert. Doch unter- scheiden sich die Lustströmungen von den Wasserströmen dadurch, daß sie infolge der Axendrehung der Erde von der genauen Richtung des Druckgefälles um ziemlich erhebliche Winkel abweichen. Der okmosphärijche Luftaustausch findet in der Weise statt, daß die zufließende Luft im Innern des Tiefdruckgebietes senkrecht nach oben aussteigt, um dann in der Höhe wiederum zum Hochdruck- gebiete zurückzufließ-.'n, weshalb wir im kern des Hochdruckgebietes absteigenden Luftströmen begegnen. Es findet also zwischen den beiden Luftsystemen ein geschlossener Kreislauf statt. An der Erd- Oberfläche bewegt sich die Lust als llntermind vom hoch zum Ties, und zwar mit Rechtsablenkung: im Ties steigt sie empor und weht in den höheren Schichten als Oberwind wieder mit Rechlsablcnkung vom Ties zum hoch, wo sie sich zu Boden senkt. Wir können tat- sächlich die Beobachtung machen, daß sich die niederen dichten Unter- wölken, die mit dem Unterwind fliegen, in fast entgegengesetzter Richtung bewegen wie die hohen, dünnen, vom Oberwinde ge- triebcnen Federwolken(Zirruswolken). Die Hochdruckgebiete jedoch zeigen im ollnemcinen die Steigerung, längere Zeit über derselben Gegend zu verweilen. Die Aenderung des Wetters beim Vorüber- gonge eines Tiesdruckgebietes, wenn diese nördlich von uns ersolgt, ist etwa folgende: Vei Annäherung der Deprelsion weht Südost- wind, der sich hierauf nach Süden und dann nach Südwest dreht. Das Barometer fängt an zu sinken. Im Westen erscheinen langge- streckte Fäden von Federwolken oder ein zarter Wolkenschlcier, der langsam zum Zcnilh heraufzieht. Das sind die ersten Vorboten des Kaff 'ßdcrw�ß�- fäl/'f waw fckervcfffcfa Par/faffung eiher schlechten Wetters. Die mehr oder weniger massenhafte Ent- wicktung und die Geschwindigkeit dieser Woikenart deutet in der Regel schon aus die geringere oder größer« Jntensivität der heran- nahenden Depression. Allmählich überzieht eine dichtere Schicht van hohen Schichtwolken den ganzen sichtbaren Himmel, bald tauchen unter dieser Hülle dunkle Regenwolken auf, und nun beginnen aus- gebreitete und anhaltende Niederschläge, der sogenannte Land- oder Rieseleegen. Der Wind dreht nach Nordwest; oft wechselt blauer Himmel mit schweren Husenwolken, aus denen bei böigem-rasch anschwellendem Winde und bei sprungweisem, häusig rapiden, Sinken des Thermometers heftige Regen-, Schnee- oder Hagelschauer herniederstürzen. Das Varometcr, welches seinen tiefsten Stano erreicht Hot, sängt wieder mit außergewöhnlicher Geschwindigke t an zu steigen. Die Böen werden seltener, der Wind schwächer, die Niederschläge werden spärlicher und hören endlich auf. Die Be- wegungen des Barometers werden langsamer, und das Wetter heitert sich wieder auf. In der Regel macht eins im Westen c>> scheinende neue Depression ihren Einfluß gellend. * In Begleitung sehr tiefen Barometerstandes treten oft heftige Stürme auf. Berüchtigt sind die herbst- und Wlntcrstürme. die zu- weilen zu Orkanen werde». Die durch die letzten Wctterkatastrophcn im sächsischen Erzgebirge verursachten Schäden sind eine dringende Mahnung an die zuständigen Behörden, mit Hilfe aller nur inög- lichen Mittel dahin zu wirken, daß sich Katastrophen in diesen Aus- maßen nie mehr wiederholen können. Das tzochwasser im Göerßediet. Ueber das 5?ochtrasser aus dem Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder liegen fo'gcnde Meldungen vor; Peih, 23. Juli.(WTB) Das Hochwasser ist weiter gestiegen. Der Wasserstand ist bereits 3ö Zenliinetsr höher als bei», Hoch- wasser im Jahre 1926. Der Verkehr kann nur durch Notstcgs und Kähne vermittelt werden. Viele Wohnungen werden gsrämtu. Das Vieh wiid größtenteils fortaetrieben. Ein über SOO Meter langer Abflußgraben von den Deichen ist rm cr schwierigen Verhalt, nisten fertiggestellt worden. An diesen Arbeiten hat dir Schutzpolize, sehr starken Anteil. Ein Durchbruch der Deiche ist anscheinend nicht mehr zu besürchten. Die Kartoffel- und Roggencrntc ist völlig vcr- nichtet. Zädickendarf, 23. Juli.(MTB) Heute früh um 7.46 Uhr rangierte ein Güterzug auf dem Küstrin-Ltett'ner Gleis, nachdei.l der Personenzug nach Küstrin die Strecke passiert hatte, als p'otzli.h der Bahndamm nochgab und in einer Länge van elwo 100 Metern in den 10— 14 Meter tiefer liegenden Pfuhl abrutschte. Bier Güter- wagei- wurden mitgcrisien. Ter Persanonveilchi auf der citigkisi- gen Strecke kann nur durch Umsteigen onsiechteitza'.tei! yierd Der Güterverkehr wurde vollkommen umgeleitet, * Die Reichobahndircktion Dresden Hot zur Instandsetzung der Unwetterbeschädigungcn der Eisenbahnsimckm im östlichen Eizge- birge zwei Reubouöinter errichtet. Lau den betroffenen Eisenbahnlinien hat die Strecke H e i d e» a u—-A l t e n b u r g auf der rund 27 Kilometer langen Teilstrecke Köttewitz— Lauen- st e i n am schweiften celitlen. Sofern die Linie in ihrer bisherigen Loge wieder hergestellt wird, worüber noch Erörterungen schweben, sind die I n st a n d s c tz u n g s k o st e n auf über 6 M i l l i o n e n Mark zu schützen. Auf der Linie Pirna— Gottleuba erstreckt si h die Beschädigung aus eine Gesamtlänge von 2,5 Kilometern. Unter der Voraussetzung, daß die bührüg: Linienführung beibehalten wird, stellen sich die Wiederherstellunaskosten die'er Bahn anf etwa zwei Millionen Mark. Die Linie Pirna— Groß kotig mit» Kilometern Betriebslänge ist am wenigsten in Mincidenichast gezogen worden. Dort hat der Vctiüb auf der Eesamlstrecke beieüs wieder aufge- nommen werden können. Äie Silbersc�rvcmne J2] Von 2Rex Bcach lN-chdruck octfcotm IKi?tor!J!cttt IXcSctfefenug an» 6cm Gnglischeu von Qnlla Äoppel Am folgenden Morgen trug sie Constantine auf, daß er den Hundeschlitten vorspannen und nach dem Frühstück bereithalten sollte. Als Emerson ins Zimmer trat, wgte sie zu ihm:„Ich möchte Ihnen etwas zeigen. Wollen Sie mich nach dem Frühstück auf einer Llusfahrt begleiten?" Emerson, dem ihr ernstes Wesen auffiel, willigte bereit- willig ein. Eine Stunde später packte er sie in die Pelze des Schiit- tens ein und nahm selbst bintcr ihr mit der Peitsche in der Hand Platz. Eonstanst.ne machte den Führer der Hunde frei, und im nächsten Augenblick sauste das Gespann in wilder Fahrt den steilen Abhang hinab zur Landstraße. Als sie das flache Land erreicht hatten, flogen die.Hunde über den Schnee, sie schienen den Boden kaum zu berühren. „Sie haben ein wunderbares Gespann," sagte Boyd, in- dem er seinen Blick über die doppelte Neihe von wogenden, braunen Rücken und wehenden Schwänzen schweifen ließ. „Es ist das beste km ganzen Lande," sagte sie lächelnd, „meine Hunde können fünfundzwanzig Meilen am Tage laufen." Emerson gab sich gan,; dem Vergnügen hin. durch e'.n unbekanntes Land zu einem unbekannten Bestimmungsort mit einer schönen Frau zu fahren, die er auch nicht kannte. Er betrachtete sie schweigend, und weil er gar keine Frage stellte, drehte sie ihr gerötetes Gesicht unter dem weißen Pelz der Kapuze zu ihm um und sagte:„Sind Sie gar nicht neu- gierig, mein Herr?" „Rem, gar nicht. Ich bin nur glücklich." Es war das erstemal, daß er galant zu sein versuchte. und sie sandte ihm einen strahlenden, beifälligen Blick, um sich im nächsten Augenblick verlegen mit gerunzelter Stirn abzu- wenden. Sie hatte sich einen Plan ausgedacht, zu dessen Verwirk- lichung sie diesen Mann gebrauchen wollte, wenn er willig war; das Gelingen ihres Planes aber beruhte zum großen Teil darauf, daß ihr jetziges kameradschaftliches Verhältnis keine Veränderung erfuhr. Darauf begann' sie ihm in einem geschäftsmäßigen Ton ihre Pläne auseinanderzusetzen:„Sie schienen sich gestern für das Fisckzereigeschäft zu interessieren?" „Ja, bis Sie mir sagten, daß es keine Grundstücke mehr gäbe." „Es gibt noch ein einziges. Als ich vor einem Jahr hier- her kam. war noch der ganze Fluß frei, und aufs Ungewisse hin kaufte ich ein Grundstück, das beste, das zu haben war. Als Willis Marsh davon erfuhr, kaufte er alle Grundstücke auf, die noch zu haben waren, und obgleich ich damals mit meinem Grundstück kein bestimmtes Ziel im Auge hatte, habe ich es dennoch behalten." „Ach so, dorthin fahren wir?" „Ja. Als Sie sich gestern für die Sache zu interessieren schienen, beschloß ich Ihnen das Grundstück zu zeigen." „Mas kann es nützen, wenn ich es doch nicht kaufen kann." „Ich habe es Ihnen ja auch gar nicht zum Kauf an» geboten, und würde es Ihnen auch nicht verkaufen, wenn Sie das Geld hätten. Wenn Sie aber ein; Lachskonservenfabrik bauen wollen, will ich mich daran beteiligen, indem ich mein Grundstück als Aktienkapital zeichne." Emerson überlegte einen Augenblick und sagte dann; „Darauf kann ich vorläufig weder ja noch nein sagen. Es ist ein großes Unternehmen. Sagten Sie nicht, hunderttausend Dollar—?" „Aber es ist eine gute Chance. S'e können hundert Prozent in einem Jahr verdienen. Glauben Sie. daß Sie das Geld zum Bau einer Fabrik schassen können?" „Nielleicht, ich habe wohlhabende Freunde," antwortete er vorsichlüg,„aber bestimmt kann ich es nicht lagen." „Sie könnten es wenigstens versuchen." „Aber ich verstehe ja nichts von dem Geschäft, wie kann ich mir so schnell Einblick oerschaffen?" „Das alles habe ich bedacht und weiß auch Mittel und Wege, wie dem abzuhelfen ist. Ich glaube, Sic können orga» nisieren und über Leute befehlen, nicht wahr?" „Ja, das hal?« ich schon früher getan." Seine breiten Schultern hoben sicb und er atmete öes auf.„Lassen Sie mich Ihren Plan hören." „Ich kenne einen Mann. George Bali, der mehr von dem Geschäft versteht als sechs Leute in Kalv'k zusammen. Er ist Zeit seines Lebens Fischer gewesen. Er hat ursprünglich den Kalvikfluß entdeckt, hat die erste Fabrik hier gebaut und geleitet, bis er sich mit Marsh veruneinigte, weil dieser über ihn befehlen wellte. Bali aber läßt sich wicht kommandiere». und da er nicht genug Geld hatte, um selbst eine Falnik zu bauen, begann er ein Einsadungsgesrhäst. Pichl? paßte Marsh besser. In einem Jahr hatte er George vollständig ruiniert— und ans dieselbe Weise beabsichtigt er mich un» bedeutendes We'en zu ruinieren. George besitzt noch das Fischrecht auf ein werloolles Gebiet. Seit zwei Iahren hat er sich hier in d?r Gegend herumgetrieben— und gehungert. Kein Mann darf George Bult Nahrung verkaufen; keiner ihm Obdach gewähren, keine Fabrik ihm Arbeit geben. Er muß mit einem Boot nach Dutch Harbor rudern, um sich Lebensmittel zu holen, aber er wagt das Land nicht zu oeraffen, irm die paar tausend Dollar, die er in den Fabriken stehen hat, nicht zu verlieren, darum lebt er wie ein Vagabund. Er ist ein offener, gutherziger Manu, und das Fischereigeschäit ist das einzige, worauf er sich versteh!. Er betrachtet sich selbst als Landesvoter dieser Gegend und wenn er sieht, wie andere den Nutzen aus einem Unternehmen znehen. das er ins Leben gerufen bat. gerät er außer sich. Jeden Sommer, wenn die Fischschwärme kommen, schleicht er im Gehölz um Kalv'k herum, um dem Treiben zu-usehen. Dort steht er allein und vertossen und lauscht dem Lärmen der Maschinen— er hat sie selbst aufgestellt— und beobachtet'eine Feinde, die durch die Silberschwörme. die er als die setnen betrachtet, reich werden. Er wird wie«n Aussätziger gescheut, niemand darf mit ihm sprechen oder ihm auf irgendeine Weise behilflich sein, und darüber hat er fast den Verstand verloren. Er ist ein rachsüchtiger, haßerfüllter Fanatiker geivo''den, lebt nur für seine Rache. Ich glaube, daß er eines Tages Marsh um- bringen wird." „Kzm! Ueberall stößt man aus diesen Marsh!" bemerkte Boyd, der ihr aufmerksam zugehört hatte. „Ja. er will die ganze Gegend allein beherrschen, und wenn Sie sich zu diesem Unternehmen entschließen, müssen Sie daraus vorbe-eite» sein, in ihm einen gewissenlosen und rachgierigen Feind-u finden. Ich warne Sie. denn dies ist kein Kinderspiel. Derienige aber, der Marsh überwindet, erreicht auch etwas." Sie hielt inne, als ob siö die Worte, die sie jetzt sagen wollte, erst wägen müßte und fuhr dann ernst fort:„Und ich glaube, Sie sind der rechte Mann, es mit ihm aufzunehmen." (Fortsetzung folgt.) Die neuen Postgebühren. Ab 1. August bzw. 1. Oktober. Die porloerhShung, Herrn E ch ä tz e l s„Geschenk" an die deutsche Bevölkerung, ist nun von dem Verwalwngsrat der Reichs- post verabschiedet worden. Diese Körperschaft hat nach zweitägiger Beratung folgende Beschlüsse gesaßt: Briese im Orksverkehr bis 20 Gramm S Bf., über 20 bis 250 Gramm 15 Pf., über 250 bis 500 Gramm 20 Pf.; im Fern- verkehr bis 20 Gramm 15 Pf., über 20 bis 250 Gramm 30 Pf., über 250 bis 500 Gramm 10 Pf.; Postkarten im Ortsverkehr 5 ps„ im Fernverkehr 8 Pf.; Drucksachen(ein Unterschied zwischen Boll- und Teildrucksache wird nicht mehr gemacht) in Form einfacher Karten auch mit an- hängender Antwortkarte 3 Ps., bis 50 Gramm 5 Pf., über 50 bis 100 Gramm 8 Pf., über 100 bis 250 Gramm 15 Pf., über 250 bis 500 Gramm 30 Pf., über 500 Gramm bis 1 Kilogramm 40 Pf.; Meistgewicht 1 Kilogramm: postwnrssendungen: Drucksachen 3 Pf., Mischfen düngen(Drucksachen und Warenproben) 6% Pf.; Geschäslspapiere, Warenproben und Mischsendungen der ersten Gewichtsftufe 15 Pf.; Päckchen bis 1 Kilogramm 40 Pf.; Pakete 1. Zone bis 75 Kilometer Gebühr bis 5 Kilogramm 50 Pf., für jedes weitere Kilogramm 10 Pf.; 2. Zone über 75 bis 150 Kilometer bis 5 Kilogramm 60 Pf., für jedes weitere Kilo- gramm 20 Pf.; 3. Zone über 150 bis 375 Kilometer bis 5 Kilo- gramm 80 Pf., für jedes weitere Kilogramm 30 Pf.; 4. Zone über 375 bis 750 Kilometer bis 5 Kilogramm 80 Pf., für jedes weitere Kilogramm 35 Pf.; 5. Zone über 750 Kilometer Gebühr bis 5 Kilo- gramm 80 Pf., für jedes weitere Kilogramm 40 Pf. Bei Berechnung der Zonenentfernung zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reich wird zur Ausgleichimg der in Polen liegenden Strecke die Gebühr der jeweilig nächst niedrigeren Zone in Ansaß gebracht. Zeitungspakete gegen ermäßigte Gebühr und Einschreibpakete fallen weg. Wertsendungen für je 500 M. der Wertangabe Versicherungsgebühr 10 Pf., Nachnahmegebühren: Dorzeigegebühr 20 Pf. Postanweisungen bis 10 M. 20 Pf., über 10 bis 25 M. 30 Pf., über 25 bis 100 M. 40 Pf., über 100 bis 250 M. 00 Pf., über 250 bis 500 M. 80 Pf., über 500 bis 750 M. 1 M., über 750 bis 1000 M. 1,20 Mark. Eilzustellgebühren bei Vorauszahlung durch den Absender für jede Bnefsendung usw. im Ortszustellbezirk 40 Pf., im Landzustell» bezirk 80 Pf., für Pakete(einschließlich der Paketkarten) im Orts- zustellbezirk 60 Pf., im Landzustellbezirk 1,20 M.. Gebühr für dringende Pakete IM. Zeitungsgebühr für monatlich einmaliges Erscheinen von Zeitungen im durchschnittlichen Nummergewicht bis 30 Gramm VA Pf., über 30 bis 50 Gramm 2 Pf., über 50 bis 100 Gramm 4 Pf.. für monatlich zweimaliges Erscheinen von Zeitungen im durchschnitt- lichen Nummergewicht bis 30 Gramm 3 Pf., über 30 bis 50 Gramm 4 Pf., über 50 bis 100 Gramm 8 Pf. Im postscheckoerkehr ist die Ueberweisungsgebühr fallen gelasien. Ebenso ist von einer Erhöhung der Auszahlungsgebühr abgesehen worden. Für Einzahlungen auf Zahlkarten bis 10 M. verbleibt es bei dem bisherigen Gebührensatz von 10 Pf., Einzahlungen von 10 bis 25 M. sollen 15 Pf. kosten, von 25 bis 100 M. 20 Pf., von 100 bis 250 M. 25 Pf., in den folgenden Stufen bis 1250 M. bleiben die Gebührensätze unverändert. Ferner ist für die Beförderung der Postscheckbriese eine Gebühr vorgesehen, die bei Benutzung der be- sonderen gelben Briefumschläge 5 Pf. beträgt. Die von der Der- waltung vorgeschlagene Gebühr von 5 Pf. für das Ausfertigen oes Kontoauszuges ist abgelehnt worden.. Die Wortgebühr für gewöhnliche Inlandstelegramme nn Orts- verkehr wird 8 Pf., im Fernverkehr 15 Pf. betragen. Die bisherige Stundungsgebühr für Aufgab« eines Telegramms durch 0«rm sprecher, die bisherige Gebühr für Mitnahme eines Telegramms durch die Zusteller von 10 Pf. und die Gebühr für Stundung von Telegraphengebühr kommen in Wegfall. Die in der Borlage vor- gesehene Einrichtung, beim Verkauf durch Wertzeichengeber (Automaten) eine 8 Pf.-Karte für 10 Pf. abzugeben, ist beseitigt worden. Es sollen Borkehrungen getroffen werden, um auch durch Automaten die 8 Ps.-Marken zum Nennwert abzugeben. Die neuen Gebühren treten am 1. August, diejenigen für Paket- und Zeltungsgebühren am 1. Oktober ia Kraft. Damit ist die Gebührenvorlag« erledigt. Ungetreue Wohlfahrtshelfer. - Neue Unterschlagungcm im Bezirk Kreuzberg. Ebenso wie das Bezirksamt Mitte und andere Wohlfahrtsämter von Berliner Bezirken, ist auch das Bezirksamt Kreuzberg abermals von ungetreuen Wohlsah rtskommisstonsvorstehern erheblich geschädigt worden. Bei der Staatsanwaltschaft II schwebt gegenwärtig gegen die Kommissionsvorsteher ch ä h n e l und H e n s e l ein Strafverfahren wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung, da beide die ihnen zur Auszahlung an Bedürftig« anvertrauten Unterstützungs- gel der für eigene Zwecke oerbraucht oder den Aermsten der Armen vorenthalten haben. Die beiden, die ehrenamtlich als Vorsteher von Wohlfahrtskom- Missionen beschäftigt waren, haben durch falsche Buchungen, durch Fälschungen der Quittungen und Beleg« erhebliche Beträge beiseite gebracht, die sich auf mehrere tausend Mark — man spricht sogar von, etwa 10 000 Mark— beziffern. Durch eine Revision wurde sestgestellt, daß die ungetreuen Ehrenbeamten die Gelder nicht an die Empfangsberechtigten, sondern an gute Freunde zur Auszahlung brachten, die keinerleit Anspruch auf Unterstützungsgelder hatten. Im übrigen gingen ch e n f e l und f) ä h n e l sehr raffiniert und dreist zu Werke. Sie zahlten das Geld aus der Amtskasse an eine Freun- din aus, mit der sie abends gemeinschaftlich ausgedehnte Vergnü- gungstouren und Kneipfahrten unternahmen. Die beiden hatten für sich ein fingiertes Konto eingerichtet, aus dem sie fast laufend Unter- stützungsgelder für sich bezogen. Die Veruntreuungen der beiden Wohlsahrtsvorsteher liegen schon monatelang zurück und sind sofort nach Entdeckung zur Anzeige gebracht worden. Anscheinend hat man aber bisher die Unterschlagungen absichtlich der Oeffentlichkeit ver- schwiegen. Dieser Fall, der sich als neues Glied an eine lange Kette von derartigen Veruntreuungen der ehrenmamtlich angestellten Wohlfahrtsbeamten der Groß-Berliner Bezirksämter anschließt, zeigt mit aller Deutlichkeit, daß das bisherige Auszahlungsoerfahren bei den Wohlfahrtsämtern schnellstens abgeändert werden muß. Nach der bisherigen Regelung können die Kommisstonsvorfteher über die städtischen Gelder frei verfügen, wenn die erforderlichen Recherchen die Bedürftigkeit des Unterstützungsberechtigten ergeben haben. Im Bezirksamt Mitte ist bereits eine anderweitige Regelung eingeführt worden, nach der die Auszahlung der Wohlfahrtsgel- derdurch die städtische Kasse des Bezirksamts erfolgt, wo- durch die Kontrollmöglichkeiten viel schärfer und einheitlicher sein können. Es haben bereits Besprechungen mit dem Zentraldezer. nenten des Groß- Berliner Wohlfahrtswefens, Bürgermeister Scholz, stattgefunden, um diese neue Auszahlungsmethode auf sämtliche Groß-Berliner Bezirke auszudehnen, damit endlich diesen Veruntreuungen ein Ende gemacht werden kann. Zwei Verhaftungen in Charlotteubnrg. Zu den Veruntreuungen beim Bezirksamt Charwttenburg, über die wir vor einigen Tagen berichteten, erfahren wir, daß die Nach- forschungen der Kriminalpollzei so viel belastendes Material er- geben haben, daß die beiden Schuldigen gestern ver- haftet werden konnten. Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, daß der S t a d t a s s i. st e n t Borger, der am Bahnhos Charlottenburg wohnte, durch falsche Buchungen Steuerbeträge, die zuviel gezahlt worden waren, aus das Konto eines ihm befreundeten Hausverwalters, einen ge- wissen Freidank, gebucht hatte, während in Wirlicheit die Ueber- zahlung durch andere Personen erfolgt war. Auf diese Weise be- freite er Freibank von den Zahlungen und wurde sür seinen Betrug entschädigt. Wie sich jetzt ergab, haben die beiden schon seit dem Jahre 1S24 ihre betrügerischen Machenschaften betrieben. Frei- dank, der Am Knie in Charlottenburg wohnte, wurde gestern fest- genommen. Borger war aus seiner Wohnung verschwunden, wurde aber bei einer Berwondten in Lankwitz ermittelt und ebenfalls ver- haftet. Einer beschuldigt den anderen, daß er ihn zu den Veruntreuungen angestiftet habe. So behauptet z. B. Borger, Freidank habe ihn zu den falschen Buchungen veranlaßt, weil er mehrere Töchter ausstatten mußte und es ihm an den nötigen Mitteln fehlte. Der Hausverwalter bestreitet das und erklärt, daß ihn Freidank erst auf diesen Auswog aufmerksam gemacht habe. Bis- her wurden Unterschlagungen in Höhe von 15 000 M. festgestellt. Da gegen Borger Fluchwerdacht vorliegt, wurde er in Haft be- halten._ Warnung vor gefährlicher Badestelle. Zu einer der gefährlichsten Stellen an den märkischen Gowäsiern zählt die sogenannte„Scharfenberger Enge" am Tegeler See, die zwischen der Insel Scharfenberg und dem Festlande liegt. Das Baden ist hier verboten, weil einerseits das Ufer ziemlich steil abfällt und andererseits durch die Fahrtrinne der Dampfer eine starke Strömung entsteht. Trotzdem wird die Stelle immer wieder von Badenden aufgesucht und fordert, besonders unter den weniger geübten Schwimmern, alljährlich eine Reihe von Opfern. Am Sonntag nachmittag ertrank dort, wie wir bereits mitteilten, wieder ein junger Mann, besten Leiche der Reichswasterschutz bald landen konnte. Das Auto auf dem Burgersteig. Vor dem Hause Blücher st raße 25 ereignete sich ia den gestrigen Abendstunden ein folgenschwerer Straßenunfall. Der Führer einer Kraftdroschke, der gerade einen vor ihm fahrenden Kraftwagen überholt hatte, verlor die Herrschaft über die Lenkung und fuhr auf den Bürgersteig, wobei er«inen Gas- kandelaber umriß. Zwei Pastantinnen, die 54jShrige Martha B o h n k« aus der Tempelherren st raße 10 und eine 31- jährige Frau Martha B o h l i ck aus der Blücher st raße 5 8, die im gleichen Augenblick die Unfallstelle passierten, wurden von dem niederstürzenden Mast getroffen»md zu Boden geschleudert. Während Frau Bohlick nach Anlegung eines Not- Verbandes in ihre Wohnung entlasten werden tonnte, mußte Frau Bohnke in das Urban- Krankenhaus übergeführt werden, wo schwer« Quetschungen und innere Verletzuagen fest- gestellt wurden.. Beim Baden im Freibad plöhensee ertrank gestern nachmittag gegen AG Uhr der 22jährig« Bureaugehilfe Otto Brot mann aus der Wicleffstraß« 31 zu Moabit. Die Leiche wurde ge- borgen und von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Er wollte Generalkonsul werden. Ein teures Vergnügen. Einen bösen Reinfall erlebte der Pfandleiher E., der gerne Generalkonsul werden wollte. Sein tragikomisches Erlebnis hatte ein gerichtliches Nachspiel in Gestalt einer Betrugsan- zeige gegen den angeblichen Oberstabsarzt Dr. B r a m e r t. Der Pfandleiher hatte sich aus kleinen Ansängen zum Inhaber einer großen Pfandleihanstalt heraufgearbeitet. Seinem Vermögen wollt er nun aber nach außen durch einen klangvollen Titel Ansehen verschaffen. Dr. B. hatte ihm viel von seinen Beziehungen zu der Regierung in Angara erzählt und versprach, ihm die Be- stallung zum türkischen Generalkonsul zu beschaffen. Nur noch die Hinterlegung von 1000 Mark Stempelgebühren war nötig. Als das Geld gezahlt worden war, berichtete Dr. B. seinem Geschäftsfreunde, daß die Ernennung vollzogen sei, und daß die Urkunde jeden Tag eintreffen könne. Der neugebackene„General- konsul" konnte die Zeit nicht mehr erwarten. Ehe er noch im Besitz der Ernennungsurkunde war, veranstaltete er zux Feier seiner Ernennung zum Generalkonsul ein Festessen in einem der ersten Hotels Unter den Linden/ zrt dem er die Spitzen der Wirtschaft ein- lud. Als nichts eintraf, erkannte er endlich, daß erhintersLicht geführt worden war und er erstattete Betrugsanzeige. Der Ange- klagte beschäftigt« sich damit, ReNameartikel für chemische Fabriken zu schreiben. Einem Fabrikanten in Sachsen, dem er sich als Konsular- arzt der Türkischen Botschaft, Berlin, vorstellte, hatte er versprochen, ihm die Einfuhrgenehmigung für seine Hautsalbe nach der Türkei zu oerschaffen. Auch in diesem Falle hatte er sich einen Vorschuß geben lassen. Nach der Behauptung des Angeklagten war er tat- sächlich lange Jahre Oberstabsarzt in der Türkei. Er will auch als offizieller Vertreter der türkischen Regierung an der Friedens- konferenz in Lausanne teilgenommen haben. Di« 1000 Mark be- hauptete er an den Großwesir Djawid Pascha eingesandt zu haben. Nur durch dessen inzwischen erfolgte Hinrichtung sei die Ernennung des Herrn H. zum Generalkonsul vereitelt worden. Die Einfuhrgenehmigung hätte ihm Professor B r a g o n, sein aller Freund, jetzt Staatssekretär im Wohlfahrtsministerium in Angara, beschaffen sollen, und diesem habe er auch die 200 Mark geschickt. Ein Prof. Bragon war aber nicht zu ermitteln. Das Schöffengericht Tempelhof hielt trotz der schwerwiegenden Berdachtsgründe das Material zur Verurteilung des Angeklagten nicht für ausreichend und kam zu seiner Freisprechung. Es konnte ihm nicht wider- legt werden, daß er infolge seines langen Aufenthaltes in der Türkei Beziehungen zu führenden Persönlichkeiten gehabt hat. „Intimes aus einer Arbeitsstube." Mr berichteten am 12. Juli unter der Ueberschrift„Beschei- den« Armut" über das Elend der Heimarbeiterin- nen in der Konfektion, und wir behandelten im beson- deren die Zustände in der Arbeitsstube einer Fvau S. in der Passauer Straße. Frau S. schickt uns nun eine längere Erwiderung, die wir aus Billigkeitsgründen in chren hauptsächlichen Teilen wiedergeben. Frau S. schreibt am Anfang über den Ar- beitsraum, daß man hierfür„nicht seinenSalon hergäbe", woraus wir entnehmen dürfen, daß Fvau S. im Gegensatz zu den von chr beschäftigten Heimarbeiterinnen immerhin über einen Salon oerfügt. In der Zuschrift wird weiter zugegeben, daß taffächlich für Spielhöschen nur der geringe Stückpreis von 30 Pf. gezahlt wird.„Jede einzelne Frau habe ich," so heißt es weiter,„gefragt, ob sie schon darin gearbeitet hätte. Natür- l i ch hatten sie alle schon darin gearbeitet." Natürlich, Frau S., wird jede arme Proletarierfrau bemüht sein, sich wenigstens «in paar kärgliche Groschen zu verdienen. Frau � 6. schiebt die Schuld an den unglaublich niedrigen Loh- nen auf die Konfektionsfirma, von der sie selbst be- schäftigt wird, und sie rechnet uns vor, daß sie pro Stück nur 3 Pf. Verdienst hat. Weiterhin gibt Frau S. aber zu, daß eine ihrer Arbeiterinnen ihr gesagt hat:„Ich bin schon gewarnt worden, Sie bezahlen keinen Menschen I" Das ist immerhin kein besonders hervorragendes Zeugnis. Zum Schluß erklärt Frau S. mit Pathos:„Jeder Leser ersieht daraus, was für böse Erregung durch falsche Berichterstattung hervorgerufen werden kann." Aber gerade, was uns Frau S. mitteill, bestätigt, daß wir keinesfalls falsch berichtet haben. Auch aus den Ausführungen von Frau S. erhellt mit Deutlichkeit, wie groß die Not und die Unterdrückung der Heim ar bei- t e r i n n e n besonders in der Konfektion ist. Mehr haben wir nicht behauptet, und an unserer Behauptung h a l t e n w i r f e st! Zeugen gesucht! Am 13. April 1927 gegen 22A Uhr ist es zwischen einem Soldaten der Fohrabteilung Lankwitz und einem Unteroffizier(Zahlmeisteranwärter) der Krafffahrabteilung Lankwitz in der Vittoriastraße zu Lankwitz zu einem Auftritt gekommen, weil der Soldat angeblich nicht die militärische Ehren- bezeugung erwiesen hat. Der Soldat ist n erster Instanz zu 6 M o- naten Gefängnis verurteilt worden, weil ihm die von einer Zivilperson geäußerte Bemerkung:.Letzt haben Sie das Recht, von Ihrer Waffe Gebrauch zu machen" zur Last gelegt worden ist. Berufung ist gegen das unglaubliche Urteil eingelegt. Der in Frage kommende Zivilist wird gebeten, sich für die Revisionsoerhandlung als Zeuge zu melden. Namen und Adresse sind zu richten cm Franz Künstler, Mitglied des Reichstags, Berlin SW. 68, Lindenfiraß« 3, Parteivorstand der SPD. Die Fahnenweihe w Zossen am heutigen Sonntag fällt aus._ Die Vogelscheuche als Geldschrank. Ein reicher Grundbesitzer in H o st a u bei Pilsen verkauft««in paar Pferde und wollte den Erlös von 32 000 Kronen vor Dieben sicher aufbewahren. Daher steckte er die Summe in einen alten Rock auf dem Boden. Nach einigen Tagen wollte er das Geld holen. Der Rock war verschwunden. Große Aufregung, bis die Magd erklärte, der Rock hänge als Bogelscheuch« auf dem Felde. Voller Angst rannte der Bauer hmau» und griff in die Tasche. Die große Summe steckte noch unangetastet darin. Eine eutmeuschte Schwester. In L i s p i tz(Böhmen) hat eine reiche Bäuerin fest 1914 ihren Bruder im Keller gefangen gehalten. Durch Aufall hörten Arbeiter das Stöhnen und holten die Gendarmerie. Man fand einen zum Skelett abgemagerten Greis, dessen Bart bis an die Knie reichte. Das unmenschliche Weib hatte wegen Bermögensstreites die Tat begangen und erzählt, der Bruder sei ausgewandert. 1 Million-Dollar-Anleihe für die Westharzsperre. Hannover, 23. Juli.(TU.) Die Beratungsstelle für Auslands- kredit« hat die Aufnahme einer Anleihe durch die Provinz Hannover in Höh« von einer Milion Dollar zum Ausbau der West- harzsperre gutgeheißen. Die Anleihe ist dem Banthaus Lee Higginson u. Co., Osten, New Port entnommen. Anleihe- Verhandlungen über Auslandsgeld für weitere Zwecke der Provinz Hannooer schweben nicht mehr. läS&zeaffest nicht! L—...... �...... W11»w 1| ImSJSUJ 14.926. Morö in der wuhlheiüe? Der Tote in der Rohrlake. Zwei Spaziergänger machten gestern abend gegen Uhr in der Rohrlake in der Wuhlheid« einen grauenhosten Fund. In dem nur einen Meter tiefen Gewässer entdeckten sie, ungefähr einen halben Kilometer von der Karlshorster Straße entfernt, im Rohr die Leiche eines etuxi 35- bis 40jährlgen Mannes. Die 'Polizei wurde sofort benachrichtigt. Da bei dem Toten, der wohl uoch nicht lange an der Fundstelle gelegen hat, eine schwer« Schädel- Verletzung am Hinterkopf festgestellt wurde und das Gesicht stark mit Blut besudelt war, kam man zu der Annahme, daß der Unbekannte ermordet und im Rohr versteckt wurde. Noch in später Abendstunde wurde die Berliner Mordkommission benachrichtigt, die unter Lei- tung des Kriminalkommissars L i p i k mit mehreren Beamten an die Fundstell« eilte, um die notwendigen Ermittlungen aufzunehmen. Ein Selbstmord scheint nach dem Befund ausgeschlossen. Einer der ältesten Parteigenossen des früheren 3. Wahlkreises— beute 3. Abteilung—, der Genosse Wilhelm Hinz, begeht am beutigen Sonntag, dem 24. Juli, seinen 65 Geburtstag. Dem Borst arid des 3. Wahlkreises gehörte er viele Jahre an, bekleidete Ehren- amter in der Partei und in der Arbeiterorganisation und gehört fast über 35 Jahre dem Vorstand der Zentral-Kranken- und Be- gräbniskasse der Buchbinder an. Noch heute ist er Mitglied in allen Organisationen. Die besten Wünsche aus allen Partei- und Freundeskreisen gelten heute dem Geburtstagskind. Sport. Ore: Stunöen bei Nütt. Die R ü t t- A r e n a stand bei ihrer letzten Veranstaltung im Zeichen eines prächtigen Fahrers: Lothar Ehmerl Schade nur, daß er mit seinem Pattner Willi Lorenz nicht bis zuletzt zusammen sein konnte, der„Lange" mußte infolge eines Sturzes die Bahn verlassen, und Ehmer bildete mit Krollmann ein- neue Mannschaft. Ueberhaupt bekam das zahlreich erschienene Publikum in dieser Drei- Stunden-Fahtt wohl zahlreiche Stürze, dafür jedoch weniger Kämpfe zu sehen. So mußte auch Koch wegen Sturz das Rennen ausgeben. Tonani- Knappe wußten gut ihre Punktzahl zu erhöhen, wenn auch die Fahrweise des Italieners nickst schön war. In der ersten Stunde legte das elf Mannschaften starke Feld nur 38,590 Kilometer zurück. Auch in der zweiten Stunde wurde das Publikum wenig befriedigt. Einmal gab es zwar eine Jagd, die auch einigen Fahrern den Verlust einer Runde einbrachte, womit die Sache jedoch erledigt war... Hatten nach Beendigung der ettten Stunde Lorenz- Ehmer�die Führung inne, so dominierte nach Schluß der zweiten Stunde— 78,110 Kilonicter waren insgesamt zurück- gelegt— die Mannschast T o n a n i> K n a p p e l Lorenz hatte ja inzwischen Ehmer verlassen müssen. Einige Vorstöße wurden noch in Szene gesetzt, die aber nur geringe Veränderungen brachten. Die Siegespalme war Tonani-Knappe nicht zu nehmen. Sie fuhren in 3 Stunden 116,250 Kilometer und vereinigten 65 Punkte auf sich. Zweite Mannschaft wurde Kroll-Miethe mit 12 Punkten. Ein« Runde zurück folgten: 3. Van Nek-Peyrode ■43 Punkte, 4. Ehmer- Krollmann 40 Punkte, 5. Krüger-Petermann 17, 6. Kühl-Wett« 13, 7. Roels-Maes 13 Punkte. Zwei Runden zurück: 8. Vehrendt-Longardt 9, 9. Häusler-Maczynski 9 Punkte und 10. Kolles-Blank 6 Punkte. vie Vorläufe zur Steher-Veltmeifterfchast. Sawall und Lrewer mit im Endiaufi . Jetzt steht Elberfeld im Zeichen der Rad-Weltmeisterschaften. Die Männer der Sturzkapp« haben jetzt das Wort und haben am Freitagabend schon gewichtig geredet: bei den Vorläusen stellten sie W e l t r e t o r d e aus! Bevor es jedoch hierzu kam, öffnete erst einmal der Himmel feine Pfotten. Um 9 Uhr 20 Minuten konnten dann endlich die Vorläufe steigen. Im e r st e n trafen sich, da Vay-Italien abgesagt hatte, nun fünf Fahrer und zwar: Parisot-Frankreich, Läuppi- Schweiz, Leddy- Holland, Linart- Belgien und Sawall-Deutschland. Im ersten Lauf gab es nur wenige Kämpfe, zumal ja nur fünf Fahrer im Rennen lagen, von denen allein vier in den Endlauf kamen. Immerhin wurden hier Weltrekorde aufgestellt. Für den Endlauf auolifizierten sich zunächst Leddy, 1 Stunde 10 Minuten, 10 Sekunden, Linart 380, Sawall 405 und V a r i s o t 560 Meter zurück. U n p l a c i e tt blieb Läuppi(3 100 Meter zurück). Im zweiten Vorlauf erscheinen sechs Fahrer: V r u n i e r- F r a n k r«i ch, Suter-Schweiz Snoek- Holland, Toricelli-Jtolien,"- Krewer-Deutsch- land und Vanderstuyft-Belgien. Im Vorlauf der dies- mal flotteren Fahrt schied der Holländer Snoek wegen Aus- sichtslosigkeit aus dem Rennen. P l a c i« rt wurden Brünier, 1 Stunde, 8 Minuten, 5,3 Sekunden, F a b e r 1530, K r e w e r 3 490, und T o r i c« l li 3650 Meter zurück. Unplaciert blieben Vanderstuyft, der 13 500 Meter zurücklag und Snoek. der aufgegeben hatte. Zahlreiche Defekte bildeten die Ursache der großen Platzverlust« der einzelnen Fahrer. Im E n d l a u f, der in den heutigen Nachmittagsstunden auf der Elberfekder Bah« stattfindet, vereinige, sich die genannten acht placierten Fahrer zum Kampf um den höchsten Radsport- titel._ Länderwettstreit im Atetropol-Variet«?. Recht flott wird bei den B« r u f S r I n g e r n in der Behren- straß« weiter gerungen. Am Freitagabend stand B ü ck n e r- Breslau einem sehr gefährlichen Gegner, dem starken Finnen T o r n o e r gegenüber, gegen den er nicht viel machen konnte. Ge- fährlichen Situationen konnte sich dieser mit Leichtigkeit entziehen. Der Breslauer erlag nach 16 Minuten durch Schulterdrehgriff aus dem Stand Der Dortmunder Meyerhanz vermied es, dem schweren W i l t i n g- Berlin eine Angriffsmöglichkeit zu geben, durch gute Gegenangriffe konnte er dieses Tressen zu einem Un- entschieden bringen. Gute Ringkunst zeigt« der leichte,.technisch starke Russe T u r o f f gegen den schweren Estländer N e st r ö m: er tonnte aber auf die Dauer diesem routinierten Gegner nicht standhalten. Dessen Erfahrung triumphierte nach 54 Minuten durch verunglückten Kopfzug. Sturz des Srefelder Rennfahrers Mühlhoff. Am Dienstagabend stürzte bei den Radrennen in O st e n d e der bekannte Krefelder Rennfahrer Mühlhoff. Seine Kopfverletzungen haben sich jetzt als sehr bedenklich herausgestellt. Mühlhoff liegt im Städtischen Krankenhaus in Ostende. Genaue Einzelheiten können erst nach der Untersuchung mitgeteilt werden. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, dem 2Z. Juli. 1. Rennen. 1. Narrrnzeit(Heuser), 2. Franzia(Moritz), 3. Maud (Schüller). Toto: 13: 10. Platz: 11, 18, 21:10. Ferner liefen: San Marco, Frage, Trier. 2. R e n n e n. 1. Nettelbeck(Dettel), 2. Thalyfla(Kohoutek), 3. Husdent (Hauser). Toto: 16:10. Platz: 12, 17, 14: 10. Ferner Uesen: Ardotttin, Riicksabri. Csikos, Volter. 3. Rennen. I. Abteilung. 1. Easier Lilb(M. Schmidt), 2. Fege- seuer(Grabsch), 3. Norge(Zehmisch). Toto: 60: 10. Platz: 16, 14. 16: 10. Ferner liefen: Beresina. Anika. Catania, Fama. Campanula, Arnuls.— 2. Abteilung. 1. Die Treue(Elslein), 2. Alarid(Saager), 8. Perlenfischer (Jentzlch). Toto: 23:10. Platz: 15, 22. 20:10. Ferner Uesen: Manon, Trojan, Octava, Ocker. VaSto. Sargon, Proklamation. 4. Rennen 1. Liisiiania(Rosenkranz), 2. Oralor(Schüller), 3. Atout König(Kohoutek). Toto: 30:10. Platz: 21, 17. 30: 10. gerner Uesen: Exusu, Vaccarat, Ancilla, Seelensrieden, Ya via, EU. 5. Rennen. 1. Wunderbär lWolff), 2. Enzian(Kukuliet), 3. Le Parodien(Wehe). Toto: 36: 10. Platz: 13, 13, 16: 10. Ferner Uesen: Fritjof. Hexenmeister, Elcorte, Shgull, Boglar. 6. Rennen. 1. Licktelse(Narr), 2. Rücksicht(Müller), 3. Fttdolin (Mrahl). Toto: 30:10. Platz: 13, 14, 18: 10. Ferner liefen: Karl Ferdinand, tHoila maris, Laon, Sebastiano, Wolga II, Rose Marie, Hexenmeister III, Lichtung, Belladone, Primo. 7. R e n n e n. 1. Laokoon �Waller Heuer), 2. Magier(Dettchug), 3. Ulster(«ismark). Toto: 18:10. Platz: 13, 15:10. Ferner lies: llndine. Treffpunkt 12 Uhr Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. Heule. Sonntag: Rosenthaler Borstadt: 15 Uhr Rosenthaler Platz, Normaluhr, Treffpunkt zum Sommerfest der 6. Abt. in Büttners Festsiilen, Echwedtor Straße. Mon- tag Beteiligung an der Veranstaltung der itinderfreunde Mitte, Zehd:nicker Straße 25, 19)5 Uhr.— Scholleberg III: Heim Haupistr. 15. Heimabend.— Reutoll» I: Spielen in der Konigsheide. Treffpunkt IS Uhr am Polizei. Präsidium.— Südwest: Inierefiierte Genossen treffen sich zur Fahrt nach Fassen SSI Uhr Bahnhof Porckstraße. Fahrgeld SO Pf. Weißen ser: Pflichtveranstatiung des Werbedezirks. Anionplatz. Musikinstrumente sind mitzubringen. Werbebczirk Prenzlauer Berg: Beteiligung an der Werbekundgebung des Werbebezirks Pankow in Buchhotz. Sämtliche Gruppen treffen sich mit ihren Fahnen und Musikinstrumenten lihi Uhr Schönhauser Allee Ecke Danziger Str. Werbebezirk Neukölln: Fllr das vom Jugendamt veranstaltete Kinderfest stellt jede Gruppe 10 Helfer. Treffpunkt 13'/, Uhr Sollspart, Tennisplätze. Werbebezirk Müggelsee: Alle Abteilungen beteiligen sich an der Bannerweihe der Parteiabteilung Köpenick. Treffpunkt 13 Uhr Bahnhof Köpenick. Werbebezirk Pankow: Werbetag in Buchholz. Treffpunkt 12)4 Uhr Mühlen- Ecke Berliner Straße. 13 Uhr gemeinsamer Abmarsch mit den einzelnen Werbebezirken. Nachzügler 15 Uhr Buchholzer Park. Fahnen und Mustkinstru- mente mitbringen. Morgen, Moniag, 19*6 Uhr: Achtung, Gingkrel»! IBVi Uhr im Jugendheim Lindenstr. Z. Weißensee: Heim Partsir. 36. Funkiionärsitzung.— Friedenau: Abend- spaziergang. Treffpunkt 20 Uhr vor dem Heim.— Schöaeberg III: Heim Haupi. straße 15. Funktionärsitzung.—«lharlottenbnrg.Rord: Heim Olbestraße. „Jugend, Gemeinschaft, Familie", II. Teil.— Pankow. Süd: Heim Kissingen. straße«8. gehn-Minuten-Reserate. Das Sendespiel vom Sonnabendabend war eine böse Entgleisung. „Bettinos Verlobung", Lustspiel in drei Akten von Leo Lenz, mag für den Sommerspielplan eines Vorstadttheaters passen. Wie konnte aber dieser unglaubliche Kilsch auf die Berliner Sendebühne geraten? Und wie konnte cktis ihr Ernst B e h m e r, unmöglicher Sprecher der Roll« des ehrgeizigen Freiherrn, Platz finden?— Außerordentlich fesselnd war der Vortrag von Pros. Dr. W a l t e r G e i s l e r, Halle: „Fünfmal quer durch den australischen Kontinent", der das Land in seiner verschiedenartigen Beschaffenheit der Funktionen lebendig darstellte.— Dr. Derben R o s e n f e l d schloß seine aufschwß- reiche Vortragsreihe„Geschichte der russischen Literatur" mit einem Ueberblick über Rußlands zeitgenössische Dichter.— Auch der unter- haltende Zyklus Dr. Franz Leppmanns,„Der Dichter auf der Kurpromenade", fand an diesem Sonnabend sein Ende. Tes. Vorträge, vereine und Versammlungen # Reichsbanner»Schwarz-Roi-kvold". «eschlktsstelle: Berlin 6 14. Sebastianstl. 87/38, Hot 2 St Montag bei Schulz,»'iÄöufchste."�." ReulÄln.Bri« 7 � Äomeradschast l5Vi Ilbt radschaftsversammlung im Lindenpark, Britz, Chausseeftr. 18..�HlersbosF Sport. abend für alle aktiven Kameraden. Treffpunkt w Dannerkleidung 1s Uhr Bismarck. Ecke Waldstraße.- Dienstag, 28. Juli: Neuköllk.Vritz: IungmanNs chaft 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Balewski, Boddinstr. d7. Weißensee: 19 Ilhc Nadfahrer Grüner Daum, ssach�igler 19� Uht bei Korn, Hohenschönhausen Tiergarten: Achtung! Leipzig. Fahrer melden sich bis 31. 3uli be: den Käme» radschaftsführern. Einzahlung der 8 M. Fahrgeld(einschl. Fesivlakettc) spätestens bis 6. August bei den Kameradschaftskassierern. Bernau.Dvrn,cke: Lelpzm- Fahrer melden sich umgehend bei ihren Gruppenführern. Abfahrt Eonnaornd, 13. August, 16,10 Uhr ab Anhalter Dahnhof. Fahrgeld(einschl. Feftbe:tr�7. 8 M.) muß bis 1 August in Händen des Voesitzenoen sei». Ganvoestand: Alle Kameraden, die sich an der Beerdigungsseier für den Kameraden Richard Wollanck beteiligen, treten um 14)4 Ulir am Bahnhof Erlner alr.— Tiergatten: Zur Beisetzung des Kameraden Wollanck tritt Tiergarten am Bhf Vellevue anderthalb Stunden vor der vom Gau sestgesetzten Zeit an,—v Prenzlauer Berg: Mo„ d. 25,, 20 Uhr, Tambourkorps Altersheim Danziger Straße, In. stiumente mitbringen.— Schöneberg. Friedenau: Kamerad Anton tzlelinlli, Kameradschaft Rüben, ist beim Baden tödlich verunglückt. Einälcheryng Mon. tag, 25. Juli. 1814 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Die Kämeradotz trete» um 1714 Uhr Mühlenstraße an.— Kreuzberg: Mo., d 25„ Jungmanirfchaft I 20 Uhr Diskusiionsabend im Jugendheim Porckstr. 10. Iungmannsc/äsi 3 20 Uhr Versammlung bei Wiedentops, Äuskauer Str. 35. Vetiand für Freidenkerium und Feuerbestattung«t, B., Sitz Berlin, 3. Ber- waltnngsbezirt Wedding-Sesundbrunnen: Sonntag, 31, Juli, veranstaltet der 3, Verwaltungsbrzirk eine Besichtigung der Transradia-Uebersee-Telegraphrn. station Nauen. Nach der Besichtigung zwanalofes Beisammenseiu mit den Nauener Genossinnen und Genossen. Zu diesem Beisammensein haben ihre Mitwirkung zugesagt der Arbeiter-Gesangverein„Einigkeit" und das dortige Sportkartel Abfahrt 7,17 Uhr ab Lehrter Bahnhof, 7,22 Ubr ab Putlitzstraße. Alle Genossinnen und Genossen der anderen Verwaltungsbezirke sind hierzu herzlichst �eingeladen, und frndhos �afenheide. Treffpunkt 1014 Uhr am Üntergrüiidbahnhof Hasenheide. ARB. Solidarität. Ortogrnppe Reinickendorf: Der Iugendgenosse Frede Schottstädt ist infolge des erlittenen Unfalls verschieden, Beerd'guna am 25. Juli, 16 Uhr, Elisabethkirchhof, Wollankftraße. Tresspunkt 1414 Uhr im Startlolal..., Zum Radrennen der 8. Abteilung„Solidarität", Sonntag, 24. Juli, auf der Rütt-Arena, treffen sich Wettfahrausschuß und technisches Personal 1214. Uhr bei Schwarz, Hasenhelde 62, Nähe Kalfer-Friedrich-Platz. Rennfahrer pünktlroi 14 Uhr aus der Bahn. Biochemischer Verein Groß. Beelin. 25. Juli: Oberschöneweide, Imbergs. Gefellschastshaus, Wilhelminen hofstr. 34. Adlershof, Ziegeo Gefellschaftohaus, Bismarckftr. 29— 26. Juli: Stralau, Restaurant Schonert. Kvnaststraße. Oranienburg, Schützenhaus, Königsallee, an der Bahn. Schönhauser Borstadt. Ledigenheim Pappelallee 15.— 28. Juli- Gesundbrunnen, Restaurant Schmidt, Prinzenallee 38. Kreuzberg, Bockbranerei, Fidicinstraße. Tegel, Restaurant »amuseck, Hauptstr. 6. Reinickendorf-W., Hattmanns Brauerei, Scharnweber. straße 101/104._., Aebeiter-Schützenbund. Ortsgruppe Berlin. Karten für die Dampferfahrt am 31. Juli nach Ziegenhals sind beim Kassierer Buschmann, Langestr. 53, zu haben. Fahrpreis 2 M., Kinder frei.— Montag, 25 Juli: Ortsgruppe� bei Urban, Berliner Etr. 48.— Dienstag, 26. J»li: Abt. Feiedrichshain: Gruppe Strausberger Platz Evortabend 19>4 Uhr bei Böder, Weberstr. 42. Gäste willkommen. Abt, Nentölln: Evortabend 1914 Uhr bei Wolff, Prinz» Aandierri-Str. 67.— Mittwoch, 27. Juli: Abt. ffriedrichshain: Svoriabenli 20 Uhr bei Mensch«!, Rllder-dorfer Eir. 51, und bei Iuschkat. Goßlerstr 1. Gäste willkommen. Abt. Schöneberg: Sportabend 20 Uhr bei Potratz, Seban. straße 53— Donnerstag, 28. Znli: Abt. Kreuzberg: Sportabend 21 Ubr bei Rönnfpieß, Wassertoestr. 71.— Freitag, 2». Juli: Abt. Westen(2»): Sport» abend 20 Uhr bei Menne, Steinmetzstr. 45. Abt. Neukölln: Sportavend 1914 Uhr. bei Wolf. Prinz.Handiern-Etr. 67. Sonnabend. 36. Juli: Karten. abrechnnng der Dampferfahrt(31. Juli) von 17—20 Uhr bei Bochan, Frieden. straße 6l. t.. Freie Schnlaemelnde Beelin Bohnodoes. Dienstag, 26. Juli, Familien» ausflug nach„Waldesruh" bei Wendenschloß. Treffpunkt»m 13 Uhr an der Schule, um 1314 Uhr am Bahnhof. Für Nachzügler Treffpunkt„Waldesruh. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.l Ein wenig kühler, wolkig und nur strichweise leichte Regen» schauer. Mäßige westliche Winde.— Für revtschland: Temperaturen über- all etwas niedriger, stellenweise, besonders in bei nördlichen Hälfte des Reiches, leichte Regensälle, Da die Fetten bald ihrem Ende nahe find, weist die Reederei Langwaldt u. ___»» nV y•... e• e__ t;rr;_______ 4.« V i.• m M e*» Xr>yt Nummer erscheinende Inserat hin. Der Höhepunkt der Leistungsfähigkeit ist die letzte Woche des aufsehen. eeeegenden Saisonausverkaufs in dem ältesten Berliner Teppichhaus Emil Lefevre, feit 45 Iahren nur Oranlenstr. 158/159, Nähe. Moritzplatz. Sie finden bei Teppich.Lefävre in allergrößter Auswahl Riesenbestände Teppiche, Brücken, Läufer und Möbelstoffe solidester Qualitäten, ferner Restbestände in Gardinen, Stores, Bettdecken, Dlvandecken, Schlaf», Reife, und Autodecken usw. 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Und wie einfach ist es. die Tube im Reifeneeessaire unterzubringen, wie an. genehm und praktisch ist die Handhabung! Die �USST�I.s.U�c? DES JAHRES 1927 IN DEUTSCHE M GARTEN BAU U. SCHEES. GEWE RBE VON DER STADT SFPTEMBEP �Delclie»gafeffe istaic beste «'M u (rffeiK. iOas muß man ausprobieren.— IDir sagen nicht:Ü)ie ÖRA SS&R Y- SZgareitc, ist* die beste. Wir ru/en» auch nicht: tRauchtnu r SlfLßSSJl'Ry! meiL mir den fRauchcr nickt' in seiner eigenen, SUcinungy becinfiusserL tvol* len.~ Wie 2at der oolliDur�igcn, kräftigen Zgareäe ist vorbei Die$arte milde, suß-aro* maüsdie Sugardte steht in edler Jurist. Dieser Qeschmacksverfeinenmq, angepaßt� bieten wir Jhncn Slfleistcrstücke der(gegenwarts-Zigarette, wie sie sein soll, um%u den besten%ll Rahlen. �Das merken. Sie gleich-das schmecfeen Sie- das atmen Sie? M)er 3hre din&ichfsci maßgebend— bitte: tlffeilen Sie selbsr! WERTHEIM?£•• 4<> extra htlhge Jingehote Leipziger Str.(Vcreand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. 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Sie werden dann hochbefriedigt sein, Ein jeder wird Ihnen sagen: NSU Grzui „NSU" Vereinigte Fahrzeugwerke A.-G., Neckarsulm „NSU" Versandlager Berlin SW 61, Belle-ALUance-Str. 92 W' & nur wöchH. SHERLOCIC-GiS //. 54-*Hackesdier Merkt 2'3*%!. Mord.• HordW) Gegen Wanzen gibt r« nur«in M!l!«l, durch welch«« nicht »in»»m i!»dsn dieibl. D«ich«PsVenze»» fluid preist uns>vi«i jede Wanze und zerMrf die Dminefler reffwe. Wirkung verbeerend. Nichl siechend. Überall an» wendbar. Man nehm« nur Original- flasche» und verweigere Nachahmungen W 0.SS. W t.S0. M 2.40.»/. List.«I S.- Slsteinbersteller OIIo Neichel, Lerlin EO kapitalisten wurden enteignet. Nachdem der russische Außen- Handel seinen englischen Absatzmarkt zum großen Teil verloren hat, ist der Absatz der russischen Naphthaprodukte einer der entscheidcnsten Posten des r u s s i s ch e n Außenhandels geworden. Ein Teil der russischen Ezistenzsähigkeit hängt daran. So braucht der russische Staat Absatzgebiete für seine Naphthaprodukte: und fast wichtiger als der Absatz, er braucht Kapital, um sein« Naphthaindustrie auszubauen, leistungs- und konkurrenzfähig zu hallen. Es ist die Sensation der letzten Tage, daß der wirkliche Krieg, den England gegen Rußland führt, gegen und um das russische Oel geführt wird. Die privaten Oelmagnaten der Welt hoffen, daß die großen außenpolitischen, die Absatz- und Finanzierungsschwierig- kellen der Sowjetunion ihnen die russischen Oelfclder in die Hand spielen werden. Es ist insbesondere ganz klar geworden, daß der offizielle englische Kampf gegen den Bolschewismus geiührt und vorwärts getrieben wird von dem Beherrscher des eng- lisch-holländi scheu Oeltrusts, Herrn Deterding. Das amerikanische Gegenspiel. Aber dieser Kanipf Englands hat einen Haken. Das ist die Altivität des Konkurrenten der englisch-holländischen Royal Dutch Shell-Gruppe, die Standard Oil-Gruppe. Rußland hat mit zwei Tochtergesellschasten des Standard-Oil-Konzerns wichtige Liefe- iiingsoertröge abgeschlossen, in der richtigen Ucberlegung, daß die NiiSnutziintz der gegnerischen Konkurrenz ihm die sichersten Vorteile hringen müsse. So werden zwei fünfjährige L i e s e r v e r t r ä»pe Mit der Standard Oil os N e w'J o r'k für Bimkeröl in die türkischen Häsen genannt, ferner Verträge mit der V a c ü u in Oil zur Be- lieserung des ägyptischen Marktes und auf Abnahme großer Rohstosf- ölmengcn ab Baku. Mit diesen Verträgen ist der Bau von Anlagen im russischen Oelgebiet und die Finanzierung dieser Anlogen vcr- bunden. Mag sein, daß diese Verträge noch nicht endgültige und durch liuterschrist besiegelte G e j.ch ä s t e sind. Aber ihr Bekanntwerden halle eine wütende Erklärung des Herrn Deterding an die Mutter gesellschast der Standard Oil-Gruppe in New Jersey zur Folge, die geradezu eitle Kriegserklärung war. Sie hatte das gute, mit voller Klarheit zu beweisen, daß der Kampf gegen den Bolschewismus einmal zum großen Teil eine Rache für das von der Sowjetregierung nach Herrn Deterding„gestohlene" Oel ist und zum anderen den systematischen Weltboykott des russischen Petroleums zum Ziel hat, um auf diese Weis« Sowjetrußland am enipfindlichsten Punkte zu treffen. Wie gut die p o l i t i s ch e n R u ß�- lan-d emigranten sofort die neue Situation erkannten, beweist ein an Coolidge, Rockeseller und die Standard Oil os New Persey, die Muttergesellschast des Konzerns gesandtes Protest tele- g r a m m gegen die Verträge, das Herrn Deterding in der amerika- irischen Oefsenllichkell zweifellos sehr wirksames Argument von den Geschäften der Standard Oil-Gesellschoften mit„gestohlenem Oel' unterstützen sollte. Dekerdings Kriegserklärung und das Pariser Telegramm hallen auch eine sofortige Rückwirkung. Die Standard-Oil-Mutter erklärte, daß s i e keine Verträge geschlossen habe und auch keine ab- schließen werde, solange sie keine Zusicherungen habe, daß die„Forde- rungen der rechtmäßigen Besitzer' an dem russischen Oel berücksichtigt werden. Sie bestreitet nicht, daß Vertragsverhandlungen mit Tochtergesellschaften stattfinden: auf die habe sie aber keinen Einfluß. Aus diesen kaum mehr als platonischen Erkläningen Stan- dard Oils hat nun Herr Deterding eine Siegesfanfare gemacht. Seine Petroleumgesellschaft Shell Transport Trading in London hat sofort in.alle Welt verkünden lassen, daß sie sich hinsichtlich des„Boykolls von Sowjetpetroleum' der Auffassung ihrer Rivalin, der Standard Oil os New Persey anschließe und fordert das Publikum auf, keine Unterstützung zu gewähren, um die auf die„Zerstörung des Handels und die Verschlechterung der Lebensbedingungen" gerichtete Sowjet- kampagne zum Scheitern zu bringen. In nicht mißzuverstehender Weise hat nach letzten Nachrichten die Royal Dutch Shell-Gruppe die Standard Oil dafür abgekanzelt, daß letztere die Verantwortung für die Verträge ablehnen möchte. Es stehe fest, heißt es, daß ein ameri- kanischer Konkurrent der Royal Shell sich zum Hehler des dieser durch die russischen Kommunisten gestohlenen Oels inachc, und dann wörtlich:„Die ganze Welt erfährt es an ihrem Leibe(in Wien und in Niederländisch-Jndien hat es sich kürzlich gezeigt), daß die Sowjetunion von dem aus dieser Hehlerei(also von den Amerikanern. D. Red.) erhallenen Geld- Gebrauch macht, um die be- stehenden Regierungen zu unterminieren. Damit ist die Tat der amerikanischen Gesellschast der Verurteilung der öffentlichen Meinung der Welt preisgegeben." Besonders die Erklärung der Londoner Petroleumgesellschaft macht klar, daß der Boykott gegen das nissische Oel ein politischer Kamps, ist, und zwar zunächst sicher mit ganz bestimmten wirtschaftlichen Machtzielen. Dabei besteht zwischen Standard Oil und Herni Deterding zunächst tein anderer Unterschied, als daß sie große Geschäfte mit verschiedenen Mitteln machen wollen. Jedenfalls ist für die europäische Oeffentlichk.eit und auch für die europäische Ar- beiterschaft der Alarm wegen des russischen Oels sehr zu be- achten. Zeigt er doch Hintergründe auf, die wie in den besten Zeiten der Vorkriegszeit dos enge Zusammenarbeiten zwischen der hohen Diplomatie und den internationalen Kapitalmagnaten auch gegen Rußland erkennen lassen. Die schweren Verlegenheiten Sow- jetrußlands, die es gewiß zum großen Teil durch seine innere und äußere Politik selbst zu verantworten hat, sind offenbar für die englischen, holländischen und amerikanischen Oelkonkurrenten nur der Anknüpfunzspunkt für an sich verschiedene Methoden, so oder so die russischen Oelquellen auf lange Sicht in die Hand zu bekommen. Der englisch-holländische Herr Deterding scheint es dadurch erreichen zu wollen, daß er die russische Naphthaindustrie finan- ziell aushungert und als Mittel dazu den Kamps gegen den Bolschewismus vorspannt. Die Standard-Oil dagegen scheint in amerikanisch kaufmännischer Weise durch Lieserungs- Geschäfte, die sie mit dem Erwerb von Kapitalinteressen zu verbinden trachtet, dasselbe Ziel erreichen zu wollen. Es ist schließlich eine eigene Angelegenheit Sowjet- r u ß l a n d s, wie es feine Naphthaindustrie rentabel macht und auch, wie es sich das erforderliche Kapital dazu beschafft. Die europäische Arbeiterschaft kann auch dazu nichts tun, wenn, wie es wahrscheinlich ist, Rußland sein Ziel nur durch Konzessionen erreichen kann, die im Widerspruch mit seinem bisherigen System stehen. Aber die europäische Arbeiterschaft und die demokratischen Völker Europas hoben das größte Interesse daran, das gefährliche Kulissenspiel recht- zeitig und klar zu durchschauen, das vom internationalen Oelkapiial n it politislljen Mitteln gegen Sowjetrußland gespielt wird. Es darf nicht drzu kommen, daß die össentliche Meinung der Welt und die westlichen Völker im Schachspiel der Oelmagnaten nur als Bauern verwendet werden. t Ein Anschlag auf üie Konsumvereine. Um die Gewerbesteuer.— Das Leben soll noch verteuert werden. Genossenschosten wirken in der Regel gemeinnützig. Das gilt insbesondere von den' K o n s u m g e n o s s e n s ch a f t« n. Sie wollen durch den Zusammenschluß der Verbraucher und die Ausschaltung des Zwischenhandels die Waren preiswerter abgeben. Sie wollen auch im Gegensatz zu den kapitalistischen Unternehmungen keinen Gewinn erzielen. Sic sind daher auch keine Erwerbsunter- nehmungen. Die Reichsgesctzgebung hat das anerkannt. Noch dem Körper- schastssteucrgcsetz sind Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen- schaften, deren Geschäftsbetrieb sich auf den Kreis der Mitglieder beschränkt, steuerfrei, weil das Gesetz sie nicht zu den Erwerbs- Unternehmungen rechnet. Die Gesetzgebung der Länder aber hat sich bisher nicht zu der gleichen klaren Erkenntnis des Wesens der Genossenschaften durchgerungen. Denn die Gewerbesteuer, die ebenso auf dem Einkommen beruht, �vie die Körperschaftssteuer des Reiches, hätte folgerichtig ebenfalls allgemein zur Steuerfreiheit der Genossenschaften führen müssen. Das ist aber nicht der Fall. Gerade die größten Länder besteuern alle Genossenschaften und treten dadurch in völligen Gegensatz zu der Steuergesetzgebung des Reiches. Es gibt allerdings auch Länder, die bei der Gewerbesteuer die Steuer- freih'it der Genossenschaften anerkannt haben. Das ist der Fall in Sachsen, Thüringen, Württemberg, Hamburg. Braunschweig und Lippe....... �.. Jetzt jedoch scheint auch die gegenwärtige Reichs- r e q i e r u ii g den Standpunkt, daß Genoffnischaften keine Erwcrbs- geselljchaften' stnd. ausgeben zu wollen Der G c setz ent w u rs über die Vereinheitlichung des Steuerrechts, der neuerdings dem Rcichsrot zugegangen ist, enthält nämlich die Be- stimmunqen, durch die die Befreiung der Genosfenschasten von der Gewerbesteuer, soweit sie bisher bestand, beseillgt werden soll. 8 4 des Gewerbest-uerrahmengesetzes sieht vor. daß auch die Tätigkeit von Genossenschaften stets als Gewerbe gilt, demnach steuerpflichtig iist. Lediglich dfesenigen landwirtschaftlichen Genossen- schasten. die der Bearbeitung und Verwertung der von den Mit- gliedern selbst gewonnenen landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Er- Zeugnisse dienen, sollen von der Gewerbesteuer befreit sein. Das ist ein doppelter Rückschritt, und zwar ein tatsächlicher und «in grundsätzlicher Rückschritt. In denjenigen Ländern nämlich, in denm die Genossenschaften bisher von der Gewerbesteuer befreit waren, würden sie künftig steuerpflichtig. Aber nicht nur deshalb, weil die tatsächlichen Beslreiungsvorschriften aufgehoben werden sollen, sondern weil im Gegensatz zum Körperschaftssteuergesetz die Genossenschaften künftig grundsätzlich als Erwerbsgesellfchaften an- gesehen werden, bezw. ihr Betrieb als steuerpflichtiges Gewerbe. De» weitgehenden Eingrisf, den die Reichsregierung plant, hält sie selbst nicht einmal einer besonderen Be- g r ü» d u n g für wert. Die Begründung des Gesetzentwurfs ocrnieidet sogar ausdrücklich die Erwähnung des grundsätzlichen Wandelns in der Stellungnahme des Reichsfinanzministeriums zu der Besteuerung der Genossenschaften: obwohl inan jetzt gerade den entgegengesetzten Standpunkt vertritt als bisher. Gegen' ein solches Verfahren muß man den schärfsten Protest erheben, besonders wenn man darin die Absicht erkennt, die Gesetzgeber über die wirk- liche Tragweite der neuen Bestimmungen zu tauschen. Man geht mit der Annahme nicht fehl, daß die neuen Vor- schristen über die Gewerbesteuerpslicht der Konsumvereine ein« politische Konzession an die Mittelständler dar- stellen sollen. Diesen Kreisen ist von jeher die gemeinnützige Tätig- teit der Konsunivereine außerordentlich unbequem, weil sie durch sie an der Ausbeutung der Verbraucher gehindert werden. Das volks- wirtschaftliche Interesse erfordert im Gegenteil die B e- g ü n st i g u» g der Genossenschaften statt ihr« Benachteiligung. Theoretisch ist das auch von der Regierung stets anerkannt worden. Bis in die jüngste Zeit hinein hat man darüber geklagt, daß der Zwischenhandel die Waren außerordentlich verteuert. Der Produzent erhalte nur«inen kleinen Teil des Preises, den der Konsument für die Ware bezahlen muß. Der frühere Reichskanzler Dr. Luther— gewiß kein Sozialist— hat sogar einmal die Beamten auf die Genossenschosten hingewiesen und' ihnen nahegelegt, ihre Lebenshaltung durch den billigen genossenschaftlichen Wareneinkans zu bessern. Alle moralischen Beeinflufsungsnersuche am Warenmarkt sind nutzlos. Das beste Mittel zur Verbilliguug der Waren für den Konsumenten ist und bleibt die Unterstützung der Konsumvereine. Sie wollen keinen Gewinn erzielen, sondern haben nur die Absicht, preis- werte und billige Waren zu liesern. In dieser Tätigkeit aber sollen sie nun durch das neue Gewe/besteuerrahmengesetz gehindert werden. Das darf nicht geschehen, denn die Folge der Schwächung der Konsumvereine wäre eine Verteuerung der Waren und die Er- höhung der Lebenshaltungskosten. Diese schon jetzt oorouszu- sehenden Folgen sind wiederum ein Beweis dafür, daß die Rechts- regierung nicht daran denkt, den Massen des Volkes das Lebe» erträglicher zu machen, sondern daß sie sich durch Geschenke an einzelne kapitalistische Gruppen nur deren Ver- trauen zu erwerben versucht. Dos dürfen sich die Verbraucher und ihr« Organisallonen, die Konsumgenossenschaften, aber nicht tatenlos gefallen lassen. Bei geschlossener Abwehr sind die Millionen organisierter Verbraucher eine Macht, an der auch die Rechtsregierung nicht vorbeigehen kann. Neue Arbeit für S7SH Personen. Jlod) rund 180 000 Arbeitslose. In der Lage des Berliner Arbeitsmarktes ist in der Berichts- woche kein« weitere Veränderung«ingetreten. Die Zahl der Ar- beitfuchenden hat weiterhin eine Senkung von rund S7lW erfahren, so daß die Gesamtziffer sich nunmehr auf'rund 179 065 Personen beläuft. Wie in der Vorwoche entfällt wiederum der Hauptbestandteil der Entlastung der Arbeitsuchenden auf die Landwirtschaft, das Baugewerbe sowie die Metallindustrie und das Speditionsgewerbe. Das Holzgewerbe weift dagegen nur eine geringe Abnahme Arbeitsuchender auf. Bemerkenswert ist, daß der Arbeitsmarkt der Konfektion namentlich für weibliche Kräfte in der Berichtswoche infolge der einsetzenden Beschäftigung für die Herbst- und Wintersaison eine wesentlich erhöhte Anforderung brachte, welch« sich voraussichtlich im Laus« der nächsten Zeit noch steigern wird. Es waren �179 ftSS Personen bei den Arbeitsnachweisen einge- tragen gegen 185 565 der Vorwoche. Darunter befanden sich 118 822(121 964) männliche und 60 833(63 401) weibliche Per- sonen. Erwerbslose n Unterstützung bezogen 55 334 (57196) männliche und 28376(28 862) weibliche, insgesamt 83 710 (86 058) Personen. Außerdem wurden noch 27 753(28 208) Per- sonen durch die E r w c r b s l o s e n h i l s e der Stadtgemeinde Per- lin und 29 576(30 366) Personen durch die Krisenfürsnrge unter- stützt.> Bei Notstandsarbeiten wurden 4666(4590) Per- sonen unterstützt. ver Güterverkehr üer Reichsbahn. In der Woche zum 9. Juli ist die arbeitstägliche Wageng«st«l- lung der Reichsbahn wieder von 147 700 auf 149 100 gestiegen. Tabellarische Uebersicht seit Mai.(In 1000 Stück) Woche wöchentlich durchschnittlich pro Ardrilstng Wie die Tabelle erkennen läßt, ist im Durchschnitt der letzten zehn Wochen kaum eine fühssbare Veränderung der Güterwagen- gestellung der Reichsbahn eingetreten. Auch der Großhandelsindex steigt weiter. Die auf den Stichtag des 20. Juli 1927 berechnete Großhandelsindexziffer des Statifti- schen Reichsamts hat sich gegenüber dxr Vorwoche um 02 Proz. aus 137,7 erhöht. Die Indexziffern sämtlicher Hauptgruppen hoben leicht ongczogen„-iind zwar stieg die Indexziffer für Agrarstofse infolge erhöhter Viehpreije um 0,2 Proz. auf 137,7 und die der K o l o n i a I waren um 0,5 Proz. auf 127,9. Unter den I n d u st ri e stosfen hat die Indexziffer der industriellen Rohstoffe und Halbworen um 0,4 Proz. auf 132,5(132,0) und diejenige der industriellen Fertigwaren uni 0,2 Proz. auf 147,3(147,0) angezogen. Die Exportkredltversicherung um 6 Jahre verlängert. Ihre Er. gebnisse. Am 31. Dezember 1927 wäre der Generalvertrag zwischen dem Reich und den Versicherungsgesellschaften abgelaufen, bei dem bekanntlich das Reich zur Förderung der deutschen Exporttätig. keit für bestimmte politische und Naturkatastrophenfällc ein Aus- fallsrisiko überninnnt. In einer Konferenz zwischen den Reichs- stellen, den beteiligten Versicherungen und den Vertretern der Pri. vatwirtschaft wurde einer Verlängerung des Vertrags bis zuni 31. Dezember 1933, also um 6 Jahre, zugestimmt. Die 15 Millionen Mark, die das Reich als Ausfallsfonds zur Verfügung hält, werden also für weitere 6 Jahre bereit stehen. Nach deni Jahre 1933 soll ein allmählicher Abbau derart erfolgen, daß die Auslausszeit d«r Versicherungsverträg« im Jahre 1936 endigen soll. Ueber die bisherigen Ergebnisse der Exportkreditversiche- rung machte Direktor Herzfeder von der Hermes Kreditversicherungs- A.-G. einige Mitteilungen: von insgesamt 67 60 Anträgen mit einem Gesaniiijersicherungsbetrag von rund 92 Millionen Mark wurden 3629 Anträge im Werte von 56,6 Millionen Mark zum Versicherungsabschluß zugelassen. Der Umsang, in deni die Export- kreditversicherung in Anspruch genommen wird, bewegt sich danach in bescheidenen Grenzen. Bedauerlich ist, daß über die bisher ein- getretenen Haftungsfälle für das Reich kein« Mit- t e i l u n g gemacht worden ist. Die englische Regierung gibt für die von ihr gewährten Kreditgarantien die«intretenden Schaden. fälle regelmäßig bekannt. Es wäre auch zu erwägen, ob der Fonds in der jeßigen Höhe von 15 Millionen Mark nach den bisherigen Erfahrungen nicht bedeutend herabgesetzt werden kann. Ein Dollarkredit der Golddiskontbank. In den letzten Tagen wurde im Zusammenhang mit der New Porker Reise des Reichs- bankpräfidenten Dr. Schacht die sensationelle und von vornherein unrlaubwürdige Meldung oerbrellet, daß die Reichsbank mit fünf- zehn New Yorker Privatbanken eine Dollaranleihe von 25 bis 3V Million» Mark vereinbart habe. Die Meldung wird jetzt dahin aufgeklärt, daß es sich nicht um die Reichsbank, sondern um die Golddiskontbank handelt. Wie vermutet wird, will die Golddiskont. dank den größten Teil der seinerzeit von der Rentenbankkreditanstalt übernommenen Hypothetarschuldschein« für die d«r Landwirtschast gewährten Kredite in New Jork unterbringen. Di« deutsche Land- Wirtschaft erhält damit nachträglich statt der Inlands- eine Aus- landsanleihe, deren Gegenwert seinerzeit in Mark von der Renten- bankkreditanstalt schon ausgezahlt worden ist. Auf der anderen Seite erlcilbtert die Golddiskontbank ihre Bilanz und verschafft sich sofort greifbare neaie Mit t«l. Ob diese zu neuen Krediten ver- wendet oder der Reichsbant doch noch zur Verfügung gestellt werden, wird abzuwarten sein. Die Aktienkurse wieder im Steigen. Die monatlichen Berech- nungen der Deutschen Bant zeigen, daß vom 9. Juni bis 19. Juli wieder eine beträchtliche Aufwärtsbewegung der Aktienkurs« an der Berliner Börse erfolgt ist. Der Durchschnillskurs ist von 239,68 aus 261,20 Proz. gestiegen, nachdem der Maikrach das Kursniveau van 272,77 auf 239,68 Proz. heruntergebracht hotte. Zwei Drittel der Maivcrluste sind also schon wieder ausgeholt. Merkwürdig, daß davon in der Oeffentlichkeit so wenig Aufhebens gemacÄ wird. Die Industrie- und Schiffahrtsaktien sind im letzten Monat übrigens erheblich stärker gestiegen(von 254.41 auf 280,09 Proz.), als die Bankaktien(von 181,58 auf 280,09 Proz.). Eine bemerkenswerte Steigerung des Pfandbriefumlaufes In diesem Jahre, die im Widerspruch steht mit der sonstigen Stagnation auf dem Pfandbriefmarkt, meldet die Preußische Zentral- stadtschaft Berlin. Der Umlauf an Goldpfandbriesen bei den ihr angeschlossenen acht Stadtschaften hat sich im ersten Halb- jähr 1927 von 81,68 auf 114,84 Millionen Mark erhöht. Das werkfäiige Berifn ücmonstrieri am flonlag, Sem 1. Anlast, aal Sem WillenDergplalz deSen Krfed u. Kriedsdefahr, Iflr Frieden u. Sozialismus CiHfeabuagn ffix diese Rubrik sind iberlt» LA«», Lindenftrabe i, Parteinachrichten für Groß-Serlin stets e» da» Bejttrkssekretariat. 2. Als« t Treu, recht«, jn richten. Ausflug der sozialistischen Fürsorgerinnen und. Fürsorger im Sonnabend, dem 30. 3u(i. Xreffpunfl; 1638 Uhr Sahnhos Rahnsdorf. fSladibahn ab Charlollenburg 15.26 Uhr. usw.) Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 1. strei, Mitte. Moniag, 2Z. Juli, Wa Uhr. bei Dobrohlaw, Ewinemllnder Kiroß« 11. Sitzung de« rrmriierten Sreisnorsianbes. Srschrinen unbedingt erforderlich. Die Genossinnen und Genossen, die sich zur Sammlung dem "M § immer So.— Die Hels, rinnen und Heiser, die' ssch amariterbund zur LerfUgung stellen, melde» sich Slrbeiter.Ggmariierbund zur Verfügung stellen, treffen sich 9 Uhr EchrSder» ftratze». Z. ltrei« Wedding. Nrbeiteemohlsahrt: Sonniag, 21. August, findet d>e Be- sichtigung in Zossen statt. Gleichzeitig ist die Fahrt als ein Familien- ausflug gedacht. Kinder kilnnen mitgenommen werden. Wir wolle» ver. suche», Fahrpreisermäßigung zu erhalten und müssen dazu die genaue Teilnehmerzahl haben. Die Genassinnen und Genossen werden gebeten, sich sofort bei ihrer Adieilungsleiterin bzw. Abteilungsleiter der Arbeiter» wohlsahrt zur Teilnahme an der Fahrt zn melden. Die Abteilungsleiter '' bis erweiter. lirbriterwohlsahri: 28. Juli, 19 Uhr. im wieder dem Arbeiter. I RS WSMWW. m WW_ ab 7 Uhr im Lokal Mielke, Lychener Str. 2/S." ». Krei» ttreuzberg. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich am Kreissommerfest in Tempelhof, Birkenwäldchen, Manteusselstratze, zu be- teiligen. Tresspnnki zum Umzug 11 Uhr am Bahnhos Tempelhos. 7. strei» aharlottendurg. Dienstag. Sil. Juli, 19 Uhr. im Zimmer 1 des Rathauses Sitzung de» erweiterten Kreisvarstandes. 9. strei» Wilmersdorf. Dienstag, 2«. Juli, 21) Uhr, Sitzung des engeren Sreisoorstandes mit den Abteilungsleitern bei stroitz. Holsteinische Str. 60. Alle Abieilungen müssen unbedingt»ertrete» sein. 11. Kreta«chönebcrg.Friedenau. Die Abteilungen treffen sich heute, Sonntag, 11 Uhr, am Bahnhof Tempelhos zur Teilnahme am Festumzug de» Kreises Tempelhof. Die Abteilungsleiter werden gebeten, für rege Beteiligung Sorge zu tragen. Die Abteilungsleiter treffen sich Montag, 2,1 Juli, 20 Uhr, bei flöitifl, Feurig» Ecke Prinz-Deorg-EtraKe, zu einer kurzen wichtigen Besprechung. 12.»reis Steglitz. Lankwitz, Lichterfeld«. Montag, 22. Juli, lglll Uhr, Kreis ssiaiidssitznng an bekannter Stelle. Niemand darf fehle». nichtigen Besprechung. tre!» Sie~| vorstandss WWWWW______ 14. Ittels Neukölln. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich heule, Sonntag, tz Uhr, rege an der Sammlung des Arbeiter. Samariterbundcs zu beteiligen. Meldungen bei Wille, Reuterstr. 47, Ecke Lenaustrahe. II. Kreis Köpenick. Maniag, 22. Juli, 1914 Uhr, bei Reich, Köpenick, Bahn- bofstr. 13, Kreisvorstandssstzung. Alle Abteilungen müssen unbedingt»er- treten fein. 17. Kreis Lichtenberg. Maniag, 22. Juli, 19 Uhr, im Arbeitsamt Schreiber. Hauer Sirgtze auKerordentliche Kreisfunktionärsitzung. Sämtliche Funk. tionäre de» Kreises müssen unbedingt erscheinen.— Arbeiterwohlsohrt: Dienstag. 2«. Just, 7 Uhr, Rathaus Lichtenberg wichtige Obmänner- befprcchuna. Itz. Kreis Weitzenfee. Montag, 22. Just, 2V Uhr, bei Gallas, Lehderstraße, wichtige Kreisfunktionärsttzung. Da äußerst wichtige Tagesordnung, Er- scheinen sämtlicher Funktionäre unbedingt erforderlich. Id. Kreis Pankow. Montag, 22. Juli, 20 Uhr, Sreisdelegiertenverfammlung im Türkischen Zelt, Breite Str. 14. iteten sei». Jede Abteilung mutz unbedingt»er- heule. Sonnlag. 24. Juli: 29. Abi. Achtung! Funktionärsttzung und Zahlabende fallen in diesem Mona! ans. 32. Abi. UV: erdigung d 33. Abi. Achtung! 38. Abt. Achtung!...____________ y der 88. Abteilung ist somit binsällig. 82. Abt. Sieglitz. Genossinnen und Genossen, welche ssch al« Helfer an der Sammlung des Arbeiler-Samariterbundes beteiligen wollen, treffen sich ab 7 uhr im Lokal Schmidt, Lichierielde. Roonstr, 39, 66. . Abi. Tempelhof. Zum Umzug treffen sich die Genossinnen und Genossen l4 Uhr am Bahnhof Tempelhof. Die Mitglieder, die sich an der Samm- lung für den Arbeitcr-Somariterbund beteiligen, treffen sich im Lokal Lindisch, Martendorf. »l. Abt. Neukölln. Karlsgartenftr. 1/11. Mitwirkende: Große, Sommersest Im Lokal Berg ilwirkenbe: Festrede Hermann Harnisi.W Konzert, artistische Vorführungen, Gesang, Männerauarieti„Leise". freie Turnerfchait Gratz-Berli", große« Preiskegeln, Tanz. Beteiligung wird gebeien. IIS. Abt. Adlershof. Die Mitglieder beteiligen sich geichlassen an der Banner- weihe in Köpenick. Treifpunkt pünktlich I2>, Uhr aut dem Marktplatz in Adlershof- j|- 110. Abt. Grit Erscheinen aller Mitglieder dringend erforderlich. nckn. Die Miigiieder beteiligen sich restlos an der Bannerweihe in Köpenick. Anschließend Feier im Lokal Wendenschloß.. 122. Abt. Weißensl». Diejenigen Parteigenossen, die den Samaritern bel ihrer Sammeltätigkeit helfen wollen, werden gebeten, ssch heute früh 8 Uhr bei Wilhelm Starke, Tassostr, 1, einzufinden. Morgen, Montag, 25. Juli: 29. Abt. 1914 Ubr bei Friisch, Draniheimer Sir. 4, Funktionärsttzung. 21. Abi. Igte. Uhr bei Bogel, Iablonikistr. 9. außeroidentllche Funktionär. sttzung. Erscheinen sämtlicher Bezirksfiihrer ist Pflicht. 12. Abt. 19i2 Uhr bei Wiersdorfs, Urbanstr.«, Funktlanärfitznng. 12. Abt. Die Funktionärsttzung fällt au». 1914 Uhr bei Etchholz. Euorqstr. 28, . wichtige Sitzung de» Abteilung»- Erscheinen unbedingt erforderlich. II. Abt. 1914 Ubr bei Eichholz. Vorstandes und sämtlicher Funktionäre, Dienstag. 26. Juli: II. Abt. l9'4 Uhr bei Krüger, Hussiten. Eckc Scheringstraß«, außerordentlicher Zahlabrnd. Die Bezirksfiihrer laden dazu ein, Mittwoch, 27. Juli: tz. Abt. Igsiz Uhr im Ratiosalhof, Bülöwstr,»7, Mitgliederversammlung. Vortrag:„Der Stand der Sozialpolitik," Referent Rudolf Karsten. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, bestimmt zu erscheinen. F rauenveranstaltungen: 3. Krei» Wedding Mittwoch, 27. Juli, Ausflug der Genossinnen bei Heiliaensee. Treifpunkt 9 bis 19 Uhr Tegel, Gabelung. Straßenbahnen 27, 28, 128 bis Gabelung. Gäste stnd herzlichst willkommen. 1. Kreis Peenzlaner Berg. Montag, 28, Juli, l9 Uhr, rechnen die Abteilung». leiterinnen be! Burg, Prenzlauer Aller 189, die Dampferfahrkarten be. stimmt ab, i 5. Kreis Zriedrichshain. Gemeinsames Kaffeekachcn am Dienstag,!Z 21. Juli, 15 Uhr, bei Ritschfe, Biktoria-Garieii. Am Treptower A Z Park 28/29, gegenliber der Spielwiese. Kaffeekochen Liter i M. Bei-7? ri schlechtem Welter steht uns der Saal zur Berfügung. Alle Genossinnen D "«nb Genossen sind mit ihren Angehörigen nebst Freunden und Be> kannten freundlichst eingeladen. Die Kreisleiterin. 11. Krei» Neukölln. Genossinnen! Der geplante Ausslug am Dienstag, 26. Zuli, fällt wegen zu ichwacher Beteiligung au», herzlichst willko'mmen. Frauenveranstallungen am Montag. 25. Juli: 39. Abt. I8tt Uhr im Polispark Reukölln, Restaurant Hesse, gemütliche. Bei. fammenfetn, Gäste herzlichst willkommen. Bahnverbindung ab 11 Uhr Hallesches Tor bis Friesen straße. � 81. Abi, Ehariotienburg. Billetts zur Dampferfahrt nach Woliersdorser schleuse am 5. August sind noch bei Brettschneider, Haeselerftr. 12-, zu Häven. Frauenveranstallungen am Dienstag. 2S. Juli: 34. Abt. Der Frauenabend fällt an». Di- Genossinnen b-t-iltgcn sich am 31. Abi ��Dl"' Genossinnen beteiligen sich am Kaffeekochen be««reifes, lö Uhr in Treptow._ ,,.... 37. Abt. Der Frauenabend für Juli fällt aus. Die Genossinnen beteiligen sich mit ihren Angehörigen und Freunden und Bekannten 18 Uhe in Treptow bei Nitschke, gegenüber der Spielwiese, Karlen zur Dampferfahrt am 5. August sind bei der Genossin Grötzinger, Keidenfeldistr, 16, zu haben. 38. Abi. Der Frauenabend fäNt aus. Däfiir' beteiligen sich die Genossinnen am Kasseekoche» de« Kreises bei Nitschke, Am Treptower Park 29/27, 18 Uhr/ Gäste willkommen...._.. 78. Abt. schoncbcrg. Alle Genossinnen lrcifen sich ab 19 Uhr zum Kaffee. kochen in Dahlem, im Restaurant von Wohlfahrt. Frauenveranstallungen am Miktwoch, 27. Zuli: 21. Abt. Nochmal» Ausflug nach dem Freidad Rahnsdorf. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Alexanderplatz. Die Geiiosfiniie» und Genossen, sowiil sie Urloiih haben, werden ersucht, daran teilzunehmen. Der Ausflug findet nur bei Treffpunkt schönem Wetter statt. 13. Abt. Ausslug nach„_______________........ 8>4 Uhr Haltestelle der Straßenbahn 95. Urban. Eckc Schönleinstraßc. Gäste willkommen. Für Nachzügler: Treffpunkt im Wiesengrund. Arbeiisgemeinschast der kinderfreunde: Krei, Tempelhof: Heutetz Sonntag, Spielen von 1k bis 19 Uhr im Birken, Wäldchen, Manteuffelstraße, Jungsozialisten: Gruppe Reinickendors vst: Montag, 25. Juli, 29 Ubr, im Jugendheim Seebad, Residenzstr. 49. Bortrag:„Wege der Liebe." Referentin Anna Har. loch.— Gruppe Tiergarten: Dienslag, 26. Juli. 20 Ubr, bei Trlimper, Flens- burger Etr. 3, Diokilssiansabend, Bortrag:„Die Vorgänge in Wien," Sterbetafel der Groß-öerliner Partei-Grganifation Unser Genosse Peter Wolf ist verstorben. Montag, 25. Ii e. Wir bitten um recht rege Beteiligung. 12. Abt. denken. Einäscherung am Ehre seinem An. Uli, 15 Uhr, im Krematorium Gericht- >. Abt. Lchöncberg. Die Einäscherung unseres verstorbenen Genossen Anton Z i e l i n s k i findet am Montag, 28. Juli, 181« Uhe, im Krematorium Wilmersdorf statt. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Treffpunkt vor der Halle in Wilmersdorf. übergibt man nur dem Nachweis de, Deutschen Musikerverbandes, Verlin. Kom- mandantenstr, 93,94. Dönhoff 3277—78. Geschäftszeit 9— 8, Sonntag» 10—2 Uhr. Auf Wunsch: Bertrelerbefuch. ll- KLEINE ANZEI6EN Witt I! PI. tittnlrackfci Wirt 25 91. (lolfciiz I(«ttjednntti Wim).— liesimzneäi« int. Wert(I«ttgi4ni4t) 15 9#.. sein wtiii» Wert jj Pt. Wort«»Ii min «b tS leäntsde» tihln dt„ei terti. «ntiga.■•IM llr Iii »iänte linonr tntinnt liel.mfliwti bis(jSlKtem P/i Ohr ndialttagi In In Hnnt-Espeditln In Pnvirts, Llidnitreh Z. «hgijeben«nta.Oinilbi Islwedmtigtnn wrjtns l'/jUbr bis il»tb,. 5 Obt »»ewbtnb« gebstnrt. 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Unterhaltung unö Wissen öeilage ües vorwärts Kurze Wochenchronik. \ Sonntag 24. Juli 1427 wer hat mitzureöen? von Henrik Ponloppidan. Der berllhmte danischc Dichter und RobelpreittrSger Henrik 1 Pnntovvidan nollendet heute sein 70. Lebenniahr. Wir veröfient. ! lichen mit ieiner Erlaubnis ein Sanitel aus seinem SInman»Das selobte Land"(deutsch bei Diederich» in Jena erschienen). Auf einmal entstand«ine Unruhe am Tisch«. Ausgehend von seiner schon ziemlich herausfordernden Lobpreisung der Hochschulen und des Geist«», der von ihnen auf die ländliche Bevölterung über- gegangen war, brachte Cmanuel Plötzlich die Rede auf den äugen- blicklichen großen Kampf zwischen der Regierung und dem Volke. Alle sahen ängstlich zu Onkel Joachim hinüber, dessen Kopf mieder purpurrot geworden war und anschwoll wie. ein Ballon, der gefüllt wird. ..Gestatten Sie igtr, Verehrtester!" explodierte er schließlich, in- dem er nach Gewohnheit schwerhöriger Leute«ine Hand—«in« höchst unaristokratischc Faust mit langen, roten Haarbüscheln in der Mitte aller Fingergelenk«— hinter das Ohr legte.»Ich höre, Sie find ein eifriger Bewunderer dieser sogenannten Volkssreiheit, mein Herr, und dieses— sogenannten— allgemeinen Stimmrechts, ich bitte Sie! Da werden Sie mir vielleicht gestatten, Ver«hrtester, Ihnen ein Beispiel anzuführen, das Sie sehr wahrscheinlich auf andere Gedanken bringen wird. Ich brauche nur ein einziges Bei. spiel anzuführen, um Ihnen klarzumachen, wie verwerflich, ja ge- radezu verderblich dieses— ich bitte Sie— dieses sogenannt« oll- gemeine Stimmrecht für die Zukunft und Wohlfahrt des Landes ist." Frau Haffing sandte ihrem Mann einen Blick zu, um ihn zu neranlosien, Onkel Joachim'zum Schweigen zu bringen. Aber der Doktor, der hinter seinem korrekten und würdigen Aeußeren einen großen jugendlichen Schelm barg, tat, als sähe er es nicht. Er fand, es könne ganz unterhaltend werden, Zeuge von einem kleinen Duell zwischen den beiden kampflustigen Herren zu sein. „Ich gestatte mir also— ganz kurz— Ihnen folgendes vorzutragen," fuhr der Jägermeister fort.„Ich hatte einmal— vor einiger Zeit, hm—«inen Kuhhirten— einen Kuhhirten, verstehen Sie! Im übrigen ein sehr nüchterner und ordentlicher Mensch. aber gänzlich unwissend, selbst der elementarsten Kenntnisse bar. Wenn ihn jemand gefragt hätte, wieviel zum Beispiel dreimal sechs ist, so würde er wahrscheinlich zwölf oder vierzehn geantwortet haben. Ich bitte Sie! Oder wenn jemand gefragt hätte, wie zum Beispiel die Hauptstadt von Deutschland heißt, so würde er zweisel. las Skelskör geantwortet haben, das war nämlich die einzige Stadt. die er außer Kopenhagen und Roskild« kannte. In bezug auf die Gesetzgebung wußte er ebenso genau Bescheid, über da», was in unserer— sogenannten— Verfassung steht, rr-i« über da», wa» in den türkischen oder chinesischen Gesetzen steht! Run erlaube ich mir zu fragen," fuhr er mit steigendem Selbstgefühl fort, als er an dem allgemeinen Schweigen merken konnte, daß er angefangen hatte. Erfolg zu haben...Ist es wirklich Ihr«?lbsicht, Derehrtester, daß eine solche Person ebensoviel Einfluß auf die Leitung der inneren wie der äußeren Angelegenheiten des Reiches haben soll wie«in Mann, wie— wie zum Beispiel unser verehrter Wirt,. Herr Doktor Hassing? Ich bitte Sie!""•*" J .Er warf sich mit einer einladenden Handbewegung in den Stuhl zurück, kreuzte die»Arme über der Brust und wartet« in dieser Stel. lung siezesgewiß Emanuels Antwort ab. Cmanuel hatte die größte Luft, dem Jägermeister überhaupt nicht zu antworten, denn seine ganz« Persönlichkeit erschien ihm nicht gerade zu einem ernsten Meinungsaustausch einladend. Da er aber die Spannung merkte, mit der auch die anderen zu ihm hin- sahen, um sein« Antworten zu hören, sagt« er: „Ich glaube, daß der besagte Kuhhirt«, trotz aller vermeintlichen Unwissenheit, nicht nur das gleiche Recht wie Herr Doktor Hasstng hätte genießen sollen, sondern— falls ihm volle Gerechtigkeit wider- fahren wäre— vielleicht vielmehr das doppelte." Die Antwort kam mit einer solchen Zuverlässigkeit der Ueber- zeuginig und klang dabei so paradox, daß man unwillkürlich lauten Einspruch erhob. „Aber das können Sie doch unmöglich meinen!" sagt« selbst Frau Hasstng. mährend sich Onkel Joachim zu seiner Schwester herabbeugte und mit einer Stimme» die er offenbar selbst sür Flu- stern hielt, ihr ins Ohr schrie:„Was sogt er? Was sagt er?" „Ich wollte meinen, daß die Sache doch ganz einfach und«in- leuchtend ist," fuhr Emanuel fort, von dem Widerstand, den seine Atußerungen hervorriefen, noch beredter gemacht.„Warum soll denn die Gebutt eines Mannes für sein Verhältnis zum Staat be- stimmend sein? Daß ein Mensch in Armut geboren ist, kann«in Unglück für ihn werden, und es ist weit eher«in Grund vorhanden, ihm dafür«ine Genugtuung zu verschossen als das Gegenteil. Und was seine vorgebliche Unwissenheit oder vielmehr� seinen Mangel an Schulbücherkenntnissen anbetrifft, ja, der bedeutet doch eigentlich nur, daß der Staat nicht genügend aus seine Ausbildung hat oer- wenden wollen, aber deswegen ist doch kein Grund vorhanden, ihn stets stiefmütterlich zu behandeln, im Gegenteil!", „Ja. aber Sie müssen doch wirklich einräumen—" begann Doktor Hasstng. Emanuel aber hörte nur seine eigenen Wort« und fuhr fort: „Die Sache hat außerdem noch eine andere Seite. Ich setze den Fall, daß eine Entscheidung in irgendeiner großen allgemeinen Frag« bevorstünde, zum Beispiel über Krieg oder Frieden— die Frage steht ja wirklich rings umher in Europa auf der Togesord- nung. Run muh mir doch jeder Mensch recht geben, daß für einen Mann>n Doktor Hassings Stellung der Ausbruch eines Krieges— vom ökonomischen Gesichtspunkt aus— keine wesentlichen Verände- rimqen in seinen Lebensbedingungen zur Folge haben würde. Ich meine, er braucht'sich aus dem Grunde keine Entbehrungen irgend- welcher Art aufzuerlegen, gar nicht zu reden davon, daß er nichts für die Zukunft zu befürchten hat— ich red« hier ja gor nicht pan den viel tieferen Gefühlen, die ein solches Ereignis natürlich her- norruien wird, von denen man aber annehmen kann, daß sie bei allen die gleichen sind. Dahingegen behaupte ich. daß der Ausbruch eine« Kriiiqes für einen atmen Arbeiter etwas ganz anderes und weit' mebr" bedeutet. Er bedeutet in vielen Fällen leine völlige Verarmung Seine Arbeit stockt, der Handel, der Fabrikbetrieb usw alles steht M. Zugleich werden die Lebensmittel teurer, die Steuern werden erhöht, und nicht genug damit: feine jungen Sohne die ihm ein« Stütze im Alter sein sollten, werden gegen den Feind geschickt werden vielleicht erschossen oder zu Krüppeln gemacht. Da« beißt sie belasten in Zukunft die Familie als neu« und schwer« Bürde Und einen solchen Mann, dessen Gegenwart und Zukunft sa schrecklich bedroht ist. den sollte man nicht um Erlaubnis sragen. nicht zmeimal um Erlaubnis fragen?— Aber gerode so stellt sich ja dos Verhältnis in fast allen Fällen. Stets werden die Meinen ______—--;-- Nach der Thronbesteigung begab fich der neue rumänische König umgehend an die Geschäfte. nur Ozeanrekorde aufstellen, sondern auch nützliche Arbeit sür die Zivilisation leisten. und die Armen am meisten unter dem Druck der schlechten Zeiten leiden: deswegen ist es wohl nicht mehr als billig, daß man ihnen in erster Linie die Entscheidung überläßt. Wenn wirklich von Ge- rechtigkeit die Red« sein soll, sollten weder diejenigen, die am meisten wissen, noch diejenigen, di« am meisten besitzen, noch die- jenigen, di« am meisten genießen, den größten Einslüß aus die Leitung eine» Landes haben, sondern diejenigen, di« am meisten ausgesetzt sind. Von dem Gesichtspunkt sehe ich wenigstens die Sache an." „Aber dann sind Sie ja beinah«— dann sind Sie wohl im Grunde Sozialdemokrat!" meinte Frau Hassing: sie hatte den Finger unter das Kinn gelehnt und sah gedankenvoll zur Decke empor. „Daraus kann ich wirklich leine bestimmte Antwort geben," ent- gegnete Emanuel, der abermals in Gedanken ein Glas Wein ge- trunken hatte.„Wenn di« Anschauungen, die ich hier geäußert habe, sozialdemokratisch sind, nun ja, daitn bin ich Sozialdemcckmt. Ich schrecke nicht vor der Benennung zurück." „Was sagt er?— Sagt er Sozialdemokrat?" stotterte der Jäger- meister und beugt« sich wieder über di« Schwester herab, deren Aufgabe es überhaupt zu sein schien, a» seinem Ohr zu hängen gleich einem lebenden Hörrohr. „Aber Sie müssen doch wirklich zugeben, Herr Pastor," nahm jetzt der Doktor das Wort,„daß das Boll ja im allgemeinen in vielen Fällen gar nicht weiß oder imstande ist, sich ein Urteil dar- über z» bilden, was zu seinem eigenen Besten dient. Dazu sind doch in vielen Fällen Voraussetzungen ersorderlich— Kenntnisse. Erfahrungen usw.. die zum Beispiel einem Arbeitsma»» auf dem Lande abgehen. Natürlich gibt es viele ausgezeichnete Ausnahmen, hos werde ich, weiß Gott, nie bestreiten— aber ganz im allgemeinen kann man doch gewiß sagen, daß das Volk, zum Beispiel unsere groß« Bauernbeoölkerung, als ein großes unerfahrenes— vielleicht zurzeit auch ein wenig unregicrliches— Kind zu betrachten ist. das sich nur lelbst in allerlei Unglück stürzen würde, falls man es ganz seiner«iaencn Urteilskraft überließe. Finden Sie nicht doch, daß ich recht habe?" „Ich weiß nicht, warum man dies Mißtrauen zu den Bauern gesaßt Hai," entgegnete Emanuel.„Unsere Geschichte stößt es uns Ein neuernannter Doktor verabfolgte Herrn von keudell eine bikkere Pille. An der Beisetzung der Wiener Opfer nahm Prälat Scipet nicht«eil. weil er sich gerade die Hände waschen mutzte. doch nicht ein. Im Gegenteil, sie lehrt uns, wi« es ganz unberechtigt ist. Es wird sich nicht ein einziges Beispiel nachweisen lassen, wo man. indem nran den Wünsche» der niederen Klassen nachkam und ihren Rat befolgte, den Staat auch nur der geringsten Gefahr aus- gesetzt Hütt«. Dahingegen kann man ein Beispiel über das andere dafür anführen, daß man— trotz der Warnungen des Volkes— unser Vateiland von einem Unglück ins andere gestürzt hat. Aber' nicht genug damit! Ich wag« es zu behaupten, daß alles, was unser Land an Tüchtigkeit, Unternehmungslust. Fleiß und Ausdauer be- [essen hat und noch besitzt, ursprünglich und ausschließlich aus un- serem Bauernstande herstammt. Es läßt sich historisch nachweisen, daß es sowohl in der Vergangenheit wie in der Jetztzeit kaum eine einzige große Begabung, nicht eine einzige Persönlichkeit gibt, die durch Geist und Tattraft' über ihre Mitwelt ausragte, ohne daß man nicht, wenn man nur einige Generationen zurückgeht, aus Bauern in der Familie gestoßen wäre! Dahingegen wird man kaum eine einzige hervorragende Kapazität finden, di« durch Generationen hindurch ihre Wurzel in don sogenannten höheren Schichten gehabt Hot. Der Fleiß, die Genügsamkeit und die zähe Ausdauer unseres Bauern sind das Erbteil aller unserer tüchtigen Männer gewesen, so war es in der Vergangenheit und so ist es noch heute und diesen Tag Jahr für Jahr schickt das Land frische unternehmungslustig« Kraft in die Städte hinein und jedes Jahr speien diese dafür eine Schar hinwelkender, geistig und körperlich heruntergekommener Menschen aus, die das Landleben und die Landluft wieder auf die Beine bringen soll. Es ist ganz dasselbe Verhältnis, wi« mit unserer guten, geduldige» dänischen Erde, die jaheein jahraus ihr nährendes Korn„zwischen die roten Dächer" hinsendet und den Dünger wieder zurückerhält." Er hatte mit zunehmender Kraft ulid Leidenschast gesprochen. Freilich war seine Begeisterung allmählich ein wenig bewußt ge- worden, aber er nahm sich gu�pus, wie er so dasaß mit seinen rm- blonden Haarlocken und dem blonden Bart, warm vom Reden und vom Wein und von seiner ernsten Usberzeugung. Es war etwa» von einem prophetisch verklärten Ausdruck in sein Gesicht gekom- wen, und das starte Licht des Zimmers hatte einen kleinen golden-" Stern in seinen himmelblauen Augen entzündet. Schnuffel-Puffel-Yopsasia. von Erna Büsing. Er war ei» recelrechter Straßcnhund, der sich nur darum den Menschen anschloß, weil in den kultivierten Gegenden heuzutage selbst die intelligentesten Hunde kein richtiges Hundeleben inehr füllen können. Schon sein Vater und sein Großvater waren Siraßenrasse gewesen, sie hatten den Menschen gedient und waren doch Hund geblieben. So war es auch bei ihm. In voller Hund- licher Selbslherrlichkeit hatte er gewählt und sich ein krankes Kind zur Herrin auserkoren..' Dieses Kind hatte ihm seinen Namen gegeben. Er hatte einen langen Namen,«inen?iamen, der sür kindliches Begriffsvermögen alles umschloß. Er hieß Schnuffel-Puffel-Hopsassa. Schnuffel, weil seine nie ruhende Nase alles erschniiffeltc, Pufsel, weil das Kind ihn nach Vergnügen knuffen und puffen konnte, und Hopsassa, weil dieses Wort für die kleine Kranke lustiges Daoonspringen bedeutete. Tag für Tag lag oder saß das Kind in seinem an das Fenster geschobenen Bett. Die Kranke sah auf einen Vorgarten, auf eine janagestreckte Wiese und gewahrte in der Ferne Berge aufdämmern. Diese Berge kamen nicht näher, wenn die Augen der kleinen Kran- ken auch noch so voller»ehnsucht standen. Doch Schnuffel stellte die Verbindung mit den Bergen her. Er stürmte oft wild fort und blieb lange weg, und wenn er heimkehrte, dann hingen Staub, Wiesen- kräutcr und kleine Blumen in seinem Fell. Schnuffel-Puffel-Hop- sassa sprang sodann ins Bett, nicht etwa aus Bequemlichkeitsgründen — o nein, er war keiner von diesen lächerlichen, verweichlichten Hunden—, sondern weil er seiner kleinen Herrin nahe sein wollte. Braune Zotteln waren sein Fell, das inan so recht nach Herzenslust kraueln konnte. Und Schnuffel liebte diese schönen Hände, die es krauclten, diese kranken Hände, diese Hände wie aus Wachs. Wenn er draußen stromert«, dachte er oft an sie und die Erinnerung an diese Hände trieben ihn heimwärts. Denn, es muß eingestanden werden, Schnuffel hatte Vagabundenblut. Das ist eine gute Gabe und eine böse Last zugleich. Er stellte nicht nur Katzen nach, er raufte sich auch gerne mal mit Hunden. Es gab nun mal eben Köter, die er nickst ausstehen konnte. Zudem mußte er auch seine Beine in Bewegung bringen, er mußte laufen, er mußte stromern. War am Mittwoch'im Dorf linker Hand Wochenmarkt gewesen, dann traf Schnuffel regelmäßig vor den Straßenkehrern dort ein und balgte sich mit den ortseingesessenen Hunden, Katzen, Hähnen und Gänserichen um die Ueberreste. illkr im Dorf rechter Hand— das einige Sommergäste hatte und oieserhalb eine ausgeliehene Kapelle aufspielen ließ—, Freitags Konzert, so fand sich auch Pufsel ein und�biß die von den ganzen umliegenden Ortschaften gekommenen kunstgenußfüchtigen Radfahrer in die Waden, deren Besitzer, falls es Weiber waren, quietschten und falls es Männer waren, schalten. Man trat nach Schnuffel und traf nie richtig, was meistens allerlei laute Protestrufe, Schimpfereien der Beleidigten und etliche Auf- regungen zur Folge hatte. Doch Schnuffel kam stets mit heiler Haut davon. Außer dein Hunde hatte das kleine Mädchen keine rechten Freunde. Es war krank von Kindheit an, die Mutter war ihm früh gestorben und der Vater, der durch Gerichtsbeschluß zu Unter- Haltungskosten verurteilt war, hatte das Kind zu entfernten Ver- wandten aufs Dorf gebracht, damit das Geld wenigstens in der Fa- milie bliebe. Und das Geld blieb in der Familie, in der Tat, für das Kind wurde wenig verausgabt. Für Schnuffel desgleichen. Er bekam selten genügend Futter, aber was machte ihm das aus, er grub in Müllkästen, er scharrte nach Unrat und hatte dabei ein herrliches Gefühl, er wußte von sich, daß er ein Hund war,«in richtiger Hund. Jedoch, war das Leben auch noch so amüsant, Schnuffel war seiner Verpflichtungen eingedenk, er kehrte stets wieder nach Hause zurück. Ein Glück für die beiden Freunde war, daß dieses Stückchen Land beim Hause, das man unertlärlicherweise Vorgarten nannte, verwilderte. Auf diesem Grund und Boden konnte Schnuffel. also ganz in der Nähe seiner kleinen Herrin, Entdeckungsfahrten unter- nehmen. So kam es, daß er an grauen, regenschweren Tagen auf- geweichten Erdboden als Klumpen von Schmutz an seinem Fell mit in die Ka innrer hineinbrachte. Dieserholb schalt die Frau des Hauses über Schnusfel, das kleine krank« Mädchen aber jauchzte beseligt in sich hinein. Schnuffel roch doch nach draußen, nach Welt. Einmal, während eines schweren Gewitters, war Schnuffels Herrin so unruhig und so sonderbar, daß dein Hunde ganz ängstlich zumute wurde. Nach dem Gewitterregen schwärmte er weit aus und als er heimkehrte, hatte sich ein abgeschlagener Birkenzweig in dem zottigen Fell verfangen. Mit dankbaren Augen und zittern- den Händen griff das kleine Mädchen nach dem Zweie. Im selben Augenblick hätten sich all« die kleinen Laubhcrzen aufgerollt und waren siech und matt. Schnuffel-Puffel-Hopsassa wurde immer ängstlicher, er heulte ein paarmal laut auf und als er dann seine Herrin beroch, da war sie so kalt wie eine Kröte. Nun setzte ein großes Aufräumen im Hause ein, im Kranken- zimmer wurden alle Möbel umgestellt»nd es kamen Lorbeerbäume, die widerlich noch Staub rochen. Schnuffel wachte bei seiner starren Herrin, da wurde er von fremden Stiefeln mit Absicht getreten. Cr bellte nicht, er schrie auch nicht, aber er jagte davon. Als er spät nachts heimkehrte, wollte man ihn an eine Kette legen. Da machte Schnuffel-Puffel-Hopsassa Kehrt. Ihm zuzumuten, eine Kette er- tragen zu können! Selbst Waldmann, des dicken Dorfkaufmanns hochgezüchteter Dackel, hatte keinen Gehorsam, aber er, Schnuffel, ein Straßenhund, der setzt im gegebenen Augenblick nicht nur seinen Kopf durch, ein Straßenhund, der weiß jeden Augenblick, was er kann, nämlich sich allein durchs Leben schlagen. Er schüttelte sich. Jetzt war er frei, fetzt war er mit sicherem Instinkt Vagabund. Und er lief unMief. Und hinter den Bergen wanderten Zigeuner, bei denen roch es nach Freiheit und Tieren und Schnuffel-Puffel- Hopfasia zog mit ihnen als neuer Weggenosse. Thomas tzooö. Ein Dichter des englischen Proletariats. Die Wende des 18. und lS. Jahrhunderts bedeutet für England den Auftakt zu großen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Um- wälzungen. Die Erstürmung der Bastille in Paris am 14. Juli 1789 hatte zuerst den Feuerfunken in die selbstzufriedene Gesellschafts- ordnung, in das scheinbar unumstößlich feste Staats- und Wirtschafts- gefüge Englands geworfen. Die Zeitverhältnisse taten das ihrige, um ihn nicht erlöschen zu lassen. Zu den Staatsschulden, die nach den Napoleonischen Kriegen aus das dreifache angewachsen waren, kamen Arbeitslosigkeit und Teuerung, Verbitterung und Unzufrieden- heit. Das Kkeinhandwerk wurde durch den Großbetrieb immer mehr verdrängt, und die fortschreitende Industrialisierung erzeugte ein beständiges Abwanderp vom Lande in die Städte, in denen ent- wurzelte, besitzlose Menschen den neuen vierten Stand, das Industrie- Proletariat, bildeten. In der Literatur fand dieser neu« Stand rechtloser, verarmter, ausgebeuteter Menschen einen begeisterten Vertreter in dem Kupfer- stecher und Dichter Thomas Hood. Ihm war es nicht wie dem Kornzolldichter E l l i o t gegeben, die Massen durch die Gewalt seiner leidenschaftlichen Sprache aufzurütteln. Aber im tiefsten Herzen durchlitt er das ganze furchtbare Elend seiner proletarischen Brüder, und in erschütternden dichterischen Darstellungen schilderte er die Not der Land- und Industriearbeiter. Es war die Zeit unbc- schränkter, durch keine Gesetze gemilderter Ausbeutung durch Groß- grundbesitzer und Unternehmer, die Zeit, in der Arbeitstage von 14 Stunden etwas Normales waren, in der Kinder von acht bis zehn Jahren nach kaum sechsstündigem Schlaf mit den Erwachsenen in die Fabrik geschickt wurden. In ergreifenden realistischen Dar- stellungen leuchtete Thomas Hood hinein in dieses Elend. C? schilderte den Landarbeiter, der in Verzweiflung noch Arbeit sucht: Wo immer Arbeit ruft, Nicht die schwerste schlag ich aus.— Das nur ist mein Begehr, Zu verdienen zwischen Licht Und Dunkelheit, zu jeder Zeit, Was zum Leben mir gebricht... Er schildert ihn, wie er aus seiner Not heraus den reichen Wild- bestand des Großgrundbesitzers angreift, wie er aber immer wieder allen„Mildtätigen", die glauben, durch gelegentlich« Unterstützungen ihre soziale Pflicht erfüllt zu haben, das Kernproblem entgegenrust: Keip Armengeld für mich! Ich bin des Bodens Sohn. Durch mein Recht auf Arbeit wohl befugt, Zu verlangen meinen Lohn. Was Gaben!— Arbeit gebt! Einfach und schlicht, aber mit ergreisender Realistik, stellt Thomas Hood den ganzen Jammer des englischen Proletariats dar. Arbeitslosigkeit, dazu ein immer höheres Hinaufschrauben der Ar- beitszeit, furchtbares Wohnungselend, Verwahrlosung der Kinder, ein stetiges Ansteigen der Krankheitszifser. Am tiefsten und schmerz- lichsten aber empfand der Dichter das Elend der proletarischen Frau. Mit einer unendlichen Zartheit schildert er in seinem Gedicht „IV aterloo-Brid�e"(eine Londoner Brücke, von der aus viele Verzweifelte den Tod in der Themse fa»den) die Not eines jungen Mädchens, das den Tod gesucht und gefunden hatte. Thomas Hood war der Dichter aller armen, vom Leben enttäuschten, ge- knechteten Frauen, die in dumpfer Verzweiflung tagaus, tagein in der Tretmühle menschenunwürdiger Arbeit schufteten. Keiner vor ihm hat so wie er das furchtbare Los der Heimarbeiterin geschildert: „Schaffen, schaffen, schaffen, Sobald der Haushahn wach. Und schaffen, schaffen, schaffen, Bis die Sterne glühn durchs Dach. O, lieber Sklavin seip Bei Türken und bei Heiden, Wo dos Weib keine Seele zu retten hat, Als so bei Christen leiden!. Nicht umsonst stehen auf dem Grabstein des Dichters, den ihm die Arbeiter errichteten, die Worte:„Er sang das Lied vom Hemde." Denn dieses Gedicht, in dem eine der vielen Millionen armer Näherinnen ihre Stimme erhebt, gehört zu den furchtbarsten Anklagen gegen die Verfechter der Heimarbeit und gegen die be- stehende Gesellschaftsordnung. Und der Dichter hat in der grauenhaften Realistik feiner Dar- stellung nicht übertrieben. Wir wissen aus dem.Kopital" von Karl Marx, daß noch im Jahre 1863 Näherinnen und Putz- macherinnen in London durchschnittlich 16)4 Stunden, während der „Saison" aber oft 39 Stunden hintereinander arbeiteten. Nachts schliefen die Mädchen zwei zu zwei in einem Bett in einem der elenden Sticklöcher, in denen ein Schlafzimmer durch Bretterwände abgepfercht war. Es gehört zu den Rätseln der menschlichen Natur, daß der Dichter, der Menschenelend so erschütternd zu schildern wußte, zu gleicher Zeit ein großer Humorist war. So gehört seine„Ode cm meinen kleinen Sohn", in der er in köstlicher Weise die Streiche eines mutwilligen, kleinen Bübchens erzählt, zu den gelungensten Werken' der humoristische» Literatur. Aber vielleicht entsprachen diese beiden scheinbaren Gegensätze in der Seele des Dichters einer bitteren Notwendigkeit. Ohne seinen goldenen Humor wäre eine so weiche und zart empfindende Natur wie Thomas Hood an dem furchtbaren Elend, das er täglich und stündlich zu sehen gezwungen war, verbittert oder zusammengebrochen. Elke. ts VtonaSs'Xaän mm— am öerfin, Leipziger Str. t22-1Z5.mmmmm Lefzfe WOCllC aison- Verkaal DecMes TemlcMaiis r Emil efivre «. m. Ii. H. Berlin S. 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Mit einer Auto- raserei fängt das Spiel sinngemäß an, und mit einem Autorennen endet es. Dazwischen liegen allerlei Vorgnüglichkeiten, echt amerika- nische Flirtszenen und die ebenso unvermeidlichen Tricks der Gegen- parte!, die mit allen Mitteln losgeht, um das Rennen für sich zu machen. Da Reginald fein eigener Manuskriptverfasser ist, kann er sich auch als Darsteller in seinem ganzen Werte zeigen. Er ist ein netter, flotter Junge, der mit tödlicher Sicherheit in alle Fallen gerät, die ihm das Schicksal stellt, aber schließlich doch wieder glücklich herauskommt und die Braut, die ihm beinahe das Leben gekostet hätte, heimführt. Der erste Autounfall verschaffte ihm die Bekannt- schaft mit ihr, als der Tochter eines reichen Benzinfabrikanten. Noch in Gedanken an sie wird er überfahren und damit ein Probierstück für chirurgische Kunst. Man kann verstehen, daß er nach seiner Ge- nesunq eine Scheu vor jeder Berührung mit einem Auto hat, und das geliebte Mädchen in einem Pferdeeinspänner vorsintflutlicher Kon- struktion aufsucht. Aus Liebe zu ihr wird er aber zum Rennfahrer. und muß nun natürlich siegen, koste es, was es wolle. Die Handlung gibt Gelegenheit zu allen Sorten amerikanischen Humors und Ulks. Man versteht, daß Denny drüben sehr beliebt ist, auch sein« liebens- würdige Partnerin Barbara Worth und Lee Moran, der grobianische Vater und Benzinsabrikant, fügen sich dem Ensemble- spiel vortrefflich ein. In dem vorangehenden BarietSteil fielen der Jongleur Salerno, .der trotz semer Jahre immer noch der erste in seinem Fach ist, und eine spanische Tanzakrobatentruppe auf.. D. Ein 5ranAose und ein Amerikaner. (Schauburg.) Als der Film als solcher noch eine Schaubudenangelegenheit nxir, war er für uns mit dem Namen Pathä verknüpft. Das biieb er auch, als die ersten ernsten Werk« herauskamen. Dann kam der Krieg, und die Pathe-Filme gerieten für das deutsche Publikum außer Sicht. Und selbst heute noch sind französische Film« für uns eine große Seltenheit. Man erzählt alles mögliche, u. a., die Franzosen hätten infolge ihrer schlechten Wirtschaftslage ihre Film-� ateliers nicht zeitentsprechend ausbauen können. Das mag stimmen, ober es ist nicht die Hauptursache für das Erdrücktwerden des fran- zösijchen Films, die liegt vielmehr darin, daß er am Geschmack von heute vorbeispielt. So spielt man auch in dem Pathe-Film „Liebe und Geschäft* Theater und nicht Film. Er ist nach dem Schauspiel„Antoinette Sabrier* gedreht, das für Mme. Rejane geschrieben wurde, die man gern in pikanten Rollen sah. Das Film- manuskript ist hochdramo tisch angelegt! dennoch kann sie uns nicht rühren, diese unverstandene Frau. Sie wird von ihrem stets arbeitenden, das heißt in diesem Falle immer spekulierenden. Manne vernachlässigt.. Natürlich hat sie Verehrer. Darunter einen beson- ders bösartige», der ihren Mann ruiniert, und einen besonders gut- ortigen, dem sie zugetan ist. Sie bleibt ihrem Mann treu. Doch wird er sie, obwohl«r«in neues Leben beginnt, abermals vernach- lässigen, denn er will für sie ein neues Vermögen erraffen. Ach, wie kalt läßt uns dos alles! Es ist nämlich der Unternehmertyp genau so wenig unser Fall, wie es die Frau ist. die sich ewig langweilt. Es ist ja ihre eigen« Schuld, wenn sie sich keinen Lebensinhalt schafft. Ebenso kann man über Gatlenehre und Gattentreue wesent- lich anders denken. Sie liebt einen anderen, wird hier aber zur Heidin gestempelt, weil sie dem Geliebten entsagt und neben(nicht mit) ihrem Gatten lebt. Der Regisseur Germaine Dulac kann von jedem mittelmäßigen Filmregisseur sehr viel lernen. Beispielsweise läßt er seinen Hauptdarsteller noch Tobsuchtsanfälle bekommen, ob- wohl man heute doch eheliche Krachs filmisch anders darzustellen pilegt. Gabriel Gabrio sieht man daher nicht als mit Arbeit über- lasteten, sondern als wilden Manu. Eue Francis erinnert in ihren ilatternden Gewändern pn die Serpentintänze der Lo;« Futter. i'lber die Zeit ist längst versunken, ebenso wie es die aufdringliche Gebärdensprache kür den Film ist. Sie wird hier noch übersteigert und ganz unerträglich gemacht durch Großaufnahmen. Desgleichen Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag. 24. Juli: 6.30: Frflhkonzert. 9: Morgenfeier. 11.30: Untcrhaltunesmuslk. 14.30: Berliner Humor. 15: Der Weidegang als Grundlage einer leistungsfähigen Rinderzucht. 15.30: Märchen. 17; Dr. Becces Kammerorchester. 19.05: Städtebilder. 19.30: Meine Reise nach Tripolis. 19.55: Die neue Tanzkunst. 20.30: Französischer Abend. 22.30: Tanzmusik. Montag, 25. Juli: 15.30: Unsitten bei der Ernähruns der Säutrünse. I«: Die Ptleire der Zimmervösel. 17: Novellen von LI. Viebie. 17.30: Kapelle Qebröder Steiner. 18.40: Technische Wochenplanderei. 19.05: Was bietet Berlin dem fremden Besachcr. 19,30: Die Kunst der Nationen. 19.55: Das Wort als Ansdrucks- mittel Unserer Zelt. 20.30: Max Dauthendey. 21.30; Lieder. Dienstag, 36. Juli: 12.30: Die Viertelstunde ll!r den Landwirt. 1t: Was das Meer erzählt. 16.30: Das romantische Juxoslawien. 17: Hymnen an das Leben(Verhaeren). 17.30: Kapelle Gerhard Hoffmann. 19 05: Stunde mit Büchern. 19.30: Verluste und Fnnde. 19.55: Erholnnxsfflrsorxe für die Qroßstadtkinder. 2030: Ausschnitt aus den Masikfesten in Krefeld, Frankfurt a. M., Baden-Baden (Vortrag). Mittwoch, 27. Juli: 13.30: Glockenspiel der Parochialkirche. 15.30: Die Hauswirtschaft im Dienste des schöpferischen Menschen. 16: Sommerfrenden im alten Berlin. 17: Viertes Kinderfest. 18.40: Das gesunde nnd das kranke Herr. 19.05: Die Bedeutung des Nürburgrings für den deutschen und internationalen Rad- und Motorsport. 1930: Richtfunk. 20.10: Sendespiele:„Das Dort ohne Glocke.** Singspiel nach einer ungarischen Legende von Arpad Pasztpr. Mnsik von Künncke. 22.30: Ungarische Musik./ Donnerstag. 38. Juli: 12.30: Die Viertelstunde för den Landwirt. 16; Geflügelte Worte, deren Ursprung und Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch. 16.30: Benares, die Hochburg der Brahmanen, 17: Balladenlyrik. 17.30: Konzert. 18.40: Technische Wanderungen durch das Badcaer Land. 1905: Tennis, eine Einführung in das Verständnis des weißen Sports. 19.30: Die Bedeutung der Unfallverhütung für den Arbeitgeber. 20: Wunder des Schalls. 20.30: Vortrag. 21; Walzerstunde. 22.30: Tanzmusik. Freitag, 29. Juli: 15.30; Frauen von heute— in vielen Ländern. 16; Wie sind Berlins Straßennamen entstanden. 16.30; Wanderungen durch die Mark. 17: Kapelle Emil Roösz. 19.06; Die Bedeutung der Universitäten für das deutsche Geistesleben. 19,30: Der Rechtsanspruch des Arbeitnehmers auf Erteilung eines Zeugnisses. 19.55: Bilder von einer Mittelmeerfahrt. 20.30: Symphonie- Konzert. 22.30: Nachtmusik. Sonnabend, 30. Juli: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Architekturdenkmäler unserer märkischen Heimat. 16.30: Der Aufbau der Werke Mozarts. 17: Salonqnartett Hans Raue. 18.40: Spanisch. 19.05: Mnseorasbesnche daheim nnd auf Reisen. 19.30: Fragen des Wahlrechts. 1935: Die wirtschaftliche Bedeutung der Geophysik. 20.30:„Die Nacht von Berlin." Ein Hürbild. 22.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, 24. Juli: Ab 6.30: Uebertragung ans Berlin. Montag, 25. Juli: 16: Der Geist der Physik nnd die Ziele des physikalischen Unterrichts. 16.30: Erziehungsberatung. 17: Schachfnnk. 18: Ein deutscher Kämpler in den Vereinigten Staaten. 1830: Englisch für Anfänger. 18.55: Die kaufmännische Statistik im Dienst der Betriebskontrolle 19.20: Die Reichspost nnd das reisende Publikum. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 26. Juli: 16: Der Geist der Physik und die Ziele des physikalischen Unterrichts. 17: Antike in Deutschland. 17.30; Die Beyrenther Festspiele. 18: Die Neuerungen im Aulwertnngsrecht. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Dichter- stunde. 19.20: Ans der Prosa deutscher Staatsmänner nnd Gelehrter. Ab 20.30; Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 27. Juli; 16: Kultur und Sprache im neuen England. 1630: Das erwachende Südafrika. 17.30: Vom Singspiel zur Operette. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter.„Technische Physik;" 1830: Englisch für Anfänger. 18.55, Berufs. ausbifdung nnd Fachschulung im Einzelhandel. 19 20: Zum ISO. Qeburtstas» von Philipp Otto Runge. Ab 20.10: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 28. Juli: 16: Vater und Mutter als Erzieher. 16.30: Ans dem Zentralinstitut für Erziehung nnd Unterricht. 17: Antike in Deutschland. 17.30: Uebertragung aus Berlin. 18.30; Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Das deutsche Kunstlied: Schubert. 19.20: Der Agrarkongreß in Rom. Ab 20.38: Uebertragung au» Hamburg. Freitag, 29. Juli: 16: Was miß jeder von der Gesunderhaltung des Auges wissen. 1630» Kulturgeschichtliche Beiträge zum Geschichtsunterricht. 17; Einführung in die Klimakunde. 18: Pioniere der Funktechnik. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Ans der Geschichte und Praxis des Parlamentarismus. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Ab 2030: Uebertragung aus Berlin., Sonnabend, 30. Juli: 16: Englisch für Fortgeschrittene. 16.30: Studienfahrt nach Tirol. 17: Ver. wattnng und Beamtenschaft im Volksstaat. 1730: Die rechtliche Umwelt des Arbeiters. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter.„Technische Physik." 1830: Wissscnschaftlichcr Vortrag für Zahnärzte. 18.55: Niederdeatache Gegenwart und Vergangenheit. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. wirb bei Jean Toulout und Paul Guide die Kunst zur Künstelei. Ein ganz schlimmes Kapitel ist die Inneneinrichtung. Sie fördert nicht die Stimmung, sondern lenkt ab. Ein jeder Gegenstand macht sich beitspurig bemerkbor, er ist offenbar nur sür sich da und er- scheint, als ob er allein photographiert sei. Also, Szene für Szene nichts als Theatralik. Man atmete förmlich auf, als der zweite Film„Im Schatten d« s B e r b r e ch e n s". ein Amerikaner, trotz eines wüsten Manuskriptes, so viel Natürlichkeit brachte. Harry Carey spielt hier den Wildwesthelden. Er ist ein ganz wunder- barer amerikanischer Tramptyp. Er ist ein Vagabund von Gottes Gnaden, und man seufzt fast hörbar unter den Segnungen der Zivi- lisation, wenn man ihn und seinen Esel sieht. c. b. »Das Srautomobil.* (Tauenhienpalast.) Trotz der heute sehr modernen Flugzeugraserei über den Ozean ist im amerikanischen Film das Automobil noch immer die Ber- körperung der Technik. Die Amerikaner fühlen sich verpflichtet, das Automobil sehr oft anzuwenden, und in Deutschland prunkt man sogar im Filmtitel mit ihm. Das geschieht diesmal eigentlich zu Unrecht, denn diese/ Film aus dem Leben eines Taxameters erzählt die Filmalltagsgeschichte eines smarten jungen Mannes. Er holt die Nichte des Chefs vom Bahnhof und verliebt sich in sie. Er wird entlassen, doch heiratet die sehr selbständige Nichte ihn, und dank seiner Zeichnung„Mein Traumschloß" bekommt der Schwieger- onkel Niesenbauaufträge. Der Regisseur Mckoille W. Brown be- trachtete es als große Aufgabe, das Alltagsleben humoristisch, aber Seilage des vorwärts wahr zu erfassen. Das ist ihm vollauf gelungen, und er bringt Bureauszenen, die nicht so leich ihresgleichen finden werden. Er hält den Menschen einen Spiegel vor, der eine findet sich vielleicht in dieser, der andere in jener Type. Edward Horton spielt die Hauptrolle. Er arbeitet mit allerknappsten Mitteln: wir smd Lieb- haber in größeren Maßstäben gewöhnt, aber dieser Junge gefällt ungemein. Seine Partnerin Marian Nixon bietet nur eine Durschnittsleistung. Alles in allem ist der Film nett amüsant. _ c. b. „Sumurnn." Die Wiederaufnahme dieses Erfolges von einst im Ufa-Theater am Kurfür st endamm setzt nicht nur die Ehrungen fort, die man Lubiffch durch Wiederaufführung seiner Filme erweist, sondern frischt auch die Erinnerung auf an einen der schönsten deutschen Filme, die wir dem Zusammenwirten von Kräly und Lubitsch verdanken. Die Vorlage war hier um so besser gc- eignet, ins Filmische übersetzt zu werden, weil sie von vornherein eine Pantomime war und so schon sich auf bildhafte Wirkung ein- stellte. Zudem ist der Stoff märchenhaft orientalisch und so doppelt filmgerccht, das er in ein phantastisches Milieu führt. Lubitsch hat hier einen Reichtum an filmischen Motiven entwickelt wie kaum in einem seiner anderen Filme. Dabei verliert er nie die Linie des Heiteren und Anmutigen, und weiß durch eine Füll« von reizenden Einfällen immer neues Interesse zu erwecken. Eine glänzende Schar von Darstellern stand ihm zur Verfügung(Paul Wcgener, Harry Liedtke, Tiedtke, Pola Negri usw.). Die Gestaltung des architekto- Nischen Rahmens ist überhaus glücklich, und so fügt sich, da auch die Kameraleistung heute noch respektabel ist. alles zu einem vollen harmonischen Gesamteindruck. r. 94 Jahre alt wurde einer unserer ständigen Verbraucher Wollen Sie»Ich Ihre Geiundheii erhalten? Wollen Sie einen erquickenden Nachiidilai haben? Wollen Sie Ihren Magen, dem Sie ott mehr zumuten, als er vertragen kann, entlasten; müssen Sie für eine geregelte Verdauung sorgen. Deshalb nehmen Sie morgens und abends unser „OriginaS-SulErich-Salz" l Dose Kosies ca. 1 Pfennig Orü�ical-Ballricfa-Salz hinter.' selbst bei dauerndem Gcbrandic in keiner Welse irgendwelche schädlichen Folgen, woraut wir besonder» hinweisen möchten Aus unserer Anerkennungsmappe Meine Mutter litt über starken Magenschmerzen untf Verdauung 20 Jahre an sehr agenschmerzen una Verdauungsstörungen. Viele Mittel wendete sie an, alle halfen nur vorübergehend. Von ihrem 60. Lebensjahre an nahm sie Bullrich-Salz, und eine sehr schnelle und wunderbare Wirkung trat ein. Es leistete ihr vorzügliche Dienste bis zu ihrem im 95. Lebensjahr erfolgten Tode. Hochachtungsvoll Otto Dobert. Berlin N 4, den 24. Juni 1927. 100 Jahre nnObertroften. AU erfrischendes und durstsllllendes Getränk wird Origina'.- Bul'rich-Salx In der ganzen Welt wegen seiner Bekömmlichkeit geschätzt und bringt gleichzeitig die Verdauung in geregelte Bahnen. Einen halben Teelöffel voll Bullrich-Salz schütte man in ein Glas Zuckerwasser(Fruchtsaft nach Belieben) unter Zusatz von ein wenig Essig oder Zitronensaft.— Der Verbrauch von vielen Millionen Dosen beweist am besten, wie sehr unser Orfglnal-Bullrich-Salz geschSizt wird.— 100 Jahre unübertroffen. 100 gr. 0.30, 250 gr. 0.60, 500 gr. 1.10 Für die Reise Tabletten, Bledisdiaditel 1.50, Röhre 0.25 Volksbühne titatsi am Bölawalati Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock MdietHr Norden 10334—37 « U. Ende lO'/j U, Der Kexer Die Komödie Bismarck 2414/7516 S'/i, Ende nach 10 Uhr Oer keusche Lebemann Sominerpr. 3—10 M. waütatia- Tueai. Täglich sv, Uhr Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur 60 PL Hose-Theater Gartenbühne 5 Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Die iDStteeWllwe Lustspieihaus 8 Vi Uhr Die Frau von 40 Jahren Saltenburg-BShoeo l)ts. künstler-Th 8 Vi Uhr; Bitte, wer war zuerst da? Lcssing-Theoter 8>/| Uhr; Esrael Th.Königgrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Die Sdiule y.Uzaadi uomooiennans Norden 6304 8 Uhr Weiße Fracht WINTERGARTE?! CATALINB der Tollkühne! und die 11 Juli-Novitäten 11 1 Anf. 8 Uhr. Rauchen restaltet BSiS 8 ERLINER PRATER Kastanienallee 7—9 Täglich: Operette Der Juxbaro� außerdem ¥a riete"WN Täglich Kaf.eekochen I»oe• e©o®© II ZOOLOGISCHER GARTEN Täglich ab 4 Uhr nachm-KONZERT Sy ggrl. SlofOD.'Ofdi. Abend: jDit.: Clemens Sdnnalstidi. AQUARIUM Wllh. Kuhnert geöftn. 9—7 Uhr. Afrika-Ausstellung. Besucht d. Sonderscbau d. Zoo Tripolis In Berlin Direkter Eingang; Stadlbahn Zoologisch. Garten• e©©©©OS©©©©©»© Reichshallen-Theater Gastspiel MoerltiMgei Völlig neues Programm! Anfang 8 Uhr. Dönhoff- Brett'l: Variete, Konzert, Tanz Saal und Garten. Bennen zi Karlshorst Sonntag, den 24. Juli 1927 nftchm. 3 Uhr Or. Berliner Jagtaea. Auigleidi 1 Theater am Rotth. Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Neues - Programm. Komische Oper 8V4 Uhr: SV, Uhr Berlins einzigste Revue: Slrcnd vcrhoicnüH Die Revue der verbotenen Leidensrfiaflen! Ueber 200 Mlhvlrk./ S Balletts.! Vorverkauf z. d. Thraterkasse ah 10 Uhr ununterbr| Jetzt auch in Pf II VI ä paketen zu Pfennig erhältlich. 10 0 0 MARK den besten Tänzcrpaaren Berlins HEUTE SOKXTAO1 Ii. AU SSCH El DUNGS TAG Bcteiligunp kostenlos— tiarde- i robe zwanglos- Meldung täglich! ITURKIERLEITUNG; Prof. ROBERTS z. Zt. EDkN. IIOTEI. Berlin Allen Pacte:gei>ussen, Freunden und Betannlen die traurige Mitteilung, daß am Manlag. dem 18 Juli, nar� miltags. ineine liebe Frau und treu- sorgende Mutter Frieda Fest auf tragisdie Weise aus dem Leben geschieden ist. In tiefer Trauer tBUIy Fest und Kinder. Die Einäscherung finde! am Diens- tag. dem 20. Iuii. nachm SV, Udr, im Krematorium Baumfchulenmeg, KiesHoizsirafie, statt. Uns t:ios3■ honderpro1 i ,1 in in FEUERWERK [ 73 Einn in 80 Flj Lu na Park Berliner(Ilh-TriO Neukölln. R» Lahnstr. 74/751 Wenige Stunden nach der Ein- äschernng unseres lieben Vaters oerttard unsere liebe, gute, selbst- lose Mutter, Schwieger-, Grofi» und Urgrotzmutler Berta Richter, ged. gziill kurz vor Vollendung ihres 78. Lebens- jahres In tiefer Trauer Oesdiwister didilcr nebst Angebbrigen. Berlin, den 21 Juli 1927. Emdener Str. 4. Einä cherung Montag, den 25. Juli, abends 0 Uhr, im llremaior. Derichlstr. Für die pieien«eweise herzlichster Teilnahme anläßlich der Einäscherung meines sieden Mannes und unseres guten Vaters, des Korrettors Max Pohl sagen wir allen Beteiligten unseren ansrichtigfien Dant. Witwe Auguste Pähl nedst Kindern. SitAlMllatMteMilil Achtung! Achtung! MMstssWelllMiMerg. Der Vorstand veranstaltet in der Fei vom 29 August bis 17. September 1921 einen Lehrgang in unserer Wirtschasts schule in Dstrrcnberg sur die Kollegen, die in der Nähmaschinen-Jnöustrie beschäftigt find. Für unsere Verwaltungsstelle kommen teais Teilnehmer in Frage. Kollegen, die fich an diesem Kursus beteiligen wollen, müssen ihre selbstgeschriebene Bewerbung bis spätestens den 27 Juli bei der Orts- verwa Mng einreichen. Die Bewerber mllisen geistig regsam »»d aufnahmefähig sein und sollen in der Reget das 45. Lebensjahr nicht stderschritten haben Aus dem Bewerbungsschreiben soll hervorgehen die bisherige Mltgtied- schaitsdauer im Deutschen Meiallarbeiler- Verband. TSligleil im Verbände und in der Ardeiierdewegung; gegenwärtige Funtiion im DMB. oder als Beirieds- rat usw., od verheiratet. Aller des Be- werder», od und inwieweit bisher dereit» an Kursen teilgenommen und sonstige zweckdienliche Angaben Eoenit. weitete Auslünste wt Zimmer 4 unseres Bcrbandsdureaus.' Achtung! bekommen Sie am billigsten bei bequemer Teiizahlung in unseren Ausstellungsräumen, Elsässer otraße 78 Elektrische Anlagen während der Sommermonate einfache Brennstelle 10.— M. bei sauberster Ausführung. irliner Elektriker-Genossenschaft E.G.inJi.1 Sto5<»tr Str. 96-5$' AUxanderstr. 39-40/ Wilmersdorf, Laodhausstr,« Die orhenllidhe tBenecaloecfaam- lung unserer Betwaliungsstelle für das 2. Quartal findet am 12. September statt Anträge dazu milffin di» spätesten? den S. August im Besch der Ort». Verwaltung sein. Die wahttarper- Versammlungen sollen in der Zeit vom 22. August bis 3. September abgehalten werden. Montag, dea 25. Fall. abd». 7 Ahr. im parlerresaaf Oes Verbands- Hanse», Cinienflt. 83,85 Branchenversammlung für alle flreitenden Kollegen der Eisenkonstruktionsbetrieb«. Tagesordnung: 1 Bericht von der Berhandiung mit dem«BMI 2. Dislufston._ viensfag, den 28. Füll, abd». 7 Ahr, im»Zugendhein," de» verband». Hanse», Linientlr. 85,85 Branchenversammlung aller Elsendreher-Lehrllug«. Tagesordnung: t Bortrag:»Die Jugend im Arbeiisichußges-V" Reser»>t: Kollege Heinrich Hcilwig. 2. Branchen- angeiegenheilen Jugendtollegenl Alle in unserer Branche tätige» Lehrlinge müssen nnde- dingt zu dieser Beriammiung erscheinen. Agitiert in der Wertstatt und in der Schute für zahlreichen Besuch. ögn- und MtMilMet! Am viensfag, dem 2. August, findet in unserer tinifurabfeifuug. Ctntcn. Nratze 197, lüt UN ere Branche eine Kinonorssthrnng „Die Weber" statt.— Eintrittstarten dazu find im Znnmer Z unsete« Berbandshauies zu haben. »1« Ortsverwaitung. Skandinavien-Ostseefahrten 1927 1. Reise: 30. Jalibts 12. Augast 1927 mit Doppelscbraabendampfer »Madrid« 8753 Brutfo-Reg.- Tons 2. Reise: 4. Aug. bis 17. Aug. 1927 mit Doppelschraubendampter »\iorck« 8976 Brutto-Reg.-Tons Pahrpreis: IHW. ggO.» und höher Gesellschaftsreisen nach England 1927 mit StSglgem Aufenthalt in England mit Doppelschraubendampter »Columbus« 32354 Bruao-Rcgister-Tons Abfahrten: 27. Juti, 23. August, 18. September Fahrpreis: RWI. aVS�-» Gesellschaftsreisen nach Ceylon, Vorder- und Hinterindien mit Doppelschraubendampter »Cobtenz« 9449 Brutto-Reg.-Tons Abfahrten ab Genua: 23. August 1927 und 10. Januar 1928. Reisedauer: 95 Tage Pahrpreis:£ 3 A 3,—.—* Gesellschaftsreisen nach Nordamerika 1. Reise: 11. Oktober bis 15. November mit Htäglgem Aufenthalt in Amerika. Hin- und Rückfahrt in der III. Kajüte für Touristen mit den Doppelschraubendampfern »Dresden« und»Mönchen« Fahrpreis einschl. Htäg. Landaufenthalt in Amerika RHU. glOB.— und höher Kostenlose Auskunft und Prospekte durch: Berlin: Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin G.m.b.H., Unter den Linden I(Hotel Adlon) s, G eneralvertretung des Norddeutschen Lloyd, Invalidenstr. 93(zwischen Lehrter u. Stettiner Bahnhof) F. Montanus, Invalide Weltreisebureau«Union", Unter den Linden 22. Slnmenspenden lebet Art lietect preiswert Hanl Golletz. vorm. Roben Srnr Mariannenstrauc 3. Ecke Naunynttrahe Amt MorchpL fOZ OI Reederei Langwaldt&Sclimolke Berlin C 2, An der Stralauer Brücke 8 Teleph: Alexander 4200. Königstadt 3288 Billige Dampferfahrten ah U/üiGOnhrilptfO lnahe Jonnowitzbrücke) tä-lich außer au»7 afsvuui UUflG Sonnab. und Sonntag 9 Uhr morgens üaCll Nedlitz mit Runds, apt dem herrL Xrampnltzsre Itüflt Vnrail Jeden Donnerstag, Abfahrt 8 Uhr morgens UdUU r dlciz m. Runds, um Potsdam Über Werder. Fahr. preis: Hin und zur. nach Nedlitz 1,— M., nach Paretz mir 1,60 M. 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