Nr. 350 ♦ 44.?ahrg. flusgabe H Nr. 179 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3,— Reichsmari voraus zahlbar. Unter Kreuzband fitr Deutschland. Daiizig. Saar- und Memelgebict, Oesterreich, Litauen, Luiemburg i,50 Retchsmart, für das übrige Ausland SLÜ Rcichsmarl pro Monat. Der»Bormürtz� mit der Mustricr- ren Sonntagsbeilage.Boll und Zeit" lowie den Beil-g-n.Unterhaltung und Wisten"..Aus der ffUmmelf. .Frauenstimme"..Der Kinder. freund", fugend- Vorwärts"..Blich in die Büch-rwelt" und Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwri» Mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Ad reffe: »Sozioldamorral Berlin" Morgenansgabe Nevltnev Volksblakt (10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die«taspalttg» Sionvareille- »eil» so Ptennig. Reklame, eile 5,— Reichsmark,.«letee Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2d Pfennig lzulässig zwei»ettgedruckte Worte). jede» weitere Wort lZ Pfennig. Stellengesuche da« erste Wort ld Pfennig, sedes weitere Wort 10 Pfennig. 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Erich Schulz hatte«inen Pro- pagandawagen des Reichsbanners begleitet, dessen Wände die Auf- schrist trugen:.Wählt Wilhelm Marx!" Erich Schulz hat als einfacher Reichsbanncrmann fein Llüt geopfert für die Präfidentschaftskandidatur des Herrn Wilhelm Marx. Er ist nicht der einzige gewesen. Nach Hunderten zählen die Reichsbannerkamcraden, die in diesem Wahlkampf durch heimtückische Ueberfälle der Gegner verwundet oder verletzt worden sind. Nach Hunderttausende» zählen die anderen, die ihre kärgliche Freizeit ge- opfert haben, um Land auf. Land ob zu agitieren für den Präsidentschaftskandidaten Wilhelm Marx. Sie alle haben es nicht des Dankes und des Lobes willen getan. Sie haben Opfer gebracht im schlichten Gefühl selbstverständlicher Pflichterfüllung unter der Devise:.Kameradschaft und Treue!" In diesem Sinne hat auch Erich Schulz sein letztes, sein Leben in die Schanze geschlagen. .Wasser trennt,' Blut verbindet, und Blut ist dicker als Wasser," hat es einmal vor dem Kriege geheißen. Für Herrn Wil- Helm Marx ist Tinte dicker als Blut! Die Hundert- tausende, die seinerzeit Herrn Marx Treue hielten, weil sie ihn nach seinen damaligen Worten und Taten für einen der ihren ansehen durften, haben keinerlei Dank für sich erwartet. Da» ehrt sie. Daß Herr Marx in seinem mürrischen Abschiedsschreiben nicht mit einem Wort, nicht mit einer Wendung sener.schlichten Auf- Opferung gedenkt, daß er das für feine Präsidentschaftskandidatur vergossene Blut vergessen hat—, das ehrt Herrn Wilhelm Marx nicht! Herr Marx mag an Intellekt und geistigen Fähigkeiten gegen den simplen Arbeiter Erich Schulz außer Vergleich stehen. Gegen die schlichte und aufopfernde Pflichterfüllung, gegen die lebendige Kameradschastlichkett des Ermordeten aber verblaßt Herr Marx. Wenn Herr Marx sein kaltes Austrittsschreiben noch ein- mal liest und ihm dabei zufällig der Name Erich Schulz einfällt— müßte Herr Marx dann nicht vor Scham erröten? „Der Graf hat es befohlen../ Marx muß austreten. In der Sonntag- Nummer der Westarpschen ,�reuz- Zeitung" war folgendes zu lesen: Ohne Zweifel wird den Reichsbannerführern des Zentrums und der Demokratischen Partei ein etwaiger Entschluß, ihren Mit- gliedern den Austritt aus dem Reichsbanner zu empfehlen. nicht gerade leicht werden. Wissen sie doch sehr wohl, daß einem solchen Schritt starke innere Kämpfe folgen werden. Es sei nur an die Namen Dr. W i r t h und Dr. Haas(Demokrat) erinnert, die doch bekanntlich zu den leidenschaftlichsten Anhängern des Reichsbanners gehören und wohl kaum dazu zu bewegen fein würden, die Reichsbonneruniform für immer an den Nagel zu hängen.... Jüt zwei Männer gibt es allerdings in diesem Äugen- blick aber doch kein Kompromiß in dieser(frage und auch keine Hand- lungsfreiheit mehr, und das ist für die Herren Reichskanzler Dr. Marx und Reichsfinanzminister Dr. Köhler... Wenn auch der Austritt des Reichskanzlers Dr. Marx und des Reichs- finanzministers Dr. Köhler aus dem Reichsbanner bereits seit langem fällig war,... so dürft« dieser Schritt der Herren Dr. Marx und Dr. Köhler nunmehr unausschiebbar sein. Dieser B-efehl des Grafen Westarp erschien am Sonn- t a g m o r g e n. Prompt lag am Montag die Austritts- erklärung des Reichskanzlers vor. Von Dr. K ö h l e r ist bisher noch keine weitere Rede. Ob dieser engere Landsmann Wirths, der als badischer Staatspräsident so erfreuliche Worte für die Republik und gegen die Reaktion sprach, den Zaun- pfahlwinken Westarps mehr Widerstand entgegensetzt als der Kölner Marx, bleibt abzuwarten. Einstweilen tritt am Donnerstag eine Konferenz von führenden Zentrumsmännern zusammen, die gleichzeitig im Reichsbanner tätig sind. Sic werden sicher den Bericht des Zentrumsoertreters Grobbel über die Magde- burger Tagung entgegennehmen und dabei erfahren, wie überlegen gerade Hörsing die auch im Reichsbanner vorhan- den? Mißstimmung über Marx abzubiegen wußte. Sie wer- den dann sich entschließen, ob sie dem Parteiführer Marx, der das Zentrum in immer größere Abhängigkeit von den Deutsch- nationalen bringt, auch als Führer aus der rcpubli- k a n i s ch e n Front folgen wollen oder dürfen. Die Bürgerblockpolitik unter dem Koni» mando Westarps bringt das Zentrum in viel ernstere innere Konflikte, als das bisher auch nur vermutet werden konnte. tzö'rsings Rücktritt. Noch kein Nachfolger ernannt. Ueber den Rücktritt des Oberpräsidenten H ö r s i n g meldet der .Amtlich« Preußische Pressedienst": Das preußische Staatsministerium hat in seiner Sitzung vom 26. dieses Monats in Uebereinstimmung mit seinem vorliegenden Antrage, ihn von den Pflichten seines t.'mtes zu entbinden, den Oberprässdenten der Provinz Sachsen, Hörsing, in den«inst- weiligen Ruhestand versetzt. Ein Beschluß über die Person seines Nachfolgers, dessentwegen das Einvernehmen mit dem Pro- vinzialausschuh herbeizuführen wäre, ist noch nicht gefaßt worden. « Der Minister des Innern wurde ermächtigt, das gemäß Artikel 86 der preußischen Verfassung erforderliche Einvernehmen mit dem Provinziolausschuß der Provinz Hannover wegen der Neubesetzung des Postens des Regierungspräsidenten in Lüne- bürg.herbeizuführen. Weiterer Rückgang üer Arbeitslosigkeit. Aber immer noch 674 909 Vollerwerbslose in Deutschland. vieZahlderHauptunterstühungsempsöngerin der Erwerbslosensürsorge betrug, wie amtlich gemeldet wird, am 15. Zuli 1927 rund 493 000(männlich: 389 000, weiblich: 104 000) gegenüber rund 541000(männlich: 430 000, weiblich: 110 000) am 1. 3 tili 1927, und 598 000(männlich: 480 000, weiblich: 118 000) am 15. Zuni 1927. Der Rückgang in der Zeit vom 1. bis zum 15. Zull beträgt rund 48 000— 8,8 Proz. Die Zahl der Zuschlagscmpfänger(unterstühungsbe- rechiigte Familienangehörige) ist im gleichen Zeitraum von 596 000 auf 545 000 gesunken. Auch die Zahl der haupkunkerstühungsempsänger In der Srisenfürsorge ist in der Zeil vom 15. 3unl bis 15. 3uli 1927 weiter zurückgegangen, und zwar um rund 27 000: ihre Gesamlzahl betrug am 15. Zuli 1927 rund 181 000(männlich: 144 000, weiblich: 37 000) gegenüber 208 000(männlich: 167 000, weiblich: 41 000) am 15. Zuni 1927. Die Gesamtzahl der unlerstühten Arbeitslosen zeigt demnach wieder einen erfreulichen Rückgang. Sie Hai sich in der Zeil vom 15. Zuni bis 15. ZuN 1927 von 806 900 auf 674 000. also um rund 132 000- 16,4 pro,, verringert. Seit Januar wurden gezählt: HauplunierstüyungSempfänger ErwerbsIsienHlrfurge Arismfllrsorge Znsgesami 16 Januar.. 1 839 875 138 164 1 978 039 16 Februar. 1760 968 192 801 1 953 759 16 März.. 1435 667 228»57 1 659 024 16 April.. 983 448 234 104 1 217 552 15. Mai... 743 148 226 011 969 159 1V. Juni... 698 381 208 610 806 050 IL. Juli... 493000 181000 674000 Die Besserung im Beschäftigungsgrad der Industrie ist demnach unoerkennbar. Diese Feststellung deckt sich mit den zahlreichen Be- richten aus der Industrie, von der viele Zweige in H o ch k o n- j u n k t u r stehen und trotz der gewaltigen Steigerung der Leistungs- fähigkeit feit der Rationalisierung nicht imstande sind, die Be- stellungen zu erledigen, sondern lange Lieserfristen ai�be- dingen müssen. Auch die Gcwinnaussichten werden jetzt von vielen Unternehmungen als günstig bezeichnet, nachdem die Klagen über mangelnde Rentabilität noch bis vor kurzem allgemein waren. Während es so der Industrie gu) geht, kann trotzdem noch keine Red« davon sein, daß die Arbeitslosigkeit überwunden ist. Wenn. wie dargelegt, noch der amtlichen Statistik noch 674 000 Ar- beitswillige ohne Verdien st Möglichkeit sind, so ist diese Zahl weit höher, als man es in gewerblichen Krisen der Borkriegszeit kannte. Jedoch spiegeln selbst diese Zahlen den Umfang der Erwerbslosigkeit noch nicht vollständig. Weit über hunderttausend Menschen werden aus den verschiedensten Gründen von der amtlichen Erwerbslosenstatistit überhaupt nicht erfaßt. So muh man noch jetzt die Zahl der unfreiwillig feiernden Arbeits- kräfte mit mehr als drei Viertelmillionen annehmen. Hochkonjunktur in der Industrie mit großen Gewinnaussichten auf der einen, krisenhafte Arbeitslosigkeit trotz sichtbarer starker Er- holung des Arbettsmarktes auf der anderen Seite— das ist das Bild der gegenwärttgen Wirtschaftsperiode. Der Besitzbürger- block aber stellt seine ganze Politik daraus ein, als ob alles bereits in bester Ordnung fei: Wucherzölle, Abbau der Sozialfürsorge, lange Arbeitszeiten legt den arbeitenden und verbrauchenden Massen aus und beschwört damit die Gefahr herauf, daß nach dem Abslauen des starken sommerlichen Geschäftsganges im Winter neue schwere Ar- bettslosigkeit eintritt. Die Größe des noch immer vorhandenen Er- werbslosenheeres aber sollt« einer verantwortlchen Regierung eine eindringlich« Mahnung sein, neuen sozialen Schwierigkeiten vor- zubeugen. Das Land ohne Recht. Goldene Zeiten für faschistische Burcaukratcn. Von der italienischen Grenze wird uns geschrieben: Als einen der Hauptfehler der vorhergehenden l i b e- r o l e n Regierungen hat ihnen der Faschismus immer die übertriebene Bureaukratisierung angerechnet. In der Tat folgte der faschistischen Besitzergreifung die Auf- lösung aller Kommissionen und Komitees, die Studienzwecken dienten oder beratende Stimmen hatten. Das waren alles liberal-demokratische Auswüchse, mit denen das Messer des neuen Regimes schnell aufräumte. Aber eine gründliche Beseitigung ist es nicht gewesen: für jede abgeschaffte Kommission, für jeden Ausschuß, jedes Komitee sind mindestens zwei neue entstanden, und alle wuchern weiter mit der Lebensenergie bösartiger Neubildungen. Und diese Entwicklung entspringt durchaus nicht allein dem Bedürfnis nach Staatsstellungen für die Mit- glieder der faschistischen Partei, sondern ist auch eine unabwendbare Folge der Diktatur. Wenn schon alles von oben gelenkt werden soll, dann müssen natürlich Organe da sein, die diese Lenkerei besorgen. Je weiter die Bevormundung geht, um so zahlreicher müssen diese Organe sein. Wenn erst für die Hunde und Katzen gewisse Farben vorgeschrieben sein werden, brauchen wir unbedingt eine nationale Studien- kommission für Hundefärbung und eine für Katzenfärbung. Was wir in der Folge noch alles brauchen werden, ist gar nicht abzusehen.... Ein Dekret vom 29. Juli hat ein Komitee eingesetzt„zur korporativen Aktion aus die Preise, Kosten und Löhne". Das Komitee hängt direkt vom Premier- minister ab und hat seinen Sitz im Korporationsministcrium. Ihm gehören an: der Minister und der Unterstaatssekretär der Korporationen, der Unlerstaatssekretär für Volkswirtschaft, der Generaldirektor der Berufsverbände, sowie je ein Ver- treter des Finanzministers und der Völkswirtschaft. Bor- sitzender der Korporationsmimster.„Aufgabe des Komitees ist es, darüber zu wachen, daß in bezug auf Preise, Produktions- kosten und Löhne eine einheitliche Aktion eingehalten werde in Sachen der Valutapolitik, im Zuständigkeitsbereich des Korporationsministeriums, des Ministeriums der Finanzen und der Volkswirtschaft und der Aktion der Berufsverbände und der faschistischen Partei." Aus den Erklärungen der offiziösen Presse erfahren wir, daß es sich wieder einmal um einen Markstein der faschisti- scheu Organisation des Staates handelt.„Das Komitee hat nicht den Charakter der üblichen Studienkommissionen-, es ist auch kein leitendes Organ, was es nicht sein könme, ohne die höchste leitende Autorität der Regierung zu beeinträchtigen: des Regierungsoberhauptes und des Ministerrates. Es ist sozusagen ein„prädirektives" Organ, das das Material für die Entscheidungen der höchsten Autorität vorbereitet." Nach diesen Erklärungen ist die Sache nicht übertrieben klar. Unter„korporativer Aktion" versteht man gemeinhin die Aktion von Körperschaften, nicht von Personen. Auch kann nicht die Aktion der Korporationen gemeint sein, denn diese verkehren mit dem neuen Organ nur durch den Minister und den Unterstaatssekretär, nicht durch irgendwelche beauftragte Personen. Was die Aufgabe des Komitees be- trifft, so handelt es sich wahrlich nicht um eine Bagatelle, sondern um die rationelle Leitung des ganzen wirffchaftlichen Lebens, denn der Begriff des Zuständigkeitsbereichs ist natür- lich außerordentlich elastisch. Wir haben den Verdacht, daß man mit dem Worte„korporativ" einen Ersatz für das ziem- lich klar umriffene Wort„staatssozialistisch" schaffen will. Daß es an sich nicht leicht ist, Preise, Kosten und Löhne vom grünen Tisch in Einklang zu setzen, das haben noch alle staatssoziaiistischen Versuche und alle Harmoniegläubigen er- fahren. Und nun gar in einer Periode schwankenden Geld- wertes. Gelänge die Sache— ohne die freie Konkurrenz, die heute etwas wie eine tatsächliche Regulierung herbeiführt, und ohne daß die Interessenten selbst zu Wort kommen, als Er- kenntniselement und als Machtelement, wie in einem demokra- tischen Regime— so handelte es sich tatsächlich um einen Markstein der Staatsorganifation. Derartige Versuche sind schon von anbern gemacht worden und sind noch allezeit miß- lungen. Wir sehen in dem Komitee— Komitee, nicht Kommission, was ein Riesenunterschied zu sein scheint— nichts, was eine Gewähr des Gelingens oder auch nur Mittel und Wege verhieße, die nicht von andern schon erfolglos beschritten worden wären. Neu ist nur das Wort„korporativ", sonst ist alles alt wie das Problem, um dessen Lösung es geht. Originell ist der Faschismus nur in seiner Rechtspflege, soweit man die Rückkehr zu juristisch längst überwundenen Stadien als Originalität bezeichnen kann. Die Durchführung der Rechtsungleichheit der Bürger je nach ihrer Parteistellung beherrscht heute die ganze italienische Recht- sprechung. so daß die dereinst jenseits des Faschis- mus kommende Aera kaum etwas anderes vorfinden wird als einen Trümmerhaufen, wenn's nicht ein Mist- Haufen ist. Gewiß hat auch die Regierung aller Rechtsgrund- sätze gelegentlich ihr gutes. Wem wird es nicht Genugtuung bereiten, zu erfohren, daß ein Wicht, der einen Bauplatz an der Peripherie Roms für 2250 Lire im Jahre gepachtet hatte, um ihn mit Baracken zu bebauen und von Obdachlosen eine Gesamtjahresmiete von 48 000 Lire zu erzielen, auf vier Jahre ins Zwangsdomizil verfrachtet woflben ist? Macht man sich aber klar, daß das alles ohne ein Gesey geschieht, als bloße Polizeimaßnahme, daß andere Formen der Ausbeutung, wie das Halten von Freudenhäusern, das Zahlen von Hunger- löhnen usw. straffrei bleiben, daß der Organisator von Moli- nella, Genosse Massarentt, der Kommunist Prof. Maffi oder der frühere Großmeister des Freimaurerordens nicht vier, sondern fünf Jahre Zwangsdomizil erhalten haben, �o wird die Freude an dieser Art von„Gerechtigkeit" sehr geschmälert. Denn mit der Gerechtigkeit als Willkür, Zufall oder Privatrache, die blindlings auch einmal den Bösewicht ereilt, ist einem Lande nicht gedient. Will man die Leute init unehrlich erworbenem Reichtum auf die Inseln verschicken, so wird man auf jede der Inseln mehrere Stockwerke auf- bauen müssen. Die Bevölkerung ist heute daran gewöhnt, Millionenvermögen wie Pilze aus dem Boden schießen zu sehen. Sie lacht sich ins Fäustchen, wenn die Strafe einmal einen wirklichen Schädling und Wucherer trifft, aber sie empfindet es als einen Zufall, wie wenn dem Mann ein Ziegelstein auf den Kopf gefallen wäre. Streng und jedem ausgleichenden Zufall entrückt wird die Justiz in ihrer Zweiteilung der Bürger bei den schweren Verbrechen geübt. So haben die Geschworenen von Padua zwölf Faschisten von Megliadino freigesprochen, die drei Häuser von Landarbeitern verbrannt und deren Insassen mißhandelt hatten. Anlaß der Tat, die ja in der Po-Ebene zur„privaten Rechtspflege" gehört, war die Ermordung eines Faschisten durch Diebe: aus diesem Ver- brechen hatte man ein politisches Attentat gemacht und so am 27. Dezember 1926 die Wohnungen von antifaschistischen Ar- beitern verbrannt. Der faschistische Provinzialverband hatte den Schaden ersetzt, um so die Opfer zu hindern, als Privat- klüger vor den Geschworenen zu erscheinen. Der Wahrspruch verneinte einfach die Schuldfrage und die Sache war erledigt. Wenige Tage später verurteilten die Geschworenen von Bo- logna einen Brandstifter, der nicht so schlau gewesen war, der faschistischen Partei beizutreten, zu 24 Jahren Zuchthaus. Große Erbitterung herrscht in Italien gegen einige eng- tische Blätter, die von Unruhen in Padua und in Turin berichtet haben. Ein römisches Blatt, das seinen Namen von einem sehr schlammigen Fluß hat, rät zu... Lügenrepressalien. Es vergißt dabei, daß die Nachrichten aus England von der Oeffentlichkeit kontrolliert werden können, die aus Italien nicht. �_ pazisiftiscke Nationalisten. �ie Dcutschnationalcn schwören den König ab. Der bekannte Kaliindustrielle Arnold R e ch b e r g, der wiederholt für eine deutsch-französische Verständigung einge- treten ist, hat sich wieder einmal gehörig mit der Rechtspresse aufgelegt. Anlaß dazu ist ein Brief, den er in der französischen Zeitung„A v e n i r" veröffentlichte und aus dem die natio- nalistifche„Deutsche Tageszeitung" folgende Stellen wiedergibt: Ms deutsche Volk ist kriegerischer Natur und wird es immer, bleiben.:. Der preußische� Militarismus entspricht daher dem Seift IM» ganzen deutschen Volkes... Das bißchen Pazi- i i s m u s, das in Deutschland nach der Niederlage von 1918 de- standen hat, ist fast ganz verschwunden,.. Ich bin sicher, daß sogar alle deutschen Sozialdemokraten einhellig gegen Frankreich marschieren würden, wenn es einen neuen französifch-deutschen Krieg geben sollte... Die Sicherheit Frankreichs ist keineswegs garantiert. In unserem Zeitalter kann jeden Augenblick eine neue Erfindung gemacht werden, die von einem Tag auf den anderen alle vorhandenen Waffen und die ganze militärische Opganisaiio» Frankreichs nutzlos macht... Ich habe gar keinen Zweifel, daß Frankreich, wenn die französisch-deutschcn Be- Das große graue haus. Von Herta Zerna. Es ist ein Haus, wie tausend andere Häuser, es ist auch nicht „das graue Haus" zum linterschied von anderen weißen und bunten Häusern, ich habe nur ganz zufällig gerade dieses herausgegriffen aus den vielen anderen Häusern, die ebenso grau sind, ebenso hoch und ebenso alt. Die Wohnungen sind alle gleich: Swbe und Küche und Korridor, und die gleichen Möbel stehen darin und alle auf dem gleichen Fleck, so daß man sich, wenn man ein Haus und eine Wohnung kennt, in allen anderen wie im Schlaf zurechtfindet. Nur daß manchmal zehn Menschen in einer Wohnung hausen und manch- mal zwei, manchmal ein Kuhstall aus dem Hof ist und manchmal ein Pferdestall, manchmal ein Kastanienbaum, der es alle zwei Jahre zum Blühen bringt und manchmal ein Rotdornstrauch. Aber diese Unterschiede sind nicht groß, und so sind auch die Menschen gleich in diesen Häusern: wenn man sie zuerst steht, meint man. sie nicht unterscheiden zu können, erst später merkt man kleine Unterschiede. Und so ist auch das Leben der Menschen in den grauen Häusern bei allen dasselbe, man kennt es, wenn man das Leben in einem Hause kennt. Es werden Menschen geboren in dem grauen Haus, aber das geht am geräuschlosesten vor sich. Denn es werden viel Menschen geboren in dem Haus, es fällt nicht sehr aus, wenn ein Kind mehr auf dem Hof umherkrabbelt, nur rein zufällig zählt einmal jemand nach und sagt:„O, Müllers haben jetzt schon sechs?" Es ist kein freudiges Ereignis in dem Haufe, wenn ein Kind geboren wird, denn wieder ist weniger Platz— in der Wohnung, auf dem Hofe. Und wieder ist weniger zu essen. So spricht man nicht viel dar- über. Auch der Tod ist geräuschlos in dem Haus«: Es oerschwindet jemand plötzlich, und eines Tages hört man, er fei gestorben. Dann seufzt man ein wenig, weil sich das so gehört, ist aber doch, wenn auch nicht gerade erfreut, so doch ein wenig erleichtert:„Die arme Frau, es war doch eine rechte Last für sie". Nur wenn ganz plötz- lich jemand stirbt,«in Familienvater von der Arbeit nach Hause gebracht wird, geht für einen Tag ein großer �Schreck durch dos Haus:„Morgen geht es dir vielleicht ebenso", und man sammelt für einen Kranz. Aber auch das ist bald vergessen, es hat jeder mit sich zu tun. Nein, Geburt und Tod sind sehr nebensächlich in diesem Hause. Und doch ist das Leben in dem Hause nicht das Leben derer, „cm denen das Leben vorübergeht", das Leben unnützer, abgestor- kener Geichlechter. Bei denen ist Geburt und Tod Hauptsache, Pomp mit Anzeigen und Reisen und Festen, und dazwischen liegt ein leeres Leben, hier muh da, Leben entschädigen dafür, daß es sich gleich zu Beginn böse und verachtend van einem, gewandt hat. Es ist immer Krach in dem Hause, das ist seine hauptsächlichste Lebensäußerung. Wieso sollte auch kein Krach sein? Die Männer Ziehungen nicht grundlegend geändert werden, den Krieg an dem Tage haben wird, an dem Deutschland ihn mit irgendeiner Aussicht auf Erfolg niachen kann. In diesem Falle wird der Locarno vertrag nur ein Papicrsetzen sein, zerrissen durch den einheitlichen Willen des deutschen Volkes. Wenn Deutsch- land in diesem neuen Krieg siegreich sein sollte, so würde diesmal in Frmikreich kein Stein auf dem anderen bleiben... Vorcmsg«setzt, daß die Aeußerungen Rechbergs im „Avenir" richtig wiedergegeben und in der„Deutschen Tageszeitung" richtig zitiert worden sind, so ergibt sich: Rechberg hat die N a t i o n a l i st e n p r e s s e so gründlich gelesen, daß er ganze Schlagwort- r e g i st e r daraus abgeschrieben hat— selbst das alberne Ge- rede, daß die Sozialdemokraten gegen Frankreich marschieren würden. Hätte der Ostlandreiter Hergt oder sein Freund Westarp so gesprochen, die Rechtspresse hätte ihm Pflicht- schuldigst zugejubelt. Da es aber nur Rechberg ist, schreibt das Hauptorgan der Agrarier zu seinem Erguß: Es ist j e l b st o e r st ä n d l i ch. daß diese Zuschrift nur Wasser auf die Mühlen unserer unversöhnlichsten(3 e g- ner in Frankreich ist und aller der Elemente, die jede Abrüstung Frankreichs und die vorzeitige Räumung des Rheinlandes unter allen Uinständen ablehnen. Angesichts der praktischen Aussichtslosig- keit, das von Rechberg gewünschte deutsch-fanzösische Bündnis gegen- wärtig auch nur ernsthaft zu dislutieren, bleibt hier also nichts als eine zweifellose Schädigung der deutschen Außen- Politik übrig. Auch Herr Arnold Rechberg müßte wissen, mit welcher Freude die intransigenten Elemente in Frankreich solche Aeußerungen eines Deutschen aufgreifen, um sie in ihrem Spiel gegen Deutschland propagandistisch zu verwerten. Hugenbergs Leute werden diese Mahnung des agra- rischsn Zentralorgans mit verhaltenem Schmunzeln auf- nehmen. Hat Rechberg doch nicht mehr gesagt, als was auf jeder Stahlhelmfeier, auf seder völkischen Stuventenfeier, auf jedem Knegervereinstag und selbst auf manchen deutschnatio- nalen Parteiversammlungen geredet wird. Aber wie es scheint, fangen die pazifistischen Gedankengänge auch all- mählich an, bei den Deutschnationalen festen Fuß zu fassen, die bis heute ständig bemüht find, den intransigenten Elementen in Frankreich Wasser auf die Mühlen zu gießen. Wir begrüßen diese beginnende Einkehr, fürchten nur, daß sie bei den verhetzten dentschnationalen Wählern nicht gerade auf großes Verständnis stoßen wird. * Die Sozialdemokratie Berlins veranstaltet am l. August eine große öffentliche Demonstration au« Anlaß des Zahreslages des Kriegsbeginns. Sie widerlegt durch geschlossenen Massenaufmarsch das Gerede von der Krlegslust der Volksmassen! Wenn sogar die Rationalisten seht sich gegen die Schilderung ihrer wahren Gesinnung wehren, ist dies ein Zeichen von Einsicht oder— Heuchelei! Dix Sozialdemokratie aber steht zur Politik der friedlichen Verständigung. Sie zeigt da« am 1. August durch Massenbeteiligung an der Friedensdemonstration! Das gefährliche Jugenüfchutzgefeh. Das Urteil des Reichswirtschaftsrats. Als der Rechtsblock sich im Reichsrat eine Niederlage wegen d:s foz. Jugendschugge setzen holte, war im Lager der Rechten viel davon die Rede, daß das böse Preußen NUN wieder einmal aus„parteipolitischen" Gründen der Reichsregierung Hchwie- rigkeiten mache. Es ist nun interessant, festzustellen, daß der doch gewiß unpolitische Reichswirtschaftsrat die Bedenken gegen das Ge- setz durchaus teilt. Der Wirtschaftspolitischc A u s s ch u h des Reichswirtschaftsrats beschäftigte sich in seiner Sitzung am Dienstag mit einem Antrag Marcus, in dem auf die Möglichkeit der Schädigung der deutschen Wirt- s ch a f t durch einzelne Bestimmungen des Entwurfs eines Gesetzes über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten hingewiesen und die Einsetzung eines Ausschusses gefordert wird, der gegebenenfalls saufen und die Frauen haben kein Geld, und dann schlägt man sich. Und die Kinder schreien dazu. Auf einem Flur wohnen vier Fa- Milien, davon ist in dreien Krach, manchmal abwechselnd, manch. mal in allen zugleich. Die vierte gehört zur Heilsarmee. Aber da. für kommen hier noch mehr Kinder: die sitzen, während die Eltern den ganzen Tag singen und beten gehen, noch blasser und verkrüp- pelter als die anderen auf der Treppe und singen:„Ich bin so froh, mein Jesus liebt mich so". Ueber all die Dinge redet man aber nicht in dem Haufe, die sind ganz alltäglich. Nur wenn der Mann im dritten Stock drei Stunden lang gebrüllt hat, beginnt man sich zu beschweren, schreit über den Hof um Ruhe. Aber dann hat er sowieso bald ausgetobt. Oder wenn eine Frau eine Stunde auf der Treppe gesessen und geheult hat. kommt eine Nachbarin, holt sie zu sich herein und kocht ihr einen Topf Kafsee. Oder wenn ein Mädckjen, das man hat aufwachsen sehen mit den anderen, mit den anderen in die Fabrik gehen sehen, plötzlich geschminkt und im Auto »ach Hause gefahren kommt, tuschelt man ein wenig. Aber dann kommt sie auch bald gar nicht mehr. Und selbst die Irre, die jeden Tag auf den Hof kommt und nach dem Mann schreit, der sie verlassen hat, fällt gar nicht mehr auf. Man hört sie rufen und sagt nur:„Ist sie schon wieder da?" �wei junge Menschen aber wohnen in dem Haus, die schlagen sich nicht, die trinken nicht. Die wandern Sonntags hinaus und träumen davon, daß das grauen Haus ein weißes, helles werden wird, daß die Menschen in dem Hause einsehen werden, daß sie mit ihrer Kraft dieses Haus bauen können, daß gerade ihr gleiches Leben sie zusammenschmiedet, ihnen allen die gleiche Kraft gab, das Haus zu bauen, anstatt auseinanderzustreben und sich gegen- seitig zu hassen und doch nicht auseinanderzukönnen. Und sie träumen nicht nur davon, sie arbeiten auch daran. Eis sind So- zialisten. Ein ideales Löschwittel. Aus Amerika wird seit einiger Zeit von einer Löschmethod« berichtet, durch die man starte Brände in 10 Minuten ersticken kann. Es ist aber, wie I. Pras« in der„Um- schau" mitteilt, in Deutschland gelungen, diese � amerikanischen Leistungen noch bedeutend zu übertreffen. Große Brände werden in einer überaus kurzen Zeit, die nicht einmal eine einzige Minute erreicht, vollständig gelöscht. Das ideale Mittel, dessen man sich dabei bedient, ist Kohlensäur«, durch die künstlicher Schnee erzeugt wird. Die Temperatur des Brandherdes wird durch die große Verdunstungskälte des Schnees, die bis—79 Grad Celsius beträgt, derart herabgesetzt, daß der Verbrennungsprozeß soforr aufhört. Das Kohlensäuregas, das sich dabei entwickelt, unterstützt die Läschwirkung und oerhindert ein Wiederausflackern der Flain- wen. Die erstaunliche Wirkung dieses Läschmittels ist durch mannig- lache Versuche erwiesen. So hat man z. B. Benzintanks in Flam- m«n gesetzt, Erdgruben mit Karbid, Holzstöße mit Holzwolle uno Teer getränkt, Betonslächen mit reinem Venzin begossen und dann angezündet. Solche Brände lasten sich mit den üblichen Handfeuer- löschern überhaupt nicht bezwingen. Die Versuchsfeuer waren so starl!, haß hie.Umstcheuheo entsetzt zurückwichen. Aber durch die Abänderungsvorschläge zur BerHfitnrg te fchflMfaHa| wirtschaftlichen Folgen machen soll. Nach einer allgemeinen Debatte sprach der Wirtschaftspolitische Ausschuß seine Ansicht dahin aus, daß die Fassung des Gesetz- entwurfs wirtschaftliche Auswirkungen in erheblichem Umfang herbeiführen könne, und beschloß, die Reichsregierung zu er- suchen, vor Erlaß der Ausführungsbestimmungen zum Gesetz einen Ausschuh des Reichswirtschaftsrats zu hören, sofern nicht etwa noch i durch die Fastung des Gesetzes selbst schädigenden Eingrifsen in das Wirtschaftsleben vorgebeugt werden könne. Man kann gespannt sein, wie die Rechtsblockregierung diesen Bedenken der wirtschaftlichen Gutachterkörperschast Rechnung trägt.| Daß die Einwendungen des Reichsrats aus unsachlichen Gründen i erfolgt sind, wird die Reaktion jedenfalls jetzt nicht mehr gut be- � houpten können.___ Fürsorge für entlassene Soldaten. Gegen Erwerbslosigkeit. Eine Erwerbslosenfürsorge für entlassene Soldaten hat der Reichserrbeitsminifter ins Leben gerufen. Er verlangt von den obersten Lanbesbehörden für Erwerbslosenfürsorge, die öffentlichen Arbeitsnachweise anzuweisen, daß sie Soldaten, die aus dem Reichsheere oder der Reichsmarine durch Dienstuntauglichkeit oder aus anderen Gründen vorzeitig entlasten wurden und keine Arbeit finden, ebenso zu betreuen wie andere Arbeitsuchende. Die Arbeitsnachweise haben sich um die Unterbringung der ehemaligen Soldaten im Wirtschaftsleben in der gleichen Weise wie für andere Arbeitssuchende zu bemühen. Statt des Nachweises der Anwartschaft auf Unterstützung muß der Soldat. der die Fürsorge in Anspruch nehmen will, sich durch ein be- sondere? Zeugnis seines Truppenteils ausweisen. Ocrtlich zuständig für die Entgegennahme des Antrages um Bewilligung so- wie Auszahlung der Unterstützung ist der im Zeugnis benanme öffentliche Arbeitsnachweis. Die Unterstützungsdauer hängt von dem Beruf vor der Dienstzeit ab. Soweit noch kein Beruf aus- geübt wurde, gilt die normale Höchstdauer. Die Fürsorgeauswand, der den Arbeitsnachweisen durch die Erwerbslosenfürsorge für Soldaten entsteht, wirdvom Reich erstattet. Die Regelung tritt rückwirkend vom l. April dieses Jahre, in Kraft. Nachzahlungen von Unterstützungssummen sind ausgeschlosten._ tzinauswurf aus öer KPD. Großreinemachen in Leipzig. Leipzig. 26. Juli.(Eigenbericht.) Die Kommunistische Partei hat am 24. Juli s i e b e n F u n k-- t i o n ä r e aus ihrer Partei hinausgeworfen. Darunter befindet sich auch der ehemalige Häuptling, Parteisekretär Arthur Voigt: drei wurden wegen linker, drei wegen reformistischer Abweichungen an die Luft gesetzt, einer soll sich Parteischädigung haben zuschulden lammen lasten. Der Hauptübeltäter ist Tischendorf. Er soll radikal die Ausfassung des von der KPD. so sehr vergötterten Reichs- tagsabgeordneten Schwarz vertreten haben. Das Grohreine- machen wird in Leipzig fortgesetzt. Es verlautet, daß auch noch ander« Parteigrößen auf dem Aussterbeetat stehen. Auch Rcichstagsabgeordneter Kenzler ansgeschlosseu. Auf Anordnung der kommunistischen Parteizentrale ist der Reichstagsabgeordnete Kenzler- Mannheim ebenfalls aus� der KPD. ausgeschlossen worden. Damit schmilzt die kommunistische Reichätcrefssrattton von anfänglich 45 Mitgliedern aus 32 zusammen. Weitere Ausschlüsse stehen bevorl Das Blatt des gesitteten Bürgers.„Der anarchistqche Hunger-'j künstlet frühstückt"— mit dieser geschmackvollen Ueberschrist ziert die Hugenbergsche„Nachtausgabe" die Meldung, daß Vanzetti den Hungerstreik nach acht Tagen unterbrochen hat. Wenn ein unschuldig Verurteilter sieben Jahre long mit der Ungewißheit gefoltert wird, i ob das über ihn verhängte Todesurteil zur Bollstreckung gelangt, so bildet er allerdings ein paffendes Objekt für hämische Witze und Schnoddrigkeiten in den Augen jener Leute, die sich oei jeder Ge- legenheit ihrer überlegenen Bildung und Gesittung rühmen. dichten Schneewirbel, die mit ungeheurer Wucht auf die Flammen geschleudert wurden, waren sie in allerkürzester Zeit erstickt, und die Kälte verhinderte jede neue Entzündung des Brandherdes. Bei dem neuen Löschverfahren ist es von großem Vorteil, daß der Kohlensäureschnee bald zu Gas wird und ohne irgendwelche Spuren verschwindet, also keinen Nebenschaden hervorruft. Außerdem ist diese Art der Fcuerbezwinaung von jeder Wasterzufuhr unabhängig und bedarf auch keines Zusatzes anderer Chemikalien: Rauchgase treten nicht auf. Die Invasion der Z0 000 Gnu». Große Herden von Gnus, die, von ihren Weideplätzen aufgebrochen sind, sind in das von Trans- vaal und der Delagoabay begrenzte fruchtbare Swasiland einge- drungen, um ihren Durst an den Flüssen des Landes zu löschen. Die Herden, die auf 39 000 Köpf« abgeschätzt werden, haben unter- wegs auf Feldern und Wiesen großen Schaden angerichtet, da die vom Durst gepeinigten Tiere auf der Wassersuche alles zertreten und zerstampfen. Das Schlimmste aber ist, daß sie als Träger von Krankheiten eine Gefahr für den Viehbestand des Landes bilden. Im Gefolge der Herden ist denn auch die Maul- und Klauenseuche aufgetreten, so daß sich die Farmer genötigt gesehen haben, um- fangreiche Jagden zu veranstalten, um die Tiere aus dem Land zu vertreiben. Bisher ist ein Erfolg nicht erzielt worden, da an die Stelle der getöteten Gnus fortwährend Nachzügler treten. Das Gnu gehört zur Gruppe der Antilopenfamilie. Es erreicht die Größe des gemeine» Esels und hält in seinem Aeußeren gewisser- maßen die Mitte zwischen Pferd und Ochien: es gleicht jenem durch die Gestalt, Hals, Schwanz und Beine, dem Ochsen hingegen durch den Kopf und die großen Hörner. Die Tier« leben herdenweise in Südafrika vom Kapland bis zum Aequator, sind sehr schnell und wild und wenden sich nicht selten in einem Anfall von Wut auch gegen den Jäger. Das Alphabet von Glozel. Das rätselhast« Alphabet aus der Steinzeit, das bei den Aufsehen erregenden Funden von Glozel in Frankreich ans Licht gekommen ist, beschäftigt die Gelehrtcnwell immer mehr. Der bekannte Prähistoriker Solomon Reinach hat mit anderen Gelehrten neue Ausgrabungen vorgenommen und dabei neue Inschriften und Zeichnungen sowie ein Götzenbild aus gebranntem Ton entdeckt. In einem Bericht, den er der Pariser Akademie der Inschriften gab, betoM er, daß die Erdschichten, denen die Funde«ntftammer», unzweifelhast der jüngeren Steinzeit an- gehören und daß jeder Betrug, der oermutet worden ist, ausge- lchioilen sei. In den Inschriften von Glozel sind bisher mehr als 2000 Buchstaben gezählt worden, die eine Zusammenstellung des Alphabets gestatten: der Buchstabe B fehlt: er mangelt übrigens auch der iberischen Schrift._ Ernst Gronau»orn DentsKen Theatrr wurde vom Direktor Holl sür das Sdicliabr 1927/28 vervflichtet. Er tritt sein Engagement am 1. September im Theater am Schissbauerdamm cklZ George Dandm an. Des Wunder der Toter urne. DaZ ägyptische Ministerium der schönen Künite teilt nach einer Meldung aus Kairo mit. daß in einer Tolcnmne im Grabe der Königin tzetepheros, der Mutter dcZ Pharao Cheops, Wasser ausgesundcn wurde, das also über 3000 Jahre unverdunstet geblieben ist. Di« Untersuchung hat ergebe», daß daS Wasser»ttt 3 Proz. Natron ge- jdtttgt f 1 �vergessenes� Lanü. 690 000 preußische Morgen Laad nicht auffindbar. Am 26. April dieses Jahres richtete der preußische Landtags- abgeordnete Gen. P o e tz e l an die preußische Regierung eine Kleine Anfrage(Nr. 1600, Blatt 9ZS) wegen der Mitteilung in der „Bodenreform"(1926, 379 ff.), daß über 690 000 preußische Morgen bei der landwirtschaftlichen Zlnbauflächenerhebung 1923„vergessen" worden seien. Nach dieser Mitteilung hat das preußische Statistisch« Landesamt durch 1825 Rückfragen an die in Betracht kommenden Gemeinden und Gutsbezirke das vor den Augen der Statistik plötzlich zauberhaft versunkene Land wieder an die Oberfläche gebracht. Abg. Paegel fragte: ob das Staatsministerium angeben könne, welche Gemeinden und Gutsbezirke dieser Gewissensschärfung bedursten, und welche Besttzgrößen es waren, die sich so zu verkrümeln ver- mochten. In der Antwort des Landwirtschaftsministers heißt es: „Die Nichtangabe von insgesamt 173 000 Hektar bezieht sich durchweg auf sämtliche Bezirke. Da bei der Anbauflächenerhcbung nicht die einzelnen Betriebsleiter befragt werden, sondern nur der Gemeinde- oder Gutsvorsteher für seine gesamte Fläche, ist es nicht ohne weiteres möglich, die Größenklassen festzustellen, innerhalb deren zunächst Flächen verschwiegen werden sind. Es ist jedoch nach den Erfahrungen, die auch bei der Bearbeitung der land- wirtschaftlichen Betriebszählung(einer Jndividualerhebung) ge- macht worden sind, im allgemeinen eher damit zu rechnen, daß in mittel- un d kleinbäuerlichen Bezirken Flächen nicht a n g e g'eH e n werden, als in großbäuerlichen oder solchen mit Großgrundbesitz: so sind in der Rheinprovinz mit ihrem typisch bäuerlichen Grundbesitz bei der Betriebszählung 22,2 Proz. weniger an Ackerfläche festgestellt worden, als nach der Anbau- flächenerhebung hätte vorhanden sein müssen, während in Pom- mern, dem typischen Lande des Großgrundbesitzes, der Fehlbetrag nur 4,4 Proz. ausmacht." Die„Bodenreform"(Nr. 27) fragt nun, wie es möglich sei, daß im Rheinland mehr als ein Fünftel aller Ackerfläche „vergessen" werden konnten: ob dabei etwa irgendwelche organi- satorischen Einflüsse unmittelbar oder mittelbar mitgespielt haben könnten. Diese Vermutung drängt sich einem in der Tat auf, wenn man die im„Jahrbuch der Bodenreform"(1926, 223 ff.) abgedruckte Anleitung für die Anbauermittlung in Preußen 1925 des Präsidenten des preußischen Statistischen Landesamtes liest. Es heißt dort, daß neben den landwirtschaftlich genutzten Flächen auch die übrigen Bodennutzungen wie Forsten und Holzungen, Haus- und Hof- räume, Moorflächen, sonstiges Oed- und Umland sowie Wegeland, Gewässer usw. anzugeben sind, so daß die Gesamtfläche der Gemarkung jeder einzelnen Ortschaft nachzuweisen ist. Um den Gemeinden«inen genauen Anhalt für die Größe ihres Ortsbezirkes an die Hand zu geben, sind am Schluß des Erhebungsformulars die Gesamtflächen der Liegenschaften von 1924 nach Ausweis der kataster- amtlichen Hauptiibersichten angegeben worden. Ferner wurden für jede Fruchiart und jede Bodenmitzung, die bei der Bodenbenutzungs- erhebung von 1913 ermittelten Zahlen eingetragen. Warnend fährt die Anleitung fort: „Zur Ermittlung richtiger Zahlen ist es dringend erforderlich, . daß diese Erhebung so eingehend und gewissen hast wie möglich durchgeführt wird. Die Erhebung liegt den Ortsbehörden(Gemeinde- und Gutsvorstehern) ob: ihnen bleibt es überlassen, die erforderliche Auskunft von den Betriebs- i n h a b e r n einzuholen oder nötigenfalls feld- und ortskundige Sachverständige oder Vertrauensleute zur Mitwirkung zu gewinnen. Wo«s besondere Verhältnisse in einzelnen Orten er- /fordern, können auch Schätzungskommissionen gebildet werden." .mRachdiefer Anleitung waren hem � Gemeinde». und Guts�orstchlfi: durch die? Zahlen von 1913» die im allgemeinsn zuverläsfig. sind, midi A�GssamtsiZchenzahlen von 1924 auf Grund dar katasteramttichen. Hsuptübersichten Maßstäbe an die Hand gegeben, die einen Fehl- betrag von mehr' als ein Fünftel der oorhan- denen Fläche auch dann Unbegreiflich machen, wenn man berück- sichtigt, wie wesrig Landgemeinde- und Gutsvorsteher zuweilen für die mit einem verantwortungsvollen Amt verbundenen Arbeiten zweckmäßig vorgebildet und begabt sind. Um so bitterer wird den Mittel- und Kleinbauern die Bemerkung des Landwirtschoftsministers schmecken, daß„im allgemeinen eher damit zu rechnen sei, daß in mittel- und kleinbäuerlichen Bezirken Flächen nicht angegeben werden, als in großbäuerlichen oder solchen mit Großgrundbesitz." Diese Bc- merkung sollte das Verlangen in der deutschen Bauernschaft nach rest- loser Aufklärung ganz besonders beleben. Nicht nur die von dem Landwtrtschastsminister verdächtigte Bauernschicht, das ganze Volk mit Ausschluß der Feudalherren, ist lebhaft an der Durchleuchtung dieser dunklen Vorgänge interessiert, und wir möchten wünschen, daß der Preußische Landtag sich mtt der Antwort des Herrn Landwirt- fchaftsministers nicht zufrieden gäbe. Die Negierung von Mecklenburg-Strelitz. Einheitsfront von Völkischen bis zu den Demokraten. Reustrelitz, 26. Juli. Der neugewählte Mecklenburg-Strelitzer Landtag hatte sich mit der Regierungsbildung für dieses kleine Ländchen zu befassen. Vorher wurde als Vertreter der stärksten Fraktion Ge- nosse Dr. F o t h zum Landtagspräsidenten gewählt. Nachdem der Laichtag sich konstituiert hatte, stellte der deutschnationale Staats- minister Schwab« zugleich im Namen seines demokratischen Kol- legen Dr. H u st« d t dem Landtag die Neubildung des Kabinetts anHeim. Ein deutschnationaler Antrag, wonach die beiden Minister ersucht wurden, ihre Aemter weiterzuführen, fand die Annahme mit 19 Stimmen der Deutschnationalen, der Völkischen, der Handwerker, der Deutschen Volkspartei und der Demokra- t s n gegen 15 Stimmen der Sozialdemokraten sowie der Kommu- nisten. Genosse Bartosch brachte einen Urantrag ein, wonach der Landtag den beiden Ministern das Vertrauen entzieht. Nach der Geschäftsordnung kann über diesen Antrag erst später abge- stimmt werden. Die nächste Sitzofig findet heute, Mittwoch, statt. Die neugebildete Regierung stützt sich also auf sämtliche Parteien des Bürgertums, dt« bereits bei den Wahlen eine Listenverbindung eingegangen waren, einschließlich der Demo- kraten. Formell verfügt sie über eine absolute Mehrheit, da diesen Parteien 19 von 35 Stimmen angehören. Ob jedoch die unterein- ander nicht ganz einigen Handwerker die mittelstandsfeindliche Steuerpolitik, die bisher von dem Ministerium Schwabe- Hustedt getrieben wurde, auf die Dauer werden mitmachen können, muh mindestens fraglich erscheinen. Auch für die Demokraten stellt die Regierung, die vom Wohlwollen der Deutschnationalen und Völ- tischen abhängt, heute mehr als früher«ine Belastung dar. da dte Neuwahlen in Mecklenburg-Strelitz entschieden eine Stärkung der Linken gebracht haben, ohne daß dte Parteien des Bürgertums daran denken, dem Rechnung zu trogen. kommuniflenverhastungen In Monfolconc. Wie die italienischen Blätter berichten, wurden in Monsolcvne vor mehreren Tagen 18 Kommunisten verhaftet. Bei der Durchsuchung der Wohnungen i'er Verhafteten fand man neben Propagandamaterial zwei rote Fahnen»nb Ausweispapiere der Dritten Interna ttouale vor, � Die Debatte im Nationalrat. Otto Bauer antwortet Seipe!. Das Rededuell Seipel— Otto Dauer in der Dienstagsitzung des Nationalrats zu Wien ist gekennzeichnet durch den Hoch- mut des Bundeskanzlers und die Offenheit, mit der der Wortführer der Arbeiterschaft gesprochen hat. Von dem katholischen Priester Seipel hätte man wohl die Anwendung eines der elementarsten Gebote der Lehre Christi erwarten dürfen, die B e s che i d e n h e i t. Statt dessen hörte man einen Menschen, der mit sich selbst höchst zufrieden ist. Er fühlt sich hundertprozentig unschuldig: er rechtfertigt hundertprozentig die Polizei: er macht nicht einmal den leise- sten Versuch, die Frage auszuwerfen, ob nicht die politischen und sozialen Gegensätze, die den Ursprung der Wiener Tra- gödie lülden, durch die maßlose Sprache seiner Organe und durch die Maßnahmen feiner Regierung unnötig verschärft worden sind. Kein Wort des Bedauerns darüber, daß unter den Toten zahllose Unbeteiligte sind: kein Wort der Erklärung geg-nüber der schweren Anklage, die auch von der freien Polizeigewerkschaft erhoben wurde, daß Scheiben- munition verwendet wurde und d a d u r ch die Zahl der Opfer ins Ungeheure gestiegen ist. Kein Wort endlich der An- erkennung für das selbstlose Eintreten des Republikani- scheu Schutzbundes, der unter schwersten Gefahren die rasende Menge stundenlang in Schach hielt und viele Justiz- beamte und Polizisten aus dem brennenden Iustizpalast heraushalte----' Nur selbstbewußte, selbstzufriedene Worte der Anklage gegen die politischen Gegner hat dieser„christliche Staatsmann" gefunden. Er fühlte sich eben als Sieger, well er über eine kleine Mehrheit im Parlament von vornherein verfügt und weil man um den Preis von 100 Toten und 1000 Verwundeten„Ordnung" geschafft. Der Sozialdemokrat aber hat dem Prälaten Seipel eine bittere Lektion in christlicher Demut und Bescheidenheit erteilt, indem er mit rückhaltloser Offen? heit zu Beginn seiner Antwortrede die eigenen Fehler der Arbeitewrganisationen hervorhob. Wie ttef muß der Eindruck dieser Lektion gewesen sein, wenn der Sitzungsbericht ein- 'mütigen Beifall des ganzen Hauses an der Stelle seiner Rede verzeichnet, in der es heißt:„Dos Bild der S7 Särge auf dem Zentralfriedhof und der Jammer der Hinterbliebenen sollte alle nötigen, sich zu fragen, wie weit sie ihre eigene Ver- antwortung für belastet hielten." Am deutlichsten trat der Gegensatz zwischen der vor Selbstkritik nicht zurückschreckenden Sachlichkeit Otto Bauers und der oberflächlichen Einseitigkeit Seipels an jener Stelle der Rede des Bundeskanzlers zutage, die sich auf den General st reit bezog. Seipel leistete sich da den geist- losen W i tz, diese Streikausrufung komme ihm vor, wie wenn man bei einer Wirtshausrauferei das Licht ausdrehe. Selbst wenn dieser Vergleich richtig wäre, so könnte man darauf ant- worten, daß dies oft das wirksamste Mittel sei, um Kämpfende zu trennen. Aber es scheint, daß der von dem gesamten reaktionären Bürgertum Europas gegenwärtig so hoch ge- priesene Bundeskanzler Seipel noch immer nicht begriffen hat, daß die Proklamierung des Streiks durch die Partei und die Gewerkschaften das einzige Mittel war, um die Mgssen wieder i.n.,die Hand verantwortlicher Organisationen zu bringen.. N.y:r so war ein'weiteres Blutvergießen m verhindern. Auch, hat' oer Bundeskanzler anschüttend nochfrmmer nicht begriffen, daß dem Staate Oesterreich der Bürgerkrieg nur dank dem mutigen Entschluß der Arbeiterführer, den Streik schon am Montag abend abzubrechen, erspart ge- blieben ist. Ein wirklicher Staatsmann hätte doch soviel Objektivität anfbringen müssen, diesen klaren Tatbestand an- zuerkennen. Herr Neipel hat aber durch seine Rede bewiesen, daß er nichts mehr ist als ein Kirchturms Politiker im wahrsten Sinne des Wortes. Die ruhigen, bescheidenen, sachlichen Worte Bauers be- weisen, daß die Sozialdemokratie auch in schweren Togen un- vergleichlich größer ist als die Bourgeoisie im Siegerrausch. Wie kläglich diese Bourgeoisie in Zeiten der Niederlage ist, das haben wir im Herbst 1918 gesehen und nicht vergesien. Den Sitzungsbericht lassen wir folgen. Wien. 26. Juli.(Eigenbericht.) Nach der Rede des Bundeskanzlers Dr. Seipel(im gestrigen Abendblatt veröffentlicht. Red. des„Vorw.") ergriff Abg. Dr. Otto Bauer(Soz.) das Wart, um in 2 lii stündiger, leidenschaftlicher, von Erregung und Erschütterung über die furchtbaren Ereignisse durch- zitierter Rede wuchtige Anklagen gegen die Regierung zu erheben. Bauer begann mit dem Hinweis, daß angesichts so furchtbarer Er- eignisse jeder sich selbst fragen müsse, ob er nicht auch eine Schuld trage. Man dürfe nicht so pharisäisch wie der Bundes- kan.zl er sagen: Unschuldiger sei man niemals in eine solche Sack)« gekommen: da stelle er fest, daß die Sozialdemokratie streng geprüft habe, wie weit sie zu einem anderen Verlauf der Dinge hätte beitragen können. Sie sei überzeugt, daß es besser gewesen wäre, wenn sie für Freitag eine geordnete Demon- stration veranstaltet hätte.„Freilich"— so fuhr Bauer fort—„was hätten dte bürgerlichen Parteien dann an Hetze gegen die Sozial- demokratie getriebenl Es wäre auch besser gewesen, wenn man rechtzeitig genügend S chu tz b u n d m a n n s ch a s t en gehabt hätte. Es wäre auch besser gewesen, wenn man die Ge- in e i n d e j ch u tz w a ch e, die erst die Beruhigung in Wien geschaffen hat, schon am Freitag aufgestellt hätte. Wenn man nun dem Bürgermeister von Wien den Vorwurf macht, daß er der Ver- Wendung von Militär nicht zugestimmt habe, so zeigt sich darin, daß der Bürgermeister ebenso wie die Sozialdemokraten grundsätz- lich andere Methoden zur Beilegung solcher Bewegungen anwenden will. Das ist vor allein die Methode der moralische» Einwirkung, während die Regierung die Methode der g e w a l t- s a m e n Niederwerfung angewendet hat. Diese moralische Ein- Wirkung hat sich in den aufgeregten Zetten des Jahres 1918/19 be- währt, und sie ist auch vom Bürgermeister und der Sozialdemokratie am 15. und 16. Juli angewandt worden. Der Bürgermeister hat nicht nach dem Militär gerufen, sondern srch selbst auf den ersten Spritzenwagenge stellt und versucht, die Feuer- löschaktion in Gang zu bringen. ISmal hat der Schuhbund zum Sturm aagesehl, um den Tustlz- palast für die Feuerwehr freizumachen. 14mol ist es ihm miß- lungen, das lS. Mal erst gelang es. und als der Sprihenwagen vor dem Iustizpalast angelangt war und die Pumpen zu Arbeiten begannen, da kam die Salve der Polizei und hat den Sieg der gewalljamen Methode herbeigeführt. Bauer erhob fortfahrend schwere Anklagen gegen das Borgehen der Polizei. Die Polizei habe in einer Zeit, wo es gar nicht mehr notwendig sein konnte, blindlings in die Masse» hmeingejchossen und mit den schändlichsten Mitteln, die in der Kriegszeit angewandt wurden, gearbeitet. Systematisch seien unter den Polizeimann- schaften Nachrichten über Greuel verbreitet worden, die an Wachleuten verübt worden seien, um sie ähnlich wie in Kriegszelten in eine Stimmung der Rache und des Zornes zu versetzen. Ferner sei mit Scheibcnschußmunition' auf Menschen geschossen worden.'Als Beweis für diese Behauptung legt Bauer Muster solcher Munition auf den Tisch des fzauses. In seinen weiteren Ausführungen ging Bauer im einzelnen ocs die Forderungen der Sozialdemokratie aus Anlaß der Wiener Bor- komirnisse ein. Zunächst verlangte er die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses und erklärte in leidenschaftlichen Worten, daß es das erstemal in der Geschichlc wäre, wenn ein solches Unglück voin Parlament nicht untersuch! würde. Wieviel schlechtes Gewissen würde sich dadurch zeigen, wenn dieser Antrags abgelehnt werden sollte! Lauer verlangt ferner A m n e st i e für die Verhafteten. Es sei zuin mindesten, wenn nichl ein Gefühl der Menschlichkeit, so ein Gebot der Staatsräson, den Haß und die Rachsucht, die sich in den Tiefen der Gesellschaft anzusammeln drohe, zu eniwaffnen. Abgesehen davon, hätte man wenigstens er- warten müssen, daß der Bundeskanzler von H i l f s m a fz n a h m e n für die Opfer und die Hinterbliebenen sprechen würde. Auch das fei, wenn schon nicht ein Gebet der Menschlichkeit, so doch ein Gebot primitivster Staatskunst. Man müsse doch verstehen, wie sich diese Dinge dem einfachen Menschen darstellen. Das Ergebnis der letzten sieben Jahre, da Seipcl unter verschiedenen Firmen nun regiere, zeige sich jedenfalls in den hundert Toten. Zuerst die jahrelange entsetzliche Arbeitslosigkeit ohne jeden wirksamen Versuch des Staates, sie zu betämpfen, dann die peinliche Aufdeckung der Korruption und als Krönung des Ganzen das Blutvergießen auf den Straßen: Ein Regime des Schinutzes, nun auch mit Blut befleckt: Der 15. und 16. Juli hätten eine andere Sprache erfordert, als sie geäußert wurde.„Herr Bundeskanzler"— so schloß Bauer—„Sie waren zu kleinlich, diesen Weg zu gehen, und ich kann nur sagen: Wehedem armenLand.das so klein- lich in solchen Stunden regiert wird!(Stürnnscher, minutenlanger Beifall bei den Sozialdemokraten.)— Bauer brachte sofort zwei Anträge ein. Der eine fordert die Einsetzung eines Untersuchunas- ausschusses: der andere spricht der Regierung das Miß- trauen aus. Abg. Sunschak(chr.-soz.) erklärte, daß die Ehrisllichsozialcu gegen den Mißtrauensantrog und gegen de« Antrag auf Einsehung einer Unlcrsuchungskommission stimmen werden. Dann verlas der Vizekanzler Harkleib(chr.-soz.), der als Innenminister erklärte, für die Maßnahmen der Polizei die volle Verantwortung zu übernehmen, einen von der Polizeidirektion verfaßten Bericht. Abg. Dr. Wotkawa(Dnot.) warf den Sozialdemo- kraten vor, daß sie durch Obstruktion die Mehrheit an der Durch- setzung ihres Willens hinderten: das widerspreche der Demokratie, Abg. Dr. Renner(Soz.) wies in bezug auf den Polizeibericht in zwei Füllen die völlige Unrichtigkeit und Verlogenheit der offiziellen Darstellung nach. Die Sozialdemokratie habe es im übrigen nicht nötig, einen Trennungsstrich zwischen sich und den Anarchisten zu ziehen, das habe Viktor Adler schon 1889 getan. Die Sozialdemokratie sei eine Partei des Aufbaues uad der Demokralie und werde die Mehrheitsherrschaft nicht hindern, sofern sie nicht das Recht beugt. Renner schloß: Die Katastrophe vom 15. Juli ist vor allem ein« Tragödie der österreichischen Justiz.— Die Debatte wird am Mtttwoch um.I�.Uhr sMtgesetzt, V r,.- Die Stadt Wie« untersucht.'*'■■ .,/■.■• T'■.:■■iuka. 26. Jub Heute trat die Gemeinderatskommission zusammen, die die Er- eignisse vom 15. und 16. Juli untersuchen soll. Räch der Wahl de» Landtagspräfidenten Dr. Danneberg(Soz.) zum Borsitzcndcn und des Gemcinderats Dr. Kolasia(Christl. Soz.) zu dessen Stelloer. treter legte Stadtrat Rummelhardt(ChrisU.-Soz.) eine Recht«- Verwahrung ein und stellte den Antrag, der Ausschuß möge sich als unzuständig erklären. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Hierauf beschloß die Kommission, für den Fall, daß der Nationalrnt einen Untersuchungsausschuß nicht einsetzt, ihre Tätigkeit uttver- züglich aufzunehmen und zunächst von der Polizeidirektion ein« Darstellimg der Ereignisse vom 15. und 16. Juli zu verlangen. Hofrat Tauß. Der Wiener Polizeikommandant vom 13. Juli. I. 1891. Versammlung im Arbeiterbildungsverein im Gast- haus.Zum schwarzen Adler" in Döbling._ Der inzwischen berühmt gewordene Historiker Ludwig B r ü g e l hält eine Rede zu den ver- sammelten Arbeitern, neben ihm sitzt ein junger Polizeikonzipist, wie es damals schon so üblich war. Plötzlich hört der Polizist aus Brügels Munde:„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht. Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last— greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter seine ew'gen Rechte..." Weiter kam er nicht. Blut- roten Gesichtes springt der junge Polizeikonzipist aus und droht, die Versammlung aufzulösen, wenn Brägel noch mit einem Worte seine Rede fortsetze. Brägel erwidert ruhig, daß der Polizist den seligen Schiller einsperren solle, der diese Worte im Wilhelm Tell dem Stauffacher in den Mund gelegt hat... und will fortfahren. Allein das brüllende Gelächter der Arbeiter reizt den Polizisten noch mehr, Brägel darf an diesem Abend nicht mehr sprechen. Er wird angezeigt und zu 3 Tagen Arrest wegen Verspottung der Polizei verdonnert. II. 1019. Staatskanzler Dr. Renner kommt mtt seinem Gehilfen Ludwig Brägel auf dem Franz-Josefs-Bahvhof �au. Pflichtgemäß meldet sich der d!« Aufsicht führende Polizeikomman- dant, ein Regierungsrat, beim Staatskanzler. Brägel sieht sich den Herrn genauer an und sagt:„Wir sollten uns kennen!" und zu Nenner gewendet, während der Polizeibeamte einen roten Kopf bekommt:„Das ist der Polizeibeamt«, der mich vor mehr als 25 Jahren wegen eines Zitates aus Schillers Werken zu drei Tagen Arrest hat verurteilen lassen!" Und wer war der Polizeikonzipist, dann Regierungsrat? Der heutige Polizeihofrat Tauß, der beschuldigt wird, den schrecklichen Freitag mitverschuldet zu haben! von einem Haren zerfleischt. Höxter. 26. Juli.(WTB.) Heute nachmittag hatte am Wcserufer bei Corvey ein Bären- führertrupp haltgemacht. Ein an einem Baum angekoppelter, aber schlecht beaufsichtigter Bär riß sich los und sier auf der Landstraße ein ISjähriges Mädchen an. Zwei zu Hilfe eilenden jungen Männern gelang es nicht, das Mädchen aus den Pranken des Bären zu befreien, der sein Opfer in einen W a s s e r g r a b e n schleppte. Nunmehr mochte ein Drmöncnp-üchter dag Tier durch mehrere Schösse unschädlich. Das lebcnsge-ährl'ch verletzte Mädchen wurde dem Kronkenhaus zugeführt. Auch einer der beiden Helfer erlitt schwere Verletzungen. Die Bären- jührersamilie wurde sc st genommen. Ms öem Arbeitsgericht. Im Arbeitsbericht ist chochbetrieb. chier kennt man keine Ferien, ganz so wie dos Leben keine kennt. In allen drei Stockwerken jinden Gitzunben statt Am 1. Juli ist das neue Arbeitsnerichtsciesetz in Kraft betreten: die-Tpruchpraxis ist aber die alte: in vielen Fällen find auch Vorsitj«r,be und Beisitzer die gleichen wie früher. Das entlassene Zlrbeiterratsmitglied. Beklagte ist eine Firma in Schöneberb. Die Klägerin ist Wäsche- rin. Seit 20 Iahren arbeitet sie in dem Betriebe. �Im April 1927 wurde sie Min Mitglied des Zlrbeiterrats gewählt. Sie erhielt einen neuen Posten und plötzlich taugte sie nicht mehr Es kam zu Disse- renzen.„Sie können sich um eine andere Stellung bemühen, Sie find entlassen", sagte ihr eines Tages der Chef.„Ich tauge dem Chef nicht mehr. Ich mache keinen Schlag mehr, ich lasse mir meine Papier« geben", sagte sie ihren Kolleginnen. Sie holte sich ihre Papiere, ging und klagte: aus Gehalt und Wiedcreinstellung. Die Firma hatte kein Recht, ein Mitglied des Ar- beiterrats, ohnediesen befragt zu haben, zu entlassen- Der Arbeiterrot konnte Einspruch erheben. Wäre dies geschehen, so hätte das Arbeitsgericht entscheiden müssen, ob die Entlassung zu Recht erfolgt war. Eine grundsätzliche Angelegenheit! Deshalb wollte der Bertreter des Beklsidungsarbeiterverbandes sie durchge- fochten hoben. Der Wäscherin ist es ober mehr um das Geld zu tun. So kann das Gericht schließlich einen Vergleich herbeiführen. Der lKorsitzende oersucht dem alten Buchhalter ins Gewissen zu reden. „20 Jahre hat sie bei Ihnen gearbeite) und da setzen Sie sie einfach auf die Stratze?"„Ja, sie hätte eine gehobene Stellung bekommen. Dieser entsprach sie nicht. Man konnte sie doch nicht zurückversetzen." — Deshalb setzte man sie an die Luft. Untcrnehmerlogik!„Sind bei Ihnen schon öfters solche Entlassungen von Leuten vorgekommen, die bei. Ihnen 20 Jahre beschäftigt waren?", interessiert sich einer der Beisitzer.„In der letzten Zeit nicht."„Also vergleichen Sie sich." Der Vertreter des Bckleidungsarbeiterverbandes wiederholt immer wieder:„Die Sache muh grundsätzlich entschieden werden." Di? ffiäfchyftn geht auf den Vergleich ein. ftundert Mark sind nicht z>v'verachten. Um die Grundsätzlichkeit der Frage ist ihr »eniijpr ,m tun. TBo blieb das Futter? Der Kläger ein Zwischenmeister. Der Beklagte Inhaber einer .Konsektionsfirma. Wertobjekt 42 Mark. Lohn für Arbeit an sechs Mänteln je 6, SO Mark, an drei Abändrungen je 1 Mark. Die Firma ist bereit, die 42 Mark zu zahlen, wenn der Zwischenmeister eine »i des stattliche Versicherung abgibt, daß er das Futterzu den sechs Mänteln nicht bekommen hat. Im Lohnbuch ist das Futter nämlich notiert. Auf dem Arbeitszettel ist es gestrichen. Weshalb ist es gestrichen und wer hat es gestrichen? Der Zwischenmeister behauptet, er habe ungezählte Mal« das Futter angefordert: man habe ihn immerfort «ertröstet, er würde es schon bekommen. Er habe es aber nicht be- kommen. Am 0. Juni lieferte er die Mäntel ohne Futter ab und for- derte seine 42 Mark Lohn. Der Konfektionär erklärte aber, er zahle keinen Pfennig und verlange das Futter.„Ich habe keines bekam- men", sagt der Awischenmeister.„Im Lohnbuch stets drin", sagt der Konfektionär.„Auf dem Zettel ists aber gestrichen", erhält er zur Antwort Wer hats aber gestrichen? Das ist die Frage. Auch in der Gerichtsverhandlung wird sie nicht entschieden. Der Konfektionär er- hebt Widerklage in der Höhe von 112 Mark. Die Saison sei vorbei, die Mäntel mühten nun bis zum nächsten Jahr lagern. Das Gericht versucht einen Perqleich herbeizuführen Der Zwischenmeister er- klärt aber, er sei kein Dieb, er habe dos Futter nicht erhalten und verlange seine 42 Mark. Ob er wirklich schwören wolle, daß er das Futter nicht erhalten habe?„Bitte, mit reineni Gewissen." Er schwört. Der Konfektionär zahlt ihm anstandslos die 42 Mark. An Ordnung scheint es in dem Betriebe zu fehlen. „Schinden lasse ich mich nicht!" „Es ist eine Schinderei", erklärt der Kläger, diesmal ein Chauf- seur.„20 Zentner habe ich bereits auf meinem Wagen. Da werden mir noch zwei Säcke je. 100 Kilo heraufgeworfen. Einen Mitfahrer erhalte ich nicht. Auf- und abladen muh ich selber, da kann ich jedes- mal die 100-Kilo-Säcke rauf- und runterheben. Als ich zu dem Direktor kam, um mich zu beklagen, da sagte er mir:„W e n N s Ihnen nichtpaßt. können«ie gleich aufhören." Das Zeugnis bekam ich aber erst vier Tage später. Ohne Zeugnis stellt aber beute kein Mensch einen Chauffeur an. Ich verlange 28 Mark." Der Beklagte spricht von„Theater, dos die Ehaufsenre ausführten", vom„Koller", den sie hin und wieder kriegten. Der Chauffeur fahrt dazwischen. Der Vorsitzende bittet den Beklagten, sich zu mäßigen. Auch bier kommt es schließlich zu einem Vergleich. Der Chauffeur gibt sich mit 10 Mark zufrieden. Der kriegsbeschädigle Arbeitgeber. Gr hatte den Beklagten engagiert: als dieser aber zur Arbeit kam. erklärte er, daß es sich nur um„Borbesprechung" gehandelt habe. Der Kläger fordert 120 Mark, da er auf drei Wochen ange- nommen worden sei. Er gibt sich schließlich mit 40 Mark zufrieden, da. wie der A««,alt des Beklagten sagt, sein Klient ein Schwerkriegs- beschädigter sei. Die Sache war damit aus der Welt geschafft. Die Lohnfrage in üer Lanüwirtschast. Interessante Feststellungen Schlange-Schöningens. Der bekannte Rittergutsbesitzer und deutschnationale Parlamen- tarier Schlange-Schöningen hat kürzlich ein Buch mit dem Titel„Rationalwirtschast und Nationalwirtschaft" herausgebracht. Obwohl in dem Buch vieles steht, was vor Monaten und Jahren bereits in den Agitationsaussätzen der �Deutschen Tageszeitung" zu lesen war, wird den landwirtschaftlichen Unternehmern doch manches deutliche Wort gesagt und darin Vorschläge über die Neugestaltung und Umformung der landwirtschaftlichen Be- triebssührung gemacht, die als durchaus beachtenswert und an- nehmbar. bezeichnet werden können. Fürchelonders erwähnenswert holten wir einige Ausführungen auf Seite 69 des Buches, die deni Leser klarmachen sollen, wie eme reibungslosere Abwicklung der Rübenlandbearbeitung ermöglicht werden kann. Wir registrieren: „Es ist mir bekannt, daß es in vielen Betrieben nicht leicht sein wird, die ansässigen Familien zur Bearbeitung von Rüben- land zu bewegen, ich glaub« aber, daß das schließlich überall all- mählich wieder möglich sein wird. Letzten Endes ist das eine Lohnfrage, und ich habe immer gefunden, daß eigene Leute die Rüben so viel sorgfältiger bearbeiten als Schnitter, daß e i n etwas höherer Lohn infolge der besseren Ernte durchaus rentabel ist." Diese Ausführungen stellen eine vollkommene Rechtferti- gung des Standpunktes dar, wie ihn der Deutsche Land- arbeiterverband seit langem einnimmt. Hier gesteht sogar ein Rittergutsbesitzer, daß Rentabilität und Arbei-ts- l« i st u n g Dinge sind, die in untrennbarem Zusammenhang mit der L o h n f r a g e st-hen. Besondere Veranlassung, sich das zu merken, haben jene amt- lichen Stellen, die von landwirtschaftlichen Unternehmern um die Zuweisung ausländischer Landarbeiter bestürmt werden. Mit Recht können sie nunmehr vor der Beschlußfassung über einen Zuweisungsantrag verlangen, daß ihnen das Bestehen geordneter und zeitgemäßer EntlohnungioerhSkt. niffe nachgewiesen wird- Einen weiteren, wertvollen Anhastspunkt liefert Schlange- Schöningen den amtlichen Stellen mit einer Feststellung, die er auf Seite 67 seines Buches trifft. Er schreibt: „In vergangenen Zeiten rechnete man auf etwa 7 Morgen Zuckerrüben eine Menschenkraft: heute können bei richtiger Or- ganisation mindestens 10, ja, 12 Morgen durch einen Menschen fertiggemacht werden. Es scheint mir dabei nur auf zweierlei anzukommen: erstens darauf, daß man über eine genügende Menge brauchbarer Hackmaschinen verfügt: zweitens, daß die einzelnen Schläge in gewissen zeitlichen Zwischenräumen be- stellt werden, um die A r b e i t s a n f o r d e r u n g e n auf einen längeren Zeitraum zu verteilen." Nach einer solchen Feststellung ist zukünftig neben der Erkundigung nach dem Borhandenscin zeitgemäßer Entlohnungs- Verhältnisse.auch die Frage auszuwerfen, ob alles geschehen ist, um die fehlenden Arbeitskräfte, durch Ergänzung der maschinellen Ein- richtungen und durch eine kluge und weitsichtige Orgnnisotion der Betriebsführung zu ersetzen.__ verbanüstagswah! der Nahrungsmittelarbeiter. Abfuhr der kommunistcu in Berttn. Die Wahlen am Sonntag und Montag zum diesjährigen ordent- lichen Verbandstag des Verbandes der Nahrungs- und Genuhmittel- orbeiter find in der Zahlstelle Berlin so gut wie abgeschlossen. Nur von zwei kleinen Bezirken, die am Gesamtresultat nichts mehr ändern können, stehen die Abstimmungsergebnisse noch aus. Leider war die Wah l b e te i l i g u n g sehr gering. Es haben sich nur etwas über 20 Proz der Mitglieder an der Wahl beteiligt. Das Ergebnis der Wohl hat zunächst gezeigt, daß die Kommunisten, die immer den Anschein zu erwecken versuchen, als seien sie in Berlin die Majorität, kein Recht haben, so den Mund aufzureihen, wie sie es bei ollen Gelegenheiten tun. Nicht einer ihrer Kandidaten hat Aus- ficht, den Verbandstag durch seine Anwesenhett zu„beglücken". Die Kommuni st en hatten die Wahllokale restlos besetzt und machten unter der Parole„Volles Selbstbestimmungsrecht der Mitglieder" für ihre Kandidaten Propaganda. Durch eine von dem kommunisti- schen Landtagsabgeordneten Kaspar herausgegebenes Flugblatt suchten sie in der bekonnten Art die Wähler dahin aufzuklären, daß nur ihre Kandidaten die wahren Vertreter der Mitgliederrechte seien. Trotz aller Mühe ist es ihnen nicht gelungen, auch nur einen ihrer Kandidaten durchzubringen. Zum Berbandstag des„Denog" gehen von Berlin aus nur die von den Funktionären und der Generalversammlung aufgestellten Kandidaten der A m st e r d a m e r Gewerkschaftsrichtung. Oer VieSeraufbau im sächsisthen Unwettergebiet. Die Wiedcrausbauarbeiten im sächsischen Unwetter- gebiet schreiten rüstig vorwärts. Sie werden unter der Leitung des sächsischen Staatskommissars vorgenommen. Die staatlichen Bauämter und das von der Reichsbahn errichtete N o t b a u a m t haben, wie wir von maßgebender Stelle erfahren, vor allein in der Herstellung von Notverbindun gen— der Voraussetzung für den Straßenbau— bereits gute Arbeit geleistet. Der Zweck der Reise des Präsidenten der Reichsorbeitsverwol- tting in das Unwettergebict bestand in erster Linie in der Fest- stellung, ob und inwieweit sich das R e i ch an den Wiederausbau- arbeiten beteiligen soll. Wie wir erfahren, wird sich das Reich tm Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge an der Finanzierung einiger größerer Bauprojette(Hochtal- sperren und ähnlicher Millionenprojekte) beteiligen. Bis jetzt sind im Uuwcttergebiet Notstandsarbeiter noch nicht beschäftigt: es haben aber viele Erwerbslose Beschäftigung ge- fiindcn, die noch den Tarifsätzen entlohnt werden. Im ganzen arbeiten im Unwettergebiet zurzeit rund 6O00 Mann. Bon irgendwelchen nennenswerten Lohndisferenzen ist bis jetzt bei den maß- gebenden Stell?» nichts bekonntgemorden. Die agrarischen Blätter, die fürchteten, der Landwirtschast in der Nähe des Unwettergebiet» könnten die Zlrbeitskräfte weglaufen, und bereits einen Streik der Notstandsarbeiter meldeten, haben sich um ungelegte Eier gekümmert. SchieSsspruch in �heinlanS-westfolen. Für die Gas-, Wasser- und Elektrizitätsarbeiter. Dortmund, 26. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Bor dem stellvertretenden Schlichter in Dortmund wurde am Dienstag folgender Schiedsspruch für die Arbeiter der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Rheinland-Westfalens gefällt: 1. Das zum 1. August 1927 gekündigte Lohnabkommen wird zu diesem Ter- min mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt, daß der Spitzen- lohn(86 Ps.) um sechs Pfennige erhöht wird; die übrigen Sätze der Lohntobelle verändern sich in dem gleichen Verhältnis. 2. Die Arbeitszeitregelung vom 1. April 1927 mit den dazu bestehenden Veränderungen wird ab 1. August 1927 erneuert, jedoch beträgt die wöchentliche Mehrarbeit drei Stunden. Die Verteilung auf die einzelnen Wochentage erfolgt betrieblich. Die Zuschläge für diese Mehrarbeit regeln sich nach der Vereinbarung vom 22. Juni 1927. Die Vereinbarung kann mit monallicher Frist erstmalig zum 1. April 1928 gekündigt werden. Die Erklärungs- frist läuft bis kommenden Montag. Die Gewerkschaften nehmen am Sonnabend zu dem Schiedsspruch Stellung. 10. Herr � August Miestohl (Dem Alten sein Sohn) war jeher die Schwermut in eigner Person. Jüngst schickte den„Z a« o tr ein Freund zu ihm rum: der Mieskohl, der Mieskohl, der— lacht s i ch trumml 0. „Dir W«hre J«cob"t das veltbckannte Wite- blatt, kostet trau crhCnten Umlanzes nur 30 PI. Bestelle noch beute beim Zeitungs- boten oder In deiner Voiksbuchhandiunc. ZranzSjlfcher Gewerksthaststongreß. Jouhaux weist die Gcwerkschaftsmincure zurück., i Paris, 26. Juli.(Aigen er Drahtbericht.) Am Dienstag vormittag begann in Paris der Kongreß des ftan» ztisische« Gewerkschoftbundes, der EGT. U e b e r tausend- Delegierte aus ganz Frankreich sind anwesend. Die Bruder» gcwerkschaften aus den Nachbarländern, darunter auch Deutsch- land, haben Vertreter entsandt. Gleich zu Beginn kam die Frage der Wiedervereinigung der EGT. mit der kommunistisches CGTU. zur Debatte. Die kommunistische CGTU. hatte auch für diesen Kon- greß wieder die Forderung auf die Bildung einer E i n h c i t s- front der beiden Arbeitergewerkschaften erhoben und ihren An-ftag in einem ausführlichen Schreiben begründet, das Generalsekretär- Jouhaux in seiner Begrüßungsansprache verlas. In ihm wird- verlangt: gleichberechtigte Fusion und Sitz und Stimme im Vorstand- der wiedervereinigtcn Gewerkschaften. Außerdem wird betont, daß. die kommunistische Gewerkschaft zu weitgehendem Entgegenkommen bereit sei, man aber nicht ihre volle Kapitulation verlangen dürfe. Jouhaux bezeichnete den Antrag der CGTU. als dos„traditio- nelle Begrüßungsschreiben dar kommunistischen Kon- kurrenz", da- jedem Kongreß zuteil werde. Er betonte, daß trotz: der ausdrücklichen Erklärung des Entgegenkommens e.in Fusion-- b e s ch l u ß noch wie vor aus Gründen der gewerkschaftlichen Unab- hängigkeit abgelehnt werden müsse. verbanöstag üer englischen ösrgarbeiter. Für die Rationalisierung der Gruben. London, 26. Juli.(Eigener Drohtbericht.) In S out Hort trat am Montag der Verbondstog des britischen Bergarbeiterverbandes, dem ersten seit dem großen Kampf im Bergbau, zusammen. In seiner Eröffnungs- anspräche erinnerte der Präsident des Verbandes, Herbert Smith, an den heroischen Kampf der Bergarbeiter und ging hierauf auf die gegennwärtige kritische Lage im Bergbau ein, welche seiner Meinung nach auf die wahnwitzige Konkurrenz unter den britischen Bergbauunternehmern zurückzuführen sei. Aus politische Fragen übergehend, wandte sich Smith im Hinblick aus die geplante Oberhausreform aufs schärfste gegen die Politik der kon» servotiven Regierung und erklärte, Großbritannien werde sich nach einem neuen Eromwell umsehen müssen, wenn der Wille der Nation keine Geltung mehr habe und die friedliche und fortschrittliche Entwicklung unterbunden werden solle. Die Führer der britischen Gewerkschaften seien stets gegen rote Garden und Gewalt als politisch« Waffen gewesen. Der Glaube an die Gewalt sei sträflicher Wahnsinn, aber falls die privilegierten Klaffen die Grundlagen der britischen Verfassung anzutasten versuchten, sn würden seine Landsleute nicht zaudern, selbst unkonstitutionelle Methoden zur Bewahrung der erkämpften Freiheiten onznwenden.. Falls die Plutokratie das Volk herausfordere, würden diejenigen, die das Volk herausfordern, wie Federn in einem Sturme hinweggefegt werden. London, 26. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Verbandstag der britischen Bergarbeiter nahm am Diens- tag eine Resolution an, in welcher der Verband verpflichtet wird, einen Feldzug�für die Nationalisierung des britischen Bergbaus im Sinne der von den Bergarbeitern seinerzeit eingereichten Sozialisierungsentwürse zu organisieren, um— wie es in der Resolution heißt— den Arbeiter» in derjenigen Industrie, von welcher die Blüte des Landes weitgehend abhängig ist, einen menschenwürdigen Lebens st aiidard zu ermöglichen. Streik der schwedischen Militärdicnstverweigerer. Kopenhagen, 2S. Juli.(Mtb.) 1 Die schwedischen Militärpflichtigen, die aus Gewissensgründen sich weigern,. Militärdienst zu tun. werden zurzeit in der staatlichen JmprögvieriingianstaU in Aasbro bei Halmstad beschäftigt. Bisher sind die Arbeiten in aller Ruhe verlausen, ober jetzt haben sämt- liche Militärdienstverweigerer die Arbeit niedergelegt. Sie sandten selbst dem Kriegsminister eine telegraphische Mitteilung hierüber und motivierten ihren Beschluß damit, daß sie nicht mit einer Arbeit beschäftigt sein wollen, die von den Gewerkschaften blockiert sei. Sie ersuchen daher um Zlnweisung einer anderen Arbeit, die sie auszuführen gewillt find. Nach dem schwedischen Gesetz sind die Weigerer verpflichtet, die Arbeft zu verlichten, die ihnen angewiesen wird, und können im Falle der Ge» horsamsverweigerung mit Gefängnisstrafen belegt werden. Achtung, Bauarbeiter! In dieser Woche ist auf allen Baustellen und in allen Baubetrieben für alle Berussgruppe» im Baugewerks- bund eine Erhebung über Arbeitszeit, Tariflohn, Ueberstunden usw. durchzuführen. Jede Baustelle, jeder Betrieb muß erfaßt werden. Für jede Firma ist ein besonderer Fragebogen auszufüllen. Auf allen Baustellen und in allm Stuck-, Glaser-, Ofensetzer usw. Betrieben, wo ein Fragebogen noch nicht vorhanden ist, ist der Frage- bogen sofort durch den Delegierten oder den Vertrauensmann unserer Organisation vom Bureau. Engelufer 24/25, abzufordern. Wenn auf einer Baustelle Notstandsarbeiter beschäftigt werden, ist anzugeben, wieviel von den Beschäftigten Notstandsarbeiter sind. Der Fragebogen ist sofort ausgefülll zurückzusenden. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschasl Berlin. Der vorstand.' Achtung, SPD.-Beteiebeveetrauensleute! Die Vertreter der Mittel- unb Kleinbetriebe n-erben ersucht, sofort vom Bureau Linbenstr. 3 fiie. Werbezeitschrift„Der Stampfer" odzuholen. Da» Betrieb»- und Beamtensekretariat. Achtung, TBS)..Holzarbelterl Die Werbezeitschrist„Der Stampfer" ist sofort im Lokal Schilling, Rungestr. 30, aozuiiolen. Der Fraktionsoorstand. Freie Seu-erkfdiastojuaenb Kroß. Berlin. Heute IflV- Uhr tagen die Gruppen: Reuköllu: Gruppenheim Jugendheim Vergstr. 20, Hos. Sport."— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18. Vortrog: Tortraa: „Jugend und .Bursche ui-d Madel in der Zugenddetvegung."— Abarlotteuburg: Gruppenheim Jugendheim Deutsche» Strankenkassenhau» Berliner Str. 187 Vortrog:„Gemerkschastspresse." — Nord ring: Sruppenheim Jugendheim Lberswalder Str. 10. � Vortrag:„Wie entsteht unser Mitteilungsblatt?"— Baumschulenmea: Jugendheim Baum. schulenweg, tkrnststr. 16. Liederabend.— SBethcnstc: Zugendheim Parkstr. 86. Vortrag:„Die Gewerkschaften als Stulturfaktor."— Zeutrum: Jugendheim gehdenicker Str. 24/25. Kulturpolitische Fragen:„Da» Schmutz- und Schund- gesetz."— vstkrei»: Spielen im Friedrichshain und im Treptower Park. Juaendgruppe de« gdA. Leute 10-; Uhr sind folgende Veranstaltungen: Bezirk Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Vortrag und Rezitation: „Moderne Dichter— moderne Dichtung"(Theo Maret).— Bezirk Neukölln: Jugendheim Nogatstr. 38. Bunter Abend.— Bezirk wedding.Sesnndbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1 lLedigenheim 5 Tr.). Diskussionsabend Uber„Die Bedeutung der Stolonien."— Bezirk Iharlotteuburgt Jugendheim Rostnenstr. 4. Berusskundlicher Arbeitsabend lSchumann).— Bezirk Nordwest: Die Jugend- Mitglieder des Bezirk, Nordwest beteiligen sich an der Veranstaltung des Be. zirks Gharlottenburg.— Bezirk Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Wir veranstalten einen Löns-Abend. Berantwortlich kür Politik: Lietot Schiff: Wirtschast:®. Stlingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: O. Schindler; Feuilleton: Dr. Iohu Schilowski, Lokales und Sonstiges: Fritz Starftädt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Borwärts-Berlag G. m. b H„ Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u So Berlin 6® 68. Lindenstrahe 8. Hierzu 1 Beilage und„Iluterhaltuua und Wilsen". WJUV. Nr. Z5S ♦ 44.?ahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 27.Fiilim7 Die erste öeutjlche Dauerausstellung. Das neue Riese»lprojekt der Stadt Berlin. Die Verhandlungen über die große internationale Ausstellung de. B a u w i r i s ch a f t, über die wir bereits vor einigen Tagen turz berichteten, haben nunmehr sehr schnell greisbare Formen angenommen. Wie wir hören, sind die Bc- ratungen des Magistrats bereits so weit gediehen, daß sich die Stadtverordnetenversammlung unmittelbar nach den Ferien c n d- gültig darüber schlüssig werden kann. Obgleich über die Einzelheiten der gepflogenen Verhandlungen zurzeit natürlich noch keine Mitteilungen gemacht werden können, dürfte es doch von allgemeinem Interesse sein, über die Grundlagen und Auswirkungen des großzügigen Planes bereits fetzt näheres zu erfahren. Die Messcgesellschaft der Stadl Berlin hat be- kanntlich— in, Gegensatz zu den Gepslogenheiren anderer Groß- stiidts— seit ihrer Gründung den Gedanken der Fachmessen und der Sonderausstellungen mit einem alle Erwartungen übersteigenden Erfolge betrieben. Die Reichshauptstodt ist dadurch'in gang wenigen Iahren, was kaum jemand zu hoffen gewagt hatte, zu einem der führenden Messestädte Deutschlands. wenn nicht bereits zu der führenden Messestadt überhaupt auf- gerückt. Di« wirtschaftliche wie die propagandistische Geschicklichkeit der Leihing der Messegejellschaft hat sich am deutlichsten darin oezeigt, daß sie— mit einem Stammkapital von ganzen 100 000 M. gegründet— sich im Laufe von zwei Jahren das für ihre großen Aufgaben erforderliche Betriebskapital gewissermaßen selbst verdient hat. Sie hat bereits jetzt über 40 neue Fachausstellungen für die nächsten Jahre fest abgeschlosien. Sämtliche Tage des Jahres 1928 sind«nd- gültig belegt, so daß auch für die kommende Zeit der wirt- schaftliche Erfolg sicher gestellt erscheint. Die Sozialdemo- kratie hat diese Entwicklung aus das freudigste begrüßt und aus das wirksamst« gefördert. Die arbeitende Bevölkerung Berlins hat das lebhafteste Interesse an allen Unternehmungen, die geeignet sind, Arbeitsgelegenheit zu schaffen und die Er- werbslosigkeit herabzumindern. Die sozialdemo- kratische Rathaussraktion hat deshalb auch den großen Gcländeankäusen für die Erweiterung des Messegeländes im Hinblick auf die neuen Aufgaben, die sich die Messegesellschast gesteckt hat, im vorigen Monat ihre Zustimmung gegeben, unbekümmert um das agitatorische Geschrei der Deutschnationalen. die Arbeitsbeschas. sung als eine unnülze verschlvcndung städtischer Gelder betrachten. Diese neuen Aufgaben verlangen nun nach ihrer Lösung. Neben die stetig wechselnden Fachausstellungen soll«ine D a u er- ausstellung der eigentlichen Schlüsselindustrie, der Bau- Wirtschaft, treten, deren Eröffnung bereits für das Jahr 1930 vorgesehen ist. Es handelt sich um die erst« großzügige Dauer- ausstellung in Deutschland überhaupt, in einem Rohmen, wie er nur Weltausstellungen bisher gegeben zu werden pflegt«. Das ge- samts Gelände von der Heerstraße bis zum Haus der Funkindustrie, ein Raum von insgesamt 150 000 Ouadratmeter, soll für diesen Zweck verfügbar gemacht werden. Es befindet sich, wie gesagt, dank der Voraussicht der städtischen Körperschasten schon in der Hand der Stadt. Auf dem Gelände werden eine größere Iaht von Dauer. bauten errichtet werden, neben den eigentlichen Ausstellungshallen ist ein kongreßhavs geplant, eine Art Stadthalle, die bisher ja in der Reichshauptstadt immer noch fehlte, eine Sporthalle usw. Man wird nicht zu hoch greifen, wenn man das Gesamtprojekt auf 60 bis TO Millionen Mark veranschlagt. Es versteht sich von selbst, daß die beteiligten Wirt- 'chaftskreise zu den Kosten wie zu der Garantieleistung in weitestem Umfange sich werden bereit erklären müssen, wenn die Stadt an die Durchführung des Planes herangehen soll. Es versteht sich weiter- hin von selbst, daß die Durchführung des großen Ausstellungsplanes nicht ohne die tätige und beratende Mitwirkung der Gewerkschaften möglich ist. Handelt es sich doch um ein Werk, das dem Leben, der E n t w i ck l u n g der Wirtschaft zu innner höheren und immer vollkommeneren Formen gewidmet sein soll. Die Ausstellung soll nicht etwa wie ein Museum den Stand der Bauwirtschast zu einem bestimmten Zeitpunkt repräsentier.'» oder den historischen Werde- gang zeigen, sondern sie soll dem Besucher zu jeder Zeit das Beste und Reueste, das die Wirtschast geschassen hat, im großen ganzen wie im einzelnen vor Augen führen. Sie soll— vom Hausbau bis zur kleinsten Haushaltungsmaschine— jeweilig d-n neuesten Stand der Entwicklung zeigen. Bei der engen Verknüpfung der Bauwirtschast mit den mannig- fachsten Industrien und Techniken wird diese Dauerausstellung trog ihrer bewußten und absichtlichen Beschränkung auf ein einzelnes „Fach* doch einen universellen Charakter tragen. Und es besteht die Hoffnung, daß die einzelnen Industrien sich auf die Dauer nicht damit begnügen werden, als„Anhängsel* dieser Fachausstellung in die Erscheinung zu treten. Wenn sich der Gedanke einer Dauer- ausstellung als richtig und lebenskräftig erwiesen haben wird— woran kaum ein Zweifel möglich ist—, so wird sich sehr bald der Wunsch nach weiteren ständigen Fachausstellungen bemerkbar machen. Messe und Industrie werden sich dann wechselseitig befruchten, und die Wirtschaft Berlins wird den Vorteil daraus ziehen. Schon heute hat ja beispielsweise die Elektrizilätsindustrie zu 40 Pro;, in verlin ihren Sitz. Die Schwerindustrie, die Film-, die Radio-, die Z i g a- rettenindustrie— um nur ein paar Beispiele herauszugreifen — erkennen immer mehr den Vorzug einer möglichst engen Ver- knüpfung ihrer Betriebe mit der Reichshauptstadt. Sie alle haben schon heute ein lebhaftes Interesse daran, ihr« neuesten Erzeugnisse einem möglich st weiten Kreise von Verbrauchern möglichst ständig vor Augen führen zu können. Nirgends ist die Gelegenheit so günstig wie hier auf dem Berliner Messe- g e l ä n d e, wo die Bevölkerung der Viermillionenstadt mit ihrem stetig wachsenden Fremdenverkehr dauernd die Möglichkeit der Be- sichtigung hat. So birgt das große Projekt der ersten deutschen Daueraus- stellung, das eben der Vollendung entgegenreist, bereits die keime zu neuen Entwicklungen in sich. Die Sozialdemokratie wird diese Entwicklungen mit tätiger Anteilnahme fördern, solange und soweit sie davon überzeugt ist, daß es sich dabei nicht um die so viel geschmähte„Projektemacherei* handelt, sondern um weitausschauende Pläne, deren Erfüllung letzten Endes der arbeiten- den Bevölkerung Berlins zugute kommt. Und sie wird vor großen Aufgaben nicht zurückschrecken, wenn ihre Lösung ein großes Ziel zu verwirklichen vermag. Die Rache üer Dahnwärterfrau. Es tut ihr leid- aber sie konnte nicht anders. Borsätzlich« Sachbeschädigung wird der 48jährigen Bahnwärters- frau Minna A. aus Neu-Seddin zur Last gelegt. Weinend steht die kleine schwächlich ausehende Frau vor dem Richter des Potsdamer Amtsgerichts. Die Frau ist beschuldigt, in der Nacht zum 16. Mai den Garten des Eisenbahnofsistenten Baumert in der Siedlung Neu- Seddin niedergelegt zu haben, indem sie nicht weniger als 61 Stachel- beersträucher, viele Kirsch-, Aepfel- und Birnbäume sowie sämtliche Rosenstöcke mit einer Axt runtergehauen hat. Die Angeklagte wurde seit Monaten von der Frau des Bahn- assistenten wegen eines vorangegangenen Streites geschnitten. Das nahm sie sich so zu Herzen, daß sie Tag und Nacht darüber nachgrübelte, wie sie sich an der Assistentenfrou rächen könnte. In der fraglichen Nacht gegen 12 Uhr— der Ehemann befand sich auf der Strecke— schlich sich die Angeklagte mit einem Beil bewaffnet in den Obstaarten des Assistenten und wütete darin wie eine Furie. Bäume wurden gefällt und Sträucher nieder- gehauen. Das andauernde Krachen und Schlagen weckte die Kolonisten aus dem Schlaf. Erst als ein Licht in einem Fenster sichtbar wurde, ließ die rachedurstig« Frau von ihrem Zerstörungswerk ab. Ungesehen gelangte sie wieder in ihre Wohnung. Am nächsten Morgen bot der Garten einen furchtbaren Anblick. Die Täterin selbst war nach Berlin gefahren und schickte von dort einen anonymen Brief folgenden Inhalts an die Assistentenfrau:„Ich habe Dir Rache geschworen. Deinen Garten habe ich Dir aufgeräumt, aber am liebsten hätte ich Dir hundert Messer in die Kehle gejagt. Dein Kreuzberg, Berlin." Ein paar Tage später ging die Angeklagte zu ihrer Todfeindin und bekannte sich als Täterin. Vors.: Waren Sie mal in einer Irrenanstalt? Angekl.(mit verzückten Augen dastehend): Ich mußte die Tat machen, es hatte mich gepackt, und da ich immer ollein im Leben war, mußte ich immer grübeln. Wäre das Licht nicht am Fenster erschienen, Herr Richter, ich hätte noch mehr mit dem Beil angerichtet. Nach der Tat und dem Geständnis bin ich wie erleichtert gewesen. Mir tut es bitter leid, aber ich konnte nicht anders. Der geschädigte Bahnassistent verzichtete aus eine Be- st r a fu ng der Angeklagten. Das Urteil erging auf drei Wochen Gefängnis. Der Angeschuldigten wurde eine Bewährungsfrist von zwei Jahren zugebilligt mit der Maßgabe, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. Ein Psychiater ist in der Ver- Handlung nicht zu Wort gekommen. 500 Kommunisten festgenommen. Grober Unfug auf der Hamburger Chaussee. Einen unerwarteten Abschluß fand gestern morgen eine Fahrt, die 500 Mitglieder des Roten Frontkämpfcrbundes in Berlin in zahlreichen Lastkraftwagen nach Hamburg zu einem Treffen der dortigen Roten Frontkämpfer veranstaltet hatten. Bei der Rückkehr aus der Hansastadt wurden die Lastwagen in der Nähe von Nauen von einem starken Ausgebot von Schutzpolizei und Land- jägern angehalten und nach dem Polizeipräsidium in Berlin geleitet, wo dieser Massentran-port einiges Aufsehen erregte. Dem Vorgehen der Polizei liegt folgender Sachverhalt zugrunde: In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag hatten die Roten Frontkämpfer in sechs Lastautos die Fahrt von Berlin nach Ham- bürg angetreten. Dabei kamen sie hinter Nauen zwischen F r i e s a ck und R i e b e ck an eine Straßensperre, die wegen Neu- aufschotterung des dahinterliegenden Chausseeabschnitts errichtet und mit roten Fahnen und roten Laternen gekennzeichnet worden war. Der Verkehr war von hier auf eine Parallelstraße abgeleitet. Trotz der zahlreichen Warnungszeichen fuhren dfc Kommunisten auf der Chaussee weiter, zertrümmerten die Barrieren und die Laternen und nahmen die roten Fahnen mit. Der Wegemeister, der sich ihnen in den Weg stellte, wurde erst bedroht und schließlich mißhandelt. Im Dunkel der Nacht gelang es dann den Lastautos, ungehindert in Richtung Ham- bürg zu entkommen. Auf die Meldung des Chausseewärters erbat nun die Polizeiverwaltung Nauen die Hilfe der Berliner Polizei, um den Transport bei seiner Rückkehr von Hamburg nach Berlin zu sistieren. Nachdem aus Hamburg die Meldung eingetroffen war, daß die Roten Frontkämpfer in der Nacht zum Dienstag die Stadt in Richtung Berlin wieder verlassen hatten, wurde kurz vor Nauen ein Kommando von Schutzpolizei und Landjägern postiert, um die Urheber des groben Unfugs in Empfang zu nehmen. Die Lastkraft- wagen wurden angehalten, und nun ging es unter der Eskorte der Schutzpolizei zum Polizeipräsidium, wo die Personalien der rund 500 Roten Frontkämpfer festgestellt wurden. Da es sich ausfchließ- lich um in Berlin ansässige Personen handelte, wurden sie dann sämtlich wieder auf freien Fuß gesetzt, haben aber ein Verfahren wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Körper- Verletzung und Transportgefährdung zu erwarten. Die Beseitigung der Warnungs.zeichen an der Baustelle auf der Ham- burger Chausiee hätte in der Nacht leicht ahnungslos herankommen- den Kraftwagen Unhell bringen können. Eine neue Fernsprechvermittlungsstelle. Die Aufnahmefähigkeit der Fernsprechvermittlungsstellen „P f a l z b u r g* und„U h l a n d* im Berliner Westen ist, wie die Deutsche Reichspost mitteilt, nahezu erschöpft. Es ist daher beabsichtigt, eine neue Vermittlungsstelle einzurichten, an die Teilnehmer aus dem Anschlußbereiche der Vermittlungsstellen „Pfalzburg* und„Uhland* angeschlossen werden sollen. Für die neue Vermittlungsstelle ist der Name„B r a b a n t" in Aussieht genommen, woraus sich schließen läßt, daß hauptsächlich Teilnehmer aus den Ortsteilen Wilmersdorf und Schmargendorf in der Umgegend des Brabanter Platzes für die neue Vermittlungs- stelle in Frage kommen werden. Etwaige Bedenken gegen die neue Bezeichnung sind der Verk.'hrsabteilung der Berliner Industrie- und Handelskammer, C2, Klosterstraße 41, zuzuleiten. Die Silberschroärme 14j fUvll INachdruck ü«b»ten SCniortgttft IX- fetrjefeiina ans btm von Ixlla 5?opp«( Während der folgenden Tage war sie ihm beständig zur Seite und versuchte seinen Wissensdurst für alles, was mit dem Lachsfang und dem Einkochungssystem in Verbindung stand, zu befriedigen. Er sah mehr und mehr ein, daß die Zeit begrenzt und schnelles Handeln nötig war, wollte er das Ziel, auf das er jetzt mit Leidenschaft zustrebte, erreichen. Sie war wie gelähmt über seine plötzliche Verwandlung. Zuerst war sie froh gewesen, als sie aber merkte, daß er sie nur als Mittel zum Zweck betrachtete, fühlte sie sich von der kaltblütigen und anmaßenden Führerrolle, die er sich erzwang, abgestoßen und gekränkt. Constantine war ausgesandt worden, um Balt zu holen, er sollte ihn suchen, bis er ihn gefunden hatte. Während sie ungeduldig auf ihn warteten, verbrachten sie den größten Teil der Tage damit, daß sie die nächste Lachskonservenfabrit be- sichtigten. Cherry hatte sich bei einem Aufseher, mit dem sie gut stand, die Erlaubnis dazu erwirkt. Der Mann hatte zuerst Bedenken gehabt, Emerson aber hatte verstanden, sein Vert'-auen zu gewinnen und fragte ihn geschickt aus. Er hatte die Fabrik von oben bis unten untersucht und solch große Auffassungsfähigkeit bewiesen, daß es Cherry wunderte. So- gar Einzelheiten erfaßte er sofort und erinnerte sich ihrer genau. Sein Gehirn schien niemals zu ermüden. „Sie wissen schon besser Bescheid als ein Fabritbesitzer,* bemerkte sie, nachdem eine Woche mit gründlichen Unter- suchungen vergangen war.„Ich glaube fast, Sie könnten selbst eine Fabrik bauen.* Er lächelte. .Ich 6m gelernter Ingenieur, dies alles gehört zu meinem Fach. Die andere Seite der Sache ist es, die mir mehr Schwierigkeiten bereitet.* „Darauf versteht Balt sich- „Wo bleibt er nur?* fragte er verdrießlich. Schon oftmals hatte er seiner Ungeduld Luft gemacht. Cherry mußte ihn immer wieder beruhigen. Sie war nicht die einzige, die die Veränderung, die mit ihm vorgegangen war. bemerkt hatte, auch Fräser hatte sie mit Verwunderung verfolgt. Einmal sagte er zu Cherry„Was haben Sie mit ihm angefangen? Haben Sie ihm Quecksilber zu essen ge- geben? Ich habe noch nie gesehen, daß ein Mensch sich so verwandeln kann. Allerdings ist er noch immer kein sehr gemütlicher und mitteilsamer Kamerad, aber immerhin hat er sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit entwickelt und scheint wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken.* „Hoffnungsvoll? Was meinen Sie damit?* „Wenn ich das nur selbst wüßte, er ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich hofft er, Geld zu verdienen.* „Nein,* sagte Cherry,„das glaube ich nicht. Er gehört nicht zu denen, die Wert auf Geld legen." Gern hätte sie Fräser gefragt, ob er etwas von der geheimnisvollen Schönen aus der Zeitschrift wußte; sie unterließ es aber. „Eigentlich glaube ich es auch kaum," antwortete Fräser. „Er benimmt sich eher, als ob fein Leben von dem Gelingen dieses Fischereigeschäftes abhinge, als ob es eine Wette gälte." „Es ist auch meine letzte Chance," sagte Cherry Malotte, „Meine Leute sind drauf und dran, mich zu verlassen und — Willis March wird das seinige tun, um mich finanzielle zu- gründe zu richten." „So, so, es ist auch Ihre letzte Chance," sagte Fräser, „ich dachte, Sie hätten einen ganz anderen Grund um Emer- son zu starten." Er beobachtete sie listig. „Was dachten Sie, wenn ich fragen darf?" „Na. rein herausgesagt, dies ist ein einsamer Ort für eine alleinstehende Frau, und unser gemeinsamer Freund ist ja ein recht stattlicher und einnehmender Mann." Cherry errötete, ihr Ton aber war eiskalt.„Es handelt sich hier um eine geschäftliche Angelegenheit." „Hm. hm. Ich habe noch nie gehört, daß Sie sich als Geschäftsfrau besonders hervorgetan haben," bemerkte der Abenteurer. „Haben Sie je etwas über mich gehört——" Ihre Züge verzerrten sich und ihre frischen Wangen erblaßten. „Wissen Sie, bisweilen fühle ich mich in Emersons Gesellschaft ungemütlich," antwortete Fräser ausweichend. „Er ist so oerflucht moralisch, wie ein Held in einem Roman." „Sie haben mir nicht auf meine Frage geantwortet," sagte Cherry. Fräser aber wich ihr abermals aus. „Warum behalten Sie nicht lieber mich als Beschützer hier, wenn Sie fürchten, daß dieser Marsh Sie verfolgen wird? Ich werde ihm schon sein Handwerk legen." „Dante, ich kann mich selbst beschützen!" saqte Fräulein Malotte in einem Ton, der der Unterhaltung ein Ende machte. Constantine war schon eine ganze Woche fort gewesen, als die beiden sehnsüchtig erwarteten Männer endlich eines Abends durch dichten Nebel und Sturm, halb erfroren und ganz ermattet, durch die Tür hereingeweht wurden. An ihren eingefallenen Backen und den blutenden Pfoten der Hunde konnte man die Spuren chrer anstrengenden Reise sehen; ob- gleich sie aber fünfundzwanzig Meilen Wegs hinter sich hatten, lehnte Balt sowohl Ruhe wie Nahrung ab, bevor er erfahren hatte, was Cherry von ihm wollte. „Was ist los?" fragte er in befehlendem Tone und be- trachtete den Fremden mit mißtrauischen Blicken. Cherry erklärte ihm die Lage so kurz wie möglich, während Boyd Emerson ihn musterte, denn eine Gestalt wie dieser Fischer war ihm noch nie begegnet. Er sah einen ungeheuren Riesen vor sich, mit breiter, mächtiger Brust, rotes, struppiges Haar und Vart umrahmten ein gefurchtes, weiter- gebräuntes Gesicht, dessen scharfe Züge wie in Granit gehauen waren, die dunklen Augen schössen drohende und haßerfüllte Blitze, seine Hände waren knorrig und vom Salzwasfer spröde, seine heisere Stimme war wie das Echo einer polternden Brandung: vielleicht war er vierzig Jahre alt, vielleicht sechzig. Jedes seiner Jahre aber hatte dem Meer gehört, der Atem desselben war in seinen Lungen, die Gewaltsamkeit in seinen Adern. Als die Bedeutung von Cherrys Worten dem Filcher klar geworden war, ging' ein Schimmer von Freude über sein Gesicht; sein Mund verzog sich zu einem rauhen Lächeln, seine behaarten Hände öffneten und schlössen sich gierig. „Ist es Ihkr Ernst?" brüllte er Emerson an. „Mein völliger Ernst!" „Können S>e kämpfen?" „Ja." „Wollen Sie tun, was ich Ihnen sage, oder habe Sie alle möglichen Skrupel?" „Nein," erklärte der junge Mann freimütig,„Skrupel habe ich nicht, aber ich lasse mir auch von niemandem befehlen. Ich will hm, was ich selbst für richtig halte, ich allein Hab« in diesem Unternehmen zu sagen." „Die andere Bande wird vor nichts zurückschrecken," sagte Balt warnend. „Ich auch nicht!" antwortete Emerson mit einem harten Ausdruck in seinen Augen und einem Lächeln, das nichts Gutes bedeutete.„Ich will siegen, lassen Sie uns darum keine Zeit mit unnützen Einleitungen vergeuden. Ich will von Ihnen vorerst nur wissen, ob Sie sich dem Unternehmen anschließen wollen oder nicht!"(Fortsetzung folgt.) von Gefängnistrauung zur Anklagebank. Ein Gefängnisrekord. Ein junges Ehepaar, das erst am Tage zuvor im Unter- suchungsgefängnis in Moabit sich die chand zum Ehebunde gereicht hatte, hatte gestern sein erstes Wiedersehen, gewissermaßen seine Alitterzeit, aus der Anklagebank unter der gemeinsamen Anklage des Betrugs vor dem Erweiterten Schöffengericht Mitte. Der Ehe- mann Otto I. konnte für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, einen Retard in Gefängnisstrafen aufgestellt zu hoben. Er ist 4Z Jahre alt und hat über die Hälfte seines Lebens in Gefäng- nifsen und Zuchthäusern zugebracht, und dabei war er nach die letzten drei Jahr-, in denen er die jetzt unter Anklage stehenden Betrügereien verübt hat, auf freiem Fuße. Wodurch der ans guter Familie stammend« Angeklagte auf die abschüssige Bahn gekommen ist, ließ sich nicht klarstellen. Der Angeklagte behauptete, daß er einen„Knax" weg habe, weil er als Kind einmal von einem Dienstmädchen einen schweren Schlag auf den Kopf erhalten hätte. Der Gefängnisarzt Dr. Bürger hielt das aber für unwahrscheim lich, denn sonst hätte der Angeklagte nicht mit Erfolg die Mittel schule und die Baugewerksschule durchmachen können. Er sei nicht einmal minderwertig. Rechtsanwalt Dr. Anderfsen glaubt«, daß der Blick des Angeklagten vielleicht doch auf eine Geisteskrank- heit hindeute. Mit seiner jetzigen Frau war der Angeklagte herum- gezogen und hatte einen Bettelschwindel betrieben, der ihm jahrelang ein gutes Auskommen gewährte. Auf der Eisenbahn- strecke Berlin— Königsberg hatte er fast jeden Ort abgesucht und mit Hilfe von Empfehlungsschreiben, die er auf gestohlenen Ge- schästsbogen selbst angefertigt hatte, erschwindelte er Darlehen und Unterstützungen. Im' einzelnen waren es stets nur kleine Beträge, die aber zusammengerechnet ein nettes Jahreseinkommen ausmach- ten. Das Schöffengericht nahm Abstand, den Angeklagten wieder ins Zuchthaus zu schicken, da er weniger ein Berufsverbrecher, als ein Mann, der aus Schwäche immer wieder strauchelt, sei. Des- halb ging das Gericht erheblich über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und verurteilte I. zu 2 Jahren t Mona« Gefäng- n i s und 3 Jahren Ehrverlust. In der Ehefrau erblickte das Gs- richt ein durch den Angeklagten verführtes Opfer. Es wurde bei ibr nur Beihilfe angenommen und die auf 2 Monate 3 Wochen Gefängnis lautende Strafe durch die Untersuchungshaft für oerbüßt erklärt._ Regulski und seine Garöe. Das falsche Formular der Städtischen Gaswerke. Ein lange gesuchter Gauner konnte endlich in einem Lokal in der Novalisstraße aufgespürt und festgenommen werden. Es handelt sich um einen 28 Jahre alten Josef Regulski, der mit seinen Betrügereien zahlreiche Geschäftsleute in Berlin«mp- findlich geschädigt hat. Oer Gauner hatte es verstanden, sich in den Besitz eines A n- Meldungsformulars der Städtischen Gaswerk« zu setzen. Dieses Formular ließ er vervielfältigen und rüstete damit seine„Garde" aus, die sich um ihn gesammelt hatte. Er schickt« die Leute, meistens junge Burschen, in Geschäfte, die Waren auf Abzahlung verkaufen und da auf den ersten Blick die Fälschung nicht zu erkennen war, so erhielten die„Abgesandten" alles, was sie wünschten, hauptsächlich Kleidungsstücke und Fahrräder. Nachdem sie ein« geringe Anzahlung geleistet hatten, verschwanden sie mit den Waren, lieserten sie an Regulski ob und dieser verschleuderte sie sofort. Der Häuptling der Bande hatte sein Stgmmquartier in dem Lokal in der Novalisstraße. In den letzten Tagen war ihm unangenehm aufgefallen, daß seine Helfershelfer sich mit den erbeuteten Sachen nicht mehr so pünktlich einstellten, mi- zuvor. Das hatte seinen guten Grund. Aus verschiedene An- zeigen hin hotte die Kriminalpolizei die in Betrocht kommenden Kaufhäuser beobachtet und so allmählich einen nach dem an- deren er m i s ch t und hinter Schloß und Niegel gesetzt. Nur Regulski fehlte noch in der Versammlung. Als er wieder in seiner Stammkneipe erschien, nahmen die Beamten ihn fest und brachten ihn nach dem Polizeipräsidium. Außer den Anmeldeformularen der Gaswerke hatte Regulski auch andere Ausweise gefälscht und durch- schnittlich bei jedem„Schlag" 200— 300 Mark erschwindelt. Einige seiner Helfershelfer, die noch nicht gefaßt sind, werden ohne Zweifel weitere Schwindeleien versuchen. Es kann daher den Geschäftsleuten nur empfohlen werden, sich vorzusehen. Mittei- lunaen nimmt Bezirkssekretär Neumann im Polizeipräsidium ent- gegen._ Umbau öes(dpernhauses. Die Montage der Bühnenkonstruktion. Der Umbau des Staatlichen Opernhauses Unter den Lind«n hat in den letzten Wochen recht erhebliche Fortschritte gemacht, obwohl die Regenzeit recht störend auf die Maurerarbeiten eingewirkt hat. Die Bauleitung hofft, die Wiedereröffnung der Bühne auf den 13. Januar 1928 festsetzen zu können. Vor einigen Tagen hat man die Pumpen zur Grundwasserabsenkung für die Unterfahrung der Fundament« und der Anlage der etwa 12 Meter unter Bodcnniveau liegenden Betonwanne für die versenkbare Bühneneinrichtung her- ausnehmen können, da die Betonsohle vollständig fertiggestellt worden ist. Das Grundwasser, das sehr erheblich abgesenkt worden war, hat bereits nahezu seinen normalen Stand erreicht. Ein Blick in das sehr geräumige Bühnenhaus läßt jetzt schon erkennen, daß das Opernhaus nach dem Umbau die größte und modernste Bllhnen- einrichtung Europas, vielleicht der Welt erhalten wird. Das Bühnen- Haus hat eine Höhe von etwa 40 Metern und soll die sieben ver- senkbaren Podien aufnehmen. Die ersten drei dieser Bühnenteile, die je 3 Meter tief und 16 Meter breit sind, werden die eigentliche Spielfläche darstellen, die also«in« Größe von 9 mal 16 Meter haben wird. Die Bühne ist nach dem Prinzip des Fahrstuhles so eingerichtet worden, daß zu gleicher Zeit der Abbau und Aufbau der verschiedenen Szenen vor sich gehen kann. Die Podien sind nicht nur nach oben und unten versenkbar, sondern können auch zwecks Auswechslung nach rechts und links geschoben werden, fo daß sich der Szenenwechsel überaus rasch vollziehen wird. Gegen- wärtig ist man mit dem Einbau dieser Bühnenmaschinen, die' die Firma Kölle u. Honsel liefert, beschäftigt. Allein diese Einrichtung kostet 1% Millionen Mark. Außerdem sind die beiden Anbauten rechts und links schon bis zur Dreiviertelhöhe gewachsen. In diese Seitenflügel werden die alten Schachteltreppen hineingelegt, die bis- her in sehr unbequemer Weise zu den Rängen emporführten. Auch die Räume für die im bisherigen Heizungskeller gelegene Konditorei sind bereits im Rohbau fertiggestellt worden. Neben diesen neuen Erfrischungsräumen wird das Opernhaus aber auch eine vollkommen neu« Lüftungs- und Heizungsanlag« erhalten, und der Bau der neuen Kanäle für diese Zwecke ist bereits in vollem Gang«. Im Vestibül, das ebenfalls vollständig erneuert wird, werden zurzeit Architekturproben aus Gips für das Stuckwerk und die Säulen an- gelegt. Im Zuschauerraum werden bekanntlick» keine Umbauten vor- genommen, da der Landeskonferoator Preußens, Geheimrat H i e ck e, im Hinblick auf den historischen Wert der Architektur Ein. spruch erhaben hat. Durch dieses Veto kann nun die beabsichtigte Verbesserung der zum Teil sehr ungünstigen Zuschauerplätze nicht vorgenommen werden, was insofern bedauerlich Ist, als ein großer Teil der Theaterbesucher auf diese Weise von dem recht kostspieligen Umbau nichts profitieren wird. 3a der Mutterschule des Dr. Heumannfchen Klnderhaufes findet wieder wöchentlich einmal Unterricht in Säugling?- pflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2 bis 6 Uhr im Bureau des Kinderhaus«», Blumen- strafte 97, 51» Deutfther Krantentassentag. Auch die Arbeitgeber gegen Hetze und Prestfehde. Die Hauptversammlung des Hauptoerbandes Deutscher Krankenkassen begann am 24. Juli d. I. in der Stadt- hall« in Königsberg i. Pr. Anwesend waren 1400 Dele- gierte, und zwar 27S Arbeitgeber, 689 Versicherte und 460-Angestellt«, die insgesamt 1054 Millionen K r a n k e n v e r- sicherte oertraten. Außerdem sind Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden in sehr großer Anzahl erschienen. Die Tagung fand unter dem Vorsitz der Stadträte A h r e n s- Berlin, Kirchhof- Dresden und P o l e n tz- Königsberg statt. In den Begrützungs- reden sprach für alle Reichsbehörden Ministerialdirektor G r i s e r vom Reichsarbeitsministerium, dann erhielt der geschästsführende Dorsitzende des Hauptoerbandes deutscher Krankenkassen L c h- mann das Wort zu seinem Geschäftsbericht. Der Vottragende berichtete, daß mehr als die Hälfte aller Der- sicherten des Deutschen Reiches und mit den Angehörigen e i n sehr großer Teil des deutschenBolkes in den Orts- krankenkasien oettreten sind. Nicht nur die Krankenkasssnversiche- rung, sondern auch die Genesendenfürsorge, sowie die Kinder- und Bäderfürsorge sind durch die Arbeit des Ver- bandes ungemein gefördett worden. Leider wird in der Oeffenl- lichkeit eine unerhörte hetze gegen die Krankenkassen getrieben. Der Vortragende kennzeichnete die Methoden dieser Hetze. Er wies besonders darauf hin, daß gewisse Kreise sich nicht scheuen, der Presse ossenbare Unwahrheiten zu übermitteln, die von der Presse in gutem Glauben weitergegeben werden. Er bot die Tagespreise, das ihr übermittelte Material immer eingehend zu prüfen, ehe es verösfentiicht wird. Scharf wandte sich der Vortragende gegen die Bestrebungen, die darauf hinzielen, zwischen Arbeitgebern und Versicherten in der Krankenver- sicherung eine tiefe Kluft aufzureißen.„Wir sind An- bänger der Gemeinschaftsarbeit und hoffen, daß diese Gruppen sich nicht beirren lassen werden, in dieser für das Volkswohl unbedingt erforderlichen Gemeinschaftsarbeit fortzufahren." Scharf rügt« der Vortragende auch die Bestrebungen, die jkranksnver- sicherung durch die Gründung kleinster leistungsschwacher Jnnungs- krankenkasien sowie durch die Gründung von Ersatzkassen weiter zu zersplittern. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der die Gründung von Ersatzkrankenkassen scharf verurteilt wird. Erfreulich war es, daß in der Aussprache auch Vertreter der Arbeitgeber sich sehr energisch gegen die hetze aussprachen, die gegen die Krankenkassen getrieben wird. eind daß sie den festen Willen bekundeten, wie bisher einmütig mit den Versickerten auf dem Gebiete der Krankenversicherung zusammenzustehen. Näckster Redner war der Referent im Jnter- nationalen Arbeitsamt. Dr. O. Stein(Genf), der über die Jnter- Nationalisierung der Krankenkassen sprach. Die i n t e r n a t i o- näle Sozialversicherung wird kommen. Daß Deutsch- land auf diesem Gebiete Anregung und Antrieb gegeben hat, ist sein großes westhistorisches Verdienst.— Der Generalsekretär d»s Reichsausschusses für„Hygienische Volksbelehrung, Professor Dr. Ado m, brachte der Versammlung den Gedanken der sozial- hygienischen Volksbelehrung nahe. Hieran teilzunehmen und in Verbindung mit der Aerzteschast die Belehrung zu fördern und weiter zu treiben, ist eine Aufgabe, der die K r a n k e n k a s s e n sich nicht entziehen sollten. Die Versammlung bekundete ihre Uebereinstimmung mir den Ansichten des Referenten durch Annahme einer entsprechenden Entschließung. Am zweiten Tage berichteten Direktor Dr. S ch w 6 e r S und Chefarzt Dr. P r y l l über die Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsfürsorge. i Beide Referenten bekundeten trotz mancher gegensätzlicher Auf- fassungen die Ansicht, die Träger der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege, der Sozialversicherung usw. zu Gemeinschaften zu- sammenzuschließen, die unter höchster Kraftentsaltung die bisher viel- fach durch- und gegeneinander laufenden Bestrebungen auf das Ge- biet der Gesundheitsfürsorge zu konzentrieren. Mit den Gemein- schasten müssen die Korporalionen, die nach ihren Leistungen An- spruch darauf haben, die Führung übernehmen, um den Kampf gegen die Volksseuchen, insbesondere gegen die Tuberkulose und die Geschlechtskrankheiten zu einem glücklichen Ende zu führen.— Auch der nächste Vortragende. Dr. R o e s ch m a n n, Geschästssührer der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrantheiten. schloß sich diesem Gedanken an. Der Bortragende warnte� insbe- sondere vor der Auffassung, daß die Geschlechtskrankheiten im Abslauen seien und daß es zu ihrer Bekämpfung besonderer Maß- nahmen deshalb nicht bedarf. Noch Immer sind die Geschlechtskrankheiten nächst den Masern! die weitest verbreiteten Krankheiten. Diese Tatsache zwingt uns nach wie vor den Kampf mit aller Energie gegen diese Volksseuche, die die verheerendsten Folgen noch sich zieht. auszunehmen. Die Krankenkasse muß ebenso wie alle anderen beteiligten Kreise ihr Augenmerk vor alkenD'Ngen der Vor- b e u g u n g zuwenden. Auch in Uebereinstimmung mit diesem Redner bestätigte die Versammlung sein« Ausführungen durch An- nähme einer entsprechenden Entschließung. Der Präsident der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit. Professor Dr. L a n g st e i n. sprach dann über die Notwendigkeit der Säuglingsfürsorge. Die englisch« Krank- heit noenr nicht' aui viel versprechen.'Deshalb warten wir im nächsten Zigaretten � Qesdiaft auf Sie. JSasscn Sie sich das Vcrqnuqaiy uns kennen tun lemeih ch 5 oder 6 Pfennig kosten Srobicren Se eine IrBdlS �ISgavette und dam: P llrteileiv Sie selbst f MassarpMtee Massary-Sklft GOLdF-u. SEIPENMUNDSrj GOLD- u. SEID ENMUMDSi: GOLD- u. TÜRKIS MUNDSU ~1P 6* S» L Die Setriebe öer Staöt Derlin. Eine Revue des Erfolges. Wenn man von den kommunalen Betrieben Berlins spricht, so denkt man in der Regel ausschließlich an die großen Monopol- Unternehmungen auf dem Gebiete des Verkehrs, der Licht-, Kraft- und Wasserversorgung. Und man vergißt nur zu leicht, daß die kommunale Bemirtschaftung sich im heutigen Berlin, dem Zwange der Entwicklung folgend, ein weit über diesen Rahmen hinausgehendes Feld erobert hat. An Wider st änden, an offener und versteckter Gegnerschaft, hat es dabei allerdings nicht gefehlt. Die Sozialdemokratie sah sich bei ihrem zielbewußten Willen nach einer konsequenten Ausdehnung des kommunalen Wirtschafts- bereiches der geschlossenen Front aller bürgerlichen Parteien gegenüber. Sie hat den Widerstand gebrochen, unbekümmert darum, welche Partei gerade die Führung im Kampfe gegen sie übernommen hatte: d� Demokraten Anno 1922, die in den berüchtigten„P. M.-Artikein" die Privatisierung selbst der Straßen- bahn forderten, oder die Bolkspartei als berufene Vertreterin der kapitalistischen Interessen oder in jüngster Zeit die Wirtschaftspartei in ihrer angemaßten Funktion als Sachwalterin des gewerblichen Mittelstandes. Die Erfolge der Monopolbetriebe. Ueber die Monopolbetriebe herrscht heute kein Streit mehr. Auch die entschiedensten Gegner jeder kommunalen Wirtschaft müssen widerwillig anerkennen, daß an ihre Beseitigung nicht mehr zu denken ist, daß sie den Beweis für ihre Rentabilität erbracht hoben und daß der Haushalt Berlins ohne die Ueberschüsse dieser städtischen Betriebe schlechterdings nicht mehr zu balancieren wäre. Um welche Summen es sich dabei handelt, zeigt die folgende Zusammenstellung, wobei zu bedenken ist, daß in ihr weder die zurzeit noch privaten, etwa«in Drittel von ganz Verlin beliefernden Gas- und Elektrizitätswerte noch die nur halb- kommunalisierten Berkehrsunternehmungen einbegriffen sind: Bruttoeinnahmen Ueberschüsse Gaswerke...... 68 Mill. 12,8 Mill. ElekirizitätSwerke... 105, 19,6, Wasserwerke..... 18. 5,8, Slraßenbahn..,. Ivo 18 Summa 296 Mill. 56.2 Mill. Es ist bekannt, daß alle diese Werke heute kein« Regiebetriebe im engeren Sinne mehr sind, sondern selbständige Betriebs- gesellschaften mit eigener kaufmännischer Buch- f ü h r u n g. Die Befürchtungen, die anfänglich mit einer gewissen Berechtigung an die Verselbständigung geknüpft wurden, haben sich erfreulicherweise— nach Ueberwindung der zu erwartenden „Pubertätserfcheinungen" der ersten Jahre— nicht erfüllt. Die städtischen Körperschaften haben durchaus die Kontrolle über die Betriebsführung wie überdie Finanzgebarung der Gesellschaften behalten, ohne daß der schleppende Gang der kommunalen Verwaltung die Wirtschaftsführung so ungünstig wie in früheren Zeiten beeinflussen kann. weniger bekannt ist, daß außer diesen großen Betrieben ncch nahezu ein Dutzend anderer rein städtischer Werte vorhanden ist, die gleich- falls mit eigener kaufmännischer Buchführung arbeiten, aber in ihrer Mehrzahl keine Ueberschüsse abwerfen und abwerfen sollen. Die wichtigsten hiervon sind die Müllbeseitigung, Aiehmarkt und Schlachthof sowie der S t a d t f u hr p a r k. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die städtischen Güter ein, die teils durch eigene Bewirtschaftung auf kaufmännischer Grundlage, teils durch Verpachtungen eine größtmögliche Rentabilität zu erzielen ver- sprechen. Die anfänglichen Schwierigkeiten sind auch hier heute über- wunden, die Güter reihen sich nunmehr in die Zahl der Wirt- schaftsbetriebe in stetig steigendem Maße ein, sie werfen für das Jahr 1927 bereits 709 009 Mark an Ueberschüssen ab(gegenüber 420 000 Mark im Vorjahre). An eigentlichen Regiebetrieben besitzt die Stadt Berlin — wenn man von der kleinen Neuköllner Industriebahn absieht— heute nur noch drei: die Kanalisation, die Markthallen und die F o r st e n. Keiner dieser Betriebe wirst Ueberschüsse ob. Bei den städtischen Forsten werden die Einnahmen von etwas über 1 Million durch die notwendigen Ausgaben für Unterhaltung und Verwaltung verschlungen, bei der Kanalisation wie bei der Markt- hallenoerwaltung werden die Gebühren absichtlich so niedrig be- messen, daß keine Ueberschüsse herausspringen können. Mit den bisher aufgezählten Betrieben ist aber das Gebiet kommunaler Bewirtschaftung in Berlin keineswegs erschöpft. Es gibt noch«ine große Zahl völlig kommunaler oder halbtommunaler Gesellschaften, die im Etat der Stadt nur versteckt oder überhaupt nicht in die Erscheinung treten. Und es sind keineswegs die kleinsten. Da ist zunächst bis wohnungsfursorgegesellschast. der die gesamte Finanzierung der Wohnungsbauten, die Beschaf- sung von Bauland und in gewissem Umfange auch die Beschaffung von' Baustoff in Groß-Berlin zufällt. Sie ist eine der best- geleiteten städtischen Gesellschaften, die auch Aufgaben, die sozusagen nur am Rande ihrer eigentlichen Tätigkeit liegen, mit kaufmännischem Geschick und sozialem Verständnis anzupacken ver- standen hat. Welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden waren, zeigen folgende Zahlen, Nach im vorigen Jahre arbeitete die Gesellschaft mit einem städtischen Stammkapital von nur 320 090 M., dem das Land Prsußen und die Landesversicherungsanstalt je ganze 1000 M. hinzugefügt hatten. Auf dieser Grundlage baut« sie eine Bilanz von 155 Millionen mit einem Gewinn von rund 2 Millionen auf, besaß sie selbst gekaufte Grundstücke im Betrage von fast 4 Millionen und eigene Baustoffe von 1,8 Mil- lionen, während sie ihr Inventar auf 2 M. abgeschrieben hatte. Von sonstigen städtischen Gesellschaften seien nur noch zwei besonders erwähnt: die„Berel"(Berliner Anschlag- und Reklamewcsen) und die B r e n n st o f f g e s e l l s ch a f t. Die Ueberschüsie der „Berel" finden sich tiefoersteckt im Berliner Etat unter den Ein- nahmen im Kapitel XV, 8(Siedlungswesen) und XIX,3(Gemeinnützige Vereine), da sie satzungsgemäß nur für diese Zwecke ver- wendet werden dürfen. Auf diese Weise tritt leider nach außen hin die Tatsache nicht deutlich genug in die Erscheinung, daß die Uebernahme der Reklamesöulen in städtische Ver- waltung der Stadt allein nicht w e n i ger als 1,8 Millionen jährlichen Hebers chusf es eingebracht hat, eine Summe, die sonst Jahr für Jahr weiterhin in die Taschen privater Unter- nehmer geflossen wäre. Ganz ähnlich liegen die Dinge bei der städtischen Vrennstoffgesellschast. Besser als alle anderen Unternehmungen zeigt diese Gesellschaft, was ein kommunaler Betrieb unter einer tüchtigen Leitung— die Geschäftsführung liegt zurzeit in den Händen des Genossen Brolat— auch gegenüber einer starken privaten Konturrenz zu leisten vermag. Di« Gesellschaft war ursprünglich nur zur Ver- sargung der städtischen Gebäude mit Brennstoffen gegründet, sie hat in den letzten Jahren durch ihre günstigeren Angebote aber sehr lebhaft in die Belieferung staatlicher und privater Abnehmer in freiem Wettbewerb mit bestem Erfolg« eingegriffen. Die geschäftliche Lage des Betriebes ist trotz der billigen Preisstellung vorzüglich: mit einem Anlagekapital von ganzen 20 000 M. hat sie«inen Umsatz von 2 Millionen gehabt, 250 000 Mark Ueberschuß an die Stadt abgeführt und trotzdem ihren gesamten Fuhrpark von Hunderten von Wagen, Pferden, Automobilen usw. auf 1 M. abgeschrieben. Es würde zu weit führen, wallten wir die übrigen städtischen oder halbstädtischen Betriebe einzeln aufführen. Es genüg« der summarische Hinweis, daß die Stadt Berlin im Besitze von 28 Gesellschaften ist und an weiteren 18 Gesell- schaften hervorragend(mit der Mehrheit der Aktien) b e- teiligt ist. Hierunter sind allein 14 gemeinnützige Bau- und Siedlungsgesellschaften. Zu erwähnen ist außerdem noch die„B e h a l a", die Hasen- und Lagerhaus A.-G., an der Berlin mit 25 Proz. beteiligt ist. Leistungsfähig, konkurrenzfähig und kerngesund. Alles in allem beweisen die Berliner städtischen Betriebe von den größten bis hinunter zu den„Ratsdruckereien" und„Rats- kellereien" einiger Bezirke, daß die kommunal« Bewirtschaftung in der geeigneten Form und unter der geeigneten Leitung es trotz ihrer größeren sozialen Verant- wortung und trotz ihres größeren sozialen Fort- schrittswillens sehr wohl mit der privaten Konkurrenz es aufnehmen kann, und daß der Monopolcharatter, so erwünscht er für kommunale Betriebe natürlich im Interesse der Allgemeinheit auch ist, nicht unbedingte Voraussetzung für ihre Bei- behalwng und Erweiterung zu sein braucht. Fehlschlüge sind der Stadt selbstverständlich nicht erspart geblieben. Kriegsgründungen, voreilige Vergrößerungen und Ausdehnungen mit unzureichenden Mitteln haben neben unfähigen oder betrügerischen Geschäfts- führern die ein« oder die andere Unternehmu ng zum Scheitern ge- bracht. Aber keine Aufbauschung des Einzelfalles hat darüber hinwegzutäuschen vermocht, daß die kommunalen Betriebe Berlins in ihrer Gesamtheit kerngesund sind und daß sie— als die vielgefürchtets„Etappe auf dem Wege zum Sozialismus"— ihren Wert für die Allgemeinheit schon heute vollgültig be- wiesen haben. Die Kampagne gegen Sowjetrußlanö. Deutschlands Stellung.— Amerika.— Die Ccl« Magnaten. Die deutsche Regierung wie auch die ganze deutsche Industrie waren bisher um ein freundliches Verhältnis zu Sowjetrußland be- müht und mit Nachdruck bestrebt, den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Rußland zu fördern. Ein Zeichen dafür, wie ernst diese Ab- sichten waren und sind, ist die Tatsache, daß nach dem Abbruch der englisch-russischen Beziehungen das deutsch-russische Verhältnis sich eher gefestigt als verschlechtert hat. Daß die deutsche Industrie der lachende Dritte bei dem russisch-englischen Wirt- schaftskrieg zu sein hofft, macht das zunächst verständlich. Auch Ruß- land hat ein Interesse daran, seine wirtschaftliche und politische Position durch eine stärkere Anlehnung an Deutschland zu f e st i g e n. Es ist interessant, daß diese Bemühungen jetzt noch nachträglich verstärkt werden. Die ossiziöse„Industrie, und Handels- Zeituirg" hat zum 26. Juli eine russische Sondernummer herausgebracht und zugleich in einer technischen Sonderbeilage durch Wort und Bild die Leistungen der russischen Industrie deutlich zu machen oersucht. Neben zahlreichen führenden Wirtschaftlern Sowjetrußlands haben auch der russische Botschafter in Berlin, K r e st i n s k i, und der deutsche Botschafter in Moskau, Graf Brockdorff- Rantzau, Beiträge geliefert. Die Ausführungen Kreftinsskis gipfeln in der Feststellung, daß Rußland sich keineswegs der ausländischen Mithilfe versagen werde. Er betont aber, daß die Sowjetunion im schlimmsten Falle ohne diese Mitarbeit aus- kommen könne, weil sie eben Mitarbeit und keine Hilfe verlange. Die Mitarbeit der auswärtigen wirtschaftlichen Kreise sei nur eine Frage der Beschleunigung des Tempos im Ausbau der neuen russi- schen Industrie. Da die Industrie im alten und neuen Rußland wesentlich unter deutscher Teilnahme errichtet worden sei, sei zu hoffen, daß die Zusammenarbeit der russischen und deutschen Industrie ein immer größerer Faktor der allgemeinen Entwicklung der freund- schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den vereinigten Sowjetrepubliken sein wird. Fast noch nachdrücklicher spricht Brock- dorff-Rantzou: Kaum genug und nie zuviel könne ge- s ch e h c n, um das Verständnis von der Notwendigkeit einer Be- lebung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen, da die beiden Länder durch Schicksalsgemeinschaft stiiteinander ver- Kunden seien. Jeder Schritt, der die wirtschaftliche Zusamn.enarbeit zwischen Deutschland und Sowjetrußland steigere, sei ein Beitrag zur Erhaltung des Weltfriedens. Er gibt Sowjetrußland allerdings die Lehre, daß der Kaufmann, ob Staat oder Privatmann, verdienen wolle und müsse. Selbstverständlich steckt hinter dieser Betonung der deutsch russi- schen Freundschaft der Wille zum rentablen Geschäft Wenn Krestinski auch die russischen Sorgen kleiner erscheinen lassen möchte, als sie sind, so dürfte der allgemeine Standpunkt Deutsch- lands, gute geschäftliche Beziehungen mit Rußland aufrechtzuerhalten und zu pflegen, richtig sein. Auch in den Vereinigten. Staaten von Nordamerika scheint diefe Ausfassung zu über- wiegen. Eine scharfe Erklärung der amerikanischen Handelskammern gegen Geschäfte mit Rußland hat nach einem Washingtoner Tele- gramm sehr viel Widerspruch gefunden, obwohl die amerikanische Regierung das Vorgehen der Handelskammern zu billigen scheint. Es wird hervorgehoben, daß die großen Unternehmungen der Per- einigten Staaten sich nicht durch Moniseste abhalten lassen werden, auf eigene Hand mit Rußland weiter Geschäfte abzuschließen. Unter den Firmen, die daran besonders interessiert sind, werden intcressanterweise die Standard Oil Co. of New Pork und die Vacuum Oil Co.(Tochtergesellschaften der Standard Oil of New Persey) ge- nannt. Es scheint also unsere Vermutung berechtigt zu sein, daß sich die Tochtergesellschaften von Rockefeller und Morgan nicht sehr viel um den Oelkrieg des Herrn Deterding von der Royal Dutch Shell Company kümmern werden. Im übrigen scheint Herr Deterding mit seinem Oelbeykott gegen Rußland, der gar nichts anderes ist als Konkurrenzneid gegenüber der Standard Oil, in der westeuropäischen Oelindustrie nicht sehr viel Gegenliebe zu finden. Das französische Fachblatt„Le Courier de Pötrole" nennt vier große französische und belgische Ge- sellschaften, die direkt Erzeugnisse des russischen Naphthasyndikats kausen. Sie nennt auch die französische Kriegsflotte unter diesen Käufern. Dazu bringt das Blatt die Enthüllung, daß die Royal Dutch des Herrn Deterding nicht nur ihrerseits kürzlich den Antrag gestellt hat, daß sie an der französischen Lieferung be- teiligt sein wolle, sondern jetzt schon vomrussischenNaphtha- syndikat 25 Proz. der Oelmengen übernehme und ihrerseits weiterverkaufe, die die Standard Oil of New Jork von Rußland übernehme. Endlich wird angedeutet, daß Deterdings Haltung auf Gerüchte über Verhandlungen zurückzuführen sei, die zu einer bedeutenden Erweiterung der Standard-Oil-Konzessionen im russischen Oelgebiet führen können. Herrn Deterdings scheinbar hochmoralische Offensive gegen das„gestohlene Oel" eMhüllt sich also wirklich als ein pures Geschäftsmanöoer mit niedrigen politischen Mitteln. Kartellierung öer Mehlerzeugung? Seit fast zwei Iahren ist die Diskussion über einen Zusammen- schluß der Mühlen, sei es zum Kartell, sei es zu einen, Trust, nicht zur Ruhe gekommen. In beiden Richtungen liegen offenbar so ernst- haste Bestrebungen vor, daß die deutschen Verbraucher aufmerksam gemacht werden müssen. Jetzt hat der Vorstand des Verbandes deutscher Müller beschlossen, die Frage der Kon- tingentierung der Mehlerzeugung, zunächst im Gewerbe selbst, zur Erörterung zu stellen. Man sei einmütig der Ansicht, daß auf irgendeinem Wege die Erzeugung und der Bedarf an Mehl in ein richtiges Verhältnis zueinander gebracht werden sollen, um allzu heftige Konjunkturschwanklmgen auszuschließen. Nach diesem Beschluß der Müller darf man auf allerlei gefaßt sein. Eine Kontingentierung der Mehlerzeugung heißt ein Mehl- k a r t e l l, und käme es zu einein großen Mühlentruft, so läge für die deutsche Mehlversorgung dasselbe vor wie für die Vei-sorgung mit Eisen und Stahl. Nur wäre in einem noch viel höherem Aus- maße dls hier die Notwendigkeit der Selbstverteidigung derVerbraucher undeventuell des staatlichen Ein- griffs gegeben._ Die öeteUigungen öes Mannesmann-Trusts. Gute Geschäfte.— England tritt dem Röhrenkartell bei. Im Februar d. I. hat der Mannesmann Röhreiikonzern sein Stammkapital um 24,8 Millionen Stammaktien aus 140 Millionen erhöht und außerdem rund 20 Millionen Vorzugsaktien bei 25vlo- zentiger Einzahlung ausgegeben, so daß das G e s o m t k a p i t a l jetzt rund 160 Millionen Mark beträgt. Bei der Ein- führung der neuen Stammaktien an der Börse wurden über Geschäftsgang und die Beteiligungen einige bemerkenswerte� Mit- teilungen gemacht. Die ersten Monate des neuen Geschäfts- iah res haben danach ein gutes Ergebnis gebracht, und es sei damit zu rechnen, daß auch für das erhöhte Aktien- kapital eine günstige Dividende herauskommen werde. Die Liste der Beteiligungen, die ausführlich gegeben wird, geben wir nachstehend wieder: 25,05 Mill. Tich. Kr. von 30 Mill. an ManneZmannröbrcviverkc Komolan 1,35. Mark, 1.36,, Wassergas SchweiiiwerkK.-W. Worms 1,7?... l.?0.. Masch.-Fabr. A.-G. Meer. M.-KIadb. 6, 14,,, 7,32,. Storch- Schömberg A.-G., Kirchen. 0,28.., 0,36,. O.Diclrich, Rohrleit.A.-G., Büterseld Sämtl. Kurse derGewerkschnstBraunsteinbergw. Dr. Geier, Waldagcshcim 20,0 Mill. Fr. von 50,0 Mill. der Stahtw. u. Nöhrensabr. Saar i. Paris 619,600 Pfd. Sterl. von 2,0 Mill. der British Mannesm. Tube Co., London 3,25 Mill. Mark an 7 deutschen Mannesmann-Röbrenlagergcsellschasten 6,00,». 6 ausländischen Handelsgesellschaiten u. 3,84,,„ 30 deutschen Verbänden u.Kohtenhandelsgescllschasten Uebrigens scheint der internationale Röhrenver- band, dem bisher sämtliche europäischen Röhrenerzeuger schon angehören, durch den lange umworbenen Beitritt Englands seine letzte Abrundung jetzt zu erhalten. Der Röhrenverband verweigert darüber jede Auskunft. Um so wahrscheinlicher ist der Beitritt. Die englische Zustimmung scheint durch einen Bertrag er- kauft worden zu sein, der den englischen Röhrenproduzenten den Verkauf eines ihrer Produktion entsprechenden Kontingents sichert. Di« Mannesmannbeteiligung an der englischen Röhrenproduktion stärkt natürlich auch die Macht des Mannesmann-Trusts im internationalen Röhrenkartell. Es lebe die Dividende! Die Einführung des D r e i s ch i ch- t e n s y st e m s in den Stahl-, Walz- und Hammerwerken ab 1. Ja- nuar 1928 veranlaßt den„Induftrie-Kurier" wiederzugeben, daß sich die jetzig«„dürftige Rente" selbst der besteingerichteten Stahl- werke(!) sich in Verlust verwandeln werde, sobald die Arbeitszeit- Verkürzung zur Durchführung komme. Die Frage fei offen, ob der Reichsarbeitsmini st er die Folgen bedacht habe, wenn sich der derzeitig« Absatz einmal nur um zehn Prozent verschlechtere. Die Steigerung der Unkosten könne nach der Haltuno. des Reichs. wirtschaftsminist ers durch entsprechende Preiserhöhungen ja auch nicht ausgeglichen werden.— Den Montanherren scheint es schon selbstverständlich zu sein, daß sie bei der gegenwärtigen vollen Beschäftigung ihr Marktmonopol einfach zu Preiserhöhungen aus- münzen dürfen. Ebenso selbstverständlich scheint ihnen aber auch, daß die Reichsregierung nur dazu da ist, ihnen die Dividende zu garantieren. Vor der Dividende haben alle sozialen und volkswirtschaftlichen Fragen einfach zu kapitulieren. Daß das Kapital in der freien Wirtschaft auch noch ein Risiko zu tragen hat, haben sie glücklich vergessen. Der Rcichswirischaslsrak zu den össenklichen Austrügen. Der Zollabbao. Der Reichswirsschaftsrat will durch seinen wirtichafts- politischen Ausschuß der Reichsregierung nahelegen, bei der Reichs- poft und der Reichsbahn und allen sonstigen öffentlichen Auftrog- gebern auf eine planmäßige Auftragserteilung an die Win- schaft von volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten aus hin- zuwinken. Insbesondere soll eine starke, stoßweise Häufung eiliger Aufträge verhindert werden, damit eine größere Stetigkeit in der Beschäftigung der betreffenden Zweige der Industrie erreicht wird. Der Antrag wurde zur weiteren Beratung an einen Arbeitsausschuß verwiesen.— Für das Gutachten über den Z o l l a b b a u, das der Reichswirsschaftsrat der Reichsregierung erstatten soll, werden verschiedene Gruppen gebildet, um die ein- zelnen Abschnitte des Zolltanfs zu bearbeiten. Dabei sollen an- nähernd dreihundert Positionen untersucht werden. Mit einer Ver- nehmung von Sachverständigen ist voraussichtlich nicht zu rechnen, die Untersuchungen der einzelnen Kommissionen sollenimHerbst beendet sein. Das Gutachten soll bekannttich eine der Haupt- grundlogen für einen neuen Zollgesetzentwurf der Regierung werden. Die Arbellsmarkllage In der dritten Zuliwoche. Die Besserung des Arbeitsmarktes setzt« sich auch in der mit dem 23. Juli endenden Woche nach den Meldungen der Landesarbeitsämter fort. In einigen Nachweisbezirken gibt es keine unterstützten Erwerbslosen mehr: in anderen konnten mehr und mehr auch ästere Erwerbslose der Be- schäftigung zugeführt werden. Neben den bisher schon gut beschäftig- ten Wirtschaftszweigen hat sich auch die Situation im Ruhrberg- bau leicht belebt. Leider besagt es noch nicht allzu viel, wenn irgendwo keine Unterstützten mehr gezählt werden. Neben den 500 000 Unterstützten im Reich gibt es mindestens noch 500 000 Nicht unterstützte, die Arbeit suchen. Rapide Entwicklung der holländischen Slaokskohlengruben. Holland ist dank der raschen Entwicklung seiner staatlichen Kohlen- gruben in Limburg in die Reihe der kohlenerzeugenden Länder ge- treten. Die holländische Kohlenförderung, die am Anfang des Jahrhunderts nur etwa 300 000 Tonnen betrug, erreichte 1926 fast 9 Millionen Tonnen, bei einem jährlicbon Kohlenbedarf des Landes von}0 Millionen. Davon wurden 60 Prozent(5,2 Millionen Tonnen) von den staatlichen Kohlengruben gefördert. Die französische Staatsanleihe ein Mißerfolg. Frankreich Hot, um seine schwebenden Schulden in langfristige Anleihen zu ver- wandeln, eine große Konversionsanleihe im Inland aufgelegt, deren Zeichnung am 23. Juli abgeschlossen wunde. Statt beträchtlich mehr als 6 Milliarden Franken, mit denen man gerechnet Hot, scheinen nur zwischen 4 und 5 Milliarden aufgekommen zu sein. Lei Inse&tenstiehen EU Creme Leo dar dick aufzestrichen verbindert schmerzhaftes Anschwellen und . 7�," ju�meiavusic» iu.ii(u;u»CUeH Juckreiz, nnrtt kühlend und reizmilderno. gleichzeitig beste Toilettecreme von herrlichem Blülengeruch, weder fettend noch vebend. Tube 60 Pfa. und 1.-» Ml. Prvbetuben erhältlich ia alle» Chlocvdont-L«laust jt eilt». Mittwoch 27. Ml?»27 Unterhaltung unö �Dissen Seilage ües vorwärts Die Segegnung. Von Wilhelm Cremer. (Schluß.) Kube war gerührt..Nun ja, ich habe Glück gehabt," sagte er. ..Und mos das Beste ist, ich kann dir helfen und manche alte Schuld r n dich bezahlen." Er nahm sein Scheckbuch aus der Tasche und schrieb eine Anweisung auf dreihundert Mark aus.„Morgen früh um elf kommst du zu mir," fuhr er fort.„Hier ist mein« Kart«. Ich nerde dir in einem von unseren Geschäften«ine gute Stellung ver- i hassen, von dem Geld hier kleidest du dich erst einmal neu ein." Cr zwang Wittich, den Scheck in die Tasche zu stecken, und be- r.ann dann, um über die eingetretene Verlegenheit hinwegzukommen, ron anderen Dingen zu erzählen. „Weißt du übrigens, wann wir beide uns zuletzt gesehen haben? Ich kann mich des Tages noch recht gut erinnern, denn als ich so plötzlich fast gegen dich anrannte, kam ich gerade aus einem chaufe, wo ich eine heftige Szene mit einer jungen, hübschen Dame rehabt hatte. Kurz gesagt, ich hatte entdeckt, daß diese junge Dame, die ich damals sehr liebte, mich mit verschiedenen andern betrog, weshalb ich ihr trotz ihrer Tränen den Abschied gegeben." „Ach," sagte Wittig,„wie doch das Schicksal merkwürdig spielt. Tck) erinnere mich auch noch gut des Tages, obgleich es schon lang« ter ist. Denn ich befand mich gerade auf dem Weg« zu meiner späteren Braut und jetzigen Frau, sie wohnte in dem chause, vor t im wir uns damals so unvermutet trafen. Weißt du, ich bin ja von Natur etwas schüchtern, und ich hätte vielleicht nie gewagt, mich ihr zu erklären, ich kam ja auch eigentlich mehr in einer geschäft- lichen Angelegenheit zu ihr. Aber ich traf sie jetzt in einer sehr t aurigen Stimmung. Sie hatte geweint und erzählte mir, daß sie lie Nachricht von dem Tode einer Freundin erhalten hätte. Sie rmr ein so zartes, reines Wesen, und ihr Leid rührte mich so, daß ich sie zu trösten begann— und dann— ich weiß eigentlich selbst ivcht, wie es kam, aber auf einmal waren wir verlobt." Wittig schwieg und lächelte verlegen, als schämte er sich seines Glücks. Auch Kube lächelte. „Kennen wir!" sagte er und zog behaglich den Rauch seiner Zigarre ein.„Die Weiber machen es olle so. Immer glauben wir, wir hätten sie erobert, und wir sind stolz auf unsere Zähigkeit, un- sere Schlauheit, oder gar auf unsere männlich« Unwiderstehlichkeit. Tn Wirklichkeit sind wir aber garnicht, wie wir uns einbilden, die Jäger, sondern das gejagte Wild, das arglos in die von der Frau «istellte Falle geht. Das Mädel, von dem ich dir vorhin erzählte, b-'be ich zum Beispiel an einer Haltestelle der Straßenbahn kennen gelernt. Ich hatte es eilig und stand dicht vor dem Wagen, um als erster einzusteigen, als plötzlich ein junges Mädchen, das absteigen wollte, einen leisen Schmorzensschrei ausstieß und sich an meinen Arm anklammert«. Die Aermste hatte sich den Fuß verstaucht." „Den Fuß verstaucht?" unterbrach ihn in diesem Augenblick Wittig und starrte ihn erregt an. Sein Gesicht war plötzlich ganz fleckig geworden. „Nun ja," fuhr Kube, etwas erstaunt über die ihm sinnlos tunkende, aufgeregte Frage.„Warum sollte sie sich nicht beim herabsteigen von der Straßenbahn den Fuß verstaucht haben? jedenfalls konnte sie im Augenblick kaum auftreten, und es war cm Glück, daß gerade an der Haltestelle ein« kleine Konditorei lag. jch vergaß meine eilige Besorgung und führt« sie hinein, innerlich > Hr glücklich und natürlich auch stolz, einen schutzbedürfligen, jungen, hübschen Mädchen helfen zu können. Denn wir Männer bilden uns natürlich stets eine Menge darauf ein, wenn wir das zeigen Kinnen, was wir unser« Ritterlichkeit nennen. In einem Auto brachte ich sie dann nach ihrer Wohnung, half ihr die Treppe hin- auf und ging auch auf ihre Einladung mit hinein, um eine Tasse - ee zu trinken. In ihrem Zimmer war e» recht gemütlich. Ueber dem Sofa hing ein großes Bild mit einem Segelschiff, ein Andenken an ihren Vater, der—* In diesem Augenblick unterbrach Wittig, der in immer wachsender Oregung den Worten seines Freundes gefolgt war, von neuem dessen Erzählung. „Ein Segelschiff, sagst du?" stieß er mit einer eigentümlichen, schrillen Stimme hervor.„Es war ein Segelschiff?" Und er um- klammerte plötzlich das Handgelenk des andern. Kube riß sich erstaun und etwa» unwillig los. Dieser Mensch war ia direkt hysterisch.„Es war wirklich ein Segelschiff," sagte er Konisch,„keine Schweizerlandschaft oder Trompeter-von-Säckingen- i'ene, wie du zu erwarten scheinst. Und sie erzählte mir, daß ihr Vvter, der Kapitän gewesen, an der Südspitze von Amerika mit diesem Schiff untergegangen sei. Ich habe ihr alles geglaubt, den Seekapitän als Vater, den verstauchten Fuß, und was sie mir sonst vorschwindelte. Berta konnte ja so entzückend lügen." Bei den letzten Worten hatte Kube wieder zu lächeln begonnen, er erinerte sich mit Behagen an diese hübsche Lügnerin, die, wie -c später erst erfahren hatte, stets ihr« kleinen Liebesgeschichten mit Kor gleichen Komödie des verstauchten Fußes einleitete und nachher die sentimentale Untergansgeschichte ihres seefahrenden Vaters daran anschloß. Plötzlich fuhr er fast erschreckt auf und sah jetzt .e si das verstörte Westn seines Freundes. Wittig hatte die Hände gegen sein Gesicht gestützt.„Es ist meine Frau!" stammelte er fast unhörbar. Dann begann er eine Weile -n seinen Taschen herumzusuchen, brachte endlich den Scheck zum Porschein, den er zerknittert aus den Tisch warf, und eilte mit dem Hut in der Hand aus dem Lokal. Kube sah ihn wie einen Schatten hinter der Glastür ver- '''winden, und er begriff mit einem Male, was er dem Jugend- steund angetan. Statt ihm zu helfen, hatte er ihm seinen letzten valt im Leben, den Glauben an sein« Frau genommen. die wunöerpsianze von Schönbrunn. DonDr. IosefRedei. Der Schönbrunner botanisch« Garten hat ein behutsam gepflegtes Wunderkind- die mehr als hundertjährige, weltberühmte Fockea o a p e n l i s Jahrtausende lebten ihre Vorfahren in der Sonnen- 'iut Südafrikas. Jetzt ist sie allein. Hat keine Brüder, keine Schwestern, weder in den Wüsten ihrer Urheimat noch anderewo. Auch in keinem botanischen Garten der Welt Sie desindet sich in dem Reservegarten in einem Glashaus, wo die Wustenpslanzen gehegt und gepflegt werden: Pflanzen, die die Trockenheit lieben und so- .•'isagen wasserscheu sind. Unter einem Dache mit der Fockea wohnen i.och andere Berühmtheiten, so die geheiinnisvolle„Konigin der Schätze! erhöht öas Ortsporto. postlagernde -Sendungen m- Da wir) üer schriftliche Verkehr manches Schätze!— öurch öen mimülichen ersetzt roeröen. Nacht". Sie haben aber alle Geschwister in der Welt. Nur die Fockea ist allein. Die einzige, die letzte ihres Stamnies. Der Gärtner, dem sie anvertraut ist, hat eine große Verantwortung zu tragen. Er hat sür das Leben der allen, d«r einzigen Fockea Capensis zu sorgen. & W Wann kam die Fockea nach Schönbrunn? Mit voller Bestimmtheit läßt sich das nicht seststellen. Es ist aber sicher, daß sie sich seit weit mehr als hundert Jahren in Schönbrunn befindet. E. M. Krön- 'cld, der bekannte Geschichtsforscher der Botanik, behauptet(in seinem erke:„Park und Garten von Schönbrunn"), daß sie von dem Hof- ärtner Georg Scholl, der den Hofgärtner Franz Boos auf seiner üdasrikanischen Sammelexpeditton begleitete, nach Wien gebracht wurde. Boos und Scholl fuhren am 23. Februar 1786 von Amster- dam nach dem Kapland, wo sie Ansang Mai eingetroffen sind. Boos kehrte schon nach zwei Jahren, im Juni 1783, zurück. Scholl erst 11 Jahre später. Im Oktober 1799 ist er in Wien mit vielen Selten- hellen eingetroffen. Die größte an Gewißheit grenzende Wahrschein- lichkcit spricht dafür, daß die Fockea aus der Boos-Schollschcn süd- amerikanischen Sammelexpeditton stammt. Wenn sie noch von Boos mitgebracht wurde, daiyr ist sie wenigstens 139 Jahre alt. Wäre sie erst mll Scholl nach Wien gekommen, dann„nur" 128 Jahre. * Ist diese Wunderpflanze schön? Nein. Groß? Nein. Hat sie bezaubernde Blüten mit betäubendem Duft? Auch nicht. Sie hat alles das nicht, was den Inbegriff der Schönheit einer Pflanze aus- macht. Sie hat aber eine eindrucksvolle, originelle, sich ins Gedächtnis einprägende Individualität. Sie hat keine Aehnlichkeit mit Pflanzen aus der Menge. Fechner, der Philosoph, Maeterlinck, der Dichter, Franc, einer der größten Botaniker unserer Zeit, behaupten fest, sogar fanatisch, daß die Pflanzen Intelligenz besitzen. Wenn das wahr ist, so ist die Fockea gewiß intelligent. Sie leistet Großes an An- passungsfähigkeit. Ihr Stamm hat das Aussehen eines formlosen Steines. Im Winter wirft sie sogar ihre Zweige ab. Hierdurch macht sie sich in ihrer Wüstenheimat unsichtbar vor Feinden. Zur Frühlingszeit erscheinen an der Spitze des Steinklumpens ihre«rd- farbigen, zarten Zweige. Ihre Blätter sind auch klein, unscheinbar, sie macht also auch im Sommer kein großes Aufheben. Auch ihre Blüten find winzig klein, ohne Duft. Jetzt, wo sie mehr als hundert Jahre alt ist, ist ihr Stamm nicht größer als ein Haufen von fünfzehn bis zwanzig Birnen. Das Atter sieht man ihr aber schon an. An dsn Stellen der abgeworfenen Zweige bleiben warzenähnlich« Stümpfe. Lückenlos dicht nebeneinander gedrängt, bedecken Hunderte solch-r Warzen den Stamm, das ehrwürdige Alter der Fockea verkündend. Man versteht schon, daß ihr selsenhartes Aussehen wenig zum An- beißen anlockt. Und dennoch: ein Kratzer, und es sickert schon Saft, weiß wie Milch, aus dem„Stein". Man versteht schon, worum es ihr nicht auf das Begießen ankommt. Im Innern des„Steines" hat sie selbst eine üppige Quelle. » Warum hat sich die Fockea in mehr als hundert Jahren in Schönbrunn nicht vermehrt? Kronfeld behauptet, daß die Staub- gefäße der Blüte verkümmert sind und keinen Blütenstaub hervor- bringen. Di- Schönbrunner Fockea ist also unfruchtbar. Nach der Ansicht des Pcosessors Dr. Rudolf Wagner ist diese Unfruchtbarkeit auf die späte Blütezeit zurückzuführen. Die Schönbrunner Fockea blüht nämlich erst im September und Oktober. Es wird seit vierzig Jahren versucht, die Fockea durch Steck- linge, also ungeschlechtlich zu oermehren. Auch jetzt werden in Schön- brunn mit den Trieben in den verschiedensten Wachstumsperioden Stecklingsversuche durchgeführt. Bisher ohne Erfolg. -» Ist die Schönbrunner Fockea wirklich die einzige auf der ganzen Welt? Bisher wurde nirgends ein zweites Exemplar gesunden. Es wurde lange Zeit angenommen, daß die Schönbrunner Fockea capensis von dem großen Botaniker Endlicher zuerst— im Jahre 1838— beschrieben wurde. Er gab ihr auch den Namen. Zu Ehren des Bremer Botanikers Gustav Waldemar Focke. Auch das neueste Werk über die Flora des Kaplandes von Thifellon Dyer bezeichnet die Schönbrunner Fockea als das einzige Exemplar. Bisher wurde diese Annahme nicht angefochten. Professor Dr. Rudolf Wagner hat vor kurzem ein Gutachten in dieser Frage abgegeben. „Als Schönbrunns schönste Seltenheit," sagt Dr. Wagner,„zum mindesten als Unikum unter allen Gartenpflanzen der Welt gilt eine der Tradition nach seit mehr als hundert Jahren dort befindliche Fockea Capensis, die aus dem an Seltenheiten so reichen Kapland stammt, das eine große Menge von Pflanzen beherbergt, die nur über ein« sehr geringe Verbreitung verfügen, von denen die eine oder andere auch längst ausgerottet sein mag, seit die Bearbeitung des Bodens durch die immer zahlreicher werdenden Einwohner so sehr sortgeschrllten ist. Zugegeben muß indessen werden, daß die un- geheuer ausgedehnten Strecken des südlichen Asr.ika noch viel zu wenig erforscht sind— werden doch in den letzten Jahren noch aus der Nähe von Kapstadt neue Arten beschrieben, obwohl dort schon mehr als zweihundert Jahre gesammelt wird—, als daß man unsere Pflanze als das einzig lebende Exemplar überhaupt ansprechen dürfte. Das einzige bisher bekannt gewordene, mehr nicht." Ob die Zweifel Dr. Wagners berechtigt sind, wollen wir dahin- gestellt sein lassen, jedensalls ist bisher kein zweites Exemplar ge- fanden worden, obzwar die Schönbrunner Fockea auch in der Pariser Weltausstellung zu sehen war: vorhanden- weiten- Exemplare wären daher seitdem sicher gemeldet worden. Hierzu gesellt sich noch ein Beweis neuesten Datums. Regierungsrat Rottenberger, Direktor des Bundesgartens, erhielt«inen Brief aus Südafrika. Der Brief stammt von Hans Herre, dem gärtnerischen Leiter des botanischen Gartens der Universität in Stellenbosch bei Kapstadt. In dem Briefe wird zu Vermehrungsversuchen um die Uebersendüng von Trieben der dort unbekannten Fockea gebeten.„Im hiesigen Klima wächst ja vfeles noch recht gut," meint der Bricffchreiber,„was in Europa nicht mehr vorkommt." Die Fockea Capensis ist und bleibt daher bis auf weiteres— als Unikum Stolz und Zi«rde der Schönbrunner Bundesgärten Wiens. Erhabene Werks an der Gothik gibt es auch außer der Stefanskirchs noch viele. Eine zweite Fockea gibt es aber nirgends auf der Welt._ ?wf öer Schmetter'mgsfarm. Wer in der Nähe der englischen Station Bexley an einem größeren eingezäunten Gelände vorbeikommt, glaubt zunächst, daß er sich hier vor einem Ballonpart befinde. Beim näheren Zusehen aber erkennt er, daß diese sich in der Lust bewegenden Ballons Hüllen aus Musselin sind, mit denen die Bäume verkleidet sind. Dies eigentümliche Schauspiel bietet die Schmetterlingsfarm, die einzige Einrichtung ihrer Art, die alljährlich zoologische Gärten, Naturschutzgebiete. Museen und Privatsammler mit vielen vielen Tausenden von seltenen Schmetterlingen und Motten versorgt. Unter den Hüllen von Musselin finden Millionen von Raupen ihre Nahrung auf den Bäumen, und aus diesen gezüchteten Raupen kriechen Hunderttausend« von Schmetterlingen aus, die mit der Bahn oder zu Schiff nach jedem Teil der Welt versandt werden. Nicht alle Raupen werden aus Bäumen oder Büschen gezüchtet. Viele von ihnen werden auch in geschlossenen Räumen gehalten. Wenn man einen solchen Raum betritt, dann hört man ein ein- töniges, regelmäßig tropfendes Geräusch. Das verursachen die Kau- Werkzeuge der gefräßigen Raupen, die ihre Nahrung zermalmen. Es ist nicht leicht, das nötige Futter für diese Legionen herbei- zuschaffen. Der Eigentümer der Schmettcrlingsfarm, Mr. Hill, wird von einer Reihe von Gehilfen unterstützt, deren Hände gegen Reflel- stiche abgehärtet sind. Manche Raupen werden mit Holzstücken er- nährt, während die sonst an der Ecetüste lebenden Raupen zweimal täglich mit Salzwasser besprengt werden, um ihnen die gewohnte Atmosphäre zu verschafstn. Die Schmetterlinge dagegen werden mit Honigwasstr besprengt, um ihrer Nahrung die nötige Süße zu verleihen. Am interessantesten ist die Speisung der großen Nacht- falter; sie nehmen ihre Nahrung nämlich im Fliegen. Der Wärter hält einen Lössel mit Sirup mit ausgestrecktem Arm in die Lust, und die großen Insekten fliegen der. Reihe nach vorbei, wobei jedes mit seiner langen, bandartigen Zunge etwas herunterschleckt. Wer die Erlaubnis erhält, die Räume der Schmetterlingsfarm zu be- suchen, der wird gebeten, seinen Hut abzuschütteln, bevor er wieder hinausgeht. Denn der Hut hat einen reichen buntfarbigen Schmuck erhalten, ist mit Pfauenaugen und anderen prachtvollen Faltern bedeckt. Die Farm ist gut versichert, aber nicht gegen ihre schlimmsten Feinde, die Jchneumonfliege und die Vögel. Die Jchneumonfliege kostet den Eigentümer jährlich viele Pfund, denn sie legt in die Larven der Schmetterlinge ihre Eier, direkt �unter die Haut: das Ei entwickelt sich und die Larve geht ein. Vögel bringen Noch mehr Schaden, denn sie reißen mit ihren scharfen Schnäbeln die Musselin- hülle der Bäume entzwei und fressen sich dann voll. Man hat schon öfters einen Sperling oder ein Rotkehlchen bewegungslos auf dem Rücken liegend gesunden, mit seltenen Schmetterlingen im Werte von 309 Mark und mehr in seinem Magen. Manche Schmetterlinge sind nicht so wehrlos, wie man denkt Die Raupe des Schwalben- schwänz z. D. kann einen höchst unangenehmen Geruch von sich geben, der ihr« Feind« fernhält, während die Raupe der Hummer- motte mit ihren scharfen Scheren zwickt und vertreibt. Aus den un- scheinbaren und nicht selten widerlichen Geschöpfen dieser Farm ent- stehen dann jene gaukelnden„Juwelen der Luft", die dem Sommer so viel von seinem Glanz verleihe». » kiniendungeu für tiefe Rllbrik sind verlin SS-Z»i, Lindenstrahe X 5. Anw Parteinachrichten für Groß-Serlm riet, an da» Bejittsfettttariat 3, H,s, 1 Trep. recht», ja richte» ttcei* Fried richehain. Sonntag, 31. Juli, findet In Alt-Stralau, tt alten Taverne, vom Reichsbanner, Kameradschaft Friedrichshain, Sommerfrst statt. Anfang 1« Uhr. Eintritt«0 Pf. Da da» R-ichsbc sich bei allen Peranstaltungen her Partei sehr starl Mitglieder des Kreise« gebeten, soweit sie an dem sinket in Alt-Stralau. in der .....-■■•* hain. ein chsbanner beteiligt, weichen die Tage noch frei sind, das Sommerfest zu besuchen. 5. Kreis Krenzbera. SPD.-Sportler! Krüger, Grimmstr. I, wil''" Miert. Die Abteilungslei!,......____. in den Abteilungsversammlungen aufmerksam zu machen. 14. Krei» Reutölln. Die Genossen werden ersucht, die Werbezeitschrist«Der Kämpfer" für die Betriebe, in denen sie beschäftigt sind, im Parteibureau Reckarstr. 3 abzuholen. heule. Mittwoch. 27. Juli: I. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Die Bezirke 43«, 487 und 503 tagen bei Basozinfkp, Kastanienallee 54. 7. Abt. Zahlabende bei DW, Bergstr. 71, Bortrag! tri Knbe, Strelister Strohe 55; bei Beirau, Echwarhkopsfstr. 1; bei Rauser, Bopenstr. 19. 56. Abt. Eharloitenburg. Heute, Mittwoch, fällt die Abteilungsoersammlung aus.» Neukölln. 94. Abt. Erscheinen Handjerp-Str. eingeladen. m.«dt. Lichtend«?«.» XOrc wichtig« FunttwnLrsttzung M htm Genosse« Morr, Neue Bahnhofstr. 28. Das Erschewea aller F, wendig. ssunktionäre ist not. Morgen, Dounerskag, 28. Zuli: 4».«dt. 20 Uhr Fraktionssitzung bei Prevoke, Prinzenstr.». Arcmenveraafialtuvgen am vonaerslag. 28. Juli: 101. ihnbi._________ hörige und Gäste find her.. Abt. Treptow. Alle Genossinnen treffen kochen um 15 Uhr im Alten Eierhäusche», kommen. »dt. 123»«»ul»d°-s.eLk>. kochen in Sanssouci. rzlich willkommen. Genossinnen treffen sich zum gemeinsamen Kaffee- Treptow. Gäste herzlich will- Alle Genossinnen beteiligen sich 15 Uhr am Kaffee» Sterbetafel üer Sroß-Serliner partel-Grganisation ist nach länl Ii, 14 Uhr,! traßenbahnlii ll uns stets längerem Kranken» tr, von der neuen nlinie 63. Seine Barbis fein. 7. Abt. Unser alter Genosse Gustav s ch e f t e l ist N' lager verstorben. Beerdigung Donnerstag, 28. Juli, 14 Halle de» Illdifchen Friedhofe, in Weißensee. Straßen! eifrig« Tätigkeit fitr Partei und Gewerkschaft soll uns Reg« Teilnahme dringend erwünscht. 24. Abt. Am 23. Juli verstarb nach längerem schweren Krankenlager unsere Genossin Gertrud W i e m e r, Wiusstr. 10. Die Beerdigung findet am 27. Juli auf dem Et..RicoIai. und St.»Marien.Fricdhof, Prenzlauer Allee 7, 15 Uhr statt. Ehre ihrem Andenken. Schöneberg. Die Beifetuna der Asche unseres Genossen Wilhelm " am Donnerstag, 28. Juli, 18 Uhr,'------ 79. Abt. Stenzel sinket am Dannerstag, 28. Juli, 18 Uhr. auf dem Friedhof Blanke f ölle statt. Wir ersuchen die Genossinnen und Genossen, sich zahlreich zu eteilige». Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Das Derbe Material muß heute zwischen 17 und 19 Uhr abgeholt werden. Die Bücherstube ist von im bis 19 Uhr geöffnet. Achtung, Lünebnrg.Fahrrr! Alle gemeldeten Teilnehmer treffen sich zur Vorbesprechung heute um 19% Uhr im Jugendheim in Frredrrch». ---- Die Anzah Hag«». 87(Rathaus). Die Anzahlung von 10 M. ist mitzubringen. heute. Mittwoch. 27. Juli. 13� Uhr: ösische Revolution."— T-mpelhöl-Mneiendarf: Germaniastr. 4/6. Fahrten- oeruvte.— Friedrichshaoen: Heim Friedrichstr.»7. Lichtbildervortrag:„Die Lllneburger Heide."— Ren.Lichtenber«: Prinz-AIbert-Straße. gehn-Minuten. Referate.— Lichtenberg-Rord: Heim Parkaue 10..Etwas über«artenlessn. — �«ichttnberg.West: Baden im Licht-nberger Flußbad. Tresfpunkt dorhselbst Werbe bezirk SnUlnt Treffpunkt zum Spielen in Treptow um 18% Uhr Herhbergplaz. Rur noch bi» Sonnabend kauf in dem ältesten Berliner alten Ekmmhause Berlin Süden, nur»jiniHr,,,».»■*>•. j», nw». > Einzelstücke find gewaltig herabgesetzt. Um ihrem großen Kunden. Reste und Einzelstücke sind gewaltig herabgesetzt. Um ih„. kret» etwa» ganz Besonderes zu bieten, wird auf all« Artikel ohne Ausnahme '' liger Preise«in Extrarabalt von 10 Pruz. gewährt. Eine Fahrt nach lNienstr. 158/159 ist lohnend l trotz, billig der Orann eü§M alsoD" Cüiiii- rniiÄ BealsÄs Tcgstttes mr ms ©ffi¥re fi. IB. b. II. Seil 1882 BeriiaS. OranisicÄ 158 wir Mm M Fillalea! | IkTzWsZ. 'Komische Oper 8V, Uhr 8'/. Uhr Berlins elnzlßsle Revue: iSlrciuS verftofennti Die Knill«er virbottem Uitegsifullci I I lieber 100 Mitwirk./ S BaUetti.! j Varrerkauf i, s. TherterkH« ab IlHIn lomitcrh f WINTERGARTEN Anlonef und Beby Sie OrtUinalel und die 11 Juli-Novitäten 11 Ant. S Uhr. Rauchen»cstiltet| ENTSCHESOUNQSKAMPF DER AUSSCHEIDUNO 78 Eintritt I Mk tnrirßiö Horn mit HOOT GIBSO Eine Episode aus dem letzten groBcn Frelheliskampf der Indianer Roflloi Edward Sedgwick Universal-Film der Ufa Jugendliche haben Zutritt UraufffOhmna: Heute HI HD UFA-THEATER MOZARTSAAL -<@>- Die beste und ertragreichste Erdbeerforte ist .vorboffeeto- KSnIgin Luis«. Meine .vorboFer»-- ist �-- eine außerordentlich hoch» dewertete, prachwolle Sorte, die eine ganz enorme Grdße erreicht. Die Früchte find sehr groß, von regelmäßiger Form. Farbe prachtvoll länzend dunketrot über die ganze Fläche. schmelzend baftedend____________ U.. Reifezett früh, von außerordentlich langer Hast. sehr süß. kk.. wie Himbeer mit Ananas einzig dastehend Reifezeit frttd vo barkeit, ohne daß die Früchte an Schönheit verlieren. Wir zählten am 27. 8. 27 an einer von 390 Stück und Pflanze einen Fruchtansatz ISO Früchte(kleine unauvi Ein Beet von 25 m Länge i großen Erddeerpiantoae zum Verfand unausgereifte mitgezählt). Länge mit 4 Reihen liefert eine Tagesernte von eo. l Ztr. Ich dringe Pflanz» von einer ersttlaisiaeiw 45 r" Es Ist mir deshalb auch möglich. en. 45 Morgen die Pflanzen Eine gute Moospackung gewährleistet gute Ankunft. Kulwranweifung wird gelegt,»etfandqaekncrei QjlHe«(weltbekannte Finna) Hastebnbt 13T. Nachruf. Am Sonntag;, dem 24. Juli, nmQten wir anoh das zweite Opfer der reaktionären Bluttat in Arensdorf, unseren Karoeraden Richard Wellank der Erde übergeben. Er fiel für seine denteobe Heimat, deren Sicherunft gegen reaktionäre Feinde sein kämpfe- risches Ziel war. Ueber das Grab hinan» werden wir das Andenken diese« vorbildlichen, opferwilligen Republikaners and treuen, inverlassigea Kameraden immer in Ehren halten. Reichsbanner SchwarzaRotaQold« Ganvorstand Berlin-Brandenburg. Reichshalten-Thealer Gastspiel , Völlig neue» Programm! Anfang 8 Uhr. Dönhoff- Brett'l: Variatd, Konzert, Tanz Saal und Parten. Theater an Kottt Ter Kotlb. Str.i Tigi. 8 Uhr- Elite-saniier Heues Prtgrtmm. lUBüiei i »» 1 la Gasfbol gr. Saal gr. Konzerl- Sart.8M.Land. Bor- ort dm.ledh.Parteiieb. raittL Prov.-ötadt Goidar. Pr. 55000.—, Anz 25000-'' käuflich. Off. ri£ Oft' 118 a. b. Gesch. Ellftriner Zeitung Oderblatt CUsirin. V o IksbinrnelDie Koni5d¥ ldnls ta illewzUti Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde ond erster Stock Mk Theater Norden 10334-�7 < U. Ende 10*1,1). Oer Hexer Quedlinburg die alte schöne Stadt Koetonlooe Auokunft d. Veritnhreamt Bismarck 2414(7516 VI, Uhr, Ende 10»/. Uli Grün Sommerpr.3— 10 M Rose-Theater Gartenbohne 5>, Uhr: Konzert nad Banter Toll I Uhr Die lastideWUwe nicht vergessen! ffeöe/r Sie ein halbes Qhket dieses vollkommen unfehad liehen Qleiehmittels der kalten oder fchvach warmen Jhuqe bei- Sie werden erstaunt sein über- das sehöne Weiß», das Jhra Wasche zeigt! Sil zum iisiehen• ohnegisichsn! Lustspielhaus VI, Uhr Die Frau von 40 Jahren Freitag Premiere Cafö Electrlk Ulnboii-zaign Dt». KOntllcr-Tb. 8'/i Uhr Bitte, wer war zuerst da 7 Sonnabend Premiere „Do wirrt ml Lessing-Theater 81/, Uhr Israel Wanaiia- TDeai Täglich VI, Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk. lägt, auch Sonntags nur 60 pl BaniHnkrtUan taiBc« sc pt ac m The Rabber SrwMrsAssociation. L**4ldelUee,LiedeBtAJ fchaftsangestrMe Gustav Scheitel im 69. Ledensjahr». Nach 17 jähriger Tätigkeit, in der er sein» ganz» Kraft und sein reiche. Wissen der Organisa» tion widmete, erst vor kurzer Zeit in den Ruhestand getreten, setzt« Ihm da» tückisch» Leiden ei» allzusillhe« Ziel. Wir betrauern in dem Dahinge» schiedenen»inen«mfrichiige» Freund und braven Kollegen und werden sein Andenken in Ehren halten. Verstund und AogenfeNte des Vereins der Berliner Buchdrucker und ScbriftglcOcr Die Beerdigung findet am Donner». tag, dem 26. Juli, um> Uhr nachm. von der neuen Hall» de» jüdischen Friedhofe» inBln-Weißensee au» statt Räch kurzer schwerer Krankheit ver- starb am 24. d Mi», mein Itedeooller, treusorgender Mann, unser herzensguter Pater und Großvater, der Gewerkschaftsbeamte Sustsv Scheftel im Alter von SS Jahren. Z» tiefer Trauer im»amen der tztntrrbliedenen dl. 4.«ichendorssftr. 3 Martha Schottel Die Beerdigung findet Donnerotag, H den 28, Zuit, nachm. 2 Uhr. von der isi neuen Halle de« südlichen Friedhofe» 8 in Weißense« au, statt. llNwsUMW-MD! Oonaerstog. den 2«. Znli. auch- mittag» 5 Ahr, im Sitznngnsaol de» Uervaadshaas«», Oiaienslr. 05,, SS Branchenversammlung der Zlgaretlenmajchineosührer und Setrlebshandwerfer. UN! Zeileviitdeitel w Oonnocetag, hon 20. Fall, nachmittag» 0 Ahr. im v-rt>aaS»hauso. eiaianstr. 03/00 Branchenversammlung Erscheinen ist dringend VI« Otteoormallang. Pünttliche» erforderlich. Verkäufe verleih von fchastsaiüllgen. Norden vÄ3. hocheleganten Gefell- Rofenthalerstraß» 4. Belle-Allianee. Möbelhaus, Friedridi- steaße 245, nur Etage, Seltenes A: gebot- ein großer Posten gediegener Zimmereinrichtungen zu fabelhaft bil» jigen Preisen, u. a.: elegantes Speise. zimmer, Büfett IM breit mit großer Mahagoni-Kristallvitrine, herrliche In. tarsienarbeit nur 395,—. Chippendale. Speisezimmer,«ünstieientwurs, Büfett 2,10 breit, 450,—: dasselbe Zimmer mit 2,50 breitem Büfett 875,—. Herren. stmnier von 295,— an. Darunter ein chwere, Herrenzimmer mit Bibliothek, l,10 breit, nur Söll.—. 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