Nr. 352 ♦ 44.?ahra. Musgabe& Nr. 180 Bezugspreis: Wöchentlich TO Pscnnig, monatlich 3,— Äcichomart voraus zahlbar. Unter Kreuzband illr Deutschland. Danzig, Saar, and Mcmclgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmark, silr das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Sormäets* mit der illustrier» ren Sonntagsbeilage»Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wilsen",„Aus der ffilrnwelt". „Frauenstimme".„Der Kinder. freund".„Iugend-Vorwörts".„Blick in die Bitcherwelt" und„Kultur» arbeit" erscheint wochcntäglich zwei» mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm. Adresse: i „Sozioldemofcaf Berlin- P. Nevlinev VolksblÄtt (lO Pfennig) Anzcigcnprcisc: Die eintpalttoe Nonvareille- geil« 80 Dtcnnig Reklamezeile Reichsmart„Kletne Anzeigen" da» tettgedruckte Wort 25 Piennig (zulässig zwei tettgedruckte Worte). jedes weitere Wort t? Plennig. Stellengesuche das erste Wort l5 Vkennig, ledes weitere Wort (0 Pfennig Worte Uber 15 Buch» staben zahlen Hir zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 50 Piennig. Familienanzeigen tiir Abonnenten Zeile 40 Piennig. Anzeigen illr die nächste Nummer mitssen bis 4B Uhr nachmittags im Hauptgeschast, Berlin SW 68, Linden. ftraßeZ, abgegeben werden. Geöffnet von 8lh Uhr srith bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdempkratifchen parte» Deutfcbland© Leöaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. vorwärts-verlag G.m. b.h., Berlin SW. öS, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 87 53«— Ponklonto: Baak der Arbeiter. Angestellten »nd Beamten, wallstr.«5! Diskonto-Gelcllchast. Dcnoiitenkass« Linvcnstr. 3. Kein Untersuchungsausschuß sür Wien Der Nationalrat fürchtet die Untersuchung der Schuld an dem Gemetzel. Wien. 27. Zoll.(Eigener Drahkbericht.) Am Mittwoch wurde nach einer mehrstündigen Debatte die Diskussion über den blutigen Freitag zu Ende ge- sührt. während am Dienstag die wiener Abgeordneten sprachen, äu Herten sich am Mittwoch vor allem die Abgeordneten aus den Ländern. Die Sozialdemokraten oerwi�eo insbesondere auf das unerhörte und verfassungswidrige Treiben der Heimwehren. Die Debatte wurde damit beendet, dah die bürgerlichen Parteien die beiden sozialdemokratische» Ä»trage. der Regierung das wihtrauen auszusprechen und eine Unkersuchungs- kommisfion einzusehen, nlederstimmlen. Der Rationalrat ist am Mittwoch noch nicht, wie man erwartet hatte, in die Ferien gegangen, sondern für Dienstag wieder einberufen worden. vie Anteilnahme der Arbeiterpartei. London. 27. Juli.(Eigenbericht.) Der Parteivorstand der britischen Arbeiterpartei hat am Mittwoch folgende Resolution gefaßt:„Wir senden unseren öfter- reichischen Genossen unser« tiefgefühlte Anteilnahme zu dem Verlust.von braven Arbeitern, welche in Wien bei einer De- moirstration gegen das ungerechte Urteil einer Klassengerichtsbarkeit von der Polizei getötet worden sind. Mit ihnen fühlen wir tiefe Entrüstung über hie brutale Aktion der Regierungsbehörden, welch« zu ernsten Unruhen, zur Tötung von hundert Personen und zur Verwendung vieler anderer geführt hoben." I»•••."V.....•■:■»,•.• T......... Zollunion für Gefterreich. Um es vom Anschluß abzuhalten. In den Ländern, deren Regierungen die Heimkehr Deutschösterreichs ins Deutsche Reich nicht gestatten wollen, haben die Wiener Bluttage ziemlich stark gewirkt. Man beginnt die jahrelange Verelendung der Donaurepublik und die vollkommene Aussichtslosigkeit, diesen Kleinstaat zu wirtschaftlichem Gedeihen zu bringen, als Hauptursache der Explosion vom 15. Juli zu erkennen, für die das Schattendorfer Urteil nur der zündende Funke gewesen ist. Diese Erkenntnis hat den Anschlußgegnern in Paris die Be- fürchtung eingegeben, daß der Anschluß Deutschösterreich — von dem nationalen Moment ganz abgesehen— als das einzige Rettungsmittel erscheint und das Volk der ver- kümmerten Alpenrepublik eben durch nichts von seinem Willen, ins Reich heimzukehren, abgebracht werden kann. Darum tauchen jetzt die alten Pläne einer Zollunion der Nach- folgestaaten wieder auf— als ob diese Staaten in ihrem ge- meinsamen Dalles, bei den meisten verschärft durch gewaltige Heeresausgaben, nicht bisher schon genügend gezeigt hätten, daß sie auf hohe Zölle nicht verzichten wollen; einmal der Staatseinnahmen wegen, aber auch zur Hochzllchtung der eigenen Industrie, die dann wieder kräftig Steuern zahlen soll. Nur einer von den Nachfolgestaaten ist industriell ge- nügend entwickelt und steht auch sonst so da, daß er glaubt, diese Sorgen nicht hegen zu müssen: die tschechoslowa- tische Republik. Wir erfahren nämlich zuverlässig, daß die Prager Regierung mit Zustimmung Frankreichs im Herbst der Wiener Regierung den Abschluß einer Zollunion vorschlagen will. Damit soll Deutschösterreich sicherer und leichter Absatz seiner Industrie- Produkte und der Bezug billiger Lebensmittel verschafft, seine Wirtschaftslage gebessert— und sein Anschlußstreben gebrochen werdeni Mein rechnet wohl damit, daß Wien ein solches Angebot nicht gut ablehnen könne.' Aber ein'Hindernis besteht auf alle Fälle: die Meist- begünstigung, die sowohl Prag als auch Wien einer ganzen Menge anderer Staaten eingeräumt haben. Diese Äaaten könnten also gleichfalls Zollunion verlangen— vor allem Deutschland. Würde man Deutschland in einen solchen Zoll- verband einbeziehen, so hätten w i r nichts dagegen zu sagen. Der Enükampf um üie Kreuzer. England besteht auf der Ueberlegenheit in kleinen Kreuzern. London. 27. Juli.(Eigenbericht.) Die britischen Delegierten auf der S e e- A b- rüstungskonserenz. Bridgeman und Lord Cecil, haben die Rückreise nach Genf angetreten, lieber seine Auffassung der Lage befragt, stellte Lord Cecil fest, er betrachte die Situation in Genf als unzweifelhaft kritisch— eine Bemerkung, die in scharfem Kontrast zu seinen optimistischen Aeußerungen bei seiner Ankunft in London steht. In London verlautet, daß sich als Resultat der zahlreichen Kabinettsbesprechungen der letzten Tage die endgültigen britischen Vorschläge wie folgt darstellen: l. Die Anzahl der schweren 1t) tXX)-Tonnen-Kreuzer soll beschränkt werden; Beibehaltung der gleichen Anzahl von Kreuzern dieser Kate- gorie in England und Amerika; 2. keine Beschränkung der Anzahl der leichten Kreuzer; Freiheit, soviel leichte Kreuzer zu bauen, als der Küftenbewachungs- und Patrouillendienst und der Schutz der öMndelsschissslinien erfordert. Im Unterhaus gab Sir Austen Chamberlain auf eine Frage des Abgeordneten der Arbeiterpartei, C l y n e s, eine Erklä- rung zur S e e- A b r ü st u n g s k o n f e r e n z ab. in welcher er be- tonte, der K l i n e- K r e u z e r- T y p stelle bei der geographischen Lage des britischen Weltreiches eine Lebensnotwendigkeit dar. Nach Auffassung der Regierung dürften keine Schwierigkeiten darin bestehen, zv einer provisorischen Lösung in der Frage des Kreuzerbaues zu kommen. Großbritannien könne jedoch einer solchen Abmachung nicht den Anschein einer definitiven grundsätz- lichen Lösung geben, welche als Präzedenzfall betrachtet werden könnte. Jedes'andere Vorgehen würde in Zukunft als eine Auf- gäbe der maritimen Gleichheit durch das britische Reich aufgefaßt werden.__ Sergarbeiter und Gewerkschastsgefetz. Ablehnung eines neuen Streiks. London, 27. Juli.(Eigenbericht.) Der Verbandstag der britischen Bergarbeiter nahm ein- stimmig eine Resolution an, in welcher dos G e w e r k f ch a f t s- gesetz der Regierung als ein« reaktionäre, gegen die Frei» heiten des Volkes gerichtete Maßnahme aufs schärfste verdammt wird. Der Annahme der Resolution ging eine lebhafte Debatte vor- aus, in welcher das kommunistisch« Mitglied der Bergarbeiter- exekutive. Ho�es, die Notwendigkeit eines Generalstreiks propagierte. Die Rede Harnes' führt« zu einer überaus temperament- vollen Antwort des Bergarbciterführers Herbert Smith, in der er erklärte, er sei keineswegs bereit, die Bergarbeiter in den Morast zu führen. Er sei nicht gewillt, die Massen der Bergarbeiter und ihrer Familien noch einmal durch so furchtbare und grausame Eni- behrungen wie die des Vorjahres zu führen, selbst nicht um den Preis des Sturzes einer reaktionären Regierung. Die öotschasterkonferenz„nimmt Kenntnis" Sie wartet noch auf die Mitteilung über die Polizei- beamtengefetze. Paris. 27. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die B o t s ch a f t e r k o n f c r e n z ist am Mittwoch am Quai d' O r s a y zusammengetreten und hat von dem Bericht über die er- sokßte Zerstörung der deutschen Ostfestungen Kenntnis g e- n o m m e n. Der Bericht ist von � deutscher Seite von General v. Pawclsz, von alliierter Seite von den belgischen und französischen Militärsachverständigen unterzeichnet. Die Blätter bemerken zu dem Verlauf der Sitzung angesichts der Tatsache, daß der Reichstag in Ferien sei und alle Entwürfe, besonders über das Statut der deutschen Polizei, nicht ver- abschiedet werden konnten, könne Deutschland vorläufig noch kein endgültiger Bescheid über die vollständige Erfüllung der Abrüstungsverpslichtungen entsprechend dem Friedensvertrag von Versailles erteilt werden. Rothermere und Senefch. »Ein neues Elfaß-Lothringen." Auf das Antworttelegramm von Venesch hat Lord Rothermcre ebenfalls telegraphisch geantwortet. Er lehnt Beneschs Hinweis auf die Unterdrückung der Tschechen durch die Ungarn in der Vor- kriegszeit als ein unzulässiges Argument für die jetzige Behandlung der Ungarn in der Slowakei entschieden ab. Schließ- lich spricht er davrn, daß die Engländer„ein neues Elsaß-Lothringen" in der Tschechoslowakei„mit Entsetzen entdeckt" hätten. Wir höben die Motive Rothermercs bereits gekennzeichnet. Deshalb vermögen wir uns für seine Argumente, so berechtigt sie fn sich sein mögen, nicht zu erwärmen. Denn ihn interessiert nur dos Schicksal der modjarischen Minderheit in der Tschechoslowakei. Das gleiche Schicksal der 3% Millionen Sudetendeutschen läßt ihn käst. Ein so einseitiger Gerechtigkeitsdrang verdient nicht crnst genommen zu werden. Zm EHorzow- Streik um den Schadenersatz Polens für die Eni- «igreung der bekannten ostoberfchlefischen Stickstofswerke hat der Haager Gerichtshof mit 10 gegen 3 Stimmen den polnischen Ein- wand der Unzuständigkeit abgewiesen und sich für entscheidberechtigt erklärt. Nußlsche kommunistische Partei. Beredte Zahlen. Neulich hat der Vorstand der russischen Kommunistischen � Partei statistische Angaben übar den Mitgliederbestand der Partei veröffentlicht. Danach ist die Zahl der Kommunisten in der UdSSR., die Anfang 1926 1 678 185 betragen Hai, am 1. Januar 1927 auf 1 210 954 gestiegen. Die herrschende Partei umfaßt also gegenwärtig etwas mehr als 1 Proz. der erwachsenen Bevölkerung des Landes. Nach ihrer sozialen Lage werden die Mitglieder der Partei in drei Hauptgruppen eingeteilt: 1. Arbeiter, 2. Bauern, 3. Beamte, Angestellte und andere. Wie es einer Arbeiterpartei gebührt, ist die erste Gruppe die zahlreichste. Es waren in der Partei: 1 Januar 1926 1. Januar 1927 Arbeiter......... 582 300 634 900 Bauern......... 246 800 297 400 Beamte, Angestellte u. andere. 249 085 278 654 Die„Arbeiter" der RKP. werden jedoch weiter in zwei Klassen eingeteilt: a)„Arbeiter an der Werkbank", und 1»)„Arbeiter nicht an der Werkbank". Zu den ersteren wer- den jene Mitglieder der Partei gerechnet, die in die Beleg- schaftslisten eines Industrie-, Handels- oder Verkehrsbetriebes oder eines staatlichen Instituts eingetragen sind. Es ist also nicht erforderlich, daß der entsprechende Betrieb wirklich Werk- bänke besitzt: ein Chauffeur einer Bank oder ein Heizer eines Krankenhauses wird als„Arbeiter an der Werkbank" ange- sehen, auch wenn er nie in seinem Leben an einer Werkbank gestanden hat. Es genügt, daß er in einer Belegschastsliste eingetragen ist. Ebenso werden die kommunistischen„Bauern" eingeteilt: es wird zwischen den„Bauern am Pflug", die wirk- liche Bauern sind, und„Bauern nicht am Pflug" unterschieden. Mt' dieser Ergänzung sieht der Mitgliederbestand der RKP. folgenderweise aus: 1. Januar 1926 1. Januar 1927 Arbeiter an der Werkbank.. 409 400 430 300 Bauern am Pflug..... 114 600 131 900 Arbkiter nicht an der Werkbank 172 900 204 600 Bauern nichr am Pflug... 132 200 165 500 Beamte und andere.... 248 095 278 654 Die„Arbeiter an der Werkbank" machen also etwa 3v Proz. des Bestandes der Arbeiterpartei, die den„Arbeiter- staat" regiert und etwa 8 Proz. der Arbeiterschaft der Union aus. Was aber die kommunistischen Bauern anbetrifft, so ge- hören sie in der Mehrzahl nicht zur Gruppe, die mit dem Pflug etwas zu tun hat. Was sind aber eigentlich diese„Arbeiter" und„Bauern", die weder an der Werkbank zu arbeiten, noch den Boden zu bebauen brauchen? Es sind Personen, die aus der Arbeiter- klaffe bzw. aus dem Bauerntum stammen, die aber ihrer Klaffe, sowie ihrer bisherigen Arbeit entsagt haben, um ein leichteres und besseres Dasein, das ihrem Ehrgeiz entspricht, zu suchen. Die Statistik der Bewegung des Mitgliederbestandes der Partei zeigt, wie diese Leute ihr Ziel erreichen. Im Jahre 1926 wurden in die RKP. 70 900„Arbeiter an der Werkbank" neu aufgenommen und 23 700 traten teils aus und wurden teils ausgeschlossen. Der Zugang in dieser Gruppe müßte demnach 47 200 betragen, er betrug aber bloß 20 900. Es wurden im Laufe desselben Jahres in die Partei 41 800„Bauern am Pflug" neu aufgenommen, 4800 sind aus- geschieden, der Zugang müßte also 37 000 betragen, er betrug aber 17 300. Wo blieben denn die fehlenden 26 300 kommu- nistischen„Arbeiter an der Werkbank" und 19 700„Bauern am Pflug"? Sie haben von ihren Werkbänken und Pflügen Abschied genommen und sich in S t a a t s b e a m t e ver- wandelt. Eigentlich fängt diese Verwandlung früher an, als sie statistisch erfaßt werden kann. Ein kominunistischer„Arbeiter an der Werkbank" braucht nicht immer wie seine Berufsge- noffen zu arbeiten und kann dieses auch nicht. Als Mitglied der herrschenden Partei ist er vielmehr mit der Ueberwachung seiner Kollegen und der Fabrikleitung beauftragt. Er braucht nicht durchaus ein Spitzel zu sein, er ist aber verpflichtet, die Stimmung der Belegschaft zu prüfen, die antikommunisti- scheu Elemente zu enthüllen, seine Vorgesetzten bei der Unter- drückung der Streikbewegungen und bei der Durchführung der Wahlen zu unterstützen, er hat in verschiedenen Ausschüssen zu tagen, verschiedenste Ausweise und Berichte zu unterzeich- nen. Es ist eine harte Aufgabe, und nicht alle sind ihr ge- wachsen— auch werden nicht alle Arbeiter in die Partei auf- genommen. Diejenigen aber, die ihre Mitgliedskarte er- halten haben, sind nicht weiter einfache Arbeiter, wie ihre parteilosen Kollegen: mit dieser Stunde werden sie kommu- n i st i s ch e„Arbeiter an der Werkbank". Sie bleiben noch in den Belegschastslisten der entsprechenden Betriebe, dieses ist aber wohl das einzige Band, das sie noch mit ihrer Klasse ver- einigt. Und meistenteils streben sie dieses Band los zu wer- den. Hier entsteht ein eigenartiger Kampf zwischen der Partei und ihren neuen Mitgliedern: die Partei will in ihren Reihen möglichst vi«l.Arbeiter an der Werkbank* behalten, diese wollen aber möglichst schnell„Arbeiter nicht an der Werk- dank" werden, d. h. zum höheren Grad des kommunistischen Adels emporsteigen. Im Jahre 1926 wurden auf diese Weise 26 366 Arbeiter und 19 706 Bauern befördert. Personen, die dank ihrer Zu- gebörigkeit zur Partei auf höhere Stufen der sozialen Leiter steigen, werden im Sowjetruhland„Wydwischenzy"(Emporgehobene) genannt. Die Zusammensetzung des letzten Sowjet- kongresses zeigt, welche große Rolle sie in der Sowjetbureau- kratie spielen und wie durch sie wirkliche Arbeiter und Bauern ersetzt und verdrängt werden. Unter den 2348 Delegierten ! des Kongresses waren ganze 225 Bauern und 258 Arbeiter (nach Belegschaftslisten), die übrigen 1865 waren Beamte, Angestellte und Parteiwürdenträger. Die Mehrheit unter diesen stellten ehemalige Arbeiter(35,4 Proz. der Kongreßmitglieder) sowie ehemalige Bauern(13,9 Proz.) dar; das Sowjetsystem hat sie ihrer Klasse entrissen, zur Herrschaft emporgehoben, ihren ehemaligen Klassengenossen als neuen Adel gegenübergestellt. So zeigen die Zahlen, wie wenig die RKP. einer Ar- beiterpartei ähnelt, die aus wirklichen Arbeitern be- steht, und wie wenig die UdSSR, ein A r b e i t e r st a a t ist, wo der Arbeiter keine Gründe hätte, danach zu streben, die Reihen seiner Klasse zu verlassen. JV. Zentrum und Reichsbanner. [ Falsche Hoffnungen der Reaktion. Die in der letzten Zeit über die Führung des Reichs- banners in den Reihen des Zentrums und teilweise auch bei den Demokraten aufgetauchten Meinungsverschiedenheiten werden Anfang August Gegenstand einer Aussprache im Vundesausschuß des Reichsbanners sein. Die Sitzung hat den Zweck, durch kameradschaftliche Fühlungnahme einen Weg zu finden, um für die Zu- kunft ähnliche Meinungsverschiedenheiten zu verhindern. An den Besprechungen, zu denen Bundespräsident Hörsing ein- laden wird, werden sich auch die führenden Per- sönlichkeiten des Zentrums im Reichsbanner be- teiligen. Aus dieser letzten Tatsache ergibt sich, daß die maßgeben- den Persönlichkeiten des Zentrums im Reichsbanner ebenso wie Bundespräsident Hörsing bestrebt sind, die entstandenen Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Das dürfte auch in der für Donnerstag vorgesehenen Sitzung der Zentrums- Mitglieder im Reichsausschuß des Reichsbanners zum Aus- druck kommen. Man dürfte sich hier damit begnügen, d i e Situation durchzusprechen) ohne Beschlüsse zu fassen, um zunächst die kommende Tagung in Magde- bürg abzuwarten. Die Artikel des„Badischen Beobachters" und der„Kölnischen Volkszeitung gegen das Reichs- banner sind reine Privatarbeiten dieser Blätter. Ihnen stehen sämtliche Zentrumsmitglieder des Reichsausschusses fern. Das gilt � insbesondere auch von dem Reichsfinanzminister Dr. Köhler, der nach wie vor dem Reichsbanner angehört. Köhler denkt— wie aus seiner Umgebung ausdrücklich ver- sichert wird— gar nicht daran, einem Druck zum Austritt aus dvm Reichsbanner nachzugeben. Er beabsichtigt vielmehr, falls in össiziellen Zentrumskretsen irgendwo ernsthaft der Plllst auf korporativen Austritt laut werden sollte, dem ent- schieden entgegenzutreten. Auch Marx wünscht— wie dem Sozialdemokratischen Pressedienst aus maßgebenden Zen- trumskreisen mitgeteilt wird—, daß sein Austritt als eine rein persönliche Angelegenheit betrachtet wird. Er will nicht, daß daraus Schlußfolgerungen für die Gesamt- Partei gezogen werden. Das hat er den leitenden Stellen des Zentrums in Berlin ausdrücklich wissen lassen. Der Wille zu kameradschaftlichem Ausgleich und zu Eine �lrbeiter-Gartenstaöt bei Paris. Bon Karl Reber. Paris. Suresnss ist eine kleine Ortschaft im Westen von Paris und durch den riesigen Bois de Boulogne von der Großstadt getrennt. Noch vor zwei Jahren war das Plateau von La FouiUeu.se in Suresnes, von wo man eine wunderbare Aussicht genießt, ein kahles Gelände, wo einige armselige Bäumchen verdorrten:«ine große Wüste, wo Schutt- und Müllhausen nicht fehlten. Heute erhebt sich da eine neue kleine Stadt, eine Arbeiterstadt. Wie wurde dieses Kunststück zuwege gebracht? Ich ging, den Genossen Henri Sellicr, Bürgermeister von Suresnes, der vor einigen Tagen zum Präsidenten des„Lonseil Qenäral* von Paris und Seine gewählt worden war, darüber befragen. Bärtig, mit hellblickenden Augen hinter den Brillengläsern, lebhaft und unmer lächelnd, �empfängt mich Henri Sellier mit sichtlicher Freude. „Ja," meint er,„in Deutschland und Oesterreich hat man auf diesem Gebiet großes geleistet und bevor wir nnseren Plan angelegt haben, find wir viel gereift. Ich war in Deutschland, Oesterreich und England. Ich habe gesehen, was unsere Genossen im Ausland verwirklicht haben und ich habe mir geschworen, hier genau so Gutes und Nützliches ins Leben zu rufen. Wir haben uns hier, eine kleine Gruppe von Genossen, sofort an die Arbeit gemacht und die Sache ging rasch vorwärts. Vor zwei Iahren war das Plateau von Suresnes eine Wüste, heute ist es eine kleine Stadt mit 2066 Ein- wohnern und in einigen Iahron hoffen wir 16600 bis 12 666 Ein- wohner zu haben. Wollen Sie mit mir einen Rundgang machen?" Genosse Sellier, dep auch Sekretär der Bereinigung für billiges Wohnungswesen des Departements de la Seine ist, führt mich durch die neue Arbciterstadt, ein wahres Kleinod von Reinlichkeit und Hygiene. Es gibt hier ungefähr 15 große vierstöckige Wohnhäuser. mehrere kleine Häuser mit zwei oder drei Wohnungen, und man baut und baut immer welter. Genosse Sellier erklärt mir, daß, je kinderreicher eine Familie ist. sie desto mehr Platz bekommt, und die Miete mit der Anzahl der Kinder geringer wird. Die höchste Miete ist 1166 Franken, die niedrigste 556 Franken jährlich.(In der Umgebung von Paris ist die Durchschnittsmiete für eine Wohnung uüt drei Räumen gewöhnlich 4666 bis 5666 Franken im Jahr.) „Wieviel hat die Anlage der Häuser gekostet?" „16 Millionen Franken. Es bleiben uns noch 46 Hektar freier Pcmgrund, den wir mit 7 Franken per Quadratmeter gekauft haben und der jetzt 86 Franken wert ist. Bedenken Sie die günstige Lage unserer kleinen Stadt. Der riefige Rennplatz von Saint-Eloud sichert uns ein ungeheures Luftreservoir, das man uns nicht nehmen kann." Wir setzen den Weg fort. Plötzlich fällt mir etwas ein:„Sagen Sie, Genosse, was geschieht, wenn ein Arbeiter wegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit seine Miete nicht zahlen kann?" .„Wir haben dafür vorgesorgt. Für alles ist vorgesorgt. Es besteht eine Art Mieterversicherung, die„Mutuelle des Locataires", welche ein Prozent der Miete erhält. Und kann ein Arbeiter seine Miete nicht zahlen, so wird sie aus dieser Kasse gezahlt." „Wem gehören alle dieje kleinen Gärten bei den Häusern?" „Den Ardeltern, den Mietern. Jeder hat ein kleines Stück schneller Ueberwindung der Meinungsverschiedenheiten he» steht demnach in allen dem Reichsbanner angehörenden Parteien. »vas Zentrum muß beim Reichsbanner bleiben.* Franksurl am ZNain, 27. Juli. Die.„R h e j n- M a i n i s ch e V o l k s z e i t u n g", das in Frankfurt am Main erscheinende Zentrumsorgan, schreibt: „Es will uns scheinen, daß die verantwortlichen Führer der Partei allzu leichtherzig den deutschnationalen Be? mühungen um die Sprengung der preußischen Koalition zugesehen haben, und daß sie sich, wie das der Fall Hörsing ganz deutlich beweist, tatsächlich in eine Situation hinein- manövrieren liehen, aus der der Ausweg nur schwer gesunden wer- den kann. Leider ist diese Situation durch den Austritt des Reichs- kanzlers aus dem Reichsbanner kompliziert worden. IlZir be- dauern den Schritt des Reichskanzlers sowohl im Znkcresie der Sache als auch im Interesse seiner Person außerordentlich. Wilhelm Marx fühlt sich heute als der politische Sachwalter der Koali- tion des Zentrums mit den Rechtsparteien. Er hat -die Führung dieser Koalitipn sicher nicht aus innerem Antrieb, son- dern nur aus Pflichtgesühl übernommen. Dieses, nach unserer Auf- fassung etwas übertriebene Pflichtgefühl ließ ihn wiederholt bei seinen Handlungen in den letzten Monaten über dem Reichs- kanzler der Rechtsregierung den FükMr der großen Mass« ihrer Anhänger republikanisch und sozial gerichteten Zentrumspartei und damit auch die Vergangenheit des Politikers Wilhelm Marx vergessen. In dem Augenblick, da er den Entschluß faßte, aus dem Reichs- banner auszutreten, hat er sicher nicht an die 13 Millionen deutscher Männer und Frauen gedacht, die ihm bei der letzten Reichspräsi- dentenwahl ihre Stimme gaben. Er hat auch sicherlich nicht an die verhängnisvollen Sorgen gedacht, die schon der Tatsache entspringen können, daß die 6 Millionen sozialdemokratischer Wähler, die bei dieser Reichspräsidentenwahl den katholischen Zentrumskandidaten des Volksblockes wählten, sich nun auss neueste maßlos enttäuscht fühlen werden. Es muß unter allen Umständen schon in den nächsten Tagen dafür gesorgt werden, daß der Austritt des Reichskanzlers aus dem Reichsbanner nicht die Folge hat, zu denen sich die Rechts- presse als zu einem besonderen Erfolg ihrer schlauen Taktik bereits beglückwünschen zu dürfen glaubt. Das Zentrum muh beim Reichsbanner bleiben. Einer der letzten Fäden, die die republikanischen Parteien noch fest zu verbinden mögen, darf nicht abgerissen werden. Die dem Zentrum angehörenden Mitglieder des Reichsbanners sind Manns genug, sich innerhalb ihrer Organisation auch durchzusetzen. Die politischen Gründe, die Wilhelm Marx seinerzeit bewogen Hadem trotz der Bedenken, die im eigenen Lager laut wurden, dem Reichs- banner beizutreten, haben durch seinen Austritt ihr Gewicht nicht verloren. Sie haben nach unserer Ansicht gerade durch die Entwick- lung der letzten Monate sogar an Bedeutung gewonnen." Marx, der hilflose. Hat er Hörfings Aufruf überhaupt gelesen? Reichskanzler Wilhelm Marx hat seinen Austritt aus dem Reichsbanner hauptsächlich damit begründet, daß die Kundgebung Hörsing- an den österreichischen Schutzbund„eine u n b e r e ch- tigte Einmischung in die politischen Verhältnisse de» besreun- beten Oesterreichs und eine schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung enthält". „Unberechtigte Einmischung"? Damit hat wohl der derzeitige-Reichskanzler mit besonderem Nachdruck unterstreichen wollen, daß Oesterreich für uns Ausland ist. Do» ist formell richtig. Das ist der Standpunkt der siegreichen Entente, der Stand- punkt der Friedensdiktate von Versailles und St. Germain. Die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes beiderseits der politischen Grenzen empfindet diesen Standpunkt als«ine Un- perechtigteit, qls«ine Vergewaltigung. Immer wieder erklären die Oesterreicher, die in unserer Mitte weilen, sie suhlten sich nicht als Ausländer, und es wird ihnen von uns versichert, sie seien in der Tat bei uns zu Hause. Boden, das wir ihm für 5 Centimes pro Quadratmeter vermieten. Sehen Sie dort drüben die große Wiese? Dort wird sich bald ein riesiger Ftftfaal und ein Sportplatz ausdehnen. Viel Raum, viel Luft und kein Gedränge von Häusern und Menschen, dos ist unser Ziel." Wir gehen weiter. Bald stehen wir vor einem monumentalen Gebäude, die Schul«. Wir treten ein, durchqueren dos ganze Haus und gelangen auf der anderen Seite wieder ins Freie. Keine Mauer umfriedet das Haus: Kinder sind keine Gefangenen. Man muß ihnen stets das Gefühl lassen, daß sie frei sind, frei alles zu tun, was sie wollen. Ungefähr 566 Kinder spielen da in der Sonne, zwischen den Bäumen und auf den Wiesen hinter dem Schulhaus. Die Kinder, die da um mich herumlaufen, hüpfen, lärmen, haben junge, frisch«, lachende, oft recht kecke Gesichter. Das lebt, regt sich, wimmelt. Wir steigen in die Stockwerke hinauf, und treten in die Klassen ein. Alles hell, lustig, rein, dazu angetan, die Schule zu einem Lieblingsort der Kinder zu gestalten. Die Möbel sind licht- blau, Puppen liegen auf den Bänken herum. Kanarienvögel gibt es in Käsigen, Goldfisch« in Gläsern. Und Blumen, überall Blumeni Die Kinder selbst pflegen sie. „Einheitsschule?" „Gewiß! Während man darüber im Parlament diskutiert, Kommissionen ernennt. Reden hält, verwirklichen wir hier die Einheitsschule, ohne viel Lärm zu machen. Hier ist die Krippe für die Säuglinge und Kleinen von 1 bis 3 Iahren. Hier die Badesäle, Duschen, Turnsäle usw." Dann führt mich Genosse Sellier zu einer zweiten Gruppe von Schulhäusern.„Diese Anlage ist in unglaublich rascher Zeit aus der Erde gewachsen und hat 7 Millionen Franken gekostet. Kinder, gärten, Knaben- und Mädchenschulen, Bürgerschulen, Lehrlings- schulen. Alles ist jetzt schon für die Bedürfnisse einer Bevölkerung in zwanzig Iahren vorhergesehen." „Und wo nimmt die Bevölkerung ihre Nahrungsmittel her?" „Der Bund der Genossenschaften liefert die Milch, das Brot, die Kolonialwaren, kurz alles, was eine Familie zum Leben braucht. Auf diese Weise wird das Genossenschaftswesen entwickelt." In der Ferne brodelt und raucht Paris und verschwindet im Dunst. Blaß zeichnet sich im Hintergrund der Eiffelturm ob. Wie frei aimet man hier! „Den Familien gesunde billige Wohnungen in einer gesunden Gegend geben, ihnen die Zukunft sichern und sich sonst um nichts kümmern, das ist meine Philosophie," schließt Genosse Sellier. Das klingt bescheiden, ist aber ungeheuer viel. Da Sellier jetzt zum Präsidenten des„Eonseil Ceniral' ernannt wurde, ist zu hoffen, daß sein Plan, einen Gürtel van Arbeiter- Gartenstädten um ganz Paris herum anzulegen, in kürzester Zeit verwirklicht werden wird. Die Vororte sollen an Paris angegliedert und die Untergrundbahn bis hinaus geführt werden. Dies bedeutet eine Entlastung der Großstadt und sichert den Arbeitern gesunde, sonnige, staubfreie Wohnungen. ver König der Ronanen. Professor Luigi Orsenigo. der im Austrag einer ital'enschen landwirtschaftlichen Zeitung eine Studien- reis» durch Amercta unternommen hat, veröss-nttichi da» Ergebnis Mer Herr Marx geht in der Erfüllungspolitik so weit, daß er vor aller Welt betont: Oesterreich ist Ausland! Offenbar ist ihm das in Ober-Grainau, der letzten Reichseisenbahnstation auf der Strecke Garmisch-Reutte, ganz besonders zu Bewußtsein gckom- men, denn wenige Kilometer weiter liegt E h r w a l d in Tirol und das ist A u s l a n d!! Es lebe der Bersailler Bertrag, wenn man sich als Reichskanzler des Bürgerblocks auf ihn berufen kann, um seinen Austritt au» dem Reichsbanner zu vollziehen und den anschlußfeindlichen Ost- elbiern einen Gefallen zu erweisen! Schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung? Diese Marxsche Behauptung läßt den Verdacht aufkommen, daß der Reichskanzler den Aufruf Hörfings überhaupt nicht selbst gelesen hat. In dem ganzen Auf- ruf steht überhaupt nur e i n Satz, der sich aus die Seipel-Regierung bezieht und dieser Satz enthält den Ausdruck: Hilflosigkeit. Und das soll eine„schwere Herabsetzung und Beleidigung" sein? Wir fragen jeden Richter in Deutschland, einschließlich des Senatspräsidenten Wilhelm Marx: Welcher Richter könnte es vor seinem Gewissen verantworten, in. einem Gerichtsurteil den Ausdruck„Hilflosigkeit" als„schwere Herabsetzung und Beleidigung" zu bezeichnen und zu sühnen, zumal wenn er in politischem Sinne gebraucht wird." Stiefkinder der Sozialpolitik. Ausnahmebehaudlung der seemännischen Arbeitnehmer. Der sozialpolitische Schutz der seemännischen Arbeit- n e h m e r ist noch unerhört rückständig. Besonders trostlos sieht es bei den Angestellten aus. Hier herrschen teilweise mittel- alterlich« Zustände. Seit Jahren bemühen sich die frei- gewerkschaftlichen Berufsorganisationen der Arbeiter und Angestell- ten gemeinsam mit ihren Spitzenverbänden, die wichtigsten Fragen in Fluß zu bringen. Bisher scheiterte das an dem Widerstand der Bürgerblockregierung. Die sozialdemokratische Reichstarsfraktion hat schon vor längerer Zeit einen eigenen Gesetzentwurf eingebracht, der auch die Zustimmung der freien Gewerkschaften gesunden halte, um wenigstens die Krankenversicherung einer befriedigenden Rege- lung zuzuführen. Aber auch hier hatte die Regierung des Bürger- blocks bisher nur Bersprechungen, jedoch keine Taten. Die Empörung über diese dauernden Verschleppungen kam zu einem dramatischen Ausbruch aus dem am Montag zu Ende ge- ganxenen Verbandstag der Schisssingenieure. Die Vertreter der Angestellten wie der Gastteilnehmer der Arbeiter forderten den anwesenden Vertreter des Reichsarbeitsministeriums auf. endlich mit den amtlichen Entwürfen herauszukommen. - Der Reichstag soll sich bei seinem Wiederzusammentritt im Herbst mit einer Ergänzung der Krankenversicherung in diesem Sinne beschäftigen. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion wird bei dieser Gelegenheit mit allem Nachdruck eine sofortige Regelung dieser Frage sür die seemännischen Arbeitnehmer fordern. Es ist die Pflicht des Reichsarbeitsministeriums, seinen wiederholt oerspbochenen Entwurf herauszubringen, damit keine weitere Verzögerung entsteht. Ebenso dringlich ist die Einheziehung in das Arbeits» g e r i ch t s g« s e tz. Bei gutem Willen sst dos sehr leicht zu lösen, wie es das Beispiel der verabschiedeten Arbeitslosenversicherung zeigt. Geradezu trostlos sieht es auf den, Gebiete des Arbeits- schutzrechses aus. Demnach sollen auch hier die seemännischen Arbeitnehmer vom Arbeitsschutzgejeg wieder ausgenommen werden. Das find ganz unhaltbare Zustände. Das Reichsarbeitsministerium verweist immer aus eine R-uregewng der Seemannsordnung, ohne daß es jedoch bis heute mit seinem Entwurf herausgekommen ist. Die Folge davon ist. daß die seemännischen Arbeitnehmer entrechtet bleiben. Der Artikel 157 der deutschen Reichsverfassung verspricht ein einheitliches Arbeitsrecht, dessen Aufgab« darin bestehen soll. die Arbeitskraft besonders zu schützen. Zur Durchführung dieser Versassungsbestimmung ist es notwendig, die einzelnen sozial- politischen Schutzgesetz? auf alle Arbeitnehmer, also auch aus die seemännischen, auszudehnen. Rur so wird die Entrechtung einzelner Gruppen von Arbeitnehmer beseitigt. seiner Studien über den italienischen Fruchthondel?auf amerikam- ichem Boden in einem Artikel mit der Ueberschrist„Der Konig der Bananen". Der Bananenmarkt besitzt in New Park eine mächtige Organisation, an deren Spitze der Italiener Giuseppe Di Giorgio steht, der in ganz Amerika unter dem Namen„Der Bananenkönig" bekannt ist. Der Name bezeichnet aber durchaus nicht die Grenzen seines Reiches. Man könnte den Pananenkönig vielmehr mit größerem Recht den Beherrscher des amerikanischen Fruchthandeis nennen. Denn er besitzt nicht nur ausgedehnte Bonanenpsianzungen, sondern übt auch über den gesamten amerikanischen Fruchthandel die Kontrolle aus. Wie gewaltig das Unternehmen ist. an dessen Spitze Di Giorgio steht, geht zur Genüge aus der Tatsache hervor, daß im vergangene» Jahre ein Umsatz in Höhe von 56 Millionen Dollar erzielt wurde. Abgesehen von seinen Bananenpiantagen besitzt Di Giorgio in Florida Obstplantagen im Umfang von elf- hundert Hektar. Sie dienen der Kultur von Orangen, Mandarinen, Grapefruits und von Avocadobäumen, die in Mittelamerika hoch- geschätztes, in der Alten Welt aber so gut wie unbekanntes birnen- ähnliches Obst liesern. Ausgedehnter sind noch die Plantagen in Kalifornien, die fünftausend Hektar umfassen und vor allem sür den Weinbau bestimmt sind. Kleinere Pflanzungen besitzt Di Giorgio ferner in anderen Staaten. Dazu kommen noch 7 566 Hektar Bananenplantagen in Mexiko, Panama, Kuba und Jamaika. Wenn man bedenkt, daß Di Giorgio zum Transport der Bananen eine aus zehn Dampfern bestehende Flotte unterhält, wird man sich van dem Umfang des Unternehmens, in dem siebenhundert Angestellte und sechstausend Arbeiter beschöstitzt werden, einen Begriff machen können. Di Giorgio ist ein Sizilianer, der als vierzehnjähriger Junge ohne einen Pfennig in der Tasche in Amerika einwanderte. Besonders stolz ist er aus seine ausgedehnten Weinberge, die sich dem trockenen Regime zum Trotz zu einem blühenden Untertzehmen entwickelt hoben. Sie liefern nicht nur Taseltrauben, sondern auch zum Keltern bestimmte Weinbeeren, die in getrocknetem Zustand den Berbrauchcrn in der Stadt geliefert werden und aus denen sich dies« Wein keltern, da nach dem Prohibitionegesetz die Her- stellung von Wein für den eigenen 5zausbsdarj gestattet ist. Eingeborene Aerzle In Südafrika. In Südafrika ist gegenwärtig eine Bewegung im Gange, Eingeborene zum Studium der Medizin zuzulassen. Zwischen den weißen Acrzten und den Eingeborenen hat sich noch immer kein hinreichendes Vertrauensverhältnis herausbilden können: vielmehr wird von den-schwarzen Arbeitern, die durch das enge Zusammenleben in den modernen Jnduftriebezirkeu stärker als in früheren Zeiten von Epidemien bedroht sind, noch immer der einheimische Quacksalber beogrzugt. Man verweist bei den neueren Bestrebungen vor allem auf Hollnndisch-Indien, wo man mit ein- geborenen Merzten sehr gute Ersahrungen gemacht hat. -" i Der Itlaler Solomon starb, wie aus London gemeldet wird. Im Alier von KS Jäbrcn. Mau ichieikn ihm in England die Erfindimg der Camou. fiageliinil inäamrd de» griegeZ ji«, oie dazu diente, die iniiitärischcn Siellungen und Bewegungen unlennllich zu machen. Zu Beginn des AeUlriege» ientt« er die Auwmliamkeit der Bebörden aus die Aoiwendig. keit einer methodischen Ann eudung dieser Kunst zu Lqnde und zu Wasser, und er wurde mü der Zlussährung betraut. Attm Noeö üer �öhn. " Die Arensdorfer Hetzer obenauf. Als die Bluttat von Arensdorf geschehen war. versuchten sich die Hetzer von Arensdorf hinter der angeblichen Geistesschwäche des Mörders Schmelzer zu verkriechen. Keiner der Hetzer, keiner von denen, die den blutigen Zwischenfall provoziert haben, ist mehr in Haft. Der Mörder selbst ist in eine Irrenanstalt zur Beobachtung seines Geisteszustandes eingeliefert worden. Das macht ihnen offenbar neuen Mut, dem Gesindel von Arensdorf. Zum vorigen Sonntag hatte man zu einer völki- fchen Radauoersammlung in Arensdorf eingeladen. Sie wurde selbstverständlich verboten. Eine in dem Nachbarort Hasenfelde einberufene Ersatzversammlung bewies die Not- wendigkeit des Verbots. Organisierter Landesver- rat des Reichsbanners, das Reichsbanner die Fremden- l e g i o n des internationalen Bankkapitals— das war der Grundton dieser Versammlung. Anz Tage, an dem das zweite Opfer der Arensdorfer Bluttat zu Grabe getragen wurde, wagen es die Arensdorfer Hintermänner schon wieder, mit ihrem aufreizenden Lugengewäsch ihre „geistesschwachen" Buschschützen zu neuen Heldentaten zu hetzen. Noch toller. Ein StudienratBösch— das Kultusministerium wird sich diesen auf die Jugend losgelassenen Verächter der staatlichen Ordnung noch genauer ansehen müssen— fordert die Teilnehmer der skandalösen Hetzver- sammlung im vollen Bewußtsein dessen, sie dadurch zu einer Mißachtung der Staatsgewalt zu verleiten, auf, am Abend in Arensdorf zu einem„nicht verbotenen Bier- abend" zu erscheinen. Und ifieser Bierabend— man muß es im völkischen„Deutschen Tageblatt" selbst nachlesen: „A r e n s d o r s l Dicht gefüllt der Saal. Heimatlieder klangen und dann sprach Freund Hesselbacher:„3lun doch in Areas- darf! Nein! Nun erst recht in Arensdors." waren die ersten Worte seines zweiten Vortrags, der ein einziges Treuegelöbnis war. Kirchen- stille im Raum. Jubelnder Beifall, als er mit den Worten schloß:„3ch bin stolz daraus, daß ich heute Vater Schmelzer, der an unseren Veranstaltungen teilnahm, die Hand habe drücken können." Darauf dankte der Kreisleiter des„Stahlhelm", v. Alvens- leben, den Deutfchvölkischen. daß sie sich als einzige zu den Areas- dorfern bekannt hätten. Kawerad Hesfelbacher erwiderte, er sei für uns selbstverständlich, daß wir, nachdem die Arensdorfer von der I u d e n p r e s s e zu ebensolchen Fememördern gestempelt seien wie wir, als.Kollegen" auch„Kollegialität" gewahrt hätten. Kamerad Motz- Fürstenwalde vertrat dieselbe Ansicht, die Kreis- leiter Bäsch dadurch unterstrich, daß er Vater Schmelzer zum Ehrenmitglied des Kreisvereins Lebus des VVFB.(Deutschvölkischer Frei- heitsbund) ernannte. Heilrufe und kräftiges Händeschütteln bei der Abfahrt zeigten uns, wie froh unsere Freunde über den Verlauf der Tagung waren. So war aus der Versammlungsschmach von Arensdorf ein glänzender völkischer Siegertag geworden, dem weiter« folgen sollen." Zwei Opfer der Bluttat von Arensdorf deckt der Rasen. Fünf weitere Opfer liegen mit schweren Wunden danieder. Dieselben Gesellen aber, die noch soeben Deckung hinter der angeblichen Geistesschwäche des Mörders Schmelzer suchten, sie fangen in demselben Augenblick, in dem sie sich vor einer Der öeutsch-belgtsche Konflikt. Ende des Notenkampfes.— Die Vergleichskommifsion znr Klärung zuständig. d e r s, der einer der Haupthetzer war! Läßt sich ein zynb stheres Eingeständnis der Solidarität mit dem Mörder und der Mordtat denken? Die Versammlungen von Hafenfelde und von Arensdorf legen die Zusammenhänge in erschreckender Weise klar. Soll es wieder so sein, daß die geistigen Urheber einer politischen Bluttat frei ausgehen? Wenn etwas, so zeigt das vorliegende Beispiel, daß Finsterlinge vom Schlage derer von Arensdorf auch angesichts der Bahre ihrer Opfer nicht halt machen in ihrer maßlosen Hetze. Sie glauben für sich einen Frei- brief in Händen zu halten und warten auf den nächsten „geistesschwachen" Buschschützen. Der Vater des Mörders, Stahlhelmer Schmelzer, Ehrenmitglied der Völkischen. Die von Alvensleben stehen zu ihm. Der Jubel der Meute von Arensdorf um- rauscht ihn. Den Mordbuben selbst kann man picht gut ehren, also ehrt man seinen Vater. Nun erst recht Arens- darf! Gut. Man weist damit auf die Spur der Verant- wortlichen. Ist Mörder Schmelzer geistig minderwevbig, so trägt Vater Schmelzer die Verantwortung für die Un- taten seines geistesschwachen Sohnes. � Die Opfer des geistes- schwachen Stablhelmmannes Schmelzer und ihre Angehörigen warten. Die Gerechtigkeit wartet. Mögen die Gerichte sich ihrer Ausgabe bewußt sein!_ Der Zerfall- bei üen»Vaterlanüischen". Nach den Berichten der Hugenberger und Eodenfterne zerfällt das �Reichsbanner Schwärz-Rot-Gold in ständig fort- schreitendem Maße. Um so mehr werden sich wahrscheinlich die so- genannten„Vereinigten Vaterländischen Verbünd x" konsolidieren, worüber uns interessante Nachrichten vorliegen. Im Kreise Bernburg haben sich nämlich sieben Ortsgruppe» des „Stahlhelm" mit mehreren hundert Mitgliedern vtmi„Stahlhelmbund der Frontsoldaten" getrennt, um sich als„Vereint- gung ehemaliger Stahlhelmer" selbständig zu machen. Nach dem„I u n g d e u t s ch e n" sollen die Gründe hierfür darin zu suchen sein, daß die Bundesleitung des Herrn Seldte und Duestcr- berg der Beschwerde der Bernburger Gruppen gegen die Leitung des Gaues Anhalt nicht stattgeben. Es handelte sich da um Eifer- füchteleien zwischen den einzelnen„Führern", wi« wir sie bei den„V. D. B." ja seit Jahren gewöhnt sind. Wenn e i n Mann, der Reichskanzler des Bürgerblocks Wilhelm Marx: die Front oerläßt,„zerfällt" für di« Hugenberger das Reichsbanner. Wenn Hunderte ausscheiden, k-mn selbstverständlich beim„Stahlhelm" von einem Zerfall nicht im mindesten hie Rede sei n l � Der deutsch-belgische Schieds- und Vergleichsver- trag sieht nämlich ein Vergleichsverfahren füx politische Streitigkeiten vor. Es heißt in seinem Artikel 17: „Alle Fragen, über die die deutsche Regierung und die bei- gische Regierung uneinig sind, ohne sie auf dem gewöhnlichen diplo- inatischen Wege gütlich lösen zu können,... werde»... der S t ä n- digen Vergleichskoipmisfion unterbreitet. Diese hat die Aufgabe, den Parteien eine annehmbare Lösung vor- zuschlagen und jedenfalls ein-n Bericht zu erstatten." Diese Vergleichskommission ist seit April 1927 ernannt. Sie besteht aus fünf Mitgliedern. Vorsitzender ist Alois de Meuron. Rechtsanwalt und Ständerat in Lausanne; außerdem gehören ihr an: Genosse Dr. Oesten lindem Professor an der Universität in Uvsala, fxüherer schwedischer Außenminister: IonkHeer Dr. W. I. M van Eilsinga. Professor an der Universität in Lehden; Dr. Ernst v. Sin,? son, Staatssekretär z. D.(deutsches Mitglied); Genosse de Brouckäre, Senator und Professor ay der Universität in Brüssel(belgisches Mitglied). Disfe Kommission kann von einer Regierung allein oder von beiden Regierungen gemeinschaftlich angerufen werden- Ebenso wie die drei anderen Locarno-Kommifsionen mar sie bisher arbeitslos. Die Behauptungen de Broquevilles über ungesetzliche Rekrutierungen der Reichs» wehr können ihr Arbeit geben. Es wäre ihre Aufgabe, die strittige Frage, ob die Unterlagen des belgischen Kriegs- Ministers zuverlässig oder unzuverlässig sind,„zu klären und dazu olles geeignete Material auf dem Wege eines. Unter- suchung oder sonstwie zu sammeln�. Der Bericht der Kom- Mission wäre spätestens in sichs Monaten zu erstatten. Wir wollen annehmen, daß der deutsche Reichswehr- minister eine solche Untersuchung bewillkommnen würhe. Er und die Bürgerblockregierung haben bisher behauptet, daß sie völlig zu Unrecht angeschuldigt worden sind. Hier bietet sich Gelegenheit, dies zu beweisen. Es muß ihnen daran liegen, die Anschuldigungen in ihrer ganzen Nichtigkeit zu entlarven und zu zeigen, daß„Deutschlands Ehrenschild fleckenlos rein" ist. Ein deutsch-belgisches Vergleichsverfahren vermag hoffentlich Verdächtigungen zu zer- streuen, die die Beziehungen Deutschlands mit seinen Nach- baroölkern stören und sein Ansehen in der Welt schädigen. Sozialiftifther Angriff auf den Kriegsminister. Brüssel, 27. Juli.(Eigenbericht.) In einem ofsenbar von einem sozialistischen Mini st er herrührenden oder wenigstens injpirierlen Artikel bespricht der„Peuple" den Abschluß des deutsch-belgifchen Noten- Wechsels. Das Blatt schreibt u. a.: „Es war höchste Zeit, Schluß zu machen. Die Tat- sache, daß die Reichsregierung verspricht, Vanderveldes Denkschrift über die belgische Neutralität dem in Frage kommenden Unter- suchungsausschuß des Reichstages zu überweisen, läßt auf einen o b j e k t i o e n. von Locarno geleiteten Geist bei der Reichsregierung schließen. Hätten alle Stellen in Berlin von vornherein in diesem Geiste gehandelt, dann wären die f r i c d e n s s ch ä d l i ch e n, bitteren Polemiken erspart geblieben. Hosten wir. daß nnn- wehr auch die deutschen Nationalisten entweder schweigen oder sich mäßigen werden." Der„Peuple" fährt fort:„Nachdem nun der Zwischenfall Reichswchr-Brocqueville abgeschlossen ist. möchten wir auch unsere Meinung sagen, die übrigens von vielen Leuten geteilt wird, die nicht gerade als internationale Sozialisten gelten: Brocqueville hätte gut getan, siebenmal die Zunge im Munde nm- zudrehen, ehe er sprach. Gewiß kennt man den groß- mäuligen Charakter Brocquevilles; aber ehe man Anschul- digungen erhebt, muß man seine Beweise beisammen haben und imstande sein, sie vorzulegen. Das tonnte Brocqueville nicht, da er sich lediglich auf geheime Informationen stützte, die auch weiterhin geheim bleiben sollten. Nicht, daß wir uns etwa Täuschungen hingeben über die Reichswehr, ebensowenig wie unsere deutschen Parteifreunde selber. Aber nur naive Menschen können glauben, man könne ein großes Volk durch Zwangsmittel dauernd entwaffnen. Dazu bedarf es innerpolitischer Vor- bedingungen, die Gesten wie die Brocquevilless gewiß nicht er- leichtern. Die sicherste Friedensgarantie in Deutschland und Europa bleibt die Demokratie. Es ist Ausgabe der Arbeiterklasse, mit deren Blut gespielt wird, den Reaktionären und Friedensstörern aller Länder das Handwerk zu legen." Neue Verhaftung Roßbacks. Wege» Erschießungen während des KaPP-Putsches. k. Schwerin(Mecklenburg). 27. Iqli. Oberleutnant a. D. Roßbach, der bekannte Freikorpsführer, von dem man in der letzten Zeit nichts mehr gehört hat, ist am Dienstag plötzlich auf Veranlassung des Untersuchungsrichters beim Landgericht Schwerin aus dem Gute ßtuer in Mecklenburg yer- hg stet und in das Schweriner Untersuchungsgefängnis eingeliefen worden. Wir erfahren darüber folgende Einzelheiten: Oberleutnant Roßbach, der bekanntlich längere Zeit in Leipzig in Üntersuchungshaft gesessen hat und später wegen einer B e° teiligung am H i(l e r p u I s ch ins Ausland gegangen war, hatte sich in den letzten Jahren von seiner früheren politischen Tätigkeit zurückgezogen und betätigte sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland— wegen der Teilnahme am Hitlerputsch war er am- n e st i e r t worden--- als Leiter der„Spielschar Ekkehard", mit der er mehr als 399 Aufführungen in allen Teilen Deutschlands veranstaltete. Unlängst hatte er das einem Herrn v. F l o t o w ge- hörende Gut Stuer am Plauer See i» Mecklenburg gepachtet und hier eine sogenannte Führerschule eingerichtet, die der Pflege deutscher Kultur und der Heranbildung junger Führer dienen soll. Hier ersolgte nun seine Verhaftung, und zwar aus Grund eines noch aus den Tagen des Kapp�Putsches stammenden Hastbefehls des Schweriner Untersuchungsrichters. Es schwebt nämlich noch in Schwerin gegen Rohbach ein Verfahren wegen mehrerer Er- schietzungen linksgerichteter Personen, die van dem Kommando des ehemaligen Freikorpsführers in Verbindung mit dem Kapp-Unternehmen in Niendorf i. M. vorgenommen worden waren und siir die Roßbach als einer der Unterführer des Äapp-Unternehmens in Mecklenburg die Verantwortung tragen soll. Die Reichsamnestie, die seinerzeit die Teilnehmer am Kapp. Putsch außer Verfolgung gesetzt hat, umfaßt nämlich nur die politischen Delikte, nicht aber persönliche Straftaten. -e Wie außerdem L. 6. erfährt, hat Roßbachs Verteidiger, Rechts- anwalt P. Bloch(Berlin) sich an das R e i ch s j u st i z m i n i> st er tum mit der Bitte um Intervention gewandt, da nach seiner Aufsasiung das Verfahren in Schwerin durch die Reichs- amnestie miterledigt sei. Die Stellungnahme des Reichsinstizmim. steriums in dieser Angelegenheit ist noch nicht bekannt. die Not üer tzockwassergebiete. Schnelle Hilfe Preußens. Der Freistaat Preußen wird den vom Hochwasser Bedrohten und Geschädigten diesmal schneller, als es sonst bei ähnlichen An- lässen geschehen konnte, wirksame Hilfe bringen. Die Regierung will sich nichl daraus beschränken, für die Unterkunft und die P o x s o i g u n g des na» den überschwemmten Weiden vertriebenen Viehs zu sorgen, sondern durch hesondere Kommissionen sofort tue angerichteten Schaden prüfen lassen und sowohl mit Geldmitteln als auch mit technischen Maßnahmen sinter- stützungen leisten. Die von einzelnen Behörden bereits zugesagte Steuerstun- d u n g wird voraussichtlich auf alle Hochwassergebiete ausgedehnt werden. Bei der Vernichtung der Ernten ist die Bereitstellung von S a y t k n r n in Aussicht genommen. In Beantwortung einer Anfrage aus dem Landtag hat der preußische Innenminister Grzesinski erklärt, daß aus Mitteln des Staates und der Provinz 1ZS 999 M. zur Linderung der ersten Not im Spreewaldgebiet bereitgestellt worden sind. Daß die französische Regierung in Moskau von der Sowjet- regierung die Einstellung der kommuiMifchen Propaganda verlangt habe, wird in Paris bestritten. Botschafter Herbette habe natürlich den Auftrag, sobald es nötig sei, aus die Belastung der sowjet- sranzpsischen Beziehungen hinzuweisen. Nett« Anweisungen seien nicht ergangen, Der ocganisatorisihe Mufbau öes IGS. Die Auffassungen Oudegeests und Fimmens. Der. Ausbau des JGB. ist ein technisch-organfso�irisches Pro blem. Aber ist-seine volle Bedeutung mit dieser Kennzeichnung erschöpft? Die Bedeutung der Berufssekretariate im Dorstand des I®B. ist nach der Auffassung Oudegeests auch eine Machtsrage zwischen zwei Richtungen. Für Oude geest steht daher beim Aufbau das Problem der Richtung im Vorder gründe. Diese Auffassung hat er in seinem für den Pariser Kongreß bestimmten, grundlegendenBericht über den Aufbau des Internatio nalen Gewerkschaftsbundes niedergelegt. Die Grundlage des ZGB. können nach Oudegeests Auf- fassung entweder nur die Berusssekretariate oder die Landeszen traten bilden. Würden die Berufssekretariate zur Grundlage genommen, d-snn seien die Landeszentralen zum Verschwinden verurteilt. Ge wiß sei das noch kein Endurteil, aber es ergäben sich doch je nach der gewählten Methode bestimmte Konsequenzen. Die reformistische Methode sei untrennbar mit der Basierung des ZGB. auf den Landeszentralen verbunden. Ihre Arbeit setz« sich in den Gemeinderäten, im Parlament und in zahl' reichen gesellschaftlichen Organen fort. Sie sei mit dem nationalen Leben in allen seinen Richtungen verbunden. Ein aus den Landes- zentralen aufgebauter JGB. finde daher ein ausgedehntes Arbeits- feld, wozu auch der Kampf gegen Militarismus, Faschismus und gegen die Unterdrückung der Farbig m durch die weihe Rasse sowie die Förderung der intellektuellen und moralischen Entwicklung der Arbeiterklasse durch Verbesserung des Unterrichts und die Aufstel- lunff vdn Mindestforderungen für den Schulunterricht gehören. Die Methode, zu der der Weg über die Berufssekretariate führe, ergebe sich aus einem Zitat aus Fimmens Broschüre„Die Vereinigten Staaten von Europa�, wo internationale Organisationen, internationaler Kampf, Vernichtung des Kapitalismus, Welt- reoolution und Errichtung des Sozialismus gefordert werden. Oudegeest stellt daher die Antithese aus: Berufssekretariat— Sozialismus durch Weltrevolution: Gewerkschaftsbund— Sozialismus durch Reform! Oudegeest will nicht, daß die Berufssekretariate, die auf ihrem Gebiet vorzügliche Arbeit leisten, verschwinden: aber er fordert, daß die Gewerkschaftsbewegung endlich zwischen den beiden Methoden wähle: Reform von unten auf oder Revolution von oben herab! Oudegeest will den Traum von der WeÜrevolution aus der Gewerkschaftsbewegung verbannen und die ganze gewerkschaftliche Energie auf Reform der Gesellschaft richten. Sein Arbeitsprogramm ist als Richtschnur dafür ge- dacht, und wenn der Kongreß sich dazu bekennt, soll depi Bureau des JGB. aufgetragen werden, die Mittel zur Durchführung des Programms festzustellen und den Anteil der verschiedenen Teile der selbständigen Arbeiterbewegung daran zu bestimmen. Erst nach der Erledigung dieser vorbereitenden Arbeit sei dann der Augenblick gekommen, um die Wiener Studienkommission für die Bestimmung des organisatorischen Verhältnisses zwischen dem JGB. und den Berusssekretariaten einzuberufen. Die europäische Gewerkschaftsbewegung wird also nach Oude- geest vor die Wahl:„Demokratie oder Diktatur?" gestellt, und es soll nicht nur eine theoretische Entscheid wng getrof- fen werden, sondern den Worten auch die Tat folgen. Durch sein Programm will Oudegeest der Entscheidung für die Demokra- t i e Inhalt verleihen. Die von ihm geforderte Entscheidung wird auch die sozialistische Internationale vor die Frage stellen, was sie zur Verwirklichung dieses Programms beitragen will und kann. Hilfe für öie preußischen Seamten. • Ein« großzügig« 5 i! s» m j» ß n a II m« stlr Me notftidtnden preußischen H.kamt«N wird, wie der Sozialdemokratische Pressedienst erfährt, geplant. E» ist e i n E r l a ß in Borbereitung, der nach Vorbild des Reiches erhebliche Mittel zur Äerftärkung des Unterstützungsfonds für Beamte vorsieht, die sich in wirtschaftlicher Not befinden. Ferner soll die Anweisung ergehen, die einlaufenden Gesuche in wohlwollendster Form zu prüfen. Inzwischen werden die Verhandlungen über eine all- gemeine B e f o l d u n g s e r h ö h u n g der preußischen Beamten- schast fortgesetzt. Man nimmt an, daß sich die Besprechungen bis zum Herbst zu festen Vorschlägen verdichtet haben verbanüstag üer Schiffsingenieure. Am 24. und 25. Juli hielt der dem AsA-Bund angeschlossene Verband deutscher Schisssingenieure seinen 17. Ver- bandstag in Bremen ab. Gleichzeitig feierte die Ortsgruppe Bremen ihr 25jähriges Bestehen. Ein ausgezeichnet verlaufener Festabend oereinigte die Delegierten des Verbandstages und die Mitglieder der Ortsgruppe Bremen. An dem Verbandstag nahmen zahlreiche Vertreter der Be- Hörden, unter anderein des Reichsarbeitsministeriums, des Reichs- Verkehrsministeriums sowie Vertreter der befreundeten Angestellten- und Arbeiterorganisationen teil. Der AfA-Bundesvorständ war durch den Genossen Fritz Schröder-Berlin vertreten. Der Geschäftsbericht des Verbandsoorsitzenden Richard F r c e Te. entrollte ein anschauliches Bild über die umfassende ge- werkschaftliche und sozialpolitische Tätigkeit des Verbandes. Das Zusammenarbeiten mit dem AsA-Bund hat sich in letzter Zeit noch inniger gestaltet: es wurde eine gemeinsamer Ausschuß des AsA-Bundes und der freien seemännischen Angestelltcnverbönde ge- bildet, um systematisch den Kampf gegen die Entrechtung der seemännischen Ange st eilten zu führen. Reben dem Geschästsbericht nahm der Berbandsiag am ersten Tage noch drei Referate entgegen. Oberregierungsrat Dr. In- genieur Jahn behandelte in ausgezeichneter Weise„Die Er- ziehung eines b e r u f s t ü ch t i g e n Nachwuchses im Schisssing enieurberu s". Nach einem historischen Ueber- blick über den bisherigen Entwicklungsgang entrollte er eiw plasti- sches Bild über die neuzeitlichen Aufgaben einer umfassenden Be- rufsausbildung für den Schiffsingenieur. In scharfen Worten wandte sich Dr. Jahn gegen die systematische Unter- bindung des Aufstiegs durch das in Deutschland krankhast ausgebildete Berechtigungswesen: er forderte sreie Bahn für alle Tüchtigen. ' Ueber„Staat und Gewerkschaflen" sprach Fritz Schröder- Berlin. Nach einer Analyse über die funktionelle Be- deutung des Staates schllderte er die sozialen Ausgaben der freien Gewerkschaften im Staate und dos sich aus diesen Ausgaben er- gebende Verhältnis zum Staat. Die beispiellose Konzentration des Kapitals, verbunden mit einer Machterweiterung über den Staat. erfordere nicht nur eine Stärkung der Gewerkschaften, um den wirtschaftlichen Tageskampf besser führen zu können, dazu müsse kommen Machtgewinnung über den Staat, um seine soziale Entwicklung entscheidend zu beeinflussen. Im Anschluß daran sprach Verbandssekretär Petrikowski über„Die sozialpolitischen Ausgaben des Ver- b a n d e s". Mit scharfen Worten kritisierte er die beispiellose Eni- rechtung der seemännischen Angestellten und entwickelte ein um- fassendes Programm für den Ausbau des sozialpoliti- schen Schutzes. Alle drei Referate wurden mit großem Beifall entgegengenommen. In der Aussprache wurden die Forderungen nach- drücklichst unterstrichen. Der sozialpolitische Ausschuß des Ver- bandes wurde mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfs zu einer See mannsordnung beaustragt. In einer Reihe von Entschließungen stellte der Verbandstag bestimmte Forderun- gen nach dieser Richtung auf. Der Verbandstag forderte ferner die Revision des See-Unsall-Untersuchungs- g e s e tz e s. Die Rentenleistungen der Angestelltenoersicherung sollen erhöht und die Altersgrenze für den Bezug des Ruhegeldes soll von 65 auf 60 Jahre herabgesetzt werden. In eingehenden Beratungen wurden neue Satzungen beschlossen. Durch Ausbau der Unterst ützungseinrichtungen und straffere Zentralisation wird die Schlagkraft des Verbandes erhöht. Der Verbandstag beschloß die Erhnbung eines E x t r a b e i- träges von 10 Mark zur Erwerbung eines Erholungs- Heimes._ Eine Warnung für fluswanüerer. � Wie es i« Brasilien mit der„Freiheit" bestesit ist. Auf der letzten Internationalen Arbeitskonferonz in Gens hat der Regierungsvertreter von Brasilien wieder ein- mal in den höchsten Tönen von den p a r a d l e> i s ch e n Zu.- ständen in Brasilien geredet, was ihm um so leichter siel, als ja ein Arbeitervertreter, für dessen Ernennung man keine Zeit fand, ihm nicht widersprechen tonnte. So erzählte er denn davon, daß in Brasilien Land- und Industriearbeiter auf Grund der Verfassung und eines Gesetzes aus dem Jahre 1907 die Gewerkschaitsireiheit genießen, die Bundesverfassung die Vereins- sowie die persönliche Freiheit garantiert usw. Von dem berüchtigten Einwände- rungsdekret vom Jahre 1922, durch das ausländischen Arbeitern das Streikrecht vorenthalten wird und auf Grund dessen sie des Landes verwiesen werden können, wenn sie auch nur für die Gewerkschaftsbewegung Propaganda machen, sagte Herr De Aragoa nichts. Wie die Verhältnisse in Wirklichkeit sind, beweist die Tatsache, daß auch heute noch Gewerkschastsführer in Brasilien dar- auf gefaßt sein müssen, nachts aus ihrem Bett geholt und nach der bekannten Mordkolonie„Clevelandia" velschickt zu werden.-Daß sich unter der Regierung von Präsident Bernardcs die Zustände nicht bessern, beweisen die� neuesten Berichte, denen zufolg« im Zusammenhang mit einem streik bei der.Light antz Power Company" ein neues Gesetz vorbereitet wird, durch das es noch leichter werden soll,„unerwünschte" Ausländer a u s� u w e i f e n. Ferner soll auch für die einheimischen Arbeiter das Streikrecht ausgehoben und jegliche Agitation zu- gunsten eines Streiks verboten werden.' Während dies geschieht, tritt der brasilianische Reoierungsoer- treter sozusagen als Retter Europas auf und sagt, daß sich die Ein- wohnerzahl seines Landes(39 Millionen) leicht um das Zwanzig- fache vergrößern lasse und das aus ganz Europa lastende Arbeitslosen- Problem kurzerhand dadurch gelöst werden könne, daß.chie paar Millionen Arbeitslosen", wie De Aragoa sagt, nacks�Krasilien gesandt werden, wo Mangel an Arbeitskräften besteht und die eingewanderten Arbeiter durch die wunderbare Gesetzgebung des Landes,„die sich immer mehr in Einklang stellt mit den liberalen Prinzipien der modernen Nationen", geschützt werden.„Denn," so heißt der elegante Schluß,„Brasilien wünscht seinen Platz unter den fortgeschrittensten Völkern einzunehmen, indem es die humanitärsten Gesetze für den Schutz und den Beistand für Arbeiter annimmt, deren Wohlergehen die solideste Grundlage des Reichtums und des Fortkommens der Nationen darstellt". Die obey angesührten Tasachen zeigen deutlich, daß in Brasilien zwischen Theorie und Praxis ein großer Unterschied besteht. Selbst jetzt, wo die Zahl der einwandernden Europäer verhältnismäßig gering ist, erleben diese Einwanderer zum größten Teil die bitter st en Enttäuschungen und werden die Opfer der L o h n d r ü ck u n g s a k t i o n der Regierung, die zu diesem Zwecke die Einwanderung fördert. Was für die meisten Länder Südamerikas gilt, gilt auch für Brasilien: die Verhältnisse sind dort nicht so rosig, wie sie zum Anlocken von Ausländern gern gemacht werden. Jeder Arbeiter, der auszuwandern beabsichtigt, soll sich deshalb vorher gründlich unterrichten, damit er nicht das Opfer der rücksichtslosen Politik von Regierungen und Unternehmern wird. Neue Verhandlungen in üer Eisenkonftruktkoa. Im'Lause des gestrigen Tages haben zwischen dem Deutschen Metallarbeitcrverband und den einzelnen Firmen der Berliner Eisen- konstruktionsbetriebe erneute Verhandlungen über die die Grundlage des augenblicklichen Streiks bildende Lohnfrage statt- gefunden, die bei einer ganzen Reihe von Be t r i e b en zu einer Verständigung mit den Gewerkschaftsvertretern geführt haben. Nach Lage der Dinge ist zu hoffen, daß auf der gestern verein- borten Grundlage die Belegschaften, die am heutigen Donnerstag noch einmal um ihre Stellungnahme befragt werden sollen, ihre Zu- stimmung geben w-rdcn, und daß somit der Konflikt in kürzester Zeit beigelegt werden kann. Die Entscheidung hierüber dürfte im Laufe des heutigen Donnerstag fallen. Die von anderer Seite ver- breitete Meldung, daß in diesem Streik bereits eine Verschärfung eingetreten sei, entspricht in dieser Form nicht den Tatsachen. Eine weiter« Zuspitzung des Konfliktes, nämlich die Stillegung der bisher vom Streik noch nicht betroffenen Bauten, käme erst dann in Frage, wenn auch die gestern getroffenen Vereinbarungen von den Streikenden wiederum abgelehnt werden. Zranzösischer Gewerkschastskongreß. Neue Niederlage der Kommunisten. Paris, 27. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In der Nachmittagssitzung des Kongresses der französifäzen Ge- werkschaften haben die K o m m u n i st e n eine neue Nieder- läge erlitten. Sie brachten einen neuen Antrag ein. nach welchem die Frage der Wiederherstellung der Einheit von der Diskussion des moralischen Berichts getrennt werden solle. Iou- h a u x widersetzte sich dem und der Kongreß lehnte den A n t r a g mit sämtlichen gegen 10 Stimmen ab. Die Diskussion hat dann den ganzen Nachmittag über den moralischen Bericht angedauert. Der pfälzische Textilarbeiterstreik geht weiter. Ludwigshasen, 27. Juli.(Mtb.) Der unter dem pfälzischen Schlichter Dr. Weiler-Ludwigshasen gefällte Schiedsspruch vom 9. Juli für das pfälzilche Textil- gewerbe ist nun nach Verhandlungen vor dem Landesschlichter Hart- mann am 19. Juli für verbindlich erklärt worden, obwohl die Arbeiter ihren Antrag auf Verbindlichkeitserklärung zurückgezogen hatten. (Dadurch ist jedoch die Streikbewegung nicht zum S t i l l st a n d-g e b r a ch t: denn der Schiedsspruch sieht vor, daß zur Regelung der Akkordlöhne zwischen den beiden Parteien Verhand- lungen geführt werden sollen. Um diese Akkordlöhne geht zurzeit der Streik. Er hat in der Zwischenzeit eine neue Verstärkung erfahren, da die Spinner und Spjniwrinnen der Kammgarn- spinnereien Kaiserslautern ebenfalls in den Streik g e- treten sind. D. Red.) Metallarbeiterstreit i« Budapest. Budapest, 27. Juli.(WTB.-Privatmeldung.) Wie das Organ der Sozialdemokratischen Partei„Nepszava" meldet, sind gestern sämtliche Bauschlosser der Hauptstadt sowie die Arbeiter der Leichteisenkonstruktionsbetriebe, etwa 1200 Mann, wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten- Di« Arbeiter fordern ein« Lohnerhöhung von 20 Proz. Ter New Aorker Verkehrsstreik vermieden. ix�rt-rr-tu\ Die Nachverhandlungen über den Schiedsspruch jür die nordwestliche Gruppe der Metallindustrie finden auf Wunsch der Parteien erst am Donnerstag im Reichsarbeitsministerium statt. Die zu gestern abend nach dem Gewerkschaftshaus einberufene Ouartalsversammlung der Schuhmacher mußte wegen zu schwachen Besuches oertagt werden, obwohl die Erössnung um eine Stunde verzögert wurde. Vorstand und Funktionäre werden sich damit beschäftigen und den Zeitpunkt der nächsten Versammlung recht- zeitig bekanntgeben. F«i« Hewe rischaft»!»geud»--».»««li». Heutr»Vi Uhr tagen folgende Gruppen: Lichtenderg: Jugendheim Dossestr. 22. Gewerlschaftliche Sprechstunde. — Sitdirei»: kireisspieltag auf der kleinen Wies« am Volizpark Hasenheide.— Südosten: kreisspi-u-g im Volkspari Hasenheid«.— Süden Südwesten: Nolls. park Neukölln Areisspieltreffcn.— Tempelhos: Wir beteiligen UN, an dein Areisspielabend.— ttSpenich: Jugendheim Grünauer Str. 5. Diskussionsobend. — Gesundbrunnen: Jugendheim Note Schul« Gotendurger Straße. Literarischer Abend: Jack London.— Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lorttingstraße. Lichtbildervortrag:„Der Wald und seine Bewohner."— Moabit: Spielen auf der Bogelwiese. Tressen 19 Uhr Bahnhof Beusselstraße.— Zugendabteilung de» Deutschen Bekleidung-arbeiternerband«»: Jugendheim de» Berbandes. Sebastian- straßr MM, Hos part. Heiterer Abend.— Reulölln und Hermannplag: Ab 18 Uhr Spielabcnd im Volkspari Hasenheide, kleine Spielwiese. Baumschulen. weg: Spielabcnd auf dem DMB..EportpIag. Zuaendgrupp« de» ZdA. Heute 19M Uhr ist folgende Beranstaltung: Bezirk Schoneberg: Jugendheim Schönederg, Hauptstr. 18 lThüringenzimmerl. Spiel. abend im Freien.— Ab 19 Uhr Spielen auf der Spielwiese im Schillerpark. Rascnspiel«, Bolkstilnze, Ballspiele. Berantwortlich sstr Bolitik:«ieto» Schiff; Wirtschaft:®.«lingelhöfer: und Berlag�lnftalt Paul Einger o Do. Berlin 6® 68. Lindcnstraß« 3. Hinzu 1 Beilage und..Unterhalt-»« und Wisse»-. x OslAQ■und'* Sjpofyfr .19°° Reiseulster Ä r" u£-.«v_ 3600 n■ivii, t m■ n l«tu imprägniertem wenermaniei StnehJoden für Demes Damen-Gummimäntel i»** 10so � kariert Torzüglicb gummiert....•••••■■r Damen-Windjacken 7»o fesche Formen.......... 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Erst vor wenigen Tagen wurden zwei junge A n a r ch o- s y n d i k a l ist e n wegen des Raubüberfalls auf die Wohnung des Ehepaars S ch i f ch k a in der Königgrätzer Straße zu 3 Jahren ö Monaten bzw. 3 Jahren 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Beide haben die Straf« angenommen. Gegen beide schweben ober noch Verfahren wegen politischer Vergehen. Einer der beiden Verurteilten hatte sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu verantworten. Es war auch diesmal wieder Landgsrichtsdirektor B u r k e r t, der den Vorsitz führte. Der Vor- fall, der der gestrigen Anklage gegen M. zugrunde lag, ereignete sich im Februar 1S26. In den Musikersälen hatten National- s o z i a l i st e n eine Versammlung abgehalten. Zwei von ihnen be- fanden sich auf dem Weg zum Bahnhof Börse. Rotfront hatte am gleichen Abend am Hackefchen Markt eine seiner vielen Demonstrationen, und man wartete den Schluß der national- sozialistischen Versammlung ab. Als man die beiden Rational. sozialisten erblickte, stürmte man aus sie los, schlug den einen nieder und warf sich auch auf den anderen, dem es ober zu flüchten gelang. Sein Gesinnungsgenosse aber wurde mit Fußen getreten und mit Fäusten bearbeitet. Dann zerstreute sich der Haufe, und der Gemiß- handelte durfte nach Hause gehen. Die beiden National- sozialisten konnten sich aber nicht beruhigen. Monatelang bemühten sie sich, ihre Angreifer zu finden. Eines Tages glaubte der im Februar arg mißhandelte Hausdiener S. einen seiner Angreifer in einem Lokal feststellen zu können. Es war dies M. S. erstattete Anzeige und gegen M. wurde die Anklage wegen Land- sriedensbruch erhoben. Zweimal wurde die Sache vertagt. Gestern konnte sie endlich ausgetragen werden. S. wollte mit aller Entschiedenheit M. wiedererkennen. Sein Genosse erklärte aber, er könne M. mit Bestimmtheit nicht wiedererkennen. Entscheidend war aber ein anderer Untstand. Der Angeklagte trug damals Haar, das bis zu den Schultern reichte; er ging auch stets ohne Kopf- bedeckung und gehörte nicht dem Roten Frontkämpfsrbund an, — so konnte er es nicht gewesen sein. Das Gericht sprach M. frei. Die Tatsache bleibt ober be- stehen: zwei junge Leute werden von einem Trupp politischer Gegner überfallen und niedergeschlagen. Ist das ein politischer Kampf, der der Jugend würdig ist? Allerdings: rechtsradikal und linksradikal können sich in dieser Beziehung die Hände reichenl Mit öem Messer gegen Polizeibeamte. Pfingstsonntag. Großer Rotfrontrummel. An der Schön- hauser Allee sammelt sich ein Trupp Rotfrontkämpfer zum Abmarsch. Auf dem Trottoir drängen sich Mitläufer. Zwei Schupobeamte sorgen in korrekter Form für Ordnung. Der Zug ist abmarschbereit. Einem Ordner der Rotfrontkämpfer mißfällt es, daß der Schupomann feine Pflicht erfüllt und für Ordnung sorgt.„Du Bluthund hast hier nichts zu jagen, heute ist kein Stahll>elmtag. Wir find Herren der Straße." Der Schupomann will sich die Beschimpfung, die ihn so unerwartet trifft, nicht gefallen lassen. Er nimmt den„Ordner" fest. Dieser geht ein paar Schritt mit; reißt sich dann aber los. Im abmarschbereiten Zug hat man den Zwischenfall bereits bemerkt, zwei Kolonnen schwenken auf die beiden Beamten zu und umringen sie. Gegen den beschimpften Schupo- bcamlen erheben sich Fäuste. Im Ru ist ihm feine Waffe abgenommen. er wird niedergeschlagen, mit Füßen getreten, erhält einen Messerstich in den Rücken und einen Stich mit der Fahnenspihe in den Schenkel. Schon ist ein U e b e r f a l l k o m m a n d o zur Stelle. Der Schupomann erhebt sich, erkennt einen, der bei der Mißhandlung zugegen war, und läßt einen anderen feststellen, der ihn mit einem Stock geschlagen hatte. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte mußten sich gestern drei Teilnehmer dieses Rowdyüberfalls auf den Schupomann verant- warten. Der eine war allerdings nur wegen Bedrohung ange- klagt. Er hatte gesagt:„Ihr Bluthunde, wir schlagen euch tot!" Den beiden anderen wurde GefangeNenbesreiung und Ausruhr zur Last gelegt. Beide b e st r i t t e n, sich schuldig ge- macht zu haben. Der eine wollte nur Zuschauer gewesen sein, der andere erklärte, überhaupt nicht einer Partei anzugehören und von der Sache nichts zu wisien. Von den beiden Schupobeamten konnte nur der eine mit der größten Gewißheit einen der Angeklagten, einen früheren Matrosen, der den Marine-Rotfrontkämpsern an- gehört, wiedererkennen. Dem Gericht genügte diese Aussage; trotz des Widerspruchs des Angeklagten, trotz der Erklärung des Zeugen, daß zur gleichen Zeit sich eine große Zahl von Fäusten gegen ihn erhoben hatte. Allerdings hatte der Mann ein einprägsames Gesicht. Das Urteil lautet« auf acht Monate Gefängnis gegen den einen Angeklagten, auf vier Monate gegen den zweiten. Der dritte wurde freigesprochen. Sein Ausspruch sei in der politischen Erregung gefallen, sagte das Urteil Die beiden ersten erklärten, Berufung einlegen zu wollen. Landgerichtsdirektor Burkert meinte mit Recht, daß für politische Parteien die Verpflichtung bestünde, für Ordner zu sorgen, die ihr Ordneramt auszuüben oerstehen. War dieser Zwischenfall notwendig? vor dem Ozeanflug Dessau-New gork. Das Flugprojekt Könneckes. Eine Prügelei um Nichts. Vor den Richtern zwei junge Leute. Der Kaufmannsangestellte S. und der Kohlenarbeiter W. Die Anklage lautet auf Land- sriedensbruch. S. gilt als Rädelsführer, W. habe sich Gewalttätigkeiten zuschulden kommen lassen. Der juristische Tatbestand klingt somit äußerst bedrohlich. Die Taffachen, die ihm zugrunde liegen, sind dagegen weit harmloser; allerdings entrollen sie ein trauriges Bild der politischen Einstellung eines Teils unserer heutigen Jugend. Jugend befindet sich aus Neujahrsfahrt, rechte Jugend, linke Jugend. Lieder werden gesungen, Wanderlieder, Marschlieder. Am Jugendheim spielt man Fußball. Ein Trupp junger Leute, etwa vier an der Zahl, die Mützen mit schwarzweihroten Kokarden ge- schmückt, gehen des Weges dahin. Ihnen entgegen kam ein größerer Trupp junger Leute mit dem 5lJ.-Abzeichen auf der Brust. Sie sehen die schwarzweihroten Kokarden, rempeln deren Träger an, rufen ihnen etwas zu: zwischen beiden Trupps bildet sich aber schon eine gewisse Entfernung. Die Neujahrsfahrt scheint die Feinde friedlich zu stimmen. Plötzlich löst sich aber ein junger Mensch „jüdischen" Aussehens vom Kommunfftcntrupp los, läust in schnellem Tempo zu den Fußballspielern am Jugendheim und ruft ihnen zu: „Sammeln! Schwarzweißrote Kokarden". �>ie Fußballspieler kommen herangesaust:„Kokarden abmachen!" Die schwarz- weißroten jungen Leute weigern sich. Einer von den Schwarzweiß- roten erhält einen Schlag gegen die Brust, einen zweiten mit einem Ast gegen den Kopf. Er bricht zusammen, fühlt, wie man aus ihn losschlägt, mit Absätzen seinen Kops bearbeitet. Jetzt erst findet sich ein Besonnener, der meint, es sei genug, die Angreifer werden zur Seite gedrängt, man hebt den Gemißhandelten vom Boden aus, die schwarzweißröten Kokarden können weitergehen. Einer bleibt noch zurück; er will sein Fernglas und die Mütze des Mißhandelten holen. Do hört er, wie ein junges Mädel einen Burschen fragt: „Hans, bist du auch Kursusteilnehmer?" Die schwarzweihroten Kokarden erstatteten Anzeige und bezeichnen Hans als Haupt- beteiligten. Also hatte er sich gestern zu verantworten. Der Gemißhandelte wollte ihn mit aller Entschiedenheit wiedererkennen. Ebenso ent- schieden bestritt aber Wendemgyn, dabei gewesen zu sein. Er habe sich an diesem Tage ganz wo anders aufgehalten und sein Freund, der mit ihm war, hat dies bereits eidlich beschworen. Er fehlt aber und so muß die Verhandlung vertagt werden. Hinsichtlich des S- konnte sie jedoch zu Ende geführt werden. Auch er bestritt seine Teilnahme an der Schläoerei. Er wird freigesprochen. Dies war also der Landfriedensbruch, dies der Rädelsführer! Rechtsanwalt Genosse Dr. R o s e n f e l d machte mit Recht aus die bemerkenswerte Eigentümlichkeit aufmerksani, daß aus diesem, wenn auch bedauerlichen, Zusammenstoß verschieden gerichteter Jugend- licher ein Landfriedensbruch konstruiert werden konnte, für den die Normalstrafe Zuchthaus und die Mindeststrase sechs Monate Gefängnis ist. Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings nur wegen Körperverletzung Anklage erhoben. Die für den kommenden Ozeanflug Dessau— New Park auf dem Dessauer Flughafen errichtete Beton st artbahn geht ihrer Voll- endung entgegen. Diese betonierte Fläche, die unter Ausnutzung von bereits vorhandenen Höhenunterschieden des betreffenden Geländes ein leichtes Gefälle erhalten hat, wird insgesamt 6lX> Meter lang sein. Etwa 50 Arbeiter sind in Tag- und Nachtschicht an der Voll- endung der Startbahn beschäftigt, die unter Androhung von Kon- ventionalstrafen innerhalb von acht Tagen, also bis spätestens bis 3. August, sertig sein muß, da für die ersten Augusttage mit günstigen Windverhältnissen über den Atlantik gerechnet wird. Je nach der Wetterlage dürfte also der Start zum Fluge nach New Park zu Beginn des kommenden Monats erfolgen. Die große „Generalprobe", der die Ozeanmaschine Junkers 1 33 und der Junkers-l- 5-Motor unterworfen wird, nämlich der Dauerfiug, mit dem gleichzeitig ein Weltrekord ausgestellt werden soll, dürste nunmehr am kommenden Freitag oder Sonnabend beginnen. Selbst- verständlich wird dabei— entgegen anderslautenden Meldungen— auch der für den Ozeanflug bestimmte Motor benutzt werden, da ja gerade ihm in erster Linie diese Dauerprüfung gilt. Da man In Dessau auf dem Standpunkt steht, daß diese Maschine tn jeder Hinsicht allen Beanspruchungen gewachsen sein muh, bevor man sie auf die weite Reise schickt, wird der Start zum Dauerflug trotz der enormen Belastung der Maschin« und des nicht gerade idealen Flugplatz- geländes wiederum nicht von der Startbahn, sondern von dem ge- wöhnlichen Startplatz aus erfolgen, also mit Absicht unter un- günstigeren Bedingungen als bei dem kommenden Abslug nach New Park, bei dem die glatte Betonbahn nüt ihrem Gefälle ein viel sicheres, erschütterungsfreies Abheben des Flugzeugs gestatten wird. Außer der Junkersmaschine werden noch andere Maschinen für den Amerikaflug vorbereitet. So will U d e t mit einem Rohrbach- Flugboot starten und K ö n n e ck e wird ebenfalls mit einem Caspar- Flugzeug das große Wagnis unternehmen. Da Könnecke alles daransetzen will, um als erster Deutscher den Europa-Amerika-Flug auszusühren, wird es gar nicht mehr lange dauern, bis fein Plan verwirklicht wird. In Travemünde wird in den Werkstätten der Caspar-Werke fieberhaft daran gearbeitet, das für diese» Flug bestimmte Flugzeug fertigzustellen, soll es doch spätestens in den ersten Septembertagen startbereit dastehen. Bei dieser Gelegen- heit ist es von Interesse, einige Einzelheiten über dieses Flugzeug, mit dem Könnecke fliegen wird, zu erfahren. Es handelt sich dabei um den letzten Caspar-Typ, das Speziallastenslug» zeug Caspar C 32, das sich bisher besonders als Streuflugzeug in der Forstschädlingsbekämpsung bewährt hat Der Konstrukteur dieser Maschine, Ingenieur M e w e s, ging von dem Grundsatz aus, ein Flugzeug zu schaffen, das in der Lage ist, bei Verhältnis- mäßig geringer Motor st ärke eine hohe Nutzlast zu be- fördern. Eine Voraussetzung, für die ein Speziallastenflugzeug Grundbedingung ist. Diese Eigenschaft, verbunden mit ausgezeich- neten flugtechnischen Eigenschaften, lassen dieses Flugzeug für dieses Projekt außerordentlich geeignet erscheinen. Das Flugzeug ist ein einstieliger, verspannter Doppeldecker, der durchweg aus Holz besteht Die Flügel bestehen aus doppelten. Kastenholmen mit besonders elastischen und trrtzdem sehr widerstandsfähigen Rippen. Die Unter- leite der Flügel ist mit Sperrholzplatten belegt, während die Flügel- obersesten mit zellonierter Leinwand bespannt sind. Da das Flug- zeug große Lasten aufnehmen soll, ist der Runipf sehr hoch gehalten. Er besteht aus Holzholmen und-fpanten und ist gänzlich, mit Aus- nähme des Motoreinbaues, sperrholzbeplankt. Die beiden Sitze liegen nebeneinander. Zwischen beiden Sitzen und dem in der Rumpfspitze gelagerten Motor befindet sich ein groß bemessener Lastenraum. In diesem Raum werden für den Ozeanflug die großen Brcnnstofftanks untergebracht werden. Außerdem werden im Ober- flügel vier Behälter eingebaut, die KW Liter Benzin fassen. Ins- gesamt wird Könnecke etwa 2500 Liter Benzin für 55 Stunden Flug- dauer mitnehmen. Das aus dem hinteren Rümpfende heraus- wachsende Höhenleitwerk ist doppeldeckerartig ausgebildet, wobei die obere Leitwerkflächc auf der Kielflosse drehbar gelagert ist und vom Führersitz aus zum Zwecke des Lastcnausgleichs für jede beliebige Fluglage eingestellt werden kann. Für den Ozeanflug wird das Flugzeug mit einem wassergekühlten Sechszylinder-Junkers-1. 5- Motor ausgerüstet werden, der bis zu 310 k'L leistet. Das Caspar- Flugzeug C 32 hat eine Spannweite von 15 Metern, eine größte Länge von 8,1 Metern und eine tragende Fläche von 53 Quadrat- Metern. Bemerkenswert ist, daß es sich bei dem Flugzeug um eine Die Silbers�rvärme INachdruü verboten � Von£Rc3e Vearf) Rstsrlstert» ou» brm Engltschea von Qulia Slopptl Der Risse ließ ein Lachen hören, das nicht eigentlich munter klang.„Ich will mein Lesten dafür hergeben!" „Ich wußte es, rief Cherry mit strahlenden Augen. „Und wenn wir Willis Marsh nicht besiegen, bei Gott, dann bringe ich chn um!" brüllte Bait, und man sah ihm an, daß er aus dieser Drohung Ernst machen würde, seine blut- unterlaufenen Augen funkelten haßerfüllt in Erinnerung an oll das Unrecht, das ihm zugefügt worden war. Indem er sich an Fräulein Malotte wandte, sagte er:„Gib mir etwas zu essen, Cherry. Ich habe so lange von Hundefraß gelebt, daß mein Leib ganz voll von Knochen ist." Er riß sich seinen zersetzten Rock vom Leibe, warf ihn wie ein nasses Bündel neben den Kamin und ging mit Cherry ins Speisezammer, von den anderen gefolgt.' Er nahm am Tisch Platz, und sie ließ ihm Essen vorsetzen, das er heruntcrschlang. Wie ein Bär saß er vornübergebeugt auf seinem Stuhl, die Kiefern ganz dicht über dem Teller. Sein Appetit war ebenso unbeherrscht wie sein Gemüt. Er schmeckte die Speisen nicht, sah kaum, was er aß, er verschlang nur, was ihm am nächsten stand, während er Emerson un- verwandt betrachtete und nur hin und wieder ein Ja oder Rein zu der eifrigen Rede des anderen brummte. Von Cherry oder Fräser nahm er nicht die geringst» Notiz. Als die Schüsseln schließlich leer waren, wischte er sich um den Mund, erhob sich und sagte:„Wir wollen uns an den Ofen setzen, ich habe seit drei Tagen keine Wärme in den Leib bekommen." Dort ließ Cherry die beiden Männer allein, und noch lange nachdem sie zu Bett gegangen war. hörte sie den Laut ihrer Stimmen. � Am nächsten Morgen beim Frühstück teilten sie ihr mit. daß sie am folgenden Tage aufbrechen wollten. „Morgen?" rief sie entsetzt. „Morgen?" wiederHolle Fräser ebenso entsetzt.„Das geht nicht an, meine Füße sind noch immer wund." „Wir reisen morgen früh, wir haben keine Zeit zu ver- Leren." Cherry wandte sich. an den Fischer:„So schnell kannst du doch nicht bereit sein, George?" „Ich b i n bereit," beantwortete der Riese. Eine plötzliche Angst überfiel sie. Wenn es nun schief ging, wenn sie nicht zurückkehrten? Es war eine gefährliche Reise, und George Bali war als der tollkühnste Mann längs der ganzen Beringküste bekannt. Sie betrachtete Emerson mit einem angstvollen Blick, er aber achtete dessen nicht. Und wenn er auch den Glanz gesehen hätte, der in diese klaren Augen gekommen war, würde er den eigentlichen Grund dazu nicht verstanden haben, ebenso wenig wie Cherry ihre Plötz- liche Angst verstand. Biel Zeit zum Nachdenken blieb ihr auch nicht, denn die Worte, die Emerson jetzt sagte, verstärkten noch ihre Angst: „Wir wollen den Postdampfer in Katmai erreichen." „Katmai!" rief sie heftig.„Sie sagten doch, Sie wollten, den Weg nach Iliamna benutzen." z „Der andere ist kürzer."' Cherry wandte sich aufgebracht an Bali. „Du weißt zu gut mit den Verhältnissen Bescheid, um so etwas vorzuschlagen!" „Ich habe es nicht vorgeschlagen," sagte Balt,„Herr Emerson will den kürzesten Weg benutzen." „Ich bin mehr für ein langsames und sicheres Verfahren," erklärte Fräser, all-, ob die Sache damit entschieden sei, und stopfte sich seine Pfeife. Durch Fräsers unbekümmertes Phlegma gereizt, sagte Boyd scharf:„Dich nehmen wir gar nicht mit. „Zum Teufel! Und warum nicht, wenm man fragen darf!" rief Fräser. „Man reist nicht gut zu Dreien, wie du weißt." „Hör' mal, Kamerad! Du hast versprochen, mich bis zu den Vereinigten Staaten mitzunehmen," wandte der Aben- teurer ein,„dein Versprechen mußt du halten." Er war offenbar höchst erschrocken. „Gut," sagte Emerson resigniert,„wenn du darauf bestehst, bleibt mir wohl nichts anderes übrig; aber ich nehme dich nicht weiter als bis Seattle mit." „Das läßt sich hören," meinte Fräser,„von Seattle aus werde ich mir selbst weiterhelfen können. Aber Kalvik— Hühl" „Warum wollen Sie schon so bald aufbrechen?" fragte Cherry Emerson, als die anderen hinausgegangen waren. „Weil jeder Tag von Bedeutung ist." „Aber warum wollen Sie durchaus über den Katmaipaß? Wir sind mitten in der stürmischen Jahreszeit, und wenn Sie die Küste erreicht haben, müssen Sie vielleicht zwei Wochen auf den Postdampser warten." „Das ist möglich, aber wenn wir nur einen einzigen Tag zu spät kommen, verlieren wir einen ganzen Monat. Der Postdampser wird in zehn Tagen in Katmai erwartet, wir haben also keine Stunde zu verlieren." „Ich werde furchtbare Angst ausstehen, bis ich weiß, daß Sie gut angekommen sind," sagte Cherry Malotte, und in ihrer Stimme war ein neuer Klang. „Unsinn! Wir sind alle schon in größerer Gefahr gewesen." „Wissen Sie was," begann sie zögernd,„ich habe mir die Sache überlegt, ich glaube, es ist besser, m�nn Sie sich aus das Unternehmen gar nicht einlassen. „Warum?" Er blickte sie erstaunt an.„Ich dachte, Sie seien so begeistert für die Sache?" „Gewiß— ich glaube unbedingt an das Unternehmen," antwortete sie niedergedrückt,„aber— als ich Sie dazu über- redete, tat ich es aus Egoismus, denn das Gelingen der Sache bedeutet meine Rettung. Aber—" „Es ist auch meine letzte Chance," unterbrach Boyd sie. „Im übrigen begreife ich nicht, warum Sie plötzlich so klein- mütig geworden sind!" „Weil ich einsehe, daß es Ihnen noch gar nicht klar ist. worauf Sie sich eingelassen haben," sagte sie verzweifelt,„weil Sie nicht wissen, mit welchen Männern Sie es es zu tun bekommen werden. Mit diesem Unternehmen ist geradezu Lebensgefahr verbunden. Marsh wird vor nichts zurückschrecken, um Sie unschädlich zu machen. Und es hat doch wirklich keinen Zweck, das Leben wegen einiger Dollar zu riskieren." Emerson lachte gezwungen:„Liebes Fräulein Malotte, Sie wissen nicht, was für mich auf dem Spiel steht. Wenn dieses Unternehmen fehlschlägt, kann Marsh meinetwegen seine Rache an mir üben— vielleicht werde ich ihm sogar dabei behilflich sein." „Ach, nein!" „Von einem aber können Sie überzeugt sein: wenn er gewissenlos ist, so bin ich es auch. Wenn er meinen Weg zu kreuzen versucht, so werde ich chn mit gleichen Waffen bekämpfen." .........(Fortsetzung folgt.),» ganz normal« Srrienmaschw« handelt, bei der m» et« anderer ZRotor als bisher zur Verwendung kommt und der Lastenraum entsprechend für die Aufnahme der Brennstoffbehälter umgebaut wird. Das Flug- zeug Hot ein gewöhnliches, ans zwei Rädern bestehendes Landfahr- geftell.__ Angriffe gegen einen Kriminalaj�iftenten. Eine Erwiderung des Polizeipräsidiums. Die Totsache, daß zur Aufklärung yon Brandstiftungen und in Verbindung damit von Versicherungsbetrugsfällen eine Zusammen- arbeit zwischen der Berliner Polizei und der Branden- burgischen Feuersozietät erfolgt, gibt einem Berliner Blatt Veranlassung, sich mit der grundsätzlichen Frage der Zulässigkeit eines derartigen Verfahrens der Polizei zu beschäftigen, daneben aber auch gleichzeitig Angriffe gegen den hierfür zuständigen Beamten des Berliner Polizeipräsidiums wegen angeblich nicht ein- wandfreien Verhaltens zu richten. Von dieieni Beamten, dem sogenannten Polizei-Brandermittlungskommissar Weske, der den Rang eines Kriminalassistenten bekleidet, wird behauptet, daß er bereits feit Jahren, unbeschadet seiner Beamteneigenlchast, mit Wissen der vorgesetzten Behörden auch für die genannte Feuersocietät tätig sei, indem er verdächtige Brandfälle, insbesondere auf dem Lande, unter- suche und hierfür sowohl Tagesgelder wie den Ersatz seiner persön- lichen Unkosten erhalte. Ob sich diese und andere Vorwürfe be< Wahrheiten, muh abgewartet werden. Der Berliner Polizei- Präsident verbreitet hierzu die folgende Erklärung:„Es ist zutreffend, daß ein Berliner Kriminalbeamter der Land- feuersocietät der Provinz Brandenburg, die eine gemein- nützige Körperschaft des öffentlichen Recht» dar- stellt, dauernd zur Verfügung gestellt ist. Diese Regelung bestcht schon seit vielen Jahren. Was die Vorwürfe gegen die kriminal- polizeiliche Betätigung des Kriminalbeamten Weske betrifft, so haben ähnliche, schon im Anfang dieses Jahres erhobene Vorwürfe bereits eine polizeiliche Nachprüfung veranlaßt. Ein GrundzumdisziplinarenEinschreitenhatsich damals nicht ergeben. Auf Grund der von der„V o s s i s ch e n Zeitung" erneut vorgebrachten Behauptung wird nochmals eine eingehende Nachprüfung an Hand der gerichtlichen Straf- akten stattfinden. Diese Gerichtsakten sind bereits von her Polizei angefordert." Die Dluttat in üer Ziöicinftroße. Kein Totschlag, sondern vorsätzlicher Mord? Die Bluttat des Vrauereiarbeiters Arthur Fischer soll nach den Untersuchungen des Kriminalrats Klinghammer und seiner Beamten nicht als Totschlag, sondern als reiflich erwogener Mord anzusprechen sein. Der 22jährige Mann, der in der Fidicinstraße als Untermieter wohnte, war seit einem halben Jahr« mit der 21 Jahre alten Schneiderin Erna M a r s ch n e r verlobt. Die An- gehörigen des Mädchens waren aber mit der Verbindung nicht einverstanden, weil Fischer stark verschuldet und leichtsinnig war. Durch die Warnungen der Familie veranlaßt, wollte das Mädchen wiederholt das Verhältnis lösen, ließ sich aber von dem Verlob- ten immer wieder bewegen, die Beziehungen aufrechtzuerhalten. Wie Zeugen bekunden, ließ der junge Mann es bei seinen Ver- söhnungsversuchen nicht nur bei Worten bewenden, sondern hat das Mädchen auch bedroht, für den Fall, daß sie ihn verlasse. Gestern abend überredete er die Braut, ihn in seine Wohnung zu begleiten, hier hat er sie erwürgt und der Toten einen Zettel in die Hand gedrückt, aus dem die Worte stehen:„Du sollst keinem anderen gehören als mir." Nach der Tat suchte Fischer ein Lokal auf, trank dort etwas und beteiligte sich an einem Skat- s pbe/t.~Erst gegen S Uhr morgens erfchien er auf der Rev-ier- mache und stellte sich selbst. Fischer wird wegen Mordes dem Unter such, mgsrichter vorgeführt werden. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei, ob Fischer auch für den Mord an der Else Arndt in der Rosenthaler Straße als Täter in Frage komme, haben keinen Anhaltspunkt ergeben und find daher abgebrochen worden. Ein Fanatiker des Sarfußlaufens. Seine Zuflucht an einem stille» Ort. Bor«inigen Tagen berichteten wir über die Festnahme eines Einbrechers, der in der Rauchstraße bei einem versuchten Villen- einbruch ertappt wurde. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß man einen„schweren Jungen" erwischt hat. Der Erkennungsdienst entlarvte den Verhafteten als einen 28 Jahre alten Elektrotech- niker Alfred Schulz, einen gebürtigen Bayern. Das Konto dieses noch jungen Mannes ist so stark belastet, daß, wie er selbst sagt,„SO Jahre zusammenkommen würden, wenn er wegen aller verübten Einbrüche verurteill würde." Als er von Bayern aus zu einein Tennin nach Wittenberg gebracht werden sollte, sprang er kurz vor Gräfenhainichen aus dem fahrenden Zug� Seine Begleiter zogen die Notbremse und brachten den Zug zum Stehen. Schulz war aber schon aus und davon. In Gräfenhainichen alarmierte man sogar die Feuerwehr, um den Entsprungenen einzusangen, es gelang aber nicht. Schulz hatte sich auf ein stilles Oertchen zurückgezogen und harrte in der engen Klause die ganze Nacht aus, bis man die Suche nach ihm aufgab. Ueber Bitterfeld kam er nach Leipzig. hier hatte er eine„Geschäftsverbindung", wurde mit neuen Klei- dern versorgt und fuhr nun nach Berlin, wo er wiederum große Dinge vorhatte. Schon beim ersten Versuch aber in der Rauch- � straße wurde er ertappt und festgenommen. Als man den Ver- hafteten fragte, wie es denn möglich gewesen sei, daß er jedesmal entkommen konnte, erklärte er, daß er«in„Fanatiker des Barfußlaufens" sei. Sobald er sich seiner Stiefel entledigt habe, könne ihn keiner einholen. Tatsächlich hat er bei seiner Flucht aus dem Zuge und später in Bitterfeld jedesmal dl« Stiefel in Stich gelassen und ist auf bloßen Füßen„getürmt". Fahrraddiebe wieder am Werk! Di« Fahrraddiebe machen nach wie vor gute Beute. Am häufigsten fallen ihnen junge Leute und Schüler zum Opfer, die den wechselnden Tricks der Schwindler nicht gewachsen sind. Erst gestern vormittag haben zwei dieser Gauner zwei fast neue Ma- schinen erbeutet. An der R ll ck e r t s ch u l e sahen zwei junge Leute, die ihre Räder beiseite gestellt hatten, den Ferienspielen der Kinder auf dem Schulhofe zu. Plötzlich trat ein Mann an die Räder heran, schwang sich auf das eine, nahm das andere an der Lenkstange und fuhr mir beiden davon. Di« Beftohlenen verfolgten ihn zwar, konnten ihn aber nicht einholen. Sie beobachteten nur, daß ein jüngerer Bursche sich zu dem ersten Manne gesellte und das zweite Rad bestieg. Di« Schwindler liehen zwei ganz abge- nutzte Räder zurück. Die Diebe sind auch schon in anderen Stadtteilen mit dem gleichen Trick aufgetreten. Meist sind auch die alleren Räder gestohlen. Der ältere Mann steht etwa in den vier- ziger Jahren und trug Breeches. Mitteilungen erbittet Kriminal- sekretär Smettons im Polizeipräsidium. Das Ende einer Trichter-Chaufsee. Seit langem befindet sich die Chuusse« Frohnau— hohen-Neuendorf in einem die Verkehrssicherheit gefährdenden Zustande. Die Straßenoberfläche gleicht einem Granattrichterfelde. Die Verkehrswacht, Berlin- Brandenburg(Geschäftsstelle: Berlin S. 61, Planufer 61), hatte in einer dringenden Eingabe den Magistrat der Stadt Berlin um Ab- Hilfe ersucht. Dieser Eingabe ist nunmehr stattgegeben worden und in den nächsten Wochen wird mit der Chausseearbeit begonnen werden. Die Chaussee wird mit Kleinpslaster befestigt. Die Dauausstellung von 1930. Lebendige Darstellung des gesamten Bauwesens.- Einzelheiten des grasten Planes. Ueber das große Projekt der Stadt Berlin,, die erste deutsche Dauerausstellung aus dem Gelände in Witzleben zu schaffen, wurde in der gestrigen Morgenausgabe des„Vorwärts" bereits ausführ- lich berichtet. Gestern nachmittag hat nun eine Pressekonferenz stattgefunden, in der die an diesem Plan beteiligten Kreise über die inzwischen geleistete Vorarbeit Bericht erstatteten. Zunächst gab Direktor K r a« m e r als Vorsitzender des Deutschen Ausstellungs- und Messeamtes einen Ueberblick über das zu schaffende Werk. Er wies äuf die zahlreichen Messen und Aus- st e l l u n g e n hin, die in den Nackkriegsjahren in den verschiedensten Städten veranstaltet wurden und erklärte, daß die heutige Zeit eine neue Gestaltung des Ausstellungswesens erfordere.'In Leipzig habe die Technik sich ihre ständige Mesie ge- schaffen, Berlin aber werde, getreu seinem Programm, fortfahren, Fachmessen zu veranstalten. Dann gab Baurat R i e p e r t als Vorsitzender des„Vereins Bauausstellung" einen Ueberblick über die bisher geleistete und noch zu leistend« Arbeit. Di? Bauwirtschaft schloß sich unter dem Zwang der Verhälmisse bereits 1825 im Rahmen des Deutschen Aus- stellungs- und Messeamtes zum„Fachausschuß für Aus- stellungsfragen der Bauwirtschaft" zusammen, dessen Aufgabe es war, die Ausstellung dieses Fachgebietes zu ratio- nalisieren. Aus dieser Arbeit heraus wuchs der Gedanke, in einem geeigneten Ort Deutschlands eine Daueraus- stellung der Bauwirtschaft zu veranstalten. Nach eingehenden Be- ratungen wurde das Jahr 1830 als Ausstellungsjahr gewählt. Unter den Städten, die sür die Ausstellung in Frage kamen, blieben endlich nur noch Leipzig, Köln und Berlin. Berlin hatte das weite st e Entgegenkommen gezeigt, so daß es schließlich als Ausstcllungsstadt gewählt wurde. Viele Gründe sprachen außer dem Entgegenkommen der Stadt für diese Wahl. Nicht allein di? Möglichkeit, eine große Zahl von Be- suchern zu vereinigen, sondern auch die Tatsache, daß in Berlin bisher die Jahresversammlungen der Bauwirtschaft abgehalten wurden, und daß zahlreiche bauwirtschastliche Lehr- und Forschung?- institute hier zu finden sind, gaben für die Wahl den letzten Aus- schlag. Auf der Ausstellung sollen alle Gebiete des Bauwesens in lebendiger Form zur Darstellung kommen. Alle Neuerun- gen werden hier in wechselnder Folge gezeigt werden. Der Be- sucher wird die R o h st o f f e, die Bau- und Ausbau st off e, ihr« Gewinnung, Herstellung, Prüfung, Bearbeitung und Berwen- dung, die benötigten Werkzeuge und Maschinen sehen können. Im einzelnen werden Tiesbau, Hochbau, Bahn» und Straßenbau, die Installation, Beleuchtung und Heizung, sowie Hygiene, ferner Garten-, Friedhofs- und Raumkunst und endlich Baukunst und Wissenschast zur Darstellung gelangen. Zur Durchführung aller dieser Pläne wurde am Dieüstag abend der.Verein Bauausstellung" geblldet, zu dessen Gründern maßgebliche Persönlichkeiten aus allen Gebieten der in- dustriellen Bauwirtschaft gehören. In Verbindung mit A r ch i- tekten und Ingenieuren soll ein Zdeenwettbewerb für die Gestaltung des Geländes und den Bau des in Verbindung mit der Ausstellung von der Stadt Berlin zu errichtenden großen Kongreßhauses aus- geschrieben werden. Man hat sich selbstverständlich mit Preußen und dem Reich wegen der Finanzierung des großen Planes in Verbindung gesetzt. Man darf hoffen, daß hier die verantwortlichen Stellen dem"Projekt mit Sympathie begegnen werden. Die Aus- stellung soll einen großen Strom neuer Ideen in das ganze deutsche Volk tragen und so der gesamten Volkswirtschaft dienen. Oberbürgermeister Boß besprach den Anteil Berlins an dem zu schaffenden Werk. Er wies darauf hin, daß der Gedanke einer Dauerausstellung von Berlin nie verkannt worden fei, er streifte kurz die Geschichte des Berliner Messewesens und betonte mit aller Deullichkeit, daß die Stadt in engster Fühlung- nähme mit den maßgebenden Industrien an diesen neuesten Plan herangegangen sei. Berlin hat sich heute den Grund und Boden für die künstige Ausstellung gesichert. hundert Hektar Messegelände stehen zur Verfügung. Berlin, das die Funkhall« errichtet hat, ich auch heute Besitzerin der beiden Autoaus st ellungshallen. Von Anfang an aber bestand der Plan, hier keine allgemeinen Ausstellungen, sondern nur Fachausstellungen zu veranstalten. Der Oberbürgermeister widersprach mit großer Schärfe den immer wieder austretenden Ge- rüchten, in Berlin eine Weltausstellung zu veranstalten. Das käme unter keinen Umständen in Frage. Er wies auch darauf hin, daß der verstorbene Geheimrat Klingenberg, dem di� Stadt Pläne für das Großkraftwerk an der Oberspree verdankte, noch zu seinen Leb- zeiten an ihn mit dem Gedanken herangetreten sei,«ine Dauer- aus stellung der Elektrizitätswirtschaft zu schaffen. Leider habe der Tod Klingenbergs diesen Plan nicht reifen lassen. Ueber die Finanzierung im einzelnen zu reden, sei nicht mög- lich. Sie erscheine aber gesichert. Der Oberbürgermeister schloß mit dem Wunsch, daß die Ausstellung ein krästiger Anstoß für di« deutsche Bauwirtschaft werden möge zu neuer Kraft und Blüte. Selbstverständlich müssen zu allen diesen Projekten die in Frage kommenden Körperschaften noch endgültig Stellung nehmen. In Berlin wird die Stadtverordnetenversammlung das letzte Wort zu sprechen haben. Man darf hier auf die Stellungnahme der Deutschnationalen, die ja bekanntlich den Berliner Messe- gedanken bisher aufs energischste betämpst haben, gespannt sein. Die Stellungnahme der Sozialdemokratie und ihre Begründung haben wir in der gestrigen Morgenausgabe bereits bekanntgegeben. Der internationale pensionsfchwinüler. Von» arnerikanifchen Anwalt zum Zuchthäusler. Ueber di« Persönlichkeit dieses Pensionsschwindlers steht an- scheinend nur soviel fest, daß er in Riga 1835 als Sohn eines Kaufmanns geboren ist und Eugen Nieburg heißt. Alles andere ist zweifelhaft. Entweder sagt er die Wahrheit: dann war er in Amerika als Anwalt tätig, bekam aber 1926 in D a n z i g für einen Diebstahl vier Jahre Gefängnis und bildete sich dann zum Pensions- s ch w i n d l e r aus, was ihm sieben Gefängnis st rasen einbrachte. Sagt er aber die Unwahrheit, so stimmt das Straf- register, das dein Berliner Polizeipräsidium aus dem Auslande zu- gegangen ist. Es zeigt ebenfalls sieben Vorstrafen aus den Iahren 1965 bis 1915, in Wien, Agram, Graz, Zürich. Der An- geklagte bestreitet sie. Dem Schöffengericht Eharlottenburg präsentterte sich Herr Nieburg al? mittelgroßer glattrasierter Gentleman. Von November 1926 bis Februar 1927, als er verhaftet wurde, zählte man 35 Gaunereien. Allerdings ist er nur in 19 Fällen geständig, von denen acht zur Anklage stehen. Immer wieder wechselte er den Ort seiner Tätigkeit. Bald war er in Berlin, bald in München, dann wieder in Stuttgart, Dresden, Leipzig, Hannover. Natürlich suchte er stets vornehm« Pensionen auf. Er stellte sich hier insgesamt unter etwa fünfzehn ver- schiedenen Namen vor. Sie hatten aber ein ausgeklügeltes System, meint der Vorsitzende. No, i ch h a t t e gar kein S y st c m. Sie kamen doch nicht etwa mit der Absicht, ein Zimmer zu mieten? No, das wollte ick nickt. Sie wollten stehlen? No, ich nahm nur selten Sachen mit. Ich wollte nur ein Darlehen haben. Und die Darlehen erhielt er! Der Doktor aus New Jork imponierte! Er drückte sich so intelligent aus, er wußte von früheren Mietern zu erzählen und behauptete manchmal, selbst schon in der Pension gewohnt zu haben. Die Methoden waren sich stets sehr ähnlich. Er kam, um ein Zimmer zu mieten, speiste zuerst noch, nahm dann gleich ein D a r l e h n von 50, 100, 300 M. auf, stellte in einem Falle einen Scheck auf 300 M. aus, der natürlich nicht eingelöst wurde, ging und kam selb st ver- ständlich nicht wieder. Im anderen Fällen ließ er sich Zimmer zeigen, sah sich die Gegend an und verschwand mit fremden Koffern, oder er schrieb einen Anmeldeschein aus und nahm in Abwesenheit der Wirttn ihre Kassette mit. Wie erklären Sie das, daß man ihnen so ohne weiteres Dar- lehen gab? Pes, weil man mich für einen seriösen Mieter hielt, für einen Doktor aus New Jork. Wahrhastig, das genügte den Leichtgläubigen! Das Gericht verurteilte den raffinierten Schwindler zu 5Jahren Zuchthaus und zu 5Iahren Ehrverlust. Nach 5 Iahren beginnt das Spiel also wahrscheinlich von neuem. Die Wiensahrt des Volkschors. Der Berliner Volkschor, Berlins ältester und größter gemischter Arbeiterchor(M. d. ASB.), veranstaltet vom 10. bis 18. Septeniber eine Konzertreise nach Wien, deren Durchführung der auch in Arbeiterkreisen bestens bekannte Vdlksbildungsverein Urania in Karlsbad übernommen hat. Der Chor ist bereit, noch eine beschränkte Anzahl von Parteigenossen an der Fahrt teilnehmen zu lassen. Die Gesamtkosten für hin- und Rückfahrt III. Klasse mit Sonderzug, gute hotelquartiere, erstklassige Verpflegung einschließlich eines Dampferausflugs in die Wachau und einer Tagesfahrt auf den Sentmering betragen 100 M. Dieser Bettag muh spätestens am Freitag, dem 5. August, in der Chorprobe, Koppenstraße 76, Aula des Gymnasiums, abends 8 bis 10 Uhr, eingezahlt werden. Spätere Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. „Winker" für die Berliner Straßenbahn. Die technische Abteilung der Berliner Straßenbahn beschäftigt fsch Zurzeit, wie wir erfahren, mit der Frage der von der Oeffent- lichkeit und dem Preußischen Landtag im Interesse der Verkehrs- sicherhett geforderten' Einführung von Richtungsanzeigern, den so- genannten„Winkern", für die Straßenbahnwagen. Die Erwägungen, die von der Straßenbahn gemeinsam mit den zuständigen Aufsichts- behörden über die bestmögliche Lösung der Frage zurzett angestellt werden, sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Die Angelegen- heit bietet insofern Schwierigkesten, als hier er stein Präzedenzfall geschaffen werden muß, da noch keine Straßenbahn der Welt»Fahrtrichtungsanzeiger besitzt. Die Straßen- bahn ist an ihre Gleise gebunden, die Kurven liegen oft sehr dicht nebeneinander, so daß beim herausstecken eines Winkers die Gefahr besteht, daß dieser infolge des geringen Abstandes abgefahren wird. Eine wettere Schwierigkeit soll auch die Beleuchtung des Fahrtrichtungsanzeigers bei Nacht bieten. Trotzdem glaubt die Leitung de? Straßenbahn, daß«s gelingen wird, eine»? brauchbare Lasung in absehbarer». Zeit zu finden. Man wird per- suchen, einen Anzeiger zu konstruieren, der einerseits die nötigen kleinen Abmessungen besitzt, um in Kurven von dem entgegengesetzten Wagen nicht abgefahren zu werden, der andererseits aber auch deut- lich sichtbar ist und somit seinen Hauptzweck erfüllt. Die Polizei hält den W i n k e r- A r m für den besten Fahrtrichtungsanzeiger, und es ist das Bestreben der zuständigen Stellen, die zahlreichen, jetzt gangbaren Systeme zu vereinheitlichen und obligatorisch ein- zuführen.__ Schweres Flugzeugunglück bei Kassel. Drei Tote, drei Verletzte. Hannover. 27. ZuN.(TA.) heute nachmittag 2,25 Ahr mußte das Flugzeug v 20Z zwischen Kassel und Gießen eine Notlandung vornehmen. hierbei kamen zwei Passagiere, Bauer au« Hosgeismar und Kühl- mann aus Hannover, sowie der Bordwart Ihlow ums Leben. Der Flugzeugführer Rudolf Doerr, Dr. Milch von der Wetterwarte in Frankfurt am Main und ein dritter Passagier wurden schwer ver- letzt. Nach der Landung wurde das Flugzeug durch Brand be- schädigt. Die Notlandung des Flugzeuges soll aus Motorflörungen zurückzuführen sein. Wie mitgeteilt wird, flog das Flugzeug in sehr geringer höhe über einen Bergkegel. Plötzlich glitt es am hange nieder und schlug auf der Landstrahe auf. Es kam zu einer E x- p l o f i o n, und im Augenblick stand das Flugzeug in Flammsn. Die Feststellungen über die Ursache des furchtbaren Unglücks sind noch nicht abgeschlossen." Rudolf Doerr gilt als einer unserer zuverlässigsten und erfahrensten Flugzeugführer. » Me wir in später Abendstunde erfahren, ist auch der Flug- zeugsührer Doerr inzwischen seinen schweren Der- letzungen erlegen. Auch D r. M i l ch aus Frankfurt ist unter den Todesopfern. Der Kaufmann Kühlmann aus Hannover ist entgegen den ersten Berichtea bei dem Unfall nicht getötet, sondern nur verletzt worden. Deutschlands stärkster Rundfunksender. Der neue Deutschlandsender, der zurzeit in Königewusterhausen von Telefunken für das Telegraphentechnische Reichsamt ge- baut wird, wird, wie wir erfahren, noch in diesem Jahre in Betrieb genommen werden. Der neue Großfunksender, der ausschließlich sür die Verbreitung von Rundfunkdarbietungen Verwendung finden soll, wird der stärkste Rundfunksender in Deutsch- land sein und auch überall mit Leichtigkeit im Ausland« gehört werden können. Er hat eine Telephonieleistung von 35 Kilowatt. Sommerliche Erfrischungen. Vk beiden ÄtnEeimentönne haben eine von je NV Meter. D«? neue Awischensender in Köln, der im Herbst ebenfalls in Betrieb genommen wird, hat eine Telephonieleistung von 4 Kilowatt, der neue Aachener Sender eine solche von OH Kilowatt. Mit der Fertig- stellung dieser Stationen darf der Ausbau des deutschen Rundfunk- sendernetzes als abgeschlossen gelten. Urteil im Spritweberprozeß. Auch die Zollbeamten mit Gefängnis bestraft. Gestern früh verkündete Landgerichtsdirektor Krüger das Urteil in dem Prozeß, der sich mit den großen Spritschiehungen des flüchtigen Apothekers Rüben beschäftigt und der das Erweiterte Schöffengericht Wedding mehrere Monate in Anspruch nahm. Es erhielten Hermann Weber 6 Monate Gefäng- vis und 60 000 Mark Geldstrafe oder weiter 60 Tage Gefängnis, Heinrich Weber 6 Monate Gefängnis und 20 000 Mark Geldstrafe oder ersatzweise- 20 Tage Gefängnis, Dr. Köntrup 3 Monate Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe oder 2 Wochen Gefängnis. Dos Verfahren gegen diese drei Angeklagten wegen Monopalhehlerei im Falle Rüben wurde vorläufig eingestellt, da noch die Aus- lieferungsbeftimmungen für die aus der Tschechoslowakei ausgelieferten drei Angeklagten fortbestehen. Die drei angeklagten Zollbeamten, deren Freisprechung der Staats- anmalt beantragt hatte, wurden schuldig befunden der passiven Bestechung und in Tateinheit mit der Begünstigung der Monopolsteuerhintcrziehungen des Rüben, und es wurden verurteilt Oberzollinspektor Bandekow zu 1 Jahr Ge- fängnis und 59 200 Mark Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis, sowie zu einer Wertersatzstrafe von 40 000 Mark oder weiteren 20 Togen Gefängnis, der Zollbeamte Endres zu 8 Monaten Gefängnis und 31 300 Mark Geldstrafe oder 16 Tagen Gefängnis, sowie weiter zu einer Wertersatzftrafe von 20 000 Mark oder 20 Tagen Gefängnis, der Zollbeamte Waesch zu 9 Monaten Gefängnis und 84 000 Mark G e l d st r a f e oder 42 Tagen Gefängnis, sowie einer Wertersatz- strafe von 40 000 Mark oder weiteren 20 Tagen Gefängnis. Den drei verurteilten Beamten wurde auch die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf zwei Jahre aberkannt. Auch die An- geklagten Salomy, Heinrichs und H a l l m a n n wurden zu Gefängnis- bzw. Geldstrafen verurteilt. Schwerer Verkehrsunfall Unter den Linden. Unter den Linden, vor dem Haus« Nr. 25, geriet um 15# Uhr ein Prioatauto durch Unvorsichtigkeit b«im Aus- weichen auf den Bürgersteig der Mittelpromenad« und fuhr zwei Personen an, die schwer verletzt wurden und in die Universitätsklinik Ziegelstraße gebracht werden mußten. Die Verunglückten sind der 35 Jahre alte Reisend« B. Zimmer- mann aus der Kleiststr. 37 in Charlottenburg, der einen linken Unterschenkelbruch davontrug, und die 34 Jahre alte Se- kretärin Käthe Landsberg aus Südende. Halskestr. 39, bei der eine Beckenquetschung festgestellt wurde. Unwetterkatastrophe am Mittelrhei«. Gestern mittag ging am Mittelrhein und besonders über der Lahn mündung ein schweres Unwetter mit Sturm und Wolkenbruch nieder. Der Gebäude- und Feldschaden ist sehr groß. Von dem Personendampfer.Kaiserin Friedrich' riß der Sturm das Oberdeck ab und drückte die Veranda ein. Die Panik der Fahrgäste konnte nur mit Mühe durch �ie Schiffsbesatzung beruhigt werden. Auch die Gemeinden der Bürgermeisterei Freudenberg im Saargrenzgau haben durch Wolkenbruch und Hagelschlag schwer gelitten. Die Ernte ist völlig vernichtet.— Hamburg ist gleichfalls von einem schweren Unwetter heimgesucht worden, nachdem schon den ganzen Nachmittag, über eine drückende Schwüle über Hamburg gelastet hatte. Allent- halben waren die Straßen überschwemmt. Die Feuerwehr wurde von allen Testen zu Hilfe gerufen. Painlevö verbietet Ozeanflüge! Paris. 27. Juli.(MTB.) Wie Havas erfährt, ist der K r i e g s m i n i st e r entschlossen, die Genehmigung zu Ozeanflügen von Militärflug- zeugen solang« zu verweigern, bis diese mit den neuesten Ein- richtungen, insbesondere solchen, die es ermöglichen, auf dem Ozean niederzugehen, ausgerüstet sind. Die schwedischen Journalisten besichtigten am Mittwoch vor- mittag das Reichstagsgebäude unter Führung von Mit- gliedern des Vereins der Parlamentsfournalisten und im Anschluß Wenn der Berliner oder ein Fremder sich in Berlin erfrischen will, dann bleibt im Grunde genommen nur das Restaurant oder das Cafö. Tut nämlich irgendwo ein neues Unternehmen seine Pforten auf, dann kann man sicher sein, daß es ein Bier- oder Weinrestaurant ist oder ein Cafö. Als ob es gar keine anderen Möglichkeiten der Bewirtung Hungriger und Durstiger gibt. Gehen in das eine Lokal 2000 Personen hinein, so protzt das andere, ehe es überhaupt fertig ist, daß es 2500 Menschen beherbergen kann. Klettert das eine Luxuscafö drei Stockwerke in die Höhe, so hat das andere eine Ausdehnung, daß es schon ein ganz netter Spaziergang ist, wenn man seine» Bezirk umwandelt hat. Bekam man früher für 25 bis 30 Pf. eine Portionstaffe guten Kaffees ein- schließlich Sahne und Zucker und selbstverständlich auch eines Glases Wasser, so heißt dasselbe Gebräu heute Mokka, wird in einem Kännchen mit einem Täßchen wie aus der Puppsnküche serviert und kostet in den neuesten Eafös 1 M. bis 1,25 M. ohne dos Glas Wasser, das man sich fast immer fordern muß. Für ein Trink- Näpfchen Bier zahlt man in diesen modernen Lokalen einen Preis, für den man früher beinahe einen Syphon bekommen hätte. Dafür ist es dann auch ganz undenkbar, daß man seinen Kaffee oder sein Bier trinken kann, ohne daß einem nicht aus irgendeiner versteckten Ecke von einer vortrefflichen Kapelle heimtückisch der neueste Tanz- schlager serviert wird. Was ist das alles doch im Grunde genommen anderes, als dieses fast krankhafte Bestreben des bürgerlichen Ber- liners nach Geltung? Er geht nicht etwa schlicht und hurtig in ein Lokal, um sich ohne viel Worte und Getue zu erfrischen, sondern er wählt das Lokal bedächtig und vorsichtig aus. Es muß ihm einen Rahmen geben, es muß seine Persönlichkeit heben. Wenn er dann so ganz beiläufig berichtet:„Ich gehe meistens in das T.-Cafö", so muß man sofort wissen, daß dieses Cafö den modernsten Geiger, das modernste Tanzparkett und die modernste Ausstattung hat und daß dort besonders gern diese oder jene Prominenten verkehren, mit denen zusammen gesehen zu werden dem Geltungsbedürstigen von Wert ist. Die Cafetiers und Restaurateure aber kennen ihre Berliner und schmeicheln ihren Schwächen. Und so sehr sie in der Erreichung der erweiterten Polizeistunde fortschrittlich waren, bei der Er- und Ein- richtung ihrer Lokale sind sie konservativ und kommen dem Geltung?- bedllrfnis der Berliner weitestens entgegen. So sehr sich Berlin bemüht, Amerika bzw. New Park zu imitieren, in dieser Hinsicht bleibt es um 30 Jahre hinter ihm zurück. In New Jork gibt es über 150 Lokale, die weiter nichts ausschenken als eine daran eine Berliner Großbuchdruckerei. Den Nachmittag füllte eine Rundfahrt durch Berlin aus, und am Abend fand der offizielle feierliche Empfang der nordischen Redakteure durch den Reichs- verband der deutschen Presse in den gastlichen Räumen der Deutschen Gesellschaft stast. Nachwahlen im Freidenkerverband! Am Dienstag, dem 2. August 1927, 19 Uhr, finden für die Mitglieder des 6. Bezirks (Kreuzberg) in sämtlichen Räumen des Gewerkschaftshauses, Engel- ufer 24/25, die Wahle» zur Unterbezirksleitung und der Bezirks-Generalversammlungsdelegierten statt.— Die Wahlvorschläge werden in der dazu festgesetzten Versammlung entgegengenommen. Das Mitgliedsbuch ist zur lühkxHinkQl, Eduard Künneckes Singspiel„Das Dorf ohne Glocke", das am Abend als Sendespiel geboten wurde, stützt sich auf ein sehr belang- loses Textbuch. Eine Kirche ohne Glocke scheint uns heute wirklich nicht„Das Traurigste auf der Welt", und«in Textbuch, das seine ganze Spannung aus der Frage und ihrer Lösung bezieht, ob eine Glocke für eine Kirche angeschafft wird oder nicht, kann uns nicht von der Notwendigkeit seiner drei Akte überzeugen. Aber für dieses verunglückte Textbuch bietet Künneckes melodijche ideenreiche Musik wenigstens einen angenehmen Gegenwert. Man hätte gut getan, die Sprechstellen weit mehr zu kürzen und nur die reizvolle Musik zur Geltung kommen zu lassen. Die Darsteller des Abends, soweit sie Gesangspartien vertraten, waren recht gut. Aber in den reinen Sprechrollen konnte keiner, selbst Axthur Krausneck nicht, zur Wirkung kommen.— Zwei medizinische Vorträge über die „Hygiene des Berg st eigens" und„Das gesunde und krank« He'rz" behandelten wichtig« Themen in klarer und an- schaulicher Darstellung.— Nett plaudert« Erna Arnhold über die naiven„Sommerfreuden im alten Berlin". Tes. Orangeade genannte und aus Apfelsinensaft hergestellte, ungemein erfrischende Limonade. 20 Millionen Apfelsinen verbraucht New Tork im Jahr für diese Zwecke. In Berlin und in Deutschland schimpft die nationale Presse über zu große Avfelsinen- und Südsrüchteeinfuhr und möchte am liebsten diesen Import- artikel durch hohe Zölle erdrosseln. Berlin und die Deutschen sollen sich an agrarischem Schnaps„erfrischen". In Berlin wissen die meisten gar nicht, was Orangeade ist. Derartige Erfrischungshallen gibt es nicht. Eine besonders liebens- und schätzenswerte Einrichtung Kopenhagens, des nordischen Paris, sind z. B. die Iruchtkeller. äußerst saubere und anheimelnde Lokale, in denen es in der Erdbeer- zeit„Jordbär mel flöde", d. h. Erdbeeren mit Sahne, portionsweise gibt. Ist die Erdbeersaison zu Ende, gibt es in diesen netten Lokalen „Rölgröd mel Flöde". d. h. R o t e G r ü tz e mit Sahne. Alt und jung, Männlein und Weiblein sind hier Kunden. Die Sehnsucht nach Erfrischung findet hier ihre schönste Erfüllung. Früher gab es in Berlin Aulomatenrestaurants, in denen man sich schnell und billig erfrischen konnte. Man war nicht gezwungen, Bier zu trinken. Man bekam für seinen Groschen Limonade, Kufsee und Schokolade, was man wollte. Früher gab es eine Menge kleiner Milch- und Erfrischungshäuschen. Auch dort konnte man für ein paar Pfennige sich erlaben. Die Häuschen sind, bis auf ein paar entlegene, gleich- falls verschwunden. Ein alkoholfreies Restaurant, das den üblen Trinkzwang ausschließt, soll es ja in Berlin irgendwo geben. Zürich mit seinen 200 000 Einwohnern hat etwa 12 alkoholfreie Restauranls, und zwar schon seit vielen Jahren. Slus dem Zürichberg aber erhebt sich ein großartiges alkoholfreies Volks- Hotel und Kurhaus. Wenn man im Sommer erhitzt und ausgedörrt an Erfrischung denkt, so weiß man gar nicht, daß eine wahre Erfrischung, die auch die Nerven wohltuend anregt, von allen Früchten ausgeht. Obstsuppen, Obstkaltschalen, Kompotte, Limonaden oder reifes saftiges Obst erfrischen am meisten. Es ist merkwürdig, daß ein Viermillionenorganismus wie Berlin Wert und Bedeutung reich- lichen sommerlichen Obstgenusses bisher so wenig erkannt hat. Es ist notwendig, daß nunmehr auch in Berlin zeitgemäße Er- frischungsgelegenheiten geschaffen werden: Fruchtrestau- rants, alkoholfreie Restaurants, Milch- und Ersrischungshallen. Wenn das freie Unternehmertum keinen Unter nehmungsgeist hat, dann müssen die Kräfte des Gtmcinsinns und der Kommune mobil gemacht werden und wieder einmal, wie in allen wahren Kulturfragen, bahnbrechend vorangehen. Die Arbeiterkulturorganisationen, die Jugend und die Äanderbünde sollten diesen Bestrebungen ihre Unterstützung leihen. Abstemplung vorzulegen. Mitglieder, die mit den Beiträgen über 3 Monat« im Rückstände sind, haben kein Wahlrecht. Für die korrekte Durchführung der Wahl ist der Kontrollapparat gegen- über der vergangenen Wahl um das Zehnfache verstärkt. Jedes Mitglied muß seine Wahlpslicht erfüllen! Volksfest in Slesenhorst! In der zwischen Karlshorst und BieZdorf liegenden Siedlung Biesenhorsl findet am Sonntag, dem 31. Juli, ein VolkSsest statt. Die Biesenhorster. die in hestizem Kamps um ihr Gelände liegen, werden sich also auf dein Fest mlt den die Siedlung bedrohenden Gewalten humorvoll auseinandersetzen, sie werden ihre kleinen und grotzen Sorgen in einem sarbenprächtigen Festzug(Motto: Biesenhorlt zieht um) zur Schau tragen. Für die Tanzlustigen gibt es einen Pariser Tanzplgtz und eine ideale Voltstanzwiese.„Hohe und höchste Herrschasten" haben ihr Erscheinen zugesagt. Ansang 14 Uhr, Ende nach Abbrenne» deK Holzstoßes. Man fährt bis Karlshorst. �(fmk t,•�':3'5nuo7-------------- Sozialkstische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Heule, Donnerstag. 19� Uhr: Faltplatz: Heim Eberswalder Str. 10, Zimmer 11.„Nacktkultur und sexuelle Frage."— Südwest: Heim Lindenstr. S.„Die Frau und der Sozia- lismuo."— Friedenau: Das Heim bleibt bis einschl. 17. August geschlossen.— Wittenau: Heim Nosenthaler Str. Iii. Arbeitsgemeinschaft.— Buchholz: Vorstandsfitzung beim Genossen Sielaff, 19% Uhr.— ReutSlln VI: Funktionär. sttzung. Treffpunkt 19 Uhr Kaiser-Friedrich-Ktrage, Bahnhof lgeitungshäuschcn). Wichtige Tagesordnung._ Wetterbericht der öffentlichen Wellerdienststelle für Berlin und Umgegend iNachdr. verb.) Abkühlung, stärkere Bewölkung, Neigung zu Gewittern, nach Welt drehende Winde.— Für Veulschland: Bon West nach Ost sortschreiiende Abkühlung mit Gewittern, nur in Ostdeutschland weiterhin heiter und warm. Das Augustprogramm de» Wintergarten» steht im Zeichen des Humors. Drei Meister des deutschen Humors, jeder in seiner Art ausgezeichnet, werden fiä! auf unserer ersten Spezialitätcnbühne zusammenfinden, um das zu ver. breiten, was uns so bitier»ottut— ungetrübte Heiterkeit: Otto Reutter, Luise Werkmeister und Oscar Sabo, Ei» Kranz weiterer erstklassiger Barietd. nummcrn umrahmt dieses auf Humor eingestellte Programm des Wintergarten«: „Düster" sin der Maske Düster Kcatons) mit seine»„Avolos", Capt. Ovikdo, der Marine-Sensationsakt mit seinen Uebcrraschungstricks, Fran Klint,„der Mann mit den Handschuhen" usw. sEmit öMT�Xwiemit Sera WEIN�1? Es sind nicht immer die keinerlei Nachgeschmack darf auf bestenWeme5die beim erstenSchluck der Zunge zurücKbleiben.Dann bestechen Jteturrdnheit und gute waren die Tabake gut und aus- Lage sind erst dann verbürgt,wenn gereift, dann ist die Zigarette auch der letzte Schluck das hält, was der erste versprichtSo ist es auch bei der Zigarette.Man soll sie nicht nach bekömmlich. WennOVERSTOLZ heute die meist- gerauchte deutsche Zigarette isUo dem ersten Zuge beurteilenjes ist viel liegt es an ihrem ganz reinen und wichtiger, auf den letzten Zug zu gesunden GeschmacMer sich wah- achten. Der letzte Zug einer Zigarette soll ebenso rein sein wie der erste, rend des Rauchens noch steigert Ein höheres Lob kann es nicht geben, als wenn der Raucher von ihr sagt: Ter letzte Aug war öer beste l ;WiieMrrcfT> • O«H• G» »OO Kommunale Verschwendung/einengende Von Staöttämmerer Or. Bruno Asch-Frankfurt a. M. seit der Stabilisierung der Währung wird in Deutschland ein heftiger öffentlicher Kampf gegen die angebliche, unverantwortlich verschwenderische Finanzwirtschaft der Gemeinden geführt. Immer wieder wird ihnen vorgeworfen, daß sie in erster Linie an der starken steuerlichen Belastung mit schuldig seien. Die schwierige Lage der deutschen Gesamtwirtschaft fände besonders bei den für die kommu- nalen Ausgaben verantwortlichen Stellen nicht das erforderliche Verständnis. Diese ständig wiederholten Angriffe, denen die Städte zunächst im Bewußtsein ihrer guten Sache wenig oder gar keine Gegenwehr zuteil werden ließen, haben sehr schnell dazu geführt. daß sich in wachsendem Maß« auch in den Parlamenten eine siädtefeindliche Stimmung entwickelte und daß alle gesetzgeberischen Maßnahmen auf dem Ge- biete des Finanzausgleiches im Reich und in den Ländern unter weitgehender Vernachlässigung der von den Städten aufgestellten Forderungen zustande kamen. Die Hinweis« der Städte auf die Fülle der ihnen neu zugewiesenen Aufgaben und die offen- kundige Tatsache, daß sie in erster Linie die Tröger der inneren Kriegslasten seien, blieben ebenso unbeachtet wie die Dar- legungen, daß im Rahmen der deutschen öffentlichen Wirtschaft die Kommunen die geringste Steigerung der Ausgaben aufwiesen. Auch die im Spätherbst 1S26 herausgegebene Denkschrift des Städtetages „Städte, Staat, Wirtschaft", die an Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials den Versuch einer Klarstellung unternahm, blieb in weiten Kreisen unbeachtet bzw. wurde allzuoft als eine Rechtfertigung von interessierter Seite und als nicht ousreichennd beweiskräftig an- gesehen. Wirklich« Klarstellung sollte die Reichsfinanzstatistik bringen, die gelegentlich der Finanzausgleichsgesetzgebung des Jahres 192S im Reichstag beschlossen worden war, um an ihrer Hand den Beweis für die Mißwirtschaft der Gemeinden führen zu können. Die Städte haben keinen Augenblick gezögert, sich mit diesem Verfahren einverstanden zu erklären. Sie waren einverstanden, ob- wohl sie auf Grund vielseitiger früherer Erfahrungen mit vollem Recht darauf hinweisen tonnten, daß eine derartige allgemeine Finanzstatistik Tausender von Gemeinden wegen der außerordentlichen V er s ch ied en a r t i g k e it der örtlichen Verhältnisse nur einen sehr unzulänglichen Ueberblick würde bieten können und daß die Einordnung in ein allgemeines Schema notwendigerweise zu zahlreichen Fehlschlüssen führen müsse. Daß diese Auffassung be- rechtigt war, dürste heute fast überoll zugegeben werden. Trotzdem wird man aber die Ergebnisse der Reichssinanzstakistik als wertvolles Hilfsmaterial zur Beurteilung der fmanziellen Verhältnisse der Länder und Gemeinden ansehen und ihrer vollen Aus- wertung mit Interesse entgegensehen dürfen. Inzwischen sind die ersten amtlichen Veröffentlichungen in der > Zeitschrift„W irtschaft und Statistik" vor einigen Monaten erfolgt und es ist sehr aufschlußreich, zu sehen, in welchem geringen Umfange sich bisher die Oeffentlichkeit mit diesen ersten Zahlen beschäftigt hat und wie insbesondere an dep Hullen, die sich als Rufer im«streit gegen die Gemeinden hervorgetan haben, betretenes Schweigen herrscht. Zeigen doch die bisher veröffentlichten Zahlen«in ganz anderes Bild als man erwartet hatte und sind doch insbesondere die statistischen Darlegungen des Deutschen Städtetages, die er auf Grund des ihm übermittelten Zahlen- Materials der ihm angeschlossenen kreisfreien Städte veröffentlicht hatte, in einer selbst die Kenner der Verhältnisse überraschenden Weise bestätigt worden. Die geringste Steuererhöhung bei den Gemeinden. s Zunächst eine Tatsache. Während die Gesamtsteuereinnahmen des Reiches von 1913 bis 1926 von 1584 Millionen auf 4272 Mil- lionen(nach A b z ug der den Ländern und Gemeinden zugewiesenen Anteile an Reichssteuern) gestiegen sind, stiegen sie bei den Ländern von 827 auf 2412 Millionen und bei den G e- m e i n d e n von 1516 auf 3169 Millionen. Daß heißt, einer Steigerung um 298,86 Proz. bei den Ländern steht eine solche bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden von nur 199,2 Proz. gegen- über. In dieser Steuersumme der Gemeinden aber sind nicht weniger als 319,7 Millionen, das sind 9,8 Proz. des gesamten Steueraufkommens aus der Hauszins st euer als Wohnun.gsbauanteil enthalten. Dieser Betrag berührt das Gemeindebudget natürlich überhaupt nicht, sondern muß vollständig gesondert betrachtet werden, so daß die tatsächliche für die Beurteilung der Gcmeindefinanzwirtschaft in Betracht kommende Steigerung der steuerlichen Einnahmen nur 1345 Millionen, also 88 Prozent beträgt. Eine sehr erhebliche Verschiebung ist allerdings in der Verteilung dieser Steuersumme auf die verschiedenen Steuerarten eingetreten. Während dib Einkommen- st e u e r 1913 etwa 52 Proz. des Steueraufkommens darstellte, ist ihr Anteil im kommunalen Etat 1925 auf 29 Proz. gesunken, die Grundvermögenssteuer, die seit 1913 fast 25 Proz. des Steuer bedarfes brachte, trägt 1925 nur noch 16 Proz., obwohl ihr« absolute Summe um 134 Millionen Mark, das sind 33sb Proz., allein in den Kommunen gestiegen ist. Dazu kommt noch die sehr beachtliche Mehrleistung, die die Länder, die sie zum Teil, insbe sondere Preußen, vor dem Kriege überhaupt nicht in Anspruch nahmen, gerade aus dieser Steuer jetzt ziehen. Relativ und absolut gestiegen ist der Anteil der Gewerbesteuer, die 1913 nur 10/4 Prozent des städtischen Steuerbedarfes trug und jetzt 14,89 Proz. ausmacht. Die absoluten Zahlen sind 1925 471,8 Millionen gegen 169,2 Millionen im Jahre 1913. Die Städte tragen fünffache Wohlfahrtslasten. Berücksichtigt man nun die Tatsache, daß der städtische Etat der Nachkriegszeit in seiner absoluten Höhe in erster Linie und in ganz entscheidender Weise durch die Wohlfahrtslasten bestimmt wird, die durch Gesetz den Gemeinden auferlegt sind und deren ordnungsge- mäße Erfüllung ihre selbstverständliche Verpflichtung ist, so z e r- flattert dos Märchen von der V e r s ch w e n du n g s- sucht der Gemeinden sofort. Ueberall haben sich die Lasten des Wohlfahrtswesens im Jahre 1925 gegenüber 1913 etwa v e r- f ü n f f a ch t. Die Sozialetats machen im allgemeinen 3 5 bis 49 Prozent des Gesamtfinanzbedarfes der Gemeinden aus, das Mehr pro Kopf der Bevölkerung mindestens 29 Mark. Im Jahre 1913 gaben die deutschen Gemeinden im Durchschnitt etwa 5 bis 6 Mark für soziale Zwecke, auf den Kopf der Bevölkerung ge- rechnet, aus, 1925 etwa 24 bis 28 Mark. Das Steueraufkommen der Gemeinden betrug nach der Finanzstatistit 1913 je Kopf 26,87 Mark, 1925 ohne Wohnungsbauanteil etwa 47 Mark, d. h. die ge- famte Mehreinnahme an Steuern wird mindestens durch die Steigerung des Wohlfahrtsetats in Anspruch genommen, wobei noch daraus hingewiesen sei, daß im Jahre 1926 diese fürsorgerischen Auf- Wendungen infolge der riesenhaften Arbeitslosigkeit mindestens um 59 bis 69 Proz. über denen von 1925 lagen. Die Behauptung, die von den Vertretern der Städte immer wieder aufgestellt wurde, daß in den Gemeindeverwaltungen sehr sorgsam verfahren werden muß, wenn man bei der gegenwärtigen Gestaltung des Finanzausgleiches überhaupt durchkommen will, wird durch diese Zahlen voll bestätigt. Die Gemeindewirtschaft wird heute in erster Linie durch eine Belastung der kommunalen Betriebe aufrechterhalten, die diese auf die Dauer nicht aufbringen können, wenn sie technisch auf der Höhe bleiben und in ihrer Tarifgebarung die Interessen der Konsumenten in ausreichendem Umfange wahren sollen. Ferner dadurch, daß wichtige Aufgaben der Gemeinde in kultureller Beziehung nicht genügend erfüllt werden und daß man insbesondere aus dem Gebiete des Straßenbaues und der Straßenunterhaltung sich eine wirtschaftlich kaum mehr ver- tretbare Zurückhaltung auferlegt. Die durch die Inflation be- seitigten Zinslasten treten in nicht unerheblichem Umfange sehr schnell als fühlbare Belastung wieder in Erscheinung, weil vielfach unter dem Zwang der Verhältnisse Ausgaben auf den außerordentlichen Etat, also auf Anleche zu den heute üblichen sehr hohen Zinssägen genommen werden, die ihrer Art nach aus laufenden Einnahmen bezahlt werden sollten.' Diese Ausführungen sollen nicht sagen, daß jede Ausgabe der Gemeinden in den letzten Jahren unbedingt notwendig war und daß das Prinzip der wirtschaftlich richtigen Sparsamkeit sich in den Gemeindeverwaltungen bereits restlos durchgesetzt habe. Aber sie beweisen, daß die generellen Angriffe absolut falsch und unberechtigt gewesen sind. Sie beweisen auch, daß in Wirklich- keit die Gemeinden zurzeit infolge der Bestimmungen über den Finanzausgleich, die sich zudem seit dieser Statistik dauernd zu- Ungunsten der Gemeinden verändert' haben, in außerordentlich schwieriger Lage sind. Immer wieder erweist sich bei eingehender Betrachtung gerade vom finanziellen Standpunkt aus das Problem der Länderverwaltung und der Ver» faffung als die große Frage, der der deutsche Steuerzahler endlich einmal frei von Sentimentalitäten die ihrer Bedeutung ent- sprechende Aufmerksamkeit zuwenden sollte. Rationalisierung gegen Schätzet. Auflehnung des Großhandels gegen den Portowucher. Eine Wirkung Hot der Herr Postminister bei der Erhöhung der Postgebühren sicher weder vorausgesehen noch erwartet, daß er nämlich den deutschen Handel zu einer volkswirtschaftlich durch- aus beachtlichen Rationalisierung des Verkehrs mit den Kunden bringt. Der Reichsverband des deutschen Groß- und Ueberseehandels hat seinen Mitgliedern ein Zirkular zugehen lassen, in dem ausgeführt wird, auf welche Weife den Gebühren- erhöhungen durch Ersparnisse begegnet werden kann. Da die Anregungen für jeden Kaufmann und zum Teil auch für Privatleute Nutzen stiften können, teilen wir sie ausführlicher mit. Der Verband schlägt vor, Rechnungen in Zukunft nicht mehr gesondert durch die Post zu versenden, sondern sie den Waren- sendungen jeder Form einfach beizufügen. Zu dem Zwecke ist nur erforderlich, daß sie in einem offenen Briefumschlag beigelegt werden, weil geschloffen« Briefe mitzusenden nicht zulässig ist. Lieferschein« sollen nicht mehr versandt, an deren Stelle soll sofort Rechnung erteilt werden. Auf besonders Empfangsbestätigungen bei Zahlungsüberweisungen soll ollgemein verzichtet werden. Die Versendung von Drucksachen soll dadurch in höherem Maße möglich gemacht werden, daß die Streichungs-, Unterstreichungs- und Zusatzerlaubnisse mehr als bisher ausgenützt werden, wobei auf die erlaubten fünf Worte zu achten ist. Eine Beschleunigung und Derbilligung von Postschecküberweisungen auf das Bankkonto soll durch die Verwendung von Postbarschecks erfolgen, und zur Ersparnis von Gebühren bei Postscheckauszahlungen sollen die Ikunden der Reichsbank beim Abheben größerer Poltscheckguthaben Reichsbankschecks verwenden, wobei nur ein Zehntel der Post- gebühren entsteht. Weitere Maßnahmen zur Verbilligung des durch die Erhöhung der Postscheckgebühren verteuerten Zahlung? und Pakewerkehrs werden vom Retchsverband des deutschen Groß und Ueberseehandels noch eingeleitet. Der Herr Reichspostminister wird sich über dieses Vorgehen des Handels, das sicher in weitesten Kreisen beachtet werden wird, kaum freuen können. Daß Handel und Industrie ihre Spesen für den Kunden- und Zahlungsverkehr zu verringern suchen, ist in jeder Hinsicht erfreulich. Traurig ist nur der Anlaß, und traurig sind möglicherweise auch die Folgen für die Reichspost. Denn- wenn die Reichspost bei ihren Gebührenerhöhungen, wie wir letzthin an einzelnen Fällen nachweisen konnten, manchen Rückgang des Verkehrs einkalkuliert haben wird, so können die Abwehr- maßnahmen doch sehr fühlbar werden. DU Reichspost hat jeden- falls das Kunststück fertig gebracht, die Kunden, von denen sie lebt, entweder davon zu jagen, oder sie dazu erzogen, sparsamer mit Auftrögen zu fein. Das russische Petroleum. Sowjetrußland schränkt seine Käufe in England weiter ein. Im Zusammenhange mit dem Abbruch der Beziehungen zu England übergeben die wirtschaftlichen Sowjetorganisationen ihre Bestellungen auf Heringe an andere Länder. Größere Bestellungen sind jetzt von den Sowjetorgonisationen an Nor- wegen gegeben-, die norwegischen Fischhändler gewähren den Sowjetorganisationen einen einjährigen Kredit. In der letzten Zeit sind viele Angebote auf Heringe aus Holland, Island, Dänemark, Deutschland und anderen Ländern eingegangen. Im englisch-hollandischen Petroleumtrieg gegen Rußland winkt die Londoner„Financial Times" selbst ob. Sie läßt sich aus New Park berichten, daß das Gerede von einem drohenden Petroleumkrieg gegen Rußland übertrieben ist, wobei darauf hingewiesen wird, daß nicht viel Aussicht auf einen wirklichen Kampf besteht, da Rockefeller 26 Prozent des Kapitals der beteiligten Ge- fellfchaften in Besitz hat. In Washington wird die Bedeutung des Waffenstillstandes zwischen der Royal Dutch und der Standard Oil Co. allgemein mit größtem Interesse verfolgt. Man glaubt, daß i das russische Oel lediglich«inen Dorwand bildet, und daß in Wirklichkeit der Konkurrenzkampf zwischen der englischen und der amerikanischen Oelgesellschaft nunmehr begonnen habe, der die Frage des Handels mit Rußland oder gar die Anerkennung der Sowjetregierung durchaus nicht berühre. Die New Porter„World" beschäftigt sich mit der Frage der Handelsmoral gegenüber Ruhland und erklärt, es könne nicht unmoralischer sein, von Rußland Petroleum zu kaufen, als Rußland Baumwolle zu verkaufen. Es fei ja auch in Amerika niemandem eingefallen, zu protestieren, als die russische Regierung den Ertrag der von ihr beschlagnahmten Kronjuwelen zum Ankauf landwirtschaftlicher Maschinen in Amerika verwandt habe. Wie man sieht, verstehen es die Kapitalisten selbst ganz ausge- zeichnet, die politischen Rankünen gegen Rußland auszutlären. Der Güterverkehr üer Reichsbahn. DU arbeitstägliche Wagenaestellung der Reichsbahn hält sich weiteroufsehrgroßerHöhe. In der Woche zum 16. Juli ist die arbeitstögliche Wagengestellung wieder von 149 199 auf 159 499 angewachsen. Seit Ansang Mai ist folgend« Entwick- lung zu verzeichnen: Tabellarische Uebersicht seit Mai. Woche wöchentlich (In 1999 Stück) dunilkchmllUch pro Ardettswz Diese 11 Wochen seit Mai zeigen nicht nur die höchsten Ziffern dieses Jahres, sondern gegenüber den durchaus günstigen Monaten März und April noch eine Steigerung. Die letzte Wochenzisfer zum 16. Juli, die für die Zeit seit Anfang Mai keineswegs die höchste ist, liegt um nur etwa 7999 Wagen unter der Rekordziffer der besten Kohlenftreikkonjunktur und des gleichzeitigen Weihnachtsversandes vom November 1926 und ist um fast 13 999 Wagen Höher als der beste Monatsdurchschnitt des Jahres 1925(Oktober 1925 mit 137 699 Wagen). Interessant ist, daß sich die letzten großen Besse- rungen auf dem Arbeitsmorkt kaum in einer Erhöhung de-- Wagenoerkehrs der Reichsbahn abgezeichnet haben. Tin Nachschlagewerk für in Deutschland gehandelle Auslands- anleihen hat die Deutsche Bank zurechtgemacht. In der Vorkriegszeit ist von Rentnern und oft auch von kleinen Leuten viel Geld in festverzinslichen Auslandspapieren angelegt worden: österreichisch«, ungarische, türkische griechische, bulgarische Staats-, Eisenbahn- und Industrieanleihen aller Art. Krieg und Inflation haben das Schicksal dieser ausländischen Anleihen stark beeinflußt, so daß sich heute nur noch die wenigsten auskennen und mancher, auch für die Volkswirtschaft nie willkommener Verlust entsteht. Diese Lücke soll das Handbuch ausfüllen. Es berichtet über 389 an deutschen Börsen ehemals ausgelegte festverzinsliche Anleihen aus 31 L ä n d- dem und gibt von den Anleihen jedes Landes, was besonders für die österreichischen Nachfolgestaaten wichtig ist, die für die Be- Handlung der Anleihen getroffenen Bestimmungen bekannt. Dann wird für jede einzelne Anleihe noch das ErforderNche, auch die letzten Kurse, mitgeteilt. Das Werk soll laufend ergänzt werden. Der Druck aus die Reichsbank wächst weiler. Der Ausweis der Reichsbank vom 23. Juli zeigt eine merkwürdige und besonders auffällige Erscheinung. Die gesamte Kapitalanlage(Wechsel und Schecks, Lombarddarlehen und Wertpapiere) ist zwar um 39,9 auf 2496,1 Millionen zurück gegangen. Dabei ist aber der Bestand an Wechseln, was für die 3. Monatswoche ein seltenes Ereignis ist, um 51,9 auf 2288,5 Millionen angewachsen. Die einzige Entlastung der Reichsbank liegt in dem Rückgang der Lombard- d a r i e h e n, die wegen des ruhigeren Börsengeschäfts und der höheren Lombardzinssätze um 91,3 auf 25,2 Millionen Mark a b- genommen haben. Die Bestände an Wertpapieren liegen fast gleich. Wenn es auch wahrscheinlich ist, daß die Banken nur eine Verschiebung in der Kreditbeanspruchung vorgenommen haben, wobei der niedrigere Diskontsatz eine Rolle spielt, so ist doch der gestiegene Wechselbestand ein Symptom des Druckes, der auf der Reichsbank weiter lastet. Obwohl wir inzwischen ein« Diskont- ermäßigung bekommen haben, sind die Wechselbestände am Ende der 3. Iuliwoche die höchsten dieses ganzen Jahres zum ent- sprechenden Zeitpunkt: sie übersteigen die vom 23. Januar um nicht weniger als 999 Millionen Mark. Auf dem Girokonto der Reichs- bunkkundschaft ist eine Zunahme der Einlagen um 67,7 auf 814,1 Millionen erfolgt, was als Vorbereitung für den bevorstehenden Monatsschluß angesehen werden darf. Der Umlauf an Reichs- b a n k n o t e n hat sich um 135,2 auf 3383,1 Millionen, derjenige an Rentenbankscheinen um 16,6 auf 949,3 Millionen verringert. Die Gold- und Devisenbestände haben sich, soweit sie zur Deckung des Notenumlaufs in Frage kommen, nicht wesentlich verändert. Die Goldbestände verringerten sich um 424 999 auf 1891,1 Millionen Mark, die Bestände an deckungssähigen Devisen erfuhren die kleine Vermehrung von 1,3 auf 97,5 Millionen Mark. Die Deckung der umlausenden Noten durch Gold verbesserte sich von 51,2 auf 53,2, diejenige durch Gold- und deckungsfähige Devisen zusammen von 53,9 auf 56,1 Proz. Die nächsten 14 Tage werden wohl die Ent- scheidung darüber bringen, ob die Reichsbank noch mit dem jetzigen Diskontsatz auskommen kann und ob nicht unter Umständen, wenn keine Diskonterhöhung stattfindet, andere Mittel zur Kredit- einschränkung zur Anwendung kommen werden. Immer feste druff! Die gute Konjunktur in der Textil- i n d u st r i e steigt den Unternehmern und ihren Kartellverbönden bereits in den Kopf. Die Tuchfabrikantenverbände von München- Gladbach und Forst(Lausitz) sowie der Verband der Fabrikanten halbwollener und wollener Zto'-• in Berlin haben unter Hinweis auf die erhöhten Rohstoffpre-i- auf erhöhte soziale Lasten sowie auf die Aenderung! ihrer Verkoufsbedingungen die Preise ihrer Fabrikate um 19 bis 15 Proz. erhöht, nachdem bereits vor zwei Monaten eine Preissteigerung um 5 bis 8 Proz. erfolgt ist. Der besseren Beschäftigung des Textilgewerbes folgt also wieder die Preiserhöhung auf dem Fuße, die auf die Dauer zu einem Rückgang des Absatzes führen muß. Als Leiter des neuen preußischen Elektrokonzerns soll General- direktor Frank von der Braunkohlenindustrie A.-G..Zukunft in Weißweiler in Frage kommen. Er ist in den Vorstand der Preußi- schen Kraftwerke Oberweser A.-G. eingetreten und soll auch für die Leitung des Gesamtunternehmens in Aussicht genommen sein. Wahrscheinlich dürfte aber Frank nur die technische General- direktion übernehmen, so daß über den kaufmännischen und juristi- schen Generaldirektor wohl noch zu bestimmen sein wird. 139 neue Koksösen des Ruhrftohltruft«. In New Park ist jetzt die große 39-Millionen-Dollar-Anleih. der Vereinigten Stahlwerke, über die wir kürzlich ausführlich berichteten, aufgelegt worden. Die Anleihe läuft 29 Jahre, wird mit 98,5 Proz. ausgegeben, die tatsächliche Verzinsung beträgt 6V, Proz. Ein Teil der Anleihe dürfte zu weiteren Ausbauten Verwendung finden. So wird jetzt mitgeteilt, daß auf der Zeche„chanfa" bei Dortmund eine neue Kokerei errichtet wird, die mit 139 großen Oefen ausgestattet werden soll. Die Kosten werden auf etwa 12 Millionen Mark berechnet, der Betrieb soll im April nächsten Jahres aufgenommen werden. Die Anleihe wurde bereits überzeichnet. H zzz Unterhaltung unö Missen-n. Licht und Dunkel. Von Henry Barbusse. Louise Doret schob den Riegel vor das schwere Gartentor. Draußen herrschte tiefe Finsternis, da sie ins Haus zurückkehrte. Man inh nichts mehr, nicht einmal den Himmel. Ihre kleine Gestalt mit ii,.-er auf dem nachtdunklen Hintergrund hjn- und hertanzenden Laterne schien wie auf dem Meer zu schaukeln. Ihre Füße spürten den Kies der Hauptallee wieder unter sich, und während sie vorwärts eilte, unterschied die Frau des Wächters undeutlich, wie das unbewegliche iphantom dieser Allee zwischen den ganz schwarzen Rasenflächen entschwand. Sie ging an einer dunklen Mauer entlang, das Licht im Garten- l'ans war erloschen; dort schlief ihre alte Mutter, das einzige mensch- >.che Wesen, das sich außer ihr in diesem Augenblick aus dem Gut befand; Etienne Doret war auf seinem Rundgang bis zum Morgen unterwegs; er hatte sogar Rolf mit sich genommen. In Gedanken streifte sie die Bilder der Dinge: die Weiden, die aussahen, als s nieten sie, die aufrechten Pappeln, die mitten im Tanz erstarrten Richen. In der eisigen Dunkelheit stolpert« sie gegen die erste Tür- stufe, die breit war, wie ein Grab. Sie erklomm die Steinsliesen, betrat das Haus und verriegelte sogleich die Tür. Sie atmete er- Hchtert auf, jenseits von so viel Nacht, so viel Kälte und so viel Ein- samkeit zu sein. In der Küche bemerkte sie den Revolver, den Etienne zurückge- 'ufen hatte und ergriff ihn. Er war nicht geladen, die Patronen i-"'.rnden sich in der Kasia im Speicher. Sie würde dann hinaufgehen. Re war nicht ängstlich, aber w ihrem völligen Alleinsein war sie von einem großen und stolzen Verantwortungsgefühl erfüllt. In der einen Hand die Laterne, in der anderen die leere Waffe haltend, drückte sie die Tür zum Speisezimmer auf und trat ein. Sie stieß einen heiseren Schrei au». Ein« Gestalt, halb über den Tisch gelehnt, hatte sich aufgerichtet und stürzte ihr entgegen. Undeutlich nahm sie im grellen Schein der Blendlaterne, die sie n-'rstrcckte, ein durchfurchte», verwittertes Gesicht wahr, Lart und hrls in tiefem Schatten, mit flackerndem und schielendem Blick, der Mund schief, wie durch etn Grinsen verzerrt. Louis« Doret brüllte: Zurück!" und schwang Laterne und '>volver zugleich. Der Mann wich mit einem Satz zurück; trotzdem machte er Miene, die Hand auszustrecken und brummte: »Keine Angst... Keine Angst... Ihr Mann schickt mich. Ich werde Ihnen erklären..■' Er wiederholt« unter derbem Lachen:»Keine Angst!"' Er schien an sich herumzutasten. »Hände hoch!' schrie die Frau.»Hände hoch oder ich schieße Sie nieder!' »Oh!' murmelte er schaudernd. Er sah sie wie«In Tier an, da« in die Falle geraten war und gehorchte dann augenblicklich... Jetzt hatte er mit seinen erhobenen Händen«in so bestürzte», fo unbegreifliche« Aussehen, daß Louise Doret eine Sekunde lang die Empfindung hatte, daß sie sich täusch«, daß die unwahrscheinliche Se- schichte, die der Mensch unter phantastischem Augenrollen hervor- stammelts, um sein nächtliche» Eindringen zu erklären, vielleicht Wahrheit war. Aber im selben Moment entsetzte sie der bestialische Ausdruck dieses Gesicht» und die böse Absicht des Eindringling» schien ihr so klar, daß sie fast aufgeschrien hätte. Ptit einer heroischen Anstrengung raffte sie sich auf, wich langsam zurück, lehnt« sich mit dem Rücken an die geweiste Mauer und blieb dort, aufrecht, regungslo«, völlig r«gung«lo», aber in höchster An- spannung und auf dem Sprung, ihn, wenn e» sein müßte, mit ihre» Händen zu töten... Nach kurzer Zeit Heß der Mann die Arme ein wenig sinken und begann neuerdings unzusammenhängend sein« Geschichte von dem ?'uftrag, den ihm der abwesend« Wächter gegeben hatte. Mit einer breiten, pappigen Stimme stotterte er: »Schaun Sie, Frau Doret, schaun Sie... Ich kenne Doret, deshalb bin ich gekommen...' Wie im Traum oernahm sie Wort«, sie verstand nicht», gor nicht«. Sie begriff nicht. Und sie rührte sich nicht, mit starrem Blick und soft aufeinandergebissenen Zähnen. Im Schutz dieser Stille versuchte er, einen Schritt auf sie zuzu- gehen. Plötzlich machte sie eine gebieterisch« Bewegung: »Keinen Schritt näher!'... Er hielt inne, wankte zurück, keuchte. Außer sich dacht« sie daran, daß sie allein, ganz allein diesem Banditen gegenüber war. Kein« hilf« möglich: niemand, der sie rufen hören würde: Nachbarn gab es kein«, dieser leer« Revolver war ibre einzige Waffe... Unmöglich. Patronen von oben zu holen. Sollte sie zur Zimmer- und dann zur Haustür springen, sie im Nu schließen, den Mann einsperren? Er würde durch da» Fenster ent- kämmen, und ganz nahe war da» Gartenhau», wo die alte Frau schlief.... Also was denn, was?... Das Licht zitterte in der Hand der Frau. Sie war im Begriff, schwach zu werden, zu stöhnen:»Töten Sie mich!' Jetzt begann er sich vor dieser bewaffneten Statu«, die ihn lähmte, zu regen. Er sträubte sich. Stammelt« einen Fluch, s! leuderte wild« Blicke um sich und schien wie ein Raubtter zmn Sprung auszuholen. Sie drückte sich in die Ecke de« Käfig» hinein. wo sie stand. Nun aber wurde der Mann von einem Hustenanfall gepackt. B-rwnndlung! Zum zweitenmal erschien es Louis« Doret, daß sie -> cn lächerlichen und ungeheuren Irrtum begehe... Wie denn? D�s sollte ein Verbrecher sein, dieser klägliche Mensch, der da mit tränenden Augen schnaubte?... Aber das seltsam« Wesen veränderte sich. Die Eingebung hielt nicht stand und im Augenblick erschien da» verwüstet« und unheil- d ohende Gesicht von früher, die schrecklichen tierischen Backen— die eine abschreckend tl«iner als die andere—. das Kinn dem Ganzen rie ein riesiges, viereckiges Stück eingefügt. Don neuem erkannte I i e den Mörder... So verstrichen Stunden. Der Mann blieb auf seinem Platz, ge- zähmt, ohne Sprache und Bewegung der Frau gegenüber, die eine Schein waffe m, klammernd, zitternd in Unbeweglichkeit verharrte; die sich bald„Ja!", bald.Nein!' sagte und nicht wußte. Und der Tag kam heran, noch und nach wurde er langsam auf unsichtbaren Wegen sichtbar. Nun war wirklich ein Dritter im Z-mmer. Beim Erscheinen dieser helle fühlte die Frau Tränen in ihren Augen und der Mann, bewegt beim Anblick des armseligen Scheins, grinste oder lächelte. Ein wenig später verließ Louise bei Tagesgrauen, rückwärts schreitend, das Zimmer, das Haus und quer durch den dämmrigen Garten, der erwachte, ging sie daran, dqs Gartentor zu öffven. Der schreckliche Besucher schleppte sich Himer ihr drein, dann überholte er sie und ging, den Kopf beschämt gesenkt, die besiegten Fäuste geballt, von bannen, ohne den Revolver aus dem Auge zu lasten. Louise kehrte zurück, fiel auf ihr Bett und schlief ein. Sie erwachte sehr spät, rieb sich die Augen und mit begeistert erhobenen Armen sang sie ganz laut: »Ich werde es erfahren. Etienne wird es mir sagen.. Zwei Stunden später brachte man ihr Etienne auf einer Bahre. Ein Schlaganfall hatte den Wächter auf offenem Feld bei seinem Rundgang zu Boden geworfen. Er lebte, aber er hatte das Ge- dächtnis verloren. Six selbst konnte sich nicht mehr klar daran erinnern, was der unheimliche Eindringling gesagt hatte; nicht einmal seiner Züge konnte sie sich mehr entsinnen; da sie ihn angesehen, hatte sie zu viel geforscht, am Grunde seiner Augen nur zu lesen, was er dachte, was er wollte. Für immer blieb ihr unbekannt, was sich in dieser Nacht ereignet hatte.(Autorisierte Uebersetzung von Walter Knina.) Zwei Austritte. S o trat am 25. �IprU 1925 Erich Schulz aus üem Reichsbanner aus. S o trat am 25. Jall 1927 Wilhelm Mar» au» dem Reichsbanner aus. Die Schule öer chinefischen Revolution. Der gewaltige Befreiungskampf der chinesischen Industrie- und handelsproletarier gegen die imperialistisch« Ausbeutung und ihr« nordchinestfche Bulldogge unterscheidet sich nicht nur in den Ausmaßen von früheren revolutionären Ereignissen in China. Was so völlig überraschend anmutet, überraschend im Gegensatz zu dem Bilde, da, man bis vor kurzem von China und den Chinesen in Europa kannte, ist die überaus zähe und zielbewußt« Arbeit, die in der Führung der südchinesischen Volksarmeen nicht nur, sondern im Geiste ihrer Truppen überhaupt deutlich wird. E» sind nicht mehr undisziplinierte Riesenhaufen, die von irgendwelchen Schlagworten vorübergehend zur Bereinigung und zum Kampfe gegen einen als gemeinsam«mp- fundenen Feind aufgeputscht wurden, sondern ganz deutlich läßt sich aus den verschiedenen Abschnitten des bisherigen Kampfes des chinesischen Süden» gegen den Norden die nachhaltig« Wirkung eine» immer erneuten, bewußten und in den kämpfenden Massen lebenden Gefühl» von der unbestreitbaren Gerechtigkett und absoluten Not- wendigkeit ihre» Ringens erkennen. Hier wurden Ideen lebendig und formten einen kämpferischen Willen, de» tatttfche Rückschläge nicht mehr zur Ergebung fesseln können. Fast möchte man an die Wiederholung jener Ereignisse glauben, die«inst der großen französischen Revolution chre unwiderstehlich« Gewalt gegen die feudalen Feinde im Lande und ihre Klassengenosten in ganz Europa verliehen haben, an die Verschmelzung aller individuellen Empfindungen von Not, Entbehrung, vergewaltigter Menschenwürde und Rachedurst zu dem einen großen Gefühl, das «in Klastenbewußtsein zu bilden vermag und den Impuls gibt zur gemeinsamen Erhebung gegen die persönlichen Bedrücker nicht nur, sondern gegen ihre ganze Klasse. G o e t h«, der Schlachtenbummler in den Kämpfen der europäischen Reaktion gegen die französischen Revolutionsarmeen, mag dies dunkel geahnt haben, als er den Ge- danken niederschrieb:»Von hier beginnt eine neue Epoche der Ge- schichte und wir können sagen, daß wir dabei gewesen sind.' Diese imponierende Bewußtheit der chinesischen Kuomintang- Bewegung empfängt nicht»nr militärisch ihre stärtsten Antriebe ans Whampoa. Whampoa ist eine kleine chinesische Landstadt und liegt etwa zwei Wegstunden von Kanton entfernt. 1924 begründete hier Sun-Pat-Sen die Kriegsschule der Kuomintang-Partei, eine Ein- richtung, die heute die Moskauer chinesische Universität an unmittel- barer Bedeutung für die jetzigen Kämpfe in China weit überholt hat. Ursprünglich war die Whampoaner Anstalt nichts weiter als eine vffizi«rsschule nach amerikanischem Muster. Sun-Dat-Sen hatte einen amerikanischen Major mit ihrer Leitung und Einrichtung be- traitt. Nach Sun-Dat-Sens Tode jedoch kam Whampoa unter rusftsche Führung und seitdem begann der Aufstieg dieser Schule zu der zentralen Bedeutung, die sie heute für die Kuomintang-Bewegung besitzt. Was diese Kriegsschule so bedeutsam von anderen unterscheidet, ist die eigenartige Verbindung von militärischer Erziehung mit politischem Training. Die Zöglinge, die natürlich sämtlich Mitglieder der Kuomintang-Partei sein müssen, sollen nicht nur kämpfen lernen mit der Waffe in der Hand, sondern auch wissen, weshalb und wofür sie kämpfen müssen. Nicht ohne Absicht ist über dem Portale des Schulgebäudes mit großen goldenen Lettern die Inschrift angebracht: „Wer Reichtum oder Macht sucht, braucht nicht herein zu kommen". Bei der traditionellen Art der chinesischen Bandenkriegsführung, die jedem„General" unter der Flagge des Kampfes für eine ideal« Aufgab« die Gelegenheit zur persönlichen Bereicherung gewesen ist, entbehrt gerade dieses Motto nicht der tteferen Bedeutung für die chinesische Revolution. Die militärische Ausbildung der Zöglinge obliegt in der Haupt- fache russischen Offizieren und Sergeanten. Sie umfaßt alle Sparten des Waffenhandwerks, vom Turnen und Fechten bis zum Umgang mit Gasgranaten und Feldradio. Gegenüber der politischen Ausbildung aber scheint sie fast in den Hintergrund gerückt. Das zeigt sich z. B. am klarsten in dem immer wiederholten Lehrsatz, daß der Gehorsam gegen die Befehle und Wünsche der Partei der disziplinaren Unterordnung unter die Befehle der militärischen Führer vorangehen müsse. Ein Hauptfach des politischen Unter- richts ist dann weiter die Lehre von der politischen Propaganda, deren technische Handhabung in allen Spielarten gelehrt wird. Im großen und ganzen ist das Vorbild der Trotzkifchen Kriegs- schulen in Rußland bei der Organisation der Anstalt von Whampoa nicht zu verkennen. Die parteikommunistischen Prinzipien spielen jedoch in ihrem Unterricht keine Rolle mehr, sodah nicht nur die' Kanton-Regierung mit allen Mitteln den Ausbau von Whampoa erstrebt, sondern selbst die gutsituierten Auslandskreis« der Chinesen, besonders im Insuiinde-Archipel, ihre Söhne zur Ausbildung nach Whampoa zu schicken beginnen. Di« zentrale Bedeutung Whompoas für die weiter« Entwicklung des chinesischen Problem» wird dadurch nur unterstrichen! Der Meteor-Krater. In Wildwest-Amerita. im Staate Arizona, in der Nähe der Stadt Winslow, befindet sich ein riesiger Krater,„der inter- eflanteste Fleck auf der Oberfläche unseres Planeten", wie Ihn der berühmte Gelehrte Arrhenius nannte. In der Tat ist dieses gewaltige Loch von Svv Fuß Tiefe und über 4000 Fuß Durchmesser ein Naturwunder allerersten Ranges. Die ge- wohnliche vulkanische Entstehungsweise trifft auf diesen Krater schwer- lich zu, weil sich keine Spur von Lava in der Nähe findet. Auch die Vermutung, daß er durch eine ungeheure Explosion heißer Dämpfe oder Gase in den darunter liegenden Erdschichten entstanden sei, kann kaum stimmen, denn Bohrungen bi» zu 900 Fuß unter den Boden de« Kraters haben ein völlig unverletztes Lager von rotem Sandstein ergeben, während die darüber liegenden Schichten total zerschmettert sind. Ueberdies wäre auch die stärkste Explosion nicht imstande, den Sandstein in solcken Mengen fu Staub zu zermahlen. Im Krater selbst und ringsumher liegen nämlich kolossal« Mengen' „Gesteinsstaub", d. i. feinstes Sandsteinpuloer; stellenweise sind dies« Staubmassen 10 Fuß dick! Noch weniger kann durch die vulkanische oder die Gasthevrie erklärt werden, daß die sonst wagerechten Gesteinsschichten so auf- gewühlt sind, daß sie an zwei Stellen fast senkrecht stehen, und zwischen diesen beiden Stellen am südlichen Wall de» Kraters sich ein Bogen von mehr als 2400 Fuß Länge wölbt. Dagegen gibt die Hypothese, die auch der amerikanische Ingenieur Minhinnit verttitt, nachdem er sich eingehend mit dem Studium de»„Franklins Loch", wie der Meteorkrater ursprünglich genannt wurde, jüngst beschaf- ttat hat. die plaustbesste Erklärung. Danach ist ein mächttge» Meteor oder gar ein in die Anziehungssphäre der Erde geratener Komet vor Jahrtausenden oder Iahrzehntausenden an jener Stelle niedergegangen. Diese Ansicht erklärt auch das Vorkommen der zahllosen Meteore im Krater und dessen Umgebung: es sind dort mehr metallische Meteore gefunden worden als auf der ganzen Erde zusammen, und zwar im Gewicht von etlichen Loten bi» zu achtzehn Zentnern. Ferner spricht für die Annahme des meteorischen Ur- sprunges die Tatsache, daß bei einem Bohrversuche an der Südseite des Kraters 35 Fuß meteorisches Material durchdrungen wurden. während sich in 1376 Fuß Tiefe der Bohrer festsetzte, also wohl auf den Hauptkörper des Meteors oder den Kern des Kometen stieß. Die meteorische Masse beträgt nach Professor Elihu Thomsens Berechnung fünf Millionen Tonnen, sie besteht größtenteils aus Eisen, enthält aber auch 8 Proz. Nickel und für zirka 95 Dollar Platin und Iridium pro Tonne; e» ist also den Amerikanern ein recht ansehnliches Wertobjekt aus dem Wettall im wahrsten Sinne de» Wortes zugeflogen.. Es mag im ersten Moment etwas unglaubhaft erscheinen, daß ein aufschlagender Himmelskörper so ungeheure Wirkungen hervor- bringe, daß er 150 Millionen Tonnen und mehr hartes Gestein in Staub und Schutt verwandette, wovon sich um den ttefeu und um- fangreichen Trichter ein Wall ooki 130 Fuß Höhe bilden konnte. Bedenkt man indessen, daß sich die Erde mit einer Durchschnitts-'* geschwindigkeit von vier deutschen Meilen die Sekunde um die Sonn« bewegt, und daß jener auswärtige Gast mindestens dasselbe Temp» annehmen mußte— wenn er der Richtung der Erdbahn entgegen- flog, wäre sogar noch die Eigengeschwindigkeit hinzugekommen—- so wird man sich, auch unter Berücksichtigung der durch den Luft- widerstand bedingten Verminderung der Schnelligkeit, doch eine an- nähernde Vorstellung von dem furchtbaren Anprall machen können, und die gewattige Wirkung, die ein fester Körper von Millionen Tonnen Gewicht an der Erdrinde verursachen mußt«, begreiflich finden. Dr. R. L. Erdbeben-Statistik. Erdbeben werden in diesem Katastrophen- jähr besonder» zahlreich gemeldet. Dabei sei daran erinnert, daß die 325 Erdbebenwarten, die sich über den Erdball verteilen, in jedem Jahr durchschnittlich 30 000 Beben verzeichnen: von diesen sind aber nur etwa 30 zerstörend, und zwar in den verschiedensten Graden, von denen.�dic nur Risse in den Wänden hervorrufen, bis zu denen, die ganze Städte begraben. Man hat vom 5. Jahrhundert bis zum Jahr 1898 222 schwere Erdbeben gezählt: von 1600 bis 1900 betrug die Zahl 108, also etwa eins alle drei Jahre. Unter den furchtbarsten Erdbebenkatastrophen, von denen wir wissen, sei die des Jahres 526 n. Chr. erwähnt, die das Küstengebiet des Mittelmeeres heim- suchte und 200 000 Menschen den Tod brachte. Im Jahre 1820 gingen 200 000 Menschen bei einem Erdbeben in China zugrunde: im Jahre 1893 fielen 155 000 Menschen Erdbeben in Indien zum Opfer. Die Stadt San Francisco wurde zweimal fast völlig zerstört, 1868 und 1906, die Stadt Lima innerhalb von 400 Jahren zehnmal. Das Erd- beben von Messina 1908 kostete etwa 100 000 Menschen das Leben. In Japan hat man in der Zeit von 1902 bis 1907 jährlich durch- schnittlich 1600 Beben verzeichnet. Im Jahre 1703 wuchs die Zahl der Opfer durch Erdbeben in Japan auf 200 000, 1854 betrug sie über 100 000. Im allgemeinen zeigt die Statistik, daß das Wort des Plinius zu Recht besteht:„Da, wo die Erde gebebt hat, wird sie wieder bcbttl." Einfenbungen fSz diese Rubrik sind Berlin SW 68. Linbenftrahe 3, parteinachrlchten für Groß-Serlkn stet» n» bat Bezirl-sekreiari-t. k. Hos, 2 Ter», recht», z» richte» Ausflug der sozialistischen Aürsorgeriuuen und Fürsorger cim Sonnabend, dem 30. Zuli. Treffpunkt: ISLS Ahr Bahnhof Rahnsdorf.(Sladtbahn ab Charloktenbnrg IZ.ZS Uhr. ufw.j Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrt. Die Iuaendwei Wiebcrbcginn des Unterricht, Freitag, 12, findet Sonntag, . August, eg. An. U. Srei» SculöB". Jugcrid»«Ihe! 25. September, statt. Wieberbe.-„-- 16 Uhr, in de» Schulen Donaustr. 120 unb Äarienborfe? Weg. melbung-n umgehend in den.Vorirärts".Spebitionen Neckarstr. Z unb Siegfrirdstrastc. Anmeldegebühr 50 Pf. 15. Ztreis Treptein.""" Hundt mit_________________ 20. Ätci» Siciniätnbotf. Ru der am Montag, I. August,"10 Uhr, am Mtten. bcrgplab ftattfindenbcii Antilrienskundgebung schließen wir uns dem Bezirk Tiergarten an. Treffpunkt am«leinen Tiergarten mittag» 4>/, Uhr, verschied infolge Herzschlag» mein lleber Mann, unser guter Vater undGroßvater, der Tischler| Bennann Loreck in 86. Lebensjahre. Berlw SO. 33 Berta Loreck j Görlitzer Str. 52. und Kinder Di« Einäscherung findet am Frei- tag, dem 29. Juli, nachmittags ist, Uhr{ im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraß«, statt. »ltoMMM-W«!! Mm! 8RngMg»it9!itteii Am Freitag, dem 29 Zulh findet (ein, Sitznng der Mittlercu Ort». oerwaiwug Ziatt. Die Auszahlung der Liquidattan erfolgt am Freilaguachmiliag von 8—6 Uhr _ vle OrtBoerrooKnng. Oboe Anzahlung zu rerkonlent Landhaus Brieselang(Station hinter Finkenkrug) Nähe Bahn, 5 Zirnrn, Kfiche, Bad, Stall, Zentralbeizg� 400 qm Qart, fflrlSOOOM. Langfr. Hyp. Bedingung: ueberlassung einer Dreizimmerwohnung Berlin-Mitte. Besichügung jederzeit Piol Ramin, Brieselang, Ulmenweg 3. Sommerwohnungen mit Pension ron 3 M. an. Post Friedersdorf. Reichsbailen-Theatar BI« Sonntag, 31 7.1 Die beliebten Dnsiiiir Viktoria-Siigsr Ab!• Aadfistt Stettinar Sänger Anfang 8 Uhr. Dönhoff« Bratt'li (Saal und Garten) Konzert, Tanz VaristjSJ Wenig getragene Frackanzüg«. S kinganzüae, Dehrockanzüge, Jackett züge, Gabarbinemäntel, Gummimän .. Smo- Uacketton» ___________________ Gummimäntel, Tutawan-Anzüze Taillcnmäntel, für jede Figur passend. Spezialität: Bauch. anzüge, fpottbillia. Halpern. 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