flbenöavsgabe Nr. 355 ♦ 44. �ahrgaag Ausgabe B Nr. 175 B«zuz-bedinMi»Snl Stab«meioenawtte sind ia fcCT S)loz»naa»ea.'bt angtgebta Bebaffion: SB». 68. Clnbenfftabe 3 Fernsprecher: VSnhofs 282— 281 ZcL'Slbtcfse: Sojialbcmoftaf Berlin Devliner Volksvlcrkk Zcntralorgan der Sozialdemokrati fcben parte» Deutfcblands (lO Pfennig) Ireitag 2Y. Juli 1927 Serlag nnd Anzeigenabteilung: GeschSftszeit bis s Uhr Verleger: Born>arfs-Berlag GmbH. Berlin SB». SS, einbensfrahe 3 Fernsprecher: VOnhoss 292— 29; Angebot Chamberlains an Rußland. Er spricht öffentlich von einer Wiederaufnahme der Beziehungen. " Im Verlauf der Unterhausdebatte kam es nochmals zur Aus- spräche über das Verhältnis Englands zur Sowjetunion. Der auf dem linken Flügel der Arbeiterpartei stehende Abgeordnete Wall- h e a d unterbrach Chamberlains Rede mit der Frage, ob„England das Tor noch nicht zugeschlagen habe gegenüber dem möglichen Bestreben der Sowjetunion, die diplomatischen Beziehun- gen wiederherzustellen"'. Chamberlain erwiderte nicht etwa ableh- nend und ausweichend, daß er an solche Versuche nicht glaube, son- dern er erklärte, daß die Wiederaufnahme der Beziehungen möglich sei, jedoch nicht unter den früheren Formen, die miß- braucht worden seien. Darauf erhob sich W a l l h e a d noch einmal, um festzustellen, daß der Weg zu einer Annäherung der Sowjet- unionnicht v ersp errt sei. Auch auf diese zweite Unterbrechung durch das Mitglied der Opposition antwortete Chamberlain entgegen- kommend:»Di« Russen können eine Annäherung unternehmen. Dabei würden sie wohl ihre Vorschläge mitteilen. Mr werden diese mit ihnen erörtern. Sie dürfen jedoch den früheren Mißbräuchen nicht Raum geben." Damit hat die englische Regierung öffentlich den ersten Schritt zu einer Wiederannäherung getan. Chamberlain hat die Sowjetregie- rung aufgefordert, Dorschläge zur Wiederherstellung der diploma- tischen Beziehungen zu machen und zugesagt, sie im einzelnen zu beraten. Es ist dabei nicht wesentlich, ab dies öffentliche Angebot auf Grund einer vorherigen Verabredung mit dem Arbeiterabgeordneten erfolgte, und ob dessen Zwischenfragen auf Anregungen aus Kreisen der in England gebliebenen Mitglieder der ehemaligen Sowjet- Handelsmission zurückgehen. Chamberlain hat der Sowjetunion den kleinen Finger zur Wiederherstellung der Beziehungen gereicht in derselben Stund«, in der in Genf die englische Delegation den Endkampf mit Amerika und Japan in der Flottenfrage führt, und auch unter Opfer eine Einigung erstrebt, damit nicht England als der schuldige Teil an einem Abbruch der Konserenz erscheint. Die drohende Isolierung und Entfremdung gegenüber Amerika veranlaßt England international, sich der Sowjetunion wieder zu nähern. Innenpolitisch ist die eng- tische Initiative zugleich dadurch bedingt, daß die Kapitalisten den Aussall wichtiger russischer Aufträge bedauern und zunehmend die wirtschaftliche Torheit des Abbruchs einsehen. Der Aussall der Nachwahlen seit dem Abbruch zeigte zugleich, daß die Wähler- massen nicht mehr, wie die Diehards gehofft hatten, mit dem Schreckgespenst des Bolschewismus den Konservativen in die Anne zu treiben sind. Di« Verschlechterung der internationalen Situation Englands, der Durchbruch wirtschaftlicher Vernunft bei der herrschenden Klasse und die Quittung, die die Wählerschaft den Machinationen der Junker erteilte, haben zusammengewirkt, um das öffentliche Ange- bot an die Sowjetunion zu veranlassen. Der nächste Schritt muh jetzt von der Sowjetregierung getan werden. Sie müßte sich endlich darüber klar sein, daß sie die Anbahnung normaler Beziehungen am ehesten dadurch erleichtert, daß sie auf die k o m m u u i st i s ch e Parteipropaganda verzichtet. Nur wenn sie die aussichts- losen Versuche, die englische Demokratie mit ihren asiatischen Mitteln zu stürzen, aufgibt, kommt die Mederherstellnng der Beziehungen von Siaat zu Staat zustande. Auch in Moskau sollten die Gründe der Wirtschaft- lichen Vernunft und der Selbsterhaltung stark genug wiegen, um England den Verzicht auf die Revolutionspropaganda zuzusichern. Zugleich würde das dm demokratischen Klassenkampf der englischen Arbeiterschaft um ihre sozialm Rechte erleichtern. Was Stalin vorgestern schrieb. Bioskau, 29. Juli.(Sowjet-Tel.-Ag.) In der„Prawda" behandelt Stalin die drohende Kriegs- gefahr. Die jetzige intemationale Lage beweise, daß die englische Regierung entschieden den Weg der Organisierung eines Krieges gegen die Sowjetunion eingeschlagen habe und fortsetze. Die Auf- gäbe der Sowjetunion wird es auch fernerhin sein, beharrlich eine Politik des Friedens zu führen, ungeachtet der Provotations- tätigkeit der Feinde und der Dolchstiche gegen das Prestige Sowjet- rußlcmds. Provokateure aus dem feindlichen Lager reizm uns auf und werden uns weiter aufreizen, indem sie behaupten, daß unsere Friedenspolitik sich aus der Schwäche unserer Armee erkläre. Dies bringt manchmal vielleicht einige unserer Genossen aus der Fassung, die geneigt sind, auf die Provokation einzugchen, indem sie eukschlcheoe Alaßwchmen fordern. Die» bedenket Nervenschwäche und Mangel an Ausdauer. Nur die jetzige Polltik kann uns die Möglichkeit sichern, all« Werk- tätigen in ein einheitliches Kriegslager zusammenzubringen, wenn der Feind uns zum Kriege zwingen will. Moskau auerkeuut Warschaus Entgegenkommen. Bioskau, 29. Juli. Noch der Rückkehr des polnischen Gesandten Patek sind die Verhandlungen zur Regelung des sowjetrussisch-polnifchen Konfliktes wieder ausgenommen worden.„Iswestija" führt dazu aus: Diese Verhandlungen können zu einem beiden Tellen erwünschten Ergebnis führen, falls in den polni- schen Regierungskreisen endgültig die nüchtern« Stimmung überwiegen wird, die sich in der Erklärung Pateks in Warschau über die Notwendigkeit wiederspiegelt, der Stimmung der öffentlichen Meinung der Sowjetunion im Zusammenhange mit der Ermordung Wojkows Rechnung zu tragen, und in der Ablehnung des Gesuchtzs des Gerichts um Mllderung des Urteils gegen Kowerda seitens des polnischen Staatspräsidenten. Cooliöge soll entscheiden. Englands letzte Vorschläge nach Washington gedrahtet. Gens. 29. Juli. Die Konferenz ist am Donnerstag abend verhältnismäßig rasch in ihre größte und vielleicht letzte Krise eingetreten. Die von Bridgeman aus London mitgebrachten Vorschläg:. die in ihren wesentlichen Punkten den auf Grund der britisch-japanischen Verständigung formulierten Anträgen entsprechen, sind von der führenden amerikanischen Delegation Gibson nicht angenommen worden. Gibson hat gegen mehrere Bestimmungen des Projektes Einwände erhoben und vorbehaltend geltend gemacht. Er hat sich jedoch bereit erklärt, die Vorfästäge unverzüglich dem Präsidenten Eoolidge zur Kenntnis zu bringen. fv daß die Delegation in der Oeffentlichen Volloersammlung am Montag nachmittag in der Lage sein würde, die endgültige Stellungnahme ihrer Regierung darzulegen. Di« amerikanische Opposition richtet sich in erster Linie gegen die Bewaffnung der leichten Kreuzer mit Sechszollgeschützen und gegen die wei- tere Verwendung von 2S Proz. der Schiffe, die das Dienstalter überschritten haben. Diese beiden Bestimmungen der britischen Vor- schlüge wurden von den Japanem grundsätzlich angenommen, von den Amerikanern jedoch abgelehnt, weil sie nach ihrer Auffassung der britischen Kriegsflotte eine Uebermacht zur See vertraglich garautiereu. Irgenöeine Einigung«irö noch erwartet. Genf, 29. Juli.(Eigenbericht.) Die ersten pessimistischen Eindrücke von den neuen britischen Gegenvorschlägen in der neuen Abrüstungskonferenz machen heute vormittag bereits einer ruhigeren Beurteilung der Loge Platz, da man auch von amerikanischer Seite nicht bestreiten kann, daß der englische Vorschlag für Beibehaltung einer Anzahl Kreuzer zwischen 6000 und 10 000 Tonnen mit Parität zwischen Groß- britannien und den Vereinigten Staaten«ine bedeutende Kon- a» de 6 ameritanijch«» Standpunkt darstellt. In Erwartung von neuen Instruktionen aus Washington ruhen heut« die Verhandlungen zwischen den Delegationen. Ein Zusammen- bruch der Konferenz m der Vollsitzung vom Montag ist nicht wahr- scheinlich. Euglanü kämpft um Sie Einigung weiter. London, 29. Juli. wie Beul er aus Genf meldet, besteht Grund zur Annahme. daß Japan zwischen Großbritannien und den vereinigten Staaten vermitteln wird. Schon öroht Amerika mit der Aufrüstung. Washington, 29. Juli. Marinestaatssekretär Wilbur kündigte den Abschluß von Bau- vertrügen für sechs neue Kreuzer an, von denen jeder 10S00 000 Dollar kostet. Diese Bauverträge sind jedoch bereits im Juni vergeben worden. Man hat damals mit der Veröffentlichung zurückgehalten, um einen schlechten Eindruck in Genf zu vermeiden. Di« Mittellung wird jetzt gemacht, um England zum Nachgeben zu bringen. Dauöet kehrt zurück! Er möchte seine Strafe lieber absitzen. Paris. 29. Juli.(Eigenbericht.) Der aus dem Gefängnis, befteite Royalistenführer Leon Daudet Hot von„irgendwo im schönen Frankreich" an den Justiz- minister ein Schreiben gerichtet/ worin er sich bereit erklärt, in das Gefängnis zurückzukehren, unter der Bedingung, daß der Prozeß wieder aufgenommen'wird. Der englische Kriegsminister in Indien. Kriegsminister Worthington Evans wird im Herbst eine osjizielle dreimonatige Reise nach Indien unternehmen, um die britischen Garnisonen an der Nordwestgrenzs zu inspizieren. Eine derartige Reise eines britischen Äcie�mmisters ist noch mcht dagewesen. Salkanwahlen. Im Zeiche« des Terrors und der Korruption. Von Hermann Wendel. Für den Balkan ist gegenwärtig ein Wahlsommer, denn am 29. Mai erkor Bulgarien, am 7. Juli Rumänien sein neues Parlament, und am 11. September werden in Südflawien die Wahlurnen aufgestellt. Seit den bal- konischen Vorspielen des Weltkrieges und der Entfesselung der großen Katastrophe durch ein balkanisches Ereignis haben die Geschehnisse in Südosteuropa ihren sozusagen lokalen Charakter verloren und sind fast in den Mittelpunkt des europäischen Interesses gerückt, aber irrig wäre es, Balkan- wählen auch nur die gleiche innerpolitische Bedeutung zuzu« schreiben, wie sie die Erneuerung der gesetzgebenden Körper- schaften im Abendland hat. Wohl steckt in allen Balkanvölkern ein ganzes Kapital an ursprünglichem demokratischen Gefühl. Namentlich unter den Balkanslawen, die ein halbes Jahrtausend unter dem Türkenjoch ohne einheimische Herrenkaste als eine gleich- förmige, sozial nicht gestufte Masse Unterdrückter dahinlebten, ist Demokratie noch bei dem zerlumptesten Schafhirten ein lebendiger Begriff, aber dieses natürliche Empfinden setzt sich nicht ohne weiteres in politische Kraft, in politische Demokratie um. Zwar strahlen auch die Verfassungen Bulgariens, Rumäniens und Südslawiens so viel Freiheit aus, wie man nur will; die Balkanstaaten sind auf dem Papier parlamentarisch regierte konstitutionelle Monarchien, in denen der Volkswille als Quelle aller Macht gilt.- Nur erfährt, bei allgemeinem und gleichem Wahlrecht, der Volks- wille eine erste Verfälschung schon dadurch, daß dem faschisti- schen Beispiel nachgeäffte Bestimmungen der WahU Ordnung die großen Parteien ungerecht begünstigen. In Rumänien erhält eine Partei mit zwei Fünfteln der Stimmen sieben Zehntel der Mandate-, auch in Bulgarien erobert eine Parteikoalition, für die bei weitem nicht die Hälfte der Wähler stimmt, mühelos die Mehrheit der Par» lamentssitze, und nicht minder werden in Südslawien die kleinen Parteien durch das Wahlgesetz an die Wand gequetscht. Schlimmer verwässert sich die Wirkung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts durch das Analphabetentum der Wähler. In allen Balkanstaaten ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Lesens und Schreibens unkundig: zum Teil erreicht die Verhältnisziffer der Analphabeten eine phantastische Höhe: bei den Moslems Bulgariens sind es 95 Proz. und fast ebensoviel bei ihren Glaubensgenossen in Bosnien und der Herzegowina-, in diesen einstigen k. und k. Okkupationsprovinzen ist— ein Schandblatt für vier Jahr- zehnte österreichischer„Zivilisations"arbeit— für 99,70 Proz. der Mohammedanerinnen die Schrift ein wesenloses Nichts. Wenn es nun auch unter den serbischen Bauern gewitzte Burschen gibt, die ohne Kenntnis des ABE, einen starken politischen Nerv haben, so stellt im allgemeinen eine An- alphabetenbevölkerung, an die keine Zeitung, kein Flugblatt herankommt, eine„rucki« inckiKestnque moles", eine rohe und unbewegliche Masse dar, die der plumpesten Demagogie. dem heillosesten Wahlschwindel auf den Leim geht und das geeignetste Objekt jeder Wahlkorruption ist. Denn KorruptionundTerror heißt das Zeichen, in dem Balkanwahlen stehen. Für Rumänien gilt mehr denn je das Wort seines verstorbenen Staatsmannes C a r p: ..Gebt mir Präfekten und Gendarmen, und ich habe die Mehrheit!" Der 7. Juli brachte dem Land ausgesprochene Gendarmenwahlen. An die Spitze der Gendarmerie wurde eigens ein zuverlässiger General gestellt, der alle Komman- danten und Offiziere wissen ließ, Wunsch des Königs sei, daß die Wahlen eine starke liberale Mehrheit ergäben. Das genügte. Indem oppositionelle Kandidaten verhaftet, oppositionelle Versammlungen verhindert, oppositionelle Agitatoren mißhandelt, oppositionelle Dörfer von jedem Ver- kehr abgeschnitten, oppositionelle Wähler dem Wahllokal ferngehalten wurden« bewährte sich die Gendarmerie prächtig als Wahlhelfer B r a t i a n u s. In Bulgarien am 29. Mai ein ähnliches Bild, auf der ganzen Front der„weiße Schrecken" für das Regime L j a p t s ch e w tätig. Als in der Thronrede der König von der Gesetzlichkeit der Wahlen sprach, unterbrach der Führer der Sozialdemokraten, S a k a z o t: „Das ist nicht wahr! Das ganze Volk ist empört über die Gewalttaten der Regierung!" Auch für Südslawien stellte unser Belgrader Parteiblatt unlängst fest, daß bei den letzten Wahlen ein gutes Drittel der Abgeordneten durch Gewalttat und Korruption in die Skupschtina gelangt sei, und, obwohl für den 11. September alle Welt stürmisch freie Wahl heischt und der Ministerpräsident freie Wahlen versprichst wird es nicht ohne Terror abgehen. Der ganze Verwaltungsapparat ist zu sehr auf die Beeinflussung der Wahlen eingespielt, als daß er sich durch einfachen Druck auf den Knopf abstellen ließe; auch das in großen Landesteilen wie Bosnien, Herze- gowina, Wojwodina und zum Teil auch Kroatien-Slawonien sich die Gemeinden immer noch nicht selbst verwalten, sondern von Regierungskommissaren verwaltet werden, schafft eine Grundlage für Korrektur des Wahlglücks durch den Polizei- knüttel. Freilich wagt sich auch auf dem Balkan der Wahlterror nicht überall hervor. In den kulturell fortgeschritteneren Gebieten, namentlich in den großen Städten, spielt sich der Wahltag ganz manierlich ob. Darum heimsten in Czernowitz mit seiner entwickelten Bevölkerung die rumäni- schen Liberalen kaum ein Viertel der abgegebenen Stimmen ein, auch in Sofia fiel die bulgarische Regierungsklique schmählich unter den Tisch, aber auf dem flachen � a n d e ging es heidi!, und ebenso wird am 11. September die Polizei in Belgrad, in Agram und in Slowenien kaum die Wahlen stören, aber Macedonien, das weniger das Land des Weins und der Gesänge als das Land des Weinens und der Senge ist, mag sein blaues Wunder erleben. Durch die Zusammenwirkung solcher Umstände und Mittel kommen groteske Ergebnisse heraus wie in Rumänien wo die Partei Averescu im letzten Jahr, als sie die Wahlen„machte", 52 Proz. aller Stimmen und 270 Mandate, jetzt, da die Liberalen die Wahl„machten", nur 1,84 Proz. der Stimmen und 0 Mandate erzielte, oder wie in Bulgarien, wo sich der Regierungsblock mit 45 Proz. der Stimmen 167 von 271 Sobranjesitzen holte. Auch für Südslawien besteht kein Zweifel, daß der am Ruder befind- lichen Koalition, Radikalen und Demokraten samt den slowenischen Christlichsozialen, die Mehrheit zufallen wird. Unter diesen Verhältnissen reitet die Sozialdemo- k r a t i e Attacken auf sumpfigem Boden, aber sie reitet. Die rumänische Partei mußte zwar auf ein Mandat verzichten, doch verzeichnete sie in der Bukowina beträchtlichen Stimmen- zuwachs, die bulgarischen Sozialisten schnitten mit der Be- hauptung von zehn Sitzen nicht schlecht ab, und da auch die südslawische Sozialdemokratie forscher ins Zeug geht als das letzte Mal, wird es wohl am 11. September mit der„so- zialistenreinen" Skupschtina aus sein. Aber im Ganzen ist in dieser Ecke Europas nur vom Fortschreiten der Wirtschaft- lichen Entwicklung etwas zu erwarten. �entrumsgeöankengänge. Reichsbanner, Zentrum und Bürgcrblock. Die deutschnationale Presse ist über den Ausgang der Zentrumskonserenz über die Stellung zum Reichsbanner enttäuscht. Ebenso enttäuscht wie seinerzeit über den Aus- gang der hochnotpeinlichen Untersuchung gegen W i r t h. Heute wie damals hat ihre Scharfmacherei nicht zu dem erträumten Ziele geführt. Die von uns bereits wiedergegebene Mitteilung über den Ausgang der Zentrumsbesprechungen wird von einer dem Zentrum nahestehenden Korrespondenz durch folgenden Bericht ergänzt: „Wie wir dazu erfahren, war die Aussprache in der Haupt- fache von folgenden Gesichtspunkten beherrscht: 1. Das Reichsbanner ist gegründet worden als freiwillige Schutzwehr der deutschen Republik zur Abwehr gegen die Tätig- keit der lange vorher entstandenen starte feindlichen Organisationen. Dieser Gründungszweck bestimmt seinen überpartei- lichen, rein staatsbürgerlichen Charakter, und diese Zielsetzung umgrenzt seinen Tätigkeitrberelch. 2. Weil nicht parteipolitische, sondern nur vaterländische und staatsbürgerliche Interessen zum Zusammenschluß im Reichsbanner geführt haben, stellt das Reichsbanner eine selbständige, von parteipolitischer Führung unabhängige und parteipolitischen Beeinflussungen unzugängliche Organisation dar. 3. Die Reichsbannermitglieder, die sich parteipolitisch zum Z e n- t r u m bekennen, sind dem Reichsbanner als Staatsbürger beige- treten, ohne dadurch die Partei zu verpflichten oder f e st z u l e g e n. Die Zentrumspartei ist darum auch niemals für irgendein« Handlung des Reichsbanners verantwortlich. 4. Die Zentrum-mitglieder des Reichsbanners anerkennen ihre Verantwortlichkeit der Zentrumspartei gegenüber und halten es für ihre selbstverständliche Pflicht, darauf hinzuwirken, daß auch im Reichsbanner die Grundsätze der Zentrumspartei nicht verletzt werden. 5. Die Entscheidung über Beibehaltung oder Beseitigung des Reichsbanners steht keiner politischen Partei, sondern nur einer voll verantwortlichen Regierung zu. die in der Lage ist, alle Folgen, die sich aus der Auflösung des Reichsbanners und selbstverständlich auch aller dem Reichsbanner als Gegner gegenüberstehenden Orga- nisationen ergeben, auf sich zu nehmen. 6. Die Reichsregierung und die Landesregierungen sollten sich dafür einsetzen, durch die Entfernung der republikfeindlichen Orga- nisationen auch die Notwendigkeit des Weiterbe st an- des des Reichsbanners zu beseitigen. Es wäre zu be- grüßen, wenn der Zeitpunkt der berechtigten Auflösung des Reichs- banners bald gekommen wäre. 7. Solange das Reichsbanner notwendig ist, sollten ihm m ö g- lichst viele Mitglieder der Zentrumspartei an- gehören, um die Wahrung des unverfälschten Reichsbannercharatters zu gewährleisten. Nicht kritisieren, sondern mitarbei- ten ist Pflicht aller, die verhindern wollen, daß aus dem deutschen Reichsbanner ein österreichischer republikanischer Schutzbund wird." Diese Gedankengänge atmen sehr stark den G e i st de r V e r l e g e n h e i t en, die dem Zentrum durch seine Stellung an der Seite der Deutschnationalen im Bürgerblock ent- stehen, und lassen sehr wenig erkennen von dem Schwung des Bekenntnisses zur Republik, der das Reichsbanner beleelt. Das Reichsbanner ist nicht nur eine reineZweckmäßig- teitsorganisation, es ist eine überparteiliche Organi- sation zur Pflege und Propaganda republikanischer Staats- g e s i n n u n g, der Liebe zur Republik und zur demokra- tischen Verfassung, sichtbarer Ausdruck des Wachsens republikanischer Staatsgesinnung über Parteigrenzen hinaus. Uns scheint, daß man über politisch-taktischen Nöten des Augenblicks im Zentrum diese nicht ganz belanglose Tatsache etwas übersehen hat. Es wäre eine gefährliche Illusion für Zentrumsführer, zu glauben, daß man durch Taktik G e- s i n n u n g ändern könne— die Gesinnung der Gemeinschaft und Kameradschaft in der Liebe zur Republik bei allen Reichsbannerangehörigen. Die„Germania" hat die taktischen Schmerzen gegenüber den großen ideellen Momenten etwas zu stark hervortreten lassen. Sie schrieb gestern: „Es muß aufhören, daß die Wortführer des Reichsbanners eine Regierung, In der auch das Z e n- trum vertreten ist, nicht etwa maßvoll kritisieren, sondern als einen Ausbund politischer Unfähigkeit und Un- fruchtbarkeit betrachten, wie das Herr Hörsing jüngst sogar noch in Magdeburg, nachdem der Protest der Zentrumsmitglieder bereits vorlag, fertig gebracht hat." Sachte, sachte! Hat Herr W i r t h es sich verbieten lasten, feine Meinung Uber den Besitzbllrgerblock offen, ehrlich, un- geschminkt zu sagen? Hat man aus dem Intermezzo Marx— Wirth so wenig gelernt? Bürgerblock ist Bürger- block, und seine Taten sprechen laut genug. Man schafft sie nicht durch die Parole aus der Welt: nur nicht davon reden! Und daß Sozialdemokraten nicht davon reden sollen, nun, man verzeihe uns, wir finden das ein wenig komisch. Dienftentiafluitg eines Beamten. Wegen schwerer Beschimpfung eincS Mitgliedes dcS StaatsministeriumS. Der Disziplinarhof für die nicht richterlichen Beamten hat am 27. Juni d. I.«inen Beschluß gefaßt, den der Amtliche Preußische Pressedienst seiner grundsätzlichen Bedeutung wegen im Auszug wiedergibt: Ein Beamter hatte durch«ine Aeußerung in einer Gastwirt- fchaft ein Mitglied des Staatsmini st eriums in maßlosester Weis« beschimpft, und zwar so laut, daß e» von an- wesenden Güsten gehört wurde. Das Disziplinargericht erster In- stanz ging davon aus, daß selbstverständlich ein Beamter in bezug auf andere Beamte, zumal auf Mitglieder der Staatsregierung. unter allen Berhällnissen ein achtungsvolles Verhalten an den Tag zu legen habe. Eine besonder« Pflicht seines Amtes mit diesem Inhalt bestehe ober nicht. Deshalb liege der Tatbestand des Z 2 Z i f f e r 1 des Disziplinargesetzes(Verletzung der durch das Amt auferlegten Pflichten) nicht vor. Dagegen habe der Angeschul- digte sich durch sein Verhalten außer dem Amte der Achtung. des Ansehens und Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt und dadurch gegen 8ZZlffer2a.a.Q« verstoßen. Es wurde auf Strafversetzung erkannt. Der Beamte der Staatsanwaltschast rügte mit der von ihm eingelegten Berufung, der Vorderrichter habe zu Unrecht das Vorliegen eines Dienstvergehens gegen§ 2 Ziffer 1 a. a. O. (Amtspflichtverletzung) verneint. Aber auch vom Standpunkte der ersten Instanz aus erscheine die verhängte Strafe— wie näher dargelegt wird— nicht als ausreichende Sühne. Es müsse auf Dienstentlassung erkannt zverden. Der D i s z i, plinarhof gab der Berufung statt. Zu den Pflichten, die jedem Beamten unmittelbar durch sein Amt auferlegt werden, gehört vor allem auf Grund des besonderen Treueoer� hältnisses, in welches er zum Staat und dessen oberster voll- ziehender und leitender Behörde(Artikel 7 der Preußischen Ve» fassung) getreten ist, die Pflicht, das Ansehen der oerfas- sungsmäßigen St a a t s r e g i e r u n g nach Kräften zu wahren und zu fördern. Ein Beamter, der durch Herab- Würdigung der Staatsregierung oder eines ihrer Mitglieder gegen diese Pflicht verstößt, macht sich somit eines Dienstvergehens im Sinne des Z 2 Ziffer 1 des Disziplinargesetzes schuldig. Unter Umständen kann aber eine Verletzung des§ 2 Ziffer 1 a. a. O. zugleich auch ein Vergehen gegen die im Z 2 Ziffer 2 gedachte Pflicht achtungswürdigen Verhaltens in oder außer dem Amt in sich schließen. Dies ist hier der Fall: denn der Angeschuldigte hat die gegen ß 2 Ziffer 1 verstoßende grob schimpfende Aeußerung in einer öffentlichen Wirtschaft vor den Ohren anderer Gäste gemacht und sich dadurch zugleich auch außerhalb seines Amtes der Achtung, des Ansehens und Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt. Indessen ist die Frage, gegen welche der Ziffern des§ 2 Abs. 1 des Disziplinargesetzes der Angeschuldigte durch sein Verhalten ver- stoßen habe, für die Bemessung der gegen ihn zu verhängenden Strafe ohne Bedeutung. Denn das Disziplinargesetz kennt, anders als das allgemeine Strafgesetzbuch, keine bestimmt umschriebenen einzelnen Tatbestände mit besonderem Strafrahmen und unter- scheidet hinsichtlich der S t r a f h ö h e insbesondere nicht zwischen Dienstvergehen im Sinne des§ 2 Ziffer 1 und solchen im Sinne des§ 2 Ziffer 2. Der Umstand also, daß abweichend von der An- nähme des ersten Richters in dem Verhalten des Angeschuldigten auch«in Verstoß gegen§ 2 Ziffer 1 des Disziplinargesetzes festzu» stellen ist, vermag allein eine Abänderung der im ersten Rechtszuge gegen ihn verhängten Strafe nicht zu rechtfertigen. Es kommt auf den Grad der Schwere der Verfehlung an. Diese ließ aber nach den Umständen des Falles die Dienstentlassung als geboten erscheinen. liberale unö ilabourpartp. Angebliches Koalitionsangebot Lloyd Georges. London, 26. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die sich seit Wochen in der Presse hinziehende Erörterung der Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit einer liberal-sozialisti- schen Regierungskoalition für den Fall, daß bei den nächsten Wahlen keiner Partei eine absolut« Mcchrheit zufallen sollte, hat durch eine Veröffentlichung des sozialistischen„New Leader", die in parlamentarischen Kreisen starkes Interesse erregt hat, neuen Anstoß erhalten. Nach dem„New Leader" habe Lloyd George folgende Bedingungen für die Unterstützung einer zukünf. tigen Arbeiterregiernng durch die Liberalen formuliert: 1. Minister. Präsident Philipp Snowden an Stell« Mac Donalds, 2. ein festes, auf 5 Jahre beabsichtigtes gemeinsames Arbeitsprogramm, 3. Lloyd George als Ackerbauminister, 4. 3— 4 weitere Minifterposten für die Liberalen. In der Arbeiterpartei wird an der Glaubwürdigkeit dieser Information stark gezweifelt. Der„Daily Herald" wendet sich in einem Leitartikel gegen jeden Koalitions- gedonken und vertritt die Auffassung, daß die Arbeiterpartei so- lange kämpfen müsse, bis sie die vereinigten Kräfte des Feindes zu schlagen vermöge. Rußlands Fiasko in Südchina. Der Sowjetbevollmächtigt« B o r o d i n ist von Hankau über die Mongolei nach Rußland ab- gereist. Die Zahrt ins Lanö Ser Sehnsucht Endlich, endlich ist der Tag der Abreise gekommen. Lange schon vor der angesetzten Zeit treffen die kleinen, erholungsbedürftigen Großstadtjungens und-mädels mit ihren Müttern mitsamt schwer- geladenen Paketen und Kosfern auf dem zur Sammlung vor- gesehenen Schulhof ein. Die Sonne hat ihre ganze Glut über die enge Stadt ergossen. In langem Zuge, wohlgeordnet zu Viererreihen, gehts dann durch hohe Steinmauern, der Heimat dieser Kleinen, zum Bahnhof. Und sie führen, wie bei einer richtigen Demonstration, große, weihe Transparente mit sich.„Nach Ahlbeck",„Nach Swinemünde", „Nach Zinnowitz",„Nach Earlshagen" und anderen Ostseeorten ist da zu lesen. Die Menschen der ewig geschäftigen Stadt halten inne, lassen den langen Zug an sich vorüberziehen, musternd die kleinen, blassen, hohlwangigen Gesichter. Die Kinder beschleunigen ihre Schritte und schauen in innerer Erregung nicht rechts noch links. Echte, tief« Freude aber flammt in Kinderblicken. In den Wald und an die See— wie viele erleben zum erstenmal ein Stück Erfüllung ihrer Sehnsucht. Vor dem Bahnhof hat die Schupo Arbeit in Hülle und Fülle. Wagen, Autos, Straßenbahnen stauen sich links und rechts. Da auch blicken Grohftadtjungcn zum erstenmal verwundert auf. Ihnen gilt heute dies Vorrecht. Im Sturm werden dl« bereitgestellten Wagen des Sonderzuges von den Burschen und Mädels genommen. Jeder und jede will einen Fensterplatz erwischen. Und dann kommen Mütter und Väter, Geschwister und Anverwandte, um Abschied zu � nehmen. Es hagelt Ratschläge. Ermahnungen. Belehrungen. Die Transportleiter und-begleiter bekommen gleichfalls eine große Serie von Wünschen für„ihr" Mädel, für„ihren" Jungen mit auf die Reise. Noch einmal letzte Küsse und Händedrücke. Der Zug fährt lang- sam zum Bahnhof hinaus. Ein tausendfältiges Tücherjchwenken vom und-zum Zuge. Der Zug rattert und rumpelt über unzählige Weichen aus Großstndtenge in weites sonnendurchflutetes Land hinaus. Und nun kommt im Zug« die große Atzung. Seit Stunden haben sie nichts genossen. Brote. Kuchen. Schokolade, Obst, Bonbons. Getränke folgen in buntester Folge. Don allem Guten und Schönen. das die Mutter ihrem Liebling mit auf die Reise gegeben, wird gekostet, wenn auch der Hunger längst schon gestillt ist. Wie sie dann plötzlich aufmerken, sind sie schon weit, weit draußen. An Wiesen und Feldern und Wäldern. Dörfern und Flecken gehts ratternd vorbei, den, Ziele wochenlanger Sehnsucht zu.„Wie lange fahren wir noch?" ist die immer wiederkehrende Frage. Doch auch die Stunden schwinden. Freundschaften find inzwischen allenthalben schnell geschlissen. Ein Junge hat sich von semer Fiedel nicht getrennt und so geigt er munter darauf los; die Mädels stnge» mit. Wieder kehrt dann die Frage„Wie lange fahren wir noch?" Einige haben sich Lesestoff mitgebracht und versuchen sich darin zu vertiefen. Dennoch bleibt es bei den Versuchen, wieder und wieder streift der Blick ins Land hinaus und schließlich wird nach ein paar Seiten das Buch oder Heftchsn beiseite gelegt. Wieder wird„gefuttert" und immer sind sämtliche Fensterplätze umstellt. Das Schauen nimmt kein Ende. Und immerfort und immer weiter rattert der Zug, Stunden um Stunden. Die Sehnsucht der Kinder aber eilt ihm weit voraus. * Ich sitze inmitten dieser spannunggeladtncn, lebensoffenen Kinderjeelen. Da sprudeln Heimatklänge und Erwartung des Neuen, Fremden, Schönen bunt durcheinander. I« weiter ins Land wir fahren, je mehr die Stadt verklingt. Di« Wochen des Erholungs- aufenthalts an der Ostsee dünken ihnen noch wie eine Ewigkeit. Mit der ganzen unverbrauchten Kraft ihrer Jugend ist ihr Sinnen auf das Neu« gerichtet. Für Viele wird es sicherlich das einzige große und schöne Erlebnis ihrer Jugend werden. Und in Gedanken bin ich dann auch wieder bei all den vielen, vielen anderen, die nicht von Jugendämtern und Eltern hinausgeschickt werden können, deren Heimat die enge Behausung, der dumpfe Hof und das graue Meer der Straßen ist. Soziale Verkettungen, in deren Dann unsere Großstadtjugend verstrickt ist, werden sichtbar und mahnen ernst und gebieterisch zu unablässigem Schaffen. Alle Kinder brauchen Licht und Lust und Freuds! W i b i. öergbenennung. Italienische Faschisten geben bekannt, daß sie den höchsten Gipfel des Montblanc auf italienischem Gebiet demnächst in„Benito Mussolini" umtaufen werden. Wir finden die Idee der Be- nennung von Bergen nach Staatsmännern und Politikern außer- ordentlich nachahmenswert und unterbreiten vorläufig folgend« Vorschlag« zur Umbenennung von Bergen nach führenden deutschen Persönlichkeiten: Meißner(Hessen) Reichspräs. v. Hindenburg Jungfrau(Berner Oberland),.», Abg. Gertrud Bäumer Mythenstein(Schweiz) Großadmiral v. Tirpitz Nebelhorn(Allgäu)....... Reichswehrminister Geßler Faulhorn(Berner Oberland).-.. Transportarb. Thälmann Mönch(Berner Oberland)..... Kronprinz Wilhelm Fluchthorn(Rhätikon)...... Wilhelm II. Lilienstein(Sächs. Schweiz),... Minister a. D. Külz Katzenbuckel(Odenwald)...... Hofpred. Vogel, Potsdam Keilberg(Erzgebirge)....... Adolf Hitler Zufallsspitze(Ortler)....... Sachs. Ministerpräs. Heidt Rachel(Bayerischer Wald)..... Wulles Großmutter Ochsentopf(Fichtelgebirge)».,., Mehrere Anwärter i.Aus- wärtigen Amt Weitere Bergbenennungen behält sich vor Mich v. Lindenhecke». Die Volksbühne bietet in der kommenden Spielzeit wieder jedem Mitglied sechs bis sieben Vorstellungen in ihren beiden eigenen Häusern, dem Theater am Bülowplatz und dem Theater am Schisfbauerdamm, außerdem zwei Ausführungen in der Staatsoper am Platz der Republik und drei bis vier Vorstellungen, die sich auf das Staatliche Schiller- und das Thalia-Theater verteilen. Die neu eingerichteten Sonderabteilungen bringen lediglich Vorstellungen im Theater am Bülowplatz und der neuen Piscator- Bühne. Mitglieder, die aus der Abteilung, der sie bisher angehörten, in«ine Sonder- abteilung übertreten wollen, müssen das gleich bei der Abgabe der alten Mitgliedskarten angeben. Neuanmeldungen werden für sämt- liche Abteilungen schon jetzt bei allen Zahlstellen entgegengenommen. Ein Forschungsinstilui für Zeltmeßkunde. Di« Gesellschaft für eitmehkunde und Uhrentechnik plant die Errichtung eines orfchungsinftituts. Nun ist die württembergische Stadtgemeinde Schramberg dahin vorstellig geworden, daß das Institut an diesem Zentrum der deutschen Uhrenindustrie seinen Sitz bekomme. In Schramberg soll auch eine Sternwarte und ein« Prüfstelle eingerichtet und das beim Landesgewerbeamt in Stuttgart befindliche Uhren- museum dorthin wenigstens leihweise zurückgegeben werden. Der Finanzausschuß des Württembergischen Landtags hat beschlossen, dahin zu wirken, daß die entsprechenden Schritte bei allen in Betracht kommenden Stellen unternommen werden. Shakespeare im Dialekt. In Italien wird jetzt Shakespeare in die Mundart der verschiedenen Provinzen übertragen. Eine Be- arbeitung der„Gezähmten Widerspenstigen" im toskanischen und im römischen Dialekt ist bereits vorhanden. Wie die„Literarische Welt" meldet, ist jetzt der„Kaufmann von Venedig" im venezialnischen Dialekt aufgeführt worden, und hat einen großen Erfolg bei Publikum und Presse gehabt. Fledermäuse als Gesundheitspolizei. Die Stadtverwaltung von Klosterneuburg in Oesterreich hat beschlossen, 200 000 Fledermäuse einzuführen, um ihre Badeanlagen an der Donau von den Schnaken zu säubern. Es soll ein besonderer Fledermausturm errichtet werden, um sie zur Dauersiedlung zu bewegen. Erklaruag. In dem Artikel„Landarbeiterkuh und Reichstanzlerkuh"(Nr. 90 des„Vorwärts" vom 23. Februar 1927) fft behauptet worden, der ehemalige Reichskanzler Dr. Michaelis habe als preußischer Er- nährungsminister wählend des Krieges sich und einigen seiner Be- amten Milch und Weizenmehl auf ungesetzlichem Wege beschafft. Nachdem wir uns überzeugt haben, daß diese Behauptungen den Tatsachen nicht entsprechen, zögern wir nicht, die in dem Artikel gegen Herrn Dr. Michaelis erhobenen Beschuldigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen. Feuilletonredaktion des„Vorwärts". Na« aeue«uasifprache. Reden Esperanto und Ida wird jetzt für eine neue Internationale Jprache, das Occidental, geworden. Die Sprache stammt von dem Pros. Edgar de Wahl in Reval. der sie nach Mjährigen wigenschaflltchen Sprachstudien zusammengestellt hat, Unwetter unö Ernteschäöen. Vielfach hört man die Befürchtung laut werden, daß die so ungewöhnlich kühle Witterung der letzten Monate und die zahl- reichen Unwetter den Ernteertrag beeinträchtigen werden. Auch der K l e i n s i e d l e r, dessen Kartosfelland für kurze Zeit unter Wasser gestanden hat, ist geneigt, aus dem bisher un- befriedigendem Wachsen der Gemüse pessimistische Schlüsse auf seine Ernte zu ziehen. So beklagenswert die Opfer sind, denen die Wasser- und Hagelmassen das bestellte Land verheert haben, so ist glücklicherweise hinsichtlich der Gesamternte zu Be- fürchtungen kein Anlaß. Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen bestehen im preußischen Staatsgebiete vier Komplexe, die eine Hilfe erheischende Verwüstung erfahren haben. Am s ch l i m m st e n sehen die Dinge im Spreewald nebst Vorland aus, was um so beklagenswerter ist, als bereits im Borjahre das Spreewaldgebiet unter Hochwasser stand, so daß im Mai gemähtes Gras erst im September geborgen werden konnte. Ein zweites Gebiet umfaßt die von der Elbe durch- flossenen Landstriche, Teile der Altmark sowie des R e- gierungsbezirks Lüneburg, die Kreise Bleckede, Dannen- berg und Lüchow, sowie der Kreis Westhavelland. Pommern ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, dann aber vor allem wieder Schlesien, das auch im Vorjahre eine Wetterkatastrophe schlimmster Art durchgemacht hat. Damals betrug der Schaden nicht weniger als 130 Millionen Mark, von denen 4? Millionen durch Staats- und Reichshilfe gedeckt wurden. Der diesjährige Schaden dürfte glücklicherweise ein geringerer sein. Zu diesen größere Gebiete betreffenden Katastrophen kommen noch schwere Hagelschäden, die folgende Gegenden betroffen haben: in Schlesien die Kreise Liegnitz und Laubau, im Regierungsbezirk Trier zahlreiche Weinberge, ferner Teile von Ostpreußen und West- falen. Staatliche Hilfe hat überall eingegriffen: der Landtag hat ebenfalls die Notwendigkeit rascher Unterstützung der Regierung ans Herz gelegt. Das erhoffte gute Wetter kann auch da. wo eine zeitweise Ueberflutung des Landes stattfand, viel gutmachen: unser märkischer Boden namentlich kann viel Wasser ver- tragen. Die E r n t e ist im vollen Gange, sie sieht nicht u n- befriedigend aus. Auch für die Kartoffeln zeigt das Aussehen der Felder gutes an. Die Hauptsache ist natürlich, daß das Wetter einigermaßen beständig wird, damit die Erntearbeiten sich nicht schließlich so drängen, daß die Gefahr des Erfrierens ein- treten kann. Ist doch die ganze Entwicklung alles Gepflanzten in diesem Jahre um nahezu einen Monat zurück! Gelüsthrankknacker. Die verhängnisvolle Dachpromenade. Wie fast immer am Monateschluß haben in der vergangenen Nacht die Geldfchrankeinbrecher auch diesmal an mehreren Stellen Beutezüge unternommen. Eine Kolonne suchte die Tiefbau-Aktiengesellschaft Julius B e r g e r in der Potsdamer Straße heim. Den Anmarschweg wählten sie durch die ausgedehnten dunklen Gärten, die in jener Gegend auf dem Hinterland liegen. Sie überkletterten eine Trennungsmauer, öffneten mit Dietrichen und Bleistreifen die Tür und drangen bis zum Kontor im 3. Stock vor. Hier wurde die Tür mit Gewalt aufgebrochen und ein Geldschrank aufgeknabbert. Die Verbrecher erbeuteten 10000 Mark bares Geld. Unter den verschiedenen Aktienpaketen, die der Schrank noch barg, wählten sie außerdem 20 Stück der Julius Berger-Aktiengesellschaft mit den Nummern 82 046 bis 82 060 und 82 299 bis 82 300. Ver- mutlich sind sie auf demselben Wege zurückgekehrt, auf dem sie kamen.— Mit leeren Händen mußte eine zweite Bande abziehen, von der ein Mitglied auch noch„verschütt ging". Ihr Ziel war der Geldschrank der Krankenkasse der Berussgenossenfchaft der Metallarbeiter in der Gartcnstraße 16/16. Da das Grundstück an der Straßenseite gut bewacht ist, so mußten die Verbrecher eine halsbrecherische Klettertour über die Dächer unternehmen. Bom Dach des Nachbarhauses deckten sie einige Ziegel ab, stiegen durch die Oeffnung aus und krochen in der Regenrinne entlang, bis sie an das Haus Nr. 16/16 gelangten. Auf der Straße hatte aber ein junger Mann mit regem Jntereffe die Kletterkünste beobachtet. Da er an„Mondsüchtige" nicht glauben konnte, so benachrichtigte er das 6. Polizeirevier. Die Beamten besetzten die Grundstücke und verfolgten die Verbrecher auf ihrem Wege. Während zwei entkommen konnten, wurde der dritte Mann in der Regenrinne erwischt. Er flüchtete auf den Boden, konnte hier aber gestellt und festgenommen werden. Es ist der 43 Jahre alte Otto Lange aus der Tegeler Straße, der dem Sonderdezernat L. 6 schon gut bekannt ist. Seine Komplizen will er natürlich nicht kennen. Der Existenzkampf der Markthändler. Der Reichsverband ambulanter Gewerbe- treibender Deutschland» hatte die Berliner Markt- Händler zu einer öffentlichen Versammlung nach dem Rosenthaler Hof aufgerufen. Genosse S e i p e l behandelte in seinem Vortrage den Verkauf von Textilwaren auf den Wochenmärkten und zeigte an Beispielen, daß die Gegner der Wochenmärkte unablässig bemüht sind, den Verkauf dieser Gegenstände aus den Wochenmärkten zu unterbinden. Da hierdurch die Existenz vieler tausend kleiner Gewerbetreibender vernichtet wird, so ist es Ausgabe der Markt- Händler und ihrer Organisation— des RaGD.— dafür Sorge zu tragen, daß in der gegenwärtig in Bearbeitung befindlichen neuen Marktordnung Textilwaren aufg-nommen werden, wie es bisher leider nicht in allen Marktordnungen Groß-Bcrlins der Fall war. Die Stellungnahme des Einzelhandelsausschusses der Berliner Industrie- und Handelskammer dem Markthandel gegenüber besprach Genosse Brendel, der an.'inigen Beispielen den gegnerischen Standpunkt dieser Instanz dem ambulanten Gewerbe gegenüber zeigte. Einmütig wurde von der Versammlung entschiedener Kampf gegen die Lahmlegung des ambulanten Gewerbes gefordert. Eine in diesem Sinne gefaßte Resolution, die gleichzeitig den RaGD. als zuständige Interessenvertretung bezeichnet, wurde einstimmig angenommen und beschlossen, sie allen zuständigen Stellen, wie Bezirksausschuß, Polizeipräsidium, Handelskammer, Magistrat usw. zuzustellen. Umtausch nicht gestattet. Die Rechnung ohne den Wirt, hatte ein Dieb, der gestern in einem Warenhaus erwischt und festgenommen wurde, gemacht. Als die Angestellten morgens erschienen und alle Räume aus. schlössen, fiel ihnen auf, daß an den Toiletten im 4. Stock, die während der Nacht ebenfalls verschlossen werden, jemand vergeb- liche Versuche zum Oesfnen der Tür gemacht hatte. Es mußt« also ein Fremder noch drinnen sein. Auf einer Art Hängeboden über den Toiletteräumen erwischte man denn auch den Eindringling. einen 26 Jahre alten Uhrmacher Emil Spitz. Er hatte sich am Abend eingeschlichen und nicht damit gerechnet, daß man die Klo- setts auch abschließen werde. Bei seiner Vernehmung durch die Kriminalpolizei gestand er ein, daß er schon im vergangenen Monat zweimal zur Nachtzeit in dem Kaufhaus gewesen sei. Er hatte sich einschließen lassen und in der Schmuck- und Bijouterieabteilung die silbernen Zigarettenetuis gestohlen und da- für solche aus Alpatka hingelegt. So wurde der Diebstahl erst entdeckt, als Herr Spitz schon wieder verschwunden war. Während die Beamten noch die Wohnung des Verhafteten durchsuchten, ertönten auf der Straß« mehrere laute Pfiff«. Man spähte vorsichtig aus dem Fenster und erblickte unten einen Mann, der erwartungsvoll nach Spitz' Fenstern hinaussah. Auch dieser Pfeifer wurde sestgenommen. Es war der Helfershelfer des Uhr- machers, der sich in aller Morgenfrühe schon eingefunden hatte, um die„Sore" in Empfang zu nehmen und zu versetzen. r Ein Tummelplatz bei Unserem verstorbenen Genossen B o r g m a n n ist es zu danken, daß er sich in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter uner- müdlich für die Schaffung von Außenfpielplätzen«ingesetzt hatte, daß im Jahre 1909 die ersten Außenspielplätze der � Stadt Berlin eröffnet werden konnten. Viele Widerstände waren zu überwinden. Heute versügt die Stadt Berlin über e l f Außenspiel- plätze, von denen zwei in Blankenfelde und die anderen in Buch, War.enberg, Wuhlheide, Jungfernheide, Treptow(Pläntcrwald), Sadowa, Dahlem und in E i ch k a m p liegen. Kurz nach 7 Uhr früh finden sich die Kinder auf den Sammel- Plätzen ein und fahren mit der Eisenbahn, Straßenbahn und Unter- grundbahn hinaus. Es ist zu bedauern, daß sich die Straßenbahn im Gegensatz zur Untergrundbahn, die auch den Nachzüglern, wenn sie einen Ausweis besitzen, freie Fahrt gestattet, sehr unkulant zeigt. Es gibt— leider!— genug Kinder, die morgens Zeitungen austragen müssen____ Begleitet werden die Kinder von den Lehrern, die auch auf den Plätzen die Spiele leiten und die Aufsicht führen. Allein das große Waldgelände von Eichkamp, das unweit des Bahnhofes Heerstraße liegt, wird jeden Tag von etwa 1600 bis 2000 Kindern besucht. Die Leiter, meist stellungslose Junglehrer, klagen lebhaft darüber, daß die Schulen vor Ferienbeginn für die Ferienkolonie nur ungenügend Propaganda gemacht haben, denn normalerweise mühten doppelt soviel Kinder auf den Plätzen sein. Die Teilnahm« ist jedem Kinde möglich, weil diejenigen, deren Väter arbeitslos sind, «ine Freikarte erhalten. Der W o ch e n p r e i s für ein Kind beträgt 1,5 0 M. oder 30 Pf. pro Tag, für jedes zweite Kind 76 Pf. oder 16 Pf. pro Tag und vom dritten Kinde ab ist die Teilnahme kostenlos. Die Kinder erhalten neben der freien Fahrt zum Frühstück Kaffee oder Kakao, als Mittagessen Gerichte von Hülsenfrüchten oder Reis und Grieß mit Fleischzugaben, und zum Vesper Kaffee mit zwei Schrippen. Hierbei soll bemerkt werden, daß die Kinder vor dem Kriege zum Frühstück frisch« Milch erhielten. Zugunsten der daheimgebliebenen, oft mangelhast ernährten Kinder soll die Forderung erhoben werden, daß die Stadt auf den Ferienspielplätzcn auch künftig wieder Milch, die sie von den Stadtgütern holt, ausschänken läßt. In einer großen Küche werden die Mahlzeiten in vier riesigen Kesseln zubereitet und von den Lehrern mit Hilfe der freiwilligen Helfer abgeholt. Neben der Mche liegen die Wirtschaftsräume, das Zreibaüwünsthe. Das Seebad der großen Masse am Wannsee, das an heißen Sommertagen Tausenden und aber Tausenden Ber- linern Kühlung und wassersportliches Vergnügen bereitet, ist häusig Gegenstand von vielen unterschiedlichen Wünschen der Vadebesucher gewesen. Manchmal mit Recht, oft ist es aber auch wirklich nicht möglich, solch riesenhaften Betrieb— es gibt Tage, da 26 000 bis 30 000 und mehr Menschen das Bad aufsuchen— allen Einzclwünschen anzupassen. Der einzelne formt den Wunsch nach seinen rein persönlichen Bedürfnissen und vergißt aber hierbei, daß viele Tausende Badender ebenfalls allerlei Wünsche hegen und daß somit, auf daß keiner zu kurz komme, irgendein Ausgleich ge- schassen werden muß. So wird in letzter Zeit der srühe Schluß der Badekasse bemängelt. Nachdem nun das Bad um 21 Uhr ge- schloffen werden muß, so ist es natürlich, besonders an starken Be- suchstagen, unbedingt erforderlich, die Kasse eine Stunde vorher zu schließen, um den vielen Tausenden Gelegenheit zum Ankleiden und Verlassen des Bades zu geben. Daß hierbei konsequent vorgegangen werden muß, ist leicht erklärlich und die Badeverwaltung, die nach Kassenschluß noch Abrechnung zu machen hat, müßte im anderen Falle„Nachtbetrieb"«inführen. Schließlich will das Badepersonol. das von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends auf dem Posten ist, auch zur Ruhe kommen. Man soll sich also das schöne Badeleben nicht mit Fragen vergällen, die nun mal. im Interesse der Allgemein- heit, nicht zu ändern sind. Was die Stranddekoration mit Papier- und Speiseresten anbelangt, so stehen dem Publikum nach Angabe der Badevcrwaltung zu deren Verhütung 160 Papier- körbe zur Berfügung, denen in nächster Zeit weitere 100 folgen sollen. Aber der Berliner ist doch mal fürs„Dekorieren", und wenn bei solchen Massenansammlungcn auch nur einig« den Weg zum Körbchen verschmähen, dann kommen immerhin schon allerhand Papierhaufen zusammen. MMHlilM M MWMOW am Montag, dem t. August, abends Iv Uhr, auf dem Wittenbergplatz: Gegen Krieg und Kriegsgefahr! Für Frieden und Sozialismus! Sammelplätze: 1. kleiner Tiergarten: Abmarsch 18 Uhr. 2. Dennewihplatz: Abmarsch 1Ss4 Uhr. 3. Aonlanepromenade: Abmarsch 18 Uhr. 4. Stuttgarter Platz. Eharlollenburg: Abmarsch 18#! Uhr. 5. Aehrbelliner Platz, Wilmersdorf: Abmarsch 18 Uhr. 6. Kudols-WUde-plah. Schöneberg: Abmarsch 18s4 Uhr. 7. Sozialistische Arbeiter-Jugend: hochbahnhos pülowstraße. Abmarsch: 18ü Uhr. Marschstratzen: vom kleinen Tiergarten: Strom-, Lessing-, Klopstock-, Berliner Straße, Gartenufer, Fasanen-, Lietzenburger, Ranke-, Augsburger. Nürnberger, Taucntzienftraße, Wittenbergplotz. vom Dennewihplatz: Bülow-, Kleiststraße, Wittenbergplatz. von der Aontanepromenade: Fontanepromenad«, Gneifenau-, Dorck-, Bülow-, Kleiststraße, Wittenbergplatz. vom Stuttgarler Platz: Kaiser-Friedrich-, Kant-, Grolman-, Uhland-, Lietzenburger, Ranke-, Augsburger, Bayreuther Straße, Wittenbergplatz. vom Fehrbclliner Platz: Hohenzollerndamm, Regensburger, Neue Ansbacher, Ansbacher Straße, Wittenbergplatz. vom Rudolf-wilde-plah: Rudolf-Wilde.Platz, Salzburger, Bayerischer Platz, Aschassenburger, Prager Platz, Prager. Nürn- berger Platz, Nürnberger, Augsburger, Ansbacher Straße, Witten- bergplatz. Sozialistische Arbeiterjugend vom hochbahnhos Bülowfirahe: Bülow-, Kleist-, Auysburger, Bayreuther Straße, Wittenberg. platz. Ansprachen hallen die Genossen R e i n b ol d- Mannheim, Otto Meier, Hermann Harnisch. Hermann L e m p c r t, Carl L i t k e, Ludwig D i e d e r i ch. Die Züge benutzen zum Rückmarsch unter Musikbegleitung die- selben Straßenzüge wie beim Hinmarsch und lösen sich dann auf den Sammelplätzen auf. Fahnen und Bonner mitbringen! 5p Daheimgebliebenen. Häuschen für den Leiter, die Regenhallen und die Aborte. Leider fehlt es an Regenhallen mit genügender Sitzgelegen- heit. Sehr traurig aber ist es um die A b o r t e bestellt, die sehr primitiv sind. Man braucht die langgestreckten Holzhäus-chen, in denen die Sitzlöcher reihenweise nebeneinander liegen, nicht mit der Laterne suchen— ihr„Duft" weht, je nach der Windrichtung, weit über den Platz. Sie eignen sich nicht nur für den Nestbau der wilden Karnickel, die unter den Abort- anlagen rudelweis« Hausen, sondern auch für die Verbreitung von Krankheitskeimen. Und noch ein« andere Anlag« liehe sich mit sehr geringen Mitteln herstellen: ein Sand- und Buddel. platz für die Kleinen! Wäre er da, könnten sich Hunderte von Kindern allein beschäftigen, und auch die Aufsichtspersonen, die überall und n-rgends sein sollen, entlastet werden. Abgesehen von den gezeigten Mängeln stellt Eichkamp einen idealen Ferien- platz dar. Mit Gesang ziehen die Kinder aus Schöneberg, Friedenau, Moabit und den südwestlichen Stadtteilen am frühen Morgen ein und genießen den ganzen Tag über den Sonnenschein und die gesunde O z o n l u f t des Kiefernwaldes. Braungebrannt balgen sie sich in Sand und Gras oder spielen Völkerball, ein Spiel, das in Eichtamp am beliebtesten ist. Die einzelnen Schulen suchen ihre besten„Werfer" und„Fänger" aus und heiß« Kämpfe entbrennen um die Meisterschaft von Eichkamp. Großes Gaudium gibt es, wenn„gespritzt" wird. Dann geht der Oberleiter zur �.Brause"(eigenes Patent!) und das kühl« Naß regnet über eine jubelnde Schar. Mit besonderem Stolz aber blicken die„Eich- kämpler" aus ihre Freilichtbühne, die für einen Groschen die schönsten Waldbodcnparkettplätze vergibt. Wer den Groschen nicht hat, kommt aber auch„rein". Der Groschen macht dem Oberleiter immer erneute Sorgen: er muß aber erhoben werden, weil die Stadt für die Unkosten, die die Aufführungen verursachen, keine Mittel gibt. Letzthin hatte man die Eltern eingeladen und ihnen das Märchenspiel„Schneewittchen" vorgespielt. Mucks- mäuschenstill war es, als sich der lilafarben« Borhang teilte und das Spiel von der bösen Königin und dem guten Schneewittchen mit den sieben Zwergen vor sich ging. Ein feines Spielchen war es, für das mit stürmischem Beisall gedankt wurde. Besonders be- geistert waren die Kinder von dem„Orchester": zwei Junglehrer saßen am Rande der Bühne und der eine klampfte, während der andere die Fiedel strich. Es war ein goldener Tag und niemand wollte weg, als der Oberleiter mit der Trompete das Abschieds- fignal blies. Die Freibäder In Oberschöneweide, Haltestelle der Straßenbahn- linien 87, 95 und 187 und in A d l e r s h o s in der Nähe des Bahnhofs Obersvre« und der Endhaltestelle der Straßenbahn 91 werden zwar in der Oeffsrelichkeit nicht so oft genannt als die all- bekannten großen Freibäder, sie stehen jedoch gleichwohl beim Publikum in hoher Gunst. Beide Freibäder haben den besonders hochzuschätzenden Vorteil, daß sie an fließendem, hygienisch einwand- freiem Wasser liegen. Wer vor oder nach dem erfrischenden Schwimmbad hauptsächlich Sonnenbäder genießen will, sucht das Freibad Oberschöneweide auf: ein langgestreckter Badestrand, um- rahmt von schattenspendenden Kiefernwoldungen, ist der Vorzug des Freibades Adlcrshof. Beide Freibäder sind mit modernen Einrichtungen ausgestattet und besitzen unter anderem Turngeräte aller Art. Di« leichte und verhältnismäßig wenig Zeit erfordernde Erreichbarkeit von vielen Stadtgegenden soll nicht unerwähnt bleiben. Der Männerchor„Harmonie" Eharlottmburg veranstaltet heute Freitag, im Lietzenseepark ein öffentliches Freikonzert. Beginn 7 Uhr. Der verliger Söiigerchor(Mitglied deZ Deutschen Arbeiter-Sänger- Bmidel) veraniiaUet Beule,(vre Nag, abend« 7 Uhr. ein öffentliches Konzert m Köllnischcn Park. Zum Vortrag gelangen VolkSIteder. „®cnofle Maqislralsrat Dr. kro'oschlner spricht beute im Rundsunk 7.30 Ubr(19.30 Uhr) über Ncchtsanspruch de« Arbeitnehmers auf Erteilung eines Zeugnisses. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postaujlage bei. Ursache des Flugzeugunglücks bei Kassel. Aranksurl a. 28. Juli.(TU.) Di« Ursachen des Flugzeugunglücks bei Amöneburg, das den Tod von fünf Personen zur Folge halt«, lassen sich nur sehr scywcr feststellen, weil die Insassen, die zuverlässige Angaben machen tonnten, nicht mehr am Leben sind und di« Maschine vernichtet ist. Eine von Sachverständigen vorgenommen« Untersuchung ergab ein völlig einwandfreies Arbeit-n des Motors, so daß also«in Motor- defekt als Ursache des Unglücks nicht in Frage kommt. Da auch ein Versagen der Steuerung nicht vorgelegen hat, besteht nur die Mög- lichkeit, daß das Flugzeug ineineBögeratcn ist, die von dem Piloten nicht rechtzeitig pariert werden konnte'; dadurch wird die Maschine, in der Kurve liegend, abgerutscht sein. Infolge ver geringen Höhe, in der die Maschine flog, war auch ein Aufrichten und damit eine glatt« Landung nicht mehr möglich. Als erschwe- rendes Moment kommt hinzu, daß das Flugzeug in einer Landschaft, die weit und breit als flach anzusprechen ist. ausgerechnet an dem einzigen dort befindlichen, steil emporragenden Derqkegel von Amöne- bürg landete oder vielmehr mit einer kolossalen Gewalt aufprallte. Hierbei explodierte der Benzinbehälter, so daß das Flugzeug in Brand geriet. Vier neue Flngrekordc. Im Anschluß an den vorgestrigen neuaufgestellten S e s ch w i n- digkeitsrekord über eine Strecke von 10 0 Kilometer mit 2000 Kilo Nutzlast und einer Geschwindigkeit von 214 Kilo- meiern pro Stunde hat gestern vormittag die gleiche Serienmaschine Rohrbach-Roland wiederum unter Führung des Chefpiloten Hermann Steindorf vier weitere Rekorde aufgestellt Ge- flogen wurde das Dreieck Nikolassee— Wittenberg— R y b n i k. Dabei wurden die folgenden Geschwindigk«its- rekorde erzielt: 1. Geschwindigkeit über 1000 Kilometer mit 2000 Kilo Nutzlast 214,8 Kilometer pro Stunde. 2. Geschwindigkeit über 1000 Kilometer mit 1000 Kilo Nutzlast 214,8 Kilometer. 3. Ge- schwindigkeit über 600 Kilometer mit 2000 Kilo Nutzlast 216,7 Kilo- m«ter pro Stunde. 4, Geschwindigkeit über 600 Kilom«ter mit 1000 Kilo Nutzlast 215,7 Kilometer pro Stunde. Die vier neu:n Re- korde sind von dem vom Deutschen Luftrat ernannten Sportflugzeuge bestätigt und der FAJ. zur Anerkennung als offizielle Weltrekorde eingereicht worden. Eine große Talsperre bei Karlsbad. Bei Pirkenhammer in der Nähe von Karlsbad wird im kommenden Frühjahr eine große Talsperre an der Tepl errichtet werden. Der Fassungsinhalt wird 5 600 000 Kubikmeter betragen, di« Dammauer ist 210 Meter lang und vom Grund gemessen 28 Meter hoch. Ueber di« Mauer wird die Staatsstraße Karlsbad— Marienbad führen, 8 Meter breit. Dazu ist die ZZerlegung der Straße um etwas über 3 Kilometer nötig. Die Anlage wird aus Gußbeton hergestellt. Die Kosten stellen sich auf 21 Millionen Kc. Di« Badestadt wird durch die Anlage viel gewinnen und wird ihren hohen Baubeitrag schon im voraus ausbezahlen. v-rintw-rttich Hl- Politik: Biet« Schis,! Wirtlchalt:«. ftltngethgsni Sewerkschaft-beweguna: v. Schindler: sseuMeton: Dr. John Schll«io,kl, Lokale» und EonNiges: K-'l!«arstädt: Anzeigen: Ih.»lock«; sämtlich in Berlin. Brrlag: Vorwärts-Berlag D m. 6. Berlin. Druck: Vorwärts. Burddrucker-i und BerlagsanstaU Paul Singer o Co. Berlin SB 03, Lindenstrode» »ie-iN 1 äSezIrfi bilden- ■TABLiSSEMENT BERGSCHLOSSHOHE Inh,: Max Kurvten Tel.: Neukölln 792 Karlsgartcnstr. 6-11, a. d. Wissmannstr. GröBter und schönster Naturgarten Neuköllns 6 000 Sitzplatze[61 Vereinszimmer und Säle 50 bis 600 Personen fassend zu kulant Bedingungen. 3 vorzügl. heizbare Verbands-Parkett-Kegelbahnen mit elektr. Beleuchtung. „Zum Sdiallliefö' " Hasenheide 22-31 (frOber Dnionsbrooerei} Täglich: Großes Extra-Konzeri und Solisten- Vorträge Die Kaffeekftche ist eröffne t. Daaeruarlea fflr die danze Saison pro Person 1,50 ff. inkL ttener. Juliuspark Rudow, Bahnhofstr. 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Republik. Das Zusammenleben im Zeltlager entwickelt gemein- schaftsbildend« Kräfte, die Kinder gewöhnen sich an Ein- ordnung in ein großes Ganzes. Aber nicht geringer als der er- ziehliche Wert dieser Kinder-Republik, ist ihre gesundheit- l i ch e Bedeutung anzuschlagen. Mehr als 2000 Arbeiterkinder find für vier Wochen der dumpfen Großstadtluft entrissen, können sich frei tummeln in Licht und Sonne, in der frischen Seelust an der Kieler Förde. Das ist' mehr, als manche Proletariermutter sich für ihr Kind zu erträumen wagte. Die Selbstverwaltung der Kinder ist so organisiert, daß jedes Zelt seinen kleinen Zcltobmann hat, jedes Dorf sein D 0 r f p a r- l a m c n t, in dos die einzelnen Zelte der Dorfgemeinjchaft ihre Vertreter schicken. Der Bürgermeister— ein erwachsener Helfer— leitet die Beratungen und ist für das Dorf verantwortlich. In so einem Dorsparlament gibt es gar viel zu beraten: Die Bekannt- machung der Lagerverwaltung, die Wünsche der Kinder werden be- sprachen, Arbeitsdienst und Wachdienst ist einzuteilen, Organisa- tionsfragen find zu lösen, eine Wanderung wird festgelegt und viele andere große und kleine Dinge gibt's zu bereden und zu beschließen. Im Zelt hat dann der Zeltobmann Bericht zu erstatten. Die ganze Zeltrepublik wird geleitet von einem großen Lagerparla- m e n t, das aus jedem Dorf von drei Kindern beschickt wird und dem der Lagerpräsident und die Sachverwalter(Wachdienst, 2er- pflegung, Sport und Spiel, Gesundheitsdienst usw.) verantwortlich sind. So werden die Kinder im Spiel vertraut gemacht mit den Gedanken einer freiheitlichen Selbstverwaltung. Nicht immer sind die kleinen Parlamentarier der gleichen Meinung wie die Lager- Verwaltung, und es gibt zuweilen recht angeregte Debatten. Ein- mal soll es sogar schon fast eine Art„Regierungskrise" gegeben haben in der 5kinder-Republik. Aber die Verständigung ist im Grunde niemals schwierig, weil ja alle Beteiligten immer nur das Beste für ihre Gemeinschaft wollen. Di« Kinder-Republik hat sich natürlich auch ihren eigenen Ordnungsdienst eingerichtet. Gleich vorn am Eingang neben dem Wachzelt stehen ein paar kleine Wächter in ihren schmucken, blauen Kindersreundekitteln und mit roten Armbinden als Ab- zeichen ihrer Würde. Niemand kann hier unkontrolliert ein- und ausgehen. Außenstehende können nur mit besonderer Genehmigung der Lagerleitung in dieses Reich der Kinder, mit Ausnahm« der zwei Besuchstage. Kinder dürfen nur in Gemeinschaften und in Begleitung ihrer erwachsenen Helfer das Lager verlassen, und die kleinen Wächter sasien ihren Dienst gar ernst und streng auf. Auch des Nachts ist für Wache gesorgt. Die Kinder reißen sich geradezu um diese Ausgabe. Jedes Kind darf aber nur eine Stunde Nacht- wache halten und früh um 7 Uhr zieht einer der Wächter mit seinem Tuthorn in die Zeltdörser und bläst die kleinen Republikaner aus dem Schlaf. Manche Wache dichtet sich auch einen Vers in der Art alter Nachtwächterlieder und dann hört man früh beim Wecken einen kleinen Sprechchor. Es wird lebendig in den Dörfern, und um)48 Uhr zieht das kleine Volk zum nahen Strand. Dort ist große Morgenwäsche. Motorboot und Rettungsschwimmer stehen bereit; die besorgten Mütter können also beruhigt sein. Das Morgenbad an der See ist immer ein besonderes Vergnügen und nur ungern trennt man sich von dem salzigen Naß. Eine Viertelstunde gymnastische Uebun- gen und mit heisa und chussa geht's wieder ins Lager. Dort ist inzwischen das F r ü h st ü ck fertig geworden. Seit früh um 4 Uhr stehen mehr als 30 Genossen und Genossinnen aus Kiel in der "TS M//, Küche, um 2200 hungrige Mäuler zu befriedigen. Das ist nicht leicht. 13 400 Frühstücksbi ote sind jeden Tag zu bestreichen und zu belegen, 1100 Liter Milchkakao sind zu kochen. Und all diese Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Dann geht's ans Frühstück- holen. Die erwachsenen Helfer tragen die großen Behälter in die Dörfer und dort nimmt jeder Zeltobmann das Frühstück sür seine Gemeinschaft in Empfang. Ein behagliches Löffeln und Kauen zeigt an, wie gut die Genossen in der Küche ihre Sache gemacht haben. Ist das Eßgeschirr gereinigt, dann beginnt ein lustiges Treiben auf der großen Spielwiese. Eine Gruppe vergnügt sich mit Faustball, dort tanzt man Volkstänze zu frohen Weisen. Wieder andere spielen Schlagball, Völkerball, machen einen Wettlauf oder tun sonst, was ihnen Freude macht. Eine wahre Lust ist's mit an- zusehen, wie die kleinen Körper— nur mit Turnanzug oder Bade- kostüm bekleidet— über die sonnige Wiese tollen. Tausendstimmi- ges Rufen und Lachen erfüllt die Lust, fröhlicher Lärm schallt weithin und die Lungen werden weit, die Körper dehnen und recken sich und holen sich Gesundheit und Krast. Manche Gruppe hat auch einen Streiszug in die Umgebung gemacht oder gar eine richtige Seesahrt unternommen. Das ist dann ein ganz besonderes Er- eignis. Die Kinder aus den Binnenftädten werden da zum ersten Mal« vertraut mit den Geheimnissen und Schönheiten des Meeres. Während sich die Kinder beim Spielen oder Wandern erholen, hat man in der Küche alle Hände voll zu tun, das Mittagessen fertig zu machen. Drei große Kessel sind dazu herangeschasft war- den. 1200 Pfund Kartosseln, 000 Pfund Bohnen und 27S Pfund Fleisch, ohne die kleineren Zutaten, sind nötig, um den Mittags- Hunger für einen Tag zu stillen. Nachmittags gibt's um 4 Uhr einen Viertelliter frische Vollmilch und eine ganz große weiße Semmel dazu. Und am Abend kann jeder Zeltbewohner Abend- suppe haben, soviel sein Magen faßt, dazu noch drei bestrichene Brotschnitten. Auch Rekordesser kommen da auf ihre Rechnung. Nach dem Mittagessen wird jeden Tag eine einstündige Ruhe- pause gehalten, damit auch alles gehörig verdaut werden kann. Dann beginnt das frohe Treiben auf der Wiese, am Meer und im Lager wieder. Aber auch Arbeitsdienst gibt es in der Kinder-Republik. Wege bahnen, den Strand von Steinen säubern, Gräben ziehen, Kartoffeln schälen und sowas. Auch gibt es für Schneider und Schuster allerhand zu reparieren. Aber auch dabei wird's nicht langweilig. Ein frohes Lied gesungen und die Arbeit wird zum Spiel. Den Regen kann man selbst in der 5dinder-Republik nicht abschaffen. Deshalb hat man auch für trübe Tage gesorgt. Ein großes Lcsezelt ist da und eine Lagerbibliothek, Radio gibt es im Lager und ganz in der Nähe ist Gelegenheit zu Filmvorführungen. Aber auch in den einzelnen Dorfzelten langweilt man sich nicht wenn's regnet. Im Zell gibt's allerhand zu richten und zu bessern. ein Tagebuch wird geführt und Gesellschaftsspiele können auch im Zelt inszeniert werden. Dann gibt's noch eine Zeltlager- zeiiung, an der die Kinder selbst mitarbeiten, und schließlich wollen die Eltern auch einmal einen Brief haben. Ein besonderes P 0 st z e l t sorgt für richtige Erledigung aller Postsachen. Jedes Dorf hat seinen Briefkasten und einen kleinen Briefträger. Da gibt's gar viel zu tun. Gleich in den ersten drei Tagen sind 9000 Brief- marken und 5000 Postkarten verkauft worden und 9000 Brief« und Karlen gingen in den ersten drei Tagen aus der Zeltrepublik ins Land. Viele Kinder haben von Hause ein kleines Taschengeld mit- bekommen. Meist zwei bis fünf Mark. Dos Geld wird von den Helfern jeder Gruppe verwaltet. Nun gibt's im Lager eine V e r- kaufsbude des Konsumoereins Kiel. Da kann man so allerlei erstehen: Obst, Schokolade, Kokosnüsse, Rosinen und was sonst kleine Leckermäulchen gern mögen. Aber das einzelne Kind be- kommt nichts. Es kann nur in Gemeinschaften eingekauft werden. Jede Zeltgemcinschaft— 14—16 Kinder— legt ihr Geld zusammen und dann wird immer für die Bewohner des ganzen Zeltes ein- gekaust. So manchem kleinen Egoisten mußte erst klargemacht weiden, daß Kinder«on Arbeitslosen dabei sind, die kein Geld haben, und daß man die doch nicht zuschauen lassen könne, wenn andere die guten Sachen schlecken. Sie hatten es schnell verstanden. So, wie in diesem Falle, wird bei manch' anderen Anlässen Ge- legenheit sein, in den Kindern egoistische Triebe zurück- zudrängen und den G e rn e i n s ch a s t s g e 1 st lebendig zu mache n. Eine so große Gemeinschaft, wie die Zeltrepublik der Kinder- freund« kann nicht ohne Gesundheitsdienst auskommen. Ein geräumiges Sanitätszelt ist im Lager ausgestellt, etwas abseits von den Wohnzelten. Zwei Aerzte aus Berlin, Genosse Dr. Anders und Genossin Dr. Adam leiten den Gesundheito- dienst. Zehn Arbeitersamariter unterstützen sie. pa gibt es immer Arbeit. Aber keine Angst, ihr besorgten Mütter! Die Sonne hat die Haut ein bißchen verbrannt, kleine Hautabschür- sungen oder sonstige unbedeutende Verletzungen sind zu heilen. Ein kleiner Patient hat sich den Fuß beim Springen verstaucht, ein anderer sich gar blutig gestoßen. Ein Umschlag, ein Verband. ein Pflaster und ein paar freundliche Worte vom Onkel Doktor heilen den Schaden schnell. Der Lagerarzt sagt mir, es sei bis jetzt keine ernste Erkrankung vorgekommen, nur die allgemein bekannte, durch den Kostwechssl verursachte Verstopfung. Genosse Anders hält die Unterbringung und Verpflegung der Kinder für absolut einwandfrei. Das Esten scheint ihm fast zu reichlich, und er meint, es sei in einer für Maisenverpslcgung noch nie erreichten Güte. Das wird auch von allen Kindern anerkannt. Das Leben im Zeltlager, das den Kindern bei guter Ernährung und leichtester Bekleidung viel freie Bewegung in der frischen Seeluft und durch Baden und Gymnastik gesunde Körperpflege verschafft, bezeichnet der Lagerarzt als die denkbar beste und modernste Er- holungs Möglichkeit. Er möchte nur wünschen, daß es alle Großstadtkinder so gut haben könnten, wie die Kindersreunde für vier Wochen in unserer Zeltrepublik. Auf der großen Wiese vor den übrigen Zeltdörfern steht das Dorf der Internationale. Ja, es find internationale Gäste in der Kinder-Republik. Aus Oeft erreich kam eine Gruppe„Roter Falken", aus der Tschechoslowakei und aus Dänemark find Kinder im Zeltlager; und aus Polen und Holland werden noch kleine Gäste erwartet. Im internationa- len Dorf wohnt auch der Lagerpräsident, Genosse Kurt Löwen- stein, mit drei deutschen Kinderfreundegruppen. Die Dänen haben eine große Musikkapelle mitgebracht und die kleinen Musikanten haben sich mit dem dänischen Sozialistenmarsch gleich alle Herzen erobert. Einige von den Dänen können deutsch sprechen, so daß die Verständigung nicht schwer ist. Lieder werden ausgetauschl, gemeinsame Spiele veranstaltet und dann sitzt man wieder im Kreis vor den Zelten und erzählt sich vom Leben und Treiben der Kindergruppen in der Heimat. Der Führer der kleinen dänischen Genossen hat mir von der dänischen Kinder- bewegung erzählt, die schon seit 1903 besteht, jetzt 10 000 Kinder umfaßt und zwei große Ferienheime besitzt. Erstaunt ist er über die weitgehende Selbstverwaltung und den starken Gemeinschafts- geist in unserer Kinder-Republik. In Dänemark ist die Kinder- organisation der Arbeiterschaft mehr Wanderbewegung. Die Leitung der dänischen Bewegung—„De Unges Jdrät"— verfolgt den Vsr- lauf der Zeltlagerrepublik mit allergrößtem Interesse und die jetzt aufgenommene Verbindung mit den Kindergruppen anderer Länder soll recht rege gestaltet werden. Die Internationale der proletarischen Kinderorganisationen lebt! Die österreichischen„Roten Falken" sind ganz besonders lustige und unternehmungsfrohe Burschen. Sie haben sich gleich am ersten Tag„wie zu Hause" gefühlt. Ihr Führer, Genosse T e s a r e k, bewundert den Unternehmungsgeist, mit dem das Zelt- lager inszeniert worden ist. Das sei nur möglich aus dem Geist der Jugendbewegung heraus, der die deutsche Kindersreunde- bewegung beherrscht. Die österreichische Kinderfreundebewegung ist groß und stark, weil sie sich auf eine vieltausendköpfige Eltern- bewegung stützt. Das hat feine Vorteile, aber auch seine Nach- teile. Die festgefügte österreichische Organisation benötigt ein« innere Erneuerung. Genosse Tesarek hofft diese notwendige Verjüngung durch die„Rote-Falken"-Bewegung zu erreichen, die jetzt schon 6000 Kinder umsaßt. Gerade aus diesem Grunde be- grüßen die Oesterreicher den Versuch der Zeltrepublik, die als ein voller Erfolg angesehen werden könne. Die österreichischen Kinder- freunde sind glücklich darüber, daß sie diesen kühnen Versuch mit- erleben durften. Genosse Tesarek hofft, daß das deutsche Beispiel auch die österreichische Bewegung beeinflußt, mehr Jugend in die Kinderfreundebewegung bringt und besonders aber den öfter- reichischen„Roten Falken" noch mehr Spielraum und Entwicklungs- Möglichkeit schenkt. Tesarek meint, die Kinder im Zeltlager seien in so prächtiger Stimmung, die Organisation sei so ausgezeichnet, die Anteilnahme der Kieler Parteigenossen so innig, daß sich die Wiener Buben im Lager überaus heimisch fühlen. Diese uneingeschränkte Anerkennung ist um so höher zu werten, als ja die österreichische Kinderfreundebewegung der deutschen als Vorbild diente. Mit Stolz kann die organisierte Arbeiterschaft auf die Kinder-Republik schauen, zu deren Gelingen sie allerorten bei- getragen hat. Hier wächst ein neuer gemeinschaftsfroher Geist und wird stark und tatfroh. Gesund und sonnenverbrannt werden die Kinder Mitte August nach Hause kommen und noch lange von dem großen Erlebnis der Kinder-Republik träumen. Felix Fechenbach� (Zeichnungen von Willy Steiner t.) Zur?!rbeits!ofenverficherung. Die Gewerkschaftsvertreter im vorläufigen Vorstand. Die Bildung des vorläufigen Vorstandes der Reichs- a n st a l t für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Es fehlen noch die Ernennungen einiger Vertreter der Arbeitgeber und der öffentlichen Körperschaften. Wie wir hören, wird in etwa 14 Tagen der vorläufige Vorstand vollständig zusammengesetzt sein. Vollständig ist bis jetzt nur die Vertretung der Gewerkschaften. Die freien Gewerkschaften sind im vorläufigen Vorstand folgendermaßen vertreten: Beisitzer sind Franz Spliedt vom Allgemeinen Deutschen Gewerk-schaftsbund, L ö h r k e vom Deut- scheu Landarbeiterverband und Schröder von der freien Ange- stelltenschaft: ihre Stellvertreter sind in der gleichen Reihen- folge Jan schet vom Bergarbeiterverband, Silberschmidt voni Bauarbeiterverband und S t e h r, 2. Vorsitzender des AfA° Bundes. Von den ch r i st l i ch e n Gewerkschaften ist Beisitzer Frau Klara Mleinek, ihr Stellvertreter Kreil vom Christlichen Metnllarbeiterverband; vom Gewerkschaftsring ist Hellers- berg Beisitzer und sein Stellvertreter Zachar. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch der endgültige Vorstand die gleiche Gewerkschaftsvertretung aufweisen wird. Der Vorstand wird, wie wir hören, Mitte A u g u st zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Bis dahin wird auch die vfsizielle Ernennung des Präsidenten der Reichsanstalt, für den der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung, Herr Dr. S y r u p, in Frage kommt, vollzogen sein. Syrup ist von den Unternehmern und Ar- beitern einstimmig als Präsident der Reichsanstalt vor- geschlagen worden. Zwischen den freien Gewerkschaften und Herrn Dr. Syrup war bisher immer ein verhältnismäßig reibungs- loses Zusammenarbeiten möglich, das hoffentlich auch für die Zukunft bleiben wird. Sofort nach seinem ersten Zusammentritt wird sich der Vorstand über die ersten Schritte zum Aufbau der Arbeitslosen- Versicherung schlüssig werden müssen. Irgendein Vorgreifen der Regierung ist nicht möglich, da das Arbeitslosenoersicherungsgesetz auf dem Grundsatz weitgehender Selbstverwaltung auf- gebaut ist. * Der V o r st a n d der Reichsanstalt besteht aus ihrem Präsidenten oder einem seiner Stellvertreter als Vorsitzendem und jefünfVertreternder Arbeiter, der Unternehmer und der öffentlichen Körperschaften als Beisitzern. Unter den Beisitzern sollen mindestens je ein Vertreter der Arbeiter und Unternehnier der Land- und Forstwirtschaft, ein Vertreter der Angestellten und ein Per- treter sein, der beruflich geineindliche Interessen wahrnimmt. D i e Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und öffentlichen Körper- schaften im Vorstand bestellt der Rcichsarbeitsminister auf Grund besonderer Vorschlagslisten, die von den drei Gruppen des Verwaltungsrates aufgestellt werden. Für die Bestellung ist die Reihenfolge in jeder Vorschlagsliste maßgebend. Liegen für«ine Gruppe mehrere Vorschlagslisten vor, so sind auf sie die Vertreter entsprechend dein Slnrkcverhültnis zu verteilen, in dem die Unter- Zeichner der Vorschlagslisten dein Berwaltungsrat angehören. Der Vorstand führt die Geschäfte der Reichsanstalt und vertritt die Reichs- anstalt gerichtlich und außergerichtlich. Er hat die Stellung eines gesetzlichen Äertreters. Bue dem ruPschen �rbeiterleben. Wie kritisierende Arbeiter mundtot gemacht werden. Aus der Sowjetpresse eine richtige Vorstellung von der wahren Stimmung der russischen Arbeitermassen zu gewinnen, ist nicht ganz leicht. Offiziell ist alles in bester Ordnung, und danach richtet sich auch die Presie. Nur ab und zu werden hier Stimmen laut, die die wahren Züge des heutigen Rußland erkennen lassen. Das Zentral- organ der Gewerkschaften, der„T r u d", vom 19. Juli bringt einen Bericht aus Wladimir, in dem die Stimmung der Arbeiter, wie sie bei den dort vorgenommenen Betriebsrätewahlen zu er- kennen war, sehr deutlich zum Ausdruck kommt. „Die Neuwahlen der Betriebsräte der großen Tertilfabriken find zu Ende gegangen. Welches war dabei das charakteristische Merkmal? Die Arbeiter bekundeten kein V e r- trauen zu den alten Vertretern. Eine solche Erneue- rung der Zusammensetzung der Betriebsräte ist bei den Tertil- arbeitern überhaupt noch nicht vorgekomnien. Die Tätigkeit der Be- triebsräte wurde von den Arbeitern einer so scharfen Kritik wie kaum irgendwo anders unterzogen. Fast in allen Fabriken betonten die Arbeiter die M i ß st ä n d e bei der Einstellung und Entlassung von Arbeitskräften. So wurde Z. B. in der Belegschastsversaminlunz der Soerdlov-Fabrik erklärt, daß der A r b c i t e r a b b a u schmerz- los vor sich gegangen sei. Das ist nicht richtig. Hat denn der Be- triebsrat vergessen, daß er in den Tagen des Abbaus in den Tränen �er Arbeiter buchstäblich ersoff? Er sagt, daß es dabei zu keinen Zkonflikten gekommen sei. Auch das ist falsch. Konflikte waren vorhanden. Die Arbeiter wurden auf die Straße geworfen, kinder- reiche Familienväter muhten von 7 Rubel Unterstützung(im Monat) leben...." In dem Bericht werden weiter viele Klagen laut über das„un- feine Verhalten der Betriebsleitungen und der Gewerkschaftsange- stellten gegenüber den Massen", über burcaukratische Wirtschaft im Betriebsrat, mangelhafte Arbeiterschutzbestimmungen usw. Ein be- sonders empörender Vorfall wird dann von der Fabrik III. Jnter- nationale berichtet: „Bekanntlich gibt es in den Betrieben viel Reibereien wegen der mangelhaften technischen Vorbereitung der Arbeitsintensivierung. Solche Mißstände in der Fabrik III. Internationale waren, es, die, vom Betriebsrat geduldet, die Empörung der Weber hervorriefen. Auf Empfehlung des Betriebsrates wandten sich die Arbeiter an den Direktor mit einer Beschwerde. Und was kam? Der Direktor ließ die Weberin Pctrowa zu sich komnien und drohte ihr mit dem Gefängnis. Der Weber Klinow wurde ebenfalls in das Direktionszimmer bestellt. Und es wurde ihm nahegelegt,„etwas mehr zu schweigen". Als nun die Weber in der Versammlung der Wcbereiabteilung zu diesen Dingen Stellung nahmen, brüllte der Direktor:„Es lebe dieWeltrevolu- Hon!" So drückt man sich bei uns mit nackten Phrasen um schmerzliche Probleme herum, die die Masse bewegen. Und man kommt so um das Vertrauen der Massen." Der melancholische Ton des letzten Satzes des Berichtes läßt wohl daraus schließen, daß der gan.�e Vorfall für den gerissenen Schuft, der seine Kritiker aus diese Weise zum Schweigen bringt. weiter keine unangenehmen Folgen hatte. Der dem Herrn Fabrik- direktor gelungene Versuch, die berechtigten Klagen der Arbeiter über sein verbrecherisches Verhalten durch ein Hoch auf die Welt- revolution verstummen zu lassen, mutet wie eine Satire auf das heutige Ruhland an. Wer ist„gtiftigtt" Arbeiter! Die Notwendigkeit der Klärung dieses Begriffes. Eine gründliche Klärung des Begriffs der geistigen Arbeiter forderte vor kurzem Albert Thomas, der Direktor des Jnter- nationalen Arbeitsamtes, während seines Aufenthaltes in Prag, als er dort über die Internationale Wirtschastskonferenz und Arbeits- konferenz sprach. Thomas wies darauf hin, daß die Frage der geistigen Arbeiter auf Schwierigkeiten vor allem bei den Arbeitern stoße. Mit dem Begriff der geistigen Arbeiter ist organisato- risch nicht viel anzufangen. Wer ist„geistiger Arbeiter"? Nicht nur der Schriftsteller und der Künstler, sondern auch der Tech- niker und der kausmännische Angestellte, soweit er nicht rein mecha- Nische Arbeit bewältigt. Schon die fremdsprachliche Stenotypistin kann bereits zu den geistigen Arbeitern gerechnet werden. Unter diesen Umständen ist es nur allzu begreiflich, wenn man vor allem in Deutschland, das eigentlich allein größere Angestclltenorgani- sationen aufzuweisen hat, der Organisierung der geistigen Arbeiter, wie sie in Frankreich eingeleitet worden ist, skeptisch gegenübersteht. Der Begriff geistiger Arbeiter schafft Wirrwar. Klarheit bringt nur die Unterscheidung in freie Berufe und Ange- st e l l t e: zu den Angestellten gehört auch ein großer Teil der geistigen Arbeiter._ Ein Erfolg öer Greizer Textilarbeiter. Der reine Achtstundentag gesichert. Einen schönen Erfolg der Bewegung um die Arbeitszeit- Verkürzung haben die Greizer Textilarbeiter errungen. Schon lange wurde von ihnen gegenüber dem Ueberstundenunfug ein intensiver Kampf geführt. Sie blieben aber dabei nicht stehen, sondern haben auch das Zerrbild der„regelmäßigen Arbeitszeit" in den Webereien zerstört. Schon im April hatten es einige Webereibelegschaften satt, immerfort wöchentlich 53 Stunden zu arbeiten. Sie gingen zur 48-Stund«nwoche zurück. Das Mehrarbeitszeitabkommen war gekündigt, die Verhandlungen zur Neuregelung der Arbeitszeit waren noch nicht abgeschlossen. Täglich gingen iveitere Belegschaften zur 48-Stundcnwoche über. Alle Drohungen konnten die Arbeiter- schaft nicht einschüchtern. Sie verließ Montag bis Freitag nach 8� Arbeitsstunden(am Sonnabend nach 5V6 Stunden) die Arbeitsplätze. Die Fabrikanten mußten sich damit abfinden und auch das Reichsarbeitsministerium mußte dem einheitlichen Willen der Arbeiterschaft Rechnung tragen. Der Antrag des Webereioerbandes auf Verbindlichkeitserklärung eines neueii Schiedssvruches, der olles beim alten ließ und nur im An- schluß an das Arbeitszeitnotgesetz für die 49. bis 53. Wochenstunde einen Lohnzuschlag von 25 Proz. vorsah, blieb gegen st andslos. Zwischen den Tarifparteien wurde unter dem Vorsitz eicies Ver- treters des Reichsarbeitsministeriums ein neuer Arbeitszeit- vertrag abgeschlossen, der, richtig angewandt, nie wieder den früheren'Zustand zuläßt. Das Greizer Vorbild verdient Nach- ciferung: auch in den übrigen Texilbranchen müssen die Arbeiter zur 48-Stundenwoche kommen. Der Streik im Ncunkirchencr Eisenwerk beendet. Saarbrücken. 27. Juli.(TU.) Der Streik im Neunkirchener Eisenwerk ist beigelegt worden. Die Arbeit wurde heute früh allgemein wieder auf- genommen. Die Löhne und Akkordsätze bleiben wie bisher stehen. Die fristlos entlassenen Arbeiter sind wieder ein- gestellt worden. Die Arbeiterschaft beabsichtigt eine Kündigung des Tarife?_ Neuer Streik der französischen Sardinenfischer. Paris, 29. Juli.(Eigenbericht.) Der Streik der Sardinenfischer, der mit aller Mühe vor wenigen Wochen erst beigelegt worden ist, scheint wieder ausbrechen zu wollen. Eine große Konservenfabrik in Pcnmarch bei Brest hat am Donnerstag ihre Tore geschlossen und mit anderen kleineren Fabriken bekanntgegeben, daß sie aus unbe- kannten Gründen in den nächsten Tagen keine Sardinen taufen werde. Die Sardinenfischer sind daraufhin nicht ausge- fahren._ �_ WLrtftHcrst Neue Quellen der Wirlschaslserkennlnis sucht das Institut für Konjunkturforschung durch Beobachtung der M e s s e n zu erschließen. Zusammen mit dem Leipziger Messeamt hat es den interessanten Versuch gemacht, durch enquetemähige Befragung der Aus- steiler den Einblick in die Wirtschafslage zu vertiefen. In einem gemeinsam von den beiden Stellen herausgegebenen Heft(Verlag Reimar Hobbing, Berlin) wird von dem Ergebnis der Befragung über hundert Ausstellungsgegenstände Mitteilung gemacht. Die Frage nach der Entwicklung des Auftragseinganges in der Zeit vom Herbst 1926 ergab bei der Mehrzahl der Aussteller eine Zunahme des Auftragseinganges, wenn auch die Gefchäftscntwicklung sehr verschieden war. Einen Rückgang melden nur diejenigen Gewerbe- zweige, deren Hauptgeschäft sich regelmäßig in den Herbstmonaten abwickelt. Es�wird dabei der Wunsch zum Ausdruck gebracht, die vorliegenden Schwankungen auch zahlenmäßig zu erfassen, da sowohl für den Arbeitsmarkt als auch für die Wirtschasts- Politik wertvolle Schlüsse daraus zu gewinnen wären. Besonders hat die letzte Leipziger Messe neben der allgemeinen Belebung des Messegeschäftes gegenüber den früheren Veranstaltungen reiche Mög- lichkeiten für neue Geschäfsverbindungen gegeben. Charakeristisch für die Rolle des Massenbedarfs auch bei dem auf den Messen sich vollziehenden Großeinkauf ist die Tatsache, daß bei den reinen Bedarfsgütern die Nachfrage überwiegend auf billige Aus- führungen und nur bei Luxusgegenständcn auf Qualitätsware gerichtet war. Recht interesiant ist auch die Feststellung, daß die Verarmung der geistigen Schichten zu einer sehr wesent- lichen Einschränkung des Absatzes des Buch- und Kunstgewerbes im Inland geführt hat, wobei noch vorwiegend billigere Ware gekauft wird. Die deutsche kohlcnproduklion im Zuni ist ganz allgemein noch ö h e r geblieben als diejenige des entsprechenden Monats der orkriegszeit. Steinkohlen wurden 11,82 Millionen Tonnen gegen 11,76 Millionen im Juni 1926 und 11,79 Millionen Tonnen im Juni 1913 gefördert. Die Braunkohlenförde- rung liegt mit 11,78 gegen 6,86 Millionen im Juni 1913 um 80 Proz. höher und ist auch noch um fast 600 000 Tonnen größer als im Juni vorigen Jahres. Wenn man berücksichtigt, daß im Juni 318 000 Tonnen englische Kohle eingeführt wurden und daß zugleich nach den Darlegungen der Interessenten die Ausfuhr schon im Juni erheblich zurückgegangen ist, so ist auch das Junibild für die gesamte deutsche Kohlenförderung außerordentlich günstig. Ford wehrt sich und bcnil um. Der amerikanische Autokönig Ford, der, wie bekannt, von seiner Konkurrenz sehr hart bedrängt wird, wehrt sich seiner Haut. Er baut seine Werke, die jetzt zum größten Teil stilliegen, vollständig um, und will zum 1. September einen neuen Wagen auf den Markt bringen, mit dem er von neuem sein Glück machen will. Was für ein Wagen das ist, wird aufs strengste geheimgehalten. Nicht einmal der Ranie wird bekanntgegeben. Die Veränderungen, die in den Fabriken vorgenommen werden, dürften allergrößten Umsanq haben. Sie sollen täglich Unkosten von einer Million Dollar verschlingen, was durchaus nicht ausgeschlossen ist. Dabei sind die Kosten der Stillegung und des Produktionsausfallcs nicht mitein- gerechnet. Auf den Dcrlinir V«ranügun«spISS«n iit laqlccki in d?n Adrndltlindcn ein iintzertt reger?ei»il>»» verzeichnen. Die»'»zeit vvrlierrlchrnde rvarine Mtieruna veranlagt die BcvSIkerunli. sich nbend? einige Stande» im Freien>» dcweeen und sich nach de» Tage» Last und Miih' eine harmlose und billige Ädwechflung«l schassen Eltern bereiten ihren Kindern durch eine harmlose Karufselfahrt eine große seiende Ausierdem sind die verschiedensten Altrattionen in Augenschein zu nehmen. Artisten und jtiinstlrr, die sonst nur gewohnt waren, in ersten und großen Säusern aulzutrelen, sind insotge der wirtschaftlichen Notlage gezwungen, an b este Stelle der IBevolternng ihre Kunst»u aeiqen. Der Besuch der Berliner Ber- gniigungsniäti« wird der werNiiltgen Bevdlkerung besten» empfohlen. Wir oerweisen auf da» Inserat in der heutigen Auogade WM-pslittt. fliitestraüs u Vorn 29. Juli bis I. August 1927 Männer vor der Else Außerdem: Oiienizan&er IlllJIKK!, Bergslr.lSl'sz Vom 29. Juü bis 1. August 1927 Laura Li Plante in Meine Frau- das Fräulein Ferner: ver Mrzer AUankfurter Alles 99 Vom 29. Juli bis I.August 1927 Die 3 Niemandskinder Ferner Bühnenscfiau Vikloria-Lidilliilitleater�Ä" Vom 29. Juli bis 1 August 1927 Vllma Ranky, Ronald Colman in Die Nadd der Liebe Ferner; Buhnengchau Spszial- lihandl, nur ffir schwere FSlIs beuitigl worden. Unantastbar! Heilerfolge. Bestätigung nnd Refertnien. ärztl. empfohlen. InvalidaastraSe 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. JaEofay 131111*19 MM LesdatTs Korbmöbel /ollenifete Formen Aparte Muster Mäßige Preise Werkstätten n.ferkaaf: Neukölln Annngrubentr. 20 und Hermannstr. 10 (Tel. Neuk. 1759) Unser Saison- Ansverkaii: gehl weiter und bringt nur Qualitätswaran, die ganz ba- deutend, zum Teil bis zur Hälfte im Preise herabgesetzt sind Ganz besondere Vorteile bietet die Maftabtellung J. Baer.' 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